Hl 175 Erstes Via« 181. Jahrgang Mittwoch, 29. Juli 1931 tr|d)etat täglich,außer Dowxtag» anb fteiertagt Beilagen Du Illustriert, Bletzenei ^amthenblitla Herrn cu im 23 üb Die Scholle tRonais-Bejugsprets; 2.20 Neichsmard und 80 9leid)6pftnnig für Träge» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern tnfolqt höherer (Bemalt zerasprechaafchlSste enlerSQmmelnummer2251 NnschriU für Drahtnachrichten Anzeiger »iestea. Po||d>e(ffonto: grawffori am Main 1IBM. GktzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen t)ni(f nb Verlag: vrLhl'sche Unwerfttälr-Vuch' miö Stetnörnderd H. £aitge in Stetzen. Schrift!ettvng und Geschästrftelle: Schulftratze 7. Annahme pow Lazeiaea für die lagesnummet bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig- für Ne» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrrst 20' . mehr. Lhefrebakteur. Dr. Fnebr. Will). Lange. Berantwortlid) für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H ldynot; für ben übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Max FiVea, fümtlich in Gießen. Deuisch-bniischer Meinungsaustausch. Empfang beim Reichspräsidenten. - politische Llnterhaltung auf dem Wannsee. Die englischen Gäste veriaffen wieder Berlin. Berlin, 28. 3ull (ZDIB.) R e 1 s p r ä 11 - den 1 o. Hindenburg empfing heule vormittag den königlich Brilifchen TTliniflerpräfibenlcn Ram- sey Macdonald und den königlich Brilifchen Auhenminisler henderfon. die von dem königlich Brilifchen Bolschafler in Berlin Sir Harare Rumbolb begleitet waren. Nachdem Macdonald heute mittag im ftreife führender Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Gast des preustifchen 11 ti Ministerpräsident Macdonald, Außenminister Henderson, und der englische Botschafter Sir horace Rumbold statteten dem.Reichspräsidenten von Hindenburg einen Besuch ab. Ministerpräsidenten Braun gewesen war, wurde heule nachmittag auf einer Spazierfahrt die 11 n- terhaItung zwischen dem Kanzler, dem Reichsauhenminister und den englischen Gasten fortgeseht. Die Herren fuhren zunächst mit dem Kraftwagen nach Pichelsdorf und machten von dort auf einem Motorboot eine Fahrt zum IDannfee, wo sie am Schwedischen Pavillon wieder an Land gingen. Die englischen Gäste gewannen bei dem schönen Wetter einen Interessanten Eindruck von der märkischen'Landschaft. wie wir hören, nahm auch die politische Unler- hallung einen harmonifchen und überaus freunb- fchaftlichen verlaus. (Einer der Hauptgegenstände der Besprechung war die Frage, wie die Beschlüsse der Londoner Konferenz am besten in konstruktiver weise in die Praxis umzufehen wären. Die englischen und deutschen Minister besprachen weiterhin die allgemeine Wirtschaftslage und die Maßnahmen, die zur Beseitigung der gegenwärtigen Schwierigkeiten auf wirtschaftlichem Gebiet getroffen werden könnten. Vie Inkraftsetzung des internationalen 21t- beltszeilabkommens für den Bergbau wurde in Erwägung gezogen. Das Abrüstungsproblem wurde im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für die kommende Abrüstungskonferenz erörtert. Die Besprechungen trugen einen auster- ordentlich freundschaftlichen Eharakter, es herrschte allgemein Uebcreinflimmung darüber, dah den persönlichen Fühlungnahmen, wie sie durch die Zusammenkünfte in Ehequers, Poris und London in so glücklicher weise geschaffen wurden, fortge- f c h t und ausgebaut werden mühten. Der offizielle Besuch fand mit dem Essen, das heute abend in der englischen Botschaft stattfand, fein Ende. Der englische Austenminifter hender- son hat um 21.59 Ahr mit dem Nordexpreh Berlin wieder verlassen. Henderson wurde von Reichsauhenminister Dr. Lurtius, verschiedenen her- ren des Auswärtigen Amtes und der Reichskanzlei und einigen Herren der englischen Botschast zum Bahnhof geleitet Rach den bisherigen Dispositionen wird Macdonald Mittwochoormittag Berlin im Flugzeug verlassen. Aus dem Flugplatz lempel- hos sind bereits Dienstagabend drei englische Militärflugzeuge zu feiner Abholung angekommen. Frankreichs Interesse. Englische Vermittlung verbeten. Paris, 28. Juli (TU.) Der Berliner Besuch der englischen Minister hat in der französischen Presse eine Aufmerksamkeit ausgelöst, wie sie nicht grösser sein könnte, wenn es sich um den Besuch französischer Kabinettsmttglieder handelte. Man versucht, der Reichsregierung auf Umwegen zu verstehen zu geben, dah es g a n z von ihrer Haltung abhänge, ob die Kredite, die augenblicklich noch in Deutschland investiert sind und für deren Derbleiben sich die Londoner Konferenz eingesetzt hat, zurückgezogen werben oder nicht. Ein Teil der Blätter weist schon jetzt darauf hin, dah die Grohbanken wenigstens zu einem grossen Teil trotz der eindringlichen Bitten der Regierungen aus der Zurückziehung ihrer Gelder beständen. DaS „Echo de Paris" hält die Aussichten für eine deutsch-französische Annäherung für ziemlich gering. GS liege absolut kein Grund vor. sich deshalb zu beunruhigen, da das Elend in Deutschland die Re ich s re g ie ru n g dazu zwingen werde, die Anschluhabsich- ten und die Revisionsgedanken der polnischen Grenze fallen zu lasten. Der „Petit P a r i f i e n" erinnert daran, dah die deutschen Minister sich gelegentlich der Pariser und Londoner Besprechungen darüber flat geworden feien, dah dieenglischeHilfe nicht genüge, und dass das Schicksal Deutschlands in erster Linie von Paris und Washington abhänge. Dr. Brüning wisse sehr wohl, dah eine zu starke Annäherung an Frankreich im Augenblick den Verzicht auf die Revisionspvlitik nach sich ziehen werde. Er schwanke deshalb zwischen den finanziellen Rotwendigkeiten des Reiches und dieser Revisionspvlitik. — Der „T e m p 8" sieht nach Che- quer8 und Paris in den Berliner Besprechungen eine dritte Etappe auf dem Wege der neuen Politik direkter Beziehungen zwischen den verantwortlichen Ministern. Ts seien jedoch noch viele derartige Etappen zu überwinden, bevor diese Politik greifbare Früchte trage. Das Blatt spielt sodann Aus die Erklärungen Macdonalds an, in denen er der Reichsregierung nahelegt, die angebahnten Beziehungen zu Frankreich, wenn nötig, unter Hinzuziehung anderer Länder Weilerzuverfolgen und wendet sich noch einmal gegen die angebliche Absicht Englands, die Bermittlerrolle zwischen Frankreich und Deutschland zu spielen. Der Besuch Brünings und Curtius' in Paris und die Entspannung, die sich hieraus ergeben habe, hatten eine neue Atmosphäre geschallen, die n u r durch direkte Verhandlungen zwischen Paris und Berlin noch weiter verbessert werden könnte. Was die von verschiedenen Seiten geäußerte Meinung anlangt, wonach die englische Regierung eine weitgreisende diplomatische Aktion auf dem Wege dcr Ver- tragsrevision einleite, so hält das Blatt diese Auffassung für völlig abwegig, da keine Regicrung sich darüber im Unklaren fei, dah sie die Ergebnisse, die in den politischen Beziehungen mit Deutschland erre cht seien, st a r k gefährde, wenn sie diese Frage direkt oder indirekt zur Debatte stelle. Oie presse bei Macdonald Das Ea&ourfabineff verfolgt ein Programm der internationalen Zusammenarbeit Berlin, 28. Juli. (WTB.) Ministerpräsident Macdonald und Auhenrninister Henderfon empfingen heute mittag im Kaiferhof die deutsche Presse, deren Dertreter so zahlreich erschienen waren, dah der für den Empfang bestimmte Raum nur auSreichte, weil sie sich im großen Halbkreis stehend um die englischen Staatsmänner gruppierten. Macdonald gab seiner Freude darüber Ausdruck, nach Berlin gekommen zu sein, um den Londoner Besuch der deutschen Minister zu erwidern, über den man sich in England sehr gefreut habe. Der Zweck seiner Anwesenheit in Berlin sei, die persönliche Fühlungnahme mit den deutschen Staatsmännern, die in London angefangen worden ist, fortzusetzen. Dabei biete sich Gelegenheit, einen Uebcrblid über die Lage zu gewinnen, wie sie sich seit der Londoner Konferenz ergeben hat. Er habe erneut die Lieberzeugung gewonnen, dah die Qualitäten deS deutschen Volkes. seine wirtschaftliche und seine finanzielle Stärke eS auch diesmal über die gegenwärtigen Schwierigkeiten hinweg- bringen werde. Er gebe zu. dah noch weitere Schwierigkeiten zu überwinden seien. Aber er sei überzeugt, dah die Deutschen sich als Volk hindurchringen würden und dah kein Deutscher seine Ration im Stich lassen werde. An die Abgabe der vorstehenden Erklärung schloss sich ein reges Frage- und Antwort- spiel zwischen den beiden brittschen Ministern und den anwesenden Pressevertretern an, das sich auf die britische Abrüstungspvlitik, auf den Kampf gegen die Wirtschaftskrise, auf das Hoover-Feier- iahr und die Goldabzüge aus England bezog. Mit grosser Entschiedenheit lehnte Macdonald die frühere britische Politik der „balance of power“ (Gleichgewicht der Mächte) ab. die in diametralem Gegensatz zu der Politik feiner Regierung stehe, vor allem, weil sie die Abrü ft u ng unmög- l ich mache, während umgekehrt die Labour-Politik auf die Zusammenarbeit der Völker hinauslaufe, die mit der Abrüstung unlösbar verbunden sei. Auf die Frage nach den möglichen Methoden zur Beseitigung der psychologischen Schwierigkeiten meinte der Premierminister, es sei nötig, in steigendem Masse die finanziellen Mittel der Völker zur internationalen Entlastung zu verwenden, die Handelsablommen zu vermehren und den Protektionismus nieder- jutingen, dessen ileberttcibung die WUt zum Bankerott führen mühte. Henderson fügte auf Zwischenfrage erläuternd hinzu, dass die brittsche Regierung seit zwei (Zähren an der Verwirklichung einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Vereinheitlichung tätig mitwirke und ihren besten Sachverständigen hierfür. u. a. für die Genfer Arbeiten zur Lösung der wirtschaftlichen Fragen der europäischen Union zur Verfügung gestellt habe. Das Hoover-Jahr, so betonte Macdonald, sei ein ausserordentlich wertvoller Beitrag zur Beilegung 'der augenblicklichen Schwierigkeiten. In Bezug auf die Gold- abzüge aus der Bank von England, von der jetzt und auch in Zukunft das Wort gelte: »So gut wie die Dank von England", meinte Macdonald, e8 sprächen dabei viel Propaganda und psychologische Motive mit Eine andere Frage lautete: Der englische Ministerpräsident habe gestern von dem Idealismus der deutschen Jugend gesprochen. Ob er, um sich ein Bild über das Wesen dieses Idealismus in der deutschen Jugend zu machen, nicht auch mit ihrenFührern Fühlungnehmen wolle. Darauf erflärte Macdonald, er habe nicht von dem Idealismus der deutschen Jugend, sondern von dem Idealismus der gegenwärtigen jungen Generation überhaupt gesprochen und fei allerdings überzeugt, dass es schlimm sei, wenn dieser Idealismus durch Furcht oder Feindseligkeit in falsche Richtung gelenkt würde. Englands Bemühungen um einen französischen Rediskontkredii London, 28- Juli. (ERD.) Die Derhandlun- ?;en zwischen dem Vertreter der Dank von Eng- and. K i n d e r s l e y, und dem Gouverneur der Dank von Frankreich. Mpret, werden hier mit grosser Zurückhaltung ausgenommen. Es soll ein Uebcreinkommen zwilchen den beiden Rotenbanken getroffen werden, das die Rediskontierung englischer Wechsel durch französische Danken ermöglichen soll, und zwar sollen die Wechsel von beiden Zentralbanken garantiert werden In der City neigt man zu der Ansicht, die Dank von England habe sich zur Einleitung dieser Verhandlungen veranlasst gesehen, weil sie den Londoner Akzept- firmen. die in grösserem Umfange Akzeptkredite in Deutschland stehen haben, durch Hereinnahme von möglichst vielen dieser Wechsel z u m Rediskont helfen will. Um die französischen Gelder, die an sich für Stützungs- mahnahmen in Deutschland nicht zu haben sind, doch für diese Zwecke nutzbar zu machen, soll ein französisches Danllonsorttum oder die Dank von Frankreich einen Teil der von der Bank von England hereingenommenen Wechsel übernehmen. In City-Kreisen hält man es für möglich, dah die Dank von England in Gemeinschaft mit der Dank von Frankreich noch einen weiteren, mehr erzieherischen Zweck verfolgt. und dah die Uebernahme der englischen Wechsel in den Pariser Geldmarkt den Anfang der Organisation eines Pariser Diskontmarktes nach Londoner Vorbild bedeute. Die Aussichten aus einen Erfolg werden allerdings vielfach nicht als sehr günstig betrachtet. Wan weist auf frühere Erfahrungen mit der Mentalität des französischen Sparers hin. Es wird bezweifelt, dah der befeftigenbe Einfluh, da zweifellos von französischen Käufen weniger Wechsel ausgehen würde, von Dauer sein konnte, es sei denn, dah sich das französische Dankkonsortturn verpflichte, das Gesamtvolumen der Wechsel unter allen Umständen zu verringern. Wehr verspricht man sich von den Verhandlungen Kindersleys bezüglich der G e - Währung eines Bereitschaftskredits in Höhe von 20 bis 25 Millionen Pfund durch d« Dank von Frankreich an die Dank von England. Auf diesen Kredit würde nur dann zurückgegriffen werden, wenn in London stehende französische Guthaben im grohen Umfange zurückgezogen werden. »Petit Parisien" wllt über eine Besprechung berichten können, die gestern abend in der Dank von Frankreich ftattgesunden habe und an der die Vertreter der grossen sranzösi- schen Kreditinstitute teilgenommen hätten. Die Besprechung habe den Schwierigkeiten gegolten, mit denen die Dank von England zu kämpfen habe. Die französischen Finanzleute hätten sich einmütig fürei ne finanzielle Zusammenarbeit mit London zur Verteidigung des PfundeS während der deutschen Krise ausgesprochen. ES seien einige technische Massnahmen beschlossen worden. Der .Matin" spricht ebenfalls von Verhandlungen zwischen Frankreich und England, um die Rückwirkungen deS Doldabzuges aus England und der finanziellen Ereignisse in Deutschland wie auch der finanziellen Schwierigkeiten süd- amerikanischer Länder, denen die Dank von England Kredite gewährt habe, auf England vorzubeugen. Die Hilfe Frankreichs sei also nicht nur notwendig, um daS Pfund Sterling ^u stützen, sondern auch um den Londoner Markt in die Lage zu versehen, internationalen Verpflichtungen nachzukoinmen. Der Betrag der in England angelegten französischen Kapitalien sei so beträchtlich, dah eine solche französische Hilfe al* gerechtfertigt angesehen werden könne. Die Verhandlungen mit England seien noch nicht zum Abschluss gebracht worden. Sie würden fortgesetzt werden, und man werde entscheidendere Elemente berücksichtigen müssen a(8 lediglich die freundschaftlichen Deziehungen zwischen den großen E misfionsbanken. Dem Hooverplan muß die Revision folgen. Die Krieqskosten können nicht bezahlt werden meint N. M. Butler. R euy ork. 28. Juli. (WTB.) .2imc8“ bringt eine längere Erklärung deS auf der Rückkehr von seiner Europareise begriffenen Präsidenten der Columbia-Universität und der Carnegie- Friedensstiftung Richolas M. Butler über die Rotwendigkeit, den Hoover-Plan weiter zu entwickeln. Hierin führt Butler auS, dass das KriegS- schuldenproblem einen hoffnungslosen Versuch darstelle, die Kosten des Krieges auf die Teilnehmer zu verteilen, und dah die besiegten Rationen hierbei au weit über ihre Fähig- kei t gehenden Zahlungen gezwungen werden sollen. Tatsächlich könne der Weltkrieg überhaupt nicht bezahlt werden. Er stelle vielmehr eine dauernde Belastung der Grsparnisseund derwirt- schastlichen Tätigkeit der Menschheit dar. Auf das Moratorium müsse daher eine sofortige Ueberprüsung der gesamten gegenwärtigen Lage folgen. Aus dieser Ueberprüsung müssten, um einen noch grösseren Schaden zu vermeiden, neue Anschauungsweisen und neue M e- thoden hervorgehen. Das Moratorium müsse so schnell wie möglich durch ein Programm internationaler Zusammenarbeit ergänzt werden. — Zu einem gleichen Schluss wie Butler kommt auch der Hilfssekretär im HandelSamt Julius Klein, der im Rundfunk betonte, dah angesichts der starken Verbreitung deutscher Dollar- Bonds beim amerikanischen Publikum weite Kreise in Amerika von der deutschen Finanzkrise betroffen seien. Die deutsche Krise sei in letzter Linie eine Krise Europas und berühre daher alle Beziehungen Amerikas zum europäischen Äontinent. Oie Gründung der Akzept- und Garantiebank Berlin, 28. Juli. (TU.) In den Räumen der Reichsbank sand am Dienstagnachmittag die Gründungsversammlung zur Akzept- und Garantiebank statt. Die bekanntgegebenen Gründer, ausschließ. I'ch Berliner Firmen, haben zusammen mit dem Reich da s a esamte Kapital übernommen. Zu Mitgliedern des Aufsichts - rates wurden bestellt: Reichsminister a. D. Dem« bürg, Direktor Bieber (Berliner Handelsgesellschaft), Direktor Dr. Boetzkes (Bank für Deutsche Jndustrieobligationen), Kommerzienrat Dr. Frank (Deutsche Bank und Diskonto-Gesellschaft), Geheimer Legationsrat Dr. Frisch (Dresdener Bank), Präsident Klepper (Preußische Zentralgenossen, schaftskasse), Direktor Liop (Deutsche Rentenbankkreditanstalt), Generalkonsul Dr. Paul Kempner (Mendelssohn & Co ), Ministerialdirigent Geheimer Regierungsrat Norden (Reichssinanzministeriurn), Ministerialdirektor Dr. Reichhardt (Reichswirt- schaftsministerium), Direktor Friedrich Reinhart (Commerz, und Privatbank), Direktor Ritscher (Reichskreditgesellschast), Direktor Schlesinger (Deutsche Derkehrskreditbank), Staatsfinanzrat Köbner (Preußische Staatsbank fSeehandlungf), Direktor Ehrhardt (Golddiskontbank). In die Direktion wurden berufen: Vorbehaltlich einer Ergänzung die Herren Direktor Julian L e i ck und von Heydebrand. Der Aufsichtsrat wird unmittelbar zusammentreten, um die für die Aufnahme des Gefchäftsbetriebes notwendigen Richtlinien zu erlaffcn. Der Kreis der zugezogenen Firmen ist von vornherein auf Berlin und auch dort nur auf eine kleine Zahl von Firmen beschränkt worden, weil die Behandlung der von der Akzept- und Garanttebank AG. zu erledigenden Geschäfte erforderlich macht, daß die beteiligten Firmen dauernd in enger Fühlung miteinander bleiben. Schon aus rein praktischen Gründen mußte deshalb der Kreis der beteiligten Firmen auf Berlin beschränkt werden, und dürfte auch hier nur eine kleine Zahl derselben in sich vereinen, well sonst von vornherein unmöglich gemacht worden wäre, die vielen mit der geplanten Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs auftauchenden Probleme mit der Schnelligkeit zu erledigen, die angewandt werden muh, wenn etwas Gedeihliches zustandegebracht werden soll. Oie Finanzlage -er Gtädte. Sparkassen und Zahlungeverkehr. Berlin, 28. Juli. (I1L) Der engere Dorstand des Deutschen und des Preußischen Städtetages beriet erneut die Finanzlage der Städte und der öffentlichen Kreditinstitute. Bekanntlich war es den Städten im Wege rigoroser Ausgabensenkung gelungen, den ordentlichen Haushalt für 1931 in Einnahmen und Ausgaben auszugleichen bis auf die Kosten der Wohlfahrtserwerbs- losen, deren Zahl seit Jahren trotz gelegentlicher konjunktureller Besserungen des Arbeitsmarktes andauernd in besorgniserregender Weife gestiegen ist. Eine Befreiung von diesen La st en, die den Gemeinden in dieser Größenordnung nicht zugemutet werden können und auf die der Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden nicht zugeschnitten ist, war von maßgebender Stelle in Aussicht genommen, sobald die im Juni begonnenen außenpolitischen Verhandlungen eine Erleichterung der Finanzlage des Reiches gebracht hätten. Der Zusammenbruch in der Bank- Wirtschaft und die Vertrauenskrise im Ausland und im Inland vernichteten diese Hoffnungen und stellten die Gemeinden und die öffentlichen Kreditinstitute vor neue und schwerste Aufgaben. Im Vordergründe stand und steht die Erhaltung der Zahlungsfähigkeit der Gemeinden und ihrer Sparkassen. Der engere Vorstand des Städtetages empfahl der Reichsregierung eine Reihe von Maßnahmen, die diese Zahlungsfähigkeit sichern können und die Wiederingangsetzuna des Zahlungsverkehrs bei den Sparkassen und Landesbanken vorbereiten sollen. Diese Frage ist deswegen besonders wichtig, weil von der Zahlungsfähigkeit der Gemeinden weiteste Kreise nicht nur der Beamten, Angestellten und Arbeiter, sondern auch des gewerblichen Mittel st andes, des Handels und der Industrie abhängen. Die deutschen Sparkassen sind gesund: ihr Kapital ist in sicheren Werten angelegt und wird - von den Gemeinden und Gemeindeverbänden mit deren gesamten Vermögen garantiert. Die Schwierigkeiten bei den Sparkasien sind ausschließlich auf die Zahlungsmittel- k n a p p h e i t zurückzuführen. Der Vorstand sprach die bestimmte Erwartung aus, daß von Reichs- reaierung und Reichsbank die Kreditinstitute der öffentlichen Wirtschaft in gleicher Weise behandelt werden, wie die privaten Banken. Oie Bedingungen für eine Anleihe an Deutschland. Die von Frankreich geforderte Regierungsgarantie Englands und Amerikas ist unmöglich. Berlin, 28. 3uli. (CAD.) Gegenüber den von einigen Blättern erhobenen Forderungen, man solle doch, um eine langfristige Anleihe für Deutschland zu erhalten, den französischen politischen Forderungen entgegenkommen, wird von Berliner maßgebenden Kreisen betont, daß ein solches Entgegenkommen der deutschen Regierung noch in keiner Weise die Sicherung einer langfristigen Anleihe bedeuten würde. Die französische Regierung, insbesondere Finanzminister Flandin, hat wiederholt erklärt, daß eine Anleihe für Deutschland in Fraickreich nur dann aufgelegt werden konnte, .wenn die französische Regierung eine Regierungsgarantie für diese Anleihe übernehmen würde. Die Uebernahme einer solchen Garantie hat aber die französische Regierung von einem gleichen Schritt der amerikanischen und der englischen Regierung abhängig gemacht. Aus Ver- fassungsgründen ist es deramerikanischen Regierung nicht möglich, diese Garantie zu übernehmen, und in England bestehen die bekannten Kapitalschwierigkeiten. Menn also Deutschland wirklich den politischen Forderungen der Franzosen entgegenfommen sollte, so wäre damit eine Anleihe noch keineswegs gesichert, abgesehen davon, daß die Regierung Brüning es nach wie vor ablehnt, über ein Rachgeben gegenüber den französischen Forderungen in Verhandlungen zu treten. Weitgehende Sparvorschläge in England. Conbon, 29.3uli. (WTB. Funkspruch.) „Daily herald" zufolge wird bet Bericht zur Erzielung von Ersparnissen, bet am Freitag veröffentlicht werben soll, voraussichtlich aus einem Mehrheits. nnb einem Rlinberheilsberlcht bestehen. Der Mehrheitsbericht enthalte Vorschläge, bie Ersparnisse von mehr als 90 Millionen Pfund Sterling ergeben würben. Die Ersparnisse werben sich burch weltgehenbe Verminderung ber Arbeitslosenunter st ühung unb anbe- rerAusgabenfürbieöffentlicheTvohl- fahtt sowie aus einer lOprozentlgen Ver - minberung ber Gehälter unb Cöhne ber Staats an ge st eilten unb burch eine Verminberung ber Zahl bet Beamten ergeben. Starke Llnruhe im bulgarisch-südslawischenGrenzgebiet Sofia, 28. Juli. (TU.) Rach Meldungen bulgarischer Zeitungen ist auf der Strecke R i s ch— Skvplje, auf der bereits vor einigen Tagen ein Anschlag auf eine Eisenbahnbrücke verübt worden war, ein zweites Attentat verübt worden. Eine über den Morawafluh führende Brücke wurde in die Luft gesprengt. Rach der Auffindung der Attentäter, deren Herkunft unbekannt ist, entstand ein lebhaftes Gefecht zwischen südslawischem Militär und der Bande. Die Kämpfe dauerten zwei Tage. Auf beiden Seiten gab es Verluste. Einige Mitglieder der Bande sollen entkommen sein. An der bulgarischen Grenze treffen zahlreiche Flüchtlinge ein, die über umfangreiche Maßnahmen der südslawischen Behörden, sowie über Massenverhastungen bulgarischer Dauern und weitere Verstärkungen der Truppen an der Grenze berichten. Der kleine Grenzverkehr soll ebenfalls gesperrt worden sein. Oie Begegnung zwischen,,Malygin" und „Gras Zeppelin" Hochbetrieb beim neuen Hauptpostamt Arktis. Direkte Schiffs- unb Luftschiffverbinbungen nach allen Teilen der Erbe. Moskau, 28. 3ulL (WTB.) Der Korrespondent ber Telegraphenagentur ber Sowjet-Union an Vorb bes Eisbrechers „Malygin" berichtet über bie Begegnung bes Luftschiffes „Graf Zeppelin" mit bem Eisbrecher: Am 27. 3ull, um 20.10 Uhr, tauchte über ben blauen Gletschern bei ben Brook-3nseln ein schwarzer Punkt auf. von Deck bes Eisbrechers erscholl ber Ruf: „Zeppelins" Der schwarze Punkt würbe immer größer, unb alsbalb erblickte man in bet Sonne ben silbern glänjenben Rumpf bes Riesenluftschiffes. Alle Flaggen bes „Malygin" grüßten bas Luftschiff, von bem eine Fahne zurückgrühte. Die Begegnung zwischen bem Luftschiff unb bem Eisbrecher erfolgte in ber Rähe ber polarfieblung ber im Arktisgebiet überroin- ternben Sorojetegpebition. Der Zeppelin überflog bie Bucht unb rüstete in ber Melenius- Strafje zum Niedergehen. Ohne bas Gleichgewicht zu verlieren, näherte ber Zeppelin sich im verlaufe einer Stunbe bem Wasserspiegel. Langsam tauchtebieZeppelinganbelinbaswas- s e r neben einer treibenben Eisschicht. Die „Maly- gin"-Mannschaft tauschte mit ber Zeppelin-Mannschaft unb ben Sowjetgelehrten an Borb bes Luftschiffes m ü n b l i d) e Grüße aus. Plötzlich stieg bas Lustschiff roieber auf, ohne Post vorn „M a - lygin" auf genommen zu haben. Der Zeppelin lieh barauf ein Boot mit Post unb einem F i l rn o p e r a t e u r herab. Zehn Minuten später erfolgte ber Po st austausch, hieraus stieg ber Zeppelin roieber in bie höhe unb verschroanb hinter bem Seboro-Kap. Professor wiese erklärte bem Korrespondenten, es sei zu bebauem, baß Dr. Eckener bie außerordentlich günstigen Verhältnisse wegen bes kleinen Eises, bas bie Bucht be- beckte, nicht habe ausnuhen können. „Graf Zeppelin" ging an einer Stelle nieber, wo Meeresströmungen trieben. Einzelne Eisschollen brängten sich gegen bie Gonbel, so baß bas Luftschiff vorzeitig auf st eigen muhte. Frankreichs Spiel mit den silbemen Kugeln politische Forderungen für eine Anleihe an Llngarn. — Llm die Vorherrschaft auf dem Balkan. L o n b o n, 28.3uli. (lelegrapfjen-Union.) 3n sehr groher Aufmachung bringt „Daily Expreß" bie Melbung, bah Ungarn in Berbinbung mit ber Gewährung ber Sieben-Millionen-Pfunb-Anleihe politische Zugestänbnisse an Frank- reich habe machen müssen. Ungarn habe sich verpflichtet, alle nationalistische Propa - ganba einzusteilen., bie gegen Frankreich gerichtet sei, unb habe versprochen, seinen Heere s- haushalt einzuschränken. Politische kreise sprächen baoon, bah sich Ungarn tatsächlich unter französischen Einfluß begeben habe. Das bebeute einen Schlag für Mussolini unb eine vollstänbige Aenberung ber Machtverhältnisse in Zentraleuropa. Wieberum, so schreibt „Daily Expreß" in einem Leitartikel, habe Frankreich bie Macht seines Golbes bazu benutzt, um seine militärische unb politische Vorherrschaft in Europa zu festigen. Mit einer Beteiligung von 40 v. h. an ber ungarischen Anleihe habe es sich Zugestänbnisse gesichert, bie unmittelbar seinen politischen Zielen in Europa bienten. Die Tatsache, bah Ungarn bem französischen Block in $ ü b o ff - unb 0 st - europa einoerlelbt werbe, bebeute, bah englisches Golb dazu benutzt worben sei, um bie Vorherrschaft Frankreichs in Europa zu festigen. Andererseits glaube aber niemanb, bah Frankreich jemals einen Sou hergeben werbe, um englische 3nteressen zu förbern. Englanb werbe nur tiefer in bie europäische Politik hineingezogen unb sollte sich so halb wie möglich aus Europa zurückziehen. Aufmarsch zum Volksentscheid in Preußen Das Programm des Stahlhelms. Pressekonferenz bei Seldie. Magdeburg 27. Juli. (TU.) 3m Rahmen einer Pressekonferenz setzten die Stahlhelmführer die Ziele des Preußen-Volksentscheids auseinander. Der Bundesführer Se l d t e sprach von dem völligen Zusammenbruch der marxistischen Lehre, dem Versagen sozialistischer Wirtschaftsformen und von dem Scheitern sowjetrussischer Experimente. Die Erfahrungen der vergangenen 13 Jahre genügten dem deutschen Volke. Auch der Stahlhelm bilde sich nicht ein, Deutschlands Schicksal von heute auf morgen ändern zu können. Aber das eine sei gewiß: Wenn sich die Frontsoldaten von 1914 und die deutsche 3ugend zusammenschlössen und sich in dem heißen Willen zum Sieg vereinigten, dann müsse es gelingen, im Kampf gegen den unheilvollen Marxismus den Sieg davonzutragen, nicht um negativer Zwecke willen, nicht im Kampfe gegen den Staat, nicht um einen Streit aller gegen alle heraufzubeschwören, sondern man wolle aus der Tiefe des Volkes herdus fechten im Geiste des Fronter^bnisses von 1914. Bundeskanzler Wagner sagte, dem Stahlhelm sei es trotz des Wahlsieges der nationalen Rechten im vergangenen September klar gewesen, daß das Heil unseres Vaterlandes nicht auf parlamentarischem Wege zu erringen sei, sondern daß man daneben die Kampfgrundlage außerparlamentarisch verbreitern müsse. So habe man sich zum Volksbegehren entschlossen, um die nationale Welle vorwärts zu treiben. Daß dieses Vorgehen richtig gewesen sei, bewiesen der Erfolg des Volksbehrens und die günstigen Aussichten für den Volksentscheid. Die nächsten Monate seien entscheidend für das Schicksal Deutschlands. Rach dem Volksentscheid gelte es zunächst, die zersetzenden parteipolitischen Parlamentswah- l e n abwettern zu lassen, um dann in einem großen geschlossenen nationalen Block einig über alle Parteien hinweg die Präsidentenwahl durchzuführen. Bevor im nächsten 3ahre die internationale Abrüstungskvnfe renz zusammentrete, müsse Deutschland eine nationaleRegie- rung besitzen. Er schloß: „Wir wollen Deutschland wieder zu einer souveränen Macht machen, zu einer Kultur- und Zentralmacht, die Mitteleuropa schützen, tragen, umfrieden soll. Wir wollen einen Friedenszustand und keinen Versailler Pakt." Nie Oeuischnaiionafen. Ein Ausruf Hugenbergs zum Volksentscheid Berlin, 28. 3uli. (TU.) Der Führer der Deutschnationalen Volkspartei, Dr. Hugenberg, erläßt einen Aufruf zum Volksentscheid, in dem es u. a. heißt: Die Ereignisse der letzten Wochen geben Deutschland ein verändertes Gesicht. Rie ist einem Volke ein klarerer politischer Anschauungsunterricht erteilt worden, als dem deutschen und preußischen in dieser Zeit der Zusammenbruche. Dor dem Zusammenbruch steht auch die Macht der bisherigen Preuhenkoalition und ihrer verderblichen Politik. Rot uni) Elend geht um. — Millionen von Arbeitslosen — Zusammenbrüche nunmehr auch großer Wirtschaftsunternehmungen — Geldkrise — Unerträgliche Steuerlasten und -strafen — Gehaltskürzungen der Beamten — Verzweiflung des Arbeiters, Gewerbetreibenden und Bauern — Kürzung selbst des Ehren- und Opfersoldes der Kriegsbeschädigten. Alles, wie wir es vorausgesagt haben. Alles, wie es kommen muhte, wenn man so regierte, wie es geschehen ist. — Reue Kredite! Das ist das einzige Rezept, mit dem man sich glaubt helfen zu können. Reue Kredite sind neue Knechtschaft. Sie führen nach kurzer Gnadenpause zu noch schlimmerer deutscher Rot und zu noch schlimmerer deutscher Arbeitslosigkeit, aber nach einem gerechten Naturgesetz auch zu noch schlimmerer Weltwirtschaftskrise. Inzwischen geben Kirche, Schule, Kultur und Wirtschaft in Preußen und Deutschland zugrunde. Bringen wir den jetzigen Preußischen Landtag ju Fall, in dem sich alles zusammendrängt, was Reaktion gegen den Freiheits- und Rettungswillen des Volkes ist! Reuwahlen sollen den wahren Willen des Volkes finden. Wer Umkehr und Rettung will, ganz gleich, welcher Partei und welchem Berufe er angehört, der helfe am 9. August dazu! Preußen in Deutschland voran! Aus aller Wett. Lloyd George ernstlich ertrankt. Llvyd George hat seine sämtlichen Verpflichtungen absagen müssen, da er mit erheblichen Rie- ren- und Dlasenbeschwerden ans Bett gefesselt ist. Ein am Dienstag von dem Büro der Liberalen Partei veröffentlichtes Kommunique besagt, daß sich sein Zustand nach einer recht unruhig verbrachten Rächt nicht wesentlich geändert habe und daß, toenn sein Zustand auch nicht ernst sei, in Anbetracht seines Alters — Lloyd George ist 68 3ahre alt — gewisse Besorgnisse nicht von der Hand zu weisen wären. — Rach einem Funkspruch von heute früh ist Lloyd George heute früh operiert worden. Unter den Aerzten, die der Operation beiwohnten, befand sich auch der Leibarzt des Königs, Lord D a w s o n. Professor A. Forel t- Prof. Dr. August Forel ist in seinem Heim in Vvorne am Genfer See im Alter von 83 Jahren gestorben. Forel war Professor der Psychiatrie an der Universität Zürich und gleichzeitig Direktor der bekannten schweizerischen Irrenanstalt Burghölzli. Hier kam ihm der Gedanke zu dem Werk, das ihn in der ganzen Welt bekannt! gemacht hat, zu seinem berühmten Buche „Sexuelle Fragen". Sein Lieblingsstvdiurn war aber die Entomologie. So entstand u. a. ein bedeutendes Werk über die Bienen. Forel war Lebensreformer großen Stils. Auch in der Freidienst-Bewegung spielte er zeitweise eine führende Rolle. „Siegfrieb“-2luffüf)rung in Bayreuth. Mer Wochen vor Beginn der Festspiele enb- schloß sich die Leitung, den ersten Akt des Siegfried szenisch neu ju gestalten, um damit die in den letzten Jahren begonnene Erneuerung des Ringes der Nibelungen zu Ende zu führen. Für die neue Felsenhöhle Mimes lagen Skizzen Siegfried Wagners vor. Sie ist von stark plastischer, wuchtiger Wirkung. Die Siegfried-Aufführung stand unter einem günstigen Stern. Gott- >hels P i st o r gab einen jungfrrschen Siegfried, gewinnend durch sein natürliches Spiel und glücklich in der Wandlung des jungen Helden zum Mann. Gesanglich führte er mit Ranny Lar - sen-Todsen (Brunhilde) den großen Zwie- gesang zu einem die Vorstellung herrlich krönenden Ende. Scharf charakterisiert in Gesang und Spiel gab Erich Zimmermann den Mime. Des weiteren wurde die Aufführung getragen von Friedrich Schvrrs großzügigem Wotan-Wanderer und dem von Erna Berger lieblich gesungenen Waldvöglein. — Aus einer Zusammenstellung der amtlichen Fremden- liste ergibt sich, daß die ausländischen Festspielbesucher 25 v. H. der Gesamtbesucherzahl auS- machen. Die Ausländer verteilen sich auf achtundzwanzig Staaten. Ausreise bes .^Nautilus". Von Plymouth aus ist Sir Robert W i l k i n s' Unterseeboot „Nautilus" zu seiner Polarfahrt, bie es zunächst nach Bergen führen wirb, ausgelaufen. Bombenattentate in Rumänien. In den letzten 24 Stunden sind eine Reihe von Dombenattentaten gegen rumänischeDahn- l i n i e n verübt worden. So ist in der Rähe von Hermann st adt eine Bombe auf einem Gleis explodiert, als ein Personenzug die Stelle passierte. Dabei wurde die Lokomotive schwer beschädigt. Zwei Dahnbeamte erlitten erhebliche Verletzungen. An einer andern Stelle explodierte gleichfalls eine Bombe. Hier wurde aber kein Schaden angerichtet. In der Rähe von Jassy wurden durch eine explodierende Bombe einige Eisenbahnwaggons zertrümmert. Die Polizei ist der Ansicht, daß hier kommunistische Anschläge vorliegen die die Aufmerksamkeit auf den roten 1. August lenken sollen. Alle bekannteren Kommunistenführer sind verhaftet worden, um die angesagten Massendemonstrationen zu vereiteln. Riefenbranb in einem ungarischen Dorf. In bem Dorfe Resznek brach ein Feuer aus, bas bei bem sehr heftigen Winbe rasch um sich griff. Die Löscharbeiten sind durch Wassermangel erschwert. Ein Feuerwehrmann, eine 82jährige Frau unb ein siebenjähriger Knabe fanben in ben Flammen ben Tob. Mehrere Personen erlitten schwere Brand- rounben. 40 Häuser ftanben in Flammen. Das Tilsiter Proviantamt in Flammen. In einem größeren Magazingebäude des Proviantamtes in Tilsit brach Feuer aus. In kurzer Zeit stand das ganze Gebäude in Flammen. Haushohe Feuersäulen schlugen aus dem bis unter die Dächer mit Heu gefüllten Magazin empor. Das Feuer ergriff auch das große Körnermagazin. Die Wehren standen dem Riesenbrande machtlos gegenüber. In den Magazinen befanden sich 300 Tonnen Preß- stroh 270 Tonnen diesjähriges und 160 Tonnen vorjähriges Stroh. Auch die Bäckerei, die sich in dem Häuserkomplex befindet, hatte Feuer gefaßt. Die Wirtschafts- und Wohngebäude einer nahegelegenen Möbelfabrik schwebten zeitweise in größter Gefahr. Die Feuerwehren des Proviantamtes und der Zellftoffabrik sowie zwei Züge des Tilsiter Reiterregiments wurden zur Hilfeleistung herangezogen. Blitzschlag in eine Kirche. Während eines heftigen Gewitters schlug ein Blitz in ben Turm ber Olaikirke in Reval' ein, ber sofort in Brand geriet. Es gelang jedoch nach sechs- ftünbiger Arbeit in 80 Meter Höhe bas Feuer zu löschen. Der Kirchturm, ber einer ber höchsten in Osteuropa ist, hat jeboch schwer gelitten. Man befürchtet insbesonbere, baß bas große Kreuz auf ber Spitze bes Turmes herunterstürzen könnte. Die Olaikirche befinbet sich i m Besitz einer beut- schen ©emeinbe unb ist eins ber schönsten Bau- bentmäler Revals. keine Absage des Marine-Bundestages in Kassel. Der Presseausschuh des Marine-Bundestages teilt mit: „Der Marine-Bundestag, verbunden mit Seesoldaten- und Flandernkämpfertag und 40jährigem Bestehen des Bundes Deutscher Marine-Vereine, findet programmgemäß in der Zeit vom 31. Juli bis 3- August in Kassel statt. Alle anderslautenden Rachrichten sind aus der Luft gegriffen. Zahlreiche Anmeldungen aus aUen Gauen des Vaterlandes liegen bereits vor. Sogar aus den abgetretenen Gebieten sind die Anmeldungen sehr zahlreich eingegangen. Es wird in erster Linie eine Wiedersehensfeier der „blauen Jungens^ werden, zugleich aber auch eine Kundgebung der treuen Waffenbrüderschaft, die unS tn Krieg und Frieden, auf sturmbewegtem Meer und unter heißer Tropensonne verbunden hat." Aus der Provinzialhauptstadt. (Sieben, den 29. Sufi 1931. Termine für den gewissenhaften Steuerzahler. Der 29. und der 31 Sufi - dazu der 31. August —. da- sind sozusagen schwarzeTage für den Sleuerzahler. Wer b.Sher schon gewissenhast den letzten Heller seine- Sinlom- menS. 'eines Umsatzes. seine- VewerbeertrageS oder seines Vermögens angezeigt und versteuert hat, wird zwar an sich weiter rufiig schlafen tonnen, was braucht er sich um Begriffe wie Steuerflucht Sreueramnest.e und Steueraussichl AU kümmern! Doch, halt — unter der Flut von Rotverordnungen ist eine dabei, die auch die Interessen deS peinlich genauen vteuerAahlers berührt. Steuern müssen pünktlich ent- richtet werden, nie aber so pünktlich wie gerade in diesen Tagen, da das (Seid an sich knapp ist und langsam den ihm vorgeschriebenen Kreislauf durchmacht. Wer eine Steuerzahlung. die vor dem 1. August 1931 fällig geworden ist, nicht oder nicht vollständig biS zum Ablauf dieses 31. Sufi leistet, muh erbarmungslos für jeden angefangenen halben Monat deS Verzugs fünf Prozent deS Rückstandes bezahlen, und für di« später fällig werdenden Steuern gilt danach die gleiche harte Bestimmung. Dabei ist der (Begriff der Steuerschuld sehr weit gesaht: es fallen darunter (Bintommenfteuer, Körperschaftssteuer, Erbschaftssteuer. Umsatzsteuer. AufbringungSumlage, Grund-, Gewerbe- und Hauszinssteuer. Krisensteuer und auch alle gesetzlich zugelassenen und sestgesetzten Zuschläge zu diesen Steucrarten. Au den Verzugszuschlägen kommen dann noch die Der,ugs-'.nsen in Höhe von zwei Prozent monatlich! Und bei bewilligtem Zahlungsaufschub davs man jährlich zehn Prozent Zinsen entrichten, während die eigentlichen Stundungs- Ainsen zwischen fünf und zwölf Prozent schwanken — das liegt im Ermessen des Finanzamts. Wer aber Devisen oder ausländisch« Roten im Betrag« von wenigstens AwanAigtausend Mark besitzt, hat schleunigst — bis spätestens 29. Sufi — der Reichsbank oder einer von ihr beauftragten Stelle — dazu gehören alle Großbanken — diese Werte zum Ankauf anzubieten; zu gleicher Zeit und bis zum gleichen Stichtage müssen Meldungen über dies« Dermdgenswerte beim Finanzamt erstattet werden-. Devisen und Roten tnt Werte von weniger alS zwanzigtausend Mask, die an sich auch nach der Rotvervrdnung vom 18. Sufi 1931 anzeigepflichtig sind, werden noch durch besondere AuSsührungsbestimmungen aufgerufen. DaS kann freilich jeden Tag eintreten — daher Zeitungen lesen! Fristvcrsäumnifs« sind kostspielig und strafbar. Wer auS Lässigkeit oder schwerwiegenderen Gründen es mit der Vollzähligkeit seiner Steuer- Pflichten nicht genau genommen hat, wer dem Finanzamt die Mitteilung über bi« vollständige Höhe feines Einkommen-, feines Vermögens oder seine« Dewerbeertrages zu machen vergast, bekommt jetzt noch einmal durch die Rotverordnung über Kapital- und Steuerflucht «ine letzte große Thance. Dis zum 31. August 1931 must er seine Angaben über Einkommen. Vermögen und De- werbeertrag vervollständigen oder berichtigen. Was bis zum 31. Dezember 1930 auf diesen Gebieten „hinterzogen" ist — wir gebrauchen nur den steuerlichen FachauSdruck! — das gilt als ausgelöscht und verziehen, die ©teuer- amn « stie verzichtet auf alle Straf«. Aber dafür auch heraus mit der ganzen Wahrheit: vom 1. Ianuar 1931 an (bei der Gewerbesteuer vom 1. Apr:l 1931 an) must jeder steuerpflichtige Betrag genau angegeben und entsprechend versteuert werden, sonst werden schwere Freiheitsstrafen (biS zu zehn Jahren Zuchthaus!) und ebenso drückende Geldstrafen über den Säumigen verhängt. Damit ein« genau« Kontrolle möglich ist, hat die Rolvevordnung den Finanzämtern die Ermächtigung zu einer erweiterten Steueraufsicht gegeben: Es können die Bücher und sonstigen geschäftlichen Unterlagen eines jeden Unternehmers und Arbeitgebers daraufhin ge- prüft werden, wie weit er Zahlungen an Dritte geleistet hat. die für den Empfänger als steuerpflichtig gellen. Diese ..Rachschau" erstreckt sich auch auf die Smpsäng r von Lohn. Gehalt Honorar oder sonstigen lohnähnlichen Bezügen, die längst aus dem Betriebe oder aus der bestehenden Geschäfts- verbindung ausgeschieden sind. Oie weitere Regelung des ZahlungS- Verkehrs. WTB. Der Rest dieser Woche ist dadurch gekennzeichnet, daß zu den für die regelmäßigen Lohn- und Gehaltszahlungen bereitzustellenden Zahlungsmitteln noch die Anforderungen des Monatsendes hinzutreten. Es erschien daher nicht ratfam, darüber hinaus für die nächsten Tage eine umfangreichere Auflockerung des bisherigen Zahlungsverkehrs vor- zunehmen. Eine gestern crlaffene Verordnung der Reichsregierung sieht daher nur unwesentliche Erhöhungen der zahlbaren Beträge vor. Die beteiligten Stellen werden dafür sorgen, daß vom Beginn der nächsten Woche ab die Wiederaufnahme eines normalen Zahlungsverkehrs eintritt. Die Erleichterungen, die bis zum Wochenende eintreten, betreffen einmal die Erhöhung der Barauszahlungsgrenze von 200 auf 300 Mark bei Konto Korrentguthaben, während es hinsichtlich der Auszahlungen auf Sparkonten und Sparbüchern bei 30 RM. verbleiben mußte. Die Auszahlung auf Kreditbriefe ist ebenfalls auf 300 RM erhöht worden. Freigegeben zur unbeschränkten Barauszahlung und folgeweise auch Heber- Weisung sind, über die bisher bestehenden Falle hinaus, die Mietzinsen für Wohnungen und ge ro e r b l i d) e Räume, sofern der Konteninhaber nicht Einnahmen aus Lohn, Gehalt, Ruhegeld usw. bezieht, ferner zur Einlösung von Zins- reuten und Gewinnanteile Die Ueberweifungen sind im allgemeinen auf 4000 RM. täglich, also insgesamt 16 000 RM., bis zum Wochenende erhöht worden, und dem Heberweisungsverbande wird der Tagesbetrag auf 50 000 RM. voraussichtlich auch weiter erhöht werden. Zur Wechseleinlösung sollen täglich 8000 RM., also 32 000RM. bis zum Wochen^ ende, ausgezahlt werden dürfen. Die Wechsel- Protestfristen find entsprechend den bisherigen Regelungen wieder staffelweise etwas hinaus- geschoben worden, während eine Verlängerung der Dorlegungsfrist für die nach dem 21. Juli 1931 ausgestellten Schecks nicht mehr notwendig ist. ferner ist vorgesehen, daß die Bankinstitute Wechselverbindlichkeiten nicht nur wie bisher aus eigenen Akzepten, sondern auch aus ihrem Giro erfüllen dürfen. «owfoerfammhmg des vnsaewewevereins. Der Ortsgewerbeverein Gi« tz « n frielt am Montagabend im KrauSmüllersaal (Docthe- ftratze 7) seine diesjährig« Hauptversammlung ab. Der erste Vorsitzende, Schreinermeister H a u - bach, erstattete zunächst den Iahresbericht, umrih in kurzen Zügen die Tätigkeit des Verein«, wies betau' hin, daß die Vortragsabende, die der Verein in Gemeinschaft mit dem Kaufmännischen Verein veranstaltete, gut besucht waren und manches Interessante gebracht hätten. Der Mitgliederstand des Verein« belaufe sich zur Zeit auf 316 Mitglieder. Der Rechnungsprüfer. Oberreallehrer i. R. Haggenmüller, gab sodann den Rechnungsbericht bekannt, der in Einnahme mit 88 329.21 Wk., in Ausgabe mit 83 00452 Wk. ab- schlicht, mithin einen Ueberschuß von 5394,69 Mk. verzeichnet. Mit dem Ergebnis der Kassenführung dürfe man zufrieden sein, so führte er aus. denn un Voranschlag war mit einem Heber- schuß von nur 4344 Mk. gerechnet. Dem Rechner Weih wurde einstimmig Entlastung erteilt. Im Anschluß daran brachte Oberreallehrer i. R. Haggenmüller den Voranschlag für das DeschäftSjahr 1931/32 zum Vortrag der in Einnahme 11301 Mk., In Ausgabe 6600 Mk. verzeichnet. so dah ein äleberschuh von 4701 Mk. verbleiben müht«. Der Voranschlag sand widerspruchslose Annahme. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde beschlossen, den QKitgfieM- beitrag in der bisherigen Höhe zu erheben. Die sahungsgemäh ausscheidenden Vorstandsmitglieder Mar«. Lenz und Wagner wurden einstimmig wiedergcwählt. Sm Anschluß an di« Erledigung bet geschäftlichen Angelegenheiten hielt Syndikus Röhr von der Handwerkskammer-Rebenstell« Dietzen einen Vortrag, in dem er die augenblickliche Lage des Handwerks, die wirtschaftliche und insbesondere die finanzpolitische Lage in Deutschland behandelte. Die augenblickliche Situation berechtige, so führt« er u. a. aus, au keinerlei rosigen ZukunftShoffnunyen. Die Verhandlungen in London hätten crw'.esen, dah in 6er Machtkonstel- lation unserer Tage Frankreich den Mittelpunkt in Europa darstelle, und dah selbst England unb Amerika die französische Position nicht erschüttern könnten. Das deutsche Volk müsse erkennen, daß cs nach wie vor auf Selbsthilfe angewiesen sei. Ein Hauptmittel hierzu sei di« Drosselung der Ausgaben in Verwaltung und Wirtschaft. Unsere Währung sei sichet. Leidet habe di« Herfttifung auf dem Geldmärkte eine Form angenommen, die di« schwerwiegendsten Folgen hatte. Trotzdem dürfe das Vertrauen au den Geldinstituten nicht verloren gehen, vielmehr müsse das Kapital nach wie vor au' die Danken und Sparkasien und auf d.esem Wege in Umlauf gebracht Werdern Es wäre gerade -um jetz.gcn Zeitpunkt grundverkehrt. das Geld in den Strumpf zu stecken. Man steh« zur Zcht vor wichtigen Entscheidungen. Vor allem gelte es. Ruhe zu bewahren, jede Gerüchtdudung im Keime zu verhindern, um nicht unnötige Unruhe hetaufzubefchwören. Der ge- wervliche Mittelstand, der ein wichtiger Pfeiler der deutschen W.rtschaft überhaupt fei. müsse sich auch Aum ietzaen Zeitpunkt seiner Verantwortung bewußt fern. Allerdings sei heute auch der Z u - sammenschluh des Handwerks nötiger. alS je zuvor. Der Mittelstand muffe sich einsetzen gegen «in« ungct-xbifertigte Steuerpolitik. gegen Die neuer.ichen scharfen Bestimmungen, die für die Erhebung von Steuerrückständen geschaffen feien; es gelte weiter, sich für «ine Aenderung der VerficherungSgefetzgebung einzusetzen und die Schaffung einer einheitlichen Front gegen Zwangsbewirtschaftung und Regiebetrieb in die Weg« zu leiten. DaS Handwerk, daS in dieser Zeit unter so schweren Röten zu leiden habe, müsse enbficb das Vertrauen z u sich selb st gewinnen, einen einheitlichen Geist bekunden, sich enger alS je zuvor zusammenschliehen, um sich jene Beachtung und Bedeutung zu erringen, auf die der gewerblich« Mittelstand alS der am stärksten mit Steuern belastete Teil unserer Volksgemeinschaft berechtigten Anspruch habe. An die Obermeister der Snnungcn sei die Aufforderung gerichtet, sich einAusctzcn für einen engen Zusammenschluß i m Gewerbeverein al« StandeSverlretung. Der Vortrag wurde mit großem Interesse auf- genmnmen. Die von dem Redner ausgestellten Forderungen wurden von den Zuhörern durchaus anerkannt. Einige Mitglieder nahmen zu verschiedenen Punkten besonders Stellung, betonten jedoch, daß es dem Handwerk heute nicht mehr möglich sei, noch wettere Einsparungen an den schon auf ein Mindestmaß reduzierten Ausgaben durchzuführen Zur Beratung deS engeren Zusammenschlusses der Gießen« r gewerblichen Kreise soll demnächst eine Zusammenkunft der Obermeister der Innungen herbei gesührt Werdern Schließlich stellt die Verordnung sicher, daß bestätigte Verrechnungsschecks auch noch in den ersten Tagen des August ausgestellt werden dürfen, und daß die Einlösung auch durch Gutschrift auf einem Konto erfolgen kann, das nicht bei dem bezogenen Kreditinstitut geführt wird. Selbstverständlich kann die Gutschrift nur im Rahmen der für lieber- Weisungen freigegebenen Beträge stattfinden. Im übrigen bleiben auch diesmal die Vorschriften über den Schuldnerschutz, über die Ausnahme der Reichspost, Reichsbank und der Deutschen Golddiskontbank von den Vorschriften der Verordnung und die Vorschriften über die unbeschränkte Dersugungs- freiheit über neue Konten und über überwiesene Gchaltsteile aufrechterhatten. Oie Wechselprotestfnsten. In her sechsten Verordnung über die Wieder- aufnahme des Zahlungsverkehrs heißt es im Art. 2 über die Wechselprotest fristen: „Bei Wechsel, deren Fälligkeitstag in der Zett vom Sonntag. 19. bis Donnerstag, 23 Iuli 1931 einfchl. liegt, kann die Erhebung des Protestes nicht vor dem dritten Werftag und darf noch am vierten, fünften und sechsten Werftage nach dem Zahlungstage geschehen. Bei Wechseln, deren Fälligkeitstag in der Zeit vom Freitag, 24. bis Dienstag, 28 Iuli 1931 einschl. liegt, kann die Erhebung deS Protestes nicht vor dem dritten Werktag und darf noch am vierten unb fünften Werktag nach dem Zahlungstag« geschehen. Bei Wechseln, deren Fälligkeitstermin in der Zeit vom Mittwoch, 29. Iuli bis Samstag, 1. August 1931 einschl. liegt, kann die Erhebung des Protestes nicht vor dem dritten Werftag und darf noch am vierten und fünften Werftag nach dem ZahlungStage geschehen. Für die Kreditinstitute gelten hinsichtlich der Erfüllung ihrer eigenen Verbindlichkeiten aus Wechseln vom Mittwoch. 29. Iuli 1931 ab keine Beschränkungen des Zahlungsverkehrs. In dem amtlichen Wortlaut ist nichts davon gesagt, daß die äleberweisungen im allgemeinen auf 4000 Mk. täglich, also insgesamt 16 000 Mk. bis zum Wochenend«, erhöht werden, sondern es wird nur von äleberweisungen biS insgesamt 16 000 Mk. gesprochen. Oie Anmeldung von Devisen. WTB. Die Frist zur Ablieferung ober Anzeige von Devisen im Gesamtbeträge von 20000 Mark unb ba r ü b e r für ben einzelnen Anzeigepflichtigen unter Hinzurechnung ber Devisen seiner Ehefrau unb ber mit ihm in häuslicher Ge- meinfd/aft lebenden Kinber läuft am 29. Juli ab. Eine Verlängerung biefer Frist ist nicht beabsichtigt. Für bie Inhaber von Währungskonten bei inländischen Strebitinftituten ist mit Rücksicht barauf, baß bie Verpflichtung dieser Inhaber zur Ablieferung ober Anzeige ihrer Wäh- rungsguthaben erst in der zweiten Durchiührungs- uerorbnung zur Kapitalfluchtoerorbnung klargeftellt worben ist, bie Frist bis zum 5. August 1931 erstreckt worben. Auch hier besteht jeboch Abliese- ruags- ober Anzeigepflicht bis zum 5. August nur in den Fällen, in denen bas Währungskonto zuzüglich bes sonstigen Devisenbesitzes bie Höhe von 2OO0O RM. erreicht, ober übersteigt. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. VfB. 08: 21 Uhr, außerordentliche Generalversamm- hing und Spieleroerfammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Jfinber vor Gericht" — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Als 8. Vorstellung des Sommer- abonnemc»ts wird die Intendanz des Stadttheaters dem Publikum einen besonderen Genuß künstlerischer Art bieten. Die Intendanz hat für Dienstag, 4. August, die Kuban-Kosaken zu einem einmaligen Gastspiel verpflichtet. Dieser Kosaken-Chor mar bereits von zwei Jahren in der Dolkshalle zu Gast und wurde, wie überall, auch bei uns begeistert gefeiert. Dor allem werden die musikliebenden Streife unserer Theaterbesucher dieses Gastspiel begrüßen, das durch seine Eigenart ein besonderes Ereignis zu werden verspricht. Das Gastspiel beginnt um 20 Uhr. Es gelten gewöhnliche Sommer- preise. — Großes M a r i n e - K o n z e r t in der Dolkshalle. Am Samstag, 1. August, konzer- tiert das aefamte Musikkorps des Befehlshabers der Linienschiffe (Linienschiff „Schlesien") in ber hiesigen Dolkshalle. Unter der Leitung von Obermusikmeister Melge wird die Kapelle, der ein guter Ruf oorausgeht, eine Reihe musikalischer Darbietungen (insbesondere Märsche) zum Dortraa bringen. Veranstalter bes Konzertes ist ber Hessen-Verein Wilhelnwhaven - Rüstringen. Der Reinertrag bes Konzertes, bas sicherlich auch in Gießen viele Zuhörer finden wirb, ist für bas Marine-Ehrenmal in Laboe bestimmt. Näheres in ber heutigen Anzeige. * Dienstleistung der Beamten bei öffentlichen Wahlen. Das hessische Gesamtministerium hat in einem Rundschreiben an sämtliche staatlichen Dienststellen Hessen- mitgeteilt, daß bei ösfentlichen Wahlen, die bekanntlich an Sonntagen stattsinden müssen, die Beamten und Angestellten des Landes unb der Gemeinden verpflichtet sind, ihre Dienste unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Das gilt insbesondere für die Tätigkeit bei den Wahlkommissionen. ** Straßens pekrung mitgeteilt vom Ober- hessischen Automobil-Club ED. (A. v. D.), Gießen: Die Ortsdurchfahrt Dberfeemen ist vom 3. bis 31. August für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Gedern—Hartmannshain. — Die Sperre auf der Provinzialstrahe Butzbach — Hochwelfel Ist wieder aufgehoben. •• Di« Leistung von Beitragen zur Invalidenversicherung. Vom Vorstand der Landesversicherungsanstalt Hessen-Rassau wird mit-geteilt: In den Rotverordnungen der Reichsreglerung über die Regelung des Zahlungsverkehrs ist ausdrücklich hervorgehoben, dah die zur Leistung von Beiträgen zur Invalidenversicherung erforderlichen Mittel von allen Geldinstituten den Arbeitgebern aus ihren Guthaben ausgezahlt werden müssen. Damit die Landes- versichcrungSanstalten in die Lage versetzt werden, die am Ersten jeden Monats fälligen Invalidenrenten an die Rentenberechtigten durch di« Post auszahlen lassen zu können, ist es unbedingt erforderlich. daß all« Arbeitgeber ihren Verpflichtungen pünktlichst nachkommen. ES kann kein Arbeitgeber bet unterlassener Markenverwendung sich damit entschuldigen, dah er die erforderlichen Mittel aus feinem Guthaben bei einem Geldinstitut nicht erhalten habe. Gleichzeitig wird daraus hingewiesen, dah Arbeitgeber sich strafbar machen, wenn sie Lohnabzüge zum Zwecke des Ankaufs von Invalidenmarken tätigen, ohne die Invalidenmarken zu verwenden. " P r eu h i s ch - S ü d d eu t s ch e Klassenlotterie. Die Erneuerung der Lose zu der Hauptziehung hat planmähig spätestens bis zum 1. August, 18 ilfrr, bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterie-Einnahme zu geschehen. Oderheffen. Gewitterschäden in der Wetterau. y. Echzell. 26. Iuli. Gestern (SamStag) nackmittag entlud sich in unserer Gegend ein sehr schwere- Gewitter mit furchtbarem Sturm, wolkenbruchartigem Regen, untermischt mit Hagelschlag. Besonders schwer wurden in der Werterau die Gemarkungen Beienheim, Reichelsheim. Heuchelheim, Gettenau, Echzell und Grund- Schwalheim heimgesucht. Der Sturm entwurzelt« viel« Bäume, zerknickte zahlreich« Telegraphenstangen. warf die Eetreidehaufen auf dem Felde weit weg, und zwei schwer beladene Heuwagen auf der Römerstrah« zwischen hier und Dorheim um. Auch an den Gebäuden wurden die Dächer b« s ch ä d i g t und teilweise abgehoben, so dah die ganze Ge- Adreßbuch 6er Stadt und des Kreises Gießen. Der Abschnitt M mit den (Ünfräacn ber Buchstabe« 7! bis S in ba« alphabetische Emwohner- unb Airmerlvtttzeich- ni« ber Stabt Sichen liegt 2 logt, vom Donnerstag, dem 30., b>s einschließlich Freitag, den 31. Zull zu jedermanns Einsichtnahme in unserer Geschäftsstelle offen. vie zuständige Einwohnerschaft Gießens sowohl als die beteiligten Behörden und öffentlichen Körperschaften usw. werden um Prüfung der Einträge auf Richtigkeit und Vollständigkeit hiermit gebeten. Für Fehler und Unrichtigkeiten kann keine Haftung übernommen werden. Oberhessischer Adreßbuchverlag Gießen Schulstraße 7 Eingang von der Kaplaneigaffe ans. acnb nach dem älnwetter ein Bild der Verwüstung bot. An mehreren Stellen war der Straßenverkehr durch umgestürzt« dicke Bäum« gesperrt. Aus den Felbern lag da- noch nicht gemähie Getreide wi« gewalzt auf dem Boden. Der Schaden ist sehr groh und zur Zeit noch nicht abzuschätzen. Landkreis (Bietzen. 00 Klein-Linden, 28. Juli. Am Sonntag unternahm ber G e f l ü g e i z u ch t o e r e i n Klein-Linben einen Ausflug nach dem Oberen Harbthof bei Gießen. Unter sachkun- biger Führung konnten bie Einrichtungen bes Uni- versitätsversuchsgutes besichtigt werben. Besonberes Interesse wurde den mustergültigen Anlagen der Geflügelzucht entgegengebracht. Aus dem Rückwege wurde ber Gold- unb Silbersafanenzucht von Ludwig Schäfer in Heuchelheim em Besuch abgestattet. In feiner letzten Versammlung beschloß ber Verein ben Beitritt zum Landesverband hessischer Geflügelzüchter und damit zum Bund deutscher Geflügelzüchter. -H ©rünberg, 28. Iuli. In kurzer Zeit steht hier die Wahl eine- Beigeordneten bevor, da Anfang September die Amtszeit des Beigeordneten Keller abläuft Der Gemeinde - rat hat die Wahl auf den 30. August anberaumt. Beigeordneter Keller, der vorher Gemeinderatsmitglied war, hat in seiner Amtszeit fast zwei Iahve, vom 10. Ianuar 1929 bis 2. Ianuar 1931, die Dürgermcistergeschäfte der Stadt geführt. Er hat sich durch sein gerechtes unparteiisches Wir^n im Interesse der Stadt die Achtung weiter Dürgerkreise erworben. Kreis Lauterbach. H e r b ft e i n , 26. Juli. (WSR.) Rach regem Wahlkampf fand am Sonntag In unserem Luftkurort Bürgermei st erwähl statt. Der bisherige Bürgermeister Kübel wurde mit 597 Stimmen wiedergcwählt, während auf seine Gegenkandidaten Gemeinderat Dehn 210 Stimmen und Hans Kübel 100 Stimmen entfielen. Don 1056 Wahlberechtigten stimmten 910 ab. Die Wetterlage. ingö norsnavi ADtrd-.en- Parts Ovonrtmos 0 neuer. Q nam Bedeckt 0 wolkig. G gedeckt e Regos * Sehnet aüriupeio «Rebel norwii,jr^)Wind$tilic.«0'xhr leitete» osi einige» SOdjuawest q stürmische» Rordwejl . Oie Piene fliegen mit gern wmdt. Pie do den Met-onm Menenden Ztik len geven die Temperatur an. Pie umen vergingen Orte mit gltidiceA -teereiniveaw umgerethnele» Luftdruck Wettervoraussage. Das Biscayahoch dehnt sich ostwärts über Frankreich nach Süddeutschland aus. Unter dem Hochdruckeinsluh wird sich zunächst die Wetterlage bessern und Erwärmung eintreten. Da jedoch zwischen den britischen Inseln und Island eine neue Störung im Anzug ist, so dürste das schön« Wetter nur von kurzer Dauer sein. Durch di« Südseite der neuett Störung wird im Lause de- Freitags warme Luft nach Deutschland «in» dringen, in deren Begleitung Anzeichen erneuter Wetterverschlechterung auf treten. Vorhersage für Donnerstag: Hut leicht wolkig, mehr aufheiternd, trocken, wärmer. Lufttemperaturen am 28. Juli: mittags 14,7 Grad Celsius abends 15 Grad: am 29. Juli: morgens 13,9 Grad. Maximum 20,7 Grab, Minimum 10,8 Grab. — Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Juli: abenbs 21,8 Grab: am 29. Juli: morgens 17,2 Grab Celsius. — Niederschläge 0,3 nun. — Sonnenscheindauer 9 Stunden. Verantwort!, f. d. Feuilleton: i-V. Dr. Lang«. Gegen Hornhaut Hühneraugen, verdickte Hvrnschwulen an Händen und Fühen hat sich „Ctolin“ als sauberstes und bequemstes Mittel zur aründlichenBeseitigung aller hatten Haut-WucherunAM besten» bewährt. Packung für mehrmaligen Gebrauch mn genauer Gebrauchsanweisung 60 Pf. 3n allen Chlorodont-Dettaufs- stellen zu haben La-Hdru liefert 1490D Welche Geschäftsdrucksachen bei t?en. Kreuzvlav 2. 7426 D 5012D wurde eingetragen: Wohnort» Post; für Oberhessen u. Hessen-Nassau für d. Verkauf von wollenen u. halbwollenen Tuchen und Kammgarnen. Nur mit der Branche bestens vertraute und bei der Kundschaft gut eingeführte Herren kommen in Frage. tauscht per sofort mit einer ebensolchen in outer Position die Stellung? Dieser Wunsch begründet sich aus rein firmen- technischen Gründen. Näheres mündlich. Schriftl. Angeb. u. dir. (>1298 a. d. Gieß Situ. Äon und 01 Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarten Brühl. Schulstraße 1 Lungenverschleimung hartnäck. Hüften. Luströhrenkatarrh, Keuchhusten, Bronchialkatarrh, Asthma etc. behebt und linden selbst in veralteten Fällen der schleimlösende Oettheim's Brust- u. Lungentee Preis Mk. 1.25. Zu haben in den Apotheken. bestimmt: Pelikanavotbcke Gie- Nur schriftl. Angebote mit genauer Angabe der bisherigen Tätigkeit, Lichtbild und Referenzen. 5025 V St Angebote mit Zeugnisabschriften u. Lebenslauf unter F. 1W.4127durch HndolfHosse. Frankfurta.M. 5014 V [Vermietungen | 4-Zimmßr-Wolin. für sofort zu verm. Mietberechtigungsschein erforderlich. Schrift!. Angeb. unt. 04294 a. d. Gieß. Anz. DÜSSELDORF Industriebau^. Eigenheime Zinshäuser. Hypothekenablösung. Erbaus- einandersetzung u. Entschuldung durch unsere zinslosen und unkündbaren Darlehen. Erbitte kostenlose und unverbindliche Zusendung Ihres Prospektes No, B8 Name; Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung A, Samstag, 1. Aug. abends 8l/2 Uhr Vereinsabend auf der„Karlsrub". Ehrenabend für unsere Wenschreiber. Ausgabe d.Urkunden vom Bezirks- u. vom Verbands-Wett- schreiben. [5019D Kurzschrlltvereln von 1861 mit Damen« abtellnng, E. V. Die Deutsche Ford - Oel-Vertriebs - Gesellschaft Köln, Hohenzollernring 37 sucht per sofort einen bei allen Konsumenten bestens eingeführten Bezirksvertreter Frettag, d.-ri.Jult 8'/., Uhr, im „Pfälzer 5»of" außerordentliche General-Versammiunj Tagesordnung: 1.Statutenänderung 2. Neuregelung der Beiträge 5004 D 3. Verschiedenes. Der Vorstand. UL Gießen Freitag, d. 31. Juli Monatsvzrsannnlung betHopseld. 5006D Vortrag eines VHO.- BruderS über: Eisen- bahnsicherungswesen. Donnerstag, den 30. Juli 1931, nachmittags 2 Llhr, versteigere ich im „Löwen", Aeuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: einen Spiegelschrank, eine Radioanlage mit Lautsprecher, zwei Schreibmaschinen, zwei Bücherschränke, ein Fahrrad, einen Rauchtisch, einen Spiegel, ein Tischchen, ein Schränkchen, eine Ladeneinrichtung, eine Heftmaschine, zwei Paginiermaschi- ien, eine Rotationsmaschine, ein Klavier, ein Büfett, eine Kredenz, einen Instrumentenschrank, einen Gasherd, eine Korbmöbelgarnitur, zwei Teppiche, Sofas, Schreibtische, Chaiselongues, Nähmaschinen, ein Wirtschaftsbüfett, zwei Warenschränke, vier Diwane, drei Grammophone, einen Fiat-Personen- wagen, einen Aga-Personenwagen, 16 Handtücher, vier Ueberschlagtücher, vier Kopfkissen, drei Stücke Damast, zwei Ueberzüge, 600 Zigarren, sechs Deckenbezüge, zwölf Kopfkissenbezüge, vier Bettücher, 70 Dosen Konserven, 150 Flaschen Liköre, ein Pferd, ein Schwein, Vertikos, Wanduhren. Dern 5023 v Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Telephon 4101 Große und leistungsfähige Tuchfabrik sucht I Vertreter Sie vchu Jer müssen Der y ^'Kus ’n m। ^7 ’Banem '"'n M A *■ -IS®*' . Pf®' k 6St^^e;e,SxaU tsowe^1 Ga,a\«88 A Stic* w \ '**»«"* 1 116 Pao*-vu \W^ \ «ua'auet,^66' V S®'4e metia\ti’ \ i^^Sti**^' 1 ta* 6 et\ati*efte Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Ur. 175 Zweiter Blatt Vergessenes Deutschtum in Osteuropa. Deutsche Einwanderung in Salizien vor 150 Jahren. - Pfälzer, Seffen und Gchleüer im Kamps um ihr Deutschtum. Don unserem ^-Berichterstatter. Rachdruck. auch mit Quellenangabe, verboten! Warschau. 3uli 1031. | In diesem Jahre feiern bi« Deutschen in Galizien daS 150. Jubiläum ihrer Einwanderung . D>e grohen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gestatten es nicht, diese Tatsache festlich zu begehen. LS sollen lediglich in einzelnen größeren Gemeinden, womöglich in Verbindung mit dem Erntefest, Dedentseiern stattsinden. Ueberdies wird eine Festschrift herauSgegeben. worin die Geschichte dieser 150 Iahre eilten umfassenden Niederschlag finden foll. Dasselbe Schicksal in Leid und Freud verbindet da» galizische Deutschtum mit dem grosten Mutterlande, au» dessen fruchtbringendem Lchohe «s sich einst in schwerer Stunde losgelöst hat. LS war Anfang und Witte des 18. Iahrhun- derts, als die grobe Auswanderung, namentlich au- den südwestlichen Teilen Deutschland-, nach den verschiedenen Ländern der neuen und alten Welt, darunter auch nach Kongreßpolen und Galizien. das damals bereit- zu Oesterreich gehörte, einschte. Dieser Auswanderungsbewegung gehen die bekannten Raubzüge der Franzosen Ende de» 17. und Ansang des 18. Jahrhundert- voran-, die die westlichen Gebiete Deutschland-, besonder- die Pfalz, ungeheuer verwüsteten. Darum war e» kein Wunder, dast die Dorfahren des heuligen Deutschtums in Galizien zum gröstten Teil Pfälzer sind, die au - der dainaligenRhein- psalz und Hessen aus Grund de- Ansiedlung-potente- Kaiser Joseph H. vom 17. September 1781 in da- heutige Galizien gezogen kamen. Doch da- ist nicht die einzige Kolonisation in Galizien. Eine ähnlich große deutsche Kolonisa- tionsvewegung ist in diesem Lande schon t m W i t t e l a l t e r zu beobachten. Es waren damal» hauplsächlich Mönche, Handwerker und Kaufleute, die nach dem damaligen Polen kamen und hier al- Gründer der meisten polnischen Städte mit ihrem Wissen und Können, mit Schweih und Blut die Fundamente für die westeuropäische Kultur Polens gelegt hatten. Roch heute findet man in zahlreichen polnischen Städten wohl viele deutsche Romen, aber keine oder nur ganz wenig deutsche Menschen. Die polnischen Städte sind immer schon daS Grab des eingcwanderten Deutschtum- gewesen. Rur ein stündiger Zuschuß au- den benachbarten deutschen Kolonien vermag da- deutsche Element in einer polnischen Stadt zu erhalten und die Derluste zu ergänzen. In den Jahren 1781 bis 1805 wurden die einwandernden deutschen Familien im damaligen Königreich Galizien und Lodomerien teil- auf staatlichen und kirchlichen Domänen, teil- auf privatem Großgrundbesitz angesiedelt. In diesem Zeitraum mürben 184 ländliche Siedlungen mit nahezu 20 000 Seelen (12 000 Protestanten und 8000 Katholiken) gegründet. In den meisten Fällen waren es ganz kleine Siedlungen, die durchschnittlich 8 bis 20 Familien umfaßten. Im Sinne des kaiserlichen Patentes sollte es keine Quantität»-, sondern ausschließlich eine Qualitätskvlo» nisotion sein Don irgendeiner politischen ©er- inonrsierungsabsicht, die von der polnischen Geschichte und Presse mit besonders böswilliger Starrheit immer wieder dieser deutschen Kulturarbeit unterschoben wird, kann keine Red« fein. Rach dem Iahre 1805 bröckelte der Einwanderungszug aus Deutschland allmählich ab. Dagegen hielt die Einwanderung der Sude- tendcutschen aus dem Böhmerwald und dem Egerland noch bis zum Iahre 1825 an. Es entstanden 21 weitere Siedlungen, zu denen auch einige sogenannte jungschlesische Siedlungen von Einwanderern aus Riederschlesien hin- zukamen. Im weiteren Derlauf deS 19. Jahrhun- derts entstanden bann Sch west erto Ionien der bereits bestehenden Siedlungen, die auf ihrem verhältnismäßig engen Raum den Bevölkerungsüberschuß nicht fassen konnten. Die letzte dieser 26 Schwesterfiedlungen, »Diamantenheim', wurde noch im Iahre 1901 gegründet. In den ersten Iahrzehnten haben sich die deut- schen Gemeinden In wirtschaftlicher Hinsicht günstig entwickelt. Zu diesem Fortschritt hat zweifellos die Ueberlegenheit des deutschen Dauern über den einheimischen in der Bodenbearbeitung undDieh- haltung außerordentlich viel bei getragen. Der deutsche Bauer übertraf auch an Fleiß und Ausdauer die einheimische Bevölkerung. Selbst die aus den Siedlungen in di« Stadt ziehenden deutschen Handwerker und Gewerbetreibenden fanden ein rasches und gute» Fortkommen. Dage- Jien standen einer kulturellen Weiterentwick- una de» angesiedelten Deutschtums schier unüberwindliche Schwierigkeiten im Wege. Die kleinen Siedlungen lagen im ganzen Lande meilenweit voneinander zerstreut, jede für sich eine Insel mitten im Meer der eingeborenen Bevölkerung. Solange noch unter dem unmittelbaren Regime Wien» die Staatssprache deutsch war und der deutsche Bauer sich in der Obhut der deutschen Obrigkeit wußte, waren die Gefahren einer Entnationalisierung noch nicht sehr groß. Als aber im Iahre 1867 auf Grund des kaiserlichen Dezemberpa tont» von 1860 die österreichisch-ungarischen Länder die S «l b st Verwaltung erhielten, geriet Galizien sehr bald völlig unter polnischen Einsluß. Allmählich wurde die polnische Sprache als älnterrichtssprache in allen staatlichen Schulen, als Amtssprache in den ©«richten und allen Staats- und Kommunalämtem eiuge- sührt. Die deutschen Schulen in den galizischen Siedlungen, die ausschließlich konfessionelle Anstalten waren, wurden durch ein Bolksschulgesetz zu Privatan st alten herabgesetzt und mußten fortan von den © eme in den mit eigenen Mitteln unterhalten werden. Die natürliche Derbindung mit der deutschen Zentrale in Wien wurde sehr bald unterbunden. Mit diesem Augenblick begann auch das deutsche Element in den Städten der Polonisierung an- heimzusallen. Im Iahre 1857 wurden in ©ali- zien rund 140 000 Deutsche gezählt. Dagegen konnten im Iahre 1880, also kaum 13 Iahre nach Einführung der Selbstverwaltung, im ganzen nur 77 612 Deutsche festgestellt werden! Im Iahre 1890 waren es noch 76158, im Iahre 1900 73 927, und bei der letzten österreichischen Dolkszählung im Iahre 1910 wurden nur noch 65 416 bewußte deutsche Menschen in ©alizien gezählt. Zur Schwächung des Deuttchtums in ©alizien hat ferner auch noch bie deutsche Kolonisation in Posen und West Preußen, die von 1899 bis 1909 insgesamt 1350 deutsche Familien aus ©alizien abzvg, in nicht unbeträchtlichem Maße beigetragen. ES muß mit Bedauern feftgeftellt werden, daß durch diesen Abzug sehr oft starke und blühende deutsche Siedlungen auf» schwerste betroffen wurden. Die stark geschwächten Gemeinden waren vielfach nicht mehr in der Lage, ihre Kirchen und Schulen zu erhalten und wurden von den nachziehenden Polen und ilfrainem sehr bald überwuchert. Doch es fanden sich sehr bald Männer, die das Deutschtum in Galizien aus dem Bedürfnis nach Selbsthilfe und Selbstabwehr in völkischer, tul- tureller und wirtschaftlicher Hinsicht zusammenfaßten und ohne Unterschied der Konfession zu einer einheitlichen Abwehrfront zusammenschloffen. 1903 wurde der gesellige Verein „® erma- nia" , der später in . Frohsinn" umgetauft wurde. Wissen Sie noch? Von Dingen, die man vergessen hat, und anderen, über die man nicht» weiß. Von Gurt Seibert. Die Schule soll das Denkvermögen trainieren. Daher müssen wir dort allerlei lernen, was wir im Leben nicht gerade notwendig brauchen. Mancher ist schon glücklich geworden, obwohl er vergessen batte, wann die Schlacht bei Öaugamela stattfand und daß -r (pi) ausgerechnet 3,14159 ist. ES ist auch durchaus nicht notwendig zu wissen, daß Batta- d)omi)omad)ia ein Gedicht ist, welches fälschlicherweise Homer zugeschrieben wurde und unter dem deutschen Titel „Der Froschmäusekrieg" bekannt geworden sein mag. Manche Menschen haben ein gutes Gedächtnis. Sie haben behalten, daß ein Sonett elf Zeilen besitzt, und daß früher an Stelle des Toten Meeres die Städte Sodom und Gomorrha Ingen. Andere leiden an Vergeßlichkeit. Sie werden bei der Frage, in welcher Oper die Titelheldin kein Wort zu sprechen habe, nicht auf die Stumme von Portici verfallen und lange nachdenken, ehe sie herausbekommen, daß der Sohn von Lucas Cranach dem Aelteren Lucas Cranach der Jüngere gewesen ist. Cs kann daher nichts schaden, wenn wir hin und wieder unser Gedächtnis auffrischen. Was ist zum Beispiel Altweibersommer? Das sind die im Spätsommer herumfliegenden Faden kleiner Spinnen. Wissen Sie noch, daß der Nobelpreis auf der zweiten eilbe betont wird, und daß es falsch wird und daß es falsch ist, Guerillakrieg zu sagen, weil Guerilla schon Kleinkrieg bedeutet? Warum hieß Nansens berühmtes Polarschiff „F r a m"? Weil frani im Norwegischen „Vorwärts" bedeutet. Dreizehn Menschen sollen nie bei Tisch fihen. Der Grund? Weil Christus das Abendmahl mit seinen zwölf Jüngern einnahm. Auch der Freitag als U n g I ü rf s t a g ist darauf zurückzuführen, daß Christus an einem Freitag gekreuzigt wurde. Hatten Sie das alles noch behalten? Welcher Mensch ist einmal geboren und zweimal gestorben? Der armeLazarus.der von den Toten erweckt wurde. Haben Sie eine Ahnung, was ein Trauermantel und was Englische Fräuleins sind? Eng- lische Fräuleins heißt ein Frauenorden in Bayern, und ein T r a u e r m a n t c l ift ein Schmet- terlinq. Kann man Kleider aus Holz machen? Nein? Aber Sie tragen ja selber welche! Aus Holz gewinnt man Zellulose und daraus wiederum — Kunstseide. In welchem Lande liegt der Dizlipuzli? In gar keinem, denn der Vizlipuzli Ist fein Berg, sondern ein aztekischer Gott, auf den Heinrich Heine ein Gedicht gemacht hat. Antenne heißt ursprünglich Segclstange, und die Krawatte war einst das Halstuch kroatischer Söldner. Woher aber kommt der Ausdruck Uncle Sam? Aus der Zusammenziehuna von U. S. Am. Wer hat die Freiheitsstatue im Hafen von Neuyork erbaut? Die Amerikaner? Keine Spur. Sie ist ein Geschenk der Franzosen aus dem Jahre 1876. Die Kobra ift eine Schlange. Was aber ist Kopra? Das Fleisch der Kokosnuß! Das wußten Sie. Doch woher» kommt der Ausdruck „Roter Faden"? Aus der englischen Marine, deren gesamtes Tauwerk als Erkennungszeichen einen durchgehenden roten Faden belaß. Der I b a I c r wurde zuerst als Io- achimsthaler in Ioachimsthal (Böhmen) hergestellt, und der Batzen heißt nach dem Bären (Petz) der Stadt Bern. Wie viele feiern Ostern, ohne zu ahnen, daß dies christliche Fest nach der heidnischen Göttin Ostara benannt ist. Und der „Blaue Montag"? Ist .zurückzuführen auf die blauen Altardecken am Montag vor der Fastenzeit. Sie haben doch sicher schon einmal „Aida" gesehen, jene Oper von Verdi, die auf Bestellung für die Eröffnung des Suezkanals 1872 komponiert wurde. Wer denkt heute noch daran? Daß auf Malta heute noch arabisch gesprochen wird, dürfte fast unbekannt sein. Haden Sie die sieben Weltwunder noch behalten? Nein? Ist auch nicht nötig. Doch wie ist es mit den neun Musen? Am besten merkt man sie sich durch den Spruch: Clio — Me — Ter — Thal Eu — Er — Ur — Po — Kal. Dann sind sie ganz leicht aufzuzählen: Clio, Mekpo- mene, Terpsichore, Thalia, Euterpe, Erato, Urania, Polyhymnia und Kalliope. Immerhin noch leichter zu behalten als die großen und die kleinen Propheten, für die leider (oder Gott sei Dank?) noch keiner einen Merkspruch erfunden hat. Wir reden so viel vom Stein der Weisen, ohne zu wissen, daß die mittelalterlichen Alchimisten diesen Stein suchten, um mit seiner Hilfe unedle Metalle in Gold zu verwandeln. Wissen Sie übrigens, weshalb die oberschlesische Stadt Z a b r"z e den Namen Hindenburg angenommen hat? Weil Zabrze auf Polnisch »Hinter der Burg" heißt! Die Stadt Bayonne ist nicht gerade berühmt, doch die in ihr zuerst hergestellten Bajonette kennt jedes Kind. Daß die berühmten Wiener Würstchen in Wien „Frankfurter Würstchen" genannt werden, kann jeder Wienfahrer mit Leichtigkeit fest- in» Leben gerufen. 1904 entstand eine Leh - rervereinigung, und 1905 wurde ein deutsches Waisenhaus in Biala und das Schülerheim in Lemberg und schließlich 1907 der Bund der .Christlichen Deutschen in Galizien" gegründet. Dieser Bund wurde sehr bald zu einer wirksamen und starken Stütze de» deutschen Häus- lein» in diesem Lande. Gr gab da» .Deutsche Dolksblatt" und jedes Jahr einen eigenen deutschen Kalender heraus. Es ist ein Derdienst. daß im Jahre 1908 mit der Gründung von Raifseifenkassen. bie schon im Iahre 1910 au einem Verbände zusammengeschlösten wurden, begonnen wurde. Der Jahresabschluß von 1913 wies bereits 41 Kasten mit über zwei Millionen Kronen Spareinlagen und Darlehen auf. Außer einer anderen Reihe kultureller und wirtschaftlicher Gründungen entstanden in vielen kleinen deutschen Orten Büchereien. Gesang-, Geselligkeit»- sowie Tum- und andere Dereine. Im Jahre 1896 wurde von dem jetzigen Leiter der evangelischen Kirche in ©alizien, Superintendenten Dr. Theodor Z ö ck l e r , dem Dodelschwingh des Ostens, durch die ®rünbung eine» Kinderheims der Grundstein für die großen evangelischen charitativen Anstalten, die heute in StaniS- lau bestehen, gelegt. Am 2. Juli 1911 erfolgte in Czernowitz unter Führung de» verstorbenen iInit>eriität»profcff3K» Dr Kaindl der erste Zusammenschluß aller Karpathendeutschen einschließlich der Deutschen in ©alizien. Dieser Zusammenschluß hatte für die kulturelle und völkische Selbstbehauptung der Deutschen in den Karpathenländern sehr große Bedeutung. Dem Aufschwung deS Dsutschtums in Galizien bereitete der Weltkrieg und nach ihm der polnisch- ukrainische Krieg, der noch weitere neun Monate im Lande tobte, ein jähes Ende, ilnb heute, nach mehr aU zehnjähriger polnischer Herrschaft, steht das verarmte und zusammengeschmolzene deuttche Häuflein im schweren und schier aussichtslosen Kampf um die wirtschaftliche, kulturelle und politische Selbsterhaltun^. Da die polnische Dolkszählung im Jahre 1921 in tendenziöser und unwahrer Weise die Stärke des Deutschtum» in Galizien entstellte, haben die Deutschen vor nicht langer Zeit selbst eine Zählung unter sich durchgeführt, die folgenden Tatbestand ergab: die Zahl der gegenwärtig in Goli zick lebenden Deutschen ist mit 59000 Seelen nicht zu hoch gegriffen. Davon entfallen ungefähr 31 000 auf evangelische und 28 000 auf römisch- katholische Deutsche. Der Abstammung nach gibt e» 13 000 Schlesier, 39 000 Pfälzer und ungefähr 7000 Sudetendeutsche. Die Deutschen in ©alixien leben in 160 Siedlungen, die teil» rein deutschen, teils gemischten Charakter haben, sowie in 80 Orten und Städten als größere und kleinere Splitter. Einen empfindlichen Schlag führte der polnische Staat gegen das Deutschtum durch die Auflösung des Bunde» der Christlichen Deutschen, die im Jahre 1923 vollkommen grundlos erfolgte. Don den während des Krieges zerstörten deutschen Dolksschulen wurden bis jetzt, zum Teil au» eigenen Kräften, 37 aufgebaut. Im Iahre 1929 wurde für den Bauernnachwuchs ein landwirtschaftlicher Kursus errichtet, der jedoch aus Mangel an Geld sehr bald wieder aufgelaffen werden mußte. Der Verband Deutscher Landwirt schaf11icher Genossenschaften zählt gegenwärtig 47 Spar- und Darlehenskassenvereine, vier städtische Kreditinstitute, zwei Molkerei- und eine Dau- und Wohnung»- genossenschaft. In kultureller Hinsicht ist beton- bet» in den letzten Iahten ein regere» Leben zu verzeichnen, das vor allen Dingen auf die Tätigkeit der evangelischen Kirche, des Verbände» Deutscher Katholiken und der deutschen ßebrer- schaft zutückzusühren ist. Die evangelische Kirche besteht aus 24 Pfarrämtern mit 47 Kirchen und Bethäusem. Die Deutschkatholik^n sind zum größten Teil den polnisch-katholischen Pfartgemeinden angeschlossen. In 17 Siedlungen befinden sich Kirchen mit Psarrsihen und in 10 Siedlungen lediglich Kapesten. Rur in sechs Pfarrgemeinden wird noch deutsch und in vier Gemeinden nur zum Teil deutsch gepredigt. stellen. Wit schimpfen über „Äretßi und Pie- t h i", doch vor vielen hundert Jahren war das die angesehene Leibwache König Davids. Haben Sie jemals geahnt, daß Frank Wedekind, bevor er zur Bühne ging, Reklamechef der Suppenwürfel- fabrik Maggi gewesen ist ? Wenn nicht, dann wissen Sie es jetzt. Wieviel Augen besitzt ein Neunauge? Zwei! Auf jeder Seite findet man je ein Auge, ein Nasen- loch und sieben Kiemenlöcher. Daher die Täuschung. Und wie ist es mit dem Tausendfüßer? Er bekommt laut Brehm im Höchstfälle 120 Beine, also eine stattliche Anzahl, wenn auch nicht gerade tausend. Sch woben sind eine Art Ungeziefer. Und Schotten? Zwischenwände im Schiff! . Noch einiges für ganz Wißbegierige. Wissen Sie schon, daß man Mecrestiefen durch Nachmessen des vom Meeresboden wiederkehrenden Schalles mißt? Hoben Sie gedacht, daß der Mensch täglich V* Liter Speichel absondert? Wissen Sie noch, daß es zwar einen König Victor Emanuel II. von Italien gab, ober niemals einen Victor Emanuel L? Denn Victor Emanuel II. nannte sich so, weil sich sein Vater als König von Sardinien jdjon Victor Emanuel I. genannt hatte. Doch das würde zu weit führen. Bleiben wir bei Dingen, die uns näher liegen. Was halten Sie z. B. vom sächsischen Blümchenkaffee? Woher hat er seinen Namen? Keine Ahnung? Nun, weil er so dünn ist, daß man ayf die Blumen auf dem Grund der Tasse sehen kann. Dos erinnert schon an Treppenwitze. A propos: Was ift ein Treppenwitz, und woher kommt die Bezeichnung? Ein Treppenwitz ist eine gute Bemerkung, die einem erst einfällt, wenn man sich schon auf der Treppe befindet. Verpaßte Gelegenheiten also. Wer ein autes Gedächtnis hat. dem wird kein Witz auf der Treppe eirfallen. Lochschulnachrichten. An der Universität Genf ist der a. o. Professor Dr Erich Hans Kaden zum ordentlichen P r o s e s sor für römisches Recht ernannt worden. Der aus Hochheim a. M gebürtige Rechtslehrer ab- foloierte seine juristischen Studien in Gießen, Freiburg und Leipzig bei Eger, Lenel, Portsch und Mitteis. In Hessen und Preußen war er als Re- ferenbar tätig, wirkte 1922 23 als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt, promovierte in Gießen und bestand in Darmstadt die Assessorpru- hing. Ferner bekleidete er Assistentenstellen bet Partsch in Bonn und Berlin und bei Eger in Gießen. 1924 erwirkte Dr. Kaden seine Zulassung als Prioat- dozent für römisches und bürgerliches Recht in Hei- Mittwoch, 29. Juli 1931 Da» deutich-evangelifche Schulwesen besteht augenblicklich au» einer staatlichen und 83 privaten Dolksschulen mit 111 Klassen und 3045 Schulkindern, au- zwei Pnvatavmnalicn und einer Dolk-lchule. Die Deiitschkathfliken verfügen nur über sieben private Dolksschulen mit neun Klassen, 326 Schulkindern und elf Lehrkräften. Eine bereit» vor drei Jahren erbaute private DvlkSfchulc hat bi» zum heutigen Tage noch keine behördliche Konzession erhalten. L.leberdie» aibt es in den katholischen Gemeinden sieben staatliche Dolksschulen mit deutscher Unterrichtssprache und 16 Dolksschulen mit polnischer Unter- ncht-sprache, wobei deutsch nur al» Unterrichts- sach meisten- erst vom dritten Schuljahr an und höchsten» zwei Stunden wöchentlich geduldet wird. Außer Kirche und Schule bilden die .deutschen Häuser", deren es im Augenblick 29 gibt, noch Stätten, wo der deutsche Gedanke und die deutsche Sprache gepflegt werden. Außerdem gibt es noch Sport-, Theater- und Gesangvereine, die zur. Förderung der beutfeßen Gesinnung und Pflege der deutschen Kultur viel beitragen. Dieser kurze ^eberblick über die 150jährige Geschichte des deutschen Doll-splitters in Galizien kann in dieser schweren Schicksalsstunde, die da» S deutsche Dolk durchlebt, mit keinem lichten lick in die Zukunft abgeschlossen werden. Schon vor dem Kriege war deutsch zu fein in ©alizien keine Selbstverständlichkeit mehr. Uni) heute, unter polnischer Herrschaft, ist e» er ft recht zu einer schweren und ernsten LebenSaus- gabc geworden. 3m selten Glauben an den Ausstieg des deutschen Dolke» wird daS kleine Häuslein in Ostgalizien seine Ausgabe mit Mut und Treue erfüllen. » Oie Gießener Volkshatte. Der Gießener Stadtrat hat sich am Freitag wieder einmal mit der Bolksballe beschäftigen müssen. Anlaß dazu gab eine Attacke des Sprechers der sozialdemokratischen Stadtratssraklion, Rccbtsanwalts Hornberger der die Behauptung aufftellte, die Volkshallc sei für die Gießener Verkehrswerbung gar nicht fördernd, sondern für die Gesck)äftswelt sogar nachteilig. Dieser Behauptung wurde von den Stadttatsmitgliedern Schwieder, Loeber und Leopold Mayer auf Grund ihrer Erfahrungen in der praktischen Verkeyrswerbung und im Geschästs- leben sofort widersprochen. Dennoch erscheint cs angebracht in der Oessentlichkeit einmal nachzuvrüsen, welche Bedeutung die Gießener Volkshallc für die Verkehrswerbung unserer Stadt besitzt und welche Auswirkungen auf unser Geschastsleben, wie auf die heimische Wirtschaft überhaupt bei ihr zu verzeichnen, sind. Bei einer Rückschau auf die Zeit seit Bestehen der Volkshalle zeigt sich, baß sie alljährlich zahlreichen großen Veranstaltungen Raum bot, die nur in diesem großen Bau zu ermöglichen waren, da kein anderes Lokal unserer Stadt imstande ist, mehrere tausend Menschen gleichzeitig zu fassen. Das Jahr 1925 brachte nach der zunächst mehr behelfsmäßigen Herstellung des Baues als erste große Veranstaltung das Mittelrheinische Kreisturnfest, durch das Taufende von Gästen in der Volkshallc zusammengeführt wurden. Im Jahre 1926 diente die Halle u. a. zur Aufnahme von Tausenden bei dem Vortrage Dr.Ecke- ners, bei einer großen Veranstaltung des Reichsbanners und des Turnvereins 1846, die sämtlich im Sommer ftaöfanben; im September 1926 folgte dann die große Gartenbau- und Elektrizitätsausstellung, die gleichfalls von vielen taufend Menschen besucht war. Das Jahr 1927 brachte in der Volkshalle zuerst den großen Kavalleristentag, dann vom 1. bis 19. Juni eine Gewerbeausstellung, weiterhin eine Anzahl Veranstaltungen der verschiedensten Art, bei denen gleichfalls Besucherzisfern festzustellen waren, die über das Fassungsvermögen aller übrigen Gießener Lokale hinausgingen: im November des gleichen Jahres folgte dann eine große Geflügelausstellung. Auch im Iahre 1928 wurde die Volkshalle in steigen- dem Maße in Anspruch genommen: es sei hier nur erinnert an die große Tagung des Hessischen Land- bundes, an zwei bedeutende Veranstaltungen des beiberg uni) folgte im Herbst 1925 einem Rufe als Extraordinarius für deutsches Zivilrecht nach Genf. Der Lehrstuhl der orientalischen Philologie an der Universität L e i p z i g ist dem ordentlichen Professor Dr. Erich Bräunlich in Königsberg i. Pr. an- geboten worden. Bräunlich studierte in 5)aUe, Wien und Leipzig, wurde dort 1922 Privatdozent, 1930 Ordinarius in Königsberg. Professor Dr. Bernhard Fehr in Zürich hat den Ruf auf den Lehrstuhl der englischen Philologie an her Universität Berlin als Nachfolger von W Sibelius abgelehnt. Zeitschriften. — „Der Erdball". Illustrierte MonatS- schrist für das Gebiet der Länder- und Dölker- kunde, herausgegeben von Leo Frobenius. fünfter Jahrgang Heft 7. Pre:s vierteljährlich 3 Mark. Einzelhefr 1.25 Mark. Hugo Dermühler Derlag. Ber.in-Lichterfelde. - Die ©egend von Hallstatt ist heule säst jedem bekannt durch die dorj gefundenen Gräber, der sogenannten Hallstatt- per.ode. Aber auch das moderne Hallstatt hat eine berühmte Dchödelstätte. die uns Dr. Morton int neuesten Hesl de» ..Erdball" sowohl bildlich wie textlich nähcrbringt. Die Schädel der Der- storbenen werden dort nach einigen Jahren gebleicht. mit Ramen versehen und im Gewölbe der Kirche aufbewahrl, eine nach Jahrhunderten zählende Gelch chte dcrer von Hallstatt. — Ein glanzvoller Artikel über Buddha von Professor Heinrich Zimmer unterrichtet über den großen Religionsstifter und seine Lehre. — „Geographische Gedanken zur chinesischen Kulturkrife" von Dchmilthenner, und „Chinesisches Leben im Roman" von Steinen führen in das geistige und wirtschaftliche Denken des Chinesen. Don Dagestan. das von der Sowjetrepublik modern kultiviert wird, und Honolulu, der von Amerikanern zivilisierten Südleeinlel. handeln zwei Aufsätze. Eine viellausendjährige Geschichte der Sklaverei von Dr. Rob. Pfafs-Giesberg zeiyl unS. daß bie Menschheit heute mehr denn ie zum größten Teile als in der Sklaverei lebend, anzusehen ist. Eine Reihe von weiteren interessanten Abhandlungen über Uvea und Florida ver> vollständ-gen das reich und schändebilderte Heft. Linier Frobenius' Leitung entwickelt sich die Zeisschr ft zu einer der besten völkerkundlichen Revuen Arbeiter-Kulturkartells, an die Tagung der Ober- hessischen Pilgermission, ferner an Veranstaltungen des Konzertvereins, der Sanitätskolonne usw. Das Lahr 1929 brachte in der Dolkshalle folgende große Veranstaltungen: Strauß-Konzert, Tagung der Kirchengesangvereine Hessens, Hygiene-Ausstellung, Mittelrheinisches Schützenfest, Universitäts- und Studentenfest Verfassungsfeier, Automobilausstellung, Kunstturn-Wettkampf, da^u noch verschiedene andere Vereinsveranstaltungen. Aus dem Jahre 1930 sind von den Ereignissen in der Volkshalle hervorzuheben: Strauß-Konzert, Universitäts- und Studentenfest, Verfassungsfeier, Militär-Großkonzert, Feuerwehr, fest, Wahlversammlung der SPD. und eine große Landes-Geflügelausstellung. Im Jahre 1931 fanden bis jetzt in der Dolkshalle statt: ein Strauß-Konzert, die Kundgebung der NSDAP., ein Konzert des Orchestervereins, das Studenten, und das Universitätsfest: weitere große Veranstaltungen in der Dolkshalle werden im Laufe d. I. noch folgen. Neben den großen Ereignissen in der Halle ging die Benutzung dieses Baues für sportliche Hebungen einher, an denen bisher namentlich die Arbeiter-Sportbewegung stark beteiligt war. Wie sehr die Veranstaltungen in der Volkshalle für den Besuch unserer Stadt von aus- wärts förderlich waren, geht allein aus der Tatsache hervor, daß nach den Ermittlungen des Dolkshalle- Vereins in der Zeit vom 1. Juli 1925 bis 30. Juni 1931 allein bei großen Veranstaltungen in der Dolkshalle rund 224 000 Fremde zugegen waren. Don diesem Besuch hat unsere Geschäftswelt direkt und indirekt einen zwar ziffernmäßig nicht feststellbaren, sicherlich aber nicht zu unterschätzenden Ertrag für sich verbuchen können. Dabei ist weiter zu beachten, daß von den Städten der Nachbarschaft die Volkshalle in Gießen mit wenig freundlichen Gefühlen betrachtet wird, weil man dort genau weiß, daß durch diese Einrichtung eine ganze Reihe von Veranstaltungen in Gießen möglich ist, die man selbst gern hätte, wegen Mangels an Raum aber nicht zustande- bring'en kann. Wer sich rückschauend das Bild der großen Deranstaltungeck in unserer Stadt in den letzten sechs Jahren vergegenwärtigt und dabei die vorerwähnte Ziffer des Fremdenzustromes sich vor Augen hält, wird nicht bestreiten können, daß die Volkshalle in der Tat ein gutes Verkehrs- werbemittel für unsere Stadt darstellt. Neben dieser Eigenschaft kommt der Volkshalle aber auch eine be merkenswerteallgemeinwirtschaftliche Bedeutung für unser Ge- meinwesen zu. Einige Ziffern mögen den Beweis liefern. Von 1926 bis Ende 1930 wurden bei den Veranstaltungen in der Volkshalle nach den Aufzeichnungen des Volkshalle-Dereins 640,80 Hektoliter Bier verzapft, 5193 Flaschen Wein, 256 Flaschen Schnaps und Likör und 24 134 Flaschen Selterswasser und Limonade verkauft, ferner noch große Mengen Kaffee, Kuchen, warmer und kalter Speisen, sowie Zigarren und Zigaretten abgegeben, die doch allesamt zum weitaus größten Teile aus ortsansässi- gen Gewerbebetrieben stammen bzw. durch diese bezogen wurden und mithin zu erwünschten Einnahme- Möglichkeiten für unsere Geschäftswelt wurden. Die Stadt konnte an Vergnügungssteuer aus den Veranstaltungen in der Dolkshalle in der Zeit vom 1. Juli 1925 bis 30. Juni 1931 die Summe von 21856,06 Mark einnehmen, die Straßenbahn ver- zeichnete durch die Veranstaltungen in der Dolkshalle vom 1. Juli 1925 bis 30. Juni 1931 eine Mehrein- nahme von 72 955 Mark. Die Einnahmen des Dolks- Halle-Vereins selbst beliefen sich in der Zeit vom 1 Juli 1925 bis 30. Juni 1931 auf 83 631,03 Mark und kamen zum allergrößten Teile auch wieder der heimischen Wirtschaft zugute. Wenn man sich da'Zu erinnert, daß die reinen Arbeiterlöhne beim Bau der Dolkshalle sich auf mindestens 150 000 Mark beliefen und unter Einschluß der indirekten Lohnsummen bei Materiallieferungen aus heimischen Betrieben sogar noch höher zu veranschlagen^ sind, schließlich bei allen früheren und künftigen Veranstal- . tungen in der Volkshalle doch stets ein erheblicher "Teil auf Löhne und Gehälter der liefernden Gießener -Firmen entfällt so wird man wohl unwidersprochen behaupten dürfen, daß nicht die Ges chäfts- welt allein, sondern darüber hinaus auch breite Schichten der Arbeitnehmer- s ch a f t an der Existenz und an dem weiteren Ausbau der Volkshalle interessiert sind. Erfreulicherweise haben die Stadtverwaltung und die Mehrheit des Stadtrats von jeher weitgehendes Verständnis und stete Hilfsbereitschaft für das Werk des Volkshalle-Vereins bekundet, wobei wohl nicht ohne Einfluß die Tatsache war, daß aus der Ge- schäftswelt heraus rund 120 000 Mark der Stadt zinslos für den Bau der Volkshalle zur Verfügung gestellt wurden. Daß in der Halle noch manches der Vervollkommnung bedarf — wir erwähnen als Beispiel nur die Heizung — ist als allgemeine Ansicht der Bürgerschaft zu bezeichnen. Die Schwierigkeiten der Finanz- und Wirtschaftslage, besonders in den letzten anderthalb Jahren, haben natürlich hemmend auf den Ausbau der Volkshalle eingewirkt, wie sie ja auch als ausschlaggebendes Moment für die Fehlbeträge in der Dolkshallerechnung, die von der Stadt übernommen wurden, anzusehen sind. Aber man darf wohl hoffen, daß nach Ueberwindung dieser Wirtschaftsschwierigkeiten auch für den Volkshalle- Verein und für den Ausbau der Halle eine günstigere Zeit anbrechen wird, so daß es sicherlich nicht des von Herrn Hornberger im Stadtrat empfohlenen Konkurses des Dolkshalle-Vereins bedarf — wobei, nebenbei bemerkt, die Anteilscheingläubiger des Volkshalle-Dereins, die mit einem Kapital von etwa 90—100 000 Mark heute noch In der Gießener Ge- chäftswelt zu finden fein werden, mit ihrem Kapital tarf gefährdet wären bzw. ausfallen würden, — um liefe Einrichtung unseres Gemeinwesens wieder auf eine Basis zu stellen, die günstiger ist als die heutige. Man muß nur hoffen und wünschen, daß die Mehrheit des Stadtrats allezeit die oerkehrswerbende Kraft der Dolkshalle und ihre wirtschaftliche Bedeutung für breiteBürgerschichten inrichtigerWeise würdigt, damit auch seitens der städtischen Körperschaften alles getan wird, um unserer Stadt mit diesem Instrument der Verkehrswerbung einen beachtenswerten Vorsprung im Wettbewerb der Städte unseres Bezirks unter allen Umständen sicherzustellen. Von diesem Gesichts- punkt ausgehend ist auch die Uebernahme der ftäbti- schen Bürgschaft für ein Darlehen des Volkshallevereins bei der Girozentrale, mit dem eine Darlehns- schuld des Vereins bei der Stadt abgelöst werden soll, gerechtfertigt und ohne Bedenken, zumal es sich bei der Dolkshalle ja um einen Bau handelt, der von Jahr zu Jahr immer mehr in den ausschließlichen Besitz der Stadt übergeht. SJL-tfpoti Leichtathletik der Sp.-Vg. 1900. Erfolgreiches Abschneiden in Offenbach. 2lm vergangenen Samstag und Sonntag gingen die Nationalen Wettkämpfe des BSC-99 Offenbach vonstatten. Die 1900er waren dabei zahlenmäßig schwach vertreten. 3n der Jugendklasse A gingen Daumstieger und Mootz an den Start. Daumstieger, der Favorit war. rechtfertigte die in ihn gesetzten Hoffnungen und gewann den Lauf sicher in 4:32,4 Win. Es folgten Löwe! (SD. 93 Darmstadt) in 4:33.1 Min.. Dörr (SD. 98 Darmstadt) in 4:34,1 Min. und Mvotz (1900) in 4: 35 Min. Die Zeiten wurden durch den böigen Wind stark beeinträchtigt. Don den Aktiven war nur Spaar am Start. 3m Speerwerfen Klasse III belegte er mit 43,80 Meter den dritten Platz. Der jugendliche DfB.er Luh vermochte im Kugelstoßen erneut seine zuverlässige Form zu beweisen. Er belegte mit 14,19 Meter den 1. Platz. Oer Rhön-Wettbewerb. Massenstarts am Dienstag. Der gestrige Dienstag brachte Massenstarts der Leistungs- und Llebungsflieger. Zu Zeiten waren 18 Maschinen in der ßuft, die über dem Fuldatal segelten. Nacheinander löste sich aus dieser Masse eine ganze Reihe von Seglern los, um den Oechsenberg bei Vacha anzusteuern, der nach den Bedingungen umrundet werden muh. Der Preis fordert die Rückkehr nach der Wasserkuppe innerhalb einer 1500-Meter-Zone. Don keinem der Flieger wurde bisher diese Bedingung restlos erfüllt. Groenhoff und Drix landeten nach etwa vierstündigem Fluge am Nord- Hange der Wasserkuppe. Kronfell), der sich ebenfalls an diesem Kampf beteiligte, lag noch weiter ab und landete erst um 18 Ähr bei Gotthards in der Rhön. Mittlerweile lieferten sich die ülebungsflieger einen Kampf um Dauer und Höhe. Dieser Kampf war in den späten Abendstunden noch nicht beendet. Am Sonntag hatte die Wasserkuppe sehr starken Desuch. Unter den Gästen befanden sich auch der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau. Haas, und der Regierungspräsident Dr. Friedensburg. Kassel. Am späten Abend kehrten die beiden Wolkenflieger Hirth und Groenhoff von ihren großen Ausflügen zurück und wurden mit Herzlichkeit und mit Gratulation im Lager empfangen. Groenhoff hat rund 220, Hirth 175 Kiünneter zurückgelegt. Beide Piloten berichteten übereinstimmend über eine außerordentliche Anspannung während dieses Fluges. Streckenweise seien sie so herumgeschüttelt worden, daß ihnen nur noch der Steuerknüppel einen festen Stützpunkt gewährte. Die erste große Bedingung des Wettbewerbs ist mit diesen beiden Flügen erfüllt. Hirth und Groenhoff sind die beiden Anwärter auf den Fernsegelpreis, der mindestens 100 Kilometer Entfernung, fordert, also von beiden weit überboten worden ist. 3n Anwesenheit des Landrats des Kreises Gersfeld ist durch Oskar Ursinus und Graf 3 s e n b u r g von der Rhön-Rossitten-Gesellschaft in der Reithalle des Barons von Waldhausen in Hersfeld eine kleine Segelflugausstellung eröffnet worden, dte die Entwicklung des motorlosen Fluges zeigen soll. Abschluß des Aachener Reitturniers. Am letzten Tag des Aachener 3nternationalen Reit- und Fahrtumiers hatten sich 20 000 Zuschauer eingefunden. Die Hauptkonkurrenz des Arges, der „Große Preis von Aachen" (Schweres Jagdspringen der Klasse Sa), sah wieder die Italiener auf der ganzen Linie erfolgreich. Sieger blieben Rasello unter Oberstleutnant Filipponi und Crispa unter Oberstleutnant Borsarellis. Don sieben Hauptkonkurrenzen des Turniers haben die 3taliener, die sich den Deutschen diesmal stets überlegen zeigten, fünf gewonnen. Deutsche Zugendkrast. Fritz Völzlng Gaumeister übet 3000 Meter. Zu dem Gausportfest, das am vergangenen Sonntag in Jügesheim bei Offenbach zum Austrag kam, entsandte die Deutsche Jugendkraft Gießen sechs Teilnehmer, die sich trotz stärkster Beteiligung überraschend gut durchsetzten. Es starteten unter anderem namhafte Leichtathleten aus Frankfurt, Mainz, Darmstadt und Offenbach. Etwa 460 Teilnehmer stellten sich dem Starter. Die Vorkämpfe wurden bereits am Vormittag ausgetragen und brachten zum Teil recht spannende Kämpfe. Die Entscheidungen fielen am Nachmittag. Hierzu hatte sich eine über Erwarten große Zuschauermenge eingesunden, die mit großer Aufmerksamkeit den Vorgängen auf Eva am <5fr- minalkommiffar nach Norderney entsandt werde. Der Kommissar werde sich mit ihm, Helbing, in Verbindung setzen; er möge bis dahin unter keinen AmstLnden etwas unter ehmen. , (Fortsetzung folgt.). Für den Büchertisch. Bücher zur Sozialpolitik Seiten 8°. Leinen 6 (Br des Fr-: Hebels erfolgen. — Meyer au Schwabedisfen, Dr. Arbeitslosigkeit und WirtschastS- Politik. München 1931. 3 Schweitzer, Verlag. Kort. 1,50 Mk. (251) — Au- einer Darstellung unserer bisherigen wirtschaftlichen Entwicklung wird die Schlußfolgerung gezogen, bah aNein eine planmäßige Wirtschaftspolitik die allgemeine wirtschaftliche Hot beseitigen kann. Lebenskunde. — Auaust Messer: „Leben-Philosophie", Verlag Felix Meiner, Leipzig. Preis geheftet 4,80 Mk. Ganzleinen 5.80 Mk. (207.) — Mit „Leben-Philosophie" ist hier nicht ein bestimmte« philosophisches System, sondern ein bestimmtes Verhältnis von Philosophie und Leben zueinander gemeint: ein Verhältnis gegenseitigen OlfenseinS füreinander, gegenseitiger Befruchtung. Es wird an zahlreichen lebensvollen und oft erschütternden Änderungen von Menschen deS praktischen Leben- zur Anschauung gebracht, wie mächtig da- VedürsniS nach philosophischer Klärung in breiten Volksschichten wirkt und wie man hier mit eignem Rachdenken bedeutsame Probleme zu fassen und zu bewältigen versucht. Daß angesichts dieser Lage, dieser im Volk lebenden Sehnsucht nach Philosophie und diesen Versuchen. aus eigene Faust zu philosophieren, den Vertretern der Zachphilosophie eine bedeutsame kulturelle Aufgabe erwächst, wird nicht minder eindringlich gezeigt. (Bin lebensnahes, wissenschaftlich begründetes und doch echt „elementare-" Philosophieren könnte unserem Volke, da- durch Rot, skrupellose Propaganda, Auspeitschung der Leidenschaften in schwerster innerer KrisiS sich befindet, mit Helsen zur Klarheit, Vorurteilslosigkeit des Denken- auch über die politischen und wirtschaftlichen Vedrängnisse und ihm so einen wichtigen Dienst leisten zur inneren Gesundung. — Der Seele glückhafte-Haushalt- b 2