Nr. 74 Erstes Blatt 18J. Jahrgang Samstag, 28. März 1931 6rid)etm lügl'ch.autzn Sonntags und feiertags Betlogen Ott Illustrierte Bietzen« Famllienblättei Heimat im Bild Vie Scholle monats-Bejugsorets; 2.20 Reichsmark und 30 Netchspsenntg für Träger- lohn, auch bet Nichterscheinen einzelner Nummern Infolge höher« Gewalt. Zervsorechanschlüsse anter5ammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten Snjetger Lietzen. PoNfd)t zur Klärung kaum beigetragen haben dürften, die Stluft zwischen dem Zentrum und der radikalen Rechten jedoch noch verbreitert hoben. Der Reichskanzler hoffte, unter Ausnutzung der prekären politischen Lage, in die die Sozialdemokratie durch den Aus- gang der Septemberwahlen hineingeraten war, diese vor seinen Wagen spannen zu können, ohne dasür einen Preis zahlen zu müssen, der sein Vermögen übersteigen werde. Die Hoffnung hat nicht getrogen, bic Angst vor Neuwahlen und die Furcht vor einem Verlust der Herrschaft in Preußen war bei den So- zialdemokraten sogar so groß, daß sie auch nach dem Auszug der radikalen Rechten aus dem Parlament zu Beginn der Etatsberatungen ihre neue Schlüsselstellung im Reichstag nicht zu einem Druck auf ben Kanzler und die Mittelparteien ausnutzten, daß es vielmehr Dr. Brüning in 'entscheidenden Augenblicken jedesmal gelang, die Sozialdemokraten mit dem*Hinweis auf eine drohende Kabinettskrisis bei der Stange zu halten, ohne ihren Wünschen wehr entgegenzukommen, als es mit den Grundsätzen feines Regierungsprogramms vereinbar gewesen wäre. Gewiß hätte manches Gesetzgebungswerk der letzten Monate unter Mitwirkung der Rechten, namentlich der Deutschnationalen, in Einzelheiten ein anderes Aussehen erhalten, als nun in der Zusammenarbeit zwischen gemäßigter Rechten, Mitte und Sozialdemokratie, aber im Ganzen genommen wird man sagen dürfen, daß der Reichskanzler nicht von seinem graben Wege abgeirrt ist unb alles hat bvrchsctzen können, was er burchsetzen zu müssen glaubte, um an ber Durchführung seines Reformprogramms Weiterarbeiten zu können. Der Etat würbe rechtzeitig verabschiedet, das großzügige Werk der Osthilfe kann nach Annahme der grundlegenden Gesetze ins Leben treten unb dem Kabinett wurden auf finanz- und zollpolitischem Gebiet die Ermächtigungen erteilt, die es verlangt Hot. Set Reichsrat erhebt Einspruch gegen die neuen Steuern. Der Reichstagsbeschluß auf Erhöhung der Einkommensteuerzuschlage und der Tantiemensteuer wird aufgehoben. Berlin, 27.Mär;. (VDZ.) Der Rcichsral beschloß am Freitagabend gegen einige Stimmen bei Stimmenthaltung Hessens, gegen die auf Antrag der Sozialdemokraten vom Reichstag beschlossenen erhöhten Zuschläge zur Einkommen st euer über 20 000 Mark und zur Aufsichtsratssteuer Einspruch zu erheben, und zwar mit Rücksicht auf die Kapitalbildung unb auf die Stärkung de» vertrauens der Wirtschaft, denen nach Ansicht des Reichsrates Steuererhöhungen widersprechen würden. Der Reichsrat spricht jedoch die Erwartung aus, daß den Gemeinden die Wohlfahrtserwerbslosenlasten auf andere Weise erleichtert werden, z. B. durch sofortige Verlängerung der Auslauffristen der Krisenunterlüh u n g. Die beim Etat vom Reichstag beschlossene ll m - tellung von 2000 Assi st enten st eilen aufdenLandesfinanzämternundver- sorgungsämtern wurde vom Reichsrat a b - gelehnt. Desgleichen fiel d i e lieber roel- jung von 5 Millionen an die Knappschaftsversicherung, die aus ber vom Reichsrat abgelebten Tantiemesteuererhöhung bestritten werben sollte. 3m übrigen beschloß der Reichsrat, den vom Reichstage vorgenommenen Ausgabeerhöhungen im Etat jujuftimmen. Auch den drei Millionen für die Kinderspeisung wurde zugestimmt, obwohl dieser Betrag gleichfalls durch die lanticmefteuer gedeckt werden sollte. Der Berichterstatter, Ministerialdirektor Dr. Brecht, brachte hierzu zum Ausdruck, daß der Rcichsral in der heutigen Zeit eine Streichung des Betrages nicht für angebracht hält, und daß der Ausgleich im Rahmen des gesamten h a u s h a l t e s von der Reichsregierung auf Grund der ihr vom Reichstag erteilten Sparermächtigung gesucht werden müsse. Dem Etat wurde endgültig zu gestimmt. 3n einer Entschließung spricht der Reichsrat die Lr- wortung aus, daß die Reichsregierung, wenn durch eine Notverordnung Länder und Gemeinden berührt werden, vorher mit dem Reichsrat Fühlung nehmen wird. Den Reichstagsbeschlüfsen zur Osthilfe und zur Zolloorlage wurde zugestimmt. Line neue Fassung der Biersteuer und neue Aussührungsbestimmungen zu diesem Gesetz genehmigte der Reichsrat. Dabei wurde beschlossen, daß Hausbrauereien, die Bier verkaufen, ihre gesamten Biermengen normal verst e u e r n müssen, also des Steuerprivilegs verlustig gehen. Auf Wunsch der Branntwein-Monopolver- roaltung erhöhte der Reichsrat das Brennrecht der landwirtschaftlichen Kartosselbrennereien von 60 auf 70 Prozent. Zustimmung fand fchliehlich auch eine Verordnung über die Ermäßigung der Kraftfahrzeug st euer für größere Personenwagen, die bereits über 5 3ahre a (t sind. Oie Aibeitstosigkeit. Wie weit ist die Gutachter-Kommission mit ihrer Arbeit? 03er lin, 27.März. (CAD.) Die Mitglieder des Reichskabinetts hatten in der Reichskanzlei eine Besprechung, die einer Beratung der kommenden Aufgaben galt. Nachdem der Reichstag sich vertagt hat, wollte man sich nun darüber klar werden, welche Maßnahmen die Regierung zu ergreifen hat, um der gegenwärtigen Rot zu steuern. 3m Mittelpunkt aller dieser Erörterungen steht die Arbeitslosenfrage. Das ergibt sich schon daraus, dgh auch der frühere Reichsarbeitsminister Dr. Brauns an den Beratungen teilnahm. Er berichtete über den Stand der Arbeiten des Ausschusses, dem bekanntlich aufgegeben worden ist, Vorschläge zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit zu machen. Die Gutachterkommission hat zu den Fragen einer besseren Arbeitsverteilung und zu den Fragen der Arbeitsbeschaffung in ausführlichen Beratungen Stellung genommen. Die Verhandlungen über die Fragen einer Regelung der Arbeitszeit und ber Behanblung der Doppelverdiener find abgeschlossen. Die Kommission wird ihre Gutachten hierüber noch vor Ostern der Reichsregierung zuleiten. Jedem (9ut- achten werden formulierte Vorschläge zu Maßnahmen der privaten Wirtschast, der Verwol tung und der Gesetzgebung beigesügt sein. Die Kommission wird in der zweiten Woche nach Ostern während vier Tagen ihre Beratungen fortsetzen, um dann auch das im wesentlichen bereits feststehende Gutachten zu dem ganzen Fragenkomplex der Arbeitsbeschaffung ebenfalls abzuschließen. Unmittelbar daran anschließen werden sich Beratungen über die unterstützende Arbeitslosenhilfe. Oer Reichsbanttredit für die Arbeitslosenversicherung. Berlin, 27. März. (ERB.) Die Verhcmdkun- gen zwischen der Reichsbank und der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung haben zum 2lbschluß eines Kredits in Höhe I von 83 Millionen Mark geführt. Die Deranlas- Die Debatte Über das deutsch-österreichische Zollabkommen. Ruhige Auffassung in Berlin. Tie tschechischen und französischen Drohungen lassen kalt. Berlin, 27. März. (ERD.) 3n unterrichteten Kreisen hat man den Eindruck, daß die internationale Debatte über die Zollunion heute doch schon etwas nüchterner geworden ist. Wenn übrigens der tschechoslowakische Außenminister eine Wendung gebraucht hat, nach der die Tschechoslowakei den Plan nicht annehmen könne, so ist darauf hinzuweisen, daß ja schließlich auch nurDeutschlandund O e st e r r e i ch ihn anzunehmen haben: andere Mächte können nur Einwendungen nach der juristischen Seite hin machen, und der Kanzler hat ja erklärt, daß wir eine juristische Rachprüfung nicht zu scheuen hätten. Es handelt sich aber nicht darum, ob ein dritter Staat den Plan „annimmt" oder nicht. Die französische Drohung, die Zollunion mit der Kündigung des H an d e 1 s v e r t r a- ges zu beantworten, wird in Berliner Kreisen sehr ruhig ausgenommen. Schon vor einem Vierteljahr bei dem Abschluß des Zusatzabkommens ist von französischer Seite bemerkt worden, daß der Handelsvertrag demnächst gekündigt werden müsse. Der Qkrtrag hat sich nämlich anfänglich zugunsten Frankreichs entwickelt, dann aber seit anderthalb Jahren doch recht stark zu unseren Gunsten: das hängt mit der Konjunkturentwicklung und der Tatsache zusammen, daß Frankreich von der Wirtschaftskrise bisher noch verhältnismäßig wenig gemerkt hat und deshalb kaufkräftiger ist, was natürlich unseremExportzugutekommt. Aus diesem Sachverhalt ergibt sich, daß die Kündigung des Vertrages, die übrigens immer am Ende eine« Monats mit dreimonatiger Frist erfolgen kann, mit der Zollunion wenig zu tun hat, sondern ohnehin erwartet werden muhte. Prag fühlt sich brüskiert. Prag, 27. März. (WTB.) Ministerpräsident Ubrzal erklärte ber Presse, bie allgemeine Wirt schaftskrise unb bie Notwenbigkeit, ben Frieden zu sichern, erfordern eine solche Konzeption, die nicht schon von vornherein den Eindruck e i n es Diktats macht, eine Konzeption, die trotz der gegenteiligen Versicherung als politische unb wirtschaftliche Reservation jener Staaten, bie sie in erster Reihe betrifft, ausgelegt werden könnte. Man kann keinen Staat vor ein fertiges E r eignis ft eil en. Wir wollen ein aufrichtiges freundschaftliches Verhältnis und geordnete wirtschaftliche und Verkehrsoerhältnisse mit allen unseren Nachbarn. Gerade deshalb wünschen wir, daß die Grundlagen im gegenseitigen Einvernehmen vereinbart werden, daß sie das Ergebnis eines Kompromisses aller beteiligten Mächte seien, denen an einer ruhigen Entwicklung Europas liegt. Alle Partikularisierungsbestrebun gen, wenn sie auch von der Versicherung begleitet sind, daß sich die übrigen Länder anschließen können, bedeuten eine neue Beschränkung ber freien Entscheidung und stellen bie verantwortlichen Faktoren vor Tatsachen, auf die sie keinen Einfluß hatten. Dabei ist es begreiflicherweise nicht ohne einige Betriebsunfälle angegangen, deren Wirkung der Kanzler jedoch durch die Einschaltung des Reichsrats bisher hat abbiegen können. So wurde die vom Kabinett abgelehnte Erneuerung des zollfreien Ge- frierfleischkontingents durch Zustimmung der Sozialdemokraten zu einem kommunistischen Antrag vom Reichstag beschlossen, der Beschluß jedoch, da eine Zweidrittelmehrheit für dieses Gesetz im Reichstag nicht zu erhalten ist, durch den Einspruch d^s Reichsrats annulliert. Auf ähnliche Weise hat der Kanzler, bie im Reichstag mit einer sozialdemokratisch- kommunistischen Mehrheit angenommene Erhöhung ber Einkommensteuerzuschläge bei Einkommen über 20 000 Mark unb bie Tantiemensteuer ebenfalls roicber beseitigt. Für ihre Stimmenthaltung, mit ber bie Sozialdemokratie bie Bewilligung ber ersten Baurats für bas Panzerschiff B ermöglichte, meinte sie, vom Kabinett „Kompensationen" forbern zu können, unb sie hatte sich, nachdem andere Wünsche schon bei ber ersten Fühlungnahme abschlägig bc schieben worben waren, als solche Kompensationen triefe beiben, augenscheinlich „anti'.apitalistischen" unb deshalb besonbers populären Einkommensteuern ausgesucht, allerbings ohne bamit beim Kanzler mehr Glück zu hoben, ber jebc Steuererhöhung, .als seinem auf bie Förberung ber inneren Kopitalbil- bung abzielenben Programm zuwiberlaufenb, für untragbar erklärte. Selbe Steuern wurden zwar trotz des Widerspruchs der Regierung vom Reichstag'beschlossen, ber Reichsrat hat jedoch auch hier Einspruch erhoben, ba es dem Reichskanzler gelungen ist, bie preußische Regierung zu entspre- chenben Instruktionen ihrer Reichsratsbevollmachtlg- ten zu veranlassen. Die sozialbemokratisch-kommu- nistischen Antragsteller hatten zwar gemeint, diese gefährliche Klippe im Reichsrat dadurch umschiffen zu können, daß sie den Ertrag des erhöhten Einkommensteuerzuschlags für die notleidenden Gemeinde n bestimmt wissen wollten. Aber dieser billige Versuch des Stimmenfangs unter den Län- beroertretern im Reichsrat ist ihnen nicht gelungen. Die Länber haben sich gesagt, baß eine Bagatelle von 35 Millionen, auf bie man ben Ertrag ber Steuerzuschläge schätzt, feine wirksame Hilfe für bie ©cmeinben fein kann, baß man jeboch mit ber Zustimmung zu dem Reichstagsbeschluß bie Existenz bcs Kabinetts Brüning aufs Spiel setzte unb damit unter Umständen bie Reform des Finanzausgleichs unb bie Neuordnung ber Erwerbslosenhilfe, von benen allein ben ©cmeinben, deren Finanzen unter ben im verflossenen Winter erschreckenb angewachsenen Lasten für bie Wohlsahrtserwerbslosen zusam- rnenzubrechen brohen, burchgreifenbe Hilfe kommen kann, ad calendas graecas vertagen würbe. Nachdem der Reichstag die ihm von ber Regierung gestellten Aufgaben erledigt hat, hat er sich bis zum Oktober vertagt. Er ist damit wieder zu der bewährten Dorkriegstradition zurückgekehrt, die ja keineswegs die Dauertagungen der parlamentarischen Körperschaften konnte, wie sie höchst überflüssigerweise im letzten Dezennium üblich geworden sind. Do ber Reichstagspräsident entroeber aus eigener Initiative ober auf Wunsch einer Mehrheit bcs Aeltestenrats ben Reichstag auch in ber Zwischenzeit jederzeit roieber einberufen kann, kann van einer „Ausschaltung bes Reichstags" ober gar von einem „Nachhauseschicken" keine Rebe sein. Die Vertagung nach Erledigung des ihm gestellten Programms ist nach der Reform der Geschäftsordnung nur ein neuer erfreulicher Beweis von Selbstdisziplin des Parlaments, das seinem durch den parlomenta,rischen Schlendrian der letzten Jahre etwas ramponierten Rufe nur zum Nutzen geraten kann. Die Reichsregierung aber gewinnt durch die Befreiung von der Last der parlamentarischen Mr- beit Zeit und Kraft, sich mit voller Energie der Durchführung der eben beschlossenen großen Reformwerke der Osthilfe und der Agraroorlage zu widmen unb darüber hinaus die Reform der öffentlichen F i n a n z w i r t s ch a f t unter dem Gesichtspunkt einer endlich fühlbaren Lasten ° s e n t u u g und einer Sanierung ber G e - meinbefinanzen weiterzuführen, was nicht ohne bie Inangriffnahme einer umsassenben S o - z i a l r e f o r m möglich sein wirb. Im Brennpunkt ber Staatspolitik steht auch weiterhin bie Frage der Arbeitsbeschaffung durch Belebung der Wirtschaft, undenkbar ohne Förderung des Binnenmarkts, wozu Ost- und Agrorhilfe bie ersten Schritte finb. So schließt sich ber Kreis, alles steht in engstem Zusammenhang unb nur eine kluge, weitaus- schauende Politik, bie stets bas Ganze im Auge Hot, wird in mühseliger, zäher Kleinarbeit, in stetem Kampf mit ungezählten Widerwärtigkeiten die breite Zone ber Unpopularität durchschreiten, ohne das letzte Ziel aller inneren Reformen aus dem Auge zu verlieren, den Weg ins Freie, den uns heute noch das ungelöste Reparationsproblem verbaut. Der konservative Führer Graf Westarp hat in der vorletzten Sitzung des Reichstags den Kanzler mit Recht an diese engen Zusammenhänge erinnert unb geforbert, daß im Sommer die außen politische Aktion einfetzen müsse mit dem Ziel der erneuten Aufrollung ber Reparationsfrage. Ob es dazu fchon an der Zeit ist, wird heute noch kaum zu entscheiden sein. Der Weg der Vernunft, den Reichskanzler Dr. Brüning in den letzten Märztagen des vergangenen Jahres beschritten hat und von dem ihn auch schwerste Erschütterungen dieses Krisenjahres nicht Haden abbringen können, Hot bie Gefahrenzone noch nicht hinter sich. Wohl sind erste Anzeichen einer Besserung ber Wirtschaftslage, einer langsamen Uebenoinbung der Der- trauenskrisis hier und da spürbar, aber nur eine feftc Hand unb ein klares Auge, zäher Wille unb eiserne Beharrlichkeit werden allen Rückfällen zum Trotz den Kurs holten können, der unser Schifflein ins offene Meer führt. jung zu diesen Verhandlungen hat die Trennung der Reichsanstalt vom Reichs- Haushalt mit Wirkung vom 1. April gegeben. Der von der Reichsbank gewährte Kredit ist als Lleberbrückungskreditsür diebeoor- stehenden saisonmästig schlechten Monate, in denen die VeitragSeingänge für die Zahlung der Unterstühungsgelder nicht ausreichen, aufzufassen und soll später aus den Eingängen Her saisonmähig besseren Monate im Gommer und Herbst z u r ü cf g c zahlt werden. Die Unterlagen für den Reichsbankkredit bilden die Reichsbahnvorzugsaktien von nom. 125 Millionen Mark, dir das Reichs- finanzministeriurn der Reichsbank zur Verfügung gestellt hat: diese werden zu 75 v. H. ihres Kurswertes mit der üblichen Verzinsung von 1 v. H. über Reichsbankdiskont in Lombard gegeben. Mit dieser Transaktion wird die Periode einer stärkeren Einschaltung der Reichsbank in den Geldverkehr der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung eingeleitet. Tie Arbeitsämter sind angewiesen worden, Reichsbank-Girokonten anzu- legen, soweit solche noch nicht vorhanden sind. Auf diese Weise hofft die Reichsanstalt, schneller in den Besitz der Veitragsringänge zu kommen. Oie Opposition in der Sozialdemokratie. Tie Funktionäre der SPD. Grotz-BreSlaus entziehen der Parteileitung ihr Vertrauen. Breslau, 28. März. Eine Versammlung der Funktionäre der SPD. Groß-Breslaus nahm nach einem Bericht des Reichstagsabgeordneten Ziegler (Breslau), der bekanntlich zu den neun sozialdemokratischen Abgeordneten zählte, die g e g e n d i e B c - willigung des Panzerkreuzers B stimmten, eine Entschließung an, in der das Verhalten derjenigen sozialdemokratischen Reichstagsfraktionsmit- glieder gebilligt wird, die sich gegen die Bewilligung der Rate für den Panzerkreuzer ausgesprochen haben. In der Entschließung heißt es weiter, die Tolerierung der Regierung Brüning habe nicht zur Rettung der Demokratie geführt, sondern nur die Ausschaltung von Verfassung und Parlament zur Folge gehabt. Die Funktionäre der SPD. Groß-Breslaus sähen sich deshalb veranlaßt, der Partei, und Fraktionsführung das Vertrauen zu entziehen. Sie forderten vom Parteitag Richtlinien für die Reichstagsfraktion, die der „t ( a f • senpolitifchenZielsetzung" der Partei entsprächen. Bad Berka wird Reichsehrenmal. Entscheidung des Reichskabinetts. Berlin, 27.März. (ERB.) Wie wir erfahren, hat das Reichskabinett eine Reihe laufender Angelegenheiten -erledigt, die vor der Öfter- pause noch zur Beratung kommen mußten. Der wesentlichste Punkt ist, daß dieEntscheidung über das Reichsehrenmal getroffen wurde. Das Kabinett beschloß als Ort des Ehrenmals Bad Berka in Thüringen auszuwählen. Zu diesem Beschluß nimmt vorläufig nur die „DAZ" Stellung. Das Blatt begrüßt, daß mit dieser endgültigen Entscheidung des Kabinetts errdlich auch Deutschland eine Stätte der Gefallenenehrung erhält, wie sie alle anderen Länder schon längst besitzen, und daß durch diesen Beschluß ein Konflikts st off aus der öffentlichen Diskussion verschwindet, .der seit 3ahren vorhanden war. Unter Hinweis ^darauf, daß sich schon vor längerer Zeit die sämtlichen F r o n t kä m p f e r v e r b ä n d e auf Bad Berka als Standort des Reichsehren- -rmals geeinigt und d ie Zustimmung des Reichspräsidenten gefunden haben, vertritt das Blatt die Ansicht, daß schon um der Würde des behandelnden Gegenstandes willen nach einmal erfolgte Entscheidung nunmehr alle Svnderwünsche zu schweigen haben. Stahlhelm und Kirche. Magdeburg, 27. März. (ERB.) Auf einer Kundgebung für das Stahlhelmvolksbcgehren gab der Gründer und erste Bundesführer des Stahlhelms Franz Seldte eine Erklärung über die Stellung des Stahlhelms zu den christlichen Kirchen ab. Der Stahlhelm debattiere nicht über die Staatsform, und er debattiere nicht über die christlichen Konfessionen. Der Stahlhelm wünsche und wolle mit keiner Kirche Kampf. Im Gegenteil, er wolle ein Zusammenarbeiten mit beiden christlichen Konfessionen, mit der Katholischen und mit der Evangelischen Kirche. Es handle sich um das Prinzip, und das Prinzip heiße: Der Stahlhelm will Frieden und Zusammenarbeit mit der christlichen Kirche. — Die Erklärung Seldtes ist veranlaßt worden durch eine Stellungnahme des bischöflichen Stuhls von Mainz und der katholischen Geistlichkeit der Dekanate Kreuznach und Bingen zur Stahlhelmbewegung. Kabinettssitzung in Weimar. Thüringen protestiert gegen schlechte Behandlung durch Wirth. Weimar, 27. März. (TU.) Das Thüringer Kabinett hielt am Freitag eine Sitzung ob, an der auch unbeachtet der Koalitionsspannungen die nationalsozialistischen Regierungsmitglieder Minister Dr. Frick und Staatsrat Marschler sowie der Vertreter der DVP., Staatsrat Bauer, teilnah- men. Das Kabinett erledigte eine Reihe laufender Angelegenheiten, ohne daß der Konflikt zwischen der Volkspartei und den Nationalsozialisten Erwähnung fand. Die Sitzung nahm, wie verlautet, einen durchaus ruhigen und sachlichen Verlauf. Auf Beschluß des Kabinetts wird Thüringen beim Reichskanzler Verwahrung dagegen ein- legen, daß Reichsminister Dr. Wirth den thüringischen Innenmini st er nicht zu der Berliner Besprechung der Innenminister eingeladen hat. Das Thüringer Ge- samtministerium erblickt in der Nichteinladung Thüringens eine Verletzung der Stellung des Landes. Weiter beschloß das Kabinett auf Betreiben der Volkspartei, daß die Landestheater künftig zu anderen als rein künstlerischen Zwecken nicht mehr zur Verfügung gestellt werden dürfen. 'Ausnahmen sollen künftig nur mit besonderer Genehmigung des Etaatsmini- steriums zugelassen werden. Dieser Beschluß geht auf die Abhaltung verschiedener parteipolitischer Veranstaltungen im Weimarer Nationaltheater zurück. Oie Weltagrarkrisis. Heftige Meinungsverschiedenheiten auf der Wcizenkonfercnz in Rom. Rom, 27.März. (WTB.) Auf der Internationalen Weizenkonserenz sprachen sich die Vertreter Polens.SüdslawiensundRumäniens für das System der Präferenzzölle als eines der wesentlichsten Mittel zur Behebung der Agrarkrise in Südosteuropa aus. Als Vertreter der Interessen des überseeischen Getveideexportes stellte der argentinische Botschafter in Paris, Perez, dagegen den Grundsatz der freien loyalen Konkurrenz in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Für die überseeischen Getreideerportlönder sei es schlechterdings undiskutabel, daß die osteuropäischen Getreideländer von der ganzen Welt Hilfe verlangten. Osteuropa habe seine Landwirtschaft nach dem Kriege wieder aufbauen können und verlange jetzt, daß die überseeischen Gctreideexport- lander die Zeche dafür zahlten. Die Antwort könne nur negativ sein. Argentinien und Australien weigerten sich mit der größten Entschiedenheit, jetzt die Verantwortung für alle Nachkriegserscheinungen mit zu übernehmen. Ein zweiter wichtiger Grund sei das russische Getreidedumping. Argentinien halte unter allen Umständen an der durch die Handelsverträge geschaffenen Ordnung und an der Meistbegün- ftigungsklausel fest, die ihrerseits mit den Präferenzzöllen nicht in Einklang zu bringen sei. Der Stauf von russischem Getreide durch europäische Länder könne die Slrife in Osteuropa nur noch verschlimmern und das Gefüge des Weltgetreidemark- tes noch weiter in Unordnung bringen. Der russische Delegationsführer K r i tz m a n n sprach sich mit aller Bestimmtheit gegen jede Einschränkung der Getreideanbauflächen aus, desgleichen lehnte er das System der Präferenz ab. Rußland fei zur Durchführung seines Fünfjahresplans zwecks Beschaffung von ausländischem Geld und Ankauf von fremden Maschinen auf seinen G e t r e i d e e x p o r t angewie- s e n. Im übrigen sei es lächerlich, zu glauben, daß das Getreideproblem ohne die Mitwirkung Rußlands gelöst werden könne. Streit um den Flotteripakt. Widerstand gegen französische Tonnagcansprüche. Paris, 27. März. (XH.) Außenminister Henderson hat die letzten 24 Stunden seines Pariser Besuchs ausschließlich den Besprechungen über das französisch - italienische Flottenabkommen gewidmet, dessen Eingliederung in das Dreimächteabkommen ernsten Schwierigkeiten begegnet. Französi- scherseits versucht man die Wahrheit zu entstellen und diese Schwierigkeiten als rein technischer Ratur darzustellen. 3n Wirklichkeit handelt es sich um Streitfragen materieller Art, wobei die ungewöhnlich hohe Quote für Unterseeboote (83 000 Tonnen) ebenso wie die Tonnageziffer für große Kreuzer eine wesentliche Rolle spielt. Der italienische Bevollmächtigte Raspoli ist nach Rom zurückgekehrt, um sich von seiner Regierung neue Anweisungen geben zu lassen. Der französische Sachverständige M a s s i g I i wird voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche nach London gehen, wo die Verhandlungen fortgesetzt werden sollen. Ob die Besprechungen zwischen Briand und Henderson zu einer Beseitigung der Schwierigkeiten führen werden, erscheint zweifelhaft, da 3 apan sich energisch weigert, die Unterseebootstonnage Frankreichs anzuerkennen, während Amerika heftig gegen die französische Absicht protestiert, eine Reihe alter großer Kreuzer in das Flotten- | Programm aufzunehmen, um sie später durch moderne Schlachtschiffe ersetzen zu können. Kleine politische Nachrichten. Wie der „Vorwärts" wissen will, soll entsprechend einer Vereinbarung auf der Konferenz der Innenminister eine Verschärfung der gesetzlichen Vorschriften zur Abwehr des politischen Terrors erfolgen. Da es nicht möglich war, dem Reichstag rechtzeitig eine Vorlage zu unterbreiten, soll auf Grund des Artikels 48 Anfang nächster.Woche eine Notverordnung erlassen werden, die Aenderungen im Vereins- und Versammlungsrecht, verschärfte Bestimmungen wegen Waffenbesitzes und Waffenhandels sowie Verschärfung der Strafbestimmungen wegen Aufforderung zu politischen Gewalttaten enthalten soll. Der Reichsverkehrsminister hat dem in der Öffentlichkeit bekannten Vertrage zwischen der Deutschen Reichsbahngesellschaft und der Firma Deutsche Bahnspedition Schenker & Co. G. m. b. H. in Berlin, über den Rollfuhrdienst, Sammelspedition, Derkehrswerbung und Kraftwagenverkehr in der vdrgelegeten Fassung namens der Reichsregierung, die nach § 31 Ziffer4 des Reichsbahngesehes vorbehaltene Genehmigung versagt. Das vom deutschen Baugewerbe eingesetzte zentrale Tarisamt hat nach 47stündiger Verhandlung am Morgen des 27. März 40 Schiedssprüche gefällt, durch welche das Baugewerbe ganz Deutschlands erfaßt wird und die Löhne um acht bis elf Prozent gesenkt werden. Die Parteien haben sich bis zum 4. April zu den gefällten Schiedssprüchen zu erklären. * Der österreichische Bundesminister für Justiz Dr. Schürff hat sich zu Besprechungen über Fragen i vor allem des Urheberrechtes nach Berlin begeben. I Zur Begrüßung hatten sich der mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsjustizministers beauftragte Staatssekretär Dr. Joel und der österreichische Gesandte in Berlin Dr. Frank auf dem Bahnhof eingefunden. 3m Braunschweigischen Landtag wurde die Vorlage auf Uebertragung von Geschäs- t e,n der Landessteuerverwaltung auf bie Reichsfinanzbehörde angenommen. Somit gehen Veranlagung, Erhebung und Beitreibung der Grundsteuer, der Gewerbesteuer und der Hauszinssteuer auf das Reich über. Der nationalsozialistische Reichstagsabaeordnete Dr. Ley, der Gauleiter der rheinischen Nationalsozialisten wurde am Freitag auf dem Wege zu einer nationalsozialistischen Versammlung in Köln- Deutz von der Kölner Kriminalpolizei verhaftet. Dr. Ley wurde nach einer Meldung der Telegraphen- Union ins Gefängnis übergeführt zur Verbüßung einer vierwöchigen Gefängnisstrafe, die er wegen Beleidigung durch die Presse erhalten hatte. • Der Großmeister des souveränen Malteser- Ritterordens, Fürst Galeazzo von Thun u n d H -o h e n st e i n , ist im Alter von 81 3ahren gestorben. 1875 wurde er von dem Grohpriorat von Böhmen in den Orden aufgenommen. Schon nach zehn 3ahren wurde er dann als Vertreter des Großvriorats von Böhmen und Oesterreich in den Ordensrat nach Rom entsandt, wo er sich in hervorragender Weise als Reorganisator des Ordens betätigte. 1905 wurde er zum Großmeister gewählt. Dem Fürsten gelang eS, neue Verbände des Malteser-Ordens in Holland, Polen, Ungarn und Amerika zu gründen. Aus aller Welt. Ein Landfriedensbruchprozeh in Kassel. Vor dem Erweiterten Schöffengericht in Kassel standen zehn Rationalsozialisten, die angeklagt sind, am 28. Januar in Großalmerode schweren Landfriedensbruch und eine Reihe von Körperverletzungen begangen zu haben. Die Rationalsozialisten hatten an jenem Tage eine Versammlung in Großalmerode, die von Reichsbannerleuten unb Kommunisten sehr stark besucht war. Es ist in der Versammlung zu schweren Z u s a m m e n - stöhen gekommen. Auf der Heimfahrt wurden die Kraftwagen der Rationalsozialisten bei der Einfahrt in Kassel angehalten, wobei zahlreiche Waffen vorgefunden wurden. Zu Beginn der Verhandlung gab der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Freisler, eine Erklärung ab, daß die drei in Haft befindlichen Angeklagten nur Aussagen machen würden, wenn vorher der Haftbefehl aufgehoben würde. Für die übrigen fieben Angeklagten erklärte Dr. Freisler, daß sie sich mit den anderen drei Angeklagten solidarisch erklärten und ebenfalls keine Aussagen machen würden, weil sie jedes Vertrauen zur 3ustiz verloren hätten. Das Gericht lehnt die Aufhebung der Haftbefehle ab und tritt, da die Angeklagten jede Aussage verweigern, sofort in die Zeugenverneh mung ein. Das Schöffengericht verurteilte wegen schweren Landfriedensbruches den Angeklagten Schweinfurt als Rädelsführer zu sechs Monaten Gefängnis: wegen aktiver Beteiligung an einem Landfriedensbruch die Angeklagten Ochs und Wilhelm zu sechs Monaten Gefängnis: wegen einfachen Landfriedensbruches die Angeklagten Verne, Zimmermann, Goos, Gräser, Breitsprecher und Bönnicke zu je drei Monaten Gefängnis. Der Angeklagte Eckhardt wird freigesprochen. Frau Dr. Kienle im Hungerstreik. 3m Stuttgarter Frauengefängnis, wo die wegen Vergehens gegen den § 218 verhaftete Frau Dr. Kienle untergebracht ist, kam es am Freitagabend zu dramatischen Szenen. Dec Gerichtsarzt, der auf Antrag der Verteidiger vormittags die seit einer Woche hungernde Frau Dr. Kienle untersucht und dem Untersuchungsrichter gegenüber erklärt habe, es bestehe zur Zeit keine Gefahr für ihr Leben, muhte nachmittags nochmals herbeigerufen werden, da sich Frau Kienle in einem Zustand größter Erschöpfung befand. Aach der zweiten Untersuchung ordnete der Gerichtsarzt die sofortige lleberführung in ein Krankenhaus an, der sich jedoch Frau Dr. Kienle aufs entschiedenste widersetzte. Rach der Drohung des Gerichtsarztes, dann werde sie nun mit Gewalt fortgeschafft, erlitt Frau Dr. Kienle einen neuen Erschöpfungsanfall. Sie verlangte dringend nach einem Rotar, um ihr Testament zu machen. Dieser Bitte wurde entsprächen. Da auch die Verteidiger Frau Kienle zum freiwilligen Verlassen des Gefängnisses nicht bewegen konnten, ordnete der Oberstaatsanwalt eine neue ärztliche Untersuchung an, bei der der Gerichtsarzt feststellte, daß Frau Dr. Kienle nicht mehr transportfähig sei. Koblenzer Ehrengeschenke für Hindenburg. 3m vorigen Sommer veranstalteten die rheinischen Maler in Koblenz eine Ausstellung von Bilder: der rheinischen Landschaft. Eine Anregung aus der Bürgerschaft, das beste Koblenzer Bild durch Veranstaltung einer Sammlung anzukaufen und dem Ehrenbürger von Koblenz, dem Reichspräsidenten von Hindenburg, in Erinnerung an seinen vorjährigen Besuch zu schenken, fand in allen Kreisen lebhaften Anklang. Die Sammlung erbrachte über 1200 Mark. Damit wurden daS Bild „Ehrenbreitstein" von Dornbach und eine Reihe von Zeichnungen erworben und jetzt durch Oberbürgermeister Dr. Russell in Berlin dem Reichspräsidenten überreicht. Der Reichspräsident bekundete lebhaftes 3ntevesse für die Bilder und erinnerte sich deutlich des Vaters des Malers Dörnbach, des damaligen 3nten- danten des 8. Armeekorps. Das kreuz der Ehrenlegion für Eharlie Chaplin. Charlie Chaplin wurde vom Generalsekretär des Quai d'Orsay empfangen, der ihm das Kreuz der Chren-Legion überreichte. Glücklich verlaufener Absturz einer Fliegerin. Die amerikanische Fliegerin Ellinor Smith stürzte in Aeuyork bei dem Versuch, den Höhen- r e k v r d zu brechen, aus8000 Meter Höhe ab. da der Motor aussehte. Der Schlauch des Sauerstoffapparates fiel ihr aus dem Mund und die Pilotin wurde sofort bewußtlos. Sie erwachte erst wieder in ungefähr 3000 Meter Höhe, als ihr Flugzeug bereits weit über das Meer abgetrieben war, konnte aber doch noch im langsamen Gleitflug nach Long 3sland zurückkehren,wo sie eine Rotlandung vornahm. Dabei wurde ihr Apparat zerstört, sie selbst aber erlitt nur verhältnismäßig geringe Verletzungen. Schweres Verkehrsunglück. Zwischen Lohbrügge und Boberg bei Hamburg ereignete sich ein schweres Motorradunglück, das drei Todesopfer forderte. Der Beiwagen des Motorrades sauste in rasend schneller Fahrt gegen einen in der Kurve vor Boberg stehenden Möbelwagen. Bei dem Zusammenstoß wurde das Motorrad vollständig zertrümmert. Der Motorradfahrer und seine Mitfahrerin aus Bo- berg waren sofort tot. Ein Autoschlosserlehrling erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf dem Wege in ein Hamburger Krankenhaus starb. Erschütternde Folgen eines gefährlichen Spieles. 3n einer Ortschaft bei Budapest krochen drei Kinder in Abwesenheit der Eltern beim Spieler in eine große Truhe. Plötzlich klappte der mit einem Schnappschloß versehene Deckel der Truhe zu, und die Kinder waren gefangen. Die Eltern, die erst nach einigen Stunden heimkehrten, entdeckten zu ihrem Entsetzen die entseelten Körper der Kleinen, die elend erstickt waren. ■— Die Stadt des Grauens. Nach einer amtlichen Statistik sind in Schang - h a i im Verlaufe eines Jahres nicht weniger als 3 6 0 0 0 Leichen in den Straßen Schanghais aufgefunden worden, darunter 3 4 000 Kinder. Die Toten find in weitaus größter Zahl an Nahrungsmangel gestorben. Das eigene Kind zu Tode gemartert. Ein erschütterndes Bild von unmenschlicher Grausamkeit enthüllte eine Verhandlung vor dem Schwurgericht Aschaffenburg gegen den Schuhmacher Sixel und grau, die wegen Mißhandlung ihres Kindes angeklagt waren. Das Ehepaar hatte sein dreijähriges Kind in der grausamsten Weise mißhandelt. Wollten die Eltern ausgehen, bann wurde das Kind mit Händen und Füßen an einen Stuhl gebunden, oftmals mußte es stundenlang in solcher Lage aushalten. 3m Dezember vor. 3ahres zog sich das Kind einmal den Aerger des Vaters zu, so daß dieser einen Eimer heißes Wasser über das Kind ausschüttete und dem wehrlos am Boden liegenden Kleinen einen heftigen Tritt gegen den Leib versetzte. Das Kind erkrankte schwer und wurde sogar während seiner Krankheit mißhandelt. Einmal nachts wurde es von der heimkehrenden Mutter, weil es das Bett naß gemacht hatte, aus dem Bett gezerrt und auf den Fußboden geworfen. Auch der Vater, der nachdem nach Hause kam, schlug das Kind mit einem Riemen, wobei es einen Schlag auf den Kopf erhielt, daß ein Schädelbruch eintrat. Am anderen Tage starb das Kleine infolge eines Blutergusses ins Gehirn. Das Gericht erkannte gegen Adam Sixel auf sechs 3ahre Zuchthaus und gegen seine Frau auf vier 3ahre Zuchthaus wegen Körperverletzung mit Todeserfolg. Eröffnung des V. Deutschen Zahnärztetages. Der unter dem Ehrenpräsidium der Reichsminister Dr. Wirth und Dr. Stegerwald stehende deutsche Zahnärztetag wurde im Schöneberger Rathaus durch den Vorsitzenden des Ortsausschusses, Prof. Dr. ch. Schröder, eröffnet. Oie Wetterlaae. i. 10 ■Val. "3L "omvg. Wl» . i ’M ff OVofKenfos Oneiter. (Jhaib bedeckt. ® wolkig. • bedeckt •Rege«, * Sehnet o Graupeln e Hebel K <>ewit*tr.(g)Wlnd5tllle. -O> sehr (eichte- Osi nissiger SOdsudwest q stürmisch© -iordwesl die Pfeile fliegen mit dem winde. Ole beiden Stationen Menenden Zth- ten geben die Temperatur an. Ole Limen verbinden Orte mit-gleichen, tut Meeresniveau uingerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Die über Finnland gelegene Störung hat sich südwestlich bis über Deutschland ausgebreitet und durch den damit verbundenen Luftdruckfall das Hochdruckgebiet zum Abbau gebracht. Auch haben die Winde bereits nach Westen umgedreht, so daß ozeanische Luft nach dem Festlande gelangt. Eine neue Störung rückt außerdem von Irland heran, wodurch eine Rinne tiefen Druckes entsteht. Die Schönwet- terlage wird dadurch beeinflußt und mehr wolkiges Wetter dürfte vorherrschen. Dabei wird durch den Wolkenschirm Ein- und Ausstrahlung unterbunden und allmählicher Temperaturausgleich zwischen Tag und Nacht geschaffen. Mit dem Auftreten von Niederschlägen ist ebenfalls später zu rechnen. Aussichten für Sonntag: Wolkiges Wetter, nachts milder, noch meist trocken. Aussichten für Montag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, vereinzelte Niederschläge, Temperaturen zwischen Tag und Nacht sich mehr ausgleichend. Lufttemperaturen am 27. März: mittags 10,7 Grad Celsius, abends —0,2 Grad: am 28. März: morgens —1,9 Grad. Maximum 11,2 Grad, Minimum — 3,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 27. März: abends 10,4 Grad: am 28. März: morgens 2,4 Grad — Sonnenscheindauer 9% Stunden, Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 28, März 1931. «.Kennst du mich?" Pafsionsgedonken zur Karwoche. Dc»n pfarraWent lö.lhelm Seemann, Gießen. Stille Woche! Olun bricht sie an. Sie kommt ganz leise, so still, als wollte sie niemanden stören. Es (.e&t ja auch alle Arbeit ihren alten Gang weiter. Rur am Ausgang der Karwoche steht der Bußtag als ein herber, ernster, schmerzlicher Auftakt, und es ist gut, daß die Hessische Landeskirche als einzige in Deutschland seit altershcr den frohen Palmensonntag in einen Bußtag gewandelt hat. daß sie absieht von dem alten Evangelium, das den jubelnden Einzug 3efu in Jerusalem unter Hosiannarufcn verkündet, weil sie sagen will: Es gibt für daS Reich Gottes und Die Kirche keinen anderen Weg als den. welchen unser Herr ging, nicht den Weg über die Begeisterung und die Zustimmung der Massen, sondern den Kreuzeswcg der Einsamkeit und des Sterbens. Deshalb halten wir Bußtag am Scheitelpunkt der Leidenswoche. Und nun schreitet mitten durch die Tage still und groß die Gestalt des Mannes, mit der Krone aus Dornen auf dem Haupt und mit dem schweren Kreuz auf dem RÄken; er schreitet — unbeirrt um verschlossene Türen, unbeirrt um Voll ausgefüllte Tage —, er schreitet als Gestalt und Wort in manches Haus, in manchen Familienkreis. Auf seinen Lippen liegt die tiefe Frag^: Kennst du mich? 3a, es ist Jesus Christus, der Gekreuzigte. Aber was nutzt uns der Raine dieses Mannes und daS Schicksalsbild seines letzten Tages? Die Frage bleibt ja: Kenn st du ihn? 3m Schweriner Predigerseminar lasen wir in einem Gesinnungskreis das Drama: ..Paulus unter den 3uden" von Franz Werfel. Es ist das Werk eines Mannes, der mit einer geradezu erschütternden Gewalt jenen historischen Augenblick darstellt, wo das Christentum sich vom jüdischen Mutterboden trennt. Eine solche Loslösung ist nicht möglich, ohne daß auf beiden Seilen tiefste Schmerzen erlitten und letzte Gegensätze offenbar werden. So spitzt sich in diesem Drama der Kampf um den Gekreuzigten zu einem Zwiegespräch zwischen Paulus, dem vor Damaskus bezwungenen Gegner 3esu, und Gamaliel, dem alten jüdischen Universitätslehrer des Paulus, der feinsten und ehrwürdigsten Gestalt unter den Theologen jener Zeit, zu. Eine weite Wegstrecke können beide zusammengehen. Selbst dazu will sich der greise Gamaliel verstehen, vor aller Welt zu erllären. baß 3esus ungerecht verurteilt ist. „3ch will mit dir vor den Richtern stehen. Ein Fehluxteil ist geschehen in 3srael. Ein unschuldiger Tod hat die Ordnungen der Wahrheit verwirrt. Sühne ist nötig! 3ch will sie darbringen." Aber an diesem Punkte müssen Paulus und Gamaliel einander die Hand zum Abschied reichen. Gamaliel bleibt dabei: „Ich habe einen heiligen Menschen Gottes gefunden. Und ich will zeugen für ihn... Was hat die Liebe deines Iesus verwandelt? Richts--wie sein Zorn nichts verändert hat. Die Wcchslertische am Tempel warf tr um und am nädjftcn Tage standen sie wieder." Paulus aber hat mehr ge- funden als einen heiligen Menschen, er hat an ihm den Anbruch einer neuen Zeit und Ordnung erlebt. ..Ein Mensch? Hat jemals ein Mensch den Tod und die Verwesung gemeistert? 3st jemals ein Mensch leibljch auferstanden? Das Licht, das vor DamaSkus>nit mir sprach, war's ein Mensch? Hat ein Mensch mich von mir selbst erlöst? Kann ein M e n s ch Gottes neuzeugende Gnade spenden?! Ach nein, Rob- bum. das i st kein Mensch. Er zog an die Menschheit wie ein Kleid, wie du und ich daS Sterbegewand. Er selbst der Messias, Gottes Sohn, der war, ehe die Welt war!" So gehen ihre Wege weit auseinander. Der Alte sah nichts als einen heiligen Menschen, der 3unge hat viel mehr gesehen: Unaussprechliches hat er erlebt und erlitten. ..Wie kann ich von dem Augenblick sprechen, da dos Licht vom Himmel stürzte in mein Blut, der ich blind in eine neue Welt kam?" Man steht immer wieder ergriffen vor der Verschiedenheit der Wege Gottes? Warum bleiben Gamaliels Augen gehalten, daß sie nicht sahen? Es ist schwer, eine befriedigende Antwort zu geben. Rur meine ich: wenn wir wirklich in allerheiligstem und allerernstem Studieren in 3esu Leben eindringen wollten, w i r würden deshalb das Göttliche in ihm nicht sehen: denn es liegt nicht an der Menschen Laufen und Rennen, Wollen und Vollbringen. Rur so werden wir in die letzten Geheimnisse und Rätsel eingeführt, nur so erhalten wir letzte Klarheit, daß er über uns kommt. Aber er legt uns nun allerdings gerade in seinem Gekrcuzigtsein die Frage vor, auf die er unsere Antwort erheischt: Kennst du mich? Das Kreuz hat diese eine andringende Frage in sich. Die muß man innerlich gehört haben. ..Wer aus der Wahrheit ist, der höret seine Stimme." Chormeister Otto Görlach t- Einem tragischen Unglücksfall ist gestern abend der Chormeister des Bauerschen Gesangvereins, Lehrer i. R. Otto G ö r l a ch in Gießen, zum Opfer gefallen. Der Bedauernswerte befand sich, auf seinem Fahrrad sitzend, unterwegs nach Heuchelheim, wo er Singstunde zu halten hatte, gegen 19.50 Uhr auf der Heuchelheimer Chaussee vor der Gärtnerei von Kröck. Hinter ihm fuhr im Auto der Kaufmann Lotz aus Leun (Kreis Wetzlar) in Richtung Heuchelheim, in der entgegengesetzten Richtung, also nach Gießen zu, kamen ein Personenauto und ein Lastauto angefahren. Kaufmann Loh auS Leun, der seinen Wagen selbst steuerte, fuhr den vor ihm radelnden Herrn Görlach von hinten an, und der Zusammenprall war so heftig, daß der Bedauerns- werte auf den Kühler des Autos geschleudert wurde, von dort wieder herabfiel und mit beiden Deinen unter den Kraftwagen zu liegen kam. Die Verletzungen des angefahrenen Mannes waren so schwer, daß der TodausderStelle e i n t r a t. Wie von dem Kaufmann Lotz bei der ersten polizeilichen Vernehmung angegeben wurde, feien die beiden in Richtung Gießen fahrenden Autos nicht abgeblendet gewesen. Durch die starke Lichtwirkung dieser Kraftwagen sei er selbst geblendet worden und habe infolgedessen den vor ihm auf der Landstraße fahrenden Radler nicht gesehen und unglücklicherweise angefahren. Wem die beiden nach Gießen zu fahrenden Kraftwagen gehören und wer sie gelenkt hat, ist bis zur Stunde noch nicht fest- gestellt, jedoch sind der Polizei die Rummern der Fahrzeuge bekannt, ebenso die behördlichen Stellen, von denen diese Rummern ausgestellt wurden. Hiernach dürfte es sehr schnell gelingen, die verantwortliche^ Führer dieser Wagen festzustellen. Chormeister Otto Görlach erblickte am 14. März 1862 in 3nheiden (Kreis Gießen) das Licht der Welt. Als Lehrer war er in Schwalheim, Friedberg, Ober-Eschbach, Bad-Rauheim und Gießen tätig, bis er sich in den Ruhestand zurückzog. Am 25. März 1892 übernahm er, der allezeit für Musik und Gesang begeistert war, die künstlerische Leitung des Bauerschen Gesangvereins in Gießen, die er aber 1894 aus Gesundheitsrücksichten wieder niederlegen mußte. Die „Dauern", die ihn zum Ehrenmitglied ernannt hatten, konnten sich aber stets seiner warmen Unterstützung erfreuen, und als im 3ahre 1904 der damalige Chorleiter fein Amt niederlegen mußte, beriefen sie Otto Görlach wieder an Die Spitze des Chores. Von da ab bis zur Gegenwart hat er den Dauerschen Gesangverein als künstlerischer Leiter glänzend aufwärtsgeführt, so daß ihm anläßlich seiner 25jährigen Chor- meistertätigkcit an der Spitze der „Dauern" Mitte Februar 1927 zahlreiche und wohlverdiente Ehrungen bereitet wurden. Reben seinen „Dauern" förderte er allezeit auch jegliche Bestrebungen, die sich in d?n Dienst des deutschen Liedes stellten, daneben galten feine Tatkraft und fein warmes 3ntereffe auch allen anderen Arbeiten, die auf die Bereicherung unseres Voltes zur Stärkung seiner seelischen Kräfte abzielen. Sein liebenswürdiges Wesen, feine hohe menschliche Gesinnung und seine unermüdliche Opscrbcreitschast im Wirken für alle Zweige einer gedeihlichen, volks- Wirken für alle Zweige einer gedeihlichen, volkaufbauenden Arbeit sicherten ihm die Hoch- schätzung weitester Bevölkerungskreise in Stadt und Land, die diesem prächtigen Manne ein ehrendes Gedenken bewahren werden. Oie zehn Hauptgewinne bet Gießener Pserdemarlt-Lotterie. Bei der Ziehung der Gießener Pferdemarktlotterie am Donnerstag kamen die zehn ersten Gewinne wie folgt heraus: 1. Preis auf Nr. 11879 (2 Pferde im Werte von 2000 Mark): 2. Preis auf Nr. 14 376 (1 Pferd im Werte von 1000 Mark): 3. Preis auf Nr. 3886 (ein Pferd im Werte von 500 Mark): 4. Preis auf Nr. 17 435 (eine Zimmereinrichtung im Werte von 500 Mark): 5. Preis auf Nr. 83 (ein Fohlen im Werte von 300 Mark): 6. Preis auf Nr. 7464 (eine Kücheneinrichtung im Wert^ von 300 Mark): 7. Preis auf Nr. 10 387 (einen Schrankgrammophon im Werte von 100 Mark); 8. Preis auf Nr. 3587 (eine Standuhr im Werte von 100 Mark), 9. Preis auf Nr. 7821 (einen Lederkoffer im Werte von 100 Mk); 10 Preis auf Nr. 13 058 (einen Rauchtisch mit Garnitur im Werte von 100 Mark). (Siebener -solgenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt daS Pfund: Kochbutter von 1 Mark an: Butter 120 bis 130; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück» 60 bis 140; Wirsing 20 bis 40; Weißkraut 15 bis 20; Rotkraut 20 bis 25; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 40 bis 45; Unter- Kohlrabi 5 bis 6; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 40 bis 45; Feldsalat 150 bis 200; Tomaten 70 bis 80; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 35 bis 40; Kartoffeln 4 bis 5; Aepfel 40 bis 50; Dirnen 30 bis 40, Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 110; Supperchühner 90 bis 110; Rüsse 60 bis 70; das Stück: Tauben 70 bis 80; Eier 9 bis 10; Blumenkohl 30 bis 60; Salat 35 bis 40; Endivien 15 bis 35; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 50; das Bund: Radieschen 20 biS 25 Pfennig; der Zcmtner: Kartoffeln 3 bis 4; Weißkraut 10 biS 12; Wirsing 20 bis 25; Rotkraut 12 bis 15 Mark. Daten für Sonntag. 29. März. Sonnenaufgang 6.11 Uhr, Sonnenuntergang 18.50 Uhr. — Mondaufgang 12.44 Uhr, Monduntergang 4.37 Uhr. 1826: der Sozialist Wilhelm Liebknecht in Gießen geboren: — 1840: der Afrikareisende Emin Pascha (Eduard Schnitzer) geboren. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag: Gießener Hochschulgesellschaft: Vortrag von Pros. Dr. M o m b e r t über „Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise", 20.30 Ahr, Reues Studentenhaus. — Fahrbeamten-Verein: Versammlung, 20 Ahr, Stadt Wetzlar. — Lichtspielhaus Bahnhosstraße: „Einbrecher". — Astoria-Lichlspiele: „Der Klub der Besessenen" und „Rivalen der Berge". — — Tageskalender f ü r Sonntag: Stadttheater: „Rose Bernd", 14 bis 17 Ahr, von 18.30 bis 21 Ahr, „Volpone". — Oberhessischer Kunstverein: „Frühjahrs-Kunstausstellung" vom 29. März bis 19. April, im Turmhaus am Brand. — Spieloereinigung 1900 c. V.: Sportfilm-Dorführung, 11 Ahr, im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Einbrecher". — Astoria-Lichtspiele: „Der Klub der Besessenen" und „Rivalen der Berge". — ' Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Sonntag, 14 Ahr, geschlossene Vorstellung für die Gewerkschaften: „Rose Bernd" von Gerhart Hauptmann unter der Spielleitung von Peter Fassott: 18.30 Ahr unter ter Spielleitung von Peter Fassott Den Lstmsons lieblose Komödie: „Volpone" in der Bearbeitung von Stefan Zweig, als Fremtenvorstellung bei kleinen Preisen; die Hauptrollen liegen in Händen von Walter Bäuerle und Karl Bruck. Beide Werke werden zum letztenmal aufgesührt. — Dienstag, 31. März, 19.30 Ahr. Gastspiel der Auguste Prasch-Grevenberg, Ehrenmitglied des Meininger Landestheaters, in Oscar Wildes Drama „Lady Windermeres Fächer"; Spielleitung Walter Bäuerle; die Rolle der Herzogin liegt in Händen von Frau Prasch-Grevenberg. - - Mittwoch, 1. April, 20 Ahr. Klabunds „X Y Z“ unter der Spielleitung von Dr. Karl Ritter. — Karfreitag bleibt das Theater geschlossen. — Samstag findet die Uraufführung von Arthur Schnitzlers. „3m Spiel der Sommerlüfte" statt unter der Spielleitung von Walter Bäuerle; die Vorstellung findet tm Freitagabonnement statt und beginnt 19.30 Ahr. — Ostersonntag. 5. April, 18.30 Ahr. Gastspiel von Frau Auguste Prasch- Grevenberg. Ehrenmitglied des Meininger Lan» deStheaters. in der Rolle der Herzogin in OSear Wildes Drama: „Lady Windermeres Fächer"' Spielleitung Walter Bäuerle. — Ostermontag. 6. April, 15 Ahr, Wiederholung von KlabundO Spiel zu Dreien: „X Y Z" unter der Spielleitung von Dr. Karl Ritter. •• gor ft per f onalie. Amtsoorstand Forstmeister Karl Süfsert von Groß-Steinheim wird wegen Aufhebung des Forstamts Steinheim ab 1. April in gleicher Eigenschaft an das Forstamt Friedberg versetzt. Oess entliehe Sitzung deS KreiS- auSschusses. Am Samstag. 11. April. 9.30 Ahr. findet im Regierungsgebäude in Gießen eine öffentliche Sitzung des KroiSausschusses statt. Zur Verhandlung steht die Beanstandung der Bürgermeisterwahl in Holzheim. ** Die Museen und der Heidcnturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei gewöhnlichen Preisen geöffnet. *• Beobachtungen über einen Vogelzug erbeten! Aus eigenen Beobachtungen und zufälligen Mitteilungen anderer Beobachter scheint sich zu ergeben, daß in der Rächt vom 21. auf den 22. März (Samstag/Soimtag) ein sehr starker -Vogelzug über Gießen hinweggegangen ist. Es wäre erwünscht, weitere Beobachtungen darüber zu haben. Wer in der Lage ist. irgendwelche Mitteilungen dazu zu machen, wird gebeten, diese an Studienrat Holzel, Ostanlage 29 zu richten. Besonderer Wert wäre auf die Zeit zu legen, wann die Beobachtungen gemacht wurden, ferner auf die Laute, die gehört wurden, und schließlich auch auf die mutmaßliche Zugrichtung, wie sie sich vielleicht auS den Rusen der Tiers fcststellcn ließ. ** Der neue Wasserpreis wird in einer Bekanntmachung des Städtischen Gas- und Wasserwerkes in unserem heutigen Blatte bekanntgegcben. Die Neuregelung tritt am 1. April in Kraft. *♦ Veränderte Wochenmarktzeiten. Der Wochenmarkt beginnt ab Donnerstag, 2. April, um 7 Ahr und endet um 13 Ahr. * Anfall in der Hamm st raße. Gestern nachmittag glitt der 45jährige Postausbelfer Willy Hardt, wohnhaft in der Hammstraße, auf den Schienen der Biebertalbahn au8 und stürzte so unglücklich, daß er schwere Kopsverletzungen erlitt. Der bedauernswerte Mann touri von der Sanitätskolonne der Feuerwache mit bem Krankenauto sofort nach der Chirurgischen Klinik gebracht. ** Private Fachschule Wick-Wunder- lich. 3m Krausmüllcr-Saale des Ortsgewerbever- eins veranstaltete die Privot-Fachfchille für das Dainenfchnciderinnengewerbe Wick.Wunderlich eine 2lusftcdung non Schiilerinncnarbeiten, die alle Beachtung verdient. Die Schülerinnen, die diese Schule besuchen, kommen zum großen Teil aus der Volksschule und werden in systematisch aufbauender Arbeit an die verschiedensten Aufgaben und Arbeits- gebiete herangeführt und so ausgebildet, daß sie im- stände sind, ÄÜäschestücke, einfachere Kleider und sonstigen Bedarf herzustellcn. In den späteren Se- mestern werden den Schülerinnen die Kenntnisse für die Bcrufsschneiderin vermittelt. Zugleich wird die kunstgewerbliche Arbeit gepflegt, die sich aber in einfacher Form, entsprechend den Vorbcdingunaen der Schülerinnen, bewegt. Die ausgestellten Arbeiten beweisen eine sehr sorgfältige Schulung nicht nur in geschmacklicher, sonoern vor allem in technischer Hinsicht und stellten den Schülerinnen, wie auch der Lehrerin, Frau Wick-Wunderlich, das beste Zeugnis aus. Die Ausstellung ist heute Samstag und morgen Sonntag in der Zeit von 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr geöffnet. Die Maschinenbauschule Gießen eröffnet am 1. Mai das neue Semester. Räheres in der heutigen Anzeige. Was nennen Sie sparen? Sie können nicht sparen wollen und dabei Waschmittel mit scharfenZusähen verwenden, die Ihre gute Wäsche zerstören. Sparen heißt: Mit reiner Seife grünbLaber schonens waschen. 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Die Vorbereitungen sür die Paneuropa- Konferenz im Mai find mit der Veröffentlichung des deutsch-österreichischen Abkommens zusammengetrofsen. 3n Paris war daS Organisationskomitee zusammen. Es hatte die Tagesordnung der neuen Konferenz, namentlich eben für die ganze Organisationsfrage vorzubereiten, für die die deutsche Rote vom 21. Dezember 1930 und die dänische Rote vom 3. Januar 1931 wichtige Vorschläge gemacht haben. Auch die Frage des Präsidenten wird diskutiert, weil man an Vriand als Kandidaten für die Präsidentschaft in Frankreich denkt. Aus dieser Tagung lag selbstverständlich der Schatten, Laß die bisherigen Genfer Bemühungen völlig Fiasko gemacht haben. Schuld daran ist nicht Deutschland, und wir lehnen es sehr nachdrücklich ab, dah sich nun der Aerger über dieses Fiasko, an dem vor allem England und Frankreich schuld sind, in der Verbitterung gegen Deutschland enllädt, weil dieses die Dinge wirklich vorwärts treibt. Denn das ist doch nicht zu bestreiten: in Genf hat sich gezeigt, dah jedenfalls für die nächste Zeit Europa im ganzen für eine solche Handel Reinigung nicht reif ist. Don den Regionalabkommen in Vorbereitung zu einer gesamteuropäischen Einigung ist doch auch viel die Rede gewesen. Was tun nun Deutschland und Oesterreich anders, als dah sie ihrerseits den Wagen Vorwärtstreiben, ohne sich in irgendeiner Weise damit abzuschliehen oder künftigen weiterlebenden Vereinigungen vorzugreifen? Diese deutsch-österreichische Einigung läuft nicht nur auf der bekannten alten Bahn, eine Wirtschaftsverständigung zwischen den beiden Brudervölkern herbeizuführen, die ihnen in keiner Weise verboten ist, sondern auch auf der Bahn der seit Monaten erörterten Gedanken von Südost- europa her, die soeben auf der 6. Mitteleuropäischen Wirtschaftstagung in Wien ausgiebig erörtert worden sind. Man sieht, wie die neuen Gedanken: Revision der Meistbegünstigung, Vorzugszoll, regionaler Zusammenschluß, sich durch- und Vorwärtsringen. ES ist der einzige Weg, der Europa vor dem Wirtschaftskrieg aller gegen alle bewahren kann! Aus diesem großen Zusammenhang ist der Vertrag zwischen Deutschland und Oesterreich erwachsen, noch nicht über eine Zollunion oder einen Handelsvertrag, sondern nur über Richtlinien, mit denen eine neue Form des handelspolitischen Zusammenschlusses gesucht wird, die bestehenden Verpflichtungen nicht verletzt, die Llnabhängigkeit der Der- tragschliehenden nicht angetastet werden, Zwi- schcnzölle iroch für möglich cicklärt werden und trotzdem eine Zollunion am Ende in Aussicht genommen wird. Schon diese präzise Formulierung dessen, was jetzt abgeschlossen wurde, läßt erkennen, dah über das Eigentliche überhaupt er st verhandelt werden soll und welche Schwierig» Ici'cn auf diesem Wege noch vorhanden sind. Schwierigkeiten zunächst aus den inneren Verhältnissen der Gegensätzlichkeit der wirtschaftlichen Interessen und Zustände zwischen Deutschland und Oesterreich, die ja bisher alle öicrc so allen Bemühungen eines wirtschaftlichen Zusammenschlusses der beiden erschwert hat. Solche Stimmen, wie wir sie vom Reichslandbund gehört haben, werden mit ihren Bedenken und Einwänden aus Deutschland und Oesterreich sicher noch mehr kommen. Dann die Schwierigkeiten, die die anderen machen. Ob es nicht zweckmäßiger gewesen wäre, den Versuch, den man mit Wien so abgeschlossen hat, gleich auch oder sogleich danach mindestens auch in Prag zu machen? Denn nun sind mit einem Male die anderen draußen oder glauben, draußen zu sein. Die Richtlinien, die zwischen CurtLus und Schober festgelegt wurden, enthalten an keiner Sickle eine Spitze gegen einen anderen Staat und verletzen auch die bekannten Bestimmungen aus dem Friedensvertrage und dem Genfer Protokoll vom 4. Oktober 1922 nicht. Aber die andere Seite, auch um einen Prügelknaben für ihre iUnfähig- leit, den europäischen Zusammenschluß vorwärtszutreiben, zu finden, benutzt den Sonderabschluh der beiden besiegten Staaten und sucht mindestens von Prag und Paris her eine Einheitsfront gegen diese Bemühungen hrrzu- stellen. England und Italien äußern sich zurückhaltender, aber man vergesse nicht, daß die beiden sich ja gerade mit Frankreich im Flotten- abkommen zusammengefunden hatten, und daß aus anderen Gründen Deutschlands Position in der großen Politik augenblicklich recht isoliert ist. Das soll gar nicht bedenklich machen. Die Initiative dabei war gut, Deutschland und Oesterreich bringen die Europa-Diskussion förderlicher vorwärts, als es drüben in Genf bisher geschehen ist. Aber die Schwierigkeiten, die damit entstehen, soll man auch nicht übersehen, und wir hoffen, daß die diplomatische Vorbereitung - der Aktion ausreichend war, besser, als sie auf den ersten Blick zu sein schien. Es ist ein erster Schritt in einen großen Zusammenhang herein, bei dem man Südost - europa möglichst zusammennehmen soll, ein Südosteuropa, das sich doch, im ganzen gesehen, bemerkenswert konsolidiert hat von Bodenbach nach Athen und nach Angora, und ein Südosteuropa, das die großen Gegensätze und Reibungen aus dem Kriege doch zu überbrücken scheint, so wenig in dieser Beziehung das letzte Wort gesprochen ist. Sehr erwünscht wäre nun, daß die Beurteilung in Deutschland sich möglichst von Phrasen und Vorschußlorbeeren freihielte und die Situation, so wie sie ist, in Las Auge faßt. Daß sie also nicht übersieht, daß man Südosteuropa möglichst im ganzen dabei haben muß und daß man bei der Vereinigung zwischen Deutschland und Oesterreich nicht stehenbleiben darf. Daß sie nicht vergißt, daß Deutschland auchJnteressen nach derandernSeite hat, wo unter holländischer und norwegischer Führung, vielleicht auch englischer Beteiligung, die Interessen sich zusammenfinden. Daß sie weiter nicht vergißt, dah die Erschließung des Marktes in Südosteuropa auch fremdes Kapital braucht uni) daß dieses fremde Kapital nur von Frankreich Herkommen kann. Denn Amerika hat an diesem Gebiete kein Interesse. Amerika aber wiederum wollen wir für eine möglichst baldige Aufrollung der Reparationsfrage gewinnen. Also ganz ohne Blick auf Amerika dürfen derartige Aktionen und regionale Bindungen auch nicht gemacht werden. Die Hauptsache ist, wie wiederholt sei, die Aufrollung des Reparationsproblems, und zwar in der dafür gegebenen und gemessenen Frist, die sich ihrerseits wieder mit dem Beginn der großen Abrüstungskonferenz im nächsten Jahr abgrenzt. Zusammenhänge, die auch für Rußland vorliegen. Scheinbar steht es draußen. Aber wie hat Molotows großer Bericht vor dem 6-Rätekongreh doch gezeigt, daß auch Rußland weltwirtschaftlich interessiert ist. Es will, es muß ja exportieren, um das Kapital zu bekommen, mit dem es -feinen „sozialistischen Ausbau" durchführen will. Lind darum muß es Abnehmer finden, wird also auch von der Weltwirtschaftskrise getroffen. Andererseits wächst die Erörterung über Dumping, Gusstsche Schleuderkonkurrenz, ja, russische Gefahr im größeren Stile, wenn der Fünfjahrplan einigermaßen gelingen sollte. — In diesem Lichte betrachten wir auch die schwebenden deutsch-russischen Verhandlungen. Wie bekannt, sind die deutschen Industriellen mit großen Zusahbestcllungen Sowjetrußlands zurückgekehrt. Erfreulich und schwierig: die Finanzierung, die Garantierung ist nicht einfach. Deutschland ist hier Pionier für Europa, für die Welt, gegenüber diesem gewalttgen russischen Problem, das immer stärker neue und ernste Züge annimmt. Dieser Pionieraufgabe kann, darf und will Deutschland sich nicht entziehen. Es liegt eben zwischen West und Ost, und seine Aufgabe ist, beide zu verbinden und aus dieser großen Schwierigkeit für sich das größtmögliche zu gewinnen. Wir begrüßen cs geradezu, daß diese Jndustriellenreise mit dem Ablauf des Berliner Vertrages vom 24. April 1926 zusammenfiel. Das ergibt die Verpflichtung, einmal über deutsch-russische De- ziehungen, über das russische Problem und sein Verhältnis zu Europa, über Deutschlands Aufgabe darin nachzudenken. Mit Gefühl oder negativer Kritik ist dieser Aufgabe nicht beizukommen, in der sich wirtschaftliche, politische und ethische Elemente merkwürdig verschlingen. Man sieht: nicht nur die große Politik ist in Bewegung gekommen, sondern auch große Zusammenhänge tun sich dabei auf. in denen eins auf das andere unweigerlich wirkt. Man mache sich nichts vor über die großen Schwierigkeiten, die darin gerade jetzt für Deutschland liegen, und je ruhiger und überlegter man eine an sich erfreuliche Sache wie den deutsch-österreichischen Abschluß behandelt, um so vorteilhafter wird daS für das Ganze sein. Oie Entthronung des Silbers. oon Or. Emil Earthaus. G o l d ist volles, belebendes Sonnenlicht: Silber mildes, geisterhaftes Mondenlicht, beide gevannl an des Edelmetalles schwere, gediegene Masse. — Schön sind sie beide, diese unter dcm Namen Sahab und Äeseph bereits vor der Bibel den genannten Ge- stirnen zugeschriebenen metallischen Elemente. Schon leit den frühesten Zeiten haben sie deshalb so sehr do» Begehren der Menschen erregt, daß sie in gemünzter Form, als Geld, seit mehr als viertausend Jahren das allgemeine T a u s ch m i t t e l der Kulturwelt im Kaushandel bilden, obgleich sie als wirkliche Nutzmetalle in der menschlichen Wirtschaft von verhältnismäßig geringer Bedeutung sind. Als verschmähe es das Gold, mit anderen Elementen Verbindung einzugehen, findet man es in der Natur meistens in reinem, gediegenem Zustand und nur unter Vermittlung von Schwefel, Arsen und einigen verwandten Elementarstoffen mit gewöhnlichen Metallen chemisch verbunden. Auch zu den die atmosphärische Luft und das Wasser zusammensetzenden Elementargasen zeigt das „königliche Metall" nicht die mindeste Zuneigung. Gerade diese große B c - ständig keit ist neben seiner Schönheit der Haupt- gründ, weshalb sich das Gold im Welthandel einer so außerordentlichen, bleibenden Wertschätzung erfreut. Wohl trotzt auch das S i l b e r wie wenige andere Metalle dem Zahn der Zeit, doch zeigt es eine so große Zuneigung zum Schwefel, daß es sich mit ihm sehr leicht chemisch verbindet und seine weiße Metallfarbe verliert, die einem unschönen Braun ober Schwarzbraun Platz macht Dieses schon setzt das weiße Metall in der Wertschätzung sehr herab, da der Schwefel ein Element ist, das sich in gewissen organischen Verbindungen wie den Eiweißstoffen aus dem menschlichen Haushalt kaum ausschalten läßt. Außerdem hat das Silber das Bestreben, sich mit dem C h l o r des Kochsalzes und anderer chemischen Körper zu verbinden, wobei es sich mit einer trüben, weißlichen Haut überzieht. Trotz alledem ist das Silber ein so schönes Metall, daß es sicherlich auf dem Weltmarkt den für es bis weit in das vorige Jahrhundert hinein gezahlten hohen Preis behauptet hätte, wenn es der fortschreitenden Technik nicht gelungen wäre, Silber aus Erzen, die von ihm nur einen geringen Prozentsatz enthalten, wie viele Blei-, Kupfer- und Zinkerze gewisiermaßen als Nebenprodukt in sehr großen Mengen mit verhältnismäßig geringem Kostenaufwand durch fog. Treibarbeit, durch Parkesieren, Pattifonieren und durch Elektrolyse zu gewinnen. die reichen Silber^r-lagerstätten des sächsischen Erzgebirges, von Böhmen. Spanien, Rord- nnd Südamerika erst verhältnismäßig spät durch den Bergbau erschlossen wurden und die alten Kulturländer sehr arm an Silber waren, stellten es die ältesten Llrkunden des alten Pharaonen- landes und ebenso ein bekannter Ausspruch des biblischen Königs Salomo im Wert noch über das Gold. Zur Zeit der römischen Republik überwog das Gold das Silber schon um das Renn- 'bis Elffache im Preise. Ungefähr das gleiche ist auch für die Zeit des europäischen Mittelalters anzunehmen, in der die berühmten Bergwerke von Laurion (Griechenland) zwar aufgehört hatten, größere Mengen Sttber abzugeben, an deren Stelle aber als Silberlieferanten Spanien und später Sachsen auftraten. — Dieses lieferte damals viele Millionen aus den Gruben des Erzgebirges. Als nach der Entdeckung der Reuen Welt diese ihren reichen Silberfegen über Europa auszuschütten begann, und die jährliche Weltgewinnung von Silber mit rund 10 000 000 Kilo sich verzehnfachte, schritt die Entwertung des weihen Mctalles dem gelben gegenüber ruckweise so weit vor, daß um daS Jahr 1660 15 Kilo Silber im Werte nur noch einem Kilo Gold g'.cichkamen. Infolge der Vervollkommnung der Silbererzver ü .ung und Erschließung zahlreicher sehr ergiebiger Lager- Jtättcn in Australien und vor allem Ame- ’rifa, (wo die Comstock-Minen in Revada in der Zeit von 1860 bis 1882 allein für 900 Millionen Mark Silber an den Weltmarkt abgaben), hat sich dann das Preisverhältnis zwischen Silber und Gold, trotz der Gegenbestrebungen der „Lateinischen Münzkonventton" zu Ungunsten d s Silbers in dem Maße verschlechtert, daß es sich in den Jahren 1876 bis 1880 wie 1:17,81 stellte, zwischen 1891 und 1895 wie 1:25,56: zwischen 1901 und 1906 wie 1:36,6 und 1915 wie 1:39,77 stellte. Rach dem schnellen Sinken des Silberpreises im vorigen Jahre von 71,87 auf 55,20 Mk. für das Kilogramm hat das Metall im Januar dieses Jahres einen Preissturz bis auf weniger als 40 Mark erlitten. Durch diesen neuen Preisrückgang hat sich der Mert des Silbers b i S auf ein Achtzigstel von dem dcS GoldeS verschlechtert. Wohl wird sich vielleicht der Preis des Si'* bers auf dem Weltmarkt in gewissen Grenzen aufwärts bewegen, doch dürfen diese desha.b nicht weit gezogen werden, weil der größte Teil des heute in den Handel gebrachten Silbers, wie gesagt, als Rebenprodukt aus silberhaltigen Blei- und Kupfererzen gewonnen wird, und somit der Silberpreis von der DerhüttungZ- menge dieser Erze und der Rachfrage nach Blei und Kupfer auf dem Westmarlte anhängig ist. Wie sehr aber der Markt mit Silber übersättigt ist, kann man auS folgenden statistischen Zahlen ersehen: Die Weltgewinnung an Silber stellte sich von der Zeit der Entdeckung Amerika an bis zum Weltkriege nach den sorgfältigen Berechnungen von Soetabeer auf annähernd 360 Millionen Kilogramm. Rach dem Kriege hat sich die jährliche Weltproduktion von diesem Edelmeiall zwischen 5,2 und 7,9 bewegt. 3m Jahre 1929 waren an dieser Massenproduktion, die nach amerikanischen Berechnungen 254 Millionen Unzen oder rund 7,9 Millionen Kilogramm umfaßte. Mexiko mit 165, die Vereinigten Staaten von Rordamerika mit 60, Kanada mit 21 Millionen Unze i beteil gt, wogegen die Silbergewinnung der Alten Welt vollständig m den Hintergrund trat. Das im Jahre 1930 der Erde entnommene Silber zusammengeschrnolzen würde einen Riesenbarren von sechs Meter Höhe und Breite und mehr als 20 Meter Länge bilden, wenn man ihn zerteilte, wären zu seiner Fortbewegung auf der Eisenbahn, Emballage nicht Berechnet, über 600 Güterwagen mit einem Höchst- adegewicht von 12 500 Kilogramm erforderlich. Es ist das eine ungeheure Gewichtsmenge, doch würde das Silber trotz solcher Massengewinnung immer noch zu weit höheren als den heutigen Preisen in der Weltwirtschaft und im Gold- und Silberschmiedegewerbe Verwendung finden, wenn die neuzeitliche Technik es nicht dazu gebracht hätte, Legierungen aus billigen Metallen herzustellen, welche von Silber gar nicht oder kaum zu unterscheiden sind und zersetzenden Einflüssen gegenüber ebenso große Beständigkeit zeigen. Wären diese schönen Legiermrgen nicht bekannt, würde die Rachfrage nach Löffeln, Gabeln, Gefäßen und Luxusarttkeln aus Silber heute weit größer und damit auch der Preis auf Gang im Frühling. Von Herma n Hesse. Jetzt stehen wieder die kleinen klaren Tränen an den harzigen Blattknospen, und die ersten Pfauenaugen tun im Sonnenlicht ihr edles Sammetkleid auf und zu. Die Knaben spielen mit Kreiseln und Steinkugeln. Die Karwoche ist da, voll und übervoll von Klängen und beloben mit Erinnerungen an grelle Ostereierfarben, an Jesus im Garten Gethsemane, an Jesus auf Golgatha, an dis Matthäuspafsion, an frühe Begeisterungen, erste Verliebtheiten, erste Jünglings-Melancholien. Anemonen nicken im Moos, Butterblumen glänzen fett am Rande der Wiesenbäche. Einsamer Wanderer, unterscheide ich nicht zwischen den Trieben und Zwängen meines Innern und dem Konzert des Wachstums, das mich mit taufend Stimmen von außen umgibt. Ich komme aus der Stadt: ich bin nach sehr langer Zeit wieder einmal unter Menschen gewesen, in einer Eisenbahn gesessen, habe Bilder und Plastiken gesehen, habe wunderbare neue Lieder von Othmar Schoeck gehört. Jetzt weht der frohe leichte Wind mir übers Gesicht, wie er über die nickenden Anemonen geht, und indem er Schwärme von (Erinnerungen in mir ausweht wie Staubwirbel klingt mir Mahnung an Schmer^ und Vergänglichkeit aus dem Blut ins Bewußtsein. Stein am Weg, du bist stärker als ich! Baum in der Wiese, du wirst mich überdauern, und vielleicht sogar du, kleiner Himbeerstrauch, und vielleicht sogar du, rosig behauchte Anemone. Einen Atemzug lang spüre ich, tiefer als je, die Flüchtigkeit meiner Form und fühle mich hinübergezogen zur Verwandlung, zum Stein, zur Erde, zum Himbeerstrauch, zur Baumwurzel. An die Zeichen des Vergehens klammert sich mein Durst, an Erde und Wasser und verwelktes Laub. Morgen, übermorgen, bald, bald bin ich du, bin ick Laub, bin ich Erde, bin ich Wurzel, schreibe nicht mehr Worte auf Papier, rieche nicht mehr am prächtigen Goldlack, trage nicht mehr die Rechnung des Zahnarztes in der Tasche, werde nicht mehr von gefährlichen Beamten 'm den Heimatschein gequält: schwimme, Wolke im Blau, fließe. Welle im Bache, knospe, Blatt am Strauch, bin in Vergeßen, bin in tausendmal ersehnte Wandlung getaucht. Zehnmal und hundertmal noch wirst du mich wieder einfangen, bezaubern und einkerkern, Welt der Worte, Welt der Meinungen, Welt der Menschen, Welt der gesteigerten Lust und der fiebernden Ängst. Tausendmal wirst du mich entzücken und erschrecken, mit Liedern am Flügel gesungen, mit Zeitungen, mit Telegrammen, mit Todesnachrichten, mit Anmeldeformularen und all diesem tollen Kram, du Welt voll Lust und Angst, holde Oper voll melodischen Un- finns! Aber niemals mehr, gebe es Gott, wirst du mir ganz verloren gehen: Andacht der Vergänglichkeit. Passionsmusik der Wandlung. Bereitschaft zum Sterben, Wille zur Wiedergeburt. Immer wird Ostern wiederkehren, immer wieder wird Lust zur Angst, Angst zur Erlösung werden, wird ohne Trauer mich das Lied der Vergänglichkeit auf meinen Wegen begleiten, voll Ja, voll Bereitschaft, voll Hoffnung. Katastrophe im Haus. Von Siegfried von Vegesack Als ich gestern morgen den Wasserhahn in der Küche aufdrehte geschah das Entsetzliche: Es kam kein Tropfen. Zuerst war ich verblüfft, dann erschrocken zuletzt wie gelähmt. Kein Wasser? Aber das ist bad) unmöglich: seit vorgestern taut es, es ist fast sommerlich heiß in der Sonne. Wenn das Wasser in der strengsten Kälte munter gelaufen ist, dann kann doch das Rohr jetzt nicht plötzlich zugefroren sein? Ich drehe und drehe den Hahn verzweifelt nach rechts, nach links, beklopfe ihn. behorche ihn, stelle den Teekessel einladend unter ihn, — aber fein Strahl, kein Strich, fein Tropfen. Der Hahn gibt kein Lebenszeichen von sich. Er ist tot. Fast ist es mir. als stocke auch das Blut in meinen Adern, als wolle mein Herz gefrieren. Ich setze mich auf einen Schemel und überlege. Wenn kein Wasser fließt, dann ist das Rohr zugefroren. Und wenn das Rohr zugefroren ist, bann wird es. wie vor zwei Jahren bei der großen Kälte, erst zu Ostern auftauen. Und bis dahin werde ich Wasser schleppen müssen. Den steilen Berg vom Dorf herauf. Durch tiefen Schnee, über Glatteis, verharschte Felskanten. Und jedesmal wird der Weg immer glatter und gefährlicher werden durch das verschüttete Wasser. Zuletzt werde ich mit dem Eimer den steilen gläsernen Eisberg auf allen Vieren hin- aufkriechen müssen. Mir wird ein wenig schwach. Heimlich kommt mir der feige Gedanke: Die Skier anzuschnallen und einfach davon zu laufen, einerlei wohin. So mag wohl den Raubrittern zumute gewesen sein, als Herzog Albrecht sie hier 1468 belagerte. Oder den kaiserlichen Dragonern, als sie sich 1641 hinter diesen Mauern gegen die Schweden „ver- bollrocrtten". Oder dem Schloß-Kaplan, als der wilde Pandurenführer Trenk 1742 hier seinen Einzua hielt. Nein, keiner von ihnen ergriff die Flucht. Und so beschließe auch ich. hier auszuharren und die Burg gegen alle heimtückischen Angriffe zu verteidigen. Die Lage ist nun folgende: Unser Turm steht auf hohem ^uarzfelsen der vom Dorf durch eine tiefe Kluft g . ennt ist. so daß früher nur eine Zugbrücke die Verbindung mit der Außenwelt herstellte. Heute wird dieser Abgrund durch eine steinerne Brücke überwölbt. Neben dieser Brücke ließ ich' auf drei großen Balken, von Sägespänen und Brettern dick eingepackt, die Wasserleitung herüberführen. Aber nichts hat geholfen: Das Rohr ist wieder zugefroren. Und jetzt im Winter ist an ein Dcffnen der Bretter und Auftouen der Röhre nicht zu denken: alle Sägespäne würden davonfliegen. Ja, meint nachdenklich der alte Mur, den ich um Rat frage und der lange am Hahn herumdreht, ich hätte doch das Wasser in der Küche bei Nacht laufen lassen sollen, — dann wäre das Rohr nicht zugefroren. Das ist sehr gut gesagt. Aber ich ließ ja den Hahn viele Nächte laufen, bis der Ausguß zufror, und eines schönen Morgens die ganze Küche in eine Schlittschuhbahn verwandelt war! Als ich damals stundenlang das Eis aufhacken mußte, und der alle Mur mit kochendem Wasser und glühender Eisenstange den Ausguß zum Auftauen brachte, erklärte er mir ebenso sicher, ich könne ruhig den Hahn abdrehen, er habe in diesem Jahre so viel Mist daraus gefahren, daß die Röhre unmöglich zufrieren könne. Die Sache ist im Grunde ganz einfach: Wenn man kein Eis in der Küche haben will, soll man den Hahn abdrehen. Wen aber das Rohr nicht zufrieren soll, muß man das Wasser laufen lasten. Der alte Mur hat eben für jeden Fall einen guten Rat Nur ich habe kein Wasser. Dafür aber einen richtigen russischen Wodka. Den hole ich aus dem Schrank. Nach dem dritten Schnaps sehen wir die Sache schon viel hoffnungsvoller an. „Mir kriagn mas scho, mia triagn mas fcho", versichert der alte Mur immer wieder, schüttelt eine Prise „Schmalzler" auf die Daumengrube, schnupft mit Behagen und macht sich an die Arbeit. Er schaufelt jenseits der Brücke den Schnee fort, hackt die gefrorene Erde auf, bis er auf das Rohn stößt, und schraubt hier ein neues Rohr mit Hahn an: das Wasser läuft! Ich brauche also den (Eimer nur über die Brücke zu tragen. Aber auch dieses Rohr ist heute nacht zugefroren. Ich bearbeite es mit dem glühenden Bügeleisen, daß es beinahe Bügelfalten bekommt, — aber es hilft nicht. Und nun bleibt mir doch nichts anderes übrig, als das Wasser vom Dorf herauf zu schleppen. Wie ich aber mit den beiden (Eimern auf der Brücke stehe und ins Dorf hinunterschau, kommt mir ein genialer Gedanke: Wie, wenn ich den Eimer an einem Strick hinunterlasse, ihn unten fülle, und dann wieder heraufziehe? Gedacht, getan: Der Eimer schwebt in die Tiefe, ich binde das andere Ende des Strickes am Brückengeländer fest, klettere den Hang hinunter und fülle den Eimer unten mit Wasser. Der Strick hält, der Eimer schwebt hin und her schaukelnd aufwärts, — ich bin gerettet: Bald brodelt der Teekessel über dem prasselnden Feuer des Kachelofens. Tee ist nämlich das Wichtigste: noch wichtiger, als sich waschen und sich rasieren. Daß di« alten Ritter sich selten oder gar nicht wuschen, kann ich begreifen. Immer in solcher eisernen Rüstung drin, — da muß es ja im Grunde egal sein. Aber daß sie ohne Tee leben konnten, das ist mir ein Rätsel. Dabei fällt mir Zenz, unsere frühere Köchin ein. Wenn sie am Samstagabend einen Kübel Wasser in ihr Zimmer trug, erklärte sie jedesmal meiner Frau, als wollte sie sich entschuldigen: „Na. gnä Frau, dös oanc kann i eahna sog'n; Drerfat bin i not, oh na, oba i Han hoit dö Kaprizen; oamoi in da Wocha muaß i mi woschn!" Uebrigens hab' ich es mir jetzt noch bequemer ge» macht: der alte Mur füllt unten den (Eimer, so daß ich ihn nur heraufzuziehen brauche. Und bis Ostern, wenn meine Frau und die Kinder Heimkommen, wird wohl das Rohr hoffentlich aufgetaut fein! dem Weltmarkt höher sein. Auch das seit sechzig Jahren bei der Anfertigung von Galanteriewaren verwendete Aickelmetall hat der Nachfrage nach Silber erheblichen Abbruch getan. Eine Entthronung des Silbers möchte ich es nennen, da es aufgehört hat, in gemünzter Form, als Geld, das Haupttauschmittel im Handelsverkehr der Welt und das allgemein angenommene Entgelt für Arbeitsleistungen zu bilden. — Geld regiert die Welt, wie man mit Recht sagt, und welche Macht das Silber als solches bis weit in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts hinein ausgeübt hat, verraten manche alte deutsche Redensarten wie die, daß silberne Schlüssel alle Tore erschließen und Kugeln aus Silber selten fehlschiehen. Schon sehr früh war Silbergeld das Hauptzahlungsmittel, doch mutzte das Goldgelb im Handel- und Weltverkehr an seine Stelle treten, als das Silber dem Gold gegenüber auf dem Weltmarkt mehr entwertet wurde. Liegt es doch im Wesen des eigentlichen oder gemünzten Geldes, als Wertmesser für Besitz, Güter und Arbeitsleistungen, daß sein Metallwert auf dem Weltmarkt g l e i ch b l e i b c n d ist oder sich nur in sehr engen Grenzen bewegt. Beim Golde ist dieses noch heute der Fall: es beläuft sich sein feststehender, der ganzen Geldwirtschast der Welt als Standardpreis zugrundeliegender Wert auf 2790 Mk. für das Kilogramm. Gold ist heute das allein vollwertige Münzmetall, während das Silber in fast allen Kulturstaaten nur noch zum Prä en sogenann er Scheidemünze verwendet wird, deren Rennwert von den Staaten besonders garantiert wird. Mit wenigen Ausnahmen sind alle Kulturstaaten zur Einführung des Goldes als Zahlmittel für größere Beträge oder zur Goldwährung übergcgangen, und zwar zur so- gcnannren Goldkernwährung, welche das Gold selbst in gemünzter oder Barrenform zur Verhütung von Verlust und Verschleiß möglichst in den Staatsbanken ruhen läßt und durch Hinterlegung desselben im Werte gesichertes Papiergeld in den Verkehr bringt. Silber könnte selbst dann, wenn sein Wert auf dem Weltmärkte nicht schwankte, das Papiergeld nicht mehr ersehen, weil es zur Begleichung der vielen hohen Geldwerte, welche heute in der Weltwirtschaft umgeschlagen werden, viel zu schwer ist. Mit einem Umstand hat man leider bei der Verdrängung der Silberwährung durch die Goldwährung auch in den großen Landgebieten von Asien, Indien, China und Indochina nicht gerechnet. Ihre 800 Millionen Bewohner haben im Laufe der Zeit geradezu ungeheuere Mengen Silber a u f g e s p e i ch e r t, die sozusagen ihren ganzen Reichtum bilden. Die durch die Einführung der Goldwährung so sehr verminderte Kaufkraft des Silbers hat nun für alle diese Asiaten, welche mehr als ein Drittel der ganzen Menschheit ausmachen, geradezu katastrophale Folgen gehabt und dürfte nicht in letzter Linie die Schuld tragen an den in Ost- und Südasien vor sich gehenden gewaltigen sozialen Umwälzungen. Hand in Hand geht damit ein Rückschritt des Handelsverkehrs in jenen weiten Gebieten, der für die Weltwirtschaft von nicht geringer Bedeutung ist. Oberhessischer Kunstverein. Aom Vorstand des Oberhessischen Kunstvereins wird uns geschrieben: Die Frühjahrs'- K u n st a u s ft e l l u n g, die morgen im Turmhaus am Brandplatz eröffnet wird, bringt in der Hauptsache eine Zusammenstellung der Arbeiten der Malerin Erna .Krüger (Osterode am Harz). Die Künstlerin ist 1883 geboren und verbrachte ihre Jugendjahre in Leipzig, wo sie zunächst unter dem jungen Walter Tiemann arbeitete. Es folgten dann mehrere Semester Kunstschule in ^Weimar unter Hans Olde und Sascha Schneider. -Später arbeitete sie in München und 1910 lange *Zeit in Oberitalien und Florenz. Ihr Hauptgebiet ,i)t die feine Menschendarstellung. Uns liegen aus- 'gezeichnete Kritiken vor von Ausstellungen in Wei- mar, Bochum, Krefeld, und ihre Arbeiten sind verschiedentlich in der Berliner Sezession und der großen Berliner Kunstausstellung, sowie in Leipzig, Dresden, Bremen, Karlsruhe, Hannover und an anderen Orten gezeigt worden, so daß wir annehmen können, daß sie auch hier in Gießen starke Beachtung finden werden. Weiterhin bringen wir Arbeiten eines jungen sudetendeutschen Radierers, des 1901 geborenen Harald Pickert, der jetzt in Kufstein lebt. Er hat in der Hauptsache in der Kunstgewerbeschule München unter Praetorius, Willi Geiger, Gulbrans- son gearbeitet und beschickte 1924 zum erstenmal die Ausstellungen des Salzburger Kunstvereins. Studienreisen führten ihn von der Nordsee herunter bis tief nach Italien hinein, nach Dalmatien und an dis Riviera. Seine Arbeiten sind auf verschiedenen repräsentativen Ausstellungen und in Kunstvereinen wiederholt gezeigt worden und haben überall infolge ihrer liebevollen Behandlung viel Interesse gefunden. An dritter Stelle sind einige Arbeiten des ebenfalls noch jungen Malers M a x B o m b e aus End- bad) bei Gladenbach ausgestellt. Der Künstler ist Mitglied des Oberhessischen Kunstvereins Er ist geborener Berliner und studierte in der Hauptsache in Weimar. Studienreisen führten ihn nad) Italien und Süddeutschland. Warum 2°/0ige Mieterhöhung? Don ber Hessischen Amtlichen Pressestelle wird mitgeteilt: Die vom 1. April ab eintretende Erhöhung der gesetzlichen Miete um 2 Prozent hat in allen Teilen des Landes lebhafte Proteste hervorgerufen. Wenn man auch zugeben muß, daß diese Erhöhung in einer Zeit der allgemeinen Preissenkung und des Lohnabbaues nicht einleuchtend erscheint, lieh sie sich doch nicht vermeiden. Zur Erhaltung des Staats- kredits und einer gesunden Finanzwirtschaft war es notwendig, das Staatsbudget auszugleichen. Trotz starker Spar- und Abbaumahnahmen muhte zur Erreichung dieses Zieles auch auf steuerliche Mahnahmen gegriffen werden. Da die staatliche Grundsteuer in Hessen bisher nur 12 Ps. gegen beispielsweise 48 Pf. in Preußen betrug, so schien es der gegebene Weg, diese Steuer- quelle auszunutzen. Do ist dann auch durch Gesetz vom 5. Dezember 1930 die staatliche Grund st euer um 24 Pf. erhöht worden. Auch nach der Erhöhung steht Hessen immer noch in der Höhe dieser Steuer gegen andere Länder erheblich zurück. Bei der Verteilung der entstehenden Lasten muhte die Regierung die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Gruppen berücksichtigen. Es war nicht angängig, die gesamte Erhöhung auf die Schultern der Hausbesitzer oder Mieter zu legen. Eine Teilung dieser Mehvlasten schien der Billigkeit zu entsprechen. Rach der eintretenden Erhöhung werden sich die H ö ch st m i e t e n im Lande in einzelnen größeren Städten auf 126 v.H. der Fried- d e n s m i e t e stellen. Sie liegen mit dieser Zahl immer noch sehr erheblich unter den Mieten, die in dem benachbarten Preußen gezahlt werden: denn dort ist neben der allgemeinen gesetzlichen Miete noch eine Umlage mancher Betriebskosten, namentlich der staatlichen und städtischen Grundsteuern gestattet, wodurch diese Mieten beispielsweise in Frankfurt und Wiesbaden über 137 v. H. der Friedensmiete liegen. Wenn dieser Vergleich und vor allem der Zusammenhang der Mieterhöhung und der notwendig gewordenen Erhöhung der Grundsteuer beachtet wird, dürfte man zu einer gerechteren und ruhigeren Beurteilung der Mieterhöhung kommen. Oberbeffen. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 27. März Wie in den letzten drei fahren, so hatte auch dieses Jahr die Oberklasse unserer Schule mit ihrem Leiter Dr. Mi^-el zu einer Schulentlassungsfeier eingeladen, zu der sich die Eltern und Angehörigen, sowie Freunde in sehr großer Zahl einfanden. Ein Bühnenstück mit Gesang, Gedichten und Darstellungen gab den Kindern reichlich Gelegenheit, ihr Können zu beweisen. Aber auch das Heitere kam in einer weiteren Aufführung zur Geltung. Sogar der Sport, der in der Schule eifrig gefördert wird, tarn zu seinem Recht. In einer 'Ansprache dankte eine Schülerin ihrem Schulleiter für die Hingabe, die er ihrer Schulklasse in den gemeinsam erlebten fünf Schuljahren habe zuteil werden lassen. Lehrer Dr. M i - ch e l ging hierauf nochmals kurz auf die gemeinsam erlebten Schuljahre ein und ersuchte die Kinder, genau wie in der Schule, auch im späteren Leben die Kameradschaft zu halten, besonders aber den Eltern eine treue Stütze zu (ein. Zum Schluß dankte Rektor Petri dem Lehrer Dr. Michel für die Arbeit, die er sid; mit den Kindern gemacht habe, und er überreichte dann den Siegern und Siegerinnen aus den Neichsjugendwettkämpfen die vom Reichspräsidenten und Staatspräsidenten übermittelten Urkunden. Auch dieser Abschiedsabend dürfte dazu beitragen, das Verhältnis zwischen Schule und Elternhaus zu stärken, zum Wohl der Gemeinde und des Vaterlandes. X Wieseck, 20. März. Unfer Evangelischer Frauen verein beendete die allwöchentlichen Zusammenkünfte dieses Winters mit einem Schluß abend. In seinem Verlauf gab Pfarrer Sattler einen Ueberblick über das letzte Iahr und zeigte eine neue Lichtbilderreihe „Christliche Frauen". * © r ü n i n g c n , 27. März. Heute, Freitag, feierten die Eheleute Adam Andreas Euler und Ehefrau Henriette geb. Leidich das Fest der goldenen Hochzeit. Beide erfreuen sid) noch einer guten Gesundheit, obwohl der Jubilar 76 und die Jubilarin 73 Jahre alt ist. Der Jubilar gehörte 22 Jahre dem Gemeinderat an. Kreis Schotten. □ Laubach, 26. März. Am Sonntagabend hielt im „Schützenhof" auf Wunsch des hiesigen Krieger- und Militärvereins Oberleutnant a. D. Bonhard aus Gießen einen interessanten Lichtbildervortrag über seine Kricgserlebnisse in Mazedonien. Das reiche Bildmaterial war von dem Redner selbst während des Krieges gesammelt worden. Die Zuhörer spendeten dem Vortragenden reichen 'Beifall. Der Prozeß Scherrer vor dem Reichsgericht. Leipzig, 27. März. (TU.) Der Stadtbaumeister Scherrer, dep bei der Stadt Butzbach tätig war, wurde vom Landgericht Gießen durch Urteil vom 2. Dezember 1930 zu fünf Mona- ten Gefängnis verurteilt. Die Anklage hatte — der Vorfall dürfte wohl noch allgemein in Erinnerung sein — auf Unterschlagung, Untreue und Betrug gelautet. Gegen das Urteil des Landgerichts Gießen legte der Angeklagte Revision ein, anderseits aber auch — bezüglich derjenigen Punkte, in denen der Angeklagte freigesprochen war — die Staatsanwaltschaft. In der Revisionsverhandlung vor dein Reichsgericht beantragte der Reichsanwalt die Verwerfung der Revision des Angeklagten, ferner die Aufhebung und Zurückverweisung insoweit, als der Angeklagte im Punkte der Richtvorlegung der Rechnungen aus den Kohlenlieferungen freigesprochen war. Der Reichsanwalt führte aus: Rechtsirrtümer zu Ungunsten des Angeklagten sind in dem Urteil der Vorinstanz nicht zu finden. Wohl aber liegt ein Rechtsirrtum zugunsten des Angeklagten insoweit vor, als die Strafkammer bezüglich der Unterlassung der Rechnungsvor- lcgung im Zusammenhang mit den Kohlenlieferungen eine Straftat verneint hat. Unterschlagung und Untreue sind allerdings nicht als vorhanden zu erachten. Hingegen gibt es zu rech tlich en Bedenken Anlaß, daß die Strafkammer auch den Tatbestand des Betrugesverneint hat. Der Angeklagte hat die Stadtverwaltung getäuscht, indem er die ihm zugegangenen Rechnungen für den Koks nicht vorgelegt hat, und er hat dadurch erreicht, daß die Stadtverwaltung es unterließ, den entsprechenden Betrag durch Abzug am Gehalt zu verrechnen. In diesem Punkte also ist die Revision der Staatsanwaltschaft begründet. Hiervon abgesehen muß auch die Revision der Staatsanwaltschaft verworfen werden. Insbesondere hat die Vorinstanz bcdenkenfrei angenommen, daß der Angeklagte bei Vornahme der Urkundenfälschung nicht in gewinnsüchtiger Absicht gehandelt hat, so daß nicht schwere, sondern lediglich einfache Urkundenfälschung zutreffend festgestellt worden sei. Das Urteil. Der Senat erkannte, entsprechend dem Anträge des Reichsanwalts, auf Aufhebung und Zurückverweisung insoweit, als es sich um die Anschuldigung der Unterschlagung durch die Richtvorlegung der Rechnungen handelt, und im übrigen auf Verwerfung der Revisionen des Angeklagten, wie der Staatsanwaltschaft. Zur Begründung wurde ausgeführt: Der Senat stimmt im we'entlichen der Auffassung des R ichs- anwalts zu und weicht nur insofern von ihr ab, als anzunehmen ist, daß der Angeklagte möglicherweise auch gegen die Paragraphen 348 (falsche Beurkundung im Amt) und 349 des StGB, verstoßen habe. S.jt.-ifpori Hessenkampf der Kunstturner. Di Riege des Gaues Hessen (DI.). Der hessische Prov nzialkamps um den Wanderpreis des hessischen Staatspräsidenten wird am 29. März in der Mainzer Stadthalle zum zweitenmal ausgelragen. Es steht ein erstklassiger Gerätewettkampf bevor. Deutsche Kampsspiel-. Deutsche Turnfest- und Kreis estäcger werden teil- nehmen. Die Pausen werden mit Sondervorfüh- rungen der Turner und Turnerinnen von Groß- Mainz ausgefüllt. Die Leitung liegt in Händen von Kreisoberturnwart Frey, Mainz. Die von Gauoberturnwart W. Will geführte Riege unseres Heimatgaues Hessen hat diesmal folgende Anstellung. Otto Textor, T.u. Spv. Marburg (41 Iahre alt); Heinrich Dechert, Tgm. Frie b:rg (21 Iahre): Karl Sch ck Tv. 1846 Gießen (20 Iahre): Walter Fink, T. u. Spv. Marburg (19 Iahre): Karl Reuter, Tv. 1846 Gießen (28 Iahre): Peter Voß, T.u. Spv. Marburg (28 Iahre): Willi Sinnwell, Tv. 1860 Bad-Rauheim (33 Iahre): Richard Seth, v G r o ß e n - L i n d e n (23 Jahre). Er ahmann ist Walter Siegmann, Tv. Alsfeld (23 Iahre). Ob der Riege unseres Heimatgaues Hessen in dieser Aufstellung die Verteidigung des im Herbst in Darmstadt gewonnenen Wanderpreises gelingen wird, ist schwer zu sagen. Es fehlen in der Riege diesmal die leistungsfähigen Marburger Adolf Fink, A. Cbersbächer, A. Ahnas und Paul Götsch, so daß sie alle Kräfte einsehen muß, um giegen die gute rheinische Mannschaft diesmal Sieger zu werden. Auch die Starkenburger Mannschaft soll in besserer Form sein als beim ersten Kampf in Darmstadt. Hallensportfest der Berliner Polizei. Fredy Müller schlägt Pelher. Lammers wieder hinter körnig. Im Mittelpunkt des ausgezeichnet besuchten Poli- zei-Hallensportfestes am Donnerstag stand der 1000- | Meter-Lauf, den ganz überraschenderweise der deut- I sche ü00-Meter-Exrneister Fredy Müller- Zehlendorf in 2:35 vor Dr. Peltzer gewann, der damit seine erste diesjährige Hallen-Niederlage erlitt. Im Sprinterdreikampf konnte Körnig zum xten Male beweisen, daß ihm in diesem Jahre niemand gewachsen ist. Sein ewiger Gegner Lammers mußte diesmal sogar mit dem dritten Platze hinter Liersch-SCC. vorliebnehmen. Eine weitere Ueberraschung gab es in den Rahmenwettbewerben, wo der achtfache DSB.-Meister Polizei Berlin im Handballspiel vom Berliner Turnverband mit 0:2 eine Niederlage hinnehmen mußte. Handball im Gau Hessen (O. T.» Während die erste Mannschaft des Männerturn- vereins am kommenden Sonntag spielfrei ist, unternimmt die zweite Els eine Reise nach Großen- Buseck. Die Männerturner werden gegen eine om- binierte erste und zweite Mannschaft des dortigen Turnvereins ein Handball-Freundschaftsspiel austragen und werden wohl um eine Niederlage nickst herumkommen, wenn sie ihren Gegner — zumal noch auf dem gefährlichen Busecker Phztz — unterschätzen. Die erste Jugendmannschaft Iritl-Ifach langer Pause wieder auf den Plan. Als Gegner ist die gleiche Mannschaft des Turnvereins Lang-Göns nach hier verpflichtet. Das Spiel kommt auf dem Mtv.-Sportplatz am Schiffenberger Weg zum Austrag. Tv. Großen-Vufeck I — Mio. Gießen I. Die 1. Mannschaft des Turnvereins Großen-Buseck hat am kommenden Sonntag die 1. Mannschaft des Mtv. Gießen zu Gast. Die Gastmannschaft, die zur Zeit in verjüngter Aufstellung auf den Plan tritt, stellt einen sehr beachtlichen Gegner dar, und Gro- ßcn-Buseck wird alle Kräfte anfpannen müssen, wenn eine ausgeglichene Partie zustande kommen soll. Der Ausgang des Kampfes ist offen, obwohl man den Gästen zweifellos ein kleines Plus wird einräumen müssen, das fein Gegengewicht bestenfalls im Platzvorteil des Gegners findet. Die 2. Mannschaft erwartet die 1. Mannschaft des Tv. Allcndorf. Der Aus» gang dieses Spieles ist sehr ungewiß. Lugendheim-Werbeiag im WGB. Am kommenden Sonntag, 29. März, sinden tm Verbandsgebiet des WSV. keinerlei Derbauds- spiele statt. Vielmehr ist der Tag freigehalten für die Wettkämpfe von Auswahlmannschaften, Stadt gegen Stadt, Land gegen Stadt, Land gegen Land. Die Erträgnisse der Spiele, die an den WSV. abgehen, sollen der Schaffung eines Der- bands-Iugendheimes dienen. In Anbetracht des verfolgten guten Zweckes ist den Deranstaltrmgen ein guter Erfolg zu wünschen. Den Wettspielen, die für den kommenden Sonntag festgesetzt worden sind, dürften in ihrer Aufmachung auch wohl geeignet sein, die Fußballanhänger auf die Sportplätze zu rufen. Die Gießener Mannschaften, vielmehr die Gießener Vereine, wie auch die 'Vereine der Umgebung werden auf den Plan treten. Cs wurde eine Reihe von Spielen festgesetzt, auf deren Ausgang man gespannt sein darf. So findet in erster Linie ein Städtewettkampf zwischen Stadtmannschaft A Gießen und Borussia Fulda statt, der aber (leider darf man wohl sagen), in Fulda stattsinUt. Die Borussen wären in Gießen sicherlich gern gesehene Gäste gewesen. Die Mannschast, die von Gießen aus auf die Reise geschickt wird, seht sich aus Spielern der Liga der beiden hiesigen Vereine, VfB. und 1900, zusammen und tritt voraussichtlich in folgender Aufstellung an: Brambach (1900); Schneider (VfB.), Dingel (VfB.): Leutheuser (VfB.), Haupt (Vftz.), Glitsch (1900); Zeiler Arnold Balser Lehrmund Ritter (1900), (1900), (1900), (VfB.), (VfB.). Diese Aufstellung stellt zweifellos nicht das Beste dar, was man aus den Gießener Marrn- schaften nominieren könnte, wenn die aktiven Spieler alle zur Verfügung stehen würden. So muh man leider auf Adelberger wieder verzichten, Heilmann ist durch eine Verletzung außerstande, mitzuwirken, Langsdorf, der als Mittelläufer der geeignetste Mann wäre, kann nicht mit dabei sein. Immerhin fährt die Mannschaft mit einigen Aussichten nach Fulda. Wenn Brambach nicht einen seiner schwarzen Sage hat, so hat die Gießener Vertretung in ihm einen zuverlässigen Rückhalt, die Verteidigung wird ihrer Aufgabe sicherlich gerecht: wie sich Haupt als Mittelläufer bewähren wird, bleibt abzuwarten, immerhin hat er in Leutheuser und besonders in Glitsch fähige Sekundanten. Im Sturm wird man allerdings das Fehlen von Heilmann und Adelberger sehr vermissen. Cs ist unter diesen Umständen zweifelhaft, ob sich die Hiesigen gegen das konstante Gefüge der Borussen, die in geschlossener Mannschaft untre ten, behaupten können. Jedenfalls werden die Gießener zur Hergabe allen Könnens herausgefordert werden und es bedarf aller Energie, und außerdem der Hintanstellung jeglicher Eigen- brödeleicn, wenn die Mannschaft den Fuldaern eine gleichwertige Partie liefern will. Cs bedarf schließlich noch eines hohen Maßes an Entschlossenheit von feiten des Gießener Sturmes, wenn es möglich fein soll, die standfeste Verteidigung der Plahbesiher zu überwinden. Die Gießener Stadtmannschaft sollte diese Treffen grundsätzlich als eine Prestigeangelegenheit betrachten, dementsprechend ihr Handeln einstellen, und um ein ehrenvolles Ergebnis bemüht sein. Ein Sieg würde eine sehr angenehme Heberraschung bedeuten. Reben diesem Spiel wird auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe ein zweiter Kampf statt- finden, in dem sich die S t a d t m a n n s ch a f t B, die sich ebenfalls aus Spielern der Spielvereinigung 1900 und des VfB. zusammensehen wird, und eine kombinierte Mannschaft des Turn- und Sportvereins Butzbach und des FC. Großen- Busecks gegenüberstehen werden. Wenn man auch in diesem Tressen die Gießener als sicheren Sieger ansehen darf, so steht doch auch hier ein spannender Kampf bevor, denn gerade der DsR. Butzbach hat einige fähige und vor allen Dingen junge Kräfte in seinen Reihen, die durch ihren Eifer zu einem gefürchteten Gegner geworden sind. Die -Großen-Busecker dürfen ebensowenig unterschätzt werden. Zu diesem Kampf treten die Gießener in folgender Aufstellung an: Völkler (VfB.); Schneider (1900), Jäckel (1900); Post (VfB.), Schlarb (1900), Michel (1900); Fehling, Mattern, A. Kreß, W. Schneider, Best (VfB.), (VfB.), (VfB.), (VfB.), (1900). Im Gebiet des Gaues Giehen-Wehlar sind eine Reihe weiterer Spiele angesetzt. So spielt eine Stadtmannschaft von 'Wetzlar gegen eine kombinierte von Ehringshausen und Aßlar. In Lich spielen Steinberg-Steinbach gegen Garbenteich- Oeihgestern, in Lollar treffen ebenfalls zwei kombinierte Mannschaften aufeinander. Aus den Ligareserven des VfB. und der Spielvereinigung 1900 tritt eine Mannschaft der kombinierten von Daubringen und Lollar gegenüber. Diesem Kampf wohnt ein besonderer Reiz deshalb inne, weil hier die in den Derbandsspielen punktgleichen Bewerber (1900, Daubringen und VfB.) ihre Kräfte messen. Mit diesen! Spiel verbindet sich der besondere Wunsch, daß es in fairer, durchaus ritterlicher Form durchgeführt werden möchte. * Spork-Film-Borstellung der Spvgg. 1900 Gießen. In Verbindung mit dem Jugendheim-Werbetag findet, veranstaltet von der Spielvereinigung 1900, eine Filmveranstaltung im Lichtspielhaus Bahnhofstraße statt, in der einige Sportfilme gezeigt werden. Das Programm für diese Veranstaltung sieht die Vorführung von vier verschiedenen Filmen vor. Darin wird den Besuchern ein Ausschnitt aus der Tätigkeit der Sportverbände gezeigt, die in der körperlichen Ertüchtigung der Jugend ein hohes ethisches Ziel sehen. Dr. 'M ö ck e I m a n n wird vorher einen kurzen Vortrag über das Thema „Schule und Sport" halten. Näheres in der heutigen Anzeige. __________ Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 29. März. Palmarum. Landes-Buß- und Bettag. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Mahr; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde; Pfr. Mahr; 18: Pfr. Becker. — Iohanneskirche. 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfr. Bechtolsheimer: 18: Pfr. Ausfeld: Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde: 20: Bibcl- befpredjung im Iohannesfaal: Pfr. Bechtolsheimer.—• Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz. — Elisabeth-Kleinkinderschule. 9.45; Pfr. Inc. Waas. —# Klein-Linden. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kindergottesdienst. — Wieseck. 14.15; Kollekte; 15: Äinder- kirche. — Alten-Buseck. 9.30: Beichte; 10: Gottesdienst; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls: Kollekte. — Kirchberg. 10: Kirchberg; Kollekte; 11: hl. Abendmahl für die jungen Männer und Frauen von Lollar: 13.30: Kirchberg; Kollekte. — Haufen-Garben- teich. 10: Haufen; 13: Garbenteich. — Watzenborn. Steinberg. 13.30: Hauptgottesdienst; Kollekte: 14.30: Kinderkirche. — Lich. 10: Stiftsdechant Kahn: 12.45: Kindergottesdienst: 14: Stistspfarrer Draudt; 20; Kirchenmusikalische Passionsfeier. Katholische Gemeinden. Samstag, den 28. März. Gießen. Von 16 bis 21 Uhr werden fremde Priester Beichte hören. Sonntag, den 29. März. Palmsonntag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt: 17.30: Christenlehre und Andacht. — Grün- berg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen 8: Hochamt mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt: 20: Vortrag und Andacht. — Nidda 8.30- Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 30. März. Laubach. 7.30 Uhr: Messe.________________________ 3onntaflc29 1. A.-N. Dr Schlievbake. Dr. Bloch. Hirschnvorbeke. 3 «• rAt‘ r>» Jaaer ’D Gegen laftigctt Juckreiz -er Haut, schmerzhaftes Brennen und Röte der Hände und des Gesichts, heroorgerufen durch Witterungselnstilffe, verwendet man die schneeig-weisse Leodor-Kilhl Creme (rote Packung), gleichzeitig vorzügliche Puderunterlage, herrlich duftende Schönheltscreme, Tube 60 Pf. und 1 Mark, wirlsam unterstützt durch Leodor-Edel-Seife, Stück 60 Pf., in allen Chlorodont-Verkaufsstellen zu haben. Nachdruck verboten 12 Sortierung Nickt eclitfarki^ 1.25 nein, 1.95 Indanthren Paar verstärkt der Stoff ist Gewißheit Schmücker nach dem 2206* bekannten Zu Ottern Indanthren Neue Sdiuhe Alleinverkauf der bekannt Dr.-Diehl- u. Hassiasana-Schuhe Jlutzen tfie unsere billige Woche! I8B* Fest mehr vvn Her- Indanthren Etikett sehen! Gießen JKäust>iir£ H finden Sie bei mir in grober Auswahl zu den billigsten Preisen KonfirmandemSdiuhe gut und billig müssen Sie verlange Dann erst haben Sie die über den grauen Alltag! ..Wenn nur aus all Ihren schönen Plänen etwas werden wollte!" seufzte sie leise, mit geheimem Zweifel zu Recknitz hinüberschauend. „Wer we.h was da vielleicht wicd t dazwischen kommt!" „So pessimistisch?" lachte Recknitz und fuhr übermütig fori: .Gnädige Frau müssen sich eben erst mal eine Weile meiner bewährten Führung anvertrauen. Da werden Sie alle Grillen gründlich los. garantier' ich!" Lustig schwirrte die Unterhaltung. Der Plan des Kostümfestes gewann immer festere Gestalt. Recknitz. der auch eine gute Zeichengabe besah, beriet eifrig mit Ursula ein besonders apartes Kostüm und skizzierte ihr seine Idee aus ein Blatt Papier. Die junge Frau war ganz verändert, gar nicht wiedcrzuerkennen! Mit ihrem strahlenden Gesicht, den leuchtenden Augen, ihrer kindlichen Freude auf das Fest sah sie so entzückend aus. daß Recknitz für sie zu schwärmen begann. Jin Fluge ging so die Zeit dahin, und als Recknitz zufällig einmal nach der Uhr auf dem Paneel sah. war es schon dreiviertel zwei. „Herrgott!" Eilends fuhr ec vom Sih auf. .„Da hab' ich mich schön festgeplaudert! Um drei muh ich ja wieder im Dienst sein. Ich werd's AusrunttetnRechto Siras-.Hamtl.-Slnge leaenhetten, Gesuche Verträge. Beobachtungen. Ueberwachg. und Ermittlungen vreiSw^ streng diskr. u. an all. Orten ert u erledigt Detektlv- Berean-n.Aueknflltei Inh. K.Gerz, Bad-Nauheim, Karitr. 17. w.); hckel (1900); 00). Michel (1900); l. D. Schneider, M . TO. (1900). Siehen gegen Garbenteich' essen ebenfalls zwei anscinander. Aus den 1 der Epielvereinigung der kombinierten vvn enüber. Diesem Kamps z deshalb inne, veil sspielcn punktgleichen gen und M.) ihre Spiel DerbinM (ich in fairer, durchaus )Tt werden mochte. unübertroffen waschecht lichtecht, wetterecht. Abei Damen-Strumpf künstl. Waschseide in mod. Farben, Paar Damen-Strumpf „Unsere Hausmarke“ feinste künstliche Waschseide, Fuß 4fach Damen-Sport-Strumpf 7C meliert, strapazierfähige Qualität... .Paar ■ w Damen-Seidenflor-Strumpf qe schwarz und farbig................Paar WV bitte, immer Sdiuhhaus L Bernhardt, SAuiftr. io 228■D begann. Wie lange war es her. dah sie kein besucht hatte, dah sie einmal so recht zen froh gewesen war! Ach ja, das mühte wohltun. so einmal wieder hinweggehoben zu werden. DrenckS Stirn umtoöltte itch sofort wieder, und etwaS ärgerlich erwiderte er, ohne die Stimme zu dämpfen: „Ja. ja! Sei nur ohne Sorge!" , Als die Gläser dann gefüllt waren, hielt Drenck den Kelch mit dem herben Tokaier dem Gast lächelnd entgegen: „Also nochmals herzlichst willkommen! Und aus recht häufiges Wiedersehen hier in unserem Hause!" Recknitz tat ihm Bescheid und hob. sich verbeugend. daS GlaS gegen Ursula. „Wenn gnädigste Frau gestatten — vvn Herzen gern!" „Ich bitte darum. Herr von Recknitz." Ursula lieh ihren Kelch an den seinen klingen und sah ihm voll ins Gesicht. „Machen Sie uns recht, recht oft die Freude!" Und Recknitz leerte sein Glas. „Aber hoffentlich werden wir doch auch in der Stadt öfter mal zusammenkommen. Sie verkehren doch in der Stadt?" fragte er. sich an die Hausfrau und dann zu dem Freund wendend. „Einige Besuche haben wir ja gemacht, aber die Sache kommt nicht recht in Gang. „Na. das soll nun anders werden!" versicherte Recknitz. „Gnädigste Frau dürfen sich doch nicht langweilen. So 'n bihchen ländliche Buhe ist ja ganz schön, aber nur nie zu viel des Guten! Nicht wahr?" wandte er sich lächelnd an die junge Frau. „Ach. um meinetwillen — ich käme wohl schon drüber hinweg!" „Aber mein Mann! Für ihn wäre es wirklich ein Glück, wenn wir einen netten Berkehr bekämen." „Na, Ursel, dir könnte es, weih Gott, auch nichts schaden!" In einer warmen, herzigen Aufwallung klopfte ihr Drenck die auf dem Tische ruhende Linke. „Diel hast du ja auch nicht vom Leben!" Um Ursulas Mund spielte ein schmerzliches Zucken, das dem heimlich beobachtenden Besucher nicht entging. Er ahnte die Situation: Die arme, kleine Frau! Sie mochte es wirklich nicht leicht haben an Drencks Seite. Und Plötzlich kam eine gutmütige freundschaftliche Negung über ihn. hier den guten Engel zu spielen, dem armen Teufel, dem Drenck, mit seinem verpfuschten Leben nach Möglichkeit über die Misere hinwegzuhelsen und seiner wirklich allerliebsten kleinen Frau. Die war doch, weih Gott, zu schade, als dah sie hier verkümmern sollte! Was er vorhin, mehr um nur etwas Angenehmes zu sagen, so hingesprochen hatte, das wurde jetzt bei Recknitz ein wirklich fester Entschlich. „Fred Hai ganz recht. Wir müssen etwas für Sie tun. Und passen Sie auf: ich bringe die Sache : Spvgg. 1900 Liehen. ; Iugendheim-Werbelvg Spielmeinigung IM Lichtspielhaus Bohnhos- -portiilme gezeigt mr lese Aerachckung sieht njdjiebencn Kmen cor. ein Ausschnitt aus btt de gezeigt, die in btt der Lugend ein W5 ÖtfelmannnjirbvDP Lbcr dar Thema „schm P5 in der heutigen tn Schatz. vXp haoe |o meine deinen Meriten als Betriebsdirektor: nicht wahr?" lachte er vergnügt zu dem Freund hinüber. „Und wir wollen gar keine Zeit verlieren. Heber acht Tage haben w.r einen Gesellschaftsabend mit Damen — das ist die beste Gelegenheit, mit den Herrschaften ein bihchen warm zu werden. Wenn Sie uns also die Ehre geben wollten." Frau Ursula sah zögernd auf den Gatten: aber der griff begeistert den Gedanken auf. „Aber natürlich! Mit heihem Dank akzepttertl Eine tadellose Idee vvn dir — komm her. darauf müssen to t anstohen!" Es geschah, und Fred trank in seiner srohen Stimmung, alter Getoohnheit folgend, sein Glas mit einem Zuge leer. Ursula sah es mit leisem Erschrecken, aber sie schwieg. Sollte sie ihm gerade in diesem Augenblick mit einer Warnung wieder die Laune verderben? Recknitz begann von anderweitigen Plänen zu erzählen, einem Iunggesellen-Kaffee, den er auf seiner „Bude" (übrigens drei sehr behaglich eingerichteten Garconräumen). veranstalten wollte, und sogar von einem Kostümfest. Er wuhte so überzeugend alles zu entwickeln, dah sich schliehlich Ursula von ihm erwärmen zu lassen „Donnerwetter!" entfuhr es ihm dann, als sich die Tür drüben im Salon hinter Ursula ge- fchlossen hatte Du. ich gratuliere dir: du hast ja eine entzückende kleine Frau." Fred nickte fröhlich in seiner gehobenen Stimmung war er ganz derselben Ansicht. „Aber wie geht- dir denn mein Alter? Siehst ja wieder famos aus. was? Na ja" — Drencks plötzlich wieder ernst werdende Miene lieh Reck» nih rasch übet den Wunden Punkt Hinweggleiten — „natürlich! Dah du den Fliegerdreh ausziehen muhtest, atmet Kerl, das wirst du ja noch immer nicht ganz verwunden haben — aber das to rö schon kommen! Donnetwettetl Denk mal an unseteinen. der sich von früh bis spät schinden muh. im Grunde doch nur ein besseret Lustdto chlenkutscher. Nee. is eijentlich weeh Ivtt, nischt zu lachen! Du bist hundertmal besser dran: Bist dein eigener Herr, dir hat keiner was dreinzureden, sitzt hier in deinem Reich wie ein kleiner Fürst und hast ein liebes Weibchen — Kerl, beneiden könnt' ich dich! Du hast eigentlich das große Los gezogen!" Und vertraulich schlug Reck- nih sich zu Drenck hinüberbeugend, diesem aufs Knie. - Fred schwebte wohl im Anfang eine bittere Antwort auf bet Zunge, aber die liebenswürdige, mit sich fottreihende Art des Freundes zerstreute alsbald seine Grämlichkeit wieder. Ja, wahrhaftig. er wollte auch wirklich einmal nicht an die Misere seines Daseins denken. Es tat ihm not, dah er einmal den Kopf wieder hoch bekam. So ging et denn auf den leichten, munteren Ton des anderen ein. Als Ursula wenige Minuten später wieder bei den Herren erschien, um sie zu einem kleinen, schnell bereiteten Imbih ins Eßzimmer herüber zu bitten, da wat sie aufs freudigste überrascht, Fred so heiter zu sehen. Ein warmes Gefühl des Dankes für die freundliche Fügung dieses Zusammenfindens der Freunde überkam fie, und seit langem xum ersten Male begann es ihr selbst wieder leichter ums Herz zu werden. Unter frohem Scherzen gingen alle drei zu Tisch. Aber doch vetgah sie nicht, beim Niedersehen Fred leise bittend zuzuraunen: „Aber bitte, Freddy, nur ein Glas!" ’ Böller b LS'-L ?en- Ein, ^rr ■r Polize 'L urnoerbm rl!n im chie. anb mit 0:2 WB*: JÄEp: 'eilnölMspi!ithsen taerEr u?Ql rite Sofias S'« “Mieten I. SW°^'Suferf y«bar,Mtt Pannen muffen, otnn j™* kommen soll. Icr k obwohl man den ÄfWMreinräUmtn I* peftenroUs |m 2. Mannschaft «• -v. Mendorf. Der Au,, mgewiß. Kreuzweg der Lebe Vornan von Paul Srabein UrhebervechtSfchutz: Romandienst .Digv". Berlin W 30 Große Mengen Reste aller Art sind wieder eingetroffen, ff erbens da darunter ein großer feinster Mako-Zephir ■ ■ ■ für Hemden. Die Preise sind diesmal enorm billig! ^B doch noch schassen?" wandte et sich, Mt Handschuh überstreifend, an Drenck. „Reichlich — aber wie schade, dah du schon weg muht." „Schon ist gut!" Bald zwei Stunden hab' ich hier gesessen — für eine Antrittsvisrte wirklich etwas reichlich." Seine lustigen Augen glänzten Frau Ursula an als wollten sie sagen: .Ist's aber ein Wunder?!' S.e reichte ihm die Rechte zum Abschied, über die er sich tief neigte und sagte: „Sie sind doch auch nicht als steifer Besuch gekommen, sondern als Freund, Herr von Recknitz. Auf recht baldiges und frohes Wiedersehen also! — Und vergessen Sie also nicht, mir die Modistin herauszuschicken!" „Ich werde mich Ihren Dertrauens würdig zeigen, und Ihren .geschätzten Austrag prompten cfsektuicren'" — Dann noch ein letztes, krästiges Händeschütteln mit Fred, der ihn bis vors Haus begleitete. In rosigster Laune kehrte Drenck in sein 3inv- mer zurück. Er fand seine Frau nicht mehr vor, sie war wohl in die Küche hinübergegangen, nach dem vernachlässigten Mittag zu sehen. So lieh er sich allein vor dem Tisch nieder wo noch die Flaschen und Gläser neben der geöffneten Zigarettenschachtel standen. Der belebende Hauch der Zigarette wehte ihn aus den seinen Rauchschwaden in dem Raum an. Wie lange hatte er das nicht mehr eingeatmet! Seit seiner Krankheit hatte ct He nicht mehr geraucht. Ah. wie sich das schmeichelnd, prickelnd, anregend auf die Sinne legte! Er griff eine Zigarette aus dem Kasten und sog sehnsüchtig den aromatischen Duft des goldgelben Tabaks ein. Ob denn ein paar Züge ihm wirklich schaden sollten? Eigentlick) ganz undenkbar! Die Kerls, die Doktoren, waren ja allesamt Angstmeier, sie wollten ihn nur ins Bockshorn jagen. Er möchte ihnen doch aber gar zu gern mal ein Schnippchen schlagen! — Und schon langten seine Finger nach dem Leuchter. Behaglich, mit einem Gefühl geheimster Wonne, lehnte sich Drenck zurück und zog den feinen Duft langsam ein, schwelgend in dem so lange entbehrten, verbotenen Gen uh. Weih Gott, heule fühlte er sich zum ersten Male wieder als Mensch nach drei Dierteljahren stumpssinnigen Vegetierens. Ein lieber Kerl, der Recknitz. dah er sie hier wieder alle so hochrappelte. Er muhte ihm wirklich noch mit einem Hochachtungsschluck im stillen kommen, und schnell war das Glas gefüllt und ebenso schnell wieder geleert. IFortsetzung folgt.) la Düngekalk prompt und billigst C. Rübsamen Fernspr. 3659. [2O76D M Betten (Stehl a-Hols) PoUt. stehJ- ma tr_Kln derb„CbiteeL. an Jeden. TelteahJg. 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Verein ausgeschieden, u. hat derselbe mit der Geschäftsführung nichts mehr zu tun. 1 iese ist infolge der Neuwahl auf Herrn Anton Keusch übergegangen. Vorstehendes zur Kenntnisnahme der hiervon interessierten Geschäftswelt von Gießen und Umgebung. 2224 d Großen-Buseck, den 25. März 1931. Landw.Consüinverein e.G.m b.B. Der Vorstand; F. Gans I. H. Gans X. SOEdelhuschrosenr”; i. nr. Ware. 10 Edelbaechr. RH. 3.— 20 St. RM. 4.50, Klctterr. 1 St. KM. 0.45, lOSt.RM.4.— Kochet. Rosen, 75-100cm hoch.St RM. 1.60,100-140cmhochl8tück KM. 2 — sowiesämtl.Obstbaume, Beeren- und Ziersträucher, Blumenzwiebeln usw. Ford. Sie PrcisL gratis. Nicht gefallende Sendungen nehmen wir gut verp. zurück. Aufträge von 10RM. an verpackungsfret Nachnahmeversand. 2111V Ceör. Sonunsr, 1ZM M tofcta. Unsere verbilligten Preise im Oster-Verkauf helfen Ihnen sparen I Knaben- und Mädchenbekleidung reichste Auswahl - billigste Preise hi 6er ^kanntn blatt Dir. 74). 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März 1931,19.30 Uhr, in der Stadtkirche Orgel-Konzert Günther Ramin Organist zu St. Thomä, Leipzig Bach-Abend Eintrittskarten: RM. 4.-, 3.— und 2.— bei Ernst Challier (Fernruf 20711 und abends an der Kasse. Studentenkarten RM. 1.— bei Herrn Sekretär Ritter und im neuen Studentenhaus gegen Ausweis. Die im Abonnement für das vierte Konzert ausgegebenen grünen Kirchenkonzert-Karten haben Gültigkeit. 2111D Am 31. März unwidcrrnl lieh Schluß! Preisvorteilung! 01782 Es ladet’höflichst ein Heinrleh Deeherl. UlllllllllllllllllllllinilllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllJ EV. Stadtmission, Löberstr. 14 Sonnst ag, 29. März, abdw. S1'« Uhr: LiclilbilderAndaclil Thema: VOHl MM (jOttOS mit Bildern von Prof. D. R. Schäfer und begleit. Chor- u. Gedichtvorträgen — Eintritt frei! — Lichtspielhaus Gießen Nur noch heute und morgen Sonntag: Lilian Harvey Willy Fritsch Heinz Ruhmann in der musikalisch. Ehekomödie Einhrecher Eingebrochen wird hier mit übermütigster Laune in die Ehe Lilian Harveys - köstlich - spannend-amüsant Ferner: Ufa-Woche - Ton-Lustsplel 2093 C HACH AMERIKA AUSKUNFT UND PROSPEKTE DUICH UNSERE VEITIETUNGEN In Gießen: Theodor Loos, Kirchenplatz 13 In Wetzlar: Dornbusch L Binder,Lahnstr.12/14 REISEH HACH DEM SUDEH POLAR- UHD HORDKAPFAHRTEH Jlr. 22 61 Inhalts-AebersiS