J aul Ä "SÄ? SS IküW. lull. '°?nkon-nt^^, ffiH« ffu r!i?: td l^n «d, aeiS; ie.00- j SM”6611 fe.®1’»: Sußball- ^11- 20.00: Lonn» «monischtn 2lÄ«. ? und 2nrfbot?n ft • 22.00: Bonn- 5 blS 24.00: ranz. lull. ihdnzert M Sur« »Wrt. 15.50: „$:t ■ Mikrophonbericht laul Lavm. 16.30: ^urorchesters. 1815: -«Her zu spiel«,?", Thvrmann 16.45: mmunlDtltn", Dvi- Trimm, tzambura. nicht. 19.45: .Shav- ij Soninlli 20: 2on •et Deutschen Del.« ianb". Dorttag von lier-Musil. Zull. 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BtUaaee: Die 3üii|triertt Biehener Jamilienblätta Heimat rm Dill» Dir Scholle Monat, ■ Bejngspret«: 2.20 Deichomard und 30 3leld)spfenmg für Träge» lohn, auch bet Dichter» scheinen einzelner Dummern infolge höherer Gewalt. KerMfprechanschliße enterSammelnujrener2251. Anschrift für Drahtnach- richten: Hnjeiger «letze». Po,scher«onto: graeflertammain 11686. vnck und Verlag: vrühl'lche Ukiversttül5-V>ch. mö $teti6ni(ferei L taugt tu Sietzen. §chttftleittmg und Seschästrftelle: Schulftratze 7. Annahme »oe Anzeigen für die Tagtsnummcr bis zum Dach mittag vorher. Preis für l mm höh« für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Deichspfennig; für De- klameanzeigen von 70 mrx Breite 35 Deichspfennig. Dlayvorfchnft 20*, mehr. Cbefrebakteun Dr. Fnedr. Wich. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Will». Lana«; für Feuilleton Dr h Thgriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Nr. 173 Erster Blatt 18s. Jahrgang Montag, 27. Zuli IM Gietzener Anzeiger Sevilla im Fieber. Don unserem slc.-Derichterftatter. (Lachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Sevilla. Juli 1931. Sevilla, di« Stadt der Sonne, die Stadt der Blumen. die Stadt der Diralda und des Alcazar, die Stadt EarmenS und Micaelas, bas ist die Stadt der Lebensfreude und der Leidenschaften, der ewigen Heiterkeit und der Inbegriff aller spanischen Romantik. Go sieht der Fremde diese Stadt, wenn er auf den Straßen daS Volk flanieren lieht, in der schlangenartig geschwungenen engen Lalle de las SierpeS sich an der 'Buntbett der GeschäftSauslagen erfreut oder sich gar unter die fröhliche Volksmenge bei einer Feria auf der Alameda de Hercules mischt. Aber diese Stadt hat auch eineünterwelt. Dem Fremden unsichtbar, aber dem Einheimischen bekannt und von ihm mit Recht gefürchtet. Die Kriminalität der Stadt ist groß. Roheitsverbrechen. Laubübersälle stehen an erster Stelle. Besonders verrufen sind die Vorstädte. Go vor allem Triana, die Gladt der Töpfer, wo sich unter das Proletariat ein ungewöhnlich hoher Prozentsatz von Zigeunern mischt, die ihren eigenen Gesetzen folgen und die in jedem Vertreter der öffentlichen Ordnung, mag es sich um «inen Polizisten oder um einen Soldaten handeln, von vornherein den geschworenen Feind erblicken. DieS Volk ist durch und durch ungesetzlich, anarchistisch auS Lharakleranlage, verbrecherisch vielleicht auS einer Art Tradition, da ja nicht allzu weit von Sevilla weg llftera liegt, die Zufluchtsstätte der Mörder deS Mittelalters, der Ort, der Jahrhunderte hindurch jedem Verbrecher Asyl- recht gewährte. Und Sevilla ist ein Hafen, einer der größtem Häsen Spaniens. Hier strömt alles Volk zusammen, daS aus Schiffen durch daS Mittelmeer fährt. Levantiner treffen sich hier, Flüchtlinge der französischen Fremdenlegion, Ausgestoßene der afrikanischen Kolonien, marokkanische- Abenteurergesindel, di« Nachkömmlinge der Seeräuber und der Abschaum des ganzen Völker» mischmaschS. daS an den Küsten des Mittel- meereS wohnt. In den kleinen unzähligen Kneipen. die um das Hafenviertel herumliegen, in den Dirnengassen, die von der Alameda de Hercules ausstrahlen, da bekommt man diese Unterwelt zu Gesicht. Da sieht man wirkliche Apachen, wie man sie in Paris nicht mehr findet und wie der Film sie nur allzu unecht darstellt. Da schwirren all« Sprachen der Welt durcheinander. Da ist «in jebet der Kneipenbesucher ein Zuhälter. Da gibt «S noch den Messcrlamps Mann gegen Mann, wie ihn Hans Heinz Evers in seiner ..Tomatensauce" beschrieb. Da ist für eine Handvoll Zigaretten jeder für jeden Zweck zu kaufen. Früher blieb die Unterwelt aus ihr Gebiet beschränkt und arbeitete im Dunkeln. Schon m i t den ersten Anzeichen der Revolution aber wagte sie sich ans Licht, und jetzt beginnt sie, verstärkt durch Trupps unzufriedener Landarbeiter und durch Scharen aus dem Minenproletariat au- Huelva und den Kupfergruben von Riotinto, geradezu eine Terrorherrschaft auSnuüben Sevilla ist, soviel wir wissen, die einzige Stadt in Spanien gewesen, in der es in den eigentlichen Revolutionstagen Tote gegeben bat Auf dem grohen Platz vor dem Stadthaus, dem Plaza de San Fernando, sammelte sich wie auf Befehl die Menge und drohte, das Gebäude zu stürmen. Die Guardia civil, die einzige zuverlässige OrdnungStruppe der Republik, bemühte sich, die Demonstranten in die Seitenstrasten ab- gudrängen. Aber die Menge erwies sich als stärker. und so muhte zur Waffe gegriffen werden. Fünf Todesopfer kostete dieser Aufstand, fünf Todesopfer, von denen keine Zeitung berichten durfte. Seit diesem Tag befindet sich Sevilla im Fieber, nun schon Monate hindurch. Di« wildesten Gerüchte werden geglaubt und erhöhen die Beunruhigung. Einmal Heistt es, dast kommunistische Bauernscharen auf die Stadt tosmarschicren. Kommunisten? Wenn auch russische Emissäre unzweifelhaft unterirdisch am Werk sind, so werden sie gerade bei der Bauernbevölkerung am wenigsten Eingang finden. Diese Bevölkerung denkt nicht industriell, sondern durch und durch bäuerisch. Sie hat ganz einfach Landhunger. Denn sie fitzt nun schon Iahr- bunderte hindurch als rechtlose Pächter oder, schlimmer noch, als menschenunwürdig bezahlte Landarbeiter auf der von Fruchtbarkeit strotzenden Erde, die ganz und gar im Besitz einiger weniaer Granden und vor allem der Klöster und der Kirche ist. Wenn dieses Landproletariat sich mit der Unterwelt Sevillas und mit der von syndikalistischen Agitatoren ausgehetzten Arbeiterschaft sowohl der Stadt selbst als auch der benachbarten Häfen und mit den Minenarbeitern verbindet bann muh es zä blutigen Ereignissen kommen, zumal die Abwehrkräfte gering sind. Die Guardia civil verfügt nur über wenige Mannschaften. Die Polizei, von Primo de Rivera zugunsten der Gendarmerie auf allgemeine Orb- nungsmastnahmen abgelenkt, sieht chre Aufgabe sk^usagen in der Verkehrsregelung erschöpft. Und das Miltär? Das Heer ist zerfressen durch das Treiben der Oftiziersverbände, der Iuntas. das keine wirkliche Disziplin mehr aufkommen läht. Gerade hier im Süden sympathisieren die Soldaten offensichtlich mit dem Pöbel. Marokko ist so nahe. Und die Demoralisation, die in der spanischen Truppe dort eingerisfen war, zeigt hier noch immer ihre Rachwirkung. Die Bürger- Gemeinschafisakiion der Großbanken. Gründung der Akzept- und Garantiebank A. G. unter Mitwirkung des Reiches. Berlin, 26. Dali. (WIB.) Um den möglichst schnellen Abbau der jetzigen Beschränkungen im Zahlungsverkehr herbeizu- führen, haben sich das Reich und die nachstehend benannten Berliner Kreditinstitute auf Anregung der Reichsbank und unter Mitwirkung des Reichs zu einer Gemeinschaftsaktion entschlossen, hierdurch soll auch ermöglicht werden, die Darmstädter und Ralionolbank, für deren Kreditoren das Reich die Ausfallbürgschoft übernommen hat, wieder in den Zahlungsverkehr einzuschalten. Um die erforderlichen Mittel zu sichern, wurde unter der Firma „Akzepl-undGaran- t i e b a a k AG." eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 200 Millionen Reichsmark gegründet. Diese Gesellschaft wird das reibungslose Funktionieren des Zahlungsverkehrs durch Zurverfügungstellung der erforderlichen Mittet gewährleisten. Die hierfür notwendigen Kredite find gesichert. Bank für deutsche Dndustrieobiigationen. Berliner Handelsgesellschaft. Commerz, und Prioat-Bank AG. Deutsche Bank und Diskontogesellschast. Deutsche Golddiskont-Bank. Deutsche Rentenbank-Kreditanslalt (Landwirtschaftliche Zentralbank). Deutsche Verkehrs-Kredit-Bonk AG. Dresdner Bank. Mendelssohn & Co. Preußische Staatsbank (Seehandlung). Reichs-Kredil-Gesellschaft AG. • Wie der Deutsche handelsdienst erfährt, kommt die Dnitiative zu diesem Schritt vom Reich. Die offizielle Gründung der neuen Aktiengesellschaft findet erst am Montag statt. Bis dahin dürste man sich auch über die Besetzung des Vorstandes und des Aufsichtsrats der Gesellschaft verständigt haben. Anzunehmen ist, dah die Geschäftsführung in irgendeiner Form mit der Golddiskontbank verkoppelt wird. Die Reugründung ist ein weiterer Schritt zur Verteilung des Risikos und somit Im gewissen Sinne eine Fortführung des in dem Ueberweisungsverband liegenden Gedankens der Solidarhaftung. Die Zwischenschaltung der Akzept- und Garanliebonk schasst einerseits eine breite und unanfechtbare Kreditgrundlage und übt andererseits eine sicherlich beruhigende psychologische Wirkung aus. Die Gemeinschastsaktion der Banken unter Garantie des Reiches läuft auf eine in umfassendem Rahmen zu vollziehende SicherungdesUeber- weisungsverkehrs, dessen technische Vorbedingungen durch die Tätigkeit des Ueberweisungs- verbandes geschaffen und erprobt sind, hinaus, um auf diese Weife d 1 e bestehenden Beschränkungen des Zahlungsverkehrs zu beseitigen und zum normalen Ge 1 dver- kehr zurückzukehren. Die Tätigkeit der neuen, mit einem Kapital von 200 Millionen Reichsmark ausgestatteten Bank wird darin bestehen, dah sie Akzept- und Remburskredite gewährt, ihr Giro gibt und Bürgschaften im Ueberweifungsverkehr, besonders für die entstehenden Debetsalden, übernimmt. Sie soll dadurch a l> Ausgleichsstätte zwischen den Banken wirken und gleichzeitig die Finanzierung erleichtern, was ihr durch die Mitarbeit der Reichsbank sowie die Zugehörigkeit der Rentenbank-Kreditanstalt, der Bank für Deutsche Dndustrieobiigationen und vor allem der Deutschen Golddiskontbank mit ihren starken Mitteln in erheblichem Umfange möglich fein wird. Dn unterrichteten Kreisen sieht man in diesem solidarischen Schritt der Grohbanken eine weitere Festigung des vertrauens indasdeut- sche Kreditsystem. Man rechnet jetzt mit einer baldigen Wiederaufnahme des normalen Zahlungsverkehrs. Allerdings wird das Ergebnis der Verhandlungen des inzwischen gegründeten deutschen Stlllhallekvnsvrtlums mit dem internationalen zwecks Belassung der noch vorhandenen kurzfristigen Ausiandkredite in Deutschland abzuwarten sein, ehe die völlige Freigabe des Zahlungsverkehrs erfolgt. Erst dann wird auch die Frage einer weiteren Heraufsetzung des Diskontsatzes, die man an mahgebender Stelle für notwendig erachtet, entschieden werden. Ansteigende Steuereingänge. •Berlin, 26. Juli. (ERB.) Wie wir erfahren, hat der Erlaß der Verordnung über Zuschläge für Steuerrückständ« dazu geführt, dah sich d i e etcucrcingänflc in einer ansteigenden Linie bewegen. SteuerauSfälle find feit» dem nicht mehr festzustellen. Allerdings sind andererseits äleberschüsse. die an sich vorhanden fein mühten, nicht «ingetreten. Man rechnet mit weiteren grohen Zahlungen vor dem 31. Juli. Die Ueberweisungen deS Reiches an die Länder dursten jedoch nicht die volle Summe erreichen, und die Länder werden daher ebenso wie daS Reich eine Staffelung der Gehälter vornehmen müsten. Vedeuisaiuer Forischriit zur Konsolidierung. Das Urteil der Berliner presse. Berlin, 26. Juli. (TU.) Die Gründung der „Akzept, und Garantiebank", die von der Mehrzahl der Blätter als „Bank der Banken" bezeichnet wird, wird in den Berliner Blättern nur kurz erörtert. Die „B ö r s e n z c i t u n g" spricht von einer Be> helssaktion. Die Ueberleitung der Kreditpolitik von dem Wege der Notverordnungen auf den eines wirtschaftlich arbeitenden Instituts bedeute ohne Zweifel einen Fortschritt, wenn auch auf die Dauer eine „Dank der Banken" der Entfaltung einer freien Seldstoerantwortung hinderlicher im Wege stehen könne und bei Wiederkehr einiger, maßen normaler Verhältnisse wieder verschwinden müsse, wenn man nicht grundsätzlich eine weitere Einflußnahme des Staates auf die Privatwirtschaft» liche Betätigung sich entwickeln lassen wolle. — Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" nennt die Gründung einen Akt der Solidarität, der zwei»' sellos allgemein Zustimmung finden und dos B erfreuen in das deuts che Kreditsystem weiter befestigen werde. Das Kreditwesen könne nur durch mutige Entscheidungen der Banken, an der Spitze die Reichsbank, in Ordnung gebracht und gehalten werden. Die wesentliche Aufgabe der Regierung in den kommenden Wochen werde darin bestehen, durch Auflockerung des Selbstkosten, und Preisniveaus die Räumung der Läger, die Verflüssigung der wirtschaftlichen Unternehmungen und die Steigerung des Exports zwecks Anreicherung des Devisenbestandes der Reichs, bank zu erleichtern. — Der „B ö r s e n - C o u r i e r" sagt, es sei eine Tat vollbracht, die das Bewußtsein nationaler Selbsthilfekraft stärken könnte. Vermutlich falle aus das Reich der größte Lastonteil, so daß man in er ft er Linie eine Reichsaktion/ vor sich habe. Die beteiligten Institute hafteten quo* teilweise für einander, indem jedes Institut gemäß seiner Größe einen Aktienanteil übernehme. Die Gründung des neuen Instituts erfolge in Notzeit für Notzeit. — Die „Dossifche Zeitung" er-l klärt, die neue Bank gleiche ihrem Wesen nach jener' Selbsthilfeaktion, die der Kanzler vor 14 Id» gen angeregt habe, die aber damals an der Weigerung der Banken gescheitert sei, wodurch die, Schließung der Börsen und der Schalter der Da not- bank mit all ihren krisenhaften Folgeerscheinungen notwendig geworden sei. Die Erfahrungen der letz- ten 14 Tage hätten nunmehr die Banken eines I Besseren belehrt. — Der „Vorwärts" hebt her- vor, daß das amtliche Communiquö über die Gründung der Bank außerordentlich wichtige Fragen offen laste. 11. a. müsse darüber Klarheit geschossen werden, ob das Reich auch hier außer der Beteiligung am Kapital eine Garantie übernehmen werde. Das Blatt wundert sich darüber, daß unter den Gründern die Preußische Zentralgenossenschaftskasse, die Deutsche Girozentrale für die Sparkassen und die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten nicht genannt werden. Es wäre unverantwortlich, wenn der Finanzierungsbedarf der Genossenschaften und der gemischtwirtschaftlichen Betriebe der vom Reich finanziell preisgegebenen Kommunen unberücksichtigt bleiben sollten. Erst wenn diese entscheidenden Fragen positiv beantwortet seien, werde man den neuen Schritt auch wirklich günstig beurteilen. schaff denkt nicht baran, eigene Abwehrorgani- sativnen zu schaffen. In den Klubs wird bis in die Rächt hinein diskutiert. Jede politisch? Frage wird mit dem Mund gelöst. Aber daß sich Bürger zum Bürger zusammensände, um die gemeinsame Sache wi^lich zu verteidigen, das ist hrer in Süd- spanicn undenkbar. Alle die Fehler, die von der Bürgerschaft in anderen revolutionären Ländern gemacht worden find, hier werden sie doppelt gemacht. Der Bürger zieht sich in seinen Patio zurück, verproviantiert sich und wartet auf alles schimpfend, ober nie den eigenen Fehler erkennend, zitternd und bebend den weiteren Gang der Ereignisse ab. Und die bürgerliche Jugend? Und die Stuben- ten? Die Universiäten sind feit jeher die Hochbur- Sm der Revolution in Spanien gewesen und sie id es jetzt erst recht, wo eine Revolution ans über gekommen Ist, die Spanien zu einer Art Prosessorenrepublik stempelt. Unverdaute Ausklä- rung, Ideen der französischen Revolution, von keiner wirklichen Sachkenntnis getrübte Beschäftigung mit den Sozialproblemen der übersteigert entwickelten Industrieländer Europas, alles das hat in der Stu» dentenlchaff einen Geist erzeugt, der wirklich cafili» norilch stt und der im Aufruhr geradezu einen Selbst- zweck sieht. Gerade der spanischen Jugend fehlt der Führer, der Monn, der Autoritär ausübt, neue Ideen gibt und wild wuchernde Kräfte beschneidet und erzieht. Ist es verwunderlich, daß hier unter diesen Umständen sich der schönen und sonst so lebenslustigen Stadt ein Gefühl des Verlorenseins bemächtigt Hot, daß auf allen Gesichtern die Sorge steht, was morgen fein wird. Die Geistlichen dürfen sich schon kaum mehr in den Straßen blicken losten, wenn sie nicht Pödelerzesten ausgesetzt sein wollen. Die Guardia civil, die immer zu zweien auftrat, sieht man jetzt nur in Gruppen mit entsichertem Karabiner patrouillieren. Das Militär wird in Kasernen alarmbereit gehalten, aber doch findet man überall in den Budiken Soldaten, die kaum einen Sonderurlaub erhalten haben. Ein Funke kann und muß den angefammelten Zündstoff zur Explosion bringen. Fiebernd in Beklemmung und Erregung erwartet Sevilla seinen Schicksalstog. (3/aatefefrefär Gtimson in Berlin. Eingehende Besprechungen mit dem Reichskanzler. Berlin, 26. Juli. IWTB.) Der amerikanische Außenminister, Staatssekretär S f i m s o n, traf Samstag 17 Uhr, wie vorgesehen, im Bahnhof Friedrichstraße ein. Zu seinem Empfang hatten sich der amerikanische Botschafter S a cke f f mit dem gesamten Dotschaftspersonal, ferner von deutscher Seile Ministerialdirektor Dieckhoff, der Ches des Protokolls. Graf Tattenbach, mit verschiedenen anderen Herren des Auswärti- gen Amtes, und eine Anzahl Angehörige der amerikanischen Kolonie im Bahnhof eingefunden, Stoatsfeftetär Etimson fuhr mit dem Botschafter Sacke« zusammen nach der amerikanischen Botschaft, wo er den Abend verbrachte. Im Laufe des Sonntags hat, wie die »Tele- graphen-Ilnion" erfährt, zwischen Staatssekretär Stimson und Reichskanzler Dr. ,Drüning und dem Reichsauhenminister Eurtius ein reger politischer Meinungsaustausch über die zur Zeit im Vordergrund stehenden Fragen stattgefunden. Der amerikanische Staatssekretär, der im Laufe des Vormittags das Pergamon-Museum be- sichttgt hatte, unternahm anschließend einen kurzen Ausflug nach Sanssouci, bei dem ihn der Reichskanzler und der ReichsaußeTunini- ster begleiteten. Eie kehrten auf der Rückfahrt im Haus am See am Wannsee ein, wo sie zu Mittag aßew Die Herren begaben sich hierauf in die Reichskanzlei. Zum Abendessen waren sie bei Dr. CurtiuS zu (Saft. Außenminister Henderson in Berlin eingetroffen. Berlin, 27. Juli. lWTB. Furrkspruch.) Mit dem fahrplarunähigen Vorder preß traf heute früh 8.37 Tlhr der englische Außenminister Henderson auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin ein. Zu seiner Begrüßung hatten sich neben dem brittschen Datschas ter, der vom gesamten Personal der Botschaft begleitet war, Außenminister Dr. Curtius, Staatssekretär von Bülow, und der.Ches deS Protokolls, Gras Takten- b a ch, eingesunden. Ferner waren der Polizeipräsident und der Kommandeur der Schutzpolizei anwesend. Als der englische Außernninister mit Dr. CurtiuS den Bahnsteig elttlangging, wurden sie vom Publikum herzlich begrüßt. Macdonalds Abreise. Ter Premierminister wird heute in Berlin erwartet. London, 26. Juli. (WTB.) Premierminister Macdonald entschloß sich auf Grund der ungünstigen Wetterberichte, nicht zu fliegen. Macdo- 1 nald, der auf dem Liverpool Street-Bahnhof in Begleitung des deutschen Botschafters o. Neurath eintraf, unterhielt sich dort angeregt mit dem zum Abschied erschienenen Lustfahrtminister. Auf dem Bahnsteig hotte sich eine große Menschenmenge eingefunden. Als der Premierminister in Begleitung seines Sekretärs fein Abteil betrat, hörte man den lauten Ruf: „Glückliche Reise'." 2lls der Zug sich in Bewegung setzte und Macdonald vom Fenster seines Wagens aus zum Abschied winkte, folgte die Menge dem Zug und rief: „Good old Ramsey!“ Dor seiner Abreife erklärte der Premierminister: Ich freue mich sehr, nach Berlin zu gehen, und hoffe, daß mein Besuch eine gute Wirkung haben und d i e i n C h e - guers erreichten günstigen Resultate weiter fördern wird. Die gesamte europäische Finanzlage wird in Berlin von Männern besprochen werden, die entschlosten sind, ihren gesunden Menschenverstand und Sinn für die Wirklichkeit zu betätigen. Randnoten. Das deutsche Luftschiff „Graf -Zeppelin" hat jetzt die lang vorbereitete große Fahrt i n die Arktis angetreten. Cs ist die dritte Fahrt, die ein Luftschiff in das Disgebiet ausführt, doch unterscheiden sich gerade die Vorbereitungen, die mit dem Zeppelin getroffen wurden, recht wesentlich von denen seiner Vorgänger, woran man erkennt, wie ernst es den Männern, die an dieser Fahrt teilnehmen, mit t>em Unternehmen ist. Das erste Luftschiff, das den Vorstoß zum Pol wagte, die „Rorg e". war allerdings auch gut ausgerüstet, ganz besonders, weil eben die Vorbereitungen von dem besten Kenner der Arktis, dem leider zu früh der Wissenschaft entrissenen A m u n d s e n, geleitet wurden. Dazu kam aber, daß die Vorbereitungen dieser ersten Luftschiffexpedition in den letzten Tagen in aller Eile beendet wurden, da sich das eigentlich nur wissenschaftliche Unternehmen plötzlich in ein Rennen um den Sieg umwandelte. Einen Tag vor dein Start der „Rorge" sauste Byrd urplötzlich mit seinem Flugzeug aus und überquerte als erster auf dem Luftweg den Pol. Das hat aber keinesfalls den zähen Forscher Amundsen eingeschüchtert.' Er unternahm trotzdem den Flug, und es gelang ihm gleichfalls, sein Ziel zu erreichen. Der zweite Feldzug in die Arktis mit der „Italia", der unter Führung des Italieners R o b i l e unternommen wurde, ist noch frisch in aller Erinnerung. Cs wurde schon soviel über dieses unglückliche Unternehmen geschrieben, daß es sich gerade angesichts der neuen Polarfahrt erübrigt, darüber noch ein Wort zu verlieren. Der wissenschaftliche Flug des „Graf Zeppelin", der von dem allseits bestens bekannten Eckener geführt wird, soll keine Rekorde aufstellen. Auch darin unterscheidet sich diese Fahrt von den -Unternehmungen seiner Vorgänger. Zum Rordpol soll es nicht gehen. Das Luftschiff soll vielmehr eine bewegliche Wetterwarte in der Arktis darstellen, von der aus die Forscher, die aus aller Herren Länder gekommen sind, ihre Messungen im Eismeer anstellen. Leider ist es nicht das Deutsche Reich, daß die Geldmittel zu dieser Forschungsfahrt bereitgestellt hat. Wir hätten es auch im Augenblick gar nicht tun können, da wir andere Sorgen haben. Aber gerade weil dieser lang besprochene Polarflug eine so ernste wissenschaftliche Arbeit darstellt, haben sich genügend kapitalkräftige Leute aus dem Ausland bereitgefunden, die letzten Schwierigkeiten durch große finanzielle Hilfe zu beseitigen. Dadurch war es auch möglich, die notwendigen Vorbereitungen, die für eine derartige Fahrt unumgänglich sind, in aller Ruhe und Gewissenhaftigkeit vorzunehmen. Die Leute, die ihr Geld der Leitung des Luftschiffbaus zur Verfügung gestellt haben, wissen auch ganz genau, daß es Früchte tragen wird. Denn dazu haben sich viel zu ernste Forscher und tatkräftige Männer in den Dienst der Wissenschaft gestellt, als daß es sich hier um ein leichtfertiges Abenteuer handeln könnte. Auch wir wissen, baß das deutsche ßuft* schiff wohlbehalten und sicher den schweren Weg über das Polareis zurücklegen wird. Wir wünschen, daß die Forscher die Ergebnisse auf dieser einzigartigen Fahrt erzielen, die sie sich von ihr erhoffen. Die Unruhe, die sich in der letzten Zeit im Landvolk bemerkbar gemacht hatte, war verständlich. Alle Entscheidungen über die Erntefinanzierung, die sonst spätestens Mitte Iuli abgeschlossen zu sein pflegen, waren wegen der allgemeinen Sorgen um den Zahlungsmittel- . umlauf hinausgeschvben worden. Hatte auch die feuchte Witterung seit Anfang Iuli > das Hereinkommen der Ernte und das Drängen des Getreides auf dem Markt etwas verzögert, 7 so hatte doch die Besserung des Wetters in der vergangenen Woche alsbald einen Preissturz auf dem Getreidemarkt zur Folge. Für die Landwirtschaft stand damit der Ertrag der Arbeit eines ganzen Jahres auf dem Spiel, zumal die Erhöhung des Diskonts, die Kreditrestriktionen und die scharfen Steuereintreibungen der Landwirtschaft mtr die beiden Möglichkeiten lassen, entweder alsbald in die Zwangsversteigerung zu gehen oder den Zusammenbruch durch Verkauf der Ernte um jeden Preis noch für einige Wochen hinauszuschieben. So sind die Entscheidungen über den Anfang der Erntefinanzierung gerade noch im letzten Augenblick gekommen. Doch man darf sich nicht darüber täuschen, daß die Gefahren auch von der landwirtschaftlichen Seite noch nicht völlig abgewendet sind. Mit der Crntefinanziie- rung ist vorläufig nur ein Anfang gemacht, der unter normalen Verhältnissen ausreichen sollte, um für die ersten Wochen die Erntebewegung in normale Bahnen zu lenken. Cs rächt sich die Zurückhaltung, die gegenüber den seit langem vom Reichsernährungsminister vorbereiteken wei« teren Maßnahmen zur Erreichung einer bescheidenen landwirtschaftlichen Rentabilität geübt worden ist. Man wird jetzt unter Umständen unter sehr viel härteren Bedingungen manches nachholen müssen, um auch über den Anfang der Erntebewegung hinaus den ruhigen Gang der Volksernährung unter Ausschaltung einer spekulativen Ausnutzung der Rot sicherMtellen und um zugleich heute schon die Grundlage für eine geordnete Deckung des Lebensmittelbedarfs aus der heimischen Landwirtschaft im nächsten Wirtschaftsjahr zu legen. Hochzeit in Rumänien. Verbindung der Häuser Habsburg und Hohenzollern. Budapest, 27. Iuli. (TU.) In Sina ja fand am Sonntag die Hochzeit der Prinzessin Ile ana von Rumänien mit dem Erzherzog Anton von Habsburg statt. An der Ziviltrauung, am Vormittag im Rathaus nahmen neben der königlichen Familie nur verhältnismäßig wenig Leute teil. Der König erschien in Marineuniform. Als Standesbeamter amtierte der Iu- stizminister Hamangiu. Das Paar und die Gäste kehrten dann ins Schloß zurück und begaben sich anschließend in die Kathedrale von Sinaia Sur kirchlichen Trauung, die der Bukarester römisch-katholische Erzbischof Zis ar vollzog. Rach der Trauung wurde das junge Paar von sämtlichen in Bukarest beglaubigten ausländischen Diplomaten beglückwünscht. Rach der Trauung begab sich das junge Paar zum Militärfriedhof, ivo es Kränze an den Gräbern der Kriegsgefallenen niederlegte. Am Rachmittag folgte die Abfahrt nach dem Dorfe Bran, wo Die Reuvermählten einige Tage verbleiben werden. Am 5. August werden die Reuvermählten über Budapest und München nach Sigmaringen reisen, wo sie Gäste der Hohenzollern-Familie sein werden. Don dort fahren sie nach London. •w Prinzessin Jleana ist die 1908 geborene jüngste Tochter des verstorbenen König Ferdinand von Rumänien aus dem Hause Hohenzollern-Sig- maringen und die Schwester des regierenden Königs Carol II. Der Bräutigam, Erzherzog An ton, ist der nach sechs Töchtern 1897 geborene einzige Sohn des Erzherzogs Friedrich (als Oberbefehlshaber der österreichisch-ungarischen Armee im Weltkrieg bekannt geworden). Erzherzog A n t o n, den seine ehrgeizige Mutter, die Prinzessin Isabella von Croy, als Anwärter auf die ungarische Königskrone in den Vordergrund des politischen Interesses schob, hat kürzlich nach der Mündigkeitserklärung des Erzherzogs Otto (Sohn Kaiser Karls und Zitas), zu dessen Gunsten auf seine Ansprüche verzichtet. Im Hinblick auf gelegentlich ventilierte Gedanken einer ungarisch-rumänischen Personal-Union verdient diese eheliche Verbindung zwischen den Häusern Habsburg und Hohenzollern Interesse. Das Reichskabineti vor neuen Aufgaben. Was wird die Woche bringen? — Oie Ankunst der ersten internattonalen Banksachverständigen in Berlin. Berlin, 26. Juli. (ERB.) Die Besprechung gen, die nach der Rückkehr des Reichskanzlers begonnen haben, wurden natürlich auch am Sonntag fortgesetzt. Allerdings läßt sich noch nichts Positives darüber berichten, da sie mehr einen informatorischen und vorbereitenden Charakter haben. Der Kanzler muh seine Zeit in den nächsten Tagen nach zwei Rotwendigkeiten einteilen: Er muh dafür sorgen, dah die ausländischen Gäste einen möglichst genauen und unmittelbaren Eindruck von der deutschen Rotlage bekommen. Daneben ist jetzt allerdings aber wichtig, daß die Reichsregierung, nachdem durch die Maßnahmen der letzten beiden Wochen nun doch immerhin eine gewisse Beruhigung eingetreten ist, wieder zu Dispositionen auf längere Sicht Eommt. Das ist auch der Sinn der Akzept- und Garantiebank, die dazu beitragen soll, Wirtschaftsleben und Zahlungsverkehr wieder zu normalen Verhältnissen zurück- zusühren. Weiter wird diese Umstellung auch in anderen Mahnahmen zum Ausdruck kommen, die die Reichsregierung vorbereitet. Sicher ist jedenfalls, daß die neue Woche in diesen Zeiten nicht minder ereignisreich sein wird, als die vergangene. Der Unterschied liegt nur darin — und er wird in politischen und wirtschaftlichen Kreisen natürlich allgemein begrüßt —, dah der wirtschaftliche und finanzielle Grund, auf dem wir stehen, wieder fester zu werden beginnt, so dah die Reichsregierung zu Planungen zurückkehren kann, die über den Tag hinausreichen. Von den internationalen Danksachverständigen, die zur Prüfung der deutschen Finanzlage nach Berlin kommen sollen, sind bereits am Sonntag der schwedische Bankier Wallenberg und der amerikanische Berater der Bank von England, Sprague in Berlin eingetroffen. Ferner ist der Londoner Vertreter der Chase Rational Dank vf Rew Pork, der größten Privatbank der Vereinigten Staaten, James H. Gannvn . zu wichtigen Finanzberatungen in Berlin angekommen. Was das ausländische Stillhaltekonsortium anbelangt, so sind zunächst in London und inReuhork auf Grund von Besprechungen der Rotenbankpräsidenten mit den maßgebenden Banken Komitees der Banken gebildet worden, die an der Frage interessiert sind. Durch die Komitees werden von Markt zu Markt Still Halteverhandlungen mit den ausländischen Dankgläubigem Deutschlands zustande- kommen, wobei selbstverständlich auchdieDan- ken der neutralen Staaten einbezogen werden sollen. Bezüglich des Beitritts der kleinen und mittleren Danken des Auslandes zu der Stillhaltung ist man an maßgebender Stelle Der Auffassung, dah die Stillhalteerklärung der großen Danken auf die kleinen von Einfluß sein wird. Man verspricht sich ferner von der Einwirkung der Rotenbankpräsidenten auf die kleineren und mittleren Banker^ die von den Roteninstituten in besonderem Maße abhängig sind, viel, um die Bereitschaft auch dieser Banken zu der Stillhalteerklärung zu erhöhen. Im übrigen kommt es natürlich in erster Linie darauf an, wie sich die Verhältnisse in den nächsten Wochen in Deutschland selbst gestalten werden. „Graf Zeppelin" auf dem Wege zur Arktis Der Klug nach Leningrad. Das Luftschiff Graf Zeppelin hat Samstag um 15.25 Uhr (Ortszeit) Reval passiert und überflog unerwartet um 16.20 Uhr Helsingfvrs und erschien bei glänzenden atmosphärischen Verhältnissen um 20 Uhr örtlicher Zeit über Leningrad. Das Luftschiff landete glatt um 20.45 Uhr auf dem Flugplatz Rowaja Derewnja. Rach der fc.rsckungsinstrument von hervorragender Qualität, sozusagen ein Fluglaboratorium, wo man mit einem für solche Forschungen ungewöhnlichen Komfort arbeiten könne. Die Marschroute des Luftschiffes werde nicht geändert werden. Auf dem Rückwege werde man wieder Leningrad besuchen. Die enge freundschaftliche Zusammenarbeit von ausländischen und Sowjetgelehrten biete eine Gewähr für den Erfolg der Expedition. Karte der Arktis mit den letzten offiziellen Fahrtrouten des „Graf Zeppelin" und des russischen Eisbrechers „Malygin". 'o 80' Jris., Route »Graf Zeppelin« ■■■ Route »Malygin« M Voraussichtlicher Treffpunkt B Unerforschtes Gebiet Landung begrüßten Vertreter der Leningrader Behörden und Organisationen Dr. Eckener und seine Mitfahrer. Der deutsche DoFchafter Dr. von D i r k s e n und Generalkonsul Zechlin wohnten der Landung bei. Akademiepräsident Karpinski Vertreter der Organisationen für Flugwesen sowie der deutsche Botschafter hielten Ansprachen, in denen sie die Verdienste der Leiter der Expedition würdigten. Dr. Eckener dankte und verband damit die aufrichtige Anerkennung für die sachkundige Unterstützung durch in der Arktisforschung erfahrene Sowjetgelehrte. Start zum Klug in die Arktis. Nachdem die Leitung des „Graf Zeppelin" die Meldung erhalten hat, daß sich das Wetter in den zu überfliegenden Gegenden bessert, ist das Luftschiff Sonntag um 11,30 Uhr örtlicher Zeit zum Weiterfluge in die Arktis aufgestie- gen. Es hat nordöstlichen Kurs genommen. Der Leiter der russischen Funkstation und des Observatoriums aus Franz-Joseph-Land, Nipifo- row, trat mit dem Luftschiff in funktelegraphische Verbindung und sprach ihm sein Willkommen für den Besuch auf Franz-Joseph-Land aus. Auch die Funkverbindung zwischen „Graf Zeppelin" und dem Eisbrecher „M a l y g i n" ist ausgenommen worden. Dr. Eckener hofft, in 20 Stunden den Franz- Joseph-Archipel zu erreichen, wenn das Wetter ihm nicht einen Strich durch die Rechnung macht. In der Nähe von Franz-Joseph-Land wird man versuchen, mit dem Eisbrecher „M a l y g i n" die Verbindung herzustellen. Eckener drückte die Zuversicht aus, daß Rußland bald eigene Luftschiffe haben werde und erklärte, daß die Luftschlffwerft Friedrichshafen Rußland beim Luftschiffbau gerne Beistand leisten werde. Unterhandlungen darüber seien bereits im Gange. Zum Start des Luftschiffes hatten sich am frühen Morgen auf dem Flugplatz Tausende von Menschen an- gesammelt. Professor Samojlowitsch erklärte, das Luftschiff „Graf Zeppelin" sei ein Arktis- Oen Polarkreis passiert. Die Funkstation des Moskauer Zentralen Geophysischen Observatoriums erhielt einen Funkspruch von Bord des „Graf Zeppelin", daß das Luftschiff Sonntag um 19 Uhr Archangelsk Überflogen hat. Rach einem Sonntag um 23.45 Uhr (MEZ.) beim Luftschiffbau eingegangenen Funk- spruch von Bord des „Graf Zeppelin" befand sich das Luftschiff um diese Zeit auf 68 Grad Rord und 43 Grad Ost (über der Halbinsel Kanin). Damit hat das Luftschiff den Polarkreis passiert. Aus aller Wett. Brand bei der Ufa. — Eine Schauspielerin schwer verletzt. In dem Tonfilmatelier der Ufa in Neubabelsberg finden seit einigen Tagen Aufnahmen zu dem Charell.Film f,2er Kongreß tanzt" statt. Als am Sonntag in den Nachmittagsstunden viele Hunderte von Schauspielern und Statisten im großen Atelier versammelt waren, fiel aus noch nicht gegärter Ursache plötzlich aus einer Bogen- lampe von der Decke ein glühendes Stück Kohle auf das Kleid der 22jährigen Tänzerin Ernesto. Die Tänzerin stand im Nu in Flammen. Der anwesenden Schauspieler bemächtigte sich eine Panik. Die junge Tänzerin wurde in schwer verletztem Zustande in das Krankenhaus gebracht, wo sie nach Auskunft der behandelnden Aerzte in Lebensgefahr darniederliegt. Furchtbare Drandkatastrophe in einem Allersheim. In Pittsburgh (Pennsylvanien) ist das Al- tersbeim des Minoritenklofters durch einen furchtbaren Brand vollständig zerstört wor- den. 30 Personen fielen den Flammen zum Opfer, 200 wurden verletzt. Die Ordensmitglieder haben Uebermenschliches geleistet, um im Verein mit der Polizei und der Feuerwehr ihre Pfleglinge aus dem bereits lichterloh brennenden Gebäude zu retten. Das Altersheim war mit 600 Personen belegt. Die hohe Zahl der Verletzten erklärt sich daraus, daß viele bereits die Fluchtwege ab» geschnitten fanden und aus den Fenstern springen mußten. Durch die riesige Rauchentwicklung wurden die Rettungsarbeiten ungemein erschwert. 20 Personen werden vermißt. Der Brand brach aus, während die Insassen des Heimes schliefen. Während des Brandes konnte man viele Greise sehen, von denen einige blind waren, flehend und betend, bis ihre Kleider von den Flammen ergriffen wurden. Ein Flügel des Gebäudes war bei Ankunft der Feuerwehr bereits niedergebrannt. Die deutschen Pfadfinder gehen nicht nach Kandersteg. Der deutsche Pfadfinderoerband teilt Mit: Die führenden deutschen Pfadfinderbunde waren Anfang Juni vom Internationalen Pfandfinderbüro in London zum ersten internationalen Rover- (Jungmann- schäft-) Lager eingeladen worden, das in Kandersteg (Schweiz) Ende dieses Monats stattfindet. Nach den Erfolgen auf den vorhergehenden Treffen mit Pfadfindern anderer Nationen beschlossen die Bünde, gemeinsam eineausgewählteMannschaft nach Kandersteg zu entsenden. Sie durften erwarten, durch Darstellung der Lebensform, die Jungmannschaftsgruppen der deutschen Jugend seit Jahren erprobt haben, die Arbeiten der Äofifemg wesentlich bereichern und vertiefen zu können. Bei der gegenwärtigen Lage Deutschlands haben die Bünde selbstverständlich ihre Zusage zurückgezogen. Sie halten es für unverantwortlich, In dieser Notzeit unseres Volkes außerbalb der deutschen Grenzen zu weilen, und wollen sich nicht einer Aufgabe zuwenden, die vor den Forderungen des Staates zurücktreten muß. Religionskrieg In Mexiko. Im Staate Vera Cruz ist infolge des Versuches der Behörden,, das SlaatSgesetz durchzufuhren,, durch das die Zahl der Priester außerordentlich vermindert wird, ein religiöser Krieg aus- gebrochen. Die Ustruhen begannen damit, bah ein junger Mann gestern ein Revolveratten- tat auf den Gvuverneu r von Vera Cruz unternahm, als dieser den Palast verlieh. Der Gouverneur wurde leicht verletzt. Gr zog ebenfalls den Revolver und es kam zwischen beiden zu einem längeren Feuergefecht, bis ein Regierungsbeamter den Angreifer niederschvh. ■ Obwohl tödlich verwundet, verweigerte der junge Mann jede Auskunft. Doch fand man bei ihm mehrere religiöse Medaillen, aus denen geschlossen wird, daß es sich um einen religiösen Fanatiker handelt. Die Rachricht von 6em Attentat verbreitete sich mit Windeseile und bald hatten sich grohe Menschenmaflen versammelt, die nacheinander 4 Kirchen anariffep und mit Benzin in Brand steckten. Die Kirche von Sanjvs wurde völlig eingeäschert, während die drei anderen Kirchen schweren Schaden erlitten. Bisher ist es Truppen und Feuerwehrleuten gelungen, den Brand zu löschen. In einer Kirche erschienen während des Kindergottesdienstes plötzlich vier Mann und feuerten mit Revolvern auf die beiden amtierenden Priester, von denen einer getötet und der andere schwer verletzt wurde. Einer der Angreifer und ein junges Mädchen wurden ebenfalls durch Schüsse getroffen. Cs brach eine Panik auS, bei der viele Kinder zu Schaden kamen. 'Wegen dieser Vorfälle haben die Behörden den Belagerungszustand erllärt. Brückeneinsturz in Baden bei Wien. Anläßlich des 6. Internationalen Pfadfindertages in Baden bei Wien wurde einFeuerwerkver- a n ft a 11 e t. Ungefähr 20 Personen hatten a u f einer über einen Teich führenden ch olzbrücke Ausstellung genommen, um das Feuerwerk zu beobachten. Die Brücke brach plötzlich mit großem Getöse zusammen, und die 20 Personen stürzten ins Wasser. Sie konnten glücklicherweise rasch geborgen werden. Ein Mann wurde schwer verletzt, fünf Kinder erlitten leichte Nerven- choks. Oie Wetterlage. BArcn Ina» -Nordoya; Thorshavn-ffi 43 Val. ■anKt Wien .Jan Mttfcn. gdlsffenr O Wofirtnlos, o neittr. o naio »edecn ® wenig, • oeeecKi «Regelt * Schnee a Graupeln ■ NeDei "R 0ewitter,(§)wind$tiHe.O-y sehr leichter Oh y massiger Südsüdwest q stürmischer «ordwesl Die Pfeile fliegen mit dem winde Die oeioen Stationen stehenden zahlen gehen die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gleichen* auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Die Wetterlage steht noch unter dem Einfluß der Nordseestörung, welche seit gestern ihren Ort wenig verändert hat. Im Bereich ozeanischer Luft dauert das wechselhafte Wetter fort, wobei Regenschauer und Gewitterstörungen auftreten. Aussichten für Dienstag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, Regenschauer, zum Teil mit Gewittern. Aussichten für Mittwoch: Etwas beständigeres Wetter und aufheiternd. Lufttemperaturen am 26. Juli: mittags 21,6 Grad- Celsius, abends 16,8 Grad: am 27. Juli: morgens 19,2 Grad. Maximum 21,6 Grad, Minimum 13,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. Juli: abends 18,8 Grad: am 27. Juli: morgens 17,2 Grad Celsius. — Niederschläge 1,9 mm. — Son», nenscheindauer 41/» Stunden. krgesrcht, bi- «n * meberlchvh, der junge and man btt ihm >us denen ge>chio'- 1 religiösen Sana, wn dem Qltthilit \ und bald hatten sammelt, die nach- ff^n und mit n. Die Kirche ton «rt, während di« Schaden erlitten, umvehrieuten gt- • 3n einer Kirche Me-dieMM- en mit Devvivern. Jtiefter, ton denen ite schwer veilent ' und ein junge- nch Schüsse getrol« iS, bei der viele nen. ‘ükgcn dieser i ben 'Belage» ^N rti^en UchtmN sich en Se ab; A"«en.^°U5, ?r4e Krend -16.:,t kmL*:. •tatgft* ssjss 1»«^' $*. Ä »:?: feji" LUr unvNLnu»-!,, '"w MfeeM", ? wallen K lb,n Botbfru!^ Itillo. S J* ^lchzusLh. *,D*7 ^rieg au-. « M daß ein "videratten. l Um Dera 6^. M verlieh. Der »erlrht. (h M bei Wien. en ^a^inbttlayi ieuerwertver- rjontn hatten auf ich führenden enommcn, um bas Brürfe brach plötzlich und die 20 Personen ! konnten glücklicher. n. Ein Mann wurde Ilten leichte Nerven« age.________ o iß S t C t. sp*S Jt.tfS tern '^ßä en. . Lechen? n2,^r >Iei m .Mkl, öv ! 216 ®rol> KL^Ä 0 an/’ oraen# ’ 27.3^ L-l^' Aus Oer Provinzialhaupfstadt. Dietzen, den 27.3ult 1931. Oie Ledigensteuer. Betrachtungen einer Statt. Die Vedigensteuer, mit der Deutschland seine Rotlage zu beheben gedenkt, ist in einem Lande, da- von 70 Ministern und 2500 Abgeordneten regiert wird, ein kläglicher Notbehelf und eine unverdiente Härte. , Sie trisst die Mädchen dabei am unbilligsten, denn sie besteuert einen Zustand, den die Betroisc- nen mit allen Kräften zu überwinden trachten. Dabei beweist die etatlftit dah der HeiratS- wille trotz der bitteren Not keineswegs zurück- gegangen ist. 3m Gegenteile Die Zahl der Eheschließungen nimmt ständig jju, und eine weise Nogierung hatte vielleicht die standesamtlichen Gebühren erhöht, um den übereilten und unsinnigen Heiraten ein Ziel zu setzen. Man muh den Gründen nachgehen, au- bencn viele junge Männer von heute den Gang zum Standesamt an tret en, der doch eigentlich der wichtigste und verantwortung-reichste im Leben sein soll. Manche heiraten, weil ihr« Freunde auch geheiratet haben. Manche heiraten au» Geltungsbedürfnis oder Prahlerei: Sie haben Im Fußball den Geaner be- siegt, folglich haben sie auch hier Gelegenheit, sich al- Lieger zu zeigen. Manche, besonders die 2k L ter en, heiraten ander Erwägung herau-, eine Stütze unZ> Hilfe im Hause zu haben. Sie haben erfahren, daß ihr« Wäsche drauhen mit Thlvr gewaschen wird, und dah man beim WirtShau-e'sen keine Rücksicht auf ihren geschwächten Magen nimmt. Manche heiraten, um ihren Freunden keinen Anlaß mehr zu Neckerei Zu geben, und um vielleicht den vielen Frauen zu entgehen, die alle eine sogenannte gute Partie für sic wissen. Manche beiraten aus Groll gegen die Frauen! Nachdem sie durch einige unharmonische Erlebnisse gegangen und zeitweise fast au- dem Geleis« geworfen stnd, und sich nun ganz elend fühlen, müssen sie (jemanden haben, an dessen Schulter sie ihren Kopf legen und dem sie ihr Leid klagen können Manche heiraten, damit die Frau auch fernerhin beruflich tätig bleibt und abends da» Fleisch mitbringt, dah sie selber bezahlt und selber kochen muh. Manche aber heiraten auch au» dem alten schönen Grund, weil sie das Mädchen ihrer Wahl über alle» lieben und mit ihm gemeinsam den Kampf de» Leben» aufnehmen wollen. Die aber scheinen die wenigsten zu fdn. Und so lange in unserm gärenden Zeitalter di« Ansichten über Liebe und Gbe sich in solch unsicheren Dtchnen bewegen, sollte man die Ledigen stützen und halten und ihre Entschlüsie durch ungerechte Abgaben nicht noch mehr überstürzen. Dadurch könnte man auch die beängstigende Kurve der Ehescheidungen erheblich senken und den Weg zu einer gesunden und notwendigen Devolke- rung-politik anbahncn. M. A. Taten für Montag, 27. Juli. Sonnenaufgang 4.41 Uhr. Sonnenuntergang 20.21 Uhr. — Mondaufgang 19.57 Uhr, Monduntergang 1.36 Uhr. 1830: Beginn der Pariser Iulireoolution: — 1861: der Schriftsteller Fritz von Ostini in München geboren; — 1924: der italiensche Musiker Feruccio Bufonl In Berlin gestorben. Keine Verlängerung der OevisenablieferungSfrist. WTB. Die Frist zur Ablieferung oder Anzeige von Devisen im Gesamtbeträge von 20 000 RM. und mehr läuft nur noch bis zum 2 9. Juli 19 31 und wird nicht verlängert. In einer weiteren Durchführungsverordnung ist bestimmt, dah Ehe- ?.atten, die nicht dauernd voneinander getrennt leben, erner Eltern und die mit ihnen in Häuslicher Gemeinschaft lebenden Stinbcr ihre Devifcnbetragc zu- fammenzurechnen haben und daß anmeldungspslich» tig auch Währungskonten bei inländischen Kreditinstituten sind. Zu der von mehreren Berliner Zeitungen gebrachten Meldung, wonach der Ausruf der Devisen- bestände unter 20 000 RM. unmittelbar bevvrstehe, Bornotizen. — Tayeskalender für Montag. Gwerbeverein Gießen: 2015 Uhr. Hauptversammlung im Krausmüllersaal. Goethe st raße 7. — FGF: 20.30 Uhr, Hauptübung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße „Liebe auf Befehl", auf der Bühne „Die Könige aller Perch-Sensationen". erfährt DDB. von zuständiger Seite, daß darüber noch keine festen Beschlüsse gefaßt worden find. Vermögenssteuererklärung und Gteueramnestie. verlängerte Anmeldefrist. WTB. Wie bas Reichsfinanzministerium mlttellt werden die Fristen für die Abgabe der Der- mögens st euererklärung, für die Anzeige von Beteiligungen und für die Steuer- a m n e ft t e allgemein bis »um Ablauf des 31. August verlängert. Zu den Vorschriften über die Anzeige von Beteiligungen und über die Steueramneftie werden demnächst eingehende Durchführungsbestimmungen erlassen werden. Gewitter über Oberheffen. Ein Tode-vpfer. öm schwere» Gewitter ging am SamStag gegen 16 Uhr über Sieh en und dem nördlichen Teile der Provinz Oberhesien nieder. Unter heftigem Sturm brachen stark« Regengüsse, zum Tel vermischt mit Hagelschlag, über unsere Stadt herein und 'erreichten eine Stärke, wie man sie seit Jahren hier nicht beobachtet hat. Zeitweise waren der Hagel und Regen so stark, dah die Sicht auf weitere Sntsernung behindert war. Der gewaltige Sturm rih in den Anlagen mehrfach Zweige von den Bäumen und splitterte reichlich dürreS Holz ab, sonst aber ist unS bisher von Schade« nicht» bekannt geworben, obwohl mehrfach starke Schläge de» Ditze» zu bemerken waren. Da» Gewitter zog ziemlich tafch heraus und war vn verhältnismäßig kurzer Zeit bereit» weiter- gezogen. Au» der Provinz liegen un» über Gewitterschaden bisher nur zwei Berichte vor. 3n Lauterbach fuhr «jn kalter Blitzschlag in die dortige Jugendherberge, zum Glück entstand aber weiter kein Schaden. Dagegen forderte da» Unwetter vn der Näh« von Stockhausen bei Lauterbach ein junge» Menschenleben zum Opfer. Dort war die 17 Jahre alte FeDarbeiterin» Rosa Dien au» Blankenau in Gemeinschaft mit einem Knecht bei Erntearbeiten auf dem Felde beschäftigt. Als da» Gewitter losbrach, suchten der Knecht und das Mädchen unter einer naben Eiche Schutz vor den starken Regengüssen, infolge der gewaltigen Donnerschläge wurden kurz darauf die Pferde unruhig und versuchten sich loSzureihen, so dah der Knecht zu seinen Tieren! lief, um sie zu beruhigen. Kaum hatte er sich von der Siche entfernt, erf» ein Blitzschlag in den Daum fuhr und von dem Stamm auf da» Mädchen übersprang, da» auf der Stelle getötet wurde. Der Knecht und die Pferde blieben unversehrt. Der Dorfall sollt« erneut dazu mahnen. bei Gewitter- nicht unter Sichen Schutz zu suchen. •• Dom IugendherbergSwerk in Gießen. Die vor einigen Wochen in unserer Stadt durchgeführten Sammlungen zum Testen des Deutschen IugendherbergSwerk» ergaben stattliche Beträge. So brachte die durch Mitglieder der (Siebener Zugendbünde veranstaltete Straßensamm- lung 424,05 Mk. ein, während die durch die Gießener Dolks» und höheren Schulen vorgenommene HauSsammlung sogar 756,03 Mk. ergab, gewiß ein Zeichen dafür, daß man auch in unserer Stadt die große Bedeutung de» Herbergswerks für unsere deutsche Jugend erkannt hat. Der Dorstand der Ortsgruppe Gießen des Reichsverbandes für Deutsche Jugendherbergen beschloß in seiner Sitzung vom Donnerstagabend, diese Beträge insbesondere zum Ausbau der Zugendherbergen in Gießen und auf dem Hoherodskopf zu verwenden. Den sammelnden Schulen werden als Anerkennung für ihre Sammelarbeit 10 Prozent der Beträge zu Wanderzwecken überlassen. Für die Gießener Herberge ist die Anschaffung von neuen Decken mit Hilfe der Sammelgelder ermöglicht, während für die Hoherodskopfherberge ebenfalls neue Decken und Schlafsäcke angeschafft werden können und außerdem an die Fertigstellung eines Holzschuppens gedacht werden kann. Ein Teil des Geldes soll für unvorhergesehene Arbeiten zurückgelegt werden. Nach einer Mitteiluna de» Vorsitzenden der Ortsgruppe Dießen, ©tuMenrat Dr Flvrke, Ist gegenwärtig eine starke Zunahme in der Wanderbewegung sestzustellen. Da» wirkt sich insbesondere darin au», daß die Anforderung von Bleibenausweisen für jugendliche Wanderer bi» 20 bzw. bi» 25 Zähre gegen voriges Jahr erheblich zugenommen hat. ** Fallschirmabsprung im Geßener Flughafen. Am SamStagnachmittag hatten sich im Gießener Flughafen sehr viel« Besucher eingefunden, die Zeuge eine» Fallschirm absprun- gcS fein wollten. Der Absprung wurde aller» ding» durch das schnell hercinbrechend« Gewitter wesentlich verzögert und konnte erst später al» Ursprung sich gedacht war. durchgeführt werdet!. Fräulein von Witte sprang au» etwa 800 Meter Höhe ab und gelangte wohlbehalten, allerdings in ziemlicher Sntsernung vom Flughafengebäude, auf der Erde an. ee Rentenauszahlungen in voller Höhe. Um etwaigen Zweifeln zu begegnen, weist das Rcichspostministcrium darauf hin daß an den Postschaltern Militäroersurgungsgcbüymiste sowie die Unfall, und Invalidenrenten an den üblichen Zahltagen in voller Hohe zur Auszahlung gelangen. •* Unterstützung von Dolksbüche- reien. Wie da» ÄrctSamt Gießen im neuesten Amtsverkündigungsblatt mitteilt, können Gemeinden. die eine -Volksbücherei unterhalten, im Falle der IlnterstützungSbedürlligkeit Bücher ander Rickertschen Stiftung, die durch die Gesellschaft für Volksbildung (Berlin NW 40, Lüneburger Straße 21) verwaltet wird, erhalten. Au» dieser Stiftung stehen 50 000 Volk-- und Jugend - schriften zur Beringung, von denen sich die Antragsteller nach Bedarf auSwählen können. Die Bücher werden zum Teil völlig unentgeltlich abgegeben. Amtsgericht Gießen. Nach der jüngst ergangenen Verordnung de» Reichspräsidenten zur Bekämpfung der politischen Ausschreitungen ist daS Anschlägen von Plakaten politischen Inhalt». wozu auch Einladungen xu politischen Versammlungen — um eine solche Einladung handelte o» sich im Fragesall — gehören, so lange verboten, als sie dem xuständigen KreiSamt zur Kenntnis nicht Vorgelegen haben. Der Angeklagte soll gegen diese Vorschrift verstoßen und in einem Nachbarort derartige Plakate an Gemeindebäusern an» geklebt haben. Er räumte letzteres um umwunden ein, will ober den einschlägigen Vorschriften nachgekommen sein. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte bei dem zuständigen Bürgermeister wegen Anberaumung einer politischen Versammlung erschienen war. Dieser gab als Zeuge schließlich auch die Möglichkeit zu, daß da» Plakat ihm bei dieser Gelegenheit zur Kenntnisnahme vorgelegen habe, so daß tem Angeklagten al» Schuld nur noch die Tatsache angerechnet werden konnte, daß er sich an die falsche Behörde, an den Bürgermeister anstatt an da» Kreisanrt. gewandt hat. Der geschilderte Vorgang spielte sich indessen Cura nach dem Erscheinen der eingangs erwähnten Verordnung ab. Der Bürgermeister selbst wußte noch nicht recht Bescheid und konnte auch solchen nicht geben. Die hessischen Ausführungsbestimmungen sollen noch gar nicht erschienen gewesen sein. Vach alledem tonnte sich das Gericht, auch wa» die Zuständigkeit der angerufenen Behörde anlangt, von der Schuld des Angeklagten nicht überzeugen und sprach ihn gemäß § 59 StGB. frei. Ein Arbeitsloser wurde im Wald abseits vom Wege von einem Hilfsförster unter Verhältnissen angetroffen, die auf einen vollendeten oder beabsichtigten Forstfrevel schließen liehen. Zn dem folgenden Wortwechsel erging sich der Angeklagte hinsichtlich der Bewertung der Dienstobliegenheiten des ForstpersonalS in abfällige Bemerkungen, die fraglos eine Beleidigung des Hilfsförsters enthielten. Sie brachten dem Angeklagten eine ledialich mit Rücksicht auf die Notlage, in der er sich befand, geringe Geldstrafe ein. Ein anderer Arbeitsloser kaufte dahier auf Ratenzahlungen für 130 Mark einen nach Angabe des KleideryandlerS preiswerten Anzug, verkaufte ihn aber alsbald wieder für nur 20 Mark. Rach Lage der Verhältnisse war e» offensichtlich, daß der Angeklagte von vornherein wußte, daß er den Anzug nicht werde bezahlen können: er versicherte aber dem Verkäufer seine Zahlungsfähigkeit und seinen guten Willen, zu zahlen, und zwar geschah die» in Täuschungsabsicht. 3n Wirklichkeit kam es ihm ausschließlich darauf an, in den Besitz von Geld, bzw. GeldeSwert zu gelangen. Das Urteil fiel auch hier mit Rücksicht auf die Notlage, in der sich der Angeklagte befand, milde au». Es lautete wegen Betrugs auf eine namhafte Geldstrafe. Strafkammer Giehen. • Gießen, 24. 3ull Der Führer eine» Lastkraftwagen» war durch da» Amtsgericht Friedberg zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er an einer Stelle der Fahrbahn, an der die Straße durch angefahrene Materialien sehr verengt war. mit unverminderter Geschwindigkeit an einem Bulldvgg. der zwei Anhänger zog, vorbeigefahren war und dabei den einen Anhänger derart angefahren hatte, daß durch den Anprall der Bulldoggwagen herumgerissen wurde und quer über die Straß« zu stehen kam. Seine xum Zweck« der Freisprechung verfolgte Berufung Ritte keinen Erfolg. Da sich auch herausstellt«, daß der Führer de» BulldoggS durch den Zusammenstoß am Fuße und im Rücken leicht verletzt worden war, wurde der Angeklagte auch wegen fahrlässig«? Körperverletzung xu einer Geldstrafe von 25 Mark, evtl. 5 Tage GelängniS verurteilt. Der Kassenleiter einer Nebenstelle de» Arbeitsamt» Gießen, der mehrer« hundert Mark unterschlagen hatte, war durch da» Amtsgericht W- , tenstadt zu »Monaten Gefängnis verurteilt worden. In der Zwischenzeit yat er den der ReichSanstalt für Arbeit-Vermittlung und Arbeitslosenversicherung entstandenen Schaden wieder ersetzt. Mit seiner Berufung wollte er eine Ermäßigung der Strafe erreichen. Di« heutig«! Verhandlung ergab aber nichts, das das unredliche Verhalten de» Angeklagten in milderem Lichte erscheinen Neh. Da« Gericht verwarf kosten- fällig die Berufung, billigte aber dem Angeklagten unter Setzung einer Bewährungsfrist bedingten Strafaufschub zu. Ein Strafgefangener, der wegen andauerndes LarmenS In seiner Zelle die Ruhe und Ordnung in der Anstalt empfindlich störte, sollte au» seiner Schlafzelle in vicherheitSarrest verbracht werden. Auf dem Wege zur Arrestzelle leistete er ben Strafanstaltsbeamten hartnäckigen Widerstand, In der Arrestzelle zerschlug er sämtliche» dort befindliche Inventar. Wegen Widerstand» und Sachbeschädigung hatte da» Amtsgericht Butzbach gegen ihn auf eine Gefängnisstrafe von 1 Monat erkannt. In der heutigen Verhandlung bezeichnete der ärztliche Sachverständige den Angellagten als einen Psychopathen, dessen vorliegende Vergehen unter Rücksicht hierauf milder zu beurteilen feien. Unter Aufhebung de» erstinstanzlichen Urteil» wurde der Angeklagte jetzt zu einer Gesamtstrafe von 16 Tagen Gefängnis verurteilt. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. Das AmtSverkündigungSblatt Nr. 52 vom 24. Juli enthält: Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen. — Unterstützung von Volksbüchereien. — Die Erhebung einer Bier- steuer. — Die Erhebung einer Vergnügungssteuer in der Gemeinde Grün berg. — Dienstnachrichten. Rundfunkprogramm. Mittwoch, 29. Juli. 7.30 Uhr: Bad Bertrich: Frühkonzert deS Kur- orchesterS. 12: Schallplattenkonzert. 12.20: Schloh- platz Stuttgart: Promenadenkonzert. 15.20: Stund« der Jugend. 16.30: NachmittagSkonzert deS Rundfunkorchester». 18.15: „Warum ist die neue Kunst so schwer verständlich?" Vortrag von Dr. Theo Wiesengrund-Adornv. 18.45: „Umsturz in der Literaturgeschichte", Vortrag von Dr. Elchinger. 19.15: Russische Volkslieder. 20: Kursaal Eann- ftatt: Abendkonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 20.45: Versuchung. Ein Hörspiel in acht Vorgängen von Otto Kindler. 22.15: Zeitbericht. England und die Abrüstung. Verantwort!. f. d. Feuilleton: i. V. Dr. Lange. Wer Hilst der HauSsrau? Wieviel mühevolle Arbeit gibt cS nicht tagtäglich für die Hausfrau! Aber wieviele Mittel gibt eS auch, sich diese Arbeit zu erleichtern! Zum Beispiel: — alle gute Wäsche wäscht man müheloser und schneller un reichen Schaum der guten Cur Seifenflocken. Diese sind so billig, daß viele Hausfrauen sich auch die große Wäsche durch eine Handvoll Lux Seifenflocken im Waschkessel erleichtern. 4891V ^ßi//igsteP und bequemsten ßpennstoff-r^K± DtffkeffsiK Kein Rauch, kein Raß. heinejch/acken Tausende werden durch das morgige D. R.e. M. D. R. P. engem. Große Ereignis in Erstaunen gesetzt Charlie Chaplin Kat kommt nach Gießen (nicht im Film, aber in Lebensgröße) 4877 Wenn Sie Drula- Blelekwacks anwenden, dann hab Sie die Beruhe, daß Ihre ruD ommer- prossen u. Hautunreinigkeiten restlos verschw’nden (2.50). War: Enqslapotkeks. Der Kleinbinder„Original Fahr“ AuSkünitetnRechiS-, Straf*. tramiL-ange- legendenen, Gesuche. Bertrüge. Beobach* lungert Ueberwachg. und Crrmh:lungen vreiSw- streng dtskr. u. an all. Orten ert. it erledigt Detektiv- Barexn-u.Aesknettei IskXSeri.Bdln- kein, Knrstr. 17. Auto-Mööelwagen zur Mitnahme von Gütern «m&d p.80. d.M.v.Mainz- öranfl. a.M.n.Giest v 1.8. v. Gießen nach Alsfeld-Heröseld- Bedra o. 4. 8. v. 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Hebbel Gerichtsvollzieher in Gießen Wilhelmstrahe 6II — Telephon 4039 Wir suchen für unsere zu vieler» Tausenden eingeführreu denen als einzigen in Deutschland auf dem Markt befindlichen Schnell« waagen die höchste Auszeichnung, der „Grand Prix“ juerrannt wurde,einige Bezirksverlreler speziell für einige Bezirke in Hessen und Hessen-Nassau, ferner für einige sonst freie Regionsbezirke. Herren mit einwandfreiem Vorleben, in geordneten Verhältnissen, die an zielvewutztes, energisches Arbeiten gewöhnt und sich einer gut. Verkaufs« oraanisation anzupassen gewillt sind, möglichst mit eigenem Auto, wollen fick vorerst schriftlich bewerben mit Lichtbild und Referenzangabe. A. Bizer A.<, Balingen Größte Spezial - Sdinellwaagen - Fabrik J. B. HA USER, GIESSEN AM OSWALDSCARTEN Ja, das konnte Onkel Mollig wohl behaupten. Hatte er doch erst vergangenes Jahr seiner Frau eine Spindelpresse geschenkt und auch seiner Schwägerin Luise die andere Presse zum Anschrauben. Von beiden hörte er stets das gleiche Lob. Sie arbeiteten vorzüglich und waren ein paar tüchtige Helfer für die Küche geworden. Vielleicht war auch das sehr wichtig, daß beide Pressen von Häuser, Am Oswaldsgarten. waren. Die Zeit der Beerenfrüchte steht nun vor der Tür und auch Sie brauchen eine tüchtige I Beerenpresse, um die schönen Früchteweiterzuverarbeiten. Denken Sie an Onkel MolHg und an seinen guten Kauf, wenn Sie sich eine Spindelpresse zulegen wollen. Kommen Sie auch zu uns und suchen Sie sich eine dieser Pressen bei uns aus. Was Sie für Systeme auch haben wollen, Häuser führt sie alle. Also Ihre Beerenpresse wird von J. B. Häuser sein. 4563 A im Alter von 60 Jahren. 04271 04274 4973 D 4971D Private höhere Lehranstalt 04269 Zahnarzt Dr. Baum praktiziert wieder 4964 D Aufnahmen in alle Klassen werden jederzeit entgegengenommen. Sprechstunden werktags von 10—12 Uhr. Fernruf 2735. Ettingshausen, Ober-Bessingen, Eschborn, Volkmarsen, den 27. Juli 1931. Die Beerdigung findet Dienstag, den 28. Juli, nachmittags 3 Uhr, statt. Gießen, den 27. Juli 1931. Versicherungsamt der Stadt Gießen. Dr. Sei b. Die trauernden Hinterbliebenen: Marie Launspach, geb. Görnert nebst allen Angehörigen. Nachruf. Gestern morgen verschied nach kurzer Krankheit unser lieber Meister und Vorgesetzter Konrad Launspach Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Arbeiterscbalt der Firma Lannspach t Co. Ettingshausen, den 27. Juli 1931. Zugelaufen schwarz-weiße For- terricr-Hündin. Abzuholen Corpshans Teutonia, DZilbelmstraße 25. Wagener&Schlötel Frankfurt a. M. — Goelhestr. 9—11 IienstlMen vom Lande, tüchtig und fleißig, das in besserem Haufe schon tätig war, findet sofortige gute Dauerstellung. Zu erfrag, in der Geschäftsstelle des Gieß. Anz. Giebener Pädagogium Bullenverkauf. Nächsten Mittwoch, den 29. Juli, mittags 1 Uhr, wird ein abgängiger Bulle am Faselstall meistbietend gegen Barzahlung versteigert. 4972D Bürgermeisterei Dorfgill. Schmitt. Nach langer, in großer Geduld ertragener Krankheit entschlief heute sanft mein lieber Sohn, unvergeßlicher Bruder, Enkel und Pate Heinricb Bindeburü, Buchdruclier im vollendeten 22. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Kafh, Bindeburg Wwe., geb. Brück. Willi Bindeburg Familie Brück. Familie Bindeburg. Annerod, den 26. Juli 1931. Die Beerdigung findet Dienstag, den 28. Juli, nachmittags 2 Uhr statt. Unser großer Sdison-Äusverkduf beginnt Montag, 27. Juli 0 Die Preise waren noch nie so billig für unsere gleidibleibenden und guten Qualitäten! Gestern morgen 5% Uhr verschied nach kurzem schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Herr Konrad Launspach Pflastermeister Inhaber der Firma Launspach !., Langsdorf. H. Reitschmidt IV., Eberstadt, K. Ehr Wolf, Lich. H. Reitschmidt IV., Eberstadt, K. W Rathes. Lich. H. Weisel, Birklar, Ehr. L. Fischer, Lich und H Köhler III., LangSdors. Kühe desgleichen in Milch. H. Ih- ring, Lich. 1. Preis; G. Krausch. Birklar, 2. Pr; Ehr. L. Fischer, Lich und A. Hofmann, Langsdorf, 3. PreiS; K. Vogt L, Ph Keck, Gg. Bayer in Lich und H. Brück, Rieder-Bessingen. Anerkennungen. Kühe mit 1 d i s 2 Kälbern (erkennbar tragend). K. L. Albachll., Lich. 1. Preis; K Ehr. Wolf, Lich und O. Bück, Langsdorf. 2. Preis; L. Weber LangSdors, K. Hch. Albohn. Lich und G. Krauscy, Birklar. 3. Pr.; P. Dietz I., H Märle, Hch St L. Schäser, Ehr. L. Fischer, sämtliche auS 2id>, Anerkennungen. Kühe desgleichen in Milch: K Ehr. Wolf. Lich, 1. Preis; H Steuernagel III., Rieder- Bessingen, 2. PreiS; K. W. Rathes. Lich. 3. Pr ; H. Ihring, Lich, H. Kohler I V.. LangSdors. Hch Müller II.. Birllar. K. H. Albohn, Lich, A. Rinder (erkennbar tragend): 1. Pr. H Marie, Lich; 2. Pr. St Walz V. und H. Müller II., Birklar; 3. Preise: A. Hofmann, Langsdorf und Ph. Keck, 5?ich; A.: P. Dietz I. und Ph Keck. Lich Rinder über 1 Jahr: 2. Preise: Hch. Schiel I., Langsdorf und L. Weber, LangSdors; 3. Pr.: H. Kohler III., Langsdorf; A.: W. Gasche. MuscheTtheim, P. Dietz I., H. Ihring, Lich und H. Steuernagel III., Rieder-Befsingen. Familien: 1. PreiS: H. K. L. Schäfer, Lich; 2. Preise: H Ihring, Lich und H. Müller 11 . Birklar; 3. Preise: G. Krausch, Birllar und K. H. Albohn, Lich; Anerkennung: O. Köhler I., Langsdorf. Vogelsberger Vieh. Aeltere Bullen: 1. Preis: Gemeinde SttinHShausen. Kühe mtf drei und mehr Kälbern (erkennbar tragend): 2. Preise: H. Tcrtor, Lich, K. Keblowski, Rieber-Rcffingen und 2(pg. SchmauS. Lindenstruth; 3. Preis: H. Textor, Lich Kühe desgleichen in Milch; 1. PreiS: K. Fr. Märle, Lich. Kühe mit 1 biS 2 Kälbern (erkennbar tragend): 1. Preis: K Keblowski. Rieder-Bessin- gen; 2. Preise: K. Schone. Lich und H WeiS, Oppenrod; 3. PreiS: H Weis. Oppenrod. von Wenz über die Entstehung und heutige Gestalt deS Schlüchterner Kessels. 6od)fd>ulnad)rid)fetL Der durch die Berufung von Pros- R. Hartmann an der Universität Köln erledigte Lehrstuhl der Philosophie ist dem ordentlichen Professor Dr. Heinz Heimsoeth in Königsberg i Pr. angeboten wo rden. Dr. Heimsoeth ist 1886 zu Köln geboren, studierte in Heidelberg, Berlin. Paris. München und Marburg (besonders bei Lohen und Ratorb), erwarb 1911 tn Marburg den Doktorgrad und habilitierte sich dort- Seit 1923 wirkt Heimsoeth als Ordinarius in Königsberg. — Zur Wiederbesetzung des durch den Weggang von Prof. W. Vorkastner an der Universität Frankfurt erledigten LehrftuhlS für gerichtliche Medizin ist ein Ruf an den Leipziger Privatdvzenten Dr. Gottfried R a e st r u p ergangen. Raestrup war Assistent von Kockel, Leipzig, zugleich Gerichtsassistenzarzt am Landgericht. lernet Arzt an den (befangenen anftalten in Leipzig. — Der Lehrstuhl der Wusikwifsenschall an der Universität Köln ist dem Ordinarius Dr. Theodor Kroher, Leipzig, angeboten worden. Er studierte an der Münchener Akademie für Tonkunst, promovierte 1897, war dann Konzertreferent der „Münchener Allgemeinen Zeitung", habilitierte sich 1902 in der Münchener Philosophischen Fakultät. 1920 folgte K. einem Rufe nach Heidelberg als etatmäßiger außer» ordentlicher Professor, 1923 kam K. nach Leipzig als Rachfolger von Abert- — Der durch den Tod von Pros. H. Matthes an der Universität Königsberg erledigte Lehrstuhl der pharmazeutischen Chemie ist dem außerordentlichen Professor Dr. Hermann Emde in Basel angeboren worden. Dr. Emde bestand das Apo- thekerstaatseramen sowie das Raßrungämittel» chemikerstaatsexamen und habilitierte sich 1908 in Braunschweig für Ehemie. Dort bekleidete er auch eine Assistentenstelle am Institut für pharmazeutische und Rahrungsmittelchemie und wurde 1918 Chefchemiker und Prokurist der Ehemischen Fabrik (vorm. S. Schering) in Berlin. Später wirkte Dr. Emde als Mitarbeiter der F. Hofs- maim-La Roche & Eo. in Bafel, sowie als Teilhaber deren Tochtergesellschaft Alkalvrdfabrik Soekaboemi zu Soekaboemi (Java). 1828 habilitierte er sich in Basel. Kühe desgleichen in Milch: Anerkennung: L. Alles II., Sich. Rinder (erkennbar tragend): 1. Preis: W. Fach, Rieder-Bessingen: 2. Preis: K. Schöne, Lich; 3. Preis: K. Rinn, Watzenborn. Rinder über!3ahr: 1. Pr.: K. Keblow- ski und G. Pein 1. in Rieder-Dessingen: 3. Preise: Hch. Textor, Lich und K. Keblowski, R.-Bessingen. A.: K. Schöne und L. Alles II. in Lich. Familien: 1. Preis: K. Keblowski, Rieder- Dessingen: 2. Preis: K. Schöne, Lich. 3m Anschluß hieran wurde die von dem Landwirtschaftskammerausschuh für die Provinz Oberhessen geleitete Dullen-, Eber - undSchaf- bock - Versteigerung vorgenommen, nachdem zuvor eine Richtung der Dullen erfolgt war, die folgendes Ergebnis hatte: 1. Preise: E. Dausch, Langsdorf und A. Maser, Selters: 2. Preise: L. Cloos, Oppenrod, K. Zimmer, Lich und W. Mathes, Bettenhausen: 3. Preise: H. Eller III., Ober-Hörgern, K. Mülleri., Kirch-Göns, Wilh. Dausch, Reichelsheim, Adam Koch VIII., Ronnenroth, H. Müller II., Dirklar, K. Kaiser, Trais-Münzenberg und K. Walter, Trais-Münzenberg. Tie Dullen waren von guter, wenn auch nicht gerade hervorragender Qualität. Die schlechte wirtschaftliche Lage vieler Gemeinden zwang zu größter Zurückhaltung. Es konnten daher nur 7 Dullen abgeseht werden. 3m Gegensatz hierzu war nach Schafböcken außerordentliche Rachfrage, sie übertraf wesentlich das Angebot, wodurch es möglich war, sämtliche auf getriebenen Tiere unter verhältnismäßig günstigen Preisen — durchschnittlich 140 Mark pro Tier — zu Verkäufern Dei Ebern herrschte kaum Rachfrage. Der Umsatz blieb gering. Dec krämermarkl war überaus reich befahren, die Umsätze waren zufriedenstellend. Um 13 Uhr veranstaltete die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr auf dem Adlerplatz ein Platzkonzert, das beifällige Aufnahme fand. Um 14 Uhr wurden die prämiierten Tiere unter Dorantritt der Kapelle in einem Zuge durch die Stadt geführt. Auf dem Festplah am Rathaus löste sich der Zug auf. 3m Anschluß daran fand die Auszahlung der bewilligten Prämiierungsgelder statt. Die Tombola- dkrlofung, die diesmal eine Anzahl wertvoller Gewinne bereithielt, fand allgemeinen Anklang. Volksfest, Konzert und Tanz beendeten am späten Abend den Markttqg. Oberheffen. Landkreis Gießen. CO Klein-Linden, 25. Juli. Auf der Straße nach Dutenhofen, hinter dem Allendorfer Wäldchen, werden gegenwärtig umfangreiche Straßen - A u s b e s s e r un g s a r be i ten vorgenommen. Die Außenseiten der dort befindlichen Kurven werden beträchtlich gehoben und mit Dasaltkleinschlag unter Zusatz von Teer eingeebnet. EU Lollar, 26. Juli. Am heutigen Sonntag feierte Frau Katharine Schmidt geb. Moos, in bester geistiger und körperlicher Gesundheit ihren 8 3. Geburtstag. * Ober-Hörgern, 26. Juli. Bei der hiesigen Bürgermei st erwähl wurde der seitherige Bürgermeister Heinrich Müller VIII. wiedergewählt. LI Rodheim a. d. Horloff, 25. 3uli. Die hiesige landwirtschaftliche Genossenschaft hielt ihre diesjährige Generalversammlung ab. Die Rechnungsablage zeigte folgenden Stand: Aktiva 7472,72 Mk., Passiva 7433,88 Mk. Der Reingewinn beträgt 38,84 Mk. und wurde teilweise für die Kosten der Generalversammlung verwandt und teilweise auf das nächste 3ahr überschrieben. Der Warenbezug belief sich auf 9600 Mk. Dem Rechner Ludwig Zolc wurde Entlastung erteilt und die Anerkennung der Versammlung ausgesprochen. Die (£t>o am Strand Roman von Hermann Weick. 19. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Widerstrebende Gedanken und Empfindungen erfüllten 3örg Leupold. Eifersüchtiger Zorn gegen Helbing, dem Hanna ihre Liebe zugewandt und der die Liebe dieser wertvollen Frau verschmäht hatte, wallte in ihm auf: er wurde aber hinweggeschwemmt von der beglückenden Gewißheit, daß Hanna nicht mehr an den anderen gebunden war. „Run wollen wir gehen", sprach Hanna Moest und erhob sich. Schweigend schritten sie nebeneinander her. Leupold hätte Hanna gern ein Wort des Trostes, der Aufmunterung gesagt; würde aber nicht jedes Wort banal, phrasenhaft klingen? Was ihn im Tiefsten bewegte, durfte er Hanna ja nicht sagen! Da wandte sie ihm ihr Antlitz zu, dos von freundlichem Lächeln erhellt war. „3st es nicht seltsam, daß ich 3hnen nun schon zum zweiten Male eine Deichte ablege, Herr Leupold? Vielleicht ist es zu vermessen von mir, mit meinen Sorgen und Röten immer wieder zu 3hnen zu kommen..." Er hemmte den Schritt. „So dürfen Sie nicht sprechen, Frau Hanna", entgegnete er ernst. „Würden Sie so rückhaltlos zu mir reden, wenn Sie nicht fühlten, daß ich Sie verstehe? Daß ich nur den einen Wunsch fenne. Sie froh zu wissen?" Ein seines Rot blühte auf Hannas Wangen auf. Wie ein Staunen über sich selbst klang es durch ihre Worte: „Sie haben recht... ich könnte ja sonst gar nicht so offen mit 3hnen sprechen...“ XX. „Herein!" rief Eva Willer, ohne von ihrer Lektüre aufzusehen: sie dachte, es sei das Zimmermädchen, das geklopft hatte. Als aber die Türe aufging, zeigte sich d'Alvez. „Sie sind es?" sagte Eva in hörbarem Unwillen. Es war das erstemal, daß der Vicomte ihr Zimmer betrat. Was fiel ihm ein, ungebeten hier- herzukommen? d'Alvez schien die Abweisung in ihren Zügen nicht zu bemerken. Lächelnd kam er näher. „Störe ich Sie?" Er wartete Evas Antwort nicht ab, sondern fuhr mit einem Hinweis auf das Duch, in dem Eva gelesen hatte, fort: aus Vorstand und Aufsichtsrat ausscheidenden Mitglieder, Dürgermeister Hofmann und Landwirt Philipp Dvrkhardt, wurden wiedergewählt. Kreis Büdingen. * Hirzenhain, 27. Juli. Bei der gestrigen Bürgermei st erwähl in unserem Orte machten von 449 Wahlberechtigten 427 von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Es entfielen auf den Dreher Heinrich D i l m e t e r 207, den Schlosser Karl Birx 200 und den Kaufmann und Untererheber Otto Henche 19 Stimmen, eine Stimme war ungültig. Es jrinbet Stichwahl zwischen Vilmeter und Birx statt. Ueber den Zeitpunkt der Stichwahl ist noch nichts bekannt. Preußen. Notlandung eines englischen Flugzeugs. WSR. Marburg, 26. 3uIL Freitag gegen 18 Uhr landete bei dem nordöstlich unserer Stadt gelegenen Dorfe Göttingen ein mit zwei Herren besetztes englisches Flugzeug, das am Morgen in London aufgestiegen war und nach Frankfurt wvllte, wegen Denzinmangels aber notlanden muhte. Die 3nsassen des Flugzeuges, zwei 3nder, waren der deutschen Sprache nicht mächtig und konnten sich mit den herbeigeeilten Landleuten nicht verständigen. Ein zufällig des Weges kommender Marburger Student, der die englische Sprache beherrschte, diente als Dolmetscher und konnte Betriebsstoff aus Sterzhausen herbeischaffen. Als die Flieger kurz nach 20 Uhr nach Frankfurt weiterfliegen wollten, geriet das Flugzeug beim Abrollen in einen Entwässerungsgraben und stellte sich auf die Spitze, wobei Propeller und Fahrgeste ll zu Bruch gingen. Da eine Reparatur an Ort und Stelle nicht möglich war, wurde das beschädigte Flugzeug abmontiert und nach Frankfurt befördert. Kreis Wetzlar. # Krofdorf, 24. 3uli. Aus der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung von Krofdorf - Gleiberg ist u. a. zu berichten: Der von Kreisbaumeister Flender (Wetzlar) ausgestellte Bebauungsplan für den in Krofdorf von der Rodheimer Straße nach der Turnhalle führenden Weg lag nochmals zur Besprechung vor. Die Vertretung genehmige nunmehr den Plan. Heber die 3nstandsetzung der Reben gebäude auf dem Pfarrgehöft in Krofdorf konnte eine Einigung zwischen Kirchen- und Zivilgemeinde noch nicht erreicht werden. Die Reuanschaffung von Schaltuhren für die elektrische Straßenbeleuchtung wurde zurückgestellt. Die Anstreicher- und Schreinerarbeiten in der alten Schule in Krofdorf (Hauptstraße) wurden dem Weißbinder K. Schmidt (Krofdorf) und dem Schreiner Albert Wagner (Gleiberg), übertragen. <> Hoch elheim, 25. 3uli. Dom 1. August ab wird eine staatlich gevrüfte und anerkannte V o l l s ch w e st e r der Rheinischen Evangelischen .Frauenhilfe aus dem Mutterhaus in Barmen oen Krankenpflegedienst in unserer Gemeinde versehen. Die Anstellung der Krankenschwester erfolgte durch die Kirchengemeinde. Die Zivil- gemende zahlt zu den Kosten der Krankenpflegestation einen Zuschuß von jährlich 300 Mk. Wirtschaft. Lteberweisungsverband und Schecks. WTD. Der Arbeitsausschuß des Heber- weisungsverbandes hat am Samstag beschlossen, künftig auch den Gegenwert von Schecks, die auf alte Konten gezogen sind, zur Verrechnung zuzulassen. Soweit die Scheckbezogenen Verbandsmitglieder sind, gelten hinsichtlich der- Höhe der Scheckbeträge die Vorschriften des äleberweisungsverbandes für Schecks. Auf sonstige Kreditinstitute sind im allgemeinen die Vorschriften für Heberweisungen der Rotverordnung über die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs nach den Bankfeiertagen vom 23. 3uli 1931 maßgebend. 3m übrigen wird bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß die zahlreichen Klagen der Dankkundschaft über die verspätete Gutschrift zur Einziehung übergebener Schecks ihren Grund darin haben, daß die Schecks zahlungshalber an von dem Sitz der bezogenen Dank weit entfernte Plätze versandt word.m sind. Solche Schecks laufen vielfach durch mehrere 3nkassostellen, wodurch naturgemäß der Einzug erheblich verzögert wird. Es ist daher erwünscht und zweckmäßig, daß Schecks möglichst nur im lokalen Verkehr Verwendung finden. Beschlüsse einer Brüsseler Stickstoffkonferenz. Drüssel, 26. 3uli. (WTD.) Hier fand eine wichtige vertrauliche Konferenz von Vertretern der Stickstoffindustrien Deutschlands, Hollands, 3taliens, Frankreichs und Belgiens statt, um die Lage zu prüfen, die durch die kürzlich beschlossene Richterneuerung des Stickstoff- kartells entstanden ist. Chile, das ebenfalls zu der Konferenz eingeladen war, hatte keinen Vertreter entsandt. Die Konferenz gelangte zu einer Verständigung über die Grundlagen einer Reihe von S on d e r a b k o rn rn e n , die den 3nteressenten zur Prüfung vorgelegt werden sollen. Die Deschlüsse betreffen nicht die Schaffung eines allgemeinen Kartells, sondern Verständigungen von Land zu Land. Dezeichnend ist, daß man eine Verständigung für möglich hielt und daß die Verhandlungen mit Chile eröffnet werden sollen, sobald die in Frage kommenden Abkommen von der Mehrheit der europäischen Erzeuger angenommen sein werden. • * Stillegung des Hochofenwerks Oberscheld. Der einzige Hochofenbetrieb im nassauischen Industriegebiet, das Hochofenwerk des Hessen-Nassauischen Hüttenvereins G. m. b. H. in Oberscheld bei Dillenburg, muß wegen Absatzmangels und großer Vorräte den Ofen vorübergehend dämpfen. Da die Bergverwaltung des Hessen- Nassauischen Hüttenvereins mit dem Hochofenwerk Oberscheld eng verbunden ist und die Bergverwal- tung bisher lediglich noch Absatz nach dem Hochofen Oberscheld hatte, wird auch sie durch diese Maßnahme betroffen und muß den Betrieb ihrer Erzgruben im Dillkreis ebenfalls vorübergehend still- legen. Hierdurch werden etwa 350 Bergleute arbeitslos. * Kündigungen in der Bergbau- gruppe Hamborn der Vereinigten Stahlwerke. Zu den Kündigungen von 350 Bergleuten auf der Zeche „Lohberg" find weitere 650 Kündigungen auf den Schachtanlagen „Westende" und „Friedrich Thyssen III/IV" hinzugekommen, so daß die Bergbaugruppe Hamborn der Vereinigten Stahlwerke insgesamt rund 1000 Bergleute zum 15. August entlassen wird. Diese Maßnahme wird mit den steigenden Absatzschwierigkeiten im Bergbau begründet. * Schwierigkeiten beim Bankhaus Rüderer & Lang, München. Die 1863 ge- gründete Münchner Bankfirma RüdererL-Lang, die in München eine Hauptstelle und zwei Depositenkassen unterhält, hat am Donnerstag ihre Schalter geschlossen, da es nach Mitteilung der Bankleitung infolge der heutigen Verhältnisse unmöglich sei, die für die Abhebung notwendigen Barmittel flüssig zu machen. Die bei dem Bankhaus eingezahlten Gelder sind, wie die Firma erklärt, nach bestem Wissen in Grundwerten, soliden Effekten und Pfandbriefen angelegt worden. Zu einer Beunruhigung bestehe kein Anlaß. * Werkspionage bei C. Hehl in Worms. Wegen Werkspionage zum Rachteil „3hre Lektüre muh sehr interessant sein, daß Sie sogar unseren Spaziergang, den wir für vier Ahr verabredet hatten, darüber vergaßen. Es ist jetzt nahezu fünf Ufjr!“ Eva sah auf ihre Uhr. „Tatsächlich..das war mir ganz entgangen!" „Was lesen Sie schönes?" fragte der Vicomte darauf und warf einen Blick in das Buch. „Afrikanisches?" „Es ist ein Buch über Ostafrika", antwortete Eva widerstrebend. Auf dem Tischchen neben dem Divan hatte d'Alvez zwei weitere Bücher entdeckt. Gr las die Titel. „Abermals Ostafrika?" sprach er erstaunt. „Sie scheinen ja ungewöhnliches 3nteresse für den schwarzen Erdteil zu haben, Eva! Tragen Sie sich vielleicht gar mit der Absicht, nach Ostafrika zu reisen?" Starke Verlegenheit bemächtigte sich Evas. „Wohin denken Sie!" entgegnete sie hastig. „3ch interessiere mich eben jetzt gerade für Ostafrika, da lieh ich mir aus Berlin einige Bücher kommen ..." Sie kam sich ertappt vor. Wut auf d'Alvez erfahte sie. Was hatte er sich um ihre Lektüre zu kümmern? Es war überhaupt eine Frechheit von ihm, unaufgefordert in ihr Zimmer zu kommen! Die Art und Weise, wie er sich in ihrem Zimmer umsah, als wolle er jedem Winkel aufstöbern, paßte ihr ganz und gar nicht. Brüsk erhob sie sich. „Wir wollen gehen!" Der unfreundliche Ton ihrer Sttmme war nicht zu überhören. „Warum so ungnädig?" fragte d'Alvez. „Sind Sie mir böse, weil ich Sie in 3hrem Zimmer auf- gesucht habe? 3ch konnte doch nicht bis zum Abend in der Halle auf Sie warten: wer weih, wann Sie, in 3hr Buch vertieft, hinuntergekommen wären!" „Sie hätten, wenn 3hnen das Warten lästig wurde, längst einen Hotelangestellten herauf- schicken können, Herr Vicomte!" erwiderte Eva falt. „3st es so schlimm, daß ich selbst kam, Eva? Fürchteten Sie gar, daß ich Sie vor den Leuten kompromittiere?" Sie wandte sich zum Gehen. „Lassen Sie den Spott, Herr Vicomte! 3ch wünsche nun einmal keinen Herrenbesuch in meinen Zimmern!" Plötzlich fühlte sich Eva von hinten umklammert. d'Alvez Gesicht war dem ihren ganz nahe. „Sie treiben mich noch in den Wahnsinn, Eva!" stieß er in fiebriger Erregtheit hervor. „3mmer behandeln Sie mich so kalt, so abweisend! Wie oft muh ich 3hnen noch sagen, wie sehr ich Sie liebe.. Mit einem Ruck hatte Eva sich freigemacht. Alles in ihr zitterte vor Empörung. „Was fällt 3hnen ein, mich derart zu überfallen?" Er fuhr sich mit rascher, nervöser Geste über die Augen, als müsse er sich gewaltsam zur Wirklichkeit zurückrufen. „Verzeihen Sie, Eva, ich habe mich vergessen!! 3d) weiß ja bald nicht mehr, was ich tue! Die Liebe zu 3hnen läßt mich nicht mehr zur Ruhe kommen!" Eva gab feine Antwort. „Wie lange soll ich noch schmachten, Eva? Wie lange wollen Sie dieses quälende Spiel noch mit mir treiben?“ „ 3ch spiele nicht mit 3hnen, Herr Vicomte! 3ch habe 3hnen schon mehrmals gesagt, daß ich Sie nicht liebel Sie müssen sich danach richten!" Er tastete nach Evas Hand. „3ch will aber nicht glauben, daß eine Liebe wie die meine unerwidert bleiben sollte! 3ch kann die Hoffnung nicht aufgeben, Sie eines Tages doch noch zu gewinnen! Sonst wäre es besser, ich ginge!" Ein flehender Ton kam in seine Stimme: „Soll ich gehen, Eva?" 3n Eva jagten sich die Gedanken. Durfte sie d'Alvez von sich weisen? Gerade jetzt, wo ihre Rache an Helbing sich auszuwirken begann? Sie hatte wohl bemerkt, daß chr häufiges Beisammensein mit d'Mvez ihn nicht gleichgültig ließ. Aus seinen kalten, manchmal fast gehässigen Blicken, die er ihr im Dorübergehen zuwarf, erkannte sie, daß sie ihn diesesmal getroffen hatte. Helbings bisherige Sicherheit und Heberlegenheit schienen geschwunden zu fein; etwas Verstörtes, das er nur schlecht verbergen konnte, war in seinem Antlitz. Lind nun sollte sie feige den Kampf auf geben? „Warum antworten Sie mir nicht, Eva?" fragte d'Alvez, der sie lauernd beobachtet hatte. Eva hob den Kopf. Als sie d'Alvez Augen begegnete, erschauerte sie. Der Ausdruck einer brutaler Gewalt, der zu seinen hingebungsvoll lächelnden Mienen in krassem Gegensatz stand, tOar in den Blicken des Vicomte aufgeflammt und sofort wieder erloschen. Was will der Mann von mir? durchfuhr es Eva in unklarer Angst. Sogleich aber hatte sie diese rätselhafte Anwandlung überwunden. 3ch sehe Gespenster! dachte sie. Wie sollte d'Alvez mir gefährlich werden können? 3ch muh meinen Weg weitergehen > Roch kurze Zeit! Dis Helbing vollends gedemü- tigt ist! Sie war nun wieder ruhig. der Firma Cornelius Hehl, A.-G., in WormS. wurden am 23. d. M. ein Kaufmann, ein 3un genieur, ein Laborant und eine in diese Angelegenheit verwickelte Ehefrau vorläufig festgenommen. Durchsuchungen und Vernehmungen förderten umfangreiches Belastungsmaterial zutage. Es geht daraus hervor, daß mit Unter« stühung von Werksangehörigen zahlreichen ausländischen Firmen der Lederbranche ein Geheimverfahren angeboten wurde. w Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 25. 3uli. Tendenz: sehr ruhig. Dei unveränderter Geschäftslage blieb der Eierabsah sehr sttll. Es notierten in Pfennig per Stück ab loco Frankfurt a. M.: Dulgcrren 8 bis 8V4, 3ugoslawen 8V< bis 81/2, Rumänen, 73/< bis 8, Russen 71/2 bis 73/4, Holländer 8 bis 10, Dänen 71/» bis IOV2. Flandern 9 bis 93/4, Bayern 8 bis 83/4, Deutsche Frischeier 8V2 bis lOVi, in- und ausländische Mittel- und Schmutz- eier 61/2 bis 63/4. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 27. 3uli. Auftrieb: 1314 Rinder, darunter 284 Ochsen, 119 Dullen, 482 Kühe, 395 Färsen, ferner 602 Kälber, 62 Schafe, 4704 Schweine. Es -wurden notiert: Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 42 bis 46 Mk., (ältere) 38 bis 41, sonstige vollfleischige (jüngere) 32 bis 37; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 35 bis 38, sonstige vollsleischige oder ausgemästete 30 bis 34; Kühe: jüngere, Vollfleisch., höchsten Schlachtwerts 34 bis 36, sonst, vollfleischige ober ausgemästete 30 bis 33, fleischige 22 bis 29; Färsen (Kalbinnen, 3ungrin- der): vollsleischige, aus gern ästete, höchsten Schlachtwerts 42 bis 46, vollfleischige 38 bis 41, fleischige 32 bis 37. — K ä l b e r: beste Mast- und Saugkälber 48 bis 52, mittlere Mast- und Saugkälber 43 bis 47. geringe Kälber 33 bis 42. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 46 bis 49, vollsleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 47 bis 50, von etwa 200 bis 240 Pfund 48 bis 50, von etwa 160 bis 200 Pfund 47 bis 50, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund, 45 bis 48 Mk. — Marktverkauf: Rinder schleppend, lieber« stand. Kälber und Schafe ruhig, geräumt Schweine reger, ausverkauft. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M.. 27. 3uli. Wegen Geringfügigkeit getätigter Geschäfte in altem und neuem Brotgetreide fielen die Rotierungen aus. Es wurden notiert: Wintergerste, neuer Ernte 180; Hafer, inl., 190 bis 195; Weizenmehl, südd., Spezial 0 40,75 bis 41,50; Weizenmehl, niederrhein., Spez. 0 40,75 bis 41,25; Roggenmehl, 60proz. Ausm., 29,50 bis 32; Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke 32 bis 36; Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke 25 bis 68; Heu, südd., gesund, trocken, 3,50 bis 4; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepr., 3; Weizen- und Roggenstroh, geb., 2,75; Treber, getrocknet 10,50 bis 11,25 Mart Tendenz: ruhig. Aus aller Wett. Schweres Linsturzunglück während des Gottesdienstes. Dei einem Gottesdienst in der Kirche von 3d an bo (Portugiesisch-Angola) stürzte ein Teil des Chors ein und begrub einen großen Teil der Gemeinde unter sich. Aus den Trümmern wurden bisher 20 Tote geborgen. 3m ganzen wurden 200 Personen als verletzt gemeldet, von denen sich 80 im Krankenhaus befinden. Riesige Ueberschwemmung in Nanking. Regengüsse von einer seit 3ahrzehntennicht beobachteten Heftigkeit haben in Ranking großen Schaden angerichtet. 4000 Häuser sind eingestürzt, mindestens 10 000 Personen haben kein Obdach. Teile der Stadt stehen metertief unter Wasser. Auch andere Städte im QJangtfetat sind in ähnlicher Weise betroffen worden. „Sie brauchen nicht zu gehen, Herr Vicomte", sagte sie, „wenn Sie mir versprechen, daß Szenen wie die heutige sich nicht wiederholen!" „Sie verlangen Unmögliches von mir, Eva! 3ch kann doch nicht immer meine Gefühle in mich verschließen; eines Tages brächen sie doch wieder hervor." „Lassen Sie mir Zeit!" unterbrach ihn Eva: sie muhte d'Alvez Hinhalten, um diese letzte Frist, die sie brauchte, zu gewinnen. „Drängen Sie mich nicht, ich muh mir erst über vieles klar werden .. Er machte noch einige Einwände, schien aber doch von ihrer Antwort, die ihm eine Hoffnung! lieh, befriedigt zu fein. „3ch will 3hren Wunsch respektieren, Eva, so schwer es mir auch werden wird." Sie gingen in den Kurgarten. Das Rachmit- tagskonzert hatte viele Desucher angelockt. Eva entdeckte mehrere Dekannte vom Hotel. Plötzlich zuckte sie zusammen. 3n ihrer Rähe sah allein an einem Tische Stefan Helbing. Hatte er sie schon gesehen? Während Eva sich mit d'Alvez unterhielt, blickte sie immer wieder unaffällig zu Helbing hinüber. Er machte, wie sie mit Genugtuung fcftftellte, keinen sehr frohen Eindruck; sein Gesicht war ernst, vergrübest, als sinne er über unerfreuliche Dinge nach. Run wandte er den Kopf. Dlihschnell hatte Eva die Dlicke gesenkt. 3n einer trotzigen Aufwallung sah sie aber dann doch zu Helbing hinüber. Sollte sie sich fürchten, feinen Dlicken zu begegnen? Helbing tat aber, als bemerke er Eva nicht. Dagegen schien er sich für d'Alvez lebhaft zu interessieren; mit auffälliger Gespanntheit betrachtete er den Franzosen. Er ist auf d'Alvez eifersüchtig! dachte Eva. Wie töricht wäre es von mir gewesen, wenn ich mit dem Dicomte nicht hierhergegangen wäre; ich wäre um diesen Triumph gekommen! Rach einer Weile erhob sich Helbing. Eva nahm an, dah er, um eine Begegnung mit ihr zu vermeiden, sich nach der anderen Gartenseite hin entfernen werde. Zu ihrem Erstaunen wählte er aber die Richtung, in der sie sich befand. Ganz langsam näherte er sich ihrem Tisch. Er grüßte: flüchtig, wie obenhin, traf sie dabei sein Auge. Dann sah er wieder d'Alvez an. Es war ein langer, forschender Blick, als müsse er sich die Züge dieses Mannes genau einprägen ... oder in diesen Zügen die Antwort auf eine Frage finden, die ihn beschäfttgte. (Fortsetzung folgt.) folgt-) •j (Soffeiiiraflci. i her Äinfcc Don la) ftäqte ein ‘Zeil >n großen Teil t?r Stimmern Weben -gern 3m Qtmyn gemelkt, von 18 befinden. ig In Nanking. eit Ichrzehntennichi in Hanfing grofau u[cr sind tingeftürv. haben fein Obdach, etertief unter te im ^angtsetalsmd i worden. hem Herr Mwmte. prcchen, daß Szenen ederholcnl" j non mir. Eva! 3d) Kesühle in michver- en sie doch webet Zerbrach ihn •*: um diese IcMj . .Drangen ^vieles klar wer- in*. 5 ihm eine Holwuns respektieren, Sva. lo Das Äachwit' irten. va°^ frj ucher angelom- Sri® «*> .Srs •3»$* “hnam? in »5< fe tuWmQ&Wn ,a^LUnkr- ^narkt. S«3f'8 s 8- , iu* 9 6ii y Scheier g", eIe 6^ lehmarkt Ä :,?ubr: jüt^ ''undSougt^^ 33 blS 42. ftft« «chderne ‘ SO, von etwa .dvn etwa 160 H M Vchwmm txm » bis 48 M _ schleppend, Ueber- : uchig, geräumt eidebörse. Dem Gering, n altem und neuem mgen aus. Ss tour, r fcnte 180; frfa, südd., Spezial 0 Niederrhein., Spez. 0 l. SSpwj. 2usm, ■ualifät für Speise- nach Qualität für dd., gesund, faxten, >enffa>h, drahtgepr, geb., 2.15; Treber, irt Tendenz; ruhig. Welt. 51idCL9Cän Ä hfic^S fci« * ,, Eva ni^ Sna ^ie Ml dachl^ „it rgeganöf Rommen- K». um. •« wt w- nd) ?müss« ct oder'» Jj-flÄI-* 1 te b 8 e t« o u eK X - j=- jO ZD — zs c E o ; m e a' e CT> N E a O *<3 ö. <3 X= O s 3(9 E2? o f £ ,X E 3 o E S = äe »• s 3=« = ?-<. £.2 LL o 5 *, c =•= — o <- e= ijk Jt Z B LZ X> • E —Z 3 £*eei ««t c ®a 5 u. 03 X « 3 ZIZ o . o gHU) ; e •?.£! o . _ C. JD S e» = e«* E a S = c = E = -S “ « k. 11; o eJ — c S .A r- P SO k- 3 = ZD S E-ß u -■efe «_* E X- >3 « ® i ® E 5 3 E — o: C — B.< -Z'9 (9 (9 E-^ E 3 c3 o f 2 C7 5®< E-r 4^? Lis; ES -i-- jsisi S -z# O-S E 2 e.E 53 :o - ■e Ä9 ».E 3S -s o E 3 s s e 9 ER « S“3.J ö Q. E ; ft 51 H B SS? * '-.A € Wim ■Et 3D E 7 = ^.3 ZJ :23 ,5 3 .2^-0: 9 3 E p o o. 8®H ^9 3 e’9 B ^ty C7-E 3? e 9'9 B.E'^ tOa rQ E E c O X3 BFH E-e il — CÄ 9 c?L.-S E im o-^SR g- - « ä 9 ■ S? 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