Nr. 97 Erstes Blatt 181. Jahrgang Montag, 27. April 1951 Lrlchrinr täglich, anher Sonntags und feiertags Beilagen: Ote Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholle monatS'Be$ug$Dret$: 2.20 Reichsmark und 80 Reichspfennrg für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen ernzelnerNummern Infolge höherer Gewalt. fiernlpredfanld) Hilft anterSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzetaer Etetzen. Postscheckkonto: Stanffiirtam Main 11686 SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck und Verlag: vrühl'sche UniverfitStL-vllch- und Stetnöruderet R. Lange in Gießen. Lchriftlettung und Geschäftsstelle: Schulstraße r. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mnc Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/. mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Ma; Filler, sämtlich in Gießen. Ser Erfolg des Stahlhelm-Volksbegehrens in Preußen. Rach der Schlacht. Don unserer Berliner Redaktion. Trotz der legalen Schikane, die nichts nur auf Grund der Rotverordnung vom 28. März gegen das vom Stahlhelm eingeleitete Volksbegehren für Auflösung des Preußischen Landtags geübt wurde, haben sich rund sechs Millionen wahlberechtigte Preußen in die Listen eingetragen. Der schon krankhaft berührende Hohn einer gewissen Presse darüber, daß n i ch t a l l e 9.5 M i l- Honen Wähler sich eingetragen haben, die am 14. September 1930 für die das Volksbegehren unterstützenden parteilichen Gruppen stimmten, ist wieder einmal ein Beweis, wie wenig politische Erziehung und Gesittung da zuhause ist, wo sie mit schlecht gespielter Entrüstung von anderen Parteien verlangt wird. Wenn Volksbegehren und Volksentscheid stufenweise in die Verfassung eingebaut sind, dann genügt es vollkommen, daß durch das Volksbegehren der Volksentscheid erzwungen werden kann. Auch der Gesetzgeber hat beim Volksbegehren nicht damit gerechnet, daß sich alle Wähler eintragen müssen, die an sich mit Sinn und Zweck des jeweiligen Begehrens einver- standen sind. Dafür spricht ja, daß das Volksbegehren mit besonderen wahltechnischen Schwierigkeiten ausgestattet ist, die ausgetüftelt worden sind, um zu verhindern, daß das Volksbegehren leichtfertig angesetzt wird. Kommt hinzu, daß über die wahltechnischen Schwierigkeiten hinaus dem Volksbegehren Hemmnisse auf den Weg geräumt werden, wie das tatsächlich diesmal geschehen ist. so must der trotzdem erreichte Sieg um so nachdrucksvoller fein. So sind in der Reichshauptstadt verhältnismäßig wenig Cinttagungsstellen aufgemacht worden, ebenso auch in den Teilen Preußens, in denen durch die Politisierung der Verwaltung diese zu einer Parteieinrichtung geworden ist. Es sind Fälle bekannt, daß in Westdeutschland, selbst in Städten von 3—4000 Einwohnern, nur eine einzige Eintragungsstelle aufgemacht wurde, die ausgerechnet beim Bürgermeister selbst war? Cs hat alles nichts genützt, die geheimen und offenen Runderlafse der übergeordneten Behörden ebensowenig, wie die ungeschickte Polemik des Amtlichen Preußischen Pressedienstes gegen den Stahlhelm. Es hilft auch nichts, daß jede politische Logik der publizistischen Schildhalter der derzeitigen preußischen Regierung dadurch umgebogen wird, daß, weil sechs Millionen Wähler das Volksbegehren unterstützt haben, die anderen 20 Millionen Wähler als Freunde und Anhänger Otto Brauns und Severings angesprochen werden müssen. Die Sozialdemokratie weiß bis in ihre höchsten Führerspihen ganz genau, daß sie als Partei auf die abschüssige Ebene geraten ist, daß ihre äleberalterung jede Hoffnung schwinden läßt, die erreichte Machtstellung weiter zu behaupten. Alnb deshalb fürchtet die Sozialdemokratie Reuwahlen, da die Entmachtung in Preußen gleichbedeutend damit ist, daß die konjunkturbestimmtcn Mitläufer zu Hun- derttausenden abfallen. Auch das Zentrum hat durch das Volksbegehren eine sehr eindringliche Lehre empfangen, denn es muß sich wohl oder übel damit auseinandersehen, daß in den sichersten Zentrumsdomänen die Dauern und Handwerker sich für das Volksbegehren eingetragen haben. Wenn der Landtag sich widerspenstig zeigt, so wird der Volksentscheid jedenfcÄs das Ergebnis haben, daß sich mehr Wähler gegen die derzeitige Preußenregierung aussprechen, als diese im Mai 1928 und erst recht im September 1930 für sich mobilisieren konnte. Wird dann die Preußenkoalition vor der Demokratie den Hut lüften? Fast 6 Billionen Eintragungen. Berlin, 25. April. (IDIB.) Das Bundesamt des Stahlhelms teilt mit: Die bisherigen Zählungen zum Volksbegehren „Landlagsauflösung" ergeben einwandfrei die Zahl von reichlich 5,83 Millionen Eintragungen. Einzelne Meldungen flehen noch aus. Das bedeutet mehr als eine halbe Million Ueber- fchuß. Der Bundesvorstand des Stahlhelms hal am Sonntag folgende Entschließung gefaßt: „Das Stahlhelm-Volksbegehren, der erste Vorstoß gegen das derzeitige System, mit dessen eigenen Mitteln, ist in engster Zusammenarbeit mit unseren Bundesgenossen erfolgreich durchgeführt. Bei ihm hat sich in Oft und West aus allen Ständen und Berufen die Front des Frontsol- datenlums, der Kern des Volkstums, der feste Block des Preußentums, kameradschaftlich zusam- mengesunden. Der Stahlhelm sagt allen seinen Dank, die dabei an ihrer Stelle ihre vaterländische Pflicht erkannten und taten. Das Volksbegehren war nur der erste Vorstoß. Die Entscheidung, deren Zeitpunkt der Stahlhelm in gewissem Maße in der Hand hat, wird noch größere Kräfte, lebhaftere Werbung, stärkeren Einsatz verlangen. Wir wissen, daß jeder Tag dieses marxistischen Systems, das die allgemeine Rot hauptsächlich verursacht hat, sie noch steigert. Viele, die nicht auf uns hörten, wird der unerbittliche Gang der Entwicklung belehren, wir aber werden weiter in echter deutscher Soldatenart um Preußen und im verein mit allen anderen Bundesstaaten für das R'-ich kämpfen: Zäh, treu und unbeirrbar in unsere Glauben an den Sieg!" Was sagt Otto Braun? Der preußische Ministerpräsident spricht in Königsberg. Königsberg, 25. April. (ERD.) 3n einer stark besuchten öffentlichen Kundgebung der Sozialdemokratischen Partei sprach der preußische Ministerpräsident Dr. Braun über das Thema: ^W as wird aus Preußen?" Der Ministerpräsident erklärte, die Ersetzung der menschlichen Arbeitskraft durch die Maschine und die steigende Rationalisierung könnten zum Segen der Menschheit ausschlagen, wenn nicht das kapitalistische System den technischen Fortschritt in seiner Wirkung zum Fluch der Menschheit umgewandelt und Millionen Menschen in Elend und Arbeitslosigkeit geworfen hätte. Mit der Herabsetzung der Löhne habe man die Rot am falschen Ende gefaßt. Man hat ' erst mit den Preisen heruntergehen sollen. Darm hätten die Löhne und Gehälter folgen können, womit die Kaufkraft gehoben und die Wirtschaft angekurbelt worden wäre. Der ungünstige Einfluß der Septemberwahlergebnisse habe sich auch auf die deutsche Politik ausgewirkt. Das Bestreben der Rechtsopposition richte sich jetzt auf die Erreichung der Macht in der inneren Verwaltung Preußens, die man nach dem altpreußischen System umgestalten möchte. Das altpreußische System mit feinem Drciklassen- wahlrecht bedeute aber Entrechtung der Dolksmassen. Wenn jetzt die Reichsregierung eine Rotverordnung erlassen habe, so hätten daran die Kreise schuld, die durch ihr wildes Auftreten im öffentlichen Leben die Regierung zur Rotverordnung zwangen. Auf das Ergebnis des Volksbegehrens eingehend, sagte der Ministerpräsident, die preußisch: Regierung werde für die nächsten Landtagswahlen den Zeitpunkt bestimmen, der ihr als geeignet er'scheine. Rur von der Fortführung der republikanischen Koa- l i t i o n s p o l i t i k sei eine weitere günstige Entwicklung in Preußen und im Reich sowie eine allmählich durchgreifende Besserung der Wirtschaftslage zu erwarten. Dieses Ziel könne Preußen nur erreichen, wenn es nicht wieder die Junker- klasse zur Herrschaft kommen lasse, die Preußen einmal an den Abgrund geführt habe. Ein Rückfall in das alte Preußen der Entrechtung würde für Preußen und das Reich die Katastrophe bedeuten. Der Kurs der Wirtschafispartei. Eine öffentliche Kundgebung auf dem Reichsparieiiag. Hannover, 26. April. (TU.) Bei einem Empfang anläßlich des Parteitages der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschafts- Partei) wandte sich der Parteiführer, Reichstagsabg. Drewitz, gegen die vielfach verbreitete Auffassung, daß sich die Wirtschaftspartei lediglich von engherzigem Jnteressentenstandpunkt leiten lasse. Die Partei habe bitterste Vorwürfe einstecken müssen wegen ihrer Stellungnahme in der Besoldungsreform, bei der Arbeitslosenversicherung usw., da sie alle diese Vorlagen abgelehn-t habe mit der Begründung, daß man des Guten n ich t zu viel tun dürfe. Heute aber stehe man vor der Tatsache, daß man all diese älebertreibungen zurückrevidieren müsse, weil die deutsche Wirtschaft die Lasten nicht mehr tragen könne. Ein Volk, das nicht verstehe, die Kluft zwischen arm und reich zu überbrücken, sei zum Untergang verurteilt. Der Staat brauche die Mitarbeit aller Kreise. Daß der Reichstag sich selber ausschalte, sei ein Beweis dafür, däß man heute nich t mehr den Mut zur Verantwortung habe, um das deutsche Volk und die deutsche Wirtschaft vor dem Untergang zu retten. Die Wirtschafts- Partei zähle sich zu den nationalen Parteien, auch zu der nationalen Opposition, aber nicht zu den Parteien, die lediglich Opposition machten, weil sie sich in eine Sackgasse verrannt hätten. Verwaltungsreform, Reichsreform, Finanzreform unb Wahlreform seien die Meilensteine aus dem Wege zur Gesundung. — Der Führer der Reichstagsfraktion der Wrrtschaftspartei, Abg. Mol- lath, wies den Vorwurf zurück, daß die Partei sich von rein materiellen Interessen leiten lasse. Die Partei haben die große Mission zu erfüllen, Mittler zwischen Kapital und Arbeit zu sein. Sie betrachte sich als die Plattform zur Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit. Der Relchslagsabgeorbnele M o l l a l h sprach dann über die nationalen Aufgaben des Mittelstandes in Verbindung mit der Stellung der Wirt- schaftsportei zur Außenpolitik. Die gewaltige Aufgabe, die auf außenpolitischem Gebiete in der Erringung der deutschen Freiheit der Erfüllung harre, könne nur von einer geschlossenen, in sich politisch geeinten Standesbe- roegung gelöst werden. Der Weg zur Freiheit führe aber nur über eine starke Außenpolitik. Abg. Mollath bekannte sich zu den bekannten außenpolitischen Forderungen der Wirtschaftspartei, die in erster Linie eine allgemeine Abrüstung, Kampf gegen die Schuldlüge und unverzügliche Revision des Voungplanes einschließen. Zum Schlüße seiner Ausführungen unterstrich Abg. Mollath die Pflicht aller staatserhaltenden Kräfte, am Aufbau des deutschen Volkes mitzuarbeiten, und verurteilte auf das schärfste eine Politik fruchtloser Opposition, die nur die Front des Bürgertums weiter schwächen müsse. Der Frakttonsführer der Wirlschaftsparlei im Preußischen Landtag, Abg. Ladendorff, sprach über das Thema »Das Privateigentum in Wirtschaft und Staat". Der Redner wies darauf hin, daß die Widersprüche innerhalb der bürgerlichen Kreise in ihrer Einstellung zu sozialen Problemen und zur Eigentumsfrage auf die allgemein geringe Schule im volkswirtschaftlichen Denken zurückzuführen sei. Dringend notwendig sei eine genaue Unter- scheidung zwischen der Kapitalbildung vom privatwirtschaftlichen Standpunkt als Zukunftsaufgabe des Zndividiums und der Kapitalbildung vom volkswirtschaftlichen Standpunkt als Gegenwartsaufgabe der Gesellschaft. Die Wirtschaftsparbei verlange im besonderen Anerkennung der berechtigten Eigenart des einzelnen und seines Eigenwertes, freie Entfaltungsmöglichkeit für die Einzelpersönlichkeit in Staat und Wirtschaft. Polens Drohung gegen Danzig. Gefahr im Verzug! Ganz nebenbei wird bekannt, daß die Polen beim Dölkerbundskommissar in Danzig allen Ernstes gefordert hatten, ihnen auf Grund eines früheren Ratsbeschlusses das Recht zu geben, den Freistaat Danzig zu besehen. Der in Frage kommende Ratsbeschluh sicht vor, daß Polen zur militärischen Besetzung schreiten darf, wenn die Danziger Polizei nicht mehr in der Lage i|t, die öffentliche Sicherheit aufvechtzu- erhalten oder wenn Polens Zugang 5um Meere abgeschnitten sein sollte. Keine dieser beiden Voraussetzungen kann als gegeben angesehen werden, wenn auch der polnische Gesandte in Danzig. Strasburger, seinen Rücktritt damit begründete, daß die Sicherheit der Polen in Danzig auf das ernsthafteste gefährdet wäre. Er bezieht sich dabei auf die Ermordung eines polnischen Eisenbahners, ein Fall, der aber zu ungunsten Polens einwandfrei geklärt worden ist. Trotzdem ist von Warschau aus der ernsthafte Versuch gemacht worden, diese Gelegenheit zu benutzen, um den polnischen Machtbereich auszudehnen und der Stadt Danzig das gleiche Schicksal wie der Stadt Wilna zu bereiten Es wäre verfehlt, woltten wir das Vorgehen der Polen mit einer Handbewegung abtun und unter Hinweis auf die Entscheidung des Völkerbundskommissars uns auf den Standpunkt stellen. das von einer Gefahr für Danzig nicht gesprochen werden kann. Das gerade Gegenteil ist der Fall. Die Polen haben sich bisher aus dem Völkerbund nicht das Geringste gemacht. Sie haben sich über alle seine Entscheidungen hinweggeseht und werden sich auch nicht im geringsten um die Anwesenheit des Kommissars in Danzig kümmern, wenn sie glauben, daß der Augenblick für eine gewaltsame Einverleibung Danzigs in den polnischen Staat gekommen ist. Wir glauben, daß wir jetzt am Anfang eines sehr heftigen und ernsten Kampfes um den Rest der älnabhängigkeit des Freistaates Danzig stehen. Polen hat diesen Kampf offiziell durch seinen Antrag beim Dölkerbundskommissar eröffnet, es wird ihn unzweifelhaft im Dölkerbundsrat sortsetzen und hier die gleiche Forderung erheben. 3e länger sich das diplomattsche Ringen hinzieht, desto heftiger werden sich die polittschen Leidenschaften im polnischen Volke aus toben und desto leichter wird es der Warschauer Regierung, Bestrebungen irgendwecher nationalistischen Verbände, z. D. der oberschlesischen Aufständischen, die man mit Leichtigkeit an d ie Danziger Grenze befördern farm, zu unterstützen, so daß dann eines Tages bewaffnete Banden über die Grenze vorbrechen und Danzig sehr rasch besetzen wie seinerzeit das litauische Wilna. Damit wäre dann auch für Warschau der Augenblick gekommen, mit regulären Truppen die »Ordnung wieder her zu stel len" und bei dieser Gelegenheit Danzig fest an den polnischen Staat zu binden. Wir sehen jedenfalls düster in die Zukunft, vor allem auch deswegen, weil das deutsche Voll infolge seiner politischen Zerrissenheit nicht dazu kommt, sich auf die Erfüllung nationaler Ausgaben vorzubereiten. Wie Warschau dementiert. „Entspricht im Augenblick nicht der Wahrheit". Warschau, 25. April. (TU.) Das regierungs- reundliche Blatt „Dzien Dobry" erklärt zu der Rachricht der Moskauer „Jswestia", wonach der polnische Slaatsvertreter in Danzig, Straßburger, den Völkerbundskommissar Gravina ersucht habe, polnische Truppen zum Schutze der polnischen Bürger in Danzig anzufordern, folgen- des: „Diese Information entspricht im Augenblick nicht der Wahrheit. Das bedeutet jedoch nicht, daß Polen auf die natürliche Pflicht des Schuhes seiner Staatsangehörigen verzichtet hat, namentlich dann, wenn die Ausschreitungen der deutschen Rationalisten in Danzig auch weiterhin das Leben und das Gut seiner Bürger bedrohen." Versuch zur Beilegung des Konflikts. Der Danziger Oberstaatsanwalt seines Amtes enthoben. Danzig, 25. April. (TU.) Die Pressestelle des Senats teilt mit: Ob erst aat sanwalt Schneider ist auf feinen Antrag von den Dienstobliegenheiten als Leiter der Staatsanwaltschaft in Danzig durch Beschluß des Senats enthoben worden. Die Amtsniederlegung ist mit Rücksicht auf die bekannten persönlichen Angriffe, die der diplomatische Vertreter der Republik Polen, Minister Strasburger, unberechtigterweise gegen den Präsidenten des Senats, Dr. Ziehm, gerichtet hat, erfolgt Zu dem aus politischen Gründen erfolgten Rücktritt des Danziger Oberstaatsachvalts ist zu bemerken: Der Präsident des Danziger Senats. Dr. Ziehm, hatte beim Danziger Völkerbunds« kommissar, Graf Gravina, eine von diesem schriftlich bestätigte Erklärung nieder gelegt, daß gegen den Freispruch des Danziger Eisenbahners Gengerski, der bekanntlich in der Rotwehr den polnischen Dureaubeamten Sthrbicki erstochen hatte, von der Staatsanwaltschaft ein Revisionsantrag gestellt worden sei. Ohne vorherige Befragung des Senats hatte einen Tag später der Leiter der Danziger Staatsanwaltschaft, Schneider, die Revision im Prozeß Gengerski aus dem juristisch- sachlichen Grunde der völligen Aussichtslosigkeit zurückgezogen. Don dieser Maßnahme der Oberstaatsanwaltschaft hatte aber der Danziger Senatspräsident feine Kenntnis gehabt. Minister Strasburger griff hierauf den Danziger Senatspräsidenten in unerhörter Weise an, in dem er erklärte, daß er als Vertreter Polens in Danzig nicht Erklärungen des Danziger Senats- Präsidenten zur Kenntnis nehmen könne, die mit der Wahrheit in Widerspruch ständen, Strasburger scheute sich nicht, zu behaupten, daß die polnische Regierung von dem Danziger Senatspräsidenten „in einer in offiziellen Beziehungen nicht üblicher Weise getäuscht worden sei". Er behauptete dies, obwohl der Danziger Senatspräsident wahrheitsgemäß nachweisen konnte, und nachgewiesen hat, daß er von der Zurücknahme der Revision nicht in Kenntnis-gesetzt worden war. Der Vorgang wurde bann mitbestimmend für das demonstrative Entlassungsgesuch Strasburgers. Oberstaatsanwalt Schneider hat durch sein Rücktrittsgesuch die Folgen aus der von ihm ohne Absicht heraufbeschworenen außenpolitischen Sachlage gezogen und seinen Abschied eingereicht, der vom Danziger Senat auch genehmigt wurde. Damit dürfte jeder Anschein einer Handhabe gegen den Danziger Senatspräsidenten Dr. Ziehm und weiterhin der Vorwurf der Hinterhältigkeit ober ber Unwahrhaftigkeit — ber übrigens in ber biplomatischen Umgangssprache mit Recht verpönt ist — hinfällig werben. Oberstaatsanwalt Schneiber ist somit bas Opfer einer vom Zufall herbeigeführten außenpolitischen Verwicklung geworben. Es ist aber zu erwarten, baß nunmehr auch Mini st er Strasburger nicht mehr auf seinen Danziger Po st en zurückkehrt, ba ein Diplomat, ber bas Oberhaupt ber Regierung, bei ber er akkrebitiert ist, in so unquali- fizierbarer Weise angreift unb verunglimpft, sich auf seinem Posten unmöglich gemacht hat. „Wann verschwindet Konsul Fauget?" Der Königsberger Spionageskandal noch immer nicht geklärt. Königsberg, 26. April. (TTk.) Unter dieser Tleberschrift bringt die „Königsberger Allgemeine Zeitung" einen Spihenartikel, in dem betont wird, daß die Forderungen, die das Blatt an den Königsberger Spionageskandal knüpfte, nach acht Tagen noch nicht in einem einzigen Punkt erfüllt seien. Immer noch wandle Konsul gauget durch die Königsberger Sttaßen, die schuldigen Offiziere seien noch nicht bestraft und von einer offiziellen Entschuldigung der Franzosen sei nichts 8 u hören. Das Blatt erinnert dann an die von französischer Seite vorgenommenen Ver- schleierungsvcrsuche, wonach der Konsul zufällig an dem Spionageausflug teilgenommen habe und fordert zum Schluß: „Wir erwarten, daß die Reichsregierung die Angelegenheit durch Frankreich weder verschleppen noch bagatellisieren läßt, wozu sie wahrhaftig nicht im geringsten angetan ist. Deutschland müßte nach unserer Ansicht die Möglichkeit haben, wenn die französische Regierung sich widerspenstig zeigt, die weitere Amtstätigkeit des Herrn Fauget als nicht genehm zu bezeichnen und seine Abberufung zu erzwingen. Ein Konsul, der am Ort seiner Tätigkeit jedes Vertrauen verwirkt hat und immer auf schärfste Ablehnung stoßen muß, hat das Recht der diplomatischen Gastfreundschaft verwirkt und mutz verschwinden!» Gir Eric Orummonds Besuch in Berlin. Besprechung von Drganisationsfragen. Die Abrüstungskonferenz. Berlin, 25. April. (LU.) Ueber den Besuch des Generalsekretärs des Völkerbundes Sir Eric Drummond in Berlin, wird eine amtliche Mitteilung nicht ausgegeben. Von gut unterrichteter Seite verlautet jedoch, daß der Generalsekretär mit dem Reichsauhenminister C u r t i u s über laufende Angelegenheiten, wie _ auch über Fragen des internen Dienstes des Völkerbundssekretariats gesprochen hat. Was die viel erörterten Personenfragen betrifft, so ist von deutscher Seite aus mit Rachdruck die Forderung auf paritätische Besetzung zur Sprache gebracht worden. Ueber den Posten des deutschen Untergeneralsekretärs Dufour-Feronce wird der Dölkerbundsrat im Mai eine Entscheidung zu fällen haben. Ueber die Besetzung des Postens des deutschen Mitgliedes der Informationsabteilung des Völkerbundes hat der Generalsekretär selbst Ende Mai zu entscheiden. Die materiellen Fragen, die besprochen wurden, behandelten die reibungslose Abwickelung der Ratstagung im Mai. deren Präsident der deutsche Außenminister sein wird. Wie erneut mitgeteilt wird, hat man übereineAbrüstungsvor- konferenz nicht verhandelt, dagegen dürfte sich der Rat in einer späteren Tagung mit der Organisation der technischen Vorbereitung der Abrüstungslonferenz befassen. Bekanntlich hatten dahingehende Pläne bestanden, daß das Sekretariat des Völkerbundes eine kräftige 216 - rüstungspropaganda betreiben soll, die allerdings dann auch einseitig zu Gun st en der englisch-französischen Abrü- stungsthese ausgefallen wäre. Runmehr wird versichert, es sei in der Unterredung zwischen Drummond und dem 2leichsauhenminister klar- gestellt worden, daß sich das Genfer Sekretariat einer eigenen Abrüstungspropaganda „selbstverständlich enthalten werde". Oie Krisis der Ktottenverhandlungen England lehnt die französischen Vorschläge ab. London, 27. April. (WTD. Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent des Arbeiterblattes „Daily H e r a l d" schreibt zu den Flottenverhandlungen, daß sie ein neues und kritisches Stadium erreicht hätten. 2lm Sams- ttrg sei dem französischen Botschaften Fleuriau erklärt worden, daß die britische Regierung nach reiflicher Erwägung die französischen Vorschläge nicht annehmen könne. Es sei angeführt worden, datz diese Vorschläge die französische Forderung nach freier Hand im Dau von Ersahschiffen während derIahre 1935/36 unverändert bestehen ließen, während Großbritannien in den gleichen Jahren de n Einschränkungendes Londoner Flottenvertrages unterworfen sei. Ferner fei darauf hingewiesen worden, dah bei Hendersons Besuch in Rom die italienische Regierung sich bereit erklärt hätte, Frankreich eine Ueber- legenheit der Tonnage in alten Kriegsschiffen zuzugestehen, während der französische Plan dies in eine Ueberlegenheit der Tonnage allermodern st en Fahrzeugen verwandeln würde. Die Rote bringe «wer zum Ausdruck, daß die britische Regierung das Zustandekommen einer Vereinbarung nach wie vor dringend wünsche. — Es verlautet, datz die britische Rote Gegenvorschläge enthält, die, wie man hofft, über den bei den Verhandlungen der Sachverständigen erreichten toten Punkt hinaushelfen werden. „Times" schrieb: Viel wird von der Antwort der italienischen Regierung auf die letzten französischen Vorschläge abhängen, die vielleicht den gleichen Gedanken- gangen folgen werden, wie die britische Rote, vielleicht auch nicht. Roch wichtiger wird möglicherweise letzten Endes das Ergebnis der f r a n° zösischenPräsidentenwahl zum 13. Mai fein. Das Arbeitsprogramm des Reichskabinetts. Noch keine Entscheidung über dcnButterzoll Berlin, 25.April. (WTB.) Das Reichskabinett setzte in seiner heutigen Sitzung unter Vorsitz des Reichskanzlers und in Anwesenheit des Reichsbankpräsidenten die Verhandlungen über das vorgesehene Arbeitsprogramm fort. Zur Erörterung standen insbesondere die auf agrar» politischem Gebiete zu treffenden Maßnahmen. Es ergab sich dabei die Notwendigkeit, Einzelheiten noch zunächst in Besprechungen der in Frage kommenden Ministerien zu klären. Auf Grund die- ser Ergebnisse werden die Beratungen des Kabinetts in der nächsten Woche weitergeführt werden. Im Mittelpunkt der Beratungen stand dabei naturgemäß der umstrittene Butterzoll, gegen den lebhafte Bedenken vorgebracht wurden, die besonders mit unseren handelsvertraglichen Beziehun- gen, der Industrieousfuhr und Der Senkung der Löhne im Zusammenhang stehen. In gut unter- richteten Kreisen hält man es angesichts dieser Schwierigkeiten für unwahrscheinlich, daß am Dienstag eine Erhöhung des Butterzolls beschlossen wird. Zunächst ist mit einer eingehenden Prüfung des Problems zu rechnen. Oer Kuliuseiat vom Landtag bewilligt. Das Landesiheater. Darmstadt, 25. April. Nach Beendigung der Debatte über die Landesuniversität wird am Freitag in die Erörterung über das Landestheater eingetreten. Abg. Dr. Leuchtgens (Ldbd.) fordert Entstaatlichung des Theaters. Darmstadt bleibe es überlasten, dann den Betrieb in anderer Form, etwa wie in Mainz oder Gießen, weiterzuführen. Die jetzige Regelung ist ein schreiendes Un-recht gegenüber dem Lande. StaatspräsidentAdelung verteidigt das Landestheater als Staatseinrichtung und Kulturfaktor. Heute stehe das Darmstädter Theater mit an vorderster Stelle der deutschen Theater dank der künstlerischen Leistungen der Theaterleitung. Falsch sei die Meinung, das Theater müsse als Lokalange-- legenheit Darmstadts angesprochen werden. Es ist wie andere Staatseinrichtungen eine Angelegenheit des ganzen Landes. Die Regierung wird mit der Stadt Darmstadt, die sich zu einer weiteren Erhöhung ihres Theateranteils bereit erklärt hat, weiter verhandeln. Abg. Dr. B e ft (VRP.) stellt fest, daß Darmstadt von allen Theaterstädten den Höch st en Anteil pro Kopf der Bevölkerung für sein Theater auswerfe. Der Staatszuschuß solle auf 350 000 Mark begrenzt und der Betrieb aufeinHausbe- sch rankt werden. Abg. Frau H a 11 e m e r (Z.) begrüßt die Einsparung von 300 000 Mark im Theateretat. Trotzdem möge die Schlüsselung zwischen Staat und Stadt mit 40 bis 60 Prozent (letzt 45 und 55 Prozent) versucht werden. Bei Aufhebung der Staatlichkeit hätte das Land eine hohe Pensionslast und auch Unterhaltungskosten zu tragen. Abg. Sturmfels (Soz.) begrüßt es, daß in Zukunft das Landestheater in den Sommermonaten in Bad-Nauheim spielen werde. Darmstadt könnte einen höheren Zuschuß leisten. Abg. D o n a t (Dem.) stellt fest, daß Darmstadt nicht bis zum Erträglichen beisteuere. Dah das Landestheater die Einführung des Tonfilms übernahm, kann man nur bedauern, wenn auch eventuelle Ueberschüste aus der Einrichtung für den Theateretat anzunehmen sein mögen. Abg. Dr. Keller (D. Vp.): Solange nicht die äußerste Not dazu zwingt, wird keine Regierung sich der Verpflichtung entziehen können, ihr Landestheater zu erhalten. Genau so gut wie für Preußen, Bayern, Württemberg oder Thüringen gilt das auch für Hessen, und zwar hier um so mehr, weil vertragliche Bindungen die Möglichkeit ausschließen, den Spielbetrieb kurzerhand abzubre- chen. Andererseits kann der Deutschen Volkspartei, der nicht der geringste Einfluß auf die finanziellen Verhältnisse wie auf die Darbietungen des Theaters eingeräumt ist, nicht zugemutet werden, daß sie in schwerster Zeit Steuermittel der gesamten Bevölkerung zur Verfügung stellt für eine Einrichtung, die sie nur dem Wesen nach billigt, nicht aberin der Gestalt, die ihr die augenblickliche Leitung und die Wünsche der sie stützenden Kreise gegeben haben. Die Kapitel des Kultusetats werden genehmigt. Die Anträge der Opposition werden fast sämtlich abgelehnt. Dienstag: Etat des Landtags. Oie Reichsreform. Em Schritt des Reichskanzlers auf die Initiative Luthers. München. 25.April. (TU.) Rach einer Mel- düng des „Bayerischen Kurier" aus Berlin, beslättgl cs sich, dah Reichskanzler Dr. Brüning in einem Brief an die Reichskanzlei von Badenweiler aus um die Ausarbeitung eines Entwurfes zur Reichsreform ersucht hat. Es wird angenommen, dah Reichsbankpräsident Dr. Luther die Anregung für diesen Wunsch des Reichskanzlers gegeben hat. Dr. Luther werde heute mehr denn je als führende Kraft bezeichnet, der sich mit allen Mitteln für eine Reichsresorm nach den Plänen des von ihm gegründeten Bundes zur Erneuerung des Reiches einsehe. Wie der „Bayerische Kurier" hört, ist zu erwarten, dah im Herbst im Reichstag ein Reformprogramm, das auch politische Bestandteile hat, oorgelegt wird. Kein Erfolg des Volksentscheids in Lippe. Berlin, 25. April. (TU.) Am 2. Dezember 1930 wurde im Lippeschen Landtag von den Ratio- nalfozialisten und den Dolkskonser- v a 11 d e n der Antrag auf Auflösung des am 6. Januar 1929 gewählten Landtages eingebracht. Der Landtag, in Dem die SPD. mit 9, die DNVP. mit 3, die DVP. mit 3, die Landoolkoartei mit 2 sowie die Demokraten, die Wirtschaftspartei, die Kommunisten und die Volksrechtpartei mit je einem Abgeordneten vertreten sind lehnte es ab, sich selb st aufzulösen. Infolgedessen kündigten die antragstellenden Parteien ein Volksbegehren an, das auch die übrigen nationalen Oppositionsparteien befürworteten mit Ausnahme der DVP. und des Evangelischen Valksdienstes, die ihren Wählern die Eintragung in die Listen freistellten. Im Volksbegehren wurden die erforderlichen 35 934 Stimmen bis zum gesetzlich vorgeschriebenen Termin erreicht und um 2000 Stimmen überzeichnet. Der Zeitpunkt für den damit gesicherten Volksentscheid wurde auf Sonntag, den 26. April, festgesetzt. Für die Durchdringung dieses Volksentscheids war Die Hälfte Der Stimmen aller Wahlberechtigten, Das finD etwa 54000 Stimmen, erforDerlid). Die hinter Dem VolksentscheiD stehenDen Parteien hatten bei Der Reichstagswahl am 14. September 1930 rund 46 000 Stimmen aufgebracht. Bei Dem Volks- e n t s ch e i D am Sonntag rourDen insgesamt 3 6 9 9 6 Stimmen abgegeben. Davon waren 35 032 Ja-Stimmen, 1180 Nein-Stimmen unD 784 ungültige Stimmen. An Den erforDerlidjen 54 000 Stimmen fehlen rund 19000, fo Daß Der VolksentscheiD keinen Erfolg gehabt hat. Oberbürgermeister Lautenschlager in Stuttgart wiedergewählt. Stuttgart, 26.April. (WTB.) Bei Der heutigen Oberbürgermeisterwahl haben von 248 702 Wahlberechtigten 165 658 gleich 63,8 v. h. abge- st i m m t. von Den 165 248 gültigen Stimmen erhielt Der bisherige Oberbürgermeister Dr.Laulen- s ch l a g e r, Der von Den SozialDemokralen, Den Demokraten, Der Deutschen volksparlei. Dem Christlichen volksDlenst, Der wirtschastsparlei und Den Deutschnalionalen unterstützt wurde, 115 178 Stimmen, Der kanDiDat Der Rational- s o; i a l i st e n, Hauptmann a. D. StaDtamtmann Dr. S t r S l i n - Stuttgart, für Den sich auch Die volksrechtpartei eingesetzt hatte, 25 814 unD Der kommunistische KanDiDat Reichstagsabgeord- neter T o r g l e r - Berlin 24 247. Forderungen des Landvolks. Geldern (Rh.), 27. 2lpril. (WTD.) Hier sprach Reichstagsabgeordneter Hepp von dev Christlich- Rationalen Dauern» und Landvolkpartei über „Deutsches Landvolk und Agrarpolitik". Hepp sagte u. a.: Der deutschen Landwirtschaft helfen, heiße, die Kaufkraft stärken, Kapital neu beschaffen und ein Fünfmillionen-Heer von Arbeitslosen wieder in den Arbeitsprozeß einzureihen. Zur Sanierung der Landwirtschaft in der gegenwärtigen Stunde sei erforderlich eine wirksame Zollpolitik, zu der der Regierung durch das jüngst beschlossene Ermächtigungsgesetz bedeutende Möglichkeiten in die Hand gegeben seien. Ein notwendiges Erfordernis sei ferner die Angleichung der Indexziffern an die Srei sgestaltung und die richtige Dege- ng steuerpolitischer Fragen. Hm die hohen Steuern zu verhindern, sei höchstes und erstes Gebot der Regierung, äußerste Sparsamkeit zu üben, vor allem den V e r w a l - tungsapparat des Reiches, des Staates und drr Kommunen zu vereinfachen. Aus aller Well. Ueberschwemmungskalastrophe im Wilnagebiet. Die Ueberschwemmung im Wilnaer Gebiet nimmt an Umfang zu. Besonders schwer ist die Stadt Wilna betroffen. Der Vilijn-Fluß hat einen Stand von etwa neun Meter erreicht. Den Anstrengungen der aufgebotenen Truppen ist es nicht gelungen, Das Elektrizitätswerk, Das nur einige hunDert Meter vorn Ufer Des Flusses entfernt ist, vor Den Fluten zu schützen. Der aufgerich- tete Damm rourDe Durchbrochen unD Die Wassermassen Drangen in Den Turbinenraum ein, so Daß Die Maschinen stillgelegt merDen mußten. Ganz Wilna ist ohne Licht. Nunmehr finD auch Die höhergelegenen StaDtoiertel in Gefahr. Drohend Umspülen die Fluten die alte Wilnaer Kathedrale. Bisher sind allein in Wilna mehr als 150 Häuser unter Wasser. Ungefähr 2000 Personen sind obdachlos geworden. Der greise Orthodoxe Erzbischof Theodosius von Wilna erlitt infolge starker Erregung einen Schlaganfall. Sein Leben ist in Gefahr. Schwerer Südweslsturm im Kanal. Im englischen Kanal herrscht ein schwerer Süd- weststurm, der von starken, fast tropen- artigen Regenfällen begleitet ist. Die Schiffahrt hat schwer zu leiden. In der Straße von Dover steht eine gewaltige See. Es gelang aber bisher noch, den Schiffsverkehr nach dem Festlande aufrechtzuerhalten. Die Verkehrsflugzeuge versehen ihren Dienst nur unter sehr großen Schwierigkeiten und mußten den starken Höhensturmen durch Tieffliegen aus- weichen. Werkspionage in Den Ceunaroerfen. Der Oberreichsanwalt hat gegen Den Spengler Becker, Den Oekonomieverwalter 21man, Die Frau Beckers und Den Gefreiten im 6. Reiterregiment Bollrath in Demmin sowie gegen fünf anDere Personen Anklage wegen Werkspionage und Verrats militärischer Geheimnisse erhoben. Der HauptangeschulDigte Becker, Der in Weißenfels in unmittelbarer Nähe Der Leuna» werke wohnte, hat Der französischen Spionagezentrale in Straßburg Betriebsgeheimnisse Der Leunawerke verschafft, und zwar mit Hilfe feiner Frau, Die als Aufwärterin bei Den Leunawerken tätig war. Der Oeko» nomieverwalter Aman, Der sich gleichfalls zum Zweck Der Spionage bei Den Leunawerken in Weißenfels angefieDelt hatte, nutzte feine verwanDt- fchaftlichen Beziehungen zu Dem ReichswehrfolDaten Vollrath Dazu aus, Diesen zur Preisgabe von Dingen zu bewegen. Die im Interesse Der ßanDes- oerteiDigung geheimgehalten merDen mußten. 3m Kraftwagen auf Der LanDstrahe ermordel. Auf einem einsamen Landwege in der Rahe des Dorfes Schloin bei Glogau wurde abends in einem Kraftwagen, der schon um die Mittagszeit an dieser Stelle bemerkt worden war, ein Mann aufgefunden, dem zwei Schüsse in die Schläfe beigebracht worden waren. Es stellte sich heraus, daß erdasOpfereinesRaub- mörders geworden war. Dei dem Ermordeten, dem Brieftasche und Geldbörse fehlten, während die goldene Ahr allerdings noch vorhanden war, handelt es sich um einen gewissen Walter, der bei dem Druckereibesiher Roesch in Oels angestellt war. Alles spricht dafür, daß Walter unterwegs einen Mitfahrer ausgenommen hat, der ihn erschossen hat. Mißglückter Ausbruchsversuch Des Fassadenkletterers kaßner. Der in Der Gollnower Strafanstalt feine mehrjährige Zuchthausstrafe verbüßenDe berüchtigte FassaDenkletterer Willy Kaßner machte in Der Nacht zum Freitag einen raffinierten, zum Glück aber mißlungenen Ausbruchsversuch. Kaßner hatte in seiner Zelle unbeobachtet einen Vorrat von Lebensmitteln aufgespart und sich auch Werkzeug verschafft. In Der Nacht brach er ein Loch in Die Wand zum KorriDor und schob mit einem Eisenstab Den Riegel vor Der Tür beiseite. Schließlich entfernte er Dis Blechoerschalung vor Dem Schloß und öffnete es mit einem Dietrich. NachDern er so auf Den KorriDor gelangt war, schloß er auch Die Tür zur Zelle seines Nachbarn, Des schon oftmals ausgebrochenen Zuchthäuslers ADolf Knack, Der noch acht Jahre Strafe abzu- büßen hat, auf. In Diesem Augenblick näherten sich Beamte. Katzner schloß seinen Komplicen roieDer ein unD ließ sich von Den beiDen Beamten sestneh- men. In feinem Besitz fand man u. a. zwei Tü- t«'n mit gemahlenem Pfeffer, ein Beweis Dafür, Daß es Den beiDen mit Dem Ausbruch ernst war und sie vor nichts zurückgeschreckt wären. Auch Farbentuben und Stiefelwichse hatte er bei sich, womit er sich unkenntlich machen und Die Spuren für einen Spürhund verwischen wollte. Kaßner ist bekanntlich schon einmal vor nicht langer Zeit aus Dem Zuchthaus Tegel bei Berlin ausgebrochen. Eine Hochstaplerin freigesprochen. Vor dem Schöffengericht Derlin-Mitte hatte sich Die Hochstaplerin IDa Michaelis wegen De- truges und ilrkundenfälschung zu verantworten. Sie ist verschiedentlich schon wegen einer Anzahl Hochstapeleien vorbestraft. Einmal gab sie sich als eine Verwandte Krupps von Dohlen-Halbach aus, ein anderes Mal gab sie an, eine Tochter des Reichskanzlers Michaelis zu fein, stets fuhr sie in D* Zügen erster Klasse und trat unter allerlei feudalen Ramen auf. In dem Fall, der diesmal zur Anklage stand, handelte es sich um eine Stratz e n b e k a n n t s ch a f t, die sie in München m i t einem Grafen Heimingen geknüpft hatte. Diesem Grafen gab sie sich als Tochter des Kammerherrn Freiherrn v.Malhahn aus. Auch hier kam es zu einer Verlobung, da Fräulein Michaelis dem Grafen Heimingen erzählt hatte, dah sie ein Vermögen von 6 0 0 0 0 0 Mark besäße. Sie selbst versuchte, dieses Verlöbnis wieder zu lösen, aber der Graf lietz nicht locker. Graf Heimingen wollte dann auch seinen zukünftigen Schwiegervater kennen lernen. Sie stellte daher einen Vries wechsel her, in dem sie Driefe an Heimingen unter dem Ramen des Schwiegervaters Malhahn schrieb und abtippte. Ms die Situation schließlich immer schwieriger wurde, verlieh Fräulein Michaelis den Grafen Heimingen. Das Schöffengericht sprach die Angeklagte aus rechtlichen Gründen frei, da hier keine betrügerischen Absichten zu finden seien, weil Graf Heimingen selb st grotzes Interesse gehabt hätte, sie zu heiraten. Dei den von ihr angefertigten Driesen ihres angeblichen Vaters an den Verlobten handele es sich um keine Hrkundenfälschung im Sinne des Gesetzes, sondern um eine schriftliche Lüge in Familienangelegenheiten. Der Staatsanwalt hatte gegen die Hochstaplerin ein Jahr Zuchthaus beantragt. Den Bruder beim Spiel erschossen. Der 14jährige Sohn Des Obermelkers Bednaz, Der auf seinem Gute in 9ägernDorf, Kreis Brieg (Schlesien), beschäftigt ist, erschoß beim Spiel mit einem kleinen Tesching seinen 11jährigen BruDer. Der Schuß traf mitten ins Herz, so daß Der ToD sofort eintrat. Der Täter rourDe, nachDern man ihn überall gesucht hatte, schließlich auf Dem Kirchhof entDedt, wohin er sich in feiner Ängst geflüchtet hatte. Elly Beinhorn hat Europa erreicht. Die Fliegerin Elly Deinhorn hat endlich Europa erreicht. Sie startete am Sonntag von Tunis, um über das Mittelmeer nach Catania auf Sizilien zu fliegen. Rach zweistündigem Fluge erreichte sie die Küste Siziliens und landete auf dem Flughafen von Catania. Elly Deinhorn wird voraussichtlich am Montagfrüh nach Rom weiterfliegen. Mit ihrem Eintreffen in D e r l i n ist im Laufe der Woche zu rechnen. Alte deutsche Musik in Washington. Im Rahmen des diesjährigen Kammermusikfestes wurde in der Fe st Halle der Kongreßbibliothek zum ersten Male in den Vereinigten Staaten eine Symphonie Friedrich des Großen aufgeführt. Das Reuhorker Philharmonische Orchester spielte unter Leitung von Gabrilowitsch, der vom Cembalo aus dirigierte. Das Orchester trug ferner das „DrandenburgischeKonzert R r. 6" von Dach vor. Heute wird der Stuttgarter Madrigalchor unter Leitung von Professor Holle alte deutsche und italienische sowie moderne deutsche Madrigale zum Vortrag bringen. Oie Wetterlage. Bären Ingo. .Jan Mayen. lydlsfjora O 6 itOC .om Wien Tours O 9 io i Pans O > — ——Tf ------Ul 55» 0 wolkenlos. ® neuer. ® nato oedecnt. »wonuo. • oedecu »Itepen * Schnee Graupein a Nebel K Gewiiter.@winds0iie.-O-' seW («Ichter Osi _p massiger Sudsudwesi Q, stürmischer nordwesl Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeicen Stationen stenenden Zahlen gehen die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mH gleichen! auf neeresnirfeau umgerechneten Luitdruck Wettervoraussage. Die atlantische Störung hat sich in zwei kleine geteilt, von Denen Die eine in südöstlicher Richtung bis nach WestDeutschland ihren Weg genommen hat. Dabei hat auch in unserem Bezirk rege NieDer- schlagstätigkeit eingesetzt. Die an Der Rückseite Des Wirbels nunmehr zusließende kühlere Ozeanluft wird einen veränDerlichen Witterungscharakter mit sich bringen. Die Temperaturen erfahren im allgemeinen einen Rückgang, unD bei wechselnDer Bewölkung roerben weiterhin einzelne Niederschläge auftreten, Die teilweise von Gewittererscheinungen begleitet finD. Aussichten für Dienstag: VeränDerliches Wetter, wechselnDe Bewölkung mit vorübergehender Aufheiterung, kühler, noch einzelne Niederschläge. Aussichten für Mittwoch: Weiterhin unbeständig, teils bewölkt, teils aufheiternd, vereinzelte Schauer. ßufttemperaturen am 26. April: mittags 13,5 Grad Celsius, abends 7,6 Grad; am 27. April: morgens 9 Grad. Maximum 14,6 Grad, Minimum 6,7 Grad. — GrDtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. April: abends 10,4 Grad; am 27. April: morgens 7,8 Grad Celsius. — Niederschläge 5 mm. —- Sonnenschein- Dauer y/i Stunden. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 27. April 1931. Meinung. Wir sagen meist etwas gewichtiger „Weltanschauung", wo im Grunde nur eine Meinung vorhanden ist, die mehr oder weniger begründet werden kann und begründet ist. Begründet mehr durch Bildunas- oang, Erfahrung, durch flüchtig Gelesenes oder Gehörtes, oft auch nur durch ganz oberflächliche eigene Betrachtungsweise. Man mache sich und andern nichts vor: Im allgemeinen ist von Weltanschauung im Bollgewicht der Bedeutung dieses Wortes nicht die Rede. Und es ist noch lange nicht sicher, ob man nicht beim einfachen Mann ebenso oft tief begründete Weltanschauungen finden kann, wie beim sogenannten Intellektuellen das Gegenteil zu entdecken ist. Denn Weltanschauung im tieferen Sinn ist nicht darauf gegründet, ob er einen Anzug aus bestem englischen Stoff trägt und ein Scheckbuch in der Tasche hat, sondern darauf, ob er sich selbstdenkend mit seiner Umwelt und seiner Zeit auseinandersetzt. Da aber so viele Formungen einer Zeit, ja fast alle, aus weltanschaulichen Grundlagen kommen, ist leicht die Wichtigkeit der Gestaltung des Weltbildes in jedem Einzelnen erkennbar. Fragt sich also, was unsere Zeit dazu tut, um das Beste zu erzielen, das in der Arbeit für diese Aufgabe erzielbar ist. Die Schule und andere Faktoren versuchen es bei den jungen Menschen. Mit mehr oder weniger Erfolg. Zu einem Teil werden doch nur Kenntnisse vermittelt, manchmal nur tote Buch- weisheit? die ein wenig stützen können, wenn es gilt, zur Schaffung einer Weltanschauung beizutragen. Soll das Höchstmaß dieses Zieles erreicht werden, so muh erst der gemeinsame Kulturwert gefunden sein, von dem aus sich für ein Volk die Schöpfung einer Weltanschauung ergeben kann. Und davon ist man heute noch weit entfernt. Denn man kann wohl das Spiel der Kräfte gelten lassen, das im Hin und Her, im Auf und Ab, den und jenen erfaßt und ihn hinführt zu einer gefestigten Weltauffassung. Aber die grundsätzliche Verschiedenheit der Grundlagen, von denen man heute ausgeht, zeigt ja, daß man zu sehr auf dieses Spiel der Kräfte achtet, aber zu wenig Gewicht leyt auf das Einigend«, unter dem sich alle irgendwie finden könnten und finden müßten. Die weiteren Wege mögen abzweigen nach Neigung, Bedürfnis, innerem Zwang, nach Stellung in der sozialen Struktur und nach dem Grade der Opferwilligkeit, die gefordert wird für die Durchsetzung der Weltanschauung. Denn eine Weltanschauung, die nur Privatsache ist und Passion für Mußestunden, ist zu nichts nütze. Aber auch eine Meinung ist nichts wert, die nicht gegründet ist auf die Ueber- zeugung von der Unoerrückbarkeit der Fundamente, auf die sie aufgebaut ist. Die Meinung soll erst dort einsetzen, wo die Weltanschauung bereits auf breiter Basis dem Dasein Halt und Festigkeit gegeben hat. Dort kann sie spielen nach eigener Lust. Aber die Weltanschauung, die wohlbegründete, die aus die Wurzeln des Seins zurückgreift, muß das Erste sein. Da man aber meist die Meinung für Weltanschauung nimmt, das schwankende Zweiglein für den starken Stamm, ist es nicht zu verwundern, daß sich so viel Unruhe, so viel unüberbrückbare Gegensätzlichkeit in unserer Zeit auswirkt. —r. Kulturelle Erwerbslosenveranstaltung in Gießen. Auf Einladung der Volkshochschule fand am Mittwochabend — wie man uns berichtet — «ine Besprechung verschiedener an den kulturellen Erwerbs losenveran st altun- gen interessierter Stellen und Vereine statt. Der Leiter der Volkshochschule wies einleitend auf den Sinn solcher Veranstaltungen hin. Man müsse von Dildungsabsichten absehen und lediglich Darbietungen bringen, die der Aufheiterung dienen. Daher sei auch trotz geltend gemachter und wohl zu würdigender Bedenken für die Erwerbslosen- Vorstellung im Gießener Stadttheater ein Lustspiel, und zwar Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung", ausgewählt worden. Sn der Aussprache unterstrich insbesondere Dr. T e - mesvary diese Ausführungen. Bezüglich der Finanzierung der geplanten Veranstaltungen wurde mitgeteilt, daß ein erheblicher Teil der Kosten durch einen kleinen Beitrag der Besucher aufzubringen sei; dadurch würde auch vermieden, daß die Erwerbslosen diese Veranstaltungen als bloße Wohltätigkeit empfinden. Doch wird ganz ohne Zuschüsse nicht auszukommen sein; so wurde die Aufführung von „Der Widerspenstigen Zähmung" nur dadurch ermöglicht, daß von auswärtiger privater Seite eine Spende von hundert Mark für diese Aufführung gegeben wurde. Sn eingehender Besprechung wurde das Programm der Veranstaltungen für das laufende Arbeits- Steuerfragen und Handwerksnot. Oer Vorstand der Hessischen Handwerkskammer zu den neuen Steuergesehen. Der Vorstand der Hessischen Handwerkskammer nahm in seiner jüngsten Sitzung in Anwesenheit von Vertretern der hessischen Finanzbehörden eingehend Stellung zu den durch die Äotverordnung geregelten bzw. in Aussicht gestellten Steuergesehen und den letzten steuerlichen Maßnahmen im Lande Hessen. Ausgehend von dem Grundsatz einer gerechten Lastenverteilung kam er zu folgenden Ergebnissen: Grundsteuerrahmengeseh. Durch die vorgesehene Heranziehung des Einheitswertes als Besteuerungsgrundlage ist eine ungerechte Verschiebung des seitherigen Delastungsverhältnisses unter den verschiedenen Gruppen von Grundeigentümern in den Bereich der Möglichkeit gerückt. Hm dies zu vermeiden, muß die Veube- wertung des Grundvermögens derart erfolgen, daß 'wesentliche Verschiebungen auch der Grundsteuerlasten nicht eintreten. Gewerbesteuerrahmengeseh. Die Heranziehung des Gewerbeertrages als einzige und vorwiegende Desteuerungsgrundlage führt — wie an praktischen Beispielen übe z uzend nachgewiesen wurde — zu einer unerhörten Höherbelastung der Klein- und Mittelbetriebe. Vach Ansicht des Kammervorstandes so." bei der Gewerbesteuer vorwiegende Besteuerungsgrundlage das Gewerbekapital sein, da die Gewerbesteuer, wenn überhaupt, so nur den einen Sinn haben kann, daß sie eine Ersatzleistung für die den Gemeinden und Ländern durch die Betriebe erwachsenden Kosten darstellt. Regierung und Abgeordnete sind deshalb zu bitten, sich für die möglichst obligatorisch zu gestaltende Heranziehung des jeweiligen Betriebsvermögens und der Lohnsumme als Desteuerungsgrundlagen neben dem Gewerbeertrag einzusetzen, wie es auch in dem Entwurf eines Steuervereinheitlichungs- gesehes aus dem Sahre 1928 vorgesehen war. Ferner ist aus eine stärkere Degression des Tarifs, aus die Abzugsfähigkeit des persönlichen Arbeitsverdienstes vom steuerpflichtigen Ertrag und auf die Einführung eines Anhörungsrechtes der Derufsvertretunaen, wie sie in Preußen seit langem besteht, hinzuwirken. Realsteuersenkung. Die Realsteuersenkung ist in ihrer Höhe, Sicherung, Finanzierung und Dauer unbefriedigend im Gesetz gelöst. Eine dauerhafte Senkung ist nur möglich mittels Aufgabenentlastung und richtigen Finanz- und Lastenausg^iches zwischen Gemeinden, Ländern und Reich. Die Finanzierung der Senkung durch die Sondersteuereingänge lähmt die Dauwirtschaft weiterhin und bringt die Gefahr einer Verewigung der ruinösen Sonder- gebäudesteuer mit sich. Eine Entlastung des Grundbesitzes und der Gewerbetreibenden wird in Hessen effektiv durch die Senkung deshalb nicht eintreten, weil die Grundsteuer zuvor um ein Mehrfaches erhöht, die Sondergebäudesteuer in vielen Fällen hinaufgeschraubt und die Gewerbesteuer nach Einführung des Rahmengesetzes insbesondere für die sehr große Zahl der Klein- und Mittelbetriebe sich ebenfalls über den Detrag der Senkung hinaus erhöhen wird. Vielmehr wird für die Handwerksbetriebe durch die vorgesehene Art der Steuervereinheitlichung eine effektive Erhöhung der Realsteuern zum mindesten vom Sahre 1932 ab per Saldo zu verzeichnen sein, der mit allen Mitteln entgegenzutreten ist. Steuervereinfachung. Unter den Dereinsachungsmaßnahmen befinden sich solche, die eine echte Vereinfachung für die Steuerpflichtigen nicht nach sich führen werden. Zu begrüßen sind die Erhöhung der Vermögenssteuerfreigrenze und die Einführung einer Hrnsah- steuerfreigrenze als echte Vereinsachungsmah- nahmen. Die Offenlegung der Cinhritswerte an Stelle der Zustellung von Bescheiden belastet unverhältnismäßig die zur Einsichtnahme gezwungenen Pflichtigem Vollkommen abzulehnen ist die in Aussicht gestellte gewerbliche Einheitssteuer und die Gemeindezuschläge hierzu, durch die die Cin- kommensteuerkraft des gewerblichen Mittelstandes übermäßig angespannt wird im Gegensatz zu den Leistungen der großwirtschaftlichen Kreise. Regierung und Abgeordnete sind zu bitten, sich der Einführung der gewerblichen Einheitssteuer in der vorhergesehenen Form zu widersehen und dafür Sorge zu tragen, daß ihr die Zustimmung im Reichsrat versagt bleibt. Sondergebäudesteuer. Die Erhöhung der hessischen Sondergebäudesteuer für Objekte, bei denen die Friedensmiete höher als 5 v. H. ist, hat sich weit stärker als erwartet ausgewirkt. Betroffen ist insbesondere der Geschäftshausbesih in guter Lage. Ungewöhnliche Härten entstehen durch die Einziehung insofern, als die ungenügenden Geschäftserträgnisse in der heutigen wirtschaftlichen Krisenzeit die Deckung erhöhter Sondersteuern nicht zulassen und eine Abwälzung auf die Mieten meistenteils unmöglich ist. Die Geschäftsmieten müssen im Gegenteil heutzutage fast Überall gesenkt werden. Zu verlangen ist eine sofortige Feststellung der Gesamtsumme der Mehrveranlagun- gen in Hessen, Streichung des über den voranschlagsmäßigen Betrag in Höhe von 500 000 Mark hinausgehenden Teils und Unterverteilung des Restbetrags auf die tatsächlich tragfähigen Objekte. Der in der letzten Zeit häufig propagierte Vorschlag auf Freilassung desjenigen Teils von der Sondergebäudesteuer, für den Reparaturen im Hause ausgeführt worden sind, verdient größtes Snteresse im Hinblick auf die Ankurbelung des Wirtschaftslebens. Es ist zu versuchen, die finanzpolitischen Hindernisse zu überwinden. Ferner muh Vorsorge dagegen getroffen werden, daß die enorme Steuerverschuldung der Geschäftsh au seigentümer ausgeglichen wird, die mangels genügender Geschäftserträgnisse in den letzten Sahren nicht in der Lage waren, die überaus hohen Sondersteuern zu entrichten. Der endgültigen Beseitigung der Sondergebäudesteuer muß größte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Die neue Ben) er hing des zwangsbewirtschafteten Grundbesitzes muh sich möglichst anlehnen an die heutigen Werte. Ob dies allein durch ein Vielfaches der Rohmieten bzw. Friedensmieten möglich ist, ist nicht sichergestcllt. Eine Kombination der Rohmiete mit dem früheren Wehrbeitragswert, beide in ein Verhältnis gesetzt zu den tatsächlich in der letzten Zeit erzielten Verkaufspreisen ist im Sinne der Vorschläge der Hausbesiherorganisation zu erwägen. Die Wertfestsehung mutz durch Sachverständigenkommissionen erfolgen. jahr im wesentlichen festgestellt. GS sind vorgesehen Chor- und Snstrumentalkonzerte, sportliche Vorführungen, sowie Filmvorführungen und Theatervorstellungen. Was die Organisation der Veranstaltungen betrifft, so wies der Leiter der Volkshochschule darauf hin, datz infolge der Haltung von Staat und Stadt gegenüber der Volkshochschule die Zukunft dieser Einrichtung gefährdet sei. Um daher die Weiterführung der Veranstaltungen sicherzustellen, schlug er die Bildung eines von der Volkshochschule unabhängigen Ausschusses vor. Dieser Vorschlag fand Annahme, ebenso der weitere, ebenfalls von dem Vertreter der Volkshochschule ausgehende, die Geschäftsführung der kulturellen Erwerbslosenveranstaltungen dem Arbeitsamt Gietzen zu übertragen. W. H. Bornotizen. — Tagcskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Sonntag des Lebens". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Dienstag, 28. April, 19.30 Uhr, erste Wiederholung von Schillers Tragödie „Die Sungsrau von Orleans"; neue Snszenierung, Spielleitung Sntendant Dr. Prasch, Titelrolle: Beatrice Doering. — Snfolge Erkrankung der Hauptdarstellerin mutz das Gastspiel Alfred Abel am Mittwoch, 29. April ausfallen. Da das Ensemble des Stadttheaters Gietzen am selben Tage in Marburg ein Gastspiel gibt, ist es nicht möglich, eine Ersatzvorstellung im Rahmen des Spielplans anzusehen. Das Theater bleibt daher Mittwoch geschlossen. — Freitag, 1. Mai, 19.30 Uhr, in neuer Snszenierung unter der Spielleitung von Sntendant Dr. Rolf Prasch Schillers romantische Tragödie „Die Sungsrau von Orleans" mit Beatrice Doering in der Hauptrolle. — Sonntag. 3. Mai, 18.30 Uhr, auf vielseitigen Wunsch nochmalige und letzte Wiederholung des Schlagerstückes der diesjährigen Spielzeit „Meine Schwester und ich", musikalisches Lustspiel von Berr und Derneuil, Musik Ralptz Benatzky, Spielleitung Sntendant Dr. Prasch. * ** Oesfentliche Sitzung des Kreis, a u s f ch u s s e s. Am Samstag, 9. Mai, 8.30 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusies des Kreises Gießen statt. Tagesordnung: 1. Klage des Ludwig Schneider und Genossen in Dillingen wegen Aufwertung von Einkaufsgeld. 2. Entziehung des Führerscheins des Otto Bender in Gießen. ♦* Eine wichtige Tagung des Hessischen Landeskirchentags. Der Hejsische Landeskirchentag wird am kommenden Dienstag für drei bis vier Tage zusammentreten. Er wird u. a. ein für das Leben der Landeskirche sehr wichtiges Gesetz, das sog. „Kirchenzuchtgesetz", zu beschließen haben. Es handelt sich dabei um das Verhalten der kirchlichen Organe bei Taufen, Trauungen, Beerdigungen und Konfirmationen gegenüber Andersgläubigen und Ausgetretenen. ** Schulpersonalien. Durch Entschließung des Ministers für Kultus und DildungS- wesen wurden die Studienreferendare Dr. Heinrich Fuchs, Hans Guth, Fritz Hornef. August Mayer, Dr. Georg Mayer, Dr. Kack Moritz Ohr, Sohann Karl Rees, Dr. Erwin S ch w e n d er, Dr. Hermann Otto V a u b e l zu Gietzen zu Studienassessoren ernannt ** Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Provinzialstraßenstrecke Grünberg—Hungen, Ortsdurchfahrt Hungen, ist jetzt wieder aufgehoben. . •• Straßenneubauten im Eich - gärtengebiet. Vachdem im vergangenen Sahre östlich der Eisbahn, als Verlängerung der Roonstratze, ein Stuck Straße von etwa 30 Meter Länge angelegt wurde, ist man zur Zeit dabei, diese Straße in der Richtung nach dem Philosophenwald weiterzusühren. Vorläufig soll sie nur bis zum Reubau der Pestalozzischule aus- gebaut und dort mit der von der Kaiseralle«! herführenden Wolsstratze vereinigt werden. " Ehrung von Hausangestellten« Dieser Tage fand — wie man uns heute berichtet — im kleinen Saale des Cafä Astoria diie vom Roten Kreuz in Gießen veranstaltete alljährliche Ehrung von Hausangestellten, die 20 und mehr Sahre in einem Hause gedient hatten, im Kreise ihrer Dienstherrschasten und des Vorstandes des Roten Kreuzes statt. Geehrt wurden Fräulein Elisabethe Maurer, 45 Sahre in der Familie Wetter, Südanlage 23; Fräulein Auguste Michaelis, 21 Sahre in der Familie des Fabrikanten Fritz Hein, Bismarckstrahe 46; Fräulein Elisabethe Abmann, 20 Sahre bei Fräulein Amalie Holzapfel, Frankfurter Str. 12. Den Subilarinnen wurden seitens des Hauptvereins vom Roten Kreuz silberne Droschen mit Widmung und Diplome gespendet. Bei deren Heberreichung wurden die Subilarinnen durch warme Ansprachen des Vorsitzenden des Zweigvereins vom Roten Kreuz, Oberstudiendirektor Dr. Baur, und der Vorsitzenden des Alice- frauenvereins vom Roten Kreuz, Frau Wilhelmine Cramer, ausgezeichnet und als Ehrengäste gewürdigt. ** E i n heftiges Gewitter mit starken Regengüssen und kräftigem Hagelschlag ging gestern gegen 15 Uhr über unsere Stadt nieder. Das Gewitter war das erste in diesem Jahre und führte zu einer Wendung in der Wetterlage, als deren Folge heute früh ein anhaltender Landregen niedergeht. Bei den elektrischen Entladungen schlug der Blitz in einen Pappelbaum bei der Schillerschule ein, von dem ein ganzes Stück herausgerissen wurde. Zum Glück wurde weiteres Malheur nicht angerichtet, ebenso ist uns bis zur Stunde aus der Umgegend keinerlei Schaden gemeldet worden. Der ausgetrockneten Erde mit den jungen Anpflanzungen kam der Regen sehr zustatten. ** Gin Einbruch wurde in der Nacht zum Sonntag in Rockenberg in der Gastwirtschaft von Landvogt verübt. Die Täter zertrümmerten, wie wir von der Landeskriminalpolizeistelle Gießen hören, eine Fensterscheibe und drangen dann mit Hilfe einer Leiter in die im Hochparterre gelegenen Wirtsräume ein. Sie machten es sich in dem Lokal sehr gemütlich, stärkten sich durch Speise und Trank auf Kosten des Wirts und verschwanden dann unter Mitnahme von 600 bis 800 Zigarren und 200 dis 300 Zigaretten. Die polizeilichen Nachforschungen sind im Gange. Zwischen 2 Zigaretten 3 ‘SWGthftl -Tabletten • O tO-*6 das/^ Pfund DIE FEINE PREISWERT WIE KEINE do* Spien, m« Gewinn sogar, 'Wenn sie . • • wozu alles rät — ■TÄÄS Ä-<**t*’ und bilbgen Margarine. Volkshalle Gießen W Samstag S.Mai 20 Uhr Orgien hinzuieißen . . . 2816 D Alzey, z. Z. 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Sie sollen nicht durch niedrige Preisstufen zur Geldausgabe angeregt werden, sondern Sie finden in allen Preislagen .... Morgen künden wir Ihnen Preise an, welche die gesamte Bevölkerung, die neue Frühjahrsware braucht, zu uns führen wird. Dienstag, den 28. April 1931, nachmittags 2 Uhr, sollen im „Löwen- Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung versteigert werden: PMWinteM Kreuzplatz 9 Neue Kundenkreise wollen wir werben, darum beginnen am Mittwoch, 29. April, unsere Werbetage 27/2 re neuesten Photos..» Schulstraße 6 zur Sprechstunde anwesend lassen Sie nicht zu Hause herum liegen, sondern kleben Sie dieselben in ein Album. Schönes Album, in einfarbig Leineneinband, wattiert. 18 Einlagen mit Zwischenlagenpapier RM. 2.50. Karten bei: Verkehrsverein, Selterew. - Loeb, Bahnhofstr. — Challier, Neuenweg im modernen Eisernen Bett Pressestimmen: London, Daily Chronlcle:... Kein Wunder, daß die im n euae Queens Hall siebenmal ausverkauft war ... Turin, La S’ampa: ... Ein genialer Dirigent... eine bewundernswerte Orchesterdisziplin ... rasender Beifall... Amsterdam, Alg. Handelsblad: ... vor ans verkauftem Concertuebouw starker Beifall... Basel, Basier Nachrichten: . . . Das Publikum rast . und wiederum toben die Zuschauer... Wien, Neues Wiener Journal: . . . Strauß verstand es, das Publikum zu wahren Beifalls- Klaviere, Schreibtische, Büfetts, ein Kleiderschrank, Oefen, eine Schreibmaschine, ein Motor, ein Radioapparat, eine Nähmaschine, ein komplettes Herrenzimmer, ein komplettes Speisezimmer, ein Kassenschrank, Stoffe, Regulatoren, eine Schnellwaage, Warenschränke, ein Trockenschrank, Billards, Diwane, ein Sofa, eine Rundkopfuhr, eine Registrierkasse, ein Märklin-Modell, eine Dampfmaschine, ein Eiskonservator, eine Kaffeemaschine, ein Bücherschrank, ein runder Tisch, zwei Stühle. 2941V Voraussichtlich bestimmt: zwei Garderobenständer, ein Sofa, zwei Nachttische, ein Kleiderschrank, ein Handtuchhalter, ein Nähtisch, drei Stühle, ein Teppich, eine Truhe, ein elektrischer Kochapparat, ein Christbaumständer, ein Ablauf- Oie glückliche Geburieines gesunden Zungen zeigen in großer Freude an Frau Zlse Heß, geb. ploch Dr. Werner Heß sowie auch für sonstige Bauhandwerter empfiehlt Edsav Novvman«, (Lisenhandlung KaufhausHANSAGießen ____________2572A Abholen und Zusenden kostenlos Amerik. 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Einwendungen dagegen können während dieser Frist schriftlich oder mündlich vorgebracht werden. 29420 Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Rabertshausen, den 27. April 1931. Hessische Bürgermeisterei Rabertshausen. R e i ch a r d t. Am Dienstag, dem 28. April ist der leitende Arzt zu billigsten Preisen I Mais „Cuxhaven" Marktstraße 23,Telephon2417 Gefuno Md m Nr. 97 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesfen) Montag, 27. April 1931 Der Geburtstag Roms. Ein Festtag der Arbeit. - Das Freizeitwerk. — Oer Wettlauf um die Million. Oie faschistische Aushebung. Don unserem v. O.-Derichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Rom, April 1931. Rom wurde am 21. April, geht man nach Te- rentius Darro, 2684 Jahre alt. Ein betagtes Haupt, dieses „caput mundi“. Cs hat einiges erlebt, seit der mit Wolfsmilch großgezogene Sohn des Kriegsgottes die älmrisse Roms mit einem Pflug in das Erdreich zeichnete. Die Gründung Roms wurde als Erinnerungs- tag der Schuljugend schon vor der faschistischen Herrschaft begangen, Mussolini erst hat den Geburtstag der ewigen Stadt mit neuem Inhalt erfüllt, und jetzt ist er ein amtlicher Feiertag für ganz Italien. Zu einem Geburtstag gehören sich Geschenke: so werden am 21. April stets zahlreiche öffentliche Arbeiten ein- geweiht, die seit dem 28. Oktober, dem Jahrestag des Marsches auf Rom, der ebenfalls zu einer Art Cröfsnungstermin geworden ist, fertiggestellt werden konnten. Je nach der Bedeutung der Geburtstagsgeschenke, die für die Ration bestimmt sind, erfolgt die ilebergabe mit mehr oder weniger großer Feierlichkeit und Aufwand an Galauniformen, wehenden Fahnen und ähnlichen Dingen mehr. In den letzten Tagen vor der Einweihung wird schnell noch die letzte Hand an die neuen Gebäude, Straßen oder Brücken gelegt, damit alles zu der meist mit viel Geschick ausgezogenen Zeremonie fertig ist — oder wenigstens so aussieht. Rom erhielt diesmal wieder einige neue Schulen, eine sehr nützliche Straße, ein großes Gefallenendenkmal auf dem Friedhof und für die Provinz u. a. einige Sanitätsstationen. Je mehr Italien seine Rückstände an solchen öffentlichen Einrichtungen aufholt, desto weniger vielseitig wird sein Geburtstagstisch ausgestattet. Durch die Zusammenlegung vieler privater, kommunaler und staatlicher Eröffnungsfeiern auf einen Tag werden die Ergebnisse des Arbeitsjahres aber in besonders wirksamer Weise zur Schau gestellt. Wozu das klingende Spiel, hat so mancher gefragt: andere Staaten leisten und bauen doch auch alles mögliche, ohne von ihren Werken so viel Aufhebens zu machen. — Man muh aber anerkennen, daß die Liebhabereien der Böller verschieden sind und daß die Faschisten sich sehr wohl auf die Berechnung bestimmter Wirkungen verstehen. Sicher verliert außerdem ein Feiertag, der bloß Erinnerungstag ist, bei der breiten Masse an Bedeutung, je mehr Jahre seit seinem Anlaß verstreichen. Das Prinzip, solchen Erinnerungstagen einen sichtbaren Inhalt zu geben, ist also entschieden klug. Menschlich ist es aber, wenn hier und da ein Festredner, der in irgend einer Provinz einen neuen Hain einweiht, Töne anschlägt, daß man glauben möchte, sein Patenkind sei ein rauschender Wald. Rach und nach sind übrigens die Reden und Manifeste bei solchen Anlässen immer mehr eingeschränkt und dem Fest der Arbeit, das mit dem Geburtstag Roms zusammenfällt, ein möglichst schlichter Charakter verliehen worden. Die „festa del lavoro“ erhielt in diesem Jahr eine programmatische Bedeutung durch eine Kundgebung, die das Zentrale Korporativkomitee, die Spihenorganisation der nach Produktionszweigen gegliederten italienischen Volkswirtschaft, dem König darbrachte, als Beweis der „Einigkeit, mit der die Italiener von heute ohne silnterschied der Klassen und des Besitzes, der Kategorien und Löhne in seinem Rainen und nach den Befehlen des Duce dem großen Ziel entgegenmarschieren". Während die Welt von Krisen beherrscht wird, will das italienische Volk zeigen, daß es durch „seine vorbildliche Ordnung und Einigkeit"' alle Schwierigkeiten überwinden kann. Seit dem letzten Fest der Arbeit ist nämlich der Llebergang von der sogenannten shndikalen (horizontalen) zu der korporativen (vertikalen) Gliederung, d. h. die Zusammen- fassungder Arbeitgeber und der Ar« beitnehmer gleicher Zweige, in die Wege geleitet worden. Mussolini hat ausdrücklich erklärt, daß es für ihn nur zwei Möglichkeiten gibt: Bolschewismus oder Korporativismus „tertium non datur". Für die Arbeitnehmer wurden an ihrem Festtag von den Verbänden des „Dopolavoro" Ausflüge und sonstige Belustigungen veranstaltet, die den 21. April in angenehmer Erinnerung erhalten werden. Das „Dopolavoro" — am besten mit Freizeitwerk zu bezeichnen — ist diejenige Organisation des Faschismus, die in verhältnismäßig kurzer Zeit die tiefsten Wurzeln in der breiten Schicht der Arbeiter und Angestellten geschlagen hat. Von der Fortbildung, der geistigen und körperlichen Ertüchtigung, verschiedenen Arten von Beistand ausgehend, erstreckt sie sich allmählich auf alle Gebiete des Lebens und hat entschieden schon viel zur Hebung des Niveaus und zur üeberbrüdung der Klassenunterschiede beigetragen. Das Dopölavoro widmet sich auch dem Zisl, allen Arbeitern die Schönheiten und historisch bedeutsamen Stätten der Heimat näherzubringen und die äsinterschiede zwischen Rord und Süd, West und Ost immer mehr zu verwischen. Der Geburtstag Roms eignet sich natürlich besonders zu Betrachtungen über die Größe des Vaterlandes, und so wird auch hier das 2In* genehme mit dem Rützlichen verbunden. Im Sinne des Mussolinischen Richtsatzes, die Kraft der Ration liegt in ihrer Devölkerungszahl, hatte der 21. April diesmal auch die Antwort auf die Frage zu geben: „W ieviele sind wir denn eigentlich?" Das Statistische Amt hat die Bevölkerung Italiens zum Ende des Jahres 1930 auf 41 923 000 geschäht, die 7. allgemeine Volks- zäHlung, l)ie gleichzeitig eine Berufszählung ist, soll nun genaue Unterlagen liefern. Seit Tagen wurde durch die Presse, durch Rundfunk und gewöhnliche Vorträge auf die Bedeutung dieses Ereignisses hingewiesen und das Land mit einer wahren Flut von Fragebogen überschwemmt. Damit niemand sich scheut, seine sozialen Verhältnisse zu enthüllen und nur ja alle Rubriken ausfüllt, steht auf den Formularen deutlich zu lesen: „Jeder fiskalische Zweck ist von der Zählung ausgeschlossen. Die gesammelten Daten sind durch das schärfste Dienstgeheimnis geschützt und werden nur in ihrer Gesamtheit bekanntgegeben." Andererseits weih jeder, daß er für lückenhafte Beantwortung der Fragen mit 2000 Lire gestraft werden kann. Die Bevölkerungszählung wird ergeben, welche Stadt Italiens in dem Wettlauf um die erste Million Einwohner am meisten Aussichten hat. Bisher marschiert R e a p e l mit rund 991 368 Bewohnern an der Spitze. An zweiter Stelle kommt Mailand mit 981 090 und dann erst Rom mit 958 100 Seelen. Dafür hat Rom im letzten Jahr den stärksten Zuwachs mit rund 43 000 aufzuweisen, während Mailand sich nur um 16 000 und Neapel um 15 700 vermehrt hat. Allq drei Städte möchten die Million im Laufe des Kalenderjahres erreichen. Wer wird Sieger? Die Königliche Akademie von Italien ehrte den Geburtstag Roms durch die Verteilung von einer Reihe von Preisen an Personen, die sich auf dem Gebiet der Wissenschaft und der Kunst der Jahrtausende alten ileberfieferung Roms besonders würdig gezeigt haben. Der Festakt fand in Gegenwart des Königspaares auf dem Kapitol statt. Die Gesamtsumme der Preise betrug etwa eine Million Lire, konnte sich als Geburtstagsgeschenk also sehen lassen. Der Kontinuität Roms wurde aber wieder durch die sogenannte faschistische Aushebung am sinnbildlichsten Ausdruck verliehen, weil die „Ieva fascista" ein Ehrentag der Jugend ist. Die Aushebung, diesmal ist es die fünfte seit der Gründung der faschistischen Iu- gendveroände, besteht in dem Aufrücken der jungen Schwarzhemden in die nächste Rangstufe. Die faschistische Jugend ist nämlich in drei Kategorien gegliedert: die „Balilla" umfaßt die Knaben vom 8. bis zum 14. Jahre, die „A van- Gießener Gtadttheater. Gast Piel des Mainzer Stadttheaters: „D e toten Augen" von d'Albert. Unter den Opern Eugen d' A l b e r t s sind besonders „Tiefland" und „Die totenAugen" zu einem festen Bestandteil unserer Opernspielpläne geworden. Dem letzteren Werke hat die in ihm versinnbildlichte Idee zu seinem Erfolge verhalf en. Im Mittelpunkt der Handlung steht die schöne, aber blinde Griechin Myrtocle, die Gattin des äußerlich mißgestalteten Arcesius. Da dieser ihr mit inniger, edelmütiger Liebe begegnet, glaubt sie, aus dem edlen Menschentum des Arcesius auf einen auch äußerlich schön gestalteten Menschen schließen zu müssen, und hat darum keinen sehnlicheren Wunsch, als ihr gesundes Augenlicht zu besitzen, um ihren Gatten in jener göttlichen Schönheit zu sehen, so wie sie ihn sich erträumt hat. Als der Heiland sie von ihrem Leiden befreit hat, vermeint sie in dem schöngewachsenen Freunde ihres Gatten, dem Aurelius Galba, der in stiller Liebe zu ihr entbrannt ist, Arcesius zu erkennen und umarmt ihm Ihren Mann aber erblickt sie, wie er, einem wilden Tiere gleich, den Galba aus Eifersucht erwürgt. Als sie den wahren Sachverhalt erfährt, beraubt sie sich des Augenlichtes, um dem Idealbild von Arcesius, das sie als Blinde in sich getragen hat, weiterhin leben zu können. Dieses Geschehen wird dadurch ganz besonders bedeutungsvoll, daß die ethische Anschauung der römischen Welt mit dcr Einstellung des Christentums in Gegensatz tritt. Myrtoc^s Urteil von ihrem Gatten: „Güte und Schönheit sind eins. Kein Mensch ist auf der Welt so gut wie du: so muht du auch der schönste sein unter allen Menschen", erweist sich als ein Trugschluß. Maria von Magdala berichtigt sie: „Richt an den Augen hängt des Lebens Glück. Du wuht verzichten auf dein eigen Glück": sie sieht die höchste Pflicht des Menschen in der Erfüllung der Rächstenliebe. Der vermeintliche Wert, den Myrtocle dem Augenlicht beimißt, soll nach den Worten des Herrn zu einem Unwert für sie werden. Als sie das Unheil, das chr das Augenlicht gebracht hat. in seiner vollen Größe erkennt, wird die Ethik des Christentums zum Vorsatz für ihr weiteres Handeln. Ja, ihr Mitleid geht so weit, daß sie ihrem Gatten gegenüber, dessen wahres Aeußeres sie ja mit Entsetzen gesehen hat. ableugnet, ihn mit ihren Augen erkannt zu haben. Daß es den Verfassern des Textbuches. H. H. Ewers und Marc Henry, daran gelegen hat, den Sicg christlicher Anschauungen zu zeigen, das beweist die Einrahmung des Operngeschehens durch das symbolische Bild vom guten Hirten. An dieser Tatsache ist man bei der Beurteilung des Librettos selbst bei der Uraufführung in Dresden (1916) vorüber gegangen, indem man das Vorspiel fortließ. Ebenso hat man an anderer Stelle versucht, das Erwürgen des Galba durch Arcesius dadurch zu mildern, daß sich Galba durch die Flucht seinem Gegner entzog: denn man glaubte, es nicht mit der weiteren Haltung der Myrtocle vereinbaren zu können, daß sie einem Mörder zuliebe ihr Augenlicht opferte. Aber im Gegenteil, gerade dadurch, daß sie selbst einem Mörder dieses Opfer zu bringen imstande ist, steigt sie in der sittlichen Bewertung. Desgleichen hat man die Erscheinung des Wunderarztes Kte- siphar als überflüssig, ja als lächerlich hinstellen wollen. Aber ist nicht sein Auftreten unbedingt notwendig, um die Tatsache zu erhärten, daß nach menschlichem Ermessen der Myrtocle keine Hilfe mehr zu bringen möglich war? Umsomehr konnte sich nach diesem Tiefstände der Hoffnung auf Gesundung die innere wandelnde Kraft des Heilungswunders bezeugen. d'Alberts Musck führt die Grundidee zu eindrucksvoller Auswirkung. Gewiß ist d'Albert in seinem Schaffen Eklektiker: persönliche Momente des Stiles wird man bei ihm wohl nur selten antreffen, um so mehr aber weiß er jeder Wendung in der Handlung geredjt zu werden, für jede Situation die ihr zustehende musikalische Fassung treffend zu finden. Wenn man den Eindruck, den man vor 15 Jahren gelegentlich der ersten Aufführungen dieses Werkä haben konnte, mit dem heutigen vergleicht, so erscheint manches Ungewohnte von damals heute als selbstverständlich: feine melodischen Wendungen erweisen guardia" ist für die 15- bis 18jährigen vorgesehen und mündet in die faschistischen Jugend» stoßtrupps, die als Zwischenstufe zwischen Avan» guardia und Miliz eingeschoben wurden, um der Partei einen reiferen Zuwachs zu sichern. Bisher wurde der Avanguardist direkt in die Miliz und damit schon mit 19 Jahren in die Partei aufgenommen. Am 31. März d. I. zählte die Balilla 647 398 und die Avanguardia 215 095 Knaben. Von der Balilla rücken diesmal etwa 110 000 in die Avanguardia, und von den Avanguardisti etwa 90 000 in die Jugendstoßtrupps auf, es ist also eine große Bewegung mit Paraden und Umzügen. Fahnenschwenken und Gesang. Bei der Vereidigung wird der Uebergang in die nächste Kategorie in symbolischer Weise vorgenommen. Auf einem Podium tritt, weit sichtbar, vor versammelter Front je ein Stvßtruppler, ein Avanguardist und ein Balilla an und überreichen sich die Wahrzeichen ihrer künftigen Uniform. Der Avanguardist erhält von dem Sloßtruppler das Halstuch in den Farben Roms und gibt dafür seine weißen Achselschnüre an den Balilla weiter, durch gegenseitige Umarmung wird dann die Aufnahme besiegelt, während alles in die Giovinezza. die Hymne des Faschismus, einstimmt. Rom ist wieder um ein Jahr älter, und uner- forschlich ist das Schicksal des nächsten: aber die Menschen, die hier im Zeichen der ewigen Stadt und na-sionaler Einheit um ihre Zukunft kämpfen, vertrauen weiter auf ihre Gröhe. S.Jl.-'fpoit Fußball der Gießener Mannschaften. Auf den Gießener Spielfeldern herrschte am Sonntag nicht allzu lebhafter Betrieb. Auf dem BfB.-Platz war es sehr still, auf dem 1900er-Platz trafen sich verschiedene Mannschaften. Auf dem Trieb standen sich am Bormittag die Liqareserve des VfB. und die 1. Mannschaft des FC. Daubringen gegenüber. Das Spiel, das die Hiesigen nicht in besonderer Form sah, konnten die Gießener mit 4:0 gewinnen. Das Ehrentor hätten die Gäste auf jeden Fall verdient. Die VfB.-Ligareserve ist nunmehr Meister der 1. Gauklasse. Mit einer durch das Wetter bedingten Verspätung begann das Spiel der 1. Mannschaft der Spieloer- etnigung 1900 gegen die 1. Mannschaft des Sportvereins 06 Alsfeld. Nach einem spannenden Treffen verloren die Blau-Weißen mit 2:1 und bereiteten damit ihren Anhängern eine schwere Enttäuschung. Die 1. Jugend spielte gegen die 1. Jugend des Sportvereins Alsfeld wenig ansprechend und erzwang lediglich ein Unentschieden 2:2. Süddeutsche Fußballmeisterschaft. Runde der Meister. Mit dem 4:2-Sieg, den die SpVg. Fürth vor 15000 Zuschauern gegen den SV. Waldhof errang, haben die Fürther ihren Vorsprung vor' ihren Rivalen im Rennen um die süddeutsche Meisterschaft vergrößert. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Fürth damit auch der süddeutsche Meistertitel zufallen. Eintracht Frankfurt muhte in München gegen Bayern München vor 25 000 Zuschauern eine nicht verdiente 2:1-Riederlage einftecken, wodurch sich die Bayern auf den zweiten Platz verschieben konnten. Im dritten Meisterschaftstrefsen des Sonntags gab ei die große sileberraschung, daß Wormatia Worms Llnivn Böckingen in Böckingen mit 5:0 abfertigte. Trostrunde Rordwest. Rach der Niederlage, die sich Phönix Ludwigshafen am Samstag bei Rot-Weih Frankfurt mit 2:1 holte, ereilte auch den VfL. Neu-Isen- burg das gleiche Schicksal: er wurde von der Niederräder Union mit 4:0 (2:0) empfindlich geschlagen. Zur endgültigen Feststellung des Gruppensiegers Nordwest wäre nun ein Entscheidungsspiel erforderlich. Nach einer Stuttgarter Meldung soll sich aber der Derbands- spielausschuh dazu entschlossen haben, den Vertreter zum Entscheidungsspiel gegen den Sieger der Trostrunde Südost, München 60, wegen der Terminnot zu ernennen. Voraussichtlich soll Neu- Isenburg zum entscheidenden ®ang_ bereits am kommenden Sonntag, 3. Mai, in München gegen 1860 antreten. — In Idar siegte der FC. überraschend hoch übet den FV. Saarbrücken mit 5:2 (2:0) Toren. Fußball in Hessen-Hannover. Die Ausbeute an Fußballspielen war auch am Sonntag in Hessen-Hannover recht mager. Besondere Erwähnung verdienen lediglich die Spiele in Kassel um die „Stadtmeisterschaft". Die Kurhessen fertigten die Hermannen hoch mit 7:3 ab, während Hessen 09 über Sport Kassel erst nach Kampf mit 4:2 die Oberhand behielt. Die Fuldaer Borussen weilten zu einem Freundschaftsspiel in Göttingen bei 05 und hatten Mühe, mit 2:1 siegreich zu bleiben. Unentschieden in Amsterdam Fußballkampf Holland —Deutschland 1:1 (1:0). Der Fußball-Länderkampf gegen Holland hat dem Deutschen Fußball-Bund ein besseres Ergebnis gebracht, als man auf Grund der schwachen deutschen Mannschaftsaufstellung erwartete. Gegen die sehr starke, sorgfältig ausgewählte und vorbereitete holländische Nationalmannschaft, die kürzlich noch Belgien schlagen konnte, erzielte die mit sehr gemischten Gefühlen in diesen Kampf entlassene deutsche Elf ein durchaus ehrenvolles silnentschieden von 1:1. Man muh zugeben, dah ein besseres Ergebnis für die Deutschen nicht verdient gewesen wäre, denn die Niederländer waren ihnen durchaus ebenbürtig und im Spielverlauf hatten sie sogar ein leichtes Plus. Sie waren schneller als ihr Gegner und griffen meist auch zügiger und entschlossener an. Man darf auch sagen, daß Deutschland mit einem anderen Tormann als Kreh die Partie glatt verloren hatte. Als er in Der 30. Minute der ersten Halbzeit doch einmal geschlagen wurde, da hatte Tap aus einem für Kreh unübersichtlichen Gedränge geschossen. Llebrigens war dieses Führungstor der Holländer auch verdient, denn sie hatten in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel. Zu Beginn der zweiten Halbzeit drängte Deutschland, dann wurde der Kampf ausgeglichener und gegen Schluß lag Holland wieder mehr im Angriff. Schlösser erzielte den Ausgleich. Die 6000 deutschen Schlachtenbummler unter den 32 000 Zuschauern freuten sich sehr, sie jubelten auch schon, als Lachner wenig später ein zweites Tor schoß, aber die Freude war verfrüht, der Schiedsrichter erkannte auf „Abseitstor". Die deutsche Mannschaft in dieser Aufstellung hat uns also nicht enttäuscht. Es gab natürlich Schwächen. So vor allem im Sturm, wo die rechte Seite recht schwach war und wo eigentlich nur Richard Hofmann genügte. Sehr nett spielte die Läuferreihe, deren bester Mann der unermüdliche Schaffer Knöpfle war und auch die Verteidigung ging an. Sie hatte allerdings auch in Kreh einen Mann hinter sich, der heute wahrscheinlich einer der besten Torhüter der Welt ist. * Am Vorabend des Länderspieles Holland gegen Deutschland fand am Samstag vor 6000 Zuschauern bei sehr schlechtem Wetter auf dem Ajaxplatze ein Städtespiel Amsterdam — Duisburg statt. Die Holländer siegten durch ihren Rieseneifer 4:2. sich auch heute noch als unverbraucht und durchaus eingängig beim Hörer. Die Klänge, die er dem Räigiös-Ethischen gibt, sind würdig und von innerer Weihe getragen, wie in der Erscheinung des guten Hiv.en und in der Szene der Maria von Magdala. Wo das Reinrr.enschliche duvchbricht, da verfolgt er alle Stadien der Leidenschaft, von tiefster Zerknirschung und Verzweiflung bis zum höchsten Jubel. Die Massenszenen geben sich mit beweglicher Lebendigkeit. Den höchsten Affert charakterisiert er mit dem gesprochenen Wort; einem Kunstmittel, zu dem er auch später bei den Chören in der „Revolutionshochzeit" greift. Das Orchester läßt er mit seinen Zwischenspielen das Geschehen auf der Bühne in weitestgehendem Maße ref.ertic.en; er unterstreicht die Handlung mit wuchtigen K.angaczeniien, v^r tag aaer ebenso in der un- begleiteten M.od.e (Vor Piel) Einidrmg i>ches zu sagen. Die musikalisch sehr reich bedachte Partie der Myrtocle fand durch Hanna Gorina eine Verkörperung, die man nahezu als ideal bezeichnen könnte. Ihr überaus gleichmäßig durchgebildetes und sehr klangschönes Organ folgte willig jeder Regung des Affesies mit starkem rnufifalifdjem Empfinden. Ihre Gestaltung der Myrtocle kennzeichneten menschliche Wärme und blutvolles inneres Erleben: groß in der hingebungsvollen Liebe: innerlich wahr in jeder Situation, in tiefster Verzweiflung, in höchster Beglückung, in aufopferungsvoller Ergebenheit. Herbert Hesse stand ihr ebenbürtig als Arcesius zur Seite. Obwohl der Text den Arcesius nicht so reichlich charakterisiert wie die Gestalt der Myrtocle, erfüllte er ihn dennoch mit dramatischer Kraft und tiefer Tragik. Mit ergiebigen klangvollen Stimmmitteln gab er überzeugende Kündung seiner innerlichen Größe: in Spiel und Gebärde verlieh er seiner Rolle ausgeprägte Verkörperung. — Galba soll als römischer Ritter der sehenden Myrtocle wie ein junger Apoll erscheinen. Hans Brandt ließ in seiner äußeren Haltung das an Lebensnahe vermissen, was seine Gegenspieler Myrtocle und Arcesius restlos erfüllten. Zumal bei ihm gilt es, Schwächen des Textbuches auszugleichen. Sein anzuerkennendes gesangliches Können reichte nicht hin, die darstellerischen Mängel völlig übersehen zu lassen. Meta Liebermann war eine ergebungsvoll auf das Wohl ihrer Herrin bedachte Arsinoe; musikalisch, gesanglich und darstellerisch war ihre Leistung ausgeglichen. Würdevoll, erfüllt von ihrer hohen Mission, gab sich Luise Strauß als Maria von Magdala. Die vier jüdischen Frauen waren charakteristisch; Anny Rieder als Ruth verdient besondere Erwähnung. Eine groteske Figur war Paul Berger als Ktesiphar. Hermann H e i l m a n n als stimmbegabter Hirt, August Stier als Schnitter verstärkten die symbolische Bedeutung des Vorspiels. Die Massenszenen waren organisch durchges altet; der Chor gab seinem Anteil die rechte Geltung. Adolf Kienzl weckte die Partitur zu klanglichem Leben bei seiner Differenzierung und wirksamem Unterstreichen der dramatischen Höhepunkte, treff ch in seiner Stabführung unterstützt durch die bewährten Kräfte des Orchesters. Die Inszenierung leitete P. W e i ß l e d c r. Bühnenbilder (Karl Löff- l e r) und nicht zuletzt die Beleuchtung (Ludwig Keim) halfen mit an dcr einheitlichen Auswir ung des Wer.es. Dr. H. Sockscbulnackrichten Es sind folgende Ernennungen erfolgt: Dem ort). Professor Dr. Herbert Koch von der Uniluusität ^Leipzig ist unter Ernennung zum ordentlichen Pros.ssor in der philosophischen Fakultät der Universität Halle der Lehrstuhl der klassischen Archäologie als Nachfolger von Professor G. Karo übertragen worden. In der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Münster wurde der nicht- beamtete außerordentliche Professor Dr. Peter T i s ch l e d e r zum ordentlichen Professor der Moraltheologie als Nachfolger des verstorbenen Prälats Jos. Mausbach ernannt. Dem bisherigen Privatdozenten Dr. Walker Holtzmann in Berlin ist das Ordinariat der mittleren und neueren Geschichte in Halle an Stelle von Professor Robert Holtzmann übertragen worden. Zur Wiederbesetzung des durch den Tod von Prof. Peham an der Universität Wien erledigten Lehrstuhls für Geburtshilfe und Gynäkologie, verbunden mit der Leitung der ersten Frauenklinik, ist ein Ruf an Prof. Dr. G. A. Wagner, Direktor der Charite-Frauenklinik, in Berlin ergangen. Kußballkampf Luxemburg—Westdeutschland 4:3. In Luxemburg-Stadt wurde am letzten April- sonntag vor 5000 Zuschauern ein Fußballkampf Luxemburg gegen Westdeutschland ausgetragen, den die Einheimischen mit 4:3 (3:2) knapp und nicht gana verdient gewinnen konnten. Westdeutschland, das seine besten Spieler an die deutsche Nationalmannschaft abgegeben hatte und das außerdem weitere gute Kräfte bei Meisterschafts- Endspielen gebrauchte, trat nur mit einer zweiten Garnitur an. Trotzdem hätten die Westdeutschen auf Grund des Spielverlaufes gewinnen können. Aber der Jnnensturm war nicht durchschlagskräftig genug und außerdem brachte der Tormann Stahl (Köln) durch sehr schlechte Abwehr die Mannschaft um die Früchte ihrer Arbeit. Luxemburg ging schon in der ersten Spielminute in Führung und erhöhte nach zwölf Minuten durch einen Strafstoß auf 2:0. In der 21. Minute verwandelte der Mittelläufer Kluck (Borussia Rheine) einen Elfmeter zum ersten Gegentor der Westdeutschen. Ein schwerer Fehler von Stahl im Tor trug den Luxemburgern in der 28. Minute den dritten Treffer ein. Köhler (Fortuna Düsseldorf) schoß zehn Minuten vor der Pause den zweiten Gegentreffer und derselbe Stürmer erzielte zehn Minuten nach dem Seitenwechsel für Westdeutschland den Ausgleich. Westdeutschland verpaßte nun verschiedene günstige Chancen, zum Sieg zu kommen. Als Luxenrburg in der 27. Minute einen vierten Treffer erkämpfte, gaben sich die Westdeutschen geschlagen. Kunstiurn-Meisterschasten -er OT. Kröhsch-Lelpzig Meister. Vor ausverkauftem Hause wurden am Sonntag in Essen die Kunstturn-Meisterschaften der Deutschen Turnerschaft ausgetragen. Die Meisterschaftskämpfe setzten sich zusammen aus je zwei Pflicht- und einer Kürübung am Reck, Barren und Pferd, sowie einer Kunst-Freiübung. Bon den 110 Turnern aus den 18 Turnkreisen fiel der Meistertitel an Krötzsch - Leipzig mit 184$ Punkten Den zweiten Platz belegte Tolmar-Hohenstcin Ernstthal 181$ Punkten vor dem Ex-Frankfurter Winter-Wuppertal Langenfeld, der nur mit großem Pech um den sicheren Sieg kam. Deutsche Waldlaufmeisterschast. Kohn (Teutonia Berlin) erringt den Titel. In Hannover kam am Sonntag zum erstenmal die Deutsche Waldlaufmeisterschaft gemeinsam von der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik und von der Deutschen Turnerschaft durchgeführt zur Abwicklung. Die zehn Kilometer lange Strecke führte durchweg über ebene Waldwege und durchweg gute, aber harte Slraßen. Mit 200 Meter Vorsprung blieb der Meister von 1929 Kohn. Berlin, vor Molitor. Polizei, Berlin. Sieger. Die Zeit des neuen Meisters war 34: 16,2. Der süddeutsche Weister, Helber I., Stuttgart, kam mit 35:00,2 aus den dritten Platz ein. Em neuer Segelflugrekord. Elf Stunden in der Luft. Dem Kasseler Segelflieger, Polizeioberleutnant Hentschel, gelang am gestrigen Sonntag auf dem Dörnberg ein Segelslug von 11 Stunden 1 Minute. Oberleutnant Hentschel hat damit nicht nur den von ihn selbst vor einiger Zeit aufgestellten Dörnberg- Rekord um 5 Stunden 6 Minuten überboten sondern auch den Rekord der Wasserkuppe, der bisher 9 Stunden 21 Minuten betrug. Der Flieger startete mit dem Segelflugzeug „Max Kegel" am Sonntagmorgen 8.13 Uhr am Südhang des Dörnbergs. Der Flüg wurde durch Böen, Hagel und Wetterschauer außerordentlich erschwert. Um 19.14 Uhr erfolgte die Landung, da die angebrochene Dunkelheit eine Fort- Atzung des Fluges nicht mehr gestattete Der Flieger hat teilweise eine Höhe von 900 bis 1000 Meter erreicht. Oie Autobus-Katastrophe bei Lille. t"11 . 'M............ Bei Lille in Rordfrankreich raste ein Borortzug mit voller Gewalt in einen mit Arbeitern und Arbeiterinen vollbesetzten Auobus. Neun Personen wurden getötet, etwa dreißig verletzt ’s ' • 6-, \ v j Sportfest -er Sol-ateu Divisions-Meisterschaften in Gießen. Die Meisterschaften der 5. Division, zugleich Aus- scheidungskämpfe für die in diesem Jahre wieder stattfindenden Heeres m ei st erschoften sind Dem hiesigen Bataillon übertragen worden. Die Wettkämpfe finden in der Zeit vom 15. bis 17. Mai auf dem Stadion der Universität statt und werden verbunden mit dem Sportfest des Bataillons. Die Leichtathletiksaison beginnt also in Gießen mit einem sportlichen Großereignis. Es wird mit der Teilnahme von etwa 200 auswärtigen Soldaten zu rechnen sein, die sich nach den Ausscheidungskämpfen innerhalb der Bataillone und Regimenter zur letzten Ausscheidung in Gießen treffen. Vertreten werden sein die Truppenteile aus Baden, Württemberg, Hessen, Kassel und Thüringen Das Bataillon beabsichtigt mit den athletischen Wettkämpfen massensportliche und reiterliche Dor- führungen zu verbinden, 'die im Vorjahre schon eine zahlreiche Zuschauerschaft auf den VfB. Sportplatz gelockt hatten und, die zusammen mit den vorzüglichen athletischen Leistungen einen Einblick in die vielseitige, körperliche und waffentechnische Erziehung der heutigen Reichswehrsoldaten boten. Kurze Sporinoiizen. Norddeutscher Fußballmeister ist der Hamburger SV. geworden, der im entscheidenden Spiel in Hamburg vor 18 000 Zuschauern Holstein Kiel mit 4:2 (2:1) schlug. Alle vier Tore für den HSV. schoß WoUers. Berlins Vertreter für die Deutsche Fußballmeisterschaft heißen wieder Hertha/BSC. und Tennis-Borussia. * Brandenburg gewann in Köln vor 7000 Zuschauern das Endspiel um den Hockey-Silber- schild mit 2:1 (Halbzeit 2:1) Treffern. In der Angelegenheit Vitau — La° dournöaue ist wegen der angeblichen Geldforde- rungen Ladoumögues zur Teilnahme am Frankfurter Hallensportfest nunmehr ein Urteil gefällt worden. Der allein schuldige Manager Vitau ist von allen Sportplätzen verwiesen und aus der sranzösi schen Managerliste gestrichen worden, nachdem sich erwiesen hat, daß Ladoumögue und sein Verein an der Affäre gänzlich unbeteiligt sind — Ladoumögue wird am 10. Mai in Marseille nicht mit Dr. Peltzer Zusammentreffen, da er in dieser Zeit unabkömmlich ist. Dr. Peltzer hat daraufhin ebenfalls auf den Stnrt in der südfranzösischen Hafenstadt verzichtet. Im Zwischenrundenspiel um die Deutsche Rugbymeisterschaft schlug in Berlin der SC. 80 Franksnrt die Berliner Tennis-Borussia mit 10:0. Frankfurt 80 und Odin Hannover tragen nun am 3. Mai in Heidelberg das Meisterschafts-Schlußspiel aus. r Otto Nerz, der Reichstrainer des Deutschen Fußball-Bundes, ist im Auslande sehr gesucht Im Sommer wird er in der Schweiz einen Kursus für Lehrer abhalten und im Frühjahr 1932 in Philadelphia an der dortigen Hochschule Vorlesungen über Association-Fußball halten Große (Straffammer Gießen. * Gießen, 24. April. Im August vorigen Jahres hatte im Cas^ Leib eine politische Versammlung stattgefunden. Da der Saal vollkommen beseht war, hatte der leitende Polizeikommissar angeordnet, daß niemand mehr in den Saal hineingelassen werden dürfe. Ein junger Mann von Gießen fühlte sich benachteiligt, weil ein anderer durch die Toilette hindurch noch in den Versammlungsraum gelangte, während er von einem Polizeibeamten zurückgewiesen worden war. Da er »meinte, der andere sei im Einverständnis mit dem Beamten in den Saal hineingekommen. beschwerte er sich bei dem Kommissar. Obwohl ihm dieser in durchaus ruhiger und sachlicher Weise Bescheid gab. den ohne Wissen der Beamten in den Saal sich eingeschlichenen Mann überdies aus diesem entfernen ließ, schrie und skandalierte der Beschwerdeführer derart, daß er mit Gewalt entfernt werden mußte. Er wurde wegen Ruhestörung angezeigt. Bei seiner Vernehmung übergab er ein Schriftstück, in dem er den Polizeibeamten „Frechheit" und „Gemeinheit" vorwarf. Diese Beleidigungen hielt er wiederholt aufrecht. Das Amtsgericht verurteilte ihn deswegen zu fünf Tagen Gefängnis Nur mit Rücksicht aus seine Jugend und fettfcrfge Hnbestraftheit erkannte das Berufungsgericht auf eine Geldstrafe. Broipreis Erhöhungen. Mainz, 26. April. (WSN.) Die Bäcker und Brotfabriken geben bekannt, daß sie infolge der steigenden Mehlpreise gezwungen ftnb, ab Montag den Preis für das zwelpfündige Mischbrot erste Sorte um 2 Pf. auf 48 Pf. und für das zweipfündige Mischbrot zweite Sorte und Roggenbrot um 3 Pf. auf 43 zu erhöhen. Dillenburg, 25. April. (WSN.) Eine Versammlung der Bäckerzwangsinnung für den Dillkreis hat beschlossen, den Preis für das Dreipfund-Brot von 65 auf 68 Pf. und für das Dierpfund-Brot von 70 auf 75 Pf. zu erhöhen. Die Innung sah sich zu dieser Maßnahme infolge der neuerdings erfolgten Verteuerung der Mehlpreise veranlaßt. -- A Oberbeffen. Gemeinderai in Grünberg. + Grünberg, 23. April. 3iV bec letzten Gemeinderatssihung wurde u. a. folgendes verhandelt: Die Erhebung eines Zuschlagszur Wanderlager st euer seitens der Gemeinde, wie dies laut Gesetz vom 25. März d. I. zulässig ist, wurde in Höhe von 100 Prozent des staatlichen Steuersatzes (in Gemeinden bis 3000 Seelen 160 Mark) beschlossen. Begründet wurde dieser Beschluß mit dem Schutze des heimischen Gewerbes. Hm die vorbereitenden Arbeiten für ein Schwimmbad zu leisten, wurde die Einsetzung einer Kommission beschlossen, die außer den Mitgliedern der Daudeputation den Direktor der Oberrealschule, den Rektor der Volksschule, sowie die Vorsitzenden von Turnverein, Eisverein und Zweigverein des VHE. umfassen soll. Weiter beschäftigte man sich mit der Anschaffung einer Klein-Motorspritze, deren Preis bei einer 600—800-Literleistuna pro Minute sich auf etwa 4100 Mark stellt. Während einerseits durch Rabatt eine Ermäßigung eintritt, kommen anderseits die Kosten für eine elektrische Lichtanlage. *otoie 100 Meter Schläuche hinzu, so daß rund 4000 Mark nötig sind. Al- sichere Zuschüsse zu den Kosten stehen in Aussicht der Betrag von der Brandversicherungskammer mit 1700 Mark, von der Dezirkssparkasse mit 1000 Mark, und vom Vvrschußverein mit ‘ 300 Mark, so daß die Stadt etwa 1000 Mark aufzulringen hätte, die dem Mobiliar-Erneuerungsfonds entnommen werden sollen. Die Anschaffung einer Motorspritze von der Firma M a g i r u s in Hlm wurde beschlossen. Die Ablehnung eines Daugesuches an der Höfentränke durch das Hochbauamt und die von diesem Amt geforderte Aufhebung der dortigen Baufluchtlinie an der unteren Dis- marckstraße gab zu einer längeren Aussprache Anlaß. Allgemein ist man gegen die Aufhebung, da dann die Provinz die Führung der Autostraße an dieser Stelle und weiter durch den fiskalischen Schloßgarten planen würde, deren Herstellung der Stadt schwere finanzielle Opfer auferlegen wurde. Die Aufhebung der Baufluchtlinie wurde daher abgelehnt. Eine längere Aussprache löste auch die Frage der Rückerstattung der Straßenher- stellungskosten in der Theo-Kochstraße aus. Das abgeänderte Ortsbaustatut besagt, daß in neu hergerichteten Straßen die 'Anlieger die Herstellung der Kanalisation tragen sollen, über etwaige Zuschüsse der Gemeinde beschließt der Gemeinderat. Während seither, sowie bei alten Straßen, die Kosten des Hauptstranges von der Stadt getragen wurden und die Anlieger nur Das SchiMa« spricht das I«A« Wort Roman von I. Schneider-Foerstl. Hrheber-Dechtschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 4. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Der kleine Tempel trug einen so fröhlichen architektonischen Stil, daß man eher versucht war, ihn für eine Vergnügungsstätte der Lebendigen als eine Ruhestätte der Toten zu halten. Hier nun lagen alle die Lippstädter vereint und störten einander nicht mehr. Es schliefen allda: die beiden Grafen Eduard und Rainer, die Richard Löwenherz auf seinem Siegeszug begleitet und den Tod in den Fluten der Donau gesunden hatten, die schöne Sigurd, die Viktors Hrgroßvoter sich aus dem Nordischen geholt und die in der Blüte ihrer achtzehn Jahre mit dem ersten Kind ihr Leben geopfert hatte. Hier lag auch die Mutter, die Viktor als kaum Vierzehnjähriger verloren hatte. Sein Fuß hatte einen Stein gelodert, der nun ein Stück den Hang hinabkollerte und unten gegen einen Marmorsockel stieß. Der alte Lipp- städt schob das Gezweig zur Seite und nickte dem Sohne zu. „Das ist das Müßigste, was man tun kann: Zu grübeln, was sein könnte, wenn ..." Er sprach nicht zu Ende und setzte sich auf die Dank, die unter den Weiden stand. Viktor nahm neben ihm Platz und hielt die Arme zwischen den Knien. „Hast du nie mehr etwas von Mutters Verwandten gehört?" „Dv meinst von deinem Großvater?" „3a!" „Nichts mehr! Nein!" Der alte Lippstädt schluckte, als habe er etwas Bitteres hinabzuwürgen. „Der Kerl! Er wird wohl wissen warum! 3ch schick ihm seine Tochter nach 3ava, Weill er nimmer und nimmer zu betteln aufgehört hat und er gibt sie mir als Tote zurück." „Er konnte doch nichts dafür, Vater!" „Dafür nicht, nein! Aber, daß er das Kind behalten wollte, deine Schwester. Der Narr! Er hat wohl geglaubt, er könnte sich mit seinen Millionen mein Fleisch und Blut von mir erlaufen. Ha! Lassen wir s! Das ist gewesen! Ist gewesen, mein Junge!" Hnd dann in verbissener Wut: „Der hat mir's natürlich gegönnt, daß die Kleine der Mutter so rasch in den Tod gefolgt ist. Der Schuft! Hnd gespart hat er auch noch dabei! Er hat nur einen Sarg von Java herüber zu transportieren gebraucht." „Vater, wie kannst du so ungerecht sein!" „Din ich das? — Na, warte nur, Junge, wenn du einmal Kinder hast und es kommt einer und hat die Frechheit, zu sagen: ,Gib mir eins davon, ich zahl' dir 'ne Million oder zwei, so viel du willst, ich hab's ja!‘ Dann machst du's wie ich: Nimmst eine Peitsche und haust den Kerl zum Teufel. Ich hab's bis heute nicht bereut und wenn's zum Sterben geht, dann fahr ich lieber in die Hölle, als daß ich dem Mulatten das verzeihe!" „Vielleicht hat er's gut gemeint", suchte Viktor zu beschwichtigen. Der alte Lippstädt lachte grimmig auf: „Du hast ihn nicht gekannt! Der rnacht's wie der Satan und kapert dir, bis du dich umschaust, die eigne Seele weg. Ich hätt's gerne, wenn deine Schwester jetzt neben mir herginge. Sie würde zwanzig sein und wohl auch schön, wie die Mutter. Aber ehe ich sie dem stiernackigen Kaffeekrämer gegeben hätte, lieber weiß ich sie in den Armen ihrer Mutter tot. drunten bei den andern, denen nichts wehe tut." Viktor sprach kein Wort mehr entgegen. Der Vater hatte recht. Dlut gehörte zu Dlut. Ein Schuft, der es verschachert. Er schob zum Zeichen innerster Zusammengehörigkeit seine Hand in die seines Vaters und ließ sie darin ruhen. Den Kopf zurückgeneigt, ließ er das Mondlicht durch die geschlossenen Lider rinnen. So sah er nicht, wie ihn der Vater aufmerksam betrachtete. Hundertmal schon hatte der alte Graf sich gefragt, wie der Junge zu diesem Gesicht gekommen war. Lippstädtisch war es nicht. Noch weniger glich es dem der Mutter. Es zeigte einen ausgesprochen südländischen Typ. ®ie Wangen waren schmal umrissen, die Schläfen sachte eingebuchtet. Waren die Augen blau wie die Nacht? Oder waren sie schwarz wie Wasser, das aus unergründlichen Tiefen schimmert? Wer vermochte das zu sagen? Sichelförmig lagen die Dräuen darüber. Nur der Mund — der stand in Trotz und Weichheit geschwungen. Der, aber auch nur der war Lippstädtisch. Den Sohn auf die vorgeneigte Schulter klopfend, erhob sich der alte Graf. „Geh n wir schlafen, Viktor. Ich glaub, 's gibt ein Gewitter heute Nacht. Mich reißt's in allen Knochen." Da er keine Antwort bekam, faßte er nach Viktors Händen und zog ihn hoch. „Wenn's sie tief fitzt, mein Junge, dann nimm in Gottes Namen Helm und Säbel und fahr zu ihrer Mutter und bitte um 3a und Segen. Mehr als hinauswerfen kann sie dich nicht!" Viktor seufzte und hob sich langsam empor. „Ein Hauptrnannsgehcllt reicht schließlich auch für zwei." »Für drei, wenn es sein muß", tröstete der Alte und räusperte sich. „Lassen wir's genug sein für beut’. Der Lex geistert schon wieder zwischen den Däumen. So ein tollet Kauz! Meint wahrscheinlich, ich könnt' mich einmal an einem Lindenast ausknüpfen!" „Solche Gedanken trägst du, Vater?" Aus jedem Worte Viktors schrie die Angst. „Na. Spaß macht mir das Leben, so wie es ist, gerade nicht mehr! Aber aufhängen? Nee! Sorg dich nicht, Viktvrchen. Don den Lippstadtern ist zwar nicht jeder in einem Federbett gestorben, aber aufgehängt hat sich noch keiner." Er lachte verstohlen, denn Lex verschwand foebert hinter den Platanen Gleich darauf klappten auch die Flügel des Portals zusammen. Viktor drehte den Schlüssel und stieß ben schweren Riegel vor. Zehn Minuten später erlöschte das letzte Licht auf Langenbach. Die Frösche quakten unermüdlich weiter und die weißen 'Blüten der Rhododendron schimmerten aus dem Dlattwerk, das sie umschloffen hielt. Die Erde atmete nichts als Frieden. * * * Hedwig Dloem traf so umfangreiche Vorbereitungen für die Weltreise ihres jüngsten Sohnes, daß dieser aus dem Staunen nicht mehr herauskam. „Wo soll ich denn das alles unterbringen, Mama? 3n drei Koffern Drei Schränke muh ich wohl haben." Er bückte sich nach der Seidenwäsche, die in diskreten Farben über Bett und Diwan aus- gebreitet lag. Man mußte unbedingt mit Lutz sprechen. So viel Gepäck war hemmender Ballast. Schließlich bekam man all das Zeug, um das die Mama jetzt so besorgt war, in jeder Stadt, an jedem einigermaßen größeren Fleck der Erde und brauchte es nicht erst von Wien mit durch die halbe Welt zu schleppen. Wenn Thomson sich auch mit so viel unnützem Kram belastete, konnte man ein Warenhaus damit eröffnen. Heberhaupt Thomson. Thom hatte das Gefühl, als wolle Lutz ihm diesen gleichsam als Amme mitgeben. Allein wäre es amüsanter gewesen. Frau Hedwigs Kopf fuhr hoch, als er sie mit der Frage überraschte: „Sag. Mutter, warum heiratet Lutz eigentlich nicht?" „Er ist doch erst achtundzwanzig, Thom!" „Erst?" Die Füße gekreuzt, sah er auf der Seitenlehne des Toilettesessels und spielte mit der Troddel des seidenen Pyjamas, der auf der Rückenlehne hing. „Evelin ist doch nun auch schon heiratsfähig, nicht?" „Gott, Thom, du machst mich nervös!" Sie legte zerstreut ein sorgsam gebündeltes Dutzend Taschentücher zwischen ein paar grob genagelter Stiefel, die für Bergpartien berechnet waren. „Sprich bitte nicht derlei vor Evelin. Sie denkt noch nicht daran!" „Dummes, kleines Muttel!" Er ließ die Troddel fallen und umfing die schlanke Gestalt der Mutter. „Weißt nicht einmal, wie verliebt deine Tochter ift!“ „Thom! — Die Evelin?" Hinter der erschrockenen Frau kollerte ein Stapel Hemden zu Boden. „Sag, Thom!" „Natürlich, Mutter, wer denn sonst? Lutz hat erst gemeint, ich sollte schweigen. Aber nun hat er wohl eingesehen, daß es besser ist, wenn du darum weißt. Heute früh hat er befohlen — es gibt Tage, an denen er überhaupt nur befiehlt — du wirst Mama aufklären, daß Evelin mit dem Grafen Lippstädt ein Verhältnis hat." Weiter kam Thorn nicht. Er hatte gerade noch Zeit, der Mutter einen Stuhl zuzuschieben. „Ich bitte dich Mama! 3n diesem Alter läßt sich doch jedes junge Mädchen den Hof machen. Du wirst sie doch nicht einbalsamieren wollen, bis sie eine alte 3ungfer ist." Frau Hedwig hatte sich wieder gefaßt und strich sich über das erblaßte Gesicht. „Du hast dich getäuscht!" „Aber warum soll ich mich denn getäuscht haben, Mama? 3ch hege ja gewiß auch keinerlei Sympathie für diesen Mann mit dem Flimmergesicht und der Arroganz, als ob seine Vorfahren römische Kaiser gewesen wären. Aber das ändert doch nichts an der Tatsache und darauf kommt es ja schließlich auch gar nicht an. Wenn Evelin justament in diese Gattung Mann verschossen ist, was willst du dann machen?" „Thom, diese Sprache!" bat die Kommerzienräten entsetzt. Er wurde verlegen und bückte sich nach den Wäschestücken, die noch immer auf dem Teppich lagen. „Entschuldige, Mama, wenn ich mich etwas burschikos ausgedrückt habe. Vielleicht imponiert es dir, einen Grafen zum Schwiegersohn zu bekommen. Vielleicht .. „Du schweigst!" Zwei erschrockene Augenpaare wandten sich beim Klang dieser Stimme nach der Tür, an deren Schwelle Lutz' hohe Gestalt auftauchte. Er sah verärgert auf den Bruder unb dann mit einem leichten Anflug von Sarkasmus nach der Mutter hin. 3n seiner Stimme war keinerlei Erregung mehr, als er nun sagte: „Aus- landpaß und Schiffskarte sind heute für dich eingetroffen, Thom. Du kannst also ab morgen reifen. Laß mich nun für eine Viertelstunde mit Mama allein! Ja, bitte?" „Sofort!" Thom war zwar nicht erfreut darüber, so auf Befehl verschwinden zu müssen. Aber Serenissimus war ungnädig. Da war weder im Scherz noch im Trotz etwas mit ihm zu machen. Gehorsam drückte er die Türe hinter sich zu. „Warum in aller Welt hat Mama so etwa- wie Furcht vor Lutz, etwa Demütiges, wenn sie mit ihm spricht, gar nicht als ob er ihr Kind, eher als ob er ihr Gebieter wäre?" (Fortsetzung folgt) für ihre Anschlüsse aufzukommen hatten, soll nun zum ersten Male diese Reuregelung ein» treten. Hierüber war man verschiedener Meinung, ein Teil der Gemeinderäte wünschte Teilung der Kosten, während ein anderer Teil für di« Anlieger der neuen Straßen die gleiche Behandlung wie bei alten Straßen forderte. Die Sache wurde nochmals vertagt. Landkreis Gichen. £ Wieseck, 27. April. Am Samstagabend hielt der Landwirtschaftliche Konsum- v e r e i n e. G. m. b. H. seine Frühjahrsgeneralversammlung ab. Geschäftsführer Hildebrand erstattete den Geschäftsbericht, aus dem zu entnehmen war, daß der Verein auch mit dem Abschluss des Geschäftsjahres 1930 zufrieden sein kann. Derbandsrevisor Iolk gab Bericht über feine Rcvisionstätigkeit und die Bilanz. Der Warenumsatz im Geschäftsjahr 1930 betrug Mark 277 677,98, gegenüber 296 462,36 Mk. in 1929. Der Gewinn aus dem Warenumsatz betrug 36 455,17 Mark, wovon für Derwaltungskosten 8166 Mart und für Steuern 3739,47 Mark in Abzug zu bringen sind. Rechnet man die notwendigen Abschreibungen noch ab, so verbleibt ein Reingewinn von 24 113,12 Mark gegenüber 25703,14 Mk. in 1929. Die Rückvergütung wurde der Generalversammlung mit 7,5 Prozent vorgeschlagen und von dieser entsprechend dem Vorschlag beschlossen. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. In der Aussprache wurden noch verschiedene Dereinsan- gelegenheiten erörtert. • Alten-Buseck. 26. April. Der Sparund Vorschuftverein Alten-Buseck hielt in der Wirtschaft Döpp seine diesjährige Generalversammlung ab. Aufsichtsratsmitglied Einhäuser leitete die Versammlung. Direktor Schwalb erstattete den Iahresbericht. Seinen Darlegungen war zu entnehmen, daft der Gesamtumsatz gegenüber dem Vorjahre etwas zurückgeblieben ist; die Rentabilität und Liquidität sich aber bedeutend gehoben hat. Die Spareinlagen sind trotz der gegenwärtigen wirtschaftlichen Rot noch befriedigend zu nennen. Direktor Schwalb empfahl, die Spargelder restlos der Dorfkasse zuzuführcn. Die Zahl der Mitglieder beträgt 141. Die Bilanz weist folgende Zahlen aus: In Aktiva Kassenbestand 2157,12 Mark, diskontierte Wechsel 240, Geschästsguthaben bei Genossenschaften 3000, Geschäftsmobiliar 1, Bankguthaben in lausender Rechnung 3959 65. Termingeld 17 1 50,65. Guthaben in lausender Rechnung bei Genossen 51 127.82, Darlehen auf Schuldscheine 25 757,81, Kaufschillinge 422,33, Ausstand für Gerichtskosten 181,55, Zinsen 1058.22 Mark. In Passiva: Reservefonds 2100 Mark, Betriebsrücklage 1033,14, Geschästsguthaben der Genossen 7361,11, Spareinlagen 83 214,88, Schuld in laufender Rechnung an Genossen 1038,91, Zessionen 688,50, Rückständige Kosten 200, Aufwertungs- gläubiger 7759,14 Mark. Der Reingewinn betrug 1670,77 Mark: die Bilanzsumme 105066,45 Mark. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Es wurde beschlossen, 10 Prozent Dividende auf die Geschäftsanteile zu gewähren, der Rest soll je zur Hälfte dem Reservefonds und der Detriebs- rücklage zugeführt werden. Die Auszahlung der aufgewerteten Spareinlagen soll ab 1. Ianuar 1932 in dem Mähe erfolgen, wie die Rückzahlung der aufgewerteten Schulden erfolgt. Ferner wurde den Aufwertungsschuldnern dringend ans Herz gelegt, für Abdeckung, wenn auch nur für einen Teil, ihrer Schuld Sorge zu tragen, um Härten zu vermeiden * Trohe, 25. April. Dieser Tage feierten die Eheleute Polizeidiener i. R. Heinrich Rau und dessen Ehefrau Katharine geb. Engelhardt das Fest der goldenen Hochzeit. — Am 1. Mai tritt Bürgermeister Schmidt, der nahezu 40 Jahre der Gemeinde vorstand, in den Ruhestand. Bei der Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Beigeordnete Heinrich Rau mit nahezu drei Viertel aller abgegebenen Stimmen (105) zum neuen Bürgermeister gewählt. Dem Landwirt Seipp fielen 21 und dem Arbeiter M o r i tz 25 Stimmen zu. Kreis Büdingen. F Büdingen, 25. April. Bekanntlich hatte Bürgermeister H i l d n e r gegen den Gemeinde- ratsbeschluh, möglichst bald hier einen D e - rufsbür ge rmei ster anzustellen, beim Kreisamt Einspruch erhoben. Der Gemeinderat erklärte sich mm in seiner gestrigen Sitzung mit dem zwischen dem Bürgermeister und den Vertretern des Gemeinderats in der Verhandlung vor dem Kreisausschuh geschlossenen Vergleich einverstanden, nach welchem die Amtszeit des zu wählenden Berufsbürger- meisters am 1. April 1932 beginnen soll. Wirtschaft. * Die Inderziffer der Großhandelspreise. Die vom Statistischen Reichsamt für den Stichtag des 22. April berechnete Indexziffer der Grobhandelspreise ist mit 113,7 gegenüber der Vorwoche (113,8) leicht zurückgegangen. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 108,5 (plus 0,1 v. H.), Kolonialwaren 96,2 (minus 0,6 v. H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 104,9 (minus 0.1 v. H.), und in» fruftrielle Fertigwaren 137,6 (minus 0,1 v. H.). * Die preußischen Sparkassen im März. Ende März betrug der Bestand an Spareinlagen bei den preußischen Sparkassen 6704,4 Millionen RM. gegen 6661,7 Millionen RM. Ende Februar 1931. Der Berichtsmonat weist mithin bei 390,7 Millionen RM. Einzahlungen, darunter 8,5 Millionen RM. Zinsgutschriften, und 348 Millionen RM. Auszahlungen einen Zuwachs von 42,7 Millionen RM. auf. Die Giro-, Scheck-, Kontokorrent- und Depositeneinlagen beliefen sich Ende März auf 914,2 Millionen RM. gegen 931,3 Millionen RM. Ende Februar 1931. • „Concordia", Lebensversicherung sb an k - AG., Köln. Der Aufsichtsrat schlägt der am 29. Mai stattfindenden Generalversammlung vor, von dem Reingewinn von 3 668 847,97 Mark (im Vorjahre 2 940 125,16 Mk.) der Gewinnrücklage der Ver i '—r!en 3 4'8 847,97 Mark) u«loi..Rechten...... Deutsche Äurnm. Eammelabt. 57 — — — Anleihe Gerte 1 ... 8% Rronll. Hnv.-Bank Goldpse 57,5 — 57,5 — XIII unlünbbar bis 1934 . . . 101,5 — — — 7% ftremll- Hvp.-Bank Goldpse unlÜnDbar bis 1932 ..... 97,5 —— — — 4%% -Jibelnlidie Hvv.-Bant Piqu (MolDDfe......... 92,5 — 8% Pr. LandeSpsandbrtesankaU, 100,5 _ 100,5 _ 8% Pr (.'anbeipianobrielanflaU, Komm.-Ldi. N.20...... 7% Pr. ßanbeoi-lanbbrtefanftalt, — — — — 96,5 96,5 ■ Ü.E.B. abfl. yonnegfrCHlgatiO’ nen, rüd*ablbar 1932 - - - — — — — *% Cefienttd)t|d)e «olbrente . . 23 — — — 4,20% ecftcrrctrfiildje Gilbertente 4% Oclleneichiicke Einheitliche — — 2,4 — Rente • ■ — —— —— — 4% Ungortlche Goldrente . . . . 18,9 —- 19 19 4% Ungarische Gtaatitenle v. 1910 16,4 — 16,4 — V/i% bMfll. von 1913 — — 16,6 — 4% UnparW Kronen een te . . . — — — — 4% Türlische ZoUanletde von 1911 4% Türkische Vaodadbabn-Anl 4,15 4,25 — — — Gerte 1 — — 4% bergt. Gerte N ■ • • ■ ■ 5% Rumänische oereinh. Rente 4,25 8,35 8,25 von 1903 . - - iyt% Rumänische verein!). Rente 15,15 6,85 — 15,25 6,8 1% Rumänische vereüch. ttoüe - — 6,8 » Frankfurt a. | Berlin Schluß« turd 1-Uhr- Sure Schluß-s Iure । Anfang« Kure Datum 25.4 27-4 25.4. 274 Hamvurg-Amertta ‘Safet . . 7 63 60,75 61,9 61,5 Homburg-Güdam. Dampfschiff 8 — — 115,25 113,5 Hansa Dampfschiff .... 10 — — 86 — Norbbeuticher Lloyd .... 8 — 62,75 62,9 62,5 Allgemeine Deutsche Creditanll. 10 — — — — Barmer Bankverein . . . 10 — — — Berliner Handelsgesellschaft . 12 123,5 — 123,5 122,5 Commers- und Privat-Ban! . 11 118,25 117 118,4 117 Darmstädter unb Nationalbanl Deutsche Bank unb 12 136,75 — 136,25 136 DiSconto-GeseUschast, . . . 10 106,65 105,25 106,75 106 Dresdner Ban!...... 10 107 105,25 106,5 105,5 »teichSbanl........ 12 167 166,5 167 166 A.SG........... 8 109 107,75 109,65 107,25 Bergmann........ . 9 — — 92 — öleltt. LleserungSgesellschaft. 10 124 — 124 122 Licht unb Kraft...... 10 125,5 — 125,5 124 Kelten & Guilleaume . . . Gesellschaft für Elektrische 88 — 87,5 86,25 Unternehmungen .... 10 127 125,5 128,75 126,5 Hamburger (jleftryitätMBetle 10 — — — — Rheinische Gicltrijität . . . . 9 121 — 121 120 Gchlcitiche (Siefttijltät. . . . 10 — — — — Sdiudert & Go....... 11 143 — 143 141,75 Siemens & Halste..... 16 177,5 174 177,5 174 Zraneraoio........ . 8 — — — Vabmener & Go....... 10 130,5 — 130 — vubetus......... . 5 53,5 — 53,75 53 Deutsche ErbSI...... . 6 75,75 — 75 74 EUener Gtetnlohle ..... . 8 — — — Geisenfirchener...... . 8 81 — 80,75 79,75 Harpener. ....... . 0 71 — 70 — Hoetch Eilen........ 6K — —- 66,25 65 Ilse Bergbau..... . 10 — 184,25 — ßlödnerroetfe ...... . 7 69,5 — 70 67,5 SSin-Reuellen. . .... . 7 — — 72,13 78,9 70,5 MannL)munn>Nöbre» . • • . 7 79 75,65 76,25 Manefelder Bergbau .... Oberschlei. Glicnbebart . . . . 7 37 — 37,5 36,5 . — — — Oberschlef. fioieroerte.... . 7 — 79,5 78,25 Phönix Bergbau...... Rheinifche Braunlohten . . 62,75 — 62,5 61 10 176,5 — 176 — Rhetnstahl ....... . k 83,25 80,75 83,25 81,75 Rtebed Montan ...... 7,2 — — Frankfun a. 2)1. Aerlin Schluß«! 1-Uhr- htrit | Kur« Schluß« furd Anfang« Kurs Datum 254 27.4 25.4 27.4 Bereinigte Stahlwerke..... Otavt Minen .... IS'/» Kaliwerke AscherSIebe« . . 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 g. ®. Farben-JnbustNe... 12 Dvnamit Nobel.......6 GtfieibeanfiaU........9 Golbschmidt ........ 6 RütgerSwerle........ 6 Metallgeiellschafl.......6 Pbtlwv Holzmann......7 Zementwerk Heidelberg . • 10 Gementwerk Kartsiadt. ... 10 Wauß & Frevtag......8 Schultheis Patzenhof« ... 15 Cftroerie.........12 Aku....... 18 Bemberg...... 14 Zellstoss Waldhol .... 18*/, Zellswsf Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 8 Dessauer Gas ...... 9 Daimler Motoren ...... 0 Deutsche Linoleum ...... Maschinenbau A.-B. . • • • . 0 Crenftetn & Koppel . .... 6 Leonharb Tietz ..•••• 10 EvenSka ...... • . . . Frankfurter Maschine» .... 4 Grttzner ...... • • • 6 Hevliaenftaedt ....... 0 Fung Hans. . ....... t Lechwerke..........8 Matnkraftwecke Höchft a. M.. . 8 Miag..........10 Gebt. Roeder.......10 Boigt & Haesfner ...... 9 Süddeutsche Zuck« .... 10 57,5 31,25 155 159,75 241 150,5 135,75 50,5 56,5 73 101,75 86 38,5 89,25 102 101 83 32 93 116 250 16,25 39,5 71,5 128,25 31 150 148 135 49 54,75 72 101,5 81 37,5 86,5 100 79 32 91,5 57,5 31 155,5 158,5 241,5 150,65 49,75 56 72,5 102,5 37,9 172,5 89 102 101 82,75 137,5 32,25 92,5 50,5 117 247 17 39 128,5 56 30,5 151 154,5 237,5 148,5 48,25 55 72,5 101,5 169,25 87,75 99 99,9 133,75 32,5 91,5 50,25 115 243,5 Banknoten. Aerlin, 25.April Geld Ärss Amerikanische Rote» ...... Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... Englische Roten........ Französische Noten ....... Holländische Noten....... Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deutsch-Oeslerreich, * 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten....... Schweizer Noten........ Spanische Noten ........ Tschechoslowakische Roten..... Ungarische Roten ..... Devisenmarkt Berlin 4,18 58,08 111,90 20,355 16,377 168,23 21,99 111,93 58,83 2,477 112,08 80,64 41,87 12,385 72,95 — Frankfurt 4,20 58,32 112,34 20,435 16,437 168,91 22,07 112,37 59,07 2,494 112,52 80,96 42,03 12,445 73,25 a. rn. 25-April 27 April Amtliche Notierung Geld | Aries Amtliche Jloticrung Geld ! Brief Arnft--Rott. Barn.-Aires Brft.-Antw. Cbrtftianta. ÄODenbaaen Stockholm • fetlftngforS. Italien. . . London. . . Wen t) ort .. Paris.... Schweiz •« Spanten. . Japan . . . 'Mio de Fan. Wien in D- Ceft adgest. Padapeli. . Bulgarien. Lissabon Danjtg. . Äonfamtie. Alden. . jf/rwnWQ . Uruonatz. ■ 168,59 1,343 58,325 112,25 112,25 112,37 10,556 21,97 20,391 4,195 16,397 80,80 42,11 2,073 0,311 59,00 12,422 7,379 73,13 3,040 18,83 81,53 1,784 5,44 4,192 2,737 20,91 168,93 1,347 58,445 112,47 112,47 112,59 10,578 22,01 20,431 4,203 16,437 80,96 42,19 2,077 0,313 59,12 12,442 7,393 73,27 3,046 18,87 81,69 1,799 5,45 4,200 2,743 20,95 168,59 1,318 58,355 112,26 112,22 112,39 10,556 21,965 20,392 4,1945 16,395 80,80 42,14 2,073 0,310 59,02 12,424 7,378 73,105 3,040 18,83 81,54 1,784 5,437 4,192 2,697 20,91 168,93 1,322 58,475 112,48 112,44 112,61 10,576 22,005 20,432 4,2025 16,435 80,96 42,22 2,077 0,312 59,14 12,444 7,393 73,245 3,046 18,87 81,70 1,789 5,447 4,200 2,703 20,95 ■' H abend. toter und 20.30: Bunter Abend. 21.45: „Das |Verschiedenes| 2947 D| 02489 e Holz: Z.S 3a. &5 i 1745 D Fernruf 3973 E WLM A»S!ll!llei!ÄW 3 Gießen, den 27. April 1931. 02490 55 (Zs laden ein: Hauekfrauen-Beraiung / Gas-Vereinigung / Gießener Zischhandel Einlaßkarten zu 20 Pfennig erhältlich der Gas-Vereinigung: Lollar, den 27. April 1931. 2949 D —- —— 4chi eiben, Ptakalschrtit. Beginn 4. Mai. Vogtsche Handelsschule Hießen, Goethe- str. 32, Vokohans Fr. Heyd ö Sohn.Seltersw.12 Städt. Gas- und Was Die Prokuristen, Angestellten und die Arbeiterschaft der Firma Poppe & Co. FichlenLanghol;. la-Klasse 78 Stück, 14,66 km Taten für Montag, 27. April. Sonnenaufgang 5.08 Uhr, Sonnenuntergang 19.38 Uhr. — Mondaufgang 13.21 Uhr, Monduntergang 3.25 Uhr. 1521: Fernao de Magalhaes, erster Weltumfegler, auf den Philippinen gestorben. Daten für Dienstag, 28. April. 1758: der amerikanische Staatsmann James Monroe in Westmoreland geboren; — 1896: der Geschichtsschreiber Heinrich von Treitfchke in Berlin gestorben. 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Angestellten und Arbeitern derselben, dem Metallarbeiterverband, allen lieben Freunden und Bekannten aus Großen Buseck, sowie der Krankenschwester für ihre Bemühungen und dem Herrn Pfarrer für seine tröstenden Worte hiermit unseren Innigsten Dank. In tiefem Schmerz: Lina Gabriel, geb. Zäher Adolf Gabriel und Frau Berta Gabriel. 5® 2 u 'Hntinerdhm 30- Atm', 20 llhr, ^onnersrag im 6af6 £cib/ Walttorstraße Nervenarzt Dr. Julius Hampe rec. 1908, gest. am 23. April 1931 in Braunschweig. Sorgfältig gepflegte WEINE aller Weinbaugebiete tiDc y c 5O C »-■M 2 Veranstaltungsfolge: Vorträge: »Warum eflen wir Seefische?" ^Literarisch-Humoristische llnterhallung" in Dor- trag und Gesang Neue Rezepte reichhaltige Kostproben Geschenk-Kochbücher Ausstellung in Fisch-, Gas- und Kochgeräten Lustiger und frit. Beobachter Herr Kurt Richter Am Samstag, dem 25. April 1931, verschied plötzlich und unerwartet die Mitinhaberin unserer Firma Frau Emma Poppe. Wir bedauern den Tod der Heimgegangenen aufs tiefste. Ihre hervorragenden Charaktereigenschaften und ihr Verständnis für die soziale Lage der Werksangehörigen hat ihr die Liebe und Achtung jedes einzelnen erworben. Sie wird auch über das Grab hinaus in unserem Gedenken weiterleben. Mittwoch, den 29. April 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Aum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 2945D Büfetts, Kleiderschränke, Zimmerteppiche, Schreibtische, Kredenzen, Bücherschränke, Küchenanrichten, Pianinos, Chaiselongues, Vertikos, Sofas, Kommoden, vier Stühle, einen Zeichentisch, zwei elektrische Ständerlampen, zwei Warenschränke, eine Schuhmacher-Nähmaschine, ein Eßservice, ein Kaffeeservice, einen ^inoleumteppich, eine Nähmaschine, zwei Tischdecken, eine Schreibmaschine, 32 Platten Sperrholz, ein Oelaemälde, einen Bilderschrank mit 95 Bildern, einen Eisschrank, einen Ausstellungsschrank, eine Schnellwaage, zwei Registrierkassen, zwei Motorräder, zwei Faß Mitteldärme, mehrere Radioapparate und Lautsprecher, eine größere Partie Spielwaren, Aluminium - Kaffeeservice, Porzellanservice, Werfpuppen und Halsketten. Funker Nundfunkprogramm. Dienstag, 28. April. 7.15 bis 8.15: Frühkonzert. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20 bis 15.50: Hausfrauen-Nachmittag. 16 (Baden-Baden): Konzert des Städtischen Orchesters. 18: »Dante Deutsch", Vorlesungen von älniversitätslektor Prof. Karl Roedemeyer, Frankfurt. 18.25: „Deutsche Nomantik. Ihr Lebensgefühl und ihre Weltanschauung. IL“, Vortrag tron Dr. Kurt Borries, Tübingen. 18.55: „Vom Geheimnis des Ducherfolges". 19.30 (Trier): Abendbesuch im Konvikt in Trier. 20.15: Unterhaltungskonzert. 21.45: Hörmodew Hr 22.35 bis 23.30: Tanzmusik. Mittwoch, 29. April. 7.15 bis 8.15: Fruhkonzert. 10.20 bis 10.50: Mit dem Mikrophon im In- und Auslande. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Jugend. 16.30: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.15: „ilniversitäts- und Berufsbildung", Vortrag von Ministerialdirektor Dr. Dr. h. c. Richter. Berlin. 18.45: „ Detriebsvereinb crrung und Ar- Garagen auch m.Hei^ u BBro- zimmer, auch a.Wohw raum für Chauffeur, billig au vermieien. 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EL E 5 E »» • o:-o 5 E E U-b £ (9 ; o 3 c a S. a S. g S — ~ C, ti c »ESg8S-= _ *8) -S8 SS a MZZ^Z = .2 .E < Sa a J B xo c E-o ä 8 ‘2 ^CQ s~a^ S-e-e^-sö* ■ti' 8 o cA L O Q. E (9 KZ -2 O °L 3 C'W 3 K oA , 2-ea » _EX)O .5 5 *- c c Ä s B M >Ä' 3 •£?• ^=> . c C> c :O r* r* O fSE2“^5 -A- Cl Ü 10 = XD C =AS? ?S»„ rZZZ- faB s E-E-8 ci cito ZZZ§Z°- ao “ c o)c «8W -s- _ 5—.8 8ZE fSa^k..E §=^ i'g 'S" £ °H e'n a:2 a- u « eU)1 ■la "E Z ° ER A.8 •c-a a | §8Z-2 E-e = . s "53 u a s‘ , «-. <*> o d "2> -g"CQ C°2§Ä 8^9 ti — ä ä:—■E'c c -8:3S^; E 2H5 3«Q f=s|58ij B x=-2? a 4, .5 C E D 5- o o 3 eäu—*e vo> X E — ST7.8. = S Q03 Irt = —S . lgsSö= GQ c — - 8 C. E o, 0)2 _ .8 =.^S-X3 S-= 2 kk ä C 41 ä 8 ** 'S D = —- 0) :0 S?A 5h A rb-F- e a a«E Hs -c- .. = •5 «sa GQ 2 ■ €c “ >£®§ Ä O O o I« Äx)g’a = § - S B «d» £. o o: « - ■c c d c — zn — a. 9 c7 ps = s ° J2 ■8' a ~ « -2 = a ZZLM» «J°G7 s >•-5 -2 = 3 »§88A« = 8 E ~ 9© . _ — 3 EG) ’S. 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N 8 ■ca~ §2 ;■£ ffl S 3 t3£3’3 2RW 85° g 3 3 3 2.3 3 » 3 CS o ~ A «3^3? a 0 3 ö?3 s B 3 §3-3-^ = 3 ä Ö Öö 3” .2.5 2 2 B- VI .3 Z-^ 3 * 3 8 =3 3xi re -ö® 3*—- Z- D 3 VI S %2 '§'38 8 3 2r» 8=2 3 D (j)3 2.8 ZW 8 2. © g2.S^ ff8 gq 3 $ A E 61 3 3^ I Ä 9 3 = ~§§ a « 3"5" 2. 2 = Cfl 3 Z äe3 *$a g 8 8 in 63 83 1-1 X 8 8 2. 3 *1 **• ^7? ö 5 v» 5 tfi n 9 n 3 e -K i 3 s- ä»s 3 S( er §.© 8-^2 D 2. 3 A2. X3 “e 3 5 X^” ö ID VI A 8 o K re 3 ÄL-iS 3 3 g. -öi^i’a"3“ 0.330 2^ 8 arg re 3® a ® 2.3 ■§* M 53Z g=‘ E:~ LS-rs “ sä AS ° a s «o>2 ~ 2 22.3 3 5" 2. 3 ~ o 8 ga^S’8 3.5 -Z v ~ 3 2 85o" .-O-S--S- ," re -. -___ re J. ~ E 3 XX o X 3-ER cy A 'S "ro* 3 3 S o B cy , LZ- 83» 3 G 3 3 A f ÖTP 0 LZ «’S 3 2. 3 5 61 g re C® Vi cj, 3 Z.J 3 =’ S S' 88'1 8 2« Ö»g O 3 Q- O O - <2?3ro »* 5x 63(5*' 3^> ö 8 c ’glsrSf® '' re ,re <1 = 61 3 re «9'ä? xoca S es o 2 3 s 8 E t ® 2'S- 61 e 3x 3 5 7-L B ro Ö 3 8 a 5 ® — or 2. > _2,a- 2. 8 33 o- 8 2X' re S?5'S’ --Säs .3 c:3-b*o “So. er_re, re B- re H m 8 3 -Sa«1 Ä>2 S 8 3^ ZCSg'GlS ^3.« ti.c" a ° er q. - 0 - -2 _.X re 612 3 O ? sO- 3~e 2.5 3(0 3 § 3 %>c 3^.3 a5 2' 0 o «»2.^ — □ 3 B „re . 83 S ts- xgc^ 8 L ey e ö " ~ re 3a 3 O <=3O .3?5 = n8 B-»S§ ^■8-ES. 3 §.H ■ijAb’ P3 B 5'-o «• 1=11 : a 0 I -8-3 & = A3 3.3S ** LZ. ^13 rj S— ‘E o 2. t3 3 R <5*3 E 3. Zo L-3^61 ^5S^Zs «7. szs ” ro e 5'33,3 ^'§•2*2 3-3© ^h=; ögo 2 a rf) 3 5* °r®: 8 ul — O re ro V> E v 3 U2 ro 3 B Sc- % = 3o.= 61 50=_ 3 re 3 V. Hsä= 2 3 a. 3 o - S 2 E. © ti SE — ö re _ — .=2 3.2. 3 gZZAZZ s-z^ o re re-'S'5’ 2L* 3 53^ L< H___ ‘ ; 2 re" 3, 7EC2 Ä-2 2:= 5 SS'9''1 8 3 0, ?2 Sä' re 3 — H.ä^a«E o O : 61^= X © 2 E S)E 3 re 2 61 E —3 3 re )* 3 So L» re 8 - 8 2^3 5 5 re 3 re t 8 Z 3 re «3crÖg. a?3 3 2 "-'§3 d D re' e ; = a.2SEöreZ3 3 n . ro K 5 rt :•» Aga.x ö» öö Ö5 »Sä X3 3 CB L3 5" 8 ^15 3 3 re" 83- rä o >t£ re A ®3S5 x> 3 8 HS© 23 mg 3 «- ü M_. Z-Z 8 A 3. »2» 3 3 re - LS 2 o — Z5 yq ts3 O döse "K c~ re x® a s-s 8 S -c§ re re P ro "■reg 8 8 5 3®-5 3 8 B o Gl 51 epare re 5 2 a’-B 3Z S3 e* 8 3 re 3 a,S 2 E- y 3 üfl S-33 zr 3 61 2 Ö 8 3 re 33 Vi re 7 a — 83f ^3 3 3' " 8 -"KL 2.?E S.—.re 5^$ 3 3 e w a 2. 2 3 re ÖS«» 3.1 &g X o =:P er E". 3 a sf®&g ? ■Ew a 3 KX GS® _3 238 « 3'LK 3 o* „ O: 2 ’»=« 33-LZ ® 8 - c"Xa5A? 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