Annahme non Injeiae« für die lagtsnummtr ots zum Nachmittag vorher. Preis fir 1 mm HSHe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne» klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfenmg, Platzvorfchrist 20' , mehr. Chefredakteur Dt. Frredr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, färntlid) in Gießen. Erfchetn, täglich,auhei Sonntags und Feiertags. Beilagen: Pie Illustrierte Siebener Familiendlätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Neichspsennig für Träger- lohn, auch bet Nichter- Beinen einzelnerNummern folge höherer Gewalt. Kernfvrechanschlüffe anier5ammtlnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten »njelger Sieben. pelfdfedtonlo: Sronffurtom Main 11686. General-Anzeiger für Oberheffen Dmd und Verlag: vrühl'fche Univerfitülr-Vuch- und Steinöruderei H. Lange in Sietzen. Zchriftlettung und Sefchästrftelle: Schulttratze 7. Nr 225 Erste; Blatt 181. Jahrgang Samstag, 26. September 1931 Gietzener Anzeiger M g e n. Am Vorabend des sranzösischen MnisierbesuchS Die Beratungen des Reichskabinetts. Eine Entschuldungsaktion des Reiches für die Gemeinden. - Der Butterzoil bleibt der Entscheidung des Reichstags überlasten. Wie sieht Lavals Programm aus? Wirtschaftliche Zusammenarbeit alsHaupt- punkt der Besprechungen. Paris, 25. Sept. (IU.) 3n einem bemerkens, werten Artikel, der anscheinend auf eine zuverlässige Quelle zurückgeht, bringt „Information“ das angeblich von der französischen Regierung für die Berliner Besprechungen ausgestellte Programm. Das Blatt erklärt, man werde versuchen, einen Organismus zu schassen, dem Vertreter der Industrie, der Regierungen und anderer interessierter Kreise angehören sollten. Dieser Organismus solle b i e bereits bestehenden Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder überprüfen, Möglichkeiten für ihre Erweiterung suchen und nicht nur auf dem Wirtschaft», und Ainanz- gebiet, sondern möglicherweise auch auf politischem Gebiet neue Beziehungen schaffen. Ferner plane man französifcherfeits die Zusammenarbeit mit Deutschland auf bie Kolonien auszudehnen. Man denke daran, durch Wiederaufnahme der Sachlieferungen im Rahmen der Reparationen Deutschland an der industriellen Versorgung der Kolonien zu beteiligen. Man verfolge sogar den Plan, Togo und Kamerun in nicht zu ferner Zukunft an Deutschland zurückzugeben. Bezüglich der finanziellen Zufammenarbeit denke man an die Schaffung einer gemeinsamen Finanzgefell- schäft, bie bie Finanzierung von in beiben Cänbern bestehenden großen Industriezweigen durchführen sollen. Diese Gefellschaft könne Aktien ausgeben, bie an den Börsen beider Länder gehandelt und von den beiden verbündeten Unternehmen garantiert werden sollten. hat, ohne bas Enbzie 1 aus dem Auge z u verlieren, zu gehen, so wirb sie — das bars ich in bleiern Kreise heute v?rsichem — aus biefer Einstellung trotz aller Kritik unb vieler Zweifel bie Kraft schöpfen, inmitten einer Welt von Schwierigkeiten wegweifend das deutfche Lebensfchickfal zu leiten. Sie, hochverehrter Herr Geheimrat, werden es mir gewih nicht verübelt haben, dah ich den Ihnen gewidmeten Ehrentag auch zum Berühren solcher ernsten Gedankengänge benutzt habe. Ihr ganzes Leben und Ihre Lebensarbeit ist ein leuchtendes Beispiel dafür, Wie der berufene Führer sich in den Dien st der Gesamtheit und der Gesamtwirtschaft einzustellen hat. Ich darf Ihnen am heutigen Tage, der einen bedeutsamen Abschnitt Ihres arbeitsreichen Lebens abschließt, meinen herzlichsten Dank für Ihr unermüdliches und erfolgreiches Wirken aussprcchen und wünsche von Herzen, dah Sie noch viele Jahre der chemischen Industrie, der Auch die übrige Pariser Presse besaht sich ausführlich mit der Zweckmäßigkeit und den möglichen Ergebnissen der Besprechungen. Die nationalistische „Liberte" betont, dah nicht für, dah dieser Weg manchen nicht schnell genug geht. Weil man nicht erwarten darf, dah überall die Einsicht bestehen kann in bie durch die Rcparativnslasten, kurzfristige Verschuldung und unsere eigenen Fehler entstandene Kompliziertheit der Verhältnisse, die die Dinge bei uns zu einem einzigartigen, von allen übrigen Ländern verschiedenartigen Problem gestalten. Berlin, 25. Sept. (CAB. Eigene Meldung.) Das Reichskabinett hat die Beratungen über das Herbstprogramm fortgesetzt. Das wichtigste Ergebnis der Beratungen dürfte in einer Verständigung über die Entschuldung der Gemeinden zu suchen fein. Der hierfür gefundenen Lösung kommt insofern auch eine gewisse grundsätzliche Bedeutung zu, als die Entschuldungsaktion nicht von den Ländern, sondern vom Reich durchgeführt werden wird. Der Kanzler hatte auch eine Unterredung mit dem Präsidenten des Verbandes der preuhlfchen Landgemeinden, dem Abgeordneten Dr. G e r e l e , um ihn über die Beschlüsse des Reichskabinetts zu informieren. Mit den meisten der anderen Fragen ist das Kabinett noch nicht fertig geworden. So muh z. B. auch das Projekt der Kleinsiedlung noch weiter beraten werden. Ebenso ist die umstrittenste der zur Behandlung stehenden Fragen, die Senkung derHauszinssteuer, noch nicht erledigt. Auch die Senkung der gro- henPensionen scheint jetzt doch wieder stärkeren verfassungsrechtlichen Bedenken zu begegnen, so dah noch keineswegs feststeht, ob das Kabinett sie beschliehen wird. Schließlich scheinen sich die Rachrichten zu bestätigen, dah eine Zusammenlegung von Krisen- und Wohlfahrtsfürsorge im Augenblick noch nicht zu erwarten ist. In der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung sanden Verhandlungen darüber statt, welche Mahnahmen einem zu er- '21 Ue diese Mahnahmen der Reichsregierung bedeuten die Zurücklcgung eines harten und schmerzlichen Weges. Es geht nicht anders, als schrittweise d i e Fehler einer langen Vergangenheit in sorgfältiger Abwägung und Ueberlegung aller einzelnen Phasen, auch mit Rücksicht auf die jeweiligen Veränderungen der Außenpolitik, wieder zu Ich habe durchaus Verständnis da- Weg manchen nicht schnell Weiches Ziel hat Brüning? Eine Geburtstagsrebe des Reichskanzlers für Carl Duisberg. - Rückkehr zur Solidität in Staatsfinanzen und Wirtschaft. Berlin, 25. Sept. (WTB.) Der R e i ch s o e r - bandder D e ut s ch e n Industrie veranstaltete zu Ehren seines scheidenden Präsidenten, des Geheimrats Prosesfor D. Dr. Dr Dr.-Ing. Carl Duisberg, eine Feier. Der stellvertretende Vor- sitzende des Reichsverbandes, Frowein, begrüßte Geheimrat Duisberg als den Typ des deutschen Individualisten, der unbeirrt seinen Weg geht, schwierige Situationen durch rasche Entscheidungen und tatkräftiges Handeln klärt und dafür auch die Der- antwortung zu tragen weiß, und überreichte ein Buch, das unter dem Titel „Carl Duisberg, ein deutscher Industrieller“ bas Wirken Dulsbergs zeigt. Dem Festakt wohnten u. a. bei Reichskanzler Dr. Brüning, bie Reichsminister Dr. Dietrich, I Dr. Wirth, v. Wutrarb, Dr. Groener und Treckira- nus, der preußische Hanhelsminister Dr. Schrei- b e r Staatssekretär Meißner, Oberbürgermeister Sa hm, Generaldirektor Dr. Dorpmüller, Reichsbankpräsident Dr. Luther und zahlreiche weitere Vertreter der Behörden, der Presse, der Wisienschaft unb Technik. Von den Gratulanten begrüßte Reichskanzler Dr. Brüning den Gefeierten in einer längeren Ansprache, in der er u. a. folgendes ausführte: Auch an mein Ohr klingen tagtäglich — mal leise mal lauter — Zweifel in bie Zukunft unb bange Rufe nach b e r Führung. Ich weiß, baß bas eine naturgemäße Erscheinung ist, unb ich hatte bie Ehre, Ihnen vor wenigen Tagen bar^utun, baß b<*r Umfang ber Tätigkeit ber Reichsregierung in ben vergangen»« Wochen unb Monaten ein viel u m • fassenberer gewesen ist, als es zur Stunbe zweckmäßig erscheint, einer größeren Ocffentlichkeit mitzuteilen. Abgesehen von diesem hat bie Reichs- regicrung eine Fülle anberer Maßnahmen bereits getroffen bzw. zur Veröffentlichung in der nächsten Woche vorbereitet. Darüber hinaus wirb es nötig fein, gewisse noch m e 111 rage n ber e Schritte zu tun in bem Augenblick, in dem bie Bewegung des englischen Psunbes, bie am vergangenen Samstag eingelegt hat, in ihrer weiteren Entwicklung sicher erkannt werben kann. deutschen Wirtschaft und unserem Vaterlande erhalten bleiben und auch noch die besseren Zeiten erleben, an die wir mit Ihnen zuversichtlich glauben. Diesen Wünschen der Reichsrcgierung schließt sich nicht zuletzt auch unser hochverehrter Herr Reichspräsident von Hindenburg an. Ich habe den hohen Auftrag, im Ramen des Herrn Reichspräsidenten Ihnen ein Handschreiben zu überreichen, in dem dankbar gedacht wird der unermüdlichen und ziel- bewußten Förderung, die Sie der deutschen W i s s e n s ch a s t. und der warmherzigen Fürsorge, die Sie den deutschen Studenten stets zuteil werden ließen. Ihr unerschütterlicher Glaube an Deutschlands Kraft und Deutschlands Zukunft hat in schweren Zeiten viel dazu bei- getragen, daß unsere Wirtschaft trotz aller Schicksalsschläge das Vertrauen zur eigenen Kraft nicht verloren hat. Die höchste Auszeichnung, die das Reich zu vergeben hat, den A d l e r s ch i l d , wird Ihnen. ..dem verdienstvollen Förderer deutscher Wirtschaft und Wissenschaft", zuerkannt. wartenden Defizit entgegengestellt werden können. Mit einer Beratung der Agrarfrage im Reichskabinett ist in den nächsten Wochen nicht zu rechnen. Don Zollwünschen wird von den Organen der Landwirtschaft im wesentlichen nur die Erhöhung des Butterzolles betrieben. Minister Schiele soll jedoch für die nächsten Wochen nicht beabsichtigen, in dieser Frage wieder eine stärkere Aktivität zu entwickeln. Die Reichsregierung will diese Frage dem Reichstag selbst zur Entscheidung überlassen. Das Landvolk wiederholt nicht die alte Forderung einer Verdoppelung des Dutterzolles, sondern beschränkt sich auf das Verlangen, entsprechend dem Ermächtigungsgesetz das Mißverhältnis beim Index z u beseitigen. Man glaubt, für diese Forderung im Reichstag eine breitere Front schaffen zu können. Die maßgebendenKreise des Landvolkes sind der Auffassung, daß es augenblicklich nicht zweckmäßig wäre, unerfüllbare Forderungen zu stellen, und daß überhaupt mit Zollerhöhungen der Landwirtschaft keine große Hilfe mehr gebracht werden könne. Wichtiger sei zur Zeit für die Landwirtschaft der Schutz der nationalen Arbeit durch eine entsprechende Handhabung der Devisenbewirtschaftung und eine Senkung der öffentlichen Lasten, namentlich der „zwangsläufigen" Ausgaben. innerpolitischen Situationen, als Mittler zwilchen rechts unb links eiserner Bestanb ber meisten französischen Nachkriegskabinette, ber Mann von Locarno unb Thoiry, ber große „Europäer“, bessen schillernbe Rhetorik einst bie Genfer Dölkerbunbs- Versammlung nicht minber berauschte, als bie Pariser Deputiertenkammer, ber Mann ber großen pathetischen Geste, ber geschickte Jongleur im biplo- malischen Ballspiel, ein Routinier bes politischen Parketts, ber geistreich unb witzig in seinen guten Tagen ben ganzen Charme feines Volkes in bie Waagschale werfen konnte, fo ragt Aristibe Briand als einsame Säule, bie auch schon bebenkliche Sprünge zeigt, aus ber sich zum Enbe neigenben Epoche ber „älteren Staatsmänner“, ber Clemen- ceau, Milleranb, Caillaux, PoincarL, in eine neue Zeit hinein bie bie junge Generation in bie Macht hineinwachsen sieht. Die bemitleibenswerte Rolle, in bie man Brianb bei ber letzten Präsibentenwahl bineinmanÖDrierte, war für ben alten Fuchs ber Anfang vom Enbe. Aber es lag ihm nicht, wie Clemenceau, bem einst wandelbare Dolksgunst, Angst unb Reib ber Politiker eine ähnliche Nieberlage bereitet hatte, sich groUenb in bie Einsamkeit seines ßanbgutes zurückzuziehen. Zwar brauchte auch er Wochen unb Monate, sich von der bitteren Enttäuschung ni erholen, aber als Laval sich anschickte, ohne ben Außenminister nach Berlin zu gehen, erreichten seine Intrigen eine Verschiebung des Seitab doch glaube ich. baß es einen klaren GeflchtSPunkl durch alle einzelnen, aus außenpolitischen unb taktischen Gründen jeweils \ abzutönenden Phasen dieser Politik gibt, unb bas 1 Ist der, dah der weg gegangen werden muß zur Rückkehr in die Solidität unserer gesamlenFinauz-und Wirtschaftspolitik, der weg zur Rückkehr zu den streng st enMarimenderGeneratio- n e n vor uns in der Wirtschaft und zu dem entschlossenen willen, bie Ausgaben ber öffentlichen H a n b mil ben Einnahmen In Uebereinfllmmung zu bringen. Dieser Weg ist der Weg des gesunden Menschenverstandes. Er ist sicher und hält daher auch jeder problematischen Theorie gegenüber stand. Wir wissen aber, daß dieser Wea so gegangen werden muß, daß er nicht das deutsche Volk in zwei sich aufs äußerste bekämpfende Lager zerreißt. Das gilt ganz besonders für die Wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Lind wer sich über die ganze Tragweite der Entwicklung der letzten Monate bis in die letzten Tage hinein flar ist, der wird zu der Lieberzeugung kommen müssen, daß dieser Weg in gegenseitigem Verständnis gemeinsam von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern gegangen werden muß. An den harten Tatsachen wird keine Schicht der Bevölkerung vorübergchen können. Sie werden um so leichter erkannt und aus ihnen die notwendigen Folgerungen allerseits gezogen werden, wenn der Wille zu einem gegenseitigen Verständnis, zu einer Lieberbrückung der Gegensätze vorhanden ist. Eine Regierung in so schwerer Stunde hat nicht bie Ausgabe, in jedem Augenblick, bei jeder plötzlichen Veränderung sofort mit Rabikatlösun- gen einzugreifen. Starke Heroen beruhen im wesentlichen darauf, den richtigen Zeitpunkt zu wählen, die Einsicht der Bevölkerung wachsen zu lassen, manchmal etappenweise, manchmal wiederum schlagartig mit Reformen, bie alle ftreife ber Bevölkerung betreffen, her- vorzutreten. wenn eine solche Regierung entschlossen ist, ben weg, den sie sich vorgezeichnet Oie porifer Gäsie. Zwischen ber Pariser Reife bes deutschen Reichskanzlers unb bem Gegenbesuch, ben soeben Pierre Laval, ber Ministerpräsibent ber sranzösischen Re- publik, in Begleitung des Außenministers Brianb in Berlin abzustatten sich anschickt, liegen zwar nur wenige Monate, aber sie haben Ereignisse gebracht, bie bem Zweck biefer Berliner Reife ber französischen Staatsmänner, wenigstens von Deutschlanb aus gesehen, nicht förberlid) (ein konnten. Die Abwürgung ber beutsch österreichischen Zollunion, ber Sieg über bas englische Pfunb, bie überlegene Art, wie ber französische Finanzminister Flanbin, einer ber maß- Scbenben Männer bes Kabinetts Laval, in Genf rankreichs Einstellung zur Weltwirtschaftskrisis ab- grenzte unb babei (eben Einfluß ber Reparationen auf bie beutfche Finanzkatastrophe brüsk bestritt, schließlich noch aus ben allerletzten Tagen bie alte intransigente Haltung Frankreichs in ber Ab- rüftungsfrage, erneut betont burch bie scharfe Ablehnung bes italienischen Vorschlags eines Rüstung»- roaffcn|tiUftanbes, bas alles finb Dinge, bie auf bas politische Wochenenbe in Berlin buftcre Schatten werfen. Die Franzosen haben nicht viel dazu getan, bie psychologischen Voraussetzungen zu schaffen, bie nun einmal eine politische Aussprache erforbert, wenn sie praktische Erfolge haben soll. So werben sich bie französischen Staatsmänner nicht herüber im unklaren (ein, baß ihr Be(uch in ber Reichshauptstabt । von weiten Streifen bes beutfchen Volkes mit gemischten Gefühlen aufgenommen wirb, was jeboch nicht hinbern kann, unseren französischen Gästen mit ber selbstverstänblichen Gastsreunbschaft zu begegnen, bie bie einfachsten Gebote politischer SUugheit und nationaler Würbe forbern. Im Vertrauen barauf finb ja bie Herren Laval unb Brianb her (Einlabung ber Reichsregierung gefolgt unb es wäre töricht, wenn wir biefes Vertrauen enttäuschen würben. Man sagt Herrn Laval nach, baß er als Realpolitiker, als ein Mann fachlicher Ueberleaungen und Feststellungen ein klares Auge unb ein scharfes Ohr besitzt unb Wert barauf legt, sich ein eigenes, von Mittelsmännern unbeeinflußtes Urteil zu bilben. Nun, wenn bie französischen Staatsmänner von ihtem Berliner Besuch ben Einbruck eines auch in Unglück unb Armut stolzen, aufrechten unb be- herrschten Volkes mit Heimnehmen, so ist schon viel gewonnen. Die Zeiten, wo man vor auslänbischen „Prominenten“ Elenb unb Not unseres Volkes in falscher Scham unb bummem Protzentum hinter einer glänzenben Fassabe ängstlich zu verbergen trachtete, finb ja Gott fei Dank feit ber Aera Brüning enbgültig vorüber. Solche Methoben wären hoppelt unangebracht bei Besuchern» bie wie bie Franzosen selbst nüchtern, sparsam unb haushälterisch finb unb ohnehin bazu neigen, vereinzelte krasse Auswüchse eines hemmungslosen Geltungs- bebürfnisses zu verallgemeinern unb nun hie tatsächliche Not unserer Volksgesamtheit für übertriebene Klagen eines böswilligen Schuldners zu nehmen. Von ben französischen Gästen ist eigentlich nur Herr Aristibe Brianb ber beutfchen Oefsenttichkeit eine vertraute Persönlichkeit. Der „ewige Außenminister“, Retter aus ber Not in manch schwierigen Frankreich den Besuch gewünscht habe, da es weder etwas zu erbitten noch zu erhalten trachte. Llnter diesen Llmständen fei es die erste Pflicht des deutschen Volkes, die französischen Minister korrekt und höflich zu empfangen. In Deutschland hätte man mit der Zeit merken müssen, daß Frankreich niemals vor Llnverschämt- heiten oder Drohungen kapituliere, daß man aber alles von ihm durch Höflichkeit und Aufrichtigkeit erlangen könne. Die von der Reichsregierung getroffenen Vorsichtsmaßnahmen für die Sicherheit der französischen Minister seien anerkennenswert. Es sei jedoch bedauerlich, daß derartige Maßnahmen überhaupt notwendig seien. — Der „T e m p s" betont, daß man sicherlich kein politisches Wunder erwarten dürfe, ebensowenig wie Ergebnisse, die die Lösung sämtlicher noch schwebenden Fragen erleichtern könnten. Es sei aber ein ebenso großer Irrtum, von einer reinen Höflichkeitsform zu sprechen. Cs gebe auf dem Gebiete praktischer Zusammenarbeit eine ganze Reihe von Fragen, deren Lösung dazu beitragen würde, Deutschland und Frankreich daran zu gewöhnen, gewisse Probleme gemeinsam zu behandeln. Oie Nationalsozialisten und her Ministerbesuch. München, 25. Sept. 1WTB-) Die Reichs- l c i f u n g der RSDAP. erklärt, es sei ihr zur Kenntnis gekommen, daß Linkskreise beabsichtigen, anläßlich des Besuches der französischen Minister durch Provokateure Rationalso- zialiften zu Kundgebungen in Berlin oder auf den Dahnhölen, die der Zug durchfährt, anzureizen. Es solle dadurch der französischen Regierung der Vorwand gegeben werden, ihre politischen Forderungen, die sich in erster Linie gegen die RSDAP. richten, neuerdings zu stellen. Die Reichsleitung verbietet daher allen Angehörigen der RSDAP. die Teilnahme an irgendwelchen etwaigen Kundgebungen gegen die französischen Minister. Parteigenossen, welche dagegen verstoßen, schließen sich von selbst aus der RSDAP. auS. 418 Millionen eine schweizerische Ausfuhr nach Deutschland von nur 138 Millionen gegenüber. Die Schweiz sei gezwungen, ihre Aktionsfreiheit zurückzugewinnen. Im Oktober werden Verhandlungen mit Deutschland statt- finden. Die Festsetzung von Einfuhrkontingenten sei ein gangbarer Weg. Die Schweiz hoffe, daß die Verhandlungen von Erfolg begleitet sein werden, so daß sich eine Kündigung desHan- delsvertrages mit Deutschland nicht als notwendig erweise. Bundesrat M u s y, der Leiter der Finanzabteilung im Nationalrat, sprach über die schweizerische Finanzlage und die Lage der Banken. Musy bezifferte die gesamten Aktiven der Schweizer Banken mit 22 Milliarden Franken bei einem Reservefonds von insgesamt 650 Millionen. Die ge- genüber dem A u s l a n d e von den schweizerischen Banken eingegangenen Verpflichtungen für Darlehen und Devisenankäufe betragen kaum 15 v. H. der gesamten Anlagen. Die Bankeneinkünfte aus ihren Auslandsanlagen, die wesentlich zum Ausgleich der ständigen Fehlbeträge der Handelsbilanz dienen, betragen 430 Millionen Franken. Der Redner legte dann die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr für die Schweiz dar. Gegenwärtig lägen bei der Nationalbank 680 Millionen Franken zinslos da. Das Völkerbundssekretariat will nicht sparen. Keine freiwilligen Einschränkungen. Genf, 25. Sept. (TU.) Innerhalb der zahlreichen Beamtenschaft des Völkerbundssekretariats haben sich in den letzten Tagen schwere Kämpfe abgespielt, deren Ausgang zu einer ernsten Schädigung des An- sehens der Beamtenschaft des Völkerbundes geführt hat. In den Verhandlungen des Haushaltsausschus- ses war übereinstimmend von sämtlichen Regie- rungsvertretern in dringender Form schärfste. Einschränkung der gesamten Ausgaben des Völkerbundes gefordert worden. Da eine rechtliche Handhabe hierfür nicht vorlag, war der Direktion ein derartiger Schritt nahegelegt worden. Es wurde daher übereinstimmend in allen Delegiertenkreisen damit gerechnet, daß der Generalsekretär des Völkerbundes allgemeinen Wünschen der Dölkerbundsversammlung Rechnung tragend, und als er st er freiwillig auf einen Teil seiner hohen Repräsentationsspesen verzichten würde, um der Beamtenschaft ein gutes Beispiel 3u geben. Das steuerfreie Jahresgehalt des Generalsekretärs beträgt gegenwärtig 190 000 Goldfranken. Der Generalsekretär ließ jedoch wissen, daher nicht die Absicht habe, auch nur auf den geringsten Teil seiner Einkünfte zu verzichten. In einer bewegten Versammlung der Beamtenschaft wurde darauf mit 414 gegen 402 Stimmen beschlossen, keinerlei auch noch so geringe Herabsetzung der Gehälter zuzulassen. Dieser Beschluß hat in den Delegiertenkreisen einen außerordentlich ungünstigen Eindruck gemacht, besonders da bekannt geworden ist, daß die gesamte französische Beamtenschaft mit dem französischen stellvertretenden Generalsekretär Avenol an der Spitze, die Parole gegen jede Einschränkung der Gehälter ausgegeben und gegen die vorgeschlagene Herabsetzung gestimmt hatte. Dagegen hat die gesamte deutsche Beamtenschaft geschlossen für die freiwillige Einschränkung der Gehälter gestimmt. Ein großer Teil der Beamtenschaft des Sekretariats hat nunmehr beschlossen, freiwillig und unabhängig von der Haltung des Generalsekretärs von sich aus auf einen Teil ihrer Einkünfte zu verzichten. * Reichsaußenminister Dr. Curtlus traf von Genf wieder in Berlin ein. Am Anhalter Bahnhof hatten sich zu seinem Empfang Staatssekretär von Bülow mit einer Anzahl höherer Beamter des Auswärtigen Amtes sowie Freunde des Ministers, darunter der finnische Gesandte W u o l i j o k i, eingefunden. GchwererKommunistenkmwallin Halle Halle a. d. S., 26. Sept. (TU.) Zu schweren Zusammen st ößen zwischenPolizei und Kommuni st en kam es vor dem Gebäude des Allgemeinen Konsumvereins Halle. Der Allgemeine Konsumverein, der sich seit langem ausschließlich in kommuni st ischenHan- den befindet, ist durch Mißwirtschaft an den Rand des Ruins gekommen. Ein Teil seines Grundbe- sitzes mußte versteigert werden. Die Schulden gehen bereits in die Hunderttausende. Neben rund 25 000 Mark Sozialbeiträgen sind auch die Gas - und Wasserrechnungen seit langem nicht an die städtischen Werke bezahlt worden. Am Freitagabend sollten im Hauptverwaltungsgebäude . des Allgemeinen Konsumvereins die Gas- und Wasseranschlüsse abgeschnitten werden. Als die Vollzugsbeamten mit starker polizeilicher Begleitung in der Landsberger Straße ankamen, wurden sie von mehreren hundert Kommunisten mit einem Bombardement von Steinen, Bierflaschen, Holzknüppeln usw. empfange n. Die Polizei ging mit Gummiknüppeln und Schreckschüssen vor. Mehrere Beamte wurden verletzt. Im Hof kam es zu einem Handgemenge. Ein Kraftfahrer versuchte mit seinem Lastwagen die Beamten an die Wand zu drücken. Ein Polizist sprang im letzten Augenblick auf das Auto setzte dem Führer die Pistole an den Kopf und konnte so ein Halten des Wagens erzwingen. Die Polizei verhaftete zahlreiche Personen, die aber von ihren Ge- nassen befreit wurden. Die Beamten mußten schließlich das Feld räumen. Kein kommunistischer Bürgermeister in Boizenburg. Doizenburg, 25. Sept. (WTB.) Mit 18 gegen 7 Stimmen wurde in der gestrigen Stadtverordnetensitzung ein Antrag der Fraktion der Bürgerlichen Einheitsliste, die Wahl des kommunistischen Rechtsanwalts Alex- ander zum Bürgermeister der Stadt für ungültig zu erklären, angenommen. Der Antrag stützte sich auf Formfehler, die der Wahl zugrundelagen. Rechtsanwalt Alexander hatte, wie seinerzeit gemeldet, seine Pläne als Bürgermeister, die u. a. Nichtdurchführung der Notver- ordnungen, Aufstellung einer Arbeitermiliz und ähnliches vorsahen, bereits bekanntgegeben. Durch die Ungültigkeitserklärung seiner Wahl treten die Bestimmungen der mecklenburgischen Notver- ordnung in Kraft, daß der bisherige Bürgermeister sein Amt bis zum 31. März 1932 weiter versieht. Dis dahin muß eine Neuwahl erfolgt sein. Säten für Uhr. — Wribo 5.31 Uhr. 1759: Genera bürg in Potsd heiligen Wan Die«? am 4. Olt DaSPoli; aus die Gieße Aus Grund nung in der Fc 1919 ift,für Hande'lsge Tetverbebe d'eBefchüft und Arbeitern । '"ta Zeit vv Detzem kosteten Futter 13&-1« Mutier dai Stück U-iry 8-10, De KnS-10, Aonnschkohi 8- robi H J Meerrettich 4( Stoffeln 3,5 4- Aepfel L 35, Ki Brombeeren 3 V 5°. AM ter bis j Tn» *3 ‘"-St! Sie Loti' Der?Lu, de' Ä« Sw’Ä'S fWft berge" A dbel -r-fe srÄ. gtt* spieler.ru Stärkst^ dem Die gesch'eg^ Chef, der herun sM er Gmnd gutmütig und h über M kann- ihm entgegen'^ nug wäre, tvurkx len, die semm ( Und dennoch i müssen, diese männlichen kenn er ist e da, während Du ich mich so ausl 5enn Männer kann sie leider ein freundliches bekommen hat. Solange der äußeren Erschei ein Lotteriespiel Gewinne geben, daß der Mann i sondern daß Ao lenkt und leitet daß die Frau ei und daß der Mai sei daS von de bekannten hypn mit Haut und S beiden Recht werden. Aur so viel ti kbnnten, wäre heiratet Und vermutl .Karlo »L ’s» J'füs UnöenJ^-.lör Un9 her e ln9' Verden,' Oer mandschurische Konflikt in Genf. Oer Völkerbundsrat in der Klemme. — Japan lehnt jede Intervention ab. Übernahme durch eine sehr geschickte Stimmungsmache in der Presse sorgfältig und von langer Hand vorbereitet zu haben. Francois Poncet gehört gewiß nicht zur diplomatischen Kategorie der Briefträger. Er hat eigene Ideen, einen großen persönlichen Ehrgeiz und will sich in suchs. Sein Grabgesang kn Genf klang müde und matt, senil und ideenlos, auf sein Pariser Publikum gemünzt, von dem er einen letzten Applaus ermattete. Stand er schon auf den Konferenzen von Paris und London im Schatten des Minifterpräfi- denten, so wird vermutlich der Berliner Besuch für den alten Kämpen der Schlußstein einer wandlungs- reichen politischen -Laufbahn fein, die diesen modernen Odysseus vom Sozialisten zum rücksichtslosen Unterdrücker des großen Eisenbahnerstreiks, zum Führer des zweiten Kriegskabinetts und schließlich zum Leiter der französischen Außenpolitik, der dem ersten Nachkriegsjahrzehnt seinen Stempel aufdrückte, geführt hat. So tritt für uns Pierre Laval in den Vordergrund des Interesses, der Ministerpräsident, der — eine interessante Parallele zu dem Verhältnis Brüning-Curtius — offenbar den Willen hat, fein eigener Außenminister zu fein. Ein Mann, dessen Auch in Frankreich dämmert es. Eine Pariser Großbank in Schwierigkeiten. Paris. 25. Sept. (MTB.) Die die haoasagen- tur berichtet, hatte der Finanzminister Aland in heute nachmittag eine lange Unterredung mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich, Hl o r et, dem Leiter der Finanzabteilung der Bank von Frankreich, und den Direktoren der großen Pariser Kreditinstitute. Bei dieser Gelegenheit wurden d i e Lage der französischen Börse und namentlich die Schwierigkeiten einer großen Pariser Bank eingehend geprüft Dabei handelt es sich um die B a n q u e Nationale de C r 6 d i t, deren Vorsitzender Vincent dieser Tage seinen Posten niedergelegt hatte. (Eine Kotierung der Aktien dieser Bank konnte heute nachmittag nicht Zustandekommen, volonte behauptet, daß die Bank sehr große vertu sie bei gewissen Finanz- geschäften und auch infolge des Zusammenbruchs gewisser ausländischer Banken erlitten habe. Es soll sich um 100 Millionen handeln. (Ein Verwaltungsrat sei schleunigst eingesetzt und vom Ministerrat bestätigt worden. Die „C r 6 d i t L y o n - n a i s“ soll es angeblich übernommen haben, die Banque Nationale de Crödit zu sanieren. (Es wurde ein Garantiefonds gebildet, der die Banque Nationale de Cr£dit in die Lage verseht, ihre Tätigkeit normal fortzusehen und allen ihren Verpflichtungen nachzukammen. Die Schweiz in der Wirischastskrisis. Abwehr des deutschen Imports. — Zwang zur Kapitalausfuhr Bern, 26. Sept. (WTB.) Im Nationalrat kamen heute ein von etwa 60 Mitgliedern aller Fraktionen unterzeichneter Antrag des bürgerlichen Nationalrates Tfchumi betr. Import von Holz und Induftrieprodukten in die Schweiz zur Behandlung. Bundesrat Schultheß, der Vorsteher des volkswirtschaftlichen Departements, erklärte sich mit dem Antrag einverstanden, da ein Schutz der schweizerischen Produktion sowohl für Holz wie auch eine ganze Reihe von In- dustrievrodukten notwendig fei. Der Import aus einer Anzahl von Ländern, namentlich auch aus Deutschland, nehme immer mehr zu, während der schweizerische Import im Abnehmen begriffen sei. Die Handelsbilanz im Verhältnis zu Deutschland weise ein großes Defizit auf. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres stehe einer deutschen Einfuhr in die Schweiz von etwa weitere Stellungnahme Vorbehalten müsse. Nach den Erklärungen des Ratspräsidenten könnte es den Anschein haben, als ob im Völkerbundsrat die Neigung besteht, es bei den bisherigen Schritten zur Beilegung des japanisch-chinesischen Konfliktes b e • wenden zu lassen und den Parteien direkte Verhandlungen nahezulegen. Diese Lösung würde, wie aus der heutigen Verhandlung zweifelsfrei entnommen werden konnte, den japanischen Wünschen vollauf entsprechen. Japan hat sich mit nicht mißzuoerstehender Deutlichkeit heute jede weitereIntervention des Völker- bunbsrates verbeten und die freiwillige schrittweise Räumung der außerhalb der Bahnzone besetzten Gebiete als Maximalzugeständnis erklärt. Dieser Richtlinie der japanischen Politik hat Lord Cecil mit einem Hinweis auf die Grenzen der Aktionsmöglichkeiten des Rates nach Artikel 11 ein gewisses technisches Fundament gegeben. Der Ten- denz, den Fall einstweilen für erledigt zu erklären, steht aber die Erklärung des chinesischen Vertreters gegenüber, daß die Räumungsmaßnahmen ganz ungenügend seien und daß die chinesische Regierung sich auf keine direkten Verhandlungen mit Japan einlassen werde, solange chinesisches Gebiet über die vertraglichen Rechte hinaus besetzt ist. Die weitere Gestaltung der Angelegenheit im Völkerbund wird nun in erster Linie davon abhängen, ob China an diesem Stand- E»unkte festhält und gegebenenfalls, um das Ver- ähren weiterzutreiben, Artikel 15 des Paktes anruft, •er ein regelrechtes Verfahren nicht nur zur Beseitigung der Kriegsgefahr, sondern a u ch z u r materiellen Re gelang eines Konflik - t e s vorsieht. Die vertraulichen Verhandlungen, bei denen die verschiedensten Einflüsse, nicht zuletzt die Rücksichtnahme auf die Vereinigten Staaten, eine Rolle spielen, werden aller Voraussicht nach noch eine Reihe von Tagen in Anspruch nehmen. Berlin das Sprungbrett schaffen, das ihn in der politischen Karriere voranbringen soll. Deshalb ist es notwendig, daß wir uns auch feine Person ein wenig näher ansehen. Anders als Pierre Laval, entstammt der neue Berliner Botschafter wohlhabenden 'Bürgerfreifen, der auch äußerlich sich in allem von seinem Chef unterscheidet. Ein schlanker Vierziger von elastischer, betont jugendlicher Haltung mit lebhaften Augen und flottem Bärtchen, elegant gekleidet, gewandt und selbstsicher, so wird er uns geschildert. Francois Poncet ist von Haus aus Germanist, der über Goethes Wahlverwandtschaften geschrieben hat und sogar eine Zeit lang Gymnasialunterricht erteilte, dann während des Krieges in der französischen Pressestelle in Bern arbeitete. Aach dem Kriege kam er mit Kreisen der französischen Schwerindustrie in Berührung, er organisiert für sie eine Auskunftsstelle über die weltwirtschaftliche Lage und kommt während der Ruhrbesetzung als Leiter eines Propagandadienstes nach Deutschland, das er schon von längeren Aufenthalten während seiner Studienzeit her gut kennt und dessen Sprache er fliehend spricht. Seine Rolle im Ruhrkampf zeigt anscheinend einige dunkle Flecken, zumindest ist sie umstritten. Er selbst behauptet, auch damals schon für eine versöhnlichere Politik und eine menschlichere Behandlung der gequälten Bevölkerung eingetreten zu sein. Man hat auch andere Lesarten gehört. Sei dem. wie ihm wolle. Francois Poncet schiebt sich energisch und zielbewuht immer höher hinauf auf der Stufenleiter des französischen Politikers. 1924 wird er Abgeordneter, 1928 Ünterstaatssekretär im Kultusministerium unter Poincare, aber erst 1930 erreicht er das erste Ziel seines Ehrgeizes, einen selbständigen Posten im Kabinett Tardieu als Staatssekretär für Nationalwirtschaft, ein Amt, das für ihn neu geschaffen wird und von dem er nun feine Fühler ausstreckt, um bald zu Einfluß zu kommen. Als der Botschafter de Margerie, ein persönlicher Freund des scheidenden Präsidenten der Republik, über die Zollunion zu Fall kommt und der Berliner Posten frei wird, wagt Francois Poncet den Hebergang zur Diplomatie, auch dies vermutlich nicht für ewig, denn er ist noch jung und ehrgeizig und will etwas erreichen. Das macht den neuen Botschafter au einer der wichtigsten Personen auf dem politischen Schachbrett. Er kommt mit einem Programm, und die Berliner Reise des Ministerpräsidenten soll vermutlich dazu dienen, den Boden dafür zu sondieren. Francois Poncet denkt eine Besserung der deutsch-französischen Beziehungen am schnellsten und sichersten durch wirtschaftliche Zusammenarbeit zu erreichen. Das zwar technisch glänzend ausgerüstete, aber kapitalarme Deutschland soll sich mit dem industriell vielfach rückständigen, doch finanzkräftigen Frankreich zu- fammentun zur Lösung großer wirtschaftlicher Aufgaben in beiden Ländern und auch in noch unerschlossenen Gebieten. Aber feine Ziele gehen über das nüchtern reale der Wirtschaft hinaus. Man sagt ihm nach, daß er, um für eine fran- |5öfifd)e Weltpolitik großen Stils die nötige Rückendeckung zu schaffen, auch die Bereinigung aller politisch zwischen Frankreich und Deutschland liegenden Fragen mit Energie betreiben wolle. Von der zunächst liegenden Frage der Reparationen ist in diesem Zusammenhang allerdings merkwürdigerweise nicht die Rede, um so mehr von einer Revision der Oft grenzen, die Francois Poncet sich so denken soll, daß wir den Korridor zurückerhalten und Polen durch eine 'Bereinigung mit Litauen entschädigt würde. Auch ein Entgegenkommen in der Rü» stungsfrage soll der Botschafter in der Form propagieren, daß auf der kommenden Abrüstungskonferenz deutsche Wünsche nach einer Aufrüstung in gewissem Umfange berücksichtigt würden, wogegen man Deutschlands Beistand gegen die See- rüftungen der angelsächsischen Mächte und Italiens erwartet. Wie weit diese Gedankengänge, die bei Interviews und Besprechungen mit dem neuen Botschafter durchgesickert sind, konkrete Hintergründe haben, muß unentschieden bleiben. Auch wie weit der Ministerpräsident Laval mit den kühnen Ideenflügen seines Botschafters mit» zugehen bereit wäre, ist eine offene Frage. Sie würden so sehr abstechen von der bisher gespürten Mentalität der französischen Politik, daß man mit großer Skeps is an ihre Erörterung herangeht. Aber bietet der neue Mann eine wirkliche Chance, so muß sie genutzt werden, wenn sie uns den Weg zur nationalen Gleichberechtigung, zur Sicherung unserer Ostgrenze und zur Gesundung unserer Wirtschaft öffnet. Aber Geduld und Z ä h i g ke i t sind Tugenden, die unser Volk so selten aufbringt und die es doch niemals notwendiger brauchte, als in diesen Jahren der Zeitenwende, wo in Politik und Wirtschaft alte Gebilde zur Rüste gehen und neue Linien sich erst undeutlich und verschwommen von düsterer Wolkenwand abheben. Genf, 25. Sept. ($11.) In der öffentlichen Sitzung des Völkerbundsrates kam es Freitag zu einer Aussprache über den japanisch-chinesischen Konflikt. Der Vertreter der japanischen Regierung erklärte, daß er auf das heftigste gegen die ungeheuerliche Verdächtigung der japanischen Truppen protestiere. Japan sei in den internationalen Verträgen die Eisenbahn» Aone zugesprochen worden, in der Japan nach Dem Vertrage berechtigt sei, 15 000 Mann zum Schutze des Lebens und Eigentums der Japaner zu halten. Der gesamte Zwischenfall sei durch oie Zerstörung der Eisenbahn durch chinesische Truppen entstanden. Der Rat würde einen Akt der Klugheit begehen, wenn er jeden vorzeitigen Eingriff vermeiden würde, der nur zu einer Verschlechterung der bereits in Besserung befindlichen Lage führen könnte. Der chinesische Regierungsvertreter verlangte sodann mit großer Energie vom Rat, eine sofortige Zurückziehung der japanischen Truppen bis zu der Linie herbeizuführen, die die japanischen Truppen am 18. September beseht hielten, ferner sofortige Wiederherstellung des bisherigen Status und sofortige Entsendung eines neutralen Untersuchungsausschusses des Völkerbundes. Der Rat sei in seinen Maßnahmen nicht frei, sondern an die Bestimmungen des Artikels 15 gebunden. Die stundenlangen Debatten des Völkerbundsrates wurden sodann abends ergebnislos abgebrochen und zunächst auf unbestimmte Frist vertagt. Der Ratspräsident erklärte, daß der Rat von der Zurückziehung der japanischen Truppen und der Verpflichtung der chinesischen Regierung, den Schuh des Lebens und Eigentums der Japaner in der Konfliktszone zu übernehmen, zur Kenntnis nehme und sich seine Bild auf den ersten Blick hin zumindest befremdet, wenn nicht gar enttäuscht. Eine mittelgroße, breitschultrige Figur, das gelbliche Gesicht mit niedriger Stirn von schwarzen Haaren überschattet, dunkle, tiefliegende Augen mit etwas verschleiertem Blick unter buschigen Augenbrauen, eher salopp als elegant gekleidet mit der ewig verrutschten weißen Krawatte als ausfälligstes Requisit seiner Würde, also keine imponierende Erscheinung, keine betonte Forschheit, kein Poseur, kein Mann der mitreißenden Rede. Aber wie uns dieser selbe Pierre Laval von Leuten geschildert wird, die ihn kennen und ihn an der Arbeit gesehen haben, ist er eine Persönlichkeit, die in hartem Lebenskampf gereift, sich lange genug abseits hielt, um Distanz zu gewinnen von ausgetretenen Pfaden, veralteten Methoden, überlebten Doktrinen. Ein armer Bauernsohn aus der Auvergne, jener rauhen und kargen Gebirgslandschaft Mittelfrankreichs, hat sich Laval in zäher Arbeit seinen Bildungsgang erschließen müssen, bis er studieren konnte, Advokat werden und dann auch oald über den Gemeinderat und das Bürgermeister- amt einer Pariser Vorstadt den Eintritt in das politische Leben sich erkämpfen können. Im Schicksalsjahr 1914 wurde er Deputierter, seitdem ging es aufwärts auch mit der Praxis, Laval wurde Senator und 1930 im Kabinett Tardieu erhielt er zum erstenmal ein Ministerportefeuille. Auch Laval kommt wie so viele später sehr seriös, sehr bürger- lich und national gewordene Politiker des modernen Frankreich vom Sozialismus her, aber nuch er hat sich zur bürgerlichen Mitte durchgemausert und präsidiert einem Kabinett, Das mit Dem Kriegsminister Maginot einen nationalistischen Heißsporn par excellence unD mit Dem LanDwirtschaftsrninister Tardieu, dem einstigen „jungen Mann" Clemenceaus in Versailles, einen ehrgeizigen Politiker in seinen Reihen hat, der noch nicht vergessen haben Dürfte, daß Laval als Ministerpräsident im Grunde nur ~ als sein Platzhalter gedacht war, der nun aber, einmal an Der Macht mit Der ganzen Zähigkeit, Die ihn auf feiner erstaunlichen Laufbahn nach oben führte, Die Zügel in Der Hand zu behalten geben«. Aber es ist gut, sich auch im Hinblick auf die be- vorstehenden Berliner Besprechungen dessen zu erinnern, daß das Kabinett Laval ein absolutes Verlegenheitsprodukt war, eine Uebergangsregierung, der erst die Persönlichkeit des Ministerpräsidenten in den erst acht Monaten ihres Bestehens zu der inneren Sicherheit verhalf, Die eine von neuen JDeen inspirierte aktive Außenpolitik erlaubt. Ein junger französischer Politiker, AndrL Siegfried, schreibt in einem gut unterrichtenden Buch über das heutige Frankreich: „Frankreich nimmt wirkliches Interesse nur an der Innenpolitik und kümmert sich um die andere nur gezwungenermaßen, wenn es sich verteidigen muß. Sich selbst überlassen, interessiert es sich nur für sich selbst. Dies ist vielleicht heute das größte Hindernis für die Eingliede- rung des französischen Gedankens in die bestehende Ordnung der Welt." Diese kluge Beobachtung erklärt vielleicht die außerordentlichen Hemmungen, die jeder aktiven französischen Außenpolitik entgegenstehen. Auch Laval brauchte ja erst den Anstoß von außen durch das Hoovermoratorium, um für feine Person die Wendung zur Außenpolitik zu nehmen, die in der Folge zur langsamen Kaltstellung Briands führte. Aber zu jeder außenpolitischen Initiative gehört Mut und es ist schon ein Beweis für Die wachsende Autorität Des ursprünglich nur als Provisorium gedachten MinisterprüsiDenten, Daß er Die Berliner Reise wagen kann, Denn Die einflußreichen Kreise, Denen Die „Sicherheit" Frankreichs, Das in ihren Augen von allen Seiten um Die Früchte seines Sieges geprellt roerDen soll, das A und O ihrer Politik ist, reichen bis weit in Das Kabinett hinein, sie protestieren heftig gegen jehen Versuch einer Deutsch-französischen Annäherung, Der ihnen Die Basis Des Versailler Diktats zu verlassen scheint, unD sie roerDen nicht zögern, dem Minnister- präfibenten ihre Unterstützung zu versagen, der er aus innerpolitischen Gründen bedarf, wenn er den Deutschen Zugeständnisse machen sollte, Die ihrer Meinung nach Frankreichs Machtstellung schmälern könnten. Es ist gut für uns, diese sehr engen (Sren- xen zu sehen, die sich aus dieser innerpolitischen Lage für den französischen Ministerpräsidenten ergeben. Das wird uns, Die wir ohnehin mit reichlicher Skepsis Dem Berliner Besuch entgegensehen, vor Enttäusthungen bewahren. Gewisse Kreise in der französischen Politik, und noch mehr in der französischen Wirtschaft, sehen jedoch trotz dieser Hemmungen in der durch die Zurückdrängung Englands und die notgedrungen reservierte Haltung der Vereinigten Staaten veränderten weltpolitischen und weltwirtschaftlichen KonsteNation den günstigen Augenblick für Frankreich, auf den Spuren des ersten Napoleon den großen Sprung in die Weltpolitik zu wagen. Wortführer dieser Ideen ist der neue französische Botschafter in Berlin, Herr Francois Poncet, der erst in diesen Tagen das Palais am Pariser Platz bezogen hat, nicht ohne seine Amts- Mondaufgang 18.15 Uhr. Monduntergang Samstag. rücksichtigi werden. Baugenossenschaft 1694,20.15 Uhr. Hauptvcrsarnm- "WahrendderHerb st messegesperrt, lung, Gcwcrkichqftshaus. — Handgewebeausftel- | Dos Polizeiamt teilt mit: Wahrend der Dauer der Uhr 5.31 L>ornot»zcn. Tagc-kalender für Jfire Anzeigen werden durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben wenn Sie sie frühzeitig genug aufgeben 1759: Generalfeldmarschall Graf Porck von Wartenburg in Potsdam geboren; — 1815: Abschluß der Heiligen Allianz in Pari». Oie Gießener Geschäfte sind am 4. Oktober nachmittags geöffnet. Da- Polizeiamt Gießen teilt im Hinblick auf die Gießener Oktobertage mit: Auf Grund des § 105b der ReichSgewerbeord- nung in der Fassung der Verordnung vom 5. Febr. ISIS ist.für alle Geschäftszweige de- Handelsgewerbes der Stadt Gießen der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen, die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern am Sonntag, 4. Oktober 19 31, in der Zeit von 13 bis 18 Llhr gestattet. Gießener Vochcnmarktpreise. 2- kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130—150, Matte 30—35 Df. daS Pfund, Kochbutter daS Pfund von 1 Mr? an, Eier das Stück 11-12 Pf., Käse 10 Stück 60-140 Pf., Wirsing 8—10, Weißkraut 6—7, Rotkraut 8—10, Gelbe Rüben 8—10, Rote Rüben 8—10, Spinat 20—25, Römischkohl 8—10, Dohnen 15—25, älnter-Kohl- rabi 5—6, Tomaten 20 -25, Zwiebeln 8—10, Meerrettich 40—80, KürbiS 5-6, Pilze 20—25, Kartossein 3,5-4, Frühäpfel 8-10, Falläpfel 3 bis 4, Aepsel 8—10, Birnen 8—15, Dörrobst 30 bis 35, Pfirsiche 40-60, Preißelbeeren 30 -35. Brombeeren 30— 35, Zweischen 8—10, Honig 40 bis 50, Vüste 30—40, Zunge Hähne 90—100, Suppenhühner 80—100 Pf. das Pfund, Tauben 50—60, Blumenkohl 30- 70. Salat 5—10, Salat- gurken 15—20, Einmachgurken 2—4, Endivien 10 vis 15, Ober-Kohlrabi 8—10, Lauch 5—10, Rettich 10—15, Sellerie 10—40 Pf. daS Stück, Radieschen 10—15 Pf. daS Bund, Kartoffeln 2.80 biS 3 Alk., Aepsel 5 -7 Mk.. Weißkraut 3-4 Mark, Wirsing 6 Mk., Rotkraut 6 Mk. per Ztr. Aus aller Welt. Durch die einstürzende Zimmerdecke getötet. Ein schwerer LlnglückSfall ereignete sich bei einem Landwirt in einem Dorf bei Le Mans. Der Besitzer, seine Frau und seine beiden Töchter sahen in der Küche beim Mittagessen, als plötzlich die Decke einftünte und die vierköpfige Familie unter sich begrub. Während der Besitzer und seine jüngste Toch- t e r durch die herabstürzenden Dalken erschla - ?e n wurden, erlitten die Frau des Besitzers und ie ältere Tochter lebensgefährliche Verletzungen. Schwalbcnlranrporle in Flugzeugen über die Alpen. Auf Veranlassung des Tierschuhvereins Wien sollen Hunderte von Schwalben, die auf ihrem Zuge nach dem Süden durch den Wetter- sturz hier aufgehalten wurden, und dem Verkommen ausgesetzt sind, mit Flugzeugen über die Alpen befördert werden. Die Tiere, die allenthalben an Gebäuden Unterschlupf suchen, und sehr zutraulich geworden sind, lassen sich leicht einfangen, DaS Flugzeug, das morgen nach Venedig startet, wird den ersten Transport der in besonders hergerichtcten Kisten untcrgebrachten Schwalben besorgen. Am Samstag fliegt ein grt>- •• Schließt d i e Reihen! Aus dem Stadt- theaterbureau wird uns geschrieben: Vergeht nicht, daß die deutsche Gcisteskultur ein wesentliches Moment ist, unser Vaterland selbst in den schwersten Zeiten wieder in Front zu stellen. „Der Verlust an Materiellem, den wir erlitten, kann nur durch Gewinn im Geistigen aufgehoben werden. Daher braucht das deutsche Volk sein Theater" — so sagte Walter von Molo. Steht nicht zurück, stützt das Theater, werdet Abonnenten des Stadttheaters Gießen, dos am 2. Oktober seine Winterspielzeit beginnt. •• Stadttheater - Abonnement. In einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Einlösung des ersten Abschnittes der Stadttheater-Abonnements für Dienstag, Mittwoch und Freitag fällig ist. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hinaewiesen. ** D i e Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei ge- wohnlichen Preisen geöffnet. ’• Anlagenkonzcrt findet morgen, Sonntag, 11 Uhr, durch da- MusikkorpS unseres Bataillon- bei günstiger Witterung in der Südanlage statt. Die Musikfolge ist: 1. Armeemarsch 11, 258, .Revue-Marsch" von A. Reck- ling. 2. Ouvertüre zu: .Wallensteins Lager", von Fr. Rosenkranz. 3. Fantasie aus der Oper: .Pre- ciosa", von E. M. v. Weber. 4a) Armeemarsch II, 246, Bayerischer Defiliermarsch, von A. Scherzer; b) Armeemarsch II, 241, Schwedischer Kriegsmarsch (Djbrneborgarnes). 5. „Operetten-Revue", Potpourri, von O. Fetras. 6. Armeemarsch II, 262, Marsch deS Hess. KreiSregiments und des Regiment- .Landgraf". " Weit ere Preissenkung im Schuhmacher-Handwerk! Man schreibt unS: Die Schuhmacher-ZwangS-Znnung für Stadt und Landkreis Giehen Hot sich, wie aus unserer heutigen Ausgabe ersichtlich, in richtiger Erkenntnis der derzeitigen schwierigen Rotlage entschlossen, auch mit Rücksicht auf die Erwerbs- und Der- dicnstlosigkeit in den kommenden Wintermonaten, ihre Preise abermals zu senken. Die vorgenom- mene Preissenkung erfolgt auch im Rahmen der unter Führung deS städtischen Wohlfahrtsamtes beabsichtigten Winterhilfe für Erwerbslose und Unbemittelte. Der Schritt der Schuhmacher- Zwangsinnung ist auch insofern zu begrüßen, als tu Innung dadurch versucht. Arbeitsmöglichkeit:n sowohl für die notleidenden Handwcrl-betriebe zu schaffen, al- auch manchem erwerbslosen Schuhmachergcsellen Verdienstmöglichkeit in den Wintermonaten zu geben. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß insbesondere die mit der Hand ausgeführte Echuhmacherarbeit gröhte Dauerhaftigkeit gewährleistet. Wir empsehlen daher, das Entgegenkommen der Schuhmachermeister dadurch zu würdigen, daß diese von der Dürger- schast bei auszusührenden Lchuhreparaturen 6e- Herbftrnesie, von Sonntag, 27. September, bl» einschließlich Sonnlaa 4. Oktober, wirb die Kirch- ftrafje zwischen Neustadt und Wetzsteingasse täglich von 11 Uhr ab für den gesamten Durchgangsverkehr polizeilich gesperrt. •• Der nächste Rinder- (Nutzvieh-) Markt findet am Dienstag^ 29 September, der nächste Schweinemarkt am Mittwoch, 14. Oktober, statt. Die Gewerbeschule Gießen macht tm heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß am 2. Vovembcr die Semester für die Baugewerbe-. Schreiner-. Maler- und Schuhmacherfachschule mit dem Ziel der staatlichen Abgangs- Prüfung beginnen. Interessenten seien besonder- daraus hingewiesen. •• Tine Modenschau de» Kaufhauses Schmücker. Am Montag und DienstagJ)er nächsten Woche veranstaltet bas Kaufhaus Schmücker in den Räumen bes'Cafe Amenb, Bahnhofstraße, seine diesjährige Modenschau. Den Besuchern wird Gelegenheit gegeben sein, das Neueste auf dem Ge- biete der Mode kennen zu lernen und sich gleichzeitig gut zu unterhalten. Nähere» In der heutigen Anzeige. •• Eine Wanderung von Thüringen zum Rhein. Wan berichtet un-: Am 14. September sind fünf Mitglieder de- Thüringischen Rennsteig-Verein- von Gerstungen a. d. Werra aufgebrochen, um auf den von Prof. Dr. Sommer- Gießen in seinen Schriften angegebenen Wegen vom Thüringischen Rennsteig zum Hessischen Rennweg und über den Westerwald zum Rhein zu gelangen. Die Wanderung ging über Berka a. d. Werra, Friedewald nach Hersfeld (im Fuldatal), dann über Kirchhain a. d. Aula zum Rimberg (nördlich von Alsfeld) und quer durch daS nördliche Oberhcssen nach Homberg a. d. O., von hier über Burg Vordeck, die vorgeschichtliche Höhle bei Treis a. d. Lumda, den Totenberg nach der Burg Staufenberg, wo die Wanderer von Gießen aus begrüßt und nach einem Empfang-abend in Gießen weitergeleitet wurden. Der weitere Marsch erfolgte von dem uralten Lahnübergang bei Odenhausen an der Altenburg vorbei zum Krofborfer Waldhaus, über den Dünsberg nach Königsberg und auf dem Hessischen Rennweg am Sonntag, 20. September, nach Herborn an der Dill. Bon hier führt der Weg über Rennerod auf der Höhe des Westerwaldes, Westerburg, Siershahn. RanS- bach, Grcnzhausen, mit Durchquerung deS Limes, nach Engers zu den geschichtlich berühmten Rhein- Übergängen. Der Wanderweg soll durchs das Zeichen H (Hessen) festgelegt und wenn möglich durch eine Schuhhütte am vorgeschichtlich bedeutungsvollen Rimberg erleichtert werden. ** Kirchweihfest Im Kurhaus Bad- Nauheim. Die Kurverwaltung veranstaltet au» Anlaß des Kirchweihfestes in Bad-Nauheim am morgigen Sonntagnachmittag ein Konzert des Kurorchesters und einen Tanz-Tee. Um 20 Uhr findet bann der Kirchweihball statt. Für den Montag sind ebenfalls Konzert, Tanz-Tee und Tanz am Abend vorgesehen. Näheres in der heutigen Anzeige. " Ueberzählige Katzen. Der Gießener Tierschutz-Verein schreibt uns: Cs sind jetzt im Herbst wieder viele junge Katzen geboren worden. Den Eigentümern wird empfohlen, alle überzähligen Katzen rasch und schmerzlos zu töten ober töten zu lassen, und zwar nicht im Beisein des Muttertieres. Keinesfalls dürfen die Tiere ausgesetzt ober in unzuverlässige Hände verschenkt werden. Solche Katzen gehen meistens einem kläglichen Schicksal entgegen, ganz abgesehen davon, daß sie, oft zum Wildern gezwungen, der Vogelwelt großen Schaden zufügen. lung von Schloß Westerburg deS BDI., 10 bi- 13 und 15 bis 20 Uhr. Lichtspielhau-, Bahnhofstraße: „3m Westen nicht- Reue-". — ^storia-Licht» spiele, SelterSwea. .Auf Leben und Tod und .Der Karawanenführer von Oklahoma". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater. WerbevorsteUungen, Anfana 16 und 20 Uhr — Oberhessischer Kunstverein, IubilLumS- au-stellung. 11 bi- 13 Uhr, TurmhauS am Brandplatz — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Lichtung Australien! Achtung Asien!- (Kulturfilm). — Svanaclische Petrusgemeinde, Gemeindetag, 14.30 Uhr Liebiashöhe. — Sp. Dg. 1900, 9.30 Uhr, Verein-meisterschaften. — GAG., IS Uhr, Abrudern. — M. T V., Handballspiele ab 13 Uhr. — Paddlergilde, Abpaddeln, Beginn 11 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ,3m Westen nicht- Reut-". — Astoria-Lichtfviele, Sel- terSweg. .Auf Leben und Tod" und .Der Kara- wanenfuhrer von Oklahoma-. — Kundgebung des Stadttheaters Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Das Stadttheater Gießen veranstaltet morgen eine Kundgebung zur Erhalluna des deutschen Theaterwesens. Chefredakteur Dr. Oskar Goetz, der Leiter des „Deutschen Theaterdienstes", Berlin, würbe al» Redner gewonnen. Da» Mitglied des Ensembles, Beatrice Doering, wird einen von Dr. Alfred Bock verfaßten Prolog sprechen. Daran schließt sich unter der Spielleitung von Wolfgang Kühne die Aufführung des Einakters: „Der ver- wandelte Komödiant" von Stefan Zweig an. Mit- wirkende des Spiels: Maria Koch, Edith Sachse, Karl Bruck, Karl Heyser, Walter Michel. Beginn der Shinbgebungen 16 und 20 Uhr. — Evangelisation-vorträge. Der Evangelist Paul Schwefel, der schon früher in Gießen sprach und stet- stark besuchte Versammlungen sand, wird auch in der nächsten Woche von Montag ab bi- einschließlich Sonntag, 4. Oktober, im Saale der Ehristlichen Versammlung Gießen, Lindenplatz 1 (Eingang Wetzsteingasse), öffentliche Vorträge halten. Wie man uns schreibt, ist der Evangelist Paul Schwefel ein bedeutender Redner, der feit vielen Jahren im 3n- und Ausland durch seine Vorträge in großem Segen wirkte. VähereS im heutigen Anzeigenteil. — Der Efperirnentalpshchologe Erik S e n i hält am Samstag, 3. Oktober, im Katholischen DereinshauS einen Vortrag über „Uebersinnliche Grenzgebiete", in dessen Rahmen er auch einige Experimente vorführen wird. 3n Marburg mußte dieser Vortrag, der — wie un- mitgeteilt wird — auch in anderen Städten beifällig ausgenommen wurde, wiederholt werden. VähereS in der heutigen Anzeige. Aus der provinzialhaupifiadt. Dießen, den 26. September 1931. Lottenespiel der Ehe. Wir Frauen wollen un- über eine« klar fein: Der Wann wählt sich in den weitau- meisten Fällen die Frau, deren Gesicht und Mgur ihm gefällt. Sr wählt sie also um ihrer Erscheinung willen. Schon allein au« dieser Tatsache erkennt man Mc Berechtigung der Wichtigkeit und Bedeutung, die eine Frau ihrer äußeren Erscheinung beilegt. Wenn ein Mann ein weibliche« Wesen kennen lernt, das ein entzückende« Gesicht, hübsche Augen und gesunde Zähne hat. und da« außerdem noch vollkommen gewachsen ist, so wird et wohl keine Minute darüber Nachdenken, daß sich unter dieser schillernden Schale vielleicht ein tauber Kem verbergen kann. Die Frau aber liebt den Mann wegen dessen, was er ist und nicht wegen dessen, wa« er scheint. Sie liebt ihn wegen seine« Tharakter«, wegen seine« männlichen Willen«, seiner Stärke, leine« Erfolge« in geschäftlichen und persönlichen Dingen. Der gesunde Backfisch schon wird in hoffnungsloser Liede entflammen zu dem besten Fußballspieler, zu dem schnellsten Motorradfahrer, zu dem Stärksten dem die andern au« dem Wege gehen. Die geschieaelten Herrchen, fci sogar ihre Locken kräuseln, die stolz sind auf die Farbe ihrer Schlipse, und auf die Länge de« Taschentuchzipfel-, der au« der Drusttasche hcrau-hänat, zählen nicht. Spätes, im Geschäftsleben, ist es nicht ander«. Der hornbedrillte, zierliche, schwächliche, seelisch asthmatische Ehe! wird mitleidig belächelt werden. Aber der starke, kühne, rücksichtslose, intelligente Ehef. der herumwettert wie ein gereizter Löwe, sobald er Grund zum Aerger hat, der aber auch gutmütig und httsSbereit der Schwachheit gegenüber sein kann: — alle weiblichen Herzen werden ihm entgegenschlagen. und wenn er feinfühlig genug wäre, würde er Die bewundernden B.icke fühlen, die seinen erfolgreichen Weg begleiten. Alnb dennoch werden wir Frauen zufrieden sein müssen, wenn wir einen Wann bekommen, der alle diese männlichen Eigenschaften nicht hat. Denn er ist einmal gekommen: — er war halt da, während die andern vergriffen waren, wenn ich mich so auSdrücken darf. Denn Männer find wie Hochzeit-gefchenke: Man kann fte leider nicht immer au-fuchen und muh ein freundliches Gesicht machen, wenn man fte bekommen hat. Solange der Mann sich feine Frau nach ihrer äußeren Erscheinung wählt, wird die Ehe immer ein Lotteriespiel fein. Ds wird mehr Vielen als Gewinne geben. Zwar behauptet Schopenhauer, daß der Mann überhaupt nicht selbständig wählt, sondern daß Vaturwille ihn, der stets blind ist, lenkt und leitet, lind Bernhard Shaw behauptet, daß die Frau e« stet« ist, die den Mann wählt, und daß der Mann da- arme, willenlose Kaninchen fei da« von der weiblichen Schlange durch den bekannten hypnotischen Blick gebannt und dann mit Haut und Haaren verschluckt werde. Wer von beiden Recht hat, wird wohl nie ergründet werden. Vur so viel weiß ich: Wenn wir Frauen wählen könnten, wäre jeder nette und gute Mann verheiratet. Und vermutlich mit der falschen Frau. M. A. Taten für LamStaq, 26. September Sonnenaufgang 6 16 Uhr, Sonnenuntergang 18.16 ße« Flugzeug eigen« zu diesem Zweck nach Venedig. Anderthalb Millionen Kraftfahrzeuge In Deutschland. 3m Deutschen Reich wurden am 1. Juli 1931 tu»« gesamt 1 507 129 Kraftfahrzeuge, davon 792 075 Krafträder, 522 943 Personenkraftwagen und 161 072 Lastkraftwagen gezählt. Der Krastsahrzeugbestand ist damit gegen bas Vorjahr um rund 6 v. H. angewachsen, wahrend Vie entsprechende Zunahme 1929 30 rund 17 v. H. und 1928 29 sogar rund 30 v H. betragen hatte. 3m einzelnen ist die Zunahme bei den Krafträdern um rund 8 v. H. gestiegen, im Vorjahre um rund 20 o. H., bei den Personenkraftwagen um rund 4 v. H., im Vorjahre um rund 16 v. H., bei den Lasikraslivagcn um rund 2 v. H, im Vorjahre um rund 9 v. H. Die größte Zunahme weisen auch in diesem Jahre die Kleinkrafträder auf: 21 v. H. gegen eine Vermehrung von 39 v H. im Vorjahre. Der Anteil der ausländischen Marken ist durchweg etwa» zurückgegangen. Jührcrwechsel Im Deutschen Psadsinderbund. Der Deutsche Psadfinderbund hielt dieser Tage in Erfurt ein Treffen ab. an dem über 400 Führer tcilnabmciL Der bi«herige Reich-vogt de« Deutschen PfadfinderbundeS. Forstrat Fabriciu«. übergab nach siebenjähriger Leitung die BundeS- führung Herbert Hirschberger, DreSlau, der feit zehn Fahren die Ostmark de« Bunde« führt. Gerüchte, der Deutsche Pfadfinderbund wolle sich mit der Freischar junger Ration z u - ammenschließen, sind unzutresfend. In der kommenden Zeit wird der Deutsche Pfadsindcr- bund vielmehr mit verstärkter Kraft den inneren Ausbau des Bunde- betreiben und hi-her noch nicht erfaßte Teile der deutschen Jugend zu gewinnen suchen. Neuer Schnelligkeitsrekord für Eisenbahnen. Der Deltschnelligkeitsrekord für Eisenbahnen ist durch den „Cyeltenham Flyer", dem raschesten Zug Englands, aufs neue gebrochen worden, der die 77| englische Meilen lange Strecke von Swinden nach dem Paddington-Bahnhof in London in 59 Minuten zurücklegte. Der Zug erreichte eine Durchschnittsgeschwindiakeit von 80 englischen Meilen oder rund 13 2km In der Stunde. Bei der Ankunft in London wurde der Zugführer von Beamten der Eisenbahn, die die Fahrt mitgemacht hatten, beglückwünscht. Oie Wetterlage. igl/hr löst ZR Mi 555 jbtrdt II Pans riai .7>r OWültenios. O aeitn ® n,i» wotrn. » voixio • vrdeciL «Peflen # 3(hntc Atriupcin • McOel K 6rwüUr©W.nd>tiiiL-O KM Hkhter On «n»tt>orr ludltidwesi Q "ordwtjfc ßit Ment fliegen mit dem winde 0>e ovden JtiUonen dienenden zo kn geden die Temperatur an v e Limen vergingen Orte mH gleithtW lut neercjni/eeu umgereennettn Luftdruck Wettervoraussage. Roch immer liegt Deutschland im Greifbereich zwischen dem kräftigen Hochdruckgebiet über den britischen Llnseln und dem Ties über Polen. Das gestern morgen über dem Kanal gelegene Regengebiet hat un- bereit- in den Abendstunden erreicht, aber nur geringen Sprühregen verursacht. Da die Polenstörung weiter östlich abxiebt, so dürfte unser Wetter von dem Hochdruck bestimmt werden. Wohl wird es durch den Zustrom der maritimen Luftmassen vorübergehend noch zu CCBoHenbiliyiig kommen, jedoch dürfte vorwiegend heiterer Himmel sein. Die Temperaturen steigen tagsüber noch etwas an. Borhersage für Sonntag: Morgen- stellenweise Dunstbildung, tagsüber aufheiternd, vorübergehend auch bewölkt, Temperaturen wenig verändert, trocken. VorhersagesürMontag: Keine wesentliche Aenderung. Lufttemperaturen. Am 25. September mittags 12,6 Grad Celsius: abends 11,4 Grad. Am 26. September morgens 11,7 Grad. Marimum 12,7 Grad. Minimum 7.0 Grad. Viederschläge 0,1 Millimeter. Sonnenscheindauer l1/» Stunden. ■UnKute» Barometer l*t derzuverla*wleb. Anz. Ev. Beamtentochter, 26 Jahre, tüctitiguno fleiQ., sacht Stelle als Stütze mit Farn-Anschluß. Schrift!. Angeb. unt. 05558 a b.Gieb.An». Suche Stellung in Konditorei wo ich nachmittags dasBerkaussgeschaft sowie Servieren erlernen kann. Bin im Kochen sowieHaush. gut erst belie überall gern mit. Schr.Ang. unt. 05533 a. d. G. A. Suche für ein kräftiges, sauberes, kath. Mädchen Stelle a. Diensttnäd- chen tn kaih Familie. Etwaige Herrschaft^ bie bas Mädchen nehmen, erhalt. Auskunft burch den Vertrauensmann dcS W. a. Jgda. D., Lehrer E. 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Blosse, Frankfurt BL Konkursverfahren. lieber das Vermögen des Georg Gümb- lein in Gießen, Neuen Baue 5, wird heute am 25. September 1931, nachmittags 4 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet, da der Schuldner zahlungsunfähig ist. Der Rechtsanwalt Dr. Kah in Gießen, Bahnhofstraße 48/50, wird zum Konkursverwalter ernannt. 6396V Konkursforderungen find bis zum 10. Oktober 1931 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Donnerstag, den 22. Oktober 1931 vormittags 9 Uhr vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer Nr. 106, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Kon- kursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemein- schuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 10. Oktober 1931 Anzeige zu machen. Hessisches Amtsgericht zu Gießen. Stadltheater-Abonnement Die Einlösung des ersten Abschnitts der Abonnements für Dienstag, Mittwoch und Freitag hat an der Theaterkasse, Johannes- straße 3, zu erfolgen, und zwar: 6365C Montag, den 28. September, für die FreitagsAbonnenten, Dienstag, den 29. September, für die Dienstags-Abonnenten. Mittwoch, den 30. September, für die Mittwochs-Abonnenten in der Zeit von 10 bis 13 Uhr und von 16 bis 18 Uhr. Nach Einzahlung auf Postscheckkonto Frankfurt am Main Nr. 37210, Kasse des Stadttheaters Gießen erfolgt Ueberfendung der Abonnementskarten. Die zu zahlende erste Rate beträgt für Profzeniumsloge, Rangloge und RM. 1. Rana (Reihe 1 und 2) 20 1 Rang (Reihe 3 und 4), Sperrsitz (Reihe 1 bis 9) 18 Logen-Rückplatz 1. Rang (Reihe 5 bis 6), Sperrsitz (Reihe 10 bis 13) 12 Sperrsitz (Reihe 14 bis 18), 2. Rang (Reihe 1) 10 2 Rang (Reihe 2 und 3) 6 2. Rang (Reihe 4 und 5) 4 Die Einlösung muß vor der 1. Abonne- mentsoorfteUung erfolgt fein. Gießen, den 25. September 1931. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm. Kaufgesuche Staus AU tauien gesucht. Ausführliche schrill' liebe Angebote unier 05535 a. d. Gieß. Anz. 3u laufen gesW: Nicht zu groß, antik. Schrank, 2 Nachttische (dunkel Eiche», 1 Schreibiischstiihl, 2-4 Stühle (Nußb.l, 1 ar Wiener Kaffee» maschine. SchV. Ang. u. 05545 an den Gieff.Anzeig. Gut erhalienes, ge- brauchies Motorrad zu kaufen gesucht. Schristl. 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Längengrad bildet die sogenannte Datumgrenze. Da das Schiss, westwärts sahrend, die Uhr täglich zurückstellen muh (ostwärts umgekehrt), so hätte man am Ende der Reise um die Welt rechnung-mäßig einen Tag verloren. Darum wird aus der konventionellen Scheidelinie der östlichen und der westlichen Halbkugel westwärts ein Tag übersprungen, ostwärts ein Datum zweimal gezählt. Wir haben jeden Tag aus unserem .President Wilson" drahtlose Nachrichten von Osten und Westen. DaS meiste ist Sport, namentlich Fliegerei, amerikanische innere Poli» ttif. und allerlei Gesellschaftliche-; von europäischer Politik nur wenig. Deutschland und Frankreich fehlen fast ganz. Seit Tagen richtet sich bei jedem von unS Passagieren, wenn man morgens nach dem Frühstück die Radiozeitung in der Kabine findet, der erste Blick auf den Bericht auS London, meist den einzigen auS Europa, und den auS dem Heber» fchwemmungsgebiet in C h i na. Die urdjtbare Katastrophe, vielleicht die größte, die ich in geschichtlicher Zeit ereignet hat, bewegt jerabe unser Schiss sehr, denn säst die Hälfte »er Passagiere sind amerikanische Mis- l o n a t e und Lehrer, die mit ihren Angehörigen vom Urlaub nach China zurückkeh» ten, oder Aum erstenmal aus ihr Arbeitsfeld geschickt werden. Die amerikanische Missionsarbeit in China besteht meist im Betrieb amerikanischer Schulen für junge Chinesen, ohne Rücksicht daraus, ob sie an die Tause denken oder nicht, und sie hat China, d. h. daS mvoerne Reformchina, fast schon zu einer geistigen Provinz Amerikas gemacht. Mindesten- zwei Drittel der jungen chinesischen Generation, die überhaupt westliche Bildung hat, sind durch amerikanische Schulen gegangen, und viele Hundert haben ihre Ausbildung auf amerikanischen Universitäten fort- gefeit. Amerika hat seinerzeit seinen ganzen Anteil an der Boxerentschädigung, mehrere hundert Millionen, dazu bestimmt, Chinesen eine amerikanische Bildung zu geben, und ich erinnere mich, wie mir schon vor 20 (Zähren einmal ein amerikanischer Kaufmann in China sagte: Jeder von unseren Missionaren ist mir geschästlich tausend Dollar im Jahr wert, warum soll ich der Mission nicht 1 Prozent Kommission vergüten? Das Radio meldet: Alle Schisse der amerikanischen Marine in China haben den Befehl, in- Ueberfchwemmungsgebiet zu fahren, und wen fie in Lebensgefahr finden, aufzunehmen und zu verpflegen! Was ist das unter so viele, kann man fragen, aber es ist eine starke und kluge Geste, die man in China den Amerikanern nicht vergessen wird. Auch Deutschland hatte einmal ein KreuAergeschwader in China, aber das liegt bei den Falklandinseln aus dem Grunde des Atlantischen Ozeans: es kann nicht mehr zur,Rettung der Ertrinkenden nach Hankau. Wir müssen andere Mittel brauchen, um den Chinesen zu zeigen, hast auch Deutschland für fie etwas bedeutet. Um dieses Gedanken- willen bin ich ja unterwegs nach China — aber wer weih, ob gerade Hankau in vier Wochen wieder zugänglich, oder ob es noch eine Stätte de- Grauens und der Verwüstung sein wird! Diepserde auf derVodenkammer. Don Wilhelm Schäfer. 3n der Richmondisstraße zu Köln.sieht man in einem Bodenfenster zwei Pferdeköpfe aus Holz geschnitzt, al- blickten sie hinunter auf die Straße. Da wohnte vormals Herr von Andocht mit feiner Frau Richmondis; die war nicht nur ein Engel für die Armen, fonöem auch für ihren Mann, der fie um ihrer Schönheit und Seelengüte willen über alleS liebte. Doch da kam der schwarze Tod nach Köln, und von den Armen, die fie unerschrocken pflegte, brachte Richmondis die Krankheit in ihr reiches Haus. Am dritten Tag lag sie im Sarg, aber in einer so unversehrten Schönheit, daß ihr Mann sich lange nicht von ihr zu trennen vermochte und ihr schliehlich einen zweiten Goldreif an den Finger steckte, desgleichen er auch für sich selber hatte machen lassen: wie wenn er ihr zum andern- mal die Treue, auch sür den Tod, geloben wollte. Weil aber der Sarg nicht in den Boden kam, sondern unter der Apostelkirche in einer Gruft bestattet wurde, stiegen noch zur selben Nacht die Totengräber ins Gewölbe und gedachten ihr die Ringe von der Hand zu ziehen. Kaum hatten sie die Schrauben losgemacht und den Deckel vom Sarg gehoben, da hörten sie tief seufzen und sahen ihre weiße Hand sich auf den Sargrand legen; darüber faßte sie der Schrecken so, daß sie den Deckel auf die Steine fallen ließen und entflohen. Don dem Gepolter wachte Richmondis völlig auf, und als sie bei dem Schein der Leuchte, die von den Drabschändern stehen gelassen war, den Ort erkannte, da hätte sie, die nur scheintot gewesen war, vor Schrecken säst den wirklichen Tod erlitten. Cs dauerte lange, bis sie, das Lämpchen in der Hand, sich aus der ©ruft hinauf in die Kirche und durch das offene Portal über den Neumarkt an ihr Haus gesunden hatte. Dort war der Herr von Anoocht in seinem Schmerz noch wach: als er in der füllen Nacht den Klopfer an der Haustür schwach, doch vielmals hörte, ging er ans Fenster, um nach dem späten Gast zu sehen. 3m schwachen Schein der Leuchte sah er ein Weißes an der Mauer stehen, das seinen Namen mit schwacher Stimme rief und in Gestalt wie Sprache völlig seinem Weibe glich. Er dachte, daß ihn ein Gespenst um seiner maßlosen Trauer willen warnen wollte, und konnte doch nicht vom Fenster fort. Und während schon im Stall die Pferde unruhig wurden, kam die Magd zu ihm ins Zimmer und zitterte, weil draußen seine Frau Richmondis stände und in das Haus verlange. Da sagte er ihr traurig und wandte sich vom Fenster ab: Eher ft eigen die Pferde unten aus dem Stall ins Dach, *r3 daß ich glaube, meine Frau kommt auS dem Siebener Hnjdger (General-Anzeiger für Gderheffen) Samstag, 26. September (951 .Macdonalds Kabinett der Arbeiterpartei gehört der Geschichte an“, überschreibt die Radio- Zeitung die Nachricht au- London vom Rücktritt der Regierung und vom neuen Kabinett aus den Führern aller drei Parteien. .SS soll d.e Politik beerdigen und England au- der Gefahr her- au-ziehen, in der es schwebt." Sv lautet wörtlich der Text der Londoner Funknachrichtz 6in interparteil'ches Kabinett zur .Beerdigung" alle- — innerpolitischen — Streite- und zur Rettung der Finanzen! Wäre eS möglich, daß solc>) ein Wort auch einmal auS Deutschland über die Kontinente und Ozeane zu den Schissen gc- funft wird, die auf der Fahrt find? Als ich noch auf dem amerikanischen Festland war. hingen die Zeitungen Extranachrichten über das Ergebnis des Dolk-entscheidS heraus, mit den Schlagzeilen: .Deutschland vor dem Umsturz bewahrt! ' .Keine Gefahr mehr für den europäischen Frieden!“ Sv spiegelt sich unser innerdeutscher parteipolitisch zerrissener Zustand in einem anderen Erdteil. 3m übrigen merkt man auch hier an Bord schon seit einer Woche den Funknachrichten an, mit welch einer Sorge und Angst Amerika die Entwicklung der Lage in England verfolgt. Dor ein paar Wochen veröffentlichte der frühere englische Schaykanzler C h u r ch i l l in verschiedenen amerikanischen Zeitungen noch einen Artikel des 3nhalts. man müsse versuchen, Deutschland zu helfen, da England und Amerika beide daran interessiert feien; liehe eS sich aber nicht möglich machen, so seien die Engländer und die Amerikaner stark genug, alle- zu bestehen, was kommen könnte! Ein paar Tage später kam der Notruf der Bank von England, und eS bedurfte deS ganzen amerikanischen Druck- — durch Morgan, den bisherigen Freund Frankreich- —, um Frankreich zur Hilfe gemeinsam mit Amerika zu bewegen. 3d) habe e- seitdem an jedem Gespräch mit Amerikanern gemerkt, wie voll von Sorge man überall in den Bereinigten Staaten ist, so bald man an die Möglichkeit einer radikalen Verschlimmerung der Lage in Europa denkt. GS ist nichts mehr von dem früheren stolzen Gefühl vorhanden, daß Amerika- Ergehen unabhängig von dem der übrigen Welt sei. Der AuSbruch der deutschen Finanzkrise hat die Amerikaner ausgeschreckt, der Hooverplan war ein Signal, wie ernst sie die Lage schon nahmen. Seit die englische Krise der deutschen auf dem Fuße gefolgt ist, bereitet man sich resigniert aus einen zweiten Winter mit sechs bi- sieben Millionen Erwerbslosen und zu ihrer Ernährung auf eine innere Milliardenanleihe vor. Der Unmut dabei wendet sich gegen Frankreich: Frankreich hat den Hooverplan sabotiert, Frankreich fetzt England den Fuß auf den Nacken, Frankreich ist schuld, wenn man der Weltkrise nicht beikommen kann! So malt sich in den Gesprächen an Bord und in den Nachrichten des Radio-Dienstes die Weltpolitik. Noch fünf Tage, dann soll in Dokohama unser Anker fallen. Welche Züge im Bild dieser Tuge werden sich unS dann noch entschleiern? Um Leben und Sterben des Weltkapitalismus. Außenpolitische Umschau. Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte suhrhandel z. B. hat mit dem Pfund ebenso wie mit dem Dollar als einer Weltvaluta gerechnet. Man zweifelte nicht daran, daß jener Entschluß notwendig war, um Englands We11ste11un^ neben den Vereinigten Staaten zu behaupten, und die Kritik war nur insoweit wohl berechtigt, als man zweifeln I konnte, ob die freie (Einlösbarteit der Noten gegen | Gold, die der Schatzkanzler W. Churchill eben 1925 einführte, notwendig war. Heute zeigt sich, daß England damals über feine Kraft hinausgegangen ist. Selbst seine Finanzen, seine ungeheueren Reserven als Gläubigerland haben der Weltkrise nicht standhalten können, wobei freilich auch nicht zu vergessen ist, daß der Weltkrieg die aktive Zahlungsbilanz Englands in seinen überseeischen Anlagen außerordentlich beeinträchtigt hat und daß danach gtoße Gebiete dieser Anlagen bis heute nicht wieder in Ordnung gekommen sind. Man überlege, was die unausgesetzte Verwirrung in C h i n a oder die Wirtschaftskrise in ganz Südamerika den englischen Auslandanlagen gekostet hat und kostet. So vollzog sich in den letzten Monaten eine Entwicklung, die Der deutschen vielfach ähnlich war: Abberufung fremder Kredite, enormer Goldverlust, Erschütterung der Gvldbasis der Währung, damit der Währung selbst, und so der Bedeutung Englands in der Welt- sinanz. Das ist eine Entwicklung von solcher Tragweite, daß man sie noch gar nicht bis in ihre letzten Konsequenzen ausdenken kann, vor allem kann man sich noch nicht vorstellen, wie nun die Dinge weitergeyen sollen. Man sieht auch aus den Maßnahmen der letzten Tage in London selbst, daß Klarheit dort nicht besteht. Die Stützung des Pfundes draußen hört auf. Das Pfund sinkt in feinem Wert. Die Notwendigkeit wird rasch ergriffen, den Devisenhandel zu regulieren. Aber: ist die Maßnahme nur vorüber- gehend? Kehrt England bald wieder zur Parität des Pfundes mit dem Dollar, der die Weltvaluta ist und dem Gvldfrank, der nun an Stelle des Pfundes neben den Dollar als Weltvaluta zu treten beginnt, zurück? Oder tritt ein, was man eine Devalvation nennt? Eine baldige Stabilisierung des Pfundes mit soundsoviel Prozent unter der bisherigen Parität, mit all den Folgen, die bekannt sind: Valutadumping und Erleichterung der Aus- fuhr? Segelt das Pfund — wozu die Möglichkeit nun mit der Annahme des Gesetzes gegeben ist — in b i e volle Inflation hinein, in der vielfach vorhandenen Vorstellung, daß eine Senkung des Goldwertes, eine Steigerung der Preise Grabe wieder. Wie er das sagte, scholl auch schon das Gepolter, deutlich der Tritt von Hufen auf dem Holz der Treppe; und obwohl es ihm vorkam, dies alles wäre nur ein fürchterlicher Traum, wie sie an feiner Tür vorbei mit schweren Tritten auf den Söller stiegen, lief er des Wortes eingedenk hinunter und fand Richmondis erschöpft auf seiner Schwelle sitzen. Da trug er fie auf Aittcmöen Armen in das Haus und weinte heiße Tränen und wollte doch das Wunder nicht glauben in der Nacht, bis an dem Morgen die erste Sonne in ihre Kammer kam; als Traum und Dunkelheit verronnen waren, lag feine Frau Richmondis blaß, doch atmend in den Kiffen. Sie lebte auch danach noch lange Zeit und war den Armen nicht weniger freundlich gesinnt, nur daß fie nicht mehr fo fröhlich wurde, wie fie gewesen war. Die Pferde aber mußten am Gerüst im FlascheriAug herabgelassen werden, und zum Gedächtnis ließ der Herr von Andocht die Köpfe in Holz geschnitten ans Bodenfenster stellen, wo fie noch heute zu fehen find. Wie Humperdinck starb. Als am 27. September vor zehn 3ahren die Trauerkunde die Welt durcheilte, daß der Schöpfer der klaffifchen Märchenoper .Hänsel und Gretel" in der mecklenburgischen Landeshauptstadt Neustrelitz dahingeschieden fei, da fragte man sich, wie der längst in Berlin heimisch gewordene Rheinländer nach der stillen Residenz am Zierker See verschlagen worden sei. Die Antwort darauf geben uns die Erinnerungen, die fein Sohn Wolfram in den „Mecklenburgischen Monatsheften" veröffentlicht. Der Datei war feinem Sprößling gefolgt, der damals al- Oberfpielleiter in Neustrelitz wirkte. Humperdinck, den es stets nach dem Süden zog und der viele Reisen nach 3talien, Spanien, Griechenland und Aegypten unternommen, kam erst am Ende seines Lebens bcuu, den herben Reiz der norddeutschen Landschaft zu schätzen. 3m Oktober 1919 wurde in Rostock die kurz vorher vollendete Studentenoper „D a u i» e a - m u s" von Humperdinck Aum ersten Male auf geführt, und auf den Rat des Komponisten wurde die Inszenierung des luftigen Werkes seinem Sohne übertragen. Der Erfolg war stark, und Humperdinck, der den Derlust feiner innigftgelieb- ten Lebensgefährtin noch nicht verwunden hatte, ließ sich durch die reiche Rostocker Geselligkeit wieder aufheitern. Zum zweiten Male kam er im September 1921 nach Mecklenburg, und zwar zur Eröfsnungsvorste lung der neuen Saison nach Neustrelitz, wo fein Sohn den .Freischütz" inszenierte. Humperdinck fühlte sich in der neuen Umgebung sehr wohl, besonders in der hübschen Wohnung, die ihm einen Blick auf den ehemals grvhherzoglichen Tierpark mit den frei sich darin bewegenden Damhirschen gewährte. Die absolute Stille des Ortes tat dem Kränkelnden wohl, und da er immer ein großer Freund vom Pläneschmieden war, so dachte er sogar daran, sich ganz hier anzufiedeln, obwohl in Wannfee bet Berlin das .Spielmannshaus" mit allen Bequemlichkeiten zum Heber» wintern auf ihn wartete. Mit dem Theater in Neustrelitz stand er in engerer Fühlung, besuchte Proben und Aufführungen und war voller 3nter- effe für die Einstudierung der neuen Oper „Revolutionshochzeit" von d' A1 b e r t Aber feine Tage waren gezählt. .Bei der ersten Wiederholung des „Freischütz" am 25. Dezember", berichtet der Sohn, „wurden mir auf der Bühne bedenkliche Zeichen einer völligen Apathie meines Daters mitgeteilt. Wit Mühe konnten wir ihn aus dem Theater ins Hotel bringen. Als ich mich nach der Dorfteilung dort erkundigte, hörte ich, er fei eingefchlafen. Am nächsten Morgen wurde ich ins Hotel gerufen und fand dort alles in heller Aufregung. Die Katastrophe war eingetreten; ein Schlaganfall hatte meinen Dater gänzlich gelähmt. Während seine Augen lebendig und mit tiefem Ausdruck auf mir ruhten, war er jeder Bewegung und Sprache beraubt. Eine hinzutretende Lungenentzündung ließ jede Hoffnung auf Genesung schwinden. Mit einem ruhigen, fast heiteren Ausdruck seiner Augen schlief mein Dater ein. Am Nachmittag des 27. September ging er, ohne Todeskampf, in die Ewigkeit hinüber. Still wurde der Tote aufgebahrt. Ohne besonderes Geleit, geschmückt mit einem Kranz des Landestheaters, fuhr der Wagen mit dem Sarg zum Bahnhof, vorbei an dem Haufe, das et sich kurz vorher zum Heim erkoren hatte. Am 1. Oktober fand der Schöpfer der deutschen Märchenoper auf dem Waldfriedhof zu Stahnsdorf bei Berlin die letzte Ruhestätte." Ein Goethe-Film. Zum 100. Todestag Goethes, am 22. März n. I., soll der Goethe-Film herauskommen, der vom Reich finanziert und von der „Deutschen Gesellschaft für Bild und Ton" hergestellt wird. Das Werk trägt den Titel „Goethes Lebensreife" und wird so ge- halten (ein, daß die Menschen um Goethe, nicht aber der Dichter selbst, darin Vorkommen. Die Un- Möglichkeit, einen Schauspieler zu finden, der in Figur und Maske dem Dichter auch nur einigermaßen ähnlich sehen würde, hat auf diesen Ausweg verwiesen. Aber man wird sämtliche Aufenthalts- orte Goethes, wie Frankfurt a. M., Weimar, Jena, Ilmenau, Italien usw., zu sehen bekommen, ferner ein Hoffest bei Karl August, eine Kaffeegesellschaft bei Goethes Schwiegertochter Ottilie und ähnliche Dinge. Das Manuskript schrieb der Reichskunstwart Dr. R e d s 1 o b, Regie führt Eberhard F r o w e i u. also, von selber au einer Behebung der Waren- und Absaykrise führen würde? Dir mochten nicht unterlassen zu betonen, daß der zuletzt angeschlagene Gedankengang, der a u ch i n Deutschland gar manche Anhänger hat, für une eine dachst gefährliche Quacksalberei ist, ein Spiel mit dem Feuer, weil die künstlich« Hebung der Preise das liebel der Wirtschaftskrise nicht an der Wurzel ersaßt. Diese liegt — wir bleiben dabei — in der planlosen Ueberpro« d u k t i o n in der Welt auf der einen und der zerst ö r t e n Kaufkraft der Welt auf der andere» Seite. Schließlich: wird nun der Kreis auch insofern ge- schlossen, daß zur Preisgabe de» Goldstandard» und ihren Folgen einer Erleichterung der Aussuhr aus der einen Seite ein Kamps um die Lohne und ihr» starre Bildung käme, auf der anderen der Schutzzoll, der den Binnenmarkt immer mehr auf sich selbst stellte? Ausgerechnet den englischen Markt, für den im großen und ganzen doch noch da» alt« Gesetz des Freihandels galt? Eine Flut von Pro- blemen*ift mit einem Mal ausgelost, eine schlechthin revolutionäre Entwicklung ist damit eröffnet, von der heute niemand in England sagen tonn, wohin sie weiter läuft und wie sie zu meistern sei. Gewiß, bewundernswert ist die Kaltblütigkeit, die da» englische Volk in dieser Katastrophe bewahrt. Das ist ehr viel, aber ist nicht alles. Nur noch eine» sei angedeutet: ist denn die geringste Aussicht, daß das britische Weltreich im ganzen dies« Krise g e m e i n sa m durchfechte und überstehe? Kanada und Irland haben bereits erklärt, daß fi« beim Goldstandard bleiben. Die dünnen Fäden, di« die großen Selbstoerwaltungskolonien mit dem Mutterlande verbanden, lockern sich so noch mehr, und zu den Schwierigkeiten des indischen Problems kommt jetzt hinzu, daß man ein zur Selbständigkeit strebendes Indien an die unabsehbaren Konsequenzen des Schrittes vorn letzten Sonntag binden will. Die indische Rupie soll, auf Anordnung des Vizekönigs, einfach nunmehr alle Schwankungen des Pfundes mitmachen! Zur Schadenfreude über die englischen Vorgäng« haben wir gar keinen Grund. Nur bestätigt sich jetzt, was wir so oft betonten: daß im tiefsten der Krieg das Gegenteil eines großen weltge- schichtlichen Erfolges für England war und daß England für politische Kombinationen Deutschlands als Bundesgenosse, als Stützpunkt seit Kriegsende, eben nicht in Frage kam. Viele Deutsche haben das nicht glauben wollen, letzt müssen sie es glauben. Für die deutsche Wirtschaft sind diese Vorgänge kredit- wie absatzmähia nicht erfreulich. Aber auch Frankreich und Amerika haben keine Veranlassung, den Ereignisien gleichgültig oder gar mit Genugtuung zuzusehen. Ihnen setzt England die Pistole auf die Brust, denn beide erleiden enorme Verluste, wenn das Pfund mit 10 Prozent weniger als bisher stabilisiert würde. So einfach liegen die Dinge nicht, daß Amerika und Frankreich im Bewußtsein, einen Riesengoldvorrat zu haben, sich darüber freuen konnten, daß nun ein so gewaltiger Konkurrent mindestens still- gelegt fei, vielleicht ausscheide. Dazu sind die großen Wirtschaftsfäden viel zu eng miteinander verflochten. Man fühlt auch der Betrachtung und Behandlung des Problems in Paris deutlich an, daß man dort ebenfalls ziemlich ratlos ist. Demgegenüber scheint sehr weitab zu liegen, daß Japan im Bruch des Friedens und überraschend gegen China vorstieß, ein Gebiet besetzt hat, so groß wie ganz England, und daß man aus den Genfer Verhandlungen darüber auch nicht klug wurde, ob und warum das notwendig war. Darüber ist aber kein Zweifel, daß hier durch Japan sehr zur Unzeit ein Konflikt ausgesprochen imperia- liftischen Charakters aufgerollt worden ist, dessen Konsequenzen auch Japan nicht in der Hand hat. Gewinnen kann es daraus nicht, weil die Mandschurei ihm doch verloren ist. Gewinnen kann nur der JingerabdruckSpflichi für Schulkinder. Dem Kongreß der 'Bereinigten Staaten ist ein Gesetz unteroteitet worden, bas den Zwang zu Fingerabdrücken für alle Schulkinder des Landes fordert. Während man .früher den Fingerabdruck nur für ein wichtiges Mittel zur Entdeckung von Verbrechern hielt, erkennt man jetzt mehr und mehr seine viel weitergehende Bedeutung. lieber diese verbreitet sich Christopher O. Bennett in einem Aufsatz mit dem Titel „Fingcrabdruck-Wistenschaft vom sozialen und in» buftr.eilen Gesichtspunkt aus". Mehr als 3 0 0 0 Kinder verschwinden jährlich in Amerika, und das Fingerabdrucksystem dürfte dies« Ziffer beträchtlich verringern. 3n Fällen der Entführung machen bei Jugendlichen wenige 3ahre die Erkennung schon schwierig, während die Fingerabdrücke dazu ein sicheres Mittel an die Hand geben. Da jedes Kind heutzutage geimpft werden muß, so läßt sich auch die Abnahme des Fingerabdrucks leicht burchführen. „Diele reiche Leute", schreibt Bennett, „haben die Fingerabdrücke ihrer Kinder in ihren Stahlkammern als Doriichtsmaßnahme gegen Entführung nieder- gelegt. Diese Fingerabdrücke haben in zahlreichen Fällen dazu gedient, die Nichtigkeit von Ansprüchen zu erweisen, die von Schwindlern in der Waske der verschollenen Kinder von Millionären nach einer Reihe von Jahren erhoben wurden. Auch bei der sicheren Erkennung der Neugeborenen in den Entbindungsanstalten würde ein solches Dersahren sehr nützlich sein, und zwar sollte man von jedem Neugeoorenen in diesem Falle den Fußabdruck nehmen, der zusammen mit einer Karte, die den Namen des Kinde- und der Mutter trägt, aufbewahrt würde; di« Fingerabdrücke der Mutter sollten auf derselben Kar.e verzeichnet sein." Bennett erwähnt xum Schluß ein Ereignis, bei dem sich das Fehlen von Erkennungszeichen besonders tragisch bemerkbar machte. Cs war bei dem Untergang des Dampfers „General Slocum" auf dem Cast-River bei Neuyork, dem 1100 Menschen, hauptlächlich Kinder, zum Opfer fielen. „Am Tage bieier Katastrophe bat mich eine Mutter, ihr bei der Feststellung einiger Opfer zu helfen. Da lagen di« Leichen von acht Kindern, und vier weinend« und schreiende Mütter versuchten, die üjren herauszufinden. Aber es war ihnen unmöglich, da jedes sichere Kennzeichen fehlte. Die Leichen von 164 Kindern wurden begraben, ohne daß fie identifizier: waren. Hätte man die Fingerabdrücke der Kinder gehabt, dann wäre es ein Leich tes gewesen, den Müttern wenigstens die Leichen Ihrer Kinder zu übergeben.“ Kommunismus in China und in Rußland, verlieren dabei kann aber weiter Nordamerika, das noch nicht weiß, wie es sich dazu stellen soll, und verlieren muß England, das ganz außerstande ist, den weiteren Verlust seiner ostasiatischen Interessen und Position aufzuhalten, das vielmehr mit der Rückwirkung der Krise im Fernen Osten und seiner eigenen Krise in London gemeinsam auf Indien rechnen muß. Gemeinsame Bekämpfung nun dieser ganzen Krise? Aus Gens? Aus den Debatten dort über die Wirtschaftskrise? Was hier dem Völkerbund iugemutet wird: die gemeinsame wirtschaftliche Zu- ammenarbeit herbeizuführen, das geht ganz offen« iar über seine Kräfte. Das heißt, daß — wie zuletzt das Auftreten der Schweiz in Genf zeigte — jeder seinen eigenen West zu gehen iucht, nicht geneigt zu Opfern für die Gesamtheit, andern geneigt, sich abzusperren gegen die anderen n eine Binnenwirtschaft hinein, die dann zwangsläufig zur Binnenplanwirtschaft weiter sich entwickeln muß, mit staatlicher Kontrolle des Außenhandels, mit staatlicher Beherrschung der Dcoisenwirtschaft, mit staatlicher Preispolitik — wie weit ist man denn überhaupt noch von dem entfernt, was man Sozialismus nennt? Rein kapitalistisch gesehen ist das Problem gestellt: wie kann man, oder kann man überhaupt zu einer Neuverteilung der Goldvorräte der Welt kommen, die jetzt, weltwirtschaftlich sinnlos, in Frankreich und Amerika in so hohem Maße ton« zentriert sind? Die Goldwährung ist heute In der Welt in der Gefahr, sich selbst ad absurdum zu führen. Aufgehalten werden könnte das nur durch eine Zusammenarbeit der Notenbanken und der Re« gierungen, an der die maßgebenden und entscheidenden Faktoren Frankreich und Amerika beteiligt wären. Don selber gleicht sich unzweifelhaft die unnatürliche Kapitalbewegung von heute nicht aus, die man zutreffend dahin charakterisiert hat, daß ihre Ströme bergauf flössen, nämlich von den Ländern des Kapitalmangels in die Länder des Kapitalüberschusses. Von selbst wird, wie gesagt, diese Entwicklung nicht rückgängig gemacht werden, die Zeit ist vorbei, wo dergleichen in sich zum Ausgleich gelangte. Es kommt aufden politischen Entschluß an. Denn was immer die Notenbanken tun, steht unter politischen Erwägun- gen und Entschlüssen. Daß dann zunächst beim Schuldenproblem angefangen werden muß, ist klar. Nach dem Weltfeierjahr Hoovers infolge der deutschen Zahlungsunfähigkeit nun die englische Katastrophe — diese Erschütterung hält das Weltschuldengebäude einfach nicht aus. Daß die Entschlüsse darüber nicht mehr nur in der Hand von Amerika sind, beweift am besten die dringliche Einladung an den sranzö- fischen Ministerpräsidenten nach Washington. Man empfindet darüber in Daris Genugtuung: „In dieser entscheidenden Stunde , sagt der „Temps , „führen die Vereinigten Staaten und Frankreich das Spiel der Welt." Nach dem Kelloggpakt, den man in Frankreich den Briand-Kelloggpakt nennt, vielleicht jetzt ein Laval-Hooverpakt über die Schulden? Dabei aber ist es Frankreich nicht wohl. Wenn Laval nach Washington fährt, so wird von ihm der Mut zu Entschlüssen erwartet. Zu Entschlüssen, von denen nicht weniger abhängt als das Schicksal des Weltkapitalismus überhaupt; zu Ent- fchlüsfen, die dadurch noch schwieriger werden, daß sie von der reinen Politik (Abrüstungsfraae) gar nicht getrennt gehalten werden können. Deutschlands Entwicklung in diesem Jahr war der Vorbote, Englands Krise ist der zweite, ganz große Akt. Nehmen wir die Wirtschaftssituationen im übrigen Europa, in großen Teilen Asiens und Südamerikas dazu, .so ist allerdings unsere Formel nicht übertrieben, daß es sich in diesen Schicksalsmonaten um Leben X und Sterben des weltkapitalistischen Systems überhaupt handelt! Oberbeffen. Landkreis Gießen. • Grohen-Linden, 26. Sept. 3n der gestrigen Notiz über die Herb st Versammlung der Evangelisch-kirchlichen Frauenvereine in Hessen, mußte das Thema des vorgesehenen Vortrages nicht „Frauenturnen und Notzeit" sondern „Frauentum und Notzeit" lauten. r. Lang-Göns, 25. Sept. Bei der Gemeindeobstversteigerung wurden ziemlich geringe Preise erzielt. 3n der Hauptsache kamen Wirtschaftsäpfel und -birnen zur Versteigerung. 3m allgemeinen kostete der Zentner am Vaum etwa 1 Mark, manchmal noch weniger. Das Tafelobst erbrachte 2,50 bis 3 Mk. je Zentner. Der Preis für Zwetschen ist sehr zurückgegangen. Arn hiesigen Bahnhof wurden Zwetschen für 2,50 Mark der Zentner ein^e- laden. Die meisten Zwetschen liefern die Ein- wohner von Grüningen. ! Aus dem südlichen Kreise Gießen, 25. Sept. Bei den Versteigerungen des Obstes an den Provinzialstrahen Lang-Göns— Hochelheim, Kirch-Göns—Lang-Göns, Großen- Linden—Lang-Göns, Großen-Linden—Klein-Linden usw., waren — Wohl veranlaßt durch die sofortige Barzahlung an Ort und Stelle — die Preise sehr niedrig. Es kamen in der Hauptsache die Sorten: Schöner von Boskop, Gelber Edelapsel, Goldparmäne, Landsberger Renette, Goldrenette von Blenheim und Harberts Renette zur Versteigerung. Durchweg stellte sich der Zentner am Baum auf etwa 1 bis 1,50 Mark, selten höher. Die Wirtschaftsäpfel: Ontario, Hollandrenette, Streifling usw. waren noch billiger. Allerdings war das Obst nicht überall erstklassig. * Bersrod. 25. Sept. Am vorigen Sonntag fand hier ein M i s s i o n s f e st statt, an dem die Gemeinde und die Nachbarschaft regen Anteil nahmen. 3m Festgottesdienst predigte Missionar Groh, Gießen, der jahrelang an der Goldküste im Dienste der Basler Mission stand. 3n der Nachversnmmlung sprachen Missionar Müller. Wiesbaden, der in China tätig war, und Missionar Groh. Zum Schluß dankte der Ortsgeistliche, Pfarrer Schmidt, Beuern, den beiden Missionaren für ihre interessanten Ausführungen. Ferner dankte er dem Kirchengesangverein von Beuern (unter Leitung seines Dirigenten S ch o m b e r) und dem Posaunenchor von Bersrod (unter Leitung seines Dirigenten Münch), die mit ihren Weisen das Fest verschönern halfen. Die Festkollekte ergab 123 Mk. Starkenburg. WSN. Groß-Gerau, 25. Sept. Donners- taanachmittag logierte sich hier im Hotel .Zum Adler" eine von auswärts kommende Frau ein, die sich kurz vor 19 Uhr in ein hiesiges Geschäft begab und sich eine Anzahl Kleidungsstücke ins Hotel bringen ließ. Während sie die Botin in ihrem Zimmer warten ließ, verschwand sie unter der Angabe, die Sachen anprobieren zu wollen, durch eine Neoentür. Den Wirt hat sie um die Zimmermiete geprellt. Man nimmt an, daß die Schwindlerin Groß-Gerau mit dem Zuge in Richtung Mainz verlassen hat. preuhen. Kreis Wetzlar. Z Krofdorf, 25. Sept. Hier wurde ein D b ft« und Gartenoauverein gegründet der bis jetzt 33 Mitglieder zählt. Vorsitzender ist Bahnbeam- ter 3 o st. Der Verein wird am nächsten Sonntag im Saale der Gastwirtschaft Moos eine Ausstellung von allerlei Gartenfrüchten, einschließlich Obst, veranstalten, um so das Interesse an der Obstvaumzucht und dem Gartenbau noch weiter zu fördern. 5 Wißmar, 25. Sept. 3m hiesigen Rathaus fand gestern unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Brockmeier, Krofdorf, eine Sitzung der Amtsvertretung des Amtes Launs- bach statt. Die Versammlung befaßte sich u.a. mit dem Antrag der Fraktion der SPD. auf Abbau der Deam te ngehäl ter um 30 Prozent. Regierungsafsessor Dr. L o e r, Wetzlar, als Vertreter der Aufsichtsbehörde teilte der Amtsvertretung mit, daß nach den Bestimmungen der Notverordnung der preußischen Staatsregierung und der dazu ergangenen Ausführungsvorschriften die Amtsvertretung für den vorliegenden Antrag der SPD. auf Abbau der Beamtengehälter nicht zuständig sei, sondern Bürgermeister und Kreisausschuß die De- amtenbesoldung innerhalb vier Wochen nachzuprüfen und evtl, zu ändern haben. Trotzdem beschloß die sozialdemokratische Mehrheit der Amtsvertretung, die Besoldung des Bürgermeisters, des Rentmeisters und der zwei Obersekretäre um 30 Prozent zu kürzen. Der Bürgermeister gab bekannt, daß er die Pflicht habe, Beschlüsse der Amtsvertretung, die deren Befugnis überschreiten oder die Gesetze verletzen, zu beanstanden. Da ein solcher Fall hier vorliege. beanstande er den Beschluß; die Amtsvertretung könne innerhalb einer Frist von zwei Wochen gegen die Beanstandungsverfügung die Klage im Derwaltungsstreitver- fahren bei dem Kreisausschuß in Wetzlar einbringen und zur Wahrung ihrer Rechte einen besonderen Vertreter bestellen. Unter dem Vorsitz von Gemeindevorsteher Dodenbender, Salzböden, als Beigeordnetem des Amtes beschloß die Amtsvertretung mit 10 Stimmen, die Klage im Derwaltungsstreitverfahren zu erheben und den Gemeindevorsteher und Beigeordneten Dodenbender mit der Wahrnehmung ihrer Rechte zu beauftragen. — 3m weiteren Verlauf der Versammlung wurde noch beschlossen: Die Entschädigung derAmtsverordneten für Teilnahme an Sitzungen der Amtsvertretung, oder r,n Kommissionstagungen wird um 3 0 Pro- zent gekürzt. Außerdem lagen ein Antrag des Amtsverordneten P f a n n vor, die Ent- schädigungsgelder um 30 Prozent zu kürzen, und ein Antrag der Fraktion der SPD., 50 Prozent zu kürzen, aber entgangenen Arbeitsverdienst zu ersetzen. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß der letztgenannte Antrag eher eine Erhöhung der Tagungsgelder bedeute. 3m Verlaufe der Aussprache wurde dieser Antrag dann zurückgezogen und dem Antrag Pfann entsprechend beschlossen. )( H o h e n s o l m s, 24. Sept. Die d o r f k i r ch - lichen Vereinigungen für Oberhessen und die anschließenden Gebiete veranstalten vom 5. bis 7. Oktober im hiesigen Schloß in Verbindung mit der Heimvolkshochschule eine dorfkirch - lief) e Freizeit. 3m Mittelpunkt der Besprechungen stehen besonders wichtige und zeitgemäße Fragen, wie „Die Politik auf dem Dorfe". „Die Kerngemeinde auf dem Dorfe" und andere mehr. Als Referenten sind u. a. gewonnen: Medizinalrat Dr. Balser, Büdingen; Pfarrer Veerhofs. Marburg; Privatdozent Lic. Dr. Brunner; Studiendirektor Lic. Dr. Neu- bauer. Hofgeismar; Pfarrer Dr. Hey mann, Langsdorf, und Privatdozent Pfarrer Lic. Laun, Okarben. a Groß-Rechtenbach, 25. Sept. Die Der« fteigerung des Gemeindeobstes brachte einigermaßen befriedigende Preise. Für Wirtschafts« äpfel wurden 2 bis 3 Mark, für Tafelobst (Schöner von Boskop, Goldreinette von Blenheim usw.) 5 bis 6 Mark je Zentner am Baum bezahlt. Birnen kosteten pro Zentner 2 bis 3 Mark. Q Niederkleen, 25. Sept. Die Preise bei der diesjährigen Versteigerung des Gemeinde- o b st e s waren teilweise sehr niedrig. Für geringes Obst am Baum wurden 2 bis 3 Mark, für besseres Obst 5 bis 6 Mark bezahlt. 4/6 Millionen Defizit in Mainz. WSN. Mainz, 25. Sept. 3n einer Besprechung mit der Presse zeichnete Oberbürgermeister Dr. E h r h a r o ein Bild von der Finanzlage der Stadt Mainz Daraus ergibt sich daß das Rechnungsjahr 19 3 0 mit einem Fehlbetrag von rund 2,5 Millionen Mark abschloß. Der Haushaltsplan für 1931, wie er vorn Stadtrat festgestellt worden war. wics einen Fehlbetrag von rund 1,2 Millionen Mark auf. Nachdem die Rechnungsergebnisse der ersten fünf Monate des Rechnungsjahres Vorlagen, wurden von der Stadtverwaltung die Einnahmen- und Ausgaben-Ansätze berichtigt unddie AuSgaben- Ansähe, wo eine Möglichkeit bestand, gesenkt. Der Abschluß deS so berichtigten Voranschlages ergibt einen Fehlbetrag von rund 4,6 MillionenMark. Diese Erhöhung des Defizits ist bedingt durch Rückgang der Einnahmen, sowie durch das weitere beträchtliche Anwachsen der Wohlfahrtsausgaben. Kirche und Schule. OekanaiStag des Dekanats Schotten. wg. Wingershausen, 25. Sept. Der diesjährige Dekanatstag des DekanatsSchot- t e n fand am Mittwoch hier statt. Er wurde eingeleitet durch einen gut besuchten und durch die Mit- Wirkung des Kirchengesangvereins verschönten Gottesdienst, in dem Pfarrer Weimar (Gonterskirchen) predigte. Nach der Eröffnung der Verhandlungen begrüßte Dekan Widmann (Gedern) die Abgeordneten der Dekanatsgemeinden und wies in einer tunen An- spräche auf den Ernst der kirchlichen Lage hin. Der Iahresoericht über den kirchlichen und religiös- sittlichen Zustand der Gemeinden des Dekanats für 1929 und 1930 wurde von dem Dekanstellvertreter Pfarrer Römer (Schotten) erstattet; er gab ein recht erfreuliches Bild des kirchlichen Lebens im Dekanat und löste eine lebhafte Aussprache aus. Die Prüfung der Rechnungen der Dekanats- kasse und des Dekanatsmisfionsvereins für 1929 und 1930 ergab keine Beanstandungen. Der von dem Vorsitzenden vorgetragene Voranschlag der Dekanatskasse für 1931 und 1932 wurde einstimmig angenommen. An Stelle von Pfarrer Römer (Schot- ten) der wegen Arbeitsüberlastung das Amt als Rechner des Dekanats-Misfionsvereins niederlegte, rourbt Pfarrer Gruft (Ulfa) gewählt. Der Abgeordnete Lehrer D e b u s (Ruppertsburg) hielt hieraus einen Vortrag über das Thema „Aus« gaben der Gemeinden im Abwehrkampf der Kirche". Die Ausführungen fanden starken Beifall und wurden in der Aussprache nach verschie- denen Steilen hin ergänzt. Bei der wegen Wegzugs von Pfarrer Fritsch (Herchenhain) nach Kelsterbach notwendig gewordenen Wahl eines geistlichen Stellvertreters des Dekans oder feines Stellvertreters im Dekanatsausschuß wurde Pfarrer Wolf (Wingershausen) gewählt. Aus Antrag von Pfarrer Kornmann (Laubach) fand ferner folgende, das Pädagogische 3 n - ft i t u t betreffende Entschließung einstimmige Annahme: „Der Dekanatstag des Dekanats Schotten erklärt, daß sich die bei ihm vertretenen Gemeinden mit der angeordneten Verlegung des pädagogischen 3nftituts von Darmstadt nach Mainz im Interesse des evangelischen Lehrernachwuchses unter keinen Umständen abfinden werden. Sie betrachten es vielmehr als ihre Aufgabe, nachdücklichst ihre Rechte zu wahren und im Kampfe gegen diese Maßnahme nicht zu erlahmen, weil sie dem evangelischen Volksteil Hessens, besonders Oberhessens, uttd dem Landvolk schweres Unrecht zufügt. Sie erwarten eine gründliche Aenderung des jetzigen Zustandes, der den elementarsten Forderungen konfessioneller Parität in Sonntag, 27. September. 7.00: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: Morgenfeier der Freireligiösen Gemeinde Frankfurt a. M. 10.30; „Die Walküre", 2. Aufzug. 11.30: Von Leipzig: Reichssendung. 12.00: Schallplattenkonzert. 12-50: Die Programme der Sonntags- und Montagskonzerte des Frankfurter Orchester-Vereins, Bericht von Hans Rosbaud. 13.05: Schallplattenkonzert. 14.00: Stunde des Landes. 15-00: Stunde der 3ugend. 15.30: Von Hannover: Länderfußballspiel Deutschland gegen Dänemark. 17.10: Wiesbaden: Nachmittagskonzert des Städtischen Kurorchesters. 18.00: Vortrag. 18.30: „Sein Steckbrief", Charakterkunde aus dem Aeußeren des Menschen, Gespräch zwischen Hellmuth Bergmann und Dr. Paul Laven. 19.00: Stunde der Bühne. 1. „Der Winterspielplan des Frankfurter Schauspielhauses", Bericht des Intendanten Alwin Kronacher. 2. „Der Winterspielplan des Frankfurter Opernhauses", Bericht des 3ntenöanten Prof. 3osef Turnau. 19.45: Zither- und Mandolinenkonzert. 20.30: Nobelpreisträger, 2. Grazia Deledda. 21.00: Der Ring des Nibelungen: „Die Walküre", 2. Auszug. 22.35 bis 24.00: Cafö Wien: Tanzmusik. Montag, 28. September. 7.00: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 1515: Vortrag. 17.05: Nachmittagstonzert d. Rundfunkorchesters. 18.40: „An deutschen Kriegsgräbern in Frankreich", Vortrag von Dr. H. Horny. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.45: Wiener Volksmusik III. 20.30: „3rrationalismus und moderne Medizin", Novellen von Dr. Denn, Berlin, vorgetragen vom Verfasser. 21.00: Konzert des Rundfunkorchesters. 22.15: Zeitbecicht, „Die Weltkrise vor dem Völkerbund", Debatten aus Genf. Dienstag, 29. September. 7.00: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert- 15 20 bis 15.50: Hausfrauen- Nachmittag. 17.00: Aus Pforzheim: Nachmittagskonzert des Symphonieorchesters Pforzheim. 18.40: „Hochschule und Geistesleben in Australien", Vortrag von Prof. A. Lodewycky, Melbourne. 19.05: „Deutsche Dichtung in Frankreich", Vortrag von Hans Adalbert Freiherr von Maltzahn, Paris. 19.45: Freiburg: Volkstümliches Konzert des Handharmonika-Klubs Freiburg. 20.30: Deutsche Humoristen, Lean Paul. 21.45: Kaleidoskop, eine bunte Stunde. 22.35 bis 23.30: Tanzmusik. keiner Weise gerecht wird." Mit Gebet durch Pfarrer Wolf und einem Schlußwort des Dekans wurden die Verhandlungen geschlossen. Sorgen der Gesangvereine. Das deutsche Musikleben steht in diesem Herbst vor einer schwerwiegenden Frage: „Wie soll die beginnende Wintersaison durchgeführt werden? Wie ist es möglich, trotz der Not der Zeit die bisherigen Konzerte und Aufführungen, wenn auch in bescheidenem Rahmen, durchzuführen bzw. fortzusetzen? Diese Sorge bedrückt Theater- und Konzertunternehmer, nicht zuletzt auch unsere Gesangvereine, die schließlich einen kleinen, aber immerhin bisher lebenskräfttgen Zweig des Musiklebens ausmachen. Die Theater sind dazu übergegangen, die Gagen ihrer Schauspieler und Sänger zu kürzen und haben ihrWinterProgramm eingeschränkt und suchen mit allen möglichen Mitteln der gegenseitigen Unterstützung, des Austausches, der Kollektivwirtschaft sich über Wasser zu halten. Das alles sind keine Auswege aus der Not, sondern mühsame Versuche, den Augenblick zu überwinden, Versuche, die optimistische» Hoffnung auf eine bessere Zukunft geboren hat. Alle diese künstlichen Brücken, die die Krise überwinden sollen, kömmen für die Männerchöre kaum in Frage. Die Struktur der Männergesangvereine ist eine andere, eine eigene, die nicht mit Orchester oder Theater verglichen werden kann. Eins ist ihnen allen gemeinsam: Sie kämpfen um ihre Existenz, auch sie drohen, von den Verhältnissen erdrückt zu werden. Die Vereine sind im Grunde genommen noch schlimmer getroffen als die anderen Kunstinstitute. Hier hilft keine öffentliche Hand in einem Maße, das etwa mit der Subvention der Theater und Orchester zu vergleichen wäre. Der Verein ist, von verschwindend geringen Ausnahmen abgesehen, auf sich selbst gestellt und muh feinen Etat aus den Beiträgen der Mitglieder finanzieren. Diese aber sind heute auch nicht mehr in der Lage, erhebliche Beiträge für diesen Zweck aufzubringen. Die Arbeitslosigkeit hat manche Lücke gerissen und droht, Vereine in besonders gefährdeten Gegenden zur Auflösung zu bringen. Vereine mit 50 v. H. Erwerbslosen sind keine Seltenheit mehr. Das hat zur Folge, daß auto- mattsch alle Ausgaben auf das AeUherste abge- drosselt sind. Kaum, daß der Chormeister befahlt werden kann, wenn nicht gar das Amt von einem Nichtberufsmusiker ohne Entgelt ausgeübt wird. Beschaffung neuer Noten wird trotz Entgegenkommen der Verleger und Sortimenter erschwert, da die nötigen Mittel fehlen. Wo sind die Zeiten hin, da ein Verein im Jahre drei oder vier Konzerte vor ausverkauftem Hause veranstalten konnte? Heute schwebt über jedem Konzert die bange Frage: „Wie groß wird der Verlust sein?" — An einen Gewinn wagt niemand mehr zu denken. Größte Beschränkung im öffentlichen Auftreten ist daher die bedauerliche, aber logische Folge der augenblicklichen Zustände. viele vereine verzichten in diesem Jahre überhaupt auf die Veranstaltung eines Konzerts. Liegt darin nicht der Untergang der ganzen Bewegung, die allmählich absterben muß? Auf den ersten Blick hin könnte man tatsächlich diese Folgerung ziehen. Die Gefahr des Untergangs rückt zweifellos bei den Vereinen in bedrohliche Nähe, die einzig und allein ihren Zweck in der Abhaltung von Konzerten sehen und keine anderen Ziele haben, als mit einer möglichst guten Leistung vor das Publikum $u treten. Bedeutend leichter wird jenen Vereinen die Bekämpfung der Krise, die zwar auch gelegentlich mit Konzerten hervortreten, die aber ihr Hauptziel im Singen selbst sehen, für die die wöchentliche Zusammenkunft Selbstzweck ist, die fingen zu ihrer eigenen Freude und Er- Mittwoch, 30. September. 7.00: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattemonzert. 15.15 bis 16.00: Stunde der Jugend, Konzert des Rundfunk-Orchechers. 17.05: Operelten-Konzert des Rundfunk-Orchesters. 18.40: „Zur Negerfrage in Südamerika". Vortrag von Dr. Pfaff. Giesbera. 19.05: „Kunde und Depositenkasse", Gespräch zwischen Dr. Brandt von der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft und Eberhard Beckmann. 19.45: Unterhaltungskonzert des Balalaika-Orchesters Stuttgart. 20.15: „Leonce und Lena", ein Lustspiel von Georg Büchner. 21.45: Unterhaltungskonzert der Funt- kapelle Haas. Donnerstag, 1. Oktober. 7.00: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.30: Stunde der 3ugend. 17.05: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: Dücherstunde, CßMen im Buch. 19.05: „Das Winterprogramm des Südwestfunks", von Ernst Schoen. 19.45: Unterhaltungskonzert des Philharmonischen Orchesters. 20.15: Dalladenstunde. 20.45: Konzert für Violine und Orchester. Freitag, 2. Oktober. 7.00: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.30: „Soll die höhere Schule höhere Ansprüche an die Schüler stellen?", Vortrag von Studienrat Dr. 3. Gelharo. 17.00: Nachm.ttagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: „Die geistige Lage Luxemburgs, Dichtung der 3ungen“, Vortrag von Albert Hoefler, Esch- Alzette. 19.05: „Das Konzertprogramm des Kulturkartells der modernen Arbeiterbewegung in Frankfurt a. M", Vortrag von Konrad Broh- witz. 19.45: Anekdoten. 20.00: Aus dem Musen- saal des „Rosengartens" in Mannheim: Neue Chormusik. 21.30: „Bei uns zu Lande", Eduard Möricke. 22.45: Tanzmusik. Samstag, 3. Oktober. 7.00: Frühkonzert auf Schallplatten. 1205: Schallplattenkonzert. 15.15: Aus dem Nibelungensaal des „Rosengartens" in Mannheim: Kinder- fingen anläßlich der neuen Chormusik. 17.05: Nachmittagslonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: Spanischer Sprachunterricht. 19.15: Von Tharau (Kreis Königsberg): Ein ostpreuhischer Abend auf dem Dorf Aennchen von Tharau. 20.15: Wettsingen (über die beste Leistung in den einzelnen Stimmgattungen und üoer die beste Gesamtleistung entscheiden die Hörer). 21.15: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 22.30: Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. «Hi« tiettee «Schneider-Koersil in täglichenRomanfortsehungen beginnt am 1. Sktobev lm Gießener Anzeiger unter dem Titel wenn Mensche« auseinattdevsehe« Rundfunkprogramm. Ä geeignet ' MU geh frötben “ eines Sh Starte M hebu^ bem°l g« iä'“Lt Sie Die feltf zwar von Da wände der über trägt, uni Nahmen, t Ware R Sänger od Züchtung,; Tone bett Durcheinom Sirahenfigi kanten ein seiner Kuns Käsig Henn der Insekte sie iammelr Konzertsaisi wird gekei fiorogi obe Kälte deren W Künstler ee den schwai triumphier ist die Kii borene Kc den die a dieser mir muschi, da gazeartmer sie die 3io und ihre r Fortissimo haben eine bei Sonnei ßiebeslieb Mine der er das R ahmt: feil Bauch ist sein Acus paner kan fit hören, Die frübflt Dai. Dieben iie Zikade, sich noch e'v sigen der’ gehrt, den mehr als eigenen M diesen Siir ist dieses t die Wieden der in eine; sen den sch nun in ihn Die Ion .Der ,3n schch" hat I vergleichende Hausstauen be bring. So sehr auch eine oll^u betonte Auffassung von „Selbstzweck der Singstunde ' abzulehnen ist, da sie dem Ziele der Verbreitung deS Liede« nicht gerecht wird, so wenig kann man dem Standpunkte de« .Äoiuerte« um leben Preis" folgen. Ist denn tatsächlich mit der Unmöglich- fett, ein Konzert zu veranstalten, dem Chorsänger jeder Reiz zu singen genommen? Da« wäre bedauerlich und nicht im Sinne der Bestrebungen de« Deutschen Sängerbünde«. Sin qe- funder Mittelweg ist auch hier der beste. 8« gilt. In erster Linie da« dienstbar zu machen, wa« geeignet ist, die Lage de« Verein« zu bessern. Dazu gehört die Unterstützung feiten« der Behörden und vor allen Dingen die Schaffung eine« Thorkörper«, der durch seine Größe und Stärke die Gewähr zu einer Arbeit in der Singstunde gibt, die wirklich erhebettd und fördernd wirkt. Mit anderen Dorten Man suche den Zusammenfchiuß von mehreren kleinen Vereinen ja fördern, der finanziell und künstlerisch sich in hohem Mähe au-wirkt. Heber diese« Thema ist schon allzuviel beschrieben worden. Meist find e« .vereinstechnische" Schwierigkeiten von oft nur nichtiger Bedeutuna, die ein Zusammengehen vereiteln, trotzdem die Vereine meist selbst genau wissen, welche Vorteile sich ihnen beim Zusammenschluß bieten. Möge unsere Notzeit dazu beitragen, auch btet klärend und vertiefend zu totrfen. Dann kann Die schwierige Lage, in der sich die Männergesangvereine zum größten Teile befinden, in den weitaus meisten Fällen gemeistert werden. 8. F. Buntes Allerlei. Oie seltsamste Musik der Welt. Die sellsamste Musik wird In Japan gemacht, und zwar von einem Ördjrfter von Insekten. Do wandert ein Mann daher mit .anglarnem Schritt, der über seiner Schulter eine lange Barnbuestange tränt, und an den Enden dieser Stange hangen Rahmen, an Denen sich Dutzende von kleinen Käfigen befinden. Deren lebst einen kleinen Musikanten enthalt. Der „Muschiuri-Mann", wie Der Verkäufer bei" musikalischen Insekten genannt roirD, hat seine Ware sorgfältig für sein Orchester ausgewahlt, der Sanger ober Spieler entstammt einer besonderen Züchtung, Die Die Kraft unD Reichhaltigkeit seiner Tone berücksichtigt. Es ist ein fast betäubendes Durcheinander von Klangen, das diese merkwürdige Strotzensigur umgibt Bevor man sich seinen Musikanten einkauft, läßt man sich vorher eine Probe seiner Kunst geben, und Dann roirD Der betreffenbe Käfio beruntergenommen. Im Herbst ist Die Musik Der Insekten am klarsten und eindringlichsten. Denn sie sammeln noch einmal alle ihre Kräfte, bevor Die Konzertsaison enDet Dieser Abschluß Der Saison roirD gekennzeichnet Durch Die Hellen Töne Des Korogl ober Heimchen, bas sein „samusa-kuru-yo", „bie Kälte kommt", Immer roieber zirpt. Alle an- Deren Insekten strengen sich an, um Diesem lautesten Künstler es gleich zu tun, aber mit seinem glänzen- Den schwarzen Stopf unb seinen leuchtenben Augen triumphiert er über alle. Sein nächster Nebenbuhler ist bie Kirigirusu, bie Laubheuschrecke, bie ber geborene Kapellmeister ist unb ben Ion angibt, In Den Die andern einfallen. Aber Die Primadonna Dieser winzigen Musiktruppe ist Die kleine Suza- muschi, Das spanische „Glockeninsekt"' ihre zarten, gasartigen Flügel zittern in Der blauen Luft, wenn sie Die Violine auf ihren anmutigen Seinen streicht, unb ihre rhvthm.schen Kadenzen, bie vom höchsten Fortissimo bis zum schmelzenden Pianissimo gehen, haben eine süße Melobik, die ihre feinste Färbung bei Sonnenuntergang erreicht. Diese Geigerin, deren Liebeslied so lyrisch klingt, begleitet mit seiner Man- bollne Der Motsumufchi, besten Name bedeutet, daß er Da» Rauschen Der Fichtenwipfel im WinD nach- ahmt: sein langer brauner Körper mit Dem gelben South ist nicht sch^n, aber man liebt so auch nicht fein Aeußeres, fonbern seine Musik, und kein Japaner kann das geheimnisvolle Seufzen feiner Musik hören, ohne Heimweh zu empfinden, Denn es sind tle frühsten Klänge, bie er als Äinb vernommen hat Neben Dem Heimchen ist der lauteste Musikant hie Zikade. Aber außer diesen Tonkünstlern befindet ßch noch eine Menge anderer Insekten in Den Käfigen De» Muschiuri-Mannes^ unD sie alle sind begehrt, Denn Der Japaner liebt Die Insektenmusik mehr al» Den Vogelgesang unb hat sie in feiner eigenen Musik nachgeahmt. Ja, für ihn klingt in diesen Stimmen etwas Heiliges mit, Denn vielleicht ist dieses tönereiche Insekt, an Dem er sich erfreut, Die Wiederoerkörperung irgend eines guten Geistes, Der in einem früheren Leben Diesen zarten Gesch 'p- fen ben schuldigen Respekt verweigerte und daher nun in ihnen hausen muh ... Wie lange arbeiten die Hausfrauen? Der internationale Verband für Hauswirtschaft" hat in einem soeben erschienenen Bericht eine vergleichende llebersicht über die Arbeitszeit der Hausfrauen in ben verschiedenen Ländern geboten. Die hier angeführten Zahlen werden gewiß Da» Intereste unserer Familienmütter erregen. Denn es zeigt sich. Daß in Deutschland und in Der Schweiz Die Hausfrau am längsten arbeitet Als Durchschnitt» ließe wöchentliche Arbeitszeit werben hier 112 bis llSStunben angegeben, in Der Tschechoslowakei arbeitet Die Haussrau 105 bi» 119 Stunben, in Frankreich 92 bis 115, in Spanien 75 bis 118, In Italien 86 bis 100, in Polen 79 bis 91 Stunben. Am besten hat es nach Diesen Angaben Die amerikanische Hausfrau, Die Durchschnittlich nur 63 Stirn- Den wöchentlich in Ihrem Haushalt tätig ist. Diese Angabe über Die günstigeren Verhältnisse in Den Vereinigten Staaten kann nicht wunDernehmen, Denn, wie in Der Leipziger „3 II u ft r i r t e n Leitung" Dazu ausgeführt roirD, stehen Der Amerikanerin viel mehr Arbeit ersparende Einrichtungen zur Verfügung als Der europäischen Hausfrau. Zunächst einmal roirD Darauf hingewiesen, Daß Die Lebensweise Der amerikanischen Hausfrau ganz an- Der» verläuft als bei uns. In unserem Haushalt spielt Das „Einholen" unD „auf Den Markt gehen", bas tägliche Besorgen Der Nahrungsmittel eine große Rolle und verschlingt viel Seit. Die Frauen Der Neuen Welt aber machen alle ihre Bestellungen telephonisch und lassen sich bie Sachen ins Haus senden. Man ist darauf in Amerika sehr viel mehr eingerichtet als bei uns, und damit spart Die Amerikanerin so manche Stunde. Außerdem hat man In Den Vereinigten Staaten mehr Vorräte In Der Kammer Die Konserven werden in Der Ernährung sehr viel mehr verwendet, und eine gut gefüllte Vorratskammer erspart manchen unnützen (Bang. Das Streben nach Rationalisierung der Arbeit macht zwar auch In Europa immer mehr Fortschritte, aber nur wenige Hausfrauen können sich all Die praktischen unb zeitsparenden Apparate unb Einrichtungen anschaffen, unb gerade die über einen großen Geldbeutel verfügende Hausfrau bedarf dieser Dinge nicht so notwendig, da sie sich ja genügend Haus- angestellte halten kann. Die Familienmutter, die sich In bescheideneren Verhältnissen befindet, bringt Die großen Anfchaffunaskosten nicht auf unb muh Durch Zeit unD Mühe ersetzen, was sonst Elektrizität unb Maschine für sie verrichten würben. Ihre amerifa- irische Schwester hat es viel besser, benn sie finbet einen großen Teil besten, was ihr bie Arbeit erleichtert, bereits In der Wohnung vor. Praktische Küchensch'-änke, Eisschrank, Abwaschtisch usw. sind ganz selbstverständlich in jeder besseren Wohnung eingebaut. So erklärt es sich, daß die Amerikanerin eine viel kürzere Arbeitszeit hat als bie europäische unb besonbers bie beutsche Hausfrau Aber auch sie ist noch weit von ber Forderung Des amerikanischen Mannes entfernt. Der Die 48-StunDen-Woche für Die Höchstleistung Des Arbeiters ansieht. Bei uns roirD ja jetzt sogar bie 40-Stunden-Woche eingeführt, unb so zeigt sich Die Deutsche Hausfrau wirklich als „Schwerstarbeiterin", die sie beinahe Dreimal so lange* in Ihrem Haushalt tätig Ist. Gchornsten-E)teuer. Wir stöhnen heute unter einer älnzahl von Steuern, aber dürfen den schwachen Trost haben, dah es früheren Zeiten nicht besser ging. Eine Erinnerung an diese „gute alte Zeit" bietet die auf Pergament geschriebene Liste ein"« englischen Steuerei nnehme.s, die LrA'kb au,ge mV.en wurde und deren Eintragungen sich auf die sogenannte OieIagdausstellung in Gießen. Zum ersten Male findet in Gießen (vom 3. bl» 6. Oktober in Der Liedigshöhe) eine öffentliche IagDausstellung statt. Die äußere Veranlaß fung Dazu DUDet Das zehnjährige Bestehen des Hubertus", Verein weiDgerechter Jäger, Sitz Gießen E. v. In einer Zeit, wo Die Zukunft Der Deutschen IagD Durch Wilderertum, Fleischmacherel unD Inflationsbluten bedroht schien, gegründet, hat Der Verein versucht, Den Sinn für weiDmännisches Jagen in Der einheimischen Jägerei zu erhalten unD zu heben, unD seinerseits mitzu- helfen an Der Erhaltung eine» so wertvollen IDeellen unD materiellen Gutes unseres verarmten Volke», wie Die deutsche Jagd es darslelli. Die Iaadausstellunaen der Jahre nach dem Krieg unterschieden sich durchweg von jenen Der Vorkriegszeit. Trat Dort Die Stärke Der Trophäe in Den Vordergrund, strebte man also eine Art RekorD an, so spielen heute vor allem, neben Der Betonung guter Geweihe unD Gehörne als Dem Ausdruck eines aclunhen Wildstandes, Fragen der Wildpflcge unD Der Hege in Den Revieren zur Erhaltung Der BcftänDe auf Den Ausstellungen eine belonDere Rolle. DaDurch sucht eine Ausstellung auf Den besuche nDen Jäger anregenD unb belehrend zu wirken. Aber auch der Laie wird mancherlei finden, was auch ihn interessiert, selbst wenn er Geweihe und Gehörne nicht mit dem Iagerauge abzuschätzen versteht. Die Gießener Ausstellung ist ausschließlich von Mitgliedern de« Vereins Hubertus beschickt. E« werden von Ihnen rund 25 Hirschgeweihe unb etwa 400 bi» 450 Rehkronen gezeigt werden. Die Mehrzahl stammt aus Hessen, doch sind auch Stücke aus anderen deutschen Ländern und dem Ausland vorhanden und wegen der Dergleichsmöglichkeit besonder« lehrreich. Dazu kommen bann seltenere Beutestücke, da die betreffenden Tierarten unseren Wäldern an der Lahn fehlen: Auer- und Birkhähne, Gams und Seehund und sogar echte Wildkatzen u. a. mehr. Den Laien werden vor allem auch die Abweichungen von dem Vormalen in der Geweihbildung, u. a. auch Perückenböcke und gehörnte Ricken, interessieren. Auf alle Besonderheiten wird durch reichliche Beschilderung hingewiesen werden. Wirkt also eine so aufgebaute Geweihsammlung schon alS L e h r s a m m l u n g, so finden neben ihr auch ausgesprochene Lehr- sammlungen Platz, wie z. D. eine Sammlung von Unterkiefern von Rehwild zum Bestimmen deS AlterS, wie auch eine Sammlung von Eiern jagdlich wichtiger Dogelarten u. a. m. Dem Naturschutz dient die Darstellung geschützter Raubvogelarten. Eine ganz besondere Bedeutung bekommt jedoch die Gießener JagbauSstellung dadurch, daß Herr Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. O l t sich bereiterklärt hat, sein reiche» Material über MilDkronkhetten auSzustellen Dadurch, daß im Veterinär-pathologischen Institut der Unltxtfltät Gießen schon leit vielen Jahren Fallwild unentgeltlich untersucht wird, ist dort unter der Leitung de« al« Wildkrankhettenforfcher« in allen Jägerkreisen Deutschland« und Darüber hinau« bekannten Herrn Professors 011 eine Sammlung von seltener Reichhaltigkeit entstanden. Etwa 30 0 Schau- glSfer enthalten die Objekte. Jede« ist gut beschriftet, vor allem aber sind auf beigegebenen Tafeln Maßnahmen zur Verhütung von Wildseuchen angegeben. Die Erinnerung an die schweren Verluste an Hasen unb Re^n. die wir in den letzten Jahren erlitten, sollte keinen Jäger diese Au«stellung versäumen lassen. Sie ist bis jetzt nur einmal in kleinerer Form in Darmstadt und dann nur auf den großen Ausstellungen in Düsseldorf (Gesolell unb Leipzig (Jpa> gezeigt worben. Die Möglichkeit einet späteren Besichtigung an anberem Ort ist burch ben kostspieligen Transport sehr femliegenb. Den Jqger wirb ferner eine Sammlung von etwa 50 Geweihen interessieren, bie speziell Erkrankungen ber Geweihe zeigt. Don allgemeinem Interesse slnb fossile Geweihe au« Dem Mioeän unb Darstellungen über die Entwicklung de« Hirschgeweihe- im Laufe der Erdgeschichte. Die Kenntnisse, die ein Weidmann auf dem Gebiet der Jagdtierkunde, der Wilbpslege und bes Vaturschuhe« besitzen muß, Unb so groß unb vielseitig, baß e- in ber heutigen Zett Dem einzelnen Säger schwer hält, sich baS Votwenblgst» anzueignen. Dabei im Interesse einer weibmän- nischen Jagbau-übung zu Helsen, muß Hauptaufgabe ber Jagbvereine fein. Der Hubertus wirb bazu feine Lehrfammlungen zeigen, bie seinen Mitgliebern stänbig zur Der- fügung stehen. Im gleichen Raum hat auch da- Forstzoolog i s ch e I n st i t u t mit einer Ausstellung über Vogelschutz Platz gefunben. Vogelschutz unb Obst- unb Gartenbau sind Dinge, bie eng zusammengehören. Die Ausstellung will bem Obstzuchter Winke geben, wie er zweckmäßig zu verfahren hat. Sie wirb aber auch zeigen können, baß auch bie Interessen ber Jagd zusammen mit denen de» Obstbaues und Vogelschutzes durch gemeinsame Maßnahmen gefördert werden können. Jäger und Vatursreund, Gartenbesitzer und Landwirt werden daher auf der Ausstellung in gleicher Welse Anregung erwarten dürfen. „Rauch - Steuer“ beziehen. Diese 1664 ein- geführte Belastung forderte Abgaben von jedem rauchenden Schornstein und wurde daher auch Schornstein-Steuer genannt. Es war keine neue Steuer, sondern sie war schon früher in Eng and erhoben worden, aber sie wirkte darum nicht minder furchtbar, und man suchte sich ihr zu entziehen, indem man ben Rauch nicht mehr zu ben Schornsteinen hinauSIeitete, sondern lieber In die Wohn- räume schlagen lieh. Um solche Steuerhinterziehung zu verhindern, wurden Beamte zur näheren Untersuchung ausgeschickt, die „Schornstein- Leute" hießen uno beim Volk nicht gut angeschrieben waren. Wer den Rauch abzuleiten versuchte oder das Feuer ausgehen lieh, mußte die doppelte Steuer bezahlen. Der Beamte, dessen Liste jetzt aufgefunden worden ist. war ein solcher „Schorn- stelnmann", der in Somerset die Steuern einzog. Er berichtet immer wieder von Hä fern die entweder verlassen waren ober keine H.rdseucr enthielten. Wer sich des Feuerauslöschens schuldig machte, mußte Strafe bezah en. Diele aber hatten ihre Wohnungen einfach verlassen, um der drückenden Last zu entgehen. Ändere wieder erwiesen sich also so arm, dah ihnen nichts mehr abgenommen werden konnte. Die Vachforschungen der Schornsteinleute machten so böses Blut, daß die Gärung unter dem Volke immer mehr zunahm, und so wurde die Rauch- oder Herdsteuer 1689 aufgehoben; aber sie hatte eine nicht minder schlimme Nachfolgerin, nämlich die Fenster - Steuer, die 1696 zuerst erlassen wurde. D. Aus dem Amtsvefkündiqungsdlatt • DaS ArntSverkündigungSblatt Vr. 65 vom 25. September enthält: Zinsendienst für bie Kommunalbarlehen. — Die Erhebung einer Diersteuer In der Gemeinde Rödgen. Klein-Linden und Albach. — Weltbund für Erneuerung der Erziehung. — Hessische Gemeindeordnung. (Schluß Des redaktionellen Zells.) Die Technischen Lehranstalten in Offenbach a. M. Die unter staatlicher Direktion stehen unb eine Stunftgeroerbcjd)u(e, eine Höhere Bauschule und eine Maschinenbaufchule In sich vereinigen, beginnen ihr Wintersemester am 19. Oktober. Interessenten fei empfohlen, sich zum Schulbesuch frühzeitig anzumelben. Aufnahmen finden zum 19. Oktober nur in Der Kunstgewerbeschule und Höheren Bauschule statt, während Die Maschinenbauschule erst im Frühjahr Neueinstellungen oornimmt. (6372V Stuhlverstopsung. Dach ben an ben Kliniken für innere Kranlheiten gesammelten Erfahrungen ist das natürliche „Franz-Iosef“.Bitterwasser ein äußerst wohItuendeSAbführmittel. JnAp.u.Di og.erh. 00(3 Wt W / z” 6988V MENSCHEN IM BERUF / DER ANGESTELLTE fi€ fctußu&cl A TL& ....... XRAÄu&bd-, l*cL/ AAAUZ ABDUIIA STANDARD UlUgMU 4 1 ’.vt Sie. anseye, ßutobifcter t abnklager; Werner tiereon, Frankfurt a. 31., H o henetan fen M raße 6, Verlobte Gießen, den 26. September 1931 6373 D 7. Gibt es eine Ewigkeit? 6375 D Wir haben uns verlobt 05475 6385 D 6405 D Ä! Statt Karten! Äürgeln 05537 Ihre Vermahlung zeigen an Fernsprecher 3659 2019 D l Das große Ereignis in Gießen den 27. September 1931 05555 05518 Karten zu O.5O und 1 Mark. 6394 C durch die Direktion. 5972 V Ole kommenden Ereignisse 6374 D Gretel Muß Wilhelm Mffer Oberhessischer Kunstverein Jubiläums-Ausstellung Ernst Eimer, Frankfurt a. M. Turmhaus am Brandplatz Gießen Wolkengasse 20 Landenhausen Salzschlirser Weg Wissenschaftliche Werke Sondergebiet der ßrühl'schen Druckerei Reservierte Plätze..... Nicht numerierte Plätze Schüler bis 14 Jahre.... 1. Wer war Christus? 2. Warum war Christas hier? 3. Welches ist die wichtigste Wahl im Leben? 4. Wo ist das Paradies? 5. Wird Christas wiederkommen? 6. Geben wir einem Weltgericht entgegen? Für die anläßlich ihrer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken herzlichst KarlKeßleru.FrauMathilde,geb.Vullmann Gießen, den 26. September 1931 Slly Wnk Heinrich Schäfer Am 4. Oktober 1931, nachmittags 2.30 Uhr findet in der Volkshalle zu Giefoen der 1 5 Fronhausen (Lahn) im September 1931 Fritz Werner und Frau Käthe, geb. Möller KURHAUS BAD-iVAU HEIM KIRCHWEIHFEST Sonntag, den 27.September, nachm. Konzert des Knrorchestere. Nachmittags 4 Uhr: Tan z-Tee. fuhr’ Kirchweihball Montag, den 28. September, nachmittags und abends Konzert des Kurorchesters. Nachmittags 4 Uhr: Tanz-Tee. Abends 8S Uhr: Tanz. Eintritt: Zu den Konzerten 0.50 Mk. Für Besitzer v. Kur- u. Dauerkarten frei. - Eintritt einschl. Garderobe. Steuer und Tanz bei dem Kirch weihball 1.30 Mk. Bei den Tanz Tees u. Tanz 0.70 Mk. Für Besitzer von Kur- und Dauerkarten 0.50 Mk Tischbestellungen heim Kurhaus- Restaurateur. Telephon 2081. 6356 u Hellsehen - Telepathie - seelische Fernwirkungen AuskünitetnRechtk'--, Straf». ü-amil.-Anae- leflenöeiten,tyeiud)e, Bertrnge, Beobachtungen. Ueberrvachg. und Ermittlungen pretSw^ streng dtskr. u. tut all. Orten ert. n. erledigt Detektiv- Bnrean-u. Auskunftei Inh.K.Gerz,Bad-Nauheim. Knrstr. 17. 508 Gießener Oktobertage vom 30. September bis 6. Oktober 1931 Emmi Schick Ludwig Staufenberg Diplom'Hanbelslehrer Verlobte Marianne Ködding Heinrich Zeitz Studienreferendar geben ihre Verlobung bekannt Bibelstunden daselbst vom 29 September bis 2. Oktober, nachmittags 3.15 Uhr. Eintritt frei! Jedermann ist herzl. eingeladen I Keine Kollekte! Christliche Versammlung Gießen. Für die anläßlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Karl Weber u. Frau Lina, geb. Sommer Gießen (Kaiserallee 47), den 26. September 1931 05519 Gießener Pferdemarkt mit Verlosung am 80. September und 1. Oktober. Was kann man mit 3 Gramm Kaffee machen? Von einer Bremer Firma wird empfohlen, für die Kaffeezubereitung eine Menge von 3 Gramm Kaffee zu nehmen. Unser Verein ist der Meinung, dah sich solche Mc/hoden mit dem wohlbegründeten Ruf des Kaffee* und Kolonialwarenhandels nicht verein* baren lassen. Ein Kaffee, für den nur 3 Gramm pro Tasse verwendet werden, entspricht nicht dem, was man in den meisten Haushaltungen trinkt. In allen guten Kaffeehäusern wird sogar ganz erheblich mehr genommen, sowohl von coffeinhaltigem wie von coffeinfreiem Kaffee. Der Kolonialwaren-Händler überläßt cs jeder Hausfrau, das in ihrem Haushalt erprobte Mah zu nehmen. Wenn sie ihren Kaffee beim Einzelhandel kauft, hat sie die Gewähr, die ergiebigsten und besten Kaffeesorten so preiswürdig wie nur möglich zu bekommen. Kaufen Sie Ihren Kaffee in guten Fachgeschäften des Kolonial Warenhandels und bleiben Sie bei Ihrer bewährten Zube* reitungsmethode — dann fahren Sie am besten. So schreibt ein Verein der Kolonial warenh an Hier Hess. Höhere Bauschule Bingen a. Rh. dem hessisch. Ministerium unterstehende technische Lehranstalt HOCH- UND T1UTBAU Beginn: Winter-Semester 13. Oktober. Aufnahmebedingungen wie an den preußischen und anerkannten Baugewerkschulen. Programm, Auskunft kostenlos ...............RH. 1.50 ...............RM. 1 00 ...............RM. 0 50 Der Gauvorstand. Sch au messe mit Aufstellung bedeutender Großstadtnnterneh- muogen am Oswaldsgarten vom 27. September bis 6. Oktober. Werbetage der Gießener Geschäftswelt Schaufensterwettbewerb mit Preisverteilung vom 30. Sept, bis 6. Okt. Das Publikum als Preisrichter im Schaufensterwettbewerb. — Bewert ung der Schaufenster durch Stimmzettelabgabe. — Stimmzettel sind kostenlos zu haben in den am Schaufenst erwettbewerb beteiligten Geschäften, sowie im Büro des Verkehrsvereins, Gießen, Selsersweg 89. — 500 Preise sind zur Verteilung an die Gewinner des Wettbewerbs bereitgestellt. Die Oleßener Geschäfte sind am Sonntag, dem 4. Oktober, naehmiltags von 1 bis 6 Uhr geöffnet. Obst-, Gartenbau- und Jagdausstellung in der Llebigahöhe zu Gießen vom 3. bis 6. Oktober. Reichhaltige Zusammenstellung von auserlesenem Obst. — Erstklassige Gai tenbauei Zeugnisse u.Auswahl aller Blumensorten.— Beispiele der Schädlingsbekämpfung und des Vogelschutzes — Reich beschick te-Sammlung von Geweihen und anderen J agd- trophäen. — Vielseitige Darstellung von Wild- und Geweiht rankheil en mit Anweisung zur Seuchenbekämpfung. — Wildpnege und Naturschutz. Eintritt: Erwachsene 30 Pf.. Kinder bis zu 14 Jahren lo 1 f. — Schulklassen geschlossen unter Führung der Lehrer am o. und 6. Oktober pro Kind 10 Pf. Großer Kunstturn -Wettkampf der besten Turner der drei Großgaue des Mittelrheinkreises (Rheinhessen. Main-Rhein, Hessen) am 4. Oktober, nachmittags 2.30 Uhr, in der Volkshalie in Gießen. Jahrestagung des Landesverbandes hessischer Obst- und Ga tenbauvereine am 4. Oktober, vormittags 10.30 Uhr, im Saale des Cal6 Leib an Gießen. Jubiläumsfeier des Hubertus Gießen anläßlich des 10jährigen Bestehens des Vereins am 4. Oktober im Schätzenhaus zn Gießen. Unterhaltungsdarbietungen im Gießener Stadttheater, Im Lichtspielhaus und in den Gaststätten. Zu zahlreichem Besuch laden ein der Verkehrsverein Gießen u.dle Geschäftswelt 6130 D Fabelhafte Eiperimente und Demonstrationen 6383 D Karten: M. 2.25, 1.75 und 1.- beim ZNusll-Lhallier und an der Abendkaste Asbest- Platten 1,2, 3,4 und 5 mm, wieder am Lager. 6785 D CarlSchunck •eeeeeeeeeeo Oberstadt bei Lich Friedberg 27. September 1931 Restauration ,AQuarium‘ Walltorstr. 5 6404d SüberTraubenmost Mtnollftts Sen« Bereinshons i— -— E>amstag,3.Ottob.,abendsSLlhr Der Eiperimentalpsscholode von Weltruf Der Wegweiser für die Zukunft Übersinnliche Grenzgebiete ßrau’ und KfllV Weiß-Stück leW ffl von bester Quali- K M Ht flH Effl rät und größter W mW WWM Ergiebigkeit zu billigstem Preis C. Rübsamen, Gießen „Zum Löwen“ Neuenweg 28 05561 Heute Konzert geöffnet bis 4 Uhr nachts. Londorf Kesselbach im September 1931 Lichtspielhaus/Bahnhoistr. und Goethe-Bund Giefoen nur Sonntag, den 27. September, 11.15 Uhr vormittags 4. Kulturiilin-Veranstaltunt Ein Expeditions-Tonfilm der Ufa Kultur-Abteilung von Colin Roß Achtung Australien! Achtung Asien! Kleine Preise: 0.60 bis 1.50, Jugendliche von 0.30 an. Die Mitglieder des Goethe-Bundes erhalten mit ihren Angehörigen gegen Vorzeigung der Einladungskarte an der Kasse des Lichtspielhauses Provinzkampl im Kunstturnen zwischen den drei Großgauen Rheinhessen — Main-Rhein — Hessen um den Wanderpreis des Hess. Staatspräsidenten statt. Eintrittspreise: Evangelist Paul Schwefel, BerlinI hält in der Woche vom 28. September bis 4. Oktober 1931, abends 8.15 Uhr Evanßeliialions-VerfaminltinOen im Saale der Christi. Versammlung, Gleisen, Lindenplaiz 1 •yey Eingang Wetzsteingasse "VL über folgende Themen: Nr. 225 Drittes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Samstag, 26. September 1931 Die Stellung der Frau im Berufsleben. Don <5 3n der Pretoria! Review hat kein geringerer alS der allbekannte WirtschastSorganifator und Industriefürst. Henry Ford, sich über die beruflich tätige Frau geäuhert. In der bekannten kühlen Sachlichkeit diese» Manne« ist die herbste Kritik ausgesprochen, die Wohl über die neuzeitliche berufliche Frauenarbeit gefällt worden ist. Für die Frauenwelt liegt hierin ein Dorgang von schwerer Tragweite, denn Ford ist heute schon ein .W irtschastSshste m“. Europa hat eS sich angewöhnt, aus diese Stimme zu lauschen und ihr zum Teil sogar kritiklos zu folgen. SS wird auch wenig für die berufstätigen Frauen Europas ausmachen, dah man sich daraus berufen kann, dah da- Urteil, welche- Ford fällte, sich auf die amerikanischen Frauen bezieht. Gerade der amerikanischen Frau Pflegt man die große Sachlichkeit unter den einzelnen Rassen nachzusagen. Da- Urteil Ford- läßt sich dahin zusammen- ziehen, daß Ford den Versuch der wirtschaft- lichen Einreihung der Frauen in da- getarnte ökonomische Volksleben als gescheitert ansieht. Sein Rat geht dahin, die Frauen wieder einzig in daS Reich de- Hauses zu bannen, denn innerhalb der Gebiete der Wirtschaft sind sie nach Fords Ansicht mit Ruhen nicht zu verwenden. Wenn man von dem Gedanken aus- geht, daß die wahre wirtschaftliche Rationalisierung nur dann erreicht wird, wenn jede einzelne Persönlichkeit an dem ihr von Ratur auS zuge- wiefenen Platze steht, erklärt Ford, dann ist es unerläßlich, die Frauenarbeit auS der Wirtschaft wieder zu entfernen, denn ihre Leistungskraft wirke sich nur innerhalb der häuslichen Tätigkeit auS. AIS Degründung für diese Behauptung führt Ford an, dah »Frauen nicht gewohnt sind, über mechanische und industrielle Angelegenheiten nachzudenken und im allgemeinen auch gar nicht wünschen, sich mit solchen Dingen zu beschästigen". Er sagt daher das völlige Verschwinden der Frauen aus dem DerusSlebcn voraus. Der große Industrielle ist der Meinung, daß die Rückkehr der Frauen zu der reinen Haussrauen- arbeit im Interesse der Frauen nur zu fordern sei, denn die natürlichen Anlagen der Frau ließen einen wirtschaftlichen Aufstieg für sie alS unmöglich erscheinen. Die Frauen sind nach Ford im Wirtschaftsleben nur als mechanische Arbeitskräfte zu gebrauchen, in der Art, wie der nicht qualifizierte Arbeiter tätig ist. »Ohne schöpferische Veranlagungen, ohne eigene Regsamkeit" sei die Frau nur geneigt, Befehlen zu gehorchen, solche entgegenzunehmen, nicht aber zu erteilen. Die Verantwortung an lei tendem Posten könne der Frau nicht zugemutet werden und würde von ihr auch nicht gesucht. Zu der De- klciduna eines verantwortlichen Postens gehöre es, Entschlüsse zu fassen und hierzu sei die Frau auS ihrer natürlichen Veranlagung nicht fähig, sie besitze auch gar nicht die Kenntnisse, um die Tragweite der zu fassenden Beschlüsse beurteilen zu können. Um ein Heer von Frauen zu schassen und innerhalb der Wirtschaft zu belassen, die nur den Platz eines gewöhnlichen Arbeiters ausfüllen, liegt nach Ford keine Veranlassung vor, denn hier zeigt sich die ökonomisch falsche Platzbesetzung. Im Hause aber sei die Frauenarbeit die qualifizierte Leistung und durch die Mannesarbeit nicht zu ersetzen. Wenn nun die Frauen gegen diese- Urteil sehr viele- einzuwenden haben werden, so wird auch der Mann nicht an ihm ohne weiteres vor- . Buch. übergehen können. Für unS Deutsche muß da- Urteil unter dem Gesichtspunkte bewertet werden, dah eS sich um eine Acuherung handelt, die amerikanische Verhältnisse zur Grundlage nimmt. Die berufliche Tätigkeit der Frau ist noch immer daS Ergebnis wirtschaftlicher Notwendigkeiten getoefen. Der Kampf um daS Brot hat noch in allen Zeiten die Frau aus dem Hause und zu dem Arbeitsmarkt geführt. Danz abgesehen von der wirtschaftlichen Geeignetheit der Frau zu der auherhäuSlichen Tätigkeit ist die Leistung der Frau als Hausfrau, Mutter und KindeSerzieherin für die DevölkerungSpolitik eines Lande- so wichtig, dah man aus diesem Grunde allein die Frauentätigkeit im auherhäu-lichen Berufe ablehnen mühte. Selbst dann, wenn die berufliche Frauentätigkeit al- besonders werteschaffend an- -usehen wäre. In dem Augenblick aber, in dem die Familie nicht mehr durch den Vater oder Mann allein zu erhalten 11, kann die Frau auf den auherhäuSlichen Beruf nicht verzichten. Wenn Ford der Meinung ist, dah in abfehbarer Zeit die berufliche Frauenarbeit in den Vereinigten Staaten nicht mehr anzutreffen fein wird, dann kann man nur feine Ansicht teilen. In Nordamerika hat sich der Dolksreichtum fo gehoben, hat sich die jähe Wirtschaftsentwicklung bereits so eingespielt, dah man sich den Luxus leisten kann, die Frauenarbeit wieder auS dem ökonomischen Volksleben herauszuziehen. Ja, man ist hierzu vielleicht in kurzer Zeit aus Gründen der Arbeitsruhe und noch mehr jenen der Bevölkerungs- Politik gezwungen. Die kühle ßcbcnSauffafiüng der Amerikanerin hat die starte Schattenseite der weiblichen Berufstätigkeit, die Loslösung von den eigentlichen Frauenaufgaben, besonders hervortreten lassen. Man hat in den dortigen Frauenkreisen erkannt, dah die ökonomische Unabhängigkeit, die LedenSsreiheit, erstrebenswerte Güter sind: man hat es daher mit einer starken Abneigung der Amerikanerin der Ehe gegenüber zu tun, oder sieht sie als reine Praktikerin der Ehefrage gegenüber, so daß die Geldfrage vor die Reigungssrage gestellt wird. Die „sachlichen" Ehen erweisen sich aber als wenig beständig, und so ist denn Amerika das Land der ungebundenen Verhältnisse, der Ehescheidungen und der immer weiter um sich grei- senden Familienauflösung. Man führt diese für die Bevölkerungspolitik wenig erfreulichen Tatsachen richtig auf die auherbe- rufliche bezahlteTäti-gkeitderF au zurück, denn ohne eigenen Verdienst, ohne auher- häuSliche Beschäftigung würde die Amerikanerin wieder nach der Ehe und vor allem nach der Daucrehe verlangen. Der amerikanische Arbeitsmarkt, der in allen Zeiten der vergangenen Entwicklung mit weitgehendem Mangel an Arbeitskräften zu kämpfen hatte, ist jetzt fo organisiert, daß man mit seinen Arbeitskräften mehr als eingedeckt ist. Es fehlt lediglich an hochqualifizierten Arbeitshänden, und die wird man in absehbarer Zeit sich ebenfalls erzogen haben. An ungelernten Arbeitshänden hat man Ueberfluß, und so besteht die nicht ungerechtfertigte Befürchtung, dqß durch den sich immer weiter zuspihenden Kampf um den allgemeinen Arbeitsplatz, sich jene sozialistischen Gedanken in die Arbeiterbewegung hineindrängen werden, die das europäische Wirtschaftsleben so stark belasten. Da Ford nun der Ansicht ist, daß sich die Frauen überwiegend nur zu der Einnahme I der Stellung eines gewöhnlichen Arbeitsplatzes eignen, muß er alS WirtfchaftSorganisator zu der Ansicht gelangen, daß die Frauenarbeit von dem Markte zu entfernen ist, um fie dort einzu- fetzen, wo sie dringend erforderlich ist, im Hause. Für die deutschen Verhältnisse können wir von diesem Gesichtspunkte nicht zu dem gleichen Ergebnis gelangen, denn so sehr der deutsche Arbeitsmarkt einer Entspannung bedarf, und fo fehr man auch für unsere Verhältnisse die bevölkerungspolitische Rotwendigkeit einer geringeren auherhäuSlkchen Frauenarbeit befürworten mühte, — wir find nicht in der Lage, auf die Frauenarbeit verzichten zu können. Hm eS kurz und hart zu sagen, für unS ist die Frauentätigkeit innerhalb der Volkswirtschaft unerläßlich. denn sie erhält den Familienbestand mit und sie liefert die Arbeitskraft für den Bureaudienst und die rein mechanische Industriearbeit. WaS hat man nun zu den Urteilen zu sagen, die sich gegen die Geeignetheit der Frau alS Berufstätige wenden? Daß die Frau nicht geeignet und auch nicht geneigt ist, über mechanische und industrielle Dinge nachzudenken, wird im allgemeinen den Tatsachen entsprechen Die Frauenarbeit in dieser Richtung ist aber viel zu jung, sie steckt noch zu sehr in den Kinderschuhen, alS dah der Abstand genügend wäre, um zu bindenden Urteilen die Berechtigung zu geben. Jeder Arbeiter der Welt ist erst in der Tätigkeit von Generationen zur rein mechanischen und rein industriellen Arbeit geschult worden. Der schöpferische Geist muh leider überall, auch bei den Männern, vermißt werden, wir lebten sonst nicht im Zeitalter der Herdenforderungen, der herdenmähigen Men- fchengruppicrung. Wenn die Frauen hier hinter den Männern noch zurückstehen, dann ist auf zwei Tatsachen hinzuweisen Die Frauen haben in ihrer beruflichen Tätigkeit so gut wie kein« Entwicklung-linie. den mit zwanzig Jahren errungenen Platz hat zumeist die Vierzigjährig« noch inne. Die Frauenarbeit ist zunächst di« Sintagserscheinung innerhalb der ManneSkultur« Fernerhin ist die Frauenarbeit in den Jahren« in denen der Wille zur Leistung erwacht, überwiegend schon in da- HauS zurückgekehrt, sie ist im Beruf nur noch ..nebenamtlich" tätig. In dem jungen Mann liegt wohl schon die Zähigkeit zu schöpferischer Kraft, aber erst der Gereiftere beginnt mit der Tat. Innerhalb der Frauenarbeit kommen auf hundert Berufstätige im Alter von siebzehn bi- vierundzwanzig Jahren zehn im Alter vondreihigbisvier^g ... Daß die Frau sich nicht zum Befehlen, also dem selbständigen Anstellen eignet, muß für die deutschen Frauen abgelehnt werden. Hier haben die Frauen alS Beweis eine Tradition. DaS ökonomische Leben der Ritterkultur mit der Eindeckung an Kleidung und Rahrung beruht auf der Hausfrauentätigkeit: die VorratS- wirtfchaft im Mittelalter vollzieht sich unter der Leitung der Hausfrau, die ein reichlich Mah an Defehlsgewalt auszuüben hatte. Richt die Hn- gccignctbcit, sondern lediglich die veränderten wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse nahmen der Frau den weiten Arbeitskreis. Man muh das Ford sche Frauenurteil nicht als Werturteil lesen, sondern als wirtschaftliche« Leitmotiv eine« WirtfchaftSorgani- sators, der für Amerika« ökonomische Lage di« Frauen in das HauS zurückverweisen muh. Das neue hessische Zweckverbandsgesetz. Das Recht der Gemeindeverbände war seither in den Artikeln 195 ff. der Landgemeindeordnung geregelt. Da künftig die Möglichkeit vorgesehen werden soll, in die Gemeindeverbände außer Gemeinden auch Greife und Provinzen einzubeziehen, so erschien die Neuregelung außerhalb der Gemeindeordnung angebracht. Das neue Zweckverbandsgesetz bestimmt daher grundlegend, daß sich Gemeinden, selbständige Gemarkungen, Kreise und Pro- o i n z e n zur Wahrnehmung bestimmter. In ihren Aufgabenkreis fallender Angelegenheiten zu Zweckverbänden zusammenschließen können. Zweckverbände sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Erfordert das öffentliche Interesse die Bildung eines Zweckoerbandes und stimmt mindestens die Hälfte der zu Beteiligenden der Verbandsbildung zu, so kann auf Antrag der Provinzialdirektion die mangelnde Zustimmung einer Gemeinde, einer selbständigen Gemarkung oder eines Kreises durch einen mit Gründen versehenen Beschluß des Provinzial- ausschusses der Provinz, in der die Gemeinde, die selbständige Gemarkung oder der Kreis liegt, ersetzt werden. Soll der Zweckvcrband nur aus Land- iemeinben oder selbständigen Gemarkungen des- elben Kreises gebildet werden, so tritt an die Stelle 1er Prooinzialoirektion das Kreisamt und an die Stelle des Prooinzialausschusses der Kreisausschuß. Soll einem Zweckverband auch eine Provinz angehören so wird die mangelnde Zustimmung eines zu Beteiligenden auf Antrag des Ministeriums des In- nern durch einen mit Gründen versehenen Beschluß des Gesamtministeriums ersetzt. Erfordert das ösfent, liche Interesse den Beitritt einer Gemeinde, einer selbständigen Gemarkung, eines Kreises oder einer Provinz zu einem bestehenden Zweckverband, und stimmt der Zweckverband dem Beitritt zu, so kann die mangelnde Zustimmung der Gemeinde, der selbständigen Gemarkung, des Kreises oder der Pro- vinz entsprechend den vorhergenannten Bestimmungen ersetzt werden. Die Bildung eines Zweckoerbandes sowie jede Aenderuna in der Zusammensetzung bedarf der Genehmigung des Ministers des Innern. Soweit die Rechtsverhältnisse des Zweckocrbande^ nicht durch dieses Gesetz geordnet sind, werden sie durch eine von den Derbandsmitgliedern au vereinbarende Satzung geregelt. Die Satzung, sowie jede Aenderung der Satzung bedarf Der Bestätigung durch den Minister des Innern. Organe des Zweck- verbandes sind Der Berbandsausschuß und der Der- bandsvorstester. Der Berbandsausschuß beschließt über alle Angelegenheiten des Zwcckverbandes soweit sie nicht durch Gesetz ober Satzung dem Der- bandsoorsteher überwiesen sind. Die Derbandsvor- fieber führt die laufende Verwaltung des Zweckverbandes. Die Beamten des Zweckverbandes gelten als Beamte einer Landgemeinde. Diese Zusammenfassung zu einer bestimmten Beamtenkategorie erschien zweckmäßltz, um eine einheitliche Regelung herbeizuführen. Diese Generalformel für die verschiedenen Verbände erschien auch aus diesem Grunde zweckmäßig, weil die Landgemeinden die ein- fächeren Bestimmungen haben. Demgemäß finden die für die Landgemeinden geltenden Vorschriften der Gemeindeordnung über das Vermögen, den Voranschlag und das Kasse- und Rechnungswesen ent- sprechende Anwendung, soweit nicht der Minister des Innern Abweichungen zuläßt. Aufsichtsbehörde des Zweckoerbandes ist Der Minister des Innern, der mit der Ausübung der Staatsaufsicht eine andere Be- Hörde beauftragen kann. Zur Auflösung des Zweck- verbandes ist ein einstimmiger Beschluß des Der- bandsausschuffes erforderlich, soweit die Satzung nichts anderes bestimmt. Der Beschluß bedarf der Genehmigung des Ministers des Innern. Von erheblicher praktischer Bedeutung ist die Bestimmung des Artikels 19. Darnach bedarf der Zusammenschluß hessischer Gemeinden selbständiger Gemarkungen, Kreise oder Provinzen mit Das bißchen Erde. Vornan von Richard Skowronnel. Copyright by I. Engelhoms Nachf., Stuttgart. 42 Fortsetzung Nachdruck verboten Weiter kam er nicht. Malte war in der Ecke hinter dem Ofen so ungestüm aufgesprungen, daß er fast den Tisch umriß. Mit zwei langen Schritten stand er vor dem kleinen Reiteroffizier. „Herr von Bredow, Sie haben sich eben erlaubt, in fo nichtswürdigen Ausdrücken von einer mir nahestehenden Dame" ... Der Friedeberger Dragoner trat einen Schritt zurück, zuckte nichtachtend mit den Achseln. ..Herr Graf Römnitz, ich bitte, mich nicht zu belästigen. Ich wünsche nicht, mich irgendwie mit Ihnen auseinanderzusetzen oder zu unterhalten." Auf Maltes weißer Stirn schwoll die Zornader. „Herr Oberleutnant von Bredow, ich habe mir soeben erlaubt, Ihr Verhalten als nichtswürdig zu bezeichnen?!" ... Der Dragoner tat, als hörte er nicht. Er wandte sich mit einer gleichgültigen Frage an den Herrn von Lewenitz, aber seine Haltung war gespannt. Die Linke hielt die Säbelscheide, die Rechte lag in der Rähe des Korbes auf der Lauer ... ..3a, also, was ich sagen wollte, lieber Lewenitz" ... Au« Maltes Brust kam ein dumpfer Laut, schwer fiel seine Hand in daS Gesicht des andern ... „Da und da und noch einmal“ ... Der lange Herr von Lewenitz warf sich dazwischen, einen Augenblick dauerte es nur, und er flog mit dem Kopfe gegen den Ofen, blieb mit ausgestreckten Armen und dem Gesicht nach unten auf dem Boden liegen. Eine Klinge blitzte in der Luft, eine Sekunde danach war sie in Maltes Händen, brach unter seinem 'Fuß mit kurzem Klirren. Der Dragoner wischte sich das Blut aus seinem Gesicht und sprach stammelnd: „Ich hoffe. Eie werden mir Genugtuung geben, Gras Römnitz?" ... Malte lachte höhnisch auf. „Ra und wenn nicht? ... Wenn ich nun mal ausprobieren wollte, was Eie danach tun werden? Eie und der so korrekte Herr von Lewenitz da, der mir damals nicht mal die Hand gereicht hat zum Abschied ... ich wäre wirklich neugierig!“ ... Der Dragoner stöhnte auf. „Herr, ich bitte Sie" ... Malle schleuderte ihm den Säbelkorb vor die Füße. „Da! ... Eigentlich wollte ich ihn mir zum Andenken mitnehmen, aber es lohnt nicht der Mühe. Schicken Sie mir Ihre Zeugen — ich werde mich bis zum Abend zu Hause halten!" ... Er warf dem Kellner ein Geldstück zu, schritt hinaus. Der Heine Maler folgte ihm, noch ganz betäubt. In kaum einer Minute hatte sich alles abgespielt, wie eine Windsbraut war es gekommen und vorübergezogen, ein paar Menschenschicksale lagen auf dem Weg ... Sie saßen im Wagen, die Rappen zogen an. „Hm Gottes willen". sagte Peter Nägelein, „liebster, bester Herr Graf, wie konnten Eie sich nur so hinreiben lassen?" Malte schnitt mit der Hand durch die Luft. „Das verstehen Eie nicht. Kleiner! ... Keiner kann aus der Haut heraus, die ihm mal angemessen ist ... Alle Theorien sind Hnfinn — zwei Jahre lang hab' ich auf diesen Augenblick gewartet, vielleicht ohne es selbst zu wissen ... Ich bin wieder was: zwei Herren aus altem Adel müssen sich mir wieder stellen, ganz so wie früher ... es gibt keine Ausrede, sie müssen sich mir stellen! Achselzucken und Wegsehen gibt es nicht mehr ... nur, natürlich, es wäre furchtbar, wenn ich für eine ungerechte Sache fechten würde ... aber schließlich ist auch das egal ... aus ist aus" ... Gegen Abend kamen die Kartellträger, der Panschenhagener Majoratsherr und ein Rittmeister von den Friedeberger Dragonern. Malte empfing sie auf der Diele, die kurze Verhandlung wurde stehend abgemacht. Er stellte seinen Sekundanten vor, den Herrn Kunstmaler Peter Rägelein, und bat um Entschuldigung, wenn et selbst sich gegen allen Brauch bei der Festsetzung der Bedingungen beteiligte. Sein Vertreter wäre in diesen Fragen nicht recht bewandert. Die beiden Herren verneigten sich schweigend ?um Zeichen der Zustimmung, jeder von ihnen agte danach seinen Vers auf. Der Panfchen- hagener überbrachte die Forderung seines jüngeren Bruders, der Rittmeister die des Herrn von Lewenitz. Auf gezogene Pistolen mit Stecher, Kimme und Korn, fünfzehn Schritte Barriere und Kugelwechfel bis zur vollständigen Kampfunfähigkeit eines der beiden Kontrahenten. Malte neigte zustimmend den Kopf: „Ange- nommen, selbstverständlich, meine Herren! ... Hnd der Ort?" „Möglichst ungestört natürlich", sagte der Panschenhagener. „Leider ist die Moltzahner Polizei schon argwöhnisch geworden durch den geradezu unerhörten Vorgang“ ... »Keine Kritik, bitte, Herr von Bredow" ... „Ah, Pardon, selbstverständlich" ... „Danke!" ... Malte verneigte sich höflich: „Ich bin der Geforderte, mir steht es zu, den Ort zu bestimmen. Ich möchte den Herren also Vorschlägen, die Lichtung in meinem Jagen achtzehn. Sie kennen den Platz ja wohl noch von den Treibjagden her — wir frühstückten da immer. Wenn es Ihnen recht ist, um fünf Hhr, gegen vier ist ja schon Büchsenlicht. Ich werde meinen Förster instruieren, dah er sich bei dem Knallen nicht etwa einbildet, es wären Wilddiebe im Revier" ... Die Herren llappten mit kurzer Verneigung die Hacken zusammen, wandten sich schweigend zur Tür. Malte hielt fie mit einer Handoewegung zurück. „Einen Augenblick noch, wenn ich bitten darf... Ich bin in einiger Verlegenheit um den Hn- parteiischen, den ich ja eigentlich stellen müßte... mein Herr Onkel dürfte durch das freudige Ereignis in seinem Hause wohl verhindert fein" ... Der Rittmeister von den Friedeberger Dragonern erwiderte: „Wir werden uns gestatten, Ihnen diese Sorge abzunehmen, Herr Graf. Einer meiner älteren Kameraden wird sicherlich dazu bereit sein ... in dem vorliegenden Fall ist es ja nichts weiter als eine bloße Formalität" ... Es folgte eine neue allseitige Verneigung: eine Minute später rollte der Wagen, der die beiden Kartellträger gebracht hatte, wieder die Dammallee entlang . .. Malle reckte die starken Arme in die Luft, aus feiner Brust kam es wie ein Jauchzen ... „Herrgott, hab Dank für diesen Augenblick! Zwei lange Jahre habe ich daran geschleppt, jetzt bin ich wieder rein“ ... Er schlug mit der flachen Hand auf die Schelle, die auf dem runden Tische stand. „Lentz!" „Herr Graf?" „Sieh nach, ob der Pistolenkasten in Ordnung ist! Diesmal gibt es Verwendung für die beiden alten Eisen, morgen früh" ... In den Augen des Allen leuchtete es auf. „Zu Befehl, Herr Graf, wird besorgt werden" — Der frühe Morgen hob sich stahlblau hinter den Fenstern, ein harter Knöchel pochte gegen die Tür. „Auf, auf, Peterchen, es wird Zeit" ... „Ja, sofort" ... Der Heine Maler sprang aus dem Bett, zog sich hastig an. Kein Auge hatte er geschlossen während der ganzen Rächt, immerfort nut gegrübelt, ob es aus all dem Schrecklichen nicht einen Ausweg gäbe. Ader kein Rachdenken hals, das Schicksal ging seinen Gang, er lag mit einem unter bemfelben Dache, der sich dem Tod geweiht halle ... Es gab keinen Zweifel, der be- vorstehende Zweikampf war dem nichts andres als eine rechte und günstige Gelegenheit, mit Ehren dahinzufahren nach einem verirrten Leben, verirrt durch fremde und eigene Schilld ... Hnd well ihm ein andrer den Platz genommen hatte, auf den er sich vielleicht hätte retten können ... Wie oft hatten fie in vergangenen Tagen da draußen gesprochen, wie sinnlos e« wäre, Fragen der Ehre mit der Waffe in der Faust zu entscheiden, mit einem Zweikampfe, in dem nicht die bessere Sache siegte, sondern die geübtere Hand. Hnd jetzt kam der, der damals am eifrigsten gesprochen, bei der ersten Gelegenheit her, warf alle Vernunftgründe über Bord und frohlockte ordentlich, daß er wieder unter Gesehen stand, die er früher gar nicht genug hatte verspotten können ... Peter Rägelein kam blaß und übernächtig auf die Diele, Malte sah schon beim FrühstückStische, aß und trank mit gesundem Appetit. AIS wenn ihm eine harmlose Spazierfahrt bevorstände, nicht aber eine Entscheidung um Tod und Leben ... Hnd ebenso gelassen schien der alte Diener. Mit ruhigem Gesichte stand er hinter dem Stuhl seines Herrn, reichte ihm die Schüsseln und antwortete auf die zur Sache gehörigen Fragen. Ob der Kutscher rechtzeitig da fein würde, und ob die Pistolen in Ordnung wären. Die PistonS richtig gereinigt und durchgeblasen, damit eS nicht womöglich einen unhe&famen Versager gäbe ... Malle winkte mit der Hand. „Da, setzen Sie sich, Peterchen, und futtern Sie gründlich. So eine Geschichte dauert manchmal lange, und Iber weih, wann Sie wieder WaS zu essen kriegen ... Außerdem vielleicht, wenn Sie zurückkommen, sitzt schon hier der Vertreter meine« kleinen Rachfolgers: .Tut mir leid, Herr Rägelein, aber Eie müssen sich ein andre- Quartier suchen"' ... Der kleine Maler schüttelte den Kopf. „Entschuldigen Eie, Herr Graf, aber ich könnt« wirklich keinen Bissen herunterkriegen" ... „Ra denn nicht" ... Drauhen fuhr der Wagen vor, Malte stand auf. „Es wird Zeit, Lenh, ruf mir die Miken" ... Das alle Weiblein trat über die Schwelle, die Augen vom Weinen dick verschwollen. Aber sie beherrschte sich, Lentz hatte ihr ja erklärt, um was es sich handelte, und daß es nicht ander« ginge ... Ihr junger Herr umfaßte sie, küßte fie herzlich auf den Mund. „Mein liebes altes Mikchen, hab Dank für alles. Für deine Liebe und Treue ... GS tut mir leid, dah ich für dich nicht fo sorgen konnte, wie ich s gerne gewollt hätte" ... Da verlieh sie die Selbstbeherrschung. Sie warf ihre Arme um ihn und schluchzte laut auf. „Mien lewen, lewen Jung! Dat du mi man wedderkömmst! Mien Hartblood möcht eck hin- gäwen, bat du mi man wedderkömmst" ... (Fortsetzung folgt) außerhessischen Körpe r I ch a f t e n zu einem Verband des öffentlichen Rechtes der Genehmigung des Ministers des Innern. Die Genehmigung ist jederzeit widerruflich. Diese Bestimmung hat besondere Bedeutung für solche Städte und Gemeinden, die an der Landes- grenze liegen und deren wirtschaftliche Interessen unter Umständen eine Ueberbrückung der Landesgrenzen notwendig machen können. Das neue Zweckverbandsgesetz ist bereits am 1. Juli 1931 in Kraft getreten, jedoch erfolgte die Veröffentlichung des am 10. Juli 1931 verabschiedeten Gesetzes erst im Regierungsblatt Nr. 14 vom 9. September 1931. Dr. V. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 27.September, 17.30 bis gegen 22.30 Uhr: „Die Meistersinger von Nürnberg". — Montag, 28., 20 bis gegen 23: „Undine". — Dienstag, 29-, 20 bis nach 22.30: „Der lustige Krieg". — Mittwoch, 30., 20 bis gegen 22.30: „Falstaff". — Donnerstag, 1. Oktober, 19.30 bis gegen 23: „Tannhäuser". — Freitag, 2.: Geschlossen. — Samstag, 3., 20 bis gegen 22.30: „Der Troubadour". — Sonntag, 4., 18.30 bis gegen 23: „Lohengrin". Schauspielhaus. Sonntag, 27. September, 15 bis nach 17.15 Uhr: „Pygmalion" (geschlossene Vorstellung für Erwerbslose). Sonntag, 27., Montag, 28. Sept., Donnerstag, 1. und Freitag, 2. Oktober, jeweils von 20 bis nach 23 Uhr: „Der Hauptmann von Köpenick". — Dienstag, 29-Sept., 20 bis gegen 22: „Dame Kobold". — Mittwoch, 30. Sept., und Samstag, 3. Okt., jeweils von 20 bis nach 22.30: „Der Kaufmann von Venedig". — Sonntag, 4. Okt., 20 bis nach 22.15: „Meine Schwester und ich". SJ.-fpor/ Fußballkamps gegen Dänemark. Am Sonntag in Hannover. Der Deutsche Fußball-Bund hat in feinen letzten Länderspielen wenig erfreulich abgeschnitten. Diesmal geht es gegen Dänemark. Schauplatz des Kampfes ist das bereits ausverkaufte Hindenburgstadion in Hannover. Mit Dänemark hat der DFB. bisher erst fünf Länderspiele ausgetragen. Sie wiegen allerdings in der Bilanz schwer, denn von den fünf Spielen gewannen die Dänen allein vier. Nur einmal kam Deutschland zu einem mageren Erfolg. 3m 3ahre 1928 siegte die deutsche Mannschaft mit 2:1 Treffern. Die Dänen besitzen nur mittelmäßige Dereinsmann- schaften, aber eine spielstarke Länderelf. Die jüngsten und die ältesten Internationalen spielen mit gleichgroßer B ge sterung für den „Danebrog" und geben in Länderkämpfen einen beachtenswerten Gegner ab. Ueber das Aussehen der deutschen Mannschaft hat lange Zeit ein Geheimn S gelegen. Der Spielausschuß des DFB. Wurde fast der Schwierigkeiten nicht Herr und erst am Donnerstagabend kam sozusagen in letzter Minute die genaue Aufstellung heraus, die dabei nicht einmal überraschte. Die Aufstellung der Mannschaft veröffentlichten wir bereits gestern. Nach den letzten Mißerfolgen steht man den Länderspielen unserer Mannschaft sehr pessimistisch gegenüber. Aber die' Lage ist noch nicht hoffnungslos. Die aufgestellte Mannschaft ist trotz der drei neuen Leute Grämlich, Tibulski und Kobierski recht spielstark und ein Erfolg, der meistens kommt, wenn er am wenigsten erwartet wird, ist ihr bei allem Respekt vor den Dänen zuzutrauen. VfB.-Gießen. dessen Ausgang kaum vorherzubestimmen ist. Die 4. Mannschaft sollte, zumal sie voraussichtlich komplett antreten wird, gegen die 2. Mannschaft von Daubringen auch nicht das kürzere Ende ziehen. Jugendspiele. Die 1. Jugend ist spielfrei. — Die 2. Jugend trägt In Klein-Linden ein Rückspiel aus. Da sich die neu gegründete Jugend von Klein-Linden in den letzten Spielen von der besten Seite zeigte, dürfen die 1900er das Spiel nicht als einen Spaziergang betrachten. — Die 3. Jugend tritt verstärkt in Leihgestern an und wird alles daransetzen müssen, wenn sie die Niederlage vom Vorspiel ausgleichen will. — Die 1. Schüler weilen ebenfalls in Leihgestern. Da sie in den letzten Spielen recht gute Leistungen zeigten, werden sie mit dem nötigen Eifer und Siegeswillen das Spiel gewinnen können. $. (5. Teutonia Steinberg. Am morgigen Sonntag empfängt die 1. Mannschaft des FC. „Teutonia" die gleiche der Spielvereinigung 1926 Leihgestern zum Verbandsspiel. Trotzdem die Gäste zur Zeit eine spielstarke Elf ins Feld stellen, werden sie den „Teutonen" den Sieg nicht nehmen können. Die 2. Mannschaft fährt nach Lollar und trägt ein Verbandsspiel gegen die gleiche der Fußballabteilung des Tv. Lollar aus. Handball der Gp.-Vg. 1900. Von den Handballmannschaften der Spielvereinigung 1900 stehen am Sonntag die zweite und die Zugendmannschaft im Kampf. Erstere fährt nach Wetzlar, um gegen die gleiche des VfL. anzutreten, die Jugend empfängt zum Rückspiel den Tv. Lich. Rach dem ansprechenden Spiel, das 1900’6 zweite Garnitur am Sonntag gegen , Treis zeigte, ist anzunehmen, daß sie sich in Wetzlar auch gut aus der Affäre zieht. Die Jugend wird sich bemühen müssen, die 2:0- Niederlage vom Vorspiel wettzumachen. Handball im Gau Hessen (O. T.) 2Htx). Gießen I — Tv. Großen-Dufeck I. Am kommenden Sonntag nehmen die Handball- Verbandsspiele ihren Fortgang. Auf dem Mtv.- Sportplatz am Schiffenberger Weg empfängt die erste Mannschaft des Gießener Männer-Turn- vereins die gleiche des Turnvereins Großen- Duseck zum fälligen Pflichtspiel. Die Gäste — denen ein guter Ruf vorausgeht — werden am Sonntag in stärkster Aufstellung mit den bekannten Spielern 3nderthal, Hahn, Wagner, Schneider usw. antreten; da die Männerturner ohne Dornberger, Salz, Marker und voraussichtlich auch ohne Stremmel antreten müssen, werden sich zwei gleichstarke Mannschaften gegenüber» stehen. Der Ausgang des Kampfe- ist völlig offen. Vor dem Spiel der ersten Mannschaften hat die 1. 3ugendmannschaft die gleiche des Tv. Hochelheim zu Gast. Die Männerturner sind vor eine ziemlich schwere Aufgabe gestellt, da die Gäste die diesjährige Verbandsrunde bis jetzt noch ohne Punktverlust zurückgelegt haben. Als drittes Spiel kommt, vor dem Spiel der 3ugend- mannschaften, ein Freundschaftsspiel zwischen den Schülermannschaften des Tv. Großen-Linden und des Männer-Turnvereins. (Näheres In der heutigen Anzeige.) Handball im Lahn-Oünsberg-Gau. Am kommenden Sonntag herrscht in allen Bezirken und Gruppen lebhafter Spielbetrieb. 3n der Gauklasfe stehen sich Staufenberg und Allendorf, Londorf und Wieseck, Ahbach und Garbenteich jeweils mit ihren ersten Mannschaften gegenüber. 3m 1. Bezirk der B e z i r k s k l a s s e kämpfen Rodheim und Garbenheim, Wißmar und Waldgirmes, sowie Kinzenbach und LaunSbach um den Sieg. 3m 2. Bezirk: Lollar I — Allendorf l, Lollar II — Allertshausen. 3m 3. Bezirk: Beuern I — Hausen II, Steinbach I — Albach II, Albach I — Burkhardsfelden I. 3n der 3ugend- klasse, 2. Gruppe, stehen sich Garbenteich und Dorlar, sowie Rodheim und Garbenheim gegenüber. Abrudern der Gießener Rudergesellschast. Am morgigen Sonntay veranstaltet die Gießener Rudergesellschaft, die in diesem 3ahre auf eine außerordentlich erfolgreiche Rudersaison zu- rückblicken tarnt, ihr Abrudern. Den Freunden des Rudersports wird dabei Gelegenheit gegeben sein, die erfolgreichen Mannschaften im vereinsinternen Wettkampf in diesem Llahre zum letzten Male auf dem Wasser zu sehen. Die Rennen beginnen um 15 älhr. Näheres in der gestrigen Anzeige. VfB. Gießen — Germania Marburg. Auf dem Waldsportplah weilt am Sonntag wieder eine — man nimmt wenigstens an — Klassenmannschaft zu Gast. „Germania" Marburgs Liga ist der Verbandsspielgegner, den man erwartet, den man gleichzeitig als Sieger erwartet, ohne daß dadurch Die Chancen der DfDer von vornherein geschmälert werden sollen. Man darf aber nicht außer acht lassen, daß es die Germanen sind, die augenblicklich die Tabelle anführen, die gleichen Germanen, die es vermochten, den Dezirks- meister, SC 03 Kassel, der am Dorsonntag in Gießen gastierte, mit 2:1 zu schlagen, und daß Die VfDer eben gegen diesen Bezirksmeister verloren, wenn auch unverdient hoch. Man konnte also 'auS all dem sehr wohl eine Ueberlegentjeit der Gäste herauskonstruieren, die ihnen einen Sieg garantieren sollte Aber man weiß auch,, daß es auf dem Spielfeld keine Garantien gibt. Man darf nicht damit rechnen, daß der Verteidiger der Germanen, Euster - Gerling, einmal einen schlechten Sag hat, daß der Mittelläufer Happ, einer der besten seines Faches im Bezirk, nicht ganz auf dem Posten ist, oder aber die Gebrüder Wa g ne r im Sturm ihre sonstige Ueberlegenßeit vermissen lassen. Infolgedessen bedeutet das Spiel am Sonntag für die Grün-Weißen eine Kraftprobe von vornherein, der sie allerdings gewachsen sein müßten. Das Spiel des vergangenen Sonntag, das die Mannschaft in sehr guter Form sah, läßt berechtigte Hoffnungen lebendig werden. Die Germanen verfügen nicht über die technische Durchbildung. die den 03em zu eigen ist, sind dabei aber bemüht, durch erhöhten Eifer den Mangel zu ersehen. Die VfBer werden genötigt sein, den Gästen ein gleiches Maß von Eifer und Siegeswillen entgegenzusetzen. Die Ligareserve tritt vor dem Ligaspiel gegen die 2. Mannschaft des VfB. Aßlar an und sollte auf Grund ihrer stets gezeigten annehmbaren Leistungen einen Sieg zu erringen vermögen. Die übrigen Mannschaften mit Ausnahme der 3 Mannschaft, die auf dem Platz der Spielvereini- aung gegen die 3. des Lokalgegners antritt, find spielfrei. Spielvereinigung 1900 Gießen. $(L Oranien Frohnhausen gegen Spielvereinigung 1900 (Liga). Vor einiger Zeit vermochten die Mannen der Spielvereimgung 1900 gegen diesen Gegner, der am kommenden Sonntag in Frohnhausen aufgesucht wird, im Gesellschaftsspiel auf deren eigenem Platz einen 4:1-Sieg zu erringen. Das Spiel wurde sehr fair ausgetragen und sah die Gießener auf Grund ihrer technischen Ueber- legenheit der einfacheren Spielweise der Plah- besitzer gegenüber in Front. Die Frohnhausener dürften in das kommende Spiel, unter wesentlich anderen Voraussetzungen eintreten: es geht um die Punkte. Die Mannschaften des Landes haben bisher in den Punktspielen noch immer hart zu kämpfen verstanden und sich dadurch manchen Sieg erfochten, der zwar in sportlicher Hinsicht (man vergißt einzelne besondere Vorfälle nicht fo schnell) nicht immer befriedigte, aber formal eben doch die Punkte brachte. Die 1900er hatten, nachdem fick die Mannschaft nun allmählich doch zur Vollzähligkeit zusammenfand, eine wesentliche Formverbesserung aufzuweisen, die ihnen ein Lebergewicht über den morgigen Gegner verschaffen sollte. Man wird mit Sicherheit mit einem Siege der Gießener rechnen dürfen. Die Ligareserve tritt auf eigenem Platze gegen die 2. Mannschaft von Burgsolms an und sollte einen sicheren Sieg landen. Die 3. Mannschaft trägt auf dem Platz an der Liebigshöhe ein Ver- bandsfpiel gegen die 3. Mannschaft des VfB. aus. Ein Lokalderby in verkleinerter Auflage also, Ser Marathonläufer Gerhard erzählt Am Dienstagabend kehrte der Marathonläufer Paul Gerhard (Spieloereinigung 1900) aus Wien zurück. Gerhard hatte in Wien an dem internationalen österreichischen Marathonlauf teilgenom- men und konnte — wir berichteten bereite darüber — einen sehr ehrenvollen zweiten Platz belegen. 3n der Zeit von 2:48,25 ging er in acht Minuten Abstand hinter dem ersten Sieger, dem favorisierten Wiener Tuschek, durch das Ziel. Am Donnerstagabend veranstaltete die Spielvereinigung zu Ehren ihres Mitgliedes eine kleine Siegesfeier. in der zunächst der Vorsitzende Dr. G u y o t den Sieger im Namen des Vereins herzlich zu seinem großen Erfolg beglückwünschte und dem Wunsche Ausdruck gab, daß es ihm noch öfter gelingen möge, die Farben der Spieloereinigung zum Siege zu tragen. Dem Sieger wurde als äußeres Zeichen der Dankbarkeit ein Rosenstrauß überreicht. Der Leiter der Leichtathletikabteilung, Herr Schmidt, verlas sodann einen eingehenden Bericht über die große Veranstaltung in Wien und den hochinteressanten Nennverlauf. Sodann gab Paul Gerhard selbst eine kurze Schilderung seiner Erlebnisse in Wien. Er führte ungefähr aus: „Das, was mir zunächst am auffallendsten erschien, war die überraschende Gastfreundschaft, der wir, als wir am Freitagabend in Wien ankamen, allenthalben begegneten. Am Bahnhof wurden wir bereits von zwei Herren des Oesterreichischen Marathonkomitees empfangen und in der Autodroschke nach unserem Hotel gebracht, das uns während der Tage unseres Wiener Aufenthalts beherbergen sollte. Dort fanden wir noch einige andere Deutsche vor, u. a. auch Kreglinger, den deutschen Marinemeister, der mich außerordentlich stürmisch begrüßte und mich dabei fast aus dem körperlichen Gleichgewicht gebracht hätte. Der restliche Abend verlief sehr schön; wir waren familiär eingeladen und unterhielten uns prächtig. Der Samstag war einer Reihe von Besichtigungen vorbehalten. Am Sonntag um 8 Uhr fiel auf dem Platz des Wiener Sportklubs der Startschuß. 27 Konkurrenten waren im Feld, von denen nur sechs die Strecke von 42 Kilometer nicht bewältigten. Der Favorit war Tuschek vom WAE., der bereits heuer den Pardubitzer Marathonlauf bei den Masaryk-Spielen gewinnen konnte. Ueber den Lauf selbst kann ich nicht allzu viel sagen. Ich hatte stete das Bestreben, Tuschek, der gewaltig vom Start weg loszog, um einen Vorsprung zu schaffen, den ein anderer nicht mehr aufholen sollte, einzuholen, ein.Bestreben, das um so lebhafter wurde, wenn es die Strecke gestattete, den Vordermann zu sehen. Man ist sich dabei, so führte Gerhard aus, nicht immer durchaus klar, wie es möglich werden soll, den Vordermann einzuholen, denn damit ist meist eine Temposteigerung verbunden, die sich später rächen kann. Gilt es doch, auf einer Strecke von 42 Kilometer mit seinen Kräften auf das sorgfältigste hauszuhalten und den eigenen Stil beizubehalten, wenn man nicht aus dem Rennen geworfen werden will. Indessen gelang es mir doch, nachdem ich fast ständig zwei Minuten hinter Tu- schek lag, den Vordermann einzuholen und mich bei dem 30. Kilometer noch vor ihn zu schieben. Die Herrlichkeit dauerte allerdings nur einen Kilometer. Die Freunde und Klubkameraden Tuscheks waren zu diesem Zeitpunkt ernstlich um den Sieg ihres Fa- ooriten besorgt und ermunterten ihn auf alle erdenkliche Weise. Aber auch das Publikum, das zahlreich die Straßen säumte, nahm lebhaften Anteil und spornte uns durch Zurufe an. Ständig begleitete ♦ ♦ ♦ uns eine Kolonne von Radfahrern, unter denen sich auch einige Kanonen des österreichischen Radsportes befanden. Der Rundfunkwagen, der soweit es die Straßenverhältnisse gestatteten, neben uns herfuhr, gab ständig Meldungen über den Verlauf des Ren- nens an den Sender, die fast auf alle österreichischen Stationen übertragen wurden. Sicherlich hat auch mancher in der Heimat den Kampfverlauf verfolgt. Nachdem ich kurze Zeit vor Tuschek lag, wurde Ich durch einen Wadenkrampf zurückgeworfen und mußte nahezu 1% Kilometer im Gehfchritt zurücklegen. Tuschek zog davon. Ich mußte ein Massageband anlegen und setzte daraufhin den Lauf wieder im alten Tempo fort. Tuschek war natürlich nicht mehr ein- zuholen, und so landete ich erst etwa acht Minuten nach ihm Im Ziel. Die Läufer wurden mit viel Beifall empfangen. Die Strecke von 42 Kilometer führte von Wien über Tullnerbach nach Preßbaum und nach Wien zurück. Die Straße war nicht besonders gut. Zum Teil waren die Straßen sehr steinig, dann war wieder sehr glatter Asphalt zu passieren, der dazu noch feucht war und den Lauf sehr behinderte. Zwei Schritte nach vorn bedeuteten oftmals einen dritten zurück. Den stärksten Eindruck dieser Wiener Tage hinterließ in mir jedoch die schöne Siegerverkündi- g u n g. Jedem der Läufer wurde ein Preis zuteil. Ich erhielt einen Pokal und eine schöne silberne Pla- fette. Als ich vor dem Tische stand, auf dem die Preist aufgestellt waren, wurde mir in echt öfter- reichrscher Gemütlichkeit gesagt: „Such'ns Eahne an Preis aus!" Als ich meinen Preis in Empfang nahm, wurde das Deutschlandlied gespielt. Es war für mich ein erhebender Augenblick. Der Rest des Sonntags gehörte dem unterhaltsamen Beisammensein, bei dem auch etlicher „Heuriger" getrunken wurde. Am Montag wurden wir bann in den „Prater" geführt, und verlebten auch dort einige schone Stunden. Für das nächste Jahr bin ich bereits wieder eingeladen und werde, wenn es möglich ist, gern wieder dabei fein." (Bilder, die Gerhard während des Marathonlaufs, im Ziel usw. zeigen, hängen zur Zeit im Schaukasten des Gießener Anzeigers aus.) * Wie wir Horen, erhielt Paul Gerhard bereits eine weitere ehrenvolle Einladung. Am 4. Oktober findet in Berlin, veranstaltet vom SE. „Komet" das Championat der Streckenläufer statt, ein Rennen über 25 Kilometer, das auf der Bahn gelaufen wird. Die beste deutsche Klasse wird am Start sein. Nach seinem eindrucksvollen Abschneiden in Wien darf man ihm für diese Veranstaltung, sofern seiner Teilnahme nichts im Wege steht, auch einige Chancen einräumen. Der Name der Spielvereinigung 1900, der in diesen Tagen viel genannt wurde, dürste damit erneut in deutschen Sportkreisen an Ansehen gewinnen. Sport im Gymnasium. Die Dportabteilung des Gymnasiums hielt gemeinsam mit dem Realgymnasium die diesjährigen Schulmeisterschaften auf dem älniversitäts- sportplatz ab. Mit den beiderseitigen Meisterschaften war ein Schulwettkampf in vier Altersstufen verbunden. Die Veranstaltung wurde sehr flott abgewickelt. Die gezeigten Leistungen dürfen DaS Gesamtergebnis des Schulwettkampfes zwischen dem Gymnasium und dem Realgymnasium brachte ein Unentschieden von 83,5:83,5 Punkten. . als sehr gut bezeichnet werden. Nachstehend Mt Ergebnisse: Schulmeisterschaften beS Gymnasiums. Vorstufe: 50 Meter: 1. Goß 7.4; 2. Göbler 7.7; 3. Martin 8,3 Sek. — Standweitsprung: 1. Goß 2,15; 2. Wolf 1,93; 3. Ritzel 1,78 Meter. — Ballweit: 1. Goß 55,62; 2. Wolf 54,15; 3. Göbel 50,65 Meter. — Dreikampf: 1. Goß 57; 2. Wolf . 29; 3. Göbler 27 Punkte. Unterstufe: 50 Meter: 1. 3ung 7,4; 2. Reu- ning 7,6; 3. Wiegand und Enßlin 8 Sek. — Weitsprung: 1. 3ung 4,32; 2. Reuning 4,18; 3. Enßlin 4 Meter. — Dallweit: 1. 3ung 53,10; 2. Falls 52,60; 3. Enßlin 50,90 Meter. — Dreikumpf: 1. 3ung 51; 2. Reuning 41; 3. Enßlin 32 Punkte. Mittelstufe: 100 Meter: 1. Storck 12,9; 2. Thron 13,4; 3. v. Penh 14; 4. Schraub 14,4 Sek. — Kugel: 1. Schraub 8,82; 2. Thron 8,54; 3. Noll 7,83 Meter. — Weitsprung: 1. Thron 5; 2. Noll 4,70; 3. v. Pentz 4,30; 4. Schuldt 4,18 Meter. — Hochsprung: 1. Nordmann 1,30; 2. Thron 1,25 Meter. — Dreikampf: 1. Thron 83; 2. Schraub 47 Punkte. Oberstufe: 100 Meter: 1. Rodriguez 11,8; 2. Hildebrandt 12,4; 3. Köller 12,8 ;-4—Schlarb 13,5 Sek. — Hochsprung: 1. Schlarb 1,60; 2. Brüning 1,40; 3. Köller 1,40; 4. Hildebrandt 1,35, v. Bülhingsloewen 1,35 Meter. — Kugel: 1. von Dültzingsloewen 11,82; 2. Schlarb 10,75; 3. Hildebrandt 9,89; 4. Köller 9,75 Meter. — Dreikampf: 1. Schlarb 116; 2. Hildebrandt 105; 3. Köller 101, v. Dültzingsloewen 101 Punkte. — Speer: 1. Hildebrandt 36,80; 2. Brüning 31,35 Meter. — Weitsprung: 1. Köller 5,60; 2. Rodriguez 5,48; 3. Hildebrandt 5,00 Meter. — 200 Meter: 1. Rodriguez 25,9; 2. Gräf 26,4 Sek. — 1000 Meter: 1. Knaus 3:01,8; 2. Brüning 3:04. Kunst und Wissenschaft. Ulrich von wilamowih-TNöllendorf f. Der Nestor unserer klassischen Philologen, Wirklicher Geheimer Rat Exzellenz Professor Dr. Ulrich von Wilamowitz-Möllendorf ist am Freitag im 83. Lebensjahre in seiner Villa in Charlottenburg entschlafen. Wilamowitz, geboren am 22. Dezember 1848 in Markowitz (Posen), lehrte in Greifswald, Göttingen und seit 1897 in Berlin; er war Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der Zentraldirektion des Archäologischen Instituts und der meisten deutschen und außerbeutfdjen Akademien, außerdem Ritter des Eisernen Kreuzes 2. Klasse von 1870/71. des E. K. am weiß-schwarzen Bande, des Pour le merite für Kunst und Wissenschaft, des bayerischen Maximiliansordens und vieler ausländischer Ehrenzeichen für seine Verdienste um die Wissenschaft. (Schluß des redaktionellen Teils.) Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 27. September. 17. Sonntag nach Trinitatis. Sladkklrche. 8 Uhr: Pfr. Mahr; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- gemeinde; 9.30: Pfarrassjstent Seemann; 11: Kinder- kirche für die Markusgemeinde; Pfarrasfistent Seemann. — Johannesklrche. 8: Pfr. Bechtolsheimer; zu- aleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgemeinde; 9.30: Pfr. Müller; zugleich Militärgottesdienst; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- unb Johannesgemeinbe; 11: Kinberkirche für bie Johannesgemeinde; Pfr. Müller; 20: Bibelbesprechung im Johannessaal; Pfr. Lenz. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz. — Elisabeth- Klelnkinderschule. 8.15: Christenlehre für die Neu- konfirmierten der Petrusgemeinde; 9.45: Pfr. Lic. Waas; 11: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfr. Lic. Waas. — Klein-Linden. 9: Hauptgottesdienst; anschließend Gesamt-Abendmahl; 11: Kindergottes, dienst. — wieseck. 9.30. — Allen-Vuseck. 13; 14: Beichte und Feier des hl. Abendmahls. — Kirchberg. 10: Kirchberg; letzte Christenlehre für die weibliche konfirmierte Jugend; 13.30: Mainzlar. — hausen- Garbenteich. 10: Garbenteich; Feier des hl. Abendmahls; 13: Hausen. — Watzenborn-Steinberg. 13.15: Hauptgottesdienst mit Christenlehre (Schluß); Mis- fionar Lowy (Frankfurt a. M.); Opfer für die Heiden. Mission. — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn; Christenlehre für die männliche Jugend; 12.45: Kindergottes- bienft; 14: Stistspfarrer Draubt. Katholische Gemeinden. Samstag, den 26. September. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 27. (September. 18. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht. — Echzell. 10.45: Hochamt mit Predigt. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre und Andacht. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 28. September. Laubach. 7.30 Uhr: Messe. Mittwoch, den 30. September. Hungen. 6.15 Uhr: Messe. Donnerstag, den 1. Oktober. Gießen. 17.30 Uhr: Beichte. Freitag, den 2. Oktober., Gießen. 6.30 Uhr: Segensamt; 20:' Rosenkranz- andacht. — Lich. 6.15: Segensmesse._________________ Sonntagsdienst v. 'Aer-te u.^löotbetcii am 27.ti.3L ÖtL Dr. Gürtler. Dr. Schäffer. Engelapvideke. Zabnarzt: Dr. Fischer. 44"D Edelprodukte der Tierzucht können nur dort erzeugt werden, wo hochwertiges Futter gewonnen wird. Sachgemäße Pflege und Düngung beeinflussen in hervorragendem Maße Höhe und Güte der Erträgnisse von Wiesen und Weiden. Das Grünland beansprucht vor allem den Nährstoff Kali, weil hierdurch nicht nur eine Ertragssteigerung, sondern auch eine Verbesserung der Grasnarbe erzielt wird. Deshalb ist es unumgänglich notwendig, den Grünland- flächen möglichst schon im Herbst Wi bis 2 Zentner 40er Kalidüngesalz oder auf leichteren Boden und vermoosten Wiesen die dreifache Menge Kainit zu verabfolgen. 5639V Es dürste für die Leser des Gießener Anzeigers von Interesse sein, daß die Firma Lenz aus München mit erstklassigem Loofah zur Schaumesse anwesend ist. Loofah, die japanische Wundergurke, ist ein Naturgewächs von vielseitiger Verwendbarkeit. Näheres sieh« Anzeige. 05539 RjCJO* (Heben Direktion i Gielen, Goethe«trabe 32 616A A Werbe Die ältesten Leute erinnern billigen Preise für wirklich gute Waren In Handarbeit geliefert werden. 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Bundesr . besonderen Wirts die Aufrecht Währung und auf Goldpar die englische Wä litik nichts ändern Sanierung l ban Tarmstabt. abend sand die au lang der Darm Sie auherordentl wurde von dem ' Rechtsanwalt 2L erstattete zunächst leit der letzten Q läuterte nochmals wiederholte er d Sanierung der Bi tnssivn, in der ein Würben, legte der l^lsenschastsverban nals die Lage dar *9 Nto ^Itimmung wurd< ^Mehrheit dem r fc«t I« ^°Urbani be SV bie Sie s ^res Vrvdisvnichr K'hl'che Seite UHsrat gewährl, Sronffurfer .. Frankfurt »«nfn»™6?' ®™Wfa4e9auf' “WinfMung, !K« ttor. ffl, SLK Ä Mn Qjni?? toobi 'scher als st.Ni Korren^ ^ffcietDer'H gen Schä?^d-M nannf 1 SÄ! s-fe ötiitUnA °ienf t AbÄ« AifQtlFf Nr. 225 Viertes Blatt (Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefte», Samstag, 20. September 1951 Oie Notlage der hessischen Gemeinden. Gemeindedefizit. — Belastung durch die WohlfahrtSsürsorge. Darmstadt, 25. Sept. (WSR.) In der heutigen Pressebcsprechung über die Notverordnung zur Sanierung der Gemeinde-HauShalte gab Innenminister Leuschner einen lieber« blick über die schwere Finanzlage der hessischen Gemeinden, wie sie insbesondere durch die Belastung au« der W o h l - faßrts-SrwerbSlosensürsorge verursacht ist. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslofen betrug In Hessen am 31. Dezember 1930 zirka 21 500, am 31. Dull 1931 rund 28 000. Die Zahl der von der ArPeit«losem»crsicherung betreuten Erwerbslosen in Hessen stieg von rund 48 000 am 31. Dezember 1930 aus rund 54 000 Ende Februar, dann fiel sie ständig und erreichte am 31 Iuli 1931 rund 25 000. Während also von Ende 1930 bis Ende Februar 1931 die Zahl der von der Arbeitslosenversicherung betreuten Erwerb-losen die ZdHl der von den Gemeinden zu betreuenden WchlsahrtSerwerbSlosen weit mehr als um das Doppelte überstieg, hat sich von Ende Februar ab da- Verhältnis z u U n g u n st e n der Gemeinden ständig verschlechtert, so bat) Ende Iuli 1931 die Zahl der Wohl- sahrtserwerbSlosen diejenige der noch in der Arbeitslosenversicherung befindlichen Personen bereits überstiegen hat. Dieser Prozeß geht infolge der Fristen in der Arbeitslosenversicherung ständig weiter. Die Zahl der im Durchschnitt de» Datjrc# 1931 von den Gemeinden zu betreuenden wohlsahrls- rrrocrbslofrn ist deshalb auf mindestens 25 000 zu schätzen und liegt weit über dem Reichsdurch- fdinitt. Die Gesamtbelastung der Gemeinden für die WohlsahrtS-ErwerbSlosenfürsorge wird für 1931 auf mindestens 20 Millionen Mark geschäht, wozu noch der Gemeindebeitrag zur Krisenunterstützung von mindestens 4 Millionen Mark kommt. Danach beträgt die Belastung pro Kops der Bevölkerung über 18 Mark. Ende Iuli 1931 entfielen aus 1000 Einwohner im Reich durchschnittlich 17,6 WohlfahrtSerwerbSlose. in Hessen dagegen 19, in einzelnen Landgemeinden bis über 40 und iq Olfcnbad) sogar 80 Wohl- sahrtserwerbSlose, die Höchstbelastung im ganzen Reich überhaupt Die sinanzielle Situation der Gemeinden wird zudem durch die seit den 3uli- Vorgängen erheblich gesteigerten Zinssätze aufzer- ordentlich verschärst Bielfach sind Zinssätze biS zu 20 und 21 Prozent zu zahlen Gleichzeitig verzeichnen die Einnahmen der Gemeinden wesentlicheRückgänge. Der Rückgang der Reichssteuerüberweisungen beträgt gegenüber dem Iahre 1930, wo die Gemeindemasse 17,5 Millionen Mark hetrug, in diesem Iahre 5 Millionen Mark, wodurch die Gemeindemasse auf 12,5 Millionen Mark sinkt, also ein Rückgang von etwa 30 Prozent. Daneben fliehen auch die eigenen Steuer- quellen der Gemeinden viel langsamer: insbesondere treten die Rückgänge bei den Betriebs- Überschüssen auS den Gaswerken, Elektrizitätswerken, Ltrahenbahnen usw. hervor Die Folgen davon sind hohe HaushaltSdesizite in vielen Gemeinden. Das geschätzte Gefamtdefizit aus den hessischen Gemeindehaushallen beträgt etwa 20 Millionen Mark und ist gleich der Gesamtbelastung durch die Mohlfahrtserwerbslosenfürforge. Bei diesem Gesamt-Haushaltsdefizit sind die bisherigen Ersparnisse durch Bcsoldungskür- Aung und Kürzung der Sachausgaben bereits berücksichtigt. Durch die heute erlassene Rotverordnung kann dieses Defizit bei weitem nicht ausgeglichen werden. Wenn nicht weitgehende Hilfe durch das Reich erfolgt, ist eine Katastrophe in vielen Gemeinden nicht mehr aufzuhalten. Wirtschaft. Oie Schweiz bleibt bei der Goldwährung. B e r n , 25. Sept. (WTB.) Dei der Aussprache über die schweizerische Finanzpolitik im Rationalrat erklärte der Vorsteher deS Finanzdepartement-. DundeSrat Musy. dah angesichts der besonderen Wirtschaftsverhältnisse der Schweiz ’ r c d) t c r l) a l t u n g der Goldwährung und deS Schweizer Franken aus Goldparität beibehalten werden müsse: die englische Währungskrise könne an dieser Politik nicht- ändern. Sanierung der Oarmstcidter Volks- bank beschlossen. Darmstadt, 26. Sept. (WSR.) Gestern abend sand die auherordentliche Generalversammlung der Darmstädter Dolksbank statt. Die auherordentlich gut besuchte Versammlung wurde von dem Vorsitzenden deS Aufsichtsrates. Rechtsanwalt R e u s ch ä s s e r . geleitet. Dieser erstattete zunächst den Bericht des AufsichtSrats seit der letzten Gläubigerversammlung und erläuterte nochmals den Status der Ban/. Weiter wiederholte er die bekannten Vorschläge zur Sanierung der Bank. Rach einer lebhaften Diskussion, in der einzelne Gegenvorschläge erörtert wurden, legte der Vertreter des Deutschen ©c- nossenschastsverbandes, Dr. Lang» Berlin, nochmals die Lage dar und riet dringend, dem Vorschlag des Aussichtsrates zuzuslimmen. In der Abstimmung wurde mit überwältigender Stimmenmehrheit dem Vorschlag der Verwaltung zugestimmt und somit die Sanierung der Vvlk-bank beschlossen. ES kommt jetzt noch auf die Stellung der Gläubiger an. die 15 Prozent ihres Guthabens nachlassen sollen. Der provisorische Aufsichtsrat wurde ergänzt und in seinen Aemtern bestätigt, so dah nunmehr eine gedeihliche Weiterarbeit durch den neuen Aufsichtsrat gewährleistet ilt. Frankfurter Börsenstimmungsbild. Frankfurt a. M.. 25. Sept. In der heutigen Börsenversammlung herrschte auhervr- dentlich gedrückte Stimmung, die in der Hauptsache auf die bekanntgewordenen Zahlungseinstellungen deutscher Bankfirmen zurückzuführen war. Man befürchtet, dah noch weitere Bankinsolvenzen folgen werden und sieht deshalb den nächsten Tagen mit grober Skepsis entgegen. Der Umstand, dah die Reichsmark eine Bese st i g u n g erfahren haben soll, lieh die 3n- slation-psychosc, die sich unter dem Eindruck der Londoner Ereignisse verschiedener Börsenbesucher bemächtigt zu haben schien, heute so gut wie ganz verschwinden, wodurch naturgemäß die Tendenz zum Ankauf von Sachwerten wieder in den Hintergrund trat. Insolgedessen erfuhr das gestern sicher alS überhöht zu betrachtende Kursniveau eine Korrektur paeß unten, und die führenden 3n- dustriewerte wurden im Vergleich zu den gestrigen Schätzungen um 5—7 Prozent schwächer genannt. Die Unklarheit hinsichtlich der künftigen Gestaltung der Dinge prägte sich besonders darin aus, dah man den Psandbriefen immer noch kein gröhereS Vertrauen entgegenbringt, sondern im Gegenteil in diesen Werten weitere Verkäufe vornimmt. So waren heute bei den Papieren dieser Gruppe abermals Kurseinbußen um etwa 2 Prozent zu bemerken. Reichsschuldbuchforderungen folgten der rückläufigen Bewegung auf dem Aktienmärkte und mußten die gestrigen Kursgewinne wieder hergeben. Am Geldmarkt war TageSgeld zwar leichter, doch wurde der Satz auf unverändert 7,5 Prozent belassen. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Reuyork 3.48, gegen Paris 87,25. gegen Mailand 68,75. gegen Madrid 40,00, gegen Schweiz 17,50, gegen Holland 8,62. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Zu Beginn der Berichtswoche hegte man noch die Hoffnung, daß es in Kürze möglich sein würde, den Börsenverkehr auch von den letzten Schranken zu befreien. Zwar war ein weitere- Abgleiten der Kurse zu beobachten, doch schien der Börsenapparat wieder in natürlicher Weise zu funktionieren. Allerdings machte sich bereit- in stärkerem Maße der Einfluß des Auslandes, der vorher so gut wie ausgeschaltet war, fühlbar. Die anhaltende Schwache an den auswärtigen Plätzen konnte nicht ohne Wirkung bleiben. Gegen das Wochenende gab die auffallende Schwäche des Pfandkurses wohl schon zu Bedenken Anlaß, daß sich die Ereignisse aber derart überstürzen würden, hatte man nicht erwartet. So kam es. daß man sich zu Beginn der laufenden Woche vor eine völlig geänderte Sachlage gestellt sah. Die Schließung der Londoner Börse im Zusammenhang mit der Aufhebung des Goldstandards und mit der Diskonterhöhung bildete den Austakt dafür, dah nahezu alle europäischen Börsen mit einem Verbot des Handelsverkehrs nachfolgten. Während aber London nach zweitägiger Pause das Geschäst wieder ausnahm und an den anderen Börsenplätzen der Handel, wenn auch verschiedentlich unter Einschränkungen, wieder in Gang kam, wurde die außergewöhnliche Situation in Deutschland wieder zur Ursache einer längeren Börsenschliehung. Darüber, ob eine Stillegung des Börsenverkehrs in Deutschland als Vorüber Rachteil zu betrachten ist, sind die Meinungen sehr geteilt. An den sog. Sprechbörsen trat zunächst aus Grund der Londoner Vorgänge ein scharfer Rückschlag der Kurse ein. Außerordentlich rasch setzte sich aber dann eine Erholung durch, von der insbesondere die führenden Industriepapicre profitierten, die man allgemein als die sichersten Werte ansah. Dagegen brachte man den Pfandbriefen kein besonderes Vertrauen entgegen. Die Aktien konnten ihre Kursverluste nicht nur voll und ganz wieder Äurüdcrobern, sie erzielten sogar, im Vergleich zu den letzten offiziellen Notierungen vorn vergangenen Freitag. Kurssteigerungen um 10 biS 15 Prozent. Del den Pfandbriefen war eine solche kräftige Erholung nirgend- festzustellen, im Gegenteil, sie gaben gegenüber dem ohnedies schon sehr niedrigen Stand um etwa weitere 2—3 Prozent nach. Bei Schuldbuchforderungen war die Situation etwas gebessert: sie wurden rund 2—3 Prozent höher bewertet. Wochenbericht vom Frankfurter Scbtacbtviebmarkt Der Frankfurter Schlachtviehmarkt stand in der abgelaufenen Woche im Zeichen starker Preisverluste, wobei ziemlich einheitlich alle Marktgebiete gleichmäßig betroffen wurden Der Verlauf deS Marktes war in allen Viehgattungen schleppend, so daß zum Teil nicht unerhebliche ileber- stände verblieben. Die Zufuhren zum Rindermarkt waren mit 1709 Stück gegen die Vorwoche (1629) um rd. 80 Stück größer. Besonders aus den Weidegebieten waren die Antriebe groß, so daß die Preise für Ochsen, Färsen und Bullen Abschläge von 2—3 Mk. pro Zentner Lebendgewicht, bei Kühen, die besonders stark beschickt waren, sogar von 2—4Mt. erfuhren. Rach sehr schleppendem Handel verblieb großer Ueberstand Der Kälberauftrieb war mü 1248 Stück um 103 Stück bedeutend geringer. Trotzdem ergaben sich auch an diesem Markt Preiseinbußen von 1 — 3 Mk. Für Mittelware bestand etwas mehr 3ntcreffe. Der Handel war anfangs gut, später aber auch schleppend, doch konnte geräumt werden. Den stärksten Preisfall hatte der Schafmarkt zu verzeichnen, obwohl der Auftrieb mit 407 Stück (gegen 404 Stuck in der Vorwoche) nur unwesentlich höher war Die Preisrückgänge betrugen nicht weniger als 5—7 Mk. pro Zentner. Einen außerordenttlich hohen Austrieb hatte der Schweinemarkt, wo bei einer Beschickung von 6707 Stück gegenüber der Vorwoche rund 1460Etückmehram Markte waren. 3m Vergleich gegen die letzten Preise ergab sich ein Rückschlag um 4 bi- 5 Mark. Der Handel war während der ganzen Woche schleppend, so daß ziemlich Ueberstand verblieb. Einiges Interesse erhielt sich aber weiterhin für fette Schweine, die auch Preise über Rotiz erhielten. Im einzelnen notierten pro Zentner Lebendgewicht in Mark' Ochsen al) 38-42. a2) 35-37. bl) 30-34. Bullen a) 30-34, b) 26- 29. Kühe a) 30-32. b) 26 29. c) 18-25 Färsen a) 38 bi« 42, b) 35-37, c) 30 34 Kälber a) —, b) 48 bi« 52. ci 43-47. d) 35 42 Schafe al) 34 - 38. b) 25- 33. Schweine a) b) 52 -56, c) 52- 56, d) 50—55, e) 45—51, f) —, g) Sauen 40-49. • Die preußischen Sparkassen im August. Die MonatSstatistik der preußischen Sparkassen weist im August einen Spareinlagenrückgang von 195,9 Mill. Mk. aus 6 309.4 Mill. Mark aus Der Rückgang der Spareinlagen war im Bericht«monat etwa« größer al« im Iuli (180,9). Insgesamt haben die preußischen Sparkassen seit Ende Mai. also in den letzten drei Monaten, 478,1 Millionen Mark Spareinlagen eingebüßt. Berliner Produktcnmarkt. Berlin 25. Sept. Rach der gestrigen explo- siven Preisbewegung, die sich im Lause des Rach- mittag« noch übersteigert hatte, war heute eine merkliche Beruhigung zu beobachten. Die halbamtliche Erklärung, daß zu den InslationSaerüch- ten für die Mark keine Veranlassung besteht, hat in der Hauptsache in dieser Richtung gewirkt, außerdem hat wohl überhaupt eine rußigere Beurteilung der Situation Platz gegriffen, und man ist sich bewußt geworden, daß die Ernte für die Versorgung für die Bevölkerung voll au«- reicht und gegen spekulative Auswüchse mit allen Machtmitteln vorgegangen werden dürste. Da« Weizenangebot aus erster Hand hat sich ziemlich beträchtlich verstärkt, die Abgeber, die gestern nachmittag noch 2 Mark über gestrigem Börsenniveau liegende Preise gefordert hatten, sind heute bei gegenüber gestern mittag 3 Mark nichtigeren 'Verkäufen bereit, die Rachfrage ist jedoch immer noch ziemlich zurückhaltend. Roggen blieb dagegen ziemlich knapp offeriert, aber die Forderungen sind gleichsallS um etwa 2 Mark ermäßigt, auf diesem Riveau findet das Material bei den nur knapp versorgten Mühlen Ausnahme. Der Lieferungsmarkt zeigte für Weizen Preisabschläge von 3 biS 4 Mark, für Roggen von 2 bis 3 Mark. Mehl wurde zu gestrigen Preisen offeriert, Weizenmehl blieb stark vernachlässigt, von Roggenmehl sanden nur die billigeren Provinzsabrikate einige Beachtung. Hafer wurde von der Abschwäckiung mitgezogen, gute Qualitäten waren weiterhin wenig angeboten, geringere dagegen reichlich, aber vernachlässigt. Gerste still. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märkischer, 216 bis 219, September 232 bis 234,50, Oktober 231 bi« 232, Dezember 233,50 bi« 234,75 (stetig): Roggen, märkischer, 189 bis 191. September 205 bis 206, Oktober 202,50, Dezember 201 (stetig): Futter- und Industriegerste 149 bis 156 (rußig); Haser, märkischer, 137 bis 144, September 149, Oktober 149 (Bries); Dezember 150,50 (stetig); für je 100 Äilcrt Weizenmehl 26,75 bis 32,50 (stetig): Roggenmehl 26,50 bis 29,25 (rußig); Weizenkleie 10.50 bi« 10,75 (still); Roggenkleie 9.25 bl« 9.50 (Rillt; Viktoriaerbsen 20 bis 27; Leinkuchen 13.40 bi« 13.60. Trockenschnitzel 6,20 bi« 6.30; Srdnuß- kuchen 11,40; Erdnußkuchenrncßl ab Hamburg 11.50; Etirafojaboßnenschrot ab Hamburg 11,30. ab Stettin 12 Mark. Allgemeine Tendenz uneinheitlich. Banfnotrn. Mmmlantid>r wotta ....... Mell»# Rett* ........ T^ntkt* Werre ........ er.fl!tl.Lrftrttdtti. I 100 66(Iltnfl Wumdnit te Noten........ £ä>irrMld>e Waten . ....... €diivn$ee Sloten. ........ ep-inild* Sloten. ........ Un-anlche Stolen ........ 51 74 «10 15 25 16 68 170 34 21.84 100.10 59 22 2.51 112.17 S2.31 36 7 7 73.15 Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter vieler Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung > In dieser Woche steht die P l o ck st r a ß c im Zeichen des Wassermangels. Am Dienstag, dem 22., beim Aufheben zeigte sich, daß die Wasserleitung versagte; es stellte sich heraus, daß sie am Abend um 10.30 Uhr abgestellt worden war. Die Sperre dauerte bis nachmittags 2.30 Uhr. Das Wasserwerk hielt es nicht für notwendig, die '.Reparatur fchon in der Rächt vornehmen zu lassen (in diesem Falle wäre sie bis morgens behoben gewesen): ja, man ließ sich nicht einmal dazu herbei, sämtlichen Häusern von der Sperre Mitteilung zu machen, was anderwärts auf den schnellsten Wege geschieht. Am 24. war vormittags plötzlich wieder gesperrt, abermals ohne Benachrichtigung Auch auf eine Erklärung in der Ortspresse wartete man vergeblich. An den Ursachen dieser schon mehrsach vorgekommenen Rohrbrüche an der Ecke Plock- straße-Seitersweg dürste die Oessentlichkeit ein erhebliches Interesse haben. Sind etwa die immer noch vielfach vollgummibereiften Lastautos schuld, so verbanne man diese endlich aus dem Stadllnnern. Etwas mehr Rücksicht könnten die steuerzahlenden Hausbesitzer und Mieter jedenfalls erwarten. Oder glaubt das Wasserwerk, daß es genüge, wenn man das in Gießen ja so teure Wasser (30 Pf. je cbm) einige Stunden lang gratis aus einem in der Io- hannesstraße geöffneten Hydranten holen darf? (Wie in alten besseren Zeiten vom Brunnen.) -er. * Von der Direktion des Gas. und Wasserwerkes, die wir zur Aufklärung dieser Angelegenheit befragten wird uns mitgeteilt, daß die Rohrbrüche in der Plockstraße sich beide Male nachts ereigneten und eine sofortige Benachrichtigung der Anwohner sich nicht verwirklichen ließ, da die Häuser verschlossen waren. Auch die sofortige Inangriffnahme der Reparaturarbeiten sei nid)t möglich gewesen, da für diese Zwecke nachts keine Arbeiter zur Verfügung stünden. Neues für den Büchertisch. — Hessische Biographien in Verbindung mit Karl Esselborn und Georg Lehnert herausgegeben von Hermann Haupt. Band 3, Lieferung 3. Darm- stadt 1931. Hessischer Staatsverlag. Preis 2 Mark.— (319) — Dieses neue Heft der verdienstlichen Sammlung bringt so viel Interessantes, daß man in Verlegenheit gerät, wen man bei einer Inhaltsangabe auslassen soll. Gut vertreten ist wieder unsere Universität: diesmal nicht nur durch Lebensbilder von Professoren (der Jurist Kretschmar, der Staatswissenschaftler Stahl, der Forstmann von Secken- dorss, der Chirurg Wcrnher), sondern auch von anderen, die als Studenten eine Rolle gespielt haben, wie der spätere Psarrer von Hermannstein, Spanier, ein Hauptheld im berühmten Dahen- skandal von 1821, Friedrich Bopp, in die aufständische Bewegung von 1848 49 verwickelt, und an den Folgen eines Fluchtversuche« in den Rastatter Kasematten verstorben. Ludwig Bogen, al« Student dem Kreise um Wcidig nahestehend, 1848 Abgeordneter der Frankfurter Rationalversammlung, und der Theolog August Kröll, der wie Dogen in den Bereinigten Staaten von Amerika zu Ansehen gelangte. Sonst ist von Gießenern noch der Begründer des weithin bekannten Verlags- Hauses Emil Roth zu nennen, weiter der Stum- pertenröder, später Butzbacher Pfarrer Gg. Engelbach, der gemütvolle Verfasser des PsarrlebenS in einem Gebirgsdorfe. Dann seien angereiht Minister buThil, Christian Zeller, alS ständiger Sekretär der landwirtschaftlichen Vereine um die hessische Landwirtschaft hochverdient, Heinr. Etsen- huth, der Organisator des hessischen Dolksschul- wesens, Ieanbon St. Andre, der verdiente Präfekt Rheinhessens in der napoleonischen Zeit, Prinz Alexander von Bulgarien, der erste Fürst von Bulgarien, der Offenbacher Drucker und Verleger Karl Ludwig Brede, der Historiker Friedbergs, Philipp Dieffenbach. der Begründer der Wormser Lederwerke, 3can Baptist Dörr, Annemarie Lur, bekannt durch ihre unglückliche Reigung zu Iean Paul, Friedrich Lux. der beliebte Mainzer Komponist, der Erbauer des Darmstädter Erbprinzenpalais und Marstalls, Mittermayer, der Lehrer der Chemie und Mineralogie an der Darmstädter höheren Gewerbeschule. Friedrich Moldenhauer, der sich erfolgreich um Verbefserung und Verbilligung der Zündhölzer bemüht hat. der Begründer der Friedberger Blindenanstalt, Iohann Peter Schäfer und endlich Wilhelm Zimmermann, der 1848 im Odenwald als Revolutionär auftrat und bann in Frankreich sowie in Bad Homburg al« Arzt segensreich wirkte. So zeigt das Hest, gleich seinen Vorgängern, eine reiche Quelle von Belehrung und Anregung, aufs neue, welche Schätze die Beschäftigung mit der Geschichte der Heimat erschließt. , £, , — Handbuch der geographischen Wissenschaft. Herausgegeben von Universi- tätsprosellor Dr. F. K l u t e . Gießen. Etwa 4000 größere Textbilder und Kärtchen, gegen 300 Farbenbilder. viele Kartenbeilagen. In Lieferungen au ie 2.40 Mark. Akademische Vetiagsgesellschaft Athenaion m. b H. Wildpark-Potsdam. (Lsg. 21 bis 25). Die neuen Lieferungen handeln über Südamerika, Ozeanien und die Antarktis. Die Kühnsche Arbeit über den riesigen Wirtschaftsraum Brasiliens. den „größten politischen und kulturellen Ablegen Europas in den Tropen", setzt Walter Knoche (Santiago) mit einer gründlichen und interessanten Abhandlung über Chile fort. Dieser Staat, wichtig durch Salpeter und Kupfer, mit nur zwei Großstädten und durch feine Lage von insularem Charakter, hat gleichwohl große ZukunsiSaussichten. - Die reizvolle Welt der Südsee schildert Walter Dehrmann weiter: Polynesien und Melanesien. Reuguinea, Tahiti, die Hawaii-Inseln, die al- hochentwickelte Kulturlandschaft bereits den Handel der ganzen übrigen Südfee übertreffen. Im Gegensatz zu dieser Tropcnwelt die Antarktis in der Darstellung W v. DrygalskiS, der seinerzeit mit der Gauß-Expedition selbst hervorragend an ihrer Erforschung beteiligt war. 14 000 Quadratkilometer unter der Herrschast des Eise«: der einheitlichste und einförmigste unter den Erdräumen, von dessen tierischen Bewohnern lediglich die Pinguine ein geruhsames und philosophische« Dasein führen. — Auf den wirtschaftlichen und geopolitischen Inhalt der neuen Hefte sei hier nur an» deutend hingewiesen. Die zahlreichen Abbildungen. Photographien und Farbta'eln sind der beste Werber für dieses vorbildliche Werk — Handwörterbuch der RechtSwisse n s ch a s t, herausgegeben von Ftih Stier- Somlo und Alexander Elster, Verlag Walter de GruyterLCo, Berlin. Die eben herausgekommenen Lieserungen 49 und 50 sichren den Srgän- zungSband des hier ausführlich besprochenen Sammelwerkes zu Ende und schließen damit da« ganze Werk ab. Der ErgänzungSband enthält nicht nur Rachträge zu bereits srüher behandelten Abschnitten, sondern bringt das Werk durch Ausnahme einer Reiße neuer Gegenstände auf den Stand denkbar möglichster Aktualität. So entßält z. D. die letzte Lieferung u. a. eine auSsüßrliche Darstellung des Voung-Plan au« der Feder bi« früßer in Gießen tätigen Professors Friedrich Raab Auch die RotverordnungSgese g'bung de« Reiches ist bereit« weitgehend berücksichtigt. — Margaret Laube: Der Kuckuck aus TinSdal. Roman. 282 Seiten 8°. Leipzig 1931. Koehler & Amelang G. m. b. H. Geh. 3,30, Ganzleinen 4.80. (336) — In der liebenswürdigen Art, in der Margaret Laube schon in ihren früheren Romanen die Gegensätze zwischen Tradition und moderner Lebensführung auszugleichen verstand, zeigt fie sich auch hier als gütige, alles verstehende Mittlerin zwilchen stürmischer Iugend und bedachtsam wägender älterer Generation. Ungestümer Freiheitsdrang und das Verlangen, ganz ihrer Kunst zu leben, Pianistin zu werden, lassen Christiane Detlefsen, die Hamburger Patrizierstochter, heimlich Tinsdal, das Elternhaus, verlassen. Sie folgt dem berühmten Geiger, der ihr den Weg zum Podium ebnet. Freude an der eigenen Leistung, ein glänzender Aufstieg an seiner Seite Überbrüden Die Abgründe, die diese« nervenaufreibende Leben vor ihr auf reißt; auch dann noch, als sie sich längst von dem Meister gelöst hat. Als bann aber ihr kleiner Sohn, für den in ihrem Wanderleben fein Raum war, ohne daß die Eltern daS nahe Verwandtschafts- Verhältnis ahnen, nach Tinsdal kommt und wie so ein rechter Kuckuck sich dort in da« warme Rest seht, findet sie fehnsuchtskrank wieder den Weg zu der vertrauten Heimat, zu einem weniger glanzvollen, aber ruhigeren und glücklicheren Löben. »mMMiM. spenezimmer, sclUafzimmer, Küchen äduitin Lis in Hervor ratender Qualität am billißften nur im 6378 d Möbelhaus Moli Blum Hießen Steinltr. 63 im 44 Lebensjahre. Gießen, den 26. September 1931 6409 U in Kenntnis zu setzen Ausschneiden! Wichtig 055631 August Siebert. Gießen, den 26. September 1931 5560 Ilntevvrchtsgeld zeitgemäß r 05529 6328 A 815D dein Laden So billig! So billig! So billig! en dö.ail en gros Loofah! Wollgarne 20p* u. wieder extra bill. Preise für Kurz- und Modewaren • 5 10 Pf «20 und bleiben netd sauber 20 Pf. Tweed Eise Dittmar G.eßen, Löwengasse 20 Umtausch von Schafwolle u. 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Sept. 1931. eröffnen werde. / Durch Verabreichung nur bester Speisen und Getränke hoffe ich. mir das Vertrauen meiner werten Gäste zu erwerben. / Zum Ausschank gelangt das anerkannt vorzügliche Gießener Brauhaus-Bier. / Um geneigten Zuspruch bittet: Frau Margarete Väth. 05554 fdnfdH-Svitzenz.Körvervflege.d.Wasch- A'VvfUv^u.Badeschwamm.auchz Geschirrspülen, Diwan, Teppiche, vol. Möbel reinig, sowie zum Aenftei pulsen 20 Psg.u.39 Ps. Badehandschuhe, Rückenfrot- tierer und Waschlappen in großer Auswahl. Wer aber Looiab-Schubeinlagesoblcn gekausi bai. wird Ihnen bestäligen, das; selbe die beste und halibalsie Einlage, da sie waschbar ist, auch tüt den empfindlichsten (Vuü sowie Schweinsuh die giöüte Wobltai ist. Besonders inöchie ichLte aus unsere Tovvelsoblen aufmerksam machen, unitrenbar das Wärmste f. d. Winter. Sämtliche Artikel über die Dauer der Messe zur Probe zur Messe, Gießen hinter der SchifsSschaukel. Polsterwerkstätte Ä. Wehrt* Gielen, Löberstr. 17 Heute mittag 12l/z Uhr verschied plötzlich und unerwartet an den Folgen eines Unfalls mein herzensguter Mann, der treusorgende Vater seines einzigen Kindes, mein hoffnungsvoller Sohn. Schwiegersohn, Schwager und Onkel Herr Rudolf Dietz im 28. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Marie Dietz, geb Burk, und Kind Marie Dietz, geb Maid Familie Job Georg Burk III. Wwe. Watzenborn, den 25. September 1931. 6407 D Die Beerdigung findet Sonntag, den 27. September, nachmittags 3% Uhr, statt. Chaiselongues zu Mk.15.- werden in diesen Tagen von Straßenhändlem in Gießen und Umgegend verkauft Wer ein solches kauft, hat seine 15 Mark zum Fenster hinausgeworfen. Diese Art Chaiselongues sind in der aller primitivsten Weise hergestellt und in einem halben Jahr zusammengesessen. Der Bezugstoff ist Putzlumpengewebe und das verwandte Polstermaterial ungereinigter Abfall, welcher stinkt Aufarbeiten läßt sich ein solches Ding nicht, weil die Kosten zu hoch werden. Wir haben ein solches Ruhebett zu 15 Mark gekauft und zeigen dem verehrten Publikum von Gießen und Umgegend in dem Schaufenster der Firma Brüder Schmidt, Seltersweg, den Unterschied zwischen einem sogenannten Ruhebett zu 15 Mark und einem handwerklich hergestelltem Ruhebett aus eigener Werkstatt zu 55 Mark. Beide Stücke sind aufgemacht, so daß jeder sich von dem Unterschied überzeugen kann. Das zu Mk. 15.- hält vielleicht % Jahr. Das zu Mk. 55.— hält garantiert 15 Jahre. Mein treuer Lebenskamerad, unser lieber, treusorgender Vater Reinhard Knapp Schn eidermeister wurde Im Alter von 53 Jahren am Donnerstagnachmittag infolge eines Schlaganfalles aus einem arbeitsreichen Leben abgerufen. Die trauernden Hinterbliebenen; Lina Knapp und Kinder Gießen, den 26. September 1931. Die Beerdigung findet Montag, den 28. September, nachmittags 2 Uhr von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt Reelle Bedlenungl Gute Qualitäten I Allergrößte 6049a Auswahl! Billigste Preise! Gesetzliche Geseilenprilsungen Alle Handwerks» und Industrie-Lehrlinge - mit Ausnahme der Bäcker-, Metzger-, Friseur-, Schneider- und Schuh. macher-Jnnungen, die in diesem Jahre ihre Lehrzeit beenden, können sich zu den Herbst-Gesellenprüfungen im Oktober von Montag, den 28. September, bis Donnerstag, den 1. Oktober, im Büro des Gewerbevereins, Goethestrahe 7, eine Treppe hoch, zwischen 3% und 6% Uhr nachmittags anmelden: mitzubringen ist der Lehrvertrag und 7 Mk. Prüfungsgebühren. Bet KesellelMüsmgS'MWtz tzes öeroerüeoctelns. HMarbeilsschule Griebel Zunge Mädchen und Frauen können in Tages-, Ha btages- und Abendkursen gründlichen Unterricht in Schneidern, Weißnähen, Schnittzeichnen, Muster- entwenen, Verzierungs-Arbeiten sowie in allen sonstigen Handaroeifen, auch Lastarbeiten erhalten. Die Einäscherung fand in aller Stille statt. 6406 d Neue und gebrauchte Klaviere empfiehlt zu günstigen Zahlungsbedingungen Georg Ebert, Klaviermacher Gießen. Ludwiustr 5 p, Telepb. 2403 Laßt Kinder teilen. Die verbilligten Schülerkurse finden während d.Aerdstferien statt. Meld, bis Montag, 28.9 1931, bis 10 Uhr vorm. 10 Stunden 20 301. Llniversiiäisreifbahn Ludwig Schömbs. 63?od I. c. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben A. H. Reinhard Knapp 6384 A SA.uuFs HANSA Lassen Sie Ihre Zentralheizungs-Anlage in Ordnung bringen, bevor die Heizperiode beginnt I Wir sind in der Lage, Sie prompt und billig zu bedienen ; H. Schaffstaedt G.m.b.H., Gießen . Fernsprech-Sammelnummer 2844 ' 5817 D Niedri Herren-Halb schwarz und bra Herren-Halb schwarz und br: Braune Box schuhe,or - echte Rai Form Herren-Arbe UM» mit $i ichhg .... 1 Frauen-Feh schuhe, g< strapazierfähige Rlndleder-F schuhe, o währte Qualität Ein größerer Küht sowie ha in guten Qual J. Gtehen uni Zu den Mühl Nie waren gute Schuhe billiger Ihr Weg lohnt sich Besuchen Sie uns bitte Große Auswahl! 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