Nr. 72 Erstes vlatt 181. Jahrgang Donnerstag, 26. März 1931 Erschein« täglich,außer sonntags und Feierlag» vetlaoen Dte Illustrierte Gießener Familienblätter Hermal tm Bild Dte Scholle Monalr-Vezugrvretr: 2.20 Reichsmark und 30 Retchspfenmg für Trägev lohn, auch bet Richter» scheinen -.inzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zerafvrechanfchlüsse anterSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießeit. poftfcheckkonto: 8rc*ffur1am Main 11686 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfitütr-Vuch- und Stchtöruderei B. Lange in Sieben. Zchriftlettung und Seschästzstelle: Schullttaße 7. Annahme von Anzeigen für di« Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mnt Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20°, mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Ma^ Filler, sämtlich in Gießen. Eine britische Demarche in Berlin und Wien. Vie englische Regierung fordert Einschaltung des Völkerbundsrats. — Reichskanzler Vr. Brüning lehnt jede politische Einmischung energisch ab. Der britische Botschafter beim Reichskanzler. Brünings Antwort. Berlin, 25. Wär;. (TU.) Amtlich wird mit- geteill: Der britische Botschafter hat heute den Reichskanzler wegen der deutsch-österreichischen Vereinbarung über die Zollunion ausgesucht und ihm mitgeteilt, fjerr Henderson halte es im allgemeinen Interesse für erwünscht, daß die Angelegenheit im Hinblick auf das Genfer Protokoll vom 4.Oktober 1922 gemeinsam besprochen würde und daß Deutschland und Oesterreich bis zur nach st en Sitzung des v ö l ke r b u n d s r a t e s nicht zu c n b gültigen Feststellungen schritten. Der Reichskanzler hat den Botschaster in seiner Antwort daraus hingewiesen, daß die deutsch- österreichische Vereinbarung sich ganz im Rahmen des Genfer Protokolls halte und somit nach Auffassung der Reichsrcgierung und der österreichischen Regierung für den Völkerbundsrat kein Anlaß gegeben sei, sich mit der Angelegenheit zu befassen. Wenn von anderen Regierungen eine Prüfung der Rechtsfrage angestrebl werde, fo brauchten die deutsche und die österreichische Regierung diese nicht zu scheuen. Line Prüfung des Abkommens durch den völkerbundsrat unter politischen Gesichtspunkten halte die Reichsregierung nicht fürzutässig.dadas Abkommen rein wirtschaftlichen Lharak - t c r Hobe. Der Reichskanzler erläuterle die Ziele der deutsch-österreichischen Verhandlungen, die natürlich ihren Fortgang nehmen müßten, die aber, wie von vornherein festgeslandeii habe, mit Rücksicht auf die zahlreichen zu regelnden technischen Einzelheiten nicht vor zwei oder drei Wonaten zum Abschluß gelangen könnien. Die britische Regierung hat i n 2D i e n durch ihren dortigen Gesandten den gleichen Schritt getan und von dem Vizekanzler Dr. Schober eine dem Sinne nach gleiche Antwort erhalten. Erstes Echo der presse. Berlin, 26. März. (TU.) Eine Anzahl Berliner Morgenblätier beschäftigt fidi mit dem Besuch des britischen Botschafters beim Reichskanzler. In allen Aeugcrungen kommt zunr Ausdruck, daß der britische Außenminister Henderson bei seiner Stellungnahme zu dem deutsch-österreichischen Zollabkommen dem Drucke Briands unterlegen ist. Der „Berliner Lokalanzeiger" (hugen- bcrg) erklärt u. a.: Man will die Angelegenheit also vor das Forum des Völkerbundsrats bringen, einer Instanz, die mit dieser Angelegenheit nicht das Allergeringste zu tun hat. Brüning scheint, nach dem amtlichen Wortlaut des deutschen Eommu- niquös zu urteilen, denn auch mit erfreulicher Deutlichkeit den deutschen Rechtsstandpunkt vertreten und auch wegen der gewünschten Behinderung der Zolloerhandlungen dem englischen Botschafter eindeutig klargemacht zu haben, daß sich Deutschland nicht im G e r i n g st e n in seinem Weg beirren lassen wird. Man kann nur wünschen, daß die deutsche Regierung in dieser Frage fester bleibt, als das bei manchen anderen Gelegenheiten, in denen die deutsche Außenpolitik in den letzten Jahren wichtige Entscheidungen zu treffen hatte, der Fall gewesen ist. — Der „T a g" (hugenberg) weist darauf hin, daß es geradezu grotesk wäre, wenn der Völkerbund, der sich als politisches Instrument Frankreichs und Englands dishergänzlichunfähig erwiesen habe, auch nur die kleinsten praktischen Ergebnisse bet der Bekämpfung der europäischen Wirtschaftsanarchie zu erzielen, 'sich von interessierten Mächten dazu mißbrauchen ließe, Deutschland und Oesterreich politisch in den Weg zu treten, wenn diese ihrerseits eine praktische Lösung in Angriff genommen haben. Sehr leicht könne daraus die entscheidende Krise des Völkerbundes entstehen. — Fn der „B c r « liner Börsenzeitung" (Konferv.) wird darauf hingewiefen, daß der englische unter dent Druck Frankreichs entstandene Schritt allein politisch Zu bewerten sei, da er der rechtlichen Grundlage in vollem Umfange entbehre. Selten habe sich das faktische Vorhandensein der französischen Hegemonie in Europa so handgreiflich, wie in diesem Falle gezeigt. Der uns gegenüberstehenden Front von Herren und Knechten werde deutlich die Wahrheit über den Anspruch gesagt werden müssen, den Deutschland und Oesterreich auf Respektierung i h r e r E n t s ch l u ß f r e i h e i t, auf Achtung ihrer Souveränität zu erheben haben, sollte der Völkerbundsrat sich gegen die Zollunion aussprechen, so liege es nahe, daß sich uns dann außenpolitische Ent- schlüsse von weittragender Bedeutung ausdrängen. — Die „D e u t s ch e T a g e s z e i t u n q" (Landvolk) spricht von einem Versuch kalter Abwürgung und erklärt u. a., daß die Einschaltung des Völkerbundsrates jeder politischen Sabotage Tür und Tor öffnen wurde. Am wichtigsten sei jedoch die grundsätzliche Frage. Unsere Selbstbestimmung sei durch die Friedensdiktate schon in der unerhörtesten Weife beschränkt. Es fei daher ganz ausgeschlossen, daß wir uns darüber hinaus noch weiter bevormunden lassen und Einsprüche dulden könnten, zu denen unsere Gegner auch nicht den Schein eines Rech- t c 5 haben. Die Durchführung der Zollunion könne niemals erst dem Rat zur Prüfung und Genehmigung unterbreitet werden. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" (Volksp.) begrüßt besonders, daß der deutsche wie auch der österreichische Staatsmann dem Versuch Frankreichs und Englands, die Zollunionsfrage auf das politische Gebiet zu schieben, energisch zurückgewiesen haben. Auch diejenigen, die sonst stets geneigt seien, vor jedem Stirnrunzeln in Paris oder London zurückzuweichen, würden sich in der Frage der Zollunion de in einmütigen f e ft c n WiI - len der gesamten deutschen Station beugen müssen, die in diesem Fall geschlossen hinter ihren Regierungen in Berlin und Wien stehe. Briand will den Völkerbund einschalien. (trotze Betriebsamkeit in Paris. Paris, 25. März. (WTB) Der französische Außenminister hat die Vorsitzenden der Aus- toänigcn Ausschüsse von Kammer und Senat, Paul-Boncour und P e r a r d, empfangen und sie über die Initiative unterrichtet, die er auf diplomatischem Wege schleunigst, bevor die Absichten von Wien und Berlin veröffentlicht worden seien, getroffen habe, um diese 'Regierungen an die 'Respektierung sämtlicher bestehender Vereinbarungen zu erinnern. Er letzte den Vorsitzenden der Auswärtigen Ausschüsse auseinander, welche Stellung die französische Regierung in dieser Angelegenheit einnehme. Er lenkte namentlich ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß das Protokoll Vr. 1 vom 4. Oktober 1922 betreffend die Finanzsanierung Oesterreichs durch den Völkerbund zustande gekommen sei und unter dem Schuhe des Völkerbundes bleibe, so daß der Völkerbundsrat ein Wort mitzureden habe, bevor dem fraglichen Plan irgendeine Folge gegeben werde. 3m Schlepptau Frankreichs. Paris, 25. März. (TU.) Die erste Unter» re dung zwischen Briand und dem englischen Außenminister Henderson am Dienstag hat nicht das von den Franzosen gewünschte Ergebnis gezeitigt, das darin bestanden hätte, daß sich Henderson sofort bereit erklärt hätte, gemeinsam mit Frankreich und den anderen Mächten eine Protestaktion in Wien und Berlin einzuleiten. Der englische Außenminister hat vielmehr vor übereilten Schritten gewarnt und dem französischen Außenminister zu verstehen gegeben, daß er zunächst einmal den Bericht des englischen Botschafters in Wien abwarten wolle. Sn einer neuen Unterredung zwischen den beiden Außenministern wurde eine Einigung erzielt, man will sich gemeinsam an den Völkerbund wenden, und ihn um seine Auffassung darüber bitten, wieweit das beabsichtigte Zollabkommen in Einklang mit den Verträgen von St.Germain und dem Protokoll vom Jahre 192 2 zu bringen sei. Die deutsch-österreichischen Besprechungen mühten solange unterbrochen werden, bis der Völkerbundsrat in seiner Maitagung fein Gutachten abgegeben habe. Obgleich Vertreter der italienischen und tschechischen Regierung an den Besprechungen nicht teilnahmen, nimmt man in französischen Kreisen an, daß sie sich dem französisch-englische Schritt anschließen werden. Eine Attacke Hernois. Tic Paneuropafreunde entpuppen sich. p a r i 5, 26. Wärz. (IvTB. Funkspruch.) 3n einem Artikel in der „Ere Rouvelle" wendet sich der radikale Abgeordnete h e r r i o t gegen das deutsch- österreichische Zollangleichungsabkommen. Lr stellt zehn Punkte auf, die er gegen das Abkommen vorbringen zu müssen glaubt, nämlich: 1. Das Protokoll, betreffend die regionalen Abkommen, fei nur Finte, eine Falle. — 2. Artikel 2 schaffe einen wahren Zollverein, und was das fei, wisse man ja aus der Vergangenheit. — 3. Wan würde die Franzosen für Lsel halten, wenn man glaubte, sie hätten vergessen, daß die politische Li n h e i t Deutschlands vermittels der Zollvereinigung zu st an de gekommen sei. — 4. Das österreichisch-deutsche Protokoll stehe im formellen Widerspruch zu dem Anstreben der Organisierung des Friedens und der Vereinheitlichung (Europas. — 5. Deutschland werde dadurch eine Llipfe mit zwei Mittelpunkten. — 6. Die Ausdehnung des jetzigen Zollvereins auf Ungarn stehe bevor, wenn sie nicht schon vollzogen fei. — 7. Die deutsche Demokratie sei bei der Angelegenheit durch die nationalistischen und imperialistischen (Elemente an der Rase herumgeführt worden. — S. Der deutsche und der österreichische Rationalismus rechneten, indem sie in dieser weise eine aggressive Stellung einnähmen, mit der Schwäche gewisser Länder. — 9. Die deutscheDemokratieundder Friede seien in gleicher weise bedroht. — 10. (Es sei an der Zeit, darüber Klarheit zu gewinnen, ob man freimütig die Politik von Genf annehme, oder ob man unter dem Deckmantel einer scheinbaren Befolgung dieser Politik in Wirklichkeit einen offensiven Block bilde, der sich bei Gelegenheit eben so brutal äußern werde, wie beispielsweise jetzt das deutsch-österreichische Protokoll. Auf demWendepuukt -erWirtschastskrisis Erste Anzeichen einer Besserung. — Oer Reichskanzler über das deutsch - österreichische Zollabkommen. 03 c r I in . 25. März. (WTB.) Unter dem Vorsitz des Präsidenten Franz von Mendelssohn fand im ehemaligen preußischen Herrenhause die 51. Vollversammlung des Deutschen Sndu- strie - und Handelstages statt. Sn seiner Begrüßungsansprache betonte Präsident von Mendelssohn, daß Arbeit und Kapital ihrem Schicksal aufs engste verflochten feien, so daß die überwiegende Zahl der deutschen Unternehmen bei unzureichendem Ertrage in ihrer Erneue- rungs-, Kapitalfammlungs- und Kreditfähigkeit, von der die Beschäftigung ihrer Angestellten und Arbeiter abhängt, notleide. Einem Ueberfluß an Lebensmitteln, Rohstoffen, Produktionsmitteln, Arbeitskräften steht verringerter Verbrauch, stehen 20 Millionen Arbeitsuchende gegenüber. Der Weg einer völlig freien Wirtschaftsführung stößt, weltwirtschaftlich gesehen, an die trennende Ab- schließung der Völker, die besonders in Europa viel zu viele Behinderungen i n a l l z°u engen Wirtschaftsgebieten hervorrief. Daher sollten handelspolitische Einigungen als Fortschritt aus dem Wege einer belferen Organisation Europas begrüßt werden. Aber darüber hinaus sollten sich alle Teilhaber der Weltwirtschaft darüber klar sein, daß die gemeinsame Krise gemeinsame Pflichten bringt, daß es unmöglich ist, in der Weltwirtschaft stehende Länder zu isolieren, daß insbesondere die Einsperrung von Gold und Kapital durch ein Land weder diesem noch der Weltwirtschaft dient. Es fehlt in Deutschland nicht ganz an Anzeichen, daß die deutsche Wirtschaft den Höhepunkt der Krise erreicht hat. Dedarfsstauung, Erleichterung des Geldmarttes. langsame Besserung der Börsenkurse und Ansteigen der Rvhstoffpreise bedeuten Entwicklungsansätze, die man gefährden würde, wenn das Vertrauen durch kapitalfeindliche 03ctoegungen wieder gestört würde. Deutschland sucht wirtschaftliche Zusammenarbeit nach allen Seiten. Die Kriegslasten haben auch im Ausmaße des Voungplans sich als eine die Leistungs- fraft übersteigende Belastung, damit auch als tiefe Schwächung der weltwirtschaftlichen Kaufkraft Deutschlands und der weltwirtschaftlichen Entwicklung erwiesen. Sie setzten eine wirtschaftliche Entwicklung voraus, deren Gegenteil eingetreten ist. Reichskanzler Vr. Brüning betonte, daß es gelungen sei, den Verfall der Staatsgewalt zu verhindern, der in düsteren Wintermonaten zu drohen schien. Für die Reichsfinanzen sei die Grundlage einer Ordnung geschaffen. Das sei eine Leistung, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden dürfe und die zur Hoffnung berechtige, daß es auch zur Ueberwindung der anderen Schwierigkeiten kommen werde. Die Ziele, die sich die Reichsregierung gestellt habe, wolle sie auch in Zukunst mit vollster Tatkraft weiter verfolgen. Sie werde bestrebt fein, di e Bildung von Privatkapital nach Möglichkeit zu fördern. Aus diesem Grunde dürfe die Wirtschaft nichtweitermit neuenSteuern belastet werden, weil so die Kapitalbildung behindert würde. Die Reichsregierung müsse sich Deshalb auf das entschiedenste gegen neue Steuerbelastungen wenden; denn fie würde sonst die Linie ihrer Politik verlassen. Wenn trotz der Röte f ü r den Osten rund eine OHilliarbc eingelegt worden wäre, so sei dies geschehen in der Erkenntnis, daß der Ostm eines der wichtigsten Wirtschaftsgebiete sei. Schutz und Stärkung des Binnenmarktes seien die erste Voraussetzung für eine Erhaltung der Wirtschaft. Der Ueberschuh deutscher Produktion würde immer auf den Weltmarkt drücken, um so mehr, je stärker die Kaufkraft im Snlande sinke. Cs sei deshalb notwendig, daß das Ausland diese Zusammenhänge endlich einmal erkenne. Roch immer verabsäume es aber die Welt, die notwendigen Folgerungen zu ziehen. Die Vorbelastung Deutschlands mit Reparationen bedeute eine Sonderstellung Deutschlands auch auf handelspolitischem Gebiet. Ohne Steigerung der Ausfuhr und Drosselung der Einfuhr sei die Schaffung eines Ausfuhrüberschusses nicht möglich. Es hänge auch zu einem großen Teil von der Welt selbst ab, ob und wie lange der neue Reparationsplan, der doch auf diese Punkte Rücksicht nehmen folle» erfüllt werden könne. Da die Erkenntnis der Zusammenhänge in der Welt nur langsam vorwärtsschreitc, müsse die Reichsregierung bestrebt sein, durcheigene In i- t i a t i v c die Entwicklung anzubahnen, die im Bereich des Möglichen liege. Rach dieser Richtung hin feien die Verhandlungen zu verstehen, die jetzt zwischen Deutschland und Oesterreich ein« geleitet worden wären. Die Richtlinien, die Deutschland und Oesterreich für den Vertrag vereinbart habe«, sind von keinen politischen 5)interabsichten, sondern allein von dem Bestreben diktiert, der Wirtschaft beider Länder im Rahmen der geltenden Verträge mit möglichster Schnelligkeit diejenigen Vorteile zu verschaffen, die sich aus der Erweiterung des Wirtschaftsgebietes ergeben, aber diese Vorteile brauchen mit den Interessen anderer Staaten in keiner Weise in Widerspruch zu stehen. Das Angebot, auch mit dritten Staaten auf deren Wunsch in Verhandlungen über eine gleichartige Regelung einzutrctcn, kann, wenn cs unvoreingenommen und nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten beurteilt wird, den Anstoß zu einer Entwicklung geben, die sich im europäischen Gesamt- interessc als äußer st heilsam erweisen würde. Ich habe deshalb die Rederzeugung, daß die europäische Oefsentlichkeit und auch die europäischen Regierungen, wenn sie das deutsch-österreichische Abkommen in seinen Linzelheiten prüfen, die ihm zugrundeliegenden Absichten würdigen werden, und daß dann auch Mißverständnisse verschwinden, wie sie anscheinend auf die ersten Rachrichten der Presse hin hier und da entstanden sind. Deutschland und Oesterreich sind jedenfalls entschlossen, den Weg, den sie in ihrem eigenen Interesse und im Gesamtinteresse als richtig erkannt haben, mit ruhiger Festigkeit zu Ende zu gehen. Todesurteile im Saffran-prozeß. Sm Rartcnftcincr Mordprozeß (Saffran verkündete das Gericht in später Abendstunde folgendes Urteil: Gegen ©aff ran und Kipnick wird auf Todesstrafe und je 12 Sabre Zuch t- Haus erkannt. Ella Augustin wird zu s ü n f Sahren Zuchthaus verurteilt, wovon sechs Monate durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten. Sohan n Augustin wird zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, wovon ein Monat durch die älntersuchungshaft als verbüßt gilt. Die übrigen Angeklagten Reck, Schidlowski und Katzki werden freigesprochen. Der Vorsitzende gab noch einmal einen Ueberblick über die Entstehungsgeschichte des Mordes. Am 17. Suli versuchten Saffran und Kipnick Friede- r i s z i k zu ermorden. Saffran ist unbedingt als Mittäter anzufehen. Dagegen hat Ella Augustin nur Beihilfe geleistet. Dann kamen die Vorbereitungen zur Fahrt am 12. September. Schon einige Tage zuvor berieten Saffran und Ella Augustin, was nachher zu tun sei. Sie schrieb an ihren Bruder und kündigte ihm den Besuch eines Unbekannten an. Diese Begünstigung der Augustin vor Begehen der Tat ist als Beihilfe zum Mord anzufehen. Das Gericht ist zu der Auffassung gekommen, daß Ä i p « n i ck die Schüsse abgab. Saffran ist mit d a < bei gewesen. Beide haben zusammen die Leiche Dahls in den Teppich gerollt, fortgefahren und im Speicher versteckt. Saffran ist daher unbedingt a I s Mittäter anzusprechen. Auch bei der Brandstiftung leistete Ella Augustin Begünstigung. Ihr waren die Pläne bekannt und in dieser Kenntnis stand sie Saffran und Kipnick mit Rat und Tat zur Seite. Die Brandstiftung führten Kipnick und Saffran gemeinschaftlich aus. Trotzdem richtet sich der Ver- dacht gegen Kipnick, daß er es war, der den Brand anlegte. — Der Angeklagte Johannes Augustin war wegen Begünstigung zu bestrafen. Seine Schwester Ella hatte ihm mitgeteilt, daß ein Mann zu ihm kommen werde. Am nächsten Tage erfuhr er durch die Zeitungen, daß Saffran sich der Brandstiftung und Verficherungbetrugs schuldig gemacht hatte. Für den vollendeten Mord, durch Saffran und Kionick, ist die lobesftrafe zu verlangen. Das Gesetz steht auf dem Standpunkt, daß da, wo wissentlich Blut geflossen ist, auch das Blut des Mörders zu vergießen fei. Der Reichstag nimmt -en Etat in dritter Lesung an. Das Osthilfegeseh. Berlin. 25. März. Im Reichstag wird die zweite Beratung des Osthilsegesehes fortgesetzt. Qlbg. Baur (Lv.) erklärt, das Osthilfegeseh in der vorliegenden Form sei eine Enttäuschung für die Landwirte. Die Regierung sollte die klare Zusicherung geben, dah die in der ursprünglichen Borlage aufgeführten Gebiete für Entschuldung und Llmschuldung auch tatsächlich berücksichtigt werden. Die Verantwortung für die mit einer Linlsmehrheit im Ausschuß beschlossenen Verschlechterungen treffe die Deutschnationalen und die Rationalsozialisten, die sich der Mitarbeit für die Landwirtschaft entzogen und durch ihren Auszug erst die Linlsmehrheit ermöglicht hätten. Abg.Graf Westarp (Kons.): Wenn das Osthilfegeseh angenommen ist, so wird der Auftrag, um deswillen der Reichspräsident dal Kabinett Brüning eingesetzt und mit oeso.rdrren Vollmachten versehen hat, a u s g e s ü h r t sein. Wir sehen das intensive polnische Vordringen gegen das Deutschtum im Osten. Wir müssen diesem Vordringen einen Wall entgegensetzen. Für die Anwendung der zur Verwendung kommenden Mittel können nicht nur wirtschaftliche Gründe entscheidend sein, sondern in erster Linie muh die Frage gestellt werden, wo die nationalpolitische Gefahr am größten ist. Man darf sich auch durch Parteiagitationsgründe nicht bestimmen lassen, Hilfsmaßnahmen ein Richts zu nennen, die wahrlich fein Richts sind. Die Aufstellung eines Idealplanes ist viel leichter, als die Beschaffung der Mittel zur Durchführung. Für das Osthilfewerk wird erst die Geschichte den Dank abstatten und dabei wird am hellsten erstrahlen der Rame des Mannes, der einst als Feldherr wie jetzt als Staatsmann Ostpreußen gerettet hat, der Rame Hindenburg. Reichsmini st er Treviranus: Für die Osthilfe werden aufgewendet von 1931 bis 1938 mindestens 950 Millionen, außerdem an Kreditmitteln aus Haushaltsmitteln. Zweckvermögen und Schuldverschreibungen 1140 Millionen, im ganzen also etwa 2 Milliarden Mark. Dah wir für dieses Hilfswerk nicht viel Dank ernten werden, wissen wir. Wir können uns damit trösten, dah auch die segensreiche Einrichtung der General- landschaften zunächst wenig Anerkennung fand, als sie vor 150 Jahren geschaffen wurde. Die Fürsorge für Me Landarbeiter ist nicht so gering, wie es von einigen Rednern hingestellt wurde. Wir werden auf diesem Gebiete in nächster Zeit weitere Fortschritte machen können. Weim wir die landwirtschaftliche Selbstverwaltung noch mehr heranziehen, so würden wir damit Wohl wenig Dank ernten, denn es ist keine schöne Aufgabe, den Rachbarn zu sagen, daß ihnen nicht mehr geholfen werden kann. Die in der Vorlage vorgesehene gesunde Mischung zwischen der behördlichen Betreuung und der Heranziehung der Selbstverwaltung wird die beste Lösung sein. Dritte Lesung des Etats. Runmehr wird die dritte Beratung des Etats fortgesetzt beim Haushalt des Reichsfinanzministeriums. Abg. Dittmann (Soz.) verliest eine Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion, in der ausgeführt wird, die Sozialdemokratie habe sich durch den Auszug der Deutschnationalen und Rationalsozialisten nicht bestimmen lassen, die faschistischen Diktaturpläne dieser Parteien durch t Ausnutzung der Scheinmehrheit zu fördern. Die Fraktion habe ihren ganzen Einfluß eingesetzt, Zum die Arbeiterschaft aus der jetzigen Rotlage zu , befreien und die Bürgerkriegsgefahr abzuwehren. ' Die Sozialdemokratie habe dem Sparer mächtig ungsgeseh zu gestimmt. Sie habe es durchgeseht, dah bei der Ermächtigung zur selbständigen Festsetzung von Zöllen die Kosten für die Lebenshaltung der breiten Massen nicht gesteigert werden dürften. Die sozialdemokratische Fraktion werde dem H-aushalt zustimmen, nachdem es ihr gelungen sei, die in ihm enthaltenen sozialen Leistungen zu sichern. Abg. Rippe! (Chr.-soz. Vd.) begrüht die Tatsache, daß nach langer Zeit endlich wieder der Etat rechtz eitig verabschiedet werden kann. Wenn der politische Radikalismus nationalistischer oder internationalistischer Färbung in unserem Volke so viele Anhänger findet, so ist das in erster Linie eine Folge der Ohn- machts- und Entrechtungspolitik gegen Deutschland durch die Entente. Das Sparermächtigungsgesetz ist eine staatspolitische Tat. Wenn Hugen- berg und Schmidt-Hannover behaupten, sie hätten den Reichstag faltgefteltt, so kann davon keine Rede ein. Der Reichstag hot nach dem Auszug der äußersten Rechten staatspolitisch viel mehr geleistet als die Herren drau- hen mit allen ihren Reden. Abg. Graf Westarp (Volkstons.): 3m Auftrage der in unserer Fraktion zusainrnengeschlosse- nen Deutsch-Hannoveraner, Christlich-Sozialen und Dolkskonservativen habe ich die Regierung! daran zu erinnern, dah die Verabschiedung des Etats, vor der wir jetzt stehen, als Voraussetzung geltensoll für dieInangriff- nahme ganz bestimmter außenpolitischer Aufgaben, von deren Erfüllung wir unsere Mitarbeit abhängig gemacht haben. Wir begrüßen die handelspolitische Vereinbarung mit Oesterreich. Wir erwarten, dah auf der kommenden Abrüstungskonferenz der deutsche Rechtsanspruch auf gleichmähige Abrüstung nachdrücklichst geltend gemacht wird. Im Vordergründe der außenpolitischen Aufgaben dieses Sommers steht aber die Revision des Tributplanes, an dessen Durchführbarkeit heute kein Mensch mehr glaubt. Der ganze Wahnsinn der jetzigen Tributregelung muh dem Ausland immer wieder zum Bewußtsein gebracht werden. Ist die Revision nicht anders zu erreichen, dann muh die An- lechesperre erklärt werden. Reichsfinanzminister Dietrich: Die Reichsregierung erklärt, dah sie die Steuererhöhungen, wenn sie ausrechterhalten werden, ablehnen muß, weil dadurch die gange Linie der Politik der Reichsregierung zerstört würde. Abg. Dr. Gere ko (Lo.) erklärt, die Landoolk- partei habe gegen viele Einzelheiten des Etats starke Bedenken, werde sie aber zurück- (teilen, um dem Reichskanzler und dem Ernäh- rungsminiftcr ihr Vertrauen zu bekunden. Sie nehme auch zum Zollermächtigungsgesetz in seiner neuen Fassung eine positive Stellung ein und bedauere nur, daß es durch den Auszug der Deutsch- nationalen und Nationalsozialisten unmöglich geworden sei, mehr für die Landwirtschaft zu erreichen. Abstimmungen. Damit ist die Aussprache über den Etat beendet. Es folgen nunmehr die Abstimmungen. Das O ft = hilfegcsetz wird in der Ausschußfassung in zweiter Beratung a ngenomme n. Dos Gesetz gegen Waffen mißbrauch wird in dritter Beratung gegen die Kommunisten angenommen. Eine kommunistische Entschließung auf Aufhebung der erhöhten Umsatz st euer für Konsumvereine und Warenhäuser wird angenommen, da auch die Sozialdemokraten dafür stimmen. Mit derselben Mehrheit wird eine kommunistische Entschließung angenommen, wonach der Einzelvcrkauf von Zigaretten wieder zugelassen werden soll. Mit 299 gegen 65 Stimmen bei 1 Stimmenthaltung wird eine kommunistische Entschließung auf Aufhebung der Demo n st r a t i o n s v e r b o t e am 1. M a i abgelehnt. Beim Marine-Etat wird der kommunistische Antrag auf Streichung der vierten Rate des Panzerschiffs A mit 176 gegen 74 Stimmen bei 106 Stimmenthaltungen abgelehnt. Wie in der zweiten Beratung, hat auch diesmal der sozialdemokratische Abg. Ströbel mit anderen Vertretern des linken Flügels der Sozialdemokraten für den kommunistischen Antrag gestimmt, während die Mehrheit der sozialdemokratischen Fraktion Stimmenthaltung geübt hat. Der kommunistische Antrag auf Streichung der ersten Rate für das Panzerschiff B wird mit 176 gegen 73 Stimmen bei 106 Stimmenthaltungen abgelehnt. Die Ersahbauten sind also bewilligt. Zum Reichshaushaltsgesetz wird der Antrag der Mehrheitsparteien, der der Regierung Brüning die Einsparungser-mächtigung erteilt, mit 290 gegen 65 kommunistische Stimmen angenommen. Angenommen wird auch die sozialdemokratische Entschließung, die verlangt, daß die Bezüge der leitenden Beamten der Reichsbahn und des Reichsbankdirektoriums den entsprechenden Reichsbeamtengehältem angeglichen werden. Rach Ablehnung verschiedener Aenderungs- und Streichungsanträge zu den einzelnen Etats wird in der namentlichen Schlußabstimmung der Gesamtetat für 1931 in dritter Beratung mit 277 gegen 64 Stimmen bei 14 Stimmenthaltungen angenommen. Die Kommunisten haben dagegen gestimmt, die wirtschaftspartei hak Stimmenthaltung geübt. Annahme der Iollvortage. Cs folgt die zweite Beratung des Gesetzes über Zolländerungen, das sog. Zoll- errnächtigungsgeseh, bei dem noch im Laufe des heutigen Tages ein Kompromißantrag der bürgerlichen Parteien über den Verbraucherschuh zustande gekommen. Abg. Frau Sender (Soz.) erklärt, ihre Fraktion könne die in dem Gesetz enthaltene Zollermächtigung der Regierung nur billigen, wenn der Schuh der Verbraucher vor einer Steigerung der Lebenshaltungskosten garantiert werde. Dor allem müsse der Ernährungsminister erklären, was er gegen die jetzt schon in einzelnen Städten eingeleitete Drotpreiser- höhung unternehmen wolle. Während Parteien, die vorgeben, besonders die landwirtschaft-- lichen Interessen zu vertreten, den Reichstag verlassen und die Bauern im Stich gelassen haben, ist es die Arbeiterschaft und ihre Vertretung, die den Bauern die Hand zur Hilfe reicht. Reichsernährungsminister Schiele: Die Reichsregierung ist bereit, die gegebenen Möglichkeiten rechtzeitig anzuwenden, um einer ungerechtfertigten Brotpreiserhöhung entgegenzutreten. Bereits am Donnerstag wird dem Reichskabinett eine Vorlage zuaehen, die eine Erhöhung der Ausmahlung von 60 auf 70 Prozent vorsieht. Dadurch werde eine Senkung des Mehlpreises und die Grundlage für eine Ermäßigung des Drotpreises gegeben. Weiter werden die Bemühungen um eine Verringerung der Handelsspanne fortgesetzt. Die Zollvorlage wird darauf in zweiter Lesung in der Ausschußfassung angenommen. — Donnerstag: Dritte Lesung der Zollvorlage und der Osthilfe. Zusammentritt des Hessischen Landtags. Darmstadt, 25. März. Bei langsam sich füllendem Haus eröffnet Präsident Delp um 10 Llhr die Sitzung. Der Präsident widmet dem verstorbenen Abg. Haury (D. Vp.) einen warm empfundenen Rachruf und begrüht dann die neu eingetretenen Abgeordneten Heyne- Offenbach (D. Vp.) und Bürgermeister Lorenz- Erzhausen (Soz.). Das Gesetz über die Besteuerung des Gewerbebetriebes im ilmherziehen, insbesondere Autoläden, wird vom Abg. Schäfer (Komm.)-als unsozial abgelehnt. Abg. Werner (Rat.-Soz.) stimmt dem Gesetzentwurf zu, der durchaus zweckmäßig sei. Abg. Dr. Riepoth (D.Pp.) begrüßt die Vorlage, da sie endlich den Gemeinden das Zuschlagsrecht auf auswärtige Gewerbebetriebe gebe. Die Möglichkeit der Rotverordnung, die Filialbetriebe steuerlich stärker zu erfassen, solle die Regierung ausnuhen: der Sah könne bis auf 200 Prozent der Gewerbesteuerfähe erhöht werden. In Frankfurt a. M. betrage die Filialsteuer nicht, wie Abg. Werner behauptet habe, 600 Prozent, sondern nur 33Vs Prozent mehr als die Gewerbesteuer. Abg. Weck le r (Z.) sieht in der Vorlage allen berechtigten Forderungen der Gewerbetreibenden Rechnung getragen. Die Abg. Dr. Leuchtgens (Lbd.), Böhm (Dn.f, Best (VRP.) und Donath (D.) stimmen der Vorlage zu, die von den Abg. Angermeier (Komm. Opp.) und Hamann (K.) abgelehnt wird. Abg. Lux (S.) erklärt, für die Sozialdemokraten handele es sich bei der Besteuerung der Autoläden nicht um den Schuh des gewerblichen Mittelstandes, sondern um die Erschließung einer Steuerguelle im Interesse sämtlicher öffentlicher Körperschaften. Die hessischen Wandergewerbetreibenden sind mit einem verschiedenen Stempel belastet. — Das Gesetz wird in erster und zweiter Lesung gebilligt. Der Gesetzentwurf zur zweiten Aenderung des Steuervorauszah- lungsgesehes ist vom Ausschuß einstimmig genehmigt worden. Abg. Dr. Riepoth (DVP.) erblickt in der jetzigen Vorlage eine Rechtfertigung der Haltung der DVP., die im Dezember 1930 die 1. Aenderung des Steuervorauszahlungsgesehes abgelehnk habe, da man in einer Zeit der abg leitenden Konjunktur keinen Steuerumbau dieser Art vornehmen könne. Die jetzige Vorlage entspreche den damaligen volksparteilichen Forderungen auf billige Berücksichtigung der veränderten Wirtschaftslage der Steuerpflichtigen und der Finanzlage der Kommunen. — Das Gesetz wird gegen die Kommunisten in zwei Lesungen verabschiedet. Zu der Vorlage auf Aenderung des Besoldungsgesetzes hinsichtlich der wissenschaftlichen Assistenten an den Hochschulen bittet Abg. Dr. Keller (DVP.) um Erklärung des Ministers, wie in Zukunft die Besoldung der Assistenten gedacht sei, nachdem man sie aus der Besoldungsordnung jetzt herausnehme. Ministerialrat L ö h l e i n erklärt, daß endgültige Ziffern noch nicht seststehen. Volkspartei, Kommunisten und Deutschnationale beantragen Zurückstellung bis zur Etatberatung, wogegen sich Regierung und Zentrum aussprachen, um die jetzigen Härten beseitigen zu können. Die Zurückverweisungsanträge werden abgelehnt, das Gesetz wird endgültig angenommen. Es folgt der Koalitionsantrag auf Aenderung der Geschäftsordnung, der eine Beschränkung der Antragstellung vorsieht, wenn nicht gleichzeitig Deckungsvorschläge für Finanzanträge gemacht werden. Abg. Böhm (Dntl.) erhebt Protest, daß ein deutschnationaler Antrag, der bereits im November vorigen Jahres ähnliche Forderungen erhob, liegen blieb, während der Koalitionsantrag vom März innerhalb von 10 Tagen im Ausschuß erledigt wurde. Im alten Reichstag haben die Konservativen ähnliches gefordert rote jetzt die Sozialdemokraten. Wir lehnen den unklaren Koalitionsantrag ab, der eine Senkung der jetzigen Etathöhe unmöglich machen würde. Abg. Vonderschmidt (KPD.) polemisiert gegen die Sozialdemokraten, die, wie im Reichstag auch im Landtag die Kommunisten totmachen wollen. Jetzt wollen die Sozialdemokraten mit 1870er Niethoden die Massen täuschen und ihr ramponiertes Ansehen aufbügeln. Hermann Müller und Wels haben 1925 im Reichstag noch ähnliche Geschäftspraktiken als Ungeheuerlichkeit und Vergewaltigung der Demokratie bezeichnet. Abg. Dr. Werner (Nais.) protestiert ebenfalls gegen die häufig verschleppte Behandlung von Anträgen durch die Regierung. Die Vorlage lehnen wir ab. Die Wandlung der Sozialdemokraten zu ihrem „modernen Neu-Konservatismus" wird im Herbst ihre Quittung erfahren. Die diktatorischen Vollmachten werden wir dem Landtagspräsidenten und Vorstand, in dem die kleinen Gruppen nicht vertreten sind, niemals zugestehen. Abg. Dr. M ü l l e r (Lbd.) sieht in der Reform der Geschäftsordnung, zu Ausgabenbewilligungen auch Deckungsvorschläge zu unterbreiten, eine Selbstverständlichkeit. Den Ton der Gasse und der Gosse darf das Parlament nicht länger dulden, weshalb wir der Vorlage zustimmen. Abg. Dr. N i e p o t h (D. Vp.) stimmt der Vorlage zu, da Mißbrauch des Parlamentarismus endlich beseitigt werden müsse. Die Vorlage wird gegen Kommunisten, Deutsch- nationale und Nationalsozialisten genehmigt, und die Sitzung auf Donnerstag vertagt. Aus aller Wett. Tehner gesteht den Mord ein. Der wegen Mordes zum Tode verurteilte Kurt Tetzner hat zuerst dem Wachtmeister des Gcrichtsgefängnisses und dann dem Richter ein Geständnis abgelegt. Er gibt an, einen W a nderburschenin der Rähe von Reichenbach i. 03. i n sein Auto ausgenommen zu haben. Etwa 20 Kilometer vor Hohen- Schambach (Oberpfalz) habe er angehalten. Beide seien dann ausgestiegen; da sei ihm die Gelegenheit zur Ausführung des Mordes günstig erschienen, da der Wanderbursche über Kälte klagte. Tehner habe seine große Reisedecke ausgepackt und den Wanderburschen so in die Decke eingehüllt, daß auch die Arme ein gewickelt waren. Dann habe er eine starke Schnur aus der Tasche genommen, dem Wanderburschen um den Hals gelegt und ihn dann erwürgt. Bei Mariaort (bei Regensburg) habe er die Leiche verbrannt, nachdem er sie vorher auf den Führersitz gesetzt habe. Den Ramen des Ermordeten will Tehner nicht wissen. Die Angaben über die Person werden nachgeprüft, so dah Aussicht auf Ermittlung derselben besteht. Ein neuer Versicherungsmord. Am vergangenen Samstagfrüh wurde die 50- jährige Ehefrau des Tischlermeisters D a s ch e in ihrer Wohnung in der Stubenrauchstraße in Berlin-Friedenau mit einer schweren Kopfverletzung tot ausgesunden. Der Ehe- man u, der der Polizei die erste Mitteilung von der Tat machte, wurde im Lause der Ermittelungen in Haft genommen. Bei den Vernehmungen verwickelte sich Basche in zahlreiche Wider sprüche, auch wurden auf seiner Arbeitskleidung von dem Gerichtschemiker B l u t s p r i h e r gefunden, die als Blut der ermordeten Frau nachgewiesen werden konnten. Basche hat zusammen mit seiner Frau vor einigen Monaten eine Lebensversicherung über 800 Mark abgeschlossen. Da Basche vor zwei Jahren schon einmal in den Verdacht geraten war, in seiner Wohnung einen Brand angelegt zu haben, um eine Versicherung wirksam zu machen, nimmt man an, daß Basche seine Frau erschlagen hak. um sich in den Besitz der Versicherungssumme zu sehen. Basche bestreitet, die Tat begangen zu haben. Zwei finnische ZUilitätflugKuge zusammeugeslohen und explodiert. Während einer von 10 000 Personen besuchten Werbeveranstaltung des Militärflugwesens in Helsingfors, dessen Höhepunkt eine von fünf Flugzeugen gleichzeitig ausgesührte Tvdesschleife bildete, stießen plötzlich zwei der Flugzeuge zusammen und explodierten. Unter den Zuschauern brach eine Panik aus, da die brennenden Flugzeugtrümmer in die di chtgedrängte Menge zu stürzen drohten. Die Flugzeuge wurden aber durch den starken Wind während des Sturzes abgetrieben und fielen auf das vereiste Meer nieder, wo sie das Eis durchbrachen. Die aus drei der besten Fliegerofsiziere Finnlands bestehende Bemannung konnte nur tot aus den Trümmern geborgen werden. Die Veranstaltung wurde sofort abgebrochen. Lübecker Schüler in der Reichswehrkaserne verunglückt. Bei einem Besuch der Untertertia des hiesigen Johanneurns unter Führung ihres Lehrers in der Kaserne des 2. Bataillons des Infanterie-Regiments Nr. 6 ereignete sich ein bedauerlicher Unfall. In der Waffenmeisterei der Maschinengewehrkompanie entlud sich, als der Waffenmeister den Schülern Erläuterungen an einem Maschi n^ r^ae w ehr gab, aus bisher noch nicht geklärten Gründen plötzlich ein im Lauf steckender scharfer Schuß. Das Geschoß traf einen Schüler in die Hand, einen zweiten in den linken Oberschenkel. Die Verwundung des letzteren ist lebensgefährlich. Das Standortkommando Lübeck hat eine Untersuchung eingeleitet. Der Lehrer erlitt infolge des Zwischenfalls einen Nervenzusammenbruch. Der Fredenbecker Hexenprozeß. Vor dem Stader Schwurgericht fand unter un< gewöhnlichem Andrang des Publikums der Prozeß wegen der Fredenbecker Hexenverbren- nung statt. Die Angelegenheit hatte nach ihrer Aufdeckung im Januar weitestes Aufsehen erregt, zumal der Brandlegung zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Der Angeklagte Tiedemann schildert dann die Vorgeschichte zu der unseligen Tat. Sein Schwager Meyer habe ihm viel von den Erkrankungen seines Viehs und feiner Familie erzählt und gesagt, alles Unglück gehe von der alten Frau Höft aus, die Menschen und Vieh behexen könne. Schließlich sei auch er, Tiedemann, zu derselben Ueberzeugung gekommen. Als im Dezember 1930 die alte Frau Höft wieder einmal nach dem Vieh gefragt hatte und sich auch im Stall aufgehalten hatte, sei am folgenden Tage eine Sau auf rätselhafte Weise erkrankt. Daraus habe sein Schwager Meyer gesagt: „Da möt rot den Kram a n ft e e f e n". In der Brandnacht seien sie dann zum Höfischen Haus gegangen und hätten das Dach mit einem Streichholz angezündet. Der 2(ngetlagtc Meyer gibt an, daß schon sein Vater viel Unglück mit Vieh gehabt habe. Schon vor zwanzig Jahren habe ihn sein Vater in solchen Fällen zu einem alten Schäfer nach Hornburg geschickt. Der <5d)äfer habe dann gebetet und sich bekreuzigt, worauf das Vieh und die Menschen dann bald wieder gesund geworden seien. Der Schäfer und eine Zigeunerin haben die alte Frau Höft als eine Hexe bezeichnet, die an den Erkrankungen schuld sei. Er habe deshalb seinem Schwager vorgeschlagen, der Höft einen Streich zu spielen. Vor allem wollte er d i e Bücher, aus denen sich die Frau Höft die Hexenkünste aneignete, verbrennen. Er habe keine andere Gelegenheit gesehen, als das ganze Haus anzubrennen. Menschen sollten bei dem Brande keinen Schaden nehmen, es sind jedoch zwei Menschenleben dem Brande zum Opfer gefallen. Das Gericht verurteilte wegen gemeinschaftlicher vorsätzlicher Brandstiftung den Angeklagten Tiedemann zu vier Jahren Zuchthaus, den Angeklagten Meyer zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus. Beiden Angeklagten wurden die Ehrenrechte auf fünf Jahre aberkannt. Die Wetterlage. p 5 >‘.0 Hal kO^Loni Pans tl, — V - JaXr'aytnx v Jr O. Perlla 9 , 36 Oslo QtfoHtenlos.® neuer O natb oedeen ® wowa • oeaecKt «Regen * Schnee extraupem «Hebel K 1. Rich.Talmadge in d. Sensations- u. 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März 1931,19.30 Uhr, in der Stadtkirche Orgel-Konzert Günther Ramin Organist zu St. Thomä, Leipzig Bach-Abend Eintrittskarten: KM. 4.—, 3— und 2.— bei Ernst Challier (Fernruf 2671) und abends an der Kasse. Studentenkarten KM. 1.— bei Herrn Sekretär Ritter und im neuen Studentenhaus gegen Ausweis. Die im Abonnement für das vierte Konzert ausgegebenen grünen Kirchenkonzert-Karten haben Gültigkeit. 2111D IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIHIII Hier einige besonders billige Stücke: Barnen - Schürzen aus gutem 4 nn Blaudruck, oder Siamosen, in | schöner Machart 150, ■ »amen - Schürzen aus la Sia- Artfl >1 osen, oder 2farb. Druck, völlig Vuw groß, in flotter Machart 2.50, fc »amcn-Schürzen aus la Satin, A7K K’s id. Bciderwand, od Siamosen, entzück. 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Polen, die Tschecho-Slowalei, Süd- slawien und Italien verloren gingen, gewann das Burgenland bei der Auflösung der österreichisch-ungarischen Monarchie durch den Anschluß an Oesterreich seine Selbständigkeit: es durfte in dessen Rahmen cm deutsches Eigenleben fuhren, das es früher im Verbände der Stefanskrone nicht besessen hatte. Es ist daher kein Wunder, daß dieses jüngste deutsche Land keinen so hart umrissenen Typus darstellt wie andere Länder, besonders wie die anderen Grenzländer. Sind auch diese vielfach stammesmäßig mannigfaltig gegliedert, wechseln in ihnen die Formen der Landschaft, ist die soziale Gliederung in den meisten sogar noch bunter als im Burgenlande, so haben andererseits Geschichte und gemeinsame Selbstverwaltung —'alfo Entwicklungen auf dem Gebiete des Cigenstaatlichen — doch überall hart umrissene Ländcrcharaktere ausgeprägt, welche im einzelnen gar nicht leicht zu umschreiben, aber als solche gut bekannt sind. Dos Burgenland aber steht erst im Begriff, sich selbst einen solchen Charakter zu geben: die ersten Ansätze können wir verzeichnen. lind so hat es auch ein Recht auf eine ganz besonders liebevolle Beachtung im Kreise der übrigen deutschen Länder: es soll von ihnen gehegt werden. Dazu kommt die besondere Gefährdung deS Burgenlandes: liegt es doch an der Stelle, wo Wcstslawen und Südslawen geographisch einander am meisten genähert sind. Der südwestlichste Punkt des Siedlungsgebietes der Slowaken bei Preßburg, in der heutigen Tschecho-Slowalei, und der nordöstliche Zipfel slowenischen Volkstums zwischen Mur und Raab stellt zugleich die Rord- und Südgrenze des Burgenlandes dar. Korridorpläne unseligen Angedenkens tauchten bei Kriegsende aus, in jener Zeit, als der Weichselkorridor aus dem Deutschen Reiche herausgerissen wurde. Das Burgenland sollte zum slawischen Korridor werden und die zwar völkisch getrennten, aber sich einander verwandt fühlenden slawischen Völker verbinden. Des weiteren ist kennzeichnend, daß das Burgenland jahrhundertelang im ungarischen Staatsvcrbande (innerhalb der habsburgischen Gesamtherrschaft) stand. Die Siegermächte, die die Grenzen nach dem Weltkriege bestimmten, folgten aber weder der Staatsgrenze noch der Volksgrenze. Sie respektierten weder das Selbstbestimmungsrecht der Völker, noch die Tradition der Stefanskrone. Ein Teil des geschlossenen deutschen Siedlungsgebietes in Westungarn verblieb bei Rumpfungarn, ein anderer Teil tarn zur Tschecho-Slowakei. Den Durgenländern erlaubte man nicht, frei ihr Schicksal zu bestimmen. Andererseits traute man sich auch nicht, einen slawischen Korridor zu schaffen. So kam es zur heutigen Lösung — einer halben. Man kann fragen, wie es denn möglich war, baß gerade das Burgenland, wenigstens zum größeren Teil, österreichisch werden durfte, während doch sonst überall die neuen Grenzen zuungunsten des deutschen Volkes gezogen wurden. Die Antwort kann nur lauten: Ungarn sollte noch mehr verkleinert werden, überdies hatten die Machthaber ein Interesse an einer Verfeindung des deutschen und des ungarischen Volkes und ihrer Staaten. So entstand für beide eine Aufgabe, die zu lösen viel Takt und nüchterne Erkenntnis auf beiden Seilen erfordert. Das Burgenland hat also eine doppelte Grcnzaufgabe, die Wacht gegenüber den Slawen und den Ungarn, mit denen die Deutschen als Gesamtvolk andererseits aber wieder durch gemeinsame europäische Interessen verbunden sind. Diese Aufgabe wurde erschwert durch die nationalen Spannungen im Burgenland und durch die trostlose Verfassung, in der sich dies zerrissene Gebiet bei der llebernahme durch Oesterreich besand (Mangel an Wegen usw.). Die Wirren, die schließlich zur sogenannten Oeden- burgcr Volksabstimmung führten, trugen nicht dazu bei, eine Besserung eintreten zu lassen. Im Gegenteil, durch den Verlust Oeden burgs wurde die Lage noch unerfreulicher. In dem der Republik Oesterreich seit 1920 als selbständiger und gleichberechtigter Bundesstaat angehörenden Teile des Burgenlandes hatte die selbstgewählte Regierung zunächst die Aufgabe, sich durchzuseyen und Ordnung zu schassen. Aus einem abseitigen Grenzlande Ungarns ist nun ein selbständiges Land mit Landtag und Landeshauptmann an der Spitze geworden. Behutsame Maßnahmen auf dem Gebiete der Verwaltung, des Gerichts und des Agrarwesens haben das Land zu seinem eigenen Vorteile allmählich an den Bundesstaat Oesterreich angeglichen. Rein verwaltungstechnisch war das ganze Burgenland von Oesterreich her schwer zu erfassen, fehlte doch eine direkte Eisenbahnverbindung von Oesterreich zum südlichen Burgenlande. Als erstes baute Oesterreich eine solche Bahnlinie. Das Land selbst baute sich Weg e. Man hob die sozialen und kulturellen Verhältnisse. Krankenhäuser entstanden, wirksame soziale Maßnahmen setzten ein. Ramentlich auf dem Gebiete des Schulwesens sind schon jetzt große Erfolge zu verzeichnen. Das österreichische Recht löst langsam das ungarische ab. ohne Altgewohntes gewaltsam zu verdrängen: so gilt zum 'Beispiel heute noch das ungarische Eherecht. Die größten Schwierigkeiten bestehen auf dem Gebiete des Agrarwcsens. Im Durgenlandc sind 80 Prozent des Grundbesitzes in nichtdeutschen, zumeist magyarischen Händen. Die üverwiegende Mehrzahl aller landwirtschaftlichen Betriebe kann sich nicht selbst erhalten, es sind Zwergwirtschasten. Alle neuen Staaten der Rachiriegszcit haben als erstes den gesamten Großgrundbesitz so gut wie entschädigungslos enteignet: das österreichische Burgenland aber befleckte sich nicht durch Maßnahmen dieser Art: die Hände der deutschen Burgenländer haben sich nicht an fremdem Eigentum vergriffen. Andererseits ist es klar, daß im Interesse des Landes eine Lösung der Agrarfrage unvermeidlich ist. Das ist die Aufgabe des nächsten Jahrzehnts. Mil weiser Mäßigung wurde auch die Rationalitätenfrage aus deutschrechtlichem Empfinden heraus gelöst, alle billigen Schulwünsche der Kroaten und der winzigen magyarischen Minderheit sanden eine vorbildliche Lösung, gegen die niemals eine Klage vor der internationalen Oessentlichkeit laut wurde. Die deutsche' Würde blieb gewahrt. Daher dürfen wir auf die burgenländische Leistung stolz sein — soviel auch noch zu tun ist. In zehn Jahren ist ein vorher im Winkel liegendes Land aufgeblüht: gewaltige Kräfte vermochte auch unter ungünstigen äußeren Umständen der Grundsatz freier Selbstverwaltung auszulösen. Taten für Freitag 27. Marz. Sonnenaufgang 6.15 Uhr, Sonnenuntergang 18.47 Uhr. — Mondaufgang 10.06 Uhr, Monduntergang 3.10 Uhr. 1820: der Maler Gerhard von Kügelgen bei Dresden ermordet: — 1845: der Physiker W. K. Röntgen in Lennep geboren; — 1873: der Humorist Marcell Salzer zu St. Johann an der Mur geboren. Zur Eröffnung der Nugverbindung Berlin-München-Mailand-Rom. Am 1. April wird zum erstenmal ein direktes Verkehrsflugzeug von Berlin übet München und Mailand nach Rom starten. — Oben links: Berlin, Brandenburger Tor. — Oben rechts: Mailand, Dom. — Mitte: Das Streckenflugzeug der Lufthansa Roland Ro VIII für 10 Personen. — Unten links: München Rathaus und Frauenkirche. — Unten rechts: Rom, Peterskirche. München Oberheffen. Oer Voranschlag der Stadt Schotten. Schotten, 23. März. In seiner jüngsten Sitzung befaßte sich der Gemeinde rat mit dem Voranschlag für das R j. 1931. Die 1929er Rechnung, auf die sich der neue Voranschlag stützt, schloß mit einem Rechnungsrest von 47 661 Mark ab. Als Betriebskapital wurden 18 000 UH. eingestellt. Die städtischen Gebäude bringen einen Ertrag von 12114 Mk., dazu kommen noch ol8 Mictertrag au» den Schulwohnungen, Rektorwohnung etwa 3000 Mk. An Unterhaltungskosten. Verzinsung und Tilgung der Bauschulden sind 9000 Mk. vorgesehen. Die städtischen Grundstücke tragen etwa 7300 Mk. ein, man hat mit einem niedrigeren Betrag als in den Vorjahren gerechnet. Die Ausgaben haben sich vermindert, da nach der Pensionierung des seitherigen städtischen Arbeiters, Wege- und WiesenwärtcrS diese Stelle nicht mehr beseht worden ist. Der Ertrag aus dcm Etadtwald ist bei den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen um 5000 Mk. geringer und nur mit 9000 Mk. eingestellt. Jagd, Fischerei bringen 1470 Mk. ein, Schäferei 1500 Mk. die Märkte 1200 Mk., denen 1500 Mk. für Prämiierung von Vieh gegenüberstehen Das Wassergeld bringt einen Erlös von 23 000 Mk. Für das städtische Krankenhaus ist ein Sondervoranschlag ausgestellt, der mit je 46 000 Mk. in Einnahmen und Ausgaben sich ausgleicht. Rubrik 22 des Voranschlags, die gesamten Verwaltungskosten, bringt Z4 800 Mk. Unkosten, sachliche und persönliche. Für die össentliche Gcsundheitspslege. Kindergarten, Gemeindeschwester, Badeanstalt sind 3500 Mk. vorgesehen, für Feuerlöschwesen 400 Mk. Die Armen- und Anstaltspflege erfordert einen Aufwand von 8000 Mk. Für das Kapitel Volksund Realschule sind 21 500 Mk. in Ausgabe eingestellt. Für den städtischen Friedhof werden 400 Mark verausgabt, für Unterhaltung der Straßen, Verzinsung der ausgenommencn Kapitalien für Strahenhcrstellung sind 13 000 Mk. vorge- sehen, für Kanalisation 870 Mk. Die Stadt erhebt eine einheitliche Anschluhgebühr von je 5 Mk. Für die Zwecke der Landwirtschaft stehen 4000 Mk. zur Verfügung, für öffentliche Anlagen, Derkehrshe- bung usw. 700 Mk. Ein Kapital von 20 000 Mk. hat die Stadt weitergegeben an Hausbesitzer, die in den letzten Jahren gebaut haben, die Gelder sind von den Betreffenden mit 6 Prozent zu verzinsen und mit 4 Prozent zu tilgen. Für soziale Fürsorge sind 14 000 Mk. vorgesehen, darunter Beträge für die ausgesteuerten Erwerbslosen. An Einnahmen aus den Sondersteuern, Dürgersteuer, VergnügungS-, Hunde-, Filialsteuer hat die Stadt 7500 Mk. zu erwarten. Die Reichssteuerüberweisungen sind um zirka 4500 Mk. zurückgegangen auf 18250 Mk. Im Reservefonds sind 4000 Mk. vorgesehen. Zur Verzinsung der alten Vorkriegsschulden sind 3360 Mk., zur Tilgung 2615 Mk. notwendig. Der Voranschlag wäre weit günstiger, wenn nicht eine Wenigereinnahme und Mehrausgabe von zirka 16 000 Mk. (geringerer Holz-, Graserlös, geringere Reichssteuerüberweisungen, Mehrausgabe für Ausgesteuerte u. a. m.) wieder ausgeglichen werden müßten. Der Ausgleich war nur möglich, da sich fast alle Kapitel des Voranschlags gewisse Abstriche gefallen lassen mußten. Die Umlagen wurden, da nach den gesetzlichen Bestimmungen die Grundsteuer um 6 Prozent und die Gewerbesteuer um 12 Prozent gesenkt werden muh, auf 55 200 Mk., gegen 59 000 Mark im vergangenen Jahr festgesetzt, die Umlagen daher um 3800 Mk. gesenkt. Rach kurzer Aussprache nahm der Gemeinderat den Voranschlag ohne weitere Debatte an. Landkreis Gictzen. r. Allendorf (Lahn), 24. März. Zur Freude der Jugend, wie auch der Erwachsenen, erschien am Freitag hier der Storch, um Quartier zu nehmen. Schon vor etwa 14 Tagen war er zu einem kurzen Besuch hier. Er hat sein altes Rest wieder ausgesucht und neu hergerichtet, so daß auch bald die Störchin ihren Einzug halten kann. Mit ihm ist der Frühling auch in der übrigen Vogelwelt lebendig geworden, und in allen Büschen und Bäumen herrscht nun lebhaftes Gezwitscher. Interessante Beobachtungen kann man alljährlich bei Grohen-Linden, im Kleebuch- und im Lückebachtal machen. Den Anfang .iud>t Gießener Stadttheater. Lscar Wilde: „Lady Windermeres Fä' er" Es würde zu weit gehen, und man würde dem Dichter doch wohl unrecht tun, wollte man einen spitzen Aphorismus des weisen Lichtenberg auf dieses Stück anwenden, der da lautet: „Wovon das HerA nicht voll ist, davon geht der Mund über, habe ich öfters wahr gesunden als den entgegengesetzten Sah." Und wenn ein moderner Kritiker ausdrücklich zu Wildes Schauspielen bemerkt: „Regie und Darsteller müssen verstehen, daß nicht Seelen und Schicksale, sondern Geist und Worte der Inhalt dieser Stücke sind", — so ist das eine Formulierung, die in ihrer Zuspitzung zwar übertrieben scheint, aber dem von Wilde bevorzugten Stil nicht ungeschickt angenähert ist. • Das Schauspiel vom Fächer der Lady Windermere (1892) ist das erste eigentliche Gesellschaftsstück Wildes: ein sonderbares Stück, schwankend zwischen Konversation und Rührseligkeit, zwischen Salonlustspiel und handfestem Reißer. Die französische Technik, die Schule Sardous sind kaum zu verkennen und haben bis heute das Drama auf den Spielplänen sich behaupten lassen, weil es in der Art seines Aufbaus und feiner handlungsmäßigen Verwicklung gewissen, eisern erprobten Gesehen des Theaters gehorcht. • Der Eindruck auf den modernen Zuschauer ist zwiespältig, einzelne Dialogpartien, gewisse technische Handgriffe, ja sogar das zugrundeliegende Spannangsmotiv erscheinen ihm ziemlich verstaubt. Er möchte sich darüber lustig machen und kann sich dennoch eben diesen Handgriffen, dieser Technik, dieser ganz exakt erzeugten Theaterspannung kaum entziehen. Worüber er lächelt, sind ganz andere Dinge: der Wildesche Wih, feine harmlose Frivolität, seine geflissentlich auf den Kopf gestellten Weisheiten und liebenswürdig offenherzigen Bosheiten, seine Bonmots, die gar nicht veraltet sind; jedenfalls wird es immer wieder gern gehört, wenn jemand statt der herkömmlichen Gegenüberstellung „gut und böse" nur die scharfe Unterscheidung zwischen „langweilig und amüsant" für zulässig erklärt. Fhr manchen wird der Gewinn des Abends in solchen kleinen, frechen, unverbindlichen Randbemerkungen bestehen, über Männer, Frauen, Liebe, Klatsch und gute- Gesellschaft, wie sie mit Grazie Lord Darlington zum besten gibt, der etwa von sich selber erklärt, er könne allem widerstehen, ... nur der Versuchung nicht. Aber Wilde wollte doch mehr, er wollte das Drama „eines guten Weibes" schreiben, und wenn man auch nicht weih, wieviel Ironie noch in dieser scheinbar so biederen Formulierung versteckt ist, so läßt sich doch kaum übersehen, mit welcher raffinierten Absichtlichkeit das Stück auf die entscheidende Szene dieses guten Weibes hin komponiert ist... Aus die sehr effektvoll vorbereitete Gegenüberstellung zweier Frauen: einer Mutter mit ihrer Tochter. Die Tochter erkennt sie nicht, wähnt sie früh gestorben. ... die Mutter findet ihr Kind knapp vor der gleichen Situation, welche sie vor langen Jahren in ihr Elend führte. Sie gibt sich nicht zu erkennen, wiewohl fie von der Tochter auf Grund eines falschen Verdachtes gehaßt und beschimpft wird: sie opfert sich, rettet der jungen Frau das fast schon verlorene Glück einer großen Liebe und einer wolkenlosen Ehe. und verschwindet für immer. Rur den Fächer, dessen geschickte Vertauschung im verfänglichsten Augenblick die Katastrophe verhütet —: den erbittet sie sich von der ahnungslosen und schnell versöhnten Tochter als Geschenk und nimmt ihn mit zum Andenken. — Es ist schwierig, in der Inszenierung eine einheitliche Linie zu wahren, das heißt: den Ausgleich zu s.nden zwischen dem kühlen, spöttischen, ironisierenden Konversationsstil, in dem große Partien dieses Schauspieles geschrieben sind. ... und dem Gefühlston. mit dem der eigentliche Konflikt angesponnen wird und ausklingt — zwischen der Gesühlslage der ..Märchen" und des ..Dorian Gray" etwa, die einander sehr entgegengesetzt sind, obwohl sie aus der gleichen Hand hervorgingen. In der von Bäuerle geleiteten Aufführung gelang für unser Empfinden der dritte Akt am besten und einheitlichsten: ein wenig matt und von oberflächlicher Theatralik die große Gesellschaftsfzene des zweiten, während der vierte mit Glück vor einem gefährlichen Abgleiten in peinliche Sentiments bewahrt blieb. - Was die Besetzung angeht, so ist zuvörderst der freundlichen Wiederbegegnung mit Frau Auguste Prasch-Grevenberg zu gedenken, die gestern ihr erstes Gastspiel in dieser Saison absolvierte als Herzogin von Berwick, einer nicht eben großen, aber im Stück wichtigen Rolle, die mit gewinnender Liebenswürdigkeit gespielt und mit gepflegter Konversation gesprochen wurde. Eine feine und abgerundete Leistung bot Hilde Schwend als Lady Windermere: sehr gut wirkte auch Hauer, der mit sympathischer Verhaltenheit. aber nicht ohne Wärme den Lord Windermere gab; die Mrs. Erlynne spielte Maria Koch ganz leicht, ganz gesellschaftlich, ganz auf Salondame es ist schwer, einer solchen Gestalt das große Opfer eines mütterlichen Herzens zu glauben, wie es hier verlangt wird. Bäuerle gab den Lord Darlington: er sprach am echtesten und unverkennbarsten die Sprache Wildes: im ersten Akt zumal, wo dieser Darlington eine überraschende Aehnlichkeit mit jenem Lord Henry Wotton aufweist, dem frivolen Raisonneur aus dem „Dorian Gray". Von den übrigen Mitwirkenden sind Volck, W e f e n e r und Zingel mit einigen hübschen Chargen hervorzuheben. e Es gab viel freundlichen Beifall. hth. ßtochfdiulnadiricbten Professor Dr Hans Rose an der Universität München ist vorn 1 April 1931 ab zum persönlichen ord Professor an der Universität Jena, unter llebcrtragung einer planmäßigen außerordentlichen Prosesjur für Kunstgeschichte ernannt worden. Amtlich wird die Versetzung des ord. Professors Dr. Franz Gutmann von der Universität B r e s • kaum gleicher Eigenschaft an die Universität (Böttingen bestätigt; ihm wurde der Lehrstuhl der wirtschaftlichen Staatswissenschaften in Göttingen an Stelle von Geh. K. Oldenberg übertragen. Oie Zeit vergeht... Don Hans Siemsen Wenn man aus Frankreich nach Deutschland zurückkommt, dann kommt man nicht nur aus Frankreich nach Deutschland, sondern auch aus der westeuropäischen in die mitteleuropäische Zeit. Richt alle Menjchcn in Europa haben dieselbe Tageszeit. Wenn dem Pariser die Sonne noch scheint, bann ist sie in Berlin schon untergegangen. So groß ist immerhin doch die kleine, kleine Erde Wir müssen an der Grenze zwischen Frankreich und Deutschland unsere Uhr anders stellen. Eben war es noch elf Uhr vormittags, jetzt ist es schon zwölf Uhr mittags Wir haben eine Stunde verloren — oder gewonnen, wie man will. Die Zeit hat sich plötzlich geändert. Aber für jeden von uns bedeutet diese Aenderung der Zeit etwas ganz anderes. Der müde Geschäftsreisende, der gar nicht schnell genug nach Hause zu Frau und Stinbern kommen kann, hatte sich ausgerechnet: „Um neun Uhr fahre ich ab, um fünf Uhr bin ich zu Hause Acht Stunden bin ich unterwegs." Run ist cs plötzlich statt elf schon zwölf Uhr. Er hat eine ganze Stunde gewonnen, er ist eine ganze Stunde eher zu Hause. Aber das Liebespaar ihm gegenüber, das im geheimen liebt und reift, das sich trennen muß, wenn es am Ziele ankommt, das arme Liebespaar hat eine ganze Stunde verloren. Bisher war cs elf Uhr, jetzt ist es zwölf Uhr. Eine ganze Stunde eher, als sie gedacht hatten, müssen sie sich trennen. Eine Stunde verloren — eine Stunde gewonnen? Die Zeit ist gar nichts. Die Stunde ist gar nichts. Es kommt nur darauf an, ob man glücklich ist oder nicht Eine Stunde kann endlos lang fein. Und eine Stunde kann vergehen, so rasch wie eine Minute vergeht. Aber leider, leider find für jeden Menschen nur die glücklichen Stunden viel zu kurz. Alle andere» Stunden sind viel zu Ian£ <,xs v>ayr die 2R e i | e, die Spiy die Schar. Dieses Jahr wurde sie schon am 10. Januar gehört. So zeitig, wie cs bisher noch selten fest- gestellt wurde, ließ sich dieses Jahr auch die Schwarzamsel hören. Am 27. Januar war es, im Pfarrgarten zu Großen-Linden, nachmittags in der Dämmerung, nur für einige Minuten, desgleichen am nächsten Tag und eine Woche später noch einmal. Dann kamen kalte Tage, und wochenlang war sie wieder still. Im vollen Singen ist sie erst mit dem Warmwetterumschlag. Am 21. März war sie dann auch in der Morgendämmerung zum erstenmal zu hören. Sehr früh, es ist noch fast dunkel, beginnt sie. Der Buchfink hebt in der Regel in denselben Tagen im Vorfrühling mit der Schwarzamsel mit seinem immer gleichlautenden Zwitschern an; dieses Jahr wurde cs 27. Februar. Am 28. Februar wurde die erste Lerche gehört, an einem sehr rauhen, windigen Tag mit Regenschauern. Die Goldammer rief am 4. März zum erstenmal ihr zartes „ich hab' dich lieb". Richt vergessen sei der muntere Zaunkönig. Er ist ja Wintersänger. Zwei Jahre nacheinander war er bei mildem 'Detter an Weihnachten zu hören, dieses Jahr erst Ende Februar. 0 Kesselbach, 24. März. Die Spar- und Dorschußkasse Kesselbach hielt am Samstag ihre Generalversammlung ab. Direktor Schmidt gedachte zunächst der im letzten Jahre Verstorbenen. Sodann wurde der Geschäftsbericht des Vorstandes vorgetragen. Die Bilanzsumme hat sich von rund 629 000 auf 706 000 Mark erhöht. Die offenen Reserven stiegen von 11 000 auf 13 000 und die Geschäftsanteile von 24 000 auf 26 000 Mark. Die gesamte Haftsumme erhöhte sich auf 282 000 Mark; die Mitaliederzahl beträgt 279. Die Spareinlagen erhöhten sich ebenfalls und sind auf 352 726,50 Mark angewachsen, die sich auf 475 Bücher verteilen. An aufgewertcten Sparbüchern sind noch 183 440 Mark vorhanden. Für alte und bedürftige Sparer wurden 12 000 Mark zurückbezahlt. Im Kontokorrent sind 281 000 Mark ausgeliehen, auf Schuldscheine 56 600 Mark, gegen Hypotheken 160 000 Mark. An Kasse-, Postscheck- und Bankguthaben waren 30 000 Mark vorhanden, Diskontwechsel 24 000 Mark. Das Wertpapierkonto erscheint mit 23 000 Mark in der Bilanz. Der Reingewinn ist mit 4011 Mark ausgewiesen, cs gelangen 10 v. H. Dividende zur Verteilung; 2500 Mark werden an die Reserven überwiesen. Die ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Ludwig Schöneweiß II., Peter Becker und Wilhelm Werner wurden wiedergewählt; für die durch Tod ausgeschiedenen wurden Wilhelm Dietz II. und Leonh. W i n h a u e r neugewählt. 4-' Grünberg, 24. März. Der hiesige Pferde-Versicherungsverein hielt am Sonntag in der Gastwirtschaft Adolf Repp Witwe unter dem Vorsitz seines Direktors Karl Schäfer l. seine 54. ordentliche Mitgliederversammlung ab. Rach dem Geschäftsbericht beträgt die Mitgliederzahl 563, gegen 570 zu Anfang des Vereinsjahres, da 44 Austritten nur 37 Reueintritte gegenüberstehen. Die meisten Abgänge erlitt der Verein im Ebsdorser Grund, da sich dort für den Kreis Marburg eine eigene Kosse gebildet hat. Versichert waren im ersten Halbjahr 830 Pferde mit einer Summe von 506 200 Mark, im zweiten Halbjahr 836 Pferde mit 513 350 Mk. Entschädigungen wurden für 60 Pferde gezahlt mit einem Betrag von 18 549,50 Mark (in 1929 : 40 Pferde mit 15 710 Mark). Der von der vorjährigen Mitgliederversammlung ermäßigte Prämienfoh mit 1,5 v. H. wurde nur im ersten Halbjahr erhoben, im zweiten Halbjahr wurde wieder der alte Sah mit 2 v. H. kassiert. Bei einer Gesamteinnahme von 20 310,70 Mark und einer Gesamtausgabe von 21 953,45 Mark ergab sich ein Fehlbetrag von 1642,75 Mark, der aus dem 11767,75 Mark betragenden Reservefonds gedeckt wurde, wodurch dieser auf 10 125 Mark zurückging. Rückständige Beiträge wies die Rechnung noch 1378,50 Kreuzweg der Liebe. Roman von Paul Grabein Urheberrechtsschuh: Romandienst „Digo", Berlin W 30. 10. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Alfred Drenck sah ihrer Miene an, was in ihr vvrging, und eifrig suchte er weiter in sie zu dringen. „Siehst du, Ursel, du fühlst es ja selber, du bist es dir geradezu schuldig: du mußt hier aushalten auf deinem exponierten Posten, du mußt kämpfen und durchkommen! Aber — und siehst du, das ist heute bei mir beschlossene Sache geworden — du sollst nicht allein stehen in diesem Kampfe: Ich will an Deine Seite treten!" „Wie meinst du das?" Ursula senkte die Lider. Eine geheime Angst schlich ihr in die Seele. Sie konnte ja eigentlich nicht mehr zweifeln: sein Benehmen vorhin und jetzt dieser Entschluß — es geschah ja alles nur um ihretwillen. Er — sie dachte die Schlußfolgerung nicht zu Ende. Mein Gott, es konnte — es durfte ja nie sein! Gewiß, sie war ja wieder frei, sie hätte ihre Hand geben können, wem sie wollte; aber sie konnte nicht, sie wollte nicht — jeht, wo noch all das furchtbar Schmerzliche so frisch in ihr war. Und nun gar ihm, der bei den schrecklichen ihr unvergeßlichen Vorgängen so eng beteiligt war, ihm — den die Leute ja gerade insgeheim für den Urheber der ganzen Affäre hielten. Wenn sie seine Hand annähme, so hätten ja die Klatschmäuler recht bekommen. Dann wäre es ja für sie klar bewiesen, daß zwischen Fred und ihr heimlich etwas gespielt hatte, was Jörg zur Aufhebung ihrer Verlobung gezwungen hatte. Ursula sprang auf; ihre Hände entzogen sich heftig dem Griffe Freds. „Rein, nein, Fred! Riemals! Was du denkst, ist ganz unmöglich!" Und eilends, um jedem Einwand von seiner Seite vorzubeugen, stürzte sie aus dem Zimmer, wo Fred oetroffcn zurückblieb. Seine eben noch so frohe Miene verdüsterte sich. Wie hatte da vorhin alles so glatt und hoffnungshell vor ihm gelegen — warum nun das? 8. Kapitel. „Ra, mein lieber Herr Drenck, nun lassen Sie mir aber doch nicht gleich den Kopf ganz hängen. Dazu liegt doch wahrhaftig kein Grund vor. Wenn's freilich auch mit dem Flieger-Beruf vorbei ist, es läßt sich doch auch so noch leben. Ra, und Sie werden sich sonst ja schon wieder raus- mustern, wenn Sie, namentlich die nächste Zeit, recht vorsichtig leben. Ihre Konstitution ist ja gottlob vortrefflich, und —" „Lassen Sie nur, Herr Doktor." Mit einem Mark aus, oas ausgewertete 'Vermögen oclrägt 2256,53 Mark. Dem Rechner Wilhelm Heinz - mann wurde Entlastung erteilt. Die ausfcheiden- den Vorstandsmitglieder Karl Hofmann II., stellvertretender Direktor, sowie die Herren Heinrich S ch u d t II. (Wetterfeld), Theodor O l e m o h (Londorf) und Ernst Kray I. (Rieder-Ohmen) wurden durch Zuruf wiedergewählt. Ebenso wurden als Schiedsrichter für 1931 die Herren Georg Serth II. (Ettingshausen), Theodor Schlag (Hausen), Heinrich Haas I. (Burkhardsfelden) schwachen Lächeln wehrte Alfred Drenck ab. „Ich I weiß, Sie meinen es gut; aber im Moment — Sie I verstehen!" „Gewiß, gewiß, Sie müssen sich erst an den Gedanken gewöhnen. So was muß man allein mit sich ausmachen. Ra, Sie sind ja ein Mann von Energie — nicht wahr? — Sie werden sich schon durchbeißen." Drenck machte eine müde, gleichgültige Handbewegung: „Ra, ich verlass' mich auf Sie. Und morgen komm' ich wieder, da reden wir weiter über Ihre Zukunft, nicht wahr? Da werden Sie die ganze Sache schon weit ruhiger anschn." Der Arzt schüttelte ihm teilnehmend die Rechte, die Drenck ihm schlaff überließ; dann ging er aus dem Zimmer. Regungslos blieb Drenck in seinem Lehnstuhl am Fenster sitzen, den Kopf müde zur Seite geneigt, mit geschlossenen Augen. So durchdachte er noch einmal die letzte Viertelstunde — diese kurze Spanne Zeit, die ihm eben sein Vernichtungsurteil gebracht hatte. Wie so wenige Minuten im Herzen drinnen alles starr und kalt machen konnten! Vorhin, wo der Doktor ins Zimmer getreten war, da grünte noch alles in freudigem Hoffnungsdrang der Zukunft entgegen. Lachend hatte er den Arzt empfangen, mit einem übermütigen Scherz; die kleine Verstimmung letzthin über Ursulas Ausweichen war ja längst wieder verflogen. Er mußte der Ursula eben ein bißchen Zeit lassen, sich in die neue Lage hineinzufinden; aber ihm war nicht bange, er würde sie sich schon erringen. Herrgott! Cs steckte ja doch schließlich im innersten Kern bei ihr die lebensfrohe, sprudelnde Ursel drinnen, die ihm so innerlich verwandt war, die sich schon wieder zu ihm finden würde, wenn nur erst das andere ganz überwunden und vergessen war. Und wenn sic sich jetzt auch noch sträubte, der Leute wegen, das gab sich schon noch — er war nicht bange! Dieser frohen Hoffnung voll hatte er den Arzt empfangen, der ja eigentlich nur noch pro forma zu ihm kam und heute seinen letzten Besuch machen wollte. Lachenden Mundes hatte er ihm zugeruscn: „In drei Wochen, Herr Doktor, quetsche ich nicht mehr den Lehnstuhl, da sitz' ich wieder am Steuer!" Aber der Doktor war auf diesen Ton nicht ein» gegangen. Langsam hatte er abgelegt, sich umständlich einen Stuhl herangerückt und dann mit ernster Miene angcfangen. Er würde diese einleitenden Worte nie vergessen, die ihn trotz oll ihrer vorsichtigen Gewundenheit doch alsbald nie- dcrgeschmettert hatten: „Mein lieber Herr Drenck. Sie sind nun so weit wiederhergestcllt, daß wir man ein ernsthaftes Wort miteinander reden können. Das heißt — na, nun erschrecken Sie nur nicht gleich! — Es ist ja nichts Schlimmes, nur — Ihre Zukunft wird sich doch nicht ganz so gestalten können, wie Sie glauben." und Friedrich Berg (Rceder-Ohmen) wiedergewählt. — Der Motorsportklub Grün- berg-Laubach, Ortsgru pe des ADAC., veranstaltete am Sonntag seine diesjährige Anfahrt. Diese führte über Ulrichstein nach Lapterbach und wies eine Beieiligung von 20 Fahrzeugen — 13 Autos und 7 Motorräder — auf. Gegen Abend kehrte der Verein zurück und veranstaltete eine gelungene Ausfahrt auf dem Marktplatz, die eine Menge Schaulustiger anlockte. Und dann war es gekommen, nach ein paar weiteren beschwichtigenden Redensarten, das furchtbare Wort, das allem ein Ede gemacht hotte: „Ihre Lunge hat einen kleinen Knacks weg. Sie können zwar, wenn Sie immer recht vernünftig leben, alt dabei werden, eine ernste Gefahr besteht also keineswegs, aber an Fliegen ist nicht mehr zu denken. Darüber dürfen Sie sich keiner Täuschung mehr hingeben." Dies Wort hatte ihn so zu-Boden geschmettert, in völliger innerer Zerbrochenheit, daß er kaum noch gehört hatte, was alles der Doktor hinterher noch redete von einem längeren Aufenthalt im Hochgebirge, in einem Sanatorium, wo er sich sicherlich so weit wieder ganz Herstellen würde, daß er nachher einen anderen, weniger anstrengenden Beruf mit gesunder Lebensweise, vielleicht als Landwirt, werde ergreifen können. Was sollte ihm das olles auch noch? Mit dem Flieger war cs aus — für immer! Das war fein Beruf gewesen, sein wirklicher, sein einziger, zu dem es ihn seit Kindesbeinen gedrängt, den er mit glühendem Herzen umfaßt hatte. Run er den verlieren sollte, was wollte er da überhaupt noch auf der Welt? Run war es das richtigste, er machte diesem elenden, verpfuschten Dasein überhaupt ein Ende! Mit starren, großen Augen blickte Drenck hinaus ins Leere. Er sah nicht, wie draußen, im grauen, naßkalten Tag der feine Regen hernieder rieselte, er beobachtete nicht, wie ihm die Decke von den Knien geglitten war und ein Frösteln die Glieder heraufschlich — er dachte und enrpfand nur immer eines: Es war aus, alles aus. Auch wie nun die Tür hinter ihm aufging, hörte er es nicht. Ursula war eingetreten und blieb nun am Eingang stehen, einen Moment mit tiefstem Müttid angstvoll nach dem Einsamen spähend Der Arzt hatte da draußen auch eben ihr und dem Vater dieselbe Eröffnung gemocht, und cs war kaum minder furchtbar in ihre Seele gefahren. Fred bernfsunfähig — zeitlebens ein siecher, schonungsbedürftiger Mann. Und das um ihretwillen, durch ihre Schuld! Cs war ja nicht auszudenken! In furchtbarer Betäubung erstarrt, hatte sie draußen eine Weile gestanden; dann war sie hin- ausgegangen, hierher — wie mechanisch. Ein instinktives Gefühl trieb sie zu ihm, dem sie das angetan, daß er wenigstens in dieser schwersten Stunde seines Lebens nicht allein war. Cs war ihr: sie gehörte nun zu ihm, unlöslich; ihre Schuld zwang sie zu ihm hin. Ihr Leben gehörte nun nicht mehr ihr, sondern nur ihm, der es sich mit dem Opfer feiner Gesundheit und seines Berufes erkauft hatte. Wie sie jetzt aber bei ihm war und den Rieder- gebrochenen so hoffnungslos vor sich hinstarren lab, packte sie eine furchtbare Angst. Ihr Schuldgefühl drohte sie zu ersticken. Wenn er sie nun onsehen würde mit einem stummen Blick des Vorwurfs: Da, sieh her, was Du aus mir gemacht hast! Hier, dein Werk! Dreijährige Fohlen (Ardcitsschlöge): 1.D. Wagner II., Kirchgöns (Fuchswallach); 2. K. Geb- Hard, Ziegenberg (Fuchsstute); 3. O. Rinn, Utphe (Fuchsstute); 4. D. Bender, Hofgut Griedel (brauner Wallach). Zweijährige Fohlen: (Arbeitsschläge): 1. PH. Schultheiß l., Echzell (Fuchsstute); 2. W. Ehr. Houb, Nieder-Weisel (Fuchsstute); 3. D. Hecker, Schmalbach (Fuchswalloch); 4. Bürgermeister Müller, Bellersheim (brauner Wallach) Zucht st Uten mit Saugfohlen (Arbeitsschläge): 1. H. Dreut II., Griedel (Fuchsstute mit zwei Nachkommen); 2. A. Hofmann, Langsdorf (Fuchsstute mit zwei Nachkommen); 3. H. Wallbott XII., Garbenteich (Fuchsstute mit zwei Saugfohlen); 4. O. Rinn, Utphe (Fuchsstute mit zwei Nachkommen). Zuchtstuten (tragend): 1. I. Wild, Rockenberg (braune Stute); 1. R. Becker, Trais-Horloff (Fuchsstute); 2. W. Reuhl, Ober-Hörgern (Kohlfuchsstute); 3. I. Krausgrill VIII., Nieder-Weisel (Fuchsstute); 4. A. Hofmann, Langsdorf (Fuchsstute); 5. F. Schmidt, Birklar (Rappstute). Reitpferde (unter dem Reiter gezeigt): 1. H. Müller XL, Ober-Hörgern (braune Stute); 1. Frau Dr. Pauli, Gießen (Rappwallach); 2. K. Pfannmüller, Dorf-Gill (braune Stute); 3. K. Pfannmüller, Dors-Gill (braune Fuchsstute). Wagenschläge (paarweise^ I. Kaufmann, Nieder-Weisel (braune Stuten); 2. Gebr. Isenberg, Gießen (Fuchsstuten). Arbeitsschläge (leichte, paarweise): 1. A. Frensdorf, Gießen (braune Stuten); 2. I. Kaufmann, Nieder-Weisel(Fuchsstuten); 3. A. Frensdorf, Gießen (braune Stuten); 4. Gebr. Isenberg, Gießen (Fuchsftuten). Leichte Arbeitsschläge (einzeln): 1. M. Bing, Lich (braune Stute); 2. A. Frensdorf, Gießen (Fuchsstute); 3. 21. Frensdorf, Gießen (br. Stute), 4. I. Kaufmann, Nieder-Weisel (Fuchsstute). Leichte Arbeitsschläge (einzeln): 1.H. Hoffmann, Bergermühle (braune Stute); 2. P. Hoffmann, Hof-Güll (Rappstute); 3. K. Pfannmüller, Dorf-Gill (braune Stute); 3. P. Hoffmann, Hof- Güll (Rappstute); 4. K. Becker V., Muschenheim (braune Stute); 4. H. Müller XL, Ober-Hörgern (braune Stute); 4. K. Bopf, Lang-Göns (braune Stute). Leichte Arbeitsschläge (paarweise): 1. G. Weber, Ober-Hörgern (braune Stuten); P. Hoffmann, Hof-Güll (Rappstuten); 3. O. W. Velten, Lang-Göns (braune und Rappftute); Anerkennungen erhielten K. Pfannmüller, Dorf-Gill und W. Bingel, ©rüningen. Dreijährige Fohlen (W a g e n s ch lä g e)r 1. O. W. Vellen, Lang-Göns (Rappstute); 1. Ad. Sauerbier, Butzbach (Rappstute); 3. E. Walther, Langsdorf (braune Stute). Die Silberplakette des Warmblutzüchterverbandes erhielt G. Weber, Ober- Hörgern, die Bronzeplakette D. Bender, Hofgut Griedel. Zweijährige Fohlen (Wagenschläge): 1. Preis und Silberplakette K. Burk, Trais-Münzen- berg (braune Stute); 2. Preis und Bronzeplakette E. Straßheim, Griedel (braune Stute); 2. H. Hoffmann, Bergermühle (braune Stute); 4. O. W. Velten, Lang-Göns (braune Stute). Zucht st uten mit Saugfohlen (Wagenschläge): 1. Preis und Silberplakette E. Straßheim, Griedel (braune $itute mit drei Nachkommen); 2. Preis und Bronzeplakette K. Pfannmüller, Dorf-Gill (braune Stute mit Saugfohlen); 3. G. H. Bender, Dorf-Gill (dunkelbraune Stute mit drei Nachkommen); 3. W. Bingel, Grüningcn (Rappstute mit zwei Nachkommen). Zuchtstuten (tragend): 1. E. Straßheim, Griedel (braune Stute); 2. Preis und Bronzeplakette K. Bopf II., Lang-Göns (braune Stute); 2. Preis und Bronzeplakette H. Fenchel, Griedel (Rappstute); 3. Preis und Bronzeplakette H. Hoffmann, Berger- mühle (braune Stute). Anerkennungen erhielten H. Düringer, Gambach und Ad. Sauerbier, Butzbach. Großer Gott! Sie ertrug es ja nicht, älnd plötzlich lag sie ihm zu Füßen, vergrub den Kopf in seinen Knien und schrie wild auf: „Vergib mir! Vergib mir!" Erschrocken fuhr Drenck auf. Die fast Besinnungslose da vor ihm, ihr erschütternder Aufschrei — cs entriß ihn feiner Starrheit und führte ihni wieder ins Leben zurück. Da sah cr's, fühlte cr's: da war noch eine, zertreten und verzweifelt wie er; ja. sogar noch elender, denn sie heischte noch Hilfe von ihm, dem Armseligen, der nichts mehr zu besitzen meinte. Das war ihm plötzlich wie eine Offenbarung: Er hatte noch etwas zu vergeben, so konnte er doch nicht so ganz unnütz auf dieser Welt sein, ilnD wenn er nur noch lebte, um dieser Aermsten da die Ruhe wiederzugebcn — cs war doch ein Ziel, ein Zweck seines Daseins. Ein gütiges Empfinden begann ihn plötzlich von innen her zu erwärmen. Ihm war, als käme in dieser Stunde tiefsten älnglücks eine heilige, hohe Weihe über ihn, die ihn erhob und stärkte. Seine Hände legten sich ihr leise aufs Haupt, wie mit einem stummen Gelübde, daß sie nicht umsonst als Hilfeflehende zu ihm gekommen sein sollte, daß er sie schirmen und stützen wolle. älrsula verstand ihn, und im übermäßigen Drange ihres Herzens ergriff sie plötzlich seine Hände und preßte ihre schluchzenden Lippen darauf, ihre heißen Tränen brannten auf seiner Haut. Fred zuckte zusammen unter dieser Berührung. Wie eine heiße Welle schoß es ihm von den Händen zum Herzen hin. Ein Wunder geschah ihm von den Küssen dieser heißen, jungen Lippen. Ein machtvoller Drang zum Leben kam über ihn. Er blickte auf ilrfula herab, auf ihre schlanke Gestalt, die selbstvergessen da vor ihm lag, an ihn gepreßt, daß ihre im leisen Schluchzen zitternde Brust seine Knie preßte; er beugte sich über sie, immer tiefer, daß der feine Duft ihres dunklen, schönen Haares ihn umwehte, und da fühlte er cs plötzlich: Richt bloß um ihretwillen möchte er leben. Rein, cs gab doch auch noch etwas, das er für sich selbst ersehnte und wünschte, das ihm dies verpfuschte Dasein doch noch erträglich, ja sogar noch lebenswert machen könnte. Da ergriff er ihren Kopf, richtete ihn zu sich auf und bat leise, mit zitternden Lippen: „Ursel, wir gehören nun zusammen. Bleib bei mir, immer — hilf mit das Leben ertragen!" Das Mädchen erschrak nicht, es überraschte sie nicht. Es war ihr in diesem Augenblick, als ob das ganz selbstverständlich hatte so kommen müssen. Sie war ja selber ganz beherrscht von dem Gefühl, daß sie zu ihm gehöre, daß sie ihm ihr Geben weihen müsse als seine Pflegerin, seine Trösterin, in unekii üblicher selbstlos r H ngabe. Kein anderes Empfinden hatte in dieser Stunde sonst noch in ihrer Seele Raum. Für sich selbst erhoffte und erwünschte sie ja nichts mehr. Rur gutmachen können, was sie gefehlt, durch ein ganzes Leben voller Aufopferungen, es was alles, was sie vom Schicksal verlangte. So gab sie Fred Drenck ihr Ja. (Fortsetzung folgt.) Iubiläums-pfer-emarkt in Gießen. Der Gießener Pferdemarkt, der gestern morgen auf dem Platz an der Rod- hcimer Straße abgehalten wurde, war — wie wir bereits gestern in einem Teil der Auslage berichteten — ein großer Erfolg. Aus Rah und Fern kam die Landbevölkerung nach Gießen, und bereits um 8 älhr herrschte auf dem Platze lebhafter Betrieb. Auch die Stadtbevölkerung nahm starken Anteil und verfolgte mit großem Interesse die Vorführungen, die zum Zwecke der Prämiierung stattfanden. Der Pferdemarkt war durch das Wetter besonders begünstigt. Die Vorbereitungen waren mit aller Sorgfalt getroffen, so daß sich alles reibungslos abwickc.te. Die Kapelle Weller trug mit ihren schneidigen Darbietungen zur Unterhaltung bei. Das vorgeführte Pferdematerial war fast durchweg von sehr guter Qualität. Insbesondere fiel auf, daß die oberhessischcn Landwirte mit ihren Arbeitspferden eigener Zucht sehr stark vertreten waren und mit 38 Tieren, das ist bedeutend mehr als auf früheren Pferdemärkten, zur Prämiierung in der Klasse der schweren Arbeitspferde gemeldet hatten. Der Auftrieb betrug insgesamt 272 Pferde und 28 Fohlen. Der Handel stand im Zeichen der Geldknappheit und vollzog sich sehr schleppend. Die Preise der Tiere hatten gegenüber früher keine Aenderung, insbesondere keine Herabsetzung erfahren. Für schwere Tiere bester Klasse wurden 1200 Mark und darüber bezahlt. Mittlere Pferde wurden mit 700 bis 800 Mark gehandelt, leichte Tiere kosteten 400 bis 500 Mark. Pferde geringerer Qualität wurden mit 300 bis 400 Mark verlauft. Von den aufgetriebenen Tieren wurden viele unverkauft wieder abtransportiert. Glänzendes Pferdematerial. — Der Merbeumzug. Die Preisrichter hatten bei der Fülle des vor- geführtcn Materials fein leichtes Amt. Der ganze Vormittag war mit der Prämiierung in Anspruch genommen. Zur Verteilung gelangten eine große Anzahl von Geldpreisen in der Gesamtsumme von 1975 Mark. Außerdem gelangten als Ehrenpreise eine Reihe von Plaketten in Silber und Bronze in prächtiger künstlerischer Ausführung durch den Warmblutzüchterverband in Hessen zur Verteilung. Die Gespanne wurden ebenfalls mit Ehrenpreisen bedacht. Die Prämiierungskommission bestand aus den Herren: Oekonomierat K. Müller, Reuhof bei Gießen, Landstallmeister a. D., Oberstleutnant S ch ö r k e, Darmstadt, Oekonomic- rat Breidenbach, Dorheim, Rittmeister a. D. Leipold, Manzenberg, Oekonomierat K o r e 11, Angenrod, Gutspächtcr Weih, Hof Graß bei Hungen, Landwirt O. Schneider I.» ältphe, Oberveterinärrat Dr. M o n n a r d, Gießen. Rach der Prämiierung formierte sich der Werbeumzug durch die Stadt, der von vielen Zuschauern mit Spannung erwartet wurde. Die Kapelle Weller eröffnete den Zug, Mitglieder des hiesigen Reit -und Fahrvereins folgten zu Pferde, und dann kamen die Gespanne in schmucker, sauberer Aufmachung. Hiesige Geschäftsleute hatten ihre Wagen, bespannt mit schönen Pferden, zur Verfügung gestellt, einige Landwirte beteiligten sich mit ihren Fuhrwerken, schließlich hatte auch die Reichswehr drei Wagen mitfahren lassen, so daß sich ein stattlicher Zug ergab. In den Straßen, durch die sich der Zug bewegte, herrschte reges Leben, und auf dem Drandplatz, dem Zielpunkt der Werbefahrt, hatten sich viele Gießener eingefunden. Stadtratsmitglied S ch w i e d e r, als Mitglied der Pferde- marktkommission und Vorsitzender des Verkehrsund Derfchönerungsvereins hielt eine kurze Ansprache. Er wies u. a. auf die Entwicklung Der Pferdezucht in Oberhessen hin und betonte, daß man heute bereits so weit in der Pferdezucht vorangekommen sei, daß man es getrost mit den Belgiern, den Oldenburgern und Hannoveranern aufnehmen könne. Der jetzige Gießener Pferdemarkt habe gezeigt, daß man mit berechtigten Hoffnungen in die Zukunft sehen könne, und zugleich habe er bewiesen, daß der Markt sich in weitem ilmfreife der Stadt aller Beliebtheit erfreue. Er dankte sodann all Denen, Die durch ihre älnterstützung dazu bei getragen haben, daß die Pferdezucht in Oberhesfen einen so großen Aufschwung nehmen konnte, dankte weiter jenen, die durch ihre Mitarbeit zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben, insbesondere aber der Prämiierungskommission, an deren Spitze Oekonomierat Müller (Reuhof) seit vielen Jahren wirkt. Mit einem dreifachen Hoch auf die oberhessische Pferdezucht und ihre weitere Entwicklung, sowie auf den Gießener Pferdemarkt, fand die 3ubi- läumsveranstaltung ihr Ende. Oie Ergebnisse -er Prämiierung: Arbeitsschläge (paarwe i s e): 2.21. Frensdorf, Gießen (Fuchsstuten); 3. I. Kaufmann, Nieder-Weisel (Fuchsstute und Wallach). Schwere Arbeitsschläge (einzeln): 2. A. Frensdorf, Gießen (Fuchsstute); 2. S. Michel, Gießen (Fuchsstute); 3. I. Kaufmann. Nieder-Weisel (Fuchswallach); 4. 21. Frensdorf, Gießen (Fuchsstute). Schwere Arbeitsschläge (einzeln): 1. W. Marlosf, Reichelsheim (Fuchsstute); 2. R. Becker, Trais-Horloff (Fuchsstute); 3. H. Dreut II., Griedel (Fuchsftute). Anerkennungen erhielten L. Klein, Wohnbach; 21. Hofmann, Langsdorf; L. Walb, Steinbach; I. Krausgrill, Nieder-Weisel; F. Schmidt, Birklar; A. I. Bill, Nieder-Weisel; Bürgermeister Müller, Bellersheim; E. Bausch, Langsdorf und G. Kißler, Nieder-Weisel. Schwere Arbeitsschläge (paarweise): 1. R. Becker, Trais-Horloff (Fuchsstuten); 1. W. Marlosf, Reichelsheim (Fuchsftuten); 2. H. Dreut II., Griedel (Fuchsftuten); 3. I. Wild, Rockenberg (braune Stute). Arbeit-, ' mit 35OÖ ®*VJS Ä dem A,:. KZD »L "“HÄ)?'3-«- «N- i), '* 6> Mr. ’•1 @ebr- Äsenberg, NHn W 1. r?®?a ylte: k a 'Lber.hörgeril L Äang-Töns (braune *a,{e lpaarweise); "(braune Stuten); P. ^SO.W.^n, oppftute); SInertennun« "er, Lors-Till und ffi. n (Wagenschläoe), •ns (Rappstute); 1. Ld 'pstu(e); 3. E. Walther, Die Tilbcrplaketle des erhielt 0. Weber, Ober- eite 2. Bender, hofgul !" (Wagenschläge): K. Burk, Trais-Münzen. reis und Branzeplakette inne Stute); 2. j). hass, le Stute); 4. D. ®. Bel- tute). augsahlen (Wagen, erplateile E. Straßheim, t drei Nachkommen); 2. L Psannmüller, LorjM hlen); 3. G. h. Bender, tute mit drei Nachkom- gen (ftappftute mit zwei nbY 1. E. SKatzheim, hreis und Branzeplakette braune Stute); 2. Preis chel, Eriedel (Rappstute); te J). Hoffmann, Sergen erfennungen ertjiellen f). !ld. Sauerbier, Zutzboch. j es ja nicht, ^nd W-' i vergrub den Raps in Mild aus: »Vergib mir! i auf. Die B erschütternder »- Starrheit und führte Ja fah cr^We nb- nundverMMVie . nn sie heischte mch M i der nichts mehr zu be- n plötzlich wie eine öffen« i» A nz unnütz auf diescrM "U » »»* Btz 8**Ää«*S LLK i* * -n**. übermähigen ’ U?ff £ BhliH f^e ergriff! njnpin dar^ 14*5 fc«®1 btanrrte« Ehrung, unter sin Dnnde Kn Mn, Iun9'n-Lr ibn. Er 'Leben fonjS M auf ihre ihm lag. an'LA fein« sich über 1«-. a Haares 5 dunileNe^zhlich: Dch. Htcek/T sM ersehe JerftfJSffi Dasem #t« A1“r,i , dav U. fCnic ?MZ.: -MZ SÄ« . SJl.-'fpott AusscheidungSsechten im Turngau Hessen (DT.). In Marburg sand am Sonntag unter Leitung von Gausechtwart Kühn (Friedberg) ein Aus- scheidungssechten für die Altmannen- Klasse statt, das in Auswirkung der wirtschaftlichen Notlage nicht so stark beschickt war wie die letzten Veranstaltungen. Die Leistungen bei den Fechtern standen zurück hinter denen der Dorjahre; sie erreichten kaum den Durchschnitt. Dagegen boten die Waffengänge der Turnerinnen durchweg schönen Sport. Hier zeigte vor allem die Endrunde spannende Gefechte, die gute Schulung verrieten und bewiesen, daß das Frauenfechten auch im Gau Hessen eine Zukunft hat. 3m Flo rett der Iungrnannen kamen fünf der Teilnehmer in die Endrunde, in der sie sich in folgender Rangfolge placierten: 1. Meyer, Tgm. Friedberg; 2. Frankenberger, Tgm. Friedberg; 3. Plaack, T.° u. Spv. Marburg; 4. Eha- tcau, T.- u. Spv. Marburg; 5. Schneider, Tv. 1846 Gießen. Als 6. Sieger wurde noch Marth, Mtv. Gießen nominiert. Die vier Erstgenannten treten in die Altmannen-Klasse über. 3m Säbel der 3ungmannen sah die Endrunde nur drei der Teilnehmer am Start, die in folgender Rangfolge aus dem Kampf hervor- gingen: 1. Verth, Tv. 1860 Dad-Rauhcim; 2. Kühn, T.- u. Spv. Marburg; 3. Kutscher, Tv. 1860 Dad-Rauheim. 3n die Altmannen-Klasse tritt nur der erste Sieger über. Don den 3ungfechterinnen kamen in schönen Florettkämpfen sieben der 13 Dewerberin- nen in die Endrunde, die nach spannendem Verlauf folgende Placierung brachte: 1. Erika Fehn, T v. 1 8 4 6 Gießen; 2. Elisabeth Vrack, Tgm. Friedberg; 3. Friedel Schmidt, T.- u. Spv. Marburg; 4. Gustel Corvinus, Tgm. Friedberg; 5. Marie Krchschmar, M t v. Gießen; 6. Paula Hofmann, M t v. Gießen; 7. Liselotte Hahn, Tv. 1860 Bad-Rauheim. Als 8. Siegerin wurde noch Gretel Otto, Mtv. Gießen, angesprochen. Die Berechtigung zum Liebertritt in die höhere Wettkampftlasse erwarben sich die sechs ersten Siegerinnen. Um die Miltelrheinische Meisterschaft der Turnersechler. Die zweite Gaugruppe des Mittelrheinkreises trug am Samstag und Sonntag in Frankfurt a. M. die Ausscheidungskämpfe im Säbel- und Florettfechten zu den Kreismeisterschaften aus. 3n jeder Fechtart waren 15 Teilnehmer zu ermitteln, die die Gaugruppe bei den in Homburg ftattfindenden Meisterschaftskämpfen zu vertreten haben werden. Rach hartnäckigen, zum Teil recht hochstehenden Kämpfen wurden die Besten ermittelt. An erster Stelle stehen: Säbel: 1. Wenzel, Tgm. Bürgel; 2. Hau, Tgm. Bürgel; 3. Brückner, Tgm. Bürgel. Florett: 1. Oelkers, Tv. Offenbach a. M.; 2. Storck, Tv. Offenbach a. M.; 3. Ludwig, Tgm. Bürgel. Tumer-Städiewettkampf Treysa — Ziegenhain — Alsfeld. Arn Sonntagnachmittag fand in der Alsfelder Turnhalle einTurner-Städtewettlampf der Städte Treysa, Ziegenhain und Alsfeld statt. Der erste Sprecher des Alsfelder Turnvereins, Herr C. Ebeling, hieß alle Teilnehmer herzlich willkommen und wies in seiner Ansprache auf die Bedeutung des Turnsports für ieden einzelnen und für das gesamte deutsche Volk hin. Bürgermeister Dr. D ö l s i n g begrüßte die Gäste aus den Rachbarstädten namens der Stadt Alsfeld mit herzlichen Worten. Bezirks- turnwart Bastian sprach im Auftrag des Mittelrheinkreises und des Gaues Hessen der Deutschen Turnerschaft. Hierauf begannen die Liebungen an den einzelnen Geräten (Pferd, Barren, Reck) und die Freiübungen, bei denen oft hervorragende Leistungen zu beobachten waren. Der stets fesselnde Kampf dauerte etwa drei Stunden und wurde von den zahlreichen Zuschauern mit Begeisterung verfolgt. Das Kampfrichteramt versahen in einwandfreier Weise Kreis- frauenturnwart Hofmann (Kassel) und Be- zirksoberlurnwart Heber le in (Marburg). Sieger des spannenden Kampfes blieb der Turnverein Alsfeld mit 990 Punkten vor Treysa mit 907 und Ziegenhain mit 904 Punkten. Die Siegervcrkündung nahm der Ehrenvorsitzende des Alsfeckrer Turnvereins. Rektor Rudolph, vor. der die siegreich« Mannschaft mit dem schlichten Eichenkranz schmückte. Das Alsfelder 3ugendorchester unter der bewährten Leitung von Oberreallehrer Dotter hatte sich der guten Sache zur Verfügung gestellt und umrahmte die wohlgelungene Veranstaltung mit schwungvollen Weisen. 3n Wetzlar fand ein sehr spannender Kampf statt zwischen Tv. Wetzlar, Tv. Bcrnkastel und Tv. Winningen, den letzterer Verein mit 552 Punkten gewann. Zweiter Sieger wurde Tv. Bernkastel mit 540 Punkten, während Tv. Wetzlar 528 Punkte erreichte. Auszeichnung eines TurnerführerS. Der erste Krcisvertreter des Mittelrheinkreises der Deutschen Turnerschaft. Fabrikant Artur Pfeiffer. Wetzlar, erhielt in Anerkennung seiner Verdienste um die deutsche Jugendpflege vom preußischen Ministerium für Volkswohlsahrt eine Ehrenurkunde. Der Mittelrheinkreis, den Pfeiffer vertritt, umfaßt 23 Gaue mit über 200 000 Turnern. Handball im Labn-Oünsbera Gau Tv. Mendorf I — To. Londorf II 3:1 (3:1). Die Platzmannschaft ging schon in der achten Minute mit einem Tor in Führung. Während Londorfs Angriffe nicht weiter als an die Allendorfer Läuferreihe kommen, konnte Allendorf durch zwei weitere Tore auf 3:0 erhöhen. Kurz vor der Pause gelang es den Gästen, durch einen Fcrnschuß das Ehrentor zu erzielen. Trotz erhöhter Anstrengungen beider Mannschaften nach der Pause bleiben weitere Erfolge versagt. Tv. Allendorf II — Tv. Lollar I 3:2 (0:1). Die Gäste erschienen zu diesem Spiel mit drei Ersatzleuten, vermochten aber trotzdem die erste Hälfte leicht überlegen durchzuführen und die Führung zu übernehmen. Die zweite Hälfte sah den Gall weiter überlegen, ohne erfolgreich zu sein, währenddessen es Allendorf durch einige schnelle Vorstöße gelang, zu drei Toren zu kommen. Erst kurz vor Schluß sieht der Gast seine Anstrengungen durch ein zweites Tor belohnt. Tv. Launsbach l —Tv. Wißmar I 7:1. To. Dorlar 1. Jugend — Ev. Mogg. Klein-Linden I 7:4 (4:1). Mit vier Mann der ersten Mannschaft verstärkt, konnte sich Dorlar am Sonntag für die in Klein-Linden erlittene 4:2-Riederlage revanchieren. Rachdem die Gäste schon in der fünften Minute überraschend in Führung gingen, konnte Dorlar bis zur Pause auf 4:7 erhöhen. Rach dem Wechsel kam der Gast zu zwei weiteren Toren, denen Dorlar ein fünftes entgegensetzte. Ein Strafstoß hilft den Gästen das Resultat auf 5:4 verbessern, Dorlar ging aber schließlich mit 7:4 als verdienter Sieger hervor. (Sportverein 1928 Garbenteich. Der Sportverein Garbenteich hatte zum erstenmal eine Alte-Herren-Mannschaft in das Feld gestellt, die gegen die Alte-Herren-Mannschaft des Sportklubs „Viktoria" Ridda antrat. Die Plahbesiher, das Spiel fand in Garbenteich statt, verloren den Kamps mit 4:2 Toren. Die Gäste waren körperlich und auch in technischer Hinsicht überlegen. Zwischen den beiden Mannschaften entwickelte sich ein sehr faires und interessantes Treffen, das mancher aktiven Mannschaft hätte als Beispiel gelten können. Weniger gefiel der Kampf der ersten Mannschaft gegen Wetterfeld. Die Wetterfelder legten zu Beginn des Kampfes mächtig los, jedoch ging Garbenteich bald in Führung und stand zur Halbzeit mit 3:0 in Front. Rach dem Wechsel nahm das Spiel härtere Formen an und schließlich trennte man sich mit einem Ergebnis von 3:2 für Garbenteich. Schwimmländerkampf Deutschland — Schweiz. Auf der Jahreshauptversammlung des Schweizerischen Schwimmverbandes in Reuenburg wurde neben den nationalen Terminen auch der in der Schweiz stattsindende Länderkampf gegen Deutschland zeitlich festgelegt. Die fünfte Begegnung beider Rationen wird am 30. August in Luzern durchgeführt. Die Landesmeisterschaften wurden für den 9. August nach Gstaad vergeben und am 16. August geht in Arosa der Länderkampf Oesterreich-Schweiz vonstatten. Wirtschaft. • Zwangsversteigerung landwirtschaftlicher Grundstücke in Hessen. Rach den Mitteilungen des Landesstatistischen Amtes wurden im 3ahre 1930 in Hessen 1256 Zwangsversteigerungen landwirtschaftlicher Grundstücke eingeleitet, abgeschlossen wurden 235 Verfahren. 3m Zehre 1929 wurden 642 Zwangs- versteigerungsver jren eröffnet und 137 Verfahren abgeschloßen. Die Fläche der Grundstücke für die Verfahren 1930 umfaßt 247,28 Hektar; für 1929 waren es 144,09 Hektar. • Die preußischen Sparkassen im Februar. Ende Februar betrug der Bestand an Spareinlagen bei den preußischen Sparkassen 6 661,6 Mill. Mk. gegen 6 572,3 Mill. Mk. Ende 3anuar. Der Berichtsmonat weist mithin bei 392,4 Millionen Mark Einzahlungen, darunter 37,6 Millionen Mark Zinsgutschristen und 303,0 Mill. Mark Auszahlungen einen Zuwachs von 89,5 Millionen Mark auf. Die Giro-, Scheck-, Kontokorrent- und Depositen-Einlagen beliefen sich Ende Februar auf 932,7 Mill. Ml. gegen 913,4 Mill. Mark Ende 3anuar. * Darmstädter und Rationalbank, Berlin. 3n der gestrigen Aufsichtsratssitzung wurde der Bericht der persönlich haftenden Gesellschafter über das Geschäftsjahr 1930 vorgelegt. Cs wurde beschlossen, der Generalversammlung vorzuschlagen, von dem sich einschließlich des Vortrages ergebenden Reingewinn von 8 166 022,77 Mark (im Vorjahre 11 799 172,17 Mark) eine Dividende von 8 Prozent (im Vorjahre 12 Prozent) zu verteilen und 3 126 022,77 Mark (im Vorjahre 3 119 172,17 Mark) auf neue Rechnung vorzutragen. * Deutsche Dank- und Disconto- Gesellschaft. Der Aufsichtsrat der Deutschen Dank und Discontv-Desellschaft, Berlin, genehmigte in seiner gestrigen Sitzung den Abschluß zum 31. Dezember 1930. Aus dem Reingewinn einschl. des Vortrages von 2,90 (2,03) Mill. Mk. in Höhe von 20 389 371 (34 182 135) Mk. wird die Verteilung von 6 (10) Prozent Dividende auf 285 Mill. Mk. Aktienkapital vorgeschlagen. Zum Vortrag auf neue Rechnung verbleiben nach Absetzung der Aufsichtsrats-Tantieme von 0,43 (1,29) Mill. Mk. — eine Zuweisung an den Wohlfahrtsfonds (i. D. 1,50 Mill- Mk.) wird nicht vorgenommen — 2 86 (2,90) Mill. Mk. Der Rohgewinn ging auf 207,67 (229,14) Mill. Mk. zurück. 3m neuen Geschäftsjahr waren, wie mit» geteilt wird, die Llmsähe bisher erheblich geringer als in der entsprechenden Vorjahrszeit. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 26. März. Tendenz: zurückhaltend. Die heutige Börse stand unter dem Eindruck des morgigen Ultimo. Dir Spekulation bekundete allgemein starke Zurückhaltung, zumal einerseits keine Orders vorlagen und anderseits keine Abgaben vorgenommen wurden. Vorbörslich konnte man eher eine schwächere Stimmung feststellen, da die Haltung der englischen Regierung hinsichtlich der deutsch-österreichischen Zollunion etwas verstimmte, während auf der anderen Seite der Danatbank-Abschluß recht günstige Kommentare fand und auch innerpolitisch eine weitere Beruhigung sestzustellen war. Das Geschäft war außerordentlich gering, so daß die ersten Kurse nur zögernd zur Rotiz gebracht wurden, aber in der Mehrzahl behauptet blieben. Später wurde die Haltung, vom Elektromarlt ausgehend, an welchem die Kurse erneut eine Befestigung erfuhren, freundlicher, doch wurden die Schlußkurse von gestern nicht erreicht. Am 'Chemiemarkt setzten Farben und Metallgesellschaft 0,5 bzw. 1 Proz. niedriger ein. Dori Kaliwerten Salzdetfurth 2,75 Prozent fester. Durch erneute Kursrückgänge fielen Holzmann mit minus 1,63 Proz. und Wayß & Freytag mit minus 1,5 Proz. auf. Auch Kunstseidewerte lagen bis 1 Proz. niedriger. Bankaktien gehalten. Schiffahrtswerte um den Bruchteil eines Prozents abgeschwächt. Von lokalen Werten eröffneten Frankfurter Maschinen 1 Proz. freundlicher. Am Rentenmarkt lagen deutsche und ausländische Anleihen nur wenig verändert. Der Pfandbriefmarkt lag sehr ruhig. Reichsschuldbuchforderungen neigten zur Schwäche, besonders in den späteren Fälligkeiten. 3m Verlaufe stagnier te das Geschäft fast vollkommen. Der Sah für Tagesgeld blieb auch heute mit 3 Proz. unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1960; gegen Pfunde 20.3875; London gegen Reuyork 4,8588; gegen Paris 124,19; gegen Mailand 92,74; gegen Madrid 45,40; gegen Schweiz 25,25; gegen Holland 12,12. Berliner Börse. Berlin, 26. Marz. Die heutige Börse eröffnete zwar nicht ganz so schwach, wie man vormittags und auch noch an der Borbörse annahm, die ersten Stur|c lagen aber doch noch überwiegend etwas unter gestern. Die Nähe des Ultimo kommt in der Dis Position der Börse stark zum Ausdruck. Einerseits zeigte man wenig Neigung zu Neuengagements, anderseits wurden noch hier und da kleine Neali sationcn vorgcnommen. Das Einschreiten Englands in der Zollunionsfrage verstimmte etwas. Auch von Neuyork konnte keine Anregung ausgehen. Dagegen sand der Danatbank-Abschluß eine recht günstige Be achtung. Die Feststellung eines Mittagsblattes, daß die Gerüchte um die Farbendividende von privater Seite ausgegangen sind (mit der Einführung der I.-G.-Obligationen hat die Verteilung nichts zu tun), trug zur Beruhigung bei. Bon Kunstseidewerten lagen Aku etwas schwächer, aber auch Ehade, Nhei nische Braunkohlen und Wiking-Zement fielen mit größeren Verlusten auf. Ziemlich fest eröffneten Elektrowerte und von sonstigen Spezialwerten noch Feldmühle und Leonhard Tietz. Angeblich bekundete das Ausland für einige Papiere am Elcktromarkt Interesse, doch ist nicht klar ersichtlich, ob cs sich auch hier nicht nur um Käufe zum Ultimo handelt. An leihen wenig verändert. Ausländer ruhig. Mexikaner leicht erholt. Lissaboner Stadtanleihe weiter sest. Pfandbriefe ruhig. Liquidationspfandbriefe eher freundlicher. Reichsschuldbuchforderungen neigten zur Schwäche. Geld etwas anziehend. Tagesgeld 3,5 bis 5,5 v. H. Die übrigen Sätze unverändert. Im Ber laufe wurde das Geschäft nicht wesentlich lebhafter, aber die Kurse erfuhren doch meist Erhöhungen bis von 1 bis 1,5 v. H. Bor allem trug hierzu die inner- politische Beruhigung und Entspannung bei. Unterstützt wurde diese Beruhigung außerdem durch die Auslandarbitrage. Später ließen die Kurse etwas nach, an der freundlichen Grundstimmung änderte sich jedoch nichts. Frankfurter Lchlachtvichmarkt. Frankfurt a. M., 26. März. Auftrieb: 75 Rinder, 1643 Kälber, 212 Schafe, 807 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 62 bis 66 Mk., mittlere Mast- und Saugkälber 56 bis 61, geringe Kälber 48 bis 55. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Mast- hämmel (Wcidemast) 45 bis 48, mittlere Mast- lämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 38 bis 44 Mk. — Marktverkauf: Kälber und Scbafe' mittelmäßig, geräumt. Schweine schleppend, ausverkauft. Briefkasten ber Redaktion. (Nechlsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schnftleitung.) L. R.» wicseck. Das Deutsche Tum- und Sport abzeichen ist eine Auszeichnung des Deutschen Reichs ausschusfes für Leibesübungen. Das Abzeichen (in Bronze) kann durch die Vermittelung jedes Leibesübungen treibenden Vereins erworben werden. Es werden fünf sportliche Leistungen verlangt; z. B. Hochsprung 1,35 m. Laufen WO m in 13F Sekunden; Kugelstoßen 8 m ; Schwimmen 1000 m in 24 Minuten , Radfahren 20 000 m in 45 Minuten. Wer Skisport, Rudersport, Turnen usw. betreibt, kann auch auf diesen Gebieten den Vorschriften entsprechend das Deutsche Turn- und Sportabzeichen erwerben. Die Unkosten sind gering und betragen- im Höchstfälle 5 Mark für die Erwerbung des Abzeichens oder der Anstecknadel. kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Freitag, den 27. März. Kapelle des Allen Friedhofs. 18 Uhr: Passionsandacht; Pfr. Lenz. — Ellsabelh-Kleinkinderschule. 20: Passionsandacht; Pfr. läc. Waas. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 28. März. Vorabend 6.30 Uhr ; morgens 9; abends 7 und 7.40 Uhr. Israelitische ReligionsgeseUschast. Sabbatfeier den 28. März. Freitag abend 6.25 Uhr; Samstag vormittag 8.30; Predigt; nachmittags 4; Sabbaiaus gang 7.40. — Wochengottesdienst: morgens 6.45; abends 6 Uhr. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Tie hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Neichsbankdiskont 5 v. H-. Lombardzinsfuß 6 o.H. ;|raninin a. J)l. Berlin Sranirun a. M. Strhn Schluß-, furt | 1-Uyr. Kur« Schluß-; für# | Ansang- Kur« Schluß-1 tur« | 1-Uhr« Kur» Schluß-; Aniang- tur» | Kur- Datum 25.3. 26.3. 25.3. 26 3. Datum 25.3. 26.3. 25.3. 26.3 6% Deutsche Reick-anleihr yamtiutfl.iMmenla 'Latei ... 7 70,5 70.25 70,5 70.25 u cm ............. 84,75 —— 84.75 — Hamburg-Südom. Dampsjchiss. 8 — 120.5 121 7% Deutsche SieldjianleUie Hansa Tumvlickisl.....1° — —- 99 —- 99,7 99,8 72,65 72 75 Leu ticke SInl.-Sblö^Schuld mit Allgemeine TculickeCredilanN. 10 — 57.2 56,65 _ - Sf#flL ohne Auriol.-Rcchle . . 6,3 6,25 6,175 6,1 Berliner HandelogelcNschast . 12 124,5 — 124,75 124 6% Heil. BoltffKMt von 1929 Commerz- und Privai-Bant. 11 113,25 113 113,25 112-75 (rüdiabib. 102%) ....... 93,5 — 93.5 — Darmstädter und Nationalbant 12 145,25 — 145.25 145 CbtrlKifcn T-rovinz - Anleihe mti Deutsche Bant und 55 - _ 111 13 110.75 Leu licke Komm. Sammclabl. Dresdner Bant......10 111.5 — 111 110,75 Anleihe Serie I - - - - 56 — 56.2 —— Reichebant........12 — — 259 —— 6% grants. Hvp.-Bank Soldpse XIII unkündbar bi» 1934 . . ■ 100,75 — A.E.G............k 107 107,25] 106.75 107 <% grants. Hyp.-Bank Soldpse 95,5 Bergmann.........9 Stettr. Li-serungkgesellschast. 10 129 — 104 130 104.5 129.75 <%% Rheinische Hhp.-Bank Ligu. Goldpsc. ...... 92,5 _ — Licht und Krast......10 Hellen L Guilleaume . . .7;; 123.25 92.5 124 123 92,5 124.65 92,25 8°'. Ur. Landerplandbriesanstalt, 'BfanobrleklH.it 100,5 100,5 _ Gesellschasl sür Eletkrische Unternehmungen .... io 126,5 126,75 126,75 126,75 6% Br Lande-plandbrieianstalt, Komm.-Lbt. R. 20...... _ — __ Hamburger Eiettri;i>ätit.Lcr!e 10 üibemische Elektrizität .... 9 •— 118 7% Pr. Landesplandbriesanslall, Schlesische Elektrizität. ... 10 — — — — IManbbricte Oi. tl...... 96,5 -— 96.5 — emuden & Co. ...... n -— 133,5 133 133 8 C.®. abfl. LoririegS-Obligatio- Sicmenr L Halete.....16 — 177,25 177 177,13 nen. rückzahlbar 1932 ... _ _ Traniradlo.........t> — » » 1 ■ l'abmeyer & Co.......10 126 — 126,5 — 4% Lcttcrrelckiicke Soldrrnte . . 24 — 24.25 —- Buderus...... 5 55,5 — 55,5 55.13 «,20% Ocsterrrickische Sübttrtnlt 2,75 — 2.65 — Deutsche Erdöl ....... 6 70,5 71,25 70,65 4% Lellerreickilckr Einheitliche Eiiencr Steinkohle ...... 8 — —- — — ü? c n t c _ ___ 83 — 84 4% Ungarische Soldrrnte . . . . 19.6 —- 19.65 19.65 Harpcner ........ 0 73.5 — 73 73 4% Ungarische Skaattrenle v. 1910 17 — 16.9 16.8 Hoesch Eisen. ....... — — 72.9 71,75 4^,% öekgl. von 1913 — — 17 Ilse Bergbau ....... 10 183 — 181 181 1% Ungarische Kronenrrnte . . . — _ Klöckncrwcrke ........ 7 71,5 — 71.1 71,25 4% Türtische Zollanlcche von 1911 4,275 4,25 4.4 —— Sötn-Reuclien........7 — — 80 78.5 4% Tückische Bagdadbahn-Anl. Mannesmann-Röhren . . . . 79,65 79,65 79.4 79,5 Serie 1 4,5 — 4.4 — Man-lselder Bergbau .... 7 37.5 — 37,5 37 4% deSgl. Serie II ..... . 4,5 — Lbcrschlei. Eiienbedars . . . . 5 — — — — 6% Rumäntiche eereind. Rente Lberickles. Solswerke.....7 —— — 77,65 77,25 von 1909 — - 9,7 9,65 Bböntz Bergbau . . . . 6Vi 61 60.75 60 Sollwerte Salzdetsurih ... 15 I. G. Farben.Industrie... 12 Dynamit Nobel.......6 Sckeideanstalt........ 9 (Goldschmidt........b Rütgcr-werke ........ c Metallgelelllckast.......8 Philipp Hotzmann......7 Zementwerk Heidelberg . . 1" Cementwerk Karlstadt. ... 1" Wayß L llreytag .....8 Schultheis Payenhoser ... 15 Lstwerke.........1- 0IU...........18 Bemberg....... 1' ZcNstotl Waldb.-s .... 13'/, Zellstolt Ssckassenburg ... 12 Ebarlottenburgcr Wasser . . . b Dessauer <5a5 . 9 Daimler Motoren ...... v Deutsche Linoleum ...... Maschinenbau Ä.-S..... 0 g?at. Automobil ...... C Crcnftctn & Koppel.....6 Leonhard Tiey ...... 10 Svcndka ..... . sZranksurter Malchtne» .... 4 Grihner..........6 HchUaenstact:.......o Iungvan». ........6 Lechwerke..........8 Matnkrattwerke Höchst a. M.. . 8 Miag..........10 Vebr. Roeder.......10 Botgt S Haeffner......9 Lüvdeutsche Zucker .... 10 57.5 155 161 242,5 144.5 132 48,25 55 75 93.9 76.5 _ 79 88.5 33 96 125 272 14 42 70 244 144 74 92.25 38,5 78,25 87,75 80 33 97,25 1> — z 123 57.25 32.4 155 161 1 242 144.5 48.4 55 74,5 93 39 167,75 79.65 87.75 98.5 80 137,75 32.9 95.25 55.4 124.9 272 122,5 54 32,13 154.5 160 241 144 54,9 74,5 167.75 78 87.4 99 137,25 32,5 96 54,5 125.25 273 i — 25. Mar; 26.27141} Amtliche Notierung «eld 1 Bries Amtliche Notierung Geld Srjes Amit.-Nott. vuen.-«ires Vrss.-Ankw Christiania. Kooenbaaen Stockholm . HelnngforS. Italien. . . London. . . Ncuvork .. Daris.... Schwei, . . Spanten. . Japan . . . ?Hio de Ion. Wien in D-- Eeft. abgeft. Drag . . . . Belgrad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon . 1 Tan;tg. . . fionft-ntm. Athen. 6anaoa Uru uay. «atro . . 168.07 1.456 58.36 112.14 112.13 112.25 10,547 21,955 20.369 4.1920 16.398 80.64 44.81 2.070 0,302 58,935 12,422 7.361 73.05 3.038 18,82 81.47 1,784 5,435 4,189 3.046 20.89 168.41 1.460 58.48 112,36 112,35 112,47 10,567 21,995 20,409 4,2000 16.438 80,80 44.89 2,074 0,304 59,055 12,442 7.375 73.19 3.044 18,86 81.63 1,789 5,445 4,197 3.052 20.93 168.06 । 168.40 1.460 , 1.464 58.335 58.455 112.14 | 112.36 112.12 112.34 112.25 112.47 10.547 10.567 21,955 21.995 20.364 20.404 4,1915 4.1995 16.393 16.433 80,63 80.79 44.91 44.99 2.070 2,074 0.306 0,308 58,935 59,055 12.422 12.442 7.363 7.377 73.06 73.20 3,036 3.042 18,82 18.86 81.48 81.64 1.784 1.789 5.435 5,455 4,188 4,196 3.012 3,018 20.89 20 93 Oberhessen. Kreis Friedberg. ■) Gi n m bad), 24. März. Am Sonntagnachmittag hielt der jk r i e g c r v e r e t n in der Gastwirtschast don Müll eine außerordentliche Versammlung ab. Anwesend war auch der Vezirkoschießwart, Herr Iw IpcEtor Unverzagt (Butzbach). Auf der Tagesordnung stand als einziger Punkt die G r h n düng einer K l e i n k a l i b e r - S d) i e ß a h t e i l u ng. Wad) einem ausführlichen Referat des Bezirksschieß- warts wurde eine jUcinkaliber-Schießabteilunfl gegründet. Zu Schicßwarten wurden .f)d). Grüne- lvald und Wilhelm All II. gewählt. i Steinfurth, 24. März. Bürgermeister Sd) wegler hatte eine Versammlung einberufen, in der eine Sanitätsabteilung des Hessischen Voten Kreuzes gegründet werden sollte. Danitätsral Dr. Hahn. Bad- Vauheim, hielt einen informatorischen Vortrga, und un Anschluß daran gründete man eine Sani- tätsgruppe, die ans acht Teilnehmern besteht. In der Kirche wurde eine Licht bilde rserie gezeigt, die die Anstalten in Vethel vor Augen führte. Pfarrer Metzler hielt den erläuternden Vortrag. Kreis -llsfcld. M Alsfeld, 23. März. Ein hervorragendes musikalisches Ereignis war die am vergangenen Samstag im großen Saale des „Deutschen Hauses" vom Alsfelder Iugendorchester veranstaltete Mozart-Feier aus Anlaß des 175. Geburtstages des großen Meisters in diesem Jahre. Zur Einleitung spielte das verstärkte Alsfelder Jugendorchester die berühmte Don- Juan-Ouvertüre. Für das Violinkonzert in D- Dur war in Frau 2lpotheker Moeller (Alsfeld) eine vorzüglid)e Solistin gewonnen worden, die das klangschöne Wert mit ausgereifter Technik und mit tiefem Empfinden zu Gehör brachte. Herr sind. E. Völfing (Klavier) spielte mit feinem Verständnis den ersten Sah aus dem Krönungskonzert für Klavier und Orchester. Der Leiter des Alsfelder Jugendorchefters, Herr Oberreallehrer Dotter, hielt einen feindurchdachten Vortrag über Mozarts Leben und Wirken. unter Hervorhebung seiner musikalischen Charakteristik. Das Andantino aus dem Konzert für Flöte und Harfe, von Herrn Dipl.-Jng. E. H o f- m a ii n (Flöte) meisterhaft vorgetragen, und zwei Cellosoli von Herrn Forftassefsor Bähringer vervollständigten das gutausgewählte Programm, das mit her reizenden Serenade „Eine kleine Vachtmusil" seinen Abschluß sand. Die zahlreichen und aufmerksamen Zuhörer dankten mit viel Veisall. Die Bemühungen, die Herr Oberreallehrer Dotter für das Alsfelder Musikleben immer wieder unternimmt, verdienen vollste Anerkennung, wie dieser in allen Teilen wohl- gelungene und befriedigende Abend erneut gezeigt hat. Kreis Schotten. § 111 r i d) ft e i n, 24. März. Im Rahmen der Ncichs-Handwerks-Woche wurden von der hiesigen Organisation des Handwerks in den umliegenden Ortschaften allabendlich Werbevor- träge veranstaltet. Abschließend wurde hier am Samstagabend im Pfannstielschen Saal noch ein sehr interessanter Lichtbilder Vortrag Mehl Auszugs Niehl Nlagnet 'tz Pld- Sultaninen .90,1.05 »FÜLLGRABE 1.40 1.90 1.20 1.60 eise vor®tnes®? 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April 1931 erscheint der Aach- ivnn 38 znm Binnentarif der SUclnbabn Giestc-u-Bieber. 2194 V Andere Auskunft erteilen die Dienst- stellen. Frankfurt CiDtaln), den 23. März 1931. Bereinigte SUetnbabncn _____________Aktiengefellschaft.____________ Haben Sie offene Füße? Schmerlen? Jucken? Stechen? Brennen? Dann gebrauchen Slo die tausendfach bewährte Dnlverial-Hellsalbe „Gentarin“. Wirkung überraschend. Preis 1.50 u. 2.75. Depot ip Gießen jn allen Apoth. Haupt niederlage; ICngeiapoth* Gießen. 230V Verkäufe Gut erhaltene Weile mit etwas Scheuern. Stall, sowie Grab- nntten in vomderg lOberh.1, für kleinen Landwirt und Handwerker geeignet.Um zugs halber zu ver- kanscu. 2150D Lage: Brovinzial- straste Alsfeld — Griinberg. Zuschrift, erbeten an Steuer- Ass. fretnr. RiibrL, Homberg (Cbcth.) 3-aßrnerßßcßmucß das moderne Oster-besaßen k cKunst/jandlung StCirs 2191 D Schüler-Mützen jede Klasse und Weite vorrätig, farbecht, lichtecht, prima Qualität 01716 J. Lehrmund, Mützenmachermeister Bahnhofstraße 69 gehalten, der die Entwicklung des Handwerks von den Anfängen her zeigte und für die Wichtigkeit handwerklicher Arbeit in unferer Zeit treffende Veispiele brachte. Der Vortrag machte großen Eindruck auf die Zuhörer. — Der Verwalter des staatlichen Versuchsgutes Selgenhof, Herr Adolf Aull mann, tritt dieser Tage in den Ruhestand und siedelt nach Büdingen über. Aus diesem Anlaß veranstaltete der hiesige Zweigverein des V. H. C. im Grohschen Saal einen gutbesud)ten Abschiedsabend. Tierarzt Meiski und Altbürgermeister Appel würdigten in Ansprachen die Verdienste des Scheidenden, die er sich in neunjähriger Tätigkeit auf dem Selgenhof um das Wohl der Landwirtschaft in unserer Gegend erworben hat: ersterer überreichte als Abschiedsgabc des Zweigvereins ein Bild von Alrichstein. Die Stelle des Verwalters wird, dem Vernehmen nach, dem seitherigen Inspektor, Diplom-Landwirt Adelberger übertragen, wer dessen Nachfolger wird, steht nodj nicht fest. Die Jnventarübergabe hat unter Leitung von Oekonomierat Hensel, Dortelweil, in der letzten Woche stattgefunden. preuhen. Kreis Wetzlar $ Groß-Rechtenbach, 25. März. Gestern abend ist eine Einwohnerin des Nachbarortes W e i d e n h a u s e n, nachdem sie den ganzen Tag auf dem hiesigen Bürgermeisteramt einem Verhör unterzogen worden war, von Beamten der Landeskriminalpolizeistelle Frankfurt a. M. verhaftet und in das Gefängnis zu Wetzlar cingeliefcrt worden. Es besteht der dringende Verdacht, daß die Frau das am 15. März niedergebrannte Gehöft des Johannes Kuhl in Weidenhausen angezündet hat. Letzte Nachrichten. Haubüberfall auf eine Bank. Frankfurt a. 2TL, 26. März. (1BIB. Drahlmel- düng.) heule, kur; vor 12 Uhr, drangen zwei Männer in die Filiale der Effekten, und Wechsel-Bank hi der Mainzer Landstraße 143 ein, zwangen die im Kassenraum anwesenden zwei Bantbeamten, die Hände hoch zu heben und f e s s e l I e n s I e. Die Räuber schloffen dann die Tür zum Nebenraum ab und suchten an das Geld und die Wertpapiere heranzukommen. Lin anderer Bankbeamter. der im SchaUcrraum zu tun hatte, stieg, als er die Tür verschlossen fand, durch das Fenster, worauf die Täter o h ne Beule die Flucht ergriffen. Sie wurden auf der Straße verfolgt, hielten fid) aber ihre Verfolger durch Revolverschüsfe vorn Leibe, bis ein Polizeibeamter das Feuer erwiderte und einen durch einen Schuß in das Dein verletzte. Die beiden Räuber konnten dann fest- genommen werden. Ls handel sich um den 23jährigen Arbeiter Fritz Glocke uno den ^jährigen Heinrich Stephan, beide aus höchst. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.33 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen Mühlen Franck Mühlen Franck Wenn die Hausfrau ein Kaff eegeiränk wünscht, das herzhafter schmeckt und weniger kostet, dann muß sie es mit der guten Kaffeewürze Mühlen Franck zubereilen. 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Hent plant einen n Zollabko Bn . den vöike; ■4,lls' «. ffläq . Äfft* StA? flfn nictben ü?- ^er WLZ '"her-,cyen mfr). n &