: fett der erfte öungen. Berit verboten nb gleich l®« I« einer ” de, beiden Nvvcmbn 1931 tourten Cuvinne cn 120635 181721 15334 362443 90763 175028 259291 266 16206 16652 134584 207355 316601 351575 ...... 396802 336 85387 95670 177290 187415 350951 352058 g würben SeivllM gen 264019 > i 131694 238988 21537041 100693 । 370657 381548 »0116002115027 i 185439 231993 I 372521 386960 3835 76424 82284 141832 143206 i 231649 240110 i 348476 365516 er 38. WiW Staats •Merit 1931 W derWeifio'oi* Mundi )ppen rin 4,50.10.50 iZi# x.tterie Mains 10000.- i. 4000.- Pfennig E.Reuter Wv r Nacht. W^oll *** SS -!ir$ »en tfte W* lieh'* !rwei"lW, Kr. 276 Erstes vlatt 181 Zahraona Mittwoch, 25. November 1931 Er Ichein > loglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholle monats-Bejugsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger: lohn, auch bei Richter» scheinen emzelnerRummern infolge höherer Gewalt. ifernfvrechanschlüffe anterSammeInummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universiläls-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Schulllrahe L Unnagme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20° , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Oie Neuorganisation der Osthilfe. Reichsminister Schlange vor dem Haushalisausschuß. — Oie Enischutdungsaktion für die ostdeutsche Landwirtschaft. — Reue Wege der Giedlungspolitik. Berlin, 24. Rov. (BDZ.) 3m Haushalts- ausschuß des Reichstages legte Reichsminister Schlange-Schöningen in seiner Eigenschaft als Reichskommisfar für die Osthilfe dar, wie er sich für die Zukunft die Lösung der Fragen denke, die für die Wirtschaft, insbesondere die Landwirtschaft im Osten gerade jetzt zu Existenzfragen geworden seien. Eins müsse er hier aussprechen: Als er vor seinem Eintritt ins Kabinett d i e erste ^Unterhaltung mit dem Reichskanzler gehabt und ihm dargelegt habe, auf welche Weife er eine Aktion im Osten durchführen wollte, und daß er es dabei für unbedingt notwendig gehalten hätte, dah der Reichskanzler einige Monate Ruhe im Lande schaffen mühte, wenn überhaupt irgendeine gedeihliche Arbeit geleistet werden könnte, da habe der Reichskanzler sich mit einer solchen Entschlossenheit zur Hilfe bereit erklärt, dah es geradezu ein frivoles Spiel sei. wenn man in der Agitation drauhen im Lande ihm unterstelle, dah er .richt geneigt sei, der notleidenden Landwirtschaft zu helfen. Das müsse einmal mit aller Offenheit der stürmischen Agitation landwirtschaftlicher und anderer Kreise gegenüber festgestellt werden. Die Verhältnisse im Osten lägen heute so, dah nicht diejenigen Grohbetriebe am gefährdetsten seien, die etwa am schlechtesten gewirtschaftet hätten, sondern diejenigen, die am intensivsten gewirtschaftet hätten, die also den gröhten Kapitalumlauf aufwiesen und damit am stärksten in die Zinsmühle gekommen seien. Die Krise beschränke sich heute nicht nur auf den Grundbesitz, sondern erstrecke sich genau so sehr au, die Bauernschaft und auf die Siedler. Während man früher, wenn man von einer grohzügigen Ostpolitik sprach, eine Besiedlung des Ostens im Auge hatte, sei heute eine rückläufige Bewegung, eine Entsiedelung, ein Ab st r.ö men der Menschen vom O st e n festzustellen. Richt nur aus volkswirtschaftlichen, sondern auch aus nationalpolitischen Gründen sei diese Entwickelung unerträglich. Zu der wirtschaftlichen Lage komme noch, dah die Menschen drauhen durch parteipolitische Agitation wild gemacht werden, bis sie ganz den Kopf verlören — und das in einer Zeit, wo es darauf ankomme, die Rerven zu behalten. Aus diesem Grunde habe er durch die Rotverordnung dem unerträglichen Zu- stände ein Ende zu machen sich bemüht, dah die Landwirte jeden Tag vom Gerichtsvollzieher bedrängt werden. Das Gebot der Stunde sei, die Bestellung der Landwirtschaft im Osten sicherzustellen, wolle man nicht Gefahr laufen, dah der ganze Produktionsapparat zum Stillstand gebracht werde mit allen Folgen, die sich nicht nur für die Ernährung, sondern auch für die ganze staatspolitische Lage unseres Bolles in schlimmster Weise auswirken würden. 3n den letzten Tagen habe er Berhandlungen mit den Kreisen, die sich durch die Rotverordnung betroffen fühlten, ge° hab, namentlich mit der Kaufmannschaft, dem Handel und den Genossenschaften, denen er zugesagt habe, dah alle Wünsche, die von dieser Seite vorgebracht werden, berücksichtigt werden sollten, soweit das nur irgend möglich sei und dah in den Ausführungsbestimmungen alles das ausgeglättet werden solle, was für diese Kreise von Lebensnotwendigkeit sei. Er hoffe, dah die Arbeit der Osthilfe sich nicht mehr über Jahre, sondern über Monate erstrecken werde. Um dieses Tempo hineinzubringen, brauche er den Druck sowohl auf b i e Schuldner wie aus die Gläubiger, den die Notverordnung ausübt. Man habe über die Eingriffe in die Rechte der Gläubiger geklagt, und man habe hier oon wohlerworbenen Rechten gesprochen. Wie stehe es mit den sogenannten wohlerworbenen Rechten der Beamten, und wie stehe es — das müsse gesagt werden — mit den Löhnen der Arbeiter? Schematisch Rechte zu bewahren, die in einer ganz anderen Zeit unter ganz anderen Voraussetzungen entstanden sind, wäre verfehlt. Wenn mi ,t den Arbeitern einen Lohnabbau zumute, dann könne man auch nicht davor zurückschrecken, denüberhöhten Zinsblock als unterträglich anzusehen. Der Minister lehnte entschieden ab, irgendwelche Reichsgelder zu verwenden für Grohbetriebe, die den modernen volkswirtschaftlichen Anforderungen nicht genügen. Ueberall dort, wo Wirtschaftsformen bestehen, die heute nicht mehr zeitgemäß sind, will der Minister eine Siedlungsbewegung großen Stiles aufziehen. Land hätten wir genug. Es handele sich nur um die Rentabilität der Siedler. Es komme nicht darauf an, dem Siedler schöne Steinhäuschen hinzubauen mit allem möglichen Komfort, schöne Ställe, die sehr hübsch aussehen und deren Erhaltung dann sehr teuer ist. Es ist viel richtiger, wenn der Siedler sich das alles selb st schafft und aufbau nach seinen eigenen Bedürfnissen. Der Siedler müsse wissen, dah er aus dem Fleck, auf dem er nun angelangt ist, sitzen bleiben könne. Er müsse so gestellt werden, dah er aus seiner Siedlung eine Rente herauswirtschaften könne. Eine Zusammenarbeit oller Berufsstände zur Erhaltung der kranken Betriebe sei dringend notwendig, damit nicht im nächsten Jahre zu wirtschaftlichen und politischen Sorgen akute Ernährungsfchwierigkeiten hinzukommen. Die Aktion sehe er nicht von heute auf morgen an, er sehe sie auch nicht als reine Hilfsaktion für die Landwirtschaft des Ostens an, sondern er betrachte sie auch vom nationalpolitische n Standpunkt aus, dah dort im schwergefährdeten Osten ein neuer organischer Aufbau deutschen Menschen- tums Wahrheit werde. Abg. Dr. Cremer (D. Dp.) begrüßte den Minkster und wünschte ihm vollen Erfolg für seine Tätigkeit. Die Deutsche Bolkspartei könne keine Sanierung dulden, die einseitig auf den Schultern des Handwerks und des Kleinhandels st andes des Ostens geschieht. Sie könne eine Konversion der Zinsen für erste Hypotheken niemals mitmachen. Abg. Stolper (Stp.) erklärte, die Kritik an der letzten Osthilfeverordnung könne sich nur danach richten, ob nicht die Schäden, die sie der Landwirtschaft zufüge, größer seien als die Borteile. 3n dieser Hinsicht habe er die größten Bedenken und hoffe, daß die Regierung sie in der Durchführungsverordnung aufheben könne. Die Rotverordnung müsse zeitlich befristet werden. Abg. Er sing (Zentr.) hielt es für richtig, wenn an den hohen Zinsen Abstriche gemacht würden, aber das Kapital unberührt bleibe. Der Redner wandte sich dagegen, daß die Osthilfe etwa jenen zweifelhaften Existenzen zugute komme, die ihr Vermögen in irgendeiner Weise auf andere verschoben haben. Abg. Dr. Hilf er ding (Soz.) wies darauf hin, daß die Rotverordnung nichts anderes bedeute als die unbedi gt Ane. en u g eZ Rechtes auf entschädigungslose Enteignung im Interesse der Allgemeinheit, ein Angriff auf das Privateigentum, wie er klarer und zweifelsfreier in der deutschen Republik noch nicht geschehen sei. Man müsse bis zum bolschewistischen Rußland wandern, um zu parallelen Fällen zu gelangen Der Redner verlangte Befristung der Osthilfe. Heue Richtlinien für Siedlung. DicPrimuivsiedlung soll gefördert werden Berlin, 24. Rov. (WTB.) 3m Reichsarbeitsblatt werden neue Richtlinien für die landwirtschaftliche Siedlung veröffentlicht. 3n diesen Richtlinien, die für das ganze Reich in Kraft gesetzt werden, werden neue Wege der Siedlung vogezeichnet. Bisherige Siedlungsform und Siedlungsverfahren werden weitgehend umgestaltet. Die neuen Bestimmungen erstreben eine Berbilligung, Vereinfachung und Beschleunigung der Siedlung und suchen damit Forderungen der Kreise zu erfüllen, in denen heute das größte Siedlungsbedürfnis besteht. Das sind die minderbemittelten Schichten der ländlichen Bevölkerung, insbesondere die Landarbeiter und Handwerker. Anbausiedler und Gruppensiedlung stehen im Mittelpunkt der neuen Richtlinien. Den Siedlungsbewerbern wird nicht mehr eine vollkommen ausgebaute Bauernstelle übergeben. Die Stelle wird vielmehr nur in einem Zustand bereitgestellt, wie sie verbringend st eWirt- schaftsbedarf für die ersten 3ahre erfordert. Deshalb müssen die Siedler mit besonderer Sorgfalt ausgewählt werden, damit eine Gewähr dafür gegeben ist, daß die Stellen ordnungsmäßig bewirtschaftet werden. Die neuen Richtlinien tragen mehr als bisher der tatsächlichen Finanzlage des Reiches und dem vorhandenen Siedlungsbedürfnis Rechnung. Sie werden dadurch mittelbar und unmittelbar eine wirksame Hilfe im Kamps gegen die Arbeitslosigkeit bilden. Der Industrie- und Handeistag fordert Schutz der Gläubiger. Beschränkung i>eo Sicherung-:verfahrens auf ftbutzwürkuge Schuldner und erhaltunncfähige Betriebe. Berlin, 25. Rov. (Sil.) Der Deutsche 3n° dustrie- und Handelstag hat in zwei Anträgen bei den Reichsbehörden zu der Verordnung zur land- wir.schäft ichen Entschu düng im Ost ,i legcbiet Stellung genommen. Der Industrie- und Handelstag geht zunächst davon aus, daß die Rotverordnung den einseitigen Schutz der Schuldner in den Vordergrund stellt. Sie berücksichtige nicht, daß die Gläubiger selb st wiederum Schuldner anderer Gläubiger fein. Die Vorschläge betonen, daß nur schutzwürdige Schuldner und erhaltungsfähige Betriebe in den Genuß der Vorteile der Rotverordnung kommen sollen. Der Antrag auf Sicherungsverfahren müsse durch ausreichende Unterlagen belegt fein. Es müsse eine Schiedsstelle, die die Rotverordnung nicht vorsieht, geschaffen werden. Das Sicherungsverfahren habe zu Folge, daß die Verwertung verpfändeteroder zur Sicherung übereigneter Gegenstände unzulässig wird. Diese Erschütterung des Vertrauens in die Vertrags- und Rechtssicherheit müsse dadurch gemildert werden, daß in solchen Fällen entweder die Eröffnung des Sicherungsverfahrens überhaupt a b g e l e h n t werde oder di eRechte des Gläubigers durch besondere Anordnungen geschützt wird. Eine Berlin, 24. Koo. (TU.) Das Reichskabt- n e 11 Hal am Dienstag die in den Leitsätzen des Wirtschafisbeirales nieöergelegten Ausgaben f a ch- i i ch a u f g e t e i 11 Die Ministerien werben in ben nächsten Tagen bie entsprechenden Entwürfe ausarbeiten, und es ist bamit zu rechnen, baß von nun ab täglich bas Kabinett bie Einzel- entwürfe burchberaten wirb. Man hofft, bas gesamte Programm noch biszum Enbe kommender Woche, jedenfalls aber noch vor Beginn der Verhandlungen des BJZ.-Ausschusses in Basel sertig- geffeUt und in Kraft gesetzt zu haben. Es scheint sich im übrigen zu bestätigen, daß unter ben beschleunigt zu beßanbelnben Maßnahmen u. a. an eine Erhöhung ber Umsatz st euer im Interesse bes Haushaltsausgleichs gedacht ist, und zwar besonders im Hinblick auf bie bevorstehenden Tributverhandlungen. Offenbar soll auf jeden Fall ber Nachweis größtmöglicher Unabhängigkeit unb Selbsthilfe erbracht werden. Die anderseits bie in ben Leitsätzen bes wirtschastsbeirats genannte Rol- roenbigteit ber Verbilligung bet Mieten unb ber Herabsetzung ber össsentlichen Tarife mit ben ebenso nofroenbigen Ausgleichen ber öffentlichen haushalte bei gleichzeitiger Herabsetzung ber Löhne und Gehälter in Einklang gebracht werden soll, ist eine Frage, bie ben Fachministerien noch großes Kopfzerbrechen bereiten bürste. Bei ber geplanten Senkung bet Brot- unb Fleischpreise, bie allem Anschein nach ben vor- wegzunehmenben Auftakt ber vetbilligungsmaß- Deutsche Ware ober Auslaubware. Eine Wanderausstellung wirbt um die dcunche Hausfrau. Berlin, 24. Rov. (Sil.) Der Volkswirtschaftliche Aufklärungsdienst eröffnete im Europa-Haus eine Wander-Ausstellung: »Der entscheidende Augenblick. — Deutsche Ware oder Auslandware". Der entscheidende Augenblick, so führte Dr. S. Paulsen in seiner Eröffnungsansprache aus, sei der Augenblick des Kaufes. Da erinnert sich der Käufer nicht mehr an Statistiken, die ihm die Rot der deutschen Volkswirtschaft beweisen, sondern er wolle sehen, ob er gut und preiswert bedient werde. Die deutschen 1 Waren aber seien gut. Sie brauchten nichts als Benachrichtigung des Gläubigers müsse für den Fall der Beantragung des Sicherungsrerfahrens obligatorisch sein. Da nach der Rotverordnung die Antragsfrist bis 31. Dezember 1931 läuft, besteht bis dahin ein Zustand der il n s i ch e r h e i t, der die Kreditfähigkeit der Landwirtschaft aufs äußerste gefährdet, auch soweit sie für die Vorbereitung der Einbringung dec nächsten Ernte der Kredite bedarf, ilm dieser Unsicherheit zu steuern und den Landwirten, die nicht beabsichtigen, von Sicherungsverfahren Gebrauch zu machen, sofort die Kreditfähig! ei t w i e d e r z u g e b e n , wird eine Vorschrift vorgeschlagen, day Schuldner und Gläubiger sich in einer unwiderruflichen Erklärung gegenüber der zuständigen Stelle daraus festlegen können, von der Möglichkeit, die Einleitung des Sicherungsverfahrens zu beantragen, keinen Gebrauch zu machen. men bilden soll, handel! es sich, wie die „Landwirtschaftliche Wochenschau" von unterrichteter Seite erfährt, um ältere Vorlagen. Bei Fleisch beschränkt sich danach die Maßnahme zunächst aus die Erwerbslosen. Man rechne damit, jedenfalls i n d e m U m - fang des früheren Gefrierfleifchkon- lingents einheimisches Rindfleisch zu besonders billigen Preisen den Erwerbslosen zusühren zu können, so daß also auch im entsprechenden Umfange eine zusätzliche Entlastungdesviehmarkles erfolge. Durch Aufhebung des Rachtbackverboles für solche Betriebe, die sich zu einer Preisverbilli- gung verpflichten, wird eine durchschnittliche Brotverbilligung um zwei Pfennig je Kilo erwartet. Bei den weiteren Maßnahmen zur Beeinflussung des Marktes sei in erster Linie an die gelegentliche v e t- wertungderöffentlichenGetreidevor- r ä t e gemacht. 3m Rahmen der späteren Gesamt- maßnahmen zur Verringerung der Handelsspannen soll u. a. eine Senkung der Schlachlhofgebühren und sonstigen öffentlichen Abgaben erfolgen. Beim Brotpreis komme dazu der Gedanke einer Mühlen- tontingentierung, um durch die volle Ausnützung der Verarbeitungskraft der bestehenbleibenden Mühlen die Mehlpreisspanne herabsehen zu können, weiter soll die Preisgestaltung des Futtergetreides dafür sorgen, daß lat- sächlich alles Brotgetreide für Brot und nicht für Fütterungszwecke verwandt wird. Man denke dabei u a. an Einfuhrfcheine für Hafer selbst. eine zielbewuß te Werbung, die das Vorurteil, als sei die Auslandware „seiner", beseitigten. Der Redner wandte sich dann noch im besonderen gegen die Befürchtungen, daß der Ruf nach deutscher Ware unsere Ausfuhr schädigen konnte. Riemand im Auslande verüble es einem Volke, wenn es für seine eigenen Waren in loyaler Weise eintrete, ja in den meisten Ländern der Welt würde seit Fahren die Wer- bung für die Erzeugnisse der einheimischen Arbeit durch große, mit reichen Geldmitteln ausgestattete Verbände betrieben. Die Ausstellung selbst bringt ein übersichtliches statistisches Aufklärungsmaterial, das jedem Deutschen nicht oft genug vor Augen geführt werden kann. Rur ein Beispiel von vielen: Eine ganze deutsche Arbeiterfamilie wird durch die Einfuhr von ausländischen 3ndustriewaren im Werte von etwa 6000 Mark oder von Rah- Das Reichskabinell gehl an die Arbeil. Oie neue Notverordnung wird bis Ende kommender Woche erwartet. prowaanba für einheimische Ware- in England! Riesen-Leuchtplakat im Zentrum des Londoner Geschäftsviertels: „Buy British“ („Kauft englische Waren"). rungSmitteln für etwa 2500 Mark für ein Jahr arbeitslos. 3m Oahre 1930 aber haben die deutschen Derbraucher täglich an daS Ausland gezahlt für Butter 1 Million Mart, f ü r Sier 623 000 Mark, für Stoffe 685 000 Mark ufw. Die Wanderausstellung, die im nächsten 3ahre durch ganz Deutschland reifen soll, kann hier viele und nutzbringende Ausklä- rungSarbeit leisteir. Der Gewerlschastsrina zu den Leitsätzen des WinschaflSbeiratS. Berlin. 24. Rov. (TU.) Der Gefarntvorstand des Freiheitlich nationalen Gewerk- schaftSringes nahm den Bericht seines Vertreters im Wirtschaftsbeirat über den Verlauf der Verhandlungen entgegen und gab feiner Enttäuschung über das Ergebnis Ausdruck. Sine vom Gewerkschaftlichen Pressedienst verbreitete Entschließung besaht: Die von der Reichsregierung formulierten Leitsätze zeigten, daß man nicht biS zu den Kernfragen der Krise vorgedrungen sei. Solange immer nur einseitig an Lohn und Gehalt herangegan- gen werde, müsse sich die katastrophale Schrumpfung des InlandmarkteS f o r t f e 6 e tl Wenn der deutschen Wirtschaft nur der Weg einer allgemeinen Senkung aller Gestehungskosten bleibe, dann sei eine Durchführung Voraussetzung, die mindestens d i e jetzige Kaufkraft des Arbeit neher- einkommens erhalt« Dieses Ziel könne die Reichsregierung nur erreichen, wenn sie den stärksten Drua auf alle Selbstkosten- f a k t o r e n ausübe. Wörtlich fährt die Entschließung fort: ..Der Gewerkschastsring erwartet, dast sich die Reichsregierung allen entgegenstehenden Arbeitgebereinflüssen verschließt. Er warnt vor Erlast der Rotverordnungen noch einmal eindringlich vor jeder Fortsetzung der für die gaiuc Wirtschaft verhängnisvollen Politik der einteiligen Massen» belastung " Die Sozialdemokraten zur Lage. Berlin, 24.Rov. (BDZ.) Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion nahm den Bericht über die Verhandlungen feiner Vertreter mit dem Reichskanzler Dr. Brüning entgegen. 3n der Aussprache wurden, wie von der Fraktion mitgeteilt wird, In erster Linie die durch die Thesen der Reichsregierung über die Gestaltung des Tarifrechts und den Lohnabbau sich ergebenden Gefahren für die Lebenshaltung der Massen des Volkes erörtert. Einmütig gebilligt wurde die entschiedene Warnung des Vorsitzenden der sozialdemokratischen Retchstagssraktion Dr. Breit scheid, mit der die letzte Besprechung mit der Rcichsregierung eingeleitet wurde, eine Aushöhlung des Tarifrechts und eine weitere Senkung des Real- lohnes verschärfe die tnnerpolitischen Spannungen, führe zu weiterer wirtschaftlicher Drosselung und Arbeitslosigkeit und rufe größte Gefahren hervor. Entsprechend dem Be- fchlust des Reichstags vom 16. Oktober seien alle Pläne auf Aushöhlung deS Tarifrechts a b Aule & n e n und die Angriffe auf die Unabdingbarkeit deS Tarifvertrag- abzuwehren. ©er ©eutsche Beamtenbund wünscht eine Aussprache. Berlin, 24. Rov. (VDZ.) Der Deutsche Deamtenbund hat folgendes Telegramm an die Reichsrcgicrung gerichtet: Die Bundesleitung deS Deutschen Deanitendundes hat heute au dem Ergebnis bet Verhandlungen des Wirtschafts- beirateS Stellung genommen. Da kein Vertreter der organifietten Beamtenschaft in den Beirat berufen wurde, war sie bei der Beurteilung auf den amtlichen Bericht angewiesen. Danach ist die Senkung der Löhne und Gehälter alS unvermeidlich angesehen worden, während die für die Erhaltung des Realeinkommens notwendige Senkungder Lebenshaltungskosten auf den verschiedensten Gebieten Atoar als richtig erkannt worden ist, jedoch ohne dast durchgreisende Maßnahmen vorgeschlagen werden. Diese Auffassung erfüllt uns mit ernster Sorge, weil die Stärkung der Kaufkraft durch erhebliche Preissenkung Voraussetzung für die Wiederbelebung der Wirtschast und die Gesundung der Staatssinanzen ist. Außerdem hat die Art, wie die mehrfachen Einkommensschmälerungen und Rechtsminderungen im Reich, Ländern und Gemeinden vorgenommen wurden, die Beamtenschaft außerordentlich erregt. AuS alledem haben wir den dringenden Wunsch nach einer Aussprache mit dem Herrn Reichskanzler. die wir mit Rücksicht auf die bevorstehenden Entscheidungen der Reichsregierung für die nächsten Tage erwarten. Wie steht es mit der Abrüstung? Da die AbrüstungS rage vor dem Zusammentritt der groben Genfer Abrüstungskonferenz Immer mehr in den Brennpunkt des Interesses der gesamten We t. Isentlicbkeit nickt, hat der Verlag 3. 3. Weber eine sehr zeitgemäße und au'schluß- reiche AbrüstungS-Rummer der w311 u ft r i r • t c n 3 e 11 u n £ unterzieht die deutsch-französischen Beziehungen im „Journal" einer eingehenden Betrachtung. Er weist auf die Schwierigkeiten hin, die ber Befrie- bung Europas unb einer deutsch-französischen Annäherung entgegenftänben, unb bie in ber Verschiedenartigkeit ber Gesinnungen in Frankreich unb in Deutschland begründet seien. 3n Deutschland fei es heute nicht mehr die Auffassung gewisser bester Kreise, bie sich bei ben verschiedenen deutsch-französischen Fragen burchsehe, fonbern bie Geistesverfassung ber jungen Generation. Palnleve geht bann noch einmal auf bie Rotlage, die finanziellen Schwierigkeiten und die Arbeitslosigkeit im Reich ein, bie zur Verstärkung ber nationalistischen unb kommunistischen Massen geführt habe. Die Folge davon sei heute, bah bie Mehrheit des beutschen Volkes keine Reparationen mehr zahlen wolle, unb baß sie auf der anderen Seite Frankreich auffordere, einen Teil seines Goldvorrates zur Verfügung zu stellen, wenn es feinen guten Willen zu einer friedlichen Zusammenarbeit beweisen wolle. Während seines letzten Berliner Besuches habe man ihn immer wieder daraus hingewiesen, daß die Opfer Frankreichs erst a uj den Druck einer anderen Macht gebracht worden seien. Französischerfcits müsse man diese Aeußerungen Im Auge behalten, wenn man nicht des moralischen Vorteils verlustig gehen wolle, den diese Opfer nach sich ziehen mühten. Frankreich müsse entschlossen seinen Weg fortsehen und dürfe sich durch die vorhandenen Schwierigkeiten weder stören noch entmutigen lassen Vs müsse mit klarem Blick und kaltem Blut diefürden Friedennot- wendigen Zugeständnisse machen, soweit sie sich mit den eigenen 3ntercffen vereinbaren liehen. Frankreich unter dem Druck der englischen Zollpolitik. SarlÄ, 24. Rov. (TLI.) Der franAösische Han- minifter hat einen Ausschuß eingesetzt, der sich eingehend mit den Auswirkungen der englischen Zölle aus die französische Ausfuhr befassen soll. Der Minister erklärte: Der englische Sonderzoll komme zum Teil einer völligen Abriegelung gleich, bie für Frankreich schwer ins Gewicht falle. Einzelne Ausfuhrartikel feien unter diesen Umständen auch bei niedrigster Preisstellung nicht mehr auf dem englischen Markt unterAubrlngen. Es sei möglich, dah die französische Regierung ein neues Zollge- seh und eine strenge Beschränkung der englischen Einsuhr nach Frankreich vornehmen werde. Dies seien durchaus rechtmäßige Mittel zum Schuhe der französischen Wirtschaft. fefretär a. D. Dr. Lewald, der Präsident des Deutschen Reichsausschusses für ß ei bei Übungen, der militärischen Jugenderziehung im Auslande einen eingehenden Artikel. — Zahlreiche Karten, Illustrationen und graphische Darstellungen des augenblicklichen Rüstungsstandes erhöhen den Wert dieser Abrüstungsnummer. Die Aevolle auf der britischen AllaMslotte. Mustergültige Erledigung einer peinlichen Affäre. London, 24. Rov. (WTB.) Im Unterhaus brachte ein Mitglied der Arbeiteropposition die Frage der Entlassung von 24 Seelen» tenderAtlantlschen Flotte zur Sprache. Sie kritisierten es, daß die Leute nicht vor Gericht gestellt wurden, bah ihnen nicht mitgeteilt wurde, was ihnen zur Last gelegt wird und bah es keine Berufung gegen bie Entscheidung der Admiralität gebe. — Der Erste Lord der Admiralität Sir Bolton Eyres- Monfell erwiderte: Die Leute sind entlassen worden wegen Untergrabung der D i - s z i p l i n, eines der schwersten Vergehen, daS es bei der Wehrmacht gibt. Da ohnehin Per - fonalDerminbcrungen borgeno nmen werden muhten, war cs besser, solche Leute zu entlassen, die mit ihrer Lage unzufrieden waren. Ich will nicht die ’emften Vorgänge in Invergordon als geringfügig hin- stellen: aber angesichts der sehr übertriebenen Gerüchte, die von interessierten Kreisen Im Inland und im Ausland darüber verbreitet worden sind, erkläre ich, dah es heute keine loyalere Waffengattung in ber Welt gibt alS bie britische Kriegsmarine. Denn Invergor- bon eine Erschütterung für daS Lanb bedeutete, so war es für bie Marine eine wahre Tragödie, ba fie erkannt bat, bah sie heute nicht m eh r f o hoch geachtet in den Herzen des britischen VolkeS dasteht, wie jahrhundertelang. Gleichzeitig ist eS aber der ernstliche Wunsch jedes Offiziers und jedes Seemanns, diese Stellung bald wiederzugewinnen, unb bies wird um so schneller geschehen, wenn das Unterhaus und das Land eS ber Flotte überlassen, Ihre inneren Angelegenheiten in Orbnung zu bringen (Beifall auf ber Regierungsseite.) Vor dem Abschluß der Indien-Konferenz. Keine autonome Zentralreqterunq ßonbon, 24. Rov. (TU.) Rach mehrtägigen Einzelverhandlungen zwischen ben Abgeordneten bet englifeb-tnbi chen Konferenz über Dersas- sungS- unb Minberheitsfragen setzte bet Verfas- sungsaus'chuß feine Beratungen über bie Frage der Behandlung englischer Waren in Indien fort. Hinduvertretet erhoben gegen die besonderen englischen Vorbehalte Sinfpruch, die von anderen Dominien nicht verlangt worden seien. England solle Vertrauen au einem neuen, freien Indien haben, daS sicherlich keine A u s - nahmemahnahmen gegen den englischen Hanbel ergreifen werbe. Es bleibt jetzt noch die Erörterung ber Frage der ..Indischen Sinan- z«nw übrig, so bah in ber nächsten Woche bie Schlußsitzung ftaitfinben kann. Das Ergebnis ber Konferenz wirb voraussichtlich sein, bah bie eng- Itfche Regierung eine Autonomie zunächst nur für die Provinzen Britlsch-In- bien» genehmigen wirb Die 3cntralregle- r u n g bürste dagegen in den Händen deS V t z e k ö n i g S und des Staatssekretärs von Indien verbleiben. Die Vertreter ber MoHamme- b a n e r haben erklärt, bah zunächst die Minderheitsfrage geregelt werben müsse, ehe fie einem Verfasfungsentwurs für All-Indien zustimmen könnten. Rußland versucht es mit her Sechstagewoche. Moskau (über Kowno), 24. Rov. (TU.) Wie bie Sowjetamtliche TelegrapHen-Agentur mit- tctlt, hat ber Rat ber Volkskommissare beschlossen, bah mit Beginn bes 6. Dezember probeweise b i e Sechstagewoche In solchen Unternehmungen und Behörden eingeführt werden .soll, die nicht unmittelbar mit dem ununterbrochen arbeitenden Teil der wirtschaftlichen Unternehmungen verbunden sind. Die Entscheidung liegt jeweils bei ben Vollzugsausschüssen ber Bezirke. Für ben liebergang zur Sechstagearbeitswoche sind bestimmte Ausgangstage nach ber Derorbnung feft- gelegt unb zwar jeweilig der 6., 12., 18., 24. und 30. Tag des Monats. Der 6. Tag der Woche wird in diesen Unternehmungen generell al« der Ruhetag gefeiert Zu gleicher Zeit wird die tägliche Arbeitszeit von 67i auf 6 Stunden herabgesetzt Aus afier Welt Revisionsdebatte an der Universität Cambrlbge. Aus einem öffentlichen unb in der Form englischer P a r l a m e n t s v e r h a n d l u n- gen abgehaltenen Diskussionsabend der Studentenschaft ber Universität Cambridge sprach gestern der Staatssekretär von Rheinbaben gegen die vorliegende Tagesordnung, wonach eine sofortige Revision des Versailler Vertrages eine schwere Ge'ahr für den europäischen Frieden bedeuten sollte. Sein Gegenreferent war der bekannte Abgeordnete General S p e a r s. Die These Rheinbabens war, daß nicht nur als Mindestforderung Deutschlands für ferne nationale Unabhängigkeit unb Freiheit, sondern auch gerade im Interesse des allgemeinen Friedens eine Revision des Versailler F.iede..-Vertrages im Zuge der kommenden internationalen Verhandlungen erfolgen istüßte: völliges Ende der Reparationen, gleiches Recht als Grundsatz des Rüstungsstandes und der nationalen Sicherheit, Revision der Ostgrenzen. Rach eingehender Diskussion wurde auf Rheinbabens Antrag, der u. a. auch von einem deutschen Studenten in seinem Reserat formvollendet un erstützt worden war, die Resolution mit gegen 3o Stimmen abgelebnt, d h. die überwiegende Mehrheit der Cambridger Studenten erklärt sich mit der von dem deutschen Po itiler wirkungsvoll vorgetragenen The'e einverstanden. Tom Mix in Hollywood operiert Der bekannte Filmschauspteler Tom Mix hat sich einer Blinddarmoperation unterziehen müssen. Rach den vorliegenden Meldungen ist fein Zustand ernst. Schiffertragödie im Jehmarnsuad. Bei Dulten i m Fehmarnsund strandete daS dänische Motorschiss .Helene". DaS Schiff wurde leck und wurde durch daS in den Motor- raum eingedrungene Walser manövrierunfähig. Der Schiffer Bech und fein 18jähriger SchiftS- iungc Frode standen b i S zu den Knien im Wasser Alle Versuche des Schiffers, sich durch Rebelhomsignale bemerkbar zu machen, waren vergeblich. Während der ganzen Rächt waren die Wellen über daS Drack g e • schlagen. Als man am anderen Morgen von Land auS da- gestrandete Schiff bemedte und bet an ruber le. fand man den Schiffsjungen erfroren auf. während der Schiffer in halb- erstarrtem Zustande geborgen wurde. Raubmord an einem Priester. Im österreichischen Stift Melk wurde der emeritierte Psarrverweser Kathrein In dem außerhalb der Klausur gelegenen Krankenzimmer, aus dem sich die ihn pflegend« Schwester lür kurze Zeit entfernt hatte, tot aufgefunden. Der kranke, fast zur Beweglosigkcit verurteilte Priester war miteinemHanbtucherdrof- feit und feiner Barschaft, die er stet« bet sich zu tragen pflegte, beraubt worden. Unter dem Verdacht der Täterschaft wurde der leit ‘ünf Jahren tm Stift al« Diener angestellte Silvester Pvtzmader verhaftet. Sr war der letzte, der vor der Auffindung de« Toten im 3immer weilte verwegener Bankraub. Auf bas Bankhaus Fuhrmann in Ob lau (Schlesien) wurde ein verwegener Raubüberfall verübt. Zwei junge Leute drangen in das Gebäude ein. Däh. renb der erste von der allein anwesenden Kassiererin Auskunft über hvpothekensachen haben wollte, schloß der zweite die Tur hinter sich zu Dann überfiel der eine die Kassiererin, würgte sie, warf sie zu Boden und drohte ihr mit ff r« schießen. Er raubte bann ben Inhalt ber Kaste In höhe von 2300 Mark. Darauf flüchteten beide Täter. Abenteuerliche Flucht von 200 Strafgefangene» von Französisch-Guyana. AuS Port of Spain (Trinidad) liegt ein Bericht über ein unter ungeheuren Strapazen durch- gcsührteS Fluchtuntcrnchmen von 200 Strafgefangenen gu« einem Waldlager in Franzöfisch- Guyana vor Den Gefangenen war aus Cayenne da« Gerücht zu Ohren gekommen, daß eine amerikanische Gesellschaft mit dem Bau einer Eisenbahn im Inneren von Holländisch- Guyana begonnen habe. In der Hoffnung, von den Amerikanern verwendet zu werden, beschlossen sie, der Hölle von Guyana den Rücken zu kehren. Sie fertigten sich aus Bastgeslecht und Stämmen provisorische Flöße an, auf denen sie dann den Maroni, dem Fluß, der bie natürliche Grenze zwischen Französisch- und Riederlänbisch-Guyana bildet, überquerten Aber erst auf der anderen Leite bes Flusses, auf hollänbischem Gebiet, begannen bie eigentlichen Schwierigkeiten. In tagclangcn Märschen kämpften sich die Flüchtlinge durch bie fieber- schwangeren Sumpf gebiete DaS Wasser ging ihnen oft bis zu ben Hüften. Große Strecken mußten auf bjefe Weise zurückgelegt werben. Dann toicber kamen große Urwaldgebiete, die den jeder Ausrüstung baren Flüchtlingen daS Leben sauer machten. Manch einer blieb hierbei auf der Strecke. Als sie endlich nach Tagen ungewöhnlicher Strapazen das erste Dorf erreichten, mußten sie feststellen, daß bie Geschichte von bem amerikanischen Dch:ibau eine Legenbe war. Dec größte Teil der Flüchtlinge übergab sich den holländischen Behörden, während die übrigen eS vorzogen, zu ihrem Gesangenenlager zurückzukehren, wo bie Anstifter deS Unternehmens zu Einzelhaft auf ber TeuselSinsel verurteilt wurden. Ein Hirsch lötet einen Treiber. Sin eigenartiger 3agbunfall ereignete sich bet einer Treibjagd auf einem dem Herzog von R a t i b o r gehörenden 3agbgelänbe auf polnischem Gebiet. Als die Treiber einen Kessel ae- schlossen hatten, wurde darin ein kräftiger Hirsch festgestellt, der plötzlich hvchging unb gegen bie Treiberkette ftürmte. Das Tier wandte sich gegen einen Treiber, nahm ihn an unb stieß ihm da« Geweih burch baS rechte Auge in den Kopf, so daß bie Spitze be« Geweihes am Hinterkops herauStrat Der Treiber war auf der Stelle tot. Rur mit Mühe konnte bie Leiche von bem Geweih befreit werben. Oie IRefferloae 1 DJ 3- IWortmbtr 'fgUh- o iO I •*<^25 iyo 1 T 'S. •X - T ft*— - & QvoieniQx omittf 3aei» wenn ® wenn ® e-egtx • Vtiert a 6'ivPfin « RfMI » «rwittfr«O- «W «k*IC> Oll "«SSW '««leewcn lief■«<■<• ‘■«'Mil 3'« n-t 0<« Wiede Pw eedt» lUl-eMe itOc* tat nrtrfteivfo ..met»r«i>eeue 1 ■fif/eca weilt rvuiuueinflc. Der Vorschub ber Warmluft machte sich heute mor- Sen über Wcft-, Süd. unb Mitteldeutschland bis zur der bemerkbar, so daß hier die Temperaturen bis zu 7 Grad über Null lagen, während im Osten noch Frost herrscht. Die Atlantikstörung läßt an ihrer Sud. (eite da» Vordringen weiterer Warmluft erkennen, so daß das milde Wetter noch sortbesteht. Zeitweise dürfte stärkere Bewölkung zum Dorübcrzug kommen, jedoch »st in unserem Gebiet mit wesentlichen Niederschlägen nicht zu rcchnen. Aussichten für Donnerstag: Mildes, teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, nur vereinzelt geringe Niederschlage. Aussichten f ü r Freitag: Wechselnd be» wölkt mit Aufheiterung, Temperaturen mehr schwankend, noch einzelne Niederschläge wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 24 November: mittags 4,0 Grad Celsius, abends 5,4 Brad, am 25. November: morgens 5,5 Grad. Maximum 5,7 Grad, Minimum 2,5 Grad. — (Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 24 November: abends 2,6 ®rab; am 25. November: morgens 3,6 Grad Celsius. — Niederschläge 3,8 nun. Kimderljahrkeier des Gießener ForßinsliM ef°n9tntn Ai b HWC"1' Sprechstunden der Redaktion 11.30 bis 12.30 ILjr, 16 bis 17 Uhr. Samstag unser heimischer Wald einen der wenigen Sachwerte nachmittag geschlossen. I» Die neue Lesmona $010 • Auch ohne Mundstück, dick und rund • Konzernfrei! ir sich bet rzvg VM aus pol« Kessel ge« eHirsch gegen öaä Dn m ihn an echte Auge Weihes am t auf bet die Leiche Wie seither treten wir aus innerer Ueberzeugung ein für die Erhaltung eines Instituts. das wir als einen notwendigen Faktor unseres Wirtschaftslebens betrachten. Ist auch die Waldwirtschaft heute nicht mehr Rückgrat der Staatsfinanzen, so stellt doch der deutsche und auch ein 2e« 'n durch« * Straf« 'Misch. "Henne amen» einer "tanbisch, 'nng, Don i'beschtvs, -Rüden ju Mt und ■ on, aus b, der die fch' und len. Aber ssses. auf igenllichen en kämpf« fieber« i>as Das« n- Trohe irüdgckgt Urwald« g baren r machten, recte. Alj her 6ha« ruhten sie amerilani« Jec größte Händischen vorzogen, hren, lvo Sinzel« verurteilt i, 6>l Ul. verüb« H ?ltnben '«^fachen bmier sich In- .lvürgte MitCr, Jet Kasse eten beide ? "uher. immer iüt undem Erteilte i"rvs. bei sjch \Jlnter 3n^Jeil ^gestellle ^°len im Wir WW I Wer von Zigaretten wirklich I I I was versteht, wer gewohnt ist, l ^rl | ■ ■ auch den Pfennig stets nur für Hl das Beste auszugeben, raucht jetzt selbstverständlich 5010 ** Amerikanisches Stipendium. Die Pressestelle der Landesuniversität Gießen teilt mit: Fräulein Dr. Margarete Bieber, die Inhaberin der etatsmäßigen Professur für Arcl)äologie an der Hessischen Landesuniversität Gießen, hat von der American Association ok University Women eine Fellowship erhalten, d. h. ein Stipendium, das es ihr ermöglicht, ein Jahr lang Studien im Ausland zu treiben. Es ist das erste Mal, daß diese Fellowship einer deutschen Gelehrten verliehen worden ist. Fräulein Bieber hat die Fellowship erhalten für ihre Arbeiten über griechische Kleidung. Hur Fortsetzung ihrer Studien darüber hat sie bereits in den Sommerferien dieses Jahres das British Mu- seum in Landen durchgearbeitet und wird sich zu Beginn des Jahres 1932 auf vier Monate nach Rom, Neapel und Florenz begeben. ** Probevorlesung in der Landes« Universität. Dr. phil. Hermann Heuer, der sich für das Fach der Englischen Philologie zu 9 Tage lang offengehalten werden soll, wird täglich Kochunterricht erteilt, eine Kaffeestube wird eingerichtet, für die Kinder ist Kasperle-Theater vorgesehen und eine Verlosung wird ebenfalls statt« finden. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. ** Einbruch in eine Zigarrenfabrik. Der Polizeibericht meldet: In der Nacht zu gestern wurde in der Marburger Straße in eine Zigarrenfabrik eingebrochen und aus dem Arbeitsraum von den Tischen etwa 2500 frisch angefertigte unverpackte Zigarren entwendet. ■Ä $>«**■ . Mdes, ..chsclnd bt> Unl< 4q mili« : Äove^b^ 1 Dlini,nU2 lieft Gestern mittag sand in der Aula der Uni- versität anläßlich der Hundertjahrfeier der Eingliederung des Hess. Forst- instituts in die Landes-Universität Gießen ein Festakt statt, dem auf Einladung des Forstinstituts zahlreiche Ehrengäste, die Dozentenschaft und Abordnungen der studentischen Korporationen beiwohnten. Als Vertreter der Staatsregierung waren Staatspräsident Dr. Adelung, Finanzminister Kirnberger und der Chef der staatlichen Forstverwaltung, Landforstmeister Staatsrat Hesse, zugegen. Aach einer musikalischen Darbietung durch Universitäts-Musikdirektor Dr. Temesvary sprach zunächst Se. Magnifizenz der Rek.or Prof. Dr. Vanselow. Er erklärte einleitend u. a.: Es ist in diesem Jahre ein Jahrhundert verflossen, seit dem damals schon blühenden und reiche Früchte tragenden Daum unserer Alma mater ein neues Aeis entsprungen ist. Im Jahre 1831 wurde an der Hessischen Landes-Universität das Forstinstitut gegründet und damit der jungen, soeben auf« keimenden Forstwissenschaft eine Lehr- und Forschungsstätte geschaffen. Während in anderen Ländern bis weit in das 19. Jahrhundert, ja in Preußen bis zur Gegenwart herein, die Forstwissenschaft auf Fachschulen gelehrt wurde und wird, tat Hessen als erstes Land nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen Welt den wichtigen und für die Zukunft so bedeutungsvollen Schritt, die Forstwissenschaft der Universitas literarum ein- zugliedern. Das junge Reis ist in der Umwelt der anderen, es nach allen Richtungen befruchtenden Wissenschaften lebenskräftig herangewachsen und zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil unserer Universität geworden. Die Universität Gießen kann sich somit rühmen, das älteste, nunmehr 100 Jahre bestehende Forstinstitutzubesitzen, und da es sich gradlinig, stetig und unbeirrt im Rahmen der altehrwürdigen, 325 Jahre bestehenden Universität entwickelt hat, das mit der vornehmsten Tradition ausgestattete Forstinstitut der Welt. Das allein würde es durchaus begründen, die 100-Jahrfeier dieses Instituts durch einen Festakt zu begehen. Besonderen Anlaß dazu gibt aber der Umstand, daß im letzten Jahrzehnt das Gießener Institut nicht geringe Anfechtungen auf seinen Bestand zu bestehen hatte, die aber, wie zu hoffen steht, nunmehr glücklich abgeschlagen sind. Das nach hartem Kampf Errungene freut aber doppelt. Der Redner begrüßte sodann als Rektor der Landes-Universität und zugleich als derzeitiger geschäftsführender Direktor des Forstinstituts die außerordentliche Festversammlung, darunter u. a. den Staatspräsidenten Dr. Adelung, den Finanzminister Kirnberger, den Chef der Hessischen Forstverwaltung, Landesforstmeister Hesse, Oberbürgermeister Dr. Keller, Gießen, Geheimrat Prof. Dr. Dr. e. h. Endres, München; Prof. Dr. S ch ä d e l i n, Zürich. Oberforstmstr. Heyer als Vertreter des Hessischen Forstvereins, Forstmeister Rausch als Vertreter des Hessischen Obersörsterverbandes, den Vertreter des Hessischen Waldbesiherve^bandes, die zahlreichen hessischen Forstleute, die Kommilitonen usw. Hierauf gab er einen eingehenden Ueberblick über die Geschichte des Forstinstituts, wobei er auch die großen Verdienste geziemend hervorhob, die sich hervorragende Männer der Forstwissenschaft wie Hundeshagen, v. Klippstein. Karl Heyer, Zimmer, Gustav Heyer, Richard Heß. Karl Wimmenauer, Wilhelm Borgmann durch ihr Wirken zum Segen der deutschen Forstwissenschaft und des Gießener Forstinstituts erworben haben. Oer Dekan der philosophischen Fakultät Prof. Or. Schmidt brachte als erster Gratulant dem Forstinstitut die herzlichen Glückwünsche der Philosophischen Fakultät dar. In seiner Rede feierte er die enge Verbundenheit zwischen der Philosophischen Fakultät und dem Forstinstitut und sagte dabei u. a.: „Es ist als besonderer Vorzug der Gießener Verhältnisse zu werten, daß die Studierenden der Forstwissenschaft durch ihre Einfügung in die Philosoph sche Fakultät nicht nur gründliche Ausbildung in den allgemeinen Naturwissenschaften erfahren, ohne die alles angewandte Wissen Stückwerk bleiben muß, sondern auch jene grundlegende Schulung im wissenschaftlichen Denken erhalten, die, einmal gewonnen, sich auch gegenüber den verwickeltsten Zusammenhängen bewährt. Um es mit wenig Worten zu fagen: Durch die Eingliederung der Forstwissenschaft in die Philosophische Fakultät blieb sie vor den Gefahren bewahrt, denen eine Fachschule stets mehr oder minder ausgesetzt ist. Wenn so die Forstwissenschaft in hundertjähriger Zugehörigkeit zur Philosophischen Fakultät manches von dieser empfing, so hat sie ihrerseits in ungewöhnlichem Maße dazu beigetragen, das Ansehen der Fakultät weit über Deutschlands Grenzen hinaus zur Geltung zu bringen. Die vielen trefflichen Lehrer und Forscher, welche in dem verflossenen Jahrhundert hier wirkten, auf die das Forst» inftitut mit Stolz zurückblicken kann, haben nicht nur wesentliche Steine zum Fundament ihrer Wissenschaft gelegt, sondern auch durch die Ausbildung vorzüglicher Schüler Deutschland und dem Auslande eine Fülle trefflicher Forstleute gegeben. Ueberall auf der Erde, wo der Wald gepflegt wird, kennt man Ramen und Leistungen des Gießener Forstinstituts. Drei Ehrendoktoren. Weiter gab der Redner bekannt: Die Philosophische Fakultät hat die Jahrhundertfeier des Forstinstitutes zum Anlaß genommen, drei um die Forstwissenschaft hochverdienten Männern die höchste der Ehren zu geben, die sie verleihen kann, die Wurde eines Doktor honoris causa, und zwar an Herrn Landforstmeister Hessein Darmstadt, Herrn Geheimrat Endres in München und Herrn Professor S ch ä d e l i n in Zürich. Anschließend verlas der Dekan die entsprechenden Urkunden, bei deren Aushändigung an die Ehrendoktoren er die Glückwünsche der Fakultät zum Ausdruck brachte. Staatspräsident Or. Adelung sagte in seiner Ansprache u. a.: Dereinst errichtet, um den hessischen Forstleuten gediegene wissenschaftliche Unterlagen für ihre spätere praktische Arbeit im engeren Raum der kleineren Heimat zu verschaffen, hat das Hess. Universitäts-Forstinstitut von Anbeginn an von überall her aus deutschen Landen Schüler bei sich gesehen, sie unter Gelehrten und Charakteren wie Hundeshagen, Heyer, Heß und dem unmittelbar vor Erreichung seines Zieles jäh dahingeschiedenen Borgmann ausgebildet und so manchen hinausgesandl in die Waldgebiele des Balkans, Nordamerikas und andere fernen Länder, zu deren Nutzen und zur Ehre deutscher wissenschaftticher und praktischer Arbeit. Dessen gedenkt auch die Hessische Regierung heute mit Stolz und Dankbarkeit, und wie sie die Säfte der Universität an diesem Ehrentage mitbegrüßt, spricht sie ihrer Ludoviciana, an ihrer Spitze S. Magnifizenz dem Rektor und derzeitigen Direktor des Forstinstitutes selbst ihre wärmsten Glückwünsche aus. Die Rot der Gegenwart lastet schwer auf uns und zwingt zu Einengungen und Einschränkungen int privaten Leben und in den Haushalten des Reiches, Staates und der Gemeinden. Auch die kulturellen Einrichtungen bleiben davon nicht unberührt. Aber stets ging — und ich glaube bisher mit Erfolg — das heiße Bemühen der Hessischen Regierung dahin, bei den schärfsten Einsparungen doch die Substanz unseres hohen Kulturgutes nicht zu gefährden und so die Möglichkeit zu behalten, die kulturellen Einrichtungen nach überstandener Notzeit wieder auf den alten Stand und wenn möglich noch zu größerer Entfaltung zu bringen. So gelten diese meine Worte dem Rückblick auf eine ehrenvolle Vergangenheit, der Befriedigung über das, was noch im letzten Jahrzehnt an Aufbau geleistet werden konnte, und dem hoffnungsfreudigen Ausblick auf eine glückliche Zukunft! Landesforstmeistep Staatsrat Or. h. c. Hesse überbrachte die Glückwünsche der Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung des Finanzministeriums. In seiner Rede erklärte er u. a.: Zwischen dem F o r st i n st i t u t und der Staatsfor st Verwaltung hat eine hundertjährige Tradition mit tausend Fäden eine enge Verbundenheit geschaffen. So nimmt die Staatsforstverwaltung den heutigen Ehrentag gern zum Anlaß, dem akademischen Forstinstitut Dank und Anerkennung auszusprechcn für alles, was hervorragende Männer des Fachs von diesem Lehrstuhl aus zum Besten unseres heimischen Waldes geleistet haben. Wir danken dem Institut die Ausbildung unserer gesamten Beamtenschaft, und wir dürfen mit Befriedigung feststellen, daß manch hervorragender Kops von Gießen seinen Ausgang in die grüne Praxis genommen hat. Denn die hessische Sfaafsforftöerroalfung sich einer angesehenen Stellung unter den deutschen Staafsforftöerroalfungen erfreuen darf, so dankt sie das in erster Linie dem vorzüglich ausgebildeten forstlichen Nachwuchs, der ihr aus dem akademischen Forstinstitut der Landesuni- versilät zugeflossen ist. Aus Oer provinzialvauptstadl Gießen, den 25. Aovember 1931. Gegen den Strich gebügelt! Dieser Ausdrück fiel mir dieser Tage in einem Buch von Ludwig Finckh auf. „Gegen den Strich gebügelt“, das wäre eigentlich das rechte Wort gewesen für unfern Großonkel Theobald, der nun schon etliche Jahre draußen auf dem Friedhof zur letzten Ruhe gebettet ist. Ja, es war ein merkwürdiger Mann, von der Hälfte unserer Verwandtschaft verabscheut, von einem Teil der Ressen und Richten aber ab» göttisch verehrt. Mein Vater sagte immer von ihm: „Er ist ein Original! Man darf ihm nichts ubelnehmen." Er kannte ihn wohl am _ besten, ergriff aber nie Partei gegen oder für ihn. Erst nach dem Tode des Onkels erzählte er uns so kleine Erlebnisse und Begebenheiten, die das Bild vervollständigten. Onkel Theobald warf zum Beispiel jeden De- sucher, der zu ihm kam, um für eine milde Stiftung Geld einzusainmeln, unbarmherzig zur Tür hinaus. Mein Vater aber versicherte, daß später bei der Veröffentlichung der Liste stets ein namhafter Betrag unter X. oder N. N. verzeichnet stand, daß dieser Betrag meistens von dem Onkel, der ein großes Vermögen besaß, gestiftet worden war. Aber wehe dem, der an so etwas rührte! Er handelte in dieser Hinsicht nach dem Bibelwort: Laß deine ßinte nicht wissen, was deine Rechte tut! Sehr sonderbar war auch, daß der Onkel nie runde Summen zeichnete. Einmal waren es 101,50 Mark, dann wieder 253,63 Mk. Gerade an dieser Schrullenhaftigkeit erkannte mein Vater mit Sicherheit, wer der X. oder der N. N. war. Bekam Onkel Theobald eine Rechnung, so bezahlte er sie, obgleich er dazu in der Lage war, nie auf einmal. Kostete ein Anzug 80 Mk. (Vorkriegszeit!), so gab er sofort 75,20 Mk., oder einen ähnlichen Betrag, den Rest ließ er einige Wochen, oft nur einige Tage stehen. Dann bezahlte er ihn auch. Selbstverständlich hätte er gleich alles erledigen können, aber die Freude am Rechnen verleitete ihn wohl zu den Zahlenkunststückchen. Seinem Schneider war das wohlbekannt, aber einem so sicheren Kunden wurde nichts übelgenommen. Daß er nebenbei immer etwas abhandeln wollte, ist gewiß keine besondere Art von ihm gewesen, das haben andere Leute auch so an sich. Aber in der Vorkriegszeit galt es doch bei einem so reichen Manne als absonderlich.-- Uns Jungen machte er manchen Spaß, zeigte seine Sammlungen, erzählte auch gelegentlich etwas in seiner derben, scharfen Art aus feinem Leben, aber das tat er nur ganz selten. Meistens ging er brummend umher und schimpfte auf die bestehenden Zustände. Wie oft begegnet man solchen Menschen, die „ge- ?en den Strich gebügelt" sind. Sie stehen da wie norrige Bäume, die ihre Kronen trotzig und selbstbewußt tragen. Sie weisen die Hilfe ihrer Mitmenschen stets ab, wollen keinen Rat und wissen ganz genau, welchen Weg sie zu gehen haben. Daß dieser Wegt oft neben der Hauptstraße herläuft, weiß man. Solche Käuze nennt man Eigenbrödler, Außenseiter. Aber was wäre das Leben ohne sie? Daß sie nach außen eine rauhe Schale zeigen, ist fast allen Originalen eigen. Mit ihren Ausdrücken, mit ihrer Art, sich zu geben, stoßen sie meistens die Leute ab. Man braucht schon eine gewisse Zeit, um sie zu studieren. Aber in den meisten Fällen entdeckt man hinter der rauhen Schale ein goldenes Herz. Man muß eben verstehen, solche Außenseiter „zu nehmen". Das ist oft eine schwere Kunst. Aber sie sind eigentlich so ein bißchen Sauerteig in unferm Leben. Ihre Heldentaten verhelfen dazu, daß man manchmal nicht weiß: Ist das nun Scherz oder Ernst? Ist er verrückt geworden, oder stellt er sich nur so? Gar nicht merkwürdig ist, daß solche Eigenbrödler meistens allein in der Welt stehen. Entweder haben sie schon zu viel vom Leben erfahren, oder sie haben einen großen Verlust gehabt. Statt nun Hilfe bei ihren Mitmenschen zu suchen, verkriechen sie sich ganz in ihr eigenes Dasein und werden nach und nach weltfremd. Man sollte nicht so schnell mit den Worten: „Launisch" und „eigensinnig" bei der Hand sein, es wäre besser, wenn man ein wenig nachdächte und manchmal so handelte, wie sie. Etwas kann man jedenfalls fast von allen Sonderlingen lernen: Das Schweigen! W. Vornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der Kongreß tanzt". — Werbeabende im Cafe Leib. Am Donnerstag, 25. November, und am Freitag, 27. November, jeweils um 16 und 20 ilfjr, finden im Caf6 Leib Werbeveranstoltungen statt, die von dem Union-Briketts vertreibenden Handel durchgeführt werden. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. unseres deutschen Volkes dar, den wir aus Krieg und Inflation in eine bessere Zeit unseres deutschen Vaterlandes hinüberretten müssen. Der Materialismus unserer Zeit will den Wald heute ja nur als Wirtschaftsobjekt betrachten, trotzdem seine Wohlfahrtswirkungen im weitesten Sinne als ein köstlicher Schatz unseres Volkes längst erkannt sind. Aber aerobe wenn der deutsche Wald für die nächsten Jahrzehnte nur Wirtschastsobjekt sein kann, muß Forschung und Lehre für diesen Wirtschaftszweig unverkümmert erhalten werden. Oberbürgermeister Or. Keller-Gießen betonte in feiner Ansprache die Verbundenheit der Stadt Gießen mit der Universität und mit dem Forstinstitut, die u. a. zum Ausdruck gebracht wurde durch die Ueberführung des früheren Garnisonlazaretts in der Braugasse aus städtischem Besitz in das Eigentum des Staates für die Zwecke der Universität, insbesondere des Forstinstituts. Er erinnerte weiter an die jahrzehntealten Beziehungen zwischen der Stadt und dem Forstinstitut durch die hervorragende Mitarbeit der Professoren der Forstwissenschaft Zimmer, Wimmenauer und Borg- mann bei der Betreuung des Stadtwaldes, die der Stadt zu großem Nutzen gereichte und für die den Gelehrten, wie auch dem Forstinftitut herzlicher Dank gebühre. Namens der Stadt brachte der Oberbürgermeister dem Institut herzliche Glückwünsche für eine erfolgreiche Weiterentwicklung dar. Oie weiteren Glückwunschansprachen. Anschließend brachten noch in Ansprachen Glückwünsche dar: Dberforftmeifter Heyerals Präsident des Hessischen Forstvereins, zugleich auch für den Deutschen Fvrstverein; Forstmeister Rausch als Vorsitzender des Hessischen Obersörsterverbandes; Frhr. Riedesel zu Eisenbach auf der Alten« bürg als Vertreter des Vorsitzenden des Hessischen Waldbesitzerverbandes, und schließlich noch cand. jur. Jung (Gießen) als Vertreter der Gießener Studentenschaft. Oer Zesivorirag. Hierauf hielt Universitätsprofessor Geheimer Rat Dr. Dr. e. h. Endres (München) den Festoortrag über das Thema: „Die For st wirtschaft von heute und ihre Zukunft." In dem Vortrage war für die breite Allgemeinheit besonders der wirtschaftspolitische Teil von starkem Interesse. Hier sagte der Redner u. a.: Die Forstwirtschaft steht heute vor der Tatsache, daß die H o l z p r e i s e für die meisten Sorten unter dem Vorkriegs st and stehen, die Ausgaben samt Steuern dagegen weit über demselben. Diele Forstbetriebe, darunter auch die Staatswaldbetriebe in Preußen und Bayern, schließen in diesem Jahre mit einem Defizit ab. Noch niemals hat die Forstwirtschaft eine solche Katastrophe durchgemacht. Die hauptsächliche Ursache ist auf den Verfall der Holzpreise in den o st europäischen Holzüberschuhstaaten zurückzuführen. An die Stelle des zaristischen Rußlands und österreichisch-ungarischen Monarchie sind acht neue Staaten getreten, die in gegenseitiger Konkurrenz ihr überflüssiges Holz um jeden Preis in die westeuropäischen Holzeinsuhrländer werfen. Die unter dem Goldstandard stehenden Währungssysteme gestatten diesen Staaten, das Preisniveau und die Löhne niederzuhalten, weil die Kaufkraft der Währungseinheiten in der Dinnenwirtschast größer ist, als es dem Goldwert entspricht. Seitdem Sowjetrußland sich den we st europäischen Holzmarkt wieder erobert hat, ist dieser vor Heber* raschungen hinsichtlich der russischen Preispolitik nicht sicher. Darin liegt die sogenannte russische Gefahr. Die Notlage der Forstwirtschaft hätte nicht die jetzige Schärfe erreicht, wenn die Reichsleitung die Forstwirtschaft nicht seit Jahren als nationales Aschenbrödel behandelt hätte. Diesen Vorwurf, der zugleich eine Flucht in die Oefsentlichkeit bedeutet, kann diese verantwortliche Stelle nicht mehr von sich abschütteln. Obwohl durch Dutzende von Anträgen und Vorstellungen seitens der Länderregierungen und der forstlichen Organisationen gewarnt, hat die Reichsregierung bei allen Handelsvertragsverhandlungen der letzten Jahre, so mit Rußland, Schweden und Oesterreich, verständnislos die Interessen der Forstwirtschaft preisgegeben. Die durch ihre Schuld festgefahrene Situation wird jetzt als Entschuldigung dafür ins Feld geführt, daß ein Schuh der deutschen Forstwirtschaft gegen das Dumping des Auslandes zur Zeit nicht möglich sein soll. Schwer geschädigt wurde die Forstwirtschaft auch durch die hohen Eisenbahntarife und das (Staffel* tarifshstem. Wäre die Ursache der jetzigen Notlage der Forstwirtschaft auf ihre Isolierung in der Struktur der Volkswirtschaft und Weltwirtschaft zurückzuführen, dann könnte man sich fragen, ob sich für die Zukunft die forstliche Arbeit noch lohnt. Da jedoch die forstwirtschaftliche Krise nur ein Ausschnitt der Weltwirtschaftskrise ist, können wir für die Zukunft auf die Kraft vertrauen, die der Wald in sich selbst trägt. Schon seine immateriellen und ethischen Werte retten ihn vor dem Untergang. Auch der deutsche Wald wird sich mit unserem Vaterland wieder in lichte Höhen erheben. Der Vortrag wurde mit langanhaltendem, lebhaftem Beifall aufgenommen. Mit einer musikalischen Darbietung fand die Feier ihren Abschluß. habilitieren wünscht, wird Samstag, 28. November, 11 Uhr c. t. in der Kleinen Aula des Vvrlesunas- gebäubes, Ludwigstraße 23, über das Thema: „Die literarische Bedeutung Robert Brownings" eine Probevorlesung halten. ** Hauswirtschaftliche Weihnachts« Ausste 11ung. Die Hausfrauenberatung Gießen eröffnet am Samstag, 28. November, 14 Uhr, im Palast-Lichtspielhaus („Einhorn") am Kirchenplatz eine „Hauswirtschaftliche Weihnachts-Ausstellung", die sich aus Ausstellungen von hiesigen Firmen aller Branchen und einer Sonderschau der Hausfrauen zusammensetzen wird. Im Rahmen der Schau, die ,5to Denken Sie an Stoftez denken Sie an L Bernard Kleiderstoff Reste Gießen. Marienburg (Westpr.), den 24. November 1931. Die Beerdigung findet am Mittwoch, 25. November, 14 Uhr, von der Kapelle des Alten Friedhofes aus statt 06909 I SOM A 1OOOO Mark Geldgewinne 8016 V Bahnhofstraße 53. 4 MOD r-4», lew »One tr Sekretär Ritter und im neuen Studentenhaus. 7859 D TEPPICHE Vereine zu billigsten Tagespreisen ist. Da wird es nun höchste OTTO TÄUBERT GIESSEN Seitenweg 70 • Ecke Westanlage < MUMM Besichtigen Sie bitte unverbindlich mein großes Lager und überzeugen Sie sich von der Billigkeit und der Preiswürdigkeit meiner Waren Bettvorlagen Läuferstotfe Verbinder Decken Felle jetzt wollen wir wieder einmal treu Zusammenhalten. 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Ueberlegen Sie sich doch auch einmal die Sache. Wenn Sie schon einen neuen Ofen kaufen wollen, dann kaufen Sie ihn bei Häuser, denn Sie wissen ja, Häuser hat alle neuen Modelle (Siehe Bild) In neuen Farben. haben" werden ” Ent*ch,0° mt daBn> wc”n Sl» mein Lager ohne jede Verpflichtung besichtigt J. B. HAUSER, GIESSEN AM OS WAL DSC ARTEN MOTTO: Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebärden Schaff Dir 'nen Häuser-Ofen her, dann wird Dir's wärmer werden !H Bullenverkauf. Die Stadt Cid) verkauft im Wege de» öffentlichen Wettbewerbs einen erstklassigen, jungen, selten Simmentaler Bullen. 8006V Schriftliche Angebote, aus den Zentner Lebendgewicht ausgedrückt, sind bis zum Freitag, dem 27. d. 2TL, vormittags 11 Uhr, mit der Aufschrift „Bullenverkaus" bei uns einzureichen. Die Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Lich, den 23. November 1931. Hessische Bürgermeisterei Lich. Geil. 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In tiefer Trauer.- Sevrin Leyerer Witwe und Familie Heinrich Leyerer und Frau Wilhelm Leyerer u. Familie Balthaser Leyerer u. Familie Konrad Hölscher u. Familie Climbach. Burkhardsfelden, Kassel, Wieseck, Allcndorf a. d. Lda, den 25. November 1931. Die Beerdigung findet am Donnerstag. 26. Nov., nachm. 2y2 Uhr statt. ____________8013 t Scheune für Lagerhaus bei. geeignet, inmitten der Stadt, umständehalber vreiswert zu verkaufen. Schriftl.Angeb.unt. 06905 a.d.Gb. Anz. 3-Zinuner-Wobn. mit Bad u. Etagen- heiz, in d Schubert- siraße 10 sofort oder wäter zu verm.,i,>D Licker Straße 5 v. In guterLage schöne 2-3-ZiinnL-WD. mit abgeschl. Vor- vlatz u. Zentralheiz. an ruhigen Mieter, evtl, einzelne Dame zu vermieten. 5dir. Angebote u. 06907 an den Gies;. Anz. Los 4: Obst- und Gemüsekonserven. Die Lieferungsbedingungen liegen bei der liüchcnoerwaltung des Bataillons, Ko- ferne I, Zimmer 171, aus. Sie können auch gegen eine Gebühr von 50 Pf. von der Nüchenverwaltung bezogen werden. 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Suite in D-Dur — Mozart, Klavierkonzert D-Moll (Kochel 466)—Beethoven, Dritte Symphonie (Eroica) Der Bechstein- Konzertflügel ist aus dem Pianomagazin R. Schönau Eintrittskarten: 2, 3 u. 4 RM. bei Ernst Challier und abends an der Kasse. Studentenkarten gegen Ausweis bei Herrn Morgen Donnerstag nachmittags 3 Uhr, Ziehung der Mainzer WliM-ßelilloHiirie »11 ML von böb. Beamten Segen gute Sicheren zu leib, gesucht. Aur von Selbftgeb. Schrnftl. Angebote unter 06903 an den (siebener Anzeiger. 5öWe o. 8. Kabeljau o.R. Zifchfilete Rotzungen Leb. Starvfrn Leb. Schleien Leb.Aale >O15D Geräucherte wische Marin. Tvifffit Fleischsalat (»rnnofalat. C. G. Klßinhenn UkflkfllrtT. 81, Tel. MM. f amilien • Drucksachen Veriobuftgianzeigen Ver-nlhlungsenze gen GeDurtsi^zeigen bei Brflhl, ScbulstraOe 1 I Geige mit Lederkasten Elektrolur «Staubsaug. f. Wechselür., neuest. Mod., bill. z. verk. Schr. Ang. u. s>6908a. d. Gh. Anz. | Kaufgesuche | (Gebrauchtet Sohimaöeofen gut erb.,zu kauf. ges. ^chr. 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Endlich aber kommt es den Gaben selber seyr zu gute, wenn man sie in Ruhe ausdenken und anfertigen kann. Wollarbeiten stehen heute im Vordergrund des Interesses. Da sind vor allem die reizenden Pullover, die es uns heute selbst zu stricken lockt. Für Damen, Herren, Mädels und Buben. Es ist eine so lohnende leichte und hübsche Arbeit. Natürlich auch Westen mit und ohne Aermel, ja ganze Kleider. S h a w l s und Mützen in dickerem sportlichem Charakter werden gehäkelt oder gestrickt und mit ' Fäden dann noch einmal durchzogen. Man kann auch einen gekauften Shawl in Maschinenarbeit auf diese Weise sehr hübsch und wertvoll gestalten. Weiter sind E i n s a tz w e st e n mit Kragen und Manschettstulpen für Kleider ein sehr geschmackvolles Geschenk. Man muß das natürlich im Einklang mit der zu Beschenkenden arbeiten, daß es auch zu einem bestimmten Kleid paßt. . Kragen und Manschetten in Wollarbeit, | die zum Neusten zählen, was die Mode bringt, sind so einfach zu stricken; oder man stickt sie aus Georgettegrund, indem man in einfachen Stichen Woll- säden durch das feine Gewebe zieht. Auch Handtaschen werden in Wollarbeit sehr geschätzt und zwar in ziemlich großen halben Stichen, die dicht auf Stramin gesetzt die ganze Tasche bedecken, das heißt das Jnnenf'.'tter, das man fertig kaufen kann. Das Aufnähen der beiden Außenplatten ist dann eine Kleinigkeit. Immer gleich beliebt bleibt ein molliges Bett- j ä ck ch e n in Wolle gehäkelt oder gestrickt. Fabelhaft die Schlaf- oder Autodecke in einfachen Stäbchen oder im Rosenstich in dicker dochtiger Wolle, ein herrliches Stück, das sich noch auf Kinder und Kindeskinder vererbt. Tee- und Kaffeewärmer, Eierhütchen, auch Sofa kiffen hat man in Wolle schon immer gearbeitet. In bunten Stoffen lassen sich mit der Nähmaschine eine ganze Reihe reizender Geschenke so rasch und einfach Herstellen. Vor allem liebt man es heute sehr, Sofakissen nur einfach mit bunter Seide zu überziehen. Auch Leinen, oder Cretone natürlich. T e e - oder Bridgedecken aus farbigem Voile, Batist oder dünnem Leinen mit Spitze umsäumt, einem Tüllrand oder auch vielleicht mit einer stumpfen Kante aus anderem Material sind sehr beliebt und wieder überaus leicht herzustellen. Vielleicht in rosa mit hellblauem Rand oder zartfarbig mit weiß, in uni mit geblümtem Rand oder umgekehrt sehr hübsch auch in bedrucktem Voile nur einfach in sich gesäumt. Immer mit vier passenden Serviettchcn. B e t t k i ß ch e n liebt man meist in weißem Linon mit feiner Handarbeit, auch in zartrosa oder zartgelb, sehr elegant in Crepe de Chine, der ganz glatt oder auch mit feinen Hohlnähtchen gearbeitet sein kann. Und immer wieder all die aus Brokatstoffen mit Goldborten verbundenen und umrandeten so wunderhübschen Sachen: Schreibmappen, Bücher st änder, Telephonbuchhüllen, Tabletts, Zigaretten- oder Keksdosen ja ganze Schreibtischgarnituren und Rauchservice lassen sich in Kleb - und Näharbeit in dieser Weise anfertigen, die zumal für Herren besonders schöne Geschenke werden. Für die Flurgarderobe hat man heute gerne auch in dieser Art oder mit Samt bezogene Kleiderbü g e l und Vorschau auf Weihnachten. Winke für die Hausfrau. Von Hildegard G. Fritsch. (Nachdruck verboten.) Wir nähern uns mehr und mehr dem Weihnachtsfest. Darum sorgt die kluge Hausfrau schon rechtzeitig vor, um nicht im letzten Augenblick alles erledigen zu müssen. Hast bringt Halbheit und Störung. Aber gerade zu diesem wichtigen Fest ist sorgsame Vorbereitung besonders nötig. Es gilt in erster Linie, so früh wie möglich kleine Rücklagen vom Wirtschafts- g e l d zu machen, um die nötigen Geschenke und Gaben kau, en zu k nnen. Die Männer werden leicht ärgerlich und schimpfen, wenn sie kurz vor dem Fest um größere Summen gebeten werden. Sie seufzen und stöhnen, denken am Fest an die vielen Ausgaben und hängen den Sorgen nach. Das verdirbt die Harmonie der Feiertage. Es ist also gut, beizeiten vorzusorgen und sich nach und nach die nötigen Mittel zu sparen. 3n zweiter Linie ist das Großreinema- chen eine spezielle „Festarbeit". Die Hausfrau kann sich Erleichterung verschaffen, wenn sie sich einen bestimmten Tagesplan zurechtmacht und die Arbeiten auf mehrere Tage verteilt. Ein Zimmer wird nach dem andern erledigt, und auf diese Art wird es nich' zuviel für ihre Kräfte. Nichts ist häßlicher für die Familie als eine kranke oder mürrische, abgearbeitete Hausfrau. Auch die näheren Verwandten sollen mit einer kleinen Aufmerksamkeit bedacht werden! Was zu schenken ist, muß gleichfalls vorher bedacht werden. Man kann durch stille Beobachtung die kleinen Wünsche und Notwendigkeiten leicht feststellen, etwa bei einem Besuch. Es ist nicht leicht, jedermann gerecht zu werden oder der Gefahr auszuweichen, etwas Doppeltes zu schenken. Ein Umtausch ist immer etwas peinlich. Deshalb sollte man nicht direkt nach den Wünschen der Betreffenden fragen, sondern selbst auf kleine Stoßseufzer, auf Mängel, geäußerte Wünsche und dergleichen achtgeben, sich diese notieren und dann auswählen und kaufen! Dazu gehört Zeit, und es gilt darum, frühzeitig an die Geschenke, also an das „Was?" zu denken. _ „ Außerdem gilt es, sich über die Einkaufsgelegenheiten zu unterrichten. Ein oder mehrere freie Nachmittage müssen in den Lagesplan einkalkuliert werden, um die Geschäfte und Schaufenster dazu passend Hutständerchen und Kleiderbürsten. Wäschebehälter für Reise und Kleiderschrank werden heute folgendermaßen bevorzugt und sehr leicht selbst gearbeitet: man überzieht Brettchen, bzw. Kartons in verschiedenen Größen für Taschentücher, Handschuhe, Strümpfe, Combinationen, Nachthemden oder Schlafanzüge mit buntbedrucktem Batist, umrandet das Brettchen mit schmalen Rüschen, die man aus dem gleichen Batist genäht und strammt quer über zwei überzogene Gummibändchen, die die Wäsche festhalten Filetarbeiten werden heute nur in ganz grobem Netz gemacht, das meist mit halben Stichen gestopft wird. Tülldecken sind weiter sehr beliebt sowohl für'Herrenzimmertische, wie auch in klein als Tablett-, Teller- und Cocktaildeckchen. In Klebarbeiten lassen sich sehr einfach hübsche Notizbücher, Geburtstags- und Adressenbücher, Ständer für Papierservietten, Kalender, Kasten aller Art und Bridgeblocks, wie überhaupt all die kleinen so beliebten Dinge, die man zum Bridgespiel gebrauchen kann, Herstellen. Lampenschirme faltet man heute in einfarbigem Papier oder Karton mit großen Falten und bindet sie mit einer großen Atlasschleife im gleichen Ton. So lassen sich ungezählte reizende, moderne Gegenstände leicht und billig selber anfertigen, die zum Weihnachtsfest große Freude bereiten. Honigkuchen,Lebkuchen,Makronen Erprobte Rezepte für die Weihnachtsbäckerei. Wenn auch die weihnachtlichen Näschereien gut und preiswert gekauft werden können, so kommt die richtige Weihnachtsstimmung doch erst auf, wenn Mutter mit den selbstgebackenen Leckereien herausrückt. Nachstehend einige Rezepte: Weihnachtsschaumgebäck. j2 Pfund zu Sahne gerührte Butter, 5 Ei r, 3/4 Pi und Zucker und l'/a Pfund Mehl we den gut miteinander verrührt und eine Weile stehengelassen. Hierauf wird der Teig auf dem Nudelbrett dünn ausgerollt und mit Blechsormen allerhand Figuren, wie Hunde, Schäfchen, Hasen usw. ausgestochen, die mit Ei bestrichen und mit buntem Zucker bestreut auf gewachstem Blech in nicht zu heißem Ofen gebacken werden. Es macht den Kindern viel Freude, die selbstgebackenen Tierchen am Weihnachtsbaum zu sehen. Haselnuhkonfekt. Auf 3/4 Pfund entkernte Haselnüsse nimmt man 1/4 Pfund feinen Zucker, schlägt 1 Eiweiß zu Schnee und rührt es mit dem Zucker schaumig, tut 1 Messerspitze Zimt darunter und schüttet die Haselnüsse in die Masse. Dann tut man alles in eine eiserne Pfanne und läßt auf ganz schwachem Feuer unter stetem Tlin- rühren den Zucker antrocknen. Cs hängen dann immer mehrere Nüsse aneinander und bilden ein kleines Häufchen. Statt des Zimts kann nach Belieben auch Vanille oder 1 Teelöffel Himbeer- oder Zitronensaft genommen werden. Honigkuchentorte. 1 Pfund Bienenhonig, je 1/2 Teelöffel Zimt, Nelken und Kardamom, 75 Gramm kleingeschnittenes Zitronat, 1/8 Pfund süße und einige bittere gewiegte Mandeln, 10 Gramm Hirschhornsalz und 15 Gramm Pottasche in Rum ausgelöst, 5 ganze Eier, iy2 Pfund bestes, gesiebtes Roggenmehl. Dieses alles 1/2 Stunde tüchtig gerührt, auf gut gefettete, mit Mehl bestäubte Form gestrichen, reich mit halbierten Mandeln und Zitronatscheiben garniert und braun gebacken, gibt eine gute, lange haltbare Pfefferkuchentorte. Weiße Nürnberger Lebkuchen. Ein Pfund gesiebten Puderzucker richrt man mit 8 ganzen Eiern eine Stunde schaumig. 1/2 Pfund Kartoffelmehl, l/a Pfund Weizenmehl werden dann hinzugerührt. Ferner 15 Gramm feinen Zimt, 8 Gramm Nelken, 4 Gramm Kardamom, 75 Gramm grobgewicgtes Zitronat, etwas abgeriebene Zitronenschale gibt man ebenfalls hinzu. Tags vorher bereitet man 1 Pfund Mandeln vor, welche gebrüht, geschält, feingeschnitten und auf einem Blech im Backofen lichtgelb geröstet werden. Diese kommen zuletzt in den Teig, ebenso wie eine Prise Salz und 1 Teelöffel in Rum gelöste Pottasche. Nachdem man die Masse gut miteinander vermengt hat, werden auf rechteckigen Oblaten fingerdicke Lebkuchen aufgestrichen, die man mit Mandeln und Zitronat an allen vier Ecken verziert und in mäßig heißem Ofen schön lichtgelb backt. besichtigen zu können. Der vorteilhafte Einkauf ist sehr wichtig. Ist die günstige Gelegenheit ermittelt, wird gekauft. Das Fest ist viel schöner, wenn an all diese Notwendigkeiten rechtzeitig gedacht wird und keine Heberst ürzung die Harmonie beeinträchtigt! Das erkalieie Kind. Von Or. med. W. Schweisheimer. Kinder find im allgemeinen häufiger erkältet als Erwachsene. Manche Kinder sind sozusagen alle Augenblicke von einem Schnupfen, einer Halsentzündung oder einem Husten betroffen. Ist es nun so, daß Kinder an und für sich mehr zu Erkältungen neigen oder sind sie häufiger der Erkältungsgefahr ausgesetzt? Wahrscheinlich ist das letztere der Fall. Die Kinder ziehen sich nicht richtig an: Mäntel und Mützen sind ihnen lästig, den Mantel schließen sie nicht, auch wenn starker Wind weht. Oder sie erhitzen sich übermäßig beim Spielen und Herumlaufen, achten dabei nicht auf Zug und Wind. Die kalte Jahreszeit ist auch die hauptsächlichste Zeit für die Erkältungen. Gelegenheit dazu ist immer in reichem Maße gegeben. Ein Kind geht zur Schule, durch nassen Schnee, es trägt keine Heberschuhe, bekommt nasse Füße, am nächsten Morgen liegt es mit Halsentzündung im Bett. Das ist ja charakteristisch für Erkältungskrankheiten, daß nicht die Stelle der Schädigung erkrankt, hier also die Füße, sondern irgendein ferner Körperteil, im vorliegenden Fall die Schleimhaut des Rachens. Ein Kind hat beim Turnen ein leichtes Trikot angezogen, es ist recht während der starken Körperbewegung, das Kind denkt aber nicht daran, sich beim Fortgehen wärmere Kleidung anzuziehen, die Folge ist ein heftiger Schnupfen. Dabei neigen die Kinder zu Fieber, sogar zu hohem Fieber, während Erwachsene im leichten Krankheitsfall normale Körpertemperatur haben. Ein leichter Schnupfen, eine geringe Darmstörung kann bei Kindern sofort zur Erhöhung der Körperwärme auf 39 Grad führen. Aber ebenso schnell geht das Fieber bei Kindern wieder zurück. Das Kind hat heute morgen noch normalerweise 36,7 Grad, heute abend vielleicht 39,2 Grad und morgen früh wieder 36,6 Grad, inzwischen hat sich ein Schnupfen ausgebildet. Bei Schnupfen sind die Bindehäute des Auges häufig in Mitleidenschaft gezogen. Der Zum gefüllten Honigkuchen, der bedeutend feiner ist, wird 1 Pfund Honig erwärmt, in ihm V2 Pfund Zucker aufgelöst, das Ganze mit sechs ganzen zerquirlten Eiern vermischt und in dieser Mischung zunächst 21/» Pfund Mehl untergearbeitet. Es werden dem Teig Vi Pfund geriebene Mandeln, 1/l Pfund feingeschnittenes Zitronat, 2 Teelöffel voll Zimt, ein Teelöffel voll englisches Gewürz, ein Teelöffel voll Nelken, ein Teelöffel voll Ingwer hinzug:fügt. Der Teig bleibt dann zugedeckt bei Zimmertemperatur stehen. Später wird er dann mit zwei Teelöffel voll aufgelöster Pottasche und einem Teelöffel voll Hirschhornsalz verarbeitet. Am einfachsten ist es, nun von ihm zwei Teile zu machen und jeden Teil für sich einen halben Zentimeter dick auszurollen. Der eine Teil wird dann auf ein bestäubtes Blech gelegt und mit nachfolgender Mischung bestrichen; die angegebene Teigmasse füllt gerade ein großes Backblech. Zu der sehr fein schmeckenden Füllung werden 3/4 Pfund Schokolade erweicht und mit einer kleinen Tasse Milch, Vs Pfund geriebene Mandeln, 1/2 Pfund geschnittenes Zitronat, V2 Pfund Zucker, V2 Pfund Sultaninen zu einem leicht streichbaren Teig verrührt. Diese Füllung wird auf den Boden gebracht, gleichmäßig ausgestrichen und die Decke übergelegt. So wird der Kuchen abgebacken und später in beliebig große Streifen geschnitten. Schokoladenmakronen. 1 Pfund feingeriebene süße und etwas bittere Mandeln mischt man mit 1 Pfund geriebener Schokolade, 1/2 Pfund Zucker und 6cm au Schnee geschlagenen Weißen von 10 Eiern. Von dieser steifen Masse formt man kleine Häufchen, seht diese auf ein gewachstes Blech und läßt sie 15 Minuten im Baao,en trocknen, nicht backen, bis die Makronen sich gut mit einem Messer vom Blech lösen lassen. Zuckernüsse. 1 Pfund Zucker und 4 Eier rührt man schaumig, tut 1 Pfund Weizenmehl. 3 Gramm in Rum aufgelöste Pottasche, 40 Gramm gehacktes Zitronat, gehackte Apfelsinenschale, etwas Zimt und Nelken hinzu, dreht haselnuhgroße Klößchen und backt sie lichtgelb. Anisbretzeln. 100 Gramm feinstes, gesiebtes Mehl, 70 Gramm Butter, 50 Gramm Puderzucker, 15 Gramm pulverisiertes Anis und 5 Eigelb werden zusammen geknetet und an kühlem Ort 1 Stunde ruhengelassen. Dann formt man kleine Brezeln, die, mit Eiweiß bestrichen, mit grobem Zucker bestreut, in mäßig warmem Ofen hellgelb gebacken werden. M ü r b k u ch e n. 3/4 Pfund Butter wird sahnig gerührt, 2 Eigelb dazugegeben, ebenso 1/2 Pfund Puderzucker, 1 Eßlöffel süße Sahne und 1 Pfund Mehl und alles gut miteinander verrührt kühl stehenlassen. Hierauf wird der Teig dünn ausgerollt und Figuren ausgestochen, die man auf unbestrichenem Blech hellgelb backt. Husten weist auf eine Reizung oder katarrhalische Entzündung in Kehlkopf und Luftröhre hin. Manche Kinder leiden jahrelang in der kalten Jahreszeit an solchem Reizhusten, alle Vorsicht und alle Abhärtung ist vergeblich, erst im Laufe der Jahre verschwindet die Neigung von selbst. Fieber ist damit fast nie verbunden. Dagegen tritt Fieber häufig auf, wenn die Bronchien, die tieferen Luftwege, ergriffen sind. Hohes Fieber ist fast immer mit Hals- und Mandelentzündungen verknüpft. Sie bedürfen sorgfältiger Ausheilung, namentlich wenn sie mit der Bildung von Belägen und Eiterpfropfen auf der Mandel einhergehen, sonst können Nachkrankheiten die Folge sein. Seltener als beim Erwachsenen treten rheumatische Erkrankungen der Muskeln, Nerven und Gelenke auf. Dagegen sinh die kindlichen Verdauungsorgane gegen Erkältungen sehr empfindlich. Magen- und Darm- störungen und schmerzhafte Darmkoliken können sich unmittelbar an eine Erkältung anschließen. Hier wie sonst bei kindlichen Erkrankungen kann Erbrechen das erste Zeichen der beginnenden Störung fein. Freilich beginnen manche infektiöse Kinderkrankheiten zunächst unter ganz ähnlichen Erscheinungen. Kälte und Nässe werden besonders dann wirksam, wenn sie auf eine günstige Disposition des Kindes für Erwerbung einer Erkältungskrankheit treffen. Ein übermüdetes Kind ist zu Erkältungen mehr geneigt, als ein ausgcschla- fenes. Falsche Ernährung bereitet den Boden der Erkältungskrankheiten vor. Dabei handelt es sich seltener um Unterernährung als um Heber» fütterung der Kinder, oder um eine allzu eiweißreiche. reizhafte Kost. Zu enge Schuhe behindern den Blutkreislauf, die Füße werden kalt, und diese Art der Blutverteilung ist immer besonders ungünstig für die Abwehr von andringenden Schädlichkeiten. Man wird frühzeitig danach trachten, eine vorhandene Neigung der Kinder zu Erkältungen zu vermindern. Abhärtung ist aber ein Schlagwort, das bei falschem Gebrauch viel Unheil anrichten kann. Die übliche Reinigung des Gesichtes, der Hände usw. mit Wasser von Zimmerwärme ist gut. Darüber hinaus wird man aber kaltes Wasser nicht mehr wie früher zu Abhärtungskuren verwenden. Richtige Abhärtung macht in hohem Maße von der Lust Gebrauch. Kinder können fast bei jedem Wetter an die Advent im Kinderzimmer. Von Elsb.th Unverricht. (Nachdruck verboten.) So selig noch einmal auswachen können, wie das Kind am ersten Advent! Die ganzen Tage vorher hatte man gezählt: jetzt nur noch dreimal ausschlafen, dann —, jetzt nur noch einmal, und wenn man dann aufwacht ... Abends zeigte das Kinderzimmer noch das alte Gesicht; aber man war ganz sicher: der Nikolaus würde einen nicht vergessen; alles würde wieder da (ein: Adventskranz und -Herzen und vor allem die himmlische Adventsschnur ... Und man wurde nicht enttäuscht: es war wirklich wieder alles da und viel schöner, als es früher war. Man sollte sie zu erhalten suchen, alle die alten, fröhlichen Bräuche. Kinder brauchen Erwartung und Wunderglauben. Und wie wenig gehört dazu, ein Kind zu beglücken, Kinderaugen leuchten zu machen! Was ist schließlich dieser ganze Advents- zauber für die nüchterne Realität der Erwachsenen: ein Korb mit Tannengrün, ein paar bunte Bänder, ein paar fartrge Kerzen, zwei Tüten mit Näschereien, einige kleine Spielsachen, die für wenige Pfennige zu haben sind! Aber der ganze weihnachtliche Zauber darum, die liebevollen Zurichtungen der Mutter — das macht es. Zunächst der Adventskranz. Man umwickelt ein starkes Drahtgestell mit frischem Tannengrün, die schönsten Zweige nach außen, ganz fest und eng, daß feine Zweige abstehen. Dann befestigt man vier schöne, dicke Kerzen, weiß, gelb oder rot, und umwindet den Kranz mit dazu passendem Band oder einem Seidenband in kleinen Streublümchen. Zuletzt bringt man noch einige goldene Kugeln, kleine bronzierte Mohnkapseln, und einige Aepfelchen, ebenfalls bronziert, daran. Dann wird der Kranz an langen Seidenbändern unter der Krone befestigt. Der Adventsleuchter, den jedes Kind bekommt, ist eine einfache Flasche, die ganz mit Tannengrün umwunden ist, und zwar so, daß einige Zweige auf der Tischplatte aufliegen, die den Fuß markieren. Dann wir6 aus Silberpapier ein festge- drehter Bügel angemacht und eine Kerze hineinge- steckt. Zum Schluß die A d v e n t s s ch n u r. Dazu besorgt man zunächst starken Gold- oder Silberdraht, der in Schnüren durchs Zimmer gezogen wird. (Für jedes Kind ist eine Schnur gedacht.) Dann einige Bogen buntes Seidenpapier ober Glanzpapier, vielleicht auch einen silbernen ober goldenen Bogen, und macht für jedes Kind vierundzwanzig kleine Pakete. Für die Tage vom ersten Advent bis zum Heiligabend. In jedes Päckchen kommt eine kleine Näscherei: ein paar Nüsse, ein Stückchen Marzipan, ein Pfefferkuchen, ober auch ein kleines Spielzeug: ein Püppchen, ein Taschenmesser, ein kleines Notizbuch, ein bunter Stift, ein paar farbige Kerzen, ein Weihnachtsengel unb ähnliches. An ben vier Abvents- fonntagen ist bas Paketchen befonbers üppig. Da enthält ein Päckchen Näschereien unb Spielzeug. — Unb jeben Abenb, wenn bie Abventskerzen an- gebrannt werben, bars bas Kinb von seiner Schnur ein Päckchen nehmen. Manchmal, wenn es sich am Tage etwas zuschulben kommen ließ, finbet sich anstatt ber erwarteten Ueberraschung ein Zettel vom Niklas vor: „Lottchen war heute unartig!" Aber bas ist eine furchtbare Schande und passiert auch nur sehr selten. An den übrigbleibenden Päckchen kann man dann immer abzählen, wie viele Tage noch bis Heiligabend sind. Ja, in solch einem Adventszimmer machen sich die Weihnachtsarbeiten nach einmal jo aut — da fallen auch den Erwachsenen die schönsten Geschichten wieder ein — da wächst der Wunschzettel lang und immer länger, weil doch dem Weihnachts- mann nichts unmöglich ist ... Von diesem bunten, lustigen Fleckchen ergießt sich der alte, ewig neue Adventszauber über das ganze Haus. Luft, aber die Kleider sind unbedingt dem Wetter anzupafsen. Mjt vorgefaßten Theorien, etwa der Ansicht, daß die Kinder das ganze Jahr mit bloßen Knien laufen soUen, wird man bei den meisten Kindern Mißerfolge erzielen, sie werden sich oft erkälten. Kleine Kinder geben verhältnismäßig viel Wärme an die Umgebung ab, sie wer- den darum auch rascher kalt als Erwachsene, wenn sie nicht zweckmäßig angezogen sind. Von einem Jahr an sollte jedes Kind, solange es gesund ilt immer im ungeheizten Zimmer schlafen, auch im kalten Winter. Dagegen wird man das Fenster nur in der wärmeren Jahreszeit nachts geöffnet halten. Schlafen im ungeheizten Zimmer fördert den Schlaf und ijt infolge der langen, gleichmäßigen Einwirkung eines der besten Abhärtungsmittel für die Atmungsorgane. Heberheizung der Zimmer dagegen macht zu Erkältungen besonders geneigt. Man muß bedenken, daß Kinder nur selten längere Zeit ruhig dasihen, sondern im Zimmer herumspringen; schon deswegen darf das Zimmer nicht zu warm gehalten fein. In überheizten Zimmern ist die Luft meist zu trocken, darunter leiden wieder alle Schleimhäute, und ein plötzlicher Kälteüberfall läßt sie rasch erkranken. Richtiges Verhalten läßt zahlreiche Erkältungskrankheiten noch im Entstehen verschwinden. Naß gewordene Strümpfe müssen alsbald gegen trockene umgetauscht werden. Bei nassem Schneewetter sind Heberschuhe oder Gummischuhe für Kinder unentbehrlich, die zu Erkältungen neigen. Am wichtigsten ist Wärme, von innen und von außen. Die warm gebadeten Kinder kommen ins Bett, bekommen dann heißen Tee zu trinken, gleichviel welcher Art, oder wenn sie das nicht wollen, heiße, gezuckerte Zitronenlimonade. Hals- und Brustwickel helfen vorzüglich zu raschem Abheilen der Anfangserscheinungen. Der Berliner Chirurg Bier hat empfohlen, zu Be» ginn eines Schnupfens einen Tropfen Jodtinktur in einem Glas Wasser zu trinken, und das nö- tigenfalls nach einem halben Tag noch einmal zu wiederholen. Das Mittel ist in vielen Fällen wirksam, in allen ohne Schaden. Gegen starken Reizhusten können Medikamente nötig werden namentlich um ruhigen Schlaf zu erzielen. Ber- dunsten von Fichtennadel- oder Kiefernöl übt auf die oberen Luftwege einen beruhigenden und heuenden Einfluß aus. Der Sonderausschuß der VZZ. ÄupenpolMscye Umschau. Von Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universitär Äerlin. Am 20. November erfolgte der deutsche Antrag, den Sonderausschuß der BIZ. einzuberufen. Damit geschah, rotrs nach unserer Auffassung gar nicht ,311 vermeiden war. Entweder wollte man den ^ounfl- plan und die Schuldenlast einfach einseitig als nicht mehr bestehend erklären, oder da Deutschland offen1 sichtlich das weder wollte noch konnte, war und blieb das Gegebene, den Wagen auf dieses Geleis zu bringen in der Verbindung der U n • tersuchung von Reparationsfrage und privater Verschuldung Deutschlands. Die dafür entscheidenden Sätze im deutschen Antrag sind absolut zutreffend und zwingend. Man soll sich aber nicht darüber täuschen, daß Frankreich nach dieser Fassung, wenn es ihr auch zugestimmt hat, nicht gebunden ist und daß daher schwere Kämpfe im Ausschuß bevorstehen. Diese Ausschuß- beratung ist, um das Bild zu wiederholen, lediglich die Ansahrt des Wagens, die so schnell wie möglich weiter z urinternationalen Regierungskonferenz führen muh. Heute wird man verstehen, warum wir immer so sehr auf die Kürze der Zeit hinwiejen. Schwerlich wird die Konferenz vor Weihnachten zusammentreten können. Wird es Januar, so kommt man ganz knapp an den Schlußtermin des Stillhaltc- abkomm ens heran und kommt dabei noch mit der Abrüstungskonferenz durcheinander. Das ist eine sehr unerfreuliche Lage, an der die deutsche Führung der Sache durchaus nicht unschuldig ist und die sie nun hoffentlich durch verdoppelte Energie überwindet. Ueberwindet zu dem Ziel, über das die Deutschen doch im Grund alle einig sind. Zu vermerken ist dabei nur noch das Folgende: Ein neues amerikanisches Memorandum (17. November) hat die Bereitwilligkeit Amerikas zur Herabsetzung der Kriegsschulden erklärt, sobald sich Europa über die Reparationen einig sei. Beides wird drüben immer noch getrennt gehalten, um die Beratung im Kongreß nicht zu er- schweren, der mit Reparationen formell nichts zu tun hat und hoben will. Diese Kongreßberatung Anfang Dezember kann aber ebenfalls recht schwierig werden und so den an sich schweren Gang der fanzen Sache hemmen. Sodann — für Eng - and hat Baldwin die englische Linie so festgelcgt: Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich und „im gegebenen Moment" englische Vorschläge, jedenfalls sei ohne englische Zustimmung kein Ab- schluß möglich. Das letztere hat niemand bestritten, ober aus Baldwins Erklärung geht hervor, daß die ersten Kämpfe zwischen Frankreich und Deutschland allein durchzufechten sind. Frankreich kann sich der Untersuchung von Reparations- und privaten Schulden juglcid) nicht widersetzen. Der Streit um die Priorität aber ist akademisch. Ganz richtig formuliert das die Times: „Entweder laßt man Deutschland den Weg zur Solvenz zurücksinden, oder die Welt wird den Weg zur Gesundung in der Wirtschaft überhaupt nicht mehr finden." Sie sagt das ausdrücklich in bezug auf die Frage, ob Reparationsschuld oder kommerzielle Schuld zuerst käme. Das ist auch unsere Meinung. Frankreich aber spitzt heute die Frage so zu, daß es unter allen Umständen die bekannte „indemnitte nette“ erhalten will, roh gesprochen: ein Drittel des Reparationssatzes im Poungplan, während die anderen Zweidrittel weiterhin gestundet werden könnten. Denn, wie Sauerwein mit größter Offenheit lagt: „Der amerikanische Staat kan sich dieses Opfer auferlegen, weil seine Bürger durch die kurzfristigen Kredite gewonnen haben". Zusammenhang und Absicht Frankreichs sind so ohne weiteres klar. Sein Schlachtplan liegt zutage und wir würden uns selbst die Position verschlechtern, wenn wir ihn nicht so vor uns sehen würden. Es ist ein sehr schwerer Kampf, der jetzt eröffnet ist, aber wir begrüßen es, daß er nun endlich mit dem deutschen Schritt ausgenommen worden ist. Und bas deutsche Volk hofft nicht nur, sondern cs fordert vom Kanzler und den anderen, die mit ihm verantwortlich sind, daß nun- mehr auf der gegebenen Linie mit äußerster Energie und Beschleunigung die Sache Bach, Mozart, Beethoven. Znm bevorstehenden Lnnipßonic>Kon;ert bco ÄonzcnvcreinS. Die volkstümliche Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts war beherrscht von der Orchester- Suite. d. h. einer Aneinanderreihung von Tänzen bzw. Musikstücken mit Tanzchar aller. die sämtlich durch die ihnen zu Grunde liegende gleiche Tonart zusammen e aßt waren. Die innere iSinbeit dieser e nzelncn Sä e wurde erst dadurch verstärkt, daß die Themen der weiteren Sähe aus dem Thema deS Kopssahcs organisch gewonnen wurden. Die ältere Orchester-Suite diente vorwiegend der Straßen- und Platzmusik der Stadtkapellen bei festlichen Gelegenheiten, sie fiel darum den Blasinstrumenten zu. Erst in einem weiteren Stadium der Entwicklung schrieb man Suiten auch für Streichinllrumente unter H nzusügung einer De- neralbaßbegleitung, die e:wa durch ein Eembalo oder ein anderes Akkordinstrumcnt ausgeführt wurde. Gegen Ende des 17. Jahrhundert- geriet die deutsche Suitenkomposition unter den Einfluß Frankreich-, insbesondere Lullys und Ramcaus, da die Bevorzugung de- Ballett- in der tranV?- fischen Oper die charakteristische Durchbi düng musikalischer Tanzsormcn begunstizte. — Kennzeichnend für die französische Suite war besonders die Ouvertüre, die aus einem lcbhastcn, sugicrten Mitteisatz bestand, der von zwei langsamen Sähen eingcschlossen wurde. Daß Johann Sebastian Bach in der ©ulten- Komposition eine besonders hervorragende Stellung einnimmt, mag neben seiner persönlichen Künstlerschaft auch darin begründet sein, daß in seiner Familie schon seit Generationen der Kunst- psciserberus auSgeübt wurde, und bei ihm dieser also seit langem gepflegte Zug zur volkstümlichen Musik seine meisterliche Zusammenfassung erfuhr. Unter seinen vier Orchester Suiten hebt' sich besonders die in l)»Dur C2lr. 3* hervor, die mit der andern Suite in der gleichen Tonart wahrscheinlich in dem Te'.cmannscheu Musikverein. den Bach eine Reihe von Jahren in seiner Leipziger Zeit leitete, zur Ausführung gelangt ist. iDie volkstümlich Bach mit feinen Suiten-Kompolitionen geworden war. dafür spricht eine Schilderung dec Kirmes zu Eutritzsch, die einem .Tableau von Leipzig im Jahre 1783 entstammt .Das Chor von Mulikanten streicht wacker ju: debütiert mit Sonaten von Bach und schließt mit Gassenhauern.' Unter 2lIS Beethoven im Jahre 1817 einmal von dem Dichter Lhristoph Äuffncr gefragt wurde. vorwärts getrieben wird und daß in ihr, da sie nun klar liegt, auch der Konflikt, auch die schwere Entscheidung nicht gescheut wird! diesen „Sonaten" sind zweifellos Teile seiner Suiten zu verstehen. ES ist ein Verdienst Felix Mendelssohns, daß er 1838 die 0 - Dur - Suite in einem Gewandhauskonzert w eder zur Ausführung brachte und dieses Werk damit dem Konzertsaal wieder zugängig machte. Unter dem Eindruck dieser Ausführung äußert sich damals Robert Schumann: „Er wiegt uns samt und sonders auf dem kleinen Finger." Die zur Aufführung gelangende Suite gehört zu den sog. „Trompeten"-Suiten. In ihren Formen folgt sie dem französischen Vorbild. Dem Kopf- sah lOuoerture) gibt Bach eine innerliche Vertiefung einmal durch die pompöse geballte Kraft der Außensähe und durch die energievoll bewegte, eingeschaltete Fuge. Der zweite Sah („Air“) entfaltet breite Rentabilität, getragen von der Wärme reich strömenden Gefühls. (Wie innerlich reich dieser Sah ist, zeigt die Tatsache, daß er zeitweilig in einer ileberarbeitung zu einem bevorzugten Stück der Diolinsolisten geworden war.) Die Darauf folgende Gavotte erhebt sich durch ihre geistvolle Markierung über das Traditionelle dieser vom Tänzerischen herkommenden Form. Oie Berufsgenossenschasten. Die die Vereinigung berufsgenossenschaftlicher Verwaltungen für Hessen. Hessen-Rassau und Waldeck mitteilt, wäre es unverständlich, wenn die Reichsregierung bei den notwendigen Reformen der Krankenkassenorganisation auch Aende- rungen in der Organisation der g e- werblichrn Unfallversicherung vornehmen wollte. Von allen Zweigen der Sozialversicherung habe sich die Organisation der gewerblichen UnfallDertidjerung den Schwierigkeiten der Rachkriegszeit am meisten gewachsen gezeigt. Weder sei eine Leistungsunfähigkeit von Berufsgenossenschaften eingetreten, noch hätten sich Mißstände irgendwelcher erheblicher Art in der Verwaltung gezeigt. Man könne auch nicht sagen, daß etwa die Rotwendigkeit, kleine leistungsschwache Organisationen zu unterstützen, hervorgetreten wäre. Gerade manche kleinen Deruss- genossenschasten, die häufig zum Beweise mangelhafter Organisation herangezogen werden — es sei nur an die Schomsteinfeger-Derufsgenossen- schoft erinnert — hätten sich finanziell vollständig auf der Höhe gehalten. Ratürlich würden, wenn die traurige Wirtschaftslage anhält, auch die Derufsgenossenschaften in Bedrängnis geraten, aber das feien dann Erscheinungen, die von keiner Art von Organisation verhütet und die nur durch 2Tbbau der Leistungen und durch Erholung der Wirtschaft allmählich wieder beseitigt werden könnten. Selbst wenn aber gewisse Organisationsverbesserungen an und für sich wünschenswert wären, so sei der Zeitpunkt einer wirtschaftlichen R 0 11 a g e, in der jeder Detriebsunternehmcr die größten Anstrengungen machen muß, sich über Wasser zu halten, am ungeeignetsten, solche Aenderungen in der Organisation vorzunehmen, die zunächst doch nur eine 11 n f u m m e von unproduktiven Verwaltungsarbeiten und erhebliche Mehrkosten verursachen toürben. Man solle daher die bisherige Organisation bestehen lassen, bis ruhigere Zeiten kommen, damit sei allen Beteiligten am besten gedient. Unverantwortlich wäre es lediglich aus politisch taktischen Erwägungen, solche Experimente jetzt vorzunehmen. Soll man heutzutage sparen? In der Gegenwart hört man oft die Frage: Soll man fein Geld ausgeben oder soll man sparen? Oft wird dann geantwortet: Ausgeben! Zur Begründung dieser Antwort wird meist angeführt: Jede Mark, die ausgegeben wird, schafft neue Arbcits» und Verdienstmöglichkeiten. Viele Geschäftsleute fördern natürlich im eigenen Interesse durch Reklame diese Ansicht: „Kaufen, nicht sparen." Und doch, diese Ansicht ist nicht richtig. Die Sparkassen stecken ja das bei ihnen gesparte Geld nicht in den Tresor, sie geben es weiter. Sie leihen es aus an Handel, Gewerbe und Landwirtschaft. sie geben Kredite an die kleineren und mittleren Betriebe. Auch bei diesen wird das Geld nicht aufgehoben, sondern es dient dazu, um Rohstoffe, Werkzeuge, Maschinen. Land, Saatgut, Gebäude zu kaufen, um Arbeiter und Angestellte zu bezahlen usw. Kurz, es wird auch hier au6- gegeben. Sparen und Ausgeben ist also gar kein Gegensatz, wohl aber gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen Sparen und Ausgeben: Das Geld, das der einzelne von seinem Einkommen leicht ausgibt, dient im allgemeinen dem Verbrauch, d. h. dem Kauf von Verbrauchsgütern. Das Geld hingegen, das der einzelne bei der Sparkasse spart, dient — bis er es wieder braucht — der Kapitalbildung, d. h. der Schaffung neuer Arbeitsplätze und Ec- werbsmöglichkeiten. H er zei't sich die Unentbehrlichkeit, die Lebensnotwendi^keit des Sparens, des richtigen Sparens, freilich nur nicht des Hamsterns. Wer Geld hamstert, spart zwar auch: aber das ist ein Sparen, von dem die Gesamtheit und damit auch der Betreffende selber nicht Ruhen, sondern Schaden hat. Unter den Klavierkonzerten Mozarts nehmen die beiden Konzerte in D-Moll und L-Moll eine Sonderstellung ein, indem sie in ihrer subjektiven Haltung von der damaligen konventionellen Deseilschaftsmusik her in ein Reuland vorstohen. das Dann später Beethoven Den geeigneten Boden zur völligen endgültigen AuSw r ung gab Gegenüber den voraus.egangencn Vio inlonzer.en verlieft Mozart ganz besonders in diesen beiden Moll- Werken den oialoghaften Charakter des Konzertes. Wie Mozart in Der si mphonischen Verwebung von Solistenpart und solistisch geführten Orchesterstimmen neue Wege bahnt, darauf konnte schon bei früheren Be'prechungen Mozartscher Konzerte verwiesen werden. Der erste Sah des v-Moll -Konzerte- ist mit einem leidenschaftlich drängenden Grundton erfüllt, zeitweilig mit einem Zug inS Klagende. Flehende. Die in Wohllaut getauchte Romanze will besondere Gelegenheit für das kantable Spiel geben. Das Schiußrondo blickt mit kinem stark gesteigerten Tempo (Prcstissimo) auf Beethoven voraus, in der Coda wendet sich Die Mollstim- mung deS Satzes dem lösenden Dur zu. Wirischast. • Der Zusammenbruch der Berliner Dank für Handel und Grundbesitz. Die Staatsanwaltschaft hat im Verlauf der Untersuchung wegen des Zusammenbruchs der Bank für Handel und Grundbesitz jetzt auch das Ermittlungsverfahren auf weitere Mitglieder des Aufsichtsrates ausgedehnt, um völlige Klarheit über die Geschäfte der Bank zu schaffen. — Der bisherige Vorsitzende der wirtschaftsparteilichen Fraktion im Preußischen Landtag. Abg. Laden- d 0 r s s, hat in der Fraktionssitzung am Dienstag milgeteilt, daß er seine sämtlichen Parteiämter, insbesondere auch das des Vorsitzenden der Landtagssraktion. bis zur restlosen Klärung des gegen ihn im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz eingeleiteten Verfahrens niedergelegt habe. • Hoesch-Köln-Reuessen A G. für Bergbau und Hü 11 e n b e t r i e b. Dortmund. Die vom Aufsichtsrat genehmigte, der Generalversammlung vorzulegende Bilanz weist nach Ab'etzung der Unkosten einen Rohgewinn von 7 532 C96 Wk. auf. Rach Abschreibungen auf Werkanlagen von 10 ^46 801 Mk.. sowie nach Abschreibungen auf eigene Aktien von 769 247 Wk. und nach Zuweisung von 2 095 926 Mk. an eine neugebildete Ärifcnrüdlagc ergibt sich ein Verlust von 5 807 235 Mk. Der AufsichtSrat wird der Generalversammlung Vorschlägen, diesen Verlust aus der mit 33 822 280 Mk. ausgewiesenen gesetzlichen Rücklage zu entnehmen. (3. V. verteilte Hvesch 6 v H.. Kcln-Reuessen 6.5 v. H. Dividende auf die Stammaktien.) 4,8 »onen Arbeitslose im Reich. Zunahme seit 1. November rund 220 000. Berlin. 24. Rov. (WTD.) Rach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 1. bis 15. Ro- vember belief sich die Zahl der Arbeitslosen am 15. Rovember nach den vorläufigen Meldungen der Arbeitsämter auf rund 4844000. Sie hat seit dem 1. R o v e m b e r, ^nicht zuletzt infolge der Einstellung der meisten Außenarbei- ten, um rund 220000 zugenommen. Die Zunahme in der gleichen Zeit des Vorjahres war um etwa 12 000 höher, wenngleich der Stand der Arbeitslosigkeit damals um rund 640 000 niedriger lag. Am 15.Rovember wurden in der Arbeitslosenversicherung rund 1 248 000, in der Krisenfürsorge rund 1 383 000 Hauptuntcr- stühungsempfänger gezählt. Die Zunahme seit dem 1. Rovember belief sich auf rund 63 003 in der Arbeitslosenversicherung und rund 33 000 in der Krisenfürsorge. Don den am 31. Oktober gezählten rund 4 623 000 Arbeitslosen erhielten rund 17 v. H. wegen mangelnder Bedürftigkeit für Krisen- oder Wohlfahrtsunterstützung, oder weil ihre Wartezeit für die versicherungsmähige Arbeitslosenunterstützung noch lief, oder aus anderen Gründen keine Unterstützung. Don den zu jenem Zeitpunkt unterstützten Arbeitslosen entfielen etwa 66 v. H. auf die Arbeitslosenversicherung und Krisensürsorge, etwa 34 v. H. auf die öffentliche Fürsorge. * Detriebseinschränkungen bet den Kruppschen Erzgruben im Bctzdorser Bezirk. Wie WTB.-Handel-dienst von zuständiger Stelle erfährt, ist die Verwaltung der Kruppschen Eisensteingruben im Detzdorser Bezirk nicht in der Lage, den Betrieb der Erzgruben in vollem Umfange aufrecht zu erhalten. Di- jetzt haben die werkseigenen Hütten zur Stützung de« Rotstandsgebietes die gesamte Förderung der Gruben abgenommen und — bei dem ständig $u- rückgehenden Roheisenabsah — die Hälste der Förderung auf Lager nehmen müssen. Die aufgefta» pelten Vorräte an Siegerländer Erz sind infolgedessen auf weit über 1 Mill. Mk. angewachsen, die in einer so kapitalarmen Zeit wie heute zinslos dem Kapitalumlauf entzogen sind. Diese- Verfahren weiter durchzuhalten, sei selbst einer Firma wie Krupp heute nicht mehr möglich. Don den beabsichtigten Einfchränkpngsmaßnahmen werden rd. 600 Bergleute betroffen. Englische Gorgen um das Pfund. Oie Londoner City gegen Paris verstimmt. London. 24. Rov. (WTD.) Der neue Rückgang des Pfundes allen führenden Devisen gegenüber hat das seit einigen Tagen in der Londoner City herrschende Gefühl der Desorgnis noch erheblich verstärkt. Es waren auch heute wieder in der Hauptsache Abgaben des Kontinents zu beobachten, die das Pfund drückten. Die Gerüchte wollen nicht verstummen, daß bei Den Verkäufen für französische Rechnung — die Hauptverkaufswelle geht zweifellos von Paris aus — in hervorragendem Maße politische Motive eine Rolle spielen. Man weist in Finanzkreisen daraus hin, daß säst vor jeder internationalen Konferenz, auf Der zwischen Frankreich und England Meinungsverschiedenheiten herrschten, die englische Währung auf französische Manipulationen schwach veranlagt ist. Anderseits beginnt man auch zu verstehen, daß die augenblickliche englische Handelspolitik kaum dazu angetan ist, das Vertrauen des Auslandes zu stärken. Man versucht auf der einen Seite den Wert des Pfundes künstlich hochzuhalten, durch die Einführung von Zöllen und durch die „Kauft britische Waren"-Bewegung, anderseits sucht man wiederum ein erhebliches Anziehen des Pfundes zu vermeiden, um nicht der Vorteile der Exportprämien verlustig zu welche unter feinen bis dahin geschriebenen acht Symphonien ihm die liebste sei, antwortete er ohne Besinnen: „Die Eroica." Kussner: „Ich hatte gedacht, die L-Moll." Beethoven: „Rein, die Eroica!" Und mit Recht. In dem gesamten Schaffen des Meisters bedeutete kein Werk einen so gewichtigen Schritt vorwärts wie diese Symphonie. Ja, dieses Werk leitet eine neue Epoche in Der Geschichte der Symphonie ein. Hatten alle Doraudgcganqcnen s mphonisben Werke m hr oder minder Der Musik an sich gedient, indem sie musikalisches Erleben in musikalische Formen brachten, so macht Beethoven hier zum ersten Male Die Musik dem Erleben des Menschen in seiner ethischen Haltung zugängig. Es gibt Dem Heldischen, so wie er es subjektiv erschaut (die ursprüngliche Beziehung auf Rapoleon mußte dem symbolischen Allgemeinbegriff des Helden weichen) eine Verkörperung im Musikalischen, indem er die Kausal» bezogenheit Der Außenwelt mit ihrer Zielstrebigkeit zum erstenmal in den Ausdrucksbereich deS Mu'ika ischen e nb z eht. Dabei werden die inneren Gesetzlichkeiten der Musik mit ihren Spannungen und Lösungen zu ausdrucksstarken Symbolen außermusikalischen Geschehens. Es erübrigt sich, auf den Gedankengang de- Werkes im einzelnen einzugehen, da die Symphonie innerhalb Der letzten Jahre zum dritten Male auf Dem Programm erscheint. Es wird den Besuchern des Konzertes aber sicherlich interessant sein, zu beobachten, welche Entwicklung Die Inßrumcn ierung-Iu: st von Der orgelmäßig gedachten Koppe ui g der O.chcster- stimmen bei Bach hin zu der cigenklanglichen Bewertung Der Instrumente bet Mozart und weiter ZUM symbolischen AuSdru lswert der Klangfarbe bei Beethoven genommen hat. Dr. H. tiodifcbulnotbrirfffen. Dr. Hans EheloIs, Honorarprofessor an der Universität Berlin und Kustos bei dcr Sammlung der 'Vorderasiatischen Altertümer der Staatlichen Museen, hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Afsyriologie an der Universität Breslau als Nachfolger von Profesior A. Ungnad obgelehnt. Dr. phil. Wolter Fuchs In Berlin, der zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule in Aachen berufen wurde, übernimmt am 1. April 1932 den Lehrstuhl für technische Chemie an der Aachener Technischen Hochschule. gehen. Die Position deS LondonerDevifen- Marktes ist jedenfalls sehr schwach, er hat die Führung an die kontinentalen Plätze abgegeben. Die Schwäche deS Pfundes hat alle Hoffnungen auf eine baldige Herabsetzung des englischen Diskontsatzes vernichtet, im Gegenteil, man rechnet jetzt sogar wieder mit einer Erhöhung. Oer gestrige Devisenmarkt. An den internationalen Devisenmärkten hat sich gestern vormittag der R ü ck - gang deS englischen Pfundes we.ier fortgesetzt. Rachdem es gegen Den Dollar zunächst mit 3,65 nur eine Kleinigkeit leichter eii - gesetzt hatte, ging es im Laute des Vormittags auf 3.62’ , zurück, uni sich Dann wieder leicht auf 3.62' , zu erholen. In Amsterdam ging es auf 9.04' ... zurück. Man wollte Verkäufe der Riederländischen Bank festftellen. Gegen PanS schwächte sich das Pfund auf 92,71 ab. gegen Zürich auf 18,70 und gegen die Reichsmark auf 15,32' 2. gegen Madrid auf 42.93 und gegen Brüssel auf 26’ „. Der Dollar blieb weiter fest, die Reichsmark hat sich wieder gut erholen können In Amsterdam zog die Mark auf 59' s. in Zürich auf 122,20 an. während sie sich in Paris mit 605 eine Kleinigkeit niedriger „Oer Kongreß tanzt-'. So gut besucht wie gestern bei der Premiöre dieses Charell-FilmS hat man das Lichtspielhaus lange nicht gesehen, und eS scheint fast, als ob der Publikumserfolg den der .Tankstelle" noch überbieten sollte. Man wird nicht erwarten, ein annähernd historisches Bild des berühmten Wiener Kongresses von 1814 vorzufinden. Die Autoren Rorbert Falk und Robert Liebmann haben die diplomatische Episode fast ganz in die Atmosphäre deS galanten und amoureufen Abenteuers. in die Wiener H:urigen-Slimmung hin- übergeschoben, die wir auS so vielen Filmen. Lustspielen und Operetten kennen. Man erlebt Den Kongreß gewissermaßen im Dreivierteltakt, und im Mittelpunkt steht Die bittersüße Liebesgeschichte deS weiland Zaren Alexander, der damals der schönste Mann von Europa gewesen sein soll, mit einem süßen Wiener Mädel, der Handschuhverkäuferin Christel Wcinzinger. Die Inszenierung. Die in gewissem Sinne für Den Regisseur Erik Ehare11 typisch ist, muß ein enorme« ®eID gekostet haben. Sie ist ganz auf pompöse Ausstattung. auf gror;c Szene, weiträumige- Schaubild und effektvolle Mas cnauftritte gestellt, mit einet Entfaltung von Kolorit unD Kostüm. Die oft verblüffend wirkt. Der Film ist auf einen heiteren, beschwingten, manchmal fast ope.eltenhallen Ton gestimmt. Der nur gegen Ende einmal flüchtig durch den von 2'ba her drohenden Schatten Rapo- leons getrübt wird. Die Mu.ik von H e y m a n n hat zwei fanfbare und stimmungsvolle Hauptmotive und wird durch die Verwendung von Altwiener Kompositionen iw e des Militär- morsche- von Schubert) stilgerecht ergänzt. Da- ungleiche, bittersüße Liebespaar spielen Willy Fritsch, die-mal in einer Doppelrolle, und Lilian Harvey: al- Metternich. Den .Kutscher Europas . sicht man Conrad T> e i D t ; au« Dem großen Aufgebot Der übrigen sind hervorzuheben: A'eronders Ad utant V.b.koif. demWal Iburg sein sprudelndes Temperament und eine etwa- unmilitärische Leibe-sül e verleiht: Lil Dago- ver: Hörbiger als gemütvoller Heurigen- fänger; Schroth: ©ülftorff; Falken- stein: Die 3 a n D r o d. Die Liedertexte schrieb Robert Gilbert. — AIS hübsche und luftige Neuerung im Beiprogramm läu t einer ter unter Gerrons Leitung von der Uia herausgebrachten Kabarett Tonfilme, wobei Hellmuth Krüger witzig konferiert und unter anderem die begab.c Kate Kühl ein Volkslied aus de« Knaben Wunderhörnchen' sehr gefühlvoll zum Besten gibt . -r- Dori. Sie. der weist gewinn ”9en auf LZ M M der ’ W len ÄL len etiva W und deutliche ei den dvrfer n Mn- Mdrn in .»BW 'erung der ftänöig zu- >e btrfiör- 'gewachsen, xmte zins- NesesDer- ncr Fima Don den ni werden in). evisen- crabsehnng ft cpifcn* :r 31 ü d • :s weiter )o'Am zu» 'Mr ein- LvrmttLtzS -edrr leicht m ging es Häufe t« gen Panr ab. gegen )imarf auf und gegen lieb weiter ber gut er- - Dar! auf end fie .sich it niedriger er Premiere ÜlffUl' scheint falt; .Tankstelle' fit erwarten, i fcrii&mlcn sinöen. iefiuiann ranz in ine u|en 2lden- mung hrn" Urnen, Cutt' erlebt den teltatt. .>£ 'besgeKE damals der $6M; $$ Jt3 SeldSs xS te$ .'nen H-"L Ä Heym,n" iDDS? von 'ZE ergänS'-A'ly ip-elen und Sehen: tr «Titelt* 5 ,chricb :U,ib ustise und unter >er L,e ebtüi)' S'j’S S.tz . »"'N V stellte. Die Norddevisen blieben weiter im Angebot und schwach. Am Nachmittag hat sich das englische P f u n d wieder gut erholen können, es erreichte seinen Stand vom vorgestrigen Abend. Es stellte sich gegen den Dollar auf 3,66'/i, gegen den Gulden auf 9,14, gegen Zürich auf 18,90, gegen Paris auf 935/8 und gegen die Reichs- mark auf 15,411/2. Der Dollar war leichter, er ging in Amsterdam auf 249,35 zurück in Zürich auf 516' ,'4 und in Paris auf 25,^6''4. Die Reichsmark hat sich nach vorübergehender leichter Abschwächung wieder befestigt, sie zog in Reuhork auf 23,75 an, in Amsterdam auf 59,11'/» und in Zürich auf 122,30. Auch die Nord- devisen haben sich etwas erholen können, während Buenos eher etwas schwächer tendierte. Besserung des Reichsbank-Status. B e r l i n. 25. Noo. (WTB. Funkspruch.) Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 2 3. November hat sich in der dritten Novemberwoche die gesamte Stapitalanlage in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 120,8 Millionen auf 3876,9 Millionen Reichsmark v e r r i n g e r t. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -schecks um 126,4 Millionen auf 3655 Millionen Reichsmark abgenommen, die Lombardbestände um 5,6 Millionen auf 119 Millionen Reichsmark zugenommen. Die Bestände an Reichsschatzwechseln, die am Schluß der Vorwoche 10 000 Reichsmark betragen hatten, werden mit 30 000 Reichsmark aufgewiesen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 181,2 Millionen Reichsmark in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 176,3 Millionen auf 4277,2 Millionen Reichsmark, derjenige an Rentenbankscheinen um 4,9 Millionen auf 408,6 Millionen verringert. Unter Berücksichtigung, daß in der Berichtswoche Rentenbemkscheine in Höhe von 0,1 Millionen Reichsmark getilgt worden sind, haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 18,7 Millionen Reichsmark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 424,4 Millionen Reichsmark eine Zunahme um 17,6 Millionen Reichsmark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 13,7 Millionen auf 1176,1 Millionen Reichsmark vermindert. Im einzelnen haben die Goldbestände um 29,4 Millionen auf 1008,6 Millionen Reichsmark abgenommem die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 15,7 Billionen auf 167,5 Millionen Reichsmark zugenommen. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 27,5 gegen 26,7 v. H. in der Vorwoche. Die deutschen Börsen. Ziemlich matt in Berlin. Berlin, 25. Nov. (WTB. Funkspruch.) Schon in den gestrigen Abendstunden war vom AEG.-Markt ausgehend eine Abschwächung eingetreten. Im heutigen Freiverkehr trat hierzu keine größere Veränderung ein, die Grundtendenz blieb weiter ziemlich matt. Es herrschte fast völlige Geschäftslosigkeit, da die Spekulation in Anbetracht der ungeklärten außen- und innerpolitischen Lage Zurückhaltung übte und das Kursgeschäft als solches kaum noch ins Gewicht fiel. Man wollte wissen, daß es sich bei dem herauskommenden Material der letzten Tage hauptsächlich um Auslandware gehandelt hat, und glaubt, daß auch die Schwäche der deutschen Werte an der gestrigen Neuyorker Börse, die sonst ziemlich fest veranlagt war, hiermit zusammenhinge. Vielleicht soll durch solche Manifestationen auch ein gewisser Druck auf die bevorstehenden BIZ.-Verhandlungen ausgeübt werden. Die Regierung arbeitet an ihrem Wirtschaftsprogramm mit Hochdruck, um es noch bis Anfang Dezember unter Dach und Fach zu bringen. Die Unsicherheitsmomente, die sich aus ihm ergeben können, wirkten natürlich auf die Tendenz der Effektenmärkte und auf festverzinsliche Werte ein. Auch von dem Reichsbankausweis für die dritte Novemberwoche konnte keine Anregung ausgehen, da er ein ziemlich normales Aussehen hat. Allerdings überraschte die Verminderung der Gold- und Devisenbestände um nur 13,7 Millionen in günstigem Sinne. Zur Dividendenfrage der Kaliwerte wird bekannt, daß entgegen den von anderer Seite verbreiteten Meldungen beim Salzdetfurthkonzern doch mit der Ausschüttung einiger Dividende zu rechnen sei, über deren Höhe sich aber nach den bisher vorliegenden Meldungen noch nichts sagen lasse. Stimmungsmäßig weiter zur Schwäche neigend, war die Tendenz kursmäßig für Aktien heute also nicht wesentlich verändert; nur AEG. lagen weiter abgeschwächt. Pfandbriefe gaben dagegen erneut um etwa 0,5 bis 1 o. H. im Kurse nach, und das Angebot in diesen Werten schien eher im Zunehmen begriffen. Ueber die Beratungen wegen der Wiedereröffnung der Wertpapierbörse wurde bekannt, daß im gegenwärtigen Zeitpunkt nach Ansicht der Reichs- regierung und der Reichsbank eine solche der gesamten wirtschaftlichen und politischen Lage Deutschlands nachteilig wäre und daß es daher dem Minister für Handel und Gewerbe vorläufig nicht möglich ist, einer Wiederaufnahme der Börfenverfa mm l u n g e n zuzuftimmen. Frankfurt sehr ruhig. Frankfurt a. M., 24. Nov. Auch der heutige telephonische Freiverkehr von Bureau zu Bureau lag ohne jede Anregung, so daß das Geschäft allgemein wieder sehr ruhig war. Am Aktienmarkt neigte die Tendenz zur Schwäche, da die anhaltend schwachen Kursmeldungen von den Auslandbörsen, besonders Neuyork, verstimmten. Auf Abgaben aus Kundschaftskreisen und der Spekulation setzten sich ziemlich einheitlich auf allen Märkten Kursrückgänge bis zu 1,5 Prozent durch. Etwas mehr abgeschwächt lagen wieder AEG.-Aktien, die 2,5 Prozent und Siemens, die etwa 2 Prozent einbüßten. Bon Cßan'alt.en sind Reichsbankanteile als schwach zu bezeichnen. Die Hmsahtätigkeit bewegte sich in sehr engen Grenzen. Am Rentenmarkt bestand größere Zurückhaltung, und die Hmsähe waren daher auch hier sehr gering. Die Stimmung war ebenfalls eher etwas schwächer, da man nach dem Abschluß der Arbeiten des Wirtschaftsbeirates die Befürchtung hegt, daß eine Zinssenkung in irgendeiner Form doch kommen wird. Die Rückgänge blieben jedoch eng begrenzt, einmal weil aus den bekannten Gründen kein nennenswertes Material an die Märkte kommt, und zum andern etwas Nachfrage zu Rückzahlungszwecken besteht, was dem Markt immerhin eine gewisse Stühe bietet. Schwach lagen Rcichsschuldbuchfordcrun- gen, die infolge der Kursrückgänge in Holland etwa 1 Prozent verloren. Bon deutschen Anleihen gingen Altbesitzanleihe bei relativ lebhaftem Geschäft ebenfalls um 1 Prozent zurück. Industrie-Obligationen waren aus dem Rheinlande gut gefragt, doch haben die Kurse keine wesentliche Veränderungen erfahren. Auslandrenten still. Wessen Md bin ich? Vornan von $r. Lehne. (Urheberschutz durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.) 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten. 8. Leise summte das Wasser in dem blankgepuhten kupfernen Teekessel. Die freundliche, weißhaarige Frau überflog den heute besonders sorgfältig gedeckten Tisch mit prüfendem Blick — es fehlte nichts. Den großen Strauß aus bunten Herbstastern rückte sie ein wenig zur Seite, damit die Schüssel mit dem kalten Wildbraten, den der Gatte so gern aß, besser Platz hatte. Sie füllte die Teekanne und drehte die Spiritusflamme höher, damit das Wasser schneller koche. Während ihrer Borbereitungen saß ihr Gatte vor dem Schreibtisch, die Abendzeitung lesend. Ein friedliches Behagen lag in dem mäßig gro- hen, ziemlich niedrigen Raum, mit den Möbeln aus Birnbaumholz und dem grünen Ripssofa. Eine große wunderschöne Zimmerlinde beanspruchte eines von den beiden Fenstern ganz für sich. Sie stand auf der Diele und hatte schon beinahe die äußerste Fensterhöhe erreicht. Schläfrig blinzelnd und vor Behagen schnurrend, lag in einer Ecke des Sofas eine weiß- und graugestreifte Katze. Die alte Dame goß jetzt den Tee auf und bat dann den Gatten, am Tisch Platz zu nehmen. Er lächelte und drückte ihr liebevoll die Hand. „Du hast dir so viele Hmstände gemacht, Mütterchen!" „Darf ich das nicht an deinem fünfundsiebzig- sten Geburtstage?" Ein ernster Schein flog über fein gütiges Gesicht. „3a, die Jahre neigen sich abwärts! 3ch habe die Zeit schon überschritten — denn unser Leben währet siebzig 3ahre, und wenn es hoch kommt, sind es achtzig 3ahre —" und köstlich ist es auch gewesen, voller Mühe und Arbeit." Die alte Dame bediente den Gatten. Sie legte ihm vom kalten Braten vor, süßte ihm den Tee, füllte seinen Teller mit Salat. „Ebba Lenz hat doch wieder so lieb geschrieben in ihrer herzigen, natürlichen Art! Als ob sie vor mir stünde und ich sie sprechen hörte —" Er nickte. „3a, sie fehlt mit recht! Jetzt merkt man richtig, wie wir doch mit dem Dorfe und dem Lehrer Lenz verwachsen waren —! Selten sind mir so prächtige Menschen begegnet! Und wie gut sich der Christel Lenz als mein Nachfolger entwickelt! Was für vernünftige und großzügige Ansichten er auch hat — fein Brief war mir eine wirkliche Herzensfreude und eine Beruhigung zugleich —" „— und sehr liebenswürdig war es auch von den Reinshagener Herrschaften, daß sie deinen Geburtstag nicht vergessen haben. Besonders Komtesse Inga hat so nett geschrieben. Aus ihren Zeilen liest man Heimweh nach Reinshagen; in Dresden scheint sie sich trotz der vielen Zerstreuungen gar nicht so recht wohl zu fühlen —" „Inga war immer ein einfach und bescheiden angelegtes Kind, dabei tief innerlich; sie sucht ihr Glück nicht draußen!" Das Gespräch spann sich in allerlei Betrachtungen zwischen Pfarrer Sturm und seiner Frau hin und her, während sie ihr Nachtessen verzehrten. Dann deckte sie den Tisch ab, fetzte ein Kistchen mit Zigarren; die Aschenschale und einen Teller mit ausgesucht schönen Aepfeln auf das Tischtuch. Ihre Hände beschäftigten sich mit einer Strickarbeit, indessen das Peterle, die schöne graue Katze, es sich auf ihrem Schoß bequem gemacht. Der Herbstwind fegte durch die Straßen; fein Heulen und Grollen machte den Aufenthalt im Zimmer doppelt gemütlich. Der alte Herr las ein wenig. Heber den Rand seines Buches hinweg blickte er öfter nach seiner Frau. Hebervoll war ihm das Herz in Liebe und Dankbarkeit gegen die treue Gefährtin so vieler Jahre! Hnd ein gerüttelt Maß voll Leid war ihnen beschieden gewesen; aber in gemeinsamem Tragen war die schwere Last wenigstens etwas erleichtert, doch vergessen nie! Hnd wie er täglich daran denken mußte, so waren es auch die Gedanken »seiner lieben grau! Einsam und allein stand man an seinem Lebensabend — und sie hatte ihm doch drei Kinder geboren, und alle drei waren ihnen genommen! Hnd wären jetzt erwachsen und der Trost und die Freude ihres Alters! Ob sie seine Gedanken erraten? Plötzlich sagte sie, tief aufseufzend — „eines wünschte ich mir noch, ehe wir gehen müssen: zu wissen, ob unsere Tochter noch lebt!" Da verdüsterte sich sein Gesicht — „und ich wünsche beinahe .nein'! Es ist wohl auch ausgeschlossen! Denn so verhärtet und lieblos kann ein Menschenherz nicht sein, daß es die Eltern für immer vergißt! Einfach aus ihrem Leben ausgelöscht, wie man mit einem Schwamm über eine Schiefertafel fährt! Hnd nicht einmal wiederein Lebenszeichen zu geben. Nein! Wie sollte man sich zu ihr stellen!" „Ach, und wenn sie jetzt käme, lieber Mann, doch noch mal käme —" Er stand auf und durchmaß das Zimmer mit erregten Schritten. Am Goldmarkt war Tagesgeld weiterhin leicht. Der Sah wurde auf unverändert 7,5 Prozent belassen. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. 24 November 25. November Amiliche Noiierung Amiliche Noiieruna »tlb »riel Geld Sriei Helfingfort . 8,21 8,27 7,99 8,01 Wien. . . 58,94 59,06 58,94 59,06 Prag . . . 12,468 12,488 12,468 12.488 BudaveN . . 73,28 73,42 73,28 73,42 Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 168,98 169,32 168,98 169,32 Oslo . . . . 81,42 81,58 81,82 81,98 Kopenhagen. 81,42 81,58 81,92 82,08 Etocldolin . 80.92 81,08 82,42 82,53 London. . . Buenos Aires 15,30 15,34 15,44 15,48 1,058 1,062 1,063 1,067 Nenvork . . 4,209 4,217 4.209 4,217 lönijfel . . . 58,49 58,61 58,49 58,61 Italien. . . 21,68 21,72 21,68 21,72 Paris . . . 16,47 16,51 16.47 16,51 Schweiz . . 81,52 81,68 81,57 81,73 Spanien . . 35,61 35,69 35,66 35,74 Danzig. . . 81,97 82,13 81,97 82,13 Japan . . . 2,068 2,072 2,068 2,072 Rw de Ian.. 0.254 0,256 0,254 0,256 Jugoslawien. Liiiaboo . . 7.443 7,457 7,433 7,447 13,89 13,91 14,09 14,11 Banknoten. Berlin, 24.3?oPcm6cr Geld -Amerilanilche Nölen....... Belgische Nölen......... Dänische Noten Englische Noten......... Französische Noten Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch-Oesterreich, i 1OO Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Noten Schweizer Noten......... Spanische Noten Ungarische Noten 58,38 81,24 15,26 16,46 168,61 21,66 81,24 2,48 80,74 81,34 35,43 yTieT 4,22 58,62 81,56 15,32 16,52 169,29 21,74 81,56 2,50 81,06 81,66 35,57 Reichsbankdiskont 8 v. £)., Lombardzins uß 10 v. h. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 25. Nov. Es wurden notiert: Weizen 230 Mark, Roggen 227,50, Sommergerste für Brauzwecke 185, Hafer (inländifcher) 160 bis 165, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0, mit Austauschware) 36,25 bis 37,25, Sondermahlung 34,25 bis 35,25, Weizenmehl (niederrheinisches, mit Austauschware) 36,25 dis 37, Sondermahlung 34,25 bis 35, Roggenmehl 31,50 bis 33, Weizenkleie 8,90, Roggenkleie 9,50 bis 9,75 Mark. — Tendenz: ruhig. Oberheffen. Landkreis Gießen. CO Klein-Linden, 24. Noo. In unserer Gemeinde wurde eine Sammlung für d i e Winter n o t h i Ise durchgeführt. Es wurden 59,60 Mk. Bargeld, 16 Zentner Kartoffeln, 8 Zentner Gemüse, 8 Zentner Obst, 25 Pfund Mehl, 23 Pfund Hüb senfrüchte, 22 Pfund Fleisch- und Wurstwaren und 40 Pfund Fett gesammelt. Auch eine Anzahl gebrauchte Kleidungsstücke wurden zur Verfügung ge» stellt. — Eine weitere Ortssammlung zum Besten der Epileptiker-Anstalt in Nieder-Ramstadt ergab einen Betrag von 65,80 Mark. Ir. Lollar, 24. Nov. In diesen Tagen fand hier durch Herrn Dr. Rottenbacher und Fräulein Kolb, Gießen, für Knaben und Mädchen je ein Vortrag über Berufsberatung statt. Außer der hiesigen Oberklasse waren noch die obersten Jahrgänge bon Daubringen, Mainzlar, Staufenberg und Ruttershausen erschienen. Die Vortragenden verstanden ess teils in dozierender, teils in unterrichtlicher Form den etwas spröden Stoff den Schülern in anschaulicher Weise nahe zu bringen. Die Ausführungen gruppierten sich nach den Gesichtspunkten: Berufswille, Berufsaussicht, Berufseignung. Am Schlüsse wurde noch Aufklärung und Anleitung über Ausstellung und Abschliehung eines Lehrvertrags gegeben. Knaben und Mädchen folgten bis zum Ende mit gespannter Aufmerksamkeit und werden sicherlich von den Ausführungen großen „Welche Vorstellungen, Emilie! Sprechen wir nicht mehr davon! Wollen wir uns gegenseitig unnütz Kümmernis schaffen, wenn wir Dinge erörtern, die ganz unmöglich sind? Nein, nein —" „Hnmöglich, lieber Mann? Ach nein! Lasse dir gestehen: den ganzen Tag habe ich unausgesetzt an unsere Tochter denken müssen; wenn sie noch lebt — den fünfundsiebzigsten Geburtstag des Vaters kann sie nicht vergessen haben —" „Sie hat manches — nein — alles vergessen —!" Mit bitterem Lächeln zog der alte Herr die Hhr. „Es ist halb acht vorüber, Emilie! In zwei Stunden gehen wir schlafen, und der Tag ist vorüber —! Wenn ihr Frauen euch auf etwas versteift habt, so seid ihr nicht davon abzubringen!" Ein leises Aufseufzen war die Antwort. Sie neigte den weißen Scheitel tiefer auf die Arbeit, um um eine Träne der Enttäuschung zu verbergen. „Ach, wenn man so stark auf etwas gehofft hat und dann keine Erfüllung kommt, das tut weh!" Liebevoll streichelte er ihr Gesicht. „Wer nur von Hoffnungen lebt, muß sich auch auf Enttäuschungen gefaßt machen, Liebe! — Hnd mit dem Kapitel unsere Tochter habe ich längst abgeschlossen! Ich habe nur einen Wunsch noch: daß wir beide in Gesundheit unsere letzten Lebenslage beschließen mögen! Ich habe dir viel zu danken, Emilie! Du bist mir ein wahrer Lebenskamerad gewesen, und das hat mich das Schwere, das Gott über uns verhängt hat, überwinden lassen!" sagte er innig. Sie errötete so wie ein junges Mädchen — wie feine Worte ihr doch wohl taten! Ihr einziger Gedanke, ihre einzige Sorge war ja nur immer dieser verehrte und geliebte Mann gewesen! Er griff wieder nach feinem Buch; in Schweigen verging die nächste Viertelstunde. Der Regulator über dem grünen Ripsfofa hatte acht geschlagen. Der letzte Schlag hallte nach, als es klingelte. Erschrocken fuhren beide zusammen. Wer konnte zu so später Stunde noch kommen? Die Bekannten waren doch alle zum Gratulieren am Vormittag und Nachmittag da- gewesen. Die alte Dame war unfähig, aufzustehen; mit allen ihren Sinnen lauschte sie auf die Stimme ihres Gatten, der geöffnet. Er kam allein zurück. Irgendwie war sie enttäuscht. Da bemerkte sie in seiner Hand einen Brief. „Ein Eilbrief —? Der Briefträger kommt doch jetzt nicht mehr?" Mit zitternder Stimme fragte fie es. „Der Hoteldiener vom .Grünen Baum' brachte Nutzen haben. Cs waren auch einige Eltern als Hörer erschienen. t Treis (Lda.), 24. Nov. Frau Ehr. Zecher, geb. Berghofer, feiert heute Mittwoch, ihren 8 5. Geburtstag. Die Jubilarin ist zwar nicht mehr sehr rüstig, geistig aber noch fehr regsam. — / — Lich, 24. Nov. Mit dem Beginn dieses Monats wurde die kirchliche Vereinstätigkeit in erhöhtem Maß ausgenommen. Die beiden Frauenkränze halten ihre regelmäßigen Zusammenkünfte ab und haben starken Mitgliederzuwachs erfahren. Der Mädchenkranz versammelt sich im Gemeindesaal. Die Dibelstunden werden regelmäßig am Mittwochabend gehalten. Der Kirchengesangverein hat eine erfreuliche Zunahme an Mitgliedern zu verzeichnen. Die männliche Iugendvereinigung und der Posaunenchor treffen sich regelmäßig im eigenen Heim. Kreis Schotten. ßaubad), 24. Nov. Bei der in diesen Tagen von dem hiesigen Iagdpächter Fabrikant Schunk- Gießen abgehaltenen Treibjagd wurden 58 Hasen, 9 Fasanen, 2 Füchse und 1 Schnepfe zur Strecke gebracht. Auffallend ist im Verhältnis zu werden durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung wenn Sie sie frühzeitig genug aufgeben den Vorjahren der geringe Bestand an Hafen. — Der in Jägerkreisen weithin bekannte und geschätzte Privatförster Albert Kruschke konnte in diesen Tagen auf eine 2 5jährige Amtstätigkeit in Laubach zurückblicken. — Am Sonntagnachmittag fand im „Solmser Hof" eine gut besuchte Versammlung des hiesigen Ob st- und Gartenbauvereins statt. Der Vorsitzende Beigeordneter Pitz gab einen Rückblick auf die letztjährige Vereinsarbeit. Für das kommende Frühjahr ist ein Gemarkungsrundgang unter der Führung von Obstbauinfpektor E n k l e r - Gießen vorgesehen. Bücheriisch. — M. Schneider-Weckerling: Philippa Riedeselin. Ein Roman aus dem sechzehnten Jahrhundert. 304 Seiten 8°. Kart. 3,80 Mk., Leinen 4,80 Mark. Müller & I. Kiepenheuer G. m. b.H., Verlag, Potsdam (499.) — Philippa Riedeselin — krankend an einer gleichgültigen Ehe, betreut melancholisch ein kränkelndes und zurückgebliebenes Kind. Bon einer großen Liebe erfaßt, hin und her gerissen von Gewifsensqualen, ringt sie sich immer mehr zu einem klaren Bekenntnis durch, aber weder die Kraft ihrer Leidenschaft noch ihres Zaubertrunks können ihr die endgültige Verbindung mit dem Geliebten bringen. — Schon eine tragische Frauengestalt schilderte die Autorin in Cornelia Goethe. Auch Philippas Leben ist nach verstreuten, in Archiven gefundenen Aufzeichnungen gestaltet und in die fesselnden Schilderungen des Jahrhunderts hineingebaut. Diese Gestalt wird vielen Frauen zum Erlebnis werden. — Durch feinen niedrigen Preis bei schöner Ausstattung erscheint der Roman, der „Friedberg, der Stadt meiner Väter, und der goldenen Wetterau, meiner Heimat" gewidmet ist, als Geschenk für reifere junge Mädchen und Frauen besonders geeignet. den Dries und will in einer halben Stunde die Antwort holen!" „Wer mag uns zu solcher Stunde schreiben?" Sie sahen sich beide an. Dann öffnete er den Briefumschlag; wie umständlich dies geschah — vielleicht, weil seine ginget so bebten — und dann fiel ihnen ein Briefblatt entgegen. Nur wenige Zeilen waren es-- „— — im Auftrage Ihrer Tochter Angela habe ich Ihnen vorläufig die innigsten Glückwünsche zum fünfundsiebzigsten Geburtstage zu übermitteln. Wenn Sie noch Interesse haben an einer, die Ihnen gegenüber schwerste, nie wieder gutzumachende Schuld auf sich geladen hat, so werde ich Ihnen von ihr berichten zu jeder Zeit und Stunde, wie Sie wünschen! Ich bin auf der Durchreise hier, bin vor einer Stunde angekommen und wohne im Hotel .Grüner Baum'." Darf ich bitten, in einer halben Stunde durch den Boten, der nochmals vorsprechen wird, Bescheid zu geben, wann ich Sie sehen darf? Ihre ergebene grau A. Graf." Nochmals und nochmals las die grau den Brief — dann schrie sie auf — „das ist sie selbst! Sieh 'doch ihre Schrift — o meine Ahnung —“ und fassungslos sank sie in leisem Weinen zurück. Erschüttert stand der alte Pfarrer da, die Hand auf die Stirn gepreßt, mit seltsamem Blick in die Weite schauend. 3a,- seine grau hatte recht — fie war es selbst, die längst verloren geglaubte Tochter; — stand sie als Bettlerin vor der Tür? Aus ihren Zeilen, die so merkwürdig abgefaßt waren, konnte man nichts entnehmen. Hnsagbares ging in ihm vor. Er hob die Augen — „O — du mein Himmel!" Er fühlte den fordernden Blick der grau, die beinahe stammelnd sagte — „was — wirst — du — antworten? Darf fie kommen? Hnd wann?" „Willst du die Antwort geben, Liebe?" „Wird fie auch in deinem Sinne ausfallen? Zwar du bist ein Diener des Herrn, der dessen Worte nicht bloß auf den Lippen trägt, sondern auch danach handelt! Lasse sie kommen — noch heute — nachher —“ »So spät noch? Haben wir fünfundzwanzig 3ahre gewartet, kann es da nicht noch eine Vacht fein? 3ch fürchte die Aufregungen für dich, meine Liebe! Der Tag hat dir davon genug gebracht! Morgen früh dann —I" „Morgen früh? Glaubst du, daß ich nur eine Minute schlafen kann in dieser Nacht —? Du doch ebenfalls nicht! Schreibe, daß wir fie heute abend noch erwarten —“ (Fortsetzung folgt.) 9.Jl.-Spott Westdeutsche HallentenniS-Meisterschasten. Die Entscheidungen. Dor einem überfüllten Haus wurden ine Kämpfe um die westdeutschen Hallentennis-Meisterschaften in Essen -um Abschluß gebracht. 3m Herren-Sinzel siegte der Kölner Rourneh gegen den Krefelder Dr Heitmann nach einem fesselnden Kampf mit 5:7, 9:7, 6:3, 6:4. Rourney hatte vorher MüllersHagen) mit 6 3. 10:8 abgefertigt DaS Damen-Cinzel gewann Frl. Peth überlegen mit 6:1, 6:0 gegen Frau Rosenbaum (Därmen). 3m Herren- Doppel triumphierten die Favoriten Rour - neh/Meffert mit 6:2, 6:1 über die Senioren Drennenberg Kirchoff, die ihrerseits überraschend das westfälische Paar Lronenmeyer Müller mit 8:6, 6:4 ausgeschaltet hatten. Der Sieg im Gemischten Doppel fiel erwartungsgemäß an Frl Krahwinkel/Heitmann gegen 5rL Peitz/Stah mit 6:0, 4:6, 6:2. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Schwalheim I — Gießen 1 1:2. Die Gießener Mannschaft war -um Kreisklassen, spiel in Schwalheim zu Aast, fand sich schnell und machte den Einheimischen schwer -u schaffen. Schwalheims Angriffe wurden stets abgeschlagen. Nur einmal gelang es den Platzbesitzern, den Torhüter der Gäste zu überwinden, während Gießen zweimal erfolgreich war. Dorheim I — wieseck I 4:3. Wieseck mußte mit Ersatz in Dorheim antreten und kam durch einen Eckball zur Führung. Dorheim ging dann mehr aus sich heraus und konnte zur Halbzeit den Ausgleich Herstellen. Dorheim kam nach dem Wechsel durch seinen Rechtsaußen zum Führungtor und stellte in einer Schwächeperiode der Gaste das Resultat auf 4:1. Dann kam Wieseck wieder auf und verkürzte um zwei Tore. Der verdiente Ausgleich blieb ihnen aber versagt. Heuchelheim I — Naunheim I 1:6. Naunheim war in Heuchelheim zu Gast. Die Platzmannschaft kam in der ersten Viertelstunde durch einen Elfmeter zum Führungstor. Naunheim stellte aber bald den Ausgleich her. Bei Halbzeit führte Naunheim 1:2. Nach dem Wechsel sah man verteiltes Spiel, bis die Gäste durch ihr schnelles Flügelspiel in kurzen Abständen drei weitere Erfolge buchen konnten, denen Heuchelheim nichts entaegenzusetzen vermochte. In der gegebenen Spiel- Dcrlänaerung konnte Naunheim durch einen Elfmeter Das Schlußergebnis Herstellen. Heuchelheim II — Krofdorf I 5:2; Heuchelheim Jugend — Gleiberg Jugend 7:0. Grohen-Linden I — Oberndorf I 4:1. Zum letzten Serienspiel dieser Gruppe standen sich Großen-Linden und Oberndorf gegenüber. Die erste Halbzeit verging torlos. Erst nach dem Seiten- wechsel wurden die Grohen-Lindener merklich überlegen und konnten mit dem obigen Ergebnis die Gruppenmeisterschaft sicherstellen. Burkhardsfelden I — Grohen-Buseck I 1:2. In einem flotten Spiele konnten die Gäste bis Halbzeit zwei Tore vorlegen. Nach Seitenwechsel brachten die Platzbesitzer durch ihr körperliches Spiel eine unnötige Härte ins Spiel. Nur einmal gelang es den Einheimischen, den sehr guten Hüter der Gäste zu überwinden. wieseck II — Annerod I 5:3. Beide Mannschaften, unvollständig, lieferten sich ein mäßiges, planloses Spiel. Ganz besonders zerfahren spielten die Wiesecker. Die Gäste führten bei Halbzeit mit 2:3 Toren. Erst nach der Pause fand sich Wieseck bester und stellte mit magerem Ergebnis den Sieg sicher. Wiesecks 2. Jugeno — Beuerns Jugend 5:0. Handball. wieseck — Gombach 5:0. Die Gaste aus Gambach verfügen über eine verhältnismäßig gut eingespielte Elf, in der nur der ab- schließende Torwurf der Stürmerreihe fehlt. Wieseck verfügte über den besseren Sturm, trotzdem dauerte es geraume Zeit, bis das Führungstor fiel. Bei Halbzeit führte Wieseck 2:0. In der zweiten Spiel- Hälfte war Wieseck bester, konnte aber bet der verstärkten Abwehr der Gäste nur noch dreimal erfolgreich sein. Kurze Sporinotizen. Gin Tennis-Länderkampf der Berufsspieler findet am 5. und 6. Dezember in Amsterdam zwischen Deutschland und Holland statt. Dach Düßlein wurde nunmehr auch der vielfache deutsche Berufsspieler - Tennismeister Roman Rajuch für die Tilden-Tournee nach Amerika verpflichtet. C i 11 h Äußern errang mit dem bekannten Davisspieler Boyd als Partner in Buenos Aires die argentinische Meisterschaft im Gemischten Doppel mit einem 6:1, 6:1-Sieg gegen Frl. Ricketts- del Castillo. 3m Sechstagerennen zu Minneapolis belegten Stübecke-Andersen den zweiten Platz mit drei Runden hinter dem siegreichen Paar Peden- Audh. 3 n f o l g e der wirtschaftlichen Schwierigkeiten werden die diesjährigen Europameisterschaften im Rodeln nicht zum Austrag gelangen. Beim Gefallenen-Gedächtnisschwim- m e n in Berlin gewann der Goppinger Schwarz zum zweiten Male den Berbandspreis im 400- Meter-Brustschwimmen. Schwarz st egte tn bet glänzenden Zeit von 6:03.1 Win. vor dem Cu- ropa-Rekordmann ‘Bittenberg, Berlin. 3m internationalenHallentennts- Turnier in Zürich wurde Frau Friedleben im Finale von Frl. Barbier mit 6:4, 3:6. 3:6 geschlagen. Hollands Rationalmannschaft der Amateurboxer kämpft am 3. Dezember in Düsseldorf gegen eine westdeutsche Äuswahlstafsel. Briefkasten der Heöaftion. h. 3., Lehnheim. Das Ofenrohr muß in dem Raume, in dem der Ofen steht, unmittelbar in den Kamin einaesührt werden. Ist das nicht möglich, und muh das Rohr durch einen zweiten Raum gelegt werden, so ist es in dem zweiten Raume von auhen her zu isolieren, damit es sich nicht abkühlen kann. Auf diese Weise werden sie den jetzigen Nachteil beheben können. Im übrigen empfehlen wir Ihnen, sich evtl, noch von der Lieferantin des Ofens beraten zu lasten. Oelgcmälbe. Das anzuwendende Reinigungsverfahren ist abhängig von der Art der Farben und Zusammensetzung des Firnis. Das trifft auch auf die Vergoldung des Rahmens zu. Alles dies fetzt Kennt- niste voraus, wie sie nur dem erfahrenen Fachmann zu Gebote stehen. Wir empfehlen Ihnen, sich mit einem Fachmann in Verbindung zu setzen. Kunbfunfprogramm. Donnerstag, 26. November. 720: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.30: Stund« der 3uaend. 17.05: Rachmittagskonzert deS Rundfunkorchesters. 19.05: .Snowden", Bortrag oon Dr. Alfons Pa- quct. 19.45: Alt-Wiener Theaterlieder. 20.30: .Eros und Seans". Bortrag von Dr. Hermann Binder. 21.00: Studienkonzert. Haus-Joppen 21.00. 19.50, 14.50. 10.50 >96« A •001 V SUEVIA Hausstand-und Wanduhren Zu haben in allen Apotheken. 6467 V haben: Reformhaus Scholz, Kreuzplatz 5; 6376 V Grofee Gratis -Verlosung nur von Donnerstag, 26., bis einschl. Samstag, 28. November 1 Pfund 1 Pfund 1 Pfund Am Donnerstag, dem 26. November 1931, Freitag, dem 27. November 1931, am neues Spiel um Liebe und Magen: ein »Susi und der Hagestolz« Personen: Hinterher Proben von Susis Kochkunst! und außerdem 5°/0 Rückvergütung In jeder Vorführung die grobe Gratisverlosung Jedermann ist herzlichst eingeladen! Löwen", Neuenweg 28: 80180 Kinder unter 16 Jahren haben keinen Zutritt! L 1)02 V Der Union-Briketts vertreibende Handel Heute schon 8009 D für Weihnachten eine nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr in Gießen im Caf6 Leib (Walltorstraße) Oeburts-Anzeigen liefert Brühl, fließen Die schlaue Susi . Der kluge Professor Kräuterhaus lung, Schulstraße 5; Drogerie W. 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