llr. 146 (Elftes Blatt 181. Jahrgang Donnerstag, 25. Juni 1931 Eriche ini täghd), außa äonriogs und Feirrlags Beilagen Die Illustriert, Vtetzener «Jamilienblättei Heimat tm Bild Die Scholle fflonats Bei>g$Dret$; 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trager» lohn, auch bei Nichler» scheinen «inzelnerRummern infolge höherer Gewalt Jrernlpre der nächsten Regierung nicht mehr angehöre, sondern durch den sozialistischen Abgeordneten Paul 'Sou- cd u r erseht werden würde. Amerika hält am Hoover-plan fest. Eine wichtige Erklärung Stimsons. Washington, 24. Juni. (WTB. Reuter.) Im Weißen Hause wurde mitgeteilt, daß die Antworten auf den VorschlagHoovers zahlreich ein- gehcn. Der Widerspruch gegen den Vorschlag sei sehr gering. Staatssekretär Stimson gab heute folgende bedeutsame Erklärung ab: „Der Moratoriumsvorschlag des Präsidenten wurde in großen und einfachen Grundlinien abgefaßt. Der Zweck war vollkommen klar, nämlich einen einjährigen Aufschub der Zahlungen zu sichern, von diesen Grundlinien wird nicht abgegangen werden. Wir machen erhebliche Fortschritte, aber bei einer Angelegenheit, die so viele verschiedenartige Schuldner und Völker angeht, gibt es natürlich viele Details, die man nach gründlicher Prüfung und Besprechung mit diesen Völkern ergänzen muß. Diese Besprechungen müssen notwendigerweise auf dem normalen Wege durch die d i p 1 o m a - tifchen Stellen und nicht durch die Presse erfolgen.“ Zuversicht im Staatsdepartement. 3m Staatsdepartement ist die Stimmung im Hinblick auf die endgültige Annahme des Hoover-Dorschlages durch alle Mächte nach wie vor zuversichtlich. Es wird auf Stimsons heutige Feststellung hingewiesen, daß bedeutende Fortschritte bereits erzielt seien. Auch erblickt man in seiner Erklärung, von den Grundlinien des Hcover-Dorschlages nicht abweichen zu wollen, ein Zeichen der Zuversicht, daß die öffentliche Meinung der Welt sich hinter ihn stellen werde. Cs wird erklärt. man fei sich darüber klar, daß einige Zeit vergehen werde, ehe die französische Regierung ihren gegenwärtigen Standpunkt abändern werde. Man erwartet aber bestimmt, daß man in den nächsten Tagen zu einer Einigung gelangen werde, und zwar zu einer (Einigung auf der Grundlage des Hoover-Vorschlages, von dessen Richtlinien die Regierung der Vereinigten Staaten, wie sie heute ausdrücklich erklärt habe, nicht abgehen werde. Auf Grund der jetzigen Lage nimmt man an, daß Stimsons Reise nach Europa um einige Zeit verschoben werden würde. Erst als Ganzes annehmen. W a s h i n g t o n, 24. 3uni. (WTB.) 3n amtlichen Kreisen befürchtet man, daß alle Vorbehalte, die zum Hooverschen Plan einer Befestigung der Wirtschaftslage durch ein allgemeines Moratorium gemacht werden, der raschen Durchführung nur hinderlich wären. Man hofft daher, daß alle Vorbehalte zunächst z u r ü ck g e st e l l t werden, bis der Plan a l s Ganzes angenommen ist und e r st dann einer Prüfung unterzogen werde. Stimson ist optimistisch. Washington, 25. 3uni. (Reuter. Rundfunk.) Staatssekretär Stimson war nach den gestrigen Besprechungen im Weißen Hause über die Gegenvorschläge Frankreichs äußerst optimistisch. Was die Antwort Italiens zum Vorschlag Hoovers betrifft, so erfolgte diese ohne irgendwelche Vorbehalte politischerRatur. Wie der amerikanische Botschafter in Rom meldet, wünscht Mussolini lediglich die Einzelheiten der Durchführung des Planes genauer zu prüfen Deulsch-stanzMe Miflerkonsemiz in Sicht Brünings Anregung wird in Paris günstig ausgenommen. Paris, 24. Juni. (WTB.) Wie der Pariser Korrespondent des WTB. erfährt, ist im verlaufe des heutigen Minislerrates über die Anregung einer offiziellen Zusammenkunft des Reichskanzlers Dr. Brüning und des Reichsauhen- minifters Dr. Curlius mit dem französifchen Ministerpräsidenten Laval und dem französifchen Außenminister B r i a n d gesprochen worden. Der Vorschlag habe eine günffige Aufnahme gefunden und werde demnächst praktische Ge- st a l t annehmen, die noch präzisiert werde. Diese Mitteilung wird durch folgende offiziöse Meldung der Haoas-Agentur bestätigt: In den politischen Kreisen hat mau die gestern in der Rundfunkrede des Reichskanzlers Dr. Brüning enthaltene Anregung einer offiziellen Begegnung zwischen den Regierungschefs und den Außenministern beider Länder besprochen. Diese Eventualität ist wahrscheinlich auch im verlause des heute vormittag abgehaltenen Ministerrates ins Auge gefaßt worden. Die Anregung des Reichskanzlers wird, wenn sie präzisiert werden sollte, keine ungünstige Aufnahme auf französischer Seite finden. Das Echo in der pariser presse. P a r i s, 25. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die Rundfunkrede des Reichskanzlers Dr. Brüning findet in der heutigen Morgenpreffe allgemeine Beachtung. „M a i i n" stellt fest, daß sie hervorragend fei und daß Außenminister Briand sich hierüber gestern länger mit Botschafter von Hoesch ausgesprochen habe. Die französische Regierung begrüße sehr herzlich den Gedanken eines Besuches der Reichsminister, sobald die Lage in Berlin es gestatte. „Petit Parisien" äußert, Reichskanzler Dr. Brüning habe mit einer Kühnheit, die man anerkennen müsse, die sogar alles das, was Gustav Stresemann in diesem Sinne versucht habe, übertroffen, die Anregung gegeben daß Frankreich und Deutschland innerlidj die Vergangenheit überwunden und sich entschlossen auf den Weg einer herzlichen, loyalen Zusammenarbeit begeben mögen. „9 o u r n a 1" sagt, bevor Frankreich zu der Er- klärung des Reichskanzlers Stellung nehme, müsse es wissen, was die Deutschen wollten. Wollten sie von der finanziellen Hilfe sprechen, die Frankreich Deutschland leihen könnte, ober von den Garantien zur Beruhigung, die sie etwa Frankreich zu geben geneigt wären? Vor allem würde in dieser Hinsicht die Aufnahme, die man in Deutschland dem französischen Gegenvorschlag bereiten werde, interessant sein. „R e p u b l i q u e" meint, man müße das An- gebot Brünings annehmen. Man müsse Deutschland freimütig sagen, daß es, wenn es den Weg der Hitlerlcute beschreite und moralisch und materiell rüste, die Annäherungspolitik vereitele, daß es aber, wenn es moralisch und materiell abrüste, Frankreich bereitfinden werde, zuerst zu einer gleichzeitigen Abrüstung zu schreiten und dann zu einer loyalen und herzlichen Zusammenarbeit zur wirtschaftlichen Wiederherstellung Europas. Der sozialistische „P o p u l a i r e" erklärt, jetzt habe der Ministerpräsident Laval das Wort. Es erscheine unmöglich, daß er sich dem Appell Brünings verschließe. Die Lage sei zu ernst, als daß man zulassen könne, daß die Dinge sich in die Länge ziehen. Ein Teil der Rechtspresse äußert sich zurück- ballend. So sagt das „Echo de Pari s", gewisse Kreise träten dafür ein, daß Frankreich auf die amerikanische Vermittlung, um Deutschland Geschenke zu machen, deren moralischen Nutzen Frankreich nicht einmal erhalte, verzichten möge, um direkt mit den Reichsministern zu verhandeln. Hoesch bei Briand. Paris. 24. Juni. (WTB.) Botschafter von Hoesch hatte heute am späten Rachmittag eine Unterredung mit Außenminister Briand. Brunnenvergistung. Paris. 24. Juni. (WTB.) Im heutigen „Paris Midi" wird behauptet, daß der französische Außenminister Briand gestern dem deutschen Botschaft« v. Hoesch mitgeteilt habe, Deutschland dürfe nicht auf Frankreich zählen, wenn es nicht freimütig mit der Außenpolitik breche, die es seit einemIahre betrieben habe. Rach den gleichen Informationen soll Deutschland alle verlangten Verpflichtungen übernommen haben. Der Pariser Vertreter des WTB. ist in der Lage, zu erklären, daß es sich hier um einen phantastischen, vollkommen frei erfundenen Bericht handelt, Berliner preffe-Kommentare. Berlin, 24. Juni. (CRB.) Die Abendblätter kommentieren fast alle in längeren Ausführungen die Rundfunkrede des Reichskanzlers, insbesondere seine Ausführungen über die deutsch- f ranzökische Verständigung. Die Blätter, die den Regierungsparteien nahe- stehrn, begrüßen ausnahmslos den Vorschlag des Kanzlers, eine deutfch>französische Zusammenkunft stattfinden zu lassen. Die „Deutsche Tageszeitung" sieht nt der Rede einen Appell an Frankreich, der in seiner Formulierung so weitgehend sei, daß er schon deshalb in Deutschland ein berechtigtes Unbehagen auslösen müsse. — Der „Lokal- anzeiger" gibt dem Kanzler zwar recht, wenn er sagt, „daß die Stabilisierung des europäischen Friedens erst an dem Tage gesichert erscheint, wo zwischen den beiden großen Rachbarvölkern das Vergangene seelisch überwunden ist und der Blick sich gemeinsam der Zukunft und ihrer Gestaltung zuwendet." Aber wenn er glaube, daß dafür eine deutsch-französische Llnterhaltung etwas Ersprießliches leisten könne, so scheine der Kanzler das Llnvergleichbare zu vergleichen. Internationaler Kredit für Deutschland? Reuhork, 24. Juni. (WTB.) Associated Preß meldet aus Washington, daß amerikanische Finanzkreise wegen der erneuten Konferenzen zwischen Beamten des Schatzamtes und des Federal Reserve Board ein internationales Kredit-Arrangement zur Erleichterung der Wirtschaftslage Deutschlands erwarten. Obwohl die Beamten es ablehnten, Einzelheiten über die oben erwähnten Besprechungen zu geben, wurde der Zweck der Konferenzen jedoch klar angedeutet; u. a. ist erklärt worden, daß eine formelle Ankündigung eines solchen internationalen Kredit-Arrangements nicht vor Ende des Monats zu erwarten sei. Der stellvertretende Schahamtssekretär Mills hatte heute wiederum mit Ho over und dem Gouverneur des Federal Reserve Board eine Besprechung. Der Schahsekretär betonte bereits, daß irgendein Kredit-Arrangement von dem von Hoover vorgeschlagenen Moratorium völlig unabhängig sei. Oer grundsätzliche Unterschied Berlin. 24. Juni. (CRD.) In Berliner politischen Kreisen wird die Situation auch heute abend nodf dahin beurteilt, daß sie erst weiter entwickelt werden wird, wenn die französische Antwort bekannt ist. Allerdings scheint schon jetzt ziemlich klar äu sein, was sie enthält. Frankreich ist offenbar bereit, einer Lösung zuzuftimmen, die in ihrer finanziellen Auswirkung ungefähr dem entspricht, was Präsident Hoover will. Sie wird wahrscheinlich durchaus zugestehen, dah auch der Betrag der ungeschützten Annuitäten praktisch in Deutschland bleibt, indem er, ohne erst ins Ausland transferiert zu werden, gleich wieder ahs Anleihe für Deutschland hineingesteckt wird. Finanziell würde der Kernpunkt in der Tatsache liegen, dah die Anleihe zu verzinsen wäre. Grundsätzlich ist der französische Vorschlag aber was ganz anderes als der Gedanke Hoovers. Der amerikanische Präsident will den Doung- plan für ein Jahr auher Kraft sehen. Frankreich dagegen sucht zu unterstreichen, dah der Zoungplan an sich keine Unterbrechung erleidet, die Zahlungen vielmehr weitergehen. In Berliner politischen Kreisen vertritt man den Standpunkt, dah es zunächst darauf ankommt, welche Stellung Präsident H o o v e r zu dem französischen Vorschlag einnehmen wird. Er wird zu prüfen haben, ob das in Paris ausgeklügelte Projekt mit seinen Ideen in Einklang zu bringen ist, oder ob es deren moralische Kraft in der praktischen Durchführung so beeinträchtigt dah Amerika den französischen Vorschlag ablehnen muh. Da di« amerikanische Regierung bereits ju verstehen gegeben hat. dah Abänderungswünsche nicht sehr freundlich ausgenommen werden würden, so kann man Wohl annchmen, dah die französische Antwort so konziliant ausfällt, wie es mit dem von Paris vertretenen Standpunkt irgend vereinbar ist. Deutschland kann im Augenblick nichts anderes tun, als den Ausgang des Zwiegesprächs ab- zuwarten. Wenn übrigens von französischer Seite nä- herePräzisierungenzu dem Vorschlag des Kanzlers gewünscht werden, auf die Aussprache von Chequers auch eine Zusammenkunft der deutschen und frcmzösischen Staatsmänner folgen zu lassen, so weih man in Berliner politischen Kreisen eigentlich nicht recht, was damit gemeint ist. Der Kanzler hat eindeutig gesprochen, und es wäre mm eigentlich Sache der Franzosen, darauf eine Einladung ergehen zu lassen. Mussolinis Zustimmung. Rom, 24. Juni. (WTD.) Ministerpräsident Mussolini hat auf Grund des Vorschlags des Präsidenten Hoover gestern dem italienischen Botschafter in Washington das folgende Telegramm übermittelt: Ich bitte Ew. Exzellenz, der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika mitzuteilen, dah ich den Vorschlag des Präsidenten Hoover über die vollständige Einstellung der Schuldenzahlungen der Regierung während eines Jahres geprüft habe. Dieser Vorschlag legt Italien erhebliche Opfer auf. Aber ich habe mich nach reiflicher Aeberlegung entschlossen, meine grundsätzliche Zustimmung zu erteilen. Ich behalte mir vor, der dortigen Regierung binnen kurzem einige Bemerkungen zugehen zu lassen, die dahin zielen, eine zugleich gerechte und praktischeAnwendung der glücklichen Initiative der amerikanischen Regierung sicher- zustcllen, wie dies gewih im Sinne der Vorschläge des Präsidenten ist. Ich beglückwünsche mi ch dazu, dah die Initiative des Präsidenten, deren hohe moralische Bedeutung vom italienischen Volk voll gewürdigt wird, eine Periode gemeinsamer Zusammenarbeit zwischen den Völkern eröffnen tarnt, einer Zusammenarbeit, die überaus notwendig ist im gegenwärtigen Augenblick allgemeiner Schwieri^eiten und am Vorabend der Abrüstungskonferenz. Mellon fährt nach Paris. Washington, 24. Juni. (WTB.) Schah- amtssekretär Mellon wird morgen vormittag um 11 Ahr nach Paris abreisen. Snowden über den Hoover-plan. Erklärungen des englischen Schahkanzlers im Ltnterhause London, 24. Juni. (WTB.) In der heutigen Unterhaussihung richtete Baldwin eine förmliche Anfrage an Snowden, ob dieser in der Lage wäre, nunmehr weitere Aufklärungen darüber zu geben, welche Maßnahmen die Regierung einzuschlagen gedenke, um den Hoovers chen Vorschlag in die Praxis umzusetzen. In seiner Erwiderung verwies Snowden auf die erst/ vorgestern erfolgte Erklärung Macdonalds, daß die britische Regierung Hoovers Vorschläge grundsätzlich von ganzem Herzen unterschreibe und im Begriffe sei. die praktische Durchführung zu erwägen. Diese Arbeiten würden unverzüglich und mit Zustimmung des Hauses in Angriff genommen. Snowden setzte hinzu: Ich nehme hie Gelegenheit gerne wahr, um die Schritte zu erläutern, die wir in dieser Richtung zu tun uns entschlossen haben. Je genauer wir die Aktion des Präsidenten Hoover betrachtet haben, um so deutlicher wurde es uns, daß das eigentliche Wesen der Deklaration des. amerikanischen Präsidenten in einer außerordentlich großzügigen Geste der Vereinigten Staaten besteht, auf die eine Antwort im gleichen Gei st e schuldig zu bleiben jammerschade für Europa wäre. Die Wohltaten, die sie bringen kann, müßten verloren gehen, wenn die durch sie betroffenen Staaten nicht Maßnahmen ergreifen würden, um ihr zur sofortigen Wirksamkeit zu verhelfen. Das ist besonders der Fall, soweit es sich unk Deutschland handelt, und hierin liegt alles in allem die Hauptschwierigkeit. Wir haben der von der amerikanischen Regierung geäußerten Ansicht zugestimmt, daß keine Zeit mit der Einberufung einer Konferenz zu verlieren ist. Es muß eine raschere Methode gefunden werden, um den Vorschlag der amerikanischen Regierung, die sofortige Suspendierung der deutschen Zahlungen an die Gläubigerregierungen, ins Werk zu setzen. Ein Verfahren, das wir bevorzugen würden, wäre, daß die Gläubigerregierungen umgehend der BIZ. mitteilten, daß sie mit dem Vorschlag einer S u s p e n - dierung aller deutschen Zahlungen für ein Jahr einverstanden sind. Die Entscheidung können wir nicht allein fällen, und wir erwarten die Erklärungen der anderen Gläubigerregierungen. Wir hoffen aber, daß es möglich sein wird, ein Hebereinkommen auf dieser Grundlage sobald wie möglich zu treffen. Hoovers Vorschlag bezieht sich jedoch aus alle Schulden der Regierungen, auf Reparationsschulden und Reliefschulden. Die englische Regierung ihrerseits nimmt diesen Vorschlag sowohl dem Geiste, wie dem Buchstaben nach an. Sie wird entsprechend bereit sein, für ein Jahr die Zahlung aller Rcgierungs- schulden, die ihr zustehen, auszusehen, sobald Hoovers Vorschlag allgemein angenommen fein wird. In der Zwischenzeit, d. h. vom 1. Juli ab, wird sie auf die fällig werdenden Teilzahlungen verzichten. Was die Reliefschulden anbelangt, wird die Regierung sofort Schritte unternehmen, die anderen europäischen Regierungen, in deren Besitz sich Reliefbonds befinden, von ihrer Handlungsweise zu verständigen und sie einladen, mit ihr zusommenzuarbeiten. Endlich wäre die Regierung, obwohl sie nicht glaubt, daß Hoovers Vorschlag direkt die Verpflichtungen der Dominions und Indiens gegenüber Großbritannien berührt — dies ist eine Angelegenheit, die von den betreffenden britischen Regierungen besprochen und erledigt werden muh — der Ansicht, daß es den Wünschen der Ration entsprechen würde, wenn wir uns dazu entschließen, den Dominions und Indien dasselbe Entgegenkommen, das den ausländischen Regierungen angeboten werde, unter denselben Bedingungen anzubieten. Dementsprechend haben wir, als wir die Zustimmung der Dominions und die der indischen Regierung einholten, mitteilen lassen, daß wir gleicherweise bereit wären, ihnen das Recht zu geben, die Gesamtsumme ihrer Kriegsschulden- zahlungen an uns vom 1. Juli ab auf die Dauer von zwölf Monaten zu verschieben, falls sie dazu willens wären. Dieser Vorschlag wird im laufenden Etat einen Ausfall zur Folge haben, der sich ungefähr auf 11 Millionen Pfund beläuft. Das ist ein schweres Opfer für die Steuerzahler dieses Landes, die ohnehin schon zu schweren Opfern aufgerufen wurden. Wir hoffen aber, daß dieser Schritt, den wir Zusammen mit den Vereinigten Staaten planen, mindestens gerechtfertigt wird durch dce Welt- aktion für d i e Belebung des Vertrauens. Zustimmung im Parlament. Hieraus sprach der Führer der Konservattven Baldwin Snowden seinen Dank aus und erklärte: Rach meiner, und ich glaube, auch nach der Ansicht meiner Partei hat die Regierung einen Weg eingeschlagen, der vollkommen im Einklang steht mit der Würde und dem Rufe Englands. Lloyd George bemerkte, daß er sich sehr freue, dah die Regierung eine so vollständige, mutige und unmißverständliche Antwort auf die überaus vornehme Geste der Vereinigten Staaten gegeben habe. Austen Chamberlain stellte darauf an den Schahkanzler die Frage, wann er eine Erklärung darüber abzugeben gedenke, welche Wirkungen der Hooversche Vorschlag auf Englands innere Finanzen im laufenden Jahre haben würde. Snowden antwortete: Ich kann im Augenblick hierauf keine Antwort geben. Ich fürchte, wir werden einige Tage warten müssen. Wenn die Anfrage eingebracht wird, habe ich nichts dagegen, eine Erklärung darüber abzugeben, in welcher Weise die Lage des Budgets im laufenden Jahre betroffen wird. Vorläufig keine internationale Schuldenkonferenz. London, 24. Juni. (WTD.) Der Premierminister wurde heute im Anterhaus gefragt, ob er angesichts der jüngsten Entwicklung seinen Entschluß, eine internationaleKon- ferenz zur Erörterung der interna- tivnalenVerschuldung einzuberufen, nicht neu erwägen wolle. Snowden antwortete im Ra- men der Regierung: Ich kann im gegenwärtigen! Zeitpunkt nichts weiter sagen, als daß wir bestrebt sind, zusammenzuarbeiten, um dem Vorschlag Präsident Hoovers praktische Bedeutung zu geben. In Beantwortung einer weiteren Frage, ob dies nicht ein passender Zeitpunkt sei, um die Initiative zu ergreifen, sagte Snowden: Der gegenwärtige Zeitpunkt ist meiner Ansicht nach höchst ungeeignet. Wir müssen zu allererst die Angelegenheit des Vorschlages des Präsidenten Hoover regeln. Sollten die Amstände sich schließlich derart entwickeln, daß eine internationale Konferenz wünschenswert erscheint, so wird die Initiative sicherlich ergriffen. Oie Erwerbslosenunterstützung für Jugendliche. Berlin, 24. Juni. (VdZ.) Eine der drückendsten Abbaubestimmungen der letzten Rotverord- nung war die über die Erwerbslos enun- terstützung der Jugendlichen unter 21 Jahren. Diese Bestimmung war in der Oeffent- lichkeit verschieden ausgelegt worden. Teils faßte man sie so auf. daß die Jugendlichen überhaupt keinen Rechtsanspruch haben sollten, teils so. daß sie nur im Falle der We dü r f t i gk ei t An- terstühungen bekommen sollten, und zwar nur nach dem niedrigsten Sah der Wohlfahrtspflege. Die sozialdemokratische Reichstagssraktion hat daher, wie das Rachrichtenbureau des VdZ. hört, in Verhandlungen mit der Regierung veranlaßt, dah das Reichsarbeitsministerium in einerVerordnung an die Arbeitsämter eine authentische Interpretation dieser Bestimmung gibt. Demnach sollen die Jugendlichen nach wie vor erwerbs- losenunter st ühungs berechtigt sein, rur wird abweichend von der bisherigen Regelung die Aeuyork-Berlin-Moskau. Oer Transozeanflug Posts und Eaiiys geglückt. London, 24. Juni. (WTB.) Die beiden Flieger Post und C a t t h haben um 12.20 Ahr Bangor in Wales überflogen und ihren Flug in östlicher Richtung fortgesetzt. Sie landeten in Seeland in der Rähe von Chester und starteten um 14.05 Ahr weiter nach Berlin. Zwischenlandung in Hannover. Hannover, 24. Juni. (WTB.) Die beiden Flieger P o st und C a t t y , die heute um 14.05 Ahr in Seeland (Englaick)) nach Berlin starteten, sind nachmittags in Hannover gelandet und um 18.50 Ahr zum Weiterflug nach Harold C a t t y. V #, . .. ’z, :?^v Berlin wieder aufgestiegen. Wie zu der Landung auf dem ^ugfeld Hannover noch bemerkt wird, wollten die beiden Flieger wohl ihre Fahrt nach einem Aufenthalt von nur wenigen Minuten wieder fortsetzen, bald nach dem Start bemerkten sie jedoch, daß der vorrätige Brennstoff ergänzt werden müsse, so daß sie sich genötigt sahen, nochmals niederzugehen. Am 19.10 Ahr ist das Flugzeug dann zum Weiterflug nach Berlin aufgestiegen. Willy Post. Etappe Berlin. Berlin, 24. Juni. (WTB.) Die amerikanischen Transozeanflieger P o st und C a t t h sind um 20.30 Ahr auf dem Flughafen Tempelhof glücklich gelandet. Den beiden Fliegern wurde bei ihrer Landung ein kurzer, aber herzlicher Empfang berettet. Außer einer zahlreichen Zuschauermenge hatten sich Ministerialdirigent Dr.-ing. h. c. Brandenburg und Geheimrat Fisch vom Reichsverkehrsministerium und von den Herren der Lufthansa Direktor Wronsky eingefunden. Unterwegs nach Moskau. Berlin, 25. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die beiden amerikanischen Ozeanflieger P v st und C a t t h sind nach kurzem Aufenthalt bereits heute früh 7.38 Ahr vom Tempelhofer Flughafen zum Fluge nach Moskau ge st artet, das sie in direktem Fluge zu erreichen hoffen. Rach den vorliegenden Wettermeldungen dürften die Flieger in 1 5 0 0 Meter Höhe über der Wolkendecke gutes Wetter und Rückenwind haben, so daß der direkte Flug durchaus möglich erscheint. Der „Aaulilus" in den Hafen von Queenstown eingeschleppt V % . 0,1 •. f 'i x 1 Oben: Das schwer beschädigte U-Boot im Schlepptau.— Unten: Der „Nautilus" im Hafen von Queenstown. In der Mitte (X) der Führer des „Nautilus", Sir Hubert W i l k i n s. . 1 ______________________1 . . 1 .J ------ J Anterstühung nur bei Bedürftigkeit gewährt. Diese Dedürfti^eitsprüfung soll also die einzige Neuerung der Rotverordnung sein. Verhandlungen über weitere Milderungen der Rotverordnung, die zum Teil voraussichtlich nicht ohne eine materielle Aenderung der Verordnung möglich sein werden, stehen, wie wir hören, unmittelbar nach dem Vorliegen der französischen Antwort auf das Angebot Hoovers bevor. Danziger Stahlhelmer in Polen verurteilt. Danzig, 24. Juni. (WTB.) Das polnische Gericht in Dirschau verurteilte gestern nachmittag sieben Danziger Stahlhelmer, die am Sonntag versehentlich in Uniform die polnische Grenze bei Dirschau überschritten hatten und fest genommen worden waren, zu je einem MonatHaft. Der Senat der Freien Stadt Danzig hat gegen die Verhaftung der Stahlhelmleute Protest eingelegt und um ihre sofortige Freilassung ersucht. Aus aller Welt. Feuer au Bord der „Los Angeles". Washington, 24. Juni. (WTD.) Das Marineamt erhielt von Commandor Dresel in Lakehurst (Rew Jersey) die telephonische Mitteilung, dah ein unbedeutender Drand an Dord des Marineluftschiffes „Los Angeles" in der Luftschiffhalle von Lakehurst an der Außenhülle des Luftschiffes geringfügigen Schaden angerichtet hat. Als Drandursache wird Kurzschluß vermutet, da gegenwärtig eine neue elektrische Anlage installiert wird. Toscanlnl in Bayreuth. Bayreuth, 24. Juni. Der berühmte Haltet* sche Dirigent Toscanini traf mit seinem Reifewagen am Dienstag aus St. Moritz kommend in Bayreuth ein; er wird in den nächstens Tagen mit den Proben zu den Festspielen beginnen. Schweres Unwetter in westfrankreich. Paris, 24. Juni. (WTB.) Das Städtchen Fon- trevault l'Abbaye bei Saumur wurde heute vormittag von einem schweren, von wolkenbruchartigem Regen begleiteten Gewitter heimgesucht. Mittags ging eine Wasserhose über der Stadt nieder. Sämtliche Straßen und Plätze wurden unter Wasser gesetzt. Stellenweise erreichte die Heber- schwemmung eine Höhe von drei Meter. Sieben Häuser wurden von den Fluten niedergerissen, viele andere mußten geräumt werden. Man glaubt, daß einige Bewohner ertrunken sind. Skandal in Glasgow. L o n d o n, 24. Juni. (WTD.) Eine große Sensation war heute für Glasgow die Verhaftung von zwei angesehenen vereidigten Buch- sachverständigcn und Rechtsanwälten. Sie werden beschuldigt, falsche Angaben über eine Reihe von Textilfirmen zur Schädigung und zum Betrug der Lloyds Bank Ltd. gemacht zu haben. Ferner wurde der frühere Direktor einer Textilfirma In Batley verhaftet. Ihm wird vor- geworsen, die Lloyds Dank in gleicher Weise um 50000 Pfund betrogen zu haben. Heute abend erfolgte eine vierte Verhaftung, und es verlautet, daß eine Reihe weiterer Festnahmen bevorsteht. 'verzUchrr Mreich^ merm2ingeiq "b Neimrat 'ium und tolt . 11 Wronsky skau. Spruch.) ^.Pvst und lt bereits heut« Aughasen zum et, daS sie m eu. Äach den testen die Die, n der Dvlken- vmd haben, so Aich erscheint. lefW D0nOu«n5f0lWU ilh- ^rühmte M nnt seine« Ht.Dorih kam« , den nach!^ eslfrankreich- . Städtchen 8 °"' tzsr: Z-»7S 'Ä* Uebef S-fc-5 en find- '*«»11 Manu (Gießener Hochschulgesellschaft) 3™.,. 1.001 4201 D Freier Eintritt Gäste willkommen 4199 D VERTRETER 03691 BORKUM 4212 V 1. 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Es ist nicht uninteressant, daß Präsident Hoover sich in seinem Appell an die Welt zum großen Teil die Gedankengänge zu eigen gemacht hat, mit denen die deutsche Delegation aus der Pariser Konferenz arbeitete. Mit besonderem Nachdruck hat er dabei darauf hingewiefen, daß Amerika an den Reparationen, an der Aufteilung der deutschen Kolonien und an dem Raub des Privateigentums nicht beteiligt sei. Inwieweit das ganz zutreffend ist, inwieweit nickt gerade die Vereinigten Staaten verpflichtet waren, nach dem Vorvertrag, der auf Grund der vierzehn Punkte Wilsons geschlossen war, diesen krassesten Auswüchsen des Versailler Systems entgegenzutreten, mag im Augenblick dahingestellt bleiben. Wir verzeichnen jedenfalls mit Genugtuung, daß die amtliche Politik der Vereinigten Staaten heute die Ursachen der Weltkrise in denselben Fehlerquellen erblickt, die auch von deutscher Seite seit Jahr und Tag angeführt wurden, also auch in' der Art, wie uns unsere Kolonien weggenommen sind. Es kann ja auch tatsächlich kein Zweifel darüber bestehen, daß ein Volk, dem in der eigenen Heimat der Platz zu eng wird, irgendwie nach kolonisatorischer Betätigung drängen muß, nicht nur um zu verhindern, daß der Beoölkerungsüberschuß als Kul- turdüngcr der ganzen Welt verloren geht, sondern auch um der jungen Generation ein Betätigungsfeld zu schaffen. Welche segensreichen Wirkungen das für die Staatspolitik haben kann und muß, zeigt das Beispiel Englands. Um alle diese Möglichkeiten sind wir durch das Friedensdiktat betrogen worden. Wir haben eine ungeheure Menge von Arbeit in unsere Kolonien hineingesteckt, haben eine besondere schwere Anlaufszeit durchmachen müssen, weil wir eigentlich bei der Verteilung der Welt zu spät kamen und uns mit weniger guten Ländern begnügen mußten. Was aber hier kulturell von den Deutschen geleistet ist, darf volle Anerkennung beanspruchen, findet sie heute wohl auch, nachdem die K o l o n i a l l ü g e des Versailler Diktats von den Engländern und zum Teil auch von den Franzosen preisgegeben worden ist. Die Schwierigkeiten, unter denen wir stehen, wären niemals so groß geworden, wenn wir das Reservoir unserer Kolonien noch gehabt hätten. Wir hätten einen Teil unserer Arbeitslosen dort unterbrin- qen können, und wären auch in dem Verbrauch der Rohstoffe, wie der Lebensmittel nicht so auf teure Devisenkäufe angewiesen. Es ist also selbstverständlich, daß Deutschland, wenn es für den Wiederaufbau seines Volkstums ein Programm aufstellt, auch auf seine Kolonien nicht verzichten kann, trotz der Bedenken, die dagegen von dem Gesichtspunkt der unmittelbaren Lebensnotwendigkeiten erhoben werden können. Um so bedauerlicher ist cs, wenn gerade in diesen Tagen der Führer der Nationalsozialisten Hitler in einer großen Kundgebung, die er „ein politisches Bekenntnis" nennt, ich über den Wert der Kolonien sehr abfällig und keptisch äußert. Er legt damit seine Partei auf die gleiche Linie fest, in der schon die Kommunisten und auch die Sozialdemokraten liegen, und würde damit eine Abwehrmehrheit schaffen helfen, die auch die bescheidensten parlamentarischen Pläne hinsichtlich der Wiedererlangung von Kolonialbesitz vernichtet. Wir wollen aber die Erwartung nicht auf- geben, daß auch die Nationalsozialisten im entscheidenden Augenblick sich doch für eine aktive Kolonialpolitik cinsetzen werden Oer Kamps der Polen gegen die deutsche Minderheit wird mit ungebrochener Schärfe fortgesetzt, wenn auch die einzelnen Gewaltakte nicht in die Öffentlichkeit dringen, weil sich die Betroffenen aus Furcht vor der polnischen Rache weigern, nähere Angaben über das Vorgehen der Polen zu machen. Die ständige Vergewaltigung unserer Volksgenossen jenseits der Grenze, namentlich der Zwang, die deutschen Kinder in die polnischen Schulen zu schicken, läßt es notwendig erscheinen, einmal einen Blick auf die Verhältnisse in unseren Ost Provinzen zu werfen. Hier können sich die Polen politisch ungehindert betätigen. Sie haben ihre Vereine, wählen ihre Abgeordneten, sie haben auch zahllose Schulen, in denen, und das ist das Wesentliche, Lehrer Unterricht erteilen, die die polnische Staatsangehörigkeit besitzen, also durch polnische Vorbereitungsanstalten gegangen sind und sich selbstverständlich in nationalpolnischem Sinne betätigen. Außerhalb des Bezirks Oppeln, der nicht weniger als 51 polnische Schulen aufweift, gibt es in den sonstigen preußischen Gebietsteilen 53 Schulen, an denen 68 Nationalpolen tätig sind. Wir glauben nicht, daß es jenseits der Grenze auch nur einen reichsdeutschen Lehrer gibt. Der vor einigen Tagen in Berlin paraphierte Handelsvertrag Deutschlands mit Rumänien ist das erste Wirtschaftsabkommen, das die kürzlich für die Behandlung der südosteuropäi- schen Agrarstaaten aufgestellten Richtlinien in vollstem Maße berücksichtigt. Zwar haben beide Teile Zugeständnisse gemacht, am besten haben aber doch die Rumänen abgeschnitten, die jetzt in die Lage versetzt werden, sich von einem erheblichen Teil ihrer Futtergerste und ihres Mais zu befreien. Abzuwarten bleibt, ob die deutsche Exportindustrie, der Zollzugeständnisse gemacht worden sind, auf dem rumänischen Markt so festen Fuß zu fassen vermag, daß sich die gebrachten Opfer auch lohnen. Aber noch eins kommt hinzu. Rumänien ist der Verbündete Frankreichs, das vor wenigen Wochen die Handelsvertragsverhandlungen mit uns fast zum Scheitern brachte. Jedenfalls mußten die Beratun- gen ausgesetzt werden. In der Zwischenzeit haben aber die Franzosen den Rumänen nichts bieten können, was gut genug gewesen wärs, um handelspolitisch im französischen Fahrwasser zu bleiben. Vielmehr hat die Bukarester Regierung die Feststellung machen müssen, daß niedrige deutsche (Beriten- und Maiszölle für die notleidende rumänische Landwirtschaft wesentlich besser sind, als teure An- leihen, die das Land nur immer tiefer in die Schul- denwirtfchaft hineinstürzen. So sind denn die Rumänen ihren eigenen Weg gegangen, sie haben die ihnen von Deutschland aus bärge- botene Hand ergriffen, was in Paris denkbar schlecht vermerkt worden ist. Warum? Der Ru- mänenoertrag wird nicht allein bleiben, es werden auch andere Balkan st aaten bereit sein, mit Deutschland zu akkordieren. So bahnen sich Entwicklungen an, die den Franzosen ebenso unbequem sind, wie die Zollunion mit Oesterreich. WieverwendenwirdenZahlungSausschub? Dor Optimisten wird gewarnt! Don Or. Josef Winschuh, MdR. Eine der wichtigsten Wirkungen, die von dem durchgeführten Hooverplan ausgehen kann, ist die Heilung der Vertrauenskrise, die einen so großen Anteil an dem wirtschaftlichen Nieder- gang und der sozialen Not hat. Aber man muß im gleichen Atemzug warnen vor einem deutschen Optimismus, der sich schon jetzt anschickt, das Fell des Bären, den wir noch nicht haben, zu verteilen. Einmal steht es noch durchaus dahin, ob der Hooversche Vorschlag schnell und vollkommen durchgeht. Der wichtigste Mann nach Amerika im Konzert der Kriegsschulden und Reparationen, nämlich Frankreich, macht Schwierigkeiten. Zunächst müssen also alle Kräfte sowohl der Nation wie der Regierung darauf konzentriert werden, Hoovers Werk durchzusetzen. Und dann muß die Atemfrist, die wir gewonnen haben, ausgenutzt werden zur Grundlegung einer zielbewußt weiterführenden Revisionspolitik. Es wäre psychologisch völlig falsch, den einjährigen Zahlungsaufschub mit Optimismus zu quittieren. Es wäre politisch völlig falsch wenn der Zahlungsaufschub den Widerstand der Nation gegen die Tributzahlungen erlahmen und den Revisionswillen der deutschen Regierung ein- lullen und schwächen würde. Das Hooversche Weltfeierjahr muß vielmehr von einem Volk, das sich in seiner Meinungsäußerung diszipliniert Zügel anlegt und das Endziel unserer Revisionspolitik nicht aus dem Auge läßt, und von einer tatkräftigen, um Vertrauen werbenden Regierung ausgebaut werden zum Auftakt einer gerechten und erträglichen Reparationsneuregelung. Der Gewinn ist, daß das Reparationsproblem, das die Franzosen genau wie das System von Versailles erstarren lassen und unantastbar machen möchten, wieder in Fluß gekommen ist. Dieser Gewinn kann vertan, er kann auch ausgeroertet werden. Er muß ausgewertet werden als Gelegenheit, einen „Deutschen Plan" herauszubringen und für ihn die Weltmeinung zu gewinnen. Diesem obersten Ziel muß auch die innerdeutsche Verwendung des Zahlungsau f s ch u b s dienen. Die Verwendung der Beträge, die frei werden, muß uns einmal zum Durchhalten unserer inneren Krise stärken, zum andern die deutschen Finanzen für die Weiterführung des Reparationsfeldzuges wappnen. Es handelt sich um etwa 1500 Millionen, die wir vom l.Iuli 1931 bis zum 1. Juli 1932 nicht für Reparationen aufzubringen hätten. Es kann sich nun nicht darum handeln, diesen Betrag nach Mustern der letzten zehn Jahre zu verwirtschaften. Die Erinnerung an den Run der Par- teien und Interessen, der vor einigen Jahren auf die Zahlungserleiasterung einsetzte, die der Poung- plan zunächst versprach, sollte warnen. Oberster Grundsatz muß sein, daß die Regierung, die einen Anfangserfolg im Reoisionsfeldzug errungen hat, sich nicht optimistisch stimmen läßt, sondern allen Parteiwünschen, die den Zahlungs- aufschub verteilen möchten, eine entschiedene Absage erteilt. Wie soll der Zahlungsaufschub verwendet werden? Stecken wir das Feld zunächst negativ ab. Es kann sich erstens nicht darum handeln, daß an die Stelle der Notverordnung einfach die freiwerdende Jahres- Zahlung tritt. Es kann sich weiter nicht darum handeln, aus der Iahreszahlung einen sozialen Fonds zu machen und aus ihm soziale Erleichterungen auszuschütten. Es kann sich ferner nicht darum handeln, den Zahlungsaufschub für wirtschaftliche Subventionen zu verwenden. Notwendig ist vielmehr zweierlei. Einmal, daß die Reichsregierung eine Finanzreserve erhält, die der deutschen Wirtschaft und damit auch dem ein- geschrumpften deutschen Arbeitsmarkt neue Steuern erspart, zweitens, daß das Reich seine kurzfristigen Schulden los wird, die immer wieder auf die Lage der Reichsfinanzen drücken. Gerade der Schuldendienst ist zu einer Gefahr für die Ordnung unserer Finanzen geworden, und das Gleichgewicht der Finanzen ist wiederum das A und O einer gesunden Wirtschaftspolitik und damit auch der Krisenüberwindung. Das Reich hat jetzt schwebende Schulden in Höhe von rund 1.5 Milliarden. Unter den Schuldposten sind am bedenklichsten die über 1100 Millionen Schatzanweisungen, mit denen das Reich den Banken verschuldet ist. Der Ueberbrücfungsfrebit von 250 Millionen, den das Reich wieder zum Monatsende aufnehmen muß, beweist, wie dringend notwendig hier eine Entlastung und Bewegungsfreiheit ist. Die Notverordnung hat zwar den außerordentlichen Haushalt beseitigt und damit den Willen der Regierung zu erkennen gegeben, die Beanspruchung des Kreditmarktes durch das Reich aufzugeben. Aber erst die Verwendung eines großen Teils der freiwerdenden Iahreszahlung zur Umwandlung der schwebenden Reichsschuld wird diesen Willen auch zur Wirklichkeit machen können. Hier erhebt sich nun leicht der Einwand: Ist das nicht zu fiskalisch gedacht? Nein, keineswegsi Nur durch Opfer und Einschränkungen, durch eine radikale Abkehr von den Ucbcrtrcibungcn und Aufwänden der letzten zehn Jahre können wir die Krise überwinden und die Grundlage für eine gesunde öffentliche und private Wirtschaftsführung legen. Es wäre der größte Fehler, wenn der Zah- lungsauffchub unseren inneren Reformwillen und Rcformzwang schwächen würde. Und weiter: Auch Wirtschaft und Arbeit profitieren von einer zurück- haltenden Verwendung der freiwerdenden Jahreszah- iung. Eine Finanzreseroe setzt die Regierung in den Stand, der Wirtschaft sagen zu können: Vorneuen Steuern und La st en bi st du in absehbarer Zeit sicher. Diese Aussicht kann einen Zuwachs an entschwundenem Vertrauen bedeuten. Die Umwandlung der schwebenden Schulden entlastet den deutschen Kapitalmarkt zugunsten der Kapitalansprüche der Privatwirtschaft. Das ist eine Auslockerung des sestgesahrenen deutschen Kreditsystems. Entlastet man die Reichsbahn, die ihre 660 Millionen Reparationsanteil nicht mehr aufbringt, in einem gewissen Umfang, so bedeutet das wiederum eine Belebung der Wirtschaft durch Reichsbahnausträge. Wie man sieht, sind die indirekten wirtschaftlichen Wirkungen und Anregungen durch eine hauptsächlich finanzpolitische Verwendung der freiwerdenden Iahreszahlung doch be- träcktlich, vor allem dann, wenn man die wirtschaftlich bedeutsame Stärkung des internationalen Vertrau ns durch den Erfolg des Hooverfchen Plans in Rechnung stellt. Wünschenswert wäre es, wenn aus dem Weltfeierjahr der Kriegsschulden und Reparationen auch einWendejahrderinternatio. n a l e n Kapitalversorgung würde, weist doch Hoover mit Reckt darauf hin, daß der Gold- reichtum Amerikas gefährlich zu werden beginnt. DieverworseneKriegsschMhese Zehn Jahre sind vergangen, seitdem von deutscher Seite mit der ernsten wissenschaftlichen Aufklärungsarbeit in der Kriegsschuldfrage begonnen worden ist Im Jahre 1921 war noch der überwiegende Teil der ausländischen Wissenschaftler der Auffassung, daß Deutschland den Weltkrieg absichtlich herdeigeführt und den alliierten und assoziierten Mächten aufgezungen habe. Auch glaubte man, daß das in Versailles gefällte Urteil in einwandfreier Weise und auf Grund zuverlässiden Materials zustande gekommen war. Die wenigen ausländischen Vertreter einer gegenteiligen Auffassung fanden kein Gehör. Ganz allmählich und langsam begann sich dann in den folgenden Jahren das Urteil der Welt unter dem Eindruck der zahlreichen Dokumentenoeröffentlichungen, der Memoirenwerke und nicht zuletzt der Arbeiten und Aufsätze hervorragender Wissenschaftler in allen Staaten zu ändern. In der Erkenntnis, daß die Oeffentlichkeit An- sprach hat, über das bisherige Ergebnis der wissen- schastlichen Aufklärungsarbeit unterrichtet zu werden und einen Uebcrblirf über die Beurteilung der „Versailler Kriegsschuldthese" im Ausland zu gewinnen, hat die „Zentralstelle für Erforschung der Kriegs- Ursachen" den Wissenschaftlern und Sachverständigen, die in der Kriegsschuldfrage hervorgetreten und auf Grund ihrer Stellung und Arbeiten auf diesem Gebiet besonders befähigt sind, ein Urteil abzugeben, drei Fragen über die Versailler Kriegsschuldthese vorgelegt. Die drei Fragen lauten: 1. Sind Sie der Auffassung, daß Deutschland den Weltkrieg mit Vorbedacht geplant sowie ihn vorsätzlich und absichtlich herbeigeführt hat? 2. Sind Sie der Auffassung, daß Deutschland den alliierten und assoziierten Regierungen den Krieg aufgezwungen hat? 3. Treten Sie der Auffassung bei, daß das in Versailles über die Schuld Deutschlands am Kriege von den alliierten und assoziierten Re- gierungen abgegebene Urteil auf Grund von Material gewonnen worden ist, das unvollstän- Wiener Miniaturen. Don 3gna Maria Zünemann Unter blauestem Sommerhimmel mit wehenden Flaggen und lustigbunten Wimpeln begeht Wien seine Festwochen. Die Brunnen springen, in Parks und Alleen blühende Rosenfülle, Festoorstellungen in den Theatern, man bejubelt Bassermann, interviewt Elisabeth Bergncr, die mit eigenem Ensemble den Wienern „Amphitryon 38" vorführt. Vor dem prächtigen Rathaus sind Tribünen aufge- schlagen für Schauturnen und Tanzvorführungen, beim Lichtsest erstrahlen die alten, historischen Gebäude, auf den großen Plätzen Symphoniekonzerte, Vorträge beliebter Männerchöre, im Augarten gibt’s ein Alt-Wiener-Kinderfest, im Stadtgarten feiert man den Walzerkönig Strauß, Volksgarten und Heldenplatz (äußerer Burghof) find schwarz von Menschen beim Monstre-Konzert der vereinigten Militärmusiken der Garnison Wien. Das war der Höhepunkt, so recht ein Abend fürs „Weaner Gemüt". Mit klingendem Spiel unter Vorantritt von Fackelträgern zogen die Musiker über den Graben nach der Burg, vorauf und hinterher im gleichen Schritt und Tritt Männlein und Weiblein, alt und jung; im schäbigen, abgetragenen Anzug mit abgelaufenen Absätzen, Freude und Eifer auf dem verwitterten Faltengesicht ein grauköpfiger Alter, der, wohl in Erinnerung an vergangene Zeiten, sich im Parademarsch übt. Auf dem dunklen Heldenplatz, von magischem Licht umflossen, die Reiterstatuen des Erzherzogs Karl und des Prinzen Eugen, zauberhaft erhellt die neue 'Burg. Die „Prinz-Eugen-Fanfare" bringt schon Stimmung, man klatscht und ruft „Heil", als im ,Laiserwalzer" von Joh. Strauß die letzten Takte der alten Nationalhymne erklingen, und als gar der Radetzkymarsch" aufrauscht, da begeistert sich die Menge so sehr, daß er wiederholt werden muß. W i e sie ihn aber auch spielen, so mit Verve und Temperament, daß selbst wir „kühlen Reichsdeutschen" mitgerissen werden! Man promeniert nicht mehr, das steht wie eine Mauer Kopf an Kopf, „Eiswafferl-Frau" und Limonadenverkäufer müssen sich mühsam durchzwängen. Sie machen keine Geschäfte, man kann nicht zween Herren dienen, man braucht die Hände zum Applaudieren. Kaum, daß die ersten Takte des altbekannten Marsches „Unter dem Doppeladler" laut werden, so hebt eine Beifallskundgebung an, daß alle Blas- und Schlaginstrumente darin untergehen. Natürlich Wiederholung! Das ist ein Abend. Der Burghof ist von Zaungästen umlagert, es werden 50 Groschen (gleich 30 Pf.) Eintritt erhoben zum Besten der Militärhinterbliebenen. Wer die Menge auf dem Heldenplatz sah, weiß, daß der Unterstützungskasse ein nettes Sümmchen zugeflossen ist. Irgendwo über der Donau oder in den Bergen ist ein Gewitter niedergegangen, es wird empfindlich kühl, aber das dämpft keineswegs die Begeisterung! Man harrt aus, bis die letzten Takte des Schkußmarfches „Aller Ehren ist Oesterreich voll" verklungen find — d r e i- m a l muß der Marsch gespielt werden, bevor die Musiken, hochgeehrt, von Fackelträgern begleitet, abziehen können, und der Lichtzauber auf dem Helden- platz erlischt ... Politisch ist er nicht, der Durchschnittswiener, auch wenn er sich durch Berge von Zeitungen im Cafe- haus hindurchliest. Er hat — beneidenswerterweise — ein Stück Fatalismus vom Geschick mitbekommen. Ja, es sieht schlimm aus mit dem armen Oesterreich, aber was soll man machen? Die Kreditonst a 11 s f r a g e tut man ab mit wehmütiger Geste: der arme Schilling wird bald aufgehört haben zu leben. Was man erhofft? Ach, man ist so resigniert: was wird schon noch werden. Die Zustände in Deutschland sieht man durch eine rosige Brille. Wenn sie Deutschland auch noch so drangsalieren, Deutschland wird schon wieder hochkommen. Und wann's dem deutschen Bruder gut geht, geht es dem armen Oesterreich auch wieder besser. Die Hochachtung vor Deutschland, vor deutscher Leistung, vor deutscher Mark ist unbegrenzt. Unbegrenzt ist auch die Vaterlandsliebe des Oesterreichers, grenzenlos seine Liebe zur Heimat, die bisweilen, weil eben alles gut, schön und vortrefflich ist, beinah grotesk wird. Liebenswürdig sind die Wiener, stolz auf ihre Stadt, „Wien, Wien, nur du allein —!" Aber man sieht und fühlt überall: Wien ist nur noch der Schatten von einst. Unsichtbare Trauer liegt über dem heutigen Wien. „Wien woar amol", sagt der Wachmann, der fünf Jahre Krieg gekostet hat, „un dazu liegn die Kameradn draußen" fügt er voll Bitterkeit hinzu. „Wann fe fönntn, zerreißn würdn sie des arme Oesterreich" — und gleich hoffnungsfroh: „Aber des werd Deutschland net zulassen!" Ja, trotz Walzerklängen, Festwochen und Sommerhimmel, das Herz wird einem schwer. Plötzlich gibt’s Extrablätter, das Kabinett E n - der-Schober ist zurückgetreten, von den hohen Fahnenstangen vor dem feudalen Parlament wehen die Fahnen, es waren schwere Beratungen mit den fremden Finanziers, „'s war eh Zeit, daß sie gingen", hört man als Echo der vox populi auf der Straße, und dann überlegt man, ob man zum Prater hinausfährt oder nach Grinzing, wo der „Heurige" lockt. Im Prater gibt’s keine Politik. Man spielt mit Ausdauer und Hingebung Tarock oder Bridge, stundenlang — die Batterie der Wassergläser wächst. Oder man häkelt unentwegt ©eiben* mützchen, die beinah jede Dame trägt. Das Riesenrad grüßt herüber vom Wurstlprater, der „ewig und unveränderlich" ist mit seinen Karussells, den Schießbuden, den Bärenringkämpfen, der „exotischen Tierschau", dem Flohzirkus, der Berg- und Talbahn und den unzähligen Gaststätten, „des is a Hetz", da kann man Kriegsfolgen und Gegenwart vergessen. Des Sonntags in Schönbrunn, wenn die hellen Sommerkleider und graziösen Schutenhüte der fröhlichen Jugend aus dem satten Grün gepflegter Parkwege leuchten, wenn der Altwiener geruhsam die schattigen Waldserpentinen zur Gloriette empor- fteigt, von deren Plattform man herrlichen Rundblick genießt, lieber das majestätische Schloß, über die Stadt, über die liebliche Umgebung, so einladend eingebettet in Grün. Wenn die Mittagshitze auf den breiten Wegen brütet, daß die Rosen süß aufduften, wenn der Park sich allmählich leert, denn die Frau Mutter wartet mit dem Mittagsmahl, und nur wenige Liebespärchen im Tiroler Garten sitzen — dann träumt man zurück zu den Zeiten einer Maria Theresia, die im prunkvollen Sarkophag neben ihrem geliebten Franzi, umgeben von 138 Särgen, in der stillen, kühlen Saifergrufl der alten Kapu- zinerkirche am Neuen Markt schläft. Hier endet Glanz und Glorie; angesichts dieser Prachtsärge, nebeneinandergereiht bis zum letzten Kaiser aus dem Hause Habsburg, erkennt man so recht die Vergänglichkeit alles Irdischen. Und jener einfache frommeinfältige Kapuziner, der durch die Gruft führt und bei einzelnen Bronze- und Metallsärgen erklärend verweilt, hat wahrhaft die Welt bezwungen. Nicht mit blutigen Kriegen, nicht mit diplomatischen Bündnissen, nicht mit Heirat aus Staatsräson, wie jene, die hier auf die Auferstehung warten, und deren Leben Kampf um die Macht war. Er hat die Welt bezwungen, weil er ihr freiwillig entsagte und sich ein Ziel erwählte, das weder durch Kriege, noch durch Politik verändert werden kann. „Alle Kinder der Kaiserin Maria Theresia sind hier beerdigt — nur die eine nicht, Marie Antoinette, die unglückliche Königin von Frankreich, die unter dem Fallbeil starb", man fröstelt bei den Worten. Ob das nur die Kühle der Gruft ist? Und draußen wieder Sonne und Leben, und der vielgeliebte Stephansdom schaut herab auf die alte, ewig junge Stadt, mit der großen Vergangenheit, der schweren und bitteren Gegenwart, und der, so Gott will, besseren Zukunft. Und da seine Glocken jetzt anheben, ihren Gruß hinauszurufen über Straßen und Gassen bis zum Wiener Wald, ist es uns schier, als fingen sie ihren Abendfegen im Dreivierteltakt ... Zeitschriften. — „H e f f e n l a n b*. (Herausgeber: Dr. Hitze- roth, Verlag: Eiwert in Marburg.) Das Juni-Heft ist volkskundlich von besonderem Interesse; wir heben die folgenden Beiträge hervor: Zolldirektor i. R. Woringer geht der Herkunft des Volksliedes „Es zogen drei Regimenter wohl über den Rhein" nach; von dem fast zum Volksliede gewordenen Lied Franz Dingelstedts: „Hier hab ich fo manches liebe Mal" und feiner Entstehung erzählt R. Börner. Reime und Sprüche aus dem Breidenbacher Grund im „Hinterland" hat H. Sauber gesammelt. Der Heimatforscher K. v. Baumbach beschreibt uns den Bau einer großen Scheuer und die Gebräuche der Zimmerleute. Dem Aufsatz sind interessante Ab- bilöungen beigegeben. Museumsdirektor Dr. Kippenberger berichtet von den Einrichtungsarbeiten im Marburaer Museum, dessen Wesensart spezifisch hessisch ist. An geschichtlichen Beiträgen sind zu erwähnen ein Artikel von H. Schmidt über eine Fliehburg bei Heimbach im Kreise Ziegenhain und H. Maldfeld über Steinau in den Reformationskriegen 1546 und 1552. Schließlich erzählt uns L. Schneider von einem Besuch in einer Silberfuchsfarm und G. ßöffert vom Auer-, Birk- und Hasel- wild in hessischen Wäldern. — Das Inselschiff. Eine Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlages. Zwölfter Jahrgang. 3. Heft. Johanni 1931. — Aus dem Inhalt des vornehm ausgeftatteten, von Start Weißer kulturvoll redigierten Heftes fei einiges mit besonderer Empfehlung heroorgehoben: als Leitaufsatz ein „Lob des Landes", von Rudolf Alexander Schröder, gelassen und klar geschrieben, als Probe aus einem neuen Buch „Der Wanderer und die Heimat"; das von dunklem Geheimnis durchtränkte Notturno von Hans Carossa: „Ereignisreiche Nacht", aus einer Legende vom ärztlichen Leben; Wilhelm Schäfers Anekdote aus der Revolutionszeit des goldenen Mainz, ein prachtvolles, menschlich erfülltes, sprachlich großartig beherrschtes Stück deutscher Prosa; „Wie der Chronist sagt ..." ist ein interessanter, historischer Essay von August Ewald überschrieben; drei feine Sonette des 1915 auf Gallipoli gestorbenen, jungen englischen Dichters Rupert Brooke in der llebertragung von Cecile Gräfin Keyserlings; Geschichten von Gyges und Rhampsinitos aus dem Herodot (Insel-Bücherei Nr. 114); und eine kleine autobiographische Skizze von Aldous Huxley, dessen Roman „Zwei ober drei Grazien" in der schönen Ausgabe des Insel-Verlages auch in Deutschland seinen Weg macht. 9JL-$poit Endspiel um die Meisterschaft mit Berlin spielen. im Marburg :r. !icht (Fortsetzung folgt.) weitere 2m Untffz. in den und 5. Gew. 8 8 7 5 2 0 Verl. 2 2 3 5 8 10 Pkte. 16 16 14 10 4 0 Tv. 1846 Gießen I Tgm. Friedberg Tv. Frankenau Tv. 1846 Gießen II To. Nidda Akad. Tv. Kurhessen Die um dir Runde, in de Sieh 1 3. Frl. Dochnik, Reu-Isenburg, 186 P. Durch! Speer und Kugelstoßen kommt Frl. Bickelfraupt anfangs etwas zurück, holt jedoch durch den Lauf und die beiden Sprünge gut auf und kann mit 21 Punkten vor der guten Mehrkämpferin Lind» roth und 28 Punkten vor der diesjährigen ersten! Feldberg-Siegerin Dochnik Meisterin Werdern 100-Meter-Lauf: Hieran beteiligte sich Frl. Arnend und Frl. Bickelhaupt. Trotz großer Beteiligung kommen beide in die Zwischenläufe, doch hat Frl. Arnend das Pech, im Zwischenlauf auf Frl. Decker, Frankfurt, und ihrer Bereinsschwester Bickelhaupt zu treffen und wurde nur dritte. 3m 100-Metert-Cndlauf machte sich bei Frl. Bickelhaupt stark der Fünfkampf bemerkbar. so daß sie nur zweite Siegerin werden! konnte mit 13,1 Sekunden. Hoch sprung : Mit der sehr beachtlichen Leistung von 1,50 Meter wurde Frl. Bickelfraupt trotz der weichen Bodenverhältnisse zum vierten Male hintereinander Kreismeisterin. Frl. R ö h - m i g vom MTB. Gießen kam auch bis in die Entscheidung, wurde jedoch trotz der guten Leistung von 1,40 Meter nur vierte. 80 Meter Hürden: Obwohl unsere Gießener Turnerinnen Bickelhaupt und Rohrnig sich erstmalig an dieser Konkurrenz beteiligten, warteten beide mit guten Zeiten auf. Frl. Bickelhaupt wurde mit 14,8 Sek. Kreismeisterin, und Frl. Rohrnig belegte mit 15,7 Sekunden einen guten zweiten Platz. Zehnkampf (bestehend aus 100 Meter, 400 Meter, 1500 Meter, 110 Meter Hürden. Hvch- sprung, Weitsprung,. Stabhochsprung, Kugelstoß. Speerwurf, Diskuswurf): Erstmalig beteiligten sich an dieser schwierigsten und schwersten Prüfung eines Sportlers auch die beiden Männerturner L. Malkomesius und H. Roth- e r m e l. Beide kamen unter die 10 ersten Sieger, letzterer wurde vierter und ersterer siebenter Sieger. Eine besonders gute Zehnkampfleistung zeigte Rothermel im Speerwurf mit 49 Meter (an erster Stelle) und im 1500-Meter-Lauf (an zweiter Stelle), hingegen konnte L. Malkomesius im Hochsprung und Stabhochsprung jeweils den dritten bzw. zweiten Platz einnehmen. 4xl00°Meter. Staffel (für Turnerinnen): Die MTB.erinnen konnten in der Aufstellung: Frl. Cspach, Arnend, Rohrnig, Bickel- Haupt auch in diesem 3ahre wieder die Kreismeisterschaft mit der guten Zeit von 53,1 Sekunden erringen. „Ich danke 3hnen, Herr Direktor", sagte er mit müder Stimme, machte eine weitere Verbeugung und ging. „Ein sonderbarer Heiliger, man wird nicht klug aus ihm. Mir sind solche weltfremde, elegische Menschen nicht sehr sympathisch", dachte der Direktor und ging in dem engen Raum auf und ab. „Er könnte doch nun endlich einmal auf- wachen aus seiner Lethargie. Aber nein, schläft weiter, der Herr Graf. Ich bin nur neugierig, wie lange diese Miß Galvestone noch Geduld mit ihm hat. Ra, mir kann es ja gleich sein. Mich will sie nicht heiraten, aber auf ihn hat sie's bestimmt abgesehen. Ihre Liebe steht noch mehr in Flammen, seit sie weiß, daß er ein Graf ist. Will ihm mit ihrem Gold das zerschlagene Wappenschild wieder neu auflackieren, und diese Schlafmühe greift nicht zu mit beiden Händen. Das verstehe, wer kann." Signore Boni saß wartend auf einer Bank am Quai, als Semjonow herankcirn. Er reichte ihm lachend die Hand. „Run haben wir den Bogel hier im Käfig sitzen, Herr Graf", sagte er im Weiterschreiten. „3deni 1 Rächst- Sch tu Tv. Friede Tgm 33:25 Duhb 1846 bach - Die 2Mi I.u.6 Io. 184 Io. We: Für am to Siehe: gemell Köh.'ei 6amst im ®a| ßteucn Öffenb futter citia 1 Die Doppe und 2 Junio: und 5 schäfte lar, © Diel Sungm sieben, meldet. Mainz, heim, Würzbi ftarien: Bonner Erstrn schctst Ebert, Roll, 3 den Dai Frauen- RS. O! M. tiei Rach für da, 28.2m und t 2ln dei sichen l Gießen Gießen, gung d< 200 P das Tui trägt, sc sowie da zeugen, Es liegen folgende Spielergebnisse vvr: Tgm. Friedberg — Tv. Ridda 49:28 (28:11); Tv. 1846 Gießen 1 — Tv. 1846 Gießen II 51:21 (27:8); Tv. 1846 Gießen II — Tv. Ridda 36:34 (14:20); Tv. 1846 Gießen I — Tv. Frankenau 39:24 . (20:12); Tv. Frankenau — Tv. Ridda 30:27; Tgm. Friedberg - Tv. 1846 Gießen II 36:34 (17:16); Tv. 1846 Gießen I — Tv. Ridda 47:30 (20:16); Tgm. Friedberg — Tv. Frankenau 32:30 (15:15); Tv. 1846 Gießen II — Tv. Frankenau 43:39 (23:14); Tv. 1846 Gießen I — Tgm. Friedberg 36:22 (19:13). Das ergibt nach Dor- und Rückrunde folgenden Tabellenschluß st and: Plätze für das Bataillon geholt. 110-Meter-Hürdenlauf kamen Krämer 2./15 und O.-Gr. Salz 1./15 Endlauf und konnten sich an 4. (Salz) (Krämer) Stelle placieren. Die Zeiten Abendsportfest Gießener Leichtathleten Das Abendsportfest, bas gestern abend auf dem Universitäts-Sportplatz veranstaltet war, war ein großer Erfolg. Die Mannschaften der Vereine (Mto., Spielvereinigung 1900, VfL ), die Studenten und das Militär lieferten sich überaus spannende Wettkämpfe und warteten mit einer Reihe erstklassiger Leistungen auf. In der Gesamtwertung ging die Universität als 1. Sieger hervor, 2. Sieger wurde die Spielvereinigung 1900, 3. Sieger wurde das Reichs- wehrbataillon und 4. Sieger die Männerturner. Der VfB. bat, von einer Gesamtwertung seiner Mannschaften abzusehen, da der Verein durch die Abaabe von Kämpfern an die Reichswehr und an die Universität von vornherein sehr im Nachteil war. Ausführlicher Bericht folgt. Zwischenrunde um die deutsche Hochschulmeisterschast im Fußball. Universität Köln — Universität Frankfurt a. 2H. 3:2. Dor einer nach Tausenden zählenden Zuschauermenge wurde am Mittwochnachmittag das Zwischenrundenspiel um die Deutsche Hochschulmeisterschast im Fußball zwischen den Mannschaften der Universitäten Frankfurt a. M. und Köln ausgetragen. Beide Mannschaften zeigten" sich ziemlich gleichwertig und führten ein an interessanten Momenten reiches Spiel vor. In der ersten Halbzeit ging Frankfurt mit 1:0 in Führung, erzielte in der zweiten Halbzeit noch einen zweiten Treffer, ließ aber dann etwas nach, so daß Köln bald die Torzahl ausgleichen und kurz vor Schluß mit einem dritten Tor den Sieg an sich reißen konnte. Die energischen Versuche Frankfurts, noch schnell einen Ausgleich zu schaffen, scheiterten an dem vorzüglichen Kölner Torhüter. Köln muß Faustball im Turngau Hessen (OT.) Oie Rückrunde der Meisterschaftsspiele. Krug geht solange zu Wasser, bis er bricht. Lange genug hat er sein Handwerk betrieben, es war höchste Zeit, es ihm zu legen." Der Direktor fuhr sich verzweiflungsvoll durch die Haare. „Da kenne sich einer aus", sagte er und tat einen tiefen Atemzug. „Da mühte man schon Ihren Scharfblick haben, Signore Boni, und dürfte nicht Direktor eines internationalen Fremdenhofes sein. Was alles haben wir hier schon erlebt. Aber daß ein Fuchs so plump in die Falle lief, wie es diesmal der Fall war, das ist doch noch nicht dagewesen. Meist waren die Herrschaften bereits über alle Berge, wenn ihre Spur gefunden war, und wir hatten das Rachsehen. Uebrigens deckt auch diesmal der Inhalt der beschlagnahmten Koffer noch nicht unsere Rechnung, Signore Boni, ganz abgesehen von der hohen Geldsumme, die Lord Balymore durchaus von uns erseht haben möchte. Wir sind aber dazu nicht verpflichtet." Der Detektiv nickte. „Sind allzu sorglos oft, diese Herrschaften", sagte er und blies dicke Rauchringe in die Luft. „Den letzten großen Coup, den das saubere Paar iw einem Hotel in London ausgeführt hat, hat Mamonow übrigens auch eingestanden in Florenz. Wollen froh sein, daß die Perlen noch keinen weiteren Weg gemacht hatten, Herr Direktor. Verhältnismäßig ist hier bei uns der Schaden nicht groß." Das Telephon schnarrte. „Der Verhaftete soeben im Untersuchungsgefängnis eingetroffen", wurde gemeldet. Signore Boni sprang auf. ..Endlich", sagte er und reckte die Arme. „Sie geben wohl dem Grafen Semjonow Urlaub für heute. Cs wird ihn gewiß interessieren, der Unterredung, die ich in etwa einer Stunde mit dem Verhafteten führen werde, beizuwohnen. Von London find noch einige dunkle Fälle gemeldet, hoffentlich ist dieser Signore Mamonow kein allzuhart gesottener Sünder. Die Dame Sonja war in dieser Beziehung leicht zu einem Geständnis zu bewegen. Auf Wiedersehen, Herr Direktor." Der Direktor drückte auf eine Klingel. „Ich lasse Signore Semjonow bitten, sich sofort hierher zu bemühen", befahl er dem eintretenden Pagen. Der Gerufene erschien sofort. „Signore Boni läßt Sie bitten, einer Unterredung beizuwohnen, die er in etwa einer Stunde mit Mamonow führen wird, der nach hier überführt worden ist. Sie find für heute aller Pflichten entbunden, Herr Graf." Semjonow verbeugte sich Sein Gesicht verriet nicht, was in ihm vorging, nur um einen Schein bleicher war er geworden. Am Sonntag wurde — wie bereits kurz berichtet — auf dem Universitätssportplah in Gießen die Rückrunde der Spiele um die Faustball- Meisterschaft des Gaues Hessen reibungslos durchgeführt. Die Spiele gestalteten sich zu einer eindrucksvollen Werbung für den schönen Faustballsport. 2n der Gausonberklasse ist das eingetreten, was man vorausgesehen hat: Der Tabellenführer der Vorrunde, die Mannschaft des kleinen Landvereins Frankenau (Eder), wurde von der ersten Fünf des Tv. 1846 Gießen sowohl als auch von der Tgm. Friedberg sicher geschlagen und mußte darüber hinaus sogar von der zweiten Fünf des Tv. 1846 Gießen eine verhältnismäßig hohe Riederlage hirmehmen. Die interessantesten Spiele waren die Begegnungen der bekannten Faustballpioniere des Gaues, Tv. 1846 Gießen 1 und Tgm. Friedberg, die die Gießener in sehr spannenden und technisch erfreulich hochstehenden Treffen jedesmal für sich entscheiden konnten. Akad. Tv. „Kurhessen" Marburg blieb dem Spielfeld fern, verlor dadurch die sämtlichen Rückspiele kampflos und steigt als Tabellenletzter in die Dezirksklasse ab. „Errungenschaft ist gut", sagte lachend Lady Balymore, „nämlich wenn man täglich sehen muß, wie sehr sie sich um ihn bemüht. Run, endlich müßte sich doch bald diese Melancholie seinerseits in eitel Freude auflösen. Jetzt, wo er seinen Ramen wieder hat und ihm mit der Hand dieser verliebten Miß goldene Berge winken und ein famoser Rahmen für seine Persönlichkeit, könnte er doch endlich wieder froh werden. Vielleicht gefällt er sich in dieser düsteren Pose, aber mir fängt er jetzt an, langweilig zu werden. Ich bewundere die Amerikanerin." „Es gibt eben Menschen, die so schwerlebig' sind, daß sie nicht von heute auf morgen sich um« zu stellen vermögen", sagte Renate. „Und es ist auch nicht gut, wenn die Frau die Werbende ist. Aber Sie entschuldigen mich jetzt, Lady Balymore. Ich bin nicht mehr abkömmlich im Krankenzimmer. Mein Mann bekommt um diese Zeit seinen Tee, er mag dann meine Gesellschaft nicht entbehren." „Ah, verzeihen Sie, daß ich nicht selbst daran dachte, wie unentbehrlich Sie jetzt sind, gnädige Frau." Lady Balymore verabschiedete sich. Als sie draußen den Gartenweg hinunterschritt, erinnerte sie sich mit leisem r * dauern, daß sie nichts, aber auch gar nichts freute erfahren hatte über diesen geheimnisvollen ä.leberfall, dessen Opfer Herr Liskow geworden war. Diese Frau war doch allzusehr reserviert, sehr ladylike, sehr vornehm. Paßte gar nicht zu diesem robusten Mann. Und daß diese Ehe keine glückliche war, das sah ja ein Blinder. Als sie am Quai entlang schritt, begegnete ihr Semjonow und Miß Galvestone. Me Amerikanerin sprach lebhaft auf ihren Begleiter ein. Er ging wie immer düster und schweigsam an ihrer Seite. Ein Schauer lief Semjonow über den. Leib, Gefängnisluft ... obwohl dieses hier ein Paradies zu fein schien gegen die unterirdischen Todes- höhlen von Moskau und Petersburg, in denen er viele Monate seines Lebens zugebracht hatte und daran fast zerbrochen war. Der Aufseher öffnete mit einem großen Bund Schlüssel eine der letzten Türen, ließ die beiden eintreten und schloß hinter ihnen wieder die Düi Sie standen in einem von dämmerndem Lich. erfüllten Raum, das durch ein kleines, vergittertes Fenster hoch oben in der Mauer hereinfiel. Jetzt erhob sich von der Matratze in der Ecke eine Gestalt, richtete sich erwartungsvoll auf und sah ihnen entgegen. ,/? Dkuljch Ä WBol rßSjW. JbÄ Ä ’fe 6Ai> W «5 Signore Boni sah im Bureau des Direktors diesem gegenüber und brannte sich eine Zigarette an. „Eeute wird man Sergej Mamonow nach frier in Untersuchungshaft bringen“, sagte er. „Ich bin nur neugierig, welches nun eigentlich der richtige Rame dieses sauberen Subjekts ist. Richt mehr als zehn falsche Pässe hat man in seinen Effekten vorgefunden. Muß sich diesen Reichtum ein anständiges Stück Geld haben kosten lassen, aber sie waren jedenfalls in den Tagen des Umsturzes leicht zu haben in Rußland. Daher hat er wohl auch seine Hochstapeleien so lange unentdeckt ausführen können. An jedem Ort legte er sich und seiner Helfershelferin, die übrigens in Wirklichkeit Sonja Kasalowska heißt und polnischer Abstammung ist, einen anderen Ramen &ci. Run hat ihn hier fein Schicksal erreicht, ein vermaledeites Pech überhaupt, gerade frier dem echten Grasen Semjonow zu begegnen. Aber der big, tenbenziös unb zum Teil sogar gefälscht war? Das Ergebnis ihrer Umfrage veröffentlicht bie „Zentralstelle für Erforschung ber Kriegsursachen" im Juniheft der von ihr herausgegebenen „Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung". (Qua- derverlag. Berlin NW 6, Preis 1,50 Mark.) Runb 70 Antworten finb auf bie Fragen eingegangen. Aus den Antworten geht hervor, baß bie überwiegenbe Mehrzahl ber maßgebenben Wissenschaftler unb Sachverständigen heute bie „Versailler Kriegsschuld t h e s e" verwirft. Fast einmütig ist die Auffassung darüber, baß bas Material, auf Grunb dessen das Versailler Urteil gewonnen worben ist, „unvollständig, tendenziös unb zum Teil sogar gefälscht" war. Ein für bie „Versailler Schuldthese" so vernichtendes Urteil aus dem Munde anerkannter Autoritäten aus Amerika, aus England, Frankreich, Italien und aus vielen ehemals neutralen Ländern kann auf bie Dauer nicht mit Stillschweigen übergangen werben. Der Tag muß kommen, an bem bas Auslanb unter dem Druck ber öffentlichen Meinung gezwungen ist, die „Versailler Kriegsschuldthese" aufzuaeben, selbst wenn damit, wie es der amerikanische Senator Borah kürzlich gesagt hat, auch bie ganze Struktur ber Reparationen fallen sollte. Die wissenschaftliche Aufklärungsarbeit hat ihre Aufgabe im wesentlichen erfüllt, jetzt ist es Sache ber führenden Staatsmänner, dafür einzutreten, daß die Gerechtigkeit in der Welt endlich wieder hergestellt wird. Wie Dr. Alfred von Wegerer in seinem Schlußwort zu den veröffentlichten Antworten her- vorhebt, würde sich heute in einem Aeropag von Wissenschaftlern und Sachverständigen, der zu entscheiden hätte, ob die „Versailler Kriegsschuldthese" noch zu Recht besteht, wohl keine Mehrheit mehr für Hie Auffassung finden, daß Deutschland den Krieg absichtlich herbeigeführt unb ber Gegenseite aufge» Hivungen hat. VrandungdesLebens Vornan von Käte Lindner. . (Copyright 1931 by Verlag Alfreb Bechtholb in Braunschweig.) 21 Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Dieser Aermste", setzte Lady mit einem gefühlvollen Blick gen Himmel frinzu, „was mag er gelitten haben, ist es ein Wunder, daß er so teilnahmslos allen gegenüberstefrt, die sich frier so sehr für ifrn interessieren? Seine Papiere hatte man ihm geraubt, als er gefangen lag in Moskau. Roch ist der, der sich frier unter seinem Ramen eingeschlichen hatte, nicht zur Vernehmung hierher gebracht worden. Aber bald wird es geschehen." Und die falsche Contessa habe vorgestern in ihrer Zelle einen Selbstmordversuch unternommen, erzählte sie weiter. Man habe es aber rechtzeitig bemerkt und ihr die Scherben ihres Ehgefcyirrs, mit dem sie sich die Pulsadern aufschneiden wollte, fortgenommen. Der Conte sähe in Florenz, demnächst würde er nach hier zur Verhandlung gebracht werden. Ein waschechtes Hochstaplerpaar.. ja, man könne doch nie vorsichtig genug sein auf Reisen, besonders mit gelegentlichen Bekanntschaften, die man so unterwegs mache. Ein Glück, daß sich dieser falsche Graf mit seiner Helfershelferin hier so neutral gehalten habe. Wie peinlich würde es doch sein, wenn man sich etwa aus lauter Langeweile heraus mit ihm angefreundet hätte. „Zum Glück habe ich von jeher eine gute Witterung für alles unechte gehabt", setzte Lady Balymore würdevoll hinzu. „Man sagt uns Engländern nicht mit Unrecht nach, daß wir oft allzu reserviert seien unterwegs. Wie nötig dies ist, sehen wir aus all' diesen letzten Ereignissen." Wie ein Wasserfall plätscherte ihre Rede dcchin. Renate war eine aufmerksame Zuhörerin. „ilnö Miß Galvestones Perlen?", fragte sie bann interessiert. „Sie waren wundervoll, ein großer Verlust für die Amerikanerin." „Sie sind bereits wieder in ihren Händen., wurden bei einem Händler, ich weih nicht wo. aufgefunden. Was wäre ihr Verlust auch für Miß Galvestone gewesen? Sie ertrug ifrn mit Gleichmut, bedauerte lediglich, dah mit den Perlen ein teueres Andenken an ihre verstorbene Mutter ihr verloren gegangen sei. Wen ein derartiger pekuniärer Verlust so kalt läht, der muh unermeßlich reich sein. Dieser Russe ist dvch ein Glückspilz." „So gleicht das Schicksal wieder aus, womit es ihn geschlagen frat", sagte Renate mit Wärme. „Uebrigens wird ein Graf Semjonow Miß Galvestone lieber sein als ein einfacher Mister Petrowitsch, sie wird ihren Landsmänninnen drüben imponieren mit dieser Errungenschaft." Ein porfräf von Goethes Vater. Dieses Porträt von Goethes Vater, Johann Kaspar, dem kaiserlichen Rat, ist ein Gemälde Tischbeins d. Ä., etwa in den Jahren zwischen 1770 unb 1775 entstauben. Das Bild würbe von bem Kunsthistoriker Professor Adels in Wiener Privatbesitz entbeckt; es befanb sich ursprünglich im Besitz von Goethes Schwester Cornelia Schlosser unb ging später verloren. Bisher waren von Goethes Vater nur ein Reliefmebaillon unb ein Gruppenbilb bekannt. tzen l und Tgm. Friedberg, punktgleich, so daß zur Ermittelung des Gaumeisters ein Entscheidungsspiel notwendig wurde. 3n diesem zeigte der vorjährige Gaumeister, Tv. 1846 (Ziehen, eine ganz hervorragende Leistung und bewies damit, dah er augenblicklich unstreitbar die beste Faustballmannschaft unseres Hessenaaues abgibt. Mit Rixin- ger, Loh I., Loh II., Geismar und Mohr antretend, lag die Fünf bei Seitenwechsel mit einem Punkt im Vorteil (16:15). 3n der zweiten Spielhälfte fehle sich das besser« Spielkönnen der Gießener durch, und es gelang ihnen, mit 35:29 einen eindrucksvollen Sieg zu erringen. Hoffentlich behält die Mannschaft Die gute Form, damit sie bei den Spielen um die Kreismeisterschaft den Gau Hessen ehrenvoll vertreten kann. Die Spiele in der Altersklasse, die bereits am Samstagabend aus Oswaldsgarten auSgetragen wurden, nahmen einen überraschenden Verlauf, da es dem Tabellenführer der Vor- runde, T.- u. Spv. Vuhbach, nicht gelang, feinen großen Vorsprung zu halten. Die Vuhbacher Mannschaft war nicht wieder zu erkennen und verlor gegen Tgm. Friedberg und Tv. 1846 (Ziehen überraschend hoch. Cs gelang dadurch der Mannschaft der Tgm. Friedberg, als Gesamtsieger aus dem diesjährigen Alterstreffen hervorzugehen. Nachstehend die Spielergeonisfe und Schluhtabellenstand: Tv. 1846 Gießen — Tv. Wehlar-Vieder-Girmes 35:26 (19:11); Tgm. Friedberg — T.- u. Spv. Vuhbach 31:27 (17:12); Tgm ' Friedberg — Tv. Wehlar-Vieder-Girmes 33:25 (17:10); Tv. 1846 (Ziehen - T- u. Spv. Vuhbach 31:30 (15:14); Tgm. Friedberg — Tv. 1846 Gießen 30:28 (18:13); T.- u. Spv. Tuh- bach — Tv. Wehlar-Vieder-Girmes 39:32 (20:16). Die Tabelle: Tgm. Friedberg I. u. Spv. Buhbach Tv. 1846 Gießen Tv. Wetzlar-N.-Girrnes Gew. Unentsch. Verl. Pkte. 4 119 4 0 2 8 3 0 3 6 0 15 1 (Jede Mannschaft trug sechs Spiele aus.) Die Altersklasse wird somit bei den Spielen um die Kreismeisterschaft durch den Sieger der Vunde, Tgm. Friedberg, vertreten sein, während in der T u r ne r innen k l a s se der M tv. Gießen antreten wird. Ruder-gesellschast 1877 meldet für 10 Rennen in Frankfurt. Für die große Frankfurter Regatta am kommenden Samstag und Sonntag hat die Gießener Redergesellschaft 1877 bei zehn Rennen gemeldet. Der Senior-Vierer (Flimm, Decker, Köhler, Hartmann; Steuer: Loh) startet am Samstag im 2. Vierer ohne Steuermann, und im Gastvierer und am Sonntag im 2. Vierer mit Steuermann. Gegner sind Kölner RG. 1891, Offenbacher RD. 1874, Stuttgarter RG., Frankfurter Germania und im Gastvierer noch Ami- cttia Mannheim. Die Skuller Timpe und Jödt fahren den Doppelzweier, 2. Einer (Timpe), 3ungmann- und Junior-Einer (Jödt). Im Jungmann- und Junior-Einer sind 7 und 9 Voole, im 2. Einer und Doppelzweier je 5 Doote gemeldet. (Mannschaften aus Frankfurt, Mainz, Offenbach, Wehlar, Saarbrücken uhb Nürnberg.) Die Jungmannen haben Achterrennen belegt. Im Jungmannen-Achter sind zehn, im Junior-Achter sieben, und im dritten Achter neun Voote gemeldet. (Mannschaften aus Frankfurt, Offenbach, Mainz, Wiesbaden-Biebrich, Amicitia Mannheim, Worms, Rüsselsheim, Saarbrücken und Würzburg.) Für die Gießener Rudergesellschast starten: Weidig, Rübsamen, Dlumschein, Kuschle, Bonner, Preun, Veurolh, Goetz; Steuer: Loh. Grstmnl'g wird auch eine Damenmannschaft Start erscheinen. Die Damen Herta Ebert, ' Bender, Hannalene Kipper, Ilse Voll, Rudcr: Lulv Voll, bestreiten am Samstag den Damengigvierer gegen Offenbacher RV. 1874, Frauen-RV. „Frei weg" Frankfurt, Frankfurter RG. Oberrad, RC. Oppenheim und Würzburger RC. Bayern. Reit- und Fahrturnier in Hungen. Vach den nunmehr abgeschlossenen Vorarbeiten für das Reit- und Fahrturnier, das am 27. und 28. Juni in Hungen stattfindet, kann Umfang und voraussichtlicher Verlauf beurteilt werden. An dem Turnier nehmen alle oberhessischen ländlichen Reitervereine, Reichswehr aus Hofgeismar, Gießen und Marburg, sowie die Stadtvereine Gießen, Hanau und Marburg teil; zur Austragung der einzelnen Konkurrenzen sind nahe an 200 Pferde gemeldet. Es sei erwähnt, daß das Turnier nicht das Gepräge eines Volksfestes trägt, sondern es sind reitsportliche Wettkämpfe, sowie das Dorführen v^n Gespannen und Fahrzeugen, die das Beste und Höchste zeigen werden, was das Land Hessen zu bieten vermag. Damit verbunden ist der 3. R c i t e r t a g des Landjugendbundes. Die in drei Abteilungen geteilte Veranstaltung ergibt sich im einzelnen aus dem Programm. Am Samstag finden Vorprüfungen, Vielseitigkeitsprüfungen, Fahrerprüfungen statt; abends ist Begrüßung und Standartenweihe. Die großen Veranstaltungen bringt der Sonntag. Vorgesehen sind nach einem Festzug: Abteilungsreiten sämtlicher teilnehmenden ländlichen Reiterabteilungen; Reiterprüfungen für Anfänger und Fortgeschrit- lene; Eignungsprüfung ländl. Gespanne, Einspänner, Doppel- und Mehrspänner, Arbeitsgespanne im Oekonomiewagen; Jagdspringen; Jagd mit Auslauf über 2 Kilometer (für ländlich Reiter); Trabreiten für Kaltblüter; sodann kommt die Reichswehr mit einer Vielseitigkeitsprüfung, Geländeritt über 6 Kilometer. Dressurprüfung u. a. m. Zum Schluß findet Schaureiten der Reitervereine und insbesondere der Reichswehr statt. Die Friedberger Feuerwehrkapelle konzertiert. t Europas Fußballmeister. Vicht nur in Deutschland, sondern auch in zahlreichen anderen europäischen Staaten hat sich die Ermittlung der Landesmeister ziemlich lange hin- gezogen. So wurden erst am letzten Sonntag die Meister von Holland, Italien, Spanien und der Schweiz festgestellt. Voch heute stehen die Meister einiger kleineren Rationen aus. Die bis jetzt feststehenden Meister sind: Deutschland: Hertho/BSE. Berlin. Belgien: FC. Antwerpen. England: Arsenal London. Finnland' Kamraterna Helsingfors. Frankreich: Club Francais Paris. Holland: Ajar Amsterdam. Italien: Juventus Turin. Jugoslawien: Konkordia Agram. Oesterreich: Vienna Wien. Polen: Kra- kovia Krakau. Schottland: Glasgow Rangers. Schweden: GA2S. Göteborg. Schweiz: FC. Chaux de Fonds. Spanien: AC. Bilbao. Tschechoslowakei: Slavia Prag. Ungarn: Ujpest Budapest- Deutsche Tenniserfolge in England. Bei den Tennismeisterschaften von England in Wimbledon gab es am Dienstag einige deutsche Erfolge, von Cramm kam durch einen Sieg von 6:8, 6:1, 6:2, 6:3 Über den Ungarn v. Kehrlinz, und mit 6:1, 2:6, 7:5, 6:4 über den Iren Scroop« in die 3. Runde Der Kölner Vourney siegte gegen den Holländer Plougman 6:1, 6:0, 6:3. Bei den Damen war Frl. Pcitz. Düsseldorf, über die starke Engländerin Miß Satthertwaithe mit 6:2, 6:4 und Frl. Sander über Miß Castley 6:4, 4:6, 6:4 erfolgreich. Von den übrigen Ergebnissen nennen wir: Austin — H. Sato 6:1, 6:3, 6:0, van Rhn — Merlin 6:2, 6:4, 6:1, Borotra — Smith 8:6, 4:6, 8:6, 6:1, Brugnon — Lester 7:9, 6:4, 4:6, 7:5, 6:3. Wirischast. * Preußische Landespfandbriefan- stalt, Berlin Die Anstalt legt 8 Millionen Gold- mart 7proz. Goldmark-Psandbriese zum Vorzugs- kurse von 96 Prozent (Börseneinführungskurs 96,5 Prozent) und 3 Millionen Goldmark 7proz. Gold- mark-Kornrnunal-Obligationen zum Vorzugskurse von 92,5 Prozent (Börsenkurs 93 Prozent) zur Zeichnung auf. Die Zeichnungsfrist läuft vom 27. Juni bis 17. Juli 1931. Die Goldmark-Pfandbriefe, deren Gesamtkündigung bis zum 1. Oktober 1936, und die Goldmark-Äommunal-Obligaticmen, deren Gesamtkündigung bis zum 1. April 1936 ausgeschlossen ist, sind reichsmündelsicher und mit halbjährlichen, am 1. April und am 1. Oktober fälligen Zinsscheinen aus- gestattet. (Vgl. heutige Anzeige.) * „E m a g" E l e k t r i z i t ä t s - A G., Frankfurt a. M. Der Generalversammlung erledigte die megufarien und genehmigte einstimmig den bekann- ten dividendenlosen Abschluß für 1930. Aus dem Reingewinn von 57 849 RM. werden 3000 RM. dem Reservefonds zugeführt und 54 849 RM. zu Abschreibungen auf die Warenvorräte verwendet. Rach Mitteilung der Verwaltung seien Aussichten auf eine Besserung der Lage vorhanden, da für die von der Gesellschaft hergestellten Artikel in Deutschland großer Bedarf bestehe. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 25. Juni. Tendenz: unsicher. Die Esfeklenbörse eröffnete heute wiederum in unsicherer Haltung, nachdem noch an der Abendbörse eine sehr feste Tendenz zum Durchbruch gekommen war. Die Spekulation hielk sich allgemein stark zurück, zumal auch von der Kundschaft her keine Orders Vorgelegen haben. Das wenige Geschäft beschränkte sich daher fast ausschließlich auf die Kulisse. Die Angewißheit über den Inhalt der französischen Antwortnote an Amerika hemmte die Unternehmungslust sehr stark. Die Gewährung eines 100-Millionen-Dol- lar-Kredits für die Reichsbank konnte dagegen der Börse kaum eine Anregung bieten. So ergaben sich gegen die gestrige Abendbörse bei sehr schleppender Kursfestsetzung überwiegend Kursrückgänge. Die Abschläge betrugen auf fast allen Märkten ziemlich einheitlich bis 1 Prozent. Darüber hinaus waren J.-G.-Farben, AEG., Ges- fürel, Siemens, Süddeutsche Zucker, Rheinstahl und Reichsbank bis zu 2,25 Prozent abgeschwächt. Kunstseidaktien tendierten unregelmäßig, während Alu auf die optimistischen Ausführungen in der Generalversammlung 1,75 Prozent anzogen, gaben Demberg nach der starken Aufwärtsbewegung von gestern leicht nach. Etwas fester eröffneten nur Metallgesellschaft plus 1,25 Prozent, Schuckert plus 0,75 Prozent, Holzmann plus 0,50 Prozent. Bankaktien lagen .überwiegend um Bruchteile eines Prozentes niedriger. Arn Anleihemarkt war die Kursentwicklung uneinheitlich. Schutzgebiete zogen an. Altbesih blieben gehalten, während Veubesih 0,13 Prozent verloren. Ausländer geschäftslos. Am Pfandbriefmarkt herrschte große Geschästsstille. Reichsschuldbuchforderungen gut behauptet. Im Verlaufe wurde die Tendenz zunächst etwas fester und das Geschäft lebhafter, später herrschte aber ausgesprochene Stagnation und die Haltung neigte überwiegend nach unten. Man verwies auf die erneute, etwas große Devisenanforderung, auch die Zahlen des Reichsbankausweises mit ihren starken Abzügen an Gold und Devisen machten einen ungünstigen Eindruck. Vach einer 1- bis 2prozentigen Befestigung gaben die Kurse wieder im selben Ausmaße nach. Am Geldmarkt machte sich im Hinblick auf den herannahenden Ultimo stärkere Vachfrage bemerkbar. Tagesgeld wurde auf 6,5 Prozent erhöht, auch Monatsgeld blieb weiter gesucht Am Devisenmarkt lagen Devisen ziemlich fest. Man nannte Marl gegen Dollar 4,2140, gegen Pfund 20,50, London gegen Veuyork 4,8650 gegen Paris 124,28, gegen Mailand 92,95, gegen Madrid 51,50, gegen Schweiz 25,10, gegen Holland 12,09. Berliner Börse. Berlin, 25. Juni. (WTB. Drahtbericht.) Obwohl die heute vorliegenden Nachrichten fast durchweg günstiger Natur waren, konnte man doch zu Beginn der Börse noch immer Zurückhaltung bei der Spekulation feststellen. Die Tendenz blieb aber weiter recht freundlich und zuversichtlich. Die Meldung, daß von der Bank von England, von Frankreich, von der BIZ. und der Neuyorker Bundesreservebank der Reichsbank ein 100 Millionen-Dollar.Kredit zur Ueberbrürfung vom 26. Juni bis 16. Juli zur Verfügung gestellt werden wird (die Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluß), wirkte natürlich beruhigend, da die Ultimobefürchtungen hierdurch verstreut werden. Ferner befriedigten sehr günstige Mel dunyen aus Washington, nach denen Amerika nicht gewillt ist, von Hoovers Vorschlag abzuweichen und doch mit der endgültigen Annahme Frankreichs rechnet. Die feste Neuyorker Börse, höhere Kurse von den Auslandbörsen und die Besserung der Poung- anleihe waren weitere anregende Momente. Ein Störungssaktor bildete jedoch der Reichsbankausweis für die dritte Juniwoche. Der Bericht entsprach zwar den von der Börse gehegten Erwartungen, doch verstimmte die Bekanntgabe der Ziffern. Der steife Geldmarkt und die weitere Devisennachfrage (wahrscheinlich zu Zinszahlungen und Rückzahlungen) wirkten natürlich ebenfalls etwas verstimmend. Die Kurse lagen meist bis über 3 v. S). über gestern Mittagsschluß. Salzdetfurth, Aku und Bemberg waren stärker befestigt. Svenska lagen 11 Mark höher. Deutsche Anleihen waren nicht einheitlich. Ausländer etwas fester. Pfandbriefe sehr ruhig, doch eher anziehend, ebenfalls Reichsschuldbuchforderungen. Tagesgeld mit 7,25 bis 9,25 o. H. steif. Monatsgeld 7,5 bis 8,75 v. H. unverändert, Warenwechsel 7,25 bis 7,5 v. f). Im Verlaufe wurde es zunächst ruhiger und etwas schwächer, später setzten sich aber, ausgehend von Salzdetfurth, die 3,5 v. Sj. gewannen, erneut allgemeine Kursgewinne durch, die Tendenz war durchaus freundlich. Svenska in Reaktion auf ihren Anfangsgewinn 3 Mark schwächer. Berliner Prodnktcnrnarkt. Berlin, 24. Juni. Das Geschäft am Produk- tenmarkte gestaltete sich auch heute recht schleppend. Bei den gegenwärtigen Witterungsverhältnissen erfolgten Abschlüsse nur für den notwendigsten Bedarf, auf der anderen Seite ist das crsthändige Angebot von Brotgetreide zur prompten Lieferung auch weiterhin ziemlich klein, die Forderungen lauten wenig nachgiebig. Neu- weizen und Veuroggen sind vernachlässigt bei keineswegs dringlichem Angebot. Im handelsrechtlichen Lieferungsgeschäft eröffnete Weizen bis 2,25 Mark, Roggen 1 Mark niedriger, im Verlaufe trat aber eine Erholung ein. Weizenmehl liegt stetig, Roggenmehl wird weiter nur für den notwendigsten Bedarf gekauft, unter Bevorzugung der billigen Qualitäten. Hafer ist. gemessen an der Nachfrage, ausreichend offeriert. Im Anschluß an den Rückgang der Lieferungspreise lauten die Gebote 1 bis 2 Mark nichtiger. Gerste liegt ruhig. Der Schnitt der neuen Wintergerste hat verschiedentlich begonnen, und ganz vereinzelt liegen bereits neue Muster vor. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märkischer, 273 bis 275 (ruhig), Juli 278 bis 279,50. September 235,50 bis 236 (Geld), Oktober 236.25 bis 236,50 (Geld); Roggen, märkischer, 211 bis 213 (stetig), Juli 200 (Geld), September 187,25 bis 188. Oktober 188 bis 188,75; Futter- und In- dustriegerste 185 bis 200 (matter). Frankfurter «chlachtvichmarkt. Frankfurt a .'DL, 25. Aug. Austrieb: 80 Rinder, 948 Kälber, 38 Schafe, 715 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast, und Saugkälber 53 bis 57 Mark, mittlere Mast- und Saugkälber 46 bis 52 Mark, geringe Kälber 36 bis 45 Mark. — Schweine, vollfleischige von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 43 bis 45 Mark, von etwa 200 bis 240 Pfund 44 bis 47 Mark, von etwa 160 bis 200 Pfund 44 bis 46 Mark, fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 42 bis 45 Mark. — Marktverkauf: Kälber und Schafe schleppend, geräumt, Schweine ruhig, ausverkauft. Erweitertes Schöffengericht Gießen. * Oiefjcn , 24. Juni. Heute begann eine um- fangreiche Strafsache gegen 13 Angeklagte aus dem Kreis Büdingen, von denen sich 7 Angeklagte wegen Landfriedensbruchs, 4 Angeklagte wegen verbotenen Waffen trage ns in politischen Versammlungen, ein weiterer Angeklagter wegen gefährlicher Körperverletzung und ein anderer Angeklagter wegen u n e r l a u b - ten Schießens zu verantworten haben. Die zu- erst erwähnten Angeklagten gehören der National- sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei an. Mit Aus- nähme von zwei keiner Partei angehörenden Angeklagten sind die übrigen Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei. Zur Verhandlung sind 60 Zeugen geladen. Der der Anklage zugrunde liegende Vorfall ereignete sich in einer öffentlichen politischen Versammlung, die am 9. März in R a n st a d t bei Nidda von der Nationalsozialistischen Deutschen 'Arbeiterpartei einberufen war. Außer von Anhängern dieser Partei waren vorwiegend noch Anhänger der So- zialdemokratischen Partei und des Bauernbundes anwesend. Wie die Angeklagten übereinstimmend angeben, verlief die Versammlung zunächst ruhig, so daß der Hauptredner unbehelligt seine Ausführungen machen konnte. Auch die beiden Diskussionsredner, von denen der eine der Angeklagte G. war, konnten ebenfalls im allgemeinen ungestört sprechen. Als in seinem Schlußwort der Redner des Abends darauf zu sprechen kam, daß kurz vorder auf der Straße Bleichenbach—Selters ein SA.-Mann überfallen worden fei, rief der Angeklagte G. dazwischen, „Es war ja fein SA.-Mann, es war ein Zivilist", während die der gegnerischen Partei angehörenden Angeklagten behaupten, G. habe gerufen, es war ja n u r ein Zivilist. Dies gab einer Reihe von Versammlungsteilnehmern Anlaß, so laut durcheinander zu schreien, daß der Hauptredner nicht mehr durchdringen konnte. Es entstand ein großer Tumult, der in eine wüste Schlägerei ausartete, wobei mit abgebrochenen Stuhlbeinen geschlagen wurde und auf beiden Seiten einige nicht unbedeutend verletzt wurden. lieber den Anlaß gehen die Aussagen der Angeklagten weit auseinander. Die nationalsozialistischen Angeklagten behaupten, sie seien angegriffen worden. Der Angeklagte E., der dauernd die Versammlung durch Zwischenrufe gestört habe, habe plötzlich mit einem Bierglas in die SA.-Leute geworfen, wodurch einer verletzt worden sei. Der Angeklagte E. bestreitet dies, auch die übrigen Angeklagten bestreiten bewaffnet gewesen zu sein. Sie behaupten, daß sie und ihre Anhänger von SA.-Leuten, die über Tisch und Bänke plötzlich auf sie losgestürmt seien, ohne Anlaß angegriffen worden seien, und rücksichtslos auf sie eingeschlagen worden sei. Um diese Zeit fiel auch ein Schuß, den der eine von den beiden parteilosen Angeklagten, wie er zugibt, aus einer Tränengaspistole abgefeuert hat. Hierdurch entstand unter den Versammlungsteilnehmern eine so große Aufregung, daß sie teilweise über die Bühne zum Fenster hinausflüchteten. Nach der Vernehmung der Angeklagten, die bis in die Nachmittagsstunden dauerte, wurden noch mehrere Gendarmeriebeamte als Zeugen vernommen. Nach ihren Angaben waren sie durch Aufklärung des Ueberfalls verhindert, in der Versammlung anwesend zu sein. Morgen vormittag wird in der Vernehmung der Zeugen fortgefahren. Kurszettel der Berliner und Franksurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 o.H., Lombardzinsfuß 8 v.H. Fronttun u. 2)1. Berlin Schluß- ture 1-Uhr- Kur« Echluß- kure Anfang- Kur, Datum 24.6. 25.6. 24 6. 25.6. 6% Deutichc Retcheanleihe v. 192". 7% Deutsche ReichSanleihc v. 1929 5%% Doung-Anleibc von 1930 . Deutsche Anl.Aolös.-Schuld mit Auslos.-Rechten....... Desgl. ohne AuSlos.-Rechle . . 8% Heil. DolkSstaat von 1929 irückzahlb. 102%)...... Lberhesscn Provinz-Anleihe mli Auslos.-Rechten....... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 15 unkündbar bis 1935 .... 7% yranks. Hnp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1936 Serie 16 . 4y,% Franks. Hyp.-Bank Ltqu.< Pfandbriefe......... 4/i% Rheinische Hyp.-Bank-Ltqu Goldpse........... 8% Pr. Landespf andbricsanstalt, Pfandbriefe R. 19...... 7% Pr. Landespsandbricsanstall. Pfandbriefe R. 10...... 79.25 94.5 70.25 ' 52,25 5,5 88 49,5 97 96 86,75 88,25 100 96 I 1 | | | I | I | | | | 78,75 94.75 69,75 51,8 5,4 89 49,5 100 1 1 1 1 I 1 1 1 1 S3 ||1 4% Oesterrelchlsche Goldrente . . 4,20% £eftetrcldil|tf)e Sifbcnentr 4% Ungarische Goldrcnte .... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4'r% dergl. von 1913..... 6% abgeft. Goldmcxikaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie I........... 4% deSgl. Serie II....... 5% Rumän. veretnh. Rente v. 1903 4^%RumSn.vcreinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente 2 k°/° >-Anatolier...... — — — _ 1,4 — 1,3 —— — — 16,65 16,9 14 — 14,1 — — 14,3 — — — 8,25 8,25 2,4 — 2,45 2,55 2,3 — 2,4 2,65 2,3 — 2,45 2,65 7,9 — 7 — 14,75 —— 14,75 14.75 5,9 — 5,65 5,8 14 — — — Ifranrtun u. Di. - Berlin Schluß- turs i-Uhr- Kurs Schluß- Irrd Anfang- Kurs Dalum 24.6. 25.6. 24.6. 25.6. Hamburg-Amerika Pate, Hamburg.Südam. Tampsschis . e 49,75 — 48,4 49,5 . 0 — 107,5 107,5 Hansa Dampfschiff .... Norddeutscher Llond . . ... A.G. für Verkehrswesen Akt. . 0 . 6 51,65 z 80 50,5 81,5 51 49 — 48.75 49,5 Berliner Handelsgcjellschast . b 106 —— 106.25 106.75 Commerz- und Püvat-Bank . 7 103.5 103,25 103 103,25 Darmstädter und Nationalbank 8 113,5 — 113 113 Deutsche Bank und Tlsconto-Gesellschast. . . 6 102,5 101,13 101.9 102 Dresdner Bank...... 6 102,75 102,5 102.5 102.5 Reichsbank........ 12 141,5 143,5 139,75 141 A.E.G........... . 7 98.5 96,5 95 96,75 Bergmann........ . 9 66 — 69.5 69.75 Elektr. Lteferungsgesellschaft. Lickt und firaf:...... 10 — 108 111 10 116 115 111.5 114,5 Reiten & Guilleaume.... Gesellschaft für Elektrische 6';t 70 70,5 75,75 Unternehmungen .... 9 108 107,75 104.5 106,75 Rheinische Elektrizität . . . . 9 106,5 103,5 105 Schuckert & (So....... 11 127 124 125 Siemens & Halske..... 14 158,25 156,25 154,5 156,5 Lahmeyer L Co....... 12 113 — 109 — Buderus......... . 4 42 — 40,25 42,65 Deutsche Erdöl...... . 6 70 69 66,75 69,5 Gelsenkirchener...... . 8 72 — 69,5 71,5 Harpencr......... . 0 59 — 59,5 60,75 Hoesch Eisen........ . 6 — — 53 52.75 Ilse Bergbau....... Klöcknerwerke....... 10 — — 149 149 . 6 54 — 53,75 59 54,5 Köln-Neuessen....... 6¥. — Mannesmann-Röbren . . . . 6 67 67 65,5 66.5 ManSfelder Bergbau .... . 0 29 29,5 30,75 Lberschles. Kokswerte . . . . 8 — 66.5 67,75 Phönir Bergbau...... 4V, 48 — 47,13 48.9 Rheinische Braunkohlen. . . 10 158 — 158,25 160,5 Rheinstahl........ . 6 76,25 74,75 74,75 74,5 .vrantiun u. Ml. Serlm Schlußkurs 1-Uyr- Kur- Schluß- Hir> Anfoug« Kurs Datum 24.6. 25.6. 24.6. 25.6. Riebect Montan...... 7,z — — — Bereinigte Stahlwerke . . . ■i 47 47,25 46,5 47,9 £tavi Minen......18'/, 22.25 21.9 22.4 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 126 — 123 126.5 Kaliwerke Llestercyeln . . . 10 132 — 130 132 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 15 201 201 196,75 201 I. G. Farben-Industrie . . . 12 137,75 136,5 135,75 137,13 Verein, chem. Industrie Frank- furt a.M......... 49,5 — - — Cckcideanstalt....... 10 124 _ — Goldschmidt........ 0 42,75 — 43,25 42.25 Rülgerswerke....... 5 43 44.9 42.75 44 Metallgesellschaft...... 5 59,75 61 60,5 Philipp Holzmann..... fr 78,5 78,75 77,5 77,5 Zementwerk Heidelberg. . . Cementwerk Karlstadt. . . . 7 52 84,75 54 z Wayh & Freytag..... 0 26.75 25 25,75 Schultheis Patzenhoser . . . 15 — — 134,75 136.5 Mu (Allgemeine Kunstseide) 0 75.5 77,25 73,75 77,75 Bemberg......... 0 92 91 87 90,25 Zellstoff Waldhos..... 12 72,75 70 71,75 Zellstoff Aschaffenburg . . . 6 70,25 — 68 Dessauer Gas....... 9 — — 120,4 122,75 Daimler Motoren..... 0 28 — 26,75 27,25 Deutsche Linoleum .... 5 66 — 63,75 64,5 Lrenstcin & Koppel .... O 45,25 40.75 42 Leonhard Tietz...... 8 92 92.5 92,75 Svenska......... 15 — — 230 241 Chade.......... 238 — 236 240,25 Irankfurter Maschinen . . . 0 10 11,9 — Griyner......... 0 30,5 33.5 — Matnkrastwerke Höchst a. M.. 6 — — Süddeutscher Zucker .... 10 113 111 111 115 Banknoten. oerlm, 24 Ium Geld 5n7f -Amerilanuche 51 oten . . 4.217 4.237 Belgische Noten .... 58.50 58,74 Dänische Noten .... 112,45 112,89 Englische Noten .... 20,488 20,568 französische Noten . . . 16.465 16,525 Holländische Noten . . . . Italienische Noten . . . . .... 169,29 22,03 169,97 22,11 Norwegische Noten. . . . 112,53 112,97 Deutsch-Oesterreich, ä 1OO Schilling 59,00 59,24 2,487 2.507 Schwedische Noten . . . . 112,83 113.97 Schweizer Noten..... 81,65 81 97 Spanische Noten..... 40,22 40 3R Ungarische Noten . . . . 73,30 73,60 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 24.3unl 25. Juni Amtliche Notierung Amtliche Notierung »elf Dries Geld »riet Helsingfors . 10.589 10.609 10,591 10,611 Men. . . . 59.15 59.27 59,15 59,27 Prag . . . 12.465 ,12.485 12,467 12,487 Budapest. . 73.48 73.62 73.46 73,60 Sofia . . . 3,049 3,055 3,049 3,055 Holland . . 169,38 169,72 169,38 169,72 £810 ... . 112,69 112,91 112,69 112,91 Kopenhagen. 112,69 112,91 112,72 112,94 Stockholm . 112,83 113,05 112.86 113,08 London. . . 20,475 20,515 20.475 20,515 Buenos Aires 1,320 1,324 1,337 1,341 Neunork . . 4,208 4,216 4.209 4,217 Brüssel. . . 58,55 58,67 58,61 58,73 Italien. . . 22,03 22,07 22,04 22,08 Pari« . . . 16,47 16,51 16.473 16,513 Schweiz . . 81,63 81,79 81,60 81.76 Spanien . . 40,51 40,59 39.71 39.79 Danzig. . . 81,83 81,99 81.86 82,02 Japan . . . 2,081 2,085 2,080 2,084 Rio de Ian.. 0,313 0,315 0.317 0,319 Jugoslawien. 7.449 7.462 7,450 7,464 Lissabon . . 18,61 18,65 18,61 18,65 40Iahre„Roihscher Männerchor" in Lich ]) Li ch, 24. Juni. Der hiesige Gesangverein „Rothscher Mannerchor" feierte am verflossenen Samstag und Sonntag sein 4 O. Jubiläum verbunden mit Weibe einerneuen Fahne. Die Geschichte des Vereins beginnt im Japre 1891. Damals gründeten 13 Herren den Verein und gaben ihm, wohl mit Rücksicht auf den kleinen Kreis, den Ramen „Qlt ännerquartet t". Das Präsidenten- und Dirigentenamt wurde in die Hände des Lehrers Roth gelegt. Bereits im Jahre 1894 konnte der junge Verein die aus eigenen Mitteln beschaffte Vereinsfahne weihen. Die Entwicklung des Vereins schritt stetig vorwärts. Auf Wunsch des Dirigenten wurde das Präsidentenamt im Jahre 1901 besonders beseht, die Wahl fiel auf Johannes Rau III. Ein Jahr später ging der Vorsitz auf Emil M a ch a l e t t über und blieb bis nach Kriegsende in seiner Hand. Am 12. Oktober 1913 schloß sich der Verein dem Lahntalsängerbund an. Der Weltkrieg raffte sechs aktive Sänger des Vereins dahin: ein Gedenkblatt im Sitzungssaals des Rathauses trägt die Ramen der gefallenen Helden. Den 1. Vorsitz übernahm 1919 August Hisgen. Das Jahr 1921 stand im Zeichen des 30. Stiftungsfestes. Der Verein ehrte damals seinen vorbildlichen und treuen Dirigenten unter gleichzeitiger Aebernahme seines Ramens in die neue Vereinsbez^ichnung „Rothscher Männe rchor". Während die technische Leitung auf Lehrer D ö r m e r überging, wurde Karl Kam - beitz im Jahre 1922 zum Vorsitzenden gewählt. Das Jahr 1923 brachte einen Dirigentenwechsel, und diesmal war es wieder der Ehren-Dirigent, der auf Bitten den Dirigentenstab ergriff. Seit 1925 steht Jakob Schmidt der Sängerschar als Vorsitzender vor. Ende August 1926 verschied der allverehrtc Ehren-Chormeister Rektor Roth. Roch zu Lebzeiten des Verblichenen war durch seine Vermitt- lung Lehrer Karl Stein als vorläufiger Chormeister gewonnen worden, dem dann die künstlerische Leitung endgültig übertragen wurde. Es ist das rühmliche Verdienst des Chormeisters Stein, den Verein zu vorbildlichen Leistungen und Erfolgen befähigt zu haben, damit er im Vertrauen auf seine Kraft an die Feier des 40. Stiftungsfestes in größerem Ausmaße herantreten konnte. Der erste Tag des Jubelfestes. Reicher Straßenschmuck und lebhafte Anteilnahme der Bevölkerung legte Zeugnis dafür ab, daß die Jubelfeier ein Fe st der ganzen Stadt war. Die Festmusik wurde gestellt von der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Butzbach. Das Fest fand durch eine Tvtengedenk- f e i e r auf dem Friedhof eine würdige Einleitung. Vorträge der Festkapelle und des Jubelvereins umrahmten die eindrucksvolle Gedenkrede des S tif tsdechanten Kahn. Dann wurde der befreundete Gesangverein „Sängerkränz" Rvdheim a. d. H. empfangen. Abends ging es in einem stattlichen Zuge nach dem Festplahe (Turnhalle). In dem bis auf den letzten Platz gefüllten geräumigen Festlokal eröffnete der Jubelverein durch den Chor mit Musikbegleitung „O Schuhgeist" den Kommers- abend. Der Vorsitzende Jakob Schmidt richtete herzliche Willkommengrüße an die Festversammlung. Sein besonderer Gruß galt den noch lebenden Vereinsgründern Zimmer, Oß - Wald, Dr. S ch a a d und Schäfer, sowie den Söhnen des Mitbegründers und Ehrendirigenten Rektor Roth, Herren Dr. Roth und Pfarrer Fritz Roth, weiter den Ehrengästen, den De- Hördenvertretern, dem Vorsitzenden des Lahntal- sängerbundes Lehrer Gengnagel usw. Der Festpräsident, Bürgermeister Geil, überbrachte dann die Grüße und Glückwünsche der Stadt. Dr. Roth sprach, gleichzeitig im Ramen seines Bruders, von der Verbundenheit seines verstorbenen Vaters mit dem Jubelverein und überreichte als Geschenke ein Bildnis seines Vaters und ein Bildnis der Dereinäbegründer, das seinem Vater früher als Ehrengeschenk vom Jubel- verein gegeben worden war. Der Vorsitzende übernahm beide Geschenke mit herzlichen Dankes- worten. Weitere Geschenke wurden überreicht von Kaufmann Willi Hahn, dem Radfahrerverein Edelweiß, dem Sängerkranz Rodheim, dem Gesangverein Heiterkeit Gießen und 12 Ortsvereinen als Sammelgeschenk zwei Chöre. Lehrer Gengnagel überbrachte die Grütze und Glückwünsche des Lahntalsängerbundes. Das weitere Programm des Abends — bestehend aus Chören des Jubelvereins, des Gesangvereins Sängerkranz Rodhcim, der Cäcilia Lich, der Einigkeit Lich, musikalischen Darbietun- gen der Festkapelle und Vorführungen einer Damenriege des Turnvereins — fand ungeteilten Beifall. Der Festsonntag brachte vormittags den Empfang der Gastvereine. Am Rachmittag bewegte sich ein großer, farbenprächtiger Festzug mit mehreren Kapellen durch die Stadt, zahlreiche Autos mit Ehrengästen und eine Anzahl schöner Festwagen mit sich führend. Aus dem Festplatz begrüßte der Jubelverein mit einem Chor mit Musikbegleitung. Bürgermeister Geil entbot dann mit beredten Worten den Gruß des festgebenden Vereins und der Stadt Lich, sprach weiterhin von der schweren Rotzeit und feierte in begeisternden Worten die hohen ideellen Wer'e des deutschen Liedes. Unsere Hoffnung möge sein, daß auch durch die Pflege des deutschen Liedes unser Volk sich wieder auf ein gesundes und kernhaftes Volkstum besinnen, die heutigen Röte überwinden und wieder den Aufstieg nehmen möge, den seine Bedeutung und seine historische Aufgabe ihm zuwiesen. Hierauf sprach der Festredner des Tages, Pfarrer Fritz Roth. Er sagte u. a.: 40Jahre — im Weltgeschehen nur eine kleine Spanne Zeit — bedeuten für einen Verein ein Stück Geschichte, künden von Auf und Rieder, von zähem Rin- gen und Richtmüdewerden im Kampf um die hohen Ideale der deutschen Sängerschaft. Sie lassen das Bild mancher lieber Menschen vor unserer Seele lebendig werden, die einst mit uns kämpften und sich begeisterten, die allezeit ihre ganze Kraft in den Dienst des Vereins stellten. Ihnen allen ein treues Grüßen von den Lebenden in die Ewigkeit, ein stilles dankbares Gedenken in unseren Herzen! 40. Stiftungsfest feiern, heißt Geschichte feiern. Es ist gut und not, wenn das gegenwärtige Geschlecht sich darauf besinnt, daß es sich auf das Fundament der Vergangenheit gründet. Darum muß das erste sein, was dieser Tag uns zuruft: Seid stolz auf eure Geschichte, achtet die Vergangenheit, ehrt eure Gründer. In dieser schweren Zeit geht es auch um das deutsche Äed, es geht um das deutsche Gemüt, um die deutsche Volksseele, der die auffrischenden, lösenden und erlösenden Kräfte, die im deutschen Wort und Lied, in deutscher Poesie und Musik schlummern, erhalten und wieder lebendig gemacht werden sollen, damit sie es wieder führen zu brüderlicher Verbundenheit und herzlicher Einigkeit hinweg über alle Schranken, die Klassen und Parteien aufgerichtet haben. — Rach einem von Frl. Ledermann vorgelragenen Prolog verabschiedete der Festredner die alte Fahne, weihte die neue und stellte sie in ihren Dienst mit dem Wunsch: „Sei du allezeit deinen Getreuen eine Künderin der Vergangenheit, eine Mahnerin zur treuen Hingabe an die Ideale und sei dem Verein eine Wegbereiterin, Wegbegleiterin in eine — wills Gott — bessere Zukunft." Im Anschluß an den Weiheakt übernahm der Vorsitzende des Jubelvereins die neue Fahne mit Dankesworten an den Festredner und übergab sie dem Fahnenträger. Beiden Ansprachen wurde reicher Beifall zuteil. Während nunmehr auf dem Festplatz fröhliches Treiben bei allerlei Kurzweil einsehte, begaben sich die Sänger und Sangesfreunde in die Festhalle, um dort den Gesängen der Ga stund Ortsvereine zu lauschen. Alle Chöre fanden beifällige Aufnahme. Als Gastvereine waren 22 auswärtige Vereine anwesend. Die Sanitätskolonne der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr hatte sich in dankenswerter Weise in den Dienst der Veranstaltung gestellt, glücklicherweise traten aber ernste Tlnfälw nicht ein. Tanzvergnügen und Volksfest hielten jung und alt bis in die späten Abendstunden beisammen. Der Jubelverein kann mit Stolz aus sein in allen Teilen wohlgelungenes Fest zurückblicken. Größere Vorbereitungen waren nötig gewesen, um das Fest in allen Teilen würdig zu gestalten. Alle Ortsvereine und Freunde des Vereins hatten sich in den Dienst der guten Sache gestellt. All denen, die mit selbstloser Hingabe zum Gelingen des Festes beigetragen haben, dürfte die glatte Abwicklung und der harmonische Verlauf des Festes eine Genugtuung sein. Oberheffen. Landkreis Gictzen. X Klein-Linden, 24. Juni. Am vergangenen Samstag und Sonntag feierte der Krieger- verein Klein-Lind e'n sein 50. Stiftungsfest, in Verbindung mit dem Bezirkskriegerfest des „Has- sia"-Bezirks Gießen. Am Samstagabend fand ein Fackelzug und anschließend Festkommers statt, bei dem die hiesigen drei Gesangvereine, sowie die Radfahrervereine durch ihre Darbietungen hervorragend mitwirkten. Am Sonntagmorgen war Weckruf und Choralblasen auf dem Kirchenplatz. Die allgemeine Feststimmung im Dorfe kam durch reichlichen Flaggenschmuck sichtbar zum Ausdruck. Nachmittags bewegte sich unter Beteiligung vieler auswärtiger und hiesiger Vereine ein Festzug durch die Ortsstraßen, in dem über 50 Dereinsfahnen mitgeführt wurden. Auf dem Kirchenplatz fand unter Glockengeläute eine Ehrung der Gefallenen des Weltkrieges statt. Der erste Vorsitzende des Kriegervereins Klein-Linden, Fr. Schimmel, hielt eine eindrucksvolle Ansprache und ermahnte zu Treue, Einigkeit und Pflichtbewußtsein in dieser Zeit der Zerrissenheit. Bei gesenkten Fahnen spielte die Musikkapelle das Lied vom guten Kameraden, womit die Gedenkfeier beendet war. Auf dem Festplatz fand dann der eigentliche Festakt statt, der durch die Festrede des ersten Vorsitzenden eingeleitet wurde. Im weiteren Verlaufe sprachen noch Prof. Dr. K r a e m e r (Gießen) und andere Redner, die dem festgebenden Verein Glückwünsche zum 50. Jubelfeste zum Ausdruck brachten. Jeder der drei hiesigen Gesangvereine ließ durch den Vorsitzenden dem Kriegerverein je einen Fahnennagel überreichen. Die Jubiläumsfeier nahm in allen Teilen einen sehr befriedigenden Verlauf. >AusdemDuseckerTal, 24. Juni. Die Heuernte ist in unserem Tal beendet. Der Ertrag ist, soweit er die Menge betrifft, eine Rekordernte. Selten ist in einem Jahr so viel Heu eingebracht worden, wie gerade in diesem Jahr. Der Menge entspricht jedoch nicht die Güte. Das Futter ist zwar gut eingekommen, ist aber infolge des feuchtwarmen Vorsommers zu rasch und kräftig gewachsen und entbehrt der zarten und feinen Üntergräser. s. Hungen, 24. Juni. Der Dezirksleh- rerverein Hungen hielt seine letzte Tagung im hiesigen Schulhaus ab. Im Mittelpunkt stand eine Tlnterrichtsprobe, in der Lehrer Messer- s ch m i d t einen von ihm erfundenen Rechenapparat vorsührte, mit Hilfe dessen es möglich ist, die Rechenoperationen anschaulich einzuführen und zu üben. An die Lektion schloß sich eine sehr ausgiebige Aussprache an, in der das neue Hilfsmittel mit anderen seiner Art verglichen wurde. s. t p h e, 24. Juni. Bei der Dersteige- rung des Heugrases auf den Gemeindewiesen, zu der sich auch Landwirte aus den Rachbardörfern eingefunden hatten, wurden ansehnliche Preise erzielt. Die besten Morgen mit starkem Graswuchs wurden mit 70 bis 80 Mark bezahlt, die Morgen mittlerer Güte kamen mit 40 bis 50 Mark heraus, während die billigsten 15 bis 30 Mark erzielten, obwohl sie hinsichtlich der Menge und Güte des Grases sehr minder- werttg sind. Streik Büdingen -s- Ridda, 24. Juni. Hier ereignete sich heute morgen auf der Riddabrücke ein schwerer 11 n » fall. Die 61 Jahre alte Haushälterin Anna Rockel von hier wurde von einem Motorradfahrer aus Ober-Widdersheim angefahren. Sie schlug mit dem Kopf auf die R a n d st e i n e des Fuß- st e i g e s und trug erhebliche Verletzungen am Kopfe und an der einen Hand davon. Zwei Finger sind gebrochen. Rach soforttger ärztlicher Hilfe wurde sie in ihre Wohnung gebracht. Ob ein Verschulden des Radfahrers vorliegt, muß die Untersuchung erst seststellen. . Kreis Schotten. i Groß-Eichen, 24. Juni. Bei herrlichstem ‘ Wetter fand am vorigen Sonntag die Einweihung unserer Turnhalle statt. Am Samstagabend fand in der neuen Turnhalle ein Kommers statt, der durch einen Begrüßungschor des Männcrchors Groß-Eichen und durch eine Ansprache des ersten Vorsitzenden des Turnvereins, Lehrer B o p f , eingeleitet wurde. Rach Freiübungen der Groß-Eicher Turnerinnen überbrachte Gauoberturnwart Will (Gießen) die Glückwünsche des Gauvorstandes und überreichte dem Zimmcrmeister K. Hofmann, der sich um den Bau der Turnhalle besonders verdient gemacht hat, einen Ehrenbrief. Vorzügliches leistete die Gauriege des Turnvereins' 1846 Gießen an Darren und Reck, sowie bei den Freiübungen. Auch die Groß-Eicher Turner zeigten achtbares Können. Den Höhepunkt des Vorabends bildete ein Festspiel, das von den Groß-Eicher Turnern und Turnerinnen vorzüglich zur Aufführung gebracht wurde. Der eigentliche Weihetag, der Sonntag, begann vormittags mit einem Fest- gottesdienst. in dem Pfarrer König predigte. Am Rachmittag bewegte sich ein imposanter Festzug durch die Straßen des Ortes. Aus dem Festp'.ah sprach zunächst nach einleitendem Gesang des Groß-Eier Männerchors der 1. Vorsitzende des Turnvereins, Lehrer D o p f. Alsdann begrüßte Dürgermeister F a u st die Gäste. Kreisdirektor Dr. Ja nn (Schotten) übermittelte die Glückwünsche der Behörde. Der 2. Gauvertteter, Schneider (Butzbach) hielt die eigentliche Weiherede. Außerdem sprachen noch der Bezirks- Vertreter Erle (Gießen) und der Vorsitzende der Turnvereins Schotten, Zeschky. Daran schlossen sich Keulenübungen der Groß-Eicher Turnerinnen und Freiübungen der Turner an. Die Gauriege aus Gießen turnte an Darren und am Reck. Der Gesangverein Ruppertenrod erfreute durch mehrere Lieder. Kreis Alsfelds (H Alsfeld, 24. Juni. Der diesjährige Alsfelder Prämienmarkt, der am 13. Juli stattfindet, wird eine besondere Anziehungskraft durch das am 12. und 13. Juli vorgesehene große Reit- und Fahrturnier erhalten, bei dem diesmal neben dem Reiterverein des Kreises Alsfeld auch eine Datterie des Art.-Regts. Rr. 5 in Fulda mitwirken wird. Außerdem wird der Markt als solcher eine Erweiterung erfahren, indem eine vom Kreisgeflügelzuchtverein veranstaltete Geflügelschau damit verbunden sein wird. Das Landwirtschaftsamt Alsfeld wird gleichzeitig eine Grünlandausstellung abhalten, auf welcher Ergebnisse der neuzeitlichen Bewegung in der Landwirtschaft in geeigneter Weise zur Schau gestellt werden. Die diesjährige Prämienmarktveranstaltung dürfte infolge ihrer Vielseitigkeit das besondere Interesse aller Marktbesucher finden, zumal auch die Anmeldungen zur Diehprämiie- rung in allen Tiergattungen bis jetzt recht zufriedenstellend sind. Kreis Lauterbach. & Lauterbach, 24. Juni. Gestern abend ereignete sich am schrankenlosen Bahnübergang auf der Straße nach Maar ein Auto uns all. Der Führer eines aus der Richtung Reu-Maar kommenden Kraftwagens konnte den gegen 19 älhr in Lauterbach eintreffenden Vogelsbergzug, der hier die Straße passierte, wegen der plnüber- sichtlichkeit des Geländes nicht bemerken und einen Zusammenstoß nur dadurch vermeiden, daß er den Wagen im letzten Augenblick Herumriß und dabei gegen einen Telegraphenmast fuhr. Der Wagen wurde erheblich beschädigt, der Fahrer ist mit unbeträchtlichen Verletzungen davongekommen. Der Bahnübergang an der Maare.r Straße ist wegen seiner Unübersichtlichkeit besonders gefährlich und sollte möglichst bald mit Schranken versehen werden. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Freitag, den 26. Juni 1931. Kapelle auf dem Alten Friedhof. 20.30 Uhr, pünkt- lich: Abendandacht für Studenten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 27. Juni. Freitag abend 7.45 Uhr; Samstag vormittag 8: nachmittags 4: Sabbatausgang 9.40. — Wochengottesdienst: morgens 6.30; abends 7.15 Ubr. MM Wenn stets das Haar in weichen Wellen liegt, dann war’s 12-30 reicht für 2 mal Die von meinem Vater seit 40 Jahren geführte Bäckerei habe ich Un? wlrde dieselbe in unveränderter Weise weiter w?1 tn ePte® Geschäftsprinzip ist meine Kundschaft durch nur b ^GUich®/^^ hflthAe^i?k°-'inaendk Be.dienung zufriedenzustellen, die Snrichtung Jines h dem beut,ffen Taffe mei" Geschäft durch - Tages-Cafes - erweitert. Ich bitte auch dieses Unternehmen durch öfteren Besuch zu ^lerstutzen. Durch reiche Auswahl gute Ware, volkstümliche Preise hone ich alle gerechten Wunsche zu erfüllen. August Deibel II. N. B. Unter Bezugnahme auf die vorstehende Anzeirre mpin danke ich meiner sehr geehrten Kundschaft für das mir stets entgegen gebrachte Vertrauen und bitte ich, dasselbe auch meinem Sohne schenken zu wollen. 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