qr - ntnh !c6t zu hcn- ■ ^nde konnte sie 'S ^ten 2iotur doch £• - >m besten Falle r : '4 genssen war auch nicht mehr so tr ’ l'ch mit solch verruß zu idcA 'E. redete ja bald toity & Eme Entlobung bat 1 verbrechen. M Fn 'ne bei nächster ®tk6c 'such ilarzumachen. Lor )'e Ursel, so ausgel?r «SÄi- »dch ry-«r «tzK ;.ä.ä «♦ SÄJj 5, ou^jEs hattet n L-nnfc 'hu £ J- Uebrigcns h^e f4 ' ^che M Än?vCil Ä fo nah ' bemnn* ■ lt ^au» 1 o^uach ei-Ech - mg folgt.)______________j Stift Ul' Bahnhofstraße Großes Lager I« erwägen Fr. ©rot Heuenweg 3 ien und Auischlagt cke in eig-Werkit» sn IIJSA Nr.N Erstes Blatt 18s. Jahrgang Mittwoch, 25. März (95| Lrlchernl lügl'ch.auxA, Sonntags und Feiertag» Beilagen Du Illustrierte vietzen« Familiendtättei Heimat >m Bild Die Scholle MonakS'vezugrvrelr: 2.20 Reichsmark und 30 Retchspfennig für Träge» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelner Rummern Infolge höherer Gewalt. Zerafvrechanschlöste anterSammelnummer2251 Anschrift für Drahlnach» richten Anzeiger Siesten. Postscheckkonto. Sra^ffurlam Main 11688. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vniS und Verlag: vrühl'fche Univerfitä1§-Vuch- und Stehtöniderei 8. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme van Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mne Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20*/, mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Oie zugeschlagene Tür. 3m Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten ist beschlossen Worten, das für das laufende 3ahr geltende Einwandererkontingent um ganze neunzig Prozent zu kürzen. Mit hörbarem Krach haben also die Amerikaner die Eingangspforten zu ihrem Staat vor dem Ricsenheer der Aus- wanderungslustigen aller Länder zugeschlagen. Da mit einem Einspruch des Senats nicht zu rechnen ist, Wird binnen kurzem jede Einwanderung in die Rordamerikanische Union so gut wie ganz aufhören. Am schwersten Wird durch diesen Beschluß wiederum Deutschland betroffen, dessen Kontingent im vorigen 3ahr noch ungefähr fünfzigtausend Personen betrug, dann aber sehr rasch auf fünfundzwanzigtausend Einwanderer herabgesetzt wurde. Zehn Prozent davon sind also nicht mehr und nicht Weniger als 2500 Mann, die die Amerikaner in Zukunft hereinlassen wollen. Es versteht sich von selbst, daß sie dieses Kontingent nur benutzen Werden, um hochqualifizierte Arbeiter, die bei uns brotlos geworden sind, aus Deutschland herauszuziehen, Wobei in diesem Fall die Erwerbslosigkeit in den Vereinigten Staaten kein Hindernis ist. Die EinWanderungsbcstimmungen sind überhaupt nur darauf abgestellt, denjenigen Arbeitskräften die Einwanderung zu gestatten, die der amerikanischen Wirtschaft Vorteil zu bringen vermögen. 3c kleiner die Kontingente Wurden, desto mehr Wurde darauf geachtet, daß nur Spezial- arbeiter Einreisegenehmigungen erhielten. Dah Deutschland jetzt kaum noch überschüssige Men- fchenkraft an die Vereinigten Staaten abgeben kann, hängt damit zusammen, dah man bei der Beschränkung der Einwanderung vor mehreren 3ahren den Derechnungen ein Stichjahr zugrunde legte, das nur eine bescheidene Wanderung von Deutschland nach Amerika auf Wies. Damals herrschte aber in Deutschland keine Arbeitslosigkeit, freute dagegen möchten viele Hundert tau sende ihr Glück in Äordamerika versuchen. Aber das „Tor der Hoffnung" ist verbarrikadiert, weil es drüben nicht weniger als sechseinhalb Millionen Arbeitslose und fünf Millionen Kurzarbeiter gibt. Die ohnehin schon durch die scharfen EinWande- rungsbestimmunaen stark gedrosselte EinWante- rung War für den amerikanischen Arbeitsmarkt niemals eine ernsthafte Belastung. Das Weih auch jedes Kongrehmitglied. Es macht aber einen guten Eindruck, Wenn man jetzt sagen kann, dah die Konkurrenz der ausländischen Arbeitskräfte ausgeschaltet ist. Vesser Wird es dadurch natürlich auch nicht, es sei denn, dah die Amerikaner endlich den Mut aufbringen, das R epara t i o n s s y st e m und dadurch die Grundursache der Weltwirtschaftskrise restlos zu beseitigen. Solange das nicht der Fall ist, Wird der Warenaustausch stocken und sich nicht wieder beleben, erst recht nicht, Wenn zu den Zollmauern auch noch hundertprozentige Absperrungen gegen Einwanderungen jeglicher Art hinzutreton. Wahrt den deutschen Kulturbesih! Eine Kundgebung der Universitäten gegen Abstriche am Kulturctat. Rektor und Senat ter Universität Leipzig treten mit folgender Kundgebung an die Öcffcnt- lichkeit: Die schwere wirtschaftliche Rot Deutschlands trifft auch die Wissenschaft und ihre 3nstitute, die wissenschaftlichen Zeitschriften und den wissenschaftlichen Buchhandel. 3n vielen öffentlichen H a u s h a l t p l ä n e n für 1931 sind die Mittel für wissenschaftliche Anstalten und Zwecke gegen 1930 wiederum herabgesetzt Worten. Die Folgen solcher Streichungen reichen Weiter, als man es ans den — an sich schon bedenklichen — Prozentsätzen (meist 10 bis 25 Prozent Abstriche) schlichen möchte. Heute sind es die Bibliotheken, die den größten Teil ter wissenschaftlichen 3ntercffentcn mit Büchern und Zeitschriften versorgen, und die gleichzeitig durch ihre regelmäßigen Anschaffungen den Wissenschaftlichen Verlag bisher noch in Gang gehalten haben. Es besteht nun die größte Gefahr, dah die schon bekanntgewordenen und die in vielen kommunalen Etats noch drohenden Streichungen für eine große Zahl von wissenschaftlichen Zeitschriften und von fortlaufenden und geplanten wissenschaftlichen Veröffentlichungen einfach das Todesurteil te- teuten. Das Eingehen von wissenschaftlichen Zeitschriften oder enteren Veröffentlichungen aber mindert den deutschen Kulturbesih, ganz abgesehen davon, dah das Eintrocknen des Wissenschaftlichen Derlagsgeschästs auch neue Entlassungen von Angestellten und Arbeitern des Buchgewerbes mit sich bringt. Auch für kulturelle Zwecke gibt es ein Existenzmin-i- m um. Mechanische prozentuale Etatskürzungen für Wissenschaftliche Anstalten und Büchereien treffen gerate die Autoren und Verleger jener Sp^ialschriften am härtesten, die den Wissenschaftlichen Fortschritt tragen. Hier droht eine Verarmung unseres geistigen Lebens, die einen dauernden Verlust an deutscher Leistungsfähigkeit und deutscher Weltgeltung mit sich bringen muß. Wollen wir unser kulturelles Erbe wahren, so muß jeder einzelne geistige Mensch dieser Panik entgegentreten. Hier können die Parlamente der Länder und Gemeinden ein gutes und rettendes Beispiel geben, indem sie jeder weiteren Verkürzung ihres Kulturetats einen Oie dritte Lesung des Reichehaushatts. Berlin, 24. März. (DDZ.) Auf der Tagesordnung des Reichstages steht die dritte Beratung des Etats. Von allen Parteien, mit Ausnahme der Kommunisten, des Landvolkes und ter Volkskonservativen ist ter Sparer- mächtigungsantrag eingegangen, ter die bestehende Regierung Brüning ermächtigt, Ausgaben bis zur Gesamthohe ter Mehrausgaben oder Mindereinnahmen abzusehen. Reichssinanz» minister Dietrich stellt das Einverständnis ter Regierung mit diesem Anträge fest. Der Minister Weift ausdrücklich darauf hin, daß sich diese Ermächtigung nicht erstreckt auf diejenigen Etats- ansähe, die auf gesetzlich oder vertragsmäßig fest gelegten Ansprüchen beruhen. Diese Ansprüche können, wie er hervorhebt, nur auf dem von ter Verfassung vorgesehenen Wege geändert Werten. Zu den Bedenken der Vertreter des Westens, dah die in den außerordentlichen Haushalt eingesetzten 10 Millionen Mark für West Hilfe deshalb vielleicht nicht zur Verfügung stehen konnten. Weil der Verkauf ter reichseigenen Grundstücke möglicherweise nicht erfolgen könne, erklärt der Minister, daß mit dem Verkauf dieser Grundstücke Wahrscheinlich doch zu rechnen sei. Haushalt des Auswärtigen Amts. Abg. Dr. Breitscheid (Soz.): 3ch halte es nicht für angebracht, in eine fachliche Beratung des mit Oesterreich abgeschlossenen Wirtschaftsabkommens ciTuutrcten. Wir Wollen auch nicht erörtern, ob der Schritt gegenüber den anderen Mächten diplomatisch in ter richtigen Weise vorbereitet Worten ist. 3ch glaube, dah Wir gegenüber dem Auslande feststellen können, daß Weder der deutschen noch ter österreichischen Regierung der Vorwurf zu machen ist, sie hätten sich vertragsmähig übernommenen Verpflichtungen entzogen oder ihnen zuwider gehandelt. Wir hoffen, dah die internationalen Auseinandersetzungen zu einer tatsächlichen Zus ammen- arbeit aller europäischen Staaten führen. Aber meiner Ansicht nach Wäre eine frühere /Unterrichtung der deutschen Volksvertretung doch wohl am Platze gewesen. Warum hat die Regierung nicht den Auswärtigen Ausschuß des Reichstages unterrichtet? Er ist doch nicht dazu da, daß er iirtmer vor vollendete T a t s a ch e n gestellt wird! (Sehr Wahr.) Meine Bitte an den Außenminister geht dahin, in Zukunft in ähnlichen Fällen etwas mehr Rücksicht auf die berechtigten Ansprüche ter deutschen Volksvertretung zu nehmen. (Lebhafte Zustimmung in allen Parteien.) — Der Etat des Auswärtigen -Amtes Wird bewilligt. Weiter werten ohne längere Aussprache bewilligt die Haushalte des Reichsinnenministeriums, des Reichsarbeitsministeriums, des Reichstages, des Reichspräsidenten, der Reichskanzlei, des Ernährungsministeriums, des Reichsjustizministeriums, des Reichswehrministeriums und des Derkehrsministeriums, ebenso der Versorgungsetat und der Haushalt der Reichsschuld. Oer Schenkervertrog. Zum Schenker-Vertrag beantragt der Verkehrsausschuß eine Entschließung, in der die Regierung aufgefordert wird, Wegen dieses Vertrages sofort das Reichsbahngericht anzuru- f c n. Abg. Dr. Winschuh (Stp.) bedauert die Haltung des Verkehrsministers, die *im Falle des Schenker-Vertrages problematisch sei. Man habe offenbar den Kopf in den Sand stecken wollen. Der Minister sollte 3nitiative beweisen zugunsten ter Rationalisierung de s Speditiv nsgewerbes, aber in Zusammenarbeit mit diesem Gewerbe, mit der Wirtschaft und dem KraftfahrzeuggeWerbe. Abg. Schumann - Frankfurt (Soz.) erklärt, die Zustände im Speditionsgewerbe seien allerdings sehr reformbedürftig, aber die Reichsbahnverwaltung hätte die Ordnung auf anderen Wegen weit besser Herstellen können, als durch den Abschluß des Schenker-Vertrages. Abg. M o l l a t h (Wp.) fragt, warum die Reichs- regierung' noch nicht das vom Reichstag geforderte Rechtsgutachten vorgelegt hat. Der Redner beantragt die sofortige Einleitung von Berhandlungen mit der Reichsbahn zur Aushebung des Schenker-Vertrags und Umwandlung in einen Vertrag mit den Organisationen des Speditionsgewerbes. Reichsverkehrsminister von Gusrard: Es sind Zweifel geäußert worden an meiner Erklärung vom 19. Februar. Ich stelle nochmals fest, daß ich vor der Mitteilung durch den Abgeordneten Mollath von dem Schenker-Vertrag keine Kenntnis hatte. Ich stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, daß der Vertrag der Zustimmung bedarf, um gelten zu können. Das ist auch die Meinung des Reichskabinetts. Das Osthilfegeseh. Es folgt die zweite Beratung des O st h i l fege s e tz e s und der damit verbundenen Vorlagen zur Förderung der landwirtschaftlichen Siedlung und zur Abwicklung der Aufbringungsumlage und zur Neugestaltung der Bank für Deutsche Jndustrieobli- gationen. Minister Trevira nus führte aus: Die Ost- Hilfe habe die doppelte Aufgabe, den in ihrer wirtschaftlichen Lebensfähigkeit bedrohten Gebieten neue Lebenskraft zur Wiederaufnahme ihrer gestörten Wirtschaftsbeziehungen zuzuführen und ferner die Landwirtschaft nach Möglichkeit vor den Gefahren zu bewahren, die die veränderten Absatzbedingungen und der Rückgang aller landwirtschaftlichen Preise bei steigenden Lasten ohne umfassende Hilfe bringen würden. Es sei beabsichtigt, den jetzigen Geltungsbereich der Hilfsmaßnahmen möglichst umfangreich Berlin, 24. März. (ERB.) 3m Reichstage ist man heule abend der Auffassung, daß nunmehr alle Streitpunkte, die der glatten Abwicklung der parlamentarischen Arbeiten noch im Wege standen, bereinigt sind. Nachdem die oielbesprachenen Steueranträge öereits erledigt waren, ist es heute gelungen, auch in den beiden noch ausstehenden Restfragen — die Z o l l e r m ä ch t i g u n g und die Reichstagsvertagung — zu einer Klärung zu gelangen. 3n den späten Rachmittagsstunden schien es, als ob die Zollermächtigung doch noch erhebliche Schwierigkeiten machen würde. 3nagru- rischen Kreisen, namentlich bei der Landvolk- partei und auf dem rechten Flügel des Zentrums, ist man von dem Ergebnis der Verhandlungen des handelspolitischen Ausschusses zwar nicht voll befriedigt, wie ja schon aus der Abstimmungs- Vertagung heroorgeht. Es handelt sich aber nur um einen Ausschußbeschluß, der im Plenum in seinen Einzelheiten durchaus noch abgeändert werden kann. 3n unterrichteten Kreisen vermutet man denn auch, daß zwischen der zweiten und dritten Lesung entsprechende Bemühungen einsetzen werden, um den wünschen der agrarischen Abgeordneten noch entgegenzukommen. Trotzdem läßt sich jedoch schon jetzt feststellen, daß die planmäßige Beendigung der parlamentarischen Arbeiten an dieser Frage nicht mehr scheitern wird. 3n der Frage der Vertagung des Reichstags haben die Sozialdemokraten dem Wunsche des Reichskanzlers insofern nachgegeben, als sie damit einverstanden sind, daß für den Wiederzusammentritt ein Tag etwa in der zweiten auszudehnen, sobald die Erleichterung der Finanzlage des Reiches die Möglichkeit hierzu eröffne. Eine Gewähr, daß von dieser Möglichkeit schon im nächsten Jahre auf weite Gebiete Gebrauch gemacht werde, könne er jedoch nicht übernehmen. Zur landwirtschaftlichen Entschuldung er« klärt der Minister, die Regierung habe die zahlreichen Pläne zur wirksamen Hilfe durch allgemeine Lastensenkung eingehend geprüft, fit aber verwerfen müssen, da die sehr großen Mittel von etwa 321 Millionen Mark bei 3 v. H. Gutschrift des Einheitswertcs aus der Reichskasse hierfür nicht zu beschaffen seien. Die Regierung hab« deshalb an der K r c d i t h i 1 f e durch Dar« lehen mit planmäßiger Entschuldung festgehalten. Trotz schwerer berechtigter Bedenken habe sich die Reichsregierung entschlossen, auf bi» Einnahmen aus der I n ö u ft r i c a u f b r i u « gungsumlagc für die nächsten Jahre im> Reichshaushalt zu verzichten. Dadurch fei di» Möglichkeit gegeben, der Jndustriebank ein Zweck« vermögen von 500 Millionen Mark zur Ab« löfung der landwirtschaftlichen Per« sonalschulden in den östlichen Gebieten zu« Verfügung zu stellen. Darüber hinaus sollten 209 Millionen Mark durch Schuldverschreibungen be« Jndustriebank im Lause der Jahre angeschafft wer« den. Das Inkrafttreten dieser Entschuldung setzte di« parlamentarische Verabschiedung de» Rcichshaushaltes und das Gelingen bet} Vorfinanzierung der Äapitalbclrägc der Bank vor« aus. Die Reichsregierung wollte sich bemühen, ge« rode auch besonders dem K l e i n b e s i tz die erfor« derlichc Hilfe angedeihen zu lassen. Die Reichsregie« rung müsse dieses Opfer fordern, weil das SiechtunH des Ostens dasStcrben desGanzen im Ge« folge habe. Hälfte des Oktober feffgclcgf wird. Praktisch haben sie von ihrem Standpunkt nichts geopfert, da auch dann die Möglichkeit besteht, daß eine Mehrheit bei einem außerordentlichen Anlaß.eine frühere Einberufung des ReKhslags herbeiführt. Ein Drittel des Reichstags ist inzwischen allerdings nicht in dec Lage, den Zusammentritt herbeizusühren. Ls kann aber immer sein, daß drei Mitglieder des Aeltesten- rafs die Einberufung dieses Ausschusses beantragen. Der Präsident hätte dann festzustellcn, und zwar unter Berücksichtigung der jetzt vom Reichstag abwesenden Fraktionen, ob sich eine Mehrheit für eine frühere Einberufung ergibt. Sollte sich dann zeigen, daß ein wesentlicher Teil der Mehrheit, die jetzt die Vertagung bis zum Herbst ausgesprochen hat, anderer Meinung geworden ist, so würde er den Reichstag zu einer Zwischentagung einberufen. 3n Kreisen der Deutschen Volkspartei hatte man gewünscht, daß die Ermächtigung nicht dem Präsidenten, sondern dem Präsidium übertragen würde. Das hat Präsident Lobo in einer Sitzung, die heute vor- mittag beim Reichskanzler stattfand, abgelehnt, zumal bei einem solchen Verfahren vermutlich doch Stimmengleichheit herauskommen, und er dann den Ausschlag zu geben haben würde. Unter diesen Umständen wird es also dabei bleiben, daß der Reichstag sich auf einen bestimmten Termin im Oktober vertagt und das weitere der Entwicklung überlassen wird. Nachdem Liese Fragen nun soweit geklärt sind, rechnet man in parlamentarischen Kreisen jetzt bestimmt damit, daß der Reichstag bis zum Freitagabend feine Aufgaben erledigt hak und auseinandergehen kann. Klärung der parlamentarischen Lage. Bereinigung der 2Refffragen. — Vertagung des Reichstags bis zum Oktober wahrscheinlich. geschloffenen Widerstand entgegen- ft c 11 c n. Die Unterzeichneten rufen in diesem Sinne alle 3nstanzen des öffentlichen Lebens auf, sich bei ihren finanziellen Entscheidungen ter hohen Verantwortung bewußt zu sein, die sie für die geistige Fortentwicklung Deutschlands tragen. Der Kundgebung schlossen sich an ter Vorsitzende des Verbandes ter Deutschen Hochschulen, die Rektoren ter sämtlichen deutschen /Universitäten und Hochschulen, darunter auch Professor Dr. Wöhler, Rektor der Technischen Hochschule in Darmstadt: Professor Dr. Eger, Rektor der Universität Gießen und Professor Dr. Verse, Rektor der Universität Marburg. Paneuropa-Konferenz in Paris. Die Organisierung der Maitagung. Paris, 24. März. (WTD.) Der Organisationsausschuß für die Europaunion ist freute vormittag am Quai d'Orsay unter dem Vorsitz tes französischen Außenministers Driand zu seiner ersten Sitzung zusammengetreten. B r i a n d erklärte: Der Organisationsausschuß müsse sich vor zwei Gefahren hüten, näiÄich der künstlichen Schaffung eines Organismus mit allzu ehrgeizigen Zielen, die seinem vorläufigen Charakter nicht entsprechen würden und auf ter unteren Seite vor ter allzu engen Grenzziehung für das Statut eben dieses Organismus, dessen Lebensdauer man noch nicht übersehen könne. Dem Organisationsausschuß, ter den regelrecht bestehenden Organen tes Völkerbundes unterworfen sei, stehe von Anfang an die ganze Erfahrung des Völkerbundes zur Verfügung. Die Verhandlungen bewegten sich auf rein technischem Gebiet. Die Frage ter Einladung Rußlands, 3slands und der Türkei kam nicht zur Entscheidung, da der Punkt der Tagesordnung, ob im Mai zuerst Wirisch a f ts - oder Organi s a t ionssragen erörtert werden sollen, noch unerledigt ist. 3edoch hat die Debatte bereits geklärt, daß für die Erörterungen von Wirtschaftsfragen Rußland, 3sland und die Türkei jedenfalls heran- gezogen Werden. Dom polnischen Außenminister Zaleski Wurde ein Antrag auf Heranziehung Danzigszu den Wirtschaftsverhandlungen ein- gebracfrt, der auch angenommen wurde. Fallen gelassen Wurden die Pläne ter eventuellen Bildung eines europäischen Rates mit starker Organisation und nationaler Wechsel- Weiser Vertretung. Driand selbst hat durchblicken lassen, daß man keinen allzu festen Rahmen bilden solle. Die HafionalfMialiffen verlassen denMeinischenprovinziallandlag Düsseldorf, 24. März. (SU.) Gleich nach Eröffnung ter Dienstagssitzung des 7 8. RHeini s ch e n Provinziallandtages, die dec Aussprache zum Provinzialhaushaltsplan gewidmet ist, kam es zu stürmischen Auseinandersetzungen, als ter Vorsitzende den sozialdemokratischen Abgeordneten Hoffmann Wegen eines beleidigenden Zurufes gegen den nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. Leh in ter Montagssitzung nachträglich einen Ordnungsruf erteilte. Dr. Ley kritisierte dann die Geschäftsordnung des Vorsitzenden und Wurde Wegen verschiedener Aeuherungen zur Ordnung gerufen. Bei den weiteren Auseitz« andersehungen Wurden zunächst die nativnalsozia« listischen Abgeordneten Saade auf drei Tag« und Dr. Ley auf sechs Tage von den Sitzungen ausgeschlossen wegen grober Verletzung tec Ordnung tes Hauses und ter sozialtemokrattschen Abgeordneten Frau Becker ein Ordnung s - ruf erteilt. Hierauf erklärte Dr. Leh unten fortgesetzter stürmischer Unruhe im ganzen Hause, daß wegen dieser Behandlung durch den Vorsitzenden die nationalsozialistische Fraktion an den weiteren Verhandlungen nichtmehrteil- nehrnen Werte. Die nationalsozialistischen Abgeordneten verließen hierauf den Sitzungssaal, Abg. Warnke (Z.) weist auf die national- politische Gefahr einer weiteren Abwanderung der Bevölkerung aus dem volksarmen Osten hin. Trotz der katastrophalen Lage der Landwirtschaft sei auch heute noch eine großzügige Siedlung erwünscht, vor allem durch die Bauernsöhne und Landarbeiter. Die Wohn- und Stallgebäude müßten durch die Siedler selbst errichtet werden. Dann könnten sie zweckmäßiger und billiger her- gestellt werden. Die Rechtsopposition fei daran schuld, daß nicht schon 1930 ein ähnlicher Osthilse- gesetzcntwurf verabschiedet worden sei. Es gelte, im deutschen Osten eine zufriedene Bevölkerung zu schaffen, die sich auf der Scholle wohlfühle und nicht daran denke, die Heimat zu verlassen. Die Regierung möge sich leiten lassen von dem Motto: „Dies Land bleibt deutsch!" Abg. Stelling (Soz.) erklärt, seine Fraktion habe sich eine Osthilse anders vorgestellt als das vorliegende Gesetz. Man hätte nicht nur der Landwirtschaft, sondern der ganzen Wirtschaft des Ostens Hölsen sollen. Die Landwirtschaft müsse endlich an die Vcrpslich- tung erinnert werden, die eigene Kraft zur Rettung aus der Krise aufzuwenden. Die Sozialdemokratie verlange, daß auch dem Klein- und Mittelbesitz geholfen wird, und daß bei der Durchführung der Osthilfe eine scharfe Prüfung der Einzelfälle vorgenommen wird. Anter den heutigen Berhältnissen werde die Sozialdemokratie trotz aller Bedenken dem Osthilfegesetz zu stimm en. Abg. Hönnekes (Z.) erklärt, die Senkung der Reallasten werde von der ostpreußischen Landwirtschaft außerordentlich dankbar empfunden. Aber die sozialen Lasten seien unerträglich hoch. Zahllose Bauern seien genötigt, ohne fremde Hilfe auszukommen. Die Frachtcnerleichte- rung müsse weiter ausgestaltet werden: auch Kohle und Eisen seien in die Frachtensenkung einzube- zichen. Die Wirtschaftsferne Ostpreußens sei noch immer der Hauptgrund für die Unrentabilität der dortigen Wirtschaft. (Zustimmung.) Die Siedlungsgröße sollte nicht schematisch festgesetzt werden; entsprechend der Bodenbeschaffenheit seien auch größere Siedlungen bis zu 180 Morgen anzu- setzen. ' Abg. Dr. Pfleger (Bayr. 23p.) berechnet den Aufwand des Reiches für das Osthilfegebiet aus dem Osthilfgesetz und aus den Etatsmitteln des Reiches auf weit über 1100 Millionen allein aus Reichsmitteln. Angesichts dieser gewaltigen Opfer der Steuerzahler des ganzen Reiches für den Osten könnte man erroartm, daß die aus dem Ostgebiet kommende Kritik e t w a s bescheidener ausfiele. (Lebhafte Zustimmung.) Die frühere Ostpreußenhilfe habe in der Zeit, wo sie von Hugenbergs politischen Freunden durchgeführt wurde, ganz ausgesprochen den Großgrundbesitz begünstigt und die bäuerliche Wirtschaft zurückgesetzt. Reichsminister Treviranus erklärt, der Ent- schuldungsplan der deutfchnationolen Fraktion sei trotz des Fernbleibens der Befürworter von der Regierung geprüft, aber diese Prüfung habe die U n - durchführbarkeit und Unzweckmäßigkeit des Projekts ergeben. Abgesehen von allem andern würde dieser Plan nach Hugenbergs eigenem Zugeständnis jährlich mehrere hundert Millionen kosten. (Abg. Iadasch (Komm.): Sie haben aber den Hugenberg-Plan übernommen!) Rur d i e guten Seiten unter peinlicher Vermeidung der schlechten! (Abg. Iadasch: Also übernehmen Sie doch deutschnationale Ideen!) Ich weiß nicht, ob Ihnen klar ist, daß die Regierung jenseits von gut und böse im Parteis snne steht. (Sehr gut!) Oie Lleberfüttung der höheren Schulen. ' Der Deutsche Philologenverband zu den t Leitsätzen des Neichsinnenministeriums. j-. Berlin, 24.März. (TA.) Der Deutsche Philologenverband teilt mit: „Anter der t Aeberschrist „Schulaufbau, Berufsauslese, Berechtigungswesen" veröffentlichte das Reichs- ministerium des Innern vor Monaten Leitsätze, die sich mit der Aeberfüllung der höheren Schulen, ihrer Arsache und Mittel zur Anhilfe beschäftigen. Als Arsache dieses Andranges zu den höheren Schulen und Hochschulen wurde „eine in Deutschland von jeher übliche und deute noch nicht überwundene Aeberschähung der schulmühigen Bildung in ihrem Werts ür die Praxis" bezeichnet und als „das entscheidende Mittel zur Entlastung der höheren Schulen der Ausbau der Volksschule, die Kräftigung der Mittelschule nach dem preußischen Borbilde, die Entwicklung der Berufs- und Fachschule" empfohlen. Dazu hat der Deutsche Philologenverband in einer einstimmig angenommenen Entschließung seine Stellung folgendermaßen festgelegt: Die durch das Reichsministerium des Innern veröffentlichten Leitsätze nehmen nur die äußeren Auswirkungen einer all- 9 eme inen Wirtschafts- und bevölkerungspolitischen Erscheinung zum Gegenstand ihrer Behandlung, ohne zu dem Kern des Problems, dem mangelnden Lebensraum der deutschen Jugend, vorzudringen. Der Gedanke, einer solchen Erscheinung mit formalen Beschlüssen in bezug auf die „Gleichwertigkeit" verschiedener Bildungsgruppen beikommen zu können, ist nur geeignet, über die Notwendigkeit wirklicher Ab- Hilfemaßnahmen hinwegzutäuschen. Der Deutsche Philologenverband erhebt demgegenüber mit aller Entschiedenheit die Forderung, daß die verantwortlichen Landes, und Reichsbehördcn sich mit der Frage beschäftigen, wje die allgemeine Arbeitslosenfürsorge und das Arbeitsbeschaffungsprogramm auch auf die auf den höheren Schulen und Hochschulen befindliche intellektuelleIu- g e n d ausgedehnt werden kann." Oie Löhne -er Reichsarbeiter. Berlin, 25.März. (ERB.) Die in der letzten Wocke abgebrochenen Lohnverhandlunge,^ für die Reichsarbeiter sind gestern wieder aufgenom- gi c n worden. Nach dem „Vorwärts" haben sie wiederum zu keinem Ergebnis geführt. Die Regierung habe jetzt einen lOprozentigen Lohnabbau verlangt. Die Organisationen hatten im Verlauf der Verhandlungen der Regierung einen Gegenvorschlag gemacht, die Arbeitszeit allgemeinaus40Stundenfe st zusetzen, was ohne weiteres einen Lohnabbau von mindestens 6 Prozent bedeuten würde. Nach längeren Derhand- langen erklärten die Regierungsoertreter, einen weiteren Vorschlag nicht machen zu können. Die Angelegenheit müsse nunmehr das Kabinett beschäftigen. Duisberg fordert den mitteleuropäischen Wirtschastsdlolk. M ü n ch e n, 24. März. (WTB.) Auf der Mitgliederversammlung des Bayrischen Industriellenverbands sprach u. a. das Präsidialmitglied des Reichsverbands der Deutschen Industrie, Geh. Rat Prof. Dr.-Ing. e. h. Dr. K a r l D u i s b e r g über Gegcnwarts- und Zukunftsprobleme der deutschen Industrie. Rach einem kurzen Aeberblick über die Konjunkturlage führte Geh. Rat Duis- berg aus, daß vereinzelte Anzeichen die baldige Sprengung des Krisendrucks erhoffen lassen. Aber ebenso wichtig wie neues Wollen und Wagen unternehmender Menschen sei eine klare Wirtschaftspolitik des Staats, die aus den Fehlern des vergangenen Jahrzehntes gelernt habe und die Arsachen beseitige, die uns in die schwere Krise hineingetrieben hoben. Zwei Forderungen seien für die Neugestaltung der Wirtschaftspolitik zu erheben^ 1. Maßnahmen, die die innerdeutschen Hemmungen beseitigen und eine Belebung einleiten; 2. internationale Maßnahmen zur Aeberwin- dung der Hemmungen der weltwirtschaftlichen Belebung. In der Konsumtion sei die Folge ein ständiger Kaufkraftschwund, in der Produktion sei zusammen mit dem zu hohen Lohn, den- gesteigerten Sozialabgaben und dem zu hohen Zins eine ruinöse Existenzgefäh'rbung eingetreten. Die Rotlage der Landwirtschaft sei neben der Steuerlast durch ihre Verschuldung und Absahnot bestimmt, die nicht durch ein dauerndes Erhöhen der Zölle au beseitigen sei. Die deutsche Landwirtschaft müsse sich auf agrarische Veredelungsproduktion um stellen, um so wieder zur Rentabilität zu gelangen. Zur Behebung der Absatznot sei die Einschaltung des Arbeitslosenheeres und dadurch die Steigerung der Kaufkraft der Massen notwendig. Zur Belelmng der industriellen Produktion sei eine Senkung der Selbstkosten unerläßliche Voraussetzung. Die Aeberlastung mit Zinsen müsse durch Konvertierung erleichtert werden. Wir mühten zu einer einfacheren Lebensführung gelangen. Dies gelte insbesondere für den Staat und seinen Finanzbedarf. Zur Beseitigung unserer privaten Verschuldung und der 2lb- hängigkeit vom Auslandskapital, die einen jährlichen Zinsendienst von über einer Milliarde erfordern, müsse die Kapitalbildung im Inlande gefördert werden. In der internationalen privaten Verschuldung seien Konvertierungen notwendig. Die politische Verschuldung sei der eiserne Vorhang, der dem Aufblühen der niedergebrochenen nationalen Wirtschaft im Wege stehe. Ein Moratorium mit feiner lediglich aufschiebenden Wirkung sei bedenklich, ebenso im gegenwärtigen Zeitpunkt dieAnrufungdesSonder- a u s s ch u s s e s, obgleich hier wenigstens Der- handlungsmöglichkeiten gegeben seien, während die Zerreißung des Vertrags, ganz abgesehen von den politischen Folgen, uns jeder Kreditsicherheit berauben würde. Die widersinnigen Zollschranken in der Welt müßten beseitigt werden. Statt der Enge des nationalen Wirtschaftsraumes seien übernationale Wirtschaftsräume anzustrebrn. Im Südosten bahne sick» hier eine aussichtsvolle Entwicklung an, zu der durch das Zollabkommen zwischen 'Deutschland und Oesterreich der erste Schritt getan werde. Zur endgültigen Regelung des europäischen Problems sei allerdings noch die Frage der wirtschaftlichen Verständigung mit Frankreich zu lösen und ein geschlossener Wirtschaftsblock von Bordeaux bis Odessa als Rückgrat Europas zu schaffen. Die Völker Mitteleuropas hätten zu wählen zwischen Errichtung einer besseren Zukunft durch vertrauensvolle wirtschaftliche Zusammenarbeit und der gegenwärtigen Zerrissenheit, in der sie eine willkommene Angriffsfläche für fremde Rassen und fremde Mächte böten. Oie Organisierung der Markte. Schacht sieht nur diesen Ausweg aus der Krisis. Bern, 25. März. (WTB.) Auf Einladung der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Bern sprach der frühere Reichsbankpräsi- dent Dr. Schacht in einer zahlreich besuchten Versammlung über das Thema „Arsache und Heilung der Weltwirtschaftskrise". Als Zeichen der bestehenden strukturellen Weltwirtschaftskrise erwähnte der Vortragende die große Arbeitslvsennot, das Fallen der Rvhstvffpreise und die völlige Anordnung auf den: Kapitalmarkt. In Deutschland habe man versucht, durch eine künstliche Belebung der Konjunktur der Krise beizukommen. Die Mittel zu dieser Maßnahme habe sich der Staat teils durch übertriebenste- Steuerung, teils durch ausländische Anleihen, die den Staat außerordentlich schwer belasteten, beschafft. Das einzige, was die deutsche Wirtschaft nicht brauche, das sei ausländisches Kapital. Kein Industriestaat dürfe ausländische Schulden haben. Das richtige Mittel zur Behebung der Krise liege in der Auswer tung der Absatzmöglichkeiten und der R o h st o f f b e s ch a f f u n g. Die Wegnahme der deutschen Kolonien bezeichnete Dr. Schacht als einen wirtschaftlichen Fehler, der wieder gutgemacht werden müsse, toenn die Weltwirtschaftskrise Erleichterung finden solle. Eine Exportsteigerung sei für Deutschland eine Rotwendigkeit, wenn es seine ausländischen Anleihe/! verzinsen und amortifieren und seinen Repärat.onsverpflichtungen nachkommen solle. Allgemein gesprochen gebe es nur einen Ausweg aus der Krise, die Organisierung der Märkte. Die D2Z. sei für diesen Zweck ins Leben gerufen worden. Sie habe aber bisher in in dieser Richtung n i ch t s g e t a n. Richt Deutschland brauche Geld, sondern die Länder, die Rohstoffe erzeugen und die für den industriellen Absatz erschlossen werden müßten. Der Kamps um die ZollermWigmg. Berlin, 24. Warz. (VDZ.) Im Handelspolitischen Ausschuß des Reichstages führte Reichs- ernährungsminister Schiele zur Begründung der Zollvorlage aus, daß die rapiden Preisrückgänge auf dem Weltmarkt es notwendig machten, der Reichsregierung die Ermächtigung zu geben, bei plötzlichen Preisschwankungen die Zollsätze für einzelne Waren sofort den dringenden wirtschaftlichen Bedürfnissen entsprechend zu gestalten. Wenn auch auf gewerblichem Gebiet ein unmittelbarer Anlaß zu solchen Maßnahmen im Augenblick nicht gegeben sei, so sei damit zu rechnen, daß für gewisse landwirtschaftliche Produkte namentlich der Veredelungswirtschaft alsbald von dieser Ermächtigung Gebrauch zu machen sein werde. Die deutsche Landwirtschaft sei im großen Umfange zu Amstellungsmahnahrnen geschritten. In diesem Jahre seien allein 5000 Sjeftar nicht mehr mit Roggen, sondern vornehmlich mit Weizen bestellt worden. Mit den Zollmaßnahmen wolle die Reichsregierung der Landwirtschaft für die -Ueberg angsz ei t Anterstüt- zung gewähren. Die Reparationsverpflichtung nötige uns, die Einfuhr zu drosseln und den Verbrauch inländischer Produkte zu steigern. Abg. Frau Sender (Soz.) lehnte es ab, daß sich die Ermächtigung auch auf die Industrieprodukte erstrecke. Sie verlangt, daß angesichts der drohenden Brotpreissteigerung ein allgemeiner Schutz der Verbrauch.erkreise eingeschaltet werde. Abg. Graf Westarp (Volkss.) war bereit, an einer Formulierung mitzuarbeiten, die den entgegengesetzten Interessen Rechnung trage. Das Gesetz dürfe aber keine Fassung erlangen, durch die jedes Vertrauen zu seiner Wirksamkeit und Durchführung genommen werde. Die Einschaltung des Reichsrates würde das ganze Gesetz wertlos machen, da bei Preiszusammen- brüchen schnell und kurz entschlossen gehandelt werden müsse. Das Kompromiß. In der Rachmittagssihung legten Zentrum, Staatspartei und die Deutsche Volkspartei gemeinsam einen vermittelnden Antrag zur Zollvorlage vor, wonach die Reichsregierung verpflichtet sein soll, einer Erhöhung des Brotpre ises über den durchschnittlichen Brotpreis der fünf größten deutschen Städte in den letzten sechs Monaten vorzubeugen. Ferner soll die Reichsregierung nur ermächtigt fein, landwirtschaftliche Zolle selbständig zu verändern, nicht aber Industrie- zolle. Dabei soll sie die bestehenden handelspolitischen Beziehungen sorgfältig schonen. Von dieser Ermächtigung soll die Regierung n u r m i t Zustimmung des Reichsrates Gebrauch machen dürfen. Dem Reichstag sind Aen - derungenvon Handelsverträgen vorzulegen und auf sein Verlangen aufzuheben; hier ist der Reichsrat nicht eingeschaltet. Die ganze Zollermächtigung soll bis zum 31. März 19 32 gelten. Durch Zollherabsetzungen oder andere Maßnahmen soll die Reichsregierung dafür sorgen, daß der Cr- nährungsindex nicht länger als drei Monate über 133 bleibt. Die ganze Zollermächtigung wird nur auf d ie jetzige Regierung Brüning beschränkt. Reichsernährungsminister Schiele bat, die Bezugnahme auf die Brotpreise der fünf größten Städte fallen zu lassen und der Reichsregierung die Ermächtigung zu erteilen^ ausgehend von dem jetzigen Brotpreis jeder weiteren Verteuerung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln vorzubeugen. Es sei damit zu rechnen, daß schon bald durch eine Verordnung d ie Ausmah-. lungsquvtefürRoggenvon 60 a uf 7 0 Prvzenterhöht wird. Die stärkere Ausmahlung würde einen Mehrertrag an Mehl aus derselben Roggenmenge zur Folge haben, und zwar in dem Ausmaße, daß selbst bei etwa 15 Mark höheren Roggenpreisen je Tonne der Mehlpreis immer noch auf der gcgentoär- tigenHöhegehalten oder bei gleichbleibendem Roggenpreis der Mehlpreis entsprechend gesenkt werden konnte, ohne daß die Pkehlqualität wesentlich leidet. Die Weizenversorgungslage macht nach Ansicht des Ministers gegenwärtig noch keine Schwierigkeiten. Falls aber gegen Ende des Erntejahres eine Verknappung der Weizenvorräte eintreten sollte, würde man zunächst eine Lockerung des Vermahlungszwanges für Inlandwei- zen, d. h. eine weitere Herabsetzung der vom 1. April ab ohnehin von 75 auf 65 Proz. sinkende Vermahlungsquote vornehmen müssen, ehe man an einen Abbau des Weizenzolles denken könne. Die neue Fassung der Zollvorlage enthält zwei Sicherungsklauseln für die Verbraucher : einmal die Bindung an den gegenwärtigen durchschnittlichen Brot preis und dann die Rücksichtnahme auf die Ernährungsindexziffer. Dieser Index darf nach der Vorlage nicht dauernd über 133 steigen. Er steht gegenwärtig auf 131 und befindet sich seit längerer Zeit dauernd im Sinken, so daß diese Klausel einstweilen kaum zur Anwendung gelangen dürfte. Mit allen Stimmen bei Stimmenthaltung der Kommunisten wurde die Brotpreisklausel des gemeinsamen Antrages entsprechend den Ausführungen des Ministers mit der A e n d e r u n g a n g e n o in in e n , daß die Reichsregierung verpflichtet ist, „mit den ihr zur Verfügung stehenden* Mitteln eine Erhöhung des Brotpreises über den vom Statistischen Reichsamt ermittelten mittleren Brotvreis der letzten sechs Monate vor Inkrafttreten des Gesetzes vorzubeugen". Die übrigen Bestimmungen des gemeinsamen Antrags blieben im wesentlichen unverändert. Vor der Abstimmung über das ganze Gesetz erklärte Abg. Hepp (Lv.), die Person des Ministers Schiele biete eine Sicherheit dafür, daß das Gesetz auch in der geeigneten Form zur Durchführung komme. Durch die eingefügte Rücksichtnahme auf den E r - n ä h r n n g s i nd e x verliere aber das Gesetz die Bedeutung, die es haben müßtet um bet Landwirtschaft zu helfen. Daher halte er es für seine Pflicht, bei der Gesamtabstimmung gegen das Gesetz zu stimmen. Abg. Graf Westarp (Kons.) schloß sich dieser Erklärung an. In der Gesamtabstimmung wurde der Gesetzentwurf in der neuen Form mit 12 gegen 8 Stimmen angenommen, bei einer Stimmenthaltung. Aus aller Well. Elly Beinhorn in Timbuktu. Am Donnerstag voriger Woche startete die Afrika» fliegerin Elly Beinhorn von Bammako nach Timbuktu, wo sie aber am Abend nicht eintraf. Volle 4 Tage herrschte völlige Ungewiß» beit über das Schicksal der deutschen Fliegerin. Montag mittag traf sie endlich hier ein, nachdem sie einen Fußmarsch von über 50 Kilometer hinter sich hatte. Elly Beinhorn berichtet, daß sie 50 Kilometer vor Timbuktu wegen O e l • rohrbruches notlanöcn muhte. Es gelang ihr zwar, ihr Flugzeug unbeschädigt zu landen, aber sie mußte feststellen, daß ein Start von dem Landeort unmöglich war. Unter Zurücklassung ihres Gepäcks und des Flugzeuges machte sie sich auf den Marsch auf Timbuktu, um Hilfsmannschaften zum Erdtransport herbeizuholen. Unter größten Strapazen marschierte sie in vier Tagen die 50 Kilometer bis Timbuktu, währenddessen völlige Ungewißheit über den Verbleib der Fliegerin hier herrschte. Elly Beinhorn will versuchen, sich dort eine Startbahn zu schaffen oder aber das Flugzeug an einen anderen Platz zu bringen, um von dort dann wieder starten zu können. Sollte dies nicht gelingen, so ist leider mit dem Verlust des Flugzeugs zu rechnen. Der Zusammenbruch _ der Berliner Beamlenvereinigung vor^berichl. Von der Sonderabteilung für Konkursvergehen beim Schöffengericht Berlin-Mitte wurden die wegen Bilanzverschleierung, nicht rechtzeitig blflslr.66,Tel.3685 Wachs Inch mit kleinen Fehlern wieder eingetroften 85 cm 100 cm Mk. 1.70 Mk 2.— Tapetenhaus MMI Ploekstr. 14. [nesA so wundervolle Margarine zu so niedrigem Preis! Von vielen tausend Hausfrauen wird jetzt Sa* nella begeistert verbraucht. Überzeugen Sie sich selbst und auch Sie werden zufrieden seirv Einen solchen Ansturm haben die Läden kaum je erlebt! In vielen Fällen war Sanella schon nach ein paar Stunden restlos ausverkauft ... . Aber das ist ja auch erklärlich: noch nie gab es eine DIE FEINE PREISWERT WIE KEINE Gießen, den 25. März 1931. von der Kapelle des Alten Friedhofs aus statt. 01744 im 59. Lebensjahre Gießen, den 25. März 1931. 2173 D Klein-Linden, Rodheim a. d. Bieber, Frankfurt a. M, den 25. März 1931 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 26. März, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause, Wetzlarer Straße 49a, aus statt 2171 D Hießen, den 25. März 1931. 01743 01749 in Holzheim statt 2175 D 273 2164 D Holzheim, Gießen, Wetzlar, Frankfurt am Main, den 25. März 1931 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 26. März, nachmittags 3 Uhr Gießen (Bruchstraße 8), den 23. März 1931. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 26. März, nachmittags 2 Uhr, Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heimgange meiner lieben, unvergesslichen Mutter sage ich auf diesem Wege allen herzlichsten Dank. Frau Louise Mattern, geb. Osinsky. Gießen, den 25. März 1931. Die G. B. Germania i. A: Kurt Pfeiffer, F.-V. _____________2181 D Grundsoli-e Existenz! (größter Berkauis-Schlager, Erfindung erstes Ranges. D. R. P., Waschautomat, wäscht selbsttätig jed. Quant. Wäsche in allen uotb. Waschkesseln von 40—200 Vir. Inh. ohne elekrr. Strom. Größte Schonung der Wäsche. Seriengrohsabrtkation. Ver- kaussurets nur Alk. 29.5 ', Vagerh. bed. ca. M. 850— bar. Jntercss. Ang. um. B.P. 531 an die Ann.-Exp. D. Scharmann, Düsseldorf. Unterfertigte betrauert tief das Ableben ihres lieben A. FL Oberamtsrichter Hermann Scotti aus Hirschhorn a. Neckar (aktiv SS. 93) Für die wohltuende Anteilnahme an dem schweren Verlust, der uns betroffen hat, sprechen wir unseren herzlichsten Dank aus. Im Namen der Hinterbliebenen: Frau Sophie Entzeroth. Gießen, den 25. März 1931. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Katharine Weigel Danksagung. Für die vielenBeweiseaufrlchtigerTeilnahme beidem Tode unserer lieben Schwester, Schwägerin u. Tante Fräulein Johanna Baer sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Am Dienstagmorgen entschlief nach langem Leiden an den Folgen einer alten Kriegsverwundung mein lieber Mann, unser lieber Vater, Sohn. Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Herr Friedrich Bergener im Alter von 35 Jahren Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Philippine Bergener Gestern vormittag entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater und Großvater, mein guter Sohn, unser treuer Bruder, Schwager und Onkel Herr Philipp Weigel XXII. Landwirt Montagabend 6% Uhr entschlief sanft nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager u.Onkel Heinrich Roth im 82. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Katharina Roth Familie Karl Roth Familie Christian Schmidt Danksagung. Für die zahlreiche Anteilnahme beim Heimgänge unseres lieben Vaters Wilhelm Keiner sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen | Mietgesuche | 2 Zimmer Studie u. Steller von ein». Dstme, berufSi., zu mieten gesucht. Schristl. An geb. unt. 01750 a. d. Giefi. 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März in unserer Prämien-Verteilungsstelle 2162 v Färberei Braubach & Fischer, Seltersweg an allen Wochentagen und eine Stunde vor Beginn der Vorstellung an der Theaterkasse Diese Veranstaltungen sind für alle Verbraucher von Erdal u.Kwak völlig kostenlos. Jugend iche haben Zutritt Bekanntmachung. Der Stadtrat hat in seiner Sitzung von, 17. März 1931 einen Bebauungsplan über die Gebiete zwischen Gaffkystraße, Freilig. rathstraße, Aulweg, Schubertsiraße und Wartweg, Bergwerk Freiligrathstraße, Aulweg sowie einer dazugehörigen Orts» bausatzung zugestimmt. 2135G Der Plan wie auch die Ortsbausatzung liegen in der Zeit vom 25. TNärz bis 10. April 1931 bei dem Städtischen Hoch, bauamt, Asterweg 9, während der üblichen Geschäftsstunden zur Einsicht offen. Einwendungen gegen den Plap oder die Orts, bausatzung sind bei dem Städtischen Hoch, bauamt innerhalb der Offenlegungsfrist schriftlich oder zu Protokoll vorzubringen. Gießen, den 24. März 1931. Der Oberbürgermeister. I. B-: Dr. Hamm. Bekanntmachung. Mit Wirkung vom 1. April d.J. wird in den Sandgruben der Stadt Gießen der Nlaurersand zum Preise von 1,50 RM. pro Kubikmeter abgegeben. 2135Q Der Preis von 3,00 RM. pro Kubikmeter Puhsand bleibt bestehen. Die Grube an der Rödge^er Straße ist wieder geöffnet. Gießen, den 25. März 1931. Städtisches Tiefbauamt. _________Braubach.__________ Bullenverkauf. Die Gemeinde Vetzberg hat einen feffera Bullen zu verkaufen. Angebote sind bis zum Freitag. dem 27.2När;, an den Ge- meindevorsleher^abzugeben. __2177D Donnerstag, den 26. März 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg. dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 2176D vier Nähmaschinen, einen Klubsessel, ein Grammophon, einen Rauchtisch, fünf Schreibtische, acht Tische, zwei Sessel, 29 Stühle, 9 Sofas, einen Teppich, drei Vertikos, zwei Bücherschränke, zwei Kleiderfchränke, zwei Rohrsessel, eine Blumenkrippe, zwei Warenschränke, ein Wirtschaftsbüfett, drei Spiegel, drei Regulatoren, zwei Diwane, vier Schreibmaschinen, zwei Paginissrmaschinen, HO Schornsteinaufsätze, 400 kg Jstu- col-Zement, eine komplette Ladeneinrichtung, 90 Dosen Obst- und Gemüsekonserven, 150 Flaschen Likör, einen Kassenschrank, fünf Büfetts, eine Vitrine, drei Klaviere, drei Kredenzen, vier Chaiselongues, einen Eisschrank, einen Gasherd, einen Jnstrumentenschrank, eine Standuhr, eine elektrische Ständerlampe, einen Horch-Personenwagen, einen Fuchspelz, einen Einspännerwagen, 100 Kokosbesen, zwölf Roh- haarbesen, Kinderklappstühle, Holländer, Pferdchen, Puppenwagen, Kinderspiele, Fahr- und Waschleinen, Fruchtsäcke, Feldstühle, Klappstuhle. 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Mörz 1951 NalionalWenpnlizjp und Selbstbestimmungörecht Don Hanü Arthur von Kemnth, Gesandten z. D. „Wer an der Spitze der Gedanken seines Jahrhunderts marschiert, dem werden sie folgen und eine Stühe sein. Wer sich ihnen anschlieht, den werden sie mit sich reisten. Wer sich ihnen m den Weg stellt, den werden sie stürzen." So sagt Napoleon I I I. in seinen „Historischen Fragmenten". Das heißt mit anderen Worten, daß das Wesen einer guten Politik darin besteht, d i c großen Gedanken der Zeit zu erken- n e n, sich führend an ihre Spitze zu stellen und sie zum besten seines Volkes zu lenken. Den beherrschenden Gedanken in der außenpolitischen Entwicklung des vorigen Jahrhunderts sah Napoleon III. mit Necht im Nationalität e n p r i n z i p , d. h. dem Grundsatz, daß die Gemeinsamkeit der Sprache, des Bluts und der Kultur als die naturgemäße Grundlage der Staatenbildnng anzusehen sei. Er war der lauteste Verkünder dieses Gedankens, aber in dem Bestreben, ihn für Frankreich nutzbar zu machen, ging er schließlich so weit, daß er i h n f ä l's ch t e. And nun trat das zu seinem Schaden ein, was er selbst vorausgesagt hatte: Die Entwicklung ging über ihn hinweg und wurde sein Verhängnis. Er benützte das Nationalitätenprinzip, um Sa- »ohc'n und Nizza f ü r Frankreich zu gewinnen und die österreichische Herrschaft in Italien zu stürzen, aber er versuchte zugleich, die Einheitsbewegung auf den Norden des Landes zu beschränken, weil er in einer völligen Einigung der Halbinsel eine Gefahr für Frankreich sah. And er verfolgte dieselbe Politik auch Deutschland gegenüber, weil er auch hier nicht auf die Möglichkeit verzichten wollte, die Teilgebiete, nämlich Preußen, Süddeutschland und Oesterreich gegeneinander auszuspielen. Da kamen Größere wie er, ein Cavour in Italien und ein Bismarck in Deutschland und nahmen dem Künder den Gedanken aus der Hand und schufen gegen seinen Willen das einige Italien und das einige Deutschland, das zwar nicht Oesterreich, wohl aber Preußen und Süddeutschland umfaßte. Was können wir aus dieser geschichtlichen Betrachtung für die Gegenwart lernen? Frankreich wandelt aufs neue in napoleonischen Bahnen. Das SelbstbestimmungsrechtderVöl- k c r , das unsere Feinde schon während des Krieges verkündeten, ist im Grunde nichts anderes, als das Nationalitätenprinzip des vorigen Jahrhunderts. Mit der Einigung Deutschlands und Italiens war der Gedanke nicht zur Ruhe gekommen. Die ganze Ballanpolitik wurde in der Folgezeit von diesem Gedanken beherrscht, und er begann mehr und mehr auch die staatlichen Grundlagen unseres vielsprachigen österreichisch-ungarischen Verbündeten zu unterhöhlen. Er und die Türkei. unser zweiter Kriegsverbündeter, der ein ähnliches Völker- gcmisch in seinen Grenzen beherbergte, wurden die Objekte der Begehrlichkeit der Nachbarstaaten, die auf nationaler Grundlage organisiert waren. Hätten wir die traditionellen Beziehungen zu Rußland im Dismarckschen Sinne weitergepflegt unb nicht die russische Politik in Konstantinopel durchkreuzt, io hätten wir mehr als andere aus der Fortentwicklung des Nationalitätcnprinzips Nutzen ziehen können, denn in Zisleithanien wohnten 1 0 Millionen deutsche Volksgenossen dicht vor unseren Toren. So aber waren wir auf das österreichische Bündnis angewiesen, trieben Status quo, d. h. Friedenspolitik und, indem wir uns der natürlichen Entwicklung der Dinge widersetzten, fielen auch wir ihr zum Opfer. . Heute ist die Reihe wieder an F r a n k r e l ch. Ruf Crund des Selbstbestimmungsrechts der Völker rief man Polen und die Tschechei, Litauen und die baltischen Randstaaten ins Leben, und Rumänien und Serbien wurden weit über ihre alten Grenzen ausgedehnt. Rber indem man es tat, verfiel man in den alten Fehler, den an sich gesunden Gedanken des Nationalstaats zu verfälschen und mißbrauchte ihn zu der unerhörtesten Vergewaltigung des deutschen Volks und der mit ihm verbündeten Nationen. Obwohl die Provinz W c st p r e u ß c n zu zwei Dritteln von Deutschen bewohnt war, überantwortete man sie, ohne eine Volksabstimmung vorzunehmen. zum weitaus größten Teil den Polen, und von Oberschlesien entriß man uns trotz unseres Abstimmungssiegs die Hälfte. Ohne Abstimmung nahm man uns das deutsche Danzig, das Memelland, Posen, das H u l t s ch i - ner Ländchen, das zu neun Zehnteln deutsche Clsah-Lothringen und praktisch auch Eupen und Malmedy, da die Abstimmung, die dort stattfand, nur eine Farce bedeutete. Auch in Schleswig wurde das Abstimmungsergebnis zu unseren Angunsten umgefälscht. So wurden uns 6.5 Millionen Menschen geraubt. Doch damit nicht genug: Nur wenig über zweihundert Kilometer von der Reichshauptstadt entfernt, zieht sich am Südrand des Erzgebirges und der Sudeten ein großes, geschlossenes deutsches Sprachgebiet von 3,5 Millionen Menschen hin, die nach den. Zusammenbruch des Habsburgischen Staates den Anschluß an das Reich begehrten. Ohne sie zu fragen, ohne sie zu hören, hat man sie gewaltsam dem tschechischen Staate ausgeliefert. Anten an der Donau und i n den Alpenländern wohnen weitere 6.5 Millionen Deutsche, die „heim ins Reich" zu kommen wünschen und diesen Willen in freiwilligen Abstimmungen zum Ausdruck gebracht haben. An- erbittlich verschließt sich Frankreich ihren Wünschen und widersetzt sich jeder Revision der Verträge. Cs scheint, daß die Lehren der Geschichte spurlos an unseren westlichen Nachbarn vorübergehen. Am sornehr haben w i r Anlaß, sie uns zunutze zu machen. Rechnet man zu den 6,5 Millionen, oie im Reiche lebten, und die man uns nahm, die zehn Millionen in Oesterreich und der Tscheche! hinzu, sosind es im ganzen 16,5 Millionen Menschen, d. h. nicht viel weniger als die halbe Bevölkerung Frankreichs, die man entgegen dem Nationalitätenprinzip der Völker künstlich vom deutschen Volkskcrper getrennt hat. Dieses unser Schicksal ist grausam und hart. Es schlägt aber auch, und das ist mehr, jeder Vernunft und jeder modernen Entwicklung ins Gesicht. „Wer sich den Gedanken seines Jahrhunderts in den Weg stellt, den werden sie stürzen", sagt Napoleon III. Er hat sich ihnen in den Weg gestellt. und sie haben ihn gestürzt. Sie haben uns gestürzt, weil wir aus einer falschen Friedenspolitik heraus einen überlebten Zustand künstlich aufrechterhalten wollten, und sie werden das heutige Frankreich stürz en, weil es die natürliche Entwicklung, für die es einzutreten vorgab, in unerhörter Weise vergewaltigt hat. Es ist nicht möglich, den großen Gedanken der Staatsentwicklung auf nationaler Grundlage in seinem Siegeslauf zu hemmen. Selbst in außereuropäischen Ländern seht er sich Schritt für Schritt durch. Aber eins ist allerdings dazu erforderlich: das Volk, das ein staatliches Ganzes werden möchte, muß von dem unbeugsamen W i l- I c n , das Ziel zu erreichen und nötigenfalls auch Ovfer dafür zu bringen, erfüllt sein. Nur wenn wir unablässig nicht nur im Reich, sondern überall, wo Deutsche wohnen, immer wieder vor aller Welt bekennen, daß wir nicht ruhen werden, bis wir das großdeutsche Reich, das alle deutschen Stämme umschließt, errungen haben, nur dann werden wir eines Tages unseren Willen durchsetzen. Denn nur wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Dann aber wird der Weg sich finden, und der große Staatsmann, den Gott uns zur rechten Stunde schenken wird, wird ihn uns weisen. Ohne den Willen zur Einigung, der unser Volk schon vor hundert Jahren beherrschte. hätte Bismarck niemals auch nur das kleinere Deutsche Reich gründen können, die damals einzig mögliche Lösung, die angesichts der habsburgischen Widerstände schon von den Männern der Paulskirche als solche erkannt wurde. Ohne den festen Willen zur Einigung aller deutschen Stämme, für die unser Volk heute reif ist, wird auch der neue Bismarck das neue Reich, das wir ersehnen, nicht zu schmieden imstande fein. Tun wir unsere Pflicht und arbeiten wir ihm vor, dann wird er kommen und unser Selbst- bestimmungsrecht zum Siege führen. Hart* käse Butter Galalith Harzerkäse Kasern Milchzucker fo. ütLkL: Molke A— Was sie werden wollen. Oie Berufswünsche der Volksschüler und -schülerinnen Oberheffens. Die Derufsberatung-abteilung des Arbeitsamts Gießen hat auch dieses Jahr wieder auf Grund der von den Schulen für die öffentliche Berufsberatung ausgestellten Schülerkarten die Bern f s w ü n s ch e der an Ostern 1931 zur Schul- antlassung kommenden Kinder zusammengestellt. Wenn auch die auf den Schülerkarten geäußerten Berufswünsche nicht immer ernst gemeint und nicht immer die endgültigen sind, so hat ihre Zusammenstellung doch einigen Wert für berufs- und wirtschaftspolitische Betrachtungen. Auf die Frage: „Was willst du werden?" äußerten 1137 Knaben folgende 79 verschiedene Berufswünsche: Anbestimmt 180. Landwirt 124, Maler und Weißbinder 71, Schlosser 70, Metzger 63, Maurer 54, Schuhmacher und Autoschlosser je 50, Bäcker 44, Kaufmann 38, Elektroinstallateur 37, Friseur 31. Schreiner 30, Buchdrucker und Setzer 28, Gärtner 27, Schneider und Bureau je 26, Spengler und Installateur 16, Mechaniker und Knecht je 14, Koch 12, Feinmechaniker und Wegner je 8, Schmi.'d 7, bleibt zu Hause 6, Zimmermann und Fabrikarbeiter je 5, Küfer, Sattler, Steinmetz, Musiker, Maschinenschlosser je 4, Polsterer. Müller, Förster, Aufbauschule je 3, Kellner. Schornsteinfeger, Fuhrmann, Cisendreher, Dachdecker, Optiker. Werkzeugmacher. Maschinenformer. Diamantschleifer, Hutmacher, Matrose, technischer Zeichner, Dekorateur, Konditor je 2, Kunst- und Bauschlosser, Pflasterer, Schweinehirt, Erdarbeiter, Flugzeugmoateur, Musikschule, Handelsschule, Brauer, Chauffeur,Brennmeister, Steindrucker, Korbmacher,Dreschmaschinist, Buchbinder, Soldat. Mühlenbauer. Spinnmeister. Finanzbeamter, Schindler. Briefträger. Hausbursche. Lehrer, Steinarbeiter, Manufakturist, Techniker. Weber. Graveur, Page, Steinrichter, Goldarbeiter, Zeichenlehrer je 1. Also relativ am meisten Knaben (1808 v. H), trotzdem sie unmittelbar vor der Berufswahl stoben, wissen überhaupt nicht, was sie werden sollen. Erfahrungsgemäß sind ihrer noch bedeutend ineyr, denn sehr viele, die bestimmten Berufswunsch angegeben haben kommen nachher mit völlig unbestimmten zur Berufsberatung. 11 v. H. (im Vorjahre 7,6 v. H.) Knaben äußerten die Absicht, in der elterlichen Landwirtschaft zu verbleiben: im Interesse der Landwirtschaft dürfte dieser Prozentsatz noch höher fein. Ausfallend viele Jungens wollen Maler und Weißbinder werden. Häufig ist dieser Beruf nur als ergänzende Erwerbsquelle neben der später von den Eltern zu übernehmenden Landwirtschaft gedacht, die nicht mehr groß genug ist, ausreichenden Lebensunterhalt zu gewähren. Aus ähnlichen Gründen werden auch der Maurer- und Schuhmacherberuf besonders oft gewünscht Entsprechend seiner Bedeutung für die Wirtschaft steht der Schlosserberuf mit an erster Stelle. Nicht weniger als 50 Entlaßschüler möchten sich, meist bloß des Autofahrens halber, als Autoschlosser spezialisieren: ein Modeberuf, wie auch der des Elektrikers und Friseurs immer noch bevorzugte Lieblingsberuse sind. Der Metzger- und Bäckerberuf werden hauptsächlich wegen der mit Kost und Wohnung verbundenen Lehrstellen, an denen es immer mehr mangelt, soviel begehrt. Der Berufswunsch. Kaufmann bzw. Bureaulehrling zu werden, kommt ebenfalls unverhältnismäßig oft vor, wobei zu bedenken ist, daß auch aus höheren Schulen die Bureaus sehr starken Zuzug erhalten. Ganz unqualifizierte Jungens, schwächliche und auch solche, die sich nur einer guten Handschrift rühmen können, glauben in dem mehr als normal überfüllten Kaufmannsberuf ihr Heil zu finden. Sehr lebenswichtige Berufe findet man häufig zu selten angeführt. Oie Mädchen. Von den 118 0 zur Schulentlassung kommenden Mädchen wurden folgende 22 verschiedenen Be- rufswünsche geäußert: Anbestimmt 358, Schneiderin 281, Hausangestellte 164, Verkäuferin 91, im eigenen Haushalt 74. in der eigenen Landwirtschaft 61, ungelernte und angelernte Arbeit 25, Bureauangestellte 22, Kindergärtnerin 20, Kindermädchen (ungelernt) 14. Friseurin 13, Köchin und Weißnäherin je 12, weiterer Schulbesuch 8, Büglerin 5, Krankenschwester 4, Strickerin 3. Säuglingsschwester, Handarbeitslehrerin, Dlumenbinderin, Gärtnerin und Modistin je 2, Dentistin, Laborantin und Klavierlehrerin je 1. Die Zahl der verschiedenen Berufswünsche ist bei den Mädchen durch die im Verhältnis zu den Knaben geringe Anzahl der verschiedenen Berufsmöglichkeiten begrenzt. Selbst unter den angegebenen Berufswünichen ist noch gar mancher, der feine Erfüllung finden, oder erst in späteren Jahren verwirklicht werden kann. Die Berufe der Krankenschwester, Säuglingsschwester, Handarbeitslehrerin. Klavierlehrerin und manche andere kommen für die schulentlassenen Dolksschüle- Mnchener Künstler-Kegelbahn. Von Karl Kinndt. In Berlin hat lange Zeit mein Vorschlag, eine Kegelbahn zu gründen, bei den meisten nur ein mitleidig-überlegenes Lächeln hervor- gerufen, bis kürzlich der Maler Prof. I a e ck e l in Hiddensee meinen Vorschlag aufgriff. Sechs Leutchen waren es beim erstenmal — dann aber strömten die Maler hinzu und waren begeistert! And selbst der stille verschlossene Professor Hofer ist ein richtiger Kegelbruder geworden. Mich konnte das freilich nicht verwundern, denn in München waren lange Jahre zwei Kegelbahnen bedeutende Faktoren im künstlerischen Leben. Die älteste und prominenteste die „Halbe- Kegelbahn", die der Dramatiker Max Halbe mit unerbittlicher Strenge und Genauigkeit führte. Hier verkrachte er sich mit Frank Wedekind um einer Mark willen fo, daß die beiden eine Zeit lang erbitterte Feinde waren. Da traf man Vater Rößler, dessen „Fünf Frankfurter" damals überall „liefen“, Roda Roda und Franz Blei, dem „weisen Esser" C. G. v. M a a - ßen, der stets mit Erich Mühsam in politischer Fehde lag, Kurt A r a m und Corinth. And der gebrechliche Dichter E. von Keyserling k ließ sich, solange es ging, im Fahrstuhl hinbringen... Hier war ein schlechter oder auch nur ein mittelmäßiger Kegler einfach ein Greuel, ein „Pudel", ein ..Anbandeln“ (in Berlin „Ratze" genannt) wurde persönlich übelgenommen — zum mindesten würdigte der Herr Präsident den Anglücklichen keines Blickes mehr. Anders die andere Bahn, der ich von ihren Anfängen an angehörte: die „Weißgerbcr-Kegel- bahn". Gewiß, auch hier wurde nach Kräften gut geschoben und ein guter „Stecher" — wie etwa der Maler Walter Leut sch, der den linken oder rechten „Saunagel" (die beiden äußersten Eeiten-Kegel) bombensicher hinlegte, und zwar mit einer genial ..gedrehten" „Bogenkugel“, stand höher in Ehren als unser Schmerzenskind I. W. Schäle in, den man kaum „ins Volle“ lassen lonntc, weil eu meistens einen „Stier" schob (den vorderen, den König und den Hinteren Kegel), was die Partei in Verzweiflung versetzte. Da er jetzt nach Berlin übergesiedelt ist, fei vermerkt, daß er sich sehr gebessert haben soll. Aber die Hauptsache auf unserer Bahn war die „Hetz“ und die „Gaudi". War das ein Geschrei und ein lustiges Geraufe! So toll gings zu, daß einmal der vis oben hin mit glühendem Koks gefüllte Kanonenofen umfiel und wir unsere sämtlichen Halbe-Krügeln drauf gießen mußten, um den Brand zu löschen. Ab 11 Ahr wurde der durch vieles Trinken erzeugte Hunger mit „Regensburgern in Essig und Oel" ober Emmenthaler bekämpft. Die Kellnerin rannte schweißtriefend hin und her -- und an einem Abend machte sich der Maler Weißgerber einen Sport daraus, jedes auf den Tisch kommende Brot an sich zu reihen und mit einem gewaltigen Biß zu verschlingen. Erbost darüber schnitt einer heimlich das an dcr Waschgelegenheit liegende Stück Kernseife in Scheiben, bohrte mit dem Messer kunstvolle Cmmenthaler-Löcher hinein, legte das Präparat säuberlich auf ein Brot und ließ es durch die Kellnerin, nachdem alle anderen verständigt waren, hereinbringen. Programmähig stürzte Weißgerber wie ein Berserker drauf los und suchte es mit gewaltigem Dissen zu verzehren. Tolles Gelächter brach los. als er plötzlich die Augen verdrehte. Mit Bier gurgelnd suchte er den scheußlichen Geschmack loszuwerden —: und siehe da, seinem Munde entstiegen buntschillernde Seifenblasen... Das war es, was uns alle auf den Mittwochabend sehnlich warten ließ: dies jungenhafte Ausgelafsenfein — diese rauh-herzliche Ratur- burschenhaftigkeit — dies Erlöstsein von aller „Kultur"! Diese Kegelbahn war auch die Geburtsstätte der „Reuen Münchner Secession", deren Mitglieder ihr fast alle einmal angehörten: Alb. Weißgerber, Karl Arnold, Anvld, Edwin Scharff, Jul. Heß, Teutsch, Kopp, Blee« ker, Caspar, Echinnerer, Genin, Seewald und viele andere. Hier — wie jetzt in Berlin — war ich der einzige Schriftsteller unter lauter Malersleuten. Daß Stefan George und Rainer Maria Rilke nicht zu uns gehörten, wird man verstehen. 6od)fd)ulnacbrid)ten. Der durch die Emeritierung des Geh. Medizinalrates H. Bonhoff an der Aniversität Marburg erledigte Lehrstuhl der Hygiene ist dem Privatdozenten Dr. Wilhelm Pfannen stiel in M ü n st e r angeboten worden. Dr. Pfannenstiel ist bereits seit Mai 1930 mit der Vertretung der Hygiene-Professur und der Dertretung&reifen Leitung des Hygienischen Instituts in Marburg beauftragt. ■j>er durch die Emeritierung des Geheimen Justizrates Th. Kipp an der Aniversität Berlin erledigte Lehrstuhl des römischen und bürgerlichen Rechts ist dem Ordinarius Dr. Fritz Schulz in Bonn angeboten worden. Zur Wiederbesehung des durch das Ableben von Prof. G. Holstein an der Aniversität Kiel erledigten Lehrstuhls für öffentliches Recht ist ein Ruf an den Ministerialdirektor L)r- jur. Friedrich Poetzsch-Heffter in Berlin-Schlachtensee, Sächsisches Mitglied des Reichsrates, ergangen. Der Lehrstuhl der klassischen Philologie an der Aniversität Halle (an Stelle von Geheimrat O. Kem) ist dem ordentlichen Professor Dr. Otto Weinreich in Tübingen angeboten worden. Dem nichtbeamteten außerordentlichen Professor an der Breslauer Universität Dr. Robert Gärtner ist die durch die Entpflichtung des Professors Dr. Pritzwald-Stegmann erledigte Professur der Tierzuchtlehre an der Universität Jena an- geboten worden. Zeitschriften. — Im Februarheft der „Europäischen Gespräche" (Verlag Dr. Walther Rothschild, Berlin-Grunewald) faßt ihr Herausgeber A. Mendelssohn-Bartholdy noch einmal die Gründe zusammen, die eine Abkehr Deutschlands von Genf auf die Dauer unausweichlich machen: Deutschland will den Bund aller Völker und nicht eine sich an die Verträge von 1919 klammernde Liga der Nationen, es muh sich von den Genfer Zwangsläufigkeiten befreien und zu einer verantwortungsbewußten Aktivität im Rahmen der Kellogg-Pakt-Derpflichtungen hindrängen. Daß das Ausland beginnt, sich über die Tragweite einer solchen Neuorientierung der deutschen Außenpolitik klar zu werden, ergibt sich aus den Zuschriften so bedeutender Kenner der politischen Verhältnisse wie Gilbert Murray, William Rap- pard und Arnold Toynbee: sie befürchten aber, daß eine Abkehr gerade Deutschlands von Genf den Auftakt zur oJenen Spaltung Europas in gefährliche Bündnisgruppierungen bilden könnte. Otto Hoetzsch erblickt in der Abrüstungsfrage das Zentralproblem einer aktiven deutschen Völkerbundspolitik und möchte Deutschlands endgültige Stellungnahme zum Genfer Völkerbund realpolitisch von den Ergebnissen der kommenden großen Abrüstungskonferenz bestimmt sehen. — In dem Märzhest der „Berliner Monatshefte" veröffentlicht August Bach eine Studie über „Suchomlinow und der Kriegsausbruch 1914". Er prüft die viel umstrittene Frage, inwieweit der ehemalige russische Kriegsminister persönlich für die Vorgänge in Petersburg im Juli 1914 verantwortlich gemacht werden muß. Suchomlinow versichert in seinen Erinnerungen, daß er während der Julikrise sich ganz zurückgehalten und persönlich in den Gang dcr Ereignisse, die zur Anordnung der russischen allgemeinen Mobilmachung führten, nicht eingegriffen habe. Es ergibt sich indessen aus dem vorliegenden Ouellenmaterial, daß Suchomlinow während der kritischen Tage im Juli 1914 in sehr aktiver Form an den Beratungen im Minifterrat teilgenommen hat und daß für das überstürzte militärische Vorgehen Rußlands in erster Linie er selbst verantwortlich zu machen ist. — „H e s s e n l a n d", Monatsschrift für Landesund Volkskunde, Kunst und Literatur Hessens. Herausgegeben von Dr.C.Hitzeroth. Verlag R.G.Elwert, Marburg. — Das 3. Heft des 42. Jahrgangs bringt u. a. die Fortsetzung des Artikels „Earl Friedrich Buderus, das Leben eines kurhessischen Beamten in schwerer Zeit". Dr. Philipp Losch plaudert über das Gestüt „Beberbeck" und Hegemeister i. R. ßöffert über „Raubwild" in den kurhessischen Jagdrevieren. Der Artikel „Die hessischen Freiheiten" von Dr. jur. et phil. Apel wird fortgesetzt: es wird des 75. Geburtstages des hessischen Bildhauers Carl Gruber gedacht. Helene Brehm beginnt mit einer Erzählung „Der Dorfschäfer". Das Heft enthält auch eine Anzahl schöner Bilder. rin noch nicht in Betracht. Sie fordern zum Teil ein höheres Alter beim Eintritt in die Berufsausbildung, zum Teil vorherigen Besuch einer höheren Schule. Am stärlstcn sind auch in diesem Jahre wieder die „Anbestimmten" vertreten, obgleich ihre Zahl stark zurückgegangen ist. An zweiter Stelle steht die „Schneiderin". Doch nicht alle Mädchen, die diesen Berufswunsch äußern, werden dieses Handwerk erlernen, nicht alle, die es erlernen, werden den Beruf später ausüben. Sehr viele wollen in eine Lehre, manche auch nur eine kursusmähige Ausbildung mitmachen, um die erworbenen Kenntnisse für sich selbst und für die eigne Familie zu verwerten. Dem Beruf der „Hausangestellten" wird, besonders auch in der persönlichen Beratung in diesem Jahre, weit mehr Beachtung von feiten der Jugendlichen geschenkt. Die Neigung zur hauswirtschaftlichen Arbeit ist teilweise auf die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse zurückzuführen, die manche Eltern bestimmen, ihre Kinder frühzeitig in Stellen zu geben, bei denen ihnen freie Kost geboten wird. Als Zeichen der Zeit ist wohl auch das Ansteigen der Zahl derjenigen anzusehen, die ungelernte oder angelernte Arbeit ergreifen wollen. Die wirtschaftlich schlechten häuslichen Verhältnisse erwecken in manchem Mädchen den Wunsch, nach baldigem eigenem Verdienst. Die kaufmännischen Berufe, besonders der Beruf der Verkäuferin, erfreuen sich bei den Mädchen weiterhin größter Beliebtheit, trotzdem die Aussichten auch in diesen Berufen weniger günstig sind und die Mädchen häufig nach beendeter Lehre arbeitslos werden. Den größten Prozentsatz der in die kaufmännischen Berufe ftrömenixm Mädchen bietet die Stadt Gießen. 21 Prozent der in Gießen zur Schulentlassung kommenden Mädchen wollen den Beruf der Verkäuferin erlernen. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 25.März 1931. Zweifarbige Oamenstrümpfe. Vernunft und alle guten Geister starben, wie eine.neue Botschaft uns verhieß: Denn Demenftrümpfe in verschiednen Farben trägt man in diesem Frühling in Paris! Herr Poiret, als Mohammed der Mode, ersann dies zeitgemäße Farbenspiel. Ist es auch Unsinn, hat es doch Methode, dach wahrlich: Was zuviel ist, ist zuviel! Das eine Bein von unfern lieben Frauen ziert bald ein rosaroter Seidenstrumpf; beim andern Sein, wir werden es ja schauen, ist lila oder blau vermutlich Trumpf. Vielleicht reift dieser Unfug das Verständnis für Politik und Heimat bei der Frau, und durch die Strümpfe trägt sie ein Bekenntnis der Stammeszugehörigkeit zur Schau. Wenn wir umsonst für diese Ziele warben, — hier springt die Frau entzückt in unfern Kreis: Ich bin die Preußin, kennt ihr meine Farben? Ich trage stolz die Strümpfe schwarz und weiß! Für Bayerns Frauen kommt weißblau in Frage, die Sächsin trägt bewußt ihr Weiß und Grün; die Schwäbin wird beim ersten Ämselschlage in Schwarz und Rot durch diesen Frühling ziehn! Herr Poiret empfiehlt die Modesünde, und er behauptet, von sich selbst entzückt, es gebe für die Dame keine Gründe, daß sie die Beine nicht zweifarbig schmückt. Des Modekönigs Logik wird zuschanden, fragt nur die Frauenwelt in Stadt und Land. Zwei ernste Gründe find sogar vorhanden: Weil jede Frau nun mal zwei Beine hat! Puck. t Daten für Donnerstag, 26. März. t- Sonnenaufgang 6.17 Uhr, Sonnenuntergang 18.46 Uhr. — Mondaufgang 9.08 Uhr, Monduntergang ■2.05 Uhr. 1827: Ludwig van Beethoven in Wien gestorben; 1— 1851: der Schriftsteller Julius Langbehn in Hadersleben geboren; — 1868: der russische Schriftsteller Maxim Gorkij geboren. ** In den Ruhestand verseht. Der Amtsvorstand des Vermessungsamtes Büdingen, Dermessungsrat Georg Hohenadel zu Büdingen, und der Justizsetretär beim Landgericht der Provinz Oberhessen zu Gießen, Wilhelm Ranft, treten auf Grund des Altersgrenze- gesetzes am 1. April bzw. am 1. Mai in den Ruhestand. ** Die Gemeindearbeiterlöhne im Rhein-Main-Gebiet. Am Montag beschäftigte sich der Zentralausschuß in Berlin mit den für die Gemeindearbeiter und Straßenbahner im Rhein- Main-Gebiet zu dem durch Tarifvertrag auch die Stadt Gießen gehört, gefällten Schiedssprüchen. Der für die Gemeindearbeiter von der Be- zirksschiedsstelle Darmstadt gefällte Schiedsspruch erfuhr dahingehend eine Aenderung, daß ab 1. April der tarifliche Stundenlohn des über 24 Jahre alten Arbeiters in Ortsgruppe I in allen Lohngruppen um 6 v. H. gekürzt wird. Die Löhne in den übrigen Ortsgruppen errechnen sich nach den bisher üblichen Grundsätzen. Wird die tarifliche Arbeitszeit um vier Stunden oder mehr in der Woche gekürzt, so wird die geleistete Arbeitszeit nach den bisher geltenden Tariflöhnen bezahlt. Für die Straßenbahner ist der Darmstädter Schiedsspruch durch den Zentralausschuß bestätigt worden. Für die Gemeindearbeiter sowohl wie für die Straßenbahner gilt die neue Lohnregelung bis zum 30. September d.J. •• Die Sonntagsrückfahrkarten z u Ostern. Die Reichsbahn hat die Geltungsdauer der Sonntagsrückfahrkarten zu Ostern verlängert, ft> daß kurze Reisen in die weitere Umgebung bis zu einer Dauer von 4l/2 Tagen ermöglicht werden Die Sonntagsrückfahrkarten gelten zur Hinfahrt von 12 Uhr Gründonnerstag (2. April) bis zum Ostermontag (6. April), zur Rückfahrt vom Gründonnerstag bis Dienstag nach Ostern 9 Uhr. Die Reichsbahn läßt ferner zu, daß die Schnellzüge am Karfreitag, an den beiden Ostertagen und am Tage nach Ostern mit Sonntagsrückfahrkarten zur Hin- und Rückfahrt benutzt werden. Mit Rücksicht auf den übrigen Verkehr ist die Benutzung der Schnellzüge auf Sonntagsrückfahrkarten nur am Gründonnerstag und am Ostersamstag nicht gestattet. ** Am Rande der Sahara. Ein Kulturfilm von außerordentlicher Prägung wurde am Sonntagvormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße gezeigt. Eine unendliche Fülle unmittelbarster Eindrücke gab dieser Bildstreifen, der, in Verbindung mit dem Ton, afrikanisches, orientalisches Leben und Treiben in überzeugender Form wiedergab. Von der Landung an der nordafrikanischen Küste der Khreneika (italienische Kolonie Tripolitanien) bis in die Höhlen schier sagenhafter Berberstämme folgte man im Bilde und hörend dem Forscher Rikli, der an die Quellen des Volkstums jener Zonen ging, dem Volke Sitten und Gebräuche ablauschte und wertvolle wissenschaftliche Arbeit leistete. Und wenn man aus diesem Film das Eindrucksvollste herausgreifen will, dann wird man sich an die einzigartigen Bilder von römischen Bauten im Rorden des Landes erinnern, an den riesigen Zirkus, an die gigantische Wasserleitung, die das ehemalige stolze Karthago mit Wasser aus 500 Kilometer Entfernung versorgte, man wird die eindrucksvollen Gesichter der Männer und Frauen, die gezeigt wurden, nicht vergessen, den Gebetsruf des Muezzin, den Klang der Klarinette, die den Waffentanz der Araber begleitete, und den eigenartigen Rhythmus der Flöte sowie die Beschwörungsformeln, mit denen der Schlangenbändiger feine Arbeit begleitete, nicht aus den Ohren verlieren. Der Besucher wird sich oft der herrlichen Landschaftsbilder aus den Oasen und der reizvollen Bilder schreitender Kamele erinnern und an das Leben in der Höhlenstadt Mathmata und der Röhrenstadt Medenin denken, das sich fern aller Hast und doch in seltsamer Verbindung mit den modernen Errungenschaften der Technit, zum großen Teil in tausendjährigen Formen, abspielt. Vor dem Hauptfilm zeigte Kreisschulrat Lorentz einen Film aus unserer engeren Heimat, aus Schlitz und aus dem Vogelsberg. Er hatte die Oberhessen aufgesucht am Kohlenmeiler, beim Holzfällen, an der Drehscheibe beim Töpfemachen, bei ihren Festen und Umzügen, bei ihren Hochzeiten, die Frauen beim Spinnen, bei der Arbeit und im bunten Sonntagsstaat. Mit ergänzenden Worten brachte er den Besuchern die oberhessische Heimat nahe und fand für Bilder und Worte herzlichen Beifall. In hohem Maße angeregt, verließ man das Haus. ** Dienenzüchterverein Gießen und 11 m g e g e n b. Der Bienenzüchterverein Gießen und Umgegend hielt am Sonntag im „Tannhäuser" in Gießen seine Monatsversammlung ab. Der Vorsitzende H. Bodenbendcr, Gießen, hielt einen Vortrag über Bienenkrankheiten und ging dabei besonders auf die dauernd um sich greifende Rosenaseuche und die Faulbrut ein. Sodann führte er die von ihm erfundene „Deutsche Kulturbeute" vor, die nach den bisherigen Erfahrungen den Anforderungen der modernen Dienenwirtschaft in jeder Beziehung gerecht wird. Ganz besonders gefiel die einfache Betriebsweise, die dabei leicht gestattet, alljährlich eine Bauerneuerung vorzunehmen. Weiter wurde noch die Auswinterung der Bienenvölker und die damit verbundene Frühjahrsarbeit am Bienenstand besprochen. Trotz des spät einsehenden Winters sind nur ge- Tagung des Verbandes zur Förderung des Volkssportes. Am Samstag hielt derDerbandzur Förderung des Volkssportes in Hessen und Hessen-Rassau, der unter der Leitung des Herrn Bankdirektors ©rieft bauer steht, in Gieften im Hotel Schütz seine alljährliche Mitgliederversammlung ab. Von den vorhandenen 24 Ortsgruppen hatten 14 Gruppen Vertreter entsandt, aufterdem waren von den im engsten Einvernehmen mit dem Verbände arbeitenden Sportverbänden: der Hessische Klein- kaliber-Schützenverband durch dessen Geschäftsführer Herrn Frank (Lindheim), die Sportschule Oershausen bei Göttingen durch den derzeitigen Leiter Herrn K ö b r i ch , der Flugsport durch die Herren Syndikus Leydecker (Dillenburg) und Studienrat Röder (Gieften) vertreten. Der Geschäftsführer des Provinzialverbandes der Ländlichen Reit- und Fahrvereine Hessens Graf v. Bredow (Altenburg bei Alsfeld) hatte, — da er selbst nicht anwesend fein konnte — einen eingehenden Bericht über die Vereinsbewegung und Arbeit übersandt. Das Hessische Grenadier- Bataillon vertrat der sich besonders dem Sport widmende Herr Oberleutnant M ü n ch. Wie der Rame des Verbandes schon sagt, liegt seine Hauptaufgabe darin, die verschiedensten Sportzweige zu fördern und sie den unbemittelten Teilen der Bevölkerung in genannten Gebieten möglichst kostenlos zugänglich zu machen, wobei besonderer Wert auf die vielseitige Ausbildung der einzelnen Persönlichkeit gelegt wird. Der Jahresbericht zeigte, daß trotz der wirtschaftlichen Rot dank der Opferfreudigkeit national denkender Kreise und Persönlichkeiten nicht unerhebliche Mittel für vorstehende Zwecke aufgebracht und verwertet worden sind. Unserem Volke ist zur Gesundung seines Körpers allein der Sport als erlaubtes Mittel geblieben. Ihn zu fördern sollte Allgemeinbestrebung aller Kreise werden, selbst wenn hierzu Opfer gebracht werden müssen. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 Reserve — Laubach (Ligo) 0:1. Das Gesellschaftsspiel der Ligareserve gegen die Ligamannschaft Laubachs gestaltete sich zu einem sehr spannenden Treffen. Das Spiel wurde von Anfang bis zum Ende beiderseits unter Aufbietung allen Könnens und aller Kraft durchgeführt. Die Parteien waren sich gleichwertig. 1900 hatte 3 Mann Ersah in seinen Reihen; trotzdem hielt sich die Mannschaft sehr gut. Ein Unentschieden wäre den beiderseitigen Leistungen eher gerecht geworden. Jede Partie erzielte einen Treffer, und zwar jede aus Abseitsstellung. Der Schiedsrichter, der sich aller Gerechtigkeit befleißigte, annullierte aber den Gieftencr Erfolg. Eine Enttäuschung brachte die dritte Mannschaft gegen die erste Elf Riederwalgerns. Der hohe 5: 0- Sieg der sympathischen Gästeelf war in jeder Hinsicht verdient. Die Hiesigen waren gegen ihre seitherigen guten Leistungen nicht wiederzuerkennen. Angenehm stach dagegen das Spiel 1900 IV —- Riederwalgern II ab, und zwar durch den nie erlahmenden Eifer beider Mannschaften. 1900 hatte stets etwas mehr vom Spiel und konnte dies in einem knappen 2:1-Sieg zum Ausdruck bringen. Jugendspiele. I. Jugend VfB. Gießen I. Jugend 3:0 (1:0). Schüler VfB. Gießen — Schüler 3: 0. Ein von Anfang bis Ende schnelles und interessantes Spiel, beide Mannschaften waren mit Eifer bei der Sache und zeigten oft prächtige Sei» ftungen. Der Gast war zu Beginn schneller als 1900 und versuchte durch weites hohes Spiel den ringe Verluste an Völkern zu beklagen, der Futter- verbrauch war normal, der Totenanfall gering. Allgemein wurde über das Abreiften der Weiden- und Haselkähchen geklagt. Bäckermeister-Tagung in Frankfurt. Brolpreiserhöhung infolge starker Steigerung des Richtpreises und der Steuern? * Frankfurt a. M., 24. März. Am Sonntag fand hier eine Vertreterverfammlung der dem Verbände deutscher Däckerinnungen „Germania" angefchlossenen Bäckerinnungsbezirke Main-Rhein-Rahe, HessenundMit- teldeutschland statt. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die Stellungnahme der Däckerinnungen zu den andauernden Erhöhungen der Mehlpreise und zu der weiteren Gestaltung der B r o t p r e i s e. Es wurde in der Aussprache hervorgehoben, daft der Roggenmehlpreis von 26 Mark am 1. November v. I. bis auf 29,75 Mark pro 100 Kilo am 11. März d. I. gestiegen fei; heute würden für 100 Kilo Mehl bereits 31 Mark gefordert. Trotz wiederholter Zusagen der Reichsregierung seien aber die De- triebsunkosten der Bäckereien in keiner Beziehung gemindert worden, da auch auf allen Gebieten des Steuerwesens — trotz Preissenkungsaktion — fortgesetzt weitere Erhöhungen vorgenommcn wurden. Insbesondere hätten die Länder und Gemeinden gerade in den letzten Monaten wieder neue Steuern beschlossen, die natürlich die Gestehungskosten der Bäckereibetriebe ganz empfindlich erhöht hätten. Der B r o t p r e i s sei von den Bäckereien seit Mitte November v. I. wiederholt gesenkt worden und stehe heute in krassem Miftverhältnis zu den durch neue Steuern und fortgesetzte Mehl- preissteigerungen geschaffenen Derteuerungsmo- menten der Däckereibetriebe. Die Versammlung beschloft einmütig, bei der Reichsregierung und bei den Landesregierungen unverzüglich mit Nachdruck vorstellig zu werden, um die Herabsetzung der Mehlpreise auf ein erträgliches Ma ft, sowie die endliche Durchführung der wiederholt versprochenen Steuerermähi- gungen zu erreichen. Die Senkung der Mehl- Preise und der Steuern sei unbedingt zu verlangen, damit der verringerte Brotpreis einen Ausgleich in einer wirksamen Senkung der Betriebsunkosten finde. Sollten die Reichsregierung und die Landesregierungen sich dieser Forderung verschließe n, so würden sich die Däckerinnungen gezwungen sehen, durch eine Erhöhung des Drotpreises die wesentlich gestiegenen Selbstkosten zu decken. Kampf zu dirigieren. 1900 führte das bessere Stel- lungs- und Kombinationsspiel vor und wurde dadurch bald überlegen. Der Sturm spielte aber zu zaghaft, um vorläufig gegen die gute schlagsichere Verteidigung vom VfB. aufkommen zu können. Kurz vor Halbzeit setzte 1900 sich im Strafraum vom VfD. fest, aus einem Gedränge fiel durch Eigentor das 1. Tor. Nach der Pause versuchte der Gast mit aller Energie den Ausgleich zu erreichen, erkämpfte einige recht gute Torgelegenheiten, wurde aber wieder zurückgedrängt. Dis zum Schluß kamen die Gäste kaum noch über die Mittellinie. Von den sich bietenden vielen Torchancen vermochte der Sturm aber nur zwei auszunutzen. Die zweite Jugend gewann auf dem Waldsportplatz 4:0. Desgleichen waren die Schüler dort gegen die Schüler des gleichen Vereins mit 3:0 erfolgreich, so daft dadurch ein Gesamtergebnis der drei Jugendmannschaften von 10:0 für 1900 hergestellt wurde. VfB-Gießen. Auch die Ligareserve hatte einen schweren Kampf zu bestehen. Sie mutzte zum Wiederholungsspiel nach Lollar. Das Spiel fand unter Derbandsaufsicht statt und hätte die Entscheidung um den Meister bringen können. Durch dieses Unentschieden sind jetzt drei Mannschaften, und zwar Gießen 1900, Saubringen und VfB. Gießen, in dieser Gruppe punktgleich, die nunmehr um die Meisterschaft spielen werden. Die 3. Mannschaft des VfB. sollte auf eigenem Platz ein Verbandsspiel gegen die 2. Mannschaft von Saubringen austragen. Ser Gegner trat Lang-Göns, 22. März. Der 5. Bezirk im Turngau Hessen hielt heute hier sein durch Be- zirksturnwart Wilhelm Lang (Lang-Göns) und den Turnverein Lang-Göns gut vorbereitetes Wintergeräteturnen ab. Infolge der wirtschaftlichen Notlage blieb die Beteiligung aus den entfernten Bezirksvereinen etwas hinter der vorjährigen Meldezifser zurück. Der Wettkampf bestand für die Turnerstufe und die Jugendtumer-Ober- stufe aus einem Neunkampf, für die Jugendturner- •Unterftufe und die Schüler aus einem Siebenkampf. Dank umsichtiger Leitung wickelten sich die Kämpfe sehr flott ab. Es wurde mit recht guten Leistungen aufgewartet, besonders auch seitens der Landvereine. Eine wesentliche Besserung im Können machte sich beim Turnen der Schüler bemerkbar. Aus der Siegerliste bringen wir nachstehend einen Auszug, der außer den ersten Siegern jeder Stufe die Namen der Preisträger aus unserem engeren Heimatgebiet nennt: Turner (19 Bewerber, 17 Sieger): 1. Sieg Richard Dreier, Tv. Lang-Göns, 166 Punkte; 2. Willi Sern, Tv. Lang-Göns, 163 P.; 3. F. Sprengel, Tv. 1860 Bad°Nauheim, 161 P.; 6. Ludwig Müller, Tv. Griedel, 148 P.; 9. Hch. Hofmann, Tv. Gambach, Gustav Rumpf, Tv. Gambach, 145 P.; 10. A. Katz, Tv. Münzenberg, 140 P.; 13. Erwin Katz, Tv. Münzenberg. 134 P.; 14. Karl Zulauf, Tv. Münzenberg, 127 P. Jugendturner-Oberstufe (21 Bewerber, 18 Sieger): 1. Sieg Erwin Müll, Tv. Lang- Göns 170 P.; 2. Kurt Mohr, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 159 P.; 3. Ernst Nolt, Tgm. Friedberg. 154 P.; 4. Fritz Doller, Tv. Gambach, 148 P.; 5. jedoch nicht an und überließ den VfB.ern kampflos die Punkte. Auf dem Waldsportplah trafen sich am Sonntagvormittag die 2. Jugendmannschaften von Gießen 1900 und VfD. Da der angesetzte Schiedsrichter ausblieb, leitetete Enders von 1900 Gießen das Treffen. 1900 gewann nach anregendem, fairem Spiel 4:0 infolge körperlicher und auch technischer üleberlegenheit. Spielvereinigung 1926 Leihgest ern. Leihgestern I — Schiedsrichtermannschaft Gießen 10:5. Am Sonntag weilte die Mannschaft der Schiedsrichtervereinigung des Gaue? Gieften-Wehlar zu einem Delehrungsspiel in Leihgestern. Vor dem Spiel hielt Schiedsrichterobmann Grünewald (Giehen) eine Belehrung, zu der sich sämtliche aktiven Spieler eingefunden patten. Sie Gäste entpuppten sich als eine nicht zu unter schütz ende Mannschaft und leisteten den Einheimischen heftigen Widerstand. Leihgestern war jedoch die technisch bessere und auch schnellere Mannschaft und konnte bis zur Halbzeit achtmal erfolgreich sein, während die Gießener nur zwei Tore buchen konnten. Nach der Halbzeit kamen die Gäste auf und konnten durch zwei Tore und einen Elfmeterball das Resultat auf 8:5 stellen, während Leihgestern das Ergebnis auf 10:5 schraubte. * Die neu ausgestellte Jugend gewann ihr erstes Spiel gegen Klein-Linden überraschend hoch mit 7: 3 Toren. Handball der Sp.-Vg. 1900. Polizei Vuhbach II — 1900 II 1:3. 1900s erste Handballelf mutzte unverrichteter Sache von Butzbach zurückkehren. Der starke Regen lief) ein Spielen nicht zu. Das vorher angesetzte Spiel der zweiten Mannschaften hatte auch schon stark unter der Ungunst der Witterung zu leiden gehabt, so dah es zwanzig Minuten früher beendet werden muhte. Sie Spielvereinigungsleute hatten bis dahin eine respektable Leistung gezeigt und den Polizisten mit 3:1 das Nachsehen gegeben. Handball im Lahn - Oünsberg - Gau. Tv. Steinbachs — Lv. Albachl 1:0. Am Sonntag trafen sich die beiden Mannschaften zum Gesellschaftsspiel in Steinbach. Sie schlechten Bodenverhältnisse liehen ein einwandfreies Spiel nicht zustande kommen. Sie Gäste traten mit einer neuen Mannschaft an und waren der Platzmannschaft nicht ganz gewachsen. Nach 15 Minuten ging Steinbach durch seinen Halbrechten in Führung. Kurz vor Halbzeit sah sich der Schiedsrichter veranlaßt, das Spiel abzubrechen. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Ser zweite Sonntag der Frühjahrsserie brachte trotz des starken Regens viel Betrieb auf den Fuhballfeldern. Auf dem Gießener Platz trafen sich die Mannschaften von Gießen und Watzenborn. Wenn auch von vornherein mit einem Sieg der Einheimischen zu rechnen war. so hätte man doch von dem Neuling in der ersten Klasse erwarten dürfen, dah das Endergebnis nicht so stark hinter dem des Siegers zurückblieb. Sas Spiel selbst sah Giehens Mannschaft sehr auf dem Posten. Zur Halbzeit hielt Gießen bereits mit vier Toren die Führung. Nach dem Seitenwechsel gelang es den Gästen, zwei Tore aufzuholen, während die Einheimischen noch fünfmal erfolgreich sein konnten und mit 9:2 als Sieger den Platz verließen. Auch die Jugendrnannschaft Gießens, die gegen die Jugend von Rodheim a. d. B. spielte, gewann mit 2:0 das Spiel. Auf dem Platz in Wieseck herrschte Hochbetrieb. Vormittags trat die Wiesecker zweite Mannschaft gegen Grohen-Buseck an. Großen-Buseck, ein Neuling im Bezirk, mußte sich sehr anstrengen, um der zweiten Mannschaft Wiesecks ein gleichwertiges Spiel zu liefern. Mit einem Sieg von 9: 6 konnten die Einheimischen den Platz verlassen. Im Spiel Wieseck gegen Lollar standen sich zwei gleichwertige Mannschaften gegenüber, die sich ein schönes Fußballspiel lieferten. Sas erzielte Ergebnis unentschieden 2: 2 entsprach dem Spielverlauf. Sas Spiel Wieseck 2. Jugend gegen Fellingshausens Jugend endete mit 7:0 für Wieseck. In Waldgirmes mußte Wiesecks 3. Mannschaft eine 7:2-Niederlage hinnehmen, während die 1. Jugend von Hachborn mit einem Unentschieden 1:1 zurückkehrte. Am Samstag und Sonntag fand in Wieseck eine Bezirkslehrstunde für Kinderturnwarte statt, die sehr gut besucht war. Albert Jäger, Tv. ©rüningen, 143 P.; 7. Karl Bingel, Tv. ©rüningen, 138 P.; 9. Wilhelm Hofmann, Tv. ©rüningen, 135 P.: 12. Georg Volp, Tv. Steinfurth, 131 P.; 14. Ferdinand Becker, Tv. ©rüningen, 128 P.; 15. Hch. Rumpf, Lv. Gambach, 127 P.; 17. Rudolf Ruppel, Tv. Münzenberg, 120 P. Jugendturner-Llnter stufe (32 Bewerber, 27 Sieger): 1. Sieg Otto Törmer, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 132 P.; 2. Willi Artz, Tv. Lang- Göns, 123 P.; 3. Willi Büttner, T. u. Spv. Butzbach, 121 P.; 5. Karl Katz, Tv. Gambach, 118 P.; 6. Richard Ohlemotz, Tv. Gambach, 116P.; 7. Konrad Thönges, Tv. Steinfurth, 115 P.; 9. Gerhard Weiß, Tv. Münzenberg, 113 P.; 12. Otto Watz, Tv. Kirchgöns, 110 P.; 13. Willi Faber, Tv. Lang- Göns, 108 P.; 16. Richard Will, Tv. Kirchgöns, Erich Bergk, Tv. Lang-Göns, 105 P.; 18. Georg Michel. Tv. Steinfurth, 103 P.; 21. Hch. Wagner, Tv. Münzenberg, 97 P. Schüler (80 Bewerber, 74 Sieger): 1. Sieg Kurt Wagner, Tv. Lang-Göns. 130 P.; 2. Wilh. Britting, Tv. Münzenberg, Albert Schwan, Tv. Lang-Göns, 126P.; 3. Hch. Müller, Tv. Kirchgöns, Richard Römer, Tv. Lang-Göns, 123 P.; 4. Alfred Marsteller, Tv. ©rüningen, Karl Metzger, Tv. Gambach, 119P.; 6. Willi Schwenz, Tv. Münzenberg. 117 P.; 7. Erich Fay, Tv. ©rüningen, 116P.; 8. Albert Leidig. Tv. ©rüningen, Otto Faber, Tv. Lang-Göns, Albert Müller, Tv. Lang-Göns, 115 P.; 9. Adolf Schwenz, Tv. Münzeirberg, 114 P.; 10. Alfred Luh, Tv. Lang-Göns, 113 P.; 11. Erich Wagner, Tv. Lang-Göns, 112 P.; 12. Gerhard Bender, Tv. ©rüningen. Wilhelm Höcher, Tv. Münzenberg, Helmut Gahert, Tv. Lang-Göns. 111 P; 13. Hans Hofmann, Tv. Lang-Göns, 110 P.; 14 Willi Bopf, Tv. Lang-Göns, SJixfpoit Wintergeräteturnen des 5. Bezirks im Turngau Hessen der DT. ***s. in w n9. zu betnüliöberg:Gau. - AlbaH I l:v. die Sitzen Mann- et, in Eteinbach. M '«Den ein eintoanb« Wen. Die Teste alchaft an und waren gewachsen. Kch durch feinen Halb- )or Halbzeit sah sich 1| das Spiel abju* Sporibund. irühjahrsserie brachte el betrieb auf den 'lehener Platz trafen Liehen Md Dahen« »rnherein mit einem rechnen toat, fo hätte in der ersten Klasse Endergebnis nicht |o ers zurückblicb. Das Mannschaft sehr aus hielt Gießen bereite g. Nach dem Seiten- m, zwei Tore aufzu« rischen noch fünfmal mit 9:2 als Sieger ft Gießens, die gegen ,d.D. fpielte, gewann herrschte Hochbetrieb, [er zweite Mannschaft Großen-Zusech ein sich sehr anftrengen, : Wiesecks ein gleich- Ml einem Sieg vvn n den Platz verlaßen. , Lollar standen sich taffen gegenüber, du >l lieferten. Das «v n 2:2 entsprach dem genb gegen äW “it 7:0 für DA- Diefecls 3. Mannschaft .ehrnen, während dre it einem Unentschieden ntag fand in *d Ainderturnwarte statt. Zezirks eß • 7. -Kari K' Mlhelm H°f' ^SÄW”» Ä 13 9>-' XL 2v. Lang' Ä'/Tv Kir4g°us- > 18. Georg ■ «.V 1 Sieg 74 Siegers öns.^0 g j B( 2p. Ollbert : . g£ins. «w Ions, l^Xhger. ^we^ninacn. 116t’ Oberheffen. ©er Voranschlag des Kreises Friedberg * Friedberg, 24. März. Der Kreistag des Kreises Friedberg ist aus Montag, 30 März, zu seiner diesjährigen ordentlichen Tagring einberusen worden. Als wichtigster Punkt steht die Beratung des Kreisvoranschlags für 1931 aus der Tagesordnung. Der Voranschlag schlicht mit einer Gesamteinnahme und .auSgabe von je 1081 833 Mark (im Vorjahrs 1 162 296 Mark) ab. Vorgesehen sind: Für Allgemeine Verwaltung 40 286 Mark, für Polizei- wesen 48 100 Mark, Schulwesen 4700 Mark, Kunst und Wissenschaft 2040 Mark, Bauwesen 13 837 Mark, allgemeine Forderung der Wirtschaft 8949 Mark. Die Ausgaben für Wohlfahrtspflege und Gesundheitswesen einschließlich werbslofen- und Wohnungsfürsorge beziffern sich auf 643 850 Mark: an die bei der Riddaregulie- rung beteiligten Gemeinden werden zur Verzinsung von etwa 175 000 Mark Zuschüsse in Hohe von 15 000 Mark geleistet. Die Verzinsung der von dem Kreis bewilligten Daudarlehen in Hohe von 112500 Mark erfordert einen Zinsenaufwand von rund 9000 Mark. Für Anstalten und Einrichtungen sind 11710 Mark vorgesehen. Die Rechnung für 1929 schließt ab mit einem Rest von 162 424 Mark, der in den Voranschlag für 1931 übernommen worden ist. Für aufgewertete Kreisschulden sind bi» jetzt an Zins und Tilgung 74 937 Mark verausgabt worden. Zur Beratung stehen weiter noch die Anträge des Kreistagsmitgliedes Oppenheimer wegen Aufnahme einer Anleihe von einer Million Mk. zur Förderung der Bautätigkeit im Kreis und Einführung einer Wohnungsluxussteuer, sowie ein Antrag auf Erwerb des Schlosses Ziegenberg zwecks Einrichtung einer Erholungsstätte für die werktätige Bevölkerung des Kreises. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 23. März. Unsere technische Lehrerin hatte für Sonntag zur Besichtigung einer Handarbeits-Ausstellung der hiesigen Volks- und Fortbildungsschule im neuen Schulhaus eingeladen. Die sauber und geschmackvoll in Form und Farbe hergestellten Arbeiten waren den Anlagen und Fähigkeiten der Kinder angepaht und trugen den jeweiligen Verhältnissen Rechnung. Die Ausstellung, die einen Ucterblid über die Art und die Arbeit des Handarbeitsunterrichts gab, wurde mit regem Interesse in Augenschein genommen, und der Lehrerin wurde dabei manches anerkennende Wort gesagt. oo Lollar 24. März. Am vorigen Sonntag sand im Zeichensaal der hiesigen Schule eine Ausstellung von Handarbeiten der hiesigen Schülerinnen statt, veranstaltet von der Lehrerin Frl. W c i in a r. Die Ausstellung zeigte in übersichtlicher Weise die Arbeiten der Schülerinnen von der unteren Aolksschul. bis zur letzten Fortbildungsschulklasse. Man konnte den Aufstieg vom Leichten zum Schweren und Schwersten anschaulich verfolgen. Der Besuch war äußerst lebhaft. Die Ausstellung fand große Anerkennung und allseitiges Lob. besonders angenehm fielen die Sauberkeit und Exaktheit der Arbeiten auf. • Staufenberg 23. März. Der hiesige Ziegenzuchtverein feierte bei Gastwirt Louis Geißler sein 10. Stiftungsfest in Form eines Familienabends. Der 1. Vorsitzende Heberer gab einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins, begrüßte die Teilnehmer, besonders Kontrollassistent L i n n von der Landwirtschafts- kammer Gießen, der in einem längeren Vortrag über „Haltung, Aufzucht und Fütterung der Ziegen" sprach. Gedicht- und Gesangsvorträge (die Damen Grölz. Möller. Rühl, die Herren Bäum le und 3. Kraft) trugen zur Unterhaltung wesentlich bei. Gottfried Eckhardt überreichte im Ramen des Vereins dem ersten Vorsitzenden für seine zehnjährige Tätigkeit im Verein ein Geschenk. △ Hungen, 23.März. Am Sonntag veranstaltete der Orgelvirtuose Adolf Wieder aus Halle in der hiesigen Stadtkirche ein Orgelkonzert. Der Meister spielte formvollendet das Orgelkonzert in Q-Moll von Händel, Fantasie 0-Dur für Orgel von Volckmar, Fuge in 0-Moll für Orgel von Reger und eine eigene Improvisation. Sämtliche Werke wurden vorzüglich zur Aufführung gebracht. Frau Lisel H a a k aus Laubach sang geistliche Lieder von Volckmar und Dvorak., Mit ihrer klangvollen und reinen Mezzosopranstimme, die eine gute Schulung erkennen lieh, fand die Sängerin alle Anerkennung. s. Lltphe. 24. März. Dieser Tage feierte eine unserer ältesten Einwohnerinnen, die Witwe Sophie Dornmann, ihren 8 4. Geburtstag. Die Greisin, die bereits Urgroßmutter ist, erfreut sich noch körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Kreis Friedberg. s. Wölfersheim, 24. März. Eine wirtschaftlich tief einschneidende Maßnahme bedeutet die für Mitte April vorgesehene Stillegung des hiesigen Bagger - und Tagebau- betriebs. Aus technischen Gründen, wie z. D. hoher Abraum, ist der Betrieb unrentabel. Es werden ungefähr 300 Arbeiter und Angestellte brotlos werden. Eine ganze Anzahl umliegender Ortschaften hatten so gut wie keine Erwerbslosen. Auch die durch die Stillegung des Schwelwerks in Trais-Horloff entlassenen Arbeiter konnten nach und nach durch die Aeberführung des großen Baggers und der Schwelöfen nach Wölfersheim hier wieder eingestellt werden, so daß auch TraiS-Horloff, Inheiden und Lltphe fast keine Erwerbslosen hatten. Dies ändert sich nun mit einem Schlage, in eine kleine Gemeinde kommen allein 24 Kündigungen. Kreis Büdingen. 00 Nidda, 23. März. Am Samstag fand im Gasthaus „Zur Krone" die diesjährige Hauptversammlung (72. Stiftungstag) des Tu rn- vereins Ridda 1 859 statt. Der 1. Vorsitzende, Dr. Fritz Koch, begrüßte die Besucher, insbesondere den Ehrenvorsitzenden Friedrich Reuning II., sowie Bürgermeister Rull- mann und Dezirksvertreter Ferdinand Wolf. Er gedachte der Toten der Deutschen Turner- schaft und widmete ehrende Worte dem verstorbenen Vertreter des Mittelrheinkreises. Vater Bender. Ebenso gedachte er der verstorbenen Mitglieder. Sodann erstattete er Bericht über das abgdaufenc Vereinsjahr und den letzten Gauturntag. Der vom 1. Turnwart Wilhelm Wagner verlesene Jahresbericht über den Turnbetrieb wurde mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen. Der Kassenwart trug die Rechnung des abgelaufenen Dereinsjahres vor, die zufriedenstellend abschließt. Die Versammlung erteilte ihm Entlastung. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl sämtlicher Mitglieder: die verwaiste Stelle des 2. Turnwarts übernimmt Hans Hügel. — Am Samstag, dem Tage des Frühlingsanfanges, stellten sich auf dem Dache des Lehmannschen Hauses am Marktplatz die bekannten Riddaer Störche wieder ein. • Ridda, 23. März. In dein Bericht über die hiesige Handwerks-Aus st ellung aus Anlaß der Reichs-Handwcrks-Woche mußten die Ramen Bürgermeister R u 11 m a n n (nicht Rühlemann) und Rektor Vitt (nicht Dett) heißen. i. Dodenhausen I, 23. März. Dei der De- ratung des Gemeindevoranschlages für 1931 ist von der Bür g e r st e u e r, wie sie im Jahre 1930 erhoben wurde, abgesehen worden. Auch von der Einführung der Diersteuer wurde Abstand genommen. Kreis Schotten. c Sch otten, 22. März. In der hiesigen staatlichen Försterschule fand heute die Schlußprüfung des diesjährigen Jahrganges der Forstgehilfen im Deisein eines Vertreters der Regierung statt. Sämtliche Kandidaten bestanden mit den Roten »sehr gut" und „gut". Abends schloß sich im „Hessischen Haus" eine Schlußseier an. Die besten Schüler erhielten Preise, Hirschfänger, Dücher u. a. m. Der Leiter der Schule, Oberforstmeister D e u st e r , widmete den abgehenden jungen Forstleuten namens der Schule warme Abschiedsworte, ihm schloß sich Bürgermeister Mengel namens der Stadt an, das sehr gute Verhältnis zwischen Schotten und seiner grünen Gilde betonend. Ramens des DHC. sprach Lehrer C. Sind auf den deutschen Wald. Kreis Alsfeld -er. Homberg, 23. März. Die technische Handarbeitslehrerin Frl. Therese Göbel, die nahezu ein halbes Jahr hier und in den Schulen der Umgegenö amtierte, wurde von ihrer Stelle abberufen. Der Weggang dieser tüchtigen Kraft wird allgemein bedauert. Vermutlich dürfte Frl. Adele Schneid, die schon früher hier beschäftigt war, ihre Rachfolgerin werden. Aus dem Amisverkündigungsblait. * Das Amtsverkündigungsblatt N r. 21 vom 24. März enthält: Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen. — Die gesetzliche Miete ab 1. April 1931. — Wahl der Äreistagsmitgüebcr. — Die Einführung der Biersteuer in der Gemeinde Wiescck. — Die Erhebung einer Biersteuer in der Gemeinde Allendorf a. d. Lahn. — Dienstnachrichten. Kommunistische Ausschreitungen in Mainz. WSR. Mainz. 24. März. Im Laufe der gestrigen Rächt fanden in Mainz von kommu- nistifchcr Seite Delästigungen politischer Gegner statt. In einem Falle wurde ein U e b e r - fall auf ein Dereinslokal ausgeführt. Es gelang den Angreifern, das Lokal zu stürmen und das Mobiliar völlig zu demolieren. In den späten Rachtstunden wurden von den Kommunisten auf den Straßen einzelne Passanten (Ltahlhelmer und Rationalsozialisten) tätlich angegriffen und verwundet. Der Polizei find die Täter bekannt. Heute vormittag fanden in verschiedenen Wohnungen von Kommunisten Haussuchungen statt, wobei Material in die Hände der Polizei fiel. Die Täter konnten noch nicht gefaßt werden. Große Strafkammer Gießen. ' Gießen, 24. März. Ende April 1930 waren nachts zwei Reichswehr!oldaten in das vor einer Wirtschaft stehende Auto eines Kaufmanns gestiegen. Als dieser sie in ruhiger Weise zum Verlassen feines Wagens aufforderte, erhielt er von dem einen Soldaten eine Ohrfeige imd einen Stich mit dem Seitengewehr in den linken Schenkel. Der andere Reichswehrsoldat schlug einem herzueilenden Freund des Autobesitzers hinter die Ohren: als dieser ihn padte, riß ihm der erste Reichswehrsoldat noch einen Büschel Kopfhaare aus und verscheuchte dann einen weiteren Zivilisten, indem er das Seitengewehr halb aus der Scheide zog und damit und den Worten „Weg oder ..drohte. Das Schöffengericht hatte den ersten Soldaten zu insgesamt 3 Monaten Gefängnis, den anderen zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt. Rach umfangreicher Deweisaufnahme bestätigte die Strafkammer das Urteil bzw. des zu ber Geldstrafe Verurteilten. Die Strafe des Haupttäters wurde auf 3 Monate Gefäng - n i s wegen gefährlicher Körperverletzung unter Mißbrauch dec Waffe und zwei Geldstrafen zu je 50 Mark wegen einfacher Körperverletzung und Rötigung erhöht. Ein wegen Konkursvergehens (Bevorzugung einzelner Gläubiger) vom Schöffengericht zu einer Geldstrafe verurteilter Schuhmacher und Schuhhändler aus der Provinz wurde mangels ausreichenden Deweises freigesprochen. (Schluß des redaktionellen Teils.) Die Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot, Gemeinnützige Ges. m.b. $)., Ludwigsburg (IDürIL), hat zwei neue Bauspartarife cingesührt. Darin sind die von ihr, als der ältesten deutschen Bausparkasse, in siebenjähriger Tätigkeit gesammelten Erfahrungen sowie auch die in England und Amerika auf dem Gebiete des Bausparmescns gewonnenen Erkenntnisse voll ausgewertet. Diese neuen G d F Tarife nehmen auf d i e finanziellen Berhältnissc des Sparers jede Rücksicht. Ein Beweis für die Leistungsfähigkeit her Kaffe ist u. a. die Tatsache, daß die Gemeinschaft der Freunde schon jedem zweiten Baugeldanwärter sein Baugeld zugeteilt hat. 21600 J. B. Häuser, Am Oswaldsgarten probte Qualitäten zu mäßig. Preisen. sollte nur allerbeste Werkzeuge verwenden, Spaten aus gut. Stahl, Gabeln, Hacken, die auch etwas aushalten. Rasenmäher, Baumscheren, nur mit gut. Schnitt. Kauf. Sie bei mir Ihre Gart -ngeräte, dann er- Die besten Ernten erzielen Sie mit meiner Saa*! 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Das Gehen der Stubcntür entriß ihn seinem Sinnen: Llrsula selbst trat ins Zimmer. Auch sie war im Freien gewesen, der wundersame Frühlingshauch, die lachende Sonne hatten wieder ein zartes Rot auf ihre Wangen und lebhafteren Glanz in ihre Augen gezaubert. Wie sie da eben zu Fred in die Stube kam, noch in Hut und Kostümjacke, einen frisch-blühenden Strauß von Maiglöckchen im Kragcnaufschlag, die dunklen Haare um die Schläfe durchleuchtet von dem hinter ihr durch den Türrahmen goldig hcrcin- flutenden Sonnenlicht, da erschien sie ihm selber ein Stück herzerfrischenden Frühlings. Lebhaft richtete sich Fred aus dem Lehnstuhl auf und streckte die Hände nach ihr aus. „Ah, Llrsel! Bringst mir den Frühling ins Haus?" Seine Hand deutete auf den Strauß an ihrer Brust, aber seine aufleuchtenden Blicke hafteten an ihrem Antlitz. „Ja, Fred — für dich." Lind näher tretend, löste das Mädchen die Blüten von ihrem Jackett, sie ihm zu reichen. „Der erste Gruß des Frühlings. Ein Zeichen, daß nun auch du wieder aufblühen sollst — zu alter Kraft und Frische." Fred nahm die Blumen, aber hielt die Hand fest, die sie ihm reichte, schon des Handschuhs entledigt, und plötzlich neigte er sich schnell über diese Hand: seine Lippen küßten die zarter^ noch vom Handschuh warmen Finger, die ihm so oftmals Linderung gebracht hatten. „Dank — tausend Dank, Ursel!" Fast bewegt flüsterte er cs: all seine tiefinnerste Dankbarkeit gegen die Pflegerin in schwerer Leidenszeit drängte sich in die Worte. Ein tieferes Rot schoß in Ursulas Antlitz — sic war von dem Vetter das nicht gewöhnt, sie hatten sich sonst immer nur kameradschaftlich kräftig die Hände geschüttelt — und schnell wollte sie ihm die Rechte entziehen: aber Fred gab sie nicht frei. „Bitte, laß mir — noch einen Augenblick! — deine Hand, Ursel, die mir so viel Gutes getan hat." Sein Blick suchte jetzt den ihren. „Ich hab' dir ja noch gar nicht einmal so recht von Herzen gedankt für alles, was du an mir —“ „Richt doch, Fred." Entschieden lehnte Ursel seinen Dank ab. und mit sanfter Gewalt machte sie ihre Hand frei. „Was ich tat, war nur meine Pflicht. Das heißt, natürlich — ich hab' sie von Herzen gern getan. Konnte ich so doch wenigstens ein bißchen gutmachen von dem —“ „Bitte!" Energisch fiel ihr jetzt Fred seinerseits ins Wort. „Richts mehr davon! Im Gegenteil: fort mit diesen Gedanken! Du machst mich wirklich böse, wenn du noch mal davon anfängst, hörst du, Ursel?" Die Cousine sah zu ihm auf, zu der schwanken, schmächtig gewordenen Gestalt, um die der Sakko lose und schlecht sitzend, hing: zu dem hageren Antlitz mit dem überzarten Teint. Was war aus dem einstigen Bilde überschäumender Jugendkraft geworden! Mit einer geheimen Angst nahm sie die nach vorn geneigte Haltung des vor ihr Stehenden wahr. Gewiß strengte ihn auch das Stehen noch an. „Bitte, Fred, seh dich wieder." Und sanft drängten ihn ihre Hände zum Stuhl hin. „Ra, erlaub mal." Er wollte ein bißchen ärgerlich werden. „Du tust ja gerade, als ob ich noch wer weiß wie klapprig wäre." Und er sträubte sich ein wenig. „Rur heute noch ein bißchen Schonung, Fred!" bettelte sie. „Wo du das erstemal draußen warst!" Da sah er ihre dunklen, ihn warm anleuchtenden Augen, und plötzlich strömte ein so wunderbares, heißes Gefühl in seine Brust. Tief senkte er seine Blicke in die ihren, und mit Bedeutung sagte er: „Gut, Ursel — dir zuliebe!" Und er setzte sich. Verwirrt senkte Ursula Drenck die Lider. Aber es entging ihr nicht, daß Fred den Maiblumenstrauß jetzt ans Gesicht geführt hatte und ihn, um seinen Duft voll zu schlürfen, dicht an sich gepreßt hielt. Mit geschlossenen Augen sah er so ein Weilchen, unbeweglich zurückgelehnt, und sie glaubte zu sehen, daß seine Lippen die zarten, schneefarbenen Glöckchen wiederholt berührten. Mein Gott, was sollte das alles? „Ich liebe diese Blumen so." Fred sagte es und sah jetzt zu ihr auf. „Sie erwecken mir immer die Vorstellung des duftig Mädchenhaften — mit ihrem lichten, zarten Grün und dem jungfräulichen Weiß." Ursula erwiderte nichts. Sie hatte inzwischen ihr Jäckchen abgestreift, nun tat sie auch den Hut ab und ordnete vor dem Spiegel mit etwas hastigen Griffen ihr Haar. Freds Blicke folgten ihren weichen Bewegungen und umfingen dann liebevoll ihre ganze, feine Gestalt, die, ein wenig rückwärts geneigt, mit den hoch erhobenen Armen in der Tat voll anmutigsten Reizes war. Und wie er so still auf sie schaute, spann er immer weiter seine geheimen, hofinungsfrohen Gedanken. Run war Ursula fertig und wollte ihre Sachen aus dem Zimmer tragen: da aber bat Fred: „Ach, laß doch und seh dich noch ein Weilchen zu mir aus Fenster, solange die Sonne noch draußen ist. Ich hab' dir auch allerlei zu sagen, was mir heute durch den Kopf gegangen ist." Mit einem leisen, heimlichen Erschrecken vernahm es Ursula. Rach seinem eigentümlichen Benehmen eben — was würde da wohl kommen? Aber sie wollte ihm den Wunsch nicht abschlagen, und so rückte sie denn einen Stuhl an seine Seite. „Run, was hast du denn für große Reuig- keiten?" suchte sie sich selbst die Befangenheit wegzuscherzen. „Sieh mal, ich habe heute so nachgedacht: Roch ein paar Wochen längstens und ich kann wieder Dienst tun." „Ja, freilich! Dann wirds hier recht trübe aussehen." Ein schwerer Seufzer hob Ursulas Brust: Sie selbst als Lehrschwester im Diakonissenhaus — der Plan war immer fester in ihr geworden — der Vater mit Tante Marie hier allein — trübselige Zukunftsbilder, grau in grau. „Der arme Vater! Er ist dann ganz verlassen." Traurig kam es von ihren Lippen. „Ra, sag mal, Ursel, soll denn das wahrhaftig dein Ernst sein — das mit der barmherzigen Schwester?" Das Mädchen nickte nur ernst, mit stiller Entschlossenheit. Da ergriff Fred lebhaft ihre Hand: „Aber Ursel — nimm mir's nich't übel — das ist ja Heller Unsinn. Ein Mädel wie du und ewig in der Matrahenburg, das wär' ja geradezu sündhaft. Herr Gott nicht nach mal. wie kannst du bloß auf solche Gedanken kommen!" Und er suchte ihr mit größtem Eifer alle Gründe dafür auszureden. „Rein, Ursel", schloß er, „es wäre wahrhaftig eine Sünde an vir und deiner Jugend! Und nun denk' mal an deinen armen Vater. Soll der denn gar nichts mehr auf der Welt haben?" Ursula atmete schwer. Das war es ja, das auch ihr noch immer wieder das Herz belastete und die Ausführung ihres Entschlusses so erschwerte. Aber es half ja alles nichts. „So wie ich jetzt bin, könnte ich Vater doch nichts mehr sein." Mit dieser schmerzlichen Resignation suchte sie Fred und sich selbst den letzten Grund zu benehmen. Aber jener gab den Kampf noch längst nicht auf. „Ursel — so schlapp?" tadelte er. „Dos hätt' ich nicht von dir geglaubt — weiß Gott nicht! Dorf ich dir mal ganz offen meine Ansicht sagen?" Sio nickte nur schwach. „Also: es gibt, meiner Meinung nach, in deinem Fall nur zwei Möglichkeiten. Die eine ist: Du liebst Wigand noch —“ Jähe Röte schoß plötzlich in des Mädchens Wangen. „Renn mir seinen Ramen nicht mehr, ihn, der mich so kaltherzig meinem Schicksal überlassen hat!" Leidenschaftlich entfuhr es ihren Lippen. Mit geheimer Befriedigung vernahm es Fred. „Brav so!" rühmte er. „Hätte cs auch — offen gestanden — charakterlos gefunden, wenn du nach allem —" Sie machte eine heftige Gebärde der Abwehr. „Gut, gut! Also bleibt logischerwehe nur noch, Rümmer zwei: Du liebst ihn nicht. Ra, dann aber versteh' ich wirklich nicht, warum du dich ihm zu Gefallen wie so eine indische Witwe selber opfern — bloß zur Abwechselung statt verbrennen, dich lebendig begraben lassen willst im Krankenhaus." Ursula wollte einen Einwand erheben, aber er ließ sie gar nicht erst zum Wort kommen. „Weih schon, du willst die Welt fliehen, wegen des Geredes. Aber siehst du, Ursel, das nenne ich schlapp! Kann mir nicht helfen. Zum Teufel, was ein rechter Kerl ist — der pfeift auf die Welt, auf die ganze Bande von Waschweibern und Giftmäulern jeglichen Geschlechts." Das Mädchen fuhr hoch, eine aufstcigende Röts im Gesicht. „Wenn du mich tjur beleidigen willst —“ Aber Fred hielt sie bei den Händen bittend fest, und außerdem — sie muhte sich gestehen: er hatte nicht so ganz unrecht. Bisweilen hatte sie sich selber schon ähnliches zugerufen. Wollte sie es denn schließlich nicht ebenso machen wie Jörg — sich auch mutlos flüchten, anstatt trotzig aufrecht stand- zuhalten? ^Fortsetzung folgt.) Eröffnuna: Freitaa, 27. Miz 1931 Kvau «Svna ^dnig, die in ganz Deutschland bekannte Heilkundige, welche Krebs, Tuberkulose u. a. erfolgreich behandelt, im Kreise ihrer Helferinnen. Die Schwester der Frau Erna König, $t?mt Elfriede Arnold, ist von Freitag, den 27. Marz, bis einschließlich Samstag, den 28. März b. 3. persönlich im. Bestrahlungs-Institut der Schwester Gerda Klaumann, Gießen, Schulstraße 6, mit dem Institutsarzt anwesend. Vestrahlungs-Institut, Behandlungsstunden: Täglich von 8—20 Uhr, Samstags von 8—18 Uhr. VON: Leberleiden, Kehlkopf- und Lungenleiden, Asthma, UmUK ^eoano unfl Magenleiden, Ischias, Neuralgie, Schuppenflechte, w ® Hautkrankheiten, Bettnässen und Appetitlosigkeit bei Kindern, Gallensteinen, Herzleiden, Gicht, Rheuma, Nierenleiden, Lupus, Lähmungen, Nervenleiden, Haarausfall, Entfettungskuren, Kropf, Schwerhörigkeit, epileptischen Anfällen, Krebs, Zucker usw. Unzählige Dankschreiben geheilter Patienten stehen zur Verfügung. Meine Institute haben mit Gallspach und anderen Bestrahlungsinstituten nichts zu tun. Meine Erfolge beruhen auf ges. gesch. Bestrahlungs-Apparaten und deren besondere Anwendungsmethode. Zahlreiche Fälle, die von Aerzten, Fachärzten, Krankenhäusern, Heilkundigen und Bestrahlungs-Instituten jahrelang vergeblich behandelt worden sind, sogar derartig schwere Fälle, wie z. B. Krebs und Tuberkulose, bei denen der Tod für die nächste Zeit vorausgesagt worden ist, haben wir nachweislich vollkommen geheilt. Die Anfeindungen und Vorwürfe der Aerzte widerlegen wir in jedem Prozeß durch Zeugen zahlreicher der von Aerzten aufgegebenen Fälle, die dankbar und freudestrahlend vor Gericht ihre Heilung durch Frau Erna König unter Eid bezeugen. Der Dortmunder General-Anzeiger brachte folgenden Prozeßbericht: Ist Tuberkulose durch Bestrahlung heilbar? Interessanter Prozeß in Remscheid-Lennep Frau Erna König (Essen) vor Gericht. Aufgegebene treten geheilt als Zeugen auf. Der Sachverständige hält die Heilung Tuberkulöser durch Frau König für möglich. Nemfcheid-Lennep, 14. Apnl. Die .heilkundige Frau Erna König, Essen, bekannt durch ihre Bestrahlungen mit dem „Original König", hatte einen Strafbefehl über 60 NM. wegen Hebertretung einer Negie- rungsoerordnung bekommen, gegen den sie richterlichen Ent- scheid beantragt halte. Leute mittag stand Termin vor dein Amtsgericht in Remscheid Lennep an. Dem Etrasbesehl lag folgender Tatbestand zugrunde: Frau König, die in einer großen Anzahl deutscher Großstädte Bcstrahlungsinstikulc unterhält, hatte einer hiesigen Zeitung unlängst Prospekte beigelegt, die Danksagungen von geheilten Krebs- und Tuberkulose-Kranken enthielten und die ferner betonten, daß aufgegebene Kranke durch sic völlig geheilt seien. Die Aerzteschast des Bergischen Landes faßte auf Grund der Erfahrungen der erakten Wissenschaft diese Ankündigungen als Prahlerische Behauptung aus, die geeignet sei, in weiten Kreisen des hcilungsuchenden Publikums einen Irrtum über die Fähigkeiten der Frau König zu erregen. Die Aerzte- schäft erstattete fodann durch den im Landkreife Solingen-Lemiep amtierenden Kreismedizinalrat Dr. Moselbach in Opladen Anzeige. Zum Beweise ihrer Teilerfolge hatte die Angeklagte 18 Patienten als Zeugen laden lassen. AIS Sachverständiger erschien Medizinalrat Dr. Moselbach, der von der Verteidigung wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt wurde, da der Gutachter zugleich der Veranlasser der Anzeige war. Auf die Erkläning des Gutachters, er fühle sich unbefangen, lehnte das Gericht den Antrag ab. Der Amtsanwalt erwog gleich zu Beginn, das Verfahren aus subjektiven Gründen einzustellen. Rach dem Vortrag des Sachverständigen, der sich in längeren Ausführungen über Krebs und Tuberkulose, über Bestrahlungs- methoden und Veslrahlungsarten, über Unheilbarkeit deS echten Karzinoms und dessen Diagnostizienmg verbreitete, trat das Gericht in die Beweisaufnahme ein. Die Zeugen wurden ohne besondere Auswahl herauügegriffcn. Zunächst wtirdc aber noch festgestellt, daß die Kranken mit fertigen Diagnosen von ihren ehemaligen Krankenhaus- und Lausärzten zu Frau König kommen und daß ihre Institute unter der Leitung zweier approbierter Aerzte stehen. Dann gab es noch einen kleinen Zusammenstotz zwischen Verteidiger und Sachverständigen. Der Sachverständige: Leberkrebs ist nicht heilbar. Verteidiger: DaS wollen lvir ja eben erst feststellen. Sachverständiger: Welche Strahlen sind es denn, die Frau König benutzt ’< Verteidiger: Frau König Hal nicht die Absicht, ihr Paten- lierles Verfahren prciszugoben. Strahlen, die Sie, Lcrr Sachverständiger, nicht kennen, können Sie hier nicht beurteilen. Die Zeugin, Ehefrau Krach, 43 Jahre alt, aus Essen, bekundet: Ich war wegen schwerer Hntcrlcibefblntungcn im Krankenhaus. Der Chefarzt nahm ein Stück der erkrankten Stelle durch Operation heraus, schickte es an ein bakteriologisches Institut, welches Krebs feststellte. Rach vier Wochen war die Zeugin trotz Radiumbehandlling sterbenskrank.. Vom Laus- arzt wurde sie nach der eidlichen Aussage ihres Mannes aufgegeben. Zur Schmerzlinderung empfahl der Arzt dem Mann, der Frau Morphium zu verschaffen. Daim kam die Patientin zu Frau König, lind zwar 14 Tage lang im Auto und auf der Tragbahre. Nach einjähriger Behandlung war sie gesund. Leute tut sie jede Arbeit, ist wieder kugelrund, und vor Gericht macht sie ihre Auslagen klar und bestimmt. Sie betonte, keine Veranlassung zu haben, noch zu irgendeinem Arzt zu gehen. Diese Angaben, unter Eid gemacht, bestätigte der Ehemann Punkt für Punkt. Zeugin Dorn, 20 Jahre alt, Ehefrau aus Duisburg: Ein hoffnungsloser Fall von Lungentuberkulose in beiden Lungen. Der Befund stammt vom Chefarzt der Lungenfiirsorge in Duisburg, also von einem Spezialisten. Dieser Arzt hat bei einer gleichgearlelen Verhandlung vor Gericht unter seinem Eid ausgesagt, die Frau Dorn habe nach seiner Heberzeugung nur noch 3 bis 4 Monate zu leben gehabt, und als sie nach einem Jahre aus der Behandlung bei Frau König wieder gu ihm kam, sei er erstaunt gewesen, die Frau Dorn wohlauf zu finden. Während der Behandlung durch Frail König hat sic ein gesundes Kind zur Welt gebracht. Sie gab der Meinung dankbaren Ausdruck, daß nach ihrer Ansicht das Kind ohne die Behandlung durch die Angeklagte nicht zur Welt gekommen sei. Während der Bestrahlung suchte sic regelmäßig ihren zuständigen Kassenarzt auf, der zunehmende Besserung feststellte. Sie fühlt sich heute völlig gesund und ist ein absolut lebensfroher Mensch. Während der Behandlung bei Fran König nahm sic 30 Pfund zu. Zeuge Eßncr, 56 Jahre alt, Ofenmaurer aus Düsseldorf» Großenbanm: Der Zeuge war lange krank. Er mußte feiern und konnte nirgends Leilung finden. Von der Landesvcrsicherung wurde eine Behandlung abgelehnt. Durch Zufall hörte er von Frau König, ging zu ihr, ließ sich bestrahlen. ES ging ihm bald besser, und heute kann er nach einem Jahre fortgesetzter Bestrahlung seine fchwcrc Arbeit am Ofen eines Lültcnwcrkcs bei GaS und Staub ohne jede Ermüdung und KrankheitS, crschcinung verrichten. Diese Aussagen genügten dem Gericht. Der Staatsanwalt stellte den diesbezüglichen Antrag, dem sich der Verteidiger anschloß, indem er noch ausführte, seine Klientin habe keinerlei Interesse an einem Freispruch auS subjektiven Gründen. Den Vertagungsantrag lehnte das Gericht ab. Der Staatsanwalt beantragte die Freisprechung, da die verblüffenden Leilerfolge nach den Zeugenaussagen sehr zugunsten der Angeklagten sprechen. Darauf sprach das Gericht die Beschuldigte aus Kosten der Staatskasse frei, mit der Begründung, die heutige Verhandlung habe nicht ergeben, daß die Behauptungen im Prospekt unrichtig sind usw. Die Essener Volkszeitung, Essener Allgemeine Zeitung, Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung u. a. m. brachten nachstehenden Bericht: (Sine Aettkurrdige fveigespvothenr Düsseldorf, den 4. April 1928. Vor dem Erweiterten Schöffengericht in Düsseldorf hatte sich Frau Erna König, Inhaberin eines Interessant war die Feststellung, daß es sich de) den Geheilten durchweg um sogenannte „unheilbare" Bestrahlungsinstitutes in Düsseldorf, Immermannstraße, und Essen, Klarastraße, zu verantworten. Sie Fälle handelte. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Frank I (Dortmund) nannte die Angeklagte eine Wohl- sollte durch Bestrahlungen die Tuberkulose eines Zeugen verschlimmert statt gebessert haben. Stunden- täterin der Menschheit, die wahre Wunder gewirkt hat. Das Gericht verkündete den Freispruch und die lange Verhandlung ergab die völlige Unschuld der Angeklagten. 13 Patienten der Frau König bekundeten Angeklagte wurde am Schluß der Verhandlung geküßt und gedrückt von dem sie umringenden Publikum als Zeugen, daß sie krebs- und lungenkrank gewesen seien und durch Bestrahlungen der Frau König ge- und den dankbaren Patienten. 2161V heilt wurden. Eine billige Woche wie noch nie Ungeheure Mengen prachtvoller RESTE sind eingetroffen Großer Posten RESTE ft/ bedruckt Samte und Waschsamte ^”/0 solange Vorrat: Rabatt Ein Posten Mantelstoff - Reste 140 cm breit, enorm billig Mantelfutter-Reste fabelhaft billig Ferner große Posten RESTE in; Schürzenstoffen, K’Seidenbeider- wand, Sportflanell, Sportzephir, Weifewaren, Kleiderstoffen, Seide. 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Auswa schollenheit MtbeteM- leiten jüt den Erwerb erst nach Ablauf eint lümer im Grundbuch e wie im Falle einer • tragen lassen muh. 3 fordernde Aachweis flöht dann oft auf sch! nisse, die vor allem Kosten verbunden sii Steht hiernach fest, gene Eigentum langen kann, so ist cs nach § 924 2GD. keine Verjährt etwa Geschwister, als , kann nach § 1011 3 seine Ansprüche am gegenüber allein gelte: berechtigte, also solch« Verordnung über dai nuar 1919 ein Grundl angelegt ist, können i verklagt werden. Das soeben Gesag dah die Grenzen imi liegen und nur der D Es ist aber schon vor Parzellen, die nacht« gewanderten Personc Grenze mehr zu seht treuen Nachbarn" na Grund und Boden Dann kann nur eine 6 Grenzverwirrung kam ’M Mn und bui schulden erfolgen. 2 Wetter und üeberflut, inncgehattcnen Grenz ungefüllt wurden Denn also die ben o>e genaue Liniensühr tveiscn können, licat vor. Die°s yn jedem Falle . b? 3un^‘ ^r 3( M; ’st nach Möal Ä? 5® und sie ] s«S LLr« ehendmi »Cn' fonmt, so iss b- bec Gr Mrichj bct dir W'gentu t be? tn°l HrKd reiiag, ben 21 JRöj, mfei6l>, ^ee *<«. Adelte er » . u,t -w^ srAZ te« $«». 9t|* * * §-.4k* * * * >»®Ä ®Mr ™ <«“ ”4 Dvü fom^11, ü6cr cc K. °ti tommcn degcir NM unb W\ Clne °usstrigende Aöl- 'ekibigen willst -« KJ5"^ b'^nd sest f lWn: er holw "-^°llle |ie es denn ft ,tole 2örg - sich Qlt krohig ausrecht stand- ng folgt) d. persönlich im. 1 Klnumnnn, Gießen, M Baumann iflie mde. Zahlreiche Fälle, die Instituten jahrelang ver- id Tuberkulose, bei denen llkommen geheilt. Die An- eugen zahlreicher der von Heilung durch Frau Erna inig bei Frau König tt&rp en, tie Frau $«■«?* * * * - lung burtb Frau Kenig «. t- gtbr°cht.Eiegadd«M« ihrer Ansicht das KuS»k^ tagte nicht M M gW } suchte s'k regelmäßig -unedmende Besierung lilN,f' id md ist cm **** andlung bei Frau K«°S »ah"' s=Ss SS-r- -L--S m6ffid)f. km »Ti***-* rrrtzÄ- snagfej pcre,aÄ«^M5 Handlung babv "w [bunri»iigin’tll"0> *S- «Ss» Schält usb»«4 " MMwsch. 25. Mä,z 1951 Gießener Anzeiger (Seneral-Anzelger für Vberhefsen) Nr. 71 Drittes Matt Das Recht im täglichen Leben. Grenzrechi und Abmarkung. VonÄmtsgerichisrat Franz Gros. Nach Reichsrecht (§ 919 des Bürgerlichen ®c- setzbuchs) kann ein Grundeigentümer von dem Eigentümer eines Nachbargrundstücks verlangen, das; dieser zur Errichtung fester Grcnzzcrchen mitwirkt. Das gleiche gilt, wenn ein durch Natur- ereignisse oder fahrlässig oder vorsätzlich — etwa infolge von Böswilligkeit — unkcnntllch ge- * wordenes oder von seinem ordnungsmäßigen Platze entferntes (..verrücktes") Grenzzeichen tote- der hergestellt werden muß. Die Art der Grenzfcstsetzung (Abmarkung) und daS dabei einzuhaltende Verfahren bestimmen sich nach den Landesgesehen. Enthalten letztere keine Vorschriften für den Einzelfall, so entscheidet die Ortsüblichkeit. Es entsteht zunächst die Frage: Wer ist der Eigentümer des Grundstücks, der das Verlangen nach Errichtung fester Grenzzeichen stellen kann? Denn es kommt hierbei nicht der Pächter in Frage, nicht der zeitliche Besitzer eines Grundstücks und auch selbst nicht der Erbe eines bisherigen Eigentümers, sondern allein diejenige Person, die. im Grundbuch auf Grund eines Rcchtstitels als Eigentümer eingetragen ist. Solche Nechtstitel können sein: Auslassung — etwa im Zusammenhang mit einem Kaufvertrag oder einer Schenkung —, Erbgang, oder Zuschlag für den Ersteher in einem durchgesührten Zwangs- vcrsteigerungsverfahren. Wie die Erfahrung leider zeigt, kommt cs im praktischen Leben immer wieder vor, daß Grund und Boden, daß Aecker, Wiesen, Gärten und Grabland formlos von einer Hand in die andere übergehen, ohne daß beispielsweise die Erben eines Grundeigentümers — um Mühe und sofortige Kosten zu sparen — durch Vertrag vor Gericht oder Notar klare Eigentumsverhältnisse schaffen. Solche Unterlassungssünden rächen sich aber meist recht bitter und tragen insbesondere auch des öfteren zur sog. „Grenzverwirrung" mit bei. Immer wieder können auch durch Todesfälle und andere Um- stände, z. B. Auswanderung oder gar Verschollenheit Mitbeteiligter, besondere Schwierigkeiten für den Erwerber entstehen, wenn er etwa erst nach Ablauf einiger Jahre sich als Eigentümer im Grundbuch eintragen lassen will, oder — wie im Falle einer Hypothekerrichtung — ein- tragen lassen muß. Der vom Grundbuchamt zu fordernde Nachweis der Cintragsberechtigung stößt dann oft auf schwer zu beseitigende Hindernisse, die vor allem auch stets mit unliebsamen Kosten verbunden sind. Steht hiernach fest, daß nur der eingetragene Eigentümer eine Abmarkung verlangen kann, so ist gleichzeitig zu sagen, daß cs nach § 924 BGB. für dieses Ncchtsbegchren keine Verjährung gibt. Sind mehrere, etwa Geschwister, als Eigentümer eingetragen, so kann nach § 1011 BGB. jeder Miteigentümer seine Ansprüche aus dem Eigentum Dritten gegenüber allein gellend machen. Auch Erbbauberechtigte, also solche, für die nach § 14 der Verordnung über das Erbbaurecht vom 15. Januar 1919 ein Grundbuchblatt (Erbbaugrundbuch) angelegt ist, können in diesem Sinne klagen und verklagt werden. Das soeben Gesagte gilt nur für den Fall, daß die Grenzen immer noch einigermaßen klar liegen und nur der Verlauf dc. Grenze unllar ist. Es ist aber schon vorgekommen, daß von ganzen Parzellen, die nachlässigen, kranken oder aus- gewandcrtcn Personen gehörten, schließlich keine Grenze mehr zu sehen war, weil sie von „getreuen Nachbarn" nach und nach ihrem eigenen Grund und Boden „beigeadert" worden waren. Dann kann nur eine Cigentumsklage helfen. Eine Grcnzvcrwirrung kann aber c^uch ohne menschliches Zutun und durch nicht menschliches Verschulden erfolgen. Man denke dabei an ün- Wetter und Überflutungen. durch die die bisher innegehaltenen Grenzfurchcn mit Schwemmerde angefüllt wurden. Wenn also die benachbarten Grundeigentümer die genaue Linienführung der Grenze nicht Nachweisen können, liegt eine „Grenzverwirrung" vor. Wie wird eine solche beseitigt? In jedem Falle einer Grenzverwirrung ist stets zunächst der Besitzstani selbst maßgebend, d. h. es ist nach Möglichkeit festzustellen, wer der bisherige tatsächliche Inhaber der betreffenden Fläche war und sie landwirtschaftlich oder auf andere Art benutzt hat. Kann der Besitzstand nicht im Wege ordnungsmäßiger Beweisführung festgestellt werden, so ist jedem der Grundstücke ein gleich großes Stück der streitigen Fläche zuzu- teilcn. Wer gegen einen Nachbar ein Klagerecht ausüben will, ist nicht genötigt, den Verlaus der Grenze in ganz bestimmter Richtung zu behaupten. Der Klageantrag wird nur die Forderung nach richterlicher Regulierung der Grenze erheben. Gleichzeitig wird vom Prozehgegncr verlangt werden, daß er künftig die richterlich festgestellte Grenze innehält. Führt nun die nach den vorerwähnten Grundsätzen ermittelle Grenzbestim- mung zu einem Ergebnis, das mit den sonst ermittelten Umständen, insbesondere mit der feststehenden Größe der Grundstücke nicht übereinstimmt, so ist die Grenze so zu ziehen, wie es unter Berück ichtigung dieser Umstände der Billigkeit entspricht. Das Gericht ist hierbei an Parteianträge nicht gebunden. Zuständiges Gericht für alle Klagen, durch welche für das Eigentum, eine dingliche Belastung oder die Freiheit von einer solchen geltend gemacht wird, für Grcnzscheidungs-, Teilungs- und Besitzklagcn ist bei u n beweglichen Sachen allein und ausschließlich je nach der Höh^ des Streitobjektes das Amtsgericht oder das Landgericht, in dessen Bezirk die Sache gelegen ist. Soll eine Grenzregulierung, d. h. Grenzfest- sehung, durch einen Vertrag stattfinden und findet hierbei eine Abtretung von Grund und Boden statt, so bedarf ein solches Abkommen, wie vorsorglich hier erwähnt werden soll, unbedingt neben der Anfertigung eines Meßbriefs der gerichtlichen oder notariellen Beurkundung. Hinsichtlich der sogenannten Grenzeinrichtungen besagt das Bürgerliche Gesetzbuch, daß für den Fall, daß zwei Grundstücke durch einen Zwischenraum, einen Rain, einen Winkel, einen Graben, eine Mauer, Hecke, Planke oder eine andere Einrichtung, die zum Vorteil beider Grundstücke dient, voneinander geschieden werden, tets zu vermuten ist, daß die Eigentümer der Grundstücke zur Benutzung (nicht zum Miteigentum) der betresfenden Einrichtung gemeinschaftlich berechtigt find, sofern nicht schon äußere Merkmale darauf Hinweisen, daß die Einrichtung einem der Nachbarn allein gehört. Jeder Nachbar kann die Einrichtung für seine Zwecke insoweit benutzen, als hierdurch die Mitbenutzung des andern nicht beeinträchtigt wird. Auch darf eine solche Einrichtung nicht ohne Zustimmung des andern Teiles beseitigt werden. In Hessen erfolgt die eingangs erwähnte Abmarkung nach dem Gesetz vom 9. Januar 1926 — durch dessen Artikel 17 das Gesetz vom 23. Oktober 1930, die Feststellung und Erhaltung der inneren Grenzen betr. nur in den Artikeln 10 bis 13 ausgehoben wurde, während das Gesetz gleicher Überschrift vom 14. August 1867 ganz aufgehoben worden ist — durch Aussteinung. Bei Feldbereinigungen und Katastervermessungen find alle Dreieckspunkte, alle Grenzpunkte der Gemarkungen, Fluren und Gewanne ufw. mit Steinen abzurnarken, fasern sie nicht mit Genehmigung des Landesvermefsungsamtes durch dauerhafte Marken anderer Art ersetzt werden. Von einer Abmarkung der Eigentumsgrenze kann mit Genehmigung desselben Amtes nur abgesehen werden, wenn eine Feldbereinigung zu erwarten ist. Sind EigentumSgrenzpunkte privater Grundeigentümer obzumarken, so werden die Kosten von den beteiligten Grundeigentümern zu gleichen Teilen getragen (Art. 3 Abs. 3 des Gesetzes vom 9. Januar 1926), sofern sich nicht aus einem zwischen ihnen bestehenden Rechtsverhältnis ein anderes ergibt. Zu den Kosten einer Abmarkung gehören die Kosten für die Beschaffung und das Anbringen der Marken. Die Aussteinung selbst erfolgt dann durch die Feldgefchworenen. Krankenkaffen- und Arbeitslosenversicherungs-Beiträge. Bei Zahlungsschwierigkeiten oder sonstigem geschäftlichen Zusammenbruch von Firmen ist wiederholt festgestellt worden, daß der Arbeitgeber es infolge Geldmangels unterlassen hat, die von den Gehältern und Löhnen seiner Angestellten zum Abzug gebrachten Anteile an Krankenkassen und Arbeitslosenversicherung abzusühren. Das ist zwar nicht zu entschuldigen, aber man kann Verständnis dasür auf bringen, weil der Arbeitgeber naturgemäß in erster Linie sein Augenmerk darauf richtet, wenigstens den seinen Angestellten zu- stehenden Barlohn zur Auszahlung zu bringen. And doch nft ein solches Verhalten äußerst gefährlich, denn die Nichtabführung der Krankenkasfcnbeiträge und Arbeitslosenversiche- tung verstößt gegen die Bestimmungen der Reichs- Versicherungsordnung (§ 535) und das Reichs- geseh über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen- Versicherung (§ 270). Derartige Vergehen nach den Bestimmungen der genannten Gesetze find mit Gefängnis zu ahnden. Der Arbeitgeber hat feinem versicherungspflichtigen Arbeitnehmer bei der Lohnzahlung feine Deitragsteile vom Barlohn abzuziehen und diese an die zuständige Kasse abzusühren. Diese Verpflichtung darf nicht gegenüber der aus dem Arbeitsvertrage entspringenden Verpflichtung zur Lohnzahlung vernachlässigt werden. Rach der ständigen Rechtsprechung unserer Gerichte (Kammergericht 4. Str.- Sen. 4 S. 130.29) hat der Arbeitgeber, wenn die vorhandenen Geldbeträge zur Abdeckung feiner gesamten Verpflichtungen auf Lohnzahlung und Abführung dec Beiträge nicht ausreichen, zunächst für die Erfüllung der Schuld gegenüber der Krankenkasse und Arbeitslosenversicherung zu sorgen. Erst wenn diese Verpslichtung erfüllt ist, darf der Arbeitgeber den bann verbleibenden Rest des Geldes an den Arbeitnehmer zur Auszahlung bringen. Eine Ausnahme gilt nach der Rechtsprechung des Kammergerichts jedoch dann, wenn der Arbeitgeber nur einen so geringen Geldbetrag zur Lohnzahlung zur Verfügung, hatte, daß dieser gerade für den notdürftigen Unterhalt der Arbeitnehmer ausreicht. Rur in derartigen Ausnahmefällen darf der Arbeitgeber von einer Einbehaltung der Beiträge für die Krankenkasse und Arbeitslosenversicherung ab sehen und den Teillohn voll auszahlen, weil in diesem Falle der Notstand der Arbeiter dem Rechtsanspruch der Krankenkasse und Arbeitslosenversicherung v o r g e h t. Sind dagegen die Lohnzahlungsbeträge, selbst wenn sie auch nicht den vollen Lohnanspruch erreichen, für so hoch anzufehen, daß sie den Betrag, der für den notdürftigen Unterhalt des Arbeitnehmers erforderlich ist, übersteigen, dann müssen erst Idie gesetzlichen Abzüge für die Krankenkasse und Arbeitslosenversicherung abgeführt werden. Unterläßt der Arbeitgeber das, dann seht er sich der Gefahr der Bestrafung nach den oben genannten Gesetzesbestimmungen aus. Kl. Die Geltendmachung des Dermieterpsandrechts. Nach den Bestimmungen des BGB. ist das Der- mieterpsandrccht mit der Einbringung der Sache in die Mietwohnung durch die Mieter grundsätzlich begründet. Es erlischt auch nicht infolge des Verkaufs der Sache, wenn der Käufer nur den unmittelbaren Besitz der von ihm zur leihweisen Weiterbenutzung an den Mieter belassenen Sachen erlangt hat. Wer in solchen Fällen Sachen sich übereignen läßt, erwirbt sie damit nur belastet mit dem seinem Eigentumsrecht vorgehenden Mieterpfandrecht. Dieses Vermieterpsandrecht erlischt auch nicht, wie das Oberlandesgericht Naumburg (Jur. Wochenschrift 39 1930) rechtskräftig entschieden hat, wenn der Vermieter die Sachen pfändet. In der Pfändung liegt keine Geltendmachung des Vermieterpfandrechts. GesetzlichesPfandrechtundPfändungs- Pfandrecht find sowohl in ihrer Gestaltung wie auch in ihrer Auswirkung durchaus voneinander verschieden und lassen ein Nebeneinanderbe st ehen wohlzu. Der regelmäßige Weg, auf dem ein Vermieter gegenüber dem säumigen Mieter zu feinem Mietzins zu gelangen sucht, wird immer der sein, daß er wegen der Miet- zinssorderung einen vollstreckbaren Schuldtitel erwirkt und daraufhin beim Mieter pfänden läßt. Der Weg, in Ausübung seines Vermieterpfandrechts durch Pfandverkauf zu seinem Gelde zu kommen, wird in den seltensten Fällen einmal eingeschlagen. Kein Vermieter, der auf die erstere Weise, also durch Pfändung, gegen den Mieter ooraeht, denkt daran, daß ihm dann sein-gesetzliches Pfandrecht verloren gehen könnte, noch weniger will er es damit freiwillig aufgeben. Ein Verzicht auf fein gesetzliches Pfandrecht, oder auch nur ein Einverständnis in die Umwandlung des Pfandrechts zu einem Pfändungspfandrecht liegt ihm ganz fern. Gegen ein Erloschen ober eine Verwandlung des Dermieterpfandrechts im Fall einer Pfändung durch den, Vermieter spricht auch die wirtschaftliche Erwägung, daß der Vermieter alsdann der Gefahr eines Verlustes ausgesetzt wäre, ohne daß dazu irgendeine Notwendigkeit besteht; denn das Pfändungspfandrecht ist weniger wert, als das gesetzliche Aermieterpsand- rccht: die Pfändung ist immer nur eine bloß vorläufige Maßregel, deren Rechtsbeftändigkeit und Ergebnis häufig von Umständen abhängt — so z. B. von Vorpfändungen, oder dem Bestehen sonstiger, dem Pfändungsrecht des Vermieters vorgehenden Rechten —, die dem Vermieter regelmäßig unbekannt fein werden und es ganz im ungewissen lassen, ob er mit der Pfändung überhaupt den beabsichtigten Erfolg erreicht. Behält er daneben aber fein Vermieterpfandrecht, so ist er dadurch, weil es im Vergleich zum Pfändungspfandrecht das stärker wirkende Recht ist, weit eher gesichert. Das Dermieterpfandrecht erlischt auch nicht dadurch, daß der Gerichtsvollzieher die zunächst im Gewahrsam des Mieters belassenen Sachen zur Verwahrung nach der Pfandkammer nimmt. Es ist in Rechtsprechung und Rechtslehre jetzt so güt wie allgemein bekannt, jedenfalls weitaus überwiegende Ansicht, daß die Fortschaffung der gepfändeten Sachen vom Grundstück durch den Gerichtsvollzieher jedenfalls dann keine das Vermieterpsandrecht zum Erlöschen bringende Entfernung ist, wenn die Pfändung für einen anderen Gläubiger des Mieters als den Vermieter geschehen ist, da dann der Vermieter kein Widerspruchsrecht gegen die Wegbringung der Sachen hat, sondern nur das Recht auf vorzugsweise Befriedigung aus dem Versteigerungserlös. Das gleiche muß aber auch in dem Falle gelten, wenn die vom Gerichtsvollzieher fortgeschafften Sachen für den Vermieter — sei cs für ihn allein, fei es für ihn und noch für einen anderen Gläubiaer — gepfändet worden sind: denn auch in diesem Fall hat der Vermieter kein Wider- spruchsrecht gegen die Fortschaffung. Mer oder neuer Führerschein? Von Amtsgerichtsrat i. "5X. Franz. § 24 Abs. 1 Nr. 1 des Kraftfahr-Gesetzes stellt den unter Strafe, der einen Kraftwagen führt, ohne einen Führerschein zu besitzen. Cs entsteht die Frage, ob der entsprechend der früheren (alten) Klassencinteilung auf Wagen ausgestellte alte Führerschein auch zur Führung eines neuen Kraftwagens berechtigt, und ob derjenige, der mit einem solchen alten Führerschein einen neuen Kraftwagen führt, sich nach § 24 strafbar macht. In dieser Frage hat das Bayrische Oberste Landesgericht durch Urteil vom 12. März 1929 (1 92,29) eine lehrreiche Entscheidung getroffen, deren Richtlinien hier auszugsweise wieder- gegeben werden: „ Der Angeklagte unterzog sich 1914 der Prüfung als Führer von Kraftfahrzeugen und erhielt auf Grund der damals für diese Prüfung geltenden Anweisung einen Führerschein der Klasse Illa ausgestellt. Ende Juli 1928 erwarb er einen Kraftwagen, dessen Derbrennungs- maschine eine Stärke von 9 <5teuer-PS und einen Hubraum von 2329 Kubikzentimeter hat. Diesen Wagen fuhr er im August 1928 mit dem alten Führerschein. Dom Amtsgericht wurde er deswegen eines Vergehens nach § 24 Abs. 1 Nr. 1 für schuldig befunden. In der Revisionsinstanz vor dem Bayrischen Obersten Landesgericht machte er gellend, der alle Führerschein sei entsprechend der früheren Klasseneinteilung auf Wagen bis zu 10 PS ausgestellt, er sei nach wie vor gültig und berechtige ihn zur Führung des neuen Kraftwagens, weil dieser weniger als 10 PS besitze. Das Oberste Gericht trat dieser Anschauung nicht bei. Die Vorschriften über die Klasseneinteilung der Kraftfahrzeuge sind feit der Ausstellung des dem Angeklagten erteilten Führerscheins wiederholt geändert worden. Die Anweisung vom 15. März 1923 ging zur Einteilung nach der sog. Steucrnuhleistung über. Sie weist der Klasse Illa die Kraftwagen bis zu 8 PS Nutzleistung, nach der Steuer formet berechnet, der Klasse lllb die Kraftwagen über 8 PS solcher Nutzleistung zu. Die jetzt geltende Prüfungsanweisung vom 16. März 1928 unterscheidet nach dem Hubraum. Zu ihrer Klasse Illa gehören Kraftwagen mit Derbrennungsmaschinen bis zu einem Hubraum von 2100 Kubikzentimeter: der Klasse lllb gehören die Krastwag.m mit Q3cr- brennungsma sch inen von mehr al- 2100 Kubikzentimeter Hubraum an. Keine der Abänderungsverordnungen hat Ueberleitungsvorschristen für die alten Führerscheine getroffen. Es ist aber auch nicht bestimmt worden, daß die früheren Führerscheine kraftlos feien und eingezogen werden müßten. Deshalb wurde beim Vollzug davon ausgegangen, daß die alten Führerscheine f ü r d i e gleiche Klasse der neuen Klasseneinteilung Gültigkeit behielten. Dies entspricht auch dem sachlichen Inhalt der alten und der neuen Klassen, denn die 10PS-Esfektivleistung der Klasse Illa nach der Verordnung von 1910 ergeben im höchsten Fall 8 Stcucr-PS der Einteilung vom Jahre 1923. Die 8 etcucr-PS dieser Einteilung entsprechen einem Hubraum von rund 21C0 Kubikzentimeter nach der Anweisung vorn 16. März 1928, so daß eine Aenderung des sachlichen Inhalts der Klassen Illa und lllb durch die verschiedenen Verordnungen nicht eingetreten ist. Der Angeklagte ist sonach berechtigt, mit dem alten Führerschein der Klasse Illa einen Krastwagcn, der jetzt unter die Klasse Illa fällt, zu fahren. Dagegen deckt der frühere Führerschein der Klasse Illa nicht auch den Inhalt eines jetzigen Führerschein« der Klasse Ulb. Der Angeklagte hätte für feinen neuen Kraftwagen (Hubraum 2329 Kubikzentimeter) auch schon nach den Vorschriften von 1923 (Klasse Illa Krastwagen bis zu 8 PS Nutzleistung), da fein neuer Wagen 9 PS hat, nicht einen Führerschein der Klasse Illa, sondern einen solchen der Klasse lllb gebraucht. Er wurde also zu Recht verurteilt. Erkrankung in der llrlaubszeit. In einer Frage, die bisher vielfach umstritten war, hat jetzt das Rcichsarbcitsgericht eine Entscheidung gefällt. Es handelt sich darum, ob der Arbeitnehmer, der während des Urlaubs erkrankt. einen Anspruch gegen den Arbeitgeber auf Gewährung eines Zusatzurlaubes bzw. Vergütung dafür hat. Das Reichsarbeitsgericht hat diese Frage verneint. Cs sührt dazu aus, daß der Erholungszweck des Urlaubs auch auf andere Weise als durch Erkrankung gefährdet werden könne, so wenn schwere Krankheit oder sonstiges Unglück in der Familie des Arbeitnehmers austritt, oder auch dadurch, daß der Arbeitnehmer seine Freizeit nicht dem Erholungszweck gemäß nutzt. Für die Erreichung des Erholungszieles könne der Arbeitgeber unmöglich eine Verantwortung tragen. Ob vor dem Urlaubsantritt der Arbeitgeber verpflichtet fei, zu vermeiden, daß der Arbeitnehmer den Genuß seiner Freizeit durch Krankheitstage einbüßt, sei in jedem Falle auf Grund der Tarif- oder Vertragsbestim- mungen nach den Grundsätzen von Treu unb Glauben unter Abwägung der Betriebs- und Arbeitsbelange zu entscheiden. Sei der Urlaub aber im Laus, so habe der Arbeitgeber seine Verpflichtung erfüllt, und sie werde, wenn nicht der Tarifvertrag etwas anderes bestimme, durch Erkrankung des Arbeitnehmers im Urlaub rechtlich nicht berührt. Trunkenheit ist kein Milderungsgrund. Das Reichsgericht hatte in einer Unfallfache eine Entscheidung zu fällen, die für manchen Fahr- zeuglen/cr eine ernste Warnung in sich schließt. Der Landwirt St. in S., der mit seinem Gespann neben seiner Landwirtschaft Lohnfuhren auszuführcn pflegt, hatte im November vorigen Jahres eine lange Ucberlandfahrt, etwa 80 Kilometer, zu machen. St. machte vor allen Wirtschaften, die auf seiner Strecke lagen, Halt und trank eine große Menge Bier und Schnaps. Die Wirkung des starken Mkoholgenusses war die, daß er stark angetrunken wurde, weshalb er in später Nachtstunde nochmals in eine Wirtschaft einkehrte, sich hier, ehe er feine Fahrt fortfetzte, eine Taffe starken Kaffee und einen sauren Hering geben lief) und eine Stunde ruhte. Alsdann fühlte er sich soweit ernüchtert, daß er weiter fahren könnte, unterließ es aber, sein Fahrzeug zu beleuchten: außerdem fuhr er auf der linken Seite der Straße. Nach kurzer Zeit erfolgte ein Zu- sammcnstoß feines Fuhrwerks mit einem ihm entgegenkommenden Motorrad. Bei dem Unfall blieb ein Toter und ein Schwerverletzter auf dem Platze. St. selbst blieb unverletzt, während feine Pferde ebenfalls zu Schaden kamen. Dom Landgericht V. wurde St. wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einem Jahre Gefängnis verurteilt, und dieses Urteil wurde jetzt von dem dritten Strafsenat des Reichsgerichts bestätigt. Die Begründung dieser Entscheidung ist von großer Bedeutung. Die Entscheidung besagt, daß der § 51 StGB. — der Ausschluß der freienWillensbe st immun g —, auf den sich der Angeklagte beruft, in diesem Falle nicht vorliege. Es sei dem Urteil des Landgerichts zu folgen, daß St. trotz des großen Alloholgcnusfes sich nicht in einem Zustande der Bewußtlosigkeit befunden habe, denn es fei festgestellt, daß der Angeklagte noch imstande gewesen sei, eine Reihe von vernünftigen Maßnahmen zu treffen. Aber auch angenommen, daß der Angeklagte während des Zusammenstoßes geschlafen habe, so könne ihn dieser Umstand nicht von seiner Verantwortung entlasten, denn er habe die Schlaftrunkenheit durch seinen starken Alkoholgenuh verschuldet. Dasselbe sei zu beachten bei der Beurteilung der Nichtbeleuchtung seines Fahrzeuges und seines Fahrens auf der linken Straßenseite. Als er die letzte Gastwirtschaft verlassen habe, sei der Angeklagte allerdings noch erheblich angetrunken ge- wesen, die Art und Meise aber, wie er fein Fuhrwerk wieder in Gang gebracht und dabei allerlei vernünftige Handlungen ausgeführt habe, beweise, daß er nicht in einem so betrunkenen Zustande gewesen sei. daß nach § 51 StGB, ein Ausschluß der freien Willensbestimmung vorliegt. Aber auch dann habe er schuldhaft gehandelt, denn er mußte als vernünftiger Mensch voraussehen, daß das viele Bier- und Schnapstrinken betrunken mache. (RG. 3 D 673/30.) . Dr. B. Wirtschaft. Oie Arbeitsmarktlage im l^eich. Berlin. 24. März. (WTB.) Infolge der ungünstigen Witterung in der erste:, Märzhälfte ist, irnch dem Bericht der Rcichsanstolt, in dieser Periode auf dem Arbcitsinarkt eine gewisse Stagnation eingetreten. Es ist jedoch nicht zu verkennen, daß Anzeichen einer — vorläufig noch schwachen — Belebung der wirtschaft- lichen Tätigkeit auch weiter bemerkbar sind. Am 15. März waren von den bei den Arbeitsämtern eingetragenen Arbeitsuchenden rund 4 980 000 als arbeitslos anzusehen. Am 15. März wurden von der Arbeitslosenversicherung rund 2 526 000 gegen rund 2 589 000 Ende Februar Hauptunterstützungsempfänger betreut. Die Belastung der Krisenfürsorge ist er- wartungsgemäß weiter gestiegen, und zwar von rund 908 000 Ende Februar auf runo 949 000 Hauptunterstützungsempfänger Mitte März. Aach der vorläufigen Zählung für Ende Februar waren von den zu diesem Zeitpunkt gezählten Arbeitslosen 52,1 Prozent Hauptunterstühungsempfän- ger in der Arbeitslosenversicherung, 18,3 Prozent in der Krisenfürsorgc, während ungefähr ebensoviel als Wohlfahrtscrwcrbslose von der gemeindlichen Fürsorge laufend unterstützt wurden. Weitere langsame Besserung in Hessen und Hessen-Nassau. Die Arbeits Marktlage in Hessen und Hessen-Rossau besserte sich nach dem Bericht des Landesarbeitsamts Hessen auch in der ersten Märzhälfte nur sehr langsam und noch immer nicht in allen Arbeitsomtsbezirken. Die Entwicklung wurde durch die ungünstige Witterung gehemmt, die die Arbeitsaufnahme in den Außenberufen (Land- und Forstwirtschaft, Gärtnerei, Industrie der Steine und Erden, Baugewerbe und Lohnarbeit wechselnder Art) nur beschränkt zuließ. Daher kommt es auch, daß diese Berufe an der Abnahme der Arbeitsuchenden um insgesamt 2910 nur mit 452, oder knapp 16 Prozent, beteiligt sind, und daß am 15. März nur 1363 oder 0,5 Prozent Männer, aber 1547 oder 3,1 Prozent Frauen weniger gezählt wurden als am l.März. Die meisten Frauen wurden vom Bekleidungsgewerbe und von der Tabakindustrie ausgenommen; die Männer hatten einen b.esscren Arbeitsmarkt in der Metall- und Lederindustrie, sowie ebenfalls im Bekleidungsgewerbe. Die Zahl der arbeitsuchenden Angestellten ist um rund 420 a u f 2 5 5 0 0 ge - stiegem Von den rund 308 800 Arbeitsuchenden wurden 64 Prozent unterstützt, und zwar 143 061 mit 139 401 Angehörigen in der Arbeitslosen- und 54 270 mit 66 778 Angehörigen in der Krlsenunterslühung. Zu der starken Abnahme der Hauptunterstühungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung um fast 8000 haben außer den Abgängen in Arbeit auch die sehr zahlreichen Aussteuerungen beigetragen. Sie beliefen sich in der Zeit vom 16. Februar bis 15. März auf 13 200; hiervon wurden 8000 in die Krisen- unterstühung übergeführt. Die Krisenunterstühten nahmen um 1800 zu. 7671 Personen, die in der Woche nur drei Tage und weniger arbeiten, erhielten Ende Februar Kurzarbeiterunterstühung (Ende Ianuar 8961). 826 Hauptunterstühungsempfänger und 74 Wohlfahrtserwerbslose wurden mit Aotstandsarbeiten beschäftigt. * Der Aktienindex. Der vom Statisftschen Aeichsamt errechnete Aktienindex (1924/26 = 100) stellt sich für die Woche vom 16. bis 21. März auf 91,7 gegenüber 91,8 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie aus 86,6 (87,6), Gruppe verarbeitende Industrie aus 81,8 (81,7) und Gruppe Handel und Verkehr auf 113,6 (113,2). Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 25. März. Tendenz: freundlich. Die zuversichtliche Rede Geheimrat D u i s b e r g s auf der gestrigen Tagung der bayerischen Industriellen und die Reise R o r - m a n ö nach Amerika zu internationalen Finanzbesprechungen, daneben die politische Entspan- .nung durch die Vertagung des Reichstages bis zum Herbst und der feste Verlauf der gestrigen Aeuyorkcr Börse bewirkten im heutigen Vormittagsverkehr eine freundliche Stimmung. Da auch das Publikum und die Kulisse zu einigen Käusen schritten, eröffnete die amtliche Börse bei allerdings wiederum nicht sehr umfangreichem Geschäft in s e st c r Haltung. Die Kurse zeigten im Durchschnitt Besserungen von 1 bis 2 Prozent. Während Aebenwerte nur wenig gefragt waren, bestand für einige Spezialpapicre stärkeres Interesse. Mehr Beachtung fand der Elektromarkt, au dem AEG. 1,75, Licht L Kraft 2, Ges- fürel 2,75 und Schlickert 1,5 Prozent gewannen. Ebenso zogen Deutsche Linoleum, Westeregeln und Holzmann je 2 Prozent an. Von Montanwerten zogen Rheinstahl 1 Prozent an. Der Bericht der Dedi-Bank fand relativ günstige Beachtung, besonders die bereits gemeldete Kapitaltransaktion, brachte aber anderseits dem Bankenmarkt keine Anregung. Die Kurse blieben meist nur gut behauptet. Von Kunstseideaktien Aku plus 1 Prozent. Schwächer eröffneten Süddeutsche Zucker mit minus 1 Prozent. Am Anleihemarkt neigten Altbesih weiter zur Schwäche. Aeubesih und Auslandrenten behauptet. Pfandbriefe sehr ruhig. Reichsschuldbuchforderungcn gut behauptet. Im Verlaufe wurde die Tendenz wieder schwächer. Die Spekulation schritt in Anbetracht des bevorstehenden Llltimos zu Glattstellungen, da sich die Käufe des Publikums nicht forschten, so daß die anfänglichen Gewinne voll verloren gingen. Anderseits verhinderte aber der gebesserte Reichsbankauswcis für die dritte Märzwoche ein Rachgeben der Kulisse. Am Geldmarkt machte sich weiter Angebot bemerkbar, doch blieb der Sah mit 3 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt ergaben sich gestern abend einige Veränderungen. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1957; gegen Pfunde 20,3875; von ilfancen hörte man London gegen Reuyork 4,8592; gegen Paris 124,1750; gegen Mailand 92,75; gegen Madrid 45,50; gegen Schweiz 25,2550; gegen Holland 12,12. Berliner Börse. Berlin, 25. März. Rachdem sich heute vormittag in den Bantbureaus die festen Kurse des gestrigen Abends gut behaupten konnten und die Stimmung darum weiter freundlich anzusprechcn war, enttäuschte der Beginn der Börse etwas durch seine Geschäftslosigkeit. Der Grundton blieb allerdings zuversichtlich, zumal für heute eine ganze Reihe von Anregungen vorlag. Man erhofft durch die bestimmte Reichstagsvertagung bis 3um Herbst eine weitere innerpolitische Beruhigung, verwies auf die Kanzlerrede bei der heutigen Eröffnung des Jndustrie- und Handelstages, den Dedi-Bank-Dericht, und glaubt, daß sich der noch notwendige Ankauf von 4 Millionen Dedibank-Aktien sicherlich noch 'im Kurse auswirken wird. Auch die Auslassungen des Geheimrats D u i s be r g auf der gestrigen Tagung der Bayerischen Industriellen war als recht börsenfrerindlich anzusprechen. Richt zuletzt war auch die weiter leichte Lage des Geldmarktes für die Börse mitbestimmend, da man mit einer 0,25prozentigen Reportgeldsenkung rechnen zu können glaubt. Das Geschäft war anfangs nicht umfangreich, doch bewirkten die Kundschaft, Spekulation und auch die Auslandsarbitrage (letztere auf die festen Äuslandsbörsen) eher Kauf- resp. Deckungsneigung. Mit einigen Ausnahmen zeigten die ersten Rotierungen ein- bis zweiprozentige Besserungen. Leonhard Tietz, Schubert & Salzer und Chade-Aktien gingen mit ihren Gewinnen noch etwas über diesen Rahmen hinaus. Hackethal gaben um weitere 1,50 Prozent nach. Anleihen und Ausländer ruhig. Pfandbriefe behauptet. Reichsschuldbuchfordcrun- gcn eher bis 0,13 Prozent fester. Die Geldsähe waren unverändert. Im Verlaufe wurde die Tendenz allgemein lebhafter und fester, wobei von den: Rcichsbankausweis für die dritte Märzwoche eine gewisse Anregung ausging. Bei einer Gesamtentlastung von 160 Millionen Mark erreichte der Wechselbestand mit 1465 Millionen einen schon lange nicht mehr innegehabten Tiefstand. Die Deckung besserte sich um 3 bis 4 Prozent Gegen 12.30 111)r wurde es, vom Farbenmarkt ausgehend, an dem angeblich eine größere Prämie zur Auslosung gelangte, allgemein etwas schwächer. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 25. März. Es wurden notiert: Weizen 296 bis 297,50; Roggen 250 bis 210; Braugerste 235; inländischer Hafer 184 bis 187,50; süddeutsches Weizenmehl Spezial 0 43 bis 44,50; Roggenmehl 28,50 bis 31; Weizenkleie 11 bis 11,25; Roggenkleie 12,50 bis 12,35 Mk. Tendenz: ruhig. Iubiläums-pferdemarkt in Gießen. Der Gießener Pferdemarkt, der heute morgen auf dem Platz an der Rodheimer Straße abgehalten wurde, war ein großer Erfolg. Aus Rah und Fern kam die Landbevölkerung nach Gießen, und bereits um 8 Uhr herrschte auf dem Platze lebhafter Betrieb. Auch die Stadtbevölkerung nahm starken Anteil und verfolgte mit großem Interesse die Vorführungen, die zum Zwecke der Prämiierung stattfanden. Der Pferdemarkt war durch das Wetter besonders begünstigt. Die Vorbereitungen waren mit aller Sorgfalt getroffen, so daß sich alles reibungslos abwickelte. Eine Musikkapelle trug mit ihren schneidigen Darbietungen zur Unterhaltung bei. Das vorgeführte Pferdematerial war fast durchweg von sehr guter Qualität. Insbesondere fiel auf, daß die oberhessischen Landwirte mit ihren Arbeitspferden eigener Zucht sehr stark vertreten waren und mit 38 Tieren, das ist bedeutend mehr als auf früheren Pferdemärkte::, zur Prämiierung in der Klasse der schweren Arbeitspferde gemeldet hatten. Der Austrieb betrug insgesamt 27 2 Pferde und 28 Foh- l c n. Der Handel stand im Zeichen der Geldknappheit und vollzog sich sehr schleppend. Di» Preise der Tiere hatten gegenüber früher keine Aenderung, insbesondere keine Herabsetzung erfahren. Für schwere Tiere bester Klasse wurden 1200 Mark und darüber bezahlt. Mittlere Pferde wurden mit 700 bis 800 Mark gehandelt, leichte Tiere kosteten 400 bis 500 Mark. Pferde geringerer Qualität wurden mit 300 bis 400 Mark verkauft. Von den aufgetriebenen Tieren wurden viele unverkauft wieder abtransportiert. Rachdem die Prämiierung beendet war, formierte sich der W e r b e u m z u g durch die Straßen der Stadt. Diele Zuschauer hatten sich ein- gefunden und säumten die Straßen. Am Festzug nahmen u. a. sehr viele Gespanne teil, die ihm das Gepräge gaben. Aus dem Brandplatz löste sich der Zug nach kurzen Schlußworten auf. Heber das Ergebnis der Prämiierung werden wir morgen berichten. Buntes Oie Seele der afrikanischen Kunst. Afrika ist lange der „dunkle Erdteil" für die Menschheit gewesen und ist es in mancher Beziehung noch heute. Wenn man auch das Land, seine Tier-, Pflanzen- und Menschenwelt so ziemlich kennt, so war doch die Seele der afrikanischen Kultur bisher verschlossen geblieben. Run erst hat der bekannte Afrika-Forscher Geh. Rat Leo Frobenius auf seinen letzten großen Forschungsreisen die (Sinntiefe dieser afrikanischen Kultur erkannt und aus ihren wichtigsten noch vorhandenen Zeugnissen, den Kunstwerken, gedeutet. In der von ihm jetzt herausgegebenen Monatsschrift „Der Erdball" veröffentlicht der berühmte Gelehrte eine umfangreiche Arbeit über die Kunst Afrikas, deren Wesen er zum erstenmal enthüllt. „Wenn wir die großen Mu- feeh Europas durchwandern", schreibt er, „in allen begegnen wir dem gleichen „Geiste", dem gleichen Charakter, der gleichen Ratur; aus welchem Teile Afrikas die einzelnen Stücke auch herbeigetragen fein mögen, sie vereinigen sich in jeder Zusammenstellung zu gleicher Sprache. Wenn der Beschauer nach einem Ausdruck hierfür sucht, so braucht er die sich ihm bietenden Bilder nur mit denen zu vergleichen, die die daneben vereinigten Sammlungen Asiens bilden: diese prunkende Schönheit schwellender und weicher Stoffe; diese phantastisch weichen Linien der Bilder und Skulpturen; diese berauschende Schönheit edelsteinübersäter Waffen, Kleider usw.; diese Sammlungen, die in aller Schweigsamkeit Märchen aus Tausend unt> einer Rächt künden. Im Vergleiche mit solcher Geistigkeit stellt sich der Ausdruck für „das Afrikanische" leicht und schnell ein: jeder Stoff hier hart im Faltenwurf, jeder Schmuck schlicht, jede Waffe einfach und zweckmäßig, jede Linie an Schnihwerk herb und streng. Da ist nichts, was als Ausdruck biegsamer Weichheit einzunehmen bestrebt ist, und alles strömt den gleichen Duft schwelender Hüttenfeuer, schweiß- und fettgetränkter Felle und tierischer Drüsen aus. Alles ist zweckmäßig, herb, streng, tektonisch. Dies ist der Charakter des afrikanischen Stiles. Wer sich ihm bis zum vollen Verständnis genähert hat, der wird bald erkennen, daß er als Ausdruck des Wesens ganz Ql f r i k a beherrscht. Er äußert sich in den Bewegungen aller Regervölker ebenso wie in ihren Plastiken, spricht aus ihren Tänzen wie aus ihren Masken, aus dem Sinn ihrer Religiosität wie aus dem Dahingleiten ihrer Lebensläufe, Staatsbildungen und Völkerschicksale, er lebt in ihren Fabeln, Märchen, Sagen, Mythen." Da die afrikanischen Völker heutzutage heiter und lebendfreubig sind, so muß dieser Stil ihrer Kunst zu einer Zeit entstanden fein, als noch eine andere Stimmung über dem Erdteil lag, und tatsächlich weist dieser Zauber der afrikanischen Kunst in ferne Vergangenheiten zurück. „Die Beschaffenheit dieses Erdteils, feine mangelhafte Gliederung, seine Teilung in einen Gürtel subtropisch armer und einen zweiten tropisch üppiger Ratur verliehen seinen Kulturen Geschick", schreibt Allerlei. Frobenius, „wurden seinen Stilen zum Schicksal. Einfachheit! Alle Geschichte spielt sich auf einem Boden ohne Heberraschungen und ohne wesentliche äußere Folgen ab. Herb die Gestalt, herb jeder Stil, schwach die Gliederung, schwach jede historische Auswirkung. Aber zäh und konservativ. Kein in der Rähe des Werderaumes der großen Weltgeschichte gelagertes Ländergebiet ist so geeignet, eingetragenes Kulturgut so gut und so lange zu erhalten wie dieser Erdteil. So wurde Afrika zu einer Konservenbüchse alter Kulture n.“ Die Entdeckung der Seele dieses Erdteils in seiner Kunst, wie sie Frobenius gelungen ist, erschließt uns ein neues Kapitel der Weltgeschichte: „Das durch schwere Sorge und Mühe Gestaltetete kann nicht anders fein als herb und ernst. Older als solches hat das Erreichte auch Bestand. So nur verstehen wir es, daß wir jene Kulturen, die im Mutterland Asien vor Jahrtausenden starben, in Afrika heute noch lebendig fanden — daß die Kunst, die in Europa in tiner Eiszeit dahinschwand, heute noch von den Händen kleiner Buschmänner geübt wird. Sie ist alt und herb, diese Seele Afrikas. Aber ihre Gestalten sind würdevoll! Afrika kann uns noch vieles geben." lerne kartenspielend! Belehrende Kartenspiele der verschiedensten Art sind uns bekannt. Wie alt diese Methode des „spielenden Lernens" schon ist, zeigen einige Mit-' teilungen im Buchhändler-Börsenblatt. Danach war cs der bekannte Dichter der Reformationszeit, Thomas Murner, der bei der Reueinführung der Institutionen des römischen Rechtes auf den Gedanken kam, ein „Juristisches Kartenspiel" in den Handel zu bringen. Die Karten enthielten belehrende Stichworte, und auch ein „Juristisches Schachbrett", auf dessen Feldern die Kapiteleinteilung des Corpus juris dargestellt war, sollte dem Publikum das neue Recht veranschaulichen. In Frankreich war es Iean Desmarost de St. Sorlin, der solche Unterrichts-Kartenspiele für den Dauphin, den späteren Ludwig XIV., zusammenstellte. Auf diesen Spielen waren die berühmtesten Könige und Königinnen von Frankreich zu sehen, sowie geschichtliche, geographische und andere Bilder. Bei uns hat im 17. Jahrhundert diesen Gedanken der betriebsame Nürnberger Darockdichter Harsdörfer, der Verfasser des „Nürnberger Trichters", der die Menschen so gern auf angenehme Weise belehrte, mit besonderem Eifer und Geschick aufgegriffen und brachte 1655 historische und astronomische Spielkarten, später auch „Ovidische und Moral- Karten" in den Handel. Das astronomische Kartenspiel bestand aus 52 Blättern, auf denen Sternbilder dargestellt und beschrieben waren. Einen Reudruck dieser Karten brachte 1719 ein gewisser Andrea „zu::: sonderbaren Ruhen der kunstliebenden Jugend" mit seinem „Reuinven- tierten belehrenden und ergötzenden astronomischen Kartenspiel" heraus. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Tie hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o.H., Lombardzinsfuß 6 v.H. .yranlruri a. .v„ Berlin Schluß» furd l'Uhr» fiurt Gchluß- funi Anfang» Kurs Datum 24.3. 25.3. 24.3. 25.3. 6% Deutsche Relchsanieihe von 1927 ....... —— — 84,75 _ 7% Deutsche Nelchranleihe von 1929 .......... Scutldie Anl.-Ablöl.-Echuld mit 99,8 — 100 — Austos.-Rechien....... 57,8 57,65 57,75 57,4 Scifll. ohne AuSlos.-Rechte . . 6% Hell, yoinflnat von 1929 6,25 6,25 6,2 6,2 (rNckzahtb. 102%)...... Lberhessen Provinz - Anleihe mit 93,5 — 93,5 — öluciDl.-'Jicdi^n...... 54,5 — __ $cut|die Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 .... 8% firanil. Hnv.-Bank Goldpse 56,5 — 56,6 — Xlil unlünbbar bi» 1934 . . . 7% grants. Hyp.-Bank Goldpfe 101,5 — — — unlünbbar 613 1932 ..... 95,5 iy«% dihcinlidie Hyp.-Bank 92,5 6% Pr. Landerpsandbriesanstalt, 100,5 100,5 6% Pr LandeSpianobriesansialt, itomm.-Cbl.01. 20...... •— — _ 7% Pr. Lcmdedpiandbriefanstalt, Psandbriese fli. 11 ..... A E G. obg. BorrriegS-Obligatio- 96,5 — 96,5 — 4% Ccfierrcld)l|