Ur. 225 Erster Matt 181 Jahrgang Donnerstag, 24. September 1951 Erich« ,n> löglich.auhei Sonntags unb Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Bietzen er Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. BlonatsBejugspret«: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» Seinen einjelner51umment folge höherer (Bemalt zerNsprechanschlllße «nterSamm«lnummer2251. Anschrift sür Drohinach- nchten »nzeiger «letze». poNIdferffonto: Hrontfurlam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnlck und Verlag: vrühl'sche Univerfilütr-Vuch. und Stelnöruderei L Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schlllitraße r. Annahme oon Anzeigen sür die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm »rette örtlich 8, auswärts 10 Reichspf einig; für Re» blameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20'. mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; sür Feuilleton Dr fj. Ibpriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und sür den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Frankreich will die Lage nicht begreifen. Der französische Kinanzmimster Flandin im Genfer Wirlschastsausschuß. — Kein Zusammenhang zwischen Krisis und Reparationslast. — Das politische Moratorium als Voraussetzung einer französischen Finanzhilfe. Bens, 23. Sept. (WTB ) Der französische Finanzminister F l a n d i n hielt im Wirtschaft»- ausfchusz der DölkerbundSveIammlung eine Rede. Als Ursache der Krise bezeichnete Zlandin die Inflation der Budget», die Lleberprvduktion und den übermäßigen Verbrauch und die Kreditinflation. RicmalS halten die Regierungen und die Völler sich theoretisch mehr für eine gröbere Solidarität ausgesprochen, niemals hatten sie auch nationalistischer gedacht und gehandelt. Iebes suche in der gegenwärtigen Krise eine Lösung, die seinen egoistischen Interessen am aeeignetsten sei. Wenn man von Sicherheit spreche, meine man die eigene Sicherheit, wenn man von Abrüstung rede, so dente man an d i e Abrüstung der anderen. Man sor- dere die Beseitigung der internationalen Schulden als wesentliche Ursache der Finanz- und Wirtschaslslrise, und man habe dabei besonders die politischen Schulden im Auge- Mehrere derjenigen Länder, deren Geldwesen ins Schwanken geraten sei, seien durch die internationale Zmanzregelung überhaupt nicht belastet. Aber auch Deutschland hat während mehrerer Iahre sich einer unbestreitbaren Sicherheit se.nes Geldwesens erfreut und sc.bst in der Zeit, als seine äußeren Schulden es viel mehr belasteten als heute. Die Untersuchungen der Basler Sachverständigen haben gezeigt, datz die jüngste Krise in Deutschland ihren Ursprung in der Zurückziehung der kurzfristigen Kredite habe. Das Iransferproblem wäre niemals akut geworden, wenn die Gläubigerländer blr#ft ober indirekt eingewlUigt hätten, die Zahlungen des Schuldners durch die Handels- oder Zahlungsbilanz auszugleichen. Wir hoben jo nicht nur als Bezahlung unserer Forderungen an Deutschland weigehend Sachlieferungen angenommen, sondern ich darf auch seststellcn, datz unsere handelsb lanz in den letzten Jahren mit Deutschland die Reparationszahlungen ausgeglichen hat. Bevor man nach neuen Krediten ru c,_ erklärte Fland n. f l e nun bafür so gen. daß b i t b c ft e - benben Kredite ausrechterhalte!' werben Die Verlängerung bet turziristigen Kredite mühte begleitet sein von energischen innerwirtschaftlichen Anstrengungen. Das sei bie notwenbige Voraussetzung für jebe Konsoli- bicrung des Geldwesens, das könne vielsach schon genügen, damit das Vertrauen wiedertehrt unb bas abgewanderte Kapital wieder zurüclslutet. Es sei aber zugegeben, dah das volle Vertrauen nur durch eine internationale Finanz- Hilfsaktion w ederhergestellt werden könne. Eine internationale Kreditak ion kann natürlich nur wirksam sein in einer Atmosphäre fortschreitender 'Beruhigung und auf Grund von cm* st e n Garantien, derart, dah das Land, dem die Aktion zugutekommt, sie nicht benutzt, um seiner eigenen sinanziellen Anstrengungen im Innern lebig zu werden. Die progressive Wiederherstellung des freien Warenaustausches und des freien Kapitalverkehrs ist nur durch gemeinsame A n - strengungen und durch internationales Denken möglich. E» ist die Pflicht der reichen Länder, denjenigen Ländern zu Hilfe zu kommen, die Kapital benötigen. Das wiedererwachende vertrauen wird aber nur langsam die Barrieren beseitigen, die sich absperrend vor die Kredite gestellt hoben. Wenn man von uns verlangt, dah wir in einem internationalen Rahmen grobe Finanzoperationen organisieren unb sogar garantieren sollen, wozu wir bereit sind, so muh man alle Schleusen be- Frie dens öffnen. Wir wollen in Frieden leben. Wir sind bereit, gemeinsam den Weg zu gehen, auf dem wir schon so viele Opfer gebracht haben und der einem relativen Wohlstand entgegenführt. Wir wollen uns aber nicht der milbigen Hoffnung hingeben, däh die gegenwärtige Generation, die die Lasten des Krieges und die Irrtümer der Rachkriegszeit zu tragen hat, den vollen Wohlstand und ein leichtes Leben kennen lernen wird. Ein« scharf« Entgegnung. (K-tgland stcttl die wahren Ursachen der Krisis fest 3m schroffen Gegensatz zum sranzösischen Finanzminister betonte der Vertreter der englischen Regierung, Sir Arthur Salier, dah die heutige Krise im wesentlichen auf dem fehlenden Gleichgewicht der Zahlungen zwischen Gläubiger - unb Echulbnerlän- b e r n beruhe und dah die Reparationszahlungen ohne produktive Gegenleistungen erfolgten. Der Preissturz habe die Reparationslasten noch weiter erhöht. Bei der Regelung der Reparationen hätte der Grundsatz des Preisniveaus mit berücksichtigt werden müssen. Die Politik der kurzfristigen Anleihen sei außerordentlich gefährlich, da diese Kredite stets dann zurückgezogen würden, wenn man Ile am meisten benötige. Das Gold habe, statt in normaler Weise regulierend zu wirken, in der hetzten Zeit durch die außerordentliche Anhäusung an einzelnen Stellen gegensätzliche Wirkungen ausgeübt. Salter forderte sodann mit großem Rachdruck vorläufige Hilfsmaßnahmen zur Uebertoinbung ber Änfe burch Herabsetzung ber Reparationen unb bet internationalen Zahlungen unb durch sofortige Prüfung der Lage, die nach Ablauf des Hoovermoratoriums eintreten würde Sir Arthur Salter wies weiter darauf hin, dah gegenwärtig b a B System bet Golbwährung nicht mehr funktioniere. Lediglich ein Fünftel ber Golbvor- räte ber ganzen Welt sei im Besitz ber Schulbner- länber, während Vierfünftel sich in den Händen der Gläubigerländer befänden. Eit Salter hob dann folgende sechs bemerkenswerte Punkte zur Uebertoinbung ber Finanzkrise hervor: 1. Die Aufrechterhaltung der bisherigen Schuldcn- regelung mäste zu einem Sinken der Lebenshaltung und damit zu einer weiteren Senkung der Preise fuhren. Selbst eine sofortige Senkung der Zollschranken würde sich nicht in einer sofortigen Ueberwindung der Krise auswirken können. 2. Satter empfahl, die Rotenausgabe der Staaten bis zu der gesetzlich zulässigen Grenze zu st e i g e r n . Line derartige Maßnahme könne Genf, 23. Sept. (TU.) Die große Rede des französischen Finanzminister- Zlandin im Wirtschaftsausschuß des Dölkerbundsrates hat in deutschen Kreisen einen ungünstigen Eindruck hervorgeruien. Man ero'.ickt in bet Rede einen wenig glücklichen Auftakt für ben bevor- stehenben Besuch der französischen Minister in Berlin. Insbesondere wird der schroffe unb hochmütige Ton in bet Rede des französischen Finanzministers hervorgehoben und daraus hingewiesen, daß Flandin im Gegensatz zu der öffentlichen Meinung ber ganzen Welt jeden Zusammenhang zwischen detKriseund demRe- parationsproblem ausdrücklich adle h n t und in umschriebener Form die deutsche Regierung allein für die gegenwärtige Rotlage Deutschlands verantwortlich gemacht hat. Allgemein ist besonders ausgefallen, daß Flandin von neuem, wenn auch in versteckter Form, politische Sicherheitsbedingungen als Voraussetzung einer Beteiligung Frankreichs an ber Ueberwindung ber Krise vorgebracht hat. Auch bie Berliner Blätter bringen allgemein ihre Enttäuschung über bie Rebe Flan- dins zum Ausbruck. Die „Germania" (Ztr.) stellt bie Frage, ob Flanbin vergessen habe, daß Länder wie Deutschland weitgehend gezwungen gewesen seien, vermittels vereinfachter Produktionsbedingungen den Export zur forcieren unb durch das Hineinpumpen ausländischer Anleihen den Wirlschaftskörper einigermaßen lebensfähig zu erhalten. Man hätte erwarten dürfen, bah ber soeben aus Paris nach Genf zurückgekehrte französische Finanzminister aus seiner intimen Kenntnis bet englischen Finanzvorgänge an- bete Konsequenzen gezogen hätte als bie- jenigen, bie er bem Wirtschaftsausschuß bes Hamburg, 23. Sept. (TU.) Die Reichstags- frattion ber Deutschen Volkspartei hielt hier am Mittwoch unter Vorsitz Dingelbeys eine Sonbersihung ab. Eie nahm bie Berichte ber eingesetzten Fachausschüsse über bie Frage bes öffentlichen Haushaltes, ber Gelb- und Währungspolitik, der Hauszinssteuer unb des gesamten Lohnwesens entgegen. Auf Grund eines Berichtes des Fraktionsvorsihenden über seine Verhandlungen mit dem Reichskanzler über bie erlassenen unb geplanten Maßnahmen der Reichsregierung unb über bie gesamte politische Situation fanb eine eingehende politische Aussprache statt. Die Fraktion verzeichnet mit großer Sorge und mit lebhaftem Unbehagen, daß bie Reichsregierung gegenüber einer mit jebem Tag gefährlicher werdenden Gesamtlage sich zu burchgreifendenEntscheidungen noch nicht hat entschließen können und daß die bisher veröffentlichten Maßnahmen einen unverkennbar einseitigen Charakter tragen. Dingeldey vor der preffe. In einer Besprechung mit Pressevertretern machte Dr. Dingeldey noch folgende ergänzende Ausführungen^ Wir sind ber Auffassung, dah bie augenblickliche Gefahrenlage so ungeheuer groß ist unb sich so schnell weiter verschärft, bah wir ein s o- fortigesunb entschlossenes Handeln eine Wendung der gegenwärtigen Krise herbei- führen. 3. Die politische Verschuldung umsaste gegenwärtig ein Fünftel der gesamten internationalen Verschuldung, stelle jedoch einen wesentlichen Faktor des gesamten Zahlungsgleich, gewichts bar. (Eine Verlängerung de» bisherigen Moratorium» sei daher zu erwägen. 4. Die Krise der kurzfristigen Kredite sei zeitweilig durch die Stillhalteabkommen für Deutschland zum Stlllstand gekommen. Diese Maßnahmen muhten jedoch weiter ausgedehnt und verlängert werden. 5. Die Vergebung neuer langfristiger Kredite sei unbedingt erforderlich. Die Voraussetzung hierfür sei jedoch eine Stärkung de» internationalen vertrauen». (Ein Ausbau der großen politischen Pakte durch Angleichung des. Völkerbundspakte» an den Kelloggpakt würde wesentlich zu einer Stärkung des vertrauen» beitragen. 6. Die private Kreditgewährung könne durch Garantien der Regierungen die bisher fehlende Sicherung erhalten und würde damit wieder neu belebt werden. Völkerbundes unterbreitete. Man habe geglaubt, dah er am Vorabend der Berliner Reise positivere Ankündigungen über die Bereitschaft Frankreichs zur Mitarbeit zu machen hätte. — Der „Berliner Dorsen-Eou- r i c r" (dem.) sagt, wenn der französische Finanzminister es noch immer verneine, dah die Beseitigung der Krieasschulben eine Erleichterung der internationalen ^2age herbeiführen würde, so beweise er damit nur, dah ihm das Urteil der gesamten nichtsranzösischen Welt gleichgültig und er selbst nicht geneigt fei, aus ben nur zu beutlich sprechenden Tatsachen auch nur bas Geringste zu lernen. — Die „Börsen- z e i t u n g" (tonf.) hebt hervor, wenn ber französische Minister sage, ber Bericht ber Sachverständigen zeige, dah bie Krise in Deutschlanb ihre Ursache nicht in den Reparationszahlungen, sondern in ber Zurückziehung ber kurzfristigen Kredite habe, fo zeige das. dah er die Lage Deutschlands nicht verstehen wolle. — Die „D A Z" (Dolksp.) hebt als das Wesentliche der Rede Flandins hervor, daß entsprechend der bekannten französischen Politik jede Hilfe in der Finanzkrise abhängig gemacht werde „von ber Sicherung bes Stieben s", b. h. dem politischen Moratorium, dem finanzielle Kontrollforberungen andeutungsweise hinzugefügt worben seien. — Der „Lokal-An- zeiget" (deutschntl.) schreibt, wenn Flandin soviel von der Wiederherstellung des allgemeinen Vertrauens spreche, so dürfe er nicht vergessen, dah dies nur dann eintreten könne, wenn man einem Lande nicht Kredite zumute, die es einfach nicht tragen könne und die immer wieder den ganzen Geld- und Kapitalmarkt stören oder gefährden mühten. der Reichstegierung für ein bringendes Erfordernis halten. Der Eindruck herrscht vor, dah oon einem Willen ;u einer wirklichen Füh - r u n g , auf die da» ganze deutsche Volk so sehn- füchtig wartet, bis jetzt nichtdosGeringsie zu spüren ist. Seit den Ereignissen des Juli konnte man als einzigste und wesentlichste Maßnahme der Reichsregierung die Einrichtung einer Bankenaufficht, aber von der Lösung weil wichtigerer Fragen, z. B. der Ueberwindung der Arbeitslofengesohr. ist bis heule nicht das Geringste zu spüren. Vor uns steht die große Frage erstens, ob es möglich ist, durch eine völlige Resorm der Hauszins st euer eine Belebung der Wirtschaft bis in die feinsten Kanäle durchzuführen und weiter, ob es möglich ist, den Hypo- t h e k e n m a r k t vor dem Zusammenbruch unb den Grundstücksmarkt vor einem völligen Verfall zu retten durch eine Auflockerung des Zwangsfystems der Wirtschaft. Die Lage hat eine gewaltige Verschärfung erfahren nach den letzten Ereignissen in England. Die Entwicklung in England bedeutet für den englischen Export eine ungeheure Unterstützung z u Ll n - g un ft en des deutschen Exports. Kommt hierzu noch eine Zollgesetzgebung gegenüber bem fremben Export,-so würde diese Gefahr sich noch weiter steigern. Man wird, so führt Dr. Dingel- dey weiter aus. das Gefühl nicht loS. daß die Arbeit ber Reichsregierung durch d ie Wünsche der Sozialdemokratie diktiert ist. Wenn man jetzt wieder von außerordentlichen Maßnahmen hört, die gegen Terrorakte vorgesehen sind, aber von außerordentlichen Maßnahmen zur Behebung der Wirtschast nichts, fo kann man fich des Eindruck- nicht erwehren, sdah der Reichskanzler diesem Gefühl erlegen ist. Rach Ansicht Dr. Dlngeldcys handele es sich heute vor allem darum, daß der Reichskanzler noch vor dem Zufammenlrill des Reichstags seine ganzen kräste sür die Bildung einer Regierung nach englischem Muster einsehe. Ls handle sich um die Errichtung einer Rotgemeinschast zur Bewältigung der schwierigen Arbeiten, vor die der Winter uns stellen werde. Daß er, Dingeldey. sich seinerzeit mit Hitler besprochen habe, sei nur eine Selbstverständlichkeit gewesen. Diese versuche müßten sortgeseht werden mit dem Ziel, nach allen Richtungen hin eine absolute Klärung zu schassen. Im Augenblick könne er nur sagen, dah der Grundton der gegenwärtigen Einstellung der Fraktion zum Kabinett Brüning äuherste Skepsis sei. In ber Frage bes Verbleiben- bes Reich-auhen- ministers Dr. L u r t i u - im Amt sei bie Relchs- tagsfrakiion weder Dr. EurtiuZ, noch dem Reichskanzler gegenüber irgendwie altiv geworden. Er lehne es ab, irgendwelche Aktionen gegenüber dem Reichskanzler in Angelegenheiten eines Fraltions- mitgliedes zu unternehmen. Persönlich habe er dem Reichsauhenminister gegenüber ganz offen feine Meinung über dessen politische Situation gesagt, aber lediglich mit dem Ziel, daß Dr. CurtiuS auf diese Aussprache die Entschlüsse basieren könne, bie er verantworten zu können glaube. Es erscheine ihm übrigens nicht gerade sehr rühmlich, den Anreger ber deutsch-österreichischen Zollunion, nachdem sie einen anderen als den gehofften Ausgang genommen habe, zu schmähen. Er nehme an. daß der morgige Empfang des Reichsauhen- ministers beim Reichspräsidenten eine Klärung bringen werde. Ungünstige Finanzlage der Reichsbahn. Berlin, 23. Sept. (WTB) Am 21 und 22. September 1931 tagte der Derwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft in Berlin. Die Entwicklung der Einnahmen war auch in letzter Zeit ungünstig. Der Personen- und Gepäckverkehr in den ersten acht Monaten 1931 weist gegenüber den gleichen Monaten des Vorjahres einen Rückgang um 120 Mill. Mk. (minus 12.7 v. H), der Güterverkehr einen Rückgang von 356 Mill. Mk. (minu- 17.6 v. H.) auf. Der gesamte Rückgang der Einnahmen beziffert sich bis Ende August gegenüber 1930 auf 489 Mill. Mk. gegenüber 1929 auf 955 Mill. Mk., das sind 26.9 v. H. weniger als 1929. Es ist der Verwaltung gelungen, einen wesentlichen Teil des Einnahmerückganges durch B e - triebsersparnisse auszugleichen. Es war möglich, die Gesamtausgaben im Iahre 1931 um 20. 7 v. H. gegenüber 1929 zu senken. Beschaffung und Aufträge an die Industrie muhten immer weiter gedrosselt werden, so dah nach dem derzeitigen Stande für 1931 3 8 v H. weniger Bestellungen gemacht werden als im Iahre 1929. Der Derwaltungsrat genehmigte für 1932 den Abschluß auf Lieferung von Schienen und fonstigem Material im Werte von rund 100 Will. Mk. Inwieweit weitere Arbeitsaufträge zusätzlicher Art von der Reichsbahn herauSgegeben werden können, hängt von dem Ergebnis der 4.5prozentigen steuerfreien Reichsbahnanleihe ab, zu deren Herausgabe der Derwaltungsrat seine Zustimmung gab. Gegen eine Verkümmerung der deutschen Bildung. Vorsicht beim Abbau der KuliurctatS. Der MitteldeutscheBuchhändler-Der* band befaßte sich in einer Versammlung mit dem Abbau der Äulturetats und seiner Folgen. An der Versammlung haben außer den Mitgliedern des Verbandes auch die führenden Persönlichkeiten aus den Bibliothekskreisen der Städte Frankfurt am Main, Darmstadt, Wiesbaden, Mainz. Gießen und Marburg teilgenommen. Die Versammlung hat eine Entschließung angenommen, in der sie an bie preußische unb hessische Regierung so- wie an die Stadt- und Gemeindeverwaltungen im Verbandsgcbiet das dringende Ersuchen richtet, bei der Aufstellung der Rotetats den besonderen Erfordernissen auf dem Gebiete des Bildungswesens Rechnung zu tragen. Die Streichungen an ben sachlichen Aufwendungen für Bil- dungszwecke, welche im Rahmen des für die öffentlichen Haushalte aufgeftellten Sparprogramms vorgesehen sind, machen im Vergleich zu den Gesamtetats nur geringe Summen aus, für die davon betroffenen Bibliotheken, Büchereien, Schulen unb fonftige Institute unb für ben Buchhanbel bringen sie schwerste Nachteile. Bibliotheken unb Büchereien, welche bie notwendigsten Neuanschaffungen nicht mehr vornehmen können ober nicht einmal mehr bie zur Erhaltung ihres Bestanbes er- forderlichen Mittel besitzen, sind bem Unter Em schlechter Auftakt zur Berliner Mise. Ungünstiger Eindruck der Zlandin-Mde in Berlin und Genf. Wie stehl die voitspariei zum Kabinett Zriimng? Dingeldey fordert mehr Willen zur Führung und eine Regierung der Rotgemeinschast nach englischem Vorbild. Sang geweiht. Schulen, die den Bestand an ehr- und Lernmitteln unter das nach pädagogischen Grundsätzen erforderliche Maß sinken lassen müssen, können ihre volksbildnerische Aufgabe nicht mehr erfüllen. Der Buchhandel, dem die Mittel aus öffentlichen Lieferungen entzogen werden, erleidet Ausfälle, die zur Einschränkung in der Produktion und in der Lagerhaltung zwingen und die in Anbetracht des ohnehin stark zusammengeschrumpften Absatzvolu- mens die Existenz vieler Firmen im Verlag und Sortiment gefährden. Zunahme der Erwerbslosen und das Brotloswerden vieler selbständiger Existenzen sind die unabwendbare Folge. Was der Fiskus durch die Streichung bei den Sachausgaben zu ersparen meint, wird zum wesentlichen Teil den öffentlichen Kassen durch erhöhte Anforderung der Erwerbslosenunterstützung wieder entzogen. Darüber hinaus muß aber die Versagung ösfent- licher Mittel für Bildungszwecke zur Verkümmerung in der Pflege der Kulturauf- gaben fuhren. Sie nimmt der Jugend wesentliche Grundlagen der Ausbildung, den Erwachsenen die Möglichkeit der Weiterbildung, der Wissenschaft die Grundlagen der Forschung und dem deutschen Volk und seiner Gesamtheit das Ansehen und die Bedeutung, welche es bisher auf allen kulturellen Ge- bieten besessen hat. Bevor bei den schwebenden Etatverhandlungen Endgültiges beschlossen wird, bittet die Versammlung daher aufs dringendste, Vertretungen der von den Maßnahmen betroffenen Stellen, insbesondere auch die Vertretung des Buchhandels zu hören und mit ihnen gemeinschaftlich zu prüfen, wie trotz aller Not und Bedrängnis dauernder Schaden in der Pflege und Erhaltung des Kulturbesitzes vermieden werden kann. Der Streit um die Mandschurei. Straßenbild aus Mulden, das von den Japanern besetzt worden ist. ■1* >; A; f 5L\ g Japan zieht seine Truppen zurück. Kein Bormarsch nee en Lharbin London, 24. Sept. (1DI23. Funkspruch.) Der „Times"-Korrespondent in Tokio meldet: Außer bei Mukden, Tschangtjchun und Lirin sind alle japanischen Truppen in der Mandschurei in die Lisenbahnzone zurückgezogen worden. Der Bericht, der von einem Vormarsch gegen Lharbin spricht, ist unbegründet. Dafür ist aber die Räumung dieser Stadt durch die japanischen Frauen und Kinder angeordnet worden. Die Japaner sollen den chinesischen Oberst K u a n , der beschuldigt ist, f ü r die Ermordung des japanischen Hauptmanns verantwortlich zu sein und der sich in chinesischer hast befunden hat. in ihreGewalt gebracht haben. Die Japaner bestehen darauf, daß 1 die Vorgänge in der Mandschurei nicht als Krieg, sondern als „Zwischenfall" angesehen werden ' müssen, der sich aus der Rotwendigkeit ergeben habe. Rechte und Interessen zu schützen, die China häufig verletzt habe. Demgemäß wird.angedeutet, die Regierung werde es nicht zulassen, daß man von feiten des Völkerbundes oder von anderer Seite sich auf den Antikriegspakt beruft. Die Angelegenheit fei vielmehr ausschließlich zwischen China und Japan zu regeln. Die Aktion des Völkerbunds. Genf. 23. Sept. (WTD.) Der Präsident des Dölkerbundsrats L e r r o u x hat getrennt mit den Vertretern Japans und Chinas über die Beilegung des Konflikts zwischen den beiden Andern verhandelt im Sinne des Auftrags, den ihm gestern der Völkerbund erteilt hat- Nachdem der Appell des Völkerbundsrats an die Negierungen von Nanking und Tokio erfolgt ist, erstrecken sich die weiteren Bemühungen des Rats- Präsidenten' jetzt darauf, die Zustimmung der beiden beteiligten Parteien zu praktischen vorläufigen Maßnahmen zu erhalten, die der Rat zur Beilegung des Konfliktes ergreifen könnte und die sich vor allem auf einen Still st and der militärischen Aktionen zu beziehen hätten. Diese Bemühungen wurden in einer Zusammenkunft der Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Großbritanniens fortgesetzt, die der Ratspräsident zu seinen Verhandlungen hinzugezogen hat. Die Besprechungen waren gegen 9 Tlhr beendet. Ein greifbares Ergebnis wurde auch heute abend nicht erzielt. Die Sitzung war größtenteils ausgefüllt mit Erklärungen und Gegenerklärungen der Parteien, aus denen der Rat ein Bild der tatsächlichen Lage und der im Augenblick möglichen praktischen Maßnahmen zu gewinnen suchte. Von chinesischer Seite wird nach wie vor die sofortige glatte Zurückziehung der japanischen Truppen verlangt, die bei dec Gegenseite auf erhebliche Bedenken und Schwierigkeiten stößt- Dagegen hat sich der japanische Vertreter nach langem Drängen der übrigen Ratsmitglieder bereit erklärt, seiner Regierung telegraphisch die Zustimmung zur Entsendung einer Kommission neutraler Beobachter in die Mandschurei vorzuschlagen. Auch Amerika fordert Zurückziehung der Truppen. Washington, 23. Sept. (WTB.) Staatssekretär S t i m s o n teilte mit, daß die amerikanische Regierung der Entschließung des Dölker- bundrates über den mandschurischen Konflikt vollinhaltlich zu stimme und Noten gleichen Inhaltes an die Regierungen von Japan und China senden werde. Er werde weiterhin auf baldigste Zurückziehung der Truppen drängen. — „Daily News" erklärt: Wenn Japan trotz des »^elloggpaktes in chinesisches Gebiet einmarschiere. so beweise dies, daß trotz des Antikriegspaktes die wehrlosen Nationen den anderen auf Gedeih und Berderb ausgeliefert sind. Die Gegner dieser These halten gerade angesichts des mandschurischen Zwischenfalls eine sofortige drastische Einschränkung aller Rüstungen für unerläßlich. Wie Japan die Ereignisse darstelli. Schutz der füdmand churifchen Bahn gegen chineftsche Truppen. Genf, 23. Sept. (TU.) Der japanische Botschafter Voshisawa hat am Mittwochabend dem Dölkerbundsrat eine Note übermittelt, in der der Hergang der Ereignisse vom 18. bis 22. September geschildert wird. In der Note heißt es. daß in der Nacht vom 18. auf den 19. September um 19.30 Uhr 350 Mann ch4 nesischer Trup- p e n im Norden von Mulden die südmandschurische Eisenbahnlinie gesprengt haben. Hierbei sei es zu einem scharfen Zusammenstoß mit japanischen Truppen gekommen, die sich gezwungen sahen, das Feuer zu eröffnen. Im Hinblick auf die Tragweite eines solchen Zwischenfalles habe der japanische Kommandant in Mulden in der gleichen Nacht die chinesischen Kasernen besehen und die chinesischen Truppen entwaffnen lassen. Nach diesem Zwischenfall seien unverzüglich die japanischen Truppen um Mukden herum konzentriert worden. Ferner habe die japanische Regierung notwendige militärische Maßnahmen zum Schuhe der Eisenbahn ergriffen. In Tschangtschun seien 60 Japaner getötet und etwa 100 von den Chinesen verwundet worden. Die japanischen Truppen hätten bisher die völlige Sicherheit der in der japanischen Kontrollzone lebenden Ausländer gewähren können. Da jedoch die allgemeine Lage, insbesondere durch die Haltung undisziplinierter chinesischer Banden und der Haltung der Bevölkerung beunruhigend wurde, sei das 39. japanische Armeekorps am 21. September von Korea nach der Mandschurei gesandt worden. China begrüßt das Eingreifen des Dö kerbundes. Nanking. 23. Sept. (Reuter.) Die Nachricht über das Vorgehen des Volkcrbundsrates ist hier mit großer Freude ausgenommen worden und hat die Atmosphäre gereinigt. Eine Massenversammlung. an der 100 000 Menschen teilnahmen, nahm eine Entschließung an, in der die Regierung aufgefordert wird, eine sofortige allgemeine Mobilisation anzuordnen. Zahl eiche Japaner haben Nanking verlassen und sind nach Schanghai ausgewandert, wo die ganze japanische Kolonie von Hangtschau gestern eingetroffen ist. Man befürchtet antijapanische Kundgebungen und Zwischenfälle, wenn nicht in kurzer Zeit Maßnahmen zur Beilegung des Konfliktes m der Mandschurei ergriffen werden. Kommunistische Kundgebung in Amsterdam. Amsterdam, 23. Sept. (ERD.) Als heute nachmittag die Königin in Begleitung des Prinzgemahls und der Thronfolgerin zum Besuche in Amsterdam eintraf, ereignete sich auf dem Platz vor dem königlichen Schloß ein Zwischenfall. Unter der zahlreichen Menge, die überall die Straßen und die Nachbarschaft des Schlosses umsäumte, befanden sich auch mehrere hundert Kommuni st en, darunter Mitglieder des kürzlich gebildeten Rotfrontkämpferbundes. Die Kommunisten brachen beim Herannahen der königlichen Kutsche in Rotfrontrufe aus, und stimmten später, als die Königin unter den Klängen der Nationalhymne von den Zuschauern begrüßt, auf dem Balkon des Schlosses erschien, die Internationale an. Die Volksmenge wies jedoch den kommunistischen Störungsversuch zuruck, indem sie oucch oegeiitertea* Millingen der Nationalhymne die Internationale übertönte. Die Polizei brauchte nicht einzuschrei- tert Bemerkenswert ist, daß in der gestrigen Ausgabe des kommunistischen Organs „De Tribüne'' zu der Kundgebung aufgefordert worden war. Kleine politische Nachrichten. Im Hessischen Landtag beantragt der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Werner die Aufhebung des gegen die NSDAP, gerichteten Llniformverbots. Im Falle dieser Antrag vom Landtag abgelehnt wird, soll beantragt werden der Erlaß eines allgemeinen Verbots der politischen und Partei- uniformen, insbesondere der des Reichsbanners Schwirz°Rot°Gold. Reichsernährungsminister Schiele wird am Samstag in Darmstadt sein und die Maßnahmen zur Beseitigung der außerordentlichen Ernteschäden in Hessen mit der Regierung besprechen. Beim bayerischen Justizministerium soll wenig Neigung für das Projekt vorhanden sein, Sondergerichte zur schnellen und strengen Aburteilung von Terrorakten, geschäftlicher Mißwirtschaft und verschiedenen anderen Delikten zu schaffen. Im preußischen Justizministerium soll ebensowenig Begeisterung für die Schaffung von Sondergerichten herrschen. Vermutlich würden auch die meisten übrigen deutschen Länder auf dem gleichen Standpunkt stehen. * Der Herr Reichspräsident hat dem Reichsgerichtspräsidenten i. R. Professor D. Dr- Walter Simons anläßlich seines 70. Geburtstages den Adlerschild des Reiches übermittelt und diese Auszeichnung mit einem Glückwunschschreiben begleitet, in dem es u. a. heißt: In langjähriger, rastloser Tätigkeit haben Sie als Präsident des Reichsgerichtes ihre große Schaffenskraft dem Wohle des Vaterlandes gewidmet. Nach dem Tode meines Amtsvorgängers haben Sie, getragen vom Vertrauen des vom Volke gewählten Reichstages, das höchste Amt des DeutschenReiches, das des Reichspräsidenten. bis zu meinem Amtsantritt verwaltet. In hervorragendem Maße haben Sie sich der wissenschaftlichen Pflege der internationalen Rechtsbeziehungen gewidmet. Vom christlichen Verantwortlichkeitsgefühl durchdrungen, haben Sie zur Ueberwindung der sozialen Not dem sozialen Schuhgedanken und der versöhnenden Arbeit der Kirche das Wort gesprochen. * In Verfolg der unter Vorsitz von Minister Schiele geführten Verhandlungen boten die Vertreter des Germania-Zentralverbandes deutscher Däckerinnungen. des Verbandes deutscher Drot- fabrikanten und der Konsumgenossenschaft für Berlin und Umgebung für Erwerbslose und sonstige Unterstützungsempfänger eine Verbilligung des Bro tes um 4 Pfennig für ein normales 2'/2-Pfundbrot an. * Die polizeiliche Untersuchung der Angaben der Julia Habli. die behauptete, bei dem Tor- bagher Attentat zugegen gewesen zu fein, und die einen ihrer Bekannten der Verübung des Attentates beschuldigte, wurde beendet. Alle ihre Behauptungen sollen sich als Erfindungen erwiesen haben. Aus oder Welt verbandstag der Postbeamten. Der Reichsverband Deutscher Post- und Telegraphenbeamten, der rund 150 000 deutsche Postbeamte umfaßt, begann in Berlin seinen Verbandstag. Der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Flügel, kritisierte scharf die überstürzte Rationalisierung und die starre Preispolitik der Wirtschast. Wenn der Deamtenbund nicht alles Unrecht an den Beamten verhindern konnte, so sei das darauf zurückzuführen, daß das Parlament sich selbst ausgeschaltet habe. In seinem Tätigkeitsbericht trat der Vorsitzende des Verbandes, Kugler, für eine Verbesserung der Anstellungs- und Deförderungsverhältnisse ein: er wandte sich gegen die Zurückdrängung des Berufsbeamtentums in der Postverwaltung und forderte die 48-Stunden-Woche. In der Aussprache wurden besonders stark die Wünsche der unteren und mittleren Besoldungsgruppen vorgetragen. Auch wurde die Anrufung des Staatsgerichtshofes wegen der Verletzung wohlerworbener Rechte der Beamten verlangt. Darauf erwiderte der Bundesvorsihende Flügel, der Deutsche Beamtenbund werde durch Prozesse feststellen lassen, was eigentlich wohlerworbene Rechte seien. Entlassungen auch bei der Deutschen Reichspost. Im Betriebe der Deutschen Reichspost zwingt die Abnahme des Verkehrs auch zu einer fewissen Verminderung der Arbeitskräfte. Um wsthelfer und -Helferinnen, die oft Ernährer ganzer Familien sind, möglichst lange zu halten, ist die Deutsche Reichspost dazu übergegangen, solchen verheiratetenBeamtinnen, die auf Kündigung angestellt waren, zu kündigen, wenn sie durch ihre Verheiratung versorgt sind. Dabei wird selbstverständlich von der Entlassung nur Gebrauch gemacht, wenn die Existenz des Ehemanns eine ausreichende Einnahme bietet. Dreifacher Raubmord in Dortmund. In Dortmund wurden der 59jährige Kaufmann Eduard Moser, seine Frau und feine Schwiegermutter, die Witwe Opwis, in ihrer Wohnung mit grauenhaften Verletzungen tot aufge - funden. Die Leichen sowie zahlreiche Gegenstände in der vollkommen durchwühlten Wohnung und der Fußboden selbst waren mit Pfeffer be st reut, ein Umstand, der ziemlich rätselhaft ist. Frau Opwis hat nicht in der Wohnung geweilt, während ihre Tochter und deren Mann niedergemacht wurden. Sie soll gegen 19 Uhr nach Hause gekommen sein, aber aus mehrfaches Klingeln keinen Einlaß erhalten haben. Erst als sie mit einem Schlüssel an die Scheibe der Flurtür geklopft habe, habe sie Einlaß erhalten. Im gleichen Augenblick muß sie von demTäter ergriffen und getötet worden fein. Die dem Ehemann Moser um den Hals gelegte Radioschnur soll anscheinend einen Selbstmord vortäuschen. Die Leiche der 73jährigen Frau Opwis lag noch so, wie die alte Dame am Montagabend von einem Spaziergang zurückgekehrt war, im Mantel und mit Handschuhen, in der Küche. Die Wohnung ist völlig durchwühlt worden. Der oder die Verbrecher haben sämtliche Behältnisse geöffnet, O wolkenlos O nriter <> naih Bedeckt. ® wolkig, e Bedeckt enegc^ * Schnee ^Graupeln • NeOel K Gewit'er.(§)windstille O sei» leichte* Os» nassioe* Südsüdwest stürmische icrdwesk 6ie Piene fliegen mn dem winde Oie oei oei> Stationen stehenden Zahlen gehen die Temperatur an. Die Limen verhmden Orte mi> gleichest tu! iheeresniveau umoerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Während im östlichen Deutschland durch die Ver- tiefung der Polenstörung heute morgen wieder Niederschläge auftraten, hat sich bei uns mehr der Einfluß des hohen Drucks durchgesetzt. Die Bewölkung ging weiter zurück, und infolge der Ausstrahlung lagen die Temperaturen in der letzten Nacht schon etwas unter dem Gefrierpunkt. Abgesehen von vorübergehender Wolkenbildung, die an der Rückseite des östlichen Tiefs noch hervorgerusen werden kann, wird unser Wetter durch den Hochdruck bestimmt, der sich jetzt mehr nach dem Festland auszubreilen scheint. Die Tempcraturgegen- sähe verschärfen sich dabei, und bei klarer Nacht tritt leichter Frost ein. Vorhersage für Freitag: Teils heiter, teils wolkig, stellenweise Frühnebel, leichter Nachtfrost, meist trocken. Vorhersage für Samstag: Fortdauer der Hochdruckwetterlage. Lufttemperaturen am 23. September: mittags 8,9 Grad Celsius, abends 4,3 Grad , am 24. September: morgens 2,5 Grad. Maximum 8,9 Grad, Minimum — 0,4 Grad. — Erdtemveraturen in 10 cm Tiefe am 23. September: abends 11 Grad; am 24 September: morgens 7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 3% Stunden. Schmucktassellen und Fuikerale erbrochen und wahrscheinlich beraubt. In der Küche lag eine geleerte Geldbörse. Dem Kaufmann ist die goldene Uhr abgerissen worden. Die Messerstiche rühren zweifellos von einem langen Fleischermesser her, das vorgefunden wurde. Im Korridor war das Diebesgutauf gestapelt, und zwar mehrere Kisten mit silbernen Bestecken, ein Radioapparat und wertvolle Kleidungsstücke. Zwei Sparkassenbücher über 5500 Mark wurden in einem Versteck gefunden. Der Regierungspräsident hat auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Dinlereinbruch in Südbayern. In ganz Südbayern ist ein Wintereinbruch erfolgt, wie er in diesem Ausmaß im September seit vielen Jahren nicht mehr erlebt wurde. Im bayerischen Allgäu schneit es seit über 24 Stunden fast ununterbrochen. Selbst im Flachland fällt der Schnee in dicken Flocken. Füssen hatte eine Schneehöhe von 5 bis 6 Zentimeter. In den Bergen liegt der Schnee b i 8 z u einem Meter hoch. Starke Schneeverwehungen führten zu schweren Verkehrsstörungen. Auf der Arlberg st raße mußte ein Auto aus dem Schnee geschaufelt werden. Das Wild lief scharenweise zu Tal. Der Schaden für die Landwirtschaft ist groß. Das Blechs das noch auf der Weide ist, findet nichts mehr zu fressen. Heber Oberstdorf und Umgebung ging ein Gewitter nieder, das von heftigen Hagelböen begleitet war. Auch München hat feinen ersten Schnee gehabt. Das winterliche Bild in der Stadt war jedoch nicht von Bestand. Unwetter und Temperaturrückgang haben in den Obst- und Blumengärten Schäden angerichtet. Die Lawinengefahr in den Bergen ist wieder groß; die in Bahrifch-Zell eingetroffenen Skiläufer werden gewarnt, jetzt in die Berge zu gehen. Daß bereits im Monat September derartiger Schneefall einfeht, ist seit 107 Jahren erst zweimal in München vorgekommen. Reiche Ausbeute zweier deutscher Grönlandsocscher. Die Leitung der Grönlandkolonie in Kopenhagen hat die Nachricht erhalten, daß mit dem Grönland» eirS)ans Egede" in den nächsten Tagen die beiden chen Grönlandforscher Dr. Georgi und Dr. Sorge in Kopenhagen eintreffen werden nachdem sie 4 0 0 Tage auf dem Grönlandeis zugebracht haben. Beide Forscher waren die ersten Menschen, die überhaupt aus dem Inlandeis überwintert haben. Dr. Georgi hat vier Monate lang Messungen vorgenommen. Dabei hat er in einem längeren Zeitabschnitt 65GradKältere. giftriert, was einen Weltrekord darstellt. Ferner hat er d i e st ä r k st e E i s d i ck e gemessen. Beide Forscher bringen ein selten reiches wissenschaftliches Material mit. Die Ueberrointerung war die schwierigste, die überhaupt jemals in der Geschichte der Polarforschung vorgekommen ist. Oft waren sie dem Erfrieren nahe. Die eisige Kälte drang durch die porösen Wände der Eishöhle, die ihnen als Wohnung Diente. Mangels Petroleums konnten die mitaebrach- ten Oefen nicht geheizt werden. Die beiden Forscher befinden sich bei guter Gesundheit, der Aufenthalt auf dem Eise scheint für fie keine nachteiligen Folgen gehabt zu Haven. Heuer Schnellverkehrswagen in Frankreich. Ein Autotriebwagen auf Gummi- rädern, den die französische Eisenbahnverwaltung auf der etwa 225 Kilometer langen Strecke Deauville — Paris versuchte, legte diese Strecke in zwei Stunden und fünf Minuten zurück. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 107 Kilometer, mitunter 120 Kilometer, während die schnellsten Züge auf dieser Strecke nur rund 85 Kilometer erreichen. Die Wetterlage. Xorumr 5 irt. IngO- .to< YJ Floni O7*i Mittwoch, den 43. September 10Ufa .txrpetn— ). .JL Jan rt» — ■ -"Thorsnavd TSZZMnl eSe Ti 2 na n*0 w 10-13 Uhr Räheres in Gießener I und von 15—20 Uhr geöffnet sein, der heutigen Anzeige. Aus der PromnaiafbauptflaOt Hießen, den 24. September 1931. Oie Winterhilfe 1931/32. * Kundgebung f ü r daS Stadttheater. Aus dem Stadrlhcatcrburcau wird uns geschrieben: Die augenblicksiche Desahr für das deutsche Theaterwesen wird in den nächsten Wechen an einer Reihe von Orten zu großen Kundgebungen luhren, die das Dewissen der Ocffentlichkcit zugunsten der Erhaltung der Theater wachrütteln sollen. Die erste derartige Kundgebung ist für Sonntag, 27. September, OasH eim der Alien und Hilfsbedürftigen Sin (Sang durch die Provinzialpflegeanstali. stark belegt. Die älteren Insassen sind für Lebenszeit in der Anstalt. Die Hilflosen und geistig Beschränkten meist auch. Außerdem sind einige junge Menschen beiderlei Geschlechts (18 biS 23- jährige) dort untcrgebracht, denen ein körperliches oder geistiges Gebrechen den Schritt in die Öffentlichkeit verbietet. Sie sind glücklickerweise die Minderzahl. Für die Pfleglinge dieser Anstalt ist viel getan. Sine Anzahl der Insassen wohnt in freundlichen Einzelzimmern, andere, die Mehrzahl, in den gemeinsamen Taaesräumen, im gemeinsamen Schlafsaal. Es stehen durchweg helle, luftige Räume zur Verfügung. die aber den Verhältnissen entsprechend einfach ausgestattet sind. DaS Leben vollzieht sich naturgemäß nach einer bestimmten Ordnung, Mahlzeiten müssen eingehalten werden, den Pfleglingen ist im allgemeinen aber viel Freiheit gegeben. Die betriebstechnischen Einrichtungen entsprechen neuzeitlichen Anforderungen. Die Küche ist mit modernen Dampf-Kochanlagen ausgerüstet, alle notwendigen Hilfsmittel stehen zur Verfügung. Den Insassen wird kräftige, reichliche, bür- gerliche Hausmannskost verabreicht. Die Wasch» Wichtig für jede Frau ist daS gute Aussehen und der natürliche Glanz des Haares Als be* sonders wirksam empfehlen wir Ahnen das Haar» glanz »Schaumpon „Schwarzkopf - EMa" mit der Schaumbrille Haarglanz" erfrischt das Haar und hält es gesund Die neue „Schaumbrille" häU während der Haarwäsche absolut sicher Schaum und Wasser von Ihrem Gesicht fern. Haarglanz und Schaumbrille finden Sie auch bei der neuen Spezral-Sorle „Extra-Blond" füe Blondinen. — KundgedungderRabikaldemokra- tischen P a r t ei. Am Freitag, 25. September, 20 15 Uhr, findet in der Turnhalle am Oswalds- garten eine öffentliche Kundgebung der Radikal demokratischen Partei (Landesverband festen) statt, in der Professor Quidde und Landtagsabgeord- ncter Reiber sprechen werden. Näheres in der heutigen Anzeige. — Oeffentliche Vorträge des Evangelisten Paul Schwefel, der schon früher hier in stark besuchten Versammlungen sprach, finden ab Montag nächster Woche bis einschließlich Sonntag, 4. Oktober, im Saale der Christlichen Versammlung ut Dießen, Lindenplah 1 — Eingang Wetzsteingasse — statt. Evangelist Paul Schwefel ist, wie man uns schreibt, ein bedeutender Redner, der seit Iahren in vielen — StnschwererDerkehr-unfall, dem ein junge* Menschenleben zum Opfer hei, ereignete sich gestern vormittag auf der Landstraße RciSkirchen—Dießen in der Kurve zwischen der Dansebura und der Straßenabzweigung nach Oppenrod Der erwerb-lose 22 Iahre alte Arbeiter Andrca-Burckhard aus Ettinaöhausen. der sich durch die Steigerung und den Verlaus von Obst einen Erwerb zu verschasfen suchte, befand sich mit einem Pferdefuhrwerk auf der Fahrt nach Dießen, um hier Obst zu verkaufen. Da- Gespann fuhr in vorschrift-mäßiger Weise auf der reckte« Straßenseite, während Burckhard zu Fuß neben* beraing und sich auf der linken Seite der Landstraße befand In der Kurve näherte sich dem Gespann von hinten her ein mit zwei Personen besetzte- Motorrad, da- einem Gießener gehört und sich aus der Fahrt nach Gießen befand. Beim Ueberholen des FudrwerlS erfolgte auf bisher noch nicht ganz aufgeklärte Weise ein 3ulammen- stob zwischen den Motorradlern und Vurck* Hard, wobei letzterer so schwer zu Toben geschleudert wurde, daß er einen Schädelbruch und anscheinend auch noch innere Verletzungen erlitt, wahrend die beiden Motorradler mit leichteren Verletzungen davonkamen. Ein auS der Richtung Dießen herankommendes Auto nahm den schwerverletzten jungen Mann mit nach Reiskirchen zur ersten Hilfeleistung, von dort wurde er nach seinem Heimat-ort Ettingshausen verbracht und dann aus ärztliche Anordnung der Chirurgischen Klinik in Dießen gugesuhrt. Hier ist der Bedauernswerte bald nach seiner Einlieferung an seinen schweren Verletzungen verstorben. Die Motorradler begaben sich von der Unglüd*ftelle gleichfalls zurück nach Reiskirchen und meldeten bei der zuständigeii Gendarmeriestation den bedauerlichen Unglückssall. Die Untersuchung des Vorfalls ist zur Zeit noch im Dange. (Schöffengericht Gießen. • Dießen, 23. Sept. Am 5. Iuli fand im Tafs Leib in Dießen eine nationalsozialistische Versammlung statt. Rach deren Ende begab sich eine große Anzahl von Mitgliedern der RSDAP. in ihr Stammlokal Soldan. Im Laufe bei Abends wurde telephonisch mitgeteilt, daß Parteifreunde in der Kaiserallee von Kommunisten überfallen worden seien und daß solche ihnen auch in der Anlage versteckt auflauern würden. Die Rationalsozialisten gingen deshalb nur gruppenweise nach Hause, zwischen 12 und 1 Uhr waren noch etwa 10 biS 12 von ihnen in dem Lokal anwesend. AIS nun wieder zwei den SelterSweg hinunter heimwärts gingen, kamen ihnen eine Reihe von Leuten, Über die Breite des DelterSwegS verteilt. entgegen, die sie als Kommunisten erkannten. Da die beiden einen ileberfall von diesen befürchteten, gingen sie in die Wirtschaft zurück und teilten daS ihren Parteigenossen mit, die nun ihrerseits auf die Straße eilten. Dort kam eS zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den politischen (Regnern, die zu einer Anklage gegen 10 Rationalsozialisten und 2 Kommunisten wegen 2m SamStagnachmittag fand in Dießen unter hem Vorsitz des Präsidenten vonHahn - Darmstadt im Syungssaale deS RegierungSgebäude« eine auS ganz Oberhessen gut besuchte Vertreter- Versammlung der Zweigvereine deS Roten Kreuzes und der Alicefrauen» ve reine statt, die sich mit der Durchführung der ..Winterhilfe" beschäftigte. Der Geschäftsführer deS Hess. Landesvereins vim Roten Kreuz, Polizeioberst a. D. S ch r ö d e r - Darmstadt trug die von dem Landesausschuß der Arbeitsgemeinschaft der Verbände der freien Wohl- - sahrtSpflege für die Winterhilfe 1931 32 auf- gestellten Richtlinien vor und bat um eifrigste Mitarbeit der Vereine des Roten Kreuzes In der Aussprache konnte von den Vertreterinnen und den Vertretern der Städte Dießen. Friedberg. Butzbach u. a. beruhtet werden, daß von den Vereinen der freien Wohlfahrtspflege bereit* * * •* Schritte zur durchgreifenden Linderung der Rot getan worden seien. Die vom Canbc^au*- schuß in ganz Hessen vom 15. Oktober bi* 15. Dezember durchzusührenbe Sammlung wirb sich in biefem Iahre nicht nur aus Veld, I sondern auch auf Naturalien erstrecken. Man I erwartet in Anbetracht der reichen Obsternte und der guten Äartoffelcmte gerade von der Ra- turakicnsammlung besonders gute Ergebnisse Die I Durchführung der Rothilse hat für Oberhessen die Innere NI.Ilion, für Starkenburg das Hessische Rote Kreuz und für Rheinhessen der Karitasverband übernommen. Zungdeulsche zur Behebung der sozialen Hot. Da» Führerkapitel der Ballet Oberhessen be» Jungdeutschen Orden», da» am 19 September im Hotel Köhler zu Gießen zur Beratung zufammengetreten war, faßte — wie man un» berichtet — zu dem Punkt Behebung der I sozialen N o t folgende Entschließung Die Not de» deutfchen Polke» steigert sich von Tag zu lag. Die Zahl der Erwerbslosen spricht eine ungeheure Sprache. Millionen von ihnen werden aller Vorau-sicht noch nie wieder damit rechnen können, in ihrem angelernten Berufe Arbeit zu finden ,, k „ Eine radikale U m b e s i e d e l u n g de» deutschen Raumes wird unausbleiblich sein. Eine großzügige West Ost-Bewegung muß einsetzen. Die ft ä r f e rc Be | i e M u n g des d e u I\ che n Oft en» wird den Weg aus der Not befchrelten lassen. Wir fordern daher vom Reich, Landern und Gemeinden, daß sie alle» tun. was nur irgend erreich- bar erscheint, durch Bereit st ellungoonLand den Willigen die Möglichkeit zu einer neuen, auf eigener Arbeit beruhenden Existenz zu bieten. Im Zusammenhang damit sprechen wir die ernfte Bitte an alle Verwaltungsstellen au», selbständig alle Möglichkeiten in Angriff zu nehmen, den überall >m Bolk zu beobachtenden Willen zum freiwilligen Arbeitsdienst zu nähren und zu sördern. Jede verantwortliche Verwaltungsstelle hat die Pflicht, Wege zu suchen, wie dieser freiwillige Arbeitsdienst zum Segen des gesamten Volkes und Staates fruchtbar gemacht werden kann Dazu ist jedoch notwendig, daß die bis jetzt gesetzlich getroffenen Maßnahmen erweitert werden, daß alle einengerben Bestimmungen fallen und eine VerbindungdesfreiwilligenArbetts- bien ft es mit dem S i e d 1 u n g s e r w e r b ge- 0 Jedem strebsamen Arbeitslosen ein Eigenheim und Erwerbsmöglichkeit auf eigener Scholle! Den Erwerbslosen rufen wir zu Reiht euch ein in bie Landnehmerkolonnen, die praktisch fiedeln wollen! Erkämpft euch mit uns euer Richt auf Arbeit und Brot! Wenn die Bureaukaten Der- jagen, schließt euch zusammen und erzwingt die Freigabe des Weges, der au» der Not herausfuhrtI Der Iungdeutsche Orden kämpft an eurer Seite!“ Wiedener rLochcnmarktpreise. gut denken, daß das Belsammenfein mit gleichaltrigen Menschen, oftmals auch mit gleichgesinnten Menschen, dem Einzelnen mehr bedeuten kann, als ein Leben unter Menschen, die durch den Existenzkampf ständig in Anspruch genommen sind und sich wenig um die Aelteren kümmern können. Daß daS Vorurteil gegen die Anstalt nahezu als überwunden betrachtet werden darf, geht daraus hervor, daß eine Reihe von Vormerkungen für die Männer- und Pensionäreabteilungen stets vorliegt, denen in größerem Umfange aber erst dann entsprochen werden kann, wenn der zur Zeit im Bau befindliche Reubau des Kinderheims seiner Bestimmung übergeben werden kann. Die hohe Bedeutung der Anstalt in sozialer Hinsicht dürste nicht umstritten sein und ihre segensreichen Wirkungen vermag nut derjenige abzuschähen, der sich einmal durch Augenschein davon überzeugt hat, daß für die Alten und Hilflosen tatsächlich außerordentlich viel getan wird und daß man um deren Wohl ernsthast bemüht ist. Körperverletzung führten. Die umfangreiche Houptverbandlunp konnte, wie das leider bei derartigen Schlägereien meistens der Fall ist, eine völlig einwandfreie Aufklärung der Vorgänge in allen Einzelheiten nicht bringen. Die Hauptbcleiligten, von denen einer wegen Krankheit nicht erscheinen konnte, waren alle angenagt. Ihre Angaben, wie auch die ihrer anwesend gewesenen Freunde waren naturgemäß vorsichtig aufzusassen. Unbeteiligte Zeugen waren erst durch den Lärm der Schlägerei aufmerksam geworden und konnten über deren Entstehung und die Beteiligung der einzelnen Angenagten nichts auSsagen. DaS Gericht sprach vier Rationalsozia- listen und die beldenKommunisten mangels Beweises frei und verurteilte fünf Ra- t i o n a l i st e n zu Geldstrafen von 100 biS 400 Mk. ES hielt für erwiesen, daß der eine Rationalsozialist. ohne in Rotwehr zu lein, auf zwei ihm nacheinander entaeaenkommenoe Kommen sten g sch eigen habe, und daß alle Verurteilten gegenüber _em einen angeklagten Kommunisten die Rotwehr ganz erheblich überschritten, den anderen Kommunisten aber, ohne daß von einer solchen die Rede sein könne, körperlich verletzt hätten. Mit Rücksicht auf die bei der ganzen Sachlage begreifliche Erregung der Verurteilten wurde von der Verhängung einer Freiheitsstrafe abgesehen. Große Strafkammer Gießen. Ein Steuersekretär aus W i e s e ck verfolgte Berufung gegen ein Urteil de- Erweiterten Be- zirksschöftengerichtS Dießen, durch das er wegen Unterschlagung zu vier Monaten Gesäug- n i S verurteilt worden war. Gr war un Rebenberus Leiter der OrtSstelle der Allgemeinen Ortskrankenkasse deS Landkreises Gießen und der Landkrankenkasse des Landkreises Dießen in Wieseck und hat in dieser Stelle im Lause der letzten Iahre namhaste Beträge — die genaue Summe ließ sich nicht seststellen — beiseite gebracht. Heute, wie in der ersten Instanz, bestritt er seine Schuld, er wurde aber durch die umfangreiche Beweisaufnahme wieder überführt. Da auch die Staatsanwaltschaft wegen des Strafmaßes Berufung eingelegt hatte, war die Strafkammer in der Lage, der Schwere der Verfehlung entsprechend die Strafe auf sechs Monate Gesiängnis zu erhöhen. Teilweise Erfolg hatte ein Obersteuersekretär aus Friedberg mit seiner Berufung gegen ein Urteil des Bezirlsschösfengerichts Gießen. Statt einer Zuchthaus st rafe von einem Iahr erhielt er drei Monate Gefängnis Das Gericht konnte sich auf Grund der 'Beweisaufnahme nicht davon überzeugen, daß er gewisse Fehlbuchungen und Umdatierungen von Schecks in der Absicht vorgenommen hatte, sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen- es nahm in Übereinstimmung mit dem als Zeugen vernommenen Vertreter des LandeSsincuuamts und an- deren Zeugen an, daß es dem sehr schüchternen, unbeholfenen und weltfremden Angeklagten nur darum zu tun war, gewifse Unregelmäßigkeiten, zu denen er in einer Rotlage gekommen war, nicht vorzeitig herauskommen zu lassen. Tatsächlich ist dem Fiskus kein Schaden entstanden. anlagc ist ebenfalls durchaus neuzeitlich eingerichtet und auf Leistungsfähigkeit eingestellt, da sehr Diel an Wäsche anfällt. Ueberflü'iig ju sagen, daß man sich stet- bemüht, allen Anforderungen der Hygiene gerecht au werden. 3m Kinderheim erfahren die der Anstalt anvertrauten Kinder sorgfältige Pflege. Don Geburt bis zum schulpflichtigen Alter sind sie hier vertreten und verbringen sorglose Tage. Dem K in- h.rheim steht eine Höhensonne zur Verfügung, tnc gute Dienste tut. Unter der Veitung einer tüchtigen Oberschwester (ber zwei weitere Schwestern und sech- Lehrschülerinnen zur Verfügung stehen) befinden sich die Kinder unter steter sachgemäßer Aussicht. Für die Pflege und Wartung der Insassen deS Männer» und FrauenbaueS. sowie deS Pen- sionäre-Pavillons stehen insgesamt nur 29 Schwestern und Wärterinnen (säst au-schließlich ist in der Anstalt weibliches Personal tätig) zur Verfügung. Diese niedrige Zahl an Personal läßt sich allerdings nur dadurch erklären, daß für leichte Arbeit die Pfleglinge herangezogen werden können. Für die Leitung und für die umfangreiche bureautechr.ische Tätigkeit stehen neben dem Direktor nur drei Angestellte zur Verfügung. Der Dienst der Schwestern und Wärterinnen ist schwer. Reise ältere Menschen sind nicht immer leicht zu leiten, ordnen sich nicht ohne weiteres der Gesamtheit unter, beharren manchmal auf ihrem eigenen Willen, dem die Schwester oder die Wärterin nur in verbindlicher Weise begegnen kann. Takt und Höflichkeit, Milde und Berftänbnle sind die Borausfctiungcn für die Arbeit auf diesen Posten. Die Provinzialpflegeanstalt ist, wie mehr oder weniger jede rein soziale Einrichtung, ein Zuschußbetrieb. Allerdings werden hier die Unkosten. die die Unterhaltung der Anstalt verur» fachen, durch verschiedene Faktoren herabgedrückt. Durch die landwirtschaftliche Bearbeitung deS DartenS. durch den Anbau von Kartoffeln und Gemüse auf dem Grundstück der Anstalt, die fast ausschließlich durch die noch arbeitsfähigen 3n- fafsen erfolgt, wird manche Ausgabe gespart. Außerdem ©erben, um den Fleischbedarf nur einigermaßen zu decken, jährlich in den anstalts- cigencn Schweineställen etwa 20 biS 25 Schweine gemästet. Aus diese Weise wird ebenfalls viel Geld gespart. Für die einfachen Arbeiten in der Küche oder in der Waschküche werden anstellige Frauen ober Mädchen verwendet, so daß der Zuschuß, dessen die Anstalt bedarf, immerhin in erträglichen Grenzen bleibt. Verschiedentlich stößt man, wie uns erklärt wird, in städtischen und ländlichen Kreisen aus ein Vorurteil gegen eine Ausnahme in die Provinzialpflegeanstalt, ein Vorurteil. das durchaus jeder Grundlage entbehrt und daS vielleicht zu einer Zeit berechtigt gewesen sein mag. da die Altersversorgung in derartigen Heimstätten noch nicht so ausgebaut war wie heute. In der heutigen Zeit jedoch, in der man sich in hohem Maße die Schaffung vorbildlicher sozialer Einrichtungen angelegen sein läßt, ist ein solches Vorurteil unberechtigt. ES läßt sich sehr 16 Uhr. vom Stadttheater Gießen angeseht worden. Als Redner wurde Dr. Oscar Goetz» Berlin, der Ehesredakteur des «Deutschen Theater- dienstes", verpflichtet. Im Anschluß an seine Ansprache wird ein von Dr. Alfred Dock verfaßter Prolog vorgetragen werden. Sodann geht Stefan Zweigs Einakter „Der verwandelte Komödiant" in Szene. Die Veranstaltung wird ure 20 älhr wiederholt. •* S i n Achtzigjähriger. Am morgigen Tage vollendet einer unserer bekanntesten Mitbürger. Herr Daniel Heil, fein 83. Lebensjahr. Siner alten Gießener Familie entstammend, hat er sich aus kleinen Anfängen heraus durch Fleiß und Tüchtigkeit zu einem hochangesehenen Geschäftsmann emporgearbeitet, dessen Zigarrenhandlung auf dem Lindenplatz sich einst eine- großen Kundenkreises erfreute. Leider ist auch er. wie so viele andere, ein Opfer der unseligen Jnslation, ein Kleinrentner geworden. Bei feinem stets freundlichen und entgegenkommenden Wefen konnte es nicht ausbleiben, daß Herr Heil sich zahlreiche Freunde und Bekannte erwarb. Seine Kenntnisse und Fähigkeiten sind auch der Allgemeinheit in reichem Maße zugute gekommen. Im Aufsichtsrat der Handels- und Gewerbebank, dem et schon seit 39 Iahren angehört, ist er eifrig tätig. Ebenso arbeitet er seit 25 Iahren in der Städtischen Pferdemarktdeputation mit, wozu ihn seine Sachkenntnis besonders befähigte. Diese Arbeit führte ihn auch frühzeitig in den Reiterverein, der ihn zu seinen treuesten Mitgliedern zählt Roch bis vor wenigen Iahten hat er selbst eifrig dem Reitsport gehuldigt. Seit 20 Iahten ist er Mitglied des Vorstandes des Tierschutzvereins. in dem er ebenfalls eine rege Mitarbeit entfaltet Herr Heil erfreut sich noch einer vorzüglichen Gesundheit Möge es dem Achtzigjährigen vergönnt fein, im Verein mit feinet Lebensgefährtin sich noch lange eines schönen Lebensabends zu erfreuen. " Eine Siebzigjährige. Am morgigen Freitag begeht Fräulein Minna Kruse, wohnhaft Weserstraße 16. in geistiger und körperlicher Frische ihren 70. Geburtstag. Die Iubilarin dürfte vielen älteren (Siebenem noch auS jener Zeit gut in Erinnerung fein, da sie in den Gaststätten ihres Vaters (.Lahnstein" und Lonys Dierkeller) um das Wohl der Gäste besorgt war. Die Gießener kennen sie. die Heimstätte der Alten und HilfSbedürstigen. die Stätte, da bie Müden ihren Lebensabend verbringen. Auch die Hilfsbedürftigen, die Hilflosen. Sie sich im Kampf um die Existenz nicht behaupten könnten, trell ihre geistigen und körperlichen Unzulänglichkeiten ein unüberwindliche- Hindern,- bilden, wohnen, leben dort, fern dem Trubel unterer lauten Tage, sozulagen am Rande unterer Tage, und hören nur wenig von dem Lärm, der unS umgibt, der untere Rerven strapaziert und unS oft genug des Pertönlichen entwöhnt Vir Proolnjlal-pflegcanftall an der Llcher Straße ist eine Welt für sich. Das Leben vollzieht sich dort in einem gleichmäßigeren Rhythmus, mit mehr Ruhe und Beschaulichkeit. mit weniger Sorgen und Mühen — soweit eS diejenigen anbetrifft, die Oie Gäste und die Insassen sind. Um einen großen Hos, der von Bäumen Überschattet, mit Rasen angesät, mit Buschwerk bepflanzt und von Wegen durchzogen ist, die au Spaziergängen einladen, gruppieren sich b*e Gebäude der Anstalt, die einen freundlichen Anblick bieten. Dominierend stehen sich Männer- und Frauenbau in gleicher architektonischer Gestaltung gegenüber, das Berwal - tungdgebäube, in dessen oberen Stockwerken einige Wohnungen emger djtcl s nd trennt ben Hoi von der Straße, dem Verwaltungsgebäude gegenüber steht ein besonderes Gebäude, in dem Koch» und Waschküche untergebracht sind, links hinter dem Männerbau liegt leicht erhöht, gegen die Anlagen an der Luthereiche AU, ber Pavillon für Pensionäre, gegenüber steht im Schotten einiger Bäume da- Kinberheim, schließ- । lich ist noch ein kleines Krankenhaus da, niedrig, freundlich aber in feinem Hellen Anstrich, sauber ist alleS. schön, in bester Ordnung und in mustergültiger Vernässung Von vielen Zimmern und Demeinschastsruumen aus bietet sich ein prächtiger Ausblick in daS Schifsenberger Tal und die bewaldeten Höhen, nebenbei sei bemerkt, daß hinter dem Betriebsgebäude ein weitere- niedrige- festes Gebäude steht. daS al- jawohl — al- V i e h st o l l eingerichtet Ist. DaS gesamte Areal, da- zur Provinzialpflegeanstalt gehört, umfaßt eine Fläche von 13 Morgen. Ein großer Teil dieser Fläche ist landwirtschaftlich auSge- n ü tz t. Diejenigen, die noch arbeiten können und wollen, arbeiten dort freiwillig und tragen dadurch zu ihrem eigenen Unterhalt bei. Viele kön- nen nicht mehr arbeiten oder konnten nie arbeiten I — andere wieder (deren gibt es auch eine Anzahl) wollen nicht arbeiten. ES zwingt sie aber auch niemand zur Arbeit. Es ist nicht die Aufgabe einer Provlnzialpflegeanstalt, von den Insassen Arbeitsleistungen zu fordern. In der Anstalt sind etwa 250 Pfleglinge 1 (133 Männer und 117 Frauen) untergellracht. Im Pavillon der Pensionäre wohnen 26 Personen, das Kinderheim ist wechselnd mehr oder weniger wie immer, um 11.15 Uhr. — Handgewebe-AuSstellung. Die Handweberei des Bundes Deutscher Iugendvcr- eine auf Schloß Westerburg, die bereits schon vor zwei Jahren einmal ihre Erzeugnisse in Gießen zeigte, veranstaltet in den Tagen vom 25. biS 30. September im Lass Ebel eine Handgewebe- Ausstellung, die einen interessanten Einblick in das kunsthandwerkliche Schassen der Handweberei» Werkstätten auf Westerburg gewinnen lassen wird. Im Rahmen der Ausstellung wird an Hand-Web- rahmen und Webebrettchen bie Technik der Handweberei in ihren einfachen Formen gezeigt werden. Die Schau wird täglich von SS kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 150, Matte 30- 35 Pf. daS Pfd., Sier 10-11 Pf. daS Stück. Käse 10 Stück 60—140 Pfennig, Wirsing 8—10. Weißkraut 6—7, Rotkraut 8—10. gelbe Rüben 8—10. rote Rüben 8—10, Spinat 20—25. Römischkohl 8—10, Bohnen 15-25, Unter-Kohlrabi 5—6, Tomaten I ©täbten deS In- und Auslandes durch feine 20—25, Zwiebeln 8—10. Meerrettich 40—80, Kür» Tforträgc in großem Segen wirkt. Im heutigen biS 5—6, Pilze 20 -25, Kartoffeln 3,5—4. Früh- Anzeigenteil wird zu diesen Vorträgen einge- Lpfcl 8-10, Falläpfel 3-4, Aepiel 8-10, Birnen ladrn. 8-15. Dörrobst 30- 35, Pfirsiche 40—60. Prer- __ Achtung Austral ienI Achtung helbeeren 30—35. Brombeeren 30—35, Zwetfchen 2lflen ! Am nächsten Sonntag gelangt im Llcht- 10-12. Honig 40 - 50. Rüsse 35-40, Junge Hähne spielhaus Bahnhofstraße durch die „ArbeitS- 90- 100. Suppenhühner 80—100 Ps. das Pfund, gcmeinscha^t Lichtsp elhaus-Doethebu b ein berauben 50 - 60. Blumenkohl 30—70, Salat 5^-10, beutfamer Kulturfilm zur Ausführung, der von Salatgurken 15-20, Sinmachgurken 2-4. Endi- ®0(in Roß gedreht worden ist. Der bekannte Vien 10—15, Ober-Kohlrabi 8—10, Lauch 5—10. I Forsche hak Australien durchquert und dabei er- Rettich 10-15, Sellerie 10—40 Pf. das Stuck, staunliche Dinge in Bild und Ton festgehalten. Radieschen 10—15 Pf. daS Bund. Kartoffeln 2.80 vermittelt dem Zuschauer die Kenntnis ur- bis 3 Mk.. Aepfel 5-7 Mk., Weißkraut 3.50 bis weltlicher Flora und Fauna, erzählt von rätsel- 4 Mark. Wirsing 6 Mark, Rotkraut 6 Mark per hg^en Tänzen und Zeremonien der Ureinwohner Zentner. Australiens und führt angesichts ber riesigen Vornotizcn. I menschenleeren Flächen bteses Landes htn- - Tageskalender für Donnerstag «in in ein Problem unserer Zeit. Raum ohne GemeinniHige Deutsche Bühne für Dolkshygicne. Dolk. um bann f<£on 20 Uhr. Stadttheater, Gastspiel „Die Tragödie des bic gar^e Tragik ^^^schenuberfullten ^ud- Arztes'. — Lichtspielhaus, Bahnhosstraße: ,Lm °^osiens au jurollen. 5>cr ^Im fuhrt Westen nichts Neues". - Astoria Lichtspiele, Selters. Me öubfee und nach ^eul«lanb und giat so einen mcü ')inf Oohon iinh Tnh" T)»r HarmDancnführer I Eindruck von einer anderen, den Europäern frem w I d-n W-tt. Di- Ädturtihn-TorfttHung beginnt. Eisenach: 20.30 Uhr, Vortrag, .jum Postkeller". — Bausparvertrag Die Bausparkasse Thurinaia Eisenach veranstaltet heute. 20.30 Uhr. einen Vortragsabend im .Postkeller". Dank- dircktor a. D. W. Holl. FranNurt a. M.. wird über die .Ablösung hochverzinslichcr Hypotheken" und über die .Finanzierung von Eigenheimen auf zinsloser DasiS" sprechen. Räheres in der gestrigen Anzeige. ,A Kr Ä gor n" HK •n Toqcfl 1 W",m @ 1 »in S> DsL w **’ ÄiM öeL dl Menden -l chliepch d« neurs m d. alles W 01 diantzt dem kam, und n Man wir unmittelbar auffallenden gefuhlder< imar der w dehara in hallnis des. tcn, einfchlw zeichn^ In Hara diese I Abschluß der gar nid) auf China c Volkes md c um internal den Japan der Ministe China zur liche i)il In Wahr tisch, aber e durchaus ni fchränkung ries eine h nationalen ljorf)betflgte oember 19c cfjibMa , verhaßt, da ausgebot bei treten wagte Wendete japanischer Politik gegi wieviel mel Chino! „aktiver" d. druck zu ur ganz obgeri China groß Einigung ma schien, übte 5 Ärsrhishaber liang aus, schließen, und der bürgert überspielen i fische Nordh' Stärker hab der Mandsrl den können lllun solg wie die Po Empörung Außenpoliti doch die alb geben? Chir als im Juli lchen Einwai Japans, und wie säst bei Aus der ( In der S wehrhaft tr dauern, oo und hohen besetzt wäh. Dreispitz uni 'N dem alles Form, der Autorität eii land, die °"ßer Kraft -latfache dem ma9, können 77 bar bebeut Inyn Eiche, i?nf der Welt Jtunbtage der 7?^erweist f, Mitut den = Ms und K? ell. die { äluU> .Ache V. ft nid» °! 3’nnbes? Fren' Dam KAufionsd 7'chopft, daß °n 1 086 No "«i-tru Ljb,e Aank ?®n der tu "Ä* in.^ch anbei ÄNä Nwlz ' W T tzb LK Apfelweinfässer 6296 r | NÄCHSTER VERTRETER: 6313 l)\ verkauft 6295 b Der Konkursverwalter. im Namen der Hinterbliebenen: Elisabeth Bücking, geb. Hefe. Gießen, 23. September 1931. Radlkal-Oeniokvattsche Vaviei 6291 D Landesverband Setten 6292 D Vereine neben. 15874A Ihre Vermählung zeigen on Familie Willi Philippi werden, und zwar: 6285V Los Los SWgrzerSlillel 6286V geben werden. Teteubon 3202. Gute Mantel-Stoffe Er- Grolle Iklien tallschaii der Landes-Heil- und Pslegeanslall Gießen. 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Man muß aber sagen daß die Ereignisse, die sich in diesen lagen in der Submandschurei abspielten, mit besonderem Grunde die Aufmerksamkeit auf sich lenken Denn die Beschießung und Besetzung der Hauptstadt M u k d e n durch die Japaner, die ßan düng japanischer Truppen auch in Schantung mit bem duichsichngen Zweck, eine militärische Sverre zwischen ber Manbschurei unb bem übrigen China iu schassen, bie Durchichnribung sämtlicher nach China sührenben Telephon- unb Telegraphenbrahte unb schließlich bie (Ernennung eines japanischen Gouver neurs in ber Hauptstadt ber Manbschurei,— bas alles sieht verteufelt nach einem Krieg aus unb brängt bem Politiker bie Frage auf, warum es so kam, unb was bieser Konflikt bedeutet. Man wird wohl kaum fehlgehen, wenn man als unmittelbaren psychologischen Beweggrund zu der aussallenden Militaraktion bas gereizte National- gesuhl ber Japaner bezeichnet. Im Januar b. I. hat zwar ber Leiter ber japanischen Außenpolitik Shi- b e h a r a in einer großen Parlamentsrebe bas Verhältnis bes Jnselreiches zu allen auswärtigen Mach ten. einschlkßlich Chinas, als burchaus frteblid) bezeichnet In bezug auf bie Westmächte stützte Shibe- Hara biese seine Charakteristik ber Lage auf ben Abschluß bes Londoner Flo11enpakts, der gar nicht hoch genug einzuschatzen sei; in bezug auf China aber auf die Sympathie des japanischen Volkes mit dem Mampf des chinesischen Brudervolkes um internationale Gleichberechtigung einem Kampf, den Japan selbst seinerzeit zu sühren hatte. Ja, der Minister erklärte wörtlich, Japan sei bereit, China zur Erreichung dieses Zieles jede mögliche Hilfe zu gewähren In Wahrheit gestaltete sich die Lage — innerpoli- tisch, aber eben mit Rücksicht auf die Außenpolitik — durchaus nicht so friedlich Die Zustimmung zur Ein- schränkung seiner Flotte, die Japan in London gab, rief eine heftige Reaktion in den den überlieferten nationalen Idealen anhängenden Kreisen hervor. Der hochbetagte Premier H a m a g u t \ d) i wurde im No. vember 1930 zum Opfer eines Revolverattentates, Shidchara selbst aber wurde in diesen Kreisen so verhaßt, daß er nur mit einem großen Polizeiaufgebot den Sitzungssaal des Parlaments zu betreten wagte. Wendete sich also das gereizte Gefühl nationaler japanischer Schichten dermaßen wider die bisherige Politik gegenüber ben westlichen Großmächten, um wieviel mehr gegen bas benachbarte unb schwächere China! Im Grunde hat ja die Forderung „aktiver" d. h nötigenfalls durch militärischen Nachdruck zu unterstützender Chinapvlitik in Tokio nie ganz abgerissen Selbst in Öen Julitagen 1928, als China großzügige Anstrengungen zur nationalen (Einigung machte unb biese (Einigung erzielt zu Haben schien übte Tanaka einen starken Druck auf ben Befehlshaber ber Manbschurei Tschanghsü - (lang aus, sich nicht ber Gesamtbewegung anzu- schließen unb derselbe Tunaka erklärte früher: Wenn ber Bürgerkrieg nach ber Manbschurei hm- überspielen würbe, würben bie Japaner das chinesische Nordheer und Südheer beide entwaffnen. Starker hatte wohl das Sonderinterefss Japans an der Mandschurei kaum zum Ausdruck gebracht werden können. Nun folgte zwar dem „Napoleonismus Tanakas", wie die Politik dieses japanischen Staatsmannes mit (Empörung in China genannt wurde, die friedliche Außenpolitik Shideharas Aber darum war doch die alte, für die Samuraierben traditionell gegebene Chinapolitik keineswegs verschwunden Und als Im Juli d. I. blutige Konflikte zwischen chmesi sehen Einwanderern in Korea, dem Vasallenstaat Japans und Koreanern einsetzten, als bald daraus, wie fast bei jedem Konflikt mit Japan, die Chinesen überbeffen. Gemeinderat Nidda. D Aidda, 21. Sept. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung u. a. folgendes beschlossen Gegen den Ort-bauplan-Ent- w u r s sind eine Anzahl Einwendungen erhoben worden, die sich z. T. gegen den Ortsbau- plan selbst richten und z. T. mit der beschlossenen Baulandumlegung „QI n der Deunde" im Zusammenhang stehen. Die Ansprüche von Grundstücksbesitzern auf Zuteilung von geeigneten Bauplätzen werden als berechtigt anerkannt. Da die neue Straßenfnhrung nur dann Sinn und Zweck hat. wenn sich die Reueinteilung des Bau» geländes im Wege der Daulandumlegung verwirklichen läßt, soll das Umlegungsverfah- ten sofort eingelcitet werden. Auf die vorgesehenen Dorgärten in der Ludwigstraße beim Werk Himmelsbach kann nicht verzichtet werden, da im anderen Falle die Errichtung von Gebäuden im Hinblick auf die verhältnismäßig enge Straße an dieser Stelle verkehrshindernd wirken würde. Don einem beteiligten Grundstückseigentümer ist der Vorschlag gemacht worden, die unterhalb des Raunergrabens projektierte Straße unter Denutzung des Cloosschen Gartens bei der Gewerbeschule in die Iohar-niterstraß.' c nmünben z.u lassen. Der Vorschlag ist veachttich und hat auch nach Ansicht des Hochbauamts gegenüber dem früheren Vorschlag Vorzüge. Die Anwohner in der Raun haben, soweit ihnen im Feldberei- nigungsversahren Hofreitegelände zugeschnitten worden ist, gegen die Beseitigung des jetzigen Weges Einspruch erhoben. Der Einspruch ist nach Ansicht des Gemeinderats begründet. Ein Zu- fahrtswxg soll durch Zulegung des Raunergrabens gewonnen werden. Aus dem Graben sollen durch Inanspruchnahme der Scheuer des L. Aß- 1873, 1893, 1921 unb 1929 finb bie schwarzen Jahre, bie sich immer roieber einschoben unb Millionen Menschen an ihrer Zukunft verzweifeln ließen. Be- sonders einschneibenb war bas Jahr 1873, in bem bie Bank Jay Cooles zusammenbrach, bie bie Volks- meinung auf eine Stufe mit ber Bank von (Englanb stellte. Cook war ber (Erbauer ber Northern Pacific, konnte aber bie Mittel zum Weiterbau schließlich nicht mehr aufbringen, unb als bie Gerüchte hierüber bekannt würben, entftanb, wie immer in solchen Fällen, eine Vertrauenskrise, unter ber natürlich auch bie Pacisic-Anleihen zu leiben hatten; bie Panik brach auch über bie Börse herein, bie sichersten Papiere stürzten. Cook mußte bie Schalter schließen. — 1907 krachte ber Knickerbocker-Tru st in Neuyork zusammen; um bie Wirkungen bieser Katastrophe einzubämmen, erklärten bie Neuyorker Großbanken ihre Solibarität unb erlangten von ber amerikanischen Regierung bie Ermächtigung zur Ausgabe von Notkassenscheinen, aus benen sie bie Einlagen zurück» zahlten, unb als bie Munben auf Auszahlung in voller Währung bestauben, würbe ein achttägiges Moratorium verkünbet. So würbe Zeit gewönnen, bie (Erregung ebbte ab, bas Vertrauen bes Publikums kam roieber unb bas Gelb kehrte in bie Banken zurück Tonfilm. „3m Westen nichts Neues" Das Lichtspielhaus brachte gestern im neuen Programm die Erstaufführung des heftig umstrittenen, ursprünglich verbotenen, jetzt — nach einigen Kürzungen — freigegebenen Kriegssilmes ,3 m Westen nichts Reue s". Es handelt sich um die deutsche Fassung eines in amerikanischer Regie und mit amerikanischen Schauspielern hergestellten Tonfilms nach dem in allen Kultursprachen verbreiteten, deutschen Roman von Erich Maria Remarque. Der Film folgt in großen Zügen, stellenweise in engster Anlehnung und im genauen Wortlaut, dem Original. Die Abweichungen und Kürzungen ergaben sich hier mit einer gewissen Raturnotwendigkeit wie in fast allen Klien, wo ein Film nicht nach einem eigenen Drehbuch, sondern als Bearbeitung einer epischen Vorlage geschaffen wird. 3m Ganzen wird, bei einer objektiven Vergleichung, das Ergebnis zugunsten des Buches ausfallen, das einheitlicher und in sich geschlossener erscheint als die manchmal etwas abrupt und sprunghaft aneinandergereihten Szenenbilder des Films. muS bessere Verkehr-Verhältnisse geschaffen werden. DaS Ministerium hat die Genehmigung der vom Gemeinderat beschlossenen Real- steuersätze, und zwar sowohl die endgültigen Ausschlagssähc sür Rj. 1930, alS auch die vorläufigen Steuersätze für Rj. 1931, auSgeseht, weil der Gemeinderat sich bisher geweigert hat, die gesetzlich vorgeschricbene Erhebung der Burger steuer und Bier st euer mit einem Zuschlag von 50 Prozent zu dem L ndessatze zu beschließen. Unter Aushebung der hierüber gefaßten Beschlüsse wurde jetzt die Erhebung der Bürger - und der Bier st euer sür Rj. 1931 mit einem Zuschlag von 50 Prozent beschlossen In bezeig auf die Biersteuer hat der Beschluß keine Wirkung für die zurückliegende Zeit. Die Stadt hat in einer Anzahl von Fällen den Hauseigentümern gegenüber für den Eingang der Miete garantiert. Auf Grund befer Garantie mußte die Stadt bisher in mehreren Fällen die Miete vorlagsweise übernehmen, in anderen Fällen muß mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß die Hauseigentümer mit Mietsorderungen an die Stadt herantreten. Dieser Zustand ist, abgesehen von der außerordentlich ungünstigen Finanzlage der Stadt, unhaltbar. Der Gemeinderat sah sich deshalb gezwungen, zu beschließen, daß Mietgarantien für bie Folge nicht mehr übernommen und die bis jetzt eingegangenen Berpllichtunaen zurückgezogen werden. Der Gemeinderat verschließt sich nicht der Tatsache, daß in Fällen wirklicher Rot Unterstützung geleistet werden muß, er muß es aber ablehnen, weiterhin für den Mieteingang Garantie zu leisten Für die Unterbringung von Familien, die durch gerichtliches Urteil ausgewiesen werden, sollen Rotwohnungen beschafft werden. Außerdem ist nicht zu verkennen, daß es sich um eine ursprünglich englische, später mit deutschem Text nachsynchronisierte Produktion handelt. Dielst sicher mit Sorgfalt und technischem Feingefühl Dorgenommen worden, aber eben doch spürbar; das heißt es bleibt allenthalben eine gewisse Spannung zwischen dem Darsteller und seinem Text, die sich nie völlig Überbrüden und aus- gleichen lassen wird. Und auch die Darstellung selbst — so geschickt und tresssicher sie für die markanten Gestalten des Buches ausgewählt wurde — bleibt eben doch für unser Empfinden irgendwie fremd. Immerhin ist auch so noch der Film in seiner Gesamtheit von starker, oft erschütternder Wirkung. Richt alle Teile liegen künstlerisch auf der gleichen Ebene; die Eingangsszenen und die Kasernenhofepisoden machen einen etwas äußerlichen und primitiven Eindruck. Gleichmäßig eindringlich und natürlich wirken fast alle Partien, die an der Front spielen. Einen entschiedenen Höhepunkt der Regie von Lewis M i l e ft o n e bildet der mit einer enormen Schlagkraft wiedergegebene, optisch und visuell höchst eindringlich ersahte, erste große Angriff und Gegenstoß. Auch die Szenen im Granattrichter zwischen den Gräben und später im Lazarett verdienen hervorgehoben zu werden. Die Darstellung — wir sprachen schon davon — ist im allgemeinen gut, ohne doch irgendwie den deutschen Film-Durchschnitt zu überragen. Wir nennen: Louis Wolheim (Mat); LewisA y res (Bäumer); Slim Summerville (Tjaden); Richard Alexander (Westhus); Pat Collins (Leutnant Bertinck). Schwächer: John Wrah (Himmelstoßi und Arnold Lucy (Kan- torek). — Die Gesamtleitung der deutschen Fassung hatte Victor Abel. -t- Öodifdiulnatbricbfen. Professor Dr. Erich Bräunlich, Ordinarius der orientalischen Philologie an der Königsberger Universität, scheidet aus seinen Antrag zum 30. September 1931 aus dem Preußischen Staatsdienst aus. Er folgt einer Berufung nach Leipzig. 3n der philosophischen Fakultät der Wiener Universität ist der a. o. Professor Dr. Wilhelm Czermak zum ordentlichen Professor für Ägyptologie und Afrikanistik ernannt worden. Unter ber Führung bes Jungbeutschen Drbens hat man in ber Gegenb von Bautzen begonnen, da. Programm bes freiwilligen Arbeitsbienstes in bie Wirklichkeit umzufetzen. 120 junge Arbeitslose au» allen Berufen finb für bie Arbeiten zur Regulierung eines Flußbettes gewonnen roorben unb erhallen neben ber freien Station unb freien Bekleibung 50 Pfennig pro Tag Hoher icboch als ber materielle ffleroinn ist ber ibeeUe Wert ber Wiebereinbeziehung in ben Probuktionsprozeß zu veranschlagen. Der freiwillige Arbeitsdienst wird verwirklicht. — ^■1 Gründungsversammlung -es Sängergaues „Ri--atal^. Ql i b b a , 22. Sept. Oluf Einladung der beiden Sängerbünde „Ribbatal" und „QR ittle - res Qlibbatal" versammelten sich am Sonntag die Delegierten der angeschlossenen Bundesvereine, um die Gründung des neuen Gaues „01 i d d a t a l" vorzunehmen. 17 Vereine hatten ihre Vertreter entsandt. Der Gesangverein „Sängerkranz", Olidda, eröffnete die Tagung mit dem „Deutschen Sängergruß" und Arnim Knabs „Tagelied", das unter Leitung von Lehrer Dietrich, Rodheim, vollendete Wiedergabe fand. Auch im weiteren Verlaufe nahm der Verein Gelegenheit, die Sänger durch einwandfreie Chordarbietungen zu erfreuen. Die von Lehrer Lenh, Geih-Ridda, geleitete Versammlung schritt zuerst zur V o r st a n d s - Wahl. Sie hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender 3. Diehl, Ober-Schmitten: 2. Vorsitzender Lehrer Otto Lentz, Geih-Ridda: Schriftführer Stadtsekretär Emrich, Nibda: Schatzmeister Heinrich Lind. Geih-Ridda: Beisitzer Louis S ü h e l, Schotten, und Otto Lenz, Wallernhausen: Gauchormeister Lehrer Kaiser. Wallernhausen: stellvertretender Chormeister Lehrer W o l l. Unter-Schmitten. Der neue Gau fetzt sich aus 20 Vereinen zusammen, die mit Ausnahme von Rieder-Rlockstadt den beiden Unterbünden „Riddatalsänger- bund" und Sängerbund „QUittleres Rid- datal" angehören. Es wurde beschlossen, jedes zweite 3ahr eine Gauveranstaltung (Wertungssingen) abzuhalten. Die geraden 3ahre sollen für Veranstaltungen der LInterbünde freibleiben. Die Vertreterversammlung werden abwechselnd in beiden Bünden abgehalten. Als Tagungsort für 1932 wurde Ober-Widdersheim bestimmt. Als Gaubeitrag werden jährlich pro Sänger 15 Pf. erhoben. Mit diesem Betrag sollen die Unkosten gedeckt werden, die bei den QDertungs- singen entstehen. Ein Antrag, auf eine Senkung der Beiträge zum Hessischen Sängerbund hinzu» wirken, wurde allgemein begrüßt. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 23. Sept. Trotz der überaus guten Ernte an Aepfeln und Birnen wurden bei der hiesigen Versteigerung des G e - meindeobstes hohe Preise erzielt. Es galten ein Zentner Aepfel am Baum, je nach Qualität, 3 bis 8 Mark. Honigbirnen kamen durchschnittlich auf 1 bis 1,50 Mark, während Tafelbirnen sich auf 2 bis 4 Mark für den Zentner stellten. Für Zwetschen, die nur wenig vorhanden waren, wurden bis zu 10 Mk. bezahlt. Die Gesamteinnahmen belaufen sich auf ein Mehrfaches des Erlöses im Jahre 1930, der nur 118 Mark betrug. △ Langd. 23. Sept. Qlltbürgermeister Otto R o n t h a l e r feierte am Sonntag mit seiner Ehefrau Katharine, geb. Henk, das F e st der DiamantenenHochzeit. 3m engsten Kreis der Familie fand eine schlichte kirchliche Feier statt, bei der das 3ubelpaar durch Pfarrer Dock (Hungen) nochmals eingesegnet wurde. Der Geistliche überbrachte dem langjährigen Mitglied des Kirchenvorstandes die Grüße des Kirchenvorstandes Langd, er übergab eine Ehrenurkunde des Landeskirchenamts und übermittelte die Grüße des Dekanats Ridda. Der 3ubilar steht im 85. Lebensjahre, seine Frau im 87. Beide Ehegatten sind noch sehr rüstig. Die Mutter des 3ubilars hmtte ein Alter von 102 3ahren erreicht. Kreis Friedberg. X Dad-Rauheim, 23. Sept. Gestern wurde hier die hessische Wanderaus st ellung „Gesundheitspflege und soziale Für- s o r g e", die auf acht Tage im Baöehaus 1 untergebracht ist und in den nächsten Wochen und Monaten in weiteren oberhessischen Städten ge» Das bißchen Erde. Vornan von Richard Slowronnek. Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart. 40 Fortsetzung Nachdruck verboten Später, als er mit Peter Rägelein auf der Diele beim Frühstück saß, spann er denselben Faden weiter. Daß er sich einen tüchtigen Landwirt zum Verwalter nehmen wollte, wenn sich hier seine Verhältnisse endlich geklärt hätten. Bei dem aber gedächte er in Schule zu gehen wie ein richtiger Lehrling: denn das wäre der Fehler der meisten Herren ringsum, daß sie an die Verwaltung ihrer Güter mit mangelnder Vorbildung gingen. Auf dem Kasernenhofe oder dem Exerzierplätze könnte man keine Landwirtschaft lernen, aber bei ihm wäre es ja noch nicht zu spät. Und einen gewissen Schimmer hätte er schon, allzu viel brauchte er nicht nachzuholen ... Der kleine Maler langte nach dem gewaltigen Schinken, für den er seiner vortrefflichen Eigenschaften wegen noch vom Qlbend vorher eine heftige Zuneigung empfand: „Lobenswert, sehr lobenswert! Und ich wünsche 3hnen von Herzen, daß es dazu kommt. 3n 3hrem 3nteresse und dem meinigen ... es wäre schandbar, wenn wir aus diesem gelobten Land wieder auswandern mühten! ... Und eine erfreuliche Mitteilung kann ich 3hnen jedenfalls heute schon machen: wir haben eine ganze Menge Geld gespart. Die Berliner Reise fällt weg" ... Malte hob argwönisch den Kopf: „Wie meinen Sie, Peterchen?" Der Kleine zögerte ein wenig, über sein vertrocknetes Gesicht flog es wie ein mitleidiger Schimmer. „Run ... ich bin heute schon recht früh aufgestanden, überall herumgekrochen in meinem neuen Quartier, von außen und innen ... herrlich ist das alles! Das efeubewachsene kleine Schloß, das mal' ich uns heute noch zum Andenken Und was da alles so unbeachtet herumsteht ... Mensch, Gräflein, die alten Zinnkrüge allein sind ja ein Vermögen wert! Wenn wir die in Berlin verkloppen, können wir zwei 3ahre davon leben!" „Gehören leider nicht mir", warf Malte ein, „die muh ich bei der Uebergabe alle abliefern. Qlber Sie wollten mir doch was von der Berliner Reise erzählen?" „3a richtig", sagte Peter Nägelein und schlug sich vor den Kopf. „Also ich war auch nach dem Dorf hinausgepilgert, und da habe ich eine ganz scharmante ältere Dame kennen gelernt, die Frau des Försters Schwarz. Der geräucherte Schweineschinken, den sie mir vorsehte — sie sah nämlich gerade mit ihrem Manne beim Kaffee, als ich meinen Besuch machte, und ich lieh mich nicht nötigen — ja also, der Schinken zeigt werden soll, in Gegenwart der Aerzteschaft und der städtischen und staatlichen Behörden eröffnet. Bürgermeister Dc. Ahl und Sanitätsrat Dr. H a h n wiesen in ihren Eröffnungsansprachen auf den Zweck der lehrreichen Ausstellung hin. "Während der Ausstellunaswoche finden im Vortragssaal des Kerckhofs-3nstituts mehrere Vortragsveranstaltungen statt. U. a. wird auch Geheimrat Prof. Dr. S o m m e r (Gießen) über „Psychiatrie und psychische Hygiene" sprechen. Kreis Büdingen. A Ql i b b a, 23. Sept. Am Montag unb Diens- tag würben hier bie Aepfel unb Dirnen von ben stäbtischen Baumanlagen versteigert. Die meisten Däume zeigten einen sehr reichen Behang. Die Preise waren befriedigenb. Der Zentner ber besten Tafeläpfel, wie Schöner von Boskop, Golbparmäne, Golbreinette von Blenheim, kostete am Baum durchschnittlich 5 Mark, die übrigen Tafeläpfel kamen auf 3,50 Mark bis 4 Mark, Wirtschaftsäpfel auf 2 Mark pro Zentner. Auch für Tafelliirnen waren die Preise mäßig. Anschließend an die Versteigerung des städtischen Obstes ließen einige Private die Aepfelernte von ihren Daumstücken öffentlich versteigern. Sie erzielten noch geringere Preise als die Stadt. Letztere erlöste in den beiden Versteigerungstagen für Aepfel und Dirnen annähernd 1800 Mark. Kreis Tllsfcld * Höingen, 21. Sept. Durch die V e r k r a f - tung der Landpost im Bezirk Grünberg sind den Landgemeinden zweifellos verschiedene Vorteile verschafft woroen, so insbesondere der der zweimaligen Briefzustellung. Für die hiesige Gemeinde und für die Gemeinde Wer- mertshausen brachte die Derkraftung aber den großen Rachteil, daß die Kraftpost direkt von Deckenbach nach Rüddingshauscn fährt, ohne die Orte Höingen und Wermertshausen zu berühren. Zwar würde die Linienführung über die beiden letztgenannten Orte eine Verlängerung der Fahrtstrecke um etwa 3 Kilometer bedeuten, die allerdings um so weniger ins Gewicht fallen dürften, als doch auf anderer Seite, insbesondere in der Driefzustellung, so wie sie jetzt geschieht, Einsparungen gemacht werden können. Don den beiden, von jedem Verkehr abseitsliegenden Gemeinden würde es sehr begrüßt werden, wenn die Kraftpost auch über die Orte Höingen und Wermertshausen geführt werden würde. Für die Einwohnerschaft dieser beiden Gemeinden ist das Fehlen jeder Verkehrsmöglichkeit um so schmerzlicher, als die nächste Bahnstation nicht weniger als 9 Kilometer entfernt liegt. Es würde allgemein begrüßt werden, wenn die Postbehörde dem nach der Lage der Sache berechtigten Wunsche nachkommen würde. preutzew Winterhilfe der evangelischen Gemeinden. Der Evangelische Oberkirchenrat hat die Konsistorien angew esen, den Kirchengemcinden durch die Geistlichen die Pflicht zurbrüder- lichen Hilfe in dem bevor stehenden R o t w i n t e r nahe zu legen. „Es gilt", heißt es in dem Erlaß, „die offenbare Rot zu lindern und die verborgene aufzusuchen, alle vorhandenen Kräfte und Einrichtungen erfinderisch in den Dienst der inneren und äußeren Hilfe zu stellen. Die Verbindung von Person zu Person ist in mitfühlender Hingabe und Geduld vor allem zu suchen und zu pflegen." Durch Zusammengehen mit Verbänden, namentlich der freien Wohlfahrtspflege, müsse Doppelarbeit vermieden werden. Die eigene Bedrängnis der Kirchengemeinden dürfe die Entschlossenheit zur Hilfeleistung nicht lähmen. „Durch persönliche Opfer und treue Fürsorge im kleinen wollen wir das GottesgebotderBruder- toar mindestens so gut wie dieser hier! Der alte Herr mußte gleich nach dem Frühstück ins Revier, Bäume pflanzen, glaub' ich, und ich benutzte die Gelegenheit, mich bei seiner behäbigen Gattin ins Vertrauen zu schleichen. Es bauerte auch nicht lange, unb sie erzählte mir allerhanb. Wie hieß boch gleich bas Nachbargut, auf bem bieser Berliner Dankdirektor bie wenig vorzügliche 3agb gepachtet hat?" ... „Alten-Krakow", erwiberte Malte. Unb mit einer wegwerfenben Hanbbewegung fügte er hinzu: „Die gute Frau Försterin klatscht gerne ein bißchen. 3ch kann mir schon benken, was Sie 3hnen erzählt hat. Aber ich kann ihr nicht Helsen, es ging bamals nicht anbers. Auch heute würbe es nicht gehen ... Wenn man mit allen Fasern an einer hängt! ... Der einen Einzigen, ba müßte man boch ein Schuft sein, wenn man vor eine anbre hintreten würbe ... na, ist gut, Schluß! Sie soll mich bamit in gruben lassen"... „3a natürlich", versetzte ber Kleine, „habe ich mir auch gebacht!" Unb er machte sich eifrig über seinen Schinken her. Es tat ihm leib, bah er angefangen hatte. Er hatte ja gestern gesehen, wie schwer ber arme Kerl ba drüben an dem leidigen Liebeshandel trug. Und wer mochte wissen, was besser war! Eine solche Wunde sich selbst zu überlassen oder einen Heilungsprozeh zu versuchen, dessen Ausgang zum mindesten zweifelhaft war ... Malte fuhr sich mit der Hand über die Stirn, als mühte er törichte Gedanken verscheuchen, und plötzlich schien er sich auf etwas zu besinnen: „3a aber, ba war noch etwas anbres" ... „Nein, wirklich nicht" ... „Nee, Peterchen, so kommen Sie mir nicht weg! Sie hatten boch was vorhin ... ja richtig, bie Berliner Reise! ... Also weshalb soll bie jetzt mit einemmal wegfallen?" „Nun benn" — ber kleine Maler atmete tief auf — „Sie erfahren es wahrscheinlich boch einmal ... unb vielleicht ist es besser, Sie wissen es jetzt gleich ... Also, Sie erzählten mir boch gestern, Sie hätten es nicht begreifen können, bah Sie auf 3hren Brief nach Berlin ohne Antwort geblieben wären. Unb Sie wühlen sich bas nicht anbers zu erklären, als bah man bie junge Dame bort unter strenger Bewachung hielte?" ... „Allerbings" ... „Also benn ... also benn, bas stimmt nicht ganz. Frau Steinfelb ist seit brei Tagen toieber in Alten-Krakow. Ganz allein. Von irgenbeinem Kerkermeister ober so was ähnlichem ist weit unb breit nichts zu sehen!" Malte sprang auf. Dunkelrot färbte ber Zorn sein Gesicht. „Das ist eine Lüge! Eine ganz gemeine, nieber» trächtige Lüge" ... Peter Nägelein zuckte mit ben Achseln. „Es ist die lautere Wahrheit! Die Frau Försterin ist dieser Dame ja nicht sonderlich wohlgesonnen, aber wie sollte sie wohl dazir kommen, etwas in die Welt zu setzen, was nicht wahr liebe erfüllen unb bem Angriff ber Not eine geschloffene Front helfender Treue entgcgenftellen. Das Wort Gottes mahnt: Lasset uns Gutes tun unb nicht mübe werben." Schneedecke in der Rhön. WSN. Von der Rhön, 23. Sept. Das Dammersseld zeigt bis auf etwa 800 Meter herab eine leichte Schneedecke. Dabei stehen noch über zehn Tagwerk Haser auf dem Halm, der erst noch reifen muh! Kreis Wetzlar. # Wetzlar, 23. Sept. Lanbwirtfchaftslehrer Dr. S o e h r i n g von ber Lanbwirtschaftlichen Schule in Wetzlar ist von ber Landwirtschafts- kammer in Bonn zu in Direktor ber Lanb- wirtschaftlichen Schule in Rieberbie- b e r (Kreis Qleutoieb) ernannt worben. Dr. Soehring tritt am 1. Oktober feine neue Stelle an. 3 Krofdorf, 23. Sept. Unter dem Vorsitz von Bürgermeister B r o ck m e i e r sand heute nachmittag eine Sitzung ber Amtsvertretung des Amtes Atzbach statt. Die Tagesorbung lautete: 1. Antrag ber Fraktion ber Sozialbemokrati- schen Partei auf 30prozentige Kürzung ber Beamtengehälter: 2 Anregung ber Regierung auf Zahlung einer Sonberzulage an bie Polizeibeamten: 3. Mitteilungen. Als Vertreter bes Lanbrats war Regierungsafseffor Dr. L o e r, Wetzlar, erschienen. Der neu eingetretene Amtsverorbnete Weller, Atzbach, wurde ein» geführt und verpflichtet. Sodann begründete Verordneter 3 u n g, Krofdorf, den von ber Fraktion der SPD. eingebrachten Antrag auf 30prvzenti- gen Gehaltsabbau der Beamten unb gab bekannt, bah burch ihren Antrag nicht alle Beamten, fonbern ber Bürgermeister, ber Rentmeister unb bie zwei Oberfelretäre erfaßt werden sollten. Regierungsassessor Dr. L o e r teilte mit, dah nach der Notverordnung der preußischen Staatsregierung vom 12. September 1931 und der dazu ergangenen Ausführungsbestimmungen die Amtsvertretung für den vorliegenden Antrag nicht zuständig ist. Bürgermeister unb Kreisausschuh finb zu- stänbig unb verpflichtet, bie Beamtenbesolbung innerhalb vier Wochen nachzuprüfen unb evtl, zu änbern. Die Fraktion ber SPD. bestaub auf ihrem Antrag, unb es erfolgte bie Abstimmung barüber mit bem Ergebnis, bas 6 Stimmen für bie Annahme bieses Antrages waren. Bei ber Gegenprobe sowohl, als auch über bie Stimmenthaltung würbe in beiben Fällen keine Stimme abgegeben. Der Dorsihenbe stellte bann b i e Ablehnung bes Antrags ber SPD. fest. 3m weiteren Verlauf ber Versammlung kam mit 13 gegen 7 Stimmen folgender Beschluh zustande: „Die Amtspertretung stellt mit Bedauern fest, dah in dem Zetta ter des Gedenkens des Freiherrn vom Stein, bes Grünbers ber Selbstverwaltung, bie Selbstverwaltung immer mehr ausgeschaltet wirb, bah aber nach ben Ausführungen bes Regierungsaffeffors Dr. L o e r gemäß ber Notverordnung der preußischen Staatsregierung vom 12- September 1931 und ihrer Ausführungsvorschriften die Amtsvertretung für die Festsetzung der Beamtenbesoldung nicht zuständig ist und die Vertretung daher ben bafür zustänbigen Stellen auch bie Verantwortung überlassen muh." — Der Antrag auf Zahlung einer monatlichen Sonbervergütung ber Polizeibeamten für Fahrt- unb Zehrkosten usw. würbe einstimmig abgelehnt. — Aus bem bekanntgegebenen Schularztbericht 1930 ist zu entnehmen, bah von 1541 untersuchten Kinbern 949 im Ernährungszu- stanb I, 483 im Ernährungszustanb U unb 109 im Ernährungszustanb IIl befunben würben. 3 Vetzberg, 22. Sept. Die hiesige Turnverein hat feine Bezeichnung inTurn- unb Sportverein geändert unb entfaltet nach jahrelanger wäre? Lügen haben kurze Beine ... Sie brauchten ja nur einen Boten nach Alten-Krakow zu schicken, um sestzustellen, was an ber Geschichte bran ist" ... Malte stöhnte auf. „Drei lange Tage, unb ich fitze hier wie ein Narr" ... Der Kleine trat zu ihm, legte ihm in ehrlicher Teilnahme ben Hanb auf ben Arm. „So was tut weh, lieber alter 3unge, ich kenn' bas! ... Qlber jetzt nehmen Sie 3hr Herz in beibe Hänbe — ber schwerste Hieb kommt noch! ... Nämlich bie Frau Förster hat ihren Mann auf Kunbschaft geschickt, um sestzustellen, ob an einem ganz bestimmten Gerüchte etwas Wahres wäre. Zugleich mit ber heimlichen Nebenabsicht, ihm eine gesunbe Kur angebeihen zu lassen. Der alte Herr hatte sich nämlich lächerlicherweise in bie verführerische junge Same arg verschossen und ging ganz kopfhängerisch umher" ... „Weiter!" brängte Malte ungebulbig. „Es ist nicht mehr viel zu sagen. Gestern spät abenbs ist ber Alte kuriert nach Haufe gekommen. Frau Steinfeld war nach der andern Seite hinausgeritten von Alten-Krakow, nach dem kleinen Städtchen" ... „Friedeberg?" ... „Ganz recht, so heiht es. Der Förster war ihr nachgegangen, und es fiel ihm nicht schwer, sich auf ein paar Dutzend Schritte heranzupirschen. Drei Pferde standen auf einer Chaussee, ein Bursche in Dragoneruniform hielt sie am Zügel. Die beiden aber" ... Aus ber Kehle bes anbern kam ein gurgelnber Laut, er beckte bie Hanb über bie Augen unb brach schwer aus bem Stuhle zusammen. Der kleine Maler stanb mit mitleibigem Herzen ba» neben. Zu helfen aber war ba nichts. Solche Dinge mußte jeder für sich allein abmachen, zu- fehen, wie er mit ihnen fertig wurde ... Malte erhob sich schwerfällig, ein wehes Lächeln glitt über fein Gesicht. „Entschuldigen Sie, Peterchen ... es ist mir nur eben ba brinnen etwas kaput gegangen. Unb jetzt lassen Sie mich" ... Er toanbte sich zur Tür, griff auf ber Borbiele nach Reitstock unb Mütze, ging langsam bie Dammallee entlang, beten Bäume schon bie ersten krausen Blätter zeigten. Wie zarte grüne Spitzen stauben sie an ben bräunlich schimmernden Zweigen ... Der kleine Maler ließ ihn allein gehen, machte nicht erst den Versuch, ihm zu folgen. Er konnte sich ungefähr denken, wohin er wohl gehen würde. Cs war eine Kur auf Tod unb Leben. Kam er zurück, konnte er sich vielleicht langsam aus- heilen ... Der alte Diener trat ins Zimmer, um bas Frühstücksgeschirr abzuräumen. Er blickte ver- tounbert auf, wo fein Herr geblieben wäre, unterließ aber zu fragen. Unb währenb er schweigenb am Tische hantierte, formte sich in bem rastlos schaffenben Kopfe bes Malers ein Bilb ... „Treue" wollte er's nennen, unwillkürlich aber Pause im Tum- unb Sportwesen wieder aktive Tätigkeit. Der Verein ist bestrebt, passenbes Ge- länbe zur Anlegung eines Spielplatzes zu gewinnen unb ist mit biesbezüglichem Antrag an bie Gemeinde herangetreten. Die Gemeindevertretung hat in ihrer letzten Sitzung den Antrag zunächst zurückgestellt, da die Gemeinde nur geringen Grundbesitz hat und sie bei aller Bereitwilligkeit nicht weiß, wie sie dem Antrag entsprechen soll. O Hochelheim, 23. Sept. 3n einer Gemeindeversammlung wurde über die Unterhaltung und Finanzierung ber seit 1. August errichteten Krankenpflege st ation unserer Gemeinde verhandelt. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Schneider, teilte mit, daß ber Gemeinberat beschlossen habe, einen jährlichen Zuschuß von 300 Mk. zu leisten, auch ber Kreis habe eine jährliche Unterstützung ton 300 Mk. zugesagt. Die restlichen Kosten müßten von ben Gemeinbe- gliebern aufgebracht werden. Nach eingehender Besprechung wurde beschlossen, durch freiwillige Spenden von 1 bis 10 Mark je Familie ben fehlenben Betrag aufzubringen. Kreis Biedenkopf. T Walbgirmes, 23. Sept. Unß>r letzter Gemeinbeschäfer 3ohann Georg iLch äfer ist gestern im nahezu vollenbeten 81. Lebensjahre gestorben. Er war nie krank, erlitt aber vor einem halben 3ahre einen Schlaganfall. 65 3ahre hat er hier bie Schafe gehütet. Schäfer war auch ber letzte 1870/71er Veteran unseres Ortes. Kreis Marburg. WSN. Marburg, 22. Sept. Im Alter von 72 Jahren ft a r b auf seinem Gute in Schweinsberg (Kreis Kirchhain) Oberst a. D. Schenk zu Schweinsberg. Sein Name dürfte jedem ehemaligen Marburger Jäger bekannt fein, war er es doch, der im Oktober 1914 das in Marburg meist aus kriegsfreiwilligen Studenten neu formierte Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 24 bei Langemarck in den Kampf führte. Oberst a. D. Schenk zu' Schweinsberg wurde am 26.Oktober 1914 so schwer verwundet, daß er für dauernd eine Schulterlähmung erlitt und die Führung des Batail- lons abgeben mußte. Bis zum Kriegsende war er dann Kommandeur des Ersatz-Bataillons Landwehr- Jnf.-Regts. 32 in Mühlhausen (Thüringen). Am 1. Januar 1929 konnte er fein 50. Militär-Dienstjubi- läum begehen. Kirche und Schule. ch Weltershain, 22. September. Die Arbeitsgemeinschaft ber 3unglehrer bes Bezirkes Grünberg hielt Im hiesigen Schulhause eine Arbeitstagung ab, zu ber auch eine Anzahl älterer Lehrer aus ber weiteren Umgebung erschienen war. 3n Vertretung hes erkrankten Leiters ber Arbeitsgemeinschaft begrüßte hoffen Stellvertreter, Lehrer Paul (Trohe), bie Besucher. Lehrer Seipp (Wettershain) zeigte in seiner Klasse an mehreren Unterrichtslektionen bie Verwirklichung bes Arbeitsschulgeban- k e n s. Anschließenb folgte eine Aussprache, in ber bie Vorteile bieser neuen Unterrichtsweise betont würben. O Holzheim, 23. Sept. Die hiesige Evangelische Gemeinschaft feierte am Sonntag ihr 3 ahrsfest, bas sich eines sehr guten Besuches erfreute. Nach einleitenbem Posaunenvortrag des Chores, Psalmverlesung und Gebet durch Prediger T r i p p l e r (Groß-Rechtenbach) unb gemeinsamem Gesang prebigten Stadtmissionar Schöpfwinkel (Offenbach) und Prediger Petersen (Lich). Der Ortsgeistliche, Pfarrer Schmidt, sprach das Schlußwort. Gesangsvorträge des Gemischten Chores (Leitung: W. Engel) umrahmten die eindrucksvolle Feier, die mit Gebet des Lehrers Ratz (Oberhörgern) geschlossen wurde. legte er's in längst vergangene Zeiten zurück. Vielleicht weil der Qllte da ihm erzählt hatte, nach der Ueberlieferung wären seine Vorfahren mit ben Grafen Römnitz zugleich hier ins Land gekommen, als Dienstleute ... Ein junger Reitersmann lag erschlagen im Dlachfelbe, sein reisiger Gefolgsmann faß am Wegrain, bas Haupt bes Herrn in seinem Schoß gebettet. Mit gramerfüllten Augen sah er in bie fintenbe Sonne, unaufhaltsam rannen ihm bie Zähren über bas verwitterte Gesicht, in bem sich ein kurzer weißer Schnurrbart sträubte ... Unb ber Alte ließ sich gerne von ihm zeichnen. Der kleine Malersherr wußte bei ber Arbeit gar zu luftige Schnurren zu erzählen. Nur vermochte er sich nicht zu erklären, weshalb er babei in einer ganz bestimmten Stellung im Graben sitzen mußte unb ein trauriges Gesicht machen. Die Miken auf ihrem Stuhle hatte es bebeutenb bequemer gehabt unb lachen dürfen, soviel sie wollte ... Del der Arbeit verfloß die Zeit, es ging schon auf Mittag, als Malte auf schaumbedecktem Gaule wieder vor der Freitreppe hielt. Er schwang sich aus bem Sattel, bie Augen tagen ihm tief in ben Höhlen in bem Hagern Gesicht. „Es stimmt, Peterchen", sagte er heiser, „sie ist da." „Waren Sie benn brübert im Schloß?' Malte lachte ingrimmig auf. „Da ist mir seit eimer gewissen Zeit der Eintritt verboten — ich erzähl' es 3hnen mal bei Gelegenheit! 3ch hab es anders geschafft ... ich traf einen alten Bekannten, einen Hütejungen aus Alten-Krakow, der mir schon 'mal eine Nachricht gebracht hatte. Mittlerwelle ist er zum Stallburschen aufgerückt, ja, und der erzählte mir ... na ist gut! ... Und nun rasch, Kleiner, ziehen Sie sich um! 3n fünf Minuten hält hier Der alte Fuhbel mit dem Wagen. Wir find bald wieder zurück, ich hoffe, das andre ... na, wir werden's schon 'rauskriegen. Qlber rasch, rasch" ... Peter Nägelein sah mit trübem Blick auf sein schäbiges Röcklein hinab: „Umziehen? 3ch fürchte, wegen allzu großen Längenunterschiedes dürfte mir 3hre Garderobe nicht recht passen. Unb meine eigenen Sachen ... ja ... bie finb noch unterwegs ... Wenn es also bei bieser Gelegenheit auf ein besonbers festliches Gewand ankommen sollte, möchte ich wohl lieber zu Hause bleiben“ ... Malte legte ihm bie schwere Hanb auf die Schulter. „Das wäre vielleicht das allergescheiteste, auch für mich. 3ch hätte an den drei Tagen ohne Nachricht eigentlich genug haben müssen! Aber ber Mensch ist ein komisches Tier ... er kriegt nie genug, wenn es auch bitter schmeckt wie Galle! ... Das Festgewanb aber — trösten Sie sich, Kleiner — In ben Augen der Herrschaften, die wir da treffen werden ... also ich könnte mich in schneeweißes Seinen kleiden, ich hätte vor ihnen boch einen Klecks am Rock" ... (Fortsetzung folgt)