Dienstag, 25. Juni 1931 181. Jahrgang nr. 144 Erstes Matt Vrvck vnd Verlag: vrLHI'sche Uittverfiisir-Vuch' miö Ztemdruckeret B. Lange tn Sietzen. rchnftlettung und SeschSstrftelle: Schulstratze 7. R e p arations- gcn eine lange Besprechung. vor stimmung Frankreichs von Garantien begleitet sein müsse, daß das Moratorium Hoovers, das nur für ein Iahr Geltung habe, den Poungplan nicht verletzen dürfe und die Unantastbarkeit der ungeschützten Annuität Deutschland beachten müsse. Bestimmte finanzielle Kreise Frankreichs fahlen deshalb ins Auge, dah Deutschland sür 1931,1932 5 0 0 Millionen Mark, oder die ungeschützte Tranche in internationalen Devisen zahle, die Frankreich sür Darlehen den interessierten Nationen zur Verfügung stelle. Das im Budget auftretende Defizit könne durch die Ausgabe kurzfristiger Schahscheine zum Ausgleich ge- bracht werden. 3n keinem Fall würde man zur der Kriegsschulden- auch aus die Paris, 23. Juni. (1BXB. Funkspruch.) Der diplomatische Mitarbeiter der Agentur havas glaubt zu wissen, dah der französische Botschafter in Washington sich Staatssekretär S t i m s o n gegenüber zu dem Vorschlag des Präsidenten Hoover dahin geäuherl habe, dah Frankreich die edelmütigen Gefühle b e g r ü h e, die Hoovers Initiative herbeigeführt habe, und dah Frankreich bereit wäre, dem Vorschlag des Präsidenten zuzustimmen, dah es aber den Wunsch habe, das Problem einer aufmerksamen Prüfung zu unterziehen, ehe es amtlich seine Antwort zur Kenntnis bringe. Mit internationalen finanziellen, oder diplomatischen Verhandlungen vertraute Persönlichkeiten seien der Ansicht, dah eine 3 u - jährigen Zahlungsaufschubes und die Reparationszahlungen ungeschützten deutschen Zahlungen. Auferlegung neuer Steuern schreiten. Um diese schwebenden Mahnahmen, die aus Frankreich viel schwerer, als aus England und Italien lasten würden, zu rechtfertigen, müsse man betonen, dah Frankreich sowohl in politischer, wie in sozialer Beziehung besonder» an der Wohlfahrt Europas interessiert sei. London. 22. Juni. Auf Anfrage Baldwins, des Führers der Opposition, erklärte M a c d o - nald im Unterhaus: Die Regierung begrühe die Erklärung Hoovers von ganzem Herzen. Sie erkläre sich ihrerseits sofort bereit. diesen Vorschlag im Prinzip zu unter- schreiben. Die Regierungsmitglieder seien bereit, an der Ausarbeitung der Einzelfragen mitzu- arbeiten, um der Erklärung Hoovers ohne Verzug zu praktischer Wirkung zu verhelfen. Das Unterhaus könne nicht erwarten, dah er gegenwärtig mehr darüber sage. Baldwin und Lloyd George erklärten sich mit den Aeuherungen Macdonalds einverstanden. Aufklärung in Einzelheiten erbeten. L o n d o n, 23. 3unL (WTD. Funkspruch.) Wie der parlamentarische Korrespondent der „Times" wissen will, hatte Macdonald gestern vormittag mit einigen seiner Kabinettskolle- in sehr vielen Einzelheiten ist — ihr finanzieller Ertrag darf aus Grund eines Weltfeierjahrs unter feinen Umständen gefährdet werden. Die Atempause, die uns damit gewährt wird, muh nicht nur für eine große revisionspoli- f : r <ß e Aktion benutzt werden, sie verpflichtet auch die Regierung und alle staatsbürgerlichen <..v...ente, eine Politik weitgehend st er Sparsamkeitund großer innerer Reformen mit aller Tatkraft weiterzutreiben, da nur so die durch verfehlte und abwegige Maßnahmen verschütteten Kraftquellen der Ration wieder freigelegt werden können. Günstiges Echo in Italien. Rom, 22. Juni. (TU.) heute mittag hat der italienische Außenminister im Palazzo Chigi den Botschafter der Bereinigten Staaten empfangen und mit ihm eine längere Unterredung gehabt. Obwohl über den Gedankenaustausch an zuständiger Stelle Stillschweigen be- Fragenkomplex Gegenstand eines Meinungsaustausches zwischen den interessierten Mächten sein werde, und mißt daher Hendersons bevorstehendem Besuch in Paris wegen des persönlichen Kontakts mit den französischen Staatsmännern erhöhte Bedeutung bei. Washington, 22. 3uni. 3n der heutigen Pressekonferenz teilte Staatssekretär 6 timfon mit, daß die formelle Unterbreitungdes amerikanischen Planes bei den beteiligten Mächten bereits auf diplvmatischemWegeer- folgt sei. Dah eine internationale Konferenz zur Diskussion über Hoovers Vorschlag einberufen werde, lehnte Slimfon rundweg ab. Er betonte, die Angelegenheit dränge so sehr, dah man zu Konferenzen und langen Debatten keine Zeit habe, was man brauche, sei eine sosortige Zustimmung aller Mächte. Rur das werde den benötigten psychologischen Effekt auslösen und die spätere Ratifikation durch den Kongreß der Bereinigten Staaten so gut wie sicherstellen. Wenn aber die Aktion nicht einstimmig erfolge, so könnte überhaupt nichts erreicht werden. Eile tue not; eine lange Debatte würde alles zunichte machen. Stimson ging hierauf auf den Hindenburg - Brief ein, zu dem er bemerkte, daß er erst am Sonntag, also nach der ErNärung Hoovers, hier eingetrosfen sei. Er erklärte, daß es nicht der Hindenburg - Brief gewesen sei, der Hoover zu einet England stimm! zu Erklärung Macdonalds im Unterhaus. Hoover-PlanweitereAusklärung erfolgen müsse, bevor endgültige Beschliesse gefaßt werden könnten. Hendersons Besuch in Paris besonders wichtig. sofortigen Aktion veranlaßt habe, sondern daß der Hindenburg-Brief lediglich die R i ch t i g k e i t des Hooverschen Schrittes bestätigt habe. Eine Frage nach der Abrüstung beantwortete Stimson dahin, daß gutes Einvernehmen in einer gerechten Sache, nämlich in der Erleichterung der Lage Deutschlands, sicher auch gutes Einvernehmen in einer anderen Angelegenheit, nämlich in der Einigung über Rüstungsbeschränkungen im Gefolge haben würde. Auch die ungeschützten Zahlungen aufgeschoben l R e u y v r k. 22. Juni. (MTV.) wie Associated preh aus Washington von maßgebendster autoritativer Stelle erfährt, bezieht sich der Vorschlag des Präsidenten Hoover eines ein- Keine internationale Konferenz Amerika will sofortiges Handeln, aber kein Konferenzgeschwäh. Erichr in> lügtich,anher Sonntags und Feiertag» Beilagen; Die Illustrierte Stehenei FamäienblLttei Heimat tm Bild Die Scholle monats-Beingsprets; 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennrg für Trüge» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelner Nummern Infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüfie antetSammebuimmer2251 Anfchrjft für Drahtnachrichten Anzeiger Siehe». Postscheckkonto: grofffurtam Main 11686 London, 22.3unt (ERB.) Rach wie bildet der Vorschlag Hoovers und seine Wirkung auf die politische Konstellation der Welt das Hauptthema der Presse. 3n am t liehen britischen Kreisen glaubt man, daß der gesamte Hmebee oew Anzeigen für die Tagesnummer bis znm Nachmittag vorher. Preis sür 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mtu Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mne Breite 35 Reichspfennig, platzvorschrift 20*). mehr. Chefredakteur. Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Ma^ Filler, sämtlich in Gießen. .... Es sei vereinbart worden, daß eine Zustimmung der Regierung sobaldwiemöglich erfolgen soll. Zugleich habe man jedoch übereinstimmend festgestellt, daß über verschiedene Punkte im GietzeimAnzeiger General-Anzeiger sür Oberhessen Frankreichs Vorbehalte. Es will weitere Zahlungen von Deutschland, trotz des Moratoriums. Und daneben politische Verpflichtungen. Sie. Botschaft, mit der sich der amerikanische Präsident Hoover in der Rächt zum Sonntag an alle Mächte der Welt gewandt hat. ist — praktisch gesehen — weit mehr als ein einfaches Weltfeieriahr für Regierungsschulden. Es ist ein Borst o ß mitten in den Kern des Roungplans hinein. Einer der wesentlichsten Grundsätze des Haager Abkommens, daß nämlich außer den Annuitäten für die Dames-Anleihe auf jeden Fall rund ein Drittel der deutschen Zahlungsverpflichtungen ungeschützt sein sollte, das heißt auf jeden Fall und unter allen Umständen wei te r geleistet werden müßte, wird durch den Moratoriumsvorschlag der Bereinigten Staaten ins Wanken gebracht. Hierin sehen wir das Positive dieses Vorschlags, der damit erheblich mehr wird als ein gewöhnliches Zahlungsseierjahr, nach dessen Ablauf ohne weiteres das alte Regime wieder in Kraft zu treten hätte. 3n Paris hat man das auch vollkommen richtig erkannt, und man hat deshalb von vornherein offiziell und offiziös sehr sauer reagiert, insofern nämlich, als man erklärt, der großzügige Plan Hoovers müsse erst so in Uebereinstimmung mit dem Voungplan gestellt werden, daß dessen Wiederinkrafttreten nach Ablauf eines 3ahres gesichert sei. ilntcrfudjen wir den Vorstoß der Vereinigten Staaten auf seine Entstehungsursachen, so kann man wohl, ohne der hohen Diplomatie damit ins Gehege zu kommen, ruhig seststellen, daß er nicht irgendwelchen sentimentalen Regungen des Herrn Hoover und seiner Regierung entsprungen ist. Die Amerikaner haben vielmehr in den letzten zwei 3ahren so sehr die verheerende Wirkung des gegenwärtigen Schuldenmechanismus auf die Wirtschaftskraft ihrer wichtigsten Aufnahmemärkte und die unheilvollen Folgen der dadurch bewirkten Goldumlagerung zu spüren bekommen, daß sie jetzt auch mit der ihnen eigenen Energie ein großes Mittel großzügig anwenden, um mit der Prosperität der Welt ihre eigene Prosperity wieder auf die De ine zu bringen. Hoover spielt dabei ein ganz großes innerpolitisches Spreb Denn seine Aktion darf auch nicht losgelost von den amerikanischen Präsidentschaftswahlen des nächsten 3ahres betrachtet werden. Gerade aber, weil es Hoover hierbei um feine eigene kimerpolitische Stellung und die feiner Partei geht, eine Tatsache, die auch nicht dadurch verschleiert wird, daß er sich zuvor der Zustim- mung maßgebender Senatoren und Abgeordneten des anderen Parteilagers versichert ha., darf man auch crtoarlen, daß er mit seinem gesamten Kabinett denallergrößtenRachdruckhinter diese Vorschläge sehen wird. Zum zweiten Male ist Amerika berufen, entscheidend in die Weltgeschichte einzugreisen. Was Wilson 1918 unt> 1919 zum Verhängnis für den alten Kontinent gewandt hat, kann Hoover heute zum großen Teile wieder gutmachen. Millionen von Hoffnungen und Wünschen hängen heute auch jenseits der Grenzen Deutschlands an dem Vorstoß der Vereinigten Staaten, und außer Frankreich wird es kein Land in Europa geben, das nicht ohne weiteres bereit wäre, aus die Plattform dieses Schuldenaufschubsplanes zu treten. Wir können dem deutschen Vaterlande und Europa nur wünschen, daß alle diese Hoffnungen, die Wirtschaftsbelebung, Beschäftigung und Brot für den ganzen Kontinent bedeuten würden, in Erfüllung gehen möchten. Wie wir aber jene falsche Skepsis ablehnen, die nichts anderes als trostlose Verzweiflung an den deutschen Geschicken ist. so müssen wir doch vor übertriebenen Erwartungen warnen, und wir würden es durchaus für unerwünscht halten, wenn etwa die gesamte öffentliche Meinung in Deutschland nun ebenso hemmungslos wie die Berliner Börse in politischer Hausse reagierte. So liegen die Dinge doch nicht. Zunächst hat Hoover der Welt einen Vorschlag unterbreitet. Frankreich kann den amerikanischen Plan nicht mit einer kühlen Handbewegung beiseite schieben. Aber es kann Schwierigkeiten machen und schon dadurch allein die diplomatische Gefahrenzone, die innerhalb der nächsten zwei Wochen noch zu passieren ist, erheblich verlängern. Freilich ist dazu zu sagen, Daß Frankreich bei einer Ablehnung des Hooverschen Vorschlags rein finanziell die gleichen Opfer bringen müßte, da die dann unvermeidliche Erklänmg des deutschen Transfermoratori- ums für die Franzosen nicht nur einen direkten Minderertrag an Tributeinnahmen bedeuten würde, sondern gleichzeitig die französische Regierung verpflichtete, ihrerseits sehr erhebliche Beträge an die übrigen Tributgläubiger zu erstatten. Bei dieser Sachlage wird man gut tun, die nächsten Möglichkeiten mit einer gewissen Zurückhaltung zu betrachten So erfreulich es ist, daß bei einem 3nfrafttreten des Hoover- Plans Deutschland um politische Zahlungen in Höhe von rund 1500 Millionen Mark entlastet würde, so sehr ist dringend davor zu warnen, daß nun diese Beträge etwa mit größter Beschleunigung wieder an der falschen Stelle aus- gegeben werden, wie es eine verhängnisvolle Steuerpolitik von 1925 bis 1928 getan hat. Der einzelne deutsche Mensch wird von dem Freiwerden dieser politischen Summen kaum etwas zu spüren lekommen, wenn die Regierung ißre Pflicht tut. Sagen wir ganz offen und brutal: so abänderungswürdig die leßte Rotverordnung Hoovers plan gut auf dem Marsche. Keine Zeit für eine internationale Konferenz. - Rur Schwierigkeiten in Frankreich und polen wahrt wird, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß er sich auf das Angebot Hoovers bezoy. Das großzügige Angebot Hoovers hat seinen Eindruck auch in Italien nicht verfehlt. Die italienische Haltung läßt sich dahin ;u- fammenfassen, daß Italien dem Vorschlag Hoovers zuslimmt, obwohl er für Italien einen Ausfall von 170 Millionen Lire bedeutet. Man sieht im übrigen in dem Vorschlag Hoovers den Triumph der Idee Mussolinis von der Beendigung des Kriegsschulden- und Reparationsproblems. Man hofft, daß der amerikanische Schritt finanzieller internationaler Solidarität auch zur Solidarität auf politischem Gebiet, etwa in Fragen der Abrüstung, führen wird. Bis zuletzt erwartet man aber in Italien, daß Deutschland die wirtschaftliche Erleichterung nicht zu einer zunehmenden politischen Betätigung (gemeint ist natürlich vor allem die Zollunion) benutzt. Diese Stellungnahme kommt im wesentlichen auch in den italienischen Blättern zum Ausdruck. Die Ostgrenze. Die Abrüstungsfrage. Paris, 22. Juni. (TU.) In französischen politischen Kreisen wird betont, Frankreich müsse jetzt die von Deutschland in Locarno verweigerte bindende Erklärung verlangen, daß die durch den Versailler Vertrag geschaffenen Ostgrenzen unabänderlich seien. Vermutlich werde die französische Regierung tn Washington erklären, daß sie Hoovers Vorschläge nur unter der Voraussetzung grundsätzlich billigen könne, daß Deutschland hier die erforderlichen Sicherheiten biete. Auch in bezug auf die Abrüstungsfrage seien politische Garantien von feiten Deutschlands unerläßlich. Natürlich auch polen! Der Vasall schwenkt ein. Warschau, 23.3uni. (WTD. Funkspruch.) Die maßgebende polnische Presse nimmt heute zu dem Hooverschen Vorschlag Stellung. Unter dem bezeichnenden Titel „Das Geschwür bricht aus" kennzeichnet dasDlatt der Regierung, die „Gazeta Polska", die Weltlage. Das Dlatt hofft, daß es auf Grund des Hooverschen Vorschlages au einer Einigung kommt. Sicherlich sei die Lage Frankreichs, das nun auf 120 Millionen Dollar verzichten solle, überaus schwierig. Anderseits müsse jedoch bedacht werden, daß auch französisches Kapital in Deutschland investiert sei. Die Möglichkeit eines Zusammenbruches der Reichsmark tonne für Frankreich nicht verlockend sein. „Äurjer Porannh" meint, daß Frankreich für seine großen finanziellen Zugeständnisse politische Leistungen verlangen müsse. In dieser Hinsicht fei auch polen an diesem Deltproblem stark interessiert. Frankreich und Amerika dürften jetzt die Festigung der polnischen Unabhängig feit nicht außer acht lassen und müßten von Deutschland kategorisch ein für allemal den Verzich t auf G renzrev i si ons - Ans prü che gegenüber Polen verlangen. Die sich jetzt bietende äußerst günstige Gelegenheit werde nicht so rasch wiederkehren. Amerikanische Warnung an Europa. N e u y o r k, 22. Juni. (WTB.) In einem Leitartikel unter der Ueberschrist „Ein großartiger erster Schritt" erklärt „W orlds Telegra m", Hoover habe die Krise nicht übertrieben. Sie könne gar nicht übertrieben werden. Deutschland sei dem Bankerott und der Revolution so nahe, wie es eine Nation nur fein könne. Ehe diese Ereignisse eintreten, müsse in dem einen Jahr, für das der Zahlungsaufschub gelten solle, die Beseitigung des Wettrüstens, der falschen Grenzziehungen und der unübersteigbaren Zollmauern in Angriff genommen werden. Geschähe das nicht, so werde die Gefahr einer E x - p l o f i o n nicht verhindert, sondern nur aufgeschoben. Falls die früheren Alliierten in der kommenden Abrüstungskonferenz ihre Rüstungen nicht durchgreifend herabfetzten, könnten sie sicher fein, daß der Kongreß es ablehne n werde, den Zahlungsaufschub zu verlängern, und daß die amerikanische öffentliche Meinung die weitere Zusammenarbeit mit Europa a b l e h n e n werde. StimsonS Jteife nach Europa verschoben. B e r l i n, 23. 3uni. (TU.) Rach einer Meldung Berliner Blätter aus Washington forderte Präsident Hoover telegraphisch den Schatzsekretär Mellon auf, seine Reise durch die europäischen Hauptstädte fortzufetzen, um fi chdort zu informieren. Die Abreise des Staatssekretärs Stirn- son nach Europa habe verschoben werden müssen, weil es der Präsident für nötig hält, daß bei der gegenwärtigen Lage der Staatssekretär ihm in Washington zur Verfügung stehe. Erklärungen der europäischen Vertreter. Washington, 22. 3uni, (WTD- Reuter.) Der britische Botschafter teilte dem Staatsdepartement mit, daß die britische Regierung den Vorschlag Hoovers begrüße. Der Botschafter beriet heute vormittag lange mit Unterstaatssekretär Ca st l e. Dieser hatte darauf eine Besprechung mit dem Gesandten Oesterreichs, der dem Vorschlag HooverS 4? «2® er n = = « n OD M; a •» «i aff Ms- ’fi 3 Oo 1 g ■ *|S=| tsaJst I Jo3C Hill 1 c 8 =5:9 c d 3 22 55.= .) hN. D 5 ” i3« = 0:^ 3 « öl ® cf er O 3 " c v- -s 3 n s 5-9 5. ""(sS <7 Z. r- 2. n r - - OSO.,-3 3 । 2 ,75 L z:ä> h »32®o73S l er : | 3 a—3 c o i „ O'O'gX 3*3 " O„- JA? -d1® " 5 0:0 .’s ’t- H ä-TfJ 2! -3°-°^-^ n 2.beirr'*'n. m **' im Namen Oesterreichs zustirnrnte. Der italienische Botschafter teilte dem Staatsdepartement mit, daß er die Antwort aus Nom nicht vor morgen erwarte. Der bulgaris ch e Gesandte sprach dem Staatsdepartement offiziell die Dankbarkeit seiner Regierung aus. Hunderte von Glückwunschtele- g r a m m e n sind aus allen Teilen der Welt im Weißen Hause eingegangen. Wallstreet stimmt zu. N e u y o r k, 22. Juni. (WTB.) In maßgebenden Finanzkreisen der Wallstreet wird übereinftim- mend erklärt, daß Hoovers Schritt von allen Seiten im Lande als erster konstruktiver Schritt zur Behebung der Weltwirtschaftskrise begrüßt werde. Wenn auch zugegeben werden müsse, daß der Durchführung des Zahlungsaufschubs zahlreiche und noch nicht übersehbare Schwierigkeiten im Wege ständen, so bestände doch kein Zweifel, daß Hoovers Schritt die Wiederherstellung des Iter- trauens in die zukünftige Entwicklung der Weltwirtschaft bedeute. Die ganze Welt müsse Hoover dafür dankbar sein, daß er sich zu diesem Schritt entschlossen habe. Aus der Berliner Wilhelmstraße. Berlin, 22. Juni. (GAB.) Während Bot- schafter v. Hoesch Berlin bereits verlassen hat, um sich auf seinen Posten zu begeben, haben in der Reichskanzlei heute Besprechungen mit dem deutschen Botschafter in Washington Dr. v on Prittwih stattgefunden, in denen die durch den Vorschlag de« Präsidenten Hoover gegebene Lage eingehend besprochen wurde. Das Problem ist heute aber praktisch nicht weiter vorwärts gediehen. Es kommt seht zunächst darauf an, wie sich die französische Regierung einstellt. Man wartet deshalb wohl erst den Ministerrat ab, der am Dienstag in Paris stattfindet. Frankreich wird vielleicht noch besondere Vorschläge machen, um seinen Ausfall zu vermindern. Es verstärkt sich in politischen Kreisen aber der Eindruck, daß auch die französische Regierung sich dem großen Gedanken Hoovers nicht entziehen können wird. Vielmehr liegt nach Ansicht politischer Kreise auf der Hand, daß Deutschland nicht mehr in der Lage ist, seine Reparationsverpflichtungen zu erfüllen. Das ist durch den Schritt des Präsidenten Hoover und die Zustimmung, die er bisher bei den Hauptmächten — außer Frankreich — gefunden hat, auch nach außen hin zu sinnfällig bestätigt, als daß Deutschland noch zögern könnte, von sich aus bestimmte Schrrtte zu unternehmen, wenn die Aktion des Präsidenten Hoover etwa an dem Widerstand einer einzelnen Macht scheitern sollte. Die Tatsache, daß solche Möglichkeiten gegeben sind, wird sicher auch in den morgigen Beratungen des französischen Kabinetts nicht unbeachtet bleiben können. Hm so mehr rechnet man damit, daß auch Frankreich sich schließlich in die allgemeine Front zur Sanierung der Weltwirtschaft eingliedern wird. WaswirdmitdenSachleistliligen? Berlin, 22. Juni. (ERB.) In politischen Kreisen beschäftigt man sich auch lebhaft mit der Frage, was bei einer Einstellung der Reparationszahlungen am 1. Juli aus den Sach- lieferungen werden wird. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß auch die Sachleistungen mit eingestellt würden. Sie betragen im laufenden Etats- und Repa- rativnsjahr etwa 4 5 0 Millionen M k. Natürlich werden gewisse Industrien von einer Einstellung dieser Sachleistungen betroffen werden. In unterrichteten Kreisen hält man diesen Schaden aber nicht für sehr groß, daß nach Ansicht der Fachleute mehr als die Hälfte, schätzungs- weise sogar 60 bis 80 Prozent normalen, Exports, in den Sachlieferungen enthalten sind. Ein großer Teil der Lieferungen wurde dann also ganz automatisch ganz auf den Export übergehen. In Kreisen der Reichsregierung ist man der Auf- fassung, daß die freiwerdenden Reparationsgelder in erster Linie zur Reservebildung und zur Konsolidierung kurzfristiger Kredite verwendet werden müssen, daß es darüber hinaus aber auch notwendig sein wird, einen Ausgleich für den Ausfall eines Teils der Sachlieferungen zu schaffen. Der Zweck des Schuldenfeierjahres ist ja gerade, die Wirtschaft wieder zu beleben. 660 Millionen von der Annuität hat bekanntlich die Reichsbahn aufzubringen. Es ist zu erwarten, daß ein Teil dieses Betrages für Zwecke der Wirtschaftsankurbelung verwandt wird, um den Wegfall der Sachleistungen wettzumachen. Das Llrteil der Reichsbankleitung. D e r l i n, 22. Juni. (TU.) Reichsbankvizepräsident Dr. D r e h s e äußerte sich über die L a g e b e i der Reichs bank, wie sie sich nach der Bekanntgabe des Hoover-Vorschlages jetzt darstelle. Die Entwicklung am Geldmarkt sei bekannt. Rach ruhigem Beginn der letzten Wochen hätten gegen Ende der Woche wiederum starke Devisenabflüsse stattgefunden und seien starke Kreditkündigungen erfolgt, so daß die Reichsbank eine Kreditrestriktion zunächst in der Form durchgeführt habe, daß sie den Privatdiskont nicht notierte. Andere Mittel seien mit Rücksicht auf die in- und ausländische Stimmung nicht empfehlenswert erschienen, zumal auch etwas Positives dabei nicht hätte geboten werden können. Wenn auch die Kreditrestriktion vielleicht eine verhängnisvolle Maßnahme dar- - stelle, so sei sie immerhin doch besser, als wenn man den zur Verfügung stehenden Be° l reitschaftskredit in Anspruch genommen , hätte, was die Lage der Reichsbank gegenüber z dem Auslande noch verschärft hätte. Der Hov- v ver-Plan habe nunmehr eine neue Lage geschaffen. Die Reichsbank hoffe, daß nun weniger Kredit- kündigungen erfolgen, fo' daß eine Restriktion nur in allermildestem Ausmaße notwendig zu werden brauche. Der erste Schritt der Reichsbank werde sein, heute wieder die Privatdiskontnotiz «inzufüh- ren. In seinen weiteren Ausführungen erklärte der Vizepräsident, daß zu weiteren Besorgnissen nach Ansicht der Reichsbank kein Anlaß sei. Die Deichsbank rechne damit, daß sie auch über den Ultimo hinwegkomme, wenn keine besonderen neuen Momente auftreten. An eine Diskontänderung werde vorläufig nicht gedacht. Die Kreditrestriktion werde es wohl mit sich bringen, daß über den Kredit der Banken in Höhe von 250 Millionen Mark an die Reichsregierung neue Verhandlungen erforderlich sein würden. Er wies dann insbesondere darauf hin, daß die gegenwärtigen Maßnahmen das Gegenteil einer Inflation bedeuteten. 3m Verlaufe der letzten Woche sei der Notenumlauf um mindestens 100 Millionen zurückgegangen. Es bestehe keinerlei Anlaß zu Besorgnissen bezüglich der Währung. Auf eine Anfrage erklärte er sodann ausdrücklich, daß die Reichsbank feste Unterlagen für ihre optimistische Ansicht habe, da zweifellos durch den hooverschen Plan für die Freunde der Reichsbank im Auslande eine neue Lage geschaffen sei. Auf eine weitere Anfrage bestätigt er, daß ein größerer Teil der Kündigungen von Auslandgeldern in der letzten Woche auf französischeBanken zurückzuführen sei. Die Ehe mit Kummer 44170. Oaü Ende eines phantastischen Rechtsstreites Von Or. Gustav W. Eberlem, Rom. R o m , im Juni. Endlich hat sich der eiserne Vorhang über ein Drama gesenkt, das als Komödie anfing, als Posse endete und eine Tragödie zurückläßt. Das aus fünf Akten, jeder von der Dauer eines vollen Jahres, besteht, die ganze Welt in Span- nung hielt, soweit sie sich noch um Einzelschicksale kümmert, und das italienische Volk in zwei Lager spaltete: in Canellisten und Druneristen, die sich grimmig befehdeten. Pirandello hat einmal ein ähnliches Stück geschrieben, in dem es so verworren zugeht, daß der englische Theateragent die Komödie nur unter der Bedingung kaufte, man müsse zum Schlüsse erfahren, wer nun eigentlich der Verrückte sei. Aber das Leben als Autor hat sich als weit grotesker noch, als viel erfindungsreicher, als dreifach verdreht erwiesen, so daß der Held, der im Irrenhaus die Nummer 44170 führte und jetzt im Gefängnis die Nummer 30717, nach wie vor behaupten kann, nicht er sei der Verrückte, sondern der andere, der Pvlizeikommissär, der Jrrendirektor, der Richter, der Gefängniswärter. Und wehklagend blieb auf der Bühne zurück die weibliche Hauptdarstellerin, die mit Nummer 44170 wie mit Nummer 30717 verheiratet zu sein glaubt, aber nur die Witwe eines kriegs- verschollenen Professors ist. Zu viel des Stoffes für ein einziges Drama! Die Gerichtsakten allein machen vierzehn Bände aus; die' Zeitungsartikel aber, die in den fünf Jahren über den Fall erschienen, würden eine riesige Bibliothek füllen und es als ratsam erscheinen lassen, einen Reservebau in Angriff zu nehmen, denn man kann nicht wissen, ob die Sach« nicht doch noch weitergeht. Nichts wäre schwerer, aussichtsloser als der Versuch, in wenigen Zeilen sachlich über die Flucht der Ereignisse und Erscheinungen zu berichten, seit im Morgengrauen auf dem jüdischen Friedhof in Turin ein Urnendieb festgenommen wurde, der sofort den Geistesabwesenden spielte und in der Irrenanstalt mit unzweifelhaftem Geschick die Rolle eines „Mannes, der sich selbst verlos, durchführte. Als er es für zweckmäßiger erachten mußte, sich wieder zu finden, übernahm er diese Rolle und schrieb 2 Bände, nein 3 Bände Memoiren: „Auf der Suche nach mir selbst." Sie sollten beweisen, daß er nicht etwa, wie die Polizei annimmt, der von ihr gesuchte Gewohnheitsverbrecher und arme Buchdrucker Mario Bruneri sei, sondern der gelehrte, wohlhabende Professor Giulio Canella. Unter ebenso dramatischen wie ergreifenden Umständen, die man nicht einmal skizzieren kann, ohne den Rahmen einer Zeitung zu sprengen, erkannte eines Tages die Kriegswitwe Giulia Canella in dem „Unbekannten", in der Nummer 44170 des Irrenhauses, ihren an der mazedonischen Front verschollenen Mann und führte ihn heim. Nach einigem Zögern, als er sich vergewissert hatte, daß er in ein warmes Nest kam, übernahm er die Rolle und wachte nun, meisterhaft spielend, nach und nach auf, erinnerte sich an dieses und jenes, kurz, wuchs in den Professor Canella hinein. Es war schon immer seine Kunst gewesen, in die Gestalt eines andern zu schlüpfen, sowie ihm die Polizei auf den Fersen war. Mancher Ahnungslose mußte für ihn büßen. Tiefstes Familienglück in einer Villa am Gardasee, Gattin, Kinder, Geschwister um sich. Es ist Frühling draußen, unendliche Liebe umgibt den Heimgefundenen, Reichtum und Schönheit. Flitterwochen, wie die ersten nicht waren. Monsignore, der sie seinerzeit getraut, bringt den Wiedervermählten Zeitungen aus aller Welt — wer hätte sich die rührselige Geschichte von dem Professor, der sich selbst vergaß, entgehen lassen wollen? Wie viele Kriegerwitwen tröstet dieser Fall! Da — mitten in die Idylle hinein — rattern Pvlizeiautomobile, aus ' den Armen der Frau reißt man, daß sie zum zweitenmal den Gatten verliere, den Professor unter der Anschuldigung, er simuliere diesen Gatten, wie er seinen Gedächtnisschwund simuliert habe. Beweis: Frau Bruneri, die in ihm ihren rechtsmäßigen Gatten erkannt hat. Run ist der Stein im Rollen, nun hebt die Justizkomödie an. Gericht gegen Gericht, Gutachter gegen Gutachter, Familie gegen Famllie, Frau gegen Frau, der Simulant gegen sich selbst. Die Bruneri sind eine ärmliche Famllie, bei der nichts zu holen ist, also verleugnet er sie, I verleugnet Frau und Kinder, alles, versteht sich, unter dramatischen Momenten und tragischen Wirkungen. Auf einmal ist er ganz wach, unheimlich klar sein Gedächtnis: ich bin Canella und niemand sonst! Er kämpft jetzt um das warme Nest, um eine bessere Lebensstellung, um einen gehobenen Posten in der besten Gesellschaft, denn andernfalls mühte er ins Dunkel zurück, in die Gefängniszelle. Und di« Familie Canella ist sehr reich. Sie kann sich die berühmtesten Rechtsanwälte leisten, sie braucht kein Mittel zu scheuen, um die Richter auf ihre Seite zu bringen. Ein Riesenprozeß hebt an, läuft durch drei und vier Instanzen. Aber auch die Familie Bruneri ficht ihn durch. Woher hat sie die Mittel? Ein Ge- tuschel hebt an, Geldinteressen spielen herein. Auch die Bruneri bringen gewiegte Anwälte auf, sogar Farinacci, den seinerzeitigen „Vize-Duce", und den Vertrauensanwalt des Vatikans, Professor Cammoo, der bei den Lateranverttägen mitwirkte. Falls Canella nicht lebend aus dem Kriege zurückkomme, solle das riesige Vermögen des Vaters der Kirche zufallen. Die Geistlichkeit lehnt natürlich eine so durchsichtige Unterstellung ab und erklärt, aus christlichen Gewissensgründen ein Interesse daran zu haben, daß «in Schwindler nicht zum Vater wehrloser Kinder werden könne. Zu spät! Während die Anwälte und die Gerichte sich herumschlagen, tut der „Professor" seine eheliche Pflicht — jedes Jahr bekommt „seine Frau" prompt ein Kind von ihm. Hier liegen die Keime für eine der furchtbarsten Familientragödien, die man sich ausdenken lärm. Glaubt Frau Canella wirklich noch an ihn? Sie beschwört es, sie stellt in ihrer rührenden Gattenliebe und Treue alle klassischen Vorbilder in den Schatten. Kann sie denn überhaupt noch zurück? Die Wissenschaft arbeitet. Sie bringt ein erdrückendes Material dafür bei, daß der angebliche Canella kein anderer als der Buchdrucker Bruneri ist. Fingerabdrücke, Ohrenprobe, Narben, alle Merkmale stimmen haargenau. Tut nichts, es wird dagegen mit Tränen und mit dem gearbeitet, was dem Italiener am heiligsten ist: mit den Kindern. Die Kinder von Frau Canolla und Nummer 44170 werden zur Gerichtsverhandlung geschleppt und müssen erschütternde Szenen provozieren. Die Richter mühten Steine in der Brust haben, wenn sie der Schmerz und der Heroismus einer solchen Mutter nicht rühren sollten. Aber über die Tatsachen kommen sie auch nicht hinweg. dem Bahnhof in Schneidernühl ein Militärs zug, der beladen war mtt Atrappen von Tanks und Panzerautos. Auf dem Bahnhof konnte beobachtet werden, wie ein polnischer Eisenbahnbeamler, die In Schneidemühl den Zug wechseln, sich auffällig für den Militärzug inleressierte und mehrere Male an ihm auf- und abging. Erst als dem diensttuenden Schupobeamten dieS auffiel, verlieh der polnische Eisenbahner den Bahnsteig. Richt viel später, nach einer Stunde, erschien das polnische Militärflugzeug über Schneidemühl, um hier vor allem ausgerechnet die Reichswehrkaserne und den Bahnhofs m niedrigster Höhe zu überfliegen. Der Militärzug war bereits abgefahren. Die Vermutung, dah das FluMeug vor allem dieses Zuges wegen nach Schneidemühl gekommen sit, wird noch dadurch bestätigt, dah der Flieger in geringer Höhe die ganzen Dahnanläge nauf längerer St recke <^b flog. Schneidemühl, 22. Juni. (TU.) Am Sonntagabend wurde Schneidernühl von einem polnischen Militärflugzeug überflogen. Die polnische Maschine war an den weihroten Abzeichen deutlich erkennbar. Das Flugzeug kam aus der Richtung B i s ch k e (Polen), überflog di« Grenze bei Küddowthal und wandte sich dann nach Schneidemühl, wo es die Kasernen, das Regierungsgebäude sowie die Bahnanlagen in niedriger Höhe überflog. Wie der „Gesellige" noch erfährt, wurden an dem polnischen Militärflugzeug an dem unteren Tragdeck die Nummer Z 96 und am Rumpf das Zeichen Z 1209 festgestellt. Es ist somit einwandfrei der Nachweis erbracht, daß es sich um ein polnisches Militärflugzeug handelt. Außerdem konnte, wie das genannte Blatt weiter erfährt, dec Nachweis erbracht werden, daß einwandfrei Spionage vorliegt. Dies geht aus folgendem hervor: Sonntagnachmittag hielt auf polnischer Spionageflug über Schneidemöhl Zusammenwirken mit einem polnischen Eisenbahner? scheidung auf ein Jahr." Dr. Qua atz erklärt: „Helfen uns diese 1500 Millionen? Das Defizit des Reiches, der Länder, Gemeinden, der Reichsbahn und der Sozialversicherung zusammen ist mit über 4 Milliarden erheblich höher. Die Wirtschaft hat keine steuerlichen Erleichterungen zu erwarten, wenn nicht endlich di« durchgreifende Finanz- und Steuerreform kommt." Der nationalsozialistische „Angriff" nennt Hoovers Plan einen neuen Amerikabluff. Daß Amerika in der Schuldenfrage überhaupt etwas tue, sei zweifellos ein Erfolg der unablässigen nationalsozialistischen Propaganda. Ilm diese einzudämmen, werfe man jetzt dem derzeitigen! System in Deutschland einen Brocken hin." Völkerbunds-Meinung. Gens, 22. Juni. (WTB.) Wie von unterrichteter Seite verlautet, mißt man auch in den führenden Kreisen des Völkerbundssekretariats dem Schritt der Vereinigten Staaten größte Bedeutung bei. Man bezeichnet ihn als eine der größten politischen Initiativen seit Kriegsende und erklärt daß es sich hier wahrscheinlich um einen entscheidenden Wendepunkt handele. Selbst die französischen Kreise des Völkerbunds- sekretariats können sich dieser Auffassung nicht entziehen. Oie deutsch-österreichische Freundschaft. Berlin, 22. Juni. (WTB.) Der neue öfter- reichische Bundeskanzler hat an Reichs- kanzler Dr. Brüning ein Telegramm gerichtet, in dem er aus Anlaß der Uebernahme der Bundesregierung darauf hinweist, dah die unter seiner Leitung stehende Regierung bestrebt sein werde, die Freundschaft zwischen Deu t sch - land und Oe st erreich zu pflegen und zu vertiefen. , Ä In dem Danktelegramm des Reichskanzlers Dr. Brüning wird dem Bundeskanzler der aufrichtigste Wunsch für guten Erfolg übermittelt und betont, dah Deutschland dem Brudervolk in Oe st erreich in allen ernsten Sorgen, die es jetzt zu überwinden gelte, in stets gleicher inniger Verbundenheit zur Seite stehe. England distanziert sich von Frankreich. Köln, 22. Juni. (ENB.) Wie der Londoner Vertreter der .Kölnischen Volkszeitung" aus zuverläf- figer Quelle erfährt, hat das Foreign Office die französische Regierung aus Anlaß der schwebenden Anleiheverhandlungen mit Oesterreich davon unterrichtet, daß die britische Regierung nicht wünsche, an irgendwelchen Maßnahmen beteiligt zu sein, die, solange das Verfahren des Di« Anwälte der Familie Bruneri haben leichtes Spiel, die Anwälte der Familie Canella schließlich nur noch die eine Waffe, „wie ein Tintensisch das klare Wasser zu trüben", wie ein treffender Vergleich lautet Ein Heer von Zeugen tritt auf, die alle den echten Canella vor und während des Krieges kannten und in dem Unbekannten wieder erkannten, ein Heer von Zeugen läßt andrerseits keinen Zweifel an seiner Identität mit Mario Bruneri. Er selber kämpft um die angenommen« Gestalt wie ein Gladiator. Tausendmal macht er sich lächerlich, wenn er auf die Jntelligenzpvobe gestellt wird, das Latein seines Vorbildes kopievt, wie ein Känguruh auf dem Klavier herumtobt, aber tausendundeinmal erllären die Canellisten diese Bildungslücken eben mit dem doch noch nicht gänzlich zurückgekehrten Gedächtnis. Seine Geliebte hat das Stückchen Stoff, das an dem Kleide des Hmendiebes fehlte, und antwortet auf die Schicksalsfrage der Frau Canella: Natür- dung ins Gefängnis, wenn das alles richtig behalten! Der Geldgeber der Canella, der Bruder der unglücklichen Frau, geht sogar wegen Verlleum- dungs ins Gefänsnis, wenn das alles richtig ist, was man liest, aber nachgeben tut keiner. Endlich, endlich, nach fünf Jahren schließt die alleroberste Instanz die Akten. Es bleibt auch nicht ein Zehntel Prozent Zweifel an der Identität der Nummer 44170 mit dem Buchdrucker zurück. Letzte, ahnungsschwer verhangen« Tage des Glücks, dann kommt der Stellungsbefehl der Polizei — Mario Bruneri wird ins Gefängnis geschleppt, es fällt der professoral« Dart,_ dem er sich zugelegt, bald wird auch das Bäuchlein nachfolgen, er ist Nummer 30717, und die Frau seiner Wahl (oder umgekehrt?) darf nicht einmal Wort und Brief mit ihm wechseln, denn sie ist ja nicht verwandt mit ihm. Sie sieht in wenigen Tagen ihrer Niederkunft entgegen drei oder vier Kinder sind zu den legitimen dazugekommen, sie ist vernichtet, aber sie glaubt felsenfest weiter. Oder gibt vor zu glauben. Man sagt, dieser Bruneri, der selbstverständlich schon ein Riesenangebot von einer Filmfirma erhalten wird, sei ein Meisterschauspieler, ein Schwindelgenie ohnegleichen, aber ist die Rolle, die Frau Canella durchzuhalten hat. nicht noch unendlich schwieriger. Das Echo in der Berliner presse. Berlin, 22.Juni. (TU.) Die Berliner Abendblätter beschäftigen sich in Leitartikeln mit dem Vorschlag Hoovers. Die „G e r m a n i a" schreibt, mit dem Hoover- Angebot sei die R e p a r a t i o n s f r a g e nicht im gering st en gelöst, und mit der Stundung der Zahlungen für ein Jahr auch die Ordnung der deutschen Finanzen nicht garantiert. Dieses Jahr müsse dazu benutzt werden, umunserHausvon A bis Z in Ordnung zu bringen. Die Opfer des deutschen Volkes würden nicht geringer werden. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung betont, es sei kein Zweifel darüber möglich, daß die Annuitätenreihe des Y o u n g p l a n s mit dem Weltmoratorium aufgehört haben werde, zu bestehen. Hoovers ganze Aktion wäre ja vergeblich, wenn nach einjähriger Pause wieder im alten Ausmaß Deutschland zu zahlen beginnen müßte. In der „Vos fischen Zeitung" sagt der frühere Finanzminister Reinhold, der Vorschlag Hoovers bedeute in seinen Auswirkungen auf unser« Innenpolitik, daß nunmehr alle Aussicht dafür bestehe, daß das große Werk der S a m m l u n g der Abwehrkräste der Nation gegen den Radikalismus zu einem dauerhaften Erfolg geführt werden könne. Nichts wäre törichter, als wenn jetzt schon der Streit darüber beginnen würde, ob und wie die finanzielle Erleichterung des Reiches in Steuerermäßigungen umaesetzt werden könne. Das „Berliner Tageblatt" bezeichnet Hoover als den Held des Tages, der in einer schwierigen historischen Situation richtig gehandelt habe. Der „Vorwärts" unterstreicht in einer Auslassung des „Sozialdemokratischen Pressedienstes", daß der Poungplan, so wie er sei, am 1.Juli 1932 wieder in Funktion treten könne, würde wohl niemand annehmen. Kämen die Zahlungsverpflichtungen an das Ausland in Fortfall, so fei eine ernste Nachprüfung der Notverordnung und die schnelle Beseitigung ihrer Härten unvermeidlich. Der „Lokalanzeiger" fragt, wer berufen sei, in der entscheidungsschweren Zeit nach einer Annahme des Hoover-Planes für Deutschland zu verhandeln und zuhandeln, die, die geirrt hätten, oder die, die alle Irrtümer sofort durchschaut und vor dem Wege gewarnt hätten, aus dem wir so weit gekommen seien. Diese Fragen beantworteten sich von selbst., In der „Deutschen Zeitung" äußert sich Finanzrat Bang: „Wir wollen keineG n ad«, wir wollen unser Recht!" Dr. Goebbels sagt: „Ich halte den Hoover-Plan für einen vollkommen unzulänglichen Versuch. Es handelt sich hierbei überhaupt nicht um eine Lösung, sondern nur um eine Verschiebung der Ent- W. «irr 7° 7®ifit«?. «SuSHI Sä?"1 tzZ- ^uaah erklärt, y Das s ^der Reichs W. Die Di^ '^rleichte. "lcht endlich bie ^form kommt." WM" nennt ^erlkabluss ge überhaupt et.' lg der unablässj. lömda. Um diese dem derzeitig« odm hin." einung. von unterrichtet» in den sührenden 'retariatrdem >r°bteBedeu. ls i Initiativen Icheinlich um einen punkt handele, des Völkerbunds, jffaffung nicht ent- reichische >-. i.) Der neue öfter» hat an Deichs« Telegramm gerich- r Uebernahme der eist, daß die unter nmg bestrebt sein oifäen 5>eu/f<ö* legen und zu vc-r- DMkm^erSDr. »estanzier der >n Erfolg über» utschland dem eich in allen ern» »rrwinden gelte, in lerbundenheit öon$ronfreid?. e der Londoner Der- tung-auszumlo,' j o r e i g n 0 sslce Anlaß der schweben. [ Oesterreich davon ehe Regierung oelchcn Maßnahmen das Versahrender der Milie Sa- ! eine u Lasser iu tnM । lautet. M ! den echten § Niederkleen, 21. Juni. Auf dem „Wetzlarer Berg" fand die Versteigerung der der Provinzialstraßenbauverwaltung gehörigen Kirschenernte statt. Für den Daum wurden je nach Dehang 0,50 Mk. bis 4 Mk. bezahlt. Kreis Bicdenkops. (T) Bischoffen, 22. Juni. Ein hiesiger Einwohner bemerkte, als er morgens zu seinem außerhalb des Dorfes gelegenen Hühnerpferch kam, daß sämtliche 16 Hühner und der Hahn getötet im Pferch bzw. verschwunden waren. Wie sich bei näherer Untersuchung herausstellte, hat ein Fuchs dem Hühnerhaus einen Besuch abgestattet. Er hat sich unter dem Zaun und unter der Bretterwand des Hühnerhauses ein Loch gegraben und sämtliches Federvieh totgebisien. Da fünf Hühner fehlten ist anzunehmen, daß diese von dem Fuchs In seinen Bau zur Nahrung für seine Jungen verschleppt worben sind. Derbandstag der hessischen Geschichte und Altertumsvereine. WSR. Bensheim a. d. B. 22. Juni. Am Samstag und Sonntag hielten in Bensheim die ! hessischen GeschichtS- und Altertum-Vereine ihren Verbands tag ab. Er wurde am SamStag ein- ■ geleitet durch einen Ehor der Prima der Auf- xmschule. Darauf begrüßte der Verlxrndsvor- itzende, Geheimrat v. Hahn, die Mitglieder und Gäste, besonders Kreisdirektor Reinhart, Bürgermeister Dr. Angermeier. Prof.©cifeier, Prof. Dr.Dahn (Mainz) und Geheimrat Wolfram (Frankfurt a. M), den Vorsitzenden des Reichsverbandes. Anschließend hielt Prof.Dahn einen Lichtbildervortrag über die germanische Besiedelung HestenS. Der Redner behandelte ausführlich die Bodenfunde hx Oberheffen, Rheinhessen und Starkenburg. Ein geselliger Abend schloß sich an. Den Sonntagsverhandlungen wohnte als Vertreter der Regierung Ministerialrat Hoffmann bei. Im Jahresbericht wurde die Schaffung neuer Museen in Wornrs, Dingen, Dreieichenhain und Lauterbach begrüßt. Das Interesse der Jugend an der Geschichte will man durch Iugendsahrten anregen. Annahme fand ein Antrag, demzufolge sich eine Kommission mit der Frage der Schaffung einer Bibliographie über die lausenden Neuerscheinungen zur hessischen Geschichte befassen soll. Oberstudiendirektor Dr. Faber (Friedberg) regte an, die Beteiligung Hessens an der Reichsflurnamenforschung wieder stärker zu beleben. Die nächstjährige Tagung findet in Dingen statt. Die Beziehungen des wenige Kilometer entfernten Klosters Lorsch zum Reiche befeanbclte Studienrat Dr. Glöckner. Er zeigte in einem an Auswertung von Quellenmaterial reichen Referat, wie diese Reichsabtei eine Kraftquelle beim Dau des Karolingischen Reiches war. Am Nachmittag beschloß ein Besuch des Fürstenlagers in Auerbach die schön verlaufene Tagung. Berliner Börse. Be r l i n , 23. Juni. (WTB. Funkspruch.) Nachdem es gestern abend auf Glattstellungen etwas schwächer war, ist die Tendenz heute vormittag wieder fester. Vor' allem regte die gestern abend schon zu beobachtende starke Befestigung der Mark an, und man hält die Devisenfrage in Bankkreisen für so gut wie erledigt. Das Geschäft ift noch sehr ruhig; die bis jetzt genannten Kurstaxen liegen etwa 1 v. H. über Den Abendnotierungen. Man nennt IG.-Farben 136 (Geld), Siemens 153. Am Devisenmarkt hörte man Kabel gegen Berlin 4,2090 bis 4,2095, London gegen Berlin 20,4875, gegen Kabel 4,8670 zu 4,8672, gegen Paris 124,27, gegen Madrid 50,25. Oie Wetterlage. lno< "2^ 46 —f tiernfo MS 15. *45 W =TL Jr&L/ ©wolkenlos.Oneuer ®naio oeoeoa. ®woimq. eoeoetkt eRtqei\ * Schnee a Grauptin ■ heoet K wiiter,©Windstille. •<>> seh» (tkhter Ost y ma»'0er Südsüdwest Q stürmischer «ordwesl Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeiaen Stationen stehenden Za» len gehen die Temperatur an. Die Linien verhindert Orte mit gleichem au' Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Die Finnlandstörung, welche sich westlich vertieft hat, erstreckt ihren Einfluß südwärts bis zum deutschen Ostseeküstengebiet^so daß dort im Bereich nordwestlicher Winde bie Morgentemperaturen 5 bis 7 Grab tiefer lagen als bei uns. Die Gestaltung ber Wetterlage hängt vorerst von bem Wechsel verschieden temperierter Lustmassen ab, die gegenwärtig auf dem Kontinent Platz ergreifen. Dabei erfahren die Temperaturen gewisse Schwankungen, und außer vorüberziehender Bewölkung find auch Gewitterbildungen oder teilweise leichtere Niederschläge nicht ausgeschlossen. Voraussage für Mittwoch: Bewölkt mit Aufheiterung, vereinzelt Gewitterstörung oder etwas Niederschlag, Temperaturen wenig verändert. Wettervorhersage für Donnerstag! Etwas kühler, teilweise bewölkt, teilweise aufheiternd, meist trocken. Reifewetterdienst Garmisch - Partenkirchen: Morgentemperatur 18 Grad, Südwestwind, Witterung heute morgen heiter. Witterung seit gestern meist heiter. Borkum: Morgentemperatur 14 Grad, Südwestwmd, heiter. Witterung seit gestern: ver- änder.-ich mit Schauern. Schierke (Harzi: Morgentemperatur 12 Grad, Südwestwind, wölkst-. Witterung seit gestern meist heiter. Swinemünde : Mvrgentemperatur 14Gr., Westwind, wolkig, Witterung seit gestern teils heiter, teils wolkig. Verantwortlich für Politik: i. D. Ernst Blumschein. AMOL 7 lSlmt-,1 Rdt.6 6 fltml- nn» Eaheribd-Cd. !*,!♦ Mcnchal, 400 Kaufgesuche | Arten ov. Mr 500 bis 600 qm geg. Kasse zu kaufen gesucht. Schriftliche äußerste Angebote unter 03661 an den Gieß. Anzeiger erb. [Verschiedenes! Täglich frische Cronbergcr Wem zu allerbilligsten Tagespreisen. LsD Wich. Hantel Kanarienvogel entflogen, gegen Belohnung abzugeben. Badnboiitr. 69 I. Ledrmund [056se Guter bürgerlicher Mittagsttsch Mk. 0.80 etnschl. Bedienung, üeftaut. JJoKfenet Inh. Heb. Daheer 036'23 Wagengasse. GoId.Dani.-jriDbanilulir Samstag verloren. Abzug, geg. gute Belohn. a. d. Fundbüro, Polizeiamt. 03646 Stadttheater Heute abend von 20 bis 22 Uhr 5. Vorstellung im Sommer-Abonnem. Ensemble - Gastspiel d. Intimen-Theaters, Nürnberg mit: Familie Hannemann Schwank in 8Akt. v. Reimann wSchwartz Mitwirkende: HerbertWashmgton, Karl Ludwig Lmdt, Gretelotte BraxiS, Freya Sturmiels, Kläre Randolf, Karl Morvilius, Martin Rosen, Willi M'nauf, Traute Reimann, Hans de Reve. Ermäßigt. Sommerpreise Aik. 0.50- 2.50. WniWen mit gutem Zeugnis für Herrenmodeuge» schäft gesucht. Schriftl. Ang"b. unt. 4I64D a. d. Gieß. Anz. am liebsten v. Lande, tagsüber ges. Jmbcuser, Marktvl 10, i.Laden. bensmittel- Geschäft gesucht. Schriftliche Angebote unt. 03648 an den Gieß. Anz. Ordenti., sauberes Nr. 144 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Dienstag, 25. Zum 193t W er SS* gfl«n l««o. SS« >z5’ lt W Stadttheater ge5 Henteadcuv W ’flSÄgJÄ iesj 77a 3d,rcannI^S 'W?Ä roil ÄMK ™ ALL St“tl giofeft Provinzialfeuerwehrtag in Lauterbach. ISjahriges Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbach. & Lauterbach, 21. Juni. Es sind schon 39 Jahre her, daß zum letztenmal die Vertreter der ol^rhessischen Feuerwehren -um Provinzial- seuerwehrtag in Lauterbach tagten. Aus Anlaß des 75jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbach ist nun die diesjährige Tagung, die am 20. und 21. 3uni stattfand, nach Lauterbach verlegt worden. 75 Jahre bedeuten ein großes Stück geschichtliche Entwicklung im Dienste der Nächstenliebe, und so kann auch die Freiwillige Feuerwehr Lauterbach, die heute über eine gut disziplinierte Wehr und dank der Weitsichtigkeit der Stadtverwaltung über moderne Brandabwehrmittel verfügt, mit Stolz auf eine Dor- und Aufwärtsbewegung zurückblicken. Dies wurde ganz besonders bei dem am Sonntagvormittag vorgesühr- ten Drandangriff auf das Rathaus bewiesen. Die offizielle Tagung fand am Samstag in der Turnhalle statt. Der Dorsihende, Branddirektor Braubach (Dießen ), begrüßte zunächst die zahlreich erschienenen Der- treter Her staatlichen und kommunalen Behörden, sowie die Vertreter der Feuerwehrorganilationen und gedachte sodann der während der letzten drei 3ahre verstorbenen Feuerwehrsührer Damm, Kölsch und Wenzel zu dessen Andenken sich die Anwesenden von ihren Sitzen erhoben. Sodann dankten die einzelnen Dehördenvertreter für die freundliche Einladung und Begrüßung und wiesen darauf hin, daß die Tagung in eine ernste -Zeit falle. Den Männern, die sich zur Tagung zusammengesunden habrn, gebühre Dank und Anerkennung für die Bereitschaft zur Mitarheit. Der Vorsitzende dankte Bürgermeister Walz für die freundliche Aufnahme in der Stadt. Branddirektor S ch ü ß l e r vom Kurhessischen Feuerwehrverband sprach die Erwartung aus, daß die Bande, die beide Feuerwehrverbände miteinander verknüpften, noch fester werden möchten. Sodann gab der Vorsitzende bekannt, daß in den letzten drei Jahren 20 Neugründungen von Feuerwehren zu verzeichnen seien, und von 10 Motorspritzen sei die Zahl auf 28 gestiegen. Trotzdem müßten im Interesse der guten Sache immer noch mehr Gründungen erfolgen. Auf der Tagung waren 74 Feuerwehren vertreten. Die Rechnungsablage, die vom Kommandanten Rechner Schneider (Büdingen) vorgenommen wurde, weist in Einnahme 2187,76 Mark und in Ausgabe 1155,68 Mk. aus, so daß sich ein Dermögensbrstand von 1032,08 Mark ergab Die Rechnungsprüfung fand einige Tage vorher statt und hat die Richtigkeit der dort niederqeschriebenen Einträge ergeben. Dte Prü- sungslommibion beantragte die Entlastung des Rechners, die auch einstimmig erfolgte. Infolge des schleppenden Eingangs der Verbandsbeiträge von Seiten der Wehren wurde der Antrag gestellt, jährlich in der Feuerwehrzeitung sämtliche Wehren aufzusühren, um so ein genaues Bild zu haben über den Stand innerhalb der Kreise und die Kopfzahl der Mitglieder der Wehren. Von einer Beitragserhöhung wurde abgesehen. Beantragt war vom Vorsitzenden, man solle, um die Mittel zur Bestreitung der vom Landesausschuß gestifteten Fruerwehr-Ehrenkreuze auch an den Le:-iLesverl»and pro Mann fünf Pfennig abführen. H e Y d (Friedberg) stellt noch in eingehender Begründung einen Antrag auf Ablehnung der Erhöhung. Rach längerer Aussprache einigte man sich und beließ es bei den derzeitigen Beiträgen. Die Unkosten für die Auszeichnungen übernimmt demnach die Provinzkasse. Die sahungsgemäß ausscheidenden Mitglieder des Landesausschusses, die Kameraden Braubach (mit 74 Stimmen), Schneider (67), F ü l - l e r (73), Knierim (66) wurden wiedergewählt. Als nächster Tagungsort wurde Bad-Rauhe i m bestimmt. Der Kommandant der Rauheimer Feuerwehr, Kamerad Fisch, dankte für die Uebertragung. Kreisfeuerwehr - Inspektor Dickors (Gießen) referierte über die Aende- rung des Feuerwehrhandbuches, dessen Umbearbeitung leider sehr lange Zeit in Anspruch nehme und bat, daß der Landes-Ausschuß die Angelegenheit beschleunigen wolle. Braubach erwiderte, daß tatkräftig an der Umänderung gearbeitet werde, daß aber die Materie viel zu umfangreich sei, um schneller vorwärtSzukommen. Sodann hielt Regierungsrat Dr. Riemann von der LandeskriminalpolizeisteNe Darmstadt einen Dortrag über .Brandstiftung — deren Bekämpfung und Aufklärung durch die Kriminalpolizei unter der Mitwirkung der Feuerwehr". Der Dortragende, dessen interessante Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurden, hatte Internationales Tanztumier in Bad-Nauheim. Ein gesellschaftliches Ereignis allerersten Ranges war dos Internationale Tanzturnier um die Europameisterschaft, das gestern abend im großen Bühnensaal des Kurhauses zu Bad-Rauheim bei sehr starker Konkurrenz und vor ausverkauftem Hause stattfand. Die besten Amateure und Derufspaare Europas kämpften um den höchsten Titel eines Europameisters unZ) zeigten den Gesellschaftstanz in höchster Dollendung. Erster Sieger in der Amateurklasse wurde wie im Vorjahr dos Paar Mr. und Miß Wells, London, während das deutsche Paar, Herr unb Frau Reumann, Berlin, den zweiten Platz belegten. Auch in der Professionals- Klasse kam der erste Preis wieder an den Titelverteidiger Maxwell Stewart — Pat Sykes, London. Ebenso wurde auch in dieser Klasse das deutsche Paar, Herr Moeller — Frl. v. Schkvpp, München, zweiter Sieger. U. a. war auch anwesend die Journalistin Lady Dru- m v n t - H a h , die seinerzeit am Weltflug des Zeppelin teilgenommen. Während der Ausscheidungskämpfe gab sie zusammen mit Dr. Laven vorn Frankfurter Rundfunk von der Bühne auS einige Zeit eine Reportage über den Stand des Kampfes in den Frankfurter Sender. Zehnjahrfeier der Akademischen Fliegergruppe Darmstadt. In Anwesenheit eines Vertreters des Reichs» Verkehrsministeriums, der hessischen Regierung, der Stadt und der Technischen Hochschule Darmstadt sowie des Ingenieurs H r f i n i u 6 von der Rhön-Rossitten-Gesellschaft konnte die Akademische Fliegergruppe Darmstadt, die älteste in Deutschland, ihren zehnten Geburtstag feiern. In einem kurzen Referat sprach zunächst B o t s ch, } ein alter Pilot der Aka-Flieger, über die ersten Anfänge und die Entwicklung der Darmstädter I Gruppe. Voigt, der im vergangenen Jahr mit die Zuhörer davon überzeugt, daß die Feuerwehr der Kriminalpolizei hierin besondere Dienste leisten könne durch ihre technischen Erfahrungen. Zu Ehren der Gäste und aus Anlaß des 75- jährigen Jubiläums fand im Anschluß daran in der Turnhalle ein Festkommer» unter Mitwirkung der drei Lauterbacher Gesangvereine, der Turnvereine und der Feuerwehrkapelle statt. Musikalische Darbietungen, ein Prolog und ein lebendes Bild leiteten die Veranstaltung ein. Hierauf begrüßte Bürgermeister Walz die Festversammlung unb beglückwünschte die Freiwillige Feuerwehr Lauterbach zu ihrem Jubiläum. Krcis- direktor Dr. Michel überbrachte Glückwünsche namenä des Kreises Lauterbach und der Landes- verbandsvorsihende K n a u p für den Verband und dem Provinzverband Rheinhessen. Am Schlüsse seiner Ausführungen gedachte der Der- hairdsvorsitzende noch vier verdienstvoller Feuerwehrmänner. Es sind dies Kreisfeuerwehrinspek- tvr Füller in Friedberg, dem er das silberne Ehrenkreuz des Reiches und des Landes Hessen überreichen foimte; Kreisfeuerwehrinspektvr Eberheim (Schotten) und die Feuerwehrmänner Krvnenberg (Heuchelheim) und W e i f - kert (Butzbach) erhielten für besondere Dienste das hessische Ehrenkreuz. Im weiteren Verlauf des Programms wechselten Getangsvorträge. turnerische Vorführungen und ein Theaterstück miteinander ab. das GHnze wurde umrahmt von schöner Unterhaltungsmusik durch die Feuerwehrkapelle. Am Sonntagvormittag führte die Lauterbacher Wehr vor den prominenten Vertretern des^ Hessischen Feuerlöschwesens und mehr als 1000 Feuer- wehrmä nnern aus der ganzen Provinz einen Brandangriff auf dem Marktplatz vor, dem eine Geräteparade vvrausgegangen war. In seiner Kritik hob Herr Kreisdirektor Dr. Michel die Schlagsertigkeii der Wehr hervor. Im Anschluß daran überreichte er im Auftrage des Hessischen Innenministeriums den Wehrmän- nem Braun und Bock das Ehrenzeichen für 25jahrige treue Dienste bei der F.eiwill gen Feuerwehr. Am Rachmittag bewegte sich ein stattlicher Fcstzug, der zugleich eine heerschau der oberhessischen Feuerwehren war, nach dem Fest platz. Wenn auch das Wetter am Samstag nicht sehr einladend war, so brodle doch der Sonntag heiteren Himmel und sicherte dem Fest einen ungestörten Verlauf. Den vielen Gästen, die in diesen Tagen in den Mauern des gastfreien Städtchens Lauterbach weilten, werden die dort verbrachten Stunden noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben. Sji.-S'poit der Kleinmaschine D 18 zwei Höhen Weltrekorde aufstellte, legte die Konstruktion dieser Maschine dar, deren Weiterentwicklung zu der D 22 jetzt in Angriff genommen ist. Die D 18 hat sich derart bewährt, daß sowohl vom Reichsverkehrsministerium wie auch von der indischen Regierung je ein Modell bestellt wurde. Die D 22 soll noch 18 Kilo leichter werden und eine noch größere Steigfähigkeit bekommen. Schließlich behandelte Pilot Fuchs, der sich unlängst durch seine Schleppsegelflüge über Berlin einen Namen gemacht hat, die neuesten Erfahrungen im Segelflug. ■■ Kronfelds Segelflugzeug „Wien" vor dem Start an der französischen Küste. — Der bekannte deutjche Segelflieger Robert K r o n f e l d (Porträt im Kreis) hat in seinem Flugzeug den Kanal in beiden Richtungen von Calais nach Dover und von Dover nach Calais überquert. Er gewann damit den von der Londoner Zeitung „Daiüj Mail" ausgesetzten Preis von 20 000 Mark. ZrandungdesLebens Nomon von Käte Lindner. (Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.) 19. Fortsetzung Nachdruck verboten. Sie standen vor der Tür, die zu den Gemächern der unechten Gräfin führte. Signore Boni winkte zwei harmlos auslehenden Facchinos (Gepäckträgern), die an beiden Enden des langen Korridors an die Wand gelehnt standen. Er hielt sich mit ihnen und Semjonow im Hintergrund, bedeutete dem Direktor, daß er vorangehen möchte. Auf dessen Klopfen erschien die Jungfer und öffnete. Als sie noch unschlüssig stand und die Meldung in das Innere des Zimmers gab, wurde sie plötzlich zur Seite geschoben und eine schrille Stimme erklang: „Was soll das heißen, Herr Direktor. Wan überwacht mich in meinem eigenen Zimmer. Ich brauche so nötig Luft, muß einen Spaziergang machen, aber draußen stehen zwei Kerle, die das verhindern. Das Telephon funktioniert nicht, sonst hätte ich Sie längst herbei gerufen, und meiner Jungfer vertrat man den Weg, als sie Sie holen wollte. Ich werde Ihr Haus in Zukunft meiden, ich werde..." Weiter kam die aufgeregte Dame nicht. Eine schwere Hand legte sich auf ihre Schulter, die Tür wurde leise geschlossen, und Boni wies seine Marke vor. ..Sonja Lisawetha Kasalowska... im Ramen des Gesetzes verhafte ich Sie." Ein Schrei hallte durch das Zimmer. Jetzt schob der Detektiv Semjonow in den Vordergrund und sagte ruhig: „Kennen Sie diesen Herrn?" „Diesen Wahnsinnigen, den Tänzer, den dieses minderwertiges Hotel..." „Keine Beleidigungen, Madame. Kennen Sie ihn oder nicht?" Sie schüttelte verneinend den Kopf. Ihre Augen irrten wie die eines gefangenen Tieres von einem rum andern. Dann raffte sie sich auf und warf den Kopf zurück. „Ich weih nicht, was Sie wollen, mein Herr. Ich bin die Gräfin Semjonow, Ieanne Vvette Semjonow, mein Gemahl..." „Geben Sie sich keine Mühe, Madame. Alle Beweise, daß Sie nicht Gräfin Semjonow sind, liegen in meiner Hand. Unb toerai Sie nicht Sonja Kasalowska finb, wenn es einer von ben vielen Ramen ist, den Ihr Begleiter, Sergdy Mamonow, sich selbst und seiner Begleiterin zugelegt zu haben scheint... wir werden ben echten herausfinden, Mabame, verlassen Sie sich barauf. Sie stahlen mit Ihrem Begleiter hier im Hotel die Perlen ber Miß Dalvestone, ebenso eine Brieftasche mit größerem Inhalt aus einem Zimmer des zweiten Stockes und dieses Armband hier.." Er zog das Brillantarmband Mademoiselle Gal- lieurs aus seiner Tasche. „Leugnen Sie nicht, Sie sind überführt... Sie brachten die gestohlenen Perlen am 26. Februar zu dem Antiquitätenhändler Bianchi in Venedig, der ebenfalls in Haft genommen ist, ebenso wie Ihr Begleiter Mamonow, ber heute früh in Florenz festgenommen würbe. Sie sehen also, daß nur ein freiwilliges Geständnis Ihre Lage erleichtern kann." Mit einem ächzenden Laut sank sie auf einen Stuhl. Das Kammermädchen Blanche sah mit großen, weitoffenen Augen auf die zusammen- gesunkene Herrin. Sie rührte sich nicht. „Wie kam dieses Armband, das Sie gleichfalls entwendet haben, Sonja Kasalowska, wie kam es in das Zimmer dieses Herrn?" Ein Hoffnungsstrahl glomm auf in den Augen der zusammengesunkenen Frau. Sie richtete sich auf, und ehr rascher Blick flog hinüber zu Semjonow, der neben dem Direktor stand. „Wenn man das Armband im Zimmer des Eintänzers sand, wie Sie es ja eben selbst zugegeben haben, mein Herr, wenn man es fand bei ihm, so muß er es doch gewesen sein, der es da hinauf trug, nachdem er es entwendet hatte. Unb ist er nicht täglich mit Miß Galvestone zufa nmen gesehen worben? Ist er nicht derjenige, oer sich ganz offen der Gunst dieser Dame erfreut, sie macht durchaus kein Geheimnis daraus... Ist es nicht ganz naheliegend, daß er, der sich von der Kostbarkeit ihrer Perlen in nahem Zusammensein überzeugen konnte, diese Perlen raubte, als er einmal bei Miß Galvestone im Zimmer war?" Semjonow machte eine Bewegung, als wolle er sich auf sie stürzen. Der Detektiv drückte beruhigend seine Hand. „Sie vergessen ganz unb gar eben den 26. Februar, Madame. Den Tag, wo Sie verreist waren und auf dem ilmteeg über Salo diesem Herrn hier in höchster Eile in ben Weg liefen. An biesem Tage spielten Sie ober Ihr Begleiter wohl bie Perlen bem Hänbler in Denebig in bie Hände, das wie, wirb sich halb aufklären lassen. Das Armbanb..." Jetzt mischte sich bas Kammermäbchen Blanche ein. „Dieses Armbanb gehört meiner Herrin", sagte sie in dem Bestreben, ber Angeschulbigten beizustehen. „In ber Schmuckschatulle hat es gelegen, ich habe es gesehen." Die Frau zuckte zusammen. Lächelnd wandte sich der Detektiv zu ihr. „Wollen Sie nicht lieber ein Geständnis im vollen Umfang ablegen, Sonja Kasalowska? Alles verschwört sich doch gegen Sie, selbst die eignen, hilfreichen Hausgeister. Ich will Ihnen zu Hilfe kommen. Dieser Herr hier war Ihnen aus einem besonderen Grunde recht unangenehm. Sie hatten Interesse daran, ihn, wenigstens für eine kurze Zeit, bis Sie hier heraus waren, unschädlich zu machen. So nahmen Sie den Armreif und versteckten ihn in seinem Zimmer. Sie kannten ja genau seine Dienststunden hier im Hotel, wann sein Zimmer leer war. Verhält es sich nicht so, Sonja Kasalowska?" Es kam keine Antwort. ®m schluchzender Laut kam aus der Brust der Frau, unb sie schloß bie Augen wie in einem Schwächeanfall. Da wandte sich Boni mit einem Lächeln zu Semjonow und reichte ihm die Hand. „Sie sind frei, Herr Graf. Sobald wir Mamonow, oder wie dieser Herr mit seinem richtigen Ramen heißen mag, hier haben, wird es sich Herausstellen, wie er in den Besitz Ihrer Papiere kam." Er winkte den beiden Dienstmännem. Sie stellten sich zu beiden Seiten der falschen Contessa auf, zogen die Wiberstrebenbe von ihrem Sih hoch unb nahmen sie in bie Mitte. „Es wirb ganz in Ihrem eigenen Interesse liegen, wenn Sie sich stillschweigenb abführen lassen, Mabame", sagte ber Detektiv artig. „Um biese Zeit befinben sich nur Weng Herrschaften im Hotel, wir werben ohne Aufsehen bis an ein Auto gelangen. Unb noch eins. Ihre Koffer unb die sämtlichen Schmucksachen werben beschlagnahmt. Ich zweifle nicht, bah wir barunter ncch manches Interessante vorfinden werden." Ein böser Blitz aus Sonja Kasalowskas Augen war die Antwort. Er lachte behaglich. „Ihre Jungfer entlassen Sie wohl am besten sofort. Madame. Sie wird kaum ben Zeitpunkt Ihrer Rückkehr aus der Haft abwarten wollen. Ditte, Herr Direktor, gehen Sie voran. So ist diese heikle Angelegenhet am unauffälligsten." * Renate Liskow sah am Fenster eines sonnigen Gartenzimmers des Krankenhauses. Sie hatte bie Hände verschlungen und schaute hinaus in ben blühenden Garten. Vom Bett her kamen tiefe, regelmäßige Atemzüge, dieser tiefe Schlaf, der schon in gesunden Tagen Hansheinrich Liskows robuste Körperkräfte zusammerchielt, hatte ihn jetzt auf den Weg der Genesung geführt, der Arzt hatte Renate bie besten Hoffnungen gemacht, baß er ganz gefunb werden würde. Rur lange würde es dauern, noch viele Wochen würde er hierbleiben müssen. Als eine besondere Vergünstigung hatte man Renate gewährt, in der Rähe des Kranken bleiben zu dürfen. Er empfand wohl ihre fanften Hände, ihre sich immer gleichbleibende Ruhe und Fürsorglichkeit als Wohltat, nachdem er das Bewußtsein wiedererlangt und zum erstenmal erstaunt um sich geblickt hatte. Er hatte Renates Hände gebrüdt, als er sie erkannt, er hatte mit stummer Bitte ihre Augen gesucht. „Bleibe bei mir, verlaß mich nicht." Sprechen durste er nicht. Die Heilung der tiefen Wunde ging nur sehr langsam vor sich Sie hatte in seiw Ohr geflüstert: „Verhalte dich ganz ruhig, sprechen bringt neue Gefahr. Ich bleibe bei dir, verlasse dich nicht. Man hat mir hier im Hause ein Zimmer gegeben. Du wirst sicher wieder gefunb werden, Hansheinrich, wenn du Vernünftig bist." Mit einem dankbaren Blick hatte er ihre Finger umklammert, war sofort wieder einge- schlasen, und ber Arzt hatte gesagt: „Wenn jeder unserer Patienten ben Schlaf so rasch herbeizu- zaubem vermöchte, gnädige grau, dieses Haus würde weniger hoffnungslose Fälle aufzuzeichnen haben. Aber leider erfreut sich nicht jeder einer solchen Gottesgabe. In drei Wochen etwa könnte die Wunde, wenn die Heilung bie gleichen Fortschritte macht, sich geschlossen haben. Dann werden wir weiter sehen." Diese drei Wochen waren um, heute morgen hatte der Arzt zum ersten Male eine Frage an den Patienten gerichtet, und er hatte mit leiser Stimme Antwort gegeben. Ein tiefer Atemzug hob Renates Brust. Ein Wunder war geschehen mit seiner Genesung, nun würde eine Aussprache sich nicht mehr vermeiden lassen. Wie würde Hansheinrich diesen lieberfalt ihr gegenüber motivieren? Renate lächelte leise vor sich hin. Sie wollte ihm die Verteidigung nicht unnötig erschweren, eine harte Strafe hatte ihn getroffen, damit sollte es genug sein. Gott sei Dank, daß sie nicht allein heimkehren mußte in die Heimat. Die schöne, kokette Wirtin auf der Ealle be Fabrice hatte ihr bei den gemeinsamen Rachtwachen, die sie an Hansheinrichs Bett einander näherbrachten, zu oft versichert, daß sie eine „sehr anständige Frau" sei, sie glaubte ihr. Armer Hansheinrich, hatte ben Spott unb hatte ben Schaben... Wie hätte sie ihm ba noch harte Morte geben sollen? Mochte es an der Lehre, die er mit heim trug, genug sein. Ein schwacher Laut kam vom Bett herüber. „Renate." Sie stand auf und setzte sich zu ihm. Faßte seine Hande und sagte: „Ein Freudentag ist heute, Hansheinrich, den wir feiern müssen, Gott schenkte dir aufs neue dein Leben. Sieh, diese schönen Blumen, die ich für dich besorgt habe. Aufstehen darfst du ja noch lange nicht, aber wir werden nun zuweilen dein Bett anS Fenster rücken, und du kannst in den ©arten sehen. Geduld haben war ja nie deine starke Seite, aber mein lieber Mann wird nun auch das lernen müssen." Groh und unverwandt sah er in ihre Augen hinein. (Fortsetzung folgt) Abendsporisest aus dem ilniverWssporlM. Sportler, Turner, Soldaten und Studenten in der Kampfbahn. QInt morgigen Mittwochabend steigt auf dem Llniversitätssportplah eine Veranstaltung, die das erhöhte Interesse der Gießener Sportbegeisterten mit Recht für sich in Anspruch nehmen dürfte. Das Abendsportfest, das in der gleichen Form schon im vergangenen Jahre abgchalten wurde, hat einen besonderen Reiz darin, daß es durchweg Leichtathleten sind, die aus den hiesigen Or- aanisationen heraus in den Wettstreit treten. Mehr oder weniger sind die Kämpfer alle gut bekannt, man kennt ihre Leistungen und ihre Schwächen, und kann sich in groben Umrissen ein Bild von dem zu erwartenden Sport und den zu erwartenden Leistungen machen. In den Wettstreit treten die Vereine Spielvereinigung 1900, der Verein für Bewegungsspiele 08. der hiesige Männerturnverein. die Leichtathleten des Reichswehrbataillons und die Studenten der Universität. Der Turnverein 1846 hat leider im letzten Augenblick seine Zusage zur Beteiligung zurückgezogen, so daß sich der Wettkampf zwischen den fünf genannten Organisationen abspielen wird. Auf Grund der Meldungen (Mel- dungsschlutz war der 20. Iuni) läßt sich aber schon jetzt sagen, daß der Match zu einem Dreikampf werden wird, bei dem die Universität, die Reichswehr und die Spielvereinigung 1900 um die Palme des ersten Siegers ringen werden. Der Verein für Bewegungsspiele geht auch zu diesem Kampf schwer benachteiligt in die Dahn, denn einige der Leistungsfähigsten des Vereins starten entweder für die Reichswehr oder aber für die Universität, da sie ihrer beruflichen Position entsprechend diesen Organisationen eher verpflichtet erscheinen. Die Ausschreibung verzeichnet folgende Konkurrenzen: 100 Meter, 3000 Meter, 4 X 100 Meter. Schwedenstaffel, 3 X 1000 Meter; außerdem Hochsprung. Weitsprung, Stabhochsprung. Kugelstoßen, Diskuswerfen und Speerwerfen. Als Kampfrichter fungieren die Sportstudenten des Instituts für Leibesübungen, denen je ein Obmann aus den beteiligten Vereinen beigegeben ist. Die Meldungen zu den einzelnen Konkurrenzen geben für den Kundigen ein interessantes Bild. Für die 100 hat die Universität ein schlagkräftiges Aufgebot: W. Müller, Eltracher, Mehner. Die übrigen Konkurrenten dürften nichts oder nur wenig gleichwerttges entgegenzusetzen haben. Becker (Mtv.) immerhin beachtenswert. Ueber 3000 Meter laufen Schaaf und Gerhard (1900) als Favoriten, denen der Sieg kaum streitig zu machen sein wird. Die Universität stellt Hartmann und Kraft. Ob sie sich behaupten können, erscheint zum mindesten sehr fraglich Die Reichswehr ist durch Reitz und Heise vertreten. Dom VfB. liegen Ra- mensnennungen bisher nicht vor. In der 4X100- Meter-Staffel hat die Universität in den Studenten Eltracher, Eltracher, Mehner, Mül er eine kaum zu überwindende Mannschaft zur Stelle. Di« Sportler, die Turner und die Soldaten werden sich nur schwer behaupten können. Ein scharfer Kampf steht in der 3xl000-Meter-Staffel bevor. Die Spielvereinigung hat in Glagow, Daumstieger und Depperling eine zuverlässige Mannschaft zur Verfügung, die Reichswehr stellt Poeh, Günther und Büttner. Die Universität hat auch hier Kraftreserve (Stepp, Daupel. Eschenröder), aber trotzdem dürften die 1900er in Front zu erwarten sein. Da in der Schwedenstaffel Eltracher für die Universität die 400 Meter läuft, (außerdem sind Mehner und Müller mit von der Partie), wird für die anderen Konkurrenten nicht allzuviel zu erben sein. Heftige Kämpfe werden sich auch in den Sprung- und Wurfkonkurrenzen entwickele Für Kugelstoßen und Diskus sind die beiden Reichsweh rsoldaten Mohl und Gugel als 1. Sieger gut. Schäfer (1900) hat sicherlich dann ein Wort mit» zureden, wenn er seine frühere Form wieder erreicht hat. Tüchtige Mehrkämpfer stellt hier der Mtv. in Malkomesius und Rothermel. Im Stabhochsprung dominiert Steines (Reichswehr). In Iung (1900) erwächst ihm allerdings ein Gegner. Sonst dürfte ihm aber wohl niemand den Sieg streitig machen. Für das Speerwerfen haben die Turner Rothermel, Malkomesius und Linden- struth gemeldet, Dietz und Gruber werfen für die Reichswehr, Frey (Universität) hat die 50-Meter- Grenze schon überworfen; Bachmann wird für die Spielvereinigung diese Konkurrenz bestreiten. Ob Hopfenmüller, der wohl der aussichtsreichste Mann für den ersten Platz sein dürfte, für die Spielvereinigung 1900, oder für die Universität starten wird, ist noch nicht entschieden. Die 1900er verlieren in ihm, falls er für die Universität gewertet wird, eine starke Waffe. Für Hochsprung und Weitsprung sind zu nennen: Weil undGrünig (Universität), Iakob (Reichswehr), Rothermel, Malkomesius (Mtv.), Weil sprang bereits 1,80 Meter und hat damit die besten Aussichten, wenn er mit einer ähnlichen Leistung aufwartet. Den schwersten Stand werden bei all den Kämpfen di« beiden Turner Rothermel und Malkomesius haben, die als tüchtige Mehrkämpfer für ihren Verein die größte Anzahl an Konkurrenzen bestreiten sollen. Inwieweit sie sich gegen die starken Gegner, die spezieller trainiert sind, durchsetzen können, bleibt sehr abzuwarten, insbesondere deshalb, weil doch die Austragung der einzelnen Wettbewerbe in sehr kurzen zeitlichen Zwischenräumen erfolgen muß, wenn das Programm pünktlich durchgeführt werden soll. Die meisten Aussichten auf die beste Gesamtwertung muß man auf Grund der Meldungen der Universität zusprechen. Trotzdem werden d'.e Studenten den Sieg auch nicht im Handgalopp erringen können, denn die Soldaten in erster Linie dürfen nicht unterschätzt werden, und das gute Läufer- material der 1900er ist ein Faktor, der in Rechnung gestellt sein will. So viel steht aber fest, daß am morgigen Abend guter Sport geboten werden wird. Die Wetttämpfe beginnen (entgegen der Veröffentlichung auf den Plakaten) erst um 18.45 Uhr, da verschiedene Wetttäinpfer beruflich bis zu diesem Zeitpunkt gebunden sind. Um 16 Uhr tragen die Fußballmannschaften der Universität Gießen und der Technischen Hochschule Darmstadt ein Gesellschaftsspiel aus, bei dem die Darmstädter in Front erwartet werden. Wirtschaft. Oie Arbeiismarkilage in Hessen und Hessen-Nassau. Nachlassen der Aufnahmefähigkeit. Ueber die Arbeitsmarktlage in Hessen- und t Hessen-Rassau berichtet das Land esarbeitsamt Hessen, Frankfurt a.M.: Die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes hat während der Derichtszeit merklich nachgelassen. Rach den Berichten der Arbeitsämter dürfte mit einer erheblichen weiteren Entlastung im Laufe dieses Sommers kaum mehr zu rechnen sein. In sechs von achtzehn Arbeitsamtsbezirken ist die Arbeitsuchendenziffer bereits wieder leicht gestiegen. Die Stag- ' Nation erstreckt sich auf alle- Berufsgruppen, einschließlich des Baugewerbes; die Portefeuille- Industrie und das Bekleidungsgewerbe weisen sogar infolge von Saisoneinflüssen eine ausgesprochene rückläufige Tendenz auf; die Zahl der Arbeitsuchenden ist in diesen Gruppen um 5,4 bzw. 6,9 Prozent gestiegen. Am 15. Iuni waren bei den Arbeitsämtern insgesamt 2 5 4 1 4 6 Arbeitsuchende gemeldet, davon waren 41 752 Frauen; gegenüber einem Bestand von 255 406 (41 593 Frauen) am Anfang des Monats ist ihre Zahl also nur unbedeutend, um 1260 oder 0,5 Prozent zurückgegangen, und zwar nahmen die Männer um 1419 ab, während die Frauen um 159 stiegen. Anspruch auf die Hauptunter- stühung in der Arbeitslosenversicherung hatten am 15. Iuni 85 641 (Abnahme gegen den Stand vom 1. Iuni 5354), auf Krisenunterstühung 51 307 (Zunahme 751) Personen. Die Abnahme der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung ist zu einem großen Teil auf die Erschöpfung des Änterstützungsanspruchs zurückzuführen. Bei Rotstandsarbeiten, die aus Mitteln der Reichsanstalt gefördert werden, wurden Ende Mai 2115 frühere Hauptunterstühungs- empfänger und 207 Wohlfahrtserwerbslose beschäftigt. Interessengemeinschaft im Bankgewerbe Berlin, 22.Juni. (CNB.) Die zwischen den Firmen S. Bleichröder, Berlin, und G e b r. A r n h o l d, Dresden-Berlin, zum gemeinsamen Ausbau des Auslandgeschäfts gepflogenen Verhandlungen haben die Zweckmäßigkeit einer engen Zusammenarbeit auch im I n - lande ergeben. Ein diesbezügliches Abkommen ist, wie WTB.-Handelsdienst erfährt, heute mit Wirkung vom 1. Juli 1931 ab unterzeichnet worden. Unter voller Aufrechterhaltung der Selbständigkeit beider Firmen treten Herr Dr. Paul v. Schwabach sen. in die Firma Gehr. Arnhold und die Herren Konsul Adolf Arnhold-Dresden und Hans Arnhold- Berlin in die Firma S. Bleichröder als persönlich haftende Gesellschafter ein. Die seit vielen Jahren bestehende Jnteressennahme des Hauses S. M. Rothschild-Wien an der Firma S. Bleiströder bleibt auch für die Folge bestehen. * * Vor dem Abschluß eines deutschen Kunstseidesyndikates. Die Bemberg AG., die J.-G.-Farbenindustrie und die Friedrich Suttner AG. in Pirna haben grundsätzliche Vereinbarungen über die Bildung eines deutschen Kunstseidesyndikates abgeschlossen. Das Syndikat soll gleichzeitig mit dem in Bildung begriffenen internationalen Vis- cosesyndikat für den deutschen Markt in Kraft treten, d. h. in einigen Monaten. * „E m a g" Elektrizitäts-AG., Frankfurt a. M. Das abgelaufene Geschäftsjahr stand unter dem Einfluß des ungewöhnlich scharfen Konjunkturrückganges. Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt einen Bruttogewinn von 1,81 Millionen Mark (einschließlich 2658 Mark Vortrag); Unkosten beliefen sich auf 1,21 (1,54), Löhne auf 0,54 (0,76) Millionen Mark, sodaß ein Reingewinn von 57 849 Mark (102 478) verbleibt. Die Verwaltung beantragt, der für den 24. Juni einberufenen GD. vorzuschla- gen hieraus 3000 Mark dem Reservefonds zuzufuh- ren'und den Rest von 54 849 Mark für Abschreibungen auf die Warenvorräte zu verwenden (i. 23. 9 v. H. Div.). Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 23. Iuni. Tendenz: nervös. An der heutigen Effektenbörse war die Tendenz stark nervös. Rach der starken Aufwärtsbewegung von gestern machte sich heute eine ruhigere Beurteilung der Situation bemerkbar, da man die Stellungnahme Frank- re i ch s zu dem Vorschlag Hoovers abwartet. Die Grundstimmung war weiter fest, doch war brr der Kulisse in Anbetracht des nahenden Ultimos eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten. Anregung erhielt die Börse von der weiteren Befestigung der Mark, ferner von den durchweg festen Auslandsbörsen. Weiteren Käufen des Publikums vom In- und Auslande standen Abgaben der Spekulation zwecks Gewinnsicherung gegenüber, so daß die Kursgestaltung gegen die abgeschwächte Abendbörse sehr uneinheitlich war. Das Geschäft erfuhr jedoch gegen gestern eine wesentliche Einengung. Bis zu 2,5 Prozent fester lagen Elettrckwerte. Chemienebenwerte und Kaliattien. Am Zellstoffmarkt zogen Aschaffenburg 4,75 Prozent an, während Waldhof 1 Prozent nachgaben. Die Zahl der Abschwächungen war ebenfalls groß, doch seien nur die wichtigsten erwähnt. Rheinische Braunkohlen minus 3,5 Prozent, Deutsche Linoleum minus 3 Prozent, A.-G. für Derkehrswe- sen minus 3 Prozent, Wayh & Freytag minus 2 Prozent, Aku minus 1,5 Prozent. I.-G.-Far- ben eröffneten gut behauptet.' Bank- und Schiffahrtswerte nur wenig verändert.^ Am Anleihemarkt konnten deutsche und ausländische Werte leicht anziehen. Der Pfandbriefmarkt lag sehr still und nur wenig verändert. Reichsschuldbuchforderungen gaben zirka 0,5 Prozent nach. Auch im Verlaufe war keine einheitliche Tendenz festzustellen, und die Kurse schwankten unsicher nach beiden Seiten. Zeitweise drückten G e w i n n m i t- nahmen in etwas größerem Ausmaße auf die Kurse, wobei besonders I.-G.- Farben und einige Spezialwerte in Mitleidenschaft gezogen wurden. Am Geldmartt war Tagesgeld mit 6 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt erfuhr die Reichsmark eine Befestigung. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2095, gegen Pfund 20,4875. Das englische Pfund lag international fest. London gegen Reuyork 4,8675, gegen Paris 124,29, gegen Mailand 92,93, Madrid auf Kreditverhandlungen mit Frankreich auf 49,50 befestigt. London gegen Schweiz 25,0950, gegen Holland 12,0913. Berliner Börse. Berlin, 23. Juni. (WTB. Drahtbericht.) Nachdem an der gestrigen Abendbörse auf die Hausse an der Mittagbörse bereits eine gewisse Reaktion feft-- zustellen war, nannte man heute vormittag wieder etwas festere Kurse, da man glaubt, daß die Besserungen sich heute sortfetzen würden, und vor allem die Festigkeit der Reichsmark anregte. An der Vorbörse und zu Beginn des offiziellen Verkehrs wurde es kursmäßig etwas schwächer, während die Grundtendenz weiter zuversichtlich blieb. Die Bankenkundschaft hatte die stark erhöhten Kurse zu Gewinnmitnahmen benutzt auch aus dem Auslande lagen einige (imitierte Verkaufsorders vor. Die ersten Kurse zagten Rückgänge von 3 bis 5 v. H., doch waren auch verschiedene Besserungen zu beobachten. Die Spekulation hielt sich ziemlich zurück, da man erst die Entscheidung Frankreichs, die heute fallen wird, abwarten will. Man glaubt jedoch, daß der Vorschlag Hoovers in feiner ursprünglichen Form ohne Einschränkungen angenommen wird, zumal nach neuesten Washingtoner Meldungen kein Zweifel besteht, daß von Amerika Kon. Zessionen nicht gemacht werden. Von gün- ftigen Momenten wäre die Hausse an sämtlichen internationalen Börsenplätzen zu erwähnen, beson- ders in Reuyork, wo deutsche Werte leb- haft gefragt wurden und Aoung - und Dawesanleihe beträchtliche Kursgewinne erzielten. Das Geschäft war wesentlich ruhiger, als gestern. Reben verschiedenen Plus-Plus- Zeichen' nannte man auch Minus-Minus-Zeichen. Laurahütte, Chemische Heiden, Goldschmidt, Elektrische Licht & Kraft, Lahmayer, Aschaffenburger Zellstoff, Eisenbahnverkehrsmittel und Braubank konnten bis 5 v. H. anziehen. Neubesitz lagen 0,30 v. H. schwächer. Pfandbriefe waren eher gefragt. Der Geldmarkt blieb bei unveränderten Sätzen weiter angespannt. Am Devisenmarkt hat sich die Reichsmark weiter befestigen können. Nachfrage und Angebot dürften sich auch heute wohl aus- gleichen. Im Verlaufe wurde es zunächst etwas schwächer, später aber auf fefte Auslandmel- düngen wieder fester. Gegen 12.45 Uhr konnten sich die im Verlaufe erzielten Gewinne nicht immer behaupten. Die Kurse zeigten auf dem Anfangsniveau zeitweise Widerstandsfähigkeit. Nur Karstadt, Elektrische Licht & Kraft' und Rheinische Braunkohlen minus 2,5 v. H. unter A-nstuig. Notverordnung und Tabaksteuer. Kleinstpackungen für Zigaretten. Die Durchführungsverordnung zur Notverordnung über die Aenderung des Tabaksteuergesetzes ist nunmehr erschienen. Danach werden mit Wirkung ab 1. Juli 1931 folgende Zigaretten-Preislagen, Packun- gen und Steuersätze festgesetzt: Banderole Zigarettenpxeislage Packung 2% Pf. 4, 10, 20, 50 30 v. H. 3% „ 3, 6, 9, 12 30 „ 4 5, 10, 25, 50 31 „ 5 5, 10, 25, 50 34 „ 6 10, 25 35 „ 8 10, 25 38 „ 10 „ 10, 25 40 „ Das Reichsfinanzministerium verfolgt mit dieser Umänderung der Tabaksteuersätze und Neueinfüh- rung von Packungsgrößen den Zweck, die Fabrikation von Konsumzigaretten zu erleichtern, um die Stagnation im Zigarettenverbrauch zu überwinden und dem Konsum einen neuen Impuls zu geben. Letzten Endes soll die Steuer der gesunkenen Kaufkraft der Bevölkerung angepaßt werden, da nur so der Steuerertrag aus der Zigarette gehoben werden kann. Aus dem gleichen Bestreben heraus wird der Einzelverkauf im wesentlichen wieder zugelassen, auch werden statt 9 Stück Zigaretten zu 40 und 50 Pf. wieder 10 Zigaretten erhältlich sein. Die Zigaretten- inbuftrie wird nach Vornahme der notwendigen Umstellungen dem Konsum dadurch einen weiteren Im- puls zu geben suchen, daß sie kleine Packungen zu 3, 4 und 5 Stück in den entsprechenden Preisklassen einführt. Kunst und Wissenschaft. Darmstädter Theaterausschuß gegen Hartung. WSR. D a r m ft a fr t, 20. Iuni. In einer längeren Sitzung des städtischen Th-eaterausschus- ses haben sich die Ausschußmitglieder mit überwiegender Mehrheit ohne Widerspruch gegen die Wahl Hartungs zum Generalintendanten ausgesprochen. Oberbürgermeister Mueller wurde lebhafte Zustimmung zu seiner Stellungnahme ausgesprochen. 3m städtischen Theaterausschuh sind sämtliche Fraktionen des Stadttats vertreten. Letzte Nachrichten. Noch kein Beschluß des französischen Ministerrais. Paris, 23.Juni. (MTB. Drahtbericht.) heute vormittag fand im Elysee unter dem Vorsitz des Präsidenten Doumer ein Mini st errat statt, in dem der Vorschlag Hoovers auf einjährige Zahlungsaussehung geprüft wurde. Rach dem offiziellen (Kommunique erstattete Außenminister 23 r i a n b Bericht über die Bedingungen, unter denen die französische Regierung mit diesem Vorschlag befaßt wurde. Finanzminister F t a n d i n und Budgetminister p i e t r i sprachen über die Folgen, die die Durchführung der amerikanischen Anregung auf die französischen Finanzen haben würde. Die Diskussion über dieses Thema wird im Laufe eines Ministerrats morgen vormittag fortgesetzt werden. Dabei wird auch der Text der Antwort festgelegk werden, die dem Präsidenten Hoover zugeftellt werden soll. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 V.H., Lombardzinsfuß 8 v. H. .vrumiut j .ui. 2Jtrh Sapuß- lurd l'Uhr. Ärr# Schlußkur» Anfang- Kur» Datum 22.6. 23.6 22.6. 23.6. 6% Deuyche iKeidH'anteihe d. 192. 81 — 79,75 — 7% Deutsche ReichSanlcihe B.1929 95 —— 94,65 — 5’Ä% Douug-Anlcche von 1930 . 69 —— 69 — Deutsche Anl^Ablös^Schuld mit AuSlos.»Rechten....... 52,13 52,75 52 52,13 Deögl. ohne Auslos.-Rcchte . . 5,6 5,65 5,8 5,5 8% Hess. Volkostaat von 1929 irttckzahlb. 102%)...... 87,5 —- 88,5 — Oberhejsen Provinz-Anleihe mH Auölos.-Rechten....... — — — Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 50 — 50 W— 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 15 unkündbar bis 1935 .... 98 __ — — 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1936 Serie 16 . 96 _ —- __ 4'/2% Franks. Hyp.-Bank Liqu.- Psandbriese......... 89 _ — 4’/,% Rheinische Hyp.-Bank-Liau. Goldpse........... _ _ _ 8% Pr. LandeSpsandbriesanstalt, Psandbriese R. 19...... 100 ___ 100 _ 7% Pr. Landespsandbriesanstalt, Pfandbriefe R. 10...... 96 — — 4% Oesterreichische Goldrente . . 4,20% Oesterreichische Silberrente — — 19,65 - — —— 1,4 4% Ungarische Goldrentc . . . . 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 17 — 16,7 16,8 14 — 14 4'/r% desgl. von 1913 .... 5% abgcst. Goldmexikaner von 99 — 14,5 — —— 7,25 — 4% Türkische Zollanieihe von 1911 2,3 2,4 2,4 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie I........... 2,5 2,25 2,6 4% deSgl. Serie II....... 5%Rumcin. vereinh. Mente 0.1903 2,25 2,3 2,3 2,45 7,25 7 4'/r%Ruman.vereinh.Nentev.l91S 4% Rumänische vereinh. Rente 14 — 14 14.5 — 5,7 5,85 2y*% l. Wnatoltcr...... 14 — 13,65 14,2 vrani'ur a. 1. Denm Echluß- lurs t-ilhr- KurS Schluß- lurd Anfang- flurd Datum 22.6. 23.6. 22.6. 23.6. Hamvurg-Ainertta Pale. . . . > 49,5 49,9 50 48,9 Hamburg-Südam. Dampfschisf . 0 — — 109,5 108,25 Hansa Dampfschiff ... Norddeutscher Lloyd .... . 0 —— — 81,25 81 . 6 51 50,9 51 49,25 A.G. für Verkehrswesen Akt. 50,5 48,5 51,5 —— Berliner Handelsgesellschaft . 8 104 —— 106 106.25 Commerz, und Privat-Bank . 7 103,25 103,25 103,5 103,5 Darmstädter und Nationalbank Deutsche Bank und 8 113 112 113 112,5 DiSconto-Gesellschast. . . 6 102 102 102,25 102,25 Dresdner Bank...... 6 102,25 102,5 102,25 102,5 Reichsbank........ 12 136,5 136,75 139 136,25 A.E.G........... . 7 95 96 97,25 95 Bergmann........ . 9 — — 73 — Elektr. LieferungSgesellschaft. 10 108 — 112 109 Licht und Straft...... 10 108.5 111,5 — 114 Felten & Guilleaume.... Gesellschaft für Elektrische 6'/- 73,75 72,5 72,75 71 Unternehmungen .... 9 101,5 105 105,9 104 Rheinische Elektrizität . . . . 9 110 — — — Schuckert & Go....... 11 122 122,25 126 123 Siemens & Halske..... 14 152 151,75 156,75 152,65 Lahmeyer L Co....... 12 110 104,75 109,5 Buderus......... . 4 43,5 — 39,5 Deutsche Erdöl...... . 6 68,5 69 70,75 68,5 71,5 Gelsenkirchener...... . 8 70 72 74 Harpener......... . 0 60,5 — 61 60,5 Hoejch Eilen........ . 6 — — 59 — $1(e Bergbau....... Klöckncrwerke...... 10 . 6 150 55,75 — 151,5 56,75 147 52,75 Köln-Neuessen....... 61 — — 65,5 62,5 ManneSmann-Röhren . . . 66 65,5 70 66,5 ManLfelder Bergbau .... . c 31 33,5 32 32.75 Lberschles. Kokswerke . . . . 8 68,5 66.65 Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohlen. . . 4V, 46,5 46,5 50,25 47,65 10 157,5 161 164,5 161 Rheinstahl........ . 6 74 73,25 77 72 • iaiii ur. a. DI. ^Berlin Schluß- kurö 1-Uhr- Kurs Schiuß- tur» Anfang- Kurs Datum 22.6. 23.6. 22.6. 23.6. Rieberl Montan......7,2 Vereinigte Stahlwerke .... 4 Otavl Minen......16’/, Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 16 I. G. Färben-Industrie ... 18 Verein, chem. Industrie Frank- surl a. M........... Scheideanstalt.......10 Goldschmidt.........0 Rütgerswerke ........5 Metallgesellschaft.......5 Philipp Holzmann......8 Zementwerk Heidelberg. ... 7 Eementwerk Karlstadt.....7 Wayb & Freytag......0 Schultheis Padenhofer ... 15 Aku (Allgemeine Kunstseide) C Bemberg......... 0 Zellstoff Waldhos.....12 Zellstoff Aschaffenburg ... 6 Dessauer Gaö........9 Daimler Motoren......0 Deutsche Linoleum.....6 Lrenstein & Koppel.....0 Leonhard Tietz.......8 Svenska .........15 Chade............ Frankfurter Maschinen . . . . o Grinner..........0 Mcnnkraftwerkc Höchst a.M.. . 6 Süddeutscher Zucker .... 10 46 21,25 121 133 191 135 47,5 123,75 39,5 44,5 60 79^5 28 72,5 90 74,5 65,5 27,25 68 92,5 223 232 28,5 110 45,75 22,75 122 132 192 135 49,5 123,5 61 26 71 85,75 73,5 70,25 26 63 10,75 110,5 48,75 21 126,5 136 195 139 38 44 60 81,5 = 137,5 76 74,5 60,25 124,5 27,75 42 92 227 234 10 27 45,75 21,9 124 132 192 135 44,75 59 80 133 72 88 71,5 74 121 27 62,5 41,75 90 227 109,5 Banknoten. Berlin, 22. Juni | Geld Dries Amerikanische Noten....... 4,22 4,24 Belgische Noten......... 58,48 112,48 58,72 Dänische Noten......... 112,92 Englische Noten......... 20,488 20,568 Französische Noten........ 16,505 169,41 16,565 Holländische Noten........ 170,09 Italienische Noten........ 22,08 22.16 Norwegische Noten........ 112,58 113,02 Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten........ 59,00 2,485 59,24 2,505 Schwedische Noten........ 112,83 113,27 Schweizer Noten......... 81,67 81,99 Spanische Noten......... 39,67 39.83 Ungarische Noten........ 73,30 73,60 Devisenmarkt Berlin --Frankfurt a. M. 22.3unl 23 Iuni Amtliche Geld Notierung Uriel Amtliche Geld Notierung Dries Helsingsor» . 10,593 10,613 10,583 10,603 Wien. . . . 59,23 59,25 59.09 59,21 Prag . . . 12,468 12,488 12.453 12,473 Budapest. . 73,48 73,62 73,43 73,57 Sofia . . . 3,047 3,053 3,044 3,050 Holland . . 169,40 169,74 169,28 169,62 Oslo.... 112,69 112,91 112.66 112,88 Kopenhagen. 112,73 112,95 112,67 112,89 Stockholm . 112.83 113,06 112.79 113,01 London. . . 20,475 20,515 20,466 20,506 Buenos Airei 1,312 1,316 1,332 1,336 Neuyork . . 4,2085 4,2165 4.205 4,213 Brüssel. . . 58,55 58,67 58,55 58,67 Italien. . . 22,035 22,075 22,025 22,065 Pari» . . . 16,475 16,515 16,464 16,504 Schweiz . . 81,63 81,79 81,55 81,71 Spanien . . 40.16 40.24 41,46 41,54 Danzig. . . 81,87 82,03 81,80 81,96 Japan . . . 2,081 2,085 2,081 2,085 Rio de Ian.. 0,313 0,315 0,322 0.324 Jugoslawien. 7,455 7,469 7,438 7,452 Lissabon . . 18,62 18,66 18,61 18,65