Rr.94 Erstes Blatt 181. Jahrgang Donnerstag, 25. April (951 GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vriihl'sche Untversttüts-Vuch- und Stetndruckeret R. Lange tn Stehen. Schrifttettung und Geschäftsstelle: Schulitrahe L Annayme von Anzeigen für di« lagesnummer bis gum Nachmittag vorher. Preis für i mm höhe für Anzeigen von 27 mrn Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Ne» klameanzeigen von 70 i ne Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20u , mehr. Chefredakteur Dr Friedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THyr-ot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen Er ich e in i täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen vte Illustriert« Bietzenet ^amUten blätter Heimat im Bild Di« Scholle Monat» Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Neichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern mfoige Höherei Gewalt Hernlvrechanftdlüfs« anter5ammelnummer2251 Anschnst rüt Drahtnachrichten Anzetger Siesten. postschetttonto: gta^ffurtam Main 11686 Völkerbundsbesuch in Berlin. Ungenügende deutsche Vertretung in der Völkersbundsbürokratie. Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, wird in den nächsten Tagen nach Perlin kommen, um mit dem deutschen Außenminister als dem Vorsitzenden der kommenden Ratstagung das Programm in allen Einzelheiten zu besprechen, gleichzeitig aber auch einige Personalfragen wenigstens vorbereitend zu klären. Deutschland ist innerhalb des großen Der- waltungsapparates des Völkerbundes sehr stiefmütterlich behandelt, England und Frankreich haben sich bei der Aufteilung der Frage ist das deutsche Ratsmitglied. Der Rat wird sich ferner mit der Frage des Ortes und des Vorsitzes der Abrüstungskonferenz sowie mit dem Antrag Deutschlands auf Abschluß einer Sonderkonvention für die Zivilluftfahrt, ferner mit dem britischen und deutschen Antrag bezüglich der O f - fenle gung des Rüstungsstandes beschäftigen. Weitere Programmpunkte bilden der Wahlterror in Polnisch-Oberschlesien und Minderheitenfragen. Es ist der Bericht, den die polnische Regierung aus Grund eines Beschlusses der letzten Ratstagung über die von ihr zur ^Abstellung der Mißstände, in Oberschlesien getroffenen Maßnahmen zu erstatten hat, entgegenzunehmen. Außerdem steht noch her Ablauf der Amtsdauer des Völkerbundskommissars in Danzig Grafen Gravina und, die Bestellung eines neuen Präsidenten über den Danziger Hafenausschuß ans dem Programm. SirEricDrummond.der Generalsekretär des Völkerbundes, ist in Berlin eingetroffen, um mit Reichsaußenminister Curtius die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung des Völkerbundes zu besprechen. Aemter sowohl zahlenmäßig wie einsluhmäßig gut versorgt, so daß den 50 englischen und 35 französischen Beamten nur 11 deutsche Beamte gcgenüberstehen, diese 11 aber auch nur mindestens in den unteren Kategorien, während bei den höheren Posten der eine deutsche Direktor in trostloser Vereinsamung den übrigen französischen und englischen Kollegen gegenübersteht. H er muß Wandel geschaffen werden. Das ist natürlich nicht von heute auf morgen zu erreichen. Eine Reform des Generalselretariats soll in einigen 3af)ren erfolgen. And da wird "rhan ho fen dürfen, daß solche Anebenheiten nicht nur zugunsten Deutschlands, sondern auch zugunsten anderer Staaten ausgeglichen werden. Inzwischen ist es aber natürlich notwendig, daß die wenigen deutschen Vertreter, die in Gens tätig sind, besonders gesiebt werden, um uns nicht vollständig auszuschalten. Das gilt vor allem für die Informationsabteilung, wo wir durch einen Herrn vertreten sind, der sich jedenfalls in erster Linie als Völkerbundsbeamter fühlte und sich wohl so unmöglich gemacht hat, daß seine Auswechslung in möglichst kurzer Frist erfolgen muh, während der deutsche Direktor Dufour, dessen Amtszeit an sich am Ende dieses Jahres abläuft, vielleicht noch länger im Amte bleibt. Roch wichtiger aber sind die sachlichen Fragen, die Sir Eric Drummond zu besprechen hat. Die Ratstagung ist mit Material voll gepackt. Sie soll vor allem das Abrüstungs- Problem weiter treiben, um die technischen Vorbereitungen der Konferenz zu beschleunigen. Die Frage des Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz bleibt wohl weiter offen, nachdem die Kandidatur Beneschs unter den Tisch gefallen ist. Das wesentlichste ist jedenfalls der deutsche Antrag auf Offenlegung der Rüstungen, der zunächst in einem Sonderausschuß beratey werden soll. Damit können wir uns zur Rot einverstanden erklären, aber nur dann, wenn über die Offenlegung des derzeitigen Rüstungsstandes Bestimmungen ausgearbeitet werden, die für richtige und vollständige Zahlen garantieren, um wirkliche Vergleichsmöglichkeiten zu schaffen. Die Tagesordnung der 63. Ratstagung. Eine Reihe für Deutschland wichtiger Fragen. Genf, 22. April. (WTB.) Das Völkerbundssekretariat veröffentlicht heute die Provisorische Tagesordnung der 63. Tagesordnung des Völkerbundsrates, der am 18. Mai unter Vorsitz des deutschen Außenministers zusammentritt. Auf dieser Tagesordnung ist vor allem hervorzuheben Punkt31: .Das 'deutsch-österreichische Protokoll für die Errichtung einer Zollunion", gemäß dem Anträge der englischen Regierung vom 10. April 1931. Aus der Formulierung des englischen Antrages geht hervor, daß eine Prüfung der Vereinbarkeit der geplanten Zollunion mit den Verpflichtungen des Genfer Protokolls vom Oktober 1922 bezweckt wird. Ein anderer Punkt der Tagesordnung, der in einem gewissen Zusammenhang mit der Frage der Zollunion steht, ist die Prüfung des durch das Scheitern der Zollwasfen stillst andsbemirh ungen und der Bemühungen für einen Abbau der Zollschranke in Europa verursachten Zustandes. Berichterstatter über diese ird Briand Präsident der Republik? Briands Gegner unterstützen seine Kandidatur. — Verschleierter Rückzug von der Außenpolitik. Paris, 22. April. (TH.) So überraschend es angesichts der gegen den Außenminister gerichteten schweren Angriffe klingen mag, und so unverständlich es auf den ersten Blick erscheint: Driand hat wachsende Aussichten auf die Staatspräsidentschaft, nicht obgleich, sondern weil seine Stellung aih Quai d'Orseh für e r n st- lich erschüttert gilt. Am diesen scheinbaren Widerspruch zu begreifen, muh man sich vergegenwärtigen, daß ein Kabinett der Rich- tungTardieu-Laval, d. h also der Mittelgruppen und der parlamentarischen Rechten, ohne die Anter st ühung des Briand- anhanges nicht bestehen kann, erstens weil die engeren Freunde des Außenministers in der Kammer das Zünglein an der Waage bilden und zweitens, weil die ungewöhnliche parlamentarische Erfahrung und Ge° schicklichkeits Driands ihn zu einem überaus gefährlichen Gegner machen würde. Briand in der Opposition wäre eine Belastung, die sich keine auf der heutigen Kammerzusmn- mensetzung fußende Regierung leisten könnte. Wenn man also eine neue Besetzung des Auhenministerpostens vornehmen will — und dieser Wunsch ist zweifellos in weitesten Kreisen lebendig — so kann das nur auf dem Wege eines höchst gefährlichen innenpolitischen Experimentes oder auf dem Wege der Präsidentschaftskandidatur geschehen. Gewisse Anzeichen sprechen dafür, dah man — zum Berdruh der äußersten, etwa durch die .Action fran^aise" vertretenen Rechten — ernstlich mit dem Gedanken umgeht, die von links betriebene Kandidatur Brian d.s au stützen. Gerüchtweise verlautet sogar, dah Die in dieser Richtung treibende Kraft der frühere Ministerpräsident und heutige Landwirtschaftsminister T a r d i e u sei. Wenn sich das bewahrheiten sollte, so könnte der unbeliebte Auhen- minister mit einer sicheren Mehrheit der Kammerstimmen rechnen. Was die S e n a t s st i m m e n anlangt, so würden im .Hause der Alten" aller- dings starke Widerstände zu überwinden sein. Driand selbst hat sich bisher durchaus ablehnend verhalten, doch scheint es möglich, dah er die goldene Drücke zum Clysee benutzt, um den wankenden Doden des Quai d'Orsey mit Ehren zu verlassen. Die Pariser Rechtspresse, die „Action fran- ?aise , der .Ami du Peuple" und das „Echo de Paris", haben bereits einen Versuchsballon steigen lassen. Sie behaupten plötzlich übereinstimmend, dah Briand sich entschlossen habe, trotz aller bisherigen' Dementis seine Kandidatur für die Präsidentenwahl im Mai a u f st e l l e n zu lassen. Diese Kandidatur werde selbstverständlich pon der Linken ausgehen und vermutlich erst im zweiten Wahlgang, d. h. in letzter Minute aufgestellt werden. Die Linke mit Leon Blum an der Spitze sei vermutlich sehr gern bereit, für Briand zu stimmen, da sie auf diesem Wege den Auhen- ministerposten für Paul-Boncour oder Herriot sreizumachen hoffe. Die außenpolitische Tätigkeit Briands werde ja auch von den Radikalsozialisten immer unverhüllter kritisiert. — Der „Matin" behauptet. Sollte Briand eine Kanordatur annehmen, so unterliege es keinem Zweifel, daß die menten anderen Kandidaten vor seiner großen Persönlichkeit zurücktreten würden. Aber in vielen politischen Kreisen sei man der Ansicht, daß vielleicht erst ein Tag vor der Wahl Klarheit über die Aussichten der verschiedenen Kandidaten geschaffen werden könne. Es sei zu einer Gepflogenheit geworden, daß an diesem Tage eine Art Vorab st immung durch die Abgeordneten und Senatoren erfolgt. Man wollte diesmal angeblich hiervon ab- sehen. Es sei dann noch wahrscheinlich, daß einzelne Parteigruppen ihrerseits Kandidaten aufstellen, so daß unter diesen Amständen die Entscheidung er st im zweiten Wahlgange stattfinden' könne. Es müsse daher damit gerechnet werden, daß ein Outsider im zweiten Wahlgange plötzlich genannt werde, der dann nicht unbeträchtliche Aussichten haben könnte. Als einen dieser Outsider, der mit einer gewissen Berechtigung auf einen Erfolg rechnen könne, bezeichne man den radikalen Senator Steeg. Aber allgemein werde angenommen, daß, ■ wenn Briand ernstlich die Kandidatur annimmt, sich die Lage sofort ändern würde, da ihm sicher kein linksstehender Politiker als Kandidat entgegentreten würde. Annahme des Vertrags zwischen der evangelischen Kirche und Preußen Die Entscheidung der Generalsynode. Annahme des -Vertrags mit 166 gegen 47 Stimmen. Berlin, 22. April. (TU.) In der öffentlichen Schlußsitzung der altpreußischen Generalsynode beantragte zunächst der Kirchenrechtslehrer Professor Dr. Stutz im Namen des Verfassungsausschusses die Annahme des Vertragsentwurfes. Der Berichterstatter erklärte u. a., der Ausschuß sei zu dem Ergebnis gekommen, daß der Vertrag zwar keineswegs die auf ihn gesetzten Erwartungen voll erfülle, daß er aber im großen und ganzen als annehmbar zu erachten sei. Auseinander gingen im Ausschuß die Meinungen über die Frage der politischen Klausel. Man sei sich darin einig, daß in dem Entwurf der volle Rechtsschutz gegen den Mißbrauch des staatlichen Einspruchsrechts nicht gegeben sei. Die eine Seite erblicke in dem Vorhandensein einer politischen Klausel ohne vollen Rechtsschutz eine so schwere Gefahr, daß sie darum den Vertrag ablehne. Die andere Seite dagegen glaube in den Sicherungen, die der Vertrag biete, einen gewissen Schutz gegen Mißbrauch und die Möglichkeit einer erfolgreichen A b w e h r zu haben. Diese Seite bewerte das Zustandekommen eines Vertrages an und für sich und die Sicherung der äußeren Stellung der Kirche so hoch, daß sie trotz aller Bedenken dem Vertrag zustimme. Der Präsident des Evangelischen Oberkirchenrates Dr D. Kapier hob hervor, daß die evangelische Kirche in jeder politischen Klausel grundsätzlich eine schwere Belastung erblicke. Der Leiter der obersten Kirchenbehörde sei aber der Überzeugung, daß die Rechte, die der Kirche aus dem Vertrag aus anderen Gebieten erwüchsen, es recht- fertigten, daß sie diese Gefahren auf sich nehme im Bewußtsein ihrer eigenen Kraft. Gewiß brauche die Kirche Christi weder Vertrag noch Kirchenbehörde, noch Generalsynode, Ader für die freie Wirksamkeit der evangelischen Kirche als Volkskirche sei es notwendig, daß sie aus einem Objekt staatlicher Gesetzgebung Trägerin eigenen vertraglich gesicherten Rechts werde. Der Präsident empfahl, den Vertrag anzunehmen. Nach einer mehrstündigen Debatte, in der Gegner und Freunde des Kirchenvertrags zu Wort kamen, ckähm die Generalsynode dann in namentlicher Abstimmung den Entwurf des Kirchenoertrags mit dem preußischen Staat mit 166 gegen 47 Stimmen an. Ein Aufruf an das evangelische Volk. Stärkung des Bcrantwortungsbewutztseins Berlin, 22. April. (TU.) Die außerordentliche Tagung der Generalsynode klang aus in eine Kundgebung der ober ft en kirchlichen Vertretung an das evangelische Volk, die Generalsuperintendent D. Dibelius vorlegte. Sie soll zum Ausdruck bringen, daß die Generalsynode während der geschäftlichen Beratungen nicht einen Augenblick den dunklen Hintergrund der Lage unseres Volkes und Vaterlandes aus dem Auge gelassen hat. Zn der Kundgebung, die einmütig ohne Aussprache angenommen wurde, heißt es u. a.: „Die Generalsynode kann nicht vorübergehen an den ungeheuren inneren und äußeren Diäte neunter denen das deutsche Volk in wachsendem Maße leidet. Millionen ihrer Volksgenosten sieht sie arbeitslos am Markte stehen und andere Millionen ihre Arbeit unter schwerer wirt- Sie Straßburger Spiouageaffäre Französische Ablenkungsmanöver. Paris, 22. April. (Sil.) Die französische Presse versucht, aus der Verhaftung der angeblichen Spione einen Beweis dafür zu konstruieren, dah Deutschland für seine späteren Pläne großes Interesse an der genauen Kenntnis der französischen Defestigungswerke habe. Das „Echo de Paris" stellt die Behauptung auf, der deutsche Spionagedienst sei in Straßburg selb st organisiert worden und habe bis Metz gereicht. Die französische Polizei habe sich mit dem Fall schon über acht Monate beschäftigt und einen strengen ileberwachungs- dienst eingerichtet, der vor etwa vier Tagen zu den Verhaftungen geführt habe. Wenn die französische Presse darüber nicht berichtet habe, so sei das lediglich geschehen, um die Untersuchungen nicht zu stören. Der „Petit P a - risien" glaubt zu wissen, daß bereits in der nächsten Zeit fünf weitere Personen verhaftet würden, unter denen sich zwei Deutsche befänden. Die Summe, die man deutscherseits an die Spione bezahlt habe, belaufe sich auf annähernd 60 000 Mark. Es ist natürlich, daß vor allem die chauvinistische Presse die Straßburger Angelegenheit aufbauscht, um den Fall von Königsberg vergessen zu lassen. Besonders deutlich wird diese Absicht, wenn ein Pariser Morgenblatt schreibt, die angeblichen Spione hätten die Absicht gehabt, in eine Kaserne einzudringen, um dort ein Maschinengewehrmodell 24/25 zu stehlen und an Deutschland zu verkaufen, das angeblich für diese Konstruktion besonderes Interesse habe. Der nach Straßburg entsandte Sonderberichterstatter des Mittagsblattes „Paris Rou- ve l", berichtet am Mittwoch zu der Verhaftung der vier Elsässer, daß ilhrig ein wohlha ben- der Geschäftsmann sei, der jedoch in letzter Zeit viel Geld verloren habe. Er habe häufig in seinem Luxusauto Reisen nach Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Basel unternommen. Seine rechte Hand sei Schalk gewesen, der als früherer Zeichner beim Pionier-Kommando Verbindungen mit seinen ehemaligen Kameraden aufrechterhalten habe, ilnfried beteuere unausgesetzt seine völlige Anschuld. Seine Stellung als Haupcingenieur beim französischen Genie-Korps habe ihn zum Helfershelfer der Spione besonders geeignet gemacht. Weidling habe eingestanden, in Straßburg mehrfach mit de m Spionagechef einer ausländischen Macht zusammengetroffen zu sein. Im Auftrage ilhrigs habe er außerdem mehrere Reisen nach Stuttgart unternommen und dort Material abgeliefert. Die Verhaftung der vier sei am 15. April erfolgt, als sie die Schweizer Grenze überschreiten wollten. sch östlicher Sorge verrichten. Sie sieht den Ansturm der organisierten Gottlosigkeit sich immer rücksichtsloser gegen die Heiligtümer der Christenheit erheben. Sie sieht das Gewissen verwirrt undden Glauben ohne Kraft bei allzuvielen die sich zur evangelischen Kirche bekennen. Die Generalsynode ruft die Gemeinden, die Kreissynoden und die Provinzial- synoden auf, mit allem Ernst über Mittel und Wege zu beraten, bei denen das Verantwortungsbewußtsein der Gemeindeglieder für die Not unseres Volkes oertieft und die Kraft evangelischer Verkündigung gegenüber dem ganzen Volke verstärkt werden kann." Preffeflimmen. Ein Wendepunkt in der Geschichte des Protestantismus Berlin, 23. April. (ERD.) Zu der Annahme des evangelischen Kirchenvertrages durch die Generalsynode schreibt die „D A Z.": Der 22. April 1931 bedeutet einen der wichtigsten Wendepunkts in der Geschichte des Protestantismus. Die Evangelische Landeskirche Preußens ist seit diesem Tage — nach Annahme des Kirchenvertrages durch die Generalsynode — eine vertragsgesicherte autonome Kirche, wie es die Kathvlische Kirche in Preußen seit dem 9. Juli 1929 ist. Bisher war die Evangelische Kirche nur eine als Körperschaft des öffentlichen Rechts geltende Reljgionsgesellschaf t. Möge die Evangelische Kirche in der Freiheit, die ihr jetzt gegeben ist, sich immer mehr zu einerrechten V o l k s k i r ch e e n t w i ck e l n, die mit starkem Mut, Aeberzeugungstreue und Toleranz verbindend ihren höheren Zielen dient, aber damit auch den Interessen des Landes, den sie, trotz der Trennung zwischen Kirche und Staat, aufs innigste verbunden bleibt. Auch der „T a g“ ist der Tleberzeugung, dah mit der Annahme des Kirchenvertrages ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Evangelischen Kirche in Preußen beginne. An dem Staat sei es nun, dieses Vertrauen der preußischen evangelischen Kirchen und Menschen zu rechtfertigen. Tue er das nicht, dann werde er auf eine geschlossene Front aller Evangelischen treffen, gleichgültig, wie der einzelne über den Vertrag denke. Evangelische Pflicht sei es jetzt, den Staat zu schaffen, der im Christentum wurzelnd, alles tue, den Kirchen ihre schweren Aufgaben zu erleichtern. Der Kampf um ein preußisches Preußen erhalte gerade in dieser Beziehung eine besondere Rote. Die „Deutsche Zeitung" ist der Ansicht, daß die Zukunft werde lehren müssen, ob mit der Annahme des Kirchenvertrages der inneren Festigung der Evangelischen Kirche gedient worden sei. Start des ersten Dieselmotor-Flugzeugs der Wett in Berlin. *»■ i teW, UL II hr.. Auf dem Flugplatz T e m p e l h o f wurde ein neuer Flugmotor der Junkerswerke, der „Jumo 4", vorgeführt, der für die weitere Entwicklung der Fliegerei, insbesondere der V e r k e h r s f l i e g e- r e i von ausschlaggebender Bedeutung sein dürfte. Professor Junkers hat selbst in einer kurzen Ansprache die wesentlichsten Merkmale dieses ersten „D i e s e l f l u g m o t o r s" gekennzeichnet. Die bis- her im Gebrauch befindlichen „Vergasermotore" benutzen als Brennstoff Benzin, das in seiner niedrigen Vergasungstemperatur leicht Zu Explosionen neigt und vielfach die Ursache gewesen ist, bei noch gut verlaufenen Notlandungen Explosionen und Brände hervorzurufen, wobei Verluste an Menschenleben entstanden seien. Der Diesel- flugmotor hingegen verwendet ein schwer entzündbares Del, dessen Flammpunkt so hoch liegt, dah man die Explosionsgefahr bei Benutzung solcher Flugmotore nahezu als beseitigt ansehen kann. Daß die Sicherheit des Personenverkehrs er- heblich zunimmt, ist also klar. Als zweiter Vorteil ist anzusehen, daß der Brennstoffverbrauch des Dieselmotors nur etwa i von dem eines Vergasermotors ausmacht. Bei größeren Strecken ist der ökonomische Vorteil des Dieselmotors ins Auge springend. Es steht zu erwarten, daß der Motor infolge dieser wirtschaftlichen Vorteile gerade für den Verkehrsflug von größtem Nutzen fein wird. Ganz unerwartet ist Mittwoch 17.15 Uhr die erste Maschine, die mit einem Schwerölmotor ausgerüstet ist, von Berlin-Tempelhof kommend, im Hamburger Flughafen eingetroffen. Trotz des starken Gegenwindes hatte sie die Flugstrecke Berlin—Hamburg in knapp 2 Stunden zurückgelegt und dabei nur 80 Liter Brennstoff verbraucht. Das Todesurteil im Kürtenprozeß Das Plädoyer d es Staatsanwalts Düsseldorf, 22.April. (WTB.) Am heutigen neunten Verhandlungstage erklärte als erster Staatsanwaltschaftsrat Jansen in seinem Plädoyer u. a.: Wir stehen am Ende eines Prozesses von einem Ausmaße, wie wir ihn gegen eine einzige Person wegen solcher Scheußlichkeiten wohl kaum je geführt haben. Drei Personen haben Kürten als den mutmaßlichen Täter angegeben. Aber durch unglückliche -Umstände ist es nicht dazu gekommen, Kürten früher zu entlarven. Kürten hat sich schon von früher Jugend an zum Verbrecher herausgebildet. Er war 17mal vorbestraft, aber niemals wegen Sittlichkeits- . verbrechens. 1913 wurde Kürten aus dem Gefäng- nis entlassen, und es ereigneten sich die ersten ^lleberfälle und der Mordfall Klein sowie das Niederschlagen von zwei Männern und verschiedene 'Brandstiftungen. Alles innerhalb zweier Monate. Der Mordfall Klein war der erste Sexualmord Kürtens. Ueberlegung und Vorsatz des Mordes sind unbestreitbar. Don Dezember 1926 bis Mitte 1928, nachdem er nach Düsseldorf übergesiedelt war, verübte Kürten 17 Brand st iftungen. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis am 27. Oktober 1928 beging er bis zu feiner 1930 erfolgten Festnahme a ch t Morde, 26 Mordversuche und elf Brand st iftungen. Der Mordversuch an Frau Kühn ist nur dadurch glimpflich abgelaufen, daß die Ueberfallene um Hilfe schrie. Der Staatsanwalt schildert nun ein Verhältnis Kürtens mit einer Frau K., der gegenüber er sich etwas verraten hatte und aus diesem Grunde einige Monate verstreichen ließ, bis er zur nächsten M o r d s e r i e, beginnend am 11. August 1929, schritt. Der erste Fall war der der Maria Hahn. Er bildet ein Musterbeispiel der Ueberlegung schon vor der Tat. Am 21. August unternahm der Angeklagte mit einem Dolch drei Mordversuche. Drei Tage später geschah der Fleher Kinderdoppelmord. Durch die Fußspuren ist Kürten hier überführt. Am nächsten Tage verübte er den Ueberfall auf die Schulte. Zwischen diesen Morden und dem Fall Reuter am 29. September verübte Kürten eine Reihe von Mordversuchen. Im Falle Reuter führte er das Verbrechen mit kalter Ueberlegung aus. Aehnlich liegt der Fall Doerrier am 12 Oktober. Weitere Mordversuche an Frau Meurer und Frau Wanders folgten am 25. Oktober Auch in diesen Fällen ist Kürtens Täterschaft unwiderleglich fest gestellt worden. Oer Glrafanirag. Oberstaatsanwalt Dr. Eich erklärte u. a. Aus den Taten Kürtens ist nicht zu ersehen, ob sie in einem Zustand geschahen, der die freie Willensbestimmung ausschloß. Kurten ist der lebendigste Beweis dafür, daß die Anheimlichkeit der Tatm nicht die Anzurech» nungssähigkeit beweist. Er hat nicht unter einem unwiderstehlichen Drang gehandelt. Das beweist, daß er nur in seiner dienstfreien Zeit und in Abwesenheit seiner Frau seine Verbrechen verübte und bei Gefahr sich sofort in Sicherheit brachte. Es ist somit der Veweis nicht zu erbringen, daß der Angeklagte für sich den Paragraphen 51 in Anspruch nehmen kann. Ich beantrage neunmal die Todes strafe. Ich beantrage ferner wegen Mordversuches in Tateinheit mit versuchter Notzucht und mit vollendeter Vornahme unzüchtiger Handlungen insgesamt 6 0 Jahre Zuchthaus. Oer Verteidiger: Der Offizialverteidiger Dr. W e h n e r erklärt: Der Angeklagte hat sich wegen einer großen Anzahl Verbrechen zu verantworten, wie sie in der Kri minalgeschichte einzig dastehen. Neun ruchlos Gemordete, herunter vier unschuldige Kinder, und auch Oas Urteil Nach Inständiger Beratung wurde das Urteil verkündet. Der Angeklagte ist des Mordes in neun Fällen, in zwei Fällen in Verbindung mit vollendeter Notzucht und in zwei anderen Fällen in Verbindung mit gewaltsamer Vornahme unzüchtiger Handlungen schuldig gesprochen worden. FürjedenFalldesMordeswirdermit dem Tode bestraft, wegen Mordversuchs in sieben Fällen erhält er insgesamt 15 Jahre Zuchthaus. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihm auf Lebenszeit aberkannt. In der Begründung zum Urteil erklärte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Rosen, daß es für das Gericht von Wichtigkeit gewesen sei, daß das Geständnis des Angeklagten durch entscheidende Beweise erhärtet worden sei. Die Frage des Vorsatzes der Tötungen müsse bejaht werden. Für die Ueberlegung sei das Gutachten derSach- o e r st ä n d i g e n entscheidend gewesen. Bei der Persönlichkeit Kürtens sei nicht anzunehmen, daß er auch nur einen Moment seine Ueberlegung verlor. Taten, wie die Kürtens, seien im Leben und in der Literatur bekannt, nur die Häufigkeit der Taten Kürtens sei absonderlich Die Sittlichkeitsverbrechen spielten eine untergeordnete Rolle. — Der Ver- leidiger erklärte im Auftrage seines Mandanten, daß dieser das Urteil anerkennen wolle. Dieser sei von ihm nach reiflicher Ueberlegung gefaßt worden. Auf die Frage des Dor- sitzenden, ob dke Angaben des Verteidigers zuträfen, antwortete Kürten mit: Jawohl. der Mann, dem es nicht vergönnt war, seine Rehabilitierung bezüglich des im Jahre 1913 verübten Mordes zu erleben, klagen an. Die Sachverständigen halten die Voraussetzungen für die Anwendung des § 51 im Falle Kürten für nicht gegeben. Für mich bestehen in dieser Hinsicht einige Zweifel. Liegt nicht in dem Abschlachten unschuldiger Kinder ein Grenzfall im Sinne des § 51? Kürten ist zwangs- läufig zu den Taten gekommen. Sein Geisteszustand hat sich zwischenzeitlich verändert, und die Sachverständigen können den damaligen Zustand des Angeklagten nach so langer Zeit nicht genau beurteilen. Zur Verurteilung seien zwei Fragen zu erwägen: 1. War der Vorsatz der Tötung vorhanden? 2. Wurde die Tat mit Ueberlegung ausgeführt? Den Vorsatz will der Verteidiger bejaht sehen. Bezüglich der zweiten Frage der Äeberlegung der Tat müsse erwogen werden, daß zur Ueberlegung eine mehr oder weniger rege Verstandestätigkeit gehöre. 3m Falle Klein habe die Ueberlegung vor der Tat und auch während ihr gefehlt, so daß nur Totschlug in Frage käme, der aber nach 15 Jahren verjährt sei. Für den Fall Scheer komme gleichfalls nur Totschlag in Frage. In den meisten Fällen habe Kürten seinen Opfern die zahlreichen Verletzungen in einem Zustande höchster sexueller Erregung beigebracht. Bei dem Fleher Doppelmord Lenzen- Hamacher sei die Verneinung der ileberlegung lehr schwer, aber auch hier sei das Geständnis des Angeklagten glaubwürdig, der ausgesagt habe, er habe sich wie ein Tier auf die Kinder gestürzt. Der Verteidiger beantragte daher, die Ueberlegung zu verneinen. Kürten erklärt in seinem Schlußwort, die von ihm begangenen Taten seien nach seiner jetzigen, Erkenntnis derart scheußlich, dah er nicht den Versuch wage, dieselben in irgendeiner Form zu entschuldigen. Er sei sich über die Tragweite des seiner Frau abgelegten Geständnisses wohl bewußt gewesen. Hätte er das Geständnis seiner Frau nicht gemacht, wäre der Prozeh gar nicht verhandelt worden. Er wünsche, seine Taten zu sühnen. Der Streit um die pädagogischen Institute. Hessischer Landtag. Darmstadt, 22. April. (WHP.) Bei schwach besetztem Parterre folgt die Beratung des Kapitels 68/3 Pädagogische Institute. Abg. Dr. Hoffmann (Z.) verliest Stellen aus Zeitungsartikeln für die Verlegung des Pädagogischen Instituts nach Mainz. Am meisten bedauern wir, daß der Evangelische Bund das Wort „u 11 r a- montan" aus der Zeit des Kulturkampfes hervorgeholt hat. Wir protestieren nicht nur im Namen der lebenden Katholiken, sondern auch für die Hun- berttaufenben, bie im Kriege ihr Geben stehen nicht auf Weisung von Rom, sonbern in treuer Pflichterfüllung gegen ihr Vaterlanb. (Beifall.) Abg. Reiber (Dem.) bedauert auf das lebhafteste, dah man jetzt vor den Wahlen diese Angelegenheit von entscheidender Bedeutung zu einem Akt der Verwaltung degradieren wolle, während der Landtag jeden Schweinestall auf einer Domäne bewilligen müsse. Die vorbereitenden Mahnahmen des Herrn Staatspräsidenten haben tief verstimmend gewirkt, insbesondere in den Kreisen der Lehrerschaft, auch meiner Kollegen in Mainz. Wir Lehrer hätten diese Mahnahme nach den bisherigen Einsparungen am Schulwesen für am letzten möglich gehalten. Wir bedauern ebenso tief, dah unter die Bevölkerung dieser Zankapfel des konfessionellen Haders geworfen wurde. Ich lehne die Aushebung des Darmstädter Institutes und die Verlegung nach Mainz ab, erstens weil die Konzentration der Lehrerbildung nach Mainz einen unbezweifelbaren Rückschritt von der Lehrerbildung, wie wir sie 1925 in Hessen geschaffen haben, bedeutet. (Sehr richtig!) Es wird mir sehr schwer zu glauben, dah man die hoch- schulmähige Bildung in einer Stabt erhalten kann, in der sich eine Universität oder Hochschule nicht befindet. Ich stehe auf dem Standpunkt, dah eine Hochschulbildung nur an einer Hochschule möglich ist (Sehr richtig!), und wir Lehrer fordern diese Hochschulbildung nach wie vor. In Mainz haben von Anfang an nicht die Möglichkeiten für die Studenten bestanden wie in Darmstadt, neben der Fachbildung noch an der allgemeinen Abteilung der Hochschule zu hören. Ich habe gestern der Entschließung zugestimmt, die Regierung möge sofort Verhandlungen wegen der Errichtung eines Instituts in Gießen ausnehmen. Rach der gestrigen Erklärung des Staatspräsidenten, dah an die Errichtung in Giehen vorwiegend aus finanziellen Gründen zu nä ch st nicht zu denken ist, muh ich meiner lebhaften Enttäuschung Ausdruck geben. Wenn erst das Institut nach Mainz gelegt ist, glaube ich kaum, dah bei der Aufregung, die man dann in Mainz entfachen würde, die Verlegung nach Gießen in Frage kommen würde. Man ist ja jetzt schon ein ^Gegner der Stadt Mainz", wenn man einer andern Stadt nicht etwas nimmt und es Mainy gibt." Abg. Storck (Soz.) erklärt, auch die Sozialdemokratie trete nach wie vor für die akademische Lehrerbildung ein. Daher muh daS Institut dahin kommen, wo die besten Vorbedingungen gegeben sind. (Sehr richtig!) In Mainz sind (Sin* richtungen, wie Studentenheim, billige Verpflegung leichter gegeben als in Darmstadt. Wenn man sich freimacht von einseitigen Einstellungen, dürfte man am besten der Sache dienen. Abg. A x t (VRP.) weist erneut darauf hin, dah die Beibehaltung der beiden Institute keine Mihgunst gegen Mainz bedeuten könne. Der Zuzug von 90 bis 100 Lehrerstudenten ist keine Hilfe für die Stabt Mainz: ihr muh durch eine praktisch wirksame Hilfe insbesondere des Reiches gedient werden. Der akademische und simultane Charakter der Lehrerbildung ist bei dem jetzigen Zustand am besten gewahrt. Es wäre Vogel- Strauß-Politik, wenn man die bestehende schwere konsessionelle Beunruhigung einfach übersehen wollte. Ich bitte Sie dringend, den Frieden des Landes zu erhalten und die beiden Institute bestehen zu lassen. Abg. Frau Heraeus (Dn.) erklärt für die Deutschnationalen, dah diese f ü r '“btt Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandes stimmen werben. Abg. Frl. Birnbaum (D. Vp.) unterstreicht die Richtigkeit der Ausführungen des Abg. Rebber. Der Abg. Storck (Soz.) selbst habe zugegeben, dah die Konzentration eine Schädigung der Lehrerbildung bewirken könne. Die Stadt Gießen hat sich zu finanziellem Entgegenkommen bereiterklärt. Abg. Hamann (Komm.) will ebenfalls den seitherigen Zustand beibehalten wissen. Er polemisiert gegen den Kultusminister, der sich dem Zentrum verkauft habe. Abg. Dr. Müller (Lbd.) fordert Beseitigung der gesamten pädagogischen Institute und Einführung der Seminarbildung. Staatspräsident Adelung: In diesem Semester verzeichnen wir bereits einen Rückgang der „Stadf-Studenten an den Pädagogien. Der numerus clausus bei der Ausnahme ist angesichts der Junglehrernot berechtigt. Dah die akademische Lehrerbildung in Mainz gefährdet ist, davon hat mich Abg. Reiber nicht überzeugen können. Ich betone erneut, dah ich keinerlei konfessionelle Strömungen aufkommen lassen will, und ich bin überzeugt, dah das Land meine Mahnahmen versteht. Abg. A x t (Volksrechtpartei) erklärt: „Nicht der stört ben konfessionellen Frieden, bet sich dagegen wehrt, baß ihm etwas genommen wird , worauf Abg. Hainstadt (Zentr.) erroibert: „Nicht ber stört ben konfessionellen Frieben, ber jahrzehntelang benachteiligt würbe unb nun etwas nachholen will. (Hört, hört!) Damit ist bie Debatte geschlossen. Vor 28 Abgeordneten wirb Kapitel 57 (Volksschule) aufgerufen, unb bie Debatte auf Donnerstag vertagt. Das neue thüringische Kabinett Die Ergänzungswahten. —Die Sozial. Demokraten enthalten sich Weimar, 22. April. (WTB.) Nach 2ftünbiger sehr lebhafter Aussprache, in beren Verlauf ber ehemalige nationalsozialistische Staatsrat unb Land- taasabgeorbnete Marschler von ber Sitzung ausgeschlossen würbe, würben heute im ßanbtaa b t e Ergänzungswahlen zur thüringischen Regierung oorgenommen. Da ber für bas Gebiet Weimar vorgesehene Ab- georbnete Krause (Wirtschaftspartei) in letzter Stunde sein Mandat für das Kabinett a b l e h n t e, bleibt von der Wirtschaftspartei der bisherige Staats- rat Fürth im Kabinett, so baß bie Regierungsliste nach ihrer Ergänzung wie folgt zusammen- gesetzt ist: Staatsrat Mackelbey (Lanbvolkpartei) für bas ehemalige Gebiet Weimar, Staatsrat Döbrich (Lanbvolkpartei) für bas ehemalige Gebiet Meiningen, Baumgärtei (DVP.) für das Gebiet Reuß, Bauer (DVP) für das Gebiet Sondershausen, Fürth (Wirtschaftspartei) für das Gebiet Rudolstadt. Die Ministerien werden wie folgt verteilt: Baurn, Finanzen und Wirt- schäft; Dr. Köst n er. Inneres, Volksbildung und Justiz. Die Wahl erfolgte in namentlicher Abstimmung mit 19 Stimmen ber Deutschen Dolkspartei, ber Lanbvolkpartei unb ber Wirtschaftspartei gegen 13 Stimmen ber Nationalsozialisten unb Kommunisten, bei Enthaltung ber 13 Sozialdemokraten unb bes einen Vertreters ber Deutschen Staatspartei. Sieben Abgeord- nete fehlten. Der Lanbtag vertagte sich barauf bis zum 4. Mai. Die Aussprache im Lanbtag war von einer Schärfe, wie man sie bisher nur selten erlebt hat. Namentlich roanbte sich ber Fraktionsführer ber Nationalsozialisten, Sauckel, heftig gegen bie jetzigen Regierungsparteien (Wirtschaftspartei, Land- völkpartei unb Deutsche Volkspartei) unb gegen bie Sozialbemokraten, so baß es bes öfteren zu stürmischen Auftritten kam. Die Sozial- bemofraten erklärten, baß sie ber Minderheits- regierung gegenüber eine abroartenbe Haltung einnehmen unb, falls nötig, ihre Schlußfolgerungen ziehen würben. Die D e u t s ch e V o l k s. Partei ließ burch ihren Fraktionsführer, Abg. Dr. Wihmann, barauf Hinweisen, baß sie sich niemals in einer unroürbige Abhängigkeit von ber Sozial- bemofratie begeben würbe, Auch ein Abhängigkeitsverhältnis gegenüber ben Nationalsozialisten müsse bie Volkspartei als unerträglich ablehnen. Oie „Wesei-zeitung" zum Ausgang des Volksbegehrens. Bremen, 22. April. (TU.) Die „Weserzeitung" schreibt unter der Ueberschrift „Stahlhelmsieg" u. a.: Die Mitteilung, daß das Volksbegehren zur Auflösung des preußischen Landtages schon vor seinem Abschluß die erforderliche Unterschriftenzahl weit überschritten habe, werde angesichts der empörenden Unterdrückungsmaß- nahmen, die von der preußischen Polizei gegen die Volksbegehren-Propaganda und den Stahlhelm insbesondere angewandt worden seien, allenthalben große Genugtuung Hervorrufen. Da man in preußischen Regierungskreisen in den letzten Tagen nicht mehr an einen Erfolg des Volksbegehrens $u glauben vorgegeben und sich demgemäß zu einer Milderung der Ausführungsbestimmungen zur Rotverordnung des Reichspräsidenten entschlossen habe, fei die moralische Rieberlage der preußischen Regierung nur noch augenfälliger geworden. Die Haltung des preußischen Zentrums unter Führung ihres Fraktionsführers Dr. Heß wäre nur verständlich gewesen, wenn er von vornherein von einem Mißlingen des Volksbegehrens überzeugt gewesen wäre. Die Politik des Volksbegehrens müsse nun mit allen Konsequenzen durchgeführt werden, nicht allein in Preußen, sondern auch im Reich. Aus aller Wett. Grohfeuer in einer Lederfabrik. 3n Neumünster brach in der Lacklederfabrik ein Feuer aus, das den riesigen Bau bis auf die Umfassungsmauern e i n ä s ch e r t e und fast alle Maschinen vernichtete. Die Flammen griffen so schnell um sich, dah die Belegschaft! sich nur mit Mühe und Not in Sicherheit bringen konnte und zahlreiche Arbeiter und Arbeiterinnen nur mangelhaft bekleidet ins Freie flüchten muhten. Die Feuerwehr und die Werksfeuerwehr griffen die Flammen aus zwölf Rohren an. Aber erst nach fünfstündiger Arbeit war die Gefahr eines Liebergreifens des Feuers auf die benachbarten Gebäude beseitigt. Durch die starke Qualmentwicklung und durch den starken Wind wurden die Löscharbeiten außerordentlich erschwert. Man nimmt an, daß das Feuer bei Schweiharbeiten entstanden ist. Ein schwerer Unglücksfall. Bei Dftenfelbe im westfälischen Kreise Warendorf ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Der Kaufmann Beeryeide aus Völlen wollte mit feinem Kraftwagen zu einem Landwirt in ber Nähe von Dftenfelbe fahren. Auf bem schlechten ßanbroeg blieb ber Wagen stecken unb stürzte, als man ihn roieber flottmachen wollte, in einen am Ranbe bes Weges befinblichen Wassertümpel. Die Frau bes Kraftwagenbesitzers, bie im Wagen geblieben war, stürzte mit in ben Tümpel und ertrank. Aus bem Sorojct-fUnberparabies. Die GPU. ist im Schwarzerde-Gebiet großen Mißwirtschaften in Kinderheimen, in denen obdachlose Kinder untergebracht sind, auf die Spur gekommen. In einem Kinderheim in Orel wurde festgestellt, dah mehrere kranke Kinder durch nachlässige Pflege gestorben sind. In einem anderen Kinderheim sind durch Mangelan Lebens-undHeil- m i 11 e l n fünfzehn Kinder gestorben. Die gesamte Leitung der Kinderheime wurde verhaftet und wird vor ein Gericht gestellt werden. Ein Schraubenflugzeug landet im Garten des Weißen Hauses Ein sogenanntes Schraubenflugzeug, das seinen Auftrieb durch einen über dem Flugzeug angebrachten Windmühlenpropeller erhält, landete im Garten des Weißen Hauses in Washington. Es ging in nahezu senkrechtem Fluge auf den Boden nieder und kam nach einem Auslauf von etwa sieben Meter zum Stehen. Beim Wiederaufstieg benötigte das Flugzeug einen Anlauf von 50 Meter, woraus es sich in einem Winkel von 75 Grad in die Luft erhob. Lynchjustiz in USA. In Union City (Tennessee) wurde ein Neger, ber wegen versuchter Notzucht in Untersuchungshaft saß, von einem erregten Pöbelhaufen, ber bas (Gefängnis stürmte unb sich bes Häftlings bemächtigte, an einem Baum vor bem Gerichtsgcbäude aufgehängt. Eine große Menschenmenge schaute bem Vorgänge zu. Die Leiche blieb eine Zeitlang an bem Baume hängen. Min oahin K'LL St» s-Ls m-m lehigen ■c ivare TvTf 5S*Jg b«n "'* Ä <ÄT"i<61 7 EchätzF;. nton^r Die W t"i,eIIem 6nt. will ebenfalls den ?r Dole. ''Eer, der sich dem fr! Deleitigung nnijufe und Sin- uldung. 3n diesem einen Rückgang nWagogien. Der 7^??^es,chÄ ' die alade- HJ Mrdei ist. da. T m$. uberMzen . MB ich teinttin ss kommen lassen will, 3 das Land meine ) erklärt: „Nicht her 'en< der sich dagegen men wird, worauf rwidett: „Nicht der i, der jahrzehntelang was nachholen will. slen. Kapitel 57 (SJolts. JQttt aus Donnerstag augenfälliger des preußischen ng ihres Arallions« izr verständlich ge* ■in von einem Biß. übetyngt gewesen Mdegehrens müsse durchgefühlt werden, dein auch im Reich. M Cebetfabrif. ) in der Lackleder- en riesigen Dau bis einäscherte und jtete. Die Flammen daß die Deiegschast >t in Sicherheit bE Arbeiter und Wv- leibet ins Freie und die Derlsseuer- r aus Mf^dren tuntiger Arbeit war isens des Feuers aus beseitigt. Durch tie nd durch den slarken weiten auhcrordentlch daß das Feuer bei ist- n. ® „ L Nahe vo" pfifft Miillertumpeu im tben W1 u“h etDe;y-xu i-tinen, «'ÜS u* er »E L««? 3« ,,n®i fronte . M6 #4« ."<• hs Sfe 5E stellt loerden- 'fcp- jt ein«"1 gjyffi* Aus der Pwvinzialhauptstadt. Gießen, den 23. April 1931. Erleichterungen bei der Sondergebäudesteuer. Der hessische Finanzmini st er hat den Finanzämtern folgende Anweisung erteilt: Auf Grund des Artikels 12 des Sondcrgebäude- steuergesetzes wird bestimmt: 1. Die staatliche Sondergebä ude» steuer ist auf Antrag um zwei Drittel des Betrages zu ermäßigen, den der Steuerpflichtige nachweisbar als jährliche Verzinsung und Tilgung solcher Hypotheken aufwendet, die für notwendig gewordene laufende, oder große Instandsetzung ausgenommen sind (Reparaturhypotheken). Die Ermäßigung erfolgt erstmals für das Rj. 1931 und bis auf weiteres. Anträge sind bis zum Ablauf der Einspruchsfrist gegen den Steuerbescheid für das betreffende Rechnungsjahr an das Finanzamt zu richten. 2. Ist die gegenwärtig tatsächlich per- einbarte Miete eines bebauten Grundstückes geringer als die auf der Grundlage der Friedensmiete sich errechnende gesehlicheMiete. so ist auf Antrag die staatliche Sondcrgebäude- steuer auf der Grundlage einer fiktiven Friedensmiete zu berechnen, die aus der gegenwärtig tatsächlich vereinbarten Miete abzuleiten ist: eine aus anderen, auch gesetzlichen Gründen etwa zugebilligte Steuerermäßigung ist jedoch auszurechnen. Antragstellung wie bei Ziffer 1. 3. Betragen die von einem Steuerpflichtigen für ein Gebäude aufgewendeten und nicht schon nach Ziffer 1 zu berücksichtigenden Kosten für laufende oder große Instandsetzungen in der Zeit vom 1. April 1929 bis 31. März 1932 nachweisbar zusammen mehr als 75 Prozent der einjährigen Friedensmiete dieses Gebäudes, so ist die staatliche Sondergebäudesteuer für 1931 aus Antrag zu ermäßigen: die Ermäßigung für 1931 beträgt zwei Drittel des nachgcwiesenen Mehraufwandes aus den genannten drei Rechnungsjahren, jedoch nicht mehr als die aus Artikel 13a des Sondersteuergebäudegesehes sich für 1931 ergebende Erhöhung der Staatssteuer. Diese Ermäßigung ist zunächst für das Rechnungsjahr 1931 zu bewilligen, für 1932 bleibt weitere Regelung Vorbehalten. Antragsstellung wie bei Ziff. 1. Die Anordnung zu Ziffer 1 deckt sich mit der Regelung in Preußen und ist als D a u erreg e l u n g gedacht. Auch Ziff. 2 soll dauernd gelten. Die Anordnung zu Ziffer 3 hat noch kein Vorbild und ist deshalb zeitlich und dem Umfange nach etwas eingeschränkt insofern, als die Regelung zunächst nur für das Rechnungsjahr 19 31 gelten soll und die Höhe des erlassenen Betrages begrenzt ist auf die Summe der für Häuser mit einer Friedensmiete von mehr als 5 Prozent neuerdings eingetretenen Sonder- gebäudersteuer-Erhöhung. Wenn in Ziffer 1 u. 3 nur eine Ermäßigung um zwei Drittel zugebilligt ist, so liegt der Grund dafür darin, daß der Staat nur mit etwa zwxi Drittel des Gesamtaufkommens an der Sondergebäudesteuer beteiligt ist. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Verkehrs- und Verschönerungsverein Gießen: Hauptversammlung, 20.30 Uhr, Restaurant Boller, Bahnhofstraße 53. — DHD.: Lichtbildervortrag „Der Weltkrieg", 20.30 Uhr, Caf6 Leib. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Seine Freundin Annette". — Astoria-Lichtspiele: .Karibou". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am morgigen Freitag ist das Theater geschlossen. — Samstag, 25. April, im Freitagabonnement, einmaliges Gastspiel des Mainzer Stadttheaters „Die toten Augen", Oper von Eugen d'Albert. Die Aufführung steht unter der Leitung des Kapellmeisters Adolf Kienzl. Die weibliche Hauptpartie singt Hanna Gorina. — Am Sonntag, 26. April, findet die letzte Wiederholung der Hans- Sachs-Spiele statt. Die Morgenveranstaltung beginnt um 11.45 älhr. Einführung Dr. Karl Ritter, der auch gleichzeitig die Spielleitung hat. Schüler ermäßigte Preise. 18.30 Llhr wird zum letztenmal „Feurio" von Bernhard Blume gespielt. (Regie: Peter Fassott.) — In Aussicht genommen ist als nächste Premiöre „Haus Rotschild" von Hanns Saßmann. SpieUeitung Intendant Prasch. Leytes Gastspiel von Auguste Prasch-Grevenberg. Am 29. April einmaliges Gastspiel von Alfred Abel (mit Ensemble): „Hut ab vor Onkel Eddie!". — Die Mitgliederversammlung der Volkshochschule findet am Mittwoch, 29. April, 20 älhr, in der Oberrealschule statt. (Näheres in der gestrigen Anzeige.) — „Die Bauwirtbewegung der gegenseitigen Hilfe". Heber dieses Thema spricht in den nächsten Tagen der Volkswirt B. W i l h e l m i in Klein-Linden, Wieseck und Gießen. Der Redner wird — wie man uns mitteilt — in seinem Vortrage den Aufbau, die Entwicklung und die Auswirkungen der Bewegung erläutern. Interessenten finden näheres in der heutigen Anzeige. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter Pfund von 1,10 Mark an; Butter 1,30 bis 1,40; Matte 30 bis 35; Wirsing 20 bis 35; Weißkraut 15 bis 20; Rotkraut 25 bis 30; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 25 bis 30; Unter-Kohlrabi 5 bis 6; Feldsalat 1,00 bis 1,20; Tomaten 70 bis 80; Zwiebeln 10 bis 15; Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 35 bis 40; Rhabarber 35 bis 40; Kartoffeln 5 bis 6; Aepfel 40 bis 50; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 1,10; Suppenhühner 90 bis 1,10; Rüsse 60 bis 70; Käse (10 Stück) 60 bis 1,40; Tauben (Stück) 70 bis 80; Eier 7 bis 8; Blumenkohl 40 bis 70; Salat 20 bis 30; Salatgurken 60 bis 1,00; Endivien 15 bis 30; Ober-Kohlrabi (neue) 25 bis 35; Lauch 5 bis 15; Sellerie 10 bis 50; Rettich (neue) Bund 25 bis 30; Radieschen 15 bis 20; Kartoffeln Zenter 4,00 bis 5,00; Weißkraut 10,00 bis 12,00; Wirsing 20,00 bis 25,00; Rotkraut 20,00 bis 25,00 Mk. ** Straßensperrungen, mitgeteilt vom Oberhesfischen Automobil-Club (A.v. D.), Gießen: Die Serpentine südlich von Wolfshausen von Kilometer 100 bis 106 im Zuge der Straße Gieße n—M a r b u r g ist in der Zeit vom 24. April bis 8. Mai für sämtliche Fahrzeuge gesperrt. Umleitung über Riederweimar—Fron- hausen—Bellnhausen. — Die Strecke Cölbe— Göttingen ün Zuge der Straße Cölbe—Franke n b e r g a. d. E d e r ist vom 10. Mai bis Mitte Iuni für sämtlichen Ver-ehr gesperrt. Umleitung über Wehrda—Goßfelden. ** Eine Achtzigjährige. Unsere Mitbürgerin, Frau Kath. Arnold, wohnhaft Erlen- gasse 11, vollendet morgen ihr 80. Lebensjahr. Die Jubilarin erfreut sich noch aller körperlichen Rüstigkeit und ist im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte. Sie nimmt regen Anteil an allen Begebenheiten des öffentlichen Lebens, besorgt ihre hauswirtschaftlichen Arbeiten selbst und bebaut noch ein Stuck Land. ** Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Gießen hält heute abend im Gasthaus Boller seine diesjährige Hauptversamm- lung ab. Der Besuch dieser wichtigen Beratung sei insbesondere unseren Geschäftsleuten nochmals dringend empfohlen. Die Tagesordnung ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich. *' Aerztehonorar und Wirtschaftslage. Die Hessische Aerz^ekammer hat zu der Frage der Aerztegebühren in der Privatpraxis Stellung genommen, nachdem vorher eine Besprechung des Kammervorstandes mit der Mini- sterialabteilung für öffentliche Gesundheitspflege stattgeftrnden hatte. In der Aussprache in der Kammersihung ergab sich, daß vielfach bereits in den Honorarsähen der Privatpraxis den Wirtschaftsverhältnissen Rechnung getragen wird und daß die von den Aerztevereinen ausgestellten Richtsätze es auch erlauben, jeder Wirtschaftslage Rechnung zu tragen. Die Kammer nahm einstimmig folgende Stellungnahme ein: „Die Hessische Aerztekammer verurteilt jede Ueberspan- nung des ärztlichen Honorars in der Privatpraxis. Sie ersucht die ärztlichen Kreisvereine, bei Festsetzung von Honorarrichtsätzen der heutigen wirtschaftlichen Ro:lage gerecht zu werden. M fei Ä i'V •&? W -V.2 f 4 I EINHEITS PACKUNG 503 GROSSPACKUNG MK1-50 (D^wjl'LIy in großen Spezlalwagen äußerst sorgfältigverpackt, auf dem schnellsten Wege In alle Telle des Reiches mit immer fabrikfrischen £ i9 ■£ K • A&c.- ” t*.. 3 IM MV KW WM Wieseck, den 23. April 1931. 2845 D 2862 D Volkstänze, Hans-Sachs-Spiele.) RudolfBl m Wir laden hierzu herzlich ein. Auch Nichtmit- nd Kler.pölen de, Wäsche Selfix. Rekel 15 PI. Ltcinltr. 63. Zum Bleichen u Der Vorstand. glieder haben Zutritt. Gese Ischaften I Vereine! WC D Et CD RUCKSACHEN W C »X D E» BrQhl'sche Druckerei Von der Reise zurückgekehrt SkllMSklWWI! 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Wegen Einführung einer neuen Marke verkaufe ich meine noch sehr erheblichen Restbestände Chasalla-Sdiuhe für Damen, Herren und Kinder mit 20°Io Nachlaß! Funker Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hlnscheiden unseres lieben Entschlafen Herrn August Weller sagen auf diesem Wege innigsten Dank Frau Marie Weller Wwe. und alle Angehörigen. Emmentaler Käse ohn- \inde, Öteilig . Schachtel 62 8 Marktplatz — Schulstralle C BramS, solides Mädchen mit nut. Seunn. für Nüche und Hous neL Nüber, in d. Geschst des Giefi. An», „.»v Dr. med. Mack Frauenarzt SommertproUen das garantiert wirksame Mittel ist u.bleibt FrndH's Schwanenweiß U'-Ä Sdiönheilswalier Aphrodite beseitigt Mitesser, Pickel, Hautröte und alle Hautunreinheiten. Mk. 1.76 und 3.50. Erhältlich: Drogerie Wtnterhoff, Gießen, Kreuzplatz 10. 2187A |Stellengesuclie| Waonir-Gesellß 25 F."ait, s. Stellung. Votm nach Uebercin- fünft. 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Denn 2lrbeit bringt Verdienst, — selbständigen Lebensunterhalt — Steuereinnahmen und nicht zuletzt Hebung der ganzen Wirtschaft. 2lrbeits- losigkeit dagegen bedeutet Lohnausfall, — Hinter- stühungspflicht des Staates und der Kommunen, — einerseits Steuerausfall, — anderseits ©teuer» auspressung der Wirtschaft —, Hintergrabung der Moral, — Wirtschaftskrise. Obwohl in letzter Zeit verschiedene Anregungen in bezug auf Milderung dec Arbeitslosigkeit ge» macht tourben, welche dahin gingen, ourch Rot» vpfer, Preis- und Lohnabbau, 2lusbau der Arbeitslosenversicherung und Arbeitszeitverkürzung für einen Teil der Arbeitslosen Arbeitsmöglich- f eiten zu schaffen, so haftet alten diesen, Vorschlägen etwas Hlnnatürliches und Künstliches an, sie werden nicht imstande sein, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Auch die Vorschläge des Reichsfinanzministers Dr. Dietrich für eine staatliche Lohnbeiyilse, wonach Die Hlnterftühungsgelder zum Teil derart Verwendung finden sollen, daß Urproduktion und verarbeitende Industrie durch zusätzliche Lohn- zufchüsse in Bewegung gebracht werden sollen, ist vielleicht theoretisch richtig, praktisch aber wohl kaum durchführbar. Dor allen Dingen muß in Zukunft weit mehr darauf gesehen werden, daß die zu ergreifenden Maßnahmen die Verwaltungskosten nicht noch vermehren, vielmehr muh das Problem auf natürlichem Wege, möglichst ohne staatliche Eingriffe, angepackt werden. Die Hebung und Ingangsetzung des Dauhandwerks als Schlüsselgewerbe für eine ganze Reihe von Handwerker- undIndustrie- unternehmungen muß die erste Bedingung zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit sein. Doch durch staatliche Subventionen und Dauzuschüsse allein und durch Ausführung von unproduktiven Staats- aind Kommunalbauten kann das Problem nie^ gelöst werden. Wir müssen vielmehr das Hebet an der Würzel anfassen und den Haus - und Grundbesitzer selb st zur Bautätigkeit bzw. zur Instandsetzung seines Grundbesitzes anregen. Wie soll dies möglich sein, wo der Hausbesitzer doch heute kaum in der Lage ist, die DZihsteuer aufzubringen, viel weniger auch noch Instand- sehungsarbeiten ausführen zu lassen? Diese Frage soll hier frei von allen parteipolitischen Erwägungen und nur vom gesamtwirtschaftlichen Standpunkt aus beantwortet werden. Durch Hlmstellung bzw. Erlaß der Sonder - oder Hauszins st euer in allen Fällen, wo der Hausbesitzer sich verpflichtet, einen Teil oder den vollen Iahressteuersoll zur Instandsetzung seinesBesihes, bzw. H m- vder Reubauten zu verwenden, wird dem Handwerk aller Schattierungen Gelegenheit gegeben werden, seither arbeitslose Kräfte einzu- stcllen. Dadurch wieder werden die Hntexstut» zunqskassen entlastet, das Lebensmittelgewerbe erhält einen größeren Hlmsatz, die verarbeitende Industrie erhöhten Absatz, die Steuereinnahmen des Staates und der Kommunen steigen und die ganze Wirtschaft wird neu belebt. Der Steuererlaß ist abhängig von einem am Schluß des betreffenden Jahres erbrachten Rachweis der Arbeitsausführung durch das zuständige Handwerk. Schwarzarbeiter dürfen nicht berücksichtigt werden. Durch die produktive Hlmstellung der Sonder- vder Hauszinssteuer würde auch der Staatshaushalt keine Einbuße erleiden, da dieser durch die Belebung der Wirtschaft erhöhte Einkommen- und Hl m sah st euer und anderseits Entlastung durch verminderte Arbeitslosenzuschüsse den Etat nicht nur ausgleichen, sondern noch Hleberschüsse erzielen würde. Ob durch Angleichung unserer Reichsmark an das Gebaren der Dank von Frankreich, d i e Gießener Gtavttheater. Schiller: „Die Jungfrau von Orleans". Dor viereinhalb Jahren haben wir die „Jungfrau" hier zuletzt gesehen. Dieses Stück ist eines der populärsten und verhältnismäßig bekanntesten Dramen Schillers; es wird auf den Schulen gelesen, es werden Aufsätze darüber geschrieben mit Musterbeispielen für das klassische Verhältnis von Schuld und Sühne; und es gehört noch immer — ja, vielleicht heute mehr als je zuvor — zum eisernen Bestände der deutschen Theaterspielpläne. * Es ist, unter so bewandten Umständen, sachlich über das Stück selbst kaum noch etwas vorzubrin- gen, was nicht schon oft und immer wiederholt dargelegt worden wäre. Wir brauchen also, um ein Uebriges zu tun, nur an etliche der interessantesten und wichtigsten Punkte zu erinnern. An die Sonderstellung zum Beispiel, welche die Tragödie in der Schillerschen Dramenreihe von den „Räubern" bis zum „Demetrius" einnimmt; an die bemerkenswerte Abgrenzung der „Jungfrau von Orleans" als eines geschichtlichen Schauspiels gegen den „Wallenstein" und die „Maria Stuart". („Das Mädchen von Orleans läßt sich in keinen so engen Schnürleib einzwängen als die Maria Stuart...") * Oder an die Bedeutung des charakterisierenden Beiwortes „romantisch" im Untertitel, worüber man lang und breit diskutiert hat, weil es zum hinreichend bekannten Verhältnis Schillers zur Romantik (und der -Romaytiker zu ihm) nicht zu passen schien, — bis man auf die einfache Lösung kam, daß der Begriff „romantisch", jenseits aller gewagten Spekulationen, nichts anderes bedeute als: un- hiftorisch. Eine Betrachtung, die wiederum zwanglos zu der naheliegenden Konfrontierung des Schauspiels mit seinen motivischen Vorläufern überleitet: dem „Heinrich VI." von Shakespeare und der „Pucelle" von Voltaire, ... wie auch zur Gegenüberstellung mit der berühmtesten Neufassung des Stoffes,' der „Heiligen Johanna" von Shaw. Dies ist für den modernen Beschauer, der beides kennt, noch lehrreicher und interessanter, zumal sich hier — nzie bei früherer Gelegenheit entwickelt wurde — eine ziemliche genaue Umkehrung der Betrachtungsweise und des Darstellungsstils ergibt. Währung nicht ausschließlich auf Goldbasis, sondern mehr auf Indexwährung umzustellen, nicht finanztechnische Vorteile zur Belebung der Wirtschaft erzielt würden, wäre durch Prüfung von Sachverständigen ' festzustellen. Jedenfalls steht fest, daß Frankreich dank der Finanztechnik seiner Rotenbank heute den st a - bilsten und billigsten Zinsfuß und eine ununterbrochen blühende Wirtschaft aufzuweisen hat. Ties war nur dadurch möglich, daß Frankreich nur scheinbar an der Goldwährung festhält, während es seine Papiergeldumlaufmittel von Jahr zu Jahr ohne irgendwelche im Dinnen- handel zutage tretende inflationistische Auswirkungen stets in dein Maße vermehrte, wie die allgemeine Warenproduktion im Vorjahr gestiegen war. Dadurch wurde eine anh altende Konjunktur und ein fester Warendu-rch- schni ttspreisstand erreicht. Durch den dadurch bedingten niedrigen Zinsfuß und scheinbar schlechte Rentabilität des Kapitals sucht letzteres Anlage in der Wirtschaft und befruchtet dieselbe günstig, was wir vom deutschen Kapital gerade nicht behaupten können. Ferner müßte durch die Einführung eines freiwilligen Dienstjahres ein Teil der Jugend zu nutzbringender Arbeit f) er ungezogen werden, damit dieselbe wieder an Beschäftigung und Ordnung gewöhnt und den parteipolitischen Auswüchsen entzogen wird. Grundbedingung aber für eine wirkliche Abstellung der jetzigen, die Moral untergrabenden Zustände ist, daß nicht nur teere Worte geredet oder große Derwaltungsapparate aufgezogen werden, sondern daß die verantwortlichen Stellen eventuell durch Rotverordnung recht bald den Mut aufbringen — ehe es zu spät ist — wirklich durchgreifende Maßnahmen, unabhängig von der zersetzenden Parteiwolitik in die Tat umzusehen zum Wohle unseres ganzen Volkes in allen seinen Schichten. ZehnZahre Kampf gegen Versailles £)er Arbeitsausschuß Deutscher Verbände. Am 30. April 1931 sieht der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände auf sein zehnjähriges Bestehen zurück. Er wurde aus der damals beginnenden Bewegung gegen die Schuldlüge und das Versailler Diktat heraus in Sem Bedürfnis nach einheitlicher Zusammenfassung der in den verschiedensten Kreisen und Orten des Reiches sich regenden Bewegung gegründet. Von Anfang an hat er das Ziel verfolgt und in einheitlicher Linie innegehalten, die deutsche Volksbewegung gegen die Kriegsschuldlüge und das Versailler Diktat in überparteiliche Bahnen zu lenken und durch eine zielbewußte Aufklärungsarbeit den Boden für die notwendige Revision des Versailler Diktates vorzubereiten. Der erste Präsident des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände war Freiherr v. Lersner. Seit 1925 ist Gouverneur z. D. Heinrich Schnee, M. d. R., Präsident. In den vergangenen zehn Jahren sind alle mit dem Versailler Diktat zusammenhängenden Probleme, in erster Linie die Frage der Schuld am Kriege und im Kriege sowie die koloniale Schuldlüge, die Reparationsfrage, die Grenz- und Minderheitenfrage, das besetzte Gebiet, die Kolonien, die 2Ibrüstung laufend behandelt worden. Hlm der deutschen Bevölkerung das nötige Aufklärungsmaterial zu liefern, hat der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände Flugblätter, zahlreiche kleinere Einzelschriften, zusammenfassende Werke größeren Hlmfangs („Zehn Jahre Versailles" usw.) herausgebracht, die zum größten Teil kostenlos abgegeben wurden. Teilweise sind die kleineren Schriften bis ^u einer Au f - läge von zwei Millionen Stück verbreitet und auch in Krankenhäusern, Wartezimmern der Aerzte und Rechtsanwälte usw. ausgelegt worden. Aus Anlaß der zehnten Wiederkehr des Tages der Hinterzeichnung des Versailler Diktates am 28. Juni 1929 wurde eine von dem Arbeiterdichter Karl B r ög er verfaßte Schrift „Versailles" in einer Million Exemplaren an über zwölf Jahre alte Schulkinder verteilt, in der eine leichtverständliche Wiedergabe der wesentlichen Bestimmungen des Versailler Diktates enthalten ist. Hlm für die Behandlung der Vorkriegsgeschichte im Schulunterricht eine sachlich einwandfreie Grundlage zu schaffen, hat der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände es ermöglicht, daß auf seine Anregung das von dem Gesandten Dr. Friedrich Stiebe nach einem von den Lehrerorganisationen gebilligten Plan verfaßte Werk „Deutschland und Europa 1 8 9 0—1 9 1 4“ jeder deutschen Schule für die Lehrerbibliothek, insgesamt rund 70 000 Exemplare, kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Das von Dr. Draeger herausgegebene Taschenbuch zur Kriegsschuldfrage,.Anklage und Widerlegung" hat weiteste Verbreitung gesunden. Zu führenden Persönlichkeiten des Auslandes konnten Beziehungen angeknüpft werden, die sich als nützlich für die Bewegung erwiesen haben. Wenn namentlich in Amerika ein Hlmschwung der öffentlichen Meinung festzustellen ist, so ist die Tätigkeit des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände hieran nicht unbeteiligt. Das auf diese Weise gewonnene und verarbeitete Material ist außer in gedruckter Form sodann noch in ausgiebigem Maße durch Veranstaltung von Vorträgen, Schulungskursen, durch Film und Lichtbild, Rundfunk und Tonfilm — zu ihrer Fertigung hat der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände durch Anregungen, sachliches Material und Geldmittel beigekragen — an weiteste Bevölkerungskreise herangetragen worden. Auch der Roman (Dr. Pietsch: „Das Reh Luzifers"), das Silbenrätsel, das Plakat, die Ausstellung (Ausstellung über die feindliche Kriegspropaganda in Stuttgart und München 1925, die Friedensvertragsausstellung, die Ausstellung „Die Weltbewegung gegen die Kriegsschuldlüge" auf der Presia in Köln) sind in den Dienst der Aufklärungstätigkeit über die Hingerechtigkeiten und wirtschaftlichen Hinmöglichkeiten des Versailler Diktates gestellt worden.. Zu dem Kreis der mit dem Arbeitsausschuß Deutscher Verbände zusammenarbeitenden Organisationen gehören heute etwa 1700 politische, wirtschaftliche und kulturelle Spihenverbände der verschiedenen Richtungen. Ein sich über das ganze Reichsgebiet erstreckendes Vertrauensleute netz trägt und stützt die Tätigkeit. Die Initiative der Vertrauensleute, die der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände in großem Umfange mit Material versieht und für die er Schulungskurse veranstaltet, hat dazu geführt, daß fast überall Beziehungen zu der Provinzpresse her- gestellt und an vielen Orten örtliche Arbeitsgemeinschaften usw. gegründet werden konnten. Die Führung einer solchen Bewegung, wie sie die deutsche Volksbewegung gegen Kriegsschuldlüge und Versailler Diktat darstellt, bedingt die Herausstellung klarer Ziele und die Aufzeigung praktischer Wege zur Erreichung dieser Ziele. In diesem Jahr wird in der Zeit vom 1. bis 3. Juni in Dresden auf dem Weißen Hirsch eine Reichstagung veranstaltet werden, die unter dem Gesamtthema „Die Revision des Versa i l le r D i k t a t e s" die rechtlichen und politischen Möglichkeiten und Voraussetzungen der Hleberwindung des Diktates behandeln wird. Daten für Freitag, 24 April. Sonnenaufgang 5.14 Uhr, Sonnenuntergang 19.33 Uhr. — Mondaufgang 9.01 Uhr, Monduntergang 1.59 Uhr. 1819: der Dichter Klaus Groth in Heide geboren; — 1844: der Rechtslehrer Karl von Gareis in Bamberg geboren. (Shaws Chronik ist historisch und unromantisch; Schillers Tragödie romantisch und unhistorisch. Beide Formulierungen sind natürlich mit dem bekannten Salzkorn zu verstehen.) * Im übrigen bietet die Aufnahme der neuinsze- nierten „Jungfrau" in den Winterspielplan dem Theaterbesucher willkommene Gelegenheit, — nach der Aufführung von „Kabale und Liebe" im Herbst — zwei grundsätzlich wesensverschiedene Dramen Schillers aus zeitlich und geistig sehr voneinander entfernt liegenden Arbeitsperioden auf sich wirken zu lassen. Daß auf die verhältnismäßig realistische Prosa des jugendlichen Sturm- und Drang-Dichters das musikalisch geformte Versmaß der klassischen Hochreife folgt, ist endlich auch um deswillen zu begrüßen, weil es die Möglichkeit gibt, den Stand der sprachlich-dialektischen Durchbildung eines Ensembles zu kontrollieren, die, zumal beim jungen Schau- spielernachwuchs, infolge der Bevorzugung von mehr oder minder modernen und jedenfalls verslofen Konversationsstücken im Durchschnittsspielplan nicht besonders gepflegt werden kann. * Intendant Dr. Prasch, der die Neuinszenierung des Werkes persönlich leitete, hat mit einigen Bemerkungen im Programmheft eine Generalidee und gewisse speziellere Richtlinien für seine Regieführung festgelegt. Der Leitgedanke ist auf eine Heraus- arbeitung des Wesenskerns, der geistigen Form in der Tragödie gerichtet, was praktisch einer Ablehnung des früher sehr geschätzten, pomphaft realistischen Hoftheaterstils gleichkommt, eines historisierenden Schau-Spiels, welches das Auge des Zuschauers über Gebühr in Anspruch nimmt und ihn vom Eigentlichen ablenkt. Der „Saltomortale in eine Opernwelt", den Schiller selbst vor der Entstehung des eigenen Werkes in der berühmt gewordenen „Egmont"-Rezension so entschieden getadelt und dann doch selber nicht völlig vermieden hat, muß also verschwinden, soweit man es, ohne dem Drama Gewalt anzutun, ermöglichen kann. * Die hiermit angedeutete Vereinfachung, Verinnerlichung und Stilisierung der Szene kommt dramaturgisch am einschneidensten dadurch zum Ausdruck, daß der Krönungszug (sonst ein Glanzstück effektvoller Prunkentfaltung) als visueller Vorgang ganz wegfällt und nur musikalisch angedeutet wird, — was im Sinne des oben besprochenen Regieprogramms vollkommen genügt. Ebenso begrüßenswert: daß die Massenkampfepisoden (die ohnehin auf der Bühne meist sehr unzulänglich herauskommen) hinter die Szene verlegt und alle rein repräsentativen Auftritte tunlichst vereinfacht worden sind. Cs darf festgestellt und dieser Inszenierung nachgerühmt werden, daß sie unter Verzicht auf alles überflüssige, nur ornamentale Rebenwerk, mit aller zulässigen Kürzung des Textes, unter äußerster Beschränkung des szenischen wie des personellen Aufwandes ganz auf die Heraus- arbeitung der zugrundeliegenden tragischen Idee und allenthalben auf die Innehaltung großer, strenger, stilisierender Linien bedacht war: eine würdige Aufführung also, obwohl mit anderen Mitteln wirkend als jenen, womit man früher der Dichtung gerecht zu werden und vor allem dem Publikum zu dienen glaubte. Die Einwendungen, die wir vorzubringen haben, beziehen sich zunächst auf gewisse Einzelheiten der Darstellung, die wir später besprechen werden. Rein regiemäßig werden sich etsiche Hinebenheiten textlicher und szenischer Art, die bei der Premiere zu bemerken waren, in späteren Aufführungen gewiß ausgleichen. Begrüßenswert wäre es, wenn die Verwandlungen der beiden letzten QTfte etwas schneller und geräuschloser geschehen könnten. Im vierten Akt gab es verschiedentlich störende Schwankungen in der Beleuchtung, die wohl ebenfalls unschwer zu beseitigen sind. • Die Dekorationen, vom Bühnenbildner Löffler entworfen, entsprachen jn ihrer Einfachheit, Großzügigkeit und farblichen Abstimmung durchaus den Intentionen der Regie; insbesondere gab das ganz monumental gefaßte letzte Bild der Aufführung einen stimmungsvollen und feierlichen Abschluß. Die Bühnenmusik, nach Kompositionen des Meininger Theaterherzogs zusammengestellt, von Kapellmeister C u j e dirigiert, schuf eine wirksame Begleitung und Akzentuierung des Textes. • Als Ieanne d'Arc sah man Beatrice Doering. Rach der Luise Millerin die zweite ganz große Ausgabe, die — schon rein physisch — noch Protest des hessischen Einzelhandels. In der gestrigen Vorstands- und Ausschußsitzung des Landesverbandes des hessischen Einzelhandels wurde, wie man uns berichtet, die nachstehende Entschließung einstimmig angenommen: „Die Reichsregierung hat durch die Reichsnotver- Ordnung vom 1. Dezember v. I. Richtlinien über eine Senkung der Grundsteuer um 10 v. H. und der G e w e r b e st e u e r um 20 v. H. aufgestellt. Leider muß festgestcllt werden, daß bie|e Absicht der steuerlichen Entlastung der Wirtschaft in Hessen, insbesondere auch des Einzelhandels, durch eine E r - Höhung der staatlichen Grundsteuer um 200 v. H. und durch eine unerhörte Erhöhung der Sondergebäudesteuer, die hauptsächlich die Geschäftsgrundstücke trifft, aufs schwerste beeinträchtigt wird. Während die Regierung ständig vom Einzelhandel einen weiteren Preisabbau fordert, hat sie gleichzeitig die steuerlichen Lasten des Einzelhandels aufs neue erhöht. Der hessische Einzelhandel legt gegen diesen wiederum verstärkten Steuerdruck schärfste Verwahrung ein und fordert von der hessischen Regierung die Wiederaufhebung dieser gesetzlichen Maßnahmen und weitgehende Milderung der steuerlichen Härten." Der Einspruch gegen die Bürgermeisterwahl in Holzheim. Der Kreisausfchuh Gießen beschäftigte sich — wie gestern schon kurz gemeldet — in feiner Sitzung vom Dienstag unter dem Vorsitz von Oberregierungsrat Ritzel mit dem Einspruch des Kreisdirektors gegen die Bürgermei st erwähl in Holzheim. Zu dieser Sitzung, der man in Holzheim mit großem Interesse entgegensah, waren über 40 Zeugen geladen. Der Zuschauerraum des Sitzungssaales war — eine seltene Erscheinung — bis auf den letzten Platz beseht. Dcr Einspruch gegen die Wahl war ursprünglich von einem Kandidaten für diese Dürgermeisterwahl erhoben, indessen wieder zurückgezogen worden, da es der Kreisdirektor für notwendig erachtete, seinerseits einzuschreiten und den Tatbestand im Verwaltungsstreitverfahren zu klären. Die Verhandlung nahm acht Stunden in Anspruch. Die Beweisaufnahme erforderte den größten Zeitraum, denn die Aussagen der Zeugen waren zum Teil sehr unbestimmt und widersprachen sich häufig. Dem Einspruch lag folgender Tatbestand zugrunde: 2n der Zeit vor der Wahl soll bei den verschiedensten Gelegenheiten durch Verabreichung von Speisen und Getränken bei der Zusammenkunft von Gemeindemitgliedern Stimmung gemacht worden sein, für den Kandidaten B., der mit einer Mehrheit von über 100 Stimmen gewählt wurde. Dieses Ergebnis soll zum Teil dadurch erreicht worden sein, daß neben dem Sohne des Bürgermeisters auch einige andere Mitbürger für die Wahl des Kandidaten in der Form zu agitieren versuchten, daß sie anderen Gemeindemitgliedern bei festlichen Gelegenheiten, wie Rachkirmes, Geburtstagsfeiern (deren zeitliche Richtigkeit nicht immer zu beweisen gewesen wäre), Bier und Wein stifteten. In der Hauptsache sollen jene Gemeindemitglieder mehr oder weniger auffällig bearbeitet worden sein, die nicht als „treu", als „gut“ oder als „fest" für B. bezeichnet werden konnten. Aber auch anderen, deren man einigermaßen, wenn auch nicht bestimmt, sicher war, verschaffte man die Vorteile. Diese Trinkgelage, Skatabende, Geburtstagsfeiern usw., die natürlich nicht offiziell aufgezogen waren, sondern zu denen nur der eine oder andere eingeladen wurde, fanden nicht immer in den Gasthäusern des Ortes statt, sondern auch in den Privatwohnungen. Heber diese Zusammenkünfte und kleinen Trinkgelage, als deren Zweck vermutet wurde, daß sie zur Beeinflussung der einzelnen veranstaltet und finanziert wurden, mußten die vielen Zeugen vernommen werden. Die Zeugen, auf deren Aussagen im einzelnen hier einzugehen nicht möglich ist, widersprachen härtere Anforderungen an sie stellte. Sie ist, alles in alllem, auf eine sehr anerkennenswerte Weise mit der Riesenrolle fertig geworden. Was sie für die Jungfrau von Ratur aus mitbringt, ist ihre frische Jugendlichkeit, Schwung, Temperament, Begeisterung. Damit ist bei Schille» viel gewonnen; nicht alles. Was ihr vorläufig noch fehlt, ist die Durchformung des visionären Zuges, die prophetische Gläubigkeit, der nacht- wandleri'che Antrieb vom Hebersinnlichen her. (Aber wir geben gern zu, daß man eine Vereinigung der amazonenhaften und der seher- haften Wesenshälften in dieser Gestalt in darstellerischer Vollendung nicht allzuhäufig auf dem Theater antrifft.) Die dialektische Lösung der Aufgabe war gut (bis auf einige Partien in der Mitte, wo sie den Text zwar noch fließend beherrscht, aber nicht lebendig gestaltet.) Hebrigens wurde ihre Leistung gegen Ende — der Höhepunkt lag im vierten Akt — immer besser. Sie darf zufrieden fein, und wir mit ihr. Vom Ensemble die geschlossenste Darstellung: Bäuerle, der männlich und wuchtig, dabei mit gemessener sprachlicher Gliederung, den Talbot spielte. Den Dunois gab Hauer mit sicherem Griff als hitzigen, polternden Feldhauptmann; doch wäre gelegentlich eine stimmliche Mäßigung nicht unangebracht gewesen. Für die schwankende und dekadente Erscheinung des Königs war We- sener an sich sehr wohl der richtige Mann, doch beeinträchtigte er seine Leistung empfindlich durch eine schleppende und den Vers zerhackende Sprechweise. e Schelcher wirkte als Lionel reichlich jugendlich, sprach auch anfangs zu schnell; sonst war die Parsie nicht uneben gespielt. — Die wenigen Worte der Sore! hatte, eine zugleich elegante und anmutige Erscheinung, Hilde Schwend; die Königin, sehr kriegerisch: Maria Koch. Wir nennen noch: Hub (mit zwei Chargen); gaff ott (Burgund); Linkmann und Zingel (Du Chatel; La Hire); Dolck (Tchibaut); Druck (Fastolf). e Das Haus war gut beseht; der Beifall groß und verdient. Mit der Hauptdarstellerin erschien zuletzt der Intendant. hth. sich oft. Andere wieder gaben ihrer Meinung klar darüber Ausdruck, daß sie das Empfinden gehabt hätten, sie sollten für einen bestimmten Kandidaten, nämlich B., gewonnen werden, eben durch Spenden von Freibier und freiem Wein, die durch einen der Anwesenden geschlossen befahlt, oder auf dessen Rechnung angekreidet wurden. Die Zeugen, die an diesen kleinen Gelagen beteiligt waren, äußerten sich in vielen Fällen sehr vorsichtig, oder entsannen sich der immerhin schon sechs Monate zurückliegenden Einzelheiten nicht mehr, so daß der Tatbestand nicht in allen Fällen klar zutage trat. Rach der Beweisaufnahme sprach zunächst Rechtsanwalt Dr. Schneider (Gießen) der Rechtsvertreter des gewählten Bürgermeisters, zu dessen Gunsten die Deeinflussungsversuche gemacht worden sein sollten. Er wies darauf hin, daß sein Mandant von all diesen Vorgängen nichts gewußt noch sie angeregt oder finanziert habe. Vielmehr sei alles gegen seinen Willen geschehen und man habe ihm, wie auch der Gemeinde einen sehr schlechten Dienst erwiesen. 3m übrigen, so führte er u. a. auS, sei das Ergebnis der Wahl durch jene Versuche, soferne sie wirklich unternommen wurden, nicht beeinflußt worden, da sein Mandant mit einem großen Unterschied von Stimmen gegenüber den anderen Kandidaten aus der Wahl als Bürgermeister hervorgegangen sei. Vieles sei aufgebauscht worden, und auf der Seite der anderen Kandidaten seien ähnliche Dinge vorgekommen. 3m übrigen habe man vieles herangezogen, was mit der Dürgermei st erwähl gar nicht in Verbindung zu bringen sei. Der Rechtsvertreter des gewählten Bürgermeisters ging schließlich auf die einzelnen Fälle ein und schloß mit der Forderung der Aufrechterhaltung der Gültigkeit der Dürgermei st erwähl. Rach ihm sprach Rechtsanwalt Dr. Aaron (Gießen) als Rechtsvertreter des zugelassenen dritten Kandidaten G. Er führte u. a. aus, daß das Gesetz ein Versprechen von Vorteilen verhindern wolle, um die Kandidaten vor oft großen wirtschaftlichen Verlusten zu bewahren. Das Wahlergebnis sei durch Spenden beeinflußt worden, und das Forme nicht als fair kx^eichnet werden. Der Redner ging schließlich ebenfalls kurz auf die einzelnen Fälle ein, in denen er eine Beeinflussung als erwiesen bezeichnete. Zum Schluß rege er die Ungültigkeitserklärung a.L Der K reisausschuß zog sich darauf zur Beratung zurück und verkündete nach einer Stunde folgendes Urteil: die Bürgermeisterwahl von Holzheim wird für ungültig erklärt, die Kosten des Verfahrens fallen zum Teil der Gemeinde, zum anderen dem gewählten Bürgermeister zur Last. Der Streitwert wurde auf 5000 Mark festgesetzt. Schwurgericht Gießen. * Gießen, 22. April. Unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Cramer wurde heute vom Oberhessischen Schwurgericht gegen 7 Personen aus Gießen und Umgegend wegen Abtreibung und Beihilfe hierzu verhandelt. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Fischer: die Verteidigung führten die Rechtsanwälte Peters, Kochs, Luley, Dr. Schneider, Dr. M e u s e r und Dr. Kotz. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit statt. Rach etwa Zstündiger Beratung wurde gegen 22.30 Uhr das Urteil verkündet. Der Hauptangeklagte erhielt wegen gewerbsmäßiger Abtreibung 2 Jahre Zuchthaus abzüglich 5 Monate Untersuchungshaft, und 5 Jahre Ehrverlust. Seine Frau wurde wegen versuchter gewerbsmäßiger Abtreibung unter Zubilligung mildernder Umstände zü 8 Monaten Gefängnis abzüglich 5 Mo- .nate Untersuchungshaft verurteilt. Gegen einen anderen Angeklagten wurde wegen Beihilfe zur Abtreibung auf 4 Wochen Gefängnis und gegen eine weitere Angeklagte wegen desselben Delikts auf 50 Mark Geldstrafe, anstelle von zwei Wochen Gefängnis erkannt. In diesen Fällen lagen ganz besondere Milderungsgründe vor. Drei Angeklagte wurden mangels ausreichenden Beweises freigesprochen. Aus Dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 29 vom 21. April enthält: Gemeindefinanzstatistik. — Oeffentliche Mittel zur Förderung der Wohnungsbautätigkeit im 3ahre 1931. — Aenderung des Ausmahlungssahes für Roggenmehl. — Fleischbeschau und Trichinenschau. — Gebührenordnung für die Benutzung der städtischen Kanäle in Gießen. — Der Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen. — Dienstnachrichten. Wirtschaft. Oie Arbeiismarlilage im Reich. Berlin, 22. April. (WTD.) Rach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 1. bis 15. April ist die Entwicklung der Arbeitslosenversicherung in der ersten Aprilhälfte durch einen Rückgang der Zahl der Hauptunterstühungs- empfänger um runl> 212000 und die Entwicklung der Krisenfürforge durch einen Rückgang um rund 34000 Personen gekennzeiHnet, wodurch die Entlastung einen größeren Umfang angenommen hat, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl der HauptunterstützungS- empfänger in der Arbeitslosenversicherung beträgt demnach nach den vorläufigen Meldungen der Arbeitsämter Mitte April rund 2 105 000 und in der Krisenfürsorge rund 890 000. Richt im gleichen Umfang wie die Entlastung der Versicherung und der Krisenfürsorge hat sich die Entspannung des Arbeitsmarktes fest- stellen lassen. Rach der Zählung der Arbeitsämter ist die Zahl der Arbeitslosen innerhalb der ersten Aprilhälfte um etwa 120000 zurück- gegangen. Da die Bewegung in der Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen der Gemeinden für den neuesten Berichtszeitraum (Mitte April) in Zu- und Abgang nicht bekannt ist, so muh von der Zahl von rund 4 6 2 8 0 0 0 Arbeitslosen im Zeitpunkt von Mitte April ausgegangen werden. Tiur langsamer Rückgang der Arbeitslosigkeit. Ueber die Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Rassau berichtet das Landesarbeitsamt Hessen in Frankfurt a. OH.' Die Zahl der Arbeitsuchenden fiel in der ersten Aprilhälfe um 12 487 gleich 4,3 Prozent auf 280 071, vom 15. bis 31. März war sie um 16 217 gleich 5,2 Prozent gesunken: in den gleichen Zeitabschnitten des Vorjahres dagegen um 20 293 gleich 9 Prozent und 14 997 gleich 7,3 Prozent. Die Arbeitslosigkeit geht also merklich langsamer zurück, als im Vorjahre. Dis jetzt wurden fast nur die Saisonberufe entlastet, nämlich um 10 040, und zwar nahmen die Arbeitsuchenden in der Landwirtschaft um 1079, in der 3ndustrie der Steine und Erden um 2278, im Baugewerbe um 4698 und in der Lohnarbeit wechselnder Art um 1985 ab. Hierzu kommt vornehmlich der Rückgang in der Tabakindustrie (937), in der Holzbearbeitung (830) und im Bekleidungsgewerbe (Schneiderei und Putzmacherei 872). Die übrigen Konjunkturberu^e folgen nur äußerst zögernd. 3n den meisten Derussgruppen mögen dabei allerdings die zahlreichen Entlassungen von Lehrlingen mitgewirkt haben, die Ende März ihre Lehrzeit beendet hatten. Zu einem Teil beruht darauf wohl auch die große Zunahme der arbeitslosen Angestellten um rund 1600. Die Hauptunterstühungs- emp'anger gingen durch Arbeitsaufnahme und Aussteuerung um insgesamt 19 388 auf 164136 zurück, davon erhielten 116 163 Arbeitslosen- und 47 673 Krisenunterstühung. 3n der letzten Märzwoche wurden 6238 Kurzarbeiter unterstützt, gegen 7671 zu Ende Februar. * Der Akti enindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindef (1924/26 = 100) stellt sich für die Woche vom 13. bis 18. April auf 93,2 gegenüber 94,7 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 89,2 (91,6), Gruppe verarbeitende 3ndustrie auf 82,7 (84,0) und Gruppe Handel und Verkehr auf 114,9 (116,1). * GroßkraftwerkFrankenAG., Nürnberg. Infolge des günstigen Arbeitens der Wasserwerke und der hierdurch möglichen größeren Ersparnisse des Dampfkraftwerkes ist der Aufsichtsrat des Großkraftwerks AG. in der Lage, wiederum, wie im Vorjahre, eine Dividende von 9 o. H. in Vor schlag zu bringen. * Harpener Bergbau-AG. Der Auf- fichtsrat der Harpener Dergbau-AG., Dortmund, beschloß, der auf den 30. Mai einzuberufenden Generalversammlung rorzuschlagen, von dem Aeberschuh des Geschäftsiahres 1930 in Höhe von 7 342 769 Mart 7 159 479 Mark zu Abschreibungen zu verwenden und den Rest von 183 290 Mark vorzutragen (im Vorjahre 6 Prozent Dividende). * Kunstseide-Verhandlungen. Wie WTD. -H andelsdi en st von gut unterrichteter Seite hört, haben hx ‘Berlin Verhandlungen zwischen deutschen und ausländischen Kunstseide- produzenlen zwecks Schaffung eines gemeinsamen Verkaussburcaus für Deutschland begonnen. Dei der Schwierigkeit der zur Diskussion stehenden Fragen ist alxzunehmen, daß die Verhandlungen noch längere Zeit in Anspruch nehmen werden, ehe die einzelnen Kommissionen, denen die 'Bearbeitung der verschiedenen Probleme zufallen würde, den beteiligten Firmen endgültige Vorschläge unterbreiten können. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 23. April. Tendenz: widerstandsfähig. — Im heutigen Vormittagsverkehr machte sich im Zusammenhang mit der erneut flauen Neuyorker Börse eine stärkere Unsicherheit und Zu rückhaltung bemerkbar. Zum offiziellen Beginn des Verkehrs ergaben sich auf kleine Abgaben der Spekulation wieder einige' Abschwä- chunaen. Das Geschäft bewegte sich nur innerhalb der Kulisse. Das Publikum hat anscheinend keine Verkäufe Dorgenommen, denn das Angebot hielt sich in sehr engen Grenzen, und das wenig herauskommende Material fand glatt Aufnahme. Die Börse zeigte starke Widerstandskraft, zumal die Meldung über eine evtl. Senkung der Neuyorker Diskontrate auch die Ermäßigung des Reichsbankdiskonts wieder wahrscheinlicher werden läßt. Die Umsatztätigkeit war zu den ersten Kursen sehr gering, so daß nur wenig Papiere zur amtlichen Notiz gelangten. Niedriger eröffneten JG.-Farben, Salzdetfurth Deutsche Linoleum und Bankaktien, doch gingen die Abschwächungen nicht über 1 v. H. hinaus. Schon anfangs fester lagen Aku mit plus 1 v. H., Wayß & Freytag mit plus 2 v. H. An den übrigen Marktgebieten herrschte Geschäftslosigkeit. Anleihen ruhig. Nach den ersten Kursen setzte sich eine Befestigung durch, die vom Elektromarkt ausging, an dem besonders Schuckert und Siemens stark gesucht waren. Anregend wirkte, daß die Siemens AG. größere Fernsprechaufträge nach dem Saargebiete, trotz stärkster französischer Konkurrenz, erhalten hat. Die Spekulation schritt zu Deckungen, so daß gegen den Anfang Besserungen bis 1,5 v. H. eintraten. Schuckert gewannen 3,5 Siemens 2,5 v. H. Auch im weiteren Verlaufe schritt die Spekulation, die anfangs auf die schwachen Auslandmeldungen kleine Leerabgaben vorgenommen hatte, zu weiteren Deckungen, so daß bei zunehmender Geschäftstätigkeit erneut Besserungen zu verzeichnen waren. Am Pfandbriefmarkt war das Geschäft sehr ruhig, und die Kurse kaum verändert. Reichsschuldbuchforderungen behauptet. Am Geldmarkt blieb Tagesgeld mit 3,5 o. H. unverändert. Am Devisenmarkt lag der Dollar gegen London mit 4,8610 auf die Ermäßigung der Neuyorker Banksätze fest. Sonst nannte man Mark gegen Dollar 4,1985, gegen Pfund 20,4050, London gegen Neuyork 4,8610, gegen Mailand 92,80, gegen Madrid 49, gegen die Schweiz 25,23, gegen Holland 12,1013. Berliner Börse. 23 c r I i n 23. April. Nachdem die gestrige Frankfurter Abendbörse weitere kleine Kursrückgänge gebracht hatte, nahm die Spekulation heute vormittag zunächst abwartende Hallung ein, da dem wieder sehr schwachen Schluß in Neuyork keine Besserung des 'Arbeitsmarktes gegenüberstand. Auch machte die Befestigung der Reichsbank einen guten Eindruck, und die alten Diskonthoffnungen tauchten im Zusammenhang mit den Erwartungen für die Neuyorker Diskontraten wieder auf. Zu den ersten Kursen war das Geschäft sehr ruhig, Eingang und Nachfrage waren ziemlich ausgeglichen. Während die Kundschaft eher realisierte, nahm die Kulisse zum Ultimo einige Deckungen vor. Stimmungsmäßig war die Börse gut behauptet, während Kursverluste bis 15 o. H. im Durchschnitt und ganz vereinzelt bis 4,5 v. H. eintraten. Einige Montanwerte, Kaliaktien, Konti- Gummi, Chade, Maschinen Buckau lagen etwas stärker abgeschwächt, während Hackethal, Holzmann und Hirsch Kupfer kleine Erhöhungen aufwiesen. An- leihen bröckelten bis 0,13 o. H. ab. Ausländer geschäftslos und wenig verändert. Pfandbriefe weiter still. Reichsschuldbuchforderungen in späteren Fälligkeiten bis 0,5 v. H. niedriger. Am Geldmarkt trat eine Veränderung der Sätze nicht ein. Auch im Verlaufe war das Geschäft ruhig, die Kurse konnten sich aber auf Deckungen der Spekulation bis 1 v. H. erholen. Svenskaaktien konnten im Zusammenhang mit dem zur Veröffentlichung gekommenen, günstig beurteilten Jahresabschluß bei Materialmangel 8,5 v H. gewinnen. Später beteiligte sich die Auslandarbitrage etwas mehr am Geschäft, zumal auch die Auslandbörsen im Verlaufe eine Befestigung erfuhren, und die Erholungen bei einzelnen Papieren bis 3 v. H. betrugen. Gegen 12.45 Uhr entwickelte sich in Schuckert auf Dividendenhoffnungen größeres Geschäft, und der Kurs zog um 4,25 v. H. an. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 23. April. Auftrieb 60 Rin- der, 1100 Kälber, 166 Schafe, 1477 Schweine (93 Litauer). Es wurden notiert: Kälber: beste Maft- und Saugkälber 62 bis 65 Mark, mittlere Mast- und Saugkälber 56 bis 61 Mark, geringe Kälber 45 bis 55 Mark: Schafe: Mastlämmer und jüngere Mast- Hümmel (Weidemast) 43 bis 46 Mark, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 34 bis 42 Mark. — Marktverlauf: Kälber, Schafe und Schweine ruhig, ausoerkauft. R'unft unD Wissenschaft. Ausstellung prähistorischer Höhlenkunst in Frankfurt. Sn Frankfurt a. M. fand dieser Tag? im Hause der Moden die Eröffnung der R u s st e l l u n g ..M a i> f i m u 5>f a n g a t q“ (Dilderga'eri: Prähistorischer Höhlenkunst und Afrikanischer Kultur) statt, bei der die Ergebnisse der großen For- schungsexpedi klonen von Leo Frobenius und das Material des Frankfurter städtischen Afrtta- Archivs gezeigt werden. Die Ausstellung wurde eröffnet mit einer Ansprache von Stadtrat Dr. Michel, der auf die Bedeutung—des Werkes von Leo Frobenius hinwies und einer" Festrede des Geheimrats Leo Frobenius selbst über den Sinn und die Bedeutung feines Werkes. Sricffaften der Keöaffion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) W. H.» Leihgestern. Wir können Ihyen nur raten, eine vergleichsweise Erledigung der Angelegenheiten mit Ihrem Gegner anzustreben. Vorentscheidungen in einer gleich gelagerten Sache sind uns nicht bekannt. Da jedoch schon eine Anlage der geschilderten Art vorhanden war, so besteht die Möglichkeit, daß im Falle eines. Rechtsstreites, der mit hohen Kosten verbunden ist, auch eine Ihnen ungünstige Entscheidung getroffen wird. Vielleicht erreichen Sie doch einen Kostenbeitragsnachlah, weil doch zum mindesten teilweise eine Reuanlage geschaffen wurde. 909. Eine Polizeivorschrift, wonach Musizieren und die Jnbetriebhaltung des Radios von einer bestimmten Stunde an verboten sind, besteht hier nicht. Wird durch das Radio oder das Musizieren innerhalb eines Hauses Ruhe und Schlaf der Hausbewohner oder nur einer Mietpartei zur Nachtzeit gestört — als Beginn dieser darf 22 Uhr angesehen werden —, so ist der Hausbesitzer auf Ansuchen eines belästigten. Mieters unbedingt verpflichtet, von dem Störer die Unterlassung zu verlangen und erforderlichenfalls im Wege der Klage zu erzwingen. Gewinnauszug 1. Klaffe 37. ‘Preußisch-Süddeutsche (263. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den deiben Abteilungen I und II 2. Ziehungstag 21. April 1931 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 300 M. gezogen -6 ©«»Inn« ju 5000 ®L 2367 119976 313377 4 Gewinn« ju 3000 M. 104988 237383 - 8 Gewinn« ju 2000 W. 106291 197948 346069 394527 20 Gewinne «u 1000 M. 43682 115785 123896 173774 176249 227259 243631 248294 300259 303278 40 Oetotnne »u 800 QU. 2086 44666 78568 93018 96628 119704 129758 198403 222682 255951 306362 328051 336139 338190 346914 352471 357891 359861 369224 337897 50 Gewinn« ju 500 W. 155 519 31695 42354 60034 71888 83441 121709 122921 129205 139958 153525 164151 204653 213732 245739 285278 294638 296641 317899 318458 318482 354890 368154 379540 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 300 M. gezogen 2 Gewinne ju 50000 M. 23490 4 Gewinne zu 10000 QU. 67281 309234 2 Gewinn« ju 5000 M. 276021 4 Gewinn« ju 3000 M. 110745 399220 8 Gewinn« ju 2000 M. 140105 274287 337135 347984 30 Gewinne ju 1000 M. 16291 18848 27717 46321 160779 213117 226061 239379 247379 275782 343101 359057 365562 380759 390909 32 Gewinne ju 800 M. 1931 21662 31664 110480 117436 156287 163063 208620 234039 238376 256631 305235 319451 333060 364477 383054 58 Gewinn« ju 500 W. 19894 22843 28531 62154 77847 118830 126502 149425 159071 170787 172350 180194 187859 202767 216575 219961 225427 251587 256111 275035 277966 295106 309040 320842 322573 337933 340609 383160 399320 Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H., Lombardzinsfuß 6 o. H. Jrantfun a. Dl. ____________________________________________________________________1 ; trän nun a. 1 Berlin Schluß- fur< 1 1-Ubr- R"ti Schluß^ tu rd | Anfang, flure Schluß-s 1-Uhr- | Kurs | Schluß-1 Anfang- flurd Datum 22.4. 23.4. 22.4. 23.4. Datum 22.4. 23.4. 224 23 4. 6% Deutsche Reichlanlethe von 1927 ......... 7% Deutsche Reich «anleihe 84,75 — 84,75 — Hamburg-Amerika Datei ... 7 Hamburg-SÜbamDampsschsts. 8 Hama Dampfschiff .... 10 63,75 1 1 1 64 114,25 86 63,5 113,5 85,75 Deutsche ein1.-en>l5f.-$291 1979« 346069 116785 1 23896173774 18294 300259 305278 i 44686 78568 93018 38403 222682 255951 88190 346914 352471 19 31695 42354 60034 '921 129205 139958 3732 245739 285278 $458 318482 354890 jung wurden Gewinne MUI >90 181 309234 >21 E 274287 3711» UkS'S Z-Zs WZ K S mi°° ) 2 6 S 5 Tl39 58,34 112,39 20,425 16,43 168,79 22,12 112, 59,87 i.va 111'8 ft, 41,83 12,45 73,25 m. "TÜ9 58,10 111,95 20-345 16,37 168,11 22,04 111,95 58,» 2,482 112,08 80,61 41,47 12,39 72-95 I , Jrflfjli- -723V1 Ä & 11-ä 112-5* 10.576 22,00 20,428 Ä 2,077 0,302 59,1® n Ä llj siL 1,79; ‘I ’S $| iS 21,97 2,38« 4,1950. 16,*O 80,815 4k« 2,073 0,300 58,9« Ä '•'M ?',7«< ,43 4,19« 2,757 amtndrt Seid 1 Aus der Pwvinzialbaupistadt Gießen, den 23. April 1931. Zwei Fünfziger-Feiern 1830/1930. Man berichtet uns: Da der April mit seiner ungünstigen Wettergestaltung den Damen der Gießener Fünfzigervereinigung 1 8 8 0/1 930 den geplanten Ausslug in die Umgebung der Stadt vereitelte, fanden sie sich im „Schühenhaus" zu einem Kaffeekränzchen ein. Etwa 80 Kränzchen- schwestern wurden unter der Leitung von Frau S) Marx und unter Mithilfe von Frau H. Schmitz sowie einiger anderer Damen mit Ka§fee und Kuchen bewirtet. Ein unter der Leitung von Kapellmeister Krengel zusammengestelltes lleines Orchester gab ein ausgewähltes Konzert, das Frl. Charlotte Keller mit gesanglichen Darbietungen bereicherte. In den Pausen entwickelte sich eine angeregte Llnterhaltung. Als am Abend die Männer der Teilnehmerinnen erschienen, um die Damen abzuholen, wurden sie allenthalben freundlich begrüßt. 3m Laufe des Nachmittags hatte der Vergnügungsle^ter, Herr Hans Schmitz, die Teilnehmerinnen mit einer Ansprache begrüßt; am Abend sprach Frau Euler den Männern Dank für das Kränzchen aus. Zuletzt gedachte noch der erste Vorsitzende. Glasermeister Heinrich Marx, der Lebensgelähr- tinnen der Fünfziger mit herzlichen Worten. ' 1831 1931. Die Mitglieder der Altersvereinigung 1 8 8 1/1 9 3 1 vereinigten sich dieser Tage zu einem Vierteljahrsessen, welches die Geburtstagskinder des ersten Vierteljahr; stifteten. Das Essen war im Restaurant Hindenburg vorzüglich vorbereitet. Freunde der Fünfziger stellten in liebenswürdiger Weise eine fleißige, flotte Kapelle. Die Tafel glich einem Blumengarten. Durch einen Vor- sprach, gesprochen von Alterskamerad Kronenberg, wurde die Feier eröffnet. Der Vorsitzende Valzer begrüßte bann die Teilnehmer. Herr L. Frech, der den Fünfziger-Vereinigungen schon viele schöne Lieder gewidmet hat, in denen er den Weg wies, wie man auch in älteren Jahren im Herzen jung bleiben kann, fand ebenfalls herzliche Worte. Als Gast bereitete Herr Kurt Richter dura) gesangliche Darbietungen und humorvolle Erzählungen den Zuhörern viel Freude. Der Abend verging in vollster Harmonie. Am Sonntag fand bei reger Beteiligung ein Familienausflug nach der Weilersburg statt, der ebenfalls zu einem schönen Erlebnis wurde. * ** V. H. C. G i e ß en. 3m Hörsaal des Forstinstituts hielt am Freitagabend Dr. Karl Rudolf Fischer vor den Mitgliedern des V. H. C. Sieben einen anziehenden Vortrag über Geschichte und Schicksal der Lüneburger Heide und des niedersächsischen Bauerntums. Der Redner, der als Ornithologe in weiten Kreisen bekannt ist, schilderte in packender Weise die Entstehung der Landschaft in prähistorischer Zeit und ihre mannigfache Wandlung bis in die Gegenwart. Mit begeisterten Worten erzählte er von der Schönheit der Heide, die so lange verkannt war, und drückte sein Bedauern darüber aus, daß die intimen Reize der Gegend durch die fortschreitende Kultur in absehbarer Zeit verschwunden sein werden. Glücklicherweise hat sich bei Zeiten der Verein Naturschutzpark, zu dessen älnterftüljung Dr. Fischer eindringlich aufforderte, der Sache z angenommen und einen großen Komplex um den Wilseder Berg angekauft, um ihn als Naturpark au erhalten. Doch auch von den Heidjern, den Bewohnern der dorttgen Gegend, konnte man hören, von ihren Behausungen, von ihrem zähen Festhalten am Althergebrachten, von den gewaltigen Kämpfen gegen Karl den Großen um ihre Freiheit, aber auch von ihrem späteren Unterliegen gegen die älebermacht des Feindes, wobei Tausende der besten Männer ihr Leben lassen mußten. Hermann Löns, wohl der bedeutendste Heidedichter, hat das Ende dieses Verzweiflungskampfes in der, gleichfalls vom Redner vorgetragenen, Erzählung: „Die rote Beeke" vortrefflich geschildert. Wirksam unterstützt wurde der Vortrag durch eine Lichtbilderserie, die eine Reihe prächtiger Naturaufnahmen aus der Cüne- burger Heide aufwies. Die zahlreiche Zuhörerschaft geizte nicht mit ihrem Beifall und ließ dem Redner durch den Mund des Vorsitzenden ihren wohlverdienten Dank abstatten. ** Bildungsverband der Deutschen Duchdr ucker. Die Ortsgruppe Gießen des DdDB. hatte am Dienstag zu einem Vortragsabend im Krausmüllersaal des Ortsgewerbevereins eingeladen, zu dem nicht nur die Mitglieder sehr zahlreich, sondern auch einige Lehrer erschienen waren. Der Oberkorrektor der Duchdruckwerkstätte in Berlin und Schriftleiter der Zeitschrift „Der Sprachwart", Herr O herüber sprach über das Thema: „Der Kampf um die Rechtschreibung". Der Redner erklärte u. a.: Der Kampf um die Rechtschreibung sei heute ein Kampf um die Kleinschreibung, da diese den sichersten Weg einer einheitlichen Gestaltung unterer Rechtschreibung zu eröffnen imstande wäre. Die Kleinschreibung sei durchaus nichts Neues, (te fei vielmehr durch die Architekten des Dessauer Bauhauses wieder aufgegriffen und unserer Zeit entsprechend verwandt worden. Als Dräger der Bewegung für die Kleinschreibung seien neben dem Bauhause auch viele andere Architekten, Künstler und schließlich Werbeleiter saufmännischer Unternehmungen aufgetre'en, nicht juleht aber in hohem Maße auch die Buchdrucker. 3n seinen weiteren Ausführungen streifte der Redner u. a. die Entwicklung unserer Schrift aus der klassischen römischen Schrift, jener Rur- Versalien-Schrift heraus über die älnziale, die Halbunziale, zur karolingischen Minuskel, zur -Schwabacher und schließlich zur gotischen Schrift, . Die sie Gutenberg in seinen berühmten 36- und -^eiligen Bibeln zur Anwendung gebracht. Der Vortragende verfolgte die Entwicklung weiter Lis auf die heutige Zeit und gab einige Perfektiven auf die künftige Gestaltung unserer Schrift. An Hand von vorzüglichen Lichtbildern ergänzte er seine Aus'ührungen. Schließlich ging er auf die augenblicklich geltende deutsche Recht- schreibung ein und wies an Hand von Beispielen cms dem Duden auf eine große Anzahl von Inkonsequenzen in der Schreibweise hin, die eine Reform unserer Rechtschreibung als dringend notwendig erscheinen ließe. Er wies weiter auf die Vorteile und Erleichterungen hin, die sich aus der Kleinschrift ergeben würden, forderte jedoch nicht den vollständigen Verzicht auf große Buchstaben, sondern ihre Verwendung lediglich an Satzanfängen und bei Eigennamen. Von einer Umänderung der Schrift nach den Grundsätzen, wie sie die Phonetiker in der extremen Form propagieren, riet der Redner ab, da eine solche Reform auf den denkbar größten Widerstand stoße, der jeden Erfolg ausschliehe. Der Vortrag löste eine rege Aussprache aus, in der die Meinung klar zum Ausdruck kam, daß eine grundlegende Reform nur über den Weg der bedingten Kleinschreibung möglich sei. ' Dolksrechtpartei 7 Sparerbund. Die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Volksrecht- Partei'Sparerbund hielt am Montagabend im großen Saal des Katholischen Dereinshauses eine öffentliche Versammlung ab, die gut besucht war. Stadtratsmitglied Reiber, der erste Vorsitzende der Ortsgruppe Gießen, wies zunächst auf die Aufgaben hin, die die Volksrechtpartei zu erfüllen habe. Der Reichsparteileiter, Oberstudienrat Pro>essor Dr. Baus er, Stuttgart, hielt sodann einen Vortrag unter dem Titel „Volisrecht- lampf für Arbeit und Brot". Der Redner gab im ersten Teil seines Vortrags zunächst einen lieber- blick über den Stand der Arbeitslosigkeit und die damit verbundene finanzielle Belastung des Staates und der Wirtschaft. Er führte die große Arbeitslosigkeit u. a. darauf zurück, daß die Notwendigkeit der Rückkehr der Rentner zum erwerbstätigen Leben eine nicht unwesentliche Belastung des Arbeitsmarktes gebracht habe. Diese Betastung sei hervorgerusen durch die Wirkungen der Inflation. In seinen weiteren Ausführungen erwähnte der Redner die übrigen Ursachen der wirtschaftlichen Notzeit. Er sprach von der Umsatzkrise des Inlandes, brachte die Weltwirtschaftskrise damit in Verbindung, streifte die schädlichen Rückwirkungen eines übertriebenen Rationalismus und die Bedeutung der Kapitalflucht und der hohen Zinsforderungen, für unsere wirtschaftliche Spannkraft. Schließlich ging der Redner noch auf die Anleihewirtschaft und die dadurch verursachte Zinsbelastung, auf Dawes- und Voungplan ein. Im zweiten Teile seiner Ausführungen sprach der Vortragende von den Möglichkeiten und den Wegen, die zu einer wirtschaftlichen und staatlichen Gesundung führen könnten. Er gab feiner Meinung über die Wirkungen einer Arbeitszeitverkürzung Ausdruck, wandte sich gegen die Doppelverdiener und sprach für eine gerechte Verteilung von Einkommenswerten. Er führte u. a. aus, daß es unbedingt vermieden Werder müsse, ausländische Arbeiter in Deutschland zu beschäftigen, man könne durch die Schalung eines neunten Schuljahres, oder durch eine Verschiebung der Schülp,licht in das Alter von sieben bis fünfzehn Jahren den Arbeitsmarkt etwas entlasten. Er stellte weiter die Bildung von inländischem Kap'ckal, die Herstellung des Vertrauens zum Staat und zu den Banken als Notwendigkeit dar und forderte schließlich die Wiedereinsetzung der Rentner und Sparer in ihre Rechte auf Grund eines gesetzlich festgelegten Anspruches. Vernunft und energische Tat, so führte der Redner zum Schluß aus, könnten allein zu einer Aenderung der Verhältnisse führen. Dem Redner wurde lebhafter Beifall zuteil. Eine kurze Aussprache schloß sich an den Vortrag an. ** „Der gläserne Motor". In einer Sondervorführung vor den Vertretern der Presse wurde am Mittw ochvormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße ein Film gezeigt, der in seiner Art etwas Besonderes darstlllte. Die Ufa hatte es unternommen, einen Einblick in das Herz des Motors, in seine Atmungsorgane und Arbeitsweise zu ermöglichen, und dadurch das Verständnis zu fördern für den Motor, der zu einem wesentlichen Bestandteil unserer Existenzformen geworden ist. In der Rahmenhandlung eines Cxperimental-Dortrages, den ein Wissenschaftler in seinem Kraftstofflaboratorium hält, wird der Zuschauer zunächst mit den grundlegenden Begriffen der Umwandlung von Kraftstoff zu Energie in den denkbar einfachsten und überzeugendsten Formen vertraut gemacht. Der Vortragende weist in diesem Film die älnterschiede zwischen Benzin und Benzol auf, schildert das Verhalten der beiden Kraftstoffe im Motor, ihre Vergasung, die Art der Verbrennung, den Wert ihrer Energien und zeigt schließlich den Vorgang der Verbrennung und Explosion. Alle Experimente sind tönend wiedergegeben, so daß der Eindruck unmittelbar ist. Schließlich lernt der Zuschauer die eigentliche Arbeit des Motors kennen. Gläserne Teile, z. B. Vergaser und Zuleitungsröhren, lassen die Vorgänge im laufenden Motor genau verfolgen, jede Lebensäußerung im Motor ist auch im Ton festgehalten. Schließlich bringt der Film an Hand von Trickzeichnun- gen, Zeitlupenaufnahmen die Vorgänge im Zylinder selbst auf die Leinwand und ermöglicht dadurch das völlige Verständnis für die Lebensbedingungen des Motors. Diesen Film, der in der Konzeption, im Bild und im Tonbild, gleich gut und hervorragend zu nennen ist, sollte fein Kraftfahrer, fein Auto- oder Motorradbesiher versäumen. Der Film vermittelt dem Fachmann und dem Laien nicht nur eine lehrreiche, sondern auch eine unterhaltsame Stunde. Am kommenden Sonntag, 11.15 Ahr, gelangt der Filmstreifen im Lichtspielhaus Bahnhofstraße in einer Kulturfilm-Vorstellung zur Vorführung. Landkreis Gießen. X W i e f e cf, 22. April. Der Tag der g o l d e n e n Hochzeit brachte unseren Mitbürgern I o h s. Aff und Frau Elisabeth geb. Lindenstruth unter vielen Zeichen des Gedenkens von nah und fern auch ein Glückwunschblatt des Reichspräsidenten. Im Anschluß an die im Hause vollzogene kirchliche Einsegnung übergab der Ortsgeistliche als Gabe der Kirchengemeinde einen Wandspruch und verlas die Glückwunschschreiben des Ministers des Innern, des Kreisdirektors und des Landeskirchengmts, das ein Gedenkblatt überreichen ließ. 8 Alten-Buseck, 22. April. Am Montag wurde die stattliche Anzahl von 32 Schulrekru- t e n in die hiesige Bolksschule eingeführt. Es waren 19 Knaben und 13 Mädchen. Kreis Alsfeld mr. Grebenau, 22. April. Eine seltene Jagdbeute brachte der Amtsvorstand des hiesigen Forstamts, Forstmeister Dr. Barth, mit nach Hause. Es gelang ihm, einen Auerhahn von 94 Pfund Gewicht und einer Länge von 97 cm zu schießen. Kreis Wetzlar. Z K r o f d o r f, 22. April. In den Gemeinden des Amtsbezirks Atzbach-Launsbach haben sich ins- gesamt 118 4 Personen für das in Preußen zugelassene Volksbegehren „Landtags- a u f l ö f u n g" eingezeichnet. Die Verteilung auf die einzelnen Gemeinden ist folgende: Atzbach, 153, Dorlar 97, Dutenhofen 79, Garbenheim 103, Kinzenbach 166, Krofdorf 256, Gleiberg 5, Vetzberg 11, Launs- bach 29, Odenhausen 69, Salzböden 84, Wißmar 132. SJt.-'fpont Handball im Lahn-Oünsberg-Gau Staufenberg I — Treis a. d. Lda. I 5:0 (1:0). Beide Mannschaften lieferten sich in Staufenberg ein flottes und faires Freundschaftsspiel. Nach leicht überlegen geführtem Kampf stellte der schußfreudige Sturm der Platzbesiher das Ergebnis auf 5:0. Schiedsrichter Will (Ruttershausen) leitete zufriedenstellend. Garbenteich I — Grohen-Buseck I 6:7 (1:4). Die Erwartungen, die man auf das Spiel gesetzt hatte, wurden nicht getäuscht. Das Spiel wurde von Anfang bis Schluß sehr flott, wenn auch etwas hart, durchgeführt. 2n der zweiten Halbzeit ging Garbcnteich mächtig aus sich heraus und konnte die Partie kurz vor Schluß auf 6:6 stellen. 2n letzter Minute konnte Großen-Buseck noch ein Tor erzielen und als Sieger den Platz verlassen. Schiedsrichter Hofmann (Lollar) war dem Spiel stets ein gerechter Leiter. Vorher trafen sich die Iugendmannschaften beider Vereine. Großen-Buseck, körperlich stark überlegen, konnte das Spiel mit 6:2 (4:2) verdient gewinnen. Tv. Mendorf (DT.) I — Tv. Waldgirmes (ADT.) I 1:0. Die beiden Mannschaften trafen sich am Sonntag in Akkendorf zu einem Gesellschaftsspiel. Den Plahbesihern gelang es, nach hartem aber anständigen und ausgeglichenen Spiel gegen die als spielstark bekannte ADT.-Mannschaft einen knappen und glücklichen Sieg zu erringen. Ein Unentschieden wäre das gerechte Ergebnis gewesen. Tv. Allendorf 1. Jgd. — Tv. Dutenhofen 1. 3gb. 1:1. Vorher maßen die genannten Iugendmannschaften ihre Kräfte. Man sah ein eifriges Spiel, dessen Ausgang für Alkendorf etwas schmeichelhaft erscheint. Arbeiter-Turn und Sportbund. Daubringen I — Gießen II 1:3. Gießens zweite Mannschaft weilte in Saubringen zum fälligen Scrienspiel. Dis zur Halbzeit konnte jede Partei einmal erfolgreich sein. Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Gäste das Ergebnis auf 3:1, während den Einheimischen trotz aller Anstrengungen nur ein Erfolg beschieden war. Wieseck I — Wetzlar I 6:3. Während die Gäste aus Wetzlar komplett 'antraten, hatten die Einheimischen Ersatz in ihren Reihen. Wieseck ging zunächst durch einen Elfmeter in Führung, Wetzlar erzielte aber durch einen Strafstoß bald den Ausgleich. Halbzeitstand 2:2. Rach dem Seitenwechsel drückte Wieseck und konnte noch viermal erfolgreich sein, während den Gästen lediglich ein drittes Tor beschieden war. Beuern I — Gießen III 1:1 . Rach einem schönen Kampf trennten sich die Gegner mit einem gerechten Unentschieden von 1:1 Toren. Heuchelheim I — Watzenborn I 7:1. Heuchelheim vewies eine beachtliche Spielstärke, so daß sich die Wahenbomer kräfttg wehren mußten, um eine noch höhere Niederlage zu verhindern. Trotzdem gelang es dem sehr schuß- freudigen Sturm der Einheimischen, siebenmal den Hüter der Gäste zu überwinden, während den Gästen nur das Ehrentor vergönnt war. Grohen-Linden I — Rodheim I 2:2. Beide Mannschaften standen sich in Großen- Linden gegenüber. Die Gäste vermochten bereits bis kurz vor Halbzeit mit 2:0 zu führen. Großew- Linden holte allerdings ein Tor noch vor dem Wechsel auf. Nach der Pause zeigten sich die Platzbesiher etwas überlegen, konnten aber bis Schluß nur den Ausgleich hersteTen. Annerod I Rieder-Ohmen I 1:0. Der Neuling Nieder-Ohmen war in Annerod zu Gast. Beide Parteien lieferten sich ein schönes Spiel. Nur einmal gelang es Annerod, erfolgreich zu fein. Den Gästen blieb jeder Erfolg versagt. Burkhardsfelden I Marburg I 2:3. • 2n Burkhardsfelden lieferten sich beide Mannschaften ein schönes Spiel. Bei Halbzeit lautete das Ergebnis 2:3, das trotz aller Bemühungen auf beiden Seiten auch das Endresultat blieb. Lollars Jugend war in Rödgen zu Gast und mußte eine überraschende 4:1-Niederlage hin- nehmen. Handball. wieseck I — Krofdorf I 1:0. In Wieseck standen sich die genannten Mannschaften gegenüber. Es entwickelte sich ein flotteS Spiel und beide Torhüter mußten reichlich Abwehr leisten. Torlos ging es in die Pause. Nach dem Wechsel spielten die Gäste hart auf Erfolg, der ihnen jedoch versagt blieb. Wieseck war den Gästen im Zuspiel etwas überlegen, kam aber durch die harte Abwehr der Krofdorfer nur zu einem einzigen und siegbringenden Tor. Kriselt es im deutschen Fußball? Von Otto Nerz, Äundessporilehrer des Deutschen FußbalsiÄundes. Arn 26. Aprll stellt sich die deutsche Fußball- Nationalelf den Holländern in Amsterdam. Das ist keine besondere Neuigkeit für alle, die Interesse am Fußballsport haben und das sind heute in Deutschland überraschend viele; denn es ist ein Ereignis, dem wir schon lange ungeduldig und erwartungsvoll entgegensehen. Seit unserem letzten Kampf gegen Holland in Köln — Resultat 2:2 — sind immerhin mehrere Jahve verstrichen, und die holländische Nationalmannschaft hat sich seit Olympia grundlegend umgestaltet, es werden uns nur zwei Bekannte aus der damaligen Elf gegenüber treten, so daß wir immerhin mit äleberraschungen rechnen müssen. Aber was wäre Fußball ohne Lleberraschungen! Es sei mir hier gestattet, einmal grundsätzlich zu dem wirklich schweren Problem der Mannschaftsgruppierung Stellung zu nehmen. Vor jedem Länderspiel tauchen in der Presse eines jeden Teils des deutschen Reiches, in jeder Provinz, in jeder Stadt und in jedem Städtchen Namen von Fußballspielern auf, die als einzig geeignet und würdig zur Vertretung Deutschlands präsenttert werden. Etwa 1OO Kandidaten werden uns vorgeschlagen — und elf können nur ausgewählt werden, obwohl sicher manch Abgewiesener — das will ich ruhig zugeben — ebenso wertvoll ist, ebensogut als Repräsentativer hätte spielen können wie ein Auserwählter. Nach jedem Länderspiel hat man die eine oder andere Schwäche unserer Elf entdeckt, meist eine Schwäche, die vorher beim besten Willen und bei größter Sachkenntnis nicht sestzustellen war. Hat Deutschland gewonnen — nun gut, dann schweigt man und gibt sich zunächst zufrieden; haben wir aber verloren, dann kommt aller Groll, alle Llnzu- friedenheit auf das Haupt der armen Sünder, welche die Mannschaft ausgesucht haben. Bescheiden und klein möchte ich bitten: ein wenig mehr Nachsicht und Gerechtigkeit für die „Bonzen"! Ganz kurz möchte ich hier auch noch auf unseren letzten Mißerfolg, auf das Pariser Länderspiel eingehen — Fehler sind schließlich dazu da, daß wir für die Zukunft, also auch für Amsterdam, aus ihnen lernen können. Das Spiel litt unter der schlechten Vorbereitung unserer Mannschaft, das Wetter war miserabel vorher, so daß fast die einzige Art, wie sich die Spieler miteinander bekanntmachen konnten, im gemeinsamen Dpaziergehen bestand. Es ist jammerschade, daß uns so die letzte Trainingsmöglichkeit für lange Zeit verloren ging; für die kommenden sechs Länderspiele dieses Jahres werden wir kaum noch Gelegenheit zu systemattschem Training finden. Sicherlich war unsere Mannschaft nicht so gut wie sonst. Die Ursache? Sie ist so unkontrollierbar wie leider fast immer in unserem Sport. Liu Spielet spielt am Samstag glänzend und am Sonntag elend schlecht; ein anderer ist bei Dereinsspielen fair und doch hart — im entscheidenden Kampf ist er zu weich, oder er „holzt". Meist weiß der Spieler selbst nicht einmal, woher sein Versagen stammt — woher soll der Deutsche Fußballbund es im voraus wissen? Die Spielstärke jedes Vereins und jedes einzelnen Spielers hat ihre Höhepunkte und ihren Tiefstand; es ist schwer und heute in Deutschland fast unmöglich, aus dem vorllegenden Material eine einheitliche Linie für ganze elf Spieler und für einen bestimmten Tag herauszuarbeiten. In anderen Ländern, besonders in England ist das immerhin eher möglich — weshalb? Es fehlt den deutschen Spielern überall an einheitlichem Training. Ich habe mich bei meinem letzten Aufenthalt in England erst kürzlich davon überzeugen können, daß dort das Training bei allen Qkreinen nach festgelegten Grundsätzen vor sich gebt, die es ermöglichen, daß jeder Spieler zu jeder Zeit an einen anderen Verein „verkauft" werden und dort von vornherein in der Elitemannschaft mitspielen kann; hier bei uns macht dagegen die Umgewöhnung eines Spielers und gar das Zusammenspiel einer aus elf Vereinen rekrutierten! Nationalelf immer neue Schwierigkeiten. Einige Ansätze zu einer Systematisierung haben wir in unseren Sommerkursen, wo sich Spieler aus ganz Deutschland zusammenfinden und es lernen, sich binnen kurzer Zeit aufeinander einzuspielen; aber von diesem kurzen Sommertraining müssen wir das ganze Jahr zehren, und wir leiden dabei Hunger nach ausgiebigerer Vorbereitung. Bei dem unvermeidlichen häufigen Wechsel der repräsentativen Spieler und dem weniger unvermeidlichen Wechsel der Trainer ihrer jeweiligen Vereine ist es immerhin erfreulich, daß sich die deutsche Ländermannschaft in ihren letzten Spielen als Einheit gehalten hat. Bei aller Krittk toollert wir nicht vergessen, daß Deutschland in letzter Zeit beachtliche Fußballerfolge erringen konnte. Gegen Schottland, mit die beste Fußballnation, konnten wir uns siegreich behaupten; gegen England — eine Profi-MannschaftI — brachten wir ein gute« Unentschieden heraus: Ungarn haben wir geschlagen; die Schweiz haben wir viermal nacheinander mit haushohen Scores besiegt; auch die Schweden mußten uns gegenüber eine Niederlage buchen. Nun ist der Erfolg nicht immer eine Quittung der guten Vorbereitung, ebensowenig wie der Mißerfolg immer auf das Konto der schlechten Leitung geschrieben werden darf. Ich glaube bestimmt, daß unsere Chancen noch beträchtlich steigen können, wenn wir die Parole „Einheitliches Training" im ganzen Reiche durchführen; etwa in der Weise, daß in diesem Jahr wieder wie im vorigen Sommer fünfzig gute Spieler in Berlin zum Training Zusammentreffen, aber für längere Zeit. Ich glaube ferner, daß sich dann auf natürliche Weise die unentbehrliche Härte der Nationalmannschaft einfinden wird. Es ist ein Naturgesetz im Fuhballsport, daß der weich», tändelnde, wenn auch technisch gute Spieler im Ernstfall ausscheiden muß. Jahrzehntelange Tradition, meine eigene dreißigjährige Erfahrung bestätigen das. Wir haben eine ganze Reihe bester repräsen- tattver Spieler, die hart und technisch und taktisch gut spielen — auf diese Linie muß unsere ganze Fußballgeneration gebracht werden, dann werden wir bald noch schönere Siege zu verzeichnen haben. älnb nun Glückauf für Amsterdam! (Schluß des redaktionellen Teils.) Oie Gtuhlverstopfung. Von Dr. weck, kanellis, Berlin. Bei Stuhlverstopfung und Hartleibigkeit wird dev Leib durch Anhäufung unverdauter Äahrungsreste im Darm gespannt und aufgebläht Man fühlt sich unbehaglich und leidet unter dem Gefühl der Völle und an Appetitlosigkeit. Blutandrang, Eingenommensein des Kopfes und leichte Schwindelgcfühle machen sich bemerkbar. Hier schafft man am zweck- mäßigsten dadurch Abhilfe, daß man gleich bei den ersten Stuhlbeschwerden ein pflanzliches Abfuhr- mittel anwendet, wie es die mild und zuverlässig abführenden Apotheker Richard Brandt's Schweizerpillen sind, die man in allen Apotheken erhält. Am besten nimmt man die Pillen abends vor dem Schlafengehen ein. Die Wirkung erfolgt dann am nächsten Morgen, ohne daß die Nachtruhe gestört wird. H7V Das «Schicksal spricht das letzte Mort Roman von I. Schneider-Foerstl. Ärheber-Rechtschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Hedwig Dloem fror. Damals waren die Kinder aus ihrer zweiten Ehe neun- und fünfjährig und der Aelteste so alt wie der Vertreter des Hauses. Als er nach Java geschickt wurde, war er schon ganz ein Mann. Thom dagegen wirkte in dem gleichen Alter wie ein unreifer Knabe. Aber sie hatte die Bitterkeit in Lutz' Worten wohl herausgehört und gab nun eine Antwort, die sie sofort aufs schmerzlichste bereute: n5>u< bist eben viel früher selbständig geworden, Gut)!“ „Das haben die Umstände mit sich gebracht. Erlaube, daß ich mich verabschiede. Gvelin ist wohl nicht zu Hause?“ Die Kommerzienrätin klingelte nach dem Mädchen, das gleich darauf den Bescheid brachte, das gnädige Fräulein sei ausgegangen. „Weiht du, wohin sie gegangen ist, Mama?" Setterholm forschte mit halbgeschlossenen Lidern in dem Gesicht der Mutter. „Sie wird bei Freundinnen sein!“ „Mit Gewißheit kannst du es nicht sagen?“ „Rein!“ Er führte die Hand der Mutter an seine Lippen und gab sie nach dem Bruchteil einer Sekunde wieder frei. „Auf Wiedersehen! Falls ich dir irgendwie dienlich sein kann, stehe ich natürlich zur Verfügung, Thom.“ „Meinen untertänigsten Dank, Herr Setterholm.“ Mit einem Lachen hing Thom am Arm des Bruders. Draußen half er ihm in den Mantel. „Hast du gesehen, Lutz? Sie hat schon wieder geweint.“ „Gott!“ Setterholm schloß gleichmütig die letzten beiden Knöpfe. „Vielleicht sind es nur Launen, möglich auch, daß Mama eine dritte Ehe in Erwägung zieht." „Lüh!“ Schreckhaft geweitet sahen die Augen des Jüngeren zu ihm auf. Der zuckte die Schulter. „Warum nicht? Hie ist erst achtundvierzig und wirkt wie eine Dreißigjährige. Da will jede Frau noch einmal Weib sein. Mich berührt es ja nicht weiter. Für dich und Evelin wäre es peinlicher.“ Thom, der dem Bruder den Mantelkragen hincmfzog, fühlte, wie seine Hände zitterten. Er lehnte den Kopf gegen die Schulter des Bruders amt» biß die Zähne aufeinander. „Ich möchte nun doch mit dir fahren. Ich habe dich etwas zu fragen, Shit)!“ „Dann komm!“ Zu zweien schritten sie die Treppe hinab. Der geschlossene Wagen stand an der Auffahrt und der Chauffeur faltete eilig die Zeitung, als er den Gebieter auftauchen sah. Lutz Setterholm breitete Thom die Decke über die Knie und sagte aufmunternd: „Run?“ Der Wagen war schon ein ziemliches Stück gefahren, als Thom endlich die Frage stellte: „Wäre es dir lieb, wenn ich — von meiner Weltreise nicht mehr zurückkommen würde?“ Ein aller Fassung bares Gesicht starrte Thom an. Zugleich griff Lutz Setterholms stählerne Hand nach dem Gelenk des Bruders und hielt es fest. „Inwiefern habe ich dir je Grund gegeben, mich derart zu beleidigen?“ „Beleidigen? — Ich bitte dich, Lutz!" „Jawohl! Beleidigen! Cs ist eine Verdächtigung ohnegleichen, die du da ausgesprochen hast!“ „Gott, Lutz ...“ Der Junge würgte an den Tränen. „Verzech mir doch! Aber ich habe zuweilen das unbestimmte Gefühl, als ob ich dir — im Wege stünde'“ „Mir? Ja, wieso denn?“ Setterholm spannte sämtliche Muskeln seines schlanken Körpers, um seine Rerven in Schach zu halten. „Da steckt natürlich wieder Mama dahinter. Wer anders könnte dir eine solch verrückte Idee ins Gehirn Pflanzen?" Thom wurde beredt: „Aber nein, Lutz! Du bist im Unrecht! Wenn sie von dir spricht, dann heißt es nur immer: Als Lutz so alt war wie du, hat er das und das getan, oder so und so gehandelt. Mein Gott, du mußt ja ein Ausbund von Tugend gewesen sein! Und wenn ich um etwas bitten komme, dann heißt es wieder: Ich muß das erst mit Lutz besprechen. Und wenn sie etwas verweigert, gebraucht sie immer den Rachsatz: Du mußt doch auch an deinen Bruder denken, der ist doch auch noch da und darf in nichts geschmälert werden. Immer denkt sie erst an dich und ich komme stets hinterdrein!“ „Also Eifersucht“, sagte Setterholm förmlich erleichtert. „Das ist kindisch. Mama hat Recht. Du bist noch nicht reif genug für eine so große, Reise. Bleib zu Hause, es wird besser fein!" Sie sahen nun jeder für sich nach einer anderen Seite auf die vorüberhuschende Straße und schlossen ihre Gedanken voreinander ab. Thom war der erste, der wieder Zwiesprache suchte. Er schob den Arm unter den des Bruders und drückte sich fest an ihn. „Eine Frage noch, Lutz: Ist das nicht komisch? Run sind wir Kinder einer Mutter und du heißt Setterholm und wir Dloem und es ist, als ob wir eine ganz, ganz andere Art wären als du!“ „Du willst wohl sagen: Eine bessere", kam eS apathisch. „Rein! Eine schlechtere! Onkel Ferdinand sagt, wir Bloems seien eine ganz verdammt leichtsinnige Rasse, die schwarzen Setterholms feien wesentlich gediegener.“ Lutz' Lippen öffneten sich zu einem Lachen. Er hob das Gesicht des Bruders zu sich auf und sagte gütig: „Wenn du wirklich reist, dann werde ich dir Begleitung mitschicken. Vielleicht Thomson. Rein, widersprich nicht, Thom. Ich kann es sonst vor Mama nicht verantworten und selbst hätte ich auch keine Ruhe. Also Thomson kommt mit. Auf Wiedersehen, mein Junge!" Der Wagen hielt und Setterholm drückte den Bruder auf den Sitz zurück. „Sie fahren Herrn Dloem noch ein Stück spazieren, Friedrich", befahl er dem Chauffeur. „Du trinkst irgendwo in einem netten Garten eine Tasse Kaffee und bist um fünf Uhr zu Hause. Ich werde anrufen. Viel Vergnügen!“ Thoms verblüfftes Gesicht mit einem Ricken quittierend, klappte er eigenhändig den Schlag zu. Er wartete, bis der Wagen gewendet hatte. Dann schritt er durch den Rachen eines schwarzen Dores. . * * * Die Fabrik lag wie ein glatter Würfel im Sand der Vorstadt. Kinder lärmten in den Rachbarhöfen und um Feierabend saßen die Arbeiter mit ihren Frauen vor den kleinen Häusern und rauchten ihren Knaster. Selten gab es Streit, trotz der Verschiedenheit der Geister war ein Zug der Gemeinsamkeit nicht zu verkennen. Und hier heraus, beinahe eine halbe Wegstunde von der Villa Setterholm, hatte es Lutz gezogen, als die Mutter sich ein zweites Mal verheiratete. Es war nicht eigentlich Trotz gewesen, sondern mehr ein Drang, sich seine Selbständigkeit'zu erhalten, was ihn veranlaßt hatte, für sich allein zu wohnen. Für sein leibliches Wohl sorgte eine alte Haushälterin, oder Gerd, der Diener, den er aus Pietät in seinem Dienst behielt. Man konnte einen Wann, der im Hause Setterholm vierzig Jahre in Treue fein Amt versehen hatte, micht einfach auf die Straße sehen. Und nachgerade war der Alte ihm unentbehrlich geworden. Lutz wurde am Morgen auf die Minute geweckt, am Abend ausgekleidet, nach dem Bad frottiert und dann ins Schlafzimmer geleitet. Am Morgen fand er die Zeitungen aufgelegt neben dem Frühstücksteller und die Korrespondenz fein säuberlich nach Geschäfts- und Privatbriefen sortiert. Gerd sorgte für alles, was das Wohl seines jungen Herrn betraf, empfing Besuche oder wimmelte sie ab. Er kannte die Damen, die Herr Setterholm zuweilen mit Blumen bedachte und die anderen, für die er nicht zu sprechen war. „Herr Setterholm schläft." Er konnte diese und ähnliche ßügen flüstern wie ein Mädchen und brüllen wie ein Berber, wenn ein Besuch sich nicht abweisen lassen wollte. „Hör mal, Gerd." Lutz übergab dem Alten Hut und Mantel und hielt ihn zugleich am Arme fest. „Ist es dir erinnerlich, wann meine Schwester das letztemal hier gewesen ist?" „Das Fräulein Schwester? — Hm." In Gerds Gesicht stand ein kleines Verlegensein. „Vor einer halben Ewigkeit, Herr Setterholm!" „Kennst du den Lippstädt?" „Ich meine wohl!" „Aus den sollst du ein Auge haben, Gerd!" „Ich werde zwei Augen auf ihn haben, Herr Setterholm!" „Dann^ist es gut! Du nimmst dir ein Auto!" „Ich nehm mir keins, Herr Setterholm." Die Stirn des Herrn in Falten sehend, gab er anschließend die Erklärung: „So ein Ding, das flitzt vorbei, und man sieht nichts oder nicht viel. Wenn ich aber zu Fuß laufe, dann seh' ich alles." Lutz begriff, daß er dem Alten nichts zu verdolmetschen brauchte. Erleichtert trat er in sein Arbeitszimmer, in dem die Sonnenschüher fürsorglich übereinander- gezogen waren. Sein Gehirn warf die Gedanken kunterbunt durcheinander. Warum^hatte die Mutter geweint? Sollte man Thom' fertfen lassen? Wie stand die Sache mit Evelin und Lippstädt? Geküßt hatte >der Graf sie! Das Gold seiner neun Zacken bedurfte wahrscheinlich einer Auffrischung! Schließlich war auch nichts dabei, wenn ein armer Schlucker ein reichet Mädchen heiratete. Aber er durfte nicht Lippstädt heißen. Zum Teufel auch! Das durfte er nicht! Auf dem Korridor lispelte eine Stimme: „Ist er zu Hause? Ja — Ich hab' ihm Rosen gebracht! Die mag er doch, nicht? Die ganzen Stämme habe ich geplündert." „Herr Setterholm haben sich um das gnädige Fräulein geängstigt!" „Was hat er? Geängstigt? Aber ich bin doch nicht krank gewesen, Gerd. Warum ängstigt er sich dann? Wie? Weil ich so lange nicht mehr da war?" Gerds Ricken jagte ihr ein Rot über die Wangen. Ohne geklopft zu haben, schlüpfte sie in das Zimmer. Setterholm, der am Schreibtisch saß, legte die Feder zur Seite und hob beide Arme zur Begrüßung. „Wo steckst du denn immer, mein Kleines?" Die Rosen flogen auf den Ledevdiwan, und Evelin kuschelte sich auf Lutz' Knie und strich ihm die Wangen herab, während fein Mund sich von dem ihren küssen ließ. „Mama sagte, du feiest bei uns gewesen. Da habe ich Sehnsucht nach dir gekriegt." lFortsetzung folgt.) 2 Teller Reste-Tage! Vom 23. bis 27. April 1931 gelangen H große Sortimente Reste in sämtlichen Abteilungen bei spottbilligen Preisen zum Verkaut H. 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