Nr. 19 Erstes Blatt 181. Jahrgang Zreitag. 25. Januar 1931 Erscheint rüglich.mltz« Sonntags and Feiertag» Beilagen Ott Illustriert, Gießener FamilienblLttei Hetmal im Dill» Die Scholle aionats-Bejugsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Rerchspfenrng für Träger« lohn, auch bei dichter» scheinen etnzeinerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse antcrSammclnummer2251 Anlchrist füi Drahtnachrichten MnjetgeT Hieben. Polftiedionto: zjra-Nvrtam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnilk und Verlag: vrühl'sche UniversitSlz-vLch- und Stetnbnideret R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Seschästrftelle: Schulltratze 7. Annahme von Mnjelaen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breit« örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20', mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Regierungskrisis in Frankreich. (Streif um die Getreidepreife. — Rücktritt des Kabinetts (Steeg. — Keine außenpolitischen Folgen. 'Mb- Re- 0er Rücktritt des Kabinetts (Steeg. Paris, 22. Ian. (WTV.) Auf Grund des flimmungsergebniffes in der Kammer Hal die vormittag aufgenommen. In gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen rechnet man für die Zukunft mit einem Kabinett Laval. gierung beschlossen, zurückzutreten. Als Steeg kurz nach 22 Uhr mit seinen Mitarbeitern im Elysee eintraf, erklärte er den dort wartenden Journalisten: „Es ist das 13. Mal, daß ich einen solchen Besuch beim Präsidenten der Republik mache. Ich mache ihn daher ohne innere (Erregung. Nachher werde ich dann ruhig schlafen können." Der präsi- deut der Republik hat die Demission des Kabinetts angenommen und es gebeten, bis zur Bildung der neuen Regierung die Geschäfte weiter,usühren. Die Besprechungen im Elysee werden am Jreitag- einzelnen Fragen nicht möglich sein sollte. 3n diesem Fall legt man auf die internationale Zusammensetzung eines solchen Ausschusses den größten Derk. Sollte sich in den jetzt eingeleiteten Verhandlungen eine Einigung nicht ergeben, so wird sich der deutsche Außenminister gezwungen sehen, die Vernehmung des Präsidenten E a l o n d e r vor dem Völkerbundsrat zu verlangen. Diese Forderungen sind von deutscher Seite dem Berichterstatter des Rates für die Minderheitenfragen übermittelt worden. An ihnen wird auf deutscher Seite unter allen Umständen feft- gehalten werden. Man bezeichnete es in deutschen Kreisen als einen wesentlichen Fortschritt, dah nunmehr vor dem Forum des Völkerbundes und der Weltpresse die tatsächliche Lage der deutschen Minderheiten in Oberfd)lefien und das unglaubliche Verhalten der polnischen Regierung aufgerollt und in allen Einzelheiten beleuchtet worden ist. Die Erklärung des polnischen Außenmini- sters, dah eine Verletzung der Genfer Minderheitenbestimmungen vorliege, und eine Bestrafung der Schuldigen sowie eine Entschädigung der Geschädigten bereits eingeleitet worden sei, wird als Folge des wachsenden Druckes der öffentlichen Meinung bezeichnet. Man sieht darin eine öffentliche Anerkennung der Schuld Polens. Die deutschen Forderungen in Gens. Fortführung der deutschen Offensive gegen den polnischen Mnderheitenterror. Der Sturz des Kabinetts kam trotz der vor» auszusehenden scharfen Aussprache sehr unerwartet und ist zum großen Teil aus einen taktischen Fehler Steegs sowie auf ein geschicktes Manöver des ehemaligen Handelsministers F l a n d i n zurückzuführen. Während Buyat sich darauf beschränkte, lediglich einen von der Regierung begangenen Fehler in der Landwirtschaftspolitik zu verurteilen, für die Doret verantwortlich ist, verschob Flandin die gesamte Aussprache auf ein rein politisches Gebiet. Ministerpräsident Steeg beging hierbei die taktische Unklugheit, auf die Ausführungen Flandins einzugehen und sich insbesondere bei die vielumstrittenen Frage des Laiengesehes aufzuhalten, das schon so manchen Kamps hervorgerufen hat. Hätte Steeg sich nicht so weit auf politisches Gebiet vorgewagt, so würde er bei der Stellung der Bert rauensfrage, sicherlich eine Mehrheit erreicht haben, wie dies auch allgemein erwartet wurde. Die Krise ist rein innerpolitisch. Sie hat nichts zu tun mit ber Außenpolitik der Regierung, die in keiner Weise von den heutigen Ereignissen berührt wird, um so weniger, als Driand gestern zweifelsohne im Einverständnis mit dem Kabinett eine Kundgebung in Genf veranlaßt hat, die nach menschlicher Voraussicht eine Entspannung in Europa herbeiführen wird. Die neue Phase der innerpolitischen Entwicklung in Frankreich gibt also zu irgendwelcher Besorgnis feinen Anlaß, da. wie immer die Dinge auch laufen, der Kurs der Außenpolitik derselbe bleiben wird. K a t t o w i h . 22. San. (Sil. Funkspruch.) Angesichts der 'für die deutsche Minderheit Oft- obevchlesiens lebenswichtigen Bedeutung der Genfer Verhandlungen geben alle Blätter in ihrer Lonnerstag-Miltagsausgabe die Reden Eurtius-Zaleski ausführlich wieder. — Das Blatt der Deutschen Partei, die „Kattowiher Zeitung". spricht von dem ausgezeichneten Eindruck der Eurtius-Reden. Sm Hintergrund seiner ersten Rede habe unausgesprochen die Forderung gestanden: Entweder Erfüllung oder Revision der Verträge. Zaleski habe in seinen Ausführungen schlecht abgeschnitten. — Der katholische ,.O b e r s ch l e s i s ch e. Kurier" schreibt, es müsse Eurtius zugebilligt werden, daß er alles nur Mögliche getan habe, um eine gerechte Sache zu halten. Wenn, wie Zaleski meine, die Aufständischen noch Mitte November über die im August gehaltene Tre- viranus-Rede empört gewesen seien, so müsse diese Empörung vorher sorgfältig auf Eis gelegt worden fein. Das Blatt wendet sich dann gegen die übrigen 'Verteidigungsversuche Za- leskis und verweist nochmals aus die Notwendigkeit, das Urteil einer so unparteiischen und auch von polnischer Seite hochgeschätzten Persönlichkeit wie des Präsidenten Ealonder zu hören. — Der „Vo lksw ille", das Blatt der deutschen Echo aus Oberschlesien Befriedigung über die Eurtius-Hede. Die französische preffe lobt Zaleski. Paris, 22. San. (TU.) Die Pariser Morgenpresse vertritt fast einstimmig die Auffassung, Z a l e s k i sei in der Beantwortung der Anklagen Dr. Eurtius' wegen der Minderheitenbehandlung durch die Polen geschickter gewesen. als der Reichsaußenminister. — Der „Petit Parisien" begründet die Zurückhaltung des Reichsaußenministers damit, daß die freundschaftlichen Hinweise, die B r l a n ö Dr. Eurtius gelegentlich der Zusammenkunft am Sonntag erteilt habe (?), in der Wilhelmstraße sicherlich zu Heberlegungen Anlaß gegeben hätten. Dr. Eurtius habe allerdings gerade durch die Zurückhaltung seiner These mehr Wert gegeben. — Das „Sournal“ hebt als einzig wichtige Erklärung in der Rede des Reichsaußenministers den Hinweis auf die Einstimmigkeit in Deutschland über eine friedliche Regelung der Oft» grenze hervor. — Der „Matin" unterstreicht, daß Eurtius zwar mit aller Kraft die Snteresseu der Minderheiten unterstützt habe, daß seine Schlußfolgerungen jedoch sehr weit davon entfernt gewesen feien, was die nationalistische Presse in Deutschland mit großem Lärm angekündigt hätte. — Der sozialistische „Populaire" hebt den gemessenen Ton des Reichsaußenministers hervor, der aber nichtsdestoweniger sehr genaue Anschuldigungen enthalten habe, gegen die Zaleski alle Mühe gehabt hätte, sich zu verteidigen. Es könne nicht mehr geleugnet werden, daß Wahlterrör gegen die deutsche Minderheit ausgeübt worden sei. Leider stelle dieser Terror aber einen Teil des Gesamtterrors dar, den Pilsudsti in Polen eingeführt habe und gegen den der Völkerbund machtlos sei. Die neue Grenzverletzung. Deutscher Protest in Warschau. Berlin, 22. Ian. (CNB.) Der deutsche Geschäftsträger in Warschau ist angewiesen worden, gegen die lieber,cßreitung der Grenze durch 20 bewaffnete polnische Soldaten aus Rybnik Protest zu erheben. Die bisherigen amtlichen Ermittlungen über den Vorfall ergaben, daß am 20. d. M. i m Anschluß an eine Uebung einer polnischen Kompanie, die in Rybnik in Garnison liegt, 20 polnische Soldaten an die Grenze gingen, um s i ch „die Grenze anzu sehen" Dabei überschritten die Soldaten, die mit Gewehren bewaffnet waren, die Grenze. Erst auf den Hinweis eines polnischen Grenzbeamten kehrten die Soldaten aus polnisches Gebiet zurück. In unterrichteten politischen Kreisen hält man es für ausgeschlossen, daß die Soldaten versehentlich die Grenze überschritten haben. Dies werde schon durch die Bekundung widerlegt, daß sie sich „die Grenze ansehen wollten . Sie mußten also genau wissen, wo die Grenzlinie verläuft. Die Rot der Ukrainer. Eine Untersuchung der Vorgänge in Lstgalizicn abgclchnt. Warschau. 22.San. (TU.) Es ist ein seltsamer und vielleicht symbolischer Zufall, daß gleichzeitig vor dem Weltforum in Genf und im eigenen Sejm die Taten der polnischen Regierung und des Pilsudski- Blocks, die sich auf den Wahlterror in Oberschlesien, aus Drest-Litowsk und die Pazifizierungsaktion gegen di s Ukrainer in Ostgalizien beziehen, Gegenstand der Beratungen und Erörterungen bilden, vor allen Dingen aber die schärfste Kritik und Verurteilung erfahren. So wurde am Mittwoch im Verwaltungsausschuß des Sejm die überaus Heikle PazifizierungSaktion behandelt, Auflösung der Kammer? Geringe Aussichten für die Bildung einer haltbaren Regierung. Paris, 23. San. (WTB. Funkspruch.) Bei der Beurteilung der gestrigen Kabinettskrise scheidet sich die Presse wieder haarscharf in zwei Lager, je nachdem sie auf d i e alte Mehrheit Tardieus eingestellt ist, oder für die linksgerichtete Konzentration eintritt, die Steeg in seinem Kabinett zu erzielen versuchte. Allgemein aber wird anerkannt, daß die Lösung der Krise rasch erfolgen muß angesichts der Notwendigkeit einer baldigen Verabschiedung des Budgets und der Verabschiedung des Wirtschafts- resormplanes, durch den man im Snnern die Wirtschaftskrisis wenn nicht zu bannen, so doch zu mildern sucht. „M a t i n" schreibt, das Abstimmungsergebnis lasse die Tür für einen Versuch zur Konzentration offen, die allerdings leichter gewesen wäre, wenn die Liebergangsregierung Steeg länger am Ruber geblieben wäre, die aber unerläßlich erscheine, wenn man sich nicht dem Risiko aussehen wolle, daß es sich als notwendig erweisen werde, das Parlament aufzulösen. — „Oeuvre" meint, man sei jetzt genau so weit, wie schon am 5. Dezember 1930, also nach dem Sturz des Kabinetts Tardieu und vor der loyalen Bemühung einer Konzentration, die Steeg versuchte. — „Repa- b l i q u e" erklärt, wenn man von der Mehrheit, die gestern den Sturz des Kabinetts Steeg herbeiführte, die Stimmen der Kommunisten abziehe, erscheine die Kammer in zwei gleichstarke Teile zu zerfallen: 283 Abgeordnete der Rechten und 283 Abgeordnete der Linken. Angesichts dieser Zahlen sei der einzige Ausweg die Auflösung der Kammer. aller Deutschen für feine Rede an diesem Tage sicher sein müsse. — Der „Obersch lesi sch e Wanderer" schreibt, eS bestehe kein Zweisel, daß Dr. Curttus sich am Mittwoch a l s ein guter Anwalt unserer gerechten Sache bewährt habe. Verfrühte Befriedigung. Polnische Stimmen zu den Reden in Genf. Warschau, 22.3an. (XU.) Das maßgebende Regierungsblatt „Gazeta Polska" bezeichnet die Rede des Reichsaußenministers Dr. Eurtius als chwach in der Begründung und zurückhaltend in der Form. Die Rede machte, so heißt es, den Eindruck, als ob die geplante G e w a l t o f f c n • tue gegen Polen aufgegeben worden fei, nachdem man sich zuvor überzeugt habe, daß der Völkerbund kein geeignetes Gebiet dafür sei. Die Offensive sei also in Genf kläglich zusammen' gebrochen obwohl Deutschland alle internationalen Einflüsse hierfür mobilisiert habe. Die Antwort Z a l e s k i s dagegen, das versteht sich von selbst, rief nach den polnischen Meldungen einen außerordentlich günstigen Eindruck hervor. Das Schwesterblatt der „Gazeta Polska", der „Kurjer Poranny" versieht seine Meldungen mit folgender Ueberschrlfl: „Großer Tag in Genf!" „Die deutsche Offensive gegen Polen zerschlägt sich an der Mauer der sachlichen Begründung in der Rede Zaleskis." Sozialdemokraten, sagt, die deutsche Minderheit werde die Verteidigung ihrer Rechte durch Eurtius stets anerkennen. Man dürfe aber nicht vergessen, daß nicht das Reich, sondern nur die polnische Regierung der deutschen Minderheit ihr Recht gewähren und ihr Leben schützen könne. Die Kernfrage sei: Auf der Anklagebank in Gens sitze heute daspolnischeRegierungssystem. — Die ..P o l o n i a“, das Blatt Korfantys. meint, der Genfer Kampftag habe für die polnische Regierung mit einer unzweifelhaften Niederlage geendet. Soweit es um die sachliche Seite ginge, habe man bereits vor Beginn des Kampfes kapituliert. Cs würden sich natürlich in Polen bestimmte Kreile und auch eine bestimmte Presse finden, die die polnische Niederlage abschwächen wollten. Seht bestehe die Pflicht, für die Bereinigung der Terrorangelegenheit und für die Verhinderung ähnlicher Fälle zu sorgen. — Die „Oberschlesische Volks»- ft i m m e“ erklärt, man müsse abwarten, ob bie* Politik der Gewalt oder die Sache der Gerechtigkeit siegen werde oder ob man uns wieder ein faules Kompromiß aufzwingen wolle. — Die „Ostdeutsche Morgenpost" stellt mit Befriedigung fest, daß Dr. Curttus die deutschen Beschwerden und Sorberungen so geschickt und wirkungsvoll vorgetragen Habe, daß ihm der Dank Die entscheidende Kammerdebatte. Ttccg in die Minderheit versetzt. Paris. 22. San. Die Kammer beschäftigte sich mit dem Zwiespalt, der innerhalb des Kabinetts hinsichtlich der Stabilisierung der Getreidepreise besteht. Es liegt eine Snter- pellation des der Station Franklin-Bouillon an» gehörenden Abgeordneten Duyat vor, die lautet: Kann die Regierung Auskunft geben über die Meinungsverschiedenheit, die innerhalb des Kabinetts in bezug auf den Getreidepreis besteht und durch die, wenn sie fortdauert, eine die Landwirte und die Konsumenten schädigende Spekulation Hervorrufen wird? Der Interpellant erklärt, er mache dem Landwirtschastsminister Doret zum Vorwurf, daß er den Beschluß der Minister auf Erhöhung der Getreidepreise bet an n t gegeben habe, anstatt die in solchen Fällen notwendige Diskretion zu wahren. Sn gewissen Fachzeitungen sei die bevorstehende Getreidepreiserhöhung auf 1Z5 Franken angekündigt und dadurch seien Spekulationsmanöver begünstigt worden. Am Tage nach dem Bekanntwerden dieses Planes sei an der Warenbörse der älmsatz aus das Sechsfache des gewöhnlichen gestiegen. Es sei bedauerlich, daß der Landwirtschaftsministet seine Pläne dem Vorsitzenden des Syndikats der Mühlenbesitzet anvertraut hab:. Die französischen Landwirte verkauften ihr Getreide an die Händler, und diese würden in seltsamer Weise im voraus von gewissen Preis- plänen unterrichtet. Diese Spekulationsmanöver kämen nur den Geschäftemachern zugute, die sich in den Vorzimmern der M i n i ft e r i c n aufhalten, aber nicht den Produzenten. Der Gedanke, ausländisches Getreide einzuführen, sei unverständlich: denn dadurch wäre nur die Gefahr gegeben, daß die inländischen Getreidepreise gedrückt werden. Die Regierung habe nicht votauszusehen, also auch nicht zu regieren verstanden. Landwirtschaftsministet Botet erklärte, es seien infolge der neuen Bestimmungen für den Handel an der Warenbörse, die auf 6en früheren Handelsministet Flandin zurückgingen, keine anormalen Getreidespekulationen mehr zu verzeichnen gewesen. Abgeordneter Buyat habe die Vorkommnisse stark übertrieben. Eine von ihm angeordnete Untersuchung hätte den Beweis erbracht. daß nur ordnungsgemäße Operationen an der Warenbörse vorgenommen worden seien.. Er habe stets die Spekulation bekämpft. Der Kammerpräsident verlas daraus die beißen der Kammer vorgelegten Tagesordnungen. Die eine geht von Buyat aus und lautet: Die Kammer bedauert die in gleichet Weise für die Produzenten wie für die Verbraucher schädlichen Spekulationsmanöver, die auf die vorzeitigen Erklärungen des Landwirtschaftsministers zutückzu- führen sind. Dieser Mißtrauenskundgebung steht eine Vertrauenskundgebung des Abgeordneten P a c c a u d (Radikale Linke) gegenüber in der die Erklärungen der Regierung gebilligt und dieser ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen wird. Die Regierung wurde bei der Abstimmung über die Interpellation des Abgeordneten Buyat, der für die von ihm eingedrachte Entschließung die Priorität verlangte, mit 293 gegen 2 8 3 Stimmen in die Minderheit gesetzt. Die Sozial-Radikalen, die Sozialisten und die Sozial-Repu- b l i k a n e t, die geschlossen für die Regierung gestimmt haben, werfen den Kommunisten vor, den Sturz des Kabinetts dadurch herbei- gefühtt zu haben, daß sie gegen das Äabinett gestimmt haben. Die Rechte und das Zentrum haben gegen die Regierung gestimmt, aber etwa30 Abgeordnete haben sich der Stimmeenthalten. Als das Abstimmungsergebnis bekanntgegeben wurde, bereitete die gesamte Linke dem Ministerpräsidenten eine Ovation, während der frühere Handelsminister Flandin bei der Rechten und im Zentrum Beifallskundgebungen erhielt. Gens, 22. 3an. (TU.) In den mit dem Bericht, erstattet des Bölkerbundsrates für die Minderheitenfragen geführten Bechandlungen sind jetzt von deutscher Seite die bereits in der Mittwochrede des deutschen Außenministers enthaltenen Forderungen offiziell gestellt worden. Man verlangt auf deutscher Seite: 1. Feststellung durch den Völkerbundsrat, daß gemäß der vom polnischen Außenminister bereits abgegebenen Erklärung im Rat eine Verletzung der Artitel 75 und 83 der Genfer Min - derheitenkonvention durch Polen vorliegt. 2. Den Ausdruck der Mißbilligung gegenüber Polen durch den Völkerbundsrat wegen des offenen Bruches der übernommenen Minderheitenverpflichtungen. 3. Bericht der polnischen Regierung auf der Maitagung über die Durchführung der von ihr gleichfalls fest übernommenen Verpflichtung, sämtliche schuldigen Beamten zu b e ft r a f e n und die geschädigten Angehörigen der deutschen Minderheit zu entschädigen. 4. Sicherung für bie Zukunft durch Aen- berung bes gegenwärtig in Oberfdjlefien herrschenden Systems. Auf deutscher Seite hat man die Absicht, bie Einsetzung eines 21 n t e r f u d) u n g s a u 5- schusses zu forbern, falls eine Einigung über bie | Der Vertreter der Regierung rechtfertigte in sattsam bekannter Weise das Vorgehen gegen die Hfraincr und verlangte Verwerfung des Antrages aus Einsetzung eines Llntersuchungsaus- schusses, den er als gegenstandslos bezeichnete, da die Regierung diesen Fall angeblich „erschöpfend aufgeklärt" hätte. Hiergegen wandte sich neben anderen Rednern der Sozialist C i o l k o s z. Er warf der Regierung ihre „leichtsinnige und verwerfliche" Auffassung vor in einer so „tragischen Angelegenheit", wie es die ukrainische Pazifizierungsaktivn sei und erklärte, die Rativnalitätenfrage sei für Polen ein grundlegendes Problem, welches man weder mit Terror noch mit Geringschätzigkeit zu lösen vermöge. Er betonte ganz besonders die internationalen Verpflichtungen Polens den Ukrainern gegenüber. Diese hätte Polen nicht nur nicht eingelöst, sondern es hätte den älkrainern sogar das noch weggenommen, was sie unter Oesterreich an politischen und kulturellen Errungenschaften besaßen. 3a, es fei ihnen sogar verboten, sich in Polen „Ukrainer" zu nennen. -Zum Schluß bezeichnete der Redner die Pazisizierungs- aktion als ein mit Mitteln der Militär- und Polizeigewalt zur Vernichtung der Llkrainer angewandtes System. Der ukrainische Redner, Abg. Halaszczyn- ski, erklärte, die Pazifizierungsaktion sei ein völlig unbegründeter Willkürakt gegen eine friedliche Bevölkerung. Kein Ufrainer, der pazifiziert worden sei, sei bis jetzt verurteilt worden, und von den Verhafteten seien fast alle nach den Wahlen wieder aus dem Gefängnis entlassen worden. Die Militär- und Polizeiabteilungen, die die Pazifizierung durchführten, hätten sich meistens in angeheitertem Zustande befunden — offenbar um mehr Mut zu haben. Die ganze Pazifizierungsaktion sei in der Hauptsache gegen die ukrainischen wirtschaftlichen und kulturellen Werte gerichtet gewesen, wobei die Bevölkerung ohne Ausnahme des Standes und des Geschlechts massenweise mißhandelt worden sei. Der Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses ist schließlich mit der Mehrheit der Regierungsstimmen ab gelehnt worden. Wie konnte es auch anders sein! Liberia verteidigt sich vor dem Völkerbund. Genf, 22. Jan. (Täl.) 3m Völkerbundsrat gelangte am Donnerstag u. a. auch der Bericht der internationalen Llntersuchungskommission über die Sklaverei in Liberia zur Behandlung. Der Vertreter der Regierung von Liberia, ein Reger, suchte in einer langen, ungewöhnlich temperamentvollen Rede, die vielfach zu stürmischen Heiterkeitsausbrüchen führte, die Haltung seiner Regierung zu verteidigen, wobei er vor unverhüllten Angriffen auf den Einfluh und die Maßnahmen fremder kapitalistischer Gruppen in Libera nicht zurückscheute. Die Liberia zur Last gelegten Missetaten seien vielfach von nichtliberischen Beamten ausgeführt worden. Er hätte Beweismaterial in der Hand, dah ähnliche Sklavereizustände auchin anderenLändern bestünden. ßibetia sei durchaus bereit, eine weitere Untersuchung deS Völkerbundes durch amtliche Sachverständige zuzulassen unter der Voraussetzung, dah die Llnabhängigkeit und Souveränität des Freistaates Liberia hierdurch nicht berührt würde. Der Präsident der internationalen Unter- fuchungskommission in Liberia erklärte, dah er mit großer Befriedigung von den Beschlüssen der liberifchen Regierung Kenntnis nehme, nach denen die Empfehlungen der internationalen Unter* fuchungskommission durchgeführt würden, lege jedoch den größten Wert darauf, dah eine grundlegende Reform in Liberia so schnell als möglich in Angriff genommen werden mochte. 20 Millionen Arbeitslose in der Welt. Genf, 22.3an. (TU.) Rach einem Bericht des Internationalen Arbeitsamtes hat sich die internationale Wirtschaftskrise in den letzten Wochen weiter verschärft. In Europa gibt es 11 Millionen Arbeitslose, also doppelt soviel wie im Vorjahre. Die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten wird auf 5 bis 10 Millionen geschätzt, die Arbeitslosenzahl in Japan auf 400 000. Dir Zahl der Arbeitslosen in der ganzen Welt beträgt etwa 20 Millionen. Unter den europäischen Staaten steht Deutschland an der Spitze mit 4 Millionen. Dann folgt England mit 2,5 Millionen, I t alien mit einer halben Million, Polen mit 200 000 und die Ts checho slo -- wakei mit 150 000. Frankreich weist nur eine unbedeutende Zahl von Arbeitslosen auf. Jetzt macht sich aber auch dort eine Vermindemmg der industriellen Tätigkeit bemerkbar. Der Markenschutzverband zur Preissenkung. Berlin, 22. Ian. (ERB.) Der Verband der Fabrikanten von Markenartikeln (Markenschuhverband) E. D., Berlin, hat eine Cntschliehung gefaßt, inid er es u. a. heißt: 3m Hinblick auf die ungewöhnlich trostlose Wirtschaftslage mit all ihren schwerwiegenden Folgen für Wirtschaft und Volk hält es der Markenschuhverband für seine Pflicht, zu der Frage der Preissenkung Stellung zu nehmen. Er bedauert den Erlaß der Verordnung über Preisbindungen für Markenwaren vom 16.3anuar 1931. Diese Verordnung stellt ein rein schematisches Preisdiktat dar, das eine künstliche Beeinflussung des Wirtschaftslebens ohne Rücksicht auf die Kalkulationsnotwendigkeiten des Einzelfalles versucht. Gleichwohl empfiehlt der Markenschuhverband seinen Mitgliedern, überall dort, wo schärfste Kalkulation dies zuläßt, dem Wunsche der Reichsregierung zu folgen und Preissenkungen, wenn irgendwie tragbar, bis zum 31. Januar 1931 eintreten äu lassen. Hierbei wird es von den besonderen Llmständen des Eiinelfalles abhängen, ob die Preissenkung durch zahlenmäßige Herabsetzung des Kleinverkaufspreises oder durch entsprechende Erhöhung des Packungsinhältes oder durch beides verbunden, erfolgen kann. Die Versammlung ist sich bewußt, dah eine Preissenkung, wenn überhaupt, nur unter großen Opfern möglich ist. Der Markenschuhverband ist mit der Reichsregierung der Auffassung, daß ein Preisabbau in Silverberg spricht über die Ursachen der Wirtschafiskrisis. München, 23. Jan. (TU.) Auf Einladung des Akademisch-politischen Klubs in München sprach der bekannte rheinische Braunkohlenindustrielle Dr. Paul Silverberg über die Wirtschaftslage. Das für die deutsche Krise einschneidende Moment sah er in der Kapitalzerstörung, die herbeigeführt sei durch die Tribute, das überreichliche Hereinfließen von Auslandgeld zu Zinssätzen, die kein Volk erarbeiten könne und weiter durch alle die Schäden, die die planwirtschaftlich ° kollektivistischen Experimente der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zugefügt hätten. Von entscheidender Bedeutung sei die Wirtschaftspolitik und Finanzgebarung der öffentlich enchand. Deshalb müsse die Wirtschaft verlangen, daß die Haushalte ausgeglichen würden. Die Balancierung der öffentlichen Haushalte müsse selbst auf Kosten neuer Steuern erfolgen, wenn es auf dem Wege der Sparsamkeit allein nicht gelänge. Hinsichtlich Arbeitszeit und Lohn ginge es den Unternehmern nicht darum, die arbeitenden Massen schlechter zu stellen, denn sie seien sich der Bedeutung des Massenkonsums wohl bewußt. Wir müßten aber aus der durch die Zwangswirtschaft herbeigeführten Erstarrung des Lohnsystems und der S e l b st k o st e n heraus, die uns gehindert hätten, aus den sinkenden Tendenzen der internationalen Rohstoffpreise für das eigene Land Nutzen zu ziehen. Wir mußten heraus aus derZwangswirt- schaft im Wohnungsbau und im Bergbau. Wir brauchen Rückkehr zum wirtschaftlichen Lohn und zur wirtschaftlichen Arbeitszeit. Das R e - parationsproblem dürfe erst dann angefaßt werden, wenn mindestens gleichzeitig die Grundlage für den Wiederaufbau und die Organisation unserer inneren wirtschaftlichen Verhältnisse gelegt sei. Statt unzeitig Verhandlungen zu führen, heiße es auf die Zähne zu beißen und zu warten. Die Regierung verdiene schwere Vorwürfe, die noch einmal vorzeitig das deutsche. Volk zum Objekt derartiger schwerwiegender Verhandlungen mache, wie wir sie bereits zweimal erlebt haben. In unserem Steuersystem werde der Schwerpunkt noch mehr von der direkten auf die indirekte Besteuerung gelegt werden müssen. Wer den Wiederaufbau unserer Wirtschaft wolle, der müsse die Autorität des Staates stärken. Der Staat selbst aber werde sich daraus besinnen müssen, daß seine Aufgabe die Wahrung von Hoheitsrechten, nicht aber die Teilnahme an Wirtschaftskämpfen sei. Me Besteuerung der Krastschrzeuge. In der Vollsitzung der Vereinigung der Spitzenoerbände des Kraftfahrwe- s e n s (der Oberhessische Automobilklub gehört im Rahmen des Automobilklubs von Deutschland dieser Organisation an), in den Räumen des Automobilklubs von Deutschland, haben diese Verbände zur Denkschrift der Reichsregierung über d i e Besteuerung der Kraftfahrzeuge Stellung genommen. Die Verbände haben mit ernster Besorgnis von dieser Denkschrift Kenntnis genommen. Die Bedenken der Kraftverkehrs- wirtschast richten sich in erster Linie dagegen, daß sich die Denkschrift, abgesehen von einer Verschärfung der Steuerlast für bestimmte Fahrzeuge, grundsätzlich für die Fortführung des bisherigen Zustandes, d. h. also die Aufrechterhaltung der jetzigen Zersplitterung der Kraftverkehrsbelastung ausspricht. Hiergegen muß sich die gesamte Kraftverkehrswirtschast mit allem Nachdruck wenden. Sie kann nicht stillschweigend zusehen, daß dem Kraftverkehr durch die letzten Maßnahmen der Reichsregierung (Betriebsstoff-Zollausstockung, Mineralölausgleichssteuer, Spiritusbeimischungszwang, Verschärfung der Bestimmungen der Kraftfahrzeugverkehrsordnung) in volkswirtschaftlich schädlicher Form und Höhe Sonderlasten auferlegt werden, die schon jetzt zu einer ganz außerordentlichen Drosselung der deutschen Kraftverkehrswirt schäft geführt haben. Die Verbände machen mit allem Nachdruck auf die schwerwiegenden Folgen aufmerksam, die bei einer Aufrechterhaltung der in der Denkschrift der Reichsregierung vorgesehenen Vorschläge sowohl für den Kraftverkehr als auch für die Gesamtwirtschast entstehen müssen. In einer Resolution fordern die Verbände u.a. die Zusammenfassung der Best e u e r u n g des Kraftverkehrs in einem einheitlichen Rahmengesetz, die damit oerbündene Zurückführung der bisher als Finanzzölle erhobenen Betriebsstoffaufstockungszölle und der inländischen Mineralölausgleichssteuer aus die Form einer Kraftfahrzeugverbrauchssteuer. Außerdem wird der Fortfall des Spiritusbeimischungs- Zwanges gefordert und anderes mehr. Die Kraftverkehrswirtschaft muß erwarten, daß sich die Reichsregierung der Berechtigung der Forderungen der Verbände auch im Interesse des Aroeits- beschaffungsprogramms nicht verschließen wird und eine entsprechende Aenderung ihrer Vorlage vornimmt. Sollte die deutsche Kraftverkehrswirtschaft in ihrer Erwartung getäuscht werden, so muß sie sich die Ausarbeitung eines vollständigen Vorschlags für die Neuregelung der Straft» sahrzeugbefteuerung zur Vorlage an den Reichstag vorbehalten. Höhe von 10 Prozent, wenn überhaupt, nur möglich ist, wenn sich neben der Industrie auch Groß* und Kleinhandel durch entsprechende Ermäßigung ihrer Ruhenspanne an der Preissenkung beteiligen. Gr seht hierbei voraus, daß auch bei den öffentlichen L a st e n (Steuern, Tarife, Frachten usw.) eine Senkung in Kürze erfolgen wird. Kleine politische Nachrichten. Der am 15. Januar unter dem Vorsitz des Sonderschlichters Professor Dr. von Möllen - d o r f im Reichsarbeitsministerium gefällte Schiedsspruch, der eine Gehaltskürzung von 5 Prozent für die Angestellten der Reichs - und der preußischen Staatsverwaltungen vorsah, ist von den Ange- stellten-Organisationen angeno mmen, von der Reichs- und der preußischen Regierung aber abgelehnt worden. Die Organisationen haben daraufhin heute den Reichsarbeitsminister ersucht, den Schiedsspruch für v e r b in d l i ch zu erklären. • Die Regierungs-Kommission des Saargebiets hat durch eine Verfügung das Tragen der Parteiuniform (einheitliche Kleidung) der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, des Werwolfs, des Bundes der Frontsoldaten (Stahlhelm), des Roten Frontkämpferbundes und des Reichsbanners mit sofortiger Wirkung verboten. * Der Freistaat Mecklenburg-Schwerin hat bereits des öfteren versucht, bei der Reichsregierung seine Einbeziehung in die Ost- Hilfe zu erreichen. Das Staatsministerium hat nunmehr an den Reichskanzler folgendes Telegramm gesandt: „Bitte in letzter Stunde erneut um Einbeziehung Mecklenburg-Schwerins in Ost- Hilfe. Frühjahrsbestellung gefährdet, da Mittel für Ankauf Kunstdüngers fehlen und Kreditbeschaffung unmöglich. Beunruhigung im Lande sehr groß." Aus aller Wett. Anna Pawlowa gestorben. Den Haag, 23.Jan. (WTB. Funkspruch.) Die weltberühmte russische Tänzerin Anna Pawlowa ist heute gegen 1 Uhr gestorben. Ihre sterbliche Hülle wird noch heute nacht in die russische Kirche im Haag übergeführt werden. Anna Pawlowna Pawlowa wurde 1888 in St. Petersburg geboren. Ihre berufliche Ausbildung erhielt siö auf der berühmten ehemaligen Kaiserlichen Ballettschule in Petersburg. Sie war schon auf dieser Ballettschule ein Genie auf ihrem Gebiet: ihr sicherer Spitzentanz, die vollendete Anmut ihrer Bewegungen und Attitüden, ihre Leichtigkeit, die völlige Losgelöstheit von aller Erdenschwere, die sie wie eine Feder durch die Lust gleiten ließ, war bewundernswert. Sie lehrte, daß die Tanzkunst erstens aus Technik beruhe und daß der Tanz zweitens aus der Musik hervorzugehen habe. Sie bekümmerte sich nicht um den „Rhythmus des Raumes", wohl aber üm den „musikalischen Rhythmus". Im Jahre 1904 begann ihre Laufbahn als Ballettänzerin, sie trat »damals im Kaiserlichen Marientheater in St. Pe- tersdurg auf. Bereits vor dem Kriege verließ sie dann ihr Vaterland, um Kunstreisen zur Vorführung klassischer Ballettänze in die verschiedensten ausländischen Hauptstädte mit großem Erfolg zu unternehmen. Der „sterbende Schwan" war ihr Haupterfokg, dem folgte die „Duppenfee", di« „Bar chanale", und eine große Zahl anderer Divertissements. Weihe des neuen Funkhauses in Berlin. Das neue Haus des Rundfunks, das gegenüber dem Funkturm und nahe den Ausstellungshallen errichtet worden ist, wurde mit einem kurzen Festakt seiner Bestimmung übergeben. Der gewaltige Bau wird als Mittelpunkt des gesamten deutschen Funkwesens nicht nur das neue Heim der „Funkstunde" sein, sondern auch die Reichsrimdsunrgesellschaft und das Bureau des Rundfunkkommissars in seinen Räumen auf- nehmen. Rundfunkkommissar Staatssekretär a. D. Bredow gab in kurzen Zügen ein Bild von der Entwicklung des Rundfunks seit dem Jahre 1923 und wies zum Schluß darauf hin, dah in Zukunft das neue Haus nicht nur ein Haus des Rundfunks, sondern auch ein Haus der Rundfunkteilnehmer sein solle, und man daran denke, auch die Erwerbslosen als Zuhörer in dieses Haus einzuladen. Rach der Ansprache des Rundfunkkommissars spielte das große Berliner Funkorchester unter Leitung von Bruno Seidler- Winkler das Konzerto Grosso O-Moll von Händel, ferner ein Konzert für Violine mit Orchesterbegleitung und zum Schluß „Don Juan", Tondichtung nach Rikolaus Lenau für großes Orchester von Richard Strauß. Große Kälte in Ostpreußen. In Ostpreußen fiel am Mittwochabend das Thermometer auf minus 16 Grad. Als tiefste Temperatur verzeichnete die Wetterwarte Königsberg ' in der. Rächt zu Donnerstag minus 19,7 Grad Celsius. Am Donnerstagvormittag wies das Thermometer 15 Grad Kälte auf. Der Wetterbericht sagt für die nächsten beiden Tage Fortdauer des starken Frostes voraus. Lawinenunglück bei Chambery. In der Nähe von Vonneval sind sechs junge Leute, d i e Heu von den Bergen holten, von einer Lawine verschüttet worden. Nur drei konnten sich retten, während die drei übrigen unter den Schneemassen begraben liegen. Die Nachforschungen nach den Opfern haben bisher zu keinem Ergebnis geführt, da der Schnee teilweise sehr hoch liegt. Der Prozeß gegen den Goldmacher Taufend. Am vierten Verhandlungstage sagte der Zeuge Rienhardt u. a. aus, daß man Tausend wohl nicht den Vorwurf der Gewinnsucht machen könne. Der Zeuge habe vielmehr den Eindruck gehabt, dah es Tausend sehr lieb gewesen wäre, twrnn die ganze Goldsache an das Reich übergegangen wäre. Es sei wohl mehr die Absicht gewesen, den Kapitalismus zu schwächen als zu stärken. Als nächster Zeuge bekundete der Mitarbeiter Pern et, der Stiefsohn Lude n d v r f f s, daß er im Auftrage seines Stiefvaters zur Beobachtung des Tausendschen Verfahrens sich daran beteiligte. Er sei zum Teil auch eingeweiht worden und habe selbständig gearbeitet und dabei auch Erfolge erzielt, allerdings nur in kleinem Ausmaße; Versuche in größerem Almfange seien mißlungen. Er glaube nicht, dah Tausend bei seinen Versuchen eines Betruges sich schuldig gemacht habe. Der Zeuge S t r e m m e l, Kaufmann in Berlin, erklärt, dah er bei den ersten Versuchen nicht nur erfreut sondern direkt erschüttert war. Er trat als Mitarbeiter ein und wurde später Geschäftsführer mit einem Gehalt von 800 Mark. Rach seinem Ausscheiden habe er an Lausend Forderungen in Höhe von 200 000 Mark gestellt, weil seine Existenz durch seine Mitarbeit gefährdet war. Tausend habe in großzügiger Weise diese Forderimg auch anerkannt. Das Erträgnis aus dem neuentdeckten Verfahren haba zur Hälfte ausschließlich Tausend und Ludendorff zugestanden. Eine inzwischen in Bremen errichtete Arbeitsstätte sollte dem Ausbau des Derfahrens dienen. In dieser Arbeitsstätte habe eine große Hochachtung vor Tausend geherrscht. Del Erwähnung der Bilanz bei der Auflösung der Gesellschaft 164 wird schließlich festgestellt, daß hier e i n Betrag von 390 000 Mark unaufgeklärt geblieben sei. Fährunglück bei Sarajevo. Auf der Bosna ereignete sich in der Nähe der Stadt ein Fährunglück. Eine Fäyre mit acht Frauen an Bord begann in der Mitte des Flusses zu sinken, wobei särnlliche Insassen ins Wasser fielen. Vier von den Frauen ertranken. Riesenfeuer in einem dänischen Hafen. In der dänischen Hafenstadt H o l b a e k entstand in einem Kornelevator ein Brand, der sich in wenigen Minuten auf eine große Anzahl von Kornsilos und Speicher auSdehnte. Die Feuerwehren von vier Städten standen dem Feuer machtlos gegenüber. Sie muhten sich daraus beschränken, die Wohngebäude in der Rach- barschaft zu retten. Die am Quai liegenden Dampfer muhten in aller Eile aus dem Hafen geschleppt werden. Verbrannt sind das älteste Paßhaus der Stadt, eine Futter- mittelmischanstalt, ein Dureaugebäude, 18 Silos mit 2100 Tonnen Korn Inhalt,' eine Dampfmühle und ein großes Lager von—Oelkuchen. Der Schaden betragt weit über eine Million Kronen. Die Lokomotive auf der Leinwand. Ein Vorfall, wie er wohl vereinzelt dastehen dürfte, ereignete sich in der ungarischen Ortschaft Georowesti während der Vorführung eines Wanderkinos. Als auf der Leinwand die Umritte einer Lokomotive immer schärfer wurden und die Lokomotive gegen die Zuschauer zu fahren schien, wurden mehrere Zuschauer, die anscheinend zum ersten Male in ihrem Leben im Kino waren, nervös. Als einer von ihnen rief: „Retten wir uns. bevor es zu spät ist!", entstand unter den Zuschauern eine Panik. Die Ausgänge wurden gestürmt und in dem Gedränge Menschen zu Boden getreten. Zwölf Personen wurden schwer verletzt. Raubüberfall in Hamburg. Ein dreister Raubüberfall wurde auf eine Verkäuferin eines Pelzwarengeschäftes verübt. Ein junger Mensch betrat den Laden, warf plötzlich der Verkäuferin einen Riemen um den Hals und schleppte sie in das hinter dem ßaben liegende Zimmer. In ihrer Todesangst gab die Verkäuferin den Ort an, wo sie das Geld aufzubewahren pflegte. Mit einer Deute von nur etwa 20 Mk. verschwand der Räuber, konnte jedoch von einem Polizisten, der auf ihn aufmerksam geworden war, kurz danach verhaftet werden. Es handelt sich um einen 17jährigen jungen Menschen aus Osnabrück, der seinen Eltern entlaufen ist. In feinem Besitz wurde auch ein geladener Revolver gesunden. Oie Wetterlage. 0' Tours larTrtftwi— s. X wai -H -4 1 O /Q3 rmont 'fonf ♦, A0 44 ~^Z -la .Nord yajö / 2 MMS ©woiKenios-O neuer. (»naiv OeoetKi ® woiKig. • neuem • Regiix w Schnee o Graupeln, b Nebel K tewitter,®Windstille.O-. «hx eicnter Ost nissiger Südsüdwest q stürmischer Nordwesl Oie Pfene fliegen mit dem Winde. Pie neiden Stationen stenenden Zafp ien geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichen) tut neeresniveau umgerechnetee Luftdruck Wettervoraussage. Mit dem erneuten Vordringen milderer Lust von. Westen her werden Luftdruck und Temperaturen beeinflußt. Die Wetterlage gelangt mehr in den Bereich der Südseite der Nordmeerstörung, wodurch starke Bewölkung unserem Gebiet zugeführt wird und die Temperaturen halten sich vorerst wieder meist über Null. Auch das heute morgen über England und dem Kanal gelegene Niederschlagsgebiet dürfte unseren Bezirk überqueren, so daß zeitweise Regenfälle zu erwarten sind. Durch das neue Fallgebiet wird der Witterungscharakter vorerst mehr unbeständig. Aussichten für Samstag: Meist bewölkt, zeitweise Riederschläge, milder. Aussich ten für Sonntag: Wechselhaftes Wetter, noch einzelne Riederschläge, Temperaturen schwankend, aber meist über Rull. Lufttemperaturen am 22. Januar: mittags 4,4 Grad, abends 2,5 Grad; am 23. Januar: morgens 3,9 Grad. Maximum 4,7 Grad, Minimum 2,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Januar: abends — 0,2 Grad; am 23. Januar: morgens 0 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer drei Stunden. Amtliche Winterfportnachrichten. Vogelsberg, Hoherodskopf: Bedeckt, +1 Grad, 20 cm Schnee, verharscht; Sportmöglichkeit nur stellenweise. Schwarzwald. Feldberg: 'Bewölkt, 0 Grad, 90 cm Schnee, verharscht; Sn und Rodeln gut. Alpen, Garmisch-Partenkirchen: Klar, — 6 Grad, 20 cm Schnee, verharscht; Ski und Rodeln gut. Ibt. idt. -- öheim. ünfter. sien. meinde Münster. bruar lsd. Jahres ab die Verfügung vom 1H- cheuerordnung liegt vom weils von 10 bis 12 Uhr uns Einsicht auf. ■* Miete. bn,a,»hteabbi, .^lfügung vom 17 % «ns Einficht auf LN ber g'OQter iSlÄ 1 un ftaat- 1 ’SX!1*bie 8"fa. bestens den » be= «• ErforLl^druar W zu beni|t.Ql5N S ^nbet fi* be^Or: V“'1' Amw licdvöi q5"," .le0t«!"Z!> »öV'flU^a£ererN^ Vordringen m™g^mren Luftdruck und 1 jn den ..igae gelang, ^odurU) 'er Vordmtt^A^ wird r-m Seb LAA wieder n V^. Moraen über Eng' dos ^^ArfchlagLgeb' aUa: M w Samsras Mge. ^^Mchselhastee SonntaS' T-mpc"' Otie^Äü. ... 1 am 23.20^- @rillX ;; A V'niinurn ^„^r. ? ®^'Tiefe ar" ggrad zs.ss »SL'i-"' ynee, gjetpblfl- >K$^ NMCtt 1 .ftnonf w J9 « Nutzholzversteigerung. TKonlcg, den 26.3anuat 1931, oormil- tags 9% Uhr anfangend, soll aus hiesigem Gemeindewald nachverzeichnetes 5)0(3 versteigert werden. 614D Ruhholz. Stämme: Eiche 1. Kl. 8 St., 0,48 km „ „ 2. „ 1 „ 0,35 „ " „ 3. „ 2 „ 1,16 „ Fichte 3a» „ 16 „ 25,44 „ 3b» „ 8 „ 16,90 „ „ „ 4a» „ 2 „ 5,81 „ Derbstangen: Eiche 5 „ 0,24 „ Fichte 1046 „ 44,01 „ Reisslängen: 2000 „ 27,45 „ Bohnenstangen: 1500 „ Zusammenkunft ist im Ort. Bersrod, den 22. Januar 1931. Hessische Bürgermeisterei Bersrod. ' Becker. Zwangsversteigerung 57/301 565 A Jagd-Verpachtung 39 27 20 15 19 323 1 83 73 25 7 Der Gemeindevorsteher. B 0 d e n b e n der. Filetheringe in verich. Soben Thüringer u Braunichweiger Wuritwaren Stets friich geräucherte Fif ehe Viele Sorten Käie Bergifches Schwarzbrot Knäckebrot Pumpernickel Wissenschaftliche Werke Sondergeoiei oe< Brühl’schen Druckerei und Remoulade Dole 80 Pf. Heringe in Gelee Dole 75 Pl. Feinkost in Weinfülze Dole 1.20 Hk. Fenier: Kronen-Hummer Königskrebfe Salm Ovomaitine enthält Malz, Milch, Ei und Kakao und die nöti- genNährsalze in konzentrierter u. Icidit- verdaulichcr Form. Ovomaltineist der einzige Hintermann, der vorsagen darf.MitOvomaltine gibt es keine Hindernisse mehr bei den vcrzwicktenDezimalbrüdien, keine verzweifelten Ucberlegungen, ob Katarrh mit r oder rh geschrieben wird. Ovomaitine gibt dem Schüler einen ganzenTor- nister voll Kraft, geistig und körperlich, denn Ovomaitine sättigt nicht nur, sondern gibt Kraftvorrat. Der Junge wächst und behält doch seine roten Backen. Leib und Seele halten besser zusammen. Das Geheimnis, warum Ovomaitine so ausserordentlich wirksam ist, beruht auf ihrer glücklichen Zusammensetzung. Ovomaitine kann süss und ungesüsst — je nach Geschmack — in Milch, Kaffee und Tee getrunken werden. Originaldosen in allen Apotheken und Drogerien. weisen. Unterkunstsvcrhältnisse sehr gut. Rutz- und Brennholzversteigerung Bürgermeisterei. Rüddingshausen (Post Londorf), den 19. Januar 1931. Hessische Bürgermeisterei. Müßig. Mahnung. Die für den Monat Dezember 1930 zu unserer Kaste fälligen Krankenkasten- und Arbeitslosenversicherungs-Beiträge können noch bis zum 30. Jan. 1931 ohne Kosten ge- zahlt werden. Aach diesem Tage eingehende Zahlungen können nur unter Berechnung der Mahngebühren angenommen werden; außerdem sehen sich die Rückständigen der Zwangsbeitreibung aus. so? d Zahlungen können an die In den Rechnungen genannten Zahlstellen, auf Postscheckkonto Frankfurt a. M Rr. 8875 oder täglich von 8 bis 1 Uhr außer SamS- tag« bei der Hauptkaste, Bahnhofstr. 92, geleistet werden. Dießen, den 22. Januar 1931. Allgemeine Ortskrankenkasse des Landkreises Giessen. rm Ei.-Knüppel ___ rm Bu.-Scheit und -Knüppel 1117 rm Bu.-Reifer Salzböden (Kr. Wetzlar), 21. Jan. 1931. Ovomaitine Der beste Schulkamerad Fei nk oft Fleifchialat mit Mayonnaife y4 Pfund 45 Pf. Heringfalat mit Mayonnaife i/4 Pfund 40 Pf. Mayonnaife y4 Ptund 50 PL Oelfardinen Dofe von 35 Pf. an Fettheringe in Tomaten Dofe 80 PL Filetheringe in Mayonnaife Homberg (Oberh.), den 2. Januar 1931. Hessische Bürgermeisterei. ____Schweiler. Heinr.örieich Seltersweg 70, Telephon 2481 50 rm Stockholz. Leihgestern, den 22. Januar 193L ____________Bürgermeisterei.____________ Nutz- und Brennholzversteigerung der Gemeinde Salzböden. Am Mittwoch, dem 28. Januar, nachmit- tags von 2 Uhr ab, kommt im Saale der Gastwirtschaft weisbrod, dahier, aus den Distrikten Austück, Jlscheid, Hardt und Totalität nachstehendes Nutz- und Brennholz zur Versteigerung: 6080 5 Ei.-Stämme 2. und 3. Kl. scheit rm Buchenschelt, 240 rm Eichenscheit, 40 rm Buchen- und Eichenknüppel, 3700 Buchen- und Eichen-Wellen und Christengemeinschaft: Vortrag „Der unbekannte Schiller und die Gegenwart" von Lic. Robert Goebel, 20.15 Uhr. Hörsaal 51 der Universität. — DHC.: Vortrag mit Lichtbildern von Gcheimeral Professor Dr. Sommer. 20.15 Uhr, Hörsaal der Nervenklinik. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Drei von der Tankstelle". — Astoria-Lichtspiele: „Blockade". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute 19.30 Llhr die Posse .Robert und Bertram" von Raeder mit Gesängen und Tänzen: Spielleitung Heinrich Hub. — Sonntag 14.45 llhr bei ganz kleinen Preisen (0,80 bis 1,50 Mk.) letzte Kindervorstellung des diesjährigen Weihnachtsmärchens „Goldmarie und Pechmarie". 18.30 Uhr als Fremdenvorstellung »Der Kaiser von Amerika". — Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Am Samstag, 20.15 Uhr, findet eine öffentliche Versammlung in der Turnhalle am Oswaldsgarten statt, in der der Reichstags- abgeordnete Diplomingenieur Gottfried Feder sprechen wird. Gießen, der bedeutendste deutsche Zuchtviehmartt. Der Gießener Zuchtviehmarkt ist nach der Zahl der im abgelaufenen Jahre zum Verkauf aufgetriebenen Tiere — außer dem Berliner Magerviehhof, der allerdings doppelt so viel Märkte im Jahr abhält als Gießen (alle acht Tage ein Markt) — der größte Z u ch t - viehmarkt im Deutschen Reich. Gießen hatte in 1930, bei 25 Märkten, einen Gesamtaustrieb von 35 326 Stück Rindvieh, von denen 30 512 Stück Großvieh und Jungtiere, sowie 4814 Stück Kälber waren. Im Iahre vorher betrug die Gesamtzahl der zum Verkauf gestellten Tiere nur 29 019'Stück. An der Spitze aller deutschen Zuchtviehmärkte, mit Ausnahme des Berliner Magerviehhofs, marschierte bisher der Lübecker Markt mit einem IahreSauftrieb von 30 577 Stück Rindvieh, der aber nun um rund 5000 Tiere durch den Gießener Markt überholt ist. Aus der pwvinzialhaupistadi. Gießen, den 23.Januar 1931. Müssen Kinder „ange egt" werden? In unserer vergnügungsreichen und dabei innerlich so armseligen Zeit gibt es viele Eltern, die voller Stolz und Befriedigung ihren Kindern etwas Gutes zu erweisen glauben, wenn sie sie mit zu Vergnügungen schleppen, ihnen Kinderbälle anrief) en. sie sobald wie möglich an Theater- und besonders Lichtspielaufführuirgen teilnehmen lassen Sie sind überzeugt, dadurch chre Kinder geistig anzuregen. Richts ist falscher und gefähr- licher als diese Meinung, und um so mehr, je jünger das Kind ist. Gerade die Kinder der Vorschulzeit besitzen das Vermögen, sich aus dem Richts eine Welt zu schaffen. Ein Stück Holz ist bald Puppe, bald Hund oder Katze; die Fußbank wandelt sich nach Bedürfnis zum Wagen, zum Schifs oder zum Pferd und zur Kuh. Ieder Stock wird zum Säbel, zur Fahne oder zum Gewehr. In diesem Reich ist das Kind unbeschränkter Herrscher aller Dinge; aber auch umgekehrt beherrschen die Dinge unb die Vorstellungen, die das Kind an sie knüpft, wiederum das Kind; an ihnen wachsen seine geistigen und körperlichen Kräfte; denn für das spielende Kind ist das Spiel das eigentliche Leben. In diesem seinem Leben will und darf es nicht gestört werden. Schon Ereignisse des Tages können ein Kind bis in den Traum hinein verfolgen und ihm schwer wieder auszutilgende Schäden beibringen. Mein dreijähriges Töchterchen geriet in ängstliche Erregung, als ich ihm auf dem Felde eine aufsteigende singende Lerche zeigte; und das jetzt zweijährige Töchterchen eben dieser Tochter schreckte aus dem Schlaf auf, weil ein Huhn tags zuvor es am Fingerchen gepickt hatte. Mit zunehmendem Alter und wachsenden Kenntnissen zieht das Kind die Gegenstände seiner Umgebung mehr und mehr in das Bereich seines Spiels und begnügt sich selbstverständlich nicht mehr mit Stock und Fußbank. Aber fast bis an die Grenze der Entwicklungszeit braucht es durchaus keine An- und Erregungen der Art und in der Aufmachung, wie sie viele Erwachsene nötig zu haben glauben Es tummelt sich immer noch im Reich des Spiels und bevölkert es mit den Gestalten seiner Einbildungskraft bis hinaus zu Helden, Räubern, Prinzen oder Indianern. Rethen wir das Kind aus dieser in ihm erwachsenen Welt heraus, so verfälschen wir seine Empfindung. wir übersteigern seine Einbildungskraft; wir vertreiben das Kind vorzeitig aus seinem Paradies, in dem es langsam dem natürlichen Ende der Kindheit entgegenreifte. Kann es wunder- nchmeir, daß aus diesen emporschießenden Stieben keine gesunden, kräftigen Bäume erwachsen? Deshalb laßt das Kind in der Ruhe seines Elternhauses, seines Spieles und seiner natürlichen Entwicklung. Versündigt euch nicht an der Knospe, indem ihr sie vor der Zeit zum Blühen bringt ®- ®- Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. Stadt- theater: „Rodert und Bertram". 19.30 bis 22.30 Uhr. Erfreuliche Fahrplanänderung. Personenzug Gelnhausen ab 15.30 Uhr, Gießen an 17.19 Uhr, fuhr bislang in Bleichenbach und auf der Haltestelle Schiffenberg durch. Nunmehr hat die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. angeordnet, daß der Zug ab 1. Februar täglich in Bleichenbach und Schiffenberg hält. In Bleichcnbach fährt der Zug um 16.02 Uhr. in Schiffenberg um 17.10 Uhr ab. Durch das Halten in Schiffenberg ist ein langersehnter Wunsch 8er beteiligten Landgemeinden und der Schiffenberg-Ausflügler in Erfüllung gegangen. ** Dienstjubiläum bei der Reichsbahn. Reichsbahnassistent Wilhelm Speyer, Fahrkartenausgabe Gießen, Zugschaffner Paul G e s. kes, Bahnhof Gießen, und Güterarbeiter Konrad Becker. Güterabfertigung Gießen, konnten auf eine 25jährige Dienstzeit bei der Reichsbahn zurück- blicken. Den Iubilaren wurden von den Dienststellenleitern die Glückwünsche der Verwaltung ausgesprochen. _______________ Ruh- und Brennholzversteigerung Montag, den 26. Januar 1931, nachmittags 1 Uhr, wird in der Wirtschaft „Zur Krone", dahier, nachstehendes Holz aus den Distrikten Lach und Finkenholz ver- teiger t: 609D 19 Eichenabschnitte, N, 2.» S. n. 4. Klasse = 16,00 fm 8 Buchenabschnitte, N, 3. und 4. Klasse Montag den 9. Februar L3., nachmittags 3 Uhr, wird im Rathaus zu Homberg (Obcrhessen), Station der Nebenbahn Burg- Nieder-Gemünden — Kirchhaim die zirka 980 Hektar große Feld- und Waldjagd der Stadt Homberg (Oberhessen) in drei Teilen, evtl, auch zusammen, auf sechs oder neun Jahre verpachtet. Darunter befinden sich zirka 1450 Morgen Wald. Zu bemerken ist noch, daß auch im Monat Februar die fis- kalische Jagd verpachtet wird. Pachtlieb- habet wollen sich an die unterzeichnete Stelle wenden. Die Bedingungen werden vor der Versteigerung bekanntgegeben. Um bekannte Pachtliebhaber wollen sich aus- •• Preisgekrönt beim Tanzturnier. Einen starken Erjolg errang daS Gießener Tan^- paar Ewald Bäulke und Frau bei dem in München vom 17. bis 19. Ianuar veranstalteten Tanzturnier um die Deutsche Meisterschaft. Es gelang dem Gießener Paar, ausgezeichnete internationale Tanzpaare zu schlagen. Bei scharfer Konkurrenz errangen Herr Däulke und Frau den vierten Preis, ein starker Erfolg, wenn man bedenkt, daß das Paar erst auf dem zweiten Turnier getanzt hat und unter den Konkurrenten die Inhaber von Welt-, Europa- und Deut'che Meisterschaft waren. Als Turniertänze wurden getanzt: Tango, Slow Fortrot, English Waltz, lluickstep und Wiener Walzer. ’• E i n Achtzigjähriger. Am 25. Ianuar kann unser Mitbürger. Herr Ehristian Weidig, Dammstrahe 22, seinen 80. Geburtstag begehen. Der alte Herr ist geborener Gießener. •• Der Oberhessische Verein für Innere Mission, der seinen Sitz in Gießen Hot und zur Zeit von Oberstudienrat i. R. Prof. Dr. Weimer geleitet wird, entfaltete auch im Jahre 1930 eine rege Tätigkeit. In seinen über 50 Jahre bestehenden „Herbergen zur Heimat" übernachteten insgesamt 33 436 Wanderer, und zwar in Gießen 15 675, in Friedberg 17 761. Die stärkere Inan- spruchnahme der Friedberger Herberge gegenüber der Gießener beruht auf der Einrichtung eines städtischen Asyls in unserer Stadt. In den Vereins- Häusern zu Friedberg und Gießen sind außer den Räumen für die Wanderer auch Zimmer für Hospiz- gäste eingerichtet. Das vom Verein vor 23 Jahren gegründete Hospiz in Bad-Nauheim hatte 1930 zusammen 699 Kurgäste mit 11 345 Logiernächten. ** Festnahme eines Schwerverbrechers. Am 14. November v. I. stahlen zwei Männer und eine Frau in Gießen einen Personenkraftwagen, mit dem sie dis in die Gegend von Germersheim (Pfalz) fuhren, wo sie den Wagen demoliert liegen ließen und in einem anderen gestohlenen Auto ihre Fahkt bis Karlsruhe fortsetzten. Auch dort stahlen sie wieder ein Auto, und so ging es weiter, bis vor einigen Tagen die Polizei in Nürnberg in das Trio hineingreifen konnte. Dabei wurde als Mitglied der diebischen Gesellschaft der Kraftwagen, führet Hans Lammpatet aus Ulm verhaftet. Sein Spießgeselle Eugen Matthes mit „Braut der Kellnerin Emilie G e r ft e I, konnte entkommen. Nach dem Autodiebespaar wird weiter eifrig gefahndet. Bis jetzt wurden auf das Konto dieses Trios folgende Straftaten ermittelt: Autodiebstahle in Stuttgart, Karlsruhe, Gießen, Hildesheim und Hamburg; Schaufensteteinbrüche in Reutlingen, Tübingen, Ebingen, Kobutg, Hildesheim und Enget; Einbrüche in Wißmar und Kaiserslautern. Man hat es also hier mit vollendeten Schwerverbrechern zu tun. Großer Zabrikbrand in Mainz. Mainz, 23. Jan. (WTB.) In der vergangenen Nacht brach in einer hiesigen Kartonagen. fabrik ein Brand au^ der das ganze Gebäude bis auf die Grund mauern ein- äscherte. Als die Feuerwehr am Btandplatze eintraf, brannte das Haus bereits in allen Stockwerken. Es gelang lediglich, einige wertvolle Maschinen zu retten Alles sonstige Inventar und die Vorräte wurden ein Raub der Flammen. Die Btandursache konnte noch nicht ermittelt werden. Ein Reichsbahn Güterschuppen ausgebrannt. WSR. Wetlburg. 22. Ian. Gestern abend geriet der Güterschuppen der Reichsbahn in Weilburg aus bis letzt unbekannter Ursache in Brand. Ein Teil der Güter wurde vernichtet. Der Schaden beträgt etwa 5000 Mk. Der Schuppen brannte völlig au«. Berliner Sorte. Berlin, 23. Jan. (WTB. Funkspruch.) Im heu- tigen Frühverkehr taxierte man die Atunmung wieder etwas freundlicher, da günstige Nachrichten über die deutschen Anleiheoerhandlunaen in der Morgenpresse zu finden waren, und da Neuyork gestern in fester Haltung schloß. Man glaubt, noch mit weiteren Deckungen zum Ultimo rechnen zu kow- nen, zumal die Spekulation gestern verschiedentlich Blankoabgaben vorgenommen haben durfte. Das Geschäft war weiter sehr klein. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,88, gegen Mailand 92,73, gegen Spanien 46,60, gegen Sabel 4 8540 gegen Berlin 20,4240, Kabel gegen Berlin 4',2075'. Srieffoffen der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) D. S. Heber die Bestimmungen für die Ausbildung eines Gewerbelehrers oder Gewebe-» oberlehrers ist in Rr. 17 des preußischen Ministerialblattes der Handels- und Gewerbeverwaltung in Berlin, Ausgabe vom 5. September 1930, unter Abschnitt IV, Gewerbliche Unterrichts- angelegenbeiten, näheres ersichtlich. DaS Matt, erhalten Sie bei Karl HeymannS Verlag, Berlin W 8, Mauerstraße 44. H. D. in Et. Die Steuer für gepachtetes Land ist nicht vom Pächter, sondern vom Grundeigentümer zu bezahlen. Falls Sie vertraglich die Steuerzahlung übernommen haben, muß Ihnen vom Grundbesitzer die Höhe der Steuer nachgewiesen werden. Offixierslaufbahn. Die Anmeldung zur Osft- zierslausbahn bei der Reichswehr müssen Sie dem Kommandeur des Regiments erreichen, bei dem Sie eintreten wollen. Die Anmeldunsi muh ein Iahr vor der Entlassung aus der Schule in der Zeit vor dem 1. April, erfolgen. Krankenkasse. Ihrer Frau stehen zu: Freie Hebammenhilfe, Arznei- und kleinere Heilmittel, erforderlichenfalls freie ärztliche Behandlung, weiter ein einmaliger Entbindungskostenbeitrag von 10 Mk., Wochengeld für 71 Tage In Höhe von 50 Pf. täglich, Stillgeld für 85 Tage in Höhe, von 25 Pf. täglich, letzteres aber mir so lange, wie die Frau baä Kind stillt. A. T. In derartigen geschäftlichen Angelegenheiten kann im Briefkasten keine Auskunft erteilt werden. W. F. Eine Vertriebsstelle der von Ihnen gesuchten Art ist uns "nb^annt. Ovomaitine mit Kostenlos erhalten Sie eine Probe, wenn Sie Ihre Adrette einsenden an« Dr. A. Wan der Abteilung A 7», Osthofen (Rheinhessen^ 1 Fi.-Stamm Id-Kl. 20 Fi.-Stangen 2. und 8. Kl. Fi.-Slangen 4. Kl. rm Ei.-Schichtnutzholz und -Rollen im Fürst zu Solms-Braunfelsschen Forst- reoier Hungen, Distrikt Tiergarten bei Hungen am Montag, dem 26. d. M. Zusammenkunft 10 Uhr vormittags auf der Straße Hungen—Schotten am Pfannekuchenweg. Zum Verkauf kommen: (610D 195 Stück Fichtenderbstangeu 1 —3.5tL 47 rm Buchenscheiter 90 rm Buchen- und Hambuchenknüppel _ rm Fichtenknüppel 132 rm Buchenreisig und Schlagraum Montag, den 2. Februar L 3.» nachmtt- tag» 3 Uhr, wird auf hiesiger Bürger- meisteret die zirka 820 Hektar große Feld- und Waldjagd der Gemeinde auf sechs oder neun Jahre verpachtet (Zirka 160 Hektar Wald und 660 Hektar Feld). Die Pachtzeit beginnt am 8. Februar 1931. Die Bedin- aungen werden vor der Verpachtung bekanntgegeben. Bahnstation ist Odenhausen bzw Londorf, Sttecke Gießen—Lollar— Grünberg. Nähere Auskunft erteilt die = 6,59 km 79 Fichtenstämme, N, la-Kl. = 13,37 km 7 Fichtenstämme, N, lb-Kl. - 2,38 fm Fichtenstamm, N, 2a-Klasse = 0,86 fm Fichtenderbstangen 1. Klasse Fichtenderbstangen 2. Klasse Fichtenderbstangen 3. Klasse rm Eichen- und 5 rm Buchen-Nutz- Am Donnerstag, dem 26. Februar 1931, vormittag» 9 Uhr, wird im Amtsgerichts- gebäube zu Gießen, Zimmer Nr. 106, das im Grundbuche von Gießen dem Fritz Busch und Lhesrau Helene geb. Riemer ,u Gießen zu je zugeschriebene Anwesen Lindenplah 12: 8518D Flur 1, Rr. 426 = 120 qm hofreite, geschätzt auf 23 440 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 15. Dezember 1930. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: ______Leo, Ortsgerichtsvorsteher._______ Jagd-Verpachtung. ftems großer Äeßererftmif 6eö Große Mengen Reste und Restbestände aus unserem diesjährigen Inventur-Ausverkauf bieten Ihnen eine besonders günstige Kaufgelegenheit Besichtigen Sie bitte unser Restefenster 6isa LUDWIG Bahnhofstraße 2-4 Gießen • Telephon 2060 Elegante Maßanfertigung im eigenen Atelier Unsere Preise sind trotz höchster Leistung den wirtschaftlichen Verhältnissen angepaßt Vorsaisonpreise: M. 135.- 148.- 158.- 168.- 558 A CITROVANILLE und deshalb machen Sie den Versuch bei Kopfschmerz, Migräne, Neuralgien oder rheumatischem Zahnschmerz: Cilro- vanille nehmen, das unschädliche. rasch und mild wirkende Mittel, Es hat sich jahrzehntelang immer bewährt. Als Tasdsen- millel ist Cilrovanille ein stets zuverlässiger Begleiter. 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" X--.P « — ä .h2». s- ■ — s --253e-! „Co -3 — , L- £ e 4» NQZZ p — »o ü E -e:= E S5C ._ =® s *— r? 3 — 5 3 , Slffi = 'oA c-e ° k. 2 2. - -u 3ZLZ BsißSÄ •3 1 'g.S 3® = —-3 s»c e 2 W=€ = ^o .. -Z§U 2Z<9 5 L ■z . «ft^-e ^HZ«Z = ck»t£ c = -E-Z " 77 E 3 — EtA ppp £5=w-~"-H L " SL <9 . o «>O g 2 5.-3-19 _^O£ = « "2 ft» .= ££-■€-« c c 5 ‘S 0 . ~ c o ~ f* * X“- “ Ä 45 C tf» "'a ZA" 319Z Öt Er- m eöd®s '-t * 3 ;3 3 (3 59 -58 «2.^4 §■ 8 = 3 2.5 @ ;5 = 3 5 5 3 8 3 8 o ’ SS ~6) 2 iS A- L § 5 L 3.3 ti ?s- LS Ä 2. •a ffl2. 8 rw 3.®' ö 3 3 3 tö>? 61 re c V 8 3 5 3 p ey 3 g. 2 a re • - _o or — •t C Y o -n £2: c*> re 2 ir. ey <-i 2« 3 LS 2. St 5. LS ro ÖD aa L'LS 5 2 3 61 a a a re 8 ÖB re v> e g’ö 8 ~§3 »8 8 t.3g 8 ti re ÖD re LS--» re c-on-Q 3 o" R"§ ~rT = a-o ns?g = 3* aa 3t3ffi3 3 mea. 8 " Tn« s: 2 ca 3 ST2?. as =-'re 2. a 55 DZ sa re 6>2 ° 3 2.«« re 61 3 — » Ma-D ^re —3 59 S" 2 2 3 »ffigag u> Ö re" a 3 = 3 ot 3 a O re 3CS*3 « S’ea 8 = w -aas = re* 5 a 3 Z2 >s Lre« 8 LS 6)0 3ÖS LS 2. sr^: 8 .<3 2.=*.sa 3 w «3. Z. «8° =• to'1 55 ~ § Ho g Z.K to = =r ti a a ??a re 2. 8 ~to 2. o crg: re' re 6)5-a 612. o 3 2© 5 3 5 ö er öi» « ö 5-cp 3 ?r ti O-'re’ aor e er SB 3 re_p AL 3a öi 2. 2-2 Z-ß'A 61 3 c: ö 'S ZOZ> a 61 re 3' 59' 3 e •:• re 3 o,» re n 3 n’.! Hi ‘ X? Q •3 ■*5 S 5 Bo- o 2 2 iü £ re 8 55 3 SB O: 61 f n«s>3 »SF ö»a a = Sa v> © -r-61 °a u> 8 5 s -3 3 S S = aa» « „ WS no,owa7« 3 ° 00 Qe»2.«3'° 8 i» P" 2. ro 3i>07n E D re H K u- 612- sag © re" 3 =.^| s»f £ ^LS dvx ca n Spjo c 3 3 re B 3 ©■9"2.8"~ Pagcy i.2 g re re U> 2.L2 " 2.8 o a3 s 2 £0' <5> s Z ■0 ja. ® re 3 e3 05 = 3 3 3 ?Zo 8 5 re ca 3 2 "re g;» Q 55 re er 0 re - KssZzZ 08 :g?is ~ re mRd re.' ti - 3 FffZ VZ8 «■r c o 3 rea-s ti re c. = 5'1® a s § 6 s aoa-o a d 3 g 01«3 a a 3 an >jo ”* o Z ©2-8 SS*-5 8 "■ = re So 3 J2, Z3 V-Ztz 332 3-3 re 61d»i=r 59Z3°A re- 8 ey re glg Z.a3 ■3 « = a _ re re o —■ .» 8 = 3 CT re- Q: er re ry re re -,3 X -V re § a3 3 Z-er >5® (n 2 2: 7.Z-LSO re- 5S-» O E S"1 re^'re' _. 3 - O 3 2 3 §3.3 3 t3£» 3 o: 61'° _ G E ffi^a i * 5. a-3-6i_ ^2a re g 2-, LSZ 0 Wi33 sZA 9§.59to2 er y LS 2 gre o 3 or 8-a?S Z s 61 Sn:® 3 ren 2T. a.: c ® : S re .re. 2 i S&eyO 612 re re 3 er re ^'La-. D-, 8 3 3 re 3. 8Ä2 St?, reO8tt 3 5 So 2 8 8 3 52 re 3 3 0 2 — 3 a 2 3’^öre’ai ~ «BS1 ,-s-x a- 3*0 612. 3 5T_ o re.a 3 re ti^g-re ZOLL3 a re F 2. = 5 ßlot^3 — ö re.-es c» = n sr? 3 3 re 2^' ö2 re rea 5? 2 re * o 3 R. C* _ re in ..reA^fft ö5 “feind £h*w- Ä noch nicht rea ?°b'et er seine strohblonde Hgi in Dcrlegenhej, d e Fragen,D, 5 'n recht kini utancr oder tt AK ich. daß j Gerung vor fj S"°us Aeusjch e,o.^e. ..Komm Ö* haben." Eilenden, Gelä «^nllichcr A!er ^ltenldrihe . LZ?: thS* ?&- uns aus f? 8t' ^-8 Men L N SsS a*;;s ’t'fe We de deiner £ und ine re LSre D: re.sp- O ZtreLZ cyF-f© 3 g.a_ ßsfö 8-S 3 5 re t3*^ tom re 8 a y 3- _ aa-;'2°? g a-—> re er re ,3. re 2 8 re 3 re 2 3 2-re 8 re 8 g O re er A re JX; 0 Sa Q 3 3 = 5 3 S-3-Z8 = re g £o:3 a:~re o O aZ -öt ZZZ er» S 61= 3 - 3 ui Mss-? :?*JÖ 3 59^-2 = 3 = LS 2 =-8.S3^ 3 S- F 613 = a3a eS " 2. 3 re - 3 Z.-3-a§Ä - orV=3 = n^5~3{O re " 3 _ a-Öre 3 re re Q3 - Z 2-3 3 - ” d Hs " 3 9 0-3-3 = 3 2.(32 Hah”3 re .**3 2.- 3 3 re 3 3-3.§r sr u> - < erH O ro V. re- 'ca^ a ' 3 3 ey "*® :re ^^re re orS - Z 5- ti ‘ ' ^15 5 g^. Ls a^- 3 tS 6) Freitag, 25. Januar 1951 Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr. 19 Zweites Blatt L 8 te 5 3 les Geld dem o 8 V# C-^5 0 8? c n c 6 o 3 32 3 _ C K £■ •h Jl ßß S-8 ei re ? 5'' j? 3 n ■ÖS (2loxf)bru(f, auch mit Quellenangabe, verbotenl) Moskau, Januar 1931. verschiedene Unter- und Oberchess, Rayonleiter und Subdirektorcn, keiner von ihnen konnte sagen, ob Anzüge mit fünfzig aufgeleimten Federn irgendwo vorhanden waren. Ich merfte aber, das) eine gewisse Unficherheit herrschte, d.swegen blieb ich hartnäckig und behauptete, die neueste Mode der Siouxindianer bestehe in sünzig aufgeleimten Federn. Schließlich hieß es, derartige Anzüge müsse man aus dem Hauptgeschäft beschaffen, sie seien vorhanden, aber nicht vorrätig. Man wolle Talen für SamStag, 24. Januar. 1712: Friedrich der Große in Berlin geboren: — 1776: der Dichter ($. Th. H. Hoffmann in Königsberg geboren. go D -• 5-3-cS r 3 ? • Wohlfahrtsgemeinschast in Butzbach. pb. Butzbach, 21. Ian. Unter Borsih von Bürgerineister Dr. Jansen sand gestern abend im Rathaus eine Sitzung statt, zu der die Vorstände des Alice-Frauenvereins, der Arbeiter- Wohlfahrt, des Gcwerbevcreins, des Zweigvereins vom Roten .Kreuz, des Vereins des Einzel' Handels, sowie die beiden Pfarrämter und der israelitische Krankenunterstühungsverein eingeladen waren. Es handelte sich um Gründung einer Wohlfahrtsgemeinschaft in unserer Stadt, um auch hier der ständig zunehmenden Rot durch Mitwirkung nicht nur der charitativenDcr bände, sondern auch anderer Vereiire usw zu steuern, wozu allein das städtische Wohlsahris amt nicht in der Lage ist. In der Hauptsache soll durch Sammlungen von Geld, Lebensmitteln u. dgl. die Rot zu lindern versucht werden. D ic Vertreter der Vereine erklärten sich bereit, soweit dies in ihren Kräften steht, mitzuhelsen. Es wurde ein engerer Ausschuß von 8 Mitgliedern gewählt, der unter Vorsitz des Bürgermeisters das Weitere in die Wege leiten wird. 's«" 8*2' 3 75=-»® i ä » H; ryO. Joni! D - o Öd an den sich diese Forderung richtet, muß nämlich nach wie vor gewaltsam zur Liebe zum neuen Staat gezwungen werden. Deim er, derDauer, der letzten Endes zum neuen Träger des R. grmes werden soll, macht noch immer Schwierigleiten- Ilm diese endgültig zu beseitigen, will der Plan die Kollektivierung der bäuerlichen Höfe so energisch fördern, daß in einem Iahr 5 0 v. H. aller Bauernwirtschaften in Gemeinschaftsbetriebe zu s am m eng e- saßt sind. Durch diese forcierte künstliche Prole- tarifierung der ländlichen Bevölkerung, durch ihre Umwandlung zu Arbeitern in Getreidesabriken soll der Partei die stärkste Stütze gegeben werden. Die Industriepläne, für deren Durchiüb- rung die Milliarden aus dein Dorf in die Stadt ?epumpt werden sollen, sind in aller Stille bc - chnitten und rationalisiert worden. Man versucht jetzt, das unorganildK Durcheinander im Industrieaufbau zu beseitigen und die wenigen Werke, deren Ausbau mit allen Mitteln betrieben wird, organisch dem Ganzen einzugliedern. Es sind aber dann auch noch Milliarden, die man braucht. Inzwischen wächst die Zinairznot, die Gehälter an die Staatsangestellten und Arbeiter werden mit Wochen-, ja monatelanger Der- Vor 70 Zähren konstruierte Philipp das erste Telephon. ji ll §61^ 5 o 61 5 3 5*S 3L 73- 3ni Jahre 1861, oor^O Jahren, tonftruiertc der deutsche Prioatschullehrer Philipp Reis den ersten primitiven Telephonapparat. Das Bild zeigt den Erfinder in Gelnhausen bei leinen ersten Versuchen, von seinem Arbeitsraum aus mit seiner Wohnung zu sprechen. spätung ausgezahlt, so daß einzelne Werke dazu übergegangen sind, sich selbständig zu machen und den bargeldlosen Bon-Verkehr einzusühren. Die Steuerkrast der Bevölkerung wird 'o übermäßig in Anspruch genommen, daß der Ausdruck „steuerliche Ausplünderung" am Platze erscheint. „A I - a a t“ ist die neue Parole n O V O ^3,2 gXs' . Ls-sL 2 53# 3 'oV - ■BP 5 -• 0 ■ 5 I» SS )2 2 3e - c Mhf frankfurter Theater. Im „Reuen Theater" gab es „Voruntersuchung" ein Schauspiel in 5 'Akten von Max Alsberg und O. E. Hesse. — Arthur Hellmer hat in bei Auswahl dieses Stückes, dessen Regie er zu gleicher Zeit übernommen hat, eine geschickte Hand bewiesen. Die Ausführung brachte einen vollen Erfolg. Die Diel umstrittene Person des Untersuchungs richters ist in der mobernen Literatur zwar nicht neu, man denke nur an „Raskolnikow", der bekannte Berliner Verteidiger Alsberg hat sicher aber den Vorzug, daß er aus Grund seiner reichen Erfahrungen sich vorurteilsfrei bemüht, dem nach Auffassung vieler bekannter Juristen überlebten Rechtsinstitut der Voruntersuchung auf künstlerischem Wege auf den Leib zu rüden. Das Publikum folgte den beiden Autoren durch sämtliche fünf Akte mit ungeteilter Aufmerksamkeit und ipenöetc auch dec ausgezeichneten Aufführung, in der namentlich Hellmuth Bergmann einen menschlich außerordentlich packenden Untersuchungsrichter auf die Bühnc stellte, reichen Beifall. Köstlich waren auch einige kleinere Rollen ausgestattet, fo die des Buroange stellten Scherr durch Max W i k t m a n n und des Rezitators Platte durch Franz Arzdorf. r. 3 ' rSZ lli 5 Ser 3 i 2 7 Fräulein begann zu telephonieren: cs meldeten sich I wegung zu sehen, als Mathilde, das Mädchen der - - ... *- Familie Klettka, erregt mittciltc, sie habe Bob ’3 = 5:6. , 3.5.; beugte sich der Diktator zu dem .Kriegstommissar und dessen Rachbarn, dem Präsidenten Kalinin, hinüber und erzählte halblaut, lebhaft gestikulierend, worauf sich alle drei vor Lachen förmlich ausschütteten. Unten im Parkett saß inzwischen das Gros der Tagungsteilnehmer, die Masse derer, die aus allen Windrichtungen gekommen waren, um das zu tun, was man von ihnen verlangte. Mit ehrfürchtigen Blicken verfolgten sie die Vorgänge am Dorstandstisch, während Stalins kalte graue Augen übet die Versammlung hinweggingen. Der Blick tagte. „Ihr seid ja nur meine Werkzeuge. Ich bin der Diktator." Die Machtverhältnisfe im Kreml sind heute eindeutiger denn je, Stalin wurde bescheinigt. daß die von ihm befohlenen Thesen über die Wirtschaftslage Sowjetrußlands und 6er übrigen Welt, über die Entwicklung, wie sie im proletarischen Staat zu erfolgen hat. über den Arbcits- markt, die Lebensmittelversorgung usw. richtig seien, und er erscheint a l s neuer Triumphator sowohl übet seine persönlichen wie über die sachlichen Gegner. Andeutungsweise nur wird erzählt, daß sein persönlicher Sieg diesmal besonders schwer wiege. Er soll an dem Rand der Riederlage oorbeigegangen sein. SYrzow, einer feiner ehemals treuesten Anhänger, hat. angeblich aut Wunsch des Diktators, eine kleine Rechtsschwenkung vorbereitet, die nur offen das Eingeständnis dessen enthielt, was in der Tat schon geschehen ist, nämlich die Einschränkung des Fünsjahresplanes. Aber Syr- zow, bon dem Einfluß seiner Machtstellung benebelt. verlor den klaren Blick für das Maß^ und glaubte, die Pläne auch ohne bzw. gegen Sta - l i n durchführen zu können. Die Luft wat gewitterschwül. als es dem jungen ehemaligen Ministerpräsidenten gelang, die Unterstützung loschen die Beine lief, die wiederum mir, dem Familrenvorstand, auf diesen unvermuteten Insult hin einen Wassertopf über den Anzug goß. Ich wollte Bob eine hinter die Ohren geben, aber zweierlei hielt mich davon ab. erstens dre unabweisbare unwiderrusliche Tatsache, daß ich Gegner der Gewaltanwendung in der .Kinder- erzichung bin. und dann das Bewußtsein, es sei unmöglich Bob an einem Tage zu prügeln, der ihm den ersehnten Siouxindianerhäuptlingsanzug bringen sollte. Ich stand also unschlüssig, während mir das Wasser vom Gesicht tropfte. Bob machte fein unschuldigstes Gesicht. Ich sagte mit unterdrückter Wut „Du könntest dich auch ein wenig in acht nehmen .“ 3m Kaufhaus gingen wir gleich zu dem Fräulein, die Spezialistin für Indianerbekle.dung ist. Wollen Sie einen Anzug für ältere oder für jüngere Häuptlinge?" fragte sie Ich starrte sie verständnislos an. „Der Junge ist gerade acht geworden .." Das Fräulein lächelte nachsichtig »Rem, Sie verstehen mich nicht. Der alte Indianerhäuptling trägt vierundzwanzig Federn . der junge nur zwölf. welchen von beiden wünschen eie . v »Ich glaube, für den Jungen genügen zwölf Federn . sagte ich kleinlaut. „Wenn du ihm schon einen solchen Anzug kaufst, kauf ihm einen mit vier- undzwanzig Federn", meinte meine Frau „Gut! Ich zog meine Geldtasche Als ich Bob den Anzug mit einigen passenden Worten überreichte, schrie er gleich »Der ist falsch der muß mit sün'zig aufgelcimten Federn fein. Willy Faßbender Hai auch einen nut fünfzig aufgeleimten Federn." Ich ging mit meiner Frau äu Rate Was sollten wir tun? Wenn es wirklich richtig war, daß die anderen Jungens Anzüge nut fünfzig Federn hatten, konnte Bob nicht zuruck- stehen. Ich nahm mir nochmals dienstfrei und ging mit meiner Frau zum Kaufhaus zurück, zu jenem Fräulein, das uns den Anzug mit den vierundzwanzig Federn verkauft hatte. „Hören Sie , sagte ich einsach, „das kann nicht stimmen. wir sind zufällig ein wenig unterrichtet... die echten An- züge haben fünfzig aufgeleimte Federn . °Da- von weih ich nichts", meinte das Fräulein, die hier mit den vierundzwanzig Federn werden leben- - falls sehr gern gekauft. Ich machte ein recht hochmütiges Desicht ..Die Leute haben von 3n6m- 11 nerangelegenheiien jo [eiten eine Ahnung... Das 3 V-Sflss Zndianerspielen. Don Richard Hueisenbeck. Lob ist jetzt acht Jahre alt. Sa er mein Sohn ist, halte ich ihn natürlich für sehr begabt: obwohl noch nicht recht ersichtlich wird, auf welchem Gebiet er seine Fähigkeiten zeigen wird. Bob hat slrohblonde Haare und bringt jeden Haarkünstler in Verlegenheit wegen seiner drei Wirbel. Auf Die Frage: „Was willst du werden?" hat er bisher in recht kindlicher Weise geantwortet „Amerikaner oder Millionär": aber seit einiger Zeit merke ich. daß in seinen Anschauungen eine Veränderung vor sich geht. Es scheint er will hoch hinaus Reulich fanden wir ihn auf dem Dach der Garage. .Komm herunter", sagte ich. „du sollst Prügel haben." Bob antwortete nur nut schallendem Gelächter. Der Chauffeur, ein unbedenklicher Mensch, schlug vor, Bob nut der Gartenspritze vom Garagendach herunwrzu- spritzen. Ich hielt es für richtiger, in Verhandlungen einzutreten. Ich sagte. „Bob, wenn du outwillig herunterkommst, werden dir die Prügel erlassen werden ...“ Er antwortete mir mit einem Hohngelächter. Ich bin sehr für moderne Erziehung und glaube, daß es gut ist, wenn man den Kindern den Eigenwillen stärkt, aber die Art Bobs ging mir doch ein wenig weit. Wie es aber nun geschah, weih ich nicht: wir einigten uns aus folgendes Kompromiß. Bob sollte, wenn er unverzüglich vom Garagendach herunterkäme, einen Siourindianerhäuptlingsanzug erhalten. Ich wußte gar nicht, wie solch ein Anzug aus- |ab und mußte mich eingehend von Bob belehren lassen. Mir gingen wirklich die Augen auf. Alle Knaben der Rachbarschaft hatten Siourindianer- häuptlingsanzüge ich machte mir Vorwürfe, diese wichtige Tatsache nicht bemerkt zu haben. Ich ärgerte mich darüber Sollte Bob hinter den anderen zurückstehen? Unter keinen Umständen. Meine Frau und ich beschlossen, den Sioux- indianerhäuptlingsanzug sofort zu erstehen. An einem denkwürdigen Tage, morgens (ich hatte mir dienstfrei genommen) ging ich mit meiner Frau Ins Kaufhaus, um besagte Kriegs- und Trapperkleiduna zu beschaffen. Die Unternehmung begann gleich sehr unglücklich, indem Lämlich Bob öuiälüfl dem Dienstmädchen atci» s 2-1» «2. LZ-z- 0 =553-0- n 5 ” S-? 3 2=- ft ** M S 3"— 0 2 gesehen. Er liege wie tot unter einem Baurn am Eingang des Parkes. Meine Frau und ich machten uns sofort auf den Weg: wir fanden Bob auch richtig unter besagtem Daum: aber nicht tot, sondern vergnügt ein Kotelett essend. Das Kotelett war von meiner Frau schon nachmittags vermißt worden: sie hatte aber an die' Katze gedacht. Ich wollte Bob verprügeln: aber als ich ihn so in seiner Siouxindianerhäuptlingsunisorm ansah, kam er mir sehr komisch vor und ich mußte lachen. „Was tust du hier?" schrie ich, möglichst viel Zorn in meine Stimme legend „Ich bin tot" sagte Bob trocken. „Ich bin im Kamps gefallen und muh hier liegenbleiben ..." Trotz des Einspruchs meiner Frau nahm ich Bob am Kragen und brachte ihn nach Haus. Ich erwog, den Anzug zu verbrennen, aber ich habe das vorläufig noch aufgeschoben. Wer weih, was kommen wird! wohl der Trotzkisten wie der Rechtsopportunisten zu erlangen, und es soll etwa 5 Minuten vor 12 gewesen sein, als Stalin zugriff. Auch diesmal gelang dem Diktator die Ueberwindung der Ketzer. Daß er maßvoll blieb und keine Märtyrer schuf, zeugt dafür, daß er inzwischen Erfahrungen gemacht hat Ans Ruder kam der Gegenspieler Syrzows, der junge Kommunist Molo- t o w, der heute das Amt bekleidet, das einstmals Lenin innehatte. Unter Rykow schon sank es zur Bedeutungslosigkeit herab. Man sagt Molotow Energie nach. Auch in der Tagung deS ZIK suchte er sich durchzusehen. Wird er sich behaupten — oder soll er nur verbraucht werden? 3m Mittelpunkt der Ereignisse stand der nc/c Wirtschas isplan, das beginnende dritte Planjahr. Der fachlich urteilende Beobachter muß unbeschadet dessen, daß über Einzelheiten russischer Wirtschaftspläne nicht zu streiten ist, die Berechtigung eines gewissen Optimismus eingestehen. Der unbestrittene Erfolg der Sowjetregierung für den ihr allerdings kaum ein Verdienst gebührt ist die Durchführung desBrot- ersassungsplans, der zum Iahresansaiig fast lOObrojcntig erfüllt war. Die gute Witterung und die gute Ernte brachten fünf Millionen Tonnen Getreide mehr als im Vorjahr, das dem Bauern zu einem Fünftel des Marktpreises „abgetauft" wird dieser hat allerdings die Zeche zu bezahlen. Aber nach offizieller Beweisführung müssen alle Glieder eine Zeit lang leiden, damit es der Gesamtheit später u in so besser gehe. - Was das dritte Planjahr bringen soll, wird man, volkswirtschaftlich gesehen, ebenso als Phantasie bezeichnen können, wie die langst vergessenen Maximen des ursprünglichen Fünsjahres- plans. Der Eindruck, daß es nur Tendenzen und Ziele sind, die aus propagandistischen und pädagogischen Gründen unvernünftig hoch geschraubt wurden, verstärkt sich immer mehr, wenn man die Praxis der Theorie gegenüberstellt. „Man muß viel fordern, wenn man etwas erreichen will , so argumentiert man in Moskau. Der Kontrahent, ' Der Schnee knirschte unter den Füßen und der Atem verwandelte sich im Ru in Rebelwolken als man sich zur Eröffnung des ZIK. des Zentralen Exekutivkomitees, nach dem Kreml aufmachte. - Wer den Moskauer Ianuar- Zrost kennt, weih, daß man fich ganz in feinen Pelz einwickeln, die Pelzmütze tief in die Augen ' drücken und die Pelzhandfchuhe Hochziehen muh, im den Angriffen der Kälte mit Erfolg trotzen zu i 'önnen. Denn sie ist tückisch, diese sibirische Kalte ui Moskau. Ehe man sich dessen versieht, und afone daß man's merkt, ist die Rase weiß. „Reiben Sie, Towarischtsch, reiben Sie mit Schnee!", ruft einem irgendein Passant zu. „Sonst ist es um Ihre Rase geschehen". Durch zwei Kremleingänge wurde an diesem Tage der Strom der Teilnehmer an der Tagung gclentt. In langer Reihe stapften die Mehrzahl der Delegierten aus allen Ecken des Reiches, die rÄssj,fchen Presfevertreter und die als Zufchauer zvgelasfenen Arbeiter durch den liefen Schnee zu dem H a u p t t o r, den Troitzkije Worota, «ährend durch einen kleineren Rebeneingang, das Torowihki-Tor an der Südwestecke des Kreml, die ^iitos der Regierungsmitglieder und Partei- spitzen, soweit sie nicht im Kreml wohnen, der fremden Diplomaten und der ausländischen Pressevertreter fuhren. — Differenzierung auch hier? In der Tat, schon diese Aeußerlichkeit ist charakteristisch. Hier die oberste Führung von Partei und Regierung und die Ausländer, mit einem Wort die Privilegierten, dort die große Masse der Durchschnittsdelegierten, der Stalin- schen Jasager. Hier der Generalstab, dort die 2 c 2.8 9 ? ’n 2-2- M und eine „zwangsweise Kapitalbildung" wird proklamiert, um sie in die Tat umzusetzen. Es ist schwer, heute schon zu sagen, wie weit diese von dem ZIK gutgeheihenen Pläne auch in ihrem beschränkten AuiSmaß Aussicht auf Verwirklichung haben. Die Ausschaltung des Geldes als Lauschmittel führt zu den primitivsten Formen des Wirtschaftsverkehrs zurück, während der noch immer anhaltende Warenhunger bei der gewaltsamen Abnahme des Getreides dein Dorf die Möglichkeit einer Desriedigung der Lebensbedürfnisse in halbwegs ausreichendem Maße überhaupt in Frage stellt. Man glaubt aber in Moskau, daß die Grenze der Entbehrungssähß;keit des russischen Muschik noch nicht erreicht ist. Träse das zu und gelänge der Regierung die Durchsüh- rung der für 1932 oder 1933 in Aussicht gestellten zusätzlichen Belieferungen mit Lebensmitteln bereits in absehbarer Zeit, dann würden sich Aussichten auf Ueberwindung des ärgsten Tiefstandes eröffnen. Es kommt alles darauf an. ob das ZIK recht behält, das in seinem Schlußbericht fest- Äellte, daß die größten Schwierigkeiten auf dem Wege zum wirtschaftlichen Umbau der Sowjetunion im zweiten Planjahr gelegen hätten, also überwunden wären. Unteroffiziere. Das Zentralexekutivkomitee ist das Parlament der Union der Sowjetrepubliken. Rach der Verfassung ist Tagungshäusigkeit und Tagungsdauer des ZIK genau sestgrlegt und sind seine Desugnisse im Verhältnis zur Regie- ntng und zur Partei bis ins einzelne umschrieben. Aber diese Verfassung ist zu Lebzeiten Lenins ckusgearbeitet worden, als die Diktatur des Proletariats noch nicht die heutige Form erreicht hatte. Stalin, der Absolutist, beruft die Tagungen ein, wenn er eine neue nach außen hin sichtbare Bestätigung feiner Politik braucht, unb verhindert s i e, wenn die Gefahr besteht, daß unangenehme Beschlüsse gefaßt werden könnten. Diesmal verlief die Tagung vollkommen programmgemäß. Die Entwicklung in Moskau ist an einem neuen Markstein angelangt, die Zeit der phantastischen Gerüchte über Moskauer „Ereignisse" ist vorbei, im verflossenen Jahre konnte nicht nur die Opposition der Rechten, sondern auch ihre neue Abart Syrzowscher Prägung, die i('genannte ..Rechts inke", liquidiert werden^d e r F ü n s j a h r e s p l a n ist in ein neues Stadium eingetreten, das neue Beschlüsse und die Ergreifung neuer Maßnahmen erfordert hat, — dies alles ist aber bereits geschehen. Dem ZIK blieb nur übrig, zur Kenntnis z u nehmen, einstimmig gutzuheißen und — wieder nach Hause zu sahren. Auch diese Rolle des Zentralvollzugs- komitees wurde durch eine Pointe in der Eröffnungssitzung illustriert. — 2n dem goldbeladenen Andreassaal des großen Kremlpalastes waren die 586 Delegierten vor der Zeit versammelt. Ein buntes, farbenpräd)tigce> Gewoge von Vertretern aller Völkerschaften aus allen Teilen des Riefenreiches. Das Stimmengesumm verstummte, als der Vorstand eintrat, für den an der Längsseite des Saales, dort, wo ehemals der goldene Thron des Zaren Rikolaus 1. stand, eine Holzestrade errichtet war. Unter den Vorstandsmitgliedern befand sich noch nicht Stalin, der ferner Gewohnheit gemäß erst zehn Minuten nach dem Klingelzeichen eintrat. Fast unbemerkt schlich er sich zu seinem Platz und nahm diesen, links von dem Kriegskommissar Woroschilow, ein. Ungeachtet dessen, daß inzwischen der ..Mmlsterpra- sident" Molotow feine Rede begonnen hatte, 6 5r "5-5 3 E» 3 3 ~ ö* = Das Parlament im Kreml Von unterem d!.-Berichterstatter mir das Verlangte zuschicken. Bob benahm sich bei unserer Rückkehr, als sei ihm schweres Unrecht geschehen. Er schrie, warf sich an die Erde. Meine Frau bekam es mit der Angst. „Er ist so bleich" sagte sie und rang die Hände. Schließlich wurde der Arzt herbeitelepho- niert, der Bettruhe anordnete. Rach einer Woche erhielt ich vom Kaufhaus Bescheid, Anzüge wie ich sie oerlangt hätte, gäbe es nicht, aber wenn ich es wünsche, würde man sie mir anfertigen. Ich bestand darauf, und endlich, an einem sonnenhellen Sage, erhielt Bob, was er so dringend verlangt hatte. Meine Frau und ich waren voller Stolz, wir hätten das bunte Ding am liebsten selbst angelegt. Die Sache mit dem Siouxindianer- Häuptlingsanzug ist eine lange Geschichte von wenigstens zehn Kapiteln, ich kann sie hier nicht erzählen. Bob wurde der tapferste Häuptling unserer Straße, fast jeden Tag kam eine entsetzte Mutter oder ein empörter Baier. Fritz sei von Bob mit seinem Bowie Knife (auf deutsch Küchenmesser > verletzt worden. Heinz sei von Bob an den Saum gebunden, gemartert und stranguliert worden. Ich ließ mir Bob kommen und fragte ihn streng, wie er sich unterstehen könne, Heinz zu binden und zu martern. Bob erklärte mir, daß Heinz im Kampf um die Garage gefangengenommen worden sei. Er, Bob, habe sich größter Mäßigung besleißigt, bei den Schwarzfuß Indianern würden die Gefangenen in heißem Oel geröstet, er habe sich damit begnügt, Heinz an einen Daum zu binden und ihn ein wenig zu kitzeln. Die tollste Geschichte geschah am vorigen Dienstag. Bob kam nicht zum Abendessen: wir waren in großer Sorge um ihn. Wir suchten die ganze Rachoarschast ab: konnten aber nichts finden Meine Frau rannte in ihrer Aufregung zu Freunden, die und rieten, die Polizei in 2e- | n zgjfii $ 2 7 § 0 * W' Zs"" -ALS 3 0 ® -n—O» an O •2.n *8^55 5"- « s- ye3”-' 3.nnP fiV" CfO n 8 iz-' » ty 8 n = w,? 1 0 : o- :8 = : 7. 2 y - -.-L 6*5 SZS Ul zZ- 3-S 0? 5s ä'O’c »2»= 3 5 _ r» =• = » 2.?e5= = i- = 2.» - 3C , » «V-E 1: • 3 3 =-3 h ~ Aus der Provinzialbauptstadt Gießen, den 23.3anuar 1931. Vortrag in der Historischen Kachschast. Man berichtet uns: Die historische Fachschaft hotte Prof. Geizer (Frankfurt) -um Vortrag „Die Zerstörung Karthagos als Problem der römischen Republik"' gewonnen. Dieses Thema „von epochemachen- der Bedeutung für die römisch Machtentfoltung" wie Gallust sagt, hat — natürlich — nicht nur zeitgenössische Schriftsteller zur Darstellung angeregt. Die Bearbeitung dieses Stoffes durch neuere Historiker wie Momnisen oder Kahrstedt etwa ist dabei wesentlich subjektiver, d. h. Vermutungen und Theorien sind nicht unbedeutend dabei gegenüber eines mehrwchlichen Quellenberichtes, z. B. bei Polybios. Die Motivierung der Zerstörung glaubt Mommsen von wirtschaftlichen Gegebenheiten her bestimmt, wahrend von anderer Seite ein politischer Einfluß wirtschaftlicher Tatsachen für die damalige Zeit in Frage gestellt wird. Im Frieden von 201, dem Abschluß des zweiten panischen Krieges, diktiert Scipio den Karthagern als Bedingungen: Neben Auslieferung der Kriegsflotte Rückgabe des ehemals nu- bischen Besitzes an Mesinisia und Verbot der Kriegführung in Nordafrika. Der Verstoß gegen diese Bedingung hat dann den Römern die Gelegenheit gegeben, das unerbittlich mahnende Postulat des alten Cato zu erfüllen. Und keine noch so schwerwiegenden Zugeständnisse der Karthager, Stellung von 300 Geiseln, absolute Deditio, und keine noch so ausgezeichnete Kriegsleistung, Neubau eines Dammes während der Hafensperrung, konnte sic vor dem grausamen Untergang ihrer Stadt bewahren. — Der Redner des Abends hat dann in ge- schichtsphilosophischen Erörterungen und dem Ausweisen verfassungspolitischer Zusammenhänge gezeigt, daß die Zerstörung Karthagos im Fahre 146 mehr als eine Grille des greisen Cato war. Sd)on Polybios, der die Gedanken Scipios kennt und ousspricht, versucht In mehreren Darlegungen die Haltung der Römer zu bewerten. Seine Sorgen um die Zukunft Roms kommen vom Wissen um das Gesetz der Hegemonie her, nachdem Macht und Reichtum eines Staates in Zuchtlosigkeit und Pöbel- Herrschaft enden. Diodor, der dieses „Naturgesetz der Hegemonie" zuerst formuliert, sieht in ihm auch gleichzeitig eine Entbindung von irgendwelcher Schuld für den einzelnen Staatsmann:' denn das WaUen eines Gesetzes mache frei van persönlicher Verantwortung. Es hilft nichts, daß beide Scipio- nen im Sinne der Plutarchschen Zuchtmeistertheorie Karthago als dauernden Gegenstand der Furcht erhalten wollen: „Das römische Schwert brauche seiner als Wetzstein." Das römische Reich, dessen Grenzen für unsere durch vcrkehrstechnische Errungenschaften verwöhnten Begriffe unendlich weit auseinanderzuliegen scheinen, besaß kein entsprechend^ heeressystem, das den immer heftiger und zalu- reicher werdenden Aufständen auch nur annähernd gewachsen war: ja die Verweichlichung der Soldaten ist bekanntlich auch ein Verfallssymptom. Der Senat konnte schließlich kaum anders beschließen als diese dauernd drohende Gefahr restlos zu beseitigen und den Befehl zur vollkommenen Vernichtung zu geben. Dio arglistige Verhandlungs- weise der Römer erinnert nur allzudeutlich an das Verhalten der Entente im Fahr 1918. Prof. Gelzer hat mehrmals diese Parallele aufgozeigt. Gießener Giandesamisstaiistik 1930. Die Zahl der Geburten in unserer Stadt betrug im abgelaufenen Kalenderjahr 938 (gegen 948 in 1929). Davon sind ehelich geborene Kinder 712 (720), unehelich geborene 226 (226) Kinder. Auf die ortsangesessene GießenerBe- völkerung entfallen von der Gesamtzahl der Geburten 442 (451), darunter 225 (245) Knaben und 217 (206) Mädchen. Auf ortsfremde Mütter, welche in den Kliniken und Anstalten Aufnahme gefunden hatten, entfallen 496 . (495) Geburten = Knaben 249 (265), Mädchen 247 Die kleine Motette. Zfiomon von Paul Hain. 26 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Wördehoff antwortete kühl. »Wie Sie sehen — meine Frau ist nicht da. Wer weiß — sie ist vielleicht einen anderen Weg —" »Aber sie kennt doch die gerade Strecke nach hier", warf Dr. Römer ein. „Und Damowfkh behauptet, 3hre Frau wäre lange vor ihm fortge- gangen. Ah — die Frauen! Weiß der Kuckuck, welche Augenblickslaune sic wieder irgendwo fest- gehalten hat." Wördehoff nickte gleichmütig. „3a — cs ist ihre Stärke, vergeßlich zu sein. Warten wir also noch eine Weile. Kommen wird sie ja schon — so vergeßlich ist sie doch nicht." Dnd sie warteten nun zu brüt Eine Viertelstunde verging. Von Rorma war noch nichts zu sehen. Da begann Wördehoff doch unruhig zu werden. Es war eine seltsame Llnruhe, die sein Herz schneller schlagen lieh. Wo war Rorma? Hastig sagte er: -34) werde einmal zum Gasthof zurückgehen. Das ist ja sonderbar. So lange hat sie sich doch noch nie verzögert." Er sprang auf. „Sie warten wohl hier, meine Herren", rief er noch schnell zurück. „3a — gewiß", sagte Dr. Römer und hielt Varnowsky fest, der am liebsten mit Wördehoff davongelaufen wäre. „Rur nicht zu leidenschaftlich, lieber Varnowsky. Gewöhnen Sie sich nur 6eiieüeit Geduld an. 2loch sind Sie weiter nichts als Rormas Freund." 17. Aorma hatte schon am Abend vorher ihren Plan gefaßt gehabt, als sie ihren Gatten und die Freunde gerade zu jener Bank als Treffpunkt hinbestellte. Sie wußte, daß Wördehoff und Dr. Römer pünktlich sein und sich auf eine bestimmte Wartezeit gefaßt machen würben. Varnowsky aber hatte mit seiner Morgentoilette zu tun. Sie konnte also unbemerkt aus dem „Braunen Hirsch" herauskommcn und — auf den Schloßberg hinauf! ilnö bevor man ihre Verspätung ernst nahm, konnte sie auch wieder bei den auf sie Wartenden sein. Wördehoff würde also vor seiner Rückkehr von dem Spaziergang nicht wissen, wo iic inzwischen gewesen war. 3a — das war ihr Plan: Mit Ricolette zu sprechen! Wenn sie von ihr ihrem Gatten gegenüber auch hier nichts mehr erwähnt hatte, ihr Weibinstinkt. das feine Rervengefühl der Frau, die selbst gewohnt war, mancherlei Heirnlichkeitm zu haben (230). Von den 226 in Gießen unehelich geborenen Kindern fallen auf Gießener Mütter 66 (72), während auf ortsfremde Mütter 160 (154) uneheliche Spröhlinge entfallen. Verstorbene wurden im Berichtsjahr in unserer Stadt im ganzen 756 (813) gezählt. Don diesen entfallen auf die Gießener Bevölkerung 329 (400), darunter 157 (187) männlichen und 172 (213) weiblichen Geschlechts. Don der Gesamtzahl der Todesfälle entfallen auf Ortsfremde 427 (413), davon waren männlich 221 (226), weiblich 206 (187). Von der Gesamtzahl der 1930 in Gießen geborenen Kinder verstorben im er ft en Lebensjahr 78 (59), darunter 11 (10) unehelich geborene. Von diesen Kindern entfallen auf Gießener Mütter 24 (25), auf ortsfremde Mütter 54 (34). 3m Berichtsjahr waren im ganzen 51 (43) Totgeburten zu verzeichnen, und zwar unter der Gießener Bevölkerung 19 (17), auf Ortsfremde 32 (26). Von den totgeborenen Kindern waren 43 (34) ehelich und 8 (9) unehelich. 3n den Stand der Ehe traten 1930 *=-- 274 (289) Paare. Erfreulich ist bei diesen Angaben des Standesamts, daß die Sterblichkeit in unserer Stadt in 1930 um 71 Fälle gegenüber der Zahl in 1929 za- rückging, wodurch wieder ein einigermaßen normales Verhältnis in der Bevölkerungsbewegung hergestellt ist. War der Geburtenüberschuß gegenüber den Sterbefällen in 1929 auf 51 gesunken, so beträgt derselbe für das abgelaufene 3ahr 123. Sie durch das Einwohnermeldeamt fortgeschriebene Bevölkerungszahl beträgt für Gießen am 31. Dezember 1930, ohne das Militär und ohne die 3nsassen der Kliniken und Anstalten. 33 487 Einwohner gegen 33 611 Seelen am gleichen Tage des Vorjahres. Rach Feststellung deS Landesstatistischen Amts - auf Grund einer Volkszählung vom 10. Oktober v. 3. — stellt sich die Wohnbevölkerung Gießens wie folgt: a) männliche Einwohner 15292, b) weibliche Einwohner 17 991, zusammen 33 283 Seelen. Rach einer von der Bürgermeisterei gegebenen Ausstellung sind dieser Wohnbevölkerung hinzuzurechnen: 437 kasernierte ledige Reichswehrmannschaft, ferner 1496 in Gießen wohnende Studenten, sowie die Patienten und 3nsassen von Kliniken und Anstalten mit 1925 Personen, welche sämtlich in der als Wohnbevölkerung bezeichneten Zahl nicht enthalten sind. -- Bei der Zahl der Studenten, welche im Sominer- semester 1946 betrug, hat man 450 Personen bei Ermittlung der tatsächlichen Einwohnerzahl abgezogen, und zwar 200 Personen, die im Hause der Eltern in Gießen wohnen und daher bei der Landesstatistik bereits als Wohnbevölkerung mit- gezählt sind, 200 abwesende Studenten und 50 Studierende, welche in der Dlmgegend — Wetz- lar, Lollar, Grünberg, Butzbach usw. — wohnen und abends heimwärts fahren. So berechnet, beträgt die Seelenzahl unserer Stadt, für 1 930 ermittelt, 37 141. Die Zahl der H a u s h a l t u n g'e n beträgt für 1930 : 8990 gegen 9061 in 1929 und 8762 in 1928. * " Vorträge über Schiller. Man berichtet uns: 3n dem ersten der,angekündiaten 'Vorträge über Schiller gab Lic. Robert Goebel einen bemerkenswerten Beitrag zum „unbekannten" Schiller. Llnbekanntes tritt nämlich dann hervor, toeim jener Stufenaufstieg voll zur Darstellung kommt, der in dem Schillerfchen Werden vorliegt. Die „Philosophischen Briefe" geben in der „Theosophie des 3ulius" die Anschauungen des jugendlichen, noch ungebrochen lebenden Schillers. Der paradiesische älrzustand im Leben des Einzel- menschen muß aber aufgegeben werden, wenn der Mensch »um Eigen-Sein erwacht. Dieses geschieht aber nicht ohne ungeheuren Protest b?r geistigen 3ndividualität des Menschen, der mündig wird. 3m Werk dcs 21jährigen Schillers, in den „Räubern" erfolgt dieser Protest gegen die Einschnü- unö auf halbe Blicke und Wortbetonungen zu achten, sagte ihr, daß da vielleicht irgendwelche heimlichen Schwingungen zwischen Wördehoff und Ricolette bestanden. Vielleicht — ein Geheimnis. Seit ihrem Eintreffen in diesem halbvergessenen Harzwinkel hatte sie deutlich gemerkt: Wördehoff war ihr vollends fremd geworden. Er war ihr ganz entglitten! Unb unter der Maske einer großen, toleranten Herzlichkeit versteckte sich in ihr aufkeimender Haß. Der Haß der Frau gegen den Mann, der ihr einst auf Gedeih und Verderb verfallen war und der sich so schnell ihrer Macht entzog. Un& wenn sie — sie fühlte das — ihn auch nicht wiedergewinnen würde und im tiefften selbst gar nicht meßt danach verlangte, da andre, bunfic Wünsche sie erfüllten, so drängte sie doch das Triebhafte in ihr. ihm Schmerzen zu bereiten und ihn für die Leichtigkeit, mit der er sie fallen lieh, leiden zu lassen. Sie wußte, wo sie ihn treffen konnte. Daß Ricolette sich niemals sehen ließ, daß Wördehoff so ängstlich darauf bedacht war, einen besuch auf dem Schlosse zu hintertreiben, daß er selbst danach drängte, von hier wegzukommen, und so manches andere, was sich nicht in Worte fassen ließe, das alles hatte sie dazu getrieben, ihren Plan zu verwirklichen. Und dann: Die Geheimhaltung seines Aufenthalts! Ah — wußte Ricolette überhaupt, daß — er nicht frei war? Rorma Relson kam lange von dieser Frage nicht los. Sie brannte in ihr — sie erfüllte sie mit einer feinen, lauernden Bosheit. — Gemählich stieg sie Den Berg hinaus. Wie sie ihr Erscheinen motivieren wollte — sie wußte es bereits. Hatte es sich genau überlegt. Alles, was sie sagen wollte, war wohl vorbereitet. Run erreichte sie den Platz vor dem Schloß- portal. Einige Augenblicke lang blieb sie stehen und sah durch das Tor in den ruhig daliegenden Schlotz- platz. 3etzt zögerte sie doch unwillkürlich. 216er da ging Frau Marthe über den Hof, sah nach der oberen Fensterreihe des Schlosses und rief einer dort hantierenden Gehilfin einige Anweisungen zu. Da schritt Rorma Relson durch das Portal. Den Kops stolz erhoben. Das helle Kleid mit der Sil- berstickerei raschelte und strömte eine Welle feinen Parfüms aus. Stau Marthe wandte den Kopf. 3hre Augen weiteten sich sichtlich. Rorma nickte leichthin. „Liebe Frau — wo kann ich Fräulein Kinna sprechen?" Frau Marthe wurde ein bißchen verwirrt angesichts dieser stolzen, schönen Erscheinung. Aber dann bemerkte sie die feine Puderfchicht in ihrem — ich wußte das in der Tat nicht. (Fortsetzung folgt.) gelogen Stolz reihend: „Olein blauen Augen die niemand hier obcit ist doch schon seit Ricolette sah mit großen, Schauspielerin fragend an. „Bitte? Es ist heute noch getoefen.“ „Aber ja — mein Mann — wie war cs möglich, daß Hubert hatte? sagte sie, sich gewaltsam zusammen „3ch hörte davon — mein Mann erzählte es —" Rormas Blick funkelte lauernd. Aber Ricolette sagte ruhig: „Ah — so — Ihr Gatte ist auch hier —“ Sie sand keine rechte innere Verbindung zu dieser mondänen Frau, die mit einer so verwirrenden Selbstverständlichkeit ihr gegenübersah, als wäre sie eine gute Bekannte von ihr. Da lächelte Rorma Nelson ein bißchen boshaft. „Aber ja — und ihn suche ich ja gerade hier oben." * 1027 nu tess fest!'“ Sa--. ÖÄS vielen Wochen hier. Wir hatten uns zu einem Spaziergang verabredet und ich wollte ihn eigentlich hier abholen —" Ricolette sah wie erstarrt da. Aber gleich hatte sie sich wieder gefaßt. Sie hatte wohl nicht recht verstanden. „3hr Mann — hier oben? Entschuldigen Sie — das ist doch nicht gut möglich —“ Rorma lehnte sich im Sessel zurück. Ganz ruhig — in satter Befriedigung über die Bestätigung ihres Verdachtes ihren Triumph heimlich auskostend. „Aber Fräulein Kinna — Sie kennen doch meinen Mann — Hubert Wördehoff!" Ricolette zuckte zusammen. 3hr Gesicht war im Augenblick totenblah geworden. Schleier wogten vor ihren Augen! Hubert — ■ der Mann dieser Schauspielerin? Das war doch nicht möglich! Das mußte — Lüge sein! Aber da sah sie Rormas Gesicht, in dem ein seines, wie erstarrtes Lächeln war, sah in diese funkelnden, triumphierenden Augen — und ihre Seele erriet: Da sah eine Feindin! And Die Feindin hatte recht! Hubert — war ihr Mann! Rorma Relson — das war nur der Künstlername. Aber — wie — konnte Hubert geschwiegen: haben? Rormas Stimme klang auf, leicht, schwingend — wie immer: zum Deutschtum und durch ehrliche Arbeit und Einigkeit wieder emporschafsen können. Diesen Leitstern leuchtete auch durch den folgenden Einakter „Es kommt der Tag" so hell und fesselnd hindurch, dah alle Anwesenden erhebende Augenblicke erlebten. Die Hauptdarsteller, Herr D e ch st e i n als Michael Eichler, Herr Seitz als Martin Staufer und Frl. Fenchel als Frau Eichler haben packend gespielt und den vaterländischen Charakter des Stückes sehr treffend herausgehoben. Die anderen Mitglieder zeigten ebenfalls große Gewandtheit. Der Puppentanz von vier kleinen Mädchen, ein ober- hessischer Kindertanz von zwei Mädchen und die treffend gesprochene ..Heimkehr des Kolonial- kriegerS" gaben neben den flotten Musikstücken dem Ganzen reiche Abwechslung. Die Krieger- vereine treten nicht so oft an die Öffentlichkeit, ihre Arbeit liegt mehr Im Stillen, in der Krie°> gerfürforge und Versorgung. Die einmal beigetretenen Mitglieder bleiben aber zu 99 Prozent treu, und so kam eS, daß auch bei dieser Feier wieder 25 Mitglieder für ihre 50-, 40- und 25jäh- rige Treue zum Verein entsprechende Auszeichnungen erhielten. *• Reichskurzschrift- Gesellschaft „Gabelsberge r". Die 1. Reichskurzschrift" GeseUschaft „Gabelsbcrgcr" und Samenabteilung e. V. Gießen hielt ihre ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem Verwaltungsbericht über daS 3ahr 1930 ist zu ersehen, oafTDer Verein auf die erzielten Erfolge und Leistungen des ab- gelaufenen 3ahres stolz feilt kann. Es wurden drei Anfänger-, drei Fortbildungs-, drei Redeschrift-, drei Praktiker- und sechs Diktatkurse mit einer Gesamtzahl von 529 Teilnehmern zur Durchführung gebracht. An Wettschreiben sanden statt: ein Vereinswettschreib:n, ein Dezirkswettschreiben (Laubach), ein Bundeswettschreiben (Berlitz). An sämtlichen Wettkämpfen beteiligten sich Mitglieder des Vereins, und sie konnten folgende Preise erringen: 3m Schnellschreiben 60 bis 240 Silben: 40 erste und Ehrenpreise, 49 erste Preise, 26 Atoeitc Preise, 8 dritte Preise. 3m Schön- und Richtigschreiben: 9 erste und Ehrenpreise, 4 erste - Preise, 6 zweite Preise, 6 dritte Preise: insgesamt 148 Preise. Die Handelskammer- (Ge- schäftsstenographen- Prüfung 150 bis 200 Silben legten 6, die Vorprüfung (120 Silben) 3 Mitglieder mit Erfolg ab. ein Mitglied bestand die staatliche Stenographiclehrerprüsung. Der Verein hat einen Zuwachs von 27 Mitgliedern aufzuweifen. Bei der Vorstandswahl wurden die fcitberigcn. Vorstandsmitglieder, 1. Vorsitzender A. Karnbach, 2. Vorsitzender A. Merle, Rechner K. Heß, 1. Schriftführer, F. Rispel, 2. Schriftführer Gg. Wahl und die Beisitzer K. H. Kuhl, L. Gravelius, Ang. S i e b er t, und Bibliothekar Hrch. Graf, wiedergewählt. Ferner wurden als Beisitzer Frl. M. S ch m i h, 3ohanna Bohl und Obergefreiter Essinger neu- gewählt. ** Fünfziger 1 880/1930. Am Samstagabend veranstaltete, wie man uns schreibt, mc Fünfziger-Vereinigung 1880 1930 im Casö Leib ihre vierte und letzte Geburtstagsfeier im Rahmen ihres 3ubeljahres 1930. Drei große mit Blumen geschmückte Tafeln waren für die Gäste vorbereitet, wovon die mittlere für die Geburtstagskinder aus dem vierten Vierteljahr 1930 bestimmt war. 3n der Mitte der Geburtstagskinder sah man den zweiten Vorsitzenden, Rechtsanwalt und Rotar Ernst Schneider. Weiter konnte man als Ehrengast neben dem ersten Vorsitzenden einen Mann sehen, der schon vor 27 3ahren in seinem Fünfzigerverein im gleichen Saale manch' frohes Fest mitgefeiert hatte. Herrn Hermann Elle, Dichter eines Prologs für eine Weihnachtsfeier des festgebenden Vereins. Der erste Vorsitzende, Herr Heinrich Marx, begrüßte in seiner Ansprache zunächst den erwähnten Gast und überbrachte Dann die herzlichsten Glückwünsche an die Geburtstagskinder. Den Dank für die guten Wünsche sprach im Ramen der Gesicht, die auffallende Extravaganz dieser Frau wurde ihr bewußt - und sie fragte: »Was wünschen Sie denn von unserem Fräulein?" „Das kann Sie gewiß nicht interessieren liebe Frau. 3ch fragte lediglich nach Fräulein Kinna. Aber damit auch 3hre Reugierde befriedigt ist: 3ch bin eine gute Bekannte des Professors und seiner Tochter und hörte, daß es ihm sehr schlecht geht. Daher mein Wunsch, die Tochter zu begrüßen und — nun, was starren Sie denn so?" 3hre Augen blitzten. „Bitte — wollen Sie endlich die Güte haben, mir nun zu sagen —" »Richt nötig . klang es da von der Haustür her, „ich bin selbst schon da —" Ricolette stand auf der Schwelle. DaS feine, zarte Gesicht leicht gerötet. Das blonde Haar glänzte in der Sonne. Wie eine lichte Wolke hing das weiße, einfache Hauskleid um ihre zierliche Gestalt. Rorma Relson erfaßte diese reizvolle 3ung» mädchengestalt mit einem Blick und sie gestand sich: Der Liebreiz und die frische Anmut Rico- lettes war noch stärker, wirkungsvoller als damals, da sie die flüchtige Bekanntschaft Kinnas und seiner Tochter machte. „Ah — Fräulein Kinna —" Sie war im nächsten Augenblick ganz große Dame und ging auf Ricolette zu, die ihr ein bißchen verwundert entgegensah. „Kennen Sie mich Denn nicht mehr —?" „Verzeihen Sie — einen Augenblick —" Ricolette lächelte entschuldigend. „Gewiß — wir kennen uns", sagte sie, „nur im Augenblick — weiß ich nicht —" „Run, da mutz ich also doch Helsen. Rorma Rel- son — vom Reuen Theater in Berlin, wo 3hr Herr Vater —" „Ach ja — natürlich. Aber bitte —“ Sie ließ die Schauspielerin in die Halle eintreten. Deutete auf einen der bequemen Sessel. Rorma nahm Platz. „3ch bin mit Bekannten schon seit einer Woche unten im „Braunen Hirsch" als Sommergast — fahre übermorgen allerdings wieder zurück nach Berlin. Da wollte ich 3hnen vorher doch wenigstens guten Tag gesagt haben. 3ch hörte, 3hr Herr Vater ist schwer leidend — ich habe ihn immer außerordentlich geschätzt —" Während sie sprach, ließ sie den Blick nicht von Äicolette, die nicht recht wußte, wie sie sich zu diesem Besuch stellen sollte. Sie erinnerte sich nun allerdings deutlich, daß diese Rorma Relson wohl eine der beliebtesten Schauspielerinnen an dem Theater war, an dem damals Kinna als Kapellmeister gastierte. „3a — wir reifen auch übermorgen", sagte sie, „Papa muß in ein Sanatorium nach der Schwerz —" tung der Freiheit de» Einzelmenschen zugleich als Protest gegen die „unidealische" Welt überhaupt. Aber schon der 28jährige hat sich gewandelt. 3n „Don Carlos" werden die Probleme innerlicher, zugleich erkenntnismäßiger aufgefaßt. Marquis Posa ist der Vertreter eines auf der freien 3ndi- vidualität begründeten Menschentums, der einen neuen Menschheitszustand herbeisehnt. 3n den „Briefen über die ästhetische Erziehung" bricht Schiller in derLebensmitte zur Erfahrung i omgöttlichen Kern der Persönlichkeit hindurch. „Die Anlage zur Gottheit trägt der Mensch unwidersprech- lich in seiner Persönlichkeit in sich." Diese Persönlichkeit wächst in einem unendlichen Werden zu ihrem Ziel heran, indem sie zugleich die Ziele der Gemeinschaft verwirklicht. 3m letzten der vollendeten Werke, in „Wilhelm Teil", stellt der 45- jährige Schiller das Bild desjenigen Menschen hin, der auS biefent göttlichen Kern heraus lebt, Damit aber auch zugleich schöpferische 3mpulse in das Erden- und Gemeinschaftsleben hereinträgt. Teil wächst zu einer Erlösergestalt heran, die durch ihr Eingreifen im Zufammenwirken mit den Eidgenossen den alten vergangenen MenschheitSzu- stand (Szenerie am Anfang) in den neuen zukünftigen Menschheitszustand hinüberwandelt, Der im Zusammenwirken freier zur Persönlichkeit her- angcreiften 3ndividualitäten besteht (Schlußbild). Schiller hat in einzigartiger Weise in seinem Wirken und Leben die Stufen geistigen Werdens des Menschen, die geradezu für jeden Menschen gelten, zur Anschauung gebracht. Heber alle gc- schafsenen Kunstwerke hinaus hat er sein Geben selbst aus der Kraft eines unermüdlich tätigen: Geistes heraus zum allergrößten Kunstwerk gestaltet. 3n diesem verborgenen Kunstwerk entdeckt man den nach „unbekannten" Schiller. *• Berufs- und Fachlehrer-Versammlung. Der Dezirksverein Gießen des Landesvereins Hessen im Aeichsverein der hauptamtlichen Lehrerschaft an deutschen Berufs- und Fachschulen hielt hier seine 3ahreshauptverfamm- lung ab. Der für die nächsten zwei 3ahre einstimmig gewählte Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Geschäftsführender Vorsitzender für 1931: Gewerbelehrer Leichum, Stellvertreter: Berufsschullehrer Adam: Geschäftsführender Vorsitzender für 1932: Berufsschullehrer Ada m, Stellvertreter: Gewerbelehrer Le ich um. Schriftführer: Berufsschullehrerin S ch o n e b o h m, Stellvertreter: Berufsschullehrer Ost, Rechner: Berufsschullehrer Schneider, Stellvertreter: Gewerbelehrer Schuchmann. Den Vortrag dieser Versammlung hatte Berufsschullehrer Schneider übernommen, der als Teilnehmer der Berufsschulpädagogischen Hochschulwoche in Aachen an Pfingsten 1930 über Rationalisierung und Rormung sprach. Die anschließende lebhafte Aussprache zeugte von dem 3ntereffe, mit dem der Vortrag ausgenommen worden war. •* Kriegerverein Gießen. Man berichtet uns: Der 18.3anuar 1931, die 60. Wiederkehr der Gründung des Deutschen Reiches, war für die Stadt Gießen wieder ein deutscher Tag. Mittags marschierte das hiesige Bataillon des 15.3nfanterie-Regiments zur Parade auf, die einen großen Eindruck hinterließ, und von 1§ Llhr ab versammelten sich die Mitglieder des Kriegervereins Gießen und deren Angehörige im großen Saal des Cafe Leib zu einer entsprechenden Feier, mit der das 5 7. S t i f- tungsfcst des Vereins verbunden war. Saal und Galerien füllten sich schnell. Die Musik leitete die Feier ein, es folgte der von Fräulein. Erna Volkmer gesprochene interessante Doll- mersche Prolog, und danach war es die Be- grüßungs- und Festansprache des 1. Vorsitzenden, Landgerichtsrats T r ü m p e r t, die die An- toefenben fesselte. Die Gedanken wurden auf lange 3ahrzehnte zurückgelenkt. Die Entstehung des Reiches wurde im Geiste sichtbar. Glanz, Aufstieg, Wohlstand und Tapferkeit des Volkes und dann der jähe Absturz in eine grundlose Tiefe, aus der wir uns nur durch die Treue 6maMn<8(übcee mantfelber V-rabau . Cberldiltl. giienteberl Cberldilcl. Äottocrte. PbSnlx Bergbau . . . (Kbcimldie Braunkohlen Sitl«1W..... teOed m Ä ÄZK °uderen^^hr tj$ KL-S KG» }’S. Musikstücks 'st- Die '"aber»JS W- ass •«A'lät dentliche xiu/u V|»v ywQx.«. ****** .... erlaufe hielt sich die freundliche G r u n d st i m in u n g. 2.-G.- Farben zogen bei lebhaftem Geschäft auf 118,75 Prozent an. Bei SchissahrtSwerlen und Schultheis; machte sich der Gtückemangel weiter fühlbar. Svenska verloren allerdings nach der anfänglich starken Stimmung 2,50 Mark. Später wurde cS wieder ruhig, doch konnten sich die erzielten Gewinne weiter behaupten. nun endlich bie persönlichen Gegensätze. die Mt seitherige Arbeit deS Demeinderats nicht förderten. beseitigt find. • Alten -D ufeck, 20. 3an. Am SamStag hielt der Mandolinenklub „Frisch- Auf" im Saale des Gastwirts Depp einen Familienabend ab, der einen harmonischen Verlauf nahm. Der 1. Vorsitzende Lepper begrüßte die Teilnehmer und überreichte dem jungen Dirigenten Ludwig Schreiner in Anbetracht seiner Verdienste um daS Orchester und die GesangSabteilung ein schönes Geschenk. Auch Fräulein Louise Bötz erhielt ali einzige mitwirkende Dame ein Geschenk. Unter der Mitwirkung des flumoriften Haber mehl von Wieseck endete der Abend in bester Stimmung. 8 Alten-Bujeck. 20. Ian. Am Sonntagabend hielt der hiesige Frauenchor im Saale von Gastwirt Rühl einen gutbesuchten Familienabend ab. Pfarrer Sattlet, Wiesech hietz in einer Ansprache die Besucher willkommen. Zu Beginn wurde ein Gedicht des verstorbenen Pfarrers Hartmann, des früheren Leiters, zum Vortrag gebracht, daS besonderen ^eifall fand. Es kamen sodann drei Theaterstück zur Auf- ührung, zu deren Einübung sich Legrer Ranft zur Verfügung gestellt hatte. Ober-Primaner Kraushaar, Rödgen, trug einige Lieder vor. Den übrigen musikalischen Teil bestritt der Thor mit einigen unter Leitung von Dirigent A i c o l a i chön «-getragenen Liedern. Grünberg, 22. Gan. Ein dreister Gin - bruchsdieb stahl wurde in der vergangenen Aacht hier verübt. Dem Laden des Schuhmachermeisters Albrecht GrosthauS in der Bahnhofstraste statteten Diebe, die - wie festgestellt toer- 1 - Lüge tin Wrl,äTMe|< jeln.war, W •n Äugen ü . fr, pwfliw' über die deutschen Anleiheverhandiungen etwas günstiger lauteten und auch die Aeuyorker Börse in festerer Haltung schlost. Die offizielle Börse fetzte bann auch etwas fester ein. da die S beIti- lat l en iu weiteren Deckungen als die UltimoDBrbereltungen schritt und auch von Pubtt- kumSseite kleine Kauforders vorgelegen haben. Olud) die Lage am Geldmarkt machte einen günstigen Eindruck auf die Börse Das G e- schäft war jedoch austerordentlich gering. und die Kurssestigung ging nur sehr langsam vor sich. Die Möglichkeit einer weiteren Herab'etzung der Aeuyorker Diskontrate wirkte ebenfalls anregend, doch rechnet man In Börsen- frcilcn taum mit einer solchen Mastnabme, obwohl eine Politik niedrigerer Zinssätze sogar wichtiger Bestandteil einer Krisenerlcichterung oder Belebungspolitik ist Gegenüber der gestrigen Abcndbörle haben sich teilweise bemerkenswerte K u r s b e f e st i g u n g e n ergeben. So lagen am Elektromarkt Licht und Kraft 3 Prozent fester 21®®.. Schlickert und Siemens lagen je 1.75 bi« 2.75 Prozent höher. Don Themiewerten gewannen Scheideanstalt 2,5 Prozent. I.-G.-Farben 1,25 Prozent. MontangeseUfchast undRutgers- werkc je 1 Prozent. 'Der Montanmarkt hatte sehr ruhiges Geschäft. Kaliwerte lagen um 2 Prozent gebessert. Bis 1 Prozent höher lagen austerdem Kunstseideaktien. Bankwerte und Bauunternehmungen. Von deutschen Anleihen zogen Llltbesitz um 0,20 Mk. an. Acubesih behauptet Am AuS- lanbrcnlenmarft lagen Türken auf festere Pariser Kurse ebenfalls leicht erhöht. Pfandbriefe ruhig. Im Verlause hielt sich die festere Stimmung, und auf weitere Deckungen her Kulisse lagen die Kurse 1 Prozent höher. Das Geschäft konnte sich leicht beleben. Mehr Gefahr war besonder« für Elektrowerte. Am Geldmarkt blieb der Sah für Tagesgeld unverändert. Am Devisenmarkt konnte sich der Dollar wieder etwa- befestigen, während Madrid leicht schwächer war. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2080. gegen Pfund 20.4275, London gegen Kabel 4,8544, gegen Paris 123,88. gegen Mailand 92,72, gegen Madrid 46,60, gegen Schweiz 25,0875, gegen Holland 12,0675. Berliner Börse. <% Cenctreldnldie Wolbrenle . . roher Stimmung bis in die frühen Morgen- . Kunden beifammen. " Einführungslehrgang für nebenamtliche Düchereileiter 3n der Eoethelchule versammelte sich am Mittwoch, ein- gelaben von der Staatlichen Landesberatungsstelle für das volkstümliche Düchereiwelen in Oberbeffen. Landkreis (Bietzen. L Diese d, 23. 3an. Gestern abend fand eine öffentliche Sitzung des Demeinderats statt, die sehr stark besucht war. Besonders war eS Punkt 6 der Tagesordnung, „Einspruch der Bürgerversanimlung gegen den am 29. Dezember gefaßten VemeistderatSbeschlust über Realsteuerer böhung". der größtes Znteresse hervorrief. Diele Ortsbürger mußten wieder umkehren. da der Sitzungssaal überfüllt war. Bürgermeister Schomber leitete die Sitzung. In der S p o r t p l a tz s r a g e , die seit längerer Zeit Gegenstand der Besprechung war, ist kürzlich von den beiden Vereinen ein Üeber- einkommen getroffen worden. Aur must die Gemeinde auf dem Festplatz den zweiten Sportplatz schaffen, damit die Iugendmannschaften beider Vereine hier ihre sportliche Betätigung auS- üben können. Der Errichtung von Schiest- plähen auf dem alten Sandgrubengelände wurde zugeftimmt. Der Verpachtung der Sch a f - weide konnte in Anbetracht des geringen Gebote- nicht für drei Jahre zugestimmt werden, die Verpachtung soll für ein Jahr ausgeschrieben werden. Ebenso wurde die Submission der Sandgrube aus der Urselum vmn Gemeindevorstand mit Stimmenmehrheit abgelehnt. Für bie Submission von 50 Festmetern Sichenschwel- (en lagen zwei Angebote vor: 3ul. De11höfor (Giesten) erhielt den Zuschlag pro Festmeter für 21,15 Mk. - Dem Einspruch gegen den Eemeinderatsbeschlust kann der Bürgermeister nicht zustimmen, zumal in der Dürgerversamm- lung irreführende Zahlen genannt worden seien, und ferner auch der Einspruch nur als Protest aufzusassen fei, da er formell nicht den Vorschriften entspreche. Er erklärte sich aber bereit, den Protest der vorgesetzten Behörde mit Dem Aachtragsvoranschlag einzuschicken. Der Gemeinderat deschlost auch demgemäst. Gemeinderat Karl Benner, der in der Bürgerversammlung für mancherlei Angelegenheiten in der Gemeinde allein verantwortlich gemacht wurde, nahm Veranlassung, zu den dort aufgeworfenen Fragen Stellung zu nehmen. Er erklärte, dast er in sachlicher Weise klären wolle, was zu diesen Gegensätzen führe, und eS ist anzuerkennen, dast er in feinen langen Ausführungen sich bemühte, die seitherigen persönlichen Gegensätze zu überbrücken. Auch Gemeinderat Karl Seibert sprach fachlich über die Angelegenheit, und man darf sich den Worten des Bürgermeisters Schomber anschliesten, die besagten, dast wohl Berlin, 23.3an. Schon im heutigen Vormittagverkehr war die Grunds! immung als freundlicher zu bezeichnen, wobei von dem festeren Aeuyorker Dörsenschluh von gestern eine rein psychologische Anregung ausgegangen sein soll. Einige als ungünstig anzusehende Wirt- schaftSmeldungen. wic das ReichSbabndesizit, auch der gemeldete Einnahmeausfall bei der Reichsbahn wurden kaum beachtet. Auch der Rückgang der StahlauSsuhr blieb ohne Sinflust auf die Stimmung und hinderte nicht, dast die Spekulation für den Ultimo zu weiteren Deckungen schritt. Dast noch verschiedentlich festere Engagements bestanden, ist auS den hohen Reports, d'? noch bezahlt werden, zu ersehen. Da auch daS Ausland mit festeren Meldungen erschien, profi- tierten die Auslandwerte Ö Mark, ^venska gewannen 9,50 Mark. Sonst standen noch Elektro- Papiere, Schiffahrtsaktien, Rheinstahl, Salzdetfurth und Schultheih etwa» mehr im Vordergrund und gewannen bis 3 Prozent. Anleihen etwa behauptet. Ausländer ruhig. Türken weiter anziehend. Pfandbriefe bet sehr ruhigem Geschast gut behauptet. Anteilscheine und ßiquibattons- pfanbbriofe, letztere zu AblösunaSzweckcn. etwas mehr gefragt. Staatsanleihen lagen anqcbpkn. ReichsoahnvorzugSaktien etwas schwächer. Reichs- schuldbuchsorderangen etwas freundlicher. Deldsatz unverändert. Tagesgeld mit 4 bis 6 Prozent, lMonatsaeld 6,25 bis 7,50 Prozent. Warenwechsel lieben die Einbrecher liegen. • Den Zugang zu dem Laden hatten sie sich durch bat Fenster an der Hofseite verschafft. Ein im Aachtdienst befindlicher Dahnbeaniter sah vom Bahnhof aus gegen 4 Uhr ein Auto in der Aähe des Hauses halten, ohne ihm aber weitere Beachtung zu schenken: ebenso bemerkten andere Leute, dast gegen 4,30 Uhr in der Aähe der flöfentränfe scheinbar ein Reifenschaden an einem Auto au8gcbcffert wurde. Gegen 5 Uhr machte ein Motorradfahrer, der fein Rad daselbst einstellen wollte, den Hausbesitzer auf den Einbruch aufmerksam. Trotz sofortiger polizeilicher Absperrung des Tatortes und Zuhilfenahme eines (Siebener Polizeihundes, der zwar die Spur eine Strecke aufnehmen, ober wegen des benutzten Autos nicht weiterfinden konnte, gelang es noch nicht, die Täter zu fassen. k. Hungen. Ist. 3an. Der wieder inSLeben gerufene O r t S g e w e r b e v e r e i n hielt im Saale des Gafthaufes .Zur Traube" feine erste Generalversammlung ab. Aach Begrüßung durch den Vorsitzenden, Bauunternehmer Koch, sprach zunächst Syndikus Röhr, Giesten, in einer kurzen Einleitung über Organisatioiis- fragen, während Bauunternehmer Becker, Diesten, die Grüße der Handwerkskammer-Aeben- ftelle, Schreinermeister H a u b a ch, Giesten, diejenigen des Dezirksverbandes der Gewerbe- Vereine überbrachte. Aach Genehmigung der Satzungen wurde der Anschluß des Verein« an den Bezirksverband Giesten einstimmig beschlossen. AIS Vorsitzender des Ge- fellenprüfungsausfchuf'es wurde Maurermeister Becker, als Stellvertreter Schreinermeister Friedrich Dach gewählt. 3n einem Referat zeigte Syndikus Röhr die Entwicklung der wirtscha t- leben Verhältnisse in den letzten Jahren, um sich dann mit den Sanierungsmastnahmen des Reiches sowie den Aufgaben zur Regelung unserer Finanzen zu beschäftigen. Zum Schiust sprach Geschäftsführer Kirchner. Giesten. über die Aufgaben der neu errichteten Beratungsstelle des BezirksverbandeS Giesten der Gewerlwvereine. Mrcie Büdingen WSA. Ortenberg, 22. 3 an. Am Dienstagnachmittag muhte der Postmeister des hiesigen Postamts mit einem Repolverschust im Kopf dem Krankenhaus in Büdingen zugeführt werden, wo er noch darniederliegt. Am Vormittag des Tages war ein RevisionSbeamter dec Oberpostdirektion Darmstadt zur Prüfung der Postamtsgeschäfte erschienen, und am Mittag, kurz nach 13 Uhr, wurde Der Postmeister mit dem Schuh im Kopf ausgefunden. Man hört in der Stadt, dost er sich den Schuh selbst bei- gebracht habe. 1930. Am öflmilaa« ! man uns schreib,, & 80,1930 im iiIUtng Kumänifdx Nölen ....... Gchiufbliche Noten ...... Ld>wetzet Noten Epantjchc Noten T'checho,towatz!ch« Noten..... Unflariidie Noten ... »fern__________ Geld Zrics 4,197 4.217 58.35 58,59 111,98 112,42 20.395 20,475 16.439 16.499 168,76 169.44 22.01 22,09 111.98 112,42 58.88 59,22 2,475 2,495 112.28 11?,72 81.29 61.61 44,11 44,29 12.40 12,46 73.24 73,54 Itronfturt a. Ml. | Seel tn c?chluß>j iure | l-Uht- 1 Kurs | Schluß» tur< Änsang» Rur< Datum 22.1 23.1 22.1. 23.1. Vereintste Htohlwerle . - - 53 — 52.75 54 Ltavt Älnen......16'/ —r 30 »olirortlt «Ickereleben . . . 10 119 —• 119,5 Äallrofrtf tOcftcrrflfln ... 10 127 —— Lt 129 Raliroerfe Halzdetsurth . . . ia 181 183 183,5 ^rontfun o. JUl. Berlin Ech-uß't flirt I l.Uyr- tt r# Schluß- furrf Anfang- flurd Volum 221. 23-1 221. 23.1 4>amdur«'StmertIa Polet . . 7 57,5 — 57,13 57,13 Hon>buro-Eüdam. $ampt|d)iri 8 — 136 137,25 Hanta $ampf1d)i|f .... 10 •— —— 101 103 Nordbeuttdter L'lotii* .... K 57.75 MV 57,75 57,9 Altsiemctne DeutldteLeeditanN. 10 97,5 —— 98 97,25 Barmer Banloereltt .... 10 100,25 190,5 100.25 100 5 Berliner Handetinelelllchast . IV .116 ,118 115 Sommer»- unv Privat-Banl . 11 108,25 109 108.5 109 Darmstadter und Notionatbanl 12 141 — 140,75 141,5 Deutsche Bant und Tisconto-SelcUschajt, . . . 10 108 108 108,25 Ji. 108 108.25 103.4 108.25 Seid>eb.in!..... . • 1t 223 ^ronffurl «. 271. Scrlln c^chtub- für« t-Uhf Kure Schluß-! Iura | ttnfa a» Äurt Satum 22.1. 23.1 22.1 23.1. e% Deutsche tHeidUanKlftt ,s von 1027 ......... 9% Deutsche 9ieid)6anletbc 85 98,75 98,9 von 1929 ......... — — Deutsche Ant..sUb1ö!.-Lchuw mU attulos.-Rechten....... ohne 9tuolo|.-Red)te - • Hell, yolliltaat von 1099 liOdtolilb. 108%) .... . • cberdessen Provln, - Anlech« mit 51,5 51,7 51,65 4,9 51.5 4,35 4,85 4,75 88,25 — 88,75 - Lu»Ios.,Rechtcn...... -«utsche Komm. LammelaN. 48 47,75 i'lni.'lhr (Scrte 1...... 48 f% grants. Hyp.-B'Ml Äolvpse 99'75 XIII untünt'bnr bU 1034 . - • 1% tzrants. t'vv.-vant «oldple 92 ■»- ; Ndelnlsch» Hyp.-Bant 87,4 — ■ ■ ■ !>■ t% iit. Landetvfandbrieianttalt, 100 ivlanddriese 31.19 ..... f% Pr L'aitDeeinancbrietannaU, 100 flomat.-£bl. 31. 90...... 1% Pr. LandoeutaildbriesanstaU 67 97 «lanbbricfe R 81 ..... 4^.(0. obg. Bountgo-Sblioatio. 97 — 97 nea. tOcüablbat 1939..... -- — — H. S slarden Invuftrte . . i ir 117,25 118,5 116 ,65 117,9 . f, — | — 56,5 — Gdifibftmltall..... • • . 9 125,5 128 — . B 31,5 31.5 —— RütgerSweri» . . . . . . 0 41 41,75 40.75 । 41,75 UetäugeleUIchall. . ♦ . • • . v 65.5 66,5 65,5 ! —• Philipp Hotzmaun . . . Zcmcntweri peldelberg Cementweri Karlstadt. . - - 1" 10 69,5 64 1 1 I 70 111 Wavtz i ftreytaa . - . . 8 36 36,25 38.75 ' — Eckultliei» Pascnhoser . 15 — — 142 145 12 122,1 ............. • ■ IS <7.25 47,65 47.25 48,25 Bemberg....... • e 14 45 — 4,5 46 ZelMvII Waldboi . . . »'/, 87 •* .65 85.5 hrtmoll «idmll.-nbura . • ■ 1t 5k 25 59 Qlflriottrnl'uiflci L'alkl e • . 8 •*- 7i .25 75,75 Dessauer Wa*..... • - . 0 94 i1? 96.5 Daimler Motoren . . . e • . 0 18,5 8.5 >»'S Deutsch« Vtnokum , . e e e - 30 80 viaschinenbau Iji.-G. . • • ■ , 0 —- 27,75 Rat. ilutampbU . . • - . ü — —• — Cttufiiln» ilüppcJ . . • • . b — Leonhard $lc| - - • e 10 93 94 95,5 8ven»1a - » • • 233 238 247,5 22. Januar 3. Januar Än,Iliche »rll JleUtrung »rief »mtliche Selb Notierunq 3rief Amtt-^Nori. Buen. NtreS Vrss.-Anttv tEbrlmaiila. 168,öl 1.277 " 169,35 1.281 ■f*41 169.4$ 1.279 58,56 58,68 58.59 53,71 112,27 112,49 112.32 112,54 NapetUag.'ii 112,27 112.49 112.31 112,53 Ltockdolm . Helnnglorr, 112.47 10,578 112,69 10,598 112,52 10.58 112,74 10,60 sttoiien. . . 22.005 22-045 20.439 22.01 22,05 London. . . 20.369 20.405 20,445 Neun ort . . 4,2025 4.210, 4,204 4,212 Pan».... 16,462 16,502 16.469 16.503 2d6ut>eft . . 73,35 73,49 ibuL arten 3.047 3 053 3,047 18,85 Vifiabon 18.80 18.84 18.89 Tanjtfl. . 81.53 81.69 81,59 81.75 Konst.mm. 1.784 1.789 1.784 1.789 fltbr't. 4.445 5.455 5.45 5 55