Nr. 290 Erstes Matt M. Zahrgang Dienstag. 22. vezemberlOZl 6r |d)e im i ö g Ii ch, ouhei Sonntogs und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte viehener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr Bezugspretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernfvrechanfchlüfse anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen, postschecklonto: $rontfurtom Main 11686. sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen VrrS vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitätr Buch- und Zteindruckerel R. Lange in Gießen. §chriftleltung und Geschäftsstelle: Zchulllraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmitlag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20",, mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantworilich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, fämtlich in Gießen. Das Stuttgarter Alte Schloß in Flammen. Große Teile -es Baues einem verheerenden Großfeuer zum Opfer gefallen. — Schwierige Löscharbeit. — Oer Brand wütet auch heute morgen noch weiter. zumStillstand gekommen. Man hofft es dort eingrenzen und eine weitere Ausdehnung verhindern zu können. Dagegen ist um 18.15 Llhr der Südflügel ernstlich bedroht. Aber auch dort ist in der Rähe des großen runden Turmes eine Brandmauer vorhanden, von der man wirksame Hilfe erwartet. Stuttgart, 21. Dez. (WTB.) Das Alte Schloß in Stuttgart steht seit Montag früh in Hellen Flammen. Das Feuer ist im Nordostflügel des Schlosses ousgebrochen und wahrscheinlich schon vor einigen Tagen entstanden, aber erst jetzt richtig zum Ausbruch gekommen. Der große Nordostturm steht zur Feit völlig in Flammen. Es handelt sich dabei um den ältesten Teil des Sch'osses, den sog. Christoph-Teil mit Wassergraben Das Dach ist schon heruntergebrannt, und nur noch einige Balken erheben sich phantastisch in die Höhe. Die Flammen schlagen durch die Fen st er; gewaltige Rauchmassen ziehen jetzt über die Stadt. Verschiedene Stockwerke sind bereits durch die einstürzenden Massen durchschlagen worden und ausgebrannt. Man vermutet, daß das Feuer in einem der doppelten Böden zum Ausbruch gekommen ist. Unter den vom Brand betroffenen Wohnungen befindet sich auch die des früheren Staatspräsidenten Blas. während die Feuerwehr ihr Hauptaugenmerk darauf richtete, den Brandherd im zweiten und dritten Stockwerk zu beämpfen, entfachte sich im Dachstock des östlichen Flügels ein Feuer, dos von der Feuerwehr erst um 13 Uhr in feiner ganzen Gefährlichkeit erkannt wurde; da war es aber auch bereits zu spät. Als die Feuerwehr mit drei großen Leitern anrückte, um das Feuer vom Dachsiock aus zu bekämpfen, stand dieser schon in einem einzigen Flammenmeer, so daß die Feuerwehr sich darauf beschränken mußte, das Ueberspringeu des Feuers auf den südlichen und den nördlichen Flügel zu verhindern. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Dagegen zogen sich etwa 20 Feuerwehrleute zum Teil sehr schwere Rauchvergiftungen zu. Die Bekämpfung des Feuers gestaltet sich sehr schwierig, do im Innern des Baues nur noch mit Rauchmasken vorgegangen werden kann, wcil der gesamte Ostflugel vollständig von Rauch durchzogen ist. Etwa um 13.33 Ühr stürzte im Mittelbau des östlichen Flügels der D a ch - stock in sich zusammen. Ein Kamin fiel mit großem Krach in den Hof auf eine Leiter der Feuerwehr, die nicht unerheblich beschädigt wurde. 2ln den Rettungsarbeiten beteiligte sich auch Reichswehr, die alsbald anrückte, um die im Schloß befindlichen Wohnungen und Kanzleien zu räumen. Auf dem Karlsplatz und dem Schloß- Platz verfolgt eine ungeheure Menschenmenge den Brand. Am Drandplatz sind Finanzminister Dr. Dehlinger und Herzog Philipp Albrecht von Württemberg erschienen. Das Schloß ist Eigentum des Staates. 51m 14.30 älhr steht der ganze Ostflügel noch in Hellen Flammen. Das Feuer hat auch bereits auf die unteren Stockwerke übergegriffen. ilm 15 ilfjr hatte das Feuer vom östlichen auf Den nördlichen Flügel übergegrif» je n . Der Verbindungsturm zwischen den beiden Flügeln ist vollkommen ausgebrannt. Inzwischen ist auch ein weiterer Teil des Dachstockes und auch die Decke des dritten Stockwerkes im Ostflügel unter großem Getöse eingestürzt. Die einzelnen Stockwerke sind gleichfalls vom Feuer ersaht. Am Brandplatz haben sich unterdessen «uch Staatspräsident Dr. Bolz, Oberbürgermeister Dr. Lautenschlager sowie die Beamten der zuständigen Ministerien eingefunden. Den Zuschauern — fast ganz Stuttgart ist jetzt am Brandplah — bietet sich ein schauerliches Bild. 3m Oskflüget ist jetzt auch das ganze Erdgeschoß von den Flammen erfaßt. Riesige Rauchmengen wälzen sich über die Stadt. 3mmer wieder werden Feuerwehrleute mit Rauchvergiftungen fortgetragen. Polizei und Reichswehr sind mit der Ausräumung der vom Feuer noch nicht erfaßten Flügel beschäftlgl. Aus den Wohnungen in den oberen Stockwerken des Ostflügels konnte nichts gerettet werden. Die Bewohner wurden vom Feuer völlig überrascht. Die schönen alten Teile des Schlosses sind mit dem Ostflügel dem Feuer bereits zum Opfer gefallen. Der O st f l ü g e l de" Schlosses ist völlig ousgbrannt. Es ftujt nur noch die Außen- -mauer an der Rordseite. Das Feuer findet in den Holzwänden und in den mit Streu gefüllte n Holzböden reiche Rührung. Die Arbeit 1er Feuerwehrleute wird durch die große Kälte sehr erschwert. Trotzdem hofft man, las Feuer an der Brandmauer, die sich etwa in ler Mitte des Rordslügels befindet, aufhalten zu Tonnen. Der Südflügel mit der Sch l oß - Kapelle und der Westflügel am Schiller- ^Zlatz, in dem sich die Altertumssammlung befin- lot, scheinen nicht mehr gefährdet zu lein. Die schönen Stuckdecken und Gemälde im Ostflügel sind vollständig vernichtet. Das Rote Kreuz hat im Westflügel eine Sanitätsstation eingerichtet. Bis setzt sind ■30 Feuerwehrleute, die Rauchvergiftungen davongetragen haben, abtranspor- diert worden. 13 Feuerwehrleute mußten in die Krankenhäuser gebracht werden. Gegen Abend ist das Feuer im Rordflügel an der Brandmauer Oie Geschichte des Alten Schlosses. Stuttgarts schönster Profanbau aus alter Zeit. Das Alte Schloß, einst der Sitz der Grafen von Württemberg, stammt mit feinem ältesten Hauptbau, der heute zuerst ein Raub der Flammen wurde, aus dem 12. Jahrhundert. Es wurde im Jahre 1286 mitsamt der Stadt von König Rudolf belagert und von Graf Eberhard dem Erlauchten im 14 Jahrhundert erweitert, später von 1473 bis 1570 ausgebaut. A l s alte Wasserburg ein trutziger und wehrhafter Bau war das Alte Schloß immer eine der größten Sehenswürdigkeiten der Stadt, der schön st e Stuttgarter Profanbau aus älterer Zeit An der unteren Seite des Schlosses stehen noch teilweise die alten Ringmauern. Früher war das Schloß von einem Graben umzogen, der 1775 ausgefüllt wurde. In dem abgebrannten Flügel befand sich der Große Saal, der sogenannte „Türnitz", der zu Ritterspielen und als Speisehalle diente. Darüber waren die Wohnräume der herzoglichen Familie. Besonders schön und berühmt ist auch d e r S ch l o ß- h o f mit dem von Meister Hofer stammenden Standbild des Herzogs Christoph im Barte, mit den arkadengeschmückten Umgängen und den Ecktürmen. Basel. 22. Dez. (DJIB.) Das aus Melchior. Rist. Laylon und Beneduce bestehende R e d aktiv n sk o m i t e e. das den Schlußbericht des Beratenden Sonderausfchuffes der B3Z. anfertigt, hat von 21 Uhr bis 2Uhr gearbeitet. Der Teil des Berichtes, der über d i e Schlußfolgerungen handelt, ist fertig- gestellt worden. Ueber andere Teile des Berichtes hat man sich noch nicht vollständig geeinigt. Nachdem die Mitglieder des Redaktionskomitees die Sitzung verlassen halten, blieben die technischen Sachverständigen noch eine zeitlang beisammen, um gewisse technische Fragen Im Bericht zu besprechen. Am Dienstag werden sämtliche Mitglieder des Ausschusses um 11 Uhr nochmals sich versammeln, um zu dem Stand der Arbeiten Stellung zu nehmen. Am Nachmittag wird dann das Re d a k t i o n s k o m i t e e wieder zusammen t r e l e n. Ls ist noch nicht zu übersehen, wann die Schlußsitzung des Ausschusses slallsinden wird. Während am Abend im allgemeinen eine optimistische Stimmung vorherrschte, hatte man »ach Schluß der Rachtsihung den Eindruck, daß wieder gewisse Schwierigkeiten a u f g e t a u ch t sind. Nachträglich verlautet, daß es in der Nachmillagssihung der elf Ausschuhmitglicder zu einem ziemlich heftigen Zusammen st oh zwischen L a y t o n (England) und R i st (Frankreich) gekommen ist. Es besteht jetzt offenbar Uebereinstimmung im Ausschuß, daß der Bericht keine konkreten B o r s ch l ä g e enthalten soll. Alle darüber bisher in einem Teil der Presse angestellten Vermutungen sind allem Anschein nach falsch gewesen. Nach dem Die drei großen runden Turme, Strebepfeiler erbaut waren, stammen aus den Jahren 1572, 1578 und 1687. Der Erbauer des Schlosses in feinen späteren Teilen war der Stuttgarter Albrecht T r e t s ch. In dem großen Schloßkeller lagern die Weine der Herzoglichen Rentkammer. In dem Schloß selbst befinden sich zahlreiche Wohnungen und Kanzleien sowie das Altertumsmuseum. Es find unersetzliche Kun st- und Altertumswerte mit großen geschichtlichen Erinnerungen durch den Brand vernichtet worden. Oer Brand hält die Nacht durch an. Tie Stuttgarter Feuerwehr 21Stunden lang in Tätigkeit. Stuttgart, 22. Dez. (WTB. Funkspruch.) Der Brand im Ostflügel des Alten Schlosses wütete die Rächt über fort. Mit vier Rohren bekämpft die Feuerwehr die immer wieder aus den Fenstern schlagenden Flammen, die sich in den mit Spreu gefüllten Zwischenwänden fortfressen. Für den Südostturm gegenüber der Markthalle besteht immer noch große Gefahr. Hier hat die Feuerwehr neue Fahrzeuge in Stellung gebracht, um mit nachhaltiger Energie dem zerstörenden Element ein weiteres Llmsichgreifen unmöglich zu machen. Die Stuttgarter Berufsfeuerwehr ist feit 21 Stunden ununterbrochen an der Brandstätte tätig. Während der Rächt wurden noch drei Feuerwehrleute wegen Rauchvergiftung und starker Augenentzündung ins Krankenhaus geschafft. Man spricht von einem Sachschaden von 4 bis 6 Millionen Mark. jetzigen Stande der Dinge dürfte der Bericht w e - der auf dieFrage der geschützten, noch auf die der ungeschützten Annuitäten eingehen. Er dürste auch keine Anregungen über dle Sachlieferungen und andere Linzelfragen enthalten. An der Fassung des Verichtstextes und an den einzelnen Formulierungen, in denen die Ergebnisse der Ausschußunter- suchung über die Zahlnngssähigkeit Deutschlands ihren Niederschlag finden soll, wird noch gearbeitet Man wird betonen, daß der Ausschuß aus den Antrag Deutschlands gemäß dem Zoungplan eine genaue Prüfung der Gesamtheit der deutschen Verhältnisse vorgenommen hat, daß der Eindruck, den mau von den besonderen wirtschaftlichen Schwierigkei- t e n Deutschlands erhielt, ein überaus starker ist und deshalb die Regierungskonserenz auffordert, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Der Ausschuß scheint seine Ausgabe so ausgefaßi zu haben, daß er lediglich eine Darstellung der Lage zu geben habe. Wie diese Darstellung im Einzelnen ausgefallen ist, muß abgewartet werden. Erst dann ist ein Urteil über die Arbeit des Ausschusses möglich. England hat wenig Hoffnung. Englische Blätter über die Schwierigkeiten in Basel. 2 o n ö o n 22. Dez. (ERB. Funkspruch. Eigene Meldung.) Die Baseler Berichterstatter verschie- I dener Blätter heben übereinstimmend die u n - günstige Wirkung der Erörterungen des amerikanischen Kongresses und Vor -er Schlußsitzung in Basel. OaS Redaktioneikomitee stellt in einer Nachtsihung den Bericht fertig. der letzten Rede Lavals auf den Sachverständigenausschuß hervor. „Morning Post" will von maßgebender Seite erfahren haben, daß die Meinungsverschiedenheiten innerha b des Ausschusses einen ernsten Charakter angenommen hätten, wie in der Frage der ungeschützten Annuitäten und der kurzfristigen Kredite. Die franzcs.sche Delegat on habe neue Weisungen aus Paris erhalten, in der Prioritätsfrage nicht nachzugeben. — Aehnlich äußert sich „Daily Telegraph", der außerdem meldet, daß auf der Konferenz eine britische Anregung unformell erörtert worden se>. das Moratorium auf fünf Sabie auszudeh neu. E. stwri e hälfen die Franzojen b.e.t. Anlegung widersprochen. — 3m Gegensatz dazu hört „Times", daß man sich gestern abend geeinigt habe. Allerdings soll es sich dabei nicht um Zugeständnisse der verschiedenen Parteien handeln, sondern um Einschränkungen des Gebietes der Berichterstattung. — »Financial Rews" sagt: 3n Dankkreisen betrachte man ein zweijähriges Moratorium der Reparationen und Kriegsschulden als die denkbar schlechteste Lösung, weil dadurch jede Hoffnung auf Erholung während dieser langen Periode zerstört werden würde. Paris ist mit Laval zufrieden. Ein Nachgeben steh« außer Frage. Paris, 21. Dez. (TU.) Die Pariser Presse zeigt sich von der Rede Lavals außerordenlich befriedigt. Der in solchen Fällen zweifellos halbamtliche „Temps" hebt in seinem Leitartikel hervor, die Stellung Frankreichs fei hier so klar umrissen worden, daß für Mißverständnisse kein Platz bleibe. Durch die Ereignisse der letzten Monate sei Der französische Standpunkt nur bestärkt und die vorsichtige Haltung Frankreichs gerechtfertigt worden. In Basel habe es sich herausgestellt, daß die finanzielle Lage Deutschlands weniger verzweifelt sei, als man sie hingestellt habe, und daß man den do r - übergehenden Schwierigkeiten des Reiches mit ebenso vorübergehenden Maßnahmen beikommen könne. Weiter wisse man, daß die Vereinigten Staaten einer Verlängerung des Hooverjahres oder einer neuen Behandlung der Schuldenfrage nicht zu st im men würden. Durch diese Tatsachen sei die Hilfe, die man dem Reich angedeihen lassen könne, eng begrenzt. Wenn man diese Feststellung mache, so liege darin keine grundsätzliche Ablehnung der Hilfeleistung. Die Streichung oder Herabsetzung der Tribute bleibe jedoch solange unmöglich, als Amerika keine entsprechende Streichung oder Herabsetzung der Schulden vornehmen wolle. Wenn die überspannten Erwartungen der Deutschen jetzt einer Enttäuschung Platz machten, so hätten sie das der Haltung ihrer Nationalisten und der f ehlenden Opferbereitschaft Amerikas zu verdanken. Daß die Tribute den Privatschulden nicht zum Opfer gebracht werden könnten, verstehe sich von selbst. Niemand innerhalb oder außerhalb Europas könne an dem guten Willen und der Friedensliebe Frankreichs Zweifel hegen. Es fei jedoch klar, daß Frankreich seine Sicherheit nicht opfern werde. Oie Arbeitslosigkeit in Frankreich. Paris, 22. Dez. (WTB. Funkspruch.) 3m „Populaire" stellt der sozialistische Abgeordnete Leon Blum fest, daß die Zahl der unterstützten Arbeitslosen innerhalb der letzten Wochen von 104 030 auf 116 030 gestiegen sei, also um 12 v. H. 3m Vergleich zu Mitte Oktober habe sich also die Zahl der Erwerbslosen mehr als verdoppelt. Die Kammer nahm mit sämtlichen 450 abgegebenen Stimmen einen Gesetzentwurf an, wonach die Einstellung aus- ländischer Arbeiter inStaatsbetrie- b e n oder vom Staate kontrollierten Betrieben 10 v.H. nicht übersteigen darf, während der Prozentsatz der zulässigen ausländischen Arbeiter in Privatbetrieben je nach Bedarf durch Dekret festgesetzt wird. 3eder Ausländer, der nach Frankreich einreist, bedarf, um Arbeit suchen zu können, einer besonderen Genehmigung. Oie Einfuhrbeschränkung in der Schweiz. Bern, 21. Dez. (WTB.) Mit 88 gegen 30 Stimmen hat der Rationalrat der bundesrätlichen Vorlage zugestimmt, durch die der Bundesrat ermächtigt werden soll, zum Schuhe der in ihren Lebensbedingungen bedrohten nationalen Produktion und insbesondere zur Dekämp- fungderArbeitslosigkeit vorübergehend die Einfuhr bestimmter von ihm zu bezeichnender Waren zu beschränken oder von Bewilligungen abhängig zu machen, deren Bedingungen er festsetzt. 3n der Aussprache hat der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements das Wort ergriffen und in Begründung der Rotwendigkeit von Einfuhrbeschränkungen auch von der K ü n d i - gung des schweizerisch-deutschen Handelsvertrags gesprochen. Diese Kündigung, sagte Bundesrat Schultheß, bedeute nicht den Zollkrieg, weitere Verhandlungen seien möglich. Einjährige Prüfungszeit zur Aufnahme in die ASOAP. „ München, 21. Dez. (TLl.) Adolf Hitler veröffentlicht im „Völkischen Beobachter" folgende Verfügung: „Die Erfahrungen in Hessen haben gezeigt, daß der beabsichtigte Eintritt in die REDAP. von Personen, die in der Oeffenllichkeit bereits eine Rolle spielten, m i t besonderer Soras alt überprüst werden muh. Während bisher beim UebertriÜ von politischen Führern anderer Parteien in unsere Bewegung eine mehrmonatige Prüfungszeit biS zur endgültigen Aufnahme eingefckoben wurde, verfüge ich für die Zukunft folgendes: Ersuchen von Personen, die bisher in der Oeffentlichkeit hervortraten, insbesondere wenn diese bereits als politische Führer anderer Parteien eine Rolle spielten, in die REDAP ausgenommen zu werden, ist nicht vor Ablaut einer Prüfungszeit von einem 3 ahr. gerechnet vom Tage der Einreichung deS Aufnahmegesuches an, stattzugebcn." Oie Gestaltung des Preisniveaus. Reichslommissar Dr. Goerdeler über seine Aufgabe der Preisüberwachung. Berlin, 21-Dez. (XU.) Am Wontagabend sprach im Rundfunk Reichskommissar Dr. ® ö r - deler über „Fragen der Preisbildung". Dabei führte er u. a. aus: Die allgemeine Preissenkung müsse organisch angebahnt und durchgclührt werden, wenn dabei nicht die Schäden größer sein sollen als die Vorteile. ES gelte sozusagen ruckartig die gesamte Wirtschaft auf einen anderen Preis», Lohn - und Gehalts- st a n d au überführen. DieS sei infolge deS Sturzes der englischen Währung und seiner Auswirkung auf die nordischen Währungen unumgänglich. Schon jetzt gelange auS den nordischen Ländern daS Vieh billig in großen Wengen nach Deutschland und die engl.sche Kohle stoße bereits auf das Binnenland vor. Diese und andere Ursachen führten dazu, daß in steigendem Maße die einzelnen Völker sich gegen fremde Einfuhr durch Zölle und andercMaßnahmcn schützten, um die eigene Wirtschaft zu teilen. Zu den anderen Ursachen geböte die große polnische und wirlschaftliche Unordnung, die daS Di k- tal von Versailles nichl nur über Deulsch- land, sondern damit auch übet die Welt gebracht habe. Rach seiner Ueberzeugung gehe man dem Zeitraum entgegen, in dem man zu einer Art Tauschhandel mit anderen Volkswirtschaften gelange. 3edcs Land werde nur soviel aus dem anderen Land auf- nehmen wollen, wie es selbst in diese- Land auS- führe. Auf jeden Fall müsse sich daher Deutschland auf eine niedrigere Preisgrund- lage herunterschrauben. Durch die Notverordnung vermindere sich ab 1. Januar 1932 die Kaufkraft um einen Iahreswert von 3.5 Milliarden. Diese Minderung der Kaufkraft ziehe alles in ihren Strudel. Damit dieser Strudel nicht vernichtend wirke, sei es notwendig, Kräfte einzuschalten, die den Vorgana regulierten. Je schneller die Regulieruna erfolgen könne, und je organischer sie durchaesührt werde, desto besser werde die Wirkung fein. Das Verhältnis sei dann am günstigsten, wenn dem relativ gering- st en Preise die relativ größte Kaufkraft gegenüberstehe. Die Aufgabe könne nur fein, allen Berufsständen au gewährleisten, daß ein g e • rechter Preis sichergestellt werde, das heißt ein Preis, der sämtliche S e l b st k o st e n decke und den an der Erzeugung und an dem Vertrieb Beteiligten aller Art die E r i st e n z in einem der heutigen Notzeiten entsprechenden Rahmen gebe, nicht mehr und nicht weniger. Die verschieüenen Faktoren der Preisbildung seien aber so verschieden, daß sie alle gesondert auf die Möglichkeit der Einwirkung geprüft werden müßten. 3n jeder Preisbildung steckten z. D. Abgaben für die öffentlichen Haushalte, soziale Lasten usw. Eine ‘Beenflußbar.eit liege hier nur in der Möglichkeit vor, altpteußische Sparsamkeit in der ö f f e n t l ich e n V e t w a l- t u n g zu üben. Den unmittelbaren Senkungen der PreiStatife stehe als höchstbedauerliche Preisbelastung die Erhöhung derUmsatzsteuer gegenüber. Eine wichtige An gabe falle der deutschen Hausfrau zu. Sie solle Güte und Preis prü'en. Heber dieFleisch - undDrotpreise seien in diesen Tagen Verhandlungen im Gange. Bei den Straßenbahnen bestünde Aussicht auf Fahrpreisverbilligungen. Bei den Gas« und Elektrizitätswerken seien die Schwierigkeiten größer, denn diese bür'ten niemals Zuschußbetriebe sein. Sonst müß e nämlich der Verlust durch die Allgemeinheit miltelSSteu- e r n gedeckt werden. H erzu komme noch, daß alle diese monopolartigen Betriebe einen sehr wesentlichen Teil des FinanzbedarfeS der Öffentlichen Hand deckten. Dazu komme, daß in den Städten die Lasten für bte Wohlfahrts» erwerbslosen ständig fliegen. Die Kontrolle der M i l ch f p a n n e, die Preise für Markenartikel werde Ausgabe der nächsten Zeit sein. Ole Senkung des Broipreises im Reich. Tcr Preisübcrwachungskommissar verhandelt mit Konsumemenverirctern. Berlin, 21. Dez. (TU.) Amtlich wird mil- gcteilt: ,Die vom Reichskommiffar für Preisüberwachung, zusammen mit Landes- und OrtS- behorden eingclcitete Aktion zurSenkungdeS Drotpreises hat bereits verschiedentlich zu erfreulichen Ergebnissen geführt. Däckerinnun- gen, Brotfabriken und Konfumvereine haben eine Senkung des Drotpreises vorgenommen, u. a. in Halle, München, Solingen, Deuthen/Oberschlefien, Wuppertal, Stuttgart, Nürnberg, Wiesbaden, Mannheim, Stettin. Die Senkung ist überwiegend schon eingetreten und tritt in einzelnen Orten ab 1. Januar 1932 in Kraft. 3n diesem Zusammenhang ist mitzuteilen, daß der Milch- preis in Leipzig ab 20. d. M. um 3 Pf. gesenkt worden ist. Am 21. Dezember 1931 wurden gemeinsam vom Reichswirtschastsminister Dr. Warmboldt, Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Schiele und Reichskommissar für Preisüberwachung, Oberbürgermeister Dr. G o e r d e - ler, die Spihenorganifationen der Gewerkschaften und Beamten empfangen. Die Besprechung galt den Fragen der Preissenkung und führte nach der grundsätzlichen Seite, sowie auch bezüglich des Vorgehens auf einzelnen Gebieten im wesentlichen au überein st immender Auffassung. Von einzelnen Vertretern der Verbände der Beamten und Arbeitnehmer wurde eine Reihe wertvolle Anregungen gegeben, deren Beachtung zugesagt worden ist. Es bestand allseitig der Wunsch, daß die Aussprache über Fragen der Preissenkung zu gegebener Zeit fortgesetzt werde. Die Reichsminister und Reichskommissar Dr. Doerdeler sagten dies zu. Weihnachtsgebräuche in Spanien. ' Von unserem v. Gß.-Berichtcrstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Madrid, Dezember 1931. Der Spanier kennt den geheimnisvollen Zauber der deurschen Weihnacht in der Regel nur vom Hörenlagen. Der Ehr ist bäum, diese Ersüllung all unserer kindlichen Wunschträume, ist in der Regel nur bei den hier ansässigen deutschen Familien zu finden und nur ganz langsam schasst er sich auch Einaang bei den Spaniern höherer Kreise. Das Volk selbst hat keinen Sinn dafür. Für die Masse ist der Heilige Abend ein willkommener Anlaß, dem Temperament die Zügel schießen zu lassen. Weit davon entfernt, sich von irgendwelcher Poesie einfangen zu lassen oder gar über das Wunder dieser Nacht nach- zudenken, beschränkt man sich darauf, dem Verhältnis des Geldbeutels entsprechend, kulinarische F e i e r n zu veranstalten und so viel Lärm wie möglich zu machen. Tbäßrcnb die Jugenb mit den unmöglichsten Musikinstrumenten, unter denen die Hafendeckel eine große Rolle spielen, die halbe Rächt hindurch tobend und schreiend durch die Straßen der Stadt zieht, fitzen die ehrsamen Bürger beim Festmahl und verzehren Unmengen mehr oder weniger verdaulicher Leckerbissen. Vor allem darf darunter der traditionelle Truthahn nicht fehlen, der Wochen vorher schon auS den herumziehenden Herden heraus lebend gekauft und zuhause bis zum Festtag unmenschlich gestopft wird, damit er nur ja recht fett werde. Der sogenannte T u r r o n — eine in unzähligen Varianten feilgebotene Marzipanspeife — fplelt die nächst wichtige Rolle. Ratürlich wird auch den Getränken lebhafter zugesprochen, so daß die Stimmung innerhalb der Häuser hinsichtlich deS Krachs und Lärm- schon nach wenigen Stunden die Konkurrenz mit dem Trubel auf der Straße auShält. 3n den großen Hotels wird nach dem gleichen Rezept gefeiert, nur kostet es da ganz wesentlich mehr Geld. Wer etwas auf sich halt der schickt zu Weihnachten seinen Freunden Geschenke. Aber nicht in unterem Sinn, sondern eben auf da» leibliche Wohl eingestellt. Riesenkörbe mit fantastischer Aufmachung werden da zu Hunderten über die Straße getragen Leckereien aller Art, Sekt, Ha- oannazigarrrn, Schinken, Truthahn, Marzipan, teure» Obst, kurz alle», was das Herz begehrt, enthalten diese „Eestos". Es g.bt Körbe, die bis zu zweitau- send Peseten kosten! Zeder bekommt also etwa», nur die Kinder nicht. Die müßen warten bi» Aum Tage der Hl. Drei Könige, wo das vom spanischen Christkind Versäumte durch die Magier nachgeholt wird, wenn da» Äinb nicht vergißt, die Schuhe rid)tig vor die Türe oder da» Fenster zu stellen. Wie das diesmal wird, ist noch nicht heraus, denn die Republik hat diesen Feiertag unb-rbrüeft und cs bleibt abzuwarten, ob die Drei Könige dadurch nicht so verschnupft sind, daß sic Spanien überhaupt schneiden. Den einzigen Zusammenhang mit Weihnachten bilden hier d i e K r i p p e n , die in den vermögenderen Häusern ausgestellt werden und die Mitlernachtsmessc, hier „Hahncnrncsse" genannt. Aber auch diese ist mehr eine äußere Angelegenheit und weit entfernt vom Mysterium der deutschen Weihnachtsmette. Eine weniger erfreuliche Weihnachtssitte, die den diversen Familienvätern immer wieder schwer auf der Seele liegt, ist das sogenannte „21 g u i n a l b o", ein Trinkgeld, das um die Weihnachtszeit an alle möglichen und unmöglichen Leute gezahlt werden muß, wenn man sich nicht in den Ruf der Schä- bigkcit bringen will. Es ist ganz erstaunlich, wievicle unbekannte Menschen da an her Wohnungstür erscheinen und behaupten, mit dem .Herrn" das ganze Jahr über in dauernder Verbindung gestanden zu haben. Slußer dem Portier, den gewöhnlichen Briefträgern, den Eilbriefträgern, Geldbricsträgern, Te- legrammzustellern, Laufburschen aller Art, Radlern von der Radiogesellschaft, Telephon, Gas-, Elcktri- Aitätsmenschen kommt noch der Nachtwächter und in seinem Schatten eine Abordnung der Straßenreiniger, die behaupten, gerade vor diesem Haus immer besonders schön gespritzt zu haben. Am besten wär's, man könnte während dieser Zeit auf vier Wochen verreisen. Aber drücken gibt's nicht, da wäre man glatt unten durch, also macht man gute Miene zum böten Spiel und läßt seufzend in all diese aus- geftreeften Hände feine sauer verdienten Silberlinge gleiten. Der Clou ber Weihnachtszeit aber ist und bleibt die große Weihnachtslotterie. Daran hat auch die Republik nichts geändert. Schon viele Wochen vor der am 22. Dezember stattfindenden Ziehung träumen zwanzig Millionen Spanier vom Glück, von der plötzlichen Befreiung auS den Kümmernissen des Alltags und von ihrem Umzug inS Lager der ‘Begüterten. Es ist wirklich rührend au sehen, mit welcher Hoffnung und welch tiefem Glauben diese großen Kinder immer wieder, trotz aller Enttäuschungen, aufdaSWunderwar» t e n. Ratürlich hat jeder einen Anteil. Wenn daS ranze LoS, dellen Haupttreffer fünfzehnMil- ionen beträgt, auch zweitausend Peseten kostet, fo kann man doch dank eines mit aller Gewissen- Hastigkeit durchgesührten Anteilscheinsystems bis herunter zu zehn Eentimos Drtelligun- gen erstehen. Ratürlich ist es Ehrensache, feinen Freunden und sogar den Dienstboten einen kleinen Teil des eigenen LoSbetrages abzutreten, denn die sollen sich doch mitfreuen, wenn man reich wird. Alle Läden großen und kleinen Formats, die Schuhputzer und Austräger, die QEarftfrauen und Däckerjungen bieten einem .Beteiligungen" jum Kauf an. 3ch habe mich Immer gewundert, oaß es bei eventuellen Gewinnauszahlungen unter diesen Umständen nie Durcheinander gibt Aber cs klappt immer ausgezeichnet und irgendwelche Unterschleife kommen fast nie vor. Es ist eben eine heilige Sache, die durchaus seriös behandelt wird. Die Lotterie, die nebenbei bemerkt eine recht ansehnliche Einnahmequelle für den Staat darstellt sorgt aber auch für jene ganz Armen, die sich überhaupt keinen Antell am Glück erstehen können. Diese Leute verdienen chr Geld — meist sicherer als die anderen — durchGpalt e r st e he n. Die Ziehung wird nämlich im staatlichen Münzgebäude cbgcßalten, in einem Raum, der kaum mehr als 100 Personen faßt Diesen Platzmangel und die brennende Reugier von Tau enden, die dem Schaufp cl beiwohnen wollen, machen sich die Armen zunutze, indem sie oft schon Wochen vorher mit Matratzen und Decken ober Stühlen bewaffnet, dort au marschieren und auf der Straße unter freiem Himmel die „Cola“ — den Schwanz formieren. 3n der R.gel organisieren sie innerhalb der eigenen Familie eine richtiggehende Wachablö'ung. fo daß die Anstrengung nicht allzu groß wird. Steht einer aber allein in der Welt, dann muß er viele Tage und Rächte hindurch auSharren, um seinen Platz nicht zu verlieren. Die Stadtverwaltung spendet diesen Unentwegten warmes Essen und Decken. Am ZichungStagc selbst ist die Cola aus über hundert .Platzhalter" angcwachfen, die nun den reicheren Mitbürgern ihre Offerten machen. Man kauft also einenPlatzsürdieZiehung in aller Form und mit dem üblichen Handel. Preise von hundert und mehr' Peseten für einen annehmbaren Platz sind keine Seltenheit So kommen also durch diese sinnreiche Einrichtung auch die allerärmsten au ihrem Weih nach tSge'chenk. Wer aber w rllichen We hnachtszauber empfinden will, der muß hinaus in die schneebedeckte Sierra und beim klaren Mondschein fe.ne cinfamcn Ccbanlen in die Heimat llte- gen la len, dorthin, wo unter dem Lichterglanz des Märchenbaumes unsere Angehörigen d a « Wunder der Ehristnacht gläubig erleben. Minister machen Weihnachtseinkäufe... Kleine Momentaufnahmen auS der Reichshauptfladt. Don Hans Verton. Weihnachten gibt es nicht nur für uns gewöhnliche Sterbliche, — auch für Minister! Unser Mitarbeiter hat, zumeist in der Leip- ziger Straße in Berlin, eine Anzahl Augen- bücksbilder von den Weihnachtseinkäufen der Minister festgehallen. In einem Konfllüreygeschäst der Leipziger Straße herrscht lebhaftes Gedranoe. Jeder miU noch etwas kaufen für den Weihnachtstisch. Ein Herr mit gutmütigem Großpapagesicht, der süddeutschen Dicuekt spricht und so aussieht, als ob ihm stets eine Menge Bonbons für Kinder in der Tasche kleben, Ist auch erst In letzter Minute aekommen und macht in großer Haft [eine Einkäufe. Die Verkäuferin seufzt: „Wenn die Menschen doch nur früher kommen würden .. ." Der gutmütige Herr lacht: „Wissen Sie, Fräulein, man hat so schrecklich wenig Zeit ..." Es ist der Reichsfinanzminister Dietrich. • Ein kleiner, rundlicher Herr geht, ein ganzes Schock Kinder an der Hand, durch die Abteilungen des Spielwarengeschäfts. Die Kinder freuen sich sichtlich über all die bunten, zauberhaften Dinge, aber ihre Freude ist nicht zu vergleichen mit dem wachsen- den Entzücken des Herrn mit der Glatze, der an allem dreht und bastelt, der sich in eine andere, bessere Welt versetzt fühlt. Das ist der Reichs- bankpräfident Dr. Luther ... • Der Mann, der am Wilhelmsplatz Weihnachts- bäume verkauft, sagt vorwurfsvoll zum Herrn im Pelz: „Aber, Herr Minister, bet seht doch nidr bet ie bies Jahr alle nur so kleene Bäume koofen. Wenn ie alles um 10 Prozent senken^ brauchen Se mir )et nicht jleich um eenen janzen Meter zu kürzen .. ." • Der Reichskanzler und fein Staatssekretär sitzen [ich gegenüber. Es gilt einen kleinen Beamten, her in ber Reichskanzlei oesonders fleißig unb tüchtig war, zu Weihnachten auszuzeichnen. Der Staatssekretär schlägt vor: „Eine Erinnerungsmünze viel- leicht? ..." — Dr. Brüning, nachdenklich: „Ach, was hat er davon, bei den schlechten Zeiten. Schenken wir ihm lieber etwas Nützliches, vielleicht eine schöne Krawalle.. .' » Die netteste Sache ist beim diesjährigen Weih- nachtseinkauf ohne Zweifel doch dem Reichsfinanz- minifter Dietrich passiert. Er kaust In einem Geschäft unb erfährt, daß ein Teil des Preises von vornherein als „Spesenzuschuß" bezeichnet wird. Leise flüstert ihm der Verkäufer zu: „(Es ist nämlich wegen der Steuer ..." Der Preiskommisfar Dr. Ooerbeler macht Weihnachtseinkäufe. Neben ihm steht ein Herr, ber alles zu teuer findet. Der Preistommissar tauft Der Mann neben ihm dreht sick plötzlich um und erkennt den in diesen Tagen oft photographierten Dr. öoerbeler. „Verzeihung, Herr Preiskommissar, finden Sie das nicht zu teuer? ..." — Dr. (Boerbcler schüttelt lächelnb den Kops. — „Dann kaufe Ich es auch", sagt der Herr zur Verkäuferin. Ein englischer Staatssekretär ist auf ber Durchreise in Berlin. Auch er will hier Weih- nachtseinkäufe machen. Derzweisell läutet er eine» Tages im Auswärtigen Amt an. In ganz Berlin ist da» nicht aufzutreiben, was man sich zu Hause von ihm gewünscht hat — „Was ist es denn?" — „Ein paar Kuckucksuhren unb ein richtiger Pudel." ... Woraufhin eine biplomatische Aktion in Bewegung gesetzt wurde, um in Berlin Kuckucksuhren unb Pubel aufzutreiben. Das Antiquitätengeschäft betritt ein seltener Gastt ber Reichskanzler Dr. B r ü n l n g Er sagt zum Verkäufer: ,^d) habe schon lange bet Ihnen im Fenster eine alte Holzfitzur gesehen, die mich sehr interessiert hat. Ich habe mir vorgenommen, sie zu kaufen, wen» ich einmal eine halbe Stunde Zeit übrig hatte. Es hat lange gedauert..." Das kleine Mädchen schaut zu dem mittelgroßen, nett aussehenden Herrn empor: .Läufst du mir bas Bilderbuch?" — „Du hast doch jetzt schon genug Bilderbücher, unb wir müssen sparen." In biescm Augenblick beginnt bas kleine Mädchen bitterlich zu meinen. Der Herr kann das nicht sehen und kaust das Bilderbuch. „Gott sei Dank, daß e» in der Politik keine Kindertränen gibt", sagt bann ber Reichswehr- unb Reichsinnenminister (Bröner. Ein Derkaufsfräulein zeigt bem Herrn, der zu- lammen mit einem zwölfjährigen Jungen eine elek- irische Eisenbahn kaufen will, die letzten Modelle. Mit brennenden Augen verfolgen die beiden männlichen Wesen den raschen Lauf ber Lokomotive. Der Herr will etwas an einer Weiche stellen, da weist ihn das Fräulein zurück: „Davon verstehen Sie nichts, mein Herr." — Der Zurückgewiesene ist gleichfalls ein „Mitglied der Wilhelmstraße" — Dr. Dorpmüller, Generaldirektor der Reichsbahn. Aus aller Well. Stürmische Szene im Tuberkuloseprozeß. 3n brr Montagsverhandluna betont Prof. Dr. Bruno Lange in einem ausführlichen Gutachten, baß inan theoretisch mit ber Möglichkeit einer Umwandlung des 2EG. rechnen müsse. Die Möglichkeit eines Rückschlages praktisch und im Lübecker Falle sei aber gleich Rull. Die Verwendung des Eiernährbodens in Lübeck sei nicht geeignet gewesen, eine Dirulenzsteigerung beim BEG. zu begünstigen. Er sei sich vollkommen im Klaren darüber, daß die Virulenz beim DTG. nicht etwas sixeS fei. Es könnten gewisse Schwankungen in ber Virulenz vorkommen, aber niemals so große, daß man fortschreitende Tuberkulose bei Meerschweinchen erzielen könne. Professor Hans Much ruft: .Das ist erwiesen!" Professor Schürmann lacht, Professor Lange fährt fort: Es kommt darauf an, nachzuprüfen, baß eine bakteriologisch-anatomisch filierte Tuberkulose bei Tieren erzielt wird. Dieser Rach- weis ift, wie Pros. Schürmann durch Versuche feftgeftellt hat, nicht geführt worden. Prof. Schürmann machte eine Bemerkung, die man am Prefsettlch nicht versteht. Prof. Much ruft: .Wenn Eie noch we'.ter lachen unb mich weiter beleidigen kriegen Sie ein paar an Die Ohren, eie Lümmel!" Professor Schürmann lacht weiter und Professor Much macht eine neue Bemerkung, die weiter nickt verstanden wird. Rach etwa fünf Minuten läßt Professor Much durch feinen Assistenten dem Professor Schürmann einen Zettel überreichen, mit dem er. wie verlautet, um Entschuldigung bittet. Professor Much sagt dann in seinem Echluß- p"»"chten. Eie sollten einmal hinter d ie Ku- lifsendermedizinischenWissenschast id) .uen, und Sie touroen erstaunt fein über die Cliquenwirtschaft, Unwahrhaftigkeit, Voreingenommenheit ulw. Das Berufen auf die Wissenschaft ist ein 3onglieren mit dem Dogma. Man müsse annehmen, daß tatsächlich eine Verunreinigung vorgekommen ist. selbstverständlich keine Vertauschung, denn bann hätte bas Unglück sich einheillicher auswirken müssen. Auch der Calmette-Baz'llus könne unter gewissen Umständen wieder zur Virulenz Aurüd» kehren. Eine Verwechslung lei in Lübeck ausgeschlossen. — Professor Dr. K a ß n, Berlin, erklärte hierauf Professor Much hat hier schwere Anarisfe gegen die Schulmedizin erhoben Ich halte mich für verpflichtet, als ältestes Mitglied der hier anwesenden Sachverständigen gegen seine Ausführungen Protest zu erheben. Wir werden nach wie vor den Weg der logischen Verfolgung unserer Ziele auf Grund der Beobachtung der Natur gehen. Wir wären auch in unserer Wissenschaft nicht so weit gekommen, wenn wir uns nur auf den Weg des Glücks und der Lotterie verlassen hätten. — Professor Uhlen Huth betont, für die Erklärung des Lübecker Unglücks kämen drei Möglichkellen in Betracht: eine Verwechslung, eine Diru- Icnzsteigerung oder eine Verunreinigung. Man könne einen Rückschlag nach den vorliegenden Befunden nicht ganz aussckließen. Positiv lasse sich dieser Rückschlag im Lübecker Fall allerdings nicht beweisen. Eine Derwechslungsmöglichkell wäre auf Grund der vorliegenden Befunde möglich. Den Vorwurf, daß in Lübeck eine absichtliche Beimengung von humanen Bazillen erfolgt sei, müsse man an- aesichis der Persönlichkeit von Prof. Deycke mit aller EntschicdenhKt zurückweifen. Aber eine Verunreinigung Halle er für da» ausschlaggebende Moment. Nach allem, was dirher über das Cal- mctte-Derfohren bekanntgeworden fei. fei vor der Anwendung der Calmette-Schutzlmpfung an Men- fd)en dringend abzuraten. Entsetzliches Branbunglütf bei einer Weihnachtsfeier. In Lohne (Kreis Osterburg) ereignete sich bei einer Weihnachtsfeier in einer Gastwirtschaft (in entsetzliches Unglück, von dem sechs Knaben betroffen wurden. Die Knaben stellten auf der Bühne Schneemänner dar und waren zu diesem Zweck ganz mit Watte umhüllt. Einer der Knaben muß in der Pause einembrennenden Baum zu nahe gekommen fein und fing Feuer. Im Nu standen alle sechs Knaben in Hellen Flammen. Sie drängten zur Bühnen- tur, vermochten diese aber nicht zu öffnen. Erst al» die Tür von außen durch Personen aus dem Saal aeöffnet wurde, konnten die Knaben aus ihrer Ichrecklichen Loge befreit werden. Sie hatten aber bereits schwere Brandwunden erlitten. Einer der Knaben ist inzwischen im Krankenhaus Osterburg gestorben. Scharfe Hüllt auf dem Schwarzwald. Der Sonntag brachte dem Feldberg den kältesten Tag des ganzen Jahre». Die Masi- mattem peratur betrug minus 14 Grad, das Minimum minus 18 Grad. Mit einer Geschwind g- kett von 20 Sekundenmeter raste ein eisiger O st w i n d über die Höhen de» Schwarzwaldes. 3a dem kältesten Gebiete der Baar lag die Temperatur noch einige Grad tiefer. Au chln der Rheinebene fiel die Temperatur unter minus 10 Grad. ‘SS; *»» 2ithl.J "6s 'st nämlich S®iWtinfierr l5‘0m* tdUH Üblich um unb r Prelskommissar, .-^r- ®oerbelet jonn kaust ich M ikretär ist auf r M hier Weih, lt läutet er eine; ■ ')n ganz Berlin non sich zu haust 1 'st es denn?' - und ein richtiger plomatische Aktion n Berlin Kuckucks. ein lettener Tast! . El sagt zum Der. Zhnen im Fenster 'ich sehr interessiert le zu lausen, wenn de Zeit übrig dem mittelgroß Kaufst du mir tusch schon genug paren.* 3n dichm ädchen bitterlich zu )t sehen und foult doh eg in der > t bann der Reichs- lifter (Bröner. i Herrn, der zu- jungen eine eiet« e letzten ModeLe. , die beiden mann- >i Lokomotive. Der i)e stellen, da nck von verstehen Eit tgewiesene ist M elmsttaße' - «• direktor ott erben nach tme gung unserer M der Aatur * , nur aus den >9 verla'Ien Men- - ont, für byrra amen drei wj echstung. * JJ «•MS A m esunde mw«*. ÄAfrff £ber, ■ f»| vor V wTA*'1'6 !«*• £f Jr W. Mn [ Deu biefta d?StW\ cn1kn und br lfl! finoben'r sech£ S " Jühek ' üng-enK. arft0ö it zu bem Z r»°-< |lt Äsätf In d«' h Jo r* Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 22. Dezember 1931. Wintersonnenwende. Doch keine Sonnwendfeier der letzten Jahre ist so ernst gewesen, wie die diesjährige. Auf der Waage des deutschen Schicksals sinkt die eine Schale immer tiefer, Rot und Entbehrungen wachsen von Tag zu Tag, und auf der anderen Seite bleibt nur noch die Hoffnung. Soll man da von einer Feier sprechen? Kann uns die Wintersonnenwende überhaupt noch etwas sagen? Rein äußerlich gesehen wohl nicht; denn nur noch In wenigen deutschen Gauen leuchten in der Winternacht die Holzstöße und erinnern an eine alte Sitte unserer Vorfahren. Aber im innersten Herzen können wir alle Sonnenwende feiern. Die Rächt hängt in den Tag. Rebel verschleiern die Sonne, und rtur von Zeit zu Zeit dringt ein heller Lichtblick zu uns. Es sind die Tage des Hindämmerns, und wie leicht kommen da Gedanken des Entsagens, des Sich-gehen-lassens. „Es hilft ja doch alles nichts!" Wir werden ftill und müde wie die Ratur draußen. Aber unter der Schneedecke pulst noch das Leben, bereitet sich alles zu einem neuen Frühling vor. Auch unser Her» schlägt noch, und wenn wir uns genau prüfen, dann glimmt auch noch bei uns der Hoffnungsgedanke: Einmal muh es wieder besser werden! lind sieh! Da kommt die Wintersonnenwende und ermahnt uns. dieses Hoffnungsflämmchen nicht erlöschen zu lassen. Wir Menschen der Gegenwart können ja kaum noch ermessen, was unseren Vorfahren die Sonnenwende bedeutete. Mit welcher Sehnsucht, mit welchem Glauben hielten sie Tag für Tag Ausschau nach dem Himmelsgestirn, um endlich feftzustellen: Jetzt ist der kürzeste Tag, die Sonne steht still, sinkt nicht mehr, aber bald wird sie wieder steigen, die Tage werden länger, eS geht dem Frühling zu! Wir in unseren behaglichen Zimmern beim hellen Lampenlicht können kaum noch nachfühlen, wie es einst den Menschen erging, die in schlechten Lehmhütten, ohne Licht und Wärme, hausten. Ihre Freude kam dann im brennenden Holzstoß zum Ausdruck. Sie konnten jubeln und ihren Göttern Opfer bringen; denn der Lichtgott Bal- dur kehrte wieder, wenn auch noch der Frost klirrend durch den Winterwald schritt. lind so soll es auch heuer sein: Trotz Rot und Entsagung dürfen wir den Glauben nicht verlieren. Snftere Besinnung auf deutsche Art und deutsche Sitte, auf deutsches Hoffen ^nd deutsches Streben muß uns erfüllen. Durch Rächt zum Licht! sagten unsere Vorfahren. Sagen wir dasselbe zu uns! Das Schicksal hat unserem Volk schon viel schlimmere Zeiten gebracht, aber immer wieder raffte es sich au', immer wieder erstanden ihm Führer, die es aufrichteten. Was hilft es, wenn wir mit Murren und Klagen die schlechten Zeiten bejammern und immer wieder betonen: „Es ist ja gar keine Aussicht da, daß es besser wird!" Wir dürfen uns nicht stumpf ergeben in das Schicksal, nicht alles laufen lassen und sagen: „Ich kanns nicht ändern." Wenn in unserem Herzen der kleine Stern der Hoffnung noch klimmt, wenn wir uns noch nicht selber aufgeben, dann gehts auch wieder vorwärts, auswärts! Lassen w-r Vergangenes vergangen s:in. und wenn es noch so schlimm kommt, wollen wir auf unsere Kinder schauen und wie sie mit gläubigem Herzen Weihnachten und Sonnenwende leiern. Dann wird uns die Feier in diesem Jahre einen Stern zeigen, den Stern der Zuversicht und des festen Glaubens an Deutschlands glückliche Zukunft. R. Vollständiger Boy-ott des Gießener Diehmarktes. Der von den Vertretern der Viehhandels- Lrganisationen empfohlene Boykott desGie- e n e r Diehmarktes durch den Diehhandel wat heute in vollem Umfange in Erscheinung. war nicht ein einziges Stück Vieh zum Verkauf aufgetrieben. Für heute Hat der Diehhandel zunächst auf die Ausübung feines Gewerbes verzichtet, andere Märkte aber »och nicht befahren. Winterhilfsmaßnahmen in Gießen. Durch die Gießener Winternothilfe Durden bisher die Hilfsbedürftigen in unserer «btadt in folgender Weise unterstützt: Angekauft Durden 1746 Zentner Kartoffeln zum Preise »on 4050 Mk., gespendet wurden Kartoffeln in einer Menge von rund 700 Zentner aus 52 Ortschaften. 2300 Zentner Kartoffeln wurden an 1200 Familien ausgegeben; dabei wurde etwa Vs 2er bezogenen Menge mit 1,50 Mk. pro Zentner Lerechnet, während - 3 geschenkt wurden. Mit Kleidern und Schuhen wurden aus der Spende des Gießener Anzeigers im Betrage von <1500 Mk. rund 300 Familien bedacht. Aus sonnigen Spenden werden an Kleidern und Schuhen in diesen Tagen noch für etwa 400 Mk. abgegeben. Die bisher gespendeten Lebensmittel (Obst, Gemüse. Hülsenfrüchte, Mehl und Fleischwaren) wurden an rund 900 Familien verteilt. Dargeldunter st ützungen erhielten bisher 83 verschämte Arme mit einem Gesamtbetrag von 2190 Mk. Für die Weihnachtswoche ist. wie gestern schon kurz berichtet, die Ausgabe von Lebensmittelscheinen zu 3, 4. 5 und 6 Wk. je nach Kopfzahl der Familie vorgesehen und hierfür ein Betrag von 3000 Mk. bereitgestellt. Insgesamt sind auf diesen Wegen bls jetzt 14 140 Mk. durch die freiwillige Winternothilfe der Bürgerschaft den hilfsbedürfigen Mitbürgern zugeführt worden. Daneben steht die amtliche Brennstoffversorgung (unentgeltliche Abgabe von Briketts), durch die Haushaltungen mit ein bis vier Personen 12 Zentner, Haushaltungen von fünf und mehr Personen 16 Zentner Briketts erhalten. Als Empfänger kommen hier Wohlsahrtserwerbs- lose und sonstige Unterstützungsempfänger des Armenamtes, Sozialrentner. Eltemrentenemp- fängcr und sonstige Hilfsbedürftige (u. a. verschämte Arme) in Betracht. Rach dem Stand vom 15. Rovernber war ein Bedarf von 15 000 Zentner gedeckt und dafür 18 500 Mk. ausgegeben worden. Gießener Wochenmarktpreise. • ® i e 6 e n, 22. Dez. Heutige Wochenmarltpreise: Butter 120 bis IcO Pf. (Kochbutter von 110 Pf. an), Matte 25 bis 30, Käse (10 Stück) 50 bis 120. Wirsing 7 bis 8 (pro Zentner 4 bis 5 Mk ). Weißkraut 5 bis 6 (pro Zentner 3 bis 3,50 Mk.), Rotkraut 7 bis 8 (pro Zentner 4 bis 5 Mk.). gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, llnterkohlrabi 5 bis 6. Grünkohl 10 bis 12, Rosenkohl 15 bis 20, Feldsalat 80 bis 100. Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 35 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Honig 40 bis 50, Kartoffeln 4 (pro Zentner 3 bis 3,50 Mk.). Aepfel 8 bis 10, Dirnen 8 bis 10. Dörrobst 30 bis 35, Russe 35 bis 40, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Enten 80 bis 100, Gänse 80 bis 90 Pf. pro Pfund; Tauben 50 bis 60, Eier 14 bis 15, Lauch 5 bis' 10, Rettich 10 bis 15, Blumenkohl 20 bis 60, Endivien 8 bis 10, Oberkohlrabi 8 bis 10, Sellerie 10 618 40 Pf. pro Stück. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater Gießen, „Die Puppenfee" und „Die Wun- derlampe", 19.30 bis gegen 22 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Gassenhauer". * ** Reichsbezugsscheine für verbilligtes Frischfleisch. Das Wohlfahrtsamt macht unter Hinweis auf die Bekanntmachung vom 18. Dezember darauf aufmerksam, daß die Bezugsscheine für die beim Wohlfahrtsamt in Fürsorge stehenden Sozial- und Kleinrentner, Kr e^sbeschädiglen und Kriegerhinterbliebenen, soweit letztere bezugsberechtigt find, bei den ilnter- stützungsstellen des Wohlfahrtsamtes am Mittwoch, 23. Dezember, in der Zeit von 8 bis 12 llfjr auSgegeben werden. Empfänger von Arbeitslosen- und Krisenunterstühung, soweit sie bezugsberechtigt sind, erhalten die Scheine beim Arbeitsamt. Siehe heutige Bekanntmachung. ** Das Volksbad bleibt am Weihnachts- Heiligabend und Silvester in der Mittagszeit geöffnet; es wird an beiden Tagen aber schon um 15 Uhr geschlossen. ** Zur R i ch t i g st e l l u n g. 9n dem gestrigen Leitartikel von Syndikus Dr. Zeidler über „Die vierte Notverordnung" ist in der dritten Spalte, Zeile acht von unten, ein Setzfehler enthalten. Es muß dort richtig heißen: „Mehl usw. 0,85 v. H. bei viertel jährlicher Zahlung", anstatt jährlicher Zahlung, wie fälschlich zu lesen war. ** Eigentümer gesucht. Der Polizeibericht meldet: Bei der Kriminalabteilung sind zwei elek- trische Fahrradlampen und eine viereckige Batterie- Interne sichergestellt. Zwei Lampen wurden angeblich aus dem Hofe des Gewerkschaftshauses, eine aus einem Hofe der Bismarckstraße entwendet. Außerdem ist ein Doubls-Damenarmband sichergestellt, das vor etwa fünf Wochen in der Licher Straße auf- gesunden wurde. Personen, die Eigentumsrechte geltend machen können, wollen sich bei der Kriminalabteilung melden. ** Diebstühle. Der Polizeibericht meldet: In diesen Tagen wurden hier aus einem unverschlossenen Gartenhaus ein Tesching (Flobert), ein schwarzes Sofakissen, eine Tischdecke (rosufarben mit weißen Mustern) und zwei vlauumrandete weißleinene Gardinen gestohlen. Aus einer ebenfalls unverschlossenen Wohnung entwendeten Diebe eine Weißblechgeldkassette mit etwa 780 Mark Inhalt, verschiedenen Papieren und Sparkassenbüchern auf die Namen Karl Heß und Christine Heß geb. Wagner lautend. Weiter wurden aus einer Maurerbude eine fast neue Strickwcste, ein Paar neue Herrenschnürstiefel und ein Paar Motorradstiefel (die neuerdings schwarz gefärbt wurden) gestohlen. Aus einer Hosreite wurden drei Stallhasen (zwei blaugraue, ein eifengrauer, zwei davon gezeichnet T. 27) entwendet. In der Nacht zum Sonntag wurden in Langd (Kreis Gießen) an zwei Stellen von Einbrechern 29 Hühner gestohlen. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Oberbeffen. Landkreis Gießen. £ Wiefeck, 22. Dez. Gestern abend fand eine Sitzung des Gemeinderats statt, in der für die ausgeschiedenen Gemeinderatsmitglieder Schmitt und Bremer die Ersatzleute Lotz und G e r l a ch eingeführt werden sollten. Lotz war trotz verschiedener Aufforderungen nicht erschienen und soll jetzt zum letzten Mal ausgefordert werden, zu der Sitzung zu erscheinen. Ger lach wurde durch Bürgermeister S ch o m b e r verpflichtet. Für die Hundesteuer 1932 wurden die gleichen Sätze wie 1931 in Anwendung gebracht. O Reiskirchen, 21. Dez. Die Pächter der hiesigen Gemeind ejagd waren bei der Gemeinde um Ermäßigung der Pacht- summe vorstellig geworden. In gemeinsamer Verhandlung kam eine gütliche Einigung dahin zustande, daß die Pachtsumme um r u n d 2 0 v. H. gesenkt wurde. & Rieder - Bessingen, 21.Dez. Eine unangenehme Äeberraschung wurde einem hiesigen Einwohner bere'tet, der morgens entdecken mußte, daß seine sechs Gänse, die zum Wcihnachts» verkauf gemästet waren, in der Rächt unerwünschte Liebhaber gefunden hatten. Zweien hatte man gleich an Ort und Stelle die Hälse durchgeschnitten, die andern vier lieh man so mitgehen. Ferner nahmen die Diebe beimRach- barn noch zwei Stallhasen mit. Wahrscheinlich sind die gestohlenen Tiere mit einem Auto weggeschafft worden, doch verrät der ganze Einbruch unbedingte Ortskenntnis mindestens eines Beteiligten. Man geht auch bereits einer gewissen Spur nach. Kreitz Schotten. -+- Schotten, 21.Dez. Ein hiesiger Meh- germeister, der schon wiederholt an Festtagen seiner minderbemittelten Kundschaft Fleisch unentgeltlich abgab, hat w ederum zu gleichem Zwecke, das Fleisch eines Ochsen zur Verfügung gestellt. Der Winternothilfe stiftete er einen Zentner Fleisch und Wurst. □ ßaubatf), 21. Dez. Der vor einigen Tagen beim Holzfällen verunglückte Wilhelm Dächer aus Gonterskirchen ist feinen schweren Verletzungen erlegen. Meinheffen. WSN. Undenheim (Rheinhess.), 21. Dez. Am Sonntag fand hier Bürgermei st erwähl statt. Dabei wurde der Landwirt Harter, der der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei angehört, mit 448 Stimmen gewählt. Der bisherige Bürgermeister Will (SPD.), der auch vom Zentrum und den Demokraten unterstützt wurde, erfftett 410 Stimmen. Wettervoraussage. Durch die über Island vorüberziehende Störung wurde das Hochdruckgebiet an feinem nördlichen Teil etwas abgebaut und nach dem Festlande verdrängt. Dadurch hat sich auch der Kern über der Nordsee entsprechend verlagert und erstreckt sich jetzt über den größten Teil Deutschlands. In seinem Bereich besteht die Möglichkeit zu stärkerem nächtlichen Aufklaren, so daß Frostzunahme wahrscheinlich ist. Hinsichtlich des Witterungscharakters tritt noch keine wesentliche Aenderung ein. Aussichten für Mittwoch: Neblig, wolkig mit Aufheiterung, Frost weiterhin schwankend, bet Aufklaren Nachtfrostoerschärfung, vereinzelt etwas Schnee. Lufttemperaturen. Am 21. Dezember: mittags — 1,0, abends —0,8; am 22. Dezember: morgens —1,2 Grad Celsius. Maximum —0,2, Minimum — 1,8 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe. Am 21. Dezember: abends —0,5; am 22. Dezember: morgens —0,6 Grad Celsius. SJl.-tfpont DfB.-Gießen. VfV. Gießen — AV. Ockershausen 4:2 (0:1). Konnte sich auch der sonntägliche Verbandsspiel- gegner der VfBer bisher nicht ein einziges Mal erfolgreich behaupten, so sah man dem Spiel doch mit gemischten Gefühlen entgegen, denn Ockershausen gibt immer^m auf seinem kleinen Platz und vor seinem eigenen Publikum einen gefährlichen Gegner ab. Aber die VfD.er hatten sich den Sieg vorgenommen und sie brachten ihn auch in einem glänzenden Endspurt nach Hause. Der Spielverlauf zeigte zwei ganz verschiedene Spielhälften. Ockershausen legte sich erwartungsgemäß sofort mächtig ins Zeug; sie überrumpelten die DfB.er glatt. Bei den Grünweihen klappte es gar nicht, in der Bedrängnis köpfte der rechte Läufer den Ball ins eigene Tor, so daß Ockershausen billig in Führung kam. Gegen Ende der 1. Halbzeit wurde das Spiel ausgeglichener. VfB. zeigte nunmehr besseres Zusammenspiel Mit 0:1 für Ockershausen ging es in die Pause. Dom Beginn der zweiten Halbzeit ab war VfB. wie umgewandelt. Es klappte in allen Teilen, jedoch dauerte es 25 Minuten, bis Mattern durch Rachschuh den Ausgleich erzielen konnte. Das Spiel lag von jetzt an fast ganz in der Hälfte des Gegners, der mit Durchbrüchen sein Heil versuchte. Dem von den DfD.ern im Endspurt vor- gelegten Tempo waren die Plahbesiher nicht mehr gewachsen, Schmidt, Wlodareck und wiederum Mattern brachten es noch zu drei Erfolgen, denen Ockershausen noch einen Treffer entgegensetzen konnte. Die Leistung der VfB.er verdient Anerkennung. Ein Gesamtlob verdient der Sturm, der unter Führung von Haupt eine seit langer Zeit nicht mehr gesehene Schuhfreudigkeit zeigte. Auch die Läuferreihe und das Schluhdreieck kämpften in der 2. Halbzeit mit Ausdauer und Geschick. Die 3. Mannschaft verlor gegen die erste des DfR. Lich mit 6:8 Toren. Die Gegner lieferten sich einen schönen Kampf. VfB. ging in den ersten Minuten mit 2: 0 in Führung, aber Lich holte wieder auf. Beide Mannschaften lagen dann in diesem Treffen abwechselnd in Führung. Die Gäste wurden glückliche Sieger. Spielvereinigung 1900 Gießen. Iugendspiele. Die 1. Jugend hatte die gleiche Mannschaft von SC. Wetzlar-Niedergirmes zum Gegner und gewann hoch mit 6:0. Die erste Halbzeit des lebhaften und interessanten Treffens brachte meist verteiltes Feldspiel, in dem der Gast durch Wucht und Eifer das bessere technische Können des Platzvereins ausglich. Beide Parteien hatten zahllose Torchancen, die aber oft unüberlegt verschossen wurden. Das einzige Tor der Halbzeit wurde vom Linksaußen durch direkte Flanke erzielt. Nach der Pause legte 1900 los und setzte sich im feindlichen Strafraum fest. Trotz des glatten Bodens sah man nun viele 8114 D . Jifl'ul Gießen FyP Größte Ausstellung I ' Reparaturen,Komplette Anlagen feine Leistungen, die zwangsweise zu fünf weiteren Toren führten. Das Ehrentor hätten die fairen Gäste verdient gehabt. 1900 2. Jugend spielte gegen Germania Marbura 1. Jugend 2:4 (1:2). Ein auf- «Spiel zweier ungleicher Mannschaften, der ir körperlich sehr im Vorteil und zeigte auch ein besseres Zusammenspiel. Daß die Niederlage nicht höher ausfiel, ist dem Eifer und der Energie Auzuschreiben, von der jeder einzelne 1900er von Anfang bis Ende beseelt war. Die Spiele der anderen Mannschaften fielen aus. Ergebnisse der ^.Bezirksklaffe. Die Spiele der ersten Bezirksklasie am vergangenen Sonntag, deren vier Aum Austrag gelangten, brachten folgende Ergebnisse: Breidenbach gewann gegen Butzbach mit dem überraschend hohen Resultat von 13:0. Der Wetzlarer Sportverein behielt über Fronhausen mit 9:2 die Oberhand. Das Spiel Dillenburg gegen Wetzlar-Niedergirmes endete mit einem Unentschieden von 4:4. Wallau blieb über Wiesenbach erwartungsgemäß mit 3:0 Toren erfolgreich. Die Spielvereinigung 1900 war spielfrei, die Ergebnisse des Sonntags haben aber in indirekter Weise die Situation, soweit es den Tabellenstand anbetrifft, für die Liga der Spielvereinigung 1900 verbessert. Sandball der Sp.-Dg. 1900. 1900 I — Polizeisportverein Butzbach I 3:14. Der erwartete Sieg der Polizisten stellte sich ein. Daß er aber in dieser Höhe kam, hätten die 1900er nicht nötig gehabt. Wenn man sich aber so grobe taktische Fehler leistet, wie das die Spielvereinigungsleute am Sonntag taten, fo nutzen Eifer und zuweilen gutes Einzelkönnen auch nicht viel. Das Spiel selbst war fast ausgeglichen. So machtlos die Blauweißen meist am Butzbacher Wurfkreis waren, so gut verstanden es die Polizeisportler, sich vor dem 1900er Tor durchzusetzen. Bis 3ur Halbzeit mußte 1900s Hüter siebenmal hinter sich greifen. In der zweiten Spielhättte kamen die 1900er etwas auf. Rechtsaußen und Mittelstürmer konnten drei Erfolge buchen. Die Gäste ließen aber nicht locker und vermochten weitere sieben Tore zu erzielen. Handball im VfB. VfB. Gießen I — To. Garbenteich I 5:5. Die VfBer vermochten gegen die mit zwei Mann Ersatz antretenden Turner ein ehrenvolles Unentschieden herauszuholen. Die junge Elf der VfBer vermochte sogar 3:0 in Führung zu gehen. Jedoch setzte sich die größere Spielerfahrung der Turner durch und nach abwechslungsreichem Spiel trennte man sich unentschieden. 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Feiertag) Grolles Militär-Konzert Ausgeführt von dem Musikkorpe des L (Hess ) Grenad.-Balls Inf Regt» 15 Leitung: Obermusikmeister E. hraube Anfang 8V4 Uhr abends - Ermäbtgtcr Eintrittspreis 56 PL eintJiläbcpen vom Lande, 16 btl 19 ^abre, für Nein. vnu?(). nach Mainz aef. dläber. 07511 Fran Knoch, Olein, ?onncn'tT. *29 II Einkaufsbeutel per Stück ML 1.00 Fensterleder (grö'erei), per Stück Mk. 0.95 4uNram«n»ai'dia»caea b.M,' .RaDitt Herr.-Portemonnaie echt Safi en, per Stück Mk. 1.50 Bücher-und achüler- m 3ppene.L,p.$LMk.6.5O Hermann Röhrig Lederkondlg., Sielen, leuitadt 43 sinken in Staub und Trümmer Millionen £wOll Deutsche im offenen Kampf in RoFland: Die deutsche Offensive 1915 Durchbruch bei Gorlice. X™tc.h£'£«* Mackensen befreit Przemysl und Lemberg ■ w dir menschen mordende Verdun scmami Todesfort Douaumont llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllll*1 Süv den Sukboden nur das gute weheosol! (£6 Leinöl'Zirfiii', barzfrei Liter 0.60 Hukboden-Lelfarbe.......Pfund 0.50 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiniiiii '■ Altersvereinigung 1867-1917 Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß unser lieber AlterskoUege Ludwig Bernhard verschieden ist Die Beerdigung findet Mittwoch, den 23. Dezember, nachmittags 2 Uhr statt. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. Der Verstand. W-Ziminsta mit Garten üb. der Labn billig zu oerk. Smristl.Angeb.unt. 07508 a.d.Gh.Anz. Wirksam* erbe-Drucksachen bei SrPhl. RchuWrsBe 1 Schulranzen echt Leder,L Kneben u.Mlichen.ner Mk. 4J5O Aktenmappen echt Leder........ML 2.50 Stadt- u. Relsekolfer Sröfle cm 35 48 45 H -----HIlz.76 *ee 55 M 85 70 71 ■ 1.7S 4.Ou rü 4jJ "L7T Brieftaschen Heinrich Driesch Seltersweg 70 17 7 A reO •I900 4940 1.6 4a 3.» 5e z8 60 im» 4856 24-.Dejember Eröffnung desWerKa 4886 4-Oktober Übergang des Wer Kain den Besit^ der Stadt 490-1 September Onbetrlebnanme des dtg:n um 1 v. H. an. Führend waren Liquidattons- pfandbriese, die vereinzelt biS zu 1L v. H gewannen. Das Geschäft war auch hier ziemlich ruhig. Recht fest tendierten Farben-Dono-, die mit den Aktien gleichen Kursstand haben. Deutsche Anleihen und Rcichsfchuldbuchforderungen tonnten gleichfalls etwas anziehen, da die feste Haltung der deutschen Werte an den Auslandbörsen anregte. Kommunale Anleihen lagen ohne Interesse. Lagergeld war mit 6,5 v. H. zwar unverändert, doch eher gesucht. Deollenmorfl Berlin — Frankfurt a. ZIL auf gestriger Abendbasis gesucht. Am Elektromarkt lagen AEG. bemerkenswert im Angebot, während Siemens, Gesfürel, Berliner Licht und Kraft und speziell REW. sich durch festere Haltung auszeich- neten. Letztere hatten schon gestern mehrere Prozent gewonnen und konnttn heute abermals ihren Kursstand um 1 o. S). bessern. Etwas vernachlässigt und kursmäßig eher schwächer lag der Montan- markt, an dem Mannesmann und Nheinstahl zirka 1 o. H. verloren. Kunstseidenwerte neigten ebenfalls eher zur Schwäche, Schissahrtsaktien waren behauptet und auch Bankaktien wenig verändert, nur Reichsbankanteile blieben gefragt und zogen 2 o. H. an. Bon Rebenwerten konnten Bergmann 2 v. H. gewinnen, auch Dessauer Gas und schlesische Gas waren leicht erholt. Anhaltendes Interesse lenkten Reichsbahnoorzugsaktien auf sich, überhaupt war der Anlagemarkt weiter freundlich. Altbesitzanleihe konnte zirka i o. H. anziehen. Neubesitz wurde auf gestriger Basis genannt, auch Goldpfandbricfe wiesen nur geringe Kursveränderungen auf. * Frankfurt etwas fester. Frankfurt a. M., 21. Dez. Im telephonischen Freiverkehr zwischen den DanlbureauS entwickelte sich zu Beginn der neuen Woche zwar nur kleines Geschäft, doch hat sich die Tendenz gegenüber den schwachen Kursen der Dorwoche auf allenMärkten etwas befestigt. Besondere Anregungen lagen nicht vor, doch betrachtet man die Baseler Derhandlungen wieder etwas günstiger und hegt die Hofsnung, daß noch vor Weihnachten eine Einigung erzielt wird. In der Hauptsache dürfte die Befestigung jedoch auf markttechnische Gründe zurückzuführen sein. Die Spekulation nahm einige Deckungen und verschiedentlich kleine Meinungskäufe vor, denen kein nennenswertes Angebot gegenüberstand. Eine gewisse Beruhigung ging davon aus, daß das lehttagige große Angebot in Farbenaktien so gut wie aufgehört hat. Die Kursbesscrungen betrugen bei Spezialwerten, wie IG.-Farben, Siemens, Reichsbank und Reichs- bahn-Dorzugsaktien bis zu 3 v. H. Am Montanmarkt waren Rheinische Braunkohle bei etwa wieder ausgeglichen wurden. Die von 1924 an in Ausstellungen, Vorträgen und Kochveranstaltun- gen, und vom Jahre 1933 an in enger Zusammenarbeit mit der Hausfrauen-Beratung und der Dasvereinigung betriebene Aufklärung über rationelle Ausnutzung der neuzeitlichen, in jeder Hinsicht wirtschaftlich arbeitenden Gasgeräte eröffneten dem Gale neue Wege in Haushalt und Gewerbe. Die 1929 durchgeführte Gasversorgung unserer Rachbarge.neinde Wieleck, Einrichtung von Großgasküchen, Kaffeeküchen und Wäschereien, Errichtung von Einzel- unb ZentralgasheizungS- antagen verschafften dem Gaswerk neue Absatzgebiete. Die Steigerung des Gasverbrauchs in den letzten Jahrzehnten hat sich allerdings in diesem Jahre unter dem Drucke der wirtschaftlichen Lage nicht fortsetzen können. Trotz des augenblicklichen Stillstandes wird jedoch in absehbarer Zeit, da räumlich eine Ausdehnung im Gaswerk nicht mehr möglich ist. to eb:r zu drr Frage „GaswerkS- Reubau oder Gas-Fernversorgung", die bereits in letzter Zeit im Mittelpunkt der Erörterung stand, Stellung genommen werden müssen. Der kurze Rückblick auf die 75jährige Geschichte unseres Gaswerkes stellt dar, welche Kämpfe das Gaswerk seit seiner Erbauung zu bestehen hatte. Aber der Kampf um das Dasein wirkte gerade entwicklungssördernd. 3m 23. Jahrhundert konnte daher ausgebaut und ausgenutzt werden, was im 19. Jahrhundert ersonnen, gestaltet und erprobt wurde. So wird auch in Zukunft das Gas seine Bedeutung als Wärrneouelle behalten, die die Lebensbedingungen erleichtert, die gewerbliche ArbeitZkraft steigert Das städti'che Gaswerk wird auch fernerhin nicht nur als gemeinnütziges Werk eine Einnahmequelle für die Stadt im Interesse der Allgemeinheit, sondern auch ein Kulturgut bleiben, das in unserem technischen und fortschrittlichen Jahrhundert nicht entbehrt werden kann. antage Im Jahre 1919, In der daS anfallende Ammoniakwasser zu dem bekannten Stickstoff- Düngemittel schwefel! aureS Ammoniak verarbeitet wird, und der Einbau der Denzolanlage. durch die dem Gase biS zum Jahre 1927 der wertvolle Kraftstoff Benzol entzogen wurde, lassen erkennen, daß das hiesige Gaswerk sich stets die neusten, in der Gastechnik gewonnenen Erfahrungen zunutze machte, und daß die Gaswerksleitung stets darauf bedacht ist, neue Einnahmequellen zu erschließen. Um die in den Abgasen der Defen noch vorhandenen sehr erheblichen Wärmemengen dem Betrieb nutzbar zu machen, erhielten 1921 die Gaserzeugungsösen einen Ab» Hitzekessel, der den gesamten Frischdamps für Ammoniak- und Benzol-Anlage liefert Besonderer Wert wurde in den nächsten Jahren auf die Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Werkes und auf bie Verwertung ber Rebenprobukte gelegt DaS im Jahre 192o eingerichtete Chemische Laboratorium gab bie Möglichkeit, bie wichtigsten Untersuchungen bes Stadtgases, ber im Betrieb benötigten Rohstoffe unb der Rebenprobukte bes GaSwerkS vorzunehmen. Die gesamte DetriebS- kontrolle unb die Untersuchungen der auf demMarkt neu e'.ngcführten DaSgeräte wurden auSgebaut. Der wirtschaftliche Erfolg vieler Maßnahmen zeigte sich bald in der Steigerung ber Ausbeute von Gas unb Rebenprodukten. Zur Vermeidung der lästigen Raph'.hal nverstopsungen im Stabt- rohrnetz würben weiterhin Raphthalinwascher unb Raphthalinabscheider eingebaut. Einen kleinen Rückschlag in der sonst stetig aufftelgenben Linie bes Gasverbrauchs, die hier im Schaubild wiedergegeben wird, brachten die Inflationsjahre. Die Ruhrbefetzung und die Kohlennot, durch welche bie Einlegung von Sperr- ftunben unvermeiblich waren, ber Ueborgang ber Straßenbeleuchtung von GaS auf Strom unb schließlich die Umstellung ber Beleuchtung ber Reichsbahn brachten dem Gaswerk große Der- lüfte, bie aber ball) burch rege Werbetätigkeit • Preissenkung im Gisenhandel. Die Westdeutschen Eisenhändleroerbände beschloßen, wie angetünbigt, entsprechend dem Dorgehen der Gisenverbände, eine Herabsetzung der Handelspreise um 10 v. H. Diese Preissenkung tritt im Werkgeschäst mit Rückwirkung ab 1. Dezember in Kraft, während im Lagergeschäft die neuen Preise ab 21. Dezember gelten. • 3 u r Lage bei Dorsi g. Die A Borsig G m. b. H, Berlin-Tegel, hat sich veranlaßt gesehen, ihre Arbeiterschaft von etwa 2850 Mann zu entlassen und begründet dies mit der Rotwendigkeit, eine vollständige Inventur der Dorräte, der Aufträge und des Eigentumsvorbehalts bei den gelieferten Materialien vorzunehmen. Die Aufrechterhaltung eines geregelten Fabr.kations- betriebes sei bis nach der Durchführung dieser Arbeiten unmöglich. Berlin freundlicher. Berlin, 22. Dez. (WTB. Funkspruch.) Nachdem in den gestrigen Abendstunden festere Kurse zu hören waren, schien die Tendenz im heutigen Dormittagsverkehr nach dem matten Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse schwächer werden zu wollen. Die gute technische Veranlagung des Marktes, verbunden mit einigen günstigeren Momenten, ließ diese schwächere Stimmung aber bald wieder vor» übergehen, und man hörte vorübergehend Geldkurse. Das Geschäft war vor der Feiertagsunter' brechung natürlich nicht sehr umfangreich und beschränkte sich hauptsächlich auf Deckungen. Dies genügte ober, um den Märkten ein freundliches Gepräge zu geben. Zuletzt verwies man plötzlich auf die feste Haltung der deutschen Werte an der sonst schwachen Neuyorker Börse und beurteilte den Baseler Bericht, der morgen veröffentlicht wer- den wird, als fold)en für die bevorstehende Reparationskonferenz als wertvoll, obwohl in ihm Deutschlands Wirtschaftslage ungünstig erscheint. Außerdem fand die Information einer Fachzeitung Beachtung, । nach der die I. G.-Farbcn bicher, entgegen den um- | laufenden Gerüchten, an der Entwertung des Pen i keine Verluste erlitten habe. Farbenaktien waren I Oie gestrigen Devisenmärkte sehr ruhig. An ben internationalen Devisenmärkten war das Geschäft zu Beginn ber neuen Woche noch sehr ruhig. Es ergaben sich im allgemeinen kaum Veränderungen. Das englische Pfund eröffnete fast unverändert zu seinem Samstag- Schlutzkurs mit 3,3925 und konnte sich unter kleinen Schwankungen von Bruchteilen eines Dollarcents auf diesem Stand behaupten. Gegen den Gulden notierte es 8,44, gegen Paris 86,13, gegen Zürich 17,4050 und gegen bie Reichsmark 14,33. Der Dollar war ebenfalls gehalten. Die Reichsmark blieb fast unverändert: sie notierte in Amsterdam 53,75 unb in Zürich 121,23, in Paris 599. Die Rorddevisen waren gut behauptet, ebenfalls bie Südamerikaner. Der französische Frank notierte eher fester. Auch am Rachmittag war das Geschäft sehr ruhig und die Veränderungen wie am Vormittag sehr gering. Der Dollar behauptete sich gut, das englische Pfund tendierte eine Kleinigkeit leichter, gegen den Dollar ging es auf 3,3852 zurück, gegen ben Gulden auf 8.42, gegen Zürich auf 17,40 und gegen die Reichsmark auf 14,30. Die Reichsmark war nicht ganz einheitlich, in Amsterdam zog sie auf 58,85 an, in Zürich stellte sie sich auf 121,10 unb in Reuyork auf 23,70. Die Rord-Devifen waren etwas schwächer, die Südamerikaner unverändert. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bl» 12.30 Uur. 16 bl» 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen. Anzei e n a fträge sind lediglich an die Geschäft» st eile zu richten. zi.Vrqond'k 22 Oonnb« «mtlidw Soticruna Cmihdw JiehtTune <*#!>' ZJrlr fceiffr’gfotf . 5.844 5.856 5 844 5156 ütca 49.95 50.05 49.95 50.0 i-tafl . . * 12.47 12 49 12.47 12.49 B u cxwe» . . Sotto . . 64.93 65.07 64.93 65 07 3 057 3.063 3.057 3 063 OclIanB . . 169.43 161.77 169.43 169.77 C»lo . . 77.42 77.58 77.67 77.83 Ropcnbagei. 78.52 78.68 78.67 78.83 clodbolm 79.02 79.18 79 22 79 38 Von Bon , . 14.21 14.25 14.23 14.27 ■äurnc« flirrt 1.068 1,072 1.073 1.077 itninort 4.209 4.217 4.209 4.217 tfnniel 58.58 58.70 58.62 58,74 ziolirn . . 21.33 21.37 21.41 21.45 Port« . . 2 D< 3 an. 0.249 0.251 0.249 0.251 ^ufloflarpta. 7.393 7,407 7.363 7,407 etiiabon . . 12.94 12.96 12.94 12,96 Banfnolen. Ztrlin, 21 fnember 5dF 2W flmrTÜannSe 4?ottn....... 4,20 4.22 »elfliftkr Rolm ....... 58,42 58.66 tdnifSr Noten ...... 78.34 78.66 Ctnfllifdie Not.'N ....... 14,17 14.23 .Ttantölifdif Noten ....... 16,56 16.56 Holländische Noien ....... 69.06 169.74 Italienische Noten ..... 21,26 21.34 Norwegische Noien ....... 77.25 77.55 Deutsch.cetierreich, • IOO kchllling —— Rumänische Noien ....... 2.48 2.50 78.84 79.16 Schweizer Noien. ....... 81.92 82.24 Epanische Noien. ........ 35,53 35,67 Unflarildir Noten ...... — — Oberhesstsche Gesellschaft für Aaiur* und Heilkunde. Am Sonner£Mgabcnb sprachen Professor Dr. M. D i n g I c r und Pro'effor Dr. P. K ö 11 g c n über „Qlugaben und Einr ch.ung der zoolog.lchen unb b:b:nkund'.ich.n Ab e lu. g dcS FcrstinstitutS". Rach einer kurzen Einleitung über ben Ausbau des al:b:rühmten Gießener Zorstinstituts in naturwissenschaftlicher Beziehung, um den sich vor allem der kürzl.ch ver;o:benc Professor Dr. Wilhelm Borgmann verdient gemocht hatte, gab Prcsefsor Dingler c.nen allgemeinen Uebetb/.d über die wir.schaftliche Bedeutung ber Forstzoologie und der angewandten Zoologie überhaupt, da sich ber Au'gabenkreiS seines Lehrau'trageS nicht nur auf bie Erforschung urb Bekämpfung von Forst chäbiingen. sondern auch von landwirtschaftlichen, Haus- unb Vor- rats'chäblingrn ufw. erstreckt. D.e Tätigkeit der Abteilung verteill sich auf Verwaltung. Forschung unb L:hre. Der Vortragende griff andern umfangreichen Stoffgebiet zwei Ob eite heraus, denen die Forschungsarbeit seine- Institut- in erster Linie gilt, nämlich den großen braunen Rüffelkäfer (Forstschädling» und die Spargelfliege (landwirifchaftlicher Schädling). Er umriß an Hand von L chibildern ihre Lebensweise urb Bekämpfung. Die Führung durch die Zoologische Abteilung galt in erster Linie ber von dem Vortragenden im Gau'e von fünf Jahren ausgestellten Schausammlunq: daneben ist auch mit dem Ausbau einer rein snstematischen Sammlung begonnen, die einmal die gesamte Tier-, vor allem Insektenwelt Hessen- um'aikn soll, während die Schausammlung dem Zorststudierenden, aber auch dem Pra'tiker unb bem interessierten Laien die Lebensweise ber Tiere unb bamli ihre schäbliehe ober nützliche Rolle im Rahmen bet Wirtschaft vor Augen führt. Hierauf führte Professor Kotigen, der Leiter ber bodenkunblichen Abteilung, u. a. folgendes auS: Der Boden ist im Sinne der Physik ein dynamisches System, dem von außen her ständig Energien zugeführt werden, unb bas daher in steter Umwandlung begriffen ist. Die bem Vortragenden unterstellte Abteilung bat eS sich besonders zur Ausgabe gemacht. Methoden auS- zuarbeiten. die es gestatten, d.e Veränderungen in der Zusammensetzung ber Bobenlösung, wie sie sich besonders unter bem Einfluß der Riederschläge. aber auch durch bie Entnahme der Nährstoffe burch b e Pflanzendecke vollzieht, durch daS Experiment laufend zu verfolgen. Die Aenderun- gen in ber Pebofphäre sink) bei den verschiedenen Bodentvven sehr unterschiedlich' sie sind in erster Linie abhängig von ben klimatischen Verärgerungen ber Erdoberfläche, abhängig aber auch von dem Muttergestein. auS dem der Boden durch Verwitterung entstanden ist. In der Boden- kundlichen Abteilung wurde in sechsjähriger, mühevoller Arbeit ein Verfahren ausgearbeitet, bei bem mittels beS elektrischen S'romS bie Rährstosse aus dem Boden beraubgclöft werden. Als Lösungsmittel b:ert d'stillierteS Wasser Da sich der Fortgang des LösunaSvrozefseS hierbei zeitlich verfolgen läßt, so erhält man Lösun"-- kurven, bie gewissermaßen den natürlichen 25» sunqsvorgang. wie er sich in ber Ratur vollzieht, auf kleinen Zeitraum zusammenpebräntt toiebergeben. Es würbe an Hanb von L ckiib '- dem gezeigt, wie es auf diese Weife möglich ist. durch eine einzige Analyse von sämfftchen in Frage kommenden R ährst offen ein Bild zu c-t- tnerfen, das in klarer, anschaulicher Form d n DüngungSzustand eine- BodenS erkennen lä t. Bei einem Rundqang durch die Räume der Doderkund'.ichrn 2IÖ'e'luna wurden d-m Tc