2572 A I L 5: au faulen gtiutbt. juiijriiien an --- greli.Trol,Volp«rti' haaien, Kr. Weltlo* >ill».veck , Fahrrad- werksiiili Wito« in Hessen iu foulm oder pachieng luät. Lchlii» Wnnt, (geOanb.Wä «"k ®ebtan*it IHC-- mjii aitnnbe I >etf. «.v tneibcr, boicn._ Maingnu ---* ^A L.hi..d«nn es meisten* k5°;on.o-hr 65/ 2/ „„'dH«' ;s-D • O“ PH Elhmid«> W' GinrldM Rr.95 (Erftes Blatt I8f. Jahrgang Mittwoch, 22. April |95| Eriche «ni täglich,outzer Sonntags und Fe«erlag» Beilagen Vie OUuftnert« Btetzenei FamilienblStte, Heimat sie durch imitierte so zu ersehen, daß ein nicht fachmännisches Auge den Tausch nicht merke. Ich antwortete ihm: Verzeihen Sie, Herr von A. Ich habe Sie eigentlich erst an den Perlen wiedererkannt, denn es sind ja schon immerhin zwanzig Jahre her, daß Sie die Schnur bei mir kauften. Ja, bitte! sagte er abweisend. Ist es möglich? Gewiß, entgegnete ich. Ich zahlte ihm die drei Perlen nach ihrem Wert. Er bekam etwa 1000 Mark und ich ließ die Arbeit machen. Mehrere Monate später, nachdem er die Kette zurückhatte, kam er wieder. Er trage Bedenken. Diese drei fremden Glasperlen, so gut sie nachgeahmt seien, störten ihn doch durch ihr anderes Aussehen. Es sei vielleicht weniger auffällig, wenn die drei Gegenstücke am anderen Ende der Schnur ebenfalls durch solche künstliche Perlen erseht würden. Ich willfahrte dem Wunsch. _ Dann kam er regelmäßig. Er äußerte keine ästhetischen Bedenken mehr, sondern legte jedesmal die Geldscheine, die er für die drei Perlen bekam, in seine Brieftasche und hatte trübe Augen. Lind so kam der Tag, an dem keine einzige echte Perle mehr an der Schnur war. Er machte einen runden Rücken, als er den Laden verließ an diesem Tage. Ich hörte und sah nichts mehr von ihm. Er wohnte nicht in Hannover, sondern in einer benachbarten kleinen Stadt. Jetzt sind es acht Tage her. da kam einer meiner Angestellten und meldete, eine unbekannte Dame wünsche mich selber und allein zu sprechen. Ich ließ sie in mein Bureau bitten. Sie war verschleiert. Sie war sehr sorgfältig und mit einfacher Eleganz gekleidet, doch bei näherem Zusehen bemerkte ich. daß die Kleider stark abgetragen waren. Ich hatte die Dame nie gesehen. Die fragte mit etwas hochmütigem Ton: Sind wir allein? Ich bejahte und bat sie mit einer Hcrndbe- toegung, mir zu sagen, was sie hergeführt habe. Da begann sie unsicher zu reden. Ich verstand nicht recht, was sie wollte. Die Zeit... die Lage ... die Rot... Zwang... Aber in den letzten Jahren haben wir Juweliere uns an derartige Gespräche unter vier Augen gewöhnt, und ich unterbrach sie schließlich nicht unhöflich, doch vielleicht auch nicht übermäßig liebenswürdig: Lind jetzt wünschen Sie, ich soll Ihnen helfen? sagte ich. Da richtete sie sich jäh aus dem Stuhl auf, in den sie sich niedergelassen hatte. Ich komme nichf betteln! rief sie erregt. Rein, so weit ist es noch nicht. Llm sie zu beruhigen und — wir haben da unsere Erfahrungen — einen sagen wir, nervösen Auftritt im Keim zu ersticken, bat ich, es mir nachzusehen, wenn meine Antwort ihr unschicklich geklungen habe. Sie sei nicht so gemeint gewesen. Sie ging aber nicht auf meinen nachgiebigen Ton ein, sondern fragte mich mit hochmütiger Rebensächlichkeit. ob ich eine echte Perlenkette in Kauf nehmen und dagegen eine ähnlich aussehende aus künstlichen Perlen beschaffen könne. Die Bedingung sei aber, daß man möglichst nicht erkenne, daß die Perlen ausgetauscht worden seien. Das wird im Prinzip gehen, antwortete ich, doch muß ich natürlich vorher die echten Perlen sehen, um feststellen zu können, ob so ähnliche nachgeahmte zu besorgen sind. Mein Mann hat die Perlen bei Ihnen gekauft, sagte sie, indem sie aus ihrer Handtasche ein Etui zog. ein altes schwarzledernes, mir bekanntes Etui... mein Herz bekam einen Stich, wie ich es sah... und auch die Perlen, als ich das Etui mit zitternder Hand öffnete, kannte ich, bevor ich sie gesehen hatte. Trotzdem schrak ich auf als ich die falsche Perlenschnur des Herrn von Ä. von der weißen Seide hochhob. Es war die peinlichste Begegnung meines Lebens. Ich wurde rot und blaß und wußte nicht, was ich sagen sollte. Ich sah hinter das traurige, zertrümmerte Leben dieser beiden Menschen. Von der Perlenschnur hatten sie, ohne daß Frau von A. es wußte, fünf Jahre gelebt. Jetzt war auch diese Einnahmequelle fortgeronnen und die Frau hatte keine Ahnung von der schrecklichen Wahrheit. Run? mahnte sie. Ich schaute sie an. mit mir uneinig, ob es nicht das Menschlichste wäre, sie in vorsichtiger Weise aufzuklären. Denn wenn ich sie abwies, ginge sie zu einem anderen Juwelier und erführe von ihm. roh wie unter einem Schlag vor die Stirn, die nicht wieder gutzumachende Wahrheit. Aber ich brachte fein Wort über die Lippen. Sie können es nicht, wie es scheint, sagte sie fast flüsternd. Durch den Schleier sah ich die Augen angstvoll lauernd auf mich gerichtet. Da antwortete ich unsicher: Rein, ich kann keine ähnlichen intitierten Perlen (»«schaffen! Sie steckte mit einer müden Bewegung das Etui ein, neigte flüchtig den Kopf und ging. Sie ging mit einem runden Rücken, wie vier Wochen vorher ihr Mann.. Alban Bergs „Wozzeck" in Frankfurt. Mehr als fünf Jahre sind seit der heftig umstrittenen Llrausführung der Oper „W o z z e ck" von Alban Berg an der Berliner Staatsoper verstrichen. In stetig ansteigender, ruhiger Kurve bewegt sich seitdem die Zahl der Bühnen, die sich des Wertes annehmen. Auch die Frankfurter Premiere gestaltete sich zu einem lebhaften Erfolg. Alban Berg macht es seinen Hörern gewiß nicht leicht. Seine sinfonisierende Musik, die von Schönberg in entscheidenden Dingen ber- ©tilgcbung beeinflußt ist, hat nur selten die kan- table Linie, den Wohlklang im hergebrachten Sinne, der ins Ohr fällt. Sie gibt aber das Seelische und das Landschaftliche, das Transzendente und das Reale der Dichtung Büchners so stark und unmittelbar, daß sie auch den in ihren Bann zwingt, der sich den Weg zu dieser Tonsprache erst erschließen muß. Selbst der zunächst widerstrebende Hörer wird spüren, das hinter dieser neuen Klangwelt eine reine, fest in sich ruhende und wahrhaft schöpferische Persönlichkeit steht. Hans Wilhelm Steinberg hatte die Aufführung musikalisch, Dr. Herbert Graf szenisch Krankreich auf Gpionensuche. Berlin, 21. April. (ERB.) „Jntransigeant" berichtet aus Straßburg, daß die dortige Polizei drei der Spionage verdächtige Elsässer f e ft g e n o m m c n habe. Die Verhafteten seien sämtlich in Straßburg wohnhaft und hätten eingestanden, wiederholt mit Plänen über Grenzbefestigungsarbeiten üb er bie Grenze gereift zu fein. 9m Zusammenhang mit der „Spionageaffäre" ist eine neue Verhaftung erfolgt. Man rechnet mit der Festnahme von vier vis fünf weiteren Personen, darunter zwei Deutschen. Am Vorabend der Abrüstungskonferenz. Die großen französischen Hcrbftmanöver. P a r i s. 21. April. (TA.) In der Zeit vom 10. bis 16. September finden in diesekn Jahre die großen französischen Herbstmanöver statt, für die das aus dem Weltkrieg her bekannte g r o-h e Dreien zwischen Laon — Rethel — Reims gewählt wurde, das durch die Aisne in zwei etwa gleich« Hälften geteilt wird. Die Manöveraufgabe wird darin begehen, daß eine der beiden Parteien versuchen muf^l/cn Fluß tzu überschreiten, um den auf dem gegenüberliegenden Llfer stehenden Feind zu vertreiben. Reben drei Divisionen Infanterie, den üblichen Artillerie- und Kavallerieregimentern nehmen mehrere Regimenter schwerer Artillerie, Tanks, Minenwerfer und Genie-Truppen teil. Ein überaus zah l reiches Aufgebot an Do mben und Jagdflugzeugen wird das Bild dieser Truppenschau am Voravend der Abrüstungskonferenz vervollständigen. Den Oberbefehl hat während der Dauer des Manövers General Claudel. Mitglied des Obersten Kriegsrats, übernommen. Kriegsminister Magi n o t hat sein Erscheinen für die beiden letzten Tage angekündigt. Das Manöver wird mit einer großen Truppenschau abschließen. Oie Sachverständigen im Kürienprozeß. Düsseldorf. 21. April. (WTB.) Am achten Verhandlungstage erfolgt die Vernehmung der Sachverständigen. Prof. Dr. Sivli, Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Düsseldvrf- Grafenberg, erklärt, daß die Taten KürtenS nicht im Zeichen krankhafter Geistesverfassung begangen worden seien. Eine organische Gehirn- oder Geisteskrankheit warnicht festzustellen, ebenso keine uner'iläriichen Gemütsbewegungen. Typisch sei Kürtens Großmannssucht. Abschließend könne man sagen, daß ein« Geisteskranlheit bei dem Angeklagten nicht vorliege. Es bestehe auch keine Bewußtlosigkeit krankhafter Ratur, da er ein ausgezeichnetes Gedächtnis habe. Eine Vererbung komme bei Kürten ebenfalls nicht in Frage. Geisteskrankheit sei in seiner Familie nicht vorgekommen, Wohl aber Reigung zur Trunksucht und kriminellen Vergehen: aber deshalb mußte Kürten nicht in dieser Weise kriminell werden. Wenn auch das Milieu in seiner Familie denkbar schlecht war, so durfte er doch nicht schrankenlos und verantwortungslos allen Regungen nachgeben. Der Direktor der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Fedburg-Hau, Dr. Raether, berichtet über die klinische Llntersuchung des Angeklagten in seiner Anstalt. Es besteht bei Kürten weder Epilepsie noch Schwachsinn. Der Angeklagte verstellt sich meisterhaft, was mit seinem starken Geltungsbedürfnis zusammenhangt. Kürten ist «in rücksichtsloser E g o i st, brutal, dreist und wehleidig. Er hat eine starke sadistische Veranlagung. Die Fragen nach Geisteskrankheit, verminderter' Zurechnungsfähigkeit oder Llnnormali- tät sind bei ihm zu Derne inen. Bei der guten geistigen Entwicklung des Kürten kommen für ihn die Voraussetzungen einer Geisteskrankheit im Sinne des Paragraphen51 nicht in Frage. Auch die Frage einer verminderten Zurechnungsfähigkeit muß im Hinblick auf die Vielseitigkeit seiner Taten abgelehnt werden. Llniversitätsprofessor Dr. Huebner hat bei dem Angeklagten keine Bewußtlosigkeit und liebe- und verständnisvoll vorbereitet. Ludwig Sieverts Dühnenkunst bediente sich teilweise neuartiger, wirksamer Lichtbildtechnik. In den Hauptpartien: Jean Stern (Wozzeck), Erna R e ck a (Marie), Otto Fänger (Tambourmajor). Alban Berg mußte sich am Schluß mehrfach zeigen. A. H. Hochschulnochrichten. Ernannt wurde der Privatdozent Dr. Wilhelm Pfannen st iel von der LIniversität Münster zum ordentlichen Professor der Hygiene in Marburg als Rachfolger von H. Bonhoff. Dr. Pfan- nenstiel vertrat bereits seit Ostern 1930 in Marburg das Fach der Hygiene. Es sind ernannt worden: Professor Dr. Max Bürger. Direktor der Inneren Abteilung lies Stadtkrankenhauses in Osnabrück, zum ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der LIniversität Bonn: der Privatdozent Dr. Arnold Köttgen in Jena zum ordentlichen Professor in der Rechts- und Staatswissenschaft- lichen Fakultät in der LIniversität Greifswald. — Dr. Bürger, der bisher zugleich dem Lehrkörper der Kieler medizinischen Fakultät als nichtbeamteter außerordentlicher Professor angehörte, übernimmt in Bonn als Rachfolger R. Siebecks den Lehrstuhl der inneren Medizin sowie di« Leitung der medizinischen Poliklinik: Professor Köttgen wird in Greifswald Rachfolger von Professor E. Reuwiem auf dem Lehrstuhl für öffentliches Recht. Zeitschriften. — „He s s.en l a n d." (Verlag R. G. Elwert, Marburg-Lahn.) Das April-Heft enthält u. a. den Schlußartikel über „Carl Friedrich BuderuS, das Leben eines hessischen Beamten in schwerer Zeit". Friedrich Llhlhorn stellt in einer Arbeit „Hessen und Solms im Mittelalter" die Beziehungen zwischen den Landgrafen von Hessen und den Grafen von Solms dar. Die Ergebnisse seiner Forschungen lassen manche bisher unbekannte Zusammenhänge ans Licht fommen. Weiter bringt das Heft die Fortsetzung der Erzählung „Der Dorfschäfer" von Helene Brehm, und berichtet über die Marburger Veranstaltungen im Gedächtnisjahr der heiligen Elisabeth. Listen. -®. «#** ' 2(nriWLa Dudens s^nF tJ’J’fi 'M»* ornifiil!elaIt<^ -essen m 2u> s^ec »i fcÄä}Äig ihD[[ vorbereitet. Ludwig ^ bediente sich *»?ä S-L-NG S ELT 2snabru°.r v^tüt er mcdizlnMn ^ * NflÄn tf* nnd vl°-, Greiss' er ^"L§ Mleich dm t der E Qultat als SM SÄ.’»5, i aus wm »obnV^Nen ifj rtzü-H SSL Xn« mit lch-n. "Hnen, raben- 3sfonfereni in K^Ä1?* >& her bek duz fcii-A lhes- kttin ö iv'rd. Sie fu^n nfe M S b Fluh rndrn FZ^ gegen- ■xllaiS*» W- KW OKs . Knegsinimster die beiden letzten “»***■ ^rWige» eyrvzch. ■flt d.r Dernehmuna fl«”- Pro,. 5)i. tzlvl?, Pflegeanstalt TMdvrs. °0 die Taten Kürtens ankhasterGeistes- n worden seien. Eine ot- 'etsteSkrankheit warnicht e uncrAr.ichen Gemüts- sei Kürtcns Groh- cßenö könne man sagen, it bei dem Angeklagten che auch keine Dewußt- Jur, da er ein aus- ächtnis hab«. Eine bei Kürten ebenfalls' cslranlheit sei in smri men, wohl aber Heizung minellen Tergehrn: aber i nicht in dieser Mise in auch das Milieu nkbar schlecht war, schrankenlos md verant- ungen nachgeben. oinLial-heil- md Pflege- ir. Aaeiher, imichiri .suchung dÄ Ängellagten drstcht bd Kürten weder chtvachsinn. Der An- ich meisterhast, toog Geltungsbedürfnis i ifr ein rücksichtslos dreifr und wehleidig. Er »istische Deranla- ch Geisteskrankheit, ver- ihigkeit ofrt Unnormal!* ne inen. Dei der guten -es Kürten sonmensür m einer GeisterkaM» iphrnbl nicht in W verminderten au« tii imifi « 4*" er Taten abgelcpnt Dr. Huebner hat der inf DewuhtlosiDt und Geistesgestörtheil feststellen können. Kürten ist aber Psychopath. Zwangshandlungen liegen bei ihm nicht vor. Es liegt psychiatrisch betrachtet bei den Taten keine ge st orte Geistesverfassung vor, die den Schuh des § 51 rechtfertigen kann. Der Sadismus ist Kürten nicht angeboren, sondern von ihm erworben. Wenn Kürten in Gefahrmomenten seine Untaten obbrach, ist anzunehmen, daß seine Sinne Wohl funktionierten. Nichts bei Kürten lasse den Schluss zu, daß die strafrechtliche Verantwortung gefehlt habe. Irgendein greifbares Moment für eine Unzurechnungsfähigkeit sei bei Kürten nicht ge'unden worden. Die lleberlegung sei in allen Fällen, vielleicht bis auf den Fall Klein, vorhanden gewesen. Kürten hatte bei seinen ganzen Handlungen genügend klare Erwägung zur Erreichung seines Zweckes. Die reichsgerichtliche Auffassung hinsichtlich der Heber- legung müsse auch in diesem Falle Anwendung finden. Aus alter Wett. 300 Kinder Hamburger Erwerbsloser nach Frankreich eingeladen. In der Hauptversammlung der Gesellschaft der Freunde des Vaterländischen Schul- und Erziehungs- wcsens wurde von einer Einladung desfran. zösischen Lehrervereins Mitteilung gemacht, nach der ab 19. Mai 300 Kindern Hamburger Erwerbsloser in einem heim an der Biskaya für vier Wochen freie Unterkunft und Verpflegung geböte^ werden soll. Wegen Mordes zum Tode verurleilk. Das Schwurgericht Koblenz verurteilte den 25jäh- rigen Ackergehilfen Adolf Müller aus Jlgesheim,cher am 31. Januar d. 2. den Gbmeindediener Gravius auf der Landstraße aus dem hinterhalt erschossen hatte, zum Tode. hohe Zuchthausstrafen gegen Posträuber. Das Schöffengr.cht Gleiw.h verurteilte denBau- arbeiter Stogniew und den Grubenarbeiter Ksen- sik auS Hindenburg wegen Raubüberfalles, un-. befugten Waffenbesitzes und Freiheitsberaubung zuje 7 Iahren Zuchthaus. Die Angeklagten hatten die L a n d k r a f t p o st von Rudzinitz nach Plawniowitz überfallen und ausgeplündert und den Postschaffner in dem Wagen eingesperrt. An Stelle der erhofften 30 000 Mark waren ihnen nur 500 Mark in die Hände gefallen. Ein Dorfbrand nach neun Jahren aufgeklärt. Am zweiten Psingstfeiertag 1922 brach auf dem Grundstück des Mühlenbesitzers Rohde in Stresow (Altmark) ein Feuer aus, das in kurzer Zeit s i e ben B a u e r n g e h ö f t e und mehrere Scheunen in Asche legte und bei dem ein Gastwirt, der sein Vieh retten wollte, in den Flammen umkam. Alle Ermittlungen verliefen damals ergebnislos. Jetzt, nach neun Jahren, wurde als Brandstifterin die damals 12jährigs Tochter des Mühlenbesitzers Rohde ermittelt, die sich zur Zeit in Hamburg in Stellung befindet. Sie hat eingestanden, den Brand aus Rache gegen ihre Stiefmutter angelegt zu haben. Jack Diamond verhaftet. In Catskill (Staat Reuyork) wurde der berüchtigte Danditenführer Iack Diamond verhaftet und in das Gefängnis von Loncale übergeführt. Er soll den Chauffeur eines Lastwagens grausam mißhandelt haben, der einem seiner Konkurrenten gehörende Spirituosen beförderte. von Einbrechern erschossen. Einbrecher drangen in der letzten Nacht in das an der Chaussee Dannenberg — Uelzen gelegene Wohnhaus des 57 Jahre alten Arbeiters Friedrich Lüders ein, dessen Haus in der Nähe der Molkerei liegt. Als sie damit beschäftigt waren, Wurst und andere Lebensmittel einzupacken, wurden sie von Lüders überrascht. Di« Einbrecher gaben mehrrere Schüsse ab, und Lüders wurde von einer Kugel getötet. In dem Verdacht, an dieser Bluttat beteiligt gewesen zu sein, steht der als Ein- und Ausbrecher bekannte Sträfling Walter Krüger, der erst kürzlich aus dem Gefängnis Harburg-Wilhelmsburg entwichen ist. Gandhi, gegen die europäische Missionsarbeit in Indien. Gandhi äußerte sich in einer Unterredung über seine Stellung zum europäischen > Missionswerk. Er werde die Missionare auffordern, Indien zu verlassen, falls sie nach der Erklä- rung der indischen Unabhängigkeit noch versuchen sollten, die Inder zum Christentum zu bekehren. Die Missionare seien willkommen, solange sich ihre Arbeit auf reine Liebestätigkeit, ärztliche Hilfe und Erziehung beschränke, aber das hochkultivierte Indien habe nicht nötig, sich eine abendländische Religion aufzwingen zu lassen. Rom feiert Geburtstag. Der Geburtstag Roms, der mit dem Fest der Arbeit zusammenfällt, wurde wie immer am 21. April als staatlicher Feiertag in ganz Italien durch eine Reihe von Deran- ftaltungen und Kundgebungen begangen. Sämtliche Städte und Gemeinden hatten geflaggt. Lleberall wurden die in der letzten Zeit fertig» gestellten öffentlichen Arbeiten, Bauten, Straßen, Cntwäfferungsanlagen usw. eingeweiht und der Benutzung übergeben. Im Mittelpunkt des Tages aber stand die sog. faschistische Aushebung, d.h. die Qlu'rüdung der in drei Kategorien gegliederten faschistischen männlichen Äugend in die nächste Kategorie. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 22. April 1931. Unsere neuen Romane. Nachdem wir in der gestrigen Ausgabe des „Gießener Anzeigers" den Roman „Kreuzweg der Liebe" von Paul Grabein zum Abschluß gebracht haben, beginnen wir in der heutigen Nummer mit der Veröffentlichung eines neuen Werkes, von dem wir annehmen dürfen, daß es einen ausgesprochenen Publikumserfolg haben wird: die Verfasserin, unserem Leserkreis durch eine Reihe von Romanen seit langem rühmlich bekannt, gehört zu den geschätztesten Autorinnen, deren Werke stets und allenthalben ungewöhnlichen Anklang gefunden haben. Der neue Roman heißt: „Das Schicksal spricht das letzte Wort" von J.Schneider-Focrstl. Frau Schneider-Foerstl, aus deren Feder wir früher bereits, wie unsere Leserinnen und Leser sich mit besonderem Vergnügen erinnern werden, die Romane „Märtyrer der Liebe", „Lache Bajazzo!", „Das Erbe des Herrn von Anstettcn" und „Helene Chlodwigs Schuld und Sühne" ver- öff-mtlicht haben, vereinigt auch in diesem neuesten Roman alle Vorzüge ihrer spannenden Erzählergabe und einer überquellenden Phantasie — Vorzüge, welche ihre Arbeiten für die besonderen Erfordernisse des fortsehungsweisen Zeitungsabdruckes so überaus geeignet machen. „Das Schicksal spricht das letzte Wort" ist ein moderner Gesellschalts- und Liebesroman, dessen überraschend verschlungene Handlung zu ergreifenden Höhepunkten gesteigert wird, und deren Gestalten der Leser mit immer wachsender Spannung und Anteilnahme auf ihrem Schicksalswege bis zum versöhnlichen Ausklang begleitet. So dürfen wir hoffen, mit dem Abdruck dieses Romans einen nicht minder durchschlagenden Erfolg zu erzielen als mit den früher verösfent- lichten Werken der weithin geschätzten Autorin. Gleichzeitig weisen wir daraus hin, daß in. der nächsten Nummer unserer Illustrierte^ am fern» inenden Samstag unter dem Titel „Das Leben h a t r e ch t" ein neuer Roman von Hans Ioachim Flechtner erscheint, von dem wir das Erst» verosfentlichungsrecht für ganz Deutschland erworben haben. Flechtner gehört zu den talentvollsten Schriststellern der jüngeren Generation, der sich bereits durch mehrere Romane und kleinere Erzählungen einen guten Namen gemacht hat. Die Bürgermeisterwahl von Holzheim ungültig. Der Kreisausschuß des Kreises Gieße n beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit dem von dem Kreisdirektor erhobenen Einspruch gegen d i e Bürgermeisterwahl in Holzheim. Die Verhandlung fand unter dem Vorsitz von Oberregierungsrat Ritzel statt und dauerte, da über 40 Zeugen zu vernehmen waren, etwa acht Stunden. Nach einstündiger Beratung erklärte der Kreisausschuß die Bürgermei st erwähl von Holzheim für ungültig. Ausführlicher Bericht über die Verhandlungen folgt. Vornoti,;cn. — Tageskalender für Mittwoch. Stadt, theater: „Die Jungfrau von Orleans", 19.30 bis 22.30 Uhr. — Filmvortrag über „Leuna-Benzin und praktische Kraftstofffragen, 20 Uhr, Palast-Lichtspiele, Kirchenplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Drei Tage Mittelarrest". — Au s dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute 19.30 Uhr Erstausführung der romantischen Tragödie „Die Jungfrau von Orleans" von Schiller: neue Inszenierung; Spielleitung Intendant Dr. P r a s ch. Die Rolle der Jungfrau spielt Beatrice Doering. Mitwirkende: das gesamte Solopersonal. — Freitag bleibt das Theater geschlossen. Die Vorstellung für die Freitag-Abonnenten wird auf Samstag, 25. April, verschoben. Das Opern- ensemble des Stadttheaters Mainz wird von d'Albert die Oper „Die toten Augen" als einmaliges Gastspiel zur Aufführung bringen. Die Intendanz macht darauf aufmerksam, daß die Vorstellung pünktlich 20 Uhr beginnt Ende 22 Uhr. Opernpreise. — Der Verkehrs, und Verschönerungsverein Gießen hält morgen abend im Gasthaus Boller feine diesjährige Hauptversammlung ab. auf die besonders hingewiesen sei. (Siehe heutige Anzeige.) 1 * ** D i e Etatssitzung des Gießener Stadtrats am kommenden Freitag, in der über den städtischen Haushaltsvoranschlag für 1931 Beschluß zu fassen ist, beginnt um 17 Uhr im Sitzungssaale des Stadthauses, Bergstraße. *• Steuererleichterung für alte Personenkraftwagen. Unter dieser lieber» schüft lesen wir in den von Bücherrevisor Herrn. Will zu Gießen Hera i ^gegebenen „Aktuellen Steuersragen" (Rundschreiben Nr. 8) folgendes: Eine Verordnung des Reichsfinanzministers bestimmt, daß der Besitzer eines Personenwagens, besten Motor mehr als 3500 Kubikzentimeter Hubraum hat, fünf Iahre nach der erstmaligen Zulassung den Antrag auf Steuerermäßigung stellen kann, dem Folge gegeben wird, wenn der Nachweis des Alters erbracht ist. Die Ermäßigung beträgt ein Drittel des Steuersatzes, wobei aber der sich ergebende Steuerbetrag nicht niedriger sein darf als der Steuersatz für den Wagen von 3500 Kubikzentimeter Hubraum. Die Ermäßigung soll den Uebergang hochwertiger gebrauchter Wagen in eine zweite, aber wirtschaftlich schwächere Hand erleichtern und heute stillgelegte Wagen dem Verkehr wieder zuführen. " Mit Byrd zum Südpol. Der Kulturfilm, der am Sonntagvormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße über die Leinwand ging, war ein einzigartiges Spiegelbild der ebenso kühnen wie großangelegten amerikanischen Südpolexpedition. Die Forschungsreise war,, wie aus dem Fstm deutlich und überaus eindrucksvoll hervorging, mit einer Sorgfalt und einer Großzügigkeit vorbereitet, wie kaum je eine andere zuvor. Auf zwei Dampfern, die Unmengen von Lebensmitteln bargen, verließ die Expedition den Hafen von Neuyork, drang tief in das Eismeer vor, errichtete an der bekannten Rohbarriere das Standquartier „Little America", das zum Ausgangspunkt für die Errichtung eines Reservelagers und zum Ausgangspunkt des glücklichen Polfluges wurde. 42 kühne unerschrockene Männer blieben auf dem Eise zurück, während sich die Schiffe wieder tn das offene Wasser begaben. Einen Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werken soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf Polarwinter, sechs lange lichtlose Wintermonate verbrachten die Männer im Eise, bis der Frühling die Vorbereitungen zum Polflug und den Polslug selbst gestattete. Der Flug gelang. Dyrd und einige seiner Getreuen waren im drer- nwtorigen Fokker ausgestiegen, überwanden das 5000 Meter hohe Polargebirge, kreuzten über dem Pol. um schließlich wohlbehalten und gesund zurückzuleh.en, versehen mit reichern wissen- schastllchcn, rnetereologischern und geologischem Material. Der Film selbst, ein Paramount-Film, war hinsichtlich der Konzeption ein Meisterwerk seiner Art. Gleichermaßen hervorragend in der Photographie. Packende Bilder von der Sturmfahrt der Schiffe über den Ozean, von ihrem Kamps gegen Wind und Wellen, prächtige Aufnahmen von der Ciswüste der Arktis, Bilder aus dem Lagerleben, reizvolle Aufnahmen von den lustigen Intermezzos mit den Pinguinen, von dem Auf- und Untertauchen der Walfische in der eisfreien Wasserrinne, das alles fesselte die Aufmerksamkeit der Besucher in hohem Maße. Erschütternd war der Tod eines treuen Hundes dargestellt, daneben wurde die ganze Erhabenheit einerseits und die Trostlosigkeit der Polarlandschaft andererseits im Bilde festgehalten und so eine lebenswahre Schilderung der Expedition gegeben, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Der Film in seiner Gesamtheit darf mit voller Berechtigung als eine Kulturtat erster Ordnung bezeichnet werden. Rundfunkprogramm. Donnerstag. 23. April. 7.15 bis 8.15: Frühkonzert. 9 bis 9.45: „Aus einem ostpreußischen Gutshof", Hörbericht aus Kuikeim. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.30: Stunde der Iugend. 16.30 (Pforzheim): Nachmittagskonzert. 18.15: „Vom richtigen Denken", Vorttag von Hermann Klamforth. 18.45: „Modernes Gift", Vortrag von Dr. Irene Levis. 19.15: „Der Himmel im Mai und Ium. — Die Lebensdauer eines Sternes und insbesondere unserer Sonne", Vortrag von Professor Edmund Sittig. 19.45 (Mannheim): Aus Carl Maria von Webers Wanderjahren, Erlebniste und Werke. 21: Gastspiel der Ganghofer-Thoma» Bühne, „Magdalena", ein Volksstück in drei Auszügen von Ludwig Thoma. 23 bis 24: Zigeunermusik. Freitag, 24. April. 7.15 bis 8.15: Frühkonzert. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: „Erdkundlicher Gesamtunterricht", Vortrag von E. Augenreich. 15.50: „Die modernen Sprachen im Schulunterricht", Vortrag von Dr. Majer-Leonhard. 16.30: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10: „Aktuelle Filmfragen", ein Gespräch zwischen Leo Weiß und Dr. Franz Wallner. 18.30: Eine Viertelstunde Deutsch. 18.45: Hilfsmaßnahmen bei der Behandlung loderet Zähne. 19.25 (Karlsruhe): Mandolinenkonzert. 20.05 (Festsaal der Liederhalle Stuttgart): Symphoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 22: „Frühling" (österreichische Lyrik). 22.30: Briefkasten. 23.10 bis 24: Tanzmusik. Hessische Verkehrsunfall-Siaiistil. Ein betrübliches Bild zeigt die hessische Verkehrsunfallstatistik für die Zeit von Oktober bis Dezember 1930. Danach wurden in Hessen während dieses Zeitraums nicht weniger als 13 Personen durch Verkehrsunfälle getötet und 333 Personen verletzt. Ins- gesamt ereigneten sich 406 Kraftfahrzeugunfälle. Die Provinz Starkenburg schneidet mit sieben Toten am ungünstigsten, Oberhessen mit einem Toten (Kreis Friedberg) am günstigsten ab. Die Stadt Mainz hatte die größte Zahl der Verkehrsunfälle mit 79, und die größte Zahl der Verletzten mit 69 zu melden; dagegen ereignete sich nur ein einziger tödlicher Verkehrsunfall. Die Wetterlage ,03ren Seydlsfjorcr s Tporshaw f6; ’aris s'o 5 Toups’ fr nsmvg -- Jan Mayen OWolkenlos.O neuer ® natb oeoetKL ® woixig. • oeoeciti «Regen * Schnee a Graupeln ■ Neoei K Gewnter.(§)wind$tiiie.O' sehr leichter Ost massiger Sudsuowesi stürmischer norgwest Ole Pfeile fliegen mit gern winde Oie oe>oen Stationen stenenoen zahlen geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichen* auf rteeresniVeau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Infolge stärkerer Temperaturgegensätze hat über Polen der Luftdruckfall zugenommen und sich eine Störung entwickelt. Die westwärts über Deutschland ihren Einfluß entfaltet. Wahrscheinlich wird die Rück, feite der Störung noch weiter über Deutschland vorgreifen, so daß unser Bezirk mit in ihren Bereich gelangt und dadurch noch kühles und wechselhaftes Aprilwetter mit einzelnen Schauern herrscht. Aussichten für Donnerstag: Wechselnd wolkig mit vorübergehender Aufheiterung, noch kühl, vereinzelte Schauer. Aussichten für Freitag: Bewölkt mit Aufheiterung, Temperaturen wenig verändert, strich- weise leichtere Niederschläge. Lufttemperaturen^ am 21. April: mittags 9 Grad Celsius, abends 5,8 Grad: am 22. April: morgens 5,3 Grad. Maximum 9,1 Grad, Minimum 1,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. Avril: abends 9,4 Grad; am 22. April: morgens 5,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 1% Stunden. Eewinnauszug 1. Klasse 37. Preußisch-Süddeutsche (263. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Eewmne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 1. Ziehungstag 20. April 1931 3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Ce. Inne über 300 M. gezogen 4 Gewinn« 8U 5000 M. 60513 108241 4 Gewinne ju 3000 M. 219139 245341 10 Gewinne »u 2000 M. 28455 78130 117082 133902 249617 20 Gewinne zu 1000 M. 50028 119467 154427 196402 221245 236604 243184 305429 345182 364291 50 Gewinne,o 800 M. 8286 12554 41956 47699 104197 118775 122584 124071 138076 191796 219748 234664 234928 252651 265224 267352 268864 270666 308168 321076 330724 332958 365703 370668 396036 46 Gewinn« ju 500 M. 560 24188 34981 40768 45027 46792 53169 62735 82749 116183 120362 125336 141183 147544 160350 166890 172682 172763 218801 232802 257712 296201 361555 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Ge -inne über 300 M. gezogen 2 Gewinne zu 100000 M. 219196 2 Gewinne zu 10000 W. 42888 8 Gewinne zu 3000 M. 102507 118293 246868 380992 4 Gewinne zu 2000 M. 113349 255942 30 Gewinne zu 1000 M. 14129 90034 98159 149301 159400 177926 193280 242075 265220 278457 293124 295790 335894 342354 359978 28 Gewinn« >u 800 Al. 11799 46151 117733 126323 152267 162700 172021 228378 232465 282542 296908 336742 344639 348029 46 Gewinne zu 500 M. 12602 50464 98180 99292 110346 120705 126078 128094 160062 222657 234920 251584 269017 273417 288523 293182 302598 332142 332665 390816 394407 398081 399561 Hohe Qualität niedrige Preise. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang meines teuren, unvergeßlichen Entschlafenen sowie tür die reichen Kranz- und Blumenspenden sage ich allen aut diesem Wege meinen herzlichsten Dank. Ich habe mich als A rchitekt niedergelassen! Meine theoretische Ausbildung erfolgte auf einem Technikum und technischen Hochschulen (u. a. Stuttgart). Meine praktische Berufsausübung fand in den ersten Architekturbüros Bielefeld, Bremen, Hamburg und Altona statt. Hermann Dirksmöller ^!NMIIfk t.Svrach- u.Naiur- ivissenich.-Fächern iMafh > u. Beauf- »chiig. d. Schularb bei billig. Berechn Schr. Ang. u. 02358 an den Gien. SltiA Sorgfältige einwandfreie 33efjancttung großwäfdferei Edelweiß gießen • Telepffon 3d87 26ooa Todesanzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine innigstgeliebte Frau, Schwester, Schwägerin und Tante Wilhelmine Karoline Bauer geb. Thomas nach langem, schwerem Leiden, im 76. Lebensjahr, in die Ewigkeit abzuruten. In tiefer Trauer: Heinrich Bauer. Lollar, den 21. April 1931. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 23. April, nachmittags 2 Uhr statt. Donnerstag, den 23. April 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg Jlr. 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: einen Klubsessel, zwei Nähmaschinen, drei Vertikos, vier Tische, fünf Sofas, ein Wirtschaftsbüfett, zwei Warenschränke, einen Spiegelschrank, zwei Spiegel 17 ■ Stühle, vier Regulatoren, zwei Paginiermaschinen, drei Grammophone, eine Blumenkrippe, zwei Diwans, zwei Büfetts, eine Schreibmaschine, eine Vitrine, drei Klaviere, einen Gasherd, einen Eisschrank, vier Chaiselongues, zwei Kredenzen, zwei Schreibtische, einen Bucher- schrank, eine Ständerlampe, 20 Handkoffer, zehn Schulranzen, 217 Handtäschchen, zwölf Handtaschen, einen Horch-Personenwagen. 2836D Bestimmt: eine Schreibmaschine (Continental), eine Flurgarderobe, einen Schreibtisch, eine Korbmöbelgarnitur, eine Wanduhr, ein zwölfteiliges Eßservice, zwei Kristall- schalen^ 14 Anzüge, 14 Kinderanzüge, eine Windjacke, eine Hose. 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Einwendungen dagegen können während dieser Frist schriftlich oder mündlich vorgebracht werden. 2822D Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Dorf-Gill den 21. April 1931. Hessische Bürgermeisterei. Schmidt. Autos in Jeder GröBe können billi st untergestellt werden. 283?d Groß-Garage am Aulweg Telephon 4240. Witwe. 4’ Nähre, flut. Aeußere, nettes Heim. wünscht solid. Herrn in neiidt. Pof. AwecköHetrat kennen au lernen. Sckrifi# UcheAnfleb unt.O 371 and. Gien. Anzeiger. Warnug! Hiermit warne ich jeden, meinem Sohn n ar iVcitb, Gießen etwas au leiben oder zu bargen da ich für nichts hatte. 02359 Otto De ch Ebelttraße 39 I. Hufen schwarzer Teckel, 1 braun gezeichnet, ab- AUflcben gegen Belohnung 2841D .>ranks.Str.27IH. Schöne 4-Zim.-Wohn. mit Zubehör gegen Dringlichkeitsschein per 15. Akai zu oeim. Zu errr. i. d Geschst. des Gieß. 2lm._ Z'Zimmer-Wohng. mit Bad, in d. Bcet- bovcnttraße 2'Zimmer-Wohng. in derHändclstraße oer soiort od. spater au vermiet. 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Reue Lyrik. — Wolfram Drockmeier: Sturmund Beschwörung. Gedichte. 56 Seiten 8°. Preis 4 Mark. Erich Lichtenstein Verlag, Weimar. (136) — Es erscheint unwesentlich, auf gewisse Ähnlichkeiten hinzudeuten, etwa mit Zuckrnayer (in den Gedichten „Der Fluß" und „Erinnerung") ... oder mit Dillinger, in den sechs kurzen Zeilen, welche „Einschlafen" überschrieben sind. Wichtig ist, wie hier von einem (Zungen uralte Themen großer lyrischer Dichtung neu begriffen, neu erlebt und mit neuem Inhalt gefüllt werden. Brock- meiers Lyrik wirkt, wenn man aufs Ganze sieht, streng, herb, verhalten und männlich: kaum ein Liebesgedicht im ursprünglichen, naiven Sinn ist zu finden. Aber ein großes, starkes Raturgefühl — durchaus im Einklang mit lebendigen Strömungen zeitgenössischer Kunst — beseelt sich hier leidenschaftlich und pantheistisch die geschaffene Welt: in der Vermenschlichung des Berges, in der Pappel, dem „Pfeiler Gottes", im Fluß: eines-der hierfür bezeichnendsten und zugleich schönsten Gedichte heiyt „Gott in den Tieren" („Du bist es, Gott, der in allem erklingt"); in den einfachen, aber rhythmisch bestechenden Strophen von der „Auferstehung der Kathedralen", in der „Ballade vom Urwald", in der „Himmlischen Fahrt" und der „Erinnerung" findet dieses rousseauhaste Raturbekenntnis den stärksten Ausdruck, — auch die Absage an die moderne Stadt und die städtische Kultur („Vernichtung der Städte") mündet in den gleichen Ausblick: „Erde, nur Erde wird sein wie vorzeiten,..." Und wie Brockmeier Baum und Blume, Berg und Strom, Getie' und Gestirn inbrünstig beseelt und brüderlich anredek, so umfaßt seine Beschwörung ein gotisches Mittelalter (.Chor der törichten Jung- frauen", „Der Reiter im Dome zu Bamberg", „Alter Meister") nicht weniger leidenschaftlich als die homerische Fabelwelt (.Wandlung des Odysseus") und den heidnischen Mythos („Pan"). Richt formale Geschlossenheit oder artistische Verfeinerung, sondern die geistige Haltung, die Lauterkeit und Fülle des Gefühls machen diesen schmalen Gedichtband zu einer wesentlichen Erscheinung der jungen lyrischen Dichtung in Deutschland. -y- — Reue Lyrik II. Anthologie 25 junger Autoren. 4. Veröffentlichung des Selbstverlags junger Autoren im Ioachim-Goldstein-Verlag, Berlin, 1931. (100) — Die Sammlung ist im Gesamtniveau kaum erfreulicher als die früher hier ongezeigten Anthologien des Goldstein-Verlages: die Mehrzahl der. Gedichte ist ausgesvrochen schlecht. Bemerkenswert ist jedoch, daß Erich Kästner (geb. 1899!) — der zwar nicht bedeutendste, aber populärste Lyriker unserer Zeit — bereits Schule macht: die beiden Gedichte vonOlfWeddy- Poenicke, eines von Fritz Pick, und eines von Franzi Hofmann, die vergleichsweise zu den besten dieser Auswahl zählen, sind ganz typisch dafür. Hervorzuheben wäre noch ein rhythmisch gut gemachter „Song" von W. O. Somin: als Kuriosität: ein Gedicht von Lothar Mehl, dem ein Paragraphenauszug aus der österreichischen Zivilprozeßordnung als Motto vorangestellt ist; endlich, im schroffen Gegensatz zu den Sachlichkeiten im Küstnerschen Alltagsjargon, ein paar in kleinen Buchstaben geschriebene Strophen von Victor Wittkowski, welche programmatisch „Friedrich Gundolf gewidmet" sind. -y- Deutsche Erzähler. — Wilhelm Holzamer: Vor Jahr u n d T a g. Roman. 293 Seiten 8°. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart. (46) — Der rheinhessische Dichter Holzamer war noch nicht vierzig Icchre alt, als er 1907 in Berlin starb: im Frühjahr 1930 hätte er den 60. Geburtstag feiern sollen. Der vor kurzem ins Leben gerufene Holzamer- Bund zu Rieder-Olm (bei Mainz), dem Geburtsort des Dichters, ist lebhaft und mit Erfolg bemüht, das Andenken an den Frühverstorbensn wachzuhalten und insbesondere sein Werk, soweit es vergriffen ist, wieder allgemein zugänglich zu machen. Die Werbearbeit des Bundes hat auch die dankenswerte Reuherausgabe des vorliegenden Romans ermöglicht, dessen erste Drucklegung der Dichter nicht mehr erleben sollte: „Dor Jahr und Tag" ist eines der reifsten und grklärtesten Bücher, die Holzamer hinterlassen hat: Kulturbild und Heimatroman ^gleich, eine Erzählung, in deren Ausformung seine ganze Eigenart und seine besten dichterischen Kräfte beschlossen liegen. Dabei kommt es weniger auf die romanhafte Handlung im landläufigen Sinne an als auf die Zusammenfügung epischer Einzelelemente zum Gesamtbilde und auf dessen psychologische Unter- bauung. Daß die Bedeutung des Romans über das Bodenständig-Dokumentarische hinausgreift, deutet eine abschließende Bemerkung in der Einleitung von Dr. Adalbert Schmidt an: „So weist Holzamers ,Vor Jahr und Tag< aus der Enge einer wie immer verstandenen H^eimatkunst in die Sphäre des Gefamtmenschlichen." — Rudolph ©trat): „Heimliche Ehe". Roman. (August Scherl GmbH.. Berlin.) Ganzleinen 5,50 Mk. (HO) — Rudolph Strah hat in seiner neuen Arbeit ein immer wieder aktuelles Thema behandelt: Die Che. Die Frage, ob Liebesehe, Vernunftsehe oder freie Che glücklich macht, beschäftigt den modernen Menschen, vor allem die Jugend, in hohem Maße. Mit großem psychologischen Feingefühl läßt Strah die Vertreter dieser Ehen vor uns lebendig werden: da sind der heimliche Ehemann und seine junge Frau mit großer Wärme gezeichnet, beide sympathisch in ihrer inneren Anständigkeit und jugendlichen Tapferkeit: dann der Gewaltsmensch, äußerlich erfolgreich, aber ohne inneren Halt: er fühlt nicht, daß seine Frau sich längst von ihm losgelöst hat und zerbricht selbst an einer jäh aufflammenden Leidenschaft: als dritter im Bunde der Menfchen- verächter und Weltverbesserer, auch er will das Leben wegwerfen, als seine „freie" Frau von ihrer Freiheit Gebrauch macht und doch lieber eine bürgerliche Che mit einem anderen eingeht. — Max Halbe: Generalkonsul Stenzel und sein gefährliches Ich. Roman. 246 S. 8°. Umschlag- und Einbandzeichnung von Professor Dr. Walter Tiernann. Geh. 5, Leinen 7 Mark. Verlag von Albert Langen in München. (103) — Herr Johann Sebastian Stenzel. Großkaufmann und Reedereibesiher in der alten nor- dischen Hansestadt, verliebt sich als Reunund- sünsziger maßlos in Ginevra, die Tochter der Jugendfreundin. Eine Sache auf Tod und Leben, wenn sich solch ein seriöser älterer Herr in eine Vertreterin der heutigen Jugend verliebt, dieser kühlschnäuzigen, gefährlichen Jugend, die es so noch nicht gab in allen den Zeiten, und zu der er keine Brücke finden kann. Aber daß er etwas so Unvernünftiges einmal im Leben hat tun müssen, wirft dann doch ein seltsames Glückslicht über den Rest der Tage dieses sonst so korrekten Mannes der „Arbeit mit drei R". Ein hnteres Sommerspiel, hart an der Grenze zwischen Ernst und Scherz, so jugendlich kraftvoll, wie der Dichter der „Jugend" nur je etwas schrieb. Allerlei Grund hat man, beim Lesen dieses anscheinend so behaglichen und vergnüglichen Buches plötzlich auszuhorchen. Es gibt da mitunter eine dunkle Resonanz, und das „törichte Perpetuum mobile auf Zeit — das Herz" tut manchmal einen erschrockenen, einen ertappten Schlag dab:i. Daß seine Menschen allesamt leben, daß die alte wehrhafte Stadt am Meer und ihr fruchtbares Werderland das treueste Heimatgesicht zeigen, ist selbstverständlich bei Halbe. — Wilhelm Speyer: Die goldene Horde. Erzählung. 260 Seiten 8°. Kart. 3.75, Leinen 5,50. Ernst Rowohlt Verlag. Berlin 1931. (48) — Dieses Buch bildet, obwohl in sich abgeschlossen, eine zwanglose Fortsetzung des seinerzeit an dieser Stelle besprochenen und sehr bekannt gewordenen Schülerromans „Der Kampf der Tertia". Wir finden hier die gleichen Schauplätze und eine ganze Anzahl bereits vertrauter Gestalten vor: aber es handelt sich jetzt bei den Abenteuern der Horde nicht um einen menschlichen Kampf für die unterdrückte und gequälte Kreatur, sondern es geht diesmal um eine Verschwörung zwischen Stadt und Land, um die heroische Wiedergewinnung der verlorengegangenen Hordenstandarte aus einem veritablen Löwenzwinger, um die vorübergehende Häuptlingschaft des kleinen Borst und um die Heimholung einer vor Jahren mit dem Wanderzirkus Pisanini entlaufenen Elevin des Landerziehungsheims. Im einzelnen hat auch der neue Roman manche gelungene, heitere, lyrische, wirllichem jugendlichen Leben abgelauschte Szene: im ganzen wirkt er doch — wie das meist bei Fortsetzungen oder „zweiten Teilen" erfolgreicher Bücher geht — schwächer als der Vorgänger: vor allem weil seine entscheidende Szene (im Zirkuszelt) ein wenig phantastisch und unwahrscheinlich geraten ist: und weil außerdem die Reden dieser Halbwüchsigen doch vielfach gesetzter und reifer klingen, als man es erwarten mühte. — y— Reisen und — Wie reist man in I talien ? Ein Buch zum Lust- und Planmachen. Von Prof. Dr. Karl K i n z e l. Führer durch Florenz, Rom, Reapel, Sizilien, Genua, Mailand, Venedig, die Riviera und die kleineren Städte. 1931. Achte, ganz neu bearbeitete Auflage. Mit einer Karte und 16 Plänen. Verlag Friedrich Bahn in Schwerin i. Mecklb. Ganz!. 7 Mark. (92) — Der Führer enthält das Wissenswerteste über Eisenbahn und Fahrkarten, über wenige erprobte Gaststätten, und was sich besonders bewährt hat: der Reisende erhält in jeder Stadt ein sorgfältig zusammengestelltes Programm, in dem die Sehenswürdigkeiten geordnet sind, die man an einem jeden Tage besehen kann. In diesen genau berechneten Dispositionen liegt der Hauptwert des Buches, dem auch die nötigsten Ausdrücke und Wendungen in italienischer Sprache angefügt sind. Die erheblich veränderten und großenteils stark gebesserten Verhältnisse des Fremdenverkehrs sind hier auf Grund einer längeren Studienreise berücksichtigt. Das ist der besondere Vorzug dieses Reudruckes. — In dem neuesten Band der altbewährten Sammlung „Meyers Reisebücher": „Die Riviera von Livorno bis Marseille und Korsika" mit 16 mehrfarbigen Karten und 21 Plänen. Taschenformat. In biegsamem Ganzleinenband 12 Mark. Verlag Bibliographisches Institut AG. Leipzig, fällt die Reugestaltung aller Karten auf: die Autostraßen sind durch ein neuartiges Prinzip farbiger Umrandung deutlich hcrvorgehoben, ebenso bei den Stadtplänen die Hauptstraßen, mit Angabe ihrer Weiterführung nach anderen Städten. Der Automobilist, der Radfahrer, der Motorradfahrer können sich keinen praktischeren Wegweiser wünschen. Für diese Art des Reisens ist auch noch durch ausführliche Angaben über Garagen und Reparatur- Abenteuer. Werkstätten sowie durch eine Tabelle der italienischen und französischen Auto-Fachausdrücke gesorgt. Man findet selbstverständlich alle Eisenbahnverbindungen und die Luftfahrt- und Autobuslinien mit ihren wichtigsten Fahrpreisen. Die reichhaltigen klimatischen Angaben ermöglichen es dem Erholungsuchenden, sich vorher genau über die gesundheitliche Eignung der einzelnen Plätze zu unterrichten. Mit seiner Fülle erprobter Adressen — vom Luxushotel bis zum einfachen Landgasthof — bietet der „Meyer" für alle Ansprüche etwas und berücksichtigt auch weitgehend die sportlichen Bedürfnisse. (34) — Zahlreiche Freunde des Grafen L u ck n e r werden es begrüßen, daß sein jüngstes Buch „See- teufel erobert Amerik a", in dem er in seiner launigen Art von Erlebnissen und Abenteuern zur See und in den Vereinigten Staaten erzählt, in einer ungekürzten, reichbebildcrten Volksausgabe für 2,85 Mark erscheint. Der billige Preis wird dadurch ermöglicht, daß der Verlag Koehler & Ame- lang in Leipzig einen schmucken neuartigen Steifdeckeleinband für eine Reihe beliebter Bücher geschaffen hat. (72.) — Albrecht Janssen: Abenteuer im Eise. Ein Walfischfängerroman. 323 Seiten 8°. Halbleder 3,30 Mark. Volksoerband der Bücher- fieunbe. Wegweiser-Verlag ®. m. b. $)., Berlin-Charlottenburg 2. — (108) — Janssen, ein namhafter Vertreter des niederdeutschen Schrifttums, hat es verstanden, dem Leser die Gefahren- und Abenteuerwelt des Walfanges so bildhaft vor Augen zu führen, als lese er Selbsterlebtes. Die Schilderung des Marsches verschollener Waljäger über die Eis- fchollenfelder, ihre grauenvolle Ucberrointerung in den Regionen des ewigen Eises und das mit großen Opfern erkaufte Ziel, endlich nach monatelangem .Kampf Grönland erreicht zu haben, gehört mit zu den spannendsten Geschichten aus der Arktis. Reue Kriegsbücher. — Westfront 1914 — 1918, das Buch vom Frontkametaden. Von Georg Bucher. (Verlag von Karl Konegen Wien I.) — (409) — In diesem Buche schildert ein cyarakterstarker Soldat den Krieg, wie er in Wirklichkeit war, und wie er allen denen in Erinnerung bleiben wird, die dabei gewesen sind. Man erlebt beim Lesen dieses ungeschminkten Kriegsbuches noch einmal die furchtbare Gewalt und die vielfältigen Schrecken einer modernen Schlacht, man wird erinnert an die Zeiten der Kampfpausen und der Ruheguartiere, an aufopfernde Kameradschaft, aber auch an mancherlei Widrigkeiten, Enttäuschungen und Bitternisse, die nun einmal aus solchen Zeiten nicht fortzudenken sind. Die Westfront von 1914 bis zum bitteren Ende 1918 an den verschiedensten Kampfabschnitten ersteht in diesem Buche wieder, das ein deutscher Feldsoldat mit heißem Herzen geschrieben hat. Keine Renommisterei, keine politisierende Tendenz ist in diesem Buche zu finden, sondern schlichtes, wahrbeitsgemäßes Erleben an dieser schwierigsten der Weltkriegsfronten wird geschildert. Und darum wirkt dieses Buch auf den Leser tief und erschütternd. — GeschichtedesThüringischenUlo- nen-Regiments 6 von 1813 b i s 19 19, bearbeitet von Major a. D., seinerzeit Rittmeister im Regiment, Frhr. Hiller vonGaertringew Mit 133 Abbildungen, 31 Karten und Skizzen, einer farbigen ilniformtafel und zahlreichen Federzeichnungen. (Verlag Tradition Wilhelm Kolk, Berlin SW 48.) Geb. 16 Mk. (9.) — Eine kurze, übersichtliche Darstellung der Geschichte des Regiments von 1813 bis 1914 geht den Schilderungen der Erlebnisse des Regiments im Weltkrieg voraus. Vor dem Leser erstehen wieder jene heißen Augusttage des Jahres 1914, in denen die Eskadronen des Regiments durch Belgien trabten, und die siegreichen Schlachten des denkwürdigen Vormarsches in Frankreich, der fast bis vor die Tore von Paris führte. Man erlebt aber auch die unglückliche Schicksalsstunde an der Marne. Es folgen die Kämpfe bei Roye, in den flandrischen Ebenen und der Feldzug an der Ostfront 1914/15 in Ostpreußen, Polen und Galizien. Heber Frankreich führt die Geschichte des Regiments dann auf den serbischen Kriegsschauplatz an die Donau bis zu den Kämpfen und Derggesechten an der griechischen Grenze. Rach der Kriegserklärung Rumäniens tritt das Regiment in der Dobrudscha einen unerhörten Siegeszug an und nimmt teil an den erfolgreichen Reiterkämpfen in der Kavallerie-Division von der Goltz, die sie von der Donau über Bukarest durch die Walachei bis zum Sereth führt. Dann geht es hinauf an die dänische Grenze und dann wieder an die Front nach Italien. Die schweren Kämpfe des Jahres 1918 finden die 6. Ulanen wieder an der Westfront, und von dort reiten sie in den nebligen Rovembertagen des Unglücksjahres 1918 unbesiegt in ihre Garnison zurück. Die Bildung der Traditionseskadron und die Errichtung des Totenmals in Langensalza schließt die 106jährige ruhmvolle Geschichte des Regiments. — Otto Linck: Kameraden im Schick- s a l. Kriegsnovellen. 164 Seiten 8°. Geh. 2,50, Seinen 4 Mk. Strecker & Schröder, Verlag, Stuttgart. (66.) — In diesen Rovellen ist das Erlebnis des Krieges über das Stofflich-Dokumentarische hinaus gestaltet geworden. Cs sind Rovellen von starker Spannung und klarer Form. Menschenschicksale entfalten sich und gehen schicksalhaft im kriegerischen Geschehen unter. Da ist der einfache Etappenoffizier, der, plötzlich in verzweifelte Lage gestellt, über sich hinauswächst: da wird in der „Tragödien eines Führers" die innere Katastrophe eines Generalstabsoffiziers gegeben, da entwickelt „Rosa" in ständigem Schau- Platzwechsel zwischen Front und Heimat das Kriegserleben eines Arbeiters und seiner Frau, und in der Bitterkeit der leMcn Rovellen, in der die soldatgewordene Kriegsfreiwilligengeneration von 1914 schon ihre Tragik erkennt und ein blutjunger Relrut symbolhaft als „Letzter" fällt, bildet den Ausklang. 2m Cinzelschicksal, das in dem übermenschlichen Geschehen hilflos trieb, spiegelt sich Wandel und Ablauf des vierjährigen Kampfes. Das Buch beschönigt nichts, aber es stellt am höchsten die soldatische Tat. — Victor Kaluza: PG 3717. In französischer Kriegsgefangenschaft. 191 Seiten 8°. Geh. 3,—, Ganzleinen 5,— Mk. Avalun-Verlag, Hellerau. (121} — Der Verfasser, ein oberschlesischer Lehrer, schreibt im Vorwort: „Ich war vom 20. Juli 1916 bis zum 3 März 1920 in französischer Gefangenschaft. Das sind drei Jahve und 225 Tage, eine tote Zeit, eine Lücke in meinem Leben, von der zu berichten ich hier versuche. Aber wie soll man eine Lücke schildern? Was mir von dem Erlebnis jener Tage im Gedächtnis haften blieb, habe ich zu Papier gebracht. Vieles war schlimmer, als ich es heute sehe. Es gibt gute und böse Menschen hüben wie drüben." — Kaluza, der bereits einen Gedichtband „Der Grillengarten" veröffentlicht hat, erhielt für das vorliegende Buch den Cichendorff- Preis, was auf den ersten Blick (aus stofflichen Gründen) merkwürdig anmutet, indessen gerechtfertigt erscheint nicht sowohl durch den Hinweis auf jene frühere, lyrische Sammlung als vielmehr durch die menschliche und künstlerische Haltung, welche diese sehr sachlich, ehrlich und chronikalisch wirkende Schilderung auszeichnet. Politik und Geschichte. — Hermann Müller-Franken: „D i e Rovemberrevolution", Erinnerungen, zweite durchgesehene Auflage, in Ganzleinen Preis 5,50 Mark, Verlag „Der Dücherkreis". Berlin SW 61. — Der kürzlich verstorbene Reichskanzler H. Müller-Franken, der als Vorstandsmitglied der sozialdemokratischen Partei di« Ereignisse des Rovembers 1918 in Berlin, Hamburg und Kiel in der politischen Schußlinie mitgemacht hat, gibt hier keine Geschichte der Revolution, sondern seine persönlichen Erinnerungen an die ersten Monate nach dem Umsturz. Sehr nüchtern und schmucklos, ohne jede Phrase erzählt Hermann Müller an Hand einer Fülle interessanten dokumentarischen Materials die politischen Vorgänge. Rur selten übt er Kritik oder gibt, wie z. B. bei der Schilderung des Rats der Volksbeauftragten oder des Vollzugsrats, dem er selbst eine Zeitlang angehorte, sehr prägnante Charakteristiken der damals im Vordergrund des Interesses stehenden Persönlichkeiten. Das Buch, von dem soeben eine Reuauflage erschien, ist eine wertvolle Quelle für die Geschichte des Zusammenbruchs. (85) — Victor Margueritte: „Vater- l a n d", kart. 3,75 Mark. Verlag Ernst Rowohlt, AG, Berlin W 50. (86). — Victor Margueritte, ehemaliger Offizier, bekannter Schriftsteller, kämpft in diesem Buch gegen das Friedensdiktat von Versailles. In der Niederlegung der Zollschranken und der Durchführung der Abrüstung, schließlich in der Revision der Reparationsfragen sieht er die Voraussetzungen für einen Zusammenschluß Europas ohne den, nach seiner Meinung unser Kontinent aus dem Chaos nicht herauskommen wird. politische Romane. — Junius Alter: „Rie wieder Krieg?!" Ein Blick in Deutschlands Zukunft. Kart. 2,85 Mark. Verlag K. F. Koehler, Leipzig. (88) — Der Verfasser hat sich an einen politischen Zukunftsroman herangewagt, der an Phantasie nichts zu wünschen übrig läßt. Sowjetrußland greift, um die Einkreisung der kapitalistischen Mächte unter Führung Englands zu durchbrechen, überraschend Polen an, Frankreich kommt den Polen zu Hilfe und jetzt entsteht für Deutschland die Frage, ob es nach dem ominösen Artikel 16 der Völkerbundsalte verpflichtet ist, den Durchmarsch der französischen Armee zu gestatten. In Deutschland denkt sich der Verfasser einen Chef der Heeresleitung, der sich auch politisch alle Fäden in die Hand spielt, das parlamentarische Regime matt seht und ein nationales Direktorium errichtet. Dieses voltigiert dann solange zwischen Frankreich und Rußland', bis Italien Frankreich angreift und namentlich in Rordafrika große Erfolge erzielt. Auch auf dem Balkan treten die Bündnisse automatisch in Kraft, so daß der schönste Weltkrieg im Gange ist, der sich nun auf wenigen Seiten des phantasie- vollen Buches ohne große Schwierigkeiten abrollt. Damit Deutschland nicht zum Kriegsschauplatz wird, müssen die russischen Armeen den kleinen Umweg durch Böhmen zur burgundischen Pforte machen, während das französische Heer im Weserbergland aufmarschiert ist und nun im Rückzug das im Volkskrieg auf lodernde Westdeutschland die Grenze gewinnen muß. In Paris natürlich Panik ob der Erstürmung Belforts und der italienischen Siege in den Meeralven und in Afrika, Sturz der Regierung, ein Linkskabinett sucht Friede. Auf der Friedenskonferenz von London wird dann unter englischem Vorsitz die Landkarte Europas wieder in Ordnung gebracht. — Man weiß nicht, was mehr zu bewundern ist, die hemmungslose Phantasie des Verfassers, oder die gläubige Begeisterung, die keinerlei Schwierigkeiten kennt und auch für die kompliziertesten Dinge um kein Rezept verlegen ist. Wir fürchten, der Verfasser hat sich die Sache doch etwas leicht gemacht und seinem Volke mit seinem Blick in die Zukunft keinen guten Dienst getan. Der Krieg, den er uns schildert, könnte doch ein wenig anders verlaufen, ganz zu schweigen von den innerpolitischen Vorgängen, die mit geradezu kindlicher Unbekümmertheit konstruiert sind. — Hans Fallada: Dauern, Bonzen und Bomben. Roman. 565 S. 8°. Einbandzeichnung: Olaf Gulbransson. Kart. 6, Leinen 8,50 Mark. C. Rowohlt Verlag, Berlin 1931. (96.) — Harrs Fallada (Pseudonym für Rudolf Ditzen, geboren 1893) hat bereits die Romane „Der junge Goedeschal" (1920) und „Anton und Gerda" (1923) veröffentlicht. Auch dieses neue Buch ist ein Roman, „ein Werk der Phantasie", wie der Autor im kurzen Vorwort ausdrücklich betont; gleichwohl ist es nicht schwierig, die dokumentarisch feststehenden Grundlagen seiner Schilderung, welche nur den Schauplatz ein wenig verschiebt, in der holsteinischen Dauernrevo'te und den damit zusammenhängenden Tombenlegerprozessen zu finden, die vor einiger Zeit beträchtliches öffentliches Aufsehen erregten. Trotz der betontem freien Erfindung und trotz vieler Unwahrscheinlichkeiten beweist die Erzählung so viel genaue, bis in Einzelheiten und Kleinigkeiten reichende Sachkermtnis, daß es schwer fällt, den Anteil von Dichtung und Wahrheit an diesem Epos reinlich zu scheiden. Jedenfalls bleibt der Eindruck bestehen, daß der Autor (was schon sein int „Kürschner" angegebener Wohnsitz wahrscheinlich macht) den Vorgängen seinerzeit aus nächster Rähe bis in ihre intimsten Hintergründe und geheimsten Beziehungen mit wacher Aufmerksamkeit spürsinnig und mit ziemlicher Objektivität gefolgt ist. Ohne Zweifel ist auch dieses umfängliche Buch so geschickt und mit einem bis zuletzt nicht aus- setzenden Elan geschrieben, daß man es wie einen Kriminalroman (was es ja unter anderem auch ist) mit außerordentlicher Spannung zu Ende lieft Der Genuß der Lektüre wird allerdings vielfach empfindlich getrübt durch eine brutale und stellenweise einfach unappetitlich wirkende Realistik der Einzeldarstellung, die mit Objektivität im erwähnten Sinne nichts mehr zu tun hat: jedenfalls wäre das Buch wesentlich angenehmer zu lesen, wenn mit Ausdrücken wie „Schwein" ober „Mist" und manchen anderen Kraftstellen etwas sparsamer umgegangen worden wäre, ... was der Eindringlichkeit der Schilderung gewiß keinen Abtrag getan hätte. -y- Oer Gießener Voranschlag für 1931. Cs ist ein betrübliches Kapitel der Gießener Kommunalgeschichte, das sich in dem st ä d t i - schen Haushaltsvoranschlag für 1931 vor den Augen der Bürgerschaft entrollt. Zwar hat sich die Schluhsumme des künftigen Haushalts- Plaues gegen das Borjahr um rund 500 0Ö0 Mk. ermäßigt, da der neue Voranschlag mit Z 351 646 Mark gegen 7 872 592 Mark abschließt. Qlbcr man darf dabei nicht übersehen, daß diese Minderung bei der Vermögensrechnung in Erscheinung tritt (für das neue Haushaltsjahr 894 731 Mark gegen 1 442 275 Mark im Vorjahr), während die Betriebsrechnung für 1931 eine geringe Steigerung auf weist (6 456 914 Mark gegen 6 430 317 Mark im Vorjahre). Aus dieser Gestaltung des Zahlenbildes ist ersichtlich, daß die Schaffung neuer Werte für unser Gemeinwesen auch im neuen Rechnungsjahre nahezu stillgelegt fein wird, eine Entwicklung, die für unsere heimische Wirtschaft wenig erfreulich ist. Kleber die Einzelheiten des neuen Haushaltsplanes an dieser Stelle ausführlicher zu sprechen und Vorschläge zur Umgestaltung oder Erweiterung nach dieser oder jener Richtung hin zu machen, erscheint uns heute überflüssig angesichts der Tatsache, daß der Voranschlag als ein Pro - dukt der kommunalen Rotverhält- n i s s e unserer Zeit erst nach wochenlangen Beratungen der Stadtverwaltung und des Finanzausschusses des Stadtrats zustande gebracht tource und jetzt schon so gut wie endgültig ist, obwohl ihn der Stadtrat erst am nächsten Freitag formell verabschieden soll. Wir wollen uns darauf be- schränken, einige Hauptgesichtspunkte in den Mittelpunkt der Betrachtungen zu stellen. Hierbei ist besonders mit Bedauern zu erwähnen, daß es der Stadtverwaltung und dem Finanzausschuß trotz eifrigster Bemühungen nicht gelungen ist. einen Voranschlag vorzulegen, bei dem die Ausgaben durch die Einnahmen Deckung finden. Zum ersten Wale in unserer Stadt liegt ein Haushaltsentwurf mit einem ungedeckten Fehlbetrag vor. dessen Höhe sich auf die erhebliche Summe von 304 000 Mark beläuft. Es wäre verfehlt, für diese Sachlage die Stadtverwaltung oder den Finanzausschuß des Stadtrats verantwortlich machen zu wollen. Die Schuld liegt vielmehr an den unheilvollen Verhältnissen, die durch die Finanzpolitik des Reiches für die Kommunen eingetreten sind und die ab- Auänöem außerhalb der Machtverhältnisse der Kommunalverwaltungen liegt. Der Fehlbetrag soll zunächst durch einen ileberb rüdungS- f r e b i t zu Lasten der Dermögensrechnung gedeckt werden, der bei der Wiederkehr günstigerer Verhältnisse aus Betriebsmitteln zurückerstattet werden soll. Man wird also jetzt den Weg gehen, den wir im Dezember v. 3. bei den damaligen Haushaltsschwierigkeiten bereits vorschlugen: der Unterschied ist jetzt nur der, daß mittlerweile die kommunalen Finanzverhältnisse noch schwieriger geworden sind, als sie sich damals barboten. Man muß sich natürlich barüber klar sein, daß ein solcher Kredit mit neuen Belastungen für bie Stadt in Gestalt von Zins- Verpflichtungen usw. verbunden ist, aber annehmbarer erscheint dieser Weg immer noch als eine weitere und in ihrem Ausmaß außerordentlich hohe Heranziehung der Dürgersteuer, Getränkesteuer oder der Werktarife, wie dies in manchen anderen Kommunen geschehen soll. Für dieGegen- trart kommt es jedenfalls darauf nn, im Bereiche der kommunalen Finanzpolitik eine Entwicklung zu verhüten, die geeignet wäre, den Lebens- . ftanbarb der Bürger und das Wirtschaftsleben noch weiter herunterzudrücken. Wir möchten ba- l her. trotz aller finanztechnischen Bedenken gegen einen äleberbrückungskredit, der Ansicht zustim- 7 men. daß die jetzt vorgesehene Lösung der Dek- kungsfrage als die annehmbarere zu betrachten ist. Ein weiteres schmerzliches Merkmal des neuen Voranschlages ist, wie die Stadtverwaltung in ihrem Expose zum Haushaltsentwurf mit Recht hervorgehoben hat, die gewaltige Steigerung der Wohlfahrtslasten. Selbstverständlich liegt es u; s fern, — wie wir schon wiederholt zum Ausdruck gebracht haben —. gegen die . Hilfeleistung der Stadt an bie infolge der allgemeinen Wirtschaftsnot schwer bedrängten Mitbürger etwas einzuwenden. Aber vom Standpunkt der kommunalen Finanzwirtschaft aus muh mit ernster Sorge bie Forberung erhoben werben, bah nun endlich wirksame Maßnahmen Geltung erlangen, die einer weiteren Entwicklung auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege in der bisherigen Richtung einen wirksamen Riegel vorschieben. Diese Forderung richtet sich an die Reichs- gesehgebung und an die Länder. Sie wird in unserem Falle zur Genüge begründet durch bie Tatsache, baß die Aufwendungen für die Gießener Wohlfahrtspflege gegenüber den Ansätzen des vorjährigen Voranschlages um 475 313 Mark gestiegen sind, nämlich von 869 629 Mark im Rechnungsjahr 1930 auf 1 344 942 Mark für das Rechnungsjahr 1931. Wie die Stadtverwaltung in ihren Bemerkungen zum neuen Voranschlag (Ar. 83 des „Gießener Anzeigers" vom 16. April) mit Rachdruck hervorhebt, und wie wir in unserem Artikel „Kommunalfinanzen und steigende Fürsorgelast" in Rr. 62 des „Gießener Anzeigers" vom 14. März ebenfalls schon aussührten, ist es angesichts der ganzen Entwicklung der öffentlichen Finanzwirtschaft heute dringender als je zuvor, daß das Reich und die Länder an den Lasten der Fürsorge für die Wohlfahrtserwerbslosen beteiligt werden. Der in unserem Artikel in Rr. 62 besprochene und auch von der S adtverwaltung vertretene Vorschlag des Deutschen Städtetages an bie Reichsregierung sei heute noch einmal mit allem Emst und Rach- druck unterstützt, denn die dort vorgeschlagerve Regelung entspricht nicht nur den Erfordernissen der Gerechtigkeit, sondern sie liegt auch im w o h l- verstandenen Interesse des Reiches, dem alle Saniemngsmahnahmen zu Gunsten seiner Finanzen nichts helfen werden, wenn dabei die kommunale Finanzwirtschaft zusammenbricht. Die Beteiligung deS Reiches und der Länder an den Fürsorgelasten für die Wohlfahrtserwerbslosen ist von solcher Dringlichkeit, daß ihre Verwirklichung nicht bis zum Wieberzusammentritt bes Reichstages im Herbst aufgeschoben werden kann. Die Rotverordnungsma s ch ine möge auch hierin recht schnell in Gang gesetzt werden, ehe es zu spät ist. Die Stadtverwaltung und der Finanzausschuß haben sich in anerkennenswerter Weise bemüht, im neuen Haushalt die Ausgaben inschärs- ster Weise zu drosseln. Man ist babei sogar vor Abstrichen nicht zurückgeschreckt, die ganz außerordentlich empfindlich sind und unter normalen Verhältnissen nicht zu vertreten wären. Weiter als jetzt geschehen, wird man nun nicht mehr gehen können. Als ein Beispiel für die Strenge der Sparmaßnahmen weist die Stadtverwaltung auf die Abstriche beim Stadt- tfje a t e r hin, dessen Zuschuß auf 50000 Mark herabgesetzt worden ist. Dem Theaterdezernat wurde dabei die Verpflichtung auferlegt, m i t dieser Zuschußleistung unter allen Umständen auszukommen. Wcr die Anforderungen an ein gut geleitetes Theater kennt — und ein solches Kunstinstitut wollen und müssen w'.r uns unter allen Umständen erhalten — wird zugeben, daß es sich bei der jetzigen Beschränkung des Zuschusses, der sich bisher alljährlich auf rund 90 000 Mark belief, unb bei der harten Verpflichtung für das Theaterdezernat um eine sehr drückende Maßnahme handelt. Unter diesen Umständen wird es der Intendanz des Theaters natürlich außerordentlich schwer werden, die bisherige Linie der Leistungen unserer Bühne einzuhalten. Wir dürfen aber wohl bie Ueber- zeugung haben, baß ber Intendant Dr. Prasch von sich aus alles tun wirb, um einen Abstieg unserer Bühne von bem bisherigen Riveau zu vermeiden, vielmehr auch unter den einschneidend veränderten Finanzverhältnissen bie gute k ü n st- lerische Produktivität des Theaters wie bisher der Bürgerschaft zu bieten. Ein sehr wesentlicher Faktor für das Gelingen dieser schweren Aufgabe wird das Publikum selbst sein. Mehr als je zuvor kommt es jetzt darauf an, daß die Bürgerschaft für i h r Theater nicht nur den Standpunkt des Wünschens und Forderns, sondern auch den des Opferns einnimmt, des Ovferns nach ber Richtung hin, baß sie dem Theater fortlaufend ihre praktische Mithilfe in Gestalt von reger Beteiligung am Abonnement und in eifriger Propagierung unserer Bühne erblickt. Eine solche praktische Mitarbeit an der Erhaltung unseres Theaters darf auch lein Strohfeuer sein, das schnell aufflammt unb bald wieder erlischt, sondern sie muh eine Erscheinung von Dauer darstellen, selbst unter den gegenwärtigen ungünstigen Zeitverhältnissen. Die Bürgerschaft muß sich darüber klar sein, daß sie bei einer solchen Haltung gegenüber dem Stadttheater nicht etwa der Stadtverwaltung, der Intendanz oder dem Theaterpersonal zuliebe etwas tut, sondern bah sie sich selbst mit ber Erhaltung ihrer Bühne und mit ber Wahrung des bisherigen Riveaus dieses bedeutsamen Gießener Kulturfaktors den besten Dienst erweist. Ein kurzes Wort sei zum Schluh noch über die kommunale Besteuerung gesagt, soweit sie im Rahmen des Voranschlages Reues bringt. Wer sich bie Tragweite und Den starken sachlichen Gehalt der Ausführungen der Stadtverwaltung zum neuen Voranschlag in der rechten Weise vergegenwärtigt, wirb zugeben müssen, dah die von der Stadtverwaltung unb dem Finanzausschuß ins Auge gefaßte Regelung der kommunalen Besteuerung unter den gegenwärtigen Verhältnissen als annehmbar anzusehen ist, weil eben eine andere günstigere L ö s u n g s m ö g l ich ke i t zur Zeit nicht besteht. Die Inanspruchnähme der Bürgerschaft in dieser Hinsicht ist noch erheblich hinter bem Stand zurückgeblieben, den man in anderen Gemeinden vielfach eingenommen hat. Unter diesem Gesichtspunkt muß man auch die lOOProzentige Erhöhung der Dürgersteuer, die erhöhte Dier- steuer und die Beibehaltung der Getränkesteuer betrachten. Für unser Gemeinwesen ist es jedenfalls besser, der jetzt vorgeschlagenen Regelung zuzustimmen, als es wieder darauf ankommen zu lassen, dah erneut ein Staatskommissar in diktatorischer Weise das entscheidende Machtwort zu sprechen hätte. Wirtschaft. Völlige Stillegung bei Bamag-Meguin in Buhbach? Butzbach, 21.April. Wie WTB.'Handelsdienst erfährt, ist die Stadtverwaltung von Butzbach energisch bestrebt, durch Verhandlungen mit den zuständigen Stellen die völlige Stillegung der Firma Bamag-Meguin zu verhindern. Insbesondere ist die Erhaltung der Abteilung Eisenbahnbedarf (Schwellen und Weichenbau) ins Auge gefaßt. Die Stadtverwaltung führt zusammen mit Vertretern der Firma Bamag-Meguin, Berlin, bei den zuständigen Behörden entsprechende Verhandlungen, die jedoch infolge der schlechten Wirtschaftslage und insbesondere wegen der ungünstigen Betriebsverhältnisse des hiesigen Werks sich recht schwie. rig gestalten. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 22. April. Tendenz schwächer, im Verlause erholt. Die heutige Bö.se eröffnete to?gcn des gestrigen schwachen Schlusses in Reuyork in abgeschwächter Haltung, nachdem noch an der gestrigen Abendbörse weitere Befestigungen zu verzeichnen waren. Die Spekulation bekundete stärkere Zurückhaltung, da von außen her keine Käufe Vorgelegen haben und auch das Ergebnis des Volksbegehrens verstimmte. Bei sehr geringer ilmfaht'itigfeit lagen die ersten Dotierungen durchschnittlich 2 P r o - zent schwächer. Starke Kurseinbußen hatten am ©leftromarlt AEG. und Siemens, die bis 3.5 Prozent nachgaben, Schlickert lagen relativ behauptet. Deutsche Linoleum und Karstadt lagen mit je 3.5 Proz. stärker im Angebot. Von Kunstseidewerten gaben Aku 1,5 und Demberg 2,5 Prozent nach. I.-G.-Farben setzten 2 Proz. unb Deutsche Erdöl 1,5 Proz. niedriger ein. Vollkommen geschäftslos lag der Montanmarkt, die Kurse wurden ebenfalls bis 2,5 Proz. schwächer taxiert Bankaktien eröffneten bei kleinem Geschäft bis 0,75 Prvz. abgeschwächt, während Schiff- sahrtswerte behauptet blieben. Fernes gaben noch Holzmann und Zellstoff Aschaffenburg bis 1,75 Prozent nach. Fester eröffneten nur Wayß & Freytag mit plus 1 Proz. Auch nach den ersten Kursen hielt die Abgabeneigung eher an, besonders Demberg verloren erneut 2 Prozent. Tas Geschäft kam fast vollständig zum Stillstand. Von Renten lagen Altbesitz 0,13 Proz. niedriger. Der Psandbriefmarkt lag ruhig und kaum verändert. Im Verlause konnte sich die Stimmung wieder merklich bessern. Die Kulisse schritt zu Rückdeckungen, so daß nicht nur die ersten Kurse wieder erreicht, sondern teilweise bis 2 Prozent überschritten wurden. Däs Geschäft konnte sich leicht beleben. Demberg holten einen Teil ihres Verlustes wieder zurück. Am Geldmarkt trat eine weitere Erleichterung ein, so daß der Satz auf 3.5 Proz. ermäßigt tourte. Am Devisenmarkt konnte sich die Mark nach den Abschwächungen von gestern wieder etwas befestigen. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1998, gegen Pfund 20,4075, London gegen Reuyork 4,8592, gegm Paris 124 30, gegen Mailand 92,80, gegen Madrid 48,90, gegen Schweiz 25,2290, gegen Holland 12,10. Berliner Börse. Derlin, 22. Apr'l. Richt das durchgekommene Volksbegehren, sondern in der Hauptsache das sehr schwache Reuyork von gestern bewirkte im heutigen Verkehr eine sehr unsichere Stimmung, die zu Beginn der offiziellen Börse eine ziemlich schwache Tendenz zeitigte. Kunstseidewerte verloren auf schlechte Absahrneldungen 6 Prozent, da die Ausführungen in den heutigen Generalversammlungen, die zuversichtlicher lauteten, noch nicht bekannt waren. Ein weiteres verstimmendes Moment war die anhaltende Baisse am Metallmarkt: auch daß die Kunstseideverhandlungen sich nun doch voraussichtlich langwieriger gestalten würden als man annahm, trug zur Zurückhaltung der Kulisse bei und hatte Kursrückgänge von 2 bis 3 Prozent zur Folge. Hamburg-Süd, Hirschkupser, Bemberg. Schultheiß, Karstadt, Svenska, Berger und Siemens tagen bis 4 Prozent, Rheinische Braunkohlen 4 Prozent niedriger und Kaliwerte bis 6,75 Prozent gedrückt. Durch feste Haltung fielen Elektro Schlesien mit plus 3 Prozent und Schan- tung mit plus 2,5 Prozent auf. Anleihen eher abbröckelnd, Ausländer ruhig, Pfandbriefe kaum verändert. Die Geldfähe erhielten sich auf der Dortagshöhe. Im Verlaufe erfuhren die Kurse weitere kleinere Abschwächungen. Später traten, vom Kalimarkt ausgehend, an dem die Besserungen bis 4 Prozent betrugen, allgemeine Erholungen ein, da die Spekulation sich durch Käufe mehrerer Großbanken zu Deckungen veranlaßt sah. Frankfurter Getreidebörse. F r a n f f u r ta. M, 22. April. Es wurden notiert: Weiten 307,50; Roggen 217 bis 220; Hafer, iirländischer, 212,50 bis 215; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 43,50 bis 44,50; Roggenmehl 30 bis 32; Weizenkleie 12,50; Roggenkleie 13,25 bis 13,50. — Tendenz: Stetig. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 21. April. Die durch die Drotpreis- erhohung geschaffene Situation und das bevorstehende Wiedcrz^lsammentreten des Reichskabinetts verursachten am heutigen Produktenmarkte stärkere älnsicherheit, so dah im handelsrechtlichen Lieferungsgeschäft verschiedentlich Realisationen erfolgten. Weizen setzte 1 bis 2 Mark, Roggen in allen Sichten 2 Mark niedriger ein, auch Hafer war bis um 2 Mark abgeschwächt. Am Promptmarkte hielt sich die ülmsahtätigkeit, angesichts der vorsichtigen Kauftaktik der Mühlen, in engen Grenzen. Das Weizenangebot trat etwas mehr in Erscheinung, während Roggen von der ersten Hand, infolge der Feldarbeiten, keineswegs reichlicher angeboten wird. Den wenig veränderten Forderungen standen 1 bis 2 Mark niedrigere Gebote gegenüber. Das Weizenmehl- geschäft stagniert fast völlig, auch für Roggenmehl sind die Käufer heute etwas zurückhaltender; die Forderungen lauten unverändert. Die Gebote für Hafer sind im Anschluß an den Rückgang der Lieserungspreise ermäßigt. Gerste liegt ruhig, aber stetig. Es notierten (1000 Kilo): Weizen, märkischer, 283 bis 230 (fest), Mai 302,50 bis 302, Juli 300, September 252,75; Roggen, märkischer 194 bis 196 (fest), Mai 205 bis 205,25, Juli 200,50, September 189 bis 189,50 (Geld); Braugerste 245 bis 252 (fest), Futter- und Industriegerste 230 bis 244; Hafer, märkischer 181 bis 188 (fest), Mal 193 bis 197,25, Juli 203,50. (100 Kilo): Weizenmehl 34,75 bis 40,50 (stetig); Rog- genmchl 26,80 bis 29 (stetig); Weizenklcie 13,25 bis 13,50 (fest); Roggenkleie 13,75 bis 14,25 (fest); Viktoriaerbsen 24 bis 29; kleine Speiseerbsen 23 bis 27; Futtererbsen 19 bis 21; Peluschken 25 bis 30; Alckerbohnen 19 bis 21; Wicken 23 bis 26; Lupinen, blaue 13,50 bis 15,50; Lupinen, gelbe 22 bis 26; Serradelle, neue 66 bis 70; Rapskuchen 9,80 bis 10,20; Leinkuchen 14,10 bis 14,30; Trockenschnitzel 7,80 bis 8; Sojaschrot 14,20 bis 14,90; Kartoffelflocken 15,50 bis 16. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 28 vom 17. April enthält: Rechnung der Kreiskasfe für das Rechnungsjahr 1927. — Abänderung der Ausführungsverordnung zum Fi- schereigeseh. — Tarif für die Benutzung der Abdeckerei in Garbenteich. — Die Gewährung von Ruhegehalten an Hebammen. — Feldbereinigung in Großen-Duseck. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H.. Lombardzinsfuß 6 o. H. firantfurt a. m. ZJfriin Schluß- für« 1-Uhr- flurd Schluß- kure Ansa. g« 4?ur4 Datum 21.4 22-4. 21.4. 22.4. 6% Deutsche Neichsaruelhe ton 1927 ......... 84,75 — 84,75 7% Deutsche Reichranleihe von 1929 ....... 100 -__ 100 leuiftfie Anl.-Slblöl^Schuld mit 58,4 6,45 58,1 58 6,47 58,13 6,4 Seifll. ohne Ansios^Rechtr . . 8% Hel«. ©olUftaat von 1929 (rüdtahlb. 102%)...... 95,25 — 95,5 Cbftbcflcn Trooini • Anleihe mit Öuelof^Sfditen...... 56,5 — Seutichf Komm. SamtnelabL Anleihe Serie 1 .... 57 _ 57 6% Rtanlf. Hnv.-Bank Goldpse XIII unlünvbar bis 1034 . . . 101,5 — — — 7% ftian(|. Hop^Bank Goldpse üntünDbor bis 1932 ..... 95,75 - —— -__ t 7,ollgrid « iSS 112'8 112. 10-57* 22.015 90,427 4,2035 16.« 80,97 41,69 2,077 0,295 59,11 1 ,446 392 73.28 ,046 18,90 iS ,445 4j 20,’’ fühtt und in den Fluß geworfen hat, wo sie ertrank. Den Vorsitz in der heutigen Verhandlung führte Landgerichtsdirektor Cramer, Beisitzer waren Landgerichterat Neuroth, Landaerichtsrat Locher und sechs Geschworene; die Anklage vertrat Staatsanwatt Dr. Eckert, die Verteidigung führte Rechtsanwalt E n g i s ch. lieber den Fall, der in Oberhessen Aussehen und berechtigte Entrüstung erregt hat, haben wir seinerzeit berichtet. Martha Peppel, die Tochter eines Landwirts in Ober-Seemen, ein lebensfrohes, schönes, kräftiges, fleißiges Mädchen, war ick der Familie eines Arztes in A l t e n st a d t bedienstet gewesen und hatte am 2. Januar bei einem Rechtsanwalt in Ortenberg eine neue Stelle angetreten. Am Sonntag, 4. Januar, um 20.30 Uhr war sie von einem unbekannten jungen Mann in langem Mantel und dunklem, weichem Hut, der ein Rennrad bei sich hatte, abgeholt worden und seitdem verschwunden. Am Dienstagmittag wurde nach verzweifeltem Suchen ihres Vaters und eines Verwandten ihre Leiche aus der Nidder gezogen. Spuren an einem Transformatorenhäuschen deuteten darauf hin, daß das Mädchen dort von einem Manne ins Wasser geschleift worden war. Die Stralverfolgungsbehörden nahmen die Ermittelungen sofort auf, und noch am gleichen Abend wurde der heute angeklagte Lehr, Sohn eines wohlhabenden Landwirts in Altenstadt, in der väterlichen Hofreite vorläufig festgenommen und vierundzwanzig Stunden später vom Amtegericht Ortenberg verhaftet. Er leugnete hartnäckig, gestand aber nach Abschluß der Ermittelungen, das Mädchen, seine gewesene Geliebte, die ihn als Vater ihres kommenden Kindes in Anspruch nahm, ins Wasser geworfen zu haben, um sie loszuwerden. Auch heute vor dem Schwurgericht gestand er die Tat ein, suchte sich aber darauf herauszu- retnfn, daß er in einer Art Verwirrung ohne lieber« legung gehandelt fjabe. Er ist ein stattlicher, wohl- gebauter Mensch, wohlerzogen und nicht ungebildet; er hat die Landwirtschaftsschule in Büdingen mit gutem Erfolg besucht. Auffallend an ihm ist. seine vollkommene Ruhe und Gelassenheit, Eigenschaften, die er auch, wie die Zeugen bekunden, früher stets gezeigt hat: er war immer nüchtern, zurückhaltend, niemals gereizt und sehr sparsam; non dem kleinen Taschengeld, das er erhielt, hat er sich über dreißig Mark gespart. Bei der Altenstädter Kirchweih, im Oktober vergangenen Jahres, hatte er mit der Martha Pep - pel intimen Verkehr; kurz vor ihrer Abreise nach Ortenberg gestand sie ihm, daß sie in andere Umstände geraten sei. Er sagte ihr, wenn sie in Ortenberg sei, wolle er sie besuchen und sie wollten über die Sache sprechen. Am Sonntagmittag fuhr er hin und kündigte ihr seinen Besuch für den Abend an. Abends fuhr er mit einem Rad, das er sich von einem Freund geliehen hatte, nach der nächsten Station Lindheim und von da mit dem Zug nach Ortenberg; dort begab er sich sofort an das Haus, hi dem das Mädchen wohnte und hielt sich dort, ohne sich irgendwie bemerkbar zu machen, über eine Stunde auf der Straße auf, in feinem langen Mantel mit hochgeschlagenem Kragen, den Hut tief ins Gesicht gedrückt, beim Herannahen von Pasfanten immer Stellungen einnehmend, daß man ihm nickt ins Gesicht sehen konnte. Als das Mädchen um 20.30 Uhr herunterkam, ging er mit ihm zusammen sofort den Weg nach Selters entlang. Auf dem Wege frug er sie, ob sie sicher sei, daß das Kind von ihm stamme, d. h. ob sie sich (was bekanntlich den Unter- Haltsanspruch ausschließt) auch mit andern Männern intim eingelassen habe. Martha Peppel verneinte dies. Nun schlug er vor, angeblich zum Schutz gegen den Regen — es war ein windiger Tag mit gelegentlichen schwachen Regenfällen — nach einem Transformatorenhäuschen dicht bei der Nidder zu gehen, obwohl ein offener Schuppen weit bessere Unterkunft geboten hätte. An dem Häuschen führte er das Mädchen an die nach der Nidder zu gelegene Seite und hielt sich dort wenigstens eine halbe Stunde lang mit ihr auf. Er drang wieder in sie mit der Frage, ob er auch sicher der Vater des Kindes sei. Das Mädchen habe geweint, er habe sie geküßt und sie sei „gerade wie zusammengebrochen". Nun sei ihm der Gedanke gekommen, sie ins Wasser zu werfen, um sie und seine Verpflichtungen loszuwerden. Er habe sie noch einige Zeit gehalten, sie dann ans Wasser geschleift und bineingeroorfen. Er sei überzeugt gewesen, die Sache werde nicht herauskommen. Alles in allem will er erregt und verwirrt gewesen sein, gibt aber dann wieder zu, daß er sich am Ufer stehend noch überzeugte, wie das Mädchen unter der Brücke hindurchtrieb. Dann fuhr er auf dem Rad nach Hause, verabredete sich mit einem Zepgen, den er zufällig traf, zu einem gemeinsamen Gang ins Wirtshaus und versäumte nicht, ein Tablett mit Gläsern, das der Wirt seinen Elten geliehen hatte, mitzunehmen und abzugeben. Im 'Wirtshaus saß er mit einigen Zeugen, von denen ihm keiner etwas anmerkte, zusammen und unterhielt sich mit ihnen über gleichgültige Dinge. Dann ging er nach Hause unb hat seiner eignen Angabe nach gut geschlafen. Als er zwei Tage danach, kurz vor seiner Verhaftung, beim Dickwurzabladen hörte, daß die Martha Peppel verschwunden sei und gesucht werde, meinte er kaltblütig: „Da ist auch wieder ein« weniger." Bei der Gegenüberstellung mit der Leiche des Mädchens in der Leichenhalle in Ortenberg benahm er sich derart gleichgültig und kaltblütig, daß den mit der Unterfiufjung betrauten Beamten Zweifel an seiner Täterschaft kamen. Auch im Untersuchungsgefängnis in Ortenberg und später in Gießen zeigte er sich vollkommen kaltblütig und reuelos. In eingehender Verhandlung — es wurden gegen dreißig Zeugen und drei Sachverständige vernommen — wurden die persönlichen Verhältnisse des Angeklagten, seines Opfers, und die älmstände vor, bei und nach der Tat eingehend aufgeklärt. Rach den übereinsttmmenden Gutachten der beiden Gerichtsärzte, Medizinalrat Dr. Balser und Medizinalrat Dr. Meyer, ist Martha P. durch den Wurf ins kalte Wasser, vielleicht in Verbindung mit dem Schreck über das gräßliche Verhalten ihres Geliebten, schlagartig am Schock gestorben. Ober-Medizinalrat Dr. Z i n h e r bezeichnete den Angeklagten als voll verantwortlich. Staatsanwalt Dr. Eckert legte in eingehenden Ausführungen dar, daß nach der ganzen Veranlagung des Angeklagten, nach seinem Verhalten vor der Tat, nach seinen eignen Angaben über die Tat und namentlich nach seinem Verhalten nach dem Verbrechen ausschließlich Mord, vorsätzlich und mit Ueberlegimg aus- Aenderungen in der deutschen Nationalelf. Die deutsche Fußball-Repräsentative für Holland mußte einige Aenderungen erfahren. Zunächst sagte der Aachener Mittelläufer Münzenberg ab, an dessen Stelle man den Berliner Kauer setzte. Den als Ersatzmann vorgesehenen Dresdener Stössel zog man dafür als rechten Läufer heran. Am meisten Sorge bereitete die Absage des Frankfurter Rotweiß-Tor- hüters Kreß, der wegen des Trostrundenspieles Rot- wciß Frankfurt gegen Phönix Ludwigshafen an dem Länderspiel gegen Holland nicht teilnehmen sollte. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß dieses Trost» rundenspiel verlegt wird, so daß Kreß spielen kann. ... unb Westdeutschlands Vertretung gegen Luxemburg. Zu dem am kommenden Sonntag in Luxemburg stattfindenden Fußballkampf zwischen Westdeutschland und Luxemburg wird der Westdeutsche Spielverband mit der folgenden Mannschaft antreten: Stahl-Köln/Vingst; Graffmann-Meiderich, Lepper- Münster; Jones-Düsseldorf, Kluck Rheine, Schürzel- Barmen; Ullrich - Köln/Sülz, Zarges - Köln/Sülz, Schmitz-Odenkirchen, Köhler-Düsseldorf, Kobierski- Düsseldorf. Aus dem Turngau Hessen (D.T.) Waldlauf im 5. Bezirk. Unter Leitung von Dezirksturnwart Gabler. Friedbexg, nahm am Sonntag in dem idealen Gelände des Hochwaldes bei Bad-Rauheim der Frühjahrswaldlauf des 5. Bezirks im Turngau Hessen bei der vom Tv. 1860 Bad- Rauheim gut durchgeführlen Streckenkontrolle einen reibungslosen Verlauf. Die Beteiligung war geringer als im Vorjahre, dafür wurden — trotz kalter, unfreundlicher Witterung — bedeutend bessere Leistungen gezeigt. Rachstehend folgt ein äleberblick über die Ergebnisse mit einem Auszug aus der E'egerliste: Turner, 5 0 0 0 Meter (14 Bewerber, 10 Sieger): 1. Kuno May. Tv. 1860 Bad-Rauheim. 16 Min. 46 Sek.; 2. H. Stein, Tv. 1860 Bad- Rauheim, 16 Min. 52.6 Sekunden; 3. Heinrich Reuter, Tv. Rieder-Mörlen, 17 Min. 4,1 Sek.; 5. K. Buß, Tv. Holzheim; 6. L. Müller, Tv. Griedel; 8.R. Bender und W. Bopp, Tv. Griedel. — 2m Mannschaftskampfe siegte Tv. 1860 Bad-Rauhe im mit 7 Punkten; an zweiter Stelle folgte Tv. Griedel mit 22 Punkten. Jugendturner-Ober stufe, 2500 Me - ter (14 Bewerber, 9 Sieger): 1. Paul Ehrig, Tgrn. Friedberg, 7 Min. 24,8 Sek.; 2. Walter Buß, Tv. Holzheim, 7 Min. 28 Sek.; 3. Ludwig Reih, Tv. Holzheim, 7 Min. 45 Sek.; 4. Wilhelm Zeiß, Tv. Holzheim; 6. E. Ohly, Tv. Holzheim; 9. W. Seibel, Tv. Griedel. — Mannschaftssieger: 1. Tv. Holzheim, 9 Punkte; 2. Tgrn. Friedberg, 14 Punkte. Jugend turner - Unterstufe. 15 0 0 Meter (25 Bewerber. 16 Sieger): 1. H. Häuser. Tv. Rieder-Weisel, 4 Min. 43,5 Sek.; 2. K. Jeh- ner, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 4 Min. 56 Sek.: 3. I. Z'mmer, Tv. R edec-Mörten, 5 Min«. 4 Sek.; 9. G. Mörler, Tv. Griedel; 11. E. Tröster, Tv. Griedel; 13. H. Dorr, Tv. Griedel; 15. W. Dender, Tv. Griedel. — Mannschaftssieger: 1. Tv. Rieder-Mörlen. 16 Punkte; 2. Tv. Rieder- Weisel, 19 Punkte; 3. Tv. Griedel, 33 Punkte. Fußballklub 1926 Großen-Buseck. Großen-Buseck I — Lollar I 3:3. Das Spiel gegen die Sportabteilung des Turnvereins Lollar hinterließ einen guten Eindruck. Es wurde von beiden Mannschaften äußerst fair und mit dem größten Eifer ausgetragen. Großen- Busecks 1. Mannschaft war spielerisch dem Gegner allerdings voraus, Lo.ifar verstand es aber trotzdem, das obige Resultat zu halten. Ein Selbsttor brachte Gvoßen-Duseck um den verdienten Sieg. Schiedsrichter Kreiling aus Gießen war recht gut. F.C. „Teutonia^ Watzenborn-Steinberg. 2Daf)enborn-5feinberg I — Hermannstein I 5:3 (2:0). Dor ungefähr 500 Zuschauern trug die erste Mannschaft des Sportvereins Hermannstein gegen die gleiche des Fußballklubs Teutonia Watzenborn-Steinberg ihr fälliges Gesellschaftsrückspiel aus. Schon in den ersten 15 Minuten fiel nach schöner Vorlage durch den Halbrechten das erste Tor. Trotz eifriger Gegenwehr konnten es die geführte Tötung in Frage kommen könne. Dei der ©egenüberftellung mit der Leiche seiner Geliebten habe der Angeklagte geradezu eine Eignungsprüfung über seine Kaltblütigkeit und Selbstbeherrschung abgelegt. Der Staatsanwalt beantragte für diesen heimtückischen Meuchelmord die Todesstrafe. Der Verteidiger Rechtsanwalt E n g i s ch legte dar, daß die Sache sich so verhalten haben könne, wie der Staatsanwalt es bargelegt habe: es könne aber auch anders gewesen fein. Seiner Heberjeugung nach sei aber nur Totschlag erwiesen. Rach anderthalbstündiger Deratung verkündete der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Cramer, das Urteil des Schwurgerichts. In eingehenden, alle Einzelheiten bcwücksichtigenden Darlegungen, die zeigten, daß das Schwurgericht alle Momente Für und Gegen auf das sorgfältigste erwogen hat, führte er aus, daß die Tat des Angeklagten nur als Mord bewertet werden könne. Entscheidend für diese Auffassung sei sein Verhalten am Tatort, seine ganze Persönlichkeit, fein Benehmen vor unb namentlich nach ber Tat, das einen sicheren Schluß auf die seelischen Vorgänge bei der Tat ermögliche. Der Angeklagte wurde wegen Mordes zum Tode, zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt. Hermannsteiner nicht verhindern, daß bis zur Halbzeit der Stand auf 2:0 erhöht wurde. Rach Wiederanstoß war das Spiel ausgeglichener. Trotzdem gelang es ihnen innerhalb kurzer Zeit noch drei weitere Tore zu erzielen, denen die Gäste durch etwas leichtsinniges Spiel der Hintermannschaft kurz vor Schluß drei Treffer entgegensetzten. Das Endresultat entspricht dem Spielverlauf. Watzenborn-Sleinbergll— hermannstein II 1:1 (1:1). Vorher trugen die beiden zweiten Mannschaften ein Spiel aus. Das 1:1 dürfte dem Spielverlauf entsprechen Schiri S p u r k (Butzbach) leitete korrekt. S. Sp. V. 1926 Steinbach. Steinbach I — Lich I 3:2 (1:1). Steinbach 11 — Garbenteich I u. II komb. 0:0. Am Sonntag hatte Steinbachs 1. Mannschaft die gleiche vom BfA. Lich zu Gast. Gleich nach Beginn entwickelte sich ein flotter Kampf. Lich verwandelte zunächst eine Ecke zum Führungstreffer. Steinbach kam dann mehr auf und konnte den Ausgleich, ebenfalls durch Eckball, erzielen. Rach dem Wechsel dominierte Steinbach und der Mittelstürmer brachte seine Mannschaft durch einen schönen Schuß in Führung, dem ber Linksaußen bald den dritten Treffer folgen lieh. Lich drängte dann auf Ausgleich, aber alle Angriffe scheiterten an der sicheren Schlußmannschaft des Gegners, lediglich ein Elfmeter wurde verwandelt. Die zweite Mannschaft hatte eine kombinierte von Garbenteich verpflichtet und konnte dieser nach verteiltem Spiel ein 0:0 abringen. Handball im (Sau Hessen (O. T.) Tv. Wetzlar I — INto. Gießen I 2:3 (1:1). Bei dem am Sonntag auf dem Mto.°Platze am Schiffenberger Weg ausgetragenen Handball-Freundschaftsspiel zwischen der ersten Mannschaft Hes Turnvereins Wetzlar und der ersten des Männer- turnoereins wurde ein flotter Kampf gezeigt. Das Spiel endete wieder mit einem knappen Resultat, einem Siege der Einheimischen. Die Wetzlarer traten mit fünfer und gut aufeinander eingespielter Mannschaft auf den Plan. Was der Gießener verjüngten Mannschaft an (Spielerfahrung fehlte, ersetzte sie durch Eifer. Mit dem Anpfiff entwickelte sich ein flottes Spiel, das vor den Toren kritische Situationen schuf. Durch einen placierten Straf- rourf gingen die Einheimischen in Führung, doch konnten die Gäste noch vor Halbzeit ebenfalls durch einen Strafwurf ausgleichen. In der zweiten Halbzeit zeigte sich dasselbe Bild. In der Mitte dieser Spielhälfte gelang es den Wetzlarern, die Gießener Verteidigung zu überlaufen, und durch unhaltbaren Wurf die Führung an sich zu reißen. Als jedoch die Gastgeber durch schöne Kombination des Jnnentrios kurz darauf ausglichen und nun noch mehr auf das Tempo drückten, wurden die Gäste nervös und mußten sich auch noch ein drittes Tor gefallen lassen, so daß die Männerturner verdient mit 3:2 gewinnen konnten. Der Schiedsrichter hätte mitunter energischer Eingreifen müssen. Handball jni Lahn-Oünsbera-Gau. Tv. Wieseck 1 — Tv. Launsbach 1 3:3 (1:2). Das Spiel begann in scharfem Tempo, das die Mannschaften auch beibehielten. Es wurde hart, aber immer in den Grenzen des Erlaubten gespielt. Die Mannschaften mußten sich mit einem Unentschieden zufrieden geben. Tv. Dorlar I — Tv. Londorf I 1:5 (0:3). Das erste Spiel um den Gaumeistertitel sah den Gast aus Londorf verdient in Front. Der Dorlarer Torhüter hatte einen schwachen Tag und hätte bestimmt zwei Erfolge des Gegners verhindern müssen. In der 18. Minute erzielte Londorf das erste Tor, dem kurze Zeit später der zweite und dritte Erfolg folgten. Nach der Pause war Dorlar etwas im Vorteil und kann das mehr als verdiente Ehrentor erzielen. Londorf vermochte durch zwei weitere Tore das Ergebnis auf 5:1 zu stellen. Dorlar hatte drei Mann Ersatz in seiner Mannschaft. Ahbach I — Allendorf I 5:1 (2:1). Das erste Spiel in der Runde der Zweiten fand in Atzbach statt. Es entwickelte sich ein flotter Kampf. Bald gelang es Atzbach, den Führungstreffer zu erzielen. Der Ausgleich ließ nicht lange auf sich warten. Einige Minuten vor Halbzeit riß aber Atz- bacb die Führung wieder an sich und mit 2:1 für Atzvach wurden die Seiten gewechselt. In der zweiten Halbzeit spielt Atzbach etwas überlegen und konnte noch dreimal siegreich sein. SJl.-tfpOTt 4 .kifni*. CirEricDr ’Bölterbunöei, Reichsauhenmü nächsten Äotssil Der Eener SricDrun »°^ noch!" bat Thom, als der Aeltere zur Türe wollt». „Bitte!" drängte er. „Sie hat jetzt so oft verneinte Augen. Bist bu nicht lieb zu ihr?" Eine Antwort unterblieb, benn bie Komme-zien- rätin trat über bie Schwelle unb streckte io rem Aeltesten die Rechte entgegen: „Welche Freude, baß du wieder einmal nach uns sehen kommst." Ihre Augen strahlten ihn dabei an und umfaßten ihn mit mütterlichem Stolz. Groh war er und schlank. Tie dunklen Augen waren etwas verschleiert. Das Haar war von einer Schwärze, die an mondlose Rächte erinnerte, mjt einem matten Glanz, der in der Sonne bläulich spielte. Thom hatte wachsamen Blickes die stumme Liebkosung mit angesehen und lächelte. „Serenissimus ist mit meiner Reise einverstanden. Rur dein Ja steht noch aus, Mama." Hedwig Dloem sah immer nur nach ihrem Aeltesten, auch als sie wieder sprach, ließ sie keinen Blick von ihm: „Findest bu nicht, Lutz, bah er ntxb reichlich jung ist?" „Ich weiß nicht!" Setterholms schmale Schultern glitten unmerklich zurück. „Mit neunzehn Jahren würbe ich schon nach Java geschickt, um bort die Unregelmäßigkeiten unseres Handelsvertreters in Orbnung zu bringen." l Fortsetzung folgt.) treffen, wie ein Kinb!" „Aber sicher nicht mit Absicht, Hebwig!" „Ob mit ober ohne Absicht — es tut Weh!" Als bas Mäbchen einen Besuch melbete, erhob sich bie Kommerzienrätin Dloem. „Du mußt erlauben. bah ich mich verabschiebe. Ellen. Ich tauge Das Schicksal spricht das letzte wort Roman von I. Schneider-Foerstl. Urheber-Rechtschutz durch Berlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. (Rachdruck verboten.) Geheimrat Dloem, der mitten in der Sonnenhelle des großen Erkers stand, den eine Balustrade nach dem Ehzimmer hin abschloh. sprach zu den beiden ©amen, die an dem runden Mitteltisch saßen: „Das habe ich immer gefürchtet, davor habe ich immer gewarnt, daß aus einem Menschen, der nur von einer Frau erzogen ist, nichts Rechtes werden kann. Es tut mir leid, Hedwig, ober es ist so." „Wie rücksichtslos!" Tie Geheimrätin strich über die bebenden Finger der Schwägerin und warf ihrem Manne einen mißbilligenden Blick zu. Bloem nahm die Hand von der Brüstung, trat die beiden Stufen vom Erker herab und begann im Zimmer hin und her zu wandern. „Ihr Frauen könnt eben die Wahrheit nicht vertragen. Man muß ihr immer ein Mäntelchen umhängen, ehe man sie euch serviert." Seine Rede wurde durch ben Papagei unter- brochen, dessen bronziertes Gehäuse nun schon zum zweiten Male in Schwingungen versetzt wurde. „So gib doch acht!" kreischte der Bogel ärgerlich. „Gib acht!" Und als dies nichts nützte unb er zum dritten Male nach ber Seite pendelte, sagte er laut unb nachdrücklich: „Du Gimpel!" Der Geheimrat stutzte, brehte sich auf den Fersen um unb verschwand durch die angrenzende Tür nach seinem Arbeitskabinett. Der Bogel strich seinen grünen Haarschopf zurecht und sah triumphierend nach den Damen hinüber: „Seht ihr wohl! Man muh nur den Mut haben, den Menschen die Wahrheit zu sagen", so schien er zu sagen. „Du solltest ihn doch kennen", tröstete bie Geheimrätin unb häufte Schlagsahne auf ben Teller, den sie bann der Schwägerin zuschob. „Die Dloems sind nun einmal solche Hitzköpfe. Sie reihen den Wald samt den Wurzeln aus und stehen dann kindhaft verwundert, wenn sie sehen, was sie angerichtet haben." Im selben Augenblick trat der Geheimrat wieder über die Schwelle. Ein blaues Wölkchen schwebte wie ein Symbol des Friedens vor ihm her. Er machte einen Dogen um das Gehäuse des Kakadus und sagte, als habe das vorher Behauptete keine Geltung mehr: „Im übrigen sehe ich gar nicht ein, warum Thom seine Weltreise nicht machen soll! Heutzutage macht sie doch schon erzogen find. Hedwig!" Die schöne Frau warf ihr einen dankbaren Blick zu und drückte mit Gewalt die Tränen zurück. „Ich fliege zwischen ihnen hin und her, wie eine Kugel, die man zuweilen in den Schiehbuden der Jahrmärkte sieht. Mal kommt von da ein Pfeil Aus einem der offenen Fenster, die nach dem Park zu gingen, kam ein Helles Lachen. „So muht du das machen, Lutz, sieh mal! Rücken durch! Schenkel anziehen! Fersen zusammen! Eins! Zwei! Eins! Zwei! Versuchs doch mal, Lutz, du wirst sehen, wie gelenkig das macht!" In das Lachen schnitt eine ernste Stimme: «Du vergiht, dah ich nicht mehr neunzehn Jahre bin!“ „Ja, wahrhaftig! Du bist ein Greis von achtundzwanzig!" Frau Hedwigs Jüngster rutschte. Fühe und Hinterteil als Stühe benützend, nach bem Sessel, in dem der Bruder lag, und drückte den Kopf an dessen Knie. „Bist du übrigens mit meinen Leistungen im Abitur zufrieden gewesen, Lutz?" Dieser strich das Blondhaar des Bruders langsam zurück. „Darüber hat doch nur Mama zu urteilen.“ „Glänzend!" Das junge Gesicht bog sich lachend zu ihm auf. „Und wenn ich Mama frage, bann, sagt sie: Darüber kann Lutz am besten urteilen. Genau dieselben Worte." Er hielt bie Finger des Aelteren fest unb brückte sie gegen bie Stirne. „Ich möchte dich auch fragen, Lutz, ob bu erlaubst, bah ich meine Weltreise antrete. Ich möchte es so gern!“ Mit einem Ruck würbe ihm die Hand entzogen. „Darüber habe ich doch wahrhaftig nicht zu bestimmen, Thom!" „Ratürlich! Wer benn sonst?" Thom hatte bie Finger bes Brubers schon wieber gefaßt unb drückte sie gegen die Wange. „Letzten Endes bist du doch der Chef des Hauses! Generalissimus! Verwalter des Vermögens — unb weih Gott was noch alles!" „Hat dir benn Mama noch nicht gesagt, baß .. „Gott", unterbrach ihn Thom unb spielte mit bem Ring, ben Lutz Setterholm an ber Linken trug, „es ist so schön gewesen, wie's war! Kann's benn nicht so bleiben. Lutz? Du nimmst dich ein jeder Grünling: Die Tochter von Mussolini, der Prinz von Wales — wobei ich nicht behaupten will, daß er auch ein Grünling ist. Kürzlich haben sie sogar einen Vierzehnjährigen um den Qlequator geschickt. Gin anderer rollt ein Faß um bie Erde ober umkreist sie im Zeppelin. Jeder nach seinem Pläsier — und wie es seine Börse erlaubt, natürlich!" „Ich habe Angst um ihn!" kam es vom Tisch herüber. „Um diesen großen Menschen? — Lächerlich! Den kriegst bu wieder, Schwägerin!" Die blauen Ringel ber Zigarre verdichteten sich zu einer Wolke. „Es hat noch jeder heimgesucht! Keiner ist ausgeblieben! Und wann es ihm bei den Chinesen zu dreckig ist unb ihm in Tibet bie Seele aus bem Leibe friert, bann kommt er wieber unb seht sich an bie Fleischtöpfe des väterlichen Hauses." Das Telephon rief den Geheimrat ins Reben- zimmer. Gleich darauf kam er mit erkalteter Zigarre zurück. „Ter Minister wünscht, daß ich an der Sitzung über den Rachtragsetat teilnehme. Ich bitte, mich zu entschuldigen. Auf Wiedersehen, Hedwig!" Er neigte sich über bie Hanb der Schwägerin, berührte bie Stirne seiner Frau mit ben Lippen unb drückte bann bie Türe hinter sich zu. Die Geheimrätin sah erschrocken in bas bleiche Gesicht ber schönen Verwandten. „Ich bitte dich, Hedwig! Er ist nun einm so!" „Ich weine nicht deshalb!" Ein Ehering blitzte an der Linken von Hedwig Dloem auf, als sie nun das Taschentuch an bie Augen drückte. „Ein Irrtum, den man einmal begeht, ist verzeihlich. Aber ich habe ihn zweimal begangen: habe zweimal geheiratet und bin zweimal Witwe geworden. Das ist es! Mein Aeltester hat es mir bis heute noch nicht vergessen, dah ich seinem Vater einen Rachsolger gab, und meine beiden Jüngsten — Gott, vielleicht hat dein Mann recht. Sie hätten einer stärkeren Hand bedurft, bie sie hätte lenken sollen." „Ich finbe, baß beine Kinber mehr als gut heute nicht zur Unterhaltung. Auf Wiebersehenk" Sie schlüpfte burch die Portieren in bas Arbeitszimmer Dloems, um von bort ben Ausgang za gewinnen. Gleich darauf trug sie das Auto nach dem Stadtinnem. Während der Wagen dahinrollte, griff sie nach der Puderdose und tupfte über bie Wangen hin, überfärbte das Rot ber Liber und besah sich flüchtig im Spiegel. Sie würde wohl nachgeben müssen, wenn Thom durchaus aüf diese Weltreise bestand. Und wenn ihr Herz darüber brach, sie würde ihn ziehen lassen. Muhte es wohl! „Ein jeder kommt wieder", hatte Ferdinand Dloem gesagt. Aber ihr Inneres war heute ohne jedes Hoffen. Als der Wagen hielt, ging sie rasch den Kiesweg zu ihrem herrlich gelegenen Heim hinauf. Einladung zur Hauptversammlung des Verkehrs- u. Verschönerungsvereins Gießen E.V. I am Donnerstag, dem 23. April 1931, abends 8.30 Uhr Im Restaurant Boller, Gießen, Bahnhofstraße 53 Tagesordnung: 1 Tätigkeitsbericht über das Geschäftsjahr 1930 2. Kassenbericht 3. Entlastung des Rechners und Vorstandes 4. Wahl der Rechnungsprüfer 5. Neuwahl des Ausschusses 6. Vortrag des Herrn Gartenarchitekten Schwari über „Verkehr und Heimat“ 7. Verschiedenes. 2838 D Wir hoffen auf zahlreiche Beteiligung. Der Vorstand. Lichtspielhaus • fließen Heute letzter Volkstag: 3Tage Mittelarrest die Frau von der man nicht spricht Hauptrollen: Llssi Arna, Fritz Delius, Lotte Loring. 2752 c Regie: Felix Basch. Ein deutscher Ton- und Sprechfilm. Fran Irma Köddinü- Müller Verein Volkshochschule Gießen e.V. 2839D Der Vorstand. DHV. konserv. gepr. Klavierlehrerin nimmt wieder einige Schüler an. Zu sprechen 12—1 Uhr mittags Frankfurter Straße 9!I1 02354 laPortlandZement bester Qualität, unter Syndikatspreis C.Riibsamen.GieBen Fernsprecher 3659. 1209 d Einladung zur Mitgliederversammlung am Mittwoch, dem 29. April. 20 Uhr. im Naturgeschichtssaal der Oberrealschule (Eingang Bisroarckstraße) Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Kassenbericht, 3. Entlastung des Rechners, 4. Wahl des Vorstandes, 5. Verschiedenes wird Verwachs hergesfellf. Verwachs ist nicht hart oder flüssig wie die bisherigen Bohnermiffel, sondern eine milde Creme, die ein spielend leichtes Aufträgen und Verreiben ermöglicht. Sie, ist außerordentlich ergiebig und sparsam im Verbrauch. Sofort nach dem Aufträgen können Sie polieren. Dabei hat Verwachs den angenehmen, nervenstärkenden Tannenduft. Verwachs gibt herrlichen Hochglanz, aber keine Glätte. Schon das sollte auch Sie zur Benutzung von Verwachs veranlassen. AufWunsch senden Ihnen dieThomp- son-Werke G. m. b. H. in Düsseldorf gerne kostenlos eine Probedose. 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