Dienstag, 21. Zu» 1931 181. Jahrgang Nr. 168 Erstes vlatt MetzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen t>md hh6 Derlag: vrLhpsche UntversilLlr-vuch. rmd Stduörnderei K £aige tu Stetzen. 5chrtstlettung und Seschästrvelle: Schalftratze 7. 3enat)me mr Snjetgei für btt Ingesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für i mm höhe für Anzeigen von 27 mm Prelle örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für 9?e- hlamtanjtigen von 70 mnt Brette 35 Reichspfennig, platzvorschrist 20'. mehr. Chefredakteur. Dr. Friebr. Will). Lange. Derantworttich für Politik Dr. Fr. Wilh. Canae; für Feuilleton Dr H.IHyriot; für ben übrigen Icil Ernst Blumjchein unb für den Anzeigenteil Tla$ Filter, fämtlid) in (Bieben Eriche in, tüglich.autzer Sonntags und Feiertags veiloae«: the DOuftrierte Bietzenei Familienblätta Heimat im Bild Die Scholls lNonatsvezugsvrets: 2.20 Reichsmark and 80 Neichspfennig für Tröger» lohn, auch bei Nichter» scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt .fernfvrechonfchlüße enter5aminebiummer22Sl Anlchnsl für vrahtnach. richten Anzeiger •icfcei. poßsichecsionto: Kra^NvN am Main 1168«. Die Sieben-Mächie-Konferenz in London beginnt. Ein erster Schritt. Da« Vorspiel zu der großen Londoner Minister besprechung, di« deutsch-französische Füh- lungnabm« m Pari«, ist vorüber. Deutscherseits hat man b:«ten Desprechungen mit einiger Sorg« «ntgegengefeben. wenn man auch von dem Der» hanb.'ungsgcschick der deutschen Staatsmänner und ihrem festen Willen. kein« unmöglichen Zugeständnisse zu machen, überzeugt war. Mit Desriedi- gung läßt sich nunmehr feststellen, daß cs weder zu einem Abbruch der Verhandlungen nochzueinerdeutschen Kapitulation in Pari- gekommen ist. Damit ist für den Gedanken der internationalen Zusammenarbeit, die nunmehr in London vorbereitet werden soll, schon viel gewonnen. Die Zusammenkunft der deutschen und französischen Staatsmänner war durch auherordent- sich« Schwierigkeiten belastet. Die Stellung Frankreich« zum Hoover-Plane und seine Haltung gegenüber der deutschen Finanzkrise hatte eine Atmosphäre des Mißtrauens und der Mißstimmung hervorgerufen, die nicht leicht zu überwinden schien. Reichskanzler Dr. Brüning handelt« staatsmännisch, als er sich, allen Widerständen zum Trotz, entschloß, die Reite nach Paris anzutreten und den ersten Schritt zur Behebung der deutsch-französischen Meinungsverschiedenheiten zu machen. Man darf wohl sagen, daß dieser deutsche Versuch. eine Vor- ständigung anzubahnen, nicht vergeblich war. Die deutschen Staatsmänner haben die Möglichleit gehabt, freimütig und eindringlich den maßgebenden Männern Frankreich« denErnst der deutschen Lage darzustellen und d« Bereitwilligkeit Deutschlands zu betonen, zu einem besseren Einvernehmen mit Frankreich zu gelangen. D e Aussprache bat. toi« aus dem gemeinsamen deutsch-iranzösischen Communiaus hervorgeht. zu einer Einigung darüber geführt, daß di« Zusammenkunft den Anfang einer vertrauensvollen Zusammenarbeit bedeuten soll. Es ist in diesem Zusammenhang von dem Geist von Ehe- quers die Aede gewesen. der künftig auch die deutsch-französischen Beziehungen beherrschen solle. Besondere Bedeutung to:rö dabei der Besprechung Brünings mit Laval unter vier Augen beizumesten sein. So erfreulich der Ton ist, der aus den offiziellen Derlautbarungen spricht, wird man sich doch vor einem verfrühten und übertriebenen Optimismus hüten müssen. Die Beteuerung des guten Willens von französischer Seite bedeutet noch keineswegs, daß man nunmehr in Paris bereit wäre, vorbehaltlos Deutschland zu Hilfe zu kommen. Es ist vielmehr Dffenftchtlich, daß eine Einigung über die Bor- auSfehungcn einer Kreditgewährung durch Frankreich in den Besprechungen nicht erreicht worden ist. Die französischen Vertreter haben erklärt, daß sie nur vorbehaltlich gewisser finanzieller Garantien und Maßnahmen für eine politische Beschwichtigung bereit sein würden, später die Bedingungen für eine finanzielle Zusammenarbeit im internationalen Rahmen zu erörtern. Es ist anzunehmen, daß die französischen Kabinettsmitglieder den deutschen Staatsmännern iyre diesbezüglichen Wünsche, wenn auch nicht in formulierten Bedingungen, zur Kenntnis gebracht haben. Aach dem Wortlaut des Kommuniques kann aber kein Zweifel darüber bestehen, daß Reichskanzler Dr. Brüning fest geblieben ist und den deutschen Standpunkt mit allem Aachdruck vertreten hat. Es ist also durch die deutsch-französische Zusammenkunft in dieser Hinsicht für die weiteren Verhandlungen keine Bindung Deutschlands geschaffen wordn Wenn die französische Presse schreibt, die unprünglich« Forderung für den Gang nach London sei nicht erfüllt worden, so ist dies der beste Beweis für die geschickte Taktik der deutschen Staatsmänner. Mehr war billigerweise von Paris nicht $u erwarten. Es ist jetzt die Aufgabe, das noch immer umgehende Gespenst politischer Bedingungen für eine Kreditgewährung an Deutschland aus der Londoner Konferenz, die die Fortsetzung der Verhandlungen bringt, endgültig zu bannen. Es ist anzunehmen, daß sich die weiteren Verhandlungen auf Londoner Boden für die deutschen Vertreter leichter gestalten werden. Hier dürft« sich der englisch- amerikanische Einfluß stärker geltend machen, der darauf hin- brängt, die wirtschaftlichen Maßnahmen nicht mit politischen Forderungen zu belasten. Auf Ersuchen LavalS ist in Paris feftgelegt worden, daß t ie Londoner Konferenz ausschließlich auf die Prüfung der deutschen Finanz- und Wirtschaftskrise beschränkt sein soll. Dadurch hat Frankreich zu verhindern gewußt, daß etwa im Rahmen der akuten deutschen Krise das Reparations- Problem angeschnitten werden könnte. Andererseits läßt diese Beschränkung des Londoner 'Verhandlungsprogramms eine tenzentrieric und schnelle Arbeit erhoffen. Wie schon des öfteren betont, handelt es sich darum, der deutschen Wirtschaft einen langfristigen Kredit zu beschaffen und nicht etwa dem Reiche, dessen Finan- zen durch drakonische deutsche Maßnahmen in Ordnung gebracht worden sind. Daß die Keditgeber finanzielle Garantien fordern werden, ist mit Bestimmtheit zu erwarten. Das 'Deutsche Reich aber hierfür in Anspruch zu nehmen, hieße sich an die falsche Adresse wenden. Es wird die S a ch e der deutschen Wirtschaft, die den Kredit beansprucht, sein, sich darüber klar zu werden, welch« Sicherheiten sie den ausländischen Geldgebern bieten kann. Die Ausfallbürgschaft der deutschen Wirtschaft, die bisher nicht verwirklicht werden konnte, dürfte vielleicht hierfür die geeignete Grundlage bieten. Amerika und England haben ihren Willen zu einer rein wirtschaftlichen Bereinigung der Krise bereits erkennen lasiert. Man muß hoffen, daß die in Paris erzielte Entspannung dazu beiträgt, auch bei den Franzosen die Erkenntnis zu fördern, daß nur eine solche Lösung dem eben gemachten Anfang einer Besserung der deutsch-französischen Beziehungen die wünschenswerte Vertiefung verspricht. Don Paris nach London. Besprechungen auf der Fahrt. Paris. 20. Juli. (WTD. Funkspruch.) Mit dem Schnellzug nach Ealais, der um 10 Llhr Paris verläßt, sind die deutschen und französischen Minister nach London abgereist. Kurz vor der Abfahrt de« Zuge« erschienen Reichskanzler Dr. Brüning und Ministerpräsident Laval, die in einem Abteil Platz genommen hatten, am Fenster. Sie wurden von der Menschenmenge lebhaft begrüßt. Während der Fahrt von Paris nach Ealais haben der französische Ministerpräsident Laval und seine Kollegen sich mit den deutschen Ministern und dem italienischen und dem belgischen Außenminister unterhalten, die auf Einladung Lavals im Wagen des Präsidenten Platz genommen hatten. Reichskanzler Dr. Brüning diskutierte im besonderen mit dem sranzösischen Finanzminister F l a n d i n und dem Budgetminister P i s 1 r y. Ministerpräsident Laval hatte in seinem Wagen zum Frühstück gebeten: Reichskanzler Dr. Brüning, Reichsaußenminister Dr. Curtius, Außenminister Grandi, Außenminister Hvmans, Finanzminister Franc- gui, seine französischen Ministerkollegen und Philippe Derthelot. Der Sonderzug traf um 13.10 Llhr in Calais ein. Die Minister wurden am Dahnbvf von dem ilnterpräfetten von Boulogne und dem Bürgermeister von Calais begrüßt. Hm 13.40 Llhr erfolgte die Weiter- fahrt auf dem Dampfer «Löte d'Azure" nach Dover. Ankunst in London. Macdonald und Hcndcrson begrüßen dcn..Ministerzug". London, 20. Juli. (WTD.) Selten hat der Viktoria-Bahnhof in London ein solches Schauspiel erlebt, toi« heute bei der Ankunft des ..M i n i st « r z u g e s" aus Paris um 17.15 Hhr. Schon eine halbe Stunde vorher deutete ein Meer von Zylinderhüten der Mitglieder des diplomatischen Korps und offizieller britischer Vertreter auf dem Bahnsteig und eine dauernd zunehmende tgusendköpfige Menschenmenge, die die Abfahrtswege vom Bahnhof füllte, auf ein großes Ere.gnis hin. Unter den zahlreichen Anwesenden bemerkte man den Reichspressechef. Dr. Zechlin, Botschaftsrat Graf Bernstorsi und den übrigen Stab der deutschen Botschaft, die Botschafter von Frankreich und Italien und den amerikanischen Botschafter in Brüssel, Gibsvn. Ungefähr eine Viertelstunde vor Eintreffen des Zuges erschienen Premierminister Macdonald und Außenminister Henderson zum Empfang der Minister und waren bald in Unterredungen mit den anwesenden internationalen Diplomaten und Pressevertretern aller Rationen vertieft. Als der Zug pünktlich um 17.15 Uhr im Bahnhof einlief, waren bald die bekannten Gesichter der deutschen, französischen, italienischen und belgischen Staatsmänner sichtbar. 3n Begleitung des Reichskanzlers und des Reichsauhenministers befand sich der deutsche Botschafter Freiherr v. Reurath, der den deutschen Ministern nach Dover entgegengefahren war, und Staatssekretär v. Bülow. Die deutschen Minister wurden von den Mitgliedern der deutschen Botschaft und den anwesenden deutschen Presievertretern herzlich begrüßt. Macdonald und Henderson gingen zunächst an den vordersten Wagen, aus Item die französischen Minister ausstiegen. Macdonald kam sofort mit Briand in ein Gespräch. Henderson veranlaßte dann Macdonald, sich weiter am Zuge entlang zu begeben, wo ihm dann die italienischen Delegierten entgegenkamen. Während er sich noch mit diesen im Gespräch befand, kamen auch Dr. Brüning und Dr. Curtius zusammen mit dem deutschen Botschafter herbei Die Begrüßung zwischen Brüning und Macdonald war außerordentlich herzlich. Beim Verlassen des Bahnsteiges geriet Henderson in ein längeres Gespräch mit Brüning, den er unter den Arm nahm und bis zu den bereitstehenden Autos begleitete. Außerhalb des Bahnhofes wartete eine große Menschenmenge, die die Staatsmänner der vier Mächte sehr lebhaft begrüßte. Auch diesmal ereignete sich, nach dem Bericht der Zel.-Union, wieder ein Zwischenfall, der durch einige deutsche Rationalsozialiften her- oorgerufen wurde. Sie riefen plötzlich: .Heil Hitler! Dieder mitDrünin g!u, und zwar gerade in dem Augenblick, als an der Menschenmenge der belgisch« Außenminister Hymans vor- beisichr. Sie hatten anscheinend die Flagge an den belgischen Autos mit der deutschen Flagg« verwechselt. Das Auswärtige Amt in London. Downinastrect. Hier werden künftig die Konferenzen ftattfinben. Oie Eröffnung der Konferenz. Brüning legt Deutschlands Lage klar. Conbon, 20. 3uli. (1BIB.) Vach der heute abend im Zimmer des Premierministers im Unterhause abgehaltenen ersten fion- f c r e n 3 der sieben Mächte wurde folgendes Com- munique ausgegebcn: Die erste Sitzung der Internationalen Konferenz fand unter dem Vorsitz des britischen Premierministers in seinem Zimmer im Unterhause heute um 18.30 Uhr statt. Der Vorsitzende eröffnete die Konferenz und gab eine Erklärung ab, in der er Ursprünge und Ursachen der Krise, die zu der augenblicklichen Lage geführt haben, auseinandersehte. £ a o a l gab der Konferenz einen Bericht über die Zusammenkünfte in Paris und fetzte den Geist auseinander, in dem die Besprechungen zwischen den sranzösischen und den deutschen Ministern eingeleitet wurden. Er legte im einzelnen d i e Stellung Frankreichs dar und drückte von neuem bie Hoffnung loyaler Zusammenarbeit zwischen Frankreich unb Deulschlonb für bie Dieberherstellung des vertrauens unb bes Kredits in ber Welt aus. Dr. Brüning bestätigte ben Geist ber Zusammenarbeit unb brückte seine Dankbarkeit für bie Gelegenheit ber pariser Besprechungen aus. Er gab hierauf eine Darlegung mit Statistiken über bie finanzielle £age Deutschland unb bie Maßnahmen, bie getroffen worben finb, um ihr zu begegnen. Er brängte auf bie notwendige Unterstützung zur Besserung der tage. Lr hob hervor, daß vor allem zwei Erfordernisse erfüllt werden müffen: ein Aushören der Abrufung der fremden Kredite und eine Erhöhung der Golddecke der Reichs- b a n k. 3n feinem Schlußwort faßte Macdonald noch einmal die Ausführungen Lavals und Brünings zusammen. Die Verhandlungen wurden in einem außerordentlich versöhnlichen Geiste geführt. Ls erregte ein gewisses Erstaunen, als die sranzösischen Minister im Larlton-Hotel erschienen, während die deutschen Minister auf sich warten liehen. Bald wurde jedoch bekannt, daß Macdonald den Reichskanzler Dr. Brüning und den Reichs- auhenminifter Dr. Lurtiu» zu weiteren Besprechungen im Unterhause zurückgehalten unb sie ersucht hatte, mit ihm bas Abenbessen einzunehmen. Außer dem britischen Premierminister und den beiden deutschen Ministern nahmen an dem Essen teil: der britische Schahkanzler Snowden, Außenminister Henderson und der ständige llnterstaatssekretär im Joreign Office, Sir Robert vansi11art. „Line wahre Konferenz um den runden Tisch". Macdonalds Eröffnungsrede. - Keine Demütigung, aber Vertrauen und neuen Mut. 2 o n b o n , 20. Juli. (WTD.) Die Rede, mit der Macbvnalb die erste Sitzung der Siebcnmächtekon- ferenz eröffnete, hatte etwa folgenden Inhalt: Der gegenwärtige Augenblick mag einWende- punkt in der Geschichte der Welt sein in gutem oder schlechtem Sinne. Wenn wir keine Lösung der gegenwärtigen Krise finden können, kann niemand die politischen und finanziellen Wirkungen Voraussagen, die sich daraus ergeben werden. Wenn wir eine solche Lösung finden können, wird es ein schlagender Beweis für die wachsende Wirksamkeit der internationalen Zusammenarbeit sein. Die Wirkungen der budgetären und finanziellen Schwierigkeiten sind in der stärksten Form von den Staaten empfunden worden, die ich internationale finanzielle und industrie- e l l e Staaten nennen möchte. Die sehr bedeutende £age Deutschlands sowohl als Exportstaat als auch als Schuldnerstaat hat Probleme, die bei den andern Staaten eine weniger kritische Form angenommen haben, in g an z besonders hartem Grade auf Deutschland konzentriert. Die deutsche Regierung hat sich gezwungen gesehen, im vorigen Monat zu erklären, daß sie nicht weitergehen könne, und daß sie von ihrem Recht, einen Aufschub ihrer Verbindlichkeiten aus dem Poungplan zu erklären, bis die Situation sich gebessert hat, Gebrauch zu machen gezwungen sein werde. Dies beunruhigte die ausländischen Kreditgeber, von deren Unterstützung Deutschland in großem Maße während der letzten sechs Jahre abhängig war, und Zurückziehungen von kurzfristigen Krediten folgten in fehr großem Umfange. Dis zum 18 Juni schien bie Lage fast hoffnungslos. als bas Antlitz ber Welt in einer halben Stunbe durch bie dramatisch« Ankünbigung bes Angebots bes Präsibenten Hoover sich änberte. Die Geschichte wirb biese Entscheidung als einen Akt seltenen Muts unb seltener Etaatskunst bezeichnen. Der gorbische Knoten war für einen Augenblick durch dcn Präsidenten erfolgreich durchschnitten. Aber ausländische Kredite wurden weiterhin aus Deutschland zurückgezogen. Es ist von dem deutschen Finanzminister erklärt worden, daß zwilchen 150 und 200 Millionen Pfund Sterling ausländischer Devisen kürzlich von Deutschlarck» verloren worden finb, eine Riesensumme, bie mehr als ben Wert zweier ReparativnSannuilä- ten barstellt. Die Tropfen ber zurückgezogenen Devisen würben zum Fluh, ber Fluß zum Strom unb ber Strom zur Flut, bis ber unvermeidliche Zusammenbruch erfolgte. So haben wir nicht nur die Maßnahmen zn erörtern, die nötig sind, um Präsident Hoovers Vorschlag in die lat umzusehen, sondern wir haben darüber hinaus noch die dringende Rotlage zu besprechen, die sich seither in Deutschland entwickelt hat. Andernfalls wird es schwierig sein, die Flut einzudämmen, bevor sie ganz Zentraleuropa überwältigt hat, mit Folgen sozialer, politischer und rein finanzieller Art, die kein Mensch abschähen kann. Unsere Aufgabe ist daher mit einem wort, das vertrauen des ausländischen Geldgeber» zu Deutschland wiederherzustellen. Dieses Problem hat offenbar sowohl politische als auch finanzielle Seiten, aber die Aufmerksamkeit der Konferenz muß sich auf die letzteren konzentrieren. Wir finb hier als Vertreter unserer verschiebe- nen Rationen, aber toir finb auch hier in einem Geist« kooperativen guten Willens, entschlossen, untere Deratungen mit einer Vereinbarung zu beenden, bie nicht nur ben Erfordernissen bet gegenwärtigen Krise begegnen wird, sondern auch eine Zeit aufrichtiger unb gegenseitiger Bemühung um Befriedung ber aufgeregten Gemüter Europas neu eröffnen wird. Zunächst wollen wir uns allen selbst zugestehen und betonen, daß es einige Punkt« gibt, die ber eine ober andere von uns nicht tun kann, weil bie öffentliche Meinung, ber wir loyal bleiben müffen, esuns nichterlauben wird. Wir sind nicht hier, um etwas zu erzwingen ober um jemand zu Fall zu bringen ober um jemand zu demütigen. : wir sind hier, um zu verstehen, um in objektiver weise unsere Probleme zu erwägen, um daran zu denken, wie eng wir in wesentlichen Dingen voneinander abhängen, und einander anzupassen und uns auf etwas zu einigen, was jeder von uns vor fein Parlament bringen, erklären und zur Annahme bringen kann. Ich bin der Meinung, daß jeder von uns dies tun kann und daß eine hier abgefchlofsene Vereinbarung, wenn sie uns auch nicht in jedem einzelnen Punkte gefällt, unseren Volkern neues Vertrauen und neuen TNut einflößen wird, damit sie den schweren Verantwortlichkeiten gegen- überlreten, die das Los aller Regierungen der nächsten Monate sein werden. Lasset uns unsere A^il als freunde beginnen, als eine wahre Konferenz um den runden Tisch, gestärkt durch den Dillen zum Erfolg und ohne auch nur für einen Augenblick zu fürchten, daß uns die Unterstützung unserer Völker fehlen wird. Was die finanzielle Seite der Krisis betrifft, ft> besteht das Problem darin, zu verhindern, daß dos Kapital, das bereits in Deutschland ist, zurückgezogen wird. Es kann keine Frage geben über die innere Stärke der deutschen Wirtschaft, vorausgesetzt, daß sie die Hilfsquellen schafft, die sie benötigt. Es war zu diesem Zweck notwendig, daß Präsident Hoover für alle Schulden, Reparationen und Kriegsschulden eine Suspendierung für ein 3aT>r vorschlug. Dies bedeutet für Deutschland eine wirkliche und sehr bedeutende Erleichterung. Sie wird sich vielleicht als nicht genügend Herausstellen. Dies ist ein Punkt, den wir später untersuchen können. Aber ich denke: Es gilt, mitdergrößtmöglichen Beschleunig ung über die Mittel zu entscheiden, durch die dieser Plan endgültig in die Tat umgeseht werhen kann. 3ch betone: „mit der größtmöglichen Beschleunigung!" Mißfallen bei den Franzosen. Kritik an Macdonald. Paris, 21. Juli. (EBB. Funkspruch.) Unter den Londoner Sonderberichterstattern verschiedener Pariser Blätter, die die Eröffnungsrede Macdonalds kritisieren, ist vor allem der Außsn- polittker des „Matin", der sie gar ein« Kanzelrede nennt, die zwar besonders reich an allgemeinen Gedankengängen sei, aber keinen praktischen Vorschlag bringe und auch dem nicht Rechnung zu tragen scheine, was sich i n P a r i s abgespielt habe. Auch der Außen«- Politiker des „Echo de Paris" wirst Mac- donald vor, er habe sich in der ihm eigenen Artt in undeuLichen Anspielungen implicite gegen den Standpunkt der Pariser Regierung gewandt, wie denn überhaupt seine Darstellungen von jedem Deutschen unterzeichnet werden könnten. Daran an- knüpsend reitet er auch eine Attacke gegen die „deutschen revanche-lustigen Elemente". Macdonald, so erklärte er, beabsichtige wohl, den Tod des Vvung-PIans herbeizusühren, und der allgemeine Eindruck des ersten Londoner Tages sei der, baß für die f r a n z ö s i f ch - e n g - tischen Beziehungen eine Reihe böser Tage zu erwarten sei. Der Außenpolitiker des „Petit 3ournal" meint, die Debatte scheine sich sehr verworren anzulassen, obzwar er andererseits die Rede Macdonalds als eine von hohem moralischem Wert bezeichnet. Vorläufig sei allenthalben eher mehr Vorsicht als große Begeisterung festzustellen. Die Entspannung. Gtimmungsumschwung in derPariferPredsc Paris, 20. Juli. (TU.) Der Pariser Besuch der deutschen Minister hat in der französischen Oefsentlichkelt unzweifelhaft einen Stimmungsumschwung hervvrgerusen, der sich sehr deutlich in den Kommentaren der Blätter widerspiegelt. Die gesamte Presse, mag sie nun diesen ersten Akt der großen Konferenz optt- mistisch oder pessimistisch beurteilen, enthalt sich ostentativ jeden Angriffes gegen Deutschland und ist bemüht, aus der Haltung Dr. Brünir^s das notige Verständnis entgegenzubringen. Man ist sich vollkommen klar darüber, daß so einschneidende Unterschiede, wie sie in den gegenseitigen Auffassungen Deutschlands und Frankreichs bestehen, unmöglich in einer nur tocnige Stunden währenden Z u« sammenkunft der Minister beider Länder beseitigt werden können. Rachdem das Schwergewicht der Verhandlungen nunmehr nach London verlegt ist, richtet sich die ganze Aufmerksamkeit auf die Haltung der englischen und zum Teil auch der amerikanischen Regierung. Das Uebereinkommen nur über die finanzielle Wiederaufrichtung Deutschlands zu beraten, hat die Befürchtung nicht zerstreut, daß die englische Regierung die Frage der Abrüstung oder gar diejenige der Vertragsrevision auf werf en könnte. Der „Sntranfi- geant“ begrüßt es direkt, daß in Paris noch keine vollständige Einigung zwischen Frankreich und Deutschland erzielt worden fei, da diese Einigung ein Rachgeben der einen oder anderen Partei voraussehe. Selbst wenn Deutschland diese Partei gewesen wäre, so hätte Frankreich verloren. Denn deutscherseits habe man gerade diejenigen Versprechungen, die unter dem Druck der Ereignisse abgezwungen worden seien, immer wieder als ungültig bezeichnet. Der „Demps" gibt zu, daß die Pariser Verhandlungen nur als das Vorspiel für London angesehen werden könnten. Das Ergebnis dieser Verhandlungen entspreche vielleicht nicht allen Erwartungen, habe aber dennoch einen nic^t zu unterschätzenden ®tjmmung8umfd)toung herbeigeführt. Dr. Arning habe persönlich den besten Eindruck hinterlassen und die Erklärungen Curttus' über pClnen neuen Beginn in den französisch-deutschen Veziehungen im Geiste von Chequers" verdienten ganz besondere Beachtung. Von den Londoner Verhandlungen werde es abhängen, ob die herbeigeführte Entspannung sich auswirken und eine endgültige Lösung herbeiführen werde. Gehaltszahlung in Raten? Berlin, 21. 3uli. (ERD.) Wie das „D.T." wifsen will, wird von der Regierung erwogen, die Gehälter der Beamten von August ab monatlich in mehre- ren Raten auszahlen zu lassen, evtl, auch den Arbeitgebern ^Privatwirtschaft eine Ermächtigung zu erteilen, das gleiche Verfahren bei An Gehältern der Privatangestellten anzuwenden. Beides soll gegebenenfalls im Verordnungswege geregelt wer dem Diese Verordnung toürbe zum Ausgleich die Bestimmung enthalten, daß Beamte und Privatangestellte, die letzteren, soweit ihre Arbeitgeber von dieser Ermächtigung Gebrauch machen, die Mieten gleichfalls in mehrerenRaten entrichten zu können. Heber die voraussichtliche Dauer dieser Regelung ist noch nichts bekannt: ebenso ist noch unsicher, ob es sich vm eine Zahlung in zwei oder in drei Raten monatlich handeln würde. X. 1 l Dom Festbankett im französischen Außenministerium zu Ehren der deutschen Minister. Von links nach rechts: Der frühere Ministerpräsident Eaillaux, Reichsaußenminister Dr. Curtius, Ministerpräsident Laval, Reichskanzler Dr. Brüning, der frühere Ministerpräsident Herri ot und der Außenminister B r i a n d. Amerika kündigt einen neuen Hooverplan an. Giimson wird der Konferenz einen Kreditvorschlag unterbreiten. R e u y o r k, 21. Juli. (MTV. Funkspruch.) Die Neuyorker Blätter bringen in großer Aufmachung die Nachricht, daß Sfimfon heute in London Vorschläge der amerikanischen Regierung darlegen werde, und bezeichnen diese Vorschläge als „neuen Hoooerplan". Die Presse gibt jedoch zu, daß angesichts des völligen Schweigens Washingtons über den Inhalt dieser Vorschläge jeder Versuch, Einzelheiten anzugeben, nur eine Spekulation wäre. Immerhin folgern „New Pork Times" und „herald Tribüne" aus anderweitigen Aeuherungen aus Regierungskreisen, daß es sich um einen Vorschlag über eine 6reditaktion innerhalb der für die amerikanische Regierung zulässigen Grenze und unter der Voraussetzung einer weiteren Klärung der fran ; ösisch-deutschen Beziehungen handle. Unter dieser letzteren Voraussetzung — so betonen beide Blätter auf Grund ihrer Washingtoner Informationen — werde sich die deutsche Kreditfrage als ein wesentlich banktechnisches Problem behandeln lassen. „herald Tribüne" berichtet weiter, daß in den offiziellen Kreisen Washingtons die Anschauung vorherrsche, man werde sofort Kredite gewähren, wenn auch zunächst nur solche mit 9 0 t ä g i g e r Laufzeit. Dies, um es Deutsch- land zu ermöglichen, die internationale Bankwelt zur Ueberzeugung zu bringen, daß es feine Finanzlage kontrollieren föhne und daher einoertrauenswürdigerSchuldner für langfristige Anleihen fei. Hoover, fo meint das Blatt weiter, würde den Entschluß nicht gefaßt haben, Vorschläge durch Stimson unterbreiten zu lassen, wenn irgendein positiver Plan von anderer Seite gekommen wäre. Er sei jedoch überzeugt, daß eine Hilfsaktion für Deutschland und die übrige Welt rasch einsehen müsse, um die erwünschte Wirkung zu erreichen. Die Ansichten, die in der „New Pork Timer" und „herald Tribüne" zutage treten, stimmen im wesentlichen mit den Anschauungen der hiesigen Finanzkreise überein. Diese halten in der Mehrzahl an der Ansicht fest, daß angefichts der gegenwärtigen Lage des Aktienmarktes eine Beteiligung der amerikanischen Banken einer langfristigen Anleihe für Deutschland kaum erfolgversprechend fein dürften. Die Blätter bemerken indessen — auf Grund von gestern verfolgten Umfragen in Banf- freifen —, daß irgendwelche wesentlichen Fortschritte auf der Londoner Konferenz namentlich hinsichtlich der f r a n z ö s i s ch - d e u t- schen Beziehungen, auch einen entsprechenden Wandel in der Stimmung der hiesigen Finanzwelt zur Folge haben könnten. Oie (Stimmung in London. Englische Blätter warnen vor übereiltem Optimismus. - Weitere Kredit- Zurückziehungen durch Amerika und England nicht zu erwarten. London., 21. 3ult. (ERB. Funkspruch.) Eng- kische Blätter glauben Anllaß zu haben, auf die Sch wierigkeiten hinzuweifen, mit denen die Londoner Konferenz sich aus« inander setz en muß, wenn sie zu einem Ergebnis gelangen soll. Diese Schwierigkeiten werden insbesondere in der „Daily Mail" betont, di« auch auf die vorsichtige Redeweise des amtlichen Communiques über die erste Sitzung der Konferenz hinweist und erklärt, daß dieser Ton Beachtung verdiene Man foCl sich gestern in maßgebenden Kreisen über den an gewissen Ställen zum Ausdruck kommenden Optimismus sehr erstaunt geäußert haben. Frankreich ist nach Anschauung des englischen Beobachters nach wie vor geneigt, Bedingungen zu stellen, denen Deutschland sich widersetzen müfse und die von mindestens einem Teil der anderen Mächte bedauert werden. Allerdings sei die Konferenz so ungeheuer wichtig für die Zukunft der Welt, daß die Delegierten es einfach nicht wagen würden, auseinanderzugehen, ohne etwas We- senLiches zustande gebracht zu Haven. Außerhalb des Sitzungssaales werde von vielen Delegierten bekannt, daß die einzig wahre Lösung in der völligen Annullierung der Kriegsschulden oder in einer Verlängerung des einjährigen Hoover- Moratoriums zu suchen, sei: niemand aber sei bisher so kühn gewesen, diese Ansicht i n ne r - halb der Konferenz zu äußern. Auch glaubt „Daily Mail" von Meinungsverschiedenheiten innerhalb des englischen Kabinetts zu wissen, bei denen Macdonald und Snowden auf der einen, Henderson auf der anderen Seite sich gegenüber- stehen. llnö zwar sei Henderson den französischen Wünschen gegenüber mehr zum Entgegenkommen geneigt, als seine Ministerkollegen, die sich an der öffentlichen Meinung Englands orientierten. »Morning Post" beschäftigt sich mit dem Frankreich zugeschriebenen Projekt einer durch di e deutschen Zölle garantierten 2-Milliardenanleihe und verweist darauf, daß ein solcher Plan weder in London, noch in Washington Billigung fände. Ebenso sei es kaum durchführbar, die Erörterungen in London so eng zu umgrenzen, wie es von Frankreich gewünscht werde. Es müsse geprüft werden, wie weit die finanziellen Schwierigkeiten und Europas politischer Ratur feien. 3n der City herrsche die Ansicht, daß ein noch so klug ausgedachter finanzieller Plan nicht erfolgreich sein könne, wenn er auf politischem Gebiet nicht von Verständigung und gutem Willen begleitet fei, durch die dem Publikum Vertrauen eingeflöht werde. Cs bestehe guter Grund für die Annahme, daß — dank des guten Einvernehmens zwischen allen biefigen Akzeptbanken, Clea- ring-Kiusern und den Danken der Vereinigten Staaten — keine Zurückziehung von Krediten ausDeutschlanddurch diese Länder tu erwarten sei. Gleichzeitig scheine Grund für die Annahme vorhanden zu sein, daß die deutschen Banken selbst in jeder verfänglichen Weise zur Festigung der Lage zusammenarbeiten. 3n der City sei man der Ansicht, daß die Regierungen besser daran tun würden, das Vertrauen zum deutschen Kredit zu ft ä r- ft e n, anstatt große Anleihen zu gewähren. Aehn- liche Anschauungen werden auch im Finanziell der „Time s" vertreten. Die deuisch-österreichische Zollunion vor -em Haager Gerichtshof. Haag, 20.Juli. (WTB.) Im Großen Sitzungs- jaal des Friedenspalastes begannen heute vormittag die öffentlich-mündlichen Verhandlungen des Ständigen Internationalen Gerichtshofes über d i e juristischen Grundlagen der geplanten deutsch-österreichischen Zollunion. Bekanntlich wurde dem Haager Gerichtshof durch Entscheidung des Dölkerbundrats vom 19. Mal d.J. folgende Frage zur gutachtlichen Entscheidung vor- gelegt: „Würde ein zwischen Deutschland und Oesterreich auf der Grundlage und in den Grenzen der Grund- faße des Protokolls vom 19. März 1931 hergestellter Zustand vereinbar sein mit dem Artikel 88 des Vertrages von St. Germain und dem Ersten Genfer Protokoll vom 4.Oktober 1922?* 2ln den Verhandlungen beteiligen sich nur fünf Machte, nämlich Deutschland, Oesterreich, Frank- reich, die Tschechoslowakei und Italien. Zu der heu- tigen Eröffnungssitzung hatte sich ein großes internationales Publikum eingefunden, unter dem man zahlreiche Angehörige des Haager diplomatischen Korps, Vertreter der holländischen Behörden, Mitglieder der Haager Akademie für Internationales Recht, sowie eine größere Anzahl Vertreter der hol- ländischen und internationalen Presse bemerkt. Genau um 10.30 Uhr ertönte der Ruf: „La Cour!", worauf sich alle Anwesenden erhoben und die Mit- glieder des Richterkollegiums den Saal betraten, um sodann an dem im Hintergründe auf einer Erhöhung aufgestellten Gerichtstifch Platz zu nehmen, in der Mitte der japanische Präsident Adatci. Deutschland wird durch den Direktor des Berliner Institutes für Internationales und Völkerrecht Prü< fessor Bruns, Oesterreich durch den Völkerrechtler Professor Dr. Sperl vertreten. Der Präsident gab befannt, daß sowohl deH Vertteter Oesterreichs wie auch der Vertreter der Tschechoslowakei beim Gerichtshof den Antrag gestellt hätten, daß dem Gerichtshof für den vorliegenden Streitfall ein Richter ihrer Staatsangehörigkeit bei- 'gefügt werden solle. Der Gerichtshof habe sowohl den Eintrag Oesterreichs wie den der Tschechoslowakei abgelehnt. Dann erhielt der deutsche Vertreter, Professor Dr. Bruns, das Wort. Bruns hob einleitend daß es sich bei der dem 3nternattonalen Gerichtshof unterbreiteten Frage darum handele, ob das auf den Prinzipien des Wiener Protokolls vom 19. März d. 3- zu errichtende Zoll- regime mit dem gegenwärtigen für Oesterreich geltenoeri juristischen Statut zu vereinbaren sei. Diese Frage sei eine rein juristische. 1210)1 pabe also die beabsichtigte Zollunion weder unter wirtschaftlichen noch unter politischen, son- Omi ausschließlich unter rein juristischen Gesichtspunkten zu untersuchen. Kein Staat könne vollkommen in dem Sinn unabhängig sein, datz er nicht durch Verträge seine Handlungs- freihett in irgendwelchen Drehungen ein- schränken lassen müsse. Von-französischer Sette sei hierzu eine These aufgestellt worden, bei deren Anwendung Oesterreich verpflichtet war«, stets beim Abschluß eines Vertrages, der eine Erhöhung seiner wirtschaft- lichen oder polittschen Abhängigkeit zur Folge va^e k>ie vorherige Zustimmung des , rbundsrates dazu einzuholen. Der Volkerbundsrat hätte also dann das Recht, jede geplante Abmachung wirtschaftlichen, polittschen. finanziellen oder anderen Charakters, welche die Aktionsfreiheit Oesterreichs ändern würde M Prüfen. Wenn diese französische These richttg wäre, dann hätte die Anabhängigkeit Oesterreichs niemalsexi stiert. Der Arttkel 83 des Ver- ttages von Saint Germain, der die Anerkennung der Unabhängigkeit Oesterreichs durch alle Dignatarmächte enthalte, würde also nicht bta Unabhängigkeit, sondern die vollkommenste Abhängigkeit dieses Staates eingeleitet haben« — Dienstagvormittag wird der deutsche Vertteter sein Plädoyer, das noch den ganzen Dienstag ui Anspruch nehmen dürfte, fortsehen. Die Notverordnung über Ausreisebeschränkungen. Berlin, 20. 3uli. (ERB.) Rach Meldungen^ me aus den Hafenstädten vorliegen, droht die Rotverordnung über die Gebühr von 100 Mk. auf Auslandsreisen die Oftseereedereien, die gerade in diesen Monaten kleine DesichtigungS- ^^..^kguügungsreisen veranstalten, schwer zu Vorstellungen der Rordischen Gesellschaft in Lübeck und der 3ndusttie- und Handelskammer Stettin hat Reichsminister a. D. Prof. Moldenhauer beim Derkehrsminister Vorstellungen erhoben und auf die Rotwen- cngfeit hingewiesen, daß Härten vermieden! werden. Prof. Moldenhauer hat damit beim Reichsverkehrsminifter durchaus Verständnis gefunden und es ist anzunehmen, daß die Aus- führungsbestimmungen, die vielleicht schon für heute abend erwartet werden, die besonderen Verhältnisse berücksichtigen werden. Oie Wirtschastspartei in Hessen. Der Wahlkreis Hessen-Darmstadt der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) hat auf seinem außerordent- uchen Parteitag in Frankfurt a. M. einsttm- mtg beschlossen, s i ch nicht von der Partei zu trennen und die Arbeitsgemeinschaft mit bem, aus der Partei ausgeschiedenen Wahlkreis Koblenz-Trier und den ausgeschiedenen Mitgliedern des Wahlkreises Hessen-Rassau a u f z u - heben. Der Beschluß, bei den hessischen Landtags Wahlen selbständig vorzugehen, erfolgte bei einer Stimmenthaltung ebensoCte einstimmig. Durch diesen Beschluß sind jedoch Liftenverbindungen mit anderen bürgerlichen Parteien nicht ausgeschlossen. Kleine politische Rachrichten. 3n F r a n k f u r t a. M. nahm ein großes Aufgebot von Kriminalbeamten und Schutzpolizei eine Durchsuchung verschiedener kommunistischer Bureaus und anderer Stellen vor. Der Polizei war es in der Hauptsache darum zu tun, gewiße Akten, die sich in fomniu- msttschen Händen befinden sollen, aber auch zahl- reidye Druckschriften zu suchen und sicherzustellen. Große Mengen Material wurden in Wagen auf das Polizeipräsidium geschafft. Da die Sichtung des Materials längere Zeit in Anspruch nehmen toirö, ist über das Ergebnis der Durchsuchungen im Augenblick noch nichts zu sagen. * Die kommunistische „Arbeiter - Zeitung" in Frankfurt a. M. ist wegen der Tttelüberschrist „Rlemand glaubt mehr an die Beruhigungsmärchen" beschlagnahmt und das Erscheinen des Blattes auf die Dauer von sechs Wochen verboten worden. Der Oberpräsident in Kassel hat auf Grund des § 2 der Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreibungen die deutschnattonale Tageszeitung „Frankfurter P v st" auf die Dauer von zwei Wochen verboten. Das Verbot umfaßt auch die im gleichen Verlag erscheinenden Kopfblätter. 2Ns Grund wird der Arttkel „Brüning und das Chaos" angegeben, in dem eine böswillige 'Berä$tlfcb- machung der Reichsregierung erblickt wird. Aus aller Welt. Oie Testspiele in Bayreuth. Bayreuth, die alte Wagnerstadt, steht am Vor- abenb öcs Beginns der diesjährigen e e Jur *n diesem Jahre das Interesse starker Ist denn je. Das geht schon daraus hervor, daß die Nachfrage nach Eintritts- karten gerade in diesen Tagen noch außerordentlich stark ist und viele, besonders auswärtige Besucher abgewiesen werden mußten, da d i e e r st e n Festspielabende ausoerkauft sind. An- gesagt haben sich u. a. der König von Bulgarien, der ständige Besucher der Festspiele, der e h e - malige Großherzog von Hessen, die ehemalige Kronprinzessin Cäcilie von Preußen, die Fürstin von Albanien, Fürst Ernst v. Hohenlohe- Langenburg, Mitglieder des griechischen Königs« Amtsverkündigungsblatt für die Provinzialdirektion Oberheffen und für das Kreisamt Gießen 7Ir. 51 Erfcheint Tienttag und Frettag. 21. Jllli Hur durch bic Pos! zu blieben.1931 3nbalt«-Meberfi(6t- Die Ferien des KreisauSfchuffeS - Die Erhebung von Deckgeld für Bedecken der Stuten Die Entwässerung der Grund- stücke in der Stadt Hungen. - Die Erhebung einer Bftrsteuer in der Gemeinde Trohe. — Dienstnachrichlen. Bekanntmachung Detr.. Die Ferien de« KreiSausschusfes. Der KreisauSfchuß hält während der Zeit vom 15. Iuii bis 15. Sep- tember Ferien. Währeird der Ferien können nur besonders eittge Sahen zur Verhandlung kommen. Aus den Laus der geschlichen Fristen sind die Ferien ohne Einfluß. Gießen, den 15. Juli 1931. Kreisamt Gießen. I. D.: Ritzel. Detr: Die Erhebung von Deckgetd für Bedecken der Stuten rin den Herrn Oberbürgermeister der Stadl Gießen und die Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Wir empsehlcn Ihnen, uns die Heblisten über die im Jahre 1931 in Ihren Gemeinden ersallenen Sprunggelder (1. unb2.‘Teilbetrag) unter Veischluß der zurückaegebenen Deckscheine bis spätestens 1 August d. 3. vorzulcgen. 3n den Heblisten über den 1 Teilbetrag sind 15 Mark und in denjeniacn über den 2 Teilbetrag 25 Mark für jetc Stute einzutragen Die Angaben in den Deekregistern, den yeb- tistcn und aus den Deckschcinen müssen genau übereinstimmen, andern- sali» doppelte Anforderungen nicht zu vermeiden sind. Vordrucke für die Heblisten sind bei uns anzufordern. Gießen, den 16. Juli 1931. Kreisamt Gießen. I.V.: Schmidt. Polizeiverordnung betreffend die (Enlroäffcrung der Grundstücke in der Stadt Hungen. Aus Grund des Artikels 64 der Kreis- und Provinzialordnung, der Artikel 2. 32, 35. 36 und 65 des Gesetze« vom 30. April 1881. die allgemeine Bauordnung betreffend, und der 88 3. 4, 6 8 und 9 her Verordnung vom 1. Februar 1882, die Ausführung der allgemeinen Bauordnung betreffend, wird nach Anhörung des Gemeinderats, unter Zustimmung des Kreisausfchusses und mit Genehmigung Hess Ministenums des Innern vom 9. Juli 1931 zu Br. M d. 1.32 403 für- die Entwässerung der Grundstücke in der Stadt Hungen die solgcnde Polizeiverordnung erlassen: 8 1. Alle bebauten Grundstücke in dem Gebiet der allgemeinen Ent- Wässerungsanlage der Stadt Hungen müssen den nachfolgenden Vorschriften entsprechend entwässert werden. Falls es im öffentlichen Interesse ersorderlich erscheint, kann das Kreisamt diese Vorfchrist auch auf unbebaute Grundstücke ausdehnen. Die Frage, ob ein Grundstück als bebaut anzusehen ist. entscheidet das KreiSamt endgültig. 8 2. Alle Grundstücksentwässerungen einschließlich der bereits vorhandenen müssen den deutschen Rormenvorschrisfen. Blatt DIN 1986 über Technische Vorschriften beim Dau und Betrieb von Grundstücks- entwässerungsanlagen", entsprechen. Die Aormenvorschristen bilden in der jeweils geltenden, im Amtsverkündigungsblatt für den Kreis veröffentlichten Fassung einen Bestandteil dieser Polizeiverordnung. Für jedes Grundstück muß ein Gesuch mit Plänen in doppelter Ausfertigung eingereicht und die Anlage darf erst nach Genehmigung ausgeführt werden. Eine genehmigte Planausfertigung kommt zu den Akten der Bürgermeisterei, die zweite erhält der Gesuchsteller zurück: diese Ausserligung muß sich während der Aussührung immer auf der Baustelle befinden. , Aenderungen, Umbauten, Ergänzungen usw. bedürfen neuer Genehmigung und find nach der Ausführung in die Pläne einzutragen. Vor erfolgter vorschriftsmäßiger Ausführung und Abnahme der Entwässerungsanlagen dürfen Neubauten nicht in Benutzung genommen werden. 8 3. Die Verpflichtungen zum Anschluß an die städtische Kanalisation liegt dem Eigentümer des Grundstücks ob. e 8 4. Die Abwässer der zum Anschluß verpflichteten Grundstücke, insbesondere das Regen-, Schmelz-, Haushaltung«- und Wirtschaft«- wasser, müssen in die Straßcnkanäle geleitet werden. Aborte und Pissoire lönnen auf Antrag an die Kanäle angeschlossen werden. Sie Aborte müssen mit Spülvorrichtungen verleben fein. Stallabwässer. die nicht in eine ^uhlgrube abgeleitet werden, sind anschlußpflichtig Die Einleitung gewerblicher Abwässer, Kondenswässer und dergl ist in jedem einzelnen Fall von der Genehmigung der Bürgermeisterei abhängig, hierbei können besondere Bedingungen vorgeschrieben werden Wo ein oesonderer Regenwasserkanal nicht vorhanden ist, kann das Regenwasser in gepflasterten Rinnen und unter dem Fußsteig hindurch in geschlitzten Gußröhren nach der Straßenrinne geleitet werden. 3m übrigen ist das Regenwasser entweder au« den Fallrohren direkt anzuschließen, oder bei kleinen Dachflächen auf den Höfen durch gepflasterte Rinnen einem Hoffinkkasten zuzuführen, § 11 der T»D. Alle Regcnrohre in Straßen, in denen ein Regenwasferkanal besteht oder später gelegt wird, sind unterirdisch anzuschliehen. 8 5. Es ist verboten: 1. 3m Trenngebiet Schrnutzwasser in die Regenwasserkanäle oder Regenwasser in die Schmuhwasserkanälc eiiuufübren. 2. Feste Stoffe, wie Kehricht, Sand, Asche, Kuchenabfälle, Schutt. Lumpen und dergleichen, menschliche und tierische Abgangsstoffe, ekelerregende oder schädliche Flüssigkeiten, Säuren und Langen, welche die Kanalwandungen angreifen und' spreng- oder feuergefährliche oder solche Stosse, welche lästige oder schädliche Ausdünstungen verbreiten, in die Kanäle zu leiten. 3. Abwässer aus die Straße oder in die Straßenrinnen oder Sinkkasten zu schütten oder zu leiten. 4. Auf öffentlichem oder privatem Gelände oder in den Straßenrinnen Stoffe irgendwelcher Art so zu lagern, oder bei dem Transport so zu verstreuen, daß sic abgeschwemmt werden öder auf andere Weise in die Straßensinkkasten gelangen können. 8 6. Rach Herstellung der vorschriftsmäßigen Grundstücksentwässerung find die allen Vorrichtungen zur Aufnahme von Schmuhwässern und Fäkalien (Gruben. alte Kanäle, Sickerungen und dergleichen) zu entleeren und nach besonderer Anweisung der Stadtverwaltung entweder zu beseitigen oder außer Betrieb zu setzen. Wasserdichte Sammelgruben für Regenwasser dürfen ausnahmsweise mit besonderer Genehmigung der Bürgermeisterei unter den von dieser festgesetzten Bedingungen belassen oder angelegt werden. 8 7. 3edes Grundstück ist selbständig zu entwässern. Eine.auch nur teilweise, gemeinschaftliche Anlage für zwei oder mehrere Grundstücke, wenn auch einem Eigentümer gehörig, ist untersagt. Ausnahmen bedürfen der ausdrücklichen Zustimmung der Bürgermeisterei. 8 8- Alle nach der Straße abwässemden Dächer müssen innerhalb seck>s Monaten nach ergangener Aufforderung mit Dachrinnen und bis zum Boden reichenden Absallröhren nach den technischen Dorschristen versehen werden. 8 9. Binnen der in § 8 festgesetzten Frist müssen die an öffentlichen Straßen oder Plätzen vorhandenen Düngerstätten,' Pfuhl- oder Müllgruben aus wasserdichtem Mauerwerk hergestellt und mit einem verdeckten Abschluß gegen die Straße versahen werden: auch sind sie dauernd gut zu unterhalten. Bestehen derartige Anlagen aus Ge- meindeeigenturn, so ist vor der vorschristsmäßigen Herstellung mit dem Gemeinderat Vereinbarung wegen de« Weiterbestände« zu treffen. 8 10. Entwässerungsanlagen dürfen nur von Unternehmern, die vom Gemeindcrat zugelassen sind, ausgeführt werden. Die Zulassung ist widerruflich. Für die Ausführung der Kanalanschlüsse und der Haus- installalionen können nur solche Persoiren in Frage kommen, welche Gewähr dasür bieten, daß die Anlagen genau der Ortssatzung und den sachmännischen Vorschriften und Bedingungen entsprechend ausgeführt werden. Werden Verstöße gegen diese Vorschriften feftgestellt, so sind die ausführenden Handwerknreister oder llebemebmer dem Grundbesitzer, diese eben wie jene der Gemeinde gegenüber für alle Schäden haftbar. Die betreffenden ileberncbiner werden auf Beschluß des Gemeinderats von der Ausführung weiterer Kanalanschlüsse ausgeschloffen. 8 11- Unbemittelten Grundeigentümern kann auf ihren Antrag die Entwässerungsanlage vorlagsweise durch die Stadt ausgeführt werden. Die Verzinsung und Tilgung der Schuld erfolgt nach einem vorn Gemeinderat jeweils sestzusetzenden Hundertsatz, welcher bis zur völligen Abtragung der Schuld von dem ursprünglichen Schuldkapital Als er nac$ einigen Tagen ziemlich mißmutig in seinem Gasthaus saß. fiel ihm eine Zeitung in die Hand: in dieser la« er, daß jene« Schiff gestrandet und von der ganzen Besatzung nicht ein Mmrn gerettet worden war. Der Dierklee hatte ihn vor diesem Schicksal bewahrt. Duftender Klee, der die sommerliche Erde mit seinem weichen Kleide deckt, saftiger Klee, der unzähligen Tieren Wohltat und Ladung ist, blühender Klee. Sinnbild des Ausharrens und De- lohntwerdens l De« SommerS Höhe kreuzt er. aber auch durch bc« Herbste« Tage geht er mit uns, auf Wielen — wie auf Heideland. — ein Stück Heimat ist er: Wo wir ihn treffen sind wir ... zu Häusel 55 Jahre Bavaria in Gießen. Am SamStagabend beging der Desellschastsver- ein Bavaria MIO Mt<«L 9 woing. • orytm «Keft* hnte ä Qreupein. ■ Htetl K Orwuitr (§)uindjt nicht gelungen. der beiden u t t a t kam 1100 ver- 1610 05601. Darmstadt. 20. Iuli. Der 21jährige Ludwig ßoren^ Weingärtner auS Darmstadt. SunHionär der syndikalistischen Arbeiterbewegung. hotte sich bet den Vorgängen am Mittwoch besonders hervorgetan. Er war im Desitz einer 6tahlrute, von der er Gebrauch machte. Ove gen Aufruhrs und Verstoßes geyen die Waffenmißbrauch-Verordnung verurteilte ihn der Schnellrichter zu zehn Monaten Gefängnis. 3m Anschluß an die Beisetzung Opfer der Groß-Gerauer Bl beeren 35—40, Dicke Dohnen 10—15 Pf daS Pfd, Gelbe Aüben 8—10, Rote Rüben 8—10, Radieschen 10—15 Pf dos Bund, Kartoffeln per Zentner 4,50—5 Mk. Ptornotizcn. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater Gießen: „Helene kann doch nichts dafür". 20 bis 22 Hbr. — Volk-nationale ReichS- verein.gung, 20.30 tibr. Hotel Köhler, Staatsbürgerabend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Mordprvzeß Mary Dugan". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute. 20 Uhr. 7. Vorstellung im Sommer-Abonnement mit dem einmaligen Gastspiel Berliner Bühnenkünstler. Zur Aufführung kommt das Lustspiel ..Helene kann doch nichts dafür", von Marrah und Oesterreicher. mir Katta Sterna in der Hauptrolle.Spielleitung: Fried Brand: Conference: Otto Waldmann: sonstige Mitw.rkende: Hela von Bühl. Erna Cornel.us. (SLo Nikolaus und Fritz Oesterreicher. Sommer-Abonnenten zahlen einen Aufschlag von 25 bzw. 50 Pf. - Ende 22 Uhr. pachtet. Der bisherige Pachtpreis betrug Mark. Vor dem Schnellrichter. SS Jahre Bavaria in Gießen. Am Samstagabend beging der Gesellschaftsver- ein B o v a r i a in Giehen in Anwesenheit zahlreicher Gäste bei starker Beteiligung seiner Mitglieder die Feier seines 55jährigen Bestehens in Gestalt eines Wiedersehenstages mit den in allen Teilen des Reiche- und teilweise im Auslande wohnenden früheren aktiven Mitgliedern des Vereins. 3m großen Gesellschaftsraume des Gasthauses Hindenburg hatten sich von hier und von auswärts die Gäste und Mitglieder in so stattlicher Zahl eingefunden, daß der geräumige Saal voll besetzt war. Der Vorsitzende des Alte-Herren-Verbandes der Bavaria. Herr Carl Berg, entbot den Gästen und den vielen Bundesbrüdern herzlichen Willtommengruß. Er erinnerte an die hohen Ideale der Freundschaft und der Treue nach dem Wahlspruch „(Einer für alle, alle für einen", die seit der Gründung des Bundes bis auf den heutigen Tag Grundlage und Leitgedanke der Bavaria und aller ihrer Mitglieder gewesen sind. Weiter gedachte er der verstorbenen unb der im Weltkriege gefallenen Bundesmitglieder, deren Andenken die Versammlung durch Erheben von den Sitzen chrtc, während die Musik einen Oktd des Liedes „Ich hatt' einen Kameraden" spielte. Mit dem Wunsche, daß die Ideale des Bundes Zwischen 2 Zigaretten 3 / •Tabletten V O worecnios. o netto, k» nato Mtcxi» worxig. • oeetai eWetftu * Sehnte a Graupeln. * nenel K Gewitter.©winfljuiie-KS Jrtr eicnter Ost ^5 «<$$'oe' tüdaudwesi Q sturmticner nordwesfc Oie »lene nieoen mit dem Winde Die 0ei den Stationen jUnenden Zal^ en geoen die Temperatur an. Pie Limen ueroiw« Orte mit gKKfec^ auf Meereiniveau umger«6nete» Luftdruck Wettervoraussage. Allgemeiner Luf t druckanst ieadeu tet daraus hin, daß baS Hochdruckgebiet im Westen seinen Weg nach dem Festland nimmt. Unter seinem Einfluß wird zunächst etwas besseres Wetter eintreten. Eine Erscheinung, welche wahrscheinlich nur vorübergehend ist, denn zwischen den Britischen 3n» sein und Island rückt eine neue Störung heran. Sie dürste den Hochdruck später abschwachen, so daß die Randstörungen bis in unseren Bezirk wieder wetterwirksam werden. Vorhersage für Mittwoch: Bewölkt mit Aufheiterung, noch kühl, jedoch etwas wärmer als seither, meist trocken. Lufttemperaturen am 20. Juli: mittags 18,4 Grad Celsius, abends 13,6 Grad: am 21. Juli: morgens 12,9 Grad. Maximum 18,8 Grad, Minimum 9,6 Grad. — Erdtcmperaturen in 10 cm Tiefe am 20. Juli: abends 18,4 Grad: am 21. Juli: morgens 13,8 Grad Celsius. — Niederschläge 1,4 mm. — Sonnenscheindauer 4V* Stunden. Reisewetter dienst der amtlichen Wetterdienststelle Gießen. Garmisch-Partenkirchen: 9 Grab, Südwestwind. Witterung heute morgen anhaltender Regen, seit gestern veränderlich mit Schauern. Baden-Baden: 12 Grad. Südwestwind, halb bis ganz bedeckt, gestern Dauerregen. Helgoland: 12 Grad, Rordwestwind, halb bis ganz bedeckt, gestern veränderlich mit Schauern. Swinemünde: 13 Grad, Westwind, halb bis ganz bedeckt, gestern teils heiter, teil- wolkig. Verantwort!, f. d. Feuilleton: 103. Dr. Lange. arbeiten, also gemeinnützig sind. <> Dornholzhausen. 20. Iuli. Die hiesige Gemeindejagd wurde freihändig an di« Kaufleute Ottmar Wetzel und Wilhelm Dender zu Frankfurt a. M. zum Preise von Mark jährlich auf die Dauer von 9 Iahren KrciS Lauterbach. H Lauterbach, 20. Juli. Bei der gestrige« Wahl des zweiten Beigeordneten der S:adt. dellen Amtszeit in diesem Iahre abläuft. wurde der seitherige "Beigeordnet^Prr»- kurist David M ö v e r . mit 1008 Summen wieder» gewählt. Der Gegenkandidat. Gerichtsassellor Hel- muth Scheer, erhielt 791 Stimmen. preutzen. Kreis Wetzlar. Z Wetzlar, 20. Juli. Die Preußisch« Glektrizit ä t S AG iAbtlg. Stromversorgung Wetzlar) hat an sämtliche Gemeinden ihres DersorgungSgebietes ein Rundschreiben gerichtet, nach dem sie in Ortschaften, in denen Dresch- genossenschasten bestehen, oder in denen die Gemeinden selbst mit dem Dreschmaschinenbesitzer ein Abkommen sür mehrere Einwohner treffen, oder in denen die Gemeinde einen eigenen Dreschmvtor für gemeinnützige Zwecke besitzt, in diesem Iahr« ohne Rücklicht auf die Derbrauchsmenge den elektrischen Strom für Drefchzwecke zu 12 Pfennig je Kilowattstunde liefern will, unter der Voraussetzung, daß die Gemeinde den Strom höchsten- mit 15 Pfennig pro Kilowattstunde weiterverkaust. Diese Sondervergünstigung gilt nicht sür Mvtore. die lediglich für ben eigenen Bedarf des einzelnen Landwirts arbeiten, sondern nur für solche, die für Gruppen von Landwirten Hauses und eine Reihe von Persönlichkellen der Lite- ratur und schönen Künste, darunter Max Slevogt. Erfreulich ist es, daß der große Teil der Besucher sich aus deutschen a g n e r ■ ö r e u n D e n zusammensetzt. Von den Ausländern sind d l e Amerikaner in der Uederzahl. Die Festspiele werden programmäßig durchgeführt werden. Alle Gerüchte, die ihren Ablauf mit der augenblicklichen Krise in Deutschland in Zusammenhang bringen, sind völlig aus Der Luft gegriffen. Das künstlerische Niveau der Austührungen wird, wie schon heute nach den jetzt abgeschlossenen Proben gesagt werden darf, um ein nicht geringes die vorjährigen übertreffen. politische Zusammenstöße bei einem Tanzvergnügen. In Auszug bei Glogau kam es am Sonntag bei einem bffentlichen Tanzvergnügen zu schweren und blutigen Ausschreitungen zwischen etwa 30 Kommunisten und Nationalsozialisten, sowie Mitgliedern des Stahlhelms. Drei National- fojialiften find dabei schwer verletzt worden. Der "Ojahrige Landwirt Hermann Schmeißer, der dem Stahlhelm angehören soll, wurde durch einen Schlag mir einer gefüllten Bierflasche auf den Kopf getötet. Das Lokal wurde falt vollständig demoliert und der Gastwirt, ein 80iät)riger Mann, verletzt. Die Staatsanwaltschaft in Glogau hat die Leiche des Erschlagenen beschlagnahmt. Die Täter sollen den Behörden bekannt fein. Aus her pwvinzialhauptstaht. Gießen, ben 21. Iul i 1931. ' Der rote Klee blüht. Herb und würzig steigt der Dust der tief- roten Kleeblüten auf. die von Hummeln unö Bienen in luftigem Getümmel umfchwärmt werben. Ist daS ein Blühen! Man sieht'- der Wiese gar nicht an, daß sie schon einmal ihre prächngste Blüte hergeben muhte. Ietzl hat sich von neuem entwickelt, stolz und stark hat er seine kräftigen Blumen emporgetrieben, ein Labsal für die weichen Mäuler der Kühe_ynb Die schnubbernden Rüstern der Pferde. Köstlichsten Honig und kräftigste Rahrung spenden sie, diese Blüten, die in der Heilkunde in frühen Zeiten eine so große Rolle spielten. Sin Tee von den Blättern des RvtklecS wurde von ben Aerzten angewandt, um Fieber zu stillen- 3m fünfzehnten Jahrhundert benutzte man di« Samen, um Seitenstechen und Wallersucht zu bekänchsen, und noch heute wird in "Nordamerika ein Klee» blütenaufguh al« treffliches Mittel gegen Magenkrebs angesehen. _ c , . Auf den Grabhügeln unserer Vorfahren stand her Rotklee einst als Sinnbild: so wie der Mensch geduldig aus ein Zeichen von Gotte- Liebe wartet, so geduldig harrt der Rotklee auf Sonne und Regen, so entfaguna-voll trägt und erleidet er alles, was an Unbill über ihn verhängt wird. Er wächst ja nicht nur auf saftstrotzendem Wiesenboden, auch die dürstigste Heide nährt und trägt ihn: wie Blut leuchten auch hier seine nickenden Blüten. Die ersten Christen sahen in dem Kleeblatt ein Zeichen der Dreieinigkeit: deshalb benutzte der Apostel der Iren. Patrik, das Kleeblatt als Anschauungsmaterial. Aus jenen frühen Zeiten leitet sich auch der alte Dolksglaube her, daß ein Dicrblättrigc» Kleeblatt ein Glücksbringer sein müsse, hatte man doch damals allgemein die Anschauung, daß jede Abweichung von der Rorm irgendwie bedeutsam sein müsse. Ein Kleeblatt aber, da- nur zwei Blätter hat, gilt als unheilkündend. Auch unsere sachliche Iugend freut sich noch, wenn ein Vierklee gefunden wird, und wenn man ihn vielleicht auch nicht mehr zwerchen den Blattern des Tagebuches preßt — oder wer weiß: vielleicht doch? — so ist es eben doch irgendwie eine Freude und eine Glück-Hoffnung, die man nicht gern missen möchte. Eine richtige Vierkleegeschichte hörte ich neulich erzählen: Kam da ein fremder Herr an einem Garten vorbei, in dem ein Gärtner beschäftigt war. der im Knopfloch ein vierblättriges Kleeblatt hätte. Der Fremde blieb stehen und bat den Gärtner, ihm da- Kleeblatt zu schenken, er wolle eine weite Reise machen und möchte gern eine Erinnerung an die Heimat mitnehmen. Der Gärtner reichte ihm das Kleeblatt, doch da kam der Besitzer des Gartens und bezichtigte den Fremden des Diebstahls. Er schleppte ihn mit zum Richter, und es wurde ein Verhör angestellt, bei dem sich die Unschuld des Fremden erwies. Dieser eilte nach dem Hafen der Stadt, sah hier aber zu seinem Entsetzen, daß das Schiff, mit dem er ha'te fahren wollen, bereits abgefahren war. Es blieb ihm nichts übrig, als auf da- nächste Schiff zu tcarten. Als er nach einigen Tagen ziemlich mißmutig in seinem Gasthaus sah, fiel ivm eine Zeitung in die Hand: in dieser las er, daß jenes Schiff gestrandet und von der ganzen Besatzung nicht ein Mann gerettet worden war. Der Dierklee hatte ihn vor diesem Schicksal bewahrt. Duftender Klee, der die sommerliche Erde mit feinem weichen Kleide deckt, saftiger Klee, der unzähligen Tieren WoUlat und Labung ist, blühender Klee, Sinnbild des Ausharrens und De- lohntwerdenS I Des Sommers Höhe kreuzt er. aber auch durch des Herbste- Tage geht er mit unS, auf Wielen — wie auf Heideland. — ein Stück Heimat ist er: Wo wir ihn treffen sind wir ... zu e- dort zu Zusammenstößen mit der Polizei. Dabei wurde der in Mainz wohnhafte Schiffs- Heizer Iosef Karl Zimmermann feftgenom- men, der mit einer Fahnenstange auf Schupo- beamte eingeschlagen und einige habet verletzt hatte. Zimmermann, der bei Heiner Festnahme noch Widerstand leistete, wurde heute von dem Schnellrichter wegen Widerstandes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Oie Wetterlage. Gregor als Mary Dugan vermag die schmerz- Echzell, 20. Iuli. Der hiesige Krieger- ersüllte, gequälte Angeklagte in jeder Hinsicht I verein beging gestern in Anwesenheit von 32 überzeugend glaubhaft zu machen. Arnold Vereinen des Hafsia-Bezirks Ridda das Fest Kvrff als unerbittlicher Staatsanwalt fordert seines 50jährigen Bestehens. Vormittags durch seine darstellerische Leistung zu starker De- wurden Ärän^e an den beiden Denkmälern von wunder ung aus. Egon v. Iordan ist der 1870,71 und des Weltkrieges nieder gelegt, und Bruder Mary Dugans. der Verteidiger und der Verein beteiligte sich am Gottesdienst. Rach- Retter der älnschuldigen und fällt in dieser Rolle mittags bewegte sich ein langer Festzug durch durch seine innere Sicherheit auf. Peter Erke- den ^schmückten Ort nach dem neuhergerichteten lenz (als kühl berechnender Mörder), Lucie Festplatz am Dreule. Hier hielt der Vorsitzende Dorarne, Hedwiga Reicher. Iulia deä Echzeller Vereins. Otto Heller, die De- S e r d a u. a. m. verhelfen im Rahmen ihrer grüßungsansprache. woraus seine Tochter. Lila Rollen dem Film zum großen Erfolg. Heller, mit einem Gedicht die neue Fahnenschleise ttießcncr Wochcnmarktpreise. überneichte. BankvorstMch ©cumrfCHi&ba) mahnte Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: ^^Ach°tt und Sreue, Butter 140-150. Matte 30-35 Pf. das Pfund. ^rn deuttck^sW^ Sier 9 Pf. daS Stück, Käse 10 Stück 60-140 Pf., Laubach schloß ^ne RelX u^d«itscheSW^ Wirsing 12-15, Weißkraut 12-15, Rotkraut 15 ^t einem Hoch auf die Arm«, öc überreizte bis 20, Spinat 20-25. Römischkohl 8-10. Boh- dein VereinT^Ea^^lne b^cmbere nen 8-15. Erbsen 10-15, MifchgemÜse 8-10. oVb e i rn Tomaten 25-40. Zwiebeln 10-15, Rhabarber 8 dem 22ia^gen H^^ch ^Asin Ost h etm bis 10, Pilze 20—25, Kartoffeln 5.5-6, Früh- rutell, indem ihm daS Hassia-Ehrenkreuz über ävfel 30—35, Falläpsel 6—8, Aepfel, ausländische, rcK*t ttnrröc- . _ ~ 50—60, Birnen 25- 35, Dörrobst 30-35, Kirschen Krcts Schotten. 20—30, Sauerkirschen 30—35, Heidelbeeren 20 bis Hc Schotten, 20. Iuli. Die schon vor Wock^n 30 Stachelbeeren 20—25, Iohannisbeeren 20 bis in der Gemarkung Eschenrod gespürten Wilb- 25 Erdbeeren 40—50, Zwetschen 35—40, Honig schweine, die auch bei Rainrod und zuletzt bei 40^-50, (Junge Hähne 90—110, Suppenhühner 90 Eichelsachsen festgestellt wurden, scheinen in den bis 100 Pf das Pfund, Tauben 50—70, Blumen- ausgedehnten Wäldern des vom Gackerstein nach kohl 30—70. Salat 5—10, Salatgurken 15—30, Eichelsdvrf ziehenden Höhenrückens ihr Stand- Einmachgurken 2—5, Ober-Kohlrabi 8—10, Lauch quartier zu haben. Der Abschuß eines Tieres ist 5-10, Rettich 10-15, Sellerie 10-15 Pf. das “ —"----~ Stück, Aprikosen 40—50, Pfirsiche 40—50, Hirn- unter den Farben blau-weiß-gvld stets von allen i aktiven Mitgliedern und den Alten Herren hoch- gehalten und gegebenenfalls in die Tat umge- letzt werden möchten, schloß der Redner seine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Ansprache. Kaufmann Wilh. Horn al- Angehöriger bes Alte-Herren-Verbandes der Bavaria hielt eine von hoher vaterländischer Begeisterung und em- st er Sorge um die gegenwärtige schwere Lage unseres Vaterlandes getragene Ansprache,^ in der er eindringlich aus den Emst dieser Zeit hmwics, aber auch aufforderte, nicht mit Kleinmut und Verzagtheit, sondern mit freudigem Willen xu aufbauender Arbeit sich in den Dienst des Vaterlandes zu stellen und durch die Mitwirkung nach I den Idealen des Bundes mitzuhelsen an der Wiederaufrichtung des deutschen Vaterlandes. Der Redner wies dabei auf die wech^elvolle Geschichte des Deutschen Reiches hin. aus deren Geschehen beherzigenswerte Lehren für die Gegenwart und für das Wirken zu einer besseren deutschen Zu- I kunft gezogen werden müßten. An dem Vorbild- I lichen Verspiel des Frei Herrn vom ©teilt und des Fürsten Bismarck in der Arbeit für Volk und Vaterland, aber auch an den gewaltigen Talen unseres Volkes und der deutschen Heere an allen Fronten des Weltkrteges müsse sich jeder Deutsche Kraft. Mut und Willen zu gleicher bingebenber Arbeit im Dienste der Dolksge'amtheit stärken und erneuern, ganz besonder- in der schweren Gegenwart, damit die heutige Generation ihre großen vaterländischen Aufgaben in der rechten Weise erfüllen könne. Kopf hoch und die Herzen I empor, treues Zusammenstehen für Deutschlands Shre und Freiheit, stets mannhaftes Eintreten für den Bestand und die Wiederaufrichtung des deutschen Vaterlandes unter dem Leitgedanken: treu sein für alle Zett. Deutschland über alles, müsse heute und immerdar oberstes Gesetz für jeden beut» schen Volksgenossen fein. Die mit großer Begeisterung und lebhaftem Beifall auf genommene Ansprache klang aus in dem gemeinsamen-Ges ang des Deutschlandliede-. Herr William Strauß aus Amerika und Herr Dr. K a l b f l e i s ch aus Meiningen als Mitglieder des Alte. Herren-Verbantes sprachen gleichfalls in begeisternden Worten über die enge | brüderliche Verbundenheit in der Bavaria und übet die hohen Ziele, die sich der Bund in der Pflege der Treue und Freundschaft untereinander und in dem Wirken für die Gesamtheit des Volke- gesteckt hat. Im Verlaufe des Abends wurden der Bavaria noch von mehreren Rednern als Vertretern befreundeter Korporationen und Vereine herzliche Worte der Anerkennung für ihr bisheriges Wirken und beste Wünsche für weiteres Walten und Schaffen unter dem bewährten Leitgedanken zum Ausdruck gebracht. Starker Beifall unterstrich den Eindruck der Ansprachen noch in besonderer Weise. Gemeinsamer Gesang vaterländischer Weisen und frohgestimmter Volkslieder füllte im übrigen den Abend in bester Weise aus. Die Bavaria kann auf diese Wiedersehensfeier und eindrucksvolle Bekundung ihres Strebens mit Befriedigung zu» rückblicken. .Mordprozeß Mary Dugan." Der Film (dem bekannten, viel aufgesührten Bühnenstück von Dayard Deiller nachgeschaffen), der zur Zeit im Lichtspielhaus Bahnhofstraße aufgeführt wird, ist in mehrfacher Hinsicht außerordentlich. In erster Lin« ist es die Konzeption, in der er sich von anderen Kriminalfilmen wesentlich unterscheidet. Ereignisse und Verkettungen, Ursachen und Wirkungen, die in diesem Film, der eine Gerich tsverHandlung toicbergtbt, Konzentrierung, Riederschlag und schließlich Lösung sinden, sind gewissermaßen aus einer großen Perspektive betrachtet, in einheitlicher Linie verfolgt unb vor dem Zuschauer in chronologischer Ordnung dargelegt. Richt weniger außerordentlich ist dieser Film in Regieführung, Darstellung und Photographie, obwohl diese Dinge angesichts der spannenden Handlung, die dem Film zugrunde liegt, unwesentlich werden und nur sehr indirekt den Erfolg des Vild- streifens vorbereiten. Die Handlung, die in großen Zügen als bekannt vorausgesetzt werden darf, sieht die unschuldige Mary Dugan auf der Anllagebank, hart bedrängt und gequält vom Staatsanwalt, der sich nicht nur zum ©traf* •• Eine öffentliche Sitzung de- S t a d t r a t - findet am kommenden Freuaanach- mittag im Sitzungssaals de- Stadthauses, Bergstraße, statt. Die Tagesordnung wird im Laufe des heutigen Tage- bekanntgegeben. " Aufgehobene Straßensperre, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. V. (QL v. D), Gießen: Die Sperre auf der Provin- zialstraßc Friedberg—Dorheim im Zuge der Straße Friedberg—Hungen ist aufgehoben. ,e Zum Geschäftsverkehr bei der Danat-Bank wird uns von der Leitung der hiesigen Filiale der Darmstädter und Rational- Bank mitgeteilt, daß Schecks auf die Danat-Bank bei Steuerüberweisungen. 'Frachtenzahlung usw. als vollgültige Zahlungsmittel von den Finanz- kasien und der Reichsbank angenommen werden, sofern für diese Scheck- volle Deckung vyrhanden ist. Die Geschäftswelt kann also Einlagen bei der Danat-Bank für diese Zahlungen verwenden, nur muß sie auf den Schecks von der Dank vermerken lassen, daß für den Betrag Deckung vorhanden ist. Im übrigen ist noch zu bemerken, daß die hiesige Filiale der Danat-Bank nach wie vor der Gießener Bankenvereinigung angehört unb beren Richtlinien auch für sie Geltung haben. •• Iustizpersonalien. Ernannt wurden bet Oberamtsrichter bei bem Amtsgericht in Alsfeld Heinrich Engel zum Oberamtsrichter bei bem Amtsgericht in Zwingenberg, ber Amts- aerichtsrat bei dem Amtsgericht in Homberg Richard Schaeg zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht in Butzbach, der Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht in Ulrichstein Walter Eberhard zum Ooeramtsrichter bei dem Amtsgericht in Hungen, der Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht in Schlitz Rudolf Page zum Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht in Rieder-Olm. Oberheffen. Landkreis Gictzen. g. Klein-Linden, 20. Iuli. Für die am 2. August hier ftattfinbenbe Deigeord neten- wahl sind drei Wahlvorschläge eingegangen. Kandidaten sind der Schriftsetzer Iakob Hofmann, der Kaufmann Friedrich Schimmel und der Invalide Philipp ÄleinV. L Lang-Göns, 21. Iuli. Am Mittwoch, 22.Iuli, vollendet unsere Mitbürgerin Anna Müller, verwitwete Schneider, ihr 8 0. L e - bensjahr. Frau Müller ist durch ihren bald 50jährigen Besuch des Gießener Wochenmarkt cs in der Stadt befannt geworden. Diese Tätigkeit übt Frau Müller, die sich noch voller geistiger unb körperlicher Frische erfreut, heute noch auS. • Lich, 20. Iuli. Der Sicher Sommer- mar l t, einer bet beliebtesten und besuchtesten Märkte unserer Stadt, wird am nächsten Mittwoch, 22. Iuli, wieder in hergebrachter Weise be- I gangen. Außer dem üblichen Schweine* und Krämermarkt ist mit dem Markt ein Handels- und Zuchtviehmarkt, Prämiierung von Hess. Fleck- unb Vogelsberger Vieh unb Zuchtviehversteigerung I (Dullen unb Eber) verbunden. Am gleichen Tage erfolgt auch die alljährlich ftattfinbenbe Auktion ~v."~r ~ v ~ ■ ’ ffUH.i... »Unr __j. von Iährlingsböcken ber Stammfchäserei der fürst- Äi; Ä6 "" Hm herauSstellt. fogar felbft ber OHörber unb sich Nachmittag erfolgt Umzug ber prämiierten Tiere. 9 Die Tombolaverlosung wirb in größerem Maß. Sichert begebm^LDnDrrche^rAnge ftabe fl^aIten; für sie stehen wertvolle Gewinne klagten ist es ^2*! zur Verfügung. Hieran wirb sich Volksbelusti- herbeifuhrt seine Schwester vor k«n elektrifchen » unb Tanz anschuehen. Man beachte die Stuhl rettet unb den Mörder überfuhrt. Dor u dem Zuschauer rollt nur die Gerichtsverhandlung 9 ® t ab. in der sich die Vorgänge reflektieren. Durch SltCie tvriCDDCrfl. das lebhafte Hin unb Her in Frage und Antwort. WSR. Rieder-Wöllstadt, 20. 3un. Die durch die Sorgfältige Schilderung der Charaktere Katholiken der hiesigen Diaspora-Gemeinde feler- unb durch bie Intensität ber Darstellung wirb ten gestern bie Einweihung eine s neu- bet Zuschauer in den Dann ber Geschehnisse errichteten Kirchleins. Die Weihe vahm geriffen unb zur Teilnahme gezwungen. Das Domkapitular Dr. Rauch aus Mainz vor. Fest- ist es. waS ben Erfolg des Filmes ausmacht, redner war Professor Dr. Faustmann aus Einige hervorragende schauspielerische Leistungen Mainz. geben bem Film den künstlerischen W:rt. Rora Kreis BÜdiNgeN. Anläßlich meines 50 jährigen Geschäfts Jubiläums Wohnungskunst Möbelfabrik 4831 A Spratts Kükenbackfutter Oh,dieS9 Nagut- 99 99 z Samenhaus Heinrich Hahn Bahnhofstrabe (Ecke Wolkengasse) Telephon Nr. 3403 4827 D Cafe Amend Morgen Mittwochabend 5. Sonder-Konzert Frau Gemahlin zu dieser Besichtigung ein. 4819 A Vertretung: 4637 V J. Siebert, techn. Büro, Marburg, Bahnhofstr. 17, Tel. 191 Feinste Fisch-Filets Lich, im 3uli 1931 täglich frisch 4822 A 4837 D kapokmatratzen sowie 04151 Für alle erwiesenen Aufmerksamkeiten anläßlich unserer Vermählung danken wir herzlichst Soziale «fttthi GFeHsuev Arrseßgev ATE ELEKTRISCH-AUTOMATISCHE KÜHLSCHRÄNKE UND RAUMKUHLANLAGEN ARBEITEN OHNE WARTUNG UND TEUREN WASSERANSCHLUSS MIT DEM GEFAHR. 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Ziel sofort, 2. bis 4. Ziel jeweils bis zum Ende der Monate September und Dezember 1931 und März 1932. 4824C Anforderungszettel werden den Umlage- pflichtigen in Kürze zugestellt. Gießen, den 17. Juli 1931. Der Oberbürgermeister: Dr. Keller. 1881-1931 Mittwochabend Vorstand und Ver- gniigungs- Ausich. bei Merlau. Sladtlheater Gießen Intendant Dr.Rolf Prasch Heute Dienstag, d. 21.Juli, 20bis22Uhr.Euirna. ltges Gastspiel Berliner Bühnenkünstl. mit Hat a Sterna in Hcleuc kann doch nichts dafür! Vuftipiel in 3 Akten. eineinTanLzwlfchen- spiel und Conference v. Marrah u. Oesterreicher. Gewöhnt. Sommer- preise ton 0.50 biS 3.— Lllark. Sonimer- nbonnementd haben Gülitgkcti mit 0.25 bzw. 0.50 Mark Ausschlag Kassenständen 10 bis 13 miö KUH» 17 UL'V ''?rr Zwei Zimmer für Büro geeignet, in bester Vage am Sel- terSweg zu vermiet. Schr. Änfraa. unter 04155 an d. GH. Anz. | Mietgesuche | 56.4- 00. geeflum. 3-3imm. njehnung von gut zahl. PNeter ver 1.8. oder 1.9. zu mieten ges. 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Die Jt ö t n i f d) e 3 e i t u n g“ l»rcibt in ihrer legten Umschau über d e notwendigen innerpvlitt- schen Folgerungen au- der letzten Ärdi« u. a: Jetzt beginnt für un- erst d i e eigentliche Liquidation des Kriege«. Wir haben un« in den vergangenen zehn Jahren einer groben Illusion hingegeben Wir hatten den Krieg verloren und glaubten doch, un« eine allgemein gesteigerte Lebenshaltung, gröbere Ausgaben und Aufwendungen leisten zu können als vor dem Krieg. Dieser Täuschung haben sich sowohl die einze.nen hingegeben. wie auch das össentliche Leben von ihr beherrscht wurde. Gewisse Schein» erlolae. die aber aus dem Zufluft fremder Mittel beruhten, haben den Glauben an den Erfolg durch die Organisation des Massenhaften gesteigert und des Tertrouen in die Selbsthilfe der einzelnen verantwortung-bewußt handelnden Pcrlönlichkett erdrückt Dieser Glaube an die Organisation des Massenhaften hat ge- führt: Unten, bet den Schichten der Arbeitnehmer, zu einer Leistung«Verwischung durch gleichmäßige Grsolgsbedingungcn. die sowohl über ' tigen wie den Untüchtigen unterschiedslos verhängt wurden, zu einem staatlichen Versorgungsfi) st em. dessen Ideal war. den Menschen von der Wiege bis zum Begräbnis in Versicherungsmahnahmen einzugliedern. Gewiß war in diesem System auch eine berechtigte Sorge für den Schwachen und Hilflosen, aber es lähmte darüber hinaus den vorwärtsstrebenden Willen des Tüchtigen und schwächte den Willen zur Verantwortung Da» ist sein schwerer Fehler. Oben, un m und bei den leitenden Stellen, führte dieser Glaube an die Organisation des Massenhaften zu den Tiefen» gebildcn der Truste.Konzerne.Ver» bände, der umfassenden Organisationen, sowohl des Kapitols wie der Masse, die ihre Macht durch repräsentative Gebäude kundgaben. Wir sehen sie mit Staunen aufsteigen. Gin ausgeklügeltes Hetz von Bindungen, private wie st :} diese Gebilde Veglcmen- TeglemenMenmgen oben Din- dungslysteme der Preise, der Verkaufsbedingungen, der Erzeugung. Bindungssysteme der Löhne, der Arbeitsbedingungen, der Arbeitsannahme unb I IMIN UN gen. die alle überwiegend keinen Schutzcharnkier mehr tragen, sondern die reine Machrausslüsse waren. Sin enthüllendes Schlaglicht auf dieses System wirft die Antwort, die ein deutscher Wirtschaft-Vertreter einmal einem Franzosen gegeben Hai Dieser äus seine Beängstigung über die atembeklemmende Konstruktion der deutschen Vachkriegswirtschaft, ör fragte den Deutschen: ..Sie haben ein riesiges und imponierendes Gebäude in Ihren großen Werken und Verbänden geschassen. Aber was soll geschehen, wenn ^bre Generation, die der Führer und Schöpfer, einmal ausstirbt und wenn Ihre Sohne der Leitung nicht gewachsen sind? Sie dann nicht-einen Zusammenbruch?" Daraus antwortete der deutsche Wirtschaftler. „Untere Organisation ist so vorzüglich, daß in- dann von seiber läuft" Diese ileberschatzung der Organisation und diese Unterschätzung der menschlichen Führung-notwendig- feiten enthüllt in einem Wort den fundamentalen Irrtum eine- System-, do- heute zusam- menzubrechen droht. Es ist nicht so. als ob dieser Wirtschaftler den typischen Q-ebanfengong unterer Wirllchast-- schaftsführer wieder gegeben hätte. Gerade den Besten unter ihnen hat die Frage deS Vach- wuchfes. die befchnittenen Ausstiegsmöglichkeiten, die Vernichtung der vielen kleinen und mittleren selbständigen Sristenzen. die den Zufainmenschlüs- sen zum Opser sielen, schlaslole Vächte vereitel. Aber sie haben den übermäßigen Tendenzen einer Staats- und Wirtschaftspolitik nicht widerstehen können, die eirtmal durch verkehrte Lohnbindungen eine weitgehende Mechanisierung auch dort erzwang, wo menschliche Arbeitskraft unnötig brachgelegt wurde, die zum andern durch ein verwickeltes und erdrückendes Steuersystem, durch ein überbautes Verwaltung-Wesen die kleinen und mittleren selbständigen Existenzen vernichtet und sie Aum Zusammenschluß entweder in Konzernen und Trusts oben oder in Massen- Vom Wesen der Liebe. Don Paula Messer-Platz f. (AuS einer nachgelassenen Schrift.) Genie de- Herzens ist die Gabe, die Welt vom Nebeneinander, von ihren Grenzen zu erlösen, so daß das Ich zum All wird, und daS All zum Ich. Ihm erscheint die« al- da- einzig wirkliche und wichtige Geschehen in der Welt, ja, ihm kommt dies in manchen tiefsten Augenblicken vor al- die einzige Ursache der Welt. Solche Menschen vermögen eS. ganz ichlos und doch ganz ich» durchslutet zu sein, in der höchsten Steigerung ihre» Ich ihr Jchsein zu verneinen. Mehr noch: verneinen ist immer doch ein Wissen um das Ich, wenn auch ein auSstreichendes. Solche Menschen aber besitzen, al« besäßen sie nicht. Wenn sie einen Stein betrachten, so betrachten sie wie ein Stein betrachten würde: wenn sie einen Vogel fingen hören, so hören sie zu wie alle ankteren Vögel, und wenn sie aus eine« Menschen Stirne lesen, so versetzen sie sich nicht in den Anderen, sondern sie sind der Andere. Sie sind alle« und nichts. Sie sind der Mensch au« dem Parodie« und au« dem Märchen, der die Stimme der Tiere versteht und die Sprache der Pflanzen, und für den es nicht« gibt am Menschen, da« ihm nicht von dessen Geheimnissen und Tiefen berichten würde. Kinder und Genies haben immer wieder etwas von solchem Umstoßen aller Fremdheit. oller Grenzen, von solcher Allverbundenheit und Einheit. Sie wundern sich über nichts, aber alle« ist ihnen wunderbar und irgendwie anziehend und geschwisterlich. Ander« der vom ersten Tag an alte und ich- behastete Mensch, der Philister, er wundert sich über nicht«, doch er hält sich über alle« auf. und alles hält ihn auf; selbst da« Leben bringt ihn nicht weiter als bi« zum Sterben. Dem Genie der Liebe dagegen ist Sterben nur ein Versuch, dennoch das zu finden, wa« c« lebend nicht finden konnte: den obersten Liebeswert. Liebe al« solche Allverbundenheit. Liebe al« soziale« Gefühl, al« seelisch-geistiges Erleben, kann überall wirksam sein: sei e« al« große», liebendes Umfassen aller Geschöpfe, ja aller Dinge der Welt, al« jener amor univerealis, Organisationen unten drängte. Die Vichtung des ganzen Systems hat diele Entwicklung erzwungen. S.e sindet ihren deutlichsten Ausdruck in der Ucberorganifation der Wirtschaft und in dem Ueberbau der Verwaltung, insbesondere der kom- muna'.en. Zwischen den Mühlsteinen .Oben** und .Unten" ist der Mittelstand systematisch zerrieben worden Den alten hatte die Inflation geschluckt. Die größeren Betriebe konnten sich damals verteidigen, der Arbeiter sand einigermaßen Schutz im Zusammenschluß der Massenorganisation; der aus sich selbst gestellte Heine und mittlere Selbständige kam unter die Näder Vach diesem Untergang suchte sich ein neuer Mittelstand zu bilden Wo er hochkommen wollte, bekam er Keulenschläge auf den Kopf. Der aufstrebende Angestellte versank in der Mecham- fierung der Betriebe Die Arbeiterverficherun- gen suchten ihn in ihren Bereich hineinzuziehen. wo er gegen erhöhten Beitrag geringere Leistungen erhält Zuletzt wurde ihm bei der Krisen- steuer eine drückende Sonderlast aufgebürbet. Der kleine und mittlere Selbständige erstickte im Gteuerwirrwarr oder In den Vetzen der Arbeit«- binbung. Wie ander« sähe die heutige Krise aus. wenn mir einen Mittelstand im alten Sinne hätten. der einen großen Teil ihrer Auswirkung auffangen könnte, wie in Frankreich, Dänemark oder den nordischen Staaten! Heute hoben wir do« Ergebnis seiner Vernichtung. Die großen Wirtschost-gebilde sind zu wenig krifenan- passungSsöhig irotz Subventionen. Der Bankenführer. der der treibende Geist dieser Zusammenschlüsse war. der in weit über hundert Aussicht«- räten der durch seine Initiative geschaffenen und geförderten Niesengebilde saß, ist zufommenge- brochen. Au« den Trümmern diese- Zusammen- bruch» heißt e« jetzt, alle Kräfte zusammenreißen, um die Folgen zu bändigen. Dte Rieseneinrich- tungen des Versorgungsstaate« wanken, weil ihnen der Boden unter den Füßen wegsackt E« wird ungeheure Anstrengung kosten, um sie so weit zu erhalten, daß wenigsten- den Dedürstigsten Hilfe gewährt werden kann. Für die nächsten Jahre werden wir bestimmt auf viele« Verzicht leisten müssen, was un« bisher al« wertvolle Errungenschast erschien. Die neue und verteuerte Schuldenlast wird eine ZwangsauSfudr bedingen, bi« wir einmal wieder durch eigene Kapitalbildung un« Boden unter den Füßen geschaffen hoben. Daß unter einem solchen Zwang die starre Lohn- und Preispolitik der letzten Vergangenheit endgültig ein Lindina geworden ist. muß nun auch ihren hartnäckigsten Verteidigern klar werden. So bitter es ist, es wird in Zukunft heißen Absatz um jeden Prei«. Arbeit um jeden Preis. So imposant der Aufbau de» sozialen VersoraungSgebäude« von außen erscheint, es hat heute do» wirtschastliche Fundament ve Horen. Wir müssen froh sein, wenn wir es in feinem Grundriß erhalten können, um den Bedürftigsten über die schlimme Zeit binmegAubelfen Da» Flickwerk, da» die letzte große Votverordnung hier im einzelnen versuchte. wird durch die gründliche organische Re- form ersetzt werden müssen. Die Mittel sind äußerst knapp geworden, wo« noch ausgebracht werden kann, verlangt eine sorgfältigere Verteilung Dasselbe gilt für die anderen Gebiete untere» öffentlichen und privaten Leben«. Die Ansätze. we.che die Verwaltungsinflation in-befondere bei den Gemeinden bekämpfen wollten. müffen jetzt zu wirklichen Reform- m a ß n a h m e ii au«gebaut werden Können wir uns die kostspieligen Kuriositäten untere» Neich«ausbau» jetzt noch leisten? Hier muß eine zwar behutsame, aber trotzdem feite Hand gründlich und schnell Aenderung schassen. Können wir bei aller Notwendigkeit, unsere Landwirtschaft zu erhalten, die Agrarsubventionen der bis- betigen Getreidepolitik weiter aufbringen? Sie verteuern dem Arbeiter da» Brot und erhöhen damit den Preis de» industriellen Erzeugnisse«. Sind hier nicht bessere Wege möglich? Wo man hinsiebt, stehen diese Fragen auf. die nun unter dem würgenden Griff der Vot kein Ausweichen mehr erlauben, lieber der neuen Wirtschaftspolitik wird stehen müssen: We g s a l l a l l e r kü n st- lichen Stützen und staatlichen Beeinslullung. wenn eS sich nicht um den unentbehrlichen Schutz der nackten Eristenz handelt, Förderung und freie Bahn allen, die in jelbstverantwoetlichem Ringen sich eine eigene teste Grundlage ihres Leben« und Wirtschaften« schaffen wollen. der in seiner DollverwirNichung einen Franziskus zum Heiligen werden ließ, und der in seiner Teilverwirllichung durch den alltäglichen, begrenzten Menschen dessen Güte, dessen Sinn für Brüderlichkeit ausmacht Ober sei c«. daß Liebe eine Fülle deS Seelisch-Geistigen enthält al« hingehende« Umfallen eine» einzelnen Menschen Wo sie all jene Gefühle von Aufschwung. CebenöbereidKrung und tiefem Aus- gewühltsein auSlöst. all jene Erlebnisse de» erhöhten Können« und Leisten«, be« schöpserischen Vermögen« und der Steigerung der ganzen Persönlichkeit; alle jene heroischen jttäfte der Hingabe, be« Opfermutes unb bet Jchvergessen- heit. die gerabequ in ber LiebeSfähigkeit be« Menschen wurzeln. ES gibt fein größere« Un- ?ilüd für einen Menschen, al« nicht lieben zu önnen. Erst Liebe, sei e« zu einer Dache ober zu einem Menschen, zu einer Aufgabe, zu einem Beruf ober zu irgend etwas, erst Liebe macht aus dem palliv Dahinlebenden einen aktiven Schöpferischen, erst Liebe macht au« dem Geschöpf einen Menschen Ja. die Behauptung darf gewagt werden wer irgend etwa» wahrhaft, mit allen seinen Kräften liebt, der steht immer über bem Durchschnitt, weil er am Anfang ber großen Jch-Lo«gelöstheit steht ... 97 Tonnen — unsere Lebensration an Speis und Trank. Wieviel ißt unb trinkt der Mensch während eine« 70 Jahre währenden Leben«? Die ungeheuren Mengen, die bei einer derartigen Schätzung heran«kommen, werden in einer englischen Zeitschrist berechnet. Danach vertilgt schätzung-weite ein gesunder Mann während dieser Lebenszeit 14 Tonnen an Brot und anderen Vahrungsmit- teln. die au« Getreide hergestellt sind. Dieser Berechnung wird die Erfahrungstatsache zugrundegelegt. baß die durchschnittliche Brotmenge, die wir un« täglich einverleiben, etwa l1/? Pfund beträgt. Dabei muß man zugleich in Anrechnung bringen, daß während be« ersten und der letzten 10 Lebensjahre der Brotverbrauch geringer ist Würde diese« ..Lebensbrot" in einem einzigen Laib gebacken werden tömten, so würbe dieses RiesenOJL-'fpoit Das 58. Sauimnsest der ßefienlurner in Mrbmg. Würdige Gestaltung und eindrucksvoller Verlauf in ernster Zeit. Sonberbericht be« „Gießener Anzeiger-". Die alte Hesfenstadt Marburg, die schon be« öfteren bie Hellenturner in ihren Mauern ausgenommen hat. hotte da- 58. Gauturnsest durchaus ähren übernommen. In dieser trüben Zeit sollte und wollte diese Deranstaltung kein rauschende- Fest sein, sondern eine ernste Feier im Geiste Jahn«. Ohne den üblichen .Festbetrieb" nahm da- Gauturnen seinen Verlaus, und Marburg- Turnerfchast hat mit der Art der Gestaltung einen neuen Weg gezeigt, wie man deutsche Turnfeste durchführen soll. Schon die E r ö f s n u n g - s e i e r am Samstagabend auf bem Markte lieft verspüren, baß bie D. T. mehr ist, al« nur ein Verband für Leibesübungen. In den Anfprachen, die Studien- rat Dr Stier, der Vorsitzende ber Marburger Turnerschaft, unb der Gauvertreter, Fabrikant A. Pfeiffer (Wetzlar) an eine noch Tausenden zählende Festgemeinde richteten, wurde da« in wertvollen Gedanken gesagt. Bürgermeister Voß dankte der Turnerschuft dafür, daß sie seit Jahn den Gedanken an Freiheit und Einheit des Vaterlandes weitergetragen habe bl« in unsere Zeit. Feierlich brausten die ernsten Thöre ber Marburger Sängerschaft über den weiten Platz. Mit bem Deutschlandlied gab bie Festgemeinde bem Vaterland da« Gelöbnis der Treue Im Dchloßparktheater konnte man dann einen ersten Einblick in die turnerische Arbeit gewinnen. Die Gaubesten bewarben sich an den verschiedenen Geräten um den schlichten Titel eine« Dou- mclfter« Darbietungen au« neuzeitlichem 33er- ein«turnen, vom T.- u. Spv. Marburg und vom Ak. Tbd. Marburg au-gesührt, ergänzten da« Programm be« Abend«. Mit einer schlichten Morgenfeier im Stadion fand die Arbeit des Sonntag- ihre Einleitung. Sinnvoll fprach der Geistliche, ein alter Turnerfchafter, über da« tiefere Wesen wahren Turner tum«, bevor die Wetturner sich riegenweise ihren Kampsrichtern stellten und sich im Mehrkampse um den schlichten Gichenkranz bewarben. Frische« turnerisd-es Leben und (Streben erfüllte bald den Festplatz Dte Turner hatten einen Zwölfkampf au« volkstümlichen Hebungen und Geräteübungen zu bestehen. Mit bewundernswerter Ruhe leitete ber Führer des Hesfenturner, Gauoberturnwort Will (Gießen), die Kampfhandlungen, unterstützt vom TumauSschuß und von mehr als 100 Kampfrichtern. Bi« zum Mittag war da« Sinzelwettumen bei bestem Wetter programmäßig durchgeführt. Auch am Vachmiltag half der Wettergott zunächst dazu, daß sich der Werbe umzug der Turnergäste durch dte Stadt, der Stafsellaus der Bezirk«- und da« Turnen der etwa 40 Derein«- riegen eindrucksvoll in den Sinn de« Festverlaufeinfügen konnten. Vur die Diegerehrung fand eine Störung durch bie Witterung Al« bie 500 Turner zu den allgemeinen Freiübungen ausmarschiert brat einen Raum von 1200 Kublksuß einnehmen. Die Gemüsemengen. die man während eine« ganzen Leben« verspeist, übertreffen an Größe die wildesten Träume eine« Vegetarier«. DaS kann man sich z. B. an unserem Kartoffelverbrauch klar machen. Rechnet man 60 Jahre lang täglich nur ein Pfund Kartoffeln auf den Einzelnen, fo ergibt da« schon zwei Tonnen. An Rüben verspeist man eine Menge, bie, in Gestalt einer einzigem ungeheuren Rübe auSgebrückt. die doppelte Größe eines Esel« haben würde, unb bie Salatblätter würden au-reichen, um einen Teppich über den ganzen Boden eine« Haufe« von 12 Zimmern zu liefern. Die Fleifchratlon ist ebenfalls beträchtlich. Wenn man sich, um eine Vorstellung zu geben, nur auf da« Rindfleisch befchränkt, fo muß man im Auge behalten, daß ein Ochse, der 950 Pfund wiegt, im Durchschnitt 500 Pfund Fleifch und 180 Pfund Knochen aufweist. Gesteht man nun dem Menschen für 60 Jahre täglich ein Pfund Fleisch zu, wobei ber geringere Fleischverbrauch in den ersten unb den letzten Lebensjahren in Anschlag gebracht wird, so müßte man zur Ernährung eine« Menschen einen Phantasieochsen haben, ber 18 Tonnen schwer ist und etwa 15 Fuß in ber Höhe mißt Vach dem Fleisch kommt die Fischration; sie wird in ber englischen Zeitschrist zu 5 Tonnen berechnet, und dazu kommen noch etwa 10 000 Eier, die man Im Lauf eine« Leden« zu sich nimmt. Schwierig ist e«, die Zucker- und Salzration be« Einzelnen abAU- schätzen. Beziffert man diese im Jahr mit 150 Pfund Zucker unb 25 Pfund Salz, so ergibt sich, wieder auf 60 Jahre gerechnet, eine Gesamtmenge von 9000 Pfund Zucker und 1500 Psund Salz. Voch schwieriger gestaltet sich die Schätzung der Flüssigkeiten, die wir In unterer Lebenszeit die Kehle fjinabrinnen lassen. Vimmt man an, daß wir täglich, im Sommer und Winter l*/j Liter trinken, so ergeben sich tn 70 Jahren etwa 37 000 Liter Um diese Flüssigkeit unterzubringen, bedurfte e« eine« Gefäße«, da« mehr al« 250OmaI so groß ist als ein normaler Eimer. Da« Gewicht betrüge etwa 42,75 Tonnen. Betrachtet man unsere Leben-rcttlon an Speise und Trank im ganzen, so ergibt sich allo, daß der Mensch durchschnittlich innerhalb von 70 Jahren an die 54 Tonnen fester und etwa 43 Tonnen flüssiger Vahrung zu sich waren unb ber Toten gedacht batten, setzte ein Gewitterregen ein, ber zum plötzlichen Abbruch des Festes nötigte Die Arbeit des 5 .,ge» war aber geleistet es war für ben Gau unb feine Leitung, für die beutsche Turnerschaft, ein Tag des Erfolges. Dir Ergebnisse Aus ber un« vorllegenben SIeger 1 iste geben wir den nachstehenden Auszug Mristerschaftskämpse. Barren: I Sieger (Cöaumeilter) A öfter«- pächer Tgm Marburg. 72 P. 2 Paul Götfch, T -u. Spv Marburg. 71 P 3 Walter Fink. T- u. Spv Marburg. 67 Punkte Pferd l. Sieger iGaumellter) A Abrens, Tarn Marburg, 70 P 2 A Eoerspächer. Tgm. Viarburg. 64 Punkte Reck 1. Sieger < Gaumeister) Walter Fnck, T - u Spv. Marburg. 66 Punkte Körperschule 1 Sieger iGaumeisterl A Efterspächer. Tgm. 'Marburg. 68 P. 2 Paul G öl sch. T - u Spv Marburg. 67 P . 3. W Harb. Tb. 1860 Bad-Vauheim. 65 Punkte. Die Mehrkämpfe Oberstufe - Zwölfkampf (27 Teilnehmer. 22 Sieger» 1 i3.>rvnhcg Fritz Welter-Hau-, Tv Großen-Linben, 210 Punkte; 2 »brcnlleg P. Götfch. T-u. Spv. Marburg, 20». 3 Ehrensieg O. Tertor I. T-u Spv Viarburg. 200; I Sieger A. Eber«pächer. Tgm. Marburg. 194. 2 Hch Dechent. Tgm Friedberg, 193. 3 A Best. Tv Wetzlar, H. Lang, T.» u. Spv. Viarburg. 179. 5 Karl Lein- ttwber, Tv Treis a b.Lda.. 177. 7 Karl Würtz. Tv Krofdorf. 175; 8 WIN). Hofmann. Tv. Krofdorf. 173, 9 Karl Keßler, Tv Großen-Linben. 172; 10 Franz Reuschllng. Tv Heuchelheim. 171. 13. Albert Leun, Tv Großen-Linden. 164; 14 Heinr. Schaaf. Tv Trete a d L . 162 Punkte Oberstufe - Zehnkampf (8 Teilnehmer, 7 Sieger»: I A Ähren«, Tgm Marburg. 172; 2 Walter Fink, T - u Spv Marburg, 168. 3 W. ßiegmann, Tv Alsfeld, 159, 4 Eduard Hetzer. Tv. Krofdorf. 149 Punkte. M 111 e I st u f e - Zwölfkampf (36 Teilnehmer, 28 Sieger): 1 Karl Seipp. T,v. Großen- Llnden, v. Schwab. T.-u. Spv Butzbach, 206 . 2. L. Müller. T - u. Spv Griedel, 199. 3. Hi) Jung, Tv. Lützellinden, 196. 7. Alb Reeh, Tv. Krofdorf, 188; 9 O. Kern, Tv. 1846 Gießen. Rich. Itelten, Tv. 1893 Leihgestern. 184; 11 Karl Gehringer, Tv. Grünberg. 180; 12 Aug. Knort. Tv. -Dutenhofen, 178; 13. Will) Hofmann, Ttz. Hungen, Ernst Rinn, Tv. Krofdors. 175, 14 Gustav Rumpf. Tv. Gambach. 174. 18 11 Id) Lau», Tb. 1893 Leihgestern. 168, 20 Karl Hahn. Tv. Duteirhofen. G. Zelß, Tv. Gambach 163 Punkte U n ter ft u f e - Zwölf kamps (216 Teilnehmer, 129 Sieger»; 1. Werner Lannenohl. Ttz H.-u- chelheim. 220. 2 Rich Tröller, Ttz. Lauter. 217; 3 Willi User. Tv. Liß, 212; 8 Vudw Herbert, Tv. 1846 Gießen. Otto Matthles. Tv »rünbera, 208 . 7. Adolf Selb. Ttz Krofdorf. 207. 9. Richard Dreier, Tv Lang-Gön». 205. 11 Kurt Fafter. Tv. Großen-Llnden. Aug Herzberaer, Ttz. Heuchel- iKlm. 202, 15. Fritz Hermann. Tv Lich 198, 17. Henn Link, ATV „Rhelnfranken" Gießen, Karl Reillchmidt, Ttz. Eberstadt, 195. 18 Karl Schöndorf. Tv. 1848 Gießen. 194. 20 Ernst Schäfer, Tv. Bautet, Hch. Rinn, Tv. Heuchelheim 192; 21. Han« Vogt. Ttz. 1846 Gießen, Kurt Dreicher, Tv. Klein-Linden, 191; 25. Mat Hardt, Ttz. 1846 Gle- Hn II ■ . 21 r i'1 ' Lotz. Tv 1846 Gießen. 186 . 27. Hch. Herb-rt Tv 1846 Gießen. R Bender, T - u* Spv Griedel. Ernst Engel. Tv. Grüningen. 185, 28 Erwin Katz Tv. Münzenberg, 184; 30 W Petry. Tv. Vauborn, Gg. Schwan. Mtv. Gießen 182 , 33. Karl Jung, 179 34 Rich Ritz, Mtv Gießen, 36. Alb. Jäger, Tv. Grüningen. Otto Tröller, Tv. Vüuicr, 176; 37 F Agel tb Dutenhofen, 175; 38. Rud Jung, Tv. Klein-Linden, 174, 39. Jak. Singel, Tv. Grüningen. Konr. Schaaf. Tv. Trei« an der Lumda, Hch Seipp, T - u. Spv. Großen- Hch Muhl, Ttz Dutenhofen. 172, 41. Will) Hofmann, Tv Grüningen 171, 42 Karl Web r, Tv. Heudielhelm. Fr. Brück, Tv. 1846 Gießen. 170, 43. Otto Agel. Ttz Tulenhoten, 169; 44 Fr. Welker, Tv. Tutenhofen, Hch Vlckel. Tv. Drei« a d. nimmt, im ganzen 97 Tonnen. Da« ist ungefähr da» 1550fache deS durchschnittlichen Körpergewicht«. Zeitschriften. — „Die Kun st", Augustheft 1931 (Verlag F. Bruckmann AG München.) (Im Abonnement monatlich 2,35 Mk) Die Maler der Romantik waren e». die der deutschen ' dem ein köstliche« Volksgut schenkten und die dem deutschen Wesen von jeher am nächsten standen So ist mit der Im Münchner Gla«palast vernichteten Rom antiker - Au« st ellung eine Lücke in die deutsd)en Kunst bestände gerissen worden, die um so schmerzlicher ist, da e« sich um die schönsten Hauptwerke der romanlllchen Malerei handelte Vomen wie Ludwig Richter, Moritz von Schwind, Schnorr von Earo!«seld, Eas- par David Friedrich, Joseph Anton Koch, Rott- monn, Rohden, Runge. Eorneliu« Veit. Schadow usw. lassen die ganze Größe de« Verluste« erkennen. Unter den verbrannten Gemälden befinden sich z. B. die wundervollen Wander- und Da- genbilber von Moritz von Schwind be« Knaben Wunderhorn, Ritter Kurt« Brautfahrt ufw., Bilder. die im wahren Sinne de« Worte« Volksgut geworden sind Dieser ganze Reichtum der romantischen Malerei brach in ein Vicht« zusammen. Da» Augusthest ist fast ausschließlich diesen verlorenen Meisterwerken, deren schönste in 31 vorzüglichen Abbildungen, darunter eine farbige, gezeigt werden, gewidmet Im wetteren Inhalt 5e« Hefte» finden wir illustrierte Beiträge über die Einrichtung der neuzeitlichen Wohnung, über kunstgewerbliche Metallarftetten, neue Tapeten, Keramik, Gartenkunst ufw. Lochschulnackrichten. — Der Lehrstuhl für spezielle Pathologie und Therapie an der Univerfttät Leipzig ist dem