Ur. 68 Erstes Matt 181. Jahrgang Samstag, 21. Mär; 1931 Erich»i»' ifiglid),außei Sonntage und Feiertag» Beilagen Dif DDulrrtcrtt vtetzen« ^amthenbltoei fietmai an Bild T>t» Scholl» fflonatsBeiugsorets; 2.20 Reichsmark und 30 Vetdisptfnnig füi Trägev lohn auch bei Richter- Siemen emjelner'Jlummern folg» Höherei Gewalt zernlvrechanlchlüsie enterSammelnummer2251 Anichnfi rüi vrahlnach« richten Hnjetger Stehen. Potfd)e m Brette 35 Nctchspfennig, Platzvorschrift 20' , mehr. Chefredakteur Dr Friede Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr tz.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gienen Hermann Müllers. Berlin, 21.März. (WIV. Funkspruch.) Reichskanzler a. V. Hermann Müller. Franken ist gestern 22.45 Uhr seinem schweren Leiden erlegen. Der plötzliche Tod Hermann Müllers bedeutet für die Sozialdemokratie einen fchwcren Verlust, doppelt schwer in einem Augenblick, wo sie bei den starken Reibungen innerhalb der eigenen Reihen eines Vermittlers bedarf, der auf beiden Flügeln über ein unbegrenztes Maß von Autorität verfugt. Müller hat eigentlich gar nichts von einem sozial' demokratischen Agitator gehabt. Ihm fehlte das Demagogische, ihm fehlte aber auch die populäre Rednergabe. Dafür war er der Mann des gesunden Menschenverstandes, nüchtern, klar und einfach, nicht in Parteidoktrinen befangen, sondern weitsichtig genug, um auch allgemeinpoli- tische Gesichtspunkte in Rechnung zu stellen, und vor ollem national genug, um das Gefühl dafür ZU haben, daß die Sozialdemokratie den Uebergang von bei negierenden Oppositionspartei zur Staatserhaltung finden müßte. Er ist den Weg als Unterzeichner des Friedensvertrages noch Versailles gegangen, und der Weg ist ihm bitter schwer geworden. Er hat seelisch jahrelang unter dem Druck dieser Verantwortung gelitten, und wenn er auch den Glauben an die völkerbefrciende Internationale nie ganz verloren hat, so ist er doch im entscheidenden Augenblick deutsch genug gewesen, um seine Politik nicht nach den Bedürfnissen der Sozialdemokratie einzurichten. Er wurde, als er nach Versailles ging. Außen- m i n i ft er und dann für kurze Zeit, als das Kabinett Dauer unter den Folgen des Kapp- Putsches stürzte, auch Kanzler, trat aber nach den Wahlen von 1920 wieder zurück und begnügte sich bis zum Mai 1928 mit der Rolle des Oppo- fitionsführers. Dann hat er bis zum März 1930 in zwei Kabinetten d i e Führung gehabt. mit Strefcmann als Außenminister gerade in der Zeit, als die entscheidenden Schritte zur Revision des Dawesplanes geschahen. Er ist der erste g-wesen, der während der schweren Erkranku"g Strcfcmann’ in Genf dasMinder- h e i t e n p r o b l e m ns nüt Er h t da al aber auch die Entschließung . ngenommcn d e uns später unbequem wurde, weil sie die Verkoppelung zwischen der Rheinlandräumung und der Revision des Dawesplanes erzwang Seit dem Sturz seines zweiten Kabinetts war er dann wieder der Führer der Sozialdemokratie: nicht unbestritten, eben weil er seine Partei von einer hemmungslosen Oppositionspolitik abhalten wollte Er hat es auch schon vor 1928 oft genug erlebt, daß er die Zusagen, die er gemacht hatte, nicht halten konnte, toeil ihm seine Fraktion ausbrach Er ist auch nicht stark genug gewesen, um die Auflösungdes Reichstages im vorigen Sommer verhindern zu können Wer er war doch einsichtig genug, um -u sehen, was infolge der Äeuwahlen für seine Partei auf dem Spiele stand. Deshalb ist er neben Otto Vraun der Träger der Politik gewesen, die die Sozialdemokratie in eine ä la suite- Stell un g zum Kabinett Vrüning _frn- einbrachte. Die Sozialdemokratie die ja an Führernaturen nicht gerade gesegnet ist. wird die Lücke, die durch seinen Tod entstanden ist. schwer aussul- len können. 2lber auch seine politischen Gegner ehren in ihm den sauberen, anständigen und etlichen Charakter, der für sein Vaterland stets das Veste wollte. Hermann Müller wurde 1876 in Mannheim als Sohn eines Vrauereibesihers geboren. Rach Besuch der Gymnasien in Mannheim und Dresden ergriff er auf Wunsch seiner Eltern den Kaufmannsberuf. Bereits im Alter von 17 Jahren hatte er sich der Sozialdemokratischen Partei angeschlossen. 1898 trat er als Schriftleiter in die Redaktion der „Görliher Volkszeitung" ein. Au Veranlassung August Bebels wurde Hermann Müller 1906 in den Vorstand der Partei berufen. Er vertrat die Sozialdemokratie auf zahlreichen internationalen Kongressen. In den Reichstag kam er erst 1915. Rach der Revolution war er Mitglied des Vollzugsrates. 1919 wurde er als Rachfolger ScheUemanns Vorsitzender der Partei und Führer der Reichstagsfraktion. Sein späteres politisches Wirken ist noch in aller Erinnerung, DeiM-vilmeichisches 3ollabtommen verfett Wien. 20. März. (XU.) Die Ausgleichsverhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich, die auf der Wiener Reife von Dr. Curtius begonnen wurden, haben zu einem endgültigen Ergebnis geführt, voraussichtlich am Montagabend wird ein Abkommen zwischen dem Deutschen Reich und der Oesterreichi- chen Republik veröffentlicht werden, das die Herstellung einer Technischen Zollunion zwischenDeutschland undOester- r e i ch vorsieht. Das Abkommen, das unter Wahrung der Bestimmungen des Versailler Vertrages, des Vertrages von St Germain und der sonstigen internationalen Abmachungen geschlossen wurde, sieht vor, daß Zölle im Warenverkehr zwi- chen dem Deutschen Reich und der Oesterreichischen Republik in Zukunft grundsätzlich nicht mehr erhoben werden sollen, mit Ausnahme gewisser Zollpositionen ür deutsche Waren, die Oesterreich für eine kurze Icbergangszcit weiter erheben darf. Dies hat den Zweck, die Angleichung der ö st c r r c i ch i - chen Wirtschaft an d i e reichsdeutschen Verhältnisse zu erleichtern. 3m übrigen wird von reichsdeutscher Seite aus an der österreichischen Grenze nach Inkrafttreten des Abkommens kein Zoll mehr erhoben werden. Zollverhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich auf der einen Seite und anderen Mächten werden in Zukunft von den beiden Mächten in enger Gemeinschaft geführt werden. Ferner handelt c» sich bei den dcutsch-österreichi- schen Verhandlungen um Kid)thnicn für eine Vereinheitlichung der beidenZollsnsteme, die in der Weise durchgesührt werden soll, daß Oesterreich sich die deutsche Zollbasiv zu eigen macht. Es ist selbstverständlich, daß die Auswirkungen aus die Wirtschaft der beiden Staaten eine genaue Prüfung aller Einzelfragen erforderten. Dabei kam man zu dem Ergebnis, daß durch die Einschaltung von Uebergangszöllen gcwiste Schutzmaßnahmen für die schwächere österreichische Wirtschaft getroffen werden sollen. 3m übrigen muß hervorgehoben werden, daß die Vereinheitlichung von allem technischer Ratur ist. Sie liegt in der Linie, wie sie von Vriand für ganz Europa angestrebl wird. Es ist klar, daß der Briandsche Gedanke sich nur schrittweise verwirklichen läßt Aber gerade in diesem Zusammenhänge verdient die Bedeutung des deutsch-österreichischen Vertrages unterstrichen zu werden. Darüber hinaus begrüßt man in politischen Kreisen naturgemäß namentlich die Tatsache, daß gerade Oesterreich der erste Staat ist, mit dem wir zu einer so weitgehenden Verständigung gelangt sind. Es wird darauf hingewiesen, daß nach dem Scheitern der Genfer Zollkoiivention das Deutsche Reich und Oesterreich den Zeitpunkt für gegeben halten, diese 3deen zu verwirklichen. Zugleich wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß auch weitere Mächte sich diesem Abkommen anschließen werden. Annahme des Wehrelats im Reichstag. Bewilligung der ersten Baurate für das Panzerschiff B bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten. 0er (Stapellauf des Panzerschiffes. Von unterer Berliner Redaktion. Der Reichstag strebt mit Macht der Beendigung seiner Etatsarbeit entgegen. Arn Freitag ist man ein gut Stück vorwärtsgekornmen. ileber den Marinehaushalt hat eine Debatte nicht mehr stattgefunden, was nur zu verständlich ist. da die Sozialdemokraten schon vor zwei Tagen den Beschluß gefaßt hatten, den Kampf um das Panzerschiff B nicht mehr fortzusehen. Immerhin hatte sich die Fraktion doch veranlaßt gesehen, den Abgeordneten Wels vorzuschicken, der den Rückzug der Sozialdemocraten decken sollte. Leicht ift ihm das nicht geworden, er redete sich darauf hinaus, daß es für die Sozial, -mokratie darum gehe. ..die Staatsgewalt nicht den faschistischen und terroristischen Feinden der Demokratie auszuliefern". Daraus geht klar hervor, daß die Drohung Brünings mit seinem Rücktritt und die mögliche Bildung einer Regierung mit Hilse der Rationalsvzialisten. den gewünschten Eindruck bei den Sozialdemokraten gemacht hab. Die Abstimmungen verliefen vollkommen programmähig. Der kommunistische Mihtrauens- antrag gegen den Reichswehrminister wurde ab- gelehnt, die Sozialdemokraten enthielten sich bei der vierten Rate für das Panzerschiff A und bei der ersten Rate für das Panzerschiff B der Stimme. Einige Sozialdemokraten hatten sich allerdings vorher seitwärts in die Büsche geschlagen oder mit den Kommunisten gemeinsame Sache gemacht. Iedenfalls ist der parlamentarische ©latcllauf des Panzerschiffes glatt von- ftcutten gegangen. Auf den W.rften können jetzt die ersten Hammerschläge vorgenommen werden, die Fa.riken, die für die Ausrüstung des Crsah- baues zu sorgen haben, brauchen ihre Arbeiter nicht zu entlasten. Oie Abst mmung. Berlin, 20. März. (VDZ) 3m Reichstag fanden am Freitagmillag die Abstimmungen zum Etat des Reichswehrministeriums statt. Abg. Wels (5.) gibt für die sozialdemokratische Fraktion eine Erklärung ab, in der darauf hingewiesen wird, daß die Spekulation der saschisii- schcn Gewattpolitiker von der Ablehnung der Schiffsbauten den Stur; der Regierung Brüning und die Berufung einer faschistischen Regierung erhofft. Das Gelingen dieses Manövers mühte die volksfeindlichen Kräfte zur Macht bringen, die entschloßen sind, mit allen, auch mit verbrecherischen Mitteln die arbeitenden Massen um alle politischen und sozialen Rechte zu bringen, die sie in zwei Generationen organisierten Klassenkampfes errungen haben. Die Sozialdemokratie, die Republik und Verfassung mit geschaffen hat und Deutschland zu einem sozialen Volksstaat entwickeln will, darf die Staatsgewalt nicht den faschistischen und terroristi- schen Feinden der Demokratie aus- liefern. (Lärm bei den Kommunisten.) Auch wenn die Sozialdemokratie gegen die Ersatzkriegsschiffe stimmen würde, könnte dies an deren Bau nichts ändern. Die Ablehnung durch die Sozialdemokratie würde nur die triumphierende Rückkehr der Fafchi- ften in den Reichstag und deren ungchiuderlcn fcheinlegalcn Marsch zur Macht und zur faschistischen Diktatur bedeuten. Diese Hoffnung wird die sozialdemokratische Fraktion durch Stimmenthaltung durchkreuzen. Der kommunistische Mihtraucnsantrag gegen den Reichswehrmini st er Groe- n e r wird mit 295 gegen 62 kommunistische Stimmen abgelehnt und der Wehretal in der Ausschuhsassung bewilligt. Beim Marine-Etat wird der kommunistische Antrag auf Streichung des Ersatz-Bau- planes in namentlicher Abstimmung mit 290 gegen 62 kommunistische Stimmen abgelehn 1 und die vierte Bautale für das Panzerschiff A mit 180 gegen 71 Stimmen bei 108 Stimmenthaltungen angenommen. Die er sie Baurate für das neue Panzerschiff B wird bewilligt mit 180 gegen 71 Stimmen bei 108 Stimmenthaltungen. Bei der sozialdemokratischen Fraktion haben mit den Kommuni st en folgende neun Abgeordnete für Ablehnung der Rate gestimmt: G r a f - Leipzig, Kuh.nl- Chemnitz, Oeltinghaus - Westfalen, Portu ne-Frankfurt a. 2H., Dr. Rosenfeld (Wahlkreis Thüringen), S e y d e w i h 5 Zwickau, Dr. S i em en s-Thüringen, Ströbel (Wahlkreis Ehemnih-Zwickau) und Ziegler Breslau. 108 Mitglieder der Fraktion haben sich der Stimme enthalten, 24 haben an der Abstimmung nicht teilgenommen. Oie Neinsager. Ein Tadel des sozialdemokratischen FrattionsvorftandcS. Berlin, 20.März. (VDZ.) Der sozialdemokratische Fraktionsvolstand erläßt folgende Erklärung: „Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ift zu der Feststellung gezwungen, daß neun Mitglieder der Fraktion trotz eindringlichster Warnung in der letzten Fraktionssitzung bei der Abstimmung über die Schisfsbauten im Plenum des Reichstags gegen d i e Fraktion g e ft i in m t haben. Der Fraktionsvorstand weist darauf hin, daß die Reichstagsfraktion v 0 n c i n c in absoluten Fraktionszwang im Vertrauen auf die Disziplin der Irak- tionsMitglieder Abstand genommen, einen Antrag auf Freigabe der Abstimmung aber mit großer Mehrheit abgelehnt hat. Das Verhalten der neun Fraktionsmitglieder widerspricht der Tradition und der bisher geübten Disziplin Der bevor- stehende Parteitag wird sich mit diesem Vorgang zu beschäftigen haben ." Wie das Nachrichtenbureau des VDZ. noch erfährt, bedeutet der Vorgang nicht, daß nun etwa eine Spaltung in der Reichstagsfraktion oder in der Partei eintreten wird. Die neun Abgeordneten, die gegen die Fraktion gestimmt haben, verteilen sich auf dieverschiedenstenWahlkreise. In jedem Falle stehen den Abgeordneten, die gegen die Fraktion stimmten, aus den gleichen Wahlkreisen Abgeordnete gegenüber, die mit der Fraktionsmehrheit gestimmt haben. Der Parteitag, auf dem der Vorfall geklärt werden soll, ist schon seit längerer Zeit für Ende Mai nach Leipzig einberufen. Mow und her Weltkrieg. Vielleicht der interessanteste von den vier Bänden der .Denkwürdigkeiten" des vierten Reichskanzlers ist der dritte Band, der unter dem Untertitel .Weltkrieg und Zulamme n b r u ch" das Memoirenwerk des Fürsten, soweit es wenigstens politisch von Bedeutung ist. abschlieht Der noch ausstehende vierte Band wird Bülows Iugenderinnerungen enthalten. Bülows Denkwürdigkeiten haben von zahlreichen von ihm glossierten Persönlichkeiten sowohl, wie von einer Reihe Geschichtsforscher heftige Kritik erfahren. Auch schon zu dem dritten Band der Bülow-Erinnerungen, der die Iahre nach seinem Sturz umfaßt, haben sich verschiedene seiner früheren Mitarbeiter zur Berichtigung gemeldet. Es ist kein Zweifel, daß Haß, Reid, Eifersucht, Ranküne, Empfindlichkeit, die Brille deS getürmten Kanzlers getrübt haben. Bülow hat keineswegs gerne auf den Platz in der kaiserlichen Sonne verzichtet, wie er immer wieder glauben machen möchte. Sein ganzes Streben nach feinem Sturz ging vielmehr darauf aus, einen Zipfel der Macht wieder zu erlangen, die ihm nach der Daily Telegraph-Affäre des chwarzen Rovembers 1908 entglitten war. In jeder Stunde nach feinem Sturz hat er sich bereit gehalten, einem neuen Rufe des Kaisers zu folgen. And er hat dann auch nach Kriegsausbruch alle Hebel in Bewegung gefetzt, um als Botschafter nach Rom geschickt zu werden. Vermutlich, weil er die glückliche Durchführung der gewiß schwierigen Mission, Italien vom Eintritt in den Krieg abzuhalten, als Sprungbrett für die Rachfolge Dethmanns benutzen wollte. Ia, wenn wir einer Reihe von Zeugnissen von Politikern und Diplomaten Glauben schenken büren, hat er auch dann noch nicht verzichtet, als feine römische Mission gescheitert war und Bethmann an dem Kanzler posten auch weiter flehen blieb. So sehr er nach der Rovemberrevo- lution feiner ganzen politischen Vergangenheit nach das neue System verabscheuen mußte, und sich erst sehr langsam und widerstrebend bereit fand, die Qualitäten von Männern wie Ebert oder Stresemann anzuerkennen, wäre er doch offenbar nicht abgeneigt gewesen, aus ihren Händen die Würde des Reichspräsidenten, ent- gegenzunehmen. Dieses auch in dem greifen Achtziger niemals erloschene Verlangen, wieder zur Macht zu kommen, roirft auf Bülows vernichtende Kritik an dem ewig am Amte klebenden Bethmann ein seltsames Licht. Theobald von Bethmann -Hollweg, der Philosoph von Hohenfinow, war vielleicht ein ausgezeichneter preußischer Landrat, vielleicht auch noch ein guter Staatssekretär des Innern, aber als Reichskanzler, in dessen Händen nach der Bismarckschen Verfassung die Fäden der deutschen Außenpolitik zusammenliefen, war er, der kaum jemals im Ausland gewesen war, nie im außenpolitischen Dienst oder im Verkehr mit fremden Diplomaten Erfahrungen hatte sammeln können, der denkbar ungeeignetste Mann. Leide erhielt er auch in der Wilhelmstcaße nach dem Tobe Kiberlen-Wächters in der Person Gottliebs vonIagow einen Staatssekretär, der sich in keiner Weise der Schwierigkeit seiner Aus- gabe neben einem, der Außenpolitik völlig fremd gegenüberstehenden Kanzler gewachsen zeigen sollte Bethmann hat zu seiner Entschuldigung nicht mit ilnredjt immer wieder auf die schwere Erbschaft hingewiesen, die ihm außenpolitisch von Bülow überkommen sei. Bülows Versuch, die Schwierigkeiten der politischen Lage, wie er sie 1908 09 seinem Rachfolger zurückließ, zu bagatellisieren, durchzieht von der ersten bis zur letzten Seite den dritten Band feiner Denkwürdigkeiten. Er wird sich also doch wohl selber nicht ganz unschuldig an der Entstehung und Festigung des Bündnissystems gefühlt haben, das Deutschland seit den Tagen Eduards VII. ringsum umgab und seitdem den politischen Horizont verdüstert hat. Es gelingt Bülow auch trotz aller Dialektik nicht, die Nachwelt davon zu überzeugen, daß der Himmel blau und wolkenlos, die politische See spiegelglatt war und das Reichsschiff bereits die Gefahrenzone passiert hatte, als er im Juli 1909 die Kommandobrücke Bethmann-Hollweg überließ. Der Nichterneuerung des Rückversicherungsoertrages mit Rußland schon in den ersten Tagen des „Neuen Kurses" war in den Jahren um die Jahrhundertwende das Scheitern der deutsch-englischen Bündnis- verhandlungen gefolgt, beides unter dem Einfluß des von krankhastem Mißtrauen geleiteten Holstein, der auch in der Aera Bülow seine verhängnisvolle Rolle im Auswärtigen Amt ungestört weiterjpielen durfte. Bülow sucht in seinen Denkwürdigkeiten zwar den gegenteiligen Eindruck zu erwecken, aber die Zeugnisse anderer sprechen zu deutlich dafür, daß Holsteins Geist die auswärtige Politik des Reiches zumindest bis zu seinem von Bülow auch nur durch eine List bewirkten Ausscheiden wie ein böser Dämon beherrscht hat Die Anlehnung, die England bei Deutschland nicht gefunden hatte, suchte und fand es bei Japan, Frankreich und Rußland, ohne daß die Bülowsche Politik dies hätte hindern können. Versuche zu einer Verständigung mit Rußland (Björkö) und Frankreich nach Delcassäs Rücktritt scheiterten, der namentlich vom Kaiser verfochtene Plan eines Kontinentalbundes zerrann. Die Marokkokrisis führte die fran- • Bernhard Fürst v. Bülow, Denkwürdigkeiten Band 111: „Weltkrieg und Zu- fammenbruch", herausgegeben von Franz von Stockhammern mit einer Reihe Porträts und zahlreichen Faksimiles zeitgenö's scher Dokumente. Preis Ganzleinen gebunden 17 Mk. im ilHftein- verlag Berlin. (39). zösisch-russische Allianz und die englisch-französische Entente eng aneinander. Aus der Konferenz von Algeciras, auf der sich Deutschland bis auf den „brillianten Sekundanten" Oesterreich ganz isoliert sah, ging der Dreibund in seinem Prestige erheblich geschwächt hervor. Die ganze Gcsahr unserer Lage erhellte die bosnische Krisis von 1908, die in einer Reihe von Einzelzügen der serbischen Krisis vom Iuni/Juli 1914 gleicht, die zum Weltkrieg führen sollte. Damals mar Rußland noch nicht zum Kriege gerüstet, Frankreich steckte mitten darin und England hatte innerpolitische Sorgen. Es ist fraglich, wie weit es Bülows Verdienst war, daß es nicht damals schon aus einer sehr ähnlichen Situation zum allgemeinen Kriege gekommen ist. Der Zusammenkunft von Buchlau zwischen dem Russen Iswolski und dem Oester- reicher Aehrcnthal folgte zwei Wochen später die überraschend vollzogene Annexion Bosniens. Iswolski hat darin eine persönliche Kränkung gesehen, die er nie verziehen hat und die ihm zu einem der stärksten Verfechter der Kriegsidee in Petersburg machte. Wien hat auch damals schon genau so wenig wie 1914 seine Pläne dem deutschen Verbündeten klargelegt. Es hat seine Absichten erst in letzter Minute in Berlin bekannt- gegeben, ober die bedingungslose Unterstützung Deutschlands verlangt und auch erhalten. Beide suchten nun den Streit um Bosnien zu „lokalisieren" ebenfalls wie 1914, während Rußland energisch für die serbischen Interessen eintrat und die Frage zu einer europäischen zu machen suchte. Diese Erinnerungen on die letzte große außenpolitische Aktion der Aera Bülow sind deshalb notwendig, weil Bethmann seine Politik in den Julitagen 1914 mit dem Einwand verteidigt hat, daß sein Vorgänger die gleiche Politik der „R i e b el u n g e n t re u e" in der bosnischen An- uexionskrisis getrieben habe und daß es nicht an seiner Politik sondern an dem entschlossenen Kriegswillen Rußlands und der Entente gelegen habe, wenn eine Lokalisierung des österreichisch-serbischen Konflikts oder wenigstens eine friedliche Beilegung auf einer internationalen Konferenz nicht ebenso geglückt sei wie 1908. Bülow sucht in seinen Denkwürdigkeiten diesen Einwand mit der Sentenz zu entkräften „wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe". Der Fürst überschüttet den armen Bethmann mit Hohn und Spott, daß er von seinem Rezept einen so schlechten Gebrauch gemacht habe. Er kann sich nicht genug darin tun, Bethmanns Politik in Grund und Boden zu kritisieren und schreckt auch vor den unfeinsten Mitteln nicht zurück, um seinen Nachfolger als einen ausgemachten Trottel hinzustellen. Aber das hohe Piedeftal, das Bülow in feiner Ueberheblichkeit besteigt, um von oben herab Bethmann, den Kaiser und die Diplomaten der Wilhelmstraße abzukanzeln, wie Schul- jungens, die ihre Aufgaben nicht gekonnt haben, steht dem Manne schlecht an, dessen Politik es seit 1897 nickst zuwege gebracht hatte, die Einkreisung Deutschlands zu verhindern, oder wenigstens für die große Auseinandersetzung zwischen den Mächten, wenn sie schon einmal kommen mußte, für Deutschland bessere Bedingungen zu schaffen. Für Bülow ist es eine schlechte Entschuldigung, daß Bethmann es nach 1909 ebensowenig gelang, die Situation für Deutschland wesentlich zu bessern. Agadir, Italiens Tripolisseldzug, die Balkankriege und die nebenher laufenden, 1912 endgültig gescheiterten Flottenverhandlungen mit England lagen schon auf dem Wege, der zum Weltkrieg führen sollte. Italien hatte sich schon in Algeciras als Bundesgenosse von zweiselhaftem Wert gezeigt, auch Rumäniens konnte man keineswegs ganz sicher sein. So wagte schon Bülow in der bosnischen Krisis von 1908'09 nicht, Oester re ick», dem letzten Bundesgenossen, die geforderte Rückendeckung ' zu versagen und hielt ihm die „Niebelungentreue" auch bann, wenn die Wiener Politik nicht seine Billigung finden konnte. Unsere Politik klammerte sich schon unter Bülow an dieses, nach einem Worte t des Botschafters von Tschirschky, „in allen Fugen krachende Staatsgebilde" an, weil sie in ihm das 5"letzte Bollwerk unserer europäischen Stellung sah. Das war jedoch eine Situation, die sich schon in ' den ersten Jahren der Aera Bülow vorbereitet hatte und die Bethmann bereits vorfand, als er 1909 das Kanzleramt übernahm. Damals schon war die politische Initiative auf Wien übergegangen, das sich seiner Schlüsselstellung für Deutschland seit der ersten Marokkokrisis von Jahr zu Jahr mehr bewußt wurde und mit der Entschlossenheit, aber auch mit der Leichtfertigkeit eines um sein Leben Ringenden Deutschland mit wachsendem Erfolg vor seinen Wagen zu svannen suchte. In der bosnischen Krisis forderte Oesterreich nach einem Worte des österreichischen Historikers Heinrich Friediung, die Begleichung der Dankesschuld aus den Sekundantendiensten auf der Algeciras-Konferenz und Bülow stand nicht an, den Schuldschein einzulösen. So geht auch die Abhängigkeit Deutschlands von der Wiener Volitik, die in den verhängnisvollen Juliiaqen des Indres 1914 fn bittere Fr'"'chte tragen sollte, schon auf die Aera Bülow zurück. Freilich, als sich nach de" Schüssen von S-rajewo Die Sturmwolken am politischen Horir^n* Eu'-ovas zum drohenden ilnactoitter zusammenballten, z"ia- ten sich, und darin wird man Bülow leide''Recht geb"n müff-m. weder Bethmann noch Iaaow, noch die in Betracht kommenden deutscher Di.vlo- maten auf den Außenvosten irgendwie der schw'e- rigen Ausgabe gewachsen, Oesterreich hinreichende Genugtuung zu verschaffen, ohne jedoch durch eine -ileberfpannung der österreichischen Forderungen der Gegenseite Gelegenheit zu geben, einen großen West-mbrand zu entfachen. Den Wiener Divio- maten, die zweifellos erheblich weniger gewissenhaft waren als ein Mann wie Bethmann. glückte es auch diesmal, den Leuten der Wilhelmstraße das Leitleil um den Hals zu werfen. Bülow betont zwar immer wieder, daß weder Bethmann noch seine Ratgeber, von einigen wenigen abgesehen, auch nur die leiseste Absicht gehabt hätten, es bei der Behandlung der serbischen Affäre auf eimm Krieg ankommen zu lassen. Die deutsche Politik hätte wohl subjektiv alles versucht, den allgemeinen Zusammenstoß zu vermeiden. Bethmann selber hätte namentlich den Krieg mit England als eine Riederlage seiner eigensten Politik persönlich schwer empfunden, aber, so sagt Bülow, objektiv gesehen, sei die deutsche Politik in den Krieg hineingestolpert, weil sowohl Bethmann. wie Iagow sich völlig unfähig erwiesen hätten, den österreichischen Bundesgenossen in Schach zu halten und den Knoten auf diplomatischem Wege zu entwirren. Dabei habe eine gänzlich falsche Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten sie gehindert, sich rechtzeitig des Rates erfahrener Staatsmänner (Bülow behauptet, seit seinem Rücktritt nicht ein einziges Mal um Rat angegangen worden zu sein) oder klarblickender Diplomaten — er nennt hier u. a. die Grafen Brockdorf-Ranhau. Bernstorsf und Metternich — zu versichern. Bülow verurteilt auch scharf die taktisch verfehlten deutschen Kriegserklärungen an Frankreich und Rußland, die Deutschland vor aller Welt als Angreifer hinstellten und Italien — von der unterbliebenen Information über das Wiener Ultimatum an Serbien ganz abgesehen — formell seiner Dündnispflicht enthob. Er kritisiert auch lebhaft den vorn Generalstab geforderten Einmarsch in Belgien, der England die Möglichkeit gab, seinen Eintritt in den Krieg auf feiten Frankreichs vor der öffentlichen Meinung moralisch zu begründen. Die außerordentlich scharfen Aeußerungen Bülows zu diesen die Kriegsschuldfrage eng berührenden Problemen, haben natürlich in der französischen Presse ein lebhaftes Echo gefunden. Der ehemalige Reichskanzler hätte sich gewiß um die Zukunft seines Vaterlandes größere Verdienste erworben, wenn er in seinen kritischen Aeußerungen über die sicher anfechtbare und verhängnisvolle Politik seines Nachfolgers während des Iuli 1914 etwas zurückhaltender gewesen wäre, besonders wo er selber für die Entstehung der Weltpoltischen Situation, aus der schließlich der arme Bethmann keinen Ausweg mehr fand, in hohem Maße verantwortlich gemacht werden muh. Wenn auch Bülow immer wieder unterstreicht, daß nicht böser Wille oder Vorsatz zu einem Präventivkrieg, sondern absolute Unfähigkeit und mangelnde Üebersicht bei verstocktem Beharren in vorgefaßten doktrinären Meinungen Bethmann und die deutsche Diplomatie in den furchtbaren Weltenbrand gleichsam hinein* taumeln ließen, so liegt es nahe, daß heute, wo es Paris und London daran liegen muß, die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Ausbruch des Krieges als moralische Grundlage für die materiellen Bestimmungen des Versailler Diktats gegen die sich mehrenden Zeugnisse der internationalen Geschichtsforschung, zu verteidigen, die von nicht sehr edlen Motiven diktierten Anklagen des Fürsten Bülow gegen die deutsche Diplomatie im Iuni 1914 dort außerordentlich gelegen kommen. So ist die Wirksamkeit des vierten Reichskanzlers, dessen Politik während der Iahre seines amtlichen Wirkens nur ein Fortwursteln mit kleinen Mitteln und Kniffen, aber weder innen- noch außenpolitisch ein von starkem Wollen und hohem Verantwortungsgefühl für Kaiser und Reich getragenes Anpacken der großen brennenden Probleme war, auch über fein Grab hinaus ohne Segen für fein Volk, das in ihm einst in seiner großen Mehrheit einen hervorragenden Diplomaten, ja sogar einen Staatsmann von Format, den bedeutendsten feit den Tagen des Eisernen Kanzlers gesehen hatte. Bülow selber hat mit feinen, von kleinlichem bis zur Bösartigkeit gesteigerten Haß diktierten Denkwürdigkeiten das meiste dazu getan, diesen Nimbus gründlich zu zerstören. Der Mchssinaszminisier gegen neue Slene n. Oer Kmanzhaushatt im Reichstag. Berlin, 20. März. (DDZ.) Im Reichstag wird die zweite Beratung des Haushaltes des Reichsfinanzministeriums cingeleitet durch Reichsfinanzminister Oretrich. Er führte aus, das Reichsfinanzministerium habe diesmal alle Anstrengungen gemacht, um feine eigenen Ausgaben hcrunterzudrücken. Bisher fei eine Ausgabenfenkung um 50 Millionen, also um etwa 10 Prozent, durchgeführt worden. Die Organisation des Ministeriums fei wesentlich vereinfacht worden, aber der Apparat werde noch weiter abgebaut werden, so daß beim Beginn des nächsten Ctatsjahres auch dieser Apparat um 10 Prozent verkleinert fein werde. Die Be a mten- f ch a f t des Reichssinanzministeriums werde vielfach zu Unrecht angegriffen. Wenn auch da und dort Mißgriffe vorgekommen fein mögen, fo hat doch das Gros meiner Beamtenschaft feine Pflicht und Schuldigkeit unter den schwersten Verhält- niffert getan und wird es auch weiter tun. Roch schonender als bisher können wir bei der Einziehung von Steuern nicht vorgehen, wenn nicht die Allgemeinheit geschädigt werden soll. 3n der Steuerpolitik brauchen wir gegenwärtig Ruhe. 3ch kann weder eine Streichung von Steuern zugestehen, noch mich für eine Steuer- crhöhung einsehen. Die Erhebung neuer Steuern wäre in der jetzigen Wirtschaftslage besonders gefährlich Die -Jorberungen, die im Steuer- ausfchuß erhoben worden find, auf Erhöhung von Steuern muß ich unter diesen Umständen als unannehmbar bezeichnen. Das ist auch die Meinung des Herrn Reichskanzlers. Im Augenblick können wir auch nicht auf die Wunsche eingehen, die hinsichtlich der älmsah- fteuer und der Hauszinssteuer geäußert worden sind. Der Eingang an Steuern und Zöllen ist leider viel schlechter gewesen, als wir im Dezember schätzen konnten. Damals konnte niemand annehmen, daß die Depression so lange anhalten würd» Wir sind dennoch über die Schwierigkeiten des Winters hinweggekommen, und ich kann heute auch sagen, daß wir über den 1. April ohne Schwierigkeit Hinwegkommen werden. Im übrigen will ich heute nicht prophezeien, denn das ist bei den heutigen Verhältnissen ein schlechtes Geschäft. Wir befinden uns in der Wirtschaftskrise heute im Tal, und wir wissen noch nicht, wann die Linie wieder nach oben gehen wird. Wir haben in den vergangenen Iahren den Fehler gemacht, nicht daran zu denken, daß der Weg auch wieder abwärts gehen kann, aber es wäre ein ebenso großer Fehler, wenn wir jetzt den Glauben an einen Wiederaufstieg auf geben würden. Die Regierung wird jedenfalls, wie sie schon im Ausschuß erklärt hat, versuchen, durch weitere Einsparungen über die schwierige Lage hinwegzu* kommen. Abg. Hopp (LV.) beklagt sich über die steuerliche Benachteiligung der nicht buch-' f ü h r e n den L an dw i r te undGewerbe- treibenden. Kein Volk habe eine so schwere Steuerlast zu tragen, wie das deutsche. Die Landwirtschaft verlange schon seit Iahren eine Herabsetzung der zu hoch angesetzten E i n h e i t s w e r t e. Die Realsteuersen- k u n g sei immer wieder versprochen worden, aber nirgends werde damit Ernst gemacht. Abg Dr. Schlitten bauer (BVP.) lehnt alle Steuererhöhungsanträge der Sozialdemokraten ab. Die Wirtschaft bedürfe einer Periode der Ruhe und Stabilität auf steuerlichem Gebiete. Wir stimmen der S p a r c r m äch t i g u n g für die Regierung zu, wünschen aber, daß nicht an den Lieber Weisungen für Länder und Gemeinden gespart wird. Wir warnen den Minister, den Finanz au d g lei chmitHilfe einer Notverordnung zu versuchen. Zu dieser Warnung veranlaßt uns die Tatsache, daß gestern in einer Besprechung der Reichsbankpräsident als Aequivalent für die Hergabe von 185 Millionen Lieberbrückungskredit vom Arbeitsminister verlangt hat, daß die Krankenkassen- gclber^bci der Reichsbank angelegt werden müssen. (Hört! Hört!) Abg. Dr. Föhr- Baden (Ztr.) hält eine zu pessimistische Betrachtung der Lage nicht für angebracht. D.e jetzigen Einheitswerte seien reni* sivnsbedürftig. Wegen dieser schlechten Bewertungsgrundlage werden vielfach starke Bedenken gegen das geplante Steuer Vereinheitlichung sgesetz geltend gemacht. Die Neugestaltung der Gewerbesteuer wird vom.gewerblichen Mittelstand im deutschen Süden als eine Verschlechterung empfunden. Ruhe in dec Steuergesetzgebung ist jetzt nol- luenbig, aber das muß auch für den gewerblichen Mittelstand gelten. Eine Realsteuersenkung wünschen wir alle, aber der jetzt dafür ein. geschlagene Wcg wird zu vielen Enttäuschungen führen. Für Steuererhöhungen ist die jetzige Zeit ganz ungeeignet. Wir müssen vielmehr zu dem Steuerabbau kommen, der feit Jahren versprochen wurde. Von der Deutschen Volkspartei ist inzwischen eine Entschließung ein gegangen, in der die Regierung ersucht wird, die Erhebung der Umsatzsteuer für eingerichtete Räume, für welche eine älmsahsteuer bis zum 1. Ianuar 1929 nicht erhoben worden ist, sowie die Rechtsmittelverfahrcn, die sich gegen die Veranlagung der älmsahsteuer für die Zeit nach dem 1. Ianuar 1929 richten, auszusehen, bis der Reichsba-g über die vorliegenden Aenderungs- nnträge zum Llmsahsteuergeseh entschieden hat. Abg. Dr. Cremer (DVP.) begründet die Entschließung. Wir müssen erkennen, daß es sich jetzt nicht um eine vorübergehende Notlage handelt, sondern um eine Generalbereinigung von Fehlern, die in den letzten 15 Iahren auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet gemacht worden sind. Wir müssen daraus die Folgerung ziehen, daß wir uns auf einfacherem Fuß für die Zukunft einrichten müssen. Die jetzt vorgesehenen Etatskürzungen müssen zum Dauerzustand gemacht werden. Wir brauchen weiter eine organische Verteilung der Ausgaben und der Einnahmen auf Reich. Länder und Gemeinden. Die wachsende Belastung der ^emeindefinanzen durch die Wohlfahrtserwerbslosen macht eine beschleunigte Neuregelung und Zusammenfassung der Krisen- und Wohlfahrtsfürsorge notwendig. Wie weit hat die Regierung die neuen Grundsätze für die Reichsbeamtenbesoldung auchbeiden Gemeinden zur Durchführung bringen lönnen? Die freiwillige Selbstbeschränkung der Gemeinden ist gerade im Interesse der Selbstverwaltung dringend notwendig. Abg. Dr. Echte (Chr.-Soz. Vd.): Gegen Steuerhinterziehungen muß mit den schärfsten Mitteln eingeschritten werden. Wenn die Notverordnung die «Aeueramnestie so weit ausdehnt. daß die Steuerhinterzieher sogar von der Nachzahlung befreit werden, so bedeutet das geradezu eine Strafe für die ehrlichen Steuerzahler. Wir bitten den Minister dringend, von der Ermächtigung zu dieser Steueramnestie keinen Gebrauch zu machen. Abg. Dr. Fischer-Köln (Stp.): Von der Ermächtung zur Steueramnestie sollte der Minister nur unter der Voraussetzung Gebrauch machen, daß der damit erstrebte wirtschaftliche Erfolg auch wirklich erreicht wird. Wird nachgewiesen, daß damit das Steueraufkommen ver- beffert werden kann, so werden auch wir für die Offenlegung der Steuerlisten stimmen. Wir müssen fortfahren in der Arbeit, Ersparnisse überall da zu machen, wo sich mit geringeren Ausgaben der gleiche Effekt erreichen läßt. Das muh gerade derjenige fordern, der an einer gefunden Sozialpolitik feslhält. Sozialpolitik kann nur getrieben werden auf der Grundlage einer gesunden Wirtschaftspolitik. Irgendwelche Steuererhöhungen können wir nicht beschließen, wenn wir nicht die Grundsätze verlassen wollen, die die jetzige Regierung auf- gestellt hat. Abg. Köster (Wp.): Bei der jetzigen Krise ist das Furchtbare, daß sowohl die öffentliche Hand, wie die breiten Massen der Arbeiterschaft und des Mittelstandes ohne alle Reserven sind. Darum muß jede Position des Etats mit größter Vorsicht geprüft werden. Die Einnahmen aus den Zöllen und Steuern scheinen mir aber viel zu hoch geschäht zu fein. Cs ist dabei zu wenig die gesunkene Kaufkraft der breiten Massen berücksichtigt worden. Dieser Rechenfehler wird sich bei derTabakbesteuerung bemerkbar machen, aber -noch vielmehr bei den Bier- und Getränke steuern. Ieder Kenner der Verhältnisse weiß, daß der Ertrag der Reichsbiersteuer in diesem Etat um mindestens 100 Millionen zu hoch eingestellt ist. Die Regierung muh rechtzeitig an eine entsprechende Senkung der Ausgaben Herangehen. Eine Deckung von Ausfällen durch neue Steuern oder Steuererhöhungen lehnen wir ab. Solange wir nicht die Gewißheit haben, daß dieser Etat echt ist, müssen wir ihn ablehnen. Weitcrberatung Samstag. AuszugderRaiionalsozialisten in Bremen. B r c m e n, 20. März. (CNB.) Die letzte Sitzung der Bremischen Bürgerschaft muhte bekanntlich aufgehoben werden, als es zu schweren Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten kam, die in Tätlichkeiten auszuarten drohten. In der heutigen Sitzung sollten nunmehr die Zwischenfälle durch verschiedene Erklärungen überbrückt werden. Der Nationalsozialist Brandt weigerte sich jedoch, seine Aeuherung, die SPD. sei eine Landesver- räterpartet, zurückzunehmen, obwohl der nationalsozialistische Bürgerschastspräsident und der Fraktionsführer der N. S. D. A. P., der Reichstagsabgeordnete Thiele, sich mehrfach darum bemüht hatten. Daraufhin legte der Nationalsozialist Bernhard sein Amt als Präsident der Bremischen Bürgerschaft nieder und verlieh mit der Fraktion der Nationalsozialisten den Saal. Die Sitzung wurde von dem Vizepräsidenten, dein Sozialdemokraten Osterloh, weitergeführt. Wann sich die Nationalsozialisten wieder an den Arbeiten der Bürgerschaft beteiligen werden, steht noch dahin. lleue politische Ausschreitungen. Magdeburg, 20. März. Als gestern nacht etwa 25 SA-Leute der NSDAP, von Hehrotsberge auf der Königsborner Chaussee nach Magdeburg zurückkehrten, wurden sie von etwa 6 0 Kommunisten, die sich rechts und links des Weges aufgestellt hatten, überfallen und beschossen. Die Polizei hatte aber von dem Vorhaben der Kommunisten Kenntnis erhalten und war bald an der Stelle des Heber* falls. Die Kommunisten flohen über die Felder. Von den Nationalsozialisten wurden sechs so schwer verletzt, daß sie in das Altstädtische Krankenhaus nach Magdeburg eingeliefert werden mußten. Die Polizei sperrte j}icJ$ingängc zum östlichen Magdeburg ab, um die geflüchteten Kommunisten abzufassen. 27 Kommunisten wurden fest genommen und werden sich wegen schwe* ren Landfriedensbruches zu verantworten haben. In Heldrungen bei Artern (Prov. Sachsen) kam es im Anschluß an eine von der Polizei aus Sicherheitsgründen geschlossene national* sozialistische Versammlung auf der Straße zwischen Verfammlungsteilnehmem, auswärtigen Kommunisten und SA-Leuten zu s ch w e r e n Schlägereien, bei denen auch geschossen wurde. Zwei Nationalsozialisten erhielten Streifschüsse, ein weiterer einen Steckschuß; neun SA- Leute wurden durch Hiebe mit Stöcken und anderen Gegenständen mehr oder weniger erheblich verletzt. Auch mehrere Kommunisten erhielten! Hieb- und Sttchwunden. Eine Kundgebung der oberrheinischen Bischöfe. Freiburg i.Br., 21.März. (CNB.) Auch die Bischöfe der oberrheinischen Kirchenprvvinz haben nunmehr eine Kundgebung erlassen, die sich gegen den scharfen Parteien st reit und die rücksichtslose Mißhandlung Andersdenkender wendet. Mit Besorgnis werden die Bestrebungen betrachtet, die weite Kreise des notleidenden Volkes zu gewaltsamem Umsturz der bestehenden Ordnung aneifern sollen. An die Diözesanen ergeht die dringende Bitte, die Pflichten gegen Volk und Staat gewissenhaft zu beachten und auch Die Persönlichkeit und Ehre Andersdenkender zu achten. Sodann seht sich die Kundgebung mit dem Nationalsozialismus auseinander, insbesondere mit dessen kulturpolitischen Forderungen. Eine deutsche Nationalkirche, wie sie die Nationalsozialisten predigen, wird entschieden abgelehnt. Eindringlich wird vor dem Nationalsozialismus gewarnt, solange er Anschauungen verfolge und verbreite, die mit der katholischen Lehre unvereinbar seien. Die Kundgebung ist unterzeichnet von dem Erzbischof Dr. Fritz von Freiburg, dem Bischof Dr. Hugo von Mainz und dem Bischof Dr. S p r o 11 von Rottenburg. Kleine politische Nachrichten. Der Präsident des Hessischen Landtags hat das Plenum nunmehr endgültig f ü r M i 11 - woch, den 2 5. März, einberufen. Auf der Tagesordnung stehen die Gesetz entwürfe über die Erstreckung des Finanzgesetzes 1930 bis zum Inkrafttreten des Finanzgesehes 1931, der Gesetzentwurf über die Besteuerung des Gewerbebetriebes im älmherziehen, die Aenderung des Besoldungsgesetzes und ein neuer Gesetzentwurf über die Abänderung des Steuervorauszahlungs^ gesehes. Die Fraktion der De u t s ch e n V o l k s p a r t e i im Hessischen Landtag fordert die Vorlage eines N a - turscyutzgesetzes. Sie hält die baldige Verabschiedung eines solchen Gesetzes nicht nur für wünschenswert, sondern für dringend erforderlich und ersucht die Regierung, das Gesetz noch in der nächsten diesjährigen Tagung dem Landtage zum Zwecke der Verabschiedung vorzulegen. Auf einer Tagung in Friedberg wurde von der Deutschen Staatspartei die Organisation der Staatspartei für Oberhessen geschaffen. Die Pro- oinzialvorstände wurden wie folgt zusammengesetzt: 1. Vorsitzender: Stadtschulrat Fischer (Gießen), 2. Vorsitzender: Oberamtsrichter Dr. Andrae (Orten, berg), Schriftführer Frl. L. Flick (Gießen). Weiter gehören dem Vorstand die Kreisvereinsoorsitzenden Steuerinspektor P l a a g (Bad-Rauheim) und als Organisationsleitung Berufsschullehrer S t e i n m a n n (Gießen) und Rechtsanwalt Krämer (Friedberg) an. Der Landesverband Hessen - Darmstadt der Deutschnationalen Dolkspartei hat einen Evangelischen Landesausschuß gebildet, zu dessen Vorsitzenden Pfarrer Schell, Pfisfligheim, gewählt worden ist. Von Abgeordneten fast aller bürgerlichen Parteien ist im Reichstage ein Antrag Borne mann (volksnail.) eingebracht worden, der die Reichsregierung ersucht, bei der geplanten Strafrechtsreform dahin zu wirken, daß die Vergehen der Be- leidigung, derüblenNachrcde, derVer- breitungfalscher,Nichte r w e i s l i ch w a h- r e r Tatsachen, die geeignet sind, den Betroffenen in seiner persönlichen und politischen Ehre in der Oeffentlichkeit herabzuwürdigen als Dieb- fta h I am höchsten Gut, an der Ehre, zum mindesten nach den Strafbestimmungen, die für den Diebstahl an materiellem Gut maßgebend sind, geahndet werden. Der Hauptausschuß des Preußischen Land t a g e s nahm gegen die Stimmen der Deutschnationalen den Initiativgesetzentwurf der Regierungs- Parteien an, wonach von dem Schulgeldaufkommen bei den öffentlichen "höheren Schulen nicht, wie bisher ein Viertel, sondern nur noch ein Fünftel f ü r die Zwecke der Begabtenförderung Verwendung fin- den soll. Diese Maßnahme bedeutet eine jährlichs Einsparung von etwa 1,2 Millionen Reichsmark. Die Reuregelung soll bereits am 1. April in Straft treten und sich zunächst über zwei Jahre erstrecken. Im Lohnslreit zwischen der D e u t ( ch e n R e l ch s- ^»aynqefellfchaft und den Eifenbahner- gcwerkschaften wurde ein Schiedsspruch gefällt. Der Schiedsspruch kürzt die Lohnbezüge der Reichs- bahnarbcücr um durchschnittlich 6 v. f). Den Parteien wurde vom Schlichter eine Erklärungsfrist bis zum Montag gesetzt. e Der bisherige deutsche Gesandte in Wien, Graf Lerchenfeld, ist zum Gesandten in Brüssel, der Generalkonsul im 2luSwärtigen Amt. Dien st mann, zum Generalkonsul in TifliS ernannt worden. Der Ebener Oberbürgermeister Bracht hat die Kandidatur für den Oberbürgermeisterposten für Berlin, um den er sich selbst in keiner Weis« bemüht hat. abgelehnt, da er nicht bic Absicht hat. seinen Posten in Essen aufzugeben. In Dresden fand eine kommunistische Der- anstaltung. die sich G o t t l o s e n - M e s s e nannte, statt. Das. waS zunächst von den „Blauen Dlu- sen". einer kommunistischen Spieltruppe, geboten wurde, stellte sich als ein Vergehen nach § 166 deS Reichsstrasgesctzbuchs dar. Die weitere Ausführung des Glücks wurde deshalb untersagt und die Veranstaltung polizeilich aufgelöst. Bürgerliche Koalitionsregierung in Finnland. H e l s i n g f o r s. 21. März. (TU.) Am Freitagabend hat Dr. Sunila. der Führer der Landwirtschaftspartei. seine Kabinettsbildung beendet. In der Regierungskoalition sind alle bürgerlichen Parteien vertreten. Um Schwierigkeiten in der Verteilung der Ministerposten zu umgehen, sind zwei Ministerien, das des Inneren und das für Landwirtschast. mit zwei Männern beseht worden, da man den Ge- schästSbereich dieser Ministerien teilte. Procop c. der durch seine Tätigkeit im Völkerbundsrat hervorgetreten ist. ist in der neuen Regierung nicht mehr vertreten. Die Ministerliste weist saft nur neue Tiamon auf. Das Kabinett verfügt über eine Zweidrittelmehrheit im Reichstag. Das Ministerium des Aeuheren verwaltet Freiherr Brsjö-Koskinen von der Sammlungspartei. Gr war früher Gesandter in Moskau. Aus aller Welt. Die Suche nach den verunglückten italienischen Fliegern. Die Suche nach den Leichen der drei verunglückten italienischen Fliegerofsiziere ist während der ganzen Nacht und auch am Freitag fortgesetzt worden. Die Tatsache, daß Teile des Flugzeuges in einem grasten Umkreise und zum Teil ganz am Strande gesunden wurden, lästt die Vermutung zu, dast a n Bord des Flugzeuges eine Explosion slaltgefunden hat. Ein Taucher konnte etwa 150 m vom Strande entfernt das Gehäuse des Motors feststellen. In Livorno wurde ein Ponton angefordert, um den Motor zu bergen. Nach den etwas verworrenen Berichten der Augenzeugen nimmt man an, dast es Oberst Maddalena war, der den Fallschirm-Absprung versuchte. Ein Fischer will sogar beobachtet haben, dast der Flieger den Wasserspiegel erreicht und sich dann seine Jacke ausgezogen habe. Ehe der Fischer aber ihm habe zu Hilfe eilen können, sei er augenscheinlich ertrunken. Man nimmt also an, daß Maddalena verwundet war, da er sich sonst hatte durch Schwimmen retten können. Die Presse sicht ganz unter dem Eindruck des traurigen Unglücks. Absturz eines holländischen Marineflugzeuges. Ein für die holländischen Marinestreitkräfte bestimmtes Flugzeug stürzte über dem Amsterdamer Flughafen Schiphol aus 500 Meter Höhe ab. Der Pilot, Leutnant Wülfers, hatte das Gas abgestellt, um eine Landung vorzunehmen. Dabei kam das Flugzeug aus dem Gleichgewicht. In 150 Meter Höhe gqb der Pilot wieder Vollgas, um die Maschine wieder in die Gewalt zu bekommen. Dieser Versuch mistglückle und mit laufendem Motor schlug das Flugzeug auf dem Boden aus. Leutnant Wülfers wurde auf der Stelle getötet. Geplanter Anschlag auf bat amerikanische Zeppelin-Luftschiff. In Akron, im Staate Ohio, wo sich die amerikanischen Luftschiff-Bauwerke befinden, ist der Mechaniker Paul Kassay, ein früherer ungarischer Offizier, von der Geheimpolizei verhaftet worden, da er im Verdacht steht, einen Sabotageakt an dem neuen, tm Bau befindlichen Riescnlustschisf geplant zu haben. Sämtliche Pläne und Zeichnungen wurden in Kassahs Wohnung beschlagnahmt. Gr soll angeblich mehreren Arbeitern erklärt haben, das grcße Zeppelin-Luftsch ff v e r n i ch t e n zu wollen. Das kreuz der Ehrenlegion für Lotte Lehmann. Die bekannte deutsche Sängerin Frau Lotte Lehmann ist von der französischen Regierung mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet worden. Reue Altertumssunde in Jericho. Bei den Ausgrabungen auf dem Boden des alten Jericho wurde nunmehr das c r ft e Grab frei- gelegt. Man fand über 200 Vasen, die nach Ansicht des Expeditionsleiters aus der Bronzezeit etwa aus dem Jahre 1900 vor Christi Geburt stammen. In der Umgebung sind weitere 1000 Gröber vor- haflben, in denen wertvolle Funde erwartet werden. Der 85jährige Professor S a y c e und Parker V i n- c c n 3, die als erste Sachverständige auf diesem Ge- biete gelten, sind in Jericho eingetroffen.___________ Aus 6er provinzialbaupifiadt (Sieben, den 21.März 1931. Frühlings-Einzug. Der Wind sprang um. In allen Traufen rieselnd, sprudelnd Tauwasser laufen. Der Amsel erstes zärtliches Singen hör ich vom Garten erklingen ... (Agnes Miegel.) Dor einigen Tagen vernahmen wir zum erstenmal wieder schüchterne, flötende Töne. Der Klang war fremdartig und ungewohnt, dast ich das Fenster nach dem Garten öffnete und lauschte Da sah ich auch schon den Sänger hoch oben auf dem Apfelbaum. Das Amselmännchen war's, das nach langer Winterruhe wieder versuchte, sein altes Lied anzustimmen. Ganz vorsichtig, fast dürftig kamen die ersten Lockrufe heraus. Es wollte sich noch kein Gesang gestalten. Die Melodie fehlte. Rur leise, unbeholfen, schluchzende Töne brachte der Sänger hervor. Aber er ruhte nicht. Von neuem setzte er ein, und nach und nach formten sich die schmelzenden lockenden Laute. 2m letzten Abendsonnenschein erklang frisch und unverzagt das bekannte, vertraute Amsellied. Llnaushörlich. Es schien dem kleinen schwarzen Kerl selber Freude zu machen dies Iauchzen und Grüßen. Verwandelt war der kahle Garten, verwandelt war die Lust. Die Hellen Flötentöne hatten das vermocht. Eine große Freude stieg in meinem Herzen auf. Ich holte mein kleines Mädchen, hob es auf meinen Arm und sagte: „Horch einmal!" Es schaute mit großen Augen, lauschte und hatte auch schon die Amsel im Baum entdeckt. „Ist das dieselbe, die sich hier auf dem Schnee die Apfelschalen geholt hat?" fragte sie. „3a, es ist dieselbe", sagte ich. „Ihm dankt sic uns, ist aber auch froh, daß es wieder Frühling wird. Hör nur, wie sie lockt und jubiliert!" Daß sie uns auch im Sommer die köstlichen Erdbeeren stiehlt, von den Kirschen und Io- hannisbeeren ganz zu schweigen, das erwähnte ich nicht. Wenn die schwarzen Gesellen nicht gerade scharenweise kommen, dann soll man sie schon gewähren lassen. Der Gesang ist auch etwas wert, und ein Amselpärchen im Garten schadet nicht viel. „Schau, wie ihr gelber Schnabel leuchtet! Wie sie sich dreht und aufplustertI" Wir lauschten noch lange, bis uns die kühle Abendluft zwang, das Fenster zu schließen. Aber der Klang der süßen Weise ging mit uns und lag uns in den Ohren ... Am andern Tage konnten wir schon die Fenster des Wohnzimmers offnen, um die Frühlingssonne hereinzulassen. Es war uns 6er liebste Besuch. Aber es dauerte nicht lange, so meldeten sich noch andere Besucher. Ein zartes Summen erfüllte das Zimmer. Ein Bienchen hatte sich verirrt, oder war es angelockt worden von der blühenden Elivia. die hier am Fenster stand und ihren Duft ausströmte? Es summte unaufhörlich. Icht waren es zwei, dann drei. Sie hatten ihr Winterhaus verlassen, machten ihren ersten Frühlingsflug. Run hi-'rhe das Summen stärker, ärgerlicher. S.e flogen gegen di« Fensterscheiben, die sie für freie -cujt hielten, und fanden den Ausweg nicht. Sie summten im Zimmer und stießen gegen die Decke. Dann ruhten sie in den Falten des Vorhangs aus. Tlber nicht lange. Don neuem ging das Summen an, sie wollten die Freiheit gewinnen. Aur ein« fand den Weg (durch den offenen Fensterflügel). Den andern half ich. Ich ließ sie auf mein Taschentuch klettern und befreite sie dann. Den ganzen Tag glaubte ich Bienensummen In meinem Zimmer zu hören. Es war eine angenehme Musik. Sie brachte mir mit dem Sonnenschein den jungen Frühling ins Haus. Dor dem Fenster aber schwebten Tausend«, ja, Hunderttausend« kleiner Mücken in der warmen Luft, unzählige Scharen, auf und nieder, unhörbar. Auch sie kündeten das End« des Winters. Amsellied, Bienensummen und Mückenschwärme, sie sind die Herolde des Frühlings. Das fühlen auch die Menschen. Auf gar vielen von uns lastet ein schwerer Druck. Dem Zauber dieser Frühlingsboten erliegen wir aber gern. Wir sehen auf einmal alles mit andern Augen. Linser Herz wird fröhlich und heiter. Ist auch die Rot noch so groß, eins hilft immer wieder: Das ist die Hoffnung auf bessere Tage. Lind diese Hoffnung, die nun fast eingeschlafen war, sie wird von den Frühlingskindern von neuem erweckt. Ieht muß es heißen: Die Fenster auf! Die Herzen auf! Geschwinde, geschwinde! U. Bornotizcn. — Tageskalender füt Samstag. Im Singsaale des Realgymnasiums „Schülervorspiel" zum Besten von Bethel, 20 Llhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Er oder Ich". — Astoria-Licht- spiele: „Vollblut" und „Eolibri". — Tageskalen de r für Sonntag. Stadttheater: Gastspiel der „Weintraubs Synco- pators", 11.30 bis 13 Lihr und von 18.30 bis 20 Llhr. -- Musikalisch« Passionsandacht in der Kapelle des Alten Friedhos«s, 20.15 Llhr. — Schiller- und Goetheschule veranstalten Ausstellungen von Handarbeiten in ihren Schulhäusern von 11 bis 13 und 15 bis 18 Llhr. — DLRG.: Iahreshaupt- Versammlung, Hotel Köhler, Westanlage, 10.30 Llhr. Anschließend um 11.30 Llhr öffentlicher Vortrag — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Kulturfilm „Am Rande der Sahara", 11.15 Llhr, ab 16 Llhr „Er ober Ich". — Astoria-Lichtspiele: »Dollolut und Colibri". — Aus dem otabttbentcrburcau wird uns geschrieben: Morgen Sonntag, 22. März, 3. Tag des Kaminerspielzyklus in Verbindung mit dem Goethebund. In Form der Morgenfeier gastiert die Jazzkapelle „Die Weintraub-Syncopators als mu- fitalifche Bühnenfchau mit ausgewahllcin Programm. Die Vorstellung beginnt 11.30 Uhr. Mor- genfeierprcise. Als besondere Attraktion der fonn- täglichen Fremdenvorstellungen hat die Intendanz die Weintraubs zu einem zweiten Gastspiel für den Abend verpflichten können, und zwar ebenfalls als Bühnenschau, jedoch mit völlig neuem Abendprogramm. Diese Veranstaltung ist bei kleinen Preisen außer Abonnement. Beginn 18.30 Uhr, Ende 20 Uhr. — Dienstag, 24. März, 19.30 Uhr zum letzten Male Maxim Gorkis Schauspiel: „Nachtasyl", Spielleitung Walter Bäuerle. — „Am Rande der Sahara". Linier diesem Titel gelangt am Svnntagvormiltag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße auf Veranlassung der Hessischen Bildstelle in Verbindung mit dem hiesigen KcciSschulamt (vermittelt durch Kreisschulrat Lorentz. Lauterbach) ein beachtenswerter Kulturtons.lm der Lisa zur Vorführung. Der Film, so schreibt man uns, ist ein Reisebericht in Form einer Bildreportage dcS deutschschweizerischen Forschers Martin Rikli, von dessen Forschungsreise durch die Kyrenaika, Tripolitanien und Südtunesien. Er bringt die Erlebnisse des Forschers im Araber-Asrika, gibt Einblicke in die Kolonisationsarbeit Italiens in Tripolitanien. erzählt von Tunesiens Höhlenstädten. Wir bringen mit dem Forscher in daS Innere der Länder vor und werfen einen Blick in das orientalische Märchenland, besuchen die Araberstadt Kairun und lernen dort das Volk bei seiner Arbeit und seinen Festen kennen. So enthält der Film ein vielseitiges Bildmaterial, das von größtem kulturgeschichtlichem Wert ist. — Der Allgemeine Deutsch e F r auen- verein veranstaltet am Montag, 23. März, 20.15 Uhr, im Hotel „Hindenburg" einen Vortragsabend. Prof. Dr. M o m b c r t wird über das Thema „Das Sparen in feiner volkswirtschaftlichen Bedeutung" sprechen. (Siehe Anzeige.) — Der Tierschutz.Verein Gießen hält am Montag, 23. März, 20.15 Uhr, im Kaufmännischen Vcrcinshaus, Nordanlage 15, feine diesjährige Hauptversammlung ab. ** Reichskanzlerrede im Rundfunk. Bei der Abstimmungs-Gedenkfeier, die von den Vereinigten Verbänden heimattreuer Oberschlesier am morgigen Sonntag um 16 Llhr in Deuthen veranstaltet wird, hält Reichskanzler Dr. Brüning die Gedenkrede. Der Verlauf der Ver- anstaliung wird durch den Rundfunk übertragen. Interessenten seien darauf hingewiesen. •* Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei ge- wöhnlichen Preisen geöffnet. Die Räume sind geheizt. " Rinder marktinGiehen. Am nächsten Dienstag findet in Gießen Rindvieh-(Rutzvieh-) Markt statt. ** Sachbeschädigungen. Zum Nachteil der Veterinärkliniken wurden in letzter Zeit wiederholt durch bis jetzt noch nicht ermittelte Rohlinge Sachbeschädigungen verübt. Personen, die in der Lage sind, zweckdienliche Mitteilungen zu machen, werden gebeten, sich mit der Kriminalpolizei ins Benehmen zu setzen. ' Diebstahl aus dem Schaukasten. In der Rächt zum Freitag wurde an dem Kaufhaus Elsoffer in der Marktstrahe die Scheibe eines Schaukastens eingeschlagen und zwei Herren- und eine Damenuhr entwendet. Es handelt sich bei den erstgenannten um eine Lederarmbanduhr aus Mikron-Walzgold, eine versilberte Taschenuhr mit Verzierungen auf der Rückseite und bei der Damenuhr um eine solche aus Mikron-Walzgolddouble mit schwarzem Ripsband. Vor Ankauf wird gewarnt. " Aufgeklärter Diebstahl. Aufgeklärt wurde durch die Landeskriminalpolizeistelle Gießen ein kürzlich in Ober-Bessingen verübter Einsteigediebstahl. Als Täter wurde ein 21 jähriger ortsansässiger Wagner ermittelt. " Wohnungs-Einbruch. Bei dem in Okarben wohnhaften Gutspächter Wendel wurde in der Rächt zum Freitag ein Wohnungs- Einbruch verübt, wobei dem Täter ein größerer Geldbetrag in die Hände fiel. Die Ermittelungen seitens der Landeskriminalpolizeistelle Gießen sind im Gange. '* F e st g e n o m m e n und in Llntersuchungs- haft gebracht wurden der Melker Bernhard Löwer aus Vilbel und der Mechaniker IuliuS Rauch aus Ravensburg. Ersterer war wegen Betrugs. Rauch wegen Diebstahls zur Festnahme ausgeschrieben. '• Das Heilinstitut L. Kratz, das sich bisher in der Schulstraße 11 befand, wird am nächsten Montag nach der Diezstrah« 11 verlegt werden. Dort wurden größere Umbau- und Erweiterungsarbeiten durchgeführt, die dem Inhaber des Instituts, Heilgehilfen L. Kratz, die Möglichkeit geben, auf breiterer Grundlage den Bedürfnissen seiner Kundschaft gerecht zu werden. Bei den Umbau- und Erweiterungsarbeiten wurden durch Anbau drei neue Räume gewonnen, die übrigen vorhandenen Räume neu hergerichtet und mit den modernsten Einrichtungen versehen. In erster Linie ist allen Erfordernissen der Hygiene auf das sorgfältigste Rechnung getragen worden. Reuzeitliche Badewannen mit allem Komfort, Wanner für Moorbäder, für Sitzbäder, für hydroelektrische Vierzellenbäder, für Licht- und Dampfbäder wurden auf gestellt, außerdem betbollftan* digte man durch die Anschaffung der neuesten Massageapparate die bisherige Einrichtung. Sol- lur-, Vitalur- und Original-Hanan-Lampen stehen zur Bestrahlung zur Verfügung, Ruhebetten sind allenthalben ausgesteltt, eine schone Veranda mit prächtigem Ausblick auf den Botanischen Garten steht den Patienten zur Verfügung. Die Einrichtungen werden zum größten Teil nur auf ärztliche Anordnung benützt, Bäder werden nach medizinischen Vorschriften abgegeben, Behandlungen den Rezepten entsprechend durchgeführt. Bei der Ausstattung der Räume hat man guten Geschmack bewiesen: dezente Tapeten, unaufdringlicher Ocl- an ft rieb da, wo feuchte Därme dies erfordert, einfache aber gediegene Ausstattung allenthalben geben dem Besucher einen sreundlichen Eindruck. Als besonders reizvoll darf bat Wartezimmer angesprochen werden. (Siehe heutig« Anzeige.) Spiclplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 22. März, 11.30 bis gegen 13.30 Llhr: Matinee des dem Opernhaus« angegliederten DewegungschoreS unter Mitwirkung des Tanzstudiös Müller-Bodmer. 15 bi# 18 Llhr: Viktoria und ihr Husar. 19.30 biS nach 22 Llhr: Schwanda, der Dudelsackpfeifer. Montag. 23.. 19.30 bis gegen 22.30 Llhr: Der Bettelst udent. Dienstag. 24., 19 bis gegen 22.30. Llhr: Tannhäuser. Mittwoch, 25 . 19.30 bis nach 22 Hfir: Der Barbier von Sevilla. Donnerstag, 26., 19.30 bis 22.15 Llhr: Fidelio. Freitag, 27., 19.30 bis nach 22 Llhr: Der Barbier von Se- Villa. Samstag, 28., 19.30 bis nach 22 Llhr: Di« Boheme. Schauspielhaus. Sonntag, 22. März, 16 bis gegen 18 Llhr: Sturm im Wasserglas. 20 bis gegen 23 Llhr: Phaea. Montag, 23., 20 biS gegen 23 Llhr: Phaea. Dienstag, 24., 20 bis gegen 22.15 Llhr: Rotation. Mittwoch, 25., 20 bis nach 22 Llhr: Gelegenheit macht Dieb«. Donnerstag, 26.. 20 bi« gegen 22 Llhr: Einmaliger Tanzabend: Riddy Impekoven. Freitag, 27., 20 biS gegen 22 Llhr: Elavigo. Samstag, 28., 20 bis gegen 23 Llhr: zum ersten Male: Elisabeth von England. weitere Lokalnachrichtcn im zweiten Blatt. Oie Wetterlage. 5El ’Seydlsfiora Ndrdo .toc *$tr Q. Pir IS "7 ' W1 l d '»5 ' \ O Tours 7 V» Owtmtenios Oneuer. Q nare oedecr.i • wolkig. • Dtdecn e Rtg<"> * Schnee oOraupeia ■ McDcl "R .©windstille. -O- xM (eichte» Qp «lässige- SOdsoowest q stürmische, -lordwcsk Vie Pfeile fliegen mit dem winde. Pie Coden Stationen stenenoen Zahlen geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mitmieJOlCÄ Hüt Meeresniveau umoe/echneteo Lulldruck Wettervoraussage. Allmählich bringt die Warmluft ihre Bewölkung zum Vorschub und dehnt sie von Westeir her über Deutschland aus. Gleichzeitig hat sich das Regengebiet, das gestern mehr über dem französischen Küstengebiet lag, nach dem Inland fortbewegt. Es besteht somit die Möglichkeit, daß die Anzeichen der Wetterbecinslussung, die durch den Druckfall im Westen geschaffen wurden, sich mehr durchsetzen und auch unserem Gebiet Bewölkung und vereinzelte Riederschläge bringen werden. Die nächtliche Ausstrahlung wird durch die Bewölkung unterbunden, und damit gehen bic Strahlungsreste ihrem Ende zu. Aussichten für Sonntag: Wolkig und vereinzelte Riederschläge, nachts milder als seither. Lufttemperaturen am 20. März: mittags 13,6 Grad Celsius, abends 5 Grad: am 21. März: morgens 0 Grad. Maximum 14,6 Grad, Minimum —1,8 Grad. — Erdtempcraturen in 10 cm Tiefe am 20. März: abends 7,4 Grad: am 21. März: morgens 1,1 Grad. — Sonnenfcheindauer 9% Stunden. Zum Schutz gegen W fÄ—•„ Ä Lrp4sr/i i und&kalfimg&— W Afrika». 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März 1931 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen) Nr. 68 Zweites Blatt Was ist mit Südtirol? „Dun, dos freut mich sehr", und auf den Hut deutend, fuhr er fort, „aber bitte, Herr Kollege, setzen Sie doch Ihr Krönchen auf." Dies war mein frühester Eindruck vom Wechsel des Mucks. Mein Vater brauchte sein ganzes noch übriges Geben, bis er wieder hatte, was in wenigen Tagen verlorengegangen war. Schneller wurde nicht verdient in jenen friedlichen Zeiten, und zu Anfang der neunziger Iahre starb er schon. Hier sah ich nicht gerade das Glück wechseln, erfuhr aber um so besser die Veränderlichkeit des Menschengesichts. Er hatte ungemeines Ansehen genossen in der Stadt und dem kleinen Staat, dem sie vorstand. Mit ihm durch die Straßen zu gehen, war eine meiner schärfsten Hebungen hinsichtlich der Grütze, die ich, je nach Würdigkeit der Person, zu erwidern oder vorwegzunehmen hatte. Mit ihm im gemieteten Zweispänner über Land zu fahren, war ein Fest. Die großen Dauern erschienen auf ihren Türschwellen, wir wurden bewirtet, und auc8 Getreide ging dabei in feine Speicher über. Er war Senator, was damals noch nicht Parteifrage war und von keinen öffentlichen Wahlen abhing: es kam einfach auf die Familie an. Man war es, oder war es nicht — und behielt, einmal in den Senat gelangt, die Befugnisse eines absolutistischen Ministers. Mein Vater verwaltete im Freistaat die Steuern, seine Macht war die allen fühl- barfte. • . Daher viel Schmeichelei, sogar für den oot>n; auch Unaufrichtigkeiten, sie entgingen schon dem Halbwüchsigen nicht. Smmerljin überschätzte ich sowohl das natürliche Wohlwollen der Umgebung als auch die Fähigkeit eines noch so menschenkundigen Mannes, alle für sich zu gewinnen, sie, komme was mag, bei sich zu halten. Ihm lag an seiner Volkstümlichkeit; er war gegen Ende immer freundlicher, versöhnlicher geworden. 3et>t kam der Tod. Mein Vater lag droben in seinem schönen Haus; die Straße davor war mit Stroh belegt. So oft ich ausging, fragten mich viele, wie es stehe. Aus dem Hause gegenüber eilte mein alter Lehrer. Er hatte mich in der Vorschule unterrichtet, von jeher kannte ich ihn als bieder und herzlich, ganz hin- gestreckte Hand, ganz Ergebenheit des kleinen Mannes, der endlich auch im eigenen Haus wohnt und bewundernd herübersieht nach den Fenstern des Größeren. Der Tag ist da, mein Vater atmet auS. Ich als die Ausgabe der deutschen Gesetzgebung bezeichnet toorben war: dem deutschen Volk ein einheitliches Strafgesetz zu geben. Es ist die hohe geschichtliche Sendung unserer Zeit, dem Grundsatz .EinDolk — einRechf über die trennenden Grenzmarkungen hinweg Geltung zu schaffen. Das Ergebnis der Beratungen in den Strafrechtsausschüssm der früheren Volksvertretungen in den deutschen und österreichischen parlamentarischen Strafrechtskvnseren- zen hat gezeigt, daß diese allerdings nicht leichte Aufgabe bei gutem Willen, bei verständnisvollem Eingehen auf eingewurzelte Aechtsüberlieferungen des anöcrcn Teils nicht unlösbar ist. Ich zweifle nicht, daß er auch den Mitgliedern der neugewählten gesetzgebenden Körperschaften an diesem guten Willen nicht fehlen wird. Handelt es sich doch um einenationale Tat im besten Sinne des Wortes, um die Schaffung eine» Gesetzeswerkes, das für lange Zeit hinaus ein Denkmal deutscher Kulturgemeinschaft fein soll. Graf Kotusosf, ehemals russischer Bevollmächtigter in Berlin, war am preußischen Hofe ein« beliebte Persönlichkeit gewesen. Der Alte Kaiser gab einmal ein Herrendiner, zu dem Kotusosf eingeladen wurde. „Sie sind heute der einzige Ausländer bet Tisch", bemerkte der greife Monarch zu ihm. „ilnfere Familie stammt eigentlich aus Ostpreußen", erklärte daraus Kotusoff, „so daß ich doch ein wenig als Deutscher gelten könnte. Wir hießen damals Guto oder Krllo... Der Alte Kaiser lachte: „Und den Soff habt Ihr Euch dann nach und nach in Rußland angewöhnt," habe, zwanzigjährig, die ersten ganz selbständtgen Schritte statt seiner zu tun. Draußen stehen Leute, dabei auch der herzliche Graubart. Ich suche, ohne es zu bedenken, die gewohnte Wärme, ich gehe hin. Wie? Der Lehrer wendet den Kopf weg. Er verläßt sogar die Gruppe, tritt in fein Haus, schließt die Tür. Aehnlich haben es bann andere gemacht, nur von dem Alten schien es mir am erstaunlichsten. Ich begriff aber: sie hatten eS satt, noch Mühe an mich zu wenden, auf einmal hatten sie es auf das Gründlichste satt. Vorher hatten sie zuviel getan, darum taten sie jetzt nicht einmal genug. Es war nicht besondere Härte, nur das Aufgeben eines unnütz gewordenen Hebereinkommens. So geschieht es jedesmal, wenn irgendein Erfolg sich rächt. Eine der Erfolgswellen, die jedes Leben hat, fließt zurück, alle geben den noch soeben Hmworbenen um so schroffer auf, je eifriger sie bis jetzt um ihn bemüht waren. Wie wohl tut es ihnen, endlich das Gesicht zu wechseln. Vichts Lästigeres, als einer bestimmten Person dauernd nur das festliche Gesicht zu zeigen. Der Erfolg ist vorbei, der Steuersenator ist tot. — Kleine Späße vom Alten Kaiser. Von Peter Purzelbaum. In Potsdam stand beim Ersten Garde-Regiment als Premier-Leutnant der Erbprinz eines mitteldeutschen Fürstentümchens, der damals von seinen Kameraden den reizenden Spitznamen der „Prinz von Arkadien" bekommen hatte. Eines Xaged war es nun aber mit diesem netten Titel zu Ende, denn der Prinz bestieg den Thron seiner Väter. , Vatürlich hielt er es für seine Pflicht, stch tn dieser neuen Würde beim Alten Kaiser, der gerade in Ems weilte, vorzustellen. Der junge Fürst fuhr also dorthin, traf zufällig — gleich nach seiner Ankunft — den alten Herrn auf der Promenade, ging ohne zu zögern, so wie er im Reise» anzug war, auf ihn zu und — den Hut ehrerbietig aieljcnb und in der Hand behaltend — meldete er das „Avancement". Mit feiner gewinnenden Liebenswürdigkeit sagte der Alte Kaiser: Die beiden Gesichter. Don Heinrich Mann Mitte der siebziger Iahre war meine Mutter eine junge, ahnungslose Frau. Ich sitze vor ihrem Schreibtisch, spiele mit einer kleinen Truhe aus Bronze, das violett gepolsterte Innere duslet bezaubernd. Plötzlich legt -meine Mutter von rückwärts den Arm um mich, sie flüstert mir zu: „Wir sind nicht reich, aber sehr wohlhabend." Sie muhte es gerade erst erfahren haben, und zwar mit genau denselben Worten. frri Ihr selbst waren Reichtum und Wohlstand gewiß mir Worte. Ihr Leben und ihr Haus blieben sich gleich. Kein Auto wurde angeschafft, denn es gab keine. Den Sommer verbrachten wir wenige tausend Schritte weiterhin „vor dem Tor". Meine Mutter wußte vielleicht, daß Geld wohl wünschenswert, sehr viel Geld aber weder förderlich, noch gern gesehen sei. Erst kürzlich sagte mir ein Achtzigjähriger, er sprach von seinem Vachbar: Wer so reich ist, muh verrückt werden." Das war ein Ton von damals, so dachte die noch bürgerliche 3eit ___ . . Mein Vater war damals cm schöner und stolzer junger Mairn. Ob heiter, ob zornig, immer erschien er mir auf der Höhe des Lebens; er trug weiches Tuch, niedrige Hemdkragen, an den Schlafen noch die vorgebürsteten Haarbüschel, die Va- poleon III. getragen hatte. Er ging wiegend und sicher, wie ein Kapitän auf seinem guten Sch.sf. Trat er ein, war das Zimmer ein bewegter Raum, worin etwas vorging. Eines Tages aber kam er ganz still. Wir bemerkten es kaum, er sah schon, war aus seinen Platz geglitten und hielt nun den Kops in den Händen. Er stöhnte, da gruftc es mir. Er, der "nur leichte und hellere Gespräche führte, stöhnte QI am en von Leuten, die zusammenbrachen, alles verloren hätten und sein Geld mit. Ich sah meine Mutter an, mein Blick erinnerte sie an ihre vertrauliche Mitteilung von einst. Sie schien davon nichts mehr zu wissen; sie war besorgt, mehr um ihren Mann, nicht um das Geld. Hebrigens waren jene Worte lange her, endlos lange für eine noch ahnungslose Frau und einen kleinen Iungen, vielleicht ein Iahr. Der Alte Kaiser hielt einmal in Bonn Empfang. Einer der Offiziere, welche die Ehre hatten, vorgestellt zu werden, war dem hohen Herrn unbekannt, und der Flügeladjutant, der sich vorher unterrichtet hatte, flüsterte ihm zu: „Ist foeben zum Rittmeister befördert worden." Der Alte Kaiser sprach nun den Bettes senden huldvollst an und beglückwünschte ihn zur Beför- derung zum Rittmeister. Der also Angeredete, der nod) gar nicht „an der Tour" war, Rittmeister zu werden, eilte hocherfreut zu seinem Kommandeur und meldet* seine Beförderung. Der Kommandeur eilte zum Flügeladjutanten und nun stellte sich heraus, daß der Adjutant den Offizier mit dessen älterem Bruder verwechselt hatte. Reumütig beichtete der Adjutant fein Versehen dem Kaiser. Dieser lächelte: „Da ich dem Herrn Rittmeister gratuliert habe, muß er's wohl bleiben.“ — Vach einiger Zeit war Cour bei Hose. Ein soeben zum QHajor beförderter, aber noch in Hauptmanns Epauletten erschienener Offizier wurde dem Kaiser vorgestellt. Ter Adjutant flüsterte: „Soeben zum Major befördert." Lächelnd drehte sich der Qllte Kaiser um und sagte in echtem Berlinisch: „Qlee, mein Lieber, daraus fall ick nu nich mehr rinn!" nebmigt werden müssen. Als zweckmäßiger empfahl sich daher ein anderer, nach beiden Qkrfaffun- gen gangbarer Weg: die Beschlüsse der 6traf» rechtsausschüsse a l s Initiativantrag von Mitgliedern der neuen Volksvertretungen an diese gelangen zu lassen. Diesen QBeg haben im Reich die Abgeordneten Dr. Kahl und Genossen mit ihrem Antrag vom 3. Dezember 1930 und in Oesterreich kurze Zeit darauf die Abgeordneten der Grvhdeutschen Dolkspartei Tr. Strafsner. Dr. Wotawa und Genossen beschritten. Den gesetzgebenden Körperschastcn liegt daher wieder eine im Wesen übereinstimmende Grundlage für ihre weiteren Beratungen vor, auf der sie allerdings ihre Arbeit von neuem beginnen müssen. Zweifellos werden daher die Verhandlungen längere Zeit in Anspruch nehmen, als nötig gewesen wäre, wenn sie noch in den aufgelösten Derttctungskörpern bis zum Abschluß gediehen wären. Allein diese Verzögerung fällt nicht allzuschwer ins Gewicht. Hauptsache ist und bleibt, daß es gelingt, das Ziel z u erreichen, das schon um die Mitte des vorigen Iahrhunderts dacht „auf die eigentümlichen territorialen und ethnographischen Verhältnisse Oesterreichs" bar» stellte; dieser Entwurf bildete durch mehr al« zwanzig Iahre die Grundlage für die Arbeiten Oesterreichs an der Form des gesamten 6traf» rechts. Dadurch, daß zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch das Deutsche Reich eine Reform seines gesamtes Sttasrechts in Angrifs nahm, wurde der bis dahin verschüttete QBeg zur Straf - rechtseinheit wieder frei. Deutschland und Oesterreich gingen aber in ihren Arbeiten an der Strafrechtsreform zunächst getrenntcWege, Wege, die ihnen durch die organische Fortentwicklung des heimischen Rechtes vorgezeichnet waren. Im Weltttieg erfuhr jedoch der Gedanke der Rechtsvereinheitlichung durch diewis- senschaftttchen Erörterungen über die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit eines einheitlichen mitteleuropäischen Strafrechtes eine mächtige Förderung. Als daher Oesterreich durch die weltgeschichtlichen Ereignisse des Iahres 1918 zu einem rein deutschen Staat geworden war — entgegen den eigenen Wünschen vom Mutterland durch Grenzpfähle getrennt —, war es nur natürlich, daß die Idee der Schaffung eines Allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich und Oesterreich mit elementarer Kraft der Verwirklichung zustrebte. In jahrelanger mühevoller Arbeit haben zunächst die beiden Justizverwaltungen den Versuch unternommen, deutsche und österreichische Rechtsgedanken in einem gemeinsamen Entwurf zu einem harmonischen Ganzen zu verschmelzen. Die Frucht dieser Bemühungen war der Entwurf, der im Iahre 1927 im wesentlichen in gleichlautender Fassung als Regierungsvorlage dem Deutschen Reichstag und dem Oesterrei- chischen Qlationalrat zuging. So waren die ersten Schwierigkeiten übertounben, war die notwendige einheitliche Grundlage für die Arbeiten der beiden gesetzgebenden Körperschaften geschaffen. Eine weit größere Gefahr drohte aber der mühsam erreichten Einheit des Textes durch die Mängel eines gemeinsamen Gesehgebungsorganes im Zuge der parlamentarischen Beratungen. Wie zu erwarten war, sind bei der ersten Lesung von Strasrechtsausschüssen des Deutschen Reichstages und deS Oesterreichischen Vationalrates zahlreiche Aenderungen der Regierungsvorlagen in verschiedenem Sinn beschlossen worden. Erfreulicherweise ist es jedoch den Abordnungen der beiden Ausschüsse, die von Zeit zu Zeit — im ganzen fünfmal — in gemeinsamen Konferenzen die in den Ausschuhbeschlüssen zutage getretenen Meinungsverschiedenheiten erörterten, gelungen, nicht nur in grundsätzlichen Fragen, sondern auch in Einzelheiten säst alle diese Gegensätze zu überbrücken und Fassungen finden, die von beidenAus- schüssen angenommen werden konnten. So schien denn nach den Ergebnissen der letzten deutschen und österreichischen parlamentarischen Sttafrechtskonserenz in Wien im Frühjahr 1930 gegründete Hoffnung vorhanden, das große Werk werde — dank der kundigen Führung der Verhandlungen durch den Altmeister der deutschen Rechtswissenschaft, Prfessor Dr. Kahl, dem der Obmann des österreichischen Sttafrechtsausschusses Dr. Waber als treuer Helfer zur Seite stand, und dank der verständnisvollen Zusammenarbeit der deutschen und österreichischen Abgeordneten aller Parteien — in kurzer ^"'t so weit fortgeschritten sein, daß Reichstag und Qlationalrat den Entwurf zum Beschluß erhebt tonnen. Leider erwies sich diese Hossnung als trügerisch: Die poli- ttschen Stürme, die in beiden Staaten zur Auf - lösung der Volksvertretungen führten brachten auch die Arbeiten am Sttafgesetzentwurf zum Stillstand. Im Reich wie bei uns entstand nun die Frage: Auf welchem Wege kann die schon geleistete, unendlich mühevolle und zeitraubende Arbeit für die Zukunft fruchtbar gemacht, kann die mit dem unvorhergesehenen Zwischenfall unvermeidbar verbundene Verzögerung auf ein Mindestmaß herabgedrückt werden? Von vornherein war es klar, daß die Einbringung neuer Regierungsvorlagen die Wiederaufnahme der Beratungen in den parlamentarischen Körperschaften ohne sachlichen Gewinn bettächtlich verzögert hatte, namentlich im Deutschen Reich, wo die Regierungsvorlagen, ehe sie dem Reichstag zugehen, vom Reichsrat ge- Wissen Sie, das Herz hat mir geblutet, al« fic mich einen Ausländer, einen Italiener, geheißen haben, wo ich doch nicht weniger mein Volk liebe als die, die gar nicht wissen, wie es ist, loemt man kein deutsches Wort mehr auf den Straßen lieft und alles Deutsche weggewischt ist wie Kreide von der Tafel. Ia, da hab' ich versucht, anderswo in Oesterreich mein Brot zu verdienen. Aber aus war's. Ich blieb eben ein .Ausländer', denn der Paß sagt doch die Wahrheit. Schauen'S, so fahr' ich jetzt wieder in die Heimat, die keine rechte Heimat mehr ist. Die Oesterreicher mögen mich nicht, und die Italiener legen auf meine Anwesenheit in Südtirol auch keinen Wert." Mit dieser leisen, beinahe ergebenen Selbstironie erzählte der kräftige Schmied seine Lebenslage. Hnd diese ist für Tausende typisch. Das zweite Beispiel, eine Variation des ersten. Qluf einer der kleinen Stationen im Eisacktal nimmt eine Familie, Mann, Frau und Töchter- schen, von den Daheimgebliebenen ergreifenden Abschied. Langes Winken aus den» Fenster, bis die Kurve den Blick abschneidet. Mit dem Mann, einem intelligenten, typischen Oesterreicher Anfang der Vierzig, ergibt fich bald ein Gespräch: „Wissen's, dieser Abschied ist jedesmal 'was Furchtbares. Qlun gcht's wieder hinein in Ober- Italien. AIS ^Beamter bin ich vor 11 Iahren übernommen worden. Man dachte doch, wenn man sich loyal verhält, wird man doch hier bleiben dürfen, wo man geboren ist, wo man sein Leben verbracht hat, bei Verwandten und Freunden, unter Landsleuten. Qlbcr dann tarn’« — Versetzung in stockitalienisches Gebiet. Ich frage Sie: WaS soll aus meinem Kinde werden? Kein deutsches Wort außerhalb unserer Wohnung. Ia, wenn man Geld hätte und auswandern könnte! Wie mir, ist'S Hunderten von Kollegen ergangen. Man pill unS assimilieren. Italiener füllen unsere Platze aus. In, wie ein Baum wird man aus dem Garten gcriffen unb irgendwo cingegraben. Ob sich der Boden eignet oder nicht, wen kümmert's? Für die Oesterreicher bin ich Italiener, für die Italiener Oesterreicher. So hängt man zwischen zwei Staaten, zwischen zwei Volkern. Können's nun verstehen, weshalb man so traurig ist, wenn der Hrlaub zu Ende ist?" Beide Erlebnisse sagen alles. Sie sagen die politische Laae und deren Rückwirkung auf da« Einzelschicksal. Die Südttroler fühlen sich als Staatsbürger zweiten Grades, gefesselt an einen mächtigen und klug regierten Staat, der vom Firmenschild bis zur Grabinschrift, von der Fahnenstange bi« zum Vornamen und auch Familiennamen i t a l i a n i - fiert und italianifieren will. Deutsche Vereine sind verboten, deutsche Privatschulen sind verboten, sogar privater deutscher Sprachunterricht in anderen Familien ist verboten. Dabei nimmt der italienische Einfluß und der italienische Charakter besonders in Bozen ständig zu. Vicht weniger als 12 000 Italiener sind im letzten Iahrzehnt zugezogen. Ganze Die StrastechtsvereinheMichung Rückblick und Vorschau. Don Dr. H. Schürff, österreichischem Bundes Minister für Justiz. «ein Gesetz soll nach der allgemeinen Volk«- anschauung in so hohem Grade tote gerade das materielle Strafgesetz nur der Widerhall der natürlichen Gerechtigkeit fern. Dieser schon aus Staatsklugheitsrucklichten nicht heilig genug zu achtenden Volksanschauung wird aber aus da« empsindlichste cntgegengetoirft, wenn -wischen den Gesetzgebungen der einander an Bildungsstufe und sonstigen sozialen Beziehungen gleichen Völker eine große Mannigfaltigkeit dar- über besteht, was und wie es bestraft wird. Die Anbahnung eines für Oesterreich und alle übrigen Länder deutscher Bildung und Zunge gemeinsamen materiellen Strafgesetze muß daher im wohlverstandenen Intere e aller dieser Staaten und der gesamten Gesellschaft energisch gefördert werden." Diese programmatischen Satze über das Ziel, das eine Reform des Strafrechtes der deutschen Staaten anstreben muß, wenn sie ihre Ausgabe richtig erfaßt, stammen nicht aus der jungften Vergangenheit, auch nicht aus der Zeit, da der Weltttieg die Bande zwischen den deutschen Stämm-n im Reich und in Oesterreich fester denn je verknüpst hatte und die hervorragendsten Der- treter der Rechtswissenschaft hüben und drüben nachdrücklich dafür eintraten, dir Kulturgemein. schäft und der Gemeinsamkeit der wirtschaftlichen Interessen der verbündeten Mittelmächte durch Vereinheitlichung des Rechtes sichtbaren Ausdruck verleihen. Sie finden sich in der Begründung des österreichischen Strafgesetze ntwurfes vom Iahre 1867, sie geben die Richtlinien wieder, von denen sich amals die mit der Ausarbeitung des Ent- Wurfes betraute Kommission hatte leiten lassen, sie sind geschrieben, kurz nachdem Oesterreich durch die Auflösung de« deutschen Staateiibundes in der zweiten Hälfte des Iahres 1866 aus dem engeren politischen Verband mit den außer» österreichischen Ländern deutscher Zunge getreten war, also zu einer Zeit, da die politische Lage der Verwirklichung des Gedankeiis der Rechtseinheit gewiß nicht günstig war. Wenn aber Oesterreichs Iuristenwelt damals gleichwohl Die schon die voni ersten deutschen Iuristentag im Iahre 1850 geforderte Vereinheitlichung der Strafgesetzgebung für möglich hielt, war dies fachlich durchaus gerechtfertigt; denn die Sttasgesetzgebung in Deutschland war damals vollkommen zersplittert, in mehreren Staaten galt noch das gemeine Recht, im übrigen Bundesgebiet standen nicht weniger als zehn Landesstrafgesehbücher in Geltung und die Hebcrteugung von der Notwendigkeit der 'Beteiligung dieses Zustandes war Allgemeingut geworden. Die Tatsache aber, daß wenige Iahre zuvor die Vereinheitlichung auf dem Gebiet des Handels - und des Wechsel rechtes gelungen war, war ein mächtiger Ansporn, sich dafür einzusehen, daß auch die Reform des Strafrechtes dem gleicher: hohen Ziel dienstbar gemacht werde. Die politischen Ereignisse der folgenden Iahre und ihre Früchte auf dem Gebiet der Strafgesetzgebung — die Schaffung des Strafgesetzbuches für den Norddeutschen Dund und feine Hmwandlung in ein Reichs- geseh durch die Reichsverfassung — machten die Hoffnungen zunichte, daß dem Onigemeinen Deut» schon Handelsgesetzbuch und der Allgemeinen Deutschen Wechselordnung in dem gleichen auch Oesterreich umfassenden Geltungsgebiet e i n Allgemeines Deutsches Strafgesetzbuch folgen werde. Aber der Gedanke der Rechtsangleichung hatte in Oesterreich schon so tiefe Wurzeln geschlagen, daß sich die. österreichische Gesetzgebung bemühte, ihm wenigstens in der Form einer möglichst weitgehenden Annäherung an die Strafgesetzgebung des Deutschen Reiches Rechnung zu tragen. Zu diesem Zweck brachte Glaser, der berühmte Schöpier der österreichischen Strafprozeß Ordnung, im Iahre 1874 einen S t r a f ges e h en t wu r f im ofterrei» chischen Abgeordnetenhaus ein, der sich als eine Hmarbeihing des Reichssttasgesehbuches mit De- Das in letzter Zeit deutlich gewordene Bestreben sranzösischer Stellen, die südtiroler Frage aus begreiflichen politischen Gründen heraus zu verschärfen, hat in der deutschen Oesfentlichkeit eine gewisse Unsicherheit in dieser Frage ge- sämsfen. Wir haben zur Qlufflänmg der widerst rechenden Behauptungen über „geloderte Fesseln" und über „neuen Terror" in Südtirol unseren U. Q. -Sonderberichterstatter um ein Hrteil gebeten. D. R. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Bozen, Vlärz 1931. Mit den politischen Wahrheiten ist e« wie mit allen Wahrheiten — es genügt nicht, sie nur erkenntnismäßig aufzunehmen und sie nur aus Druckerschwärze oder über die Gehörnerven einer angclefcncn Weisheit einzuverleiben. Wahrheiten wollen mit der Tat, am eigenen Leibe und ruck» sichtslos mit allen Folgen erlebt werden. Hnd keine andere politische Wahrheit ist gerade uns Deutschen seit zwölf Iahren so in allen, aber auch allen Auswirkungen eingehämmert worden wie das „V a c v i c t i s !" von Versailles, St. Germain und Trianon. Noch schmerzhafter aber als im Mutterlande schnüren die Derttugsfesseln in den abgetretenen Gebieten. Over offenen Qlugc« hier durch das Land ftreift, spürt es überall, wie tief das politische Schicksal des Volkstums auch in das unbeachtete Schicksal jede« Einzel- menschen einschneidet. Der Deutsche als Angehöriger einer nationalen Minderheit eines fremden Staates mag sich aufbäumen, auswandern, anpassen oder ertragen, was unabänderlich scheint — irgendwie muh auch er zu dem Schicksal seines Volkes Stellung nehmen, weil es eben unmöglich ist, das kleine eigene Leben frei- zuhalten von den politischen Stürmen, denen sein Volksteil ausgesetzt ist. Die Faust des Eroberers spüren sie alle, Großgrundbesitzer, Fabrikanten, Kaufleute, Dauern und Arbeiter. Die einen mehr, die anderen weniger. Alle empfinden sie, eingespannt in einen fremdsprachigen Staatsapparat, mehr oder minder klar das Verhängnis der Deutschen, daß bei ihnen Staat und Volkstum sich nicht decken wie zwei kongruente Dreiecke. Daraus ergeben sich dann Rei- bunasflächen politischer, wirtschaftlicher und kultureller Art, die z. B. in Südtirol den Lebenslauf von 250 000 Deutschen entscheidend und wahrlich nicht beglückend beeinflussen. Zwei Beispiele, die die Sache klarer und gegenständlicher machen: r Knapp hinter dem Brenner, noch auf dem ersten Schienenkilometcr Neu-Italiens, Nagt mir ein schmucker, aufgeweckter Handwerker sein Leid: „Sehen Sie, jetzt komme ich aus Innsbruck. Zwei Iahre habe ich da gearbeitet, als Schmied. Alles ging zuerst gut. Plötzlich, als die Arbeitslosigkeit größer wurde, hat's geheißen: .Der da ist ein Ausländer, der muß zuerst hinaus! n. wo p]L «Iduhr., „y Cör'Mht.,b.253 ist M Uitl. Ä Ifti Qtm QWb- «mv. Jlna.tnli auri nnflQbew auch fltlb, Mi wünsch, bie Zekannischal, einet Beamten in fitbtttr t'ebentfiefla. Lliw. mit Jlinö nicht auS- ^schloss, uv. Heirat. Lchr. Ansr. u. OM an den A. A. rxbtt. runellen* «. briuditn. Cba 15000 Zw;n. Vahn» gen Sie stets die Lise:’s i -Bruet- R la firm eilen ■ mitdenMar.nen •b.iint- Smiligikni 8.31 Bahnhof. sich bei des UM- 8D0- in u. liert ZU, tü. olge. wich tf.ru J085A ;e ute ehencL Stadttheater Sonnt., U. März von U', bis Id Hör 3.Tas der Sammer- fvieMuSHiomn- feien „ , Mmenielevvreile. Gastspiel der telfflii Willi Die beste jaiv Stiwcde 'Berlin«. Muiik. Mnenl-bau mH (indem Progr. ei Ä- b. t*1'1 •A'aflC 0169b Lonnt.,S2.Mari, von 18*, biß 20 Ubr Gastspiel der, WWchtPK Die beste ßa«' Savelle Äerims. Musik. BW'knichaii Neues Äbendvroar. StnuouitUuna W- SM •Ss"‘ n üHarim tiodL SÄK NtzS ÄtzKL Meinws" MjjjD Tbea'"6' . i M SreW,»'-..l1»r Sie teil., »■®! ,.,9. fflaCS. •stesäSf SÄ-'S e<'.Ä 'Hs- in 3 «l'e^eaiv. y&Ä italienische Reubau-Viertel sind' entstanden, in den Hauptstraßen hört man m'nrdestens eben so viel Italienisch wie Deutsch. Von Militär und Faschisten wimmelt es. Zwei kleine deutschsprachige Zeitungen, die faschistische „Alpen- zeitung" und der „Dolomitenbote", beide mit zahlreichen Inseraten in italienischer Sprache, lassen die deutsche Bevölkerung nur als eine verschwindende Minderheit erscheinen. Ueberall Fesseln, militärische, wirtschaftliche und kulturelle Fesseln. n Wie verhält sich die Bevölkerung dazu? Sie wehrt sich mit dem Willen zum Deutschtum und wartet ab. Mit den harten Bauernschädeln in den hochgelegenen Dörfern führen die italienischen Lehrer und Lehrerinnen einen lauten, aber vergeblichen Kampf. Die deutschgesinnte Geistlichkeit unter dem Bischof von Briren, Dr. Geißler, besitzt in dem Recht, den Religionsunterricht in deutscher Sprache erteilen zu dürfen, das beste Mittel zur Erhaltung der deutschen Sprache. 3n den Städten scheinen die Italiener, wenn man die zahlreichen jungen Deutschen mit den Faschisten- a b z e i ch e n sieht, dagegen mehr Anhänger gewonnen zu haben. Aber nur scheinbar. Wer nämlich nicht den faschistischen Organisationen angehört, wenn auch nur als passives, als nur zahlendes Mitglied, erhält keine Anstellung bei italienischen Firmen, und als selbständiger Gewerbetreibender keine Konzession. So hat sich auch in den Städten das System einer klugen Abwehrhaltung ausgeprägt, bei der Anpassung von Anbiederung in der Regel genau unterschieden wird. Man trägt die Fesseln mit Klugheit und Charakter. Unö imponiert sogar dem Italiener, dem nichts verächtlicher ist als nationaler Verrat. In letzter Zeit ist nun viel von Milderungen des italienischen Regiments die Rede gewesen. Was ist daran wahr? Gewiß ist die Zeit vorüber, wo von Vergeltungsgelüsten und Sieger- stolz geleitete Trienter von Trient aus die „eroberten" Gebiete rücksichtsloser noch, als es Rom verlangte, regierten. Seitdem aber die Provinz Bolzano besteht und besonders, seitdem derPräfekt Dr. Marziali auf Weisung Roms ein maßvolles. schroffe Maßnahmen klug vermeidendes Regiment führt, hat aus außen- und handelspolitischen Gründen eine Zeit der taktischen Schwankung en begonnen, die sich in gelegentlichen Milderungen zeigten. So wurden in Meran, das ja zu 80 v. H. deutsche Gäste zählt, wieder gemischtsprachige Plakate an Stelle der rein italienischen für die Dauer der Saison gestattet. Eine Wiener Operettentruppe gastierte im Stadttheater. Anregungen zum Wiederaufbau des deutschen Sportbetriebe?, allerdings unter faschistischer Oberleitung, wurden den früheren Führern gegeben. .Uni) schließlich das wichtigste Zugeständnis: Mitte Oktober vorigen Iahres fand in Meran nach zehn Iahren wieder ein T r a ch t en t c st für ganz Südtirol statt, bei dem etwa 10000Deutschevcr den Äugender italienischen Behörden in Volkstrachten und mit Andenken an die Hofer-Zeit vorüberzogen, so daß die Veranstaltung der Meraner Kurverwaltung den Charakter eines deutschen Tages, eines deutsche Volksfestes annahm, das auch den letzten ausländischen Zweifler von dem urdeutschen Charakter von Land und Leuten überzeugen mußte. Sind die Fesseln nun gelockert? Gewiß nicht! Rech gibt es keine dauernden und keine wichtigen Milderungen, noch keinen Abbau der Sprachverbote. Was geschehen ist, sind Milderungen für einen Tag, wie beim Trachtenfest, oder für einige Wochen, wie bei den zweisprachigen Plakaten während der Meraner Saison. Taktische Milderung en, weil Italien das Geld der deutschen Reisenden für seine Zahlungsbilanz zu schätzen weiß. Schließlich zwingt aber einmal die außenpolitische Spannung mit Frankreich uird Iugoslawien die Italiener, auch für die Südtiroler einen Modus vivendi zu finden, ohne den die deutsch-italienischen Beziehungen immer beschattet bleiben werden. Wenn die Reugruppierung der europäischen Mächte in dem gleichen | Tempo wie von 1918 bis 1930 fortdauert, wird es i kaum noch ein Iahrzehnt dauern, bis der Vertrag unterzeichnet ist, der den Südtirolern mehr als nur eine aus taktischen Gründen bedingte Lockerung ihrer Fesseln bringen wird. Spielvereinigung 1900 Gießen Spieloereinigung 1900 (Liga) gegen VfB. Kurhessen Marburg (Liga). Die erste Mannschaft der Spielvereinigung 1900 hat sich für den kommenden Sonntag einen Gegner aus dem Oberhaus verschrieben. Rach verhältnismäßig langer Pause dürfte damit den Fußballanhängern auch auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe wieder einmal ein hochwertiges Spiel geboten werden. Die Mannschaft des Marburger VfB., die sich in der nunmehr abgeschlossenen Derbandsspielsaison sehr tapfer geschlagen hat, stellt für die 1900er einen Gegner dar, der die Platzbesiher auf eine harte Probe stellen wird. Zwar konnten die Marburger ihr letztes Gastspiel in Gießen gegen den VfB. nur mit 2:1 für sich entscheiden, bewiesen aber in jenem Spiel eine wesentliche Ueberlegenheit im Feldspiel, die auch den 1900ern leicht gefährlich werden kann. Der Mannschaft ist eine Homogenität zu eigen, deren Auswirkung nur durch eine ■ Unsicherheit des Sturmes vor dem Tor beeinträchtigt wird. Eine sehr flinke Läuferreihe, eine sichere Verteidigung und ein zuverlässiger Tormann machen jedem Gegner der Sieg sauer. Unter t diesen Umständen dürften die Hiesigen gut tun. auf Sieg zu spielen, dabei auch die Flanken gut 5" zu bedienen und im übrigen einmal alle Kampfkraft aufzubieten, um wenigstens ein ehrenvolles - Ergebnis zu erzielen. Vor allem sollte die Mannschaft komplett antreten, sich nicht allen möglichen Eventualitäten aussehen und sich damit schon von Anfang an in das Hintertreffen bringen. Die Gießener Fußballanhängerschaft hat gerade in der letzten Zeit eine Reihe von Enttäuschungen erlebt, die sich schließlich einmal für die Vereine sehr unangenehm auswirken können. Wenn auch ein Sieg der 1900er gegen die Marburger Kurhessen eine Ueberraschung bedeuten würde, so hofft man doch allgemein auf einen schönen anregenden Kampf. Vor dem Ligospiel steht die Ligareserve in einem Freundschaftsspiel der Ligamannschaft (2. Dezirksklasse) „Teutonia" Laubach gegenüber. Hierbei kann man den Hiesigen, bei dem anerkannt guten Können der Gäste, wenig Gewinn- chaircen einräumen. Rur durch ein aufopferndes Spiel können die Schwächen in der Mannschaftsausstellung überwunden werden. Den Reigen der Spiele am Sonntagvormittag auf dem 1900er- Sportploh an der Liebigshöhe eröffnet die dritte Mannschaft in einem Gesellschaftsspiel gegen Riederwalgcrn (Kreis Marburg) erste Mann- schast. Anschließend treffen 1900 s vierte Elf und Riederwalgerns zweite Elf aufeinander. Der jeweilige Epieiausgang ist offen. Treten die Blauweißen in bester Aufstellung an und wissen den eigenen Platzvorteil zu wahren, so sollte der Gegner eigentlich nicht als Sieger heimkehren. Jugend. Am Scmntagmitlag steigt auf dem Platz an der Liebigshöhe Wohl ein interessantes Iugend- treffen, und zwar stehen sich gegenüber 1900 I. Iugend und VfB. I. Iugend. Beide Mannschaften spielen einen guten Fußball und jede wird in stärkster Aufstellung antreten, um aus diesem Lokaltreffen als Sieger hervorzugehen. Unter Leitung eines guten Schiedsrichters erwartet man ein faires Spiel. Das Vorspiel auf dem VfB.- Platz gewann 1900 mit 3:2. Wer jetzt das Treffen für sich entscheidet, ist schwer vorauszusagen, doch ist man geneigt, dem Platzverein auf Grund seiner letzten beständigen Erfolge ein kleines Plus zu geben. Außerdem spielen die Schüler und die I. Iugend gegen die gleichen Mannschaften des VfB. auf dessen Platz. BfB.-Gießen. Am Sonntag tritt die Ligamannschoft zum letz- tenmal in dieser Saison zum Kampf um die Punkte an, und zwar liefert sie der Liga Ockers- Hausens das schon mehrmals verschobene Rückspiel. Das Vorspiel auf hiesigem Platz endete mit einem knappen 1:0 der VfBer. Für diese ist das Treffen insofern von Bedeutung, als sie hier die letzte Gelegenheit haben, ihre verhältnismäßig schlechte Tabellenstellung noch etwas zu verbessern. In Anbetracht ihrer in den letzten Privatspielen gezeigten mäßigen Leistungen ist hierzu jedoch wenig Hoffnung vorhanden, es fei denn, daß sie an die Lösung dieser Aufgabe mit besonderem Ernst herangeht. Rur unter Einsatz aller Energie wird es ihr möglich sein, die Verbandsspielseris 1930/31 im besten Falt mit einem knappen Sieg zu beschließen. Der am Schluß der Tabelle stehende Platzverein hat in letzter Zeit anscheinend wieder eine gute Form erreicht. Vor 14 Tagen mußte sich ihm der Meister der Bezirksklasse, „©er- mania"»Marburg, auf eigenem Platz mit 2:1 beugen. Jedenfalls wird es einen harten Kampf geben, bei dem der Gegner den nicht zu unterschätzenden Vorteil des eigenen, wegen seiner Unzulänglichkeit von fremden Mannschaften gefürchteten Platzes hat. Die Ligareserve fährt ebenfalls nach auswärts. Sie wiederholt in Lollar das Rückspiel gegen die dortige erste, das beim erstenmal nicht anerkannt wurde. Wenn die VfB.-Elf gewinnt, ist sie Meister ihrer Klasse Bei einem Unentschieden stehen drei Vereine punktgleich und haben dann Entscheidungsspiele um die Meisterschaft auszutragen. Der Ausgang des Treffens ist ungewiß. Auch die dritte Mannschaft ist auf dem Plan. Sie hat auf eigenem Platz Daubringens zweite im vorletzten Verbandsspiel zum Gegner. Ihr sollte man schon eher einen Sieg Voraussagen können. Während die .^1-Iugendmannschaft Gegner der gleichen der Spielvereinigung 1900 auf deren Platz ist, empfängt die >X2°Elf ihren Lokalgegner auf dem Waldsportplah. Sie dürfte um eine Niederlage kaum herumkommen. FußbaUklub 1926 Großen-Buseck Die Ligamannschaft des FC. 26 Großen-Bu'eck fährt am Sonntag nach Grünberg, um der »artigen ersten Mannschaft ein Freundschaftsspiel zu liefern. Die Spielstärke der Mannschaft des FC. Grünberg hat in letzter Zeit eine Steigerung erfahren und Großen-Buseck wird alle Kräfte auf- bicten müssen, um das Spiel zu bestehen. Der Torhüter des FC. Großen-Buseck ist jetzt vollwertig erseht und wird der Mannschaft einen guten Rückhalt bieten. Die Leistungen des Vorsonntägs geben der Mannschaft für die Zukunft gute Chancen. Die erste Iugendmannschaft fährt'nach Flensungen-Mücke, um dort einer Rückspielverpflichtung zu genügen. Sportverein 1928 Garbenteich. Am Sonntag empfängt die 1. Mannschaft die gleiche des Sportvereins „Germania'*, Wetterfeld. Garbenteich tritt in kompletter Ausstellung an und sollte einen knappen Sieg zu erringen vermögen. Eine zum ersten Male aufgestellte Alte-Herren-Elf empfängt die gleiche vom Sporttlub „Viktoria" 1912 Ridda. In diesem Tressen dürften die Gäste Sieger bleiben. Vormittags empfängt die 1. Schülermannschaft die gleiche von Hermannstein, Hier werden die Plah- besiher Sieger bleiben. Handball der Sp.-Dg. 1900 Am Sonntag sind die beiden Handballmannschaften der Spvg. 1900 vor eine entschieden schwerere Aufgabe gestellt, als an den letzten Sonntagen. Sie stehen in Butzbach der ersten und zweiten Elf der dortigen Schutzpolizei gegenüber. Die Polizisten haben bislang an den Verbandsspielen des Mainbezirks tcilgenommcn und sich auch dieses Jahr einen Platz in der Spitzengruppe gesichert. Das Abschneiden der Spielvereinigungsleute wird in erster tiinic davon abhängen, wie sich der Ersatz, mit dem sowohl die erste als auch die zweite Garnitur die Reise nach Butzbach antreten müssen, bewährt. Handball im Gau Hessen (D. T.) Am Sonntag trägt die erste Mannschaft des hiesigen Männerturnvereins auf dem Sportplatz am Schiffenberger Weg gegen die gleiche Mannschaft des Turn- und Sportvereins Butzbach ein Handball-Freundschaftsspiel aus. Die Butzbacher Mannschast, die in den letzten Verbandsspielen etwas zu spät in Schwung kam und zum Teil auch durch Pech nur den vierten Tabellenplatz einnehmen konnte hat sich in letzter Zeit gu einer sehr beachtlichen Spielstarke entwickelt. Daß die Gäste aber auch schon in den Verbands» spielen ziemlich auf der Höhe waren, bewies das Spiel gegen die erste Mannschaft des Mtv. Gießen, in dem die Männerturner als Tabellenerster die einzige in den Verbandsspielen er» Lor 300 Jahren erstürmten die Truppen des bayrischen Generals Tilly (im Kreis oben) während des Dreißigjährigen Krieges die evangelische Stabt Neubrandenburg in Mecklenburg und zerstörten sie völlig. An diesem Erinnerungstage findet in Neubrandenburg eine große Feier mit historischem Trachtenaufmarsch statt. Der Sport im Reiche. Am Sonntag hält kalendermäßig der Frühling seinen Einzug. Von den noch etwas eisigen Rord- ostwinden werden sich jedoch Turner und Sportler wenig stören lassen, sondern in guter Stimmung den Lenz in ihrer Weise willkommen heißen. Im Fußball werden in allen Landesverbänden die Meisterschaftsspiele fortgesetzt. In Berlin tritt Tennis Borussia im zweiten Kampf dem Polizei-SD. Stettin gegenüber, während Hertha/BSC. und Viktoria 89 den ersten Entscheidungskampf um die Meisterschaft der Abteilung A austragen. Ein Länderspiel tragen in Prag die Tschechoslowakei und Ungarn aus. Das Ereignis im Hockey ist der erste offizielle Länderkampf zwischen Deutschland und Frankreich in Paris. Im Handball geht am Sonntag in Halle das Schlußspiel um den DSB.-Pokal zwischen den Auswahlmannschaften von Brandenburg und Mitteldeutschland vonstatten. • Auf den übrigen Plätzen werden die Meisterschafts-Endspiele bei Turnern und Sportlern fortgesetzt. In der Leichtathletik kommt in Stuttgart unter Beteiligung von Turnern und Sportlern das letzte Hallensportfeft zur Durchführung. Bei den Turnern stehen die zahlreichen Aus- scheid^ngslampfe für die Deutschen Gerätemeisterschaften in Essen im Vordergrund des Interesses. Die Veranstaltungen im Schwimmen bc* schränken sich auf die Feste in Göttingen, Offenbach und Alten-Efsen. Schon am Samstag wird der traditionelle! Wettkampf der englischen Universitäten Cam-- bridge und Oxford im Rudern auf der Themse: ausgetragen. Weiterhin ist man auf das Ab- schneiden der Achtermannschaft der Rudergesellschaft Trier in der Londoner Strommeisterschaf b gespannt. Im Radsport neigt sich die Rennzeit auf den Winterbahnen ihrem Ende zu. In der Franl- u e. Fe, ha e kommt l letzte Dera, st Itung eilt Achlstunden-Mannschaft»rennen in der Rächt vorn Samstag zum Sonntag zur Durchführung. Ir r Berliner Sportpalast beschließen die Unions- Amateure mit einem Dreistundenrennen die Saison und Weltmeister Möller geht am Samstag in Brüssel an Öen Ablauf. Die ersten große r Fernfahrten wie Mailand—San Remo und „Rund um Flandern" kommen unter deutscher Beteiligung zum Austtag. Im Motorsport wird die neue 'Rennzeit mit dem ersten Meisterschaftslauf für Motorräder am Sonntag auf der Eilenriede bei Hannover eröffnet. tittene Riederlage hinnehm en mußten und dadurch um die Meisterschaft kamen. Die Gießener, die in stark geschwächter Aufstellung an- treten, werden sich sehr anftrengen müssen, wenn sie nicht wieder eine Enttäuschung erleben wollen. Handball im Lahn - Oünsberg - Gorr Das Spiel Staufenberg I gegen Allendorf I fällt infolge des in Schneppenhausen bei Darmstadt stattfindenden Waldlaufs des Südwes.d.utschen Turn-Bundes aus. Es spielen dafür Allendorf I gegen Londorf II. Der Platzbesiher dürfte knapp in Front zu erwarten fein. Oie Heffenriege in Butzbach Die Kunstturnriege des Gaues Hessen der D. T., allgemein „Hessenriege" genannt, wird am 29. März im Hessenturnkampf zu Mainz den vergangenen Herbst errungenen Wanderpreis des hessischen Staatspräsidenten gegen die Gaue Rheinhessen und Rhein-Main zu verteidigen haben. Sinter Führung von ©auobertumtoart W. Will (Gießen) weilte die Riege am Samstag in Butzbach. Der Besuch galt einmal dem 2. Gau- Vertreter Schneider, der die Riege schon oft auf ihren Fahrten begleitet hat, dann aber aud> dem Zweck, im Rahmen einer Werbeveran- ftaltung des Butzbacher Turn- und Sportvereins vor dem Mainzer Kampf nochmals in gemeinsamem Auftreten die Kräfte zu erproben. Obwohl die Riege mit Ersatz angetreten war, fanden ihre Darbietungen an den verschiedensten Geräten den starken Beifall des vollbesetzten Hauses. Der Vorsitzende des T- u. Spv. Butzbach, Dr. mcd. Rau, und Gauvertreter Schneider hießen die Gäste willkommen, und ®auobertumtoart Will fand Worte des Dankes für die gastliche Aufnahme. Die Darbietungen des T.- u. Spv. Butzbach, der alle seine Abteilungen auf die Bühne brachte, waren Beweis für die vielseitige und gründliche Arbeit, die in der alten Turnerstadt von dem angesehenen Verein geleistet wird. Gelungener Rückflug des Segelflugzeugs „Darmstadt". Sinter Führung des Motorflugzeuges der Rhön- Rossitten-Gesellschast, Pilot Ingenieur Riedel, ist das Segelflugzeug „Darmstadt" mit dem Piloten Starck am Freitag, 10.40 Uhr, auf dein Franlfurter Flugplatz erneut gestartet. Der Schleppzug schraubte sich über Frankfurt und Offenbach zu einer Höhe von 2400 Meter hoch, zog verschiedene Schleifen und erreichte in der Richtung Darmstadt eine Höhe von 3150 Meter. Hier warf der Pilot die Leine ab und führte verschiedene Kurvenflüge zur Vornahme äro- dynamischer Messungen aus. Rach über einstündigem Kreuzen über Darmstadt landete das Segelflugzeug auf dem Griesheimer Sand. Mit diesem Schleppversuch ist eine Reihe von Feststellungen abgeschlossen, die zur Ausführung von Segelslügen in der Ebene von Wichtigkeit sind. Wintersport-Saison-Gchluß Bilanz oom hoherodskopf. Der Winter gibt kalendermäßig mit dem kommenden Sonntag seine Herrschaft auf. In den Mittelgebirgen bringt der ausklingende Winter zugleich den Schluß des Wintersportes mit sich, während in den Alpen noch über Ostern hinaus lebhafter Betrieb auf den Schneefeldern herrscht. Der vergangene Winter brachte unserem heimischen Vogelsberg einen sehr intensiven Sportbetrieb, der zwar sehr spät, erst Mitte Januar einsetzte, in der Folge aber hervorragende Sportmöglichkeiten bot. Der Schnee lag lange Zeit über einen Meter hoch, lange lag auch rauher Reif über Buchen und Tannen und der Wald präsentierte sich in märchenhafter Pracht. Insgesamt 9 Wintersportveranstaltungen konnten zur Durchführung kommen, darunter 5 größere Wettbewerbe: erstmalig gelangten auf dem Hoherodskopf Skiwcttkämpfe des Verbandes mitteldeutscher Skivereine zum Austrag. Um die Durchführung haben sich u a. oftmals die Mitglieder des Gießener Skiklubs verdient gemacht. Die Veranstaltungen waren stets sehr gut besucht und auch die Zuschauer kamen, besonders bei den Sprungkonkurrenzen, auf ihre Rechnung. Die Schneeoerhältnisse waren fast durchweg sehr gut, so daß an den Sonntagen auf der „Rennbahn" und am Hang nach Breungeshain herab stets großer Betrieb herrschte Sehr angenehm fiel in diesem Jahre auch die Einrichtung eines Hilfsdienstes auf, den die Freiwillige Sanitätskolonne Schotten in Verbindung mit der Bergwacht durchführte. Die Hilfsmannschaften mußten verschiedentlich in Aktion treten. Meist waren die Verletzungen zwar nur leichter Natur, darüber hinaus wurden fünf ernstere Fälle ge- zählt. Die Zahl der Unfälle ist in Anbetracht btc überaus großen Beteiligung am Skisport Verhältnis' mäßig sehr gering. Den Hilfsmannschaften, die sich selbstlos zur Verfügung stellten, gebührt herzlicher Dank. Die Skiläufer, denen der Vogelsberg zu einet? zweiten Heimat — und sei es mir der Wochenendheimat — geworden ist, räumen nun den Wandernden das Feld, denn die Frühlingssonne ist bereits eifrig damit beschäftigt, die letzten Schneereste auf’ zulösen. Deutsche Waldlaufmeisterschast. Zum erstenmal tragen Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik und die Deutsche Turnerschaft die Deutsche Waldlaufmeisterschaft gemeinsam aus, und zwar am 26. April in Hannover. Wie stets, besteht diese Meisterschaft aus einem Einzel- und einem Mannschaftslauf. Der Einzellauf ist offen für jeden Deutschen. Kurze Gportnotizen. Einen Fußball - Freundschaftskampf hoben -Süd- und Westdeutschland für Karfreitag nach Saarbrücken vereinbart. Im Vorjahre blieb Westdeutschland in Gladbeck überraschend 5:2 siegreich. Der westdeutsche Stürmer Hohmann wird demnächst seinen Verein, VfL. Benrath, verlassen und aus beruflichen Gründen ein Iahr noch Pirmasens übersiedeln, wo er sich dem FK. anschließen will. Aus dem Amtsverkündigungsblatt * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 19 vom Dienstag, 17. März, enthält folgendes: Die Maß- und Gewichtspolizei und die Durchführung der Nacheichung im Kreise Gießen im Jahre 1931. — Abgang der Landgestütsbeschäler nach den Deckorten. — Die Erhebung der Stempelabgabe für Luxuswagen, Luxusreitpferde und Federwagen. — Die Ausführung des Gesetzes über den Urkundenstempel vom 12. August 1899. — Die Erhebung einer Bier steuer in der Gemeinde Londorf. — Die Wassergenossenschaft Flur V Gemarkung Beuern. — Zehn- jährige Wiederkehr des Abstimmungstages in Ober- Schlesien. — Dienstimchrichten. Meer CIGARETTEN waclist die Zahl der treuert Rourher ?>er I l? oben) während h« ?Mtortcn sie oöllia. **m IroB wurde der Tdbakstrang einer einzigen. TanesproduMion, von. OaS Mainzer Theater bleibt erhalten. WSR Mainz, 20. März. Die Theaterdcpu- tation hat sich grundsätzlich für die Aufrechterhaltung des 2 Heaters mit drei Spielarten ausgesprochen Der Zuschuß, der nach der Vorlage 429 000 Mark betragen sollte, ist erheblich gesenkt worden. Es wurde beschlossen, Len Oberbürgermeister zu ermächtigen, mit den Orchestermitgliedern wegen einer Gehaltssenkung zu verhandeln und im Falle einer Richteinigung den Orchestermitgliedern zum 30. September -u kündigen. G'guretten. - .STkischinen. stiLLstehen. wurden, und nicht mehr den, lahakstrang hundertfajch, tn der Sekunde t m Schwimmen bc, lit m ToUingen, Oss««, d der traditionelle Unwersitäten 6mr. übern auf der ThmIe n man aus da- Qfr. WH der Audergeselj. ’onet StrommeisteMt t die ÄenMt anr Ende zu. Inder Stan!« tchte Qktai st ltm(j ein "ennen in der Aacht Dom zur Durchführung. 3n cschliehen die Union-- iftunbenrennen die 6ai- rller geht am Samsiog ms. Die ersten grohe -. ianb-6an Demo und kommen unter deutscher ■9- Dieb, die neue Mnzeit cschastslaus für Motor- der Eilenriebe bei Han- KURMARK < CIGARETTEN ber tfolge aber hervor- i bot. Der 5d)nec lag ikt hoch, lange lag auch rnd Tannen und der Wald nhaster Pracht, ntveranstaltungen konnten len, darunter 5 größere gelangten auf dem hohc- des Betbander mittelbtuh trag. Um die Durchführung ic Mitglieder des Siebener icht. Die Beranflaltungcn ht und auch die Zuschauer Tpningkonkunenzen, auf reeoerhaltnisse waren fast n an Sen Sonntagen auf fiona nach Breungeshain herrfchte Sehr angenehm ich die Einrichtung 5 auf, den die tzmmlligc in Verbindung mrl °er te. Sie *“*. in Aktion Irrten. ^e,ic zwar nur leichter Mün 5 fünf ernstere Falle fl> fälle ist in Anbetracht btt ing der 5 l-‘ ^n’nu^ben Wandern- raumen nun otn AA schm-est-* iausmeistersM Deutsche die Deutsche AjS flU5, unb ■IN S°Ä stets, besteh' iann0UC unb eine-n porfnof«6”; * chlonb * SW" -elE Lt- i"' „ Sie t ß6 n ScUC^' ober- chten. /i .. k Alle sammeln jetzt die 1 rma rk-Sportwappen „Fussball Aus der Provinzialhauptstadt. Dießen, den 21.März 1931. ZubiläumS-pferdemarkt und Werbetage in Gießen. Am 24., 25. und 26. März, also am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag nächster Woche, findet in Gießen eine große Marktveran st altung mit Werbetaaen statt. Den Anlaß zu dieser Veranstaltung gab das 30jährige Bestehen des Gießener Pferdemarktes, der in diesem Frühjahr als Iubiläumsmarkt besonders ausgestaltet und in Verbindung mit drei preiswerten Einkaufstagen in den Gießener Geschäften gebracht wurde. Wie aus der heutigen Anzeige in unserem Blatte ersichtlich ist haben der Gießener Verkehrs- und Verschöne- ru'ngsverein, die Gießener Kaufmannschaft, die Gast- wirte-Innung und die Stadt Gießen durch ihre Vertreter in einem Ausschuß ein vielseitiges Pro> gromm oufgestellt, das den Besuchern des Iubiläums- Pserdemarktes und der Gießener Einkaufstage anregende und vorteilhafte Stunden verspricht. Die Gießener Geschäftswelt wird es sich — wie uns von dem vorbereitenden Ausschuß der Veranstal- tung geschrieben wird — besonders angelegen sein lassen, der Bevölkerung gute Kaufchancen an die Hand zu geben, daneben werden sich das - Stadttheater, die Lichtspielhäuser und die Gaststätten der verschiedensten Art eifrig bemühen, den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Der Gießener Pferdemarkt, mit dem sich die Bevölkerung im ganzen Gießener Wirtschaftsbezirk fchon seit vielen Jahren eng verbunden fühlt, wird sicherlich auch diesmal wieder angesichts der großzügigen Aus- gestaltung des Marktes und der Werbetage das besondere Interesse der breitesten Oesfentlichkeit finden Taten für Sonntag, 2Ä Mar; Sonnenaufgang 6.01 Uhr, Sonnenuntergang 18.15 Uhr - Mondaufgang 6.53 Uhr. Mond- Untergang 22.04 Uhr. 1599: der Maler Anihonis van Dtzck in Antwerpen geboren: — 1797: Kaiser Wilhelm l. in Berlin geboren; — 1832: Johann Wolfgang von Goethe in Weimar gestorben. Tuten für Montag. 23 März. Sonnenaufgang 5.58 Uhr, Sonnenuntergang 18.16 Uhr. - Mondaufgang 7.07 Uhr, Monduntergang 23.21 Uhr. 1918: SelbständigerNärung Litauens. Gietzcncr Wochcrrmarktprcifc. ES kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kvchbutter von 1.00 Mark an; Butter 1.20 bis 1,30: Matle 30 bis 35: Wirsing 20 bis 35; Weißkraut 15 bis 20; Rotkraut 20 bis 25: gelbe Rüben 12 bis 15: rote Rüben 12 bis 15; Spinat 40 bis 45; Unter-Kohlrabi 5 bis 6; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 50 big 55; Feldsalat 1,50 bis 2.00; Tomaten 70 bis 80; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 35 bis 40; Kartoffeln 4 bis 5; Aepfel 30 bis 50; Birnen 20 bis 40; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 1,10; Suppenhühner 90 bis 1,10; Rüsse 60 bis 70; Käse (10 Stück) 60 bis 1,40; Tauben Stück 70 bis 80; Eier 9 bis 10; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 25 bis 35; Endivien 15 bis 35: Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 15: Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 50; Radieschen Bund 20 bis 25; Kartoffeln Zenter 3,00 bis 4.00; Weißkraut 10,00 bis 12,00; Wirsing 20,00 bis 25,00; Rotkraut 12,00 bis 15,00 Mark. spänner mit einem Wagen pro Tag 14,50 Mark. Hinsichtlich der städtischen Fas elhaltung wurde unter Aushebung eines kürzlich gefaßten Beschlusses beschlossen, eine eigene Eberhaltung aufzumachen, da die seitherige Regelung sich nicht als im Interesse der Stadt liegend erwiesen hat. Unter Mitteilungen gab der Vorsitzende bekannt, daß am Samstag, 11. April, die Mitgliederversammlung des Provkn - zialverbandes Ober Hessen des Hess. Landgemeindetages i1- A'-°'e*d stattfindet, wöbe der Präs d n de.- Deutschen L ndgeme nde- tages, Landrat a. D Dr Gecete, über »Die Finanznot der Gemeinden" sprechen wird. Schweres Autounglück bei Buhbach. WSR. Butzbach, 20. März. Auf der Provinzialstraße nach Bad-Rauheim, auf der sog. Morler Höhe, verunglückte gestern ein auf dem Wege zum Butzbacher Faselmarkt befindlicher Lieferwagen, der zur Personenbeförderung hergerichtet und gut beseht war. Der Wagen kam ins Rutschen, anscheinend beim Ausweichen vor einem andern Geführt, glitt von der Straße ab und überschlug s i ch zweimal. Die Insassen wurden vom Wagen heruntergeschleudert und teilweise schwer verletzt. Einer der Insassen liegt in hoffnungslosem Zustand im Iohanniter- Krankenhaus in Dieder-Weisel, wohin auch die andern Berichten gebracht wurden, die nach ärztlichem Beistand und Anlegung von Verbänden teils wieder entlassen werden konnten. Das verunglückte Auto kam aus Wernborn bei Usingen. Hrcis Schotten. a Laubach, 20. März. DaS Anwesen der hiesigen in Konkurs befindlichen Firma Sägewerk Gebrüder Schmidt Kommandit-Ge- sellschaft ging zum Preise von 21 000 Mk. in den Besitz der Wilhelm Schmidt V. Ehefrau über. Der Forstmeister des Forstamts Wahlen, Georg Philipp Iob, ist zum Dorstand des Forstamts Laubach ernannt worden. 4? Freienseen, 20. März. Durch die Errichtung eines Sägewerkes an der Straße Freienseen-Mücke durch den Zimmermeister Karl Keller ist hier für mehrere Leute Ar- beittzmöglichkeit geschaffen worden, die zugleich der Gemeinde einige Entlastung bringt. )—( Ruppertsburg, 18. März. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich bei den Holzfällungsarbeiten im Gemeindewald. Der Arbeiter Otto Willa wurde von einer stürzenden Buche getroffen und ihm der rechte Unterschenkel vollständig zerschmettert. Er wurde nach dem Krankenhaus in Laubach verbracht. — Die Schule hatte zu einem Elternabend in den Gemeindesaal eingeladen. Der Lehrer der 1. Klasse hielt einen Dortrag über die „Erziehung zur Sparsamkeit", der in der Aussprache durch Lehrer (Süden und durch den Ortsgeistlichen wertvoll ergänzt wurde. — Die hiesige Freiwillige Feuerwehr hielt ihre diesjährige Hauptversammlung ab, in der der Dorstand einstimmig wiedergewählt wurde. Auch die üb.igcn geschäftlichen Angelegenheiten fanden in (Sinmütig- teit ihre Erledigung. — Der Krieg.erverein hatte für den Sonntagabend den Flugzeugführer Keller von Wcrms für einen Dor rag gen ennen. Der Neuner schilderte in eindrucksvoller Weise seine Erlebnisse im Weltkriege und streifte dabei auch die Zeit feiner Ausbildung zum Flugzeugführer. Eine Reihe zum Teil selbst aufgenommener Lichtbilder unterstützten den Dortrag, der viel Beifall sand. Der Posaunenchor umrahmte mit munteren Weisen die Veranstaltung. — Die Gemeindejagd der Gemeinde Ruppertsburg, die bisher der verstorbene Hotelbesitzer ® a u b. Gießen, als Pächter innehatte, wurde nunmehr an den Direktor Hugo Knöll von den I.-G.- Farben zum jährlichen Preis von 1800 Mk. verpachtet. Gro ß-Eichen, 18. Marz. Am Sonntagabend fand in der Kirche ein Gemeindeabend anläßlich des 100. Geburtstages Dater Bodelschwinghs statt. Der Ortsgeistliche hielt einen Dortrag über „Dater Dodelschwingh und sein Lebenswerk". Die Konfirmanden trugen einige passende Gedichte vor. Der Besuch des Abends war recht gut. — In diesen Tagen wurde auch hier für die „W interhilfe 1931" gesammelt. Dos Ergebnis war: 24,95 Mk. in Groß- Eichen und 10,50 Mk. in Klein-Eichen. Ober-Schmitten, 19. März. Die Haus- sammlung für die Winterhilfe erbrachte den Betrag von 125 Mark, so daß auf den Kopf der Bevölkerung eine Spende von etwa 25 Pf. entfällt. Der eingegangene Betrag wird den Zwecken der Not- Hilfe dienstbar gemacht. I Oder-La is, 18. März. Der hiesige Kriegerverein hatte zu einem Vortrags- abenb eingeladen. Als Redner war der frühere Unterseebootsobermaat Kratz aus Freienseen erschienen. Er verstand es ausgezeichnet, zu eigenen Lichtbildern seine Erlebnisse auf einem Anterserboste während des Weltkrieges zu schildern und fand dementsprechend herzlichen Beifall. — Zur weiteren Durchführung des hiesigen Feld- bereinigungsverfohrens soll nunmehr ein Teil der entstehenden Kosten durch Arbeitsleistung abgegolten werden können. Auch in den zur Durchführung kommenden Bereinigungen der Gemarkungen Glashütten und Steinberg macht man von diefem Mittel zur Herabdrückung der Kosten Gebrauch. ! Gedern, 18. März. Die diesjährige Generalversammlung der hiesigen Ortsgruppe der Deutschen Bau - und Eiedelungsge- meins chaft fand im „Deutschen Haus" statt, Der Vorsitzende, Architekt Schröder, erstattete den Jahresbericht. Den Kassenbericht gab Rechner Iohs. Rausch. Der seitherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. — Der Fuß- ball - Klub „Allemannia 1910“ brachte am Sonntag ein Theaterstück „Die Häuser des Herrn Sartorius" von Depnard Shaw zur Aufführung. Der Verein hatte keine Mühe gescheut, dein Stück zum Erfolg zu verhelfen. Die Darsteller leisteten alles, was in ihren Kräften stand und ernteten großen Beifall. ** Die Alice - Schule eröffnet am 13. April die neuen Kurse im Haushalt-, Näh-, Handarbeits- und Bügelunterricht. Näheres in der heutigen Anzeige. ’ * Wem gehört die Uhr? Bei der Kriminalpolizei ist eine Double Damen-Gliederarmbanduhr mit gelbem Zifferblatt sichcrgestellt. Die Uhr ist angeblich am Fastnachtsdienstag im Seltersweg gefunden worden. Eigentumsberechtigte wollen sich auf Zimmer 24 melden. *• Zeichen aus st ellung in der Pesta ° lozzischule. Zum Abschluß des Schuljahres veranstalten die Pestalozzischule und die Goetheschule in der Turnhalle der Pestalozzischule eine Ausstellung von Schülerzeichnungen, die sicherlich die Eltern der Schüler in hohem Maße interessieren dürfte. Der Ausstellung darf eine besondere Bedeutung deshalb beigemessen werden, weil während des vergangenen Schuljahres im Zeichenunterricht nach der Bntfchfchen Theorie gezeichnet wurde, die in erster Linie die Beschäftigung der Kinder nach Maßgabe des kindlichen Fassungs- und Ausdrucksvermögens verlangt. Die Kinder werden zunächst mit sehr einfachen Aufgaben betraut, in denen zwar der darzustellende Gegenstand vom Lehrer angegeben, dem Kinde dabei aber eine gewisse Freiheit in der Form und Farbegebung cingcräumt wird. In der Hauptsache sind die Aufgaben für flächliche Darstellung bestimmt, denn, da den Kindern bis zur Altersgrenze der Volksschule das Gefühl für den Raum, für die Tiefe, nur in sehr schwachem Maße eigen ist, würden die Kräfte der Kinder über Vermögen hinaus beansprucht, und das Ergebnis wäre zweifelhaft. Den Kindern soll bei dieser Art des Zeichenunterrichts die Erkenntnis der Grenzen eigener De sähigung gegeben werden, damit zugleich die breite Grundlage, auf der später unter Umständen aufgebaut werden kann. So sah man in dieser Ausstellung, die sehr übersichtlich ist, zunächst die Darstellung des einfachen Papierhelms, den Christbaum in der verschiedensten Form und Auffassung, den St. Nikolaus und die Hexe aus Hänsel und Gretel, später 'Blumenornamente, Blumenkränze usw. Die Ausstellung sei den interessierten Eltern und Pädagogen zum Besuch empfohlen. "EineZündapp-Reiseschau, vermittelt durch die hiesige Zündapp-Vertretung W Appel, Kaiserallee 49, wird am Dienstag, 24. März, in der Blockstraße, Westanlage, Oswaldsgarten, Linden- plaß, Bahnhofstraße und Frankfurter Straße gezeigt. Interessenten seien auf die heutige Anzeige verwiesen Dberbeffen. Gtadivorstand in Alsfeld. M Alsfeld, 18. März. In der jüngsten Stadtvorstandssihung wurde zunächst über die Festsetzung des Wassergeldes für das Rechnungsjahr 1931 verhandelt. Es wurde beschlossen, den bereits seit dem Iahre 1926 zur Erhebung gebrachten Zuschlag von 50 v. H. nach Einschätzung und nach Wassermesser auch für das Rechnungsjahr 1931 wieder zu erheben, da infolge der zu erwartenden Einnahmeausfalle auf den Zuschlag nicht verzichtet werden kann. Die Fuh r- löhne für das Rechnungsjahr 1931 wurden wie folgt festgesetzt: Für einen Zweispänner mit Wcch- felwaqen Pro Tag 16,50 Mar?; für einen Zwei- Bekanntmachung. Dienstag, den 24. Mär; 1931, findet Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt: sämtliches Vieh wird gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. Anslriebszeit am Markttage von 7%—8% Uhr vormittags. Der nächste Schweinemarkt findet am 15. April 1931 statt. 1808C Gießen, den 21. März 1931. Der Oberbürgermeister. I. V.: vr. Rosenberg.______ Jagdbesitzer und Iagdpächtcr führen berechtigte Klagen über das — den Wildstand besonders in der Setzzcit schwer schädigende — vielfach rücksichtslose freie Umherlaufenlassen von Hunden oller Rassen seitens der Bevölkerung in einer ganzen Reihe von Feld- und Waldmarken unseres Dienstbezirks. 2053D Wir haben daher das Personal erneut angewiesen, in geeigneten Fällen Anzeige gegen die betreffenden Hundebesitzer auf Grund von Art. 25 des Iagdstrafgesetzes zu erstatten. hessisches Forsloml Grünberg. Mahnung. Die für Monat Februar 1931 rückständigen Kranken- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge können noch bis zum 27. Mär; 1931 ohne Kosten bezahlt werden. Nach diesem Termin erfolgt Zwangsbei- treivung. 2060V Gießen, den 20. März 1931. Allgemeine Ortskrankenkasse des Landkreises Gießen. Jagd-Verpachtung. Samstag, den 28. März d. I.. nachmittags 2 Uhr. wird im Rathaus, dahier, die Jagd der Gemeinde Maibach (Kreis Friedberg), zirka 844 Morgen Wald und 920 Morgen Feld und Wiesen auf neun Jahre öffentlich verpachtet. Die Jagd hat sehr guten Rehwildbestand, weil nicht abgeschossen. Rot- und Schwarzwild: Wechselwild. 1883V Maibach, den 10. März 1931. hessische Bürgermeisterei Maibach. -__________________M ö ck e l.____________________ Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Ober- Bessingen für Rj. 1931 liegt vom 23. d. M. an eine Woche lang auf der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Ober-Bessingen, den 20. März 1931. He fische Bürgermeisterei. _______________Keil._________2075V Ruh- und Brennh olzversteigerung Im Gemeindewald Annerod sollen versteigert werden Dienstag, den 24. Mär; 1931, vormittags 9% Uhr. Zusammenkunft am neuen Hochbehälter der Stadt Gießen, Grünberger Straße: 2103V Kiefernstämme: Klasse 1b bis 3a 4 fm, Klasse la bis 3b 80 km. Weißtannenskämme: Klasse la bis 2a 3 fm. • Fichtenderbstangen: 1. Klasse 45 Stück, 2. Klasse 45 Stück, 3. Klasse 61 Stück, t Reisstangen: 6. Klasse 30 Stück. • Ruhschicht 1,2; Laltenholz 0,9; Brennknüppel 45 rm, 560 Fichlenwellen. v Annerod, am 18. März 1931. hessische Bürgermeisterei Annerod. Horn. 6t.< 108 Verlobte 82 Gießen, 21. Marz 1931 3 Mäusburg 1 Westanlage 46 483 0165’ 22 150 | Ihre Vermählung geben bekannt bis 2b, la 109 la bis 3a, 353 bis 2b, la 198 Gießen (Roonsiraße 16), 21. März 1931 6785 D Lager. 115 01593 97 Großes Preis Schießen 177 39 den 21. März 1931 01647 IBenlVersanunlnnS 2051 V Freie Aussprache! 01668 Bad-Nauheim 2101V Eröffnet! Lich. 207 ID schäft in Wetzlar, Bahnhofstraße 20. 2047 D Georg Seeber 2046 D \ I. Ruhhol; (Langholz 1 2a-Klasse 1 Stück Kiefer: 2078 D Fichte: Lärche: Derbstangen: Fichte 725 Reisslängen: Fichte 395 II. Brennholz. Nur Gießen, Gasthof Kühler Grund la bis 2b ,09 fm. i 2,80 fm 34,49 „ 65,32 „ 49,96 „ 31,48 „ 10,83 „ 2,61 „ ilL Platz II. Platz I. Platz u. Rang S. Balkon Mittelloge Anfangszeiten: 4 Uhr, B Uhr, 8.30 Uhr. Sonntag ob 8 Uhr 2093 C__ 2b- 3a- lb- 2a» 2b. 3a. 4a- 2a- durch einen Vertrag mit der ält. mitteld. Bausparkasse Thurlngla, Akt.-Le«. Bez.-Dir. Gießen, Rodhelmer Str. 42, Tel.4331 Verlang. Sie koetenl. Ausk. u. Prospekte Wernarz bei Lad Brückenau Die Verlobung unserer Tochter Tilla mit Herrn Gerichtsreferendar Dr. jur. Hans Jüngst beehren wir uns anzuzeigen Radikaldemokratische Partei Bez.-Geschäftsstelle Oberhessen: Bad-Nauheim, Alicenstr. 15 2108 V 1 1 11 38 25 9 3 1 Gießen Rest, zum Aquarium Scheit: Kiefer 7 rm, Fichte 20.5 rm. Knüppel: Buche 55 rm, Eiche 16 rm, Kiefer 41 rm, Fichte 60,5 rm. Stöcke: Fichte 9 rm. Reisig: Buche 14 rm, Eiche 10 rm, Fichte 20 rm. Die Zusammenkunft ist vormittags 9 Uhr im Forstort Rundeheg, Abteilung 27, am Ilschhäuserweg. hessische Bürgermeisterei. Schneider« - Stamm- und Ruhholzversteigerung Mittwoch, den 25. März, vormittags 9.30 Uhr anfangend, kommen auf dem hiesigen Rathaus folgende holzsortimentc zur 182,13 fm. Distrikt 28b: Kicfernstämme, 12,88 fm. Sammelhieb: Stangen 1. Kl., 60 St. 2. Kl., 50 St. 3. Kl. Nadelholzstämme, Klasse la bis 3a v. Nr. 1946 bis 2041 und 2063 = 58,17 fm. Los 6, Distrikt 26 und 28a: Kiefernstämme, Klasse la bis 3a, 49,06 fm, und Fichtenstämme, la- bis 2b-Klasse, 12,06 fm. Ihre heute vollzogene Vermählung beehren sich anzuzeigen Karl Heyne und Frau Käthe, geb. Mahlmeister Tilla Herbert Dr. jur. Hans Jüngst Dr. Hans Winn Lona Winn, geb. Schurig Vermählte Nadelholzstämme, Klasse : 47,37 fm. Los 2, Distrikt 25: Nadelholzstämme, Klasse : 163,24 fm. Los 3, Distrikt 24: Nadelholzstämme, Klasse : 71,38 fm. Los 4, Distrikt 27: Nadelholzstämme, Klasse v. Nr. 1831 bis 1945 = 54, Los 5, Distrikt 27: Asbest- Platten 1,2, 3,4 und 5 mm, wieder am Schloßgut Langenbruck (Oberpfalz) 21. März 1931 Teichhaus Kaffee-Restaurant Kaufmann Ludwig Herbert und FrauMargarete.geb.Strauch Holzsubmission Die Gemeinde Mainzlar verkauft auf Ferner kommen nachmittags 2 Uhr folgende Lose auf dem Submifsionswege zur Versteigerung: Los 1, Distrikt 19b: Düngekalk sämtliche Sorten Kunstdünger Torfmull empfiehlt btUigst s. Tressler Stelnstrane73. -"D Telephon 3581. Die Wettfahrten ums Glück auf Auto und Motorrad, auf Flugzeug und Luxusjacht kennzeichnen das Tempo der Handlung. Den Rahmen gibt eine unerschöpflich wechselnde Folge wunderbar erfaßter Riviera-Bilder. So befriedigt der Film auch den verwöhntesten Geschmack. Aufl Mit HARRY PIEL an die RivieraI Beachten Sie unsere neuen ermäßigten Eintrittspreise Ein Ton-Expeditionsfilm,der dasSchönste und Interessanteste, das kulturell Wertvollste darstellt, was Reise- und Expeditionsfilme je dem Publikum vermitteln konnten. Die größte Ueberraschung des Films sind nie gezeigte Hörbilder aus wenig erforschtem Nordafrika, Offenbarungen einer Jahrtausende alten Welt. Im Beiprogramm: Teile des in Arbeit befindlichen Vogelsberg-Films ferner Schlitz u. Umgebung sowie Wintersport vom Hoherodskopf Aufgenommen vom Kreisscnulrat Lorentz Jugendliche zahlen halbe Preise Erwachsene O.7O, 1.OO, 1.30, 1.50 u. 2 Mk. 2093 C N). ! = 0,57 fm - 0,69 - 1,28 = 4,37 - 29,76 -- 29,30 = 16,96 - 4,53 - 0,35 - 34,23 - 6,78 Dr. phil. Ludwig Geismar- Studienassessor Martha Geismar, geb. Euler Wilhelm Horche, Kiel spricht am Donnerstag, dem 26 März, 20.30 Uhr, im CafS Leib, Walltorstraße. Geschossen wird täglich von 10 Uhr vorm. b.l2Ubrnachts. 1796D 1. Preis: Lebendes Schwein, 2 Ztr.schwer. Es ladet höflichst ein Heinrich Deehert. Distrikt 6, 30 und Sammelhieb: I Nadclholzstämme, Klasse la bis 3b, öffentlichen Versteigerung: Distrikt 37, 36, 27 und 28: Eichenstämme, 41,51 fm (Wagner- Montag, 23. März 1931, abends 20.15 Uhr, im Hotel Hindenburg“ Vortrag von Herrn Prol. Dr. Momherl Das Sparen in seiner volks- wirtschaftlicben Bedemung Gäste, auch Herren, willkommen! Allgemeiner Deutscher Frauenterein Ortsgruppe Gießen.2044 p Das Dürr-Windfallholz wird nicht vorgezeigt. Von der Reise zurück Frau Dr. med. Pilzen Fachärztin für Kinder- u. Sprachkrankheiten Gießen, Friedrichstraße 8 Montag, den 23. März 20,15 Uhr Saal „Hotel Schütz“ Zweiter Experimental-Lichtbllder- Vortrag E. Hammer über ASTROLOGIE 1. Die Bestimmung des Schicksals aus den Sternen. 2. Das Horoskop des Kriegsausbruchs 1914. 3. Das Horoskop der Republik 1918. 4. Wohin gehen wir in Deutschland 1931? 5. Angaben über per lönliehee Schicksal. Karten zu RM. 1.20 inkL Steuer. Vorverkauf bei Challier, Neuenweg 10 und soweit noch vorhanden an der Abendkasse. 01614 Lichtspielhaus Gießen Nur noch heute und morgen Sonntag Harry Piel in seinem ersten Tonfilm jWoer o« _ .halb ic ö Fortsetzung. Langsam entglii Dann entrang fi< W. ein furchtbc "chtende Weh fc W er sich [ang i tor bie glühend b 6o lag er rem lange. erhob c gefallenen?,ina Eer in U Elches verschiß ei ^.unbeiüen Mr vonnöten. . -Wohnung ivic ^ner Bahnhof s dätzL-I-i! S. ”°n iM1’ Verband mitteldenticher Rolviehzücbler Paderborn, Konrad Kartlnplatx 1 SLAnsitellnnfi olachlviehverlleißeniiid für mitield. rotes Höhenvieh am Freitag, 27. März 1931, vorm. 11 Ohr in Welzlar, StädLSdilachthoL Auftrieb: 80 Bullen über 12 Monate alt, aus den besten Zuchten der Unterverbände in Wetzlar, Oberhessen, Kurhessen, Biedenkopf, Westfalen und Odenwald. Günstigste Gelegenheit zum Erwerb erstklassiger Zuchttiere. Auskunft und Verzeichnisse durch die Hauptgeschäftsstelle des Verbandes in Paderborn und durch die Herdbuchgesell- schriftliches Angebot: _ Fichtenstämme Klasse la 13 Stück = „ 1b 88 „ = „ 2a 87 „ = „ 2b 45 „ = „ 3a 24 „ = „ 3b 6 „ = „ 4a 1 „ -- feu® Vornan ^rheberrechtssi Holz). Distrikt 37: rm Eichennutzholz, 2,4 m lang. Distrikt 37 und 28b: Buchenstämme, 2,26 fm. Lichtspielhaus Keßen* Nur Sonntag, 22. Mflrz.11.15 Uhr vormittags ES zeigen wir in Verbindung mit der M| Hessischen Bildstelle Darmstadt D und des Kreisschulamtes Gießen | pq unsere IX. Kulturfilm-Veranstaltung! ■ Den ersten großen Ufa- W Kultur-Tonfilm Am Randeder Sahara Die Angebote auf Lose müssen getrennt pro Festmeter, verschlossen abgegeben werden. Auskunft erteilt Förster Müller, Weiperfelden, sowie der Unterzeichnete. Cleeberg, den 19. März 1931. Der Bürgermeister: höhn. Wiekannich: hochverzinsliche Hypothek., Auf- wertunyshyp. u. Bankschuld, ablösen? Wie kann ich: ein Haus mit billigem Gelde bauen? Wie kann ich: mit billigem Gelde Umbauten vornehmen? mit billigem Gelde mein elterl.Geschäft übernehm, und die Erben abfinden? „ 2066 V Ion Dl- ,0en ' toCg vol sitzende-/ tu SU-r? sür Pravenlw Finanzmm'fler 6t lagt Ä aRo-S/n- nflW auch sonst sttsche „Fnnfiay Mngsfnst l.a wenigstens die allg swn noch Vermehrer Mland m C eine fornmunM talist'sche “ Die Am.erika von Traktoren Zel Ackerfläche Äuhlan Netreiöefabr 150 Millionen Men Jetzt rückt man ab nxti man auch tief geraten ist und mn mu3 bekommt. vt> Dir nicht lieber d erlassen, damit es bk uns unsere Fc In England 1 der EstMatastrv' beitslvsigleit immc Licht: Weg mit d< Regierung der nc das ganze Dellu ZollverklammeruN! der Lebensmittelz Mutterland sich i einspielen und ! draußen lassen! In Sen/ tagte . /erenz, uni) es men vom 24. Mr gegenwärtigen euv gemeines befristet« vertrage zu tünbi endgültig in Kra' ist gescheitert. Ab gar zu kleinem $ in der Welt, aber nach unserer Mei Gesellschaft von £ lebenden Körper, Sanalorinm Falkeiecli Braunfels (Lahngebirge) Dr. ß jjrlzo ITnr und Erholungsheim med U UlnÄ HUI" Diäilehranstalt.Seh schule. Beste Diät- auch Rohkost, Bäder, Massage.usw.Nervenbehandl.Prosp.frei. Ostern: Lebensschul woche, Ernährungslehrgang (kostenfrei) 18'i9D Erfindungen jeder Art, neue Ideen uff. gesucht. Liste mit 5000 Dollar Preisausschreiben gratis von Jug. Bruno Lcbmann. Wiesbaden 22. Lungenverschteimung hartnäck. Husten. Luftröhrenkatarrh. Keuchhusten, Bronchialkatarrh, Asthma etc. behebt und linden selbst in veralteten Fallen der schleimlösende Oellheim's Brust- u. Lungeniee Preiö 9)1 f. 1.25. 3u haben in den Apotheken. bestimmt: Pelikanavotheke <«ie- ücn. Kreurvlav 2. 26741 > Bandsäge- Blätter vorrätig von 8 bis 40 mm Brette sowie prima schwedische Bandsäge Feilen Qeberg - ESkttstuna für Hand und Maschine. Ijöten von Band- fägeblättern. 2073D Louis Mach Schlossenneisler LöherstraBe 2. Mi* 25^ ».Schwerstes weiß, amerik. Leghorn, Zucht: Gräftn Vletz, Rheinland. 01618 2. Rhodcländer. dänische Zuckt Knut Hänfen. 1929 nach- tvetöbar 1UO°0 Be- fruchtg. 90°/> Schlupf. Geftügelfarm Hetl Langödorf. Bruteier v. dopp. ges. Barnevelder, a. Schönheit iL Veiftmifl gedichtet, die meisten Tiere im Zuchtsi. a.v.Schauen m. sg.u. E.vrälu.,gibt ab aus Siamm l das Dtzd. zn4^0Mk, aus Stamm 11 3,50 Mk. Karl Ldg. Albach II. Staff Karten! Ernst Petri und Frau danken ollen herzlichst für die ihnen aus Anlaß ihrer silbernen Hochzeit in so reichem Maße dargebrachten Glück« und Segenswünsche Gießen, im März 1931 1.50 Mk. 1.76 Mk. 2.60 Mk. Angebote sind getrennt nach Sortiment und Klassen pro Festmeter bis zum Donnerstag. dem 26.2När; l. 3., nachmittags 4 Ahr, bei der Bürgermeisterei, dahier, mit entsprechender Aufschrift einzureichen. Die Verkaufsbedingungen, welchen fick die Käufer mit der Einreichung ihrer Gebote unterwerfen, können bei uns eingefehen werden. Mainzlar, am 21. März 1931. ______Bürgermeisterei: Vogel._______ Holzversteigerung Dienstag, den 24. März 1931, kommen aus den Waldungen der Stadt Allendorf an der Lumda nachstehende Holzsortimente aus den Forstorten Rundeheg, Langeseif, Zimmcrplatz und verschiedene, sowie das Dürr- und Windfallholz an Ort und Stelle zur Versteigerung. 2088V Carl8chniwk la Düngekalk prompt und billigst C. Rübsamen Fernspr. 3659.12076D 0.90 Mk. 1.20 Mk. Nr. 68 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (Dberhefien) Samstag, 2b März 195( Was wird? Don Or. Paul Rohrbach 3n kritischen Lagen sieht der Mensch auf „Zeichen". "Rennen wir als erstes ein Zeichen, daS weit weg von uns aufgetaucht ist. In Japan hat sich eine — noch Private, aber schon von der Regierung anerkannte — Vereinigung gcoildet, um für die Einführung der so- genannten „Geburtenkontrolle" zu sorgen. Man weih, was das bedeutet. Die Vorsitzende, eine Baronin Ishimoto, hat sogar schon Anschluß an die internationale Mittelstelle für Geburtenkontrolle in Zürich gesucht. Iapan ist nicht nur in der Vorstellung, sondern es war bisher auch in Wirklichkeit das glückliche Kinderland unter allen Ländern der Welt. CS gibt viele und viele glückliche Kinder in Iapan aber die Rot der Zeit drückt auch die Japaner. Die Daronin IShimoto gründet einen Verein für Prävention der Geburten, und der japanische Finanzminister Inouye regt eine internationale Konferenz „zur Veseitigung der Weltkrise"" an. Er sagt „Weltkrise", und er meint das rote Moskau. Die Weltkrise wollen vie^.e Leute beseitigen: natürlich zu allererst die Krise im eignen Land, unb es ist sehr zu beachten, wie sich dabei in den verschiedenen Ländern die Blicke immer mehr auf Moskau konzentrieren. Die führende nationale Intelligenz in Japan macht auf der einen Seite das Zugeständnis, dah sie die Dolksvcrmehrung eindämmen will; auf der anderen Seite aber ist sie der Meinung, das; für die weltwirtschaftliche Gesundung Rußland je länger, desto gefährlicher wird. Man rechnet auch sonst im Auslände damit, dah der svwjeti- stische „Fünfjahrsplan", dessen Dcrwirk- lichungsfrist ja bald abgelaufen ist, eine Zeitlang wenigstens die allgemein« wirtschaftliche Depression noch vermehren wird. Er ist ja dazu erdacht, Rußland in den Stand zu setzen, dah es durch eine kommunistische Riesenprvduktion di« kapitalistische Welt ruiniert. Die Amerikaner haben jahrelang Massen von Traktoren geliefert, mit denen die ganz« Ackerfläche "Rußlands in eine riesenhafte „G e t r e i d e f a b r i k", mit Zwangsarbeit von 150 Millionen Menschen verwandelt werden soll. Jetzt rückt man aber drüben von Ruhland ab, weil man auch tief in die Wirtschaftskrise hin eirigeraten ist und nun Angst vor dem Kommunismus bekommt. Statt dessen heiht es: Sollten wir nicht lieber den Europäern ihre Schulden erlassen, damit es wieder mehr Menschen gibt, die uns unsere Fabrikate abkaufen? In England drängt sich unter dem Einfluh der Exportkatastrvphe und der wachsenden Arbeitslosigkeit immer stärker die Forderung ans Licht: Weg mit dem Parteisystem, her mit einer Regierung der nationalen Solidarität! Die soll das ganz« Weltreich in ein großes System der Zollverklammcrung fassen — auch um den Preis der Lebensmittelzölle — damit Dominien und Mutterland sich wirtschaftlich ganz aufeinander einspielen und die übrige verkaufende Welt draußen lassen! In Genf tagte wieder ein« neue Zollkonferenz, und es ging darum, ob das Abkommen vom 24. März 1930 — Stabilisierung der gegenwärtigen europäischen Zolltarif« und allgemeines befristetes Verbot, laufende Handelsverträge zu kündigen — zusammenbrecherr oder endgültig in Kraft treten solle. Die Konferenz ist gescheitert. Aber daS alles sind Mittel von gar zu kleinem Kaliber. Zucken tur es überall in der Welt, aber es fehlt der Durchbruch. Auch nach unserer Meinung gehört die Existenz einer Gesellschaft von Fanatikern, die einen so groben lebenden Körper, wie das heutige Rußland, dazu gebrauchen wollen, die jetzige britische und wirtschaftliche Weltstruktur zu zerstören, zu den unzweifelhaften Gefahren. Jeder normale Ver- tand muh sich sagen, dah so etwas nicht gut enden kann. Unmittelbar neben diese internationale Gefahrenwirkung, ja noch vor sie, stellen wir aber die Balkanisierung Europas durch die Friedensdiktate, und ganz besonders die Auswirkungen des Versailler Diktats auf Deutschland. Wir hallen dafür, dah es für Deutschland an der Zeit ist, jetzt von sich aus eine Antwort auf die Frage zu ge'cn: Was wird? Unb was wird namentlich mit nvr mit Deutschland? W r haben fünf Millionen Arbeitslose, und wir haben ein Defizit von einer Milliarde, trotz aller Einsparungen. Dah dies tragbar ist, soll man sich doch nicht einbilden, unb man soL sich auch nicht damit über die Lage hinwcgzutäu- schen versuchen, dah die Dinge irgendwie sich von selbst zum Besseren wenden werden. Dor allem soll man nicht davon phantasieren, dah wir imstande wären, die Tribute zu leisten. Hjalmar Schacht hat wortwörtlich recht, wenn er in seinem Duche über das Ende der Reparationen sagt wir hätten überhaupt noch keinen Pfennig aus Eignem an die Tribut- empfängcr bezahlt, sondern ausschließlich (abgesehen von der Ausplünderung unserer Substanz) mit geborgtem Gelde die Forderungen beglichen. Das zu tun sind wir nicht verpflichtet. Die Vor Bedingungen des Vvungplans sind in Ziffer 168 und noch an andern Stellen, teils wörtlich, teils inhaltlich dahin definiert, dah das sogenannte Reparationsproblem nicht etwa einseitig von Deutschland zu lösen sei. sondern es verlange die „Zusammenarbeit aller "Beteiligten"'; ferner häng« Deutschlands Zahlungsfähigkeit von seinen Zukunftsmöglichkeiten ab, und sein Transfer von der Ausdehnung seines Exports: endlich mühten alle "Beteiligten gemeinsam die Möglichkeiten suchen, „die Deutschland in den Stand setzten, die vorgesehenen Verpflichtungen zu erfüllen". Ist jemals seit der Ingangsetzung des Voung- Plans davon die Rede gewesen, dah die Gläubiger nach diesen Voraussetzungen gehandelt hätten? Rie und nirgends! Ebensowenig davon, dah sie sich an die Zusage bei der Aufstellung des Dawesplans erinnert hätten, die Lebenshaltung des deutschen Volkes dürfe nicht in unwürdiger Weise herabgedröckt werden. Diele bei uns fürchten, wenn wir mit Berufung darauf weitere Zahlungen nach dem Poungplan vorerst verweigerten, so würden uns die kurzfristigen Auslandkredite gekündigt werden. Wir wissen sehr gut, dah diese Kredite 11 Milliarden betragen, aber was wird denn geschehen, wenn man sie uns kündigt? Wir werden antworten: Selbstverständlich erkennen wir unsere Verpflichtungen an, aber sorgt doch erst dafür, dah von eurer Seite die Voraussetzungen des Voungplans erfüllt werden! Davon allein, wird es abhängen, wann es uns rnö^ich sein wird, zu zahlen. In eurer Hand liegt es, uns rasch zahlungsfähig zu machen! So zu sprechen, erfordert Mut, es erfordert sogar staatsmännische Kühnheit, aber diese allein ist imstande, eine erlösende Antwort auf die Frage zu geben: Was wird? Richts ist im Augenblick so wichtig — wichtig auch für die Behebung der Weltkrise — wie bah bi« Welt merkt: Deutschland hat endlich seine Lag« be- l griffen! Oberhessischer Kunstverein. Oie Jahreshauptversammlung. Der Oberhessifche Kun st verein hielt am vorigen Montag im Stadthause seine ordentlich« Mitglieder-Versarnrnlung ab. Zu Punkt 1 der Tagesordnung erstattete der Vorsitzende den Geschäftsbericht über das abgelaufene Jahr 1930, in welchem wieder ficaen Ausstellungen stattfanden. Cs stellten aus an Werken der Malerei unb Graphik: Im Januar/Februar: Walter Deter- mann-3ena, Clara Herzog-Degerloch. Fritz Bender-Herborn. E. Ackermann-München. Ausgehängt wurde noch ein Wandteppich von Dr. Abolf v. n den Velden: Ahnenta el Iustus von Liebigs (Eigentum des Liebigmuseums). 3m Februar/März: Karl Mons-Rölls- Hausen (Kreis Ziegenhain), meist Schwälmer Motiv«, Ella Dieaer-Iumkerstvrff-Wiesbaden, di« Witw« des verstorbenen Darmstädter Graphikers Karl Thylmann Werte verschiedenartiger Technik aus seinem Rachlah. 3m März/ April: Künstlerkreis 1930 München. 3m Blai: Graphische Vildausstellung der Gesellschaft für Volksbildung in Berlin, eröffnet durch einen einführenden Vortrag des Herrn Professors Dr. Rauch, welcher im Kunstwissenschaftlichen Institut noch einen zweiten Vortrag mit Lichtbildern über die „Geheimnisse der Schwarz-Weih-Kunst" folgen lieh. Im Iuni/Iuli: 8 Mannheimer Aquarellisten. H. Will-Giehen, H. Habcrl-München, H. Küchel-Gießen. ______ 3m Oktober/Rovember: Rudolf Sieck- Pr en am Chiemsee, Gottfried Richter-Offenbach, Iulius Held-München. 3m Dezember: Weihnachts-Ausstellung „Künstlerhilfe 1930". wiederum veranlaßt durch das Hessische Kultusministerium. Don einer Ausspielung wurde dieses Mal mit Rücksicht auf die allgemeine finanzielle Lage Abstand genommen. Der Umsatz war infolgedessen geringer wie früher. Der kauft tour? en 45 Kunstwerke im Gesamtwert von 2756 Mk. (im Vorjahre: 3273 Mk. + 1067 Mark durch Ausspielung, zusammen 4340 Mk ). Von den ausstellenden 20 oberhessischen Künstlern konnten 17 mit Ankäufen bedacht werden, so dah das Ergebnis doch noch als ein befriedigendes bezeichnet werden kann. Der Oberhessifche Kunst- verein hatte selbst Ankäufe für feine Iahrcs- Derfammlung im Be'.ragc von 332 Mk. getätigt: auch wurden noch Anrechtscheine im Werte von zusammen 250 Mk. zu Ankäufen in der Ausstellung verwendet. Die Unkosten wurden gedeckt, bei den übrigen Ausstellungen war dies nicht der Fall. Der Gesamtfehlbetrag bei diesen belief sich auf etwa 700 Mk. Ankäufe seitens des Publikums erfolgten, abgesehen von der Künstler- Hilfe. im Betrag von insgesamt 969 Mk. Der Oberhessifche Kunstverein erwarb in den sechs ersten Ausstellungen auch noch Werke für seine Iahresverlosung im Werte von 664 Mk. Die Iahresverlosung fand am 8.Dezember statt. Verlost wurden wieder neun Anrechtscheine im Werte von 500 Mk. und 17 Kunstwerke im Werte von etwa 1000 Mk. (5 Oel- gemälde. 4 Aquarelle, 5 Zeichnungen. 4 Radierungen. 4 Holzschnitte. 2 Lithographien, 1 Keramik, die DI der sämtlich gerahmt.) Gesamtwert 1500 Mk. , , , . Der Gauverband „Südwestdeutschland der Deutschen fiunft vereine“ tagte unter Leitung seines Dors.henlen. Architekten Lehmann, Mannheim, am 12. April 1930 in Darmstadt. Der Verband selbst hielt ferne Hauplver'ammlnng unter dem Vorsitz IcineS Prä- silenten, Oberbürgermeister Dr. Luppe, Rürn- berg, am 5. unb 6. Oktober in Speyer ab. Beiden Veranstaltungen wohnte der Vorsitzende bei.. Sie befaßten sich eingehend mit der derzeitigen überaus schwierigen Lage der Kunst, der Künstler und der K mstvereine unb den zu deren tunlichster Behebung zu empsehienlen Maßnahmen. Die Speyrer Tagung stand ganz unter dem Eindruck der von bem Herrn Regierungspräsidenten der Pfalz in feiner Eröffnungsansprache auSgege- denen Parole: „Die deutsche Kunst darf nicht sterben". Cs heißt jetzt, sie zu beherzigen unb allseitig zu betätigen. Der Appell hierzu ist um M a i n z l a r, 17. März. Am Sonntag war Gelegenheit, im Saale des neuen Schulhauses eine Ausstellung von Handfertigkeitsarbeiten der hiesigen Schülerinnen zu besichtigen. Sie war von der Lehrerin Frau Amalie Panzer veranstaltet, erregte allgemeines Interesse und wurde von den Gemeindegliedern zahlreich besucht. Übersichtlich und in geschmackvoller Aufmachung waren die Arbeiten von den Kleinsten bis zum letzten Jahrgänge aufgelegt, die Ramen der Schülerinnen übersichtlich an den einzelnen Arbeiten befestigt. Es waren ganz hervorragende Arbeiten darunter. Die Leistungen verdienen im allgemeinen öffentliche Anerkennung. * Mainzlar, 19. März. Der hiesige Turnverein veranstaltete im Müllerschcn Saale unter Mitwirkung der Damen-Abteilung Wieseck einen gutbesuchten Werbe- und Theaterabend. Der Abend wurde mit einer Ansprache des Turners W. Mohn eröffnet. Der Redner forderte die Turner auf, auch in der jetzigen Rotzeit die edle Turnsache zu pflegen. Zwei Theaterstücke wurden von Mitgliedern des Vereins sehr gut aufgeführt und ernteten verdienten Beifall. Die vorgeführten Geräteübungen der Turner zeugten von eifriger Aebungsarbeit. Besonders gefielen die gymnastischen und rhythmischen Tänze, die die Damen- Abteilung des Turnvereins Wieseck aufführte. Den Turnern L. Zecher und W. Bittendorf wurde die goldene Radel für ununterbrochenen Besuch der Turnstunden im vergangenen Vereinsjahr verliehen: während die Mitglieder ' Lehrer Weisel, Fr. Moos und K. Müller zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt wurden. Z Allendorfa. d. Lda., 17. März. Am Sonntag abend beging der hiesige Männergesangverein, der unter der bewährten Leitung des Lehrers Schmidt von Kesselbach steht, im Saale der Gastwirtschaft Ranft die Feier seines 25jährigen Bestehens. Mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse hatte der Verein von einer größeren Festlichkeit abgesehen. Der Chor sang zur Eröffnung den Sängergruß und ein Chorlied, der Ehrenvorsitzende begrüßte die Teilnehmer, besonders den Vorsitzenden des Ohm - Lumdatal - Sängerbundes und Vertreter des Hessischen Sängerbundes, Decker (Kessel- bach) und das Ehrenmitglied Reinhardt. Sodann gab er einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins. Einer Ansprache des Vertreters des Hessischen Sängerbundes folgte die Lieberreichung von Ehrennadeln. Es wurden ausgezeichnet mit der goldenen Radel für 25jährige Tätigkeit im Vorstände: Ehrenvorsitzender Ehr. Formhals, Ehren-Kontrolleur Ehr. Hrch Reinhardt, der 2. Vorsitzende Jost Denner, sowie der 1. Schriftführer Max Rosengarten und Vorstandsmitglied Phil. Keil: mit der silbernen Radel für 40jährige aktive Zugehörigkeit zum Verein Ehrenvorsitzender Ehr. Form- h a l s und Ehren-Kontrolleur Chr. Hrch. Re i n° Hardt. Sodann wurden noch der 2. Vorsitzende Denner, Schriftführer Rosengarten und Vorstandsmitglied Philipp Keil zu Ehrenmitgliedern ernannt und ihnen durch den 1. Vorsitzenden Söll Ehrenurkunden überreicht. Liedervorträge, Vorträge ernsten und heiteren Inhalts hielten die Teilnehmer noch lange beisammen. gck. Großen-Buseck, 17. März. 3m voll- le'etzten Saale des Gastwirts Wagner veranstaltete der Posaunenchor bei freiem Eintritt ein Werbekonzert. K. Schmidt hieß die Erschienenen willkommen und wies auf den Zweck der Veranstaltung hin. Der Chor, aus jungen Leuten bestehend, brachte in zwei Teilen unter Leitung von H. Rühl eine reiche Dlüten- lese deutscher Volkslieder und Märsche zu Gehör. Seine Darbietungen zeugten von fleißiger, hingebungsvoller Arbeit und anerkennenswerten Fortschritten. Reicher Beifall lohnte und veranlaßte die Musikerschar zu einer Reihe von Einlagen. 3n einer Pause dankte Pfarrer Schmidt aus Beuern dem Posaunenchor für seine opferwillige, uneigennützige Arbeit und ermahnte, auf dem beschrittenen Wege weiterzugehen zum Segen der Kirche, der Gemeinde und der jungen Leute selbst. Er forderte zu bereitwilliger Unterstützung des Chores auf. Auch Kaufmann Rühl wandte sich mit Dankesworten an die Anwesenden und bat um Eintritt in den neugegründeten Verein, der nicht nur ausübende, sondern auch passive Mitglieder brauche. Ziel des Chores sei, neben der geistlichen Musik auch das Volkslied zu pflegen und zur Bereicherung und Verschönerung des Gottesdienstes und 'der Familienfeiern beizutragen. Sämtliche Redner gedachten in ehrenden Worten des Gründers des Posaunenchores, des kürzlich von hier nach Kirch-Göns übergesiedelte.« Pfarres Kalb- Henn, der sich unvergängliche Verdienste um den Chor erworben habe. -o- Ober-Bessingen, 20. März. Der Kriegerverein hielt seinen diesjährigen Winterfamilienabend ab, der sehr gut besucht war. Den Mittelpunkt des Abends bildete ein interessanter Lichtbildervortrag des Bankdirektors Grieß bauer, Gießen. Der Redner behandelte Die Entwickelung der Fliegerei aus ihren primitiven Anfängen heraus bis zu ihren Erscheinungsformen der Gegenwart. Direktor Grießbauer, der als Kompanieführer im Felde stand, konnte den Kameraden des hiesigen Kriegervereins schöne Fliegeraufnahmen aus den Tagen des Weltkrieges zeigen. 3m Flugzeuge führte er seine Zuhörer über alle Kriegsschauplätze von 1914/18. Schließlich ging er noch auf die glänzende Entwicklung der 3unkerflugzeuge ein. Reicher Beifall wurde dem Vortragenden zuteil. Kreis Alsfeld. H Alsfeld, 18. März. Auf Einladung der hiesigen Dürer - Gesellschaft sprach im Physiksaale der Oberrealschule Universitäts- professor Dr. Victor (Gießen) über „Die gegenwärtige Lage der deutschen Literatur". Der Vortragende machte die Feststellung, daß die heu-i tige deutsche Literatur sich als ein chaotisches Durcheinander darstelle, nirgends sei ein einheitlicher Stil. Die letzte einheitliche Literaturströmung sei der Expressionismus gewesen, der kurz vor dem Kriege begann und um 1920 endete. Heute stehe die aktivistische Tendenzliteratur im Vordergrund. Man spreche heute geradezu von Reportage-Literatur: es scheine alle Tradition abgebrochen. Professor Victor kam im Hinblick auf die gegenwärtige beunruhigende literarische Situation zu dem Ergebnis, daß die gefährliche und wenig hoffnungsvolle Krisenzeit der heutigen deutschen Literatur nur den einzigen günstigen Schluß zulasse, daß man doch wieder den Anschluß an die Tradition finden werde, hiervon werde das künftige Schicksal der deutschen Literatur abhängen. Die zahlreichen Zuhörer dankten für die tiefgründigen, feindurchdachten Ausführungen des Vortragenden mit lebhaftem Beifall. * Flensungen, 20.März. Der Landwirt Karl Reih I. von hier wurde, als er fein vor ein Jauchegefährt gespanntes und durchgehendes Pferd aufhalten wollte, von dem scheuen Tier umgerissen und so unglücklich unter das schwere Fahrzeug geworfen, daß dem bedauernswerten Manne die Räder über die Brust gingen und durch Eindrücken des Brustkorbs der T o d eintrat. ifte wieder eiügestcllt hatte, hat sic nach Beendigung der Arbeiten entlassen. Verschiedene Fabriken haben wegen Absatzschwierigkeiten Kurzarbeit eingeführt. Dagegen hat eine oberhessische Blechwarenfabrik in letzter Zeit wieder Arbeitskräfte eingestellt. 2519 Metallarbeiter standen dem Arbeitsmarkt am Ende der Berichtszeit zur Verfügung, gegenüber 2378 des Vormonats und 1012 des Vorjahres. Holzgewerbe. Die Marktlage ist hier uneinheitlich. Verschiedene Sägewerkbetriebe haben Arbeitskräfte zurückgerufen, andere dagegen entließen wegen Arbeitsmangels ihre Facharbeiter. Gleichzeitig klagen auch oberhessische Möbelfabriken über schlechten Geschäftsgang: es wird in den meisten Betrieben verkürzt gearbeitet. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 1119, gegenüber 1151 des Vormonats und 652 des Vorjahres. Rahrungs- und Genußmitlelgewcrbe. 3n der Berufsgruppe des Rahrungs- und Genußmittelgewerbes ist die Besserung der Marktlage hauptsächlich auf die Beschäftigungsmöglichkeiten in den Zigarrenfabriken zurückzuführen; der größere Teil der Firmen hat Arbeitskräfte zurückgerufen: wie lange die Arbeiten dauern, steht noch nicht fest. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 1364, gege^übLL 1739 des Vormonats und 137 des Vorjahres. Bekleidungsgewerbe. Rundfunkprogramm. Sonntag, 22. März. 7 Uhr: (Von Hamburg): Hafenkonzert. 8.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Christuskirche zu Frankfurt a. M. 9.30: Stunde des Chorgesangs. 10.30: Arnold Schönbergs Variationen für Orchester op. 31, Vortrag und Analyse des Komponisten. 12: Schallplattenkonzert. 14: Stunde des Landes. 15: Kinderstunde. 16: (Hindenburg- kampfbahn im Stadion Deuthen, Oberschles.): Abstimmungs-Gedenkstunde der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier mit Gedenkrede des Reichskanzlers Dr. Brüning. 17: Konzert 17.30: „Vom Manuskript zum 100. Tausend", Gespräch zwischen Ernst Rowohlt und Dr. Walter Benjamin. 18.30: Zu Goethes Todestag. 19.35: (Stadttheater Freiburg i. Br.): „La Traviata", Oper von Guiseppe Verdi. 22.30: Tanzmusik. Montag, 23. März. 7.15 Uhr: Frühkonzert. 12: Schallplattenkonzert. 16.30. Wiener Meisterschrammeln, Bernhard Auer mit Sänger Otto Zagler. 18.15: „Der Weg zur neuen Romantik in der Malerei", Vortrag von Franz Heckendorf. 18.40: Heinrich Mann liest aus eigenen Werken. 19.10: Englischer Sprachunterricht. 19.35: (Großer Saal des Saalbaues): 11. Montagskonzert des Frankfurter Orchestervereins. 21.15: Otto Reutter t (Schallplatten). 22.20: Tanzmusik. Dienstag, 24. Mär;. 7.15 Uhr: Frühkonzert. 12: Schallplattenkonzert. 15.20: Hausfrauen-Rachmittag. 15.50: „Ein rheinischer Weberjunge erzählt". Jmprovifcttion von Paul Laven. 16.30: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.15: „Moderne Formen okkulter Heilmethoden", Vortrag von Dr. Albert Hellwig. 18.45: „Schicksalsland Rordschleswig", Vortrag von Dr. Karl Klingenfuß. 19.15: „Rechenkniffe III. Lustiges und vorteilhaftes Rechnen", Vortrag von Dr. Karl Menninger, Heppenheim a. d. D. 19.45: Letzter Vortrag von Hans Rosbaud über „Die 3nstrumente des Orchesters". 20.15: „Leichte Kavallerie", Komische Oper von Karl Costa. 22: „Oskar 3oost auf Schallplatten". Mittwoch, 25. Mär;. 7.15 Uhr: Frühkonzert. 10.20: „Strafsache gegen Schwarzer wegen Brandstiftung", eine Schöffengerichtsverhandlung von Auditor — Spielleitung: Manfred Marlo. 12: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der 3ugend. 16.30: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.15: „Filmautor — der große Unbekannte", Vortrag von Fr. Raff. 18.45: Csperantounterricht. 19.15: „Kartellnotverordnung, Preisbindungs- und Preissenkungsfragen", Vortrag von Max Cohen-Reuh, Mitglied des Reichswirtfchaftsrats, Berlin. 19.45: Dortrags- stünde, Fritz Müller, Partenkirchen. 20.15: Gesangskonzert. 21.15: „Das Gastmahl", von Franz Blei. 21.45: Hugo-Herrmann-Abend. 22.50: Schlagerstunde. Donnerstag, 26. Mär;. 7.15 Uhr: Frühkonzert. 12: Schallplattenkonzert. 15 20: Stunde der Jugend. 16.30: Konzert des städtischen Kurorchesters Wiesbaden. 18.10: Zeitfragen. 18.30: „Aus der Mappe des Patentanwaltes", Vortrag von Diplomingenieur Böhm. 18.50: „Technische Hilfsmittel der Rundfunkreportage", Vortrag mit Experimenten von Professor Schwaiger. 19.20: Französischer Sprachunterricht. 19.45: Lanner- und Strauß-Walzer, gespielt vom Philharmonischen Orchester Stuttgart. 20.30: Hörmodell I: „Gehaltserhöhung?! Wo denken Sie hin!", von Walter Benjamin und Wolf Zucker. 22.20: Tanzmusik. Freitag, 27. Mär;. 7.15 Uhr: Frühkonzert. 12: Schallplattenkonzert. 15.20: „Die Burg der Jugend (Symbol uni) Wirklichkeit)", Vortrag von Schulrat Hassinger, Darmstadt. 16.30: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.10: Stunde des Buches. 18.30: Eine Viertelstunde Deutsch. 18.45: „Lehrvertrag und Lehrverhältnis", Vortrag von Landgerichtsdirektor Leibfried. 19.15: „Verschiedenheit des Krebs-Verlaufs trotz anscheinend gleichartigen Beginns", Aerztevortrag. 19.35: (Opernhaus Frankfurt a. M.): „Der Barbier von Sevilla", Komische Oper in zwei Auszügen von Gioacchino Rossini. 22.20: Tanzmusik. Samstag, 28. Mär;. 7.15 Uhr. Dlaskonzert des Frankfurter Konzertorchesters. 10.20: Römische Ausgrabungen. Hörbild — Leitung: Dr. Paul Laven. 12: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Jugend. 16.30: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: „Wohnungsmarkt, Zwangswirtschaft und Haus- zinsstcuer", Vortrag von Dr. Köbner von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M. 18.30: „Vorschläge zur Behebung der Massenarbeitslosigkeit", Vortrag von Dr. Englevt, Präsident des Landesarbeitsamtes Wiesbaden. 19.20: Spanischer Sprachunterricht. 19.45: Steierische Tänze, gespielt vom Philharmonischen Orchester Stuttgart. 21.15. Ping-Pong, ein Mixed-Spiel in 25 Partien. 22.30: Tanzmusik. Veffcm« aus dem ohechessifthen Meitsmarki. Oer Februar-Bericht des Arbeitsamts Gießen. Der Höhepunkt der winterlichen Arbeitslosigkeit auf dem oberhessischen Arbeitsmarkt dürfte, wie alljährlich, am Ende des Berichtsmonats überschritten fein. Die Besserungs- erscheinungen auf dem Arbeitsmarkt sind allerdings vorläufig geringfügiger Natur: sie werden hauptsächlich bei den Außenberufen von den jahreszeitlichen Einflüssen abhängig sein. Eine Belebung hat sich in der Tabakindustrie gezeigt. Am Schluffe des Berichlsmonats standen dem Arbeitsmarkl 17 170 Arbeitsuchende zur Verfügung. v. H. 4,01 1,27 11,09 14.67 0,05 0,49 0,16 0,93 Bergbau Industrie der Steine und Erden Metallindustrie Chemische Industrie Spinnstoffgewerbe Papierindustrie Lederindustrie Holzgewerbe 2,62 0,70 22,15 0,51 0,02 0,12 0,84 2,73 1,18 16,76 0,58 3,23 0,43 0,93 0,07 Gesundheits- und Körperpflege Baugewerbe Bervielfältigungsgewerbe Kunstgewerbliche Berufe Theater und Musik Gastwirtschaft Berkehrsgewerbe Häusliche Dienste Lohnarbeit wechselnder Art Maschinisten Kaufmännische Angestellte Bureauangestellte Techniker Freie Berufe . 0,52 Rahrungs- und Genußmittelgewerbe 7,94 Bekleidungsgewerbe An der Arbeitslosigkeit waren die einzelnen Berufsgruppen wie folgt beteiligt: Land- und Forstwirtschaft Aus den Mitteln der Arbeitslosenversicherung wurden 11915 Personen unterstützt, gegenüber 10 557 des Vormonats und 10 390 des Vorjahres. Krisenunterstützung erhielten 2181 Personen, gegenüber 1596 des Vormonats und 293 des Vorjahres. In Arbeit konnten wir 666 Personen vermitteln, gegenüber 776 des Vormonats und 917 des Vorjahres. Die Fluktuation hat in der Berichtszeit nachgelassen. An Zugängen waren 3370 Arbeitsuchende, gegenüber 6391 des Vormonats und 4165 des Vorjahres zu verzeichnen. In freie Arbeit gingen 2246 Personen, gegenüber 2156 des Vormonats und 2154 des Vorjahres. Von ihrem früheren Arbeitgeber wurden 209 Personen in Arbeit zurückgerufen. Mit Rotstandsarbeiten wurden 111 Arbeitssuchende be- fchäftigt. Aus den einzelnen Berufsgruppen ist wie folgt zu berichten: Land- und Forstwirtschaft. Die Landwirtschaft war infolge der herrschenden Witterung noch nicht aufnahmefähig. Vereinzelt besteht Rachfrage nach jüngeren Arbeitskräften für spätere Termine. Die Frage nach landwirtschaftlichen Dienstmädchen nahm zu. Aus der Forstwirtschaft kamen weitere Holzhauer wegen Beendigung der Arbeiten zur Entlassung. Am Ende der Derichtszeit standen dem Akbeits- markt 688 Arbeitsuchende zur Verfügung, gegenüber 641 des Vormonats und 522 des Vorjahres. Bergbau. Die Lage des oberhessischen Bergbaues hat sich weiterhin verschlechtert, obwohl eine Grube einige Bergleute einstellte. Sicherem Vernehmen nach wird ein anderer Grubenbetrieb Ende März seine Belegschaft von 90 Mann zur Entlassung bringen. Verfügbar waren am Monatsschluß 219 Bergleute, gegenüber 113 des Vormonats und 332 des Vorjahres. Industrie der Steine und Erden. In dieser Berufsgruppe zeigen sich wieder Beschäftigungsmöglichkeiten. Verschiedene Steinbrüche haben versuchsweise ihren Betrieb wieder ausgenommen: dem steht zwar gegenüber, daß andere Basaltbrüche infolge des Schnee- und Frostwetters die Arbeiten einstellten und Arbeitskräfte entlassen mußten. Wir zählten 1904 Arbeitsuchende, gegenüber 1930 des Vormonats und 1467 des Vorjahres. Metallindustrie. Die Marktlage der oberhessischen Metallindustrie hat in der Derichtszeit eine weitere Verschlechterung erfahren. Ein Eisenwerk hat wegen Absatzstockung 50 Metallarbeiter entlassen und weiteren 270 Arbeitskräften gekündigt. Eine Eisengießerei, die vorübergehend ihre Arbeits- Im Bekleidungsgewerbe ist die Marktlage weiterhin ungünstig. Die oberhessischen Schuhfabriken sind nur teilweise befchäftigt, da die Aufträge nur schleppend eingehen. Auch die oberhessischen Kleiderfabriken klagen über Absahmangel. Verfügbar waren 449 Arbeitsuchende, gegenüber 458 des Vormonats und 311 des Vorjahres. Baugewerbe. Die ungünstige Marktlage des Baugewerbes hat auch im Berichtsmonat keine Besserung erfahren. Die Fluktuation ist gerade in dieser Berufsgruppe, bedingt durch die Witterungseinflüsse, besonders groß. Da von größeren Bauvorhaben bis jetzt noch nichts bekannt ist, dürfte wohl vorerst mit einer Befserung der Marktlage in dieser Berufsgruppe nicht zu rechnen sein. Cs standen dem Arbeitsmartt 3804 Bauarbeiter zur Verfügung, gegenüber 3546 des Vormonats und 3 982 des Vorjahres. Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe. Die Arbeitsmarktlage hat keine Veränderung erfahren. In den Kurorten ist die Vermittlungs- tätigfeit gegenüber dem Vorjahre ungünstiger. Cs sind nur sehr wenig offene Stellen gemeldet. Dies ist in erster Linie darauf zurückzuführeir, daß die Hotelindustrie vorerst »roch eine abwartende Haltung einnimmt, da heute noch nicht gesagt werden kann, wie sich der Kurbetrieb in diesem Jahr entwickelt. Wir zählten 144 Arbeitsuchende, gegenüber 142 des Vormonats und 110 des Vorjahres. Verkehrsgewerbe. Im Verkehrsgewerbe sind kaum Beschäftigungs- Möglichkeiten zu verzeichnen. Einerseits hat die Reichsbahn und auch die Reichspost bisher keine Einstellungen vorgenommen, anderseits ist auch in den Kurorten für Angehörige des Verkehrsgewerbes noch keine Arbeitsmöglichkeit vorhanden. Verfügbar waren 469 Arbeitsuchende, gegenüber 499 des Vormonats und 428 des Vorjahres. häusliche Dienste. Die Unterbringungsmöglichkeit für ständiges Hauspersonal hat sich durch das weitere Sinken des Einkommens verschlechtert. Wir zählten 202 Arbeitsuchende, gegenüber 203 des Vormonats und 25 des Vorjahres. Lohnarbeit wechselnder Art. Der Beschäftigungsgrad ist weiter gesunken. Angehörige dieser Derufsgruppe, die bei Feldberei- nigungs- und Wegbauarbeiten beschäftigt waren, wurden wegen Eintritt von Frost- und Schneewetter arbeitslos. Da gerade diese Berussgruppc von dem Baugewerbe abhängig ist, dürfte auch hier vorerst mit einer Besserung der Marktlage nicht zu rechnen fein. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug am Ende der Berichtszeit 2877, gegenüber 2704 des Vormonats und 3356 des Vorjahres. Angeslelltenberuse. Die Arbeitsmarktlage der Angestellten hat int Monat Februar keine wesentliche Aenderung erfahren. Am Schlüsse der Berichtszeit standen 789 Stellensuchende gegen 792 des Vormonats und 371 des Vorjahres zur Verfügung. Berufsberatung: Die Berufsberatung wurde von 151 (97 männlichen, 54 weiblichen) Ratsuchenden 328mal (84mal von männlichen, 93mal von weiblichen wiederholt) in Anspruch genommen, 33 Ratsuchende (21 männliche, 12 weibliche), darunter 21 Abiturienten, kamen aus höheren Lehranstalten, die übrigen aus Volksschulen, von denen einige gegenwärtig auf Handelsschulen gehen. Auch von Studenten wurde die Berufsberatung verschiedentlich in Anspruch genommen. Richt wenige belegen nur aus Verlegenheit Universitätsvorlesungen, bis sie irgendwo ein passendes Unterkommen in der Wirtschaft oder als Beamtenwärter gefunden haben. Hinsichtlich ihrer wahrscheinlichen Berufseignung wurden 6 Knaben und 2 Mädchen noch besonders ärztlich untersucht sowie 16 Knaben und 9 Mädchen einer Eignungsprüfung unterzogen. Die 97 männlichen Ratsuchenden äußerten 53, und die 54 weiblichen 18 verschiedene Beruss- wünsche. Von den Knaben waren die kaufmännischen Berufe wiederum am meisten begehrt, alsdann folgten die Ratsuchenden ohne bestimmten Berufswunsch. Verhältnismäßig am häufigsten' waren dann noch begehrt die Berufe des Autoschlossers, Malers und Weißbinders und Bäckers. Bei den Mädchen standen an erster Stelle die ratsuchenden ohne bestimmten Berufswunsch, dann folgten diejenigen, die Schneiderin werden wollten oder kaufmännische Berufe wünschten. Für Knaben kamen 24, für Mädchen 12 neue Lehrstellen zur Anmeldung. 21 Knaben und 12 Mädchen konnten in Lehrstellen vermittelt werden. In den Auhenbezirkssprechstunden (Friedberg Alsfeld, Büdingen, Lauterbach und Schotten) wurden 56 Knaben und 22 Mädchen 127mal beraten sowie 6 Knaben und 4 Mädchen in Lehrstellen untergebracht. An höheren Lehranstalten sanden weiter berufs» kundliche Unterrichtsstunden statt. (Schluß des redaktionellen Teils.) 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Einerseits Hal die' ie Aeichspvsl bisher keine men, anderseits ist auch in hörige des Verlehrsgewcr- löglichkeit vorhanden. Ver- eitsuchende, gegenüber 493 ? des Vorjahres. ’ Dienste, vglichkeit sür ständig- i durch das wertere Sinken lechtert. Mr zählten 202 cher 203 des Vormonats wechselnder Art. :ad ist weiter gesunken. Oln- gruppe, die bei Feldberci- arbeiten beschäsligt waren, t von Frost« und Schnee- gerade diese Derufsgruppr abhängig ist, durste auch Besserung der he Zahl der Arbeitsuchen- ier Verichtszeit 2877, mats L 3356 des Vor- lltenberuse. ie der Angestcllien Hal >nl wesentliche Änderung xr Verichtsz-lt standen M 792 des Vormonats und r Verfügung- Beratung: mS* i21T 21 ®Ä CS* * ^schiedcnll'ch ' flll6 M. nge belegen Vorlesungen- DjMast erkommen >n oe jfjfc-"* £igunW^r/en53, VatsuchenA^Ieruls. 18 versch'A^fmännr. l0ben V-Ldl, als- m ain Mmm-e- ib \ . Mädchen " 5S®e- °^ivna,r »erbe. ^ÄÄ-.?erschie. StzKr -genüber 1 z^^t. riahres. 151 des $ot. 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Cs ist ein alter Spruch: „Sage mir, mit mein du umgehst, und ich will dir sagen, wer du bist." Man konnte ihn auch so abwandeln, diesen alten Spruch: .Zeige mir, w i e du mit jemandem umgehst, und ich will dir sagen wer du bift." Für mich ist dieser „jemand" feit vielen Jahren das Buch. Ich habe bisher nichts ergründet von den Geheimnissen der Schristdeulekunst ich studiere keine Lebenslinien, ich treibe keine Schädellehre und keine Augcndiagnostik, — aber wenn ich zum erstenmal eine Wohnung betrete wandert mein erster Blick zu den Büchern. Genau'wie der Weitgereiste im Hotel ober in irgendeiner Wirtschaft den Geist des Hauses an einigen untrüglichen Kennzeichen feststellt, — Haltung und Benehmen der Kellner, Sauberkeit von Tischtuch und Tischgerät Reinlichkeit in gewissen Nebenräumen — ebenso bilde ich mir mein Urteil nach den Büchern, die einer besitzt. Aber nicht allein danach, sondern in i c er sie besitzt: ob er sie hegt und pflegt, wie dies gute Freunde beanspruchen dürfen, oder ob sie wahllos zvsammengestopft sind, ob gut gebundene wertvolle Bucher sich die unmittelbare Nachbarschaft zerschlissener Bücher gefallen lassen müssen oder nicht. Man muh freilich von Hause aus schon selbst ein Büchermensch sein, um Beobachtungen dieser Art zum Gradmesser eines Charakters und eines geistigen Zustandes zu erheben. Aber ich bin es nun einmal, d. h. nicht etwa ein „Bibliophile", der sich mit kostbaren Erstdrucken umgibt, auch kein Büchernarr, der wahllos zusammenhamstert, wohl ober ein Bücher s r e u n d, der von Jugend an glücklicher war, wenn man ihm Bücher schenkte, als wenn man ihn mit Süßigkeiten verwöhnte. Unter den Anekdoten aus Lessings Leben habe ich von früh an am meisten Berständnis gehabt für die Geschichte, die aus seinen Knabenjahr^n erzählt wird: er sollte gemalt werden mit einem Vogelbauer in der Hand, er aber verlangte uotzig danach, ihn zwischen einen Haufen Bücher zu stellen und also abzukonterfeien. Die Bücherfreundschaft ist für den, der die Gabe dazu hat. eine der frühesten Neigungen: sie bleibt auch eine der dauerhaftesten. Aus junger Lesewut entwickelt sich allmählich die besonnene Lesefreude, jenes beglückende Bewußtsein, in guten Büchern die Gesährten gefunden zu haben und immer wieder zu finden, auf die man sich unbedingt verlassen kann. Ich will nicht leugnen, daß man auch hierin zu einem Eigenbrödler und Sonderling werden kann. Hat doch einmal Feuerbach gesagt: „Je mehr sich unsere Bekanntschaft mit guten Büchern vergrößert, desto geringer wird der Kreis von Menschen, an deren Umgang wir Geschmack finden." Aber es liegt etwas Wahres in dieser Behauptung! Wie verhältnismäßig gering ist die Anzahl wirklich wertvoller Menschen, die wir in unserer kurzen Lebensspai.ne zu Freunden gewinnen können! Wie unmöglich ist es, zu allen denen hinzufinden, und mit ihnen in Verkehr zu kommen, die uns selber etwas geben, und denen wir auch unsererseits vielleicht wertvoll sein konnten! Aber wie gewaltig, fid) zusammcnscharend aus Jahrhunderten und Jahrtausenden, ist die Zahl der abgeklärten Geister und der großen Zeitgenossen, der Dichter und der Weisen, die mir auf den Brettern unserer Bücherregale als dauernde Hausgäste bei uns empfangen können! Freilich, und damit komme idj wieder zum Ausgangspunkt dieser Zeilen zurück, wir sind ihrer nur inert, wenn unsere Gastlichkeit sich nid)t damit bc gnüc' zu sagen: „Kommt zu mir!", sondern wenn wir wissen, daß dieser Dauerbesuch auf Lebenszeit UNS auch eine u N t e r h 0 l t u N g s p f l i ch t auferlegt. Je mehr wir uns durch Umgang mit Büchern im Geschmack verfeinert haben, um so bestimmter wird fid) uns das Gefühl herausbilden, daß dem Inhalt die äußere Form, dem geistigen Wesen des Buches and) sein Gewand zu entsprechen habe. Lieber länger warten und groschenweise zusammensparen, um ein gebundenes Buch zu kaufen ober ein geheftetes nach eigenem Geschmack einbinden zu lassen, als broschierte Exemvlare sich hinstellen, deren Ge- ivand einer raschen Abnutzung ausgesetzt ist! Unsere Verleger bringen heutzutage so geschmackvolle Leinenbände zu erschwinglichem Preise heraus, daß der Kostenpunkt vergleichsweise auch für den weniger Bemittelten nicht zum Hindernis der Anschaffung werden kann. Und wenn ja, warum sollte man für so etwas Wertwolles nicht auf etwas anderes verzichten? Warum nicht für chic Lebens- bercidjerung, sicherer als alle Staatspapiere, a» ch ein Opfer der Geduld und des Geldbeutels bringen? Für den wirklichen Bücherfreund gibt es ja keine köstlichere Augenweide, als das bunte Farbenspiel der verschieden gearteten Bücher, die da stumm und doch so beredt nebeneinander stehen. Wie oft gleitet sein Blick über die Buchrücken hinweg, deren Schilder mit den Goldbuchstaben wie eine geistige Re- gimentsnummer die Zugehörigkeit zu den großen Heerscharen der weltbel>errsd)endcn Gedanken an- bcuten! Wie oft aber auch bleibt das Auge haften an dem oder jenem Werk, an der ober jener Gruppe zusammengehöriger Genossen; denn neben ben Ein- zelbüchern finben sich ja im Laufe ber Jahre bie gesammelten Werke unserer Dichter und Denker zueinander ... Wer sich gar einmal die Mühe macht, etwa leine schöngeistigen Werke, wie es ein erfahrener Mann vorgeschlagen hat. nach ben Geburtsjahren ber Verfasser zu orbnen, ber entdeckt gar bald, baß hinter bem Zufall eine Notwenbigkeit verborgen ist. Denn es sind eben bie Söhne und Töchter desselben Ge- schlechts die fid) da zusammenfinden. Träger ähnlicher oder gleidjartiger Geistesströmungen ...Ich lasse meinen Blick wandern über bie Dichterabteilung meiner Bücherei, — wen finde ich da beisammen dank der Gleichheit ihres Geburtsjahres? Aus dem Jahre 1813 Otto Ludwig, Friedrich Hebbel und Richard W a a n e r . die drei Dramatiker in Wort und Ton. mit ihren Schriften und Did)tungen; freunblid) gesellen sich zueinander Sprößlintze bes Jahres 1819: ©ottfrib Keller unb Theobor Fontane: Nachbarn sinb ber Verfasser bes „Jürg Je- natsch" aus bem Jahre 1825, berjenige bes „Ekke- Harb" aus bem Jahre barauf; 1830 bringt in Be Ziehung einen Erzähler unb eine Erzählerin, Paul H e y s e unb Marie von Ebner-Eschenbach unb gleich hinterher, ein Sohn bes Jahres 1831, schließt Wilhelm Raabe sich an! Das sinb nur so ein paar Beispiele bafür, baß auch aus stummen Bücherreihen ein Stück Kultur unb Literaturgeschichte sprechen kann. Ader zu allem kommt bann noch bas Persönliche! Warum ist ber eine Banb Wilhelm Raabe angegriffener als die anberen? Er enthält „Abu Telfan", eines meiner liebsten Lieblingswerke. bas ich fast jebes Jahr einmal lese! Warum ruht auf einem anberen Raabe-Band ein befonbers zärtlicher Blick? Er enthält bie Geschichte vom „Alten Eisen", aus bem mir, bem Genesenben nach ichwerer Krankheit, meine Frau Tag um Tag vorgelesen hat, um mir bie trüben Gebanken zu verscheuchen. Warum blicke ich mit stiller Genugtuung auf ein paar anbcrc Bände? Heute stehen sie in gebiegenem Einbanb vor mir, aber einst sinb sie groschen- unb markweisc in Lieferungen zu mir ins Haus gekommen! Warum be- schleid)t mich Wehmut, wenn ich fünf Bänbe gesammelte Werke betrachte, die eigentlich sechs sein sollten? Irgendwer hat sich einmal diesen einen Band entliehen, in Umzügen unb Kriegsläuften geriet der Banb, mit ihm aber auch ber Entleiher vollkommen in Vergessenheit. Sollte da nicht auch ein geheimnisvoller Zusammenhang bestehen? Menschen, bic Bücher entleihen, gute unb wertvolle Bücher, unb sie bann nicht von selbst wieber zurückbringen wie ein kostbares Gut, bas man ihnen nur auf kurze Zeit anvertraut hat, sollten bas nicht Menschen sein, beren Charakter nicht kristallklar ist, fonbern irgenbroo eine Trübung aufweift? Doch ich will nicht ins Philosophieren geraten! Aber ich komme zurück auf mein Ausgangswort: Sage mir, wie bu mit Büchern umgehst, unb ich will bir sagen, wer bu bist! Neues für den Bücheriisch. Heimailiteratur. — Hessisches Tagebuch, welches handelt von Landschalt, Mensch unb festlichem Tag zu Hessen. Von Will Scheller. 144 Seiten 8" mit 23 Abbildungen. Melsungen 1930. Heimat» schollen-Derlag 21. CBcrncdcr. Preis geb. 3,75 Mk. (671.) — Wil! Scheller, der Lyriker und Erzähler, der Kritiker und Esiayist, erweist in diesem neuen Buch eine Haturbefiimmung seines Schicksals — die Verwurzelung im Heimatboden. Ob er von seinen Fahrten zwischen Werra und Fulda erzählt, seinen Träumereien am Diemelsee ober im Niestetal, von seinem Untertauchen in den hessischen Volksfesten, von seinen Begegnungen mit heimischen Dichtern unb Malern, mit Carl Dan» her, Qllfrcb Bock, Hans Grimm, Johann Lewalter, Dernharb Schorbach, ober von seinen Spaziergängen burd) bie Gassen ber Dörfer unb Städte — es ist immer ein so farbiges wie unterhaltsames, ein so lebensfrohes wie überzeugendes Bekenntnis zum Leben unb zur Olatur, wie sie ihm in Stabt unb Lanbschaft, in Mensch unb Tier entgegenkommt. — Hessische Burgen unb Schlösser. Kalender 1931. 2. Jahrgang. Preis: 2 Mk. Verlag: 21. ünlanb, Kassel. (37.) — Ein hübscher Wanb'2lbreißkalenber, ber auf 15 Blättern in Kupfertiefdruck die malerischen 2lnsichten von mehr oder minder bekannten hessischen Burgen, Ruinen und Schlössern reproduziert und mit einem knappen Tertkommentar begleitet. Die vorliegende 2lusgabc für 1931 bringt bie Bilber von Lubwig- ftein, Spangenberg, Löwenburg, Schloß Arnstein, Schloß Wolfsbrunnen, Schloß Berlepsch, Schloß Friedrichstein, Ruine Altenburg, Kaiserpfalz Gelnhausen, Burg Hessenstein, Ruine Brandenburg, Ruine Krukenburg, Schloß Wilhelmshöhe, Schloß Buchenau und Ruine Plcsse. Der wohlfeile Kalender dürfte allen Heimatfreunden willkommen sein. — Deutsche Erzähler. — Wer dieHeimat Hebt wie bu. Roman von Artur B r a u s c w e 11 e r. (Verlag Otto Janke, Leipzig.) — (606) — Der bekannte Danziger Archi- biakonus an St. Marien unb beliebte Schriftsteller gibt mit biesem Roman seiner Lesergemeinbe ein Buch, bas von tiefster Liede zum beutschen Osten erfüllt unb von außerordentlich packenber Kraft ist. Die Erzählung spielt in Ostpreußen währenb des Krieges, bas ganze Werk ist aber bod) kein eigentlicher Kriegsröman, fonbern eine Heimatschilderung von Laub unb Leuten bester Art. Die Personen sinb prächtig gezeichnet, bas ostpreußische Milieu ist ausgezeichnet getroffen, bie Erzählung ungemein span- nenb, bie Sprache wie immer fein geschliffen, bas ganze Werk ein beroorragenbes Stück deutscher Erzählerkunst. Der Leser wirb von diesem Buche, bas der wärmsten Empfehlung würdig ist, in hohem Maße befriedigt. — OIc Stcsani: 8 Sage Skandal. Roman. 193 Seiten 8°. Geheftet 3,50 Mk.. in Leinen 4,50 Mk. Verlag Knorr & Hirth in München. (84.) — Ole Stefan! ist ein Pseudonym für den in Berlin. Wien und München bekannten und beliebten Schauspieler Hans Schweikart. Sein neuer Roman ist so flott und überaus spannend erzählt, daß man ihn zu den gelungensten Kriminalromanen zählen darf. Das Besondere an diesem interessanten Fall ist, daß alle Einzelheiten für die spätere Lösung auf den ersten Seiten klar gegeben sind, und daß der Leser trohdem mit den Kriminalbeamten alle möglichen und unmöglichen Kombinationen anstellt, um am Schluß von der Einfachheit der Lösung überrascht zu sein. — Im Gießener Anzeiger erschien vor einigen Jahren ein ähnlich fesselnder Roman des gleichen Autors unter dem Titel „Der dritte Schuh". Politik und Geschichte. — Johannes Paul: Reformation und Gegenreformation. Verlag Ferd. Hirt in Breslau. Gebunden 2,85 Mk. (56.) — Im Rahmen der bewährten Iedermannsbücherei ist diese knappe Darstellung einer der interessantesten. aber auch verwickeltsten Epochen der Weltgeschichte sehr toiflfommen, wenn sie sich auch, der Rot gehorchend, ausschließlich auf das Aufzeigen der politischen Beziehungen beschränkt. Dabei wird belonderer Wert auf die Rolle der nordischen Reicye, namentlich während des Dreißigjährigen Krieges, gelegt, vermutlich, weil dem Verfasser die nordische Geschichte besonders am Herzen liegt. Wenn auch ein vollständiges Bild der Zeit zwischen Luther und Gustav Adolf nicht gegeben werden konnte, so werden doch durch die Kürze unb Knappheit der Darstellung die politischen Beziehungen dieser Zeit außerordentlich deutlich. Dem Büchlein sind eine ausgezeichnete Literaturübersicht, eine Zeittafel und ein gut ausgewählter Bilderanhang beigegeben. — Die europäische Kultur ber Neuzeit. Umrifjlinien einer Sozial- und Geistes- gcjd)id)te. Van Pros. Dr. A. Kleinberg. Mit 16 Taf. Geb. 7,20 Mark. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. (25.) — Im vorliegenden Werke werben, degin- nenb mit ber Renaissance, bie wechselnben Lebens- anschauungen unb bie verschicbcnen Strömungen bes geistigen Lebens, eingelagert in bie politischen, wirtschaftlichen unb sozialen Kulturvorgänge, bar- gestellt. So ist eine aufs Wesentliche beschränkte Geistesgeschichte, bie in organischem Zusammenhang erlebte unb zum Erleben hinführende Epochcnbildcr bringt, entstauben, bei denen je nach Wichtigkeit der verschiedenen Nationen, Klassen unb Schichten bald dieser, halb jener Faktor im Vorbergrunb ber Betrachtung steht, das Einzelne trotzdem aber hinter dem Ganzen zurücktritt. Besonders wertvoll führen 16, die verschiedenen Zeiten kennzeichnende Bildnis- tafeln in die geistige Problematik jener Epochen ein. Reise und Abenteuer. — F. I. Lenh: Aus dem Hoch lande der Maya. Bilder und Menschen an meinen Wegen durch Guatemala. Preis: Leinen 24 Mk. Verlag Strecker K Schröder. Stuttgart (16) — Der Der- fasser, Schüler des bekannten Würzburger Geographen Sapper war sechs Jahre als Lehrer an der deutschen Schule in Guatemala. Er hat dieses sowohl seiner Bevölkerung, wie seiner geographischen Lage nach außerordentlich interessante Land nach allen Richtungen hin durchstreifen können und berichtet nun über das Ergebnis seiner Forschungen in einem umfangreichen und mustergültig ausgestatteten Bande. Das Buch fällt in erfreulichem Maße aus der Reihe der heute leider üblichen Reiseliteratur, wie sie oft schon nach einem wohlvorbcreile'en und sich ganz in ausgetretenen Pfaden haltenden Trip irgendwelcher Agenturen entsteht. Das Werk verbindet indessen wissenschaftliche Gründlichkeit mit klarer, auch den Laien in hohem Maße fesselnder Darstellung. Dazu trägt auch die reiche Bebilderung des stattlichen Bandes bei, sowohl durch ausgezeichnet scharfe photographische Aufnahmen, wie durch sehr schöne Aquarelle des Verfassers, die erst den ganzen Farbenreichtum der tropischen Landschaft verdeutlichen. Das Kaffce'anb Guatemala hat sich vielleicht von allen mittel- und süd- amerikanischen Staaten die reinste und zahlreichste indianische Eingeborenenbevölkerung erhalten können, die ihre 2lbftimmung direkt von den alten Mayas herleitet. Es birgt auch eine trovische Hoch- gebirgslandschaft von außerordentlichem Reiz in wissenschaftlicher wie ästethischer Hinsicht. Dor allem aber hat hier eine starke deutsche Kolonie wirtschaftliche Werte von außerordentlichen Ausmaßen geschaffen. So ist dieses Buch ein stolzes Denkmal deutschen Kulturwillens, fleißiger und zäher deutscher Pionierarbeit in den Tropen, aber auch ein Zeugnis für die fortschreitende Fähigkeit der deutschen geographischen Wissenschaft, das Ergebnis ihrer Forschungen auch ber breiten Oeffent- lichkeit in ansprechender und klar verständlicher Form zu vermitteln. — H H Houben. Der Ruf des Ror- de n s. (73) — Diese hier schon lobend besprochene, außerordentlich fesselnde Geschichte aller Rord- polfahrten von den allen Griechen bis auf unfere Tage erscheint soeben in einer billigen Reihe guter Bücher zum Preis von 2,85 Mk. im QDerlag von Koehler & Amelang, Leipzig. Als eines der spannendsten Bücher der Weltliteratur hat dieses Buch bereits in über 200 000 Exemplaren im deutschen Volke Verbreitung gefunden. Der neuen Auflage sind die neuesten Berichte über Andrees Ballonfahrt und den Untergang der Franklinexpedition beigefügt. Krau unb Buch. Von Maria Seelhorst. Zu den Zeiten unserer Mütter geschah es noch hin und wieder, daß Schriftstellerinnen ihre Veröffentlichungen, auch wenn es sich um Belletristik handelte, mit einem männlichen Pseudonym unterzeichneten. Sie taten das. weil die Gebundenheit der Frau der- 19. Jahrhunderts ihr Aus treten in der Oefsentlichkeit — sei es persönlich ober durch Nennung ihres Ramcns erschwerte und womöglich noch als eine Schädigung ihres guten Rufes erscheinen lief). Heute klingt es saft wie ein Märchen, wenn man erfährt, daß gut bürgerliche Kreise, angesehene Familien Künstlerinnen, und zwar bie bildende Künstlerin ebenso wie etwa die Schauspielerin ober Sängerin, in ihren Häusern nicht empsingen, mit anderen Worten, sie als gesellschaftsfähig nicht anerkannten, während doch zu der gleichen Zeit der männliche Künstler jeden Faches als eine Zierde des Salons galt und in ledern Hause mit Leichtigkeit Ausnahme finben konnte. Am gnädigsten verfuhr die Ge- settschaft des 19. Jahrhunderts immer noch mit der Schriftstellerin, freilich nur mit derjenigen, die sich in ihren Veröffentlichungen als zahm erwies Geschäht war bie Iugendschriftstellerin, gefürchtet unb gehaßt diejenige, bic etwa in ihren Werken bic Gesellschaft ober gesellschaftlich anerkannte Zustände einer Kritik unterzog. Zwei Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts haben als Kämpferinnen der Aufklärung unschätzbare Dienste für die Menschheit geleistet. Sie haben mit ihren Werken ungeheure Erfolge gehabt unb die Stimmung ber Welt nachhaltig beeinflußt. Eine biefer Schriftstellerinnen war um bic Mitte des 19. Iahrhunberts die Engländerin Harriet Elizabeth Beecher-Stowe, die später nach Rordamerika ausgewapbert, dort den Roman „Onkel Toms Hütte" schrieb, jenes Buch, das zuerst bic Blicke auf bic furchtbare Mensch- heitsschande des Sklavenhandels, und zwar vor allem des amerikanischen Rcgerftlavenhandels, lenkte. Dieses Werk, in 35 verschiedenen Ausgaben noch zu Lebzeiten ber Verfasserin erschienen, ganz zu schweigen von der Anzahl seiner Auslagen unb seiner ileberfetjungen in viele Sprachen, die noch während des verflossenen Jahrhunderts herauskamen, ist heute noch unvergessen. Onkel Toms Hütte gehörte zu ben ersten Weltromanverfilmungen, die überhaupt erfolgten, und bic Wirkung dieses Films auf das Publikum des 20. Jahrhunderts war immer wieder außerordentlich stark, obwohl doch der Vorwurf des Romans längst überholt und zudem in Europa niemals aktuell gewesen ist. Richt weniger stark und nachhaltig war die Wirkung eines Werkes der deutsch-österreichischen Schriftstellerin Berta von Suttner. Ihr Roman „Die Waffen nieder!" erschien allerdings 30 Jahre später als „Onkel Toms Hütte" im Jahre 1889. Es war die erste populäre Verkündung der pazifistischen Idee und brachte ber Verfasserin des Romans jahrelange unb bis zum Ende ihres Lebens währende Kämpfe. In unserem Jahrhundert ber Mitarbeit der Frau in Berus unb Leben steht ganz selbstverständlich die Leserschaft ziemlich gleichgültig zu der Frage, ob der Verfasser eines Buches männlichen oder weiblichen Geschlechts sei - - bie iln- terschiede in ber Betrachtung von Welt unb Geben haben sich bei den Künstlern beiderlei Geschlechts naturgemäß viel stärker ausgeglichen, als das sonst in der Lcbensbetrachtung von Männern und Frauen der Fall sein mag. Das ist deshalb natürlich, weil bie künstlerische Fähigkeit eine schöpferische Begabung ist, unb die eigentlich weibliche, nämlich die rezeptive Stellung zum Leben, in der Künstlerin überwuchert wird von ihres schöpferischen Krast. Wir haben heute weibliche Begabungen unter den bildenden Künstlerinnen (Rcnöe S i n t e n i s , Milly S t e g c r u. a ), deren Werke für den unbefangenen Betrachter keinerlei charakteristische Merkmale tragen, die speziell weiblicher Art wären. Die überragendste schöpferische Begabung unserer Zeit finben wir in Ricarda Huch — dieser wahrhaft großen Dichterin unserer Zeit. In 6er Fülle ihrer Phantasie übertrifft Ricarda Huch ?,ahlreich die allermeisten Dichter unb Schriftteller der letzten Jahrzehnte. Sie steht in ber Gegenwart, wenn es sich um Gestaltungskraft handelt, ebenbürtig neben Gerhart Hauptmann. Wie seine Werke, so sind auch die ihren überschüttet von schöpserischen Ideen, gleich ihm hält fie ihrs Betrachtung unb Gestaltung in zeitloser künstlerischer Freiheit, Ewigkeitslust umweht ihre Helden. Sie wird bedrängt von immer neuen Einfällen, so daß im Lauf jedes Werkes bic Darstellung bauernb unter schöpferischer Steigerung sich vollzieht, so, als beflügle bic eigene Leistung ben Schaffenstrieb unb bic Schaffenslust bes arbeiten- ten Dichters zu immer höherem Flug. Das Buch ist einer der Lebensbegleitcr jedes Menschen. Es ist der einzige Schah vielleicht, ben der Handwerksbursche auf feine Wanderung, der Konfirmand auf seinem liebergang in schweres Erwerbsleben mit hinaus nimmt. Der Mensch hat sich so stark an ben Besitz des Buches unb an das Geben mit Büchern gewöhnt, bah er es nicht entbehren will unb es einschmuggelt in bie Hetzjagd seiner Arbeitstage. Es ist ihm der Tröster in der Arbeitspause, nach bem er greift, verlangend nach Entspannung, nach Erlösung vom Ich unb feinen Miseren. Wenn ec nut zu wählen weiß unb sich selbst zu raten versteht, bann hat der Mensch an dem Buch wirklich ben verständnisvollen Kameraden, zu bem auch derjenige sich zurückziehen kann, der im Strudel der Welt unb seiner Lebenstage, Stille unb Zurückgezogenheit räumlich kaum zu finben vermag. Wirtschaft. Bezirkssparkaffe Nidda. * Nidda. 20. März. 3m Sitzungssaal des neuen Sparkassengebäudes fand unter Leitung des Direktors, Rektor Gahert, die diesjährige Mitgliederversammlung der De - zirtssparkasse Nidda statt. 2lls Vertreter des Kreisamts Büdingen nahm Kreisdirektor Dr. Gähner, Büdingen, teil. Der Hessische Sparkassen- und Giroverband war vertreten durch dessen Vorsitzenden, Justizrat Dr. Reh, Darmstadt. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Direktor des verstorbenen Kontrolleurs Karl Ruppcl, Nidda, und des verstorbenen Vertreters der Gemeinde Bisses, Bürgermeister Svengler. Sodann erstattete er einen ausführlichen Bericht über das Geschäftsjahr 1 930, der ein Bild von der überaus guten ^Weiterentwicklung der Kasse ergab. Die Spareinlagen erhöhten sich im Jahr 1930 von 1 759 000 Mark auf 2 180 000 Mark, mithin um 421 000 Mark. Die Bilanzsumme beträgt 2 501 000 Mark, der Reingewinn aus 1930 16 133,78 Mark. Der Jahresumsatz beläuft sich auf rund 26 958 000 Mark. Die Rechnung, die vom Rechner vorgetragen wurde, schließt in Einnahme und Ausgabe mit je 13 478 777,21 Mark ab und wurde von der Versammlung unbeanstandet angenommen. Den: Rechner, dem Vorstand und dem Aus- sichtsrat erteilte die Versammlung, vorbehaltlich der Revision durch die Oberrechnungskammer in Darmstadt, Entlastung. Für das durch Tod ausgeschiedene Vorstandsmitglied Karl Ruppel wurde Reichsbahninspektor Georg Ludwig. Nidda, und für den freiwillig ausscheidenden Vorsitzenden des 2luf- sichtsrates Molkereidirektor Schmidt, Echzell, Bürgermeister Schleuning, Wallernhausen, gewählt. Alle übrigen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder wählte die Versammlung auf sechs Jahre wieder. Den Vorsitz im Aufsichtsrat übernimmt Oberamtsrichter Krug, Nidda. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Nach dem starken Kursanstieg in den letzten Wochen zeigte die Börse in dieser Woche ein wesentlich verändertes Bild. Die Tendenz war an sich weiter fest, doch zeigten sich wieder allenthalben stärkere Ermüdungserscheinungen. Während die breitesten Kreise des Geschäftslebens, der Industrie sowie des Handels, noch immer unter dem Druck schwerer Stagnation stehen, während noch immer die Versuche der Bank- welt, festgefrorene Kredite zu vermindern oder zurückzuziehen, Henrmungen begegnen und Insolvenzen auslösen, hat sich im Laufe der letzten zwei Monate eine Hausse von fast gewagter und bemerkenswerter Dauer eingestellt. Da jedoch bisher in der Industrie sowie aus dem Arbeitsmarkt noch keine Entlastung zu verzeichnen war, wurde das Publikum etwas vorsichtiger, und das Geschäft in den jüngsten Tagen ist etwas ruhiger geworden. Die anhaltend ungünstigen Berichte aus der Industrie wurden stärker beachtet. Man verwies auf die evtl. Ausfälle von Dividenden bei sehr seriösen Firmen. Auch die Auseinandersetzungen über die Steuerforderungcn der Sozialdemokratie im Zusammenhang mit dem Panzerkreuzer haben die Börse verstimmt. Ferner machten die Schwierigkeiten, die man von Regierungsfeite dem Russen-Kredit, für welchen man die Kredite zu hoch, zu einseitig und zu lang befindet, einen sehr ungünstigen Eindruck. Daneben hat die Bilanz der Dresdner Bank Enttäuschungen hervorgerufen. Auch die Rede ^Dr. Böglers in der Generalversammlung des ^Stahlvereins hat den Optimismus gedämpft. Das ^Publikum schritt in den in letzter Zeit erworbenen -^Beständen zu Entlastungsverkäufen, und auch die Spekulation stellte sich teilweise mit größeren Abgaben ein. Zwischendurch konnte sich wieder eine festere Tendenz durchdrückcn, die ihren Ausgang besonders vom Markte der AEG.- und Gesfürelaktien hatte, da man Meinungen hörte, daß gerade in Elektroaktien ein Wiedererwachen des Auslandinteresses denkbar sei. Gegen die Vorwoche ergaben sich jedoch überwiegend Kursrückgänge von 2 bis 8 Prozent. Besonders stark gedrückt lagen Bergmann (minus 28), Deutsche Linoleum (minus 10), Zellstoff Waldhof (minus 16 Proz.) und Harpener, die 9 Proz. verloren. Kaliwerte lagen dagegen auf dir unveränderten Dividenden 2 bis 6 Prozent fester, ebenso Evcnska mit plus 6 Mark. Bankaktien blieben relativ behauptet. — Der Renten markt bewahrte gegenüber dem Aktienmarkt seine feste Haltung. Eine Sonderbewegung hatten Schutzgebietsanleihen. die etwa 1,5 Prozent höher lagen. Auch für 7- und 8prozentige Pfandbriefe erhielt sich das Interesse. Wochenbericht vom Frankfurter produktenmarkt. Der Frankfurter Produktenmarkt zeigte in dieser Woche wieder sehr ruhiges Geschäft. Das Angebot war in manchen Artikeln weiter knapp, so daß vereinzelt noch höhere Preise erzielt werden konnten. Die Llmsatztätigkeit bewegte sich indessen in engsten Grenzen, da die Händlerschast infolge der unklaren agrarpolitifchen Maßnahmen stärkste Zurückhaltung bekundete. Ferner hat dos schwache Mehlgefchäft eine Belebung des Geschäftes verhindert. Der Weizenmarkt lag in Reaktion auf die Steigerungen in den letzten Wochen etwas schwächer. Die Landwirtschaft kam hier mit etwas stärkerem Angebot an den Markt, da sie den jetzigen Preisstand sür gegeben erachtete, um ihre Vorräte zu verkaufen. Demgegenüber hielten die Mühlen im Einkauf jedoch stark zurück. Der Preisrückgang pro Tonne betrug 2,50 Mark. Auslandweizen fand bessere Beachtung. Die Befürchtung einer Matcrialverknappung machte sich auch m dieser Woche noch am Roggen- markte bemerkbar: der Roggenpreis, der schon in der Vorwoche stärker profitierte, zog erneut um 5 Mark per Tonne an. Gegen Ende der Woche verstärkte sich jedoch auch hier das Angebot. ohne daß der Preis hiervon zunächst beeinflußt worden wäre. Sächsischer Roggen wurde bis zu 5 Mark niedriger angeboten, fand jedoch fast keine Käufer, da man süddeutschen Roggen nach wie vor bevorzugt. Von der festen Tendenz des Roggcnmarktcs wurde in erster Linie der Hafermarkt mitgezogen. für welchen sich das Angebot ebenfalls stärker verringert hat. Die Notierung stellt sich gegen die Vorwoche um 10 Mark per Tonne höher. Gerste konnte gleichfalls im Preise anziehen. ohne daß jedoch eine Belebung dieses Marktes eingetreten wäre. Futtergerste war etwas besser gefragt. Der Futtermittelmarkt bewahrte im großen und ganzen seine feste Tendenz, doch sind die Llmsähe auch hier wesentlich kleiner geworden. Das Weizenmehlgeschäft war auch in dieser Woche enttäuschcmd. Roggenmehl hatte dagegen etwas besseren Umsatz bei erneut gebesserten Preisen. Die Woche schloß zu folgenden Notierungen: Weizen 305, Roggen 205 bis 210, Gerste 225, Hofer 180 bis 185, Weizenmehl südd. 43,50 bis 44,75, Weizenmehl niederrhein. 43.25 bis 44,50, Roggenmehl 29,50 bis 30,50, Weizenkleie 11.25 bis 11,35, Roggenkleie 12,50; Kartoffeln per Zentner 3,10 bis 3,20 Mark. Wochenbericht vom Frankfurter Gchlachiviebmarkt Der Frankfurter Schlachtviehmarkt zeigte auch in dieser Woche nur unwesentliche Veränderungen. Das Geschäft war weiterhin auf fast allen Märkten nur mäßig, bei Rindern und Schweinen sogar weiter schleppend, ohne daß es jedoch zu Preisnachlässen gekommen wäre. Die Beschickung der Märkte war weiter groß, mit Ausnahme von Schweinen, die mit 5996 Stück in dieser Woche fast 1000 Stück weniger angeboten wurden. In Fachkreisen rechnet man aber nach dem bevorstehenden Osterfest mit weit größeren Auftrieben als bisher. Daneben befürchtet man von dem Handelsabkommen mit Polen, im Falle einer Annahme im Reichstage, ebenfalls eine starke Belastung des deutschen Schweinemarktes. Die geplante Wiedereinführung von zollfreiem Gefrierfleisch wird besonders die Rinderniärkte höchst ungünstig beeinflussen. Die besseren Aussichten auf eine vermehrte Ausfuhr von Rindern können nur eine lokale und unerhebliche Besserung zur Folge haben. — Auf dem Rindermarkt war das Geschäft während der ganzen Woche sehr ruhig und nur nach Bullen machte sich etwas mehr Nachfrage bemerkbar. Die Preise blieben gegen die Vorwoche unverändert. Es verblieb etwas Aeberstand. Der Austrieb betrug 1428 (gegen 1331 in der Vorwoche) Stück, darunter befanden sich 310 Ochsen, 105 Bullen, 484 Kühe und 374 Färsen. Am Kälber markt waren die Zufuhren etwas größer. Die Preise konnten indessen um 3 bis 5 Mark anziehen. Das Geschäft erfuhr hier eine leichte Belebung, ebenso bei S ch a f e n, die allerdings im Preise unverändert blieben. Der Auftrieb an Kälbern betrug 1642 (1511), für Schafe 298 (273) Stück. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen Al ,46 bis 50, A2 41 bis 45, Bl 36 bis 40; Bullen A 43 bis 47, B 39 bis 42; Kühe A 37 bis 40, B 33 bis 36, C 28 bis 32, D 24 bis 27; Färsen A 47 bis 50, B 42 bis 46, C 38 bis 41. Kälber B ^6 bis 69, C 62 bis 65, D 53 bis 61. Schafe A 45 bis 48, B 38 bis 44. Schweine A 48 bis 51, B 49 bis 52, C 50 bis 53, D 49 bis 52, E 45 bis 49, F und G nicht notiert. * Preußische L a ndespf andbr ief - anstalt, Berlin. Die Anstalt bietet in unserem heutigen Anzeigenteil einen Betrag von zehn Millionen Goldmark ihrer 7prozentigen reichsmündelsicheren Goldmark - Pfandbriefe, Reihe XXI, zum Vorzugskurse von 96V2 Prozent an (derzeitiger Börsenkurs 97 Prozent). Die Zeichnungsfrist läuft vom 25. März bis zum 15. April. Höhe der Zuteilung und früherer Zeich- nungsschluh bleiben Vorbehalten. Die Reihe XXI ist mit April/Oktober-Zinsscheinen ausgestattet. Ihre Gesamtkündigung ist bis zum 1. Oktober 1935 ausgeschlossen. Die amtliche Notierung der Pfandbriefe erfolgt an den Börsen zu Berlin, Franksurt a. M., Essen, Köln, Düsseldorf und München. * D i e Direktion der Nassauischen Landesbank in Wiesbaden bietet im heutigen Anzeigenteil 7prozentige Goldkommunal- obligationen, Serie IX, zum Ausgabekurs von 93.5 Prozent (Rückzahlungskurs 100 Prozent) an und empfiehlt gleichzeitig 7prozentige Gold- Pfandbriefe, Ausgabe XII, zum Ausgabekurs von 97 Prozent (Rückzahlungskurs 100 Prozent). Interessenten seien auf die Anzeige verwiesen. * GroheKasseler Straßenbahn AG., Kassel. In der Aufsichtsratssihung wurde beschlossen, der auf den 11. April einzuberufenden C eneralversammlung sür das Geschäftsjahr 1929 30 die Verteilung einer Dividende von wieder 7 v. H. auf die Vorzugsaktien und von wieder 4 v. H. auf die Stammaktien vorzuschlaaen. 3m laufenden Geschäftsjahr zeigt der Verkehr weiter einen Rückgang. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 21. März. Tendenz: still. Die Börse lag zum Wachenschluß ohne besondere Anregungen und eröffnete zunächst in sehr stiller Haltung. Die Stimmung war zwar weiter freundlich, doch bewegte sich die U in s a tz t ä t i g k e i t infolge des Ordermangels in sehr engen Grenzen. Gegen die gestrigen Abendkurse ergaben sich meist neue kleine Kursbesserungen, da der wieder festere Verlauf der Neuyarker Börse und die leichte internationale Geldmarktlage etwas anregten. Daneben sanden die wieder günstigen Dividendeschätzungen bei einigen Elektrowerten ein gutes Echo. Die ersten Kurse, die zunächst zustande kamen, hatten Besserungen bis A v. H. Darunter befanden sich auch J.-G.-Farben, AEG., Schubert & Salzer, Siemens, Deutsche Linoleum, Aku und Holzmann, ferner am Schiffahrtsmarkt Hapag und Norddeutscher Lloyd. Von Kaliwerten gewannen Salzdetfurth 3 v. H. Am Montanmarkt zogen Mannesmann um 1* v. H. an. Stärkeres Angebot lag anfangs bei Süddeutsche Zucker vor, die mit Minus-Minus- Zeichen erschienen, doch wurden die Verkaufsorders später wieder zurückgezogen. Die Kurse ermäßigten sich um 34 v. S). Bankaktien knapp gehalten. An den übrigen Märkten herrschte Geschäftsstille. Nach den ersten Kursen schritt die Spekulation infolge der Ordcrlosigkeit wieder zu kleinen Abgaben, so daß die anfänglichen Gewinne wieder verloren gingen. Deutsche Anleihe^ fester, besonders Altbesitz. Schutzgebiete sind dagegen noch angeboten. Ausländer behauptet. Am Pfandbriefmarkt blieben die Kurse gut behauptet. Im weiteren Verlaufe konnten sich die Kurse meist wieder bis auf das Niveau des Anfangs erholen. Am Geldmarkt blieb der Satz für Tagesgeld mit 34 v. H. unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1960. gegen Pfunde 20,39, London gegen Kabel 4,8592, gegen Paris 124,19, gegen Mailand 92,75, gegen Madrid 45,75, gegen Schweiz 25,2550, gegen Holland 12,1213. Berliner Börse. Berlin, 21. März. Erwartungsgemäß eröffnete die heutige Samstagbörse in überwiegend festerer Haltung. Die Spekulation nahm Deckungen zum Wochenschluß vor, zumal auch von außen her Kauforders Vorlagen und die Auslands-, börsen festere Tendenz meldeten. Auch von der' deutsch-österreichischen Zollunion und der wahrscheinlichen Vertagung des Reichstages ging eine gewisse Anregung aus. Vor allem befriedigte aber, daß sich die gestrigen Gerüchte um die Schuckertdividende nicht zu bewahrheiten scheiben. Dis Bankinsolvenzen in Hannover, die gestern ebenfalls sehr ungünstig bewertet wurden, werden ruhiger beurteilt und nur als unbedeutend für die Börse bezeichnet. Die Ultimovorbereitungen scheinen schon zum großen Teil beendet zu sein. Die Entlastungsverkäufe haben jedenfalls so gut wie ganz aufgehört, und am Geldmarkt waren weitere Anzeichen einer Belebung erkennbar. Im allgemeinen war die Umsatztätigkeit sehr gering, und die überwiegend 1- bis 2prozentigen Kursgewinne resultierten in der Hauptsache aus den Deckungen der Kulisse. Etwas stärker waren Schubert & Salzer, Julius Berger, Feldmühle, Rheinische Braunkohlen, Kali-Aktien, Felten und Guilleaume, Schuckert, Gesfürel und Dessauer Gas gebessert. Chantung erschienen wieder mit Plus-Plus- Zeichen. Miag gingen auf den Dioidendeausfall erneut um 2| v. H. zurück, auch Karstadtwerte zeigten schon anfangs schwache Veranlagung. Anleihen waren freundlich. Schutzgebiete gaben weiter im Kurse nach. Ausländer lagen ruhig. Pfandbriefe waren ziemlich lebhaft und fester. Auch kommunale Goldobligationen und Staatsanleihen waren wieder gesucht. Reichsschuldbuchforderungen befestigt. Geld leichter. Tagesgeld 4 bis 6 v. H^ Mnatsgeld unverändert. Im Verlaufe wußte sich zunächst die freundliche Stimmung zu behaupten, später aber, vom Karstadtmarkt ausgel)end, wurde die Tendenz allgemein wieder unsicher. Verspätet gelangten Bank für elektrische Werte um 2 v. H. niedriger zur Notiz, wahrend Zellstoff Aschastenburg mit 83 nach 80 v. H. festgesetzt wurden. preutzen. Kreis Wetzlar. 3 Krofdorf, 18. März. Aus der großen Zahl von 44 Bewerbungen wählte die Vertretung mit neun gegen vier Stimmen den Steinbrucharbeiter Theodor Valentin (Krofdorf) zum Flurhüter. — Als Schiedsmanns-Stellvertreter^ wurde an Stelle des freiwillig ausgeschiedenen Försters Möller der Lehrer Adolf Rinn gewählt. * Wißmar, 20. März. Am Samstag konnte der Wanderklub „Naturfreunde" auf sein lOjähriges Bestehen zurückblicken. Nach einem Begrüßungsmarsch und einer Ouvertüre begrüßte der 1. Vorsitzende, Hch. Mandler, die Mitglieder und gab einen Bericht über Gründung und Entwicklung des Vereins. Schriftführer B e ft dankte im Namen der Mitglieder dem ersten Vorsitzenden und Musikleiter Heinrich Mandler und überreichte ihm eine Ehrenurkunde für 10jährige, pflichteifrige Tätigkeit. Die durch humoristische Vorträge und weitere Konzertstücke verschönte Feier nahm einen harmonischen Verlauf. • Kreis Marburg. V Nordeck, 20. März. Bei der Neuverpachtung der hiesigen Feldjagd blieb Möbelfabrikant Louis Köhler von Neu-Isenburg mit 360 Mark Höchstbietender. Seitherige Pächter waren einige Herren aus Dortmund. Briefkasten der Redaktion (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 3. 6., Löbershof. Das Wassergeld ist nicht nach der Kopfzahl der Familie, sondern nach der Höhe der Wohnungsmiete umzulegen. Bei der Inanspruchnahme des vollen Mietpreises kann der Hausbesitzer das Wassergeld nicht umlegen. Wenn der Hausherr seine Mieter anteilmäßig mit dem Wassergeld belasten will, so muß er die gesetzliche Miete um 3 v. H. der Friedensmiete senken. Letzte Nachrichten. Tödlicher Verkehrsunfall in der Bahnhofstraße. Ein tragischer Unglücksfall, dem leider ein Kind zum Opfer fiel, ereignete sich heute mittag kurz nach 12 Uhr in Gießen an der Kreuzung der Liebig- und Bahnhofstraße vor der Anatomie. Dort wurde das 6 Jahre alte Töchterchen Anni des Reichsbahntelegraphisten M o o tz, der in der oberen Bahnhofstraße wohnt, von dem Lieferwagen einer auswärtigen Mühle übersah- r e n. Dabei wurde das bedauernswerte Kind so schwer verletzt, daß es wenige Minuten nach dem Unglücksfall v e r st a r b. Die polizeilichen Ermittelungen über den Vorfall, insbesondere über hie Schuldfrage, sind zur Zeit noch im Gange. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o H., Lombardzinsfuß 6 v. H. Srünitun a. Jii. 3erlm _________J Hraniiun a. Hl. Berlin Sch.uß»! Iure | l«Uhr» K rg Schluß« i kure , Bnsang» flurd Schluß» Iur4 । 1 »Uhr- Kurs Echluß» lur» Anfa g» Nur- Dalum 20.3. 21.3. 20.3. 2L3. Datum 20.3. 2L3- 20.3. 21.3. 6% Deutsche Retchsanlethe Hamburg-Ämertka Paket ... 7 69,5 70,5 69 70 von 1927 ... .... 84,75 84,9 • Hamburg-Südam. Dampfschiff - 8 125 7% Deutsche Reichsanleihe Hansa Damvsschiss ... 10 — 97,5 — von 1929 ....... 99,75 — 99,8 -- Norddeutscher Lloyd.....8 71 71,5 71 70,25 Deutsche Anl.-Ablöl.-Gchuld mit Allgemeine DeuticheCredlionkl. 10 Vlucloi.-Stechten ..... 56,4 56,7 56,5 56,6 Barmer Bankverein . . 10 — —— Dcsgl. ohne Sluslos^Rechle . . 6,05 6,2 6 6,13 Berliner Handelsgesellschaft 12 131,5 — 131,5 131 8% Hess. BollNlaol von 1929 Commerz- und Privat-Bank . 11 113 112,5 112.9 112,5 (rüdtahlb. 102%)...... 92,5 92,5 —— Darmstädter und Nationalbank 12 143,5 143,25 143,5 Oberheiscn Provinz - Anleihe mtl Deutsche Bank und Vlusios.-Rechten ..... 53,5 — — DiSconto Gesellschaft, ... 10 109 —- 103,75 109,25 Deutsche Komm. Sammelabl. Dresdner Bank......10 109 108,75 109,25 Anleihe Serie 1 ... 54,5 55 — «cichsbank........12 6% firanlt Vnv.-Bonk Goldpse XIII unlünvbar bi« 1934 . . . 100,75 — •e—. A.ch.G..........8 106 106,5 105 106,75 7% grants. Hyp^Bank «Soldpse Bergmann.........9 —— — 97 98 unkündbar bl- 193'2 95,5 •—- — —— lileltr. LieferungSgelellschafl. io 124,25 — 124 123 <»/,% Rdeinische Htzp.-Baick Lichl und Krasl......10 121,5 — 121 Ltäu. 0ol6p,c....... 92,05 — — — gellen L Guilleaume . . 7% 89 — 89 92.25 8% Pr. LandeSpiondbriesaullalt, Gesellschaft für Elektrische Psandbriese 01. i» 100,5 — 100,5 ___ Unternehmungen .... 10 124 — 123,25 125,9 6% Pr Landerptanobrielanslalt, Hamburger Elektrizit2tS-Werle 10 — —» Komm.-Lbl.R. 20. . . — —— _ Rheinische Elektrizität .... 0 119 — 118,75 — 7% Pr. Lande-plandbriesanKaU, Schlejilche Elektrizität. ... 10 — — — Psondbricse 81. 11 ..... 96,5 -— 96,5 Schuckert LEo.......11 128 — 127 129,75 A.E.lS. abg. BormegS-Obligatw- Siemens & Halske.....16 177 175 177 ccil rückzahlbar 1032 ..... — Iraneraoto..... 8 — — _ — Vabmpuer & Go........ 10 128 —- 128,5 —- 4% Oeslerrelchische Goldrenle . . 24 — 24,2 — Buderus..... .... 5 54 54 54 53 4,20% Oeslerrelchische Silberrente —- —— 2,35 .— 69,25 70,25 4% Oellerreichilche Einheitliche Essener Steinkohle • ••••• 8 — — Rente . . . . — 82 _ 81,4 81,75 4% Ungarische Goldrente . . . — ,_ — _ 70.5 70.75 71 4% Ungarische GtaatSrcnle v. 1910 16,8 — _ _ 70 71 «'-% vesgl. von 1913 — — — Ilse Bergbau ....... 10 — — 182,5 183 1®;. Ungarische Kronenrente . - — — — — Klückneuverke..... 7 — — 65,5 67,5 4% Türlilche Zollanleche von 1911 4,45 4,5 4,45 4,55 Köln-Neucssen........7 — — 76,75 78 4% Türlilche Bagdadbahn-Anl Mounedntuun-Nohre» .... 7 75,75 77,25 75 76,13 Serie 1 —— •— •— —— Moneselder Bergbau .... 7 •— — 37,5 37 4% beigL Serie II .... . . 4,45 — 4,55 Obcrschles. Ehenbedars . . . . 5 — — — 6% Rumänische vereinh. Rente 1 Obcrschles. RoUroerte.....7 — — 76,75 77,25 von 1903 ... 9,9 9,9 9,9 | Dhdnlx Bergbau .... 58,5 —— 57,75 58,25 i’/t% Rumänische verelnh. Reale | Rheinische Braunkohlen . . 10 182,5 — 182 184.5 15,9 __ 16,1 16,1 79,75 _ 79 75 1 yq 25 1% Rumänische vereiah. Keule . 8,1 8,2 8,1 8,15 ! Riebcck Montan......7,3 •— 82,5 -•ranttun er. . I Berlin Schiuß» lurd l-Uhr- Kura Echluß- lur< Anfang» Kurs Dalum 20.3. 21.3. 20.3. 21.3. Bereinigte Stahlwerke . ... Olavi Minen ... 16’/, Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 3. ®. fiarben.gnDuftrte. . . 12 Dvnamit Nebel.......6 CchetdeanstaU..... 9 Goldschmidt ........6 RülgerSwerke........6 Metallgelelllchast.......8 Philipp Holzmann...... Zementwerk Heidelberg . . 10 Cemeniwerk Karlstadt. ... 10 Wanst & Rrcniop .....8 CchiUthel» Patzenhoser ... 15 Cftoetfe .......12 Aku ........18 Bemberg...... 14 NelMosl Waldhos .... 13V. Hellstost Aichassenburg ... 12 Eharlollenburger Walin ... 8 Telsauer Ga» .....9 Daimler Motoren . ..... 0 Deutsche Linoleum ...... Maschinenbau A.-G. ..... 0 Rat. Automobil ......0 Lrcmlein & Koppel.....6 Leonhard Tietz ...... 10 Svensko ....... Nranksuner Maschinen .... 4 Griynet ........6 Heulloensiaedt ....... 0 Hunghans ........6 Lechwerke..........6 Mainlralttverkc Höchst 0. M.. .8 Miag ........10 Gebr. Noeber.......10 Bolgt & Haessner ...... 9 Süddeutsche Zucker .... 10 55 — 54.5 55 — — 32.65 32.65 144 — 143 146 148 ■ - » 147 150 226 229 223,65 228 142,9 143,13 141 143 — — > ■ — — —— 130 — — — 47 —— 46,25. — 54,5 — 55 55 — — 77,5 — 90.5 91 90,75 — 78 » _____- 38 38,5 — — — 163,5 165,5 M ■ —w 82 82,65 79.75 82,9 87,5 —— 86,65 88,5 —- —- 98 98,75 —— 80 — — — — — — — 130.5 133 29,5 — 30,25 30,5 94 94,25 93,5 95 —— —— — — • — — — — — 55 55 116,5 — 116 — 274 — 273,75 273 14.5 — 14,13 — 39,75 —- 39,75 —- — —— — — —— — — — — — — •W — — — — — — — —— — — — — —— — —— 124,5 — 123 — Bantnoten. Berlin. 20 . März (Selb Brief Amertkaniiche Roten . . 4.186 4.206 Belgische Roten . . 58,28 53,52 Dänische Roten . . . e ■ e 111.85 112,29 Engllsche Roten .... e e • 20,332 20,412 Französische Roten . . . 16,395 16,455 Holländische Roten . . . 167.71 168,39 Italienische Roten.... 22,05 22,13 Norwegische Sloten . . . 111,88 112,32 Deutsch-Oeslerreich, 6 100 Schilling 58,77 59,01 Rumänilckte Roten . . . 2,475 2,495 Schwedische Roten . . . 111,98 112,42 Schwerer Roten .... 80,44 80.76 Spanische Noten .... 44,76 44,94 T'chechoslowokische Noten. . . . 12,39 12,45 Ungarische Noten 72,92 73,22 Deoifenmarkt Berlin - Frankfurt a. M. 20. Marz 21. Mckr, Amtliche Roilcruna r»ew | Sries Amtliche (Selb Notierung Brie AmU.. Rott. 168.04 168,38 168,02 168,36 Bucn-Aires 1,458 1,462 1,456 1.460 Brss.-Rntw. 58.365 • 53,485 58,355 58,475 Cbristiania. 112,15 112,37 112,15 112,37 Napenbagen 112,13 112,35 112,13 112,35 Stockholm - HclsingforS. 112.24 112,46 112,24 112,46 10,551 10.-571 10,55 10,57 Italien ■ . . 21,965 22,005 21,965 22,005 London. . 20,369 20,409 20,371 20,411 yleunotf . • 4.192 4,200 4,192 4,200 Paris.... 16.399 16,439 16,399 16,439 Schweiz .. 80,63 80.79 80.655 80,815 Sva den • . 44,26 44.34 44.66 44,74 Favcm - - . 2,071 2,075 2,071 2,077 'Hio de Jan- 0,331 0,333 0,324 0,326 Wien In D-» Ctrt. abgeft. 58,92 59,04 58,945 59,065 Prag ■ 12,426 12,446 12,426 12,446 Bei irad - - 7,356 7.370 7.383 7,377 •buoap.’rt . . 73,10 73,24 73,10 73,24 Lut arten 3,037 3,043 3,038 3,044 "tffabon . 13,82 18.86 18,82 18,86 Danzig 81,465 81,625 81,465 81,625 Konst ntüt. 1.784 1,789 1,784 1,789 Athen 5,435 5,445 5,432 5,442 6-anaOQ 4.190 4,198 4,190 4,198 Utu uao . . 3,017 3,023 3,077 3,083 Tatro . . . 20,885 20,925 20,892 20,932 in tzlar. nbtudjarbeiter Xfjeobor in Flurhüter. - g[|5 ,?urde an Stelle des |orfi«5 Möller der - Am öamstag konnte tuifreunde- aus rehen jurüdblidcn. irfd) und einer Ouvec- Hmde, Hch. Wand- ab einen Dericht über des Vereins. Schrisi- amen der Mitglieder d Musillriter Aeinrid) te ihm eine Eyrenur- teisrige Tätigkeit. Die e und weitere Konzert- M einen harmonischen rburg. . Lei der Äcuvnpach- igd blieb Mbelsabri- Äeu-Jsenbnrg mit 360 itherige Pächter waren nd. ^^igie^Qb 9t6)iüe die Q&er, u "lallz febr n ° Dcn^n Zer bLuusünslig $or|e be3nunb }£ ‘JS let- Die SS. 9r°6en siri, iahen ;n «iner Ö Ätzis Hii'Z i ?«ldmiihse n t“t)iq äl -lm t) ftB» Mundbriese MD ZD o^kätet gelangten ”■ H- niedriger mr Auburg mit 83 nach r Hcöüffion. nt Verbindlichkeit der W> lalfergelb ift nid)t nad) sondern na* der Höhe ^en. Arider Änachruch- Preises kann der $)qus: d) t umlegen. Wenn der ilmäßig mit dem Wasser- j er die gesetzliche Miete ete senken. -richten. WimftiK ,ll dem leider ein Kind j, heute mittag kurz nad) Ireuzung der Liebig-und atomie. Dort wurde chenAnnrdeoKG- , der in der oberen a dem Lies er wagen , Mühle übersah bedauernswerte fniqe Minuten nach dem 7)ie9 polizeiliche" Srnutt - ^ insbe,andere über d.e noch im ®flngc. 58.475 112,37 112.15 11 22.$ zo.tii i,?00 16-g Ä 2.E 0.326 59-$ Ä 18,85 81,Z 1,789 ,84 1,198 3,084 20,932 38 .62 85 37 15 46 71 05 09 00 39 .79 ,34 075 333 .04 446 .370 1,24 ,043 3.86 525 ,78 445 ,198 ,02 925 T2Ö6 58,52 112,29 20,412 16-455 168,39 22,13 112-32 55,01 Hf 112. iojt 44,94 I2.ti 73.22 in. M 1,456 58,355 112-5. 112.13 112,24 10,55 2 ,965 20,371 4,192 16,399 80,6 44.6 2,07 0> 58-$ 'S 'S 5,432 4,190 3,077 20,892 ^6tteS --- 1,46» --1J86 58.28 111,85 20.33 16,395 167-71 22.0; 111.88 58.7? 2,475 111- 80.4 44-/6 i2,y 72.92 Geschichten aus aller Welt Heuchelheim, im Min 193L 168 Dl 2091 Mainz! ar, den 19. März 1981. 20*1 D Kardan=Stock 0166! W 9- D Probefahrten unverbindlich 200 ccm und 300 ccm elektrische Beleuchtung Tachometer » Uhr MMrv Ky.fhäufer-Technikum Bad Frenkenhauien, Kyffh. 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Wir werden die Sache gerichtlich versolgen. 01694 Gleichzeitig warne ich unsere werte Kundschaft, die von der Derteilungsstelle Lich beliefert wird, sich von anderen Personen oder Konkurrenzfirmen unsere Sparkarten abnehmen zu lassen, um sich vor Schaden zu bewahren. hochachtungsvoll Gustav Letz Bezirksoertreter der Firma Petersen Le Johannsen, G. m. b. h., Wedel (holst.). Große Aachlaß-Verfteigenuig. Montag, den 23. d. 2TL, nachmittag» 2 Uhr pünktlich, versteigere ich im Hause Bahnhofstraße 49 meistbietend gegen Barzahlung aus dem Rachlaß des Herrn Geh. Schulrats Becker auftragsgemäß: verschiedene Schränke, Sommode mit Trumeau, ein Tafelklavier, eine Brandkiste, Tische, Stühle, einen Bücherschrank, komplette Betten, ein Sofa, einen Waschtisch, ein Nachtschränkchen, verschiedene Wäsche, Bilder (darunter zwei Oelbilder), Porzellan, Küchengeräte. 2089V Sodann: eine Adler-Schreibmaschine, eine goldene Damenuhr, eine große Partte Bücher, Bücherregale und v. U. Versteigerung bestimmt. L. Sltttzoff gerichtlich beeidigter Taxator und Auktionator. Portugals „Wa1crww"°Lchlacht. (g) London. Die bekannte Waterloo-Schlacht fand am 18 Juni 1815 in dcr belgischen Provinz Brabant statt und endete mit dem Siege der Herren Wellington und Blücher über Napoleon 1. Die Republik Portugal hat ihre neuzeitliche ..Water- low"-Schlacht (mit einem „v" und einem „w" am Schlüsse) anno 1931 in London ausgefochten. Lind siegte über die englische Firma Waterlow and Son. Bater und Sohn Waterlow sind Belcher einer der größten Londoner Kunstdruckanstalten: sie druckt Bucher, Zeitschristen, Musikalien usw. Mit einem Worte alles, was bestelltwird. Bor fünf Jahren bestellte di« Republik Portu- gal Banknoten im Werte von 580 000 Mllrers. Dcr Auftraggeber war ein höherer portugten- schcr Staatsbeamter, der sich bei der Aufgabe dcr Bestellung ordnungsgemäß auswies. Die Milreis-Aoten sahen blitzsauber aus, der Beauftragte des Staates sprach seine allerhöchste Anerkennung aus, bezahlte die ansehnliche Rechnung mit einem Scheck und verabschiedete sich auf Nimmerwiedersehen. Er beeilte sich, die funkelnagelneuen Baicknoten unter das Dolk zu bringen. Hnd da setzten die Verwicklungen ein. Die Banknoten waren nämlich falsch. Aus dem einfachen Grunde, weil der Besteller kein Staats- beamtet sondern ein bis heute nicht entlarvter Hochstapler war. Der auf Grund ungültiger Ausweispapiere falsche Banknoten bestellte, diese mit einem ungültigen Scheck „bezahlte" und dann die theoretisch falschen, in der Praxis fedoch „richtigen" Geldscheine prompt gegen englische Pfunde eintauschte. Die Druckerei hätte di« unbezahlte Rechnung gern verschmerzt. Der portugiesische Staat war jedoch weniger großzügig. Er hatte auch schließlich einen weit größeren Schaden: 580 000 Milreis. Für diese liebliche Summe sollte nun der Drucker aufkommen. Au- freien Stücken tat er es nicht. Er wurde verklagt. Der Prozeß dauerte fünf Jahre. And endete jetzt mit einem Vergleich: Sir William Waterlow. ehemaliger Lord-Mayor von London, fügte sich in fein Schicksal und kommt für den Schaden auf, den er seiner eigenen Unvorsichtigkeit verdankt. So hat Portugal seine Waterlow-Schlacht endgültig gewonnen. Tcr dicke Colonel und der Hochzeit^wagen. - Paris. «... so bitte ich denn, meinen Klageanspruch anzuerkennen. wonach mir als Schmerzensgeld rund 20 000 Mark zustehen. Die Schmerzen entstanden. als man vergebens versuchte, mich in das Hochzeitsauto zu setzen, daß ich in Paris eigens für mich und nach meinen Maßen be- stellt hatte..." . Bach eigenen Maßen. 3a, es war wirklich notwendig, daß Colonel Slowby sich ein eigenes Auto nach eigenen Maßen bauen ließ, denn in ein normales Auto paßte er nicht im entferntesten hinein, geschweige denn zusammen mit seiner Braut, mit der er ja in diesem Auto zum Standesamt fahren wollte. Die oben zitierte Stelle ist ein Ausschnitt aus einer Klageschrift, die dem Pariser Zivilgericht soeben zur Entscheidung eingereicht wurde. Co- Am 20 März, morgens V88 Uhr entschlief sanft nach kurzem, schweren Leiden unsere liebe Mutter, Schwiegermutter,Großmutter, Urgroßmutter, Schwester und Tante Frau Elisabethe Rinn Wwe. geb. Hartmann im 79. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Heuchelheim, Gießen, Charlottenburg, Wilmersdorf, den 21. März 1931. Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 22. März, mittags 1 Uhr, vom Trauerhause, Braubausstrabe 34 aus statt. dannen vor einiger Zeit einen Feldzug gegen die Bürger, welche Leidenschaften frönen, deren fremd- stämmige Herkunft außer allem Zweifel stehl Bald hier, bald dort tauchte in einem Tanzloka, eine maskierte Gesellschaft aus und sprengte das Tangokränzchen mittels Stinkbomben und ähnlichen Störungsmitteln. Allmählich wurden die Tanzfeinde fo dreist, daß sie sich sogar mit Dolchen und Revolvern bewaffneten und von ihren Mordinstrumenten reichlich Gebrauch machten. 2kn mehreren Fällen blieben auf dem Tanzparkett zahlreiche Schwerverletzte zurück. Der Polizei gelang es Monate hindurch nicht, den Leuten das Handwerk zu legen. An einem Sonntag sollten die Tanzlustigen im Hotel Imperial daran glauben, daß europäische Tänze unsittlich und entwürdigend feien: gegen Mitternacht erschienen die maskierten Reformatoren und wollten ihre .Ar- beit" verrichten. Der Geschäftsführer war geistesgegenwärtig genug, dem Kapellmeister einen verzweifelten Wink zu geKn. Er wurde (wohl nach vorhergehender Vereinbarung) sofort verstanden und die Jazzkapelle intonierte die Hymne. Die Störenfriede standen, wie auch nicht anders zu erwarten. still. Die Kapelle spielte die Hymne dreimal hintereinander und zwischendurch wurde von den, Geschäftsführer das Lieberfallkommando herangeholt. Die Polizei konnte die ganze Ge- fellschaft spielend fesseln: die Leute rührten sich nicht uiid blieben unbeweglich, denn die Musik klang noch immer nicht ans. Rach getaner Arbeit standen dann auch die Polizisten in strammer Stellung neben ihren Gefangenen, bis die Hymne zu Ende gespielt wurde und führten sie erst hinterher ab. Kunst und Wissenschaft. Deutsche Dolksspende für Goethes Geburtsstätte. Frankfurt a.M., 20.März. (TU.) Ans An- laß des 10 0. T 0 d e s t a g c s Goethes, den am 22. März 1932 die gesamte Kulturwelt feierlich begehen wird, veröffentlicht das „Freie Deutsche Hoch- stift" in Frankfurt a.M. einen Aufruf für eine , Deutsche Dolksspende" für Goethes Geburtsstätte. Das Hochstift hat im Jahre 1863 aus Mitteln einer öffentlichen Sammlung des Dichters Geburtshaus am Großen Hirschgraben vor dem Untergang gerettet. r , Deutsche Dolksspende für Goethes Geburts- stättc" soll helfen, das Schicksal des Goethehauses, bic würdige Unterbringung seiner Sammlungen und die Fortführung seiner wissenschaftlichen Aufgaben sicherzustellen. Reichspräsident v. fiinbenburg hat die Ehrenschirmherrschast der Sammlung übernommen. Die Stadt Frankfurt hat für die Kunst- schätze. Goethehandschriften und -biblcothek zwei an das Goethehaus anschließende alte Pattizierhäuser und zu deren Herrichtung eine namhafte Summe zur Verfügung gestellt. An alle deutschen Männer und Frauen, denen der Name Goethes mehr als ein leerer Klang ist, ergeht der dringende Rus, bei- zustcuern und zu helfen, das Goethe-Haus als ein Nationaldenkmal deutschen Geistes zu erhalten und zu schützen. Ein gefährlicher Villeneinbrecher verhaftet. WSÄ. Frankfurt a. M., 20. März. Der hiesigen Kriminalpolizei ist es gelungen, einen bereits erheblich vorbestraften Vi Ile nein - brech er zu verhaften, der Villeneinbrüche in Sparen Sie in 1931! Die 01688 Wasch-Anstalt Sonnenlicht liefert Kraßen 12 Pf., Oberhemden 50 Pf., Arbeitshemden 35 Pf.. Taschen- u. Handtücher 5 Pf.. Bett- und Tischtücher20 PL, Plümos 25 PL Pfundwäsche 25 PL wobei Glattwäsche schrankfert.gelief.wird.Ab- hoL u. Zustellung frei. Annahmestellen: hl. Schwan. Hamms tr. 4. Tel.-Bestell. 3725 E. Sleck Kaufmann Helfrich. Frigdensstr. 2. Telephon 4343. Angekörter Rheinisch-Belgischer Fachs-Heck Sengst steht zum Decken bereit. i016l5 Hoffmann, Hofgüll Großer Posten Herren- und Damen- 2097 d Taschentücher Utz II PL solange Vorrat reicht BAUER, Tuchhandlung Selters weg 87 Telephon 36M Ionel Slowby ist rund 180 Zentimeter .stark". Das Pariser Gericht wird also die angenehme Aufgabe haben, zu prüfen, ob die Angaben des Colonel in der Autofabrik genau befolgt wurden, denn von dieser Tatsache wird es abhängen, ob überhaupt die Klage ihren weiteren Weg nehmen kann. Alle Wagen in London waren dem Colonel viel zu schmal, viel zu eng und beschwerlich. Mit Hilfe von einer Schar Bekannter ließ er also an sich Maß nehmen und entwarf daraufhin ein »ihm proporttonales" Auto, dessen Maße er dem französischen Fabrikanten in allen Einzelheiten beschrieb. Am Tag vor der Hochzeit traf das Auto denn auch pünktlich in London ein. AIS man es aber auspackte, sah der dicke Colonel sofort, daß da etwas nicht ftinunen könne. Das Auto war viel zu fchmal. Es war sogar zu schmal, um ihm allein Platz zu bieten. Er konnte sich das nicht vorstellen, daß man in Paris seine Anordnungen so falsch verstanden habe und forderte sein Personal auf, ihm in das Auto hineinzuhelfen. Die Diener und Hausmädchen taten ihr Bestes. Sie versuchten, den dicken Colonel in daS Auto hineinzuquetschen. Cs ging mit dem besten Willen nicht, tllnd als man ihn halb brinnen hatte, da konnte er nicht wieder heraus. Es war, kurz gesagt, eine Qual für ihn und alle, die an dieser Autoprobe teilnahmen. Bis zum nächsten Tag formte man nun unmöglich ein neues Auto besorgen. Also mußte man schleunigst auf die Suche gehen nach einem Vehikel, das als Wagen zur Hochzeit dienen könnte. Schließlich trieb man denn auch in einem entlegenen Vorort eine alte Droschke auf, die in vorsintflutlichen Maßen gebaut war. Sie ächzte, als man sie hervorzog und stöhnte, als man sich in sie hineinsehte. Seit der Krönung des Königs Edward v II. war kein Pferd mehr vor diesem Wagen gegangen. 3n diesem Ungetüm von Kalesche mußte der dicke Colonel zur Hochzeit fahren. Halb London soll zugeschaut und sich halb tot gelacht haben. Unö die Braut hat sich fo geschämt, daß sie sich vielleicht wieder von dem dicken Colonel scheiden läßt. Aber für die Blamage will er gar nichts haben, sondern nur für die blauen Flecken, die seinen Körper nun zieren und die von der Autoanprobe stammen. Wie schon betont, es kommt darauf an, ob die Maße stimmen, d. h. ob der Autofabrikant nichts von seinem Geschäft verstand oder der Colonel nichts vom Messen. Tausend Pfund zahlt man heute nicht gern so ohne weiteres. Cs wird daher ein hartes Streiten anheben vor dem Pariser Zivilgericht... „Ki-mo-ga-ho!" (e) T 0 k i 0. „Ki-mo-ga-ho", zu deutsch .Herrsche noch tausend Jahre" ist die Anfangszeile der japamschen Hymne. 2eder Japaner hat stramm utzd unbeweglich zu stehen, wenn die LandeShymne ertönt. Diese Gepflogenheit rettete neulich im Hotel Imperial zu Tokio vermutlich einer ganzen Reche von friedlichen Tänzern das Leben. Sie Mitglieder einer konservativen Sekte, die die europäischen Sitten und Llnsitten verabscheut, be- Gonzenheim, Offenbach, Sena, Gera, Weimar, Sisenach, Gocha, Crsnrt, Halle, Chemnitz und Dresden mit Erfolg ausgesühn hat. Seine Deute war von erheblichem Wert, konnte aber noch -um Teil sichergestellt werden. Die Festnahn« gelang, als der Cinbrecher in einem hiesigen Geschäft gestohlene Schmuckstücke zu Geld machen wollte. Bisher konnten ihm 40 Einbrüche nacdgewiesen werden. Bei einem schweren Einbruch in Dresden fielen ihm 15 000 Mk. in die Hände. Der Derbrecher stammt aus Bonn, sein Vame ist noch nicht bekanntgegeben. STirtNidte Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 22. Marz. Judita. Slodtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrassistent Seemann: 114 Kinderkirche für die Matthäusgcmeindc: Pfr. Mahr: 15: Pfr. Mahr; Vorstellung und Prüfung der Kon- irmanden der Matthäusgemeinde; 18: Pfr. Becker; Beichte und hl. Llbendmahl für Matthäus- und Mar- kusgemeinde. — Iohanneskirche. 9.30: Pfr. Bechtols- hcimer: Konfirmation der Kinder aus der Lukas- gcmeinde; Feier des hl. Abendmahls; 11: Kindcr- ktrche für die Iohannesgcmeinde im Johannessaal; Pfr. Ausfeld; 14: Pfr. Lic. Waas; Vorstellung und Prüfung dcr Konfirmanden aus der Petrusgemeinde; 18: Pfarrafsistcnt Seemann; 20: Bibelbesprechuna im Hohannessaal; Pfr. Groh. — Kapelle des Allen Friedhof». 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kindcrkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz. — Llifabeth-Klcinklnder- schule. 9.45: Pfr. Lic. Waas; 11: Kindcrkirche für die Petrusgemeinde; Pfr. Lic. Waas. — Klein-Linden. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kindergottesdienst. — wieseck. 9.30: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden; Kollekte für das Hessische Krüppelheim. —« Allen-vuseck. 14: Vorstellung und Prüfung dcr Konfirmanden; Kollekte für das Hessische Krüppelhelm — Kirchberg. 10: Kirchberg; 13.30: Kirchberg; Vorstellung und Prüfung dcr Konfirmanden. — haufen- Garbenteich. Vorstellung der Konfirmanden. 10: Garben teich; 13: Haufen. — wahenborn-Slclnberg. 13: Passionsandacht und Konfirmandenprüfung. — Cid). 10: Stiftsdechant Kahn; 12.45: Klndcrgottesdienst; 14: Stiftspfarrer Draudt. Mittwoch, den 25. März. Clch. 20 Uhr: Passionsandacht. stalhollfche Gemeinden. Samstag, den 21. März. Gießen. 16.30 und 19: Beichte. Sonntag den 22. März. Pafsionsfonntag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Meße; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Christenlehre und Andacht. — Echzell. 11: Hochamt mit Predigt. — Grimberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Cldy. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre und Andacht. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. — Tlidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Montag^den 23. März, Laubach. 7.30 Uhr: Messe. Dienstag, den 24. März. Gießen. 18.30 Uhr: Fastenandacht. Mittwoch, den 25. März. Hungen. 7.15 Uhr: Messe. Freitag, den 27. März. Gießen. 18.30 Uhr: Fastenandacht.______________ 8anntfltt«bicnftb.3lcntf u. Apotheken am 22 nt Dr. Steinreich. Dr. Schäffer. Aelikanavothrte. Zabaar Melz*D Bruteier abzugeben 0. weiß, amerik. Leghorn. Betllaelhot Kneipp. Roheres Großer Sielnweg 3. 01685 EDU Betten (Wahl a-Hols) Pol*. Stahl- m» tr_Kln 1921 gedacht. Die ub allen Teilen des Re, Bei den Behörden un einigten Verbände Y- ununterbrochrn aus qebiel Wlkwunschte Borsreude würbe bei Bevölkerung am bat bie Tradition! ren Reuthener ein, «ährend öl' schwadron seit regiments empi schlesische Industrie- des Friedensvertrac So ist die Freude Reichswehr begrüß angefünbyfen Zeit thener Innenstadt dichten Menschenme bie Reichswehr eim durch die Straßen ■ schreibkich Die haften Faßte MG sreizuhalten. 3n Blei dem Ringe von b Oberbürgermeister a tärtapellen gaben i 3n Reuthen sand a Die erflen 1 Am Eomtagsrük Oberschlesiens zur' um des Abstimm zu gedenken: über Die Tausende zusan lauldjte man in c nern, die noch eim eichen Tage entro ten schilderten, wie bösst, gebangt, ge> 3n der Provinzial ^ehemalige Züh schutzes, General m dessen Degleitu Detgel aud Oberschlesien Dos ©Mbcn aller staat AL sich befände Leidenszelten, die! J? Osten vom erste ÄjJ 1919 und 3^9 'M daran K bis endlich ;16 surchtür^ e«» s RS?” .Aeben bioi eine besonder D A Ab Reifen .^krjug ^alj^prac I I /