Ur. 44 Erstes Blatt M. Jahrgang Samstag, 21. Zebruar (951 Eriche,n» lügl,ch,autza Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Dill» Die Scholle Blenats«8e$ngspret$: 2.20 Reichsmark und 30 Retchrpsennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelner Nummern Infolge höherer Gewalt. 5ern1prechanschlüste anterSammclmimmer225L Anschrift für Drahtnach» richten Hnjetger Siehrn. poftscheckkonto. $ta*fftirt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen VrvS und Verla-: vrühl'sche Univerfiiütt-Vuch- und Steinörudcrei H. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Seschaftrftelle: 5chullttahe7. Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen van 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig; für Ne» klameanzeigen von 70 mne Breite 35 Neichspsennig, Platzvorschrist 20°, mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyrwt; für den übrigen Teil Lrnst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Bieben. Di- Osthilse. Die deutsche Landwirtschaft und der deutsche Osten sind so innig miteinander verbunden, wie nicht wieder ein großer Berufszweig mit einer andern deutschen Landschaft. Selbst soweit der Osten eine bodenständige Industrie besitzt, hängt sie zumeist aus Gedeih und Verderb mit der Landwirtschaft zusammen. Sie ist entweder aus Rohstoffen aufgebaut, die ihr die Landwirtschaft in ihren Produkten liefert oder sie Pellt der Landwirtschaft die Produktionsmittel. Die Weltwirtschaftskrisis, die ja in besonderem Maße eine Agrarkrisis ist, trifft deshalb den deutschen Osten besonders schwer, doppelt schwer, weil zu den wirtschaftlichen Gründen noch national« politische kommen, die die Lage der deutschen Ostprovinzen, in erster Linie die Ostpreußens, der Grenzmark und Oberschlesiens so prekär machen. Die Abtrennung Ostpreußens vom Reich durch den polnischen Korridor, die Zerreißung eines geschlossenen vorwiegend agrarischen Wirtschaftsgebiets in Weft- preußen und Posen und eines ebenfalls geschlossenen, aber vorwiegend industriellen Wirtschaftsgebiets in Oberschlesien durch die willkürliche Grenzziehung des Versailler Machtspruchs zu Gunsten Polens haben diese preußischen Grenzprovinzen nicht nur wirtschaftlich in schwere Not gestürzt, sondern sie auch volkspolitisch ernster Gefahr ausgesetzt, die wir hier im Westen nicht unterschätzen dürfen. Die Abwanderung vom flachen Lande in die Stadt, die als Folge wirtschaftlicher Strukturveränderungen schon vor dem Kriege eingesetzt hatte, ist unter dem Druck der Agrarkrisis zur Landflucht geworden. Der vor Jahrhunderten begonnenen und bis zum Kriege fortgesetzten Besiedelung des deutschen Ostens folgt jetzt in einem Augenblick schwerster politischer Bedrängnis die Rückwanderung vom Osten nach dem W e ft e n. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Polen in den leeren Raum jenseits der Grenze Nachstößen. Heute schon sind erste bedenkliche Anzeichen für eine polnische Unk er» Wanderung festzustellen, wie wir sie ähnlich seit langem schon und in weit größerem Umfang in Südfrankreich von Italien und Spanien her beobachten können. Die Polen beschränken sich keines- wegs auf eine Ausrottung des Deutschtums innerhalb ihres ihnen von den Sicgermächten zu» fleroiefenen Staatsgebiets, sie treiben durch den polnischen Westmarkenverein auch in den deutschgebliebenen Grenzstrichen intensive und geschickte Polonifierungspolitik, für die sic trotz aller sonstigen Finanzkalamitäten immer noch reichliche Mittel zur Verfügung haben. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn behauptet wird, nach der Räumung des Rheinlandes und dem Der» sicht des französischen Imperialismus entscheide sich Deutschlands Schicksal als Volk und Ration hier im Osten, an Oder und Weichsel. Und so ist die Hilfe, die die Reichsregierung zusammen mit Preußen für den deutschen Osten einzufädeln besinnt in Ausführung der bekannten Botschaft des Reichspräsidenten von Hindenburg, dessen Feldherrnkunst einst unsere Ostmark vor dem Russeneinfall schirmte, so ist diese Osthilse eine Sache des ganzen Volkes. Und namentlich wir hier im Westen, die unter der jahrelangen Besetzung weiter Striche unseres Landes durch fremde Heere schwer gelitten haben und unter den wirtschaftlichen Folgen heute noch schwer leiden, sollten uns trotz der angespannten Lage der Reichsfinanzen und trotz eigener Bedürftigkeit davor hüten, mit scheelen Augen nach dem Osten Zii blicken und knauserig jeden Groschen nachzurechnen, der dort ausgegeben wird für die Gesundung der deutschen Wirtschaft und die Sicherung des deutschen Volkstums auf deutschem Grunde, den einst unsere Vorfahren, deutsche Ritter und Bauern aus dem Westen des Reichs mit ihrem Blute und dem Schweiß harter Arbeit düngten. Deutschland ist leider langst schon in die Verteidigung zurückgedrängt. Halten wir uns stets vor Augen, daß wir niemals hoffen dürfen, die Revision unserer Ostgrenzen von Oberschlesien bis hinaus nach Ostpreußen durchzusetzen, wenn wir als Volk nicht stark genug sind, der polnischen Flut unüberwindliche Dämme entgegenzu- wersen und unsere Ostprovinzen deutsch zu erhalten. Vielleicht ist das die große Ausgabe, die unserer Generation gestellt ist. Wir haben vieles gutzumachen, was in früheren Jahrzehnten im Osten gesündigt wurde. Wehe, wenn wir diesmal versagen! Es ist wie ein glückverheißendes Symbol, daß wesentliche Grundgedanken, die dem jetzt vom Reichskabinctt als Gesetzentwürfe oorgelegten O,t- hilfswerk zugrunde liegen, von Dr. Paul 6 t I d e r - berg, einem Manne der westdeutschen Industrie ausgingen. In feinem Plan kommen die innere x?u- fammengehörigkeit von Industrie und Landwirtschaft und die Schicksalsoerbundenheit von Ost und West sichtbar zum Ausdruck. Da, wie eingangs schon gesagt, die Landwirtschaft die wirischastliche Grundlage für die deutschen Ostprovinzen bildet, wird es begreiflich, daß i h r vor allen Dingen die vorgesehenen Hilfsmaßnahmen der Reichsregierung und Preußens dienen müssen. Kommt sie wieder auf einen grünen Zweig, kann sie ihre Betriebe sanieren und wieder rentabel gestalten, so ist damit die wichtigste Voraussetzung für eine Belebung des inneren Marktes, für eine Befruchtung von Handel und Gewerbe geschehen. So liegt das Hauptwerk des Ost- hilfegesetzes in der landwirtschaftlichen Entschuldung. Ihr werden nutzbar gemacht die Mittel aus der sog. Industrieumlage, mit der nach dem Dawesplan die deutsche Industrie in Form von Obligationen belastet mar, die aber nach dem Vounqplan verschwinden sollte, eie wird nun bis zum Jahre 1936 weiter erhoben, allerdings in der Form, daß vom Jahre 1932 ihr nur Betriebe mit einem 500 000 Mark übersteigenden Vermögen unterliegen, während heute die Grenze bei 20 000 Mk. liegt Von dem Ertrag dieser Industrieumlage zweigt Ltm Schieles Agrarprogramm. Fortsetzung der Kabinettsberatungen. - Ausbau des Genoffenschafiswefens. Berlin, 20. Jebr. (OB.) wie wir erfahren, wird da» Reichskabinell die Beratungen über da» Agrarprogramm des Reichsernährungsministers morgen vormittag forlf ehen. heute haben außer internen Besprechungen der beteiligten Ressort» noch Verhandlungen mit den Vertretern der Genossenschaften stattgesunden, da der Ausbau des Genossenschaftswesens der Punkt des Agrarprogramms ist, den das Kabinett augenblicklich behandelt. Dabei dreht es sich um folgendes-, wahrend der Konsument ;. B. in D ä n e m a r k nur 25 Prozent mehr für die Agrarprodukte bezahlt als der Erzeuger erhält, beträgt die Spanne zum Kleinverkaufspreis in Deutschland 100 Prozent. 3n den Kreisen der Landwirtschaft steht man nun auf dem Standpunkt, daß die Landwirtschaft das Genossenschaftswesen ganz ander» aus- bauen muß, um diese Preisspanne zu vermindern. Des ihr hieraus zusallende Gewinn würde schon eine wesentliche Hilfe für die Landwirtschaft bedeuten. Daß da» Genossenschaftswesen noch nicht vollkommen durchgebildet ist, geht auch au» der Tatsache hervor, daß nach Angabe von Gcnofsenschastsseife selbst ;.B. die Reichswehr nur ein Zehntel ihres Bedarfes an Futtermitteln ufro. über die G e n o f f e n f ch a f t e n bezieht. Die hier mögliche Berbefferung der Organisation ist für eine Reihe von Kabinettsmifgliedern die Voraussetzung für die Zustimmung zu den vom Reichsernährungsminister geforderten gleitenden Zöllen. Die Schwierigkeit liegt nur darin, daß dieser Ausbau eine gewisse Zeit erfordert. Die Zollermächtigung würde also, wenn an der geschilderten Voraussetzung sestgehallen wird, vorläufig nicht in Kraft treten. Aus diesem Dilemma einen Ausweg zu suchen, das dürste Ausgabe der morgigen Kabinettsberatungeii sein. Dazu ist weiter zu bemerken, daß die umstrittensten Fragen des Agrarprogramms, Veredelungs- Wirtschaft und Holz, ebenfalls erst noch gehört werden müssen. Bedenken der Industrie gegen die Agrarzötte. Ltattdcsfcn Förderung innerwirtschaftlicher Hilfsmaßnahmen. Berlin, 20. Febr. (TU.) Der Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Industrie faßte zur Frage der Agrarpolitik eine Entschließung, in der es heißt: Die deutsche Industrie hat die von der Reichsregierung durchgeführten Maßnahmen zum Zwecke der Erweiterung und Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion und Wiedergewinnung der Rentabilität innerhalb der deutschen Landwirtschaft in weitem Umfange unter st uht. Der Reichsverband Der Deutschen Industrie hat immer betont, daß damit verbundene Rachteile von der Allgemeinheit im Interesse der Erhaltung einer gesunden und kaufkräftigen deutschen Landwirtschaft vorübergehend getragen werden müssen. Wenn jetzt in Verfolg der landwirtschaftlichen Wünsche wegen eines zu weitgehenden Schuhes der agrarischen Veredelungsproduktion, der Erzeugnisse des Gartenbaues und für Tiere. Fleisch, tierische Produkte, umgehende Verhandlungen und in einer Denkschrift des Reichsernährungsministeriums derartige Zwangsmaßnahmen in großem Ausmaße gefordert werden, so muß dagegen die Industrie die ernstesten Bedenken aussprechen. Es ist klar, daß die Verwirklichung derartiger Maßnahmen die handelspolitischen Beziehungen Deutschlands stark gefährden muh. Für den deutschen Export sind mehr als drei Millionen deutsche Arbeiter und Angestellte tätig. Aus die Aufrechterhaltung dieses Exports und auf feine weitere Steigerung kann angesichts der besonderen Lage Deutschlands nicht verzichtet werden. Eine Belebung des Jnnenmarktes durch eine erhoffte Steigerung der landwirtfchastlichen Kaufkraft auf den von der Landwirtschaft vor- geschlagenen Wegen kann nicht im entferntesten die Schäden ausgleichen, die für die Gesamt- wirtfchaft durch Gefährdung des Exports entstehen können. Die durch weitere Zollerhöhungen für die oben genannten Erzeugnisse eintrefenben handelspolitischen Schwierigkeiten müssen zweifellos den Druck auf den Erlös für die deutschen Ausfuhrwaren verstärken. Daraus muß sich zwangsläufig und organisch eine Verminderung der innerdeutschen Gesamtkauskrast entwickeln, die sich letzten Endes in einem Druck auf die Preise der landwirtschastlichen Produktion äußern muß. Die beantragten Zollmahnahmen müssen in ihrer endgültigen Wirkung der Landwirtschaft einen viel größeren Schaden zusügen, als sie vorübergehend in einzelnen Fällen Erleichterung bringen können. Wenn sich der Reichsverband der Deutschen Industrie somit energisch gegen weitere Zollerhöhungen auf den genannten Gebieten ausspricht, so tritt er um so nachdrücklicher für eine weitgehende und ausreichende Förderung der agrarischen Veredelungsproduktion durch innerwirtschaftlich «-Maßnahmen ein. Bereits vor Iahrcs- frift hat er in einem agrarpolitischen Gutachten ausführlich die Lieberzeugung begründet, daß eine wirkliche Gesundung der deutschen Landwirtschaft nicht möglich ist. ohne eine umfassende und planmäßige. aus Förderung der Selbsthilfe abg c st e 11 te Agrarpolitik, die sich die Senkung der landwirtschaftlichen Produktionskosten, Verbesserung der Qualität und die Reform der Absatz- organisation zum Ziele seht. In dieser Denkschrift ist eine weitgehende, auch finanzielle Förderung der dafür erforderlichen Erzeugungsund Absahorganisation verlangt worden. Obwohl die Berechtigung dieses Gedankenganges auch von landwirtschaftlicher Seite nicht bestritten wurde, ist bisher zu seiner Durchführung nur sehr we- n i g geschehen. Der Reichsverband fordert daher im Interesse der Landwirtschaft die sofortige Inangriffnahme der in seinem Gutachten entwickelten Maßnahmen. Wenn die Industrie trotz der Rotlage der gesamten deutschen Wirtschaft dafür eingetreten ist, daß jetzt unter teilweiser Aufrechterhaltung der Belastung durch die Industrieausbringung große Summen für die Umschuldung im Osten ausgewendet werden, so muß sie dabei von der Voraussetzung ausgehen, daß mindestens gleichzeitig die in dem erwähnten Sachverständigengutachten bezeichneten Maßnahmen ergriffen werden, die geeignet sind, ohne Schädigung anderer B e r u f s st ä n d e für die gesamte deutsche Landwirtschaft einschließlich derjenigen des Ostens die Grundlagen gesunder Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen. Die Polen setzen sich in Oppeln fest. Ankauf des größten Oppelner Hotels durch den Polenbund? Oppeln, 19. Febr. (TU.) Die schon vor mehreren Tagen aufgetauchten Gerüchte, daß polnische Kreise beabsichtigen, das größte Oppelner Hotel „Form» Hotel" anzukau- f e n, verdichten sich immer mehr. Es wird mit Bestimmtheit angenommen, daß in dem Gebäude das jetzt in Beuthen befindliche polnische Generalkonsulat untergebracht werden soll, während die noch verbleibenden Räume dem Polen- b u n d zur Verfügung gestellt werden dürsten, da die Verhandlungen polnischerseits durch den Polenbund geführt werden. Wie jetzt bekannt wird, sollen die Verhandlungen vor dem Abschluß stehen. Als Kaufpreis wird die unverhältnismäßig hohe Summe von 800 000 Mark genannt. 3n der Bevölkerung haben die Nachrichten über den etwaigen Uebergang des Hotels in polnischen Besitz lebhafte Beunruhigung hervorgerusen. Man hofft aber immer noch, daß es den deutschen Behörden gelingen wird, das Zustandekommen dieses Geschäfts zu verhindern. Aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Polnische Aufständische wegen des Watzlterrors vor Gericht. Kattowitz, 20. Febr. (TU.) Vor dem Bezirksgericht in Tarnowih haben die Verhandlungen wegen einzelner Terrorakte, die sich während der Wahlzeit im Kreise Tarno- witz zugetragen haben, begonnen. Die bisherigen Urteile sind nicht geeignet, irgendwie ab* schreckend auf die Täter zu wirken. Von einem Dutzend der Täter ist die Hälfte wegen „M a n- gels an Beweisen" sreigesprochen worden. Die übrigen wurden mit Geldstrafen von 20 bis 40 Zloty (9,50 bis 19 Mk.) belegt. So wurde z. D. ein Aufständischer, der einen deutschen Stimmzettelverteiler bis in dessen Haus verfolgte und ihn sowie dessen Mutter blutig schlug, zu 30 Zloty Geldstrafe verurteilt. Mehrere Aufständische, die gewaltsam in das Haus eines Schuhmachers ein gedrungen waren, wurden sreigesprochen. da ihnen angeblich nicht nachgewiesen werden tonnte, daß sie sich unter den Eindringlingen befunden hatten. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Bernfungsvertzandlung gegen die dcut.chcn Pfadfinder in ^oscn. Posen, 20. Febr. (WTB.) Vor dem Posener Appellationsgerichtshvf begann der sogenannte Pfadfinder-Prozeß gegen Führer der deutschen Iugend in Polen, Dr. Burchardt. Mielke und Preuh. Die Angeklagten, denen Hochverrat zur Last gelegt wird, sollen die militärische Ausbildung deutscher Iugend aus Polen in Deutschland betrieben haben. Dieses Vergehen wird darin erblickt, daß die Angeklagten verschiedenen 2u- gendlichen die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Sportkursus verschafften. In der ersten Instanz wurden die Angeklagten nach einer das Reich noch in den beiden nächsten Jahren einen bestimmten Betrag für feine Zwecke ab, während der Rest und von 1933 ab der ganze Betrag der Bank für Induftrieobligationcn für die landwirtschaftliche Entschuldung und zu einem geringeren Teil zur Hergabe von gewerblichen Krediten zur Verfügung steht. Die Entscheidung über die Hergabe von Geldern für die Entschuldung bestimmter landwirtschaftlicher Betriebe, die zwar in ihrem Bestand gefährdet sind, durch eine Erleichterung ihrer Kreditverhältnisse aber noch erhalten werden können und deren Inhaber die Gewähr für eine erfolgreiche Fortführung der Betriebe bietet, trifft die Bank für Industrieobligationen im Zusammenwirken mit den bereits bestehenden Landste11en und den sog. Haftungsverbänden. Das sind Zusammenschlüsse von Entschuldungsbetrieben gleichartiger Betriebsgröße oder Betriebsart, die auf Anforderung der Bank für Industrieobligationen die Haftung für den Ausfall bis zu 10 Prozent der gesamten her- gegebenen Darlehen übernehmen. Durch diese Regelung, die der Bank für Industrieobligationen bei der Entschuldungsaktion maßgebenden Einfluß ein- räumt, ist dafür geiorgt, daß bei der Hergabe von Geldern rein wirtschaftliche und nicht etwa politische andere Bedeutung zukommt, als in West- oder I Mitteldeutschland, durch entsprechende Maßnahmen der Osthifte und in Verbindung mit der Entschuldungsaktion gefördert werden soll. Das Gesetz bestimmt, daß die Entschuldung nach Möglichkeit davon abhängig gemacht werden soll, „daß der Schuldner einen Teil der land- oder forstwinschaftlich genützten Flächen an das Reich oder an eine von diesem bestimmte Stelle veräußert". Hierfür werden aus Etatsmitteln jährlich 50 Millionen zur Verfügung gestellt. Wichtig ist ferner, daß ebenfalls aus Haushaltsmitteln jährlich 36 Millionen für die Betriebssicherung entschuldeter Güter be- reitgestellt werden. Während diese Entschuldungs- altion und die mit ihr in enger Verbindung stehenden Maßnahmen nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel sich auf ein weiter gespanntes Gebiet erstrecken sollen, nämlich auf Pommern, Brandenburg, Riederschlesien und beide Mecklenburg, wird die eigentliche O st Hilfe nur Ostpreußen, Grenzmark, Oberschlesien und die Grenzkreise Pommerns, Brandenburgs und Niederschlesiens erfassen. Hier werden neben der eben erläuterten Entschuldungsaktion jährlich etwa 48 Millionen aus Haushaltsmitteln zur Lastensenkung von Landwirtschaft, Gewerbe und Hausbesitz bereitge- stellt werden. Weitere 20 Millionen jährlich sollen für besondere Zwecke auf hygienischem, so - zialem und kulturellem Gebiet verwandt werden, und 130 Millionen sollen der Förde» des Verkehrs durch Bahnanlagen und nbauun dienen. 4 Das sind insgesamt rund eine Milliarde Mark, die für die Osthilse mobilisiert werden sollen. Da hiervon ein beträchtlicher Teil alljährlich den Reichshaushalt belasten wird, erhebt sich natürlich die nicht leicht zu nehmende Frage, ob die Reichsfinanzen diese sich über eine Reihe von Jahren erstreckende, mit dem ohnehin vorgesehenen Abbau der Industrieumlage allerdings jährlich geringer werdende Belastung tragen können. Damit hängt es begreiflicherweise auch zusammen, daß das Osthilfegesetz in seinen wesentlichen Bestimmungen e r ft nach Verabschiedung des Etats für 1931 in Kraft treten kann. Sache des Reichstages wird es nun jein, dem Kabinett die Möglichkeit zu geben, durch das großzügige Hilfswerk, das hier nur in den Grundzügen bqrgelegt werden konnte, dem deut- Tchen Osten und namentlich auch feiner Landwirtschaft die durchgreifende Hilfe zukommen zu lassen, noch der er verlangt und die er braucht, soll er seiner großen Aufgabe im Dienst der Nation in Zukunft besser gerecht werden können, als bisher. Namentlich auch die Parteien der Opposition, die sich durch ihren Auszug aus dem Reichstag vorläufig der weiteren Mitarbeit entzogen, sollten sich klar darüber werden, was mit dem Gelingen ober Versagen der Osthilfe auf dem Spiele steht, bevor sie sich zur Fortsetzung ihrer Abstinenz entschließen. Hier steht unser Volk vor einer wahrhaft nationalen Aufgabe, die nur ganz Deutschland lösen kann und die gelöst werden muß, wenn wir uns als Volk und Nation behaupten wollen. Gesichtspunkte entscheiden. Auf die weiteren, recht komplizierten finanztechnischen Details dieser Entschuldungsaktion einzu- gehen, würde hier zu weit führen. Nur soviel Jet noch gesagt, daß auch das landwirtschaftliche Siedelungswcfen, dem im rneenschenleeren l rung Osten schon aus volksnatiomllen Gründen eine ganz ‘ Strotze Verhandllmg hinter verschlossenen Luven zu Ge- fängnigftrafen verurteilt. Gleich zu Beginn der Verhandlung beantragte der Anklagevertreter Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Staatssicherheit. Die Verteidigung widersetzte sich dem Antrag mit dem Hinweis dar.ruf. daß die öffentliche Sittlichkeit und auch die Sicherheit des Staates durch die öffentliche Verhandlung nicht gefährdet werden würden. Das Gericht verkündete den Beschluß, die Oeffentlichkeit bis zur Llrteils- verkündungvoll st ändigauszuschlie- h e n. Der Zuhörerraum, der von zahlreichen Vertretern der Jugendbewegung dicht besetzt war. sowie der Pressetisch wurden daraufhin geräumt. Annahme des Verkehrsetats im Reichstag. Die 9!ot des besetzt gewesenen Hessens. Berlin, 20. Febr. (VDZ.) Präsident Lobe teilt bei Eröffnung der Sitzung mit, daß nachträglich vom Abg. G r a e f - Thüringen (Dntl.) ein Urlaubsgesuch auf 14 Tage wegen dringender Geschäfte eingegangen sei. (Heiterkeit.) Dem Gesuch wird stattgegeben. Die zweite Beratung des Haushalts des R e i ch s v e r k e h r s Ministeriums wird fortgesetzt. Abg. Groß (Z.) begrüßt die Vereinheitlichung der Verkehrswerbung. Die Reichsbahn werde wegen ihrer schlimmen Finanzlage die Hilfe des Reiches in Anspruch nehmen müssen. Unter den jetzigen Verhältnissen sei eine Tarifsenkung bei der Reichsbahn unmöglich. Die Reichsbahn sei im Gegensatz zu früher zu einem kapitalistischen Ausbeutungsobjekt geworden. Der Minister sollte auch für die Reichsbahn den Weg der Kreditaufnahme beschreiten, um die notwendigen Unterhaltungsarbeiten nicht am Geldmangel leiden zu lassen. Was die Reichsbahnverwaltung in ihrer Personalpolitik an Abbaumaßnahmen und an Lohnverschlechterung im Wege des Etats geleistet hat, das verstößt wider Treu und Glauben. (Hört! Hört!) Die willkürliche Schließung von Eisenbahnwerkstätten liegt auf derselben Linie. Mit diesem System muß endlich Schluß gemacht werden. (Sehr richtig!) Die W e g e - Unterhaltung belastet die Gemeinden zu stark zugunsten der Automobilbesitzer. Die Kraftfahrzeugsteuer sollte möglichst bald erhöht werden. Es ist bedauerlich, daß die Reichsbahnverwaltung den Schenker-Vertrag heimlich ohne Fühlungnahme mit dem Ministerium abgeschlossen hat. Sie hat nicht einmal alle Mitglieder des Verwaltungsrates verständigt. (Hört! Hört!) . Abg. Scheffel (S.) verurtellt gleichfalls das Verhalten der Reichsbahnverwaltung beim Abschluß des Schenkervertrages. Dieselbe Selbstherrlichkeit und Rücksichtslosigkeit wie in diesem Falle habe die Reichsbahnverwaltung schon oft bewiesen, wenn es gegen das Personal ging. Die bürgerlichen Parteien hätten in solchen Fällen nicht die gleiche Erregung gezeigt wie jetzt beim Schenkervertrag. Die Arbeitsbedingungen bei der Reichsbahn verdienten die schärfste Kritik. Eisenbahnarbeiter müssen zum Teil 57 Stunden, wöchentlich arbeiten, bei einem Stundenlohn von 55 Pfennigen. Anten wird rücksichtslos abgebaut, aber die Zahl der oberen Beamten wird vermehrt, und die leitenden Beamten haben viel höhere Bezüge als die Beamten in anderen Verwaltungen. Reichsverkehrsminister v. G u e r a r d: Die bei der Reichsbahn gezahlten Leistungszulagen halte ich nach Form und Art für unerträglich. (Beifall.) 2d> habe immer den Wunsch geäußert, daß bei Straßenbauten nur deutsches Material verwandt wird. Einen Zwang kann ich auf die Anterhaltungspslichtigen nicht ausüben. Das Kraftfahrzeug ist heute nicht «nur durch die Steuer, sondern auch durch die Brennstoffzölle und durch den Beimischungszwang l belastet. y. Abg. Haat (Lv.) fordert Fertigstellung der z vielen Eisenbahnlinien, die halb oder dreiviertel v fertig sind. Die Wegela sten der Gemeinden seien durch die übermäßige Beanspruchung der Straßen durch den gesteigerten Lastwagenverkehr unerträglich hoch geworden. Für Zuchtvieh müßten verbilligte Sondertarife auf der Reichsbahn gewährt werden, ebenso für Obst und Wein. Der Etat des Reichsverkehrsministeriums wird in zweiter Beratung angenommen. Einstimmig angenommen wird eine Entschließung Dr. Breitscheid (S.), die die E i n - führung von verbilligten Fünftage - Arbeiterwvchenkarten auf der Reichsbahn verlangt. Angenommen wird eine kommunistische Entschließung, die die kostenfreie Beförderung aller Schwerkriegs- und Schwerunfallverletzten in der Polst erklaffe verlangt. Angenommen wird ferner ein Antrag der Christlich-sozialen, der eine Gleichstellung der Gehälter der leitenden Beamten der Reichsbahn mit denen der entsprechenden Reichsbeamten fordert. Es folgt die zweite Beratung des Haushaltes für die Kriegslasten Abg. Ritzel (Soz.) erklärt, daß die Rot im ehemals beseht gewesenen Gebiet noch sehr groß ist und daß die Bevölkerung enttäuscht sei, daß nur 5 Millionen dafür in den Etat eingestellt sind. Gegen eine vernünftige Ost- Hilfe könne kein vernünftiger Mensch etwas ein* wenden, aber im Westen habe die notleidende 'Bevölkerung auch ein Anrecht auf Berücksichtigung. Mit Reinlandfeiern ist der Bevölkerung nicht geholfen. Der Versailler Vertrag hat dem deutschen Westen ganz besondere Rot zugefügt. Das Steueraufkommen ist ganz gering. Der Rückgang der Industrie, des Gewerbes und der Handwerksbetriebe ist in Hessen prozentual sehr viel stärker als im Durchschnitt des ganzen Reiches. Der hessische Weinbau kann seinen Wein nur zu Schleuderpreisen absehen. Die Städte Mainz, Worms usw. stehen vor der Katastrophe. Sie können ihre Aufgabe aus eigenen Mitteln nicht mehr erfüllen. Ein so schwer betroffenes Gebiet muh Hilfe vom Reich erhalten. Weiterberatung: Samstag. Asta-Wahlen an der Universität Jena. Die Wahlen zum Allgemeinen Studeirtenaus- schuh (Asta) der Thüringer Landesuniversität in Jena hatten folgendes Ergebnis: Dational- sozialisten und Stahlhelm 1334, Rationale Studentinnen 81, Deutscher Studentenverband (Republikanische Studenten) 375, Rationale Studenten 365 Stimmen. Somit entfallen auf die vereinigten rechtsstehenden Studentenverbände acht Sitze, während die republikanischen Studenten zwei Sitze erhalten, Attentat auf dm König von Albanien. Revolveranschlag vor der Wiener Oper. - König Zogu unverletzt. Oer Adjutant getötet. - Oie Attentäter verhaftet. Wien, 20.Febr. (WTV.) König Zogu von Albanien, der zur Zeit in Wien weilt, hatte am Freitagabend mit einigen Herren seines Gefolges der Aufführung von „Bajazzo" in der Wiener Staatsoper beigewohnt. Rach Schluß der Vorstellung gegen 23.30 Ahr verlieh König Zogu das Gebäude. Während sich der König mit einigen Herren seiner Begleitung noch von der Oper unterhielt, bestiegen sein persönlicher Adjutant Rlajor Llesh T o p p o l a j und ein zweiter Hofbeamter ein Auto auf einem Seitengange in der Opern- gaffe. Kaum sahen sie in dem Auto, als sich zwei elegant gekleidete junge Männer dem Auto näherten und auf die Insassen mehrere Revolvers chüsse abgaben. Der Adjutant fiel sofort tot in den Sih zurück, während der zweite Beamte, obwohl selbst schwer verletzt, einen Revolver ziehen und auf einen der Täter mehrere Revolverschüsse abgeben konnte. ohne ihn jedoch zu treffen. Beide Täter wurden von der Menge fest gehalten und der Polizei übergeben. Außer ihnen wurden noch zwei weitere Albanier verhaftet, die an dem Attentat beteiligt sein sollen. Ihre Identität konnte noch nicht festgestellt werden. Es handelt sich aber zweifellos um albanische Emigranten. Der verletzte Hoffunktionär ist der hof- minister L i b s h o v a. Er erhielt einen Steckschuß ins Bein und wurde, nachdem man ihn verbunden hatte, in ein Sanatorium gebracht. Dem Adjutanten drang eine Kugel ins Kleingehirn und führte feinen sofortigen Tod herbei. König Zogu war Zeuge des Attentates. Er ging in das Operngebäude zurück und begab sich erst später in fein Hotel. Vizekanzler Schober suchte noch spät abends den König im Hotel auf, um ihm das Bedauern der Regierung über die Tat auszusprechen. Kunst und Wissenschaft. Kunst in Not. Staatspräsident: Dr. Adelung empfing am Freitagnachmittag eine Reihe von führenden Persönlichkeiten aus Politik, Kunst, Wirtschaft,Presse, um sie über die Rot der Kunst zu informieren. Professor Wilhelm Michel sprach über das Thema „Kunst in Rot". Das Merkmal der Lage sei dcrs Zusammentreffen einer Wirtschaftskrise, die der Kunst den Markt nehme, mit einer geistigen K u n st k r i s e, die der Kunst den „Kurswert", dir lebendige Schätzung neben anderen Gütern beschränke. Diese geistige Kunstkrise finde ihren Ausdruck zum Beispiel in der ungemein erhöhten Geltung der technischen Form, ja in einem generellen Kunstzweifel, der oft die Züge einer Kunstfeindschaft annehme. Diese geistige Kunstkrise sei es eigentlich, die verhindere, daß innerhalb der heutigen Armut noch „so viel als möglich" für die Kunst geschehe: die Parole lautet vielmehr „so wenig als möglich für die Kunst". — Man könne für kein einziges Kunstwerk die Unentbehrlichkeit beweisen: aber unentbehrlich und lebensnotwendig sei ürnerhalb einer Volkskultur die „Funktion Kunst" — eben weil sie mit ihrem Rebeneinander und Ineinander von Leben und Deutung dem Rebeneinander von Geist und Vitalität im Menschen entspreche und so in einer bestätigenden Weise dessen „Bild" trage. Es sollten sich Männer oder Kreise finden, die gerade auch dem Privatmann (Sammler, Bauherr usw.) das Gewissen für den geistes- biologischen Wert der Kunst scharfen. Die geistige Problemattk kann man der Kunst heute nicht nehmen: aber die Leichtherzigkeit, mit der der Künstler in seiner doppelten und dreifachen Rot im Sttch gelassen wird, kann bekämpft werden. Die Flöie Friedrichs des Großen wird nicht versteigert. Bei der Fortsetzung der Versteigerung auf Schloß Glienicke zeigte es sich mehr und mehr, daß viele Gebote, die im Ramen von Kommissionären abgegeben wurden, als Auftraggeber 6en Geheimrat Gall von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten als Urheber haben. Die in feinem Auftrage ersteigerten Stücke werden also in den ehemaligen Königsschlössern und in staatlichen Museen, an die sie weitergegeben werden, auftauchen. Es ist jetzt ganz sicher, daß die Flöte Friedrichs des Großen nicht zur Versteigerung kommen wird. Prinz Friedrich Leopold (Vater) hat sie aus der Auktton endgültig zurückziehen lassen. Weiter wurde verkündet, daß die Gipsmaske der Königin Luise nach dem Rauchschen Sarkophag aus Pietätsgründen gleich'alls von der Versteigerung zurückgezogen würde. — Der 84 3äpre alte Haushofmeister des Prinzen FriÄnich Leopold Conrad Mendel ist in seinem Zimmer in Schloß Glienicke aus Gram über die Auflösung des alten Fürsten- Schwere Lawinenkatastrophen in Graubünden und OstiiroT. Ein Gasthof verschüttet. Sieben Todesopfer in einer Familie. D i s e n t i s (Graubünden), 20. Febr. 2m Me- delsertal hat sich Freitagfrüh gegen 7.15 Uhr ein schweres Lawinenunglück ereignet. Durch eine große Lawine wurde das Ga st Haus zur Po st in Blatta verschüttet. Das geräumige Haus wurde auf der West- und Rordseite eingedrückt. Es war bewohnt von dem betagten Ehepaar W e n z i n und ihren beiden verheirateten Söhnen mit Kindern. Das Lawinenunglück hat 7 Todesopfer gefordert. Tot sind die Großmutter Wenzin, von der Schreinerfamilie Vater, Mutterundvier Kinder. Das vierte Kind starb kurz nach der Rettung an den erlittenen Verletzungen. Gerettet sind der Großvater Wenzin, sein älterer Sohn und seine zweite Tochter mit ihrem zwölfjährigen Töchterchen. Der Sohn Martin der Schreinerfamilie war außerhalb des Hauses beim Viehfüttern, blieb also verschont. Der Großvater und fein Sohn Alexander sind schwer, die Tochter Anna leicht verletzt, während ihr zwölfjähriges Töchterchen mehrere, aber nicht lebensgefährliche Verletzungen davontrug. Alle verfügbaren Kräfte in Platta waren den ganzen Tag mit Aufräumungsarbeiten beschäfttgt. Auch aus Curaglia war Hilfe gekommen, ebenso aus Disentts. 2m Laufe des Rachmittags gingen zwischen Platta und Curaglia noch zweigröhere Lawinen nieder. Die Luckmanier-Strahe ist 15 Meder hoch verschüttet. Acht Tage ohne Nahrung in einer Alpenhütte. Ein gewisser Earl Frankensteiner unternahm am 9. Februar eine Skitour auf den Hahnen kämm bei R e u t t e, von der er nicht mehr zurückkehrte. Die Gendarmerie suchte tagelang vergeblich nach dem Vermißten. Am 15. Februar fand der Aufsichtsjäger in einem leeren Heustapel den völlig ermatteten halberfrorenen Frankensteiner, der sich verirrt hatte und in eine Staublawine geraten, schließlich ermattet in die Hütte geflüchtet war, wo er fast acht Tage ohne Nahrung zubrachte. Lawinenkatastrophe in Osttirvl. Der Bauer und sechs Kinder getötet. Eino furchtbare Lawinenkatastrophe hat am Freitag den Ort 2nnervillgr2 f'laQenf. *r*'*jw *r Paris _~>ranl ->1 uai lirrnS) (g O Wolkenlos. O netter <>haiD oeoecet »woikiq. eoedem »Kefleii * Schnee c. Graupein e «eoet K Gewitter.® Windstille. O leichter Ost 5* *na$S|oer Südsüdwest ’S stürmischer «ordwes» Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stenenden Zaft» len oeDen d>e Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichet^ auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Die 2slandstörung, welche ursprünglich eine südöstliche Zugrichtung nach dem Rordmeer eingenommen hatte, bewegt sich jetzt in entgegen* gesetzter Richtung über dem Altmeer fort. Jedoch haben die Ausläufer an der Südseite bis auf dem Festland Platz genommen und unter Drehung der Winde nach Süden zu warme Luft vorgeschoben. Wohl lagen in unserem Dezirk während der vergangenen Rächt die Temperaturen noch etwas unter dem Gefrierpunkt, jedoch sind sie in den heutigen Morgenstunden schon etwas über Rull angestiegen. Die Staffel milderer Luft hat ihren Vorüberzug noch nicht beendet, so daß sich die Werte vorerst etwas über Rull halten werden: vereinzelte Riederschläge treten außerdem in ihrer Begleitung auf. Der Kaltlufteinbruch an der Rückseite des Fallgebietes, welcher über 2sland Temperatursturz bis 16 Grad unter Rull gebracht hat, dürfte mit Beginn der neuen Woche auch auf dem Konttnent wieder zu Frost führen. 2m Laufe des morgigen Tages werden nach dem Vorüberzug der Warmluft die Winde mehr nach Westen zu drehen und zu auffrischenderem und mehr wechselnd wolkigem Wetter führen. Aussichten für Sonntag: Roch dunstig und bewölkt mit vereinzelt geringen RiederschlL- gen, mehr wechselnd wolkig und wieder auf- frischend. Der neue Opel der Wagen von ausgeprägtem Charakter, . . . . der Wagen des neuen Jahrzehnts! 1931 -1940! Ein Jahrzehnt der Tatmenschen, der Wirtschaftskämpfer, ein Jahrzehnt ständig sich steigernden Ar- beits- und Lebenstempos! Für die Menschen dieser neuen Zeit schuf Opel einen neuen Wagen, - den 6 Zylinder 1,8 Liter. Beim Bau dieses Wagens wurde mit althergebrachten Ansichten über Automobilkonstruktion und -erzeugung vollständig gebrochen! Trotzdem weist der neue Opel weder die bizarren Linien noch die technischen Tricks auf, die nur zu oft als wertvolle Fortschritte gepriesen werden. . . . . . Dies Meisterstück genialer Konstrukteure ist das Ergebnis jahrelanger Studien, eingehender Versuche und rücksichtslosester Proben. Diese neuen Wagen beweisen, daß im neuen Jahrzehnt Zuverlässigkeit und hohe Leistung nicht mit hohen Preisen, hohen Betriebskosten und hohen Steuern verbunden sind. Das ideale Verhältnis zwischen Wagengewicht und Motorenstärke gibt den 1,8 Liter Modellen die Fahreigenschaften wesentlich teurerer Wagen. Natürlich ein 6 Zylinder! Dieser neue Wagen des neuen Jahrzehnts ist der Wagen, auf den Tausende gewartet haben. Ein 6 Zylinder, dessen Preis niedriger ist als der mancher 4 Zylinder, - ein Automobil, dessen Betriebskosten so gering sind, daß zwei Wagen an Stelle eines großen, schweren Wagens gefahren werden können. Sehen Sie sich den neuen Wagen des neuen Jahrzehnts an, prüfen Sie, fahren Sie ihn! 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Mär; 1931 statt. Gießen, den 21. Februar 1931. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Rosenberg. Vrennholzversleigenmg der Stadt Gießen Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen am Mittwoch, dem 25. Februar 1931, 9% Uhr beginnend, aus den Abt. 58, 59, 60, 62, 64, 65, 66, 103, 105, 107—9 und 115 des Stadtwaldes, Försterei Gießen, versteigert werden: 1375C 1,4 rm Eichenscheiter 1. Kl. 84,1 rm Kiefernscheiter 1. und 2. Kl. 0,6 rm Birkenscheiter 1. Kl. 3,1 rm Buchen- und Aspen knüppel. 66,2 rm Kiefernknüppel. 1840 Wellen Kiefernreifig. 1,0 rm Kiefernreisig 1. Kl. 200 Wellen Fichtenreisig. 31,4 rm Kiefern- und Fichtenstöcke. 19 Fichtenderbstangen 1. 2. und 3. Kl. 75 Fichtenbohnenstangen. Das Holz aus den Abt. 66, 103, 105, 107—9 und 115 wird nicht vorgezeigt. Vorherige Besichtigung wird daher empfohlen. Zusammenkunft: Kreuzung Alter Anne- röder Weg, 5. Schneise (an der Schutzhütte). Gießen, den 20. Februar 1931. Der Oberbürgermeister. ______I. V.: Dr. Rosenberg.______ Die AlitzholzversteWrung vom 12. d. m. im Markwald GrüningenDorf-Gill ist genehmigt. Ausgabe der Abfuhrscheine bei der Markkasse in Grüningen, Ueber- weisung und 1. Abfuhrtag am 23. d. M. Ablauf der Zahlungsfrist für unverbürgte Holzgeldschuld am 16. März L 3. 1359D Gießen, den 20. Februar 1931. Der Vorsitzende des Markvorstandes. ____Nicolaus, Oberforstmeister. Letzte Hotzversteigerung der Gemeinde Laubach. Dienstag, den 24. Februar d. 3., norm. 1034 Uhr, im „Sohnfer Hof, dahier, aus den Forstorten: Wann, Steinbach 3, 4, 5a, b, c, Gaulskopf 16, Eichberg 8a, 15a, Alte Ziegelhütte 1b, Einfürste 5: Nutzholz: Eiche Kl. 1, 2, 3 4,70 km Wagnerholz; Kirsche Kl. 3 0,43 km; Fichte Kl. la 0,57, lb 1,18, 2a 2,50, 2b 1,00, 3a 1,80 km; Lärche Kl. la 0,15, lb 0,62, 2b 0,94 fm. Derbffangen: Fichte l.Kl. 50, 2. Kl. 60, 3. Kl. 240. Reisslängen: Fichte 4. Kl. 370, 5. Kl. 540, 6. Kl. 179, 7. Kl. 490. Brennholz: Scheit: Buche 87, Hainbuche 10, Eiche 25, Ahorn 2, Kirsche 3, Fichte 27, Kiefer 10, Lärche 3. Knüppel: Buche 62, Hainbuche 5, Eiche 17, Ahorn 3, Kirsche 2, Fichte 12, Kiefer 9. Reiser knüppel: Buche 1, Kiefer 4. Reiser: Buche 3, Eiche 4. Stockholz: Buche 49, Eiche 3. Das zur Versteigerung kommende Holz ist blau unterstrichen. Auskunft erteilt Förster Neus, Laubach. 1334D Ferner aus den Forftorten: ©enges 6 und Buchwald 19 und 20: Nutzholz: N-Sfämme: Eiche 2. bis 4. Kl. 11 Sick. - 7,04 km; N-Stqmme: Buche 5. und 6. Kl. 2 Stck. -- 1,94 fm; N- Sfämme: Lärche 3b-Klaffe 1 Stck. = 2,75 fm; N-Stämme: Fichte lb- bis 3a-Kl. 6 Stck. = 6,04 fm. ^-Abschnitte: Fichte 1b- bis 4b-Kl. 12 Stck. = 7,55 fm. Derbffangen: Eiche 2. Kl. 1 Stck.; Fichte 1. Kl. 4 Stck., 2. Kl. 1 Stck. Ruh- schelfer: Eiche 2. Kl. 3,5 rm. Brennholz: Schelfer: Buche 1. Kl. 25 rm. Knüppel: Buche 1. Kl. 3 rm; Birke 1. Kl. 1,8 rm. Reisig 2. kl.: Buche 20 rm. Auskunft erteilt Förster Grünnig, Freienseen. Laubach, den 18. Februar 1931. Hessische Bürgermeisterei. ___________Högy.___________ Brenn- und Rutzholzversieigerung im Gemeindewald Langsdorf. Nach vorheriger Zusammenkunft am Waldeingang der Prooinzialstraße Langsdorf—Nieder-Bessingen werden am Mittwoch, dem 25. Februar 1931, vormittags 9% Rhr, versteigert: 1340D Scheiter rm: Buche 80; Eiche, Kirsd)- baum, Hainbuche und Fichte 22,7. Knüppel rm: Buche 115,8; Eiche 67,9; Fichte 19,1. Rciserknuppel rm: Buche 80,6. Reisig rm: Buche 73; Hainbuche 32; Eiche 21. Stöcke rm: Buche und Eiche 11. Verschiedene Schlagräurnuugen Fichten- und Eichenreisig, sowie Fichten-Wind- sallstöcke. Ruhhol;. Ruhscheiter und Ruhknüppel: Eiche und Hainbuche 8,5 rm. Ruhreisig: Fichte 20 rm. Jirfjfen-Derbftangen: 1. Klasse 17 Stück; 2. Klasse 49 Stück: 3. Klasse 34 Stück. Langsdorf, den 19. Februar 1931. Hessische Bürgermeisterei Langsdorf. KueipA. Witw.,böb. Beamter, Akad., 50 I., mit 3 Kindern aus dem Lande roobnb. wünscht Belannisch. mit gebilö. fparfam veranl. nicht unverm. Dame mit bäuSlich mütterl. Sinn, (a ch Witwe», zw. Heirat. (NamenSnenn. zun. nickt unbeb. nötig). Schriftl. Angeboieu. 01193 an d. (Siegener Anzeiger.__________ Mädchen 22Jah., dunkelblond, verm , ffimsl. er og., wünscht Brietwechg. mit gutfit Herrn xwecks spät. Heirat Zuschr. m. Bild unt 0996 a. d. Gieß. Anz. Dame 30Sabre, verm. aus gut. Jam., sucht auf diesem Wege passend. Lebensgefabrten in sicherer Stellung. Zuschrift, unt. 01000 an den Gieß. Anz. LtewiMi 30 Jahre alt, eDang„ mit späterem Vermögen, sucht Damen- bekanntschaft zwecks späterer Heirat. Zuschriften nmer 01011 an den Gieß. Anzeiger erdeten. Vvfeinv Deutsche Jugendherbergen Ortsgruppe Gießen Einladung zur Hauptversammlung am Montag, [01009 23. Februar 1031, ^0 Uhr, Singsaal Oberrealich., danach Lichtblldervortrag. Reicbspartei des Deulscbeo Mittelstandes (Wtrtschaftspa'tei) Dienstag, 24 Jebr., abends 80.,. Uhr im „Piälzer Hof" (Schau zenstraire) Miiglieder- Versammlung Tagesordnung. „Der Qtaalsfommlfiat in unserer fiommunalDOlinr Gesinnungsfreunds als Gäste Willkomm. Stadttheater Sonutag,22.Febr. v. 181, bts211/, Ubr Zum letzten Male! Jremdenvorstellung Außer Abonnement Ermäßigte Preise. feinen uns Jtlcnö Ein Lustspiel aus d. allen Oestertetch v. Stephan Kamare. Dienstag,24. Febr. von 20 bis 22'/, Uhr 20.Dienskllg-Ad.-VM. Gewöhnltdie Preise Das öllentiiche Aergeinis. Schwank tn 3 Akten von Franz Arnold. Mittwoch,2.'».Febr. u. 20 b. geg. 22'... Ubr 2O.imtiroo(Hlh.-M. Gewöhnliche Preno Oer Misanthrop Schauspiel tu 3 Auf* iügen. Jret bearbeit, nach Moltöre u. für eine mod. Jnsz- nter. etnaer.v. W.Väuerle Freitag, 27. Fedr., u. 20 b. geg. 22'.. Uhr 21. Zreilllg Alm. vrfl. Gewöhnliche Preise. voivone Eine hcblofeStoiiiöb. tn 3 Akten von Ben Jonson. — Bearb. von Stefan Zweig. Sonntag, 1. März, von 15 bis 17*/.. Ubr (Gefchl. Vorstellung f. d. Gewerkschaften». «achtaivi 4Aktev.MaximGorkt Deutsch v.Aug.Scholz Sonntag, l.März, v. 18'-3 b. geg. 21 Ubr Zum letzten Male! .vremben Vorstellung Äußer Abonnement Ermäßigte Vretse. iflaims oöol! Schauiptelin4Akteu von Marcel PagnoU Deutsch v.Br.Frank. * ^dlt,cr Gi l«ea Die SS ünm ne'n( indirekt war 1° sage» 0 teien, dr streich > Lnerd reformier^1 keilen des tariat, na Frage) n> P r 1 m 0 0 noch stärker König, an waren fejn‘ 2lus öie, keinen ande tüd -um fassung für den 1. ins Dollen licher entsa uiä> scheiterte i neral 2 e 1 uchte nun auch die 21 mit Politi eine Orbn Krise um wenn sie schleicrte ' noch nichts formen dc Wilitärdit Lande au Äleit bildeten! aus der Weg c: ments, schassen zweifelht Wir t Sie Crei Spanien gen und Dauer u 'Seift heimliche sam aber Aanöe [\ Spanien Kriegsschr schwernissi noch nich trohde heit sein, wirtschasl wirtschas! das cigc beseitigei de Äive mchtc. i der wirt hochlapib talismus fan Die lief ..Das m mngt unt dell sich h Dauer! grui derungen ne.lenwe gelangt. Dir ti chen kau Zeichen i das mo spiel aus r h. angem I Nrung -Luhne ei Eichtling Hera? Ä Sucher j §lvL-un chre Nt .Die r< lst die, toanö« u fikbe hc Arden, Ann n f0 Scha, dos' ’feifi swmief Ls Samstag, 21. Zebruar 1931 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr. 44 Zweites Blatt Außenpolitische Umschau. Spanien. — 3 ldicn. — Revision und Kriegsschuld Don Dr. Otto Hoetzsch, o. o. proi. der Geschichte an der Unmerfifdi Berlin. Die grr,tze Erschütterung Europas, die der Weltkrieg gebracht hat?- Hai nun, wie es scheint, endgültig auch Spanien erreicht. Es war dem Kriege durch eine kluge Politik des Königs fern- gehalten und es erschien noch vor wenigen Jahren dem Besucher wie eine glückliche Insel, der man anmerkte, daß sie den Krieg auch nicht einmal indirekt gespürt hatte. Ruh.g und in Ordnung war ja dos Land glejchwohl nicht. Das Versagen der parlamentarischen Parteien, die mit der Verfassung von 1876 nichts mehr anzufangen wühlen, hatte zu dem Staatsstreich Primo de R. veras 1923 ge'ührt, einer Militärdiktatur, die auch nichts schas en und reformieren, die bereits vorhandmen Schwierigkeiten des Landes (Dauern chaft, Grohstad Proletariat, namentlich in "Barcelona, Katalanische Frage) nicht, lösen konnte. Seit dem Slurz Primo de Riveras litt das Land an einer noch stärkeren schleichenden inneren Krise, war der König, an sich gewiß sehr geschickt und klug, waren -feine Generäle rallos. Aus dieser Ratlosigkeit wußte man schließlich keinen anderen Weg als eben doch wieder zurück zum Parlament und zur Verfassung zu streben. D e Wahlen wurden für den I.März angeseht und haben die Krise ins Rollen gebracht, die sich nun immer gefährlicher entfaltet. An der Erklärung der Liberalen und Sozialisten, die Wahlen sabotieren zu wollen, scheiterte dos Experiment, der Ersatz-D k ator General Derenguer trat zurück. Der König versuchte nun, im alten parlamentarischen Stil — auch die Au-druck0weise in diesen Verhandlungen mit Politikern und Parteien ist die gleiche — eine Ordnung herzustellen. Cs geht in dieser Krise um Thron und Dynastie. Auch wenn sie im Augenblick wieder durch eine verschleierte Militärdiktatur überwunden würde, ist noch nichts erreicht. Fähiger, die drängenden Reformen des Landes durchzusühren. würde eine Militärdiktatur nicht, also die Monarchie in dem Lande auch nicht sicherer. Ob die Kraft, die Fähigkeit und die Männer in dem soeben gebildeten Kabinett ausreichen werden, das Land aus der Verwirrung herauszuführen, auf den Weg eines konstituierenden Parlaments, das eine neue Verfassung zu schassen hätte, steht iwch dahin und ist wohl zweifelhaft. Wir täu'chen uns nicht, wenn wir sagen, daß die Ereignisse dieses entsch.idenden Februars in Spanien, im Unterschied zu früheren Bcdrohun- gen und Erschütterungen der Königsgewalt, ihre Dauer und Stärke gewonnen haben durch die Weltwirtschaftskrise. Es ist das Unheimliche an dieser Wirtschaftskrise, daß sie langsam aber mit Sicherheit auch scheinbar ganz am Rande liegende Länder erreicht. Direkt hatte Spanien mit dem Krieg nichts zu tun. Mit Kriegsschulden, Reparationen und dergleichen Erschwernissen ist es nicht bedrückt. Es ist durchaus noch nicht ein hochkapitalistisches Land. Und trotzdem spürt jeder Spanier an der Unsicherheit seiner Währung, daß man mit der Welt- wirtschast zusammenhängt und unter der Weltwirtschaftskrise leidet, deren schlimme Folgen für das eigene Land die Militärdiktatur nicht hat beseitigen können. Ohne Zweifel ist doch Primo de Rivera daran gescheitert, daß er nicht vermochte, die Peseta zu stabilisieren! Da aber der wirtschaftliche Zustand Spaniens noch nicht hochkapitalistisch, also vom Standpunkt des Kapitalismus aus unreif ist, andererseits aber Großindustrie und Arbeiterproletariat, daher Sozialismus und Kommunismus im Lande vorhanden sind, rüttelt eine so begründete Krise, wenn sie einmal zum Ausbruch kommt, ungeheuer stark an Staat und Wirtschaft. Die Erziehung zum Staate aber ist zu schwach, weil auf der einen Seite der Radikalismus schon lange seine wesentliche Aufgabe in der Gegenerschait gegen die Monarchie sah und auf der anderen diemonarchistischenRichtungen keine Fähigkeit zur Reform bewiesen haben, die militärischen Kreise aber, die Offiziere. durch Poliftsieren. durch eine unheilvollen Verbindung von Militär und Politik verdorben worden sind. Wie nun auch Spanien durch diese Krise hindurchkomme- auf eine absehbare Zeit bleibt es dabei, daß dieser Staat von 20 Millionen Einwohnern, der zugleich Mutterland von 100 Millionen spanisch sprechenden Menschen ist, in der großen Politik Europas, vor allem Westeuropas, im Dreieck England-Frankreich-Italien nichts bedeutet und daß er daher auch für Erwägungen deutscher Außenpolitik — etwa Arbeit mit Spanien im Völkerbunde und dergleichen — schlechterdings nicht in Frage kommt. Wir streifen heute das Ergebnis der 3n- dienkonferenz nur unter dem merkwürdigen Gesichtspunkte, der jetzt gerade so wie voriges Jahr nach dem Ende der Londoner Flotten- konserenz deutlich wird: ist doch kein Zweifel, daß im ganzen Macdonald und fein Kabinett in dieser schwierigen Frage geschickt gearbei.et haben und daß ein Erfolg da ist. Man ist heraus aus dem unfruch.baren Streit, ob überbau >' eine Reform, eine Aenderung der Beziehungen Indiens zum Reich nötig seien. Die Parteien finden immer mehr eine gemeinsame Linie und in Delhi sprechen schon der Vizekönig und Gandhi miteinander in vollem Emst über das, was geschehen kann. Roch ist der Zustand eines Dominion nicht hergestellt und von Unabhängigkeit ist schon gar nicht zu reden. Auch sind die Beschlüsse der Konferenz nur Empsehlungen, die außerdem für ganz tie greifende Fragen, wie das Verhältnis von 'Mehammedanern und Hindus, überhaupt keinen Weg weisen. Aber man kann nicht bestreiten, daß die Ergebnisse sonst konstruktiv vorwärts führen, indem sie entschlossen die Idee einer indischen Föde- r a t i o n aus Britisch-Indien und den indischen Fürstenstaaten in den Mittelpunkt stellen und indem sie entschlossen versuchen, den Gedanken der Beteiligung des Volkes an den Staatsgeschicken durch Parlament, verantwortliche Minister usw. in diese höchst komplizierten und Europa fremden Verhältnisse hereinzufuhren. Alles das ist bedeutsam und wieder einmal ein Zeichen der großen staatsmännischen und staatsbildenden Fähigkeit der Angelsachsen. Aber wie beim Londoner Flottenpakt: einen Vorteil, eine Stützung hat davon das Kabinett Macdonald nicht! Man sieht: außenpolitische Erfolge werden hingenommen, aber bedeuten für die Stellung eines Kabinetts wenig, das davon abhängt, ob es der Krise in Politik und Wirtschaft. die im Innern da ist, begegnen kann. Für Indien aber ist das Kernproblem mit diesen Verfassungssrogen überhaupt noch kaum berührt. Damit meinen wir nicht die Indien eigentümlichen nationalen, religiösen und sozialen Probleme. sondern wiederum die Tatsache, daß ein an sich schon leidender und kranker Wirtschaftskörper noch dazu erbarmungslos auch von der Weltwirtschaftskrise berührt ist: Entwertung des Silbers, Sturz der Rohstoff preise, schlechte Lage einer Industrie, die seit dreißig Jahren entwickelt ist, Wirtschafts legensah zu England usw. Der Weg zum selbständigen, modem-kapitalistischen Wirtschafts örper ist für Indien mit furchtbaren Leiden verbunden, aber er ist beschritten. Ein Zurück von ihm gibt eg nicht mehr, und so wird das eigentliche Problem Indien seine Lösung auch nur finden, wenn überhaupt die Uebcrtoiitbung der Weltwirtschaftskrise gelingt. AuS den Reichstagsverhandlungen ist zweierlei für die Außenpolitik als richtunggebend und bestimmend hervorzuheben. Ohnedre Rechte und die Kommunisten Hot die Reichstags- mehrheit (weit über die Hälfte der Abgeordneten überhaupt) alle radilalen Anregungen in Sachen Voungplan und Völkerbund abgelehnt, aber die Aufforderung an die Regierung beschlossen, .b.l.migi st in Verhandlungen über eine Revision des Boungplans mit den Mächten einzutreten und alle dafür nötigen innenpolitischen Maßnahmen zu treffen.“ So vorsichtig das g faßt ist. es legt die Regierung fest. Sie war frei über das Wann und Wie: in bezug auf das Daß war sie Überhaupt nicht frei. Jetzt ist sie auch in bezug auf das Wann doch immerhin festgelegt: ,B a ldm ö g lich st" steht da, dahinter zurück- zugehen, dafür ist Im ganzen Reichstag nicht ein Einziger! Die andere Entschließung gibt der Kriegsschulddebatte auch eine bestimmte Linie: auf die Einsetzung einer internationalen, neutralen, unparteiischen Kommission von Sachverständigen. Die Regierung wird ersucht, die dafür nötigen Schritte zu tun. Damit ist gesagt, daß die Ausgabe, die Schuldfrage mit dem bestimmten Ziel ihrer Lösung aufzuwerfen, nicht mehr ins Unbestimmte verschoben werden kann. Auch darüber besteht eine Meinun Socrichieden- heit im deutschen Volke kaum. Schwieriger wird freilich das Problem, wenn man an seine Ausführung gebt Roch ist die geschichtliche Forschung nicht so weit abgeschlossen, daß auch nur in großen Zügen die Voraussetzungen für ein einheitliches Votum bereits da wären. Es fehlen auch trotz der ungeheueren Masse des Materials noch Akten: die russischen, die in Vorbereitung sind, und die fränkischen, die bis zu den entscheidenden Monaten noch einen langen Weg vor sich haben, den schnell zurückzulegen man in Frankreich offenbar nicht gewillt ist. Aber wenn auch die praktische Ausführung des Reichstag, b.schlusses nicht ein ach ist, angefaßt werden muß die Ausgabe gleichfalls. Denn genau wie in der Rsparations rage ist auch in der Kriegsschuldfrage zwischen Anregung und Ausführung eine sehr weite Spanne, und die Vorbereitung ist schwierig er und verwickelter, als es der öffentlichen Meinung er- scheinen mag. Gerade deshalb aber muß sie, je eher um so besser, in Angriff genommen werden! Die NelreuiW der jugendlichen Erwerbslosen. Don Dr. Hertha (5 etnering. In der jüngsten Etatsrede des Ministers für DolkSwohlfahrc im preußischen Landtag hat die "Betreuung der jugendlichen Erwerbslosen einen Lr.i.cn Raum eingenommen, denn für die gesamte Jugendpflege ist die Sorge um die aro>eits- losen Burschen und Mädchen seit langer Zeit die größte und dringlich st e Aufgabe. Indessen sind die mannigfachen Maßnahmen, die für diese Jugend ergri fen worden sind, in ihren Zusammenhängen einer breiteren Oef.entlichkeit kaum bekannt geworden. Während man sich bi« zum Herbst vorigen Jahres meist mit einzelnen verhältnismäßig kurzfristigen Veranstaltungen begnügte, die nur einem kleinen Teil der erwerbslosen Jugend zugute kommen Konnten, gilt jetzt die Parole einer planmäßigen und umfassenden Leistung, durch die sämtliche Burschen und Mädchen ohne Arbeit in Stadt und Land wenigstens mit irgendeiner Form der speziellen Erwerbslosenpflege erreicht werden sollen. Damit wächst unsere Ausgabe ins Riesengroße. Ihr Umfang ist nicht ohne weiteres feststellbar. Am 15. Juli 1930 wurden im Bereich der A rbeitslosenversicherung 231 485 Hauptunterstützungsempfänger unter 21 Jahren gezählt, von diesen waren 47 456 noch nicht 18 Jahre alt. Dazu kommen die 14—16- jährigen, die von der Erwerbslosen Unterstützung ausgeschlossen sind. Aber auch zahlreiche junge Menschen, die über 16 Jahre alt sind, können heute den Unterstühungsanspruch nicht erwerben, weil die trostlose Lage des Arbeitsmarkts ihnen die Gelegenheit zu einer Beschäftigung von mindestens 52 Wochen innerhalb zweier Jahre versagt. Bekanntlich ist die Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen, die eben ausgelernt haben, besonders groß. De Jugendlichen ohne Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung werden entweder von ihren Eltern mit durchgefüttert oder sie fallen, wo das nicht mehr möglich ist, der kommunalen Wohlfahrtspflege anheim, und sind bei den Wohlfahrtsämtern zu ermitteln. Bisweilen sind sie dem Arbeitsnachweis oder der Derufsbera- tungsstelle bekannt. Viele aber fragen dort gar nicht mehr nach, weil Arbeit für sie nicht zu erwarten ist. Und da die Erwerbslosen von 14 bis 17. zumal die weiblichen, nicht überall beruf«- schulpflichtig und B.ru «schulen noch nicht in alten Orten vorhanden sind, so bilden auch diese Anstalten keineswegs ein lückenloses Retz, um die arbeitslosen Jugendlichen wenigstens bis zum 17. Jahre restlos zu erfassen. Der Um arg der Erwerbslosigkeit unter der Jugend kann daher nur geschäht werden. So wird beispielsweise angenommen, daß die Zahl der erwerbslosen Burschen und Mädchen unter 21 Jahren allein in der Rheinprovinz bereits im Juli 1930 etwa 60 000 betragen hat. Die Aufgabe, die es zu lösen gilt, ist z u • ?le i ch pädagogischen und wirtschaft- ichen Charakters. Cs kommt daraus an, durch allerlei künstliche Maßnahmen Arbeits- Willigkeit bei jungen Menschen anzucrziehen oder zu erhalten, die mit dem naturgegebenen Lehrmeister hierzu, der schlichten Alltagsaröeit. überhaupt nicht in Berührung kommen. Pflicht- bewuhtsein und Verantwortungsgefühl sol.en in einer Jugend geweckt werden, der die einfachste Plicht zur Ordnung und Pünktlichkeit in der Arbeit vom Leben nicht auferlegt wird und die die Verantwortung gegenüber einem Werkstück nicht erlebt. Dazu kommt der körperliche Verfall dieser oft genug schlecht ernährten und abgerissenen Burschen und Mädchen, dem man in einzelnen Fällen durch Erholungskuren begegnet Gegen die tiefe Mutlosigkeit und Bedrücktheit gerade der guten Clemente unter ihnen ist ebenso anzukämpfen wie gegen die Verwahrlosung der unbotmäßigen. Es kommt, wie ein Praktiker sagt, darauf an, den „Ton der Gültigkeit einmal wieder in das Leben dieser jungen Erwerbslosen hineinzubringen, denen ihre Ueberflüssigkeit täglich und wöchentlich und monatlich von neuem bescheinigt wurde". Da gibt es für die stellungslose Tochter böse Wor.e in der Familie, wir hören von Jungen. die nicht einmal nachts ein Dach über bene Kopf haben, von Schlafburschen, die nicht wissen, wo sie sich tagsüber Herumdrücken sollen. Und nicht nur an den Stempelstellen wird für Moskau gearbeitet. Die gewaltige Arbeitslosigkeit unter Gießener Gtaötthearer. Molitzre: „Der Mi anthrop". (Bearbeitung von Walter Bäuerle.) 7 „Ernstlich beschaue man den, Misanthrop und frage sich, ob jemals ein Dichter sein Inneres vollkommner « und liebenswürdiger dargestellt habe ..." Goethe. Was man zu sehen bekommt stammt nur bedingt und nur teilweise von Moliere: es handelt sich hier um eine von Oberspielleiter Walter Bäuerle besorgte freie Büljnenbearbeitung. die grundsätzliche und einschneidende Veränderungen mit dem alten Text vornimmt unb stellenweise zu einer originalen Reuschöpfung gelangt. Wir »erben auf die Einzelheiten noch zu sprechen kommen: das äußer.ich auffallendste Kennzeichen der hier zugrunde liegenden Fassung ist das moderne Kostüm ... für das Schauspiel aus dem Jahre 1666. Wir haben uns in unseren Besprechungen seit langem bewußt für die Erneuerung und Auflockerung des traditionellen KlassikerstilS auf der Bühne eingesetzt: nicht um irgendeiner modernen „Richtung" zu dienen, sondern aus der Erkennt- rns heraus, wie notwendig es sei, das vielfach in Schablonen erstarrte und verstaubte Gut klassischer Dramatik dem zeitgenössischen Theaterbesucher in einer Form zu vermitteln welche den zeitlos-unveräußerlichen Inhalt alter Werte chre Aktualität also (wenn man den "Begriff nicht pressen will) möglichst deutlich und un- mißverstäirdlich erkennbar werden läßt. Die radikalste Folgerung solcher Bemühungen ist die, daß man ein klassisches Drama im Gewände unserer Zeit spielen läßt. Derartige Versuche haben, als sie zuerst bei uns gemacht wurden, ziemliches Aussehen erregt und leidenschaftliche Diskussionen für und wider entfesselt. Man muß natürlich Unterschiede machen. Wenn man etwa die „Räuber" als bolschewistisches Zeitstück frisiert, dann wird der Sinn be« Schauspiels gröblich mißverstanden oder bewußt gefälscht, der wehrlose Schiller vergewaltigt, das Gegenteil von dem erreicht, was einer Modernisierung gelingen soll. Spielt man, in London oder Berlin, den „Hamlet"" im Frack, dann kann dies eine flüchtige Sensation für snobistische Premiörentiger oder eine Ueberrumpelung des arglosen Burgers bedeuten, der seine heiligsten Guter bedroht — es kann aber auch al« die entschiedenste Probe auf« Exempel angesehen werden: wie es denn in Wiri.ichleit mit den Ewigkeitswerten und der unverlierb>aren Zeitlosigkeit der Klassiker bestellt sei. Solche Aufführungen werden stets Versuche bleiben, über deren Berechtigung man von Fall zu Fall entscheiden muß: meist wird man sie als das handgreiflichste Mittel werten, einem spröden Publikum sinnfällig zu demonstrieren, was es im Text des W.rles nicht findet und dem Programmheft des Dramaturgen ober der Besprechung des Kritikers nicht glaubt. Der intelligente, selbständig empfindende Theatcr- befutfrer wird gemeinhin auch ohne so grobe Hilfen wissen, ob ihm ein Klassiker heute noch etwas zu sagen hat oder nicht. Bei Moliere, insbesondere beim „Misanthrop", liegt der Fall eckvas kompliziert. Läßt man den Text in der alten Form ohne Kommentar auf sich wirken, so wird man es nicht ganz leicht haben, durch das Gestrüpp der uns wesens remden. unnatürlich anmutenden und redseligen Alexandriner zum eigentlichen Kern des Schauspiels vorzudringen. H er scheint also das Experiment nahezuliegen: doch muß man sich darüber klar fein, daß es mit dem modernen Kostüm allein noch nidji getan ist. Der Bearbeiter hat eine doppelte Aufgabe zu lösen: zu zeigen, was das Drama für den Dichter und zu ferner Zeit bedeutete ... und wie es. darüber hinaus, auch für uns, nach mehr als einem Dierteljahrtausend, noch lebendig ist. Zweierlei also ist darzustellen mit dieser comedie sans contedie, dieser Komödie mit dem tragischen Akzent: ihr Einmaliges und ihr Ewiges, ihr Historisches und ihr Gegenwärtiges. Anzudeuten ist das Gesellschaftsstück, das Sitten- aemälde, das Kulturbild aus dem uns sehr fern- liegenden 17. Jahrhundert in Frankreich. (Dies allein wäre wenig: dramatischer Anschauungsunterricht, der eine Aufführung kaum lohnte.) Aber mehr: es ist kein Zufall, daß der Komödiant Moliöre im Stück des Dichters Moliere die Hauptrolle spielte, den Alcest, ... während seine Gemahlin Armande die von Alcest geliebte Gclimene gab. Er spielte also hier sich selbst, und man hat längst empfunden, daß der „Misanthrop" nicht nur eines seiner bedeutendsten, sondern auch sein persönlichstes Werke war. — „Bruchstück einer großen Konfession". Bekenntnis seiner Liebe und feiner Leiden, seiner Ehewirren und seiner Eifersucht, ferner Kämpfe gegen die Welt, seiner Feindschaften, seines HasjeS und seiner Sehnsüchte. Dies wird besonders klar, wenn man den Gegenspieler Phi- f lint in das Selbstporträt einbezieht, als die andere Hälfte seines Wesens: man hat früh darauf hingewiesen mit dem Vergleich, daß Alcest und Philint erst den wahren Moliöre ausmachten, wie der ganze Goethe in Antonio und Tasso zugleich enthalten sei. Endlich: die Fabel — Auflehnung und vergeblicher Kamps eines idealistischen Helden, eines Weltverbesserers, der zum Menschenhasser und Weltflüchtling wird, gegen eine unzulängliche Wirklichkeit — ist allerdings nicht an ihre Ent- stehungszeit gebunden: hier soll sich die dauernde Gültigkeit des alten Stückes erweisen. Um) dies ist der tiefere Sinn einer auf den ersten Blick verblüffenden Umkostümierung: der innere Kem der lebendigen Welt bleibt unangetastet im Wandel der Zeiten: das menschliche Herz ist in ein paar Jahrhunderten nicht anders geworden. Der Alcest von 1666 würde sich in unteren Tagen nur einem äußerlich umgeformten und veränderten Bilde der Welt gegenüber finden. Der "Bearbeiter empfand richtig: die Anpassung an die Gegenwart darf nicht im Kostümlichen stecken bleiben; auch nicht im äußeren Darstellungsstil, in der Auflockerung des spröden Vcr-maßes. in Streichungen ober Umstellungen, in der Zusammenlegung der fünf Alle in drei. Vielmehr mußte — darin ist die Bearbeitung schöpferisch übet das übliche Maß hinaus — eine Umschichtung der alten Inhalte vorgenommen werden, sofern sie uns heute fremd geworden sind und nichts mehr bedeuten: hier war Reues, Eigenes, unserer <,eit Angehörendes an die Stelle zu sehen. In diesem Sinne ist Bäuerles Bearbeitung als eine selbständige und gelungene Leistung anzuerkennen. Ein Beispiel für die glückliche Umschichtung wesentlicher Clemente: wie die Satire auf die ästhetischen Salons im pariserischen Barock die wir heute kaum noch verstehen, zu einem sehr amüsanten Seitenhieb aus den modernen Citeratur- betrieb und die zettgenössifche Klüngelwirtschaft entwickelt wurde. Verblüftend ferner, wie nahe, wie gegenwärtig, wie aktuell die Salonfzenen in dieser freien und zwanglosen Wiedergabe auf uns wirken. Und ebenso überraschend entspricht der Schrei „Zurück zur Ratur!“, mit dem das alte Stück — das Rousseausche Evangelium vorwegnehmend — befteiend ausklingt, den mancherlei, kaum noch zu überhörenden Stimmen im jüngsten Schrifttum, die aus der modernen Ueberzivilisation und Stadt- futtur den Weg ins Freie suchen. — Die Ausführung unter Bäuerles Regie war im ganzen außerordentlich anregend, im einzelnen gepflegtes und geschmackvolles Theater. Die nicht bewältigte (und vielleicht überhaupt kaum zu lösende) Schwierigkeit tag darin, daß von Molibr» doch — trotz aller Schonung — zu wenig übrig, jedenfalls zu wenig spürbar blieb. Jean Dap- tifte Poquelin würde vermutlich gestaunt haben; wenn er hätte zusehen dürfen. Das typisch Französische, das für die damalige Literatur überraschend Reue, vor allem das biographisch Wichtige, das Moliöresche Bekenntnis und Selbstpor- trät ging verloren oder konnte nur geahnt werden. Der zweite Tell der oben angedeuteten Doppelaufgabe gelang erstaunlich. Man spielte eine moderne Gesellschafts- und Intrigenkomödie, welch« die Aktualität des alten Kems prägnant erwies und auch die tragischen Untertone wahrte, die daS Stück von jeher ausgezeichnet haben. Freilich war die leise Inkongmenz zwischen dem klassischen Versmaß und der neuzeitlichen Szenerie nicht zu überhören, obwohl man sie durch einen möglichst loderen, ungezwungenen Sprechton zu verwischen suchte Das aparte Bühnenbild von L o s s l e t entsprach dem Gesamtstil der Inszenierung vollkommen. — Bäuerles Alcest war ganz sicher und überlegen gesehen und gesprochen: er blieb ste'S innerhalb der vom Dichter feftgelegten Grundlinien des Charakters und wirkte doch mit einer zwanglosen Ratürlichkeit wie ein Mensch unserer eigenen Zeit; und nicht einmal, worauf es hier ankam, wie ein zu spät geborener Sonderling. ... nur wie einer, der die Mächte seines Jahrhunderts hellsichtig erkennt, an ihnen leidet und sich gegen sie wehrt. • Als Celimene war, wie wir hören, "Beatrice Doering in allerletzter Stunde eingesprungen; eine sehr anständige Leistung, wie sie in bet ganz kurzen Zeit mit dieser schwierigen, in vielen Halbtönen schillernden Rolle fertig wurde. — Mit richtigem Gefühl, ruhig, gelassen und weltmännisch gab Hauer die bewußt eingeführte Kontrastftgur des Philint. — Höchst witzig und liebevoll ausgearbeitet spielte Wese n e r den in einen schauderhaft modernen Literaten verwandelten Oronte. — Elegant, knapp, scharf umrissen: Maria Koch als Arsinoe. — Hilde Schwend (Eliante) hat leider nicht viel zu spielen. — Zingel, Bruck, Schelcher ergänzten das Ensemble. — • Ein interessanter Abend. CS gab viel Beifall. Schade, daß der Besuch so schwach war; man sollte sich diese lehrreiche und schenswertv Aufführung nicht entgehen lassen. bth. . u x>ugenO oirgt ernste Gefahren sur Vvt.t und W.rttchaft, und es ist wahrhaftig nicht weich- iiche Sentimentalität, wenn die Jugendpflege jedes annehmbare Mittel benutzt, um gegen diesen Notstand anzukämpfen. , Was geschieht nun in der Praxis? Da wer.en Kur>e für die berufliche Schulung, Fortbildung und Umschulung, z. D. in Stenographie. Schreiomaschine. Sprachen von Arbeitsämtern, Angeste ltenvcr anden u. a m. oft in Derbin- düng mit den Berufsschulen eingerichtet. Kostspieliger sind Wer^tättenturse für jugendliche Fachar eiter. Einen Sonderfall stellt die Um« Schulung für d ie Landarbeit dar. 3m Gemeinschaftsleben eines Lagers werden die jungen Leute an Landleben und Landarbeit gewöhnt. W rden sie in Aroeit vermittelt, so bleibt die Umschulungsstelle mit ihnen in peridn- lichcr Verbindung. Solche Versuche werden zur Zeit an verschiedenen Orten Preuhens durch- geführt. D e Ergebnisse sind überwiegend günstig und itof nen mancherlei Zukunftshoffnungen: p.an mäßigen Ersatz der ausländischen Wanderarbeiter, Aussiedlung Überzähliger G r o h st a d t e x i st e n ze n , neue Ko.onisierung des Ostens. Bedenkt man, das; im Jahre 1930 durch die Landes- arl.eitSämter schätzungsweise 15—18 000 Jugendliche aus der Stadl als Arbeitskräfte in die Landwirtschaft vermittelt worden sind, so tann man erme en welche Bedeutung c ne zweckmäßige Dorlchu.ung hierzu ha. en kann. Bei anderen Bemühungen um die berufliche Schulung der erwerbslosen Jugend ist. i>er ar- beitsmarttpolitische Wert zweifelhafter. So besteht zwar z emlich allgemein die Neigung, erwerbslose Mädchen in Hauswirtschaft und Kinderpflege zu unterweisen, weil das ohne Zweifel für sie leoenswichtig ist. Da aber der Arbeitsmarkt mit stellenlosen Hausgehilfinnen überschwemmt ist, so hat dieser Unterricht im Sinne der Umschulung für einen Arbeitsplatz zur Zeit wenig Wert. Für viele der ungelernten Kräfte ergibt sich angesichts der ungewissen Zukunft unser r Bo sw i; schäft ie schwie ig Frage, zuwe . chenAr e Lern überhaupt man iw schulen soll. Neuerdings hat der Preußische Minister für Handel und Gewerbe angeregt, die Berufsschulpflicht für die erwerbslosen Jugendlichen unter 18 Jahren, soweit sie nicht sonst schon hinlänglich betreut werden, auf 18 bis 2 4 Wochen st unden auszudehnen. Auch hierbei spielt diese Frage eine Nolle. Noch ist nicht bekannt, inwieweit die Kommunen der Aufforderung folgen können. Soweit Berufsschulen vorhanden sind, würde bei Ausdehnung der Berufsschulpflicht wenigstens für drei Jahrgänge der arbeitslosen Jugend die heilsame Verpflichtung bestehen, täglich drei bis vier Stunden lang an einem ordnungsmäßigen Werkstatt- oder Klassenunterricht teilzunehmen. Neben der beruflichen Schulung laufen Unter- richtskurse allgemein bildenderArt: Arbeitsgemeinschaften unter Leitung erwerbs'oser Lehrkräfte, Lehrgänge, die in Tagesheimen ftatt- fini>cn, oder die jungen Erwerbslosen werden zu sogenannten Freizeiten, d. h. für eine gewisse Anzahl von Wochen zu Volkshochschulkursen m 3nternaten vereinigt. Die jugendlichen Menschen sollen einmal für eine gewisse Zeit aus dem Elend ihrer Arbeitslosigkeit herausgeyoben werden und in einem jugendgemäßen Gemeinschaftsleben neue Widerstandskraft und Klarheit gegenüber den großen Fragen des Lebens gewinnen. Ganz anderer Art ist jene wiederum künstliche Beschäftigung junger Leute, die je nach der Rechtsform, unter der sie sich vollzieht, als Pflicht-, Fürsorge- oder Notstandsarbeit bezeichnet wird. Dabei wird entweder der Bezug der Unterstützung von einer bestimmten Arbeitsleistung abhängig gemacht, oder es tritt entlohnte Arbeit an die Stelle der Unterstützung. 3n jedem Fall soll die Arbeit „gemeinnützig" sein sie muß außerhalb des Rahmens normaler Arbeit liegen, damit nicht andere Arbeitskräfte geschädigt werden, und sie soll nicht der Derufsfortbildung dienen. Da werden Parkanlagen gesäubert, Sportplätze angelegt, Oedland wird in Gartenland verwandelt, Hilfsdienst in Anstalten der Wohlfahrtspflege geleistet uff. Auf freiwillige Beteiligung rechnet man selbstverständlich beiSpeisungenfürGrwerbs- lose oder in den Lese- und Aufenthaltsräumen, die öffentliche und private Stellen in den Städten bereithalten, und in frmen oft Kakao und Butterbrote verabfolgt werden. Von den Verbänden und Ortsausschüssen für Jugendpflege usw. werden Turnabende, Wanderungen, gelegentlich wohl Volkstanz- und Laienspiellehrgänge, ja Kinovor- führungen, Museumsbesuche und ähnliche Unternehmungen angeseht. Gewiß ist jede Form der Arbeitse ziehung für die beschäftigungslose Jugend wertvoller. Doch Werkstätten und Fachlehrkräfte stehen nicht überall zur Verfügung. Und besser als gar nichts ist das, was die verfügbaren Hilfskräfte bieten können. Wenn die arbeitslosen Jugendlichen nicht allen Glauben und allen Halt verlieren sollen, so muß ihnen eben irgendwie von Menschen, die für sie da sind, bewiesen werden, daß man sie als wertvolle Mitglieder der menschlichen Gesellschaft anerkennt. Spielplan Der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 22. Februar, 15.30 bis gegen 18 Uhr: Das Land des Lächelns. 19.30 bis 22.30 Uhr: Das Spielzeug Ihrer Majestät. Montag, 23., 19.30 bis 22.30 Uhr: Zar und Zimmermann. Dienstag, 24., 19.30 bis 22.15 Uhr: Fidelio. Mittwoch, 25., 19 bis gegen 22.30 Uhr: Viktoria und ihr Husar. Donnerstag, 26., 19 bis gegen 22.30 Uhr: Tannhäuser. Freitag, 27., 19 bis gegen 22.30 Uhr: Viktoria und ihr Husar. Samstag, 28., 19.30 bis 22.30 Uhr: Das Spielzeug Ihrer Majestät. Schauspielhaus. Sonntag, 22. Februar, 11 bis 12.30 Uhr: Morgen eier: Goethes Mutter. 16 bis gegen 18 Uhr: Sturm im Wasserglas. 20 bis gegen 23 Uhr: Phaea. Montag, 23., 20 bis gegen 23 Uhr: Phaea. Dienstag, 24., 20 bis nach 22 Uhr: Gelegenheit macht Diebe. Mittwoch, 25., 20 bis gegen 22 Uhr: Clavigo. Donnerstag, 26., 20 bis gegen 22 Uhr: Sturm im Wasserglas. Freitag, 27., 20 bis nach 22.30 Uhr: Viel Lärm um nichts. Samstag, 28., 20 bis gegen 22 Uhr: Elavigo. Taten für Lonnlag 22 Februar 1"32: George Washington, der Begründer der Unabhängigkeit Nordamerikas, in Westmoreland geboren, — 1788: der Philosoph Arthur Schopenhauer in Danzig geboren; — 1840: der Sozialist August Bebel in Köln a.NH. geboren, — 1857: der Physiker Heinrich Hertz in Hamburg geboren. Odstbaum-Scvadl ngsvetampsung tut non Ein Zweckverband in Giehen empfehlenswert Mit dem herannahenden Früyling beginnt wieder die vermehrte Arbeit im Garten. Leider finden die Produtte des heimischen Gartenbaues, soweit sie auf den Markt kommen, vielfach noch nicht die Beachtung, die sie verdienen. Das aus ländische Obst und Gemüse, das von vielen Haus- frauen gekauft wird, ist dem Aussehen nach manchmal wohl schöner, aber in Wirklichkeit doch nicht besser. Die Voraussetzung für nutzbringenden Gartenbau ist sorgsame Bekämpfung der Schädlinge. In Gießen liegen die Verhältnisse nach dieser Richtung hin noch nicht vorbildlich. Von einer gemeinsamen und organisierten Schädlingsbekämpfung, um die es sich ja in erster Linie handelt, ist hier nicht viel zu bemerken. Eine Schä>lingsbekämpfung hat aber nur dann Zweck, wenn sie organisiert und überall durchgeführt wird. Als nachahmenswertes Beispiel sollte man sich in dieser Hinsicht manche Dorfgemeinden und ländliche Gartenbau- vereine vor Augen galten, die Spritzen angeschafft haben und damit systematisch ihre Bäume behandeln. Zwar gibt es in Gießen auch einen Obstund Gartenbauverein, der aber eine Schädlingsbekämpfung im notwendigen Ausmaße nicht allein durchfuhren kann, zumal da ihm leider nicht alle Gartenbesitzer angeschlossen sind. Bei einigem guten Willen dürfte es nicht allzu schwerfallen, die Gießener Gartenbesitzer und die Schrebergärtner zu einem Zweckverband f ü r Schädlingsbekämpfung zusammen zuschließen. Die Stadtverwaltung müßte ,ia) daran m^hgeolich beteiligen. Unter der Anleitung des Kreis Obsb- bauinspektors unb in Zusammenarbeit mit dem Institut für Schädlingsbekämpfung an unserer Universität müßte sich auch hier eine systematische Schädlingsbekämpfung durchführen lassen. Für die Gartenbesitzer müßte es Ehrensache sein, sich einem solchen Zweckverband anzuschließen, bagiit die Be k ämpfung von Garten zu Garten und von Baum zu Daum systematisch borgenommen werden könnte. Die Unkosten für ein derartiges Verfahren würden unter diesen Umständen sehr gering fein. Die Arbeit könnte sehr gut von Arbeitslosen durchgeführr werden, möglichst von solchen, die einige Erfahrung im Gartenbau haben. Die Stadtverwaltung und die Land- und Forstwirtschaftliche Deputation würden sich ein Verdienst erwerben, wenn sie die Bildung eines solchen Zweckverbandes für Schädliirgsbekämpfung in die Wege leiten würde. Vielleicht bilden diese Zeilen die Anregung für die Gründung uner solchen Organisation, deren Nutzen und volkswirtschaftliche Bedeutung wohl kaum anzuzweifeln ist. Mit dieser Arbeit sollte möglichst bald begonnen werden, da gerade die kommenden Wochen den geeigneten Zeitpunkt für eine wirksame Schädlingsbekämpfung darsbellen. Aus öer Provtn^talbuuphlaOi Gießen, den 21. Februar 1931. Könnte man es nicht so machen? Wenn Im Leben die Gegensätze aufeinanber- plotzen, wenn Meinungen und Gegenmeinungen durch die Luft schwirren, fällt manch s harte Wort. Oft ist es gar nicht so schlimm gemeint, aber in der Hitze des Kampfes entschlüpfte es vielleicht unbemerkt und gibt bann Anlaß zu weiteren Streitigkeiten, zu Feindschast. Sollen uns diese Zwisttgkcilen auch fernerhin die Tage vergällen? Das wäre schlimm. Man darf seinen Zorn, seinen Hatz, nicht noch monatelang pflegen Gewiß hat jeder seine Feinde, seine Gegner. Man kann diesen ober jenen nicht leiden, „er ist uns nicht sympathisch". Ebenso stoßt unser Wesen wieder andere ab. unb so kommt es, daß sie sich uns feindlich gegenüber stellen. Hört man dann aber wirklich einmal die Gründe einer Feindschaft, so ist man sehr erstaunt über die winzige Nichtigkeit — die oft noch aus Mißverständnissen b.ruht —, die den Grund bildet, uns zu bekämpfen. Wir versuchen bann manchmal, den Irrtum aufzuklären, wollen gern wieder den Anschluß finden. Aber das abweisende Gesicht unseres Gegners läßt uns das Wort auf der Zunge ersterben. Es bleibt bei der Feindschaft. So sind die Menschen. Die Paar Jahre, die wir in Frieden und Eintracht nebeneinander leben könnten, verbittern wir uns gegenseitig. Sollte eine Feindschaft überhaupt jahrelang dauern? Wie oft ist der Grund der damaligen Entzweiung längst vergessen. Wir müf.cn aus die Frage: „Warum können Sie den Herrn T. nicht leiden?" antworten: „Eigentlich weiß ich es selbst nicht. Da war früher einmal eine Auseinandersetzung, da sind wir hart aneinander- gestoßen. Seit dieser Zeit grüßen wir uns nicht mehr." Und so geht man stumm und ohne Gruß aneinander vorbei. Warum? Wir kennen im geschäftlichen Leben die „Verjährung", im Rechtsleben die „Bewährungsfrist". Run möchte ich den Vorschlag machen, auch für die Feindschaft eine angemessene „ Frist" einzuführen. Wir feiern unsere Hochzeiten, grüne, silberne unb goldene, immer nach gewissen Zeitabständen. Wir wünschen unfern Freunden und Bekannten Glück zu den jungen Erdenbürgern, die ihnen das Schicksal in die Wiege legt, wir tragen den schwarzen Anzug, wenn wir mit ihnen trauern. Wir feiern ein frohes Wiedersehen nach vielen Jahren, wir helfen unfern Bekannten die Abschiedsstunde leicht machen, wenn sie abreisen. Sollte man nicht auch eine gewisse Feier nach einer bestimmten Z it einrichten können, um Abschied von der Feindschaft zu nehmen? Wir haben einen Tag des Buches, einen Tag. der der Mutter geweiht ist, was hindert uns, einen Tag im Jahre zu bestimmen, an dem alte Feindschaften begraben werden? Ständen diese Feiern in Aussicht, bann gäbe es gar viele Zerwürfnisse weniger; denn man müßte sich sagen: Es hat ja keinen Zweck, wegen dieser Kleinigkeit auseinander au geraten. In einem Jahre feiern wir doch wieder Versöhnung! Lassen wir also die Finger davon, verzeihen wir uns und bleiben die alten! — Es war für uns Buben immer ein feierlicher Augenblick, wenn wir in den Lederstrumpf- gescyichten, oder später bei Karl May, lasen, wie nach dem blutigen Kampfe die Häuptlinge am Lagerfeuer zusammenfaßen unb bie Friedenspfeife rauchten. Zum Zeichen, daß nun auch die Feindschaft aushören sollte, wurde das Kriegsbeil in die Erde eingegraben. Das war gewiß ein schöner Brauch. Könnte man ihn nicht auch bei uns einführen,' und Wenns nur symbolisch wäre? Wir haben Wichtigeres zu tun, als Worte unb Behauptungen, die dazu vielleicht noch in guter Meinung, schlimmstenfalls aber im Kampfeseifer gesagt würben, auf die Goldwaage zu legen und zu wägen. P. A ue postautottme in Oberhessen. Gestern fand in Butzbach eine Sitzung von Vertretern der Oberpostdirektion Darmstadt, der Stadt Butzbach, der benachbarten hessischen und preußischen Landgemeinden und der Autoverkehrsgesellschaft Freitag in Butzbach statt, bei der es sich um die Uebernahme der Freitagschen Auto- linien durch die Reichspost handelte. Das Ergebnis der Sitzung ist der Uebergang der Freitagschen Autooerkehrsgesellschaft an die Reichspost, die den Betrieb einschließlich der drei Wagen des bisherigen Privatunternehmens voraussichtlich von Mitte März ab übernehmen wird. Die bisherige Autolinie Butzbach—Dornholzhausen soll durch Hinzunahme der Orte Pohlgöns, Kirchg ms, Ebersgöns und Oberkleen erweitert und bis Hochelheim durch- geführt werden. Die Fahrten sollen täglich, auch Sonntags, stattfinden und zugleich der Beförderung der Landpost dienen. Verbilligte Fahrten für Schüler und Arbeiter sind vorgesehen. Die interessierten Gemeinden übernehmen eine gewisse Garantieleistung. Ein beh rzigenöwerter Appell des Konzertvereins. Vom Konzertverein wirb uns geschrieben: Kr. Wo man hinhört, eine Stimme des Lobes, ja der Begeisterung, über bas letzte Konzert. Wer aber im Saal war, weiß, wie viele Plätze leergeblieben sind. Zeichen ber Zeit. Gewiß. Es ist kein Gelb da, obwohl Theater unb Kino' sich über ben Besuch nicht zu beklagen brauchen. Rein, es ist auch viel Indolenz babei. Unb dazu unser Todfeind: Radio. Es ist noch nicht lange tyet, ba erhob sich gegenüber ber Möglichkeit, bah wir unsere Orchesterkonzerte einstellen müßten, ein- mütiger Widerspruch. Heute aber stehen wir bei dem Mangel an Unterstützung durch baSmufikliebenbe Publikum vor einem von Jahr zu Jahr, ja von Konzert zu Konzert wachsenden Fehlbetrag. Es sjnb zu viel Konzerte, heißt es. Dabei verteilen sich bie zehn über bas ganze Winterhalbjahr, unb bas Theater spielt vier-, fünfmal in ber Woche. Auch sonst hat man manches ""szusetzen. Einwänbe sind wohlfeil wie die 'Brombe.ven, besser machen schwer. Wir haben so oft gebeten, bie Kritiker möchten in unsere Generalversammlungen kommen, uns überzeugen ober sich von uns überzeugen lassen. Balb wirb es auch bazu zu spät sein. Wir stehen unmittelbar vor zwei großen Ausführungen: dem „Messias" unb einem Mozartkonzert des Darmstädter Orchesters. Diese beiden Aufführungen werden entscheidend sein. Versagt das Publik u m wieder, so werden wir unsere Pflocke zurückzustecken gezwungen sein. Gießen aber wird auf den Ruhm, unter ben Mittelstäbten auch im Musikleben einen angesehenen Platz einzunehmen, verzichten müssen. Oberhesfischer Kunstverein. Die neue Kunstausstellung, die morgen im Turmhaus am Brandplatz eröffnet wird, bringt Werke von zwei Künstlern, die beide aus dem südlichen Deutschland stammen und eben erst das dreißigste Lebensjahr überschritten haben. Der Kunstmaler Josef Steil), der mit einer großen Sammlung von Oelgemälden, Aquarellen unb Radierungen vertreten ist, hat in der Hauptsache durch unermüdliches Selbststudium und mühevolles Streben sich die Unterlagen für fein künstlerisches Können geschaffen. Eine Reihe von öffentlichen Sammlungen haben Arbeiten von ihm angekauft, z. B. Düsseldorf, Köln, Berlin, Nürnberg usw. 'Anläßlich der Rheinlandbefreiungsfeier wurde sein Bild „Eifellandschaft" mit der kleinen Hindenburg-Plakette ausgezeichnet unb vom Reichsminister für die besetzten Gebiete angetauft. Der zweite Künstler, ber nur mit graphischen Arbeiten vertreten ist, Hermann Mayrhofer, lernte als junger Wandervogel die Natur kennen. Seine ersten Arbeiten stellte er bereits 1924 in Passau aus; eine weitere Reihe von Ausstellungen folgte in verschiedenen Städten Deutschlands, im Kunstverein unb im Glaspalast zu München. Die meisten Museen haben Blätter von ihm erworben. Als Graphiker bedient sich Mayrhofer nicht nur ber Aetzung unb ber Kaltnabelradierung, er wendet auch andere, ungewöhnliche unb nicht immer übliche Verfahren an. Er arbeitet zuweilen auf einer Metall- platte mit Kupfertiefdruckfarben, bisweilen auch mit Oelfarben, oder auch er zeichnet seine Landschaften mit lithographischer Tusche (verdünnt mit reinem Terpentin) direkt ober im Umdruckverfahren auf den Stein, von dem dann Abzüge in beliebiger Anzabl gemacht werden können. Immer aber ist bie Absicht deutlich, wie eine Pinselzeichnung, wie ein Oriainal zu wirken. Auf seinen Studienreisen an ben Rhein bis nach Holland hinein hat ihn neben ben Studien der Landschaft alles Darstellbare gereizt, ebenso Bewegungsskizzen. Seine bisherigen Leistungen unb Erfolge, die ihm an vielen deutschen Orten beschie- den waren, geben alle Veranlassung, ihm eine noch größere Bewertung als Künstler zu sichern. Gietzcnei 2L chcnmnrktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt bas Pfund: Kochbutter von 110 an; Butter 120 bis 130; Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 25 bis 30; Weißkraut 12 bis 15; Rotkraut 15 bis 20; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 35 bis 40; Unter-Kohlrabi 5 bis 6; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 40 bis 50; Feldsalat 100 bis 150; Tomaten 70 bis 80. Zwiebeln 10; Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 30 bis 40; Kartoffeln 3,5 bis 4; Aepfel 30 bis 45; Birnen 20 bis 40; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 110; Suppenhühner 90 bis 110; Nüsse 50 bis 60; das Stück: Dauben 70 bis 80; Eier 11 bis 12; Blumenkohl 40 bis 70; Salat 25 bis 30; Endivien 20 bis 50: Ober-Kahlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 50 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 2,50 bis 3; Weißkraut 8 bis 10. Bornotizen. — Tageskalender für SamSkag. Stadttheatec: „Misanthrop", SchülervorsteUung von 15,45 bis 18,15 Uhr. — Bund „Königin Luise": Vortrag von Frau Ulrich (Kassel) über „Die Stellung der Frau zu Deutschlands Not", 20,15 Uhr, im Saale der „Stadt Lich". — DHV.. 20,30 Uhr, im Heim Lichtbildervortrag „Mit dem DHV. in die Schweiz". — Monatsversammlung des Geflügel- und Vogelzuchtvereins Gießen und Umgebung 1897 e V. bei Gastwirt Henkel (Wall- torstratze), 20.30 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße : „Rosenmontag". — Astoria-Lichtspiele: „Das letzte Fort" und „Seine Gefangene" — lagesfalenber für Sonntag: Stadt- theater: „Leinen aus Irland", 18.30 bis 21.30 Uhr. — Oberbessischer Kunstverein: Ausstellung von 11 bis 13 Uhr. — Oeffentlicher Vortrag über Physiologie von Prof. Dr. B ü r f e r: „Die Funktionen des Nervensystems, 11.30 Uhr im Physiologischen Institut Friedrichstraße 24. — Sozialer Kursus: 14.30 Uhr im Martüssaal, Vortrag von Verwaltungsamtmann Keitzer: „Die öffentliche Fürsorge und ihre Ergänzung durch die Arbeit evangelischer Vereine", Referat von Direktor Menten „Wirtschaftslage und Arbeitslosenfrage". — Kundgebung des Reichs- banners. Reoner. Prof. Nölting (Frankfurt), Oberregierungsrat Ritzel unb ^Stadtschulrat Fischer, 14 Uhr, Oswaldsgarten. — Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, 20.15 Uhr, in ber Turnhalle am Oswaldsgarten, Protest-Kundgebung, Redner: Reich^tagsabgeordneter Rings- " 11 -...... --BBgBsa W.r können nur Not linOtrn, wenn auch Du uns hilfst! Städtische Nothilfe 1930. 11 .. - ---!' Hausen (Offenbach). — Obst- und Gartenbauver« ein, 15 Uhr im Kaufmännischen Vereinshaus: Hauptversammlung, Vortrag von Garteninspektor Reh• n e 11 über „Rosen und ihre Pflege". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Rosenmontag", außerdem 11.15 Uhr: Kulturfilmveranstaltung „Das Paradies der Südsee". — Astoria-Lichtspiele: „Das letzte Fort" und „Seine Gefangene". — Die Deutsche Staatspartei fordert ihre Mitglieder in einer Anzeige in unserem heutigen Blatte zur Teilnahme an ber Kundgebung des Reichsbanners am morgiaen Sonntagnachmittag auf Oswaldsgarten auf. (Siehe Anzeige.) — Iungbeutscher Orden. — Volks- nationale Reichsvereinigung. Nächsten Dienstag abend im Caf4 Leib Vortrag von Dr. Ku e r m a n n. Der Redner wird sich, wie man uns schreibt, mit dem mehr und mehr heroortretenben Radikalismus von rechts unb links auseinandersetzen. Er wird barlegen, daß sowohl die „Diktatur des Proletariats" als auch die „Diktatur des Faschismus" Deutschland aus seiner Not nicht heraus- helfen. (Siehe heutige Anzeige.) ‘ — Der Goethe-Bund schreibt uns: Der Goethe-Bund hat zu seinem vierten Dichterabend den Dichter Edwin Erich Dwinger eingeladen. Dwinger hat eines der größten Geschehnisse der Weltgeschichte als Kriegsgefangener in Rußland miterlebt. Rach Verwundung, Gefangenschaft und endlosen Leiden im sibirischen Gefangenenlager gelang ihm die Flucht. Später wurde er von den „Weihen" auf gegriffen uiit) zwangsweise der Armee Koltschaks eingesügt, in Der die Elite des zaristischen Rußlands mit alliierten Truppen zusammen gegen den Bolschewismus vorging und ihn fast bis auf Moskau zurückdrängte. Der Dwinger-Abend dürfte ein bedeutendes literarisches Ereignis dieses Winters werden. (Siehe heuttge Anzeige.) — Obst- unb Gartenbauverein G i e - ßen. Morgen, Sonntag, 15 Uhr, im Kaufmännischen Vereinshaus, Hauvtversammlung mit anschließendem Vortrag von Garteninspektor i.R. Reh- nelt (Gießen). (Siehe gestrige Anzeige.) — Der Mieterverein e. 23., Gießen, hält am Dienstag, 24. Februar, seine biesjährige Jahreshauptversammlung im „Postkeller" ab. Dabei wird der Geschäftsführer des Lanbesverbandes Hessischer Mieterschutzvereine, Herrn Fuchs (Mainz), einen Vortrag halten über bie Lockerung des Mieterschutzes noch ber Notverorbnung vom 1. Dezember 193k (Siehe heutige Anzeige.) • ** Die Museen unb der Heidentum» sind am Sonntag zwischen 11 unb 13 Uhr bei gewöhnlichen Preisen geöffnet. Die Räume sind geheizt. ** Schutz' ben Pferden! Man beobachtet häufig, daß Fuhrleute vor ihren Pferden hergehen und gedankenlos die Peitsche durch die Luft schlagen, so daß das Peitschenriemenende bie Köpfe ber Pferde an Ohren, Augen usw. trifft. Gar manche einseitige ober doppelseitige Erblindung des Tieres ist darauf zurückzuführen, unb der Besitzer ist durch bas minderwertige Tier der Geschädigte — ganz abgesehen von der Tierquälerei. Die Pferbebesitzer sollten ihr Fahrpersonal streng anweisen, daß ber Peitschenriemen stets mit dem Peitschenstiel zusammen festgehalten wirb, solange ber Fuhrmann vor oder neben den Pferden hergeht, damit die Tiere durch ben bewegten Peitschenriemen nicht bauernb belästigt unb im Ziehen gestört werben. . ** Der n ä ch st e R i n b v i e h m a r k t (Nutzvieh, markt) in Gießen findet am Dienstag, 24. Februar, statt. ** Heute kein Vortrag von Frau Dr. B a c u m e r ! Der Allgemeine Deutsche Frauenverein und der Gießener Lehrerinnenverein geben im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß ber für heute »abend angesetzte Vortrag von Frau Dr Baeumer wegen dienstlicher Verhinderung ber Referentin nicht ftattfinbet. Er ist auf Samstag, 28. Februar, verlegt worden. (S»ehe Anzeige.) ** Handarbeits-Aus st ellung des Alice-Sch ul-Seminars. Man schreibt uns: Am Sonntag, 22. Februar, wird um 12 Uhr die Handarbeits-Ausstellung des Alice-Schul- Scminars bem Publikum geöffnet. Für die Aus- stiellung hat auch in diesem Ia'ire die Stadt der im Raum so beschränkten Alice-Schule die Räum« der städtischen Gemäldesammlung in der Senckenbergstraße zur Verfügung gestellt. Hier findet man ein buntes Bild aller Arten von Nadelarbeit und Bastelei, das anzusehen sich verlohnt. Wer die Zweckarbeit sucht, der findet Wäsche, Kleidung und Dinge der Wohnungsausstattung in einfachem, dauerhaftem Material in allerlei Erscheinungsformen und Austührungsarten und kalrn vielleicht manche Anregung für eigenes Arbeiten heimnehmen. Wer für phantasievolles Gestalten Interesse und Gefühl hat, der freut sich wohl an den Fabeltieren des Waldes aus Wur- 25 Ä Waren es meister S waüung ii Gemcinoeri Blumen gi öffnete die das Jahr Kommis infjen criöi falion unb 3«garrenfa( restöenbe 2 bat zum S um Unterfi arbeit. $ei in kurzen । bes Tages Wcmeinben Me'mderai-- fobann ba ehre, unozwonz! meinde tä rungen ur N^wanzj ^urgermej U'cht Mögt wichtigstes » im 3q| $Un9 uni 'Un9 fiel germeister« Teilung, Mau b ft L er bi ubaut W worben, ! uöchsten ° wandt wo' SI* * ** Acht U)en lolgende - £rÖe ^neinber Jubi(Qrs Sw» Z,A neue I MdJafi SA .i U A iS k» verloren 9 wollen w kennen. ® *♦ 20 < len uns. die Dogtf- In den e Maschine" rend spate den. foj" ler und W folge der t die Mal Lchulern be -Msreist । M solchen oder mit b( feit, die zw Schülern n der Schul halbjährige mit Dolls vorausgehe Unterricht- Schüler: 5 Schrisiverb und doppel scher, fran, ebenso moi wirtschasis! phie, Wirt nologie, D> lische und StaatSbüti unb Dede Id-Finger gung der sik, Schöi Die Schü bildungs! hirfe we Weilerbi heutige ' "Sa bie Land Anzeigen! Winter e um ben I amrtanntt ten von S. schassen. A von den in Sorten ou reien in h den in Nit Mit ben $ sind Lehr, (Siehe Ai ot linötrn, "S hilfst! iH 1930. W M ZL°r l '”?e, «s.'V fite »i. ä.Ä* L,r-°'/L'. r‘)ncler Kings. Unb ®ortenbauotb vereinshllus: Haupt. rtenin|pettor Sieh. ile8f - 2id)i|piel. nonta9, außerdem Un9 "2az Paradier ;le: »Dor lehie FortE 'spartet fordert ie in unserem Heu. ^b«r Kundgebung Tonntagnachmittaa Anzeige.) ien. - Volks, tiflung. Nächsten 1 Bortrog von Dr. d sich, wie man uns »ehr hervortretenden links aureinandcr- sowohl die „Diktatur : „Diktatur des Säer Not nicht heraus- > schreibt uns: Der »irrten Dichterabenü Dwinger cinge* t größten Gescheh- kriegsgÜangener in »undung. Gefangen- nr srbrn'schen 0c- le Flucht. T-äter ’ ausgeorissm und schakä eiugrsügt, in LMmds mit alli- zen dm Dolschewis- aus Mskau zurück, d dürste ein bedeu- dieses Winters wer« baunerein Tie- Uhr, im Kausmärni'- mmlung mit an chlie- nspettor i.N. Reh- ie Anzeige.) e.L„ Gießen, halt e diesjährige Lahres- Her“ ab. Dabei wuö ^verbandes hessischer iid)5 (Mainz), einen Md«! MEV m 1. Dezember^ IM der cheidentur» 1 unb IS llhr «x 2ic itiume sind ge* Ll ü)ian beobachiet '„Pferden ^ergeben -LZ ■sss 'S den 1 DLIÄ bewegte" ÜieiM u cr.gU trag ®.0? grauen- eine Deutschem ber für ?^DrL°eu< jrau mW •Eb**"** nilunfl Ajcr hQ gesteh en, Cj ?\n .«SÄ ul uird Waftelungen, primitiv gefügt, und den versuchen, Ratureinvrücke in ausgefasertem Web- Itoff und Stichen zu gestalten, 'Wer geschichtlich tntercffünrt ist, der verweilt vielleicht bei den Puppen, die, im Gewände der verschiedenen Jahrhunderte, ihre Zeit wiederzuspiegeln versuchen. Der Lehrende schätzt Wohl die praktischen, selbst- h^gestellten Lehrmittel und die von Kinderhand >ind für Kinderhand hergestellten Arbeiten. Der Bastler findet Bast-, Kleb-, kleine Holz- und Metallsägearbeiten, und wer Freude an Handweberei hat, der kann Versuche in allerlei Material. Wolle. Vast. Kunstseide und in Streifen geschnittenen unbrauchbar gewordenen Strümpfen sehen Allen Arbeiten gemeinsam ist das Streben, Werkstoff, welcher Art er auch sei, gedanklich und gefühlsmäßig zu erfassen und zu gestalten, um so zurückzufinden zur Materialverbundenheit, die dem Menschen handwerklicher Epvchen selbstverständlich war, dem des Maschinenzeitalters aber verloren ging und wieder erworben werden muh, wollen wir Qualitätsarbeit herstellen und erkennen. Man beachte die heutige Anzeige. *• 20 Jahre Dogtsche Handelsschulen Glehen- Herdorn. Man berichtet uns: 3m Jahre 1931 werden cs 23 Jahre, daß die Dogtschcn Handelsschulen gegründet wurden. In den ersten Jahren waren eS meist kleinere Maschinenschrcib- und Stenographi.kurse, .während später die Schulen weiter ausgebaut wurden, so daß im Jahre 1930 weit über 300 Schüler und Schülerinnen die Anstalten besuchten Zufolge der verschiedenartigen Borbil^unz bestehen die Anstalten aus fünf Abteilungen ^.ie Höhere Handelsklasse wird von solchen Schülern besucht, die die Obrrsekunda bzw. Ly- zeumSreife haben, die Handelsoberklasse von solchen mit verschieden höherer Schulbildung oder mit bereits praktisch kaufmännischer Tätigkeit, die zweijährige Handelsklasse von Schülern mit Volksschulreife oder entsprechender Schulbildung, die einjährige und die halbjährige Handelssachklasse von Schülern mit Dolksfchulreise und in der Regel mit vorau-gehender praktischer Tätigkeit. Folgende Unterrichtsfächer dienen der Ausbildung der Schüler: Hondelskunde mit Handelsrecht und Schriftverkehr, kaufmännisches Rechnen, einfache und doppelte Buchführung nach italienischer, deutscher, französischer und amerikanischer Methode, ebenso moderne Durchschreibebuchführung, Volkswirtschaftslehre, Werbelunde, Wirtschaftsgeographie, Wirtschaftsgeschichte, Warenkunde und Technologie, Deutsch, Deutsch-Literatur, Englisch, englische und französische Handelskorrespondenz, Staatsbürgerkunde, Reichskurzschrift (Derkehrs- und Redeschrift), Maschinenschreiben nach der 10-Finger-Dlindschrcibmcthode unter Berücksichtigung der neuesten Lehrweise mit Hilfe der Musik, Schönschreiben mit Rund- und Plakatschrift. Die Schüler und Schülerinnen sind von der Fortbildungsschulpflicht befreit. Zahlreiche Abendkurse werden von Hunderten Berufstätigen zur Weiterbildung besucht. Interessenten seien auf die heutige Anzeige aufmerksam gemacht. ** Saatgutmärkte In Oberhessen. Wie die Landwirtschaftskammer für Hessen im heutigen Anzeigenteil bekannt gibt, finden auch in biefem Winter einige Saatgutmärkte in Obcrhessen statt) um den Landwirten die Möglichkeit zu geben, sich anerkanntes Saatgut bewahrter, ertragreicher Sorten von Sommersaatgetreide und Kartoffeln zu beschaffen Auf den Voaatgutmärkten werden Proben von den In den hessischen Saatbaustellen angebauten Sorten ausgestellt, ebenso Luzerne und Kleesäme- rcien in hochwertigen Qualitäten. Die Märkte werden in Nidda, Grünberg und Lauterbach abgehalten. Mit den Saalgutmärkten in Nidda und Lauterbach sind Lehrgänge für Futterkonseroierung verbunden. (Siehe Anzeige.) Oderheffen. 25 Jahre Bürgermeister von Lollar. □ Lollar, 20. Febr. Am 15. Februar 1931 waren es 25 Jahre, daß unser derze.tiger Bürgermeister Schmidt die Leitung der Gemeindeverwaltung inne hat. Zu der jüngsten Sitzung des Gemeinderats ivar deshalb der Sitzungssaal mit Blumen geschmückt. Bürgermeister Schmidt eröffnete die Sitzung und gab einen Rückblick auf das Jahr 1930. Es fanden 15 Gemeinderats, und 16 Kommissionssitzungen statt. An besonderen Ereignissen erwähnte er die Durchführung der Kanalisation und den Erwerb der ehemaligen Gailschen Zigarrensabrik. Die Gemeinde zählte an der Jahreswende 2465 Einwohner. Bürgermeister Schmidt bat zum Schlüsse den Gcmcindcrat, auch fernerhin um Unterstützung und ersprießliche Zusammen- arbeit. Beigeordneter Georg Seipp wsts dann in kurzen emleitendcn Worten auf die Bedeutung des Tages hin und brachte die Glückwünsche des Gemeinderats zum Ausdruck. Das dicnstälteste Ge- mcinderatsmitglied Ludwig H o f m a n n V. ergriff sodann das Wort: Es sei angebracht, so führte er aus, ehrend des Mannes zu gedenken, der fünfundzwanzig Jahre ununterbrochen für die Ge- meindc tätig war. AU die Neuerungen, Berbesse- rungen und Erweiterungen, die in den letzten fünfundzwanzig Jahren während der Amtszeit des Bürgermeisters geschaffen wurden, a«f;uführen, sei nicht möglich, aber cs lohne, einen Blick auf die wichtigsten Ereignisse zu werfen. Die Durchführung der im Jahre 1905 beschlossenen Feldbereini- gung i^ib die gleichzeitige Lumdaregulierung fiel in den Anfang der Amtszeit des Bür- germeisters. Im Jahre 1907 sei die Wasserleitung gebaut und 1909 der Schulhaus- neubau begonnen worden. In das Jahr 1910 fiel der Bau des Gemeindefaselftalles und des Lösch- gcrätehauses, sowie die Verhandlungen um die Errichtung einer Apotheke. In 1911 bzw. 1912 sei die Lumdabrücke in der Lumdastraße erbaut und die elektrische Lichtanlage erstellt worden. Besondere Aufmerksamkeit sei in den nächsten Jahren dem Schuldentilgungsplan zugewandt worden. Der Ausbruch des Weltkrieges habe dann kaum zu bewältigende Anforderungen gestellt. Nicht weniger Sorge habe das Kriegsende und die folgende Inflation gebracht. Die Lebensmittelnot wurde größer, die Wohnungsnot fühlbarer. Der Genieindcral habe daher unter der Initiative des Jubilars die Errichtung eines 7-Familienhauses durchgeführt. Im Jahre 1928 wurde Gelände für einen neuen Friedhof im Tausch erworben, und die Anschaffung einer Motorspritze beschlossen. Erwähnenswert fei ferner der Ausbau der Kanalisation und der Erwerb der ehemaligen Zigarrenfabrik. Der Herstellung von Wegen -in Feld und Wald habe der Bürgermeister stets seine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, endlich sei des Ausbaues der Lumda- und Steinstraße sowie der Anlage eines Ortsbebauungs- planes auf lange Sicht gedacht. Während im Jahre 1905 das Vermögen 254 000 Mark unb die Rundfunkprogramm. Sonntag, 22. Februar. 7 von Hamburg: Hafenkonzert. 8 15 bis 9.15. Katholische Morgenfeier. 9.30 von Gießen: Stunde des Chorgesangs. Ausführende: Arbe ter-Gesai^- verein „Eintracht", Gießen. 10.30 aus dem Handwerkerhaus Frankfurt a. HL: Geistliches Chor- Konzert des Frankfurter Domchors. 11.20. „Die unsichtbaren Kräfte hinter der Bühne", Drei- gespräch zwischen Dr. Herbert Gras, Alfred Auer- buch und Theo Lust. 12 von Breslau: Konzert. 14: Stunde des Landes 15: Stunde der Jugend. 16: Aus Schallplatten: Szenen aus Tannhäuser. 18: Erlebte Geschichten: »Der Pächter" von Ernst Glacser. 18 30: »Rheinische Charakterbilder — Bischof von Ketlelcr", Vortrag von Professor Dr. D. Steinbüchel. Gießen. 19.30: Besuch bei Rudolf G. Binding: ,Dichtung als Ausdruck der Ration". 20 aus der Markuskirche Stuttgart: Abendmusik. 21.10. Kleists Tod, romantische Tragödie für den Rundfunk. 23 bis 24: Tanzmusik. Montag, 23. Jebruar. 7.15 bi- 815: Frühkonz?rt des Rundfunkorchesters 2 Schcill^lat e rlo zert. S.nfonie Konzert. 15.20 bis 16 von Basel: Baseler Bauernsast- nachj. 16.30: Rachmittaoskoi.zcrt. 18.15: „Querschnitt durch die Wohlfahrtspolitik in der Welt", Vortrag von Dr. Baum, Frankfurt a. M. 18.45: »Der Saararbeiter", Vortrag von Gewerkschaftssekretär Kiefer, Saarbrücken. 19.15: Englischer Sprachunterricht. 19.35 aus dem Saalbau «Frankfurt a. M : Stunde der Kammermusik. 21.15: Rundfunk-Satiren von Adolf Uzarski. 21 45: Hn- terhaltungskonzert. 22.50: Tanzunterricht. 23.20: Tanzmusik. Dienstag, 24. Februar. 6.45: Frühkonzert. 12: Schallplattenkonzert. 15.20; Haussrauen-Rachmittag. 16.30: Rachmittagskonzert. 18.15: „Die Arbeitsdienskpflicht in Bulgarien", Vortrag von Diplom-Volkswirt Mehlan, Berlin. .18 40: „Technik und Religion", Vortrag von P. Przywara, München. 19.10: »Erlebnisse als deutscher Austauschstudent in Amerika", Vortrag von Dr. H. R. Bauer. Stockach. 19.30 nach München: Alk: Märsche. 20.45: Vortrags stunde von Charlotte Christann. 21.15: iln- terhaltungs-Kcmzert auf Schallplatten. Mittwoch, 25. Jebruar. 7.15 bis 8.15: Frühko^ert. 10.20 bis 10.50: „Wie und warum ich für Kinder dichte", Vortrag von Karl Zuckmayer, Berlin. 12: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Jugend. 16.30: Rachmittagskonzert. 18.15: „Der Zöllner von Jaffa", Vortrag von Albert Ehrenstein, Berlin. 18.45: Esperanto-Unterricht. 19.15: „Brasilien, Sitten und LaadeSverhä tnisfe I.". Vortrag von Ulrich Graf v. Reischach; 3m Fluge um die Welt, ein Zyklus, 1. Abend: Das nördliche Afrika 21: Collegium musicum (Arien und Duette italienischer Opernrneister des 16. bis 18 Jahrhunderts). 21.45; Zeitbericht: Die polnische Minderheiten- debatte in Genf. Donnerstag, 26. Jebruar. 7.15 bis 8.15: Frühkonzert. 12: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Jugend. 16 30: Rach- mit.agskonzcrt. 18.05: „Die Belastung des Grundbesitzes uno die neue EinheitsBewertung". Vortrag von Dr. Sibbner, Frankfurt a. M. 13.25: „Gin versunkenes Volk'. Vortrag von Wolf v. Dewall. 18.50; „Joseph Wirth", Vortrag von Dr. Werner Thorrnann. 1923: Französischer Sprachunterricht. 19.45 von der Deutschen Welle Berlin: Sieno- graphisches Rundfunkprobeschreiben vorn Deutschen Dtenoqraphenbund. 23: Die Instrumente des Orchesters. 23 30 von Köln: Reichssendung Rheinland und Westfalen, ein Hörbild. 22.20 bis 23.30: Unterhaltungsmusik. Freitag, 27. Jebruar. 7.15 bis 8.15: Fruhkonzcrt der Kammerbläser- Vereinigung des Rundfunkorchesters. 12; Schallplattenkonzert. 15.20: „Die heutige Dorfjugend", Vortrag von Pfarrer Alfons Lins, Schlüchtern. 15.50: „Lebensstil der Jugend", Vortrag von Lilli Rölting. 16.30: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.10: Stunde des Buches. 18.33: Eine Viertelstunde Deutsch. 18 50: „'Die japanische Geisha", Vortrag von Dr. Carl Hagemanm 19.20: Aerztcvortrag: „Krankenka se, Arzt und Patient". 19.45 von Freiburg: Russischer Volksliederabend mit Erläuterungen von Alexander Kresling. 20.30; Renaissance, Barock. Rokoko: Macbeth, Tragödie von William Shakespeare. 21.45: Reue Musik der Rationen. 23 05 bis 24: Tanzmusik. Samstag, 28. Jebruar. 7.15 bis 8.15: Blas-Konzert. 10.20 biS 10.50: „Sport und SportsmannI", Hörbild. 12: Schallplattenkonzert. 15 20: Stunde der Jugend. 16.30 aus dem Kurhaus Wiesbaden: Konzert des Kur- orchcsters: Deutsche Opern. 18.05 aus der St. Pe- terskirche Frankfurt a. M : Frankfurter Motette. 18.45: „Der Fünfjahresplan und die wirtschaftliche Lage Rußlands", Vortrag von Agricola. 19.15; Spanischer Sprachunterricht. 19.45 von Freiburg: Daucrnmusik. 23.15: Abends in Wien. 21.45 aus der Stadthalle Stuttgart: 5. Stuttgarter Hallensportfest. 22.35 bis 24; Schlagerstunde. Schulden 46 000 Mark betragen hätten, seien die entsprechenden Zahlen für 1930: Vermögen 635 000 Mark unb Schulden 17 000 Mark. Endlich erwähnte der Redner noch die mustergültige Anlegung der Registratur, an der der Bürgermeister gearbeitet und damit allseitige Anerkennung gefunden habe. Zum Schlüsse der Ansprache brachte der Redner, der seit 24 Jahren dem Gemeinderat angehört und somit die Entwicklung der Gemeinde innerhalb der Amtszeit des Jubilars miterlebte, nochmals die Glückwünsche des Gemeinderats zum Ausdruck und überreichte als äußeres Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung eine goldene Uhr mit Kette. (Neben der Uhr wurde dem Jubilar von feiten der Gemeinde eine Palme, von den Gemeindebeamten gleichfalls eine Palme überreicht.) Bürgermeister Schmidt dankte in bewegten Worten für die Ehrung. Er glaube sein bei Amtsantritt gegebenes Versprechen, nur zum Wohle der Gemeinde zu arbeiten, gehalten zu haben und bat, unter Hinweis auf die heutige ernste wirtschaftliche Lage um tatkräftige Unterstützung für die nächste Zukunft. Der geschäftliche Teil der Sitzung war schnell erledigt, da die Tagesordnungspunkte den einzelnen Kommissionen überwiesen wurden. Siadtraissihung in Friedberg. WSA. Friedberg, 20. Febr. In der ersten Sitzung des Etadtrats im neuen Jahre sand ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, an (Sonntagen keine Beerdigungen mehr zuzulassen, keine Mehrheit. Dieser Antrag wurde mit 14 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Eine längere Debatte entfesselte ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion über die Beschäftigung Friedberger Arbeiter. Die Verwaltung schlug eine Erklärung vor, die den Handwerkern und Gewerbetreibenden nahelegt. im Rahmen des Rlöglichen Friedberger Ar- beiter zu beschäftigen. Die Stadtverwaltung glaubt jetzt mehr darauf bringen zu sollen, daß Beamte. zu deren Einkommen sie Zuschüsse usw. zu leisten hat, auch am Platze wohnen. Die will entsprechende Schritte in die Wege leiten. Für dcn zur Verfügung stehenden Betrag von 42 000 Mk. wird das Polytechnikum ein neues Werkzeugmaschinenlaboratorium erhalten. Niddatal-Sängerbund. Unter-Schmitten, 18. Febr. Zu der 03er trete rtagung des Riddatal - Sängerbundes, die im Köchlingschen Saale zu Anter-Schmitten stattsand, hatten von 13 Bundesvereinen 12 Vertreter entsandt. Die benachbarten Vereine beteiligten sich mit starken Ab- ordnungen Der Männer g esangverein Unter-Schmitten (Chorleiter Lehrer Wolf) begrüßte die Erschienenen mit dem Sängergruh und einem Mozartschen Lied. Der Vorsitzende des Vereins, Bauunternehmer Eckhardt, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Bundesvorstand Unter-Schmitten als Tagungsort bestimmte. Th. Schäfer (Cichelsdors), als Vorsitzender des Bundes, gab nach der Begrüßung einen Rückblick über das verflossene Jahr. Rachdrücklich richtete er die Mahnung an die Bundesvereine, jegliche Politik aus dem gesanglichen Leben auszuschalten. Um den Besuch des Deutschen Sängerbundesfestes in Frankfurt zu ermöglichen, sollen möglichst früh Reisekassen gebildet werden. Der Kassenbericht wies eine Einnahme von 261,88 Mk. und eine Ausgabe von 228,69 Mk. auf, so daß das abgelaufene Bundesjahr mit einem Lieberschuß von 33,19 Mk. schließt. Der Kaisenbestand beträgt insgesamt 201,33 Mk. Für das verstorbene Vorstandsmitglied Zimmer- meister 11 b ne r wurde Metzgermeister August Ringshausen (Ridda) als Beisitzer gewählt. Sodann gelangte ein Antrag von Süßet- Eckhardt zur Annahme, der verlangt, dah Vereine, die bei Abhaltung von Dundesfesten im Falle eines Defizits auf Unterstützung des Bundes Anspruch erheben, auch im entgegengesetzten Falle einen Teil des Reingewinnes dem Bund zu überweisen haben. Die Aussprache über das im Mai stattsindendr Gauwertungssingen in Büdingen nahm einen breiten Raum ein. Dundeschormeister Diehl (Ober-Schmitten) gab Aufschlüsse über die P s l i ch t ch ö r e, die an diesem Tage gesungen werden, und allgemeine Richtlinien für die gesangliche Weiterarbeit. Landkreis (ließen. : Beuern, 20.'Febr. Der Gesangverein „L i e d e r k r a n z" hielt am Sonntag sein Winter- uergnügen ab. Die gesanglichen Leistungen zeigten, daß der Verein unter der Führung seines bewährten Ehrenchormeifters S o m m e r l a d vortreffliche Schulung genießt. (Einige Theaterstücke, ernsten unb heiteren Inhalts, trugen zur Unterhaltung ber Gäste wesentlich bei. Im Anschluß baran würben folgenbe Mitglieber für 25jährige Mitgliedschaft zu Ehrenmit- gliebern ernannt: Heinrich Ioz, Otto Gustav F i n- kensieger, Wilhelm Arnolb VI., Wilhelm Schwalb unb Ludwig Stein II. Tanz und geselliges Beisammensein beschlossen die Veranstaltung. > Burkhardsfelden, 20. Febr. Vor einigen Jahren wurde hier eine W a s s e r g e n o s s e n- schäft gegründet, die den Zweck verfolgte, einzelne Gemarkungsteile zu entwässern. In den Vorjahren wurden zwei Fluren mit Dränage versehen, der Erfolg ist ausgeblieben. In diesem Frühjabr soll ein weiterer Gemarkungsteil, der sog. „Eselsweg", in Arbeit genommen werden. Die Rohre sind bereits ungefähren, unb fobalb es bie Witterung zuläßt, soll mit ben Arbeiten begonnen werben. s. Hungen, 20. Febr. Der Bezirkslehrerverein Hungen hielt im „Solmser Hof" eine Tagung ab. Es wurde in der üblichen Weise des Ablebens des Lehrers Bötticher in Utphe gedacht. Der Obmann, Lehrer Schmidt, Hungen, machte Mitteilungen über die letzte Hauptvorstandssihung, die sich besonders mit ber Zusammenlegung der beiden pädagogischen Institute beschäftigte. Alsdann wurden die neuen Satzungen des Dezirksvereins beraten. Außerdem nahm man eingehend Stellung zu der Frage der Beibehaltung von halben unu Zweidrittel-Echul- ftellen. Kreis Büdingen. V Gelnha ar, 20. Febr. Das siebenjährige Töchterchen des Invaliden HermannDo- g e l I. fiel gestern beim Rodeln derart: imglüct- lich vom Schlitten, daß es sich einem Ober- schenkelbruch zuzog. Das bedauernswerte Kind wurde dem Gederner Krankenhause zu» geführt. ' Wenings, 20. Febr. Der Kirchengesangverein Wenings veranstaltete im Saale von Jean Hein seinen diesjährigen Familienabend. Eine Reihe gesanglicher und musikalischer Darbietungen, um die sich der Kirchenchor, das Männerquartett des Vereins, Pfarrer Köhler mit einigen Volksliedern, Lehrer Krauß unö Fräulein Erika Fink, sowie Kammermusiker Heinz Hardt (Violine) vom Frankfurter Opernhaus mit Konzertmusik verdient machten, unterteilen die Besucher auf das Beste. Außerdem gelangten unter der leitenden Hand von Pfarrer Köhler zwei Theaterstücke zur Aufführung, die durch ihre sorgfältige Wiedergabe großen Eindruck machten und mn dankbares Publikum sanden. Der Abend war für den Kirchengesangverein ein großer Erfolg. Kreis Lchotten. " Ulfa. 19. Febr. Der kirchliche Mädchenverein „Freude" veranstaltete unter der Leitung von Pfarrer Crull im Saal der Wirtschaft „Zum Edelhof" einen Familienabend. Die Veranstaltung war außerordent.ich gut besucht. Die Darbietungen standen auf beachtlicher Höhe. Es gelangten einige Mürchenspiele zur Aufführung, teils heiteren, teils ernsten Inhalts, die durch die Mitglieder des Vereins und durch Schulkinder wirkungsvoll wiedergegeben wurden und tiefen ßiabrud hinterließen. Starken Beifall sanden auch drei lebende Bilder, die nach Der richtige Weg zur Erlangung schöner weißer Zähne ist folgender: Drücken Sie einen Strang Th lorodont- llahnpasle auf die trockene Thlorodont-Zahnbürste (Spez al- bürste mit gezahntem Borstenschnitt), bürsten Sie Ihr Debih nun nach allen Seiten, auch von unten nach oben, tauchen Sie erst jetzt die Bürste in Wasser und spülen Sie mit Thlorodont- Mundwasser unter Gurgeln gründlich nach. Der Erfolg wird Sie überraschen! Der mißfarbene Zahnbelag ist verschwunden und ein berrstches Gesühl Der Frische bleibt zurück. Versuchen Sie es zunächst mit einer Tube Thlorodont-Zahnpaste zu 64 Ps. Verlangen Cie aber echt Thlorodont und weisen Sie jeden Ersatz dafür zurück. dem Volkslied „Jetzt gang t ans Brünne!« gestellt wurden. 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Nun ist wohl in keiner anderen großen Industrie die Verbindung zwischen Wirtschaftsführcr u n d S p o r t s m a n n so eng wie gerade im Auto m o b i l b a u. Zäh und unermüdlich haben die ersten Automobilisten, die gleichzeitig Ingenieure und Fahrer waren, ihre Wagen bis zur Vollkommenheit des modernen Autos entwickelt. In der drückenden 5tri|e, in der sich die gesamte Weltwirtschaft heute befindet, hat die Automobilindustrie ihren Optimismus ebenso bewahrt wie in den Anfangsschwierigkeiten vor vier Jahrzehnten. Das lehrt ein Rundgang durch die große Autoschau, die jetzt in den Berliner Ausstellungshallen eröffnet wird. Man betritt das Ausstellungsgelände in der Erwartung, daß der Kleinwagen wohl das Feld beherrschen wird. Denn wer kann sich heute ein großes "Luxusfahrzeug kaufen? Aber das Gegenteil ist ricl^z. Die wenigen Kleinwagen, so schön und preiswert sie auch sind, verschwinden unter der gewaltigen Zahl prächtiger Limousinen, die immer größer werden und fast wie kleine Omnibusse aus- schen. Der billigste auf der Ausstellung vertretene Wagen ist ein Zweisitzer und kostet 1685 Mark. Der Wagentyp selbst hat sich wenig geändert. Man fährt niedrig wie vor zwei Jahren, man liebt breite Türen, und die Mode macht sich bloß in den Farbzusammenstellungen geltend. Die Preise sind gesunken. Wo die Preise nicht herabgesetzt wurden, hat man die Konstruktion verbessert. Die Halle, in der die Personenwagen auf Teppichen stehen, und sich die Ausfahrt durch kostbare Blumenarrangements versperren lassen, ist etwas für Kenner oder für Käufer. Der wissensdurstige Laie wandert lieber in die zweite Halle, wo die Nutzwagen dicht nebeneinander stehen. Die neuen Omnibusse sind am eindrucksvollsten. Auch sie sind gewachsen und bieten nun — ohne Oberdeck — Rau m für 70 Personen. Sie wollen nicht mehr in erster Linie dem Stadtverkehr dienen, sie fahren hinaus aufs Land und ersetzen die Eisenbahn. Der Kampf zwischen Bahn und „B u s" ist noch lange nicht beendet, und die Automobilindustrie zeigt in diesem 'Augenblick, daß ihre Angriffslust noch nicht erlahmt ist. Aus Stahl und aus Alumminium, mit buntem Lack bemalt oder im matten Silberglanz der natürlichen Farbe strahlend, werden die neuesten Ungetüme wohl von einem Dutzend großer Firmen ausgestellt. Sie dienen zu Fernfahrten und bieten dem Reisenden alle Be- guemlichkeiten, die früher nur im Bahnwagen möglich waren. Die neuen Omnibusse haben Abort und Waschraum, Gepäckraum, bequeme Sessel und gute Ventilation. Besonders sorgfältig ist das Dach konstruiert. Da gibt es Nolldächer, die bei schönem Wetter zusammengerollt werden und nun Lust und Licht hereinlassen. Im Winter wird das Dach ausgewechselt, damit nicht durch eine allzu leichte Hülle Luft eindringen kann. Einige neue Wagen sind im Auftrag der Neichspost gebaut: sie werden vorwiegend im Zubringerdienst für die Reichsbahn Verwendung finden. Der Kraftwagenbetrieb der Reichspost wird bekanntlich so geleitet, daß der Reichsbahn kein Schaden entsteht, sondern dem Bahnnetz im Gegen- teil neue Fahrgäste zugeführt werden. Noch auf an> dere Weise kann sich die Reichsbahn das sonst grundsätzlich von ihr bekämpfte Automobil zu- nutze machen. Auf der Ausstellung sieht man einen Schienenomnibus, ein Fahrzeug von zwölf Meter Länge, das 42 Personen faßt. Der Motor hat sechs Zylinder und 100 PS. Auch in diesem Omnibus gibt es einen Waschraum, einen Abort und einen Gepäckraum. Man kann ihn einfach auf die Schienen der Eisenbahn setzen und nun auf den Gleisen ebenso spazierenfahren wie sonst im Autobus. Wenn sich auf einer Strecke der Zugverkehr nicht lohnt, dazu wenig Fahrgäste zu erwarten sind, kann man ihn durch den billigen Autobusverkehr ersetzen. Ucbrigens bietet dieser Schienenomnibus einen merkwürdigen Anblick, da der Motor nicht wie bei anderen Wagen vor dem Führersitz unter einer Haube liegt, sondern innen in die Karosserie eingebaut ist, das Fahrzeug sieht ungefähr wie eine Straßenbahn aus. Ein anderer Omnibus sieht den Straßenbahnen noch weit ähnlicher. Das Fahrzeug, das im Ausland eit längerer Zeit als Trolleybus bekannt ist, fuhrt in Deutschland jetzt den Namen Fahrdrahtbus. Es wird elektrisch betrieben, und bezieht den Strom genau wie die Straßenbahn aus einer Oberleitung. Um es genauer zu sagen: man braucht zwei Oberleitungen; denn die zweite Stromschiene, die bei der Straßenbahn im Boden liegt, fehlt bei dem neuen Wagentyp, den man volkstümlich etwa so beschreiben könnte: unten Auto, oben Elektrische. Auf drei Achsen gleitet dieser Omnibus angenehm vorwärts; die Bewegung ist weit gleichmäßiger als bei Benzinautomobilen, die Ausfahrt geht sehr schnell, der Betrieb ist recht sparsam. Zwei Strom- bügel verbinden das Dach mit der elektrischen Oberleitung. Nun würde der Fortfall der Gleise zwar eine gewisse Verbilligung in der Anlage bedeuten, aber doch nur wenige Vorteile bieten, wenn der Wagen stets genau unter der Oberleitung fahren müßte. Die Strombügel sind aber so konstruiert, daß der Omnibus nach jeder Seite viereinhalb Meter ausweichen kann, also eine Fahrbahn von neun Meter Breite zur Verfügung hat. Sobald der Wagen nur noch einen Meter von seiner äußersten Seitenstellung entfernt ist, flammt im Führerstand eine rote Lampe auf, und der Führer weiß nun, daß er sich mehr zur Mitte der Fahrbahn halten muß. Ucbrigcns kann der Fahrdrahtbus auch durch ein Zusatzgerät so verändert werden, daß er nun auf Straßenbahngeleisen fahren kann. worden ist. In Deutschland hat man bei einem Versuch einen Mißerfolg gehabt, und das mag der Grund dafür sein, daß dieses Fahrzeug jetzt hier nicht weiter entwickelt wurde. In unmittelbarer Nachbarschaft der Omnibusse sieht man einige andere Fahrzeuge, die bestimmt die Aufmerksamkeit zahlreicher Besucher fesseln werden. Es sind Wagen, die man an jedes Personenauto an- hängen kann, und die besonders für das Wochenende ausgestattet sind. Ein einfacher Anhänger dieser Art, der eine Belastung von zehn Zentner verträgt, kostet etwa 1200 Mk. Zusammen- ■M Vt •k . Blick in eine der großen Ausstellungshallen. Für den Omnibusverkehr gibt es also viele neue Anregungen. Leider fehlt der Dampsomnibus, der im Ausland vor einiger Zeit mit Erfolg erprobt Der Mann der das Lachen verlernt hat. Zfioman von Gert Gothberg. Copyright by Martin Feuchtwanger. Hülle (Saale) 13 Fortsetzung. Nachdruck verboten Die Hände Koras griffen nach einem Halt. ..Geh fort von mir, Satan! So tief bin ich nod) nicht gesunken, daß ich dem Mamre, der mich aus aller Armut herausnahm, nach dem Leben trachte." Doch der Gedanke kam wieder, nahm greifbarere Formen an. „QIn ihm verliert die Welt ja nichts, an dem alten, gelähmten Manne. Ich wäre frei! Dann würde Karl Zentner anders denken. Wenn er sich hier vor den (Nachbarn scheut, so will ich Mit ihm fortgehen. Dis ane> Ende der Welt gehe ich mit ihm, wenn er es verlangt!" Der Mond verkroch sich- Cs war, als wollte er nicht länger Zeuge sein, wie hier ein arm^ seliger Mensch schwarze Pläne zur Dernichtung eines anderen schmiedete. Langsam ging Kvra in das Zimmer zurück. Langsam tastete sie sich weiter. Schlich in das Schlafzimmer des Gatten. Dor dem Schlafenden machte sie halt. Lange blickte sie m das rötliche Gesicht, und der Ekel stieg höher und hoher. Neben dem Bett stand auf dem kleinen Tisch em Glas mit Wasser, dem Silberlöffel und dem weißen Deutelchen. Morphium! , r . . , , . Dom Arzt genau vorgeschrieben, wieviel bet heftigen Schmerzen gegeben werden durfte. Wie unter einem geheimen Zwange lchutteie Kvra das weihe Beutelchen über dem Wasserglase aus. Der Graf stöhnte — richtete sich auf. Kvra wich in den Schatten des Daldachtns zurück. Mühsam richtete sich der Graf auf, blickte sich mißtrauisch um. ..Ist jemand hier?" fragte er unsicher. Regungslos stand Kvra. Sie wagte kaum zu atmen. Die Hand des Grafen griff nach dem Glas. Kora wollte Vorwärtsstürzen, ihm das Glas aus der Hand schlagen — und blieb doch regungslos stehen, von einer unsichtbaren Machten ihren Platz gebannt Der Graf tränt Dann legte er sich wieder zurück. Leise, regelmäßig waren die Atemzüge. Sie wurden leiser, leiser, um dann ganz aufzuhören. Die unselige Frau vermeinte Donnerstimmen xings um sich zu hören: „Mördcxin!" Wie gehetzt, ohne sich nach dem Bett umzuwenden, floh sie aus dem Zimmer. Sie eilte den langen Gang entlang und stand plötzlich vor den Zimmern des jungen Grafen. Die Tür zum ersten Zimmer stand offen. Noch immer unter dem Einfluß eines furchtbaren fremden Willens stehend, schlich die junge Frau hinein. . „Ich muß ihn sehen, sonst werde ich wahnsinnig." Immer wieder flüsterte sie diese Worte vor sich hin. , . , Unb stand plötzlich wie hingeweht im Schlafzimmer des jungen Grafen. Das Bett war unberührt! Wo befand sich denn jetzt mitten in der Nacht Graf Karl? Höhnisch, grinsend, ausfällig leuchtete ihr vom Nachttisch ein Brief entgegen. Kora kam näher. Mit ihren spitzen, weißen Fingern hob sie das Schreiben in die Höhe. „An meinen Da ter!" Kora starrte auf die Worte, fühlte rings um sich die Welt wanken, hörte ihres Herzens geängstigtes Klopfen, hörte irgendwoher die Worte: , „Er ist fort. Es war alles umsonst. Kora öffnete den Brief. „Lieber Dater! Bemühe Dich nicht, mir das Geld zu verschaffen. Es wird auch so gehen, verlaß Dich darauf. Vielleicht hörst Du bald einmal von mir Wenn nicht, dann bin ich eben untergegangen. Leb' wohl. Dater! Ich trage Dir nichts nach. Ich bitte Dich, nicht schlecht von mir zu denken. Dielleicht hättest Du an meiner Stelle genau so gehandelt, das ist mein Trost. Ich meine, die Hauptsache ist doch, daß man vor sich selbst und vor seinem Herrgott bestehen kann; alles andere darf einem nicht kümmern, wenn die Welt sich nun einmal gegen einen verschworen hat. Nochmals: Leb' wohl, Q3dtcr! Dein Sohn Karl." Kora starrte auf die Zeilen. Regungslos, ohne Ausdruck in dem marmorblassen Gesicht. „Fort!" Mit weißen Lippen murmelte es Kora. Und in dieser grauenvollen Nachtstunde wurde es ihr klar, daß es nichts, nichts auf dieser Welt gegeben hätte, keinen Weg, auf dem sie hätte zu ihm, zu seinem stolzen, kühlen Herzen gelangen können. . Eiskalt kroch es der jungen Frau über den Rücken. Scheu sah sie sich um. Muren denn die Häscher noch nicht da? Sie war doch eine Mörderin? Warum hatte sie das getan? Warum hatte sie sich um eines Phantoms willen dem Henker ausgeliefert? Mit beiden Händen faßte die unglückliche, verlorene Frau sich an den Hals, als fühle sie bereits den Strick. Drüben lag der Tote! Kora fror bis ins Mark. Angstvoll sah sie sich um. Dort lag der Brief des Grafen Karl, der für feinen Dater bestimmt war. Wie magisch angezogen blickte Kora auf diesen Brief. Der rasende, angstvolle Herzschlag verlangsamte sich, die Gedanken ordneten sich, wurden allmählich wieder klar, besonnen. Der Verdacht des Giftmordes mußte auf den Grafen Karl fallen. Das war die einzige Möglichkeit, bedeutete Rettung! „Ein neiies Derbrechen, Kora? Fast noch schlimmer als »das erste! Weiht du das?" Wer sprach diese Worte? Ihr Gewissen? Fort mit diesem Gewissen, wenn es sich darum handelte, das eigene Leben zu retten! Und Graf Karl war ja fort ... Man würde ihn nicht finden! Der Himmel mochte es geben, daß man ihn nicht fand! Oder doch! Man sollte ihn finden. Er mochte es ruhig büßen, daß er vor ihrer Liebe geflohen war. Oh, sie wußte es ja, warum er gegangen war. Er hätte bleiben müssen, auf jeden Fall bleiben müssen, wenn er sie geliebt hätte. Kora preßte beide Hände an den Kops, der plötzlich heftig schmerzte. „Wenn der Derdacht aber trotz seiner heimlichen Abreise nicht auf ihn fällt?“ dachte sie. Und wieder schüttelte folternde Angst den schlanken Frauenkörper. Kora ging langsam hinaus. Da zuckte sie zusammen. Auf dem Gang stand der alte Haushofmeister und sah sie verächtlich an. Wußte man denn schon ...? Kora taumelte. „Ich ..." .. Da wußte sie, warum der Mann sie verächtlich ansah. Sie kam mitten in der Nacht aus den Zimmern des jungen Grasen. Mit letzter Kraft bezwang sie sich. _ „Graf Karl erklärte mir heute abend, daß er unbedingt noch in dieser Nacht abreifen würde. Nun wollte ich mich überzeugen. Aber er ist tatsächlich fort. Haben Sie ihn fortgehen sehen?" Die Derachkung wich aus den Augen des Mannes. Schreck malte sich auf seinem Gesicht. „Der junge, gnädige Herr ist abgereift?“ stotterte er. Sein faltiges Gesicht sah plötzlich grau und eingefallen aus. „3a, meinem Gatten wollte ich die Absicht seines Sohnes nicht melden. Er fühlte sich am Abend sehr müde.“ „Was bestimmen Frau Gräfin?" fragte der Mann unterwürfig. „Nichts vorläufig. Sprechen Sie auch jetzt zu niemand von dieser heimlichen Abreise. Ich geklappt sieht er ungefähr wie ein kleiner Lieferwagen aus, in den er übrigens mit Leichtigkeit verwandelt werden kann. Mil wenigen Handgriffen klappt man ihn auf; die Seitenwände legen sich nach außen um und lassen zwei Sprungfeder- matratzcn sichtbar werden, auf die Betten aufgelegt werden, lieber dem ganzen Anhänger erhebt sich ein recht geräumiges Zelt. Es ist ein W o b n a u t o, das das Wochenendhaus vollkommen ersetzt. Aehn- liche Wohnwagen gibt cs natürlich auch viel stabiler, mit Schränken und Waschvorrichtungen, mit einem stabilen Tisch in der Mitte und mit Sesseln, die in Betten umgewandelt werden können. Bemerkenswert ist außerdem ein Personenwagen, der recht elegant aussicht, jedoch mit einigen Handgriffen in einen Lieferwagen verwandelt wird. Tragfähigkeit 400 Kilogramm, und außer- dem bietet sich noch die Gelegenheit, wirkungsvoll« Reklame am Auto anzubringen. Lehrreich ist auch ein Rundgang durch die Reihen der Stände, die Zubehörteile und Aus» rüstungsgegenstände zeigen. Da sieht man Instrumente, die, in Verbindung mit einer Uhr, für den Automobilisten ein Tagebuch führen. Ein solcher Apparat zählt die Kilometer zusammen, zeigt die Geschwindigkeit an, warnt durch eine Signallampe vor Üeberschreitung eines Höchst- tempos und zeichnet in jeder Minute die Fahrige- schwindigkeit auf. Die Blätter dieses merkwürdigen Tagebuches find wichtige Dokumente vor Gericht, falls die Schuld an einem Unfall geprüft werden soll. In einem anderen Stand sieht man einen Oclfiltcr, und es wird auch gezeigt, was eine solche Vorrichtung leistet. Wer sie besitzt, braucht das Del nicht mehr alle tausend Kilometer ju erneuern, sondern reicht mit ihm die vierfache Strecke. Ist er 12000 Kilometer gefahren, so haben sich von den Maschinenteilen soviel Metallsplitter abgerieben und sind so zahlreiche Staubteilchen dazugekommen, daß er nun durch den Delfiller ein großes Glas Schmutz mit einem Handgriff aus dem Innern des Wagens hinausbefördern kann. An an- derer Stelle wirbt man für AutoVersicherungen und weist dabei darauf hin daß in Deutschland in jeder Minute zwei Schadensälle ent- stchen. Die gesamte Ausstellung gibt einen schönen Ueberblick über die Bedeutung des Automobils in unserer Zeit, über die letzten technischen Fortschritte und über die bewunderungswürdige Lebenskraft, dis diese Instrumente auch in schwerster Zeit beweist. Kirche und Schule. Airchcnvorstchcrtagungc«. 3m nördlichen Oberhessen finden nun auch zwei Kirchenvorstehertagungen statt. Die erste tagt am 16. März in K ö d d ingcn. Cs braucht sich niemand durch die Abgelegenheit dieses Ortes zurückschrecken zu lassen. Auf Station Mücke werden zu dem Zuge, der in Gießen 8.31 Uhr abfährt und in Mücke 9.21 Uhr cm- brisft, Autos die Gäste aufnehmen, die sich recht- zeitig bei dem Kirchenvorstand Köddingen an- mclbeii. Da die auswärtigen Teilnehmer Gäste des Dorfes sein werden, entstehen keine größeren Unkosten, zumal die Kirchenkassen die Daraus- lagen für ihre Dorsteher, die die Tagung besuchen, tragen dürfen. Festprediger ist Ober- kirchenrat Superintendent D. Wagner (Gießen). Den Dortrag über „Der Kirchen Vorsteher als Seelsorger“ hält Professor lic. Stroh m Friedberg. — Die zweite Tagung findet am 23. März mit derselben Tagesordnung inQueck bet Schlitz statt. Für Köddingen ist der An- meldetermin bis zum 6. März, für Queck bis zum 10. März festgesetzt. werde und muh es wohl zuerst dem Herrn Grafen sagen." „Iawohl, Frau Gräfin." Der Mann verbeugte sich tief; sie schritt an ihm vorüber. * * * Der Kammerdiener des Grafen saß wie gewöhnlich im Schlafsessel, und zwar im Dorzimmer zum Schlafzimmer des Grafen. Hier war feit langem sein Platz. Er legte sich dann am Tage einige Stunden zu Bett und hörte nachts das geringste Geräusch. Er war zur gewöhnlichen Zeit ins Schlafzimmer getreten, hatte nach dem Bett hingehorcht und, als der Graf so friedlich schlief, hatte er sich beruhigt ins Dorzimmer in seinen Sessel gesetzt. Er war auch eingeschlafen. Als er jetzt erwachte, war er ganz erstaunt. Es waren mehrere Stunden vergangen und der Herr Graf hatte nicht ein einziges Mal geklingelt, wie das sonst doch mehrere Male geschah. Gerade, als Beierlein sich erhob, um noch mal hinüberzuschleichen, trat die Gräfin ins Zimmer. „(Sehen Sie schlafen. Ich bleibe bei meinem Manne. Ich muß ihm sofort, wenn er erwacht, etwas mitteilen." „Iawohl. Frau Gräfin.“ Draußen ging der Alte kopfschüttelnd den Gang hinauf. „Wie sonderbar das alles ist! Wie sonderbar!' murmelte er vor sich hin. * * ♦ Kora riegelte die Tür zum Schlafzimmer ab. So, nun lag er da drinnen, nun war die geschlossene Tür zwischen ihm und ihr. Regungslos ftanb sie am Fenster, blickte in den mondhellen Park hinunter. Wo war Graf Karl? Wohin hatte er sich gewandt? Im Kamin ihres Zimmers lag als ein Häufchen Asche der Brief, den der Sohn an den Dater geschrieben. Und gleichzeitig hatte Kora die Zeilen miwerbrannt, die sie in ihrem Zimmer auf dem zierlichen Schreibtisch gefunden. Sie hatten folgenden Worttaut gehabt: „Leben Sie wohl, Frau Kora, und verschönen Sie meinem alten Vater die letzten Tage. Doktor Riefner sagte mir gestern, daß das Herz sehr krank fei und daß es vielleicht einmal schnell mit ihm zu Ende fein könnte. Ich denke nicht mit Groll an Kentnerhos zurück, doch ich will auch nichts von dort mehr. Nochmals: Leben Sie wohl! Karl Graf Rentner.“ Dieser Brief war auch mitverbrannt. Denn dieser Brief hätte bewiesen, daß der junge Graf fein Interesse daran haben konnte, seinen Vater zu beseitigen. Er hatte von dem Arzt genau gewußt. wie es um seinen Vater stand. Beide Briese waren vernichtet! (Fortsetzung folgt.) Wirtschaft sich in der letzten Zeit nichts geändert. Zu Beginn der Woche -eigte sich die Börse beruhigt, nachdem die Regierung gegen die radikalen Gruppen eine feste Hand zeigte und auch die verbreiteten Gerüchte über innerpolitische Störungen sich als haltlos erwiesen hatten. Es kam infolgedessen zu neuen Deckungen und Rückkäufen. Die Befestigung wurde unterstützt durch den guten Eindruck, den die Verhandlungen zwischen Associated Rayon und Glanzstoffkonzern hinterließen. Später wurde die Haltung jedoch wieder ziemlich matt, ohne daß ernsthafte Gründe dafür zu erkennen gewesen wären. Die Spekulation schritt wieder zu Glattstellungen und Blankoabgaben, so daß die erzielten Gewinne meist verloren gingen. Von diesem Zeitpunkte an zeigte die Börse eine sehr unsichere Haltung. Die Llnternehmungs- lust ging stark zurück, zumal man auch von autzen- her wieder stärkere Abgaben bemerkt haben wollte. Hinzukamen die jetzt etwas genauer an* gedeuteten Dividendenreduzierungen bei den Großbanken. Wenn auch die Börse keineswegs überrascht wurde, so scheint doch beim Publikum eine so starke Dividendenkürzung nicht erwartet worden zu sein. Das daraufhin ein» setzende Angebot war jedoch nicht sehr umfangreich, doch bewirkte es ein weiteres Abgleiten der Kurse, da auch die interessierten Stellen keine Aufnahmeneigung zeigten, und somit der Abwärtsbewegung kein Einhalt geboten wurde. Das Thema Frankreich-Deutschland beherrschte jedoch bald wieder die Börse und regte etwas an. Einmal die Durchführung der Vorfinanzierung der Reichsbahn-VA. unter französischer Bankbeteiligung, so dann Auslassungen des Professors Dr. Bosch von der I.-G.-Farben über deutsch-französischen Wirtschaftsausgleich in der Presse. Dazu die anhaltend feste Reuhorker Börse. Mehrungen über neue Arbeiterentlassungen aus Auftragsmangel im Ruhrbergbau und die Divi- r^ndensenkung bei dem größten deutschen Kali- konzern Wintershall-AG. verstimmten. Zum Wochenschluß konnte sich die Tendenz wider Erwarten kräftig erholen. Besonders lebhaft war der Handel in Z.-G.-Farben. Die übrigen Märkte wurden nur wenig beeinflußt, zeigten jedoch in der Mehrzahl gegen die Vorwoche Besserungen bis zu 5 Prozent. 2.G., Kunstseide, einige Elektroaktien und Warenhauswerte besserten sich von 6 bis 10 Prozent. Sehr fest lagen Chadeaktien. Bankaktien tendierten bis zu 3 Prozent niedriger. Wochenbericht vom Srantfurfer Schlachiviebmartt. Die Pvei sen tw icklung auf dem Frankfurter Schlachtviehmarkt war in dieser Woche wieder allgemein nach unten gerichtet, nachdem sich in der vergangenen Woche Anzeichen einer Besserung bemerkbar machten. Die ungünstigen Momente traten wieder stärker in Erscheinung, so daß im Zusammenhang mit dem teilweise erheblich größeren Auftrieb überwiegend Preisnachlässe zu verzeichnen waren. Der Handel war auf fast allen Märkten schleppend, so daß auch Lleberstände verblieben. Auf dem Rindermarkt be r.:g der Auftrieb 1601 (1335 gegen die Vorwoche) Stück. Rach ruhigem Geschäft verblieb Lieberstand. Die Preis- rückaänae betrugen bei Ochsen 2 bis 3 Mark, bei Dullen 1 bis 2 Mark, bei Kühen und Färsen je 2 Mark. Besonders vernachlässigt waren Kühe und gute Ochsen. Am Kälbermarkt wirkt sich die Wirtschaftsdepression ganz besonders ungünstig auf den Absatz aus. Bei erhöhtem Auftrieb (1355 gegen 1045) und sehr ruhigem Geschäft ergaben sich Preisrückgänge bis zu 1 Mark. Schafe hatten bei einem Auftrieb von 415 (308) Stück ebenfalls ruhigen Markt. Die Preise gaben bis zu 2 Mark nach. 3n Fachkreisen hält man die Schafzucht für rentabel, wenn sich der Züchter auf die reine Lämmermast einstellt. Am Schweinemarkt bröckelten die Preise leicht ab, obwohl der Auftrieb mit 6216 gegen 6263 in der Vorwoche nur unwesentlich verändert ist. Der hemmungsolse Zusammenbruch der Schweinepreise hätte sich weiter fortgesetzt, toerm nicht die leichtere Gestaltung des Absatzes bremsend gewirkt hätte. Das Jahr 1931 wird für die Schweineproduktion ein Jahr des Hochstandes, für die Schweinepreise aber ein Jahr des Tiefstandes fein. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen Al 47 bis 49, A2 43 bis 46, Bl 38 bis 42; Dullen A 47 bis 49, B 43 bis 46; Kühe A 38 bis 41, B 34 bis 37, C 29 bis 33, v 25 bis 28; Färsen A 47 bis 50, B 44 bis 46, Holzversteigerungs-Termine. Montag, den 23. Februar. Versteigerer: Forstamt Nidda. Versteigerungsort: Gastwirtschaft „Zur Krone", Nidda. 10 Uhr. Versteigerer: Gemeinde Nieder-Weidboch. Versteigerungsort: Gastwirtschaft Fuhs, Nieder-Weid- bach. 10 Uhr. O.e Stillegung der Hütte Ruhrort-Meiderich unvermeidlich? Duisburg-Hamborn, 20. Febr. (WTB.) In der heute vormittag in Düsseldorf abgehaltenen Besprechung zwischen dem Arbeitgeberverband Nord- mest und den Gewerkschaften erklärten sich die freien, christlichen und Hirsch-Dunckerschen G e w e r k - schäften gegen eine außertarifliche Vereinbarung auf der Grundlage des Vorschlages der Vereinigten Stahlwerke zur Fortführung der Hütte Ruhrort-Meiderich. Die Werkleitung steht auf dem Standpunkt, daß ihr, um sich nicht den Folgen eines Tarifbruches auszufetzen, durch die Haltung der Gewerkschaften die Weiterführung der Hütte Ruhrort-Meiderich unmöglich werde. Die Direktion der Vereinigten Stahlwerke Ruhrort-Meidcrich macht durch Anschlag bekannt, daß die Hütte morgen geschlossen wird. Trotz des Ergebnisses der Belegschaftsbefragung durch Oberbürgermeister Dr. Jarres sehe sie sich bei dem einmütigen Wider st and der Gewerkschaften gegen die Fortführung zu verminderten Löhnen außerstande, die Stillegung zu vermeiden. Wochenbericht vom frankfurter Vroduktenmarkt. Auf dem internationalen Markt war die Preisbewegung weiter ruhig. Am Frankfurter Markt waren die Llmsätze sehr klein, da es vor allem an Anregungen mangelt. 3e nach der Haltung der Auslandmärkte waren auch die Forderungen für Znlandbrotgetreide zunächst etwas fester und dann wieder etwas nachgiebiger. Weizen lag im Einklang mit höheren Meldungen aus Liverpool etwas höher, zumal auch das mäßige Angebot, das in Weizen süddeutscher Provenienz bestand, bei den Mühlen Unterkommen fand. Etwas anregend wirkte nach den neuesten Veröffentlichungen der Preisberichtsstelle beim Deutschen Larrdwirtschaftsrat, daß die ersthändigen Vorräte an Weizen um 100 000 Tonnen geringer ist, als im Vorjahre, da bei Weizen die Vermahlungsquoten für den Rest des Erntejahres wesentlich höher festgesetzt find als im vergangenen Jahre. Anderseits zeigte das Weizenmehlgeschäft nur ganz geringe Ansätze zu einer Belebung. Die Preise für Roggen zeigten kaum eine Veränderung. Das Angebot war meist ziemlich knapp und fand, trotzdem sich auch die Mühlen im Einkäufe nur schwach betätigten, meist recht glatte Aufnahme. Am Hafermarkt war der Absatz bei reichlichem Angebot ziemlich schlecht, trotzdem die Erörterungen bezüglich neuer Einfuhrscheine wieder auflebten. G e r st e hatte bei leicht nachgebenden Preisen schleppendes Geschäft. Am Mehlmarkte trat vorübergehend eine leichte Belebung ein, wobei wohl der Eindruck der festeren Auslandmärkte (Liverpool) etwas mitbestimmend war. Die Llmsähe blieben aller» - Vings nur auf den notwendigsten Bedarf beschränkt. Roggenmehl war zu leicht ermäßigten Forderungen besonders aus Rorddeutschland 'etwas gefragt. Die Preise für Weizenmehl blieben . unverändert, während Roggenmehl um 0,25 Mk. K ermäßigt wurde. 7 Die Woche schloß zu folgenden Rotierungen: Weizen 284 bis 285, Roggen 182,50, Gerste 210 » bis 212,50, Hafer 157,50 bis 162,50, Weizenmehl (süddeutsches) 42,25 bis 43,25, Weizenmehl (niederrheinisches) 42 bis 43, Roggenmehl 26 bis 27, Weizenkleie 9,90 bis 10, Roggenkleie 9,50 Mark. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. ' Rach dem starken Kursanstieg in den letzten Wochen zeigten sich in dieser Woche erste Ermüdungserscheinungen. Das wird einigermaßen begreiflich, weil die ganze Haussebewegung nur auf technischen und gefühlsmäßigen Momenten beruhte und keinen rechten wirtschaftlichen Hintergrund hatte. 3n wirtschaftlicher Beziehung hat C 39 bis 43; Kälber B 60 bis 64, S 55 bis 59, O 50 bis 54; Schafe Al 43 bis 46, B 37 bis 42; Schweine A 52 bis 54, B 52 bis 54, C 53 bis 55, D 53 bis 55, E 50 bis 53, F nicht notiert, Sauen 40 bis 46. ' Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 21. Febr. Tendenz: still. Die Wockenschlußbörse eröffnete bei wieder sehr kleinem Geschäft in stiller Haltung. Nach einem eher etwas schwächeren Dorbörsenverkehr bestand nach den ersten Kursen verschiedentlich etwas Kaufneigung, so daß einzelne Werte etwas höher notierten, während jedoch das Gros der Dapiere eher eine schwächere Haltung zeigte. Dem festen Schluß der gestrigen Neuyorker Börse stand die weiter unklare innerpolitische Situation gegenüber. Die Spekulation verhielt sich sehr reserviert, vor allem wegen der morgigen Demonstration in Berlin. Die Grundtendenz blieb allerdings rechtwiderstandsfähig. Am Chemiemarkt lagen I.-G.-Farben und Metallgesellschaft von 1 bis 1, 5v. H. höher. Kaliwerte hatten flwnti ott Dmwniiieii WH uneinheitliche Kursgestaltung. Während Siemens und Schuckert bis 1 v. H. fester eröffneten, gaben Elektrische Lieferungen mit 2,75 v. H. und AEG. mit 1,5 bis 2 v. H. nach. Bankaktien setzten durchweg bis zu 1 v. H. niedriger ein. Von Zellstoffwerten verloren Aschaffenburger Zellstoff 2 v. H. Hapag, Norddeutscher Lloyd und Deutsche Linoleum hatten Kursrückgänge bis zu 1,5 v. H. Höher eröffneten nod)’ Conti- Gummi plus 1,65 v. H. und Holzmann plus 0,5 v. H. An den übrigen Märkten herrschte vollkommene Stagnation. Anleihen ebenfalls sehr ruhig und nur knapp behauptet. Pfandbriefe sehr still und unverändert. Bei weiter sehr kleinem Geschäft blieben die Kurse im Verlauf meist sehr gut behauptet, doch war die Gesamtstimmung eher freundlicher. Einige Nachfrage erhielt sich für J.-G.-Farben und Siemens (letztere plus 2 o. H.). Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4,5 v. H. etwas leichter. Am Devisenmarkt zeigten sich keine nennenswerten Veränderungen. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2085, gegen Pfund 20,4350, London gegen Kabel 4,8556, gegen Paris 123,88, gegen Mailand 92,79, gegen Madrid 46,25, gegen Schweiz 25,1075, gegen Holland 12,1840. Berliner Börse. Berlin, 21.Febr. Trotz festerer Auslandbörse war man schon im heutigen Vormittagsverkehr etwas unsicher geworden, da man nicht recht wußte, was man von den Auslassungen der gestrigen Karftadt- Aussichtsratssihung holten sollte. Auch daß Ruhrort- Meiderich doch noch stillgelegt werden soll, machte ebenso wie die verzögerten Agrarverhandlungen einen eher ungünstigen Eindruck. Anderseits muß Der Abschluß der Seeoerhandlung als günstig bezeichnet werden. Die Spekulation war aber wieder vollkommen unter sich, da Publikumsorders so gut wie ganz fehlten, und so war die Umsatz- tätigkeit äußer st gering. Gegenüber dem schwächeren Vorbörsenverkehr konnte man die ersten Notierungen des heutigen Samstagverkehrs, gegen die gestrigen Mittagschlußkurse gesehen, als knapp behauptet bezeichnen. Kleine Besserungen bis 2 v. H. erzielten AEG., Mitteldeutsche Stahlverein, Vogel- Telegraph, Ostwerke, Svenska und Chadeaktien. Rückgänge im gleichen Ausmaß hatten Rheinstahl, Deutsche Linoleum, Elektrische Lieferungen, Schlesisches Gas und Bankenwerte aufzuweisen. Am unnotierten Markte entwickelte sich größeres Geschäft in Stöver- Autos, die auf 24 v. H. anziehen konnten, da man wissen' wollte, daß der neue Kleinwagen dieser Gesellschaft auf der Automobilausstellung großen Anklang findet. Anleihen knapp behauptet, Ausland ge- schäftslos, Pfandbriefe noch unentwickelt, Reichs- fchuldbuchforderungen noch unverändert. Am Geldmarkt tag Tagesgeld mit 4 bis 6 v. H., Monatsgeld 6 bis 7,5 d. Sy, Warenwechsel mit zirka 5,25 o. Sy Die von den Banken heute festgesetzten Reportagesätze dürften mit 6,75 v. Sy in der Mitte unverändert bleiben, nur noch vereinzelt rechnet man mit 0,25 v.H. Ermäßigung. Auch im Verlaufe blieb dasGeschäft ruhig, die Tendenz wurde aber gleich nach den ersten Sturfen freundlicher, da nach den Informationen eines Mittagsblattes die Karstadt-AG. doch eine, wenn auch reduzierte Dividende zahlen will. Es regten auch die festeren Eröffnungskurse der heutigen Auslandbörse und stärkere Außenstände für Schult- heißaktien, von denen weitere Prospektkäufe gemeldet wurden, an. Auch die beabsichtigte Wiederaufhebung der letzten Biersteuererhöhung regte für dieses Papier an. So ergaben sich auf verschiedenen MärktenKursbesserungenbiszu2v. H. gegen den Anfang. Siemens stiegen auf 2,75 v. H. an, Schultheiß gingen sogar mit 3,25 v. Sy höher um, Letzte Nachrichten. 25 Tote bei der Schlagwetterexplosion von Eschweiler. Aachen, 21. Febr. (TU. Drahtmeldung.) Die Zahl der Toten hat sich inzwischen auf 25 erhöht, hierzu treten vier Schwerverletzte, die geborgen werden konnten. Rach dem amtlichen Bericht ist nur noch das Schicksal von zwei bis drei ungewiß, die sich noch in Stollen befinden, die bisher noch nicht befahren werden konnten. Gewinnauszug 5. Klasse 36. Preußisch-Lübdeulsche (262. Preuß.) Etaats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II — 9. Ziehungstag 18. Februar 1931 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 ©etolnne »n 26000 M. 149196 2 Gewinne?n 10000 M. 346846 14 Gewinne >u 6000 M. 863 6826 27965 118070 202683 236036 395794 26 «.Winne »u 3000 M. 4479 6713 14679 46237 130180 135760 157258 216506 244013 252646 279588 376813 385292 34 «Winne »u 2000 M. 6466 66100 60438 73222 106358 128464 143938 234481 267341 267375 310964 327480 340475 341564 384322 389400 397554 ®. ‘ 3781 6580 600 178 Gewinn» eu 16107 39839 64388 75480 12536 27044 47161 68654 81028 26090 46587 67892 80203 130968 178629 221257 243210 280212 379193 23930 42870 65377 76341 193965 221597 244519 303867 389945 113675 163126 182514 224427 240374 261201 287519 310589 354166 392902 46942 108217 137879 201979 226626 261476 308744 390133 14019 34218 63731 70787 100024 137900 171203 219829 232657 258426 279826 304525 344719 374719 14851 36433 58633 72030 109882 147679 209907 234832 273920 321063 109496 150620 176148 220254 236320 260466 283240 309080 348288 392398 125034 176390 221157 241902 277737 359926 126764 168100 192913 225505 244602 262671 299676 313078 371241 13894 30506 49741 70175 90002 135606 169000 217402 226809 254344 268807 299754 314187 371395 124397 165503 213680 235276 274268 338138 113818 165127 189120 224846 244016 261365 296314 311354 357763 96 Gewinn« ju 1000 W. 16082 36783 41620 46650 53745 60991 66958 73531 88425 92273 ...... ...... 133418 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 600000, 2 Gewi ne zu je 60'000 2 zu je 300(XX), 6 zu ie 75 000, 4 zu je 60 000 22 zu je 25 000, 122 zu je 10 000 334 zu je 5000 67« zu je 3000, 2066 zu je 2000 4122 zu je 1000, 6642 zu je 600, 20074 zu ie 400 M. 10. Zie'yungslag 19. Februar 1931 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 78189 165138 236638 199258 72775 32450 124705 271020 286756 61210 64410 69351 80929 91412 84020 88831 89867 102073 107512 110874 103910 157876 202193 233462 277361 312688 345712 385166 120537 163464 211964 256946 291909 325714 370329 391545 119891 138890 167233 193588 217528 244124 266452 277391 294217 309904 341268 360508 375202 396930 131797 183035 212769 268429 298072 334883 370688 396681 124160 141320 171522 193775 219262 246448 271158 284220 296346 312521 344118 362106 377429 153521 189759 214208 270147 299912 335873 375386 399792 600 M. 124321 147742 175572 194068 226720 254978 271816 284733 296819 320782 349020 362660 389767 163524 201721 222323 273016 310163 337357 376727 124915 152831 177874 202449 227617 258419 271865 288525 303154 326986 331785 364969 394038 132238 166006 178926 206879 232222 258567 272990 290112 304087 330968 357147 365690 395266 174928 330765 109533 163043 205035 263143 291332 318340 348331 390772 136076 159661 190263 214764 237009 260875 277159 292981 304212 337431 357878 370478 396339 345445 393164 126 «ewmn« ,u 1000 M. 9547 9774 12477 18714 31254 50491 61636 62392 63534 56931 69426 3466 8014 11357 17732 4 Gewinn« ju 10000 M. 12 ««Winne >u 5000 9IL 276651 304961 331476 20 Gewinn« »u 3000 M. 251342 255140 261209 332438 222 Gewinne zu---— _ . ---- ---- 22066 24081 24829 25111 28120 35312 41305 43357 49503 54000 54039 69447 60939 63863 66710 67720 69140 70695 77805 78106 83476 ----- ----- -----------------------113144 33 ««Winne nu 2000 M. 6097 12373 28132 49823 61928 67076 93952 132935 155999 168061 189638 200576 213543 213560 301038 324350 341848 Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v.Sy, Lombardzinsfuß 6 v.H. Datum 6% Deutsche RelchLanleHe von 1927 ......... 7% Deutsche ReichSanIeihe von 1929 .......... Deulsche Anl.-Ablös.-Echuld mit Auslos.-Rechten....... DeSgl. ohne AuSIos.-Rcchte . . 6% Heil, öollzflaat von 1929 (rMiabib. 102%)...... Cberbcllcn Provinz - Anleihe mit Deutsche Stumm. Sammelabi. Anleihe Serie 1 • . • 6% firantf. H»p.-Bank Goldpfe XIII unlünbbar 618 1934 . . . 7% firantf. Hhp^Bank Golvpse unkündbar bl» 1932 ..... a| -s» «iS n 1; §, X! | 5U l 1 1 31 1 1 1 1 1 l 1 1 l 1 1 । । Vl Schluß« furd 20.2. 65 66,9 121 108,13 135 106 106,5 245,5 103,25 119 118 111 178 122 49 67,5 76 73 57 67 55,5 — 71,75 82 1-Uhr« Kurz 21.2. 63,5 66,25 108 134 105,9 106 102,5 — — 112,75 122,25 179 66,5 70,5 sm Schluß- furd 20.2. 58,5 131,5 138 202 138,5 123,25 38,5 49,5 74 78 75 43,5 72,75 62,5 71 24,25 103 109 250 11,25 32 —- — — ■ — 121,75 l«Uhr« 21.2. 139 39,25 49,25 75,5 78,4 76,25 72 94 69 102 Schluß« fürs 20.2. 59 35,75 132 137 203 138,75 38,75 50 74,75 79 43 175,5 148 73 63,13 95 70,25 115,25 24,65 102,5 47,9 113 250 11,25 32 121,25 Anfang» fturd 21.2. 33,4 132,5 202,4 139,25 49 76 78J> 174 150 72 62,75 95 114,5 23,9 im 46,5 111,5 252,25 serlin 20 .revruar ®eio | zwei lut 6 \ 24.2. 84,75 98,75 53,4 5,4 90 50,5 51,75 100,5 93 89 100,5 96,5 24,75 2,5 19,8 16,3 3,85 3,95 3,95 3,95 9 14,6 7,4 ? »• 11 । 11 11 111 । 11 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 11 1 1 _____22 ?ure 1 20.2. 64,25 130 104 66,9 120,25 108,25 135 106,25 106,5 103 114,5 119 117,75 81,5 110,75 112J) 121,9 178,5 121,5 48,9 67,5 76,25 71,9 63.75 166,5 57,4 70 66,75 35,75 74,65 55,75 158,5 71,5 Kur« 21.2. 63,5 66,75 121 108 134,5 106 106 102,5 116,75 118,25 110,75 121,25 178,25 66,5 167,5 57,4 67,65 35,75 73.5 56,5 71 Amerikanische Belgische Not Dänische Rote Englische Ololt firanzchische 9 Holländische 9 Italienische N Norwegische 9 Deutsch-Oeste Rumänische? Schwedische 9 Schweizer No Spanische No L'chechoslowa Ungarische R Devi Amft--Rott. Buen.-AireS Brff.-Antw- Christiania. Kopenhagen Stockholm - HelüngforS. Italien. . . London. . . Vicunort .. Baris.... Schweiz .. Spauica . . Japan . . . Mo de Ian. Wien tn D-. Seit, abflcft SU:: Buoap.'st. . Bul arten t'tffabon . Danzig. . . | «onft nein. Athen. Lanaoa | Utu uaU ■ • Tatro . . Noten . . m ... n .... ölen . . . loten ... loten . . . reich, * 100 ölen . . . o ten . . . len ... . en .... ische Roten. ten enmarft 1 20.3*6 Amtliche »«IO | 168,65 1,376 58,485 112,40 112,39 112,50 10,576 21,995 20,417 4,204 16,473 81,035 43,66 2,083 0,361 59,05 12,448 7,400 73,35 3,046 18,84 81,61 1,784 5,445 4,202 2,917 20,935 Schilling erlin ruar lloiierung Sri t 168,9 1,38 58,70 112,6 112,6 112,7 10,59 22,03 20,45 4,21 16,51 81,19 43,7 2,08 0,36 59,1 12,46 7,41 73,4 3.05 18,8 81,7 1,78 5,45 4,21 2,92 t 20,97 - 0 7 3 7 8 4 9 2 8 7 9 5 0 3 5 4,194 58,38 112,13 20,375 16,448 168,38 22,01 112,12 58,90 2.483 112,35 80,99 43,38 12,41 73,17 Frankfurt 21.3 Amtlich Geld 168,64 1,378 58,565 112,38 112,37 112.48 10,577 21.99 20,413 4,2045 16,473 81,05 44,11 2,080 0,361 59,06 12,453 7,400 73,33 3,046 18,84 81,65 1,784 5,445 4,198 2,917 20,92 cb e 4,214 58,62 112,57 20,455 16,508 169,06 22,09 112.56 59,14 2,503 112,79 81,31 43,56 12,47 73,47 .m. ruoi Dotierung Sriel 168,98 1,382 58,685 112,60 112,59 112,70 10,597 22,03 20,453 4,2125 16,513 81.21 44.19 2,084 0,363 59,18 12,473 7,414 73.47 3.052 18.88 81.81 1,789 5,455 4.206 2,923 20,96 SJL-tfpoti DfB.'Gießen. Die Ligamannschaft hat nut noch ein Verbands- splel auSzutragen, das erst am 8. März in Ockershausen stattfindet. Für kommenden Sonntay ist deshalb zu einem Gesellschaftsspiel die Liaamann- schast be$ Sportvereins Horas bei Fulda nach hier verpslichtet worden. Horas gehört zur 1. De- zirksklasse und hat sich in der diesjährigen Saison die Meisterschaft des Gaues Fulda erstritten. Die Mannschaft spielt einen ungekünstelten, ganz auf Erfolg eingestellten Fußball und versteht auch mit der nötigen Härte zu kämpfen. Man darf gespannt sein. waS der neue Meister bei seinem Gießener Debüt zeigen wird. Die BfD.-Elf sollte Gelegenheit nehmen, ihre Anhänger für das Debakel des vergangenen So.rntagS au entschädigen und durch eine entspre^ende Leistung ihre tatsächliche Epielstärke unter Beweis zu stellen. Düe Ligareserve fährt nach Hermannstein bei Wetzlar, um der ersten Mannschaft des dortigen Sportvereins ein Gesellschaftsspiel zu liefern. Sie steht vor einer schweren Aufgabe, da die Einheimischen die Meister ihrer Gruppe sind und über eine beachtliche Spielstärke verfügen. Auch die dritte Mannschaft fährt nach Hermannstein, um ihre Kräfte nut der zweiten des Gastgebers zu messen. Ob die -Jugend für nächsten Sonntag noch einen Privatspielgegner bekommen wird, steht noch nicht fest. Die A2-3ugenb empfangt zum Pflicht- spiel die /^--Mannschaft des DsR. Butzbach. Sie wird große Mühe haben, gegen die körperlich stark überlegenen Gäste ehrenvoll zu bestehen. Gpielvereinigung 1900 Gießen. Germania Marburg (£iga) gegen Spielvereinlgung 1900 (Ligo). Die Ligaelf der Spielvereinigung tritt morgen einen schweren Gang nach Marburg an. Das Spiel der beiden Mannschaften ist von entscheidender Bedeutung und kann — im günstigen Falle — den Blauweißen zu einer besseren Placierung in der Tabelle verhelfen. Allerdings ist ein Sieg über „Germania" die Boraussetzung. Die 1900er hoben dann noch ein Spiel gegen Spv. Wetzlar in Gießen ausstehen, das sie mit ziemlicher Sicherheit für sich entscheiden sollten. Vermag die Mannschaft also in den beiden Kämpfen siegreich zu fein, dann wäre damit genau das gleiche Punktverhältnis mit Wallau erreicht, und zwischen Wallau und 1900 käme es zu Entscheidungskämpfen um den zweiten Platz in der Tabelle der 1. Bezirksklasse. Diese Sachlage müßte dazu angetan fein, die Hiesigen zu einer energischen Tat anzuspornen. Das Spielfeld der Germanen ist jedoch heißer Boden, und eine fremde Mannschaft vermag dort nur schwer als Sieger vom Platz zu gehen. Das sollte aber die Blauweihen nicht von vornherein entmutigen. Auch die Tatsache nicht, daß das Vorspiel mit 5:0 auf eigenem Platze verloren ging. Die 1900er hatten in ihren letzten Spielen eine unverkennbare Fonn- verbesserung aufzuweisen. Das Rückspiel gegen Fechenheim darf in diesem Zusammenhang nicht zu einem Vergleich herangeAvgen werden, denn es kam unter zwar nicht entschuldbaren, aber doch irregulären Verhältnissen zustande. Bringt die Mannschaft den nötigen Siegeswillen mit und steht auch bei einem etwaigen Torvorteil des Gegners bis zum Schluß durch, dann sollte ein Sieg durch- aus im Bereich der Möglichkeit liegen. Allerdings darf man sich nicht von vornherein aller Chancen begeben, indem man nur mit unvollständiger Mannschaft antritt (wie es leider im Vorspiel der Fall war). Bemerkenswert bleibt allerdings, daß die Gießener im Vorspiel selbst unter den waltenden Umständen dem Gegner zur Halbzeit nur mit einem 1:0 die Führung ließen. Die Spielstärke der Gegner darf deshalb trotzdem nicht unterschätzt werden und wenn sie auch seinerzeit keine überragende Leistung zeigten, so geht doch aus der Tabelle hervor, daß die Mann- schäft von 11 Spielen 7 gewinnen, 3 unentschieden und eines als verloren beenden konnte, und damit verdient an der Spitze steht. Die Blauweißen werden also gut tun, alles aufzubieten, um ehrenvoll zu bestehen und damit zugleich den vom letzten Spiel her etwas ramponierten Ruf wieder zu verbessern. Die Hiesigen müßten dazu um so eher imstande sein, als man bei kompletter Aufstellung bestimmt nicht von schwachen Punkten in der Mannschaft sprechen kann. Win gen seid (Fulda) sollte dem Spiel nicht nur ein sicherer, sondern auch ein gerechter Leiter fein. Die Ligareserve ist voraussichtlich spielfrei, da das in Aussicht genommene Rückspiel in Marburg gegen „Germania 08" (Reservemannschaft) vom Gegner abgesagt wurde. Ön Daubringen weilt die 3. Mannschaft zum Berbandssp^l gegen die dortige 2. Elf. Ein sicherer Sieg der Blauweißen dürste außer Frage stehen. Ein Gesellschastsspiel absolviert die 4. Elf. Sie folgt einer Einladung des Sportvereins Rieder- Walgern und wird auf dessen Platz der zweiten Mannschaft entgegen treten. Es ist dieS die erste Begegnung 1900s mit diesem Verein. Jugendspiele. Am kommenden Sonntag müssen sämlliche gendmannschaf ten und die Schüler au Wettspielen antreten. Die 1. Jugend empfängt hier die 1. Jugend von Lollar zum fälligen Pflicht-Rückspiel, das 1900 für sich entscheiden dürfte. Die 2. Jugend steht um 1 Xtfyc in einem Gesellschaftsspiel der 1. Jugend von Weilburg gegenüber. Die Spielstärke des Gastes ist hier unbekannt, so daß der Spielausgang offen ist. Die 3. Jugend wird vormittags gegen die 1. Jugend von Riederweisel im Pflichtrückspiel einen schweren Stand haben, um so mehr, da die Mannschaft nicht geschlossen antreten kann. Die Schüler fahren nach Hermann- stein, um sich den dortigen Schülern zu stellen. Iußba'lllub 1926 Großen-Duseck. $C. 1926 Grohen-Duseck — VfB. Aßlar. Unter der Voraussetzung, daß der Busecker Sportplatz bei der gegenwärtigen Witterung spielfähig ist, treffen sich am Sonntag zum Meisterschaftsspiel die ersten Mannschaften des VfBi Aßlar und Droßen-Duseck. Die Mannschaften, die tn spielstarker Aufstellung antreten, dürften bestrebt sein, das Treffen mit aller Energie und mit Einsetzung des ganzen Ä6nncn$ durchAU- führen. Aßlar stand seither unter spieltechnischer Leitung des ehemaligen Ligaspielers Hermann Post (VfB. Gießen), der der Gästeelf große Geschlossenheit beigebracht hat. Die erste Mannschaft Grohen-Busecks, die zu Hause schwer zu überwinden ist, dürfte den Gästen zu schaffen machen. Wie sich der Ausgang diese- Kampfes gestalten wird, ist kaum vorauszusagen. Handball im Latin-Dünsberg« Gau Der kommende Sonntag sieht nachstehender Spielprogramm vor: l.Bezirk: Wißmar — Waldgirmes, Atzbach — Launsbach, Erda — Rodheim und Dorlar — Garbenheim. Waldgirmes und Rodheim sollten in knapp über Wißmar bzw. Erda im Vorteil sein während die Spiele in Atzbach und Dorlar als offen zu bezeichnen sind. • 2. Bezlrk: Ruttershausen — Londorf II, Allen- berf II — Lollar. Während sich im ersten Spiel zwei Sleichwertige Mannschaften gegenüberstehen, sollte •oUar in Allendorf knapp gewinnen. 3. Bezirk: Hausen — Wieseck und Beuern — Garbenteich. In beiden Spielen sollten die Gäste klar gewinnen. Die Jugend ist am Sonntag spielfrei » Arn Sonntag findet in Launsbach eine Uebungsstunde für die Gauriege und für die Turner, die sich an den Verbandsgerätemeisterschaften in Staufenberg betätigen, statt. Es werden sämtliche Hebungen, welche für die angeführte Veranstaltung in Betracht kommen, durchgenommen. Ergebnisse vom vergangenen Lvielsonntag: To. Lrda — To. Atzbach 0:2 (0:1). Die hohe Schneelage ließ nur ein mäßiges Spiel au. Atzbach übernahm in der ersten Halbzeit die Führung. Rach dem Wechsel lag der Platzbesitzer meist im Angriff, kam aber über die Verteidigung des Gegners nicht hinaus, während dieser mit einem zweiten Tor den Sieg sicher stellte. To. Waldgirmes — Io. Launsbach 4:1 (2:1). Der klare Sieg des Platzvereins über den Tabellenzweiten bedeutet eine große Ueberraschung. In der ersten Spielhälfte konnte Waldgirmes die Führung übernehmen, der jedoch bald der Ausgleich folgte. Der Platzbesitzer gelangte vor der Pause noch zu einem zweiten Tor und erwies sich auch nach der Pause als die bessere Mannschaft. Tv.Albach — To. Garbenteich 0:5 (0:4). Das Spiel sah zwei harte Gegner auf dem Platze. Der Gast errang bereits in der achten Minute das erste Tor, bald fiel auch das zweite und das Spiel nahm an Härte zu. Garbenteich konnte bald auf 4:0 erhöhen, war aber während der zweiten Halb- zeit nur noch einmal erfolgreich. Das Spiel mußte kurz vor Schluß vom Schiedsrichter abgebrochen werden. Io. Beuern — Io. hausen 3:1 (0:1). Durch einen Freiwurf kam der Gast mit einem Tor tn Vorteil, ließ aber nach dem Wechsel wesentlich nach, Beuern kam infolgedessen zu drei Erfol- gen und verließ als Sieger den Platz. Beginn der $3© Brühl'schen Druckerei Bekanntmachung. Mesenverpachtung der Gemeinde Laubach. Mittwoch, den 25. d. nachmittags 2 Uhr, werden sämtliche wiesen der Gemeinde Laubach auf sechs Jahre verpachtet. Zusammenkunft im „Schützenhof". Die Bedingungen werden vorher bekannt- gegeben. 1334D Laubach, den 17. Februar 1931. Hessische Bürgermeisterei Laubach. Högy.__ Tode»-Anzeige. Nach kurzer, echwerer Krankheit verschied olötzlich und unerwartet unser einziger Sohn und Enkel Hans Walter im blühenden Alter von 6 Jahren. Familie Karl Bonn und Angehörige. Großen-Linden, den 20. Februar 1931. Die Beerdigung findet am Sonntag. 22. Februar, Statt besonderer Anzeige. Heute nachmittag wurde unsere liebe, gute Lini Bremsbelag und ftuvvluuo-bclag liefert Fr. Meinem ttuiOAubebör Llcher Dir. 15 1W,D Wenn Sie eine Abnahme Ihrer Lehtratt oo. bet angestrengt. Arven eine Ermattung Hhrer Au- genloüren.dann lollt.Sie das fett 120 I bewährte reinere Augenwasser verwend Allein- verk für Gießen: Drogerie Wlnterhofl Kreuzplatt 10. Äurzgeschnmenes MM Damplsägewerk Lollar Nubn. A.- tionolsozi uralt (ei Je. schwei den Sieg Sie Tingeldi fr Trau Wahlfrei; für Süd volkspartc deh über cs, Han! zu tragen, famtnlung: berzichten, icden ein; ft anbat b Waßnahm schnelle führt tixt' den Dew< von so diese Tolkspar trauen, i werde. ( Zechte lchneidun« recht erhe zen zur b-irtsch, N'ffe in E bracht wer Vanbtoirtfd ^nbtoirtfd hlJ« den m ben q Erkürt fr Aeu s ® [1|M «int Jyfen. Da Äirti ratest »«6 fe