Sodingen Morsthausen^Zeche WCenis Nr. 245 Erstes Blatt 181 Jahrgang Dienstag, 20. Oktober GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn'ck und Verlag: vrühl'sche Universitätr-Vuch- und Zteindruckerei 8. Lange in Giehen. Zchriftleltung und Geschäftsstelle: Zchusstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re. Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20“ „ mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst DIumfchein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Giehen. Erscheint täglich,auher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanschlüffe anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach» richtens Anzeiger Giehen. Postscheckkonto: zrrnkfurtam Main 11686. Meine Aufgabe. Don General a D. Dr. h. c.WiihelmGroener, Reichswehr« und ^eichsinnenminister. Wir müssen im kommenden Winter alle Kräfte anspannen, um den inneren Bestand des Reiches, die Autorität des Staates und die wirtschaftlichen Grundlagen unserer Existenz so zu festigen, daß das deutsche Volk und mit ihm die Reichsregierung in der Lage sind, in klarer Erkenntnis der Gröhe der Entscheidungen Opfer für eine freie Zukunft zu bringen. Diesem Leitgedanken, dem der Herr Reichskanzler schon in seiner Reichstagsrede Ausdruck gegeben hat, müssen alle unsere Handlungen untergeordnet werden. Die Bereinigung wichtiger staatlicher Machtmittel des Reiches in meiner Hand ist heute mehr als zuvor eine Rotwendigkeit, die wir zur Stärkung und Verdeutlichung der Autorität des Staates und zur Erfüllung der schweren Aufgaben des Winters brauchen. Als Reichswehrminister habe ich darauf gehaltem daß die Wehrmacht als sicherer Hort der staatlichen Ordnung unbeirrt von den Wandlungen der Tagespolitik ihren Weg geht, und schon allein durch ihre Existenz zum Ausdruck der inneren Sicherheit des Staates und der Verfassung wird. An dieser Aufgabe der Wehrmacht ändert sich nichts. Ich lehne es ab. von dieser Linie abzuweichen, und zwar die Wehrmacht als Polizeitruppe des Reichsinnenministers verwenden zu sollen. Ihre vornehmste Aufgabe bleibt, den Staat gegen Angriffe von außen zu schützen und — kraft der unzulänglichen Wittel,-die uns die Verträge gelassen haben — der lebendige Ausdruck des Wehrwillens des ganzen Volkes zu sein. Ebenso wie ich als Reichswehrminister gegen jeden Versuch einer Politisierung der Wehrmacht gekämpft habe, werde ich als Reichsinnenminister dafür sorgen, daß die personelle Verbindung mit einem Ressort, das vornehmlich politische Aufgaben zu erfüllen hat, an der überparteilichen Linie der Reichswehr nichts verändert. Je stärker die politischen Spannungen im Innern werden, je weiter die Spaltung des Volkes in zwei Lager betrieben wird, desto wichtiger wird die Aufgabe der Staatsführung, alle ausbauwilligen Kräfte zu positiver Mitarbeit heranzuziehen. Das gemeinsame Ziel erfordert aber, daß der Willkür in der politischen Betätigung Schranken gezogen werden, wenn sie auf den gewaltsamen LI m st u r z der Verfassung und auf die Vernichtung unseres Staatswesens und unserer Kultur im Bolschewismus gerichtet ist. LInsere Ehre erfordert die Bekämpfung von Versuchen, durch Denunziationenund böswilligeDif- famierung das Ansehen des Deutschen Reiches herabzusehen und die Bekämpfung einer politischen Kampfweise, die sich in Hetze und Verunglimpfung der Einrichtungen des Staates und seiner führenden Persönlichkeiten erschöpft. Das Ansehen des Deutschen Reiches erfordert, daß Terrorakte gegen politischeGeg- n e r und blutige Auseinandersetzungen von Volksgenossen untereinander unmöglich gemacht werden. Ich werde mich nicht scheuen, zur Erfüllung dieser Aufgabe im Rotfalle drakonische Ausnahmebestimmungen vom Herrn Reichspräsidenten zu erbitten. In diesem Geiste werde ich die zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen erlassenen Berordnungen handhaben. Es wird meine Aufgabe Jein, die gerechte Anwendung der Bestimmungen sicherzustellen. Ich a dabei, daß die überwiegende Mehrheit der ,d)en Presse, der politischen Parteien und Verbände durch die Achtung dieser Grenzen den politischen Kamps unter das sachliche Ziel der Existenz und der Freiheit des Deutschen Reiches stellen, und damit dem verfassungsmäßigen Recht der freien Meinungsäußerung seine Bedeutung wiedergegeben wird. Dann wird es auch möglich fein, die Fülle der einengenben Bestimmungen abzubauen und die Grenzen politischer Betätigungsmöglichkeiten klarer zu gestalten. Ich erwarte davon eine größere Rechtssicherheit aller beteiligten Kreise und nicht zuletzt eine Freimachung der polizeilichen Organe für ihre eigentlichen Aufgaben. Es muß eine Ehrenpflicht der einzelnen politischen Gruppen werden, in ihren Reihen Selbstdisziplin zu halten und Ausschreitungen zu verhindern. Dann kann sich die Polizei darauf beschränken gegenüber Ausschreitungen und Gewalttätigkeiten öorzugehen. Dafür werd» ich allerdings mit meiner ganzen Kraft sorgen, daß, wenn die Staatsgewalt eingesetzt werden muß sie auch in aller Härte durchgreift. Die Polizeibeamten in ihrem schweren, aufopferungs. vollen Dienst gegen WL rstände und Terrorakte zu schützen, betrachte ich als eine Pflicht des Staates, zu deren Erfüllung die schärfsten Handhaben ge- schaffen werden müssen. 3e mehr wir einen fruchtlosen Kampf im Innern vermeiden und verhindern, desto mehr können wir die Kräfte einsetzen zurLIeberwindungder Rot durch positive Maßnahmen. Eine der wichtigsten Aufgaben, die uns neben den wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Reichsregte- tung der Rotwinter stellt, sehe ich in der L i n d e - rungderleiblichenundseelischenRot der jugendlichen Erwerbslosen. Die organisatorischen Möglichkeiten und die Geldmittel für diese Aufgabe sind zu gering, um von Staats wegen allein wirksame Maßnahmen schaffen zu können. Allen Verbänden und Gruppen, die Jugendliche in ihren Reihen haben, erwächst die Aufgabe, in dieser Frage positive Mitarbeit zu leisten. Es wird meine vornehmste Aufgabe als Reichsinnenminister sein, alle Bemühungen und Versuche, die gemacht werden, um d i e I u - ge nd von der Straße wegzubringen, sie zu Zucht und Ordnung zu erziehen, sie körperlich zu ertüchtigen und in ihrer geistigen Haltung wehrhaft zu machen, so weit wie möglich zu unterstützen. Die in meiner Hand vereinigten Machtmittel des Staates sind stark genug, um der Betätigung der aufbauwilligen Kräfte im Volke weiten Spielraum zu lassen. Die Jugend braucht Ideale. Sie soll die Freiheit haben, für sie au leben, wenn sie nicht gegen den Staat gerichtet sind, sondern auf Deutschlands Zukunft. Rachklänge zur Braunschweiger GA.-Tagung. Braunschweig, 19. Okt. (TU.) Bei dem nn= tionalfozialistischen Treffen, das, wie jetzt parteiamtlich gemeldet wird, 104 000 SA.-Leute in Braunschweig zufammenführte, kam es verschiedentlich zu Zusammenstößen, die insgesamt 2 Todesopfer forderten. Unter dem Verdacht, den Arbeiter Fischer erstochen zu haben, wurde ein Mann aus Plauen verhaftet. Auf dem Klint rourbe ferner ber Arbeiter Engelke b u r d) einen Bauchschuß töblich getroffen. Rach bem Polizeibericht finb insgesamt 60 Personen bei Zusammenstößen teils schwer, teils leicht verletzt worben. Der Behörbe war bekannt geworben, baß etwa 40 Jungkommuni st en von außerhalb nach Braunschweig gekommen waren, offenbar in ber Absicht, Unruhe zu stiften. Sie mürben sest- genommen und über bie Stabtgrenze abgeschoben. An einer Stelle würben zwei Kraftwagen von Kommunisten mit Steinen beworfen. Bei einem weiteren Zusammenstoß würben zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. Die politischen Zwischenfälle setzten sich auch Montag fort. Es kam wieberholt zu Zusammenstößen zwischen abreifenben Nationalsozialisten unb Gegnern, bei benen bie Schutzpolizei zum Einschreiten gezwungen war Das Braunschweitzer Ministerium b e s I n - 11er n teilt mit: „Die von anberer Seite aufgestellte Behauptung, in Braunschweig hätten aus Anlaß bes SA.-Aufmarsches Straßenkämpfe getobt, entspricht in keiner Weise ben Tatsachen. Es ist lebiglich hier unb bort zu Ansammlungen sowie zu Zusammenstößen von Personen gekommen, besonbers in ben Nachtstunben, bie burch politisch linksgerichtete Elemente verursacht waren. Die Aufrechterhaltung von Sicherheit unb Drbnung ist in keiner Weise gefährbet. Vielmehr ist bie Polizei in jeber Beziehung Herr ber Lage." Reichsinnenminister Gr 0 ener hat im Zusammenhang mit von verschobenen Seiten erhobenen Beschwerben ben braunschweigischen Oefanbten in Berlin gebeten, einen authentischen Bericht über bie in Frage stehenben Vorgänge zu erstatten. Die Behauptung, bas Reichsinnenministerium erwäge, bie Polizeigewalt in Braunschweig in bie Hänbe bes Reichsinnenministers zu überführen, wirb von unterrichteter Seite als Kombination bezeichnet. Londoner Echo. Großes Zntereife für die Braunschweiger Tagung. Lo n b 0 n, 19. Ott. (ERB.) Von dem Interesse der Londoner Blätter an der nationalsozialistischen Bewegung zeugt die Tatsache, dah mehrere Zeitungen Sonberkorrespondcn- t e n zu der Braunschweiger SA-Kundgebung entsandt hatten und daß alle übrigen Blätter ausführliche Schilderungen ihrer Berliner Korrespondenten veröffentlichen. „Morning Post" sagt: Hitlers Aeußerung, wenn die»Rationalfozialisten die Rerven nicht verlören, werde es keine Macht in Deutschland geben, die sie niederhalten könne, wird vielfach als Zeichen dafür ausgclegt, daß in den Reihen der Rationalsozialisten Llnruhe darüber herrscht, daß ihr Führer nur legale und verfassungsmäßige Methoden anwenden will. „Daily Telegraph" schreibt, die gestrige Kundgebung der Rativnalsozialisten sei ein Triumph der Organisation gewesen. Vielleicht habe es sich um eine Probe-Mobilmachung gehandelt. Waffen seien nicht getragen worden, aber abgesehen davon hätten die Versammelten den Eindruck einer zum Kampf organisierten unb ausgebilbeten Armee gemacht. Auch „Daily Mail" spricht von einer mit militärischer Pünktlichkeit und Energie durchgeführten friedlichen Invasion. „Daily Expreß" in Braunschweig sagt, das Braunschweiger Treffen sei der eindrucksvollste Beweis der Kampfkraft des deutschen Faschismus gewesen, der bisher Schwere Schlagwetterexplosion auf Zeche Mont Cenis Recklinghausen *-Wanne Eicke! ^Altenhofen XuNGLÜCKSSTELLE Karte ber Unglücksstätte. Herne, 19. Oktober. (WTB.) Aus ber Zeche Mont Lenis in Sodingen bei Herne ereignete sich gegen 8.30 Uhr in ber ersten westlichen Abteilung ber fünften Sohle Flöz A eine Explosion, ber zwölf Bergleute zum Opfer gefallen finb. 24 verletzte konnten von ben Rettungsmann. gen oder Einschließungen von Bergleuten kamen vor. Die Menge vor den Zechentoren wartete immer noch auf weitere Rachrichten und glaubte nicht, daß das Unglück, das zunächst so.furchtbare Ausmaße zu haben schien, doch nur verhältnismäßig wenig Opser gefordert hat. Weinende Frauen, die um ihre Männör klagen, werden nach ihren Wohnungeii geführt. Auf dem Zechenplatz ist schon wieder, das gewohnte Bild, die Mittagsschicht ist bereits eingefahren. Bedeutung bei, da der Bergmann an derartige Geräusche, die meistens von Gebirgsschlägen herrühren, gewöhnt ist. Als jedoch kurz darauf die bei Schlagwetterexplosionen charakteristischen Schwaden auftraten, wurde mir klar, in welcher Gefahr wir schwebten. Wir trafen sofort alle für solche Fälle vorgeschriebenen Maßnahmen, vor allem setzten wir das Gesteinsstaubverfahren in Betrieb, wodurch es uns gelang, die an mehreren Stellen auftretenden Stichflammen zu er- sticken und so eine Kohlenstaubexplosion zu verhüten. Mit vereinten Kräften bemühten wir uns, die vergiftetenKnap- p e n , die noch Lebenszeichen von sich gaben nach dem Schacht zu bringen. Als bald darauf die Rettungsmannschaften von „Mont Cenis" und den benachbarten Zechen mit ihren Sauerstoffapparaten am Llnglücksort erschienen, schritt das Rettungswerk schnell vorwärts, jedoch konnte nicht verhindert werden, dah zwölf brave Knappen das Leben lassen mußten und 24 andere mehr oder weniger schwer zu Schaden kamen. Die Toten sind zum weitaus größten Teil an Gasvergiftung gestorben, andere haben Brandwunden erlitten. In den Mittagstunden konnte das Rettungswerk als abgeschlossen gelten. Eine genaue Durchsuchung der Llnglücks- stelle und der benachbarten Betriebspunkte ergab, daß keine Gefahr mehr besteht. Offenbar lag eine Schlagwetterexplosion vor, die aber durch die vorzügliche Organisation der Gesteinsstaubschranken auf ihren Herd beschränkt wurde. Von der Explosion selbst ist in der Grube so gut wie gar nichts beobachtet worden. Auch der Sachschaden ist sehr gering, und keinerlei Verschüttun- Zwölf Tote und 24 Verletzte aus dem Llnglücksschacht geborgen. — Oie Rettungsarbeiten abgeschlossen. An Bord der „Isle de France" Laval auf der Fahrt nach Amerika. — Washington für Wiederaufnahme der Schuldenzahlungen und Herabsetzung der Reparationen. Blick auf bie Grube Mont Cenis. schäften geborgen werden. Der größte leit bet verunglückten hat Gasvergiftungen unb schwere Verbrennungen bavongetragen. Einige von ihnen befinden sich in Lebensgefahr. Die Zeche zählt zur Zeit eine Belegschaft von 1800 bis 2000 Mann, bie sich über drei Schichten verteilen, von Ihnen waren 70 bis 80 Bergleute zur Zelt des Grubenunglücks in der betroffenen Sohle beschäftigt. Eine weitere Gefahr für bie noch unter Tage befindlichen Rettungsmannschaften besteht nach Mitteilung des Oberbergamts nicht mehr. Auch ist nicht mit weiteren Opfern z u rechnen. Auf ber Zeche wird Dienstag morgen ber U n f a 11 a u 9 - schuß ber Grubensicherheitskominisfion eine Sitzung abhalten. Ls steht fest, daß es sich bei dem Unglück um eine Schlagwetterexplosion gehandelt hat, da bie verletzten Brandwunden bavongetragen haben. Oer Augenzeugenbericht eines Gieigers. Schnelles Rett»ngswerk Tie Mittagsschicht wieder eingesahren Herne, 19. Okt. (TL1.) Lieber das Grubenunglück teilte ein Steiger, der zur Zeit des Ausbruches der Explosion in dem betreffenden Revier arbeitete, dem Vertreter der „TLI." folgendes mit: Auf der fünften Sohle waren zur Zeit der Explosion 60 Mann beschäftigt. Gegen 8.30 Llhr vernahm ich in einem etwa 50 Meter entfernten Streb unterhalb meines Arbeitsplatzes einen leisen Knall, legte dem aber keine besonders große I Paris, 19. Okt. (TU.) Sonntag hatte der fran> zösifche Ministerpräsident Laval eine längere Unterredung mit dem französischen Sachverständigen Rist, der ihn über feine Besprechungen mit bem gleichfalls an Borb ber „Isle be France" befinb- lichen Vizepräsibenten ber Feberal Reserve Bank, Burgeß, unterrichtete. Dabei hanbelt es sich be- svnbers um Maßnahmen, bie geeignet erscheinen, bie Währungsstabilität in Europa aufrechtzuerhalten. Der Sonberberichterstatter ber „Information", Fernanb be Brinon, brahtet seinem Blatt von Borb ber „Isle be France" einen bemerkenswerten Bericht über ben mutmaßlichen Inhalt ber Washingtoner Besprechungen Brinon melbet, es sei wenig wahrscheinlich, baß Präsibent Hoover eine einfache Verlängerung bes im Juli ab- laufenben Feierjahres vorschlagen werbe. Gegen eine berartige Lösung mache sich in parlamentarischen Kreisen eine st a r k e Opposition geltenb. Ein Teil ber amerikanischen Oeffentlichkeit scheine jebenfaUs einen weiteren Zahlungsaufschub zugunsten Deutschlanbs zu forbern. Die Schulbverpflichtungen ber anberen Staaten gegenüber Amerika sollten jeboch nicht aufgehoben, sonbern nach Maßgabe ber Zahlungsfähigkeit ber Schulbner bestimmt werben, wobei natürlich an Frankreich gcbacht werbe. Gut unterrichtete Finanzkreise treten ihrerseits für eine Aufrechterhaltung ber Reparationszahlungen in verstänbi - gen Grenzen ein. Man könne baher bamit rechnen, baß eine Herabsetzung ber Tribut- leiftunge n gebilligt werbe, wobei man von einer Jayreszahlung von 50 Millionen Dollar (210 Millionen RM.) spreche. Man habe sogar ins Auge gefaßt, gewisse Bürgschaften in Form von Sonberabgaben zu verlangen. Man habe Grunb zu ber Annahme baß bie Regierung ber Vereinigten Staaten über bie tzemeinsamen Maßnahmen ber Emissionsbanken hinaus bereit fein würbe, mit Frankreich zusammen eine feierliche Erklärung über bie Aufrechterhaltung ber Golbwährung abzugeben Der Neuyorker Berichterstatter bes „Petit Pa- rifien" erfährt u. a., baß man beabsichtige, sämtliche Schulben der Regierungen untereinander zu kommerzialisieren. Man zweifle jedoch daran, ob es im Augenblick möglich sei, in der Oeffentlichkeit Papiere über so große Summen unterzubringen. Man hebe außerdem hervor, daß ein Teil der Reparationen ausschließlich dazu bestimmt fei, die Schulden an Amerika zu zahlen und daß man sich amerikanischerseits daher entschließen müsse, deutsche Bonds in Zahlung zu nehmen. Wahrscheinlich werde man für diese Bonds d i e Saran- tie der übrigen europäischen Mächte verlangen. Die vollständige Aufhebung sämtlicher Schulden werde in amtlichen amerikanischen Kreisen überhaupt nicht ins Auge gefaßt. f-aocnf. una I unter fi mj&rem Zu aller der - 0CWl beit i| denn lveih, ri füi er ein Wei Wiedel tanzt, mit dl Äl gcld t Zrcudc bringen i!r if lvrüchei gut un Älchr 3n < und eir lallen r-ne- anliige wurde reicher L 5 den T über L lchlie destS Danach anlcge dir llS eines t klä« r, bereit, 2. 2 früher er ebe Ichneide machen. HauS.' kehr Ti Der ZL'S. rauft te< rautbar etörs« teuer ^erhnlti Denn batte - kosten s "Dfüra Fitzer 3- Dr anlvruch *fenJ «isch c ™n9en Man c dn Cta N fltmi Hörers <■ Oii ^utgetii Sinrf jeder 6 tH i- m i jatf! >ade' ?I er einen sinken t congtrl »ueill ■ die Zr< \n ein Der voller Ä ei seine 3 sie toii Peiffer? ( lind nkV^Pl ;<6|t ic 5*4,* leine 5 freut er Knmcn- Jet 3 Itr lobe 5ochlun Oie Öefferloge. gung ge Häuser organisiert worden, um den englischen Fabrikanten zu zeigen, welche Waren trotz der starken Propaganda für englische Fabrikate noch immer aus dem Auslande importiert werden müssen. Oer italienische Gegenbesuch. Grandi kommt am Sonntag nach Berlin Berlin, 19. Ort. (WTB. Amtlich.) Reichskanzler Dr. Brüning hat heute durch den deutschen Lot. schafter Dr. v. S ch u b e r t dem Chef der italienischen Regierung, Herrn M u s s o 11 n I, und dem Minister des Auswärtigen, Herrn Gr an dl, die Einladung zu einem Besuch in Berlin übermitteln lassen. Der Ehef der Italienischen Regierung hat Herrn Reichskanzler Dr. Brüning für die freundlich« Einladung feinenherzlichenDonk ausgesprochen und ihm milgeteilt, daß er, indem er sich vorbehalte, feinen Besuch ju einem anderen Zeitpunkt zu erwidern, den Minister des Auswärtigen mit feiner Vertretung beauftrage. Als Zeitpunkt für den Besuch des Ministers Grandi in Berlin ist der 2 5. u n ö 2 6. Oktober vereinbart worden. Herr Grandi wird von seiner Gemahlin und einigen Beamten de» Ministeriums des Auswärtigen begleitet fein. Will Preußen die pädagogischen Akademien sperren? Berlin, 19. Oft. (XU.) 3n Preußen wird, Vie das „Berliner Tageblatt" meldet, im Gegensatz zu allen Dementis, an entscheidenden Stellen erwogen, die heute vorhandenen Studierenden der Pädagogischen Akademien zu Ostern 1932 an einigen wenigen Akademien zusammenzuziehen, ihre Ausbildung noch blS Ostern 1933 zu vollenden und dann aus drei 3 ahre sämtliche Pädagogischen Akademien zu sperren. g e i n e s D e f i z i t S z u r B e r f ü - stellt worden. Wie Staatsanwalt Wendung im Mecker Tuberkulose-Prozeß. Professor Deycke bekennt sich in der Krage der Calmette-Fütterung zu einem wissenschaftlichen Irrtum. Sie politischen Ziele des süddeutschen Ordens Eine programmatische Rede Arthur MahraunS. Montag den ty. OKAobtr ign* ‘fgl/hi wi _ ( in-n® MM O ©«/entnici.Q neuer <>*u» etacctt ® wome ® otdtm « Schnee A Vtneem « Reaet K Sr—tter (g)w>Mit-n<. -O» x* Hiebler Ost y m,ss'e<' Sudivoweu X !tvr*» »tenenae» z«> lot io, 18. Oft (haoas.) Obwohl die oerant* wörtlichen Kreise es nicht für wahrscheinlich halten, daß der Völkerbund sich auf Artikel 16 des Völkerbundspaktes berufen werde, hat die Tatsache, daß eine derartige Möglichkeit in den Genfer Nach* richten erwähnt worden ist, einen sehr unangenehmen Eindruck in japanischen Streifen hervorgerufen und im Zusammenhang mit der Meldung, daß Amerika an den Beratungen des Völkerbundsrates teilnehmen wird, dazu bei* getragen, b i e Furch tvor einer Koalition der angelsächsischen Länder gegen Ja - p a n wieder aufleben zu lassen. Die zuständigen Kreise geben der Ansicht Ausdruck, daß jede neue Anregung einer Anwendung von Sanktionen eher eine schlechte als eine gute Wirkung haben würde und denfremdenfeindlichen Kund* g_e b u n g e n neue Nahrung geben könne. Die Schwierigkeiten, die die Regierung ohnehin schon habe, um zu einer friedlichen Beilegung des Kon- sllktes zu gelangen, würden dadurch nur vermehrt werden. Die amtlichen Kreise sind der Meinung, daß es nicht nötig sein wird, mit dem Völkerbund zu brechen. Die offenen und freundschaftlichen Besprechungen mit Washington haben die ursprüngliche Befürchtung zerstreut, daß durch ihre Verbindung mit dem Völkerbund die Vereinigten Staaten einen Druck auf Japan ausüben wollten. Die amtlichen Kreise hoffen, daß der Völkerbund allmählich begreife, jeder Versuch eines Zwanges würde zu einem Mißerfolg führen. Das Kabinett kam zu der Entscheidung, daß der Vorschlag des Völkerbundes, die japanischen Truppen in der Mandschurei innerhalb von drei Wochen aus ihren jetzigen Stellungen zu- r ü ck z u z i e h e n, für Japan unannehmbar fei. Das Kabinett sprach sich vielmehr dafür aus, daß unmittelbare Verhandlungen zwi- Ken Japan und China In Anwesenheit von neutra* t Beobachtern ftattfinden sollten. Lübeck, 19. Oft. (WTB.) 3n der heutigen Verhandlung des Tuberkulose-Prozesses kam es zu einer überraschenden Aussage des Professors Dr. Dehcke. Professor Deycke erhob sich, um u. a. folgendes auszusagen: 3ch möchte aufstehen,, weil ich etwas sehr Ernstes zu sagen habe. Damals, bei der Einführung des Cal- mette-Derfahrens in Lübeck, war ich der felsenfesten Ueberzeuaung, daß das Calmette-Der- fahren nicht nur unschädlich, sondern daß es n ü tz - l i ch war. 3d» bekenne offen und frei, daß daS ein wissenschaftlicher 3r r t u m gewesen ist. und zwar ein wissenschaftlicher 3rrtum, der sich mir aufgedrängt hat durch das, was nach der Fütterung in Lübeck geklärt worden ist, woS ich auf Grund anderthalbjähriger Studien festgestellt habe. Wenn man mich wegen diese- wissenschaftlichen 3rrtums strafrechtlich belangen kann, so soll man mich verurteilen. 3ch scheue kein« Berantwortung. Für das. waS ich getan habe, stehe ich ein. 3ch habe mich seit 3 a h r e n bemüht, den kranken Menschen und besonders den Tuberkulosekranken zu helfen, und deshalb bin ich tief erschüttert, daß gerade ich dieses Unglück hervorgerufen habe. Wenn das Gericht dazu kommt, meinen 3rrtum alS Grundlage für eine Verurteilung zu halten, so bitte ich, mich allein schuldig zu sprechen, aber nicht die anderen Angeklagten. 3ch stehe allein für meinen wissenschaftlichen 3rrtum ein. 3n der weiteren Vernehmung betont Dr. Dehcke mit Vachdruck, er hätte sich niemals für eine Einführung des Ealmetie-DerfahrenS eing:seht, wenn nicht biS dahin schon über 3000 Menschen inderWeltmitDEG. gefüttert worden wären, ohne daß man Schädigungen festgestellt bade. Er wieS darauf hin, daß die Hohnfchen Oie (Stimmung in Japan. Angst vor einer angelsächsischen Koalition. — Kein Austritt aus dem Völkerbund. 3m Sklarck-Prozeh kam eS zu Zusammenstößen zwischen den Brüdern Sllarek auf der einen, dem angeklagten Etadtbankdireltor Hoffmann auf der anderen Seite. Hoffmann suchte die Behauptungen Sttareks über den Verkehr der beiden zu entkräften und erzählte, er sei mit seiner Familie in Zinnowitz gewesen und habe Leo Sklarek gebeten, ihm dort einen Besuch zu machen. Er selber sei, von den Sklareks einge- laden, nach Misdroy gefahren und habe dem Söhnchen SklarekS ein kleines Geschenk für 8,50 Mark mitgenommen. Leo Eklarek wandte sich gegen diese Darstellung und sagte, Hoffmann versuche sich als Jungfrau von Orleans aufzu- fpielen. Hoffmann habe veranlaßt, daß Sllarek mit dem ObermagistratSrat Elementz BlutS- bruderschast trank. Man habe Hoffmann betrunken zu Bett bringen müssen. Wie suh In der weiteren Verhandlung herausstellte, »st dem verstorbenen Direktor K i e b u r g außer den bereits bekannten etwa 700 000 Mk. auf Veranlassung des Etadtrats Schüning noch ein weiterer Betrag von 400 000 Mk. zur Ausgleich un ----- • ' • - — Weißenberg hierzu seststellt, hat Sieburg seiner Frau ein ansehnliches Vermögen hinterlassen. StadtamtSrat Schöttler, der als Beamter der Hauptprüfungsstelle die Revision durchzuführen hatte, sagt auS, er sei Kunde der KBD. gewesen und habe auch mit Sieburg gekneipt. Sieburg habe den, ihn besuchenden Beamten Stosse, die für einen Anzug reichten, zu 20 bis 25 Mk. abgegeben. Fast alle städtischen Beamten hätten aus diese Weise bei Sieburg einge lau ft. Einmal habe er für drei fertige Anzüge 105 Mk. bezahlt. Willy Sllarek.erklärt hierzu, es habe sich um englische Stosse gehandelt, die bereits tm Einkauf 50 M k. für den Anzug gekostet hätten. Schöttler gibt AU, auch während der Bilanzprüfungszeit mit Sieburg nächtliche Ausgänge unternommen SU haben. Gr habe eine Bilanzfälschung Sieburgs nicht bemerken können. Dazu wird fest- gestellt, daß Schöttlers Vachfolger bei Prüfung der Bilanzen eine älnterbilanz entdeckte. Aus oder Wett. Ein Jahr Zuchthaus für den Schriftsteller Karl Strecker. 3n Potsdam fand die Verhandlung gegen den Schriftsteller Sari Strecker statt, der der v o r- sählichen Brandstiftung in Tateinheit mit Versicherungsbetrug angeklagt ist. Strecker hatte versucht, eine von ihm gemietete V.lla in Klein-Machnow in Brand zu setzen, u,.. durch die Zahlung der Feuerversicherung am» seiner verschuldeten Lage herauszukommen. Der Brand wurde indessen entdeckt. Strecker wurde verhaftet. Die Verhandlung hatte ein großes Publikum in den Gcrichtssaal gelockt, insbesondere war auch die Presse stark vertreten. Als Leumundszeugen sind von der Verteidigung auch die Schriftsteller Rudolf P r c s b e r und Sari Ros- ncr zur Stelle gebracht worden. Der Angeklagte erwiderte auf die Frage des Vorsitzenden, weshalb er alles be ft ritten habe: Ich wollte alles erleben und auch die Untersuchungshaft nicht umgehen. Schließlich habe ich ja ein Geständnis abgelegt und im älntersuchungsge- fängnis bis jetzt 158 Seiten meinesRomans niedergeschrieben. 3ch war von vornherein entschlossen, ein Geständnis abzulegen, wenn ich genug erlebt hätte. Strecker machte im übrigen den Eindruck eines großen Sindes und nicht eines ManneS in einem Alter von 70 3ah- ren. Vach einstündiger Beratung verurteilte das Schwurgericht Potsdam den Angeklagten zu einem Jahre Zuchthaus. Die Untersuchungshaft wurde voll ungerechnet. Der Haftbefehl gegen ihn wurde aufgehoben. Zusammenstöße im Sklarek-Pro-eh. Ei er Nährböden in Oesterreich, 3talien. Rumänien und anderen Ländern verwendet worden feien und daß selbst Calmette sie benützt habe, ohne daß eine Schädigung der gefütterten Sinder eingetreten sei. Man könne keinen Vorwurf daraus machen, daß in Lübeck Tierversuche unterblieben seien, denn wenn man solche angestellt hätte, wäre die Alebcr^cugung von der älnschädlichkeit des BCD. noch stärker geworden. Die BCG.-Sulturen seien stets st r e n g von anderen Sulturen getrennt worben. Erst nach dem ilnglüd sei ein Stamm humaner Bazillen mit den DEG.-Bazillen zusammen in einen Schrank gebracht worden. Als bei der Sektion eines Kindes zum ersten Male Fütterungstuberkulose sestgestellt worden sei, habe er sofort veranlaßt, daßkeineAusgabe derDCG.- Stoffe mehr erfolge. Aus diesem Grunde habe er auch die ihm vorgeworfene Vernichtung der Kultur vorgenommen. Die Petroffschen Versuche habe er ebenso, wie die meisten medizinischen Wissenschaftler Deutschlands zunächst als Phantasie abgelehnt. Erst im Sommer vorigen Jahres habe ihm Petroff persönlich nachgewiesen, daß tatsächlich der BEG.-Dazillus wieder virulent w e r d e n könne. Eine Frage des Vorsitzenden, ob Dehcke gelegentlich einer Abimpfung humane Bazillen und BLG.-Kultuven miteinander vermengt habe, beantwortete Deycke mit einem entschiedenen. .Vein, niemals". Er habe diesen Versuch erst ein halbes 3ahr nach dem Lübecker äln- glück unternommen. — Die Vernehmung der Schwester Anna Schütze erbringt keine wesentlich neuen Gesichtspunkte. Sie bestätigt die Angaben Dr. Deyckes und sagt aus, daß auch sie eine Verwechslung oder Verunreinigung der Kulturen im Lübecker Laboratorium für unmöglich halte. Neuregelung der Beziehungen zwischen Aerzlen und Krankenkassen. Berlin, 19. Oft. (WTB.) Amtlich. Vom 14. bis 17. Oktober verhandelten die Spitzenoer* bände der Aerzte und Krankenkassen im Reichsarbeitsministerium über die R e u r e g e • lung d e s kassenärztlichen Dien st es. Es wurden Grundsätze hierfür ausgestellt. Die Verbände haben sich eine Erklärungsfrist bis zum 7. November 1931 vorbehalten. .Die Grundsätze suchen bei Sicher st ellung einer ausreichenden und zweckdien- lichen ärztlichen Versorgung der Der- sicherten einen gerechten Ausgleich der jahrzehntelangen Gegensätze zwischen Aerzten und Krankenkassen. Sie pauschalieren die Aufwendungen der Kassen für die ärztliche Behandlung auf der Grund- läge der Ausgaben des Jahres 1930 unter Gewährung eines Abschlages von 6 bis 20 o. 5). und schaffen damit die Voraussetzung für eine befriedigende .Regelung der Iungarztfrage. Während bis- her für die Zulassung der Aerzte das Verhältnis eines Arztes auf 1000 Versicherte galt, soll nunmehr bi e Zulassung fchon für 600 Versicherte möglich sein. Die Streitigkeiten um Arzt- und Honorarsysteme werden damit beseitigt, das lassen* ärztliche Honorar verteilt die ärztlich e Vereinigung. Aus der Regelung ergibt sich "ne weitgehende Vereinfachung des gesamten Kassenarztrechtes und ein starker Abbau der bisherigen schiedsamtlichen Tätigkeit. Vorbildliche Propaganda heimischer Erzeugnisse. London, 19 01t. (WTB.) Auf Anregung des Premierminister« wurde heute in London e-lne von der Vereinigung der De - tallverkäufer veranstaltete Ausstel- lu ng eröffnet, die den Zweck hat. den englischen Fabrikanten vor Augen zu führen, welche Maren au« dem Auslande impor- tiert werden und welche von ihnen durch heimische Produkte ersetzt werden konnten. Unter den 2500 Ausstellungsgcgen- Jtanöen befmben sich Fabrikate aller Branchen, -luf lebem JJabrUat ist das Herkunftsland, die layrlich nach England importierte Menge und ^gebracht. Die Ausstellung ist hauptsächlich durch die Londoner Waren- sei zwar ein begrüßenswerter Anfang, aber stehe in seinen Auswirkungen kaum in einem Verhältnis zu den wirklichen Abhilsemaßnahmen, die notwendig seien, um das große Heer der Erwerbslosen wieder an neuen Arbeitsstätten unterzubringen. Mit der Stadtrandsiedlung müsse vor allen Dingen eine großzügige Dauernsiedlung im Osten Hand in Hand gehen. Die planmäßige und zielbewußte Zusammenfassung aller Eiedlungs.räfte im deutschen Volk sei die notwendige Vorbedingung zu einer erfolgreichen Durchführung dieser großen Siedlungs- aktion. Der Mangel an Geldkapital, der heute noch der großzügigen Durchführung einer Volkssicdlungsbewegung außerordentlich viel Hemmnisse in den Weg lege, müsse erseht werden durch das gewaltige, heute brachliegende Arbeit s k a p i t a l des deutschen Volkes. Die Einschaltung des freiwilligen Arbeitsdienstes in den Siedlungsau, bau könnte hier entscheidende neue Wege der Siedlungstätia- keit eröffnen. Siegen. 19. Okt. (Täl.) Bei einer Kundgebung, die anläßlich einer Teiltagung der Daliei Westfalen des Jungdeutschen Ordens hier veranstaltet wurde, sprachen der Führer des Ordens und der DolkSnationalen Reichsvereinigung, Artur M a h- raun, sowie die Reichsführerin der Jung^-ut- schen Schwesterschasten. H inna Klostermüller. Deide stellten als Hauptforderungen des politischen Tageskampfes der Jungdeutschen Bewegung die Erneuerung des Geistes aut Volksgemeinschaft und den wi r t- fchastlichen Wiederaufbau durch äl m- sic-dlung in den Vordergrund. Da die mehr als fünf Millionen, die heute ohne Arbeit seien, nie wieder dem Erzeugungsprozeß der Industrie zugeführt werden könnten, müßten neue Wege gesucht werden, den Menschen Arbeit zur Schaffung neuer Daseinsmöglichkeiten zu geben. Das Volk müsse ausderEngederGroßstädte zurückgeführt werden auf das flache Land. Heber die Politik de« Jungdeutschen Ordens führte Mahraun aus, politisch hätten sich der Orden und die Vollsnattonale Reichsvereinigung in den letzten Kämpfen hinter den Reichs- Präsidenten v. Hindenburg stellen müssen, nicht nur aus Treue, sondern auch wegen all' der inneren Werte seines Bekenntnisses. Die in Harz bürg vertretene Auffassung, daß alle Kräfte gesammelt werden müßten zur großen Auseinandersetzung zwischen rechts und links, habe die jungdeutsche Bewegung von den Parteien g e l ö st, mit denen kie manche Programmforderungen verbunden hatten. Die Parole des Klassenkampfes und der Unduldsam- keit zerstöre das Ideal der Volksgemeinschaft. Vicht der Kampf um die Macht, der das Volk zerreiße, sondern eine neue, einigende Idee führe den Weg aufwärts. Das Problem, Deutschland wieder zur Vation zu machen, sei leicht zu lösen, wenn es gelinge, ben einzelnen wieder zum Volk zurückzuführen und ihm das Bewußtsein der Gemeinschaft zu geben^ber unendlich schwer, wenn Klassen- und <^Äni'cqcift unüberwindlich blieben. Seine Haltung zu den parlamentarischen Kämpfen der nächsten Zeit mache der Jungdcutsche Ord^n ganz bavon abhängig, daß den Menschen, die sich x Clt cinc "eue Existenz schaffen wollen, durch den Staat die Möglichkeit da- zu gegeben werde. Von dem Freiwilli- 9 en /ArbcitSdienst müsse gefordert tocr- x er in enge Verbindung mit o J.unfl gebracht werde. Vur die reine Landsiedlung könne wirkliche Hilfe bringen. Die Zungdeuische Landnehmerbewegung. D°rUn. Ig. Okt. (TU.) Der Jungdeutsche ^ranstaltete eine Kundgebung, auf der der volksnationale RelchstagSabgcordncte Prof. Dr I nnhn»^1C 3 r* Unl> der jungdeutschen ßanönebmerbetoegung einging. AuS- hi' flache, daß infolge der lieber- n 2 L t europäischen und aufter- ^"^ustrien tm Laufe der nächsten Monate und Jahre mit einem wesentlichen A b - bau derJndustriekapazitäten^u rech- mninV.m1' £aB 3nbuftrie Übel, flüssig gewordenen Menschenrnasien neue Produkt i o n« st at te n g e s ch a f f e n werden müßten. kam der Redner zu dem jungdeutschen Vorschlag einer großen planmäßigen BolkSsied- “nA der Reichsregierung. 100 030 dr- S ft ?i 1 r? d" Umgebung der größeren Städte al« Selbstversorger- Siedler anzusetzen. Der chinesische Boykott. Entsendung eines japanischen Kreuzer- nach Lhanghai. Pari«, 20. Oft. (WTB. Funkspruch.) Der Shanghaier Korrespondent des ..Petit Parisicn" meldet, der japanische Leicht-Kreuzer Dakumo würde am 23. Oktober d. 3. mit Landungstruppen nach Shanghai auSlaufen. weil dort die japanfeindlichen Kundgebungen zunähmen. Vorgestern hätten 7t #cro. Clnbcrtbal. Ein Angebot auffallend preiswerter Lichtspielhaus Gießen Pfd 60 Margarine dieguteSAF-Qualität,Pfd.66,57, 42 Liter80, 55 Kleine Deckchen.37 37 cm.... 0.25 PREISWERTE HÜLSENFRÜCHTE Erbsen Ö eiD mit 4q chale, Pfd. lö Bohnen weiß...™. 16 Tafelreis fem .Ptd 24 0.65 Kaffee- und Teewärmer HauSderHandarbeit 7023 < Gießen ■Seltersweg 73 617» A OUKJiHGRAE Seit 40 Jahren sind Handarbeiten eine Spezialität unse es Hauseal Daher fachgemäB beratende Bedienung dmeh gut geschultes Verkaufspersonal.— in prachtvollen Farben, besonders schwer und mollig warm, zu dem Decken Decken Kissen. Kissen. Decken Decken 2ab Schwa Ibach L X, den 19. Oktober 1931 J. 3- Gießen, Evangelisches Schwesternhaus Die »’ruiicnverei■ e <■ Iclient* G leßener liochNchnlgeHellffChaft (■oethebund lieMNiNCiie Landen-l’nivereltät Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäfts karten statt. Vortragender: Herr Univ.-Pro feeaor Dr. Kornemann, Breslau. U in recht rege Beteiligung bitten: Biirgcrmeieterel Gießen Mittwoch, den 21. Oft und folgende Tage verkaufe ich zu den billigsten Preisen im Löwen, Neuenweg: Kleiderschränke (ein- und zweitürige), Büfetts und Kredenzen, Waschtische, Nachttische, Tische und 100 Rodelschlitten (sämtliche Gegenstände sind neu), einen Warenschrank mit Schiebetür, Herren- Giefien (Gr. Steinweg 26),den 20 Okt 1931 ' 6106 | Kaufgesuche | Ein komvl., guterl). Schlafzimmer sowie eine Nähmaschine, preiswert, nen. bar zu kaufen ncfudit. 2dir. Ann. u. Oslo? a. d. G. A. Auf gutem Haustoch— moderne Kreuzstich-Zeichnungen Doud. Dioiom^en- Sdirelütlfdi für Privatbüro u. Rechtsanwälte geeignet, preiswert zu oerk Wo sagt die Geschäftsst. d. G.A. Danksagung. Wir danken allen herzlich für die tröstende Anteilnahme beim Heimgang unserer Heben Entschlafenen. ..60 60 cm .. . 0.65 . .83 80 cm ... 0.90 ...40 45 cm.... 0.50 ..45 65cm .... 0.65 133 130 cm ab 2.25 130 160 cm ab 2.40 Danksagung. Herzlichen Dank allen, die beim Ableben unseres lieben Entschlafenen seiner treundl. gedachten u. ihm die letzte Ehre erwiesen. Familie Wagner u. Geschwister. luetizrat Brink, Berlin, über Bahn frei! Für die trauernden Hinterbliebenen: Karl Ott, Lehrer. Linsen ml,lel°,oBP?d. 18 Oeiientliche Versammlung! Donnerstag, den 22. Oktober 1931. abends 81/, Uhr sprechen im Katholischen Vcrelnshaus Landtagsabgeordneter Bauser, Stuttgart, Reichs-Parteiführer der Volksrecht-Partei, über Die Entrechtung der Sparer, Rentner und Beamtenschaft MWl in ollen Lebensfragen! Die Münchner Hellseherin Claire Mcicbait ist ü. 3. in Frankfurt a. M- WaidschmidtiirLNp.rel.1bti02. Lvrechst.: 10—1 und 4-7 Uhr «auch SonntagSl. Der bek. Gelehrte l. 06128 Salatöl reinschmeckend viel oityelt«. Peshalb bei S*F kaufen T** 1—--- Schweineschmalz amerikanisches, garantiert rein Münster (Kreis Gießen), den 19. Oktober 1931. 7015 D 2 Sillen am Nahrungsberg Zu (Gunsten der Winter-Nothilfe findet nm Sonntug, dem 25. Oktober, abends 8 Uhr. in der Aula der Uni- vereinte ein Lichtbildervortrag Aus der Heimat Abrahams und der Sintflut Voranseige Ab Donnerstag: Hans Albers in tvoch, den 21. d. M. LteUdichcin 14.30 an der Eiche aus der Wiese zwisch. Klein» Linden und dein Bahndamm. Halali: LiidauS- gang Klein-Linden —Groben • Linden. Am Sonntag, dem 25. 10. folgt der Klub einer Einlad. des Rettervereins Rabenau. Roheres b. Borstand. toh D Porstand d. Reit« und stabrklubo (Wichen u. U. QßllilllllllllllllllllllllllllllD Ludwig Savtmetz Neuenweg 28 — Telephon 3414 395 Tagesmädchen für lofort gesucht. Borzust. Stevhan- strafrc 14 /I.o6ioa KaulmUnnl*c.ior Verein O h erkenn Ihc her GeNchlch nvereln »Io öheren Nehmen <>ieUenw Verein für Erd- und Völkerkunde. SftmtHche Plätze sind numeriert. Preise Mk. 1.20 1.—, 0.75. Vorverkauf in der Musikalienhandlung Ernst Challier, Neuenweg. Am Vortragsabend Karlen am Saalelngan-'. Marktstraße 29 GIESSEN Seltersweg 20 Soziale «Nicht ber Ausgeber v. Elellen- angtboltn Ifl U, die ein» grgon-r ^eotrbuna* unterlagen (Zeugnisse, SeugnUabMnfL £ld>t- bUbcru.dgl.lsckneNNen« iurütfxu<. Die Stellung- ludicnben sind danlbor büfür, wenn man Ihre Lemühungen »ur <$r- langung ein. geeigneten Idtigfeit aul biefe JBelfe untcrflöfil und sind auf 6lefe selbssveNlänbNibe Pfll*f auch angewiesen. Gietzerrerr Anreßaev gezeichneter Handarbeiten Mtzelsuppe Don 9 Uhr ab Wellfleisch mit Kraut Zuoerl., fleih. Personen sof. gesucht. Wochenvcrdienst NM. 25,—. Angel), an Postlckliehf. 320 Braunschweig—15. Ordentliches, jung. Mädchen in landw. Haushalt zum 1. Nov. ges. Wichen, Marburg. Strane fif>. 06119 Aulo-Geleoenheitskaul 4 PS [ht-A 350 ccm, neu, mit komvl. Ausrüstung, 550,— Mk., verk. Krati, Cber-Eb- men, Hessen, ^d. Mücke 65. oeiie bekömmlich, ausgewogen Pfd. 25 7028 A Verschiedenes! Matratzen, 2ofas usw. werd. bill. im Haufe aufgearbeit., a. geg. Anzugs od. gebr. Mantel. um Ine beide generalüberholt. oiei weit Op- l. Gießen Arankhirter Str. 52. Eine nut erhaltene vobclbank zu verk. Zu erfragen in der Geschaftsü. d. 0). A. Kleines Personeoauto mit drei bis vier Sitzen zu kauf, gef., Tiri, DKW. o. ä. Koevv, Cüerlemp, Wetzlar-Land.7o;o v 1 neue Bandsäge und 1 gebrauchte Schrotmühle zu verk. Wo sagt die Geschäftsst. d. G. A. Schlafzimmer echt Eiche, modern, 180 brt., neu, spottbillig abzugebcn. Teilzahl, gestattet. Schristl. Ang. unt. 06110 a. d. Gieh. A. Schlaszimssier kontvl. m. Pfatr., billig zu verkaufen. 9täh. in der Geld).- Stelle d. (4.21.106i 12 Wohnung 3 Zimmer, Küche, einger. Bade;. mit Heizung, Mk. 63,— zu verm. Schr.Ang. u. 08i so a. d. G. Ä. 2=3 mmer- Wohnungen mit und ohne Bad in der Händclstrahe z. verm. 9täb. beb. UUnD Architekt Nicolaus. An der Johanneskirci.e 5. Wirtschaftlid) ausgebildetes junges Mädchen sucht Stellung. Fa- milienanidiluh und Taschengeld erw. Sdiriftl. Angeb. u. 7or« d an d. G. A. Tüchtiges LNSdchen fud)t zum 1. 91oo. oder später passend. Stellung. Schr. An- geb.u. o6i3rg. d.G.A. Mädchen m. gut. Zeugnissen, i. allen Hausarb. wie i. Kochen perf., sucht Stelle. Z.erfr. Geschäftsst. d. G.A, | Verkäufe” Sonniges Elagenhaus nabe Uniocrf., enthalt.: 4 Wohng., je 5 Zimm.,Bad, Diele, Studie u. Gart., zu ungefähr halb. »vriedenSpr., für nur Mk. 3*000 zu verk. 1 Wohn. sof. bezieht». Sckr. Ang. unt. oeiie a. d. G.A. Der Aufsichtsrat und Vorstand der Bezirkssparkasse Giehen. 7010 D Der Heimgegangene gehörte lange Jahre hindurch dem Aufsichtsrat unserer Sparkasse als Mitglied und stellvertretender Mit ihm ist ein eifriger Förderer unserer Vorsitzender an Sache, ein verdienstvoller Berater von uns gegangen. Sein Andenken wird auch über das Grab hinaus bei uns V. ei (erleben. Unterzeichnete betrauert tief das Ab eben ihres lieben Ehrenphilisters Herrn Geh Kommerzienrat L. Emmelius Di? siuö. Relornucrbindanö »Anelohla« Im V. DB. I. Ad. C.: Alfred Strack (X X X, X X ) 701? L Nr. 245 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Dienstag, 20. Oktober 1931 Herr Laval beehrt sich... Der Besuch des französischen Ministerpräsidenten in den Vereinigten Staaten. Eine Zweck-Visite, nicht ein Höflichkeitsbesuch. - Die Amerikaner und Frankreich. 3m Hintergrund droht der Kongreß. Von unserem A. G. A.-Korrespondenten. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) N e u y 0 r k, Oktober 1931. Als der Präsident der Vereinigten Staaten im Juni mit seinem Feierjahrsplan hervortrat und Paris seine Zustimmung so lange vorenthielt, bis Deutschland inmitten der zweiten Krise stand, schlug die amerikanische Presse der sonst so heißgeliebten Marianne gegenüber einen Ton an, der auch den dickfelligsten Geldsackbesitzern an der Seine auf die Nieren gegangen sein muß. Das amerikanische Volk, als Ganzes genommen, hat einen gewaltigen Respekt vor seinem Präsidenten. Nicht so sehr vor dem jeweiligen Inhaber des Amtes, sondern vor dem .Amte selbst, dem eine Macht innewohnt wie kaum einem zweiten auf Erden. In diese Ehrfurcht teilen sich die landläufigen Demokraten mit den dito Republikanern, und man geht kaum zu weit, wenn man behauptet, daß das Gros der Bevölkerung auch in an sich belanglosen Aeußerungen des Landesoberhauptes so etwas wie gottbegnadete Weisheit erblicken zu können glaubt. Bei der absolut ungeteilten Zustimmung, die Herrn Hoovers Moratoriums-Vorschlag hier fand, die Einmütigkeit, mit der man ihm zujubelte, bot sich der Oeffentlichkeit ein ganz triftiger Grund, seinem Unmute über Frankreichs Halsstarrigkeit Luft zu machen. Die traditionelle Franzosenfreundlichkeit bekam einen Riß, und daß Paris sich den Abrüstungsideen der nordamerikanischen Regierung gegenüber so urige- bärdig zeigte, trug natürlich auch nicht gerade zur Beschwichtigung der Gemüter bei. Als dritter Stoß kam die brüske Behandlung, die man an der Seine Grandis Anregung eines Rüstungs-Feierjahres zuteil werden ließ. Die Berichterstatter der Pariser Presse scheuen hohe Kabelpreise keineswegs, wenn es sich darum handelt, die Leser ihrer Blätter über das, was man gemeinhin öffentliche Meinung nennt, zu unterrichten. Ihre Kabel, ergänzt durch briefliche Auszüge aus amerikanischen Zeitungen, scheinen nachgerade am Quai d'Orsay einen solchen Grad von Besorgnis hervorgerufen zu haben, daß Herr Laval sich entschlossen hat, dem Beispiele seines Kollegen Macdonald zu folgen und sich mit Herrn Hoover in der Wald- eivs->mkeit des Äapidan-Bergbaches auf einen gestürzten Daumriesen zu sehen, um in trauter Zw.e,prache den schlechten Eindruck zu „berichtigen", den Frankreichs Bereitelung eines Erfolges der Londoner Abrüstungs-Konferenz, seine Halsstarrigkeit gegenüber dem Kriegsschulden- und Kriegstribut-Moratorium und gegenüber Grandis Borschlag hier gemacht haben. Natürlich hat Englands Abkehr von der goldenen Unterlage für seine Währung Herrn Laval einen weiteren Grund für die Beschleunigung seiner Amerikafahrt gegeben. Die Bereinigten Staaten und Frankreich haben als Besitzer einer starken Mehrheit des Welt-Goldbestandes ein großes gemeinsames Interesse daran, die Ausbreitung dieses Geldfiebers, das Umsichgreifen dieser Goldflucht, das sich noch mehr als jetzt schon ausdehnen wird, wenn England nicht über kurz oder lang zum Goldstandard zurückkehrt, zu verhüten. Und wahrscheinlich wird auch die Silberfrage in den Bereich der Erörterungen einbezogen werden. Bor allem aber wird der französische Premier die ganze Macht seiner Ueberredungskunst dazu einsehen, um in dem Leiter der amerikanischen Regierungsgeschäfte einen Freund für sein Land zu gewinnen. Das dürfte keine leichte Aufgabe sein. Wenn man in einem so stramm republikanisch-regierungstreuen Blatte, wie die „New Porter Eve- ning Post" es ist, liest, daß „Herr Laval hier beträchtliche Irritation finden wird, die er zu beschwichtigen haben wird", und weiter „der Präsident (Hoover) hat seit der Zeit, als er im Kriege mit den Franzosen zu tun hatte, herzlich wenig Liebe für sie übrig gehabt: seine Erfahrungen mit ihnen auf der Londoner Abrüstungs- Konferenz und bei den seitherigen Unterhandlungen über Abrüstung waren keineswegs angenehm. Außerdem hat man sich anläßlich der Starrköpfigkeit Frankreichs im Zusammenhang mit den jüngsten Moratoriums-Verhandlungen hier mächtig geärgert. Die Regierung macht die Saumseligkeit der Franzosen im Eingehen auf das Moratorium für die zweite deutsche Krise verantwortlich" ... wenn man ähnliches in ungezählten anderen Zeitungen ausgesprochen findet, so darf man wohl sagen, daß Herr Hoover dem französischen Premier seine Arme nicht so weit öffnen wird, wie seinerzeit dem englischen. Das amerikanische Volk erblickt heute in der grande Nation ein Volk, das kein Verständnis dafür hat, welche Gefahren in den Geldverlegenheiten und der Möglichkeit daraus resultierender innerer Unruhen seiner Nachbarländer für Frankreich selber liegen. Man hört diese Ansicht nicht nur bei außenpolitischen Kannegießern, man hört sie von Männern wie Senator B 0 r a h, man hört sie in Washington, wo immer Leute zusammenkommen, die die Vorgänge in anderen Weltteilen aufmerksam verfolgen. Das scheint man in Paris zu wissen: man scheint einzusehen, daß der nachbarliche Brand sich ausdehnen mag, und darum kommt Herr Laval nach den Vereinigten Staaten. Herr Laval wird sich bemühen, Präsident Hoover über die ungünstige Ausnahme, die seine „die Lebensinteressen Frankreichs so gründlich außer acht lassenden plötzlichen Entschlüsse" in Frankreich gefunden haben, aufzuklären. Er wird ihn vielleicht sogar höflichst ersuchen, in Zukunft den so empfindsamen Parisern solche Ueberraschungen nach Möglichkeit zu ersparen. Er wird dem Präsidenten klarzumachen versuchen, warum Frankreich, wie es behauptet, sich nicht in der Lage sieht, Herrn Hoover auf den für Paris so „riskanten" Pfaden der Abrüstung zu folgen. Er wird höchstwahrscheinlich versuchen, ein Entgegenkommen in dieser heiklen Angelegenheit gegen die Zusicherung einzutauschen, daß die Vereinigten Staaten geneigt wären, sich, wenn auch nur in der Form eines Gentlemens Agreement, hinter Frankreich zu stellen pnd sein Verlangen nach dem berühmten „konsultativen" Abkommen zu unterstützen. Er wird mit dem Präsidenten einen Ausflug in das neblige Gebiet der Kriegsschulden unternehmen, wird über die Verlängerung des Feierjahres mit ihm sprechen, wird ihm über die Ergebnisse Kes Berliner Besuches, die Fortschritte der Annäherung Frankreichs und Deutschlands berichten, an denen die Vereinigten Staaten zweifelsohne das größte Interesse haben, kurz, er wird alles aufbieten, um die Wolken zu verscheuchen, die jetzt die Aussicht vom Washingtoner Kapitol nach dem Eifelturm so bedenklich trüben. Natürlich wird Herr Laval sich ausgiebigst interviewen lassen und wird auch vor das Rundfunk-Mikrophon treten, um dem geehrten Publikum Artigkeiten in französischer Tunke zukommen zu lassen. Das ist ganz selbstverständlich, und der französische Botschafter wäre den zehnten Teil seines Gehaltes nicht wert, wenn er diese Große Chance zu einem Appell an die „große Schwesternation" ungenützt vorübergehen ließe. Wir sind gespannt darauf, welchen Erfolg Herr Laval mit seinem Debüt erzielen wird. Aber, was immer er auch in Washington erreichen mag, so hat er letzten Endes die Rechnung ohne den Wirt gemacht, wenn es ihm nicht gelingt, eine Mehrheit der Mitglieder beider Häuser des Kongresses für sich und sein Land zu gewinnen. Hnd da liegt der Hase im Pfeffer, denn die politische Konstellation in der Der größte Erfinder unterer Seit Zum Tode Thomas A. Edisons. Von Richard Tlieburg. Als vor einigen Wochen Charlie Edison, der Sohn des großen Erfinders, in London eintraf, mußte er sich natürlich sofort über feinen Vater äußern. Er beschrieb, wie der vierundachtzigjährige Mann noch immer seinen Experimenten lebt und wie er Schlaf und Mahlzeiten vergißt, wenn ein technisches Problem ihn beschäftigt. „Mein Vater arbeitet auch am Tage meist bei elektrischem Licht", sagte er, „und merkt infolgedessen nicht, wie der Tag sich in die Nacht verwandelt. Hm nicht gestört zu werden, läßt er bei besonders wichtigen Versuchen alle Hhren an den Wänden stillstehen. Aus seinem Arbeitstisch liegen stets ein paar Zwiebacke und einige Tafeln Schokolade: das genügt ihm, falls er hungrig wird. Mein Vater behauptet, daß alle großen Entdeckungen zu 99 Prozent dem menschlichen Fleiß und nur zu einem Prozent dem Genie des Erfinders zu danken seien." Edisons Genie bleibt dennoch unbestritten. Es hat mehr Menschen gegeben, die Tag und Nacht im Laboratorium verbracht haben, ohne deshalb den Phonographen oder die Kohlenfadenlampe zu erfinden, ohne den Fernsprecher zu verbessern und einen Einfluß auf die Entwicklung der Technik au^jüben, wie dies vor Edison noch keinem Menschen gelungen ist. Etwa 2000 Patente hat Edison in Amerika eintragen lassen, in feiner besten Zeit etwa alle 10 bis 11 Tage ein Patent. Und es waren keine kleinen Erfindungen, die er sich schützen lief). Er war der erste Mensch, der sich im Hauptberuf als Erfinder bezeichnen konnte. Hatte er die Lösung eines Problems gefunden, so verlor für ihn damit jenes ganze technische Gebiet, zu dem dieses Problem gehörte, an Bedeutung, und er ging zu einem neuen Kreis von Ausgaben über. Dieser universale Kopf, der die Naturwissenschaften beherrschte wie kaum ein Mensch vor und nach ihm, hat auf der Schule nichts gelernt, keine Universität besucht und keine Vorlesungen gehört. Er war Autodidakt. Am 11. Februar 1847 wurde Thomas Alva Edison als Sohn eines kleinen Getreidehändlers, der aus politischen Gründen aus Kanada geflohen war, in Milan im Staate Ohio geboren. In der Schule hielt man ihn für völlig unbegabt. Die Mutter unterrichtete ihn deshalb zu Hause, aber auch dieser Unterricht war ihm nicht lange vergönnt. Mit 12 Jahren mußte er sich selbst ernähren, als Zeitungsjunge, der im Gepäckwagen der Eisenbahn mitfuhr und auf jeder Station Zeitungen verkaufte. Im Gepäckwagen legte er sich seine eigene Handdruckerei an und druckte nun, sein eigener Unternehmer, auf eigene Faust eine kleine Zeitung in 200 bis 300 Exemplaren. Da veröffentlichte er Nachrichten etwa folgender Art: „John Robinson, Vorsteher der Gepäckabteilung der Station Iames Creel, ist gestern auf dem Bahnhof gestürzt und hat sich das Bein verletzt. Alle Gepäckmeister sind trostlos." Das wurde auf den Stationen gern gekauft und war ein sicheres Geschäft. Aber in demselben Gepäckwagen richtete sich der junge Edison auch ein kleines chemisches Laboratorium ein, um während der Fahrt zu experimentieren. Durch einen unglücklichen Zufall zerbrach einmal eine Phosphorflasche, es entstand ein kleiner Brand, der leicht gelöscht werden konnte, aber zur Folge hatte, daß der junge Chemiker samt seinen Flaschen und Apparaten unsanft an die Luft befördert wurde. Dabei soll sich ein Schaffner so grob benommen haben, daß Edison sich das Ohrenleiden zuzog, das schließlich zum völligen Verlust seines Gehörs geführt hat. Berühmte Aerzte sollen später Edison vorgeschlagen haben, ihn durch eine leichte Operation von seiner Taubheit zu heilen. Aber er lehnte ab. Nach Jeiner Ansicht hatte er gerade der Taubheit titele Erfolge zu verdanken, denn sie schützte ihn vor Ablenkung durch allerlei Geräusche und bewahrte ihn auch vor nutzlosen Unterhaltungen, die ihn nur vom Laboratorium ferngehalten hätten. Sein Leben galt nicht dem Vergnügen, sondern dem Experiment, der Erfindung. Nachdem man ihn aus dem Gepäckwagen herausgeworfen hatte, richtete er sich ein kleines Laboratorium in der Dachkammer des väterlichen Hauses ein und studierte ein paar Elementarbücher über Telegraphie. Schließlich erhielt er eine Anstellung als Telegraphenbeamter bei einer nordamerikanischen Eisenbahn. Die Apparate, mit denen er täglich zu arbeiten hatte, erschienen ihm sehr unvollkommen, und er verbesserte sie gesetzgebenden Körperschaft der Vereinigten Staaten, die im Dezember zusammentritt, unterscheidet sich ganz wesentlich von der des letzten Kongresses. Es wird Herrn Hoover nicht leicht sein, sein Regierungsprogramm durchzubringen: die Herren Gesetzgeber — namentlich die aus dem Westen des Landes — sind nicht in der Stimmung, alle Pläne des Präsidenten ohne weiteres gutzuheißen, und auch die Vertreter der Industriestaaten des Ostens haben allerlei auf der Pfanne, was nicht auf dem Programm der Administration steht und nicht hineinpaßt. Es brauchen sich nur ein paar ergrimmte Republikaner der demokratischen Opposition anzuschließen, und das Repräsentantenhaus wird arbeitsunfähig sein. Für seine Organisierung, die Wahl eines Vorsitzers (Sprechers), die Ernennung der Ausschüsse usw. stehen bis zu dem Tage, an dem die nächsten Kriegsschuldenzahlungen fällig sind, nur fünf Tage zur Verfügung, vorher muß das Feierjahr bestätigt werden, wenn es Gesetzeskraft und Gültigkeit erlangen soll. Herr Laval ist kein Träumer, er gibt sich also Wohl auch in bezug auf seinen amerikanischen Besuch keinen allzu großen Erwartungen hin. Darin scheint er in Paris — und wahrscheinlich auch hier — viele Gesinnungsgenossen zu haben. Die Zweifler in Paris fragen, was er überhaupt mit seiner Visite zu erreichen hoffe, und sie machen sich aus eine Enttäuschung gefaßt, falls der Premier nicht mit einer greifbaren Errungenschaft nach Hause kommt. Finnisches Tagebuch. Von unserem O.-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, tierboten. Im Land der 40 000 Seen! Tatsächlich: Vier- zigtausend. 40 000 Seen — aber wieviel Inseln? Nun: Weißt du, wieviel Sternlein stehen ...?! Aber wieviel Finnen gibt es? Die Statistik sagt: 3,5 Millionen, davon zirka 340 000 in der Hauptstadt Helsingfors. Aber der erste „Finne", den ich um Auskunft fragte — einen Eishändler mit dem beruhigenden Schild: „Man spricht deutsch!" — konnte weder finnisch sprechen noch Auskunft erteilen: „Ich bin Se nämlich ooch aus Deitschland". Nur eine Stunde später, auf dem Bahnhof, wurden wir Augenzeuge, wie sich zwei Weiße Studentenmützen — unter denen blondes und braunes Haar hervorlugte — von einem jungen Manne unter allerlei Scherzworten verabschiedeten. Aber die Verständigung war etwas erschwert, man mußte dolmetschen, und als der Zug abgefahren war, fragten die kleinen finnländischen Studentinnen in verzweifeltem Staunen: „Wird in Deutschland das Deutsch anders ausgesprochen, als wir es auf der Schule lernen?“ Der erste Abend in der fremden Hauptstadt schloß mit der überraschenden Feststellung ab, daß dort fast mehr Sachsen als Einheimische leben.... Dafür schien es keine Frauen in Finnland zu geben. ^Tatsächlich nicht! Straßenbahnschaffnerinnen und Verkäuferinnen sah man, freundliche Servier- und Zimmermädchen und Liftführerinnen, und hie und da ein paar ferienfleihige Studentinnen. Aber Frauen außerhalb ihres Berufes, die gibt es im Sommer schon gar nicht in Helsingfors, und sonst — auch erst nach 4 Hhr nachmittags! Denn die finnische Frau arbeitet genau s0 toic der Mann, und fast in denselben Berufen. Als hohe Beamtin — und als Straßenarbeiterin, als Handlangerin beim Bau. Auch d i e Ehefrau bleibt berufstätig in diesem Land der altgewohnten Frauenemanzipation. So arbeitet beispielsweise die Gattin des Schuhkorps-Kommandanten als Zahnärztin, und die Frau eines Stabsoffiziers führt ein bekanntes Cafs — und niemand, außer den fremden Touristen, findet etwas Ungewöhnliches dabei. Meine anfängliche Verwunderung über das gänzliche Fehlen der Damenwelt erhielt ihre Erklärung im Innern, im Norden des Landes. Da traf ich dann die Frauen — in der Bahn, in den Touristenheimen, auf den Dampfern. Sie waren blond, braun und nett, diese finnischen Frauen. Gedrungenen Wuchses — aber weder „mongolisch" noch viel weniger — „emanzipiert" ...! Finnland im Sommer versinkt geradezu in einem Kult der „Sonnenanbetung“. Denn diese Sonne scheint nur drei Monate im Iahr: fünf Monate liegt Nebel — und der Rest wird vom Winter beherrscht. Kein Wunder, daß die Einheimischen in der Zeit der taghellen Nächte nur vier bis fünf Stunden schlafen. Sie haben dazu ja genug Gelegenheit in der langen Winternacht, Hnb sie müssen an Sonnenlicht Vorrat aufspeichern in diesen drei Monaten für das übrige Jahr. So hat denn ganz Finnland drei Monate Ferien im Sommer, die Schulen und Universitäten — die Angestellten, die Beamten und die selbständigen Geschäftsleute. Wer nicht reist, hat irgendwo Verwandte auf dem Lande, auf den Schären. Cs seht eine wahre Völkerwanderung ein — meist der Mitternachtssonne entgegen, und in der Stadt bleiben nur die wenigen, diR nötig sind, um das Wirtschaftsleben in Gang zu halten. Aber auch diese „Benachteiligten“ würden beispielsweise von dem Berliner glühend beneidet: Hm 10 Hhr beginnt ihr Dureaudienst im Sommer — um 16 Hhr ist er zu Ende. Zeit noch genug — vorher und nachher — zu einem Schärenausflug, zum Baden, zum Liegen in der Sonne. Drei Monate ist eine kurze Zeit: schnell ist der Herbst da, die kalte, finstere Hebergangszeit mit ihrem Nebel und Regen. So wird es auch dem Deutschen begreiflich, daß dieser Sommer in Finnland weniger zu ernster Arbeit benutzt wird, und daß der Finnländer ebenso wie der fremde Tourist — der ja nur in dieser Zeit in das Land kommt — Sonne und Wald genießt: dreiviertel Jahr Arbeit liegt vor ihm und dreiviertel Jahr Dunkelheit. Der Fremde muß das vor allem berücksichtigen — wenn er nicht zu falschen Schlüssen über Land und Leute kommen will! ♦ Die Armut an Menschen und Ansiedlungen in diesem riesenweiten Land — man denke sich die Einwohnerschaft Hamburgs aus ein Gebiet des jetzigen Deutschen Reiches verteilt! — bringt es mit sich, daß außerhalb der einmaligen Reisesaison die Eisenbahnen geringen Verkehr auf weisen. Aus der Straßenbahn in Helsingfors, so hat man ausgerechnet, fahren fünfmal soviel Menschen wie auf dem gesamten finnländischen Eisenbahnnetz. Man hat jetzt die Karelische Dahn durch das Moorland bis zum Bottnischen Meerbusen, nach Oulu, verlängert und ihr dort den Anschluß an die westliche Nord» Süd-Strecke von Lappland nach Helsingfors geschaffen. Der Boden ist weich — so hat man sich beschränken müssen, an Stelle eines fest- gegründeten Bahndammes Sand aufzuschütten. Deshalb fährt dort der O-Zug — viel bestaunt als das einmalige Ereignis des Tages — als Personenzug, gezogen von einem winzigen Loko- motivchen, das — wie überhaupt im ganzen Norden — mit Holz gefeuert wird. Diesem Zwecke dienen an bestimmten Bahnhöfen große Stapel ?:efchnittenen Holzes, die auf Rampen bereit» iegen und dann von Männern mit Handschuhen an den Händen in eifriger Arbeit auf den Tender verladen werden. Dann rückt das Zügele vor — und nun kommt das Nahrungsbedürfnis der Menschen an die Reihe, Speisewagen gibt es nur im Süden — dort, wo eine größere Kohlen» Lokomotive mit erhöhter Geschwindigkeit ihre Fracht durch das dichter besiedelte und weniger waldreiche Land führt. Der „Turisti", das Kursbuch, verzeichnet deshalb alle zwei bis drei Stunden einen längeren Haltepunkt mit einem Pokal oder mit einem gekreuzten Eßbesteck. — je nachdem es sich um eine Kaffee- oder um eine Frühstücksstation handelt. * deshalb. Es gelang ihm, zwei und sogar vier Telegramme gleichzeitig durch einen einzigen Draht zu senden, ohne daß die Depeschen einander störten. Er war 17 Jahre alt, als er sein Doppels!) st em der Telegraphie erfand, und 22 Jahre, als er den automatischen Telegraphen konstruierte, der selbst auf größte Entfernungen 3000 Worte in der Minute beförderte. Die freie Zeit, die er nach seinem Dienst erübrigen konnte, verbrachte er in seinem kleinen Privatlaboratorium. Als es ihm eines Tages gelang, durch eine seiner kleinen Verbesserungen ein Eisenbahnunglück zu verhüten, wurde eine große Telegraphengesellschaft auf ihn aufmerksam. Er wurde angestellt und arbeitete für diese Gesellschaft eine Reihe von Patenten aus. Als der Direktor, General Lefferts, ihn eines Tages fragte, wieviel er für seine Erfindungen verlange, fürchtete er sich, die ihm ungeheuer erscheinende Summe von 5000 Dollar zu nennen. Deshalb sagte er: „Bitte, machen Sie mir ein Angebot." — „W a s sagen Sie zu 40 000 Dollar?" fragte ihn der General. Als er nun glückstrahlend mit seinem Scheck über 40 000 Dollar zur Bank kam, wußte er nicht, daß er seinen Namen auf das Papier schreiben muhte und da er infolge seiner Taubheit nicht verstand, was der Kassierer von ihm verlangte, nahm er an, daß die Bank den Scheck nicht einlösen wolle und er also betrogen sei. Mit den 40 000 Dollar eröffnete Edison in Neu- hork eine Werkstätte, in der er für fremde Rechnung Apparate baute. Aber die fremden Aufträge störten ihn bei seiner eigentlichen Erfinder-Arbeit. So zog er nach Mcnlo Park, wo er in aller Stille feinen Experimenten leben konnte. Zu jener Zeit sprachen die Zeitungen von ihm schon als von dem „Zauberer von Menlo Park“ und dem „jungen Mann, der mit seinen Fußtapfen den Weg zum Patentamt warmgetreten hat". Bei der Beschäftigung mit telegraphischen Apparaten war ihm der Gedanke gekommen, ob man nicht die menschliche Stimme einfangen, gewissermaßen konservieren und nach langer Zeit wieder hervorholen könne. Er erfand den Phonographen. Diese Erfindung erregte gewaltiges Aufsehen — aber Edison arbeitete längst an anderen Dingen. Die Elektrizität schien ihm eine Hnzahl unausgeschöpfter Möglichkeiten zu bieten. Er vervollkommnete den Fernsprecher und schuf die Glühlampe. Es ist richtig, daß schon 25 Jahre vor Edison der Deutsche Heinrich Göbel elektrische Glühlampen mit Kohlenfäden angefertigt und öffentlich gezeigt hatte. Dennoch darf Edisons Verdienst um die Erfindung der Kohlenfadenlampe im Jahre 1879 nicht „in den Schatten gestellt" werden. Planmäßig untersuchte Edison alle Stoffe, die ihm erreichbar waren, um einen geeigneten Glühfaden zu finden. Dreizehn Monate arbeitete er wie ein Besessener an dieser Erfindung. Zuerst versuchte er es mit feinen Metalldrähten aus Platin, Iridium, Silicium, Bor und anderen Stoffen, dann wollte er verkohlte Papierstreifen in einem luftleer gepumpten Behälter zum Glühen bringen. Er mischte Ruß und Teer, er verbrannte Baumwottzwirn, bis er endlich unter 300 Bambusarten jene herausfand, die sich zur Herstellung von Kohlenfaden eignete. Die Glühlampe war da, aber es fehlte der fortlaufende Strom, um sic zu unterhalten. Edison kuppelte eine Dampfmaschine mit einer Dynamomaschine und errichtete das erste Elektrizitätswerk, das am 4. September 1882 in Neuyork in Betrieb genommen wurde. Emil Rathenau und Siegmund Bergmann lernten bei ihm. Als sie nach Deutschland zurückkehrten, gründete Rathenau die Deutsche Edison-Gesellschaft, aus der die AEG. entstanden ist, und Bergmann die Bergmann-Elektrizitätswerke AG. in Berlin. Neun Qahre verwendete Edison daraus, eine große elektromagnetische Erzaufbereitungs - Anlage in Amerika zu schassen. Sein ganzes Vermögen setzte er ein — und als das Werk vollendet war, wurden in den Bergen von Minnesota besonders ergiebige Erze gefunden, die nahezu zum halben Preis angeboten werden konnten. Das Vermögen war verloren, ungeheure Schulden lasteten auf Edisons Schultern, aber er verlor den Mut nicht und erwarb mit großen Zementfabriken, bic er nun errichtete, ein neues, noch größeres Vermögen. Im Jahre 1889 brachte er den ersten Kinoaufnahmeapparat heraus, und auch später hat er sich um die Verbesserung des Kine- matographen verdient gemacht- Er ist der fruchtbarste Erfinder, den unsere in dieser Beziehung verwohnte Zeit gesehen hat. Die Menschheit wird ihm immer zu Dank verpflichtet sein. Im Gegensatz zu allen anderen „Kultur"- Ländern ist es ein schweres Verbrechen, wenn man auf (Reifen sein Gepäck und seine Wertsachen nicht sorglos irgendwo sichen bzw. liegen läßt. Man würde den mitreisenden oder umstehenden LandeSeinwohnern nur einen bitter kränkenden Mißtrauens beweis geben. Tatsächlich fand ich einmal meinen Rock, als er von dem Gepäck her- untetgegbllen war, wieder säuberlich auf gehängt — und man hatte sogar einige aus den Taschen herauSgefallene Gegenstände wieder hineingelegt. Man denke sich diese Szene auf einem mitteleuropäischen Grohstadtbaynhofl Diebstahl ist ein schweres Verbrechen. Wie mir aus einer Zeitung übersetzt wurde, war gerade ein Dieb, der auf dem Markte 10 Kilogramm Lachs gestohlen hatte, zu derselben Strafe wie ein Totschläger verurteilt worden, nämlich zu vier Jahren Gefängnis. So erlebte ich in einem Autobus, auch in Vord- karelien, dah ein Tourist für dieselbe Strecke 10 Ml. weniger zu bezahlen brauchte als ich. Auch der Tourist wunderte sich — worauf ihm der Führer strahlenden Vlickes die Hand schüttelte mit der Erklärung, er habe ihm im vorigen Iahre mangels Wechselgeld einmal 10 Mk. zuviel abgenommen. Er freue sich, das jetzt wieder gutmachen zu können. In Helsingfors aber verwunderte man sich ob meiner erstaunten Frage, dah man die Autos nachts unbesorgt einfach auf der Straße statt in der Garage stehen lassen könne. „Wenn die Straße breit genug ist. warum nicht?", lautete die erstaunte Gegenfrage. Oberbeffen. Landkreis Gießen. ?Alten-Duseck,19. Oft. Unter (Beteiligung der ganzen Einwohnerschaft und zahlreicher auswärtiger (Besucher fand gestern die feierliche Einweihung unseres Gefallenendenkmals statt. Um 14 Uhr bewegte sich unter Glockengeläute ein stattlicher Zug, bestehend aus den Vereinen des Ortes und der übrigen Einwohnerschaft, vom Gotteshaus zum F.iedhos. Die Feier wurde eingeleitet durch einen Chor des Ge» sangvereins „Germania": „Ein Kreuzlein im Winde". (Nach dem Vortrag eines Schülerchors unter Leitung von Lehrer (Ranft folgte eine Ansprache des Miterbauers des Denkmals, Stein- Hauer Muhl, woraus die Enthüllung des Ehreist- mals folgte. Bürgermeister Becker übernahm das Denkmal, das trotz feiner schlichten Form einen wirkungsvollen Eindruck macht, in den Schuh der Gemeinde, gedachte in bewegten Worten der gefallenen Söhne unseres Ortes und sprach den Wunsch aus, daß das Denkmal, so wie es durch einiges Zusammenarbeiten der ganzen Gemeinde entstanden fei, ein bleibendes Symbol der Einigkeit fein möge. Dann vollzog Ortspfarrer (Naumann die Weihe des Denkmals, wobei er darauf hinwies, dah die für das Vaterland gefallenen Helden ihr Bestes, ihr Leben für uns hingegeben haben und die Gemeinde dieses Denkmal als äußeres Zeichen des Dankes und als Mahnung zur Einigkeit untereinander betrachten möge. Während Pfarrer (Naumann die (Namen und Todestage der 56 Opfer unserer Gemeinde verlas, legten die Schulkinder Blumen auf den Stufen des Denkmals nieder. Vach Gesangs- vorträgen der übrigen Gesangvereine des Orts und Abgabe der Ehrensalve durch den Krieger- verein erfolgten zahlreiche Kranzniederlegungen durch die Vertreter der Behörden und Vereine. Mit dem unter Begleitung des hiesigen Posaunenchors gemeinschaftlich gelungenen Liede: „Ich halt' einen Kameraden" fand die erhebende Feier ihren Abschluß. t Treis (Lumda), 19. Oft. Gestern wurde in unserer Kirche das Grntebanffeft gefeiert, wobei die Konfirmanden das Erntedankfestspiel von Scriba oortrugen, und Kirchengesangverein und Posaunenchor durch ihre Mitwirkung die Feier verschonten. Die ansehnliche Kollekte kam den Evangelischen des Auslandes zustatten. t Allendorf a. d. Lda , 19. Oft. Der Ge - slügelzüchterverein Allendorf und Umgebung hielt gestern im Gasthof „Zum Bahnhof" dahier feine Vierteljahrsversammlung ab. Vach Verlesung der Derhandlungsniederschrift von der vorigen Sitzung durch den Schriftführer erstattete der Rechner die von zwei Mitgliedern des Vorstandes geprüfte Schlußrechnung des vorigen Iahres, die mit einem stattlichen Lieber- schuß abschloß, so daß 200 Mark dem Vereinsvermögen zugeschrieben werden konnten. Sodann wurde an Stelle des verstorbenen 2. Vorsitzenden Herrn Käs, Herr L. Krieb (Allendorf) gewählt. Dom 8. bis 10. Januar 1932 wird dahier eine Dezirksgeslügelschau Jtattfinben, mit der die Feier des 40jährigen Bestehens des Vereins verbunden werden wird. Es stehen für die Schau bereits über 20 Ehrenpreise in Aussicht. Dcr Mitgliedsbeitrag für Arbeitslose wurde auf die Hälfte herabgesetzt und der Zuschuß für die hiesige Arbeitsgemeinschaft der Ortsvereine vom nächsten Iahr an abgelehnt. (D ©rünlngen 19. Ott. Auf her Kraft- voststrccke Gießen - Aambach ist seit heute eine Fahrplanänderung eingetreten. Die erste Fahrt Gambach ab 5.45 Llhr, Gießen an 6.25 Uhr, fällt auS. Die werktägliche Fahrt ab Gambach 14.10 Llhr wird wieder eingelegt. Am Samstag verkehrt dies oKraftpost eine Stunde Vater. Die bisherige Fahrt Dießen ab 19.50 Uhr fährt bereits um 19.15 Uhr ab. Mrcio tyrichbcrg. - Kirch-G önS, 18. Oft. Die Kartoffelernte ist beendet. Obwohl die Kartoffeln unter ber feuchten Witterung stark gelitten haben, ist "5 ®r^ag trotzdem als sehr gut anzusprechen. SHe Felder find in diesem Iahre stark von der Sch necken plage befallen. Kartoffel und Dick- warz sind vielfach angefressen. Durch die Schnek- keiiplage wurde auch die rechtzeitige Aussaat des Wintergetreldes verhindert. - Die Obsternte ift au* hier lehr reichlich au-gefallen. Die Preise sind niedrig, jür BoSkop werden pro Zentner nur 6 btfl ? Mark bezahlt, für Reinetten nur 4,50 Mark Kelterobst, da- kaum mehr abzusetzen ist, wird mit 80 Pfennig bezahlt. — Die Dick- wurzernte ist. begünstigt durch daS Herbst- Wetter, sehr rasch vonstatten gegangen Der Ertrag ist sehr aut. Die Landwirte können nur einen kleinen Teil der Ernte in den Kellern unterbringen. Der größte Teil muh in Erd- löchern vergraben werden. Mrcto Büdingen -r-2uS dem Viddatal, 18. Ott Die Ent- nähme von Streulaub aus den angremen- dep Waldungen, auf die kleinere Landwirt, xll- iährlich angewiesen waren, ist fast ganz > - e q fall gekommen. Obwohl lieb bei nleichble-- Das kerckhoff-Mini in Sad - Aauheim. 1S ** > Links: Die Stifterin, Frau Louife E. Kerckhoff, mit Professor Dr. Groedel. Rechts: Das William-G.- Kerckhoff-Inftitut für Herzforschung in Bad-Rauheim. In Bad-Nauheim fand, wie wir gestern schon i herzigen Stifterin statt. Für den Bau dieses In- berichteten, die Einweihung des Kerckhoff-Instituts, ftituts zur Erforschung und Bekämpfung von Herz- das die Witwe des verstorbenen amerikanischen Mil- I krankheiten hatte Frau Louise E. Kerckhoff 4,5 Millionärs William G. Kerckhoff zum Andenken an I (ionen Mark zur Verfügung gestellt. ihren Gatten gestiftet hat, in Anwesenheit der hoch- I --- Oer Favag-prozeß. Riesige Sonder-Vergütungen an die Vorstandsmitglieder. WSV Frankfurt a. M., 19. Olt. Am heutigen zweiten Verhandlungstage im Favag- Prozeß wurde über den Aktienverkauf an die Röchling-Bank verhandelt. Der Angeklagte M ä d j e als Generaldirektor der an dem Aktienverkauf beteiligten drei Gesellschaften, nämlich der Vereinigten Berlinisch-Preußischen Lebensversicherungs AG, der Berlin-Frankfurter Allgemeinen Versicherungs-Gesellschaft und der Berlinisch-Allgemeinen Dersicherungs AG-, führte aus, dah zunächst Verhandlungen mit«dem Professor Hirsch als Vertreter des Michael-Konzerns wegen Lieberlassung von 25 Prozent der Aktien der Vereinigten Berlinisch-Preußischen aus dem Besitz der Favag zu keinem Ergebnis geführt haben. Die Favag hätte für das Aktienpaket einen Betrag von 2 Millionen Mark gefordert, worauf Professor Hirsch nicht einging. Als später Dr. Altschüh für die Röchling-Bank die Verhandlungen weiterführte, einigte man sich darauf, für 2 Millionen Mark j e 25 Prozent der Aktien der drei oben erwähnten Gesellschaften abzugeben. von dieser Summe, welche der Favag zufloß, wurde nun ein Betrag von 400 000 R2U. verteilt, und zwar erhielt Mädje als Generaldirektor der drei Gesellschaften 110 000 RBL, Professor Hirsch erhielt 20 000 R2T1 und die restlichen 270 000 Reichsmark brachte Mädje persönlich von Berlin nach Frankfurt a. 2H., wo er sie dem Generaldirektor der Favag, Dumcke, in Gegenwart Becker» übergab. Es kam dann die Sprache darauf, daß außer den 4 00 000 Mark noch weitere 100000 Mark verteilt worden seien, und zwar an Dumcke, Decker, Lindner und Schumacher. Schumacher gab dann eine Darstellung, wie es zur Verteilung der 100 000 Mark kam. Eines Tages fei Dumcke gekommen und habe gesagt, es sei ein außerordentlich gutesGeschä tgemacht trort en und er habe bei dem Aussichtsratsvorfiyenden Hoff beantragt, eine Sondervergütung an den Vorstand von 1 00 000 Mark au verteilen. Becker habe ein Drittel bekommen, Schumacher 25 Prozent und der Rest wurde unter die anderen Herren verteilt. Der Vorsitzende verwies darauf, daß um die gleiche Zeit noch andere Vergütungen gegeben wurden. Es sei Pflicht der Vorstandsmitglieder gewesen, für den Konzern auch vergütungslos tätig zu fein. Schumacher erklärte, daß der gesamte Aufsichtsrat die Vergütungen bewilligt habe, und dah er in seiner Handlungsweite nichts Strafbares erblicke. Das Llnter- nehmen sei auch so glänzend situiert gewesen, daß das, was ihm zuteil wurde, gar nicht von (Belang war. Der Qlngctlagte Lindner bestätigte die Aussagen Schumachers. Er hat die Llrkunde, in der die 100 000 Mark bewilligt wurden, zu Gesicht bekommen und war der Ansicht, daß diese Aus- zahlung als eine Entschädigung für die sehr schmale Bezahlung in der Inflationszeit bebendem Landbesitz meistens der Viehstand erhöht, sind die geernteten Stroherträge völlig ausreichend zum Streuen. Die intensive Sungung und Bewirtschaftung des Bodens, die in der Vachkriegszeit cinfetjtcn, haben nicht nur eine wesentliche Steigerung der Körner-, sondern auch der Stroherträge mit sich gebracht, so daß Streulaub entbehrlich wird *!* Echzell, 18. Oft. Nachdem der seitherige Bürgermeister Heinrich Friedrich Schultheiß sein Amt niedergelegt hatte, fand heute bei sehr starker Beteiligung Bürgermeister-Neuwahl statt. Dabei erhielten Stimmen: Fuhrunternehmer Wilhelm Groth I 281, Wirt und'Fleifch. beschauer Otto Küfer 193, Landwirt Wilhelm Reuß 186, Landwirt Otto Scheuermann 116, Landwirt Otto Heller 82, Landwirt Heinrich Präfried II. 27 und Händler Wilh Müller III 41 Es hat also Stichwahl zwischen Wilhelm Groth I. und Otto Küfer zu erfolgen. + Hirzenhain. 19. Oft. Hier wurde nach einem Vortrage von Adolf Schilling (Hirzenhain) über Zwecke und Ziele des Stahlhelm eine Orts- gruppe desStah^lhelm gegründet, der sich eine Anzahl früherer Frontsoldaten anschloh. Mitie Schotten. < Dodenhausen II, 17. Olt. Mit unglaublicher Frechhe11 betrieben gestern Atoci Burschen hier ihren Hausierhandel. Sie wollten in der Lebrerwohnung mit Dro- nunqen und Schimpfen em Geschäft erzwingen und legten zu btefem Zwecke cnige Waren auf einen *iW neben der GlaStüre mit der Forderung an die eebrerfrau. die Waren zu bezahlen. Auf die trachtet werden könnte. Die Llrkunde trug zwar die Llnterfchrift des Aufsichtsratsoorsitzenden Hoff, war aber von Direktor Decker verfaßt worden. Der Staatsanwalt warf die Frage auf, ob auch den Angestellten nachträglich eine Entschädigung für die geringe (Bezahlung in der Inflationszeit gegeben sei. Sch. erklärte, daß die Angestellten sich ihre Gehälter selbst geregelt hätten, nämlich durch die Tarifverträge. Der Vorsitzende betonte demgegenüber, dah dies nur eine Angleichung an die neugeschaffene Lage, aber keineswegs eine Vergütung für die vorherige schlechte Bezahlung sein konnte. Die weiteren Verhandlungen wurden aungefüllt durch die breiten Erörterungen über die Einzelheiten, die sich aus der Lleoernahme der Aktien der Vürnberger Lebensversicherungs-AG. ergeben haben. Der Angeklagte Schumacher ist über die Einzelheiten dieser Transaktion nicht unterrichtet, obwohl sich seine Llnterschriften auf den diesbezüglichen Schriftstücken befinden. Die Verhandlungen wurden von M ä d j e eingeleitet und später von ihm fortgeführt. Generaldirektor Dumcke hatte Schumacher einen Sitz im Auf- fichtsrat der Jntag-Phöbus angetragen, dieser hatte sich zur Annahme jedoch nur unter der Bedingung bereitgefunden, wenn er auch in den Aufsichtsrat der Vürnberger LebensversicherungS- AG. hineinkäme Bel dieser Gelegenheit hatte Dumcke erklärt, dah 62 000 R2TL Aktien der Nürnberger Lebens- Versicherung „frei würden". Ohne sich näher über die Dinge zu informieren, haben Schumacher und Mädje die Sondervergütung in Form dieser „frei gewordenen" Aktien angenommen. Augenscheinlich ist der Aufsichtsratsvorsihende Hoff von den Generaldirektoren getäuscht worden, denn aus den LIrkunden geht hervor, daß dem Aufsichtsrat vorgeschlagen worden war, die 62 000 Mark Aktien an Mädje zu überlassen, weil er das Geschäft der Favag zugeführt habe. Daß auch Dumcke, Decker und Schumacher an dieser Vergütung beteiligt werden sollten, ist in den Akten nicht zu ersehen. Später wurde noch eine Sondervergütung von 3 0 0 0 0 Mk. in bar an die Direktoren Dumcke, Becker und Mädje ausbezahlt. wobei wiederum in einer vom AufsichtSratsvorsitzenden Hoff unterzeichneten Llrkunde nur Mädje genannt wird, der als Vergütung und Entschädigung 30 000 Mk. erhalten sollte. TNädje war von Generaldirektor Dumcke gebeten worden, über diese Angelegenheit gegenüber anderen Vorstandsmitgliedern nicht zu sprechen, was den Vorsitzenden des Gerichts veranlaßte, die Frage aufzuwerfen, ob es anginge, daß innerhalb des Vorstandes einer Gesellschaft bewußt Dinge verheimlicht werden dürfen. Darauf wurde die heutige Verhandlung geschlossen. wiederholte Aufforderung der Lehrerfrau, die Waren wieder einzupacken, erklärte der frechste der beiden Burschen, daß er die Waren nicht nehme, sondern die Frau ihm daS Geld dafür hinzulegen habe: sie solle sich als Deamtenfrau schämen, nichts kaufen zu wollen, und dann fielen Schimpfworte und Drohungen. Zum Glück war die Frau so geistesgegenwärtig, die Waren schleunigst durch die halbgeöffnete Tür zu werfen und die Tür so schnell zu verlch ic'cn daß der Du sche nicht in die Wohnung eindringen tonnte Er trat dann gegen die Türe und craing sich in groben Schimpfereien. auch noch auf der Straße dem herbeigerufenen Lehrer gegenüber. Auf derartige Burschen sollte die Sicherheitsbehörde ein besonderes Augenmerk richten Ober-Schmitten, 19. Olt. AIS heute der diensthabende Bahnbeamte zum Frühdienst erschien, sand er im Bahnhofsgebäude die Türe deS Wartesaals erbrochen und verschiedene Fensterscheiben zertrümmert. Auf dem Boden deS Wartesaals, der verunreinigt war, lagen ein zurückgelassener Schlips und ein Kragenknöpfchen Gestohlen war nichts. Als zwei Beamte deS Eisenbahn-Fahndungsdienstes noch damit beschäftigt waren, den Tatbestand aufzunehmen, erschien im Wartesaal ein etwa lOjähriger Fechtbruder, ordnete seine Fußlappen und steckte den Schlips ein. Vach anfänglichem Leugnen gestand er. gegen 3 LIHr früh die Scheiben mit Steinen eingetroden und die Tür erbrochen zu haben, um einen Unterschlupf im Warte s a a l zu finden. Später sei er $u Fuß nach Schotten gegangen, von wo er zurückgekehrt sei, um seinen vergessenen Schlips zu holen. Der Einbrecher, der offenbar unter dem Einfluß deS *XU kvholS stand, wurde in Haft genommen. ) Mittel-Seemen, 19. Olt. Sin schwerer Llnglücksfall, der leider ein blühendes Menschenleben forderte, ereignete sich heute vormittag. Der Landwirt Heinrich Peppel, einziger Sohn von Altbürgermeister Peppel dahier, war mit Sägen an der Kreissäge beschäftigt, als ihm plötzlich ein Sparren Holz mit größter Wucht gegen d i e Brust geschleudert wurde, waS den un- mittelbaren Tod zur Folge hatte. Dor etwa Ätvei Fahren verunglückte der älteste Sohn von Altbürgermeister Peppel tödlich bei Erdarbeiten am Gederner Bahnhofsumbau. heute verlor ec den noch einzigen jüngsten Sohn. Nrete Alsfeld w Alsfeld, 19 Okt. Die hiesige Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege unter dem Vorsitz von Pfarrer Hechler hat ihre Vorarbeiten für die Winterhilfe i m Kreise und in der Stabt Alsfeld soweit gefördert, daß die Haus- fammlungen in der kommenden Woche in Als- felb beginnen können. Die Hausfammulng in den Landorten werden durch die Pfarrämter geleitet Die auf Wunsch der Stadtverwaltung zur Errich- hing kommende Volksküche soll am Tlont .g, 9. November, im städtischen Weinhau» eröff et werden. Die ehrenamtliche Leitung hat Hotelier Schma11 übernommen. Geplant ift, bedürftigen Personen täglich eine kräftige Mittagskost gegen ein Entgelt von 10 Pf. für die erste, 8 Pf. für die zweite und dritte und je 5 Pf. für jede weitere Person derselben Familie zu liefern. In besonderen Fällender Not ift noch eine weitere Ermäßigung dieser Sage vorgesehen. Bis jetzt liegen Anmeldungen für etwa 100 Personen zur Teilnahme an der Volksküche vor. WSV. Alsfeld, 17. OtL Der am Donnerstag gemeldete Verkehrsunfall, bei dem das vier Iahre alte Söhnchen deS Arbeiters D l h von einem Frankfurter Personenauto übersahren und schwer verletzt worden war, hat das Leben des Kindes gefordert. Der Kleine ist im städtischen Krankenhaus an den Folgen eines schweren Schädelbruches gestorben. ty Niedet-Gemünden. 19. Oft Auf der Bahn ft recke nach Homberg werden zur Zeit durchgreifende Erneuerungsarbeiten vor. genommen. 23 Arbeitern von hier und Umgebung ift dadurch auf längere Zeit Derdienftrnöglichkeit gegeben. OO Ober-Gleen, 19. Okt. Das dörfliche Leben hat feine Eigenart, und es hat diese um so mehr bewahrt, je weiter der Ort vom großen Verkehr abseits liegt. Hier ist eS a. B. noch Sitte, dah die Schulkinder In dem Hause, in dem gerade di« Dreschmaschine ist, ihren.Maschinenkuchen" bekommen. Im Laufe des Tages erscheinen sie so ziemlich alle im Hofe, und die Hausfrau ruft sie dann herbei und gibt jedem ein Stück Kuchen. Die Kinder erachten daS als ihr gutes Recht und die Hausfrau aü8 ihre Pflicht: denn der Tag, an dem der Segen deS Feldes endgültig ie- Wonnen wird, ist es schon wert, daß man etwas davon in der bezeichneten Form abgibt Wie < is bei Kindern nun einmal ist, schmeckt diesen hr .Waschinenkuchen" noch einmal so gut, als tot in ihn daheim die Mutter gebacken hätte. Es ist e.ne rechte Freude, zu sehen wie die kleinen Genies er herumstehen und herzhaft in den Kuchen Anbeißen. Solche Bräuche, so unwesentlich sie v l- leicht an sich sind, verleihen aber dem dörflich.^ Geben fein Gepräge. Es wäre zu wünschen, bafj es den .Klugen" nicht gelingt, auch diese harmese Sitte zu beseitigen und mit ihr ein weiteres Stück Gemeinschaftsgeist im Dvde. Kreis Lauterbach. & Lauterbach, 19. Oft. Am Samstagnachmit- tag ereignete sich auf der Straße Hörgenau—Ni;- felb ein schwerer Derfehrsunfall, der ein junges, hoffnungsvolles Menschenleben forderte. Da» dreijährige Töchterchen des Vanbront» Karl Greb aus Hopfmannsfelb wurde von einem Personenfraftwagen anaefahren und dabei tödlich verletzt. Die Schuldfrage ift dis jetzt noch nicht aeflärt. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Preußen. Kreis Wetzlar. O Hörnsheim, 19. Oft. Eine Versammlung von Grundstückspachtern beschäftigte sich mit der Senfunß der PachtpreIse. Diese betrugen bisher für gutes Land bis zu 100 Neichsrnark je Morgen. Bei der schlechten wirtschaftlichen Lage und dem ständigen Abgleiten der Preise für die landwirtschaftlichen Produkte glaubt man diese hoben Pachtpreise nicht mehr zahlen zu können. Vorerst soll mit den Verpächtern verhandelt werden. Einen Satz von 6 5 RM. je Morgen für gutes Land hielt man für angemessen. Sollten die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern nicht zu einem befriedigenden Ergebnis führen, will man das Pacht- einigungeamt anrufen. (schwierige Finanzlage der Frankfurter Ortskrankenkasse. WSV. Fr a n kf u r t a. M., 19. Oft. Das Defizit bei der Frankfurter Ortskran- f e n k a f f e betrgät in der Zeit von April bis Ende September rund 1,5 Millionen Mark. Veben der Mehrbelastung durch den Vcubau ist dieses schlechte wirtschaftliche Ergebnis der Kasse vor allem auf den Rückgang der Witgliedsziffern der Kasse zurückzuführen, der seit Beginn des IahreS rund 20 000 beträgt. Im September betrug der Mitgliederverlust 1700. Die Kasse hat beschlossen, an die Stadtverwaltung Frankfurt heraruutreten. um ein Darlehen von 1,5 Will. Mk. zu erhalten, unb um eine Stundung der für KranfcnhauSpflege usw. fälligen Beträge zu bekommen. Kirche und Schule. Landkreis Gießen. )( Hungen, 19. Oft Hier fand im »Solmser Hof' unter dem Vorsitz von Defan Engel (Obbornhofen) eine gutbesuchte Ps arrf onf erenz des evangelischen Dekanat» Hungen statt. Pfarrer i. R. Lic Säget (Gießen) hielt einen Vortrag über .Theologisches System und religiöses Leben", der die weitere Entwicklung der theologischen Willenschaft in den letzten Iabr- zehntcn zeigte Eine längere Aussprache schloß sich an. Die Konferenz beschlofi, auch in diesem Iahr in den Gemeinden, in denen es möglich ist, daS Reformationsfest a m 3 1. O kt o b e r entweder durch einen Iugend- über einen Gemeinde- gotteSdienst festlich zu begehen. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. SJlXfpOTt Wirtschaft Verteidigung immer Gestern bessere Auslandbörsen Oie deutschen Börsen eher noch schärfere Formen an, •aris verlautet, , 19. 4,20 58,98 92,81 16,29 16,64 170,41 21,86 92,31 57,73 2,53 97,70 82,34 37,67 72,75 4,22 59,22 93,19 16,35 16,70 171,09 21,94 92,69 57,97 2,55 98,10 82,66 37,83 73,15 Letzte Nachrichten. Regierungspräsident Gaffen wird SiedlungSkommiffar. Berlin. 20. Okt. (LNB. Funkspruch.) voraussichtlich werden heute vormittag die Verhandlungen über die Neubesetzung des Siedlungskommissariates zum Abschluß kommen. Nachdem der frühere preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff abgelehnt hat, ist mit dem Regierungspräsidenten Sassen Fühlung genommen worden, der dem Zentrum nahesteht und als ein außerordentlich tüchtiger Beamter gilt. Er hat bereits zugesagt, und man rechnet nun damit, daß die Ernennung bald erfolgen wird. Der Siedlungskommissar wird zwar nicht Mitglied des Kabinetts sein, aber dem Reichskanzler direkt unter ft ehen, wie die Regelung auch für den Fall gedacht war, daß Reichsminister Trcviranus diese Ausgabe übernommen hätte. Treviranus behält übrigens auch nach der Uebernahme des verkehrsminisleriums d i e Leitung der O ft Hilfe zunächst weiter. Feste Tendenz in Frankfurt. Frankfurt a. M., 19. Okt. Auch in der neuen Woche begann der Effektenfreiverkehr von Bureau zu Bureau ih recht fester Tendenz, nachdem bereits am Samstag für Spezialwerte Kursgewinne zu verzeichnen waren. Da jedoch der Ordereingang bei den Danken außerordentlich gering war, bewegte sich die Llmsahtätigkeit in sehr engen Grenzen. Auf einige Meinungskäufe, angeblich für Berliner Rechnung, traten gegen den Samstag bei Spezialwerten, wie Siemens, J.°G.-Farben, Reichsbank u. a. Kurser- Höhungenvon3bis5 Prozent ein. Auch einig? Lokalpapiere, wie Metallgesellschaft und Scheideanftalt, waren gut gefragt, bei Besserungen um etwa 2 bis 3 Prozent. Anregende Momente bildeten die feste Haltung der deutschen Werte im Auslande im Zusammenhang mit dem Erfolg des Kabinetts Brüning im Reichstage, ferner erhofft man von dem Besuche Lavals in Amerika eine allgemeine Besserung der Weltwirtschaftskrise. Am Markt der festverzinslichen Papiere wurden Reichsschuldforderungen zirka 3 Prozent, Gold- und Liquidationspfandbriefe 0,5 bis 1 Prozent höher gesprochen. Leichte Abschwächungen in Berlin. Berlin, 20.Okt. (WTB. Funkspruch.) Bei der sich langsam verbreiternden Basis des Telephonverkehrs versickert das Geschäft als solches so daß man den Eindruck einer Verringerung der Umsatztätigkeit bekommt. Außerdem fehlt es heute fast vollkommen an Anregungen, und die Kurse erfuhren daher bei relativ wenigen Abschlüssen leichte Abschwächungen. Vie Festigkeit der Auslandbörsen wirkte etwas tendenzstützend, und so ergaben sich m e i st Kursrückgänge von 1 bis 2 v. fj. gegen gestern. Weitere rege Nachfrage bestand nach Goldpfand- i2lmeri!ant|d)e Noten....... Belgtiche Noten......... Dänilche Noten ... Englische Not.'n......... Franzölftche Noten Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Tcutscl,.Oesterreich, • 100 Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Noten Schweizer Noten......... Spanische Noten Ungarische Noten . . An der Londoner Börse herrschte gestern vom Anfang bis zum Schluß ein freundlicher G r u n d t o n. Britische Staatspapiere lagen besonders fest. Sowohl die Pariser Börse, als auch Am- sterda m waren gestern auf einen recht festen Ton gestimmt. Der Erfolg des Kabinetts Brüning, der sich erst gestern auswirkte, hinterließ einen günstigen Eindruck, ferner rechnet man damit, daß die Unterredungen zwischen Hoover und Laval praktische Ergebnisse zeitigen werden. Im Wiener Freioerkehr war die Tendenz bei teilweisen Besserungen freundlicher. Die Neuyorker Effektenbörse eröffnete im Gegensatz zu den europäischen Plätzen in schwächerer Haltung. Eisenbahnaktien waren stärker angeboten. An den i n t e r n a t i o n a l e n D e v i s e n m ä r k- t e n lag im Vormittagsverkehr das englische Pfund gestern kaum verändert, mit 3,88t gegen den Dollar, gegen die anderen Devisen war es eine Kleinigkeit fester. Interessant ist, daß gestern, wieder eine N o - tiz für die Reichsmark aus Paris zu hören war, nämUch 595, die ungefähr der Parität Gelbe Raucherzähne 's; das Richtige für meine Zähne. Nach dreimalig. Gebrauch blendend weihe Zähne, trotzdem dieselben durch vieles Rauchen braun u. unschön wirrten. Ich werde nichts anderes mehr gebrauchen, als Thlorodont." Horst Berg. — Man verlange nur die echte Chlorodont-Zahn» paste, Tube 54 Ps. u. 90 Pf., und weise jeden Ersatz dafür zurück, dritte folgen ließ. Mit 3:0 wurden die Seiten gewechselt. Rach der Pause gingen die Wetzlarer mehr aus sich heraus, vermochten auch das Spiel fast während der ganzen zweiten Halbzeit offener zu halten, erzielten auch bereits in der 4. Minute ihr erstes, aber auch ihr einziges Tor. Der Kampf wogte hin und her, der Tormann der 1900er hatte nun öfters Gelegenheit, einzugreifen, hielt jedoch lein Heiligtum rein. Sein Gegenüber mußte dagegen in der 40. Minute zum vierten M^le (Wil- helrni) den Ball passieren lassen. Während bei den Gästen mit Ausnahme des guten Tormannes und des erwähnten Verteidigers niemand besonders hervorragte, zeigte bei den 1900cm Lippert wieder ein ansprechendes Spiel. Das Trio Heilmann-Lippert-Wilhelmi sand sich ganz gut zusammen. Best auf Linksaußen konnte sich gegen den massiven Verteidiger nicht durchsetzen. Die Läuferreihe Glitsch, Langsdorf, Henrich gut, Schneider und Jäckel in der “ligung zuverlässig. Schmidt im Tor wie außerordentlich sicher. Die 1900er müßten gegen einen technisch besseren Gegner ein erbaulicheres Spiel vorzuführen imstande sein. Es wurde reichlich viel hin und her geredet. Der Kampf wurde für ein Verbandsspiel fair ausge- iragen. Der Schiedsrichter aus Offenbach (Dillbriefen, die sich gut behaupten konnten. Anscheinend suchen gehamsterte Geldbeträge auch weiterhin Anlage, nachdem die Gefahr einer Markentwertung durch die innerpolitische Entspannung behoben zu sein scheint. Auch bei den Sparta s s e n hat sich aus demselben Grunde in den letzten Tagen die Lage erheblich gebessert. Die Einzahlungen überwogen, und die Abhebungen haben wesentlich nachgelassen. lieber die gebesserte Devisenlage bei der Reichsbank läßt sich Positives noch nichts sagen, vor allem kann man die Weiterentwicklung nicht voraussehen: im Augenblick sind jedoch die Devisenabhebungen bedeutend geringer geworden. Der Kampf zwischen Frankreich undAmerikaumdieGoldbestände nimmt Spielvereinigung 1900 Gießen. Spvg. 1900 — SE. Wetzlar-Niedergirmes 4:1 (3:0). Rach langer Zeit sah man auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe wieder einmal ein Derbands- spiel. Es entsprach in jeder Hinsicht den Erwartungen. Das Publikum folgte mit Spannung dem interessanten Kampf, der allerdings keine außerordentlichen Leistungen — von einigen guten Einzelleistungen abgesehen — brachte. Die m längster Zeit reichlich unbeständigen Blauweißen bemühten sich zwar anfänglich um Spielniveau ließen sich schließlich aber doch das System der Gaste aufdrängen. Die Spielanlage litt bedenklich darunter und so war es nicht anders zu erwarten, als daß klare, zielbewußte Kombinationen sehr selten waren und nur einige Male vor dem Tor der Gäste entschlossen gehandelt wurde. Immer- hin reichte es für vier Tore, damit für den Sieg und zu den für die 1900er so dringend nötigen Punkten. Daß viele Gelegenheiten zum Torschuß unausgenüht blieben, versteht sich am Rande. Die Gäste waren kein zu unterschätzender Gegners sie waren eifrig und auf Erfolg bedacht. Der Sturm war jedoch sehr schwach und die Läuferreihe bemühte sich vergeblich. Der beste Mann auf dem Platz war zweifellos der rechte Verteidiger der Gäste, der, so lange er nicht durch eine Verletzung gehandicapt war, den Blauweißen manche Gelegenheit zum Torschuß illusorisch machte. Das Spiel begann bei ständiger, fühlbarer Ueberlegenheit der Plahbesitzer. Die Gäste kamen nur zu einigen Durchbrüchen und gerieten erst gegen Halbzeit etwas in Fahrt. 2n der 20. -Minute flankte Best zu Lippert, jener gab geschickt zu Zeiler weiter und unhaltbar schoß Zeller zum ersten Treffer ein. Die Wetzlarer bemühten sich um den Ausgleich, er blieb ihnen versagt. In der 30. Minute fiel dagegen durch einen schönen Kopfball von Lippert das zweite Tor, dem kaum eine Minute später Wilhelmi das * Der Großhandelsindex. Die vom Statistischen Reichsamt für den 14. Oktober berechnete Indexziffer der Großhandelspreise lag mit 106,7 um 0,6 v. H. niedriger, als in der Vorwoche. Dieser Rückgang ist fast ausschließlich auf Preisrückgänge für landwirtschaftliche Erzeugnisse zurückzuführen. Die Indexziffern für die Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 97,4 (minus 1,6 v. H.), Kolonialwaren 95,1 (plus 1,8 v. H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 99,4 (plus 0,1 v. H.) und industrielle Fertigwaren 133,5 (minus 0,1 d. S>.). * Verlängerung der Zinsverbilligung für Getreideeinkäufe auf Ziel. Nach einer amtlichen Verlautbarung ist die vom Reich gewährte Zinsverbilligung für die zu Ge- treideeinkäusen in Anspruch genommenen Wechselkredite auf Geschäfte ausgedehnt worden, die bis zum 3. Nooemoer 1931 abgeschlossen und erfüllt sind. Dieselbe Maßnahme gilt für bis zum 3. November 1931 diskontierte Wechsel, die als Bevorschussung auf Lieferungsverträge gegeben wurden. entspricht. Die letzte Notiz, am 3. September, lautete 604 und am 18. Juli 600. In London stellte sich die Reichsmark auf 16,65 gegen 16,574 am Samstag. In Amsterdam gab sie nach festem Beginn (58) später wieder etwas nach (57,65), doch war das Geschäft sehr gering. Gegen den Gulden stellte sich das Pfund gestern auf 9.57, gegen Paris auf 98,56, gegen Zürich auf 19,794. Der Dollar ging in Amsterdam auf die andauernden Goldverschisfun- gen etwas zurück. An den Devisenmärkten waren auch am Nachmittag stärkere Veränderungen nicht zu beobachten. Das Pfund lag mit 3,88| gegen den Dollar gut behauptet. Die Reichsmark eröffnete in Neuyork mit 23,50 etwas fester, schwächte sich aber dann auf 23,45 ab. In Amsterdam ging die Reichsmark wieder auf ihren Samstagstand von 57,40 zurück, auch der Dollar war in Amsterdam mit 246,274 schwächer. Termindollars lagen im Angebot. In L o n do n schloß die Reichsmark unverändert mit 16,68, Holland mit 'S,56, Schweiz mit 19,79 und Paris mit 984. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 19. Okt. 3m Frankfurter Eiergeschäft hielt auch in den letzten Tagen die freundlichere Grundstimmung an, wenn auch die Aufwärtsbewegung der Preise zum Stillstand gekommen ist. Die Zufuhren in frischen Eiern haben sich weiter merklich verringert, während auf der anderen Seite das Angebot von Kühlhauseiern mehr und mehr zunimmt, die indessen zu keinem befriedigenden Geschäft führten, da der ohnehin schon schwach einkaufende Konsum Frischeier bevorzugt. Die Preise blieben allgemein gut gehalten, so daß man die augenblickliche Tendenz als gut stetig bezeichnen kann. Es notierten in Pfennig per Stück ab loco Frankfurt a. M.: Bulgaren 10,00—10,50, Jugoslawen 9,75—10,00, Rumänen 9,75—10,00, Russen 8,00—9,00, Polen 9,00—9,50, Holländer 11,50-13,50, Dänen 11,50-13,50, Bayern 10,00—10,50, Dt. Frischeier 11,00—13,00, Kühlhauseier 10,00—12,00, Mittel- und Schmutzeier 7,50—8,50 Pfennig. ständnisvollem Dortrag mit ansprechender Stimme zwei Volkslieder und fand verdienten starken Beifall. Herr Kuhnert wartete "mit zwei Darbietungen zur Violine auf, Paul Gerhard wies nach, daß er nicht nur ein tüchtiger Sportsmann, sondern auch ein guter Rezitator für humorvolle Gedichte ist. Reinhard Depperling wußte mit einem sinnigen Gedicht den Abend einzuleiten. Um den DFB.-Pokal. wie Westdeutschland verlor ... Das noch ausstehende Vorrundenspiel um den Pokal des Deutschen Fußball-Bundes, das am Sonntag vor 10 000 Zuschauer in Breslau ausgetragen wurde, endete mit einer Riesenüberraschung. Südostdeutschland konnte die westdeutsche Els, in der die Läuferreihe vollkommen ausfiel, klar mit 3:0 schlagen und sich damit für die Zwischenrunde qualifizieren, an der noch Süd- und Rqrddeutschland, sowie Berlin teilnehmen. Südostdeutschland zeigte während des ganzen Spiels eine abgerundete gute Leistung und siegte verdient. Besonders erfolgreich agierte der Sturm, der mit seinen Flachkombinationen der westdeutschen Deckung zu arbeiten gab. Bei der westdeutschen Elf wollte auch gar nichts glücken. Spielte der Schalker Sturm hilflos und zerfahren, so stand ihr die Läuferreihe in nichts nach. Einzig die Verteidigung mit dem Kasselaner Weber erfüllte zusammen mit dem Schalter Torhüter einigermaßen die gestellten Erwartungen. Schon in den ersten Spielminuten schälte sich eine Lleberlegenheit der Schlesier heraus, die immer wieder die gegnerische Läuferreihe überlief. 3n der 25. Minute kam der Südosten durch Ioppich zu seinem ersten Treffer. Zwölf Minuten später erhöhte derselbe Spieler auf 2:0 und wieder war es 3oppich, der kurz vor dem Wechsel zum dritten Male unhaltbar einsandte. Rach der Pause tauschte Kuzorra mit 3atzek, ohne daß dadurch der Sturm an Durchschlagskraft gewann. Die Schlesier waren auch jetzt weiterhin überlegen, ohne aber das Ergebnis verbessern zu können. Die Entscheidungen des Danziger Schiedsrichters fanden nicht immer den ungeteilten Beifall 175 Meter Meisterscheibe: 1. Preis E. Gondner, 2. Preis H. Kummerow, 3. Preis H. Blum. Die Ehrenscheibe 10 0 Meter erschoß H. Kummerow und die Ehrenscheibe 17 5 Meter R. Barthelmes. Dereinsmeister wurde Ed. Gondner. Leichtathletik-Saison 1931. Das Fazit der Spielvereinigung 1900. Die Leichtathletikabteilung vereinigte am Samstag Mitglieder und Gäste zu einer Siegesfeier. Die Feier stellte den gesellschaftlichen Abschluß der Saison dar und nahm einen harmonischen Verlauf. Der Trainer der Leichtathletik-Abteilung, Willy Schmidt, begrüßte die Teilnehmer und gab einen Rückblick auf die für die Leichtathletik- Abteilung so überaus erfolgreiche Saison 1931. Richt weniger als insgesamt 26 Veranstaltungen wurden von den Leichtathletinnen und Leichtathleten der Spielvereinigung 1900 bestritten. 84 erste, 86 zweite und 69 dritte Siege stellen das Ergebnis dar, auf das die Abteilung mit Recht stolz sein kann. Mit besonderer Genugtuung könne man, so führte der Redner aus, auf die Vertretung der Spielvereinigung 1900 durch den Marathonläufer Gerhard zurückblicken, der in verschiedenen klassischen Wettbewerben vorzüglich abschnitt und dem Ramen seines Vereins zu gutem Ruf weit über Gießens Mauern hinaus verhalf. 3n einem dreifachen schneidigen Hipp-Hipp-Hurra klangen die Worte aus. Der Vorsitzende des Vereins, Dr. G u y o t, gab ebenfalls seiner Freude über die Erfolge der Leichtathletik-Abteilung Ausdruck und gedachte besonders der Verdienste, die sich die Herren Georg R i ch t b e r g , Willy Schmidt und Hans Meyerhofs (3ugendabteilung) um den Verein erworben haben. — 3m weiteren Verlauf des Abends trugen verschiedene Mitglieder durch gesangliche, musikalische und humoristische Vorträge zur Unterhaltung bei. Fräulein Linnh E tz e l m ü 11 e r sang überraschend sicher in ver- daß die Bank von Frankreich am Donnerstag wahrscheinlich eine neue Diskonterhöhung vornehmen will und damit die alte Relation vom Neuyorker Diskontsatz wiederherstellen wird. Die Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Aufgabe des Goldstandards durch die Vereinigten Staaten wurden in Neuyorker Bankkreisen als vollkommen unbegründet bezeichnet. Auch Kanada ergriff besondere Maßnahmen, um die Stabilität seiner Währung zu sichern. Es habe zunächst mit sofortiger Wirkung die A u s f u h r v o n Goldmünzen und Goldbarren verbo- t e n. Die Bemühungen innerhalb der Maklerschaft, eine Verständigung zwischen den Telephonmaklern und den freien Maklern herzustellen, gehen weiter. Verschiedene Vorschläge wurden heute unterbreitet, so z. B. den Telephonverkehr nur an drei Tagen in der Woche abzuhalten, doch sind alle diese Fragen noch in der Schwebe. Demnächst soll eine Kommission eingesetzt werden, die sich mit den gesamten Fragen des Freiverkehrs befassen wird, diesbezügliche Schritte sollen beim Börsenoorstand bereits unternommen fein. kreis) war gut. VfB.-Gießen. VfB. Ligareferoe — Hermannstein I 0:2. Die Zweite des VfB. konnte ihr Verbandsspiel nur mit 10 Mann bestreiten. Trotzdem war die Partie jederzeit offen und die VfDer muhten sich crst in der letzten Viertelstunde geschlagen bekennen. Dis zur Halbzeit vermochte keiner der Gegner Erfolge zu erzielen. VfB. hatte verschiedentlich Pech mit Schüssen. Die Aussichten auf die Meisterschaft sind durch diesen Spielverlust geringer geworden. Zugendspiele. Die 1. Schülermannschaft weilte in Steinbach und vermochte gegen die dortige gleiche Mannschaft 4:1 zu gewinnen. Die VfDer sind in dieser Saison dadurch benachteiligt, daß die jeweiligen Gegner körperlich den kleinen VfDern überlegen -sind. Das sonntägliche Spiel stand bei Halbzeit 0:1 verloren, aber mit anerkennenswertem Eifer kämpften die VfDer um den Sieg, den sie auch verdient an sich brachten. Handball im Gan Hessen (D. T.) To. v. 1846 I — VfL. Wetzlar 1 8:3 (2:1). Während der 1. Halbzeit sah es keineswegs nach einem hohen Siege der Einheimischen aus. Zwar konnten sie bald mit 2:0 in Führung gehen, doch leisteten die Domstädter hartnäckigen Widerstand und konnten das Spiel durchaus offen gestalten. Dor der Pause kam der Gießener Sturm zu keiner einheitlichen Aktion, in erster Linie wohl bedingt durch die Umstellung. Außerdem spielte sich fast alles auf der rechten Seite ab. Linksaußen und halblinks wurden, obwohl beide öfters freiftanben, kaum bedient. 3n der Hintermannschaft klappte es dafür um so besser. Rach der Pause tarnen die 1846er langsam auf. Schönes Zusammenspiel erbrachte 6 Tore, denen die Wetzlarer nur 2, beid? durch Strafwürfe erzielt, entgegensetzen konnten. Das jederzeit anständige Spiel hatte in Weber, Polizei Butzbach, einen guten Leiter. To. Wetzlar II — 1900 II 3:5. 1900s zweite Mannschaft kehrte am vergangenen Sonntag mit einem beachtlichen 5:3-Sieg aus Wetzlar zurück. Die Spielvereinigungsleute legten von Anfang an mächtig los und führten schon nach knapp fünf Minuten 2:0. Kurz vor Seitenwechsel hatten die Turner jedoch den Dorsprung wieder aufgeholt, als den Gießenern gelang, ein drittes Tor anzul^ingen. 3n der zweiten Halbzeit wurde der Sieg durch zwei von Herbert verwandelte Strafwürfe sichergestellt. Wetzlar kam nur noch einmal zum Torerfolg. Die 3ugend weilte ebenfalls beim Tv. Wetzlar zu Gast. Die 1900er waren den weitaus kräftigeren Turnerjugendlichen in keiner Weise gewachsen und verloren 15:2. Abschießen der Schützengesellschast 1926. Bei dem am Sonntag abgehaltenen Abschießen auf dem Waldschießstand wurden folgende Preise errungen: 10 0 Meter Meisterscheibe: 1. Preis R. Barthelmes, 2. H. Kummerow, 3. E. Gondner, 4. H. Blum, 5. K-. Becker, 6. H. Götz, 7. F. Dewald, 8 E. Beyer, 9. H. Ruhl, 10. H. Schmitz, 11. Preis ch. Gebauer. Büchertisch. — D. Heinrich Matthes: Theologische Propädeutik. Das Wesen des evangelischen Christentums in Glaube, Frömmigkeit und Lebensgestaltung. Geh. 6 Mark, Leinen 7,50 Mark. (Van- denhoeck & Ruprecht, Göttingen.) 182. — Es scheint, daß die Säkularisationsbewegung, die die Mensch- he>t aller Erdteile ergriffen hat, auch in denjenigen Gebieten, in denen die Konfessionsschule vorherrscht, den Ausbau dieses Faches immer dringender fordern wird. Die Anfänge hierzu liegen schon in den Pädagogischen Akademien Preußens vor, in der Art, daß Theologische Propädeutik Lehrfach ist und in den Universitäten Jena und Leipzig ist die Einrichtung getroffen, daß für die Studierenden der Pädagogik Vorlesungen der Professoren der theologischen Fakultäten gehalten werden. In den Dienst des Ausbaues dieses neuen wissenschaftlichen Gebietes will sich vorliegende Schrift stellen. Sie möchte werben für den Gedanken des Aufeinanderangewiesenseins nicht nur von Kirche und Schule, sondern auch von theologischer Wissenschaft und pädagogischer Wissenschaft, sowie für die Erkenntnis, daß nicht nur wie bisher Lebensströme von der pädagogischen Wissenschaft in die theologische Wissenschaft fließen, sondern daß aud) umgekehrt Lebensströme von feiten der theologischen Wissenschaft durch die Philosophie, Psychologie und Pädagogik ausgenommen werden. Die christozentrische Grundauffassung bedingte den Aufbau derart, daß die Lehre von Christus und von Gott an erster Stelle stehen, der Gottesglaube und die evangelische Ethik aber als die Wirkung der Christusoffenbarung zum Ausdruck kommen. — Arnim O. Huber: „Auf wilden Pfaden im neuen Kanad a". (Strecker & Schröder Verlag, Stuttgart.) 248. — Ein Buch voll des ur- wüchsigen Lebens und voll eines befreienden einfachen Humors. Ein Buch, das sicherlich bei Erwachsenen, wie auch bei Jugendlichen gleich viel Freude auszulösen vermag, der Phantasie weiten Spielraum läßt und zugleich Wissen vermittelt. Das alles aus der Hand und aus dem Herzen eines unvoreingenommenen jungen Mannes, der mit 19 Jahren im Bewußtsein seiner überschäumenden Lebenskraft seine pfälzische Heimat verläßt und über dem Teich eine neue Heimat sucht und findet. Das Buch breitet vor dem Leser ein abenteuerliches Leben aus, das intensiver nicht gedacht werden kann.' Als Farmer, als Trapper im kanadischen Busch, als Abenteurer und Fallensteller schlägt sich der Verfasser durch das Leben, er wohnt im Urwald allein und kämpft mit Tieren und Naturkräften um seins Behauptung: er gerät unter Vagabunden und Verbrecher und bewahrt sich sein reines Herz, um schließlich wieder zurückzufinden zur Natur, die ihm oftmals mehr zu geben vermochte als die Menschen. Seine Erlebnisse schildert er in einfachen Worten und doch mit einer frappierenden Klarheit. Immer wieder stößt man auf eine feine Art der Naturbetrachtung, auf viel Tierliebe, die das Buch und den Verfasser sympathisch machen. Daß der Verfasser sein Buch mit selbstgezeichneten Bildern zu schmücken weiß, schließt den Kontakt vom Erzähler zum Leser. Das frische, lebendige, unproblematische Buch ist mehr als eine Reiseschilderung. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das. Amtsverkündigungsblatt Rr. 71 vom 16. Oktober enthält: Falsche Reichsbanknoten. Die Erhebung einer Diersteuer in der Gemeinde Saasen. Die Eröffnung des ordentlichen Lehrganges 1931/32 an den landwirtschaftlichen Schulen. Das öffentliche Kraftdroschkenwesen. Dienstnachrichten. 19Cfiobtr 20. Oktober Amlllche Noiieruna Amiliche Notierung Geld »riet Geld »ries Heliingior« . 8,54 8,56 8,49 8,51 Wien. . . 57,94 58,06 58,44 58,56 Prag . . . 12,47 12,49 12,47 12,49 Budapest . . 73,28 73,42 73.28 73,42 Sofia . . . 3,072 3,078 3,072 3.078 Holland . . 170,78 171,12 170,78 171,12 Oslo . . . . Kopenhagen 92,51 92,69 92,91 93,09 93,01 93,19 93,41 93,59 Stockholm 97,90 98,10 98,40 98,60 London. . Buenos Aires 16,33 16,37 16,40 16.44 0,983 0,987 0,978 0,982 Neuyorl . 4,209 4,217 4,209 4,217 BrüIIcl. . 59,14 59,26 59,14 59,26 Italien. . 21,83 21,87 21,83 21,87 Varis . . 16,65 16,69 16,64 16,68 Schweiz . 82,52 82,68 82,52 82,68 Spanien . 37,81 37,89 37,66 37,74 Tanzig. . 82,62 82,78 82,92 83,08 Japan . . 2,076 2,080 2,076 2,080 Rio de Ian 0,257 0,259 0,252 0,254 Jugoslawien Lissabon . 7,473 14.89 7,487 14,91 7,473 14,89 7,487 14,91 Banknoten Wenn Menschen auseinandergehn Vornan von I Schneiden Zoerstl. Urheberrechtsschutz Verlag O. Meister, Serba a. 16. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Lieber ihnen schwamm die blaue Glocke des Himmels. Rur die Ränder der Eteppe waren in leichtes rauchiges Grau gehüllt. Der Roden brannte. Die Atmosphäre war zur Glut überhitzt. Verstaubt, welk biS an die Wurzeln, kauerten die Gräser auf der schwarzkrustigen Erde. Risse und Spalte klafften und schrien nach dem Labsal des Regens. Die Stunde Sturmgewitters vom Vortage hatte kaum die Oberfläche genetzt. Zu lange hatte die Eteppe darnach dürsten müssen. Horvaths Rerven vertrugen diese Liebertemperaturen schlecht. Seine Wangen standen fahl und die Backenknochen meißelten sich scharf aus seinem Gesicht. Rosmarie sah es und litt mit ihm. „Guido." Er schrak zusammen und muhte seinem Vlick erst eine Richtung geben. Sein Körper sank halb nach vorn über. Die Augen schlossen sich. „Rosmarie", stöhnte er. Ihr Blick hing weit offen an seinem Wunde. „Wenn ich wühte, wie ich dir helfen könnte!" Horvaths Lippen schwiegen, bi- die Pferde im Hof der Tanja standen. Die Tage schleppten sich. Roch nie waren sie RoSmarie so endlos lang erschienen. Sie suchte nach Hoiwath und fand ihn nicht. Bela Szengeryi aber wurde ihr mit jeder Stunde ein gröberes Rätsel. „Wenn das Liebe ist!" dachte sie verzweifelt, „bann besser nichts. Eher noch eine alte Jungfer werden, wie die Aga, dann ist man wenigstens an niemand gebunden." Sie wuchs rascher zum reifen Weibe heran, als in den letzten Monaten zuvor. Szengeryt hatte kaum einen Blick für sie, noch weniger Zeit, sich mit ihr zu befassen. Er half dem Professor beim Auspackcn seiner Sammlungen, machte Rachtragungen in feine Tagebücher, präparierte Felle und konnte mit scheu liebkosenden Fingern über schillernde Schlangenhäute streicheln, dah Rosmarie darüber zornig wurde. Gegen abend zu machte er meilenweite Spaziergänge in die Steppe hinein, blieb auch wohl eine Rächt weg und kam am anderen Morgen mit eingefallenen Augen und schleppendem Schritt nach der Tanja zurück. Einmal stand sie am Gartenzaun und sah ihn kommen. „Guten Morgen", war alles, was er sagte, als er durch die Türe trat. Sie vermochte sich nicht mehr zu beherrschen. „Weshalb bleibst du Rächte lang weg?" stieb sie hervor. Er mah sie erstaunt. „Soll das ein Vorwurf sein?" Sie geriet immer mehr in Erregung. „3a, ein Vorwurf. Du bist das wohl so gewöhnt. Aber man lebt hier nicht wie unten im Busch." „Wie meinst du das?" Sie sah plötzlich sein verbranntes Gesicht vor sich, drohend, mit Augen, vor denen sie Furcht enchfand. Mit einem Achselzucken wollte sie an ihm vorüber. Er hielt sie am Gelenk der Rechten, spürte, wie sie zusammenzuckte, und verstärkte den Griff. „Ich hoffe, dab du dir nichts weiter dabei gedacht hast, Rosmarie." „Rein, nichts weiter." Ihr Mund verschob sich zu hilflosem Weinern „Lab mich jetzt!" Er trat zur Seite und blickte ihr nach, bis ihr Weihes Kleid nur noch als schneeiger Flecken weit drauhen in der Steppe erschien. Török kam zufällig den belieft en Weg vom Hause herab, hakte Szengeryi unter und ging mit ihm nach den Feldern. „Hast du mit ihr gesprochen?" „Rein." „Ihr habt doch zusammen geredet, Dela", erinnerte Török. Ein Kopfschütteln. „Könnt ihr euch nicht mehr verstehen?" „Rein - wir verstehen uns nicht mehr. Ich werde demnächst packen und mich einer Forschungsreise nach dem Pol anschliehen." „Bedenke, mein Junge, sie ist erst achtzehn Jahre" „Lind ich bin neunundvierzig. Zwanzig Jahre bin ich älter geworden da unten, zwanzig Jahre. Sie vergleicht mich mit Horvath, das macht es. Er bleibt immer und ewig jung." „Bela, du sprichst wie ein Llnzurechnungs- fähiger." „Vielleicht bin ich es. Herr Professor." „Ich muh ihm helfen", dachte Török, „der arme Mensch zermürbt sich sonst." Während sie nebeneinander dahin schritten, schwebte ihm nicht nur Delas Gesicht, sondern auch das des Geigers Horvath vor Augen. Rein, ein Horvath war Szengeryi nicht! Dazu war er zu schlank, hatte zu viel ausgeprägte Rasse in den Zügen. Rur der Mund war weich geschwungen. Dieser und die groben dunklen Augen in dem schmalen Gesicht berührten ungemein sympathisch, so dah selbst das etwas trotzige Kinn diesen Eindruck nicht zu stören vermochte. Töröks Blick suchte über die Ebene. Ein flatterndes weihes Etwas tanzte wie eine Wolke darüber hin. Das war Rosmarie auf dem Rücken ihres Pferdes. Man konnte sehr deutlich die Lim- risse der beiden Gestalten erkennen und tote sie plötzlich zu Boden stürzten und sich nicht wieder erbeben. Török wollte zu Dela sprechen, aber der begann schon zu laufen. Der Professor rief chm ein „Warte!" nach, aber Szengeryi hörte es nicht mehr. In langen Sähen rannte er nach der Richtung, nahm im Sprung eine Hecke, die sich ihm in den Weg stellte, verhing sich mit dem Absatz in einem Spalt der klaffenden Erde, riß ein Stück Boden mit sich und rannte weiter. „Rosmarie!" Don den beiden Gestalten, die noch etwa zehn Meter von ihm ablagen, regte sich keine. Dann hatte er die Stelle erreicht. Die Arme um den Hals des Hengstes geschlungen, kauerte daS Mädchen auf der Erde und prehte ihren Kopf gegen den des Tieres, dessen glasige Augen bereits brachen. „Bela! Ach Dela, das wollte ich ja nicht!" „Rosmarie!" Der junge Mann beugte sich über die Weinende. Sie schrak auf und starrte ihn an. „Er hat sich das Genick gebrochen — und ich lebe." Szengeryi wurde bläh. „Sv sehr liebst du ihn, Rosmarie?" „Ich möchte so gerne tot fein mit chm." „Lind ich?" Sie erwiderte nichts, neigte nur abermals den Kopf gegen den des Hengstes und klammerte die Finger in dessen seidenglänzende Mähne. „Wäre es dir lieber, wenn ich an seiner Stelle läge?" Er sah, wie sie zusammenzuckte. Der Schweih rann ihm über die Stirne und seine Brust keuchte noch vom Lauf. „Ich würde glücklich sein, wenn es so wäre, Rosmarie. Vielleicht würdest du dann auch ein solches Weinen für mich finden, wie für das Pferd hier." Sie richtete sich etwas auf, fah ihn an und barg das Gesicht aufschluchzend in die Hände. Er zog sie behutsam hoch und legte ihren Kopf an seine Schulter. Lind als sie ihm nicht wehrte, wagte er es, seinen Mund erst auf ihren Scheitel und dann auf ihre Lippen zu drücken. „Bela!" „Wen rufst du, Kind? Mich oder daS Pferd hier?" „Dich!" Er hielt sie mit beiden Armen an sich gedreht, streichelte die todblassen Wangen, die an seiner Brust ruhten, fühlte, wie fie erschauerte und hörte sein Blut vom Herzen nach den Schläfen rasen. „Rosmarie!" Als keine Antwort erfolgte, hob er ihr Kinn mit zartem Griffe hoch. „Lind Horvath?" Sie schüttelte den Kopf und wollte sich von ihm frei machen. Aber er hielt fie so fest, dah es kein Entrinnen gab. Erst als Török dicht vor ihnen stand, lockerte er die Arme und liebkoste Rosmaries Finger, während feine Rechte nach dem verendeten Tier am Boden zeigte. ..Er muhte fein Leben lassen, damit wir beide uns finden konnten. Rosmarie hat mich lieb, HerL Professor." Er nahm den Arm des Mädchen- in den feinen und suchte nach ihren Augen. Aufmerksam wandte er den Blick nach der Richtung, in der der ihre ging. Horvath kam quer über einen der Sturzäcker. stand einen Moment reglos und beschlcu- nigte dann sein Tempo. Er begriff fofort. Ein Lächeln trat in fein Gesicht. Lein Glückwunsch war so ehrlichen Herzens gesprochen, dah Lzen- geryi vollständig irre wurde. „Du erlaubst doch. Bela, dah unsere Freundschaft weiter bestehen bleibt?" bat Horvath. .Wieso?" Szengeryi begriff nicht sogleich. „Er ist mein Freund, wie er auch der deine ist", erklärte Rosmarie und lieh die Augen bittend auf ihm ruhen. Szengeryi- Rechte hob sich langsam und streckte sich Horvath entgegen, lag eine Sekunde ohne Druck in der des andern und fiel dann mit der Schwere, eines Steines an seinen» hellen Beinkleid herab. Er sah, wie ein Schatten über den Weg glitt Es war der Schatten, der in sein Glück fiel Rosmaries und Dela- Drautzeit barg Him- mel-seligkeiten in sich. Eie war nicht mehr sie selbst. Losgelöst vom eigenen Ich war sie nun ganz liebespendendes, geheimnisvoll verheihendes Weib, das einen Mann wie Szengeryi um alle Vernunft brachte. Er konnte vor ihr im Grase knien und lerne Lippen auf ihren Händen ruhen lassen, ohne sich zu regen. Ihr Gesicht zwischen seine Finger gebettet. sog er jeden ihrer Züge in sich ein. Hatte er fie eine Stunde nicht gesehen, rannte er nach der Richtung, in der fie gegangen war und trug sie dann auf den Armen zurück. Selbst in den Rächten lieh die Sehnsucht ihn nicht ruhen. Er sah in den Kissen auf und horchte durch das Fenster, das immer offen stand, ob nicht aus dem ihren, das nur angelernt blieb, ein Ton kam, der ihm tagte, dah sie wach sei und seiner gedenke. „Er zerbricht mich", dachte Rosmarie, wenn seine Küsse eine Wildheit kündeten, die fcinei sonstigen Ruhe ganz zuwider lief. Török schüttelte den Kops. Dab man liebte, toaw in der Ordnung. Aber dab Dela so lieben würde, war aufocr aller Berechnung. Szengeryt kannte sich selbst nicht mehr. Wenn er allein war oder nur von Rosmarie gesehen, wühlle et die Finger in die steinige Erde und ritz Stück« davon heraus. „Was tust du?" whhrte sie und hielt sein« Hände fest. „Lab mich", bat er. „Ich mub einen Schmerz verspüren, damit ich nicht sterbe vor Glück." kFortsetzung folgt.) « 1 Bei bester (Sitbcnlobleber-Verarbeitung meine bekannten billigen Preise für Ihre Schuhsohlen und sonstigen 'Reparaturen. 06123 SchuhinachereiSchmulbach Wicken,^riebrichstrastc '».Telefon2732 tteberichub Vulkanisier-Werkstatt. Bei der f Arbeit schützt X eine Gumsditirze Ihre Kleider. Große Auswahl, km Wintern ff / \Kreuml.lO V Weibe und bunte Baumwollwaren besonders preiswert. Bel Beurteilung dieser Preise bitte ich zu beachten, dab bei mit nur Qualitätswaren zum Verkauf gelangen: Wäschestoffe, 80 cm breit, gute halt- OQ bare Ware......................per m XJe^/O Makobatiste, 80 cm breit, nur gute, be- o q währte Qualitäten......per m 0.88, 0 78. UiOO Flockköper, 80 cip breit, gute und beste, 4 q blütenw. Qual, per m 0 95.0.88,0.72, 0.55, U.4ö Wäschestoffe,80 cm breit,hervorragend schöne Qualität, eig. Ausrüstung, wieder in groben Mengen aus der Bleiche eingetroffen, Vorjahrspreis 0.68, jetzt nur per m 0.48 Schlafanzug-Flanelle, 80 cm breit, unzählige herrliche Muster in nur guten /-v Qualitäten........per m 0.95, 0.88, 0.65, Sportflanelle, 80 cm breit, jahrelang bewährte Qualitäten......per m 0.78. 0.76, 0.68 Streifsatin, 130 cm br.f.Bettbezüge.gute z-^ 1-1 rx Qual., in all Preis!., per m 1.65,1.35, 0.86, kX / Haustuche, 150 cm breit, für Bettücher, q in bewährten Qual......per m 1,35, 1.20, \J.O^ Mako Bettdamaste. 130 u. 160cm br. viele ganz neue Must in erstklassigen bewährten Qual., ca. 30% blll. wie vor Z1E einem Jahr, per m 2.55, 1.95, 1.85,1.70, JL.OO Bettuchbiber,150cm brt,gute, erprobte x- r- Qualitäten.............per m 1.95,1.85, 1.00 Unterrock-Trikot, 140 cm breit, rundgewebt. mit dickem gerauhten Futter, für warme Unterröcke und Schlupfhosen, zu a qa dem besonders niedrigen Preis von..... ^-O\J Bettuchleinen und Inletts in hervorragend schönen Qualitäten ganz besonders preiswert. Alle anderen Baumwollwaren zu entsprechend niederen Preisen. L.Bemard Stolfspexialhaus • Glehen * PIockstrafte 16 Grobe Posten Reste weit unter Preis. Billige Schuh-Reparatur! Großer Preisabbau! Erstklassige Arbeit unter fachmännischer Leitung Nur gute Kernsohlen. Herren-Sohlen.......................Mark 2.10 Damen-Sohlen......................Mark 1.80 Kinder-Sohlen, je nach Gr.........ab Mark 1.20 Herren-Absätze ab Mark 0.70. Damen-Absätze ab Mark 0.40. Auf Wunsch werden die Schuhe abgeholt und in ganz kurzer Zeit wieder zugestellt Schuhhaus Reiss / Mäusburg 12 Telephon Nr. 2010 7012D Mittwoch, den 21. Ott. 1931, nachmittags 2 llhr, versteigere ich dahier Neuenweg 28, „Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: Büfetts, Kredenzen, Vertikos, Waren- fchränke, Nähmaschinen, Ladentheken, Grammophone, Sofas, Schreibtische, Schreibmaschinen, Chaiselongues, Klei- derschränke, Zimmerteppichc, Trumeau- spiegel, Kommoden, Diwans, 200 Mjst- beetfenster, Kassenschränke, ein Koffergrammophon, eine Bettstelle, Gasherde, einen Regulator, eine Schnellwaage, einen Ausstellungsschrank, eine Tageslichtlampe, eine Siänderlampe, Polstersessel, eine Wanduhr, Broschen, Ansteck, nadeln, Krawottenhalter, Tortenplatten, ein Motorrad, Damenfahrräder, einen Ofen, ein Pianino, eine Kuh, Frisier- toilettcn, ein Pastell, Oelgemäldc, einen Bilderschrank mit 95 Bildern, Aquarelle, einen Kaffeeoerkaufsständer, einen Del- behälter, einen Gewehrschrank, eine Pürschbüchse, eine Schrotrepetierflinte, eine Kamera, einen Küchenschrank. Junker Gerichtsvollzieher in Gießen Wicsecker Weg 16 — Telephon 3:383 irische stsche für Mittwoch, Donnerstag und Kreitag Arische Schellfische. Kabeljau und Leciachs tm Ausschnitt. Goldbarsch...............Vld. t5^ Grüne Gerinne...........l?fb. 25 ' irische Fischfilet- .. Psd. 70 u. 80 ' Bratichciinichc...........Psd. 35 «drische Lveisc Muichelu.3Pid 35 Richard Grünewald AernforecherMSl BadnbofstrabeS? __ Beschluß in dem Bergleichsverfahren über das Der mögen des Kaufmanns Louis genannt Ludwig Stern in Gießen, umfassend auch die Firma Kaufhaus Ludwig Siern in Gießen, Bahnhofstraße 2—4. 1. Der in dem Bergleichstermin vom 1. Oktober 1931 angenommene Vergleich wird hierdurch bestätigt. 2. Infolge der Bestätigung des Vergleichs wird das Verfahren ausgehoben. Gießen, den 8. Oktober 1931. 7018D Hessisches Amtsgericht. Zwangsversteigerung 50 ;rMtiD c. in M 9™6' mutete Mitt Snbcutunc bürtt, dak es chn ^Marder vvv wurden Dethvr Wt SM her dem Lewe« ehemalige unga einzig und M fdme. Don D' llärung der 2 für Üi Al. 72 Iihaltklltb über Darmstadt Denrhejm^ Dieburg ... krbach.... 0ro§<®tr(iii Heppenheim Ossrnbach... 3kftlb.... Bübingen, Sritbbetg. Eithtn....'. Lauttibach Rotten. A«y..... Singen.... Mainz. Oopenheun"' ®orm$. . Ke Linsuhr l ,$'e Lander fiünebm 3*» Lei