Samstag, 20. Juni 1931 181. Jahrgang Hr. 142 Erstes Blatt Gietzemr A»zciger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitüls-Vuch. und Stetnörnderet L Lange in Gießen. SchriftteMmg und Geschäftsstelle: Zchulfttatze 7. Annahme von Anzeigen für di« Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Drelle örtlich 8, auswärts 10 Rcichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mnt Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorschrist 20“, mehr. Chefredakteur. Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für PoUtik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, fämtlich in Gießen. Erich«>n> läghd),außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustriert« Gteßenei Familienblättv Heimat tm Bild Die Scholle Monats.Bezugsvrei»: 2.20 Reichsmark und 30 Rerchspfennlg für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanlchlüsse anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Kra-ttnttam Main 11686. Amerikanische Aktion in der Tributfrage. Wichtige Konferenz bei Hoover auf Gründ der Berichte Mellons. — Ein amerikanischer Vorschlag an Europa steht unmittelbar bevor. Neuyork. 19. Juni. (WIB.) Die Associated preß berichtet aus Washington, daß Hoover lebhaftes Interesse für die verwickelte europäische Finanzlage bekundet. In washlug- ton wird auf Grund der heute stattgesundenen Konferenzen vermutet, daß irgendein Schrill der Regierung beoorstehe. Eine Erklärung Hoovers. Präsident Hoover erklärte über die Besprechungen im Weißen Haus, er habe mit mehreren Führern beider politischen Parteien über THaß- ahmen gesprochen, die geeignet seien, zur wir t- chaftlichen Wiedergesundung sowohl in den Bereinigten Staaten, als im Ausland beizutragen und insbesondere eine Stärkung der Lage in Deutschland herbeizuführen. Titan ei sich noch nicht über bestimmte piäne chlüssig geworden, aber die Art, in der die Vertreter beider Parteien aus die Angelegenheit eingegangen seien, sei durchaus befriedigend gewesen. Der Kreis der Konferenzteilnehmer. London, 19. Juni. (WIB.) Aus Washin g- t o n wird berichtet, die Wichtigkeit der Best rechungen, die Präsident Hoover heute obgehatten hat, — einer Reuter-Weldung zusolge ollen sie sich auf die europäische Finanzlage beziehen — kann an den Persönlichkeiten ermessen werden, die herangezogen wurden. Der Präsident hatte zuerst eine längere Unterredung mit dem Staatssekretär S t i m s o n , hierauf eine mit den Führern der beiden Senalsfraktio- n e n und anschließend eine mit dem Unterschahsekretär Mills. Der Präsident der Senatskommission für Finanzen Smoot ist eiligst telegraphisch nach Washington berufen worden. Die Konferenzen selbst wurden dann am Nachmittag fortgesetzt; Hoover empfing den Unterstaatssekretär Klein, der Sachverständiger für Fragen des Außenhandels ist, und eines der ältesten Mit- gllcber der Finanzkommission des Repräsentantenhauses, B a ch a r a ch. wie Reuter berichtet, wird das (Eingreifen des Präsidenten in Zusammenhang gebracht mit den gestrigen Unterebungen zwischen Mel- l o n und Macdonald in London und zeigt, wie man glaubt, daß eine wichtige Entscheidung über bie amerikanischen unb europäischen Finanzen im Gange sei. Diplomaienempfang beiElimson Washington, 20. Juni. (WIB. Funkspruch. Kurz nach ber Erklärung Hoovers berief Staatssekretär S t i m f o n bie Missionschefs ber Großmächte, barunter auch ben Gesandlfchafls- rat Leitner von ber beutfchen Botschaft, einzeln in feine Privatvilla, um bie neu geschaffene Lage mit ihnen zu besprechen. 3m Anschluß an bie Besprechung erklärte er, er hoffe, baß er feine Abreise nach Europa nur noch kurze Zeit hinauszu- schieben brauche. Der,,Evening Star“ erfährt aus parlamentarischen Kreisen, baß bie amerikanische Regierung bie deutsche Lage al« sehr ernst ansehe, und daher trotz ihres eigenen gewaltigen Defizits be- fchloffen habe, ihren alliierten Schuldnern eine Aussetzung der Zahlungen an die USA. für einige Zeit vorzuschlagen unter der Bedingung, daß sie für den gleichen Zeitraum keinerlei Reparationen von Deutschland verlangen, abgesehen von dem Zinsendienst aus die Dawesanleihe und die pounganleifje. „Eoening Star“ erklärt weiter, dieser historische Schritt, der mit der traditionellen Politik Amerikas breche und endlich die Berbinöung zwischen Schulden und Reparationen anerkenne, sei um so mutiger, als Amerika selbst schwer unter der Depression leide und gehofft habe, die Zahlung der Alliierten zur teilweisen Ausgleichung des Budgets verwenden zu können. Offenbar hätten Mellons Informationen über die Konferenzen in Ehequers.die er von Macdonald und Henderson erhalten habe, den Präsidenten Hoover überzeugt, daß schnelle Hilfe für Deutschland nottue, und daß man daher die eigenen Interessen zurückstellen müsse. Langfristige amerikanische Kredite? Aber keine Kriegsschuldcn-Ermätzigung? Washington, 19.3uni. (WTD.) 3n der amerikanischen Presse wird die Erklärung Hoovers als ein historisches Dokument bezeichn^ unb als Beweis für die Erkenntnis, daß sich Amerika dem Ernst der Lage nicht länger entziehen könne. Ueber die piäne Hoover» gehen die Ber- tnufungen dahin, daß man Deutschland nicht durch eine Herabsetzung der alliierten Kriegs- Aoch kein neues Kabinett in Wien. Auch Dr. Seipel gestern gescheitert. Wien, 20. 3uni. (TU.) 3n etwa vierstündigen Verhandlungen besprach gestern der vom Bundes- Präsidenten mit der Kabinettsbildung beauftragte Bundeskanzler a. D. Abg. Dr. Seipel mit sämtlichen Parteien die Möglichkeit einer Kabinettsbildung. Die Besprechung mit den Sozialdemokraten nahm allein fast zwei Stunden in Anspruch. Die Bildung einer Regierung Seipel ist gestern mißlungen. Die Behandlungen mußten um 2 Uhr ergebnislos abgebrochen werden. Dis gegen Mitternacht verliefen die Beratungen Dr. Seipels mit den früheren Mehrheitsparteien ziemlich günstig. Cs kursierten bereits Ministerlisten eines Kabinetts Seipel-Schober. Dann traten aber ernste Schwierigkeiten zutage, und als um 0.30 Tlhr die Derhandlungen eine älnterbre- chung erfuhren, wurde bekannt, daß Dr. Schober sich weigerte, in ein Kabinett zugleich mit Dr. Kien b eck einzutreten, während Dr. Sei- p e l auf der anderen Seite erklärte, auf Dr. K i e n b e ck als Finanzminister beharren zu müssen. 3n der Derhandlungspause traf Dr. Schober im Parlament ein und be^ob sich nach einer kurzen Rücksprache mit seinen Parteifreunden selbst in den Derhandlungssaal. Eine Einigung wurde jedoch nicht erzielt. Cs ist noch ungewiß, ob die Derhandlungen heute, Samstag, von Dr. Seipel weiter fortgesetzt werden, oder, ob sie auf einer vollständig anderen Grundlage weitergeführt werden. Es besteht, wenn Dr. Seipel die Derhandlungen fortseht, am ehesten noch die Möglichkeit eines Minderheitenkabinetts, in dem die Christlich-Sozialen und der Oesterrei- chische Landbund vertreten sind. Sozialdemokratische Absage. Wien, 19. 3uni. (TU.) Die Derhandlungen über die Regierungsbildung wurden am Abend durch eine gemeinsame Besprechung Dr. Seipels mit den Parteien der früheren Mehrheit, dem Rationalen Mehrheitsblock und dem Landbund, fortgesetzt. 3n der anschließenden Dera- tung Seipels mit den Sozialdemokraten, di« erst um 22 Uhr beendet war, erklärten diese, an einer Konzentrativnsregierung jetzt nicht teilnehmen zu können. Ein parteiamtlicher Bericht ber Sopalbetno- fraten hebt hervor, baß sie es angesichts ber schweren Rotlage grunbsählich nicht ablehnten, einer Konzentration aller bemokratischen Parteien beizutreten. Sie könnten aber nicht in eine Regierung eintreten, bie ben bisherigen Kurs ber bürgerlichen Parteien ohne wesentliche Aenberungen fortsehe. Die Sozialdemokraten könnten die Mitverantwortung nur tragen, wenn der Geist der Gesetzgebung und Dcrwaltung grundsätzlich geändert werde. Eine solche grundsätzliche Aenderung hätten sie jedoch aus dem Verlaus der Verhandlungen noch nicht entnehmen können. Englische Hilfe auch ohne Frankreich? London, 19. 3uni. (TU.) Englische Dank- kreise haben, wie aus durchaus zuverlässiger Quelle verlautet, erneut den Wunsch geäußert, daß Oesterreich baldmöglichst einen Vertreter ernennen möchte, der bevollmächtigt ist, unverzüglich in internationale Finanzverhandlungen einzutreten. London lege im Interesse einer baldigen Ueber- windung der Krise großen wert daraus, die Konsortialverhandlungen zu einem Erfolg zu führen, und zwar wenn irgend möglich im großen internationalen Rahmen unter Zusammenarbeit der leitenden Zentralbanken Frankreichs, Deutschlands und Amerikas. Sollten jedoch politische Erwägungen ernstlich das Zustandekommen einer internationalen Abmachung hinauszögern oder bedrohen, so müßte London unter Umständen, wenn auch mit dem größten Widerwillen, die Möglichkeit in Erwägung ziehen, eine Vereinbarung selbst unter Ausschluß von Paris herbeizufuhren. Ganze Arbeit! Don Dr. Martin plant, Berlin. Das deutsche Volk ist sich in alleiufeinen Schichten und Parteien darüber einig, daß eine Aen- deruygbzw. Deseitigungderunsauf- erlegtenTributlasten erforderlich ist; auch die derzeitige Rcichsregierung hat nunmehr diese Forderung zu einem ihrer wesentlichsten Programmpunkte gemacht. Angesichts der komplizierten Destimmungen des „Reuen Planes" und angesichts der den deutschen Wünschen wenig geneigten Stimmung in den maßgebenden Gläubigcrländern ist eine lebhafte Debatte über den Weg in Gang gekommen, auf dem Deutschland die Frage der Tribut-Revision in Angrisf nehmen soll. Die Revisions- Möglichkeiten, die der lgoung-Plan selbst enthält, sind bekanntlich relativ dürftig und un übrigen in ihrem praktischen Wert weitgehend umstritten. Diese Destimmungen sind ihrer ganzen Anlage nach in erster Linie darauf zugeschnitten, gewisse vorübergehende Deinträchtlgungen der Zahlungs- und Uebertragungsfähigkeit Deutschlands zu beheben, während — wie an vielen Stellen betont wird — die im Reuen Plan niedergelcgten Verpflichtungen Deutschlands als endgültig und unabänderlich hingestellt werden. Cs dürfte zur Zeit auch in den Gläubigerlän- dern kaum noch zweifelhaft sein, daß die Mit^l des Voung-Planes aller Voraussicht nach nicht ausreichen werden, um den Schwierigkeiten zu begegnen, in die Deutschland in den letzten 2 3ah- ren — d. h. seit Unterzeichnung des Voung- Gutachtens — geraten ist. Der im Reuen Plan vorgesehene Transfer- Aufschub, der fälschlich und irrcführenderweNe im deutschen Sprachgebrauch sehr häufig als „Moratorium" bezeichnet wird, tritt erst 90 Tage, nachdem die Reichsregierung ihn erklärt hat, in Kraft, und er bedeutet, da der Gegenwert der nicht zu übertragenden Beträge in Reichsmark anzusammeln ist, keinerlei Entlastung für den Reichs-Etat, es sei denn, daß man annimm'., es werde die angesammelte Summe, analog der Handhabung beim Uebergang "oir Dawes-Plan zum Voung-Plan, der Reichsregierung im Kreditwege zur Verfügung gestellt. Die in Frage kommende Summe ist übrigens im laufenden Reparativns- bzw. Haushaltsjahr re- lativ klein. Sie bewegt sich um etwa 300 Millionen. Diese Summe errechnet sich wie folgt: Der ungeschützte Teil der laufenden Annuität macht rund 660 Millionen aus, und die Sachlieferungen, die bekanntlich in Reichsmark bezahlt werden und die deshalb auch keine Ueber- tragungsschwierigkeiten Hervorrufen können, belaufen sich im gleichen Zeitraum auf etwa 700 Millionen, so daß insgesamt nur die Übertragung von etwa 300 Millionen aulgeschoben werden kann. Daß angesichts der ungeheuerlichen Fehlbeträge in sämtlichen öffentlichen Haushalten diese Erleichterung nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein bedeutet, ist inzwischen allgemeine Erkenntnis geworden. Don feiten der Dläubigermächte wird der Versuch gemacht, die Beschreitung des im Voung-Plan vorgesehenen Weges der Reichsregierung dadurch attraktiver zu machen, daß man ihr im Zusammenhang mit der Erklärung des Transfer-Aufschubes eine größere Anleihe in Aussicht stellt. Es ist ja eines ber beliebtesten Auskunftsmittel der internationalen Finanz, einem schwach werdenden Schuldner eine neue Anleihe anzubieten, und zwar gegen Sicherheiten und Konzessionen, die dieser Schuldner niemals einräumen würde, wenn er sich nicht eben in solcher Rot lag« befände. Es muß befürchtet werden, daß die Gläubiger, die ja zum Teil auf sehr großen, zur Zeit fast unverwertbaren Kapitalbeträgen sitzen, versuchen werden, auch Deutschland auf diese Art unb Weise einzusangen unb von neuem festzule» gcn. Abgesehen davon, daß Anleihen, wie schon die Dawes-Sachverständigen sagten, „die Lage verschleiern" und damit die Verschiebung der dringend notwendigen inneren Reformen ermöglichen, dürfte nunmehr Klarheit darüber bestehen, baß bie Tributfrage für Deutschlanb durch bie Gewährung von neuen Anleihen nicht gelöst, sonbern nur kompliziert unb erschwert werden kann. So sehr sich auch vielleicht der Reichsfinanzminister zur Lleberbrückung augenblicklicher Schwierigkeiten unb nach bem alten schönen Grunbsatz, um Schlimmeres zu verhüten", eine solche Anleihe wünschen würbe, so energisch müssen solche Versuche von feiten ber Reichsregierung, wie auch von feiten bed ganzen Volkes zurückgewiesen werden. Damit soll nicht gesagt fein, daß die.deutsche Wirtschaft ihrerseits für die Zukunft völlig auf ausländische Kredithilfe zu verzichten in ber Lage sei. Es wirb aber noch mehr als bisher auf die probuktive Verwendung solcher Anleihen gedacht werben müssen. Wir müssen uns immer wieder klar machen, daß die auch vom Reichskanzler als so dringend erforderlich hinge- stellte „Ordnung im eigenen Hause" nur herge- stellt werden kann, wenn sämtliche öffentlichen Haushalte auf der Grundlage des tatsächlich erzielbaren Aufkommens aus Steuern unb öffentlichen Lasten ausgeglichen werben. Die Rot in Deutschlanb ist soweit fortgeschritten, daß ihr mit den unzulänglichen Behelfen, die der Boung-Plan gibt, nicht mehr gesteuert werben kann. Mit einem Zahlungsaufschub, ober einem Moratorium, b. h. mit der zeitweiligen Einstellung unserer Tributzahlungen kann da nicht mehr geholfen werden, besonders nicht unter 3nnehal- tung der Bestimmungen des Boung-Planes, der bekanntlich vorsieht, daß nach einem zweijährigen Aufschub die aufgeschobenen Zahlungen zuzüglich der dann planmäßig fälligen Zahlungen geleistet werden müssen. Auf den Zusammentritt des mit ber Erklärung bes Transfer-Aufschubes automatisch sich versammelnden beratenben Sonderausschusses der Dank für 3ntcrnationalen Zahlungsausgleich darf man vom deutschen Standpunkt aus allzu große Hoffnungen auch nicht setzen. Der Ausschuß ist so zusammengesetzt, daß die Gläubiger in ihm die absolute Mehrheit haben, so daß deren Standpunkt stets Aussicht hat, sich auch gegen Deutschlands Widerspruch durchzusehen. Eine durchgreifende Gesamt- Revision unserer Tributverpflichtungen muß mit allen Mitteln angestrebt werden, und das Ziel muß sein, die deutschen Verpflichtungen so weit herabzusehen, daß sie von Deutschland jbergeit und unbedingt getragen werden können, ohne daß Deutschland dadurch zu rücksichtslosen Hungererporten gezwungen wird. Dr. V ö g l e r hat kürzlich den sehr beherzigenswerten Vorschlag gemacht, daß Deutschland in die Verhandlungen über diese Gesamtrevision mit einem „Deutschen Plan" hereingehen soll. Mit der Aufstellung dieses „Deutschen Planes" muß von ben zuständigen amtlichen Stellen in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Stellen der Wirtschaft unverzüglich begonnen werden. Ob es sich dann als richtig erweisen wird, die Gesamt-Revision auf dem Wege über die Erklärung des Transfer-Aufschubes anzukurbeln, muß diplomatischen Erwägungen überlassen bleiben. Schon jetzt aber kann gesagt werden, daß ine Erklärung des Transfer- Aufschubes allein Deutschland ebensowenig helfen wird, wie bie Gewährung einer neuen Anleihe. Ernster Appell der Aerzie. Köln, 19. Juli. (WTB.) Der Deutsche Aerztetag nahm heute vormittag eine Entschließung einstimmig an, in her er seiner Genugtuung darüber Ausdruck gibt, daß die Aufstellung wichtiger Grundsätze und die Formulierung praktischer Vorschläge für eine Reform der Krankenversicherung einmütig gelungen ist. Die ganze deutsche Aerzteschaft erwartet von der Reichsregierung, daß den ärztlichen S p i tz e n v e r b ä n d e n rechtzeitig (Bele« g c n t) e i t gegeben wird, den maßgebenden Stellen vor den für den Herbst in Aussicht genommenen Reformen auf dem Gebiete der Sozialversicherungen ihren sachverständigen Rat und ihre Borschläge zu unterbreiten. Auch die jetzige Krise wird, wie in früheren Notzeiten, die deutschen Aerzte bereit finden, sich den Möglichkeiten anzupassen, die für die Weiterführung der Sozialpolitik gegeben sind. In einer weiteren einstimmig angenommenen Entschließung zur Frage des passiven Luftschutzes, stellt der Deutsche Aerztetag angesichts der bevorstehenden Abrüstungskonferenz die Forderung an die Reichsregierung, durch internationale Vereinbarungen die Verwendung von Giftgasen zum Zwecke der Vernichtung eines Volke« unmöglich zu machen. Einstimmig angenommen wurde ferner eine Kundgebung, in der es u. a. heißt: Die deutsche Aerzteschaft stellt mit ernster Sorge vor der ganzen Welt fest, daß der Gesundheitszustand des deutschen Boltes durch die Wirtschaftskrise, die Arbeitslosigkeit und die drücken- den Tributlasten immer mehr bedroht ist. Die deutsche Aerzteschaft erhebt ihre warnende Stimme dagegen, daß das deutsche Volk wiederum dem Hunger und seinen entsetzlichen Folgen aus- geliefert wird. Litauischer Putschplan gegen das Memelland? Königsberg, 19. 3uni. (TLI.) Heber neue Putsch absichten der litauischen Miliz im Memelland bringen die „Ostpreußische Zeitung" und die „Königsberger Allgem. Zeitung" in ihren Freitagsausgaben Aufsehenerregende Enthüllungen. Danach scheint «s. als ob die Schauli Sajunga (Litauische 3ungschützen) di« Absicht haben, die Autonomie des IHemelgebietes kurzerhand zu beseitigen, das Direktorium abzusetzen und den kommissarischen Landrat von Memel, Simonaitis, der von dem ersten Putsch her sattsam als deutschlitauischer Renegat bekannt ist, zum Diktator des Memelgebietes zu machen. schulden, sondern durch Gewährung langfristiger Kredite helfen wolle. »Baltimore Sun" behauptet, sie habe aus guter Quelle erfahren, daß Hoover die Initiative in der Sch uldenfrage ergreifen und den Alliierten Vorschlägen wolle, fürzweioder drei Jahre die Zahlungen an die Bereinigten Staaten ein zu st eilen, unter der Bedingung, daß sie wahrend des gleichen Zeitraumes keineReparationen von Deutschland verlangen. Dieser Plan würde nach der „Daltimor Sun" die Verträge mit den Alliierten über ihre Schuldenzahlungen unangetastet lassen und es gleichzeitig ddn Alliierten ersparen, Amerika um Zahlungsaufschub zu bitten. Dadurch werde das Prestige Europas gewahrt und Amerikas Prestige gehoben. Stimsvn betonte, Hoovers Erklärung werde aller Voraussicht nach seine Europareise nicht verzögern. Oie Auffassung amerikanischer Finanzkreise. London, 20. Juni. (WTD. Funkspruch) Der Reuyorker Korrespondent des „Rews Chronicle" bemerkt zu der Erklärung Hoovers, Reuyorker Finanzkreise würden mit Rücksicht auf das in Deutschland investierte amerikanische Kapital eine weitere Verschlechterung der deutschen Wirtschaftslage sehr bedauern. Wan sei der Ansicht, dah ein Transseraufschub eine solche Gefahr abwenden würde. Die Mtion Hoovers werde als die bedeutendste seit der letzten Regelung der Schuldenfrage angesehen. Sie zeige, daß die amerikanische Regierung bereit sei, einen Teil der Führerrolle in den Angelegenheiten der Welt wieder zu übernehmen. Oie Abrüfiungsfrage. Neuyork, 19. Juni. Nach einer Sondermeldung der „Neuyork Eoeni-ng Post" wurde in W a s h i n g - toner Militärkreisen bekannt, dah die Regierung der Vereinigten Staaten beschlossen habe, ihren bisherigen energischen Widerstand gegen die Zugrundelegung der Heereshaushaltszisfern für Rüstungsbeschränkungen unter der Bedingung aufzugeben, daß der Militärhaushalt lediglich als M a ß- stab für Rüstungen des betreffenden Landes und nichtzumVergleich mitden Rüstungen anderer Länder dienen darf. Diese radikale Frontschwenkung der Regierung wird damit erklärt, daß Hoover, soweit Amerika in Betracht kommt, jedes Hindernis für einen erfolgreichen Ausgang der Weltabrüstungskonferenz wegräumen will. Stimsons Reise nach Europa. Washington, 19. Juni. (WTD.) Die Vorbereitungen für die Europareise des Staatssekretärs S t i m s o n sind nunmehr so weit gediehen, dah bereits die Auswahl seiner Begleitung vorgenommen wurde. Außer Frau (Stirn * fvn werden sein persönlicher Assistent K l o t s, sein Adjutant Regnier und sein Privatsekretär Morlock in der Reise teilnehmen. Die Rückkehr aus Europa dürfte Mitte September erfolgen, das Abfahrtdatum ist bisher noch nicht festgesetzt. Mellons Besprechungen. London, 20.Juni. (WTB. Funkspruch.) Dir parlamentarische Korrespondent der „Times" schreib^ das Wochenende habe Mellons Konferenz zen, an denen Macdonald, Henderson und Montagu Norman teilgenommen haben, unterbrochen, aber nicht beendet. Im Laufe d-r l Unterredungen sei dem amerikanischen Schatzsekrc- tär eine volle und freimütige Darle- - gung des Standpunktes der britischen Regierung bezüglich der von den interessierten Mächten gemeinschaftlich sobald als möglich zu unter- nehmenden Schritte gegeben worden. Mellon habe diese Ansichten sehr freundlich angehört. Er habe mit gleicher Freimütigkeit die Schwierigkeiten bei gewissen Fragen dcr Finanzpolitik und der Ansichten der amerikanischen Regierung auseinandergesetzt. Indessen liege vorläufig kein Grund zu der Annahme vor, dah seine Entgegnung derartig gewesen sei, daß ein weitercr Gedankenaustausch notgedrungen fruchtlos verlaufen müsse. Die wichtigsten Punkte der Unterredungen seien Hoover nach Washington berichtet worden. In Ruhe abwarten! Berlin, 20. Juni. (ERB.) Der „Börsenkurier" schreibt zu den Meldungen über die Erklärung Hoovers: Dah Rachrichten über bevorstehende positive Entschlüsse Amerikas in Europa und besonders in Deutschland nicht mit unbesonnen erwartungsfreu- digem Optimismus ausgenommen werden, dafür bürgen die Erfahrungen schwerer Jahre: sie bürgten dafür auch dann, wenn man die im Ton fast europafeindliche Rede, die Präsident Hoover neulich in Jndianopolis hielt, mit der Rücksicht auf westamerikanische Stimmungen und aus dem Wunsch erklärt, verfrühten Festlegungen vorzubeugen. Diese bestimmten Formulierungen Hoovers aber über eine amerikanische Hilfsaktion zugunsten Europas und insbesondere auch Deutschlands sind immerhin geeignet, stärkere Erwartungen zu wecken.' Die veränderte Haltung des Präsidenten dürfte, wie auch zugegeben wird, nicht zum wenigsten von den umsonst geleugneten Repara- tionSbesprechungen Mellons und Stimsons beeinflußt sein. Reparationsbesprechungen im Reichskabinett. Berlin, 19. Juni. (ERB.) Wie wir erfahren, hat derreparationspolitischeAus- schuß des Reichskabinetts, der seinerzeit aus den Ressorts gebildet worden ist, die an den Fragen der Reparationen besonders beteiligt sind, heute eine Sitzung abgehalten, an der auch die Botschafter Dr. Hoesch und Dr. v.Schube r t teilgenommen haben. Die Beratungen galten natürlich der Vorbereitung derMah- nahmen, mit denen das Reichskabinett die Revision einleiten will. Sie werden in den nächsten Tagen fortgesetzt. Inzwischen werden auch die Botschafter v.Prittwih und Reu- r a t h in Berlin erwartet, die sich bereits auf der Reise befinden. Diese Besprechungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen, da der Revisionsschritt bei der großen Bedeutung und den Schwierigkeiten des ganzen Problems natürlich einer eingehenden und sorgfältigen Vorbereitung bedarf. Russischer Ministerbesuch in Berlin? Moskau (über Kowno), 19. Juni. (TU) Wie hier verlautet, beabsichtigt der russische Außenkommisfar Litwinow, dcr sich gegenwärtig in der Tschechoslowakei aufhält, Friedrichshafen, 19. Juni. (WTB.) Als Vorbereitung zur Arktisfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin" diente die heute nachmittag 16.12 Uhr auf dem Bodensee aus- geführte erste Wasserlandung des Luftschiffes unter Führung von Kapitän Lehmann mit 31 Passagieren an Bord. Um 15.40 Uhr er-, schien das Luftschiff von seiner Schweizer Fahrt zurückkehrend und steuerte langsam auf seinen Heimathafen zu. Bei leichtem westlichem Winde und strahlendem Sonnenschein schickte sich der majestätische Luftriefe zur Landung an. Diese war um 16.12 Uhr beendet. Rach Ballastausgleichung wurde zehn Minuten später ein luftgefülltes Gummiboot mit zwei Mann Besatzung ins Wasser gelassen. Die Massen bewunderten die ruhige Lage des Luftschiffes auf dem See und das leichte Schweben des riesigen Körpers. Inzwischen war von Friedrichshafen her ein Motorboot mit Herren des Luftschiffbaues, darunter Chefkonstrukteur Dr. Dürr, erschienen. Zweck dieser Landrmg war hauptsächlich, eine Probe für eine Wasserlandung auf der angekündigten Arktisfahrt im Juli d. 2. vorzunehmen. Rach dem glänzend gelungenen Manöver fuhr das Luftschiff noch etwa eine Strecke von 500 Meter mit gedrosselten Motoren auf dem Wasser. Sodann erhob es sich leicht in die Luft und steuerte dem Heimathafen zu, wo es um 16.50 Hhr glatt landete. Zur Ausführung des neuartigen interessanten Manövers sind lediglich die beiden Pufserkörbe unter der Führergondel und unter der Hinteren, Maschinengondel mit Gummi wasserdicht gemacht worden. Zum Riedergehen auf dem Wasser des Bodensees hat das Luftschiff Traggas abgelassen. Der Wiederaufstieg erfolgte durch Abgabe von Wasserballast. Oie Stellung der christlichen Gewerkschaften. Berlin, 19. Juni. (CNB.) Aus Anlaß der durch die Notverordnung vom 5. Juni 1931 geschaffenen Lage tagte der Hauptvorstand des Gesamtoerbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands am 18. Juni in Düsseldorf. Vertreter aller Verbände schilderten eingehend die ungünstigen Auswirkungen der Notverordnung. Das Ergebnis der Verhandlungen wurde, laut „Germania", wie folgt festgelegt: „Die christlichen Gewerkschaften würdigen die außerordentlich schwierige Lage, in der sich infolge der wirtschaftlichen und finanziellen Zustände Volk und Vaterland befinden. Sie anerkennen, daß diese Lage entschlossenes Handeln seitens der Reichsregierung erfordert und Opfer von allen Volksschichten bedingt. Desungeachtet muß gegen eine Reihe von Bestimmungen der Notverordnung entschieden Stellung genommen werden.. Die Rotverordnung bringt eine gewaltige Kürzung der sozialen Leistungen, besonders in der Arbeitslosenhilfe, sie greift schwer in das Lebens- recht der Arbeilnehmer ein und enthält Bestimmungen, die die Arbeiterschaft ungleich und ungereckft im Verhältnis zu anderen Volksschichten behandeln, den Glauben an die Gerechtigkeit erschüttern und verbitternd wirken. Die christlichen Gewerkschaften verlangen erneut, dah über die in Aussicht gestellten Erleichterungen- hinaus eine beschleunigte Abänderung der Rotoerordnung erfolgt. Sie werden in einer Denkschrift der Reick^regierung ihre Bedenken und Abänderungsvorschläge unterbreiten. Den Bestrebungen sozialreaktionärer scharfmacherischer Kreise, die ohne Rücksicht auf die Rot der breiten Volksschichten eine toeitere Verseh lech ter ung derSozialversiche- rung, des Larifrechts und eine Beseitigung des staatlichen Schlichtungswesens und der Derbindlicherklärung zum Zwecke neuer Lohnsenkung verlangen, treten die christlichen Gewerkschaften mit aller Schärfe entgegen. Die Verwirklichung dieser Bestrebungen, zu deren Anwalt sich jetzt auch der Zweckverband der Jndustrie- und Handelskammern zu Bochum, Dortmund, Essen und Münster gemacht hat, würde einseitige Willkürherrschaft des wirtschaftlich Stärkeren über den wirtschaftlich Schwächeren bedeuten und mühte die Katastrophe herbeiführen. Der Vorstand des Gesamtverbandes richtet an die Arbeiterschaft den dringenden Appell, durch unermüdliche Arbeit die Reihen der christlichen Gewerkschaften zu stärken. Starke Gewerkschaften und entschlossener Wille zur Selbsthilfe sind eine Voraussetzung dafür, den Anschlägen auf die Le- bensinteressen der Arbeiterschaft wirksam zu begegnen und gesundere Grundlagen für unser staatliches und gesellschaftliches Leben zu gewinnen." Sozialdemokratische Kampfansage. Berlin, 20. Juni. (CRB.) Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei hat einen Aufruf veröffentlicht, der eine Kampf- anfagcgegen die Rotverordnung enthält. Die Sozialdemokratie fordere, dah ihr foyal ungerechter Inhalt durch einen gerechteren erseht werde. Die anderen Parteien, die sich gegen die Rotverordnung erklärt hätten, verfolgten ganz andere Ziele als die Sozialdemokratte. Ra- tionalsozialisten und Deutschnationale, Großagrarier und volksparteiliche Scharfmacher wollten die Arbeiterbewegung vernichten. Sie wollten auf der Rückreise nach Moskau dem Reichs- j auhenminister Dr. Curtius einen Besuch in Berlin abzustatten. Da dieser Besuch voraussichtlich gegen Mitte Juli zu erwarten ist, dürfte er mit der weiteren Gestaltung der russisch- deutschen Beziehungen zusammenhängen. In Moskauer politischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß Litwinow auf der Rückreise von Berlin nach Moskau nicht in Warschau Station machen wird. Rio de Janeiro, 20. Juni. (WTD. Funkspruch.) Das Flugzeug „Do X" wird wahrscheinlich Anfang nächster Woche von AldeiadeSao Pedro nach Rio de Janeiro weiterfliegen. In Aldeia de Sao Pedro wurde der Besatzung des „Do X“ ein herzliche r Empfang durch die Stadtbehörden, Vertreter von den Flugkonzernen, der Armee und der Flotte bereitet. Ein Flugzeug geht von Rio de Janeiro zur Besichtigung und De- grühung des „DoX“ ab. Don" dem Kommandanten des „Do X“ ist Bei den Dornierwerken ein Telegramm aus Dahia eingegangen, dah der gestrige Flug von Ratal bis Bahia ohne jeden Zwischenfall p r o - grammähig verlaufen ist. Das Flugschiff befindet sich in bester Verfassung. Auf dem Maceio- See wurde eine Zwischenlandung vor genommen und nach kurzem Aufenthalt der Weiterflug angetreten. Das Flugschiff wurde in Bahia mit großer Begeisterung begrüßt, ebenso wie die Bewohner der überflogenen Orte Rordbrasiliens dem Kugschiff lebhaft zujubelten. Alle Rachrichten über Fehlstarts und Beschädigungen entbehrten jeder Begründung. 3m Segelflugzeug flbee den Ärmelkanal. London, 20. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der 6ng£änber Liss an t Beardmore kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, als erster in einem motorlosen Segelflugzeug den Kanal überquert zu haben. Beardmore lieh sich gestern nachmittag um 5.15 Uhr vom Flugplatz in Lympne (Kent) von einem Motorflugzeug bis zu einer Höhe von 4000 Metern Hochschleppen und landete etwa eine halbe Stunde später auf französischem Boden, auf. dem Flugplatz St. Jnglevert. eine Regierung der Rechten als Ueber- leitung zum Faschismus. Die Kommunisten hätten ihnen dabei geholfen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion habe richttg gehandelt, indem sie die Pläne der faschistisch-kommunistischen Koalition zuschanden machte. Sie habe richtig gehandelt, indem sie für diesen Zeitpunkt die Einberufung des Reichstages ablehnte. Sie habe richtig gehandelt, indem sie auf den sofortigen Zusammentritt des Haushaltsausschusses verzichtete. Sie habe es getan, nachdem die Reichsregierung den nächstigen Ausschuhberatungen zugestimmt und sich außerdem zur vorherigen Milderung einiger sozialer Härten bereit erklärt hätte. Der Aufruf schließt mit Einern Appell an die Mitglieder, den Massen die wirklichen Kräfteverhältnisse zu zeigen und ihnen die Gründe des sozialdemokratischen Handelns zu erklären. Scharfe Opposition in der Staatspartei. Berlin, 20. Juni. (ERD.) Der Reichsarbeitnehmerausschuß derDeutschenStaats- partei hatte eine Versammlung ein berufen, in der Reichstagsabgeordneter Gustav Schneider über das Thema „Kampf der Rotverord- nung" sprach. In der Aussprache kam, dem „Der- liner Tageblatt" zufolge, eine starke Erbitterung der Arbeitnehmer gegen die Haltung der Staatspartei, vor allem des Reichsfinanzmini sters Dietrich, zum Ausdruck. Wiederholt wurde erklärt, daß man den Weg des Kabinetts Brüning nicht mehr mitmachen könne. Dietrich hätte zurücktteten müssen, als er sah, daß er seine Absicht nicht durchsetzen konnte. Die Partei hätte von der Regierung ab» rucken müssen, selbst auf die Gefahr hin, dah Dietrich aus der Fraktion ausgetreten wäre. Wenn man den Part eiführer auf diese Weise losgeworden wäre, so wurde wörtlich von einem Redner erklärt, dann um sobesser. Kundgebung der Industrie. Berlin, 19. Juni. (TU.) Der Hauptausschuh desReichsverbandes derDeut- schen Industrie trat am Freitag bei zahlreicher Beteiligung aus allen Teilen des Reiches unter dem Vorsitz von Geheimrat Dr. C. Duis- b e r g zu einer Tagung in Berlin zusammen, in der die augenblickliche Rotlage des deutschen Volkes eingehend erörtert wurde. Den Hauptvortrag mit dem Thema: „Wie stehen wir Wirtschafts- und finanzpolitisch" erstattete an Stelle des durch Krankheit verhinderten Geheimrats K a st l Dr. Silverberg. Das Ergebnis der Tagung faßte Geheimrat D uisber g wie folgt zusammen: Der Reichsverband der Deutschen Industrie ist sich darüber klar, dah die Gefahr eines roirt- schasllichen und finanziellen Zusammenbruches in aller erster Linie eine Frage des vertrauens in die Führung der Reichsgeschäfte ist. Der Person des Reichskanzlers bringt die Industrie dieses Vertrauen entgegen. An dem Inhalt der Notverordnung vom 5. Juni 1931 wurde ernste Kritik geübt. Die entscheidenden Schritte, die Wirtschaft von den Fesseln zu befreien, die ihr durch die ungeheure lieber- lastung mit öffentlichen Abgaben und die falschen Methoden der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik auferlegt sind, müssen noch getan werden. Der Reichsverband behält sich vor, im einzelnen zu den Bestimmungen der Notverordnung Stellung zu nehmen. Line dringende Aufgabe ist ferner das entschlossene Anpacken der Reparationsfrage. Lin Zögern der Reichsregierung in dieser Frage Sie erste Wasserlanimg des „Graf Zeppelin". Vorbereitung für die geplante Fahrt in die Arktis. „Do X* fliegt nach Rio de Janeiro. Sturmlauf gegen die Notverordnung. wird von der überwältigenden Mehrheit des deutschen Volkes und von der gesamten deutschen Industrie nicht mehr verstanden. Die Reichsregierung muß tm geeigneten Augenblick die kraftvolle Initiative ergreifen, die notwendig ist, um neue Verhandlungen in Gang zu setzen, eine baldige Lösung der Tributfrage herbeizuführen. Die schnelle Lösung der Reparationsfrage ist nicht nur für den Bestand der deutschen Wirtschaft die notwendige Voraussetzung, sondern sie liegt auch im Interesse Europas und der Welt. Schwere Unwetter Über Ostpreußen und polen. Vierzehn Tote, zahlreiche Verletzte. Königsberg, 19. Juni. (WTD.) Am gestrigen Rachmittag und in den Abendstunden gingen über Königsberg und der Provinz Ostpreußen mehrere schwere Gewitter nieder. In Heiligeicheil erschlug der Dlitz in dem Wohnhaus eines Besitzers dessen 19jährigen Sohn und 32jährige Tochter. In Ortelsburg wurde die Familie eines Besitzers bei einer Begräbnisfeier von einem Gewitter überrascht. DTr-^Blih schlug in das Haus und t ö t e te die Frau des Besitzers und den Sohn eines anderen Landwirtes. Auch die übrigen Trauergäste erlitten Brandwunden. Im Kreise Insterburg traf der Dlitz das Haus eines Landwirtes. Der Desitzer wurde v o m B l i tz erschlagen, während die übrigen Bewohner mit dem Schrecken davonkamen. Im Kreise Preu- ßisch-Holland wurde eine 57jährige Waldarbeiterin auf dem Heimwege von ihrer Arbeitsstätte vom Blitz getötet. Mit den aus dem Osteroder Kreis gemeldeten zwei getöteten Personen hat das gestrige Hnwetter also acht Todesopfer gefordert. ♦ Warschau, 19. Juni. (TU. Funkspruch.) In Studzienice bei Sierpce (Kongreß-Polen) waren während der dortigen Manöver in einer Scheune ungefähr 40 militärisch ausgebildet« Schüler der höheren Klassen unter dem Kommando eines Oberleutnants mit theoretischen Hebungen beschäftigt, als ein ungeheures Gewitter her- auszog. Ein Blitz schlug so unglücklich in die Scheune ein, dah fünf Schüler auf der Stelle getötet wurden und zwölf schwer« Verletzungen erlitten. Heber 20 Schüler trugen leich'-ere Verletzungen davon. Die Scheune geriet in Flammen und wurde in kurzer Zeit vollständig eingeäschert. Hnter den Toten befindet sich außer den fünf Schülern auch noch der Abteilungsführer, Oberleutnant P l o s v, der als Schwerverletzter auf dem Wege zum Krankenhaus seinen Wunden erlegen ist. Aus aller Well. Die Gesamtzahl der „St. Philibert' Opfer. p a r i 9, 19. Juni. (MTV.) Rach den Feststellungen des Magistrats von Rantes hat die Zahl der Opfer der Schiffahrtskataftrophe bereits die Zahl 400 überschritten, ohne Einrechnung der umgekommenen Kinder und der Mannschaft. Man muh daher damit rechnen, daß die Gesamtzahl der Opfer 5 5 0 bis 580 Personen betrögt. Die Schleppfahrt des „Nautilus-. London, 20. Juni. (WTB.) Die gestrigen Morgenzeitungen veröffentlichen eine Mitteilung des Marinedepartements in Washington, daß das im Schlepptau der „Wyoming" befindliche U-Boot „Nautilus" seinen Periskopaufbau verloren habe, und die Manschaft in dem geschlossenen Schiffskörper daher nicht sehen könne. Die Verbindung zwischen „Wyoming" und „Nautilus" werde ausschließlich auf dem Funkwege hergestellt. Eine funkentelegraphische Nachricht, die der Shreu- zer „Wyoming", der das Arktis-Unterseeboot „Nautilus" nach Queenstown in Irland zu schleppen versucht, gestern abend dem Marinedepartement übermittelte, besagt, daß das Boot seit gestern mittag auf 49 Grad 35 nördlicher Breite und 14 Grad 49 westlicher Länge liegt, da neue Störungen aufgetreten sind. Der Steuerbordmotor und das Periskop können nicht mehr repariert werden. Die Besatzung versucht, die Reise mit dem Backbordmotor fortzufetzen. Lin breimotoriges Großflugzeug durch Feuer vernichtet. Paris, 19. Juni. (WTD.) Auf dem Flugplatz Le Bvurget wurde heute ein dreimotv - riges Flugzeug durch Feuer vernichtet. Es handelt sich um einen einer schweizerischen Gesellschaft gehörigen Apparat, der den Flugdienst zwischen Basel und Paris versah. Das Flugzeug gehörte früher dem belgischen Finanzmann Löwenstein, der, wie erinnerlich, auf tragische Weise auf dem Flug über den Kanal ums Leben gekommen ist. Fünf Tote bei einem Flugzevgzusammenstoh in Brindisi. Rom, 20. Juni. (WTD. Funkspruch) Heber dem Flughafen Brindisi stießen zwei Dvm » benwasserflugzeuge in einer Höhe von 20 Meter zusammen. Während es dem einen Flugzeug gelang, glatt zu landen, stürzte das zweite, das einer Fliegerschule gehörte, mit sechs Personen ins Meer, wobei fünf trotz aller Rettungsversuche ertranken. Wettervoraussage. Der Dorüberzug der England störung brachte in den gestrigen Abendstunden Riederschläge mit Leichtem Temperaturanstieg. Mittlerweile ist die kühl« Luft der Rückseite bis über die Rordsee vorgedrungen und hat den hohen Srud über dem Atlantik bis nach den britischen Inseln vorgebracht. Die Westluft wird anfangs noch Anlaß zu wechselhaftem Wetter und etwas Riederschlag geben, jedoch geht durch den Luftdruckanstieg später die Bewölkung mehr zurück und Besserung tritt «in. Dabei bleibt es unter dem Einfluß der Ozeanlust vorerst kühl. Aussichten für Sonntag: Vorerst noch wechselhaft, kühl, jedoch nur vereinzelt geringe Regenschauer, später mehr aufheiternd. Aussichten für Montag: Weitere Wetterbesserung wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 19. Juni: mittags 21,2 Grad Celsius, abends 14,4 Grad; am 20. Juni: morgens 15,8 Grad. Maximum 21,2 Grad, Minimum 11,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Juni: abends 20,2 Grad; am 20. Juni: morgens 16,4 Grad Celsius. — Niederschläge 1,9 mm. — Son- nenscheindauer Stunden. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 20. Juni 1931. Sommersonnenwende. AIS ein Gegenstück der Wintersonnenwende war di« Sommersonnenwende bei den aLten germanischen Völkern immer ein hohes Fest. Feierte man im Winter die Sonnenwende als ein Zeichen der Gewißheit, daß die Sonne von neuem mit ifir«m Aufstieg begonnen hat, wurde das Fest der Sommersonnenwende, das Milsomrner- fest, abgehalten aus Dankbarkeit gegen die guten Gotter, die die Sonne wieder wärmer, scheinen liehen und von neuem Fruchtbarkeit über die Lande brachten. Gleich der Zeit um di« Wintersonnenwende galt bei unseren heidnischen Vorfahren auch die Zeit um die Sommersonnenwende als eine heilige Zeit, in der sich draußen in der Ratur Wunderbares zutrug. Mm diese Zeit blühte die Wunderblume, die denen, die sie fanden, grohe Reichtümer «inbrachte, um diese Zeit wurden die Wünschelruten geschnitten, alles, waS um di« Zeit der Sommersonnenwende getan wurde, sollte zum Segen gereichen. Manche Stücke dieses alten DollSglaübens,haben sich bis auf unsere Tage erhalten. So heißt es im schwedischen Volksglauben, iy der Rächt vor der Sommersonnenwende kämen alle Tiere der Felder und Wälder zusammen, um Gericht abzuhalten. Wer ein Glückskind ist und sich in das Innere der Wälder schleicht, soll auch tiv. der Rächt vor der Sommersonnenwende di« Sprache der Tiere verstehen. Besonders in Schweden geht eS am Tage der Sommersonnenwende hoch her. Don weit und breit, zu Fuß, auf Fahrrädern und Wagen ströme^ die Menschen, jung und alt, zusammen, um im Freien, auf einem Berge oder an der Meeresküste, Milsommer zu feiern. Hoch lodern die Flammen der Mitsommer'euer empor, es werden Ansprachen gehalten, Mus'ik ertönt überall, die Jugend singt, tanzt und jubiliert, überspringt die Feuer, wirft Blumen und frisches Grün hinein, weil dies für das ganze nächste Jahr Glück bringen soll. Bis weit über daS Mittelalter hinaus war di« Sommersonnenwende auch in Deutschland ein allgemeines Freudenfest. In den Städten vor dem Rathaus oder auf dem Marktplatz. In den Dörfern auf dem Dorfanger oder vor der Kirche wurden große Feuer angezündet, es gab Festlichkeiten, an denen sich das gesamte Volk beteiligte. Meistens war dieses Fest sogar hoch offiziell, an ihnen waren Fürsten, hohe Staatswürdenträger, Bürgermeister und Ratsherren anwesend. Später ging man dazu über, die Sommersonnwendfeuer nicht mehr aus den Märkten und vor den Rathäusern anzuzünden, sondern draußen auf den Bergen oder auf Wiesengründen. Auch der alte nordisch« Brauch, dieses Sonnensest ein« ganz« Woche zu feiern, blieb bis in das 17. Iahrhundert hinein erhalten. Während einer ganzen Woche di« Feuer zu unterhalten, ging mit dem Knapperwerden der Holzvorräte nicht mehr, so blieb nur noch der Brauch mancher Gegenden, die Sonnenwendfeuer am 2. Iuli noch «inrnal anzuzünden. Dies« Feuer sollen nach dem Volksglauben auch reinigend wirken. Heber ein solches Feuer zu pbr.ngen, reinigte von Sünden, versöhnte alle Feindschaften, führte aber auch zu unvergänglicher Liebe. Daher sollen besonders junge Eheleute und Brautleute über «in Sonnenwendfeuer ßpringen. Besonders in den Bergen, Tirol und Oesterreich, in Steiermark und in der Schweiz ist der Brauch, über diese Feuer zu springen, noch überall lebendig. Ein Dorfbursche in Tirol, Riederbayern oder Oberösterreich, der se^n Mädchen nicht zum älebcrspxingen des Sonnenwendfeuers auffordert, gäbe damit kund, daß er von dem Mädchen nichts mehr wissen will, und überspringt er das Feuer sogar mit einer andern, so gilt dies als eine grobe Beleidigung für das übergangene Mädchen. Well man den Feuern am Tag« der Sonnenwende eine reinigende Wirkung zuschrieb, wurden früher oft Kleidungsstücke erkrankter Leute in die Feuer geworfen, und als es noch Hexenverbrennungen gab, glaubte man sogar, ein gutes Werk zu tun, wenn man die Hexen bei einem großen Sonnenwendseuer verbrannte. So sollten die Hexen wenigstens rein und gesühnt in das Ienseits eingehen. In Steiermark verbrennt man noch jetzt einen Popanz aus Stroh und Lumpen, und in Riederbahern kocht man auch jetzt noch Wurzeln, Blätter und Stengel von Heilpflanzen an den Feuern der Sommersonnenwende aus. Ebenso werden glimmend« Scheite dieser Feuer mit in die Wohnungen genommen, um im Herd Feuer anzumachen. Von der Gießener Studentenschaft. Rachdem vor einiger Zeit die republikanische Arbeitsgemeinschaft im Allgemeinen Studentenausschuß (Asta) ihre Mitarbeit eingestellt hat, ist es nunmehr in dieser Körperschaft auch zu Differenzen zwischen der nationalsozialistischen Mehrheit und der Gvoßdeutschen Fraktion gelom- men. Die Rationalsozialisten hatten im Asta den Antrag gestellt, entgegen der seitherigen Gepflogenheit bei der Entsendung von Vertretern' zum Deutschen Studententag in diesem Iahre nur einen Vertreter, und zwar den nationalsozialistischen ersten Vorsitzenden der Studentenschaft, zum Studententag zu entsenden. Im vorigen Iahre waren als Vertreter der Studentenschaft der erste Vorsitzende des Asta, damals ein Groß- deutscher. und der zweite Vorsitzende, ein Ra- Rundfunkprogramm. Sonntag, 21. Juni. 7 Ahr: Don Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: Morgenfeier der ev.-luth. Dreieinigkeitsgemeinde Frankfurt a. M. 9.15 bis 10.15: Stunde des Chorgesangs. 11: Sportplatz am Erlenbruch: Mikrophonbericht von der Grundsteinlegung. 11.15: Uhr und Schmuck: Mikrvphonbericht au- einer Ausstellung. 11.30: Leipzig: Reichssendung: Kantate zum 3. Sonntag nach Trinitatis. 12: Mainz: Huldigungsfeier am Gutenberg-Denkmal. 12.30: Schallplatten-Konzert. 14: Stunde des Landes. 15: Stund« der Iugend. 16: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 17.30: Mannheim: Mn« terhaltungskonzert. 18: .Tilmann Riemenschneider", Vortrag von Dr. Hermann Gundersheimer. 18.25: .Das veutsche Lebensgefühl von 1870 bis 1900", Vortrag von Dr. Carl Gebhardt, Frankfurt. 18.50: .Sommer in Schweden". Vortrag von Alfons Paquet. 19.25: Ioachim Maaß: Ein junger Autor erzählt. 19.50: Von Oslo' Fußball-Länderspiel Deutschland—Rorwegen. 20.40: Konzert des Rundfunk- Orchesters. 21.40: Alte Tanzmusik. 23 bis 24: Tanzmusik. Montag. 22. 3unl. 7.30 bis 8.30: Bad Münster a. St.: Konzert des Kurorchdsters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: .Im Kampf um die Muttersprache", Vortrag von Henny PleimeS. 15.50: .Ein rheinischer Weberjunge erzählt", Improvisationen ddtj Paul Laven. 16.30: Bad Kreuznach: Konzert des Kur- vrchesters. 18.15: „Willkommen in Trier! Darf ich Sie führen?" Vortrag von Prof. W. älhde, Trier. 18.45: .Die Rot des Grenzlandes". Vortrag von Regierungspräsident Dr. Sassen, Trier. 19.15: Englischer Sprachunterricht. 19.45: „Der Andere", Drama in 3 Akten. 21.15: Studien- Konzert. 22.50 biS 24: Tanzmusik. Dienstag, 23. Juni. 7.30 bis 8.30: Bad Münster a. St.: Konzert des Kurorchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20 bis 15.50: HauSfrauen-Rachmittag. 16.30: Rach°- mittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18: „Gutenberg", Vortrag von Dr. Ruppel. 18.30: Unterhaltungskonzert ; Kompositionen von Erik Meyer-Helmund. 19.30: Kaisersaal in Würzburg: Konzert des Würzburger Mozart»Festes. 22.45: Schauspielervorträt: Toni Impekoven. 23 bis 24: Cafs Wilhelmsbau: Tanzmusik. Mittwoch. 24. Juni. 7.30 bis 8.30: Bad Kreuznach: Konzert des Kur- vrchesters. 10.20 bis 10.50: Schulfunk: „Di« Orgel", vorgettagen von Reinhold Merten. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Iugend. 16.30: Rachmittagskonzeri des Rundfunkorchesters. 18.15: „ReueS Bauen , Dreigespräch zwischen S. Gideon, F. T. Gubler und T. Linfert. 18.45: „Die Empfangsverhältnisse nach Durchführung deS Groß-Senderbaues", Dortrag von Haus Reuert. 19.15: „Die heilige Hildegard von Bingen, eine Raturforscherin des Mittelalters", Dortrag von Dr. H. v. Bronlart 20: Köln: Gurre-Lieder, von IenS Peter Iakobfen. 21 bis 22: Unterhaltung^- Konzert deS Rundfunkorchesters. 22: Regro Spirituals (Geistliche Regerlieder). Donnerstag, 25. Juni. 7.30: Bad Kreuznach: Frühkonzert des Kur- vrchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Iugend. 16.30: Rachmiltagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 18.15: „Die Einhcits- bewertung und VermögenSsteuerveranlagung 1931", Dortrag von Regierungsrat Dr. jur. I. Geis. 18.45: „Das moderne AuskunftSwesen und der Welthandel", Dortrag von Dr. Erich Richter, Leipzig. 19.15: „Staatsverantwortung und Staatsgesinnung", Dortrag von Dr. Heinrich Simon. 19.45: Unterhaltungskonzert des Run!» funkorchesters. 20.30: „Der fremde Musikant", Musikalisches Dolksstück. 21.30: Kompositionsabend, Clemens Echmalstich. 22.50 bis 24: Köln: Tanzfunk. Ar ei tag, 26. Juni. 7.30: Bad Homburg: Frühkonzert des Kurorchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: „Freu- denstunden in einem Schullandheim". Dortrag von Oberstudiendirektor Dr. Emil Hartmann. 16.30: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.30: Eine Viertelstunde Deutsch. 18.45: Gedächtnisstunde zum 25. Todestag des Philosophen Max Stirner, von Dr. Albert Haag. 19.15: Aerzde- vortrag: „Tiere als DersuchSobjekte im Dienst der Heilkunde". 19.45: Karlsruhe: Unterhaltungskonzert. 20.25: Italienische Volkslieder, gesungen von Alberto Castagnoli. 20.55: Scherz und Satire. 21.25: Rheinische Komponisten. 22.50 bis 24: Köln: Tanzmusik. Samstag, 27. Juni. 7.30: Bad Homburg: Konzert des KurorchesterS. 10.20 bis 10.50: „In der Werkstatt der Lokomotiven", Hörbild von Paul Laven. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Iugend. 16.30: Rachmitlagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.15: Erlebte Geschichten von Günter Eich — Dorgetragen vom Verfasser. 18.45: Eine 'Betriebs- ratssihung. Hörfolge. 19.20: Spanischer Sprachunterricht. 19.45: Schallplatten-älinfchau. 20.30: Soldatenlieder aus dem Weltkrieg. 21.30: Marsch- Konzert. 22.50 bis 24: Tanzmusik. tioncllfozialist, zum Deutschen Studententag entsandt worden. Da die Mehrheit des Asta nicht geneigt war. in diesem Iahre dem Antrag der Grohdeutschen Fraktion zuzustirnmen, diesmal auch den von ihr gestellten 2. Vorsitzenden mit zum Studententag nach Graz zu entsenden, stellten die Großdeutschen ihre Mitarbeit im Vorstand und in den Aemlern der Gießener Studentenschaft ein. Der Minister für Kultus und Blldungswesen, der auf eine arbeitsfähige Vertretung der Studentenschaft Wert legt, hat mm- mehr die Universität au'gefordert, ihm über die Reuordnung der Selbstverwältung bei der Gießener Studentenschaft Vorschläge zu unterbreiten. Endlich Umgestaltung derOammstraße Rach außerordentlich langwierigen und von häufigen Zwischenfällen unterbrochenen Verhandlungen über den Grundstückserwerb zur 11 m - geftaltung der Damm st raße ist gestern die ganze Angelegenheit endlich zum Abschluß gebracht worden. Die Stadt hat gestern durch Kauf das letzte Grundstück an dem Engpaß der Dammstraß«/Ecke Walltorstrahe käuflich erworben, so daß schon in den nächsten Tagen durch Abbruch dieses Hauses die Umgestaltung der Darnmsiraße eingeleitet werden kann. Zunächst wird die Damrnstraße von der Walltorstrahe aus auf di« gleiche Sirahenbreit« erweitert, wie sie bisher nach der Rordanlage zu schon bestand. Damit wird in verkehrstechnischer Hinsicht eine Entlastung des Lindenplahes und des Straßen- engpasses am Einhorn geschaffen, da künftig der Fährverkehr zu einem wesentlichen Teil« durch die Dammstraße und Rordanlage umgeleitet werden kann, wie auch der Fährverkehr in umgekehrter Richtung um den engen Stadtkern herumzuführen fein wird. Es wäre zu wünschen, wenn nach der ilmgestallung der Straße auch die bauliche Lösung des älmgesialtungsprojekts mit möglichster Beschleunigung durchgeführt würde. Erfreulich ist, daß di« Erledigung dieser wichtigen städtebaulichen Ausgabe der Stadt unter sehr annehmbaren Bedingungen möglich gemacht wurde, und daß nun endlich an dieser belebtesten Straß« des RordvswiertelS ein baulicher Zustand sein Ende erreicht, der bisher sehr unerfreulich und unserer Stadt direkt unwürdig war. Bornotizcn. — Tageskalender fürSamstag. Gießener Konzertoerein: Orchesterkonzert, 20.15 Uhr, in der Bolkshalle (verstärkter Straßenbahnverkehr).*— ERG.: 20.30 bzw. 21 Uhr: Generalversammlung im Bootshaus. — NSDAP.: Oeffentliche Dersammlung, 20.30 Uhr, im Caf6 Leib. — Lichtspielhgus, Bahnhofstraße: „Schneider SSBibbeT. — Tageskalender für Sonntag. Licht- spielhaus, Bahnhofstraße: „Schneider Wibbel". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Nach den Gastspielen Berliner Künstler hat die Intendanz nunmehr das Ensemble einer süddeutschen Bühne zu einem einmaligen Gastspiel verpflichtet. Das Intime Theater Nürn- berg, das zur Zeit in Darmstadt gastiert, wird am Dienstag, 23. Juni, als 5. Gastspiel der Sommerspielzeit den Schwank „Familie Hannernann" von Reimann und Schwarz einmalig zur Aufführung bringen. In der Rolle der Tante aus Kalkutta wirkt Freya Sturmi els, die von ihrem früheren Auftreten an unserer Bühne noch bestens bekannt sein dürfte. Die Intendanz hat auch dieses Gastspiel zu ermäßigten Sommerpreisen angesetzt. Es ist das letzte Gastspiel im Juni. Beginn 20 Uhr: Ende 22 Uhr. * LU. Auszeichnung f ü r das Unioersi - tätsoersuchsgut. Bon der Pressestelle der Universität wird mitgeteilt: Bei der 37. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Hannover wurde dem Universitäts-Versuchsgut „Unterer Hardthof" für seine dort ausgestellte Qualitätsmilch in der Klasse I (Rohmilch) einen 1. Preis und Siegerehrenpreis zuerkannt. Die Auszeichnung stellt einen erneuten Beweis für die vor- zügliche Beschaffenheit der auf dem Versuchsgut erzeugten Milch dar. ** D i e Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet. *• Großes Orchesterkonzert in der Volkshalle. Heute abend, 20.15 älhr, findet in der Dpikshalle ein Orchesterkonzert unter der Leitung von älniversitätsmusikdirektor Dr. Lerne s v a r y statt, das sich zu einem großen künstlerischen Ereignis gestalten dürfte. Ein 60 Mann starkes Orchester des Orchestervereins Gießen wird unter der bestens bekannten Leitung Dr. Ternesvarys einige volkstümlich« Orchesterwerke aufführen und damit den Zuhörern einen hohen Genuß verschaffen. Als Solistin wirkt Fräulein Edeltraut Raab (Klavier). Der Besuch dieser Veranstaltung, deren Wert um so höher eingeschäht werden darf, als nur einheimische Künstler die Ausführenden sind, kann angelegentlich empfohlen werden. ** Sonnwendkundgebung der NSDAP. Die diesjährige Sonnwendkundgebung der NSDAP, findet, wie aus der Anzeige vom Donnerstag ersichtlich war, für ganz Oberhessen am Sonntag, 21. Juni, in Münzenberg statt. Ansprachen werden halten der hessische Gauleiter Gern« in der, M. d. R., Pros. Dr. Werner-Butzbach, M.d.L., Bernhard Graf zu Solms, L a u b a ch und Oberleutnant a. D Weyrauch- Essen. Die Feier an dem Sonnwcndfeuer wird, wie man uns noch mitteilt, ausgcschmückt durch ein Spiel der Artamancn. Die Kapelle der Standarte 116 wird die Feier mit Märschen und vaterländischen Weisen umrahmen. Die Direktion der Butzbach- Licher Eisenbahn läßt an diesem Tage Sonderzüge verkehren, einen ab Grünberg Sonntag 12 Uhr, ab Lich 13.05 Uhr. Da auch abends nach der Feier Sonderzüge in der Richtung Bad-Nauheim, Butzbach (Anschluß nach Gießen), Lich und Grünberg verkehren, ist der Abtransport sichergestellt. ,e Dr« i Fahrräder gestohlen. In der vergangenen Rächt wurden aus dem Anwesen Ebe^strah« 28 drei Fahrräder gestohlen. Die Diebe, ein Mann und eine Frau, di«, wie sich bereits herausstellte, beobachtet worden sind, haben «in Damenrad (Marke „Della"), ein Herrenfahrrad (Marke „Panther"). Rr. 483 181 und ein älteres Herrenfahrrad (Marke „Meister") mit sich genommen. Die po.izeUichen Ermittlungen sind im Gang«. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizei. Furchtbares Familiendrama im Vogelsberg. Gestern zwischen sechs und sieben Uhr ereignete sich — wie wir in einem Teil der gestrigen Auflage bereits berichteten — in dem Dorfe Ober- Seibertenrod bei Ulrichstein ein furchtbares Jamitienbrama. Der seit Ostern d. J. dort im Schulamt tätige, 30 Jahre alte Lehrer Diehl, der vorher in vindsachsen im Schuldienst war und an einem schweren Nervenleiden litt, ging plötzlich mit einem Messer aus seine 27 Jahre alte Jrau los, der er nach heftigem Kampfe die Kehle durchschnitt. Die junge Jrau, die bei dem Ringen mit dem tobenden Manne noch verschiedene Verletzungen am Körper baoongetragen hatte, d e r ft a r b bald nach den furchtbaren Schnitten durch den Hals. Der Mann trank nach seiner grausigen Tat eine größere Menge Harmalin, um auf diese Weise auch aus dem Leben zu scheiden. Einige Zeit später wurde das bedauernswerte Ehepaar von dem Dienstmädchen aufgefunden, das sofort Lärm schlug, so daß die Nachbarschaft zur Hilfe herbeieilte. Die junge Jrau konnte von dem rasch hinzugerufenen Arzt nur als Leiche angetroffen werden, der Mann wurde in schwerkrankem Zustande durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen der Gießener Klinik zu- geführt, wo er heute mittag kur; nach seiner (Einlieferung ebenfalls o e r ft a r b. Die jungen Eheleute hinterlasfew ein zwei Jahre altes Töchterchen. 3u der furchtbaren Tat erfahren wir noch, daß Lehrer Diehl sich seit Ostern in ärztlicher Behandlung fand. Der Mann war im Dorfe als tüchtiger Lehrer geschätzt, er ging aber wenig unter die Einwohnerschaft und stand im Rufe eines Einsiedlers, der sich viel mit sich selbst beschäftige. Er, sowohl wie auch seine Gattin, genoßen im Dors allgemein den besten Ruf. Wegen einer schweren Nervenerkrankung sollte der bedauernswerte Mann in Kürze in eine Heilanstalt verbracht werden. Dies war ihm bekanntgeworden und hieraus erklärt man sich die grausige Tat. Anscheinend fürchtete der Mann um die Existenz seiner Frau, so daß er in einem Anfall von Verzweiflung die furchtbare Bluttat beging. Nach dem örtlichen Befund zu urteilen, hat er sein« junge Ftau früh morgens im Bett über- fallen. Es muß dann zu einem furchtbaren Kampf zwischen den beiden Ehegatten gekommen sein, denn die Frau hatte neben den tödlichen Schnittwunden als Halse noch mehrere Stiche am Kopf, am Bein und an der Hand, die man sich nur aus der Abwehr des rasenden Mannes erklärt. Das Dienstmädchen fand den Mann im Herrenzimmer liegend sterbenskrank vor, während die Frau blutüberftrömt auf dem Fußboden des Schlafzimmers lag und dort verblutet war. Nach den Spuren zu urteilen, hat der Mann nach der Tat noch verschiedene Räume seiner Wohnung aufgesucht, sich dort auch gewaschen und dann muß ihm wohl das klare Bewußtsein io weit wiedergekommen sein, daß er erkannte, welche Tat er begangen hatte und er hierauf das Formalin zu sich nahm, unter dessen Einwirkung er dann am Mittag verstarb. Da sämtliche Polizei- und Justizbehörden, sowie der zuständige Kreisarzt heute früh bei den Feststellungen am Tatort die Sachlage als einwandfrei geklärt ansehen, wurde von einer Sek- tion der Frau abgesehen und ihre Leiche, wie auch die Leiche des Mannes zur Bestattung freigegeben. Berliner Börse. Berlin, 20. Juni. (WTB. Funkspruch.) Das überraschende Eingreifen Hoovers in die Repara- tionsfrage löste im heutigen Vormittagsverkehr eine zuversichtlichere Stimmung aus. Die Kurse erfuhren nach den Abschwächungen von gestern abend Er- Holungen von 1 bis 2 v. H., wobei allerdings von einer größeren Umsatztätigkeit nicht gesprochen wer- den konnte. Man verfolgte weiter mit Interesse die Entwicklung am Devisenmarkt und stellte mit Bc- friebigung fest, daß der Dollarkurs gegen gestern abend wieder rückläufige Tendenz zeigte. Man hörte Siemens 12(r Farben etwa 115. An Devisenkursen nannte man London gegen Paris 124,25, gegen Mai. land 92,92, gegen Madrid etwa 50,50, gegen Schweiz 25,0525, gegen Kabel 4,8650 zu 4,8653, gegen Berlin etwa 20,50. Kabel gegen Berlin 4,2135. Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein. reilich, - Sie könnten »billiger« kaufen, aber Sie müßten sofort auf vieles verzichten, was Sie von einem Automobil erwarten. Als das Automobil in der Kleinstwagen - Preisklasse ist der Opel Vierzylinder die beste Kapitalsanlage. Dieser Vierzylinder bietet den Komfort, die Bequemlichkeit, Opel 1,1 Ltr. 4 Zyl. von RN 18>OO bis BM 2700 ab Werk. fünffach bereift die Leistungsfähigkeit und die Ausstattung, auf die Sie Anspruch haben. 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Heute arbeiten die jungen Bulgaren für den Wiederaufbau des eigenen Vaterlandes. Man findet sie beim Bahnbau, Straßenbau, bei Fluß, regulierungen, Entsumpfungen, Aufforstungen, Oed- lanbfultioierungen und Wasserleitungen, Trudowatzi arbeiten in den staatlichen Domänen, auf Gestüten, bei Hafenbauten, sogar bei archäologischen Ausgrabungen. Diejenigen Trudowatzi die eine bessere Schulbildung genossen haben oder die ein Handwerk verstehen, werden als Schreibkräfte oder Spc- jialarbeiter eingestellt, häufig in Betrieben, die für den Eigenbedarf der Arbeitsdienstpflicht — Herstellung von Bekleidung, Schuhwerk, Arbeitsgerät — arbeiten. Nach dem Gesetz sind alle männlichen Bulgaren, die das 20. Lebensjahr erreicht haben, zu einer ein- maligen Dienstleistung verpflichtet, wenn sie körper- lich tauglich find. Anfänglich betrug die Dienstzeit zwölf Monate, sie wurde aber auf Verlangen der Entente auf acht Monate herabgesetzt, und cs wurde außerdem erzwungen, daß jeweils nur 30 v. H. des laufenden Jahrgangs „einberufen" werden dürfen. Ein Barsold wird nicht gewährt, dagegen erhält der Dienstpflichtige eine graue Uniform, im Sommer Leinenblusen und Leinenhüte, Schuhwerk und aus- Um in das biologische Problem der Krebsbildung einzudringen,' muß vor allem erst die Möglichkeit zum experimentellen Arbeiten geschaffen werden. Don Beobachtungen der menschlichen Pathologie aus- gehend, konnte eine Reihe verschiedener Methoden zunächst empirisch aufgefunden werden, die es ge- stattete, echte Krebserkrankung beim Tier künstlich, z. B. durch Teerpinselung, Bestrahlung usw. zu erzeugen und in Entstehung und Ablauf gründlich zu studieren. Es konnte im Tierversuch gezeigt werden, daß immer zwei Ursachen Zusammenwirken, ein lokaler Vorgang und eine allgemeine Disposition des Körpers. Zahlreiche Berufskrebse des Menschen, wie der Röntgenkrebs, der Paraffinkrebs, der Arsenkrebs u. a. find so in ihren wesentlichen kausalen Faktoren aufgeklärt. Die chemisch-physiologischen Grundlagen der allgemeinen Krebsdisposition aufzudecken war eine weitere wichtige Aufgabe Diese Disposition lag vor allem in der Stoffwechselstörung. Die Krebszelle selbst zeigt eine stark verminderte Atmung und eine stark gesteigerte Zuckergärung gegenüber der gefunden Zelle. Letztere führt zu einer Anhäufung von Milchsäure im Gewebe, die das Wachstum der Ge- schwulstzellen steigert. Gesteigerte Gärung bei herabgesetzter Atmung konnte im Stoffwechsel der ver- fchiedenen Organe des Krebskranken nachgewiesen werden. In neuester Zeit ist es gelungen, bei den bösartigen Geschwülsten eine Verschiebung der Reaktion des Gesamtblutes nach der alkalischen Seite aufzudecken. Aus diesen Tatfachen ergeben sich auch neue Wege zur Bekämpfung der Krebskrankheit, da man versuchen kann, den Körper zu einer ver- stärkten Atmung zu zwingen und eine Säuerung des Blutes durchzuführen. Die in dieser Beziehung an- gestellten Versuche Haden schon sehr günstige Ergebnisse gezeitigt, und es ist zu hoffen, daß bei weiterem Ausbau der Methoden wesentliche Fortschritte auf dem Gebiet der Krebsbekämpfung erzielt werden, die aber nur zu erwarten sind von einem tieferen Eindringen in die krankhaften Lebensvorgänge, die pathologische Physiologie der Krebszelle und des krebskranken Körpers. Die bisherwen Ergebnisse haben gezeigt, daß noch große und wichtige Teile des Krebsproblems eingehender wissenschaftlicher Bearbeitung bedürfen. Prof. Sr. Minkowski f. —”———— 'L iw Professor Oskar Minkowski, der berühmte Arzt und Forscher, ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Seine wichtigste Arbeit, die Entdeckung der Wechselbeziehungen zwischen Bauchspeicheldrüse und Zuckerkrankheit, bildete den Ausgangspunkt zur Erfindung des Insulins. kömmliche Verpflegung. Der Loskauf ist gestattet. Die Loskaufsumme'ist nach dem Vermögen gestaffelt und fließt dem Budget der Direktion der Arbeitspflicht zu. Etwa 20 v. $)■ der Eingezogenen machen vom Loskaufsrecht Gebrauch. Von der Jndienst- nahme der weiblichen Jugend wurde Abstand genommen, als sich herausstellte, daß es schwer ist, für die weiblichen Arbeitspflichtigen Arbeitsgelegenheiten zu schaffen. Neben der staatlichen Dienstpflicht, gibt es auch eine sogenannte „zeitliche" Arbeitsdienstpflicht, die sich alljährlich wiederholt („Einberufung zur Reserve ..und deren Ertrag den Gemeinden zugute kommt. Auch hi^r ist Loskauf gestattet. Der Eintritt in das stehende Freiwilligenheer entbindet für immer von der Arbeitsdienstpflicht. Im Anfang war die Arbeitsdienstpflicht für den Staat ein Verlustunternehmen, was nicht verwundern kann, denn es handelte sich um ein großes Experiment, unternommen von einem kleinen Staate, der große Summen investieren mußte, um Arbeitsgeräte und Arbeitsmöglichkeiten bereitzustellen. Heute erzielt der Staat erhebliche, sich von Jahr zu Jahr steigernde Gewinne. Dies ergibt sich aus folgenden amtlichen Zahlen: Arbeiter Tausende Arbeitstage Mill. Arbeitswert Mill. Lewa Loskaufgelder Mill. Lewa 1926/27 14450 1671 125,4 37,0 1927/28 16160 2079 187,9 45,3 1928/29 16100 2370 224,2 77,5 Es ergibt sich somit, daß die Arbeiterzastl etwa gleich blieb, daß sich aber die Zahl der Arbeitstage in einem Jahre um 200 000 gesteigert hat und daß für 37 Millionen Lewa Mehrarbeit geleistet wurde, ein Beweis für gute Organisation und Auswertung der Erfahrungen. Die erzielten Reingewinne, die ab 1924/25, also nach dreijähriger Unterbilanz, fühlbar wurden, sind folgende: 1924/25 9 168 Millionen Lewa 1925/26 12 393 1926/27 15 746 1927/28 78 631 1928/29 146 231 1929/30 182 276 Eine bessere Rechtfertigung der Arbeitsdienstpflicht läßt sich nicht denken. Ein „grauer Arbeitssoldat" erfordert heute an Aufwand 2,70 Mark einschließlich Bekleidung, Verpflegung, Arzt ufw^ während er dem Staate einen Ertrag von 3 Mark erbringt, worin die Loskausgelder elngeschlossen sind. Mit Hilfe der Arbeitsdienstpflicht konnten 616 km neueStraßen angelegt werden, darunter 161 km Pflasterstraßen, 230 km Straßen wurden ausge- bcssert. 51 neue, feste Brücken wurden erbaut, 24 Brücken ausgebessert. Der Nutzen gerade dieser Arbeiten ist für Bulgarien ganz außer- ordentlich, weil die langen Kriegsjahre und der nachher zunehmende Lastwagenverkehr das Straßennetz in einen traurigen Zustand versetzt haben. Im Jahre 1928/29 arbeiteten die Dienstpflichtigen an 22 Bahnlinien und stellten 70 km Eisenbahnlinie her. Das Eisenbahnbauprogramm Bulgariens, das dem Umstand Rechnung tragen muß, daß das Bahnnetz Bulgariens außerordentlich weitmaschig und zurückgeblieben ist, könnte ohne die Trudowatzi überhaupt nicht durchgeführt werden. Der Arbeitspflicht ist es zuzuschreiben, wenn sich Bulgariens Bahnnetz in den letzten zehn Jahren von 1900 km auf etwa 3000 km erhöht hat. Eine Glanzleistung der grauen Arbeiter ist auch die Entsumpfung der Donauniederung beiKaraboas, zwischen Swistov und Nikopol. Hier wurde das Ueberschwemmungsgebiet der Donau mit Hilfe der Völkerbundsanleihe durch bulgarische Arbeitssoldaten und Ingenieure durch einen Damm von 50 km Länge in hochwertiges Ackerland verwandelt. Die ganze Arbeit kostete 100 Millionen Lewa und bedeutet eine Bereicherung des Volksvermögens von einer Milliarde Lewa. Diese Erfolge sind die materielle Seite der bulgarischen Arbeitsdienstpflicht. Eine nicht geringere Rolle spielen aber auch die ethischen Werte, die durch die Arbeitsdienstpflicht geschaffen werden. Gewiß, ein vollgültiger Ersatz für die auch Bulgarien verlorengegangene allgemeine Wehrpflicht ist die „Trudowa-Powinnost" nicht. Trotzdem gleicht ihr moralischer Wert in vieler Beziehung dem einer militärischen Dienstpflicht. Die jungen Leute aus Stadt und Land machen gemeinsam eine „Vorschule" des Lebens durch, sie werden an Gehorsam und Unterordnung gewöhnt und in dem Gedanken an das notleidende Vaterland erzogen, dem dieser von jedem Parteieneinfluß freie Arbeitsdienst gilt. In der Verbannung der Sowjets. Von A exei Zastrow Ein russischer Ingenieur, der mehrere Monate in dem Verbannungslager von Pinega verbracht hat, schildert hier die furchtbaren Zustände, die in den Sowjetgefangenenlagern herrschen. D. Red. Die Sowjetregierung hat vom Zarensystem, wie so Sieles andere, auch die Methode übernommen, Andersdenkende durch administrative Verfahren, d. h. 1 ohne jede Gerichtsverhandlung, in die Verbannung y 3u schicken. Diesem Zweck dienen Gegenden, von denen man auf Russisch zu sagen pflegt, daß sich dort „Wölfe und Bären Gute Nacht! wünschen". Nicht nur das als Verbannungsort sozusagen klassisch gewordene Sibirien wird von der GPU., dieser würdigen Nachfolgerin der zarischen Ochrana, benutzt, sondern auch die Wüstengebiete im Nordosten des europäischen Rußlands sind in der letzten Zeit von den Sowjetmachthabern als Exilland erschlossen worden. In den Flußgebieten von Petschora, Pinega, Mesen, östlich von Archangelsk, im Reiche der sumpfigen Tundra, sowie im undurchdringlichen Urwald schmachten in Gefangenlagern unzählige Tausende, die dort schwerste körperliche Arbeit, z. B. Holzfällen, leisten müssen. Der Geld- äckel der Sowjetregierung ist stets leer und braucht »ringend eine Aufsüllung, zu welchem Zweck man ich gern der kostenlosen „Mitarbeit" de» Verbannten bedient! Unter den Häftlingen befinden sich auch zahlreiche Ausländer, die aus irgendeinem Grunde nach Rußland kamen und sich bei der Sowjetregierung durch abfällige Bemerkungen oder andere kleine Vergehen unbeliebt gemacht haben. Ganze Familien werden, auf Geheimbefehl der GPU., aus Moskau und anderen Großstädten in die Verbannung geschickt. Eisenbahnzüge sind von Verbannten voll. Gewöhnlich werden die Familien, entsprechend der Praxis der Behörden, getrennt. Irgendwo mitten im Walde bleibt der Zug stehen. Die Männer erhalten den Befehl auszusteigen. Frauen und Kinder müssen dagegen sitzenbleiben. Es spielen sich dabei Szenen ab, die die fürchterlichsten Bilder aus der Weltgeschichte heraufbeschwören. Die unglücklichen Männer dürfen nicht einmal von ihren Lieben Abschied nehmen. Schluchzen und herzzerreißende Schreie erfüllen die Luft. Selbst ein Wacht- soldat vermochte bei einer derartigen Szene, die ich beobachtete, seine Tränen nicht zurückhalten. Ueberall im Lande stehen verlassene und halb zerfallene Kirchen. Die Sowjetregierung hat diese Kirchen in Gefangenlager für Frauen und Kinder oerwckndelt. An den Wänden sind etagenweise Kojen aufgebaut. Tage- und wochenlang darf niemand den Raum verlassen, die Kirche ist von einer bis an die Zähne bewaffneten Wache umstellt. Die Ernährung ist miserabel. Die Verbannten bekommen einen Eimer übelriechender Fischsuppe und trockenes Brot. Laut strenger Vorschrift dürfen die Obenliegenden ihre Plätze nicht verlassen. Die Luft in diesen Räumen ist fürchterlich. Ohnmachtsanfälle sind an der Tages- orbnung. Waschwasser ist eine Seltenheit, und so ist es kein Wunder, daß alle Arten von Krankheiten an diesen Stätten des Grauens herrschen. Auf Grund meiner eigenen, leider sehr gründlichen Erfahrungen schätze ich, daß innerhalb des letzten halben Jahres annähernd 25 000 Kinder und Säuglinge in der Verbannung gestorben sind. Was die Männer betrifft, fo werden sie in die Sowjethölle geschickt — so nennt der Volksmund die Gefangenlager im Urwald, — in denen im Winter grimmigste Kälte herrscht. 40 Grad Frost sind auf diesem Breitengrad eine normale Temperatur. Trotzdem erhalten die Gefangenen keine warmen Filzstiefel und müssen sich mit Latschen aus Baumrinde begnügen. In den Wintermonaten mürben täglich Menschen mit abgefrorenen ©Hebern aus bem Urwalb in unser Lager — Pinega — zurückgeschleppt unb ihrem Schicksal überlassen. Die Verwaltung ber Gefangenlager unb bie Wache wirb bagegen mit warmer Kleibung in nötigem Maße versehen. Die Gefangenen können sich bei Bauern im Schleichhandel Lebensmittel erstehen, benn bie Nahrung ist selbstverstänblich ungenügenb sie besteht im allgemeinen aus Fischsuppe unb schlecht zubereitetem Buchweizenbrot. Die Preise, bie für Lebensmittel verlangt werben, finb aber ungeheuer. Ein Kilo Mehl kostet z. B. in beutsche Währung umgerechnet 8 Mark, ein Kilo Zucker 20 Mark, Fleisch 10 Mark usw. Beim Morgengrauen werben bie Gefangenen burch Trommelwirbel geweckt. Sie erhalten zum ersten Frühstück kochenbes Wasser zum Aufbrühen einer Tasse Tee unb ein Stück trockenes Brot, bann werben sie von ber Wache zu Holzarbeiten in ben Walb gejagt. Die Arbeit bauert volle zwölf Stunben, obwohl ber Achtstunbentag eine ber wichtigsten For- berungen ber siegreichen russischen Revolution war. Die Arbeit fällt ben körperlich unb seelisch erschöpften Menschen außerorbentlich schwer, trotzbem wirb man notfalls mit Peitschenhieben unb Gewehrkolben zur Arbeit getrieben. Bricht einer zusammen, so läßt man ihn einfach liegen. Was gilt hier ein Menschenleben! Jeben Abenb werben bie ins Lager zurückgekehrten Gefangenen burch Namensaufruf kontrolliert. Der Kommissar, ber biefe Zeremonie vornimmt, muß bei feinem Erscheinen vorschriftsmäßig auf militärische Art begrüßt werben. Militärische Disziplin ist überhaupt Trumpf. Verstößt einer gegen bie strengen Varschriften, so wirb er lediglich in Unterfleibung in eine Zelle eingesperrt. Es passiert öfters, baß auf biefe Art Bestrafte am nächsten Morgen erfroren aufgefunben werben. Aber auch bas rührt nieman- ben, benn wie ein Kommissar uns erklärte, finb bie Gefangenlager feine Sanatorien, fonbern Stätten ber Zwangsarbeit. Was finb bas nun für Leute, bie In ben Gefangen- lagern schmachten? Sinb es Schwerverbrecher? Nun, vielleicht in ben Augen ber GPU., bie bie Betreffen- ben als Schüblinge unb asoziale Elemente klassifi- ziert. Zu bieser Klassifizierung genügt jeboch beispielsweise, wenn man aus bem Auslanbe einen Zehnmarkschein von Freunben geschickt erhält unb biefe „Valuta" nicht an einer offiziellen Kasse zum amtlichen Kurs einwechselt. Der amtliche Kurs beträgt noch nicht fünf Rubel für zehn Mark, wäh- renb man im freien Hanbel etwa bas Zehnfache bafür erhält. Dafür muß man bann eben bie Gefahr in Kauf nehmen, als „Dalutafchieber" verbannt zu werben. Außerdem kann jeber Bürger ber Sowjetunion, ber sich eine Kritik ber herrschenben Zustände zuschulben kommen läßt, als unsoziales Element in biefe Hölle geschickt werben. Kunst und Wissenschaft. Schluß ber Remes-Auktion. drei Millionen Mark Gesamlerlös. ERB. München, 19. Juni. (Eig. Melbung.) Die Nemes-Auktion ging heute nachmittag zu Enbe. Der Gesamterlös ber 657 Nummern um- faffenben Auktion beträgt brei Millionen unb einige tausenb Mark. Damit bleibt bas Ergebnis weit hinter ben Schätzungen zurück, bie man im vorigen Oktober abgab. E-.MW v . \ Die Gebenkmünze, bie anläßlich des 100. Tobestages bes Freiherrn vom Stein (29. Juni) nach einem Entwurf des Bildhauers Krifchker von ber Preußischen Staatsmünze angefertigt würbe. Deutscher deamleudund und Notverordnung. Der Deutsche Beamtenbund, Ortsund Kreiskartelle Gießen Stadt und Land, hielten — wie man uns berichtet — am Montag eine Mitgliederversammlung ab, in der die durch die neue Notverordnung der Beamtenschaft erneut auferlegte Belastung schürf verurteilt wurde. Diese einseitige Belastung einer bestimmten Volksgruppe werde als ungerecht und vor allem wegen der Belastung besondersder unteren Schichten der Beamtenschaft als unsozial abgelehnt. Eine weitere Ungerechtigkeit werde in der staffelweisen Kürzung der Gehälter nach den Ortsklassen erblickt. Offenbar solle hierdurch ein K?il in die Organisation getrieben werden, um so die Stellung des Deutschen De- arntenbundes zu schwächen. Die Beamtenschaft fei sich aber bewußt, daß auch für sie nur die Stärke in der Einigkeit liegen könne, und sie werde sich dementsprechend einstellen. Man habe bei den maßgebenden Regierungsstellen vergessen, daß es immer wieder in Zeiten der höchsten Not die Beamtenschaft war, die durch ihre Treue zu Reich und Staat schlimmste Folgen abgewandt habe, die durch ihr Aushalten in den Zähren 1918 und 1919 die Grundlagen zur Ordnung des Chaos schuf, die in Zeiten der Besatzung der Rheinlande und des Duhreinfalls den größten Prozentsatz aller derjenigen stellte, die von Haus und Hof vertrieben, in die Gefängnisse gesperrt und so die bittersten Leiden erdulden muhte, nur weil sie ihre Pflicht dem Vaterlande gegenüber bis aufs Letzte erfüllt habe. Und gerade diese Beamtenschaft betrachte man heute als die Ursache der zerrütteten Reichsfinanzen und lade ihr Opfer auf, die nicht nur von ihr, sondern auch von allen gerecht Denkenden als ungerecht und unsozial abgelehnt werden mühten. Die Leitung wurde beauftragt, durch das Landeskartell bei der Spitzenorganisativn dahin zu wirken, daß sie die Reichsregierung mit aller Schärfe auf das Unhaltbare dieser Rotverordnung aufmerksam mache und deren Aufhebung verlange. Zum Schluß bestätigte die Versammlung folgende Entschließung: „3n der heutigen Mitgliederversammlung des Deutschen Deamtenbundes wurde Stellung genommen zur neuen Rotverordnung und ihren Auswirkungen. Es wurde festgestellt, daß die nunmehr zum dritten Male in nicht ganz einem Jahre erfolgte außerordentliche Einkommenskürzung der aktiven Beamten, Ruhe- undWarlestandLbeamten, Hinterbliebenen und Anwärter als völlig untragbar, ungerecht und unsozial empfunden wird. Ganz unerträglich ist sie für die Kollegen der unteren Besoldungsgruppen und für die Kollegen auf dem Lande. Die kriegsbe-- schädigten Kollegen sind unter Ausnahmegesetz gestellt und begreiflicherweise moralisch stark erschüttert, kurz, die neue Rotverordnung droht eine stäatspolitische Gefahr zu werden. Erwartet wird von der Spitze der Organisation, daß sie unverzüglich und nachdrücklichst von den Vertretern aller politischen Parteien fordert, dahinzuwirken, diese Rotverordnung aufzuheben oder wenigstenss in ihrem wirtschaftlich zerstörenden Ausmaße bedeutend zu mildern und leistungsfähigere Schultern zur Behebung der wirtschaftlichen und finanziellen Rot des Volkes heranzuziehen. Ferner erwarten wir eine ausgiebige Aufklärung der Oeffentlichkeit in der Tagespresse über die wirkliche wirtschaftliche Lage der großen Masse der Beamtenschaft, zur Beseitigung der falschen Vorstellung über deren Wirtschaftslage. Schließlich wird von der Spitze in Berlin verlangt, sofort Schritte bei den zuständigen Regierungsstellen au unternehmen, daß die nun wieder versprochene Preissenkung energischer und erfolgversprechender durchgeführt wird. Andernfalls wird eine wirtschaftliche Verelendung zahlreicher Deamtenfamilien unausbleiblich sein. Der Beschluß der Dundesleitung vom 9. Juni. den sofortigen Zusammentritt des Reichstags zu verlangen und die Eingabe des Landeskartells Hessen an die hessische Regierung wurden von der Versammlung begrüßt. Die in Gießen und Umgegend wohnenden Volksvertreter aller politischen Parteien und Richtungen fordern wir auf, für unsere berechtigten Wünsche einzutreten. Es kann nicht geduldet werden, daß man eine bestimmte Gruppe aus dem Volke, die in Zeiten schwerster Rot durch ihre Treue dem Staate gegenüber das Volk vor schlimmsten Folgen bewahrt hat, die die Leiden einer Desatzungszeit gekostet hat, wie wohl keine andere des Volkes, der hierfür der Dank des Vaterlandes von den höchsten Regierungsstellen aus versprochen wurde, heute herausgreift, um ihr Lasten bis zur Unerträglichkeit aufzuerlegen, während jene, die durch Kapitalflucht unser Volk in schwerste wirtschaftliche Röte bringen, leer ausgehen, ja z. T. noch geschützt werden. Dem Beamten, der durch seinen Treueid verpflichtet ist, dem Staate und damit dem Dolks- ganzen zu dienen, dürfen nicht durch ein dauerndes Rachgeben der Regierung den beamtenfeindlichen Elementen gegenüber allein alle Saften unserer wirtschaftlichen Rot aufgebürdet werden." Oie Eingabe an die hessische Regierung. Die in der vorstehenden Entschließung angeführte Eingabe des Hess. Beamtenbundes an das hessische Ministerium hat folgenden Wortlaut: „Ein Schrei des Entsetzens geht durch die gesamte deutsche Beamtenschaft. Was sie noch vor einigen Tagen nicht für möglich gehalten hat, ist nun doch Tatsache geworden. Die Beamtenschaft soll erneut mit Abgaben belastet werden, die sich mit den seitherigen Belastungen für sie als unerträglich darstellen. Die hessische Beamtenschaft protestiert deshalb mit aller Entschiedenheit gegen die Regierungsmaßnahme, die ungerecht, unsozial und staatsgefährlich ist, welche die schon recht deutlich erkennbare Staatsverdrossenheit vermehrt und zu einer immer stärkeren Radikalisierung der Beamten beiträgt. Wir pro testieren dagegen, daß man die Beamtenschaft um deswillen zu größeren Opfern verpflichtet, weil man bei ihnen den Eingang bestimmter Summen garantieren kann und weil sie sich nicht, wie andere Bevölkerungsschichten, mit Erfolg einer Besteuerung zu entziehen vermag. Wir protestieren dagegen, daß die Rotverordnung ganz offensichtlich jene Kreise schont, die es fertig bringen, ihr Vermögen im Ausland anzulegen. Wir protestieren endlich dagegen, daß man an den Hungergehältern der armen Beamten der unteren Besoldun gsgruppen Abzüge macht, um unsere Tributzahlungen an das Ausland ausrechtzuerhalten. Wir glauben zuversichtlich, daß der Reichstag dieser Rotverordnung seine Zustimmung nicht geben wird. Sollte die Beamtenschaft auch vom Reichstag enttäuscht werden, dann dürfen wir ber Regierung nachstehend uns ere Auffassung zu den hessischen Verhältnissen unterbreiten: Die Reichsregierung hat in ihrem Aufruf an das deutsche Volk ausdrücklich erklärt, daß mit den Lasten der neuen Verordnung die Grenze dessen erreicht ist, was unserem Volke an Entbehrungen auferlegt werden kann. Wir gehen weiter und stellen Demgegenüber fest, daß, soweit die Beamtenschaft, insbesondere aber die hessische Beamtenschaft in Frage kommt, diese Grenze seither schon überschritten ist. Run sind aber die hessischen Beamten, Staatsdienstanwärter, Kanzlei- und Bureaugehilfen durch Sonder- maßnahmen der hessischen Regierung aus dem vergangenen Jahre noch einmal ganz besonders belastet. Diese Maßnahmen lassen sich nach dem Eingeständnis der Reichsregierung neben den Belastungen aus der neuen Rotverordnung nicht mehr aufrechterhalten. Wir richten deshalb an die hessische Regierung die ganz dringliche Bitte, falls wider alles Erwarten die Bestimmungen der Rotverordnung vom 5. 3imi 1931 doch auf Hessen übernommen werden sollten, alle Gesetze, Verordnungen und Verfügungen, welche eine Kürzung der Bezüge Der Staatsdienstanwärter, Der Bezüge Der Kanzlei- und Dureaugehilfen, des Wohnungsgeldes und der ledigen Beamten, Anwärter und Kanzlei- und Bureaugehilfen, der Tagesgelder und Reisekosten der Staatsbeamten herbeigeführt haben und endlich diejenigen gesetzlichen Bestimmungen, Die eine schlechtere Behandlung Der hessischen Beamten hinsichtlich der Kinderzulagen herbeigeführt haben, außer Kraft zu setzen. Der Vorstand des Hess. Deamtenbundes." Eine Kundgebung der höheren Beamten Hessens. Die Vertreter der gesamten höheren Beamtenschaft Hessens nahmen — so berichtet man uns — am 16. 3uni zu der durch die Rotverordnung geschaffenen Lage Stellung. Die Verhandlungen waren getragen von der schweren Sorge um die Zukunft eines Staates, dessen Regierende das Fundament des Staates, die strengste Gerechtigkeit und Sachlichkeit in allen Regierungsmaßnahmen, so außer acht lassen, tote dies in Den beiden Notverordnungen geschehen ist. Die Beamtenschaft hat stets betont, daß sie, Die geistig-sittlich, toie materiell sich dem Staat besonders eng verbunden fühlt, den auf sie entfallende* Anteil eines allgemeinen Opfers zur Behebung der Not des Staates ohne Murren zu tragen bereit ist. Sie muß aber, gerade im Interesse des Staates selbst und zum Schich der Staatsgesinnung, verlangen, daß die Regierung unter Wahrung der höchsten ausgleichenden Gerechtigkeit und in unbeeinflußbarer Sachlichkeit die Lasten im Verhältnis der Leistungsfähigkeit verteilt. DasVer trauen der Beamtenschaft, Daß die Regierung dieses Willens fei und sich durch nichts von diesem Weg abdrängen lasse, ist schon durch die erste Notverordnung ins Wanken gekommen und durch die Vorgänge um die neue Notverordnung aufs schwerste erschüttert worden. Die Regierung hat dem Druck politischer und wirtschaftlicher Interessengruppen nach gegeben und das Hauptopfer erneut auf die Schultern Der Beamten gelegt. Sie hat das Schwergewicht der verlangten Opfer dorthin verlegt, wo infolge der in Der Deamtenstellung liegenden besonderen Bindung zum Staat der geringste Widerstand zu befürchten war, und damit das Treuverhältnis zwischen Beamte und Staat einer schweren Belastungsprobe ausgesetzt. Werl sie kein Mittel findet, um die Demoralisierung der Kapitalflucht und der Steuerhinterziehung $u bekämpfen, hat sie den Beamten, dessen Einkünfte offen zutage liegen und steuertechnisch restlos zu erfassen sind, erneut zum Hauptträger des Opfers gemacht. Der Vergleich Der Belastung der verschiedenen Berufsschichten zeigt, daß in der neuen Notverordnung das Höchstmaß ungerechter Lastenver- teilung vorliegt. Die höhere Beanctenschast 1 >«T > Sehalten h<,t gelüftet w-rden, a'tu,nBin für si- i .Elfisch- mi* aller <$nt« Mna^me, bie ^ich ifl.tDrfche K€ SlaaKber, '-Mer stär. ' trägt, Wir ^eaintenschaft rn verpflichtet, ln9 beftimmter e'* ne lid) nicht m't Erfvlg einet W Dir prote. erotbnung ganz । die es fertig '-and anzulegen. ;n, dah man an «n Beamten gruppenW« -hangen an daS r glauben jubet« r Avwewrdnung wird. Sollte hie hslog entiäufcht Regierung nach« ! zu den hcs« itetbreiten: >rem Aufruf an erklärt, dch mit ung die Grenze . . 'Bolle an Ent« inn. Dir gehen fest, daß, soweit aber die hessische , diese Grenze t ist. Aun sind aatÄienslantvär« t durch Sonder« ming aus dem ganz besvndr-s n sich nach km ung neben den erorbnung nicht Dir richten lei- , die ganz dring« irtoarlen die Be« vom 5. Juni 1931 werden sollten, nd Dersügungen, izüge der Staats« et Kanzlei« und Feldes und der nd Kanzler« wid r und Aeiseloften :t haben und end« nmungen, die eine herbergesührt ha Seamtenbimto* vuntz en Hessens. ens nah-nÄ tonen Lage Stet keines Staate^. -nt des Staates, achtl^ ssjs i u"^Mha>^ Äertrauen Aegierun- iß y»n diesem 6 nt^V hie erste vn durch h durch r-LÄ ^-i-s S-3% "ch ^ dec in « Dind^ ?fon^ hefü^ SS,s s&s ä&5, faifen fin5er Krtz wird befonberS schwor getroffen. Die Notvervrd- rnmgcn haben ihr ben Ertrag der DefolbungS- reform von 1927 völlig gestrichen! die Mehrzahl der höheren Beamten erleidet gegenüber dem Stand, den sie vor der Besoldungsreform ein- nahm, noch eine Einbuße von 2 bis 10 v. H. Dieser materielle Schaden und seine bedenkliche Auswirkung auf die Wirtschaft infolge der Minderung der Kaufkraft der höheren Beamtenschaft wurde von der Dertreterversammlung eingehend besprochen. Mit besonderem Nachdruck wurde aber auf die ideellen Schäden, die sich aus ixnr_ Geschichte der Notverordnungen ergeben müssen, hingewiesen: das Bertrauen zum Staat muh ins Wanken geraten, wenn die Mahnahmen der Negierenden nicht mehr aus reiner Sachlichkeit und Gerechtigkeit entspringen, sondern stillschweigend oder gar offen zugestanden DemoralisationS- erscheinungen Rechnung tragen. Oberbeffen. Landkreis (Yictzerr. D L i ch. 20. Juni. Am heutigen Samstag imb am morgigen Sonntag findet hier das von dem Rothschen Männerchor aus Anlah seines 4 0. Jubelfestes geplante Sängerfest statt. Die Vorarbeiten sind mit dem gewünschten Erfolge durchgeführt worden, so dah mit einem reibungslosen Verlauf des Festes gerechnet werden dürfte. Wenn das Wetter günstig ist. werden den Besuchern unserer Stadt hohe Feststunden beschie- den sein. Kreis Friedberg. WSN. Butzbach, 19. Juni. Am Mittwoch« abend wurde der Motorradfahrer Karl Zinser aus Allendorf an der Lumda während der Fghrt bei Nieder-Weisel vom Blitz getroffen. Er war sofort tot. Die Leiche zeigt Spuren des elektrischen Schlages vom linken Ohr quer über den Körper. Die Uhr des Erschlagenen war völlig zu- sammengeschmolzen. Preußen. KreiS Wetzlar. Z Niederkleen, 19. Juni. Der hiesige Frauenverein unternahm einen Ausflug nach Bad-Nauheim, nahm am Gottesdienst in der Jo« hanniskirche teil, besichtigte die Badehäuser und außerdem die katholische Kirche, eine Wanderung nach dem Johannisberg und über den Ludwigs« brunnen zum Kinderheim beschloß den Tag. <> Dornholzhausen, 19. Juni. In seiner jüngsten Sitzung beschloß der Gemeinderat auf den Antrag der Kirchengemeinde, zur Bestreitung der restlichen Kosten für die Jnnenrenovierung der Kirche, sowie zur Bezahlung des Restes für die neubeschasfte Kirchenorgel eine Anleihe von 4000 Mark aufzunehmen. — Anstelle des freiwillig aus dem Gemeinderat ausgefchiedenen Landwirts Friedrich Braun ist der Landwirt Anton Vogt III. in den Gemeinderat eingetreten. Maingau. Die Frankfurter Räuber verhaftet. Frankfurts). Juni. (TU.) Die beiden Räuber, die kürzlich den Frankfurter Lotterie-Einnehmer Sturm beraubten, der Gärtner Böcker und der Dachdecker Paul, waren nach Monte-Carlo geflohen. Dort scheint ihnen das Kleingeld ausgegan- gen zu (ein. Sie wurden am Donnerstag von Beamten der Darmstädter Eisenbahnpolizei in einem Eisenbahnwagen, der auf einem toten Gleis in der Nahe des Darmstädter Hauptbahnhofs stand, schlafend angetrofsen. Beide waren vollkommen mittellos. Nach einem kurzen Verhör gaben sie die Tat zu. Die Angaben über ihre Flucht im Auto über Höchst, Wiesbaden, Bingen usw. decken sich mit den Feststellungen der hiesigen Kriminalpolizei. In ihrem Besitz fand man Stricke und sie gestanden, daß sie für Freitag einen Ueberfall auf eine Bank in Darmstadt geplant hatten. Amtsgericht Gießen. Ein Motorradfahrer befuhr im hohen Vogelsberg eine wegen eines Radrennens gesperrte Provinzial st raße. Er begegnete auf ihr zunächst einem Kreiskommissar, der ihn von dem Verbot in Kenntnis setzte, und trnnn, nachdem er trotzdem weiter gefahren war. einem Schuhmann, der das Haltesignal gab, das der Angeklagte aber nicht beachtete. Er gab all dieS zu, hielt sich aber nicht für strafbar, da die Sperre ohne Anschlag und ohne eine sonstige vorherige Ankündigung lediglich polizeilich angeordnet und völlig unnütz gewesen sei, wie dies schon frühere Erfahrungen bei gleichen Gelegenheiten gelehrt hätten! auch Gefahr sei nicht im Verzug gewesen, die Polizei bzw. der Schutzmann habe eigenmächtig ohne Zuständigkeit gehandelt und ihre DHfugnisse überschritten, so daß Won einer rechtmäßigen Amtshandlung keine Rede sein könne, unrechtmäßigen Anordnungen der Polizei brauche man aber nicht nachzukommen u. dgl. m. Das Gericht erachtete jedoch für festgestellt, daß derartige Sperrmaßnahmen, auch wenn sie nur von der Polizei ausgehen, und selbst wenn sie nur mündlich angeordnet sein sollten, recht^ül- tig seien! die Anordnung müsse nur innerhalb der Zuständigkeit und der allgemeinen Befugnisse der Polizei erfolgen und namentlich die Erhaltung der Sicherheit, Ruhe und Ordnung, sowie die Abwendung von Gefahren auf den öffentlichen Wegen bezwecken; diese Voraussetzungen feien gegeben. Ob die Arwrdnung im Einzelfatt tatsächlich zweckmäßig oder unzweck- mäßig gewesen sei, darauf komme es nicht an, eine diesbezügliche Nachprüfung stehe dem Gericht nicht zu. Es stand danach für das Gericht fest, dah der Angeklagte eine rechtsgültig gesperrte Straße befahren und das Haltezeichen eines zuständigen Polizeibeamten nicht beachtet hat. Der Angeklagte, der fraglos nicht böswillig gehandelt hat, erhielt wegen der beiden ilc&ertretungen geringe Geldstrafen. Zum70.GebuMagdesSiegersvonLoronel,GrafvonSpee Gedenkstein für den Sieger von Coronel in Kiel. Vizeadmiral Maximilian Graf von S p e e , geboren am 22. Juni 1861, gestorben am 8. Dezember 1914. Am 22. Juni wäre der bei den Falklandsinseln gefallene Vizeadmiral Maximilian Graf von Spee 70 Jahre alt geworden. Zu Beginn des Krieges Chef des deutschen Ostasiengeschwaders, bereitste er den Engländern bei Coronel eine schwere Niederlage, fand dann aber am 8. Dezember 1914 in der Schlacht bei den Falklandsinseln gegen dreifache Uebermacht den Tod auf seinem Flaggschiff „Scharnhorst". CRunb um die Gießener Anlagen Die Grünanlagen unserer Stadt im Zuge der ehemaligen Stadtmauer sind den Bürgern zur Selbst« Verständlichkeit geworden. Mit der Höhe der Summen, die für ihre Erhaltung im städtischen Haushalt eingesetzt werden müssen, findet man sich mehr oder weniger gut ab, über die Bedeutung der Anlagen für die Gesundheit der Bevölkerung ist man sich aber längst im Klaren. Aber weniger dem Wert und der Bedeutung der Anlagen sollen diese Zeilen gelten, als ihrer Schönheit, die sich uns in diesen Tagen mehr aufdrängt, als zu irgendeiner anderen Jahres« zeit. Bäume und Sträucher stehen in ihrem schönsten Schmuck, in üppiger Fülle ihrer Blätter, und werfen tiefe Schatten, die man an heißen Tagen sehr zu schätzen weiß. Zwar ist die Blütenfülle des Frühlings längst vorüber, aber doch wehen noch hin und wieder feine Gerüche zwischen den Bäumen. Der Jasmin blüht und erfüllt mit seinem herben Duft seine nächste Umgebung; der Spaziergänger wird veranlaßt, einen Augenblick zu verweilen. Die Anlagen sind schön durch ihre Mannigfaltigkeit, der man sich erst bann recht bewußt wird, wenn man weih, daß nicht weniger als 110 verschiedene Baumarten in den öffentlichen Anlagen angepsianzt sind. Dabei ist zu bedenken, daß nur die Hälfte der Baumarten der heimischen Flora angehören, ohne daß jedoch . durch die Einreihung fremdländischer Bäume ein exotischer Bild geschaffen wäre, das mit unserer Landschaft nicht vereinbar fein würde. In diesem Sinne ist es auch zu begrüßen, daß man in Gießen nichi Palmen, oder andere tropische Gewächse angepflanzt hat, die sich in den Anlagen mancher anderen Stadt unangenehm aufdrängen. Durch die Verschiedenheit der Bäume, die sich nicht nur in der Form, sondern oft auch in der Farbe wesentlich voneinander unterscheiden, hat sich ein Bild ergeben, das an manchen Stellen den Anlagen parkartigen Charakter verleiht. Hier erscheint besonders die D ft a n l a g e reizvoll, die dem Spaziergänger auf Schritt und Tritt ein wechselndes Bild bietet. Der Goldfischteich, ein Kabinettstück gartenbaulicher Kunst, fügt sich prächtig ein, bildet sogar einen Mittelpunkt, der, vom Grün aller Schattierungen umrahmt, wohl den reizvollsten Teil der Ostanlage darstellt. Zur Zeit blühen die Seerosen inmitten der breiten Blätter in einem feinen, verhaltenen Rot. Das Gras der Wiesenflächen wurde vor kurzem glatt geschnitten, und der ganze Rasen schimmert jetzt in gleichmäßigem mattem Grün. Die Goldfische spielen im Wasser und bilden die Freude der Kinder. Vor dunklen Baumgruppen leuchten schneeweiße Bänke. Die Wege sind gut gepflegt. Da und dort blüht zur Zeit ein Strauch mit rötlichen Blüten, der Holunder hat (eine großen Blütenteller geöffnet. Der weiße Stein des Liebig-Denkmals (chimmert hell vor dem Dunkel stolzer Koniferen. Geht man einige Schritte weiter nach dem Theater zu, fo breitet sich an einem der Wege ein Blumenrondell, in dem purpurrote Geranien und flammende Knollenbegonien prangen. Nicht weniger schon ist zur Zeit die Südan - läge. Die beiden großen Kastanien, die seitlich an vor Neuen Baue weit über die Sttaße reichen, arbeiten bereits an ihren Früchten, die beiden Magnolien vor dem Haupteingang des Theaters sind längst verblüht und tragen jetzt große kräftige Blätter. Dor dem Stadttheater wurden leuchtend rote Geranien gepflanzt, eingefaßt von hellblauen Ageratum. Die "Blautarmen, die der Südanlage ihr besonderes Gepräge geben, haben weiche, mattblaue frische Triebe angeseht, einige Fichten stehen in Gruppen beieinander, dichtbelaubte Kastanien umschließen und überschatten den kleinen runden Platz, auf dem sonntägliche Platzkonzerte abgehalten werden. Eine riesige Silberpappel ragt hoch empor, eine Helle Säulenulme und noch einige Dl au tannen fallen dem Spaziergänger auf. Eine Trauereberesche neigt ihre langen Zweige in Kaskaden zu Boden. An der Johanneskivchc stehen junge Ahornbäume, der seitliche Vorplatz an der Kirche hat eine schöne gärtnerische Gestaltung erfahren. Allenthalben bietet sich auch hier dem Auge ein wechselndes Bild, die Wege sind sauber gehalten, der Rasen geschnitten, kein dürrer Ast stört die Harmonie der grünen Frische. 3n der Nähe des Seltersweges ist der grüne Ring unserer Stadt unterbrochen, und nur wenige Bäume säumen die Sttaße. Erst auf der Westanlage längs der Bahnstrecke sind wieder einige Grünflächen angelegt, die sich allerdings noch nicht ganz entwickelt haben, da sie kaum ein Jahr alt sind. Kleine Hecken säumen die Rasenflächen, einige Blautannen stehen im Grünen. Bänke wurden ausgestellt, und am Fuß des Bahndammes bilden Ziersträucher den Hintergrund. Zn der einfacher gehaltenen Nordanlage beschatten dichte Bäume den Weg. Ucbcraü, in allen Anlagen hat man In diesem Frühjahr Sandkästen angebracht, in denen sich die kleinen Kinder gerne beschäftigen. Da sich in unmittelbarer Nähe stets einige Bänke befinden, bleiben die Kleinen immer in der Obhut ihrer Mütter und sind so der Gefahr der Straße entzogen. Neben den Anlagen rings um die Stadtmitte unterstehen noch einige andere Grünflächen der Obhut der Stadtgärtnerei. Dor dem Hotel Kühne, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes, prangt eine große Grünfläche, die von einer schönen Zierhecke umschlossen ist. Der Reisende, Ser vom Bahnhof her die Stadt zum ersten Male betritt, dürste dadurch zweifellos einen guten Eindruck erhalten, der bei der Bedeutung, die man dem ersten Eindruck im allgemeinen beilegt, für das Urteil über die Stadt mit ausschlaggebend sein kann. Ein Zierstück ist auch die kleine Anlage, die am Landgraf - Philipp - Platz das Denkmal vor der Zeughauska'eme umschließt. 3n den Anlagen an der Licher Straße ist nicht weniger gute Gelegenheit zu genußreichen Spaziergängen. Auch dort sind schöne Flächen, die noch vor einigen Tagen in buntem Blumenschmuck prangten, mannigfaltige Bäume, blüten- übcrfäle Büsche und zahlreiche Bänke, die zur Ruhe einladen. Im Alten Friedhof aber, bet nur durch eine Mauer von der Anlage getrennt ist, umgibt den Besucher eine andere Atmosphäre. Diese Stätte wurde im Lause der Jahre zu einem natürlichen Park, in dessen vorderen Teil nur noch einzelne Kreuze und Grabsteine an feinen ursprünglichen Zweck erinnern. 2m rückwärtigen Teil des Friedhofes, der auf ein 400jähriges Bestehen zurückblickt, liegen die Gräber noch dichter beeinander. Auf manchem Grabe blüfjen frische Blumen, andere scheinen vergessen zu fein, oder die Angehörigen der dort Ruhenden gehören auch schon zu den Toten. Dort liegen noch die Soldaten aus dem Kriege 1870 71, die im Lazarett zu Gießen gestorben sind. Auch einige französische Namen liest man inmitten der deutschen Namen auf den weißen Emailleschildem, die an den Kreuzen befestigt sind. Der Alte Friedhof ist eine Stätte stiller Beschaulichkeit und innerer Sammlung geworden, denn nur wenige Menschen gehen dort aus und ein. Anders ist das auf dem Neuen Friedhof. Die Gräber liegen dichter nebeneinander, manches Grab wurde erst Toge vorher aufgeworfen, moderne Grabsteine schmücken die Grabstätten, eine Blumenfülle in bunter Pracht erinnert an die lebendige Trauer um die Toten. Helle Kieswege durchziehen den Friedhof. 2m Ehrenfriedhof der Gefallenen des Weltttieges liegen die Gräber unter dem Schmuck von dunklem 2mmergrün in langen Reihen; eine fräftige Taxushecke in Mannshöhe umgibt den Ehrenfriedhof. Neuerungen find in der jüngsten Zeit im Friedhof auf dem Rodberg nicht durchgeführt worden. Lediglich einige Erweiterungen nach das Lahntale *u werden vorgenommen. Große, schwere, lange Steine liegen dort im rechten Winkel Zueinander und deuten tünftige Gräber an, die Ser Toten harren. Neben dem Sonderfriedhof, in dem die in der Gefangenschaft verstorbenen Russen begraben liegen, wurde ein Urnenhain angelegt, der aber zum größten Teil noch unbenutzt liegt. DaS SingangSgebäude zum Friedbof ist mit Efeu. Wein und Rankenrosen dicht begrünt und mutet in diesem Schmuck, der keinen Stein durchschim- mem läßt, an wie ein Teil des Dornröschen - schlosses. Die Mittel, Ne dem Stadtbauamt für die Erhaltung der Anlagen zur Verfügung stehen, sind unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen leider nicht allzu reichlich bemessen. Um so mehr muß man die Arbeit anerkennen, die geleistet wird, um alle Grünanlagen in der Ordnung zu halten, in der sie sich uns jetzt darbieten. Dah die gärtnerische Gestaltung in so freier und natürlicher Form vollzogen ist und sich nicht in Experimenten mehr oder weniger fraglicher Natur verliert, verdient geschäht zu werden. Jedoch auch der Bevölkerung unserer Stadt erwächst eine dankbare Aufgabe darin, mit zu wachen über die Sponung und Erhaltung unserer Grünanlagen, damit sie stets eine wahre Erholungsstätte sind und Eifeiben. Spiclplan der Frankfurter Theater. OpemhauS. Sonntag. 21. 2uni, von 20 bis nach 22.30 Uhr: Der lustige Krieg. Montag, 22. Juni, von 20 bis nach 22.30 Uhr: Geschlossene "Bcranftaltung: Festvorstellung für den Verband der Elektrotechniker Deutschlands: Der lustige Krieg. Dienstag, 23. Juni, von 19 bis gegen 22.30 Uhr: Tannhäuser. Mittwoch, 24. Juni, von 20 bis gegen 23 Uhr: Undine. Donnerstag, 25. Juni, von 20 bis nach 22.30 Uhr. Der luftige Krieg. Freitag, 26. Juni, von 19.30 bis gegen 23 Uhr: Zum 25jährigen Jubiläum von Else Gentner-Fischer als Mitglied der Frankfurter Oper: Carmen. Samstag, 27. Juni, von 20 bis 22.45 Uhr: Fidelio. Sonntag, 28. Juni, von 19.30 bis 22.30 Uhr: Abschiedsvorstellung Diorica Ursuleac: Othello. Schauspielhaus. Sonntag, 21. Juni, von 11 bis 13 Uhr (lein Kartenverkauf, Auslosung): Sonderveranstaltung des Vereins Opemhilse: Die Laune des Verliebten. Lehrstück; von 20 Kinach 23 Uhr: Der Hauptmann von Köpenick. Montag, 22. Juni, von 20 bis nach 23 Uhr: Der Hauptmann von Köpenick. Dienstag, 23. Juni, von 20 bis nach 23 Uhr: Der Hauptmann von Köpenick. Mittwoch, 24. Juni, von 20 bis nach 22.30 Uhr: Komparserie. Donnerstag, 25. Juni, von 20 - bis gegen 23 Uhr, Elisabeth von England. Freitag, 26. Juni, von 20 bis nach 22.30 Uhr: Komparserie. Samstag, 27. Juni, von 20 bis gegen 23 Uhr: Robert und Bertram. Sonntag, 28. Juni, von 11 bis 13 Uhr (fein Kartenverlauf, Auslosung): Sonderveranstaltung des Vereins Opern- hilse: Die Laune des Verliebten. Lehrstück; von 20 bis gegen 23 Uhr: Robert und Bertram. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) F. h. Es besteht weder eine polizeiliche noch eine ortsstatutarisch oorgeschriebene Zeit, innerhalb deren in einem Prioathause oder in einem Privat« oder Wirtsgarten oder in einer Wirtschaft musiziert werden darf. Im allgemeinen sollte nach 22 Uhr (10 Uhr abends) bei geöffneten Fenstern nicht mehr im Interesse der Nachbarschaft musiziert werden. Im übrigen handelt es sich im Falle einer Anzeige um den strafrechtlichen Begriff des ruhestörenden Lärms, d. h. die Belästigung der Allgemeinheit durch folgen. Innerhalb eines Hauses ist der Hauseigentümer seinen Mietern gegenüber zur Aufrechterhaltung der Ruhe verpflichtet. 21. p. 46. 1. Da die Kinder gesetzliche Erben des Vaters werden, wird sich auch der Anspruch feiner persönlichen Gläubiger nach seinem Ableben gegen die Kinder richten. — 2. Die persönliche Schuld ist ungesichert. Gerät der Schuldner in Konkurs, so sind u. a. anfechtbar die in dem letzten Jahre vor der Eröffnung des Konkursverfahrens abgeschlossenen entgeltlichen Verträge mit seinem Ehegatten und seinen ober seines Ehegatten Kindern gemäß § 31 der Konkursordnung in der Fassung vom 17./20. Mai 1898. Nach dem Anfechtungsgesetz vom 21. Juli 1879 sind u. a. außerhalb eines Konkurses die Rechtshandlungen eines Schuldner anfechtbar, die er mit feinem Ehegatten ober dessen ober feinen Derwanbten auf« und absteigender Linie entgeltlich abgeschlossen hat, sofern durch den Vertragsabschluß ein Gläubiger benachteiligt wird und der andere Teil nicht beweist, daß ihm zur Zeit des Vertragsabschlusses eine Absicht des Schuldners, die Gläubiger zu benachteiligen, nicht bekannt war. — 3. Ein Gläubiger kann seine gesamten Ansprüche, die er gegen den Erblasser hatte, gegenüber dem Erben geltend machen. Dieser kann jedoch die Erbschaft ausschlagen oder durch die Errichtung eines Nachlaßinventars die Haftung auf den Nachlaß beschränken. (Schluß des redaktionellen Teils.) Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.33 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschloffen. Die Bausparkasse Gemeinschaft der Freunde in Ludwigsburg (IDüttl.) hat trog der Wirtschaftskrise bei ihrer Frühjahrszuteilung wiederum 8,8 Millionen Reichsmark für 602 deutsche und österreichische Bausparer bereitgestellt. Sie hat in 6% Jahren über 170 Millionen Reichsmark zur Verfügung gestellt. 41070 hat infolge seines Gehaltes an Enzymen der Pankreasdrüse die wunderbare Eigenschaft, fast allen Schmutz an der Wäsche schon beim Einweichen abzulösen. Durch müheloses Einweichen wird somit der grösste Teil der ganzen Wascharbeit von Burnus besorgt, die Hausfrau also in erheblichem Masse entlastet. 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Kilbinger Nacht SelterSwegKO 4U7D und Landessteuern" statt. sichergestellt wird. 4140 D Unsre kleinen Preise werden Sic in niabloses Erstaunen versetzen Gießen, Mäusburg 4 3725 A Wir bitten die Mitglieder der Organisationen von Industrie, Handel, Handwerk und Gewerbe, Haus- befther-Derein, Gastwirle-Innung und der Gewerbe- Vereine des Vezirks-Derbandes Glesien recht zahlreich zu erscheinen, Steuererklärungsformulare und Votizpapier mitzubringen. Der Vortragende wird schriftliche und mündlid)eAnfragen gern beantworten. Die Versammlung beginnt punkt 8 Uhr, damit den auswärtigen Besuchern die Möglichkeit der Rückfahrt Ferner; Panama, Waschleinen, Rips, Kunstseidenbeiderwand, Sportzephir, Sportflanell, Wollmusseline, Kunstseide, Kunstseidendruck, Seide, Volle, Bemberßqualltäten. 3m Auftrage der Organisationen von Industrie, Handel, Handwerk und Gewerbe Gewevbe-Vevetn Gketzen. Am Donnerstag, dem LS.Zuni 1931 abends 8 Uhr, findet im „(Lass Leib" ein Gteuevvoviirag des Herrn Oberregierungsrats Kabel vom Landesfinanzamt Darmstadt über: „Die Abgabe der neuen Vermögenssteuererklärung und ihre Bedeutung für Reichs- Riesige Mengen Sommerstoffe O o darunter ein Quantum Waschmusseline per Meter im Rest HHÄ -3) No* lehr* haushalten Die vielen, vielen Kundinnen unseres einzigartigen Geschäftes sind Frauen, die den Einkauf verstehen. Wenn sie Stoff gebrauchen, kaufen sie ihn als Rest bei uns und sparen dadurch unerhört. Wir haben die frischesten und neuesten Stoffe aller Art zentnerweise direkt von den groben Webereien herangeschafft. - Ansehen kostet nichts! Rückgrawerlriimnnmg! obuc BerulSstöruim. P. W. hi B schreibt;.. -meine Tochter wieder au einem lebens- ireiidtnen Menschenkind gemacht. (£. in B.: Die setiliche Bcr- kriiinmnnn iit ganz vctfcbiuunben, es gebt mir immer out. Ich kann jeden Tag wieder arbeiten. Schwester S. in St.: ..-Sie versichern, das; olmc Ibre Kunst ich mich nicht so wobl befände. (5.K. in ')L: ... bin tch sehr zufrieden, nur tann ich daö Doppelte essen, wie zuvor. 'N.viele audcre.i Auskunft kostculos. 1501 v ft. Menzel. Frankfurt a. 'M. Lild 95, Unter den Akazien 14 la Gasherde mit Doppelsparbrennorn zum Spottpreis von Mk. 19.50 Carl Schunck 3711 P Bahnhofsti 64. EISU Beiten (Stnhl u.HoIx) Polat.. Stahl- matr.,Klnderb.,Chni*ol., an lodon, Tolltahl^. Kntnl.fr. '• InniiniAbnlfnhrlk Sutd.Th. TotaL Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe! Zimmereinrichtungen Küchen, Einzel- und Polster-Möbel in gediegener Ausführung Teppiche und Gardinen Carl Stüderath Asterweg 47 2559 A Für die vielen Gratulationen und Geschenke anläßlich unserer goldenen Hochzeit sagen wir auf diesem Wege herzlichen Dank 03559 Wilhelm Wagner und Frau Marie, ged. Hahn Gießen (Stelnstr. 43), den 20. Jun! 1931 Oeffentlidier Vortrag von Geheimrat Sommer, Gießen: Die VerfasHnnfren des Deutschen Reiche» von 1871 und 1919, mit Bezug auf die Reichsgliederung besonders im Südwesten des Reiches (Hessen! am Sonntag, dem 2t. Juni, nachmittags 3 Uhr, an der Deutschen Wacht in Ober- Steinberg. Bei schlechtem Wetter findet der Vortrag: um 4 Uhr in der Kirchenhalle des Schift'enbergs statt. 4071D SitlftunK für VolkNYorträgc aus der deutlichen Geschichte. Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Hotel Schütz Sonntag, den 21. Juni abends 8 Ubr im Garten und Saal Familie» Konzert _________________________________412«D llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!llll Im Tennis-Cafe Bad-Nauheim Otto Houben ♦ Im Tennis-Pavillon die gemütliche Tanzstätte täglich die Tanzkapelle Humm 3864 D Statt Karten! Albert Ott Verlobte Äirklar 035 "7 Gonterskirchen im Juni 1931 Anna Mandler Ewald Weis Verlobte Kinzenbach Mendorf a. d. Lahn 21. 3um 1931 ................................. 41 SP Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen Edgar Borrmann Anna Dorrmann, geb. Kramer Gießen Wieseck 20. Juni 1931 03556 Statt Karten! Für die anläßlich unserer Vermählung er- wiesenen Aufmerksamkeiten sagen wir auf diesem Wege allen unseren herzlichsten Dank Otto Herr und Frau Pauline, geb. Dolkmann Heuchelheim, den 20. Juni 1931 _____ 03593 Allen denjenigen, die zum Gelingen unserer Wohl- tatlgkeitsveranstaltung am 13.3unf beitrugen und unsere gute Sache durch Spenden unterstützten, sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Frauenverein vom Roten Kreuz für deutsche über See. Ortsgruppe Gießen. 4141 P Familien-Drucksachen Verlobungsan zeigen . . — .... — , , _ Vermählungsanzeigen bd BrUhl. Sch U Ist raße Geburtsanzeigen Reinseidener Foulard, ca.OOcm breit, hervorragende Qualität, reizende, elegante Muster, in allen Farben, enorm billig............. 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Und daß dies so ist, spricht wie nichts anderes für Dänemark. Wer sich in seine stille helle Landschaft begibb. bringt es leichten Herzens über sich, biss Vormundschaft des gedruckten Reiseführers für unbeträchtlich zu halten und mit unbeschwertem Gleichmut an all den Sammlungen, Schlössern, Museen, Denkmälern und Mauern vorbeizulaufen, die sehenswert sind. Selbst auf die Gefahr hin. daß die wiedererrichtete Frederiksborg in Stadt Hille- röd dabei wäre oder der Dom von Roskilde, in welchem außer Harald Mauzalm und Peder Sune- fön noch vierunddreihig dänische Könige und Königinnen ruhen. Denn wenn das auch alles noch' so erheblich ist — erheblicher bleibt hier doch noch das Land selbst. Dies Dauern- und Seesahrerland Dänemark. Mit seinen ernsten und doch sanften Leuchtwirkunaen, mit seinen schweren Erdschollen und seinem Buchenlaub: mit seinem Wechsel von Fjordbucht und Userkuste. Selbst eine Stippvisite von wenigen Tagen läßt Reiz. Glanz, Zauber dieser nordisch heiteren Lan> schäft ahnen. (2kn der Hamlet geäußert haben soll, daß etwas faul im Staate Dänemark sei. Run, hier hat Hamlet eben geirrt —I) Jedoch auch der. der jeder Sehenswürdigkeit aus dem Wege gehen will, kommt kaum darum herum, sich zunächst mit etwas zu beschäftigen, was er nach einiger Erfahrung eine Hörenswür- diakeit nennt — und das ist die Dänen-Sprache. Sogar nämlich dann, wenn er sich vor der An- kunft mit einem entsprechenden Wortvorrat eingedeckt hat und auf Grund tüchtiger Uebungen so weit vorausgedrungen ist, daß er seine dänische Zeitung lesen kann, bleibt er hilflos verzweifelt vor dem. was so im täglichen Umgang als dänische Sprache gilt: Denn tief und breit klafft der Abgrund zwischen dem. was der geschriebene Buchstabe bieder sest- hält. und dem. was aus dem Buchstaben im Munde eines Bauern- und Seesahrervolks wird: das strömt in schmiegsamen Lauten dahin, spitzt sich zuweilen au einem silbernen Gezwitscher, strudelt dann wieder dunkel und tief — und bleibt für den Richtdänen eine Gebe im spräche. Eine Geheimsprache. die weniger gesprochen als verschluckt wird, weil Ne die Endlaute hurtig abhobelt und aalglatt Silbe zu Silbe. Wort zu Wort, Satz zu Sah wischt —I Dänisch ist unergründlich. Zum wenigsten für den. der es aus einer Stippvisite hört. Und darum haben die Dänen auch Wohl die zweckmäßige Schudvorrichtuna für ihre deutschen Besucher erfunden: sie sprechen zumeist — beinahe jeder vierte oder dritte Däne scheint es zu tun — nebenher deutsch. Und wenn sie das sprechen und somit über die Bezirke ibr^r.cheimatsprache hinaus^andern, sprechen Ne plötzlich sehr vorsichtig und behutsam. Sogar die Endsilben schonen sie dann, statt sie auf dänische Art zu verschlucken. Daß sie das sonst mit regsamer Hingabe besorgen, wird freilich niemanden wundern, der je in Dänemark nicht nut gesprochen, sondern auch nach nordischer Sitte vor dem gesessen hat, was hier ein „Cabaret med varm ret“ heißt. Dor diesem „Cabaret med varm ret“ nämlich wird man ohne weiteres begreifen, wieso es kommt, daß dem Dänen das lächelnde Zerdrücken der Worte aus der Zungenspitze zur selbstverständlichen Uebung geworden ist — was ihm die tägliche Mahlzeit eingewöhnt hat, hat er einfach auf die Worte übertragen. Denn wenn sich vor den Tischgast zur geeigneten Stunde ein sauber in Fächer geteiltes und nickel- blihendes Gestell schiebt, das in seinen Glasschalen glatte Sardinen mit mildem Oel, stramme Wurst und prallen Schinken. Fischbraten mit knuspriger sahniger Fetthülle, würzig in Dritter gebratene Fleischklößchen, lockeres Weißbrot und kräftige schwarze Schnitten, vollfetten Küle und Lcber- pastete mitsamt den Trabanten der Eier und Gurken und Salate beherbergt — dann ahnt der Tischgast auch das Geheimnis der Dänen-Svrache. Er braucht nicht einmal zu warten, bis der warme Gang (der varm ret“) sein feierliches und bedeutendes Schluß-Siegel aus die köstlichen Vorspeisen des Schälen-Gestells drückt — er weiß es schon vorher: daß man in Dänemark das Schlucken Der deutsche Bergwald im Kranz jahrtausendealter Städte, vielfältig durchschluchtet. bald weich dahingewiegt, bald schroff ernporgesteilt, der jäh aus der norddeutschen Ebene sich erhebt, um fünfter nach Süden hin zu verschweben, er wird jeden, der ihn einmal mit tiefem Wandrerglück erlebt, immer wieder mit seiner stolzen Schwung und zärtliches Schmiegen zugleich darbringenden Stille umfangen, wenn fein Name — nur einmal in der Welt! — erklingt: harz. Harz ... das ist noch Inbegriff volksliedhafter Wondrerfreude und deutscher Wasdandacht. Amerika und Alpenland mögen dem Auge des betriebsamen Reisenden großartigere Dinge bieten — wie aber immer noch einer, der die Ruhe nach all der Unrast der Zeit sucht, fein Haupt in Mutters Schoß friedevoll bettet, so tut sich wahre Ruhe der Seele auch nur jenem Erquickung Suchenden auf, der seinen Weg in die Heimat des Herzens findet. Nur hier wird sich ohne jeden Zwang, ganz von selbst, Natur und Seele bei der ersten Begegnung vereinen — dies Wieder-Wurzel-Finden aber allein erlöst, und dankbar spricht der von zermürbendem Alltagskampf befreite Wandrer schon am ersten Abend des Wiedersehens: Harz, du hast mein Herz ... Beginne, wo du willst, den Weg in seine TälerI Suche erst die alten Hohenstaufen- und Starolinger- städte Goslar, Halberstadt Quedlinburg, Wernigerode am Nordrand auf, wo in alten Dornen, Burgen und Schlössern tausend Sagen noch lebendig sind, — laß dich vorn Zug in einer aus einem Waldtal in ein anderes, noch schöneres dahin schwebenden Fahrt mitten hinein nach Braunlage oder Schierke tragen — von überall her, auch von Süd aus dem zauberstillen I Tyratal kommend ober von West über die wildromantischen Pfade, die zum Torfhaus führen, geleiten dich hundert verschwiegene und blickweite Wege zu der stolzen einsamen Gipfelung aller Täler, mit den ersten Dissen lernt und es dann nie mehr vergißt ... selbst bei den Gesprächen nicht, die schnell und schmiegsam daherlaufen und am besten und begründetsten gewiß dann sind, wenn sie von der zärtlich gepflegten Kochkunst und ihren erquickenden Ergebnissen handeln. Vielleicht ist es trotzdem wichtiger, in das Thor- valdsen-Museum zu gehen und sich dort die fünften wohlanständigen Gotter aus Marmor an$u- schauen. Lind vielleicht sollte man doch im Dom von Roskilde gewesen sein. Oder im Andersen- Haus zu Odense. Lind selbstverständlich auch auf der Hamlet-Terrasse von Helsingör. Oder doch wenigstens im Tivoli, dem Kopenhagener Lunapark ... Aber es hilft nichts — gerade in Dänemark sieht jeder (der verständig zu reisen versteht und noch auf einer kleinen Stippvisite das Wesenhafte eines Landes spüren möchte) nur das. was er selber will, und nicht das. was ihm sein Reiseführer als tägliches Desichtiaungswerk zuteilt. Selbst auf die Gefahr, daß die Delebrung auf der Reise dabei ein bißchen zu kurz weqkommt. — (Zumal es ja für diele Versäumnisse einen Trost gibi die Belehrung kann man immer noch aus Büchern schöpfen, wenn man wieder daheim ist...) Schluchten: dem Brocken und seinem Walpurgis- lanb. Wenn bu auch erst zwei bis drei Tage runb um ben Brocken unterwegs bist, bann werben sich nicht nur schmale Ansichtskartenausschnitte einer sonst langweilig sich breitenben Landschaft beinern Auge bargeboten haben — ewig war Walb um bich ober schon bie erhabene fjerbb Einsamkeit bes Hochgebirges, in ber jeber letzte Baum ein ureigenes Einsieblerleden führt unb trotzige Blumenkinber gegen ben Höhenwinb kämpfenb, bich mutig ansehen. Unb' überall tat sich ber Walb auf — bann stanb mitten in ber Lichtung hoch unb stolz biefer Berge grünes Wahrzeichen: bie ebelgewachsene Harztanne, bie königlich zum Himpiel strebt. Das kann nur Deutschlanb sein, würbest bu sofort sagen, wenn man bich im Traum, unb bu hast vorher biefe Berge nie gesehen, hierher trüge. Denn bu findest hier noch ben Wieberklang deutscher Dichtung unb Kunst, einer jahrtausenblangen Geschichte — Faust mit Mephisto begegnest bu, ber Prinzessin Ilse, — Mägbesprung, Roßtrappe unb Hexentanzplatz erzählen ihre alte Mär —, unb bie lieblichen Giebel ber talgeborgenen Dörfer finb von immer anheimelnber Gestalt. So möchte ich gerabe all benen, bie weitgereist finb unb vielleicht sogar Jnbiens unb Afrikas Wun- ber kennen, einmal raten, „nur" nach bem Harz zu fahren. Unb bann sich altes, beutsches Wanbrerglück zu erobern — sie werben, wenn sie schließlich nach bem parabieshellen Treseburg kommen unb in bie erhabene Felsenschkucht bes Bodetals hineinschrei- len, von bem beseligenben Gefühl überwältigt sein, wie es boch am schönsten in ber beutschen Heimat ist. Denn hier spüren wir noch bie einfache Beglückung von Leib unb Seele, bie in ber Erbverwurzelung mit dem Boben ber Väter ihre Enträtselung finbet, unb bie allein gefunbe, ruhige Kraft jebem verleiht, ber sie sich fröhlichen Herzens erroanbert. Wanderfahrten. Rodhcini — Frauenstein — Himberg — IDalbgitmc» — Dchlar. Wir fahren mit ber Biebertalbahn nach Robheim. Kurz hinter ber Bechthvlbschen Wirtschaft zweigt von ber Ortsstraße nach links ein schmaler Pfad ab, ber mit einem blauen Dreieck gezeichnet ist. Dieser Pfab führt uns über Wiesen unb durch Gärten hinauf zum vewalbeten Himberg. Nack; einiger Zeit kommen wir, nachbem wir ben von ber Sage umwobenen Frauenstein passiert haben, auf eine rote Punktmarkierung, mit ber bie blauen Zeichen jetzt gemeinsam an ben Schwebenschanzen, aus bem Siebenjährigen Krieg ftammcnb, vorbei nach ber höchsten Erhebung des Berges, dem Königstuhl, einer germanischen Kult- Hätte, gehen. Unterwegs bieten sich uns prächtige Blicke auf den Dünsberg. Auf dem Königstuhl, dessen Aussicht leider verwachsen ist, trennen sich die beiden Wegzeichen. Die blauen Dreiecke führen, nachdem man die schwarzen Dreiecke gekreuzt hat, hinab in das untere Schwalbenbachtal und auf guter Landstraße weiter über Waldgirmes und Naunheim nach unserem Endziel Wetzlar. Wanderzeit 4% Stunden. (Barbenleid) — TNengelshäufer Teiche — Arnsburg — Licy. Der rührige Wegebezeichnungsausschuß des DHE. Gießen hat im vorigen Jahre die bestehende Mar- kierung: rotes liegendes Ä'reux einer Umlegung unterzogen, die eine kürzere Verbindung nach Arns- bürg ergibt und durch eine überaus reizvolle Gegend führt. Das Wegezeichen beginnt, wie schon früher beschrieben, mitten in Garbenteich, geht zunächst auf der Straße nach Lich und kurz hinter der Wasen- mcifteret ein kurzes Stück am Waldrand entlang, um hierauf scharf nach links zu den Mengeishäuser Teichen zu führen. Von hier leitet das Zeichen an einem großen Wiesengrund vorbei durch die Eisen- bahnuntersührung auf einen schönen Waldweg. An dessen Ende beginnt die Umlegung; wir wenden uns links, kommen nochmals durch einen Hochwald und genießen bei dessen Verlassen einen prächtigen Blick auf Lich, im Hintergründe der Vogelsberg, auf die Fasanerie unb ben Kolnhäuser Hof. Wir überqueren bie Dorf Giller Straße und kommen wieder durch Wald nach dem Wettertal, überschreiten die Wetter und gehen nunmehr gemeinsam mit dem blauen Ring, der uns nochmals über den Bach führt, nach bem Kloster Arnsburg. Um zum Enbziel Lich zu gelangen, wählen wir bie blauen Ringe burch bas lieb- liche Gottesackertal. Wanberzeit etwa brei Stunden. Reifeliieraiur. — „M e i) e r s Reisebüche r": Ostalpen, B a n b III. Dolomiten, Bozen, Meran, Drtlergruppe, Abamello, Garbasee. 14. vollständig neu bearbeitete, stark erweiterte Auflage 1931. Bibliographisches In- ftitut in Leipzig. 424 Seiten, mit 26 Karten, 5 Plänen, 6 Rundsichten. Taschenformat. In biegsamem Ganzleinenbanb 9 RM. — (218) — Dieser Banb, ber ganz Sübtirol bis zum Garbasee umfaßt, ist vollstänbig neu bearbeitet unb in vieler Hinsicht stark erweitert. Der außerorbentlichen Entwicklung ber Derkehrsverhällnisse in ben letzten Jahren ist weit- gchend Rechnung getragen worben, insbefonbere finb die Verkehrsmöglichkeiten mit Auto und Autobus auf den Karten und im Text ausführlich bargefteUt. Für bas italienische Grenzgebiet, wo in vieler Hinsicht sehr strenge Vorschriften bestehen, werben genaue Verhaltungsmaßregeln gegeben. Die Dorbemer, fungen enthalten eine Uebersicht ber wichtigsten italienischen Auto- . unb Eisenbahn-Fachausbrücke, eine italienisch-beutsche Speisekarte, eine beutsch-ita- Nenische Tabelle ber alpinen Ausbrücke. Die Beschreibung ber Schutzhütten unb ihrer Umgebung ist gegenüber ber vorigen Auflage wesentlich erweitert. Oer schöne Harz. öer romantische Bergwald im Herzen Deutschlands. Von Alfred Hein. 3563 V Sommerkur für Bädern und Strecke Gießen—Fulda (Hessen) Sommer- beste Erholung und Genesung 3077 D Besucht deutsche Bäder! KloslerAmsbmg SEICHTENBERG im Odenwald Gasthaus Thörner 3533 D Prospekte durdiHotel-Pbn5ion_SchloöljcMenbera Pension Höhner 3669 D SchloB-CaM Marburg Mittwoch; 5-Uhr-Tanz-Tee 3572 D PROSPEKTE UND AUSKÜNFTE DURCH DIE BADEVERWALTUNGEN UND ALLE REISEBÜROS '/«Stunde Waldweg von Lich. Sehenswerte Ruine u. Barockbamen. Beste Verpflegung (etmafetflie Preise) unb Sommerfrische im Geschäftsdrucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarten bei Brühl, Schulstraße I Omnibus Sonntags: Gießen iLudwigS platz) ab 13.4U Arnsburg ab 18.15 Uhr. 10 Min. von Bad Salzschlirf, am Südostabhang des Eichbergs, mit großen in die Waldungen des Eichbergs übergehend. Parkanlagen, macht einen A ufenthalt einzig idyllisch. Einzel- u. Familienzimmer zum Preise von tägl. 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Starken Antrieb erhielt di« Börse zunächst von der Be° ruhiauna am Devisenmarkt. Die Erho.ung der Reichsmark und die Meldung, daß die Reuyorker Federal Reserve Dank mit dem Ankauf von Markdevisen begonnen hat. trugen zu der Veränderung der Lage bei. Die vorgenommene Diskonterhöhung der Reichsbank um 2 Prozent auf 7 Prozent hat die Börse nicht erschreckt, weil man sie auf Grund der Lage am Devisenmarkt a.s etwas Selbstverständliches ansah. Nachdem nun auch in der innerpolitischen Situation eine merkliche Entspannung «ingetreten war. verstärkte sich die Deckungsneigung der Kulisse. Bei lehr lebhafter älmsatztätiKeit nahm die Sdekulatwn besonders in den stark verfixten Werten größere Deckungen vor. so daß sich zunächst Erho.ungen um durchschnittlich 3 bis 8 Prozent emstell^n. Trotzdem war die Börse nach anfänglicher Befestigung später wieder rückgängig. Das Zustandekommen einer vorläufigen Hilfsaktion für Oesterreich und das zu verzeichnende Nach.asfen der Devisenanforderungen, haben zunächst ad» gemein Deckungsbegehr hervorgerufen, ©pater störten aber das Bekanntwerden von einigen Insolvenzfällen in der Warenbranche, ferner die ungünstigen Abschlüsse bei Nordd. Wolle und Zellstoff Waldhof. Da auch die Erholung der Reichsmark anscheinend nur vorübergehender Natur war. schritt die Slbekulation wieder zu Abgaben und Gewinnsicherungen, so daß em erheblicher Teil der Kursgewinn« wieder verloren ging. Dennoch ergaben sich per Saldo auf allen Marktgebieten durchweg Kursbesserungen bis zu 8 Prozent. Darüber hinaus lagen besonders Deutsche Erdöl. Demberg. I.-G.-Farben, Felten. Gesfürel, Holzmann, Lahmeyer. Rheinstahl Schuckcrt und Kaliwerte mit Gewinnen bis 'zu 12 Prozent stark befestigt. Schwächer blieben nur Waldhof (— 3,5 Prozent) und Chade- aktien (—5,5 Mark). Am Rentenmarkt zeigte sich am Wochenschluß sogar wieder Nachfrage. Mangels Angebot mußten daher einige Papiere gestrichen, Geld notiert werdem Im Vergleich zu den Notierungen der Vorwoche überwogen aber doch noch Abschwächungen. Besonders stark getroffen waren bei der Rentenbaisse Stadtanleihen. Industrieobligationen, Schuldbuchforderungen, Gold- und Liquidationsp^andbriefe. Am Geld m a r k t trat im Zusammenhang mit der Diskonterhöhung eine merkliche Versteifung der Sähe ein. Am Devisenmarkt ist trotz der neuerlichen Devisennachfrage eine gewisse Entspannung zu verzeichnen. Man nannte die Mark gegen den Dolla-r 4.21V« nach 4.2180, gegen Pfunde 20.49V« nach 20.52. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt Die schwache Haltung an den Weltgetteide- • börsen blieb auf die Stimmung des hiesigen Marktes nicht ohne Einfluß: auch rief anfangs t der Woche die gespannte innerpvlitifche Situa- tion eine starke Unsicherheit hervor, so daß die ' Getreidebörse in ruhiger aber etwas schwächerer Verfassung verkehrte. Die Llnsicherhrit war groß und die Unternehmungslust gering. Eine gewiss« Stütze erhielt der Markt nur von der Tatsache, daß die Vorräte von Jnlandbrotgetreide weiterhin sehr gering geworden sind und man mit einer merklichen Verknappung von gutem Brotgetreide bis zur neuen Ernte rechnet. Die Stimmung für Weizen ist vollkommen geschäftslos geworden, nachdem in der Vorwoche auf das bessere Weizenmehlgeschäft hin einige Deckungen der Mühlen erfolgt waren. Da jedoch das Mehlgeschäft wieder sehr eng wurde, hielten sich die Mühlen vom Einkauf stark zurück. Für greifbaren Inlandweizen, Durchschnittsqualität, Hektolitergewicht 74 Kilogramm, gut, gestund und trocken, stellte sich die Notiz auf 295 Mark per Tonne. Das Angebot in Neu-Weizen war etwas stärker, doch bestand hierfür nur sehr geringes Interesse. Zollbegünstigter Auslandweizen war besser beachtet. Der Roggenmarkt verzeichnete feste Tendenz. Da das Angebot in gutem und brauchbarem Mahlroggen sehr knapp geworden lst, zogen die Preise ziemlich an. obwohl lebhafteres Ge- schäft nicht fühlbar war. Das wenige Material wurde von den Mühlen zu den erhöhten Preisen glatt ausgenommen. Man verlangte für d:e Tonne Roggen. Hessen. Hessen-Nassau und unterfran- kischer Herkunft. 232.50 bis 235 Mark, d. h. 10 Mark mehr als in der Vorwoche. Das Geschäft in H a f e r , Gerste und M a i ä wurde durch die anhaltende Unsicherheit über die künftige Höhe des Maispreises stark beeinträchtigt. Hafer neigte infolge des starken Angebots zur Schwäche, während Gerste und Mais sehr vernachlässigt blieben. Die Notiz für Inland- hafcr stellte sich auf 200 bis 205 Mark je Tonne. Am M e h l m a r k t konnte sich in Roggenmehl etwas größeres Geschäft entwickeln. Bei etwas erhöhten Preisen nahmen die Bäcker und besonders die Großbetriebe das wenige Matena, fast voll ab. Der Preis lautete für die 100 Kilogramm 30,75 bis 32 Mark. Weizenmehl wurde dagegen nur zur Deckung für den laufenden Bedarf aus dem Markte genommen. Weizenmehl, südd. Spezial 0, kostete 39,75 bis 41 Mark, niederrheinisches Speziell 0 39.75 bis 40 Mark. Das Geschäft in Kleie war sehr unbedeutend und die Preise erfuhren eine weitere Ermäßigung. Es notierten: Weizenkleie 11 bis 10.90 Mark. Roggenkleie 11,75 Mark für je 100 Kilogramm. Speisekartoffeln alter Ernte wurden in Waggonladungen nicht mehr angeboten. Wochenbericht vom Frankfurter Gchlachiviebmarkt. Die derzeitige Verfassung des Frankfurter Schlachtvichmarktes ist trotz kleiner Teilerholungen schlecht. Die Abwärtsbewegung der Preise kam auch in dieser Woche nicht zum Stillstand. Auf dem R i n d e r m a r k t war der Auftrieb mit 1417 Stück (gegen 1354 Stück in der Vorwoche) etwas größer als in der Vorwoche. Nach sehr ruhigem Geschäft verblieb wiederum Lieberstand. Ochsen galten um 1 Mark, Färsen um 1 bis 2 Mark und Bullen um 2 bis 3 Mark nach, wähvend sich Kühe infolge des leicht verringerten Angebots behaupteten. Es notierten: Ochsen al 44 bis 48, a2 40 bis 43, bl 33 bis 39. Bullen a 38 bis 42, b 34 bis 37, Kühe a 35 bis 39, b 29 bis 34, ’c 22 bis 28. Färsen a 44 bis 48. b 40 bis 43. c 33 bis 39. Am Schweinemarkt verursachte die starke Beschickung des Hauptmarktes einen neuen Preissturz bis zu 8 Mark pro Zentner. Am Nebenmarkt konnte sich jedoch infolge des kleinen Auftriebs wieder eine Erholung durchsetzen, so daß «in Teil des Verlustes wieder aufgeholt werden konnte. Trotzdem lagen die Notierungen gegen die Vorwoche noch um 3 bis 5 Mark schwächer. Der Hqndel war allgemein schleppend, so daß größerer äleberstand verblieb. Nicht ohne Einfluß auf die Preisgestaltung blieb, daß Fettschweine. die ziemlich stark angeboren werden, fast unverkäuflich sind, und daher preisdrückend wirlen. Die Preise wurden wie folgt festgestellt: Schweine b 42 bis 44. c 43 bis 47. d 42 bis 46, schlußfassung vor. der im wesentlichen Vorsicht, daß das Syndikat auf der Grundlage, toie es durch die Verordnung des Reichswirtschaftsministers vom 29. Mai 1931 zusammengesetzt worden ist. bis zum 31. März 1942 verlängert werden soll. Die plmlageregelung soll, und zwar mit Wirkung vom 1. Iuli 1931 ab, durch «in Schiedsgericht erledigt werden, das pus einem Obmann und je zwei Vertretern der beiden Parteien besteht. Obmann ist der Geschäftsführer des Reichskohlenrats. Berghauptmann Bennhold. Der den Zechen vorgelegten Beitrittserklärung stimmten bis auf einige Ausnahmen die Zechen- besitzer zu. Einige Zechen behielten sich ihre Stellungnahme noch vor. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 20. Juli. (WTB. Drahtbericht.) Tendenz: fest. Die Wochenschlußbörse eröffnete nach der erneuten Abschwächung an der gestrigen Abendbörse in sehr fester Haltung. Bereits im Frühverkehr nannte man auf das überraschende Eingreifen Amerikas in die Reparationsfrage 2 bis 3 v.H. höhere Kurse. Zum offiziellen Beginn stellte sich bei der Spekulation stärkerer Deckungsbegehr ein, der auch mit der technischen Situation der Börse in Zusammenhang gebracht wurde. Hinzu kam noch, daß der Dollar heute wieder eine rückläufigeTendenz zeigte, und man daher zunächst nicht mit weiteren Diskont- maßnahmen der Reichsbank rechnen zu müssen glaubt. Gegen die schwachen Abendbörsenkurse ergaben sich durchschnittlich Kursbesserungen bis zu 3 v. H. Sehr lebhaft war das Geschäft in einigen Spezialwerten, die Erhöhungen bis zu 7 o. H. zu verzeichnen hatten. Es eröffneten 3(9.-- Farben 7 v. H., AEG., Gesfürel, Schuckert und Siemens je 5 bis 7,5 v. H. höher. Am Montanmarkt zogen Rheinstahl 6 v. H., Mannesmann 5 v. H. und Buderus 3 v.H. an. Sehr fest lagen am Kalimarkt Salzdetfurth mit plus 10 v. H. und Westeregeln mit plus 6,5 v.H. Bon Bauunternehmungen gewannen Holzmann 6,25 v. H., während Wayß & Freytag 1 v. H. schwächer notierten. Bis zu 4 v. H. fester eröffneten noch Aku, Rheinische Elektro, Licht & Kraft, Deutsche Linoleum, Zellstoff Waldhof und Stahlverein. Bon Bankaktien stellten sich Danatbank um 2,5 v. H. und Reichsbank um 4 v. H. höher. Bon Einzelwerten sind noch Hapag (plus 2,5 v. H.), Lechwerke (Plus 1,25 v. H.) zu erwähnen. Am Anleihemarkt lagen Altbesitz behauptet, Neubesitz etwas fester. Auslandrenten durchweg bis 0,13 v. H. höher. Pfandbriefe ruhig und kaum verändert. Reichsschuldbuchforderungen lagen etwa 1,5 bis 2 v. H. fester. Im Verlaufe unterlagen die Kurse zwar mehrfachen Schwankungen, doch blieb die Tendenz durchaus fest. Auf einige Käufe von außen her lagen die Kurse meist erneut um 1 v. H. höher. Besonders gefragt waren ZG.-Farben und Danatbank. Am Geldmarkt blieb Tagesgeld mit 6,5 v.H. unverändert angespannt. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2140. gegen Pfund 20,5040, London gegen Neuyork 4,8650, aegen Paris 124,24, gegen Mailand 92,91, gegen Madrid etwa 50,50, gegen Schweiz 25,0525, gegen Holland 12,0825. Berliner Börse. Berlin, 20. Juni. (WTB. Drahtbericht.) Die letzte Börse dieser Woche eröffnete in ausgespro- ch e n f e st e r H a l t u n g. Die Märkte standen völlig unter dem Eindruck des überraschenden Eingreifens des Präsidenten Hoover in die Reparationsfrage. Alle übrigen Momente traten demgegenüber voll in den Hintergrund. Das uneinheitliche Neuyork von gestern und die Befürchtungen zum Halbjahresultimo sowie im Hinblick auf die Lage am Devisenmarkt waren vergessen, und die Börsenbesucher bemächtigten sich des lange Zeit enbehrten Zeichens einer Wendung zum Besseren. Allerdings war das Geschäft nicht allzu umfangreich, es genügte jedoch, um auf allen Märkten kräftige Stimmungen auszulösen. Eine große Anzahl von Werten erschien mit Plus-Plus-Zeichen. AG. für Verkehr, Maschinenbauunternehmungen, Karstadt. Deutsche Erdöl, Hösch, Rheinische Braunkohlen Rheinstahl, Vereinigte Stahlwerke, alle drei Kali-Terminpapiere Konti Gummi, Berger, Gesfürel, Siemens und Dessauer Gas waren solche Papiere. Die Besserungen gingen nicht selten bis zu 5 v. H. und bei verschiedenen Werten noch darüber hinaus. Es vermochten beispielsweise Nordseefischerei mit plus 7 o. H. ihren ganzen Verlust von gestern wieder einzuholen. Salzdetfurth konnten um 8 v. H. anziehen. Vielfach mußten die Anfangsnotierungen ausgesetzt werden, da eine Kursfestsetzung ohne Hinzuziehung eines Kommissionärs nicht möglich war. Anleihen ruhig. Neubesitz 0,2 v. H. freundlicher. Von Ausländern Bosnier fester. 4 v.H. Oesterreichische Goldrenten, Mazedonier und Ungarn schwächer. 4 v. H. Ungarische Staatsrente erschienen sogar mit Minus Minus- Zeichen. Pfandbriefe scheinbar noch etwas angeboten. Neichsschuldbuchforderungen bis 1,5 v. H. gebessert. I Devisen noch ziemlich unverändert. Geld unverändert. 3m Verlaufe blieb die Stimmung durchaus freundlich und zuversichtlich. Es ver- lich weiter stark nachgebenden Preisen später eine kräftige Erho.ung durchsetzen, was in der Hauptsache auf die Verringerung der Beschickung zur ckzufühven ist. Seil langem waren wieder norddeutsche Tiere am Markt, für die auch Preise über Notiz erzielt wurden. Das Geschäft nahm einen ruhigen Verlauf. Der Markt wurde geräumt. Gegen die Notiz der Vorwoche konnten, sich die Preise um 1 bis 4 Mark befestigen. Der Gesamlauftrieb betrug 1237 (1834) Stück. Am Schafmarkt fanden die wenigen Tiere (92 Stück) ziemlich glatt Unterkunft. Es notierten pro Zentner: Kälber b 54 bis 60, c 48 bis 53, d 40 bis 47. Schafe nicht notiert. * * Der Erzbergbau im Mai. Lieber die Lage des Erzbergbaues im Mai wird berichtet: Siegerland: Bei den Siegerländer Gruben bewegten sich Förderung und Absatz aus der Höhe des Vormonats. Eine Desseruyg ist infolge der geringen Roheisenerzeugung für die nächste Zeit nicht zu erwarten. — Lahn-Dillgebiet ein sch l. Oberhessen: Die Lage hat sich weiter verschlechtert. Don einer der letzten übriggebliebenen Gruben hat eine der bedeutendsten am Monatsschluß die gesamte Belegschaft entlassen müssen. * Rheinisch-Westfälisches Kohlen- shndikat. Die Verhandlungen zur Bildung eines freiwilligen Syndikats wurden in der gestrigen Zechenbesiherversammlung fortgesetzt. Es lag ein Vorschlag des Arbeitsausschusses zur De- mochten sich weitere Be s s e r u n a e n bis zu 0,5 v. H. durchzusetzen, zumal noch verspätet Orders eingingen. Nur vorübergehend wurde es auf Gewinnmitnahmen der Spekulation etwas ruhiger. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 19. Iuni. Das Geschäft an der Produktenbörse entwickelte sich nur sehr schleppend und gegenüber den höchsten Notierungen des gestrigen Nachmittags war bereits wieder eine Abschwächung festzustellen, anscheinend im Zusammenhang mit der Wetterbesserung. Arn Weizenmarkte findet das herauskommende Prompt- .angebot bei den Mühlen nur zu gedrückten Preisen ilnterhrnft; Neuweizen, für den auf dem ermäßigten Niveau einige Nachfrage besteht, ist infolge der unbefriedigenden Preislage von der ersten Hand weniger offeriert. Am Lieferungsmarkte ergaben sich nach den gestrigen Rückgängen unbedeutende Erholungen. Roggen zur prompten Lieferung bleibt von hiesigen und mitteldeutschen Mühlen begehrt und im Preise behauptet. Neuroggen hat ruhiges Geschäft bet wenig veränderten Notierungen 1 Gießener Wochenmarktpreise. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter 140 bis 150 Pfennig das Pfund, Matte 30 bis 35, Wirsing 15 bis 20, Wetß^at 15 bis 20, Spinat 15 bis 20, Römiichkohl 10 bis 15, Bohnen 40 bis 45, Spargel 30 bis 60, Erbsen 20 bis 25, Mischgemüse 10 bis 15, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 15 bis 20, Rhabarber 10 bis 15, Pilze 40 bis 50, Kartoffeln, alte 5 bis 6, Kartoffeln, neue 15 bis 20, Aepfcl, ausländische 50 bis 60, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 25 bis 40, Stachelbeeren, unreife 20 bis 25, Erdbeeren 30 bis 45, Walderdbeeren 40 bis 45, Aprikosen 60 bis 70, Pfirsiche 90 bis 100, Honig 40 bis 50, junge Hähne 90 bis 100, Suppenhühner 90 bis 100; Käse (zehn Stück) 60 bis 140’ Tauben 50 bis 70 Pf. das Stück, Eier 8 bis 9, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 5 bis 15, Salatgurken 30 bis 40, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Rettich 10 bis 15; Gelbe Rüben 15 bis 20 Pfennig das Bund, Radieschen 10 bis 15; Kartoffeln 4 bis 5 Mark der Zentner. Daten siir Samstag, 2V. Juni. Sonnenaufgang 4.09 Uhr, Sonnenuntergang 20.43 Uhr. — Mondaufgang 8.52 Uhr, Monduntergang 23.53 Uhr. 1520: Luthers Brief an den deutschen Adel erscheint; — 1849: der Dichter Franz v. Schönthan in Wien geboren; — 1868: der Schriftsteller Walter Bloem in Elberfeld geboren. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 21.3uni. 3. Sonntag nach Trinitatis. Stadttirche. 8 Uhr: Pfr. Mahr; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- aemeinde; 9.30: Pfr. Becker; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Pfr. Becker. — Johanneskirche. 8: Pf. Bechtolsheimer; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgemeinde; 9.30: Pfr. Ausfeld; 11: Kinderkirche für die 3ohannesgemeinde; Pfr. Ausfeld; — Johannesfaal. 20: Missionsvortrag von Missionar Oberlein von der Brüdergemeinde. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Luthergemeinde; 11:. Kinderkirche für die Luther- gemeinde; Pfr. Lenz. — Elisabeth-Kleinkinderschule. 8.15: Christenlehre für die Neukonfirmicrten der Petrusgcmeinde; 9.45: Pfarrer l^ic. Waas; 11: Kinderkirche für die Petrusgcmeinde, Pfr. l,ic. Waas — Klein-Linden. 9: Hauptgottesdienst; Christenlehre für die männliche Fugend; 10.30: Kindergottesdienst — Dieseck. 9.30. — Atten-Buseck. 14.— Trohe. 15 30 — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: Christenlehre für die konfirmierte weibliche Fugend; 13.30: Lollar. — Hausen-Gorbenteich. 10.30: Garbenteich, anschließend Christenlehre; 13: Hausen. — Watzenborn-Steinberg. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kinderkirche. — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn; 10.45: Kindergottesdienst. katholische Gemeinden. Samstag, den 20. Juni. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 21.Funi. 4. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jünglinge; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Pre. digt; 11: Messe mit Predigt; 14: Christenlehre und Andacht mit Segen. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Lanbach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Vortrag und Andacht. — Lick. 10: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag und Andacht. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Mittwoch, den 24. Juni. Hungen. 6.15 Uhr.: Messe. 2 n'itnn^bic»' Merzte,, N"ntbc*cnnm 21 6 3t. Fran Or.Rotbenberqer. vr Schäffer. Enaelapoiieke. Zavnarzt: bi. Adam. 'D Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 v.H., Lombardzinsfuß 8 v.H. .vi annuri u. Dl. Serin, I Ärannur a. I Schluß«^ 1-ilhr« | lurs 1 Kur« Derltn ivtannuti a. Di. Schluß«! l-uyr- lurs 1 n r» eiern Banknoten^ ______________ Berlin, 19. Juni 1 Geld Zrief Schluß-1 lurs | l'Ubr» Kur» Schluß« lur« Ansang« Kurs Schluß« lurs Anfang« Kurs Schluß« kurs Anfang- Kurs Amerikanische Noten....... 4,221 4,241 Datum 196 ! 20-6. 19.6 20.6. Datum | 19.6 20-6. 19.6. 20 6. Datum 19.6. 20.6. 19.6- 20.6. lüEifltiajc ucoi Dänische Note Englische Note II..... n..... n..... 00/31 12,48 20,49 3B,/3 112,92 20,57 6% Deuyche dietdisanlethe v. 192'. 7% Deutsche Reichsanleihe B.1329 5y.% Doung-Anleihe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit AuSloj.-Rechten....... DeSgl. ohne AuSlos.-Rechte . . . 8% Hess. BolkSstaat von 1929 lrückzahlb. 102%)...... Oberhellen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten...... Deutlche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 15 unkündbar bis 1935 .... 7% Franks. Hyp^Dank Goldpse unkündbar bis 1936 Serie 16 . 4%% Franks. Hhp.-Bank Liqu.- Psandbriese......... 4%% Rheinische Hyp.-Bank-Llqu. Goldpse........... 8% Br. Landespsandbriesanstalt, Pfandbriefe R. 19...... 7% Pr. Landespsandbriesanstalt, Pfandbriefe R. 10...... 4% Oesterreichische Goldrente . . 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrcnte . . . . 4% Ungarische Staalsrente v. 1910 4*4% dcsgl. von 1913..... 5% abgest. Gold Mexikaner von 99 4% Türkische Zollanleihc von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Serie 1........... 4% desgl. Serie 11...... 5% Rumän. verelnh. Rente v. 1908 4V,%Rumän.vereinh.Rentev.l91k 4% Rumänische vereinh. Rente 2’4% 1 Anatolier...... 82,5 94 67 50 4,35 87 47,5 97,75 91,75 85,7 86,25 100 95,5 19,75 1,25 16,45 14 7,13 2,2 2,25 7 — 5,6 13,5 11£।S। £111111 । । । । । । । 1 1 iii 81,5 94 67 50 4,3 87,25 48,5 100 95,5 20,13 1,25 16,6 7,2 2,13 2,15 7,05 13,4 5,65 13,5 iii $5 i i i i i i i i i 5131515 'ZiZZZ Hamvurg-Amenta Pale. . . . t| Hamburg. Südam. Dampsschiss. 0 Hansa Dampsschiss .....0 Norddeutscher Lloyd.....6 A G. sür Verkehrswesen Akt. . . Berliner Handelsgesellschaft . 8 Commerz, und Privat-Bank . 7 Darmstädter und Nationalbank 8 Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft... 6 Dresdner Bank...... 6 Rcichsbank....... 12 A.E.G............7 Bergmann.........9 Elcktr. Lieferungsgesellschaft. 10 Licht und Kraft......10 Felten & Guilleaume. ... 6V* Gesellschaft sür Elektrische Unternehmungen .... 9 Rheinische Elektrizität .... 9 Schuckert L Co.......11 Siemens L Halöke.....14 Lahmeyer L Co.......12 Buderus..........4 Deutsche Erdöl.......6 (Gelsenkirchener.......8 Harpener..........O Hoejch Eisen.........6 Ilse Bergbau.......10 Klöcknerwerke........6 Kvln-Neuesscn.......6% Mannesmann-Röhren .... 6 ManSselder Bergbau.....0 Oberschlel. Kokswerke .... 8 Phönix Bergbau......4% Rheinische Braunkohlen... 10 Rheinstahl.........6 40,5 102 100,25 106,25 100 100,25 76 60 81 99 124 94 31 53,5 57.5 49 42,5 50,5 37 Jj 57 43 100,25 108,5 100 124,25 81 94 96,25 98 104,75 131,5 — 34 43,25 55,5 39,75 90 67 41,75 39 102 100,25 106,4 100,25 100,25 120,75 77,9 60,5 89 90,5 60,25 82 94 100,25 125 94,5 31,75 53,5 58,5 49,75 41 132 41,65 45,25 51,5 25,75 54,75 38,65 134,75 59,5 41,5 44 102 100,25 108,5 100,25 100,25 123 80,75 92 94 62,4 97 104,75 130 96 33 56,5 59,5 51 135 44,25 48 53,75 55,75 39 140,75 64 Riebeck Montan......7,2 Bereinigte Stahlwerke .... 4 Otavi Minen......16’/, Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 3. G. Farbcn-Industrie ... 12 Verein, chem. Industrie Frank- furt a.M........... Scheideanstalt.......10 Goldschmidt.........v Rütgerüwcrke........6 Melallgcsellschaft.......b Philipp Holzmann .......8 Zementwerk Heidelberg. ... 7 Cementwerk Karlstadt.....7 Waytz L Freytag......0 Schultheis Patzenhofer ... 16 Aku (Allgemeine Kunstseide) 0 Bemberg......... 0 Zellstoss Waldhof.....12 Zellltoss Aschaffenburg ... 6 Dessauer Gas........9 Daimler Motoren......0 Deutsche Linoleum.....5 Lrcnstcin & Koppel.....0 Leonhard Tietz.......8 Tvenska.........15 Chade............ Frankfurter Maschinen . . . . 0 Griyner..........0 Mainkrastwerke Höchst a. M.. . 6 Süddeutscher Zucker .... 10 36 101,5 105,5 157 113,25 44 113 34 53 62 50 81,75 21,25 57,5 66,5 54 54 20 50,5 81 191 212 9,1 27 51 39,75 112 167 120,25 34,5 37 68,25 20,5 a 57,75 21,5 53,5 36,65 16,4 102 106 158,25 115 34,25 36,25 52 64 21,25 114,5 57,75 69,4 54 54,5 102,75 20,4 51,25 33 81,5 191,25 212 9,5 27 ! 95,25 40 17 119 37 67 118,5 60 72,75 58,5 54 107,25 21,75 52,5 33,5 83 193 vranzoiyate ucoren........ Holländische Noten........ Italienische Noten........ Norwegische Noten........ Deutsch-Lesterreich, ä 1OO Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Noten........ Schweizer Noten......... Spanische Noten......... Ungarische Noten........ Deoifenmarfl Berlin — ' b,t>lt> lb,t»/t> 69,41 170,09 22,06 22,14 12,58 113,02 59,03 59,27 2,485 2,505 12,83 113,27 81,77 82,09 40,47 40,63 73,32 73,62 irantfurl a. 2H. 19. Juni 20. Juni Amtliche Notierung | Sries Amtliche Geld Notierung Arie Helsingfors . Wien.... Prag . . . Budapest . . Sofia . . . Holland . . Oslo.... Kopenhagen. Stockholm . London. . . Buenos Aires Neunork . . Brüssel. . . Italien. . . Paris . . . Schwei, . . Spanien . . Tmizig. . . Japan . . . Rio de Jan.. Jugoslawien. Lissabon . . 10,593 59,145 12,467 73,51 3,048 169.41 112,69 112,70 112,81 20,475 1,285 4,209 58,27 22,04 16,475 81,75 40,46 81,87 2,080 0,314 7,456 18,66 10,613 59,265 12,487 73,65 3,054 169,75 112,91 112,92 113,03 20,505 1,289 4,217 58,69 22,08 16,515 81,91 40,54 82,93 2,084 0,316 7,470 18,70 10,595 59,17 12,472 73,49 3,048 169,41 112,69 112,73 112,84 20,475 1,305 4,209 58,59 22,055 16,475 81,75 40,36 81,80 2,081 0,314 7.456 18,62 10,615 59,29 12,492 73,63 3,054 169,75 112,91 112,95 113,06 20,515 1,309 4.217 58,71 22,095 16,515 81,91 40,44 82,04 2,085 0,316 7,470 18,66 O.Jl.-'fpott Bruno Steinhaus und Gertrud Runzler verteidigt wird, gelangt auch in diesem Jahre wieder in der Ostsee bei Danzig zum Austrag. Die Strecke führt über 1500 Meter. Die VezirlSmeiflerschaslen der Leichtathleten in Göttingen. Gießen nur durch den BfB. vertreten. Am morgigen Sonntag werden in Göttingen die Leichtathletikmeisterschaften des Bezirks Hessen-Hannover au6getragen. Auch die hiesigen Leichtathleten beteiligen sich hieran, aller- dings nur die des Vereins für Bewegungsspiele. Der VfB. cntfenbet mit guten Aussichten über 400 und 800 Meter den hoffnungsvollen Jäger, über 800 Meter startet außerdem Simon. Grölz wird die 1500 Meter bestreiten und, wenn es sein Gesundheitszustand erlaubt, auch die 5000 Meter laufen. Müller geht mit sehr guten Aussichten für die 100 Meter und die 200 Meter an den Start. 3m Weitsprung versucht er sich ebenfalls und man erhofft von ihm, daß er auch da eine gute Figur macht. Außer diesen Konkurrenzen wird sich der VfB. noch um die 400-Meter-Stafsel bemühen. Es ist nicht zu verkennen, daß diese kleine Expedition nicht das stärkste darstellt, was der VfB. unter Umständen stellen könnte. Vielmehr bedeutet es für den Verein ein schweres Handicap, daß Mohl, Gugel, Steines und Reih nicht mit von der Partie sein tönnen, sondern am Sonntag bei den HeereSmeisterschasten in Hannover starten. Mit ihnen aber fehlen die besten Kräfte. Man hofft trotzdem auf ein ehrenvolles Abschneiden, auf einige Siege und Plätze. Die Spielvereinigung 1900hat (trohdem der Verein sieben Brzirksmeisterschaften zu verteidigen hätte) nicht gemeldet. Cs dürften vielleicht wirtschaftliche Gründe mit maßgebend sein, die den Verein abhalten, an den Meisterschaftskämpfen des Bezirks teilzunehmen. Dieser Umstand sollte den Verbandsbehörden au denken geben. Cs ist schließlich auch ein ilnoing’, die Bezirksmeisterschaften eines so großen Bezirks ausgerechnet nach dessen äußerster Ecke zu verlegen und damit die anderen Vereine zu weiten Reisen zu zwingen, die unter den heutigen Verhältnissen vermieden werden müßten. Wenn aber der Verein aus Gründen der Opposition gegen diese Ansehung der Meisterschaften in einem so entfernten Ort von einer Meldung abgesehen hat, so ist das durchaus verständlich. Der Bezirk Hessen-Hannover bedürfte — darüber ist sich jedermann im Klaren — längst einer organisatorischen Reform. Oie Deutschen Hochschulmeisterschasten. Entscheidungen in Marburg. Die 5or= und Zwischenrundenspiele um die Deutschen Hochschulmcisterschaften konnten bis auf eine Ausnahme planmäßig zu Ende geführt werden, nur das Zwischenrundenspiel im Fußball der Gruppe Ost muß wiederholt werden. Das Charakteristikum der diesjährigen Hochschulmeisterschasten find die Spielverlängerungen, ein Zeichen dafür, daß die Leistungen immer ausgeglichener geworden find und von eine; Vorherrschaft einzelner Hochschulen nicht gesprochen werden käUn. Das beweisen auch die vielen Ueberraschungen, sind doch schon zwei Titelverteidiger ausgcschieden. 3m Fußball betrifft dies die Technische Hochschule München, die wohl allgemein im Endspiel erwartet worden war. Sie mußte sich jedoch von den Frankfurtern eine einwandfreie und sogar ziemlich hohe Niederlage gefallen lassen. Te. Dresden schied vorzeitig aus, weil es die Spieler des DSC. nicht mehr aufstellen konnte. Sehr aut hielten sich die Danziaer. 3m Handball ließen die Ergebnisse der Uni- vci sität Königsberg auchorchen, von der man glaubte, daß sie schon in der Dorrunbe ausscheiden würde. Sie konnte aber sogar den Berlinern in der Zwischenrunde ernstlich zu fdjaffen geben. U. Bonn war Titelhalter im Hockey, Darmstadt war stärker. Mit den Entscheidungsspielen der Gruppe West im Fußball und Handball und Hockey am 23. und 24. in Marburg werden gleichzeitig die letzten Teilnehmer an den Schlußkämpfen um die Deutsche Hochschulmeisterschaft festgestellt. 3m Hockey wird bereits zwischen den Mannschaften der ledr Nischen Hochschule Darmstadt und der Universität Kiel das Endspiel ausgetragen. In der Zwischenrunde im Handball sind die Technische Hochschule Darmstadt und die Universität Köln und im Fuß- ball die Universität Frankfurt unb die Universität Köln die Gegner. Der Endspielpartner der siegreichen Mannschaften der Westgruppe im Handball und Fußball ist jedesmal die Universität Berlin. Aeue OT -Bestleistung. Bei den Grenzmarkspielen des To. Landau 04 im Südpfälzischen Stadion verbesserte Frl. W ü st (Id. Mundenheim) die bisherige DT.-Bestleistung im Kugelstoßen von Frl. Windsheimer (Tgde. Würzburg) mit 12,58 Meter auf 12,66. Der deutsche Rekord steht auf 12,85 Meter, den Frl. Heublein- Barmen hält, die auch Inhaberin des Weltrekordes mit 13,26 Meter ist. Georg Lammers aus der OT. ausgetreten. Die Turner-Leichtathletik hat einen schweren Verlust erlitten, da ihr bester Vertreter, der Sprinter und DT.-Meister Lammers aus der DT. ausgetreten ist. Lammers scheint über einen Streit mit der DT.-Leitung sogar so verbittert zu sein, daß er sich überhaupt vom aktiven Sport zurückziehen will. Oie DolkSturnmeisterschafien des Mittelrheinkreises der OT. Am Sonntag treffen sich in Bad Kreuznach die besten Votksturner des Mittelrheinkreises zu den Volksturnmeisterschaften. Mit 200 Teilnehmern ist die Zahl der Meldungen etwas geringer als im Vorjahr. Der Mangel an Quantität wird aber bestimmt ausgeglichen durch eine Qualitätssteigerung. Auch unser Heimatgau Hessen ist wieder mit guten Kräften am Start. Vorn Mtv. Gießen kommen u. a. die bekannten Turnerinnen Dickelhaupt und Alt Haus. Else Bickelhaupt, die im vorigen 3ahr die beste Turnerin im Hochsprung war, wird möglicherweise auch dieses Jahr wieder eine Kreisbestleistudg zeigen können. Tv. 1860 Bad-Rauheim schickt feinen bekannten 400-Meter-Läufer Kuno May. der zum erstenmal zum 420-Meter-HürLenlaus antreten wird. Auch der bekannte Speerwerfer Wiener (Dad-Rauheim) wird den Gau Hessen voraussichtlich triebet würdig vertreten. Segelflugrekord HirthS. Der Segelflieger Wolf Hirth, der sich am Freitagvormittag um 11.36 Uhr im BreSlauer Flughafen durch eine Schlepprnafchine 700 Meter hochbringen lieh und bann einen Sauetf .'jelflug über Breslau auSführte, ist um 14.42 iigr im Breslauer Flughafen gelandet. Er war also brei Stun- ben unb sechs Minuten in der Luft unb erreichte babei eine Höhe bis zu 1150 Meter. Hirth landete lediglich, weil es ihm oben zu kalt wurde. Dieser Segelflug über Breslau, der übrigens mit derselben Maschine ausgeführt wurde, mit der Hirth über Aeuyork gesegelt ist, stellt einen Rekord im Segelflug übet einer deutschen Großstadt bar. 1. Deutsche Handball-Meisterschaft. Die Deutsche Turnerschaft unb die Deutsche Sport- behörbe für Leichtathletik unb Sommerspiele sind nunmehr übereingekommen, die ersten gemeinsamen Endspiele um die Deutsche Hanbball-Meister- fdjaft am 28. 3uni in Leipzig zur Durchführung zu bringen. Um den höchsten Titel im jungen beut- schen Hanbballsport treten an diesem Tage bei den Männern der DT.-Meister Tv. Krefeld-Oppum von 1855 und der DSB.-Meister Polizei-Sport- Verein Berlin an. Schiedsrichter ist Boer- Halle. Der Endkampf der Frauen führt unter Leitung von Lindner- Leipzig die Mannschaften des Tv. Vorwärts Breslau und des SC. Charlottenburg zusammen. Ruder-Club „Hafsia" in Bad Ems. Der Ruder-Club Hassia wird, wie uns ergän- A?nd mitgeteilt wird, sich an dem Rennen des B-Vierers, des Lahn-Iungmann-Dierers und am Ermunterungs-Vierer beteiligen. Die Rennen werden in der Besetzung W. Müller, L. Dehus, CH. Guttenberger, Gg. Heilmann unb Emil Roll (Steuer) gefahren. Kurze Sportnotizen. Die Rudergesellschaft Trier wurde zu der am 19. und 20. Juli stattfindenden Brüsseler Regatta cingeladen und wird dieser Einladung voraussichtlich Folge leisten. • Rotweiß Frankfurt hat sich aus Anlaß seines ZOiährigen Bestehens als Iubiläumsgegncr den deutschen Meister Hertha BSC. als Gegner verpflichtet. Das Spiel findet im Rahmen der 3u« biläumsfeierlichkeiten am 28. Juni in Frankfurt statt. Die Meisterschaft der Deutschen Meere, die von den beiden Berliner „Friesen" Im Dreistädteachter Berlin-Wien-Budapest werden nach dem Ausschcidungsrennen am Mittwoch die Berliner Interessen vom Berliner Ruderklub vertreten, der in der guten Zeit von 6:20,4 den RC. am Wannsee abfertigte. Der französische Rekordslleaer Pail» l a r b, ein Bruder des französischen Stehermeisters, ist an den Folgen einer Blinddarmoperation im Alter von 35 Jahren verstorben. Paillards Spezialität waren Douerrekorde in geschlossener Bahn. Dom Büchertisch des Sportler. — Rudolf Behsch: ..Gott in ber Lawine". Dcrgver.ag Rother. München. (140) — Einen Skisportroman nennt ber Verfasser fein Werk unb tut eS mit Recht. Der Leser (es sei bemerkt, daß es nicht nur ein Buch für ben Sportler ist) wirb hineingeführt in bic Welt ber ..Zünftigen" unb in bie Welt derer, bic vor zwanzig Jahren ben Brettln zum Siege verholen haben. Cs ist eine rauhe Sprache, bie in diesem Buche gesprochen wird, aber eS ist auch eine herzliche Soroche, die aus ber Wahrhaftigkeit ber Charaktere kommt. Deshalb ist biefer Roman vom ersten bis zum letzten Wort sympathisch. Die Handlung des Romans ist viel- fälttg, sie schildert die Entwicklung des Ski- siports. von der einfachen unb heroischen Form au jener ileberfteigerung ins Rur-Modische, zu Den Auswüchsen unb den damit verbundenen Konflikten, die sich für die alten Skiläufer aus der Betriebsamkeit ber Moderne ergeben. Hineingestellt in bi esc Entwicklung find einige Menschen. deren Geschicke in zwangsläufiger Folge einander verkettet sind, sich teils zur Harmonie unb teils zum Tragischen hin bewegen. Das alles ist gestaltet in flüssiger Form, in feiner Steigerung ber Geschehnisse, und ber Leser wirb in ben Bannkreis biefer Welt hineingerissen unb erlebt im Geiste bie Erhabenheit der Dergwelt. sowie bie Schicksalsverbundenheit ber Menschen des Romans unter sich, in allen Fasern mit. — A. Zeplin: Ratürlich-erzieh- kicher Turnunterricht. (154) — Der Verfasser schuf ein Hilfsbuch, bas auch für ben Richtfachlehrer einen Ratgeber bebeutet, dessen er nicht gerne en trat. Er fuhrt auf ben Wegen der Praxis an die Grundsätze eines neuzeitlichen Turnunterrichts heran unb fordert ein liebevolles Vertiefen in die Eigenarten des Kindes als die Voraussetzung für den Erfolg. ..Richt was wir betreiben, ist wesentlich, sondern wie es geschieht." Diesen Sah betont ber Verfasser unb spricht ba- mit einen ©ebanfen aus, der beftinrmenb fein sollte für ben Aufbau bei jeder Leibesübung. Das kleine Büchlein ist universell. Ein Stoffverteilungsplan, der dem Büchlein angegliebert ist, bebeutet bie Quintessenz des Werkes. Die Vüamine. Don Dr. Karl Silbereisen, Berlin-Steglitz. Bis In den Anfang unseres Jahrhunderts galt die Ansicht, daß für die Ernährung lediglich die vier Slossgruppen Eiweiß, Fett, Kohlehydrate und Mineralsalze von Bedeutung seien. Dann abc/r brach sich die Erkenntnis durch, daß in bc.r gebräuchlichen Rahrungssorm noch andere Stosse vrirhanden sein müssen, bie zur Erhaltung des Lebens notwendig sind, unb bciren Mangel bzw. Fehlen in bar Rahrung zu schweren Schädigungen des Organismus, ja bis zum Tode fuhren können. So war seinerzeit in Japan unter der ausschließlich von ReiS lebenden Bevölkerung eine Krankheit (Beri-Beri) aufgetreten, die in dem Maße zunahm, als mit bc.r Einführung ber Reisschälmaschine ber ungeschälte Reis durch ben schalen'reien. polierten Reis immer mehr verdrängt wurde. Auf diese Weise entdeckte man in bor Reiskleie einen besonders lebensnotwen- bigen Bestandteil bor Rahrung, ber bie genannte Krankheit sowohl zu heilen, als auch zu verhüten vc.rmag. Derartige Stoffe nannte man Vitamine oder Ergänzungsstoffe. Fehl/ bas eine oder andere Vitamine in ber täglichen Rahrung, so treten früher ober später Erkrankungen auf. bie man als Avitaminosen ober Mangelkrankheiten bezeichnet. Man hat bie Vitamine selbst hinsichtlich ihrer Wirkungsweise burch bie Buchstaben A. B, C usw. unterschieden. Leibet der Körper Mangel an Vitamine A, so hat das meist Stillstand des Wachstums, rapide Gewichtsverluste unb Schwäche zur Folge. Charakteristisch ist babei eine Begleiterscheinung, nämlich eine Erkrankung ber Hornhaut des Auges, bie bis zur Erblindung führen kann. Vitamine B ist ebenfalls wachs- tumferbernb, und bei seinem Mangel treten Störungen der Verdauungsfähigkeit, Veränderungen des Rerveysystems unb Lähmungserscheinungen auf. Alle diese Symptome vereint ergeben das Bild ber oben erwähnten Beri-Beri-Krank- heit. Auf Vitamine-C-Mangel ist der Skorbut zurückzuführen, eine sehr schwere Erkrankung, die sich in Müdigkeit, Schlafsucht. Abmagerung. Gelenkschmerzen u. a. äußert. Skorbut tritt Namentlich dann auf. wenn ausschließlich Konscrven- ernährung vorliegt, wie das bei Expeditions- und Schiffsmannschaften und häufig auch bei unserer großstädtischen Bevölkerung ber Fall ist. Auch die so oft beobachtete Frühjahrsmüdigkeit kann hiermit ihre Erklärung finden. Eine ebenfalls große Bedeutung kommt dem Vitamine D, dem antirachitischen Ergänzungsstoff zu. Die Rachitis ober englische Krankheit besteht in einer Erkrankung des Knochensystems, wobei eine Erweichung Der Knochen infolge mangelhafter Ernährung an Kalk unb Phosphor eintritt. Das Vitamine D hat hierbei bie Fähigkeit, bie im Blute vorhandenen Kalk-Phosphor-Salze zum Knochenaufbau richtig zu verwerten. Außer ben genannten kennt man heute bereits noch andere Vitamine, doch läßt sich über sie nach ben bisherigen älntersuchungsergebnissen noch kein abschließendes Bild toiebergeben. Als Ursprung ber Vitaminbildung kann in ben meisten Fällen bie grüne Pflanze gelten: doch ist bai Vorkommen der Vitamine keineswegs auf diese allein beschränkt. Als reich an Vitaminen gelten heute alle grünen Blattgemüse, alle gefärbten Obstsorten, besonders Apfelsinen und Zitronen, sodann Tomaten, Karotten, Erbsen, sowie Lebertran, Hefe, Malzextrakt. Milch. Butter. Eigelb. Brot u. a. m. Reuerdings sind auch die meisten Seefische zu den vitaminreichen Rah- rungsmitteln zu rechnen. Das Verhalten der Vitamine gegenüber höheren Temperaturen, wie dies im Zusammenhang mit ber Rohkostfrage von Interesse ist. kann nicht ohne weiteres bewertet werden. Die einzelnen Vitamine sind verschieden empfindlich gegen Erhitzung. Während die Vitamine A unb D durch Kochen wenig geschädigt werden, sind B und C höchst sensibel. Bezüglich B ist diese Frage für uns belanglos, da die durch sein Fehlen bedingten Krankheitssymptome bei uns sowieso nicht auftreten. Für C (Rachitis) schwankt die Beeinflussung durch Kochen stark nach der Art des Obstes oder Gemüses. Allgemeine Regeln lassen sich darüber nicht auf- stellen. Von großer Bedeutung für die Vitamin- bildung im Pflanzen- und Tierkörper ist ber Einfluß ber Sonn enft taffen, sowie bes künstlichen ultravioletten Lichtes. Das gilt im befonbeten Maße für das antirachitische Vitamin. Man weih heute, baß unsere Haut eine Vorstufe des Vitamins D, ein Provitamin enthält, welches burch Einwirkung von ultraviolettem Licht in eine antirachitisch wirksame Form umgewanbelt wird. Dor einigen Jahren ist es denn auch gelungen, in einem Stoff von bekannter chemischer Zusammensetzung, nämlich dem Ergosterin, ein solches Provitannn zu isolieren, welches burch Bestrahlung antirachitische Eigenschaften erhält. Ein ber- artiges Präparat wirb unter bem (Hamen Vigantol in ben Handel gebracht. So hat man auch bie Tatsache, daß bie Kuhmilch im Winter ärmer an antirachitischem Vitamin ist. bamit zu erklären versucht, bah bie Kühe im Sommer burch ben Weidegang mehr den Sonnenstrahlen ausgesetzt sind, als im Stalle während des Winters. Wenn auch die Versuche, diesem Rachteil durch künstliche Bestrahlung der Kühe abzuhelfen, nicht voll befriedigten, so ist es doch heute gelungen, ohne allzu große Kosten durch direkte Bestrahlung ber Milch selbst ihren Gehalt an Vitamin D erheblich zu erhöhen. Reuerdings bürste vielleicht der billigste Weg zur Rachittsbekämp- fung in einer Fütterung der Kühe mit ultra» v.olettbestrahlter Hefe gefunden fein. Ist doch die bestrahlte Brauereihe'e eine ber vitaminreichsten Substanzen, bie wir kennen. Die Versuche in biefer Richtung bürsten vielleicht von größter Bedeutung für unsere gesamte Tier- emährung, wenn nicht auch für bie menschliche Ernährung werden. Der Wert der Vitamine für unsere Ernährung liegt schon allein barm begründet, bah allen Vorstufen der Mangelkrankheiten gemeinsam ist, die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegen Infektionen jeder Art stark Herabzusehen. So weisen auch bie neuesten Forschungsergebnisse ber Me- bijin darauf hin, daß viele Krankheiten, deren Cn:ftehungsurfache wir heute noch nicht kennen, auf Vitaminmangel zurückzuführen sind. Troy der vorstehenden Ausführungen muß andrerseits energisch Stellung dagegen genommen werden, daß das Wort ..Vitamin" heute in so großem Maße ein Reklameschlagwort aewor- den ist. Vielleicht die meisten im Handel befindlichen, als vi.aminreich angepriesenen Waren enthalten nur daS Anti-'Dcri-Beri-Vitamln, welches in unserer Rahrung ja am allerwenigsten fehlt. Die übermäßige Sucht nach Vitaminen ist eine Zeiterscheinung und in diesem Maße sicherlich nicht angebracht. Bei vernünftiger Lebensweise und gemischter Kost, die srifches Ob ft, Gemü'e und Salate einschlieht, ist auf diesem Gebiet ber Organismus mit dem Rotwenbigen versorgt. Sieben Verletzte bei einem Krastwagenunfatt. F r a n k s u r t a. M., 20. Juni. (TU.) Am Frei- tagabenb fuhr im Stadtteil Sachsenhausen ein mit sieben Personen überlasteter K l e i n t a x i - wagen mit großer Geschwindigkeit gegen einen Daum. Die sechs Fahrgäste unb ber Führer erlitten so schwere Verletzungen, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Während eine Frau und ein Mädchen nach Anlegung von Rotverbänden wieder entlassen werden konnten, liegen die fünf anderen Personen, darunter ein achtjähriger 3unge, mit Schädelbrüchen darnieder. Rach Angabe deS Krankenhausarztes soll der lebensgefährlich verletzte Krastwagenführer Heinrich Steiger- wald angetrunken gewesen fein. Bücheriisch. — Zeittafel ber deutschen Reparationen 1918 bi s 1 930, von Privatdozent Dr. Ernst Meyer, herausgegeben vom Arbeitsausschuß deutscher Verbände, Verlag Palm und Enke in Erlangen. (603) — Das Heft gibt in drei Abschnitten eine ausgezeichnete, kurz gedrängte Uebersicht über die Wandlungen ber Reparationspolitik vom Wilson-Programm über ben Versailler Vertrag unb bas Lonboner Ultimatum bis zum Enbe des Ruhrkampfes, über den Dawesplan zum Voungplarr. bie beide in ihren finanziellen Auswirkungen in Vergleich gesetzt sind. Für eine Beurteilung der deutschen Reparationspolitik ist bas kleine Heft eine sehr brauch-, bare Grunblage. — Prof. Gerlanb, Jena: Die Problematik ber gegentoä rügen Reform l a g e bes Rechts st ubiums an ben deutschen Hochschulen. Verlag von C. L. Hirschfelb, Leipzig. 3.00 Mk. — Der Verfasser sieht ben Grund für bie gegenwärtigen unbefriebigenben Verhältnisse im Rechtsstudium in der durch eine verfehlte Prüfungspolitik bedingten stofflichen Ueberlastung der Studierenden, ferner in ber durchaus verfehlten Schulpolitik ber Gegenwart, welche bie leidige Ueberfüllung der Universitäten mit ungeeignetem Material erst herbei geführt hat. Die kleine Schrift ist ein wertvoller Deittag zur Universitätsfrage überhaupt. — Herrmann, Walter: Spionen- schicksal. Als Geheimagent in Rußland, England, Belgien und Frankreich. 163 S. 8". Geh. 2,50, Ganzleinen 3,50 Mk. August Scherl G m. b. H., Berlin SW. (3) — Herrmanns Erlebnisse lesen sich wie ein spannender Roman, obwohl er tatsächlich Erlebtes schildert. Die Aufgaben, mit denen er als Agent des militärischen Rachrichtendienstes betraut wurde, z. D. die Beschaffung deS russischen Aufmarschplanes, belgischer Geheimdokumente sowie Pläne von englischen unb französischen Befestigungen, brachten ihn in bie gefährlichsten Situationen. Rach großen Erfolgen wurde er auf Betreiben ber ©egen» spionage vor Ausbruch bes Krieges verhaftet und zu 20 Jahren Zwangsarbeit und Verschickung auf bie Teufelsinsel verurteilt. Der abenteuerliche Inhalt macht bas Werk zu einer spannenden Lektüre. — 2ene Wenck: Dollar und Gloria. Die Geschichte eines Ausländsdeutschen. Halle (Saale), Heimat-Verlag GmbH. Geheftet 3,75 Mk. (15) — Diese sich auf Tatsachen stützende Geschichte handelt von dem Deutsch-Amerikaner Augustus Fahrenhoff unb feiner Tochter Athena, bie ihre reichen Mittel für bie deutsche Wissenschaft atS Rotspenden zur Verfügung stellen, hauptsächlich für archäologische Grabungen in Olympia, wofür Schliemanns Enkelin hinreichend zu begeistern weih: daneben werden hochbegabte Intellektuelle in ber Inflationszeit mit Siedlungshäusern beschenkt, um als materiell unabhängige Menschen ben Weg zum geistigen Schaffen, zum Ruhen des Staates wie de-s Vaterlandes finden zu können. Ein Buch von gesunden, arbeitsfreudigen Menschen. das in dieser Zeit der Zersetzung, des Anormalen unb Chaotischen anzieht. (Schluß des redaklionellen Teils.) Das ist „Heufieber"? Mit Eintritt der wärmeren Jahreszeit werden alljährlich nicht wenig Menschen von einem Leiden gequält, das man als „Heuschnupfen" oder „Heufieber" bezeichnet. Der Name „Heuschnupfen" hört sich recht unschuldig an, und oft wird jemand, der angibt, an Heuschnupfen zu leiden, noch belächelt. Dabei handelt es sich aber um eine sehr ernste Krankheit, die dem davon Betroffenen die Blütezeit des Jahres regelmäßig zur Dual macht. Der „Heufieberbund" hat es fick, zum Ziel gesetzt, das Wesen des Heufiebers zu erforschen, das Leiden zu bekämpfen und bedürftigen Heufieberleidenden Unterstützung zukommen zu lassen. Der „Heufieberbund e. V." gibt in diesem Jahr eine Sammelschrift (Jahresbericht) heraus: ebenso auch ein Merkblatt, in bem alles Wissenswerte über das Leiden in gemeinverständlicher Form angegeben ist. Der Verein hat einen großen Mitgliederbestand, darunter zahlreiche heufieberkranke Äerzte. Die Geschäftsstelle des Heufieberbundes e. V. befindet sich in Düsseldorf, Harleß-Straße 9. 4120V rasch und ohne Schmerzen - durch Einreiben mit Sportcreme oderSportoel Mouson beim Ä M ■ Luft- und Sonnenbaden. Das natürliche Bräunen der Haut wird dadurch mächtig geför- vlURI V> ■ n ■ dert - selbst bei bedecktem Himmel. • Auch noch lange Zeit nach erfolgtem Luftbad U W ist das Einreiben zweckmäßigI - Die Bräunung wird nachhaltiger und ausgeglichener. pv | VCU ■ T■ WF ■ M Brandung bestehens Vornan von Käte Lindner. (Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.) 17. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Heute käme ja der Conte zurück. Dann würde sie wohl auch diese Zimmerhaft wieder aufgeben, launenhaft sei die Contessa schon immer gewesen. Man könne vielleicht dann später einmal darüber reden über diese kleinen Toilettengeheimnisse und der Frau Contessa Künste, die Mängel ihrer Figur geschickt zu verdecken. „Ob denn die Demoi- selle Blanche schon lange bei den Herrschaften bedienstet sei?", fragte der Neue zurück. Nein, in London sei sie nicht bei den Herrschaften gewesen, erst kurz vor Antritt der Reise sei sie gemietet worden. Aber sie seien reiche und sehr freigebige Herrschaften. Ob diese Ehe gut sei? Nun ja, was man eben gut nennen könne. Des öfteren gebe es Meinungsverschiedenheiten. Dann zankten sich die Herrschaften in einer fremden Sprache, davon kein Mensch etwas verstehen könne. Aber das könne ihr ja ganz gleich sein, es seien doch eben sehr noble Herrschaften und gut mit ihr. Der Neue hatte plötzlich große Eile, nach unten zu kommen. Er verabschiedete sich tura und verschwand um die Ecke des langen Korridors. Nein, Guilio war doch viel netter gewesen, obwohl er nicht so mit Zehnlirenoten um sich geworfen hatte. Lange nicht so neugierig war er gewesen, und viel bessere Manieren hatte er gehabt. Schade, man sah sich fast nie mehr, hier in. diesem großen Hause begegnet man sich so selten. Drunten in bem kleinen Privatbureau saß der neue Hausdiener dem Direktor gegenüber, hatte eine Zigarette zwischen den Zähnen und starrte angelegentlich an die Zimmerdecke. Gespannt sah der Direktor zu ihm hinüber. Als aber noch immer keine Antwort kam auf .die Frage, die er vorhin gestellt hatte, fragte er noch einmal: „Sie haben einen ganz bestimmten Verdacht, Signore Boni? Ich möchte Wohl wissen, ob er sich mit meinem eigenen deckt, der sich immer mehr befestigt in meiner Lleberzeugmrg. Aber wenn Sie weiter stillschweigen... Statt einer Antwort sagte der Detektiv: „Ich bekam vor einer halben Stunde ein Telegramm, daß die Perlen Miß Galvestones bei einem Händler in Venedig heute morgen aufgefunden worden sind. Der Händler ist festgenommen worden, seine Aussagen sind ungewiß, befestigen aber den Verdacht, den ich seit gestern habe. Wissen Sie, wann Conte Semjonow seine Rückkehr in Aussicht genommen hat? Sagte er irgend etwas, wohin diese plötzliche Abreise ging?" Befremdet hob der Direktor den Kopf. „Conte Semjonow?" sagte er erstaunt. „Nein, es handelte sich Wohl nur um einen mehrtägigen Ausflug, den er unternehmen wollte, die Contessa erwartet ihn übrigens heute zurück. Aber wie kommen Sie auf diesen Gast, Signore Boni? Haben Sie nach dieser Richtung hin Verdacht? Der meine geht ganz andere Wege." Mit unerschütterlicher Ruhe blies Signore Dom kunstvolle Rauchringe gegen die Zimmerdecke. „Es würde mir interesiant sein, wenn Sie sich darüber näher ausdrücken wollten, Herr Direktor. Mein Aufenthalt hier ist von zu kurzer Dauer, als daß ich schon weit vorgeschritten sein könnte in meinen Erkundungen. Also schießen Sie los." Da neigte sich der andere vor und sagte im Flüsterton: „Linser russischer Eintänzer zeigt seit einiger Zeit ein dermaßen auffallendes Wesen, daß er entweder geistesgestört sein muh oder sonst irgend etwas auf dem Kerbholz hat. Er war ja immer ein absonderlich zerfahrener und düsterer Mensch, aber gerade dadurch war er eine überraschend vorteilhafte Aquisition für unser Haus. Die Domen sind sämtlich vernarrt in diesen russischen Melancholiker. Miß Galvestone tragt sich anscheinend ganz öffentlich mit der Absicht, ihn mit ihrer Hand zu beglücken. Lind nun auf einmal diese ganz offenkundige Veränderung in seinem Wesen. Mein Verdacht richtete sich deshalb sofort auf ihn, als nun auch noch Miß Galvestones Perlen aus dem Zimmer heraus entwendet wurden. Welches Glück übrigens, daß sie gefunden worden sind. Der Ruf, die Ehre unseres Hauses." Signore Boni stand auf, griff nach seiner Dedienstetenmühe. „Ich erwarte dringende Nachrichten aus London, Herr Direktor. Lassen Sie sofort im Hause suchen nach mir, sobald die Depeschen eingegangen sind. Es eilt. Lind sobald Conte Semjonow zurück ist von seinem Ausflug... bitte mich sogleich zu benachrichtigen. Wenn .... wenn dieser Herr zurückkehrt, was ich stark bezweifle." Mit beiden Händen griff sich der Direktor nach dem Kopf. „Er hat eine respektable Rechnung auflaufen lassen, Signore Boni. Es wird dies hoffentlich Ihr Ernst nicht sein. Liebrigens... seine Gemahlin kehrte allein zurück, wäre Ihr Verdacht begründet, dann..." „Dieser Llmstand eben macht mir Hoffnung, Herr Direktor, daß er sich sicher fühlt. Mein Augenmerk richtete sich sofort auf diese russischen Herrschaften, als ich meine Tätigkeit hier begann. Leider erst dann, als sie am ersten Tag meiner Anwesenheit eben diesen geheimnisvollen Ausflug schon angetreten hatten. Bei der Rückkehr der Frau Contessa fiel mir mancherlei auf. Aber nun haben Sie mich ja auf eine andere Fährte gebracht. Auch diesem Weg muß ich nun folgen. Wenn der Conte also zurückkehrt, wenn..." Er zuckte die Achseln. „Ich beschlagnahmte sofort heimlich alle Briefe der Frau, die sie nach ihrer Rückkehr ihrer Kammerjungfer zur Besorgung übergab... alle sind in Geheimschrift abgefaht, das bestärkte meinen Verdacht. Wenn diese Dame also den Gemahl nicht auf einem anderen Weg hat warnen können, was ebenfalls möglich wäre, dann müßte er, da er sich sicher fühlt, also heute zurückkommen... Wo befindet sich das Zimmer Ihres Eintänzers? Lind wann beginnt die Tätigkeit des Herrn Petrowitsch? Ich teile Ihre Ver- rnutungen durchaus nicht, Herr Direktor, bin aber dankbar für jeden Fingerzeig. Miß Galvestone zeichnet den Russen nach jeder Richtung hin aus. Wahnsinn wäre es doch, wenn er diese Perlen.. .“ „Ja, Wahnsinn... könnte er nicht für ein Irrenhaus überhaupt reif sein? Gestern, als ich ihn hierher in mein Zimmer rufen ließ, weil ich etwas zu besprechen hatte mit ihm... was meinen Sie wohl, was er für Antworten gab. Lind seine Augen waren so finster und ganz geistesabwesend sah er mich an, daß mich ein Grausen ankam. Lind dann fing er an, irgend eine sinnlose Geschichte aufzutischen, in den Kasematten Moskaus habe man ihm seine Papiere gestohlen, er sei nicht Kyrill Petrowitsch, er fei Graf... Da schrillte hier das Telephon, und ich konnte ihn zu meinem Glück stehen lassen, der Mensch war mir so unheimlich. Aber sofort kam inir der Verdacht, daß er der Dieb sein könnte." Lingläubig schüttelte der andere den Kopf. Dann machte er eine kurze Verbeugung und ging hinaus. Auf dem Korridor des ersten Stockwerkes begegnete ihm Blanche, das Kammermädchen. Sie trug einen Brief in der Hand und hatte sicherlich Eile. Sofort war er an ihrer Seite und griff nach dem Briefe. „Geben Sie her, Demoiselle, eben bin ich im Begriff, nach der Post zu gehen und könnte Ihnen den Weg abnehmen." Sie schüttelte den Kopf und hielt den Brief fest. „Die Frau Con^ssa hat mir sofortige Besorgung anbefohlen." Seine scharfen Augen hatten trotz des Zwielichtes auf dem Korridor die Adresfe überflogen. Der Brief trug eine Aufschrift in russischer Sprache und war nach Paris gerichtet. Blanche setzte ihren Weg ungehindert fort. Aber zehn Minuten später stand ein Herr im grauen Anzug am Postschalter, zeigte einen Ausweis vor und forderte sofortige Leerung des Postkastens. — Es war um die sechste Nachmittagsstunde, als derselbe Herr, diesmal im eleganten Gesellschaftsanzug, den Teeraum betrat und dann unauffällig in der Nähe von Miß Galvestone sich niederließ. Sie sah mit Petrowitsch in angeregter Linier- Haltung, es waren heute wenige Damen nur anwesend, so hatte sie sogleich bei seinem Eintritt Petrowitsch mit Beschlag belegt. Natürlich war von dem Diebstahl die Rede, dem Herrn am Nebentisch entging kein Wort der Llnterhaltung. „Zum Glück hatte ich meinen Schmuck bei Antritt meiner Reise in Amerika versichert", sagte Miß Galvestone soeben und rührte aufgeregt in ihrer Leetasse. „Ich werde also keinen Verlust erleiden, obwohl diese Perlen ein Erbteil meiner Mutter waren und einen hohen Wert haben. Ich beklage den Verlust, aber...“ sie lächelte in das bleiche Gesicht ihres Partners hinein, „wir Arne-- rikaner sind zu praktisch, um uns nicht nach jeder Möglichkeit hin vor pekuniären Verlusten zu schützen. Lind so wird eben die Versicherung der Leidtragende sein, nicht ich." Der Tänzer nickte. „Es ist ein Glück für Sie. daß Sie diese Versicherung abgeschlossen, Miladh", sagte er artig. „Freilich, da die Perlen ein An- dcnken waren, müssen Sie den Verlust doch beklagen. Meine Frau besaß übrigens eine Schnur von bläulich angehauchten Perlen, die eine große Seltenheit waren, ihr Herz hing sehr an diesem Schmuckstück, sie trug die Perlen mit Vorliebe." „Ihre... Frau? Warum kamen Sie dann allein hierher, Signore Petrowitsch, wenn Sie verheiratet sind? Wo ist Ihre Frau?" Miß Galvestone war sehr bleich geworden bei dieser Frage, zornig nagte sie an ihrer Llnterlippe. „Sie ist tot... sagte er nach einer Weile. „Begraben, verweht ihre Spur. Verloren, wie alles, was ich einmal besessen habe. Was ist der Verlust Ihrer Perlen gegen alles das, was ich verlieren muhte, Miß Galvestone. Nichts, nichts. Nur ich allein bin übrig geblieben, ein Wrack, ein Mensch, der oft fürchtet, seinen Verstand zu verlieren. Alles, was ich anfasse, gelingt mir nicht, alles fasse ich verkehrt an. Lind doch habe ich noch nicht den Mut gefunden, diesem elenden Leben ein Ende zu machen." Sie griff über den Tisch herüber beschwörend nach seiner Hand. „Wenn Sie sich doch nur ein einziges Mal aussprechen wollten, vielleicht könnte man Ihnen dann helfen, Signore Petrowitsch. Auf diese Weise müssen Sie Schiffbruch am Leben leiden." Er nickte. Schon öffnete er die Lippen, bat klang eine schüchterne Stimme neben ihm: „Laby Dalymore wünschen zu tanzen, Signor, Petrowitsch." Wütend stand Miß Galvestone auf und ging hinaus in den Palmengarten. So sah sie nicht, wie nach Beendigung des Tanzes der Herr vom Nebentisch auf Petrowitsch zutrat, ihm einen Ausweis vor die Augen hielt und ihn aufforderte, ihm unauffällig in das Bureau des Direktors zu folgern (Fortsetzung folgt.) Zu HaustrinkkurenHarnieiden bei Gicht. Frauenleiden, Magenleiden usw. Arterienverkalkung, . da8 Fachinger Kalk Grau- und Weiß-Stück von bester Qualität und größter Ergiebigkeit zu billigstem Preis C.Rübsamen, Gießen 2019 D Fernsprecher 3659 Bekanntmachung. Betr.: Vermietung der Marktlauben-Ver- kaufsstände auf dem Wochenmarkt. Die Marktlauben-Verkaufsstünde auf dem Wochenmarkt sollen für die Zeit vom 1. Juli 1931 bis 30. Juni 1932 an Ort und Stelle neu vermietet werden. Die Vermietung findet durch Versteigerung statt, und zwar am Samstag, dem 27. Juni 1931, vormittags 11 Uhr, im Hofe des Turmhauses am Brand, an den Meistbietenden. Die Bedingungen können vorher bei dem Marktmeister und bei der Markt-Standgeld-Erhebestelle eingesehen werden. 4007C Gießen, den 20. Juni 1931. Der Oberbürgermeister. I. V.: Or. Seid. Bekanntmachung. Nachdem der Bezirksausschuß die Satzungen für die Begründung der Fortbil- dungsschulpflicht (Berufsschulpflicht) in den Aemtern Ätzbach und Launsbach vom 10. bzw. 11. Februar d. I. genehmigt und der Kreistag in seiner Sitzung vom 21. Mai d. I. die an die Genehmigung der Satzungen geknüpfte Maßgabe erfüllt hat, werden die Satzungen vom 25. b. 2U. ab 14 Tage lang in den amtlichen Bekanntmachungskasten der Amtsgemeinden und am Schwarzen Brett im Amtshause ausgehängt. Ich mache hierauf die Bevölkerung aufmerksam. Krofdorf, den 18. Juni 1931. 4132D Der Bürgermeister des Amtes Atzbach und Launsbach. __________Brockmeier._________ Mahnung. Die für den Monat Mai 1931 rückständigen Kranken- und Arbeitslosenoersicherungsbeiträge können noch bis zum 27. Juni 1931 ohne Kosten bezahlt werden. Nach diesem Termin erfolgt Zwangs- beitreibung. 4128D Gießen, den 20. Juni 1931. Allgem. Ortskrankenkasse des Landkreises ________________Gießen.________________ Bullenverkauf. Die Gemeinde Allendorf an der Lahn beabsichtigt einen zum Dienst untauglichen Vogelsberger Bullen auf dem Wege der Submission zu vergeben. Angebote müssen schriftlich pro Zentner Lebendgewicht bis zum Dienstag, dem 23. Juni 1931, vormit- tags 11 Uhr, auf der Bürgermeisterei ein» gereicht sein, wo auch die Bedingungen bekanntgegeben werden. Die Deffnung der Angebote erfolgt sofort. 4125D Allendorf a. o. Lahn den 19. Juni 1931. Hess. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lahn. Volk. Dezml- und Talelrap billig zu verkaufen. Reparaturwerkstatt« Karl Schmidt Löberfirahe 19. 03ai8 Wanzen Kllchenkäf^ Ameisen, Motten sowie jedes Ungeziefer vertilgt gewissenhaft und diskret unt. schrtftlicher Garantie. Bet Wanzen sachgemäße Vergasung. Zimmer von Mk.7- an. Behördl. Dankschreiben. 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Januar 1930 kann jedermann eine Bausparkasse gründen, ohne gesetzlich an )die ^Erfüllung-sachlicher ober. persönlicher .Voraussetzungen) gebunden^zu sein. Infolge dieses gesetzlosen Zustandes wütet seit 1930 in Deutsch, land eine Gründungsseuche in Bausparkassen. Die unheilvollen Folgen dieser-Seuche finden ihren erschreckenden Ausdruck in der Betrachtung, des Vorsitzenden-.des Wohnungsausschusses »im . Preußischen Landtag: Don den ihm bekannten 210 Bausparkassen halte er 180 für betrügerisch ober dilletantenhaft; höchstens 10, wahrscheinlich noch nicht 6, feien so, baß man sie als seriös unb empsehlenswerr bezeichnen; könne l! Leute ohne jedes Vermögen, Leute, bie ben Offenbarungseid geleistet haben, ober gegen bie Haftbefehl erlassen ist, können heute Bausparkassen grünben unb haben Bausparkaffen gegründet. Leute, bie nichts zu verlieren haben, selbst Vorbestraste, heischen Vertrauen für bie Verwaltung frcmber Spargroschen. Die Werbung solcher Kaffen verspricht das Blaue vom Himmel herunter. Erst im Oktober 1931 tritt das Dausparkaffengesetz in Kraft. 3eber prüfe baher, wann bie Bausparkasse gegründet würbe, beurteile sie nach ihren Leistungen unb nach ber Sicherheit ber ihr anoertrauten Spargelber unb prüfe auch, ob sie nicht, wenn sie ^zinsloses Gelb" verspricht, in'Wirklichkeit bas Mehrfache erlaubter Zinsen in ihren Geschäftsbebingungen versteckt ben Bausparern abnimmt. Jeder hüte sich vor einer Kaffe, deren Werber die Zuteilung der Bausparsurnrne nach 3 ober 6 Monaten ober selbst einem Jahr Spartätigkeit bestimmt „versprechen". Keine gut ausgebaute Bausparkasse macht berartige Versprechungen. Keine kann sie hatten. Als die älteste, weitaus größte und bedeutendste Dausparkaffe mit ben weitgehenbsten Erfahrungen haben wir immer unb immer bas Bausparkassengesetz verlangt unb enblich erreicht. Solange es sich nicht ausgewirkt hat, warnen wir jedermann vor den geschilderten Gefahren. Bausparkasse Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot. Gern. G. m. b. tz.. Ludwigsburg/Württ. Wdjäftsflelle: Sronffurt a.ffl., 8olferltta6e 2. lei. Ma 27871 AuslmiMelle ®ie6en: jng.Stj. ML lleuflaöt 32. Sernfor. 4330 11 f MEMM« von 35 RM. an bis zu 8 Liter Hubleist.sertigt anu.liefertm. lijiil 5 Jahren Garant, u. 14 Tagen || H 3 Probezeit 27280 MM ^avl Gevmev iislmwx Heuchelheim bei Gießen. Preislrste und Zeugnisse grattS und franko. Alle ins Pumpenlach einschl. Reparaturen unter billigster Berechnung. Bürsten / Besen / Türvorlagen Ausklopfer / Scheuertücher Fensterleder / Wäscheleinen empfiehlt billigst 03592 sowie Reparaturen an Bobnern. wie Einzieben von Borsten usw. führt sachgemäß aus IVtth. LeiOtweis Bürstenmachermeister, Sonnenstr. 18. Haben Sie eine alte Sprungfedermatratze? Dann lassen Sie dieselbe von mir zu einer modernen Kautsch umbauen. Modelle und Stoffe in reicherWahl vorhanden. 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