Nr. M Erstes Blatt 18t. Jahrgang Mittwoch, 20. Mai 1931 Lrsch eint lügt,ch,außer Sonntags and Feiertag» Beilagen: Die Illustriert« Bietzen«! FamilienblLtta Hermal im Bild Die Scholle Monalr-Vezugsprets. 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüsse anterSammelnummer225L Anschrift für Drahtnach» richten. Snjeiger Siehe». poSscheckfonto: Sranffnrtam Main 11686. Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn«r und Verlag: vrühl'sche Uittverfilätr-Vuch. und SteindruSeret L Lange ht Sietzen. Schnftlettung und Geschäftsstelle: Zchulsttatze r. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher, preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re» klameanzcigen von 70 mne Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20*/„ mehr. Chefredakteur. Dr. Friedt. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Der Stapellauf des Panzerkreuzers „Deutschland". 3m Kriegshasen Kiel. Die Flotte schmückt sich zum Ltapcllauf. Kie-l, 19. Mai. Die alte Marinestadt Kiel steht im Zeichen des Panzerschiffes A. Seit Wochen bildet es in allen Kreisen das Hauptgesprächsthema. Seit Tagen zieht es auf der gegenüberliegenden Wasser-Allee unwiderstehlich die Blicke aller aus sich, seit Stunden sind Zehntausende aus den Deinen, um Zeuge zu sein, wenn das Schiss seinem Clement übergeben wird. Denn nach jahrelanger Dorarbeit ist es nun soweit: Das erste deutsche Panzerschiff nach dem Kriege wird heute vom Stapel gelassen. Eine besondere Weihe wird dieser historische Augenblick durch die Gegnwart des Reichspräsidenten v. Hindenburg erhalten, der gekommen ist, um persönlich die Taufe dieses Meisterwerks deutscher Schiffsbaukunst vorzunehmen. Die Einheiten der deutschen Flotte, soweit sie nicht auf Auslandsreise begriffen, sind im Hafen versammelt. Zn einer Reihe liegen die wuchtigen Linienschiffe neben den schlanken Kreuzern an den Dosen inmitten der Förde, flankiert von dem graziösen Segelschul- schiff „Riobe" und den Schulschiffen „Deutschland" und „Elisabeth" des Deutschen Schulschiffvereins. Seit den Morgenstunden haben die Schiffe Flag- g e n - D a l a angelegt. Auch die öffentlichen Gebäude und viele Privathäuser der Stadt, durch deren Straßen eine festlich gestimmte Menge wogt, tragen reichen Flaggenschmuck. Schon in den frühen Morgenstunden beginnt der Anmarsch der S ch a u l u st i g e n zum S t a p el- lau f p l a h in den Deutschen Werken. 56 000 Karten sind von der Werft und der Marine aus- gegeben worden. Lieber 1500 Kraftwagen müssen auf kleinem Raume untergebracht werden — für die Polizei eine schwere Aufgabe, die aber dank einer gut funktionierenden Organisation ohne Reibung bewältigt wird. Auf der Werst. 25 000 Schaulustige füllen die Tribünen. Schon bald, nachdem die Werft um 9.30 Llhr ihre Tore geöffnet hatte, begannen sich die zu beiden Seiten des Schiffes befindlichen, etwa 25 000 Personen fassenden Publikumsplähe zu füllen. Später trafen die Krieger- und Militärvereine mit ihren Fahnen, die studentischen Korporationen in Wichs und etwa 1 0 0 00 Schulkinder ein, denen besondere Plätze zugewiesen wurden. Auch das Reichsbanner und der Stahlhelm sind mit größeren Formationen vertreten. Besondere Plätze hat das Marineoffizierskorps mit seinen Damen inne. Auf der Tribüne der Ehrengäste sieht man den Reichsminister Trevira- n u s, Staatssekretär Dr. P ü n d e r, Mitglieder des R e i ch s r a t s und des Reichstags, die Befehlshaber der Wehrkreise 1 und II, die Generalleutnants v. Blomberg und S ch n i e - w i n d t, von der alten Marine die Admiräle Bachmann, Schmidt, v. Krosigk, Meurer und Bartels. Bor der Damentribüne nimmt eine Ehrenkompanie Ausstellung. Mehrere tausend Werft- und Marineangehörige vervollständigen den Kreis der Zuschauer. Auch der Hafen ist dicht besät mit Schiffen aller Größen, und auf dem gegenüberliegenden Förde-Llfer drängt sich Kopf an Kopf. Der Täufling selbst, der bereits das graue Kleid seiner Artgenossen trägt, glänzt im Schmuck grünen Laubgewindes und zahlloser Flaggen. Der langgestreckte, nicht sehr hohe Dau bietet mit seinen eigenartigen Konturen einen unvergeßlichen Anblick. Roch trägt der Reubau keinen R a m e n, da dieser nach der Tradition der Kriegsmarine erst bei der Taufe bekanntgegeben wird. Ohne jede Stühe ruht der Körper des Schiffes jetzt allein auf der schrägen Gleitbahn, gehalten nur von einigen Bremsklötzen, ungeduldig die erste Fahrt anzutreten. 0er Reichspräsident trifft in Kiel ein. Die Marine begrüßt ihren obersten Kriegsherrn. Reichspräsident v. Hindenburg traf mit dem fahrplanmäßigen Zuge aus Hamburg auf dem Kieler Hauptbahnhos ein. empfangen auf dem Bahnsteig vom Chef der Marinestativn der Ostsee. Bizeadmiral Hansen. Mit dem Einlaufen des Zuges setzte der an der Scharnhorst- Brücke in der Wik liegende Kreuzer „König s b e r g“, auf dem Hindenburg während seines Kieler Aufenthaltes Wohnung nehmen wird, di« Standarte des Reichspräsidenten. die von allen im Hafen liegenden Kriegsschiffen und der Salutbatterie Friedrichs- ort mit 21 Schuh salutiert wurde. Dom Zubel der in der Bahnhofshalle Dersammelten begleitet, begab sich der Reichspräsident in den Empfangsraum des Bahnhofs, wo ihn die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden Kiels erwarteten. Der Reichspräsident verweilte dort kurze Zeit, um dann in Begleitung des Stationschefs im Automobil, gefolgt von den Herren seiner Llmgebung, die Fahrt nach den Deutschen Werken anzutreten. Dor dem Hauptbahnhos und in den Straßen, die die Fahrt berührte, bildeten. Schulkinder und «ine dichte Menschenmauer Spalier. Auf der ganzen Fahrt wurde der Reichspräsident mit jubelnden Hochrufen begrüßt. 0er Giapellauf. Bei dem schönen Sonnenwetter war die Zahl der Zuschauer inzwischen immer mehr angewachsen. Äeber der bunten froh bewegten Menge frei» fen Flugzeuge. Um 11.40 Uhr verkündeten Hochrufe vor den Werfttoren die Ankunft des Reichspräsidenten. Rach Begrüßung durch den Reichskanzler, den Reichswehrminister Dr. Groener und den Chef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Daeder, die schon früher in Kiel eingetroffen waren, nahm der Herr Reichspräsident die Meldung des Flottenchefs, Vizeadmirals Oldelop. entgegen, um sich Lautsprecher auf den ganzen Platz und das gegenüberliegende Förde-Ufer und durch den Rundfunk auf Deutschland und Oesterreich übertragen wurde. Er führte u. a. aus: Ein stolzes Werk wird heute seiner Vollendung entgegengeführt. Heiße Kämpfe haben sie lange gefährdet. Um so mehr ist es in dieser feierlichen Stunde für uns ein Gebot, zu bekennen, was uns der Dau dieses stolzen Schiffes bedeutet und aus welcher Gefinnung es geschaffen wurde. Durch diese Feier zeigt das deutsche Volk in aller Offenheit der Welt, daß es auch unter den ihm auferleglen Beschränkungen und auch in allergrößter wirtschaftlicher Rot die Kraft findet, den Frieden zu sichern und feine Ehre zu wahren. Was unsere stolze Flotte einst bedeutet hat, als «in reiches, freies Volk sie sich geschaffen, ist unvergessen. Heute sind wir arm. aber wir wissen, daß gleiche Pflichttreue und Tapferkeit und gleicher Erfindungsgeist auch heute noch im Rahmen der Verträge, die wir loyal erfüllen, uns mit den geringen Mitteln eines verarmten Volkes unsere Flotte z u höch st « n Leistungen befähigen. Trotz aller Rot und Entbehrungen wird das deutsche Volk jedes Opfer für seine Ehre wie für die Idee einer Gerechtigkeit für alle Völker der Welt bringen. Deutschland kann mit großem Recht und mit tiefem Ernst von sich sagen, daß es in der gewissenhaften Erfüllung seiner Ab- rüstungsoerpslichtungen nichts von dem versäumt hat, was ihm die Verträge auserlegten. Daß wir aber bemüht sind, unserem Volke das geringe Maß von Sicherheitzu verbürgen, das uns die Verträge zugebilligt haben, ist selbstverständlich. Auch das liegt im Interesse Europas und der Welt. Richt dadurch dient man dem Frieden, daß man Völker zweierlei Rechts und zweierlei Sicherheit schafft. Rur eine Gemeinschaft freier, gleichberechtigter Völker, ihre Zufriedenheit, ihr eigenes verant- Nach dem Stapsllauf fand im Werkskasino ein Essen statt, an dem Reichspräsident v. Hindenburg mit den Herren seiner Begleitung teilnahm. Im Verlaufe des Essens hielt der Reichswehrminister eine Rede, in der er zunächst b?r Schiffe der Reichsmarine gedachte, die in früheren Jahren den Namen „Deutschland" getragen haben. Der Minister fuhr u. a. fort: Ein arbeitsames, tapferes, bis aufs Letzte ausgeplündertes Volk kämpft einen übermenschlichen heroischen Kampf um seine Ehre, feine Freiheit und seinen wirtschaftlichen Wiederaufstieg. Diese junge „Deutschland", die jetzt auf dem Meere schwimmt, bedeutet für die Deutschen aller Gaue, aller Parteien, aller Richtungen und Fraktionen: „Kämpft diesen Kampf um Deutschlands Zukunft!" Nicht etwa mit Kanonen, über die wir nicht verfügen, wohl aber mit aller Kraft des Geistes und des Charakters. Um diesen höchsten Lebenswillen der deutschen Nation Ausdruck zu geben, sind die beiden Persönlichkeiten, die an erster Stelle Führer des deutschen Volkes sind, nach Kiel gereist, unser all- verehrter Herr Reichspräsident und der Reichskanzler Dr. Brüning. Ihnen dankt die deutsche Reichsmarine, daß sie sich eingesetzt haben für den Wiederaufbau der deutschen Flotte. Und es soll dem Herrn Reichskanzler von der Marine nicht vergessen sein, wie er sich eingesetzt hat für die Lebensnotwendigkeiten unserer kleinen aber tüchtigen Flotte. Wenn nun das Schiff über kurz oder lang hinausfährt, so Jagt sein Name den Deutschen im Auslande, unseren Pionieren in fremden Ländern: „Wir denken an euch, wir richten uns auf an euerer Arbeit, und ihr sollt von diesem Schiff und diesem Namen neue Stärke gewin-. sodann den Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Deutschen Werke, Staatssekretär a. D. Dr. Fischer, und die Direktoren des Werkes, Serno und Löf- lund, vorstellen zu lassen. Runmehr begab sich der Reichspräsident zu Fuß nach dem Stapel - lauf platz. Eine Woge der Begeisterung brandete ihm entgegen, während auf der Taufkanzel die Präsidentenstandarte emporstieg. An den Abordnungen der Kriegervereine und Studentenverbände vorbei, deren Fahnen sich zum Gruße neigten, schritt der Reichspräsident unter den Klängen des Deutschlandliedes die von der Marineschule Friedrichsort gestellte Ehrenkompanie ab, um sich dann unverzüglich auf die mit der Rational- und Reichskriegsslagge geschmückte Tauf- kanzel zu begeben. Dann nahm die eigentliche Feier ihren Anfang. wortungsgefühl und ihre freiwillige Unterordnung unter den Gedanken friedlichen Ausgleiches können eine sichere Bürgschaft für den Welt- frieden sein. Zn dieser feierlichen Stunde strecken wir in tiefster Wahrhaftigkeit jenen die Hand entgegen, di« uns gleiches Recht zugestehen wollen, wie sich selbst. Wie leicht kann vergessen werden, wenn uns die anderen gleicheDaterlands- liebe und gleichen nationalen Stolz zubilligen, wie sie dies« für sich und ihr eigenes Land in Anspruch nehmen. Für solche Gesinnung möge das stolze Schiff, das jetzt von der Hand des Herrn Reichspräsidenten feine Weihe empfangen wird, Sinnbild und Bürgschaft werden. 0ie Taufe. „Du sollst Deutschland heißen". Während der Reichskanzler seine Rede beendete, setzte sich das Schiff bereits in Bewegung und glitt erst langsam, dann immer schneller ins Wasser unter Hurra- und Hochrufen und dem Zubel der Massen. Der eigentliche Stapellauf ging damit etwas vorzeitig, aber glücklich von* statten. Dann trat wieder Stille ein, als Reichspräsident v. Hindenburg mit folgenden Worten den Taufakt vollzog: „Und nun gleite in dein Element und zieh« hinaus auf das weite Meer! Tue dort deine Pflicht und Schuldigkeit, fei es um Zeugnis abzulegen von deutscher Arbeit und deutschem Können, fei es zum Schuhe des vaterlandesk halte deine Flagge stets rein und hoch in Ehren! Dann wirst du deines Ramens immer würdig fein, den ich dir gebe: Du sollst .Deutschland' heißen." Den Worten des Herrn Reichspräsidenten folgten erneute Zubelrufe, die nicht enden wollten. Dann klang das Deutschlandlied auf. Die Ehrenkompanie präsentierte. Während die „Deutschland" an den Baukai der Werft bugsiert wurde, verließ der Reichspräsident die Kanzel und nahm den Vorbeimarsch der Ehrenkompanie ab. nen für eure Arbeit zum Wohle unseres Heimatlandes. Der Reichswehrminister schloß mit einem dreifachen Hurra auf den Reichspräsidenten. Reichspräsident o.Hindenbura erwiderte: „Lassen Sie uns in Einigkeit Zusammenhalten. Uebcr den Parteien steht das Vaterland, das dürfen wir nie vergessen!" Nachtübungen der Flotte. Ter Reichspräsident an Bord des Kreuzers „Königsberg". Rach Beendigung des Zmbisses im Kasino der Deutschen Werke begab sich der Reichspräsident an Bord des Kreuzers „Königsberg", wo er für die Dauer seines Kieler Aufenthaltes Wohnung genommen hat. Wiederum wurden dem Reichspräsidenten auf der Fahri von der Spalier bildenden Schuljugend und einer begeisterten Menge lebhaft« Ovationen dargebracht. Rach kurzer Ruhe stattete der Reichspräsident dem Chef der Marinestation der Ostsee, Vizeadmiral H a n- fen, in der neuen Seeburg einen Besuch ab, um anschließend an der Eröffnung eines WohltätigkeitsfestesdesKreiskrie- gerverbandes Kiel in der Waldwies« teilzunehmen. Auch hier war der Reichspräsident Gegenstand begeisterter Huldigungen. Gegen 19 Tlhr kehrte der Reichspräsident zur „Königsberg" zurück, die kurz darauf den Kieler Hafen verlieh. Der Kreuzer „Köln", der ebenfalls aus dem Hofen ausllef, veranstaltete auf der Höhe von Schleimünde Rachtschießübungen, die der Reichspräsident, in dessen Begleitung sich Reichswehrminister Groener, der Chef der Marinelei- tung Dr. h. c. Raeder und der Flottenchef Vizeadmiral Oldekop befanden, von Bord der „Königsberg" aus verfolgte. Dann führte die zweite Torpedobootsslotille Angriffe auf die Kreuzer „Köln" und „Königsberg" aus. Rach Beendigung der Hebungen ging die „Königsberg" gegen Mitternacht in der Strander Bucht vor Anker. Am Mittwoch wird nördlich vom Stoller Grund eine Flvttenpar ade vor dem Reichspräsidenten stattfinden. 0er Gang zum Haag. Die Genfer Verhandlungen über die Zollunion haben mit einem Kompromiß gendet. Darauf waren wir von Anfang an eingestellt. Aber die Formen, unter denen dieses Kompromiß zu- ftanbegetommen ist, sind doch für die Machtvertei- lung im Rat außerordentlich kennzeichnend. Herr Henderson hat sich kaum die Mühe gegeben, den Oesterreichern gegenüber die üblichen äploma- tischen Rücksichten zu nehmen. Er ist mit Herrn Schober umgefprungen wie ein Lehrer mit einem störrischen Schüler, hot sich schließlich sogar zum Wortführer der französischen Erpressertaktik gemacht und fo die Zusage erlangt, daß b i e Verhand - lungen zwischen Berlin und Wien bis zum Spruch bes Haager Schiebsgerichts still- gelegt werben würben. Das ist ein sehr weitgehenbes Entgegenkommen; auf welche Grünbe es zurückzuführen ist, vielleicht barauf, baß Herr Schober bie Nuancen ber englischen Sprache nicht hinreichend beherrscht unb dadurch überrumpelt worden ist, mag im Augenblick dahingestellt bleiben. Jedenfalls müssen die Dispositionen, die bisher in Wien und Berlin bestanden, geändert werden. Es kann nicht davon die Rede sein, wie ursprünglich in Aussicht genommen war, daß im Juni bie beiden Delegationen s i ch treffen und den eigentlichen Vertrag s t e x t festzustellen suchen. Auch die Franzosen sind ja im Klaren darüber, daß selbst mit dieser Formulierung praktisch nicht viel gewonnen ist. Man wird eben inoffiziell weiter verhandeln, wenn es offiziell nicht möglich ist, entweder durch Mittelsmänner oder auch in Privat- besprechungen. Aber die Linie, die bisher von uns verfolgt wurde, hat dadurch doch einen Knax er- hallen, es kommt eine gewisse Unehrlichkeit in das ganze Thema hinein, die sehr leicht zu diplomatischen Weiterungen führen kann, sobald es den Engländern oder Franzosen paßt, an der Tatsache solcher Ge- heimkonventikel Anstoß zu nehmen. Wir haben zwar den Trost, daß dieser Umweg natürlich zumZieleführen kann, sogar so weit, daß alles ins Reine gebracht wird und bann, wenn der Spruch des Haager Gerichtes oorliegt, nur noch die Unterschriften der Delegierten unter das Schriftstück gefetzt zu werden brauchen; nur daß eben nie- mand weiß, wie weit die Dinge allgemein-politisch gesehen, bis zum Herbst gediehen sind, denn für die Franzosen ist die Ausrüstung des Haager Schiedsgerichts nur ein Mittel, um eine vorläufige Vertagung zu erzwingen und inzwischen den Widerstand auszuhöhlen. Die mit Recht sehr scharfe Erklärung von Dr. Curtius hat zwar gleichzeitig die Grenze gezogen und Klarheit darüber geschaffen, daß der Rat sich nur mit den juristischen Voraussetzungen zu beschäftigen hat, also auch später nicht mit politischen Bedenken kommen kann. Indessen der Haager Weltgerichtshof ist nicht so sehr eine juristische wie eine politische Behörde, in ber Deutfchlanb mit einer von fünfzehn Stimmen vertreten ist, unb es könnte uns schon geschehen, baß hier ein Gifttrank gebraut wirb, ber wenigstens ben Versuch machen soll, die Energien für die Zollunion endgültig zu lähmen. Genfer Abgesang. Beendigung der Aolldcbatte . im Bölkerbundsrat. Genf, 19. Mai. (WTD.) 3m Völkerbunds* rat sprach heute ber tschechoslowakische Außenminister Dr. Bene sch über die Zollunion. Er erklärte sich mit der Anregung Hendersons vollkommen eirwerstanden, daß ber Rat sich im Augenblick nur mit bet juristischen Seite der Frage zu befassen habe, versucht« aber mit der juristischen Frage auch politische unb wirtschaftliche Aspekte zu verbinden unb die ganze Angelegenheit als einen Konflikt bar* zustellen, ber in seinen ganzen Auswirkungen zur Zustänbigkeit bes Völkerbunbsrats gehöre. Er bemühte sich bann um ben Rachweis, bah «ine beutsch-österreichisch« Zollunion für bie Tschechoslowakei eine schwere Bedrohung nicht nur in wirtschaftlicher, svn- bern auch in politischer Hinsicht bebeuten würbe, bei ber bie Tschechoslowakei baburch vor allem hinsichtlich ihres Zuganges zum Meere in «inen Zustanb ber Abhängigkeit von ber Union geraten würbe. Roch deutlicher als Dr. Denesch unternahm der jugoslawische Außenminister Marinkowitsch ben Versuch, den Beratungsgegenstand nach ber politischen Seite hin zu erweitern. Keine Macht, vor allen Dingen keine Großmacht, habe das Recht, eine Frage als ihre ausschließliche Angelegenheit in Anspruch zu nehmen und dem Bölkerbundsrat zu entziehen. Dr. Curtius betonte seinerseits, die deutsche Regierung erwarte nicht, daß eine Frage, in die gewiß Wirtschaft und PoliM hineinspielten, nur vom Die Taufrede des Reichskanzlers. Oeutschlands 2Red)f auf Sicherheit. — Oie Gleichberechtigung der Völker die sicherste Bürgschaft für den Weltfrieden. Reichskanzler Or. Brüning hielt die Taufrede, die durch zahlreiche, meterhohe Ein Trinkspmch Groeners. Oer Dank der Marine an den Reichskanzler. Standpuickt des Formaljuristen beurteilt werde. Wer man könne es den Richtern im Haag überlassen, inwieweit sie diese nichtjuristischen Elemente der Frage zur Beurteilung heranziehen wollten. Wenn aber der Haager Gerichtshof sich auf den Standpunkt stelle, daß Oesterreich sich im Rahmen feiner Berpflich- tungen gehalten habe, dann würde Deutschland es für unerträglich halten, wenn man versuche, in der Zollunion eine Bedrohung des Friedens zu erblicken und die Angelegenheit unter diesem Gesichtspunkt weiter zu erörtern. Bei ihrer Einstellung zu den europäischen Fragen lehne es die deutsche Regierung ab, sich als Störer des Friedens vor das Forum des Böllerbundes ziehen zu lassen. Briand versuchte in der Form zu oermit» fein und der Debatte einen betont versöhnlichen Ausklang zu geben. Der Ausgangspunkt der ganzen Erörterung sei auf Grund des Antrags von Henderson die Rechtsfrage. Aber darüber hinaus müsse daran festgehalten werden/ daß jedes Völkerbundsmitglied das Recht habe, eine Angelegenheit, die den Frieden der Weltoderdas gute Einvernehmen störe, vor den Rat zu bringen. Alle auftauchenden Fragen müßten vom Standpunkte der internationalen Interessen erörtert werden. Es liege darin für ein großes Volk nicht demütigendes, wenn es nur den aufrichtigen Willen zur Zusammenarbeit und die feste Absicht habe, nichts zu tun, was den Frieden der Welt stören könnte. Die Debatte endete mit der einstimmigen Annahme der Lleberweisung des englischen Antrags an den Haager Gerichtshof. Die Debatte hat nach Ansicht der deutschen Delegation auch in ihrem heutigen Verlauf bestätigt, dah in der praktischen Derwirklichung des Zollunionsplanes außer der von vornherein auch von Deutschland und Oesterreich vorausgesehenen Lleberweisung der juristischen Prüfung an den Haag e in Aufschub nicht eingetreten ist. Deutschland und Oesterreich haben an ihrem Standpunkt trotz des starken Druckes, der auf Oesterreich hier ausgeübt worden ist, f e st g e h a l ten. Die Ratsmächte können sich nicht im Unklaren sein, dah, wenn das Gutachten des Haager Gerichtshofes zu dem Ergebnis kommt, dah Oesterreich gegen seine internationalen Verpflichtungen nicht ver- stohen hat, Deutschland eine weitere Prüfung der Angelegenheit über die juristische Seite hinaus durch den Völkerbundsrat nicht zulassen wird. Wien bedauert die Verzögerung. Oesterreichische Pressestimmen zur Genfer Ratstagung. Wien. 19.Mai. (ERB. Eigene Meldung.) Das Ergebnis der Sitzung des Völkerbundsrates wird von den Blätter zwar ruhig, aber mit einem Unterton der Resignation ausgenommen. Die „Reichspost" beklagt, daß der größte Teil des Jahres für die Durchführung eines Planes verloren ist der einen Ausweg aus dringendster wirtschaftlicher Not schaffen sollte. Das Blatt glaubt behaupten zu müssen, daß dies darauf zurückzufuhren fei, daß von beiden beteiligten Mächten Fehler in der diplomatischen Behandlung der Angelegenheit gemacht worden seien. — Auch die „Wiener Neuesten Nachrichten" bedauern, daß die Inangriffnahme des großen Werkes verzögert werden muß. — Die „Neue Freie Presse" sucht unter Hinweis auf die Empfehlung an den Haager Gerichtshof die Prüfung des Zollunionpakts dring- l i ch zu behandeln, die Oeffentlichkeit mit Rücksicht auf baldige Entscheidung über den Zeitverlust zu beruhigen und neue Hoffnungen zu erwecken. Die internen Besprechungen werden fortgesetzt. Berlin, 19.Mai. (121.) An zuständiger Stelle in Berlin wird ausdrücklich betont, daß die internen Besprechungen über die deutsch- österreichische Zollunion trotz der Genfer Vorgänge selbstverständlich fortgesetzt werden. Das Haager Forum. Wie ist der Ständige Internationale Gerichtshof zusammengesetzt? Berlin, 19. Mai. (SU.) Der Ständige Internationale Gerichtshof im Haag (nicht zu verwechseln mit dem Weltgerichtshof im Haag! ist ein vom Völkerbund eingerichtetes Institut und besteht aus 15 Mitgliedern, die von Zeit zu Zeit neu gewählt werden. Zur Zeit setzt sich der Gerichtshof zusammen aus dem Vorsitzenden A d a t s ch i (Japan), dem früheren amerikanischen Staatssekretär Kellogg, dem englischen Kronjuristen Sir Eecil H e a r st, dem Juristen des Quai d'Orsay, Fromageot, Professor Schücking (Deutschland), Anzilotti (Italien) sowie aus Vertretern folgender neun Länder: Spanien, Kuba, Holland, Salvador, Rumänien, Belgien, Polen, Kolumbien und China. Der Internationale Gerichtshof saht seine Beschlüsse mit Stimmenmehrheit. Rach den Satzungen tritt der Gerichtshof alljährlich am 15. Juni zusammen, jedoch kann der Gerichtshof in besonderen Fällen auch zu einem anderen Zeitpunkt einberufen werden. Es verdient ausdrücklich hervorgehoben zu werben, dah der Völkerbund in der deutsch-österreichischen Zvllunionsfrage lediglich ein Gutachten, nicht eine Entscheidung des Gerichtshofes erbeten hat. Die Vorbereitung -er Abrüstungskonferenz. Henderson wird Präsident und Genf Tagungsort. Genf, 19. Mai. (TU.) Heber die endgültige Regelung der jetzt im Völlerbundsrat zur Verhandlung gelangenden Fragen für die Abrüstungskonferenz ist in den diplomatischen Vorverhandlungen im großen eine Einigung zu- standegekommen. Es wird nunmehr als feststehend angesehen, daß Henderson einstimmig vom Völlerbundsrat ersucht werden wird, die Präsidentschaft auf der Abrüstungskonferenz zu übernehmen. Jedoch will Henderson seine endgültige Zustimmung von der Haltung des englischen Kabinetts abhängig machen. Als Ort der Konferenz ist nunmehr Genf ausersehen worden, jedoch haben die Kandidaturen von London und Barcelona noch in den letzten Tagen eine gewisse Rolle gespielt, da von englische» Seite die Einberufung der Konferenz nach London gewünscht wurde, lieber diese beiden Fragen findet noch heute eine geheime Sitzung des Völkerbundsrates in den Privaträumen des Generalsekretärs statt. Die deutschen Anträge auf Offenlegung desgegenwärtigenRüstungsstandes, die der kommenden Abrüstungskonferenz eine bessere Angleichung des Rüstungsstandes der verschiedenen Länder ermöglichen soll, sind a u f starken Widerstand gestoßen, so daß auf deutscher Seite bereits mit Der Ablehnung dieser Vorschläge gerechnet wird. Deutscherseits sieht man in der Ablehnung der Veröffentlichungen eine Verletzung der im Artikel 8 des Dölkerbundspakies festgelegten Bestimmungen, die ausdrücklich sämtlichen Mitgliedsstaaten des Bölkerbundes die Veröffentlichung zur Pflicht machen. Es ist somit erneut festzustellen, dah die alliierten Großmächte lediglich diejenigen Bestimmungen des Völkerbundspaktes für sich in Anspruch nehmen, die ihren eigenen Interessen entsprechen. Danzig und polen. Der Bölkerbundskommifsar berichtet. Genf, 19. Mai. (ERB.) Dieser Tage ist den Mitgliedern des Dölkerbundsrates der Bericht des Oberkommissars für Danzig, Graf Gravi n a, über den gegenwärtigen Stand der Beziehungen zwischen Polen und Danzig zugegangen. Der Oberkommissar geht davon aus, daß die Spannung zwischen der Danziger Bevölkerung und den Polen in den letzten Monaten stark zugenommen habe. Er macht dafür nicht nur das Anwachsen der nationalistischen Bewegung und die wirtschaftliche Depression verantwortlich, sondern auch das Verhalten Polens. Es sei der polnischen Politik nicht gelungen, sich in genügendem Mähe die Unterstützung derjenigen Telle der Oeffentlichkeit im Gebiete der Freien Stadt zu sichern, die für eine wirksame wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Danzig und Polen eingetreten seien. Der Ober- kommissar schildert sodann ausführlich seine Verhandlungen mit dem neuen Danziger Senatspräsidenten und mit dem diplomatischen Vertreter Polens wegen der im März und April dieses Jahres vorgekommenen Zwischenfälle und faßt seinen Standpunkt dahin zusammen, dah nicht eine Krise in den Beziehungen des Völkerbundes zu der Freien Stadt Danzig vorliege, sondern eine Krise in den Beziehungen zwischen Danzig und Polen. Außerdem macht er geltend, daß unter den gegenwärttgen Hm* ständen für ihn keine Veranlassung vorliege, einen Schritt gemäß der Entschließung deS Völkerbundsrates vom 22. Juni 1921 zu unternehmen. Diese Entschließung ermächtigt bekanntlich den Oberkommissar des Völkerbundes, zum Zwecke der Verteidigung Danzigs oder der „Aufrechterhaltung der Ordnung" eventuell sogar polnische Truppen heranzuziehen. Wirtschastssragen im Hessischen Landtag. Nachruf für Bürgermeister Jost. Darmstadt, 19'. Mai. (WHP.) Präsident Delp eröffnet die Sitzung mit folgendem Nach- r u f für den gestern abend im Frankfurter Hauptbahnhof tödlich verunglückten Abg. Bürgermeister I o st (Lbd.), dessen Platz ein Strauß roter Rosen schmückt: Gestern abend ist der Landtagsabgeord- ncte Friedrich Jost aus Bermuthshain auf dem Wege nach Darmstadt zu den Landtagsberatungen auf dem Bahnhof in Frankfurt a. M. beim Aus- fteigen aus dem Zug so schwer verunglückt, daß er kurz danach verschied. Tief erschüttert hat der Hessische Landtag diese Nachricht vernommen und betrauert aufrichtig das plötzliche Ableben seines lieben Kollegen. Seit feiner Zugehörigkeit zum Landtag hat er in bester Weise die Belange seiner Heimat vertreten und sein Hauptaugenmerk auf die Verbesserung der Landwirtschaft im Vogelsberg gerichtet. Seine großen Erfahrungen und praktischen Kenntnisse als Landwirt fanden allzeit hohe Anerkennung. Unter seinen Kollegen im Landtag erfreute er sich besonderer Beliebtheit. Sein schlichtes Wesen, seine große Einfachheit, die Lauterkeit seines Cyarakters und seine vornehme Kampfes- art erwarben ihm stets die Hochachtung seiner politischen Gegner. Der Landtag wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. — Für den verstorbenen volksparteilichen Abg. Scholz ist Abg. Kärcher, Landwirt aus Lampertheim, eingetreten. Als Nachfolger für den Abg. Jost wird Landwirt Stein aus Stumpertenrod in den Landtag einziehen. Einzelaussprache zum Wirischastseiai. Abg. Lebert (Soz.) beklagt die hohen Preise für landwirtschaftliche Glashäuser. Die deutschen Glasfabriken lieferten dieses Spezialglas viel billiger ins Ausland, weshalb die Regierung auf eine Herabsetzung der Jnlandglaspreise hinwirken müsse. Abg. Maurer (Soz.) ermahnt die Regierung, trotz der notwendigen Sparmaßnahmen die schulische Ausbildung der ländlichen Jugend so weit zu intensivieren, als das möglich sei. Der Weg, durch Beispielwirtschaften den Landwirten die Erfahrungen der Spezialpraxis und der Wissenschaft vor Augen zu führen, habe sich als erfolgreich erwiesen. Die landwirtschaftlichen Schulen dürften nicht der Landwirtschaftskammer übergeben werden. Anzustreben sei die Abhaltung der landwirtschaftlichen Fortbildungsschule auch im Sommer und die Hergabe von Stipendien für bedürftige Landwirtssöhne. Abg. Frau Heraeus (Dn.) warnt vor einer planlosen Ausdehnung des Frühgemüse- baues. Rvtwendig bleibe die Sicherung des Absatzes, um unproduktive Ausgabe zu vermeiden. Die Propaganda zu verstärktem Verbrauch einheimischer Produkte bedürfe noch der Intensivierung in der gesamten Oeffentlichkeit. Abg. Dr. Leuchtgens (Lbd.) hall an feinem Antrag fest, die landwirtschaftlichen Winterschu- len der Landwirtschaftskammer zu übertragen, um den jetzigen Leerlauf zwischen Kammer und Landwirtschaftsschulen zu beseitigen. In Preußen habe sich diese llebertragung bewährt. (Widerspruch im Zentrum.) Minister Korell sei schon einmal an diese älebertragung herangegangen, aber durch politische Gegenströmungen daran gehindert worden. Die Finanznot werde über kurz oder lang zu der Hebertragung der Schulen auf die Land» Wirtschaftskammer führen. Abg. W e ck l e r (Zentr.) lehnt den Landbundantrag ab. Das Zentrum wolle vermieden wissen, daß die Vereine der ehemaligen landwirtschaftlichen Schüler politischen Zwecken dienstbar gemacht würden. Bei gutem Willen lasse sich ein Leerlauf zwischen. Kammer und Landwirtschaftsabteilung vermeiden. Ministerialdirektor Professor 9töfTl** gibt zu, daß in mancher Hinsicht zwischen Landwirtschafts, kammer und Landwirtschaftsabteilung Doppel- arbeit geleistet werde. Wegen der Uebernahme der Landwirtschaftsämter auf die Kammer seien Ver- Handlungen gepflogen worden. Die finanzielle Seite habe man schon besprochen, doch habe die Kammer bisher in organisatorischer Hinsicht keine Vorschläg- unterbreitet. 2lbg. Glaser (Ldbd.) fordert gerade zum Schutze der Kleinbauern verstärkten Zollschutz der landwirtschaftlichen Veredelungswirtschaft und für Obst, Gemüse, Fleisch und Wein. M i n i st e r K o r e l l weist die Behauptung zurück^ daß er die Landwirtschaftsschulen an die Landwirt- schaftskammer habe übertragen wollen. Mik der Landwirtschaftskammer habe er lediglich informatorische Unterhaltungen gehabt. Trotz der technischen Vollkommenheit leide die hessische Glashauskultur unter dem offensichtlichen Dumping der Hol- lander. Um Zollmaßnahmen zum-Schuhe der landwirtschaftlichen Veredelungsproduktion werde Deutschland nicht herumkommen. Abg. Fenchel (Lbd.) zollt den Lehrern dev Landwirtschaftsschulen Anerkennung für ihre Unterstützung des Genvssenschaftsgedankens. Ein« Vereinheitlichung des landwirtschaftlichen Der- suchswesens müsse durchgeführt werden. Fel-bereinigung. Abg. Wolf (Lbd.) erklärt, daß die staatlichen! Kosten und Zinsen von 8 bis 8,5 Prozent für bie Feldbereinigung untragbar seien. Vor dem Kriege bezifferten sich die Kosten pro Morgen auf 30 Mark, heute auf das Zehnfache. Darum stünden gerade in Oberh essen viele Feldbereinigungsgesellschaften vor dem Ruin. Eine Reform des Feldbereinigungsgesehes habe sich als unumgänglich erwiesen. Der Landbund habe zahlreiche Verbilligungsanträge gestellt und halte diese aufrecht. Es bleibe nur der Ausweg, baft der Staat die Feldbereinigung in die Hand nehme oder Zinsverbilligung auf 5 Prozent und 15 Jahre sicherstelle. Minister Korell erklärt, daß die Feldbereinigungskommissare angewiesen wurden, vor jeder neuen Feldbereinigung einen genauen Voranschlag aufzustellen und den Gemeinden zu unterbreiten. Vom Reich seien neue Mittel in Aussicht gestellt. Abg. Dr. N i e p o t h (DV.) meint, gerade im Interesse des Staates liege die Fortführung der Feldbereinigung zu allerdings bedeutend gesenkten Kosten. Entsprechend der Senkung der Beamten- gebälter und Tagesgelder sollten die Einheitssätze gesenkt werden. Unterscheiden müsse man bei den kulturtechnischen Kosten die Sätze für Material und für Arbeitslohn. Die Besitzstandsaufnahme der Gemeinden ohne Parzellenvermessung bei Feldbereini« gungen sollten zu denselben Bedingungen ausgeführt werden wie für Katastervermessungen. Abg. Schwö b el (Soz.) hält dem Landbund vor, die hessische Landwirtschaft habe in den letzten sechs Jahren aus Mitteln der Steuerzahler Gießener Stadttheaier. Leo Fall: „Brüderlein fein!"— Franz von Supps: „Die schöne Galathse". Die letzte Premiers dieser Spielzeit brachte als musikalischen Ausklang zwei einaktige Operetten in eigener Regie, mit teilweise einheimischen, teils von außerhalb gastierenden, hier von früher bereits bekannten Kräften. Man spielte zuerst die Altwiener Operette „Brüderlein fein!" von Julius Wilhelm, Musik von Leo Fall: zuletzt „D i e schöne Galath 6 e" von Poly Henrion, Musik von Franz von Supp6. * Die Bezeichnung als Operette im eigentlichen Sinn ist für beide Werke nicht ganz zutreffend. „Brüderlein feint" gehört der langsam aussterbenden Gat- tung der Singspiele an; wenn man davon absieht, daß der Titel ziemlich ungeschickt gewählt ist weil er mit dem Inhalt kaum in Beziehung steht, — und daß ferner der anmutige Stil dieses Biedermeier-Idylls vom süßen Kitsch der märchenhaften Verwandlungsszene emvfindlich beeinträchtigt wird: kann man an der handlungsmäßig wie musikalisch ganz anspruchslosen Episode Vergnügen finden. Von einer Handlung kann eigentlich kaum gesprochen werden, wenn ein altes Musikantenehepaar am 40. Hochzeitstage sich mit Hilfe einer guten Fee träumerisch in die glückliche Jugendzeit zurückversetzen darf. Die Partitur wird eigentlich nur von zwei, allerdings liebenswürdig gesetzten Melodien be- stritten. * „Die schöne Galathse" aus dem Jahre 1865, zu den ehrwürdigsten, aber auch bekanntesten Arbeiten Suppss gehörig, ist ebenfalls weniger Operette im landläufigen Sinn als etwa eine Kreuzung zwischen komischer Oper und Posse mit Gesang. Was das Libretto betrifft, so handelt es sich um eine der seit Offenbach („Orpheus", „Schöne Helena") beliebt gewordenen Verulkungen des klassischen Altertums; hier haben wir eine parodistische Abwandlung des von Shaw (allerdings sehr viel geistvoller) modernisierten, berühmten Pygmalionmythos. * Nach einer griechischen Sage verliebte sich der kyprische König Pygmalion in die von ihm ge- schaffene Elfenbeinstatue einer Jungfrau; Aphrodite erchörte seine Bitte und belebte das Bild; er heiratete die Erweckte, welche ihm einen Sohn namens Paphos gebar. Aus dem König wurde in der Neufassung ein Bildhauer; von Heirat ist keine Rede; von einem Sohn erst recht nicht. Das Marmorbild Galathse verteilt vielmehr nach seiner Vermenschlichung einen Korb, stiftet Eifersucht, verliebt sich seinerseits in den Unrechten und wird vom ergrimmten Pygmalion unter Donner und Blitz wieder in die steinern^ Leblosigkeit zurückverwünscht. * Die Partitur bringt, obwohl mit dem Erfindungsreichtum und der sprühenden Melodik etwa des späteren „Boccaccio" nicht vergleichbar, eine kleine Anzahl dankbarer Gesangspartien und verfügt außer- dem über eine Ouvertüre, die sich als ein noch immer beliebtes Programmstück populärer Konzerte behauptet hat. — * Die beiden Aufführungen waren von Hub als dem einheimischen Operettenspezialisten sorgfältig einstudiert, von Löffler stimmungsvoll und stilgerecht ausgestattet, von Kapellmeister E u j € mit Schwung und sauberen Einsätzen dirigiert. * Als Galathse gastierte Frau Meta Liebermann vom Stadttheater in Mainz, zuvor an der Frankfurter Oper; eine Sängerin, die uns von früheren Operettengastspielen her in bester Erinnerung ist. Sie vereinigte auch hier eine gepflegte und sympathische Darstellung mit einer die nicht ganz leichte Partie technisch sehr sicher beherrschenden Gesangskultur und vortrefflichen organischen Mitteln. Den Mydas gab Hub, gesanglich in guter Form, darstellerisch für unseren Geschmack zu sehr auf die Ausschlachtung der recht plumpen und billigen Pa- rodistik bedacht. Den Pygmalion fang und spielte Kurt R i ch t e r a. G. Die muntere Soubrette Hertha Greff (Stadttheater Mainz) brachte als Ganymed die zeitgemäße Pointierung des alten Textes. * Frau Liebermann und Herr Hub machten auch das jubilierende Ehepärchen im Altwiener Singspiel; ein anmutig-sentimentales Duett zwischen zaghafter Heiterkeit und gerührter Erinnerung. „Schön ist die Jugend" sollte das Ganze heißen; oder „Die gute Fee", als welche Ilse Jahn „mit dem Diolon von Gold" singend geigend segenspendend durch die altväterliche Sürgerftu6e wandelte. * Das Publikum war dankbar und spendete Beifall und dicke Blumensträuße. hth. Die Gräfin von Schwabing. Zum 60. Geburtstag der Franziska von Neventlow. Von Emil Ludwig. Die Gräfin Franziska vvn Revent- lvw. die in der Münchener Boheme um die Jahrhundertwende eine so große Rolle gespielt hat und damals den Ramen der „Gräfin von Schwabing" erhielt, ist durch die Veröffentlichung ihrer Tagebücher und Briefe nach ihrem Tode zu einer zeitgeschichtlich bedeutsamen Erscheinung geworden. Der Zauber ihrer Persönlichkeit kommt zum Ausdruck in den Erinnerungen, die Emil Ludwig in seinem bei Ernst Rowohlt in Berlin erschienenen autobiographischen Buch „Geschenke des Lebens" erzählt. „Ich wollte Löwen-Sofa machen und war schon im Begriff, den Kontrakt zu schließen", sagte sie und sah aus ihren herrlichen Blicken zu uns auf. „Was wollten Sie machen?" „Löwen-Sofa. Das ist eine Rümmer, die nur zehn Minuten jeden Abend dauert: ich muh mich auf die gelagerte Löwengruppe legen und mit einem Reifen spielen. Dafür sollte ich 250 Franken im Monat bekommen. Aber da kam die Sache mit R., die habe ich vorgezogen." Der Ernst, mit dem sie diese Dinge sagte, war so schalkhaft, die geschäftliche Kühle so kapriziös, daß man verstand, wie sie vor zwanzig Jahren halb München verrückt gemacht hatte. Jetzt war sie gekommen, um den Balten zu heiraten, der ein Stück Geld von seinem Vater nur zu erwarten hatte, wenn er durch eine Heirat seine Zivilisation wieder hergestellt hätte. Als das Geld noch immer nicht kam, gab ihr die Bank ein paar hundert Franken Vorschuß. „Welche Art Matrosenkragen werden denn jetzt in Kiel getragen?" fragte sie eines Tages meine Frau. „Blau und weiß oder weiß und blau?" „Ich will mich erkundigen. Ist es sehr eilig?" Beide Frauen lächelten sich an. „Ziemlich, denn Montag bekommen wir den Vorschuß auf mein Heiratsgeld, und da wollen wir rasch nach Mal- lorka fahren dort wartet ein Bekannter." — „Lind die Kragen?" „Rolf braucht doch Strandanzüge!" Rolf war ihr natürlicher Sohn, den sie so sehr liebte, daß sie es ablehnte, ihm den sehr guten) Ramen des betrunkenen Dapons zu geben. Als sie nach ein paar Wochen zurückkamen^ wollte sie das übrige Geld abheben. Seit der Verlobung hatte sie die Summe im Kops in tausend! kleine Stücke zerteilt, und nun sollte es Wahrheit werden. Im gleichen Augenblicke fallierte die Dank, auf die das Geld indessen eingezahlt worden, der ganze Kanton verlor feine Einlagen und mit den andern die Gräsin. „Schade", sagte sie ganz ruhig, als ich ihr eine Art von Kondolenzbesuch machte. „Aber Mallorka haben wir doch gehabt. Das Dumme ist nur, daß mit der Dank nicht auch die Heirat gekracht ist." Rie habe ich eine Frau von so taktvollem Humor gefunden: alles an ihr war Lady. Obwohl sie nichts besaß, um Geldes willen Bücher schrieb oder auf eine andere Art Löwensofa machte. Alles war in Heiterkeit getaucht, sie machte sich nie etwas vor und den andern, nur in ihren Liebesaffären; aber auch hier verstand sie auf der halsbrecherischen Grenze des Unmöglichen zu balancieren. Weil ihr ein innerer Anstand eigen toar; glückte ihr die Apparence, und dies in Lagen, bie ihre beständige Geldnot zuweilen unüberwindlich erscheinen ließen. Rachdem sie ihre Zimmer, ihre Schuhe, ihr Essen selber gemacht hatte, manikürte sie sich so, daß ein Tee bei ihr vollkommen war, und wenn die Tassen nicht ganz zur S ahnen - könne stimmten, hatte sie dafür irgendein heiteres Wort, das auch das dümmste Mitglied ihrer Familie entwaffnet hätte. „Wie bringen Sie es nur fertig“, fragte sie mich in späteren Jahren. „500 Seiten zu schreiben? Ich bringe es immer höchstens auf 180.“ älnd als sie dann mit der Maschine meine Manuskripte abschrieb, sagte sie: „Gott sei Dank, daß ich jetzt keine Bücher mehr selber schreiben muß!" älnd doch waren diese Bücher so behend und wehen auch heute noch jeden an wie ein Morgenwind. Sie war damals nach Locarno gezogen, genoß und ironisierte zugleich ^as Kleinstadtleben und schien im Begriffe, Sie Frau eines eingeborenen Bürgers zu werden: da er rankte sie, und ehe es jemand erfuhr, war sie einer Operation erlegen. Da standen an dem Grabe dieser armen Frau, die jahrelang die Sonne eines lebensvollen Kreises gewesen, drei oder vier Menschen zusammen, um mit einer Handvoll Tessiner Erde dies Leben zuzudecken, das auf einem norddeutschen Schlosse begonnen, durch den Eigenwillen eines sprühenden Temperamentes aus der Dahn geworfen und eben dadurch geadelt worden war.. zusammen 29,5 Millionen Mk. erhalten, während vor dem Krieg« jährlich nur durchschnittlich 7—800 000 Mk. für die Landwirtschaft bereit- gestellt worden seien. Abg. Birnbaum (D. Vp.) weist auf die An- strenaunaen der Hausfrauenvereine hin, den Konsum einheimischer Erzeugnisse zu fördern. Es sei Ausgabe der Landwirte, durch geschmackvolle Aufmachung ihrer Erzeugnisse die Kauflust anzuregen. _ Abg. Dr. Werner (Nat.-Soz.) erklärt: Die Landwirtschaft bedürfe eines ausreichenden Zoll sch uh es. seine Partei lehne daher den deutsch-polnischen Handelsvertrag ab. Minister Korell erklärt, die Bauernschaft müfse sich restlos den Sierverwertungsgertoisen- schaften anschliehen. Die Vorlage über die Hagelversicherung mit staatlichem Zuschuß werde der nächste Landtag zu verabschieden haben. Gegen das ausländische Dumping auf allen Gebieten könne nur der genossenschaftliche Zusammenschluh der Landwirte helfen. Sozialpolitik. Abg. Hehne (D. Bp.) erklärt die Dehaup- tung als unbegründet, die Industrie wolle in die Sozialgesetzgebung eine Dresche schlagen. Die Krise der Sozialversicherung beweise, daß die sozialen Ansprüche übersteigert worden seien. Gerade in der Privatindustrie sei das Derant- wortungsbewusttsein des Unternehmers erwacht, ilm eine Katastrophe der Sozialeinrichtungen zu vermeiden, werde es notwendig sein, daß Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammenwirkten, um unserem Wirtschastsvolumen ein festes soziales Fundament zu sichern. Abg. Deuter (Soz.) verweist auf die Notlage der Krankenkassen, deren Einnahmen durch die Notverordnung und die Senkung tel Löhne außerordentlich zu rück gegangen seien. Abg. Wesp (Zentr.) erklärt, die Antwort der Negierung, weshalb so wenig Aufträge nach Hessen vergeben worden seien, befriedige ihn nicht. Die Lohnsenkung wirke im Endeffekt schon als eine 20- bis 25prozentige Einnahmenkürzung. Leider müsse angesichts der Wirtschaftslage für die nächste Zeit auf sozialem Gebiet mit neuen Eingriffen gerechnet werden. Bor fast leerem Hause bringen dann die Abgg. Dr. Werner (Nat.-Soz.), Lang (Zentr.), Wesp (Zentr.), Sumpf (Komm.) und Lebert (Soz.) zahlreiche Wünsche vor. Die Sitzung wird dann auf Mittwoch vertagt. Aus der provinziathauptstadt. Gießen, den 20. Mai 1931. Bade in Lust. Don Siadimedizinalrat Or. Marloth «Leipzig. Die Luft wird immer noch viel zu wenig für die Erhöhung der Gesundheit ausgenutzt. Welche moderne Mutter z. B. läßt ihre Kleinkinder zehn Minuten vor dem Schlafengehen ohne Sachen, die größeren bis zur Hüfte frei, in der Stube herum- tollen, um sie abzuhärten? Das Tageslicht mit seiner Ausstrcchlung und schon die Zimmerluft an sich wirkt bereits günstig auf die Hautatmung ein. Ist dvch die Hautatmung ebenso unentbehrlich für die Gesundheit des Menschen, wie die Lungeir- - nung. Deshalb ist auch das Darfußgehen so überaus gesund. Haben wir beim Luftbad noch Sonne zur Verfügung, so werden der Hautstoffwechsel und damit die gesamten Körpersäfte besonders angeregt. Der große Vorteil regelmäßig durchgeführter Luftbäder besteht in der Abhärtung der Haut und ihrer Organe. Die meisten Menschen stellen sich unter Abhärtung nicht das vor, was eigentlich der Abhärtungsprozeß bedeutet. 3n bzw. dicht unter der Haut sind zahllose Heine und kleinste Nervenfasern und Dlutgefäßchen, die miteinander in Verbindung stehen und in Harmonie treten durch wechselnde Erweiterung der Dlutgefäßchen, die in die Ncrvensubstanz cin- Dringen. Es wird dadurch eine kräftige Hautversorgung hervorgerufen, die mit den Hautdrüsen, wie mit dem Stoffwechsel des Körpers in Verbindung tritt. Man kann sich vorstellen, daß, je mehr Luftbäder genommen werden, um so bedeutungsvoller die Widerstandsfähigkeit des Körpers werden muß. älnd das ist für's künftige Leben, besonders des Jungvolkes, von größter Wichtigkeit. Von dieser Abhärtung und Widerstandsfähigkeit hängt bekanntlich im späteren Leben in Krankheitstagen oft alles ab, auch ob eine schwere Erkrankung überstanden werden kann. Vor allem werden durch die Luftbäder die Ab» gehärteten den Vorteil haben, sich nicht so leicht zu erkälten. Sie werden gegen schwere Folgezustände, wie Lungenentzündung, oder besonders chronische Katarrhe des Halses und der Luftröhre, weit eher gefeit sein. Diese Aussichten sollten jedem verständigen Menschen zu denken geben. Cs wird dies auch allen um so leichter fallen, als die Luftbäder in der Tat bei jedem gesunden Menschen Freudegefühle auslösen und wohltuend auf das Gemüt wirken. Jeder kennt daS an sich selbst, wenn er di« Möglichkeit hat, sich der beengenden Kleidung zu entledigen zur Dettrahlung der Haut, ob im Dade, ob am Seestrande, ob im Gebirge, ob unter der künstlichen Höhensonne, oder vor allem auch zu Hause. Da das ßuftbab außer den körperlichen Vorteilen fürs ganze Leben auch seelisch« Werte schafft, di« jed«m Menschen wohl» tun und Nutzen bringen, so wird man jede Gelegenheit wahrnehmen müssen, sich ein Luftbad zu gönnen. Kreis-Rinderzuchtverein für Vogelsberger Vieh. Die diesjährige Hauptversammlung des Gie - ßener Kreis - R i nde r z u ch t ve re rn s für Vogelsberger Vieh fand am Sonntag im Eisenbahnhotel Hopfeld in Gießen statt. Der Vorsitzende, Direktor Trautmann, Grünberg, leitete die Versammlung und begrüßte besonders den Vertreter des Landwirtschaftskam- mer-Ausschusses, Oekonomierat Dr. Wagner. Aus dem Geschäftsbericht für 19 3 0 war zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl von 426 un Vorjahre auf 365 zurückgegangen ist. Außerdem sind noch 17 Gemeinden Mitglieder des Vereins. D«i den letzten Körungen wurden 11 Dullen und 59 Kühe für das Herdbuch neu an- gekört: diese Zahlen bleiben gegenüber den Vorjahren zurück. Auf der Wanderausstellung in Köln wurde aus dem Dereinsbezirk eine Kuh von Schmiedemeister Merle, Lich, zur Ausstellung gebracht, die einen 1. Preis erringen konnte. Nach den Vorschlägen der Kreiskörkommission sollen den Dullcnhaltern von Großen-Duseck, Reiskirchen, Hattenrod, Dersrod, Steinbach, Gro- ßen-Linden, Klein-Linden, Queckborn und Lindenstruth die ausgesetzten Prämien zuerkannt werden. Es wurde dann noch die Abhaltung einer S t a l ls ch a u im Dezirk Grünbcrg be- Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf. schlossen und als Preisrichter der Vorsitzende, Direktor Trautmann, Generalsekretär Dr. Wagner und Karl Hirzl., Steinberg, bestimmt. Die Jahresrechnung, die von dem Rechner, Oberfekretär Philipp, vorgetragen wurde, schließt mit einer Einnahme von 1006,76 Mk. und einer Ausgabe von 768,44 Mk., so daß ein Kassenbestand von 238,34 Mk. verbleibt. Als Rechnungsprüfer wurden Altbürgermeister Hirz, Watzenborn, und Wilh. M ü l l e r V., Lang-Göns, gewählt. Da sich Anstände nicht ergaben, wurde dem Rechner Entlastung erteilt. Die abgeänderten Satzungen wurden in der von Dr. Wagner vorgetragenen Form angenommen und die gerichtliche Eintragung des Vereins beschlossen. Als Körkommissionsmitglieder wurden Altbürgcrmeister Hirz, Watzenborn, und Herm. Von Eiff, Grünberg, und als Stellvertreter Heinr. Harbach VIII., Grotzen-Du- seck, und Herm. Velten jun., Göbelnrod, gewählt. Unter „Verschiedenes" wurde von einigen Mitgliedern die Durchführung von Leistungs- prüfungen beantragt; dem soll nach Möglichkeit Rechnung getragen werden. Herr Müller, Lang-Göns, beantragte für 1932 die Durchführung einer Kreisausstellung. Diesem Antrag konnte jedoch wegen Mangel an Mitteln nicht zugestimmt werden. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Etadttheater: „Haus Rothschild", 20 bis 22 Uhr. — Oberh. Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: Vorträge: ^Die Sichtbarkeit ultravioletten Lichtes (mit Lichtbildern), von Prof. Dr. Merker; „Zum Schutze der Enzianwiesen", von Prof. Dr. Henneberg; 20.30 Uhr, Großer Hörsaal des Physikalischen Instituts. — Evang. Frauenverein: Vortrag „Wie können wir evangelischen Frauen die Gottlosenbewegung bekämpfen?", von Frau Agnes Schnapper (Heidenheim), 15 Uhr, Caf6 Leib. — Kasperle-Theater, 16.30 Uhr, Kath. Dereinshaus. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Ein Tango für Dich". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, letzte Aufführung des historischen Schauspiels „Haus Rothschild" von Hanns Saßmann, unter der Spielleitung des Intendanten. Frau Auguste Prasch-Grevenberg wird sich an diesem Qßxnö als Frau Gudula von dem Gießener Publikum verabschieden. Zehnerkarten und Gutscheine haben Gültigkeit. — Donnerstag, 21. Mai, 15.45 Uhr, Schüler- und Fremdenvorstellung. Zum letzten Male „Die Jungfrau von Orleans". — Freitag, 22. Mai, 20 Uhr, erste Wiederholung der beiden Musikwerke „Die schöne Galathee" von Suppe, und „Drüderloin fein" von Leo Fall, unter der Leitung Hub-Cuje, in der Besetzung der Erstaufführung. Letzte Vorstellung im Freitag-Abonnement. — Sonntag, 24. Mai (1. Pfingst- feiertag), gelangt außer Abonnement zu ermäßigten Operettenpreisen als Fremdenvorstellung die komisch-mythologische Oper „Die schöne Gala- th6e" von Suppe und vorher „Drüderlein fein", Altwiener Singspiel von Leo Fall zur Aufführung. Spielleitung Heinrich Hub. musikalische Leitung Fritz CujL. Beginn 18.30 Uhr. Die Intendanz macht darauf aufmerksam, dah zu dieser Vorstellung Zehnerkarten und gewöhnliche Schauspielgutscheine gegen Aufzahlung Gültigkeit haben. ** Gin Unterfuchungsverfahren wegen Land^riedensbruchs. Der kommunistische Ueberfall auf die Gastwirtschaft von Soldan im Seltersweg in der Nacht zum vorigen Samstag, über den wir am Samstag bereits berichteten, hat zu einem gerichtlichen Untersuchungsoerfahren wegen Landfriedensbruchs gegen die Täter geführt. Wegen dieser Tat befinden sich zur Zeit folgende Personen im Untersuchungsgefängnis in Haft: der Arbeiter Heinrich Schwab aus Bad-Nauheim, der Schlosser Philipp Becker aus Bad-Nauheim, der Handlungsgehilfe Robert Otto aus Bad-Nauheim, der Schuhmacher Ernst Günther aus Schwalheim bei Bad- Nauheim, der Arbeiter Bernhard Nienhaus aus Gießen und der Dachdecker Ernst Döring aus Gießen. Die Verhafteten befinden sich im Alter von 23 bis 31 Jahren, zwei der Verhafteten aus Bad- Nauheim und die beiden Verhafteten aus Gießen gehören zu den Kommunisten. Der ebenfalls von der Polizei mit vorgeführte Schuhmacher Hch. Rückert aus Gießen wurde nach seiner Vernehmung durch den Untersuchungsrichter wieder auf freien Fuß gesetzt. *• Todesfälle in Gießen. In Gießen verstorben in der Zeit vom 1. bis 15. Mai: 1. Mai: Lina Nather, geb. StahL 67 Jahre, Frankfurter Straße 75. 5.: Rosalie Michel, geb. Haas, Witwe, 77 Jahre, Frankfurter Straße 3. 6.: Auguste Lenz, geb. Petri, Witwe, 78 Jahre, Bahnhofstraße 97. Ferdinand Bauer, Musiker und Instrumentenmacher, 79 Jahre, Wolkengasse 11. Otto Wilhelm Junker, 5 Jahre, Neuenweg 6. Marie Luh^ ohne Beruf, 74 Jahre, Ebelstrahe 22. Anneliese Auguste Schreiner, 4 Monate, Kirchenplatz 18. 10.: Eduard Battenberg, städt. Arbeiter, 76 Jahre, Echloßgasse 10. Friedrich Klingel- Höffer, Generalleutnant a. D., 81 Jahre, Georg- Philifrp-Gaiistrahe 5. . 11.: Freiherr Schenk zu Schweinsberg, ohne Beruf, 65 Jahre, Goethe- strahe 40. Maria Rahm, geb. Schomber, 66 Jahre, Friedrichstraße 10. 14.: Katharine Bernhardt, Hausangestellte, 23 Jahre, Ostanlage 29. 15.: Katharina Krauskopf, geb. Llnsöld, Witwe, 77 Jahre, Kaplansgasse 14. Minna Pflug, geb. Grudschus, 70 Jahre, Dleichstrahe 20. ** Grasver st eigerungen der Stadt Gießen finden in der nächsten Woche statt. Näheres ist aus der heutigen Bekanntmachung der Stadtverwaltung ersichtlich. ** Die Gießener Geldinstitute geben im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß ihre Ge- schäftsräume am nächsten Samstag (Pfingstsamstag) geschlossen sind. D i e Wiedersehensfeier des I n f.° Leib-Regts. Großherzogin Nr. 117 sowie seiner Ersatz- und Kriegsformationen (1. und 2. Er- satz-Batl. 117, Res. I, Regt. 222, Landwehr 93, 94, Inf.-Regt. 186, 358, 390, 625, Musketenbatl. I und II, Armierung 108, 116 und 134) findet in den Tagen vom 30. Mai bis l.Juni zum erstenmal in der alten Garnisonstadt Mainz statt. Es sind folgende Veranstaltungen vorgesehen: Am 30. Mai Gedächtnisfeier an der Regiments-Ehrentafel auf dem Friedhof; Begrüßungsabend in der Stadthalle mit Fahnen- weihe des Mainzer Vereins. Am 31. Mai Kirchgang, Regimentsappell auf dem Kasernenhof der Alice- kaserne, anschließend Festzug durch die Stadt. Nach Auflösung kompanieweises Mittagessen in den Standquartieren. Ab 20 Uhr „Rheinischer Abend"- mit Tanz in der Stadthalle. Am 1. Juni, nachmittags, Dampferfahrt auf dem Rhein mit Unterbrechung in Bingen. Rückkehr gegen 20 Uhr. Anmeldung an den Kameraden A. Reith, Mainz, Obere Zahlbacher Straße 68. Große Strafkammer Gießen. • Gießen, 19. Mai. Von einigen kleineren Fällen abgesehen, wurde in der heutigen Sitzung die Strafsache gegen den Stadtbaumeister Sch. von Butzbach verhandelt. Sch. war vor einiger Zeit durch die Strafkammer wegen Llrkunden- fälschung zu 5Monaten Gefängnis verurteilt und wegen Koksunterschlogung freigesprochen worden. Wie wir vor kurzem berichteten, hat das Reichsgericht dieses Urteil insoweit ausgehoben, als Sch. von der An- Hage der Unterschlagung freigesprochen war. Dieser Fall war daher nochmals Gegenstand der heutigen Verhandlung. Als Leiter des Stadtbauamts hatte er u. a. das Brennmaterial für die einzelnen städtischen Betriebe zu besorgen. Aus diesen städtischen Beständen wurden einzelne städtische Beamte, unter ihnen der Angeklagte, mit Koks beliefert. Die hierüber ausgestellten Wiegescheine gingen an das Stadtbauamt, das für die belieferten Beamten die Rechnungen ausstellte und an die Stadtkass« zwecks Verrechnung bei der Gehaltsauszahlung weitergab. Don den erhaltenen Kokslieferungen hat aber der Angeklagte, der für die ordnungsmäßige Erledigung allein verantwortlich war, den größeren Teil nicht bezahlt, bic ihn betreffenden Rechnungen, die wie alle anderen auch durch seine Hand liefen, gelangten nicht an die Stadtkasse. Das Gericht kam zu der Ueberzeugung, daß der Angellagte es darauf abgesehen hatte, den ihm gelieferten Koks nicht zu bezahlen, und dah er über die der Stadtkasse gegen ihn zustehenden Forderungen absichtlich zu deren Nachteil verfügt hat. Es erblickte in dem Verhalten des Angeklagten Untreue in Tateinheit mit Betrug und verurteilte ihn zu weiteren 4 Monaten Gefängnis. Aus beiden Strafen wurde eine Gesamtstrafe von 7 Monaten Gefängnis gebildet. Die Wetterlage. ■58- laytn. woöyäi SA/ W’r&'LO «♦n Berlin \Tou^> ZU* Qierm üz Yii. “ll > .1 ’l£'- 0 0 Trankt o Qwolkenlos. 0 neuer. 3 narr» Bedeckt 3 wolkig, • oevtcki «Itegtn * Schnee ten gehen die Temperatur an. Die Limen verBin»., Sieben, Frankfurt. Sir. 52/56, Tel. 2847. Ausbaufäbiges Konfitürengeschäft in guter Lauflage preiswert zu verk. Schr. Ang. unt. 02988 an den Gies,. Anz. Geräumige Salle 8,50x5 m, gedeckt u. verschalt, mit Fun- damentmauerwerk, sowie schwere Rüfi- stangen bill.abzugeb. Näh. Ludwigttr.lv. 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H6 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, 20. Mai Aus Natur und Technik. Warum sehi plötzlich der Fernempfang aus? Don Dipl.-Ing. A. Lion. Wenn die Alten auf Grund ihrer Erkenntnisse sagen konnten: „Alles flieht", so dürfen wir, gestützt auf den festen Unterbau der modernen Naturwissenschaft, mit noch größerem "Recht sagen: „Alles schwingt"; denn wir wissen, daß jegliches Geschehen in der Welt auf irgendwelche Schwingungen zurückgeführt werden kann, auf Wellen, vergleichbar denen, die die Oberfläche des Wassers kräuseln. Wir „sehen" Lichtwellen, „hören" akustische Wellen, spüren elektrische Wellen und Wärme, die auch nichts anderes ist als der unvorstellbar schnelle Rhythmus schwingender Moleküle. Lind bald wird man auch die feinsten seelischen Vorgänge und Empfindungen auf kleinste, feinste Wellenbewegungen zurückführen können, — und das braucht noch lange keine Entgöttlichung. der Welt zu bedeuten! 3ix wachsenden Kreisen breitet sich die Welle über die Wasseroberfläche aus, allmählich abklingend, schwächer werdend infolge der Reibung, die sie verzehrt. Sie trifft auf eine Mauer, kommt zurück, begegnet den nachfolgenden Wellenbergen und -tälern. 3eht ist das Gleichmaß der Welle gestört. Da, wo von der einen Seite ein Wellental, von der anderen ein Wellenberg zu- fammentreffen, tritt eine Schwächung der Wellenstärke, nämlich der Wellenhöhe ein, der Amplitude, wie der Schwingungsfachmann sagt, unter Umständen, wenn die sich begegnenden Wellen gleich stark sind, sogar ein vollkommenes Verlöschen der Welle, die sich an anderen Stellen dagegen verstärkt. Findet diese „Interferenz", wie der Schwingungsmnnn sagt, nicht bei den kurzen Wasser-, sondern bei ben viel längeren Rundfunkwellen statt, und steht der EmpfangS- apparat gerade in der Rähe der ungünstigen Stelle, wo die Stärken, die Amplituden zweier ober mehrerer Wellen in einem so unglücklichen Verhältnis zueinanber stehen, daß sie zusammen einen sehr kleinen Wert oder gar Rull ergeben, dann hört man auch bei größter Derstärfting wenig oder nichts; das berüchtigte Fading, das jeder Radiofreund kennt, ist eingetreten, jene Schwunderscheinung, die plötzlich einseht und wieder verschwindet, und die den schönsten Empfang verdirbt. Am selben Empfangsvrt treten die störenden Fadings bekanntlich zu ganz verschiedenen Zeiten auf, in wechselnder Stärke und Ausdehnung, unberechenbar, und die Mittel, den Empfang trotzdem automatisch in gleicher Stärke zu erhalten, sind kostspielig und kommen für den Durchschnittshorer nicht in Frage. Unregelmäßig und unberechenbar wie die Wolken über den Himmel ziehen, kommen und verschwinden die Fadings, und ihre Ursachen sind auch dem Wetter vergleichbar, allerdings dem Wetter in einer Atmosphärenschicht, die hoch Über den Wolken liegt. Die Sender sind an ihnen unschuldig, Die Sende-Antenne strahlt die elektrischen Schwingungen, die Träger der Sendung, nach allen Seiten in den Raum. Ein Teil läuft an der Erdoberfläche entlang und wird, je nachdem er über Wälder, Städte, Felder oder Gewässer kriecht, mehr oder weniger stark aufgezehrt, gedämpft. 3e länger die Sende welle ist. um so kräftiger ist sie gewissermaßen und um so weiter wirkt die „Vodenwelle", um so teurer sind allerdings auch die Sender. Ursprünglich, voi; der Zeit des Rundfunks, arbeitete man ausschließlich mit den langen Wellen bis zu 20 000 Meter zur Rachrichtenübermi ttelung und benutzte auch nur die Vodenwelle, die sich weit Über di« Erdoberfläche verbreitet und frei von Fadings ist. 3« kürzer die Welle ist, um so weniger widerstandsfähig ist ihre Bodenwelle, und um so rascher wird diese von den Widerständen der Erdoberfläche absorbiert. Ein anderer Teil der Sende- Energie wird als ..Raumwelle" in die Atmosphäre geworfen und trifft in etwa 100 Kilometer Höhe auf die Heavisideschicht, ein ungeheures Meer von elektrisch gelaßenen Teilchen. 3onen, deren Ladungen unter dem Einfluß der Sonnenstrahlung stehen, also nachts und tags verschieden find, ein Winke für den Photo-Amateur. LeichteNcgativretusche.-DasSelbstkoPieren und seine Reize. Rur äu häufig muh man nach Beendigung der Entwicklung feststellen, daß das Negativ nicht vollständig fehlerlos ist. Hier und dort sind helle Punkte oder Flecken in der Schicht vorhanden, die gewöhnlich von Staub oder Verletzungen herrühren und auf den Bildern recht störend in Erscheinung treten. Oft sind aber auch die Schatten zu dunkel ausgefallen und bedürfen leichter Aufhellung. Alle diese und ähnliche Fehler sollen schon am Regativ beseitigt werden. Die Verbesserung geschieht durch die sogenannte Retusche. Diese erfolgte früher allgemein durch Bleistift, Gravitpulver oder Karminfarbe. Seit einigen 3ahren wird aber für die gröbere Retusche fast ausschließlich Coccin oder das Reu- Eoccin der Agfa-Werke verwendet. Eoccin ist ein in Wasser leicht löslicher Farbstoff, durch den die Gelatinefchicht sich vollständig gleichmäßig, also ohne Fleckenbildung, einfärben läßt. Er läßt sich aber auch durch mehr oder weniger langes Wässern gaiu oder teilweise aus der Schicht entfernen. Feyter in der Retusche lassen sich mithin auf die denkbar einfachste Weise beseitigen. Zudem ist die Farbe vollständig kornlos, so daß auch bei Vergrößerungen die retuschierten Stellen auf den Bildern sich nicht störend bemerkbar machen können. Zum Gebrauch werden drei verschieden starke Lösungen hergestellt. Die schwächste muh so beschaffen sein, daß sie die glasklaren Stellen des Regativs nur mit einer leichten rötlichen Färbung deckt. Die Farbe wird mit einem weichen, nur wenig getränkten Pinsel direkt auf die Schichtseite aufgetragen, stets aber nur so viel, wie die Schicht aufzunehmen vermag. Tropfenbildungen müssen also vermieden werden. Das Aufträgen wird solange wiederholt, bis die gewünschte Deckung erreicht ist. Erst wenn die Schicht vollständig durchtränft ist, kann man zu einer stärkeren Lösung greifen. 3onenmeer, das von elektrischen Stürmen beunruhigt wird und dessen Oberfläche, oder vielmehr Unterfläche, dauernd auf- und abschwankt. Beim Eintritt in dies elektrische Meer werden bis Wellen des Senders zum Tell gebrochen tote der Lichtstrahl an der Wasseroberfläche; ein Teil der Sendekraft wird sofort unter einem anderen Winkel auf die Erdoberfläche zurückgetoorsen, gelangt vielleicht auf irgendwelchen Wegen wieder in diese geheimnisvolle Schicht, wird vielleicht ein paarmal auf diesem döegc hin- und her- getoorfen, bis er auf irgendeinen Empfänger trifft; ein anderer Teil läuft vielleicht erst ein paar hundert Kilometer innerhalb dieser Schicht, bis er zur Erde zurückgeworfen wird; und ein dritter Teil ist wohl auch innerhalb dieser Schicht für alle Ewigkeit verloren. Wie groß die Anteile der Sende-Energte sind, die auf ihren mannigfaltigen komplizierten Wegen auf einen Empfänger treffen, ist also, wie man sieht, unberechenbar. Die Bodenwelle ist viel zuverlässiger als die Raumwelle, aber deren Reichweite ist gerade im Bereich der Rundfunkwellen und erst recht in dem der Kurzwellen viel größer, und für Fernempfang auf große Entfernungen kommt daher nur sie in Frage. Um den Sender herum liegt also inüen ein Gebiet, in dem nur mit der zuverlässigen Bodenwelle empfangen wird; ganz außen liegt ein Ring, der auf die toeniger zuverlässige Raumwelle angewiesen ist, und dazwischen liegt das Gebiet, in dem wir Raum- und Bodenwelle gleichzeitig empfangen, und das ist das Gebiet der eigentlichen Fadings. Man stelle sich vor, daß eine Empfangs-Antenne gleichzeitig von der Bodenwelle getroffen wird und von einer Raumwelle, deren Weg soviel länger ist, dah sie gerade eine halbe Wellenlänge hinter der Bodenwelle herhinkt. Dann tritt die eingangs geschilderte 3nter- ferenz-Erscheinung ein, Wellenberg und Wellental treffen zusammen und heben sich gegenfettig auf — der Empfang ist unterbrochen, bis sich vielleicht die Unterfläche der Heavisideschicht um ein paar hundert Meter gefenft hat. Natürlich tritt dieser „3dealfall" des Fadings nur in einem Gebiet auf, in dem die Stärke der Raum- und der Bodenwelle ungefähr gleich ist, und dies Gebiet liegt, soweit die Rundsi-nkwellen in Frage kommen, in einem Ring etwa zwischen 150 und 600 Kilometer um den Sender herum, also im typischen Gebiet des Fernempfangs. Das eigentliche, weiter außen liegende Empfangsgebiet der Raumwelle, das von der Bodenwelle nicht mehr erreicht wird, leidet weniger unter kurzzeitigen unberechenbaren Fadings als unter denen, die unter dem Einfluß der Sonnenbestrahlung, durch den Wechsel von Tag und Nacht, entstehen. Dieser Einfluß ist aber regelmäßiger, und man geht ihm zum Beispiel im Kurzwellenbetrieb aus dem Wege, indem man am Tage mit der Welle 15 Meter, nachts mit der Welle 30 Meter und in der Uebergangszeit mit der Welle 20 Meter arbeitet. 3nnerhalb deS eigentlichen Rundfunkgebietes, also zwischen etwa 200 und 2000 Meter Wellenlänge. werden übrigens die Fadings unangenehmer. je kürzer die Sendetoelle ist, aber leider stehen ja wegen der Gefcchr der Ueberlagerung nur verhältnismäßig wenige Wellen in diesem Gebiet zur Verfügung, deren Verteilung international geregelt worden ist. so dah nicht jeder Großsender eine lange Welle bekommen kann. Der Herzschrei-er. Von Max Fischer. 3n der Berliner Technisch-Literarischen Gesellschaft sprach dieser Tage Oberingenieur v. Kupfer über den neuen Herzschreiber, der auf der Tagung der „inneren“ Aerzte in Wiesbaden zum erstenmal vorgeführt worden ist. Das Gerät zeichnet sich vor den. bisherigen verwickelten und empfindlichen Herzschreibem durch große Einfachheit feines Baues und seiner Bedienung, große Widerstandsfähigkeit gegen mechanische und elektrische Störungen, geringen Raumbedarf und durch einen wesentlich niedrigeren Kaufpreis aus. Das Herz ist bekanntlich eine Pumpe, die das Blut durch die Adem dauernd im Kreislauf hält. Etwa achtzigmal in der Minute jagt es das Blut durch den Körper des erwachsenen Menschen, und je kleiner ein Mensch oder ein Tier ist, desto schneller arbeitet daS Herz. Viele Rundfunkhörer! werden sich ja des Vortrags erinnern, der kürzlich von Wien aus über sämtliche europäischen Sender gegangen ist und uns die Herztöne von Menschen und Tieren hörbar gemacht hat; sie werden sich auch vielleicht erinnern, tote die Herztöne eines Mäuschens so schnell aufeinander folgten, daß sie tote rrrrrrrrr klangen. Wenn es nun auch beim Menschen nicht so schnell geht, so ist doch zu bedenken, daß sein Herz in der Stunde 4800, am Tage 151 000, im Jahre aber 42 Millionen Schläge macht, so daß es bei einem Siebzigjährigen rund drei Milliarden mal geschlagen hat, und damit in der Regel abgelaufen ist. Bei den großen Wichtigkeit der Herztätigkeit ist es natürlich außerordentlich wichtig, wenn sich der Arzt von der Art vorhandener Störungen des so angestrengt arbeitenden Hebens ein möglichst genaues und einwandfreies Bild machen kann. Dazu dient der Herzschreiber. Beim Pumpen ziehen sich die Herzmuskeln zusammen und treiben so das Blut aus dem Herzen in die Adem; dann dehnen sie sich wieder aus und saugen das durch die Rückleitungsadem zurückströmende Blut wieder an. Bei dieser Muskelzusammenziehung entstehen nun elektrische Spannungen, die man schon seit längerer Zeit mit dem Spiegelgalvanometer ausgezeichnet hat. Ein solches Spiegelgaloanoineter ist aber ein außerordentlich empfindliches Gerät: Die von den Herzspannungsschwankungen ausgehenden und etwa am linken Arm und am rechten Dein abgenommenen Ströme durchfliehen feine Drahtspulen, in deren Feld ein kaum sichtbarer Draht gespannt ist. Auf diesem Draht ist ein Spiegel- chen aufgeliebt, auf das ein Lichtstrahl fällt. Wird nun das Spiegelchen durch die Herzströme abge- lenft, so zeichnet der ausfallende Lichtstrahl Herz- 3000000000000000000 3000000000000000000 Herzschrift. schrift auf einen lichtempfindlichen Papier streifen. Dieser Streifen bildet dann ein genaues und unbeeinflußtes Abblld der Herztätigkeit. Run ist aber ein solches Galvanometer ein ganz außerordentlich empfindliches Gerät, und das muß es sein, da die Herzströme nur sehr schwach sind, so dah gröbere Geräte daraus gar nicht ansprechen würden. Diese Empfindlichkeit hat aber zur Folge, dah das Gerät auch gegen die feinsten Erschütterungen geschützt werden muhte, weil sonst z. B ein vorbeifahrender Wagen die Herzschrift verfälschen und so ein Leiden Vortäuschen konnte, das in Wirklichkeit gar nicht vorhanden war. Aehnlich liegt es mit der Beeinflussung durch die elektrischen Leitungen und Maschinen unserer Häuser, so daß auch gegen diese Beeinflussungen besondere Schutzmahnahmen angewendet werden muhten. Die Rundfunktechnik, die schon so viele Gebiete befruchtet hat, hat nunmehr auch beim Herzschreiber helfend eingegriffen. Die schwachen Herz- ströme werden bei dem neuen Gerät zunächst durch Verstärkerröhren ganz gewöhnlicher Bauart, wie sie bei jedem Funkhändler zu haben sind, verstärkt. Run braucht man zu ihrem Rachweis fein empfindliches Galvanometer mehr, sondern kann da- Das Arbeiten auf der Schichtseite ist bei diesem Verfahren recht einfach, es bedarf keiner besonderen Uebung, sondern nur einiger Vorsicht. Löcher in der Schicht oder Derkratzungen können schon durch einfaches Betupfen oder durch einige Pinselstriche beseitigt werden. Zu dunkel erscheinende Hintergründe lassen sich ohne weiteres beleben oder auch ganz nach Wunsch aufhellen. Größere Flächen können mit einer deckenden Farbschicht belegt werden, wobei man jede Kontur einhalten kann. Die Farbe bringt zwar leicht in die Schicht ein, aber sie verläuft nicht. Es können zur Erzielung kräftiger Effekte auch eng begrenzte Spitzlichter bis zu großer Deckkraft aufgesetzt werden. Für alle diese Arbeiten benötigt man nicht unbedingt einen Retuschierspiegel. Man wird meistens zum Ziele kommen, wenn das Regativ fest und wagerecht bei gutem Licht auf eine weihe Unterlage gelegt wird. Das Resultat muh dann in der Durchsicht nachgeprüft werden Zu starke Auftragungen lassen sich durch einen farbfreien aber angefeuchteten Pinsel wieder abheben oder durch entsprechendes Wässern wieder ganz entfernen. Die Gefahr des Mihlingens ist mithin bei dieser Art der Retusche sehr gering. Bei einiger Hebung läht sich das Regativ sogar ganz individuell gestalten. Dor Hebertreibungen soll man sich aber stets in acht nehmen 3ebe selbst ausgeführte Arbeit hat fraglos ihre eigenen Reize. Dies trifft ganz besonders für das Selbstkopieren zu, insbesondere deshalb, weil diese Tätigkeit das Endergebnis einer photographischen Ausnahme darstellt. Wer selbst kopiert, ist ohne weiteres in der Lage, seinen Bildern einen auf das Objekt abgestimmten Ton und eine äußerlich wertvolle Aufmachung zu geben 3edenfalls wird der Amateur durch die Herstellung von Abzügen aus verschiedenem Positiv- material sehr leicht in der Lage fein, nicht nur das Bestmögliche herauszuholen, sondern er wird auch unschwer das herausfinden was seiner Geschmacksrichtung am meisten entspricht. Folgendes ist aber von vornherein zu beachten: Bei Kleinkameras bis zur Bildgröße von 4,5 X 6 Zentimeter genügt ein einfacher Kontaktabzug nicht. Es sind vielmehr Vergrößerungen, etwa bis 10 X 15 Zentimeter, herzustellen, da bei Aufnahmen so kleinen Formats bei Kontaktabzügen die Dildwirkung verlorengehen würde. Bei allen übrigen Größen wird dagegen von wenigen Ausnahmen abgesehen mit einem direkten Dildabzug auszukommen sein Zum Kopieren ist ein in jeder Photohandlung erhältlicher Amateurk^pierrahmen erforderlich. Er dient zur Aufnahme des entwickelten Regativs (Platte oder Film) und des Positivpapiers. Für die Flüssigkeiten genügen zwei Glas- oder Stein- gutschalen, passend zum Bildformat der Kamern während für die Wässerung der Bilder die in jedem Haushalt vorhandenen Schüsseln oder Eimer verwendet werden können. Bei den Positivpapieren muh zwischen den Ent- toicklungs- und Auskopierpapieren unterschieden werden Das Entwicklungspapier erfordert bei künstlichem Licht nur eine Delichtungszeit von Bruchteilen einer Minute. Die Amateure sind außerdem vom Tageslicht ganz unabhängig und können die Arbeit bequem während der Abendstunden vornehmen Dazu sind sie nicht unbedingt auf eine Dunkelkammer angewiesen. Es genügt das übliche gelbe Licht. Die Verarbeitung des sogenannten Gaslichtpapiers kann sogar bei gewöhnlichem Licht im Schatten des eigenen Körpers vorgenommen werden ohne daß eine Verschleierung zu befürchten ist. Durch das Belichten erscheint das Bild nicht sogleich auf dem Papier, sondern es wird, genau tote beim Regativ, erst durch die Entwicklung hervor gerufen. Die Delichtungsdauer ist bei den einzelnen Papieren verschieden, sie ist ferner abhängig von der Dichte des Regativs und der Stärke der Lichtquelle. Da sie aber, tote bereits erwähnt, nur Bruchteile einer Sekunde dauert, ist es zweckmäßig, einige Probebelichtungen von verschiedener Dauer zu machen Für diese Prvbe- belichtung genügt ein schmaler Streifen des Entwicklungspapiers, keinesfalls aber ein ganjeS Blatt. Dieser Streifen wird genau so in den Ko- pierrahmen gelegt, tote später das ganze Blatt, also Schicht des Papiers auf die Schichtseite des zu einen verhältnismäßig handfesten Stromanzeiger verwenden der dann auch wieder mit einem durch ein Spiegelchen gesteuerten Lichtstrahl die Herzschrist aufzeichnet. Drehen sich die Sterne? • Don Professor Dr. Küstermann. Nachdruck verboten. Dah sich die Erde einmal täglich um sich selbst dreht, weih heute jedes Schulkind, lieber» mäßig eilig hat sie es freilich mit dieser Umdrehung nicht; denn selbst am Erdäquator, wo die dabei entwickelte Geschwindigkeit ihren Höchstwert hat, erreicht sie noch nicht einmal einen halben Kilometer in der Sekunde, beträgt dort also nur etwa so viel tote die Geschwindigkeit eines schnellen Geschosses. Was die anderen Weltkörper unserer Sonnen- toclt anlangt, so kann man von einigen mit Bestimmtheit sagen, dah sie sich gleichfalls um sich felbft drehen, dagegen von keinem einzigen, dah er sich sicher nicht dreht. Bei der Sonne z. D. können wir die Drehung an den Sonnenflecken verfolgen und dadurch feststellen, daß sie etwa die vierfache Geschwindigkeit entwickelt wie die Erde; denn die etwas über hundertmal so große Sonne braucht etwa fünfundzwanzigmal so lange Zeit zu einer Umdrehung wie die Erde. Wohl die bedeutendste Drehgeschwindigkeit innerhalb des Sonnensystems zeigt der Jupiter, denn er dreht sich in knapp zehn Stunden um sich selbst, wiewohl sein Durchmesser reichlich elfmal so groß tote der der Erde. ' Sehr viel schwieriger als bei den Gliedern unserer Sonnenwelt ist die Frage nach ihrer etwaigen Drehung bei den Fixsternen zu beantworten; denn diese erscheinen ja nur als leuchtende Punkte, und es ist selbstverständlich unmöglich, aus ihnen irgendwelche Einzelheiten wahrzunehmen. Trotzdem hat man neuerdings auch die Beantwortung dieser Fragen versucht, uni) selbstverständlich sind es wiederum die Spektrallinien, die uns bisher schon so unendlich viel von den Sternen erzählt haben, aus denen nun auch die Beantwortung dieser Fragen herausgepreßt werden soll. Drehen sich nämlich die Sterne, so wird es natürlich vorkommen, dah sich eine Sterngegend uns nähert, während die andere sich von uns entfernt. Run hat Annäherung eine Verschiebung der Linien nach dem violetten Ende des Spektrums zur Folge, Entfernung eine Verschiebung nach dem roten Ende entsprechend dem Hoher- und Tieferwerden eines Tones bei Annäherung oder Entfernung der Schallquelle. Bei einem sich drehenden Stern wird die Linie nach beiden Seiten verschoben, also verbreitert erscheinen. Selbstverständlich ist bei solchen Schlüssen große Vorsicht nötig; man darf nicht ohne weiteres von einer verbreitert erscheinenden Linie auf eine solche Drehung schließen. Aber die Sache steht schon etwas anders, wenn bei zwei sonst nach Helligkeit und Art vollkommen gleichen Sternspektren das eine eine verbreiterte Linie zeigt, das andere nicht. Man kann als Ursache des Unterschiedes vermuten, daß sich der erste Stern um eine quer zu uns liegende Achse dreht, während der zweite entweder überhaupt keine schnelle Drehung zeigt oder eine solche um eine gerade auf uns zu gerichtete Achse, die keine Wirkung Hervorrufen kann. Sollte es wirklich gelingen, Sterndrehungen einwandfrei nachzuweisen, so wären die Folgen kaum abfehbar. Cs ist ohnehin schon versucht worden, die Veränderlichkeit in der Lichtstärke mancher Sterne auf die Drehung eines nicht kugelförmigen Sternes zurückzuführen, vermöge deren er uns bald eine größere bald geringere Oberfläche zukehrt. Auch die Entstehung der so zahlreichen. Doppelsterne erklärt sich möglicherweise durch Trennung des Sternkörpers infolge schneller Drehung. Da man nun auf die oben angedeutete Art in der Tat zur Annahme von Drehgeschwindigkeiten von Hunderten von Kilometern in der Sekunde geführt worden ist, so darf man auf die weitere Entwicklung dieser Gedanken gespannt sein. Regativs. Der Streifen wird dann nach der Vorschrift der der Papierpackung beigefügten Gebrauchsanweisung entwickelt, abgespült und fixiert. 3e nach dem Ausfall dieser Probebelichtung muß der nachfolgende Streifen kürzere oder längere Zeit belichtet werden. Bei zu kurzer Belichtung erscheint das Bild nur zögernd und langsam, es fällt hart aus, während die Mitteltöne fast vollständig fehlen. Bei zu langer Belichtung erscheint das Bild sehr schnell, es hat keine Kontraste und sieht flau aus. Wer die schwarz-toeihen Bilder nicht liebt, findet in den billigen Bunttonungsgarnituren der Photohandlungen ein sehr bequemes Mittel für Sepia-, Blau-, Rotel- oder grüne Tone. Es lassen sich auch gravüreähnliche Bilder Herstellen, trenn ein geeignetes Papier verwendet wird. Der Geschmacksrichtung des einzelnen sind also recht weite Grenzen gesteckt. Niemand ist mithin bet den Entwicklungspapieren an die Schwarz-Weiß- Kopie gebunben. Etwas einfacher gestaltet sich die Verarbeitung des Auskopierpapiers, weil sich bei diesem Papier der Kopiervorgang von Anfang an beobachten läßt. Die Arbeiten lassen sich aber nur bei natürlichem Licht vornehmen und dauern sehr viel länger als beim Entwicklungspapier. Trotz dieses Rachteils wird das Auskopierpapier von vielen Amateuren bevorzugt. Wer die Anzahl der Bäder herabmindem will, greift zum felbfttonen- den Celloidinpapier, das alte erforderlichen Goldsalze bereits in der Papierschicht trägt, und infolgedessen nach dem Kopieren in einem gewöhnlichen Fixterbade auszufixieren ist. Die Behänd» lungsweise ist also die einfachste und bequemste und führt bei normalen "Negativen stets zu be- friedigenden Resilltaten. Alte anderen Auskopierpapiere erfordern dagegen entweder ein vereinigtes Tonfixierbad oder sie werden in getrennten Lösung zuerst getont und dann fixiert. Diese Arbeitsweise ist zwar etwas umständlicher, führt aber ebenfalls sicher zum Ziel. Es wird in jedem Fall von der Geschmacksrichtung des einzelnen Amateurs abhängen und von der Zeit, die ihm für seine Phvtoarbeit zur Verfügung steht, welcher Art des Positivverfährens er sich zutoendet. Fr.M. Als Mut nach Deutsch-Ostaftika. Bo in Frauenbund der Deutschen Kotonialgesellschaft. Der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft erhielt kürzlich nachfolgenden, anschaulichen Brief von einer jungen Pslanzersfrau, die mit Hilfe des Frauenbundes als Braut nach Deutsch- Ost-Asrika, dem jetzigen Mandatsland, im letzten Sommer ausgereist war. — Seitdem im Jahve 1924 Vie deutsche Einwanderung wieder zugelassen ist, haben sich Tausende von Deutschen wieder in unserem schönen, alten Schutzgebiet niedergelassen und bilden besonders in den südlichen, gesunden Hochländern große deutsche Siedlungen. „Recht herzlich möchte ich mich nochmals bei dem Kolonial-Frauenbund für die Reisebeihilfe zu meiner Ausreise nclch Ostafrika bedanken. (5m Sommer 1930 trat ich meine Fahrt mit dem Dampfer „Wangvni" in Hamburg an. Mein Endziel war Daressalaam. Dis Aden war die See recht ruhig, aber dort setzte der Monsum ein, und ich kann wohl sagen, daß 70 bis 80 Prozent allev Passagiere bis Mombassa fast ständig gelegen haben. Wie atmeten wir auf, als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Mein jetziger Mann empfing mich gleich an der Schiffsbrücke und froh, endlich am Ziel zu sein, fuhren wir schnell zum Hotel. Früh ging ich an diesem Abend schlafen, denn am andern Morgen wurden wir schon um acht Uhr getraut. Zwei Tage ging s dann durch den afrikanischen Busch, und zwei Rächte übernachteten wir unter freiem Himmel. Wie freute ich mich, endlich mein neues Heim zu sehen. Es war ja für mich alles so neu. Roch nie hatte ich ein lebendes Kaffeebäumchen gesehen, noch nie ein Lehmhäuschen mit einem Strohdach, wo es sich doch so gemütlich drin wohnen läßt. Ich konnte mich gar nicht satt an allem sehen. Mein Mann hatte zu meinem Empfang alles recht schön und gemütlich gemacht und ich habe bis heutigen Tages noch keine Sehnsucht nach Deutschland gehabt. Run bin ich schon ein halbes Lkahr hier und habe mich sehr gut eingelebi. Etwas ungewohnt war mir ja in der ersten Zeit die schwarze Bedienung, aber jeden Tag lerne ich sie besser kennen und verstehen. Die Pflanzung macht mir sehr viel Spaß, und wo ich meinem Marrn etwas helfen kann, da tue ich es gern. Sonst gibt es ja im Haushalt allerhand zu tun und der Tag ist oft nicht lang genug, um all die vorgenommenen Arbeiten zu verrichten. Untere Pflanzung liegt 1640 Meter hoch und wir haben mit all den häßlichen Tropenlrankheiten nichts zu tun. Zeder muß sich hier wohl fühlen. Don der Missionsstation liegen wir 21/2 Stunde entfernt und von den nächsten Aachbarn 20 bis 30 Minuten. Jedoch kommen wir selten mit denselben zusammen da jeder zu tun hat. Weihnachten verlebten wir sehr nett. Sogar fehlte es nicht an einem Lichterbäumchen. Die Schwarzen kamen nicht aus dem Staunen heraus und ich glaube, daß sie eine deutsche Weihnachten nie vergessen werden. Run haben wir die Regenzeit und das Zahr 1931 bringt uns hoffentlich nicht allzu große Enttäuschungen. Die letzten trockenen Wochen im Rovember und Dezember haben noch der Pflanzung großen Schaden zugefügt. Die- traurigen finanziellen Derhältnisse haben uns gezwungen, manche Arbeit zu unterlassen, die nötig gewesen wäre, aber man selbst kann nicht mehr als seine Schuldigkeit tun. Daten für Mittwoch, 20. Mai. Sonnenaufgang 4.29 Uhr, Sonnenuntergang 20.14 Uhr. — Mondaufgang 5.48 Uhr, Monduntergang 23.57 Uhr. 325: Konzil zu Nizza; — 1798: der Stenograph Wilhelm Stolze in Berlin geboren; — 1917: Ende der Frühjahrsschlacht bei Arras (seit 2. April). Sleuer-protestversammlung in Gießen. Auf Einladung des Gießener Hausbe- sitzer-Bereins fand am Montagabend im Saale des Cafe Leib eine außerordentlich stark besuchte Steuer - Protest Versammlung der Gießener .^aus- und Grundbesitzer, der wirtschaftlichen Verbände und der übrigen interessierten Mitbürger ftatt. Der Vorsitzende des Hausbesitzer-Vereins, Siadiraismiiglied Launspach, betonte zu Beginn der Versammlung, wenn der Mittelstand sich früher so rege gezeigt hätte wie jetzt, dann wären die geradezu erdrückenden Steuerlasten nicht in dem jetzigen Ausmaß zustande gekommen. Als Ertrag der vom Hessischen Landtag beschlossenen neuen Sondergebäudesteuerregelung seien 500 000 Mark angenommen worden, es könne aber jetzt schon mit einem Aufkommen aus dieser Steuer in Höhe von 2,5 bis 3 Millionen Mark gerechnet werden. Durch diese ungeheuerliche Steuerbelastung würden die Erträge der Häuser völlig weggesteuert. Diese Sachlage könne der Haus- und Grundbesitz nicht stillschweigend hinnehmen, sondern er müsse dagegen sich mit aller Entschiedenheit zur Wehr setzen, Ltniv -Prof. Or. Horneffer-Gießen, als erster Redner des Abends, betonte zunächst, für die notleidende Wirtschaft müsse jetzt mehr als bisher gesorgt werden zur Erhaltung von Volk, Staat und Kultur, die dem Untergänge preisgegeben seien, wenn die Wirtschaft verfalle. Ein gewichtiger Teil der Wirtschaft sei der Haus- und Grundbesitz, der ebenfalls gewinnbringend sein müsse, wenn er nicht verfallen solle. Die gleiche Wichtigkeit komme der Dauwirtschaft zu, weil sie eine Schlüsselstellung für zahlreiche andere Wirtschaftszweige einnehme. Dedauer- licherweise habe die fehlerhafte sozialistische Steuerpolitik die deutsche Wirtschaft ständig geschwächt. Während man in Rußland in schroffer Weise sozialistische Experimente mache, geschehe das gleiche in Deutschland heimlich und verschleiert. Die Folge dieser sozialistischen Gedankengänge in unserer Wirtschafts- und Steuerpolitik sei eine ständige Verarmung des deutschen Volkes. Obwohl alle Regierungen Steuererleichterungen versprochen hätten, würden immer wieder die Ersparnisse oder die Ueberschüsse aus den Unternehmungen durch die ungeheuerliche Desteuerung weggenommen. Die Hauptaufgabe des Staates sei, die Wirtschaft zu fördern, sie aber nicht immer wieder durch höhere Desitzsteuern auszuplündern. Die öffentliche Hand habe vielfach eine beispiellose Verschwendung getrieben, für die noch einmal Rechenschaft zu fordern sei. 3n diesem Zusammenhang sprach sich der Redner mit Entschiedenheit gegen wirtschaftliche Unternehmungen der Städte aus, die aus den ©teuer* Mitteln der Bürger geschaffen und dann dem freien Gewerbe und Handwerk wieder Konkurrenz machten. (Lebhafte Zustimmung.) Aus dieser furchtbaren Lage der Wirtschaft sei nur herauszukommen durch eine Minderung der Gestehungskosten, nicht aber durch Arbeitszeitverkürzung. Weiter polemisierte der Redner gegen das Tarifwesen, das er als unhaltbar bezeichnete, wenn die Wirtschaft wieder gesunden solle. Er wandte sich hierbei mit großer Entschiedenheit gegen die Bestrebungen der Gewerkschaften zur unbedingten Aufrechterhaltung der Tarife und betonte, daß durch das Tarifwesen eine Senkung der Gestehungskosten verhindert werde. Auch für die Sozialpolitik gelte angesichts der verarmten Wirtschaft die Forderung, daß sich die Wohlfahrtspflege den veränderten Verhältnissen anzupassen habe. Der Redner forderte im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen die völlige Wiederherstellung einer freien Wirtschaft, bei welcher der Staat nur die Auswüchse zu bekämpfen habe, nicht aber die Freiheit der Wirtschaft selbst antasten dürfe. In diesem Zusammenhänge verlangte er die Beseitigung der Wohnungszwangswirt- schast und der Hauszinssteuer. Das gesamte Bürgertum müsse sich jetzt endlich mit Entschlossenheit dem Sozialismus entgegenstellen. An Stelle des sozialistischen Systems müsse das pri- vatwirtschastliche System wieder zur Geltung gebracht und eine vollständige Aenderung der Verwaltung herbeigeführt werden. Bei den kommenden Landtagswahlen müsse die jetzige Regierung gestürzt werden. Dazu sei es jetzt höchste Zeit. (Langanhaltender stürmischer Beifall.) Siadiraismiiglied Architekt Nicolaus behandelte als zweiter Redner des Abends vor allem die Auswirkung der jüngsten hessischen Steuergesetzgebung. Er erinnerte u. a. daran, daß nach der Notverordnung der Reichsregierung die Grundsteuer um 10 v. H. gesenkt werden und Steuererhöhungen nicht mehr zulässig sein sollten, der hessische Staat aber noch vor Ablauf des Jahres 1930 eine Grundsteuererhöhung um 200 o. S). und neuerdings eine Senkung um 6 v. H. vorgenommen habe. Es fei also nicht" nur keine 10 pro - genüge Steuersenkung gekommen, sondern eine 19 4 p r o g e n t i g e Grund st euererhö- hung eingetreten. Aber auch dieses Mehr an Steuern habe nicht genügt, um den Anforderungen der Regierung gu entsprechen, und so habe man nun noch eine gewaltige Erhöhung der Sondergebäude st euer für alle Hausgrund- stücke mit einem Ertrag von mehr als 5 o. ch. der Friedensmiete durchaeführt. An Stelle der berechneten 500 000 Mark feien aller Voraussicht nach aus der erhöhten Sondergebäudesteuer 3 Millionen Mark gu erwarten, so daß man dem Hausbesitz wiederum 21 Millionen Mark mehr aus den Mieteingängen entgiehe. Besonders kenngeichnend sei, daß der Landtag nach dem Vorschläge der Regierung mit den Stimmen der Sogialdemokratie, des Zentrums und der Staatspartei auch beschlossen habe, daß die Städte verpflichtet sind, die Sonder- gebäudesteuer in der gleichen Weise wie der Staat gu erheben, also ebenfalls dem Hausbesitz ein Vielfaches abgunehmen. Der Mittelstand müsse sich die Parteien merken, die diesen Beschluß gefaßt hätten, und er dürfe diesen Parteien bei den Wahlen keine Stimme geben. Die Auswirkung dieses Landtagsbeschlusses auf Gießen sei, daß statt der im Voranschlag vorgesehenen 6300 Mark aus der Sondergebäudesteuer 50 bis 60 000 Mark eingehen würden. Die bürgerlichen Stadtratsfraktionen würden aber jedenfalls einem Antrag ^uftimmen, daß nur das erste Ziel der Sond'eraebäudesteuer erhoben werde und die übrigen fünf Ziele nicht zur Erhebung kommen sollten. Dadurch könne die Stadtratsmehrheit erfteulicherweife ein Steuerübel verhindern. Der Redner polemisierte weiter gegen die Politik des hessischen Finangministers, die einfach unbegreiflich sei. Er forderte dann, ebenso wie der Vorredner, die Wiederherstellung der freien Wirtschaft auch auf dem Wohnungsmarkte, durch die eine Belebung des Baumarktes, h-ieraus wirksame Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und verstärkte Antriebsmöglichkeiten für die gesamte Wirtschaft gu erwarten sei. Zum Schluß wies er nochmals auf die Steuerbeschlüsse der Sozialdemokratie, des Zentrums und der Staatspartei im Landtag hin und erklärte, daß man bei diesen Parteien den Willen zur Vernichtung des Hausbesitzes annehmen müsse, dem aber der Wille zur Selbsterhaltung des Hausbesitzes bei der Land- taqswahl mit dem Wahlzettel entgegenzustellen sei. (Anhaltender, stürmischer Beifall.) Eine kurze Aussprache gab zunächst Herrn Kaufmann Weidig Veranlassung, auf die zunehmende Belästigung und Mißhandlung von Bürgern durch kommuntstksche Elemente in unserer Stadt hinzuweisen und bessere Schutzmaßnahmen der Regierung zu fordern. Der Vorsitzende, Stadtratsmitglied L a u n s p a ch, gab sodann Ziffern über die Belastung des Hausbe- sihes bekannt und bemerkte dabei, der „Gießener Anzeiger", der ja dem Hausbesitz sonst nicht freundlich gesinnt sei, möge diese Ziffern bekanntgeben. (Der Redner versäumte cs aber, dem Vertreter unserer Redaktion die Ziffern zu übermitteln.) Stadtratsmitglied Ad. Schmidt unterstrich in kurzen Ausführungen die Darlegungen^ der beiden Referenten und ihren Appell zum entsprechenden Handeln bei der kommenden Landtagswahl. Hierauf erklärte sich die Versammlung einstimmig einverstanden mit der nachstehenden Entschließung: „Die am 18. Mai im Saale des Caf6 Leib gu Gießen stark besuchte Versammlung des Hausbesitzer- Vereins und der wirtschaftlichen Verbände Gießens erhebt schärfsten Protest gegen die erneuten Erhöhungen der Grund- und Sondersteuern. Der ohnehin schon ruinierte Hausbesitz wird dadurch weiterhin in einer Art und Höhe belastet, daß er dem voll- ständigen Zusammenbruch entgegengeführt wird. Durch die rücksichtslose Wegsteuerung^d^» letzten Ertrages aus den Mieten ist es dem Hausbesitz nicht möglich, weiterhin noch Kapital für große und not- wendige Instandsetzungen der Häuser aufzubringen. Bei diesem ungeheuerlichen Steuerdruck können elbst kaum die notwendigsten und kleinsten Instand- etzungsarbeiten ausgeführt werden. Die Folgen sind: )ie Häuser verfallen, die Notlage der wirtschaftlichen Kreise, vesonders die der Bauhandwerker, wird ver- größert, die Arbeitslosigkeit und die Wohlfahrtssur- forgelaften erheblich vermehrt. Diese Tatsachen müssen auch der hessischen Regierung gu Bedenken Anlaß geben, denn mit der Vernichtung des Haus- besitzes fällt auch der gesamte steuerzahlende Mittelstand der Verelendung anheim. Wir fordern deshalb, oaß die hessische Regierung aus dieser Sachlage ungesäumt die erforderlichen Schlußfolgerungen zur Vermeidung der katastrophalsten Auswirkungen zieht." Der Dorsihenbe des Hausbesitzer-VeveinS, Stadtratsmitglied Launspach, glaubte — wie vorstehend berichtet — dem „Gießener Anzeiger" den Vorwurf machen zu sollen, er fei dem Hausbesitz nicht freundlich gesinnt. Zum Beweis für feine Behauptung führte Herr Laun- s p a ch an, daß Einsendungen, die er an den „Gießener Anzeiger" gerichtet habe, nicht aufgenommen worden seien. Dazu stellen wir fest, daH der „Gießener Anzeige?' es stets als seine besondere Pflicht angesehen hat, für die berechtigten Interessen des Mittelstandes und damit auch des Hausbesihes einzutreten. Die mittelstandsfreundliche Haltung des „Gießener Anzeigers", die in den Kreisen des Handwerks und Hausbesitzes hinlänglich bekannt ist, kann auch durch die unrichtige Behauptung des Herrn Launspach nicht aus der Welt geschafft werden Was die Einsendungen des Herrn Launspach anbetrifft, so ist festzustellen, daß die von ihm eingesandten Versammlungsberichte des Hausbesitzer-Vereins stets in dem gebotenen Rahmen von uns ausgenommen wurden. Allerdings konnte kürzlich eine Zuschrift des Herrn Launspach in der Frage der Sondergebäudesteuer von uns nicht berücksichttgt werden, weil in ihr lediglich eine rein persönliche Meinung, aber keine sachliche Auseinandersetzung mit dem Steuerproblem enthalten war. Der „Gießener Anzeiger" wird stets bereit sein, den sachlichen Argumenten des Hausbesitzes seine Spalten zu öffnen und damit die Belange des hausbesihenden Mittelstandes vor dem Forum der Oeffentlichkeit zur Geltung zu bringen. WHtolMll s , i v JB JNH.GEORGFALKENCTEIN/GIE^EN/4ELTER6WEG18 rr^ ■ 3163 A nur moderne Muster, gute Qualität, ab Mk. 0.75 Herren-Sportstrümpfe mit Fuß.... ab Mk. 1.40 Kindersöckchen Baumwolle mit Wollrand, Größe 3, ab Mk. 0.55 Kniestrümpfe, beste Qual., Größe 3, ab Mk. 0.75 Haferlsöckchen, weiß und farbig .. ab Mk. 0.50 Herrensocken Zu PFin&slen M flhimpi SHiUUVEMUUF Damenstrümpfe Haferlsöckchen, Baumwolle.......ab Mk. 0.55 Seidenflor, beste, schwere Qualität.. Mk. 1.90 Künstliche Seide, feinfädig.......... 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