Mittwoch, 19. August (951 181. Jahrgang Nr. 192 Erster Matt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drnd nnö Verlag: vrLhl'sche Uitversttüwvvch- n*ö Sttinöruderd B. tauge tu Sietzen. Sdfrtftleitung und Sefchästrftelle: Zchullttatze 7. leeatimt oo* Bnjetgc« für Die lagesnummtr bis zum Nachmittag vorher. Prtis für I mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Neichepfennig; für Be» klamcanjcigen von 70 mrx Brette 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20'. mehr. ThefredaKteur Dr Fnedr Wilh Gange. Derantwonlich für Politik Dr. Fr Wilh Lana«! für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für de» Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Diesten Erlche'ni,-glich, nutz« öonniag» und Feiertag» Beilagen Vie Illustrierte Gietzenet Familien blätter hetmal 'm Bild Tie Scholle ■enau-Bezugspreis; 2.20 Beichsmarb und 30 Neichepfennrg für Trüge» lohn, auch bei Nichte» scheinen einzelner Nummern Infolge höhere, Gewalt. Zeriilprechanlchlüße an t e r S a m m e brumm e r2251 Anlchnfl für Vrohlnach- richten Anzeiger Oleste». paßfchecksonto: grevfhirtam Main 11688. Einigung des Basler Siillhaliekonsortiums. Auch die Frage der ausländischen Markguthaben bereinigt. - Oer Bericht der Sachverständigen veröffentlicht. - Er ver, langt Wiederherstellung des Vertrauens durch politische Verständigung als wichtigste Voraussetzung für die Hergabe langfristiger Kredite und fordert die Regierungen auf, keine Zeit zu verlieren. Bafel. IS.Bug. (WIB.) Die bis in die späten Nachtstunden fortgesetzten Verhandlungen de» internationalen Sachoersländigenausschustc» und de» fo- genannten Stillhaltekansortium» wurden kurz vor 1 Uhr z u L n d e g e f ü h r l. In sämtlichen Punkten gelangte man nach langwierigen, oft unterbrochenen Verhandlungen zu einer Einigung. Vie» gill auch für die fo heitz umstrittene Frage der aus- lündif chen Markguthaben In Deutsch- land. Diese» Problem, dem von deutscher Seile erhebliche Bedenken belgemeffcn wurden, ist, wie man Höri, In der weise gelöst worden, daß 2 0 v. h. dieser Guthaben sosort und der Best allmählich abgezogen werden können. Das Abkommen über diese Frage steht jedoch einen Vorbehalt vor Insofern al» öle Beichsbank gewisse Mahnahmen treffen kann für den Fall, dah sich durch den Abzug dieser Markguthaben eine Gefährdung der Vevisenlage der Beichsbank ergeben könnte, ver Bericht de» Still Halteausschusses wird erst am Mittwoch hier unterzeichnet und zur veröstentllchung kommen. Oer Layton-Berichi. Tie Lachverständigen fordern Beseitigung deS System- einseitiger Reparationen. -Bafel, 19. Aug. (TU.) Der vom internationalen Sachverslänbigenausschuh, dem Ausschuß zum Studium der deutschen Kreditlage gestern unterfertigte Bericht, dessen Verfasser Daü englische Ausschußmitglied Sir Walther Lay ton ist, ist in der Rächt zum Mittwoch in englischer, französischer und deutscher Sprache, und zwar im vorläufigen Text, veröffentlicht worden. Wichtig sind vor allem seine Schlußfolgerungen Der Bericht führt zunächst über die Maßnahmen Deutschland- aus, dah es zwei Mittel gebe, durch die Deutschland ohne fremde Hilfe möglicherweise eine Sanierung erreichen könnte: 1. durch weitere Veräußerung der deutschen Auslandsaktiven, und 2. durch Erwerb von Devisen mittels Drosselung der Einfuhr. Gewisse Einschränkungen der Einfuhr im Verhältnis zur Ausfuhr und strikter durchgeführter Sparsamkeit sowohl bei den öffentlichen Ausgaben aiS auch bei manchen Formen des privaten Aufwands würden in Zukunft erforderlich sein, um Deutschland in die Lage zu versetzen, seinen jährlichen Verpflichtungen gegen da- Ausland nachzutomrnen und die Schulden, welche eS in den letzten Jahren ausgenommen habe, zurückzuzahlen. Aber eine Ausfuhr in beinahe der doppelten Höhe der Einfuhr — wenn sie tatsächlich durchführbar wäre — würde eine ernfte Störung seines Wirtschaftsleben- mit sich bringen. Die Aulrechterhaltung der Ausfuhr unter dem infolge des scharfen Wettbewerbs gegenwärtig gegebenen Verhältnissen bringen den Verkauf von Waren zu sehr niedrigen Preisen mit sich, während die Drosselung der Einfuhr in dem vorgeschlagenen Maßstab ein niedriges Verbrauchernivcau in Deutschland bedinge. Derartige Maßnahmen führten daher zu weiterer Verarmung und hoher Arbeitslosigkeit. bedingt durch Einschränkung des Kredits. Dadurch werde zweifellos auch die Weltdeprefsion verstärkt. Wenn diese dazu führe, daß die anderen Länder zu Gegenmaßnahmen schritten, um ihre Märkte zu schützen, so werde da- Handelsvolumen noch weiter herabgedrückt. DaS Komitee erachte es deshalb im allgemeinen Interesse für höchst unerwünscht, daß Deutschland gezwungen würde, eine derart schroffe Lösung zu wählen. vle Finanzsachverständigen kommen daher zu dem endgültigen Schluß, dah es sowohl im allgemeinen Interesse ab auch im Interesse veutschlands notwendig Ist, L da» jetzige Volumen der deutschen Ausland»- kredite aufrechtzuerhalten und 2. auf alle Fälle einen Teil der zurückgezogenen Mittel aus ausländischen Quellen zu ersehen. Wir sind daher der Aussassung, dah zur Sicherung von Deutschlands finanzieller Stabilität alle weiteren Kredite in Form einer langfristigen Anleihe gegeben werden sollten und daß diejenigen Teile der bestehenden kurzfristigen Kredite, die hierfür in Betracht kommen, in lang- frlstige Verpflichtungen umgewandett werden sollten. Der zweite Teil unseres Auftrages weist uns die Ausgabe zu. die Möglichkeit der Ausnahme einer langfristigen Anleihe für Deutschland zu prüfen. Die Londoner Konferenz hat der Ansicht Ausdruck gegeben, daß der Mangel an Vertrauen zu Deutschland, welcher die Kreditabziehungen verursacht und damit die jetzige Krise so verschärft hat, .durch die wirtschaftliche Lage deS Landes nichtgerechtfertigt i st". Die gegenwärtige Regierung hat unter schwierigen Verhältnissen den Beweis ihrer Entschlossenheit, Deutschlands Öffentliche Finanzen auf eine gesunde Basis zu teilen, geliefert, diese Politik, wenn sie streng ortgeseht wird wird entschieden dazu beitragen, Deutschlands Kredit zu stärken. Es ist indessen klar, daß eS ohne eine Wiederherstellung des Vertrauens in die finanzielle Zukunft Deutschlands u nm ög- i ch ist, eine langfristige Anleihe allein auf Deutschlands Kredit hin aufzunehmen. Schon die Fundierung der übermäßigen kurzfristigen Verschuldung würde dazu beitragen, die Lage zu bessern. E» bleiben aber zwei grundlegende Schwierigkeiten: Vie erste ist das damit verbundene politische Bisiko. Solange nicht die Beziehungen zwischen Deutschland und anderen europäischen Mächten auf der Grundlage freundschaftlichen Zusammen- arbeitens und gegenseitigen Vertrauen» beruhen und dadurch eine wesentliche Ursache innerpolitischer Schwierigkeiten für Deutschland beseitigt wird, ist keine Gewähr für einen dauernden und friedlichen wirtschaftlichen Fortschritt gegeben. Vies ist die erste und grundlegende Voraussetzung für die Kreditwürdigkeit. Die zweite betrifft die äuheren Verpflichtungen Veutschlands. Solange diese Verpflichtungen, sowohl die prioaien als auch die öffentlichen entweder eine dauernde lawinenartige Erhöhung der ausländischen Schulden Deutschlands oder aber ein derartige» Mißverhältnis zwischen seiner Einfuhr und Ausfuhr Hervorrufen, daß die wirtschaftliche Prosperität anderer Länder bedroht ist, wird ein Geldgeber die Lage kaum al» gefestigt oder dauernd ansehen. Wir möchten jeboi» wiederholen, daß daS deutsche Problem einTeil einesgröheren Problems ist. welches auch viele andere Länder der Welt angeht. In diesem Zusammenhang wollen wir zweierlei bemerken: 1. Um die Rachfrage wieder anzuregen, und dadurch die ständige Abwärtsbewegung des Preisniveaus auszuschalten. welche Ähuldner und Gläubigerländer in gleicher Weise in einen Circulus vitiosus der Depression zieht, ist es wesentlich daß bie Unterbringung neuen Kapitals wieber normal in Dang kommt 2. Wir möchten batauf Hinweisen, daß das Beispiel Deutschlands, die eindrucksvollste 311 u- stration der Tatsache ist. daß die Welt in den vergangenen 3ahren versucht hat, zwei verschiedene, sich widersprechende politische Prinzipien zu verfolgen, indem sie die Sntwicöung eines internationalen finanziellen Systems zuließ, dah b:e 3 a b r c 8 - zahlung großer Summen vonSchuld- ner • anGläubigerländer mit sich bringt, demgegenüber aber gleichzeitig der freienGü- terbetoegung Hindernisse in den Weg legt. Solange bie'e Hindernisse bestehen bleiben, müssen derartige Kapttalbewegungen naturgemäß das internationale finanzielle Gleichgewicht stören. Finanzielle Hilfsmaßnahmen allein werden nicht imstande sein, die wirtschaftliche Prosperität der Welt toieter- hetzustellen, wenn nicht die auf Obstruktion gerichtete Politik eine gründliche Aenderung erfährt und der Welthandel, von dem ja der Fortschritt jeglicher Zivilisation abhängt, seine natürliche Entwicklung wteber aufnehmen kann. Die technische Untersuchung, auf die wir unsere Aufmerksamkeit beschränkt haben, gestattet e» uns nicht, Anregungen politischer Natur zu geben. wir haben es aber für unsere Pflicht gehalten, die Gründe auseinanderzusehen, die es uns zur Zeit unmöglich machen, endgültige Maßnahmen zu empfehlen, um für Deutschland langfristige Kredite zu sichern, wir möchten aber hinzusügen, daß, wenn man dazu kommen sollte, dem getdgebcnden Publikum wieder vertrauen in Veutschlands zukünftige wirtschaftliche und finanzielle Stabilität einzuflöhen, nach unserer Ucberzeugung die Konsolidierung eine» Teils der deutschen kurzfristigen Verschuldung und die Beschaffung zusätzlicher Betriebsmittel für die deutsche Wirtschaft sicherlich keine ernsten Schwierigkeiten bieten würde. Es gibt viele Möglichkeiten, wodurch dieses Ziel erreicht werden könnte. Wenn wir davon ab* grhen dahin zielende in Einzelheiten gehende Vorschläge zu machen, so geschieht dies nur in der Ueberjeugung. daß man sich erst zu Maßnahmen. auf deren Ergreifung wir keinen Einfluß haben, entschließen muh, ehe irgendwelche langfristige deutsche Anleihen. wie sie auch gedeckt sein mögen, untergebracht werden können. Wir schließen mit der ernsten Mahnung an alle beteiligten Regierungen, in der Ergreifung der notwendigen Maßnahmen keine Zeit zu verlieren und unverzüglich eine Lage zu schaffen, die eS ermöglicht, Finanztransaktionen durchzuführen, um Deutschland und dadurch der Welt die so dringend benötigte Hilfe zu bringen. Oer kooperative Gedanke des faschistischen Staates. Mussolini über Wirtschaft und Staat Rom, 18. Aug. (WTB.) 3n einer Rede bei der 100-3ahrfeier des Staatsrates betonte Mussolini. daß der italienische Staat faschistisch sei, weil er kooperativ sei, denn umgekehrt, ohne die kooperativen Gesetze der Carta del Lavoro, gebe es keine faschistische Revolution. Riemals mehr als heute seidieWirtschasteine öf fen t- liche Angelegenheit geworden. Der faschistische Staat sei entschlossen an die Lösung der Wirtschastssragc herangetreten, indem er in die 3nteressenkonflikte Ordnung gebracht hätte durch die juristische Anerkennung der verschiedenen Snydikate, die alle Schichten des arbeitenden Volke- vertreten. Die letzten 5 3ahre seien ein Beweis für die Zweckmäßigkeit des gegenwärtigen System-, da- in 3talicn einem Klassen- k a m ps vorgebeu g t habe, denn der Koopera- tivstaat schasse einen guten Au-gleich zwischen den verschiedenen 3nteressen im Rahmen des Desamtinteresses Der Staatsrat wach« übet die Aktivität de- Staates auf wirtschaftlichem Gebiete und verbessere dadurch die Le- benSbedingungen der einzelnen Schichten der Bevölkerung, ohne dabei dem Gesamtinteresse de- Staate- zu schaden. Antwort an Hitter. Zentrum und Nationalsozialisten. Köln. 18. Aug. (ERD.) Zu dem Appell Hitlers an das Zentrum bemerkt die „K ö l n i s ch e Volkszeitung": Hitler übersieht einS, nämlich, daß es sich jetzt nicht um parteipolitische Fragen einer Regierungsbildung handelt, sondern um sachliche Aufgaben. Zu diesen wird er Stellung nehmen können, wenn daS Hot* Programm Der Reichsregierung vorliegt. Daraus wird die Regierung in aller Ruhe warten können. 3m übrigen ist festzustellen, daß gerade der Volksentscheid bewiesen hat, daß dem nationalsozialistischen Vormarsch Grenzen gesetzt sind. Die äleberheblichkeit, mit der Hitler für sich in Anspruch nimmt, daß hinter ihm „das ganze Dolf' stehe, wirkt nach dem Scheitern des Volksentscheides einfach lächerlich. WaS auch Hitler immer proklamieren mag, b le Mehr - heitdesVolkesstehthinterBrüning. Wenn Hitler der Wahrheit die Ehre geben will, dann möge er zunächst einmal den „Völkischen Beobachter" veranlassen, die Worte Mussolinis über Brüning, die daS nationalsozialistische Blatt mit deutschem Mannesmut auS der Rede Mussolinis herausgestrichen hat, nachzuholen. Vielleicht geht dann Herrn Hitler selbst, wenn er dies lieft, ein Licht auf über die Deplaciertheit. mit der er über die Politik Brünings zu Gericht sitzt. Die Berliner „Germania" schreibt: Die Rakionalsozialisten werden doch nicht etwa g'.au* ben, daß eine so überhebliche Einstellung, alS ob es „eine politische und kulturelle Wiedergeburt deS deutschen Volke- nur ganz allein von Hitler- Gnaden gäbe, auf da- Zentrum Eindruck machen kann. Sollte man sich in diesen Kreisen eine» solchen Glauben- hin geben, dann ist es an der Zeit, dah man sich von ihm befreit; e- ist ausgeschlossen, daß da- Zentrum sich ins Schlepptau einer ganz einseitigen egoistischen Bewegung nehmen läßt". Die Behauptung, „der Reichskanzler habe seine Fühler nach rechts au-gestreckt", ent*« spreche in keiner Weise den Tatsachen. Die Regierung sei sich der Schwere des kommenden Winters wohl bewußt; sie sei an der Arbeit, um ein umfassendes Wirtschaftsprogramm vorzubereiten, mit dessen Hilfe der Winter überwunden werden solle. Es werde, wie auch in früheren Fällen, allein Sache der Parteien sein, zu zeigen, wie sie sich zu diesem Programm ein ft eilen, und ob sie sich für eine Politik der Verantwortung und der Vernunft entschließen. Auch die Rationalsozialistische Partei werde Gelegenheit haben, zu bekunden, wie sie sich zu den kommenden Ausgaben stellt. Das Sanierungsprogramm derGemeinden Präsident Muleri erläutert die dem Reich gemachten Vorschläge. Berlin, 18. Aug. (ERB.) Der Präsident des Deutschen Städtetages Dr. M u l e r t hob in einer Presse-Unterredung vor allem hervor, daß die zu erwartende wachsende Arbeitslosigkeit den Gemeinden eine energische Selbsthilfe zur Pflicht mache, wenn ihr Haushalt ins Gleichgewicht gebracht werden solle. Die daraus entspringenden Wohlfahrtslasten der Gemeinden zwingen zu weiteren Abstreichungen des ohnehin schon reduzierten Etats. Präsident Dr. Mulert bezifferte die neuen Abstriche mit 325 Millionen RM„ ein s ch w e- rer Eingriff in das Wirtschaftsleben, wie er sagte, und nicht genug, so daß die Hilfe des Reiches unumgänglich notig fei. Anschließend daran wandte er sich der Frage der Angleichung der Gemeindebeamtengehälter an die der Reichs- und Länderbeamten zu, um auszuspre- chen, daß es den Kommunen nur erwünscht sei, wenn über die tatsächlichen Verhältnisse in aller Oefsentlichkeit Klarheit geschaffen und damit der Legendenbildung ein Ende gemacht werde. Es sei eine durch nichts zu rechtfertigende Behauptung, daß die meisten Oberbürgermeister der Großstädte M i - ni st ergehälter bezögen. Dies treffe nur für sieben Oberbürgermeister zu, die in der Vorkriegszeit bereits dieselben Bezüge hatten. Was die mittleren B e a m t e n g eha 11 e r anlange, so müsse hier berücksichtigt werden, daß in den Gemeinden eine große Hahl von Ausgaben, die i m Reich von höheren Beamten geleistet werden, von mittleren Beamten durch- zuführen seien. Die Lohne der Gemeindearbeiter schließlich liegen im Durchschnitt nur um 8 bis 10 v.H. über ben Reichslöhnen und dies meistens deshalb, weil oom Reich ein- aesetzte Schlichter gegen den Widerspruch der Gemeinden die Tarife so f e ft g e f e 6 t hätten. Für die Bezüge der höheren Beamten bereite Preußen Richtlinien vor: die Analeichung der Gemeindearbeiterlöhne werde mit sozialem Verständnis durchgeführt werden. Präsident Dr. Mulert ging hierauf auf die Konsolidierung der kurzfristigen ^S ch uI - den über und anfnüpfenb an die vom Städtctag , vor zwei Jahren eingeleitete Konsolidierungsaktion. die durch die Rot der Zeit zum Stillstand kommen mußte, verlanate er im Gesamtinteresse des deutschen Wirtschaftslebens eine endgültige Um- schuldu ng, die gleichfalls von Reichsregierung und Reichsbank gefordert werden müßte. Alles in allem: Wenn das Reich ihnen hilft, bann werben die Gemeinden durch ihre Selbsthilfeaktion ihre Etats ausgleichen können. Oie Finanznot der kleineren Städte. Geringe Erfparnismöqlichkeiten. Berlin, 18. Aug. Der Vorstand des Reichs st ädtebundes wird Ende d. M. zu einer Tagung zusammentreten, der angesichts de- finanzieklen Elends m den kleinen und mitt* lerenStädten besondere Bedeutung zukommt. 3m Vordergrund der Beratungen wird die Frage stehen, die der Rot der Städte und chrer Bevölkerung durch Selbsthilfe und Maßnahmen des Reichs und der Länder gesteuert werden kann. Gleiche Ersparnismöglichkei ten wie in den Großstädten bestehen im Rahmen der engen Etat-Verhältnisse der kleinen Städte nicht, zumal diese seit 3ahren in steigendem Maße die vorhandenen Sparmöglichkeiten ausgenuht haben. Erneute Sparmaßnahmen, die die kleineren Städte kraft eigenen Rechts bei fich etwa noch durchführen können, vermögen daher ihre Lage nicht wesentlich zu bessern. Um so stärker wird deshalb der Vorstand des Reichsstädtebunde- sein Augenmerk darauf richten, der 'Reichs- und den Landesregierungen Vorschläge zu ge- setzlichenM aß nahmen zu unterbreiten, die auch den kleinen und mittleren Städten nennenswerte Ersparnisse bringen und ihre Existenz sichern. Besoldungsänderung der SiadiBerlin. Berlin, 18.Aug. (ERB.) Der Ober prüft- be n t ber Provinz Branbenburg hat bie Z a h l u n g von Zuschüssen zu ben Wohlfahrt saus, gaben der Stadt Berlin, für die er einen besonderen Fonds zur Verfügung hat, vorläufig e i n- g e st e l l t und hat den Magistrat aufgefordert, d i e Berliner Besoldungsordnung spätestens bis zum 1. Oktober nach seinen Vorschlägen ab zu- ändern. Der Oberbürgermeister ist entschlossen, die Anordnung zu treffen, daß mit Wirkung oom 1. Oktober ab die Besoldung der Beamten und Angestellten nach Maßgabe des Beschlusses des Oberpräsi- dcnten vom 3. Juli geändert werden soll. Oie Landkreise in der Krisis. Weitere Einschränkung ter freiwilligen^ und Pflichtausgaben. Berlin. 18. 2lug. (ERB.) In einer Vor- standssitzung des Deutschen und des Preußischen Landkreistages berichtete der Präsident Dr. von Stempel über die Lage der Landkreise. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Dr. Kleiner ergänzte diese Ausführungen nach der Seite des Kommunalkredites. Beide Redner hoben hervor, daß die bisherige Hilfe des Reiches und der Länder gegenüber den Ertverbslosenlasten der ländlichen Bezirksfürsorgeverbände ungenügend gewesen sei. Obwohl der Bevölkerung bisher schon kaum vertretbare Einschränkungen der freiwilligen kreiskommunalen A uf* gaben sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Art zugemutet werden muhten, sei nicht nur ein noch weiterer Abbau dieser Aufgaben unvermeidlich. sondern es würden auch bei den den Landkreisen durch die Gesetzgebung des Reiches und der Länder auferlegten Pflichtaufgaben starke Einschränkungen eintreten müssen. Trotz solcher Einschränkungen und trotz der in den Landkreisen durchgeführten Einstellung wichtiger freiwilliger kommunaler Aufgaben steige die Finanznot der Landkreise weiter. Schleunige Hilfe von Reich und Staat mühte zur Vermeidung schlimmster Folgen einsetzen. Die Frage, ob und in welchem Umfange Barunter st ühungen durch Raturalleistungen in der öffentlichen Fürsorge erseht werden können, werde ernstlich erwogen, bedürfe aber noch eingehender Prüfung. Oer Sparkassen- und Giro- verband zur Gparkaffenreform Berlin, 18. Aug. (ERB.) Der Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes hat zur Frage einer Sparkassenresorm eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt: Die Sparkassen- vrganisation ist entschlossen, alle auf gründ der Erfahrungen der letzten Wochen sich als notwendig erweisenden Maßnahmen zur Förderung der Liquidität der angeschlossenen Geldinstitute, und zwar soweit erforderlich, auch unter Zurückstellung des Rentabilttätsgesichtspunktes, beschleunigt durchzuführen. Sie ist jedoch der Auffassung, daß eine ausreichende Sicherung der Liquidität in Krisenzeiten nur dann gegeben ist, wenn auch die Sparkassen auf einen stärkeren Rückhalt bei der Retchsbank rechnen können. Im übrigen haben sich während der Krise irgendwelche Strukturfehler im Sparkassenwesen nicht gezeigt. Die vorübergehend aufgetauchte Frage einer „Sparkassenreform" im Sinne einer Beschränkung des kurzfristigen Sparkassengeschäfts kann daher praktisch als erledigt angesehen werden. Im gegenwärtigen Zeitpunkt ist eine grundlegende Aenderung der Sparkassengeschäftspolitik wedernvtwendignvch nützlich. Don den Sparkassen werden neben 18 Millionen Sparern 2,5 Millionen Kreditnehmer betreut; allein als Personalkredit sind aus Sparkassenmitteln 2,2 Milliarden Mark gewährt. Auch für die Zukunft kommt der finanziellen Versorgung des Mittelstandes und der wirtschaftlich schwächeren Volkskreise durch die Sparkassen eine besonders große volkswirtschaftliche und nationale Bedeutung zu. Was wir- -er Wirtschastsplan bringen? Elastischere Gestaltung des Tarifsystems. Berlin, 19. Aug. (ERB.) Der demokratische „Dörfen-Courier" schreibt: Mit welchen Maßnahmen die Reichsregierung den Erfordernissen der wirtschaftlichen Bedrängnis in den nächsten Monaten begegnen wird, steht im einzelnen noch nicht fest. Dennoch läßt sich schon jetzt ein Bild Der Gesichtspunkte gewinnen, aus denen das Kabinett Brüning seine Entschlüsse wird herleiten müssen. Cs gilt für die Wirtschaftsberater der Reichsregierung als unerläßlich, die zugestandenermaßen auch weiterhin notwendige Senkung der Lohn- und Preisebene elastischer zu ge ft alten, als es bis jetzt möglich war. Das bedeutet eine Auflockerung der allzu starr en Tarifverträge und ihrer Sicherungen. Keineswegs denkt man dabei an eine Beseitigung solcher Verträge. Wohl aber müssen Aenderungen viel rascher als bisher durchgeführt werden können. Ferner wird auf die örtliche und sachliche Verschiedenheit der Wirtschaftsgruppen entsprechende Rücksicht genommen werden müssen. Man will aus den gleichen Gründen die Möglichkeit schaffen, daß einzelne Betriebe Löhne zahlen können, Die zeitweise unter dem allgemeinen Tarif liegen. Die Verbindlichkeit der Schiedssprüche gilt in der jetzigen Form als unhaltbar. Weiterhin gehören zu den Aufgaben, die der staatlichen Wirtschaftspolitik gestellt sind, die Senkung der Mieten und nicht zuletzt eine Zusammenlegung der bestehenden drei Systeme der Arbeitslosenfürsorge zu einem einheitlichen System. 40-stündige Arbeitswoche in der Kalksandstein- und Zementindustrie. Berlin, 18. Aug. (XU.) Vor einiger Zeit haben im Reichsarbeitsministerium Besprechungen mit verschiedenen Industrien über die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung und der Neueinstellung von Arbeitern stattgefunden. Nun ist in der Kalksandstein- i n d u st r i e eine Vereinbarung zustande gekommen, nach der die regelmäßige Arbeitszeit 40 Stunden wöchentlich beträgt und die zur Aufrechterhaltung des geregelten Betriebes notwendigen U e b e r ft u n d e n in der gleichen, spätestens in der folgenden Woche ab g efeiert werden müssen; jeder Betrieb ist verpflichtet, entsprechend der Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden in gleichem Ausmaße neue Arbeitskräfte einzu st el- len. In der Zementindustrie konnte ebenfalls in einer Reihe von Betrieben die 40stündige Arbeitswoche unter Neueinstellung von Arbeitern herbeigeführt werden. Aus aller Welt. Oie Englandfahrt des „Graf Zeppelin" „Graf Zeppelin" hat auf seiner Englandfahrt Kurs durch Frankreich über Besan?on, Ehälons- sur-Marne und Amiens genommen und um 16.30 Llhr (MEZ.) bei der Stabt Hastens die englische Küste erreicht. Kurz nach 17 Uhr überflog er Brighton, wo er von Tausenden von Badegästen bewundert wurde. — „Zepp" auf dem Wege nach London! — Haltet Ausschau nach dem „Zepp"! schleuderten fettgedruckte Strahenplakate den Hunderttausenden entgegen, die um 18 Llhr i n London ihre Bureaus verließen und nach Hause zurückkehrten. Alles suchte den grauen Himmel ab, als plötzlich das Surren von Propellern von Begleitflugzeugen das Herannahen des silbernen Riesen ankündigte, der in schneller Fahrt so niedrig fliegenh, daß der Rame „Graf Zeppelin" mit dem bloßen Auge lesbar war, unter dem allgemeinen Iubel auf die St. Paul-Kathedrale zusteuerte, Don dort verschwand das Luftschiff in Richtung des Flugplatzes Hanworth, wo es um löil hr glatt landete. Der Landung wohnten über 10 000 Personen bei. Die Polizeimannschaften waren nicht in der Lage, die begeisterte Menge zurückzuhalten, die die Absperrungen durchbrach und auf den Luftriesen zustürmte. Dr. Eckener und die Besatzung wurden von der Menge stürmisch begrüßt. Acht Polizisten mußten Dr. Eckener einen Weg zu dem Lautsprecher bahnen, von dem aus Amerika im Zeichen der Mischastskrisis. Ein interessanter Bericht über die innerpolitische Lage der Bereinigten Staaten- Verstimmung gegen Hoover. - Unzureichende Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Vor einem kritischen Winter. London, 18. Aug. (TU.) Ein Sonderberichterstatter der „Rews C hrvnicle", der sich auf einer wirtschaftlichen Studienreise in den Vereinigten Staaten befindet, wurde am Montag von Präsident Hoover empfangen. Der Berichterstatter stettt fest, daß Präsident Hoover der einzige amerikanische Staatsmann ist, der um diese heiße Iahreszeit auf seinem Posten in Washington verharrt und gegenüber einer weitverbreiteten nationalen Riedergeschlagenheit in den Vereinigten Staaten in beinahe hartnäckiger Weise freudig und zuversichtlich bleibt. Die Weigerung Hoovers, in das allgemeine Horn der Trübsal zu blasen, sei auch der Grund für die feind - selige Propaganda, der der Präsident in seinem Lande seit einiger Zeit ausgesetzt sei. Die ganze Wut einer verwirrten und enttäuschten Ration schiene sich auf den unglücklichen Präsidenten zu konzentrieren, der zum Sündenbvck der wirtschaftlichen Depression geworden sei. Der „große Ingenieur von vor einigen Iah- ren sei inzwischen zum „großen Versager" gestempelt worden. Seine Gegner wollten ihm nicht einmal die Anerkennung für den Gedanken des Schuldenmoratoriums zubilligen, sondern k«haupten, daß ihm dieser durch Männer wie Dawes, Morrow und Mellon, sowie einem Dutzend Reuyorker Bankiers in wochenlanger Bearbeitung auf gezwungen worden sei. Diel von der Krittk sei unverantwortlich, unkontrollierbar und in ihrer Art unfair. In manchen Kreisen schiene man zu erwarten, daß Hoover bloß irgendeine magische Formel zu murmeln brauche, um Amerika wieder in das holde Ieru- salem zu verwandeln. Aber in Amerika würde in dieser Zeit selbst der Erzengel Gabriel mit sehr kärglichem Respekt behandelt werden, wenn er nicht in der Lage wäre, die Aktienkurse innerhalb 48 Stunden in die Hohe gehen zu lassen und für den amerikanischen Weizen wieder einen geeigneten Markt schaffen könnte. Die Regierung habe sich für die augenblickliche böse Lage im übrigen selbst die Verantwortung zuzuschreiben, denn sie habe bisher keine andere Polittk -zu verfolgen gewußt als die Lohne hoch- zuhalten, um eine industrielle Beunruhigung zu vermeiden und dieses habe sie nur durch eine Ermunterungsmethode mit patriotischem Einschlag getan. Inzwischen sei aber bereits in vielen Industrien der Einbruch in das Lohnniveau erfolgt, und diese Bewegung schiene sich jetzt zu verbreitern, ohne daß die Regierung irgendwelche Schritte dagegen unternehme. Gerade in dieser schwierigen Lage lasse sie es an der notwendigen Führung fehlen und scheine die kurzsichttge Polittk zu verfolgen, auf eine günstige Konjunkturwelle zu hoffen, die ohne ihr Zutun wieder normale Bedingungen schaffen würde. Ihre Bemühungen, nationale Rot- standsarbeiten zu schaffen, seien so kläglich, daß sie wohl selber nicht daran glaube und sie lediglich als eine Geste mit Rücksichtnahme auf die öffentliche Meinung unternehme. Rach seiner Unterhaltung mit dem Präsidenten ist der Berichterstatter der Ansicht, daß Hoovers bekannter wirffchaftlicher „25-Iahr-Plan" an sich gar fein Plan ist, sondern weiter nichts als eine großzügige Voraussage der möglichen Bedürfnisse des amerikanischen Volkes für die nächsten 25 Iahre, begleitet von der frommen Hoffnung, daß Amerikas Inittative diesen Bedürfnissen Genüge tun wird. Gleich vielen altmodischen Industriellen fei die Regierung bei dem bloßen Gedanken an eine nationale Arbeitslosenunterstützung entsetzt, obgleich Amerika tatsächlich doch schon die ganze letzte Zeit über Arbeitslosenunterstützung an Millionen von Erwerbslosen und in größtem Ausmaße aus Wohltätigkeitsfonds zahle, die zu 80 v. H. aus staatlichen Steuern beständen. Der Korrespondent fügt diesen Ausführungen die interessanten Feststellungen eines großen amerikanischen Zeitungskonzerns hinzu, nach denen die Hälfte der amerikanischen Bundes st aaten keinerlei Mittel für direkte Arbeitslosenunterstützung zur Verfügung und auch keine Möglichkeiten habe, solche für den bevorstehenden Winter aufzutreiben. Die Wohltätigleitsvereini- gungen wären nicht in der Lage, in erforderlichem Maße Hilfe zu leisten, zahlreiche amerikanische Städte hätten die Grenze der Möglichkeit in der Beschaffung von Mitteln in irgendeiner Weise erreicht, und die Steuereinnahmen seien wegen Zahlungsschwierigkeiten der Steuerzahler stark gesunken. Der Kone- spondent erinnert an die Bemerkung des seiner Ansicht nach sehr gemäßigten Präsidenten der amerikanischen Arbeiterföderation, Green, der erst in vergangener Woche erklärt habe, daß in den Vereinigten Staaten ohne eine angemessene Vorbereitung auf den kommenden Winter die Gefahr einer Rev olutivn bestünde. er einige Dankesworte an die Menge richtete, die jedoch in dem Begeisterungssturm untergingen. Mehrere tausend Engländer hatten sich freiwillig erboten, die Landemannschaft zu stellen, jedoch blieb diese Aufgabe einer besvndersausge- suchten Mannschaft von 200 Eisenbahnarbeitern unter Führung des Kommandanten und des Ersten Offiziers des englischen Luftschiffes „R. 100" Vorbehalten. Ein besonderer Programm- Punkt war die Hissung der deutschen Flagge auf dem Flugplatz unter gleichzeitigem Spielen des Deutschlandliedes mit Ueber- tragung durch einen Grammophonlautsprecher. — Nach einem Aufenthalt von knapp 1% Stunden auf dem Flugplatz, ist das Luftschiff zu feinem großen Rundflug über England gestartet. Von Hanworth aus schlug „Graf Zeppelin zunächst west- liche Richtung ein und verschwand in der Dunkelheit. Frecher ZRau&übcrfall auf eine Berliner Reichsbanlfiliale. Zwei maskierte Räuber drangen Dienstag um die Mittagsstunde mit vorgehaltenen Revolvern in die Filiale der Reichsbank in der Innsbrucker Straße. Einer der Räuber schwang sich sofort über d t e Brüstung in den Kassenraum, wo er den Geldoberzähler Kreye, bevor dieser zur Waffe greifen konnte, durch einen schweren Leerschuß nieberftretfte. Darauf ergriff er ein Geldscheinbündel Im Werte von 20000 Reichsmark, das Warum derBerlmerBesuch derKranzosen verschoben wurde? Enthüllungen des „Journal de Genöve,,. - Briand intrigiert gegen den Ministerpräsidenten und zwingt Laval unter Drohung mit seinem Rücktritt zum Verzicht aus den Augusttermin. Genf, 18. Aug. (111.) Das „Journal de Genöve" veröffentlicht sensationelle Mitteilungen seines Pariser Berichterstatters über Vorgänge innerhalb des sranzösischen Kabinetts, die die wahre Ursache der Verschiebung der Berliner Reife Lavals gebildet haben sollen. Rach der Darstellung des Blattes hatte anfangs August Laval beschlossen gehabt, im Falle einer Ablehnung des Volksentscheids dem Reichskanzler Brüning in Berlin bereits Ende August seinen Besuch abzustatten, und zwar ohne Briand. lediglich in Begleitung von Berthelot. Briand, der von diesen Planen Mitteilung erhielt, sei es aber gelungen, die Ab- sichten des Ministerpräsidenten zu d u r ch k r e u ; e n. Laval habe zu feinem größten Erstaunen in der Presse ein Berliner Telegramm gelesen, demzufolge in Berliner politischen Kreisen größte Beunruhigung über die Verschiebung seiner Reise auf Ende September herrsche, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Einladung der deutschen Regierung nochnichteingetroffenwar und daher irgendeine Mitteilung der französischen Regierung nach Berlin noch nicht ergangen sei. Line sofort eingeleitete Untersuchung habe ergeben, daß die Haoas-Agentur in aller Stille, und zwar ohne wissen des Ministerpräsidenten aus Veranlassung des Quai d'Orsay ein Telegramm offiziösen Lharakters nach Berlin gesandt habe, in dem von einer Verschiebung der Reise Lavals nach Berlin aus Ende September aus Gründen der Zweckmäßigkeit Mitteilung gemacht wurde. Ministerpräsident L av a t, der in größte Entrüstung geraten sei, habe festgestellt, daß die unmittelbare Umgebung seines Kollegen im Auswärtigen Ministerium versucht hätte, ihm die Hände zu binden. Im Hinblick auf die peinliche Situation sei es ihm jedoch nicht möglich gewesen, sich össenttich darüber zu beschweren. In diesem Augenblick sei dann die Einladung der deutschen Regierung eingetroffen, in der die französischen Minister aufgefordert wurden, zum 27. August nach Berlin zu kommen. Laval habe darauf sofort Berlin wissen lassen, daß er durchaus bereit sei, zu diesem Zeitpunkt nach Berlin zu fahren, daß jedoch die endgültige Annahme der Einladung von der Z u - stimmung des Außenministers abhänge, der aber unzweifelhaft diese Zustimmung erteilen würde. Briand habe jedoch Laval wissen lassen, daß er sich einer Reife nach Berlin für Ende August widersetze und erforderlichenfalls z u - r ü rf t r e t e n würde. Rach einem längeren Meinungsaustausch zwischen Paris und Locherei, dem Landsitz Briands, habe sich der Ministerpräsident gezwungen gesehen, nachzugeben und den Berliner Besuch für August abzusagen. Der Berichterstatter betont, daß die Tatsachen selbstverständlich von amtlicher Stelle geleugnet würden. Sie seien jedoch allgemein bekannt. Unter diesen Umständen müsse man damit rechnen, daß der Ministerpräsident eines Tages die Leitung des Außenministeriums persönlich übernehmen würde, insbesondere, da der gegenwärtige Außenminister bereits zweimal seinen Rücktritt angeboten habe. rädern in Richtung des Schöneberger Stadtparke» davon. Bei den Schüssen, die die Einbrecher dann aus ihre Verfolger, die mit zwei Kraftdroschken und zwei Privatwagen hinterherfuhren, abgaben, wurde e i n Kind am Arme verletzt. In einer Kurve wurde einem verfolgenden Reichsbankbeamten, der auf dem Trittbrett eines Privatwagens fttmd, die Hand derart herumgeriffen, daß fein Schuß den Führer des Kraftwagens in die Schulter traf. Wie nachträglich festgestellt wurde, war die Telephonleitung der Reichsbankfiliale von den Räubern durchschnitten worden. Außerdem hatten die Täter wahrscheinlich in der Nähe einen künstlichen Auflauf in Szene gesetzt, denn im Augenblick des Ueberfalls rannten alle Leute in die entgegengesetzte Richtung. Die Direktton der Reichsbank hctt für die Ergreifung der Reichsbankräuber eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt. Der Zustand des an- geschossenen Obergeldzählers Kreye, der im Krankenhause sofort einer Operation unterzogen werden mußte, ist s e h r e r n st. Von den Beamten des Hauptdezernats wurde ein brauner Filzhut gefunden, an dem eineMaskeaus schwarzem Tuch ain genäht war. Weiter wurde eine von dem einen der Täter ^urückgelassene Pistole gefunden. Die beiden Tätet' werden auf etwa 25 Iahre geschäht. Da die Kleidung der beiden Räuber schon etwas abgerissen gewesen sein soll, besteht die Möglichkeit, daß sie sich von dem geraubten Gelde neu einkleiden werden. Die Bayreuther Tristan-Aufführung über 200 Rundfunksender. Die erste Bayreuth-Uebertragung des deutschen Rundfunks, der am Dienstag die Oper „Tristan und Isolde" über 2 0 0 Sender verbreitete, ist nach den vorliegenden Berichten ein großer Erfolg geworden. Es waren außer Deutschland alle europäischen Rundfunksender, Nord- afrika und über Neuyork ganz Nordamerika angeschlossen. In Deutschland war der Empfang überall gleichmäßig gut. Auch die Meldungen des Auslandes betonen fast durchweg den störungsfreien, klaren und akustisch guten Empfang. Aus allen Ländern liefen Danktelegramme für die reiche Gabe des deutschen Rundfunks ein, die im Sinne der Tradition von Bayreuth geboten worden fei. Wilhelm Furtwängler als Dirigent und die besten deutschen Sänger als Solisten gaben beste Leistungen. Der deutsche Runfunk hat somit eine hochstehende künstlerische Wiedergabe des Werkes auch in technischer Beziehung der ganzen Welt vollendet vermittelt. Lin ExempeL Dor dem Schnellgericht Berlin hatte sich dev Malergeselle Knispel zu verantworten, der am 15. August am Bülow-Platz vor einem Zeitungsstand beleidigende Aeuherungen gegen den Reichskanzler Dr. Brüning und gege ndie Reichsregierung hatte laut werden lassen, so daß sich um ihn eine größere Ansammlung bildete. Den Polizeibeamten, der ihn zum Weitergehen aufforderte, beschimpfte er gleichfalls. Das Schnellgericht verurteilt« Knispel wegen Beleidigung zu zwei Monaten und zwei Wochen Gefänanis und wegen Richtbefolgung polizeilicher Anordnungen zu fünf Tagen Haft. vom Spiel in den Tod. In B i l st o n (Staffordshire) schwangen sich drei Kinder an einem Krankabel, das sie plötzlich 70 Fuß hoch zog, von wo sie, da sie sich nicht mehr halten konnten, hernieder stürzten. Ein Knabe ft a r b, während ein anderer und feine Schwester schwer verletzt wurden. Oie Wetterlage. •StydlSfjo rrTsz1 Oslo 35 berdeen- w W 'm wi 43