Ur. «5 Erstes Blatt 181. Jahrgang Dienstag, 19. Mai 1931 Srldjetnt täghd),anfen Sonntag» and Feiertag» Beflogen: Dte Illustriert« Lietzener FamilienblLttei tzetmal im Bild Die Scholle Monatr-Bezugrvretr: 2.20 Neichsmarb und 30 Neichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern mfolg» höherer (Bemalt Zervfprechanschlüsse anterSammeLnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: Krankfvrtam Main 11686 Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: Vrühl'sche Untversttüt5-Vuch. und Sletnvruckeret S. Lange in Sietzen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» Klamcanzeigen von 70 mns Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrist 20’ „ mehr. ThefredaKteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dietzen. Randnoten. Nun hat auch die französischen Militärflieger der Ruhm ihrer polnischen Kollegen nicht schlafen lassen. Sie haben gleichfalls eine Spazierfahrt über die deutsche Grenze tief nach Deutschland unternommen und haben in Schweinfurt notlanden müssen, wobei sie samt ihren Maschinen erst einmal festgenommen wurden. Gleich drei an der Zahl mit Flugzeugen, wie sie uns verboten sind: Maschinengewehre und alle Schikanen sind natürlich vorhanden, wenn auch die Munition fehlte. Die Aussagen der Herren klingen so phantastisch, dah es schwer wird, sie zu glauben. Sie haben danach von Lyon nach Straßburg oder Colmar gewollt, gerieten aber dann über den Vogesen in Rebel und haben schließlich jede Orientierung verloren, so dah siedenMainmit dem Rhein ver- wechselten. Sine für ausgebildete Flieger immerhin überraschende Feststellung. Man sieht, — da auch photographische Apparate an Bord fehlten und die Landung offensichtlich wegenMan- g e l anDrennstofs erfolgte, — nicht recht ein, welchen Zweck eine solche Expedition, falls sie unfriedlicher Art gewesen sein oder Spionagezwecken gedient haben sollte, haben könnte, und muh deshalb geneigt sein, so schwer es auch fällt, tatsächlich an ein Versehen zu glauben. Wie es aber möglich ist, dah ausgebildete Fliegeroffiziere sich so verfließen und auf der Landkarte gleich um mehrere Breitengrade irren — schliehlich liegt Schweinfurt in der Luftlinie 250 Kilometer von Strahburg entfernt — bleibt unerfindlich. Man mühte dann schon annehmen, dah die Bedingungen, unter denen in Frankreich die Militärs ihr Pilotenei-amen ablegen dürfen, lächerlich lejcht sind . Die Würfel sind gefallen! Das Internationale Olympische Comite hat sich jetzt endlich entschlossen, der Stadt Berlin als Vertreter Deutschlands die Austragung der Olympischen Spiele für das Jahr 1936 anzftvertrauen. Dieser Beschluß der darüber entscheidenden Stelle ist keineswegs auf den ersten Anhieb hin gefallen, vielmehr hat Deutschland sich schon seit dem Jahre 1907 um die Spiele beworben, muhte aber für das Jahr 1912, nachdem es den Zuschlag erhalten hatte, zugunsten Stockholms verzichten, da man damals bei uns noch keine geeigneten Anlagen hatte, die eine sichere Gewähr für eine’ ordentliche Abwicklung der Spiele leisteten. Dann kamen wir für das Jahr 1916 in Frage, doch machte uns hier der Weltkrieg einen groben Strich durch die Rechnung, er warf uns sogar aus dem Rennen, dah wir noch nicht einma. 1920 an den Olympischen Spielen in Paris teilnehmen tonnten. Bei den Pariser Spielen sind es allerdings hauptsächlich die Franzosen gewesen, die nicht zuliehen, dah die deutschen Sportler an der Olympiade teilnahmen, angeblich, weil sie nicht sehen wollten, wie die deutsche Spvrtmannschaft an der Spitze aller Staaten in das Stade de Colombes einmarschieren sollte, da die Satzungen es so vorsehen, dah die Rationen nach dem Alphabet des gastgebenden Landes in die Olympiastätte cinziehen müssen. Auch für die Jahre 1926 und 1932 fielen wir unter durchsichtigem Vorwande aus, aber, aufmerksam gemacht durch die außerordentlich großen Erfolge unserer Sportler, muhten die verschiedenen Lander- Vertretungen in dem Internationalen Olympischen Comitö schliehlich doch einsehen, dah es jetzt ihre Pflicht sei, die durch den Krieg gelockerten Sportbeziehungen Deutschlands zu den anderen Staaten wieder herzustellen. Das Comite hat jedenfalls zugesagt und damit — nicht ohne innere Hemmungen — dem deutschen Sport die Hand zur Versöhnung gereicht. Obwohl wir nun glücklich zwanzig Jahre warten muhten, bis uns die Austragung einer Olympiade übergeben wurde, wissen wir es jetzt um so mehr zu schätzen, was man uns in die Hände gelegt hat. Wir können bestimmt nicht so pompös die Stätten für die Spiele ausrichten, wie es etwa Frankreich. Holland und Amerika vermocht haben, wir können aber dafür bürgen, dah bei uns alles getan wird, um dem elften neuzeitlichen Olympia einen enl» sprechenden Rahmen zu schaffen. Schon heute, kurz nach dem Bekanntwerden der Entscheidung des Olympischen Komitees haben alle in Betracht kommenden Stellen, nicht zuletzt Reichs- und Staatsregierung, ihrer Bereitwilligkeit Ausdruck gegeben, an dem großen sportlichen und völkerverbindenden Werk mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln mitzuarbeiten. Wir werden allen anderen Sportnationen 1936 zeigen, daß man auch mit bescheidenen Mitteln eine würdige Olympiade aufziehen kann. Die Polen haben wirklich ein Schweineglück: Die politische Atmosphäre Europas ist im Augenblick mit Elektrizität derartig geladen, dah die Zu stände in Oberschlesien, die um die Jahreswende einen, richtigen Völkrrbrmdsskandal bildeten, fast in Vergessenheit geraten sind. Wir erinnern uns noch daran, daß damals die deutsche Regierung eine vom Deutschen Volksbund eingereichte Beschwerde unterstützte, dah über die Methoden, wie Polen seinen Verpflichtungen zum Schutze der deutschen Minderheit nachkommt, allgemeine Entrüstung herrschte und daß die Polen gerade noch mit einem blauen Auge wegkamen, als ihnen auferlegt wurde, bis zur Mai-Tagung des Rates einen ausführlichen Bericht vorzulegen, in dem sie genau mitteilen sollten, was inzwischen geschehen sei, um diesen unerhörten Zuständen ein ®nbe zu machen. Dabei war ausdrücklich bestimmt wor- Oie Zollunion vor dem Völkerbundsrat. Hendersons Antrag. Einholung eines Rcchtsgutachlens des Haager Schiedsgerichts. Genf, 18.Mai. (211.) Dr. Curtius eröffnete heute in seiner Eigenschaft als Präsident des Völkerbundsrates die Verhandlungen über das deutsch-österreichische Zollabkommen. Er leitete die Verhandlungen in deutscher Sprache. Der englische Auhenminister Henderson als Antragsteller führte etwa folgendes aus: Ich möchte zunächst vor dem Völler- bund klar feststellen, dah ich in keiner Weise die Absichten weder der deutschen noch der österreichischen Regierung in Zweifel zu stellen beabsichtige. Ohne Zweifel waren die beiden Regierungen von der ernsten wirtschaftlichen Lage, vor der sie stehen und tat dringenden Rotwendigkeit der Ergreifung von Maßnahmen beeinfluht, die ihrer schweren finanziellen und wirtschaftlichen Lage Erleichterungen bringen können. Aus der unmittelbaren Fühlungnahme mit meinen Kollegen in Paris ergab sich, daß Zweifel an der Vereinbarkeit des Zollprotokolls mit den Bestimmungen gewisser internationaler Instrumente vorhanden seien. Ich sah es daher als meine Pflicht an, als damaliger Präsident des Dölker- bundsrates dem Generalsekretär des Völkerbundes .mitzuteilen, daß der Völkerbund, unter dessen Aufsicht das Protokoll von 1922 abgeschlossen wurde, die hierbei aufgetauchten rechtlichen Probleme prüfen müsse. Rach meiner Meinung werden bedeutungsvolle wirtschaftliche und auch politische Fragen hierdurch aufgerollt. Jedoch ist die Frage, mit der sich der Dölkerbundsrat zu befaflen hat, entschieden rechtlicher Ratur. Aus diesem Grunde ist die Einholung eines Re ch t s g u t a ch t e n s durch den Internationalen Haager Schiedsgerichtshof notwendig. Henderson legte sodann dem Völkerbundsrat folgenden Entschliehungsentwurf vor: „Der völkerbundsral hat die Ehre, den Inter, nationalen Haager Gerichtshof zu ersuchen, auf Grund des Artikels 14 des Dölkerbundspaktes ein Gutachten zu erstatten, ob die Zollunion nach dem deutsch-österreichischen Protokoll vom 19. Ulärj 1931 vereinbar ist mit dem Artikel 88 des Vertrages von St. Germain und dem ersten Genfer Protokoll von 1922. Der völkerbundsral ersucht den Haager Gerichtshof, diese Frage in dringendem Verfahren zu verhandeln. Der Generalsekretär wird beauftragt, sich dem Haager Gerichtshof zur Verfügung zu stellen und sich bei den Verhandlungen vertreten zu lassen." Der englische Auhenminister erllärte sodann: Er hoffe, die österreichische Regierung werde sich verpflichten, bis zum Vorliegen der Entscheidung, die der Dölkerbundsrat auf Grund des Gutächtens des Haager Gerichtshofes fassen werde, keinerlei weitere Schritte zur Schaffung der vorgesehenen Zollunion zu tun. Schober nimmt den Antrag an Keinerlei Verhandlungen bis zur Entscheidung im Haag. Der österreichische Auhenminister Schober st i m m t e dem An trag Hendersons zu. Es handele sich bei der Rechtsfrage um das Genfer Protokoll von 1922. Oesterreich habe sich dabei verpflichtet, sich seiner llnabhängigkeit nicht zu begeben, diese Verpflichtung jedoch nur darum eingegangen, weil sie identisch sei mit dem Artikel 88 des Vertrages von St. Germain. Er müsse sich g e g e n j ed e extensive Auslegung, die zu einer Beeinträchtigung führe, verwahren. Dah Oesterreich sich tatsächlich feiner Unabhängigkeit durch den Abschluß der geplanten Zollunion nicht begeben würde, ergebe sich aus einer ganzen Reihe von Grundsätzen, die in Richtlinien niedergelegt seien. Jede der beiden Reglerungen und jedes der beiden Parlamente sei unabhängig von einander zur Feststellung der Zolltarife zuständig. Aenderungen bedürften der Zustimmung beider Parlamente. Auch die Annahme, dah ein kleiner Staat von dem ihm eingeräumten Recht einer Zollunion gegenüber seinem mächtigeren Partner nicht Gebrauch machen könne, widerspreche allen von Oesterreich bei Zollunionen gemachten Erfahrungen. Die österreichische Regierung verhandele jetzt mit mehreren Rachbarstaaten über neue Verträge, die am 1. Juli in Kraft treten sollen. Oesterreich den, dah der Bericht möglichst frühzeitig eingereicht werden sollte, um eine eingehende Prüfung vor der Ratstagung zu ermöglichen. Darum haben die Polen sich gedrückt, ihr Bericht, 60 Seiten stark, ist erst im letzten Augenblick dem Rat zugeleitet worden, in der selbstverständlichen Erwartung, dah dadurch die Möglichkeit einer eingehenden Prüfung von vornherein abge- schnitten war. Inwieweit diese Berechnung richtig ist, bleibt abzuwarten. Unverkennbar besteht ja die Gefahr, daß die Tagesordnung des Rates viel zu überlastet ist, und infolgedessen am Ende der Woche für diesen Spezialfall keine Zeit mehr bleibt. Es bliebe in dem Fall kaum etwas anderes übrig als eine Vertagung. Aber man wird doch wenigstens erwar- und Deutschland seien bereit, jeder für sich mit dritten Staaten über die Angleichung von handelspolitischen Verträgen und über die Herstellung eines freien Handelsverkehrs zu verhandeln. Alles dies beweise, dah Oesterreich seine handelspolitische Unabhängigkeit nicht aufgebe. Es könnten auf Grund des Genfer Protokolls gegen den geplanten Vertrag keine Einwendungen erhoben werden. Auf keinen Fall sei es zulässig, dah Schobers Besprechungen mit Dr. Curtius als eine Verletzung des Genfer Protokolls bezeichnet würden. Einer der wichtigsten Teile der Souveränität sei sein Recht, mit anderen Staaten zu verhandeln. Eine extensive Auslegung des Genfer Protokolls würde die Sorge des Auslandes um unsere Unabhängigkeit zu weit treiben. Das Genfer Protokoll verpflichte Oesterreich nicht nur zur Wahrung der Unabhängigkeit, .sondern auch zur Respektierung der Verträge. Am Schluß erllärte sich Dr. Schober nochmals vorbehaltlos mit den Ausführungen Hendersons einverstanden. Henderson rkhlele an Schober die ausdrückliche Anfrage, ob die österreichische Regierung feinen Vorschlag annehme, den Status quo bis zur Entscheidung des Internationalen Haager Gerichtshofes aufrechtzuerhalten. — Schober erwiderte darauf lediglich mit dem Hinweis auf feine Erklärung, nach der Oesterreich den Vorschlag Hendersons annehme. Die österreichische Regierung hat sich damit verpflichtet, bis zu dem vorliegen des Haager Gutachtens und der Entscheidung des Völkerbundsrates keine endgültige Tatsache auf dem Gebiet der deutschösterreichischen Zollverhandlungen zu schaffen. Curtius spricht. Oesterreichs Souveränität bleibt unberührt. Reichsauhenminister Dr. Curtius stimmte ebenfalls dem Anträge Hendersons zu, legte jedoch energisch Verwahrung gegenüber der Behauptung ein, daß die Unabhängigkeit Oesterreichs durch das deutsch-österreichische Zollabkommen in irgendeinem Punkte verletzt werde. Curtius hob besonders die Zollunion zwischen Belgien und Luxemburg hervor, bei der Luxemburg auch als ein schwächerer Staat ein Zollabkommen mit einem stärkeren Staat abgeschlossen habe. Wenn man aber Deutschland und Oesterreich das Recht abstreite, gemeinsam ein wirtschaftliches Abkommen abzu- schliehen, dann wolle man sie offenbar damit a l S Staaten minderen Rechtes behandeln. Die deutsche und die österreichische Regierung hätten übereinstimmend beim Abschluß des Zollprotokolls eröärt, dah der Plan ausschließlich aus wirtschaftlichen Erwägungen abgeschlossen sei und ausschließlich wirtschaftliche Zwecke verfolge. Deutschland und Oesterreich hätten ein Recht, zu verlangen, daß man ihren Erklärungen glaube. Die deutsche Regierung bestreite entschieden, daß der Vertrag von St. Germain auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit Oesterreichs einschränke. Dieser Vertrag garantiere sicherlich die politische Unabhängigkeit Oesterreichs, sollte er jedoch auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit Oesterreichs ein* schränken, wie behauptet werde, so würde die deutsche Regierung keinerlei Bedenken haben, daß diese Frage vor dem Haager Gerichtshof geklärt würde. Die im Zusammenhang mit dem Zollabkommen aufgeworfenen wirtschaftlichen Fragen mühten in dem Europaausschuß erörtert werden. Wenn durch den Haager Gerichtshof die Rechtsfragen geklärt seien, kämen sämtliche anderen aufgeworfenen Fragen damit endgültig inWeg- f a II. Denn wohin würde man gelangen, wenn man im Völkerbundsrat in Zukunft internationale wirtschaftliche Verträge nur unter dem Gesichtspunkt behandelte, ob sie dem einen oder anderen Staat genehm und günstig seien? Briands Standpunkt. Driand gab eine schriftlich festgelegte Erklärung ab, in der gesagt wird: Eine Unterscheidung zwischen der politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit Oesterreichs sei nicht möglich, da die Unabhängigkeit Oesterreichs gleichmähig im Vertrage von Versailles, von St. Germain und im Genfer Protokoll von 1922 garantiert sei und diese Bestimmungen untrennbar wären, eine Verletzung einer dieser Bestimmungen gleichzeitig die Verletzung sämtlicher Bestimmungen der Verträge audlöfe. Briand erkannte schliehlich uneingeschränkt den Vorschlag Hendersons an, nunmehr ein Rechstgutachten des Haager Gerichtshofes ein- auholen. Zunächst handele es sich lediglich um den rechtlichen Charakter dieses Problems, aber das Problem trage auch eine politische Seite, die nunmehr aufgerollt sei und die der Dölkerbundsrat prüfen müsse. Mit großer Befriedigung habe er von der Erklärung der österreichischen Regierung Kenntnis genommen, den Status.quo bis zur Entscheidung des Internationalen Haager Gerichtshofes aufrecht zu erhalten. Das Ergebnis der Ratsdebatte. Uebenveisung an den Haager Gerichtshof. - Zn der Zwischenzeit keine Zollverhandlungen. Was nun? Berschleppungsgefahren —Soll Oesterreich unter Druck gesetzt werden? Gens, 18. Mai. (TU.) Das Ergebnis der großen Aussprache im Dölkerbundsrat über das deutsch-österreichische Zollabkommen kann dahin zusammengesaht werden, dah nunmehr in beschleunigtem Verfahren der Haager Gerichtshof ein Rechtsgutachten über die Vereinbarkeit des Zollabkommens mit dem Vertrag von St. Germain und dem Genfer Protokoll von 1922 erstatten wird. Aus Grund dieses Rechtsgutachtens wird sodann der Dölkerbundsrat auf.seiner Septembertagung endgültig über die Rechtsfrage der Zulässigkeit des Protokolls des Zollabkommens entscheiden. Ferner hat die Derhandlung des Rates am Montag ergeben, dah unter dem Druck der englischen und der französischen Regierung die österreichische Regierung zuge standen hat, bis zur vorliegenden Rechtsentscheidung d i e Verhandlungen zum Abschluß der Zollunion nicht fortzuführen und den Status quo ausrecht zu erhalten. In unterrichteten Kreisen besteht übereinstimmend die Auffassung, dah dieses Zugeständnis Oesterreichs nur unter dem stärksten Druck der Gegenseite erzielt worden Ist. Die Verhandlungen haben ergeben, daß die englische Re gierung, wie stets in den letzten Jahren der militärischen Vorherrschaft Frankreichs in Europa, sich den französischen Wünschen angeschlossen hat. Die Zwischenzeit, in der die deutsch-österreichischen Verhandlungen ruhen, wird ohne Zweifel von französischer und tschechoslowakischer Seite ausgenuht werden, um den Druck auf die österreichische Regierung zu verschärfen und durch Zusicherung von Einzelvorteilen Oesterreich zum A u f g e b e n des Zollplanes zu bewegen. Ferner bietet die gegenwärtige Regelung den alliierten Mächten die Möglichkeit, auf der Septembertagung durch Verschleppen der Verhandlungen eine neue Verschiebung der endgültigen Entscheidung herbeizuführen, selbst wenn das Rechtsgutachten des Haager Gerichtshofes bereit« vorliegt. Von französischer und englischer Seite wird das vorläufige Ruhen- lassen der deutsch-österreichischen Zollverhandlungen als der erste Schritt zur endgültigen Deseitt- gung des Zollplanes angesehen. Die Zukunft des deutsch-österreichischen Zvlluniongedankens hängt jetzt allein von der Festigkeit und Entschlossenheit der deutschen und der österreichischen Re- , gierung ab. Enttäuschung und Besorgnis. Tas Echo der Berliner Presse. Berlin, 19. Mai. (TU.) Eine Reihe Berliner Blätter nimmt zu dem Ergebnis der Aussprache im Bölkerbundsrat über die Zollunion Stellung. Die „Börsenzeitung" bezeichnet den Verlauf der Aussprache als einen schweren Schlag für die Zollunion. Die Wendung der Dinge zuungunsten Deutschlands und Oesterreichs sei durch das Verhalten des Vertreters der englischen Arbeiterregierung herbeigeführt worden. — £ie „Deutsche Allgemeine Zeitung" weist auf die großen Gefahren hin, die die Verpflichtung, bis zur Entscheidung im Haag keine Verhandlungen ten dürfen, daß von deutscher Seite ein kleines bischen in den polnischen Bericht hineingeleuchtet wird, denn er ist in der Art der Tatsachenoerdrehung wirklich ein besonders starkes Stück. Danach müßte in Oberschlesien eigentlich alles in schön st er Ordnung sein. Die Gemüter sollen sich beruhigt haben, die Rechte der deutschen Minderheiten stehen angeblich unter dem besonderen Schutze der Regierung, vor allem wird von dem „großen Vertrauen" der deutschen Sejmmitglieder zum Wojwoden gesprochen und schließlich der Terror, unter dem die Deutschen standen, bagatellisiert; in über hundert Fällen hätten die Geschädigten keine Klage erhoben, 22 Fälle seien außerdem niedergeschlagen, ganze fünfzig Fälle haben zu einer Verurteilung geführt. Das mag zahlenmäßig richtig sein, wir kennen aber das polnische System inzwischen gut genug, um zu wissen, worauf es zurückzuführen ist, daß in über hundert Fällen von den Deutschen, auch wenn sie halbtot geschlagen wurden, keine Klage erhoben ist. Sie haben eben gegen den polnischen Terror keine Mittel. Mit solchen Fälschungen wird also nichts genützt. Woraus es ankommt, ist, daß der Woiwode Graczinsky der Vertrauensmann der Aufständischenorganisation, immer noch auf seinem Posten ist, daß auch alle Beweise für eine Lösung der Verbindung zwischen den polnischen Bebörden und den Aufständischen fehlen. Solange diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, kann der Rat seine Sefriebigungsarbeit in Oberschlesien nicht als erfüllt ansehen. zu führen, für Deutschland und Oesterreich mit sich bringe. Dor allem sei zu berücksichtigen, welcher internationale Druck in der Zwischenzeit auf Oe st erreich la st en werde. — Di« „Dossische Zeitung" bezeichnet die Situation für Deutschland als nicht erfreulich. Die deutschösterreichische Zollunion sei vertagt, aber die Notlage Europas verbiete die Verschleppung unumgänglicher Entscheidungen. — Die „D e u t s ch e Tageszeitung" so richt von einer schweren Enttäuschung und ist der Auffassung, daß D r. C u r t i u s hätte eingreifen müssen, um Schobers schwachen Versuch einer selbständigen Auslegung zu unterstützen. Jedenfalls sei die Zollunion aufs Schwerste gefährdet. — Der „T a g" stellte die Frage, ob nicht für Deutschland jetzt die Stunde gekommen sei, aus der gewonnenen Klarheit über die wahren Tendenzen in Genf die Folgerungen zu ziehen, ein Parkett zu verlassen, auf dem nicht nach fairen Spielregeln Politik getrieben werde und auf dem die Gerechtigkeit der Macht und der Machtgier geopfert werde. Schober ist optimistisch. Angeblich keine Erschütterung des deutsch- österreichischen Standpunktes. Gens, 18. Mai. (121.) Der österreichische Außen. Minister Schober erNärie heute gegenüber Pressevertretern, daß er mit den Ergebnissen der heutigen Verhandlung im Völkerbundsrat zufrieden sei. Der Standpunkt Deutschlands und Oesterreichs sei nicht erschüttert worden. Es sei lediglich ein Aufschub der Verhandlungen durch die Einholung eines Rechtsgutachlens des Haager Gerichtshofes vorgenommen worden. In nicht einem einzigen Punkte fei eine Abweichung von der bisher eingeschlagenen Linie erfolgt, von deutscher und österreichischer Seite sei stets erklärt worden, daß man eine Prüfung der rechtlichen Seite des Zollabkommens nicht scheue, und man habe stets mit einer Einholung eines Rechts- gutachlens des Haager Gerichtshofes gerechnet. Jedoch vertreten die deutsche und die österreichische Regierung gemeinsam den Standpunkt, eine weitere Prüfung der Frage nicht anerkennen zu können, wenn die rechtliche Seite geklärt sei. Dieser Standpunkt sei nunmehr auch im Völkerbundsrat durchgedrungen. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt fei an ihn die Aufforderung gerichtet worden, bis zur endgültigen Entscheidung des Völkerbundsrates kein „f a i t accompli“ zu schaffen. Er habe bereits damals diese Zusicherung abgegeben und habe daher auch heule seine Zustimmung zu dem Vorschlag des englischen Außenministers Henderson erteilt. 3n den letzten Tagen hätten wiederholt sehr eingehende und teils äußerst schwierige Verhandlungen stattgefunden, in denen unter Anwendung verschiedenster Mittel versucht worden sei, die österreichische Regierung zu einer Aenderu ng ihrer Haltung zu bewegen. Dennoch sei es vollauf gelungen, den Plan u n - eingeschränkt aufrechtzuerhalten. Die österreichische Regierung befinde sich in allen Fragen in voller Aebereinstimmung mit der deutschen Regierung, mit der alle Fragen gemeinsam überlegt und gemeinsam durchgeführt worden wären. Durch nichts könne der verabredete gemeinsame Weg unterbrochen werden. Oie deutsche Auffassung. Befremden über die Pression Hendersons. B e r l i n, 18. Mai. (TU.) Auf deutscher Seite wird ausdrücklich geltend gemacht, daß der letzte Teil des englischen Antrages in keiner Weise mit der deutschen Abordnung vorher vereinbart war. Man gibt dem größten Befremden darüber Ausdruck, daß der englische Außenminister in einer rücksichtslosen, den diplomatischen Gebräuchen in keiner Weise entsprechenden Art unmittelbar die österreichische Regierung vor diese Frage gestellt hat. Man nimmt an, daß die Aufrechterhaltung des Status quo bis zur Entscheidung des Völkerbundsrates die Bedingung war, die B r i a n d an die Einholung des Rechtsgutachlens geknüpft hat. Sachlich wird auf deutscher Seite die Auffassung vertreten, daß hierdurch in keiner Weise eine Aenderung der Lage eingetreten sei, da bis zur Einholung des Gutachtens der Abschluß der deutsch-österreichischen Zolloerhandlungen keineswegs vorgesehen gewesen war und somit ein neuer Tatbestand nicht vorliege. Eine Rückwirkung dieser Festlegung der österreichischen Regierung auf den.Gesamtplan wird nach deutscher Auffassung in der Annahme des Antrags von Henderson n i cht erblickt, jedoch gibt man auf maßgebender deutscher Seite dem größten Befremden über das Vorgehen Hendersons Ausdruck. Ein Gefühl der Erleichterung in London. OieLandiagswahlen in Oldenburg Das Land Oldenburg zählt im ganzen nicht viel mehr als eine halbe Million Einwohner, umfaßt also noch nicht einmal ein Prozent [einer Gesamt- beoölkerung des Deutschen Reiches und hat an seiner Seelenzahl gemessen etwa die Größe einer Stadt wie Breslau. Es ist also zu klein, um aus i>er Verschiebung innerhalb der Wähler allgemeine Rückschlüsse auf die Lagerung im ganzen Reich schließen zu können. Immerhin haben die Oldenburger Wahlen für alle Parteien seit Wochen schon eine symp - lomatischeBedeutung gehabt. Sie haben eine Riesenpropaganda entfaltet, weil sie sich von dem Ausgang dieser Wahl psychologische Wirkungen für die Reichspolrtik versprachen. Das ist übertrieben, eben weil in einem so kleinen Rahmen doch die Stimmabgabe stark von lokalen Interessen bedingt wird. Man kann zwar dagegen einwenden, daß Oldenburg kein einheitliches Staatsgebiet ist, sondern in das eigentliche Oldenburg die Lübecker Enklave in Schleswig-Holstein und den Bezirk Birkenfeld zerfällt, daß also immerhin Stichproben aus drei ganz verschiedenen Gegenden unseres Vaterlandes^vorliegen. Aber trotzdem bleibt richtig, daß hier nicht Gesichtspunkte der Reichspolitik, sondern eben der Landes- und zum Teil der Kommunalpolitik für die Orientierung der Wähler den Ausschlag gegeben haben und daß also von einer Allgemeingültigkeit der Erfahrungen in Oldenburg nicht gesprochen werden kann. Aber mit diesen Cinschränkungen lohnt es sich doch, die Zahlen zu studieren, um daraus mit allen Vorbehalten einige Rückschlüsse zu ziehen. Dabei ist das hervorstechendste Ergebnis, daß die nationalsozialistische Welle noch nicht abgeebbt ist, daß es im Gegenteil den Rationalsozialisten gelungen ist, ein volles Drittel der Stimmenzahl, die sie bei den letzten Reichstagswahlen hatten, hinzuzugewinnen. Man kann das erklären aus der stark bäuerlichen Mischung der Bevölkerung, man kann vielleicht auch fesb- stellen, daß die Nationalsozialisten selbst mit größeren Erwartungen in den Wahlkampf gezogen sind, daß sie geglaubt haben, mindestens mit Hilfe der Deutschnationalen die Mehrheit im Landtag zu gewinnen. Davön sind sie noch weit entfernt geblieben. Aber ihr Erfolg bleibt trotzdem beachtenswert, ist also auch ein Beweis dafür, daß die starke LInzufriedenheit immer noch im Wachsen ist. Die Deutschnationalen haben gegenüber den Reichstagswahlen einen Rückschlag zu verzeichnen, der zwar nicht bedeutend ist, aber immerhin zehn Prozent der Stimmen ausmacht. Die Hauptleidtragenden sind die bürgerliche M i t t e l p a r t e i e n , Bolkspartei, Staatspartei und Wirtschaftspartei haben sogar gegenüber dem September wieder fast die Hälfte ihres Bestandes verloren. Rur der Zentrumsblvck steht nach wie vor unerschüttert. Auch die Sozialdemokraten haben eine erhebliche Einbuße erlitten, die nur zum Teil den Kommuni st en zugute gekommen ist. 3n kleinem Ausmaße scheint hier den Nationalsozialisten ein Einbruch in die Stellung der Sozialdemokraten gelungen zu fein, mit dem Ergebnis freilich, daß eine Mehrheitsbildung jetzt nach keiner Seite möglich ist, so daß wahrscheinlich kaum etwas anderes übrig bleibt, als das gegenwärtige Deamtenkabinett toeiter zu halten. Was sagt die presse? Ein Warnungszeichen auch ans Ausland. Berlin, 18. Mai. (END.) Die Abendblätter unterstreichen in ihren Erörterungen über den Ausgang der Landtagswahlen in Oldenburg die Tatsache, daß es den Nationalsozialisten trotz ihres starken Stimmenzuwachses nicht gelungen sei, die absolute Mehrheit zu erzielen. Andererseits aber sei auch eine Linksmehrheit nicht vorhanden. Das „Berliner TagebI.“ betont besonders die Tatsache, daß in der Stadt Oldenburg die Nationalsozialistische Partei leinen neuen Fortschritt zu verzeichnen habe. Oldenburg trage überhaupt agrarischen Charakter; das sei das Bedeutsame am Erfolg der Nationalsozialisten. Jlhr Feld sei das flache Land. Das seiner Natur nach gemäßigte, staatserhaltende, im Nord westen Deutschlands von alters -her liberale Bauer n t u m werde aus Erbitterung über die unheilvolle Agrarpolitik zur Beute radikaler Phrase. Die „Bossische Zeitung" bezeichnet das Oldenburger Ergebnis als ernstes Stimmungs- Auch Paris ist befriedigt. „Prograrumätzige Abwicklung". Paris, 18. Mai. (TU.) Die Vertagung der Zollunion hat in der französischen Presse allgemein befriedigt. Obgleich die Blätter noch keine Gelegenheit gehabt haben, zu den Ausführungen der verschiedenen Redner Stellung zu nehmen, läßt sich schon jetzt aus den Berichten der Genfer Sonderberichterstatter der großen Pariser Presse ersetzen, daß man auch in französischen Völkerbundskreisen mit der „programmäßiaen Abwicklung" des ersten Abschnitts der Aussprache zufrieden ist. Als besonders erfreulich bezeichnet man die Erklärung Schobers, der — jedenfalls nach französischer Ansicht — ausdrücklich versprochen hat, das deutsch-österreichische Abkommen bis zur endgültigen Stellungnahme des Völkerbundsrates, d. h., nachdem vom Haager Schiedsgerichtshof erfolgten Gutachten nicht weiterzuverfolgen. Den Haupterfolg sieht die französische Presse in der Ueberweisung an den Haager Gerichtshof, da da- durctz zwangsläufig eine Frift bis zum Abschluß des Zo l l vertrages eingeschaltet werde. „Matin sieht die von der französischen Diplomatie in Genf errungenen Erfolge außer in der Aufschie- bung der deutsch-österreichischen Verhandlungen in der Herstellung einer einheitlichen Front der Großmächte und in der Kennzeichnung des politischen Charakters der Zoll- annäherung. — „Petit Parisien" erklärt, daß die deutsch-österreichische These von der Unterscheidung der politischen und juristischen Seite des Annäherungsplanes einerseits und der wirtschaftlichen Seite anderseits erschüttert worden sei. — „I o u r n 6 e I n d u st r i e l l e" schreibt, daß Schober in Genf die Verpflichtung übernommen habe, sben Status quo aufrechtzuerhalten, aber man werde die deutsch-österreichische Handelsdiplomatie nicht hindern können, bis zum Urteilsspruch im Haag die mitteleuropäischen Fragen zu behandeln. In der Zeit bis zum Haager Urteil müsse Frankreich deshalb seine Arbeiten zur wirtschaftlichen Organisierung Europas nicht aussetzen! es würde sonst nach dem Haager Spruche vor vollendeter Tatsache stehen. Ungarn protestiert gegen das Diktat von Trianon. Budapest, 17. Mai. (TU.) Am Vorabend der Dölkerbundsratstogung wurde hier am Sonntag eine große Kundgebung gegen den Friedensvertrag von Trianon abgehalten. Hunderttausende nahmen an den Auszügen und Kundgebungen teil. Der Aufzug der Massen am Donaukai dauerte fast zwei Stunden. Am Freiheitsplatz fand eine große Kundgebung statt, die vom geschäftsführenden Präsidenten der ungarischen Re- oisionsliga,° dem Staatssekretär a. D. I l o s v a y, eröffnet wurde. „Heute bitten wir nur", erklärte der Präsident der Liga, „morgen müssen wir aber bereits fordern und ich kann nur sagen, Gott behüte diesen Kontinent vor den Gefahren 'eines neuen, an Furchtbarkeit alles übertreffenden Krieges." Tiberius Eckhardt erklärte, daß die Ungarn, die jenseits der Trianonschen Grenze leben, nur durch Gewalt davon zurückgehalten werden könnten, an dieser großen Kundgebung teilzunehmen. Der Gedanke über die Notwendigkeit der Revision der Friedensverträge nehme immer mehr Platz ein. Es werde nur noch darüber gestritten, wann die Revision geschehen müsse. Die Revision sei von internationalem Interesse. Auf der Grundlage der Friedensverträge könne in Europa weder eine politische und wirtschaftliche Entwicklung noch ein dauerhafter Friede erreicht werden. Der italienische Publizist Gino C u c ch e 11 i, wandte sich scharf gegen Frankreich und erklärte, daß die ganze Kleine Entente- Politik Frankreichs nichts als Furcht vor dem großartigen Wiedererwachen Deutschlands fei. Sin monarchistischer Bischof wird aus Spanien ausgewiesen. Madrid, 18. Mai. (TTl.) Der 3nnei^* Minister übergab der Presse «ine Erklärung, in der es heißt, er habe den Bischof von D i t o r i a (in der baskischen Provinz Alava) auffordern müfsen, unverzüglich das Land zu verlassen, da er den politischen Frieden seiner Diözese gefährde. 'Sm Gegensatz zu anderen Kirchenfüvsten habe der Bischof jede Gelegenheit benutzt, um reaktionäre Propaganda zu treiben. Der Bischof hat in der^ver- gangenen Nacht das Land verlassen und sich nach Frankreich begeben. Aus aller Welt.- Der neue Generalvikar in Rom. Papst Pius XL hat den Kardinal Francesco Marchetti-Selvaggiani zum Nachfolger des verstorbenen Kardinals Pompilj als Generalvikar von Rom ernannt. Kardinal Marchetti- Selvaggiani, der im 60. Lebensjahre steht, war mehrere Jahre AuditorinderNuntiatur in München, wo er sich unter Nuntius Früh- wirth, dem jetzigen Kardinal und Kanzler der Heiligen Römischen Kirche große Sympathien zu erwerben wußte. Während des Krieges wirkte Marchettt-Selvaggiani an der Spitze der charitativen Einrichtungen des Heiligen Stuhls in Bern. 1920 wurde er erster Run- Henderson hat Zeit gewonnen. London, 18. Mai. (TA.) Die Nachricht aus Genf, daß die Angelegenheit des österreichisch- deutschen Zollabkommens dem Haager Gerichtshof überwiesen werden soll, ist in den politischen Kreisen in London mit dem Gefühl einer gewissen Erleichterung ausgenommen worden. Mit Befriedigung wird festgestellt, daß die englische Diplomatie einen verhältnismäßig leichten Sieg über die sich streitenden Parteien Europas errungen habe und daß es Henderson gelungen sei, seinen ursprünglichen Plan zur Ausführung zu bringen, der darauf hinausgegangen sei, das Zollabkommen zunächst nur vom juristischen Standpunkt zu betrachten und durch di« Aeberweisung an den Haager Gerichtshof Zeit zu gewinnen. Er hosie, daß durch dieses Verfahren die getrübte europäische Atmosphäre sich wieder bessern könne. Diese Wendung liege ihm besonders wegen der Abrüstungsziele am Herzen. Gleichzeitig glaube man in London, daß eine spätere Erörterung über das Zollabkommen ruhiger und sachlicher verlaufen könne, zumal sich dann vielleicht auch die Ansichten über den französischen Europaplan mehr geklärt haben. Mit dieser Auffassung mischt sich die Ansicht, daß die Aeber- weisung an den Haager Gerichtshof der Anfang des Endes des österreichifch- deutschen Abkommens fein könnte, wenigstens soweit seine ursprüngliche Form in Frage kommt. Das (Europatomitee berät. 1. Brland, 2.Dr. Lurttu«,3.Hellderlon. zeichen. Es zeige, unter welchem ungt* heuere n Druck die Reichsregierung stehe. Sie kämpfe gegen Strömungen, die, durch bedenkenlose Agitation übersteigert, eine Realität darsteUten, mit der Polittk und Wirtschaft, 3n » und Ausland rechnen müßten. Auch die stärkste Autorität könne auf die Dauer nicht ausreichen, wenn nicht von außen «ine Erleichterung materieller und psychologischer Art eintrete. Der „ß o f a I a n 3 e i g e r" sieht in den Wahlen einen eindeutigen Gradmesser für die Reichspolitik. Nur das Zentrum habe sich gehalten. Alle anderen Parteien, die das Kabinett Brüning stützen oder tolerieren, seien schwer, bis zur Vernichtung, geschlagen worden. Welche Folgerungen werde Brüning aus dem oldenburgischen Wahlergebnis ziehen? Keine? Vermutlich. — Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" wünscht, daß die Wahl ein neues ernstes Warnung speichen auch nach Genf hin fein möge. Frankreich scheine die Wahrheit nicht sehen zu wollen und nicht sehen zu können. — Die „B ö r s e n z e i t u n g" bedauert die Zersplitterung des bürgerlichen Lagers. Hätten die Wirtschaftspartei und die Christlich-Sozialen, die zusammen über 7000 Wähler hätten, sich entschließen können, mit einer anderen Rechtspartei zusammenzugehen, so «älL.n die Stimmen ihrer Wähler nicht umsonst abgegeben, und ein Mandat für die Rechte wäre gesichert. Damit hätte eine Rechtsregierung die Mehrheit gehabt! — Die „Deutsche Tageszeitung" warnt davor, in dem starken Anschwellen der nationalsozialistischen und der beträchtlichen Zunahme der kommunistischen Sttmmen bei den neuen Anhängern eine parteipolitische Gebundenheit vor- auszusehen. Vielmehr zeige sich hier ein« nur allzu verständliche Reaktion auf dieNot- läge des Landes, die sich in den zumeist ländlichen Devölkerungskreisen Oldenburgs besonders start auswirken mußte. Rur in der beschleunigten Inangriffnahme weiterer agrarpolitischer Notmatznahmen und einem baldigen Aufrollen der Tribu.tfrage, dem letzten Grund des Elends, liege der Schlüssel zu einen Gesundung der Wirtschaft und damit der Beruhigung der Bevölkerung. — Der „Angriff" bezeichnet es als selbstverständlich, daß die Nationalsozialisten als stärkste Partei des Landes Anspruch darauf erheben werden, bei der Frag« der Regierungsbildung führend zu sein. ttus bei der Republik Oesterreich. 1923 kehrte er als Sekretär der Kongregation der Glaubens- Verbreitung nach Rom zurück. Ein fünfjähriger Junge versehentlich erschossen. Ein schweres Unglück ereignete sich in Scher- pensee (Bezirk Aachen). Dort spielte ein fünfjähriger Junge auf der Straße. Gerade in dem Moment, als ihn seine Pflegemutter nach Hause holen wollte, entlud sich die Dien st pi st ole eines Zollbeamten, der am Fenster seines gegenüberliegenden Hauses mit derReinigung seiner Waffe beschäftigt war. Die Kugel verletzte die Mutter am linken Oberarm und linken Unterschenkel und traf den kleinen Jungen in den Hinterkopf, so daß er sofort tot war. Der Beamte würde festgenommen und ins Untersuchungsgefängnis geführt. 2Hil dem Balkon in die Tiefe gestürzt. Sn Mannheim löste sich am Hause Waldhofstraße 79 ein im fünften Stock nach dem Hof befindlicher Balkon, auf dem sich vier erwachsene Personen befanden, und stürzte in den Hof. Die 30 Jahre alte Ehefrau Knaus blieb schwer verletzt im Hof« liegen und starb auf dem Transport ins Krankenhaus. Ihr Ehemann stürzte mit den beiden andern Personen auf den im vierten Stock befindlichen Balkon. All« drei zogen sich schwere Verletzungen zu. Oie Wetterlage. -----uaL Thorshavn- z Jan Maten. uni förclöyäi J?o$r L Deoeckt. ® wolkig. • oeuecn «Regen »Schnee c graupeln, e neoel K Gtwitt£r.(§)windstiiie.K>, sehr «•trner O$i j5 russiger Südluowesi ’S stürmischer nordwesfc Oie »teile fliegen mit dem winde. Die oeiden Stationen dienenden zat» «en geben die Temperatur an. Pie Linien veromfleo Orte mit gleichem •u* Meeresniveau umoerethnele» Luftdruck Wettervoraussage. Die kühlere Luft, welche gestern ihren Weg über die britischen Inseln und die Nordsee genommen hat, ist nach Deutschland vorgedrungen und hat namentlich im westlichen Deutschland die Morgentemperaturen bis unter 10 Grad gebracht. Gleichzeitig hat damit der hohe Druck im Nordwesten weitere Ausdehnung in der Richtung nach dem Festlande gewonnen. Er dürfte auch bei uns wetterwirksam werden und wieder mehr aufheiterndes und später wärmeres Wetter in Aussicht stellen. Vorerst bleibt es jedoch im Bereiche der Ozeanluft noch kühl und wolkig. Aussichten für Mittwoch: Bewölkt mit Aufheiterung, noch kühl, meist trocken. Aussichten für Donnerstag: Weitere Besserung, aufheiternd und wärmer. Lufttemperaturen am 18. Mai: mittags 18,8 Grad Celsius, abends 13 Grad; am 19. Mai: morgens 11,2 Grad. Maximum 18,8 Grap Minimum 9,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. Mai: abends 20,1 Grad; am 19. Mai: morgens 14 Grad Celsius.— Niederschläge 0,3 mm. — Sonnenscheindauer 9H Stunden. Aus der Provinzialhauptstadt. Dietzen, den 19.Mai 1931. Arthur Schmidt zum siebzigsten Geburtstag. Don Prof. Dr. jur. ei phil. Karl Effetborn. Am 20. Mai 1931 kann der Rechtslehrer, Geh. 3ustizrat Professor D. Dr. Arthur Benno Schmidt in Tübingen sein siebzigstes Lebensjahr vollenden. . Schmidt stammt aus Leipzig- Dein Vater war der damalige Privatdozent der Chirurgie und spätere Geheime Rat Prof. Dr. Benno Schmidt. Ostern 1880 verlieh er die Schule mit dem Zeug, nis der Reife, um sich auf seiner heimatstädtischen Universität dem Studium der Rechtswissenschaft zu widmen. 3m Frühjahr 1884 bestand er die Reserendarprüsung unb genügte von 1. April 1834 ab seiner einjährigen Militärpflicht. Mährend dieses Jahres wurde er auf Grund der Arbeit „Die Grundsätze über den Schadensersatz in den Volks- rechten" zum Doktor der Rechte promoviert. 3m Frühjahr 1885 trat er seinen Vorbereitungsdienst an und arbeitete beim Amtsgericht, Landgericht und einem Rechtsanwalt,'bis er sich im Februar 1887 mit der rechtsgeschichtlichen und rechtsvergleichenden Studie „Das Recht des äleberhangs und Lieberfalls" für die Fächer des deutschen Rechts bei der Leipziger Iuristenfakultät habili- tierte. Zwei Semester später wurde ihm die venia legendi auch für Kirchenrecht erteilt. Am "10. August 1889 wurde er als ordentlicher Professor mit Lehrauftrag für deutsche Rechtsgeschichte, Kirchenrecht, Völkerrecht und Rechtsenzyklopädie an die Ludoviciana in Gießen berufen. Mit dem Sommersemester 1893 wurde sein Lehrauftrag auf deutsches Privat» und Handelsrecht ausgedehnt. Eine überaus erfolgreiche Wirksamkeit war ihm hier während 47 Semestern beschieden. Aber auch persönlich verwuchs er mit Gießen. Zu vielen Kollegen und nicht nur zu seinen Fakultätsgenossen trat er in freundschaftliche Beziehungen. 3n Gießen begründete er am 8. März 1894 seinen Hausstand mit Marie Benecke, der Tochter des Straßburger Geologen Wilhelm Benecke. Schon im Sommersemester 1897 war er nach dem am 5. Mai erfolgten Tol e Gustav Kretschmars, dem er im „Gießener Anzeiger'. (Rr. 109 vom 11. Mai 1897) einen tiefempfundenen Rach ruf widmete, Senior der 3uristensakultät. 3m Februar 1897 wurde er vom Grohher^g als Vertreter der LIniversität in die Erste Kammer berufen und hatte dadurch die Möglichkeit, sich der Llniversität auf mannigfache Art nützlich zu erweisen. Kurze Zeit darauf, am 3. April, wurde er Mitglied des Derwaltungsgerichtshofs. Für das Amtsjahr J900/01 bekleidete er die Rektorats- Würde und erhielt am 25. Rovember 1900 den Titel eines Geheimen 3ustizrätes. Reben seiner engem Berufstätigkeit war er ein eifriges Mitglied des Oberhessischen Gcschichtsvereins, des Gießener Kunstvereins, des Gleibergvereins und des Theatervereins. Mit welchem Eifer er sich in das hessische Recht einarbeitete, dgvon zeugen seine ersten, in Gießen entstandenen Veröffentlichungen: die „kirchen- rechtlichen Quellen des Großherzogtums Hessen", die „Beiträge zur vberhessischen Rechtsgeschichte' und das Ludwigsprogramm „Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Groß- Herzogtum Hessen", worin er gleichsam Reuland bearbeitete. 3m 3ahre 1893 erschien die kirchen- rechtliche und kirchenpolitische Abhandlung „Der Austritt aus der Kirche", die erste tiefgründende wissenschaftliche Behandlung ihres Gegenstandes. Seine nächste größere Veröffentlichung ist die von 1900 bis 1907 erschienene Bearbeitung des ersten Abschnitts des Familienrechts des Bürgerlichen Gesetzbuchs, bürgerlicher Ehe (Paragraphen 1297 bis 1588) in dem großen bei C. H. Deck in München,verlegten Kommentare. 3m 3anuar 1913 nahm Schmidt den von der Universität Tübingen an ihn ergangenen Ruf als Rachfölger Siegfried Rietschels an, Ostern 1913 zog er nach Tübingen. 3m August 1914 zog er als Kompanieführer ins Feld, im Frühjahr 1916 kehrte er nach Tübingen zurück und nahm im nächsten Wintersemester seine Lehrtätigkeit wieder auf. Don April 1917 bis April 1918 war er Rektor. Rach der Revolution befaßte er sich literarisch hauptsächlich mit dem Derfassungsneu- bau der evangelischen Kirche Württembergs. Seine Verdienste auf kirchlichem Gebiete erkannte die Gießener Theologische Fakultät am 20. Mai 1927 durch die Ehrenpromotion an. 3m Sommersemester 1930 war Schmidt durch Krankheit gezwungen, seine Vorlesungen auszusehen. Mit dem Ende des Sommersemesters 1931 wird er in den Ruhestand treten. Hat sich Schmidt in der wissenschaftlichen Welt durch seine von gründlicher Gelehrsamkeit zeugenden Veröffentlichungen, die hier nur mit Auswahl angeführt werden konnten, ejnen angesehenen Rarnen erworben, so haben iyrn die ihn als Mensch auszeichnenden vortrefflichen Charaktereigenschaften, insbesondere seine Liebenswürdigkeit, die nicht etwa nur etwas Aeußerliches ist, sondern in Wohlwollen und Güte ihren tiefen Grund hat, die Herzen seiner Kollegen und Schüler gewonnen. Schmidt darf als das 3deal eines akademischen Lehrers bezeichnet werden. provmzialauöschuß-Sihung. Am Samstag fand im Regierungsgebäude zu Gießen unter dem Vorsitz von Provinzialdirektor Hessische Veamlenlagung in Schotten. Zubiläumstagung des Landeskartells Hessen des Deutschen Beamtenbundes. WSR. Schotten, 17. Mai. Das Landes - f a r t e 11 Hessen des Deutschen Beam- tenbundes hielt gestern und heute in Schotten seine Vertreterversammlung ab, die aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens dieser größten hessischen Deamtenorganisation besonders eindrucksvoll ausgestaltet wurde. Am Samstagnachmittag begann die Vertreter- Versammlung im Singsaal der Schottener Turnhalle mit den Beratungen der verschiedenen Fachgruppen. Reichsbahn-, Post- und 6 teuer beamte, Polizei, Staats- und Gemeindebeamte und die Lehrer- schast, alle waren vertreten, um Stellung zu nehmen zu allen die Deamtenschaft angehenden Fragen. Dr. C l a h, der Vorsitzende des Landeskartells, gab ein umfassendes Dild der Lage der deutschen Deamtenschaft nach diesem schweren Krisenwinter. Er sagte u. a.: 3n den nächsten Tagen werden wir hören, wie die Reichsregierung die große Finanzfrage im Reich, Ländern und Gemeinden lösen will. Für die Deamtenschaft ist die Zeit vorbei, in der sie sich nur um interne Derufsfragen kümmerte. Wir müssen uns heute in erster Linie mit staatswirtschaftlichen Fragen beschäftigen. Die Lösung der Ortsklassenfrage mit ihren großen Ungerechtigkeiten ist zur Zeit wohl nicht möglich. Ein Sperrgeseh lehnen wir ab, ebenso auch ein Ausnahmegesetz gegen beamtete Doppelverdiener, obwohl wir grundsätzlich gegen die Doppelverdiener „sind. Die 51- und 54-Stundenwoche der R^ichsbetriebe und der Reichsbahn ist in der heutigen Zeit der Arbeitszeitbeschränkung ungerechtfertigt. Den Finanzausschuß des Hessischen Landtages machen wir darauf aufmerksam, daß es nicht angeht, Deamtenstellen einzusparen und die Angestelltenstellen zu vermehren. Die öffentliche Angestelltenwirtschaft ist immer teurer. Außerdem ist auch die Gefahr der Politisierung bei Angestellten weit höher als bei fest angestellten Beamten. Die deutsche Steuer- und Zollpolitik ist falsch, da sie den Verbraucher nicht schützt und dem Erzeuger auf die Dauer nicht hilft. Die Preissenkungsaktion ist zum drittenmal verpufft am Widerstand der Syndikate, Trusts und Verbände, die die Preise vorschreiben. Reben die durch den Gehaltsabbau geschädigten Gehaltsempfänger stellen sich heute der Einzelhandel und das Handwerk, die mit die Leidtragenden sind. Mit aller Entschiedenheit lehnen wir die neuerdinas diskutierte Frage der Gehaltskürzung um weitere 4 bis 6 v. H. ab, ebenso auch -chen Wegfall der Kinderzuschläge für das erste und zweite Kind, oder gar die Heranziehung der Beamtenschaft zur Arbeitslosenversicherung. Die gesamte Beamtenschaft steht geschlossen vor allem hinter den Kollegen der unteren Gruppen, deren Gehalt oft weit unter dem pfändungsfreien Betrag liegt. 3n der Diskussion stellten sich die Vertreter aller Gruppen einmütig hinter die Ausführungen des Vorsitzenden. 3n verschiedenen Entschließungen kam die einheitliche Stimmung in klarster Eindeutigkeit zum Ausdruck. Hervorzuheben sind die Ausführungen des Dundesdirettors Lenz vom Deutschen Beamtenbund in Berlin, der auf die Gefahren aufmerksam machte, die durch das Sanierungsprogramm des Reichskanzlers drohen. Vor allem die Frage, wie die Finanznot der Gemeinden durch die Knsenfürsorge zu beheben ist, berge große Schwierigkeiten. Der Vertreter der Gemeindebeamten nahm Stellung gegen die drohende Beseitigung der Ruhegehaltsansprüche an die Gemeinden. Er schloß mit einem Bekenntnis zum Staat, warnte aber auch davor, daß die Beamtenschaft durch Verärgerung sich vom Staatsgedanken entfernen könne. Ein Begrühungsabend im Festsaal der, Turnhalle schloß sich an. Musikalische und gesangliche Darbietungen der Schottener wechselten in buh ter Reihenfolge. Die städtischen und staatlichen Behörden sprachen herzliche Worte der Begrüßung. Honntagsrüh fand man sich wieder zu einer großen Kundgebung zusammen. Ministerialrat Lippert überbrachte die Wünsche der hessischen Regierung und machte auf den Emst der Lage aufmerksam. Als Berufskollegen traten die Landtagsabgeordneten Reiber und Winter für die Belange der Beamtenschaft ein. Dann schilderte Bundesdirektor Lenz die Lage, die gekennzeichnet ist durch die Inflation, den Ruhreinmarsch und den Währungsaufbau. Wohl brachte das 3ahr 1927 eine einigermaßen sichere finanzielle Grundlage für die Beamtenschaft, aber der wirtschaftliche Aufstieg dieser Zeit erwies sich als Scheinblüte. Rohstoffüberfluh und Rohstoffmangel, Geld- Überfluß und Kapitalmangel kennzeichnen die Weltwirtschaftskrise, die durch die Zerstückelung Europas entstanden ist. Bei steigenden Aus- gabert haben wir in den öffentlichen Haushalten sinkende Einnahmen. Wenn es nicht bald gelingt, die wirtschaftlichen Fragen wirtschaftlich zu lösen, ist es unabsehbar, wohin die soziale und politische Entwicklung Deutschlands noch geht. AuS dem Zusammenbruch hat Deutschland feine Lage im Zentrum Europas, seinen ungebrochenen Arbeitswillen und seine staatspolitische Einheit erhalten. Parteipolitische Auswahl der Beamtenschaft nach dem Verhältniswahlsystem wäre ein Verhängnis für Beamtentum und Volk. Dr. Claß schloß die eindrucksvolle Kundgebung mit dem Hinweis, daß nur stahlharte Realpolitik einen Ausweg finden kann. Das Berufsbeamtentum darf nicht in Trümmer geschlagen werden. Einem Hoch auf das deutsche Vaterland und die deutsche Republik schloß sich der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes an. Graef eine öffentliche Sitzung des Provinzial a u s s ch u s s es der Provinz Oberhessen statt. In der Silage des Bezirksfürsorgeverbandes der Stadt Offenbach gegen den Bezirksfürsorgever- band des Kreises Friedberg wegen Durchführung der Fürsorge für Paul August Karl Klenk aus Dortmund wies der Provinzialausschuß die ein- gereichte Klage als unbegründet zurück und verurteilte den Kläger in die Kosten des Verfahrens. Weiter wurde verhandelt der Antrag der Reichs- bahndirektion Frankfurt a. M. auf Enteignung von Gelände zur Erweiterung des BahnhofsWölfersheim-Södel. Der Pro- vinzialausschuß erkannte zu Recht: 1. Als Gegenstand der Enteignung wird gemäß dem Antrag der Reichs- bahngefellfchaft. vertreten durch die Reichsbahndirek- tion Frankfurt a.fDt entsprechend dem oorgelegten Plan, Meßbrief und (vrundbuchsauszug nachbenann- tes in der Gemarkung Södel — auf dem Gans- berg — gelegenes Grundstück festgestellt: von Flur II Rr. 1097/io, Acker des Karl Müller I. in Wölfers- heim ein Teilstück von 1270 qm. 2. Die Reichsbahngesellschaft hat als Entschädigung pro Quadratmeter 2 RM., sowie für einen Apfelbaum 130 RM. an den Karl Müller I. zu zahlen. 3. Der Ausspruch der Enteignung erfolgt nach Rechtskraft der Entscheidung zu 1 auf Antrag der Reichsbahngesellschaft, sobald der Nachweis über rechtsgültige Zahlung oder Hinterlegung der Entschädigungssumme erbracht ist. Der Antrag ist längstens binnen drei Monaten nach Rechtskraft zu stellen. 4. Die Kosten des Verfahrens hat die Reichsbahngesellschaft zu tragen. 5. Der Streitwert wird auf 2670 RM. festgesetzt. In der Klage des Bezirksfürsorgeverbandes der Stadt Gießen gegen den Bezirksfürsorgeverband des Kreises Gießen auf Erstattung von Pflege- kosten für Margarete Brück aus Daubringen, in der eine Reihe von Zeugen und sachverständigen Zeugen vernommen wurden, erkannte der Provinzialaus- schuß zu Recht: „Der Klage wird insoweit statt- gegeben, als der Beklagte verurteilt wird, an Kläger 1138,47 RM. nebst 4 v. H. Zinsen seit dem 16. De- zember 1930 zu zahlen, und die Margarete Brück auf Grund des § 14 der Reichsfürforgepflichtverord- nung in eigene Fürsorge zu nehmen. Der Antrag auf "Gewährung eines Verwaltungsaufwandes von 25 d. f). des eingeklagten Betrages wird als unbegründet zurückgewiesen. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Beklagten zur Last." Die angefetzte Verkündung des Urteils in dem DienststrafverfahrengegendenStadt. baumeister Scherrer zu Butzbach fand nicht statt, da der Stadtbaumeister vor dem Termin sein Anstellungsverhältnis zur Stadt Butzbach, unter Verzicht auf alle Ansprüche, gelöst und demgemäß die Stadt Butzbach den Antrag auf Disziplinär- beftrafung zurückgenommen hat. Oer Versehr auf dem Wochenmarkt. Das Polizeiamt Gießen teilt mit: Nach der Polizeiverordnung über die Regelung des DerkehrsaufdemWochenmarktplatzin Gießen ist das Befahren des Wochenmarkt, platzes während der Marktzeit mit Fahrzeugen aller Art, einschließlich Kinder- und Handwagen, sowie das Resten, Viehtreiben und Mitführen von Fahrrädern verboten. Wochenmarkt ist am Dienstag, Donnerstag unb Samstag jeder Woche. Ist einer dieser Tage ein gesetzlicher Feiertag, so gilt der vorhergehende Wochentag als Markttag. In der Zeit vom 1. April bis 30. September beginnt der Wochenmarkt um 7 Uhr und endet um 13 Uhr. Es wurden wiederholt Beobachtungen gemacht, daß trotz Aufstellen von Sperrschilbern Hanbwagen unb Fahrräber vom Publikum auf ben Wochenmarkt, platz mitgeführt werben. Wir weisen nochmals auf bas Verbot hin unb haben bic Polizeibeamten an- gewiesen, auf die Einhaltung dieser Bestimmung zu achten. Taten für Dienstags 19. Mai. 1762: ifer Philosoph Johann Gottlieb Fichte in Rammenau geboren. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130 bis 140 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Spinat 20 bis 25, Wirsing 20 bis 40 (per Zentner 20 bis 30 Mk.), Weißkraut 15 bis 25 (per Zentner 10 bis 15 Mk.), Rotkraut 25 bis 40 (per Zentner 20 bis 30 Mk.), Kartoffeln 5 bis 6 (per Zentner 4 bis 5 Mk.), gelbe Rüben 15 bis 20, rote Rüben 15 bis 20, Spargel 35 bis 70, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 10 bis IS. Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 35 bis 40, Rhabarber 15 bis 20, Aepfel 40 bis 50. Rüsse 60 bis 70, Honig 40 bis 50, Dörrobst 30 bis 35, Suppenhühner 90 bis 110, junge Hähne 90 bis 110 Pfennig per Pfund; Tauben 70 bis 80, Eier 9, Salat 20 biS 30. Salatgurken 40 bis 70, Blumenkohl 40 bis 70. Lauch 5 bis 15, Rettich 20 bis 25. Sellerie 10 bis 50. Oberkohlrabi 20 bis 25 Pfennig per Stück; Radieschen 10 bis 15 Pfennig per Bund. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag: Etadttheater: „Die schöne Galathöe", 20 bis 22 Llhr. Vorher „Brüderlein feinl". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der Mörder Dimitri Ka- ramasoff". — Aus dem Stabttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, letzte Vorstellung im Dienstag Abonnement, Erstaufführung ber komisch- mythologischen Oper „Die schöne Galathee" von Suppö-, vorher Leo Falls Altwiener Singspiel „Brü- berlein fein". Beibe Werke gelangen in neuen Inszenierungen unter ber Spielleitung von Heinrich Hub unb ber musikalischen Leitung von Fritz Eujs zur Ausführung. Mitwirkenbe: Damen: Jahn. Liebermann (Stabttheater Mainz), als Gast, Greeff (Stabt- theater Mainz) als Gast: Herren: Hub, Richter (Gießen) als Gast. — Morgen, 20. Mai, 20 Uhr, letztes Gastspiel von Auguste Prasch-Grevenberg, letzte Ausführung von Saßmanns historischem Schau, spiel „Haus Rothschilb". Spielleitung Intenbant Dr. Prasch. — Donnerstag, 21. Mai, 15.45 Uhr, Schüler- unb Frembenoorstellung: zum letztenmal „Die Jungfrau von Orleans". ** D i e Vertilgung der Rauvenne st er betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil, auf die wir die ©arten- unb Felbbesitzer befonbers aufmerksam machen. ** Maienblasen. Das Maienblafen finbet am morgigen Mittwoch 19 Uhr vorn Turme ber Stabtkirche aus statt. Es werben folgenbe Stücke zu Gehör gebracht: 1. Nun danket alle Gott; 2. Gott grüße dich, von Mücke: 3. Das Waldhorn, von Friedrich Silcher 1826. ** D i e Wagner-Zwangsinnung des Kreises Gießen hielt am Samstagnachmittag im Saale des Gastwirts Faulstich, dahier, eine aus allen Teilen des Kreises stark besuchte Innungsver- [ammlung ab. Obermeister Spieß (Gießen) erstattete Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Nach feinen Ausführungen beträgt die Zahl der In- nungsmiiglieder 160, hierunter 30 über 65 Jahre. Die ungünstige wirtschaftliche Lage hat sich auch im Wagnergewerbe in geradezu katastrophaler Weise ausgewirkt, viele Betriebe sind eingegangen. Der von Rechner Hch. Mühlich (Gießen) erstattete Rechen- schaftsbericht zeigte eine Gesamteinnahme von 447,76 Mark, eine Ausgabe von 312 Mark. Im weiteren Verlauf der Versammlung referierte Geschäftsführer Kirchner (Gießen) über allgemeine Wirtscyasts-, Buchführungs. und Steuerfragen. Zum Schluß fand eine eingehende Aussprache über die Preisregelung statt. ** Eine Autoomnibusfahrt nach den Schlachtfeldern von Verdun veranstaltet das Städtische Verkehrsamt in Wetzlar mit einem Ausflugwagen der Reichspost am 6., 7. unb 8. Juni von Wetzlar aus. (Siehe gestrige Anzeige.) Nähere Auskunft ist von bem Stäbtischen Verkehrsamt in Wetzlar erhältlich. Landtageiabgeordneter Jost tödlich verunglückt. WSR. Frankfurt a. M., 18. Mai. Bei der Einfahrt des Fuldaer PersonenzugeS in den Frankfurter Hauptbahnhof geriet heute gegen 22.30 Uhr der hessische Landtagsabgeordnete Landwirt Friedrich 3 o st aus Bermuthshain (Kreis Lauterbach) infolge vorzeitigen Abspringens aus dem Zuge unter die Räder und wurde hierbei tödlich verletzt. An den erlittenen schweren Verletzungen starb der Verunglückte nach ein paar Minuten. Landtagsabgeordneter 3 o st, der dem Hessischen Landbund angehörte, war Mitglied de» Hessischen Landtages seit dem 15. Dezember 1921. Herr 3 o st stand im 70. Lebensjahre. Er war auf der Reise nach Darmstadt, um an der am Dienstag beginnenden Sitzung des Hessischen Landtags teilzunehmen. Der vermutliche Grund zu seiner Eile dürfte gewesen sein, daß bereits wenige Minuten nach Eintreffen deS Fuldaer Zuges der Zug nach Darmstadt abging, den er vermutlich benutzen wollte. Der auf so tragische Weise Verstorbene gehörte vom 10. Februar 1923 bis jetzt auch bem Provin - zialtag ber Provinz Oberhessen an unb war vom 17. Dezember 1919 bis zum Februar 1923 Ersatzmitglieb bes Provinzialausschusses. Bei feinem Wirken im Provinzialtag hatte er stets bie Förde- rung ber Interessen Oberhessens im Auge, mit be- fonberem Eifer aber setzte er sich für bie Belange bes Vogelsbergs ein, wie er auch stets ein warmer Fürsprecher ber Lanbwirtschaft unb bes Mittelstandes war. (Schluß des redaktionellen Teils.) Die große Anzahl blutarmer unb bleichsüchtiger weiblicher Berufstätigen, viele überarbeitete und nervöse Männer zeigen uns, daß die Kriegsjahre ihre Spuren hinterlassen haben. Nur ein gesunder Körper kann einen gesunden Geist haben, unb nur biefer ist in ber Lage, seine Aufgaben zu erfüllen. L e c i f e r r i n , eine Ovolecithlnelsenverbindung, verbessert bas Blut, hebt bie Körperkräfte, gibt neuen Lebensmut, deshalb versäume niemanb, von Zeit zu Zeit eine ßeciferrintur zu machen, um auf biefe Weise bie verlorenen Kräfte wieberzugewinnen. M?3v Auf jeder Vlm-Dose ein wertvofler Gutschein. Sammeln Sie auch die Gutscheine von Lux Seifenflocken, Sun licht Seife und Suma. Sie erhalten schöne Gaben, Nun haben Sie wieder einmal gesehen, was Vim kann. Auch bei Ihnen war doch der Vim-Bote mit einer kostenlosen Probedose? Und Sie haben es ' probiert und gut gefunden, nicht wahr? Sehen Sie, das finden die anderen Hausfrauen auch. 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Mai, verstarb unser Ehrenmitglied Fritz Rosenbaum im 84. Lebensjahre. Mit dem Entschlafenen ist uns nicht nur ein eifriges, treues Mitglied, das dem Verein über 55 Jahre angehörte, sondern auch ein lieber Freund und Förderer der edlen Sängersache verloren gegangen. Wir stehen tiefbetrübt an seiner Bahre und werden ihm allezeit ein ehrendes Andenken bewahren. — Wir bitten um zahlreiche Beteiligung bei der am Mittwoch, 20. Mai, 2ühr nachm., stattfindenden Beerdigung. Bauerscher Gesangverein e. V. __3489 D Am Montagnachmittag 4.30 Uhr entschlief plötzlich und unerwartet, infolge eines Herzschlages, mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr PhiliiiD Bete IL, Landwirt im 60. Lebensjahre. Bekanntmachung. Betr.: Die Vertilgung der Raupennester. Die Garten- und Feldbesitzer der Gemarkung Gießen werden hiermit aufgefordert, bis zum 1. Juni 1931 ihre Bäume, Sträucher und Hecken von den Raupennestern zu reinigen. 3438C Diejenigen, welche dieser Aufforderung nicht Folge leisten, verfallen in die im § 368 des Reichsstrafgesetzbuches bestimmte Geld- oder Haststrafe. Außerdem wird die Vertilgung der vorhandenen Raupennester aus Kosten der Säumigen angeordnet werden. Gießen, den 18. Mai 1931. Der Oberbürgermeister. 3. V.: Dr. Rosenberg. Frischer Spargel erste Qualität. Tagespreis: 1 Sorte.. <3.65 2. Sorte.. <3.5(3 3. Sorte.. <3.35 A. F. Elberi, Neuenweg 18 Tüchtiger Verkäufer für Schnellwaagen sofort gesucht. Guter Verdienst. Schrift!. Angebote unter 02951 an den Gießener Anzeiger erbeten. Nach einem arbeitsreichen Leben starb heute morgen 414 Uhr meine liebe Frau, meine gute Pflegemutter, unsere Großmutter, Schwägerin und Tante Elisabethe Kronenberg, geb. Rinn im 75. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Kronenberg, Schuhmachermeister. Heuchelheim, den 18. Mai 1931. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 20. Mai, nachmittags 5 Uhr, vom Trauerhause Kinzenbacher Straße 19 aus statt. ----- --------------------------------------------02957 Achtung!. Achtung! Täglich frischer Spargel vrima V. Sorte nur 60 Pf. das Pfund. Sowie alles andere Obst n. Gemüse billigst. Lieferung frei ins Haus. Svau Rönrev-Kvofch Celtcröweg 3, Tel. 2674. 02967 Mittwoch, den 20. 2Nai 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 3490D 1. 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An Ort und Stelle (Bekanntgabe in obigem Lokal): drei Frisiertoiletten, einen Warenschrank, eine Ladentheke. Funker, Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 Bekanntmachung. Die Lieferung von Brennstoffen (Kohlen, Koks, Briketts und Anfeuerholz) für den Heizabschnitt 1931/32 für Finanz-, Versorgungs- Hauptzoll- und Telegraphenamt sowie Reichsbankstelle und Neubauleitung wird hiermit öffentlich ausgeschrieben. Die für die einzelnen Dienststellen erforderlichen Mengen und Sorten sowie die Lieferungsbedingungen sind unter Beifügung von Rückporto und 20 Pf. für Vordrucke bei der unterzeichneten Stelle bis spätestens 21. Mai 1931 schriftlich zu erfragen. Angebote müssen bei dem unter- zeichneten Amte portofrei und verschlossen, äußerlich als Brennstoffangebot gekennzeichnet, bis spätestens 23. Mai 1931, vormittags 10 Uhr, eingegangen sein. Nach dem 21. Mai 1931 bzw. dem 23. Mai 1931, vormittags 10 Uhr, eingehende Anfragen bzw. Angebote können nicht mehr berücksichtigt werden. 3487D __________Finanzamt Gießen.__________ WF DR FD PUCKSACHEN ■ « » ö Kaßrührsche Druckerei Mittwoch, den 20. Mai, nachmittags ab 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 : 3491D acht Zimmerstühle, einen runden Tisch, ein Büfett, fünf Sofas, ein Vertiko, einen Waschtisch mit Marmor, vier Sessel, zwei Schreibtische, Betten, eine Stehleiter, einen Regulator, Küchenschränke, eine kleine Standuhr, ein gebrauchtes Mädchenrad, elektrische Lampen, Bilder, zwei gebrauchte Herrenräder, eine Rennmaschine, einen Kinderwagen, Nachtschränkchen, einen Kassenschrank, eine emaillierte Badewanne, einen Blumentisch, einen Handwagen, zwei Liegesessel, Federzeug, einen Garderobeständer, zwei Ablaufbretter. 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H. aan f a- I e u t e“ im Jahre 1870, die auf Eisschollen eine unheimliche Reise mit den Strömungen im Eismeer von ihrem gestrandeten Schiff aus gemacht hatten, die halb verhungert, fast erfroren und schwertrank die Strapazen dieser Fahrt durchmeisten erneuerungsbedürfttgen. weil kaum noch seetüchtigen «Schiffe, die Kreuzer und die Torpedoboote. durch Neubauten ersetzt werden konnten. 1928 bewilligten die gesetzgebenden Körperschaften den ersten E r s a tz b a n für die alten Linienschiffe, der am 19. Mai auf den „Deutschen Werken" in Kiel vom Stapel laufen soll. Dis Taufe durch den Reichspräsidenten weist — wie seinerzeit die des Lloyddampf^rs „Bremen" auf die Bedeutung dieses Stapellaufs für untere weitere maritime Entwicklung hin. Mit diesem Panzerschiff, das den Namen „Deutschland^ tragen soll, beginnt die Erneuerung des unentbehrlichen kampfkräftigen Kerns unserer Wehrmacht zur See: möge Schiss und Name Ausdruck des Willens unseres Volles sein, sich nicht von der See verdrängen zu laßen, auf die es als „Volk ohne Raum" und eine der tüchtigsten unter den seefahrenden Nationen ein natürliches Recht hat. Zwar hat sich der Schwerpuntt unserer maritimen Belange durch den Ausgang des Krieges von der Nordsee nach der Ostsee verschob e.n und die Beschränkung unserer Flotte bringt selbstverständlich eine Beschränkung ihres Wirkungsbereiches mit sich. Aber für den Küstenschutz, den unser lleines Heer nicht auch noch auf sich nehmen kann, ist die Marine wichtiger geworden denn je, und das vom Reich losgerissene, zur hart umbrandeten Insel des Deutschtums gewordene O st Preußen bedarf einer unter allen Umständen gesicherten Verbindung mit dem Reich, soll es den Mut und die Kraft zu feiner Verteidigung behalten. Wenn wir heute auf die Seeschlacht vor dem Skagerrak zurückschauen, so werden wir auch in ihr einen Beweis jeder Kraft unseres Volkes sehen, die es immer wieder in seiner Geschichte zu großen, die Welt in Erstaunen sehenden Taten befähigt hat. Das aber rechtfertigt trotz all dem Schweren und Furchtbaren, das unserem Volke jetzt aufgebürdet ist, unseren unzerstörbaren -Glauben an Deutschlands Wiederaufstieg zu neuer Kraft und Herrlichkeit. Protest gegen den Abbau in der Kriegsopfer-Versorgung. Auf dem Bezirkstage der Krieger- kameradfchaf t „Hassia", der am Sonntag hier im „Postkeller" stattfand, wurde nach einem Dortrage des Dezlrks-Fürsorgeobmannes. Lehrer Döhn, über „Einschränkungen in der Kriegsopferversorgung" einstimmig folgende Entschließung angenommen: „Seit dem Jahre 1929 haben sich die Abbau - mahnahmen in der Versorgung der Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen derart gehäuft, daß dringend gefordert werden muß, mit denselben nunmehr Halt zu machen. Es muh als untragbar bezeichnet werden, bei notwendig werdenden Sparmaßnahmen im Äeichshaushalt in einem so großen Umfange wie bisher die Versorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen heranzuziehen. (Ls muh zweifellos als berechtigt anerkannt werden, dah denjenigen, die schon einmal die schwersten Opfer an Leben und Gesundheit für Volk und Vaterland gebracht haben, neue Opfer auf wirtschaftlichem Gebiet in der jetzigen Notzeit er st in allerletzter Linie auf geb ür be t wer - den dürfen. Im festen Glauben an den guten Willen und das gerechte Empfinden der maß- geblichen Behörden fordern wir ein Haltmachen auf dem.eingefchlagenen Wege. Wir geben unserer bestimmten Erwartung Ausdruck, dah die verantwortlichen Stellen nicht nur von weiteren Abbaumahnahmen Abstand nehmen, sondern entsprechend der Entschliehung des Reichstages vom 4. Februar 1931 «Schritte unternehmen, um die durch die Notverordnung vom 26. Juli 1930 und durch die durch das Reichsarbeitsministerium verfügten Eparmahnahmen eingetretenen Härten in der Re i ch sver sor gung auf dem schnellsten Wege zu beseitigen ober mindestens auf das wesentlichste zu mildern." Geheimrat Dr. Wilhelm von Opel» (Stiftung. WSN. Rüsselsheim, 18. Mai. Geh. Kommerzienrat Dr.-Ing. h. c. Wilhelm v. Opel hat aus Anlaß seines 60. Geburtstages der Gemeinde Rüsselsheim ein Kapital von 20 000 Mark als „Geheimrat-Dr.-Wilhelm-von-Opel- Sttftung" als Geschenk vermacht. Die Zinsen dieser Stiftung sollen alljährlich zu Weihnachten an arme und bedürftige Familien der Gemeinde verteilt werden. leiden muhten und bann doch trotz! aller Schwier rigkeiten in bie Heimat zurückfanden. Es liehe sich aus ber Geschichte ber Polarforscher noch eine Menge ähnlicher trostreicher Beispiele anführen — aber begnügen wir uns mit ben wenigen glückhaften Abenteuern. Es ist nicht viel Hoffnung, bah ber Professor Alfred Wegener auf gefunden wird, besonders nach den letzten Funden.' Aber ein wenig bleibt! Und diesen Hoffnungsrest wollen wir uns erhalten. W-r. Der letzte Gänger von Montmartre. Die Romantik des Montmartre, des einstigen Künstlerparadieses von Paris, das längst zu einem «Schauplatz der Fremdenindustrie geworden ist, verschwindet immer mehr. Run ist auch der letzte der alten Chansoniers, bie ihre Texte und Lieber selbst verfaßten unb in der malerischen Künstlertracht aus ben verklungenen Tagen der „Boheme" von Murger vortrugen, bahingeschie- ben. Bruhant Alexandre — so hieß er — starb im Lariboisiere-Hospital. Noch nach dem Kriege sah man ihn in seinen weiten Beinkleidern, engen Samtjackett, fliegendem Mantel unb breitrandigem schwarzen Hut auf den Straßen, unb er hatte großen Erfolg mit seinen Liebem, bie stets aktuelle Dinge behanbelten unb ben Geschmack der Menge trafen. Aber sein Stern war im Niedergange. Das Publikum, das ihm huldigte, war vom Montmartre verschwunden, und so wanderte er schließlich, fast erblindet und gebückt von der Last der Jahre, als eine traurige Figur auf den Boulevards herum, fang mit zitternder Stimme feine Lieder unb suchte bie. Texte an Mitleidige zu verkaufen. Dann erkrankte er an Gehirnerweichung und siechte im Krankenhaus dahin. Mit ihm entschwindet eine letzte Säule von ber einstigen Herrlichkeit ber Montmartre-Poesie. Oberheffen. Gemeinderai in Grünberg. 4- Grünberg, 16. Mai. Sn der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde zunächst beschlossen, die für das Jahr 1930 beschlossenen, 2lusschlagssähe der städtischen Grund-, Gewerbe» und Sondersteuer als endgültige zu belassen. Die vom Stadtrechner Gehringer vorgelesene RechnungfürdasIahr 19 2 9 wurde genehmigt. Sie schließt in der Betriebsrechnung bei einer Einnahme von 307 230,65 Mark und einer Ausgabe von 245 882,67 Mk. mit einem Aeberschuß von 61 347,98 Mk. ab, während die Vermögensrechnung in Einnahme und Ausgabe je den Betrag von 40 691,98 Mk. ausweist. Es wurde darauf hingewiesen, daß der rechnerische ^leberschuh der Detriebsrechnung nicht ein reiner äleberschuh sei, wie dies in einzelnen Zeitungsmeldungen (nicht im Gieß. Anz. D. Red.) zu lesen war, sondern der sogenannte Lieberschuh bestand neben einigen tausend Mark Ausständen und Vorlagen aus 46 000 Mk. Betriebskapital, wovon wiederum 30 000 Mk. auf Anleihe laufen. Der frühere Bürgermeister Södel forderte von der Stadt den Betrag von 709,42 Mk., den er als Dorlage in den Jahren 1925 bis 1927 gemacht haben will; u. a. sind dabei ein Der- vielfältigungsapparat, Fußbodenöl, Apotheker- kosten, Rechtsanwaltskosten usw. Demgegenüber ist von der Stadtkasse eine Aufstellung gemacht worden, wonach die Stadt während seiner Amtszeit 18 Posten mit 1323,72 Mk. hat zahlen müssen, teilweise wegen zu spät erteilter Anweisung, teilweise für Prozesse, in welche der damalige Bürgermeister Jockel cingetreten ist, ohne durch Ge- ineinderatsbeschluß dazu ermächtigt zu sein. Der Gemeinderat beschloß einstimmig, den geforderten Betrag nicht anzuerkenncn, solange er nicht durch Belege nachgewiesen wird. Die Direktion der Ober-Realschule fordert für die in diesem Jahre sehr starken Klassen der Oberprima (70 Schüler) die Anschaffung von 10 Sitzen und 1 Lehrerpult. Der Betrag hierfür (etwa 400 Mk.) wurde bewilligt. Landkreis Gießen. al. Allendorf (Lahn), 18. Mai. Im vorigen Jahre hat unsere Gemeinde einen schönen B a d e p l a h oberhalb der Hahnschen Mühle am Kleebach angelegt. Der Badeplah ist jedoch nur für hiesige Einwohner hergerichtet, für Auswärtige ist der Zutritt an dieser Stelle streng verboten. — Standesamtlich ist zu berichten: Im Jahre 1930 sind geboren 13 Kinder, hiervon 2 in Gießen; gestorben sind 8 Personen, hiervon 3 in Gießen; getraut wurden 11 Paare. Zur Zeit hat die Gemeinde 884 Einwohner. • Aus der nördlichen Wetterau, 17. Mai. Bei den starken Gewittern am Freitagabend gingen über dem südlichen Teile des Kreises Gießen schwere Regengüsse nieder, die teilweise mit Hagelschlag vermischt waren. In L i ch strömten die Wassermassen durch einen Teil der Straßen flußartig dahin und ergossen sich zum Teil in die Keller. Der Derkehr in diesen Sträßen war vorübergehend unmöglich geworden. In den Gärten und Feldern wurden ansehnliche Flächen verschlammt und hierdurch mancherlei Schaden verursacht. In der Gegend von Holzheim strömten die Wassermengen reihend über die Aecker und richteten dabei durch Wegschwemmen von guter Ackererde und Aussaat allerlei Schaden an. Der Hagel war für die Baumblüte und das Gemüse sehr nachteilig. In Dorf-Gill stand das Wasser vorübergehend an mehreren Stellen kniehoch, dort blieb auch ein Holzfuhrwerk aus der Provinzialstrahe im Schlamm stecken und muhte erst von Helfern herausgeholt werden. 6 H Lich, 18. Mai. Im Schloßgarten f)ält sich seit einigen Tagen ein Nachtigallenpaär auf. Der kiebliche Gesang des seltenen Bogels lockt zahlreiche Naturfreunde an. Kreis Scholten. o Lauba ch, 18. Mai. Auf Veranlassung der hiesigen Vereine ehemaliger 115er und 116er veranstaltete die Gießener Militärkapelle unter der Leitung ihres Chormeisters W a n i h e ck hier im „Solmser Hof" ein Konzert. Die Darbietungen, sowohl die Militärmärsche, wie auch die Konzertstücke, waren vorbildlich und begeisterten die Besucher zu stürmischem Beifall. Durch zahlreiche Einlagen zeigte sich die Kapelle für den starken Beifall erkenntlich und bot damit gleichzeitig noch eine freudig begrüßte Erweiterung des Programms. Man hofft hier, bald wieder ein Konzert der Gießener Reichswehrkapelle hören zu können. Wirtschaft. * Kurzarbeit bei Opel. Die Leitung der Opelwerke in Rüsselsheim teilt mit, daß beabsichtigt sei, wegen Rückgangs des Absatzes von Kraftwagen Mitte Mai 1169 Arbeiter zu entlassen. Man will jetzt durch eine wöchentliche Kurzarbelt von fünf Tagen die Zahl der zu entlassenden Arbeiter auf 500 beschränken. * Die Berl inet Kraft- und Llcht- Emission. Wie die Konsortialleitung mitteilt, hat die Emission der Berliner Kraft- und Licht- AG.-Aktien eine Tieberzeichnung von mehreren Millionen ergeben, so daß auf die freien Stucke nur 60 Prozent zugeteilt werden können. Jtinhermarff in Gießen. Auf dem heutigen Rutzviehmarkt in Gieße n standen 1042 Stück Großvieh und 246 Stück Kälber zum Verkauf. Es kosteten: a) Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 450 bis 525 Mark, 2. Qualität 300 bis 375 Mark, 3. Qualität 175 bis 250 Mark; b) Schlachtiühe 100 bis -300 Mark; c) Rinder 1/2« bis Vzjährig, 100 bis 175 Mk., 3/<- bis 2jährig 175 bis 275 Mark, tragend 300 bis 400 Mark; d) Kälber das Pfund Lebendgewicht 40 bis 50 Pfennig. Ausgesuchte Tiere-er- brachten Preise über Rotiz. Marktverlauf: schleppend, ^leberstand. Frankfurter Börse. Frankfurt a.M., 19.Mai. Tendenz: leicht erholt. — Trotzdem weiter ungünstige Momente Vorlagen, lag der Beginn der heutigen Börse leicht erholt, wobei hauptsächlich die Großbanken zu Stühungskäufen schritten, so daß das noch herauskommende Material glatt Aufnahme fand. Eine gewisse Anregung erhielt die Börse von englischen Presseäußerungen wegen der Wiederaufrollung der Reparationsfrage, die für Deutschland recht günstig ausgelegt werden. Das Geschäft bewegte sich in sehr engen Grenzen, da die Kulisse infolge des wieder sehr schwachen Schlusses der Reuyorker und der übrigen europäischen Hauptbörsen größere Zurückhaltung bekundete. Später konnte man einige Deckungen beobachten, die meist aus börsentechnischen Gründen vorgenommen wurden. Die ' ersten Kurse waren nicht einheitlich, doch konnte man gegenüber der gestrigen Abendbörse leichte Erholungen feststellen. So gewannen am Elektromarkt AEG. 1,5 Prozent, Schuckert und Siemens bis 1 Prozent. Montanpapiere bei geringen Umsätzen von 1 bis 2 Prozent höher. Am Chemiemarkt setzten 2G.-Farben 0,5 Prozent höher, dagegen Rütgerswerke 1,1 Prozent und Scheideanstalt 0,5 Prozent niedriger ein. Don Zellstoffwerten Aschaffenburg 2,25 Prozent fester. Dau- unternehmungen uneinheitlich bei Abschwächungen bis 1 Prozent. Stärker erholt waren Kali Salzdetfurth mit plus 3 Prozept, Aschersleben plus 1 Prozent. Schwächer eröffneten dagegen Deutsche Linoleum mit minus 2,5 Prozent und Licht und Kraft mit minus 1,5 Prozent. Schiffahrts-, Dank- und Kunstseide-Aktien blieben behauptet. Der Anleihemarkt lag bei Beginn der Börse vollkommen geschäftslos. Später kamen Altbesitz mäßig erholt zur Rotiz. Pfandbriefe eher still. Reichsschuldbuchforderungen etwa behauptet. Liquidationspfandbriefe aber eher schwächer. Mit Minus-Minus-Zeichen erschienen Lahmeyer (Taxe 113 nach 118 Prozent) und von einheitlichen Werten Mainzer Brauerei (Taxe 116 nach 122 Prozent). Rachdem sich später zu einigen Spezialpapieren noch kleinere Besserungen ergaben, wurde es im Derlaufe sehr ruhig und die Kurse bröckelten auf geringfügige Abgaben der Kulisse um Bruchteile eines Prozentes ab. Der Geldmarkt lag trotz der bevorstehenden Zahlung auf die Bewaganleihe und die Postschahanleihe etwas leichter. Tagesgeld stellte sich auf 4,5 Prozent. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1987, gegen Pfund 20,4250, London gegen Reuhork 4,8642, gegen Paris 124,35, gegen Mailand 92,91, gegen Madrid 48,45, gegen Schweiz 25,2513, gegen Amsterdam 12,1090. Berliner Börse. Berlin, 19. Mai. Rach den ziemlich erheblichen Derkäufen und den starken Kursrückgängen von gestern, rechnete man schon abends in Frankfurt mit einer börsentechnischen Erholung. Die anhaltende Schwäche des Auslandes ließ im heutigen Dormittagsverkehr aber keine größere Unternehmungslust aufkommen, doch bot der offizielle Dörsenbeginn ein ziemlich widerstandsfähiges Bild, zumal von einem stärkeren Derkaufsdrang kaum noch etwas zu spüren war. Das Ausland benutzte das niedrige Kursniveau sogar eher zu kleinenKäu- f e n, Paris zeigte Interesse für Werte wie Rheinstahl, Schultheiß, Siemens, Schuckert, Salzdetfurth, und die Kulisse nahm noch herauskommendes Material zu Deckungszwecken auf. Kurs- mäßig waren die Deränderungen gegen gestern mäßig gering, rein stimmungsmähig war eine Beruhigung unverkennbar. Die Situation in Genf fand eine bessere Beurteilung, auch regten Pressemeldungen von einer fortschreitenden internationalen Kunstseideverstän- d i g u n g an. Diel Beachtung fand auch, daß der Geldmarkt trotz der bevorstehenden Zahlung auf die Dewaganleihe und die Postschätze, etwas leichter war und Tagesgeld sich auf 4,75 bis 5,75 Proz. ermäßigen konnte. Don stärkeren Kursveränderungen sind zu nennen Allgemeine Lokal & Kraft, B. G. W., Ilse, Rütgerswerke, Chade, mit Verlusten bis 3 Prozent, während D. M. W. und Rheinische Braunkohlen um je 2,5 Prozent anziehen konnten. Beim Sarottikurs muh heute der Dividendenabschlag berücksichtigt werden. Anleihen ruhig. Ausländer eher abbröckelnd. Pfandbriefe bei allerdings nachlassendem Angebot wieder eher schwächer. Reichsschuldbuchforderungen wenig verändert. Mit Ausnahme des Tagesgeldes blieben die Sähe unverändert. Im Verlaufe erfuhren die meisten Kurse Besserungen bis zu 1 Prozent. Spezialwerte, wie Kunstseide, Salzdetfurth und Rheinstahl waren stärker gebessert und bis 3 Prozent höher. Rütgerswerke, die auf die Möglichkeit eines Dividendenausfalls, wie anfangs erwartet, weiter gedrückt waren, erfuhren auch im Verlaufe keine Erholung. Rachdem die notwendigen Deckungen ihre Erledigung gefunden hatten, wurde das Geschäft später wieder ruhig, und die höchsten Kurse konnten sich nicht immer behaupten. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 18. Mai. Tendenz: ruhig. — Der Frankfurter Produktenmarkt verkehrte in sehr ruhiger Haltung. Das Angebot war klein, aber die Nachfrage gering. Die Preise für Brotgetreide blieben gut behauptet. Das Mehlgeschäft war sehr ruhig, später erfolgte jedoch eine weitere Ermäßigung bis zu 0,50 Mark, und auf diese Forderung erfolgten kleinere Feiertagskäufe. Der Futtermittelmarkt zeigte für Mühlenabfälle stetige Preise. Nur Roggenkleie gab 0,25 Mark nach. Hafer geringfügig angeboten und im Preise behauptet. Es notierte: Weizen 305 Mark, Roggen 217,50, Hafer (inländischer) 215 bis 217,50, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 42 bis 42,75, Roggenmehl 30 bis 32, Weizenkleie 13,25 bis Amaieurflieger Gchlerf beim Reichspräsidenten. Der Reichspräsident v. Hindenburg empfing am Montag den bekannten Amateurflieger und Fluglehrer Martin Schlerf (Mannheim), um ihm persönlich den Hindenburg-Pokal 1930, der vom Reichspräsidenten für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete des Flugwesens gestiftet worden ist, zu überreichen. Der Reichspräsident zeigte bei dieser Gelegenheit sein reges Interesse an der deutschen Segelflugbewegung und deren Auswirkung auf den Motorflugsport. Der Reichspräsident gab ferner seiner Freude darüber Ausdruck, daß eine so große Anzahl junger Leute, etwa 6000, sich heute im DLV. vereinigten, und benutzte diese Gelegenheit, um zur Einigkeit innerhalb aller deutschen Luftfahrtkreise zu mahnen. Um die deutsche Iußball-Meisterschafi. Vorschlußrunde am 31. Mai. Für die am 31. Mai stattfindende Dorschlußrund« zur DFB.-MeistersHast wurde jetzt folaenber Spielplan aufgestellt: in Leipzig: Hertha/BSE. gegen Hamburger Sportverrein, in Düsseldorf: Tennisborussia Berlin gegen München 1860 oder Holstein Kiel. Hochschul-Fußballmeisterschast. Bei sehr warmem Wetter wurde am Sonntag, die Zwischenrunde um die Deutsche Hochschul - Fußball meist erfchaft in DaNzig zwischen der Technischen Hochschule Danzig und der Universität Berlin ausgetragen. Rach Ablauf der regulären Spielzeit stand das 13,50, Roggenkleie 13,75, Erbsen (je nach Dualität für Speisezwecke) 30 bis 36, Linsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 25 bis 68 Heu (süddeutsches, gut, gesund, trocken) 6,25, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt, 4, Weizen- und Roggenstroh (gebündelt) 3,90, Treber (getrocknet) 11,25 bis 11,50, Jn- duftriekartoffeln hiesiger Gegend bei Waggonbezug 4,50 Mark. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Mehr Schuh den Vlütensträuchern! Jetzt sind die Tage herzerquickender Blütenpracht gekommen. Aus allen Vorgärten der Frankfurter Straße grüßt der Flieder. Aber leider tragen alljährlich viele Sträucher die Spuren roher Hände. Vielfach wird das Auge durch kahlgeraufte und geknickte Aefte beleidigt; oft find Stämmchen bis auf das Mark gesplittert. Die abgerissenen Blüten liegen meist zertreten in nächster Nähe als Beweis böswilligen Zerstörungsdranges. Hiergegen gibt es nur Selbsthilfe und auch sicher wirkende Mittel, wenn sie auch nur von einem Teil der Gartenbesitzer angewandt werden. Es empfiehlt sich, in einer Konservenbüchse etwas Fett mit dem Bremsenschutzöl „Giff-Giff" anzurühren'^ün^ einige Stäbe der Gartengitter innen damit zu bestreichen. Auch lassen sich an den Aesten der gefährdeten Sträucher schmale Pergamentpapierstreifen mit Reißzwecken anheften und dann diese mit dem Schutzmittel bestreichen. Wer einmal mit solchem Abwehrmittel die Hände beschmiert hat, ist dauernd geheilt. Wollte nur ein Teil der Gartenbesitzer sich dieses Mittels bedienen, die Klagen über die Verwüstungen der Blumen- sträucher würden bald verstummen. Man muß sich wundern, wie schnell bekannt wird, wo rohe Hände mit dem abscheulich riechenden und gut haftenden Mittel in Berührung gekommen sind. Dr. O. Letzte Nachrichten. Hendersons Antrag vom Völkerbundsrat angenommen. Gens. 19. Mai. (Drahtmeldung des MTV.) Der Antrag Hendersons, die Frage der juristischen Vereinbarkeit des deutsch-österreichischen Protokolls mit dem Genfer Protokoll vom 4. Oktober 1922 und den Bestimmungen des Friedensvertrags von Saint Germain dem Haager Gerichtshof zur Begutachtung zu überweisen, ist einst i m mi g angenommen worden. Treffen überraschenderweise 1:1 und auch nach zweimaliger Verlängerung änderte sich nichts an dem Ergebnis, so daß der Kampf airi einem noch zu bestimmenden Dermin wiederholt werden muß. Lorbeer-Hamburg Fußballmeister der „Freien". In Hamburg standen sich im Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft der Ar- beitersportler Lorbeer Hamburg und Leipzig Pegau gegenüber. Die Hamburger siegten mit 4:2 (1:2) und wurden damit deutscher Meister. Oie Deutschland-Rundfahrt. Stöpel gewinnt die zwölfte Etappe. , Die über 269,2 Kilometer führende zwölfte Etappe der Deutschland-Rundfahrt von Hamburg nach Hannover wurde von dem Berliner Stöpel in 9:48,23 Stunden gewonnen. Zweiter wurde der Wiener Bulla vor Buse-Berlin, Dewaele-Belgien, Martin-Belgien und Metze-Deutschland, der noch den ersten Platz in der Gesamtwertung innehat. Deutscher Staffel-Gchwimmrekord. Im Rahmen des dritten Duisburger Wasserballturniers konnte am Sonntag Sparta Köln den Rekordversuch über die 4mal-100-Me- ter-Rücken-Staffel erfolgreich durchführen. Mit der Mannschaft Lehnig, Eicker, Derichs, Skamper legten die „Spartaner" die Strecke in 5:08,4 zurück und unterboten damit die bisherige Bestleistung um 7,2 Sekunden. Dagegen mißglückte der Versuch von Poseidon Köln für die 4mal-50-Meter-Kraulstaffel mit 1:53,4. Ö.J.-fporl Banknoten. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H., Lombardzinsfuß 6 o. H. Jranffurt a. M. 1 Berlin Schluß» für« l»U1jr» | Kur« 1 Schluß» hird Anfang» Nur« Datum 18.5. 19.5. 18.5. 19.5. Beretnt Olav« S Kaliwer Kaliwer Kaliwer I.G.F Dunam Scbetde fflolbld) Rütgeri Metallg Philipp Zemen Gemen ®at)6< SckuUh Ostwerl Aku . Bcmbe gellflof ßellftol 66i. Landespiandbrtesanstalt, Psondbricsc 81 tl ..... A.E.K. abg. BoririegS-Obligatts- nen. rückzahlbar 1932 4% Oesterretchtsche Goldrenre . . «,2O% Oeslcrrcichtsche Stlberrente 4% Oesterreichilche Einheitliche Rente 4% Ungarische Soldrente . . . . 4% Ungarn die Staatsrente v. 1910 «V4% oesgl. von 1913 1% Ungarische Kronenrente . . 4% Türkische ZoUanIeihe von 1911 1% Türkische Vagdadbahn-Anl Serie 1 . . . 4% deSgl. Serie U....... 6% Rumänische veretnh. Rente von 1903 ... 4*4% Rumänische veretnh. Rente von 1918 .......... 4% Rumänische veretnh. Reste I I 1 I II MIHI II 1 H 100,5 96,5 22 2,2 17,75 15,4 15,8 3,55 3,6 3,6 7,7 14,5 6,4 SS I ® *iiiii 15 । । । । Hesellschast für Elektrische Unternehmungen .... io Hamburger ElektrUitätt-Werke 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 Schuckert & do. ..... . 11 Siemen« L Halske.....16 Traneradto.........8 Va6 menet & do.......10 Buveru»..... .... 6 Deutsche Erdvl ....... 6 Essener Steinkohle ...... k Gelsenkirchener ....... i Harpener ........ 0 Hoeich Eilen........ tz'se Bergbau ....... 1< Klöcknerwerke ........ 7 Köln-Neuessen. . .....' ManneSmann-Rährea .... 7 ManSselder Bergbau . .... 7 Oberschlei. Eilenbebarf . . . . 5 Oberschles. Nokowerke..... Phönix Bergbau......6H Rheinische Braunkohlen • . IC Rhein stahl . ....... 6 l R.tebcck Mont« ...... 7,2 98 100 124,5 146,5 118 37 o9,5 51 64,75 45,75 147 64 — m ►■> 1SS1 1 1 151 1 1 1 1 1 1 1 1 II SS 1 I 1« 98,9 102 124,5 145,65 117 36,25 61,5 68 53 50,75 165,5 50 55 64,25 30,5 65 47,4 146,5 63,75 97,25 102 124 146 59,75 67,5 52 51 163 51,25 54 64,4 30 64 47,13 149 64,75 Berlin, 18. Äai Geld Brief 4,186 4,206 Belgische Noten. ....... 58,24 58,48 112,01 Englische Noten ........ 20,375 20,455 Französische Noten....... 16,394 16,454 Holländische Noten....... 168,18 168,86 Italienische Noten...... . 22,02 22,10 Norwegische Noten....... 112,08 112,52 Deutich-Oesterreich, i 100 Schilling 58,97 59.21 Rumänische Noten....... 2,485 2,505 Schwedische Noten..... . 112,28 112,72 Schweizer Noten........ 80.62 80,94 Spanische Noten........ 42,27 42,43 Tschechoslowakische Noten..... 12,415 12.475 Ungarische Noten ..... 73,32 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 18.Mal 19. Mai Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Bries Geld Brief rlmtt.«Ron. 168,42 168,76 168,50 168,84 Buen.-AireS 1,316 1,320 1,304 1,308 Brff.-Antkv 58,355 58,495 58,34 58,56 Gbriftiania. 112,32 112,54 112,33 112,55 Kopenhagen 112,32 112,54 112,32 112,54 Stockholm ■ 112,47 112.69 112,42 112,64 HelirngforS. 10,557 10,577 10,558 10.578 Italien . . . 21,96 22,00 21,96 22,00 London. . . 20,405 20,445 20,405 20,445 Vleunort . . 4,1955 4,2035 4,195 4,203 Paris. . .. 16,411 16,451 16,405 16,445 Schweiz .. 80,88 81,04 80,88 81,04 Spanien . . 42,73 42,81 41,96 42,04 Japan . . . 2,075 2,079 2,074 2,078 Wo de Jan. 0,278 0,280t 0,289 0,291 Wien in D-» Ceft. abflcft 58,955 59,075 58,94 59,06 Prag . • .. 12,429 12,449 12,427 12,447 Belgrad . . 7,388 7,402 7,388 7,402 Budapest. . 73,13 73,27 73,13 73,27 Bulgarien. 3,038 3,045 3,038 3,044 Lissabon . 18,88 18,92 18,87 18,91 Danzig.. 81,58 81,74 81,57 81.73 Konst.uikM. 1,784 1,789 1,784 1,789 Athen. 5,442 5,452 5,437 5,447 Lanada 4,192 4,200 4,192 4,200 Uruuiiao 2,495 2,503 2,517 2,523 Lotro - . 20,92 20,96 20,92 20,96 VfB-Gießen. Jugendspiele. VfB. 1. Jugend — Leihgestern 1. Jugend 7:1. Die 1. Iugend konnte am Sonntag nach einer Reih« von Mißerfolgen einen eindrucksvollen Sieg mit nach Hause bringen. Beide Gegner gaben ihr Leytes her. Dis zur Pause konnte die Iugend Leihgesterns, bergab spielend, das Treffen offen halten und mit 0:1 die Seilen wechseln. In der zweiten Halbzeit kam ledoch VfB. stark auf und konnte nach einem Gegentor der Gastgeber noch weitere sechs Tore schießen. Die DsDer waren mit Ersah angetreten. VfB/2. Jugend — werdorf 1. Jugend 2:2. Die 2. Iugend spielte auf dem Waldsport- plah gegen die l. Jugend von Werdorf. Das von beiden Seiten lustlos durchgeführte Spiel endete unentschieden 2: 2. VfB. 1. Schüler — Leihgestern Schüler 1:0. Die 1. Schülermannschaft weilte ebenfalls in Leihgestern und konnte mit 1:0 über die dortigen Schüler siegreich bleiben. Gpielvereinigung 1900 Gießen. Die Ligamamnschaft weilte am Sonntag in Dillenburg und unterlag nach einem spannenden Spiel mit 2:1 Treffern (Halbzeit 2:1). 1900 konnte nicht die vorgesehene Aufstellung herausbringen, da außer Adelberger auch noch Iäckel, Heilmann und Schäfer erseht werden muhten. Die mit der Vertretung betraute Elf lieferte aber eine eifrige Partie und hatte in technischer Beziehung dem Gegner manches voraus. Der Gastgeber lieferte ein recht gutes Spiel. Hoch und wuchtig wurden auherordentlich schnelle Angriffe nach vorne getragen und stellten die Gießener vor manche schwere Aufgabe. Die kleinen Ausmahe des Spielfeldes machten den Giehenern schwer zu schaffen. Der Gießener Mittelstürmer erzielte den Führungstreffer, Dillenburg glich aber noch vor dem Seitenwechsel aus und war dann nochmals erfolgreich Aach der Pause ging das Spiel auf und ab, aber alle noch so günstigen Torchancen wurden ausgelassen. Die Ligareserve verlor zwar auch das Rückspiel in R i e de r w a l g-e r n. konnte jedoch die Riederlage mit 4:2 Toren weit erträglicher gestalten, als im Borspiel in Gießen (5:0), obwohl auch diesmal viele gut« Kräfte fehlten. Die dritte Mannschaft gewann erwartungsgemäß gegen Hassenhausen auf Grund weit besserer Leistungen. Mit 3:0 für 1900 wechselte man die Seiten. Endresultat 4:0. 2. Jugend: Mit nur zehn Mann und in veränderter Aufstellung konnte sie auf dem kleinen Heuchelheimer Platz gegen die dortige 3u- gend nicht auskvmmen. Das Spiel war recht schnell und wurde fair durchgeführt. 3. Iugend: Sie war in Garbenteich und kehrte mit einem 72(4:0)-Sieg heim. Die neu- gegründete Iugendabteilung des Gastgebers gab sich alle Mühe, konnte aber nicht gegen die Spielerfahrenheit und das bessere Zusammenspiel der 1900 an. Schüler: Diese waren in Metzlar und muhten, entgegen der Abmachung, gegen eine 3u- gendmannschaft antreten, der sie natürlich körperlich und spielerisch nicht gewachsen waren und 10 0 geschlagen wurden. Handball der Sp.-Dg. 1900. Io. Butzbach I — 1900 I 4:2. Die ersatzgeschwächte Mannschaft der 1900er — vier Leute muhten für die Stüdtemannschaft zur Verfügung gestellt werden — konnte sich gegen die Buhbacher Turner nicht durchsetzen. Mährend der ersten Spielhälfte lieferten die Gießener eine gleichwertige Partie, was auch in dem Halbzeit- resultat von 1:1 zum Ausdruck kommt. 3nr weiteren Verlauf des Treffens spielten die Gastgeber reichlich hart. So muhte der Giehen-er Mittelläufer längere Zeit aussetzen. Der Vor* sprung der Butzbacher wäre jedoch leicht aufzuholen gewesen, wenn die 1900er Stürmer es nur einigermaßen verstanden hätten, einige der vielen Strafwürfe zu verwandeln. Große Erfolge des Gießener MTV. Schöne Erfolge waren dem GiehenerMäN- nerturnverein am vergangenen Sonntag bei dem 3 0. Iubiläumssportfest desTurn- vereins Offenbach beschieden. Trotz der starken Konkurrenz von nahezu 300 Teilnehmern errangen die Gießener 14 Siege, hiervon 7 erste, 3 zweite usw. Als größten Erfolg konnten die Männerturner unter 7 Mannschaften den großen 3ubi- läums-Manderpreis erringen; bei dieser gemischten 800-Meter-Staffel (3 Turnerinnen und 3 Turner) — in welcher Erich Ploch, Erika Röh- mig, Erich Seyb, Charlotte Amend, Ludw. Malkomes ius uüd Else Bickelhaupt liefen — übernahmen die Gießener sofort di« Führung und konnten nach hervorragendem Lauf mit 1,46 Minuten bis ins Ziel ihren Vorsprung ständig auf etwa 30 Meter vergrößern; es folgten Tv. ^Vorwärts"- Dockenheim mit 1,50 Min. und „Eintracht"-Frank- furt mit 1,51 Minuten. Ebenso überlegen siegte im Endlauf die 4 x lOOMeter-Turnerinnen-Stasfel (Frl. Espach, Amend, Röhmig, Dickelhaupt) vor Tv. Frankfurt 1860 und Tgs. Sachsenhausen und gewann dadurch ebenfalls einen schönen Wanderpreis. Dei den Einzelwettkämpfen wurde Frl. Dickelhaupt im Hochsprung mit 1,45 Meter »erste und im Vierkampf zweite Siegerin; beim 100-Meter-Lauf ging sie mit 7A0 Sek. Vorsprung spielend als erste durchs Ziel. 3m Dreikampf wurde Frl. Amend dritte Siegerin. Die 3u- gend-Turnerin Erika Röhmig konnte auS dem Dreikampf als erste, aus dem Weitsprung und Hochsprung leweils als zweite Siegerin herdor- gehen. In der Turnerstufe wurde H. Rotherme l im Speerwurf mit 44,40 Meter erster und im Vierkampf 9. Sieger Ein schönes Rennen lief auch E. Ploch im 1000-Meter-Lauf; konnte er doch in der guten Zeit von 2:52,7 Min. als erster durchs Ziel gehen; im Dreikampf wurde er 7. Sieger. L. Malkomesius wurde im Weitsprung mit 5,72 Meter vierter Sieger und erreichte im Dreikampf 54 Punkte. Gießener Tennisllub 1922 —Darm, städter Tennis- und Eisklub 10:5* Vorweggenommen sei, daß die Damen ihre Einzel sämtlich gewonnen haben. Frau Dumu'r und Frl. Berg gewannen leicht gegen Frl. Ringer und Frl. Baukloh, während Frl. S t ü ck r a t h in der an zweiter Stelle spielenden Frl. Scriba eine zähe Gegnerin hatte, die sie erst nach schwerem Kampf 8:6, 6:4 niederringen konnte. Don den Herreneinzeln wurden 3 gewonnen und 3 verloren. Dr. Kirchner hielt im ersten Satz das Spiel gegen E l a ß - Darmstadt 4:6 offen und gab erst nach Kampf den zweiten Satz 3:6 ab. Dr. Schopper verlor gegen Werner, während v. Grolman, Dr. Dö n g e s und K. Fischer die Pluspunkte holten. H. Müller wurde von dem sympathischen Engländer Dowden geschlagen. 9m ersten Herrendoppel verloren Dr. S ch o p - per-Fischer gegen die starken Darmstädter Claß-Werner mit dem guten Ergebnis von 11:13, 3:6. Böhnke-Weinsheimer besiegten in 3 Sätzen Dr. Merle-Krämer. Dr. Kirchner-v. Grolman erzielten einen glatten Sieg über Dowden-Hartmann. 9m gemischten Doppel gewannen die gut eingespielten Paare Frl. Berg-Dr, Schopper und Frl. Stückrath • v.Grolman leicht. Frau Dumur-Müller verloren gegen Frl. Ringe r - C l a ß durch das überlegene Spiel von C l a ß. Das Ergebnis ist besonders erfreulich, da es dem Gießener Klub zum erftenmal gelungen ist, Darm- stadt zu schlagen. GensationSquote 1723:10 in Altona-Bahrenfeld. Die Trabrennbahn in Altona-Dahrenfeld hat ihren Ruf als Dahn der Sensationsquoten erneut bestätigt. Am Sonntag zahlte der Toto im Cröfsnungsrennen für den Sieg des Außenseiters ,Lady Sofia" des Herrn H. Greve die Quote von 1723:10. Deutschland bei den Fecht-Europameisterschasten. Der Deutsche Fechterbund wird für die vom 26. Mai bis 4.9uni in Wien stattfindenden Europa- rneisterschaften im Fechten nachstehende Teilnehmer entsenden: Herren: Easmir und Rosenbauer- Frankfurt, Thomson-Qffenbach, Leonhardt-Dresden, Obt. Hax, Dblt. Hölter-München, Lt. Lerdon und Obwtm. Schröder-Spandau; Damen: Helene Mayer-Frankfurt, Fr. Sondheim und Frl. von Wachter-München. Deutschlands Fußball-Mannschaft gegen Oesterreich. Der Deutsche Fußball-Bund hat für das am ersten Psingstfeiertage in Berlin stattfindende Länderspiel gegen Oesterreich nachstehende Mannschaft aufgestellt: Kreß (Rotweih Frankfurt); Beier (HSV.). Weber (Kurhessen Kassel); Knopfle (FSB. Frankfurt), Münzenbevg (Alemannia Aachen), Müller (Hertha DSC.); Dergmiier (Bayern München), Sobeck (Hertha). Ludwig (Holstein Kiel), R. Hofmann, Müller (beide Dresdener SC.). Da die beiden Frankfurter Kreß und Knöpfle augenblicklich an Verletzungen laborieren, ist ihre Teilnahme für das Länderspiel noch keinesfalls gewiß. Man wird der deutschen Mannschaft wenig Chancen geben können. Wafferfahren in der DT. Die am 1.9anuar 1930 erstmals vorgenommene Erhebung über das Kanufahren innerhalb der DT. hat ergeben, daß sich damit 188 Vereine befassen. Der Uebunasbetrieb sah in 7518 Uebungs« zeiten 77 289 Ausübende beteiligt. Diese verteilen sich auf 58 692 ausübende Turner, 12 272 Turnerinnen, 3567 Knaben, 2758 Mädchen. 9m K r e i s IX Mittelrhein sind 21 Vereine, 451 Uebungs« zeiten, 4960 Besucher. Ohne Zweifel werden die neuen Zahlen über das 9ahr 1930 einen gewaltigen Fortschritt ergeben, da die Organisation erst mit Beginn des 9ahres 1930 innerhalb der DT. geschaffen und durch eifrige Arbeit und rege Betriebsamkeit gewaltig ausgebaut wurde. Schlafloligkeit zermürbt den Körper Herr Karl Bang schreibt: Seit Jahren Ult ich an nervösen Störungen und Schlaflosigkeit, nach dem Gebrauch von 3 Flaschen L e ei f err in hat sich mein Zustand derart gebessert, daß ich nicht umhin kann, Ihnen meine Anerkennung über die hervorragende Wirkung Ihres Leciferrins auszusprechen. iDPIIDTFin^ schmeckt sehr angenehm und wird gut vertragen. Preis Mark 1.75, große Flasche Mark 3.— in Apotheken und Drogerien. GALENUS Chemische Industrie, Frankfurt a.M.9 Dep.L Gießen: Ünivereiläti-Apotheke x. gold. 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