Mittwoch, 18. November 1951 181. Jahrgang Ur. 270 Erstes Blatt Ergebnislose LchnvechandlNWN im Rnhrbergbau zunächst nur eine Senkung der Löhne und Gehälter möglich. Bei Beurteilung der Tragbarkeit eines weiteren Lohnabbaues darf nicht außer Acht gelassen werden, daß gegenüber dem Höchststände der Monate Januar bis Juli 1929 die Lebenshaltungsziffer um mehr als 13 v. H. bis Oktober d. I. z u r ü ck g e g a n g e n ist, obwohl bedauerlicherweise die Ausgaben, auf die die öffentliche Hand Einfluß hat, nicht nur nicht gefallen sind, sondern im Gegenteil noch eineSteigerung erfahren haben. Das Realeinkommen der Gesamtbelegschaft des Ruhrbergbaues je Schichten hält sich noch auf dem Stande von etwa Rovember 1929, einer Zeit mengenmäßig guter Geschäftslage. Diese Lohnhöhe ist unter den heutigen Wirt- schaftsverhäitnissen Deutschlands nicht tragbar. Die Gewerkschaftsvertreter wicsen in den Verhandlungen darauf hin, daß sie jeden weiteren Lohnabbau mit aller Entschiedenheit ab - lehnen mühten. Rötia sei statt einer Lohnsenkung vor allem Maßnahmen für die Senkung derPreise, insbesondere dcrLebensmittel- preise. Weiter brachten die Gewerkschaftsvertreter ihr Befremden darüber zum Ausdruck, daß die Zechenvertrcter sämtliche Arbeitsverträge gekündigt hatten, bevor überhaupt ein Berhandlungsergebnis vorgelegen habe. Der Lohnstreit habe dadurch eine erhebliche Verschärfung erfahren. Sollte man den Reuabschluß der Arbeitsverträge bzw. einen tariflosen Zustand dazu benutzen, um den gewünschten Lohnabbau auf diesem Wege vorzunehmen, so sei e i n e Aussperrung nicht zu vermeiden. Wir können uns nicht damit zufrieden geben, daß bis jetzt solche Zersehungsversuche — von wenigen tief bedauerlichen Ausnahmen abgesehen — an dem festen Gefüge von Reichswehr und Polizei abgeprallt sind, Llnsere Aufgabe muß es sein, solche Versuche nach Möglichkeit von vornherein zu verhindern. Ich habe kürzlich bei dem Herrn Preußischen Minister des Innern angeregt, der kommunistischen Zersetzungsarbeit durch zentrale polizeiliche Abwehr- maßnahmen entgegenzuwirken, und ich bitte die Herren, sich auch hierzu zu äußern. Rach diesen einleitenden Ausführungen des Reichsinnenministers Dr. Groener fand eine allgemeine uni> eingehende Aussprache statt. Die Innenminister der einzelnen Länder gaben einen Lieberblick über die politische Situation in ihren Ländern. Die Aussprache ergab die einmütige Auffassung über die Rotwendig- keit, dem politischen Terror, von welcher Seite er auch kommen mag, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegenzutreten. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 u,„ mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dc.H.THyriot,- für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. taten meine besondere Aufmerksamkeit zuzu- wenden. Ich darf diese Bitte an Sie weitergeben. Außerdem habe ich gestern von Herrn Hitler umfangreiches Material darüber erhalten, das ich sorgfältig prüfen und den Landesregierungen zur Kenntnis bringen werde. Weitere Maßnahmen, auch nichtpolizeilicher Art, behalte ich mir vor und werde hierüber mit den Landesregierungen in Verbindung treten. Line besondere Aufmerksamkeit verdient weiter die von der kommuni st ischen Partei mit allen Mitteln und in größtem Eriche>nr täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-vezugspretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: grantfurt am Main 11686. den Herrn Reichspräsidenten gewandt, und der Herr Reichspräsident hat mich Umfange betriebene Zersehungstätig- keit gegen Reichswehr und Polizei. Sie werden mir zustimmen, wenn ich in dieser Zersehungslätigkeit eines der gefährlich st en Angriffsmittel gegen den bestehenden Staat sehe. Breschen, die hier in das Staatsgesüge geschlagen werden, können von unabsehbaren Folgen sein. Die kommunistische Partei ist sich auch, wie durch zahlreiche Zeugen belegt werden kann, ganz klar darüber, daß die Zersehungstätigkeit an den zur Verteidigung des Staates berufenen Organen die wesentlichste Vorbedingung für das Gelingen eines Umsturzes ist. Oie Sozialdemokraten beim Reichskanzler Beschwerde über die National ozialisten. Berlin, 17. Aov. (TLI.) Die Führer der sozialdemokratischen Rei chstags- f r a k t i o n, die Abgeordneten Dr. Breitscheid, Wels, Dr. Hilferding und Dr. Hertz, wurden am Dienstagabend vom Reichskanzler empfangen. Der Besprechung wohnten Reichswehrminister Groener und der preußische Innenminister S e v e r i n g bei. Rach einer sozialdemokratischen, parteioffiziellen Mitteilung haben die sozialdemokratischen Abgeordneten dem Reichskanzler „an Hand umfangreichen Materials den Rachweis geführt, daß von führenden Rationalsozialisten nicht nur zu Gewalttätigkeiten aufgereizt wird, sondern daß von der Privatarmee des Herrn Hitler, den SA.-Formationen, auch in zahlreichen Fällen solche Gewalttätigkeiten organisiert begangen werden". Werde nicht durch stärkstes aktives Hervortreten der Staatsgewalt dieser Kulturschande eine Grenze gezogen, so könne man nicht erwarten, daß die Massen des Volkes, die zur Republik stehen, Vertrauen zur Staatsgewalt hätten und man müsse begreifen, daß sie sich zur S e l b st h i l f e entschlössen. Es werde ferner eine große Beunruhigung geschaffen, die die Absicht, die Regierung zu stützen, immer mehr erschüttern müsse. Die sozialdemokratischen Abgeordneten betonten, daß auf diese Weise der Bürgerkrieg h e r a u f b e s ch w o r e n werde. Die Aufgabe der Staatsgewalt sei es, die friedliche Bevölkerung gegen solche Ausschreitungen zu schützen. Der Reichskanzler sowohl als auch Reichsinnenminister Dr. Groener verurteilten die politischen Ausschreitungen und erklärten, daß alle möglichen und aussichtsreichen Schritte unternommen werden sollen, um Gewalttätigkeiten zu verhindern. Das Material soll dem Reichsinnenministerium schriftlich übermittelt und dort sorgfältig geprüft werden. Ungeklärte Lage in Hessen. Eine Frakiionsgcmeinschaft der Mittelparteien? Darmstadt, 17. Rov. (WER.) In politischen Kreisen wurden die kommenden Regierungsverhandlungen * weiter erörtert. Irgendwelche Klärungen konnten jedoch nicht zutage treten, da die Parteien erst Ende dieser Woche zusammenkommen. Es sind im übrigen Bestrebungen im Gange, die Vertreter der bürgerlichen Mittelparteien zu einer Fraktionsgemeinschaft zusammenzuschliehen, da diese sonst im Parlament völlig ohne Einfluß wären. Durch die Bildung einer solchen Fraktionsgemeinschaft, die ja ohne innere Verpflichtung sein könnte, würden die bürgerlichen Parteien im Landtagspräsidium und in den Ausschüssen vertreten sein. Der „Völkische Beobachter" schreibt: Nicht das Zentrum habe Bedingungen zu stellen,sondern dieNationalsozialisten. Wenn es nach diesen Wahlergebnissen jemand gebe, der die Voraussetzungen für eine politische Zusammenarbeit mit anderen bekanntzugeben das Recht habe, dann seien es die Nationalsozialisten. Auch das Zentrum werde sich dieser Einsicht auf die Dauer nicht verschließen können. Das Gesetz des Handelns sei auf die Nationalsozia- listen übergegangen. Nicht diejenigen, die den katastrophalen Kurs eines schiffbrüchigen Systems überlebt haben, hätten zu fordern, sondern die Nationalsozialisten. In der Sozialdemokratie herrscht die Meinung vor, so lange wie möglich die äugen- b l i ck l i ch e Regierung als Geschäftsführendes Kabinett am Ruder zu lassen und so den bisherigen Einfluß, wenn auch in abgeschwächter Form, beizubehalten. Rur eine Minderheit tritt dafür ein, daß die Sozialdemokratie den anderen Parteien die Regierungsbildung überläßt und sich an einer Koalitionsregierung weder beteiligt, noch sie toleriert. Oie Besoldungskürzungen in Hessen. Wie uns der Reichsbund der höheren Beamten mitteilt, richtete er an den Reichskanzler ein Schreiben, in dem er darauf verwies, daß die höheren Beamten, obwohl sie nach der Kenntnis der Reichsregierung bei der Besoldungsreform von 1927 am weitesten in ihrer Besoldung zurückgeblie- Gegen poliiischen Terror und Zersetzungsarbeii in Reichswehr und Polizei. Reichsinnenminister Groener fordert schärfstes Zupacken der Länder. Berlin, 17. Rov. (WTD.) 2n einer Presse- konferenz erörterte Reichsminister Schlange- Schöningen eine Berordnung des Reichs- Präsidenten zur Sicherung der Ernte und der landwirtschaftlichen Entschuldung im Osthilfegebiet. Der Minister betonte, daß das neue Aufbauwerk des deutschen Ostens, das ihm vorschwebe und weit über Geld- gcben und Umschuldung hinausgehe, nur durchführbar sei, wenn es von dem stürmischen Willen der öffentlichen Meinung getragen wird. Rotwendig sei, zu zeigen, daß ohne viele Worte, aber mit klarem und unverrückbarem Ziele gehandelt werde. Als Beweis dafür sei der von ihm ausgearbeitete grundlegende Gesetzentwurf als Rotverordnung vom Kabinett verabschiedet worden. Sein Ziel sei die Schaffung eines wirtschaftlich gekräftigten, national- politisch gefestigten und bevölkerungspolitisch ausgeglichenen deutschen O st e n. Da sei zunächst ein bisher unerhört scharfer Eingriff in das Wirtschaftsleben erforderlich, um das Unglück des Ostens zum Stillstand zu bringen. Das nächste Jahr dürfte keine Ernährungskatastrophe bringen. Darum enthalte der erste Teil der Notverordnung das Sicherungsverfahren. Jeder Eingriff in die Wirtfchafts- subftan; gefährdeter Betriebe solle vorläufig ausgeschlossen sein. Im Interesse von handel und Gewerbe müsse jedoch dieser volkswirtschastlich anormale Zustand s o kur; wie möglich sein. Möglichst viele Betriebe mühten möglichst schnell wieder in den volkswirtschaftlichen Kreislauf zurückgeführl werden. Oberster Grundsatz dieser ganzen Aufräumungsarbeit, die nach einer einheitlichen Richtschnur umgehend in Aktion gesetzt werden müsse, sei die Wiederher st ellung der Bilanzehrlichkeit. Die vorliegende Notverordnung sei nicht nur ein hilssgeseh für die Landwirtschaft, sondern in weiterem Ausmaß auch ein Gläubigersicherungsgeseh. Der Minister erläuterte dann den Verfahrensmodus. Der Eigentümer, Pächter oder Nießbraucher eines land-, forstwirtschaftlichen oder gärtnerischen Betriebes, der seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann, kann die Eröffnung einxs Sicherungsverfahrens bei der unteren Verwaltungsbehörde beantragen. Den gleichen Antrag kann auch ein Gläubiger stellen, der ein berechtigtes Interesse an einer gesicherten Fortführung eines ihm verschuldeten Betriebes nachweist. Die Sicherungsstelle hat nach Eröffnung des Verfahrens unverzüglich einen Treuhänder zu bestellen, der während der Dauer des Verfahrens die Aufsicht über den Betrieb ausübt. Zwangsvoll st reckungen gegen den Be-" triebsinhaber wegen Geldforderungen sowie zur Herausgabe von Zubehör usw. der dem Betriebe dienenden Grundstücke sind dann unzulässig. Aber auch die Verwertung verpfändeter oder zur Sicherung übereigneter Gegenstände oder die Verfügung über verpfändete oder zur Sicherung abgetretene Forderungen ist unzulässig. De-rn ach- lässig t der Betriebsinhaber bei der Führung des Betriebs die Pflichten eines ordentlichen Landwirts oder verstößt er gegen Vorschriften der VO., dann kann die Sicherungsstelle bei dem Amtsgericht die Zwangsverwaltung für Sicherung des Verfahrens beantragen. Der Minister wandle sich dann der letzten großen Frage zu: Was wird mit den unrettbaren Betrieben? Daraus, sagte er, könne er angesichts einer völlig ungeklärten Zukunft heute noch keine endgültige Antwort geben. Jedenfalls müßte bei der Fülle des verfügbaren Landes der Zug der Deutschen nach dem menschenarmen Osten wieder einsehen. Aus den Siedlern sollten keine Hungerleider, sondern seßhafte Bauern werden. Eine großzügige innere Kolonisation sei der Schlußstein jeder wahren deutschen Ostpolitik. Essen, 17. Rov. (TLl.) In den Lohnvcrhand- lungen zwischen dem Z e ch e n v e r b a n d und den Bergarbeiterverbändendes Ruhrreviers wurde eine Einigung nicht erzielt. Der Zechenverband forderte eine K ü r z u n g der Lohne um 10 v. Sy, sowie eine Erweiterung der Randzechenklausel, während die Gewerkschaften jeden weiteren Lohnabbau entschieden ablehnten. Die Schlichtungsverhandlungen finden voraussichtlich am 23. Rovember statt. Generaldirektor Dr. M i s - c o t t hatte für den Zechenverband erklärt, daß mit der auf Grund einer besonderen Rotverord- nung vorgenommenen Verkürzung der Laufdauer des letzte-c Lohnschiedsspruches die RcichLregierung anerkannt habe, daß der Abbau der Tariflöhne um 7 v. H. ab 1. Oktober nur einevorübergehende Regelung darstellen könne. Es ist zu bedauern, daß die Regierung bei der letzten Lohnregelung einer klaren Entscheidung ausae- wichen ist. Es zeigt dies vor allem auch die bis Ende Rovember begrenzte B e f r e i u n g von den Arbeitslosenbeiträgen für die Llnter- tagebelcgschaft, eine Maßnahme, die allgemein wirtschaftlich große Bedenken Hervorrufen muß. Der Zechenvcrband bedauert, daß er durch die fortgesetzt notwendig werdende Kündigung der Lohnregelung immer wieder in einen Gegensatz zu seiner Arbeiterschaft gebracht wird, weil das heutige Regierungssystem bisher jedenfalls Möglichkeiten einer Entlastung, insbesondere auf dem Gebiete der Steuern, Soziallasten, Frachten und Zinsen, nicht gezeigt hat. Zur Erzielung einer wirksamen sofortigen Selbstkostensenkung bleibt somit Sie Aeiiung des deutschen Ostens. Minister Schlange über das neue Sicherungsversahren für verschuldete Agrarbetriebe. - Oie innere Kolonisation in den menschenleeren Ostprovinzen. Berlin, 17. Rov. (WTB.) Unter dem Vorsitz des Reichsinnenministers Dr. Groener be- ,------, — - - . ■. ., - „ . aann die Konferenz der Innenminister gebeten, diesen Lieberfällen und politischenMord- im Reichsministerium des Innern. Die Innen- <'"f s nr Minister der Länder waren sämtlich persönlich erschienen Reichsinnenminister Groener eröffnete die Beratungen mit einer einleitenden Ansprache, in der er u. a. folgendes ausführte: Der Reichsminister des Innern hat auf polizeilichem Gebiete keine leichte Stellung. Polizeihoheit und polizeiliche Exekutive liegen bei den Ländern, in der Oeffentlichkeit wird meist der Reichsinnenminister verantwortlich gemacht. Die schweren Gefahren, von denen Reich und Länder gegenwärtig bedroht sind, erfordern die entschlossene und unerschütterliche Zusammenfassung des Willens von Reich und Ländern umsomehr, je bedrohlicher die Entwicklung sich gestalten sollte. Cs gilt, den Staat gegen alle Erschütterungen zu sichern und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen politischen Gegnern rücksichtslos zu unterdrücken. Die Mittel dazu gewähren Die Rotverordnungen des Herrn Reichspräsidenten. Es geht nicht nur um den inneren Bestand des Staates und seiner Verfassung, sondern auch um die Außenpolitik in einem Augenblick, wo die allerschwierigsten Entscheidungen auf dem Spiele stehen. Wir müssen dem Herrn Reichskanzler für die Führung der Außenpolitik d en Rücken im Innern decken. Ohne diese Deckung ist jede Außenpolitik zum Scheitern verurteilt. Aber auch auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik sind Fortschritte zur Gesundung nur zu erzielen, wenn es uns gelingt, die Krisenstimmung der Bevölkerung zu überwinden und das schwindende Vertrauen zur Staatsführungwiederzustärke n. Freilich durch polizeiliche Maßnahmen allein ist dies niemals zu erreichen: sie rönnen nur den 'Weg offenhalten für die verfassungsmäßige Entwick- lung der politischen Zustände. Sollten polizeiliche Maßnahmen gar als Schikanen empfunden werden, so vermehren sie die Unzufriedenheit und können zu einer ernflen Gefahr für d i e öffentliche Ruhe und Ordnung werden. Deshalb muß bei allen unseren Maßnahmen voranstehen, daß Gerechtigkeit waltet und ein gerader Kurs gehalten wird. Darüber zu wachen, halte ich für meine vornehmste Pflicht. Kritik und politische Betätigung ist niemandem im Deutschen Reich verwehrt. Die ehrliche und anständige Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner soll nicht unterbunden werden. Wer immer zur Mitarbeit am Wiederaufbau bereit ist, fall ohne parteipolitifche Borurteile dazu willkommen fein. Die Staatsführung darf fich nicht von Erwägungen der P a r t e i p o l i t i k leiten la ff en; es gibt nur ein Ziel der Staatspolitik: die Erhaltung und den Wiederaufbau des Reiches. Wer sich allerdings diesem Ziele mit den Mitteln der Gewalt oder mit den Mitteln der Beschimpfung und Verleumdung der Staatsorgane entgegen stellt, gegen den soll von denjenigen Maßnahmen Gebrauch gemacht werden, die durch die Verordnungen des Herrn Reichspräsidenten zur Verfügung gestellt sind. — Wünschen in der Richtung einer weiteren Ausgestaltung der bis dahin erlassenen Ausnahme-Verordnungen ist durch Teil 7 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten entsprochen worden. Dagegen ist in der Verordnung davon abgesehen worden, von Reichs wegen ein Verbot von Versammlungen unter freiem Himmel und von Aufzügen zu erlassen. Rach den bekannten Braunschweiger Vorkommnissen ist in der Oeffentlichkeit sehr lebhaft das Verlangen nach einem Verbot von Reichs wegen erhoben worden. Ich habe dies zunächst abgelehnt, weil ich es der Initiative der Länder überlassen wollte. In der Tat hat inzwischen die überwiegende Anzahl der Landesregierungen, insbesondere Preußen, ein allgemeines Versamm- lungs- und Lirnzugsverbot erlassen. Es wird sich aus unserer Besprechung ergeben, ob noch Maßnahmen von Reichs wegen erforderlich sind. Ein schärfere!- Zppacken unbedingt erforderlich erscheint nur allerdings in erster Linie gegen Terrorakte, Morde und andere Gewalttätigkeiten an politischen Gegnern, die sich erschreckend gehäuft haben und zu einer Kulturschande für Deutschland geworden sind. Es ist dringend erforderlich, daß Polizei- und Justizbehörden alles tun, um weitere solche Terrorakte zu verhüten oder, wo dies nicht möglich ist, der Täter habhaft zu werden und sie einer raschen und harten Bestrafung zuzuführen. hier muh mit aller Energie zugegriffen werden. Die Rationalsozialisten haben sich wegen der Mordtaten, die in der letzten Zeit besonders gegen SA -Leute begangen worden sind, an Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfilüts-Vuch- und Steindruckerei «.Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraste 7. ben waren, durch die KürzungSmahnahmen des ablaufenden Jahres, namentlich aber durch das willkürliche Vorgehen der Länder am stärksten aeschädigt wurden. Die Leitung des ReichS- bundeS fügte diesem Schreiben eine U e b e r s i ch t über die Gehaltskürzungen inHesfen bei, .weil an dem Beispiel dieses Lande- die Auswirkung de-Zusammentreffen - mehrerer Kürzung-. Maßnahmen am deutlichsten erkennbar ist." Italien und USA. sind einer Meinung. AürRevisiondesüeriaittcrT»klais,sürNeu- regemng der Reparationen undAbiüstunq. Washington, 17.Hot). (WTD.) Grandi und D o r a h sind in einer älntcrredung zu einer vollen Verständigung über die Fragen der internationalen Politik gelangt. Grandis Stellungnahme zu Gunsten einer Revision de- Versailler Vertrages und einer Annullierung der Reparationen und Kriegsschulden bildete die gemeinsame Grundlage für den Gedankenaustausch. Ein Journalist, der dem Senator Dorah nahesteht, teilte im Rundfunk mit, daß Borah mit Grandi die Frage des polnischen Korridors erörtert habe. Er charakterisierte _ die Einstellung Amerikas und Italiens gegenüber einer Revision der im Versailler Vertrag festgelegten GrenzenDeutschlands und Ungarn- gegenüber einer Reuregelung der Reparationen und gegenüber der Abrüstung als i d e n« tisch. Sie bedeute jedoch nicht, daß Amerika und Italien irgendwelche Abmachungen hierüber treffen oder in Genf eine Einheitsfront bilden würden, sondern man könne lediglich feststellen, dah Amerikas und Italiens Ansichten parallel liefen. Parallellen träfen sich bekanntlich nicht, aber Amerika und Italien marschierten in derselben Richtung. Widerspruch gegen die deutschen Zollpräserenzverträge. Die Verträge mit Ungarn und Rumänien können nicht in Kraft treten. Berlin, 14. Rov. (ERB.) Die zwischen Deutschland einerseits und Ungarn undRu- m ä n i e n andererseits abgeschlossenen Zoll- p r ä f e r e n z v e r t r ä g e, die am 15. Rovember in Kraft gesetzt werden sollten, falls die von Deutschland meistbegünstigten Staaten keinen Widerspruch erheben, können, wie wir von unterrichteter Seite bören? nicht in Kraft treten, da tatsächlich einige meistbegünstigte Staaten Einspruch erhoben haben, nämlich die Tschechoslowakei, Argentinien und die Türkei. Diese Staaten haben verlangt, dah Deutschland auch mit ihnen Präserenzverträge objchließe, wa- auf Grund der Genfer Abmachungen über den Ausnahmecharakter der Präferenzen von Deutschland abgelehnt wurde. Cs sollen nunmehr in nächster Zeit Beratungen mit Rumänien und Ungarn eingcleitet werden über die Maß- nahmen, die auf Grund der veränderten Lage zu ergreifen sein werden. Ein Teil deS Vertrags mit Ungarn und zwar derjenige, der keine Präferenzen enthält, wird aber doch zum 15. Rovember in Kraft gesetzt werden. In diesem DertragSteil ist eine Rinder- und Schweine- einfuhr nach Deutschland vorLcschen, für die Ungarn seinerseits Zollvergünstigungen für deutsche Jndustrieartikel zugesteht. Sin französischer ZünfjahreSplan zur Vorbereitung der europäischen Zollunion. Pari-, 18. Rov. (WTB.) Der französische Studienausschust für die europäische Zollunion nahm di« Grundlagen eine- Exposes eines Fünf- jahreSplanS für Europa an. Dieser Plan würde zwei Mittel inS Werk zu setzen versuchen, nämlich einmal die allmähliche Herabsetzung der Zolltarife und aus der anderen Seite die Kontingentierung. Die ersten be den Jahre würden dazu dienen, die vom Völkerbund bereits begonnene Untersuchung über den genauen Charakter deS inncreuropäischcn Warenaustausches zu Ende zu sühren und alle diejenigen voll zu beruhigen, die befürchten, das) eine Zollunion, selbst wenn sic nur allmählich durchgeführt werden würde, gewiss« künstliche Industrien, die bisher nur dank dem Schutzzoll bestanden hätten, chädigen könnte. Die letzten drei Jahre des Fünf- ahrplaneS würden dazu verwandt werden, gcgen- eitig allmählich die Zollschranken ab- Anträgen, und zwar in Verfolg der Emp- fehlung der Internationalen Wirtschastskonfercnz von 1927. Der Ltudienausschust brachte dann den Wunsch -um Ausdruck, daß die deutsch-französische Wirtschaftskommission sich mit der Durchführung gröberer internationaler Arbeiten össentlicher Industrien beschäftigen möge, wobei sie den Behörden die Sorge überlassen solle, zu prüfen, in welcher Reihenfolge diese Arbeiten in Angriff genommen werden könnten. Schwierige Lage in der Mandschurei. Keine Einigung zwischen Den Kr:eg. führenden. — Die Rolle Pny:S. Tokio, 17. Rov. (Reuter.) Die Verhandlungen des japanischen Oberkommandierenden mit dem chinesischen General Matschangschen haben sich zerschlagen. Die Meldungen über die Annahme deS fapanischen Ultimatums sind insofern überholt, als Matschangschen jetzt auf der Rotwendiglett besteht, gewisse Abteilungen zur Bekämpfung der Banden in dem Gebiet südlich der Ostchines,schen Eisenbahn zu b e l a s s e n. Rach einem Telegramm aus Mulden hat er sogar seinerseits ein Ultimatum an die ihm gcacnuberstehenden japanischen Streitkräfte gerichtet und die Räumung deS R on n i.Gebiete- gefordert. „Daily Mail' meldet au, dem chinesischen Hauptquartier in Tsitsikar: Zwei japanische Flugzeuge warfen grftern ungefähr 30 Bomben läng-, der chinesischen Hauptstellung südlich des Eisenbahnknotenpunktes Angantschi ab, richteten aber wenig Schaden an. Zwei andere Flugzeuge erschienen mit- tay» über dem Hauptquartier des Generals Ma in Tsitsikar^ warfen aber keine Bomben ab und zogen sich zurück, als sie deschosien wurden. Der Korrespondent des .^vaily Telegraph- be- richtet, es scheine, dah tatsächlich eine ernste Bewegung im (Sange sei, die auf die Errichtung einer Monarchie in der Mandschurei abziele. Das Hauptquartier der Monarch.sten befinde sich in der internationalen Niederlassung in Mukden in einem Hause, wo früher die Mutter des verstorbenen Marschalls Tschangtsolin wobnte. Der Wortführer der Monarchisten erllärte, daß es durchaus noch nicht feststehe, ob der vormalige Kaiser Hsuontung, der auch unter dem Namen Prinz Pu Vi bekannt ist, für die Krone der Mandschurei ousersehen werden wird. — Hsuantuna soll sich in einem Versteck zwi- sehen Dairen und Port Arthur befinden, wo er die Entwicklung der Dinge abwartet. DaS mecklenburgische Landvolk greist zur Selbsthilfe. Güstrow. 17. Rov. (TL1.) In Güstrow tagten 316 Vertrauensmänner deS Landbundes Mecklenburg - Schwerin aus allen KrciS- landbünden. Es wurden die Eelbsthilfeaktionen der verschiedenen Landbünde deS Deutschen Reiches unter Anwesenheit von Landbundführern auS anderen Ländern besprochen. Die Versammlung ergab vollste Einmütigkeit darüber, dah im Interesse der Gesamtwirtschajt weittragende landwirtschaftliche S e l b st h i ls e m a h n a h - men unumgänglich notwendig seien. Sollten Staat, Ration und Wirtschaft weiter be- stehen, so müsse die Landwirtschaft in die Lag« versetzt werden. eineneucErnte 1 9 3 2 hin - z u st e l l e n. ilm dieses Ziel erreichen zu können, könne die Landwirtschaft den im Augenblick an sie gestellten Forderungen nicht gerecht werden. Die mecklenburgischen Landleute erkennten die von ihnen eingegangenen Verpflichtungen an. Ihre Erfüllung müsse aber ab- hänyig gemacht werden von dem der- zeitrgenStand ihrerWirtschaft, deren ordnungsgemäße Fortführung unter allen älmständen ausrechterhalten werden müsse. Die mecklenburgische Landwirtschaft werde deswegen zu den von ihr gefaßten Beschlüssen, dio das Licht der Oeffenllichkeit nicht zu scheuen hätten und demnächst bekanntgegeben würden, unter allen Umständen stehen. Dumpingabwehr in England. Handelsminister Runciman kündigt einen Wertzoll bis zu 100 Prozent auf industrielle Fertigwaren und Halbfabrikate an. — Das Unterhaus stimmt der Vollmacht für das britische Handelsamt zu. Oie Vollmacht zum Stoppen der Einfuhr. London, 16 . Rov. (Wolff.) Handelsminister Rune im an erklärte im Unterhaus: Während der letzten Wochen hätten übermäßige Importe in Voraussicht der Einführung von Zöllen stattgefunden. Die Regierung sei zu dem Schluß gekommen, um anormalen Einfuhren sofort zu begegnen, das Handelsamt zu ermächtigen, auf gewisse Waren einen Wertzoll zu erheben, der 100 Prozent nicht übersteige. Landwirtschaftliche Produkte würden davon nicht betroffen werden. Die Vorschläge würden sich auf eine Klasse von Fertigwaren und Halbfabrikaten beziehen, wie Koks und künstlicher Brennstoff, Töpferei- und Glaswaren, Eisen und Stahl und daraus hergestellte Waren, Werkzeuge, darunter wissenschaftliche Instrumente, photographische Artikel, Llhren, elektrische Artikel und Apparate, Maschinen, darunter Rähmaschknen und Schreibmaschinen, Artikel aus Holz, Wall- und Baumwollgarne sowie daraus hergestellte Waren, Seiden und Seidenwaren, Schmucksachen, Drogen und Farben, Oele und Fette, Leder und Lederwaren, Papier und Pappe, Fahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge, Gummi, Pelze und Häute, Sportartikel, Spielzeug und Spiele. Oer wirtschaftliche llnsinn der einseitigen Reparationszahlungen. England ist für die Reparations - und Kriegsschuldenzahlungen in Europa als Elearinghouse benutzt worden. Zahlungen in Waren und Diensten wurden zunächst von Deutschland an England geleistet, und England war vor die Schwierigkeit gestellt zu versuchen, den Kredit an Amerika zu transferieren. Die englischen Waren wurden nicht angenommen. Untere Dienste wurden ebenfalls zu einem großen Teil zurückgewiesen und England lieferte an Amerika ungeheuere Summen von Gold, die schließlich zu der Krise im August führten. Kriegsschulden- und Reparationszahlungen sind einseitigeTranSaktionen. Sowohl unser Handel als auch unsere Finanzen wurden von der deutschen Finanzlage in Mitleidenschaft gezogen. Die kurzfristigen, von Deutschen akzeptierten Wechsel, die wir besitzen, beliefen sich auf etwa 300 Millionen Pfund Sterling. Insgesamt über 770 Millionen werden England geschuldet. Alles, was man sagen kann, ist, daß immer noch ein sehr beträchtlicher Betrag von Deutschland zurück- zuerhalten ist, wenn das Stillhalteabkommen abläuft. Der einzige Weg, auf dem wir unsere Währung auf ihrem Wert erhalten können, ist, daß wir dafür sorgen, daß unsere ungünstige Handelsbilanz nicht noch schlechter wird. Wir haben eine beschränkte Kaufkraft im Ausland, und ich hege die Hoffnung, daß wir uns diese Kaufkraft für notwendige Dinge a u f h e b e n und Luxuswaren weglassen. Das Hauptmittel, unsere Handelsbilanz ohne Opfer für unser Volk wiederherzustellen, ist, den Export zu vergrößern und nicht den Import zu beschneiden. Diese beiden Dinge sind nicht unvereinbar. — DaS Unterhaus nahm mit 396 gegen 51 Stimmen die Entschließung zum D u m p in g a b w eh r g e s e h an. Oie Konservativen befriedigt. Radikale Blätter fordern Anddchnung auf Rohstoffe und Agrarproduktc. London, 17. Rov. (WTD.) Die Pläne gegen das Dumping finden bei den konservattven Blättern lebhafte Zustimmung. »Times" findet es löblich, dah die Regierung ein Experiment dieser Art mit Fabrikwaren beginnt, die England selbst erzeugen kann. — „M orning P o st" äußert die Erwartung, daß der Druck der Umstände die Regierung später nötigen wird, die zeitweiligen Maßnahmen durch einen dauernden Schutzzolltarif zu ersetzen. — Auch »Daily Telegraph" meint, es würden noch andere Schritte notwendig sein, besonders zum Schuhe der Landwirtschaft. Einstweilen aber tonne man mit diesem ersten Schritt zufrieden sein. — Der im protektionistischen Fahrwasser segelnde »Daily Expreß" nennt die Regierungsvorlage Flickwerk und fordert die Ausdehnung der Einfuhrabgabe auf Rohstoffe, besonders aber auf Lebensmittel. — Im liberalen »Rcws Ehroniclc" weist Sir Walther Layton darauf hin, daß England ein Fünftel der Exportwaren der Welt bezieht, und hält es daher für ausgeschlossen, daß die von der Regierung verlangten weitgehenden Machtbefugnisse in erheblichem Maße angewandt werden. Ihre unbesonnene Anwendung würde Gegenmaßnahmen und eine wachsende Lähmung des internationalen Handels verursachen, was für die britischen Reedereien, Banken, Versicherungsgesellschaften und Kaufleute eine große Gefahr wäre. — »Financial News" erklärt, daß das Dumping den normalen Handelsverkehr zwischen den Rationen nur in beschränktem Maße störe. Das Blatt rechnet mit der Möglichkeit, daß die neuen Machtbefugnisse gar nicht durchgeführt zu werden braucht. Aus dem Sklarek-prozeß. Im Sllarek-Prozeh gab Willy Sklare? die Erklärung ab, daß die Kassenzettel, die er unterzeichnet habe, restlos an die betreffenden Herren ausgezahlt worden feien. Er habe sogar noch auS seinerTaschezugezahlt. Cs habe sich auch um Renngcwlnne gehandelt, allerdings in höherem Umfange als sie z. B. der Angeklagte Kohl angebe. Leo Sklarck sagte: Wenn wir abend- zusammengewesen sind, dann haben die Leute gefragt: »Du hast doch heute für mich gewettet, nicht wahr?" Da habe ich bann b ai Geld aus der Tasche gezogen. Der Angeklagte kommunistische Stadtrat Dege n c r bestritt, von Direktor K i c b u r g Gelder erhalten zu haben. Kieburg habe eine Gehalts- nachzahlung D o n 3 0 0 0 0 Mark nach seiner Entlassung verlangt, waS vom AufsichtSrat abgelehnt worden sei. Rach der Ablehnung habe Kieburg an den StadtsyndikuS geschrieben, Degener wollte die 30 000 Mark haben. Zu einem Brief d«S Kieburg an den Angeklagten Gäbel, in dem cs heißt: »Ich habe das Pumpgenie Degener jahrelang unterhalten", erklärte Gäbel, es handele sich um ein gemeines Manöver. Von Ansprüchen Dcaencr- an Kieburg habe er, Gäbel, nichts gewußt. Der Vorsitzende erwähnt dann, dah die Anllageschrift von einem luxuriösen Lebenswandel DegenerS spreche, daß er beispielsweise nur Zigarren zu 1 Mark geraucht bat Degener erwiderte, im allgemeinen habe er billigere Zigarren geraucht. Der Vorsitzende hält dann dem Angeklag- ten Degener vor, daß er sich eine teuere Wohnungseinrichtung für 27000 Mark gekauft habe. Degener gibt das zu. Der Vorsitzende verlas die einzelnen Preise der Möbelstücke und meinte: »DaS ist eigentlich ein Zimmer, wie man es bet einem Kapitalisten findet Vertrug sich denn daS mit Ihrer Weltanschauung?" Degener: .Es ist richtig, dah die Wohnung sehr hygienisch sauber und solide eingerichtet ist." Vorsitzender: »DaS nennen Sie hygienisch? Woher hatten Sie denn die Geldmittel dazu?" Degener: »Wir hatten 10 000 Mark von meiner Mutter bekommen und 8000 Mark gespart" Vorsitzender: »Gespart? In der In- flationszeit?" Degener: »Ich hatte Gelegenheit, in meiner Redaktionsstellung bei der »Roten Fahne" mein Gehalt In Devisen umju- tauschen, da dort eine internationale Pressekorrespondenz herausgegeben wurde." Um festzustellen, ob Degeners Mutter in der Lage war, Ihm 10 000 Mark zur Beschaffung seiner Wohnungseinrichtung zu geben, verlas Der Vorsitzende eine Steuererklärung, in der es hriht: »Meine Mutter ist ohne Vermögen, ich unterstütze sie." Auf die Vorhaltung des Vorsitzenden, daß die Mutter Degeners nicht a l s Reinemachefrau beim Magistrat tätig gewesen wäre, wenn sie Vermögen gehabt hätte, erklärte der Angeklagte, dah es sich hier um eine Marotte seiner Mutter gehandelt hab«. Bürgermeister Schneider gab zu, wöchentlich bis zu dreimal bei den Sklareks gewesen zu sein, unb betonte, sämtliche von der Firma Sklarck bezogenen Anzüge bezahlt zu haben. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum er in der Voruntersuchung bestritten hatte, dah seine Frau von den Sklareks einen Blaufuchs bezogen hätte, erklärte Schneider, dah er seine Frau nicht auch noch in die Angelegenheit hineinzichen wollte. Schneider gab zu, daß er f a st j e d e n S o n n - t a g zusammen mit Max Sklarck und dessen An» gehörigen Lokale toi« Adlon, Eden-Hotel. Esplanade und Kaiserhof besucht Hube und dabei von Max Sklarek freigehalten worden sei. An diesen Gesellschaften hätten auch der Pfarrer Wolf und der Minister a. D. H i r s ch tcilgcnom- men. Ein solcher Abend hätte pro Person 43 bis 50 Mark, also im ganzen etwa 500 Mark gc- kostet, so daß monatlich für d.ese Zwecke 2300 Mark au-gegeben worden seien. Zu dem Aufenthalt im Jagdhaus in Waren erklärte Schnei- der. der dort zum Tell länger« Zeit mit seiner Ehefrau wohnte, dah er genau so toi« ander« Magistrai-mitglieder de-öftercnbciwohl- haoenden Leuten auf öle Besitzun - g«n eingeladen worden sei und natürlich nie daran gedacht habe, dafür «Ine Bezahlung anzubieten. Bei «tner Gesellschaft bei Bürger« meister Schneider fei das Geschenk SklarckS überall bewundert und auch nach dem Silberstempel gesucht worden. Bei dem Kaffeeservice wurde Schneider auf den eigenartigen llmstand aufmerksam gemacht, dah er den Kriminalbeamten bei der Haussuchung c in kleineres Service gezeigt hatte, da- er selbst gekauft haben wollte, während daS große Sllarekfche Service In einer Hutschachtel verpackt von den Beamten zunächst auch nicht gefunden worden fei Bürgermeister Schneider gab bann weiter zu. daß er von den Sklareks auch Lebensmittel, und zwar Rebhühner und Eier, erhalten habe, erklärte aber, dah er ihnen gleichfalls Geschenke gemacht habe, unter anderem ein Klavier für da- Jagdhaus in Waren. Die Annahme, daß bitte* Klavier nicht gerade ein sehr wertvolle- Instrument und schon gebraucht war. wurde auch von Leo Sklarek bestätigt. Bargeldbeträge erhalten zu haben, bestreitet Schneider bi- auf die Renngewinne, die aber selten gewesen seien. Die Anklage hat auS Indizien gefolgert, daß Schneller 5000 Mark von Max SUarek zum Ankauf einer Hypothek erhalten hat. Schneider bestritt aber, diese Lumme erhalten zu haben, er habe fie sich von dritter Seit« beschafft. Aus aller Welt. Kahenellenbogen soll gegen Sicherheitsleistung aus der haft entlaffen werden. Auf Antrag der Verteidigung des Generaldirektors Kahenellenbogen ist vom llntersuchungS- richter HaftprüfungStcrmin abgehallen worden. Der Untersuchungsrichter hat den Hastbefehl aufrechterhalten, aber beschlossen, Kahenellenbogen mit der Vollstreckung der Unter« suchungshast zu verschonen, wenn er eine Sicherheit von 100000 Mark leistet, seinen Paß abliefert und sich Zweimal täglich beim zuständigen Polizeirevier meldet. Die Staatsanwaltschaft prüft zur Zeit, ob gegen diesen Beschluß Beschwerde einzulegcn ist. 'Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Beschluß de- Untersuchungsrichters Beschwerdeeingelegt mit dem Ziel, daß die Leistung einer höhere n Sicherheit als 100 000 Mark für die Verschonung von der Untersuchungshaft erreicht wirb. Die preise im photographischen 10 OOO-DoQar-IDetlbfroerb. In dem photographischen 10 000-Dollar-Wetl- bewerb sprach daS internationale Preisgericht den großen Weltpreis in Höhe von 10000 Dollar und die silberne Statue Lern Engländer EharleS W. Powell, einem jungen Textilarbeiter, zu. Der große WeltklassenprciS sürTicrausnap- rnen fiel an einen Deutschen, Max Seidel, Bühnenmaler aus Brieg bei DreSlau. Der große WeltklassenpreiS bringt dem deutschen Preisträger außer der goldenen Medaille insgesamt 5200 Mark. Die übrigen Preisträger, von denen jeder 1000 Dollar und die goldene Medaille erhielt, sind in Brasilien, den Vereinigten Staaten, Dänemark und Frankreich beheimatet. England zieht sich au» dem Luftschiffbau zurück. Daily Telegraph sagt, der Berkaus deS Luftschiffes R 1 00 zwecks AbbruchS macht eS unzweifelhaft, daß die britisch« Bemühung um den Bau von Luftschifsen in absehbarer Zeit nicht erneuert werden wird. Der entscheidende Grund für diesen Verzicht ist d i e finanzielle R o 11 a g c. SS ist aber keineswegs gesagt, daß die nationalen Interessen dadurch benachteiligt werden, denn daS Urteil der sachkundigsten Kreise über die Zukunft der Luftschiffe ist geteilt, und somit kann der Betrieb von Luftschiffen ruhig anderen Rationen überlassen werden. Die IBefferlaae. Dcriinv*. -*3 * "rind i , 3 wxn 0 WOHtfitOS. O "tntr t>MfD e ® OTv«lt •’fX’k • Vhnft 6 (riegfin e "rntn Oll einig«' \*d-.uowc» wer ■»<■«• OK •>«"« ru«cfi mit gc» W'Hä« P.« M>g«n Mlligete >t«n«M«?Ä5 'chtel ^eksche -uch LÄaH ^Neider n$Un^n ’gateö (Ä d°nn 'b^c^Le. - dzh er -V^r, 9 c m q * tfyen "ier 1 bat, Sgfcj saft? klare! i,lD Nnei- .."LU Mt. et sabe Belt. ^"Krheilslejslung 11 werden. a O,Dar! hift7£ $ Jbewnal täglich E-t-DieS-.L L ift diesen Exk®“ Staats- «IbM des Unter, denngelegtmit höheren Dar! für die Der. lgshast erreicht wird. Dollor-Tellbmerb. lOOSo-Dollar-Wett« >ale Preisgericht den >evvn 10«» Dollar Engländer Charles n Textilarbeiter, m ürTierausnah« «n. Mak Seid.-/, Dreslau. Der grt deutschen PreM- )aille insgesao ä/N iger, von dem-jeder Medaille eM sind n Staaten, Shemaxt Loftzchifstia zurück, der Deckaus des Wecks Abbruchs si die britische 3c# Luftschiffen in abseh. / werben wird. Der ffl Jcy/cht ist die Es ist aber keines- alra Interessen da« >enn das Urteil der ie Zukunft der Luft, somit kann der Te« anderenAativ« rlwt. Wien tfö »UöfOfl*- gyftjrud- ÄÄ vereE' 'va-rs^^ovvnbtt Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 18. November 1931. Oie Gießener Verkehrswerbung. Der Vorstand des Verkehrs - und Verschönerungsvereins Gießen beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit einer Reihe von Fragen der Gießener Verkehrswerbung, die für die breite Oeffentlichkeit von Interesse sind. Bei einer Nachprüfung der Derkehrswerbe- arbeit in der jüngsten Zeit ergab sich die früher schon wiederholt betonte Notwendigkeit, der gemeinnützigen Tätigkeit des Verkehrs- und Derschönerungsvereins besonders in der gegenwärtigen Notzeit allgemeine Unterstützung zukommen zu lassen. Diese Forderung ist insbesondere an die Geschäftswelt zu richten, die ja von der unmittelbaren Auswirkung der Derkehrswerbearbeit in erster Linie Nutzen hat. Dei der Veranstaltung der Gießener Okto b e r t a g e hat ein großer Teil der Geschäftswelt volles Verständnis für die Notwendigkeit der Mitarbeit an den Aufgaben des Verkehrsund Verschönerungsvereins bekundet. Der Verein des Gießener Einzelhandels und verschiedene Fachgruppen der Gießener Geschäfte haben bei jener Veranstaltung durch ihre berufenen Vertreter nicht nur praktisch und förderlich mitgearbeitet, sondern auch das großzügig aufgezogene Werbeunternehmen, das bekanntlich mit by Obst-, Gartenbau- und Iagdausstellung verbunden war, durch Geldbeihilfe unterstützt. Auch der Kreis-Ob st- und Gartenbauverein, dessen Leitung in verständnisvoller und großzügiger Weise zur Förderung der Vereinszwecke, aber auch zum Gelingen des gesamten Unternehmens eifrig mitwirkte, hat für die Finanzierung der Oktober-Werbung eine anfehn- .liche Summe zur Verfügung gestellt. Der gemeinsamen Arbeit gelang es, die Werbewoche mit beachtenswertem Erfolg durchzuführen. Allein die Obst-, Gartenbau- und Iagdausstellung hatte im Verlaufe der drei Ausstellungstage einen Besuch von etwa 5000 Personen zu verzeichnen, unter denen sich große Teile auswärtiger Interessenten befanden. Der finanzielle Abschluß dieser Derkehrswerbung entsprach ungefähr den Erwartungen, die man unter den gegenwärtigen Verhältnissen gehegt hatte, und er ist in Einklang zu bringen mit der finanziellen Leistungskraft des Vereins. Als Ganzes betrachtet kann der Verkehrs- und Verschönerungsverein, wie in der Dorstandssihung festgestellt wurde, mit dem Erfolg der Gießener Oktobertage durchaus zufrieden sein. Weiter beschäftigte man sich u. a. in eingehender Aussprache mit verschiedenen Möglichkeiten, durch deren Verwirklichung eine Senkung der Unkosten des Vereins erwartet werden kann. Gewisse Beschlüsse wurden zu diesem Zwecke gefaßt, weitere Maßnahmen sollen einer neuen Sitzung zur Prüfung Vorbehalten bleiben. Zur Besprechung kamen ferner verschiedene Wünsche nach vermehrter Fahrgelegenheit auf der Straßenbahn bei großen Veranstaltungen auf den Sportplätzen. Den Sportvereinen soll empfohlen werden, große Veranstaltungen rechtzeitig der Direktion der Straßenbahn zu melden, damit verstärkter Straßenbahnverkehr eingerichtet werden kann. Von der Bevölkerung muß die gebotene verstärkte Fahrgelegenheit aber auch in Anspruch genommen werden, denn man kann von der Straßenbahnverwaltung nicht die vermehrte Indienststellung von Wagen und Personal fordern, wenn aus der anderen Seite die notwendige Frequenz nicht in Erscheinung tritt. Auf dieser Grundlage wird der Borstand des Verkehrs- und Derschönerungsvereins die Wünsche der Sportvereine gerne unterstützen. Die weitere Sitzungsarbeit galt der Erledigung zahlreicher kleinerer Angelegenheiten, die in ihrer Gesamtheit und in ihrer Tendenz gleichfalls ein gutes Stück Verkehrswerbearbeit darstellen. Daten für Mittwoch, l8. November. 1836: Der Mediziner Cesare Lombroso in Verona geb.oren; — 1863: d»r Dichter Dehmel in Wendisch- Hermsdorf geboren. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater Gießen: 15 bis 18 Uhr, „AltHeidel- berg" (Fremdenvorstellung): 20 bis 22 Uhr, „Ist das nicht nett von Colette?". — Oberhessischer Kunstverein, Ausstellung „Drei Frauen der Gegenwart", 15 bis 17 Uhr, Turmhaus am Vrandplah. — Oberhessischer Gefchichtsverein: 20.15 Uhr, Hörsaal 44 der Universität, Vortrag über „Ulrich von Hutten". — Cas6 Leib 20.15 Uhr Großes Iazzshmphon sches Konzert. — Katholisches Vereinshaus, 16 und 19.30 Uhr, Bunte Bühne Berliner Künstler. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Hirsekorn greift ein!". — Astoria- Lichtspiele: „Tarzan der Tiger" und „Die seltsame Vergangenheit der Thea Carter". — Die Volkshochschule gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß der Beginn des Kurses Steigende Arbeitslosigkeit in Oberhessen. Oer Oktober-Bericht des Arbeitsamts Gießen. Die Arbeitslosigkeit hat im Berichts- monat weiter zugenommen. Gering aufnahmefähig zeigten sich im Berichtszeitraum die Forstwirtschaft und das Derkehrsgewerbe. Am Schluß der Berichtszeit waren 11 874 Arbeitsuchende verfügbar, gegenüber 11 023 des Vormonats und 8606 des Vorjahres. Arbeitslosenunterstützung erhielten 4131 Personen, gegenüber 4844 des Vormonats und 5763 des Vorjahres. Das Sinken der Zahl der Hauptunter- stützungsempsänger in der Arbeitslosenunterstützung ist auf die Kürzung der Unterstühungs- dauer zurüikzusühren. 4780 Personen erhielten Krisenunterstützung, gegenüber 3956 des Vormonats und 1527 des Vorjahres. In Arbeit wurden 963 Personen vermittelt. 230 Arbeitsuchende wurden von ihrem früheren Arbeitgeber zurückgerufen. Land, und Forstwirtschaft. Die Hackfruchternte hat ihren Höhepunkt überschritten. Die Kartoffelernte ist beendet, ebenso nahezu auch die Rübenernte. Zur Bergung der Ernte wurden Aushilfskräste in geringem Umfange angefordert. Zum Zuckerrübenausmachen kommen nur im Gießener Bezirk Aushilfskräfte zur Vermittlung. Durch den Saisonschluß wurden in den Kurorten Gärtner, Parkarbeiter und Parkarbeiterinnen arbeitslos. Für die Vorbereitungsarbeiten zum Holzeinschlag konnten wir hundert Waldarbeiter vermitteln. Vereinzelte Forstmeiste- reien haben bereits die Rotteneinteilung durchgeführt. Hierbei haben sich die betreffenden Forst- ämter unserer Vermittlung bedient. Die Bermitt- lungstätigkeit für Melker und Gespannsührer war der Zeit entsprechend gut. Verfügbar waren am Ende der Derichtszeit 256, gegenüber 249 des Vormonats und 234 des Vorjahres. Bergbau. Durch die Stillegung eines Abraumbetriebes meldeten sich 120 Bergarbeiter im Licher und Gießener Bezirk arbeitslos. Im Grünberger Bezirk wurden durch Stillegung einer Grube 60 Bergarbeiter arbeitslos. Am Schlüsse der Derichtszeit zählten wir 452 Bergarbeiter, gegenüber 334 des Dormonats und 101 des Dorjahres. Industrie der Steine und Erden. Die Arbeitsmarktlage hat sich weiter verschlechtert. Im Niddaer Bezirk haben zwei Steinbruchsbetriebe ihre Arbeitskräfte wegen Auftragsmangels entlassen. Im Homberger Bezirk mußte ein Betrieb, der bislang durch Reichsbahnaufträge gut beschäftigt war, 80 Steinarbeiter nach Beendigung der vorgesehenen Arbeiten entlassen. Ein Steinbruchsbetrieb konnte 24 Steinbruchsarbeiter einstellen, da größere Aufträge für Schottersteine Vorlagen. Die Ziegeleien haben verschiedentlich Ziegeleiarbeiter wegen Arbeitsmangels entlassen. Eine Chamottefabrik klagt ebenfalls über Arbeitsmangel und sieht sich gezwungen, eine größere Anzahl von Arbeitskräften zu entlassen. Arbeitslos waren 1198 Steinarbekter, gegenüber 1059 des Dormonats und 1084 des Doriahres. Metallgewerbe. Die Lage im Metallgewerbe hat keine wesentliche Deränderung erfahren. Verschiedentlich arbeitet die metallverarbeitende Industrie mit verminderter Belegschaft kurz. Das Handwerk klagt über Auftragsmangel. Für die kommende Berichtszeit stehen Stillegungsanträge in Aussicht. Derfügbar waren am Ende der Berichtszeit 1754 Metallarbeiter, gegenüber 1766 des Dormonats und 1829 des Dorjahres. Theater und Musik. Der Saisonschluß in den Kurorten brachte auch für Musiker Rückgang der Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Musiker eines Kurorchesters wurden arbeitslos. Im Berichtszeitraum konnten 243 Geschäfte getätigt werden. Holz- und Schnihstofsgewerbe. Die Arbeitsmarktlage ist uneinheitlich. Ein Sägewerksbetrieb, der vor einiger Zeit Imprä- gnierarbeiter eingestellt hatte, hat diese nunmehr wegen Arbeitsmangels entlassen. Die Schottener Sägcwerksbelriebe sind noch verhältnismäßig gut beschäftigt. Eine Möbelfabrik hat einen größeren Auftrag für Radiogehäuse erhalten, wodurch die frühere Belegschaft wieder eingestellt werden konnte. Am Ende der Berichtszeit waren 671 Personen verfügbar, gegenüber 605 des Dormonats und 564 des Dorjahres. Rahrungs- und Genuhmittelgewerbe. Der Beschäftigungsgrad ist weiter im Abgleiten begriffen. Die Tabakindustrie arbeitet zum größten Teil verkürzt. Ein Betrieb hat Stillegung beantragt und wird demnächst wegen Auftragsmangels seine Belegschaft zur Entlassung bringen. Die Brauereien klagen über schlechten Geschäftsgang. Die Zucker-Kampagne ist zur Zeit in vollem Gange. Arbeitsuchend waren 469 Personen, gegenüber 466 des Dormonats und 249 des Dorjahres. Bekleidungsgewerbe. Die Marktlage für die oberhessischen Schuhfabriken hat sich verschlechtert. Eine Schuhfabrik hat wegen Auftragsmangels 50 Arbeitskräfte entlassen. Die übrigen Fabriken arbeiten nur noch mit stark reduzierter Belegschaft. Eine oberhessische Kleiderfabrik konnte durch Hereinnahme eines größeren Auftrages Näherinnen wieder einstellen. Arbeitslos waren am Schluß der Berichtszeit 263 Personen, gegenüber 291 des Dormonats und 215 des Dorjahres. Baugewerbe. Die allgemeine schlechte Wirtschaftslage wirkt sich besonders im Baugewerbe aus, auch hemmt die vorgeschrittene Jahreszeit die Neuinangriffnahme von Bauten. In der Bericht^eit kamen nicht nur Maurer, Zimmerleute und Weißbinder, die mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt waren, zur Entlassung, sondern auch Glaser, Dachdecker und Pflasterer. Dem Arbeitsmarkt standen 2300 Bauarbeiter zur Dersügung, gegenüber 2124 des Dormonats und 1627 des Torjahres. Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe. Auch in dieser Derufsgruppe hat sich der Saisonschluß belastend für den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Am Anfang der Derichtszeit wurden in erster Linie Fachkräfte, die nicht in unserem Bezirk beheimatet sind, entlassen. Gegen Ende der Berichtszeit wurde auch ein großer Teil der ortsansässigen Fachkräfte arbeitslos. Verfügbar waren 146 Fachkräfte, gegenüber 95 des Dormonats und 86 des Dorjahres. Verkehrsgewerbe. Die Reichsbahn zeigte sich in der Derichtszeit weiter aufnahmefähig. Es wurden hauptsächlich Zeitkräfte für llra« und Ausbesserungsarbeiten angefordert. In den Kurorten wurden Kraftfahrer durch Saisonschluß arbeitslos. Verfügbar waren 435 Personen, gegenüber 398 des Vormonats und 298 des Vorjahres. Lohnarbeit wechselnder Art. Für die Angehörigen dieser Derufsgruppe haben sich in der Derichtszeit wenig Llnterbrin- gungsmöglichkeiten gezeigt, doch besteht die Möglichkeit, mit Deginn des Holzeinschlags eine größere Anzahl von Arbeitern als Holzhauer unterzubringen. Arbeitsuchend waren 2315 Personen, gegenüber 2177 des Dormonats und 1229 des Dorjahres. Angestelltenberufe. In den Angestelltenberufen nahm die Arbeitslosigkeit weiter zu. 177 Angestellte aus allen Branchen kamen im Oktober neu hinzu: davon waren 140 männlichen und 37 weiblichen Geschlechts. Die Dermittlungsmöglichkeit war dementsprechend sehr gering. Berufsberatung. Die Abteilung Berufsberatung wurde im Monat Oktober 117mal von 30 männlichen und von 18 weiblichen Ratsuchenden in Anspruch genommen, unter denen sich 18 ältere, sowie 19 Schüler und Schülerinnen aus höheren Lehranstalten befanden. Einige Ratsuchende muhten hinsichtlich ihrer voraussichtlichen Derusseignung einer besonderen ärztlichen ilnterfudjung bzw. einer psychologischen Eignungsprüfung unterzogen werden. Das psychologische Institut der Universität Gießen, als auch die Universitätskliniken stellen sich in anerkennungswerter Weise in den Dienst der öffentlichen Berufsberatung. „Die Krise des Kapitalismus" auf Freitag, 20. November. festgesetzt ist. Der Kurs findet jeweils um 20 Uhr in der Universität, Hörsaal 34, statt. — Der Goethe-Bund hat, wie man uns mitteilt, zu seinem ersten Dichterubend am kommenden Montag die feinsinnige Dichterin Ina Seidel zu einer Vorlesung aus eigenen Werken eingeladen. Damit gibt der Goethe-Bund Gelegenheit, eine hervorragende Vertreterin des zeitgenössischen deutschen Schrifttumes am Dortragstllch kennenzulernen. Gerade das letzte Werk dieser Dichterin, „Das Wunschkind", aus dem sie auch vorlesen wird, ist eines ihrer bedeutendsten Werke. Ein Buch der Mutter, das immer zum Herzen dringt und zum reichen Erlebnis wird. Es ist ein fein abgestimmter Abend zu erwarten, dessen Besuch zu empfehlen sein dürfte. (Siehe aestrige Anzeige.) — „Ästrologie und Christentu m." Am Donnerstag, 19. November, findet, wie man uns schreibt, im Hörsaal 41 der Universität, 20.15 Uhr, ein Vortrag über das Thema „Astrologie und Christentum" statt. Dr. Johannes Hemleben, der Redner des Abends, Mitarbeiter der Bewegung für religiöse Erneuerung der Christengemeinschaft, ist in unserer Stadt nicht unbekannt. Er kommt von der Naturwissenschaft her und beherrscht die auf diesem Gebiete geläufigen Methoden und Anschauungen. Gerade als solcher zeigt er in seinen Arbeiten die heute vorhandene Möglichkeit auf, zu einer neuen Anschauung des Christentums zu kommen. (Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.) — Der Deutschnationale Handlungsgehilfen - Verband, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am morgigen Donnerstag, 20.30 Uhr, in seinem Dereinsheim in der Lonh- strahe einen Dortragsabend. Dr. K a n d e l e r (Frankfurt a. M.) spricht über das Thema „Die kaiserliche soziale Botschaft vom Jahre 1881“. Näheres siehe heutige Anzeige. ** Warenspenden für die Gießener Winternothilfe. Für die Zwecke dcsWinter- hilfswerks in unserer Stadt haben sämtliche Mitglieder der Ortsgruppe Gießen des Reichsbundes des Textileinzelhandels Warenspenden zur Der- Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf. fügung gestellt, die anfangs November, anfangs Dezember und Mitte Januar ausgegeben werden. Es handelt sich dabei um folgende Firmen: W. Wirsig, I. Schulze, Meyerhofs & Goslar, H. Kaeh Nachf., W. Horn & Sohn, Franz Bette. Gebr. Jmheuser, I. Pfeffer, A. Salomon & Co^ Carl Loos, Fr. Teipel, I. Schmücker Nachf., Geschw. Student, Jakob Heilbronner, Kaufhaus Elsoffer, Carl Horn, G. W. Schneider Nachf., Carl Frensdorf, Carl Zwang, Ludwig Stern, C. Röhr & Co., Fr. Levermann, C. O. Reuter, Kaufhaus Hansa, Hermanns & Froitzheim, P. Volk Wwe., Robert Haas Nachf., Georg Falken- stein. — In gleicher Weise sind Warenspenden von den Schuhgeschäften zur Lieferung Anfang November, Anfang Dezember und Ende Januar zugesagt worden. Hier handelt es sich um folgende Firmen: Schuhhaus Waldschmidt, Schuhhaus Meyer, Schuhhaus Bär, Schuhhaus Süß, Schuhhaus Bernhard, Schuhhaus Wolf, Schuhhaus Weidemann, Schuhhaus Neumeier. Schuhhaus Denner, Schuhhaus Dottina, Schuhhaus Springmann, Schuhhaus Haas und Schuhhaus Herbert. Durch diese Warenspenden der Gießener Geschäftswelt, die alle Anerkennung und herzlichen Dank verdienen, wird die Erfüllung der Aufgaben der Gießener Winternothilfe außerordentlich erleichtert. Das Deispiel der vorgenannten Firmen sei zur Nachahmung empfohlen. ** Todesfälle in Gießen. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 1. bis 15. November: 1.: Christine Orbig, ohne Drruf, 79 Jahre, Dleich- straße 14; Christian Haubach, Schreinermeister. 79 Jahre, Frankfurter Straße 37; 2. Herrn. Koch, ohne Beruf, 81 Jahre, Asterweg 50; Phil. Hofmann, Gastwirt, 60 Jahre, Wehsteingasse 10; 3.: Mina Helfenbein geb. Folger, 40 Jahre, Marburger Straße 83; 6.: Heinrich Reinemann, Oberingenieur, 51 Jahre, Wilfonstraße 9; 7.: Karoline Hartmann geb. Eifert, Witwe, 73 Jahre, Dudde- strahe 5; 8.: Christiane Knorr geb. Schmidt. Witwe, 65 Jahre, Hammstrahe 10; 10.: Gertrud Marx geb. Datz, 24 Jahre, Bahnhofstraße 29; Georg Bröckemeier, Weißbinder, 52 Jahre, Kaiserallee 6; Anna Pauly, Schneiderin, 25 Jahre, Ebelstr. 20; 11.: Emma Gerbig geb. Schmitt, Ww.. 72 Jahre, Asterweg 68; 13.: Konrad Weber, Zugführer i. R., 61 Jahre, Stephanstrahe 47; 15.: Gustav Wittkowski, Schreinermeister, 66 Jahre, Frankfurter Straße 88; Anna Heyder geb. Weidner, 44 Jahre, Asterweg 43. Rundsunkprogramm. Samstag, 21. November. 7.15 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten: 10.20 bis 10.50: Reiseerinnerungen, vorgetragen von Professor A. Goldschmidt, Berlin; 12.05: Schallplattenkonzert; 15.15: Stunde der Jugend; 16: Schallplattenkonzert: Bunte Platten; 17.05: Konzert; 18.40: „Deutschland und Frankreich", Gespräch zwischen Prof.Rob. d'Har- court und Dr. Heinrich Scharp; 19 05: Spanischer Sprachunterricht; 19.45: Lieder zur Laute, gesungen von Hans Ebbecke; 20.15: Unterhaltungskonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart; 22.35 bis 24: Von Berlin: Unterhaltungskonzert. Ja, das kommt vor im Haushalt: I? Umgefallene Tinte, Obst, Wein, V' Kaffee, Kakao und manches mehr verursacht mitunter hartnäckige Flecken. Wenn sie nicht ohne wei- teres in der Persilwäsche zu entfernen sind, dann versuchen Sie es am besten mit Sil. Verdeckte und vergilbte Wäsche erhält durch einmaliges Kochen in kalt angesetzter Sillösung wieder ihr ursprüngliches gutes Aussehen. Vor- heriges Einweichen in Henko- Bleichsoda empfiehlt sich. 5 'So/ri b Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an L tternard o Allen denen, die uns in unserem groben Schmerz zu trösten suchten, sagen wir für die Beweise liebevoller Teilnahme beim Heimgang unserer teuren Entschlafenen herzlichen Dank. Ernst Marx und Kind Familie Hch. Datz. (rieben, den 17. November 1931. 06764 Donnerstag, den 19. November 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich hier im Gasthaus „Zum Löwen", Aeuenweg 28, zwangsweise gegen Barzahlung: 7849D einen Spiegelschrank, drei Diwans, drei Chaiselongues, eine Schreibmaschine, ein. 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Zwecks Vornahme der Ersatzwahlen zur Industrie- und Handelskammer Gießen wird Termin bestimmt: 1. für den Wahlbezirk Giehen-Sladt auf Donnerstag, den 26. November d. 3., vormittags 9 bis 12 Uhr, im Sitzungssaal der Industrie- und Handelskammer (Lonystraße 1). Als Wahlleiter wird Herr Kaufmann Wilhelm Horn, Gießen, tätig sein. Für den ausfcheidenden Herrn Kommet- zienrat Adolf Klingspor und für den ver- storbenen Bergwcrksdirektor Robert Lifte sind zwei Ersatzmitglieder zu wählen. Die Wahlhandlung wird in einem Wahl- gange oorgenommen; Stimmzettel, die mehr als zwei Namen enthalten,, sind ungültig. 78380 2. für den Wahlbezirk Llch-hungen auf Donnerstag, den 26. November d. 3.» vormittags 10 bis 12 llhr, auf der Bürgermeisterei zu Llch. Als Wahlleiter wird Herr Fabrikant Georg Stammler, Grünberg, tätig sein. Für den ausgeschiedenen Herrn Brauerei- besitzet H. Ihting ist ein Etsatzmiiglied zu wählen. Stimmzettel, die mehr als einen Namen enthalten, sind ungültig. Gießen, den 17. November 1931. 3nduslrle- und Handelskammer Gießen. _________Ludwi g Rinn._________ Verschiedenes Transporte all. Art bis zu 35 Ztr. ver 06777 km 30 Pf. Fernruf 2103. Radio- Apparate alle führenden Za- brikate erhalten Sie durch Rundfunkhs. Ws Kögel Lcltetowea 77 im vofe der Zinna Btüö. Schmidt l na MeineVerlohuoß mit Frl. Bretel Kolbe, Bleichstrahe 42, erkläre ich für aufgehoben. 06773 ❖on<< Bodenftcin, Zeldwebel l.flonw. UIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIID Brauner Jagdhund mit Namen,^>asto" entlaufen. Jung, Borsteber ❖orhrlbcim Tel. <9r.- Vmöcn 220 miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiD ■■ Kat ■■ AuSkünsieinNechld-, Strai-.Zamtl.-Auge- ienenveuen, Gesuche. Benräge. Beobachtungen. Uebetwachg. und Ermiulungen vreiSw^ streng dtdkr. u. an all. Grien en. u. erleöigt Detektiv- Bareaa-a-Aneknoifei Inh. K.Geri, Bad-Neu- heim. Kurstr. 17. Erwiderung! Ich mache hiermit bekannt, daß ick) auf den Namen von Ludwig Köcher Großeu-Bufeck. Bismatckfttane 9, noch nichts geliehen od. geborgt, dafelbe nudi gar nicht nötig habe. (06780 FrauBöcher^ebSchomber Gtoüeu-Bufeck. Bismatckütaßc 6. Vereine Volkshochschule Freitag, 20. Movemb., 20 Ubr, Universität, Vörianl 34, 1. Lt. I. Beginn des Kurses: Die Krise des Kapitalismus von Dr. K. Bembel. Näh.Ausk. abds. vor Beginn b.fluri.,« o lücnoecein 1846 Altersriege Tonnerst..l9. Nov. abends 8' , Ubr Tarn*tnnde. Anfckll. wichtige Besprechung b.Wennet lAndreS) -m-d Cbcrturntoari. Oberhessischer Kunstverein G ese Usch aft d er G1 e 6en er K u n stf re u n d e Prof. Dr. Emil Preetorius. München Lichtbilder -Vortrag »Chinesische Kunst« Freitag, den 20. November, 2054 Uhr, Kunstwissenschaftliches Institut. Lud- wißstrabe 34. - Eintritt für Mitglieder 30 Pf., für Mchtmitglieder 70 Pf. Hotel Prinz Carl 1774 = ' n Sportflanell Meter 0.49 Eis. Bettstellen von 19.50 an Federbetten In || Unterzeuge i.großer AuswahI Mitte. Kolter . Stück 4.50 von 2.50 an 160 cm br. gutes Betttuch-Haustuch . . 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Marktstr. 20, aus ?editsanwa/f ... Meter 0.49 lies Bett- h.. Meter 1.40 Bettbiber, t... Meter 1.60 /erstarkter ...Stück 4.50 ,, von 2.50 an •n von 19.50 an großerAuswah । der See: K.Pfd 0.27 :„o. ,pfd- 0.30 jschn.i in Den gen .0.78 .0.45 jC« pe* r&Co- 78<0A . 0.32 Nr. 270 Zweites Blatt Mittwoch, 18. November 1931 Eietzener Anzeiger /General-Anzeiger für Oberhessen) Zeitfragen -es Mittelstandes. Sozialpolitik durch Berufsverbände. Don Heinrich Auerbach, Frankfurt a. M., Gauvorsieyer im L)HB. Der Eingriff der Staatsgewalt in den freien Ablauf wirtschaftlichen Geschehens ist in einem auf Gütererzeugung und Güteraustausch wirtschaftlich beruhenden Staatswesen nicht mehr wegzudenken. Der Staat ist um seiner selbst willen gezwungen, seinen Angehörigen wirtschastliche Hilfe und Schuh zu gewähren, teils um ihre Letstungs- fähigkeit für staatliche Zwecke (Steuerkraft) zu erhalten, dann aber auch, um die innere Verbundenheit zu ihm, die dauernd nicht nur auf ideelle Hingabe und heroische Opferbereitschaft gestützt sein kann, zu schaffen und zu verstärken. Sozialpolitik in diesem Sinne sind nicht etwa mir Maßnahmen zum Schutze Besitzloser und Bedürftiger. Sozialpolitik ist auch unsere industrielle und agrarische Schuhpolitik, insofern sie die Lebensfähigkeit des Gewerbes und der landwirtschaftlichen Produktion gegen den Preisdruck billiger erzeugender Länder schützt, und den In- habern solcher Unternehmungen damit eine zusätzliche Bente sichert: Sozialpolitik in diesem Sinne ist die ganze Handwerkerschuhgesehgebung, die das Handwerk gegen den übermächtigen Wettbewerb der Industrie schützen will: Sozialpolitik in weiterem Sinne ist die ganze Mittel- standspolitik, die frachtpolitische Begünstigung gewisser Landesteile oder Industrien und vieles cxndere. Sozialpolitik ist schließlich auch die Summe der Maßnahmen, die dem Schuh der Arbeitnehmer und der arbeitsunfähig gewordenen Besitzlosen dienen. Wer die Politik der Förderung der wirtschaftlich Selbständigen bejaht, kann und darf den Schuh der unselbständig Abhängigen nicht ablehnen. ~ Ä , Der gesellschaftliche und soziale Zustand Deutschlands wird sich für absehbare Zeit von dem heutigen wenig unterscheiden können. Immer wird die Masse des Bolles mehr oder minder besitzlos sein und den Lebensunterhalt auf der Ber- wendung seiner geistigen und körperlichen Arbeitskraft im Dienste Dritter aufbauen müssen. Diese Massenhaftigkeit ungefähr gleichartiger Schicksale muß die innere Politik Deutschlands weitgehend bestimmen, gleichgültig, unter welcher Form der Führung der Staatsgeschäfte. Denn ohne oder gar gegen diese Massen kann auf die Dauer keine Politik betrieben werden: ohne die Hingabe dieser Massen kann der nationale Geltungswillen des Staates sich nicht durchsetzen. Daher darf der Staat die Gestaltung des Verhältnisses zwischen Kapital und Arbeit, d. h. der besitzenden und nichtbesihenden Volksgenossen, dem freien Spiel der Kräfte nicht überlassen. Sein Eingreifen ist auch vom nationalen Standpunkt eine Notwendigkeit. Dieses Eingreifen ist Sozial* pvlitik. . Auch eine anders geformte und auf andere Kräfte sich stützende Staatsgewalt kann in Deutsch- lond nicht mehr zur Idee des Manchesterliberalis- nius - gehen lassen, geschehen lassen — zuruck. Seit 50 Iahren, ja eigentlich schon seit 100 Iähren, wenn man die Kinderschutzgesetzgebung mit einbezieht, ist Sozialpolitik in Deutschland als Staatsausgabe angesehen und betrieben worden. Es muh auch künftig die Möglichkeit gegeben : fein die berechtigten wirtschaftlichen Interessen der verschiedenen Erwerbsgruppen, und die oftmals differenzierenden Interessen und Wunsche der Arbeitgeber und Arbeitnehmer an die Staats- siihrung heranzubringen. Diese Aufgabe werden angesichts der Zurückdrängung oder Seldstaus- schaltung der politischen Parteien die Derufsver- dände zu übernehmen haben, deren stärkerer Ein- soh die weltanschaulichen Gesinnungsgemeinschaften (Parteien) auch befähigen würde, den Kampf um die geistige Linie des Staates m größerer Dreiheit von wirtschaftlicher Interessenbeeinflus- fung zu führen. Die Berufsverbände wären vom Staat anzuerkenncn und als Träger bestimmter Aufgaben in Anspruch zu nehmen. Eine atomisierte Gesellschaft ist kein älnterbau |ir staatlich neugestaltetes Gemeinschaftsleben. Der nationale Staat niuh Gemeinschaften natürlich gewordener Ordnung zwischen sich und dem einzelnen, auch als Verbindung von diesen zu sich wollen. Ein solcher Unterbau wirtschaftlichen Charakters ist für Deutschland die lange vor dem ersten Auftauchen von Parteien im hangen Wortsinn vorhanden gewesene ständische Gliederung, deren moderne Form der nach Wirtschafts- . sxinktionen gegliederte Berufsverband ist, der durch politische Parteien nicht erseht werden kann und auch nicht erseht worden ist. Der berufliche Zusammenschluß ist natürlich, weil er dem tiefsten Bedürfnis des Menschen entspricht. Er ist notwendig, um eine gemeinsame Haltung auf der Grundlage des gemeinsamen Bemiss- und Arbeitserlebnisses zu formen, um einheitliche Willensmeinungen herbeizuführen und um von der Werktagsarbeit her den Uebergang zum Ganzen finden zu helfen. Die berufsstandisch aeoliederte und organisierte Gesellschaft ist für einen Staat, der die von der Weimarer Versas- Lung herbeigeführte Parteienübermacht auf allen Gebieten eindämmt und diese dadurch mehr au ihren natürlichen Wirkungskreis — Staatsidee unb geistige Staatsrührung - zurückführt für die Ordnung vieler Gebiete des wirtschaftlichen und sozialen Lebens innerhalb seiner Grenzen die gegebene und unentbehrliche Grundlage. Ein 60- Millionen-Volk auf der einen Seite, eine auf wenige Personen beschränkte Staatsleitung auf der anderen Seite, ist ohne eine tragfähige umd von beiderseitigen Vertrauen getragene Zwischenglie- berung politisch und technisch als Dauerelnrich- tung undenkbar. Das Vorhandensein einer solchen Verbindung, die vom Lebensinhalt — Der Berufsarbeit - ausgehend die Brücke zum Staat schlägt, ist für diesen - als Ergänzung der politischen Ideengemeinschaften — eine Lebensnotwen- digkeit, die geschaffen werden mußte wenn sie nicht schon in Gestalt der Berufsverbande verschiedenster Art vorhanden wäre. Grundlage für den Wert solcher berufsstandi- scheu Zusammenschlüsse ist, daß sie sich frei gestalten können. Kein Organisationszwang, was untüchtig ist und im Wettstreit um die beste Leistung versagt, mag zugrunde gehen. Die Wahrnehmung berechtigter Interessen — und die Verbindung dazu — muh grundsätzlich frei sein. Das Koalitionsrecht darf nicht eingeschränkt werden. In welcher dieser freigestalteten Berufsorganisationen der einzelne seine Vertretung sucht, liegt bei ihm. Wer sich nicht irgendwo eingliedern will, teilt sich damit außerhalb der Möglichkeit der Mitarbeit und hat sich dem zu fügen, was die Derufsverbundenen beschließen. Es steht ihm frei, bessere Formen der Berufsverbundenheit zu uchen und dafür Anhänger zu werben. Die deutsche Arbeitnehmerschaft ist keine einheitliche Masse. Sie umschließt zwei deutlich unter* cheidbare Gruppen: Arbeiter und Angestellte. Tie Angestellten unter sich sind ebenfalls wieder stark differenziert, so daß sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Rechtsverhältnisse sowohl zwischen den beiden Hauptgruppen der Arbeitnehmer, als auch zwischen den verschiedenen Berufsgruppen der Angestellten entwickelt haben. Die nach dem Leistungsgedanken für das Volksganze gegliederte Verschiedenartigkeit ist aus den Bedürfnissen der Wirtschast heraus organisch geworden, sie ist deshalb beizubehalten und zweckmäßig auszugestalten. Die Gesetzgebung hat sich grundsätzlich darauf zu beschränken, nur die entscheidenden Gesichtspunkte mit bindender Kraft auszusprechen, die Ausführung ist, unter Oberaufsicht des Staates Aufgabe der Derufsverbände, die dazu zu verpflichten sind. Die Selbstverwaltung der Beteiligten ist auf allen dazu nur irgendwie geeigneten Gebieten heranzuziehen: der Grundsatz des Fernhaltens der staatlichen Bureaukratie muß bis zur äußersten Grenze des Möglichen durchgeführt werden. Der Staat kann auf diesem Gebiete nicht alles und soll auch nicht alles. Er hat nicht die Aufgabe, jedes einzelne Individuum lebenslänglich zu betreuen. Sein soziales Wollen ist auf allen dazu geeigneten Gebieten mit dem Selbsthilfewillen und den Selbsthilfefähigkeiten der in Berufsverbänden zusammengeschlossenen Derufsan- gehörigen derart zu verbinden, daß der vom Gesetz gezogene Rahmen, nach den besonderen Bedürfnissen ihrer Gruppen, von den Selbstverwaltungsträgern der Beteiligten ausgesüllt wird. Der Staat wirkt aus diesem Wege indirekt, die Durchführung ist, auch zu seiner Entlastung von einem Zuviel an Aufgaben, Sache und Verpflichtung der Beteiligten. Die Aufgabe der direkten Betreuung übt der Staat lediglich denen gegenüber aus, die sich allein nicht mehr helfen können und keine Ansprüche auf anderweitige Hilfe haben. Die Gestaltung dieser Selbsthilfe im Rahmen des Gesetzes liegt bei den Deruisverbänden selbst. Auf Arbeitnehmerseite können selbstverständlich nur solche Berufsverbände zur älebernahme von Selbstverwaltungsaufgaben kraft staatlichen Auftrags in Frage kommen, die nachweisbar unbedingt materiell und ideell unabhängig und befähigt sind, in völliger Selbständigkeit von jedem fremden Einfluß zu handeln. Art und Umfang solcher Selbstverwaltungsaufgaben im Einzelnen wäre eine Frage für sich. Durch solche verantwortliche berussständische Selbstverwaltung der sozialen Angelegenheiten könnte aber im großen Umfange eine Minderung des sozialen Spannungszustandes von heute eintreten. Hierfür durch gesetzgeberische Maßnahmen den Boden vorzubereiter«, ist eine dringende Aufgabe des Staates. Schlechte Aussichten für Ansesietlle im Ausland. Don W. Schm dt, Lecker der Auslandabteilung des GdA. Die deutsche Auswanderung hat in den letzten Jahren immer mehr abgenommen. Aus dieser Tatsache darf aber nicht geschlossen werden, »daß die Auswanderungslust geringer geworden ist. Im Gegenteil, noch nie war bei vielen Deutschen das Verlangen so groß wie jetzt, die Heimat mit ihren immer unerquicklichen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen zu verlassen. Besonders unter den kaufmännischen und technischen Angestellten, für die ein längerer Aufenthalt im Auslande gute Möglichkeiten für die berufliche Weiterentwicklung bietet, ist die Auswanderungslust nicht abgeschwächt. Die Aus- landabteilungen der großen Angcstelltenverbände werden mit Anfragen über die Anstellungsverhältnisse in fremden Ländern überhäuft, und es würde sich sicher ein breiter Strom deutscher Auswanderer in irgendeines der großen europäischen Länder ergießen, wenn sich dort die Anstellungsverhaltnisse grundlegend besserten. Leider besteht aber nicht nur keine Hoffnung, daß eine solche Aenderung in den nächsten Monaten eintreten wird, sondern es muß sogar damit gerechnet werden, daß die Wirtschaftskr.sis nicht vor den Toren der wenigen Länder Haltmachen wird, die sich jetzt noch in einigermaßen geordneten Verhältnissen befinden und deren Arbeitslosenzahl noch verhältnismäßig klein ist. Das bedeutet, daß sich die Anstellungsaussichten für deutsche Arbeitnehmer im Auslande, die allgemein gesehen schon jetzt wenig erfreulich sind, noch weiter verschlechtern werden. Gewiß, auch in der Zeit der Weltwirtschaftskrise findet immer noch eine erhebliche Anzahl deutscher Angestellter in fremden Ländern ein Unterkommen. Es handelt sich hierbei um zwei Gruppen. Erstens um solche Arbeitskräfte, die von deutschen Betrieben als Vertragsangestellte nach deutschen Niederlassungen oder zu befreundeten ausländischen Firmen entsandt werden, oder um S p e z i a l k r ä f t e , die, im mittleren Lebensalter stehend, über Fachkenntnisse und gute Kenntnisse von fremden Sprachen verfügen. Wer obre glaubt, daß gute Schulbildung, bei Besuch von Fortbildungskursen, oder die jahrelange Praxis als Buchhalter, Expedient usw. genügen, um im Auslände eine Stellung 3U finden, der befindet sich völlig im Irrtum. Tüchtige Handwerker finben noch leichter ein Unterkommen, als ber deutsche Durchschnittsangestellte. Selbst in kleineren südamerikanischen Staaten sorgen Handelsschulen und ähnliche Einrichtungen für die Heranbildung eines geeigneten Nachwuchses im Angestelltenstande. Mit diesen einheimischen Kräften erfolgreich in Wettbewerb zu treten, wird dem deutschen Durchschnitts angestellten kaum gelingen, da er als Landfremder und Alleinstehender nicht mit einem so niedrigen Gehalt auskommen kann, wie seine ausländischen Berufskollegen. Es ist ferner ein Irrtum, auf die Millionen von Auslanddeutschen hinzuweisen, die ihren eingewanderten Landsleuten schon weiterhelfen würden. Zunächst ist zu bemerken, daß die meisten Ausländsdeutschen nicht in geschlossenen Kolonien im Auslande leben, sondern über die ganze Erde verstreut wohnen. Im übrigen befinden sich aber nicht alle im Wohlstand, sondern sie leben sehr oft felbft nur in sehr bescheidenen Verhält- n i s s e n. Schließlich haben unlautere Elemente leider dafür gesorgt, daß sich viele Ausländsdeutsche enttäuscht van der Unterstützungstätigkeit zurückgezogen haben. Mehr denn je gilt daher heute das Wort: „Selbst ist der Mann!" Nur derjenige deutsche Angestellte, der über eine gründliche Berufsausbildung, besondere Fachkenntnisse unb über gute Kenntnisse in fremben Sprachen verfügt, einen gefestigten Charakter besitzt unb sich von rosigen Illusionen über seine künftige Auslanbtätigkeit frei machen kann, verlasse bie Heimat, um in der Fremde sein Glück zu suchen. Er lasse sich aber rechtzeitig durch die Auslandabtei- lung eines der großen Angestelltenoerbände über Klima, Mindesteinkommen usw. des von ihm ausgewählten Landes unterrichten und folge dann auch den erhaltenen Ratschlägen. Heues aus der Reichsabgabeuorduuug. Von Steuerinspektor Frees, Gießen. Die Reichsabgabenordnung von 1919 war seither eines der wenigen Steuergesetze, das seit Bestehen der Reichsfinanzverwaltung kaum geändert worden war. Die Notverordnung vom 1. Dezember 1930 hat auch hier eingegriffen und sie umgcstaltet. Nicht weniger als 194 Paragraphen wurden geändert, gestrichen oder neu eingefügt. Die hiernach veröffentlichte neue Abgabenordnung vom 22. Mai 1931 hat inzwischen schon wieder durch die Notverordnungen vom 5. Iuni 1931, 18. Iuli 1931 und 23. August 1931 Äenderungen erfahren. Die Rechte uick) Pflichten der Steuerzahler sind teilweise in einschneidendem Umfange anders gestaltet worden. Die Mitwirkung der Lander und Gemeinden bei der Steuerfestsetzung durch ihre Vertretung in dem Steuerausschuß ist erweitert und auch aut die Umsatzsteuer ausgedehnt worden. edoch das Finanzamt auch selbst obhelfen kann. Die Beschwerde ist grundsätzlich beim Finanzamt selbst einzureichen: eine Eingabe zugleich an beide Stellen kann in dringenden Fällen zweckmäßig fein. Was die Versteigerung gepfändeter Sachen betrifft, so sind Zeit und Ort der Versteigerung öffentlich bekanntzumachen. Der Name des Steuerschuldners darf in der Bekanntmachung nicht angegeben werden, sondern lediglich Straße und Hausnummer, falls sich der Schuldner überhaupt mit der Vollstreckung in der Wohnung einverstanden erklärt. Bon der üblichen öffentlichen Versteigerung kann aber nach neueren ministeriellen Richt- Ilnien (P II/III 20 672;IIle 1743) auch abgesehen werden wenn es der Schuldner beantragt, ober wenn Zweckmäßigkeitsgründe es ratsam erscheinen lassen. Solche Gründe sind vorhanden, wenn auf einen kleinen Abnehmerkreis gerechnet werden kann, wenn Waren einen bestimmten Marktoder Börsenpreis haben wenn zu erwarten ist, daß sich nur wenige Steigerungslustige finden usw. Zutreffendenfalls wird der Steuerschuldner beim Vorsteher des Finanzamts einen entsprechen- den, möglichst ausführlich begründeten Antrag stellen. Dieser hat bann barüber zu entscheiden, ob die gepfändeten Sachen freihändig verkauft, oder durch einen privaten Auktionator versteigert werden sollen, ob die Verwertung an einem anderen, für das voraussichtliche Ergebnis aünftigeren Ort vorgenommen werden darf usw. unter Umständen kann er auch den Schuldner selbst ermächtigen, als Verkäufer aufzutreten und den Erlös nach erfolgtem Verkauf abzuführen. Bemerkenswert Ist noch, daß noch der Verfügung die Versteigerung größerer Warenposten nicht zu einer Schädigung des ortsansässigen Handels und Gewerbes führen darf. 3m Wirbel Chikagos. Einfahrt in die tollste Stadt der Welt. Don Heinrich Hauser. Zweihundert Me len vor Chikago beginnen die Schilder der Hotelrek.amen. In der hundertfünzlg Meilenzone spürt man, wie alle Straßen sich nach Ehikago hin gufamme iVe^en. Hundert Meilen vor der Stadt begegnen mir die ersten Ehikagoer Polizeipatrouillen auf Motorrädern. Sie fahren immer zwei und zwei nebeneinander so gleicymäßig, daß sie auSsehen wie ein Fahrzeug. Eine Patrouille saust an mich heran, nimmt mich in die Mitte un im Fahren erklären sie mir ganz freundlich, ich wäre über den schwarzen Strich gefahren. Ich sollte das nicht wieder tun. Hatte geplant, heute nicht biS nach Chikago zu fahren, sondern nördlich am Lake Michigan zu übernach.en. In Ken sha, sechz g Meilen nördlich, bog ich ab von der Hauptstraße, um Chikago zu umschleichen w c eine Katze den heißen Brei. Aber ich konnte nicht Haltmachen. Ich geriet einfach in den Sog der grojen Stadt, konnte mich nicht los- lösen au» der Jagd der Autokolonnen. Don Äcnofba ab beginnt daS Aasen. In Viererreihen sausen die Autoloionnen nebeneinander, über die brc.ten Asphaltstraßen, die wie Aenn- bahnen sind mit er.pbten Kurven. Doppelte und dreifache Hochspannungsleitungen lau en neben der Straße her, und Schienen von Schnelloahnen, Straßenkreuzungen sind w e wecke Zcmentsclder mit enor . cn Tankstellen an allen vier Seien. Dann kommen dreißig Meilen unbebautes Land: Bauplätzel Das Gelände ist schon ungeteilt, von S.raßen durchzogen, mit Aamenschildem versehen, aber daS Land ist wüst und leer. Die Spekulation hat den Boden an sich gerissen. Ackerbau lohnt sich nicht mehr. Dorstai. t^äuser trop en voroei, dann zieht sich am Horizont b.e lange weiße Linie von Aeihen- baulcn, mit einem Male engen sich die Straßen wie Trichter, daS Tempo der Autokolonnen verlangsamt sich, geht zurück von fünfzig auf dreißig Stuntenmeilcn. Die Bordsteine säumen sich mit re- parkten Wagen. Die erste Elektrische zerteilt die Fahrbahn, und nun ist alle« au-3 eingeklemmt hinter ihr, stoppend mit jeder Haltestelle geht die Kolonne ruckweise vorwärts. Manchmal gelingt e« einer Wage, k tte, durch- »ubrechen. vorbei an c ncr schleudernden, dröhnenden Sisenwand. aber nur, um sich IDO Meter vor- aus wieder hilflos hinter der nächsten Trambahn festzuklemmen. Holland in der Krisis. Sorgen des reichen Mannes. — Oer Staat muß sparen. — Oer Gulden zu 80 Prozent durch Gold gedeckt. — Oie dänische Konkurrenz zwingt zu Schutzzöllen. — Kritische Lage in den Kolonien. Don unserem r.-Derichterftatler. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Amsterdam, November 1931. Die Weltwirtschaftskrise hat auch Holland nicht oer. schont. Dieses Land, desfen Neutralität während des Krieges sich so hoch bezahlt gemacht hatte, und das infolgedessen so wohlhabend wie wenige andere ge- worden war. ist eben keine 9n[eL 9m Gegenteil, die Tatsache, daß die Holländer ja vor allen Dingen Händler sind, die den Zwischenhandel zwischen England und Deutschland, Deutschland und Frankreich und besonders den 9mport von Kolonialprodukten noch Europa pflegen, hat das Land emp- findlicher als manches andere treffen lassen. Doch werden die Schwierigkeiten Hollands im Auslande mißverstanden. Holland ist im Grunde genommen durchaus gesund geblieben, und die Krisenzeichen, die sich auch hier bemerkbar machen, gehen nicht so tief daß deswegen etwa die ganze Wirtschaft bedroht sein könnte. Es sind, wenn man das so sagen darf, Sorgen des reichen Mannes, der eben in der Krise wie alle anderen auch Geld verliert und — mit Recht — darüber klagt. Das Ueberraschendste für den Beobachter der euro. päifchen Lage ist vielleicht, daß Holland auch F i - nanzforgen hat. Die Einnahmen des Staates gehen eben auch hier zurück, weil der Umsatz der großen Handelshäuser kleiner geworden ist, und die Gewinne sich zum Teil verflüchtigt haben. Allerdings ist das Defizit des holländischen Staates nicht grog. Es beläuft sich nur auf etwa fünf Millionen Gulden, ein Betrag, der durch einfache Einsparung von Sachousgaben hereinzuholen ist Trotzdem hat man sich gezwungen gesehen, d i e Petroleum st euer z u erhöhen, so daß also auch hier die übliche Welle der Steuererhöhungen eingesetzt hat. Schwieriger ist hingegen die Frage zu beantworten, ob es hiermit sein Bewenden hat, da inzwischen neue Löcher im Staatssäckel entstanden sind, die in der Hauptsache durch die wachsende Zahl der Arbeitslosen hervorgerufen werden. Die Ausgaben hierfür sind bis jetzt gering, können jedoch im Laufe bcs Winters noch stark wachsen. Ebenso machen Städte Sorge. Eine Stadt wie Rotterdam hätte um ein Haar Ihre Zahlungen einstellen müssen, und ist nur durch eine Hilfs, aftion der Regierung gerettet worden: Zustände also, die lebhaft an deutsche erinnern können. Man kann es verstehen, daß diese Dinge zusammen mit dem englischen Pfundsturz zu Gerüchten geführt hatten, die wissen wollten, daß auch der Gulden bald entwertet werden würde. Das hat sich aber als falsch herausgestellt. Die Niederländische Staatsbank hat sich im Gegenteil rücksichtslos zur Goldwährung bekannt und ist zur effektiven Goldwäh- rung übergegangen, ebenso wie es in Frankreich der Fall ist. sie hat Gold in großen Mengen a u f g e f a u f t und die Golddeckung ihrer Noten so erhöben können, daß diese fast zu 8 0 o. H. mit Gold gedeckt sind, also fast besser als das in Frankreich der Fall ist. Das ist erklärlicherweise nicht ohne Beunruhigung vor sich gegangen, war aber eben nur eine Vorsichtsmaßnahme, die sich daraus erklärt, daß Holland mit aller Energie an der Goldwährung festhält und eine Deflationspolitik betreibt. Etwas anderes würde ja auch der Stimmung der Bevölkerung nicht entsprechen. Der Holländer würde eine Regierung daoonjagen, die seine Ersparnisse und Vermögensanlagen entwerten ließe ... Gerade das Festhalten am Golde aber ist ja auch geeignet, die handelspolitischen Schwierigkeiten der Holländer zu verschärfen, seitdem sich die Pfundkrise so stark bemerkbar gemacht hat. Goldpreise wirken eben für den Auslandabsatz hemmend. Holländisches Obst und holländisches Gemüse, bas ja schon schwer in Deutschland abzusetzen ist, wird nun auch immer schwieriger in England abzusetzen sein, während zu- gleich die dänische Konkurrenz (da Dänemark die Krone dem Pfund hat folgen lassen) in Milch, Butter. Eiern und Fleisch sich unangenehmer Es ist Aacht geworden, d e kreisenden Acklame- lichter von Kinos und Tanzhallen sausen vorbei, blenden in die Augen, und dann ist wieder schwarze Aacht: Keine Straßenbeleuchtung! Schatten tanzen in der Dahn der Sche'nwerser wie wirbelnde Mücken: Jungens, die RollsHuh lau'en, Kinder, die Ball spie'en. scharenweise, nicht achtend der Lebensgefahr, die sie ständig umgibt. Ich fuhr überwach und doch wie im Traum, überstaunt und überwältigt, alle paar Meilen hielt ich. fragte nach der City. »Immer gerade aus" hieß es. Kam durch Straßen, geschmückt mit wehenden Flaggen, gebadet im Scheinwerferlicht, durch Straßen mit Girlanden von Glühlampen und dann wieder durch Straßen mit schwarzen Schächten. Blickte nach dem H mmel, sucht: den roten Schein über dem Zentrum jeder großen Stadt. Aber der Himmel blieb dunkel und blau. Dann kam eine Reihe von jähen Stößen, die mich säst aus dem Wagen warfen, das waren die Löcher neben den Trambahnschienen, in den Zement gemahlen von dem Strudel der Räder, mörderisch wie Fallgruben und unsichtbar. Ich bewachte die Schluß- laierae dcS WagenS vor mir. sein Aummerschiid, seine schnappenden Federn. Aus dem Tanz der Federn suchte ich die Löcher zu erraten und zu umfahren. AIS ich dachte, sie käme nie, da wuchs auf einmal die City vor mir auf. Ein Gewitter von blitzartigen, tollen Ausblicken. Durch das Gitterwerk hallender Brücken schossen die Wolkenkratzer in den Himmel wie Lanzen. Einige waren weiß angcstrahlt von Scheinwerfern, andere schwarze Schatten, aber alle waren sie gekrönt vom Licht: strahlend« goldene Türme, grüne Kuppeln, blaue Kuppeln, rote Lichtbahnen im Himmel kre-send. Die Straßen schienen zu wandern, bedeckt mit Autodächern. Derkehrspolizisten auf tänzelnden Bferden schienen die Wagenströme anzusaugcn wie Magneten und schleuderten sie mit heiligen Bewegungen von sich ab. AuS schrägen Tunnels unter der Erde krochen Trambahnzüge. Ich tauchte ein in ein feierliche-, hallendes Dröhnen. — Die Stimme Chikagos. Mitten in dem Gewitter der Derkchrslichter schrie ein Polizist mit etwa- zu: Ich durste nicht weitersahrcn, trotz grünem Licht. 3m gleichen Augenblick fuhr der Hintermann krachend in mich hinein. Ich verlor den Kopf, bog rechts unter die Bogen einer Hochbahn. DaS Dröhnen der sausenden Züge stürzte wie ein Hammerschlag auf meinen Kops. Elektrische Bahnen und Auto- schienen von allen Seiten auf mich loSzustürzen, ein Staubbemerkbar macht Werben doch dänische Produkte sogar in Holland selbst billiger verkauft als die einheimische Ware. Die holländische Landwirtschaft beginnt daher schwer zu leiden und fordert von der Regierung energischere Maßnahmen, um zumindest die Einfuhr aus Ländern zu drosseln, die durch ihre Währung bevorzugt sind. Diesem Druck hat die '.Regierung denn auch nicht widerstehen können. Sie hat ein Gesetz erlassen, bas bestimmte 3oU ton fingen te für die Einfuhr von solchen Waren vorsieht: ein Beweis dafür, baß man auch im sreihand- 1 «rischen Holland nicht mehr ohne Schutzzollgefetz- gebung auszukommen glaubt So sehr ändern sich eben die Zeiten! Doch haben die Holländer noch größere Soraen, die aus der Wirtschaftslage ihrer Kolonien her- rühren. Die Kolonien sind ja Rohstosfprodu- z e n t e n , die also unter der Weltwirtschaftskrise am allerschärfsten leiden. Dor allem leiden die Produzenten von Gummi, Kaffee, Kakao, Petroleum und Jute unter den niedrigen Preisen aufs schwerste, da sich zu den gegenwärtigen Weltwirtschaftspreisen eben kaum wirtschaftlich mit Verdienst arbeiten läßt. All die großen holländischen Handelsgesellschaften sind gezwungen, ihre Kapitalreseroen einzusetzen, nur um sich halten zu können. Bisher ist das zwar gut gegangen, und große Pleiten sind vermieden worden^ doch ist kaum daran zu zweifeln, daß sie doch noch eines Inges kommen können. Zeigt doch z. B. der Effektenmarkt, wie stark das Publikum heute bereits feine guten nationalen Papiere unterbewertet. Hier liegt ja überhaupt mit der empfindlichste Punkt in Holland, da der Holländer fein im Handel mit England, Frankreich und Deutschland verdientes Geld Aum großen Teil in nationalen Papieren, d. h. eben in Kolonialaktien, anzulegen pflegte. Dazu kommen betrübliche Nachrichten über ein Fortfchreiten der kommunistischen Propaganda in den Kolonien, die natürlich angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch politisch nicht ganz so leicht zu regieren sind wie bisher. Was soll aber werden, wenn auch diese letzten Reserven der Holländer angeknabbert werden? Die ganze Hoffnung der Holländer richtet sich daher darauf, daß die Dinge in Europa sich wieder bessern, b. h. man hofft eben auf bie Engländer und Deutschen, wobei natürlich bie größte Sympathie denEngländern gehört. Deutsch, freundlich ist der Holländer ja nie gewesen, und an gewissen Erscheinungen der deutschen Wirtschaft glaubt er eben besonders herbe Kritik üben zu dürfen — besonders jetzt, wo er selbst von den Aus- Wirkungen betroffen wird. Aber darüber sollte man in Deutschland doch nicht vergessen, daß bie Hallänber jedenfalls zu den wenigen Leuten gehören, die sich ihre wirtschaftliche Vernunft nicht durch politische Erwägungen haben trüben lassen. So sehr sie auf deutsche Zölle und deutsche Devisenverordnunnen schimvfen mögen — in einer Frage gehen sie Zweifel- los mit uns durch d i ck und dünn: Das ist die Tributfrage. Wenn iraendwo ein Land er- könnt hat. baß nur die restlose Beseitigung der Tributzahlunnen die Weltwirtschaftskrise zu stoppen vermag, so ist bas in Hollanb ber Fall, bas ja vom Handel lebt. Daß bie Tribute ben Welthandel ruiniert und bas Pfund geworfen haben — diese Er- fenntnis braucht man in Hollanb nicht erst zu n-*r- breiten. Sie ist wohl Allgemeingut der Massen. Man verfolgt hie deutsche Entwicklung mit einem gewissen Wohlwollen, soweit eben ein Holländer überhaupt für ben Anoebörigen eines fremden Staates ein derartiges Gefühl aufzubringen vermag. Auch der Ausländer bekommt das von den Holländern gern und deutlich zu hören, wie ja überhaupt ein Teil des Meinungsumschwungs in England, wo so viele Söhne Hollands in prominenten Stellungen sitzen, imeifellos auf holländische Einflüsse zurückzuführen ist. 3n Holland also hat bie Krise zuminbest für uns ein Gutes gehabt. Sie hat viele von den alten Dorsturm fegte den Tunnel entlang: Krach, sah ich mit dem Wagen an einer Eisensäule. — Das Merkwürdige beim Ford ist, daß feine eigene Leichtigkeit die Wucht der Zusammenstöße mildert. Die Stoßstangen tun den Rest, und so war dem Wagen nicht viel geschehen. Das zweite Merkwürdige ist, daß kein Mensch aus einer solchen Sache in Chikago etwas macht. Aach einer Schreckenssekunde fuhr ich einfach weiter, schüttelte mich wie ein Hund, der aus dem Wasser kommt. Dann stockte der Verkehr in einer der tiesstcn Straßenschluchten. Es verstummten die hundert schrillen Polizistenpseisen und alle Lichter standen auf Rot. In langsamer Fahrt kamen Autobusse gefahren, zehn, zwanzig, fünfzig. Ihre Dächer waren bedeckt von Menfchen und alle diese Menschen fangen. Auf jedem Dach stand ein Dirigent: alle Dirigenten vollführten die gleichen Bewegungen im Takt und alle Menfchen sangen im Takt: Aecker voll schwarzer Gesichter mit ausgc- rissenen Mündern, weihen Zähnen, und die Luft voll ungeheurer Laute. Diele hielten Megaphone an die Münder. Sie feiern eine Festwoche in Chikago, dreitausend Heger-Sänger fahren hier durch die Stadt. Gedrängt voll Menschen sind die Straßenränder, alle Gesichter auswärts gerichtet, übcrtan)t von den Lichtern der Reklame. Wie Wogen schreben sich die fahrenden und gehenden Menschen aneinander. Kostbare Druckfehler. Das teuerste Buch der Literatur der letzten 100 Jahre ist zweifellos die (Erftaucgabe der „Pickwick Papers“ von Dickens, und zwar öie vollständige Serie der 20 Originallieferungen, die alle 14 Tage zwischen dem April 1836 und dem November 1837 erschienen. 1929 wurde für ein gut erhaltenes Exemplar auf der Kern-Derstelgerung in Neuyork die Summe von 130 000 Mark gezahlt. Die große Seltenheit dieser Lieferungsausgabe liegt vor allem darin, daß von den ersten 3 Heften nur 400 St ck gedruckt wurden. Erst als mit dem 4. Heft der urkomische Sam Weller seinen Einzug in bas Reich Pickwicks hielt, da setzte der groß« Erfolg em, der nun zu einem regen Neudruck der 3 ersten Lieferungen führte. Eine „absolut erste" Ausgabe ist aber wohl nur die, die die 3 ersten Lieferungen wirtlich im Erstdruck enthält. Es ist dem unermüdlichen Elser mancher Sammler gelungen, die Lieferungen, die Ihnen npd) fehlten, bei langjährigem Suchen auf- zutreiben aber ein solches Exemplar wird nie jenen höchsten Wert darstcllen, den ein von Anfang an zusamengehöriges Stück besitzt. Es ist eine ganze Heilungen beseitigt und die Atmofphäre oeretnlgt Wird man es in Deutschland verstehen, diese Loge zu nutzen und sich den Holländer zum Freund zu machen? Oberhessen. Landkreis Wieweit. = Lang-GönS, 17. Aov. In ben letzte, Wochen wurden in unserer Gemeinde jur Linde»! rung der Aot mehrere Sammlungen veranstaltet, die einen recht guten Ertrag brachte*! und dem Opfersinn unserer Bevölkerung ein : schönes Zeugnis auSstellen. Für die Anstalten m , Bethel wurden 100 Zentner Kartoffeln, ebenso! für Arnsburg 30 Zentner Äartof ein und 20 Zent» | ncr Gemüse gesammelt. Für Aieder-Ramstadt 1 (Epileptiker-Anstalt) kamen 35 Zentner Obst zusammen, außerdem für eine besondere Sammlung 160 Zentner Kartoffeln. Für die WinternothilfoZ gingen ein: 98 Zentner Kartoffeln, 71 Körbe Gemüse, 40 Körbe Obst, 6 Pfund Hülsenfrücht^ ] 19 Pfund Mehl, 19 Pfund Fleischwaren, 17 Pfund j Fett und 22,50 Mark bar. Sin Teil wird für die hiesigen Bedürftigen verwandt, der Hauptteil j aber wird der KreiSsürsorge zur Verfügung gestellt werden. -r Grünberg. 17.Aov. Am vergangen« Samstag sand hier die Gesellenprüfung ihren Abschluß An zwölf Lehrlinge, die sich mit Erfolg der Prüfung unterzogen, konnte der Gesellenbrief ausgehändigt werden. Es waren dies ein Zimmermann: Reinhard Schmidt, Lauter; drei Maurer: Richard Kühn, Lindenstruth, Aug. Ellrich und Karl Stamm, Groß-Eichen: zwei Weißbinder: Emil H o r st, Aieder-Ohmen, und Albert Schmidt, Lauter: zwei Schlosser: Heinrich Feldbusch, RüddingShausen, und Rudolf D i e r h e 11 e r, Flensungen: ein Spengler und Installateur: Karl Dörr, Lehnheim: ein Schreiner: Wilhelm Bork, Groß-Eichen: zwei Metzger: Rudolf Merkel, Elpenrod, und August Reitz, Aieder-Ohmen. Die äleberreichung der Gesellenbriefe erfolgte durch den Vorsitzenden des Prüfungsausschusses, Lehrer Wenzel, und den Vorsitzenden des Ortsgewerbevereins, Fabrikant Heim rieb Schmidt II. X Rabertshausen, 17. Aov. Das am Sonntag abgehaltene Erntedankfest, das von den hiesigen Gemeindegliedern, wie auch von auswärtigen Gästen stark besucht war, nahm einen schönen Verlaus. Mehrere zweistimmige Chordar- bietungen, ein Srntefestspiel. Gedichtvorträge und Einzelgesänge unterhielten die Zuhörer. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, die auf Veranlassung von Lehrer Roth stattfand, stand eine sinnvolle Grntefestbetrachtung. Hl reis Friedberg. Pb. Butzbach. 17. Aov. Der diesjährige Ra* tharinenmarkt, der gestern und heute abgehalten wurde, erfreute sich infolge deS günstigen Wetters eines sehr guten Besuches. Schaubuden ; auf dem Marktplatz sorgten für Unterhaltung der Menge, währendzahlreiche VerkaufSstände in der Wetzlarer und Weiseler Straße zum Kaufe anlockten. Die Tanzlokale waren vom Spätnachmittag an stark besucht. Am heutigen zweiten Tag war Ferkelmarkt. Aufgetri«en waren 551 Ferkel. Es wurden bezahlt für Ferkel bis sechs Wochen alt 7 biS 9 Mark, von sechs biS acht Wochen 9 biS 12 Mark und von acht biS zwölf Wochen 12 bis 16 Mark. Der Handel war mitt* mäßig. eS verblieb ein kleiner Uebcrftanb. K"J pof' lAÄo J. 5-:r:5‘ schloss« AW AH? Mi •'•71 -nj a t be f fest Dähr« und SÄ «i** - Aieae r:, ? .... Sil an nun» 2 Dochet 'nrl!r IW Pr Hechte« S Jon Die fit habe ur ihrem 1 unb wi schätzen Bub<-Da M)l 1» MtnbüilWn Grnft, Reum em andere» itzemlch abselehnt ° fern »ergernis, bunt F Iber gerade diese JJrt com Ziele uns EftU. zeigt unsere fchmmt Srd- unt ktr.btT wird dieser bem stehen, den W Kur dann, wenn , «tzn Ordnung ist. I txiftlung unseres ! r ist'nHel unb -w ► rechten, christlichen tS.-ele wieder dar ft w Strom ernster vensch, der LkntauWung no weil steht u gut, m ttfftoll zu werden, ft iarn Zustände bli Ürt unb Freiheit. Üli einen lag kuhtag wieder n t-t'rn nach ein td eil, an dem eben all« btbtultl. Mit ftirmnn: Zu ab sm von der Lmtlii tau» au, deinem' ttreis Büdingen Aidda, 17. Aov. Das am Marktplatz gelegene Hotel „3 um Ster n". eines der ältesten Gasthäuser unserer Stadt, ist eingegangen und soll künftig zu Wohnzwecken Verwendung finden. Das HauS wechselte in den Icnt.n Jahren öfter« seine Pächter, war auch der Stadt zum Kauf angeboten. ♦ Aidda, 17. Aov. Seit einigen Tagen sind hier die Preise für Milch. Butter und sonstige Molkereiprodukte infolge Konkurrenz einer auswärtigen Molkerei wesentlich gesunken. Der Liter Milch wird für 16 Pf.. daS Pfund Tafelbutter für 1,40 Mk.. das Pfund Matte für 25 Pf. angeboten. Wissenschaft um die Erhaltung dieser Erstausgabe entstanden, und ein ganz vollständiges Exemplar, das jetzt bei Sothebn's in London versteigert werden soll, wird auf 4 Seiten des Kataloges mit allen bei ihm vorhandenen „Punkten" beschrieben Darunter befinden sich nicht nur die sämtlichen Umschläge, Anzeigen und Beilagen, sondern auch die Druck« ! fehler, die für die Bewertung besonders wichtig sind. Die ersten Lieferungen des Romanes des jungen i Dichters wurden recht nachlässig gesetzt und gedruckt: es wimmelt daher von Fehlern, und der Satz ist sehr unregelmäßig Man kann geradezu lagen, daß je breiter die Zwischenräume auf den Seiten sind, desto früher der Druck ist, und daher haben die Exemplare mit den schlechtgesetzten Zeilen den größten Wert. Man sieht daraus, daß auch Druckfehler sehr kostbar sein können. Löwen auf dem Bahnsteig. Dutzende von Löwen und Rhinozerossen machen jetzt die Eisenbahnstrecke zwilchen Mombasa und Nai- rooi (Ostafrika) unsicher und bereiten den Reisenden^ manch? Aufregung. Besonders des Nachts vcrsam-i mein sich die Löwcn an den kleinen Urwaldstationes» und drangen sich mit Brüllen und Fauchen um die schmutzige Flüssigkeit, die sich auf dem Grund der Wasserbehälter b. findet. Das Auftreten dieser Raub-' ttere ist durch die furchtbare Trockenheit hervor»^ gerufen, die In verschiedenen Teilen der Ebenen von Kenja herrscht. Die vom Durst gepeinigten Tiere sind zu einer beträchtlichen (Befahr geworden. Die Bahn-k liofsvorsteher an den kleinen Stationen der LiniW Voi'Taoeta wagen sich nachts nicht nvhr aus IhreW Bureaus, da die L wen auf den Bahnsteigen herum« wandeln, und nur wenn die Züge einlaufen, komme« sie heraus und ooüführcn ein m glichst lautes Ge- raffel mit Konservenbüchsen und Pct'olcum'anncill um auf diese Weise bie Bestien zu erschrecken und zu verscheuchen. Die Reisenden wagen nicht mehr, an den Stationen auszusteigen. Öodtfd'ulnfldiritf'fen Dr. phil. Walter Fuchs In Berlin ist zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule in A a ch e berufen worden. Amtlich wird die Ernennung des nichtbcamtetrsz ao. Professors Dr. Mar 9 e ß n e r in Breslsu zum oröcnLidjen Proftn'or für Hautkrankheiten in der medizinischen Fakultät der dortigen Unioersitäl. als Nachfolger von Geheimrat 9os. 9adassohn bestätigt. s scheu in dir und reinen Äensi! l-'flfnMttm Leden dutztag will mi o tberer unser Zen: . 6t ®in, dah wir ' Wer werden, dah lcckening erfahre, V'snen, wieder We Wen Mi (^rhednschutz bui 5-«» ln Ke € nc Mm» kni ? do, ’btn Se er CT er ö( v "eine e, < i?^te bad steift "ch i| ch I ihr riie^du f § Fortsetzung. •J tat ihr feir KM 2» totbetfpe M,Ven bie »«Mineinfcr. Wr« vorüber. °"chle grobe l jA ltdu lich ff** °dne Ä Z. tote sie Kben! Unb nn Sinbeffini vor Gericht. WEN. Mainz. 17. Rov. Am 19. August Men. «boten. Nachdruck verboten. 6- Fortsetzung. des großer Opli- wird, wenn wenn Kinder Balers gelauscht, der noch niemals so ausführlich über den Bruder gesprochen; — dieser Punkt wurde am liebsten gar nicht in der Familie berührt. Obwohl er sich im stillen ost schon selbst die bei ein bemal auftauchen: mein Bruder Alerand^r ist all seinem bizarren, absonderlichen Wesen vornehmer Mensch; wir würden uns ganz stimmt einigen!" Aufmerksam hatte Hanno der Erzählung Ls half ihr kein Zögern, kein Widerstreben; sie mochte mitgehen. Frau Lenz band ihr ein sauberes to«ihes Schürzchen um; die Dürste fuhr glättend üt5et die widerspenstigen Löckchen, und Hand in tzind gingen die beiden Unzertrennlichen neben her Gräfin einher. Wan mußte an dem kleinen Kramladen von Wählers vorüber. Die Lotte stand vor der Tür und machte große Augen, als sie die drei sah. Inga reckte sich und steckte ihr hochmütiges Kwmtessengesichtchen auf. II nb es war wohl auch nüf)t ganz ohne Absicht, daß in diesem Augenblick di.e Gräfin sich besonders herzlich zu Ebba neigte. Ms sie vorüber waren, lachte die Lotte höhnisch auf. „Pah, wie sie sich mit Ebba, dem Findelkind, gehoben! Und wenn sie es alle abstreit^n, sie ist bcd) ein Findelkind!"--- aufhielt. Er schrieb nie, erwartete auch keine Rachrichten, Reinshagen war ihm ganz gleichgültig; monatelang war' er seinem Besitz fern, lind eines Tages erklärte er, er sei europamüde, das Morgenland mit seinen tausend Wundern und Geheimnissen lockte ihn! Er übergab mir Reinshagen, wofür ich ihm jedes Jahr auf der Deutschen Dank in Derlin eine beträchtliche Summe zu hinterlegen hatte. Davon konnte er in großem Stil leben, ohne arbeiten zu müssen. Wir trennten uns in vollkommenster Freundschaft. Ich hatte ja längst gelernt, mit seinen Absonderlichkeiten zu rechnen. Rormal, wie andere Menschen, war er ganz bestimmt nicht; er hatte etwas Pathologisches an sich. Dann haben wir nie mehr von ihm gehört. Rach meiner Ansicht ist er bei seinem unregelmäßigen Leben und sei -er schwachen Eesundhe't längst gestorben. Bielleicht drüben in Asien — unter anderem Ramen auch noch — es war mit ihm ja nie zu rechnen. Und sollte er dennoch — wider Erwarten — ein- 1 «icfrl ii Boden geworfen und durch einen Stich ober- fall) des rechten Auges verletzt. Die Kriminal- »lizei in Mainz, die sofort die Ermittlungen ifnahm, stellte als Täter den Bauarbeiter Oskar i e ck e , den Arbeiter Anton R e t t i n g e r , :it Kupferschmied Peter Kröhle, den Schlosser cinrich Mathes und den Schlosser Fritz uppe fest. Während Riecke, Rettinger und Die 1. Fußballmannschaft Lollars trug ein Freundschaftsspiel in Kirchhain aus und muhte dort die Aeberlegenheit der Gastgeber anerkennen. Lollar lieferte wohl ein schönes Spiel, hatte aber einige Bersager in der Mannschaft. Das Spiel endete 7:3 für Kirchhain, zu Halbzeit stand das Spiel 5:3. 1900 11 — Tv. Wetzlar II 4:4 (2:2). Mit demselben Ergebnis wie am vorletzten Sonntag DfL. Wetzlar 11 und 1900 II trennten sich die zweiten Garnituren des Tv. Wetzlar und der Spielvereinigung 1900. Die Plahbesitzer fanden sich zunächst besser zusammen und lagen 2:0 in Führung. Bei Seitenwechsel hatten die Gäste jedoch gleichgezogen. Das Spiel blieb weiterhin verteilt Obwohl man bei den Spielvereinigungsleuten den einheitlichen Spielaufbau vermißte, hatten sie bis 1 Minute vor Schluß mit 4:3 die Oberhand. Da gelang den Turnern, allerdings auf stark anfechtbare Art (Heberschreiiung des Wurfkreises) der Ausgleich. Die Jugend mußte durch die gleiche Mannschaft des Tv. Wetzlar eine hohe 16:2-Absuhr hinnehmen. Der neu eingestellte Torwächter war äußerst schwach, die Mannschaft spielte reichlich zerfahren. Handball im Gau Hessen (O.T ) Tv. Grohen-Linden I — Tv. Dorheim I 12:1 (4:1). Eine hohe Riederlage mußten die Dorheimer in Großen-Linden einstecken. Bei der Pause führten die Gastgeber bereits 4:1. 15 Minuten vor Schluß lautet die Partie noch 5:1. Obwohl die Grohen-Lindener nun ihren Halbrechten durch Verletzung verloren, konnten sie mit weiteren sieben Toren das Endresultat Herstellen. — Für eine äleberraschung sorgte die Jugend, indem sie in Hochelheim mit 3:2 Sieger blieb. Allendarf (Lch.) — Klein-Linden 4:0 (1:0). Am Sonntag trafen sich die beiden Mannschaften zu einem Freundschaftsspiel in Allen- dorf. Es kam ein ziemlich hartes Spiel zustande, das in der Hauptsache durch ein erbittertes Ringen um den Sieg heraufbeschworen wurde. Allendorf blieb schließlich doch, nachdem es in der Halbzeit bereits mit 1:0 in Führung lag. sicherer Sieger. ftoners. Das Gericht verurteilte gestern den Imgeklaaten Ri ecke wegen schweren Land- flisdensbruches zu LMonaten Gefängnis. 6« Angeklagten Rettinger und K r ö h l e zu k 4 Monaten und die Angeklagten Mathes Frage vorgelegt hatte — ..was Alexander wiederkehrt — und — von ihm da sind?" Doch, da Graf Reinshagen ein anschließen werden. Kreis Biedenkopf. _L Waldgirmes, 17. Rov. Der hiesige „Volkschor" veranstaltete am Sonntag unter Mitwirkung desälnion-QuartettsFrank- f u r t a. M. im neuen Saalbau Raabe ein wohlgelungenes Konzert. Die Darbietungen des Chores, wie auch die Dorträge des Quartetts fanden lebhaften Deifall. In der Hauptsache gelangten einfache Volkslieder (das Programm wies u. a. zehn Lieder von Silcher auf) zu Gehör. Das Konzert war sehr gut besucht. Teilweiser Lichtstreik in Frankfurt. WSR. Frankfurt a. M., 17. Rov. Rachdem die Bemühungen des Frankfurter Einzelhandels, eine Herabsetzung der elektrischen Strompreise, namentlich für die Schaufensterbeleuchtung, zu erreichen, ohne Erfolg geblieben sind, haben sich die maßgebenden Geschäfte des Einzelhandels verpflichtet. Samstags und Sonntag die Schaufen sterbeleuch- t u n g spätestens um 10 Uhr abends, an den anderen Tagen bereits um 9 Uhr abends einzustellen. Kindheit gekommen war. Ebba hatte ihm die Mutter erhalten, mehr als einmal hatte der Vater es gesagt. Und was war das Kind den Eltern! Wie einsam wären sie ohne Ebba gewesen, seit er die Schule in der Stadt besuchte, und wie beruhigt konnte er nachher auf der Universität sein, da die Mutter durch das Heranwachsende Mädchen so mancherlei Arbeit und Zerstreuung hatte. Der junge Christian begleitete Ebba auch öfter nach dem Schlosse. Graf Hanno war ebenfalls zu den Ferien da; er studierte einige Semester Landwirtschaft. Er war ein großer, blonder Mensch, rasch und temperamentvoll, voller Herrenbewußt- sein und Kraft. Die ruhigere Schwester fürchtete sich ein wenig vor ihm, während sie zu Christel ein großes Vertrauen hatte, der es gut verstand, mit dem Mädchen umzugehen, über das Hanno als eine Daga- telle hinwegsah. Der Tag war heiß geworden, heiß von Sonnen- glut und Arbeitsleistung, ein echter Hochsommerund Erntetag. — Run war ein erquickender Abend gekommen, und Graf Reinshagen saß mit Frau und Sohn bei einem Glase gut gekühlten Moselweins noch auf der Terrasse. Inga lag schon zu Bett. Hanno lag ein wenig träge im Korbsessel und rauchte eine Zigarette. „Heute fühle ich meine Knochen; ich bin tatsächlich etwas müde." Er gähnte leicht hinter der vorgehaltenen Hand. „Ist das ein Wunder, mein Sohn? Du bist ja seit vier Uhr auf den Beinen!" bemerkte die Gräfin, „kaum, daß du richtig zu Mittag gegessen hast; du mutest dir wirklich zu viel zu." „Laß ihn, Bathilde, ich habe mich heute über ihn gefreut. Er muh den Leuten mit gutem Beispiel vorangehen, wenn er hier einmal Herr sein wird." „Herr--!“ Ein nachdenklicher Zug glitt über Hannos tiefgebräuntes Gesicht — „ob ich es hier wirklich einmal sein und bleiben werde —?" fragte er plötzlich. „Das ist doch selbstverständlich, Hanno!" „Eigentlich möchte ich es auch annehmen, Mama! Aber wenn Onkel Alexander noch einmal auftauchen würde — ?" Betroffen sahen sich Hannos Eltern an. Wie kam der Sohn mit einem Male darauf? „Das ist ja Unsinn. Hanno!" entgegnete der Graf, „warum malst du Gespenster an die Wand? Onkel Alexander lebt längst nicht mehr — seine Gesundheit war immer sehr zart — er ist tot." „Das weiß man nicht genau! Es ist nicht ausgeschlossen, daß er zurückkommt — und dann seine Ansprüche auf Reinshagen geltend macht!" Heftig schüttelte der Graf den Kopf, als wollte er etwas Unangenehmes abwehren. »Mehr als Die 2. Mannschaft verlor in Leihgestern Sieg und Punkte. Das Ergebnis lautete bei Halbzeit 2:1 für Lollar. Leihgestern glich aber kurz nach Halbzeit aus und erzielte durch einen Clfmeterball den Siegestreffer. Arbeiter-Turn- und Gportbund. Rodheim I — Gleiberg I 5:0. Zu einem Freundschaftsspiel traten beide Mannschaften in Rodheim an. Die Einheimischen waren den Gästen technisch und körperlich überlegen und konnten einen sicheren Sieg landen. Odenhausen I — Sichertshausen I 3:6. In einem flotten Spiel konnten die Gäste einen sicheren Sieg erringen. Leichtathletik der Sp.-Vg. 1900. Gerhard siegt in Herne (Westfalen). Am Sonntag brachte der Herner Athletik-Club auf der Strecke Herne—Recklinghausen—Herne einen 20-Kilometer-Lauf zur Durchführung. Unter den 32 Bewerbern setzte sich der 1900er Gerhard alsbald an die Spitze und wurde unangefochten Erster in der guten Zeit von 1:10:04 Stunden. Der Lauf fand unter starker Anteilnahme der Bevölkerung statt, die den Sieger — Gerhard holte sich am Sonntag zum viertenmal die Ehrenplakette der Stadt Herne — lebhaft feierte. Rachstehend die Ergebnisse: 1. Gerhard, Gießen 1900, 1:10:04 Std.; 2. Hannemann (Heeresmeister im Marathonlauf), Minden, 1:12:11 Std.; 3. Starke, Schlieren, 1:13:28 Std.; 4. Kelm, Hamm, 1:13:30 Std.; 5. Sippel, Schlieren, 1:13:59 Std.; 6. Grasse, Sodingen, 1:14:29. Ferien!--- Welch beseligendes Wort für Kinder! Richt in die Schule zu müssen, diese frohen S-munerwochen nach Herzenslust ohne Schulaufgaben genießen zu können, wie lange hat man sich |kte infolge Konkurrenz einer , wesentlich gesu-" A wirb für 16 S 1,40 M. das Hillen sich die Stahlhelmgruppen von vciinz, Finthen und Mombach unter Führung Mainzer Ortsgruppenführers Staatsanwalt $r. Wolf geschlossen zur Beerdigung eines den iriL. Ilainbachcr Jungstahlhelmers nach Mombach be- zur gib tn. Auf dem Rachhauseweg, der in kleineren dt au^nVUn9cn Iruppen angetreten wurde, wurden die Stahl- hmA Himer von Kommunisten und Reichsbannerleuten len. £ ^Mittung'" ^gegriffen. 11. a. wurde der, Führer Dr^W o l f entncr I L e ' ■Ü-H die Diiu L, ' ^btbcfl -UPP« l*li. xvuyi-eiuu u.iv SÄfKft " .......... ‘ Sil ««ns & wSm;ein6Nll IrohHlchen; zwei Meba„ unb Cft Ä -Vorsitzenden des I^H^unbbenOto »ttereuw, Fabrikant tzeir. ,e-n' 2-v. Das an ErntebankseK, bei ‘Wgltcbern, toie auch v« «besucht war, nahm eina "e zweistimmige Chorbar. Mel, Debichtvorträge und len die Zuhörer. 3m M, Mg, die auf Tkrankfafl itfanb, ftanb eine fimtvßt zwölf Jahre sind seit dem feierlichen Verzicht vergangen." „Der Verzicht aber war nicht gerichtlich festgelegt, es ist doch nichts Rotarielles da." „Sein EdelmannswortI Und das mutz uns genügen! Da er freiwillig verzichtet hatte, konnte ich ihn nicht dazu drängen, noch einen Rotar zu rufen, es hätte mir widerstrebt!" „Gewiß, Vater, ich begreife! Du aber wirst auch begreifen, daß mir manchmal Gedanken kommen! Wie nun, wenn er eines Tages zurückkehrt — vielleicht in bedrängten Verhältnissen — oder er hat geheiratet, bat Kinder — und diese Kinder machen Ansprüche? Für sich hatte ja dein Bruder immer auf Reinshagen verzichtet! Von möglichen Rachkommen ist nicht gesprochen worden — und diese wären seine gesetzlichen Erben!" Der Graf machte ein gequältes Gesicht. „Eine Heirat halte ich bei Alexanders Ansichten für ganz ausgesch.ossen! Wie kommst du heute nur gerade auf diese Angelegenheit, die mich, ich gestehe es offen — trotz aller Vernunftsgründe — häufig genug beunruhigt? Denn du hast recht: hätte er Kinder, so wären diese seine berechtigten Erben! Doch ich weise jene Sorge als unbegründet immer weit von mir!" „Wie ich darauf komme, Vater? Weil ich unser Reinshagen über alles liebe und nicht gewillt wäre, es herzugeben, wenn da irgend jemand Fremdes hergelaufen käme und Ansprüche machte! ' sagte Hanno energisch, „ich halte unser Eigentum im wahrsten Sinne des Wertes, durch deine Arbeit und Umsicht neu für uns erworben und verdient!" Zustimmend nickte der Graf; der Sohn sprach ganz in seinem Sinne. „Hoffentlich bleiben uns solche Weiterungen erspart. Mein älterer Bruder war ein großer Phantast; er war ganz anders als andere Menschen! D.r Wirklichkeit stand er ganz verständnislos und interesselos gegenüber, er lebte nur in der Kunst! Er war ein nach allen Seiten hochbegabter Mensch, — Dichtkunst, Malerei, Schauspielkunst — alles fesselte ihn. im Komponieren versuchte er sich auch — sein Klavierspiel war hinreißend — und er war auch ein prächtiger Mensch, schön wie ein Apoll, von bezaubernder Liebenswürdigkeit; er konnte eine wahrhaft unheimliche Macht über andere haben, jeder muhte ihm den Willen tun. Ich weiß es von mir selbst, wie oft gab ich ihm nach, gegen meine Ueberzeugung. Für Reinshagen, das ihm nach unseres Vaters Tode zu- fiel, hatte er nicht das geringste Interesse. Die praktischen Sorgen stießen ihn geradezu ab, verleideten ihm sogar den herrlichen Besitz, den ich ihm verwaltete, da er viel auf Reisen war; fast das ganze Jahr war er fort in Berlin, München, Dresden, Wien, im Gebirge, an der See — nie aber wußten wir genau, wo er sich Spielvereinigung 1900 Gießen. Die Ligareserve war, 10 Mann traten nur an, im Berbandsspiel in Rauborn wenig vom Glück begünstigt. Aber auch die Leistungen waren nicht hervorragend, besonders die des Torwarts, so daß es nicht verwunderte, daß der recht spielstarke Gastgeber 6:1 Sieger blieb. Die Lehrmannschaft siegte gegen Heuchelheims 1. Elf 1:0. Dem Spielverlauf nach hätte das Ergebnis höher lauten müssen, denn die Dlauweihen waren ständig überlegen. __ Die 4. Mannschaft blieb spielfrei. Die 5. Mannschaft schlug in Krofdorf den Verbandsneuling 10:1, obwohl auch hier zu Beginn nur 8 und später nur 10 1900er zur Stelle waren. Iugendspiele. Den bisherigen Griolgsserien konnten die Jugendmannschaften wieder eine neue anreihen, von 5 Spielen wurden wieder 4 gewonnen, und zwar spielten: Die 1. Jugend in Wetzlar gegen die 1. Jugend des SV. 3:0 (2:0). Die mit zwei Ersatzleuten spielenden 1900er waren den körperlich stärkeren und wuchtigeren Wetzlarern technisch überlegen, vor allem klappte es gut zwischen den Innenstürmern. Daß Wetzlar zu keinem verdienten Torerfolg kam, ist dem Gießener Tormann anzurechnen. Die 2. Jugend besiegte die 2. Jugend des gleichen Vereins mit dem gleichen Resultat 3:0 (2:0). Die ganze Mannschaft zeigte ein hervorragendes Spiel und war dem Gegner in allem bei weitem überlegen. Die 3. Jugend spielte gegen die 1. Jugend von Garbenteich und gewann 2:0. Der Gast war nicht schlechter, sein vorbildlicher Eifer war sogar hoch anzuerkennen, der Sturm jedoch versagte. Die 1. Schüler: Klein-Linden 1:0 (0:0). Bis jetzt haben die 1. Schüler keines ihrer Pflichtspiele verloren und zeigten auch in diesem Treffen gute Zusammenarbeit. Der Sturm allerdings muh noch mehr den abschließenden Schutz pflegen. Die Gäste gaben sich alle Mühe, versagten aber auch vor dem Tor. Die 2. Schüler wurden von Heuchelheims Schülern 3:1 (2:0) geschlagen. Gießen war überlegen, konnte aber von den vielen Chancen nur eine gegen den Gästetormann (!)zum Erfolg ausnutzen. Die Gäste verdanken ihre Tore dem Leichtsinn des linken Verteidigers von 1900. $(£. 1929 Klein-Linden. Klein-Linden 1. 3ug. — Leihgestern 1. 3ug. 3:5. Durch verschiedene Umstellungen und Ersatz mußte Klein-Linden von den eifrigen Gästen eine verdiente Niederlage hinnehmen. Von einer einheitlichen Aktion des Sturmes war nichts zu sehen. An der Niederlage ist auch die Verteidigung und der Tormann nicht ganz schuldlos. Sportabteilung des Turnverein Lollar. Die 1. Handballmannschaft weilte in Rordeck zu Gast und konnte die 1. Mannschaft von Nordeck mit 2:1 schlagen. Die Lollarer bewiesen damit ihre Stärke und dürften nunmehr ernsthaft Anwärter auf die Meisterschaft ihrer Klasse sein. Lollar hatte in Rordeck jederzeit das Heft in der Hand und spielte bis Halbzeit 1:1. Rach der Halbzeit spielte Rordeck ganz überragend und Lollar konnte trotz heftiger Gegenwehr Rord- ecks ein zweites Tor erzielen. Wessen Kind bin ich? Vornan von Fr. Lehne. (Urheberschutz durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.) Horizontes, und uns wieder in Gottes reinen Wind stellen, der „von den Bergen kommt". Er will, daß wir von unserer Straßenhast lassen und wieder einmal im Schritte echter Frommheit gehen hin zu den Dingen, die nicht von dieser Welt sind. In solcher Weise wird der moderne Strebendstich- Bcmühende den Bußtag und seine Besonderheit erfassen. Gerade in den stillen Stunden dieses Tages wird er von neuem den Sinn aller Menschenwerdung erleben, wird das empfinden, was Goethe einmal mit dem Ausdruck bezeichnet, daß „sich viele Häute vom Herzen lösen", oder wie er an einer anderen Stelle sagt, daß er „mehrmals aus ethischem Schutt und Trümmer seine innere Existenz wieder herstellen mußte". Das „Immer-wieder-am-Anfang-stehen" will uns der Bußtag als ein echter Gottestag lehren. Und wir werden seiner Gnaden teilhaftig werden, wenn wir guten Willens sind. Kreis Wetzlar. O Wetzlar, 17. Rov. In der Schauburg Hofstatt fand eine gut besuchte Versammlung der Landwirte des Kreises Wetzlar statt. Dr. Baur von der Landwirtschaftskammer Bonn hielt einen Vortrag über die Auswirkung der „Deutschen Woche" im Hinblick auf die deutsche Landwirtschaft. Der Redner behandelte besonders das Problem der Einfuhr fremder landwirtschaftlicher Erzeugnisse und wies dabei auf die Bemühungen anderer Länder hin, ihre einheimische Landwirtschaft zu schützen. Anderseits müßten, so führte der Redner weiter aus, auch die deutschen Landwirte auf Verbesserung der Produktion, aus Sortierung und gute Verpackung mehr Wert legen. Schließlich forderte er zum genossenschaftlichen Zusammenschluß auf. Im Anschluß daran wurden ein Film von der DLG.-Ausstellung in Hannover, ein weiterer Film aus der Praixs des Landwirtes und ein Film von der technischen Seite landwirtschaftlicher Detriebssührung gezeigt. — Die evangelische KirchengemeindeWetz» lar hat das durch die Zusammenlegung der Oberförstereien überflüssig gewordene Dienstgehöst der Först erei am Stoppelberg mit den dazugehörigen Ländereien gepachtet. Die Räume sollen als evangelisches Freizeit e n h e i m Verwendung finden. Q Groh-Rechtenbach, 17. Rov. In der Gastwirtschaft Depler fand eine gut besuchte Versammlung von Pächtern und Verpächtern von Grundstücken statt, in der über die Herab- sehungderPachtPreise verhandelt werden sollte. Rach längerer Aussprache fand ein Vorschlag Annahme, daß wegen des Gemeindepachtlandes um eine 30;orojcntige Pachtermäßigung eingekommen werden soll. Rach Genehmigung durch den Gemeinderat hofft man, dah sich auch private Grundstücksverpächter dieser Regelung i 6em NiN' „ 8,fonbtin UriD^lQllonh' in ten tf«in‘n «Lhen um 6 tirüUtn unb 5 @runb M SOG MG ZM isieigt"' m3 Ruppe zu j e 3 Monaten Gefängnis. Ruppe erhielt außerdem wegen Werfers nie Steinen 2 Wochen Hast. preutzew Rechtes Buhiags-Erleben. Von Reinhold Braun. Die größten Menschen, die ich gekannt habe und die Erde und Himmel vor ihrem Blick frei halten, waren demütig und wußten, was sie stufenweise zu schätzen hatten. Goethe. Buße! Da steht das Wort, fremd, kühl, ragend im msrbittlichen Ernst, steht da ohne Zeit, ganz in sich. Saum ein anderes Wort wird von unserer Zeit so serbisch abgelehnt wie dieses. Ein Spott ist es ihr, !i;n Aergernis, dünkt sie ein Ueberholtes. iUber gerade diese Tatsache zeigt unsere Abwegig. Int vom Ziele unseres Lebens und dem unserer Seele, zeigt unsere Verstiegenheit, aber auch unsere shlimme Erd. und Ding-Verkrampftheit. Immer fietnber wird dieser seelische Tag unter seinen Brü> «rit stehen, den Welttagen jeglicher Gestalt. -lur bann, wenn wir erkennen, baß er ein Tag , efter Drbnung ist, finb wir auf bem Wege zur Neu- kfxelung unseres Lebens. Ihn leichtnehmen, heißt Mla feinsziel unb -wert verkennen. Ihn aber mit ber letzten, christlichen Schwere nehmen, beutet, ber re«le roieber bas Recht geben, bas ihr gebührt, heißt, en Strom ernster Besinnung ihr neue Kraft zu- fjljren. GSin Mensch, ber im Sinne ber gestalterischen Lebensauffassung noch büßen kann, um besten Innen, oell steht es gut, unb er hat Freube baran, reif unb 8c statt zu werben, lieber bie Zeit unb ihre arm- liltgen Zustänbe blickt er hinaus in ein Reich höherer ilrd unb Freiheit. Als einen Tag erster Drbnung müssen wir den Biigtag roieber nehmen, weil er seinem tiefsten tiefen nach ein echter unb rechter Mensckentag fein dB, an bem eben ber Mensch unb feine Seele clles bebeutet. Mit heiligem Ernste forbert er von fd ermann: Tu ab das Zufällige deines Daseins! tio rt von der Amtlichkeit, der Uniform jeglicher Art, braus aus deinem Rahmen und hin zu dem Men. |d>en in dir und hin zu allen, deren Sinn noch ptn reinen Menschen hindrängt, zu Echtheit und fee lenhaftem Leben, zu wahrem Wert. Äußtag will mit einer Unerbittlichkeit wie kein engerer unser Zentrum, unser Eigenstes und Erstes! kr will, daß wir im Tiefsten zu einem bereiten L'tfer werden, daß der Grund unseres Wesens Auf- loäerung erfahre, daß wir lange verschlossene Türen eff-nen, wieder Weite erleben und den Glanz ewigen ßin lleberfall auf Stahlhelmleute ' vor Gericht. Tennis-Rangliste von Hessen und Hessen-Aassau. Die „kleine" Rangliste des 9. Tennisbezirks (Hessen- Hessen Rossau), die im ganzen 104 Herren und 71 Damen umfaßt, zeigt in diesem Jahre folgendes, im Vergleich zum Vorjahre nur unwesentlich verändertes Aussehen: Herren: 1. Froitzheim (Wiesbaden). 2. Gosewich (Frankfurt), 3. Tüscher (Kassel), 4. (Ermen (Frankfurt), 5 —7. Elaß (Darmstadt), Henke (Frankfurt), Klein, logel (Darmstadt), 8 —12. Bermann (Frankfurt), En- dres (Darmstadt). Halberstadt (Frankfurt), Hamel (Hanau), v. Knoop (Wiesbaden), 13. Hammacher (Wiesbaden), 14—19. Baun (Frankfurt), Reinhardt (Wiesbaden), Dr. Scholz (Mainz), Seebohm (Kassel), Weber (Höchst), Werner (Darmstadt). Damen. 1. Frau Friedleben (Frankfurt), 2. Frl. Horn (Wiesbaden), 3. Frl. Menges (Frankfurt), 4. Frl. L. Fischer (Frankfurt), 5. Frl. Zint (Frank- furt), 6. Frl. S. Fischer (Darmstadt), 7.—8. Frau Ewald (Kreuznach), Frau Hösch (Frankfurt). 9.—13. Frl. Krafft (Frankfurt), Frl. Kuhlmann (Kassel), Frl. '21. Lefeldt (Frankfurt), Frau Lefeldt (Frankfurt), Frau Schüller (Höchst). Oskar Kreuzer und Frau Richter-Weihermann sind mangels genügender Wettspielresultate in diesem Fahre nicht mit ausgenommen worden. Sechstagerennen auch in Amsterdam. Die holländische Hauptstadt will hinter den anderen Großstädten nicht weiter zurückstehen und nun in ihr sportliches Programm auch ein Sechstagerennen aufnehmen. Das erste Amsterdamer Sechstagerennen soll noch in diesem Winter stattfinden. Als Schauplatz ist die große Automobil-Ausstellungshalle in Aussicht genommen, und als technischer Leiter wurde bereits der holländische Stehermeister Blekemolen bestellt. Verhandlungen zur Verpflichtung namhafter europäischer Fahrer sind in die Wege geleitet, und von den deutschen Spitzenkönnern sollen bereits Tietz, Ehmer und Buschenhagen Verträge erhalten haben. Kurze Sportnotizen. Deutsche Schwimmersiege waren am ersten Tage des internationalen Schwimmfestes in Wien zu verzeichnen. Herta Wunder kam über 200-Meter-Brust und 400 Meter-Kraul in 3:20 bzw. 6:43,4 zu einem oielbejubelten Doppelerfolge, lieber 100-Meter-Rücken triumphierte die Leipzigerin Grube in 1:32, und den vierten Sieg für die Leipziger Poleidonen stellte E ck st e i n über 400- Meter-Kraul in 5:31,4 sicher. Dagegen gingen die beiden Staffeln der Domen und Herren an die Wiener Vereine, die jedesmal Poseidon auf den zweiten Platz verwiesen. Wirtschaft. Devisen Erleichterungen im Grenzverkehr. (Berlin, 17. Rov. (WTB.) Das Reichs- Wirtschaftsministerium hat heute auf Grund der 6. Durchführungsverordnung zur Devisen- verordnung Erleichterungen für den Grenzverkehr getroffen. So entfällt die Eintragungspflicht in den Reisepaß im Grenzverkehr: bei Einwechslung von (Beträgen bis zu 30 Mark wöchentlich durch Geldanstalten in Grenzorten und bei Ilmwechslung von (Betragen bis zu 50 Mark im Llmwechslungsverkehr in den Eisenbahnzügen durch Angestellte der Deutschen Ber- kehrskreditbank. Ferner sind zur Erleichterung des Reiseverkehrs für Ausländer und (Beauftragte von Firmen, die im (Besitz einer allgemeinen Genehmigung sind, (Vorkehrungen getroffen, die sie vor Weiterungen bei der Revision ihrer legitim mitgeführten Reichsmark- und Devisenbestände schützen sollen, wenn sie Deutschland verlassen. 154pro$enfige Rotendeckung in der Schweiz. Bern, 18. Rov. (WDD.) Rach dem Ausweis der Schweizerischen Rationalbank vom 14. d. M. hat der Goldbestand gegenüber der Dorwoche wieder etwas zugenommen. Er beträgt 2199 Millionen Schweizer Franken, die Golodevisen sind um 9,76 Millionen Schweizer Franken auf 102,5 Millionen Schweizer Franken angestiegen. Der (Notenumlauf ist um 30,16 Millionen Schweizer Franken auf 1431 Millionen Schweizer Franken zurückgegangen. Die reine Golddeckung der Roten beträgt etwa 151 v. H. * Disher 230 Mill. Mark Reichsbahnanleihe. Die Zeichnungen auf die Reichsbahnanleihe belaufen sich nach dem gestrigen Stande auf 230 Mill. Mark. Meder flarfe Äevisenab«abe her AeiKsbank. Berlin, 17.Rov. (WTB.) Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 14. Rovern- 6er hat sich in der verflossenen Bankwoche die gesamte Kapitalanlage der Dank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 47,7 Mill, auf 3997,6 Mill. Mk. verringert. 3m einzelnen haben die (Bestände an Handelswechseln und -schecks um 43,7 Mill, auf 3 .'81,4 Mill. Mark abgenommen, die Lombardbestände um 1,0 Mill, auf 113,4 Mill. Mk. zugenommen. Die Bestände an Reichsschahwechseln, die am Schluß der Dorwoche 30 000 Mk. betragen Haben, werden mit 10 000 Mk. ausgewiesen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 83,9 Mill. Mk. in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 88,1 Mill, auf 4453,5 Mill. Mk., derjenige an Rentenbankscheinen um 0,8 Mill, auf 413,5 Mill. Mark verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 14 Mill. Mk. erhöht. Die fremden Gelder zeigten mit 406,8 Mill. Mk. eine Zunahme um 7,9 Mill. Mk. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 72,2 Mill, auf 1189,8 Mill. Mk. vermindert. 3m einzelnen haben die Goldbestände um 63,3 Mill, auf 1038 Mill. Mk., die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 8,9 Mill, auf 151,8 Mill. Mk. abgenommen. Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 26,7 v. H. gegen 27,8 v. H. in der (Vorwoche. Ein Kommentar. Der Ausweis der Reichsbank vom 14. November Zeigt ein verhältnismäßig befriedigende s A u s f e h e n, wenn auch der Rückgang der Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen um 72,2 Millionen Mark zunächst als ein überraschender Vorgang angesehen werden kann. Sowohl bei dem Portefeuille der Reichsbank, als auch hinsichtlich des Notenumlaufs ist eine weitere Ent- laftunfl eingetreten. Der Rückgang d e s Notenumlaufs betrug Medio Auaust 138Mil- Honen Mark, Medio September 43 Millionen Mark. Zum Medio Oktober war ein Zugang von 3,7 Millionen Mark zu verzeichnen während jetzt wiederum ein Rückgang von 88 Millionen Mark einge- treten ist. Was die Gold- und Deoifenfeite des Reichsbankausweifes ar.belangt, fo ist der Haupt- §iunb der schwierigen Devisenlage in den unge- eueren Abzahlungen an das Aus- land, die gemacht worden sind und weiter gemacht werden, zu sehen. Die Löcher des S t i l l h a l t e- abkommens mußten sich, je nach der allge- meinen politischen und wirtschaftlichen Lage, verschieden auswirken, und die Situation ist heute so, daß alle Kräfte im Gange sind, um die ausstehen- den Gelder zurückzuerlangen. Die Summe, die in der Zeit von Ende 3uli bis 1. September besonders an Pfund- und Dol- larkredilen von Deutschland zuruckgezahll worden ist, beträgt über 1 Milliarde Mark. 3n der Zeit vom 1. September bis zum 7. November haben sich die Devisenverluste bei der Reichsbank auf 464,1 Millionen Mark bei 1296,9 Millionen Mark Zu- und 1761 Millionen Mark Abgängen an Gold und Devisen gestellt. Eine Aufgliederung der Abgabensumme von 1761 Millionen Mark nach Waren, und Kapitalverkehr ergibt folgendes Bild: Für Einfuhrzwecke sind in der genannten Periode 7S4.1 Millionen Mark, für Versicherungen, Frachten, Zölle usw. 22,9 Millionen Mark, an das Postzentralamt 11,7 Millionen Mark, mithin zusammen 818,7 Millionen Mark Devisen zur Verfügung gestellt worden. Bei dem Kapital- verkehr entfallen auf Kreditrückzahlungen 690,1 Millionen Mark, auf den Zinsen- und Tilgungs- dienst laufender Kredite und Auslandanleihen 186,9 Millionen Mark, auf Silberfranken auf 8,4 Mil- Honen Mark, auf durchlaufende Posten aus der Freigabe etwa 56,9 Millionen Mark, das ergibt zusammen 942,3 Millionen Mark. Die gesamte Inanspruchnahme für den Waren- und Kapitalverkehr in der Zeit vom 1. September bis 7. November stellt sich mithin auf 1761 Mil- Honen Mark. Bemerkenswert ist die Tatsache daß bei dem Kapitalverkehr die Hauptrolle die Ä r c • ditrückzahlungen an das Ausland spie- len. Wären die Kreditrückzahlungen (690,1 Millionen Mark) in dieser Zeit nicht gemacht worden, so hätte sich ein Devisenplus von rund 226 Mil- Honen Mark ergeben. Schärfere Kontrolle der deutschen Ausfuhr Zweck: Strengere Erfassung der Devisen. (Berlin, 17. Roo. (WTB.) Die ungünstige Entwicklung der Devisenlage, wie sie besonders in dem neuesten Reichsbankausweis in Erscheinung tritt, legt der Reichsregierung und der Reichsbank die Verpflichtung auf, alles zu tun, um der weiteren (Verringerung des Devisenbestandes Einhalt zu bieten, auch wenn es auS den der Oeffentlichkeit bereits bekannten Zahlen deutlich hcrvorgeht, daß die Tlrsache der ungünstigen Devisenentwicklung weit weniger auf der nicht ganz vollständigen Devisenerfassung beruht, als vielmehr auf den außerordentlich hohen Kreditrückzahlungen, die fortgesetzt stattfinden. Da insbesondere die Ablieferung der Export» d e v i s e n nicht in vollem Umfang der Entwicklung der deutschen Ausfuhr in den letzten Monaten entspricht, wobei selbstverständlich die natürliche Verschiebung durch Kreditgewährung zu berücksichtigen ist, erscheint es notwendig, die Ausfuhr für die Zwecke der Deoisenbewlrt- fchaftung schärfer zu kontrollieren. 3n einer Durchführungsverordnung zur Devisenverordnung wird daher an- geordnet, daß künftig alle Waren, die aus dem deutschen Wirtschaftsgebiet ausgeführt werden, durch Ucbergabe einer Exportvalutacrklä- rung nach vorgeschriebenem Muster der Reichsbank anzumelden sind. Außerdem haben die Exporteure dreimal monatlich der örtlich zuständigen Reichsbankanstalt mitzuteilen, an welche Devisenbank sie die eingegangenen Expo r t va l u t e n abgeliefert haben, oder von welcher Reichsbankanstalt ihnen die Devisen freigegeben wurden. Zuwiderhandlungen gegen diese Borschriften werden mit schweren Strafen bedroht. Da ferner die für die deutsche Einfuhr auch jetzt noch zur (Beifügung stehenden Kredite, zu deren Aufrechterhaltung die ausländischen Gläubiger sich in dem Stillhalteabkommen ausdrücklich verpflichtet haben, durchaus nicht in vollem Umfang ausgenüht werden, sollen die I m - p o r t f i r m e n darauf verwiesen werden, von diesen Möglichkeiteen stärkeren Gebrauch zu machen. Um dieser Aufforderung besonderen Rachdruck zu verleihen, sind die Devisenbewirtschaftungsstellen im Berwaltungswege angewiesen worden, die 3mportfirmrn, die im Besitz einer allgemeinen Genehmigung zum Erwerb von Devisen sind, anzuhalten, daß sie einen angemes- scnen Teil des in dieser Genehmigung fcflge- setzten Höchstbetrag» durch 3nanspruchnahme der osfenen Kreditlinien bestreiten. 3nsosem werden Devisen zur Barzahlung mch mehr zur Verfügung gestellt werden. Don d«, deutschen Banken muß erwartet werden, daß s» den deutschen 3mporteuren bei der Ausnutzung d« Kreditmöglichkeiten des Stillhalteabkommens wr» test entgegenkommen. Auch die bisherigen Strafvorschriften der D» Visenverordnung weisen einige Lücken auf. Dick Lücken schließt eine soeben ergangene neue dkrorb nung des Reichspräsidenten. Danach finden d» in der Devisenverordnung vorgesehenen Sira, f e n auch dann Anwendung, wenn jemand durchs Täuschungen oder irreführende Angaben die naft: den Devisenvorschrillen erforderliche Denehmiguuß der zuständigen Stellen erschlichen oder zu cv schleichen versucht hat. Bei (Der ft oben von Firm«, gegen die Devisenvorschrillen konnten bisher du 3nhaber oder Leiter der Unternehmen der Straß dadurch entgehen, daß sie sich darauf beriefen, hi hätten von Der Zuwiderhandlung ihrer Angestell» ten ober (Beauftragten keine Kenntnis gehabt. De, wirkt die neue Verordnung dadurch entgegen. ba| sie das ReichSwirtschallsgericht ermächt.gl, gega den Inhaber oder Leiter eines Unternehmens u» beschadet seiner strafrechtlichen Berantwortlichkck OrdnungsstrafenbiSzu300 0 00 Mar! zu verhängen, wenn er nicht nachweist, daß er dtz 'm Verkehr erforderliche Sorgfalt zur Derhütu, der strafbaren Handlungen angewendet hat ll, ein rasches Zugreisen zu ermöglichen und der ftre«- gerichtlichen Ahndung besonderen Rachdruck u verleihen, läßt die neue Verordnung schließlich die Aburteilung aller vergehen gegen die Devisenvorschriften im Schnellverfahren zu. Gleichzeitig ist die Reichsregierung an die Länder mit dem Ersuchen herangetreten, auch t» Verwaltungsweg z. D. duvch Einrichtung vor S o n d e r d e z e r n a ten, die Strafversahren ie Devisensachen besonders zu beschleunigen. Die deutschen Börsen. Weiter befestigt in Frankfurt. Frankfurt a. M., 17. Noo. Der heutige tele- phonische Effektenfreiverkehr zeigte im Anschluß an die Erhöhungen von gestern nachmittag trotz der schwächeren Auslandbörscn weiter befestigte Tendenz. Besondere Anregungen lagen nicht vor, ober es genügte schon kleinste Nachfrage, um die Kurse etwa 1 bis 2 Prozent in die fjiitje zu bringen. Etwas mehr Geschäft entwickelte sich für IG.- Farben, Reichsbank und Siemens, die bis zu zwei Prozent höher notierten. Von Elektrizitätswerten waren Lahmeyer auf den relativ günstigen Dividen- denvorschlag von 10 Prozent (i. V. 12 Prozent) sehr gesucht und etwa 3 Prozent fester.Auch die übrigen Papiere dieses Marktes konnten hiervon etwa ein Prozent profitieren. Gegen Mittag bröckelten die Kurse verschiedentlich leicht ab, doch blieb die Grund- ftimmung durchaus freundlich. Am Rentenmarkt blieben die Kurse für Goldpfandbriefe bei kleiner Umsatztätigkeit durchweg gut behauptet. Liquidationspfandbricfe und Kam- munal-Obligationen verzeichneten meist Kurs- b e s s e r u n g e n von % bis 1 Prozent. Oie gestrigen Devisenmärkte. An den internationalen Devisenmärkten oat sich das englische Pfund nach feiner vorgestrigen Erholung in Reuyork wieder leicht abgeschwächt. Gegen den Dollar stellte es sich au| 3,786/fl, gegen den Gulden auf 9,42, gegen Zürich auf 19,4250 und gegen Paris auf 96.68. Die Reichsmark war fast unverändert und stellte sich in London auf 15,9253, in Amsterdam auf 59,05, in Zürich auf 121,70 und in Paris auf 605, also fester als vorgestern. Der Frank war eher angeboten, doch unverändert. Ter Dollar behauptete sich gut, die Rorddevisen waren knapp gehalten. Buenos und Rio tendierten etwas fester. Am Rachmittag hat sich das englische Pfund unter kleinen Schwankungen weiter leicht befestig! und zog wieder auf 3.7925 gegen den Dollar an. Gegen den Gulden schloß es mit 9,43, gegen Zürich mit 19,47, gegen die Reichsmark mit 15,9450, gegen Spanien mit 44,50 und gegen Paris mit 96,84. Der Dollar war am Rachmittag nicht einheitlich, in Amsterdam schwächte er sich leicht ab, doch zog er in Zürich und Paris eher eine Kleinigkeit an. Die Reichsmark konnte sich leicht bessern, in Reuyork stellte sie sich wieder auf 23,75, in Amsterdam auf 59* .. in Zürich auf 121,75. Die Rorddevisen tendierte» leichter, Buenos schwächte sich nach vorübergehender Erholung wieder ab. ebenfalls neigte Ri» zur Schwäche, auch Madrid lag an allen internationalen Devisenplähen niedriger. An das englische Pfund angehängt. Kopenhagen, 17. Rov. (XII.) Der dänisch* Handelsminister wird morgen dem (Bolkling un> | dem Landsting zwei Gesetze vorlegen, von denr». das eine Verlängerung des Gesetzes der Suspendierung derGolbeinlösung für brci weitere Monate vorsieht, gerechnet ab 1. Dezem- ber. Das zweite Gesetz soll den dänischen Ausfuhrfirmen vorschreiben, ihre Auslandgut- haben in Kronen umzulegen. Weiter ist cti Ersetz gegen die Kapitalflucht vorgesehen Di« neuen Maßnahmen kommen einer endgültiger Koppelung der dänischen Krone al das englische P f u nd gleich Da auch ti Oslo und in Stockholm die gleichen Maßnahme» vorgesehen sind, kann man gegenwärtig von einen skandinavischen Block in der Währungspolitik sprechen. Vanknoten. Reichsbankdiskont 8 v. h., combardzinsfuß 10 o. ft Berlin. 17 fiovember Meld timrtäamia't 'Roten....... 4.Z0 4.22 iöe!fliide fioten........ 21 67 21.75 fiorroegildw 9!dich ...... 87.62 87 91 £eulitvriier fielen......... 81.89 82.21 Gpjni'tiic fielen......... Unganldie fielen........ 36.21 36.42 Lprcchstundcn vcr Redaktion. 11.30 bi, 12JO Uur. 16 bl, 17 Uhr Samata, nachmittag geschloffen Anzei : e n a • f I r ä g c sind lediglich an Mt Geschäft» ft elle tu richten. Jür unverlangt eingesandte Manuskript' ohne leigefügte» Rückporto wird keine Gematzt übernommen Iss56 ' -rw-rben Sie durdi läglldien Genvfl von H (IW£££iit