Nr. 90 Erstes Blatt 181. Jahrgang Samstag, 18. April 1931 (ErId)etat tfightb,außer Sonntag» und JJeiertag* Beilagen fhe 3llu|trten« Stehen er Famüienbllitto Heimat im Bild T)te Scholle Bonati-Bejngipreli: 2.20 Beichsmard und 30 Reichspfennig für Träge» lohn, auch bei Dichter» scheinen einzelner Nummern infolge höhere, Gewalt. ZernsorechantchlSfie enter Sammemummtr2251. Anschrift für Drahtnachrichten awjeiger »teste«, polfdfedlonto: grai'fluri am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drud unö Derlag: vrühl'jche Untversitütr-Vuch. nnb Stetnörnderet 8. Lange tn Sietzen. Schnstlettnng und Seschäftrftelle: Zchulfttahe 7. Annahme osn Anzeige« für di« Tagtsnummer di» zum Nachmittag vorher. Preis für | mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, ausmärt» 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mrt Breite 35 Ne ich »Pfennig, Platzvorschrift 20', mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wich. Lange, verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Canae; für Feuilleton Dr H.THyriotr für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, lämtlid) in Gießen. Wie Vriands Wirlschastshilse für Südosteuropa aussehen soll. plänemachen in Paris. - Erste Wirkungen der Gegenaktion. - Zuckt Wien zurück? Briand an der Arbeit. Qdrianb hat, ba« muh ihm bet Reid lassen, in ben letzten Wochen eine erstaunliche Be- triebfamfeit entfaltet. Er legt urplötzlich fein Projekt vor, ba« angeblich bie wirtschaftlichen Hßte Europa« betrieben, tatsächlich aber nur bie deutsch - österreichische Zollunion sabotieren soll. Bei Lichte besehen stehen freilich feine sehr großen Neuigkeiten barin. Uri- anb reitet wieber fein alte« Pferb. Worauf er hinau-will, ist zweifellos ein Zusammenschluß bet kleineren Staaten im oft- eutopäischen Saume, benen ein Absatz ihre« Detreibeüberflusse« gewährleistet werben soll gegen Vorzugszölle auf Industrieprobufte. Politisch also eine Donauföderativn, wirtschaftlich ein Spiel mit ben Präferenzzöllen nach beutschem Muster. Nur baß biefe Donausöberativn bann in französischem Fahrwasser segeln soll, währenb Deutschlanb gleichzeitig isoliert ist. __ .. Daß Prag schon in ber 2ll»wehr gegen bie deutsch-österreichische Zange begeistert biesc« Projekt mitmacht, ist selbstverständlich. 2ll>er tfranl- reich hat auch sonst auf dem Balkan alle Puppen tanzen lassen und zum mindesten erreicht, daß dort jetzt dem Zusammenarbeiten von Berlin und Wien gegenüber eine starke Reserve beobachtet wird. 3n Budapest und Bukarest will man offenbar zunächst abwarten, wer aus der Ratstagung der Stärkere bleibt. Hm dafür den Boden wirksam vorzubereiten, hat nun Briand auchinWien arbeiten lassen. Durch eine -Pariser Derösfentlichung erfährt man von einem Kollektivschritt der Entente st aaten, auf den hin Oesterreich die Zusage gegeben haben soll, daß es die Fortsetzung der Beratungen übet die Zollunion bis zur Ratstagung stoppen werde. Diese Darstellung wird von Wien au« korrigiert in der etwas undurchsichtigen Formulierung, daß Oesterreich sich bereit erklärt habe, die Besprechungen im Völkerbund zunächst abzuwarten. Das kann eine Selbstverständlichkeit fein. Auch Dr Eurtiu« hat ja schon erklärt, daß zunächst eine Pause äußerer Ruhe folgen würde, weil die nächsten Monate notwendig seien für die Beratungen der Sachreserenten, um den Plan der Zollunion in seinen Einzelheiten auszubauen. Daß irgendeine Entscheidung fällt vor der 21x11«- tagung, war ohnehin ausgeschlossen. Sachlich ist also gegen die Wiener Darstellung nichts ein- zuwenden. Aber der Ton macht hier doch die Musik. Es sieht beinahe so aus, als ob die Oester- reicher falte Füße bekommen hätten und nicht den Mut aufbringen, sich gegen Frankreich durchzusehen, so daß sie also zunächst ganz gern einen Borwand benutzt haben, um Zeit zu gewinnen. Hoffentlich nicht m?br. Denn Oesterreich hat sich doch wohl allzu feftgelegt, als daß es jetzt bei der ersten Gelegenheit wieder ausbrechen könnte. Ein pariser Ministerrat. Stützung der südostcuropäischcn Landwirtschaft. pari». 18.April. (IDIB.) Unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Laval fand heute eine Besprechung über das österreichisch- deutsche Zollproblem und über entsprechende Gegenmaßnahmen statt, an der neben dem Außenminister Briand zahlreiche Minister. Senatoren und Bessorlchefs lellnahmen. Heber diese Sitzung gibt h a v a s solgende Meldung aus: Der Ministerpräsident hat sich mit sämtlichen Anwesenden über die Probleme unterhalten, die durch die deutsch-österreichische Zollunion aufgeworfen worden sind, sowie ferner über öle geeigneten Mittel. bie europäische Union z u fcftlgen. Die Konferenz ergab eine vollständige Einmütigkeit der Auffassungen über die bereits ergriffenen und noch zu ergreifenden Maßnahmen, die von Frankreich In Genf befürwortet werden sollen. Es ergibt sich der Eindruck, daß die Maßnahmen e i n e w i r k- same Abhilfe gegen die Schwierig- teilen bilden werden, die sich in den Ländern Zentral- und Osteuropa» gellend machen werden und daß diese Maßnahmen sich auf der po- litischen Linie bewegen, die vom Völkerbund vorgezeichnet worden ist und außerhalb welcher keine wahrhafte Organisierung des Friedens möglich ist. Heber die Ministerbesprechungen will „Matin" erfahren haben, daß es sich bei den geplanten Maßnahmen um solche mit sofortiger Wirkung und solche mit späterer Wirkung und allgemeineren Charakters handele. Für sofort soll nichts weiter beabsichtigt sein als eme Hnterstützung der Landwirtschaft gewisser Donauländer, die an Heberproduktion leiden, also etwas, was längst durch die Europaunion beschlossen wurde und womit sich kürzlich zwei Konferenzen in Paris, allerdings mit sehr geringem positiven Erfolg beschäftigt haben. Es scheine, so schreibt das Blatt, daß nun Frankreich aktiver eingreisen wolle. Frankreich sei in der Lage, den Donauländern sofort zu helfen, indem es sich an diese Länder wende, um bei ihnen wenigstens einen großen Teil seiner G e tre idebedür sntsse zu decken. — Die geplanten Maßnahmen von nicht unmittelbarer Auswirkung liefen, wie „Motin" wissen will, auf eine Einigung aller interessierten Länder hinaus. um die europäische landwirtschaftliche Produktion zu rationalisieren und unterzubringen, sowie um sich gegen das russische Dumping zu verteidigen. Der „Matin" ist also auch nicht in der Lage, zu sagen, worin der Plan der Bekämpfung der Wirtschaftskrise, von der gestern in offiziösen Roten und in ben dem Quai d'Orsey nahestehenden Blättern gesprochen wurde, besteht. Eine vorsichtige Antwort. Oesterreich will die Genfer Besprechungen abwarien. ID len, 17. April. (MTV.) Zu einer haoas- melbung, wonach Oesterreich mit bezug auf ben österreichisch-beutschen Zollunionsplan bie formelle Versicherung abgegeben habe, baß bie verhanblungen bis zur Prüfung ber Frage burch ben völkerbunbsrat unb bie Stubienkommifsion ber europäischen Union ausgesetzt werben würben, wirb von amtlicher Seite gemelbet: M11 Rücksicht auf ben Antrag bcs englischen Minlsters Henderson, bah bie zwischen Oesterreich unb Deutschlanb getroffenen Vereinbarungen zur Mieberaufnahme von Verhandlungen über bie Angleichung ber zoll- unb hanbelspolllifchen Verhältnisse vom völkerbunbsrat nach ber juristischen Seile überprüft werden sollen. Hal bie österreichische Regierung in Heberelnstimmung mit ber beutschen Regierung, entsprechen!) ihrer Zusage vorher kein f a i t accompii zu schassen, eine seitens auslönbischer Gesanbten gestellte A n - frage bahin beantwortet, bah Oesterreich bie Besprechungen im völkerbunbsrat, zu benen es sich bereilerklärte, a b ro a r l e n werde, um so mehr, als es inzwischen mit internen Arbeiten beschäftigt ist. Deutschland bringt das Zollabkommen vor den Paneuropa-Ausschuß. Ein deutscher Antrag in Gens. Berlin, 17.April. (MTB.) Reichsminister Dr. L u r t l u s hat an ben Generalsekretär bes Völkerbundes Sir Eric Drummonb folgenbes Schreiben gerichtet. „3m Hinblick auf bie von bem Organifations- komitee vorgesehenen Bestimmungen über bie Feststellung ber Tagesorbnung be» Stühlen- a u s f d) u f f e s für bie europäische Union beehre ich mich namens ber deutschen Regierung zu beantragen, daß auf die Tagesordnung der am 15. THal beginnenden Sitzung des erwähnten Stu- dienausfchuffes unter Ziffer 3 (Wirtschaft»- fragen) die folgenden beiden Punkte gesetzt werden: 1. Entwicklung der Zollverhältnlfse in Europa. — Die deutsche Regierung hält es für nützlich, nochmals die Lage zu diskutieren, die durch die gegenwärtigen Zollverhältnlfse in Europa unb durch bas Scheitern bes Genfer hanbeisabkommens vom 24. wär; 1930 ent- ftanben ist. Sie möchte babei ihrerseits M i 11 e l - lung machen über die Absichten, bie sie auf diesem Gebiet in Ueberelnftimmung mit der österreichischen Regierung verfolgt. Sie hält e» weiterhin für erwünscht, daß die Möglichkeiten, die sich aus der Einräumung von p r ä s e r e n; z ö l l e n für die Verbesserung des europäischen Warenaustausches ergeben, bei dieser Gelegenheit erneut erörtert werden. 2. Zollfreiheit von B e t r i e b »fl o f f e n für Motorfahrzeuge bei Grenzüberschreitungen zu Lande, zu Wasser und in der Luft. — Die Verwendung von Motorfahrzeugen im europäischen Verkehr hat auf allen in Betracht kommenden Gebieten — zu Lande, zu Wasser und In ber Luft — in ben letzten Jahren in auhcr- orbenllichem Maße zugenommen, ohne bah bie europäischen Staaten auf bem Gebiete ihrer Zollbestimmungen, insbefonbere hinsichtlich der Gewährung von Zollfreiheit für die Motorbetriebsslosfe Im grenzüberschreitenden Verkehr dieser Entwicklung sämtlich in vollem Maße Rechnung getragen hätten. Dieser Umstand hat auch diejenigen euro- päischen Staaten, die an sich geneigt wären, den sich aus dieser Verkehrsentwicklung ergebenden Bedürfnissen zu entsprechen, von einer Regelung dieser Frage bisher abgehalten. Eine einheitliche Regelung, die den europäischen verkehrsbedürs- nissen unb ben fiskalischen Interessen ber europäischen Länder in gleichem Maße Rechnung zu tragen hätte, erscheint daher erwünscht." Schon im Herdfl Landtagswchlen in Preußen? Meinungsänderungen bei der regierenden Koalition. - Ein erster Erfolg des Stahlhelm-Volksbegehrens. Berlin, 17. April. (TH.) In den Reihen der preußischen Regierungskoalition sind zur Zeit Erwägungen darüber im Gange, ob es sich nicht empfiehlt, ohne Rücksicht auf den Aus- gang des Volksbegehrens und des später folgenden Volksentscheides den Preußischen Landtag noch im Laufe des Sommers aufzulösen und Reuwahlen zu veranstalten. Bon gut unterrichteter Seile wird versichert, daß sich die Erörterungen in der letzten Zeit bereits zu konlretcn Vorschlägen verdichtet haben, die darauf hinauslaufen, etwa im September oder Oktober Landtagsneuwahlen stattftnden zu lassen. Der Grund dafür dürste u. a, darin zu suchen sein, die Reuwahlen für das Preuhenparlament der Zeit nach möglichst weit von der Reu- Wahl des Reichspräsidenten abzu- setzen, die bekaimllich im Frühjahr 1932 nach Ablaus der Amtsdauer Hindenburgs erfolgen muh. Man hofft wohl auch, daß der Sommer mit seinen günstigeren Beschäftigung-Ziffern eine ruhigere Wahlstimmung schasst, als das Frühjahr, in dem die Arbeitslosigkeit des Winters noch nicht genügend überwunden ist. Den entscheidenden Anstoß zu den Erwägungen innerhalb der preußischen Regierungskoalition hat aber zweifellos das Stahlhelmvolksbegehren gegeben, von dessen Ergebnis auch die letzte 6ntfä>e;DuTtg über den Plan der Landtagsneuwahl schon im Herbst abhängen dürste. Auch Öer Ehnstliche Volksdienst gegen Mißbrauch der Notverordnung. Berlin, 17. April. (CNB.) Der 1. Vorsitzende des Christlich-Sozialen Dolksdienstes, 2Ibg. Simpsendörfer, hat in einem Brief an den Reichskanzler Einspruch gegen die „mißbräuchliche" Anwendung der Notverordnung er- hoben. Abg. Simpfendörfer erinnert daran, daß der Dolksdienst die Notverordnung zunächst begrüßt habe als ein Mittel zur Eindämmung der ©ottlofenpropaganba und des politischen Radikalismus. Heute müsse er dem Reichskanzler erklären, daß die Anwendung der Notverordnung nicht diesen Erwartungen Rechnuna trage, und daß ihre Anwendung in Preußen auch keineswegs den Zusicherungen ent- spreche, die Minister Seoering gegenüber jeder anständigen Werbung, für das Volksbegehren abgegeben habe. Wenn nicht alsbald ein Wandel in der Anwendung der Notverordnung eintrete, sehe sich der Christlich-Soziale Volksdienst vor die Not- wendigkeit gestellt, seine bisherige Haltung zu der Notverordnung einer Nachprüfung zu unter- Ziehen. Wie Hiller bie politische Entwicklung sieht. Ter Ausetnanderfall in die vrtreme. Kaiserslautern, 17. April. (TU.) Hier sprach am Donnerstagabend Adolf Hitler. Er führte u. a. aus, das Weltgeschehen stehe im Zeichen großer Auseinandersetzungen. Das Alte beginne zu stürzen, Traditionen würden beseitigt. Es sei mehr als ein Stürzen von Staatsformen. Nicht Monarchien würden beseitigt, sondern Weltanschauungen gestürzt. In diesem großen Geschehen sei Deutschland nur ein Spielball fremder .Mächte. Halte diese Entwicklung ein weiteres Jahrzehnt an, so sei zu befürchten, daß Deutschland als Macht von Selbstbedeutung vollständig aus- schalte. Heute beständen zwei Extreme, die sich scharf befehdeten: Auf der einen Seite der Marxismus in Reinkultur, auf der anderen der Nationalsozialismus. Alles, was sich zwischen ihnen befindet, muffe eines Tages zerrieben werden. Die bürgerliche Parteienwelt sei der Schrittmacher des Kommunismus. So müsse es kommen, daß es in 10 Jahren keine bürgerlichen Parteien mehr geben werde. Es werde nur die beiden extremen Parteien geben, die zum Schicksals- kampf anträten. Auf die Welle des 14. September werde eine zweite folgen, bis das letzte Bollwerk beseittgt sei. Iberische Revolution. Der wetterwendische April treibt schwarze Sturmwolken über bie Böller der iberischen Halbinsel. Portugal hat seit dem Thronverzicht Manuel« II., des letzten König- au« dem Hause Draganza, im Jahre 1910 schon eine ganze Reihe von Revolutionen und Revolutiön- chen über sich ergehen lassen müssen. Born demokratisch-parlamentarischen Regime zur absolutistischen MUitärdiktatur war es immer nur ein kleiner Sprung, und kein Regierungswechsel ging vorüber, ohne mehr oder minder blutige Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern beider politischen Systeme. Das darf man jedoch nicht so auffassen, als ob in den letzten zwanzig Iahren für bie wirtschaftliche und politische Entwicklung Portugals nichts geleistet worden sei. DaS Gegenteil ist der Fall, und besonder- unter der Re» gerung be« gegenwärtigen Diktators Carmona sind, wenn wir den Berichten von Augenzeugen glauben dürfen, durch den Finanzminister Gala- zar großzügige Pläne in« Werk gesetzt worden, die nicht nur die traditionellen Hauptzweige der portugiesischen Wirtschaft. Fischerei, namentlich Sardinenverarbeitung. Weinbau unb Landwirtschaft neu beleben und modernisieren sollen, sondern auch den Bergbau (Kupfer und Anllmon) neu erschließen wollen und besonderen Wert auf die Förderung deS Verkehrs durch Anlegen eine« großzügigen Straßennetzes, von Gisenbahn- Linien und Hafeneinrichtungen legen. Die Durchführung aller dieser Reformen kostet Geld, viel Geld sogar, unb es ist schließlich nicht weiter verwunderlich. daß das rücksichtslose Anziehen der Steuerschraube, mit dem die Diktatur sich die Mittel für ihre Pläne zu beschaffen sucht, auf Widerstand stößt, der sich in offener Auflehnung gegen das herrschende Regime Lust macht. Daß diesmal die ersten Funken der Empörung auf den weit draußen im Atlantik, fern vom Mutterlande gelegenen Inselgruppen Madeira unb Azoren auskamen, mag darin seinen Grund haben, daß hier viele von der Diktatur auS Portugal verbannte Politiker leben, die nun bei wachsender Hnzufriedenheit der (Bevölkerung mit dem harten Steuerdruck ihre Stunde für gekommen erachten. Es ist aber auch nicht von ber Hand zu weisen, daß ber Auf st and auf Madeira unb den Azoren und namentlich die Bestrebungen, bie auf Loslösung der beiden Inselgruppen vom portugiesischen Mutterlande ab- zielen sollen, tief erliegen be politische Hintergründe haben. Portugal hat bekanntlich vor einigen Iahren ben Franzosen ein Monopol auf bie Benutzung seiner atlantischen Inseln für den Flugverkehr mit Amerika eingeräumt. das neben Deutschland natürlich auch England schwer benachteiligen kann. Es wäre denkbar, daß England nun durch Hnterstützung der Selbständigkeitsbestrebungen ber beiden Inselgruppen diese Scharte auszuwetzen sucht. Da« überraschend schnelle Auftauchen eines brittschen Kriegsschiffs so bald nach Ausbruch der Revo- lution könnte immerhin in ber Linie dieser Gedankengänge liegen. Weit ernster und tiefgreifenber sind bie Borgänge der letzten Tage in Spanien. Ob der 14. April einmal endgültig als Geburtstag der spanischen Republik in die Geschichte Spaniens einziehen wird, oder ob auch das republikanische Regime Zamoras nur eine Episode bleiben wird, wie die Republik der Iahre 1873/74 — die einst der Abdankung Isabellas II. und dem kurzen Zwischenregiment Amadeos von Savoyen folgte, aber bald schon von der Regierung Alfons XII., des Sohnes Isabellas und Baier« de« eben außer Landes gegangenen Alfons Xlll., abgelöst wurde — das vermag heute noch niemanb zu sagen. Es sind jedenfalls Gründe für die Annahme vorhanden, daß unter das monarchistische Regime an diesem 14. April noch nicht der Schlußstrich gezogen wurde. Alfons XIII., der mit den Mitgliedern seines Hauses spanischen Boden verlassen hat, um sich nach Paris zu begeben, hat in einem Manifest an das spanische Volk, dessen Veröffentlichung auch in Spanien bie provisorische republikanische Regierung loyal zulieh, ausdrücklich erklärt, daß er zwar freiwillig die Ausübung der königlichen Gewalt aussehe, aber auf keine« seiner Rechte verzichte, bis die Der« f af f unggebenbe Rationaiver samm- I u n g gebrochen habe. Hub auch bas Kabinett Zamora betrachtet sich lediglich al« eiu Provisorium, das bie Wahlen zu den verfassunggebenben Eortes vorzubereiten hat. Wenn inbessen die von ber neuen republikanischen Regierung im ersten Eifer erlassenen Anordnungen unb Verfügungen weit über ba« zur Führung ber Geschäfte Rotwendige hinaus die künftige politische Entwicklung namentlich auf kulturellem unb innerpolitischem Gebiet in eine bestimmte Richtung zu lenken suchen so wirb ba« Kabinett heute schon von ben monar chi sti - scheu unb klerikalen Kreisen, bie sich nach ber ersten Bestürzung über ben überraschen- ben Ausgang bet Gemeinde Wahlen am vergangenen Sonntag anscheinend schnell gefaßt haben, darauf aufmerksam gemacht, daß sie damit De- ftimmungen vorgreife, bie ausschliehllch bie ver- faffunggebenbe Rationalversammlung zu treffen habe. Auch bie in Valencia, Sevilla, Bilbao unb anderen Stäbten mit starker Arbeiterbevöllerung ausgebrochenen H n r u h e n ausgesprochen kommunistischen Charakters werben ebenso, wie bie mit einem kaum noch verhüllten Separatismus liebäugelnbe Bewegung bes Obersten Macia in Katalonien unb ähnliche Strömungen in ben btei baskischen Provinzen ber provisorischen Regierung Zamora hoffentlich eine Warnung sein, ben Dogen nach keiner Richtung hin zu überspannen, sich vor gewagten Expert- menten zu hüten und statt dessen sich lediglich als Treuhänder des Volkes zu fühlen, der sein Amt in die Hände der von den verfassunggebenden Cortes bestimmten Gewalten, sei es eines republikanischen, sei es eines monarchistischen Regimes, zurücklegt. Bei der Betrachtung der letzten Vorgänge in Spanien sind die Gründe für die Bewegung des 14. April vielfach in der Person des Körrigs und seiner Stellung xur Diktatur Primo de Riveras und seiner Rachfolger gesucht worden. Aber die wahren Ursachen liegen doch tiefer und sie werden durch den Uebergang zum republikanischen Regime kaum beseitigt werden. Sie liegen in Versäumnissen, die Jahrhunderte zurück- gehen, in einer Lücke in der geschichtlichen Ent- wicllung Spaniens, die nicht mit einem Federstrich geschlossen werden kann. Riemond, der Spanien auch nur von einem flüchtigen Besuch her kennt, kann an der außerordentlichen Verschiedenartigkeit der geographischen Gegebenheiten, .wie der wirtschaftlichen und kulturellen Lage der einzelnen spanischmLandschast n vorüb.'rgehen Zwischen Len unter den heißen Winden Afrikas in tropischer Vegetation schwelgenden Küsten Andalusiens und den unter dem erfrischenden Seeklima des Atlantik in der Pracht grüner Laubwälder, feuchter Wiesen und üppiger Berghänge sich dem entzückten Auge darbietenden, fjordartig zerklüfteten Gestaden der nördlichen Provinzen, -wischen dem blühenden Obstgarten Valencias und Murcias und den von eisigen, alles Leben tötenden Gebirgswinden bestrichenen, unter glühender Sonne in unfruchtbarem Fels und gelbem Lehm erstarrten und verdorrten Hochflächen K a st a l i e n s gibt es keine Parallelen. Die Landschaft hat ihre Menschen gebildet, und so verschiedenartig wie sie, war die wirtschaftliche Entwicklung. Die Landschaften, die eine starke bodenständige Industrie zu entfalten vermochten, sind gerade die, die dem seit der Einigung Spaniens unter den katholischen Königen Ferdinand und Isabella herrschenden -Zentralismus Kastiliens am heftigsten widerstrebten: Katalonien mit Barcelona und die baskischen Provinzen mit Bilbao. Aber gerade Kastilien, nicht gesegnet mit Reichtümern der Ratur, wirtschaftlich und kulturell rückständig gegenüber den meisten Randprovinzen, gab dank seiner politischen Machtstellung in der Entwicklung das Tempo an. Kein Wunder, daß sich die landschaftlichen Gegensätze, die einst der gemeinsame Kampf gegen die Ungläubigen überbrückt hatte, in den der Einigung unter dem Danner Kastiliens folgenden Jahrhunderten wieder verschärfte. Das große, allen Landschaften gemeinsame historische Erlebnis des spanischen Volkes war der durch sieben Jahrhunderte währende wechselvolle Kreuz- zug gegen die Mauren, der, von den letzten christlichen Königreichen Asturien und Lson ausgehend, schließlich die ganze Halbinsel von der Herrschaft der arabischen Kalifen befreite. Noch heute erinnern Reste großartiger Moscheen und Befehl- gunsbauten in Toledo, wie weit nach Norden maurische Kultur und Kunst festen Fuß gefaßt hatten. Der Fanatismus des Glaubenskrieges beseelte auch die zweite große Epoche spanischer Geschichte, d i e Zeit Philipps II. So weit muß heute die (Erinnerung des spanischen Volkes zurückwandern, um auf einen Herrscher zu treffen, der feiner Zeit, der Epoche der Gegenreformation, über die damals noch weit gespannten Grenzen seines Landes hinaus den Stempel einer überragenden Persönlichkeit aufdrückte. Mit dem in Kraftlosigkeit und Entartung hinsinkenden Hause der Habsburger erlosch Spaniens Stern, dem auch die Bourbonenherrscher keinen neuen Glanz zu geben vermochten. Im Prado zu Madrid bieten die Meisterbilder eines Tizian, eines Delasquez und eines Goya eine erschütternde Schau Über diese zwei Jahrhunderte spänischer Geschichte. Im absolutistischen Regime des Barock ist Spanien st e ck e n g e b l i e b e n. An der großartigen Entwicklung, die das übrige Eropa seitdem auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens genommen hat, batte Spanien bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts keinen Teil. Die erregenden, auflockernden Wellen der „Aufklärung" brachen sich gleichsam an der finster aufragenden Kette der Pyrenäen, die nicht nur geographisch die iberische Halbinsel von dem übrigen Europa scheidet. Bewundernswert und beispiellos zwar war der Heldenkampf der Spanier gegen die eindringenden Heere des ersten Napoleon, aber ihm folgte, weit härter noch als drüben in Frankreich, Deutschland, Oesterreich und Italien, unter dem Bourbonen Ferdinand VII. d i e politische Reaktion, der Rückfall in mittelalterliche Wirtschafts- und Kulturformen Unter Isabella II. kamen Jahrzehnte wirtschaftlicher Verelendung, sozialen und kulturellen Niedergangs. Die Car listenkriege zwischen den Anhängern Isabellas, der Tochter Ferdinands, und denen des Don Carlos, Ferdinands jüngeren Bruders, verheerten das un- Slückliche Land. Erst nach dem republikanischen nterregnum setzte unter Isabellas Sohn»Alfons XII., und dessen kluger, weitblickender Witwe Marie Christine eine Zeit ruhigerer Entwicklung für Spanien ein. Indessen, der riesige Kolonialbesitz in Südamerika war schon Anfang des 19. Jayrhunderts verloren gegangen. Und die -Reste, Cuba, Porto Rico und dte Philippinen wurden 1898 mühelos die Beute des nordamerikanischen Imperialismus. Dieser Rückblick aus fünf Jahrhunderte spanischer Geschichte ist wesentlich für das Verständnis der Gegenwart. Ohne Wissen um die fast beispiellosen Tiefen, die das spanische Volk seit den Tagen Philipps II. hat durchmessen müssen, ist eine gerechte Würdigung der großen Leistungen Marie Christines und ihres Sohnes Alfons XIII unmöglich. Ihnen fiel die Aufgabe zu, Spaniens Anschluß an die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung zu vollziehen, von der Spanien, in innere Unruhen verstrickt, bislang ausgeschlossen geblieben war. Sie haben die Grundlagen für das moderne Spanien geschaffen, wie es sich heute dem Auge des Besuchers darbietet: neben vielem Ueberaltertem, in starren Formen früherer Jahrhunderte Verkalktem neues, kräftig pulsierendes Leben, starke Ansätze zur Entwicklung eigener Industrien, frische Regungen in Wissenschaft und Kunst, die auch jenseits des Weltmeeres auf dem altspanischen Kolonialboden der südamerikanischen Republiken Boden fassen und hier mit dem Gedanken der geistigen Einheit Spaniens und Lateinamerikas eine politische Mission erfüllen. Diese außerordentlichen Leistungen der letzten vierzig Jahre werden auch von liberalen Politikern willig anerkannt. Wenn auch Mißerfolge nicht ausblieben, namentlich in der Behandlung Kataloniens und in ier Fortentwicklung Spaniens zu einem Regime ^der Mitverantwortung des Volkes, so müssen dem Könige doch die großen Schwierigkeiten zuaute gehalten werden, die sich aus den vorhin geschilderten geographischen Gegebenheiten und der Notwendigkeit ergaben, die Versäumnisse von Jahrhunderten in ebenso vielen Jahrzehnten aufzuholen. Ob das spanische Volk heute schon für ein demokratisch parlamentarisches Regime reif ist, wird die nächste Zeit erweisen müssen. Auch überzeugte Re- pliblikaner des Landes bezweifeln es. Die Willkür der Cortes, die Politisierung der Armee, die Klüngelwirtschaft ehrgeiziger Parteiführer hat Alfons nicht zu oefeitigen vermocht. Des politifchen Kampfes müde, der die besten Kräfte fesselte, die dem wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau des Landes dienen sollten, kehrte der König im Jahre 1923 mit der Außerkraftsetzung der Verfassung von 1876 und der Errichtung der Diktatur Primo de Riveras zu einem gemäßigten Absolutismus zurück, der für die Wohlfahrt des Landes im allgemeinen Gutes geleistet hat, wenn auch in Zeiten weltwirtschaftlicher Scheinkonjunktur und nachfolgender Depression nicht alle Blütenträume reiften und schwere Fehlgriffe nicht ausblieben. Die in amerikanischem Tempo großzügig durchgeführte städtebauliche Modernisierung Madrids und Barcelonas, die Riesen- ausstellungen in Barcelona und Sevilla konnten nicht ohne Rückschläge und finanzielle Erschütterungen bleiben. Wesentlicher für das Schicksal der Diktatur war, daß die politischen Aufgaben nach wie vor u n g e l ö ft blieben. Ob die Republik, wenn die oerfaffunggebenben Cortes sich für sie entscheiden sollten, eine glücklichere Hand haben wird, muß die Zukunft lehren. Der extreme Syndikalis- mus, zu dem die Jndustriearbeiterschaft neigt, stellt die neue Regierung vor fchwierige sozialpolitische Probleme. Noch gefährlicher ist die Auseinandersetzung mit Katalonien, dessen separatistische Bewegung sich bestenfalls mit einer Fö- deratio-Verfassung zufrieden geben würde, unter Umständen aber auch nach dem alten katalanischen, erst seit dem Pyrenäischen Frieden von 1659 fron* zösisch gewordenen Roussillon übergreifen könnte und damit ernste außenpolitische Verwicklungen heraufbeschwören müßte. Auch die Stellung der Kirche, die, abgesehen von ihrem immer noch außerordentlichen geistigen Einfluß, als Besitzerin von Banken, Hotel- und Kinopalästen in den Großstädten des Landes, von Bergwerken in Kantabrien, von Eisenbahnlinien und HandelsunternehmunHen eine wirtschaftliche Macht ersten Ranges in Spanien darstellt, ist noch ungeklärt und wird vermutlich das neue, an französischer Kulturpolitik gebildete republikanische Regime zwingen, noch viel Wässer in den Wein erfter Begeisterung über die vermeintlich gewonnene Geistessreiheit zu gießen. So zeigt ein flüchtiger Ueberblick schon ernste Probleme, die zu ihrer Lösung ganze Männer erfordern. Das deutsche Volk, das sich stets der wahrhaft neutralen Haltung des ritterlichen Spanien im Weltkrieg dankbar erinnern wird, kann ihm nur, möge es sich nun für die republikanische Staatsform entscheiden oder zur Monarchie zurückkehren, von Herzen eine neue Aera geistiger Blüte und materieller Wohlfahrt wünschen. Beruhigung in Spanien. Die Menge vor dem Regierungsgebäude in Madrid, von dessen Balkon die Republik proklamiert wird. ******* * - *. w8* Ws',, fKMWWÄ Oie Ordnung wieder hergestelli Belagerungszustand in Sevilla Paris, 17. April. (TU.) Die aus Spanien hier vorliegenden Meldungen besagen allgemein, daß in fast allen Provinzen des Landes vollkommene Ruhe eingetreten ist. In Barcelona ist am Donnerstag die Arbeit wieder ausgenommen worden. Man glaubt, daß jede Gefahr von feiten der kommunistischen Synidikate als beseitigt angesehen werden kann. Oberst M a c i a hat sich bereiterklärt, eine kommunistische Abordnung zu empfangen, um ihre Forderungen anzuhören. Er erklärte, daß er von Grund auf Demokrat fei und den Wünschen aller weitgehendst entgegenkommen werde. In Valencia haben die ausgebrochenen Strafgefangenen sich zum großen Teil wieder ge- stellt. Nur in Sevilla scheint die Ordnung noch nicht wieder hergestellt worden zu fein. Im An- schluß an die kornmunistifchen Unruhen hat sich die Regierung gezwungen gesehen, den Belagerungszustand zu erklären. Nach Schluß der heutigen Kabinettssitzung erklären die Minister, die Lage im Lande sei durchaus befriedigend. Die Fi- nanzkreise hätten einen guten Eindruck von der politischen Lage und die Valuta habe merklich angezogen. König Alfons in Paris stürmisch empfangen. Frankreich mißtraut dem Regimcwechsel in Madrid. Paris, 17. April. (TU.) Die Pariser Bevölkerung hat dem spanischen König, dem direkten Rachkommen Ludwigs XIV., einen Empfang bereitet, der an stürmischer Begeisterung alle früheren Sympathiekundgebungen für ausländische Staatsoberhäupter in den Schatten stellt. Rach Schätzung der Presse ließen es sich a n d i e H u rv derttausende Menschen trotz der späten Rachtstunden nicht nehmen, dem hier überaus populären Herrscher vor dem Bahnhof und auf dem Wege zum Hotel ihre Te l lohne zu beweisen. Wenn man auch solche Kundgebungen nicht überschätzen darf, so ist diese spontane Huldigung doch bezeichnend für die Einstellung weiter französischer Kreise gegenüber den spanischen Ereignissen. Man mißtraut einerseits der wahren Volkstümlichkeit und Lebensfähigkeit der spanischen Republik und hat anderseits das unbestimmte Gefühl, daß ein Regimewechsel jenseits der Pyrenäen den französischen Interessen nicht dienlich sein werde. Sehr bezeichnend ist der Ausspruch des linksstehenden „Quotidien". man möge in Spanien dafür Sorge tragen, daß es später nicht heiße: „Wie schön war doch Spanien unter Mfons XIII.“ und Bainville erklärt in dei? „Liberte" „Wir sind ein wenig abgestumpft in bezug auf Schwesterrepubliken und erwarten nicht viel Gutes von Revolutionen." Darum sei es sehr verständlich, daß Frankreich dem Umsturz zur Enttäuschung der spanischen Republikaner nicht zujubele. Am Lyoner Bahnhof wo der König eintraf, hatte sich lange vor Ankunft des Zuges eine gewaltige Menschenmenge eingefunden. Als König Alfons dem Salonwagen entstieg, wurde er mit begeisterten Hochrufen in französischer und spanischer Sprache begrüßt. In diesem Augenblick durchbrach die in der Bahnhofshalle wartende Menge die Polizeipostenkette, umringte den König und führte ihn nach dem Ausgange. Die draußen harrende Menschenmenge stimmte in die aus der Bahnhofshalle schallenden Hochrufe ein. König Alfons wurde fast zum Ausgange gedrängt. Ein vor der Bahnhofshalle wartendes Automobil entführte den König schließlich der Menge. Vor dem Hotel hatte sich ebenfalls seit den frühen Abendstunden eine König Alfons betritt in Marseille französischen Boden. (Funkbild.) große Menschenmenge angesammelt, die bei der Ankunft des Königs die Polizeipostenkette durchbrach und lebhafteHochrufeauf den König ausbrachte. Ein startes Polizeiaufgebot muhte dem Könige von seinem Auto einen Weg nach dem Hoteleingang bahnen. Vor seiner Abreise nach Marseille hat der König eine Erklärung abgegeben, in der er nochmals die Hoffnung durchblicken läßt, daß sich bei den Parlamentswahlen im Juni noch vieles ändern könnte. Er fügte hinzu, daß es ihm mehr Mut gekostet habe so zu handeln, wie er es getan habe, als an der Spitze einer Schwadron eine Attacke zu reiten. Bei seiner Ankunft in Paris erklärte der König dem Pariser Polizeipräfekten lächelnd, daß er sich bemühen werde, ein sympathischer Emigrant zu sein. Oie katalanische Frage. Eine separatistische Bewegung in den baskischen Provinzen unterdrückt. Madrid, 18. April. (WTB.) Die Nachricht der „Chicago Tribüne", daß die Katalanische Frage bereits eine Lösung gefunden habe, muh als ver ruht angesehen werden. Die Verhandlungen zwijchen Madr d und Barcelona sind noch nicht abgeschlossen. Der Justiz- min.ster, der Minister für öffentlichen Unterricht und der Marineminister haben sich heute vormittag zur Regelung der Frage im Flugzeug nach Barcelona begeben. Journalisten gegenüber erklärte dec Arbeitsminister, daß von einer katalanischen selbständigen Republik keine Rede sein könne, Spanien bleibe eine einheitliche Republik. Oberst Maria ist den Gerüchten entgegengetreten, wonach Barcelona nicht nur das Recht für sich in Anspruch nehme, Hauptstadt Kataloniens, sondern auch ganz Spaniens zu werden. Macia erklärte, daß zwischen Barcelona und Madrid vollkommene Uebereinstimmung der Anschauungen bestehe. Die katalanische Republik werde sehr Wohl im föderativen Rahmen Spaniens leben können, indem sie die Ueber- lieferungen des katalanischen Volkes pflege. Wie die Agentur Fabra aus Bilbao meldet, ist der Versuch der Rationalisten, eine autonome Baskische Republik zu proklamieren, von Truppen und Polizei vereitelt worden. Uebrigens sei die Zahl der baskischen Rationalisten nur gering. Zwischenfälle hätten sich im Zusammenhang mit dieser Aktion nicht ereignet. Madeira wird blockiert. Zuspitzung der Lage in Funchal. L o n d o n, 18. April (WTB. Funkspruch.) Rach Meldungen aus Funchal (Madeira) ist das Entladen von Schiffen im dortigen Hafen nunmehr völlig unterbunden. Das in der Ferne am Horizont sichtbare Kanonenboot blok- kiert den Hafen; trotzdem, jann man von einer ernstlichen Lebensmittelknappheit bis jetzt noch nicht sprechen, dagegen besteht Mangel an Brennstoffen, so daß auch der Verbrauch an Elektrizität eingeschränkt worden ist. Im allgemeinen spitzt sich die Lage zu. Die Arbeitslosigkeit ist gewachsen. Funchal mit seiner normalen Einwohnerzahl von 65 000 ist nunmehr fast eine Stadt ohne Frauen, da die meisten von diesen in den Bergen Zuflucht gesucht haben. Man rechnet mit der Möglichkeit von Zwistigkeiten innerhalb der Stadt, vielleicht sogar mit einer gegenrevolutionären Bewegung, wenn erst einmal die Dlok- kade stärker fühlbar wird. Dagegen glaubt man kaum an einen bewaffneten Zusammenstoß. Di« Passagiere von einlaufenden Dampfern werden durch die Boote des vor Funchal liegenden britischen Kreuzers „London" ein- und ausgeschifft, und zwar außerhalb der Drei-Mellen- Zone, also völkerrechtlich auf hoher See und außerhalb der Hoheitsgewäsier. Oie Ursache des Eschweiler Grubenunglücks. Verdächtige Dynamitfunde. Aachen, 17. April. (TU.) Eine Maßnahme der Oberstaatsanwaltschaft, die vielleicht in ursächlichem Zusammenhang mit der Aufdeckung einer kommunistischen Sprengstoffzentrale in Berlin steht, erregt hier berechtigtes Aufsehen. Der Oberstaatsanwalt in Aachen hat eine Bekanntmachung erlassen, die sich mit den Spreng st offunden auf Grube „Eschweiler Reserve" befaßt, die im einzelnen aufgeführt werden. Es heißt dann weiter: Nach den bisherigen Ermittlungen muß angenommen werden, daß diese Sprengstoffe in der Grube entwendet und daselbst in der Absicht versteckt worden sind, sie zu verbrecherischen Zwecken zu verwenden. Es besteht auch der begründete Verdacht, daß Sprengstoffe, die in der Grube gestohlen worden sind und in ihr verborgen waren, zu der Explosion geführt haben, die sich am 21. Fe- btuar 1931 im Revier zwölf ereignete und 3 2 Bergleuten das Leben ko st et e. Dynamitpatronen werden nur bann verwandt, wSnn es sich darum handelt, Gesteinsmassen loszusprengen, also an Orten, wo mit dem Vorhandensein schlagender Wetter nicht zu rechnen ist. Es liegt daher die Vermutung nahe, daß die Dyna- mitpatronen an diesem Ort einem anderen Zweck dienen sollten. Es ist noch erinnerlich, daß schon im vorigen Jahre vom Reichsgericht zwei Bergleute zu einer Zuchthausstrafe verurteilt wurden, die auf der Grube „Reserve" Dynamitpatronen entwendet und zum Teil im Propsteiwalde versteckt hatten mit der Absicht, Handgranaten für Revolutionszwecke herzustellen. Der Kürlenprozeß in Düsseldorf. Düsseldorf, 17. April. (WTB.) Dor Beginn des fünften Der Handlungstages gegen den Massenmörder Kürten kam der Staatsanwalt auf die Aussage des Angellagten über das Hinab- stohen eines Knaben in den Rhein zurück. Die Ermittlungen haben die Richtigkeit des Geständnisies des Angeklagten auch in diesem Punkte ergeben. Dieses Verbrechen ist jedoch nicht mehr verfolgbar, da es verjährt ist und der Angellagte damals noch nicht im strafbaren Alter war. Der Verteidiger teilte mit, der Angeklagte habe ihm mitgeteilt, daß er n o ch einen dritten Knaben ins Wasser geworfen habe, der allerdings unmittelbar vor der Schaufel eines Raddampfers gerettet wurde. Er beantragt, auch diesen Fall nachzuprüfen. Die Zeugin G. Sch. lernte Kürten am 25. August auf dem Wege zu einer Freundin kennen und lieh sich überreden, mit ihm zur Reußer Kirmes zu gehen. Kürten erzählte, er sei Postbeamter. Auf der Rückfahrt stiegen sie in Heerdt aus. Da die Zeugin die Gegend und den Wteg nicht kannte, sagte Kürten ihr, sie könnten am Rhein Vorbeigehen und seien dann schnell zu Hause. Die Wanderung dauerte sehr lange und die Zeugin zog ihre Schuhe aus, weil sie druckten. Sie kamen schließlich in die Rähe des Rheins, wo sie sich hinsehten, damit die Sch. ihre Schuhe wieder anziehen konnte. Der Angeklagte wurde zudringlich. Sie wehrte ihn ab, versuchte aufzustehen und wollte um Hilfe rufen, worauf Kürten höhnisch lachend sagte: „Hier kannst du ruhig schreien, hier hört dich doch keiner?" Mit den Worten: „Hier"kannst du ruhig sterben!" stach Kürten auf sie ein Sie fiel aufs Gesicht, laut um Hilfe rufend, und bekam noch mehrere Stiche in den Rücken. Rachdem Kürten fortgegangen war. hörte sie eine Stimme „Hallo!" rufen, war aber außerstande, zu antworten Vom Staatsanwalt befragt, ob sie Kürten jetzt bestimmt wiedererkenne, bejaht sie das. während sie ihn Ansang v. I. aus einer Photographie nicht wledererkonnte. Zeuge Kirchcr, der die Hilferufe gehört hatte, die allmählich schwächer wurden und dann ganz aufhörten, sand die Sch., die stöhnend auf dem Rücken lag. Von Kürten war nichts mehr zu sehen Der Zeuge brachte die Sch. zu einem in der Rähe liegenden Zeltlager der Paddler, wo sie wieder zum Bewußtsein kam und den Vorfall in Bruchstücken erzählte. Oberarzt C., der die Sch. behandelte, glaubte zuerst nicht, daß sie mit dem Leben davonkäme. Sie hatte über der Mitte des Halses eine klaffende Wunde und außerdem zahlreich^ fiÄa ZLtz nubh’^auto. $ Polini Kokia. •* i* blockiert K N i„Tnu^6r an°ntnF>ni? ^KL01 bl°k. Et«.'? SPm** letzt ^tDorÄ^j) * SuL L'ts' 65000 pPisSÄ 9Lnrel)oluli'oS A «nunal die 2iok. Jw« glaubt MI, r>ie S? Öft. **« SbF* I,e9* eirl, im- ^alb der Dm^Wi^. «L ««3 !l»Gr. ,w lesEschwrii« Unglücks, tynamitiunbe. -Uj Eine Maßnohme der ' vielleicht in urjädjlidxm usoeckung einer tommuni. e in Berlin steht, erregt Der Oberstaatsanwalt m Dachung erlassen, die sich isunden auf Grube e“ besaht, die im einzel- 5 heiht bann weiter-. Rach WN muh angtnommtn Wtvsse in der Trude bst in der Absicht versteckt irecherischen Zwecken t auch der begründete Ber- die in der Grube gesichten verborgen waren, zu der haben, hie [ty am 21. ?'• Injölf ereignete unb ->2 den kvhete Siywm'V \n verwandt, wbnn e; sch massen ioszusprengen, also )em Vorhandensein r nicht zu-rechnen ist. utung nahe, daß die Dyna- i Ort einem anderen ■, ist noch erinnerlich, bofj > vorn Neichegericht zwei hausstrasc verurteilt mur- Referee" Dynarnilpotronen im Propsteiwalde versteckt Handgranaten für e herzustellen. itiWM April. (®®N ä’»s ■Sä»'-*; ty&Si MN "* int’^.fibeln P°.r mrten awjjf zu 5fft rei Tage Mittelarresf. 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Johann — Aus dem Stadttheaterbureau wird Strauß, wohl der populärste Dirigent der Gegen- uns geschrieben: Morgen Sonntag, 11.30 Uhr, in wart, wird nach seinem überaus erfolgreichen ©oft- Verbindung mit dem Goethebund 4. Tag des Kam- spiel in England und Holland am Samstag, 9. Mai. merspielzyklus: Hans-Sachs-Spiele („Die junge Wit- auch hier wieder mit seinem Wiener Orchester ein frau Franziska", „das heiße Eisen", Sankt Peter auf I Gastspiel geben. Erden"). Einführungsvortrag und Spielleitung Dr. -------- Karl Ritter. Mitwirkende: Damen: Leutholf, Echu- •— A »ofton bcrt Jüngling, Wielander: Herren: Bäuerle, Bruck, I SilCttlC vDirOTlOtnillCr Kr/lV^Cl». Fassott, Hauer, Hub, Linkmann Nieren Dolck We- . Drehen. 17. April. Angeklagt ist ein sener, Zingel) Ende,13 Uljr. Um 15 U^r auf oiel- etul>cnt au8 Friedberg wegen Verletzung der fettigen Wunsch Wiederholung des Gastspiels der ^^rhgftspfsicht gegenüber feinem unehelichen „Weintraubs-Syncopators . Um 19 Uhr letztes Gast- ÄinZ> Obwohl er vom Zivilgericht als Vater spiel der „Weintraubs-Syncopators . Da die Abend- ^.xurteilt worden ist, das Kind zu unterhalten, Veranstaltung ausverkauft ist, empfiehlt sich der Be- tIX,i ct cr Gegen das Urteil des Amts- such der Nachmittagsvorstellung Da aber auch noch Friedberg, durch das er deshalb zu einer Karten für die Nachmittagsvorstellung eine lebhafte Hgftstrase von fünf Wochen verurteilt worden Nachfrage eingesetzt hat, ist eine sofortige Bestellung, cr Berufung eingelegt. Heute erklärte er hauptsächlich für das auswärtige Publikum, ratsam - tx>r Strafkammer, er sei nicht der Vater Am Dienstag, 21 April, Gastspiel von Frau Prasch. M KindeS. daS Zivilurteil gegen ihn sei falsch. Grevenberg in Paillerons Lustspiel „Die Welt, in 1 - der man sich langweilt". — Mittwoch, 22. April, Erst, aufführung von Schillers romantischer Tragödie „Die Jungfrau von Orleans" in neuer Inszenierung unter der Spielleitung des Intendanten Dr. Rolf P r a s ch. Die Rolle der Jungfrau spielt Beatrice Doering. — Freitag, 24. April, bleibt das Theater geschlossen. — Samstag, 25. April, (im Freitagabonnement) Gast- spiel des Opern-Ensembles des Stadttheaters Mainz mit der Oper „Die toten Augen" von Eugen nächste Woche können wir heute leider nicht ver- öffentlichen, da es bis zur Stunde noch nicht In unsere Hände gelangt ist. Wir hoffen, die Veröffentlichung am Montag vornehmen zu können. •• Die Museen und der Heidenturm sind am morgigen Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet. •• Der Oberhessische Kunftverein schreibt uns: Am morgigen Sonntag ist die Ausstellung der Arbeiten ErnaKrüger», Harald Pickerts und Max Dombes zum letztenmal geöfiaet. Wir empfehlen nochmals ganz besonders die Besichtigung dieser Tlrbeiten, die hier starkes In> teresse gefunden haben. Acht Tage später werden wir dann eine neue Ausstellung bringen, die rein graphischer Natur ist und Radierungen und Holzschnitte des jung verswrbenen Maler» Han» Otto storben. I Schönleber enthält. raten für Montag 20 April. " Keine Eintrittskarten mebr zum Sonnenaufgang 5.22 Uhr Sonnenuntergang 19.27 F r € "«Äw^^ch^w Uhr. — Mondaufgang 6.Ö1 Uhr, Monduntergang Mbet vor dem vberhessischen Schwurgericht m i» iihr Gießen die HauptvcrhavbLung gegen den LanD- 1832: her M.dlz.n« (Ernft non L.yd'n In Donjig wir- MUH,L-br »n «KUtt ^^in^ ßSÜ“ ,M2: bCr Sürl CÖ,De ÄIC' ESt Ju tS« »WM nut gegtn geitorDcn. Dorzcigung von Karten möglich. Diese Karten Gles;cncr DZochenmarktPrene. sind bereits restlas ausgegeben worben, so daß Es kosteten auf dem heutigen Wochemnarkt das eine weitere Rachsrage nach solchen vollkommen Pfund: Kochbutter von 1,10 Mark an; Butter zweck'.»- ist. x _ __ 130; Matte 30 bi» 35; Käse (10 Stück) 63 bis •• 4 0 Jahr« bei der De ich« Po st. Am 140; Wirsing 20 bi« 35; Weißkraut 15 bi« 20; 1. April konnte, wie uns heute erst mibgcteilt Rotkraut 25 bi« 30; gelbe Rüben 12 bi« 15; rote wird, der Pvstafsistent Karl Rohn auf eine Rüben 12 bis 15; Spinat 25 bis 30; Unter- 40jährige Tätigkeit bei der Deutschen Re'.q^post Kohlrabi 5 bi« 6; Feldsalat 123 bi» 150;Tomaten zurückölicken. Dem Jubilar wurde von der Post- 70 bi« 80; Zwiebeln 10 bi« 15; Meerrettich 30 Verwaltung eine Ehrenurkunde überreicht. Außer» bi« 60; Schwarzwurzeln 35 bis 40; Kartoffeln 5 dem wurden ihm von feiten de- Personals zahl- bi« 6; Aepsel 40 bi« 50; Dörrobst 30 bi« 35; reiche Glückwünsche zuteil. Honig 40 bis 50; junge Hähne 93 bi« 110; Sup- •• ®olbcne Hochzeit. Heute feiern unser penhuhner 90 bis 110; Rüsse 60 bi« 70; daS Mitbürger Weißbindermeister Christoph Stück: Tauben 70 bi« 83; Eier 8; Blumenkohl 40 Schmidt ll. und Frau Susanne, geb. Sieg- bi« 70; Salat 20 bi« 30; Salatgurken 60 bi« 100; fried, das Fest der goldenen Hochzeit. Der Iu- Endivien 15 bis 35; Ober-Kohlrabi 10 bi« 15; bilar genießt in §^ndwerkerkrcisen besondere Lauch 5 bis 15; Rettich 30 bi« 35; Sellerie 10 Wertschätzung. Reben der Führung seine« Ge- bi« 50; das Bund. Radieschen 20 bi« 25 Ps.; schüft«, das 1886 gegründet wurde, war er lange der Zentner: Kartoffeln 4 bis 5; Weißkraut 10 al- Obermeister der Wcißbinderinnung tätig, bi» 12; Wirsing 20 bi» 25; Rotkraut 20 bis Weiterhin hat er auch einige Jahre im AussichtS- 25 Mark. rat der Handels- und Gewerbebank und im Dor- Bornotizen. stand des Ortsgewerb:vereins mitgearbeitet. Die Wetterlage. neml Toi •m 10 , '3 Wkfl\ jent Paris. rl. Dr. Günter. Dr. Schäffer. Pelikanavoibeke. <3 i^nnrxt- I Adam ’D Verstopfung ist eine Qual, darum raten wir Ihnen, abend- vor dem Schtalen- neben Sperber-Sterne w nehmen. Diele« vromot wirkenbeMittet erhalten Sie in Apotheken it.75NM.i lVl?0h K Nur RM 3295.-1 Niedrige Steuer, geringe Unterhaltungskosten! 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Als der Zyklop schon sechs der Ge- führten des Odysseus verzehrt hatte, gelang es diesem, das Ungeheuer mit Wem trunken zu machen und in der Trunkenheit verriet ihm Polh- phem höhnisch, welch ein Geschenk er ihm zu- gedacht hätte: Dich will ich zuletztverspeisen, die anderen vorher, das soll dem Gastgeschenk sein! . Diese Geschichte konnte etwa auch ein Dowzet- machthaber einem deutschen Odysseus erzählen, gesetzt, ein Rausch hätte ihm die Zunge gelost. Uebrigens tut es der andere Mund des Bolschewismus, die Männer, die nicht der Sowjet- Diplomatie, sondern der dritten kommunistischen Internationale gehören, oft genug auch ohne Rausch. Die Komintern hat noch nie eine Ausnahme für Deutschland gemacht, wenn sie ihre Proklamationen gegen die bürgerlichen Staaten und die bürgerliche Gesellschaft, für die Weltrevolution und Diktatur des Proletariats zum Besten gab, und seit der letzten Verschärfung des Stalin-Kurses hat auch die bisher sestgehaltene oberflächliche Derschleie- rung der inneren Identität von Komintern und Politbureau, die Verschiedenheit der Funktionäre, grosten Teils aufgehort. Dieselben Leute in Moskau, die von den „freundschaftlichen Beziehungen" zwischen Deutschland und Sowjetruhland sprechen, haben Deutschland in ihrem Herzen genau so auf der Pro- skriptionsliste, wie alle übrigen für die Weltrevolution bestimmten Länder. Indem sie über Kredite und Kreditbedingungen, Bestellungen und Exporte verhandeln, ist es doch das letzte Ziel ihrer Politik, irgend einmal alle diese Rücksichtnahmen auf dje „Ungunst der Zeiten", wie die Kurie sagt, fallen zu lassen und den blutigen bolschewistischen Terror über dasselbe Land und dieselben Männer hereinbrechen zu lassen, mit denen sie sich jetzt um Verträge bemühen. Vielleicht zwinkern sie ihnen dann in einem Anflug von sarkastischer Offenheit zu: Dafür, daß ihr so nett mit uns wart, fressen wir jetzt euch als die letzten! Der Chef der russischen Wirtschaftsorganisation kommt nach Berlin, um die definitiven Abmachungen über den neuen Kreditvertrag zu treffen, und bei einem der gröhten deutschen Wirtschaftskonzerne, der Interessengemeinschaft der Farbenindustrie (I.-G.-Farben) in Höchst, wird eine Spionage aufgedeckt, die zugunsten Moskaus geschieht, von Moskau bezahlt und von deutschen Kommunisten für Moskau durchgeführt wird. Die kommunistische Partei in Deutschland ruft mit klaren Worten, in Rede mid Schrift, zur blutigen Revolution auf. Sie ist eine von Moskau ausgehaltene Organisation. Man streiche ihr die Mittel, die sie aus Moskau bezieht, und sie schrumpft zusammen, wie eine Ballonhülle, die ihr Gas verloren hat. Auch in andern Ländern sind die Kommunisten Stipendiaten von Moskau, aber in anderen Ländern bedeuten sie entweder wenig im Verhältnis zu Deutschland, oder sie sind verboten, und wo sie bei dem Versuch einer Aktion gefaßt werden, wird aufs rücksichtsloseste mit ihnen verfahren. Daß sie in Deutschland eine Partei mit einer parlamentarischen Vertretung von etwa einem Achtel sämtlicher Reichstagssitze sind, daß ihre Voten bei jeder Abstimmung ins Gewicht fallen, daß sie eine starke Presse und heimliche Waffenlager besitzen, dazu in der „Rotfront" ein für den Tag der Revolution schlagkräftig gedrilltes Korps, das alles kommt ihnen und kommt uns — von Moskau! Rur unter unseren deutschen Verhältnissen ist ein Kommunismus von solchem Massengewicht und einer so durchgearbeiteten Organisation möglich — wenn sich eine Stelle findet, die da zahlt, was das alles kostet. Diese Stelle ist Moskau, dasselbe Moskau, dem die deutsche Wirtschaft, nach vertraulichen aber glaubwürdigen Informationen, bereits fürmehr als eineMil- liard e Mark Kredite gewährt hat, und das jetzt weitere dreihundert Millionen, mit einer Ausfallgarantie aus öffentlichen Mitteln, bekommen soll. In Moskau wie im deutschen kommunistischen Lager macht man den lächerlichen Versuch, zu bestreiten, daß eine Sowjetbehörde Auftraggeber für die Höchster Werkspionage gewesen ist. Es lohnt nicht, bei diesen Ableugnungen zu verweilen. Es lohnt auch nicht, von der Gewährung der neuen Kredite an Sowjetruhland abzuraten, denn sie sind beschlossene Sache. Die Russen verlangen aber jetzt noch mehr, als die Kredite. Eie drohen, ihre Bereitwilligkeit zur „Annahme" der deutschen Kedite zu revidieren, wenn nicht dafür gesorgt würde, daß bei näherer Untersuchung der Spionageangelegenheit die amtlichen Sowjetstellen möglichst außer Spiel bleiben. Sie haben bekanntlich noch eine andere Methode zu drohen, wenn es ihnen scheint, als ob irgendwie eine Loslösung Deutschlands von der Der- pslichtung, auf Anruf als politischer Tanzpartner für Moskau zu funktionieren, in Frage käme. Dann drohen sie, un£ damit zu kompromittieren, daß wir uns auf gewissen Gebieten mit ihnen in Verabredungen entgegen den Tendenzen des Versailler Diktats eingelassen hätten. Auch das ist lächerlich. Abmachungen mit Moskau, mit denen man im Ernst Eindruck machen könnte, bestehen nicht. Sie haben auch nie bestanden, und was der eine oder andere deutsche Illusionspolitiker an praktischen Harmlosigkeiten in Verbindung mit Moskau geträumt oder versucht hat, ist der Entente längst bis in8 Letzte bekannt. Vor diesem Kinderschreck braucht sich also niemand bei uns zu fürchten. Wir sind nicht einmal der Meinung, daß man mit den Sowjetrussen keine Geschäfte machen soll. Auch bei der jetzigen Ausfallbürgschaft für 70 Prozent von dreihundert Millionen Mark ist für uns die praktische Hauptfrage nur diese, ob den: deutschen Steuerzcchler die eventuelle Bezahlung der Bürgschaft höher zu stehen käme, oder die Arbeitslosenunterstützung, die, nach den Angaben der Interessierten bei Ausführung der Bestellung erspart würde. Was wir verlangen, ist nur dies: Man soll den Russen das Vogel- Strauß-Spiel gegenüber den gefährlichen Blutrünstigkeiten des deutschen Kommunismus mit deutlichen, und weim es sein muß, mit groben Worten kündigen, und man soll bei jeder Verhandlung mit Rußland den Sinn der Ueber- schrift, vom Gastgeschenk des Polyphem, beherzigen. Wem sie zu klassisch vorkommt, der kann sie sich ja in eine populärere Redensart übersetzen: Den Letzten beißen die Hunde! Ohne uns im einzelnen mit den Ausführungen des bekannten Sozialpolitikers zu identifizieren, geben wir ihnen Raum, weil sie für das aktuelle Problem der Siedlung besondere Anregungen bringen. Ueber das Gesamtthema „Arbeitslosigkeit und Siedlung" veranstaltet die Vereinigung „Deutsches Archiv für Siedlungswesen" vom 25. bis 23. März in der Technischen Hochschule zu Char- lottenburg eine wissenschaftliche Lehrgangstagung, die besondere Beachtung verdient, weil die Mil- lionen-Siedlung das einzige Mittel darstellt, durch das wir die gegenwärtige ungeheure Arbeitslosennot wirklich „überwinden" können; und weil in der Tagung nicht nur die landwirtschaftliche Vollsiedlung, sondern auch die nebenberufliche Siedlung und das Kleingartenwesen in ihrer Bedeutung für das Arbeitslosenproblem behandelt werden sollen. Gerade diese letzte wird noch viel zu wenig gewürdigt. Mit dem Kleingarten rühren wir an das Riesengebiet der Hauswirts chaft, das für die Ueberwin- dung der Arbeitslosigkeit höchst bedeutsam, aber leider allseitig unterschätzt ist. Um das Entscheidende vorweg zu nehmen: Es gibt zwei große Derufsgruppen, bei denen niemals „Arbeitsmangel", das heißt Mangel an nützlicher Beschäftigung herrscht und herrschen farm. Das sind die Dauern und die Hausfrauen. Iede kleinere Landwirtschaft ist mit einem kleineren Haushalte unlöslich verbunden, die Dauernwirtschaft ist vielfach nichts anderes als eine erweiterte Hauswirtschaft, die über den eigenen Bedarf hinaus auch für den Markt produziert. Iede Hauswirtschaft sollte mit etwas „Landwirtschaft" verbunden fein, das heißt mit Garten und Möglichkeit zu Kleintierzucht. Dann wäre die Rot der Arbeitslosigkeit nur halb so groß, als sie jetzt ist. Denn zum mindesten fehlte das schlimmste: der erzwungene Müßiggang; das vergebliche Sichanbieten zur Arbeit und Zurückgewiesenwerden; das niederdrückende Gefühl des zwecklosen Daseins; die gefährliche Muhe des verärgerten, vergrämten Richtstuens. Im Haushalte und in der Landwirtschaft ist immer Arbeit. Hier braucht man nie müßig zu gehen. Denn je mehr man arbeitet, desto besser ist die Versorgung der Familie. Um die Bedeutung dieser Tatsache zu würdigen, muß man sich vor Augen halten, daß die sogenannte Arbeitslosigkeit nicht ein Mangel an nützlicher Tätigkeit, sondern nur einMan- gel an Gelegenheit ist, mit bestimmter Berufsarbeit Geld zu verdienen. Es ist nur ein Fehler in der Marktorganisation, daß die arbeitsfähigen Menschen nicht von anderen beschäftigt werden können, weil diese keinen gewinnreichen Absatz für die erzeugten Produkte sehen. Die „Arbeitslosigkeit" ist verschwunden, sobald wir den Menschen Ge- legenljeit geben, für sich selbst zu arbeiten. Die weitaus beste Gelegenheit dazu ist aber die durch Landwirtschaft erweiterte Hauswirtschaft, also die Kleinsiedlung. Der Einwand liegt nahe, daß damit nur Beschäftigung, aber kein „Verdienst" gegeben wird, und daß auch die Siedler nicht ohne Geldeinnahmen existieren können. Das ist richtig, aber es bedeutet nur eine Einschränkung, nicht ein Auslöschen der Wahrheit, daß Siedlung das beste Mittel gegen die Arbeitslosigkeit sei. Denn die Siedlung leistet zwei ungemein wichtige Aufgaben: Unsere durch die Kriegsfolgen in Verwirrung gebrachte Wirtschaft vermag auf dem herkömmlichen Wege des Marktaustausches nicht die Gesamtheit unserer Bevölkerung zu unterhalten, weder zu beschäftigen noch zu ernähren. Also müssen wir trachten, einen möglichst großen Teil der Menschen aus der Marktwirtschaft in die Eigenwirtschaft, aus der Arbeit für Geld in d i e Selbstversorgung hineinzubringen. In welchem Maße das nicht nur durch Landwirtschaft, sondern auch durch Haushalt geschieht, davon haben nur wenige einen richtigen Eindruck. Wir haben uns ja leider daran gewöhnt, als „wirtschaftlichen Wert" nur das zu schätzen, was gegen Geld veräußert oder sonst mit Geld bezahlt wird. Wir übersehen dabei, welche ungeheure Menge von volkswirtschaftlich nützlicher und nötiger Arbeit noch heute in den 15 Millionen Haushaltungen geleistet wird. Der Wert der Hausfrauenarbeit übersteigt noch weit den Wert der Frauenarbeit in irgendeinem Erwerbszweige; nicht nur sittlich und kulturell, sondern auch wirtschaftlich. Alle Köche und Köchinnen der Gasthäuser verschwinden vor dem Millionenheere der Hausfrauen, und die Millionen Mütter, die Arbeitslosigkeit und Siedlung Von Dr. Heinz poithoff. Baby in der Zeitlupe. Von Dorothea Hofer-Dernburg. Man kann nicht ewig den Mund aufsperren und saugen, man kann nicht einig nur mit Gebrüll seine Unzufriedenheit über die Einrichtungen der Welt ausdrücken, in die man hineinversetzt worden ist, ohne das geringste davon zu begreifen. Es kommen andere Augenblicke, besonders in der Dämmerstunde, wenn dieses sanfte Licht sich über das Bettchen breitet und wie eine Katze zu schnurren beginnt, wenn die Fliegen im Zimmer sieghafter fingen und die Zärtlichkeit des Abends draußen die Blumen aufweckt, daß sie in Kaskaden von Duft überströmen, wenn die Grillen anheben, die erste Kühle vom Balkon weht und die weißen Gardinen schwingen macht, — jene Augenblicke, in denen all das Graue, Leise und Wesenlose sich in der Welt ausbreitet und Baby zwischen Wachen und Traum wie eine Welle von Behagen überflutet. Da beginnt es mit dieser Dämmerkahe zu schnurren, kleine Laute zu bilden, die an seinem Gaumen entlangrollen, ihn feucht und ziemlich kitzeln und wie Blasen in die Stille über ihm steigen. „Orö orö vro ..." Baby läßt es an- und abschwellen, es berauscht sich manisch an seiner Erfindung, an der Süße des Gefühls, das es so vollständig ausdrückt. Seine Händchen rudern durch die Luft seiner Stimme nach, und die Fliegen summen, und die Zikaden sägen entzückt im Gras, und die Blumen sind berauscht vom Abend, und Baby singt mit seinen ersten zitternden Lauten im Chor der Erde und des Sommers. — „Orö orö orö." Glückliches Kind. Um Baby herum ist es immer still. Eine sanfte, gesättigte Luft, die von der Weiße der Gardinen, von Licht, von Kinderpuder, weichen Schwämmchen und Watte — von blinkerndem Dadewasser mit Sonnenkringeln, von allem Hellen und Zärtlichen in der Wett gleichsam schwingt. Sein Körbchen steht mitten im Raum. Es ist Babys Trauminsel. Im Halbdämmer seiner Vorhänge liegt es, reglos, nur mit den Augen lebend — stundenlang. Manchmal mit kleinen weichen Kehllauten spielend und mit kleinen Fingern — manchmal leise schnalzend in offenbaren Erinnerungen schwelgend — manchmal süß vor sich hingurrend, wie nur im frühesten Frühling kleine Hühner tun — manchmal mit verächtlichem, trostlosem und schluchzendem Geschrei alles Stille und Milde um sich zerreißend. Wenn Baby aber Schritte hört, so spitzt es sichtbarlich Rase und Ohren. Seine Händchen, rosig an den Spitzen der aufwärts gebogenen Finger, rosig an den zauberkleinen Knöcheln, wunderbar winzig und unglaubwürdig zart, fahren in der Luft herum — etwas richtungslos und unberechenbar. Dann landen sie beide zugleich, unsanft hineingestopft vor dem Mund — der einzigen Stelle, die man Tag und Rächt seit dem ersten Schrei gefunden hat und findet. Etwas-tief Befriedigendes wird sich nun begeben. — Babys Augen sternen ihm entgegen. Die Mutter kommt. Sie hebt das Deckbettchen auf, und in diesem Augenblick schauen sie sich an. Beide mit einem unbewußten Blick voll tiefer Schelmerei — einem Blick, der aufgehoben bleibt im Herren, um erst viel später einmal dort gefunden und begriffen zu werden. Und das . Lächeln gleitet von Babys Augen über seine Rasenwurzel zu den zarten Mundwinkeln. Da liegt es, ihr kleines Blümchen, ihr rosa Korallenzweiglein, immer noch tief wurzelnd im Unbewußten, im Warmbeet, hilflos, mit wunderbar geöffneten Augen, die weit über fein groteskes Windeldilemma hinausschauen, zwei stille Sterne aus dem Rebel einer winzigen und gewichtigen Wett, die da und vollendet ist. Eingepackt, postfertig. — Sendung an das Leben mit all feinen Umhüllungen und Umschnürungen. Große Hände greifen nach ihm; Blicke fnw über ihm — ein lächelnder Mund — alles nah genug zum Hineinfahreir Baby aber bleibt still und saugt an seinem Fäustchen, die Arme fest an die Brust gepreßt. . Dann liegt es auf dem Wickeltisch und wird ausgepackt. Cs wird gesäubert — es läßt sich hin und her wenden an den geringelten und gereckten Beinchen — es läßt sich zubereiten, wie ein kleines Huhn für die Pfanne. Es wird mit Fett bestrichen, mit Pudermehl bestreut und paniert. Man legt es auf den Bauch, während es aus dem runden Speckkragen an feinem Hals etwas unselig in die Höhe starrt und feine Fäustchen verliert. Man wendet es wieder — man verpackt es neu — und immer ist es still und geduldig — immer sternen feine Augen weit weg über die trostlose Unwürdigkeit seiner Situation. Dann aber, wenn Baby den geschickten Händen entgangen und liegengelassen ist in seinem so erfreulichen Zustande — dann meldet sich mit unbeschreiblicher Gier die Sehnsucht nach dem großen Wunderbaren, und mit einem einzigen Schrei stürzt es sich in das wild gebrüllte Verlangen nach den Segnungen der Erde. Es dauert ein Weilchen, — ein kleines Weilchen —. Für Baby eine Ewigkeit. Es brüllt. Dunkelrot im Gesicht, die Augen verkniffen, verschwunden — nichts, als ein riesengroßer Mund — Symbol des Wachstums — aufgerissen wie eine hungernde Blume — alles rosig bis tief in den Gaumen — mit schlagender Zunge, mit den weichen Blättern der Kieferränder hinter denen der Lippen — ein winziger — ein riesengroßer Rachen, bereit, die Wett zu verschlingen und verzweifett — verzweifelt! Dann kommen die Hände wieder. Baby fühll sich aufgehoben, getragen — nicht mehr verlassen und verhungernd. Roch schluchzend und bebend, sucht es so schnell wie möglich sein Gebrüll zu vergessen, um sein kleines gieriges Maul für den Sinn des Daseins gebrauchsfertig zu machen. Und schnapp! — Wie ein Fisch seinen ganzen winzigen Körper vorschnellend — mit einer rasenden Energie, stürzt es sich an der Mutter Brust. Stille. Die Flasche bekommt einen Stoß. Ein weißer Bettzipfel schlingt sich gewandt um ein winziges Händchen — bildet eine Höhle über einer winzigen, nubisch platten Tiernase, die sich mit jedem Atemzug erwärmt. Ein Daumen drückt sich wohlig an den Kiefer. Und dann beginnt es: „Algalgal--ga-1 gal gat gal — — alla- galalgal" — — unermüdlich, unerbittlich rhythmisch, es ist Babys indianischer Schlafgesang. Es klingt hervor hinter den weißen Gardinen, klingt rührend und eine Spur unheimlich, eine Spur komisch. Allgalgat gal—gal gal gal ... „Es schwillt an aus zartestem pianissimo in ein torte furioso — es bittet, es beschwört, es schmilzt und wirbt: „gal gal gal gal! Komm süßer Schlaf, — komm Schläfchen, reizendes kleines Dchlase- schläfchen ... willst du nicht? ... gar nicht? Al gal gal! — Ich werde böse! Furchtbar böse werde ihre Kinder aufziehen, leisten unendlich mehl als alle bezahlten Pflegerinnen und Erzieherinnen. In den 15 Millionen Haushaltungen toirb mit Zubereitung der Speisen, mit Pflege der Kleides und der Möbel, mit Wartung der Kinder usw. eine Wirtschaftsarbeit geleistet, deren Jahreswert in die Milliarden geht. Aber noch unendlich viel mehr nützliche Arbeit könnte dort geleistet werden. Wenn alle erwerbstätigen Frauen ihre Arbeitsplätze den stellenlosen Männern über* ließen unb in den Haushalt zurückkehrten; wenn die Zahl der Hausgehilfinnen sich verdreifachte, und wenn Millionen erwerbsloser Männer sich intensiver Hausarbeit widmeten, es würde noch immer kein Mangel an Beschäftigung feüu otc fänden alle ein überreiches Feld nützlicher Tätigkeit. Um so mehr, wenn der Haushalt mit ©arten oder Feld, mit Gemüsebau oder Kleintierzucht verbunden wäre. Damit würde auch eine dauernde Gesundung unserer Wirtschaft angebahnt. ES ist ein großer Irrtum, zu glauben, die fünf Millionen Arbeitsloser seien nur die Folge einet „Krise" und würden mit besserer Konjunktur wieder verschwinden. Rein, sie find die Folge tiefgehender struktureller Verschiebungen. Es sind heute mindestens fünf Millionen Menschen mehr auf dem „Markte" als vor dem Kriege. Diese fünf Millionen, die früher im Auslande oder Soldaten, Rentner oder Haustöchter und Mütter waren, und die nun alle auf dem Markte Geld verdienen wollen, wird unsere Wirtschaft in absehbarer Zeit nicht beschäftigen können. Auch bei guter Konjunktur nicht. Und wenn wir nicht mindestens eine Million von ihnen wieder in die Landwirtschaft, in die Selbstversorgung bringen, werden wir nach zehn Iahren auch noch unter der heutigen Rot seufzen Schließlich ein letztes, womit wir an die schwierigste Sette der Arbeitslosenversicherung rühren: die hauswirtschaftliche Arbeit ist die einzige, die der Arbeitslose leisten darf, ohne seinen Unterstütz ungsanspruch zu gefährden. So widersinnig es klingt, daß der Unterstützte zum Müßiggänge gezwungen wird, daß jede nützliche Tätigkett mit Kürzung und Entzug der Rente bestraft wird, fo unvermeidlich ist das. Denn wenn es anders wäre, wenn die Unterstützung auch neben_ Arbeitstätigkeit bezogen werden könnte, so würden wir bald nur noch Erwerbslose und keine Ror- malarbeiter mehr haben. Die Lösung des Pro- blemes wird durch nichts so erschwert, wie durch die allgemeine Reigung zum Mißbrauche der Einrichtungen. Man kann nicht erwarten, daß die Massen der Arbeitnehmer und der Rotleidenden wesentlich verständiger und anständiger sind, als die führenden Kreise von Bildung und Besitz. Und diese geben kein gutes Beispiel! Deswegen Wachen die Versicherungsbehörden darüber, daß der Unterstützte nicht arbeitet. Unterstützungsempfänger, die ohne Bezahlung am Dau einer Siedlungskirche mithalfen, oder die einem Verwandten aus Gefälligkeit die Zimmerdecken weißten, sind in ihren Renten gekürzt worden. In diesen beiden Fällen halte ich das Vorgehen nicht für unbedingt richtig. Aber im allgemeinen ist die „Schwarzarbeit" der Stempelbrüder verwerflich. Was sollen aber die Leute tun, die monatelang, vielfach jahrelang ohne Erwerbsarbeit bleiben? Gebt ihnen Gelegenheit, in einem eigenen Heime, das mehr ist als Schlafstelle und Ch- gelegenhett, in Garten und Feld für sich und die Ihrigen etwas Nützliches zu schaffen. Wenn sie dann auch weiter Unterstützung beziehen muffen, sie kosten der Wirtfchaft nicht halb so viel wie früher ,.. und fühlen sich nicht halb so elend mehr! Doppelt eindringlich wird das, wenn der Siebenstundentag oder die Fünftagewoche sich durchsetzen oder wenn in noch stärkerem Maße als bisher die Arbeitsstreckung zur Vermeidung von Entlassungen eingeführt wird. Wir können in fünf Tagen vielleicht mehr produzieren, als sich verkaufen läßt. Aber daß ein Volk dadurch reicher würde, daß es weniger arbeitet, ist ein Irrtum. Je mehr wir den Industriearbeitern» den Fabriktag kürzen, desto mehr müsien wir ich, wütend! Al gal gal zum Kuckuck! — Wirst du hören! Al gal gal gal gal!" Es geht über in einen Taumel wilder De- schwerdeform, es steigert sich zu rasender Ekstase, es sinkt unmerklich zuerst, immer deutlicher nun, herab zu einem fünften Säuseln. Es verebbt, stirbt hin, verträumt sich wunderbar, sinkt in das letzte Lallen: „ — al — gal — gat — al glitt" Ein seufzender Atemzug. Cs schläft. Instanzenweg. Zu Händen des Herrn Direktors kommt ein Schriftstück, mit einem Fettfleck besudelt. Mit begründeter Cnttüstung läßt der Herr Direktor das Schriftstück zurückgehen. Richt ohne vorher den Fettfleck mit Tinte zu umrahmen und mit der Randbemerkung zu versehen: „Wer hat den Fettfleck verschuldet?" Den eifrigen Bemühungen desBureauvorsteherS gelingt es festzustellen, daß der Angestellte Müller der „Sünder" war. Er brachte daher die Bemerkung an: „Müller ist der Schuldige." Der Herr Direktor versieht daraufhin das Schriftstück mit der Verfügung: „Müller soll sich schämen." Run erreichte das Schreiben den Angestellten Müller. Und am dritten Tage wieder den Herrn Direktor mit der Schlußnotiz: „Geschämt, Müller." (Lust. Bl.1 Zeitschriften. — Die Arbeitslosigkeit ist auch in Amerika daS wichtigste Problem der Gegenwart, und es ist interessant, zu hören, tote die Reue Welt an die Lösung dieser Frage herangeht. Georg C. Lann schildert in einem Artikel in der Rümmer 4491 der Illustrierten Zeitung (Verlag I. I. Weber, Leipzig) die Lage der amerikanischen Arbeitslosen. — Ein Aufsatz aus der Feder von Dr. W. Schweisheimer beschäftigt sich mit dem Einfluß des Wetters auf den menschlichen Organismus und auf seine geistigen und seelischen Funktionen. — Anläßlich des 150. Geburtstages des großen Architekten und Malers Karl Friedrich Schinkel, dessen Werke jetzt in dem neuen Schinkel-Museum in Berlin untergebracht sind, wird in der vorliegenden Rümmer eine Anzahl seiner Werke gezeigt. Geschichten aus aller Welt ir F Banknoten. 70,9 65,25 73 118,5 123 125 1.-Schuld mii 100,25 — 100,5 — Oluiloi.iMfditcn . . 58,4 58,15 58,5 58,25 Deegl. ohne Aiirloi.-Rechte . R% Heil. Bolk-iioai von 1929 6,4 6,25 6,3 6,3 (rüdiablb 108%) . Cbfrbrhcn Brooin, • Anleibe ml' 94,75 — 94,25 — Anelot^Rechicn . . Deutsche Komm. Sammelabl. 56,5 — — — Anleihe Serie 1 . . 8% Franks. Hnv.-Bnnk Goldpse 57,5 — 57,5 — XIII unlünbbar die 1931 7% Franks Hnv.-Äant «oldpse 101,75 — — — unlunbboT bi» 1932 95,75 — — 8% Pr Lanvesrmn briesanstalk. Kommet!bl. R. L0. . . 100,5 — 100,5 — — — — — 7% lir Lande > 'anobttefanftali, Planbbriesr R tl . A.C.B abu. Vor.neg«-Obllgari0' 96,5 — 96,5 — nen. rücUablbar 1932 . . — — — — 4% Oesterretchtsche (Sotdrenrr . . _ 23,5 23,4 4,20% Leskerreichilche Stlberrente 4% Cclteneldilldi* Einheitliche — — Rente _ — _ 4% llnflorische (Bolbrentt . . 18,8 — 19 18.9 4% Uiiflarlidir Staaisrente v 1910 16,25 — 16,4 i V, % oeefli von 1913 — — 16,4 _ 1% linpariiche Kronenrente — — _ l% Turliicke .^ollanlellte von 1911 1% Züdlldi. Baflbobbabn-Llnl 4,3 — 4,35 — Serie 1 4,4 — —— _ »% oecfll Serie II 6% Rumaniiche vereknd Rente 4,4 — 4,4 — von 1903 iy,% Rumänische vereinh Rente 8,6 — 8,5 — von 1913 . ..... —- — 15,25 15,4 Rnmänibt» nereinb Rente 6,95 — 7 7 Serlin, 17. April Selb »rief Amerikanilche Noten...... 4,18 4,20 Belgische Noten ....... 58,13 58,37 Tantiche Noten ....... 111,89 112,33 ttiiO'lidic Noten........ 20,337 20,417 Rranjullidif Noten....... 16,39 16,45 Holländische Noten....... 168.06 168,74 Italienische Noten........ 22.01 22,09 Norwegische Noien....... Deundi-Oesterreich, * 100 Schilling 111,88 112,32 58,00 59,00 Rumänische Noten....... 2.475 2,495 Schwedische Noten...... 111,03 112,47 Schwerter Noten........ 80,62 80,94 Spanische Noten........ 42.02 42,18 T'chechoilowakijche Noten..... 12.385 12,445 Ungarische Noten .... 72,95 73,25 Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a. M. 17 April 18. April Amtliche Noilerung Amtliche Notierung Wrm Sriei (Selb Srir SImft.« Nokk. 168,44 168,78 168,51 168,85 Bu ii-Aires 1,391 1,395 1,382 1,386 Brss. Ankw 58,315 58,435 58,325 58,445 Ghriftinnia. 112,17 112.39 112,21 112,43 Raven vag. n 112.18 112,40 112,19 112,41 ©iDitliolm ■ 112.34 112.56 112,38 112,60 Helüngfors. 10.557 10,577 10,559 10,579 ^örse. »“iS- Ni- iutio« £I[|.eln«m Ge- ! uni) aut \./5mQn An- b"5Ä,i,u" .'N lw^auaud) äVää Äse }nben echn Surfen hielt 9lnU?b'PUr’e bröckel- ankthen bei lltintm Ee- /lusiQnbsrenlengtliähs. r etwas IchMchei.Mj,;. ! und bis zu H v.h. verlaus tonnten sich hie itionstätigteit bet Trch- holen, jedoch überwog bei et Abgabebedütsnis. Sie unsicher. Am ©elbmarit 1 eine Crleichtenmg be- ur Tagesgelb auf 4 och. nifenmarft nannte man . gegen Pfunde 20,4050, gegen Poris 124,26, en Madrid 47,60, qeacn inb 12,10. : Börst. Da auch zu Beginn der je auf fast allen llärlkn 1 nur wenig Aufnahme^ gegenüberstand, war die die 12 Mionenorders s 3 0. f)., vereinzelt aui) —— ----jj8 58,0 111,89 20,337 16,39 168,06 22,01 111.5 58,00 2.475 111,03 80,62 42.0 t 12.3« / 10 1 —sizM" wobei auch die Baulin ' - dürsten. Ungünstige Mo- $ lagen nämlich gar nick! E in die Unsicherheit in der j anführen will. Auch daz I ic Etleichterung erfahren | chenden Stimmung beige- | st jedenfalls meitcr sehr I nervös gemocht und zu I , j). schwacher lagen nur I Telesunkenlabel, Berger, | standen mit einem 6pro- I nstze. Durch Merstands- | nur Conli-EuMi und >teren sand sicheM auch I 1 der stur-geMungchm I rben eher schwacheriaM I en bis 1 9.Ü. ru W I Taqesgeld vereinzelt W I c war die Tendenz n-eü I gesprochen 2( I utbis 3 o-VÄ i orübergehend bis 8 °ch. I kn M-n weitet um 1^ I VfB.-Gießen. VfB. (£lga) — Spvg. Offenbach 1902 (Ciga). Für den morgigen Sonntag hat der DfB eine Mannschaft aus der Südmain-Kreisliga verpflichtet. Die Ligamannschaft des Gastes genießt einen guten Ruf und hat sich ih diesem Jahr in der Spitzengruppe placieren können. Außerdem lieferte die Mannschaft in verschiedenen Prioatsp.elen einige beachtenswerte Ergebnisse. So wurde 3. B. der VfL. «Benrath, der Westdeutsche Zweite, mit 5:4 geschlagen Sp. u. Spo. Barmen mußte ebenfalls eine, wenn auch knappe Niederlage hinnehmen 3^2 endete dieses Treffen für die Offenbacher. Die Gaste haben in ihrer Mannschaft e'mge heroorraaende Kräfte von denen besonders der Rechtsaußen P l o ct (früher Eintracht Frankfurt) zp nennen ist. Außerdem wird Rupp (früher Kickers Offenbach) mit von der Partie sein. K ü ch l e r im Tor durfte seine bekannt gute Figur machen, weiter wäre noch Anoretzry zu nennen. | Man darf also wohl erwarten, daß zum mindesten 1 ein gleichwertiger Gegner -gegen die Grun-Weihen | antreten wird. Die letzten beiden Spiele, die man während der Osterfeiertage von den VfBcrn gesehen hat, haben zwar nicht so recht überzeugt man darf aber mit einiger Berechtigung hoffen, daß das Können der Hiesigen mit dem des Gegners wachst, und schließlich doch ein reizvoller Kampf zu sehen sein wird Trotzdem man damit rechnen muß, daß eine Niederlage der Hiesigen durchaus im Bereiche der Möglichkeit liegt (die aber im Interesse des Ansehens der Mannschaft möglichst vermieden werden sollte) wird man diesen Kampf doch dazu benützen, während des Spieles einige Mann auszutauschen und auszuprobieren. Zunächst tritt jedoch die Mannschaft in folgender Au stellung an: Balser; Henrichs, Singet; Leut- heuser, Kreß I, Fehling; Schmitt, Sauer, Haupt, Lehrmund, Ritter. Neben diesem Ligaspiel wird ein Spiel zwischen der 3. Mannschaft und der Turnermannschaft von Wieseck ausgetragen. Die Wiesecker stellen einen nicht zu unterschätzenden Gegner dar, dem es bereits gelang die 2. Mannschaft des VfB. zu schlagen Die Dritten werden also sehr auf der Hut sein müssen, wenn fie nicht ebenfalls eine Niederlage mit in Kauf nehmen wollen. Das Können der Gäste verdient um so mehr Beachtung, als die Mannschaft doch noch nicht allzu lange besteht. Das Spiel findet auch auf dem VfB.-Platz statt. — Schließlich gelangt dann noch auf dem Waldspielplatz ein Spiel der Schiedsrichter der Gruppe Gießen gegen die Untergruppe Grünberg statt. Das Spiel das mehr als em Lehr- spiel gedacht ist, dürfte einen anregenden Verlauf nehmen um so mehr, als die Herren Schiedsrichter zweifellos viel besser wissen, was fie tun und was fie während des Spieles lassen müssen. Unter dieser Voraussetzung wird ein sehr faires Spiel zustande 1900er am vergangenen Sonntag gegen die Reserve des BfD. hinnehmen muhte, liegt für die Hiesigen wie ein Schatten auch auf dem morgigen Kampf. Der Ausgang ist ungewiß. Die Blau- Weihen werden gut tun, den Gegner unter feinen ilmftänben leicht zu nepmen, denn die Daubringer stellen eine körperlich kräftige, taktisch weniger durchgebildete Mannschaft, die nicht durch technische Raffinesse, als durch eifriges, druckvolles Spiel zu gewinnen bemüht sein wird. Bor allem wird sich der Sturm der Hiesigen zu einer anderen Form aufraffen müssen, wenn er dem ungekünstelten rationellen Spiel des Gegners beikommen will. Dah auch die Verteidigung auf dem Posten sein und alles einsehen muh, fdjeint nach dem Spiel gegen den VfB. notwendiger zu sein, als je. Aus den Ausgang des Treffens darf man ge» spannt fein. Dah es in ritterlicher Form ausgetragen werden möge, ist besonders zu wünschen. Fußballklub 1926 Großen-Buseck. Die Spottabteilung des Turnvereins Lollar wird am Sonntag der ersten Mannschaft des FC. 1926 Großen-Duseck in Großen-Buseck gegenüberstehen, um mit diesem Spiel einer Rückspielverpflichtung nachzukommen. Spielerisch sind Unterschiede vorhanden; Lollar ist die wuchtigere Mannschaft, während Großen-Buseck eine schwächere Elf ins Feld stellt, die aber die Ucberlegenheit des Gegners durck) Eifer und gute technische Veranlagung ausgleichen dürfte. Die Sportabteilung des Lollarer Turnvereins hptte schon längst den Aufstieg in eine höhere Spielklasse verdient, leider hat sie aber stets vor dem Ziel versagt. Die Schwarzgelben werden diesmal wieder komplett antreten, sind aber im Spiel gegen Lollar vor eine schwere Aufgabe gestellt. Aller Voraussicht nach werden sich auch die zweiten Mannschaften ein Spiel liefern. $.(£. „Teutonia" Watzenborn-Steinberg. Am Sonntag empfängt der Fußballklub, Teutonia Watzenborn-Steinberg die beiden aktiven Mannschaften des Sportvereins Hermannstein zu Gesellschaftsrückspielen. Beim Vorspiel mußten sich die Teutonen mit 6:2 Toren geschlagen bekennen. Die Teutonen haben zum Rückspiel eine tüchtige Mannschaft zusammengestellt, die ein Unentschieden zu erringen imstande sein müßte. Für die 2. Mannschaft ist zu hoffen, daß sie einen Sieg erringt, da sie wohl als die bessere bezeichnet werden darf. Handball der Sp.-Vg. 1900. Seit Herbst v. I. empfängt die Spielvereinigung 1900 zum erstenmal wieder eine Militärmannschaft. Es ist die erste Elf der 1. Kompanie des hiesigen Bataillons, die der gleichen Mannschaft der 1900er am kommenden Sonntag entgegentritt. Die Spielvereinigungsleute werden ihre erste Garnitur nicht vollständig zur Stelle haben, da sich einige Spieler an dem gleichzeitig stattfindenden Waldlauf beteiligen. Unter diesen Umständen wird man schon alles aus fick) herausgeben müssen, um gegen den spielstarken Gast, bei dem vor allem die gut eingespielte und sehr 'wurfkräftige Stürmerreihe hervorstechen dürfte, ein annehmbares Ergebnis herauszuholen. großer Höhe über eine Stunde lang in der Luft Dr. Böhm mit Renato Mordo als Regisseur halten konnte. Wenig später erreichte der 18jäh- und Schenck von Trapp als Bühnenbildner rige Gymnasiast Weißt g aus Dillenburg eine 1 Ende April zur Aufführung gelangen. Flugdauer von 55 Minuten. Beide haben damit ihre E-Prüfung bestanden, die ihnen sämtliche Konkurrenzen im Segelflugsport eröffnet. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Der kommende Sonntag bringt in der 1. Bezirksklasse nur zwei Spiele. Sn Wieseck ist Wetzlar 1 zu Gast. Die Einheimischen werden die Gäste sehr ernst nehmen müssen, wenn sie Sieg und Punkte behalten wollen. Heuchelheims I. fbielt gegen Watzenborns l.Rach dem Siege der Einheimischen am Borsvnntage über Raunheim darf man auch mit einem Siege über Watzenborn rechnen. . Sn der zweiten Klasse stehen sich in Burkhardsfelden die dortige I. Mannschaft und Marburgs I. gegenüber. Der Ausgang des Spieles ist kaum vorherzusagen. , Hachborn hat Großen-Buseck zu Gast und wird alle& hergeben müssen, wenn nicht die Gäste Sieger fein sollen. . Saubringen I und Gießen II werden sich m Daubringen ein scharfes Treffen liefern, dessen Ausgang offen ist. Großen-Linden l und Rodheim l stehen sich in Grotzen-Linden gegenüber. Zwei gleichwertige Gegner werden hier ihre Kräfte messen. Leun l hat Oberndorf I zu Gast. RüddingS- hausen I spielt in Marburg und sollte im Spiele gegen die dortige zweite Mannschaft Sieger bleiben. Londorf wird sich in Allertshausen zwei weitere Punkte holen. Sichertshausen! und Treis 1 dürften sich in Sichertshausen ein gleichwertiges Spiel liefern. Sn Grünberg treffen Grünberg I und Odenhausen l sowie Grünberg ll und Hausen! auseinander. Beuern I hat Gießen III zu Gast, während Lich 1 die zweite Mannschaft von Watzenborn zum Gegner hat. Annerod I hat Rieder-Ohmen I auf eigenem Platz zum Gegner und sollte den Sieger stellen. Waldgirmes I und Allendorf I stehen sich in Waldgirmes gegenüber. Frankenbach I dürfte in Wetzlar gegen die dortige zweite Mannschaft erfolgreich sein. Wißmar l hat Klein-Linden 1 zum Gegner. Sn der Sugendklasse treffen sich. Gießen und Fellingshausen; Raunheim und Wieseck!; Wißmar und Rodheim; Rödgen und Lollar; Hachborn und Fronhausen; Hausen und ©taufen- Handball im Gau Hessen (O. T.) Mlo. Gießen I — Tv. wehlar I. Für den morgigen Sonntag hat die 1. Mannschaft des hiesigen Männevturnvereins die gleiche Mannschaft des Turnvereins Wetzlar zu einem Handballsreundschaftsspiel verpflichtet. Beide Mannschaften haben schon früher — als Wetzlar noch in der Gau-Meisterklasfe spielte — lange Jahre abwechselnd bei den Berbandsspielen die Tabellenspitze eingenommen. Die erzielten Resultate waren meist unentschieden oder mit knappen Resultaten. Die Wetzlarer Mannschaft spielt nun schon feit zwei Sahren in der Kreis-Sonderklasse und konnte auch in diesen Spielen stets einen guten Platz einnehmen. Die MTB.-Mannschaft wird also schon alle Register ihres Könnens ziehen müssen, wenn fie ein günstiges Ergebnis erzielen will/ Aus dem Mittelrheiukreis der OT. Der fireisausschuh tagt Der mittelrheinische Kreisturntag findet alle zwei Fahre statt. Im Zwischenjahre tritt an seine Stelle die Sitzung des Kreisausschusses, der dann dieselbe Beschlußfähigkeit hat, wie ein Kreisturntag. Dem Kreisausschuß, diesem kleinen Turnerparlament, ge- hören insgesamt etwa 50 stimmberechtigte Mitglieder an. Der Kreisausschuß versammelt sich heute Samstag und morgen Sonntag auf der Ebern bürg bei Münster a. St. zu einer wichtigen Tagung. Eine umfangreiche Tagesordnung ist zu bewältigen. U. a. fällt auch die Entscheidung, ob und wo 1932 ein Kreisturnfest stattfindet. Außerdem liegen mehrere Anträge von Gauen vor, die eine Herabsetzung der Kreis st euer fordern oder auf besondere Sparmaßnahmen in der Verwaltung hinzielen. Im Gegensatz dazu steht ein Antrag des Saar-Blies-Gaues, der sich gegen eine vom Kreis- Presseausschuß bereits freiwillig getätigte Sparmaßnahme wendet. Dieser Ausschuß hatte im Februar mit Rücksicht auf die Not der Zeit die Kreis-Preffe- tagung in Koblenz abgesagt. Die Saarturher fordern nun aber baldige Nachholung dieser Tagung. Weiter liegt eine Reihe rein organisatorischer Anfragen vor. Dom Gau Hessen gehört dem Kreisausschuß der 2. Gauvertreter Schneider (Butzbach) an. Schwimmlehrgang im Gebiet des Gaues Hessen OT. Der ursprünglich für Wiesbaden geplante Lehrgang des Mittelrheinkreises für Schwimmwarte und Vorschwimmer ist nach Friedberg verlegt worden und findet im dortigen Hallenbad am 2. und 3. Mai statt. Er wird aus den 23 Gauen des Kreises beschickt und sieht ein umfangreiches Vortrags- und Lehrprogramm vor, das durch praktische Arbeit ergänzt wird. Unter den Lehrkräften befindet sich auch Gau- schwimmwart Sauer (Gießen), der die Ballspiele behandelt. Großer Segelflugerfolg in Hirzenhain. titioj. — irische Fannei auS der Geflögenarm Dilta Inh.: W.TArck Telephon 4156 Idelberger Weg 81. HMIHHHt Tapezier- u. Polsterarbeiten fertigt gut u. billig. Reparaturen auner ö. Hause. 02S18 Carl Beh, Ebeletr.14 Pepgn-LVew ärAilid) empfohlen, das Beste f.den Magen appeltlanregend - oerdauungSfördernd Alleinverkauf: 2715V M.MeMl, WingroMonölnnfl Sparen Sie! Die 02299 Wasch-Anstalt Sonnenlicht liefert Kragen 12 Pf.. Oberhemden 50 Pf.. Arbeitshemden 35 Pf., Taschen- u. Handtücher 5 Pf.. 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April 1931 Gießen ab W Sa au "Sa tägl. 800 iioo 1220 300 Se 3/Lich, 02301 TKAÜJ, I 02301 Täglich Abend erstklassiges Saalbau Stein Künstler-Konzert Nachmittags billigere Preise HÜ Kataloge d Besuch kosten Unverbindlich weltberühmt Büstenhal der Grazia Normalform Unkostenbeitrag RM. 0 50 Erwerbslose.... RM. 0.30 SKedwig Srdmann SKermann cforßad) Redner: Bujard, Dipi.rer.cam., Frankfurt a.M. Konzert der SA-Kapelle ab T/t Uhr abends die letzte ThI Die verehrlichen Kaufleute, handarbeitenden Damen, Handarbeitslehrerinnen mit ihren Schulen werden hiermit zu zahlreichem Besuch eingeladen. in Seide, Wolle, K’seide, B’wolle von hervorragenderSchön- heit, für Kleider, Mäntel, Complets usw. Für die anlö berhochzeitera famkeiten dan Lhr. Äop und Frau Gießen, den 18. Krau Gu Nein Laden! Ausgeschossen werd. 20 Preise. 300 Mk.Wert Alles Nähere daselbst Es ladet böfl.elu: Egenolt.Schützenmelst. heilhleber-u.Gallenleiden.MaQen-Darm-u.Frauen leiden sowie RheumaHsmus.GichfuJschlas. 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Für die betroffenen Personen, aber auch für die oberhessische Gesamtwirtschaft bedeutet die Ber- wi>rklichung der angekündigten Maßnahme einen schweren Rückschlag im Kampfe ums Dasein, für das Unternehmen selbst eine empfindliche Einbuße im Produktionsprozeß. Dah eine solche Perspektive nicht nur die unmittelbar betroffenen Kreise, sondern auch die Allgemeinheit der Provinz lebhaft bewegt, ist selbstverständlich, und so ist es denn auch begreiflich, dah allenthalben die Frage rege erörtert wird, ob diese Dtill- legungs ab sicht wirklich ausreichend begründet ist und ob es nicht Mittel und Wege gibt, ihre Verwirklichung doch noch zu verhüten. Bei der Ankündigung der Stillegungsabsicht wurde zur Begründung auf die katastrophalen Preisstürze am Teer- und Benzinmarkt infolge des Dumpings der Russen, des Kampfes der grohen Beirzinkvnzerne und der reichen Erdölvorkommen in der Lüneburger Heide hingewiefen. Durch diese Umstände, so wurde erklärt, sei der Preis für das Wölfersheimer Teerprodukt bis Ende 1930 um drei Fünftel gegenüber den Erlösen von 1929 gefallen. Das Ergebnis dieser Preisentwicklung sind zweifellos erhebliche Einnahmeminderungen bei dem Werk, deren ziffern- mähiges Ausmaß zuverlässig bisher nicht bekannt ist, die sich aber nach einem Bericht, den wir in unserer Rr. 87 vom 15. April veröffentlichten, auf einen jährlichen Million envevlust belaufen sollen. Selbstverständlich ist diese wirtschaftliche Abwärtsentwicklung sehr ernst zu bewerten, und man wird sich auch bemühen müssen, daraus Schlußfolgerungen in der Richtung von wirtschaftlichen Erleichterungen für das Unter- nehmen zu suchen. Mittlerweile ist aber auch durchgesickert, dah die ungünstigeren Preisverhältnisse auf dem Teer- und Benzinmarkt nicht allein bestimmend gewesen sind für das Vorgehen der Inhaberin des Wölfersheimer Betriebs, der Preag (Preuhen-Elektra-A.-G.). Ein^ mitbestimmende Rolle spielen für die Preag vielmehr wirtschaftliche Machtbestrebun- g e n, die darauf abzielen, nach dem Erwerb des Wölfersheimer Schwelkraftbetriebs Hessen-Frankfurt A.°G. (Hefrag) von der Stadt Frankfurt und dem Hessischen Staate nun auch als Abrundung das der Provinz Oberhessen gehörende Ueberlandwerk in Friedberg dem Konzern der Preag anzugliedern. Um die Clektrizitätswirtschaft in Oberhessen auf eine Grundlage zu stellen, bei der innerster Linie das Gemeinschaftsinteresse der gesamten Provinzbevölkerung bestimmend sein sollte, hat die Provinz Oberhessen bekanntlich vor dem Kriege das Ueberlandwerk in Friedberg geschaffen, das bis jetzt einen Kostenaufwand von rund 17 Millionen Mark verursachte. Aus Grund eines Vertrages mit dem Hessischen Staate erfolgte die Stromlieferung an das Ueberlandwerk von Wölfersheim aus. Als der Besitz des Wölfersheimer Betriebes vom Hessischen Staate und der Stadt Frankfurt auf die Preußen Elektra A. -G. (Prea g) überging, wurde dieser aus» dru^.ich die Verpflichtung auferlegt, der Provinz Oberhessen für die weitere Stromversor- ?ung der Bevölkerung einen loyalen Strom- ieferungsvertrag anzubieten. Erst nach langen Verhandlungen kam man im März 1931 Kreuzweg der Liebe. Vornan von Paul Grobem Urheberrechtsschuh: Romandienst .Digo", Berlin W 30. 23. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ursula schloß die Augen. Mit einem wohligen Gefühl schmiegte sie sich .in die weiche Decke, die er so vorsorglich um sie gebreitet hatte. Wie tat das wohl, so zu ruhen, im Bewußtsein, sich diese Ruhe ehrlich verdient zu haben! Run schlafen — einen tiefen, erquickenden Schlummer ein paar Stunden lang, um nachher wieder frisch zu sein, zu neuer, froher Pflichterfüllung! Aber der Schlaf kam nicht. Wohl war sie körperlich matt, aber die Gedanken waren noch wach. Das zog unaufhörlich an ihr vorüber — all die Eindrücke dieser acht Tage, die sie nun in der Klinik hier weilte, täglich, fast stündlich an Wigands Seite — die letzten drei Rächte nahezu ununterbrochen allein mit ihm in dem schweigenden, schlummernden Hause. Sie beide allein wach, beseelt von derselben Sorge und demselben Bestreben, in treuer, guter Kameradschaft hat kämpfend mit der heimtückischen Krankheit, die drohend ihre Finger nach der blühenden jungen Frau und Mutter ausgestreckt hatte. Wie schön das gewesen war, dieses treue Zu- sammenhalten, dieses stumme Sichverstehen und Handinhandarbeiten! Ein Blick hatte oft nur für sie genügt, sich zu verständigen. Wie stolz war sie darauf gewesen, wenn sie seine Wünsche schnell erraten und ihm die nötige Handreichung schon gemacht hatte, ehe er noch ein Wort gesagt hatte. Und in dieser Zeit hatte sie ihn erst so recht kennen gelernt. In seiner ernsten, selbstsicheren Ruhe, die ettvas so Tröstliches in sich barg. Man gewann mit dem Augenblick, wo er ins Zimmer trat, ein solches Vertrauen: Run ist der Helfer da, nun wird bald alles besser werden. Und seine gütige, herzliche Art! Die Patienten schwärmten alle für ihn; jede hatte das Gefühl, dah^ er ihrem Falle ein ganz besonderes Interesse" entgegentrüge. Wirklich, er war der geborene Arzt. Es mußte ordentlich eine Freude sein, sich von ihm behandeln zu lassen. Wie war Beate von Rommertz zu beneiden, daß sie immer mit ihm zusammen fern durftet Wenn sie doch immer an ihrer Stelle fein könnte, so wie jetzt die zwei Wochen der Vertretung! Ein Seufzer hob Ursulas Brust. Das wäre etwas anderes, als das Arbeiten mit wildfremden, ihr vielleicht unsympathischen Aerzten im Diakonissenhaus, wo sie nun in kürzester Frist eintreten sollte! zu einer Einigung. Schon im Laufe dieser Verhandlungen traten Absichten der Prcag zutage dahingehend das Lieberlandwerk der Provinz in den Besitz der Preag zu bekommen. Diese Absichten verdichteten sich, nachdem die Verlust- Wirtschaft der Hefrag in Erscheinung getreten war, zu einer Forderung auf Erwerb, mindestens aber zur Einräumung eines maßgeblichen Einflusses auf die Detriebsführung des lieber* landwerks. Als Begründung für dieses Verlangen wies die Preag, die in Wölfersheim etwa 30 Millionen Mark investiert hat, auf einen Verlust von etwa 2 Millionen Mark an dem Wölfersheimer Betrieb hin, den sie durch Hinzu- nahme des Ueberlandwerks ausgleichen wolle. Der Provinzialausschuß Oberhessen versagte, da die Provinz an der Hefrag oder der Preag in keiner Art beteiligt ist, diesem Verlangen seine Zustimmung, und nun kam die Leitung der Preag mit dem Entschluß heraus, den Wölfersheimer Betrieb wegen mangelnder Rentabilität st illzu legen. Wenn es richtig sein sollte, daß — wie verlautet — im Aufsichtsrat der Hefrag mit einer Ausnahme sämtliche Vertreter Hessens für die Stillegung des Werkes gestimmt hätten, so müßte dies sehr merkwü.dig berühren. Die Leitung der Hefrag gab dann zu erkennen, daß die Stilllegung des Wölfersheimer Betriebs verhütet werden könne, wenn die Provinz Oberhessen, das lleberlandwerk in Friedberg an die Preag abtrete, jedoch erklärte man sich bei der Preag nicht bereit zur Uebernahme einer unbedingten Gewähr dafür, dah Wölfersheim auch weiterhin in Betrieb gehalten werde, wenn das Ueberlandwerk an die Preag übergehe. Man strebt also bei der Preag l e - diglich d ie Besitzergreifung des lleberlandwerks an und will sich hinsichtlich des Werkes Wölfersheim in keiner Weise bindenden Verpflichtungen unterwerfen. Als Gegenleistung für das bis auf rund 8,5 Millionen Mark bereits abgeschriebene, dabei aber in bestem Betriebs* zustande befindliche und wirtschaftlich ausgezeichnet arbeitende lleberlandwerk erklärte sich die Preag bereit, der Provinz Ober Hessen für 5 Millionen Mark Preuhen-Elektra-Aktien zu überlassen, jedoch der Provinz Oberhessen> nichts von ihrer Anleiheschuld für das Ueberlandwe.k abzunehmen. Hiernach würde also die Provinz für das lleberlandwerk ein Aktienpaket der Preag erhalten, das natürlich allen Kursschwankungen ausgesetzt ist, sie würde aber auch weiter mit den Schuld- vervflichtungen für das Ueberlandwerk belastet bleiben. Die Preag stellte, einer Anregung aus Aufsichtsratskreisen folgend, der Provinz ferner eine jährliche Zahlung von 300 000 Mark in Aussicht. Man muh hierbei aber beachten, daß das Ueberlandwerk der Provinz seither schon alljährlich einen erheblich höheren wirtschaftlichen Ruhen eintrug. Wenn man hiernach das Ergebnis eines solchen Desihwechsels betrachtet, muh man doch wohl sagen, daß die Preag ein sehr gutes Geschäft machen würde, die Provinz Oberhessen aber schlecht dabei weg käme. Runmehr ist die Frage zu prüfen: Wie hat sich die Provinz zu der geplanten Stillegung des Werkes Wölfersheim und zu der von 6er Preag erstrebten Angliederung des lleberlandwerks Oberhessen an ihren Konzern zu stellen? Es ist selbstverständlich, daß einen verantwortungsbewußten Menschen das Geschick der 1300 Angestell- -ten und Arbeiter der HSfrag, die jetzt von der Arbeitslosigkeit bedroht werden, nicht gleichgültig lassen kann. Jedermann wird vielmehr die Forderung unterstützen müssen, daß von den maßgebenden Personen und Behörden mit allem Rachdruck nach Mitteln und Wegen gesucht wer- Wieder seufzte Ursula, diesmal aber schwer und bang. Zum ersten Male sah sie das Leben, das ihr bevorstand, in seiner unverhüllten, tiefernsten Gestalt, und ein Bangen schlich an ihr hoch. . , 22. Kapitel. „In Gottes Namen! Führen Sie die Kleinen heute zu der Mutter." Wigand stand mit Ursula, bei dem Morgenbesuch feiner Patienten begriffen, vor der Tür zu dem Zimmer, wo die beiden Kinderchen der jungen Frau die letzten achte Tage untergebracht waren. „O, die Freude!" Selber erregt vor froher Erwartung öifnete Ursula rasch die Tür, und langsam folgte ihr Wigand nach. Auch er hatte die niedlichen, kleinen Mädchen, seine Patientenbabys, in sein Herz geschlossen. „Tante Ursel — süße Tante Ursel!" Jauchzend hingen die Kleinen an ihrer getreuen Pflegerin, vergeblich bemüht, mit den Aermchcn an ihr emporzulangen. Im nächsten Augenblick kniete Ursula nieder und preßte die'beiden Lockenköpfchen rechts und links an sich, die sich zärtlich an sie schmiegten. „Wir haben schon solche Sehnsucht nach dir gehabt!" gestand, sie umarmend, das ältere Mädchen und wollte sie gar nicht wieder los- lassen. „Wirklich, mein Liebling?" Glücklich erwiderte Ursula die zärtliche Liebkosung. Daß ihr ihre Hingabe an die kleinen Geschöpfchen nun so reich gelohnt wurde! War es nicht doch ein schöner Beruf, den sie sich erwählen wollte? Wigand betrachtete, auf der Fensterbank sitzend, mit warmen Blicken die anmutende Gruppe vor sich. Ursula hatte, seitdem sie in der Klinik war, ihr schwarzes Gewand mit der freundlichen, lichten Schwester-Tracht vertausch!; viel jugendlicher sah sie darin aus, namentlich wenn wie jetzt ihre Wangen vor Freude rosig blühten. So lieb, noch so mädchenhaft, und doch war etwas unbewußt Mütterliches in ihrem Wesen, während sie sich mit den Kleinen abgab. Wie glücklich könnte der Mann sein, der sie sein eigen nennen dürfte! Ein Schatten flog über Wigands Antlitz, und er versank in schwermütiges ©innen. „Run hört aber mal, Ruth und Evchen!" verschaffte sich Ursula endlich vor lauter Zärtlichkeiten energisch Gehör. „Eine große, große Reuigkeit — eine Riesenfreude: Ihr dürft heute wieder zu eurer Mittti." „Zu Muttchen?" Ein freudiger Schrei entfuhr beiden Kinderkehlen zugleich, und los lösten sich die Aermchen Von Ursulas Hals. Diese stand auf und nickte: „Ja, Herzchen, und gleich! Der gute Onkel Doktor erlaubt'»“, sie sah einen Augenblick lächelnd zu Wigand den muß, die der Stillegung der Hefrag entgegenzuwirken geeignet sind. Einen Hinweis in dieser Richtung kann man wohl in den von uns in Rr. 85 vom 13. April berichteten erfolgreichen Versuchen der Gasgewinnung aus Braunkohle erblicken, die in jüngster Zeit von der Draunkohlen-Gas--GmbH. auf dem Gelände des Kasseler Gaswerks abgeschlossen wurden. Liegt es nicht nahe, die Wölfersheimer Braunkohle nach entsprechenden Aenderungen der Betriebscinrichtungen ebenfalls dem Prozeß der Gasgewinnung zuzuführen, dadurch die Fortführung des Betriebes zu ermöglichen und gleich* zeittg fördernd auf die Lösung der Gasfernversorgungsprojekte der Ruhrgas°AG. und der Hekoga (Hefsische kommunale Gasfernversorgung) einzuwirken? Wir sind keine Fachleute auf dem Gebiete der Gasgewinnung, aber von sachlich berufener Seite hörten wir, daß die Vergasung der Wölfersheimer Braunkohle und die Vermischung dieses Gases mit Steinkohlengas nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen sei. Hier dürfte wohl schon eine Möglichkeit zur Fortführung des Wölfersheimer Betriebes vorhanden sein, die einer sofortigen und eingehenden Prüfung wert wäre. Vielleicht würden der Preag, deren Aktien ja zum weit überwiegenden Teile in der Hand des preußischen Staates und anderer öffentlich- rechtlicher Stellen sind, zinsverbilligte Mittel aus staatlichen Kassen, oder von der Arbeitslosenversicherung für eine solche Umstellung zur Verfügung gestellt werden können. Ferner ist die Frage auf- zu werf en, ob der Wölfersheimer Betrieb nicht zu kostspielig aufgezogen ist. Von einem Konzern von der Größe der Preag, dessen Leitung sich auch der Verpflichtungen gegenüber der Gesamt- Wirtschaft und der Bevölkerung bewußt sein muß, darf man doch Wohl erwarten, daß nicht kurzerhand nach Expansionsgesichtspunkten vor* aegangen wird, sondern daß auch U m st el - lungs - und Ersahmöc^lichkeiten ernstlich geprüft werden. Wir möchten daher annehmen, daß die oberste Leitung der Preag noch einmal sehr eindringlich mit sich selbst zu Rate geht und Prüft, ob nicht doch noch der Verzicht auf die Stillegung leichter zu verantworten ist, als das Gegenteil. Wenn man den Fragenkomplex vom Standpunkt des Gemeinschaftsinteresses der gesamten Provinzbevölkerung aus betrachtet, wird man sagen müssen, daß die Preisgabe des Ueberlandwerks seitens der Provinz schwerwiegendste Folgen befürchten ließe. Die Provinz hat bisher unter der maßgeblichen Bestimmung durch die Provinzialtagsabgeordneten und Provinzialausschußmitglieder eine Elektri- zitätsversorgungs- und -Preispolitik betrieben, die bei aller Fürsorge für ein wirtschaftliches Funktionieren des Werkes doch entscheidend unter den Gesichtswinkel des Allgemeininteresses gestellt war. Wenn auch einige Male im Provinzialtag Oberhessen Klagen über gewisse Tarifgestaltungen beim Ueberlandwerkbetrieb zur Sprache gebracht wurden, so stand doch das ernstliche Bestreben, den gerechtfertigten Ansprüchen der Bevölkerung Genüge zu leisten, niemals in Zweifel. Ohne der Leitung der Preag zu nahe treten zu wollen, möchten wir der Anficht Ausdruck geben, daß bei ihr die gleichen Gesichtspunkte wie bei der gegen» wärtigen Inhaberin des Ueberlandwerks, der Provinz Oberhessen, Wohl kaum Geltung haben werden. Cs liegt in der Ratur der Dinge, daß die Preisbildung bei Konzernen unter ganz anderen Maßstäben erfolgt, als bei gemeinwirtschaftlichen Unternehmungen. Vielleicht würbe, wenn das Ueberlandwerk in die Hände der Preag käme, für einige Zeit eine etwas günstigere Gestaltung der Tarife Platz greifen,-bis das Gießener Elektrizitätswerk mit seinem Versorgungsnetz in der nordwestlichen Ecke Oberhinüber, der sich nun gleichfalls zu einem Lächeln zwang. „Also kommt!" Ein Helles Aufjubeln, und, jedes eine Hand Ursulas ergreifend, drängten die Kinder diese zur Tür, zum Zimmer ihrer Mutter hin, aus dem sie eine volle Woche verbannt gewesen waren. Ursula und Wigand blieben einige Minuten in der offenen Tür stehen und sahen selber bewegt, dem Glück des Wiedersehens zu. Cs war doch ein erhebendes Gefühl für sie, sich sagen zu dürfen, dah sie sich mit ihrem Bemühen einen Anteil an diesem Glück verdient hatten. Ein Blick tiefster Dankbarkeit aus den Augen der jungen Mutter traf denn auch über die Köpfchen ihrer Lieblinge hinweg den Arzt und die aufopfernde Pflegerin. „Run ist's genug, Kinderchen." Mit freundlichem Mahnen ging Wigand zum Bett und suchte die Kleinen sanft von der Mutter loszulösen. „Eure Mama ist noch schwach, und ihr dürft sie nicht länger au reger..* Aber das war nun ein Jammer, schier ebenso groß, wie eben noch die Seligkeit. Die Kleinen hatten gemeint, nun würde gleich wieder alles sein wie früher, nun würden sie wieder ganz bei ihrer so lang entbehrten Mutti bleiben dürfen. Ursula kam Wigand zu Hilfe, der sich, in diesem Falle einmal ratlos, nach ihr umgesehen hatte. Sanft zog sie die Kleinen vom Bette fort und führte sie wieder in ihr Zimmer. Aber alles Zureden Ursulas, alle Zärtlichkeiten blieben fruchtlos; die Kinder wollten nichts von ihr hören, und alle Liebe, die sie in den mühevollen Tagen an sie verschwendet hatte, war vergessen — wie fortgeweht von dem starken, natürlichen Gefühl, das die Kleinen am Herzen der Mutter überkommen hatte. Ursula mußte schließlich ihre Bemühungen aufgeben. Ihre Zeit erlaubte ihr auch nicht, diese fruchtlosen Versuche fortzusetzen. Sie klingelte daher eine Wärterin herbei, ließ diese bei den Mädchen und ging von ihnen. Cs gab ihr aber einen Stich ins Herz, als die Kinder sie ruhig gehen ließen. Sie vermißten sie also wirklich nicht — sie war ihnen nichts geworden in all diesen Tagen, bloß zum Zeitvertreib war sie ihnen gut gewesen.' Rur Mutterschaft erwarb wirklich ein Anrecht an solche jungen Herzen. Der kleine Vorfall warf einen Schatten in Ursulas Seele. Gedanken tauchten wieder auf, die so manchmal schon in grauen Stunden sie gequält hatten: Was würde dereinst die Ausbeute ihres Lebens sein, wenn sie einmal am Schluß auf alles zurückblicken würde? Ein Dasein voll Mühen und Plagen für andere, doch ohne tieferen Dank und ohne sichtbaren Erfolg. Einsam würde sie ihren Pfad ziehen, und keine kostbare Frucht würde ihr reifen. Sie würde keine Liebe säen, also auch keine ernten können. Hessens durch sog. Kampfpreise auch in das Revier der Preag bi:.eilige trieben wäre, eine Entwicklung, die für die Stadt Gießen und ihre kommunale Finanzwirtschaft von einschneidendster Bedeutung werden würde. Sobald aber dieser Entwicklungsprozeß sein Ende erreicht und dadurch der Preag» Besihstand seine Abrundung in unserem Wirt» schaftsbcrirk gesunden hätte, könnte leicht eine Preisdiktatur auf Grund der Monopolstellung der Preag eintreten. Uebrigens muh man auch an die Konsequenzen denken, die andere Betriebe in Oberhefsen — beispielsweise Damag- Meguin in Butzbach — aus einer Stellungnahme der Provinz im Sinne der Preag-Destrebungen ziehen würden. Dann könnten leicht gänzlich unhaltbare Zustände herauskommen. Das sind eminente Gefahren, die heute schon greifbar naheliegen. Dazu kommen aber noch weitere Schattenseiten, die beim Uebcrgang des Ueberlandwerks an die Preag die Geschicke unserer engeren Heimat berühren dürften. Kommunalpolitik wird bekanntlich nicht nur von heute auf morgen orientiert, ebensowenig wirtschaftspolitische Maßnahmen. In all diesen Fällen wird die Entwicklung der Dinge auf weite Sicht hin in Rechnung gestellt. Wenn man die Frage „Preag — Ueberlandwerk' unter den gleichen Gesichtspunkt bringt, wird man nicht umhin können, auch die Möglichkeit eines späteren Aufgehens Hessens in einem größeren Staatswesen mit in Betracht zu ziehen. Tritt aber jetzt schon durch Preisgabe bedeutsamer Unternehmungen der Allgemeinheit gewissermaßen ein wirtschaftlicher Ausverkauf ein, wie will man dann später bei einer staatlichen Neuorientierung Rechte für Hessen geltend machen und die Gegenseite zu bestimmten unerläßlichen Verpflichtungen bringen? Wer mit leeren Händen in eine solche Neuregelung hineingeht, darf sich nicht tountern, wenn man ihn dann nicht als allzu bedeutsam ansieht und ihn dementsprechend auch bei der Abmessung von Rechten und Pflichten behandelt. Richt ohne starke Bedenken ist ferner die Tatsache, dah hier jetzt schon dem weit stärkeren Preuhen von dem wirtschaftlich schwächeren Hessen eminente Werte zugeführt werden sollen, ohne auf der anderen Seite entsprechende preußische Ver fkichtungen zugunsten der hessischen Wirtschaft zu begrüntem Wir haben im Rahmen dieser Betrachtung nur die wichtigsten Gesichtspunkte ter Frage hervorgeh oben. Es ist unverkennbar, daß die eine Seite der Angelegenheit genau so ernst und folgenschwer sich darstellt, wie die andere Seite. Es darf aber bei ter Entscheidung über den Gesamtkomplex dieser Frage nicht von Augenblickserwä- gungen unter Preisgabe aller Zukunftschancen ausgegangen werden. Beherrschend muß im Vor- tergrunte der Gesichtspunkt bleiben, dah das G e* samtinteresse der Provinz nicht in lebensgefährdender Weise berührt werten darf durch die Entscheidung über einen Einzelteil ter oberhessischen Wirtschaft. Danach möge der P ro - v i n z i a 11 a g, ohne dessen Entscheidung diese Frage nicht zu Erledigen ist, seine Stellungnahme orientieren. Eine Stimme ans Darmstadt Das „Darmstädter Tageblatt" schreibt in seiner Rr. 106 vom 17. April: „Wie wir hören, sollen erneut Verhandlungen wegen Muckauss des Ueberlandwcrkes Oberhessen stattfinden. Wenn auch die Schwere der Entscheidung für Oberhesfen nicht geleugnet werden kann, so muß doch erwartet werden, daß der Provinzialausschuß ein evtl. Angebot 6er Preußenelektra, die Stillegung ter Wölfersheimer Werke Hinauszuschiei en, eingehend darauf prüft, welche Garantien für Dauer und Umfang des Weiter- Die erwächst nur aus dem Boden ter Familie, der Ehe, an der Seite e.nes Mannes und aus dem Kreise geliebter Kinder! Ihr war durch harten Schicksalsschluß solch Glück verwehrt; ihr Los war Mühe ohne den Segen. Vor solchen Gedanken flohen weitweg die lichten Zukunftshoffnungen, die manchmal in diesen acht Tagen hier sich unwillkürlich eingestellt hatten. Cs war ja alles Selbstbetrug, törichtes Wähnen gewesen — es tat not, daß sie wieder mit nüchternen Augen ihr Leben ansah, so wie es in Wirklichkeit war und sein würde. Und aus solchen schweren Empfindungen heraus drängte sich ihr immer mehr der Entschluß auf, den entscheidenden Schritt nunmehr zu tun, der ihrem Leben die engen, aber festen Schranken zog, die sie vor allem Schwanken bewahrten — ihren so lange geplanten Eintritt in ein Dia» kvnissenhaus nun zu vollziehen. Dann hätte ja alles törichte Wähnen und Sehnen ein Ende! Wigand saß in seinem Ordinationszimmer, damit beschä tigt, das Krankenjournal nachzutragen, als Ursula bei ihm eintrat, um ihm die Fiebertabellen, deren er dazu bedurfte, wie gewohnt zu bringen. Mit einem Wort 6es Dankes nahm er ihr, ganz bei seiner Arbeit, die Formulare ab und wollte weiterschreiben. E was überrascht sah er daher auf, als Ursula an seinem Schreibtisch stehen blieb. „Bitte — ist noch irgend etwas?" fragte er, und, sie nun anblickend, gewahrte er ihre ernste, entschlossene Miene. „Ich wollte nur fragen, wie lange Fräulein von Rommdrh noch zu bleiben gedenkt. Meine Dienste sind vielleicht schon in kürzester Frist nicht mehr frei.“ „Wieso denn?" Ueberrascht erhob sich Wigand vom Sessel. „Ich will den Plan, von dem Sie ja schon wissen, endlich ausführen; ich will —" „Ins Diakonissenhaus Eintreten?" Mit einem leisen Erschrecken (ragte es Wigand. Sie nickte nur ernst. Einige Augenblicke schwieg auch er. Das durfte ja nicht geschehen; 6iesen unglücklichen Gedanken mußte er ihr ausreden. „Gewiß, Sie sprachen ja schon von diesem Vorhaben. Aber, offen gestanden, ich habe immer gehofft, Sie würden sich das noch anders überlegen.“ Urufula machte eine feste entschlossene Gebärde. „Was treibt Sie denn zu diesem unglücklichen Gedanken?" „Ernste Gründe, die in langen Jahren wohl erwogen sind." Schwer fielen die Worte von ihren Lippen. „Ich zweifle nicht daran, aber ich fürchte — ich empfinde es mit aller Bestimmcheit — Sie find das Opfer einer Selbsttäuschung, Sie werden hinterher die Dinge ganz anders ansehen, als sie Ihnen jetzt erscheinen." (Fortsetzung folgt.) die Stück praktischen Christentums, das von der statt, zu ein^and. 8 der Gestern nachmittag fand die Einweihungsfeier der sich eine zahlreiche Festgemeinde der Barmherzigkeit zum Segen für Kleine und Große fein. Mit dem Gebet des Vaterunser fand die Weiheansprache ihren Ausklang. Anschließend sang die Festversammlung die erste Strophe des Chorals „Lobe den Herrn". Hierauf brachte Oberbürgermeister Dr. Kel- I e r namens der Stadt die herzlichsten Wünsche für das neue Haus der Krippe und für die Arbeit darin -um Ausdruck. Cr dankte bei dieser Gelegenheit dem Allgemeinen Verein und den Schwestern für die bisherige segensreiche Arbeit im Dienste der Armen und Kranken mit herzlichen Worten und betonte, daß diese Arbeit in der Bürgerschaft dankbar gewürdigt werde. Dieses neue Werk des Vereins und seines tatsrohen Vorsitzenden bezeichnete der Redner als ein schönes des Vereins eng verbunden fühlen. Frau Prof. Kramer übermittelte die Wünsche und Grüße Oie Berufsaussichten der technischen Assistentin. In letzter Zeit wurden die Eltern und Heil- und Krankengymast in, Metallographin tWaterialprüfer n). Fachphotographin. Technische Assistentin für chemische Betriebe, Diätassistentin, Gehilfin für Pflanzenschutz und Samenlontrolle, umschließt, hält es als Beru'sverlretung für sein« Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, daß die Aussichten zur Zeit doch nicht so günstig sind, wie es allgemein angenommen wird. Ganz besonders muß der Reichsverband aber davor warnen, etwa kurzfristige nur wenige Wochen oder Monate dauernde, sogenannte Ausbildungslehrgänge zu besuchen: der Arb.eitsmarkt ist von solchen Kräften über üllt. Auch sei abgeraten von den ändert- halbjährigen Teilausbildungen als staatlich geprüfte Röntgenassistentin oder Laboratoriumsassistentin. Man wähle die zweieinhalbjährig« Vollausbildung, nicht nur im Hinblick auf zukünftige Möglichkeiten, sondern auch in Beachtung des derzeitigen Arbeitsmarktes und der vorliegenden Stellenangebote, die dem Reichsverband Beweise dafür sind, daß — hervorgerufen durch Abbau und Zusammenlegung von Arbeitsfeldern — die Vielseiiigkeit der technischen Assistentin an medizinischen Instituten die meiste Arbeits- Möglichkeit bietet. Oberheffen. Gemeinderat in Büdingen. schulentlassenen Mädchen auf die günstigen Aussichten eines Frauenberufes hingewiesen, der unter den verschiedenen Titeln „Röntgenassistentin", „Röntgenschwcstcr", „Laborator.umsassisten- tin", „Laborantin" oder „Sprechstundenhilfe" bekannt geworden ist. Der Reichsvcrband technischer Assistentinnen e. D., der die nachstehenden Fachgruppen- Technische Assistentin an medizinischen Instituten lRöntgena s stentin, Laboratoriumsassistentin, techn. Ass. an vet.-med. Instituten), Büdingen, 17. April. Bei der Eröffnung G e m e t n d e r a t s s i tz u n g vom Mittwoch wurde festgestellt, daß die Gemeinde- Di« steigende Inanspruchnahme des Evangelischen Schwesternhauses in der Iohannesstraß«, sowie die in letzter Zeit erheblich gesteigerten Bedürfnisse der Kinderkrippe, die im Schwesternhaus untergebracht war, stellten den Allgemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege vor die Rotwendigkeit, ein« Möglichkeit zu schaffen, durch die den räumlichen Röten der beiden guten Einrichtungen abgeholfen wurde. Man entschloß sich deshalb vor längerer Zeit zum Dau einer Krippe, die nunmehr fertiggestellt worden ist und gestern ihrer Bestimmung übergeben wurde. Die Finanzierung, um di« sich der Vereinsvorsitzend«. Pfarrer Ausfeld, in vorbildlicher Weise verdient machte, war von lanaer Hand vorbereitet. Aus Spenden und ersparten Mitteln in der Höhe von rund 100 000 Mark konnte das Haus erstellt werden. Die Krippe befindet sich auf dem Gelände des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege, zwischen dem Seltersweg und der Iohannesstraße, der Zugang führt von der Maigasse her. Mit dem Dau wurde vor ungefähr anderthalb Jahren begonnen. ben gehalten sind und in ihrer Eigenart belebend auf das Kind wirken dürften Die Gemeindesäle klingen in ihrer Ausmalung an die kirchlichen Farben an. Dibelsprüche beleben die Wandflächen. Sehr fein wirkt auch das architektonisch hervorragend gestaltet« Treppenhaus. Das Gebäude, in seiner Gesamtheit betrachtet, macht einen geschlossenen Eindruck. Di« Fassad«, von der Maigasse her gesehen, wird durch eine Freitreppe belebt, das Verhältnis der Fenster zu den Maucrflächen darf als sehr glücklich bezeichnet werden, sehr schön wirken außerdem di« Veranden, die im ausgebauten Dachgeschoß den Zimmern der Schwestern vorgelagert sind. Zwischen dem Gebäude der „Zuflucht" und der Kripp« tourt« eine Terrasse geschaffen, die den Kindern im Sommer den Aufenthalt in frischer Luft gestattet. Rach der Iohannesstraße zu ist der Krippe außerdem ein kleiner Garten beigegeben, der in der Hauptsache aus Rasenflächen bestehen wird, die ein Dandspielbecken für die Kinder umschließen. Bei der Besichtigung kam allgemein die wohlverdiente Anerkennung des mustergültigen Baues zum Ausdruck. Eine anschließende gemeinsame Kaffeetafel gab Gelegenheiten, in einigen weiteren offiziellen Ansprachen herzliche Wünsche für das neu« Werk und warm« Worte des Dankes und der Anerkennung. insbesondere an den verdienstvollen Der- einsvorsitzenden Pfarrer A u s f e l d und an Dau- rat Meyer, zum Ausdruck zu bringen. Superintendent O''"-'"i chenrat D. Wagner (Gießen) sprach im Ramen des Prä'aten. des Landes- Vereins für 3n,.v e Mission, ferner als Superintendent und als Vorstandsmitglied des Vereins. Pfarrer Hickel (Darmstadt) sprach ncrmens des Schwestern-Mutterhauses Elisabethenstift in Darmstadt und auch der Oberin des Mutterhauses. Beide Redner gedachten- auch der hingebungsvollen Tätigkeit des verstorbenen Kirchenrats Schlosser und der verewigten Oberschwester Julie Fuchs im Dienste der Dereins» zwecke. Dekan Guß mann (Kirchberg) sprach für das Dekanat Gießen und insbesondere namens der Landgemeinden des Dekanats, die sich mit den Einrichtungen des Schwesternhauses und Oie neue Krippe in Gießen. Ein schönes Werk des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege. Um den Nagel auf den Kopf zu treffen braucht man einen richtigen Hammer, zu jeder guten Arbeit des rechte Handwerkszeug. Und zum Waschen? Dor allem rein« Seife! Am besun Naumann's weiße Kernseife Sie ist mild u. rein, schont Wäsche u. Hände und ist durch ihre Schaum- u. Reinigungskraft Im Gebrauch billiger als seifenarme Wa chmittel mit wäschezersrefsenden, scharfen Zusätzen. Kreis Alsfeld. *!* Ruppertenrod, 16. April. Heute fand hier der diesjährige Frühjahrsmarkt statt. Der Besuch des Schweinemarktes war trotz der geringen Zahl der aufgetriebenen Ferkel (165) sehr gut. Dementsprechend lagen die Preise höher. Bis zu 6 Wochen alte Fer^l brachten es auf 20 bis 23 Mk. das Stück: 6 bis 8 Wochen alte kosteten 25 bis 26 Mk. und noch ältere erzielten 30 Mk. — Am Sonntag sand in hiesiger Kirche die Konfirmation statt. Die Konfirmanden wurden diesmal nicht mehr in Ober-Ohmen, sondern in der hiesigen Kirche eingesegnet. Dis Zahl der Konfirmanden betrug sechs. Preußen. Kreis Wetzlar. cZ Krofdorf, 17. April. Die Gemeindevertretung von Krofdorf-Gleiberg hat in ihrer letzten Sitzung folgendes beschlossen: Dem Antrag der Freiwilligen Feuerwehr auf Anschaffung verschiedener Aüsru st ungsgegen stände soll entsprochen werden, sosi/n die Rheinische Pro- vlnzial-Feuerversicherungsanstalt einen angemessenen Zuschuß bezahlt. Die Beschlußfassung über die vom Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde beantragte Instandsetzung der Nebengebäude des Pfarr- gehöstes und über die von dem Schulvorstand gewünschten Au sbesserungs ar betten an den Schulgebäuden wurde bis zur Etatsberatung zurückgestellt. betrieb- gegeben werden. Genau so wenig, wie bei der Stillegung von Damag- Meguin in Butzbach, durch die über 2000 Arbeiter und Angestellte arbcitSios wurden, ö f - f e n t l t ch e Mi t te l erbeten und gegeben wurden, genau so wenig konnte eS im Gesamtinteresse der Provinz verantwortet werden, im Falle Preag a n d e r s zu handeln. Der Provinzialaus- schuß würde sonst einen Präzedenzfall schaffen, der für die Zukunft die bedenklichsten Folgen Allgemeinen Vereins für all« guten Wünsche herzlich, wies erneut mit warmer Anerkennung auf die Verdienste des Daurats Meyer um diesen Dau hin und äußerte sich ferner noch kurz über einige Teile der Zweckbestimmung des neuen Gebäudes. Schluhbeirachiung. Man darf wohl sagen, daß mit dieser Krippe bei geringen Aufwendungen an sinanziellen Mitteln. aber mit viel Liebe und mit viel Geschmack in der Daugestaltung etwas geschaffen wurde, das nicht nur dem Verein, sondern auch der Stadt Gießen zur Zierde und zum Vorteil gereicht. Der Verein selbst hat sich damit ein Denkmal gesetzt, das für die Allgemeinheit von dauernden! Wert sein wird. Weiter ist mit hoher Anerkennung als vorbildlich festzustellen, daß der Allgemeine Verein für Armen- und Krankenpflege durch diesen Dau in so schwerer Zeit ely Teil dazu beigetragen hat. der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken, soweit es in seinen Kräften stand. Die Arbeiten für diese» hau» wurden, abgesehen von geringfügigen Ausnahmen, lediglich von Gießener Handwerkern ausgeführl. Der Entwurf zu dem Dau stammt von dem Architekten (Baurat Hans Meyer, in dessen Händen auch die Bauleitung (ag. Er hat mit diescir Krippe bei geringen Mitteln wieder etwas Vollkommenes geschaffen und trotz aller materiellen Beschränkung eine Harmonie zwischen Zweck und Schönheit erreicht, die das Bauwerk besonders wertvoll erscheinen läßt. Rundgang durch das Gebäude an. Die Krippe besteht aus einem Keller-, einem Erdgeschoß, dem ersten Obergeschoß und dem Dachgeschoß. 3m Keller wurde eine neuzeitliche Wäschereianlage eingerichtet, die neben den Zwecken der Krippe auch dem Wäschereibetrieb des Schwesternhauses dienen soll. Waschmaschinen und große Einweichbottiche aus Beton haben dort Aufstellung gefunden, moderne Trockenanlagen und Plättvorrichtungen wurden geschaffen, die mit Dampf beheizt, bzw. elektrisch betrieben werden. In einem geräumigen Kessclraum wurden di« notwendigen Anlagen für di« Dampferzeugung. für die Warmwasserbereitung und für die H e i z u n g des Hauses unter- ge'racht. Ein großer Koksraum, der von außen her zu beschicken ist, steht mit dem Heizraum in unmittelbarer Verbindung. 3m Erdgeschoß wurden die Rüume für die Krippe untergebracht. Sie bestehen in der Hauptsache aus einem großen Tages-Auf- e n t h a l t s r a u m, der allen Anforderungen eines Spielsaales gerecht wird, einem großen Schlaf- s a a l, der die Möglichkeit gibt. 60 Kinder unter- zubringen. Reben dem Tagesraum befindet sich bie nach den neuesten hygienischen Grundsätzen ausgestattete Dadeanlage für die Kinder. in der auch die übrigen sanitären Einrichtungen vorhanden sind. Im Erdgeschoß ist außerdem ein hübsches Wohnzimmer für die Krippe- Schwester eingerichtet. Eine bequeme, aus Kunststein gefertigte Treppe führt zu den oberen Stockwerken. Im e r st e n Obergeschoß wurden Räume für gemeindliche Zwecke geschaffen. So wurde ein Aufenthaltsraum eingerichtet, der tagsüber geöffnet sein wird und den jungen Mädchen und Frauen in Avbeits- oder Schulpausen die Möglichkeit bietet, fern der Straße einige Zeit der Ruhe hier zu verbringen. Der Raum soll außerdem den hiesigen Frauenvereinigungen zu Zusammenkünften zur Verfügung stehen. Ein unmittelbar anschließender größerer Saal, der seinem vorbestimmten Zweck entsprechend eingerichtet wurde, ist für gottesdienstliche Feiern, Vorträge usw. bestimmt. Insbesondere sollen dort Kindergottesdienste abgehalten werden. Eine fein« Altarnische, dezente Beleuchtung und stilvolle Einrichtung geben dem Raum eine besondere Rote. Ein Amtszimmer für den Vorsitzenden des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege, ein Garderobe- raum, eine Schnell-Anrichte u. dal. vervollständigen die Einrichtung dieses Gebäudeteiles. 3m ausgebauten Dachgeschoß sind eine Anzahl freundlicher, geräumiger Wohnräume für die Gemeindeschwestern und das Personal eingerichtet. Ein Bad und eine klein« Küche sind ebenfalls vorhanden. Die Ausstattung der Zimmer der Schwestern geschah mit vorhandenen Möbeln, die sich indessen gut in den Rahmen fügen. Die 3nnenau6ffaf(ung de» Hauses muhte, den vorhandenen Mitteln entsprechend, einfach fein, sie ist aber dennoch als geschmackvoll und vortrefflich gelungen zu bezeichnen. Durch freundlich-helle Farben und durch geschmackvolle Tapeten gab man den Wohnräumen eine heimelige Rot«, die Räume der Krippe zeigen dekorative Kinderfriese, die in satten 7?ar- Landkreis Gießen. lß Lollar, 17.April. Eine össentllche Sit- zung des Gemeinderates fand gestern abend statt. Auf das Rutzholzangebot lagen Bewerbungen einiger Schreiner und der Firma B. Ruhn AG., vor. Der Zuschlag erteilt der Firma B. Ruhn 31 Stämme mit 16,61 ccm für 313,16 Mark, den Schreinern 29 Stämme mit 23,64 ccm für 423,79 Mark. — Dem Feilenhauer Heinrich Löhr wird auf Widerruf die Aufstellung einer Autogarage auf gepachtetem Gemeindegelände hinter seinem Anwesen gestattet. — Di« Beseitigung der Treppe als Verkehrshindernis und großes Gefahrenobjekt vor dem Haufe Dölp in der sehr belebten Ortsdurchfahrt bildete den Anlaß zu erneuten Verhandlungen mit dem Eigentümer. Der Gemeindcrat fand abermals kein Verständnis für die notwendige Beseitigung und erwartet nunmehr, daß die vorgesetzten Stellen ungesäumt eingreifen. Die gesamte Bürgerschaft erkennt die Bemühungen des Gemeinderates dankbar an und ist nicht gewillt, widerspruchs'os sich mit dem Ergebnis der seit mehreren 3ahren geführten Verhandlungen abzufinden Das Arbeitsamt Gießen regt die Aufna hme von Rotstands - arbeiten an und stellt für die-Durchführung von Arbeiten von volkswirtschaftlicher Bedeutung Zuschüsse und verbilligt« Darlehen aus der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge zur Versüß gung, sofern die vorgesehenen Arbeiten mindestens 2000 Tagewerke ausmachen. Rach eingehender Beratung beschloß der Gemeinderat hierfür die Befestigung der Bergstraße und Ebert st raß« vorzusehen und eine entsprechend« Anmeldung vorzunehmen. >Daubringen,17. April. Der Spar« und Borschußverein Daubringen hielt in der Wirtschaft Weimer seine diesjährige Generalversammlung ab. Direktor A l b a ch erstattete den Jahresbericht. Der im vorigen Jahre eingeführte Scheckverkehr hat sich gut bewährt. Die Zahl der Mitglieder beträgt 165. Der Gesamtumsatz betrug 271 969 Mark, Aktiva und Passiva von je 141194 Mark schließen mit einem Reingewinn von 2636 Mark ab. Die Spareinlagen stiegen auf 106 530 Mark mit einem Zuwachs von 18 000 Mark, in dem 2970 Mark der Schulsparkasse enthalten sind. Durch Berkaus von Sparmarken gingen 7069 Mark ein. Der Reservefonds erhöhte sich auf 3719 Mark. Die Geschäftsanteile stiegen auf 5833 Mark. Darlehen gegen Hypotheken stiegen von 50 000 auf 65 700 Mark, solche gegen Bürgschaft von 40 953 auf 44 065 Mark und in laufender Rechnung von 11 083 auf 17 256 Mark. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Ueber die Verwendung des Reingewinns wurde beschlossen, 10 v. H. Dividende auf die Geschäftsanteile zu gewähren, 500 Mark als Betriebsrücklage fest- zusetzen und den Rest dem Reservefonds zuzuweisen. Durch den Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Bürgermeister Preis, wurde der Revisionsbericht erstattet. Es wurde sodann noch beschlossen, die Höchstgrenze von aufzunehmenden Geldern auf 300 000 Mark und von auszuleihenden auf 10 000 Mark fest- zusetzen. Die Auszahlung der aufgewerteten Spareinlagen soll ab 1. Januar 1932 in dem Maße erfolgen, wie die Rückzahlung aufgewerteter Schulden erfolgt. Die Rückzahlung der aufgewerteten Beträge der Pfennigsparkasse soll im Laufe des Sommers geschehen. Die beiden ausscheidenden Aufsichtsrats- Mitglieder wurden wiedergewählt. * Saasen, 18. April. Am Sonntag, 19. April, feiern in geistiger und körperlicher Frische die Eheleute Heinrich Münch III. und Frau Katharine geb. Schmitt das Fest der goldenen Hochzeit. Beide verrichten ihre häuslichen und landwirtschaftlichen Arbeiten noch in aller Rüstigkeit. Kreis Schotten. § Ulrichstein, 16. April. 3n der Lehrerschaft des hiesigen Bezirks sind letzthin mehrer« Versetzungen erfolgt. Lehrer S ch m a n d t wurde von Köddingen nach Steinfurth bei Dad-Rauheim und Lehrer Hahn von Ober-Seibertenrod nach Rieder-Florstadt in der Wetterau versetzt. Ebenso wird Lehrer Becker demnächst seine seitherige Stelle in Wohnfeld.verlassen, lieber bi« Rachfolge in diesen drei Orten verlautet bisher noch nichts Bestimmtes. Dagegen tritt in Feldkrücken der von Bensheim nach dort versetzt« Lehrer Stegmann mit Beginn des neuen Schuljahres seinen Dienst an. Der seitherige Lehrer Eisenhauer wurde nach Cichloch in Rheinhessen versetzt. ratsmitglieber der sozialdemokrati» schenFraktion ohne Entschuldigung der Sitzung ferngeblieben sind, ausgenommen einen Herrn. Aus der Mitte des Gemeinderats wurde der Antrag gestellt, gegen die wiederholt von den Sitzungen fernbleibenden Gemeinderatsmitglieder bei dem Kreisausschuh die Verhängung einer O r d - nungsstrafe zu beantragen. Dieser Antrag sand keine Annahme. Am nächsten Samstag steht Termin zur Verhand- lung über den Einspruch gegen den Gemeinde- ratsbeschluh wegen der A n st e l l u n g eines 93 c • rufsbürgermeisters vor dem Kreisausschuß des Kreises Büdingen an. Als Vertreter der Stadt In diesem Termin wurden die Gemeinderatsmitglieder K n a f und Kraft bestimmt. Die Beratung des Haushaltsplans für dasRs. 1931 wurde vertagt, da noch einige Unterlagen, die der Genehmigung des Kreisamts bedürfen, fehlen. Mit einer Umlageerhöhung ist nicht zu rechnen. Mittlerweile ist das Protokoll über die Visitation der Kassen- und Buchführung des Rechners der Stadt Büdingen elndegangen. Es hat sich ergeben, daß die von dem Kassengehilfen veruntreuten Gelder sich auf 3442,83 Mark belaufen. Etwaige sonstige Verfehlungen infolge falscher Buchungen durch den Kassenbeamten lassen sich erst durch die Beitreibung und den Abschluß Der Handbücher für das Rj. 1930 feststellen. Der endgültige Fehlbetrag dürfte sich erst nach diesem Zeitpunkt bestimmen lassen. Vorzugsweise genehmigte der Gemeinderat den km Gemeindevoranschlag für 1931 vorgesehenen Kredit in Höhe von 4500 Mark für die H e r st e l l u n g d e r Seemenbachmauer in der Mühltorstrahe. Die Arbeiten werden baldigst vergeben, und zwar nur Der Erbauer des Hauses, Architekt Dau rat Hans Meyer, übergab zunächst vor dem Portal mit einer herzlichen Ansprache dem Dereinsvor- sihenden, Pfarrer Ausfeld, ben Schlüssel des Hauses, bankte babei dem Allgemeinen Verein für Armen- unb Krankenpflege für ben mit ber ilebertragimg des Baues ihm gegebenen Vertrauensbeweis, sprach allen Mithelfern am Dau herzlichen Dank aus, toürbigte in kurzen Worten treffenb bie hohen 3iete, benen bas Haus bienen soll, unb wünschte allen Insassen bes Hauses Liebe unb Freude, gesegnete Arbeit unb herzliche Eintracht unter bem Schuhe unb Degen Gottes. Pfarrer A u s f e l b nahm ben Schlüssel mit herzlichen Dankesworten an ben Erbauer für bl« Schaffung bieser schönen Krippe in Empfang, ' bankte gleichfalls allen Mitarbeitern unb Förderern des guten Werkes, wies auf den hohen Wert dieser Einrichtung hin, um die sich die Schwestern ar beit sehr verdient macht, unb öffnete das Haus mit stiller Gebetsbitte an Gott um seinen Segen für dieses Heim. Zur eigentlichen Einweihungsfeier begab sich bie FestversammlüNg nunmehr in ben Saal im ersten Obergeschoß, wo sie mit feierlichem Harmoniumspiel von Pfarrer Lenz empfangen wurde. In bem sehr stimmungsvollen, mit schönen Alsfelder Stühlen ausgestatteten Raum leitete Choralgesang der Schwestern bie schlichte, aber eindrucksvolle Feier ein. Dann begrüßte Pfarrer Ausfeld namens des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege die Festversammlung, insbesondere Oberbürgermeister Dr. Keller als Vertreter der Stadtverwaltung, die stets in ausgezeichneten Beziehungen zu dem Verein unb seiner Arbeit zum Wohle der Armen und Kranken gestanden habe. Der Redner erinnert« dann an das Wirken ber Krippe im Schwesternhause, die dort schon oft 25 bis 30 Müttern, die zur Qlrbeit gehen mußten, tagsüber die Kinder zur Pflege abnahm. Die Unterbringung der Krippe im Krankenhause sei aber nur ein Rotbehelf gewesen. Leider seien die Mittel einer „Schwester-Julie-Fuchs-Stiftung", die nach dem Ableben ber Oberschwester Julie Fuchs im Jahre 1919 zur Erinnerung an deren segensreiches Wirken durch reiche Gaben zusam- mengebracht wurde, durch bie Inflatton zusam- mengeschmolzen, so daß man für ben verbliebenen .(Betrag Sachwerte anschaffte, anstatt ihn, wie vorgesehen, zum Krippenneubau verwenden zu können Runmehr sei dieser Reubau doch möglich gewesen, und er fei auch zum größten Dell bar bezahlt worden. Als eine wichtige soziale Tat des Vereins sei es auch anzusehen, daß er, trotz mancher Bedenken, gerade jetzt diesen Bau errichtete und dadurch in einer Zeit großer wirtschaftlicher Rot vielen Arbeits- und Verdienst. Möglichkeit bot. Mittelbar diene der Reubau auch der Vergrößerung des Krankenhauses, in welchem durch Verlegung der Krippe und der Schwester- Wohnungen nun Räume frei werden, die zur Vergrößerung der Krankenstation verwendet werden können unb sollen. Die Einrichtungen der Krippe seien in jeder Hinsicht den neuzeitlichen An orderungen entsprechend, so daß diese Krippe Wohl zu den schönsten in unserem Vaterland« , gehören werde. Der Redner erinnerte zum Schluß u.a. daran, daß die Krippe an der Stelle der einstigen Hospitalkirche errichtet und damit an eine viechundertjährige Tradition angeknüpft wurde. Dieses Haus solle, ebenso wie bie 1921/22 erbaute, nebenan gelegene Zuflucht, eine Stätte VLUU ♦/LULL'! VlyX 11 *•-* y H [IvIHUUl Vf v UV v VH VvV - Stadtverwaltung warm unb bankbar begrüßt^ ' des Vorstands des Säuglingsheims in der Kirch - teerte. /s^ftraße. Pfarrer^A usfelb dankte im Ramen des Anschließend fangen Frau Hertha Meyer unb Frau Frankemit ihren eblen unb umfang- reichen Stimmen in erhebenber Weife das Duett von Mendelsohn aus dem Lobgesang „3d> harret« des Herrn". Die feinsinnige (Begleitung der Sängerinnen am Harmonium nahm Pfarrer Lenz wahr. Mit dieser w.'ihevollen Darbietung fand die denkwürdige Feier ihren Abschluß. An die offizielle Einweihungsfeierlichkeit schloß sich «in 20 Proz. Rabatt DÜSSELDORF Alleinige Kalk durch den Kurverein. 2391 V C.Rübsamen, Gießen Fernsprecher 8666 1209 D BM 16 RM bis statt 170.- nur 120.00 500/400 cm 30 0 87.50 250/550 cm . statt 125.- nur 85.- nur 200/500 cm statt 0 22.- nur Brücken 90/180 cm statt 11.- nur Vorlagen 60/120 cm statt Nur solange Vorrat reicht Gewinn-undVerlustrechnungam 31. Dez. 1930 Soll Süddeulsdilands größtes Spezialhaus für Teppiche und Gardinen. 53 Frankfurt a. M., Neue Kräme 28-30 47 MMMMWMMMMMMMM Dl, BRUMLIK 93 51 38 28 64 45 07 58 unter regulärem Verkaufspreis 208515738 9-8 720 488 821 7U2 744 y 057 369 699 370 075 60000 000 75 000000 87500000 2292 817 2 3 IM 450 000 93 500 000 12000 000 70 82 SO 60 03 Verwachs steht Im Preis nur um Pfennige höher als die bisherigen Polier- und Bohnermittel. 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Reingewinns wurde de> auf die Teschäftsontelle 5 Betriebsrücklage fest« chrvefonds zuzuweisen. Aufsichtsrats, Bürger« ;r Revisionsberichl er« h beschlossen, die höchst, i Geldern aus 300 000 m aus 10 000 Marl fest« • er ausgewerteten Spar« 1932 In dem Matze tr« I ausgewerleter Schulden -r ausgewerteten Beträge m Laufe des Sommer; cheidenden Aufschtsratr« 'wählt, Jm Sonntag, 19. Sprit, irlicher Frische die The« mb Frau Mhoünr yb. olbentn Hochzeit, lichen und iandwirischast. er Wett -hotten. ML 3n der Lehrer« 8 find lehthrn mehrere ■er Schmandt Wurde urth bei DMautzeim )ber«6cibetlento6 nach Jettetau versetz!. Ebenso machst leine sWnge sten. Uetzer w Kch- n Derlautet bisher ^ zen tritt in WMJ» i Dort versetzte Lehm i deS neuen SchuIiahreS itberige Lehrer Sifen* Mloch in ÄelMen 5698 220 870 749 203S9 371 4923633 681 37 30 S8 11 Aktiva Kasse, fremde Geldsorten und fällige Zins- und Dividendenscheine.................. 84 684 675,92 Guthaben bei Noten- und Abrechnunge- banken.......................... 123 881 182.78 Wechsel und unverzinsliche Sehatsanweisungen ... Nostroguthaben bei Banken und Bankfirmen...... Reporte und Lombarde gegen börsengängige Wertpapiere .......................................... Vorschüsse auf verfrachtete oder eingelagerte Waren Eigene Wertpapiere................................ Beteiligungen an Gemeinschafts-Geschäften Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen ............. .............. Schuldner in laufender Rechnung Langfristige Dollar-Vorschüsse.................. Bankgebäude............. .................. 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Die Beerdigung findet Montag, den 20 April, nachmittags 2 Uhr, vom zum Neubau-Kauf und zur Hypothekenablösung gibt seinen Mitgliedern der Zwecksparverband Oeff. Handelslehranstalt der Industrie- u. Handelskammer Gießen Im Namen der Trauernden: Familie H. Weiß I. L. Weiß III. Wilh. Weiß I. Kd. Weiß 111. Marie Weiß, Enkel. Unkündbare, billigste Darlehen Donnerstag, den 1A April, 133/. Uhr, verschied unsere gute Mutter, ©roßmutter und Urgroßmutter Frau Christina Weih, Seh. Wagner Beteiligung R. H. G Beteiligung Zwag Guthaben b. Spar- u. 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April 1931, im Schullokal Gießen, Liebigstraße 16 (Alte Klinik), II. Obergeschoß. Fernspr. 2912. vorgebracht werden. Es wird eine Umlage erhoben, zu i auch die Ausmärker beizutragen haben. Lang-Göns, den 17. April 1931. Hessische Bürgermeisterei. Rompf. In tiefer Trauer: Friedri di Schneider, Postassistent a. W. und hessischer Bürgermeister. Aliendorf a. d. Lumda, den 17. April 1931. Die Beerdigung findet Sonntag, den 19. April, nachm. 4 Uhr statt. Trenchcoat der praktische Strapazier- mantei, in marine, nachtblau und beige 19.50 Seiden-Gummimantel für die elegante Dame, leicht und bequem, in bleu, rot und manne Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sagen auf diesem Wege innigsten Dank Familie Friedrich Launspach und alle Angehörigen. Reiskirchen, den 18. April 1931. |Knabenmstitut Lucius "Forathaus bei Echzell,Oberhessen Unterricht u. Erzieh. Sexta / Untersek. O. Reaisch. u. Realgyni. Gründl. Unterricht in kl. Klassen. Behebunff v. Schul- Schwierigkeit, durch sorgt". Erziehung zuPflichtbewußts. u selbst.Arb. Best. Erfolge auch beinerv, u zerstr. Jungen. Ges. Lage an ausgedehnt.Waldung.Sport oh.Uhertr.Persönl. Empfehl. Ausführl. Prospekt d.1