Nr. 65 Erstes Matt 181 Jahrgang Mittwoch, 18. März |93( 6rld)etnt lüyl'ch.ovtz« Sonntags unb fteievags Betlagen Dir DDuftriert» Bietzen« Jamtlienblättei fjeimai nn Bild Die 5d)oUe (Kanals* Bezugspreis; 2.20 Reichsmark unb 30 •Reidispfenntg füi Träger lohn, auch bei Richter- scheinen etnj.’lnerVlummeni mfolgr höherei (Bemalt .^erntnrechantchlüste anter5ammelnummer2251 Anlchnsi itu Drahtnach» richten Snzeiger Gteste». Pol1d)ed1onto: fira^tturtom Main 1168« GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vri'S vnd verleg: Vrühl'sche UntversitSls-vuch- nitö Stetnöruderel H. tanze in Sietzen. Sdfriftlettung und Seschästrltelle: Zchul'tratze 7. 8nna)me von flnjetgen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen uon 27 mru Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20”mehr. Thefredakteur. Dr Friede. Wilh. Gange. Derantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für beit Anzeigenteil Ma; Filler, sämtlich in Dietzen. Reichskanzler Brüning an das deutsche Handwerk. Gesundung der Kommunalfinanzen. - Schluß mit der Erhöhung der Realsteuern. Ordnung des Baumarkts. Berlin, 17. März. (WTB.) Auf der Heu- tigcn OLermeiftettagung des Berliner und märkischen Handwerks hielt Reichskanzler Dr. Brüning eine Rede, in der er unter dem Hinweis auf die mannigfachen, dem Reichstag zur Zeit vorliegenden Aufgaben die Roiwendigkeit einer rechtzeitigen Verabschiedung aller vor e ,'nden Gesetze betonte, damit die Tlnsicherhe.r die seit langer Zeit über dem deutschen Vo.le geschwebt habe, wieder beseitigt werde. 3n der Vergangenheit sei beim Wiederaufbau wohl zunächst mit Vorsicht zu Werke gegange- worden, doch wenn man bei diesem vorsichtigen Tempo geblieben wäre, so würde es heute keine Reich^rcgierung geben, die fast jeden Tag un- populäre Beschlüsse auf sich zu nehmen habe. Man habe Gesetze gemacht, die während der Hochkonjunktur eine finanzielle Grundlage gehabt hätten, die aber bei dem Verschwinden dieser Hochkonjunktur in sich selbst zusammengebrochen wären. Wenn man nun heute mit Reformmaßnahmen komme, so würde aus diesem C runde naturnotwendig Tempo und Schärfer dieser Reformen bedeutend größer sein. Dabei spiele auch die Tatsache eine Rolle, daß Deutschland nicht das einzige Land der Wirt- schastslrise sei, sondern daß mit einem Schlage mehr oder minder alle Völker der Welt vor den gleichen Problemen stehen würden. Da ei wärben sich ihre Lösungen in der gleichen Linie bewegen, die die Reichsregierung durchgeführt und geplant hat. Dr. Brüning verwies hierbei auf d i e Maßnahmen Italiens und Englands, die wenige Monate. nachdem Deutschland seine Reformen durchführte, eingclcitet worden wären. Für Deutschland komme cS nun darauf an, a l s e r st e s aller Länder seine politische und wirtschaftliche Stabilität wieder,zuerobern. um als erstes Land aus dieser Krise herauszukommen. Deshalb sei es auch erstes Erfordernis der Stunde, die Finanzen in Reich, Ländern und Komma n e n in Ordnung zu bringen. Selbstverständlich könne Deutschland die Reparationen unter keinen Umständen auf die Dauer vertragen, wenn man aber eine Revision wolle, dann müßte man aber auch den 2Uut haben, das eigene Haus in Ordnung ;u bringen, um stark ,u fein. Mit Pofaunenblafen werde man nicht die Mauern der Reparationen umwerfen. Ls komme vielmehr darauf an, eine Politik zu machen, die offen und ehrlich in jeder Beziehung fei. Menn sich das deutsche Volk immer über feinen Zustand klar gewesen wäre und wenn alle Regierungen von der Revolution an den Mut gehabt hätten, zu zeigen, was Deutschland überhaupt noch hatte, dann wäre die ganze Frage anders gelaufen. Und wenn man rechtzeitig schwere Steuern gemacht hätte, dann brauchte man sich heute nicht darum zu streiten, wann und in welchem Tempo die Steuern gekürzt werden könnten; dann wären wir längst in aeordnete wirtschaftliche Verhältnisse hineingekommen. Man habe aber die Augen zugemacht. Das treffe nicht eine Partei besonders. Die populären Steuersenkungen des Reichstags seien kein Gewinn gewesen; denn dafür hätten die Realsteuern der Gemeinden erhöht werden müssen. And nun komme es darauf an, nachdem die Reichsfinanzen einigermaßen in Ordnung gebracht worden wären und es gelungen sei, über die schwersten Kassentermine Hinwegzukommen, die Gesundung der Kommunalfinanzen be-be'zuführen Es sei unmöglich, eine geordnete Reichs- und Länder- finanz'wli'ik durchzusü^ren, to nn in denGe- meinden immer wieder neue Fehler gemacht würden. Deshalb sei die Annahme des Plafond-Gesetzes notwendig gewesen. Die ewige Steigerung der Realsteuern müßte zu einem Ende kommen; hätten doch gerade di'se Steuern eine ausgesprochen preissteigernde Wirkung. Vertrauen auf sich s e l b st und Selbsthilfe, das seien immer die entscheidenden Momente grto,'f'm. And ein Volk, das sich immer selbst zu helfen wisse, könne niemals zugrunde gehen. 5>?r Staat habe die Entwicklung d^r Selbsthilfe zu fördern, das sei seine vornehmste Pflicht. In den^ vergangenen Iahren haben wir den großen Fehler gemacht, viel zu viel Geld der öffentlichen Hand in die zusätzliche Arbeitsbeschaffung zu investieren, wodurch eine Steigerung der Preise und Löhne eingetreten sei. Dadurch f'ien die Kas- sen leer geworden. Aus diesem Grunde müßte auch nach dieser Richtung hin eine gewisse Planmäßigkeit in die gesamte öffentliche Wirtschaft kommen. Eine der Hauptaufgaben sei es, die Verhältnisse im Baugewerbe in Ordnung zu bringen. Gelinge es. jetzt im Reichs- tag die notwendigen Gesetze schnell zu verabschieden, dann würde auch wieder die Möglichkeit gegeben sein, Kredite zu bekommen, durch die dem Baugewerbe zu helfen fei. Rotwendig sei es dabei, die Senkung der Baukosten voranznbringen. Es sei notw'ndig und zwar bei allen Wirtschaftsgruppen, sich an die Konsumkraft der gesamten Bevölkerung anzupassen. In diesem Sinne appellierte Dr. Brüning an das Handwerk, die große Tradition der Vergangenheit nicht aufzugeben. Aufgaben der Reichsreform. Luther spricht im Bund zur Erneuerung des Reichs. Berlin, 17. März. (TA) Am Dienstag fand die Hauptversammlung des Bundes zur Erneuerung des Reichs statt. Der Ehrenvorsitzende des Bundes, Reichsbankpräsident Dr. Luther, kennzeichnete in großen Zügen die bisher geleistete Arbeit, die aktuellen verfassungsrechtlichen Kernprobleme und die künftigen Aufgaben. Sie Forderung derReichsreform, besonders der Beseitigung des Dualismus Reich-Preußen, ist Gemeingut einer immer mehr sich verbreiternden Oefsentlichkeit geworden. Die äußere Inangriffnahme freilich des Problems scheint im Augenblick sogar eher hinausgeschoben aus Gründen der gegenwärtigen politischen Kräftelage im Reich. Der jetzige Zustand Reich-Preußen ist von einer derartigen Labilität, daß nur besondere Meisterschaft im politischen Kräftespiel das Gleichgewicht des deutschen S.aatswesens aufrechtzuerhalten vermag. In der abgelaufenen Zeit sind die Rechte des Reichspräsidenten als Rechte anerkannt und in dem Sinne gehandhabt worden, wie sie in der bekannten Schrift des Bundes als gültiges Recht aus den bestehenden Vorschriften oergeleitet wurden. Die Entwicklung hat weiter bewiesen, daß dem Reichsrat im deutschen Verfassungsbau eine sehr bedeutungsvolle Stelle zukommt, und daß er sogar geeignet ist, in Stunden der Rot, wenn der Reichstag versagt, eine tragfähige Grundlage der R e g i e r u n g s a r b e i t abzugeben. Selbst die harte Rot der Gegenwart würde leichter zu meistern sein, wenn die Reichsreform schon Wirklichkeit wäre. Richts würde die deutsche Lage dem Ausland gegenüber mehr ver essern als ein Aw bau des Staates in solcher Zeit, die die Dvlkslraft zu höchster Wirksamkeit bringt. Die Reichsreform würde dem Ausland als das zweite Wunder rach der Rentenmark erscheinen. Rotzeiten eines Staates und Volkes sind Lehrzeiten. Trotz aller 3er- fetzungser'cheinungen, die an der politischen Oberfläche des Lebens sich in dem deutschen Partei- Wesen vollziehen, befinden wir uns in einem Prozeß der Volkswerdung. Ich möchte die Warnung aussprechen, daß man keinesfalls vom Finanzausgleich her so etwas wie eine Aeberrationalisierung des deutschen Staatsle^ens anstreben solle. Im Rorden und Osten braucht Deutschland die stärkere Versteifung. weil die großen außenpolitischen Gefahren und Bedrängnisse in einer Linie, die hauptsächlich als die Ost-West-Linie bezeichnet werden kann, auf den deutschen Dolkskörper einwirlen. Im Südosten lebt das deutsche Volk teils in dem deutschen Oesterreich, teils als Minderheit mit durchaus deutscher Lebensstruk- tir. Rach diesem Südosten hin muh das Deutsche Reich staatsrechtlich offen fein. Hier gleiten die Aufgaben, die das Deutsche Reich zu erfüllen hat aus dem Staatsrechtlichen ins Völkerrechtliche hinüber. Die Sozialdemokraten beim Reichskanzler O'e Sieuerrvünsche. — Um die Vertagung des Reichstags. Berlin, 17. März. (DDZ.) Reichskanzler Dr. Brüning ernpfinn am Dienstag die Führer dersozialdcmokratischenReichstags- f r a f t i o n zu einer 'Besprechung über die bevorstehenden politischen Entsche'düngen, wobei befrn- ders auch die Steuerwünsche der Fraktion erörtert wurden, die durch die Beschlüsse im Sfeuerausschuß eine vorläufige Erfüllung gesunden haben. Weiter dürfte es sich bei den Verhandlungen auch um die Wünsche der Regierung handeln, nach Verabschiedung des Etats den Reichstag für längere Zeit zu vertagen. Sic Verhandlungen werden am Mittwoch fortgesetzt. Der „Vorwärts" schreibt zu den Besprechungen: In erster Linie stehen die Erhöhung der Aufsichtsrats steuern und die Erhöhung des Rotopfers bei der Einkommensteuer zur Erörterung. Sie sind bereits vom Steuerausschuß des Reichstages be s chl o s - s e n worden und stehen in der nächsten Woche i m Plenum zur Beratung Der Widerstand gegen beide Forderungen geht in erster Linie von der DeutschenVolksPartei au3. 3mm rhin ist der Widerstand gegen die Au, sichtsrat.steuer wesentlich geringer als gegen die Einkommensteuer. Die Reichsregierung betont ebenfalls ihre Gegnerschaft g.gen diese geplanten Steuererhöyungen, doch dürfte ihr Widerstand nicht unüberwindoar sein, wenn es gelingt, entsprechende Beschlüsse des Reich tages ohne politische Komplikationen durchzusch n. Große Meinungsverschiedenheiten bestehen auch noch bei der von der Reichsregierung gewünschten Ermächtigung zur selbständigen Festsetzung der Agrar- und Industrie- zölle. Das Verlangen der Sozialdemokratie geht dahin, unter allen Umständen zu vermeiden, daß durch die Handhabung dieser Zollermächtigung eine Gefährdung der Handelsbeziehungen Deutschlands zu den ausländischen Mächten, und vor allen Dingen eine Verteuerung der Lebenshaltung eintritt. Durch die Herabsetzung der jetzt geltenden Weizenzölle und durch andere in der gleichen Richtung laufende Maßnahmen müsse daher eine jetzt drohende Brotverteuerung vermieden werden. Ueber den Inhalt des Ermächtigungsgesetzes ließ sich bisher eine Uebereinftimmung nicht erzielen. Dasselbe gilt von der Etatsermächtigung, die in erster Linie von der Deutschen Volkspartei verlangt wird, durch die der Finanzminister zu größter Sparsamkeit verpflichtet sein soll. Die Sozialdemokratie wünscht jedoch, daß diese Ermächtigung zu weiterer Sparsamkeit sich lediglich auf die nicht gesetzlich gebundenen Ausgaben erstreckt, und daß die gesetzlich gebundenen Verpflichtungen, also die Zuschüsse des Reiches zur Sozialversicherung: die Leistungen an die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, an die Kleinrentner sowie die Krisenfürsorge und die produktive Erwerbslosenfürsorge ausdrücklich von der künftigen Sparaktion ausgenommen werden. Meinungsverschiedenheiten bestehen ferner über die Frage, ob der Reichstag entsprechend dem Wunsch der Reichsregierung sich bis Oktober oder November vertagen soll. Gegen diese Vertagung auf ein halbes Jahr spricht die Tatsache, daß das zu einer Verschiebung wichtiger gesetzgeberischer Aufgaben führen würde, falls nicht die Regierung in der Zwischenzeit ohne das Parlament die dringendsten Ausgaben erledigt. Widerstand der Dolköpartei gegen die neuen Steuerpläne. Berlin, 17. März. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hielt heute abend eine Frattionsfitzung ab, über deren Ergebnis folgendes mitgeteilt wird: Die Fraktion steht unver- ändert zum Programm des Kabinetts B r ü n i n g, an dessen Spitze zur Gesundung unsrer Wirtschaft die Vermeidung jeder neuen Steuerbelastung und der Ausgleich des Haushalts durch Ersparnisse steht. Um die Durchsetzung dieses Regierungsprogramms vor einer Gefährdung durch die Wünsche der Sozialdemokratie sicherzusiellen, werden die beiden Abgeordneten Dingeldey und Dauch bei dem Herrn Reichskanzler entsprechende 23 o r ft e H u n -- gen erheben. Das Genfer Handelsabkommen gescheitert Frankreich unb England wünschen keine Bindung. Genf 17. März. (TU.) Das auf der ersten eure- päischen Zollwaffenstillstandskonferenz angenommene sogenannte Handelsabkommen vom 24. März 1930 ist nach dem Verlaufe der Verhandlilstgen der Zoll- Waffenstillstandskonferenz am Dienstag als endgültig gescheitert anzusehen. Den Ausschlag hierfür gab eineErklärungdesenglifchen Regierungsoertreters, der auf der An- nähme des englischen Vorschlags bestand. Der englische Vorschlag wurde unter den 13 Regierungen, die das Abkommen bereits ratifiziert haben, zur Abstimmung gestellt und von Italien, Spanien und der Schweiz abgelehnt. Norwegen und Finnland enthielten sich der Stimme. Auf Vorschlag des schweizerischen Regierungsvertreters wurde beschlossen, ein Protokoll anzunehmen, das folgende Punkte enthält: 1. Die europäische Zollwaffenstillstandskonferenz stellt fest, daß eine Einigung über das Inkrafttreten des Handelsabkommens zum 1. April d. I. nicht möglich gewesen ist. 2. Die Frage, ob zu einem späteren Zeitpunk t die europäische Konferenz über das Inkrafttreten des Abkommens zusammentreten soll, b l ei b t offen. Dieses Protokoll soll in der Mittwochoormittag- sitzung der Konferenz von den ratifizierenden Mächten angenommen werden. Ferner wird eine Entschließung vorbereitet, in der der europäische Ausschuß ersucht wird, nunmehr seinerseits die Frage des Inkrafttretens des Handelsabkommens zu prüfen. Es muß festgestellt werden, daß die Verantwortung für das Scheitern des Handelsabkommens ausschließlich beiderenglischenundfranzösi- schen Regierung liegt, da die französische Regierung ihrerseits keine bindende Verpflichtung hinsichtlich der Ratifizierung des Abkommens durch Frankreich übernehmen wollte. Ferner hat die englische Regierung die Vermittlungs- Vorschläge Deutschlands, Italiens und Hollands. Die ein, wenn auch bedingtes, Inkrafttreten des Abkommens zum 1. April möglich gemacht hätten, ab« gelehnt. Mit dem 1. April lauft nunmehr endgültig das erste europäische Zollwaffenstillstands- abkommen ab. Die Frage, ob dieses Abkommen nach dem 1. April noch rechtliche Bedeutung und Geltung hat, bleibt offen, da in den Verhandlungen eine Einigung über diese Frage nicht zustande gekom- men ist. Oie Hamburger Bluttat. Tic Vernehmung des dritten Täters. Hamburg, 17. März. (WTB.) Die krimi- nalpolizeiliche Vernehmung des dritten an der Ermordung des kommunistischen Bürgerschaftsmitgliedes Henning beteiligten Täters Höckmayer hat folgendes Ergebnis gehabt: Höckmaher gibt an, von Ianfen kurz hinter Ochfentoärder Den Auftrag erhalten zu haben, den Chauffeur zum Halte nzu bringen. Das habe er m i t vorgehaltener Pisto 1 e getan. Er hat gehört, daß Ianfen oder Bammel die Kommunisten gefragt hat, ob einer von ihnen Andre wäre und daß Henning sich darauf mit seinem richtigen Ra- men genannt habe. Höckmaver gibt weiter an, daß er die Absicht gehabt habe, die Aktentasche Hennings an sich zu bringen in der Annahme, daß in ihr wichtiges politisches Material enthalten sei. Er behauptet, nicht im Wagen geschossen, sondern von draußen in den Wagen hineingeschvssen zu haben. Höckmaher hat sich nach der Tat von seinen Mittätern getrennt und ist zu Fuß nach Hamburg gegangen, wo er sich bis gestern mittag verborgen hielt Rachdem die polizeilichen Vernehmungen jetzt abgeschlossen sind, sind die Täter dem Gericht zugeführt worden. Zu der Mitteilung der Hamburger Gauleitung der Nationalsozialistin schen Deutschen Arbeiter-Partei, daß s i e die Rainen der drei Täter der Polizeibehörde am Sonntagnachmittag aufgegeben habe, stellt die Polizeibehörde fest, daß diese Mitteilung ihr nichts Reu es bedeutete, da ihr bereits mehrere Stund en vor dem Anruf der Gauleitung der R. S. D. A.P. die Namen der Täter bekannt gewesen sind und alle Schritte zur Festnahme eingeleitet waren. Ein polizeierlaß Geverings. Berlin, 17. März. (TU.) Der preußische Minister des Innern hat in einem neuen Runderlaß das Verhalten der Polizei bei der Verfolgung von Fällen grober Beleidigung von Reichs- und Staatsregierung neu geregelt. Der zunehmenden Verrohung des Tones in öffentlichen Versammlungen könne nur dann mit Erfolg entgegengetreten werden, wenn die zu ihrer Verhinderung und Ahndung zur Verfügung stehenden gesetzlichen Mittel entschlossen zur Anwendung gebracht würden. Es wird daher in dem Rund- erlab darauf hingewiesen, daß bei Versammlungen, bei denen im voraus offenbar werde, daß es sich um eine unfriedliche Veranstaltung handele, diese nicht nur nach Beginn au'gelöst son ern auch schon vorbeugend verboten werden könne. Abstimmungen im Reichstag. Schnelles Fortschreiten der Haushallsberatungen. Berlin, 17. März. (VDZ.) Im Reichstage wurde am Dienstag die zweite Beratung des Haushaltes des Reichsarbeitsministeriums abgeschlos,en. Der kommunistische Mih - trauensantrag gegen den Reichsarbeitsminister wurde gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt. In verhältnismäßig kurzer Zeit wurde auch die zweite Beratung des Haushaltes des Auswärtigen Amtes erledigt. Da erst vor vier Wochen eine große außenpolitische Ausstriche stat gefunden hat, waren die Regierungsparteien dahin überein- gekommen, diesmal nur über die reinen Der- waltungsfragen zu reden. Unter den vielen Ausschuhentschließungen, die dann zum Arbeitsetat angenommen wurden, befand sich auch die, die die reichsgeseh- !icheEinführungder40stündigenAr- b i t s w o ch c verlangt. Diese und andere sozialpolitische Forderungen gelangten dadurch zur An- napme, daß durch das Fehlen des äußersten rechten Flügels die Sozialdemokraten und Kommunisten allein die Mehrheit auch gegen den geschlossenen Widerstand aller bürgerlichen Parteien haben. Mit dieser Mehrheit wurde auch der sozialdemokratische Antrag angenommen, der 3MillionenMark fürKinder- s p e i s u n g fordert, die aus dem Ertrag der von den Sozialdemokraten verlangten Aufsichtsrats st en er gedeckt werden sollen. Bei dieser Gelegenheit wurde die Rotwendigkeit betont, bis zur endgültigen Entscheidung in der dritten Beratung eine genaue Auslegung der neuen ®e- schäftsordnungsbestimmung zu finden, wonach Anträge auf Mehrausgaben nur angenommen werden können, wenn die Deckung gesichert ist. Angenommen wurde weiter ein sozialdemokratischer Antrag, der den Beamten und Behördenangestellten die nebenberufliche Tätigkeit unterlagt Der Arbeitsetat wurde in zweiter Beratung angenommen. Der Mordprozeß Tetzner in Regensburg. Llnier Anklage, einen unbekannten Wanderburschen im Auto lebendig verbrannt zu haben, um den eigenen Tod vorzutäuschen und die Versicherungssumme zu erhalten. Dor dem Regensburger Schwurgericht begann am Dienstagvormittag der auf zwei Tage berechnete Mordprozeß gegen das Ehepaar Tetzner unter ungeheurer Beteiligung des Publikums, der Presse und aus Kreisen der Justiz. So ist u. a. der Präsident des Oberlandesgcrichts Nürnberg sowie der Oberstaatsanwalt von dort vertreten. Bereits eine Viertelstunde vor Beginn der Sitzung, während der Saal überfüllt war, werden die beiden Angeklagten hereingeführt. Beide Angeklagten sehen sich seit der Tat zum ersten Male wieder. Sie nehmen ohne Zeichen äußerer Erregung nebeneinander Platz. Der Verhandlungsbeginn selbst bringt bereits einen Zwischenfall, als Rechtsanwalt Dr. Strauß für seine Mandantin die Ablehnung des Regensburger Gerichtsarztes Dr. Dunz als Sachverständiger beantragte, da Dr. Dunz sich während der LIntersuchung gegen den Antrag Dr. Strauß' auf Beobachtung des Geisteszustandes der Frau Tetzner gewendet habe. Rach kurzer Beratung wurde der Antrag abgelehnt. Darauf folgt die Verlesung des Eröffnungsbeschlusses, der für Tetzner auf Mordversuch und Mord in Tateinheit mit gemeinschaftlich verübtem Versicherungsbetrug, für Frau Tetzner auf Beihilfe zum Morde in Tateinheit mit gemeinschaftlich verübtem Versicherungsbetrug lautet. Oie Vernehmung -es Angeklagten Tetzner. Tetzner führt aus, daß er bereits die Mutter seiner Frau, deren Tod jederzeit zu erwarten war, für 10 000 Mark versichern wollte, von da ab sei sein Unglück angegangen. Energisch bestritt er, daß er seine eiaene Mutter für 15 000 Mark habe versichern lassen wollen. Tetzner gibt dann eine Schilderung seines bewegten Lebens. Als Vertreter des Pestalozzi-Verlages in München habe er in Sachsen Bücher zu vertreiben gehabt, doch habe er dabei nicht viel verdient. Seiner Frau habe er von seinen Plänen über einen Versicherungsbetrug mit seinem Auto nichts gesagt. Er habe mit seiner Frau eine gute Durchschnittsehe geführt, auch habe er ihr niemals Anweisung gegeben, wie sie sich nach dem Gelingen seines Planes verhalten solle. Er habe seine Frau niemals hypnotisiert, auch sei er selbst nie hypnotisiert worden. In der Zeit vom 22. Oktober bis 6. November 1929 habe er sich bei vier Versicherungsgesellschaften für insgesamt 145000 Mark versichern lassen. In den „Chemnitzer Neuesten Nachrichten" gab er dann die Anzeige auf, daß er einen Reisebegleiter suche. Diesen wollte er für seine Zwecke verwenden. Nach anfänglicher Zusage aber lehnte der Mann, der sich daraus meldete, wieder ab. Tetzner schildert dann ganz ausführlich den Verlauf seines U e b erfüll s auf den Handwerksburschen Alois Ertner, er kann sich an alle Einzelheiten erinnern und gibt ein plastisches Bild von dem Versuch, wie er den Wanderburschen mit einem Kragen ausstattete, damit er ihm etwas ähnlich sehe. Er schildert wie er mit einem eisernen Wagen- hcbel auf Ertner einschlug, daß dieser sich dann gewehrt habe und ihm selbst eine Verletzung am Auge beibrachte. Die Absicht, den Ertner zu töten, gibt Tetzner ohne Umschweife zu. Seiner Frau sagte er. er habe die Narbe am Auge in einer Schlägerei erhalten. So weit decken sich die Aussagen des Angeklagten mit dem, was er in der Voruntersuchung ausgesagt hat. I Die jetzt folgende Schilderung von dem Mord- soll selbst weicht aber in Einzelheiten erheblich /"ab. Tetzner gibt an, daß er einen Handwerks- , burschen, den er nicht kenne, auf der Straße 'überfahren habe. Er habe bann den Mann, der stark verletzt war, in den Wagen hineingeschoben. Er hörte noch ein leises Stöhnen, dann sei es still geworden. Der Vorsitzende hielt ihm vor. daß er doch früher eingestanden habe, einen Menschen lebendig verbrannt zu haben, wahrend er jetzt behaupte, daß er den Wagen nur angezündet habe, um zu verschleiern, daß er einen Menschen totgefahren habe. Trotz wiederholter Vorstellungen des Vorsit- zeirben blieb Tetzner auf diesen Angaben bestehen. Er schilderte dann weiter, daß er nach der Tat nach München gefahren sei. 3n Landshut habe er an seine Frau ein Telegramm mit der Ditte um Rachsendung von Kleidungsstücken gesandt, was das Zeichen des Gelingens der Tat war. 3n München sei er bald nach der Ankunft einer Kontoristin des Testa- Verlages begegnet, die ihn erkannte und sofort den Geschäftsführer des Verlages herb-iholte, der Tetzner schon längst sprechen wollte. Reben diesen beiden Personen trat Tetzner noch mit einem Schneidermeister in Verbindung, der ihm den Anzug reinigte. Der Schneidermeister hat auf dem Arbeitstitel das ominöse Datum festgehalten, aus dem hervorging, daß Tetzner einen Tag nach seinem angeblichen tödlichen Unfall in München war. Von dort fuhr er am Mittwoch nach Paris weiter und einige Tage später nach Straßburg zurück, wo er gelegentlich des Telephongesprächs mit seiner Frau verhaftet wurde. Rach einer kurzen Pause wurde in die Vernehmung der Krau Tetzner eingetreten, der der Vorsitzende erst beruhigend zuredete, bis sie sich unter heftigem Weinen zu ihrer Aussage entschloß. Sie gab im Sinne des EröfsnungLbcsHlusses vorbehaltlos zu, von den Plänen Kenntnis gehabt zu haben, will ihnen aber niemals zugestimmt haben. Ueber bte hypnotischen Fähigkeiten ihres Mannes äußerte sich Frau Tetzner, dieser habe manchmal seine Mutter durch Handauflegen beruhigt und zum Einschläfern gebracht und von sich behauptet, leben Menschen seinem Willen untertan machen zu können. Frau Tetzner versickerte immer wieder, daß sie nie in die Tat eingewilligt habe. Zugeben mußte sie allerdings, daß sie ihrem Manne vorgeschlagen habe, statt einen Mord zu begehen, sich doch zur Ausführung seines Planes eine Leiche zu beschaffen. Sie gab an, daß ihr Mann mit größter Hartnäckigkeit immer wieder mit seinem Plan gekommen sei. Sie selbst sei nervenkrank und willensschwach und habe schließlich nachgegeben. Von einer Hypnotisierung durch ihren Mann könne sie nicht sprechen, sie sei nur schwach gewesen. Es sei richtig, daß sie Pfeffer Das halbverbrannte Auto des Kaufmanns Tetzner, wie es seinerzeit aufgefunden wurde. gekauft habe, weil ihr Mann den Ps^ser zur Ausführung der Tat brauchte. Gegen die Komödie beim Begräbnis des unbekannten Mannes habe sie sich gewehrt, sie habe aber nur aus Aufregung und Schmerz über das unglückliche Los t>2$ unbekannten Mannes so viel Tränen vergossen. Oie ersten Zeugenvernehmungen. Rach der Besichtigung des verbrannten Autos wurde als Zeuge Gendarmeriehauptwachtmeister Beck vernommen. Er hatte auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft den Tatort besichtigt. Dabei habe er, wie er sagte, festgestellt, daß das Zuflußrohr zum Vergaser abgesperrt gewesen sei. Die Kapsel zum Benzin- tank habe gefehlt. Wertgegenstände habe er beim Auto nicht gefunden. Tetzner habe ihm gegenüber geäußert: „Für mich gibt es nur die Todesstrafe. Och habe mir die Suppe eingebrockt und muh sie ausfressen." Zeuge Langer aus Chemnitz erklärt, Frau Tetzner sei immer mehr in die Abhängigkeit von ihrem Mann geraten. Die Mutter des Angeklagten habe ihm gegenüber geäußert: „Der Erich kann über Leichen gehen. Man kann seinem Willen nicht widerstehen." Regierungsrat von Griegern, der den Angeklagten in Straßburg vernommen hat, berichtete über seine damaligen Erhebungen. Danach hat Tetzner seinerzeit sofort ein Geständnis abgelegt. Er habe schon damals erklärt, daß er sein Opfer lebendig verbrannt habe. Als Grund zur Tat habe er Geldnot angegeben. Dieses Geständnis habe er auch am zweiten Sage wiederholt. Ferner habe Tetzner noch ausgesagt, daß er von feiner Frau zu der Tat angestiftet worden fei. Er habe der Frau zuerst angeboten, sich selbst umzubringen, um ihr Geld zu verschaffen. Die Frau habe jedoch erklärt, er solle einen Fremden dafür suchen. Amtsgerichtsrat Dr. ©erbt (Mülheim) hat den Angeklagten zuerst auf deutschem Boden vernommen. Auch ihm habe der Angeklagte das Geständnis gemacht, daß er den Burschen lebendig verbrannt habe. Kleine politische Nachrichten. Bei einer antifaschistischen Demonstration in Rauen kam es zu schweren Be- leidigungen der Polizei, die auch mit Steinen beworfen wurde. Di ePolizei griff hierauf zur Auflösung der Ansammlung. Da die Menge Widerstand leistete, und drei Beamte verletzt wurden, mußte von der Schußwaffe Gebrauch gemacht werden. Der kommunistische Stadtverordnete Fenz wurde verhaftet. Auf der großen Landbundführer- und Kampftagung zu Weimar ernannte der größte Llntervec- band des Landbundes, der Thüringer Bauernbund, Weimar, den Reichsemäh- rungsminister Dr. Schiele als Zeichen des Dankes zum Ehrenmitglied. Der im Befinden des ehemaligen Reichskanzlers Hermann Müller eingetretene Schwächezustand, der auf einer Herzschwäche und einer Kreislaufstörung beruht, hielt den Tag über an, so daß der allgemeine Zustand als äußerst ernst bezeichnet werden muh. Nachdem in den Vormittagsstunden durch einige Stunden Schlaf eine ganz leichte Besserung sestzustellen war, trat in den späten Nachmittagsstunden eine abermalige Störung im Kreislauf des Patienten ein. * Die 41. Vollversammlung der Landwirt- schaftskamm^rKassel nahm a cinge e - der Au^s -rache über die zollpolitische.i Maßnahmen der Reichsreg'.erung zum Schuhe der Landwirtschaft folgendes Telegramm an den Reichsernähru gs Minister Schiele unter großem Beifall einstimmig an: Die heute versammelte Vollversammlung der Landwirt- schaftskammer spricht dem bewährten Führer warmen Dank für unermüdliche erfolgreiche Qlrbeit zur Rettung der deutschen Landwirtschaft aus und erwartet bestes Durchhalten allen Widerständen zum Trotz für den Schuh der bäuerliche nVerelendungs- wirtschaft. Der Erzbischof von Pisa, Kardinal Masf i, ist in der vergangenen Nacht, 73 Jahre alt, gestorben. Er trug seit 1907 den Kardinalshut und war stets für die Aussöhnung des Vatikans mit dem Staat Italien eingetreten, an deren Verwirklichung er hervorragenden Anteil hatte. Er vollzog auch im vergangenen Jahre die kirchliche Trauung des Kronprinzen von Italien mit der Prinzessin Maria von Belgien. Kardinal Masfi, der Gründer des Annunziaten-Ordens ist, hat sich ferner in der wissenschaftlichen Welt einen Namen durch Veröffentlichung zahlreicher und wertvoller physikalischer Werke gemacht. Kunst und Wissenschaft. Bruno Walter Gastdirigent der Reuyorker Philharmoniker. Mit lebhaftem Interesse wird es in der Reu- Yorker Presse begrüßt, daß nach einem soeben abgeschlossenen Abkommen Bruno Walter, der Dirigent des Gewandhausorchesters in Leipzig, für das Reuyorker Phllharmonie-Shmphonie- Orchester als Gastdirigent für die Zeit vom 14. Januar bis 28. Februar 1932 gewonnen worden ist. Für die kommende Wintersaisvn sind ferner Erich Kleiber, Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper, und Arthur To Scan in i gewonnen worden. Die Reuyorker Presse würdigt in sympathischen Artikeln die künstlerische Bedeutung Bruno Walters und knüpft an sein Gastspiel hohe Erwartungen. Kongreß der Deutschen ©efeüfdjaft für Innere Medizin. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin hält ihre 43. Tagung von Montag, 13. April, bis Donnerstag 16. April, in Wiesbaden unter dem Vorsitz des Herrn Professors o. Bergmann (Berlin) ab. Heber die Neuroregulation werden Goldstein (Berlin) und von Weizsäcker (Heidelberg) referieren. Heber Coronadurchblutung und Angina pectoris von An- rep (Kairo) und Edens (Düsseldorf). Zu einem Vortrag über dieses Thema aufgefordert ist außerdem Morawitz (Leipzig); Bürger (Osnabrück) ist zu einem Vortrag über die klinische Bedeutung des Colesterin- problems aufgefordert. Bund angestellter Akademiker technischnaturwissen- schaftlicher Berufe. Der Bund angeftcUter Akademiker technisch-natur« wissenschaftlicher Berufe E. V. hält seine diesjährige 12. Sprechertagung am 21. März 1931 in Berlin ab. Auf der Tagung stehen drei Hauptreferate zur Erörterung, und zwar „Wirtschaftskrise und Wirtschaftspolitik", „Das Arbeitsrecht in der Wirtschaftskrise" und „Zur Frage der gesetzlichen Neuregelung des Geheimnisschutzes". Die vereinigten Staaten schließen sich gegen Werkstudenten ab. Staatssekretär Doak erklärte, die zunehmende Arbeitslosigkeit werde die Aushebung von gewissen gegenseitigen Abmachungen mit ausländischen Staaten notwendig machen, auf Grund deren ausländische Werkstudenten nach Amerika kommen dürfen. umsichinJndustrieunternehmun- g e n, wo sie vorübergehend angestellt und beschäftigt werden, weiterzubilden. Aus aller Welt. Schwere Explosionsk^iastrophe auf einem Robbenfänger. An Bord des Robbenfängers „W i k i n g" ereignete sich ein Explosionsunglück. In der Nähe von H o r s e - I s la n d, einer der Neufundlandküste nordöstlich vorgelagerten Insel. An Bord des Dampfers befanden sich etwa 140 Personen, von denen der größte Teil Mitglieder einer amerikanischen Filmgesellschaft sind, die in den Gisregionen an der Küste von Labrador einen P o l a r s l l in drehen wollte. Aus bisher noch unbekannter Hrsache erfolgte auf dem Robbenfänger in den Abendstunden des Sonntags eine gewaltige Explosion, durch die der Dampfer auseinandergerissen wurde. Eine zur Sprengung von Eisblöcken bestimmte D y n a m i t l a d u n g soll zu früh in die Luft gegangen fein. Eine Anzahl der gerade an Deck befindlichen Personen konnte sich trotz zum Teil schwerer Verletzungen dadurch retten, daß sie über Bord sprangen und auf dem Wege über treibende Eisschollen an die Küste gelangten. Augenzeugen von der Horse-Jnsel berichten, daß die „Wiking" nach der Exvlosion von einer riesigen Flammensäule eingehüllt gewesen fei, was darauf schließen läßt, daß die großen an Bord befindlichen Brennstoffvorräte vor allem auch die Meirgen leicht entzündlichen Film material s Feuer gefangen hatten. Die Kleber lebenden, die die Insel More Island erreichten, vermochten infolge Erschöpfung keine zusammenhängende Auskunft zu geben, da sie acht bis zehn Merlen von Eisscholle zu Eisscholle springen mußten beim Schein des brennenden Schifsts Kapitän Kenn und 117 Mann der Besatzung sind nach vielstündigem Leiden auf dem Packeis auf Horse Island eingetroffen. Bei Tagesanbruch wurde heute etwa fünf1 Meilen von der Küste entfernt ein kleines Fischerboot gesichtet, in dem sich sieben Mann befanden. Von der Gesamtzahl 142Personen, die die Besatzung des Schiffes ausmacht, werden nach einer amtlichen Schätzung der Behörde n o ch 1 8 v e r m i ß t. Man hofft, daß rwch weitere Nachzügler über das Treibeis auf Horse Island eintreffen können. Der Dampfer „Deo- thic" hat in einer Entfernung von zehn Seemeilen fünf Personen auf einer Eisscholle treibend gesichtet. Der Dampfer vermag aber erst bei Tagesanbruch Hilfsmaßnahmen zu unternehmen. Die Explosion auf dem Robbenfänger scheint auf eine Unvorsichtigkeit beim Ausladen der Pulvervorräte zurückzuführen zu fein, die zu Eissprengungen gebraucht werden sollten. Ein Mann der Besatzung, der mit anderen die Aufladung des Pulvers besorgte, rauchte dabei eine Pfeife, und es ist anzunehmen, daß ein Funke von der Pfeife in die Pulvermasse übersprang, und diese zur Explosion brachte. Die Heldin des Tages ist die 16jährige Telegraphistin der Funkstation auf Horse Island, eine Miß O'Bartlett, die 24 Stunden auf ihrem Posten ausharrte, die ersten Rachrichten über die Katastrophe in die Welt hinaussandte und die Absendung von Rettungsschiffen veranlaßte. Notlandung des Fliegers Ernst Udet in Jnnerafrika. Der englische Flieger Campbell Black, der im Flugzeug aus England nach Nairobi zurückkehrte, berichtet, er habe beim iteberf liegen. der gefährlichen Sumpflandschaft am Nil in der^Näye von Malakal Ernst Lldet entdeckt. Dieser war während seines Fluges von Nairobi nach Europa als vermißt gemeldet, da er nicht in Chartum eingetroffen war. übet hatte wegen Brennst offmangels eine Notlandung vornehmen müssen. Der englische Flieger Black landete unter großen Schwierigkeiten und gab ilbet, bcc ohne Lebensmittel war, Biskuits und Trinkwasser, konnte ihm aber keinen Brennstoff für das Flugzeug abgeben. Black flog dann nach Juba und unterrichtete von dort die englische Flie- gerftation in Chartum, die daraufhin eine Hilfsexpedition entsandte. Lin Lastwagenzug vom Zuge erfaßt. Der Personenzug 71 Münster — Hamburg fuhr beim Hebergang der Provinziallandstraße Bremen—Osnabrück bei Stemshorn, Kreis Diepholz, auf einen Lastkraftwagenzug auf, der gerade die Gleise kreuzte. Der Schrünken- wärter war vorher abgelöst worden und d i s Schranke nicht geschlossen. Die Lokomotive erfaßte den Zugwagen und schleifte ihn eine Strecke von 20 Metern mit. Don den drei auf dem Wagen befindlichen Personen wurden ein Mann getötet, zwei andere schwer verletzt, die auch Brandwunden erlitten, da der Benzintank explodierte. Sprengstofsatlenkat in Belgrad. Vor dem im Bau befindlichen Gebäude des Ministeriums für öffentliche Arbeiten ereignete sich eine Explosion. Nachforschungen ergaben, daß ein Paket mit Sprengstoffen auf einen Hausen von Baumaterialien gelegt worben war, das dort aus unaufgeklärter Llrsache explodierte. Etwa 200 Meter davon wurde ein weiteres Paket mit Sprengstoffen aufgefunben, bas unversehrt war. Den Ermittlungen der Polizei gelang es ferner, in einer Entfernung von weiteren 100 Meter ein drittes Paket mit Sprengstoffen zu finden, das einem Sachverständigen, dem Major R e l a k o w i j zur Unier- suchung vorgelegt wurde. Dabei explodierte der Sprengstoff, so daß der Major schwere Verletzungen erlitt. Bei dem dritten Pak t wurde auch die Tasche aufgefunden, mit der die Sprengstoffe herbeigeschasft toorlen waren. Materialschaden ist nicht entstanden. Man nimmt an, daß die Täter einen Anschlag zu Demonstrationszwecken geplant hatten. Ole Mekt-riaae Kol 1 Val. Lan. Wirr' -y Jan Mayti O ilMcni DerlliK Miet’ <3 Ä\Tj 11 tT7 mW \ o ©wolkenlos <3 neuer. ® nalt> Bedeckt. ® woikip. ® pedecki ettege^ * Schnee c> Graupeln «Mettel K Orwit'/r.©Windstille seh/ teichtr' Osi nissige» Südsüdwest q stürmische tordwesl Die Piene tlieflen mit dem tfmdt Öle Beiden Stationen stenenden Zahlen geDen die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gleichem auf Meeresmueau umoerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Der Schwerpunkt des Hochdruckgebietes hat sich südöstlich nach Polen und den Donauländern hin verlagert. Infolgedessen drehen auch die Winde mehr nach Süden hin, und statt der seitherigen fontinen» taten Kaltluft fließen wärmere subtropische Luft- massen nach Deutschland. Der Nachtfrost Dürfte sich daher etwas abschwächen, und auch tagsüber erreichen die Temperaturen höhere Werte als seither. Das Wetter bleibt, abgesehen von einzelnen Dunstbildungen, vorerst noch heiter und trocken jedoch gewinnen mit dem langsamen Abzua des Hochs die atlantischen Tiefdruckstörungen an Raum, so daß später bei weiterer Erwärmung Bewölkung aufkommen wird. AussichienfürDonnerstag: Stellenweise dunstig, sonst noch meist heiter und trocken, leichter Nachtfrost, tagsüber wärmer. Aussichten für Freitag: Weitere Erwärmung und aufkommende Bewölkung wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 17. März: mittags 6,3 Grad Celsius, abends 0,1 Grad; am 18. März: morgens —1,5 Grad. Maximum 6,4 Grad, Minimum — 3,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. März: abends 2 Grad; am 18. März: morgens 0 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 10 Stunden. Aus Der Pnwinzialbaupistavt Gießen, den 18.März 1931. Hausputz im menschlichen Körper. Von Or. med. Curt Kayser. Seit alterSher fühlt die Menschheit mit dem Einzug des Frühjahrs das Bedürfnis, nicht nur in Hans und Hof. sondern auch im eigenen Körper ein Großreinemachen zu veranstalten. Gleich unserer Wohnung tut dies unserem Körper auch eneiÜ sehr nötig. Wie haben tmr ihn doch im Winter, teils aus eigenem Verschulden, teils aus zwingender Notwendigkeit, mißhandelt. Wie wenige nur haben Wintersport getrieben, wie viele aber träge in der Stube am warmen Ofen gehockt! Dieser und jener hat auch bei festlicher Gelegenheit vielleicht seinem Magen Außer- gewöhnliches zugemutet. Diele Hausfrauen haben aus Mangel an Obst und frischem Gemüse zu übermäßiger Fleischkost ihre Zuflucht genommen und so die Ernährung der ihr anvertrauten Familie mehr oder minder einseitig gestaltet Kein Wunder, wenn sich fetzt das alles rächt und wenn wir daher zur Fruhjahrszeit von allerlei Unbehagen, von Kopfschmerzen, Muiug- feit, Reizbarkeit usw. geplagt werden. Darum haben wir mit Recht den Wunsch, zur Fruhjahrs- zeit all' die Schlacken, die unzweckmäßige Ernährung im Körper oufgehäuft hat. loszuwerden, und all' die Schäden, die vernunftwidrige Lebensweise verursacht hat. auszubessern, nut einem Wort: auch unser Körper verlangt nach einer gründlichen Reinigung. Diese findet seit vielen Jahrhunderten ihren Ausdruck in den sogenannten „Frühjahrskuren". Man ließ zur Ader, man setzte Schröpfköpfe, man verabreichte Mittel zur Blutreinigung. Wer kennt sie nicht, die unzähligen Blutreinigungs- tees! Schade nur, daß die ganze Vorstellung vom „unreinen" Blut, mindestens in diesem Sinne, völlig falsch ist. Es gibt kein „unreines Blut", also kann es auch nicht gereinigt wer en. T oh- dem aber haben die verschiedenen Kuren auch ihr Gutes. Sie bewirken nämlich fast stets eine gewisse Anregung des Stofswechsels und vor allem der Darmtätigkeit. __ Wichtiger als alle diese Mittel und Mittelchen ist dagegen die Umstellung unserer Ernährung, die das Wesen der eigentlichen Frühjahrskur aus- macht. Darum sollte eine vernünftige Frühjahrs- fur vor allem darin bestehen, der täglichen Kost sobald und soviel als möglich frisches Gemüse und frisches Obst zuzuführen. Sobald es das Wetter irgend gestattet, suche man durch Spaziergänge und Wanderungen den Körper zu erfrischen und Licht, Luft und Sonne überall Zutritt zu gewähren. Eine in diesem Sinne geleitete Frühfahrsrur wird dem Ziele einer Ertüchtigung unseres Körpers und einer Heilung von den Schäden des Winters weit eher nahekommen, als die Verwendung künstlicher Mittel und Medikamente. Hessische Haussammlung für Goethes Gebur erstatte. Am 22. März — der 99. Wiederkehr von Goethes Todestag — wird durch den Rundfunk in ganz Deutschland zu einer öffentlichen Sammlung aufgerufen, die den Ramen „DeutscheVolks- spcnde für Goethes Geb u r t s st ä t te" trägt. Reichspräsident von Hindenburg hat die Ehrenschirmherrschaft übernommen. Die Sammlung ist in allen deutschen Ländern zugelassen. Sie untersteht in Hessen der Aufsicht des Ministers für Kultus unb Dildungswesen. Reben einem Ehrenausschuh ist für die Durchführung der Sammlung aus Vertretern der verschiedenen Stände noch ein geschäftssührender Ausschuß gebildet worden. Die Mitglieder dieses Ausschusses sind sich bewußt, daß die Unsicherheit der wirtschaftlichen Verhältnisse ein schweres Hemmnis für die Sammlung bildet: sie hoffen aber, daß trotzdem in weiten Schichten der Bevölkerung anerkannt wird, daß es eine Ehrenpflicht des deutschen Volkes ist. übers 3ahr des Dichters an seinem hundertsten Todestag in würdiger Weise zu gedenken. Geburtshaus und Sammlungen sollen bis dahin zusammengefaßt sein zum Frankfurter Goethe-Museum als Rationaldenkmal des deutschen Geistes. Der hessische Minister des Innern hat eine allgemeine H a u s - sammlung genehmigt. Mit der Erhebung der Spenden werden in den einzelnen Gemeinden die Schulen betraut. Vornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater: „Feurio". 20 bis 22.30 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Er oder 3ch". — — Aus dem Stad 11h e a t er b ureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, „Feurio!", Lustspiel von Bernhard Blume. Spielleitung Pctcr Fassott. — Am Sonntag, 22. März, kommen die Weiutraubs-Syncopators nach Gießen! Das deutsche 3azzorchester Weintraubs-Synco- pators, eines der prominentesten Berliner Tanz- vrchester, das durch seine musikalische Bühnen- schau und Mitwirkung in den Tonfilmen „Liebes- walzer", „Der blaue Engel" u. a., sowie durch seine Schallplatten Weltruf erlangt hat, ist von der Intendanz des Dtadttheaters Gießen in Gemeinschaft mit dem Goethe-Bund für ein zweimaliges Gastspiel verpflichtet worden. Die Qllor- genfeier, in Verbindung mit dem Goethebund. beginnt 11.30 Uhr bei Morgenfeierpreisen. 18.30 Uhr als Fremdenvorstellung bei kleinen Abend- Preisen. Die Künsller warten morgens mit einem auserwählten Programm auf und bringen abends ein vollständig neues Programm. — Schiilervorspiel. Zum Besten der Anstalt Bethel gelangt am Samstag, 21. März, 20 Uhr, ein Schülervorspiel von Amalie Holzapfel im Sing» saal des Realgymnasiums zur Aufführung. Frl. Hanna Stellner und Herr Helmut Bayersdorf haben sich zur musikalischen Ausgestaltung des Abends zur Verfügung gestellt. (Siehe heutige Anzeige) *• Unruhige Nachtstunden gab es in der verflossenen Nacht im Anschluß an eine nationalsozialistische Versammlung, die gestern abend im Cafe Leib stattgefunden hatte. Während die Versammlung dank ausreichender Siche- rungsmaßnahmen einen geordneten Verlaus nahm, sammelten sich in den Straßen zwischen dem (Safe Leib und dem Marktvlatz allerlei politische Gegner der Nationalsozialisten an. Als nach Versammlungsschluh die uniformierten Na- tionalsoziallsten zum „Postkeller" zurückkehrten, drängten ihre politischen Gegner so stark heran, daß die Polizeimannschast zur Verhütung von ernsten Konflikten sich zum Einschreiten gezwungen sah. Eine Anzahl allzueifriger Schreier konnte von der Polizei nur unter Anwendung des Gununiknüppels zur gesetzlichen Ordnung zurück- geführt werden: eine Prozedur, die in der Wagengasse vor dem „Postkeller" und schließlich noch einmal im Seltersweg zur Anwendung gebracht werden mußte. Abgesehen von diesen jeiben Vorfällen wurde die öffentliche Ordnung nicht gestört, da die Polizei jederzeit die Lage beherrschte. *• Wüste Ausschreitungen ließ sich ge- tern gegen Abend der in der Katharinengasse 11 wohnhafte Milchhändler Gabriel Mortaigne zu Schulden kommen. Der Mann war vor einiger Zeit wegen Wilddieberei zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt worden, von der er nach Verbüßung eines Teils unter gleichzeitiger (Einräumung einer Bewährungsfrist beurlaubt worden war. Diese Vergünstigung, die er als französischer Staatsangehöriger, der die Rückkehr nach seinem Vaterland zu scheuen hat, besonders hätte schätzen müssen, dankte er den deutschen Behörden gestern sehr übel. In seiner Wohnung mißhandelte er seine Frau und Kinder in schwerster Weise, die Wohnungseinrichtung schlug er kurz und klein und warf die Brocken durch das Fenster auf die Straßenpassanten herab. Als er sich damit noch nicht genug getan hatte, be- Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wir'Same Satzausstaltunß werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf gönn er die Wohnung in Brand zu stecken, nachdem er vorher die Wohnungstür verbarrikadiert hatte. Die zu Hilfe hcrbeiaerufene Polizei mußte sich, da der Weg durch die Tür versperrt war, den Zutritt zu der Wohnung durch das Fenster erzwinaen. Hierbei wurde ein Polizeibeamter von dem Rasenden mit Faustschlägen attackiert, ferner wurde dem Beamten das Seitengewehr aus der Scheide gerissen, dem Wüterich aber gleich wieder abgenommen. Dann war cs nur unter erheblicher Straft» artftrengung möglich, den Wütenden zu überfälligen und zu fesseln. Trotzdem gelang es ihm, noch auf dem Wege zum Polizeigefängnis einen Dolch in der Länge eines kurzen Seitengewehrs hervor- zuziehen und nach den Straßenpassanten zu werfen; zum Glück wurde dadurch aber kein Unheil angerichtet. Durch sein Toben hatte sich dieser „angenehme Gast" unserer Stadt eine Reihe stärkerer Verletzungen beigebracht, die aber nicht hinderten, ihn auf dem Polizeiamt hinter Schloß und Riegel zu verwahren. Heute wird er dem Gericht vorgeführt, das nun wahrscheinlich den verständlichen Beschluß fassen wird, ihn zunächst zur Verbüßung seiner Reststrafe aus der Wilddiebsaffäre in Gewahrsam zu behalten. Mittlerweile dürfte voraussichtlich ein Ausweisungsverfahren gegen ihn in Gang kommen, da er die deutsche Gastfreundschaft in ungebührlichster Weise mißbraucht hat. ' Vogelsberger Höhen-Club. Die Ortsgruppe Gießen des Vogelsberger Höhen- Clubs vereinigte am Samstagabend ihre zahlreichen Mitglieder unb Freunde zum diesjährigen Stiftungs- und Auszeichnungs'est im Cafe Leib. Die Musikkapelle Weller bestritt den musikalischen Teil der Veranstaltung. Paul Nieren vom Stadttheater wirkte als Ansager und entledigte sich mit viel Geschick seiner Aufgabe, Damen und Herren des Clubs stellten sich für die verschiedenen Darbietungen zur Verfügung. Der Vorsitzende. Steuerinspektor Klemmrath, begrüßte die zahlreichen Besucher, wies auf den höheren Sinn des Clubs hin, der darin bestehe, durch das Wandern den Sinn und die Liebe zur Heimat zu wccken und zu festigen und dadurch der Liebe zum Vaterland die Grundlage zu geben. Mit dem Wunsche, die Mitglieder möchten sich auch in Zukunft recht eifrig an den Wanderungen beteiligen und mit einem kräftigen „Frisch-Auf" schloß er seine kurzen gehaltvollen Worte. 3m weiteren Verlaufe des Abends wurden eine Reihe von Mllgliedern für ihre eifrige Beteiligung an den Wanderungen des Clubs mit besonderen Nadeln ausgezeichnet. Die Nadel 25 erhielten (die Ziffer in Klammern bedeutet die Anzahl der Wanderungen): Chrisllan Geldbach (31), Gretel Lemp (27). Nadel 50: Karoline Betz (51), Anni Bergen (52), Helene Bergen (50). Anna Malko- mesius (50). Nadel 75: Anton Betz (81). Alfred Betz (89). Georg Frihsch (83). Adolf Pfaff (80). Nadel 100: Karl ®rüget (109), Curt Oppenheimer (108), Emst Petri (100). Nadel 125: Heinrich Kraft (125), Karl Gustav Schmidt (130), Fritz Schwab (132). Nadel 150: Ad. Schneidmüller (153). Nadel 175: Cd. Rademaker (180), Karl Stroh (175). Nadel 275: Carl Faber (284), Christian Georg (280). Das Programm des Abends brachte eine Fülle der verschiedensten Darbietungen. Herr Curt Richter (Tenor) sang einige Dollslieder sowie zwei Schlagerkompositionen und fand damit den stärksten Beifall. Paul Nieren rezitierte ernste Gedichte von Löns uni) Seibel und fesselte damit die Auf- merksamkell der Zuhörer. Ein Dauerntanz, von acht VHC.-Schwestern aufgeführt, mußte wiederholt werden, da er ganz besonders gut gefiel, unter dem Titel „VHC.-Pinselers Schlußrast" wurden die markantesten Wander-Erlebnisse in .humorvoller Form und unter dem verständnisinnigen Lächeln der eingeweihten Zuhörer zum Vortrag gebracht. Schließlich gelangte noch ein Sketch und ein lustiges kleines Theaterstück zur Aufführung, die beide verdienten Beifall fanden. Der Abend verlief in harmonischer Geselligkeit. Srieffaften der Redaktion. G. A. 6. B. Wir veröffentlichen feine Kreuzworträtsel im redaktionellen Teil unserer Zeitung. Biele Zeitschriften, Magazine, Illustrierte Zeitschriften, auch Tageszeitungen sind u. U. ständige Abnehmer. 6. St., weitershain. Professor Dr. Blecher: „Einführung in die heimische Vorgeschichte" und „Walo, der Pfohlbauer" (ein Kulturbild aus der heimischen Vorgeschichte für die Jugend und chre Freunde), beide Bücher erschienen im Verlag Bindernagel zu Friedberg. — Der Gießener Lesehalle-Verein (Bücherei, Neuen Bäue, Gießen) verleiht Bücher gegen Bürg- schäft auch nach auswärts. DAS HALBE PFUND Obe Sie vetien •£. ^V 'O^enn TSten W. sorqe° . e* pienn'^ txne bVvCK V Sattelb /)/) MM jahre in die Ewigkeit abzurufen, In tiefer Trauer 1990P MQh und Arbeit war dein Leben. Ruhe hat dir Gott gegeben. Todesanzeige. Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, Dienstag, 17. März, nachm. 2 LJhr, meinen lieben Vater, Lohn, Bruder, Schwiegersohn und Schwager Georg Hohbach, Rangierarbeiter nach langem schweren, geduldig getragenem Leiden, im 48. Lebens- Friedrich If oßbAch. Sohn Familie Moßbach and Möglich. Lützellinden, den 18. März 193t. Die Beerdigung findet Freitag, den 20. März, nachmittags 3 Uhr vom Trauerbause aus statt. Gießenei Klabi SS*1«*» sssPä LEB?-!. LdZZr de r wta rUK. JD(9!ta|){e iltad)^1 üU$ Ä'AisA r-m feinet - sichet" .Len z "ur ertttefe". nb -°sen c-n^ 5 Dbct S5»rt?$ |olllt An ft* S®y: SÄgf SSL Z MatlMe. dre schlesischen Dolles errichtete Grenz- qann ich 8" «fe Md Setechtrgkelt ausschen wurde. Mitteln suchte" Je beamten federn Dm treten des Schwierigkeiten^ zu Stimmung fühlen zi ften Bestimmungen sührung, mit Dliaer schon vom elften 2 fommenben Deutsche' des Kontrollierten des 2enachteiligtsei> wegen zu Hause h AtmvsMre des t< ja Polen und sein Propaganda toitfia die Äraussehung' polnischen und da günstige WstimM' Dieses sortgeseh! Beobachtet-, von Sein begleitete ein Zuweilen sich zu h 3ien verdichtend. ( als ich eines 2?a Buresu heimfehrte ein Xünbel vo sand, deren Wzügr bunden waren, dah tores die ganze 2( bringen müssen. I durch ähnliche Er Taschenlampe vor! abgeleuchtet hatte, schlag seine Wirkui Ein anderes M Bachts aus dem vor meinem Hause Kugel flog sirrend und breit fein ( schlvarze Han, jeden einzelnen, bei Besinnung.verdacht Jeden, der es wagte, Zmat einzutreten.' ^uhe der sranzösi N jebe nur erbei -Renten in die Har re$t Zulreiberdiens Das deutsche An y°n polnischen y Bitte um rege Beteiligung freundlichst ein. — Es spricht Herr Dr. Wagner, Marburg, über das Thema: 1972 D Das Handwerk und die Zukunft der deutschenWirtschaft Die Veranstaltung wird von musikalischen und gesanglichen Darbietungen umrahmt Die handwerklichen Organisationen IA. Gewerbe verein Gießen Reidishandwerkswodie Zu der am Samstag, dem 21 März 1931. 15% Uhr, im großen Saale des Caf6 Leib aus Anlaß der Reidishandwerkswodie stattfindenden öffentlichen handwerklichen Werbe-Veranstaltung laden wir hiermit die Einwohnerschaft Giebens mit der Die Fach-Photogiaphen bringen ihre Geschäfte zur Anfertigung erstklassiger, neuzeitlicher Bildnisse in allen modernen Verfahren in empfehlende Erinnerung. — Photographische Arbeiten für Amateure werden ebenfalls sorgtä'tigst ausgeführt 1974D Hessischer PhotographensBund Zwangs-Innung für den Volksstaat Hessen. Bezirk Oberhessen Damenhute Zur Anfertigung und Umarbeitung von Damenhüten empfehlen sich die Mitglieder der unteizeichneten Vereinigung. Prompteste und preiswürdigste Bedienung wird zugesichert Vereinigung der Putzmadiergesdiafte / Gießen im fast vollendeten 66. Lebensjahre nach schwerer Krankheit entrissen. gesucht 1966 V Gießen und Zürich, den 17. März 1931. Betty Baer Familie Dr. Bauer,Weilburg Lilly und Gisela Marx Josef Baer Familie I. Simon Familien Bauer Die Einäscherung findet am Donnerstag, 19. März, um */23 Uhr statt. Von Beileidsbesuchen und Blumenspenden bitten wir abzusehen. __________________________________________________________________________________________________oifin Namens der Hinterbliebenen In tiefer Trauer: Frau Sophie Entzeroth Dr. Hans Entzeroth und Frau Marie Luise, geb. Gotschlidi Hans-Heinz Entzeroth. Statt jeder besonderen Anzeige. Am 17. März wurde uns mein innigstgeliebter Mann, unser treubesorgter lieber Vater und Schwiegervater, Großvater. Bruder und Onkel Herrschaftliche, neue 4-3lmm Woijimng mit Bad. Lalton, Wintergarten flieh. WasLHetz.beschlag- nQtjniehet, in bester, sonnig. 2ane, ab 1. 4. au oerm. Näh. l01'* A. Becker, Keplerstr. 9 I. 3-Zimm.-Wohnun: mit Bad u. Warm- wasserheiAa. in der Bcctbovcnstt. Aum 1. 4 od fudt Au vrin. Nah.Ltch. Str. S p, Oberingenieur und Reicbsbahnamtmann a. D. Heinrich Entzeroth Offerten an: August Gros • Friedberg Frankfurter Straße Nummer?. Todesanzeige Gott dem Herrn hat cs gefallen, meine herzensgute, treusorgendc Mutier, Großmutter. Schwiegermutter, Schwester und Tante Frau Auguste Osinslm Ww., geb. Giintber nach langem schweren Leiden im 77. Lebensjahre in die Ewigkeit abzurufen Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Frau Louise Mattern, geb. Os nsky Gießen (Ludwigstraße 12111), Guben, Braunfels a. d. L., 16. März 1931 Die Beerdigung findet Freitag, den 20. März, nachmittags 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt 1979d Bezirksvertreter an allen Orten Oberhessens gegen hohe Vergütung Dienstagabend verschied nach kurzer, schwerer Krankheit unsere geliebte Schwester. Tante und Schwägerin Fräulein Johanna Baer Die trauernden Hinterbliebenen: Generalvertrieb Wichtige Neuheit für Automobilisten D. R. P. a. und Auslands Patente. - Bedeutendes Unternehmen Mitteld<-u:-eh ands beabs chli t für den Bezirk ieüen eine ie bstlnd.ge Vorkaalsn ’Uerla-je (Allei vertrieb) einzurichten. Der Artikel stellt eine Umwälzung alles Bisheiigen aut diesem Gebiete dar und ist von Presse und Publikum begeistert auf genommen. Der billige Anschaffungspreis und die roßen Vor züge machen den Artikel Uuentbehr.ich für jeden Kraftfahrer und gewährleisten Ripspnnpw'nn । F,ür kapitalkräftige Firmen oder Herren, auch ohne Bram iiGOGiiyüW 1)11. ehekenntnlsM*, die auf eigene Rechnung arbeiten und großzÜL-i e VerkauGorganisationen unterhalten können. Ist leist der richtige Moment! Svbrifil. Angebote und Kapitalnachweis erbeten unter L.P. 291 (11)67\» an den Gießener Anzeiger. Einige rührige Untervertreter bei sofortigem hohen E nkommen werden eingestellt. Gießen (Walltorstr. 12), Frankfurt a. Main. Hanau, Weilburg, den 18. März 1931. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 19. März 1931, nachmittags um 3 Uhr statt. Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. ___________________________________________________________________________________________1 989 f> Herrn Ludwig Lenz Landwirt 1969 D Aolohrillen Hörnsheim, Kassel, Hof Haina, den 17. März 1931. 6 Morgen Acker - WkseD’and 1981 D Vereine gungen abzusehen. 1988 D Vermögen: Schulden: 2047045,97 3830943,24 3. 100516,21 230993,28 16095,27 5. 939108,22 8. 9 | Stellenangebote| 142803'6.14 1428 316,14 6. 7. WO DO 1803874,75 77 141,14 Hypotheken.. Dar.ehen ge- gen Schuldschein an Gemeinden, Kirchen u. Rom» nurna.ver- bände .. .. Darlehen gegen Schuldschein an pri- RM. 4140768,21 1. Spareinlag n. 2. Kred toren im Kontokor.ent» verkehr...... 3. Reichsban'. Lomoardkonlo. 4. Rücklage..... 5. Aufwertungs- foids ...... 6. Reingewinn.. RM. 11842599,62 Sonntag, den 22. mflrj Lollar-TretS-Ciim- bach-Gioh.-Buscck. 5Std. Abf. 9L6 Uhr. 10. Mobillen.... 11. Nechnunasrest 12. Aufwertungs» fonds....... nach kurzem Kranksein, im Alter von 81 Jahren, zu sich in die Ewigkeit abzuruten. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute unsern lieben treusorgenden Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Heiratsgesuch! Wfiwer, Landwirt. 4U$: hre mit3Kind sucht LandwlrtStoän. 25-bö I, Aw. Heirat kennen au lern. GS wird mehr auf flctu., liebe Person, als aus Vermögen ges. Schi. An geb not. 01597 an d. Gn. 91ha. erbeten. 2655758,58 16700 ,~ 69000,- 343533,45 gen Hinterlegung v. Wertpapieren Kurspapiere -Ku swert).. Wechsel..... Guthaben bei Girozentralen unbDanken.. Debitoren im Kontokorrent- Verkehr ..... Grundbesitz.. (Baumstücki am Witzmarer Weg it b Rodberg ganA oder letlweisc ah ver- Dachten oder au verlausen. Schtinl. Angebote unter 01575 an d. Gien. 91 NA. AuSkünitetnMecht^-, Stras-.^amtl.-Ange- legen^ettewGemdie, Bertrage. Beobachtungen. Ueberwachg und Ermiuiitngen vreiSm^ streng dtskr. u an all. Orten ert. u. erledigt Detektiv- Bureaa-a.äaskunlte Inh.K.Gerz.Bad-Nan- heim, Kurstr. 17. ** GutmöblierlesZinimer m. War mwasserdA. t. fr.Lage, KlitukSnahe Au verm. Schr. Ang. n.01431 an d.Gn.AnA Optiker Magnus Marktplatz 19 vate gegen Äürgschast.. 4. Darlehen ge- Die Beerdigung findet Freitag, den 20 März, nachmittags IVa Uhr, in Hörnsheim statt. Lungenverschleimung hartnäck. Husten t'uströlnenkaiarrb, Neuch- liuüen, Bionchialkatarrh, Asthma etc. behebt und lindert selbst m veralteten gällen der schleimlösende Oettheim'ö Brust- u. Lungentee Preis Mk. 1,25. Zu haben in den Apotheken. bestimmt: Pelikanavotbckc <> ie- hen. ^rcuAvlav 2. 2(5741) Vorstehende Ä tanz wird emäß Art 3 Abs 4 des Ges hcs üoer die öffentlichen Spark ffen vom 8. August 1902 zur Kenntnis der Sezirksangev/örigen gebracht. 1976D Gießen, den 16. März 1931. Der Direktor der Dez'rksfparkaffe Gießen. Zacheis. Sonnen- Schutzbrillen 10",- 290054,34. Am 15. d. M. m ußte nach zähem Wehren unser Söhnchen Hans-Leonhard Neumann im Alter von 5Vi Wochen wieder von uns gehen. Dr. Hargret Nenmann, geb. Bücking Dr. Johannen Neumann. Gießen, Darmstadt, den 18. März 193L Wir bitten, ohne Ausnahme, von Beileidsbezeu- 14-I7jähng. sauber. Auüerluin les Mädchen vom Lande in fle n. Haushalt ges. Schr. Ang. u.01605a.d.G.A. VmWi-Wieitt zum Vertrieb eines neuen m.tzgklki reviisslulilkik für @ i e fi e n und oberhess. Plätze soiort gesucht Schi Angebote un ler 1983V an den Gies; Anzeiger Die trauernden Hinterbliebenen; Prot. Dr. Ludwig Lenz und Frau Wilhelm Lenz und Familie Otto Lenz und Familie Johannes Borck und Familie Lehrling ehrlich, gewissend, v. Scho oladen-Gro,h. ges. S ur. Anqeb. u. 01594 cm ik Wfe. Anz. Tüchtiges, solides Mllklll ou» guter Familie f. Büfett gesucht. 016,1 Cafe u. Konditorei Kettler UW-Betten (Stahl a. Holz) Polster. SdilafziDim^Stahlmatr. Kinderb.Chaiscl. a.Pri- rate. Ratenzl. Katal.fr EisenmöbeUabrik Suhl Die Aeufterung. die ich gegen Hp. Sehne" II, Ehefrau Kcsscldach, auS..e- foiochen haben soll, nehme ich nut Bedauern AurÜck. 10KtiD W. Weber I , KesseLbach. 1. 2. Altana seb. Ber- sicheiungSGct. sucht Bttirt;et. Hohe Brov. für Vermittlung. 9Zut ortsansässige Bewe« ber werd, berücksichtigt. Lchriitl. Anaeb unt. 01599 an d. O$ü. AnA. Bilanz der Vezirkssparlaffe Gießen für 1929, Zur Führung nie n. frauenl. Hau-5h. alt Frau oil. ält. Mädchen ohne Anhang,d. etw Landwirtschafl verst. aafS if md ges. ©ehr. 't'g.u.01595a.d.(« A Lüchi^ nicht au jung. MSdihen für alle Hausa> beit, n berrschailt Haus- hal auf dem Vanbe gesucht. G.iteZeugn. Bedingung. Schriftl. Angeb. unter 1978. - an den Äted-Anze»-, (Verschiedenes! Garten am Nahrungsberg, ncicilt oder ganz au veroainen.DiahereS Kaiserallee 9111. ol6l| | M etgesucae | Schone 4-Zimmer-Wohp. ver gleich od. foater ges. Schr. Angeb. nut ’ßretOQnq. um. 0hÄ)9 an den G eh AnAetg. Neuzettliche 4-Zimm.-Wohne. ver 1. 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Die v b e r s ch l e s i s ch e Abstimmung, deren Iahrestag sich nun zum zehntenmal jährt, sollte nach den Worten des Vorsitzenden der Interalliierten Kommission für Oberschlesien, des französischen Generals Le Rond, eine ,.Aera der Freiheit und Gerechtigkeit" anleiten. Sie wurde aber in Wirklichkeit Ursache und Be - ginneinerZeitdertiefstenErniedri- flu n g> Brudermord und Verrat. Terror und brutale Gewalt. Hunger und Verzweiflung, Recht- losigkeit uird Knechtschaft, das waren in Wahrheit die Marksteine, die den Leidensweg des oberschlesischen Volkes in jener Zeit bezeichnen. Als ich in den Septembertagen des Jahres 1920 zur Uebernahme einer politischen Propagandastelle nach Kattowih reifte und gezwungen war. die willkürlich inmitten deutschen Landes errichtete Grenze zu überschreiten, da bereits begann ich zu ahnen, wie diese „Aera der Freiheit und Gerechtigkeit" für das arme Oberschlesien aussehen würde. Mit allen nur erdenklichen Mitteln suchten die französischen Pah- und Zollbeamten jedem Nicht-Polen schon beim Betreten des Abstimmungsgebietes Schwierigkeiten zu bereiten und ihn feindselige Stimmung fühlen zu lassen. Mit den schikanösesten Bestimmungen und ihrer peinlichsten Durchführung. mit Blicken. Worten und Gesten wurde schon vom ersten Augenblick an bei jedem ankommenden Deutschen ein Gefühl der Unsicherheit, des Kontrolliertseins hervorgerufen, ein Gefühl des Benachteiligtseins, dort, wo man von Nechts wegen zu Hause hätte sein sollen. Eine solche Atmosphäre des kalten Terrors aber brauchte ja Polen und sein französischer Helfer, um seine Propaganda wirksam werden zu lassen und um die Voraussetzungen zu schaffen für eine im polnischen und damit auch französischen Sinne günstige Abstimmung. Dieses fortgesetzte Argwöhnen, dieses ständige Beobachtet-, von unzähligen Spähern Dersolgt- Setn begleitete einen dann auf Schritt und Tritt. Zuweilen sich zu handgreiflichen feindlichen Aktionen verdichtend. So geschah es mir, daß ich, als ich eines Nachts aus meinem Kattowitzer Bureau heimkehrte, an meiner Haustür ein Bündel von zehn Handgranaten sand, deren Abzüge mit der Türklinke so verbunden waren, daß ich beim Oeffnen des Haustores die ganze Ladung hätte zur Entzündung bringen müssen. Nur dem Amstande, dah ich durch ähnliche Erlebnisse gewitzigt, mit einer Taschenlampe vorher den Hauseingang genau abgeleuchtet hatte, dankte ich es, daß der Anschlag seine Wirkung verfehlte. Ein anderes Mal krachte, als ich wieder des Nachts auf dem Heimweg begriffen war, dicht vor meinem Hause ein Gewehrschuh. Eine Kugel flog sirrend über meinem Kopf... Weit und breit kein Mensch zu sehen.....Die schwarze Hand!" Sie lastete auf einem jeden einzelnen, der hier in dieser Zeit deutscher Gesinnung .verdächtig' war. Sie griff nach einem jeden, der es wagte, für sein Vaterland, für seine Heimat einzutreten. And das alles unter dem Schuhe der französischen Desahungstruppen, die auf jede nur erdenkliche Weise den polnischen 'Agenten m die Hand arbeiteten und ihnen regelrecht Zutreiberdienste leisteten. DaS deutsche Anhalt im Kreise Pleh wurde von polnischen Mordbrennern eines Nachts überfallen und an allen Ecken an« gezündet. Die auS den brennenden Häusern flüchtenden Einwohner aber aus dem Hinterhalt beschossen. In Kattowih, Tarnowih. Myslo- wih und anderen Städten sprengten polnische Banditen die an die preußische Zeit erinnernden Denkmäler in die Lust. In einsam gelegenen Dörfern wurden deutsche Gendarmen, deutsche Lehrer und Gemeindebeamtcn — meist feige aus dem Hinterhalt — überfallen, mißhandelt, blutig geschlagen, verschleppt, oft sogar ermordet. Heber dieses Treiben aber bereitete der Franzose Le Nond, der Verkünder der ..Aera der Freiheit und Gerechtigkeit", seine schützende Hand. Sv kam der 20. März 1921, der Qlbftim- mungs tag heran. Von den einen herbei- gesehnt als der Tag, der endlich dieser unerträglichen Zeit ein Ende bereiten sollte, von den anderen gefürchtet als der Tag, der aller Voraussicht nach noch einen besonderen Ansturm der haßerfüllten Gegner bringen werde. And in der Tat, an jenem Tage erreichte der polnische Terror ein bisher nicht gekanntes Ausmaß. Am Abstimmungstage selbst verzeichneten die deutschen Behörden nicht weniger als ein» tausendvierhundertsünsundvierzig Fälle von Terror gegenüber abstimmenden Deutschen! Schon in den Mittagsstunden des 20. März trafen in Kattowih und anderen Städten in langen Zügen auf Leiterwagen, auf Stroh gebettet, die Verwundeten ein. Die Opfer des polnischen Terrors. Mit höhnischem Grinsen, mit gleichmütigem Achselzucken sahen die französischen Soldaten und Offiziere diese Elendszüge an sich vorbeiziehen, die hier und da laut werdenden Verwünschungen und Flüche mit tauben Ohren überhörend. And trotzdem: fast zwei Drittel der o b e r s ch l e s i s ch e n Bevölkerung hatte sich zur deutschen Heimat bekannt; hatte bewiesen, daß auch blutigster Terror und roheste Gewalt ein Volk nicht zwingen können, seine Heimat zu verleugnen. Der Abstimmungs- * Gießen, 17. März. 1931. Der Gießener Stadtrat sah sich in seiner heutigen Sitzung vor die schwere Aufgabe gestellt, neue Einnahmequellen für den Voranschlag 1931 32 zu erschließen. Das Stadtrats-Kollegium befand sich dabei sicherlich in keiner erfreulichen oder beneidenswerten Lage, sondern es stand unter dem harten Drucke unabweisbarer Notwendigkeiten, d e bei den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen besonders empfindlich verspürt werden. Bei den Vorlagen handelte es sich um die Beibehaltung der durch den Staatskommissar diktierten Getränkeverzehr- fteucr, um die erhöhte Bier st euer, eine Wassergelderhöhung und schließlich noch eine Heraufsetzung der Müllabfuhrgebühren. Ein harter Kampf entstand bei dem Ringen um die Getränk everzehrsteuer, die von der Linken und einem Teil der Fraktion der Wir schaftlichen D rein gung abgelehnt wurde, während die Fraktion der Arbeitsgemeinschaft der Mitte und der größere Teil der Wirtschaftlichen Vereinigung dieser Steuer zwar nicht mit frohem Herzen, aber doch mit weitschauendem Blick für die schwerwiegenden Folgen der Ablehnung — neues Diktat des Staatskommissars! — zustimmten. Die Auseinandersetzung um diese Steuer gestaltete sich sogar so kritisch, daß der Oberbürgermeister, im Gegensatz zum 27. Dezember v. I., sich veranlaßt sah. ernst mahnende Worte an das Haus zu richten, das schließlich sogar seine Beratungen unterbrach, um erneute Besprechungen tag des 20.März 1921 war ein deutscher Sieg cd tag geworden! Nur: um die Früchte dieses Sieges sollte, wie schon so oft, Deutschland auch diesesmal betrogen werden. Es war am Morgen des 3. Mai 1921, Schüsse hallten durch die Straßen der Städte und Dörfer. Bewaffnete Aufständische neben regulären polnischen Truppen ISoldaten der Haller-Armee, die Deutschland selber aus eigene Kosten von Frankreich nach Polen hatte besördern müssen) hielten Einzug in die Ortschaften des Abstimmungsgebietes, älnb wiederum zogen endlose Züge Verwundeter durch die Straßen der Städte. Mit noch nie erlebter Grausamkeit verfolgten die nunmehr bewaffneten Polen einen jeden, der auch nur von ferne deutscher Gesinnung verdächtig war. von dem man vermuten konnte, daß er am Abstimmungstage für Deutschland gestimmt hatte. And bann kam der „Stellungskrieg". Während draußen auf dem flachen Lande unter den Augen der französischen Desatzungstrup- pen der polnische Terror wütete, saßen in den Städten die Bewohner wie in einer belagerten Festung. Aeberall an den Straßen, die zur Stadt führten, lagerten polnische Aus- ständischen-Regimenter, gut bewaffnet und ausgerüstet. mit Geschützen und Minenwersern versehen. Die französischen Besatzungstruppen freilich sahen von diesem Treiben nichts... In ödem Gleichmaß ging ein Tag nach dem anderen dahin. Nur hier und da wurde die Eintönigkeit der „Gefangenschaft" unterbrochen durch eine neue Niedertracht der fremden Bedrücker. Da schießt ein polnischer Insurgent „zum Spaß", nur „um sein Gewehr auszuprobieren", mitten in eine von Spaziergängern belebte Straße hinein. Ein Schrei, getroffen stürzt ein junges Mädchen zu Boden. Brustschuß. Tot... Von drüben bringt höhnisches Gelächter. In Kattowih. Aus der Terrasse eines Kaffeehauses sitzen dichtgedrängt die nach Luft, nach Sonne und Freiheit lechzenden Menschen. Drüben, jenseits einer großen Wiese die polnische Postenkette. Da kracht ein Schuß. And rasch hintereinander, drei, vier. fünf, sechs weitere Schüsse... Die Kugeln pfeifen über die Köpfe der Kaffeehausgäste hinweg. Fensterscheiben flirren zu Boden. Angstschreie erfüllen die Luft. And in rasender Hast stürzen Männer, Frauen und Kinder davon... Das aber war ja gerade der Zweck dieses „Feuerüberfalls", der sich einige Tage spä- der Fraktionen zu ermöglichen. Gegen eine starke Minderheit wurde dann die Getränkesteuer genehmigt. Wer die Lage der Dinge mit kühl abwägendem Verstände prüft, wird zu dem Ergebnis kommen, daß bei aller Gegnerschaft, zu der auch wir uns bekennen, unter den gegenwärtigen Zwangszuständen die Annahme der Verwaltungsvorlage von zwei liebeln - nämlich Zustimmung des Hauses, oder Diktat des Staatskommisfars mit war. Es konnte keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß bei einem Nein des Stadtrates wiederum die Steuervormundschaft des Staatskommissars auch für das neue Rechnungsjahr hinsichtlich der Getränkesteuer in Kraft gesetzt worden wäre. Die bisherigen Erfahrungen mit diesem staatlichen Zwang genügen aber vollkommen, um alles zu versuchen, einer Wiederholung weit aus dem Wege zu gehen. Daß sich bei der Getränkeft euer eine Mehrheit für diesen Standpunkt fand — wir hätten dabei auch die Zustimmung der Sozialdemokratie gewünscht, die sich nicht so entschieden auf ihre mehr formellen Bedenken hätte versteifen fallen, nachdem klar geworden war, daß bei der Verwaltung Absichten im Sinne der von der Sozialdemokratie geforderten schärferen Kontrolle bestehen —, ist mit Befriedigung zu vermerken. da hierdurch gute Realpolitik zur Tat geworden ist. Bei der Bier st euer verlief die ganze Sache glatt, da für diese Steuer bindende Vorschriften der Reichsgesehgebung bestehen, denen sich natürlich der Stadtrat nicht entziehen konnte. Auch die Wassergelderhöhung ter immer mit dem gleichen Ergebnis, wiederholt, und immer wieder. Nur Her ausfordern und Quälen, nur diesen verhaßten Deutschen die Macht zeigen... Als in der Sommerhitze der Iunitage neben der quälenden Angew.ßhcit über das Schicksal der Heimat auch der Hunger die gefangene Stadt zu peinigen beginnt, da sperren die Polen in dem außerhalb der Stadt Kattowih gelegenen Wasserwerk auch die Wasserzu - fuhr ab. Aus dem Platz vor dem Theater stehen nun in langen Reihen die Einwohner, um von einem Brunnen, aus dem die Feuerwehr das letzte Grundwasser, eine trübe braune Lake, pumpt, wenigstens einige Trovsen des unentbehrlichen Naß zu holen. Daneben aber machen sich mit gleichmütigen Mienen sranzösische 5o.baten breit. Hohn auf den Gesichtern. Es sind ja nur Deutsche! Des Nachts aber, wenn die Gepeinigten den Schlaf suchen, des Nachts tönt mit kurzen Unterbrechungen von allen Seiten Gewehrfeuer. Dazwischen Einschläge von Minen und Granaten, die die Polen plan.os über die Stadt, über die Häuser hinweg ins Land hinausschicken. Ohne Zweck und Ziel. Nur um zu zerstören. Es sind ja nur Deutsche! And dann kam Oberschlesiens Schicksals sprach! Die Zerreißung. Da haben auf der Straße, als Extrablätter das Derditt von Paris verkündeten, Frauen und Männer geweint! Da haben Männer und Frauen mit ohnmächtigem Zorn die Faust geballt wider die. fremden Bedrücker, die statt ..Freiheit und Gerechtigkeit" Knechtschaft und Rechtlosigkeit brachten ... Zehn Iahre sind seitdem ins Land gegangen. Wer zurücklehrt an die Stätte jener Tragödie, sieht, daß Oberschlesien blutet, zerrissen und zerfchlagen. aus tausend Wunden. 3n dem geraubten Teil des Landes wird die deutsche Bevölkerung geknebelt und geknechtet. Aeberall, diesseits und jenseits der Grenze, glimmt unter der Decke scheinbarer Beruhigung das Feuer der Leidenschaft, der Feindschaft, des Hasses weiter ... Sv begeht Oberschlesien das Gedenken an die zehnte Wiederkehr des Abstimmungstages. And in weiteren zehn Iah- ren ...? von dem Dorkriegspreis von 25 Pf. auf 30 Pf. war keinen Augenblick gefährdet und wurde angesichts der zwingenden Finanzlage der Stadt als unausweichlich angenommen. Wenn auch die Bürgerschaft über diese neue Belastung sicherlich nicht erfreut sein wird, so muh sie sich aber doch sagen, daß der neue Haushaltsplan im wohlverstandenen Interesse der Bürgergesamtheit ausreichend fundiert fein muß, wenn nicht das Ganze notleiden soll. Sihmigsberichi. Anwesend Oberbürgermeister Dr. Keller, Bürgermeister Dr. Seid, die Beigeordneten Dr. chamm und Iustizrat Dr. Rosenberg, sowie 36 Mitglieder des Stadtrats. Weitere 40000311t. für Fürsorqearbciten. Auf Antrag des Finanzausschusses wird nach Begründung durch Bürgermeister Dr. Seid und nach kurzer Aussprache ein weiterer Kredit von 40000 Mark für Fürsorgearbei- ten mit Wirkung ab 1. April bewilligt. Der Kredit geht je zur Halste zu Lasten der Dermögensrechnung und des Wohlfahrtsetats. Bei diesen Fürsorgearbeiten werden Wohlfahrtserwerbslose mit 32 Stunden Arbeitszeit in der Woche beschäftigt. Getränkesteuer und Viersteuer. Der Finanzausschuß beantragt, die Getränke- ft euer mit dem gleichen Satz wie bisher — Gieuerbeschlüffe im Gießener Giadirai. Bei der Geiränkesteuer am Siaaiskommiffar vorbei. — Biersteuer. - Wassergelderhöhung. Gießener Giaditheater. Klabund: „X Y Z". Das ist ein Nebenwerk des frühverstorbenen Dichters Klabund, ein Spielchen, eine Spielerei, eine dünnblütige Improvisation, ein schmächtiger Einfall. Das alte ABC der Liebe — oder der merkwürdigen Hache, die sich Liebe nennt auf dem Theater und in der Literatur — wird hier furio- serweise von rückwärts aufgesagt. Die Szenerie wird von geflissentlich anonymen Figuren bewegt, wodurch der Stegreifstil dieses Stückes besonders deutlich gemacht wird. Die Figuren können beliebig hin und her geschoben und miteinander vertauscht werden; man hat es, wie man bald gewahr wird, hier nicht mit Menschen von Fleisch und Blut zu tun. sondern mit Marionetten, die an unsichtoaren Schnüren gelenkt und von einer krausen und ganz unernsten Phantasie bewegt werden. Figuren wie au8 der Spielzeugschachtel eines großen Kindes; X — Y — Z: Dann — Frau — Mann. Die Gleichung mit den drei Anbekannten ist überraschend schnell gelöst. Die höhere Mathematik der Liebe, des menschlichen Gefühls, der erotischen Beziehungen bleibt, wie man sieht, immer auf die gleichen schlichten Formeln angewiesen. Die Literatur jedenfalls ist, von etlichen Sonderfällen abgesehen, bis auf weiteres über die ewig wiederholte Dreieckskonstruktion nicht hin- ausgelangt. Versucht man die blasse Formel wenigstens durch den Schatten eines menschlichen Amrisses zu beleben, so ergibt sich das folgende Bild: die Komtesse Y verliebt sich in ten jungen Herrn X, welcher sich unter dem Namen eines Grafen Z an die junge Dame Y herangemacht hat. • Verliebt, verlobt, verheiratet. Graf Z taucht bei dem jungen Paar, als Diener verkleidet, auf: um X als Hochstapler zu entlarven. Dame Y verliebt sich prompt in Z, der mit X die Kleidung tauscht. Der Herr verwandelt sich in den Diener und umgekehrt. Die zweite „Ehe" ist jedoch nicht minder langweilig als die erste. Das Stegreifspiel überschlägt sich in die Groteske: Y wird auch mit Z nicht glücklich und kehrt reumütig zu ihrer ersten Liebe zurück. X und Z nehmen die Sache nicht tragisch: sie ziehen, um alte sozialen Hemmungen abzulegen, die Röcke aus und trinken ganz friedlich Brüderschaft mit einer Pulle Sekt. X. Y, Z erscheinen zuletzt selbdritt an der Rampe, erklären ihr windiges Spielchen für eine freundliche Illustrierung alltäglicher menschlicher Beziehungen und erkundigen sich höflich, wie dies dem ver- ehrlichen Publiko gefallen habe. Wir wagen es nicht zu entscheiden und bedauern. daß über solches „Spiel zu dreien" beim besten Willen nicht mehr zu berichten ist. Diel ist dem Dichter Klabund für seine anonyme Szenerie nicht eingefallen. Allzu blutlos wirken die drei dürftigen Akte, welche mit Mühe den Abend füllen. Kein dramatischer Nerv treibt die Handlung vor. Kein Hauch von der blühenden, glühenden, bilderreichen Wortkunst des Lyrikers Klabund beseelt das trockene Geplauder in der blassen farblosen Sprache des Alltags, wo selten ein Witz aufbliht und allzu häufig ein Kalauer herhalten muh. — Die Inszenierung des Dramaturgen Dr. Ritter begann im Kammerspielltil, versuchte später die unbestreitbaren Längen des Buches mit munterer Betriebsamkeit zu Überbrüden (was nur stellenweise gelang) und endete mit einer durch musikalische Stimmungsmalerei angenehm gemilderten Grotesk im Schlußakt. Das ergab eine nicht gerade einheitliche Aufführung; aber wir gestehen, daß es schwierig ist, ein besseres Regieprogramm für dieses Stück vorzuschlagen. Die Witspielenden mühten sich redlich um wenig dankbare Aufgaben. Loni Leutholf (als Komteß) pendelte mit einer hier durchaus angebrachten Anbekümmertheit zwischen den beiden Partnern hin und her; doch sprach sie stellenweise zu hastig und nicht immer verständlich. Die Herren Wesener und Hauer waren nach besten Kräften bestrebt, ihren schemenhaftem und blassen Rollen ein wenig persönlichen Anstrich und natürliche Farbe zu geben. — Das Publikum beantwortete die abschließende Frage mit mildem Applaus. hth. Wie schnell? Wie lange? Wie groß? Die Vorstellungen, die der Durchschnittsmensch von den einzelnen Größenordnungen besitzt, ist außerordentlich fehlerhaft. Das zeigt sich immer wieder bei Zeugenvernehmungen vor Gericht, bei denen die Angaben über eine bestimmte verflossene Zeit, über die Größe oder Höhe eines Gegenstandes oft sehr weit auseinanderliegen. Tei einem Kriminalprozeß, der dieser Tage in England verhandelt wurde, drehte sich alles um eine bestimmte Zeitangabe. Ein Zeuge, der besonders sichere Erklärungen abgab, wurde von dem Richter gefragt, wie lange denn zwei Minuten seien. Bereits nach fieben Sekunden erklärte er, die zwei Minuten seien vorüber, und damit war seine Glaubwürdigkeit stark erschüttert. Dieselbe Angenauigkeit der Angaben findet sich immer wieder bei der Verhandlung über Autounglücke. Cs ist überaus schwierig, zu sagen, wie schnell ein Fahrzeug sich fortbewegt. Der eine erklärt, der Wagen sei mit 70 Kilometer Geschwindigkeit gefahren; der andere behauptet, er habe 50 Kilometer in der Stunde zurückgelegt, und dann find es vielleicht nur 40 Kilometer gewesen, denn in den weitaus meisten Fällen wird die Geschwindigkeit überschätzt. Noch viel schwerer ist es, sich über die Schnelligkeit zu äußern, mit der das Wasser in einen Fluß strömt. Prüfungen dieser Art, die ein Psychologe kürzlich vornahm, ergaben, daß die Schätzungen zwilchen 18 und dO Kilometer in der Stunde lagen, wahrend tatsächlich die Schnelligkeit, mit der sich das Wasser des betreffenden Flusses fortbewegte, nur 11 Kilometer in der Stunde betrug. Interessant ist es auch, im ReptilienhanS des Zoo aufzupafsen, welche Schätzungen die Besucher von der Länge der großen Schlangen machen. Vier Leute unter fünf werden sicher behaupten, daß eine dreieinhalb Meter lange Riesenschlange mindestens eine Länge von sechs Meter habe. Ebensoviele F:hler werden gemacht, wenn es sich darum handelt, die Länge einer Straße abzuschähen; die Länge einer solchen Strecke wird im Gegensatz zu anderen Taxierungen fast regelmäßig unterschätzt. Wenn man sich dagegen über die Breite eines Flusses äußern soll, so werden fast regelmäßig übertriebene Angaben gemacht. Nur wenige Menschen haben eine ungefähre Vorstellung von der Größe oder der Höhe eines Raums. Sie Höhe eines Zimmers wird fast immer bedeutend übertaxiert und bei einem zweieinhalb Meter hohen Raum lauten die Antworten gewöhnlich auf drei Meter und noch mehr. Dasselbe ist bei Bodenerhebungen und Bäumen der Fall. Eine solche Schätzung läßt sich annähernd richtig nur auf Grund sehr großer Erfahrungen machen oder wenn dem Auge ein sicherer Maßstab geboten wird. Hochschulnachrichten. Für die Wiederbesctzung des durch das Ableben von Prof. Peham an der Wiener Ani- versität erledigten Lehrstuhls für Gebuit > llfe und Gynäkologie verbunden mit der Leitung der ersten Frauenklinik ist an erster Stelle Professor Dr. G. QL Wagner an der Aniversität Berlin vor- geschlagen worden. — Der Hafenbaudirektor in Bremerhaven und Pr-vatdrznt für das Lehrfach „Wirtschaftliche Durchführung von Wasserbauten" an der Technischen Hochschule in Hannover, Baurat Dr.-Ing Arnold Agatz, ist als ordentlicher Professor an die Technische Hochschule in Berlin berufen worden und hat bereits seine Ernennung erhalten. — Zum ordentlichen Professor für Materialprüfung, Werkstoffkunde und Elastizitätslehre an der Technischen Hochschule in Stuttgart und zum Vorstand der Materialprüfungsanstalt ist Dr.-Ing. Erich Siedel vom KaiserÄsilhelm-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf berufen worden. 5 d. H. des Entgelts — auch für das Rj. 1931 weiter zu erheben, ferner die Bier ft euer vom 1. April 1931 ab wie folgt zu erhöhen: Einfachbier auf 2,50 Mark, Schankbier auf 3,75 Mark, Vollbier auf 5 Mark und Starkbier auf 7,50 Mark |e Hektoliter. Die Berichterstatter — St.-Mitglied G o e r z für die Getränkesteuer und St.-Mitglied L. Mayer für die Biersteuer — empfehlen die Vorlagen zur Annahme und bemerken, daß die Getränke st euer 30000 Mark, die Bier- (teuer 42000 Mark erbringen sollen. Die entsprechende Steuerordnung bzw. Ortssatzung sei dringlich, da sie noch bis Ende März vom Ministerium genehmigt sein müßten, wenn die Steuer ab 1. April d. I. gelten solle. Siadiraismiigl. Mann (Soz.) betont, zur Erhebung der Bier ft euer nach den erhöhten Sätzen ab 1. April sei die Stadt nach der Notverordnung des Reichspräsidenten gezwungen. Da nach dieser Richtung hin der Stadtrat keine Ent- schlußfreiheit habe, werde die sozialdemokratische Fraktion der Biersteuer entsprechend der reichsgesetzlichen Vorschrift zustimmen. Für die Getränkesteuer werde des Redners Fraktion nickt stimmen, weil durch die Art der Erhebung dieser Steuer jede Steuermoral verschwinden müsse; erst nach Schaffung eines anderen Kontrollsystems bei der Getränkesteuer, durch das vielleicht auch die voraussichtliche Verdoppelung der Bürger- steuer vermieden werden könne, werde feine Fraktion erneut Stellung nehmen. Siadtraismiigl. Balzer (Mrisch. Vg.) erklärt, ein Teil seiner Fraktion fei gegen die Getränke st euer, denn sie sei eine ungerechte Steuer und wirke unmoralisch, da sie die Gastwirte zu Steuerbeamten mache. Diese Steuer sei eine besonders krasse Sonderbelastung für das Gastwirtsgewerbe, der man nicht zustimmen könne. Dabei befinde sich das Gastwirtsgewerbe in so schlechten Verhältnissen, wie noch nie zuvor. In vielen Städten sei diese Steuer auch abgelehnt worden. Oberbürgermeister Or. Kellec warnt nach diesen beiden Red-u eindringlich vor der erneuten Schaffung e'.nes Zustandes, bei dem der Stad'rat als Wahrer der Selb st verwais tu ng diese preisgebe und durch e n solches Verhalten es dahin bringe, daß der Staat wieder in die Selbstverwaltung h'.ne'.nregiere. Dieser außerordentlich unerfreuliche Zustand müsse unter allen Umstanden aufhören. Wenn e'ne Mehrheit des StadttttZ die Getränkesteuer ablehn e. sei das ihr P r i v a t v e r g n ü g e n. denn dann würden andere Instanzen diese Steuer einführen. Wenn der Stadtrat wegen der Geträntesteuer und der Biersteuer — die beide nicht die schlimmsten, sondern gewissermaßen freiwillige seien, da sich ihnen ja jedermann entziehen könne — wiederum den Staats* kommissar herausbeschwören würden, so Ware bas ein Verhalten, das er (Redner) als unbegreiflich bezeichnen müsse. Siadiratsmiigl. Horn (Arbeiisgem. -er Mitte) hebt hervor, daß auch seiner Fraktion bekannt sei. wie schlecht es heute dem Gastwirte gewerbe gehe, wie übrigens auch den übrigen Gewerben. Zahlreiche Gastwirtschaften seien bisher schon verödet, auch ohne Biersteuer, infolge öec schlechten wirtschaftlichen DeiHältnisse. Seine Fraktion habe auch die Folgen überlegt, die die Ablehnung der Steuern haben werde. Durch die Ablehnung werde die Lage des Gastwirtsgewerbes nicht verbessert, wohl aber bestehe die Möglichkeit, daß die Steuer durch ein neues Diktat dann noch ungünstiger werde. 3n anderen Städten bestehe die Getränkesteuer nicht nur weiter, sondern sei sogar noch zu höherem Satze eingeführt, bis zu 10 Prozent. Aach reiflichster Lieberlegung sei seine Fraktion zu dem Entschluß gekommen, die Getränke st euer und auch die Biersteuer anzunehmen in der öleberzeugung, daß man damit dem Gastwirtsgewerbe einen besseren Dienst erweise, als wenn sie heute abgelehnt und später mit erhöhtem Satze aufgezwungen werde. Aun fei aber durch die Reden der Herren Mann und Balzer eine neue Lage entstanden, und seine Fraktion sei nicht gewillt, sich allein für die Steuern verantwortlich machen zu lassen. Deshalb beantrage er Llnter- brechung der Sitzung zur nochmaligen Stellungnahme der Fraktionen. Die Sitzung wird daraufhin unterbrochen und die Lage von den Fraktionen erneut beraten. Rach Wiederbeginn der Sitzung erklärt SiadiratSmiigl.NicolaussWrischVg.) hinsichtlich der Bier st euer bestehe eine gesetzliche Verpflichtung, deshalb sei es zwecklos, sich dagegen zu stemmen. Seine Fraktion sei bisher gegen diese Steuer gewesen, und wenn heute noch Entschlutzfreiheit bestünde, werde sie auch weiter dagegen sein. Die Getränkesteuer sei vom Staatskommissar ohne Antrag der Stadtverwaltung eingeführt worden. Es sei bekannt, daß sich das Gastwirtsgewerbe zur Zeit in einer verzweifelten Lage befinde, bei zahlreichen Gastwirtschaften sei der Umsatz so ftarf zurückgegangen, daß er kaum noch zum Dasein cusreiche; es gebe Gastwirte, die kaum 100 Mk. Umsatz im Monat hätten. Man könne daher verstehen, wenn die Gastwirte-Jnnung diese Steuer bekämpfe. Seine Fraktion habe die Lage ernstlich geprüft. Man dür.e nicht außer acht lasten, daß der Voranschlag für 1931 voraussichtlich einen Fehlbetrag von 350 000 bis 400 000 Mk. aufweisen werde. Man müsse sich auch fragen, welche Stellung die übergeordneten Behörden einnehmen werden, wenn ein Voranschlag vorliege, der nicht ausgeglichen sei. Es bestes aller Grund zu der Annahme, daß die Getränkesteuer, wenn sie jetzt abgelehnt werde, dann durch höhere Stellen kommen werde, und daß sie bei einem Diktat nicht auf 5 Prozent beschränkt bleiben werde. Dem wirklichen Zntereste des Gastwirtsgewerbes sei gedient, wenn die Steuer nicht abgelehnt werde, sondern wenn man durch deren Annahme höhere Be.astungen vermeide. Deshalb sei er im Interesse des Gastwirtsgewerbes für diese Steuer. Seine Fraktion sei in dieser Angelegenheit nicht einheitlich gesinnt, deshalb sei die Abstimmung freigegeben. Stadiraismrigl. Rahnefeld (Mrisch. Vg.) weist auf die bisher schon außerordentlich starke steuerliche Belastung des Gastwirtsgeweroes hin und hebt dabei hervor, daß bei jedem Glas Bier fieute schon 10 Pf. indirekte Steuer von dem Monumenten zu bezahlen seien. Wenn die Getränkesteuer nun noch angenommen werde, sei damit zu rechnen, daß sie nichts elnbrtngen werde. Das Elend und die Arbeitslosigkeit im Gastwirtsgewerbe werde immer größer. Zum Schluß sprach er sich gegen die Steuern aus. Stadiratsmiiglied Uscher (Arbeiisgem. -. M.) erinnert eindringlich an die Erfahrungen, die man mit dem Staatskommissar auch in unserer Stadt machte. Eine solche Lage dürfe nicht noch einmal geschaffen werden. Jetzt sei noch Zeit, sich auf eine vertretbare Entscheidung zu besinnen, bei der das Sellistverwallungsrecht gewahrt werde. Dazu sei es aber notwendig, die vorhandenen Steuerquellen auszuschöpfen. Wenn das Defizit im neuen Voranschlag nicht mit Steuern behoben werden könne, so müsse es mit einem U e b e r b r ü ck u n g s k r e ° d i t geschehen. Die jetzt vorliegenden beiden Steuern könnten angesichts der ganzen Sachlage verantwortet werden, auch wenn man für deren Annahme nicht gelobt werde. Im übrigen vermißt der Redner Vorschläge der sozialdemokratischen Fraktion zur Schaffung wirksamer Kontrollmaßnahmen bei der Getränkesteuer, und teilt mit, daß derartige Absichten bei der Verwaltung bereits bestehen. Siadiraismi^glied Hom (Abe iögem. -. M.) hebt noch hervor, wenn die Biersteuer als Sondersteuer für das Gastwirtsgewerbe bezeichnet werde, so sei daran zu erinnern, daß auch die Gewerbe- und die Grundsteuer Sondersteuern darstellen, die ungerecht seien. Mit der Ablehnung der jetzt zur Entscheidung stehenden Steuern verbessere man die Lage nicht. Die Abstimmung. Bei bet Abstimmung über die Getränke- st e u e r stimmen die Sozialdemokraten. die beiden Kommunisten, die Stadtratsmitglieder Balzer und R a h n e f e l d von der Mrtschaft- lichen Vereinigung sowie das nationalsozialistische Mitglied Loh, insgesamt 17 Herren, gegen die Steuer. Das ist die Minderheit; die Steuer ist also angenommen. Die erhöhte Bier st euer wird gegen die Stimmen von Balzer und R o h n e f e l d (Dirlsch. Vgg.), Loh piaf.-5oi.) und Kästner und Lepper (Komm.) genehmigt. Erhöhung der Mültabfuhrge-ühren. Da die automobile Müllabfuhr der Stadt neuerdings vom Reiche besteuert wird — 3000 Mark Steuer soll die Stadt für die Müllwagen bezahlen — und da die Kosten der Abfuhr infolge der zunehmenden Bebauung an den Sradt- grenzen und dadurch bedingter weiterer Fahr- streaen gestiegen sind, schlagen der Dau- und Finanzausschuß vor, vom 1.April ab eine Erhöhung der Müllabfuhrgebühren von 1,16 Pfennig aus 1,36 Pfennig für 100 Pf. Grundmiete vorzunehmen. Rachdem in der kurzen Aussprache u. a. von Stadtratsmitglied Ric olaus (Wirtsch. Dgg.) gefordert wird, es solle auch bei diesem Betrieb möglichste Sparsamkeit erstrebt werden, damit die Gebühren nicht von Jahr zu Jahr steigen. wird der Vorlage gugeftintmt Dagegen stimme» nur die beiden Kommunisten und das nationalsozialistische Mitglied. Erhöhung des Waffergeldes. Ein Antrag des FinanzausschulleS fordert, de» Wasferpreis mit Wirkung vom 1. April 1931 ab auf 30 Pfennig je Kubikmeter festzusehen. Bisher belief sich brr Preis auf 25 Pfennig je Kubikmeter. Mit dem Ertrag dieser Erhöhung, der auf 60 000 Mark berechnet ist, soll das Defizit im neuen Voranschlag gemindert werden. Aach kurzer Aussprache wird die Vorlage angenommen in Verbindung mit einem Antrag Aicolaus-Horn, nach dem die Zustimmung zu der Erhöhung in der Voraussetzung erfolgt, daß die Umlegung des erhöhten WafsergeldeS auf alle Hausbewohner entsprechend der derzeitigen gesetzlichen Lage möglich ist. Gegen die Vorlage stimmen die beiden Kommunisten und der Aationalsozialift. Lieber die weiteren Beratungs-Gegenstände werden wir morgen berichten. Oberheffen. Landkreis Gießen.'" — i Rödgen, 17. März. Am Samstagabend sprach zum zweitenmal Dr. Michel aus Wieseck im hiesigen Leseverein über die erdgeschichtliche Entwick.ung unserer Heimat Aach kurzer Darlegung der Vorgänge im Erdmittelalter, di« für unsere Gegend von geringer Bedeutung waren, sprach der Redner ausführlich über die Entstehung der Sande und Tone im Gießener Decken und über den Vullanismus des Vogelsbergs, wobei die Dasalte unserer engsten Heimat besonders berücksichtigt wurden. Die Entstehung des Lahn- und Wiesecklaufs wurde hierbei erläutert Die Schilderung der Eiszeit und ihres Einflusses auf unsere Landschaft bildete den Abschluß deS Vortrages. * Leihgestern, 16. März. Die jüngste Zusammenkunft der Arbeitsgemeinschaft der Erwerbslosen stand im Zeichen der musikalischen Bildung der Teilnehmer. Ein Streichquartett Gießener Musiker, die Herren Th. E i n b r o d t (Tioline), Walter Einbrodt (Violine), Alfred Einbrodt (Viola) und Otto Markewitz (Cello) hatte sich bereitgefunden, durch ihre musikalischen Darbietungen die Llnter- lagen für diesen Gedanken zu geben. Beabsichtigt war, bim Hörern an Hand einiger Werke verschiedener Meister, die musikalischen Eigenheiten schaffender Künstler zu zeigen, dazu aber auch anzuleiten, in den einzelnen Kompositionen den verschiedenen Stimmung: g halt zu erfassen und bewußt nachzufühlen. Daß dieses Ziel erreicht wurde, war den einführenden Worten des Quartettleiters Th. Einbrodt zu danken. Reicher Beifall belohnte die Künstler. Den Dank der Erwerbslosen brachte der Bergarbeiter K. Seipp zum Ausdruck. Kreis Schotten. ± Sellnrod, 16. März. In der vorigem Woche sammelten in unserer Gemeinde die Schulkinder für die „Winterhilfe 1931". ES gingen in unserem kleinen Ort, der selbst schwer unter der Aot der Zeit zu leiden hat 15,70 Mark ein. ■isen Handl» ug GEWERBESCHULE GIESSEN Abteilung Baugewerbe/Schreinerfachschule Malerfachschule / Schuhmacherfachschule. Staatliche Abgangsprüfung / Meisterprüfung. SEM ESTER B EG IN N: 1. MAI 1931 1977D SUlIWe o. St, Pfd. 34 Pf. Weijas ökklEö ‘45fb?25 4 3i et Io““ <5 Ps. ©töne gelinge 3 Piund < 0 Pi. Echtes n Mr.Muiim.iiM 2 Pfuno 90 Pf. WseigkleeM- CrODenmarmelßOe Pfund 50 Pf. SleiuWei echt, Ltr. Krug 4.75 fltiaiti Tel. 3685. Wertpapierdrucke Aktien, Schuldverschreibungen Wertpapiere bei Brühl, Schulstrafle 7 Donnerstag, den 19. Marz 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen". Neuenweg, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 19840 eine Schnellpresse, eine Hobelbank, einen Rauchtisch, eine Korbmöbelgarnitur, eine Hacirschneidmaschinc, zwei Schreibmaschinen, vier Sofas, eine Flurgarderobe, vier Schreibtische, fünf Nähmaschinen, drei Vertikos, drei Bücherschränke, drei Büfetts, drei Diwane, eine Kredenz, drei Tische, 21 Stühle, einen Tev- pich, zwei Standuhren, eine Chaiselongue, zwei Grammophone mit 28 Platten, eine Wanduhr, einen Klubsessel, eine Vitrine, zwei Horch-Personenwagen, eine Steppmaschine, einen Dauerwellenapparat, eine Lederwalze, eine Blumenkrippe. Bestimmt (Ort wird im Versteigerungslokal bekanntgegeben): ein gut erhaltener Chevreaulet-Pev- sonenwagen (fahrbereit, 46 PS). Deen Gerichtsvollzieher in Gießen Steinsteaße 13 -™- Telephon 4101 iSsSXI w W 's Ein Hauch des Frühlings weht den Beschauer unserer Fenster en. Wundervolle Neuheltem Mäntel, Kleider, Weil- und Seidenstoffe, Modewaren, was es auch sei, sie atmen die Stimmung nahender Zelt. 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August 1902 zur Kenntnis der Bezirksangehörigen gebracht. Gießen, den 16. März 193L Der Direktor der Bezirkssparkasse Gießen. Z o ch e i s. 1976V Bekanntmachung. Die städtischen Tennisplätze (Liebias- höhe und am Schützenhaus) werden für die Spielzeit 1931 vermietet. Anmeldungen sind unter Angabe der gewünschten Tage und Zeiten im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer 29, einzureichen. 1808C Die vorjährigen Mieter erhallen tunlichst ihre allen Plätze wieder zugeteill, falls sie bis zum 25. März 1931 entsprechenden An- trag stellen. Gießen, den 14. März 1931. Der Oberbürgermeister. I.D.: Dr. Seib. Bekanntmachung. Der Voranschlag für Rj. 1931 liegt von Donnerstag, den 19. b. 2H., ab eine Woche auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Zeit schrifllich oder zu Protokoll erhoben werden. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haoen. 1975V Reiskirchen, 18. März 1931. Bürgermeisterei Reiskirchen. 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Ich dächte, es wäre an dir, wieder etwas gutzumachen!" „Ich begreife vollkommen, Llrsula, daß dich mein Benehmen vorhin überrascht hat." Seine Stimme nahm einen freundlichen Klang an. „Darum will ich dir ja alles erklären. Aber, das ist nicht so eins, zwei, drei gesagt: das ist eine peinliche Angelegenheit." Er stockte, und ihre Augen blickten ihn groß und verwundert an. „Komm, Llrsel!" Zärtlich nahm er plötzlich wieder ihren Arm und begann mit ihr in dem Raum ‘auf und ab zu gehen. „Sieh, es tut mir aufrichtig leid, daß ich dir da vorhin einen anscheinend so harmlosen Wunsch abschlagen mufjte, aber" ... „Ia, ich weiß schon: du kannst Fred nicht ausstehen! — Aber warum in aller Welt nur nicht? Was hat er dir denn getan?“ Erregt rief sie es aus. Wigand zögerte einen Moment, dann kam es leise und innig von feinen Lippen, während er ihren Arm fest an sich Preßte: „Llrsel — glaubst du mir, daß ich es so gut mit dir meine wie keiner auf der Welt, daß ich dich unendlich liebe und nur dein Bestes will?" „Vun, ja", doch es kam nur widerstrebend von ihren Lippen, „aber was hat denn das mit Fred zu schaffen?" „Llrsel, ich muß dich warnen vor ihm — er droht dir gefährlich zu werden!" „Was — Fred?" Verständnislos, aber doch betroffen blickte sie ihn an. „Ia, meine Llrsel. Er ist Gift für dich, er weckt all die verhängnisvollen Veigungen in dir, vor denen du selbst dich so oft gefürchtet. Weiht du nicht mehr die Stunden, wo du dich zu mir geflüchtet und gebeten hast: ,Steh mir bei, Iörg, daß ich den Dämon in mir überwinde!'" ringschätzung. „Für mich existieren nur die meiner Cousine." Damit wollte er hochmütig den anderen stehen lasten. „Sie sind ein Llnverschämterl" Bebend vor Erregung stieß es Wigand hervor. Drenck war bleich geworden, als ihn das Wort traf: aber er bewahrte die Fassung auch jetzt iwch: „Ich werde Ihnen morgen meinen Kartellträger schicken — nun aber wären wir Wohl fertig?" „Selbstverständlich." Straff aufgerichtet kehrte sich Wigand ohne Gruß von dem Gegner ab, ein Gefühl grimmiger Befriedigung im Herzen. Ah, das tat Wohl! Vun hatte der heiße Haß, der ihn zu verzehren drohte, sein Opfer erreicht. 3. Kapitel. Durch die dürre Krefcrnforst holperte auf hartgefrorenem, tiefspurigem Sandwege der Wagen hin. Still lag im kalten Grau des frühen Winwr- morgens der spärliche Wald da, verhängt von einem nebligen Dunst: nur hin und wieder brach krächzend eine Krähe vom Waldrand am Wege auf, mit schwerem Flatterflug nach dem braunen Acker drüben streichend. Schweigend und ernst sahen auch die drei Insassen des Wagens, Doktor Wigand mit einem älteren Kollegen, der die Instrumententasche bei sich führte, und seinem Sekundanten, einem befreundeten Assessor. (Fortsetzung folgt.) den Ihren zuaesührt, nun ging er zum Büfett, um ein Glas frappierten Sektes zur Abkühlung hinabzustürzen. Da trat ihm plötzlich am Eingang zu dem Vorsaal unvermutet ein Herr entgegen — Wigand. Ah! Das sah ja gerade aus, als sollte ihm der Weg versperrt werden. Kalt und hochmütig reckte sich der Flieger auf, feinen Gegner verächtlich mit dem Blick streifend. Dann wollte er langsam an ihm vorüber. Doch da trat ihm Wigand wirklich entgegen: „Ich wünsche mit Ihnen zu reden!" Fast heiser vor Erregung klangen die gedämpften Worte, und auf Wigands Gesicht entbrannte eine fliegende Röte. „Aber bitte! Ganz zu Ihren Diensten." In Wigands Augen schoh es nachtdunkel auf, aber doch beherrschte er sich: „Ich habe vorhin einen Wunsch zu meiner Braut geäußert", sagte er ruhiger, aber scharf und herrisch. „Bedauerlicherweise hat es Llrsula ober nicht für nötig gehalten, ihn zu beachten. Vunmehr muh ich mich also direkt an Ihre * Aon Dl. in- der KL nach Um Mer müllen ® i Mre dem . 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Weniger günstig sind begrelslicherweise die Der- hältnisse bei den Flaschenkindern, also bei der Ernährung mit nicht artgleicher Milch, die im Säuglingsalter stets als Ersah zu gelten hat. 3eoes neugeborene Kind hat das Recht auf Muttermilch, und jede Mutter hat biss Pflicht, nach Kräften ihrem Säugling den besten Nährstoff. zum mindesten in den ersten Monaten, zu spenden, von dessen Zufuhr meist die Widerstandsfähigkeit des Kindes für daS Leben ent- fcheid,end abbängt. Folgende xehn Gebote für die Mutter müssen Gemeingut aller werden: 1. Nähre dein Kind selbst! Dem Menschenkindlein taugt Menschenmilch, keine Tiermilch! kein Nährmittel kann sich mit ihr messen. Bei künstlicher Ernährung sterben siebenmal mehr Kinder als bei natürlicher. 2. Gib deinem Kind fünf bis sechs Mahlzeiten am Tag! Nachts last deinem Kinde Ruhe! 3. Künstliche Ernährung verordne und überwache der Arzt. Bei Durchfall lasse sofort die Milch und Zucker weg. 4. Dem Halbjährigen gib Deikost (Gemüse, Suppe, Obst, Drei). 5. Entwöhne nie dein Kind eigenmächtig: für Drustmilch kannst du ihm nur schlechten Ersah bieten. Macht dir das Stillen Deschwerden oder Schmerzen, so laß dir vom Arzt raten! 6. Laß Luft und Sonne an dein Kind! 3n dumpfer Stubenlu t, in heißen 'Betten und Kissen welkt cs und will nicht gedeihen. Drum bringe es v el ins F.e cl 7. Gönne deinem Kinde Ruhe! Allzuviele Qtnrcgung und Unterhaltung macht es erregt und zappelig. 8. Halte dein Kind reinlich! Gute Hautpflege macht eS rosig, frisch und appetitlich und schützt eS vor vielen Krankheiten! 9. Hüte dein Kind vor kranken Leuten! Gefährlich kann ihm schon ein Schnupfen werden, schwerste Gefahr droht ihm von Lungenkranken. 10. Frage den Arzt, wenn Nabel und Augen entzündet sind oder der Mund nicht geöffnet werden kann: ferner wenn dein Kind nicht gedeihen will oder Fieber, Erbrechen, Durchfall oder Krämpfe, auch sog. „Zahnkrämpfe" hat. Auch bei Frauen, die zunächst nicht genügend Milch zu haben scheinen zur Ernährung des Säuglings, gelingt durch stetes wiederholtes Anlegen des Kinde- sehr oft die Anregung hin- re.chender Milchabsonderung. Die Milchdrüsen der Mutter müssen in Anspruch genommen, d. h. die Milch 'm Notfälle abgedrückt und abgespriht werden, damit der Brunnquell der Kindernahrung dauernd zunimmt unb nicht versiegt. Die Brustdrüse der Frau ist nach der Geburt ein Organ, das trainiert werden muß. Als Gegenanzeige für das Nähren der Frau ist im wesentlichen nur die Tuberkulose (Lungenkatarrh) anzusehen, da diese sich erfahrungsgemäß oft während der Zeit des Stillens verschlechtert. Wie lange die Drustnahrung fortzusehen ist. hängt außer vom Befinden des Kindes und der Mutter von der Jahreszeit ob. 3n den heißesten Mo. a enw t man wegen ge ährlicherDer auungs- ftörungen ein Absehen des Kindes von der Brust vermeiden. Eine Fortsetzung des Stellens über den zehnten Lebensmonat hinaus ist in der Regel weder für die Mutter noch für das Kind zweckmäßig, weil dann besser andere Nahrung Oie Frau a's Musikerin. Don Artur Holde. Zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Frau erst den Eintritt in die w sscnscha.tlich n und tommer- xlcllcn Berufe erkämpfen mußte, standen ihr in der Musik bereits alle Tore offen. Hier war die auf anderen Gebieten des Erwerbslebens umstrittene Cignungssrage längst entschieden: die Musikerin konnte als Solistin, als Pädagogin, nach Beseitigung alter Vorurteile auch als Orchesterspiel. nn den Wettkampf aufnehmen. Wenn sie sich von einigen Zweigen der Musikausübung zurückhielt, waren durch Körperkonstitution und psychiiche D.ranlagung g.s he Schranken Ursache der Selbstbescheidung. Fast ganz Domäne der Frau ist die Privat- Musikerziehung, b.scnd r^ de der jüngeren Kinder, geworden, denn für sie bringt die Frau mehr Geould und Einfühlungsvermögen als der Mann auf. 3hr ist die Beschäftigung mit dem Kinde HerzenSang ie_-,enheit. während der Mann nicht selten einer ie ner Meinung nach durch unglückliche Zufälle vereitelten 6cl ftenkarrieve nachtrauert und diese Enttäuschung die Schüler spüren läßt. 3m 18. 3ahchundert war die Harfe ein bei jungen Mädchen beliebtes Hausinstrument. Auf diese Tatsache läßt cs sich zurückführen, daß bis zur ®cgcntoart in den meinen Orchestern Stauen als Harfenistinnen tärg sind. An die anderen Pulte zu g langen, ist für si: erheblich schwieriger. Die meisten Dirig n.e.» haben eine Scheu vor Orchestermusikerinnen: sie vermissen bei ihnen die Geistesgegenwart und die dem Manne ebenbürtige physische Kraft. Vorurteilslos hat in letzter Zelt Willem Mengelberg in seinem Amsterdamer Konzertgebouw-Orch^ster einigen Frauen an Strcicherpulten Platz eingeräumt. Lieber diesen Rahmen hinaus bestehen te ne Ent- Wicklungsmöglichkeiten: wir können uns eine Frau schon aus ästhetischen Gründen nicht als Bläser und als Betreuer des Schlagzeuges denken. Enge Grenzen sind ihr auty im Dirigieren gezogen. 3n keinem Konzertorchester, in keinem Opernhaus der Welt ist eine Frau musikalische Führerin geworden. Das Dirigieren ist wie nur wenige Berufe eine spezifische Männerarbeit. an Stelle von der Muttennilch zu treten hat. 3ede verständige Frau pflegt auch schon vom siebenten bis neunten Monat für langsame, teilweise Ergänzung der Brustnahrung durch Kuh- milch, mit Zwiebackzu ah, Spinat oder Mohrrübenbrei zu sorgen. Selbstverständlich darf das Absehen von der Brust für gewöhnlich nicht zu jäh geschehen, um das Kjnd an die veränderte Nahrung zu gewöhnen. 3st die ideale Ernährung des Säug.ings mit Brustmilch nicht möglich, so muh an deren Stelle die Kuhmilch oder die neuerdings öfters angewandte Duttermehlnah- rung treten. Zweckmäßiger und wichtiger als praktische Maßnahmen der Säugling.Hygiene ist neben der äußeren Sauberhaltung — auch im 3ntercsse der ncrvengeschwächten Mutter — eine frühzeitige Gewöhnung des Kindes an Regelmäßigkeit und beschränkte Zahl der Mahlzeiten. Diese sollen fünf- bis sechsmal am Tage in Abständen von 2*/; bis 4 Stunden gegeben werden, so zwar, daß in der Nackt eine Pause von 7 bis 8 Stunden eintritt. Der Säugling muh am ersten Tag an diese Regelmäßigkeit, zu dieser Trinkpause in der Nacht erzogen werden durch konsequentes Einhalten der Mahlzeiten. auch wenn er die ersten Nächte durchschreit. Erfahrungsgemäß ist der gesunde Säugang nach wenigen Tagen fo weit, dah die Mutter, die ihre Nachtruhe cbensatls dringend zur Krä.tig ng braucht, viel Nervenkraft für die kommende Pflegezeit ihres Kindchens sparen kann. Die Mode, die immer wiederkehrt. Farbenfreudiger Frühling. — Spitzenstösse und kurze Aermel. — Oer mod.rne Handschuh. — Das Kleid der arbeitenden Frau. Don Bella Fromm. )en; man kann sie vereinfachen, wo eS nötig ollte aber bedenken, daß auch hier ausgeben amer ist, alS auf dem Geldbeutel sitzen. Wer ich leisten kann, mag Geld unter die Leute wer ist. heil es Der nahende Frühling bringt nicht nur Freuve. sondern die gewohnte Sorge: wie wird die Mode? Auch Frauen, die im ‘Berufne. en stehen und schwer um ihr Brot kämpfen, müssen in diesen Tagen überlegen: waS ziehen wir an? Untere Mit- ar eiterin erteilt hier ungezwungen Antwort auf diese ewigen weiblichen Fragen. 3n der Vergangenheit liegt die Mode der Zukunft. D.r Modeniünstler schöpft immer wieder aus den Formen und Linien deS „schon Da- gewesenen". Früher war die Mode nicht so wandelbar wie heute. Nun stellt man uns alljährlich. ja beinahe vierteljährlich, einen neuen Frauentyp vor. Königin Mode befiehlt ihren Untertanen, wie sie auszusehen haben, und die Frau, — sonst stets darauf bedacht, ihren eigenen Willen durchzusetzen, fügt sich den Geboten dieser internationalen Herrscherin, die in den Modeschauen ihren Willen diktiert. So kommt es, daß Eva, heute noch Girl, morgen schon über ihre eigene Schleppe fällt. Heute tritt sie begeistert als fescher 3üngling aus, morgen findet sie sich hinreißend in Schinkenärmeln, die sich wie Kinderluftbaklons um ihre Oberarme blähen, so dah es aussieht, als wollte sie sich jede Minute in die Lüfte heben. Ob sie krumme oder gerade Deine hat — wenn die Mode eS befiehlt, geht sie kniefrei und findet sich bezaubernd. Sie beklagt sich auch nicht, wenn ihr, tue in diesem Winter, hundert Stoffetzen um die Deine wehen und sie beim Tanz hindern. Wenn Ehemänner und Modefeinde uns Frauen die Schwere und Not dieser 3ahre vorwerfen: falsch gedacht, der Wechsel der Modelaunen wirkt sich immerhin als Wohltat auf die 3ndustrie aus! Die Delebung deS Arbeitsmarktes durch modische Neuerungen wird stets begrüßt und unterstützt. Und eine komplizierte Mode muh noch lange nicht in ihrer Kostspieligkeit verallgemeinert bringen und dadurch neue Arbeit schaffen. Man sollte in unserer Zeit „sich selbst" tragen. Eigentlich paßt die Uniform der Mode nicht in allen Stücken auf die arbeitende Frau. Aber noch haben sich die Geister nicht durchgeseht, die für die 3ndividualität in der Kleidung noch streiten. Noch gibt es Modegesehe. noch „muh man“ tragen: nun in diesem 3ahr wieder Fraulichkeit. Gerade in unseren freude- arnen Tagen findet man plötzlich Gefallen an den verspielten Rüschen, an den Schleifchen und Dändchen, den Tüchern und Volants. Natürlich gilt das nur für die duftigen Sommerkleider am Nachmittag und am Abend. Spihenstoffe, Ehifson, das neue duftige Erzeugnis Fleuret.e, Tüll, Voile und Batist stehen im Dorderg.und. Bunte zarte Muster sind cs, auf malten, lichten Farben. Es scheint, als wolle die Mo^e durch die fertige, fröhliche Devise die Menschen in dieser schweren Zeit aufheitcrn, ein wenig vergnügter machen. An der Spitze der Hellen Töne marschieren Palous gelb, das an Helle Schlüsselblümchen, und grün, das an Maiblumenblätter erinnern. Dabei flattert eS von Capes. Krägelchen und Pelerinen, angedeuteten 3äckchen und DoleroS um die Taillen, und immer sieht man kurze, enge, höchstens dreiviertellange Aermel, die streng vorgeschrieben sind. Auch die Kleider, ob elegant für den Nachmittag oder luftig blumiger ailS Sommerkleider, ob schwarz, ob gemustert, zeigen die neuen Aermclchen. Meist sind sie ganz glatt geschnitten und schließen mit einer Manschette ab, manchmal bringen sie die Andeutung und die Wiederkehr des Puffärmels. Unbebingt gehört der lange Handschuh dazu. Eine ungeheure Phantasie ist in den Kreisen der Handschuhmacher lebendig geworden. 3n allen. Farmen, oft sogar abschattiert, mit Besätzen, Loch- und anderen Stickereien erlebt der Handschuh in allen Längen eine unerhörte, kostspielige Renaissance. Die 3 ä ck ch e n, die Uebcrtoürfc und die Tücher weichen meist von der Farbe des Kleides ab. Zu Weih trägt man als Gegensatz kräftiges Türkis, Rot oder Pawugcün: zu Bunt werden dunkle Un.hüllen bevorzugt. Neu sind zum Abendkleid Atlastüchcr, die, gaiu eng die Schulter umspannend, auf der Brust geknotet werden, so daß die Trägerin sich wie in einer Zwangsjacke sestgehalten vorkommt. Gern nimmt man die 3äckchen aus Porzellanperlen, Pailletten, ja sogar Holzkügelchen wurden verwendet. Die Torheit höret nimmer auf. Sehr neu, sehr elegant sind weihe Seidenjäckchen mit passenden > Hüten, zu dunllen Kleidern. Mit dem Bolero lehrt der breite spanische Gürtel des Torero wieder. Seitlich zu einem Schlupp geknotet oder mit breiter Schnalle geschlossen, gibt er meist der Kleidung einen kräftigen Farbpunkt. Besonders ost sieht man diese Schärpen, die gerne aus Samtband gewählt werden, an den Wiederkehrenden Waschkleidern — eine Erinnerung an den Anfang dieses 3ahrhunderts. Ganz konnte man das „ewig neue“ schwarze Nachmittagskleid nicht in Acht und Dann tun. Es lebt in schlichter Einfachheit, ausgepuht mit einem duftigen Krägelchen und passenden Manschetten am kurzen Aermel, ist aus feiner Wolle oder Seide und wird „behütet" von einem weihen Hütchen. Neben Theater, industrielle Betriebe, wie wir in England sehen: sogar Ministerien werden jetzt von Frauen verwaltet, nur an das Dirig ntenpult tritt von verhältnismäßig wenigen Ausnahmen in Frauen-Gesangvereinen abgesehen, kein we b- liches Wesen. Für die hier notwendige Ueber- lcgenheit b s ht s e zunächst schon nicht die körperliche Disposition. Die aush lend n. oft notgedrungen jähen Bewegungen des Dirigenten in eine ihrer durch die Kle düng gehemmten Erscheinung gemäße harmonische Form umzusctzen. bleibt ihr versagt. Auch die suggestive Fähigkeit des Kapellmeisters liegt au ensche nlich nicht in der Natur der Frau, ebensowenig die für ein großes Werk unentbehrliche konstrultire D.gabung: Eigenschaften. Die daS eigentliche We.en der Dirigicrkunst auSmaoen. 3n den seltenen Fällen, in Denen Frauen Erfolg als Chorleiterinnen hatten, war es die spcz eile pädagogische Anlage und die Bereitwilligkeit, für neue3 Schaffen ein- zutreten, die der Dir g erleistung das künstlerische Profil gaben. Die Frau als Schriftstellerin: ein in der Siteraturg s ächte a l r Ku.t raöi e. w cht ges und großes Kapitel. An dieser Mitarbeit gemeßen ist die Beteiligung der Frau als Tonsetzerin nur recht bescpcidcn. 3hr die schöpferische Anlage generell abzusprechen, wäre eine Ungerechtigkeit. Es sei aber zugegelen, daß kein Werk c ner Komponistin jemals nachhalt g: Wirkung au geübt hat. Nie ist von dem Tonwerk einer Frau mehr als ein freundlicher, schnell verblassender C.ndruck ausgeqangen. Daß sie in Einzelfällen Phantasie, Formbcgabung und Stilgefühl besitzt, zeigen unS die reizv - llen Klavierwerte und die empfindungsreichen Lieder Clara Schumanns, ebenso die hübschen, von ihrem Bruder Felix Mendelssohn ho. geschähen lyrischen Arbeiten Fanny Hensels. Mehrere e glische Komponistinnen, unter ihnen wchl als die begabteste Ethel Smyth, dann die Schwedin 3n g c E> o r g Bronsart, die vier Opern schrieb, bewiesen, daß die Frau auch zur Bühnenproduktion beantragen v.rmochte. Zu dur schlagendem Erfolg hat es jedoch kein? von ihre i g biaüä. Unter den d ut- ^hen Musikerinnen der Cegcntoart hat die Münchnerin PhilippineSchick den Glauben an die schöpferische Begabung der Frau durch wertvolle Kompositionen gestärkt. Als Solistin dagegen braucht die Frau die Rivalität des Mannes nicht zu scheuen. Solange wir eine öffentliche Musikpslegc besitzen, hat sie als 3nftrumentalistin und als Sängerin Spihen- teiftungen vollbracht. Hier, wo sie nicht wie als Dirigentin einen großen Klangapparat xu beherrschen braucht, fehlt eS ihr nicht an den für die große Form crf rderlillen Gestaltungskräften. Der edlen Frauenstimme huldigt man genau so wie der Dolalkunst des Mannes. Allerdings auch hier mit einer gewissen Einschränkung: für das fast stets übertorgence Frauenpublikum hat der männliche Sänger, zumal der lyrische Tenor, die größere Anziehungskraft. Die Sängerinnen-Kar- ricre gehört gegenwärtig zu den wen ^en Berufen, in denen sich der Frau auch de gleichen materiellen Aussichten wie dem Manne b e en. Allerdings gibt cs nur wenige Beruf kzwege, in denen das Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage so kraß ist. Mit der anschwellcnden Ziffer der studierenden Frauen ist auch der Zulauf zu den musikwissenschaftlichen Fächern g*fliegen. Die Frage ob (oft nur b sche'.dene) musikal sch? Anl g n b i> die D:r.of pclung nii. e ner w s en'chastlü--en Ausbildung der Frau Berufsau si .)len bieten, wurde in wirtschaftlich günstigeren Zeiten meist-ens gar nicht gestellt. 3ctjt. wo zahlreiche Mus.kwif'en- schasllcrinnen zur B russarbeit he.angereift sind, zeigt sich, daß die-Frau auch für die produktive Form lüi.stlerisch-wissenscha'tlicher Arbeit nur Le- dingt Eignung besitzt. Speziell für die Musikkritik — wie für die aktuelle Kunstkritik überhaupt — scheint die weibliche Psyche nur in Ausnahmefällen die 3ntuition und die Fähigkeit der Distanzierung aufzubringen. Verschwindend wenigen Frauen ist cs bisher gelungen, sich in maßgebenden Stellungen der Musikkritik zu halten. Den besonderen körperlichen Anforderungen des Zeitungswesens zeigen sich die Frauen vielfach nicht gewachsen. Doch die künstlerisch hochstehende Musikerin kann auf die ihrem inneren Wesen fremden Zweige verzichten: ihr stehen genügend Geb ete der praktischen Musilp leg: o f n 3m Privat-Musikunter r ich t uno in ien jetzt entstehenden Volks- und 3ugendmusik schulen hat sie ein W r- kungsfeld von größter Crgieb gle t. Hier kann sie ohne jede Beeinträchtigung zur Geisteskultur te; Volkes beitragen, und von der Frau wird es mit in erster Linie abhängen, ob die Musikpslege in Weiß sind Koralle TürliS und Gelb als auf- Hel.c..de Schmuck- und 5ut.trfar.cn gedacht. Dann gibt es t.eingemusterte Seidenlleidchcn dazu, und uni Söckchen ober Mantel. Diese anspruchslosen Kleider, deren tadelloser Schnitt Bedingung ist. sind in unserem Klima — aus Wolle ober Seibe — ein nötigeres Toilettenrequisit alS baS Helle „Sommersähnchen“. Dies ist baS Heitere der Frühjahrsmobe 1931. Aber auch ber Ernst des Tages forbert Rechte unb Aufmer.samlcit. Wichtig ist daS Kleid ber berufstätigen Frau, der Anzug für die Stabt und den Sport. Wenn auch an bet „Slablkleibung" mehr Farbe als in vorhergehenden 3ahren auffällt, so kann man keineswegs von bunt sprechen. Die deutsche Frau legt stets lepndcren Wert auf gute Dollqualitäten ihrer Kostüme. Das Schneibcrllcid ist wieder baS Neueste vom Neuen. 3n englischen Stossen, in Wolle. Twecb unb für wärmere Tage in Cröpe unb Shanlung wird eS gebracht. Den etwas strengen Stil heitert man durch die Helle — gleichfalls Wied rgekehrte — Bluse oder den von neuem in Gnaden ausgenommen en 3um*xc auf. Das kunstvoll geschneiderte Blüschen aus Woll- und Seidenstoffen, die liebe alte, immer etwas zerknitterte Linon- unb Batistbluse sind wieder da. Ganz besonders elegant zum einfarbigen Desuchskostüm ist die gleichfalls toieberauferftan- benc Tüllblusc, mit Spitzen und Rüschchcn beseht. Auch Schotten- unb uni Wolllleidchcn mit passender ober abstechender 3ackc gehören zu den Günstlingen des Tages. DaS W ollen se mb le hat sich eingcsührt: daS Material, so fein unb weich wie Seide, unb auf den ersten Blick oft nicht für Wolle angesehen, ist meist einfarbig, schon wegen des farbigen Aufputzes. Wenn nicht baS ganze Komplet aus Wolle ist. so wählt man doch das lose 3äckchen zum Seidenkleid aus feinstem 3ersey. Auch Wollspihe für 3umper, Blusen unb ganze Kleider sieht man oft. Mäntel treten zugunsten ber 3ackcn etwas zurück. Brachte Paris schon im Winter mit Vorliebe 3adcn auS Pelz, so hat man bei unS diesen Vorschlag zum Frühling weitgehend angenommen. Sinnlos, aber dennoch sinnverwirrend erscheint manchem männlichen Beschauer die Mode, die vielleicht nur ihm zuliebe gemacht wird: denn er will sie hauen, er liebt die Frau in immer neuen Gewandungen. Unb bic Frau? Himmel unb Hölle. Nadel unb Scheeren, Augen unb Herzen seht sie jetzt in Bewegung, um bas ihr gemäße Frühjahrsgcwand zu e rhalten. DaS Abendkleid, das Gesellschaflslleid stellen manche Probleme. Mer über diese TageSkleidung kann man zum Glück sagen: alles in allem überwiegt angenehm die Schlichtheit, daS einfach Vornehme, der persönliche Geschmack. Rezepte für Gründonnerstag. Grüne Soße: Man rührt von drei Eidottern und dem nötigen Oel eine schöne, dicke Mayonnaise und würzt sie mit Salz. Zitronensaft und nach Belieben mit etwas Senf. Feingewiegte Kräuter wie Kerbel, Schnittlauch, Petersilie, Borretsch, Pimpernelle, Estragon, zusammen etwa zwei Hand voll (ungetoiegt) werden mit der Mayonnaise gut vermengt. 3c mehr Sorten Kräuter es sind, desto würziger wird die Soße. Diese Soße wird in vielen Gegenden zu hartgekochten Eiern am Gründonnerstag gegessen. Spinatklöße: Ein Pfund geputzter, gewaschener Spinat wird kurz in Salzwasser ausgekocht, abgeschüttel, ausgedrückt und grob gehackt. Bier eingeweichte, wieder auSgedrückte Milchbrötchen und der Spinat werben mit einem Stück Butter in einer Pfanne so lange gerührt, bis bic Masse trocken ist und sich ballt. Nach dem Erkalten rührt man drei Gier, etwas Salz unb nach Belieben etwas Muskatnuß unter die Masse. Wenn alles gut zusammen verarbeitet ist, legt man Deutschland einen weiteren Niedergang haben wird ober zu neuer Blüte gelangt. ßrprob'e Kleinigkeiten. Tasten am Klavier und der Schreibmaschine, die gelb ober schmutzig wurden, reinigt man mit einem Drei aus Schlämmkreide mit Seifenwasser oder auS Schlämmkreide mit Salmiakgeist. Man reibe die Tasten alsdann recht trocken mit einem Wattebausch nach, und die Tasten werden wieder weih und sauber sein. Verschmutzte Gummistempel drückt man in warme Siegellackmasse, sie werden rein, da alle Farbrückstände am Siegellack haften bleiben. Ein Tablett au« Papiermache darf niemals mit Wasser gereinigt werden. Man bestreue es mit heißem Mehl, wische es dann mit einem trockenen Tuch ab unb reibe mit Leder nach. Eisblumen, die am Fenster die Aussicht versperren, lassen sich durch eine wässerige Kochsalz- ober Alaunlösung entfernen. Die Lösung wird mit einem Schwamm recht dünn aufgetragen. Das herabfließende Wasser ist mit Tüchern aujAnfängen. DaS Glas des Fensters wird mit einem weichen Fensterleder tüchug abgetrocknet und mit gufammengeballtem, weichem Sei.enpapierbausch nadjgericbcn. Fest sitzende Holzschrauben, dir ohne Beschädigung von Schraube und Holz gelöst werden sollen, muß man sol end ermaßen behandeln: men halte kurze Zeit eine heißgemachte Zange ober ein glühenoeS Stück Eisen an den Schraubenkopf. Da Metall ein vorzüglicher Wärmeleiter ist, wird die ganze Schraube bald heiß und dörrt das Holz in ihrer unmittelbaren Umgebung trocken aus. Dadurch lockert sich das Schraubengewinde und die Schraube läßt sich leicht herauSdrehen. 3 m Gasbackofen wird der Kuchen leicht trocken. Dies liegt nicht immer an der zu starken Flamme oder der kleinen und der in diesem Fall damit verbundenen Längeren Dackzeit. Der Grund ist in der fehlenden Feuchtigkeit zu suchen. Es ist za-eckmäßig, bei Anzünben des Ofens einen Kochtopf mit Wasser hineinzustellen. Wenn der Ofen heiß genug zum Hincinstellen des Kuchens ist. nimmt man den Topf heraus. Der Ofen hat bann schon durch die Wasserdämpfe Feuchtigkeit erhalten. mit einem Eßlöffel Klöße in siedendes, gesalzenes Wasser, kocht sie gar und übergießt sie mit brauner Butter. Löwenzahn wird hauptsächlich in Frankreich, aber auch in den südwestlichen Gegenden Deutschlands sehr geschäht und vielfach am Gründonnerstag gegessen. Dieses wohlschmeckende Frühlingsgemüse steht dem Spinat an gesundheitlich wertvollen Eigenschaften nicht nach. Die Blätter des Löwenzahns werden verlesen, sorgfältig gewaschen und in siedendem, gesalzenen Wasser sehr weichgekocht, abgeschüttet, ausgedrückt und durch die Fleischmaschine laufen lassen. Bun wird er wie Spinat zubereitet. Kurz vor dem Anrichten rührt man einige Löffel saure Sahne daran. DT. Zeldbergfest 1931. Der 90. Fcldbergfest-Turntag, der am Sonntag unter dem Borsitz des Obmanns des Feldbergfest-Ausschusses, PH. Robig (Rödelheim), in Frankfurt a. M.-Heddernheim bei sehr gutem Besuch aus dem Mittelrheinkreis der DT. statt- fand, hat den 13. und 14. 3uni als Termin für das 7 8. Feldbergfest bestimmt. Als Hebungen für den volkstümlichen Bierkampf wurden festgesetzt: Lauf, Weitsprung. Kugelstoß und Freiübung mit den entsprechenden Abstufungen für Männer, Zugendturner, Altersturner und Turnerinnen. Zum Sieg berechtigen 54 Punkte bei den Männern, 50 Punkte bei den Frauen. Der Mannschaftskampf uni das Bölsungenhorn wird ausgetragen in Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoß, Schleuderballwurf und 4 100-m-Stafsel. Die Slaffelkämpfe um die Wanderpreise des Zahnschildes, Schmuckschildes und Brunhildenschildes werden in der seither üblichen Weise ausgetragen. Bon neuem entbrannte auf dem Turntage der Kampf um die Freiübung. Ein Antrag, die Freiübung fallen zu lassen, verfiel mit 42 gegen 26 Stimmen der Ablehnung. Beschlossen aber wurde, beim kommenden Feldbergfest, wie im Vorjahre, nochmals eine Abstimmung der Wetturner über Beibehaltung oder Fortfall der Freiübung zu veranstalten. (3m vergangenen 3ahr waren bei 109 Stimmenthaltungen 726 Teilnehmer für, 632 gegen Beibehaltung der Pflichlsreiübung.) Bei der Neuwahl des Feldbergfest-Ausschusses wurde dessen verdienter, langjähriger Vorsitzender, PH. Röbig, einstimmig wiedergewählt. Krühjahrswaldlauf im Lahn-Oünsberg-Gau. Unter zahlreicher Beteiligung der Gauvereine und des Turnvereins Reiskirchen fand am Sonntag in Reiskirchen der diesjährige Gau-Frühjahrswaldlauf des Lahn-Dünsberg-Gaues statt. Die Vorbereitungen waren auf das beste getroffen: allerdings war die Dahn nicht im besten Zustande. Unter Leitung von Gausporlwart Winter (Launsbach), traten um 14 Uhr die Turner zu den Läufen an, die von einer großen Zuschauer- menge mit 3nteresse verfolgt wurden. 3n drei Klassen geteilt, trat zuerst die 3ugend-Unter- stufe zu ihrem Lauf über 2000 Meter an. Sieger wurde in diesem Lauf Ernst Seipp vom Turnverein Reiskirchen, der noch 300 Meter vor dem Ziel an zweiter Stelle liegend, trotz eines Sturzes, infolge Ausgabe des bis dahin führenden Turners von demselben Verein, einen sicheren Sieg errang. Der Sieg im Mannschastslauf fiel ebenfalls dem heimischen Verein zu, da in der Mannschaft des Tv. Kesselbach zwei Läufer aufgaben. 3m nächstfolgenden Lauf der 3ugend-Oberstufe siegte nach wechselnder Führung schließlich K. Rühl vom Turnverein Staufenberg. Den Mannschaftssieg holte sich hier die Mannschaft des Turnvereins Wißmar. , Sodann traten zum 5000-Meter-Lauf die Senioren, mit der weitaus größten Teilnehmer- ^zahl, an. Den Sieg errang hier nach dauernder Führung mit annähernd 450 Meter Vorsprung yber Turner Ludwig Grölz vom Tv. Staufenberg. Staufenberg holte sich auch überlegen den ^Mannschaftssieg mit 13 Punkten, während mit 24 Punkten Tv. Reiskirchen auf den zweiten Platz kam. Die Ergebnisse: Senioren, 5000 Meter: 1. L. Grölz, Staufenberg, 18:49,8 Min.: 2. L. Schomber, Reiskirchen: 3. L. Velte, Staufenberg: 4. O. Schneider, Odenhausen: 5. PH. Brück, Burkhardsfelden: 6. A. Bremer, Erda: 7. E. Klein, Bellnhausen: 8. W. Peter, Reiskirchen: 9. Fr. Kraft, Staufenberg: 10. K. Vogel, Staufenberg: 11. G. Fritz, Odenhausen, 12. Fr. Rohrbach, Lollar: 13. W. Viehl, Lollar: 14. L. Becker, Reiskirchen: 15. E. Sons, Dorlar: 16. Th. Pausch, Rodheim. 3ugend • Oberstufe, 3500 Meter: 1. K. Rühl, Staufenberg, 13:20,1 Min.; 2. H. Beilborn, Lollar: 3. W. Best, Wißmar: 4. R. Otto, Beuern: 5. K. Förster, Erda: 6. E. Becker, Reiskirchen: 7. Fr. Balser, Reiskirchen; 8. W. Becker, Wißmar: 9. A. Todt, Wißmar: 10. K. Schäfer, Reiskirchen: 11. H. Grölz, Staufenberg. Jugend - Unterstufe, 2000 Meter: 1. E. Sei pp, Reiskirchen, 7:45,1 Min.: 2. H. Hillgärtner, Kesselbach: 3. Fr. Arnold, Alten- Buseck; 4. Ehr. Möbus, Reiskirchen; 5. Fr. Geißler, Lollar; 6. W. Dietz, Kesselbach; 7. O. Liebegott, Steinbach; 8. K. Becker, Reiskirchen; 9. K. Schomber, Reiskirchen; 10. L. Balser, Reiskirchen; 11. W. Todt, Wißmar. Mannschaftsläufe: Senioren: 1. Turnverein Staufenberg, 13 Punkte; 2. Turnv. Reiskirchen 24 Punkte. 3ugend-Ot>erstufe: 1. Turnv. Wißmar, 20 Punkte. 3ugend-Änterstufe: 1. Turnverein Reiskirchen 13 Punkte. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1. Jugend — Ridda 1. Jugend 4:0 (1:0). Außer der Mannschaft fuhren noch mehrere Jugendliche mit, um einen Ausflug von Ridda nach Salzhausen mitmachen zu können. Hm 13 Hhr begann das Spiel. Das Fußballfeld war sehr schlüpfrig, wodurch das Spiel sehr anstrengend wurde. Die Gießener hatten anfangs schwer zu schaffen, um die ungestümen Angriffe der körperlich schwereren Riddaer aufzuhalten, vermochten aber durch ihr technisch reiferes Spiel einen ziemlich ausgeglichenen Kampf zu liefern. Rach mehreren gut eingeleiteten Angriffen fiel das erste Tor für 1900. Die zweite Halbzeit begann ebenfalls sehr forsch, bald erlahmten aber die Riddaex. Run zog 1900 alle Register seines Könnens, so daß Ridda nicht mehr viel zu bestellen hatte und sich schließlich mit 4:0 geschlagen bekennen mußte. Die Schüler spielten auf eigenem Platze gegen die Wiesecker 5:0 (3:0). Es war ein von Anfang bis Ende faires Spiel. Den Gästen fehlte jedoch die nötige Kampferfahrung. Arbeiter-Turn- und Sportbund. 3m 3. Bezirk haben am vergangenen Sonntag die Frühjahrsserienspiele begonnen. Die Plätze waren in den meisten Fallen in wenig guter Verfassung. Die Spiele wurden hierdurch stark beeinträchtigt. Raunheim — Wieseck I 6:1. Das Spiel, das flott einsehte, ließ erkennen, daß Raunheim die bessere Mannschaft stellte, während Wieseck sehr nachgelassen hat. Raunheim schuf bereits in der ersten Halbzeit 4 Tore Vorsprung und konnte bis zum Schluß noch zweimal einsenden, während Wieseck lediglich das Ehrentor vergönnt war. wieseck II — Marburg 5:0. Wiesecks Zweite lieferte auf eigenem Platz ein flottes Spiel und führte zur Halbzeit mit drei Toren. Zum Schluß ging Wieseck mit 5:0 Toren als Sieger vom Platz. Dem Gegner blieb das verdiente Ehrentor versagt. wieseck III — Allendorf a. d. Lahn 4:2. Auch hier muh Allendorf mit einer 2 4-Rie- berlage den Platz verlassen. — Die erste 3ugenb Wiesecks siegt gegen die erste 3ugenb Lollars mit 0:3. Dagegen muh die zweite 3ugenb Wiesecks von der 3ugenb Grohen-Linden eine 4:0 Riederlage hinnehmen. Burkhardsfelden — Daubringen 5:1. Das Spiel war bei Halbzeit gleichverteilt, in der zweiten Halbzeit konnte Burkhardsfelden Heber- legenheit beweisen und mit einem 5:l-6ieg den Platz verlassen. Kinzenbach — Leun 3:5. 3n Leun trafen sich beide Mannschaften zum fälligen Serienspiel. Die Gästemannschaft konnte das Spiel für sich entscheiden. Lollar — wehlar 5:1. Lollar konnte die Gäste mit einer 5:1-Rieder- lage nach Hause senden. Wirtschaft. • Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924 26 = 100) stellt sich für die Woche vom 9. bis 14. März auf 91,8 gegenüber 88,6 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 87,6 (82,6), Gruppe verarbeitende Industrie auf 81,7 (78,6) und Gruppe Handel und Verkehr auf 113,2 (Hl.l). v Frankfurter Handelsbank AG. vorm. Frankfurter Viehmarktsbank, Frankfurt a. M. Die Verwaltung der Gesellschaft schlägt der am 22. April stattfindenden Generalversammlung vor, eine Dividende von 6 v. H. (im Vorjahre 10) für das Geschäftsjahr 1930 zu verteilen. * Geschäftsabschluß der Dresdner Bank. Der Geschäftsabschluß der Dresdner Bank für 1930 weist einen Reingewinn von 7 000 475 Mk. (i. D. 11 416 680,30) aus. Der auf den 14. April einzuberufenden GV. soll vorgeschlagen werden, 6 Prozent Dividende auf das Aktienkapital von 100 Millionen Mk. zur Ausschüttung zu bringen und 300 000 Mk. dem Pensionsfonds zu überweisen. Frankfurter Börse. F r a n k f ur t a M., 18 März. Tendenz: schwächer. Die heutige Börse eröffnete wider Erwarten in schwächerer Haltung. Die plötzlich aufgetauchten Schwierigkeiten fürdenRussen-Kre- d i t verstimmten, da bei den Regierungsstellen einstweilen noch erhebliche Beden^n gegen die Hebernahme der neuen Garantie bestehen sollen. Dabei machte der schwache Schluß der Reuyorker Börse ebenfalls einen ungünstigen Eindruck, anderseits blieben der günstige Abschluß der Dresdener Bank und die unveränderte DivideiD: im Salzdetfurth-Konzern selbst für Kaliwerte ohne Einfluß. Das Geschäft bewegte sich Infolge der Orderlosigkeit in engen Grenzen. Die berufsmäßige Spekulation war eher zu weiteren Entlastungsverkäufen geneigt, so daß bei allerdings nicht drängendem Angebot überwiegend Kursrückgänge von 1,5 v.H. festzustellen waren, die sich auf fast alle Marktgebiete erstreckten. Elektrowerte lagen bei kleinem Geschäft durchweg matter. Besonders Ges für el und Siemens waren bei Kurseinbußen b.s 3 v. H. niedr'ger an- geboten. Am Chemiemarkt setzten die Farben- Aktien 1,75 v. H. niedriger ein, und auch die übrigen Papiere waren bis 1 v. H. gedrückt. Der Montanmarkt litt auch heute wieder stärker unter RealisationSne gung, und Phönix, Stahlverein und Mannesmann lagen 1,5 bis 2 v. H. schwächer. Auch in Kunstseideaktien (minus 1,5 v.H.) hielt der Kursdruck an. Hneinheitliche Kursentwicklung hatten noch Deutsche Linoleum, Daimler, Bankaktien, Derkehrswerte, Wahß & Freytag und Kunstseide- werte. Während Aku 1,5 v. H niedriger lagen, zog n Bember z 1 v. H. an. Mehr rückgän ig .. aren ferner Waldhof, die 2,75 v. H. eiiwüßten. Am Anleihemarkt legen Ablösungsanleihe gut behauptet. Schutzgebiete um 0,20 v. H. schwächer. Von fremden Werten gewannen Goldrumänen 0,25 v. H. Der Pfandbriefmarkt hatte nur lleines Geschäft bei kaum veränderten Kursen. Der Verlauf der Börse war weiter abgeschwächt, wovon besonders der Montanmarit betroffen wurde. Mannesmann, Phönix und Stahlverein gaben erneut bis 2 v. H. nach. I.-G.» Farben gingen auf 144,5 v. H. zurück. Das Geschäft war dabei weiter sehr fen Die feste Haltung der Reich tmark machte fast gar keinen Eindruck. Am Geldmarkt war Ta- aesgeld mit 3 v. H. sehr leicht. Am Devisenmarkt konnte die Befestigung der Mark stärkere Fortschritte machen, Valuten Mailand und Paris erneut schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1975, gegen Pfunde 20,3992, London gegen Kabel 4,8587, gegen Paris 124,18, gegen Mailand 92.74, gegen Madrid 46,35, gegen Schweiz 25,2450, gegen Holland 12,1190. Berliner Börse. Berlin, 18. März. Die heutige Börse eröffnete für viele überraschend in schwächerer Haltung. Vormittags konnte man zwar eine zurückhaltende, aber doch freundliche Tendenz feststellen, da man sich von den Abschlußziffern der Dresdner Bank und von der vorgeschlagenen unveränderten Dividende im Salzdetfurthkonzern eine Anregung versprach. Die schwachen Auslandbörsen lösten bei der Spekulation aber doch ftärtere Zurückhaltung aus, zumal die Kundschaft im Hinblick auf den Ultimo Abgabeneigung bekundete und auch das Ausland mit seinen Kaufaufträgen weiter nachließ. Die Geschäftslosigkeit lähmte die Unternehmungslust und war wohl der Hauptgrund der erneut eingetretenen Kursrückgänge von 1 bis 3 v. H. Am Montanmarkt soll das Rheinland glattgestellt haben. Elektrowerte wurden hauptsächlich von der Spekulation abgegeben, die sich gestern unter dein Eindruck der AEG.-Aufwärtsbewegung Material übrig behalten hatte, Ehade und Svenska litten unter den schwachen Auslandbörsen. Sonst waren noch Schultheiß stärker gedrückt. Auch die Festigkeit der Mark blieb eindruckslos, zumal sie mit Devisenoerkäufen zu Geldbeschafsungszwecken zum Ultimo zusammenhing. Anleihen lagen freundlich. Von Ausländern Mexikaner weiter gebessert. Pfandbriefe ruhig, Kurse eher etwas leicht. Reichsschuldbuchforderungen behauptet. Am Geldmarkt stellte sich Tagesgeld auf 4 bis 6 o. H., Monatsgeld und Warenwechsel unverändert. Auch der Verlauf war weiter sehr ruhig bei abbröckelnden Kursen. Die UltimoDorbereitungcn hielten an und führten in den Hauptwerken zu 'Abgaben, die jedoch keinen größeren Umfang annahmen. Außer der Orderlosigkeit gab man noch die ungeklärte politische Lage und die Tatsache, daß auf der Genfer Wirtschaftskonferenz keine (Einigung erzielt worden ist, als retardierendes Moment an. Die Ausführungen in der Generalversammlung des Stahlvereins waren weiter auf dem Montanmarkt zu spüren, Senf^genüber konnte die Nachricht von einem evtl, neuen Kohlen- streik in Südwales keinen Eindruck machen. Befürchtungen, daß zum Ultimo eine Report-Geldverknap- pung eintreten werde, hielten an, sind aber nach unseren Informationen nicht begründet. Auf dem 1 vis 2 v. H. unter Anfang liegenden Niveau setzte sich später eine gewisse Widerstandsfähigkeit durch. Frankfurter Getreidebörse. F r a n t f u r t a. M., 18. März. Es wurden notiert: Weizen 305 Mark, Roggen 205 bis 210, Sommergerste für Brauzwecke 225, Hafer, inländischer 180 bis 185, Weizenmehl, süddeutsches (Spezial 0) 43,50 bis 44,75, Roggenmehl 29,50 bis 30,50, Weizenkleie 11,25 bis 11,35, Roggenkleie 12.50 Mark. — Tendenz: ruhig. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) h. k. Um die Försterlaufbahn einschlagen zu können, sind als Mindestforderung die Kenntnisse einer zehnklassigcn erweiterten Volksschule erforderlich. Wir empfehlen Ihnen, sich wegen weiterer Auskünfte an die Berufsberatungsstelle beim Arbeitsamt in Gießen zu wenden. Sch. in Gießen, koiferallee. Da Ihr Schwiegervater fein Einkommen hat, ist er nur mit der Hälfte des gesetzlichen Betrages zur Bürgersteder heranzuziehen ; bei 6 Mark wären es also 3 Mark. Der Einspruch gegen die jetzige Veranlagung ist an die Stelle zu richten, die den Steuerbescheid ausgestellt hat. $. f). in Gießen, Asterweg. Die Sonderzüge zu dem Fußball-Wettspiel in Paris sind von mehreren Reisebureaus, u. W. auch von einigen großen Fußball vereinen direkt veranlaßt worden. Für die Teilnehmer an einem Hapag-Sonderzug von Frankfurt nach Paris und zurück beliefen sich die Kosten der Hin- und Rückfahrt einschließlich Verpflegung und Unterkunft für drei Tage auf 77 Mark pro Person. Von Köln und Düsseldorf aus waren die Fahrtkosten natürlich geringer, als von Frankfurt her. Welchen Beoölkerungskreisen diese Fahrtteilnehmer angehör- ten, ist uns natürlich nicht bekannt. Letzte Nachrichten. Oer Strafantrag im Tetzner-prozeß. Regensburg, 18. Mär;. (IDIB. Drahtmeldg.) In der heutigen vormittagssihung des Tetzner- Prozesses wurde nach Vernehmung der letzten Zeugen und nach Anhörung der medizinischen Sachverständigen vom Staatsanwalt nach einstundigem Plädoyer folgender Strafantrag gestellt: Kurt Erich Tetzner ist wegen Mordes in Tateinheit mit Versicherungsbetrug zum Tode, wegen eines Mordversuchs zu zwölf Jahren Zuchthaus zu verurteilen; die bürgerlichen Ehrenrechte werden dem Angeklagten auf Lebenszeit aberkannt. Gegen Frau Tetzner beantragte der Staatsanwalt wegen Beihilfe zum Morde und gemeinschaftlich verübten Versicherungsbetrugs sechsJahreZucht- haus. Das Urteil dürfte heute abend zu erwarten sein. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o.H.» Lombardzinsfuß 6 v.H. Fromm > ü. Dl. Berlin (Schluß» i«Uhr« (Schluß« Anfang« Iure n re fur4 flurd Datum 17.3 18.3 17.3. 18.3. 6% Deutsche Rcichsanlethc von 1927 ...... • 7% Deutsche Reicheanleihe 84,75 — 84,9 — tun rj'^j ....... 99,5 99,8 Deutsche Anl.-Abläs.-Gchuld mit 56,25 56.2 56,4 DeLgl. ohne Au»IoI.>Rechie . . 6% Hell. Bolk-kiaat von 1929 6,25 6,3 6,325 6,4 (rsichahtb. 102%)...... Oberhessen Provinz - Anleihe mH 92,5 — 92 — Qliijlol.'Slediten...... 54 -— — Seulfdic Komm. Gammclabl. Anleihe Gerte 1 ... 6% firanll. Hl)p.-Bank Goldstse 54,5 — 54,4 — XIII unlünbbar bi, 1934 . . . 7% fitonll. Hyp.-Bank Goldpfe 100,75 — — •** unlünbbar bU 1932 . . . <’/.% 3ihclnl|d)c Hvv.-Bank 2 iqii. Gviopfe........ 8% Pr. Landeevlandbriesanilall, $|anbbrtc|c 81. !• . - 8% Pr LandeSPianebllefanstaU, 95 — — — — —• 100,5 — IGO,5 — Konim.-cvl.N. 20..... 7% Pr. Canbelufanbbric'anflali, — — — — tRfnnhhripfe £R fl ..... 96,5 98,5 a.e.Q). abg. BorMegS-Obligatio- nen. tüdxablbar 1939 '— - — — 4% Oesterreichilche ©olbrente . . 4,20% Oesterreichilche Gllberrcnle Oesterreichilche Einheitliche Monte . . . 24,25 — 24,3 2,3 2,35 — — —— 4% Ungarische Golbrcirte . . . . 19,7 — 19,8 19,8 4% Ungarische Gtaateicnte V. 1910 16,75 — 17 17 4*4% bergt, von 1913 — —- 17 •— 4% Unparlldie Kumenrentc . . . — —— —— 1% Türkische Zvllanleilie von 1911 4% Südliche Bagdabbahn-Anl 4,4 4,3 4,3 Gerte 1 •— •*- —-» 4,45 - 4,3 I/O vevtz». II . . • • • • • 5% Mumüntlche verelnh. Reute von 1903 . . ty.% Rumänische veretnh. Mente 15,75 8,075 i - 16 9,75 15,9 15,9 1% Rumänische verekntz. Menia 8,05 8,1 tfranilun a. 31. Berlin (Schluß« furd l.Uhr« flun< Schluß« furo Anfang. Kur« Dalum | VT.3. 18.3. 17.3. 18.3 Hamvurg-AmerUa Baler ... 7 Hamburg-Gübam. Dampfschiff. 8 72,13 — 71,5 71,25 — — 127,5 Hama Dampfschiff.....10 —— — 99 —- Norddeutscher Lloyd.....6 74 —— 73,75 73,65 Allgemeine Deutsche Creditanst. 10 — — Barmer Bankverein ... 10 — -- — —— Berliner Handelrgelellschast . 12 134 134,13 134,25 133,5 Commen- unb Prtvat-Bank. 11 114,25 113,25 114,25 113,75 Darmstädter unb Nationalbank 12 147 146,5 145,5 Deutsche Bank unb DtSeonw-GefeUschaft,... 10 111,25 111,13 110,5 Drebdner Bank......10 111,25 111.13 111,13 111 Reichtlbank........12 A.S.G............8 110,75 109,25 110,4 109 Bergmmm.........9 — — 122 119 ifleltr. LieserungrgeleUschast. 10 128 — 129 —— Licht unb «rost......10 126,5 123,5 125,9 124,25 Fellen & Guilleaume . . . 7‘/3 (Sesellschasi für Slektrilche Unternehmungen .... io 93,5 —— 93 93,25 130,75 127 130 127 Hamburger LIektrtzi!ät»-Weile 10 •— — rHbelnllche Glellrijltät .... 9 — 122,25 Gchleiiiche Elektrizität. ... 10 — — •— Grtiudert S Co.......11 135,25 133,75 135,5 134 GicmcnSL HEke ..... 16 181 178,5 181 178,25 Iranerablo..... 8 — — — — ■'afimener&Go.. ..... 10 129 — 129 — DudenrS..... 5 56 - 55,5 55,75 71,9 73,65 71,75 Essener Gteinkohle......8 —- — —- Gelienkirchencr ....... 8 88 88,5 87.5 Harpener . ....... 0 78 77,75 76 Hoesch Etien........tVi —- — 72,5 71,9 Ilse Bergbau.......10 191 190 ftlödncrwcrtc ..••••• 7 72 72 69,75 KSln-Aeuessen........ 7 — 79,5 78,5 Mannermann-Nölire» .... 7 80 79 79,75 78,65 ManSselder Bergbau . ...» 7 Oberschlcs. CI|cnDeb