Nr. 41 Erster Matt 181. Jahrgang Mittwoch, 18. Februar (931 Ericheinr rügl'ch,antzer Sonntags und feiertags Beilagen vte DDuftriertt Cietjerwi Jamilienblättet Heimat >m Dill» Dir Scholle Monat» vezogsvrets 2.20 Reichsmark und 30 Re'chsplenntg füi Träger lohn, auch bet Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höhere, Gewalt. Fernlorechanlchlüste anterSammelnummer2251 Anfchnfi für Drahtnach- richten Hnjetger tieften. Postscheckkonto: fcte»tf url am Main 11686 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vrnck vnb Verlag: Vrühl'fche Untverntälr-Vuch- nnö Stetnörndcrci L Lange in Stehen. Schnftlettung und Sefchäftrstelle: Zchnl'trahe r. annaqme oon Bnjetgen für die Tagesnummer bis }utn Nachmittag vorher. Preis ftir I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennigi für Re- klameanfeigen oon 70 u.n: ‘Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wilh. Lange. Derantworllich für Dolitib Dr Fr Milh Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter^ sämtlich in (Bie len politische Sprachenstaiistik im Elsaß. Don unserem 8-Berichterstatter. Dach druck, auch mit Quellenangabe, verboten! Straßburg, Februar 1931. Zwei Sprachenstatistiken haben die Franzosen bisher im Elsas) durchgeführt, bei den beiden allgemein«^ Bolkszählungen, die seit dem Kriege stattfanden. Die Ergebnisse der ersten haben sie nicht veröffentlicht, aber sie hatten hinreichend daraus gelernt, um der zweiten von vornherein ein Ergebnis zu sichern, das sich sehen lassen konnte vor den Augen von Franzosen und von allen, die ihnen gerne glauben. Dach fast fünf Jahren erst ist diese Statistik über die sprachlichen Verhältnisse Elsast-Lothringens, die den Stand des März 1926 wiedergibt, kürzlich veröffentlicht worden. Hnb wenn einer diese Sta- ttsttk zur Hand nimmt, und seststellt, daß es an Einwohn er n, die nur Deutsch sprechen, im Hnterelsaß noch 9142, im Oberelsah noch 3737 und in Lothringen noch 55105, in ganz Elsah-Lothringen mithin 68 984 gibt, das; also zehn Jahre französischer Herrschaft genügt haben, um die deutsche Sprache auf dieses Dichts herabzudrücken, dann hat er zwar nicht gerade die Wahrheit, aber immerhin etwas gesagt, was er aus der neuen Sprachenstattstik schwarz ans weih ^beweisen" farm. So geschickt ist diese ausgemacht, oder vielmehr politisiert. Sv etwas sieht man nicht alle Tage, nicht einmal aus dem Gebiete der Statisttk. Darum sei es etwas eingehender beschrieben. Zuerst hat inan jede ernsthafte Dergleichung mit der Dor- kriegsstattstik unmöglich gemacht, indem man erstens die Beantwortung der Frage nach der Sprache ins Belieben jedes Einzeln an stellte, mit dem Ergebnis, dah 90 558 von 1 779 186 Einwohnern ihre Sprache überhaupt nicht angegeben haben. Zweitens hat man nicht, wie bei den Vorkriegserhebungen, nach der Muttersprache gefragt, sondern nach der G e - brauchst pr ach c. Wicviele nun, deren Muttersprache unzweifelhaft das Deutsche ist, haben sich zur französischen Gebrauchssprache bekannt, weil das den augenblicklichen Verhältnissen ihres Er- wcrbSstandes ober ihrer Anstellung entsprach? Man weih es nicht, aber um vergleichen au können, mühte man es wissen. Leider wird diese Wißbegier von der französischen Statistik nicht gestillt. Um so wihbegierigcr war diese be den hinterfragen zur Hauptfrage nach der Gcbrau^ssprache. Wenigstens bei einigen Unterfragrnr. Man hat genau ermittelt, wessen Gebrauchssprache die elsässische bzw. lothringische Mundart a l l e i n sei, wessen Gebrauchssprache Mundart und „Deutsch", d. h. Hochdeutsch, und man hat olle diese Leute als Kenner der Mundart zusammengerechnet. Es sind 1 039 004. Vorher schon hatte man aber alle, die Französisch und Mundart oder Deutsch als Gebrauchssprache angegeben hatten, besonders zusammengczählt -- es sind 175 051 — und sie flugs und vergnügt mit den Leuten nur französischer Gebrauchssprache als Kenner des Französischen zusammengerechnet, die man auf diese Weise, aber auch nur auf diese, mit der beträchtlichen Zahl von 393 216 fest- stellen konnte. Man hat, mit einem Worte, alles, was sich nicht wehrte, wenn es nur Out, Don und Monsieur, Madame und Bonjour sagen konnte, der französischen Sprache gutgeschrieben. Man hat, um diese Zahl nicht zu zersplittern, die Frage nach Schriftsprache oder Vogcsenpatois in der französischen Dubrik in meisterlicher Beschränkung nicht gestellt. Man hat mit um so größerem Eifer jeden, der Kenntnis der Mundart bekannte, besonders gerechnet und dem Hochdeutschen auch dann abgezogen, wenn er ausdrücklich neben der Mundart auch die hochdeutsche Gebrauchssprache bekannte, Und man hat es so fertig gebracht, als Vertreter der deutschen Sprache im Elsah nur die paar armen «Schächer übrig zu behalten, die auf dem Fragebogen jede Kenntnis des Französischen und der Mundart resolut bestritten. Es ist eine alte Regel, man solle, wenn man schon ausschneidet, gleich so aufschneiden, um höflich zu bleiben, dah jeder es merken muh. Die Franzosen haben ganze 68 984 Deutsch Sprechende in Elsah-Lothringen statistisch festgestellt. Sie sind also auch in der Statistik höflich geblieben. Man kann nun aber, wenn man von den gekünstelten Rechnungsergebnissen einfach absteht und auf Hie Einzelheiten der statistischen Feststellungen zurückgreist, auch aus diesem Zahlenmaterial sehr wohl ein Bild davon gewinnen, wie die sprachlichen Verhältnisse in Elsah-Lothringen wirklich liegen. Zu diesem Zweck mu|) man zunächst die künstlich und unberechtigterweise hergestellten Hinterscheidungen zwischen Mundart und Hochdeutsch wieder wegwischen. Die Berechtigung dazu kann nicht bestritten werden. Denn sowie jemand aus dem Bereich der alltäglich gesprochenen hlmgangssprache heraustritt und uns «Schreiben ober Lesen kommt, vollzieht er den hlebergang von der Munbart zum Hochdeutschen. Dicht nur theoretisch gehört das Hochdeutsche als «Schriftsprache zum Dialekt als seine notwendige Ergänzung, sondern auch praktisch vollzieht sich der hlebergang vorn einen zum andern täglich unzähligemal. Zählt man nun die Zweisprachigen. die sowohl Deutsch als Französisch als Gebrauchssprache angegeben haben, besonders (175051 gegen nur 3395 im Jahre 1910), dann bleiben 1 107 070 nur deutschsprachige Einwohner (1910: 1634 260 von 1874 014) von Oie Krisis in Spanien. Sanchez Guerra lehnt ab. - Eine Zivildiktatnr aller monarchistischen Parteien. Oie Erregung in der Hauptstadt und im Lande wächst. Madrid, 17. Febr. (TU.) Sanchez Guerra hat dem Stönig den Auftrag zur Kabinettsbildung zurückgegeben. Er teilte ihm mit, daß er die Kabinettsbildung ablehnen muffe, da er von weiten Kreisen, die er zur Unterstützung für nötig halte, t m Stiche gelassen tvorden fei. Sanchez Guerra hat der Krone empfohlen, den noch weiter linksstehenden Reformisten- führer Melquiades Alvarez mit der Kabinettsbildung zu beauftragen, oon dem er annimmt, daß er auf die ihm selbst versagte Unterstützung durch die republikanische und die sozialistische Gruppe rechnen könne. Man wird jedoch nicht fehl- gehen in der Annahme, daß diese auch Alvarez gegenüber auf ihrem ablehnenden Standpunkte bestehen bleiben werden. Melquiades Alvarez erklärte denn auch, sein Erscheinen im Palast hätte keinen Sinn. Er stände auf dem gleichen Standpunkt wie Sanchez Guerra. Man war also nicht überrascht, kaum eine Stunde später R o - m a n o n e s und Alhucemas zum Palais gehen zu sehen, um neuerdings vom König konsultiert zu werden. Während daraufhin allgemein die Ansicht vertreten wurde, daß es nun doch zu dem ursprünglich geplanten nationalen Kabinett unter Aznar mit den „unechten" Konstitutionalisten Romanones und Alhucemas komemn würde, hörte man plötzlich, Romanones habe dem König erklärt, es gäbe nur noch eine Lösung, die der extremen Linken unter Melquiades Alvarez. Daraufhin begab sich dieser doch ins Palais. Beim Verlassen des Schlosses teilte er mit, der König habe ihn nicht mit der Kabinettsbildung beauftragt, sondern bestehe darauf, noch weitere Beratungen mit anderen politischen Streifen abzuhalten. Dienstagabend tagte im Kriegsministerium eine Versammlung von monarchistischen Persönlichkeiten unter dem Vorsitz des Generals Bercnguer. In dieser Sitzung soll ein monarchistisches Konzentrationskabinett gebildet worden fein, zu denen La E i e r oa, Graf Romanones und Garcia Prieto gehören würden. Graf Romanones erklärte dem Havas-Dertretcr in Madrid, die Teilnehmer an der monarchistischen Versammlung im Kriegsministerium würden nicht alle der neuen Regierung angehören. Am Mittwoch werde Spanien eine neue Regierung haben und es würden auch die verfassungsgebenden Cortes einberufen werden. Für Mittwochvormittag fei eine erneute Zusammenkunft der monarchistischen Führer im Kriegsministerium vorgesehen. Die Frage, ob L a Cierva die Mini- sterpräsidentschaft ober das Innenministerium übernehmen würde, beantwortete Graf Romanones verneinend. Er, Graf Romanones, würde der Regierung anaehören und es sei nahezu sicher, daß General Vereng u er Ministerpräsi- dent werden würde. Man Hobe allerdings anfänglich an La Cieroa als Ministerpräsidenten oder Innenminister gedacht, habe aber darauf verzichtet, denn in diesem Falle wäre nach glaubwürdigen Nachrichten sofort der General st reif durch die Arbeiterschaft ausgerufen worden. Anordnungen zum Generalstreik seien bereits gegeben worden. Dem Kabinett sollen außer den konservativen Führern Cieroa, Goiccoechea und dem Herzog oon Maura, die monarchistischen Liberalen R o - manones und Alhucema sowie die Generäle Caoal canti, 6a r o und Barrera als Vertreter der bewaffneten Macht angehören. Es wäre dies eine Zioildiktatur mit militärischem Einschlag. Der bisherige Innenminister hat vor einer Stunde die Garantien für die Dersammlungs- und Pressefreiheit wieder aufgehoben, ohne allerdings den Kriegszustand zu erklären. Die Erregung ist ungeheuer groß. Tatsache ist. Warschau. 17. Febr. (OB.) Das amtliche polnische Publifationsorgan „Dziennik llslaw" veröffentlicht den Parzellierungsplan für das Jahr 1932. Die ehemals deutschen Gebiete — die jetzigen polnischen Provinzen Posen und Pommerellen — stehen danach wieder an der Spitze der Z w a n g s p a r z e l l i e- rung privaten Grundbesitzes. Der plan sieht für Posen die Parzellierung von 24 009 Hektar und sür Pommerellen die Parzellierung von 20 000 Hektar vor. Keine der anderen Wojwodschasten weist ähnliche Zahlen auf. Die für das Bezirkslandamt Grodno festgesetzte Parzellierung von 22 000 Hektar liegt insofern weil unterhalb der für Posen und Pommerellen verfügten Parzellierungen, als dort bereits 5400 Hektar parzelliert sind, so daß in Wahrheit nur noch 16 600 Hektar parzelliert werden sollen. Aehnlich liegen die Berhältnisse in der Wojwodschast Wilna. Bon den im plan veranschlagten 20 000 Hektar bleiben ebenfalls nur 16 500 Hektar zur Parzellierung übrig. Für» die übrigen Landesteile liegen die Ziffern weit unterhalb der bisher genannten. Die Parzellierungen in Warschau betragen 10 000 Hektar, in petrikau 5000 Hektar. Lew- berg 8000 Hektar. Bialjslok und Krakau je 2000 Hektar. Die „Deutsche Rundschau in Polen", das in Bromberg erscheinende Organ des Deutschtums. bezeichnet die für Posen und Pommerellen in dem Parzellierungsplan festgesetzten Zahlen als geradezu katastrophal und kommt zu dem Schluß, daß auch der neue plan, der wiederum den Hauptdruck der Parzellierungen auf die ehemals daß auch eine Kontrolle üler alle Te» lephongespräche eingeführt worden ist. Gegen 22 Ahr durchzogen mehrere Gruppen junger Leute die Stadt mit den Rufen. „Tod dem König!" und „Es lebe die Re Pu b l i k!' Die Polizei griff ein und trieb die Gruppen auS- cinanber. Etwas weiter schlossen sich aber die jungen Leute wieder zu einem Zug zusammen. Jetzt nahm die Polizei einige Verhaftungen vor. Bei den Zusammenstoß n sind mehrere Personen verletzt wordeir. Auße dem haben die Manifestanten in einer Hauptstraße einen Wagen umgeworsen und m Brand gesteckt. deutschen Gebiete Westpolens leg,, mit eindrücklicher Deutlichkeit erkennen lasse, daß Politik und nicht Wirtschaftlichkeit die Triebfeder de» handelns ist. daß mithin nicht eine gesündere Agrarstruktur, sondern die Entdeutschung die Losung sei, die durch den plan für Westpreußen ausgegeben wurde. * Obwohl wir mit den Polen lang und breit über die Enteignung der in den abgetretenen Gebieten: wohnenden deutlichen Dauern und Gutsbesitzer verhandelt und auch mit ihnen ein entsprechendes Abkommen zustande gebracht habeir, schrecket also die Aufteilung des deutschen Besitzes munter fort. Die Mitteilungen über die Parzellierrmg deutschen Grundbesitzes besagen klar und einwandfrei, daß in Warschau auch weiterhin das Bestreben herrscht, den deutschen Grundbesitzer zu vertreiben und an seine Stelle polnische Siedler zu sehen. Unter diesen Umständen ist es natürlich kein Wunder, wenn das Deutschtum im Korridor und in Posen immer weiter zurückgeht. Für die Polen spzelt bei der Enteignur s- politik selbstverständlich die Korridorfr.. gc eine große Rolle. Sie wissen, daß eines Tages die Frage der deutschen Ostgren^ offiziell angeschnitten wird. Je kleiner die Zahl der Deutschen im Korridor ist, desto besser sind natürlich die Aussichten Polens, das Korridorgebiet behalten zu können. Allzuviel deutschstämmige Dauern gibt es in den abgetretenen Ostgebieten nicht mehr. Wenn wir noch einige Jahre mit der Aufrollung unserer Grenzsorgen warten, dann werden wir erleben, daß eine Volksabstimmung nur wenige Stimmen zugunsten Deutschlands bringt, weil eben bis dahin auch die letzten Reste der deutschen Dvlkssplitter vertrieben sein werden. Zorlschreiiknde Snthtulfdiung des Grundbesitzes in Posen und Pommeretzen. Oer polnische Parzellierungspla^. für 1932 stellt wieder die ehemals deutschen Gebiete an die Spitze der Zwangsparzellierung. insgesamt 1 688 628 übrig, die über ihre Sprache Auskunft gegeben haben Alle Künsteleien helfen also nichts. Das Elsaß und Deutsch-Lothringen sind auch unter französischer Herrschaft das weit überwiegend deutschsprachige Land, das sie von jeher waren. Der Rückgang gegenüber der Vorkriegszeit, der aller» dings unverkennbar ist, erklärt sich leicht aus dem Verschwinden der starken deutschen Garnisonen, aus der Ausweisung oder dem freiwilligen Abzug der deutschen Deamtenschaft und zahlreicher Erwerbstätiger nach dem Kriege, während alle diese in den Zahlen von 1910 noch mit enthalten sind. Diese unumstößliche Tatsache konnte auch die französische Statistik, wenn sie nicht auf unmittelbare politische Wirkung ausging, um so gelassener anerkennen, als ihr unDetfeimbar ein träftiger Aufschwung der Verbreitung des Französischen in Elsaß- Lothringen gegenübersteht. Zählt man die Zweisprachigen wiederum besonders wie vorhin, so bleiben noch 318 157 Einwohner mit nur französischer Gebrauchssprache übrig. 1910 waren es 204 262 Einwohner. Das Elsaß hatte eben immer in den Gebirgskantonen der Kreise Molsheim, Schlettsladt und Rappoltsw:i er eine eingesessene französisch sprechende Bevölkerung. Ebenso war der Südteil Lothringens von jeher französisches Sprachgebiet. Daher die verhältnis- mäßig hohen Zahlen auch in der Vorkriegsstatistik. Heute kommen dazu die französischen ‘Beamten und Garnisonen sowie die ebenfalls wieder zahlreicher! privaten Erwerbstätigen französischer Sprache, besonders in den größeren Städten. In Straßburg z.D. ist die Zahl der Französisch Sprechenden von 4872 im Jahre 1910 auf 25 411 im Jahre 1926 angewachsen. Umgekehrt ist in Metz die Zahl der Deutsch Sprechenden von 53 537 im Jahre 1910 auf 9482 im Jahre 1926 zurückgegangen. Das find wirtschaft!ich bedingte Derschiebun- gen im Eprachenbestand, die sich aus der Entwicklung ganz natürlich erklären und die deshalb auch die amtliche Statistik nicht durch fragwürdige Rechenkunststücke einerseits vergröbern, andererseits zu verschleiern brauchte. Wie stark die wirtschaftliche Entwicklung die sprachlichen Verhältnisse bedingt und beeinflußt hat, das sieht man besonders deutlich in einer dem Wettkampf des Deutschen und Französischen entzogenen, verhältnismäßig neutralen Spalte der Sprachenstatistik, bei der Auszählung der Fremdsprachen außer Deutsch und französisch. Geblieben ist wie 1910 die Tatsache, daß diese Einwanderung fremdsprachlicher Clemente, die von der neuen Statistik leider nicht weiter differenziert werden, hauptsächlich in die Drennpunkte des Wirtschaftslebens strebt. Rur ist das heute in noch viel größerem Maßstab als damals der Fall und zugleich sind auch früher weniger berührte Gebiete in den Bereich dieser Einwanderung gezogen. Die Stadt Straßburg z. D. beherbergte 1910 1167, dagegen 1926 3463 Fremdsprachige, in beiden Fällen etwas mehr als die Hälfte der Fremdsprachigen des ganzen Untereifaß. Im Obereifaß zählten 1910 die Kreise Gebweiler 287, Mülhausen 1887, Thann 359 Fremde: 1926 waren es entsprechend 1483, 4699 und 1527 Fxemde. In diese drei Ver- waltungskreife erstreckt sich nämlich das Kali- gebiet, dessen rasche Entwicklung feit dem Kriege sich auch in diesen Zahlen spiegelt. Dasselbe Dild bietet Lothringen, wo z. D. der Hauptkreis der Industrie, Diedenhofen- West, seine fremdsprachige Bevölkerung von 15 373 im Jahre 1910 auf 24 376 im Jahre 1926 ansteigen sah. Für das Land im Ganzen ergibt sich eine Verdoppelung, 32 097 in 1910 gegen 67 422 in 1926. Manche Lobredner des gegenwärtigen Zustandes waren angesichts dieser Sprachenstgtistik rasch bei der Hand, um aus ihr, besonders aus der verhältnismäßig großen Zahl derer, die französisch sprechen können, den Erfolg des französischen Schulwesens in Clsaß-Lothringen zu er- weisen. Das ist natürlich blinder Eifer und schadet nur. Denn über den Erfolg des Schulwesens entscheidet die Gediegenheit der Kenntnisse. Die Sprachenstatistik aber sagt nichts hierüber aus, sie spricht nur von der Menge und der Zahl. Wäre die Steigerung der Schule zu verdanken, dann müßte sie außerdem gleichmäßig überall festzustelleu sein. Das ist sie aber nicht. Sondern die Zunahme konzentriert sich gan^ einseitig auf die großen Städte undJndustrtegegenden. Im Kreise Rap- poltsweiler hat die Zahl der Französisch Sprechenden gegenüber 1910 sich sogar von 19 184 aus 17 858 ermäßigt. Die französische Schule in Elsaß-Lothringen muß, um von der Ueberlegenheit der französischen Kultur Zeugnis abzulegen, andere Dcweise bringen als bisher. Hnb die französische Sprachenstatistik erst recht. Der deutsche Sprachunterricht in den elsässischen Voltsschulen gefordert. Auch für die französisch-sprachigen Gemeinden eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Straßburg. 17. Febr. (TH.) Der Gemeinderat von D ch i r m e d in einem der französisch-sprachigen Vogesentäler des Ellaß hat einstimmig beantragt, daß in den Volksschulen und im Fortbildungsunterricht wieder deutscher Sprachunterricht erteilt werde. Zur Begründung wird geltend gemacht, daß im Grenzland Elsaß-Lothrlngen die Kenntnis beider Sprachen nötig sei. Bei der jetzigen Dchulmethode aber müsse die Kenntnis des Deutschen durch Privatstunden erworben werden, was nur wohlhabenden Kreisen möglich sei. In diesem Zusammenhang verdient auch Beachtung. daß in der französischen Kammer bei der Besprechung des elsaß-lothringischen Haushalts von mehreren elsässischen Abgeordneten die französische Schul- und Spra- chenpolitit scharf kritisiert wurde. Der unterelsässische Abgeordnete Thomas Seitz ersuchte die Regierung, für den deutschen Unter«- richt das zu tun, was zu deutscher 3eit von der reichsländischen «Schulverwaltung für den französischen Unterricht in dem französisch-sprachigen Teil deS Landes getan worden ist. Bekanntlich war vor dem Kriege in de» Volksschulen auch im französischen Sprachgebiet Elsah-LotHringens die Muttersprache auch Llnterrichtssprache. Frankreich hat diesen vernünftigen Grundsatz sofort nach der Besetzung des Landes aufgegeben und den Unterricht unter Vernachlässigung der Muttersprache der großen Mehrheit der Bevölkerung völlig auf französisch erteilen lassen. Trotz der wirtschaftlichen und geistigen Schädigung der Heranwachsenden Jugend durch diese Mechode hat sich Paris bisher nicht zu der dringend nötigen Reform entschließen können. Das Reichskabinett berät über Schieles Agrarprogramm. Berlin, 17. Febr. (TU.) Dos Reichskabinett erledigte heute unter dem Vorsitz des Reichskanzlers laufende Angelegenheiten und nahm den Vortrag des Reichsminjsters für Ernährung und Landwirt fchaft über das künftige Agrarprogramm entgegen, wie es in ausführlichen Besprechungen mit den berufenen Vertretern der Landwirtschaft aufgestellt worden ist. An den Vortrag schloß sich eine eingehende Generaldis- kussion an. Die Beratungen werden in den näch- chen Tagen fortgesetzt. Zu dieser amtlichen Mitteilung erfährt die Tele- graphen-Union noch folgende Einzelheiten: Obwohl die Einwendungen gegen die Agrarvorlagen, insbesondere von: Reichswirtschaftsministerium, erheblich sind, red)ritt man doch damit, daß die Beratungen des Kabinetts sehr bald abgeschlos- s e n sein können, so daß die erste Ausschußberatung im Reichsrat bereits am Donnerstag erfolgen könnte, wobei möglicherweise Reichskanzler Brüning die einleitende Begründung geben würde. Im Falle einer Beschleunigung der Beratung im Reichsrat und der Verabschiedung der Vorlagen durch das Reichsratsplenum bis Dienstag nächster Woche könnte dann bie erfte ßefung im Reichstag bereits im Anschluß an den Haushalt des Reichsernährungsministeriums, jedoch ohne jede politische Verbindung, am Mittwoch beginnen. Die Beratungen des Reichskabinetts dürften im übrigen wesentlich unter dem Gesichtspunkt zu verstehen sein, daß zwischen dem Reichskanzler und der Grünen Front bezüglich der Agrorvorlagen bestimmte Vereinbarungen bestehen. Die Erledigung des Etats. Keine Lchwicrigleittn für eine Erledigung Mitte März. Berlin, 18. Febr (ERB.) Wie das „Berliner Tageblatt" schreibt, hat die Reichsregierung sich erfolgreich bemüht, die Etatsberatungen weiter zu fördern und zu beschleunigen, so daß man hofft, den Etat schon gegen Mitte, nicht e r st Ende März in dritter Lesung verabschieden zu können. Die Regierung hat sich vergewissert, daß sie sowohl von der Deutschen Volkspartei wie auch von den Sozialdemokraten bei der Erledigung des Etats keine unüberwindlichen Schwierigkeiten zu befürchten braucht. Die Deutsche Volks- Partei ist mit der schnellen Erledigung des Etats einverstanden, nachdem ihr die Zusage einer Sparermächtigung gemacht worden ist, die der Regierung erteilt werden soll. Die Sozialdemokratie in insofern beruhigt worden, als sie davon unterrichtet wurde, daß der Dolkspartei keine Zusagen darüber gemacht worden sind, Ersparnisse a n bestimmten Stellen, insbesondere etwa vor- nehmlich am Sozialetat durchzuführen. Die Regierung wird vielmehr selbständig prüfen, wo die Ersparnisse am zweckmäßigsten gemacht werden können. Wie das Blatt wissen will, dürfte sie habet auch nicht am Wehretat vorübergehen, während auf der anderen Seite kaum zu befürchten sei, daß die Sozialdemokraten von sich aus durch selbständige Sparanträge den Wehretat in einer y Weise beeinträchtigen würden, die den Interessen des Reiches nicht dienlich wäre. Damaschke Über die Arbeitslosigkeit. Berlin, 16. Febr. (TU.) Der bekannte Bodenreformer Damaschke sprach in der Landwirtschaftlichen Hochschule über „Wege zur Ueberwindung ■ der Arbeitslosigkeit". Der Vortraaende kam zu dem Ergebnis, daß heute drei Arbeitende einen vierten ernähren müßten. Im letzten Jahre seien 44000 Selbstmorde aus Grün- den wirtschaftlicher Rot begangen worden. Die Ausschaltung der volksfremden Landarbeiter würde die Zahl der Arbeitslosen um etwa 100 000, die D e r lä n g e r u n g der Schulpflicht um etwa 200 000 und die Arbeit s st r e ck u n g um etwa 350 000 verringern. Diese Zahl von 650 000 würde gegenüber der Arbeitslosenzahl von fünf Millionen nur eine geringe Linderung bedeuten. Auch die Erlassung der Reparationsleistungen, die dringend zu fordern fei, würde keine vollkommene Lösung bringen, da die Arbeitslosen jährlich einschließlich aller Reben- und Verwaltungs- kosten etwa 4,8 Milliarden kosteten. Der Vortragende wandte sich gegen falsche und übertriebene Fürsorge, die oft zu Unrecht aus- gcnutzt werde und die Landflucht fördere. Er forderte insbesondere größere Mittel für Meliorationen, Erleichterung des Instanzenweges bei landwirüchaftlichen Siedlungen, ferner das schon vielfach Beantragte Heimstättengesetz und gesetzliche Maßnahmen zur Verhinderung von Bodenspekulationen. Ferner befürwortete erdieHerausnahmeallerJugendlichen unter 21 Jahren aus der geldlichen Fürsorge und empfahl ihre Unterbringung in Baracken der Truppenübungsplätze, wo sie z u praktischer Landarbeit ausgebildet werden könnten und im Eignungsfall später Anspruch auf eine landwirtschaftliche Heimstätte hätten. Deutsches Volk und deutsches Land müßten wieder in organische Verbindung gebracht werden. Der Redner bezeichnete die Weltwirtschastskrise als einen Uebergang der Menschheit von der Uebermechani- sierung und -technisierung zur Bodenkultur und Boden st ändigkeit und bat um weitestgehende Verbreitung dieser Idee und dieses Gedankens. Neue deutsche Schulen in Südslawien. Belgrad, 17. Febr. (TU) Der Unterrichtsminister hat wiederum die Errichtung von zehn deutsch en Schulen bewilligt. Zur Zeit bestehen in Südslawien 150 deutsche Schulen, in denen sich jedoch starker Lehrermangel fühlbar macht. Zwisaien den Vertretern der deutschen Minderheit und dem Unterrichtsministerium StaatsautorM und Parlamentarismus. Oingeldey spracht über die drängendsten Aufgaben der Politik. Berlin, 17. Februar. (ERB.) Der Führer der Deutschen Volkspartei 2lbg. Dingeldey sprach im Rahmen der „Vereinigung für Handel und Industrie bei der Deutschen Volkspartei" über „Staatsautorität und Parlamentarismus im heutigen Deutschland". Hatz und Verachtung von draußen, so führte er aus, unerträgliche Ilmgangsformen drinnen untergraben seit einiger Zeit die Autorität des Parlamentarismus. Der Versuch einer Vermählung sozialistischer Romantik und sozialistischen Machtbewuht- seins mit einer kapitalistischen Wirtschaftswelt brächte eine verhängnisvolle Vermehrung der Krisenerscheinungen hervor. Es ist unsere Aufgabe, uns von küeser Verfälschung der parlamentarischen Aufgaben frei zu machen und damit zugleich vom Begriff des Wohlfahrtsstaates. Unter den großen Problemen steht die Tribut- frage sicherlich voran. Sie ist nicht durch Demonstration und Propaganda zu lösen, ohne daß zuvor die größte Steigerung der deutschen Exporttätigkeit das Feld bereitet. Das ist zugleich der Weg zu einer Besserung der Arbeitslosenfrage. Das starre System eines „Grabenkriegs des Wirtschaft liebens" muß möglichst im Zusammenwirken mit den G e - werkschaften beseitigt werden. Es ist erfreulich festzustellen, daß Brüning und Stegerwald wirksam bestrebt sind, die beiden Parteien des Arbeitsvertrages unter Klarlegung der Realitäten an den Verhandlungstisch zu bringen. Die Arbeitszeitverkürzung als ein Mittel zur Einschaltung neuer Menschen in den Arbeitsprozeß wird in diesem Rahmen nicht nur als bloße Wirtschastsfrage, sondern als eine Frage der Ruhe und Ordnung im Staate be- deutungsvoU. — Die Rotlage großer in» dustrieller Gemeinden un.er den Wohlfahrtslasten ist ein anderes Problem dieser Art. Eine Einwirkung des Reiches ist erforderlich, um eine tatsächliche Kontrolle der F i - nanzgebarung zu schaffen. — 3n der Tributfrage ist die von manchen Seiten, nicht nur von den Radikalen, empfohlene Zahlungseinstellung ein Wahnwitz. Man braucht nur auf Verkettung der Tribut- mit der Kreditfrage zu verweisen, auf die fast unvermeidbare Konsequenz einer Flucht aller kurzfristigen Gelder, die den Zusammenbruch aller mittleren und kleineren Betriebe zur Folge haben wurde. Gegenüber diesem ungangbaren Weg empfehlen sich drei Dinge: Die schon erwähnte Förderung der Exportpolitik, weiter die starke methodische Propagandatatigk.it von Regierung und Wirtschaft, um die Gleichgültigkeit im Auslande zu überwinden, und schließlich die Erkenntnis, daß eine endgültige Lösung von Amerika her nur dann kommen kann, wenn die Gewißheit geschaffen ist, daß freiwerdende Gelder nicht für neue Rüstungen verwendet werden. Das Parlament scheint gegenüber diesen außerordentlich schweren Ausgaben schon wegen der rein zeitlichen Erfordernisse leistungsunfähig, und es wäre erwünscht, daß es gelänge, ihm das Eingeständnis einer freiwilligen, etwa einhalbjäh rigen Pause zugunsten der Regierungsarbeit abzugewinnen. Ersparnisse am Etat, über die besonders von der Deutschen Volkspartei verhandelt worden ist, erfordern eine diskrete Vorbereitung und ein schnelles Handeln im gegebenen Zeitpunkt, erfordern weiter das Vertrauen zum Reichskanzler, daß er sie zur Zeit durchführt. Die Voraussetzungen hierfür sind durchaus gegeben; die Aufgabe der Reichsregierung ist, mit Energie und Verantwor- tungsfreude ihre Maßnahmen durchzuführen. Der Redner stellte zum Schluß für die Der - fassungsresorm folgende Forderungen auf: 1. Schaffung einer Ersten Kammer, 2. Stärkung der Stellung des Reichspräsidenten und der Reichsregieruirg; 3. Heraufsetzung des Wahlalters. finden daher Verhandlungen statt, um dem Uebel- ftanb abzuhelfen. Zur Besetzung der Lehrerstellen sind nach Durchführung des deutschen Schulprogramms ungefähr lOOOLehrer nötig. Die deutsche Lehrerbildungsanstalt in Südslawien, die erst im Herbst errichtet wird, könnte erst in zehn Jahren diese Zahl von Lehrern liefern. In deutschen Kreisen wird daher der Gedanke erwogen, das Unterrichtsministerium zu ersuchen, in der Zwischenzeit Lehrer ausdem Deutschen Reich zum Unterricht in den deutschen Schulen zuzulassen. Die Entpolitisierung der Schule. Tas wiirttembergische Kultusministerium verbietet die öffentliche politische Betätigung von Sck ülern. Stuttgart, 17. Febr. (WTB.) Der Staatsanzeiger veröffentlicht eine Verordnung des württembergischen Kultusministeriums über die Aufrechterhaltung der Schulzucht, die die parteipolitische ^Betätigung der Schüler untersagt. Verboten wird jede parteipolitische Betätigung in der Schule, bei Hochschulveranstaltungen oder bei Veranstaltungen für Schüler sowie die Zugehörigkeit der Schüler zu den 3u g e n d g r u p p e n politischer Vereinigungen. Den Schülern ist es ferner untersagt, an Umzügen und sonstigen öffentlichen Veranstaltungen unter freiem Himmel teilzunehmen, die von politischen Parteien oder ihren Jugendgruppen veranstaltet werden oder an denen sich solche betätigen. Im Bereich der Schulen dürfen Druckschriften, Einladungen, Ankündigungen usw., die sich auf politische Parteien und parteipolitische Veranstaltungen beziehen, in feiner Weise verbreite t werden. Das Tragen von Abzeichen aller Art mit Ausnahme der etwa eingeführten Klassenmütze ist in der Schule und bei Schul- veranstaltungen verboten. Das Volksbegehren des Stahlhelms. Der neue Antrag mit 42 000 Unterschriften eingereicht Berlin, 17. Febr. (T.H) Der 1. Dundesführer des Stahlhelms hat am Dienstagabend zurEin- leitung des Volksbegehrens auf Auflösung des Preußischen Landtages eine Sammlung von 42 207 Unterschriften mit folgendem Schreiben an den Preußischen Minister deS Innern gesandt: „Es steht außer allem Zweifel, daß der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, weit über 100000 stimmberechtigte preußische Mi tglieder hat, die geschlossen hinter der Dundesführung und ihren Beschlüssen stehen. Bei einer sachlichen Auslegung und Handhabung des Gesetzes hätte also an sich unserem Anträge vom 1. d. M. ohne weiteres statt gegeben werden müssen. Gleichwohl überreiche ich in Ergänzung des am 1. d. M gestellten Antrages in den Anlagen eine Zusammenstellung der vom Stahlhelm allein in Brandenburg und Berlin gesammelten, von 42 207 Stimmberechtigten unterschriebenen und von den Gemeindebehörden bestätigten 2257 Zulassungsanträge. Sollte nach Ihrer Ansicht ein neuer Antrag notwendig fein, so wird dieser Antrag vorsorglich hiermit schon jetzt gemäß Anlage gestellt. (Gez.) Seldte, Fabrikbesitzer und 1. Dundesführer des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, Magdeburg, Duvigneaustr. 4. Goebbels über die Haltung der Rationalsozialisten. Dortmund, 18. Febr. (ERB.) Die Rationalsozialistische Partei hielt in der Westfalen- Halle eine Kundgebung ab, in der der Reichstagsabgeordnete Dr. Goebbels ausführte, es sei eine eitle Hoffnung, wenn die anderen Parteien glaubten, daß die Rationalsozialisten eines Tages wieder klein beigeben und in den Reichstag zurückkehren würden. Dies würden sie erst tun, wenn sie eine noch größere Masse des Volkswillens hinter sich gebracht hätten und dadurch das jetzige System auf legalem Wege verdrängen und sich allein an die Macht setzen könnten. Wenn man sage, die Rationalsozialisten könnten nur kritisieren, so mühten sie ihrerseits dem entgegenhalten, daß die Kritik dwS gute Recht jeder Widerstandsbewegung sei. Wenn das jetzige System an die Nationalsozialisten herantrete mit der Forderung, es besser zu machen, so könnten sie nur antworten: Gebt uns die Macht! Denn Politik könne man immer nur mit der Macht betreiben, da die Macht das Instrument der Politik sei. Wenn man uns jetzt verantwortungslos nennt, fuhr Dr. Goebbels fort, so müssen wir sagen, daß wir keine Verantwortung dem jetzigen System gegenüber kennen. Wir haben nur Verantwortung vor dem deutschen Volke, zu dem wir jetzt wieder zurückgekehrt sind. Gandhi beim Vizekönig. Befriedigendes Ergebnis einer vierstündigen Unterredung. L o n d o n, 17. Febr. (TU.) Am Dienstagnachmittag fand die mit großem Interesse erwartete erste Unterredung zwischen dem Vizekönig von Indien, Lord Irwin, und Gandhi in Reudelhi statt. Sie dauerte vier Stunden. Dite Unterredung begann um 14.30 Uhr. Erst um 17 Uhr ließ der Vizekönig Tee kommen. Rach dem Tee scheint die Besprechung, die bis dahin allgemeinen Charakter gehabt hatte, sich auf bestimmte Einzelfragen gerichtet zu haben, älm 18.10 Ähr verabschiedete sich der Vize- könig von Gandhi mit einem „Gute Rächt". Gandhi, der einen heiteren Eindruck machte, sagte, die Unterredung werde morgen fortgesetzt werden, aber, fügte er scherzend hinzu, wenn es noch lange dauern sollte, dann toetibe er verhungern. (Der Mahatma nimmt nach Sonnenuntergang niemals Speise zu sich.) Immerhin traf ein Auto noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang vor dem Hause ein, wo Gandhi gegenwärtig wohnt. Der allgemeine Eindruck ist, daß die Besprechungen einen guten Anfang genommen haben und daß Hoffnungen bestehen, daß der Geist gegenseitiger Zugeständnisse auch morgen vorherrschen toirb. Kleine politische Rachrichten. Don zuständiger Seite erfahren wir, daß von einer Zuspitzung der Verhandlungen zwischen Preußen und der Evangelischen Kirche im Augenblick nicht gesprochen werden kann. Man erwartet, daß die Verhandlungen in absehbarer Zeit zu einem gutenEnde gelangen werden. Es ist gelungen, die vorhanden gewesenen Gegensätze in den Auffassungen der beiden verhandelnden Parteien zu überbrücken. ♦ Der Berliner Magistrat hat an sämtliche Kämmereibetriebe und an die Dezirksver- toaltungcn einen Erlaß herausgegeben, nach dem im neuen Erlaß weitere Einsparungen inHöhevonsünf Prozent gemacht werden müssen. Soweit irgend möglich, sollen die Einsparungen an den Sachkosten und nur, wo es unbedingt notwendig ist, an den Personalkosten, vorgenommen werden. Man hat jedoch vorsorglich Kündigungen von fünf Prozent der städtischen Angestellten zum 31. März ausgesprochen. Davon werden schätzungsweise 700 städtische Angestellte betroffen. • Der 2Ibg. 5)r. Wendthausen, der in der vergangenen Woche mit drei anderen Abgeordneten der Bauernpartei den Auszug der Deutschnationalen und der Nationalsozialisten aus dem Reichstag mitgemacht hat, ist zu den Nationalsozialisten übergetreten. * Der italienische Lustfahrminister General B a l b o und seine Flieger ließen auf ihrem Rückweg von Brasilien ihren Dampfer in Las Palmas anlaufen, um den Do. X zu besichtigen und dessen Besatzung zu begrüßen. Anschließend fand ein großer Empfang im Rathause statt, bei welcher Balbo zum Ausdruck brachte, daß er Las Palmas nur aus dem Grunde angelaufen hätte, um das gewaltige Entwicklungswerk auf feiner ersten Atlantiketappe zu begrüßen. Er sähe ungeachtet des geringfügigen Schadens für Do. X mit großer Zuversicht in die Zukunft. Aus aller Welt. Das neue Fahrlenprogromm des Luftschiffes „Graf Zeppelin". Wie der Luftschiffbau «Zeppelin GmbH, mitteilt; wird der Fährbetrieb mit dem Luftschiff „Graf Zeppelin" gegen Ende März wieder a u f gelt o m m e n werden. Es sind an größeren Fahrten für Ende April eine Fahrt nach Aegypten mit Zwischenlandung in Kairo und eine Rundfahrt über Aegypten und Palästina (Jerusalem) von etwa 12 Stunden, daran anschließend eine zweite Landung in Kairo und Rückfahrt entweder über Griechenland mit Postabgabe und -aufnahme in Athen oder über Istanbul und das Schwarze Meer oder über die Adria und den Karst geplant. Ferner sind geplant eine Fahrt nach Sevilla, von Sevilla aus eine Rundfahrt in Spanien, von etwa 36 Stunden Dauer. Die Passagiere, die diese Rundfahrt nicht mitmachen, haben einen zweitägigen Aufenthalt in Sevilla, währenddessen Ausflüge nach Granada und der Alhambra geplant sind. Ein deutscher Arachldampfer in Brand. Am Dienstagabend flog der IZOOEonnen große deutsche Dampfer „Leander", der sich mit einer Ladung Stückgut, darunter Del und Benzin, auf der Fahrt von Bremen nach Riga befand, bei Domenaes in die Luft. Auf dem Dampfer war aus unbekannter Ursache ein Brand entstanden. Es kam zu vier gewaltigen Explosionen. Eine Stichflamme erreichte die Höhe von etwa 100 Meter. Der Dampfer sandte sofort 8O8-Rufe aus, die in Riga, Libau und Windau aufgefangen wurden. Ein Windauer Dergunas- dampser lief sofort aus, um dem Dampfer Hufe zu leisten. Der 18köpfigen Besatzung gelang es nur mit knapper Rot, dem Feuertode zu entrinnen. Das Zuwasserlassen eines Rettungsbootes war wegen der Eisverhältnisse nicht möglich. Die Mannschaft sah sich daher gratoungen, auf das den D am Pf er umgebende Eis zu springen. Sie hatte feine Zeit mehr, sich anzuziehen. Rach einer schwierigen Eiswanderung haben die 18 Mann zum Teil barfuß die K ü ste erreicht. Der Dampfer ist sofort nach der Explosion gesunken. Große Ueberschwemmung in Griechenland. Wie aus Saloniki berichtet wird, ist infolge des letzten Unwetters der Fluß Mesta aus den Ufern getreten und hat weite Gebiete überschwemmt. Der größte Teil der Viehbestände wurde vernichtet. Vier Bauern sind ertrunken. Drei Kinder verbrannt. 3n Kawalla (Griechenland) brannte ein Re-» ft aut an t vollständig nieder, in dem eine große Menge Benzin auf bewahrt wurde. 3n den Flammen kamen die drei Kinder des Restaurantinhabers um. Die verzweifelten Eltern, die mehrere Rettungsversuche unternahmen, mußten mit schweren Brandwunden ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zwei- Schüler auf dem Life eingebrochen und ertrunken. Beim Spielen auf dem Eise eines Teiches brach in Bottrop der zehnjährige Josef Piontek plötzlich ein und versank. Sein elfjähriger Bruder Felix sprang kurz entschlossen hinterher, um ihn zu retten, ertrank aber gleichfalls. Die Leichen der Knaben wurden durch die Feuerwehr und das Ueberfallkommando geborgen. Rembrandts „Anatomischer Unterricht" schwer beschädigt. Auf das berühmte Rembrandt-Gemälde „Anatomischer Unterricht", das im Amsterdamer Reichsmuseum hängt, ist ein Anschlag verübt worden. Ein Marrn im Alter von etwa 30 Jahren, anscheinend ein Handwerker, wurde dabei betroffen, wie er sich mit einem Beil an dem Gemälde zu schaffen machte. Es stellte sich heraus, daß das Bild an fünf Stellen schwer beschädigt war. Einer der Schnitte war 30 Zentimeter tief. Der Täter, ein Holländer, wurde der Polizei zugeführt. Heber seine Person und Über das Motiv der Tat besteht noch völlige Unklarheit, da der Täter bisher jede Aussage verweigert hat. Hm die Absicht eines Diebstahls scheint es sich nicht zu handeln. Ein Riesen-Meteor in Afrika entdeckt. Der südafrikanische Landmesser Rott hat zwischen dem Tanganyika- und Ry- assa-See den größten Meteor entdeckt, der bisher in Afrika gesunden wurde. Der Meteor ist eine feste Waffe aus Rickeleisen und hat eine Länge von etwa 4,5 Meter und einen Durch- meffer von 1,2 Meter. Er hat sich ungefähr einen Meter tief in den Erdboden eingegraben. Die meteorologische Abteilung der Witwatersand- Untoerfität wird weitere Analysen vornehmen, man glaubt, daß Rickeleisen und Chrom die hauptsächlichsten Bestandteile des Meteors sind. Der Landmesser hielt seine Entdeckung geheim und ließ sich sofort von der nächsten Regierungsstation die Bergwerksrechte für die dortige Gegend geben. Ein Dechselfälfcher-üonforklum von der Berliner Kriminalpolizei gefaßt. Eine bereits vor einigen Wochen besprochene Angelegenheit von Wechselfälschungen in Höhe von 1,5 Millionen Mark konnte jetzt restlos aufgeklärt werden. Im ganzen sind sieben Personen fe ft genommen worden. Das Konsortium hatte zunächst eine Liste mit 93 In- oustriegroßfirmen angefertigt, deren Namen als Giranten und Akzeptanten auf den noch anzufertigenden Wechseln erscheinen sollten. Geplant war, Wechsel in einer Höhe von insgesamt 1,5 Millionen Mark zu fälschen finb in Umlauf zu setzen. Um aber zunächst einmal bas erforberliche Betriebskapital in bie Finger zu bekommen, waren zunächst zwei Wechsel über 10 000 unb 21 000 Mark angefertigt worden, die man bei verschiedenen Berliner Großbanken loszuwerden versuchte. Aber diese schöpften Verdachr, und dadurch wurde bie Spur auf bie Fälscher gelenkt. Der falsche Handelsattache. Durch die Haager Polizei wurde ein internationaler Betrüger entlarvt und festgenommen. Der Betrüger, der vorgegeben hatte, Dr. Rie- deh zu heißen und Handelsattache bei der deutschen Botschaft in Paris zu sein, hatte versucht, eine Juwelierfirma im Haag um Kostbarkeiten im Werte von 7500 Gulden zu schädigen. Der angebliche Riedeh, der in Wirklichkeit ein 29jähriger Oesterreicher aus Wien ist, trat sehr dreist auf und brachte selbst einen von dem mißtrauisch gewordenen Juwelier verständigten Kriminalkommiffar einen in VusvE -eviO । mit hab ris Hocsch anbeten seien- __ Aus der Die ki Serotei Die gegen" te» Überhang Straßen^ JJ tim sehen, °>E Saß» mcht brachte. • 3m ötadtze ausdemKreu Dem MarilM W gestern u unb er wuchs dem Abend ' schränkte sich 1 los aus die eine Anzahl § der verschiede, mung den ziehen sehen. 9 deren instrume nicht den Anss einigermaßen weniger einer anstaiteie an Promenade^, Paule das t übrigen sorgt zen Karneval „Rennbahn" eine andere merkbar ma Johlen und Auch eine ■ einzigen Sefl Ser ncugieri wpah. 3m ü weiterer furit micrung bie n eiet Die Hai wieder in aus, einer Konsettis gestern kaum e Seit betrachtet Sah die We vssenttichen 5 so stark wie stärker war, i auch die Ork einen Rückgc gEe Teil! ^Zivilisten" dienstags wa tung, des K des Landgenct mittag geschlo, den (Jinaiuai der Reichsbah liche Werktag, Die letzten l'ch tn der »er E Die bekan Stodtzent Jl.illjr wegen Juten schliße «nn mehrfach ^Durchfüh Men muhte ™N zu bet! ^eigener S frechen- Morgenstunde N sehr flo durch das st werden heute unmittelbar n gonge Abkli ittg 5J5 4 ss* ’S*» der ' leit. tomm ePMin-, sags le Xm T °der ?.gg °°n etwa"» iS*ii V wonofo unb 1!" Bt»nb. Ws Sm ■«;Ö5 er fanÄ lx,n « sandte sosart und QßinK ^SJMunS ^^Mpser M gelang iu CTrt' uwgttch. Die ®*> aut bas ^de tzir JU w S- V ®‘ 'fstoanberuiw W bic Stufte v'vrt nach der S,. *n oie i Griechenland. 'ird. ist infolge bts Ira aus den Ufern überschwemmt. Der urde vernichtet, n. tonnt. brannte ein Re- r, in dem eine autbetoahrt tourte, i drei Kinder des verzweifelten 8l- csuche unternahmen, unden inS Kraulens eingebrochen und einer Teiches brach lef Piontek plötz- Mr/ger $ ruber hinterher, um ihn .leichsalls. Dir arch die Feuerwehr borgen. Unterricht' schwer ndt-Semälde.Ana« i Amsterdamer ft ein Anschlag i im Alter von etwa Handwerker, tourde nit einem Beil machte. 65 stellte "^nf Stellen Einer der Schmite Täter, ein Hvllän- iuhtt. Hebet seine Xt Tat besteht noch ier bisher sedeAuö- Absicht eines Dieb- i handeln. Afrika entdeckt. »11= «°t' ,hifo* und Ay' Mor entdeckt, da wurde. D-r Mteor e.'eisen und imd einen DE sich uMsähr cmen Ze des Wti vn der nächst^ ^rechte für o>e Ä*lw n ,Älicbcn ga"^»7sas Kon- cnf mit 93 3"* ß'lt beren W* >1«* ,n aui»-" ?SKss» ial b“5 .n waren ;u belffKVark Munden B-r- ei v-lsch" Mcr dl-I-, d*«* ,® L-,KL-?s' KE sfS* loyen. horsnavrr Aberdeen- ToJfs Clermont nembo O Derhn Die kühlende und holende Wirkung der schneeig-weißen Creme Leodor tritt besonders in Erscheinung, wenn Hände und Gesicht durch Einwirkung der Kälte im Winter stark gerötet sind. Auch bei spröder und aufgesprungener Haut leistet die Creme bei dem so lästigen.Juckreiz der HaiHsowie alsPuderunterlage vorzugl.che Dienste. Tube 60 Pf. und 1 Mk.. 8 wirksam unterstützt durch Leodor-Edelseife, Stück 50 Pt. In allen Chlorodont-Verkaufsstellen erhältlich. _________ Rudolf Stammler. Geheimrat Professor D. Dr. Rudolf Stammler, der hervorragende Rechtsgelchrte der Berliner Uni« versität, feiert am 19. Februar feinen 75. Geburtstag. Stammler ist geborener Alsfelder, er hat in Gießen von 1874 bis 1877 studiert. 1884 wurde er hier auch Ordinarius, lieber Halle kam der Gelehrte 1915 nach Berlin Stammlers Lebensarbeit galt der Rechts- Wissenschaft, deren tiefsten philosophischen Problemen er sich zuwandte, nachdem er feine früheren Schriften vornehmlich der Methodik des juristischen Unterrichts gewidmet hatte. " Einführuhg von .Abrechnungsbescheiden-'. Wir lesen in den von ©teuer- syndikus Herrn. Will zu Gießen herausaegebe- nen „ Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Rr. 4) folgendes: Richt selten bestehen zwischen dem Steuerpflichtigen und dem Finanzamt Meinungsverschiedenheiten darüber, ob eine Steuer- Aahlungspflicht erloschen ist. Rach einem durch Die neue Rotverordnung in die Reichsabgabenordnung neu eingefügten § 103a hat in derartigen Fällen das Finanzamt dem Steuerpslichtigen auf Antrag einen schriftlichen „ Abrechn ungs- befcheid" zu erteilen. Dieser Bescheid wird als Steuerbescheid im Sinne der Aeichsabgabenord- nung nicht anzusehen fein, da es sich nicht um die erstmalige Anforderung einer Steuer handelt (§ 220 RAO.). Einwendungen werden daher nur im Wege der Beschwerde erhoben werden können. *• 40 2ahre bei der Reichsbahn. Der Reichsbahnsekretär Eberhard Schmidt konnte heute aus eine 40jährige Dienstzeit bei der Reichsbahn zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden ihm vom Dienststellenleiter, Amtmann Dörr, Glückwunschschreiben des Reichspräsidenten, des Generaldirektors der Reichsbahngesellschast und des Präsidenten der Reichsbahndirektion Frankfurt überreicht. 3m Anschluß daran würdigte Amtmann Dörr die Derdienste des treuen Beamten im Lause seiner 40jährigen Tätigkeit. Der Jubilar, der heute im 56. Lebensjahre steht, kam mit 16 Jahren zur Reichsbahn. Seit 28 Jahren wirkt et am Gießener Bahnhof. ** Gebäudeabbruch. Das durch Tausch in den Besitz der Stadt übergegangene Wellersche Gebäude in der Wetzsteingasse 13 wird seiner baulichen Mängel wegen niebergelegt. Mit diesem Gebäude fällt zugleich ein Verkehrshindernis, denn das Haus ragte nicht nur über die Straßenflucht hinaus, sondern behinderte auch die Bewegungsfreiheit auf dem Bürgersteig und der Fahrbahn. Durch diese Niederlegung ergibt sich eine wesentlich bessere Uebersicht über die Wetzsteingasse und Wetzsteinstraße. Zur weiteren Verbesseruna der Verhältnisse wäre auch eine Regelung am Ausgang der Kirchstraße wünschenswert. Die Llnterschlagung von Kirchensteuern in Frankfurt. Weitere Verfehlungen aufgedeckt. WSR. 5 r a n t f u rt a. M., 17. Februar. Die genaue Nachprüfung der Kirchen st euer- b ü ch e r der Frankfurter evangelischen Landeskirche, die durch die Unterschlagungen des Kaufmanns Friedrich Hagel in den Jahren 1924 bis 1929 veranlaßt wurde, hat ergeben, daß Ragel auch im Jahre 1930 weitere Kirchensteuerbeträge unterschl agen hat, so daß sich die Summe des unterschlagenen Betrages von 136 700 Mark noch beträchtlich erhöht. Die Höhe der weiter unterschlagenen Gelder kann aber noch nicht angegeben werden. Die weiteren Unterschlagungen Ragels nach dem 3ahre 1929, nachdem also bereits eine schärfere Kontrolle ixt Geldeingänge erfolgte, waren dadurch möglich, daß Ragel gcg:nüber früher eine neue Methode der Unterschlagung anwandte. Er ließ nämlich die Belege über die Eingänge von Kirchensteuergeldern mit dem letzten Tage eines Quartals abschliehen, während die Beträge von den einzelnen Steuerzahlstelten für dieses Quartal auch noch einige Tage nach dem Quartalsende einliefen. Diese Beträge hat Ragel dann unterschlagen und die Listen, die für die nachträglich einlaufenden Beträge angelegt wurden, später vernichtet. Das Nachspiel in der Stadtsynode. Die Vereinigte Stadtsynode der Evangelischen Landeskirche Frankfurt a. M. trat heute abend zu einer außerordentlichen Tagung zusammen, um einen Bericht über die Unterschlagungen des Kaufmanns Nagel, des bisherigen Vorsitzenden des Kirchensteuerausschusses, entgegenzunehmen. Die Versammlung, die außerordenllich stark besucht war, nahm mit großer Erregung Kenntnis von weiteren Unterfd)lag ungen Nagels im Jahre 1930, die die Nachprüfungen der Bücher jetzt ergeben haben. Hierauf teilte der Vorsitzende der Synode, Oberlandesgerichtsrat P f i tz n e r, mit, daß er sein Amt als Borsitzender niederlege: die Untersuchung der Vorgänge im Falle Nagel habe zwar ergeben, daß den Gesamtvorstand der Stadtsynode keinerlei Schuld treffe, sondern daß vielmehr die Organisation der Kirche, die zu sparsam und vertrauensselig ausgezogen gewesen sei, die Verfehlungen Nagels ermöglicht bade: trotzdem könne er aus prinzipiellen Gründen sein Amt nicht weiter ausüben. In der lebhaften Aussprache wurde dem seitherigen Vorstand z. T. eine Schuld zugesprochen, teilweise wurde die Vertrauensseligkeit zu der Amtsführung Nagels bedauert. Zum Ausgleich der Schäden wurde anheimgestellt, der geschädigten Kirche mit einem freiwilligen außerordentlichen Opfer zur Seite zu treten. Verlangt wurde eine vollständige Neuorganisation der kirchlichen Verwaltung und eine Trennung von Kasse und Buchhaltung. Zum neuen Vorsitzenden wurde der Stadtkassendirektor Blum gewählt und der weitere Vorstand im übrigen in seiner bisherigen Zusammensetzung im Amte bestätigt. Der neue Vorsitzende nahm sein Amt an und versprach, für eine Reorganisation der Verwaltung zu sorgen. Blutige Kommunistenkrawalle in Marburg. Warburg, 17. Fcbr. (5A1.) Am Montag- abend kam es in einer Nationalsozialistischen Bersammlung int Stadtsaal zu schweren Zusammenstößen. 3m Saale anwesende Kommunisten machten solchen Lärm, daß der Redner nicht zu Worte kommen konnte. Es entstand eine große Schlägerei, bei der Messer und Stuhlbeine als Wasfe dienten. Die Polizei entfernte die Kommunisten aus dem S^ il. Diese zogen lärmend durch die Stadt, drangen in eine Erwcrbs- losenspeiseanstalt ein und holten die Erwerbslosen heraus. Zwei Schwer- und acht Leichtverletzte wurden festgestellt. Oer Schraubenschlucker. WSR. Frankfurt a.M., 17. Febr. Der 26- jährige Maler Wilhelm Häusler, der 22 Fahrraddiebstähle beging, wurde vom Kleinen Schöffengericht zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. 3n der ^Intersuchungshast hatte der Angeklagte nicht weniger als 18 Schrauben von der Ture usw. gelöst und verschluckt in der Hoffnung, nun ins Krankenhaus xu kommen und dort Gelegenheit zur Flucht zu erhalten. Aber er hatte die Rechnung ohne Vie Diät bc Handlung gemacht, die jetzt bei ihm Platz griff, und siehe, es gelang, ohne Operation die Schrauben aus seinem Körper zu entfernen. Oie Wetterlage. OWolkenlos. 9 neuer ®nai» oede Ciraupem e Neoei K Orbitter ©Windstille-O-seh» leichter Ost massiger Südsüdwest Q nvrmiscnci «ordwesl Oie Piene fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen nenenoen zahlen geben die Temperatur an. Pie Limen verbinden Orte mH gleichen» aut Heeresmrfeau umflerecnnelen Luftdruck Wettervoraussage. Die gestern über der Rordfee gelegene Störung hat sich wesentlich abgeflacht und weiter südwärts nach Südfrankreich hinbewegt. Ein kleiner Wirbel lag heute morgen über unserem Bezirk und hat uns in der letzten Rächt starken Schneefall gebracht. 3m Rorden hat sich eine Hochdruckbrücke herausgebildet, die sich von den britischen 3nseln in nordöstlicher Richtung nach dem Kerngebiet über Skandinavien erstreckt, worin Barometerstände über 770 Millimeter herrschen. Die daraus ausfliehenden Kaltlustmassen werden vorerst bestimmend für unser Wetter fein, so daß die Temperaturen wieder vielfach unter den Gefrierpunkt xu liegen kommen. Mit dem Auftreten vereinzelter Schneefälle ist dabei noch zu rechnen. Aussichten für Donnerstag: Reblig- bewölkt, vorübergehend auch aufklarend, Temperaturen um den Gefrierpunkt, nachts Frost, vereinzelte Schneefälle. Lufttemperaturen: Am 17. Februar, mittags, 2,7 Grad Celsius, abends 0,5 Grad Celsius: am 18. Februar: morgens — 0,4 Grad Celsius. Maximum 3.1 Grad Celsius, Minimum — 0,7 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 23/t Stunden. Riederschläge 3,6 Millimeter. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: Am 17. Februar, abends, 0,2 Grad Celsius, am 18. Februar, morgens, 0,2 Grad Celsius. Amtliche Dintersporlnachrichten. Vogelsberg, Hoherodskopf: Witterung bedeckt, — 5 Grad, 120 cm Schnee, davon 20 cm Neuschnee, Pulverschnee: Ski und Rodeln sehr gut. Augenblick dadurch in Verwirrung, daß er ihm einen angeblich von dem deutschen Botschafter in Paris v.Hoesch unterzeichneten offiziellen Ausweis vvrzeigte. Rach Rücksprache mit der deutschen Gesandtschaft im Haag ergab sich jedoch, daß die Unterschrift zwar gut nach- «ahmt war, daß das Dokument jedoch gefälscht war, da die Unterschrift „v. Hoesch" (outete, während der deutsche Botschafter in Paris stets mit seinem vollen Ra men Leo- vold v. Hoesch zu unterzeichnen pflegt. AIS die Polizei ferner bei dem angeblichen Dr. Rio detz noch zwei gefälschte Pässe und zwar «nen österreichischen und einen tschechoslowakischen vorfand, legte der Verhaftete endlich ein ^ständnis ab. Er machte der Haager Polizei sogar ein Kompliment darüber, daß ihr die Aufdeckung seines Betruges so schnell gelungen fee, während ihm angeblich die gleichen Tricks m anderen Ländern wiederholt gegluckt leien. Aus der provinualdaupistadt G i e ß e n. den 18. Februar 1931. Faschings-Ausklang. Die gegenwärtige Rotzeit kam auch im F a - schingstreiben zum Ausdruck. 3m Gegensatz ■u früheren Jahren hatte diesmal eine Anzahl Vereine auf die Veranstaltung von Maskenbällen verzichtet, die Gießener Karnevalgesellschaft trat i der Haupt nicht in Erscheinung, die Zahl der Kappenabende ging merklich zurück und auch im Stcaßenbild der beiden letzten Faschingstage war am Rosenmontag kaum etwas von Masken zu sehen, während der gestrige FaschingSdienStag ebenfalls nichts besonderes im Masken treiben brachte. 3m Stadtzentrum, besonders im Seltersweg, auf dem Kreuzplatz, in der Mausbura und auf dem Marktplatz, teilweise auch in der Schulstraße war gestern nachmittag der Verkehr sehr lebhaft, und er wuchs immer stärker an, je mehr die Zeit dem Abend entgegenging. Am Rachmittag beschränkte sich das Maskentreiben fast ausnahmslos auf die 3ugend, erst gegen Abend konnte man eine Anzahl erwachsene junge Leute kostümiert in der verschiedensten Art in froher Faschingsstim- irung den Gießener Bummel hinaus- und herab- ziehen sehen. Eine improvisierte Karnevalskapelle, deren instrumentale 11 ebercinft immun g allerdings -richt den Ansprüchen eines musikalisch auch nur einigermaßen anspruchsvollen Gehörs und noch weniger einer zünftigen Kritik entsprach, veranstaltete an mehreren Straßenecken kostenfreie Promenadenkonzerte, bei denen besonders die Pauke das beherrschende 3nstrument war. 3m adrigen sorgte diese Garde Sr. Tollität des Prin- ,z,en Karneval für musikalischen Klimbim auf der „Rennbahn" im Seltersweg, wobei sich auch noch eine andere Musikbande in edlem Wettstreite bemerkbar machte und als Umrahmung allerlei Zohlen und frohes Geschrei die Straße füllte. Auch eine Anzahl „Meistersinger" mit ihrem einzigen Text „die Bäume schlagen aus" machten der neugierigen Menge der „Zivilisten" viel Spaß. 3m übrigen gab es eine ganze Anzahl weiterer kurioser Typen zu sehen, deren Kostümierung die merkwürdigsten Gedankengänge »erriet. Die Rarrenpritsche regierte auch diesmal ! wieder in ausgiebigem Maße, dagegen war von einer Konfettischlacht, wie man sie früher erlebte, gestern kaum etwas zu bemerken. 3n der Gesamt- iteit betrachtet kann der Zeitchronist vermerken, daß die Menschenmenge in den Straßen des öffentlichen Faschingstreibens gestern mindestens 'o stark wie früher, vielleicht sogar noch etwas stärker war, daß aber die Zahl der Masken und auch die Originalität des Aufzuges gegen früher einen Rückgang aufzuweifen hatte, der weitaus größte Teil der Fafd)ingsbummler eben nur aus Zivilisten" bestand. Anläßlich des Faschingsdienstags waren die Bureaus der Stadtverwal- mng. des Kreisamts, der Provinzialdirektion, i des Landgerichts und des Amtsgerichts am Rach- inittag geschlossen, während bei den Reichsbehör- den (Finarrzamt und Versorgungsamt) und bei der Reichsbahn, sowie bei der Reichspost der üb- : liebe Werktagsdienst durch geführt wurde. Die letzten Ausklänge des Faschings spielten '* sich in der verflossenen Rächt in den Gaststätten ub. Die bekanntesten Lokale, Hotels und Cafes irn Stadtzentrum, mußten gestern schon vor 21 Uhr wegen Hebcrfüliung der Gasträume ihre Türen schließen. 3m Verlaufe der Rächt trat dann mehrfach eine „Umgruppierung" ein, nach deren Durchführung die Türen wieder geschlossen werden mußten, um eine allzu große Heber- fLllung zu verhüten. Wie man uns berichtet — aus eigener Kenntnis der Dinge können wir hier | nicht sprechen— soll der Betrieb bis in die frühen 1 Morgenstunden hinein bei Musik, Tanz und Ge- | sang sehr flott im Gange gewesen sein. Die durch das festliche Treiben erhitzten Gemüter i werden heute früh beim Heimmarsch aber schon unmittelbar nach dem Verlassen der Lokale eine gehörige Abkühlung empfangen haben, denn überraschenderweise hatte im Laufe der Rächt der Dinier wieder seinen Einzug gehalten und uns > einen sehr starken Schneefall gebracht, dessen leuchtendes Weiß vielleicht auch manchem stark verkaterten Faschingskopf die graue Farbe des Aschermittwochs etwas weniger trifte gezeigt Öabcm mag. Als erfreuliche Bilanz des Faschingstrubels vom gestrigen Tage und der letzten Rächt ist noch Die Tatsache zu registrieren, daß weder die Polizei, noch die Sanitätskolonne Anlaß zur Betätigung fand. Taten iür Donnerstag, 19. Februar Sonnenaufgang: 7.08 Uhr, Sonnenuntergang: 17.21 Uhr. — Mondaufgang: 8.03 Uhr, Mond- untergang: 1929 Uhr. 1473: der Astronom Rikolaus Kopernikus in Thom geboren. — 1731: Frau Rat Goethe in Frankfurt a. M. geboren. Preisaufgaben her Universität Gießen für das Jahr 1931/32. Von der Pressestelle der Landesuniversität wird mitgeteilt: Für das Jahr 1931/32 werden folgende Preis- a u f g a b e n gestellt: Don der Theologischen Fakultät: 1. Für den akademischen Preis: Der Bcariff „Sünde" im griechilchcn Alten Testament. (Eine Untersuchung zur Entfaltung von Frömmigkeit und Sittlichkeit im Hellenistischen Judentum.) 2. Für den Leydheckerpreis: Das neue Verständnis von Mission in der evangelischen Missionsliteratur der Nachkriegszeit. Von der Juristischen Fakultät: Die Förderung der Prozeßbejchleunigung und die Bekämpfung der Prozcßverschleppung in geschichtlicher und rechtsvergleichender Dar- stellung Von der Medizinischen Fakultät: Untersuchungen über die klinische Bedeutung der Harnsarbstoffe. Von der Veterinärmedizinischen Fakultät: Die neueren Verfahren zum Nachweis der „offenen Tuberkulose" des Rindes sollen einer vergleichenden Prüfung und kritischen Beurteilung unterzogen werden. Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in de> Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattunß werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der beschäftsstelle aut Von der Philosophischen Fakultät: 1. Aus dem Gebiet der griechischen Philologie: Sprache und Stil der Jamata von Epidauros. 2 Aus dem Gebiet der Archäologie: Welche Werke können wir auf Grund des von Amelung rekonstruierten myronischen Athleten Myron zuschreiben oder nehmen, und was ergibt sich daraus für unsere Kenntnis Myrons und der griechischen Kunst um 450 v. Ehr ? 3. Aus dem Gebiet der Alten Geschichte: Politik und Staatsgedanke in Augustus' autobiographi- schen Schriften und in der Augusteischen Dich- tung. 4. Aus dem Gebiet der Physik: Quantitative Untersuchung der Uneinheitlichkeit der Geschwin- digkeitsoerluste von Elektronenstrahlen beim Durchgang durch Materie. 5. Aus dem Gebiet der Chemie: Sind aliphatische Ketone imstande, Alikalimetalle zu addieren, d. h. Metallketyle zu bilden? Wer sich um einen Preis bewirbt, muß mindestens in einem der beiden auf die Stellung der Aufgabe folgenden Semester an der Universität Gießen immatrikuliert gewesen sein. Jede Bewerbungsschrift darf nur einen Verfasser haben. Die Bewerbungsschrift ist in der Sprache abzufassen, in der die Ausgabe gestellt ist. Auf dem Titel ist ein Kennwort anzubringen. Die Bewerbungsschrift ist vor dem 1. April 1932 einzusenden unter Beifügung eines verschlossenen, mit dem Kennwort der Arbeit versehenen Briefumschlags, der die Aufgabe des Verfassers und seine Adresse enthält. Die Sendung ist an die Fakultät zu richten. Beim Iahresfest der Universität am l.Juli 1932 verliest der Rektor die Urteile und verkündigt die Namen der preisgekrönten Bewerber. Piornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater Gießen: „Marius ahoi": von 20 bis 22.30 Ufjr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße „Der Weg nach Rio". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 llljr, als Abonnementsvorstellung für Dienstag das Volksstück „Marius ahoil" von Marcel Pagnol unter der Spielleitung von 3ntendant Dr. Prasch. — Rächste Erstaufführung am Freitag, ein Werk Molicres: „Der Misanthrop" in einer freien Bearbeitung von Walther Bäuerle, der auch die Spielleitung hat. — Der Goethe-Bund hat, wie man uns schreibt, zu seinem vierten Dichterabend den hervorragenden Dichter Edwin Erich D w i n g e r zu einer Vorlesung aus seinem großen Kriegsbuche „Zwischen Weiß und Rot" nach Gießen verpflichten können. Dwinger ist der Verfasser der Werke „Die Armee hinter Stacheldraht' und „Zwischen Weiß und Rot". Das Kriegsschicksal und Kriegserlcbnis dieses Dichters während seiner zwölfjährigen Kriegsgefangenschaft in Ruh- stand, das ihn Zeugen eines der größten und ent- fcheidungsvollsten Geschehnisses der Weltgeschichte werden ließ, steht in seiner Art einzig da. Von der auswärtigen Presse werden die Vortragsabende dieses Dichters als eines der stärksten literarischen und kulturellen Ereignisse dieses Vortragswinters bezeichnet Der Goethe-Bund wird mit dieser Veranstaltung den Gießener Literatur- freunden etwas Besonderes bieten. (Siche heutige Anzeige.) — Sie Hausfrauen-Beratung veranstaltet am morgigen Donnerstagabend im „Andres" einen Vortrag über zeitgemäße Ernährung. Vortragender ist Dr. med. Malech. Zu der Vevanstaltung haben auch Gäste Zutritt. (Siehe gestrige Anzeige.) Reste-Tage Beachten Sie bitte unsere Auslagen I 970 a SCHMUCKER von Mittwoch, den 18., bis Samstag, den 21.Febr. einschl. weit unter regulärem PreisI 1267 D 0949 Heuchelheim, den 16. Februar 1931. 1259 D Klein-Lin den, den 17. Februar 1931. 09-i kauft werden: 11680 1. Klasse 61,3 rm 1269 D barung. 19,9 7,2 Die trauernden Hinterbliebenen: Anna Marg. Jung, geb. Hofmann Familie Ludwig Hofmann. Steinbach, den 17. Februar 1931. Beerdigung: Donnerstag, den 19. Februar, nachmittags 2% Uhr. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 19. Februar, nachm. 3 Uhr statt ___________________________________________________________________________1’72 D Nutzholzsubmission. Aus den Waldungen der Gemeinde Annerod (Abt. 1, 3, 5, 8, 9, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 25 und 22) soll folgendes Nutzholz aus dem Wege schriftlichen Angebots ver- Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen sagen wir allen auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Frau Anna Feisel Wwe. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen sagen wir aut diesem Wege allen herzlichen Dank. etwa 80 qm grob, s. chriitl. 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Ich denke an Schwellungen der Deine, Krampfadern, Platt- süße, an Verlagerungen und Senkungen der inneren Organe, an die allgemein überlastete, nervöse Hausfrau. Darum verlangt gerade die heutige Seit mit ihrer wirtschaftlichen Enge: mit ihrem Mangel an häuslicher Hilfe, mit ihren WohnungS- und ErziehungSschwierigkciten der Kinder ein Mehr an körperlicher und geistiger Leistung, dem nur die gesunde, leistungsfähige Hmisfrau gewachsen sein wird. HauSfrauenver- eine und Hausfrauenzeitungen haben in letzter Zett der Gesunderhaltung der Hausfrau ihre besondere Aufmerksamkeit zugewandt. Ich erinnere an die Ausstellung des Berliner Haus- frouen-Vereins ,Hausfrau, hüte Dich", die durch die verschiedensten Städte deS Deichs gewandert ist, an die gemeinsame Arbeit von Hausfrau, Aerztin und Architektin auf diesem Gebiet, an die — größtenteils erst im Ansang stehende — wissenschaftliche Analyse der Hausfrauenarbeit. Ihre Ergebnisse, so wichtig sie sind, brauchen nicht abgewartet zu werden. Schon jetzt lassen sich wertvolle Fingerzeige gehen, die dazu dienen können, Schäden bei der Ausführung häuslicher Arbeit vorzubeugen und diese Arbeit selbst zu einer gesunden, natürlichen Leibesübung zu gestalten. SiMg« Beispiele sollen das zeigen. Don größter Wichtigkeit ist zunächst die richtige Körperhaltung. Am anstrengendsten sind langes Stehen, besonders in gebückter Haltung. Dun lassen sich aber besonders viele Tätigkeiten, die bisher aus Gewohnheit im Stehen verrichtet wurden, kräftesparender im Sitzen erledigen: so Kartoffel schälen, Gemüse putzen, aber auch Geschirr spülen und bügeln. Man versuche nur einmal durch Absägen der Tischbeine sich einen niedrigen Bügeltisch oder durch das Legen des Bügelbretts aus die etwas erhöhten Sitzflächen zweier gegeneinander gekehrter Stühle die richtige Höhe zu schaffen, und man wird sehen, welche Erleichterung das Bügeln im Sitzen bietet. Ucberhaupt ist die richtige Arbeitshöhe von großer Bedeutung. Der Waschkorb, beim Aushängen auf einen Tisch gestellt, statt aus den Fußboden, spart viel unnötiges Bücken. Das erhöhte Untergestell beim Da sch trog (meistens steht er zu niedrig) erleichtert das Waschen erheblich. Ein in der Höhe verstellbarer Küchenstuhl vermag viele Möglichkeiten für eine richtige Arbeitshöhe zu geben. Daß richtiges Gehen, richtiges Stehen (mit ausgesetztem äußeren Fuhrand und angespanntem Fußgewölbe), ja selbst richtiges Sitzen (nicht mit hohlem, sondern mit angelehntem Kreuz: nicht hart auf der Stuhlkante, sondern tief und fest auf dem Stuhl, ebenso wie richtiges Bücken, Heben und Tragen (nicht mit Bauch und Decken, sondern aus den Schultern heraus durch Muskelkraft) oft erst gelernt werden muh, will mancher Hausfrau nicht einleuchten. In vielen Köpfen spukt noch die alte überkommene Idee, daß „eine gute Hausfrau" nie müßig sein darf, keine Zeit zum Ausruhn oder Kranksein habe. Die Folge ist die immer gehetzte, über ihre Kräfte arbeitende, nervöse Frau und Mutter. Die heutige Zeit dagegen verlangt die zielsichere, disziplinierte Hausfrau, die ihren Arbeitsplan so aufzustellen vermag, daß für sie ausreichend Zeit zum Ausruhn, auch während der Tagesarbeit bleibt, am besten nach dem Mittagessen und in liegender Haltung. Auch eine genügende Dachtruhe ist zur Erhaltung der Dervenkraft nötig und einmal ■im Jahr ein längerer „Urlaub von der Wirtschaft" und, wenn es sein muß, auch von den Kindern. Dieser, zunächst so unaus ührbar scheinende Gedanke wird immer mehr als notwendig anerkannt, und die „Müttererholung" beginnt in die Praxis um gesetzt zu werden. Erhält sich so die Hausfrau einen gesunden, straffen Körper und ein richtiges Gleichmaß der Seele, so wird sie auch den mannigfachen besonderen Anforderungen, die aus ihrer Frauen- natur erwachsen — während der Periode, der Schwangerschaft, der Stil'züt und der Wechseljahre — gerüstet gegenüberstehen. Zu alledem aber braucht sie — ebenso und manchmal sogar noch mehr aber auch ihr Mann — eine innere Einstellung, die nicht in der nie rastenden, ewig abgerackerten, nervösen Haussrau die gute Hausfrau erkennt, sondern die mit vollem Bewußtsein einen neuen Typ heraus arbeitet: die gut disponierende, sich rationeller Arbeitsmethoden und Werkzeuge bedienende, gesunde, körperlich geschulte und geistig bewegliche Hausfrau der Zukunft und bald auch der Gegenwart. Teppiche reinigen. Die Farben auf stark abgelaufenen Teppichen wieder he rau szu heben, kennt die tüchtige Hausfrau verschiedene bewährte Mittel. Ein besonders wirksames — allerdings kostspieliges — Reinigungsmittel für einen Teppich, der sehr viel abgelaufen wird, ist reines Terpentin. Ein sauberes Tuch darin eingetaucht und kräftig auf dem Teppich verrieben, vermag die Farben wieder verblüffend her au szu ho len. Billiger und gleichfalls sehr gelobt ist die Deini- gung mit Sauerkraut. Einmal bei der gewöhnlichen allwöchentlichen Putzerei, bei welcher man die Teppiche nicht zum Klopfen aufheben möchte, verstreut man das rohe Kraut und verreibt es gründlich mit den Händen oder einer kleinen Bürste auf der ganzen Fläche. Ist das Kraut schwarz geworden, w kehrt man es mit dem Handbesen ab und wiederholt die Reinigung so lange, bis die Farben des Teppichs wieder frisches Aussehen erhalten. Mehr gebräuchlich ist die Reinigung durch Teeblä11er, welche, mit einem Guß Essig I angefeuchtet, ebenso auf den Teppichen verrieben I werden wie das Sauerkraut. Für die tägliche | Reinigung genügt es dann, die Teppiche ent- Das nervöse Schulkind. Einzige Kinder als Sorgenkinder. - Ursachen, Erkennung und Behandlung der kindlichen Nervosität. Von Or. meb. Gerhard Fresenius, Stabsschularzt in Berlin. Die Nervosität im Schulalter ist keine Erfindung der Schule. Sie ist nicht einmal als Neuerscheinung des Schulkindes zu bewerten. Das nervöse Schulkind war bestimmt schon vor dem Eintritt in die Schule nervös, — nur wurde es nicht eher bemerkt.: Das wird begreiflich, wenn man bedenkt, welch einschneidende Veränderungen in dem Leben des Kindes der Eintritt in die Schule mit sich bringt. Regelmäßige, an Zeit upd Stundenplan gebundene Lebensführung übt in jedem Falle, auch in der freundlichsten Schule, einen festen und zunächst ungewohnten Zwang aus. Die Ungebundenheit des Spielalters findet ein Ende. Der gelinde Zwang, der schließlich in jedem Schulsystem steckt, bedeutet auf alle Fälle eine stärkere Beanspruchung deS Nervensystems. Allerdings eine Belastung, die in der Mehrzahl ohne weiteres gut ausgenommen und vertragen wird. Nur das nervöse Schulkind - es war ja schon vorher nervös — verträgt diese Belastung nicht so gut. Was sind denn das für nervöse Kinder? In der Regel sind es einzige Kinder. Die Tatsache, daß in Deutschland die Großstädte mit überraschender Geschwindigkeit über das Zweikindersystem hinweg zum Einkindersystem übergehen ober bereits übergegangen sind, hat tiefere wirtschaftliche Gründe. Sie darf aber nicht vergessen lassen, daß die Mehrzahl der einzigen Kinder Eigentümlichkeiten aufweisen, die eben nur dem einzigen Kinde gehören. Meistens sind es eben nervöse Erscheinungen. Das einzige Kind ist vielfach nicht an den Umgang mit Altersgenossen gewöhnt. Erheblich besser weiß es mit Vater oder Mutter umzugehen. Cs ist entweder durch den Umgang mit den Eltern übermäßig verzogen, selbstsüchtig sogar, oder im Gegenteil verschüchtert und trotzig. Selbstverständlich gilt das nicht für alle einzigen Kinder. Doch vielfach ist es so, und die Nervosität des einzigen Kindes entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Fehlerziehung in der einen oder anderen Richtung. Entweder zu streng oder zu locker und nachgiebig. Jedenfalls fehlt der erzieherische Einfluß von Spielgefährten und Altersgenossen im Spielalter. Ein Manko, das noch in den ersten Jahren der Schulzeit durch einen gut geleiteten Kindergarten ausgeglichen werden kann, den das Kind in seiner freien Zeit — es hat im ersten Schuljahr genug davon -- nebenher noch aufsuchen kann. Besser ist es natürlich, wenn das einzige Kind schon vor der Schule in den Kindergarten kommt. Doch wäre es falsch, anzunehmen, daß nur einzige Kinder nervös sein können. Manche Kinder reagieren von vornherein, vielleicht auf Grund, ererbter Anlagen ober ausgeprägter Nervosität der Eltern, die sich im Umgang den Kindern überträgt, anders und lebhafter auf seelische Einflüsse. Für diese Kinder bedeutet die Schule mit ihrem mehr ober minder leichten Zwang, mit Schularbeiten und der Pflicht zur Konzentration während der Schulstunden, schon eine erhebliche, seelische Belastung. Ihre nervöse Konstitution äußert sich dabei gar nicht immer in rein nervösen Erscheinungen. Solche Kinder zeigen vielmehr ein schlechtes Aussehen und mangelhafte körperliche Entwicklung. Sie sind blaß, haben wenig Muskulatur und noch weniger Fettpolster. Die Schulterblätter stehen ab. Die Haltung ist schlaff. Der Rücken zeigt Neigung zu Rückgratverkrümmung. Diese Kinder sind entweder unter dem Durchschnitt klein, oder übertrieben in die Länge aufgeschossen, während das Körpergewicht zurückgeblieben ist. Diese Erscheinungen brauchen durchaus nicht in den ersten Schuljahren aufzutreten. Manchmal treten sie erst im Zusammenhang mit der geschlechtlichen Entwicklung auf. Immer jedoch sind sie als nervöse Erscheinungen zu werten, auch wenn sie zunächst unter dem Bilde einer Blutarmut auftauchen. Die Klagen dieser Kinder lassen diese Tatsache schon leichter erkennen. Die Kinder klagen oft über Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, schlechten Schlaf. Herzklopfen, Er- brechen, Leibschmerzen, Schwindel und sogar Ohnmacht. Die Untersuchung ergibt keinen organischen Befund. Herz und Lunge sind gewöhnlich in Ordnung. Lediglich nervöse ®e- fäßerscheinungen in Form von lebhafter Herztätigkeit, schnellem Rot- und Dlahwerden sind nachweisbar. Also auch das Anzeichen nervös gesteigerter Nerveneinwirtung. Die Behandlung des nervösen Kindes ist von Fall zu Fall verschieden. Das Elternhaus und seine Einwirkung muh dabei berücksichtigt werden, etwaige Erziehungsfehler sind abzustellen. weder mit der Handbürste abzukehren oder mit der Kehrmaschine ober dem Staubsauger zu reinigen. Sind Mefc beiden Apparate nicht vorhanden, so entstaubt man die Teppiche ebenso gründlich, wenn man die täglich gebrauchte Bürste zweimal wöchentlich mit Salmiakwasser feuchtel. Sehr irrig ist es. zu glauben, her Staubsauger ersetze alle übrige Reinigung der Teppiche vollkommen. Die elektrische Maschine erleichtert lediglich die tägliche Hausarbeit, erspart der Haussrau das mühselige Knien zur Bürstenreinigung und das häusigere Aus nehm en vor allem größerer Teppiche. Klopft man jedoch nur einmal auf täglich gelaugte Polstermöbel, so wird man erstaunt fein, wieviel Staub uns doch noch immer entgegenkommt. Und wird daran erkennen, daß es durchaus nötig ist, die Teppiche, auf welchen man täglich lebt, zumindest dreimal im Jahr gründlich auszuklopfen. Allerdings wird durch Klopfen und Bürsten allein dem Teppich ebensowenig der gesamte Staub entzogen, und hier vermag die elektrische Saugmaschine bann sehr dankenswert vervollständigend einzugreifen. Um Motten fernzuhalten, wird geraten, frisch gedrucktes Zeitungspapier jeweils unter die Teppiche zu legen. Doch ebenso wichtig ist frische Luft und Durchzug. Nur intensive Reinigung. zumal das Klopfen in frischer Luft, kann die Mottenwürmer, die eigentlichen Schädlinge, vollständig beseitigen. Wohl empsiehlt man unzählige chemische Mittel zur Mottenabwehr, das Beste aber ist Sauberkeit und Lüftung. Kaum kann man genug betonen, welch gefährlicher Krankheitsträger aller Staub ist. Und welch wichtige Dolle für die Gesundheit unserer Familie gerade das Entstauben und Deinhalten von Möbeln und Teppichen spielt. Eva. $ür die Küche. Gedämpfte Fifchkoteletten. Von ewjem Seefisch schneidet man fingerdicke Scheiben, zieht die Haut ab, spült die Stücke und salzt sie ein. Nach zwei Stunden läßt man in einem flachen Topfe etwas Fett schmelzen, streut feingewiegte Petersilie darüber und legt die Koteletten darauf. Diese bestreicht man mit ein wenig Fett, streut wieder Petersilie darüber, deckt sie zu und dämpst sie eine halbe Stunde lang. Weihkvhlgemüse. Man nimmt der Personenzahl entsprechend Weißkohl, der möglichst auch zarte, grüne Blätter hat, da das Gemüse schöner aussieht und schmackhafter ist. wenn es nicht nur von Heller Farbe ist. Die Kohlköpfe entblättert man, entfernt die dickeren Dippen, schneidet dke Blätter in halbhandgroße Stücke und überbrüht sie etwa 10 Minuten mit kochendem Wasser. Dann gießt man dicscks ab, preßt die Blätter mit dem Handballen etwas aus und schneidet sie nudelartig. Nun bereitet man aus bester Margarine, Mehl und feingeschnittener Zwiebel (zu einem mittleren Krautkopf nimmt man 50 Gramm Margarine, 50 Gramm Mehl) eine Helle Mehlschwitze, füllt sie mit Wasser oder Fleischbrühe sämig auf, würU mit Salz, Pfeffer, einer Prise Zucker, einem Löffel Essig und dämpft den Weißkohl langsam darin weich. Nach Belieben kann man auch ein wenig Kümmel und einige Löffel Sahne beigeben. Pikante Heringstunke. (Kalt und warm zu gebrauchen.) Einige Löffel feinstes Salat- oder noch besser Olivenöl läßt man gut heiß werden, gibt ebensoviel Löfsel seines Mehl und eine kleine feingeschnittene Zwiebel hinein, schwitzt beides hellgelb und gießt so viel Wasser hinzu, daß man eine dickliche Tunke hat. Dieser gibt man ckie durch ein seines Sieb gestrichene Milch von zwei Heringen, ein verkleppertes Eigelb, zwei Eßlöffel Weinessig und eine Prise Zucker bei, läßt alles zusammen einmal aufkochen und stäubt zuletzt eine Prise Pfeffer hinein. Feingehackte Petersilie sollte nicht darin schien. An Stelle der. Heringsmilch kann man feingewiegte Sardellen verwenden. Ruth Schaumann. Dichterin und Bildhauerin. Bon Elsa Dora Wolff So sonderbar ist es um die geistige Grenzsperre in unserem deutschen Vaterland bestellt, daß eine künstlerische Erscheinung in dem von Berlin beherrschten Norddeutschland fast unbekannt sein kann, die sich in der süddeutschen Welt mit dem Zentrum München unter Kennern des Echten auf dem Gebiete zweier Künste trotz ihrer Jugend schon einen Namen erworben hat. Der Grund ist klar: Duth Schaumann, die Dichterin, und Ruth Schaumann, die Bildhauerin, wurzelt ganz und gar in der Weltanschauung des Katholizismus: aber ihre Wurzeln bringen durch die oberflächliche Schicht des rein Konfessionellen so tief in den Urgrund religiösen Lebens, daß keine Grenze vor dieser Kunst bestehen sollte. Die junge Künstlerin, die 1899 als Tochter eines im Weltkriege gefallenen Offiziers in Hamburg geboren wurde, ihre Jugend tn Hagenau im Elsaß und in Uelzen verlebte und erst 1917 in München ihre Heimat fand, hat schon als Vierzehnjährige mit dichterischen Versuchen begonnen. Eine Sammlung dieser frühen Gedichte ist unter dem Titel „Sie Kathedrale" erschienen. „Der Knospengrund" zeugt von dem Wachs tun: einer großen lyrischen Kraft und einer Gestaltungsgabe, die ewig Altes in nie Dagewesenes, Neues zu wandeln vermag. Es geht nicht an, diese Gedichte mit einer literarischen Etikette zu versehen. Eie sind klassisch in der Geschlossenheit der Form, romantisch in ihrer fast mittelalterlichen Glaubensinnigkeit und volksliedhaften Schlichtheit und dabei wieder urmodern durch die expressionistische Kraft ihrer Bilder. 3m „Passiv n a l" wächst aus dem lyrischen Empfinden plastisch lebendige Gestalt, und das Lied wird zur Ballade. Gleichzeitig wie ein Oratorium und ein Zyklus von Heiligenbildern und Statuen, gruppiert um die Lebens- und Leidensgeschichte Christi, mutet euren das schmale Bändchen an. Nicht verwunderlich scheint bei dieser Art der Begabung die Wendung zur Plastik. 1918 trat Ruth Schaumann ohne Vorbereitung in die Klasse von Joseph Wacker le in die Münchener Kunst- gewerbeschule. Aus derselben Gefühlstiefe und Richtung wie die Dichtungen gehen die Plastiken hervor, und festigen sich jene zu bildhafter Form, so lösen sich diese gleichsam in Musik und rhythmische Bewegung auf. Man mag vom Standpunkt des absoluten Plastikers manches gegen diese Madonnen und Heiligen, Engel und Kinder aus Holz, Terrakotta oder Broiue einzuwenden haben, wer das Wesen von Ruth Schaumanns Kunst erfaßt, muh erkennen: diese Figuren sind nicht geschaffen nach d iesem oder jenem Formprinzip: sie sind gewachsen aus einem Geist, der naiv und notwendig die ihm gemäße Form fand. Es drängt sich hier unwillkürlich die 10 tHorbbeutidier Llovb.....8 flllnemelne SeutichedtebUanfL 10 Barmer Bantverein 10 Berliner Hanbelogeleisschasi 12 tioinmerj- unb Privat»Lank. 11 Datmslabi?t unb Rarionalbant 12 Teuiiche Cant unb TisconioGeleUichasi, ... 10 Dresdner Bant......1° Reichsbau!........12 4.4.®..........6 Bergmann.........9 .Helft LielerungSgelelllchast. 10 Uichi unb fltoft ..... 10 ,"reiten & Guilleaume . . . 7y, ®l-leliidiatt für EleUriiche Uniernebmungen .... 10 Hamburger Cleftruttdü-ffierfe 10 i.b>inl'che Sieliri;ttär .... 9 2 R iederkleen, 17. Febr. Am Montag feierten die Eheleute Johannes und Katharine Messerschmidt das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar steht im 74., seine Ehefrau im 67. Lebensjahr. • Odenhausen, 17. Febr. Der Krieger- und Schützenverein hielt am Samstag einen Familienabend bei Gastwirt Karber ab. Der Vorsitzende begrüßte zunächst die Mitglieder und Gaste unb gedachte der im Felde gefallenen Krieger. Sodann hielt Schriftsteller Wilhelm Reuter aus Dornholzhausen einen Vortrag über den Zustand der Schlachtfelder in Frankreich und über die deutschen Kriegergräber im Feindesland. Der Redner, der die französischen Schlachtfelder schon zweimal bereiste, wußte fesselnd zu erzählen und erntete starken Veifall. Eine Anzahl Lichtbilder von den Schützengräben und den Kriegergräbern ergänzte den Vortrag. Eine Sammlung zum Besten der Fürsorge für die Pflege der Kriegergräber ergab einen ansehnlichen Betrag. Buntes Allerlei. 48 Stunden unter dem Eifenbahnzug. Frankreich wird von vielen Arbeitslosen aus denl Osten Europas als das „gelobte Land" angesehen, in dem man sein gutes Fortkommen findet. Diesem Glauben huldigte auch ein junger Pole, der kürzlich an der Grenze verhaftet wurde. Man fand ihn, vor Hunger und Müdigkeit mehr tot als lebendig unter einem Eisenbahnwagen dritter Klasse hängend zu Jeumont, der Grenzstation für die aus Deutschland und Belgien kommenden Züge. Obwohl der „blinde Passagier", der auf so unbequeme Weise gereist war, sein Ziel, nämlich Paris, nicht erreichte, war er doch glücklich, verhaftet zu werden, denn seine Kleider waren zerrissen und starrten von Schmutz, und er erklärte in gebrochenem Deutsch, daß er die Fahrt nicht länger ausgehalten hätte. Er war von Warschau aus 48 Stunden auf diese Weise gereist, in der Hoffnung, in Frankreich sein Glück zu machen, da er in Polen weder Arbeit noch Nahrung finden konnte. Frankreich dürfte die Hoffnungen des Ausreißers nicht nach seinem Wunsche erfüllen. Man wird ihm wahrscheinlich den Eintritt in die Fremdenlegion anbieten, und wenn er sich weigert, sich diesem nicht gerade wünschenswerten Schicksal auszuliefern, wird er abgeschoben werden. Das Ende der Brabanter Sardellen. Feinschmecker werden wohl in Kürze auf eine geschätzte Delikatesse verzichten müssen. In der Zuidersee in Holland wird von altersher ein ergiebiger Sardellenfang betrieben, und von dort aus wandern die meisten Sardellen in die Küchen der Welt. Zwar kennt man auch an der spanischen Küste Fangstätten, aber Feinschmecker schätzen nun einmal besonders die Fänge der Zuidersee. Die Zuidersee, dieses Keine Binnenmeer, wird von den Holländern durch einen Damm vom Meere abgesperrt, der wesentliche Teil dieses Dammes soll im Jahre 1931 vollendet sein. Mit der Abtrennung dieses Sees vom Meere wird rasch der Salzgehalt des Wassers abnehmen, und dann verzichten die Sardellenschwärme auf dieses Gewässer als Laichstätte. Es muh also damit gerechnet werden, daß die Sardellengewinnung ganz rasch zurückgehen wird. Voraussichtlich wird damit der Preis für echte niederländische Sardellen erheblich steigen, weil nur noch der Fang an der Maasmündung bleibt, der bedeutend kleiner ist als der in der Zuidersee. Immerhin kann es möglich sein, daß sich dieser Fang vergrößern wird, wenn die Fischmengen, die bisher die Zuidersee aufsuchten, sich auch nach der Maas ziehen, sobald ihre alte Laichstätte zu einem Süh- wassersee geworden ist. (Schluß des redaktionellen Teils.) Die Motoren-Werke Mannheim, A.-G., vorm. Benz Abt. stationärer Motorenbau, Mannheim, zeigen ihre Dieselmotoren. Cs sind, teilweise im Betrieb zu sehen: ein schnellaufender MWM PATENT BENZ Sechszylinder-Dieselmotor neuester Bauart 200 PS als Antriebsmaschine für Triebwagen, Lokomotiven, schnellfahrende Bovte oder als Reserve-Kraftmaschine für Elek- trizitäts- und Wasserwerke usw., sowie ein weiterer Schnelläufer als „Fahrzeug-Diesel" mit einer normalen Leistung von 68 PS, in' erster Linie zum Einbau in Lastkraftwagen, Lokomotiven und Boote geeignet, sowie ein Zweitakt-Diesel-' motor mit einem Dynamo als Lichtaggregat. Bemerkenswert ist noch ein Schifssmotor, direkt umsteuerbar, sowie stationäre Motoren mit 27 bzw. 140 PS ausgestattet, mit der bewährten MWM- PATENT-BENZ-Borkammer.1027_V_ - . . a schmerzlindernd fl,unb belebend bei Rheuma, gSchla», ■ ™ 5tzopf<, Nerve», unb Erkältung«. 68%u .schmerzen, Ermüdung u. Strapazen. 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