Mtag, 17. Juli 1951
181. Jahrgang
Ur. 165 Erster Matt
GietzenerAMger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Krantfutt am Main 11686
Große Ministerkonferenz in London.
Macdonalds Besuch in Berlin verschoben. - Reichskanzler und Außenminister fahren heute abend zu Vorbesprechungen nach Paris. - Am Montag Zusammenkunft der Minister in London. - Auch Amerika und Italien werden vertreten sein.
Die Einladung.
Macdonald wird auf der Konferenz den Vorsitz führen.
London, 16. Juli. (ZU.) fturi noch Mitternacht gab bas Auhcnarnt folgende Erklärung heraus: „Vie englische Regierung ist der Ansicht, daß es fehl notwendig ist, die TNinisterkonserenz unmittelbar elnzuberusen, die vorgesehen war, als die Einladungen zur Tagung des Sachoerständigenausschusses ergingen. Es ist wünschenswert, dah die Ministerkonferenz sich a m 2U o n l a g , den 20. Juli um 18 Uhr, in London versammelt. Der Besuch des Ministerpräsidenten Macdonald und des Außenministers Henderson in Berlin, der für Freitag vorgesehen war, ist mit Rücksicht auf die Ministerkonferenz bis auf weiteres oct- schoben worden.
Die Vorbereitungen für die Konferenz sind schon zietnlich west fortgeschritten. An der Konseren; nehmen teil die Vertreter Deutschlands, Groh- britanniens, Frankreichs, Jtaliens, Belgiens, Japans und der vereinigten Staaten. Vie britische Delegation wird aus dem Premierminister TNacdonald, dem Schohkanzler Snowden und Auhcnminister Henderson bestehen. Ulan erwartet, daß Rlacdonald auf der Konferenz den Vorsitz führen wird. Der Charakter der Konferenz wird als wirtschaftlich und finanziell bezeichnet. Der Zweck ist, der deutschen Krise zu begegnen und ihre Ausbreitung auf andere Länder zu verhindern. Die internationale Sachverständigenkonferenz tritt, wie vorgesehen, Freitag um 11 Uhr in whitehall zusammen. Sie Ist jedoch naturgemäß durch die so kur; daraus folgende Rlinisierkonseren; ihrer Bedeutung beraubt worden. Rian erwartet daher, datz die Sachverständigen ihre Arbeit beginnen und sich bann ; u r verfüg u n g der Minister ihrer Länder halten werden. Die volle Delegiertenliste liegt noch nicht vor. Ls verlautet jedoch, dah Grand! der Hauptvertreter Jtaliens auf der TNinisterkonserenz fein wird. Die erste Annahme der Einladungen zur TNinisterkonserenz ist heute noch mittags eingegangen. Sie kam von Japan. Die Einladung ist weiter schon von Belgien, Jtalien und den Bereinigten Staaten angenommen worden.
Wie die Londoner Konferenz zustande kam.
Laval forderte Vorbesprechungen mit Deutschland in Paris.
London. 17. Juli. (WTB. Funkspruch.) Lieber die Vorgeschichte der Ginberufung einer Ministerkonferenz nach London weih ein französischer Korrespondent deS „Daily Telegraph" au# Paris sorgende Einzelheiten zu berichten: Ministerpräsident Laval hatte sich dem britischen Vorschlag, am Montag eine internationale Konserenz in London abzuhalten, widersetzt. Während der Nacht zum Donnerstag aber erhielt Henderson aus London beunruhigende Meldungen über die Folgen, die eine Verschlimmerung der deutschen Krisi« aus di« ausländischen Märkte haben könnte, ilm Mitternacht teilte Henderson dem Ministerpräsidenten Laval telephonisch mit, dah Macdo - nald sich auherstande gesehen habe, die Einladung zur Londoner Ministerkonferenz auszuschieben. und auf eigene Derantwor- lung gehandelt habe. Gestern vormittag folgte dann eine zweistündige Konferenz im Arbeitszimmer Lavals im Innenministerium. Der Ministerpräsident erklärte sich grundsätzlich m i t einer internationalen Konferenz einverstanden, aber nur unter der Bedingung. dah die deutschen Minister erst nach Paris kämen und dah mit ihnen eine grundsätzliche Vereinbarung über den Plan finanziellen Beistandes, den die französische Negierung entworfen habe, erreicht werde. Infolgedessen wird zunächst eine Vorkonferenz zwischen den französischen und den deutschen Ministern in Paris abgehalten werden.
Die Franzosen sind gerüstet.
Finanzielle (Garantien und Maßnahmen für eine politische vcruhigung.
Paris. 16. Juli. (WTB.) Lieber den Ministerrat. der heute nachmittag unter Vorsitz des Präsidenten der Republik im Glysee stattfand. wird folgendes Kommunique abgegeben:
Der Ministerrat hat die durch die deutsche Währungskrise in Guropa geschaffene Lage geprüft. Ministerpräsident Laval erstattete Bericht über die Llnterredungen, di« zwischen der französischen Regierung und den Staatssekretären Stimson und Henderson stattgefunden haben. Ruhenminister B r i a n d gab Kenntnis von der bevorstehenden Reise des Reichskanzlers Dr. Brüning und des
Reichsauhenministers Dr. Gurtius nach Paris. Rach der Llnterredung, die die Vertreter der deutschen Regierung und die der französischen Regierung haben werden, werden bereits am Samstag in Paris Besprechungen zwischen sämtlichen anwesenden Re- gierungsvertretern beginnen. Der Ministerrat hat die Aktionsmittel geprüft, für die Frankreich die Initiative ergreifen würde und die geeignet wären, in Guropa den Kredit und das Vertrauen wiederherzuste.len. Der Ministerrat bat bi« finanziellen Garanti enund d i e Mahnahmen für eine politische Beruhigung untersucht, die diese Aktionsmittel werden begleiten müssen.
Stimson vertritt Amerika.
Vermittler zwischen Berlin und Paris.
Washington, 16. Juli. (WTB.) Staatssekretär Stimson hatte heute eine telephonische Llnterredung mit Präsident Hoover, in deren Verlauf er angewiesen wurde, der am Montag in London beginnenden internationalen Konferenz als offizieller Vertreter der Regierung der Vereinigten Staaten beizuwohnen. Präsident Hoover soll
Berlin, 16. Juli. (OB.) wie wir erfahren, sieht fest, bah Reichskanzler Dr. Brüning und ReichLauhenrninisler Dr. Gurtius am Frei- tagabenb noch Paris fahren werden. Sie werben begleitet fein von dem Staatssekretär im Reichsfinanzministerium Dr. Schäffer, dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt Dr. von B ü - low, dem Vortragenden Legationsrot Dr. Reine- beck und den Legationsräten Graf Sorma und Baron von plefsen, die im Auswärtigen Amt als Referenten für Frankreich und England tätig find. Außerdem wird der TUinifterialbircftor Graf Schwerin van Krosigk vom Reichsfinanzministerium, der bekanntlich zu der Sochoer- ständigenkonferenz über die Durchführung des hoover-planes nach London gereift ist, von dort nach Paris herüberkommen. Die Herren werben am Samstagnachmittag in Paris eintreffen, und die Besprechungen dürften sich über den ganzen Sonntag erstrecken.
Am IHonlagoormittag erfolgt bann die Reife nach Landon, fo dah die deutschen Staatsmänner in der englischen Hauptstadt rechtzeitig zu der grohen Begierungsfonferen; eintreffen. Die Vorau ssehung für diese Konferenz ist natürlich, dah in Paris bereits eine grunb-
London, 17. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der französische Vorschlag finanziellen Beiftanbes für Deutschland, den der französische Ministerpräsident Laval heute zu veröffentlichen gedenkt, soll — wie ein französischer Korrespondent des „Daily Telegraph" aus Paris meldet — darauf hinausloufen, dah die Bank von Frankreich, die Bonk von England und die Bundesrefervebonk Deutschland einen kurzfristigen Kredit von 2 Milliarden gewähren würde, der allmählich durch eine Anleihe in gleicher höhe erseht werden solle, die Amerika, Frankreich, England, Jtalien und Belgien garantieren würden. Diese An- leihe soll in 1 0 Jahren zurückgezahlt wer- den. Als Gegenleistung für diesen Beistand würden von Deutschland weitgeh ende finanzielle Garantien verlangt werden.
Die Anregung einer Anleihe von 2 Milliarden Mark soll von Finanzminister F l a n d i n stammen. Line solche Anleihe würbe natürlich einige Rückwirkung auf bic geplante öfterrei- chifch-deutfchc Zollunion haben. Die Franzosen fasten zwei Möglichkeiten ins Auge: Entweder würde die Anleihe an Deutschland direkt gewährt werden, oder durch Vermittlung einer Zentralbank wie ;. B. der Bank von England erfolgen. Jm letzten Falle wurde die Jlotroen- bigfeit einer Einberufung des französischen Parlaments umgangen werden. was die Frage der Garantien betrifft, fo wird etwas undeutlich von einem „politischen Moratorium" gesprochen, bas Deutschland ohne Verletzung seiner würde unterschreiben könnte. Ferner sogt der Korrespondent, die Schritte der deutschen Regierung und der Reichsbank hätten in Paris
auch den Schatzarnissekrelär Mellon, der gegenwärtig in Gap Ferrot weilt, beauftragt haben, an der Konferenz in London t e i lzu ne h men.
Als Zweck der Konferenz wurde dem Vertreter deS WTB. von hoher Regierungsseite in Washington bezeichnet: Fonmllierung eines sorgfältig überlegten, auf lange Sicht berechneten Planes zur Llnterstützung Deutschlands auf breitmöglich st er Grundlage sowie Beilegung der Differenzen zwischen Berlin und Paris, welche die tatkräftige internationale Zusammenarbeit bisher erschwerten. Gs handele sich um eine Rotkonferenz zur Bekämpfung eines RotzustandeS und Stimson werde sich an der Diskussion ebenso beteiligen wie die Mitglieder des Dölkerbundsrates bei ihren regelmäßigen Genfer Sitzungen. Ratürlich werde er jedoch keinerlei politische Bindungen eingeben; er werde vielmehr in freundschaftlichem Geiste zwischen Deutschland und Frankreich zu vermitteln suchen, denn beste "Drehungen zwischen Berlin und Paris seien Vorbedingung füf eine Rothilfe, die die deutschen Finanzen auf eine wirklich lebensfähige Basis stelle. Amerika erhoffe von der Londoner Konferenz eine wesentliche und erkennbare Besserung der politischen sowohl wie der wirtschaftlichen Lage.
fähliche be u t s ch - s r a n z ö s i s che Annähe- rung und Verständigung erfolgt. Sie gilt aber als wahrscheinlich, weil kaum anzunehmen ist, dah der Kanzler und der Reichsauhenminisler die pariser Reise antreten würden, wenn nicht Grund zu der Annahme vorläge, dah die Franzosen zum Entgegenkommen bereit sind. Jn der Tat werden in Berliner Kreisen die Aussichten dieser Besprechungen recht zuversichtlich beurteilt Jn Poris hat man nach den-gestrigen Vorgängen an der dortigen Börse wohl cingesehen, dah auch Frankreich auf die Dauer von den Schwierigkeiten, unter denen Deutschland leidet, nicht unberührt bleiben kann.
wie lange die Londoner Konferenz dauert, läht sich nicht sagen. Schon aus dem grohen Fragenkomplex, der dabei behandelt werden soll, läht sich schließen, dah die Konferenz eine ganze Reihe von Tagen in Anspruch nehmen wird. Ls ist fraglich, ob d e r K a n ; I e r s e l b st bis zum Schluh drüben bleiben wird. Jn unterrichteten Kreisen hält man es für durchaus möglich, dah et angesichts der ganzen Lage nach einigen Tagen wieder nach Berlin zurückkehrt und die Leitung der weiteren Verhandlungen dem Auhenminister überläht.
einen ausgejei ch n eten Eindruck gemacht und würden als Merkmal einer veränderten Haltung und als Beweis der Aufrichtigkeit betrachtet.
Die politischen Bedingungen.
Gegenseitige Zusicherung des Status quo?
Paris, 17. Juli. (WTB. Funkspruch.) „Pettt Parifien" will berichten können, dah der französische Finanzplan nach Genehmigung durch den Ministerrat und nach vorheriger Vereinbarung mit den britischen und amerikanischen Linierhändlern bereits Berlin mit geteilt worden sei. Der Plan sehe eine finanzielle Hilfeleistung für Deutschland in Form von weitgehenden Krediten der Zentralbanken und einer großen internationalen Anleihe vor. Hiermit käme auch eine finanzielle Kontrolle in Frage. Als Gegenleistung sei eine Art politischen W a f f e n st i 11 st a n d e.s in Aussicht genommen, während besten Dauer Deutschland sich verpflichten würde, keine Probleme aufzuwerfen. die die Atmosphäre Guropas stören könnten. Andererseits würden die Deutschen eine ähnliche Versicherung seitens der Gläubiger erhalten. Der französische Plan ft eile eine Verpflichtung Deutschlands auf, das Militärbudget nicht zu erhöhen uni) ferner gewissermaßen ein politisches Moratorium auf die Dauer von zehn Jahren, in denen der Status quo streng eingehalten werden mühte. Während ..Gcho de Paris" erklärt, dah im französischen Plan die deutsch-österreichische Zollunion nicht berührt zu sein scheint, erklärt „Oeuvre", dah ausdrücklich bestimmt würde: Deutschland müsse auf den Bau des Pan - zerkreuzers B und die deutfch-öster- reichifche Zollunion verzichten.
Landnöten.
Trotz der schweren Stürme, die augenblicklich über die deutsche Finanzwirtschaft hinwegrasen, muh und wird ein Ausweg auS dieser verzweifelten Situation gefunden werden. Für jeden einzelnen gilt es aber, den Kopf nicht zu verlieren, damit der Schaden nicht noch vergröbert wird. Man soll sich immer wieder vor Augen halten, dah die deutsche Industrie i n ihrem Kern gesund ist und sie sich auch in Zukunft trotz aller Schwierigkeiten durchringen wird. Diese Ansicht kann auch wieder durch einige Berichte aus den letzten Tagen belegt werden. So muh der Quartalsbericht der IG. - Farbenindustrie, der größten deutschen Aktiengesellschaft, im Hinblick auf die konjunkturelle Gnttoidlung als recht befriedigend angesprochen werden. Gs scheint dem Konzern möglich gewesen zu fein, Rückgänge auf einzelnen Gebieten durch günstigere Resultate auf anderen Produktionsgebieten auszugleichen. Gin Sorgenkind bleibt vor allen Dingen das D ü n y e - mittelgefchäft, das im letzten Düngeiahr einen empfindlichen Rückschlag erlitten hat. Dazu kommt noch, dah die vor einiger Zeit gescheiterten internationalen Kartellverhandlungen neue Unruhe in dieses Marktgebiet getragen haben, so dah nur zu hosten bleibt, dah die neuen Verhandlungen zu einem günstigen Resultat führen. Die Hauptstütze für den Farbentrust ist gegenwärtig wohl das Zarbengeschäft. Auch da« Kunstseidengefchäft hat durch die Derständigusg am deutschen Kunstfeidenmarkt eine Belebung erfahren. Besonders erfreulich aber ist es im gegenwärtigen Zeitpunkt, dah die finanzielle Lage des Konzerns günstig ist und Einerlei Bank- Verpflichtungen bestehen.
Mit Befriedigung konnte man auch die Gr- fiärungen der LI f a über das letzte Geschäftsjahr ausnehmen, der es möglich war, erstmals wieder eine Dividende herauszuwirtschaften und die Liquidität auherordentlich zu steigern. Darin allein kommt schon der Grsolg, den di« deutsche Tonfilmindustrie im letzten Jahre gehabt hat. zum Ausdruck. Die bisherige Vormachtstellung Amerikas auf dem Filmgebiet scheint endgültig vorbei zu fein. Don großer Bedeutung ist auch die in den letzten Tagen abgeschlofsene Interessengemeinschaft zwischen dem Deutschen Lichtfpielfyndikat und der SüD- film-AG. weil dadurch innerhalb der deutschen Filmindustrie ein neuer schlagkräftiger Block geschaffen wurde, der durch Konsolidierung und Konzentration der Verleihbetriebe und sonstige Zusammenarbeit auch seine finanziellen Grgeo- niffc verbessern kann. Trotz der unglaublichsten Schwierigkeiten, mit denen die deutsche Wirtschaft zu kämpfen hat. find also immer wieder aufbauende Kräfte am Werke, fo dah zu hoffen ist. dah auch die gegenwärtige Finanzielle in gemeinsamer Abwehr, wenn auch unter schweren Opfern, überwunden werden kann.
Tie aus der Inflationszeit sattsam befannten Devisenschleichhändler sind in Berlin und anderen Grohstädten wieder aufgetaucht. Sie sind in jenen Gegenden beobachtet worden, dte namentlich in der Rachkriegszeit die Quartiere von Giementen wurden, die den Währungsverfall benutzten. um sich mühelos irdische Schätze anzuhäufen. So mancher von ihiren hat es verstanden, in die deutsche Wirtschaft einzudringen, aber mancher ist auch wieder unter skandalösen Umständen von der Bildfläche verschwunden. Diese Herrschasten glauben, dah ihr Weizen wieder zu Müßen beginnt. Sie benutzen die begreifliche Rervo- fität dec Bürger, um ausländische Roten mit ganz erheblichen Aufschlägen an den Mann zu bringen. Man darf hoffen, dah das deutsche Volk diesmal klüger ist und jeden der Devisenfchleichhändler sofort beim Kragen nimmt und z ur P olizei schleppt. Gs find auch bereits scharfe Ausnahmeverordnungen erlassen worden, die nicht nur eine Bestrafung dieser Hyänen des Schlachtfeldes, sondern. soweit sie Ausländer finb, auch ihre unverzügliche Abschiebung über die Grenze vorsehen. Gs wäre erwünscht, toenn die Polizei gleichzeitig auch ihre Aufmerksamkeit auf die p o- litischenWanderredner lenken würde, die ebenfalls in die Grscheinung getreten find und die Ansammlungen vor den Sparkassen benutzen, um die Mißstimmung zu steigern und die Massen aufzuwiegeln. Wir haben es fast ausschließlich hier mit Kommunisten zu tun, die gern im Trüben fischen möchten und die auch schon in verschiedenen Orten neue Unruhen angezettelt haben. Jetzt ist es nötiger denn je, scharf durchzugreifen und den politischen Freibeutern das Handwerk zu legen. Das deutsche Volk hat in den hinter uns liegenden Wochen eine Disziplin an den Tag gelegt, die ihresgleichen so leicht nicht wiederfindet und die gleichzeitig der Ausdruck des Vertrauen« zur Regierung und ihrer Maßnahmen ist. Gerade deswegen darf man doch wohl annehmen, dah es sich von den wilden Devisenhändlern, die die Konjunktur auszunuyen suchen, nicht tn8 Bockshorn jagen läßt. Schließlich soll sich aber auch der einzelne Tagen, dah es völlig zwecklos ist, ausländische Roten zu erwerben. Gr muh dafür einen ganz erheblichen Ausschlag zahlen, außerdem
Oer Weg über Paris.
Reichskanzler und Außenminister haben eine Vorbesprechung mit Laval.
Oer französische Finanzplan.
Ein Zwei-Milliardenkredit für Deutschland auf zehn Jahre gegen ein apolitisches Moratorium".
Kapitalismus und Krisis.
Eine Erklärung deutscher Wirtschaftsführer
Berlin, 16.Juli. (TU.) Der Reichsoer- band der Deutschen Industrie und die Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände veröffentlichen folgende Erklärung: „Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands hat den jetzigen Augenblick höchster Not von Volk und Wirtschaft zum Anlaß genommen, in einem Aufruf „An das deutsche Volk" gehässige Angriff e gegen die deutschen Unternehmer und die jetzige Wirtschaftsordnung zu richten. Der Angriff geht fehl. Wir arbeiten in Deutschland in einer durch politische Eingriffe verfälschten und in ihrem inneren Ausgleich gehemmten kapitalistischen Wirtschaftsform, die zudem die zerstörenden Folgen der Reparationspolitik zu ertragen hat. Seit langem haben der Reichsoerband der Deutschen Industrie und die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände vergebens warnend die Folgen dieser Störungen für den Ertrag der deut- scken Wirtschaft und damit die Beschäftigung und den Verdien st der deutschen Arbeiter vorausgesagt. Den öffentlichen Streit hierüber lehnen wir jetzt ab. Wir überlassen es dem deutschen Volke, das Urteil über diejenigen zu fällen, die in der Zeit größter gemeinsamer Gefahr parteipolitische und agitatorische Bedürfnisse über die vaterländische Pflicht einmüti- gen Zusammenstehens unseres ganzen Volkes zur Ueberwindung der augenblicklichen Erschütterung stellen und die durch das Aufreißen innerer Gegensätze die Vertrauenskrise verschärfen, deren Beseitigung für alle Verantwortungsbewußten das Gebot der Stunde sein muß."
Hugenberg zur Krisis.
Berlin, 16. Juli. (Sil.) Der ,.T a g" veröffentlicht einen ..Die Krise" überschriebenen Artikel des deutschnationalen Parteiführers Dr. Hugenberg. Es heißt darin u. a.: In einem Augenblick, in dem die Herzen überall im Lande zittern, muh ich einige Worte des Glaubens und der Zuversicht sprechen. Es ist nicht Matthäi am Letzten, nicht der Weltuntergang und Jüngstes Gericht, sondern ein Schimmer von Auferstehung des Volkes. Jetzt ist nur das gekommen, was wir immer und immer wieder als unvermeidlich hingestellt haben, die Krise. Das ist die Schuld der Sozialdemokratie und ihrer Mitläufer, das ist die Schuld 'der zaudernden Regierung. Aber die Krise an sich war, nach allem was voraus- gegangen ist, nicht zu vermeiden. Wir haben gewarnt vor dem Poungplan. Wir haben verlangt, dah auf die Doungplankrise vorbereite t würde: jedesmal hat man uns verlacht oder als Landesverräter bezeichnet. In diesem Augenblick sollten wir den Kopf nicht verlieren unö den Mut. Warum denn? Es hat sich die Entwicklung so vollzogen, wie sie als ein mache-
befinden wir uns doch in einer Periode der Geld- T Verknappung, die den Devisenbesitzer über kurz oder lang zwingt, seine ausländischen Roten wieder abzustohen, was dann aber nur unter erheblichenVerlusten vor sich gehen wird.
Stimmungsumschwung auf der pariser Börse.
Paris, 16. Juli. (WTD.) In seinem heutigen Börsenbericht schreibt der Temps u. a.: Während der ganzen Dauer der heutigen Börse ist die Tendenz nicht einen Augenblick ernsthaft geschwächt gewesen, und während gestern die letzten Kurse die niedrigsten des ganzen Tages waren, waren die heutigen Schluh- kurse ungefähr die höchsten. Aus welchem Grunde diese brüske Verbesserung der Börse? Gewiß, die finanzielle Krise in Deutschland dauert an, und man sieht noch nicht im geringsten entscheidende Lösungen, um sie zu überwinden. Aber auf dem Markt hat man dos Gefühl, daß eine Entspannung erfolgt ist, und schon sieht die Börse die Möglichkeit einer wirkungsvollen Besserung. Ein ziemlich günstiger Eindruck ist durch die gestrigen Besprechungen erzielt worden, die Henderson in Paris hatte, weiter durch die Tatsache, daß diese Besprechungen heute mit Staatssekretär Stimson fortgesetzt worden sind. Das Gerücht vom Besuch des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers und die einschneidenden Maßnahmen, die das Reichskabinett und die Reichsbank getroffen haben, haben ebenfalls einen günstigen Einfluß ausgeübt.
Auch die Londoner City ist zuversichtlich.
Wo die pariser Konferenz staWnden wird.
Das französische Außenministerium am Quan d'Orsay in Paris.
Oben links: Reichskanzler Dr. Brüning, unten rechts: Der französische Ministerpräsident Laval.
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Oie Golddeckung der Reichsbank.
Professor Cassel über den „Aberglauben der Golddeckung"".
Befriedigung über die deutschen Finanz- matznahmen.
London,' 16. Juli. (WTD.) Die Stimmung der Londoner City ist heute wie umgewandelt. Die Berliner Rachrichten über die energischen Maßnahmen der Reichsregierung und der Reichsbank sowie über den ruhigen Verlauf des ersten Tages, an dem die Danken ihre Kassenräume wieder geöffnet hatten, haben die über allen Märkten schwebenden Wolken merklich zerstreut, und allgemein sieht man der Entwicklung der Ereignisse in den nächsten Tagen mit großer Zuversicht entgegen. Man glaubt nunmehr, daß Deutschland gezeigt hat, dah e s alles Menschenmögliche zu tun bereit ist, um fein Haus in Ordnung zu bringen und den Weg für eine großzügige internationale Aktion zu ebnen. Hinsichtlich des Ergebnisses der Besprechungen der führenden Staatsmänner hört man infolgedessen optimistische Prognosen. Die Fortsetzung derErholung derReichs- m a r k kann als Beweis dafür gelten, dah man hier die akute Krise für überwunden hält. Ein weiterer günstiger Faktor war, dah das Pfund Sterling den meisten anderen Devisen gegenüber wieder erheblich an Boden gewann.
Immerhin haben die gestrigen Kreditabzüge für Rechnung ausländischer Banken der Dank von England heute weitere 5 Millionen Pfund an Goldabgängen gekostet. Die Goldverluste der letzten Tage werden jedoch in hiesigen Finanz- und Wirtschaftskreisen mit großer Ruhe beobachtet. Die Tatsache, daß London wieder einmal die Rolle des Weltbankiers in kritischer Zeit spielt, ohne auch nur zu einer Erhöhung des Diskontsatzes schreiten zu müssen, wird all- gemein mit Genugtuung herv orgeho - e n. An der Effektenbörse herrschte von Anbeginn festere Stimmung, wofür zunächst die i festeren Reuhorker Schlußkurse verantwortlich waren. Deutsche Anleihen erfuhren eine 7 kräftige Erholung. Gerüchtweise verlautet, dah die Londoner Akzepthäuser heute beschlossen haben, deuffchen Firmen gewährte Akzeptkredite zu prolongieren.
pariser Echo.
Zwei Stimmen der Vernunft.
Paris, 16. Juli. (WTD. Funkspruch.) Die Tatsache, dah sich auf Einladung der französischen Regierung Reichskanzler Dr. Drüning und Reichsauhenminister Curtius nach Paris begeben werden, wird von der H a v a s-Agentur als Zeichen dafür gedeutet, dah die internationale Solidarität sich immer stärker durchsetze. In der Auslassung heiht es weiter, es sei nützlich, die Wichtigkeit der Tatsache zu unterstreichen, dah zum ersten Male seit langen Jahren die Vereinigten Staaten offiziell an Verhandlungen teilnehmen, die in erster Linie Europa interessieren. „Petit Journal", das Blatt Loucheurs, schreibt: Der Beschluß der Reichsregierung bedeutet einen Umschwung der deu t s ch en P o l i t i k, der geeignet ist, eine Lage günstig zu beeinflussen, die äußerst gefährlich war. Dr. Brüning und Dr. Curtius haben die Rettungsaussichten ergriffen. Das Der- trauensproblem muß von den Rationen Europas in einem europäischen Geist in Angriff genommen werden. Es seht außerdem die Mitwirkung Amerikas und eine weitgehende internationale Zusammenarbeit voraus. „La Republique", das Organ Daladiers, schreibt: Morgen wird im Mysee die erste Sitzung des Verwaltungsrates Europas abgehalten. Wir können uns nur darüber freuen, dah Dr. Brüning und Dr. Curttus hierher kommen und wir bedauern lediglich, dah ein derartiger Beschluß unter dem Zwange der Ereignisse getroffen worden ist. Aber es ist weder Ort noch Zeit, Vorwürfe zu machen. Jetzt muh man handeln, und zwar schnell. Das Blatt spricht im übrigen den Gedanken aus, daß Frank» reich die finanzielle Lage Deutschlands nicht ausbeuten dürfe, um den finanziellen Imperialismus spielen zu lassen. Es dürfe auch nicht den Fehler begehen, politische Garantien zu fordern. Denn was würden Llnterschriften gel- wn, fragt das Blatt, die man unter der Drohung des Zusammenbruchs erhalten hatte?
Oer Reichstag wird nicht einberufen.
Berlin, 17. Juli. (CRD.) In der heuttgen Sitzung des Aeltestenrates des Reichstags, um 11 Uhr vormittags beginnt, werden auch die Sozialdemokraten gegen die Ein- berufung des Reichstages stimmen, so da eine Mehrheit gegen die Einberufung sicher
Stockholm, 16. Juli. (Sil.) In einem Leitartikel der „Svenska Dagbladet", überschrieben „Gold und Aberglaube", wendet Professor Cassel seine bekannte Theorie von der Goldverknappung auf die deuffche Finanzkrise an. Diese sei, führt Cassel aus, das beste Beispiel für die Folge der plumpen Versuche, durch die Gesetzgebung eine so empfindliche Sache, wie die Regulierung des Goldwertes, anzugreifen.' „Dadurch, daß man für die deutsche Reichsbank eine Mindestreserve in Gold und gewissen ausländischen Wechseln in Höhe von 40 v. H. des Rotenumlaufes feststellte, hat man eine entsprechende Menge Gold immobilisiert. Als im Juni besonders große Ansprüche auf ausländische Valuten entstanden, konnte die Reichsbank anfangs diese Ansprüche mit Hilfe von ausländischen Valuten und Goldabgaben befriedigen. Als aber die Ansprüche gegen Ende des Monats unter dem Druck von Frankreichs unvernünftiger Verzögerung der Anerkennung des Hooverplanes weiterhin stiegen, sank die Golddeckung der Reichsbank auf 40 v. H. Die ganze Welt zitterte vor dieser Ziffer.
Ein vernünftiger Mensch könnte diese Angst ziemlich unnötig finden, da die deutsche Reichsbank an diesem Tage einen Goldv orrcr t (einschließlich auslänÄscher Wechsel) von nicht weniger als 17 21 Millionen Mark besah. Aber diese Reserve durfte nicht angewandt werden. Die Südseewilden hätten kaum eine abergläubischere Hochachtung vor dem, was man nicht berühren darf, zeigen dürfen, als die hochzivilisierte westländische Welt vor einer gesetzlich festgelegten Goldreserve. Wenn eine Zentralbank sich dieser Grenze nähert, wird man von Llnruhe ergriffen. Die ausländischen Kredite werden zurückgezogen, und die Ansprüche an ausländischen Zahlungsmitteln steigen enorm. Die gesetzlich fest gelegte Grenze ist also die direkte LIrsache zu einer Panik, die das Gold aus dem Lande treibt. Im vorliegenden Falle hatte die Gesetzgebung zwar die Möglichkeit gelassen, die 40 v. H.-Grenze zu u n » terschreiten. Ein solcher Schritt wäre jedoch als etwas so Llngewohnliches und Llnruhe Erweckendes angesehen worden, dah die Reichsbank so lange wie möglich davon Ab st and nahm. Den letzten Meldungen zufolge hat die Reichsregierung beschlossen, die Deckungsgrenze von 40 auf 30 v. Sy herabzusehen. Diese Maßnahme ist sehr geeignet. Aber es wäre beffer gewesen, wenn man noch gründlicher zu Werke gegangen wäre." Cassel betont zum wchluh, dah es zur Wiederherstellung der Weltwirtschaft zu allererst nötig sei, in allen Ländern Ddie Gesetzesbestimmung über die Mindeftgold- deckung abzuschaffen. Me Golddeckung sei nur Aberglaube.
ist. Lieber die Aenderung der Rotver- o r d n u n g vom 6. Juni sollen in den nächsten Tagen Verhandlungen geführt werden, von denen man in parlamentarischen Kreisen annimmt, daß sie zu einer Verständigung zwischen der Regierung und den Parteien führen werden.
Schacht hat das Kabinett beraten.
Gegen eine Staatskontrolle der Privatwirtschaft.
Berlin .17. Juli. (TU.) Gin Redaktionsmit- glied der „DAZ" hatte Gelegenheit, den früheren Reichsbankpräsidenten D.'. Schacht über seine Rolle in den letzten Tagen zu befragen. Schacht erklärte dabei, er sei am letzten Sonntag vom Kanzler gebeten worden, als Sachverständiger an einer K a bin e t t s b e r at un g teil- zunehmen, in der die Rotverordnung über die Garantie für die Danatbank verhandelt wurde. An weiteren Kabinettsberatungen habe er nicht teilgenommen. Das Amt eines Währungs- vder Devisenkommissars sei ihm niemals angeboten worden. Rach seiner Auffassung fei der gegebene Währungs- und Devifenkommifsar der R e i ch s bankpräfident. Da ihm ein solches Amt nicht angeboten worden fei, habe er auch keine Veranlaffung gehabt, irgendwelcheBedingun- gen zu nennen. Aus die Frage, ob er es für möglich halte, daß beabsichtigt sei, einen Staats- fon troHeur für Zweige der Privatwirtschaft zu ernennen, sagte Schacht, ihm sei über solche Absichten nichts bekannt. Sollte dieses Vorhaben bestehen, so würde er es für den Anfang vom Ende der privaten Initiative in der deutschen Wirtschaft halten. Er habe in der fortschreitenden Sozialisierung und Staatsbureau- fratifierung unter der bisherigen Politik stets den Hauptgrund dafür erblickt, daß die deutsche Wirtschaft nicht mehr imstande sei, die Elastizität aufzubringen, die für die Aufrechterhaltung geordneter Finanz- und Wirt- schaftsvevhältniffe die unerläßliche Voraussetzung bilde. Hierin liege auch eine Erklärung für die Schwier'gkei eu der Dana bank. Sine olch? A sicht würde für den Kredit der deutschen Wirtschaft im maßgebenden Ausland keine Erleichterung bedeuten. Wenn wir eines Kontrolleurs bedürften, so müsse es einer f ür die ö f f en t liche Hand und ihrer Unternehmungen fein. Diese Krise könne bei verständiger Führung in absehbarer Zeit überwunden werden. Auf die Frage, ob er die beratende Tätigkeit für das Reichskabinett fort- setzen würde, erwiderte Schacht, er habe das feste Vertrauen, daß dem Reichskanzler Brüning die vorstehenden Gedankengänge durchaus gegenwärtig sind. Dor dem Verantwortungsgefühl und der ernsten Sachlichkeit des Kanzlers hege er größte Achtung. Das sei alles, was er zu der Frage sagen könne.
matischeS Gesetz seit Jahren vor unseren Augen lag. Cs ist gekommen, was durch die Schuld der Sozialdemokratie kommen muhte. Jetzt ist die Voraussetzung zur Wendung da. Run fommf die große und schwere Arbeit des Wiederaufbaues. Das Werk dieser Wendung vermögen nur die nationalen Kräfte zu vollbringen, nur Köpfe, die gegen den Marxismus Bausteine neuen wirtschaftlichen Wiederaufbaues aufrichten können. So sage ich heute mit derselben Art, mit der die Rechte seinerzeit den Voungplan beurteilt hat, die Wendung zum Besseren ist bei der heutigen Geistesbeschaffenheit des deutschen Volkes einfach eine psychologische Tatsache.
Oie Volkskonservaiiven stehen zu Brüning.
Berlin, 16. Juli. (Sil.) Die Reichsführung des Christlichsozialen Dolksdienstes hat angeregt, durch Besprechung zwischen den Parteien die politischen Kräfte des deutschen Volkes zu gemeinsamem außenpolitischen Einsatz zusammenzusassen. Der Führerring der Volkskonservativen Vereinigung bat in seiner Sitzung zu Potsdam am 14. Juli ü. I. folgendes beschlossen:
„Die Freiheit nach außen und eine kraftvolle Führung im Innern kann nur' aus wehr- bereit e.m Opferwillen er-täiB&ft werden. Dieser Aufgabe ist das verbrauchte System parteipolitischer Koalitionen nicht gewachsen. Echter Staatswille erwächst nur aus dem verantwortungsvollen Enffchluh des schöpferischen Staatsmannes. Deshalben erachten es die Konservativen als ihre Pflicht, Hindenburg und Brüning für den Kampf um die Freiheit eine opferbereite Gefolgschaft z u schaffen. Die Reichsleitung des Christlichsozialen Volksdienstes ist in diesem Sinne benachrichtigt worden."
Scharfe Maßnahmen gegen den Oevisenschleichhandel.
Berlin, 16. Juli. (TU.) Der Polizeipräsident teilt mit: Auf Grund der Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten vorn 15. Juli 1931 über den Verkehr mit ausländischen Zahlungsmitteln und der Notverordnung über die Veröffentlichung von Kursen ist beim Polizeipräsidium ein Sonderdezer- n a t gebildet worden, dessen Leitung Kriminalrat Vorwerk übernommen hat. Dieses Sonderdezernat ist mit der Aufgabe betraut, Verstöße gegen die genannten Verordnungen mit allen verfügbaren Mitteln zu unterbinden. In Verfolgung von Straftaten, die. sich gegen die genannten Verordnungen richten, wird der Polizeipräsident die Beschuldigten umgehend dem Schnellrichter vorführen lassen. Ausländer, die sich eines Verstoßes gegen die in Frage kommenden Verordnungen schuldig machen, werden unnachsichtig in Zwangshaft genommen, ausgewiesen und zwangsweise über die Grenze abgeschoben.
Vor weiteren Maßnahmen im Zahlungsverkehr.
Berlin, 16. Juli. (CRB.) Der Re para-' tivnsausschuß des Reichskabinetts tagte auch heute nachmittag und heute abend, ohne daß allerdings neue Beschlüsse gefaßt worden sind. Man hat sich vör allem mit dem Problem der Bekämpfung der Kapitalflucht be- schäftigt. In politischen Kreisen hatte man erwartet, dah hierzu heute abend eine Rotver- Ordnung herauskommen würde. Sie ist aber heute nicht mehr zu erwarten. In den nächsten Tagen wird das Kabinett eine weitere Verordnung beraten, durch die die Bank - undZah- lungsverhältnisse für die nächste Woche geregelt werden.
Schwere Ausschreitungen in Gelsenkirchen.
Es werden Barrikaden gebaut und Lebensmittelgeschäfte geplündert.
Gelsenkirchen, 17. Juli. (WTB. 1 Llhr nachts.) Rachdem es am Mittwochabend bereits im Viertel der Olga-, Bismarck-, Grabenftrahe zu größeren Ausschreitungen gekommen war, wobei beiderseits einige hundert Schüsse gewechselt wurden, kam es a m Donnerstagabend gegen 11 ilfjr zu aber- ma'igen Ausschreitungen in dem gleichen Stadtteil. Don vielen Demonstranten wurden plötzlich sämtliche Laternen ausgelöscht und viele zertrümmert, so dah der Stadtteil vollkommen im Dunkel lag. Die Straßenbahn muhte in diesen Strahen den Verkehr einstellen. Das S t r a h e n p f l.a st e r wurde aufgerissen und das Material zu Barrikaden verwandt. Die Polizei, die von etwa zwanzig Stellen- alarmiert worden war, fanden den Strahen die Lebensmittel-, Fleischwaren- und Gemüseläden ausgeplündert vor. Die Fensterscheiben waren eingeschlagen. Der sofort eingesetzte Großalarm machte die gesamte Schupo mobil. Die Ausschreitungen dauerten um 2 LIhr früh noch an. Llm diese Stunde setzte ein neuerliches starkes Feuergefecht ein, und zwar in der Hohenzollernstrahe, gegenüber der Olga-, Bismarck-, und Grabenstraße. Das ganze Viertel war um diese Zeit um st e l l t. Der ganze Stadtteil liegt in völligem Dunksl. Die Polizei wird erst bei Tagesbeginn die Säuberung des abgeriegelten Viertels vornehmen. Der Verkehr wird umgeleitet. Insgesamt wurden 30 Geschäfte ausgeplündert. Es handelt sich um die größten Lebensmittel-, Fleisch-, Gemüse- und Rauchwarengeschäfte dieses Viertels.
Llnruhen auch in Koblenz.
Koblenz, 16. Juli. (WSR.) Mittwoch- und Donnerstagabend versuchten Kommunisten in der Castorstraße eine Demonstration. Sie rissen das Strahenpslaster auf, zertrümmerten die Straßenlaternen und empfinge n das anrückende Polizeikommando mit Steinwürfen und zahlreichen Schüssen, die aber niemand von den Beamten verletzten. Die Polizei erwiderte das Feuer. Ob von den Demonstranten jemand getroffen wurde, steht zur Zeit noch nicht fest. Eine Bereitschaft der Polizei hat die ganze Castorstraße abgeriegelt und wird während der Rächt eine strenge Durchsuchung der in Frage kommenden Häuser vornehmen.
Kleine politische Nachrichten.
Der kommunistische Reichstagsabgeordnete A. K r z i k a l l a aus Laurahütte, der bet Ausschreitungen fest genommen wurde, ist vom Schnellrichter wegen Vergehens gegen dis Rotverordnung des Reichspräsidenten vom 2H. März 1931 fünf Monaten Gefäng*
Nis verurteilt worden. Die Verurteilung erfolgte, weil Äraifofio, trotzdem er vom Oberbürgermeister die Mitteilung erhalten hatte, daß öffentlichen Umzüge und -Versammlungen verboten seien, gestern abend versucht hatte, auf dem Hauptmarkt eine Ansprache zu halten.
Degen Vergehen- gegen die Notverordnung de- Neich-präsidenten vom 28. März 1931 wurde heute der kommunistische LandtagSabgeordneie Vöning, Heidelberg, vom Schnellrichter zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Vöning hatte trotz Verbot- einen kommunistischen Umzug angeführt.
Der „Angriff" ist wegen de- in seiner Donner-tägabend-Au-gabe gebrachten Artikels Gegcn NSDAP. und Stahlhelm", in dem eine Verächtlichmachung der Rclchsrcgicrung erblickt wird. aufachtTageverbvten worden.
Aus aller Welt.
Ein falsche» Signal.
Auf der Londoner Dürfe entstand durch die auf der Aurstafel bekannt gegebene Erhöhung des Diskontsätze - der Dank von England von 2,50 auf 4 Prozent furchtbare Aufregung. Auch die Provinzbörsen und ausländischen Plätze wurden engagiert, wie e- sich aber bald herau-stelltc - di« Nachricht wurde gleich widerrufen lag der Dorsal! einer technischen Eigenwilligkeit de- elektri» schenKurSanzeiger- zugrunde. Auf Grund der offiziellen Aufklärung, daß der Diskontsatz unverändert geblieben sei und seine Erhöhung wirklich nur ein im wahrsten Sinne deS Wortes falsche- Signal darstelle, trat wieder fühlbare Erleichterung ein.
Mord.
In der Daldkantine ,Lum wilden Mann- in Leipzig-Leutzsch wurde der Gastwirt Richard Sachse von drei jungen Burschen niedergeschossen. Die Täter ergriffen die Flucht und entkamen unerkannt. Sachse wurde mit schweren Schuhverletzungen nach dem Krankenhaus oerbracht, wo er g e st o r b e n ist. Die Streife nach den Tätern blieb erfolglos.
Schwere» Einsturzunglück In Bubapeff.
In der St. Ladislausaasse an der Peripherie der Stadt ist da» Gerüst eine» oter(torfigen Neubaues aus bisher unbekannter Ursache plötzlich zusammengestürzt. Eine Mauer stürzte dabei ein. Bisher wurden ein Toter und elf Verletzte unter den Trümmern gefunden. Man Der» mutet noch weitere Tote, und auch die Zahl der Verletzten dürfte sich noch höher stellen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
•® i c 6 e n, den 17.3ufl 1931.
Selbstvertrauen!
ES ist eine alte Erfahrung: Wenn man etwas besonder- gut machen will, wird e- besonders schlecht. Man gibt sich die redlichste Mühe, man nimmt sich in jeder Hinsicht zusammen, um in« Aufgabe, an deren vorzüglicher Erfüllung einem gelegen ist. auch recht gut zu lösen: aber man fommt nicht nur langsam vorwärts, sondern wenn man sich das Ergebnis seiner Mühe betrachtet, ist man im höchsten Maste unzufrieden damit.
Einem jungen Manne habe ich eine Aufgabe übertragen, deren Erfüllung ihm dazu verhelfen soll, eine für ihn günstige Stellung zu erlangen. 3d) kenne seine Fähigkeiten genau, ich weist, daß er ein gewandter, ein sicherer Arbeiter, ein selbständiger Denker, ein origineller Kopf ist. Er ist selbstsicher, zuverlässig, ist klug und hat sich in der Welt umgeschen. Die ihm übertragene Aufgabe ist auch nicht besonders schwierig gewesen. wenngleich sie einige Fähigkeiten besonderer Art forderte. Dast dieser junge Mann seine Aufgabe spielend und vorttefflich lösen würde, stand bei mir fest.
Und nun bekam ich seine Arbeit zur Degut- achtung vorgelegt. Fast nicht- von meinen Erwartungen war erfüllt. Dies« Arbeit hätte ebenso gut ein anderer. T-Beliebiger machen können. 3n keinem Zuge etwas Desonderes. 3m Gegenteil: Mancher Zug an dieser Arbeit bewies, dah er so lange an ihr herumgebastelt hatte, bis alle Originalität, alle-, was wertvoll an ihr gewesen wäre, ausgemerzt war. Was übrig geblieben war. stellte eine Durchschnittsleistung dar, ja. eher etwas weniger.
Und ich denke an ein Erlebnis auS der Schulzeit. Der Lehrer hatte vor der Prüfungsarbeit besonders darauf aufmerksam gemacht, dah das Ergebnis dieser Art entscheidend fern werde für die Zensuren. Also hätten wir unS zusammen- zunehmen. vorher zu wiederholen, was gelernt worden war, und im übrigen alle Sorgfalt darauf zu verwenden, dah eine saubere und gute Leistung erzielt wurde. Das Ergebnis war niederschmetternd, und der Lehrer hat eS nicht noch einmal versucht, durch besonder« Ermahnungen besonders günstige Leistungen zu erzielen. Die besten Schüler hatten sich eine Vier erobert, nur wenige kamen über di« Drei hinaus, aber ein paar Vereinzelte hatten es zur Zwei gebracht. Gerade die Schüler, die bisher versagt hatten, erfreuten sich der besten Zensuren. Allerdings waren eS auch die frechsten 3ungS unter der Dande.
Keine Zahlungsmittel Hamstern! • Bargeldloser Zahlungsverkehr.
Von der Industrie- und Handelskammer Darmstadt wird geschrieben:
Die zu einem erheblichen Teil durch sinnloses Hamstern und Zurürfhalten von Zahlungsmitteln entftanbene Geldknappheit erschwert die Abwicklung des Zahlungsverkehrs ganz austerordentlich. Pflicht jedeS ein« sichtigen und verantwortungsbewustten Menschen sollte es daher fein, seinerseits alles ju vermeiden, waS zu einer Vermehrung der Zahlungsmittel - Knappheit beitragen kann. 3m Gegenteil, jeder sollt« nach besten Kräften bestrebt fein, über die augenblirfttchen Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. Hierzu gehört einmal, dast jeder, der bare- Geld annimmt, fet eS im Geschäftsverkehr, fei es Privat,
Me Zahlungsmittel nicht länger al« unbedingt erforderlich znrürfbehält.
3eder Geschäftsmann, auch der kleinste, sollte ihm zugeflollene Zahlungsmittel unverzüglich Wieder seinem Dankinstitut zuleiten und sich bei Zahlungsverpflichtungen vorwiegend deS Heber- weisungS- und Scheckverkehrs bedienen. Dies wird ihm dadurch erleichtert, dast sowohl die Rcichs- bahn. alS auch die Deutsche Neichspost bestätigte Schecks an ihren Schaltern zur Begleichung von
Frachten, zum Einkauf von Brief-, Invaliden« und Steuermarken in Zahlung nehmen. Schliest- lich können Steuern und Abgaben jeder Art ebenfalls bargeldlos beglichen werden. gan$ ub- gesehen davon, dast für gröber« Warenlieferungen. Pachtzahlungen usw. der
bargeldlose Verkehr
ebensalls am zwerfmästigsten ist. Wenn jeder ruhig und vernünftig Denkende diese Wege, die eine Inanspruchnahme der Zahlungsmittel selbst vermeiden, beschreitet, wird hoffentlich auch bei denjenigen, die sinnlos Zahlungsmittel gehamstert haben, die Vernunft wieder «inkehren und auch ein ängstliches Gemüt seinen Plan, etwa bei Danken oder Sparkassen bestehende Guthaben demnächst doch abzuheben, fallen lallen. Selbstverständliche Voraussetzung ist eS, dast jeder, der (ich des Scheck- oder bargeldlosen Verkehr- bei seinen Zahlungen bedient, auch seinerseits
Scherf- und bargeldlose Zahlungsmittel bereitwilligst in Zahlung
nimmt. Nur durch Zusammenarbeit aller besonnenen Kräfte und Aufklärung der Heber» ängstlichen von Mund zu Ohr wird die rascheste Heberwindung der vorhandenen Zahlungsmittelknappheit ermöglicht werden.
Hnd hier lag deS Rätsel- Lösung. Weil sie frech genug waren, sich einen Pfifferling um die Ermahnungen des Lehrers zu kümmern, hatten sie klaren Kopf und ruhig Dlut bewahrt und die verhältnismäßig leichte Ausgabe trotz geringerer Fähigkeiten gut bewältigt. Den andern aber, die trie Ermahnung sehr ernst nahmen, war infolge der Gewissenhaftigkeit fast jeder Gedanke aus dem Gehirn verdrängt worden.
Ruhig Dlut! Das ist zum größten Teil daS Geheimnis des Erfolges im Leben. Der Nervöse, der Aengstliche wird es nie zu etwa- Rechtem bringen, mag er noch so begabt sein. Der andere mit der weit geringeren Degabung, der zur rechten Zeit feine kaltschnäuzige Heberlegung ins Treffen führt, geht als Sieger hervor.
Wenn man aber etwa sagt, das sei gar kein brennendes Problem, so irrt man sich gewaltig. Es ist heute so aktuell wie jemals und wird es immer sein. Wie viel tüchtige Begabungen hätten sich mit Erfolg für hohe Menschheitsziele cin- fetjen können, wenn ihnen nicht der Dämon der eigenen Aengstlichkeit und Minderwertigkeit entgegengearbeitet hätte. Zweifellos hätte die Menschheit manchen Hrnweg erspart, wenn sie gerade diese Begabungen erkannt und gewürdigt hätte, statt dast sie, wie es meist geschah, nur die Schwäher heranzog. die mit großen Worten aufwarten konnten, deren Hrsprung einem ziemlich leeren Kopf zu verdanken war. -t.
Wie soll man Obst essen?
Don den verschiedensten Seiten wird eifrig dafür geworben. Obst möglichst frisch und nicht gekocht ober geschmort, oder sonst mit Feuer zubereitet zu geniesten. Anderseits wird mit Eintritt der Obstzeit auch wieder darauf hingewiesen, dah rohes Obst oft zu Magenverstim- mungen, oder noch ernsteren Derdauungs- und Stoffwechselstörungen Anlast geben könne. Aengstliche Gemüter wissen sich gegenüber diesen durchaus widersprechenden Angaben und Warnungen nicht anders zu helfen, als dast sie — wenn auch ungern — auf den Genust frischen, nicht besonders zubereiteten Obstes vollkommen verzichten. Das ist aber unnütze Heberängstlichkeit. Frische- Obst müssen nur diejenigen meiden, denen es ihrer Körperverfallung wegen vom Arzte ausdrücklich verboten worden ist. Das ist glücklicherweise nur eine kleine Anzahl von Volksgenossen. Alle anderen brauchen sich den Frischobstgenuh wirklich nicht verkümmern zu lallen, wenn sie nur eine einfache, überall mögliche und durchaus nicht lästige kleine Dorsichtsmahregel anwenden. Man muh sich nämlich nur daran gewöhnen, kein ungewaschenes Obst zu essen. Einfaches Abspülen mit Wasser genügt hier schon zur Reinigung. Zu Hause und an Orten, wo Frischwaller jeder Zeit zur Verfügung steht, begegnet diese Reinigung natürlich keinerlei Hindernissen, es sei denn der nicht unberechtigte Einwand der Hausfrau, dast einmal gewaschenes Obst sich nicht so gut und so lange hält, wie ungewaschenes, und dah deshalb gewaschen auf den Tisch gebrachtes Obst auch vollständig verzehrt werden müsse. Aber dieser in Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit wurzelnden kleinen Schwierigkeit läht sich aus die einfachste Weife begegnen, ohne die Gemütlichkeit einer Tafelrunde zu beeinträchtigen. Wo Obst ungewaschen auf den Tisch gebracht wird, stelle man gleichzeitig entsprechend« Gc- fäste mit reinem Waller aus. Weitbauchige Trinkgläser ober Glasschalen sind» hier geeignet und ausreichend, dast jeder Obsteller sich unmittelbar vor dem Verzehren sein Obst selbst abspülen kann. Bei geschickter Anordnung können derarttge Epülgesähe sogar nicht unwesentlich zum Schmuck des Tisches beitragen. Auf Ausflügen aber wird sich meist ein Brunnen, ober eine Wasser zapfstelle finden taffen, die es erlaubt, daS Obst kurz vor dem Genuh abzuspülen. Auf Ausflügen ober
Reisen zum Verzehr mitgenommene# Obst kann eventuell vor der Mitnahme gewaschen und dann entsprechend verpackt werden. Erfahrungsgemäß werden nur in den aHerseltensten Fällen derartig mitgenommene Sstwaren wieder mit nach Hause gebracht, also ist di« Gefahr deS Verderbens hier nicht groß. 3m übrigen gilt — das Waschen des Obstes vor dem Genust vorausgesetzt — die alte DolkSwelSheit: „Dange machen, gilt nicht!" H. K.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Oberhessischer Geschichtsverein, 20.15 Hhr, im Hörsaal 44 des VorlcsungSacbäudcS Vortrag von Prälat D. Dr. Lieht über .Kulturgeschichtlich« Bilder aus dem Leben des Hellen-Darmstädttschen PfarrstandeS". — Lichtspielhaus, Bahnhofftrahe: .Wenn die Soldaten..
— A us dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die bekannte Schauspielerin und Tänzerin Katta Sterna wird am Dienstag, 21. 3uli, zusammen mit dem Ensemble Berliner Bühnenkünstler das breiafHge Lustspiel „Helene kann doch nicht« dafür" mit einem Tanz- Zwischenspiel und Conference von Marrah und Oesterreicher zur Aufführung bringen. Dieses Gastspiel wird als 7. Vorstellung d«S diesjährigen Sommerabonnements von der Intendanz zu gewöhnlichen Sommerpreisen veranstaltet. Sommerabonnements haben gegen Aufzahlung von 25 Pf. bzw. 50 Pf. Gültigkeit. Dorverkaufsbeginn am Montag.
•
*' Polizei - Perfvnali« *$>« ßeiter be« Polizeiamtes Gießen, Regierungsrat Wolf, ist vom Minister des Innern zum Polizeidirektor ernannt worden.
*• Laufende Beitragszahlungen zur Arbeitslosenversicherung sind notwendig: WTB. meldet: Die regelmäßig« und reibungslose Auszahlung der Arbeitslosenunterstützungen muh gerade unter den gegenwärtigen Verhältnissen unter allen Hmständen tote bisher sichergestellt bleiben. DieS ist jedoch nur möglich bei ungestörtem, laufendem Eingang der Beitragszahlungen. Auf pünktliche Zahlung der fälligen Beiträge zur Arbeitslosenverfiche- rung must daher nach wie vor größter Wert gelegt werben. Die Erfüllung dieser Pflicht ist durch di« Durchführungsverordnung über die Wiederaufnahme des Zahlungs- und Heber- weisungsverkehrs ausdrücklich ermöglicht worden.
•• WerkstudentenfürdleLandtoirt- schäft. Wie die Hessische Landwirtschaftskammer mitteilt, steht für die kommende Ernte «ine größere Zahl von Werkstudenten sowohl der Technischen Hochschule Darmstadt, wie der Landes- Hnioerfität Gießen zur Verfügung. Darunter sind sehr viele, die mit der Landarbeit vertraut! sind. Anforderungen sind entweder an die Studentische Wirtschaftshilfe, Abteilung ArbettSamt, Darmstadt, ober an das Arbeitsamt Gießen bzw. bi« Gießener Studentenhilfe zu richten.
•• Das Motorradrennen „Rund um Schotten" am nächsten Sonntag betreffen Anzeigen der Firma Germer und Wagner, sowie deS Kraftverkehrs Hoos in unserem heutigen Blatte. Interessenten feien auf die Anzeigen hingewiesen.
•• Der Obst- und Gartenbauverein Giesten veranstaltet am nächsten Sonntag eine Defuchsfahrt nach den Rosenfeldern in Steinfurth bei Bad-Nauheim. Näheres in der heutigen Anzeige.
•• Elternabende im Fröbel-Semi- n a r. Das Fröbel-Seminar des Alice-Schul- Dereins hatte, wie uns berichtet wird, in seine drei Kindergarten Gartenstrahe 30, Graben- ftrahe 11 und Dollskindergarten Walltorftrahe, sowie in seinen Mädchenhort in der Schrllerschule zu Elternabenden eingeladen. Die Veranstaltungen waren alle sehr gut besucht, ein Zeichen füt baS Interelle und di« Notwendigkeit solcher Zusammenkünfte. 3m Mittelpunkt der Abende stand ein Vortrag der Leiterin de« Fröbel-Semi- narS. Fräulein Burgheim, über da« Thema: „Wann und tote straf« ich mein Kind?" In den Au-kuhrungen wurde nachgetoiesen. dah gar manche strafbare Handlung de- Kinde- unterbleiben und vermieden werden könne, wenn md)t oft unüberlegt und unbewußt Erziehung-fehler begangen würden. H. a. machte die Vortragende darauf aufmerksam, wie durch Inkonsequenz, durch ungleichmästiae Behandlung, durch einen falschen Ton u. v. a. der Hngehorsam entsteht, so daß dadurch da- Leben der Eltern und da- des Kinde- erschwert wird. Die Hauptgründe zum Strafen wurden genannt und immer wieder narfuutoeifen versucht, dah durchaus nicht immer da- Kind für sein Tun verantwortlich gemacht werden könne. Die außerordentlich rege und recht erfreulich« Mitarbeit der Zuhörer bewie- die Richtigkeit, gerade da- Gebiet der Strafen al- Thema gewählt zu haben. Durch Gefang-vorttäge. DollS- tänze und Vorführung von Kinderbewegung-- fpielen von Schülerinnen de« Fröbel-Seminar- wurde für Abwechslung gesorgt. ES ist noch darauf hinzuweifen, daß sämtliche Kindergärten, sowie der Mädchenhort des Fröbel-SeminarS auch in den Ferien weiter geführt werden, um auf diese Weise die Mütter zu entlasten. Diese neue Einrichtung, den Betrieb in den Kinderaärten und im Hort ohne Ferienunterbrechung aufrechtzuerhalten, ist bereits von vielen Eltern dankbar begrüßt worden. Mit dem Wunsche nach einer baldigen Wiederholung der Elternabende ging man angeregt und befriedigt auseinander.
•• Hessen- ältester Lehrer geworben. Der älteste Lehrer Hessen-, Lehrer L R. PulImann. ist im Alter von 96 Jahren am Montag in Neustadt (Odenwald) verstorben und wurde dort am Mittwoch zu Grabe getragen.
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Der Voranschlag der Gemeinde Grü- ningen für Rechnungsjahr 1931 liegt vom 19. bis einschließlich 25. Juli l. I. aus unserem Büro zur Einsicht der Interessenten und Erhebung von Einwendungen offen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 4753D
Grüningen, den 16. Juli 1931.
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Staufenberg, den 16. Juli 1931.
Hessische Bürgermeisterei Staufenberg.
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Stehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Nr. 165 Swettes Blatt
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AichlZastatton, sondern Sefiation!
Don Dr. (SoreniuS, Äerlin.
Die derzeitige starke Devisennachfrage ist be. fanutlid) in erster Linie auf di« erheblichen Ät<» ditabziehungen de« Auslände» zurück- zuführen. Hier ist es vor allem Frankreich, das direkt auf dem Wege über die Schwaz und Holland einen politischen Druck auf Deutschland ausübt und in grohem Umsang zu den Devisen- ab? chungen beigetragen hat. Wie jedoch die önt- wicklung der einzelnen Devisenkurse zeigt, sind die Abzüge durchaus nicht allein auf Frankreich zu- rückzuführen, sondern, was zunächst überraschen dürfte - hat gerade Amerika schon seit April laufend in grohem Umfang Kredite au» Deutschland zurückgezogen. Ferner aber hat unzweifelhaft in den letzten Wochen in erheblichem Umfang eine Kapitalflucht ou-Deutsch- l a n d Vorgelegen. Zur Kapitalflucht rechnet k>- wohl die Legung gröberer Vermögens teile in» Ausland, sei e» nun durch Erwerb ausländischer festverzinslicher Papiere, ausländischer Aktien oder Beteiligung an ausländischen Descllfchaften. wie das Hamstern von Noten, d. h. der Verkauf von Clllart gegen den Ankauf fremder Sorten. Beide» hat in den letzten Wochen in nennenswertem Umfang Vorgelegen und beide» ist die Folge einer Wahnvorstellung, von der weite De- völwrung» kreise befallen sind. Es ist die Furcht vor einer neuenInflation. Um es gleich vorweg zu sagen, es liegt hier eine gewaltige Täuschung der Massen vor, denn in Wirklichkeit droht unS nicht die Gefahr einer Inflation Inflation heißt Kreditausweitung Hneinpumpung n uer Zahlungsmittel in den Verkehr mit dem Er'olg. daß einem vermehrten ZahlungS- mittelumlauf eine g le ichg ebliebene Gütermenge gegenüberfteht und nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage daher d i e Preise der Güter steigen müssen, oder, ander» ausgesprochen, sich der Geldwert vermindert. Nach dem herrschenden Vankgesetz ist jedoch in Deutschland eine Inflation ausgeschlossen. Vielmehr liegt die Gefahr stärksterKre- ditbeschränkung vor. d. h. eine Schmälerung deS Notenumlaufs. GS wird also einer verringerten Geldmenge eine aleichblei- bende Gütermenge gegenüber stehen und, wieder nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, ein Druck auf diePreisederGü- t c r ausgehen, sich also die Kaufkraft der Mark heben: nicht Inflation, sondern Deflation also!
Die Gerüchte über eine neue Inflation haben in breiten DevölkerungSkreisen durch den Schalterschiust der Darmstädter und Nationalbank und die Einlegung der Dankfeiertage neue Nahrung gefunden. GS hat ein Nun auf die Depositen bei den Danken und Sparkassen eingesetzt, daS Volk glaubt seine Ersparnisse gefährdet. Gin solcher Nun löst natürlich auf der anderen Seite die Notwen- digkeit au», da st die Danken ihrerseits die von ihnen anSgeliehenen Kredite mit allen Mitteln einzutreiben suchen, also Kreditkündigungen in großem Umfang vornehmen. Der Erfolg ist der, daß die Unternehmer, benen nunmehr der Dankkredit entzogen ist. sich die für Lohn- zal,langen ulw. notwendigen Mittel auf andere Art und Weife beschaffen müssen, d. h. durch Abstoßung ihrer Destände an Wertpapieren und Gütervorräten.
Die deutsche Wirtschaft ist auf einen Notenumlauf von rund 4,25 Milliarden (im Minimum) eingestellt. Wenn nun durch Entzug von Reichs- banfbemfen d.eser Notenumlauf in Verfolg der geltenden Währungsgesetze zwangsweise gedrosselt wird, so werden, vulgär ausgedrückt, Zahlungsmittel rar. Das heißt aber, daß die Kaufkraft der Zahlunsmittel steigt die Preise der Güter also sinken. Wenn mm die Reichs dank die gesetzlich vvrgeschriebene Dek - kungSgrenze des Notenumlaufs (dieser muß zu 40 Prozent durch Gold und Devisen gedeckt fein) unterschreitet, so muh sie nach § 29 des Dankgesetzes eine ft a r f e Erhöhung ihres Diskontsatzes, also eine weitere Kredit- Verteuerung, vornehmen, wie es ja soeben geschehen ist. Jede Steigerung des Diskonts bei gleichzeitiger Kreditbe'chränkung führt aber zwangsläufig zu einer Verringerung deS Notenumlaufs. Die Unternehmen können sich eben nicht durch Wechfeleinreichungen bei der NeichSbank finanzieren, sie müssen vielmehr ihre la senden-Kre. i: bdellen un sich durch Abstoßen ihrer Destände fir.a gieren. Al v n icht Kredit- auSweitung sondern eine noch nie gekannte K re d i t be ich r ä n k u n g steht uns bevor beim die nur noch geringen Devisenreserven bet Reichs bank zwingen diese zu einer tfgorofen
Krediteinschränkung, also einer starken Drosselung des Notenumlaufs.
Deutschland wird dann gezwungen sein, seine Waren um jeden Preis auf dem Weltmarkt z u verschleudern. Hierdurch wird die deutsche Klemme zu einer internationale n Klemme und das Ausland wird sehr bald einsehen. daß es gegen fein eigenes Interesse handelt, wenn es Deutschland nicht neue Kredite zur Ueberwindung der gegenwärtigen Schwierigkeiten xur Verfügung stellt. In dem Maste, wie neue Auslandkredite nach Deutsch- । land fließen, kann der Deflationsdruck gemildert | werden.
Zwischen Deutschland und Frankreich.
Sin Elsässer zu dem gleichnamigen Buch Fritz Jaffas.
Deim Lesen des Buche» „Z w i s ch e n De u t s ch- land und Frankreich" von Fritz Jasse (Verlag I. G. Lotta Nachs., Stuttgart, Preis >2 Ml. [200]) kann sich ein Elsässer wohl kaum des Gciuhlcs erwehren, das ein Kranker hat. dem ein Arzt eine genaue Definition seines Krankheitsfalles gibt.
Die auf den Tatsachen der Geschichte aufgebaute These ist trotz aller Kompliziertheit der Wechsel- sälle wohltuend klar: Politik kontra Kultur, dieses Schmerzensthema unseres Gcenzlandes hat seinen Historiker in Wackernagel gefunden, seinen Dichter in S ch i ck e l e, seinen Philosophen, wenn auch in ganz abstrakter Form, in Albert Schweitzer. Iasfö hat diese drei Eigenschaften als Mensch in sich vereinigt, und nur so war es ihm möglich, ein Werk von solchem Ausmaß und besonders von solcher Lückenlosigkeit zu schaffen.
Daß gerade ein Nichtelsäffer bestimmt war. solche Worte der Erklärung, wenn auch nicht der Klärung, aus der müden Stimmung des Elsasses herauszuholen, ist nicht überraschend, wohl aber für unseren Eigenstolz betrübend. Wir liegen im Danne der Ereignisse, mehr als wir ahnen, wir sind abgekämpfter, mehr als wir einzugestehen wagen. Im tollen Kreiselspiel verliert man den Orientierungspol. Iafsö aber behält trotz seiner großen Anteilnahme immer die Richtung Deine objektive Deobachtung läßt sich, so groß die Versuchung auch ist, nicht durch parteiische Begeisterung aus dem Gleichgewicht bringen. Daß indeh aus jedem Worte der Herzschlag eines liebenden Menschen zu vernehmen ist, dessen Vitalität eben doch Stellung nimmt und Wunsch und Sehnsucht aus so vornehme Art äußert bringt uns fein Duch menschlich nahe. Menschlich nahe ist uns Iasfö, seelen-HerzenS- verwandt. Solche Leute haben unter uns gelebt vor 1914! und damals konnte dennoch die rechte Stimmung nicht geschaffen werden. Mit Kummer benfen wir an das Kapitel der Unterlaffung»- fünben. Was würbe damals nicht alle» nicht getan! was für unmögliche Gelegenheiten find aber heule für die französische Negierung gut genug, um Propaganda zu schinden und zu beweisen. was nicht ist! Iasfö hat nyr zu recht mit seiner bitteren Feststellung, daß die deutsche Dauhütte einmal mehr versagt bat; die wohl- begründete Entschuldigung, daß Deutschland zu jung, die Zeit zu kurz, die Entwicklung zu überstürzt waren, ändert leider nichts an den Folgen, die wir heute tragen. Wir wollen uns hierbei nicht beschönigen und zugeben, daß auch von un». von unserer „noblessc", auf die sich die deutsche Regierung in Verkennung bet Sachlage stützte, nichts unterlassen wurde, der Annäherungspolitik die des Hemmschuhs entgegenzusetzen. Negierung und eingeborene Schicht der Notabein versagten, wo das Volk zäh und geradlinig um seine natürliche Entwicklung rang, die man damals noch
Am Nationalfeiertag fand in Paris eine französische Truppenparade statt, an der auch farbige Abteilungen, wie sie Frankreich während des Weltkrieges gegen Deutschland einsetzte, teilnahmen. Unser Bild zeigt eine Abteilung Singhalesen aus den französischen Kolonien in Zndo-China.
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In Köln Deutz wurde für die Erfinder des ersten Gasmotors, Nikolaus August Otto und Eugen Langen, ein Denkmal errichtet Das Denkmal trägt am Sockel die Namen der Erfinder und stellt ein Modell des 1867 erbauten Motors dar.
elsässisch nannte, die aber eine deutsche war.
Jassir hat die ganze Tragik meisterhaft behandelt. Wir wissen mit ihm, daß dieser Kon- slikt in keinem Punkte Aehnlichkeit hat mit dem „malaise“ schon vor 1870, ba» nun seit 1919 eine immer grausamere Fortsetzung nimmt. Jene Konflikte zwischen Reich und Reichsland waren M i ß- verständnisse. Mißverständnisse aber erfordern zu ihrer Deseitigung nicht, baß man sich von einander trehnt. Der „malaise" von heute aber fußt nicht auf Mißverständnissen, sondern auf den fundamentalen Unterschieden, wie sie sich eben zwischen dem engstirnigen Zentralismus der Jakobiner und dem kulturell andersartigen. föderativ denkenden Elsaß ergeben. Da muß einer weichen. Die Zeit arbeitet in der Regel für den Stärkeren, und der ist Frankreich. Ein anderer Verbündeter der jakobinischen Verflachungspolitiker ist der grenzenlose Materialismus von heute, wie er in den Bannmeilen der Fabrikschlote zur Vollblüte gebracht wird. Dieser entfernt bas Volks von seinem Feiertag, von seinem Debet, seinem Gesang, seiner Kultur, Die WiberstandSkraft nimmt ab, wie der klare Blick.
Wir sind so müde in Europa, und jeder ist so mit sich selbst beschäftigt, mit seiner eigenen kranken Haut, daß der Tob beS Nachbarn keine außergewöhnliche Gemütsbewegung hervvrrr«. Und sollten die heutigen Zustände anbauern, bann besteht die Gefahr, baß unser Volkstum trotz aller frommen Wünsche fanft entschläft.
^luch Frankreich baut auf die Iugenb ...
Einstweilen allerdings sind wir noch ba und stark genug, um zu glauben, auch waS wir nicht sehen. Wir bleiben nicht am Karfreitag fleben; noch ist Psingstgeist unter unS. Auch wir tragen wie Jaffe ein Flärnmchen auf der Stirn; au» unserem lamentablen Rahmen heraus drängt mächtig da» Lied vom geistig freien geeinigten Europa, von seiner freien Burg am Rhein, von bunt wehenden Fahnen, von Männern getragen, die die Heeresstraben entlang ziehen, die Stirn im Himmel, die Hand auf dem Herren und den Frieden auf dem Panier. DaS sind keine Fantasien, sondern bittere Notwendigkeiten.
Iassö war zu logisch in seinem Ausbau, al» daß er vor dem legendären Graben stehen geblieben wäre, der Frankreich von Deutschland
Blumenfrau.
Don Inqe Kann Banks.
-(Alle Rechte im Rowohlt-Verlag, Berlin W 50.)
Ein junger Mann aus dem Omnibus reicht mix hilfsbereit die Hand, alS ich in letzter Minute aufspringe. „Ham sich woll ins Ieschäst verspätet", meint er gutmütig. „Nee, ick vatrete bloß Muttern bei die Blumen", antworte ich mit etwas künstlichem Mut. „Da komm ick aber un koof ma een Bukett!", grinst mich bet Jüngling an.
Die wenigen Passanten auf dem Kurfürstendamm hasten um diese morgendliche Stunde alle in die Bureaus. Unter dem Torbogen des großen neuen Wäscheladens wartet „Muttern" schon mit den Blumen auf mich. Ich notiere mir die einzelnen Preise, und sie gibt mir noch allerlei gute Ratschläge. Dann überläßt sie mir, im Grunde ihres Herzens doch ein wenig mißtrauisch. ihren Stand; sie wird heute einmal einlauf en gehen und ihre kranke Tochter besuchen können.
Ich stelle das Tischchen, wie anbefohlen, unter einen Baum, nehme in jede Hand einen Eimer und laufe zur Pumpe. Es tst ein spaßiges Gefühl, mitten in Berlin den Pumpcnschwcngel zu ziehen. „Nanu", schreit da eine vergnügte Stimme plötzlich hinter mir. Ich drehe mich um. vor mir steht ein mir befreundeter Schauspieler. Sein berufsmäßig geschultes Auge hat mich trotz meiner Verkleidung erkannt, aber fein auf Improvi- fationen gefchu.ter Geist erfaßt auch sofort die Situation. Er ist in Begleitung einer Kollegin und sagt daher leutselig: „Na. Kleine, gib mir mal ein paar Rosen für die Dame." Ich darf sogar einen Zwanzigmarkschein wechseln, bekomme großzügig eine Mark Trinkgeld und buche besrie- b;gt meine erste Einnahme. Jetzt müssen die Blumen schnell ausgewickelt und sortiert toerberu Neugebündelt ordne ich sie übersichtlich in den Konservenbüchsen. Links die Dastsäden. rechts bas Seide npapier.
Da nähern sich energische Schritte. Der Schupo! Das Auge des Gesetzes hat bereits statt der alten Blumenfrau das fremde Mädchen erspäht. Streng herrscht et mich an: „Wo ist Ihr Gewerbeschein?" Ich werde nun doch etwas ängstlich. Aber er läßt mit sich reden. Die Versicherung. daß ich diesen Beruf nur heute vertretungsweise aus übe, das Zauberwort: „Ich schreibe für Zeitungen", geben mir ausnahmsweise einen Freibrief vor dem Gesetz.
Unterdessen ist eine elegante Frau _ her angetreten, mit eingekniffenem Mund wühlt sie in den Blumen. „Was darf es denn fein, meine Dame?", frage ich nachdrücklich. „Sie haben jck nichts Rechtes, nicht mal Astern haben Sie", faucht sie mich an. „Die richtige 3?it für Astern kommt ja erst", bemerke ich höflich. „Was Sie nicht jagen", knurrt sie und mit einem empörten „Dumme Göre" segelt sie davon.
Ich betrachte meine verschmähten Blumen. Iris. Wicken. Lilien. Mohn und Veilchen. Erschrocken sehe ich. daß die ungeschickten Finger der Nörglerin eine schöne Libertyrose abgebrochen haben. Ich nehme mir vor, meine Blumen in Zukunft vor den Zugriffen unentschlofsener Käufer besser zu bewachen. Verstimmt binde ich Margeriten und Kornblumen mit Skabiosen und zarten Gräsern zu bunten Sträußen zusammen. Jetzt fängt es auch noch an zu regnen.
Trotzdem belebt sich die Straße. Ich setze mich auf einen umgestülpten Eimer und lächele freundlich. Will keiner etwas kaufen —: Dte Kunden müllen ermuntert werden. — Also rufe ich lockend und unentwegt: „Prima Veilchen, der Herr!"
Endlich ersteht ein Gymnasiast für fünfzig Pfennig ein kleines Bund und läßt es hastig in seine Schulmappe verschwinden. Er hat mir Glück gebracht; eine Hausfrau wähl Margeriten. und ein fabelhafter Hispano-Suiza fährt vor. Eine alte Dame winkt mir aus dem Wagen zu. sie wünscht ein Dutzend La France-Rosen, recht knospig natürlich. Sie sucht in ihrer Handtasche nach Kleingeld. Es schien ihr fünfzehn Pfennig. Ob ich es nicht billiger machen kann. (Sonderbar, es hat sich mir an diesem Tage bestätigt: die Gröhe des Trinkgeldes scheint im genau umgekehrten Verhältnis zur Gröhe des Portemonnaies zu stehen; je reicher die Käufer waren, desto energischer versuchten sie, die Preise herunterzuhandeln.)
Das Geschäft blüht: Ein Major der Reichswehr in vollem Wichs kauft einen großen Strauß. Diefcr Glanz zieht zwei junge Mädels an, die sich kichernd einige Nelken erstehen. Eine Pensionsinhaberin kauft noch schnell ein paar Studentenblumen für den Mittagstisch. Der Japan-
Händler aus der Straße sucht sich mit Sorgsalt Feldblumen für seine chinesischen Keramiken aus. Eine zierliche Frau zupft ihren Begleiter am Aermel und bleibt stehen. Er überreicht ihr galant mehrere zartlila Iris. Gleich darauf wünscht ein junger Maler ein paar besonders schöne Exemplare davon für ein Stilleben: „Aber es darf nicht viel kosten."
Der Zeitungshändler an der Ecke bringt mir die Zeitung und benutzt die Gelegenheit zu einem kleinen Schwatz. Ihm wäre es nicht unsympathisch, wenn ich „Muttern" täglich vertreten würde. Er hält mich für ihre Nichte und fragt mich teilnehmend nach meiner bisherigen Arbeitsstelle. Ich antworte munter draus los, bin stolz, dah mir das Berlinern so gut aus dem Mund geht und der „Mann aus dem Volk" mich für seinesgleichen hält. Ein Laufbursche bittet, eine Kiste bei mir abstellen zu dürfen. Als er zurückkommt, hält er mir eine Tüte Kirschen hin: „Na. nu nehm Se man ovch wat von de Knupper." Ich greife zu mit Hunger und Rührung. Flaute ün Geschäft, allgemeine Mittagspause. Ich packe meine „Stullen" aus „Mahlzeit!" Wieder steht ein Grüner vor mir: „Ihr Kollege da drüben lagt was von unlauterem Wettbewerb, zeigen Sie doch mal Ihren Gewerbeschein!" Meine Erklärungen beruhigen zwar den Schupo, aber nicht meinen Konkurrenten von der gegenüberliegenden Ecke; und et schickt wütende Blicke zu mir herüber. Zumal wieder neue Käufer auftauchen.
Ein junger Gent will eine rote Nelke für» Knopfloch Ein paar Frauen nehmen sich Sträuße mit. Ich beobachte, daß in dieser Branche auf ein Dutzend Käuferinnen immer nur ein männlicher Käufer kommt. (Bon den vielen vorüber- flanerenben Herren, beten farbenprächtige Krawatten meine Blumen zu übertrumpfen suchen, bekomme ich leider nur Blicke zugewvrsen. Dagegen beweist ein grauer Eutaway in hellgelben Schuhen e:n so fachliches Iritcrette für meine Ware, daß es zu einem geschäftlichen Abschluß kommt. Ein Dandy mit Menjourbärtchen möchte ein Bukett für feine Dame direkt ins Hotel geschickt wissen. Es gibt doch noch Kavaliere.
Der Regen wird heftiger. Ein richtiger Wolkenbruch platscht auf das Pflaster. Kein Käufer! Die Passanten beeilen sich, unter Dach zu kommen. Ich decke rasch ein Tuch über meine Blumen und flüchte mich auch in einen schützenden Hauseingang. Ein junger Schupo, Ablösung Nr. 3, gefeilt sich mrr zu. ®r verlangt aber keinen Gewerbeschein. Er bandelt gleich mit mir an. Er macht das sehr reizend: „Ick hab' nämlich Sonntag frei", sagt er schlicht, „und noch gar feene Freundin." Ich mache ein Rendezvous mit ihm aus. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Eine Verkäuferin springt rasch vor Ladenschluß zu mir herüber und bittet mich, ihr einige billige Rosen zurückzulegen. Ich will schon den Rest Blumen zusammenpacken, da deutet ein rundlicher Neger mit seiner schwarzen Hand auf die letzten Veilchen. Ohne zu fragen, legt er mir fünf Mark dafür hin.
„Danke schön!"
Ich rechne ab.
Die Ware hat etwa 65 Mark gekostet. Ich habe über 80 Mark in der Kasse. Bilanz, so gut wie ausverkauft.
Dazu noch drei Mark Trinkgeld.
So ist es leider nicht immer. Nicht jeden Tag decken sich Einnahmen und Ausgaben. Die Blumen sind im Einkauf bereit» ziemlich teuer. Bleibt Ware übrig, so ist sie auch im günstigsten Falle am nächsten Tage nur weit unter Einkaufspreis loSzufchlagen. Der Umfah hängt von unberechenbaren Zufällen ab. Jahreszeit, Wetter und Politik beeinflussen den Straßenhandel weit mehr, als man denken sollte. Die Blumenfrau wüßte von vielen mühseligen und enttäuschenden Tagen zu erzählen. Seit fünfzehn Jahren holt sie sich jeden frühen Morgen ihre Blumen au» der großen Markthalle im Norden. Da kaufen auch die großen Luxusgeschäfte oft die einheimischen Blumen. Die Ware ist nämlich meisten» die gleiche. Der Unterschied besteht weit häufiger in Auswahl, Aufmachung und Preis, al» in der Qualität der Blumen. Der Straßen- händler kann billiger verkaufen, weil er geringere Unkosten hat; dafür verdirbt feine Ware aber auch schneller.
Seit fünfzehn Jahren steht die alte Blumenfrau täglich von 9 bis 7 Uhr an dieser Straßenkreuzung. D e Welt hat sich inzwischen um sie verändert. Nur sie ist immer dieselbe geblieben.
Mit immer freundlichem Gesicht lacht sie unter ihrer unverwüstlichen Strohschute hervor: „Was darf» denn fein, meine Dam??"
25 Schwerverletzte waren die Opfer eines eigenartigen Straßenbahnunglücks, das sich in Neuyork ereignete. Ein schwerer Wagen war aus den Schienen gesprungen und mit voller Wucht in die Schaufenster einer Drogerie gerast.
trennt Er weih, daß auch zwischen Frankreich und Deutschland mehr Mihverständnisse als Unterschiede zu beseitigen sind. Für solche Gedanken hat bei uns das Bäuerlein im letzten Weiler ein Verständnis, derweilen Binnendeutsche und Jnnerfraruosen keinen Begriff davon haben. Wir Elsässer haben ja auch, um diese Binsenwahrheit zu erfahren, genug Lehrgeld bezahlt.
Jaffe verlangt Wahrung unseres Volkstums im Rahmen Frankreichs. Das ist der einzige Schönheitsfehler an dem Buch. So etwas ist einem Elsässer zu verzeihen, denn er schützt sich dadurch vor der Polizei. Wir aber wollen mit friedlichen Mitteln das „europäische Elsaß" anstreben, das ist einfach und klar. Wie weit wir*auch kommen mögen, welches auch die Resultierende aus den tausend Einwirkungen sein möge, wir sehen keinen anderen Weg. Dieser Standpunkt Jaffös kann uns hier nur als Höflichkeitsformel dem Rachbarstaate gegenüber gelten.
Geht nicht zur See!
Der VerbandDeutscherKapitane und Schiffsoffiziere in Hamburg veröffentticht Mitteilungen über die Berufsaussichten für Seeleute. Er wendet sich besonders an die Eltern der im Herbst 1931 oder zu Ostern 1932 aus der Schule zu entlassenden Knaben und betont, daß der Kapitänsberuf überfüllt sei. Sogar an Seeleuten der Mannschaftsgrade sei ein so großer Lieberfluß vorhanden, daß gesetzlich eingerichtete seemännische Annahmestellen bereits die Annahmelisten für neu sich meldende, unbefahrene junge Leute und teilweise sogar schon für befahrene Leichtmatrosen und Matrosen geschlossen hätten. Auf seinem diesjährigen Verbandstage in Hamburg habe der Verband deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere eine Entschließung angenommen, in der er darauf Hinweise, daß die Stellungslosigkeit im seemännischen Beruf bereits katastrophHe Formen angenommen hätte. Auf Grund der Tatsache. daß für die Handelsmarine der jährliche Zustrom neuer Schiffsoffiziere von den staatlichen Seefahrtschulen in großem Umfange anhalte, Müsse damit gerechnet werden, daß die Stellungslosigkeit noch weiter erheblich zunehmen werde, zumal der Ausbau der deutschen Handelsflotte als abgeschlossen gelten könne. Der Verband warne daher alle Eltern und ihre etwa seelustigen Söhne vor der Wahl der höheren seemännischen Laufbahn in der Handelsmarine, weil für die nächsten Jahre der Bedarf an Rachwuchs gedeckt sei und aus Unterbringung weiterer Anwärter nicht gerechnet werden könne.
Oberheffen
Gtadtrats-Gitznng in Butzbach.
Pb. Butzbach, 16. Juli. In der letzten Stadtratssihung wurde die selbstschuldnerische Bürgschaft für ein Darlehen der Hessischen Landesbank an die hiesige Feldbereinigungsgesellschaft in Höhe bis ju8000 Mark übernommen.
Für die endgültigen Gemeindeumlagen für 1930 wurden die gleichen Ausschlag- sähe, wie sie für die vorläufigen festgesetzt waren, beschlossen.
Die Erhöhung der kommunalen Sondergebäude st euer für 19 31 soll auf Antrag aus Billigkeitsgründen entsprechend den vom Finanzminister für die staatliche ©on berge- bäudesteuer gegebenen Richtlinien ermäßigt oder erlassen werden, soweit nicht schon bei Feststellung der Steuer eine Berücksichtigung stattgefunden hat.
Die vom Forstamt ausgestellten Wirtschaftspläne für Stadt w a l d und Hospi- talstrauch für 1931 wurden genehmigt.
Auf eine Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion, was der Bürgermeister zu tun gedenke, um die durch den Streik der Maurer seit Freitag voriger Woche eingestellte Arbeit an den Schuponeubauten wieder in Gang zu bringen, und weiter: „Wann endlich die gefährliche Ecke bei Küchel beseitigt wird, erwiderte der Bürgermeister, daß die Stadtverwaltung sich zunächst in die Streikangelegenheit nicht einmischen könne, dies sei eine Sache zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und müsse durch den Schlichter behandelt werden, die Stadt bemühe sich jedoch darum, daß die Arbeit bald wieder ausgenommen werde. Was die Ecke Küchel betreffe, so sei der Antrag auf Einweisung nicht fristgemäß erfolgt und dadurch sei die Verzögerung erfolgt. In etwa 3 Wochen würde die Angelegenheit wohl erledigt fein.
Landkreis Gießen.
G H o lzheim 16. Juli. Die hiesige zweite und dritte Schulklasse unternahmen gestern bei günstigem Wetter ihren Iahresausslug, der die Schüler über Butzbach nach Bad-Rauheim führte. Von Bad-Rauheim aus bestieg man den Johannisberg; auf dem Heimwege wurden die „Rosenäcker" von Steinfurth mit Interesse besichtigt.
Kreis Friedberg.
WSR. Dad-R anheim, 16. Juli. Der Beethoven-Männerchor von Reu- York, der vor sechs Jahren auf seiner Deutschlandreise unsere Stadt besuchte und hier ein Konzert gab, wird auch im nächsten Jahre anläßlich des Sängerfestcs in Frankfurt a. M. wieder eine Deutschlandreise unternehmen und dabei ebenfalls Dad°Rauheim besuchen. Der Verein, der bereits 70 Jahre besteht, hat eine Anzahl von Mitgliedern hessischer Abstammung und Geburt. Der Ehrenpräsident und Vorsitzende des Reisekomitees. Philipp Lenges, ist geborener Darmstädter, der erste Vizepräsident Louis Ries stammt aus Grünberg. Die Reiseleitung liegt in den Händen der Firma William L. S t r a u ß & Sons, deren Senior-Teilhaber geborener Friedberger ist und alljährlich unser Bad besucht.
Starkenburg.
WSR. Groß-Gerau, 16. Juli. Heute mittag ereignete sich hier ein bedauerlicher Vorfall, dem leider ein Menschenleben zum Opfer fiel. An der Rebenstelle des Arbeitsamtes am Sandböhl kam es zwischen einem Äattonal- sozialisten, dem 24 Jahre alten Otto Stier, und einigen Kommunisten zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf Stier vier Schüsse abgab. Dabei wurde der 43jährige Paul Hammer aus Groß-Gerau auf der Stelle getötet, der 30jährige Hans Wehnhofer aus Duisburg schwer und der 30jährige W. Winter leicht verletzt. Wehnhöfer wurde mit einem schweren Lungenschuß, Winter mit einem Oberarmschuh ins Städtische Krankenhaus Groß-Gerau gebracht. Stter wurde sofort fest genommen.
Preußen.
Reichstagsabgeordneter Kerp f.
Berlin, 16. Juli. (WTB.) Der in weiten, landwirtschaftlichen, namentlich in genossenschaftlichen Kreisen bekannte Reichstagsabgeordnete Peter Kerp (Köln) ist heute vormittag gestorben. Kerp war Direktor des Verbandes Rheinischer landwirtschaftlicher Genossenschaften, Köln, und Generalsekretär des Rheinischen Bauernvereins.
Kreis Wetzlar.
< Wetzlar, 17. Juli. In der gestrigen Sitzung des Vorstandes und Aufsichtsrates der Vie h v e r w e r t u n g s - Genossenschaft Wetzlar wurde von 27 Bewerbern der Landwirt Heinrich Watz, Vollnkirchen, zum Geschäftsführer gewählt. Weiter wurde beschlossen, die Autotransportfahrten nach dem Frankfurter Schlachwiehmarkt und zu den Verladebahnhöfen zu vergeben. Der Geschäftsbetrieb soll ab 27. Juli ausgenommen werden.
^Münchholzhausen, 16. Juli. In der gestrigen gemeinsamen Sitzung des Gemeinderats und der größeren Kirchenvertretung wurde über den Bau des neuen Kirchturms beraten. Um eine Verbilligung des Kirchenbaues, der jetzt im Rohbau vollendet ist, herbeizuführen, hatte das provinzialkirchliche BauaMt die .Anregung gegeben, den alten Turm stehen zu lassen. Cs hat sich aber jetzt herausgestellt, daß der Bau mit dem alten niedrigen Turm ein sehr schlechtes Aussehen zeigt. Seit Wochen wurde daher in unserer Gemeinde der Plan erwogen, auch noch einen neuen Turm zu dem bereits fertiggestellten Kirchenschiff hinzuzubauen. Rur die Finanzierung bereitete bisher Schwierigkeiten. Der Gemeinderat und die größere Kirchenvertretung haben nun einstimmig den Bau des Kirchturmes beschlossen. Die Kosten werden sich auf etwa 10 000 Mk. belaufen, die von Freunden und Einwohnern als Darlehen an die Gemeinde zu einem geringen Zinsfuß gegeben werden. Mit den Dauarbeiten will man sofort beginnen.
# Groß-Rechtenbach, 16. Juli. In der gestrigen Sitzung des Gemeinderats wurde der Waldwirtschaftsplan für ba8®e- triebsjahr 1932 beraten. Der Gemeinderat stimmte dem Hauungsplan und der Rach- weisung zur Rebennutzung zu, mit der Einschränkung. daß die Durchforstung des Riederwaldschlages im Distrikt Schimeck zurückgestellt wird. Es sollen 338 Festmeter Derbholz und 950 Raummeter Reiser geschlagen werden. Mit Rücksicht auf die geringe Einnahme aus den Gemeindewäldern, die im letzten Jahre nach Abzug der Aufwendungen nur noch 10,3 v. H. betrugen, beschloß der Gemeinderat, die Ausgaben des Kul- turplanes um 25 v. H. herabzusetzen.
00 Dornholzhausen, 16. Juli. In seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der (Seme i n b er a t mit der Begutachtung der F o r ft- wirtschaftspläne für das Wirtschaftsjahr 1932. Der Hauungsplan wurde mit der Einschränkung genehmigt, daß Lohrinde im nächsten Jahre nicht geschält werden soll. Der Wald- besih der Gemeinde beläuft sich auf 151 Hektar Hochwald und 35,9 Hektar Riederwald. Die Durchforstungsfläche beträgt 15,4 Hektar. Der voraussichtliche Ertrag an Holz ist geschätzt auf 360 Festmeter Derbholz und 1700 Raummeter Reiserholz. Der Kulturplan wurde vom Gemeinderat bis auf einige Abstriche ebenfalls genehmigt.
O Riederklee n, 16. Juli. In der letzten Zeit ist sowohl in dem hiesigen, als auch- in dem benachbarten Jagdbezirk wieder Schwarzwild aufgetreten. Justizoberinspektor Vierheller, Butzbach, erlegte dieser (tage im hiesigen Gemeind ewald einen Schwarzkittel. Der Pächter des benachbarten Jagdreviers Dornholzhausen schoß einen Frischling.
Kreis Biedenkopf.
T Gladenbach, 16. Juli. Pfarrer, Lehrer und Lehrerinnen des Dekanates Gladenbach — 64 an der Zahl — hatten sich gestern in Marburg unter dem Vorsitz von Hauptlehrer Eisbein, Fellingshausen, zu einer Religionskonferenz versammelt. Professor Dr. Dell vom Pvedigetseminar Herborn hielt einen Vortrag über „Die philosophischen und weltanschaulichen
Grundlagen des Antttheismus". In den KreiS- kirchentag wurden als Vertreter der ßeljrer die Herren Arnold, Waldgirmes; Schmidt, Obereisenhausen, und Kunz, Dieteshausen. gewählt. Die nächste Tagung findet im Herbst in Gladenbach statt.
Daten für Freitag, 17. Juli.
Sonnenaufgang 4.28 Uhr, Sonnenuntergang 20.33 Uhr; — Mondaufgang 6.31 Uhr, Monduntergang 21.59 Uhr.
1787: der Industrielle Friedrich Krupp in Essen geboren; — 1860: die Schriftstellerin Clara Diebig in Trier geboren; — 1918: Erschießung des Zaren Rikolausll. in Jekaterinburg; — 1924: der italienische Politiker Riciotti Garibaldi in Rom gestorben.
10 Lektionen Fußball.
Von Otto Nerz.
In kurzen Abständen bringen wir in den nächsten Wochen die 10 Lektionen Fußball des Bundessportlehrers des Deutschen Fußballbundes, Otto Rerz, in der Annahme, das den Fußballmannschaften von Gießen und Umgegend diese Lektionen aus berufenster Feder von großem Rutzen sein können. Wir empfehlen die Artikelserie der besonderen Aufmerksamkeit der Sportler. D. Red.
I.
Meisterspiel und Meisterspieler.
An allen Sonntagen und Sommerabenden mit einigermaßen erträglichem Wetter hebt auf den Sportplätzen in Stadt und Land ein eifriger Fußballbetrieb an: die . Sieben- bis Siebzigjährigen trainieren oder veranstalten Wettspiele ... Auch bei den kleinsten Fußball-Ver- einen und zufällig zusammengestellten Fußball- Mannschaften findet man heute soviel Sport- geist und Sportfreudigkeit, daß einem das Herz auf geht. Aber mit der Technik hapert es doch meist; selbst langjährige Fußballspieler machen noch üble Anfängerfehler, weil ihnen jede theoretische Grundlage fehlt, sie knödeln drauf los wie am ersten Tag. Und doch läßt sich vielleicht in manchem kleinen Dorf, in irgendeinem bisher unbekannten Verein eine brauchbare Mannschaft zusammenstellen, wenn bewußt an der Fortbildung der einzelnen Spieler gearbeitet wird! Ich will versuchen, an dieser Stelle die Mer- notigsten Hinweise zu geben.
Heute ist keine modern spielende Mannschaft auf einen bestimmten Kampfstil eingeschworen. Das war einmal anders: früher unterschied man den schottischen Stil, das Zusammenspiel neben- und hintereinander stehender Spieler mit kurzen Stößen, vom englischen, bei dem der Ball wuchtig quer über das Feld, etwa vom Mittelstürmer oder Mittelläufer zum Linksaußen gestoßen wurde. Einige süddeutsche Mannschaften sind beim schottischen Stil geblieben; aber im allgemeinen sucht man jetzt aus beiden Stilarten das jeweils Beste heraus, selbst die englischen und schottischen Mannschaften machen es so. Also: bloß mit Wucht, Körperkraft und Schnelligkeit kann
sich eine Mannschaft heute ebensowenig durchsetzen wie mit nur eleganter, trieft ünb kombinationsreicher Spielweise. Die wahre Meisterelf muh beide Stilarten beherrschen und die rich- Hge im richtigen Moment anzuwenden verstehen.
Auch der einzelne Meisterspieler soll beide Möglichkeiten möglichst vollkommen in sich vereinen: Wucht, Schnelligkeit, Stoßkraft einerseits, feines Ballgefühl und Intelligenz andererseits. Je mehr Anlagen der Spieler von Haus aus mitbringt, desto besser ist es natürlich — aber deshalb brauchen die anderen, weniger Glücklichen nicht zu verzichten: ich habe noch keinen Spieler gekannt, dessen natürliche Anlagen ihn zum hundertprozentig idealen Spieler machten. Dem einen fehlt es an Körperkraft, wenn er auch sonst behende und gewitzt ist — er soll den Kopf nicht hängen lassen, sondern sein Training entsprechend einrichten, dann kann aus ihm noch Erstklassiges herausgeholt werden. Der andere ist breit und schwer, aber nicht flink und geistesgegenwärtig genug — auch bei ihm läßt sich meist noch viel verbessern. Rormale Leistungen kann man fast immer erreichen; und top schon eine durchschnittliche Veranlagung vorhanden ist, wird man bald zu überdurchschnittlichen Leistungen kommen können. Wie das Training eingerichtet werden soll, um Schwächen auszugleichen, werde ich noch zeigen.
Schwieriger zu korrigieren ist die geistige Veranlagung des Fußballspielers. Wenn jemand nach langer Uebung es noch nicht heraus hat, mit einem geistreichen Einfall den Gegner zu täuschen und ihn von einem bestimmten Platz weg- zulocken; wenn jemand einfach keinen Ueberblick über den Stand des Spieles gewinnen kann, sondern ständig stur auf den Ball sieht und nicht Freund noch Feind beachtet — bann nützt alles Predigen nichts. Oft handelt es sich aber um Anfängerfehler, die sich nach einiger Zeit und bei gehöriger Aufmerksamkeit legen.
Fußballspieler, die keine der angeführten Eigenschaften haben, sind verschwindend wenige. Das deutsche Spielermaterial ist im Durchschnitt so gut, daß Deutschland mit Recht Hoffnungen auf eine Spitzenstellung im internationalen Fußballsport haben darf. Freiwillig wird sich da niemand ausschließen wollen; aber vorher heißt's, noch ernsthaft an sich arbeiten, an jedem Tag und bei jeder Gelegenheit!
prominente Leichtathleten in Gießen.
10. Nationale leichtathletische Wettkämpfe der Gpielvereinignng 1900 Gießen. Glänzendes Meldeergebnis.
Arn kommenden (Sonntag veranstaltet die Spielvereinigung 1900 auf ihrem Sportplatz an der Liebigshohe die 10. Rationalen Wettkämpfe. Die Veranstaltung — die übrigens das einzige nationale Sportfest darstellt, das von einem DSD.- Verein im Bezirk Hessen-Hannover in diesem Jahre veranstaltet wird — verspricht auch diesmal wieder ein sportliches Ereignis zu werden, wie es in Gießen nicht alltäglich ist. Trotz der mancherlei Hemmungen, die heute der Deranstal- tttng eines größeren Wettbewerbs entgegenstehen, darf das Meldeergebnis als sehr gut bezeichnet werden. Die günstigen Beziehungen, die die Spielvereinigung seit Jahren zu den Vereinen der Umgebung und auch zu den größeren Vereinen in Frankfurt, Offenbach usw. unterhalten hat, dürften dafür nicht zuletzt ausschlaggebend gewesen sein. Die Meldeliste weist 25 Vereine mit insgesamt 123 Wettkämpfern auf. Folgende Vereine haben u. a. Meldungen abgegeben:
Frankfurter Sportgemeinde Eintracht Fußballsportverein Frankfurt J.-G.-Sportverein Frankfurt SC. 1880 Frankfurt
DSC. Offenbach 1899 Sportverein Wiesbaden VfB. Kurhessen 05 Marburg ATV. Marburg Casseler Turngemeinde Sportverein 06 Alsfeld Deutscher Sportverein Hannover Sportverein Hessen Frankenberg Männerturnverein Gießen ATV. Rheinfranken Gießen Deutsche Jugendkraft Gießen Dpielvereinigung 1900 Gießen usw.
Die Vereine senden nach Möglichkeit ihre stärksten Vertretungen. So wird am Sonntag die zur Zeit wohl stärkste deutsche 4xl00-Meter- Staffel der Eintracht Frankfurt (Eidracher, Mehner, Riermann, Mährlein) am Start sein. Die genannten Läufer bestreiten zugleich die 100 Meter. Reben namhaften Leichtathleten finden wir in der Hauptsache die zwei Hannoveraner Hobus und Dieckmann (Deutscher Sportverein Hannover 1878) vertreten. Hobus, der schnellste deutsche 1500-Meter-Mann, befindet sich zur Zeit in bester Form. Dieckmann, der erst bei den kürzlich abgehaltenen Rorddeutschen Leichtathletikmeisterschaften über 5000 Meter überzeugend Sieger wurde und außerdem den Deutschen Rekord über 7500 Meter hält, wird auch in Gießen seine Leistungsfähigkeit nicht unschwer unter Beweis stellen. Reben ihm werden u. a. die Gießener 1900er Gerhardt und Schaaf laufen.
Gekämpft wird in drei Leistungsklassen. An Wettbewerben sind vorgesehen in der Leistungsklasse I: 100 , 200, 400, 1500, 7500 Meter; Weitsprung, Stabhochsprung, Speerwerfen, Diskuswerfen und eine 4X100-Meter-Sto>ffel. In der
Leistungsklasse II tritt man zu 100- und 800- Meterlauf, zu Hochsprung, Kugelstoßen und Speerwerfen sowie zu einer 3X1000-Meter°Staffel an. In der Leistungsklasse III treffen sich die Leichtathleten im 100- und im lOOO/Hleter-Cauf, außerdem im Weitsprung und in der Schwedenstaffel (400, 300, 200, 100 Meter).
Während sich in der Leistungsklasse I die hervorragenden Leichtathleten dec großen Vereine ein Stelldichein geben werden, ist in den beiden anderen Leistungsklassen mit einem außerordentlich starken Aufgebot von guten Kräften der mittleren und Heineren Vereine zu rechnen, die sich einen harten Kampf liefern werden. D,ie Fülle der Meldungen in verschiedenen Konkurrenzen wird die Feststellung der Besten in Vor- und Zwischenläufen notwendig machen. Die Vorkämpfe beginnen morgens um 10.15 Uhr. Die Entscheidungen fallen nachmittags ab 15 Uhr. (Siehe die heutige Anzeige.)
Auf die einzelnen Wettbewerbe kommen wir noch zurück.
Westdeutschland
bei den Frauennieisterschasten.
Aus Grund der bei den westdeutschen Frauenmeisterschaften am letzten Wochenende in Duisburg erzielten Leistungen hckt der Derbands-Athletik- Ausschuß des Westdeutschen Spielverbandes jetzt seine Vertretung für die am 1. und 2. August stattfindenden Frauenmeisterschaften in Magdeburg wie folgt nominiert: Frl. H e u b - lein (Barmen) für Diskuswerfen und Kugelstoßen. Frl. Werkmeister (Lennep) für den 800-Meter-Lauf, Frl. Link (Siegen) für Fünfkampf und Speerwerfen, Frl. S ch l a r p (Köln) für Weitsprung und 100-Meter-Lauf, Fräulein Graul (Dortmund) für Speerwerfen und Frl. E r f I i n g (Duisburg) für 100« und 200-Meter- ßauf.
Kleinkaliber-Gchießspori der Llniversiiäi.
In den letzten Tagen wurden die Meisterschaften im Kleinkaliber-Schießsport an unserer Universität ausgetragen. Zunächst schossen die sich an diesem Sport beteiligenden Verbindungen und Freistudenten um die Universitäts- Mei st e r s ch a s t. Bedingung hierfür waren neun Schuß, je drei Schuß liegend freihändig, knieend, stehend freihändig ohne Anzeigen auf 50 Meter Entfernung auf die 12er Ringscheibe.
Das Mannschastsschiehen (vier Schützen) hatte folgendes Ergebnis:
Corps Silvania 275 R. (Mannschafts-Meisterschaft und Preis des Rektors); Burschenschaft Germania I 263 R.; Tumerschaft Hasso-Rassovia 214 R.; Corps Hafsia J41 R.; Burschenschaft Germania II 169 R.; Wingolf 159 R.
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Berliner Produktenmarkt
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der Synagoge (Südanlage). Samstag, Vorabend: 7.45 Ahr; morgen»: 830 Ahr;
; abends:
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Händen sind. t
Nachdem dies geschehen ist. werden bette Obigen — auch das unverletzteI — -ugebunden
aber auch na Bräunung de» ganzen Rßrpers bet Sonnen» Mbern verwende man dte reizmlldernde und kühlende Creme Leodor — fettfrei in roter Packung; fetthaltig in blauer Packung Tube kODfu. 1 Ml. Wirksam anterftüW durch LeodoExt.
Israelitifthe Religionsgemeinbe. Gottesdienst in ä—-»<■— 18. {Jab.
Schach-Ecke.
‘Bearbeite! von W. Orbach.
Erste Hilfe!
Wo jeder sofort zugreifen muß!
Weih.
Weih zieht und gewinnt.
Weih 7 Steine: Ka4; Lh4; Sb8; Bc3.d3. e5, g2.
Schwarz 4 Steine: Kc5; Dfl; Bc6, e6.
Weih.
Weih zieht und setzt in drei Zügen matt.
Weih 4 Steine: Kf7; DdJ; Lh2; Sh6.
Schwarz 3 Steine Ke4; Sb3, Bh4.
Eine originelle Aufgabe mit sehr hübschen Wattbildern.
Endspiel Nr. 90.
Don K. AS. Kuddel.
Schwarz, d
Die Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom Redakttonsttsch»
Neue Schottenwitze
Ollec, das Mttalied einer kleinen ‘Bribge* gesellfchaft war gestorben. Die drei trauernden Hinterbliebenen waren — wie die meisten Hoch- länder — sehr abergläubisch So meinten sie, jeder Tote müsse eine Wegzehrung mit in da» Grab bekommen.
Zwei von ihnen spendeten dem Verstorbenen je eine Pfundnote.
Der dritte aber schrieb einen Scheck von vret Pfund au#, legte ihn in den Sarg und na hm sich rechtlicherweise die zwei Pfund als Wechsel- gelb wieder heraus.
Ai-beiier-Turw und (^portbund.
Am kommenden Samstagabend wird die erste Mannschaft von (Stehen gegen cme zusammengestellte VezittSmannschaft ter Stetten .^zuckS vasse ein Freundschaftsspiel aus dem Trieb- auS tragen. Die Einheimischen werten wohl tn diesem Spiel tonangebend sein. *.
Heuchelheim I wird am SamStagabend gegen die l. Mannschaft von Grohen-Linden m Drohen- Linden zum Freundschaftsspiel antreten. 2n die- sem Kamps wird sich Großen-Lmten schr anstren- aen müsset, wenn es den Gästen eme gleichwertige Partie liefern will. .. ,
Am Sonntag wird Grohen-Dusock mit zwei Mannschaften in Srohen-Linten zu Aast sein. Im Spiel ter ersten Mannschaften »»den'sich »wel gleichwertige Gegner gegenuberstehew wahrend im Spiel ter zweiten Mannschaften den Einheimischen ein PluS zukommen dürste.
Launsbach I hat die lb.-Mannschast von Gtehen
(mit Verbandpäckchen. Taschentuch. Halstuch) und der Kranke schnell zum Arzt, möglichst zum Augenarzt, gebracht!"
Der zweite Fall, in dem sofort zuaegrlfsen werben muh. ist der Scheintod durch eiet- Irischen Schlag. Nachdem der Strom auS- geschaltet, oder der Verletzte von ter auch dem Helfer Gefahr bringenden Stelle ter Starkstromleitung entfernt ist. muh unverzüglich künstliche Atmung einsehen. Gs darf auch nicht eine Minute oder Sekunde damit gezögert werden. Also in solchem Falle nicht, tote tet Gasvergiftungen, erst die Fenster öffnen oder den Bewußtlosen transportieren oder bequemer lagern Zunge herausholen oder ähnliches, nicht erst Arzt oder sonstige Helfer benachrichtigen, nicht auf Sauerstoff- oder sonstige Wieder- telebungsapparate warten, nichts erst Sanitats- foLonne oder sonstige Transportmöglichkeiten her- teirusen. sondern ohne Verzögerung sofort mit der künstliche.! Atmung beginnen. Seitlichlegen des Kopfes verhindert das Zurückgleiten der Zunge und die Verstopfung der Atmungswege. Es ist erwiesen, dah bei elektrischem Scheintod auch nur ein kurzes Hinauszögern dieser Hilfsmaßnahmen das definitive Ableben zur Folge haben kann. Anderseits kann sofort einseyende Hilfe auch scheinbar völlig Leblose wieder zu selbständiger Atmung und Herztätigkeit bringen und damit lebensrettend wirken. Gleichzeitig sei aber darauf verwiesen, dah diese Wiederbelebungsversuche durch künstliche Atmung nötigenfalls st u nd e n la n g f origes e h t werden müssen. Es sind Falle bekannt geworden, in denen noch nach zwei und drei Stunden die ersten Anzeichen wiedererwachen- den Lebens auf traten. Selbstverständlich müssen in solchen Fällen die Heiser sich abwechseln, und es muh in der Zwischenzeit alles getan werden, um nach Möglichkeit sofort einen Arzt herbeizuholen, zumal dieser durch entsprechende Einspritzungen von herzbelebenten Mitteln die Wirkungen der künstlichen Atmung unterstützen und so den elektrischen Scheintod erfolgreich bekämpfen kann. Dr. *'*)•
Sin Schotte kaufte sich einst auf einer Wohl» täiigkeilsveranstaltung für drei Penny ein Los.
Er gewann damit den ersten Preis: ein Pony und einen leichten Wagen.
Jedermann hätte sich über daS unerwartete Glück sehr gefreut. Doch ter Schotte machte al» er den Gewinn zu sehen bekam, ein böseS Gesicht.
„Hallo, ist etwas nicht in Ordnung?" riefen die Freunde, die herbeikamen, ihm zu gratulieren.
„Jawohl. etwaS ist nicht in Ordnung", wiederholte wütend der Mann, ter für feine drei Penny Pferd und Wagen erhalten hatte, „man hat mich um dir Peitfche betrogen .
Ein Farmer aus den GrampianS fuhr mit bet Vahn in die Stadt. Mit ihm sahen noch drei, andere ..Eingeborene" im Raucherabteil.
Der Farmer nahm eine Pfeife aus ter Tasche und bat einen der Mitreisenden um Feuer.
Der bedauerte, keine Stteichhölzer bei sich zu haben.
Der zweite ebenfalls.
Auch ter dritte.
„Verdammt schäbige Gesellschaft . knurrte der Landmann ... und zog fein eigene» Feuerzeug aus ter Tasche.
Dörsengeslüster.
Ins chlechten Zeiten ist die Börse ter Herd btt tollsten Gerüchte, und zwar nicht mir tet uns. sondern auch in Amerika. Der neueste Witz aus Wallstreet über diese allzu üppige Phantast« der Börsianer lautet: „Haben Sie schon gefrört, dah Thompson eine Million Dollar in Baumwolle verdient hat?" — „3a. ich hate davon gehört, aber eS stimmt nicht ganz. ES war nicht Thompson, sondern Johnson. Es war nicht Baumwolle, c» war Kupfer. SS waren nicht eine Million. eS waren 100 000. And er hat es | nicht verdient, sondern er hat es verloren!"
Im allgemeinen wird in jedem Kursus über erste Hilfe, in jedem Buch, und auch tn den i meisten Zeitungsartikeln über dieses Thema dar- auf hingewiesen. dah man durchunsachgemäße und falsch angewandte erste Hilfeleistungen ein«n Verunglückten unter Amstanten mehr schaden, al« nutzen kann. Infolgedessen sollen Menschen, die nichts von der Sache verstehen, lieber die ■ Hände davon lallen und einen Sanitäter oder einen Menschen, ter in den Dingen der ersten Hilfe Bescheid weih, herbeiholen. Am testen ift cs sofort stets den n ä ch st e n A r z t z u benachrichtigen, oder womöglich den Verletz.en zum Arzt zu bringen.
Eine zweiter, immer wieder mit Vecht te tonte und in den Vordergrund gestellte Mahnung im Anterricht über erste Hilfe: Ruhe bewahren! Lieber ein paar Minuten lang überlegen, sich genau orientieren, was oorgefalien ist welche Körperstellen verletzt sind, wie tet Verunglückte am testen gelagert wird wie man ihm feine Schmerzen lindert, wie und wo man ihn anzufallen hat — als dah man paar gut gemeinte, ater völlig verfehlte Handgriffe ihm Schaden zufügt. Schmerzen bereitet und dadurch das Hebet verschlimmert.
Olur in zwei Ausnahmefällen gelten biete Mahnungen nicht. Zunächst bei dem nicht gerate seltenen Fall, dah Mörtel. Kalk ober Säure in bie Augen eines Menschen gespritzt sind. DieS kommt nicht nur bei Arbeitern vor. sondern leider auch nicht selten bei spielenden Kindern, die sich ter groben Gefahr in der sie schweben, natürlich ganz und gar nicht bewuht sind. Während man im au- gemeinen bei 21 u genoer le (jungen gan?> betonter# vorsichtig mit seiner wohlmeinenden Hilfe sein soll (am besten das verletzte Auge oder noch besser beite Augen einfach verbinden und damit ruhigstellen, den Kranken sofort zum A^t. oder Augenarzt bringen!), muh man bei Mörtel-, Kalk- ober Säurespritzern im Auge sofort selbst eingreifen. Diese Notwendigkeit ist dadurch be- grüntet dah Mörtel, Kall und ebenso jede saure bie zarten Gewebe des Auges sofort atzen und schwerste Zerstörungen anrichten. Daher muh mit allergrößter Beschleunigung sofort für restlose Beseitigung dieser gefährlichen Stoffe aus ten Augen gesorgt werten. Die Zentralstelle für Anfallverhütung beim Verband ter Deutschen BerusSgenollenschaften hat für derartige Anfalle im Arteitsleten kurze, präzise Richtlinien herauS- gegeten, die ohne weiteres für ten Alltag übernommen werten können:
„Das übliche Kühlen des Auges durch 2tef- kgen nasser Tücher oder Zubringen von Waller mittels der Hand ist bei derartigen Verätzungen alS durchaus schädlich streng verboten!
Es sollen dagegen die Spritzer sofort aus dem Auge entfernt werten: Irgendein Gefäh (Talle. Kanne. Flasche oder dergleichen) wird schnell gereinigt und mit sauberem Wasser gefüllt. Der Verletzte wird zu ebener Erde hingelegt. Sodann kniet ein Mitarbeiter zur Sette des Verletzten nieder und öffnet die Lidspalte des kalk-, mörtcl- oter säurehaltigen Auges in ter Weise, dah er ten Daumen ter einen Hand auf das Anterlid. ten Daumen ter anderen Hand auf das Oberlid legt und nun das Oberlid kräftig nach oben, das Anterlid träftig nach unten zieht. In das auf diese Weise geöffnete und offen zu haltende Auge gieht ein anderer Mitarbeiter aus dem inzwischen herbeigeholten Gefäh Wasser in einem dünnen Strahle aus einer Hohe von 10 bis $0 Zentimeter, und zwar so lange, bis keine Kalk-. Mörtel- oder Säureteile im 2luge mehr vor-
Alle für die Redaktton bestimmten Mitteilungen. Lösungen usw. finb zu richten an die Schachredaktion te» „Diehener Anzeiger»-.
Problem Nr. 297.
Dvn S. Herr, Wittenberg.
Schwarz.
talcr Wingo^.
®5Hcnbc*tcn Einzelergebnille waren: 3amke l.. Silvania Giehen. 146 R.; Pantnck, 2ft©$utjen- muppe I Marburg. 138 R: Möller. Elau-taler Wingolf Marburg. 137 R. ,
Es gewann somit die Akademische Derbands- meisterschaft und den vom Verband tem^tcr Kleinkaliber-Schützenvereine gegifteten Wanderpreis die Akad. Schützengruppe I Marburgsbl£ Einzelmeisterfchaft und den von ter ©teile
gestifteten Wanderpreis 3amfc I.. Sllvania Gießen.
>u Gast und wird wohl alle» hergeben müssen, wenn eine hohe Niederlage verhindert werten soll.
Giehen» 3. Mannschaft hat die 2. Mannschaft von Watzenborn auf dem Trieb zum Gegner und wird ten Gästen wohl das Rachteten geben.
Aodheim I ist in Hausen zu Gast und witt> dort quf einen gleichwertigen Gegner treffen. Lutz i bat die 1. Mannschaft von Wißmar zu Gast. Hier wird es ein ausgeglichenes Spiel gebtm, da» den Glücklicheren alS Sieger sehen wird.
TreiS ist mit zwei Mannschaften tn jungen ju Gast In beiten Spielen dürste man den Einheimischen ein Plus zusprechen Leun empfang die 1. und 2. Mannschaft von Marburg. Obwohl die Gäste die technisch Besseren sind, werden sie wohl alle» hergeben müssen, wenn sie in Leun Sieger bleiben wollen Daubringen I ist tn Saaten zu Gast und dürfte dort auf einen gte ich starken Gegner treffen. Oppenrod I empfängt nach langer Zeit zum Freundschaftsspiel die 1 Jugend vtm Wicseck. Die Gäste dürsten da» Spiel für sich entscheiden
Vorstände-Tagung.
Am kommenden Sonutagvormittag vxrten die Vorstände der Fuhballvereine und Abteilungen deS dritten Bezirke» in Giehen zusammenkommen, um über dringende Organisationsfragen zu beraten Ganz besonder» wird sich die Tagung mit der durch die Zuteilung zur KreiSklasse in ter ersten Dezirksklasse geschaffenen Lage und ter kommenden Herbstrunte in den diesjährigen verien- spielen beschäftigen
Bezirkö-Aindcrtreffen in Staufenberg.
Am Sonntag findet in Staufenberg daS diesjährige DezirkS-Kintertreffen statt. Der Vormittag ist auögefullt mit MannfchaftS kämpf en ter einzelnen Abteilungen. Aach einem Feftzug werten die Freiübungen sämtlicher Kinder, Spiele und Volkstänze ten Nachmittag ausfüllen
Kurze Sporinotizen.
Victor Linart ho'.te sich trotz seiner 43 Jahre am Sonntag in Deurne in einem Dauer- rennen über 100 Kilometer zum 13. Male hintereinander die belgische Stehermelsterschaft mit 25 Meter vor Thollembeck.
Tilden alS Profi - Weltmeister Wie nicht anders zu erwarten, holte sich der Amerikaner William Tilden aleich im ersten Jahre seiner Derufsspietertätigkeit ten Weltmeistertitel der Tennis-Profis. Tilden schlug im Finale den I Titelverteidiger Vincent Richards in drei Sätzen 7-5 6 2 6:1 nachdem dieser vorher den Tschechen Karel Kozekuh 62: 6:3, 6:4 ausgeschaltet hatte.
bis zu 10 000 Mk. in bar, darüber hinausgehente Beträge in roten Aeichsbankschecks ausgezahlt. Die Reichspost wird an dieser Regelung feftfralten und die Ansprüche des Publikums auch weiterhin voll und ohne Verzögerung befriedigen. Rur ter Aeberweisungsverkehr nach dem Auslände muh vorläufig ncch, so lange keine Kursnotterirngen an ten deutschen Börsen ftattfinten, unterbleiben.
Sine Erklärung der Treuhänder der Oanatbank.
Berlin, 15. Iuli. (WTB.) Die Geschäfte ter Darmstädter und 21 a 11 o n a l b a n I K. a. 21. werden von den bisher hierzu berechtigten Personen mit den bisher gültigen llntcr- schriften unter unserer Aufsicht und nach unseren Weisungen weitergeführt. Gemäß Artikel 3 der Verordnung zur Durchführung der Verordnung des Reichspräsidenten über die Darmstädter und Aationalbank vorn 13. Iuli erteilen wir unsere Zustimmung zu ten Willenserklärungen die ter laufende Geschäftsbetrieb der Dank mit sich bringt, ausgenommen hiervon sind: die Einräumung neuer und die Erhöhung bestehender Kredite, ebenso wie die Ausgabe von Krediten durch d'e Bank. r .
Die Treuhänder: Bergmann, Dr. SchiPPel.
•
• Die Stempelvereinigung erhöht Haben - Zinsen für neu eingezahlte Gelder. Wie WTB.-Handelsdienst frort, haben die Mitglieder ter Stempelvereinigung rn Abänderung ter vorgestrigen Vereinbarung beschloßen, für neu eingezahlte Gelder, die den gesetzlichen Auszahlungsbeschränkungen nicht unterliegen. mit Wirkung vorn heutigen Tage rn provisionsfreier Rechnung 8 Prozent p. a., tn Provisionspflichtiger Rechnung 9 Prozent zu vergüten.
' Anveränderte Zinssätze der Deut- schen Rentenbank-Kreditan st a It. Die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt (Landwirtschaftliche Zentralbank) hat sich, um ter Landwirtschaft von sich aus jede nur irgend mögliche Erleichterung zu gewähren, entschlossen bi» auf weiteres von einer Anpassung ihrer ^ir^bedin- gungen an ten stark erhöhten Reichsbankdiskont- satz abzusehen. Die Zinssätze, die die Deutle Rentenbank-Kreditanstalt ten mit »dr im Geschäftsverkehr stehenden Danken zur Zett berechnet. bleiben daher unverändert, soweit diese Danken sich verpflichten, diese Ctergütung uneingeschränkt dem letzten Kreditnehmer zugute kommen zu lassen. Der Höchstzinssatz für ten Landwirt beträgt also bei ten kurzfristigen Betriebs- und Saisvnkrediten wie bisher 8.25 Prozeftt p. a.
• Der Mindestsatz der Deutschen Gvlddiskontbank betragt vom 16. Juli 1931 ab 7 Prozent.
• Aeuyorker Banken honorieren Wechsel auf deutsche Danken. Die führenden Danken von Reuyork haben. beschlossen, Wechsel auf deutsche Danken zu fronorteren, wenn sie ordnungsgemäß bezogen sind, nachdem vorgestern mehrere Danken gezögert hatten, das I zu tun.
Wirtschaft.
Glatte Durchführung des beschränkten Zahlungsverkehrs. Berlin, 16.9uli. (WTB.) Nach den hier vorliegenden Nachrichten hat sich die Wiederaufnahme des beschränkten Zahlungsverkehrs der Banken für Lohn, und Gehalts- zwecke ohne besondere Störungen vollzogen. 3n der Erkenntnis, daß für die Ingang- fenung des Zahlungsverkehrs eine gewisse Elastizität notwendig ift, haben die Banken darauf verzichtet, die eingercichten Lohnlisten erst einer besonderen Prüfung zu unterziehen. Die von der Reichsbank zur Verfügung gestellten Zahlungsmittel haben genügt, um alle an die einzelnen Zahlstellen heran- getretenen Ansprüche zu befriedigen. Auch die Sparkassen hielten ihre Schalter geöffnet, um die ihnen nach der Notverordnung gestatteten Auszahlungen oorzunehmen. Auszahlungen von Sparguthaben haben nicht stattgefunden. Auch die Wie- teraufnafrmc des P o st s ch e ck v e r k e h r s bei dem nur Betrage bis zu 10 000 Mark für Lohnzahlungen in bar ausgezahlt wurden, hat sich reibungslos vollzogen. Das Devisengeschäft, welches aus- schließlich von der Reichsbank durchgeführt wird, hielt sich in mäßigen Grenzen
Die Gesamtinanspruchnahme ter Kaffen alter Postscheckämter war freute nur um ctoa 6 Millionen Mark höher, al» im normalen Tagesdurchschnitt. Im einzelnen wurden Detrage
Lösung de» Problem» Ar. 293.
Don 6. Zimmermann.
1 Sc2—d4!. Kxd4 2. Dd6 + usw 1. ... KU 2. Sc2 4- usw. 1. Se8 2. Df6-r usw. 1 . — Sg3 2. Dc5-r usw 1 Lg5 2. Dc5+ usw. 1 beliebig 2. S«2 usw.
Lösung de» Problem» Ar. 294.
Ton H. bau Beek.
1. Dg2—*21 usw.
Ton ten Einzelschüßen, die zum Teil mit tn ten Mannschaften kämpften, schossen:
Kleibörner Silvania. 77 R. (»in^bneifter xmb Preis ter alten Herren); Schwarz. HalliL 76A Simon, Germania. 76 R;Heinrich». Silvan 72 R.; Erich Hiryel, Hasso-Rassovia, 71 A - P er, Germania, und 3amfc l . Silvans I« 66 »
Die drei besten Mannschaften und die besten Einzelschüyen kämpften yomn um die Akademische Verband»meisterschaf t wm bie gleiche Zahl Schutzen ter Universität Mar bürg Hierzu ist vorweg zu bemerken, daß durch eine9 Veranstaltung einer Fakultät leider bi« Siegermannschaft des Eorp» Silvania, dte noch ter Titelverteidiger von 1930 war, auseinanter- üd unb eine andere Mannschaft «nsprinaen mußte So war ter Mannschaftskampf m erster Linie ein ungleicher, aber auch terEin-elkampf ntt Jmal gerate mit die testen Schutzen auS- sielen Die Bedingung bei dieser ^Meisterschaft war: 15 Schuß, je fünf li^end frechandig. knieend. stehend. 50 Meter l2er Vingscheib^
Die Ergebnisse waren: MannschalltSsch'^en. Ak Schützengruppe I, Marbi-.rg. 524 R , ElauS- talcr Wingolf, Marburg, 424 R.; Germania I,
•Berlin, 16.3ulL Die Deröftentlichung ter neuen Rotverordnungen bot den Desuchem ter Produktenbörse naturgemäß wieder Anlaß, die allgemeine Wirtschaftslage unter besonderer,Be- rücksichtigung ter Getreitefincmzierung betretten- ten Derfrältnille lebhaft zu erörtern Der Geschäftsverkehr war wieder außerordentlich gering, da bei Abschlüssen säst ausschließlich Darzahlung verlangt wird. Insolaetellen beschranten sich die Amsätze auf nur Heine Mengen für ten notwendigen Konsumbedarf. Anderseits besteht auch bei ter ersten Hand keine nennenswerte Verkauf»- lüft, zumal das regnerische Wetter «ne Verzögerung ter Ernte erwarten läßt. Die Preise für "Brotgetreide alter Ernte waren kaum ^verändert, in Reugetreite stockt da» Geschäft.völllg, da die Arbitragemöglichkeiten am Handelsrechtlichen Lieferungsmarkt fehlen. Weizen- und Roggenmehle haben bet toenia veränterten Preisen laufenden Absatz an ten Konsum. Hafer Ist ausreichend offeriert, bei einiger Rachfrage sind aber 1 bi» 2 Mark höhere Preise durchzusetzen. Wintergerste ruhig, aber ziemlich stetig.
Aus aller Welf.
Zu lebenslänglicher Zuchthaurslrase begnadigt.
Durch Artell des Schwurgerichts Schneidemühl vom 27. Rov. 1930 war ter Viehhändler Ludwig Daginski aus Hohenstein (Ostpreußen) wegen Ermordung des Kaufmannes Friedrich Lasch au« Chemnitz zumTodeundter Händler P. Libuda, ebenfalls aus Ostpreußen, wegen Beihilfe zum Worte, der im April 1929 in ter Rähe von Pllet- nih begangen worden war
Zuchthaus verurteilt worden. Die TvteSstrate für Daainski ist jetzt im Gnadenwege m eme le- benslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt toorten.
Heuschreckenplage in Tranojordanien.
Zahlreiche Schwärme von Heuschrecken suchen Hüd-Dransjordanien heim. Da sie nicht ^nug Pflanzenreiche Rührung finden, setzen sie sich sogar teilweise auf Schafherden feft. Die Maßnahmen zum Schutz gegen Heuchrecken- schwärme haben sich al» unzulänglich frer- auSgestellt. denn bie Ernte in ten te'rn- gesuchten Bezirken ist gröhtentell» vernichtet.
Kirchliche Nachrichten. •
8.45 und 9.25 Ahr. _
Derantwortt. f. d. Feuilleton: i.D. Dr. Lange.
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Nachdruck verboten.
10. Fortsetzung.
Die vcr auf eine mdt i^r v \* 1 ihrem Te "-erpoMls liche Ent stärlste. ter dem zen, schtl gleicher Äeichsreg ber Deuts ?ributzah noch zves ramg. bl» biger der Srundzuge einem 6i nis:Zul der Erspm drückendste Mrischast krediten ü gchvlsen l Abzug b< zvsische u den Ee-t Lause der formen c und Hers zu einer I zweiten 31 Abgrund z ten Augei Entlastung schützende ' dah nicht Cntwicktm geber zu und — a -en - dc lieh. Dei
Elsbeth von dem gefährlichen Gesprächsthema abgelenkt wurde.
Dr. Kröger, in feiner Hagerkeit im Badeanzug keine sonderlich vorteilhafte Erscheinung, kam auf die beiden zu. ~ „
„Wo ist Lotte?" fragte Elsbeth Iason rasch.
„Das gnädige Fräulein ist vor einer Weile wieder ins Wasser gegangen."
Suchend blickte Elsbeth Iason hinaus; sre konnte aber ihre Tochter nicht entdecken. Plötzlich gewahrte sie Lotte inmitten einer Schar von Badenden, die unter lautem Geschrei und Gelächter mit einem großen Ball spielten.
In diesem Augenblick sah Lotte herüber. Beim Anblick ihrer Mutter warf sie den Ball, den sie gerade in den Händen hatte, ihrem Rachbar zu und kam eilends herbei.
„Wo treibst du dich denn umher?" fragte Frau Iason wütend.
Lotte schien anfangs verlegen zu sein; dann aber lachte sie ünbekümmert auf.
„Ich kam gerade aus dem Wasser, da flog mir der Ball an den Kopf. Ich warf ihn weiter, bekam ihn wieder zurück; plötzlich war ich mitten im Spiel!"
Frau Iason wollte etwas erwidern, Lotte tadeln; diese lieh sie aber nicht zu Worte kommen.
„Es ist so lustig! Ihr müht einmal zusehen! Man kommt aus dem Lachen nicht heraus! Lind die Bewegung tut so wohl!"
Sie wandte sich Dr. Kröger zu.
„Wollen Sie nicht mitspielen. Herr Doktor?"
Er lächelte überlegen.
„Derartige Ballspiele sind nicht mein Fall, gnädiges Fräulein!"
Sie warf ihm einen zärtlichen Blick zru
„Mir zuliebe könnten Sie ober am Spiel teil- nicHmen, lieber Herr Doktor! Sie würden sich sicher glänzend amüsieren!"
Donnerwetter! dachte Fritz Iason, die Lotte ist ja eine ganz gefährliche Komödiantin! Wirft mit Blicken um sich, als sei sie bis über beide Ohren in Dr. Kröger verliebt! Wenn Elsbeth jetzt nicht mit ihr zufrieden ist, soll es mich wundern!
„Spielen Sie ruhig weiter, liebes Fräulein Lotte!" sagte Dr. Kröger, von Lottes freundlichem Wesen sichtlich entzückt. „Ich werde mich derweilen hier von der Sonne bräunen lassen!" Um) zu Elsbeth Iason gewandt, in gönnerhaftem Tone: „Man mutz die Iugend sich austoben lassen; wir haben es ja. als wir in Fräulein Lottes Alter waren, ebenso gemacht, nicht wahr, gnädige Frau!"
Fritz Iason machte ein Gesicht, als zweifle er lebhaft an Dr. Krögers ausgetobter Iugend. Auch Elsbeth Iason war, zumal was ihre eigene Iugend betraf, nicht ganz derselben Meinung wie Kröger; da sie diesen aber in so guter Stimmung sah, wollte sie ihm nicht widersprechen. Sie unter- drückte auch ihren Aerger, als Lotte sich mit einem scherzenden Wort wieder entfernte.
Mit langen, übermütigen Sätzen eilte Lotte Iason zu der Schar der Spielenden zurück. Ihr war so froh zumute, datz sie am liebsten gesungen hätte. Was war mit ihr geschehen? Hatte sie bisher in tiefem Schlaf gelegen, nun war sie erwacht? War ihre Iugend, die sie noch nicht erlebt hatte, in diesen Sommertagen erwacht?
Sie hätte ihren Zustand Nicht erklären können. Sie fühlte nur, wie alles in ihr dem Leben zujauchzte; in einem Glanz, den sie vorher nicht besessen hatten, leuchteten ihre Augen. Es war so schön, zu leben!
Was lag daran, datz man sich verstellen, datz man der Mutter und Dr. Kröger diese Komödie Vorspielen muhte! Wie leicht wog dieses Opfer gegenüber dem Glück, Paul Bertram täglich sehen, manchmal mit ihm sprechen zu dürfen!
Sie stellte sich wieder in den Kreis der Spielenden, unmittelbar an Bertrams Seite.
„Da bin ich wieder!" rief sie ihm zu.
Er bekam gerade den Ball und warf ihn ihr mit so starkem Schwünge zu, datz sie taumelte.
„Haben Sie es darauf abgesehen, mich umzuwerfen?" fragte sie lachend.
„Keineswegs, gnädiges Fräulein!" antwortete Bertram mit verkniffenem Gesicht.
Er hätte den Ball lieber anderswohin geschleudert, dorthin, wo Eva mit Hanna Moest und Stefan Helbing im Sand lag. Wie ausgiebig sich Eva wieder mit diesem Herrn Helbing untere hielt! Datz Frau Moest sich dies gefallen lieh, war ihm unverständlich! /
Ihm wurde die Sache allmählich zu bunt. Wenn Eva an Helb'Ng mehr Gefallen fand als an ihm. so sollte sie es ihm sagen! Er würde ihren: Glück nicht im Wege stehen!
In einer trotzigen Auflehnung kehrte er, nls das Spiel zu Ende war und die Damen und Herren sich zerstreuten, nicht zu Eva zurück.
„Gehen wir ins Wasser?" sagte er zu Lotte Iason, die bei ihm stehen geblieben war.
Lotte sah zu der Stelle zurück, wo sie ihre Eltern und Dr. Kröger zurückgelassen hatte; nur Dr. Kröger war noch dort. Run entdeckte sie ihre Eltern in einiger Entfernung auf der Strandpromenade; sie schienen sich wieder ins Hotel zurückzubegeben.
Da brauchte sie sich ja nicht zu beeilen; Kröger konnte noch eine Weile auf sie warten!
„Ich wäre dafür, datz wir uns nach den Strapazen des Spiels ausruhten!" antwortete sie Bertram.
Sie legten sich in den Sand, der von der prallen Mittagssonne glühend heih geworden war.
Man tauschte anfangs einige belanglose Redensarten; dann verstummte die Unterhaltung.
Lieber Lotte Iason kam ein großes Wundern. War es nicht seltsam, datz sie nun an der Seite des Mannes weilte, an den sie so oft dachte? Ob er etwas davon ahnte, wie sehr ihre Gedanken immer mit ihm beschäftigt waren?
Llnauffälig betrachtete sie Bertram. Ein finsterer Ausdruck war in seinem Gesicht. Starr waren seine Augen auf eine Stelle gerichtet.
Lotte Iason folgte seinen Blicken. In einiget Entfernung entdeckte sie Eva Willer im Gespräch mit einem Herrn. Sie verstand nun das Finstere in Bertrams Zügen; es schmerzte sie, weil er in ihrer Gegenwart an Eva Willer dachte, dennoch frohlockte etwas in ihr, datz er nun bei ihr weilte und nicht bei der anderen.
Der Wunsch, alles Trübe, Schmerzliche von Paul Bertram hinwegzunehmen und ihn frohzu «machen, rauschte übermächtig in ihr auf. Ihr ganzes Wesen drängte dem Manne neben ihr entgegen.
Elsbeth Iason sah ihren Gatten überlegen an.
„Meinst du, ich hätte das nicht auch schon bedacht? Lotte kann sich Zeit lassen; wir sind ja noch mehrere Wochen hier, Herr Dr. Kröger, wie er mir gestern sagte, ebenfalls. Die Hauptsache ist, daß die Verlobung vor unserer Abreise perfekt wird!"
„Daran ist nicht zu zweifeln!" antwortete Iason ernst, während er wieder ein spöttisches Lächeln unterdrückte.
Sie machten sich dann auf den Weg züm Badestrand, wohin Lotte sich bereits vor einer Stunde mit Dr. Kröger begeben hatte.
Als sie kaum einige Schritte gegangen waren, kam ihnen eine Dame entgegen, bei deren Anblick Fritz Iason tödlich erschrak. Am liebsten wäre er umgekehrt, aber er fand in seiner Aufregung nicht gleich einen passenden Dorwand dafür.
Blitzschnell überlegte er, während sich starke Berlegenheit in seinen Zügen ausbreitete, wie er sich verhalten solle. Konnte er es wagen, in Elsbeths Gegenwart die Dame zu grüßen? Sollte er tun, als ob er sie nicht sehe?
Run war die Dame, eine zierliche, betont elegante Erscheinung mit pikantem Gesicht und schwarzen Haaren, nur noch wenige Schritte von ihm entfernt. Sie schien Iason längst gesehen zu haben und warf ihm einen verttaulichen Blick zu...
Da blieb Iason nichts anderes übrig, als den Hut zu ziehen.
„Wer war denn das?" fragte Elsbeth Iason scharf, während die Dame noch in Hörweite war.
„Das weih ich selbst nicht..
„Du mutzt sie doch kennen, sonst hättest du sie nicht gegrüßt!"
Fieberhaft suchte Iason nach einer harmlos erscheinenden Erklärung.
„Es ist eine sehr flüchttge Bekanntschaft... als ich neulich durch den Ort spazierte, redete sie mich an... sie war erst am Tage zuvor nach Rorder- ney gekommen und kannte sich in den Straßen noch nicht aus... da fragte sie mich nach dem Weg zum Kurhaus..."
„Ausgerechnet dich!" unterbrach Frau Iason ihren Gatten. „Mir scheint, es würde sich empfehlen, wenn ich dich künftig bei deinen Spaziergängen begleite!"
„Aber Elsbeth! Auf was für Gedanken kommst du gleich!" begehrte Iason auf.
Sie beachtete feine Worte nicht, sondern drehte sich um und sah der fremden Dame nach.
„Eine schöne Bekanntschaft hast du da gemacht, lieber Fritz!" sagte sie hämisch. „Dieses geschmacklose Kleid am frühen Morgen! Und diese geschminkte Larve! Ihr Männer fallt doch auf jeden Kitsch herein!"
Iason hütete sich, etwas zu entgegnen. Er war froh, als sie den Badestrand erreicht hatten und
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„Sie sollen nicht so düster schauen, Herr Ber^ kram", sprach sie zaghaft.
Er wandte sich ihr zu und lächelte gezwungen!.
„Düster? Keine Ahnung! Ich bin in glänzender Stimmung!"
Lotte sah zu Boden.
„Sie sind traurig..kam es leise über ihre Lippen.
„Traurig?"
Langsam hob Lotte die Blicke zu ihm empor. Wie unter einem Zwange sagte sie, die Worte tönten schwer:
„Ich kann Sie nicht traurig sehen..."
Bertram durchfuhr es siedend' heih. Er sah Lotte an, als erblicke er sie zum ersten Male.
Mit einem scherzenden Wort wollte er ihr erwidern; aber er fand den leichten Ton, den er suchte, nicht. Gebannt sah er in das Mädchen- antlih, das blaß geworden war; die Züge schienen mehr und' mehr zu verschwinden, nur dis Augen sah er, aus denen eine unberührte Seels ihm gläubig entgegenschaute.
Seltsame Ergriffenheit bemächtigte sich Bertrams. Wortlos streckte er Lotte die Hand entgegen, in die sie zögernd ihre Finger legte.
Dunkel Rot stieg jäh in ihre Wangen. Wie erschreckt zog sie ihre Hand zurück.
Sie sprang empor. -*•
„Auf Wiedersehen!" rief sie hastig und eilte hinweg.
XII.
Eva Willer saß in der beim Seesteg gelegenenl Lesehalle. Sie hatte eine Modezeitschrift vor sich liegen, war aber nur sehr oberflächlich damit be- schäfttgt. Immer wieder sah sie erwartungsvoll zum Fenster hinaus.
Ob Herr Helbing wohl kommen würde?
Als sie vorhin die Hoteltreppe herabgekommen war, hatte er in der Halle gestanden und sie gegrüßt. Eva hatte den Eindruck gehabt, daß er sie gerne angesprochen hätte; sie war aber mit kurzem Reigen des Kopfes an ihm vorübergegan- gen. Wenn Helbing daran gelegen war, mit ihr sich zu unterhalten, konnte er ihr ja folgen.
Sie hatte sich nicht verrechnet.
Mit raschen Schritten kam Helbing näher. An der Ecke blieb er stehen, blickte die Straßen, die hier zusammentrafen, entlang; dann betrat er die Lesehalle, in der sich nur Eva Willer befand. Sie war über ihre Zeitschrift gebeugt, deren Inhalt sie lebhaft zu interessieren schien.
Helbing trat hinter die junge Dame.
„So eifrig bei der Lektüre?" fragte er.
11 eberrasch t fuhr Eva herum.
„Herr Helbing!... Sie haben mich schön erschreckt!"
„Störe ich Sie?"
Eva schob die Zeitschrift zurück.
„Ich habe bereits gelesen, was mich interessierte."
Sie erhob sich.
„Und nun?" fragte Helbing.
„Ich hatte die Absicht, etwas zu bummeln!" „Rehmen Sie mich mit?“
„Wenn Sie Lust haben, gerneI"
lFortsetzung folgt.)
Eva am Strand
Vornan von Hermann Weick.
Dvrs. ein-
Creditans merei uni bann bic < »trtfäjaftä Äsche inte daraus re vptimiW lerhast k worden io
Daß bi« fachen ha bank zu ih ten vssend fand es toi bank nicht und durch zischen 2üt
wies und die kalte € lierung ein verloren । Aeichskabir es, trotzten finanztoirt! Wltett ei Ministers1 ses QM Reifung f putschen ■Regierung flerung au fen zeigte wtoung fc wesentlich [ 9en der dei Weucotja t eigener t'Sen Qtngi Mische Senders J“ einem 5rtet. Ar ?°° Mio, pet Earr Staat Aschen K SÄ' ZK ’ $ f° gelt » N ß?auf de Zotigen.
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Die Kunst, einen guten Kaffee zu bereiten
„Man nehme“ — so heißt’s ja im Kochbuch. Was für eine Kaffeesorte man nimmt, das gibt natürlich den Ausschlag für den Geschmack des Aufgusses.
Wer Qualität wünscht, nehme Kaffee Hag. Es gibt keinen wohlschmeckenderen Kaffee als den feinen und milden Kaffee Hag, der edle Hochgewächse aus 4 — 5000 Fuß Höhe enthält. Man braucht von Hag nicht mehr zu nehmen, als von anderem guten Bohnenkaffee. Fein mahlen, frisch kochendes Wasser aufgießeo, umrühren, nach 8 —10 Minuten klar abgießen.
Kaffee Hag muß wie jeder Kaffee frisch sein. Für längere Aufbewahrung gibt es Hag in Vakuumdosen (luftleer gepackt). Erst kurz vor Gebrauch mahlen.
Wichtig vor allem.- der coffeinfreie Kaffee Hag ist vollkommen unschädlich. Er schont Herz, Nerven und Nieren und kann keine Schlafstörungen verursachen.
Aber der echte Kaffee Hag muß es sein. Hüten Sie sich vor Nachahmungen! Coffeinfrei und Hag - darauf kommt's an!
Karl Stammel Elisabeth Stammel, geb. Baum Vermählte
Gießen, 18.3ulf 1931
Grabenstraße 6 Wetzlarer Weg 67
Trauung 2 llhr Zohanneskirche
04070
Obst- und Gartenbauverein GieOen
Sonntag, den 19. d. M.
Besuch der Rosenfelder in Steinfurth
unter Führung von Herrn Schultheis Steinfurth.
Abfahrt 6 Uhr 35 mit Sonntagskarte nach Bad-Nauheim.
Wir machen unsere Mitglieder darauf aufmerksam, daß die
Liste zum Bestellen von Torfmull zum verbilligten Preise im Samenhaus Hahn aufliegt und am 1. August geschlossen werden muß. 4752D
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Baugeld zugeteilt 10,3 Millionen RM.
in 61k Jahren 176,7 Millionen RM.
Die Gemeinschaft der Freunde als älteste, größte und erfolgreichste deutsche Bausparkasse hat 11755 Eigenheime finanziert; sie verschafft billige, unkündbare Darlehen zum Bau und Kauf von Ein- und Mehrfamilienhäusern, sowie zur Ablösung teurer Hypotheken. Verlangen Sie bitte noch heute die kostenlose Druckschrift K 8- von der Bausparkasse
Gemeinschaft der Freunde Ludwigsburg/ Württemberg
Auskunft durch: Ingenieur Theodor Hickel, Gießen, Neustadt 32, Telephon 4330 Geschäftsstelle: Frankfurt a. M., Kaiserstraße 2, Telephon Hansa 27871 4761 v
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