Hr. 139 Erstes Blatt 181. Jahrgang Mittwoch, 17. Juni 1931 6r|d) eint täglich,autzn Sonntag» und Feiertag» Beilagen: Du Illustrierte Gießener FamilienblLttei Heimat tm Bild Die Scholle OionatsiBejngspret«: 2.20 Reichsmark and 30 Retchspfenntg für Trüge» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. .Hernfprechaiftchlüfse anterSammelnummer225I Anschrift für Drahtnach- richten Bnjetger Sieben. polfd?e1111 r,heimfafDr' , n.» •>*- , 431WJ.. 3.75 ,1.' ...... ä>* Brüning hat sich völlig durchgesetzt. Keine frühere Einberufung des Plenums oder des Haushaltsausschusses des Reichstags. Milderung der Notverordnung für den Herbst zugestanden. Berlin.,16. Juni. (VDZ.) 3m Ael testen- rat des Reichstages wurde heute mittag die vorzeitige Einberufung des Reichstagsplenums — wie in einem Teile unserer gestrigen Ausgabe schon gemeldel. D. Red. — gegen die Stimmen der Rationalsozialisten, der Deutschnationalen, der Kommunisten, der Wirtschastspartei und des Landvolkes abgelehnt, da die Rlan- dalszahl dieser Parteien nicht die hülste der Reichs- tagssihe, nämlich 289, erreicht. Vie Sozialdemokraten beantragten daraufhin die Einberufung des Haushaltsausschusses zur Beratung über Abänderungen der Rotverordnung. Die Kommunisten und die Rationalsozialisten behielten sich ihre Stellungnahme zu diesem Anträge vor. Znsotgedessen vertagte der Aeltestenrat die Entscheidung über die Einberufung des Haushaltsausschusses bis 18 Uhr. Der Vertreter ter Wirtschastspartei Abg. 7N 0 llaIh erklärte, daß nach Ansicht seiner Fraktion im haushaltsausschuh das von seiner Partei als vordringlich bezeichnete Ziel einer unverzüglichen Aufrollung der Reparationsfrage nicht erreicht werden könne, und dah seine Fraktion aus diesem Grunde an der Einberufung dieses Ausschusses kein Interesse habe, sondern aus die Einberufung des Reichstages selbst bestehen müsse. Gegen 14 Uhr empfing der Reichskanzler im Beisein der Minister Stegerwald und Dietrich, sowie weiterer Kabinettsmitglieder erneut die Führer der Sozialdemokraten Wels, Dr. Breit scheid und Dr. hilf er ding zu einer Besprechung. Vie Besprechung hat keine Aenderung der Lage gebracht. Das Kabinett hält nach wie vor an seiner Rücktrittsdrohung für den Fall der Einberufung des Haushaltsausschusses seft. Um 15 Uhr traten die Sozialdemokraten dann zu einer neuen Sitzung zusammen, die gegen 18 Uhr beendet war. 3m Aeltestenrat des Reichstages verzichteten heute abend die Sozialdemokraten darauf, den Antrag auf Einberufung des Haushaltsausschusses formell einzubringen. Sie stimmten auch gegen einen kommunistischen Antrag aus Einberufung des Haus- Haltsausschusses. Dieser Antrag wurde daher gegen die 225 Stimmen der Kommunisten, der Rationalsozialisten und der Deutschnationalen abgelehnt. • Was nach der Stimmung und ter Stimmenzahl innerhalb ter Fraktionen des Reichstags vor vierundzwanzig Stunden noch mehr als unwahrscheinlich schien, ist Tatsache geworden: Es ist tem Reichskanzler gelungen, den Widerstand der Parteien zu brechen und sich auf der ganzen Linie mit seiner Forderung durchzusehen, dah weder der Reichstag, noch der Haushallsausschuh im Augenblick einberufen werden dürfe. Für beite Fälle hatte der Kanzler den sofortigen Rücktritt des Kabinetts angekündigt. ‘Seite Male haben die Parteien die Verantwortung gescheut und die starken Bedenken, die sie gegen die Rotverordnung hatten, zurück- gestellt, um eine Krise mit ihren unübersehbaren Folgen vorläufig zu vermeiden. Die Entscheidung lag zuletzt bei den Flügelparteien der Regierungsparteien im weitesten Sinne, der Deutschen Bolkspartei und den Sozialdemokraten. Wirtschaftspartei und Landvolk hatten sich für die Einberufung des Reichstags ausgesprochen. Danach waren über die Fraktionsstärke gerechnet ungefähr 270 Stimmen gegen die Regierung festgelegt. Es hantelte sich also nur noch darum, wie die Volkspartei oder die Sozialdemokraten Stellung nehmen würden. Jede von beiden genügte, um die Regierung in die Minderheit zu setzen und dadurch die Krise heraufzubeschwören. Die Deutsche Dolkspartei hat schon am Dienstagvormittag ihren Beschluß aus der vorigen Woche, ter die Einberufung des Reichstags forderte, zurückgezogen. Sie hat diesen Entschluß damit begründet, daß sie von der Regierung weitgehende Zusicherungen erhalten hätte für eine neue Gestaltung ter Regierungspolitik in ihrem Sinne. Wenn man zwischen den Zeilen richtig liest, dann kann das nur bedeuten dah ter Kanzler sich dem Abg. Dingeldey gegenüber verpflichtet hat, seine reparationspolitischen Absichten wesentlich früher, als bisher geplant, auszuführen, dah er auherdem in einer neuen Rotverordnung weitgehende Reformpläne auf wirtschaftspolitischem und verwaltungsrechtlichem Gebiet — im Sinne der Reichs- rcform — durchführt und dah er endlich spätestens zu dem Zeitpunkt, wo die Anmeldung unserer Tributrevision erfolgt, sein Kabinett vollständig umbaut, oder »um mindesten in ter Form eines Ministeriums ter nationalen Verteidigung erweitert. Damit wäre dann die Gewähr gegeben, dah die neue Regierung stark genug wäre, um die schweren Zeiten zu meistern, durch die wir hindurch müssen, wenn wir reparationspolitische Erfolge erzielen wollen. Wesentlich hartnäckiger sind die Sozialdemokraten gewesen, die ja allerdings parteipolitisch gesehen in einer sehr viel schwierigeren Lage waren, als die Dolkspartei. Die Sozialdemokratie hat wiederholt dem Kanzler zu verstehen gegeben, dah für sie die Grenze des Tragbaren jetzt erreicht, ja sogar überschritten sei. Sie hat viermal ihre Unterhändler zum Kanzler geschickt, um zu versuchen, irgendwelche sichtbaren Zugeständnisse von Dr. Brüning zu erreichen. Das ist jedesmal mißlungen. Der Kanzler ist hartnäckig geblieben, so hartnäckig, daß man fast glauben könnte, er hätte den Bogen überspannt. Die Sozialdemokratie hat zwar am Diens- tagoormittag zunächst gegen die Einberufung des Reichstags gestimmt, dafür aber ihre Forderung nach Beratung der Notverordnung im Haushalts- ausschuß aufrecht erhalten, vielleicht in der Hoffnung, daß sie dadurch wenigstens das Gesicht wahren könne und bei diesem Antrag überstimmt würde. Eine solche Möglichkeit hatte.aber der Staatssekretär P ü n d e r verhindert, indem er den Kanzler auf die Ablehnung auch dieses Antrags festlegte und dadurch die Parteien der Opposition, die an sich auf die Beratungen im Ausschuß keinen Wert legten, geradezu zwang, für den sozialdemokratischen Antrag zu stimmen, wenn sie den Rücktritt der Regierung auf Umwegen erreichen wollten. Die Lage war also am Dienstagnachmittag noch so, daß die Sozialdemokratie, wenn sie ihre Forderung auf Einberufung des Haushaltsausschusses aufrecht erhielt, Dresden, 16. Juni. ($11.) 3m Landtag gab Ministerpräsident Schieck die Stellungnahme der sächsischen Staatsregierung zur Rvtverordnung bekannt. Der Ministerprä itent erllärte u. a.: Ich habe mit Bedauern festgestellt, dah die Reichsregierung von ihrer politischen Linie abweicht, wenn sie den offen tiitten Haushalt dadurch in Ordnung zu bringen versucht, dah sie unserer Volkswirtschaft neue Lasten auferlegt. wenn die Reichsregierung neue Lasten nicht glaubte vermeiden zu können, dann hätte sie ihre Mahnahmen mehr unter die 3dee des allgemeinen Volksopfers stellen sollen. Die sächsische Regierung ist bei der Reichsregierung dahin vorstellig geworden, dah die in ihr enthaltenen schlimmsten Härten beseitigt oder gemildert werden. In Frage kommt hierbei neben ter Beseitigung bereits erwähnter Härten u. a. eine Umgestaltung der Krisenlvhnsteuer und die Beseitigung politisch bedenklicher Mahnahmen auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung. Die sächsische Regierung wird auch fordern, daß Sachsen beteiligt wird an denjenigen Erträgnis e 1 der Krisensteuer, di nich zur Deckung ter Fehlbeträge der Sozialer, .cherungslräger gebraucht werten, sondern dazu dienen sollen, die Wirtschaft zu beleben und die Zahl der Arbeitslosen zu verringern. Berlin, 17. Juni. (ERB.) Zum Ausgang ter I Beratung des Ältestenrats, bei ter auch aus die Zusammenberufung des Haushaltsausschusses | verzichtet wurde, schreibt die „Germania": Damit war die zweite wichtige Entscheidung gefallen, die den glücklichen Ausgang der Krise bedeutete. Denn auch diese zweite Entscheidung war deshalb von besonderer Bedeutung, weil die Reichsregierung noch am Vormittag den Parteien ausdrücklich erklärt hatte, dah die Einberufung des Haushaltsausschusses, von dessen Beratungen die Reichsregierung sich nichts anderes versprechen formte, als. eine wertere Störung ihrer Arbeit und eine weitere Beunruhigung drauhen im Volke, gleichfalls die Gesamtdemrssron des Kabinetts bedeuten würde. Die Haltung, die die hinter ter Regierung stehenden Parteien und die Sozialdemokratie in ter ungeheuer ernsten Krise tes heutigen Tages eingenommen haben, bedeutet eine staatspolitische Tat, die nach innen und außen beruhigend wirken wird und der Regierung die Möglichkeit gibt, ihre große außenpolitische Aufgabe ungestört m Angriff zu nehmen. Der „Börsenkurier" begrüßt ebenfalls die Einigung und unterstreicht, dah Brüning seine Hauptforderungen voll aufrechterhalte. Die Parteien, die Anträge auf Einberufung des Reichstages und spater tes Haushaltsausschusses gestellt hatten und diese wieder zurückzogen, seien aus ter Krise ter letzten Tage keineswegs mit einer Zunahme ihrer Geltung hervorgegangen. Die „DAZ." nennt die beabsichtigt gewesene Einberufung des Reichstags oder eines seiner Ausschüsse gegenwärtig sinnlos. Aus der Rotverordnung darauf die Stimmen der Opposition vereinigte, eine Mehrheit erzielte und den sofortigen Rücktritt des Kabinetts erreichte. Das aber wollten die Sozialdemokraten — vielleicht auch erschreckt durch die plötzliche Regierungskrise in Wien — nicht, weil sie befürchten mußten, daß dann der Ruck nach rechts unaufhaltsam sei. Es blieb ihnen also kaum etwas anderes übrig, als ihren Antrag zurückzuziehen oder wenigstens so stark zu denaturieren, daß er jede Gefahr für den Bestand des Kabinetts verlor. Das ist denn auch gelungen. Der Antrag wurde so interpretiert, daß die Ausschußberatung um einige Zeit zurückgestellt wird und dann im Einverständnis mit der Regierung erfolgen soll, wobei die Sozialdemokraten andeuten, daß der Kanzler ihnen für eine Revision der Notverordnung einige Zugeständnisse gemacht hat. Jetenfalls hat der Kanzler dadurch erreicht, dah die Gefahr eines parlamentarischen Zwischen- retens für die nächsten Wochen zum mindesten ausgeschaltet ist. Er hat freie Hand bekommen. Allerdings fragt sich, wann das Geduldspiel im Parlament erneut beginnt. Aus die Dauer wird ter Reichstag nur wieder zu halten sein, wenn die Regierung jetzt endlich mit einer starken Aktivität auch auf auhenpolitischem Gebiete ein- seht und sich dadurch eine Rückendeckung über den Rahmen der Regierungsparteien hinaus schafft. Die Verordnung im ganzen erreicht das Ziel» die „Sicherung der Finanzen", nicht. Was ich schließlich noch in ter Konferenz der Ministerpräsidenten mit aller Deutlichkeit ausgesprochen habe, ist dieses: Ich habe mich gegen den Glauben gewandt, wir könnten erst einmal unsere öffentlichen Finanzen sanieren. um dann b ie Tributfrage anju» packen. Wenn wir darauf warten wollen, werten wir nie dazu kommen. Wir werten in der Tributfrage ganz gewiß nur dann Erfolge erreichen können, wenn wir unsere letzten Kräfte ein^usetzen entschlossen sind. In einem Kampfe, ter darum nicht weniger schwer ist, wenn er gegen uns nicht mit den Mitteln des Krieges, sondern mit wirtschaftlichen und finanziellen Waffen geführt wird. Daß die sächsische Regierung die Rotverordnung, soweit es ihr obliegt, nicht unausgeführt lassen werte, sei fiar. Die Regierung könne nicht einen Kampf gegen die Reichsregierung aufnehmen mit dem Ziel, dah diese durch eine anders zusammengesetzte Regierung erseht werde. Auch habe die Regierung keine Reigung, eine Fortsetzung tes dunklen Kapitels sächsischer Geschichte zu liefern, das in ter nachrevolutionären Zeit einmal eine sächsische Regierung durch ihren Kampf gegen die Reichspolitik ausgestellt habe. Damit solle jedoch nicht gesagt fein, dah sich die heutige sächsische Regierung als gefügiges Werkzeug ter Reichsregierung betrachte. wärennur Fetzen übrig geblieben, und die finanzielle Gesamtlage tes Reiches hätte ter aller härtesten Belastungsprobe widerstehen müssen Aber gerate dieser Ilmstand gab den hinter ter Regierung stehenden Rechtsgruppen die Möglichkeit, die Ambildung des Kabinetts und eine personelle Sicherung für die überwältigend schweren Ausgaben ter nächsten Zukunft zu erlangen. Die „Vörfenzeitung" stellt fest, dah ter Reichskanzler den Sozialdemokraten irgendwelche Zugeständnisse von wesentlicher Bedeutung nicht gemacht hat. Das Blatt hält fest an ter Auffassung, dah die gegenwärtige Zusammensetzung tes Reichskabinetts angesichts ter bevorstehenden großen politischen Aufgaben nicht genüge, dah das Kabinett nach wie vor einer einschneidenden Reorganisation, und dah das System, zu regieren, einer Aenderung bedürfe. Der „Lokalanzeiger" schreibt: Die Angst vor Reuwahlen hat Brüning noch einmal auf ter ganzen Linie Sieger werten lassen. Ob er dieses Sieges recht froh werden wird, wagen wir zu bezweifeln, da er alsbald wird erkennen müssen, dah auch die neue R 0 t v e r 0 r d nu n g ein völlig untaugliches Mittel zur Rettung von Volk und Wirtschaft darstellt. Die „Deutsche Zeitung" ist ter Ansicht, dah das Kabinett Brüning nicht ten geringsten Grund habe, sich des errungenen „Sieges" zu freuen. Es habe die einstweilige Stiftung feiner Regierungsherrlichkeit wiederum nur um den Preis von Versprechungen an die Sozialdemokratie erlaufen können. Wenn die Führung ter SPD. unter dem voraussichtlich wachsenden Druck des Sydewitz-Flügels sich genötigt sehen sollte, den ihr am 16. Juni ausgestellten Wechsel zu präsentieren — was vielleicht gar nicht allzu lange auf sich warten lassen werte —, dann breche die am Dienstag dürftig verkleisterte Kabinettskrise von neuem aus. Die „Deutsche Tageszeitung" spricht von einer „vertagten Kris e". Die Regierung habe gesiegt, aber es sei nur ein taktischer Sieg, und er könne zum Pyrrhussieg werten, wenn sich nämlich die Hosfnung nicht erfülle, von der eine Reihe von Parteien ihre Duldung abhängig gemacht hätten. Die „vossische Zeitung" schreibt: Man muß zugeben, daß die Sozialdemokratie eine Belastungsprobe schwer st er Art zu bestehen hatte. Zwar hatten die Rechtsradikalen erklärt, daß sie an Verhandlungen im Hauptausschuß kein Interesse hätten. Ihnen ist es ja nicht um eine Ausmerzung der Hör- ten und um eine Verständigung zu tun, sondern um den Kampf gegen das „System", um die Eroberung der Macht auf die Gefahr hin, daß ihr siegreiches Banner auf einem Trümmerhaufen weht. Immerhin bestand die Möglichkeit, daß sie in der entscheidenden Sitzung des Aelteftenrates für die Einberufung des Haushaltsausschusses stimmten, um, wenn nicht die große Krise, wenigstens eine Fortdauer der Unsicherheit herbeizufüyren. Die Sozialdemokratie hat alle diese Manöver zunichte gemacht. Sie hat auf den Rat ihrer Führer, vor allem Brauns und Severings, reinen Tisch gemacht. Die Krise ist vermieden, die Möglichkeit erfolgreicher außenpolitischer Verhandlungen gesichert. Die Arbeit geht weiter. Das „Berliner Tageblatt" sagt: Man konnte der Sozialdemokratischen Partei nicht zumuten, Selbstmord aus Furcht vor dem Tod zu begehen. In dem Augenblick, in dem sie befürchten müßte, durch die Weiterduldung nicht mehr nützen zu können, in dem sie sähe, daß die Taktik der Rß- gierung sie jedes Einflusses, selbst des schmälsten Restes von Einfluß beraubte, in diesem Augenblick kann sie ihre stille Teilhaberschaft an der Regierung nicht mehr vertreten. Der „vorwärts" spricht von einem „Anfangserfolg im Kampf um die Notverordnung", der im Verhältnis zu dem Erstrebenswerten als recht bescheiden zu bezeichnen sei. Die Sozialdemokratie habe in dem schweren Verhand- lungskampf des gestrigen Tages den Bürgerkriegpolitikern keinen Dienst, dem arbeitenden Volk jedoch einen desto besseren Dienst erwiesen. Die kommunistischen Blätter „Rote Fahne" und „Berlin am Morgen" sprechen von einem „sozialdemokratischem Bluff" und einer „Kapitulation" der Sozialdemokraten. Oie entscheidende Erklärung der Reichsregierung. Abänderungen sollen im Oktober vorgenommen werden. Berlin, 16. Juni. (WTD.) In ter heutigen Aeltestenratssihung gab Staatssekretär Dr. P ü n d e r vor ten entscheidenden Abstimmungen folgende Erklärung ab: „Die Reichsregierung hat kein Mittel unversucht gelassen, alle in Betracht kommenden politischen Gruppen tes Hohen Hauses von den unheilvollen Folgen einer etwaigen vorzeitigen Einberufung des Reichstages zu überzeugen. Den eindringlichen Ausführungen von Reichsregierung und Reichsbank- präsitent habe ich daher nichts hinzuzufügen. Lediglich hinsichtlich ter Rotverordnung vom 6. d. M. habe ich auftragsgemäß folgendes zu wiederholen: Wenn die Reichsregierung an den Aeltestenrat den Appell richtet, auf die vorzeitige Einberufung tes Reichstages zu verzichten, so ist dieses Verlangen ter Reichsregierung nicht bedingungslos. Die Reichsregierung will zu der Frage, ob die Notverordnung abänderungs- und verbesserungsbedürftig ist, in diesem Augenblick noch nicht Stellung nehmen. Sie widersetzt sich aber solchen Plänen keineswegs, soweit dadurch Zweck und Ziel der Notverordnung nicht beeinträchtigt werden. Am dieses Ziel zu erreichen, wäre aber die sofortige Einberufung des Reichstages das ungeeignetste Mittel. Wohl findet sich dann nach aller Wahrscheinlichkeit eine Mehrheit für Aufhebung der Notverordnung, oder jedenfalls wesentlicher Telle derselben, aber mit aller Bestimmtheit keine Mehrheit für positive Verbesserungen. Die Reichsregierung muh deshalb daran festhalten, daß solche Abänderungen der Rotverordnung mit Sorgfalt vorbereitet werden. Austtagsgemäh darf ich in dieser entscheidenden Stunde nochmals betonen, daß die Reichsregierung hierbei zu positiver Mitarbeit absolut bereit ist. Sie wird sich mit den arbeitsbereiten Gruppen des Reichstags darum bemühen, formulierte Verbesserungsoorschläge vorzubereilen. für die Die sächsische Aegierimg gegen die Aolvewrdnung. Das Echo in -er Berliner presse. ys FI GW Nische komme heule । vor er Pa hat de des w anschli matisö In Duns rungs CBri pella u '7g auf h^lWer- erl'ch",s^vrd'- ! 5roÄriDfll. lelsrechl' h. ochsolg" „ au, matkemelisJte KIsrhsR, onbedingle Simer»* keil, sperumste Verwehung. Keine unerfüllteren Versprechungen. _ vermögen und Reserven. 19000 Mitglieder eile, Berulslreis» (ZWECKSPARVERBAND Rückgratverkrümmung! ohne Berufsstörum,. P. G. in B. schreibt:....meine Tochier wieder zu einem lebensfreudigen Menschenkind gemacht. H. C. tn B.: Die seitliche $ev krümmung ift ganz verschwunden, eö geht mir immer gut. kann jeden Tag wieder arbeiten., Schwester S. in St.: ••:©te oerffchern. datz ohne Ihre Kunst ich mich nicht so wohl befände. (S St in N.: ... bin ich sehr zufrieden, nur kann ich das Doppelte essen, wie zuvor. lU.viele andere.» Auskunft kostenlos. 1501 v F. Menzel, Frankfurt a. M.-Lild 95, Unter den Akazien 14. lichtspielhaus Gießen 4000 C nach dem bekannt. Bühnenstück mit Paul Henckels in seiner Glanzrolle Heute letzter Volkstag: Die Privatsekretärin mit Renate Müller, Felix Bressart Ab morgen Donnerstag der lustigste Tonfilm d.Saison: SchneiderWibbel Mittwoch, 17. Juni 1931 Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Ür. 139 Zweites Blatt Lugend und Hochschule. Die Schallplatte als Bildungsmittel. Don Professor Or. Johannes Wolf, Universität Berlin. Erfüllt von der Bedeutung der Schallplatte für den Unterricht hatte der Leiter der Kulturabteilung des Lindströmkonzerns, Ludwig Koch, im Einvernehmen mit der Volkshochschule Mannheim und dem Ausschuß sür Dolksmusikpflege vor einiger Zeit zu einer Schallplattentagung in Mannheim eingeladen, die dank intensiver Mitarbeit von Vertretern der Wissenschaft, Kunst und Technik sowie reger Anteilnahme von selten der Musiker und Lehrerschaft durchaus positiv verlief. Es mutzte einmal daraus hingewiesen werden, was die Schallplatte für den Unterricht bedeutet und was von ihr zu erwarten ist. Gewitz weiß ein jeder, der mit der Platte operiert, daß sie noch Mängel besitzt, aber ebenso gewitz. welche unendlichen Vorteile sie bereits heute bietet, und datz die Technik in Erkenntnis der Fehler- quellen" nicht ruhen wird, an der Vervollkommnung von Ausnahme und Wiedergabe zu arbeiten. Die Sprechplatte ist.schon in umsassende- rem Matze in den Unterricht eingeschaltet worden. Es gibt keinen geduldigeren Sprachlehrer als sie. die. so oft es gewünscht wird, mit der gleichen Vollkommenheit und Klangtreue des ausgenommenen Inhalts das in Frage stehende Idiom wiedergibt. Aber sie ist auch Etudienobjekt zugleich, dient zur Erforschung der Sprache und ihrer Mundarten, bewahrt über Iahrhunderie hinaus den Stimmklang und kann zur Trägerin bedeutender Literaturen, vorgetragen von hervorragenden Interpreten, gemacht werden. Die M u s i k p l a t t e schafft keinen geringeren Nutzen. Macht sie sich mit den Offenbarungen hoher und niederer Kunst überall heimisch, so gebührt ihr auch eine nicht unwesentliche Stellung in Schule. Konservatorium, Hochschule und Universität. Das haben die Vorträge der Mannheimer Tagung einwandfrei gezeigt, mochte der Lehrer, der Vibliothekar. der Musiker oder der Musikwissenschaftler zu ihr Stellung nehmen. In der Schule bildet die Musik in fast allen Disziplinen einen nicht unwesentlichen Einschlag, unbeschadet ihres Eigenwerts im Musikunterricht. 'Heben dem Sprachlaute als solchen sind die Literaturen aller Völker mit ihr verknüpft. Heute kann die Schallplatte den individuellen Sprachklang sesthalten. Was gäben wir darum, wenn wir Luther in seinen Flugschriften oder seinen kraftvollen Tischreden selbst hörten, was, wenn Abraham ä Santa Clara seine mit Humor gewürzten Bußpredigten selbst halten könnte, was, wenn Goethe und Schiller selbst zu uns sprächen oder Fichtes Veden an die deutsche 'Kation aus seinem eigenen Munde vernommen würden? In die Geschichte klingt die Musik nicht nur mit Fanfaren. Signalen. Schlachtmusiken. Märschen und Friedenshhmnen hinein; große Ereignisse finden in historischen Liedern ihren Niederschlag. Man greife nur zu R. v. LilieNerons „Historischen Volksliedern der Deutschen" und ähnlichen Veröffentlichungen anderer Nationen, um zu erkennen, wie bedeutungsvolles historisches Geschehen Musik auslöste. Selbst Geographie und Naturwissenschaft können an der Schallplatte nicht vorbei, die Naturgewalten, das Nauschen des Wasserfalls, das Tosen des Meeres, das Donnern der Lawine, das Stürmen des Föhns, die Stimmen der Tiere, die Gesänge exotischer Völker, Die deutsche Studentin in Prag. Erfahrungen einer auslandsdeutschen Akademikerin. Unter dem Titel „Die deutsche Studentin in Prag" veröffentlicht eine Prager Hochschülerin im „Frouendienst". dem Nachrichtenblatt der Frauengruppen des „Vereins für das Deutschtum im Ausland" einen Bericht über das berufliche und soziale Leben der deutschen Studentinnen an den drei deutschen Hochschulen der Tschechoslowakei, vor allem der Prager. Cs heißt in den interessanten Ausführungen, die uns ein anschauliches Bild dieses auslanddeutschen Frauenlebens vermitteln, u. a.: „Erst mit dem Umstürze im Iahre 1918, also bedeutend später als in Deutschland, wurde die Frau als vollberechtigte Hörerin an den Hochschulen der Tschechoslowakei zugelassen, und seit dieser Zeit ist das Frauenstudium bei uns in stetem Wachstum begriffen. Es gibt in der tschechoslowakischen Nevublik mit ihren 3.5 Millionen deutschen Einwohnern drei deutsche Hochschulen, die infolge der wirt- schafttichen wie auch staatlichen Lage, welche ein Auslandsstudium äußerst erschwert, einen sehr starken Besuch aufweisen. Es sind dies die Deutsche Universität in Prag und die Deutsche Technik in Brünn. An der Prager Universität studierten im vorigen Studienjahr — bei einer Gesamtzahl von 4714 Hörem — 605 Frauen. Davon entfallen auf die medizinische Fakultät 234 inskribierte Hörerinnen, aus die philosophische 152, auf die naturwissenschaftliche 123, aus die juridische 96 und auf die theologische (kath.) Fakultät 0 (Frauen nicht zugelassen) inskribierte Hörerinnen. An der Deutschen Technischen Hochschule in Prag studierten 60. an der in Brünn 32 Frauen. Da das Frauenstudium in der Tschechoslowakei noch verhältnismäßig jung ist, so sind auch die Fürsorgeeinrichtungen für Hochschülerinnen so gut wie gar nicht ausgebaut. Dis in jüngster Zeit war die Studenttn ausschließlich auf Privatquartiere angewiesen. Als im Oktober vorigen Jahres — vom Verein für Studentensürsorge unter unendlichen Mühen und Opfern geschaffen — das neue deutsche Studentenheim eröffnet wurde, wurden auch gegen vierzig Studentinnen (von Universttät. Technik und Konservatorium) dort untergebracht. Die anderen freilich müssen sich nach wie vor mit mehr oder minder unzulänglichen — meist tschechischen — Privatquartieren begnügen. Daß das Wohnen in der völlig tschechischen Umgebung nicht dazu beitragen farm, Volksbewußtsein und Stammesgefühl in der Akademikerin zu wecken und zu erhalten, die doch einmal gestaltend in das sudetendeutsche geistige Leben eingreifen soll, liegt klar zutage. alles kann festgehalten und zur Belebung des Unterrichts herangezogen werden. Und wie reich sind nicht die Beziehungen zur Religion? Wir wissen ja. wie von jeher die Musik mit dem Neligionsunterricht der Schule aufs engste verknüpft war. Gibt es ein bequemeres Hilfsmittel als die Schallplatte, um in die kirchlichen Gebräuche der verschiedenen Äonfeffio- nen einxuführen? Wir können den Eynagogen- gefang lebendig werden lassen, der Muezzin kann von dem Turm der Moschee zum Gebet einladen, der Meßgesang der römischen Kirche vor uns erstehen und dabei die Liturgie wie der Chor in seinen Funktionen belauscht werden, der Choral der evangelischen Kirche vermag in seiner schlichten Schönheit als Gemeindegesang und in allen Phasen künstlerischer Gestaltung als Chorgesang zu erstehen. Die ganze unendliche Schönheit evangelischer und katholischer Kirchenmusik aller Zetten, gelungen von den berühmtesten Chören, kann in ihrer Beziehung zum Gottesdienst vor dem Schüler Leben gewinnen. Und Mathematik? Sahen die Neupythagoräer die Musik nicht als klingende Zahl an? Selbst der Zeichenunterricht bringt Parallelen über Parallelen, aber meist von einem Boden, der der Schallplatte fcmliegt. Herrscherin ist sie dagegen im Bereiche des Musikunterrichts. Wer will die Möglichkeiten alle aufführen, die sich der Schallplatte vom Elementarunterricht iii der Schule über den Konservatorien- und Hochschul-Unterricht bis zur Verwendung innerhalb der musikwissenschaftlichen Vorlesungen der Universität barbieten? Sie vermittelt die Kenntnis der Klangfarben der Instrumente und ihrer Mischungen, veranschaulicht melodische und harmonische Klangverbindungen, unterstützt die Untersuchung des formalen Aufbaus, hält'Ausführungspraktiken fest, zaubert im Augenblick Tonstücke von dem einfachsten, leicht hin- geträllerten Liedchen bis zum kompliziertesten Orchestergebilde herbei, vermittell die Literatur- kenntnis der Kunst aller Zeiten und VöUev» kann durch Fixierung des Dorttages der Desten Vorbild für künstlerische Leistungen, durch den Vergleich der Lehrmeisterin der Dorttagskunst fein, deckt als getreues Abbild der Dorlas» Fehlerquellen auf, kurz — ist unentbehrlich. Gewitz ist es köstlich, sich den Desitz eines Kunstwerkes zu erarbeiten, und beileibe darf die intensive Praxis durch die mechanische Wiedergabe nicht verdrängt werden. Aber der durch die Schallplatte gewonnene Zeitgewinn ist nicht zu unterschätzen. Wie lange dauert es. bis selbst ein gebildeter Chor ein Kunstwerk so hinstellt, datz man die Absicht des Komponisten ganz ersaht? Und wo sind die Sänger. Spieler, Chöre. Orchester und Dirigenten zu finden, die den Werken aller Zeiten und den Sttlrichtungen aller Perioden gerecht werden? Die Schallplatte kann die Auslese vom Desten geben, und natürlich dürfen für Schule und Unterricht nur die gelungenen Aufnahmen in Frage kommen. Der erfahrene Fachmann: Willenschaftier, Praktiker und Techniker, mutz die Entscheidung in der Hand haben. Dann aber ist die Schallplatte ein Segen für alle und gewinnt Bedeutung als hervorragendes Erziehungsmittel zur Kunst überhaupt. ZwerguniversMen. Altdorf, Oillingen, Helmstedt... Don Dr. Stephan Kekule von Stradonih. (Nachdruck verboten!) Das gelobte Land der „Zwerguniversitäten" ist heute noch Italien. In diesen aus so vielen verschiedenartigen Staatsgebieten im 19. Jahrhundert zusammengeschweihten Königreiche gibt es in manchen kleinen Städten noch, teilweise sehr alle, Universitäten, von denen im italienischen Dolksmundr die Nede gebt, „sie hätten beinahe ebenso viele Dozenten, wie Studenten". Das ist nun natürlich übertrieben, aber Tatsache ist doch, datz bei diesen italienischen Zwerguniversitäten die Lehrkörper ganz unverhältnismäßig groß im Derb.ältnisse zu der Gesamtzahl der Studenten sind. Don solchen sehr fleinen Hochschulen sind Macerata, Lassari und Siena: staatliche; Camerino, Ferrara und Urbino: „freie“. Das durch seine schone Frauen und die Artischocken seiner Umgebung berühmte Städtlein Macerata liegt in Mittelitalien und hat nach der letzten Zählung etwas über 12 000 Einwohner. Die Universität, 1290 gegründet, 1540 erneuert, ist neuerdings zu einer juristischen Fakultät mit rund hundert Studierenden zusammengeschrumpft und hat deshalb keinen so sehr großen Lehrkörper mehr. Lassari liegt auf Sardinien, hat eine 1556 gegründete, 1766 erneuerte Universität mit zwei Fakultäten. der juristischen und der medizinischen, und etwas über 200 Studenten. Seine Einwohnerzahl beträgt über 36 000. Das als „Kunststätte" und namentlich durch seinen Marmvrdvm im gotischen Stil so berühmte Siena mit seinen rund 33 000 Einwohnern, hat eine im 13. Iahrhundert gegründete Universität. Auch hier nur eine juristische und eine medizinische Fakultät, mit zusammen 450 und fünfhundert Studenten. Camerino, in der gleichen Gegend Italiens, wie Macerata gelegen, ist wohl die an Einwohnerzahl Heinfte Universitätsstadt der Welt: sie hat rund 5000 Einwohner. Ihre zweisakultätige (wie oben) Universität, 1727 gegründet, hat rund 250 Studenten. Das durch Goethe, Tasso, den Dichter Ariost und viele Kunstbauten, darunter der „Palazzo dei Diamanti“, bemerkenswerte Ferrara hat an die 40 000 Einwohner. Seine schon von Kaiser Friedrich I. gestiftete Universität wurde 1402 erneuert. Obwohl sie einen prachtvollen Palast, (Dau des 14. Jahrhunderts, 1587 umgebaut), als Sitz hat, wurde sie in der Franzvsenzeit ausgehoben, dann aber 1824 wieder eröffnet und hat drei Fakultäten (Medizin. Rechts- Wissenschaft, Naturwissenschaften). Iehige Stu- dentenzahi: über 300. Urbino endlich, in Umbrien gelegen, überall bekannt als Geburtsort Nasfaels, einst Nesidenz der Montefeltro und mit deren prachtvollem Paläste, dann der della Rovere als „Herzöge von Urbino", hat eine 1506 gegründete Universität. Die Stadt hat rund 6300 Einwohner, die Universität rund 850 Studenten, gehört also eigentlich schon nicht mehr zu den „Zwerguniversitäten". Der Prorellor der Deutschen Universität in Prag. Dr. August Nägle. äutzerte sich jüngst: „Wenn ich das ganze Studentenwesen an den Prager deutschen Hochschulen überblicke, so tut am kneiften not die Sammlung dcr nach den verschiedensten Nichtungen hin schwer geschädigten weiblichen Studierenden, die noch sehr, ja alles zu wünschen übrig läßt. Eine ideelle und finanzielle Unterstützung dieser unbedingt notwendigen Destrebungen würde ich außerordentlich begrüßen." Mit Beginn des Wintersemesters hat deshalb die „Akademia", der Nede- und Leseverband christlich-deutscher Hochschüler, einen „Studentinnendienst" (nach Breslauer Beispiel) ins Leben gerufen, der sich die Sammlung der Hochschülerinnen zur Weiterbildung und Geselligkeit zum Ziel gesetzt hat. sie in Aussprache-Zirkeln für Dolksbildungsarbeit und Grenzlandfragen schulen und ihnen durch tatkräftige soziale Mithilfe das Gefühl der Zugehörigkeit zum Dolksganzen geben will. An sonstigen Studentinnenvereinigungen besteht in Prag nur noch der Kreis katholisch- deutscher Hochschülerinnen „Stafselstein". Anfangs waren es nur einige wenige, jetzt ist es schon eine ganz ansehnliche Zahl, die sich darin zusammengeschlossen hat. In den Ferien trägt dann die Staffel stein- Hochschülerin das, was sie sich erarbeitet hat. hinaus ins praktische Leben. Man schätzt sie als Lehrmeisterin für Volkslied und Tanz, als Leiterin von Aussprachekreisen, bei Volksbildungs- Wochen; dcr deutsche Kulturverband schickt sie als Wanderlehrerin in die Slowakei und ind bedrängte Sprachgebiet, damit sie dort Helse. Treue zum Vätergut und Liebe zur Muttersprache zu erwecken. So bewahrt sich unsere Studentin durch die Berührung mit dem frischen, strömenden Leben vor der Gefahr der Einseitigkeit. Die gemeinsame Arbeit mit Werktätigen öffnet Auge und Herz für die große Not unseres sudentendeutschen Dolles und stellt sie schon als Studentin hinein in den Kreis, in dem sie sich gelobt hat. einmal nach besten Kräften zu wirken und zu schaffen. Unser großes Interesse gilt der Frauenbewegung im Reich, die der unseren eine ganze Generation voraus ist. Auf unseren Studienreisen nach Deutschland nehmen wir mit einem wahren Heißhunger alles neu aus, um es dann recht nutz- bringend bei uns einzubauen. Aber ob nun diesseits der Grenze oder jenseits, — eins verbindet und eint uns: Der Glaube an Sendung und Aufgabe der deutschen Frau, der Wille zum gemeinschaftlichen Dienst am deutschen Volk. In diesem Sinne grüßen die sudetendeutschen Hoch- schülerinneu.die deutschen Frauen im Reich und fühlen sich ihnen eng und tteu verbunden." Oer Herr Lehrer atmet und gurgelt vor. praktische Hygiene in der Volksschule. Von Hans Brückner. Die Idee stammt aus England. In den Londoner Volksschulen batte man im vergangenen Winter wahrend der Grippeepidemie Wahlstunden für praktische Hygiene eingeführt. Den Kleinen wurde ein Becher Wasser in die Hand gegeben, und sie mußten tüchtig gurgeln. Auch Schularbeiten hatten sie anzufertigen: „How I gurgle daily“. Plakate und Broschüren wurden unter die Kinder verteilt, alle den- selben Gegenstand betreffend: Die Vorbeugung gegen die Grippe. Die Stunde war allerdings an die Aktualität der Krankheit gebunden. Als die Epidemie aufhörte, wurden auch die Stunden wieder ausgesetzt. Die deutsche Pädagogik erkannte die große Tragweite dieses Gedankens, griff ihn auf und führte ihn weiter. Die deutschen Pädagogen sagten sich: Die Gurgelstunde ist nicht nur in Zeiten der Gefahr am Platze, mehr noch in gesunden Tagen. Die Unterweisung der Kleinen in dem Wie und Warum des täglichen Gurgelns soll ja der Vermeidung der Krankheiten gelten. Krankheiten können aber um so eher vermieden werden, je früher die Vorbeugungsmaßnahmen unterrichtet und angewöhnt werden. Die Versuche wurden jetzt in einer der fortschrittlichsten Volksschulen unter Leitung des bekannten Schulhygienikers Rektor Friedrich Lorentz gemacht. Die Kinder werden hier in der praktischen Hygiene, d. h. in der täglichen Gesundheitspflege, unterrichtet. Die Jungens und Mädels nennen diese Stunde „Gurgelstunde", denn sie beginnt mit dem Gurgeln. Jedes Kind hat einen Aluminiumbecher und feine eigene Zahnbürste. Der Lehrer macht es vor und die ganze Klasse gurgelt im Chor nach. Zn fortgeschritteneren Klassen sind sogar einige Schüler dazu bestimmt, vorzugurgeln. Auf einer großen Karte und auch an Wachsmodellen wird ein offener Rachen gezeigt mit Mandeln, Zunge, Gaumen. Den ganz Kleinen wird dann erklärt, was für eine Bedeutung und was für einen Wert das tägliche Gurgeln hat. Wer sich das Gurgeln einmal richtig angewöhnt hat, der verhütet eine Menge von Krankheiten, Mandelentzündung, Erkältung, Magenbeschwerden usw. Es ist sehr wichtig, daß der Mund tüchtig ausgespült wird, denn zu Hause wird den Kindern die Kunst des richtigen Gurgelns sehr selten und auch dann nur oberflächlich beigebracht. Nach dem Gurgeln kommt das Zähneputzen. Auch hier kommt es nicht nur darauf an, daß man mit der Zahnbürste die vorderen Zähne überfährt. Die Zähne müssen von unten nach oben, von oben nach unten, von innen und außen gründlich bearbeitet werden. Nur so hat der Mensch ein Die deutschen wahren ..Zwerguniversitäten": Alidors. Dillinger Helmstedt. Ingolsiad unb Hinteln gehören alle her Vergangenheit an. Altdorf ist dadurch merkwürdig, daß der Staat, der die dorttge Universität von 1623 bis 1806 unterhielt. der Stadtstaat -Freie Reichsstadt Nürnberg" war. In Altdcr ha 159?. als die spatere .Universität" noch „Gymnasium war, der große Wallenstein studiert, wurde aber wegen toller Streiche von der Anstalt entfernt. Das altertümliche Städtchen verdient noch heute einen Desuch, kein Fremder geht aber hin, weil Nürnberg alle Reisenden gesessell hält. D i l l i n g e n, Residenz der D-schöse von Augsburg von 1488 ab, hatte 1549 bis 1804 eine vom dortigen Hochstift unterhaltene Universität. Dieses Städtlein wäre einmal beinahe der Schauplatz eines weltgeschichtlichen Ereignisses geworden, indem daselbst auf den, während seiner Verbannung in Deutschland zuerst dort, dann in Dlankenburg am Harze wohnenden nachmaligen König Ludwig XVIII. von Frankreich ein Attentat gemacht wurde (19. Juli l c96), das aber fehlschlug. Helmstedt, braunschweigische Universität von 1576 bis 1809 laufgehoben durch König Hieronymus von Westfalen) verdient ein paar genauere Kennzeichnungen. Das „Iuleum" genannte, 1592 bis 1597 in edelster deutscher Renai sance erbaute Universitätsgebäude ist eine besondere bauliche Zierde der Heinen Stadt und lohnt noch heute einen Ausflug dorthin. Personalgeschichtlich ist Helmstedt dadurch bedeutsam, datz der Großvater der Mutter des Reichskanzlers Otto von D.s- marck, der Iurist Gottfried Ludwig Mencken (gestorben 1762) und der vielseitige Gelehrte und Sammler Gottsried Christoph Dei reis (gestorben 1809) daselbst Professoren gewesen sind, sowie datz Goethe mit seinem Sohne August diesen Wundermann und Sonderling im Iahre 1805 dort besucht hat. Goethe und sein Sohn waren damals wiederholt Tischgäste bei Deireis. Das alte Patrizierhaus, in dem dies geschehen ist, steht heute noch und ist mit einer Gedenllasel versehen. Es gehört der Helmstedter Freimaurerloge und ist infolgedessen wohl erhalten. Ingolstadt, schön an der Donau gelegen, war seit 1410 Universität. Diese wurde 1800 nach Landshut und 1826 nach München verlegt. Ingolstadt ist in gewisser Beziehung dadurch merkwürdig, datz hier der berühmte Stifter des „Illu.ni- natcn-Orbenä“ Adam Weishaupt (gestorben 1830) geboren war, Student gewesen ist, die Doktorwürde der Rechte erwarb und 1772 außerordentlicher, 1775 ordentlicher Prosessor der Rechte wurde. Diese Lehrstelle verlor er 1785. Ingolstadt ist Ende des 16. Jahrhunderts aber noch eine sehr große Universität mit rund 4000 Studenten gewesen. Die 1621 gestiftete, ursprünglich reichsgräslich Schaumburgische (Holstein-Schauenburgische), seit 1640 mit Hessen-Kassel gemeinschaftliche, seit 1665 nur noch Hessen-Kasselische, 1809 auf gehobene Universität Rinteln an der Weser ist vorzüglich dadurch merkwürdig, daß ihre Universitätsmatrikel gänzlich verloren ist. Vor einigen Jahren sollen ein paar Dlätter daraus bei einem Handwerker in Rinteln gesunden worden sein. Alle diese kleinen und kleinsten unter den untergegangenen Universitäten Deutschlands haben übrigens, wie festgestellt werden muß, in den Zeitkäufen ihres Bestehens auch bedeutende Lehrkräfte gehabt und zum Teil sogar Zierden der Wissenschaft hervorgebracht, so daß ihnen in der Geschichte der Wissenschaften ein ehrenvoller Platz julommt. schönes Lachen und eine betriebsfähige Brotmühle, und nur so kann man Zahnschmerzen vermeiden. Der Lehrer zeigt einen großen hohlen Zahn. Er ist so groß wie ein Kinderkopf und nur aus Pappe. Aber in der Mitte hat er eine tiefe, schwarze Höh. hing, darin sitzt der Zahnteufel, der die schrecklichen Zahnschmerzen schaffen kann. Die Stunde ist noch lang. Jetzt kommt Handpflegeunterricht. Man sollte glauben, das Maniküren der Nägel sei ein Luxus. Aber hier werden die Kleinen dazu angehalten, sich die Nägel ordentlich zu pflegen. Die Haut muß zurückgeschoben werden, damit keine Risse in die Ränder kommen und sich Krankheits- keime festsetzen. Die Nägel selbst müssen mit einer Bürste und einem weichen Holzstäbchen gereinigt werden. Also ein vollständiger Manikürunterricht. Nachdem dann noch die allgemeine Sauberkeit gründlich untersucht worden ist, kommt die Atem- st u n d e, in der die Kunst des richtigen Atmens gelehrt wird. Man sollte glauben, daß das der Mensch schon von seiner ersten Lebensminute an kann. Sein ganzes Leben lang muß man doch schließ- lich atmen! Weit gefehlt! Nur wenige Menschen können ridjtig atmen, und die meisten liebel und Krankheiten entstehen durch falsche Atmung. Das ist eigentlich ein Kapitel für sich, ein neues Kapitel m der neuen Gesundheitsstunde, das auch Erwachsene beherzigen sollten. Aber die Erwachsenen haben es einmal falsch eingeführt, und bei ihnen würde die Sache schwieriger zu ändern sein als bei den Kleinen, die sich das Unrichtige noch rechtzeitig abgewöhnen und das Richtige angewöhnen können. In dieser Schule werden die ganz neuen Methoden der Atem- technik angewandt. Am offenen Fenster ober braußen im Hof wirb bei Ausbehnung bes ganzen Körpers durch die Nase eingeatmet, die Luft lange angehalten und dann langsam bei Entspannung bes ganzen Körpers ausgeatmet. Nach 20 bis 30 solcher Tief- atmungen fühlen sich die Kinder bedeutend lebhafter und frischer. Die Kinder, die hier alle Gesundheitslehren prak- tisch mitmachen müssen, haben auch theoretisch über die Sache nachzudenken. Ihre Schularbeiten und ihre Zeichnungen müssen sie in diesem Sinne anfertigen. Den ganz Kleinen wird die Sache witzig durch Kasperletheater beigebracht. Sie sitzen im Turnsaal und hören dem spaßigen Kasperle zu, das tausendundeinen Witz reißt über Gurgeln Zähneputzen, faule Zähne, dicke Backen und Kamillenbeutel. Am Ende hat Kasperle selbst einen Becher in der Hand, der Becher ist dreimal so groß wie das kleine Kerlchen, und eine gewaltige Zahnbürste, die wie ein Besen in der Hand des kleinen Stoffmännchens aussieht. Er macht es vor, und Hunderte von Kindern gurgeln im Chor nach. Oder Kasperle dehnt sich, schöpft Atem, beugt sich, atmet ein, atmet aus. Und während man sich angeregt unterhält, hat man eine der nützlichsten Stunden, die Hygienestunde, hinter sich. Tagung des Kn'egerbundes „Hassia" Moskauer Stellen verbreitet wird, daß dritte Staaten, oder deren Interessen direkt oder indirekt davon unter keinen Umständen betroffen werden sollen, ja, daß der Berliner Vertrag zum Muster für die Verhandlungen mit Frankreich genommen werden wird, so muß die Eindringlichkeit dieser Unterstreichungen doch große Sorge Wecken. Warum betont Moskau so ostentativ, daß Deutschland nichts zu fürchten hat von diesen Besprechungen, warum wird so deutlich unterstrichen, daß etwa eine Garantie der polnischen Grenze nicht beabsichtigt sei? 3ft das etwa von Frankreich gefordert, oder gar als Voraussetzung für den Beginn der Aussprache gewünscht worden? Berlin wir gut tun, sich diesen Verhandlungen mit aller Aufmerksamkeit zu widmen. Wiesen die „Iswestija“ doch noch am 31. Mai in einer Besprechung über die Lage nach Genf darauf hin, daß Frankreich, das in den Besprechungen in Genf über die deutsch-österreichische Zollunion „einen rein negativen Sieg errungen habe", wohl sehr bald die Initiative ergreifen und das Gesetz des Handelns bestimmen werde. Und die Erwähnung der Konferenz von Chequers als einer Schlappe für Frankreich und das Bestreben, sich die französische Argumentation von einer „deutsch-englischen Front "zu eigen zu machen, kann nur als eine Mahnung an die Pariser Adresse aufgefaßt werden, sich nunmehr anderwärts nach geeigneten Verbündeten umzusehen. Es erscheint zwar vorzeitig, von einer französisch-russischen Gefahr für Deutschland zu sprechen. Es ist aber sehr Wohl angebracht, auf diese neue Entwicklung hinzuweisen. Hat man übrigens in der Wilhelmstraße die Verhandlungen über die Verlängerung des Berliner Vertrages (über die erschreckend wenig zu hören ist) genügend und richtig vorbereitet? sische Geschäft stecken, ohne sich Sicherungen hinsichtlich der Schulden geben zu lassen. Diese Frage wird überhaupt das schwierigste Problem der ganzen Verhandlungen sein. Man weiß, wie hartleibig Moskau in der Schuldenfrage ist, und trotz seiner umfangreichen Verpflichtungen gegenüber allen ehemals alliierten Ländern ist es bis heute noch nicht einem von ihnen gelungen, auch nur eine teilweise Anerkennung der Dorkriegsschulden zu erzielen. Deutschland kann aus der Tatsache dieser Verhandlungen wieder einmal die bittere Erfahrung über den Wert russischer Versprechungen und russischer „Aussichten" machen. Während die erste große Lieferung deutscher Maschinen auf Grund des neuesten Vertrages an der Moskauer Intransigenz und den taktischen Winkelzügen der bolschewistischen Außerchandelpolitiker sich zerschlagen ha", scheint nunmehr ein bisheriger Auhen- feiter das Rennen zu machen. Zwar ist hierin unsere Position keineswegs hoffnungslos, und besonders wegen der Schuldenfrage brauchen wir uns keine grauen Haare wachsen zu lassen, da Deutschland in dem Rapalla - Vertrag auf seine Ansprüche nur verzichtet hat, „vorausgesetzt, daß die Sowjet-Regierung auchähnlicheAn- sprüche dritter Staaten nicht befrie- d i g t". Außerdem haben aber alle bisherigen Erfahrungen gelehrt, daß auch die französischen Bäume in Moskau nicht in den Himmel wachsen dürften, wie es die englischen und amerikanischen nicht vermocht haben. Aber der Pariser Zusatz in dem Bericht über die Verhandlungsaufnahme stimmt dennoch bedenklich. In ihm heißt es, daß auch über einen politischen Richtangriffspakt verhandelt werden solle. Wenn auch bisher von ben amtlichen WSR. Michelstadt (Odenwald), 16. Juni. Am Sonntag wurde hier die Tagung des Kriegerbundes „Hassia" abgehalten, die aus allen Teilen Hessens stark besucht war. Am Samstagabend fand eine Begrüßungsfeier statt, an der auch der ehemalige Großherzog mit dem Erbgroßherzog Donatus teilnahm. Die geschäftliche Tagung am Sonntag wurde vom ersten Präsidenten der Kriegerkameradschaft „Hassia", Generalleutnant a. D. von Oidtmann, eröffnet. Kreisdirektor v. W e r - n e r überbrachte im Ramen des hessischen Innenministeriums die besten Grüße zur Tagung. Bürgermeister Reff, Michelstadt, wünschte ebenfalls der Tagung einen ersprießlichen Verlauf. Der erste Präsident erstattete sodann den Geschäftsbericht, aus dem besonders zu erwähnen ist, daß es gelungen ist, im abgelaufenen Verbandsjahre die Iugendgruppen und Schießabteilungen wesentlich zu vermehren. Er wies noch besonders darauf hin, daß es notwendig sei, sich noch mehr als dies seither schon geschehen ist. der Jugend anzunehmen. Weiter gab er noch beachtenswerte Winke in bezug auf die Kassenführung der einzelnen Bezirke. Lieber die Kassen- verhältnisfe der Hassia gab sodann der Schatzmeister, Oberapotheker Pfannmüller. die notwendigen Erklärungen. An Unterstützungen wurde im abgelaufenen Geschäftsjahre allein der Betrag von 19113 Mk. ausgegeben. Die Summe der Gesamtausgaben beträgt 209 184,16 Mk., im Voranschlag waren eingesetzt: 186 489,26 Mk.,- die Summe der Gesamteinnahmen beträgt 208 294,90 Mark (Voranschlag 186 720 Mk.). Die Entlastung des Schatzmeisters wurde ohne weitere Debatte erteilt. Der zweite Präsident der Hassia, Ober- regierungsrat Linden st ruth, berichtete sodann über die mit den einzelnen Versicherungsgesellschaften abgeschlossenen Verträge. Sodann beschäftigte man sich mit dem Thema „Kriegsbeschädigtenfürsorge". Das Referat hierzu hatte Oberleutnant a. D. Krömmelbein übernommen. Gegen die überaus harten Bestimmungen der Rotverordnung habe sich der Ktzffhäuserbund bereits mit einer Kundgebung geäußert. Die Kriegerkameradschaft Hassia werde üjre ganze Kraft emsetzen, um die Rotstände zu beseitigen und durch unermüdliche Tätigkeit in kameradschaftlicher Treue und Dankbarkeit alles tun, die berechtigten Wünsche derer erfüllen zu helfen, die für die Verteidigung im* seres Vaterlandes die größten Opfer gebracht haben. Im weiteren Verlauf der Tagung erstattete der Referent für Kleinkaliberschießen Bericht über diesen Zweig des Verbandes. Im ganzen sind nun 191 derartige Abteilungen angemeldet. Kaufmann Freund, Mainz, der Leiter der Hassia- Iugend, gab dann eine kurze Erläuterung über den Stand dieser Abteilung der Hassia. Er konnte mitteilen, daß bis jetzt in 136 Abteilungen fast 2000 hassia-Jungens zusammengeschlossen feien, die sich rege ihren Aufgaben widmen. Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: Laut Satzungen scheiden aus: Schmitz, Alzeh: Scriba. Schotten: Röder, Reichelsheim i. Odenw., und P v r t h , Offenbach. Die drei ersteren wurden durch schriftliche Abstimmung wiedergewählt: für P o r t h , Offenbach, wurde Muhl, Fürth i. Odenwald neu gewählt. Vorth wurde in Anerkennung seines jahrzehntelangen Wirkens im Präsidium zum Ehrenmitglied des Präsidiums ernannt. Als Ort für den nächsten Verbandstag wurde Alzeh bestimmt. Am Rachmittag bewegte sich ein stattlicher Festig durch die Straßen der Stadt nach dem Stadion, voran acht Berittene in den Uniformen der alten Armee. Im Stadion angekommen, schritt Generalleutnant von Oidtmann die Front der Rochdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Moskau, im Juni. Das Moskauer Außenkommissariat hat sich olle Methoden der „verruch!en Geheimdiplomatie der imperialistischen Westmächte" zu eigen gemacht. Als Litwinow nach Genf abreiste, verlautete in Moskau nichts über die besonderen Hoffnungen, die man im Kreml hinsichtlich der Genfer Zusammenkunft hegte. Die Moskauer Presse war an- gefüllt mit ellenlangen Berichten über jede einzelne Phase der Verhandlungen vor dem Europa-Ausschuß, und man gab sich den Anschein, als nehme man diese Aussprache außerordentlich ernst. Daß Sowjetruhland aber die Reise nach Genf nicht unternahm, um den Gedanken der paneuropäischen Union zu stärken, oder auch nur zur Beseitigung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in den kapitalistischen Ländern beizutragen, konnte klar sein. Herr Litwinow wollte die Genfer Pazifisten mit ihren eigenen Waffen schlagen, er wollte den Friedensapostel mimen, um im Falle der Ablehnung seines Vorschlages eines wirtschaftlichen Richtangriffspaktes festzustellen, das sei der Beweis für die sowjetfeindlichen Genfer Machenschaften, für die Vorbereitung eines Krieges gegen die Sowjetunion. Aber in Genf hatte man ihn durchchaut. Man hat seinen Vorschlag nicht abgelehnt, hat ihm nicht den Gefallen getan, ihm eine neue Parole zu liefern, und die Ueberweisung des russischen Vorschlages an die Unterkommission ist in der Schlußbetrachtung des gleichen sowjetamtlichen Blat es als ein wesentlicher Erfolg Litwinows bezeichnet worden. Der Außenkommissar selbst hat sich aber mit diesem „Erfolg" nicht begnügt. Er hatte sich ein weiteres Ziel gesteckt, er wollte den Weg nach Paris gehen. Deshalb schmeichelte er D r i a n d, als dem Hauptmanager Paneuropas, deshalb patzte er sich „trotz der verschiedenartigen Wirtschaftssysteme ganz der Genfer Atrnosvhäre an, um über d ie pazifistische Land st ratze desDöl- k e r b un d e s de n schm a l e n P f a d zu dem Beutel Frankreichs zu finden. Und er scheint Erfolg zu haben. Es ist überaus kennzeichnend für die Moskauer Geheimdiploma ie, datz die sowje'.russ sche Oefsent- lichkeit die erste Rachrick'^ über bi' 'n Genf Zwischen Litwinow und D r i a n d getro fgne Vereinbarung über vie Aufnahme von - e^ andlungen in Paris — aus der französischen Presse erfuhr. Und erst als das Außenkommisfariat von den Vertretern der auswärtigen Presse bestürmt wurde, bequem‘e man sich, zuzugeben, daß diese Derhand- lurtge; i. erster Lini: tt irtscha ilichm Fragen, dann aber auch cem Bestreuen gel.en, einen politischen Richtangriffspakt ab'uschlietzen. Eine fast vier Jahre andauernde Periode schärfster Spannung neigt sich damit ihrem Ende entgegen. Rach dem ergebnislosen Abbruch der Verhandlungen über die Schuldenfrage Ende 1927 bestanden zwischen Moskau und Paris so ungeheure Schwierigkeiten, datz die diplomatischen Beziehungen sich eigentlich nur noch in dem Austausch von Protestnoten und schwersten Angriffen erschöpften. Der französische Botschafter Herbette spielte dabei in Mo i. au eine wenig beneidenswerte Rolle. Persönlich ist er für eine Annäherung zwischen beiden Ländern, aber er konnte weder die Moskauer haßerfüllten Aeuherungen gegen den französischen Imperialismus abwenden. in dem Moskau den Inbegriff aller Sowjetfeindlichk.it erblickt, noch seine eigenen Landsleu.e zu einer Mäßigung bewegen. . Wo liegt der Ursprung dieser Verhandlungen, welche Zwecke verfolgen sie und wie sind ihre Äus- ? sichten? Im Mai schrieb ins wirtschaftsamtliche " Moskauer Blatt, die „Ekonomitscheskaia Schisn", 7 im Anschluß an den deutsch-russischen Lieferungsvertrag in einem „Europäische Gespräche und europäische Tatsachen" betitelten Aufsatz fast allzu deutlich, datz es zwar sehr erfreulich sei, wenn Deutschland und Italien eingesehen hätten, daß es notwendig sei, Rußland Kredite zu gewähren. Beide Länder verfügten aber leider nicht über große Ueberschüsse freien Kapitals, und es werde sich erst zeigen, ob auch andere Länder, „die über größere Kapitalien verfügen", ebenfalls mit Moskau geregelte Handelsbeziehungen anzuknüp- ten wünschten. Um die gleiche Zeit veröffentlichte das Autzenhandelskommissariat die Handelsbilanz, aus der hervorging, daß der russische Außenhandel andauernd p a s s i v ist. Der Ausfuhr im ersten Quartal von nur 196 Millionen steht eine Einfuhr von 251 Mill. Rubel gegenüber. Beide Tatsachen sprechen für sich und stoßen die Moskauer Regierung auf den Weg, der ihr die größten und billig st en Kredite verspricht. Der Kreml braucht zur Anschaffung der für die Durchführung des Fünfjahresplans notwendigen Maschinen Devisen, die er sich nur auf dem Wege der Kredite, oder durch verschärfte Ausfuhr lebensnotwendiger Waren, die er dem eigenen Volke entziehen mutz, beschaffen kann. Gegenüber der russischen Ausfuhr verhalten sich alle europäischen Länder im eigenen Interesse sehr zurückhaltend, ja ablehnend, und die Kreditfrage hat weder in dem deutschen, noch in dem italienischen Lieferungsvertrag eine im Sowjetsinne günstige Regelung erfahren. Ein gerüttelt Maß Schuld daran trägt allerdings die Moskauer Taktik selbst, die es auch heute noch nicht lassen fanrt, das eine Land in der übelsten Weise gegen das andere auszuspielen. Jedenfalls gingen die stillen Wünsche der Müskauer Machthaber schon lange in der Richtung auf eine Verständigung mit dem kapitalkräftigsten Land in Europa in der Hoffnung, durch eine günstige Lösung der schwebenden Streitfragen in den Besitz größerer Kredite zu gelangen. Die Vorarbeiten hierfür sind seit langem im Gange. Rach dem Besuch der deutschen Industriellen hat derselbe Her - bette, trotz all seiner schlimmen Erfahrungen, immer wieder den Gedanken einer französischen Wirtschaftsdelegation f ür Rußland zur Debatte gestellt. Auf seine Anregung und als Ergebnis der Moskauer Propaganda wurde dort eine französisch-russische Kam- mergruppe gebildet, die sich eine wirtschaftliche Annäherung zum Ziel setzte. Als deren Exponent hat noch in oiesem Frühjahr der ehemalige Minister de Mvnzie in Moskau einen Besuch ab- geffattet und hier die Voraussetzungen für die Aufnahme von neuen Verhandlungen zu klären versucht. Der Boden war also genügend vorbereitet, um in Genf die abschließenden Besprechungen mit Briand über das Programm und das Datum der französisch-russisch'"' Konferenz zu führen. Daß die europäische (und auch russische) Oes- fentlichkeit damit vor ei.te vollzogene Tatsache gestellt wurden, ist nur darauf zurückzuführen, daß die Schwierigkeiten überschätzt und die bestehende Spannung als zu groß angesehen wurde. Gleichwohl ist nicht mit einem schnellen und reibungslosen Verlauf und einem baldigen Abschluß der Verhandlungen zu rechnen. Die von Paris verfügten Einschränkungen der sowjetrussischen Einfuhr und die der Pariser Handelsvertretungi auferlegten Bedingungen für ihre Tätigkeit in Frankreich werden noch vielleicht die kleinsten SchwieriÄeilen darstellen. Dahinter erheben sich aber drohend die Ansprüche der französischen Rentenbesitzer und die russischenKre- di t w ü ns ch e, die die größten Hemmnisse für eine schnelle Einigung sind. Paris wird das in den Kellern der Bank von Frankreich angehäufte Gold wohl kaum leichtfertig in das risikoreiche ruf- Moskaus Weg nach Paris Von unserem dl.-DeriHterstakter. Brandung deslebens Vornan von Käte Lindner. (Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.) 14. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Die Engländerin schüttelte verneinend den Kopf, während er mit einer Verbeugung an ihr vorüber durch die Halle stürmte und den List bestieg. Oben prallte er beinahe mit Mih Galvestone zusammen, die eben den Korridor herunterkam und ihn fragte, ob er Signore Petrowitsch gesehen habe. Er f drittelte bedauernd den Kopf, er könne leider keine Auskunft geben, sagte er im Weiter» stürmen. Verwundert schaute sie ihm nach. Was hatte heute der sonst so gehaltene Direktor? Mih Galvestone stieg die Treppe hinunter, durchschritt die Halle, den Speisesaal, die Bibliothek. Rirgends war eine Spur von Petrowitsch zu entdecken. Schon wollte sie den beabsichtigten Spaziergang allein antreten als sie den Gesuchten draußen auf der Terrasse, halb verborgen von einem Magnoliengebüsch, entdeckte. Er satz auf einer Dank, mit dem Rücken dem Hause zugewandt und starrte unentwegt hinaus auf den glänzenden Spiegel des Sees, wandte sich Nicht einmal um, als er die herannahenden Schritte hörte. Mih Galvestone lieh sich ohne Umstände an seiner Seite nieder. Mit herrischen Augen sah sie in sein Gesicht, wollte fragen: Signove Petrowitsch, warum weichen Sie mir aus, warum verbergen Sie sich immer da, wo Sie niemand finden kann? Aber die zurechtgelegte Rede erstarb auf ihren Lippen. Verstörte, tief in den dunkel umrandeten Höhlen liegende Augen sahen sie an. Bleich und verfallen war sein Gesicht, und die Augen flackerten wie die eines Irren, ©eine Hände fuhren nervös hin und her, er sah Mih Galvestone an, als wäre sie ihm ganz fremd. Da nahm sie die beiden unruhig zuckenden Hände in die ihren und fragte beschwörend: „Signore Petrowitsch, sind Sie krank? Ihr Aussehen erschreckt mich, was fehlt Ihnen, tat Ihnen jemand ein Leid an? Reden Sie doch, haben Sie Vertrauen zu mir.“ Da lachte er. Ein verstörtes, heiseres Lachen. Seine Fäuste ballten sich, er stieh sie vor sich in die Luft, als wolle er einen Gegner damit nieder- schlagen. Dann rang es sich von seinen Lippen: „Gehen Sie, Mih Galvestone, gehen Sie. Lassen Sie mich allein mit meinen finsteren Gedanken, ich muh mich sammeln, muh scharf nachdenken... 2ch, keiner wird mir glauben hier im fremden Land, keiner mir zu meinem Recht verhelfen. Ich..." „Ich glaube an Sie, Kyrill...“ Mih Galvestone legte ihre große, schön geformte Hand auf seine Schulter und brachte ihr Gesicht ganz nahe an das seine. „Ich glaube an Sie, denn ich liebe Sie, Kyrill." „Liebe", sagte er nur und lachte bitter. „Liebe schenken Sie Ihre Liebe einem anderen, Würdigeren als ich es bin, Miß Galvestone. Meine ©eele ist tot, sie kann nicht mehr an Liebe glauben, kann keine Liebe geben. Rur ein Sinn ist noch lebendig in mir: Rache will ich nehmen an meinen Feinden. Sie stahlen mir alles. Meinen Ramen, Tatiana, meine Ehre und meinen Besitz. Rache... Aber keiner wird mir glauben, daß...“ „Sie sind krank, Kyrill, Sie reden wie ein Irrer", sagte sie, und kein Ton von Gekränktsein war in ihrer Stimme. „Ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen, Kyrill, schon längst wollte ich es tun. Kommen Sie mit mir nach Amerika. Ich bin reich, unabhängig, große Werke warten drüben auf die führende Hand. Alles trage ich Ihnen an, Kyrill, ich, die Frau, mache Ihnen einen Heiratsantrag. Keiner, der Gllinor Galvestone kennt, würde es glauben, daß sie ihre Hand und ihr Herz einem entgegenträgt, der ihr nie von Liebe sprach. Aber ich trage mein Herz und meine Liebe in meinen Händen, ein königliches Geschenk. Stoßen Sie es nicht von sich, Kyrill, ich kann warten, werde mich bescheiden. Und eines Tages wird alles, was jetzt tot und begraben und verschüttet ist in Kyrill Petrowitschs Brust, zu neuem Leben erwachen. Auf diesen Tag wird Ellinor Galvestone warten, nie wird sie erbetteln, was ihr nicht freiwillig gegeben wird. So viel wird jetzt geredet und geschrieben von Kameradschaftsehe ... Auch die unsere würde eine solche fein, so lange es Kyrill Petrowitsch gefällt." Wie aus weiter Ferne drangen ihre Worte an fein Ohr. War er sich bewußt, daß hier das Glück an seinem Wege faß, bereit, fein Lebensschiff in einen sicheren Hafen zu steuern? Sein Geist ist zerrüttet, es kann nicht anders fein, dachte Miß Ellinor, und ihr Herz zog sich in Schwere zusammen. Ihm aber kam plötzlich zum Bewußtsein, daß hier ein Mensch war, der seine besten Gefühle an einen Undankbaren verschwendete. Ein Mensch, der in die ungeheure Leere seines Lebens hinein Liebe und Wärme tragen wollte. Schuldbewußt neigte er sich über Miß Galveftones Hand und küßte sie. zum erstenmal mit einem wärmeren Gefühl ihr gegenüber. „Verzeihen Sie einem Unglücklichen, der Ihre Herzensgüte wohl zu schätzen weiß, Miß Galvestone, verzeihen Sie mir.“ Roch eine Verbeugung, und er war verschwunden. Traurig sah sie der hohen Gestalt nach, die drunten am Quai foeben wieder im Menschengewühl auf tauchte. Seine Augen waren so seltsam heute gewesen, seltsam sein ganzes Gebaren. Wie sollte sie sich dies alles deuten? Müde erhob sie sich und schritt dem Hause wieder zu. Sterbensweh war ihr zu Mute. Petrowitsch ließ sich treiben von der Menge. Zum Postamt hatte er gehen wollen, eine Depesche auf geben an Ssvigne: Kommen Sie sofort, Ihre Hilfe dringend nötig. Aber nun unterließ er es doch, was hätte es genützt? Der einzige Freund, den er noch besaß, hatte sich vorige Woche in Genua eingeschifft, befand sich jetzt auf hoher See. Richt einmal den Ramen des Schiffes wußte er, hätte die Depesche nur an die Pariser Adresse Raouls richten können. Auf wieviel Umwegen wäre sie dann in die Hände des Freundes gelangt. Er... er selbst mußte handeln, sofort, ehe der Vogel wieder ausflog und Graf und Gräfin Semjonow sich anderswo seßhaft machten. Aber wie, wie sollte er sich selbst $u seinem Recht verhelfen? Für einen Irren würde man ihn halten, wenn er jetzt im Savoyhotel oder bei der Polizei hintreten und die Behauptung aufstellen würde: Ich bin Graf Alexander Semjonow, dieser da ist ein Betrüger. Rur Sevigne hätte ihn ausweisen können, er selbst hatte, verbittert und verblendet, nie einem Menschen in Paris oder hier von seinem Schicksal gesprochen. Miß Galvestone... warum hatte er ihr vorhin nicht seine verzweifelte Lage offenbart? Sie hätte ihm geglaubt, ihrer einflußreichen Persönlichkeit wäre es gelungen, seiner Sache einen Schein des Rechtes zu geben. Er selbst... ? bitter lachte er vor sich hin, ihn würde man als einen Irren sofort unschädlich machen. Planlos irrte er weiter, befand sich plötzlich auf der Straße nach Salo. Reuschnee lag auf dem Gipfel des Monte S. Bartolomeo, es hatte in den letzten Tagen einen Wetterumschlag gegeben, kühl wehte es Petrowitsch ins Gesicht. Erst jetzt merkte er, daß er ohne Hut war und die Leute ihn verwundert angesehen hatten. Sein verstörtes Aussehen mußte wohl auffallen, er wollte um kehren, in der Einsamkeit seines Zimmers nachdenken, zu irgend einem Entschluß kommen. Da sah er plötzlich hier, wo die Straße menschenleer sich dehnte, eine Frau herankommen. Mit raschen Schritten ging sie, wie jemand, der in großer Eile sich befindet. Zu seiner großen Ueber- rafchung erkannte Kyrill die „Contessa Semjonow“, sie war mit größter Einfachheit gekleidet, wie er sie noch nie gesehen hatte, ging eilig, den Kopf tief gesenkt und hatte ihn augenscheinlich noch nicht gesehen. Blitzschnell durchkreuzte ein Gedanke fein Hirn. Dies war ein Wink des Schicksals, die Frau Contessa würde zu überrumpeln sein, würde sich irgendwie verraten, wenn man ihr... aber was tat sie hier auf der einsamen Landstraße um diese Zeit, mutterseelenallein und in Eile, die nicht auf einen harmlosen Spaziergang schließen ließ?... Merkwürdig, höchst merkwürdig... Und jetzt glaubte er sich auch zu erinnern, diese Contessa gestern nicht beim Tanz gesehen zu haben. Wo kam sie jetzt her? Von Salo, oder wo sonst? Und ohne den Gemahl? Er trat hinter dem Baum vor, der ihn halb verdeckt hatte und trat in ihren Weg. Ein tötliches Erschrecken ging über ihr Gesicht, unwillkürlich hob sie abwehrend die Hand ihm entgegen und flüsterte mit erlöschender Stimme: „Signore Petrowitsch, Sie hier? Ich..." Aber sie faßte sich sogleich und hatte sich toiebee in der Gewalt. „Welche Ueberraschung", sagte sie und zwang ein verbindliches Lächeln auf ihr erbleichtes Gesicht. „Ich war nicht gefaßt darauf, hier auf meinem Spaziergang Bekannten zu begegnen. Um so mehr freut es mich, nun in Ihrer Gesellschaft zurückgehen zu können." Unverwandt hasteten seine Augen auf ihrem Gesicht, forschend fragend. Sie standen sich gegenüber mitten auf der Landstraße, er sah, wie bleich ihr Gesicht unter der aufgelegten Schminke war, faß, daß ihre Augen angstvoll und ruhelos über ihn hinirrten, wie ein geängstetes Tier, mußte er denken. Was hatte sie? Warum dieses Erschrecken und das Bemühen, diesen ungewöhnlichen Weg hier als einen harmlosen Spaziergang hinzustellen? „Bemühen Sie sich nicht, ich glaube Ihnen nicht", sagte er mit rauher Stimme, jede Anrede vermeidend. Sie hatte jetzt mit einer energischen Bewegung des Kopfes ihren Weg fortgesetzt, schien wieder große Eile zu haben. Er blieb an ihrer Seite. „Ich glaube Ihnen nicht", sagte er noch einmal drohend, „irgend etwas haben Sie zu verbergen, was mit diesem Weg hier zusammenhängt.“ Da warf sie den Kopf zurück, und ihre Augen funkelten in sein Gesicht wie die einer Katze. • „Welche Sprache für einen untergeordneten Angestellten des Hotels", sagte sie und bemühte sich, das Zittern ihrer Stimme zu verbergen. „Was erlauben Sie sich der Gräfin Semjonow gegenüber, sofort werde ich Beschwerde führen über Sie bei der Direktion." „Sie sind nicht Gräfin Semjonow...“ Er war plötzlich stehengeblieben, er faßte ihre Handgelenke mit eisernem Griff und hielt sie fest. Sein heißer Ottern wehte in ihr Gesicht, seine Augen glühten wie im Fieber. „Gestehen Sie... in wessen Auftrag stahl man dem echten Grafen Semjonow seine Papiere in den Kasematten von Moskau? Wer gab Ihnen das Recht, sich hier mit so viel Sicherheit unter einem gestohlenen Ramen..." (Fortsetzung folgt.) Kriegerveretne ab. Sportliche Veranstaltungen, Aonzert und Belustigungen beendeten die glanzend verlaufene Tagung. Oberheffen. Voranschlagsberaiung in Wieseck. £ Wieseck, 17. Juni. Der Gemeinderat hat den Doranschlag der Gemeinde in zwei Abenden durchberoten, jedoch konnte zum Umlagebedarf noch nicht endgültig Stellung genommen werden, da die AuSwirkunaen der Lasten aus der Wohlfahrtspflege durch Aufwendungrn an ausgesteuert Erwerbslose nur vorläufig festzustellen sind. Zugleich wird noch über die Sätze der Bürgerst euer zu beschließen sein. Bürgermeister S ch o m b e r machte bei dieser Gelegenh-.it darauf aufmerksam, das; auch die Gemeinde Wieseck bald nicht mehr in der Lage sei, die Kosten für die Ausgesteuerten zu übernehmen und der Staat sowie daS Deich cinspringen müßten, da es den 3n- dustriegemeinden nicht zugemutet werden könne, so enorme Belastungen allein zu übernehmen. Vorher beschäftigte sich der Gemeinderat in längerer Aussprache mit den Gebühren der Hausanschlüsse der Karalika'on. Lagen doch von 125 Besitzern Einsprüche über die Höhe dieser Gebühren vor. Es wurde vorgeschlagen, jeden Anschluß für sich auszurechnen, um dann in einer späteren Sitzung über die Art der Erhebung erneut zu beraten. Auf Antrag des Gemeinderats Seibert soll über die Zinszuschüsse an 16 Einwohner, die vor einigen Jahren Bauzuschüsse durch die Gemeinde erhielten, neu beraten werden. Der Antragsteller hofft, daß dieienigen, die auf Grund ihres Einkommens in der Lage wären, den erhöhten Zinssatz zu tragen, Geld als Zinszuschuß frei zu bekommen für Daulustige, die zur Zeit sich mit der Erstellung eines Wohnhauses befassen. Hierdurch wäre es möglich, auch wieder für das Baugewerbe Arbeit zu beschaffen. Der Voranschlag selbst weist folgende Zahlen auf: Der Rechnungsrest beträgt in Einnahme 14 194,80 Mk. gegenüber 1133111 Mark in 1930. Die Ausgaben mit 400 Mark sind wie 1930. Die Mieteinnahme aus Gemeindewvh- n u n g e n betragen 8232 Mk. und 1930 8342 Mk. An Ausgaben für Gemeindewvhnungen sind vorgesehen 4170 Mk. (1930 gleich 3600 Mk ). Die Einnahmen aus Pachterlös von Gemeinde- grundstücken, Obst, Sandgruben usw. bleiben mit 8666 Mk. weit hinter den Einnahmen der früheren Jahre zurück. Hier macht sich besonders der Ausfall auS der Abgabe des Sandes bemerkbar. Früher betrugen diese Einnahmen über 10 000 Mark, jetzt kaum noch 5000 Mk. Die Ausgaben für die Grundstücke betrogen 1510 Mark gegenüber 1520 Mark in 1930. Die Einnahmen aus den Waldungen sollen 25 163 Mk. betragen. 1930 waren es 28 854 Mark. Für Ausgaben sind vorgesehen 14218 Mark, 1930 gleich 15 251 Mark. Die Ein- nahmen aus Jagden betragen wie 1930 1550 Mark, Schäfereien und W e i d en bringen eine Einnahme von 1550 Mark (1930 gleich 2606 Mk.). Die Ausgaben betrugen 120 Mark gegenüber 60 Mark in 1930. Bei Messen und M ä r k t e n betragen die Einnahmen 300 Mark wie 1930. An Wiegegebührcn gehen ein 810 Mk. (1930 gleich 770 Mk.). Die Ausgaben für den Wiegemeister, für Reparatur an den Waagen usw. betragen 670 Mark 1930 gleich 470 Mark.). An Wassergeld geht ein 16891,23 Mark. (1930 gleich 17 242 Mk.). Die Ausgaben für die Wasserleitung betragen 9954,99 Mk. (1930 gleich 12 342 Mk ). Hier macht sich bereits die Einsparung der Wasserentnahme aus dem Reh der Stadt Gießen bemerkbar. Die Erstellung des zweiten Wasserbehälters hat sich demnach für Wieseck gelohnt. AuS dem Verkehrswesen ist eine Einnahme von 1017,98 Mk. vorgesehen, jedoch bemerkte hierzu Gemeinderat Benner, daß diese Einnahme wegfalle. Die Ausgaben betragen für 1931 5094,07 Mk. Die Einnahmen aus der Gasversorgung betragen 2370 Mk. (1930 : 3850 Mark). Die Ausgaben 1650 Mk. (1930: 5430Mk). Die Verwaltung hat an Einnahmen 1735,75 Mk. (1930: 1290 Mk.). Die Ausgaben betragen nach Kürzungen der Gehälter auf Grund der Rotverordnungen 27 702,59 Mk. (1930: 28 674,50 Mk ). Oeffentliche Sicherheit: Einnahme 438,35 Mark (1930: 300 Mk.), Ausgabe 5167,69 Mk. (1930: 5478 Mk.). Oeffentliche Gesundheitspflege verzeichnet in Einnahme 387,52 Mk. (1930: 600 Mk.), in Ausgabe 6503,85 (1930: 6458 Mark). Das Feuerlöschwesen bringt an Einnahmen wie 1930 200 Mk. und erfordert an Ausgaben 919 Mk. (1930 : 908 Mk.). Armenpflege : Einnahme 4900 Mk. (1930 : 5310 Mk.). Die Ausgaben waren vorgesehen mit 12 905 Md, dazu tritt die llebernahme aus anderen Rubriken mit 6419 Mk., zusammen 19 324 Mk. Auch dieser Betrag dürste noch lange nicht ausreichen, um den Aufwendungen an die Ausgesteuerten gerecht äu werden. — Aus den Schulen sind dio Einnahmen mit 1038,51 (1930 : 963 Mk.) veranschlagt! an Ausgaben sind 10 143,83 Mk. vorgesehen. Diese Ziffer wird sich jedenfalls noch än- dern. (1930 betrugen die Ausgaben 10 098 Mk.) Die Evangelische Kirche erfordert eine Ausgabe von 4267,77 Mk. (1930: 4777 Mk ). Friedhöfe: Einnahme 604.50 Mk. (1930: 1004 Mark, Ausgaben 3642,50 Mk. (1930: 2554 Mk ). Die UnterhaltungderStrahen erfordert eine Ausgabe von 21616,73 Mk. (1930: 20 721 Mark). Kanäle bringen eine Einnahme von 8026,19 Mk. (1930: 13 825 Mk.) und erfordern Ausgaben von 12 108,69 Mk. (1930: 10 689Mk.>. — Landwirtschaftszwecke verzeichnen in Einnahme 2563,87 Mk. (1930: 2472 Mk.) und an Ausgaben 10 684,29 Mk. (1930: 9874 Mk.). Die Grenzverhältnisse erfordern Ausgaben in Höhe von 3256,90 Mk. (1930: 7457 Mk.). — Oeffentliche Anlagen erhalten Einnahmen aus dem TurnhollenfondS mit 310,53 Mk. Für Ausgaben sind 830,53 Mk. (1930: 520 Mk.) notwendig. — Flüsse und Bäche: Ausgaben 300 Mk. (1930: 5400 Mk; Regulierung der Wieseck). Ruhege- h ä l i e r und soziale Fürsorge : Ausgaben 10130 Mk. (1930: 10 780 Mk.). Arbeitslo- sensürsorge: Ausgabe 5000 Mk. Wohnungsfürsorge: Einnahmen 6897 Mk. (1930: 6935 Mk ), Ausgaben 13 320,20 Mk. (1930: 13 101 Mark). Die Steuern und Abgaben betragen 11510 Mk. (1930: 11 100 Mk.). Die Sonderst e u e r n sollen 18 500 Mk. einbringen. Hierbei sind bereits 10 000 Mk. aus der Biersteuer und 5000 Mk. aus der Dürgersteuer erwartet. Die Ausgaben betragen 75 Mk. Die Anteile an Reichs steuern sind stark gesunken und betragen nur 20 625 Mk. gegenüber 26 129 Mk. im Vorjahre. Ein Ausgleich wird hier geschaffen durch den Anteil aus Reichsbahn und ReichS- post 1927/30 mit 7194 Mk.. fo daß die Gesamteinnahmen 27819 Mk. betragen. Der Mobiliar-Erneuerungsfonds weist in Einnahme und Ausgabe 35,15 Mk auf. — Kapi- talzinfen: Einnahmen 1540,60 Mk. (1930: 1303 Mk.), Ausgaben 2157,99 Mk. (1930: 2315 Mark). Schuldentilgung: Ausgaben 3142,30 Ml. (1930: 3130 Mk ). Der durch Ge- meindesteuer zu deckende Fehlbetrag war vorgesehen mit 61 816,61 Mk.; jedoch dürste sich dieser Betrag um 11581 Mk. erhöhen. Da die Realsteuersähe für 1931 auf Grund der Rotver- vrdnung bestimmt sind, muß der Gemeinderat demnächst die Erhebung der Dürgersteuer beschließen. Landkreis Gictzen. £ Wieseck, 17. Juni. Unser Mitbürger Dan. Oswald, Wagengasse, feiert heute in seltener körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. ch Staufenberg, 16. Juni. Die letzten Gewitter, die von schweren Stürmen begleitet waren, haben in den Waldungen ungeheuren Schaden angerichtet. Nach fachmännischer, vorsichtiger Beurteilung ist die Menge des Windfallholzes auf mindestens 3000 Festmeter geschätzt worden. Kreis Friedberg. WSR. Friedberg, 16. Juni. Rachtem bereits in einer früheren Sitzung deS DtadlratS erhöhte Bier st euer und doppelteDürger- (teuer Ablehnung fanden, stellte sich der Stadtrat bri seiner gestrigen Beratung wieder auf den verneinenden Standpunkt. Nachdem nunmehr trotz der Bemühungen des Kreisamtes kaum noch eine Möglichkeit besteht, den erforderlichen Steuern auf parlamentarischem Wege zur Annahme zu verhelfen, wird das Eingreifen des Staats- kvmmissars in Bälde erwartet. Wirtschaft. Zusammenschluß der Kartoffelstärteindustrie. Durch eine Verordnung des ReicbSministers für Ernährung und Landwirtschaft über den 3 u- sammenschlußderKartoffelstärkein- dustrie vom 12. Juni 1931 ist nunmehr die Grundlage geschaffen worden, die gesamte deutsche Industrie zusammenzuschliehen, nachdem brrcits der weitaus überwiegende Teil der Betriebe sich in der Stärkeindustriegesellschaft, oder dem Ver- kaufskontor für Kartoffelstärke freiwillig zusammengeschlossen hat. Die noch außenstehenden Betriebe haben sich einer dieser Gesellschaften anzuschließen. Falls sie dies auf Aufforderung deS Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft binnen einem Monat nicht tun, verfügt der genannte Minister ihren Beitritt. Der Zusammenschluß der Kartoffelstärkeindustrie in den beiden Gesellschaften, welche die Herstellungsmengen der angeschlo'senen Betriebe kontingentieren und den Verkauf von Kartoffelstärke für , ihre Mitglieder durchführen, bezweckt in erster «Linie, stabile Erzcugungs- und Ab'ahverhälinisse zu schaffen und den Absatz für die Erzeugnisse der Kartoffelstärkeindustrie auszubauen- Schweinemarkt in Gießen. Auf dem heutigen Schweinemarkt in Gießen standen 142 Ferkel zum Verlauf. Ferkel, bis sechs Wochen alt, kosteten 12 bis 15 Mark. Ferkel, sechs bis acht Wochen alt, kosteten 15 bis 20 Mark, Ferkel, acht bis dreizehn Wochen alt, kosteten 20 bis 29 Mark. Tendenz: mäßig, Käufer wenig vorhanden. » * Franksche Eisenwerke 2t®. Adolfs- Hütte Niederscheld (D i l l k r e i s). Im Jahre 1930 litt das innerdeutsche Geschäft unter der großen Arbeitslosigkeit, sowie unter der verringerten Bautätigkeit. Der Anteil der Ausfuhr am Gesamtumsatz konnte gesteigert werden. Der nach Abschreibungen und Rückstellungen von 0,38 (0,53) verbleibende Reingewinn von 7317 Mark (i. V. 291000 Mark) soll auf neue Rechnung vorgetragen werden. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 17. Juni. Tendenz: fester. Die Richteinberufung von Reichstag und Haushaltsausschuß gab der Effektenbörse heute eine stärkere Beruhigung, so daß die Voraussehung für eine Befestigung gegeben schien, zumal die Kulisse Deckungen vornahm und auch von selten des Publikums etwas Kaufinteresse in Erscheinung trat. Das Angebo t hat nachgelassen. Die Llmsahtätigkeit zeigte indessen noch keine stärkere Belebung. Rachdem die Kurse vorbörslich einige Prozent fester genannt worden waren, trat später eine leichte Reaktion ein. Da hinsichtlich der Geldmarktlage zum Halbjahresultimo noch keine Klarheit besteht und man immer noch Befürchtungen hegt, daß weitere Dividenden- abzüge erfolgen könnten. 3m Vergleich zu den Abendbörsenkursen ergaben sich durchschnittlich Kurs besser ungen um 1,5 bis 2,5 v. H. 3m Vordergründe des 3nteresses standen 3G.-Farben, die bei lebhaftem Geschäft 2,5 v. H. anzogen, ferner Kaliaktien, die 4 v. H. fester lagen, Kunstseidewerte, von denen Brmberg 4 v. H. und Aku 23/8 höher gehandelt wurden. Buderus gewannen 3,75 v. H., Zellstoff Aschaffenburg 4,75 v. H. Am Slektromarkt betrugen die Kursbesserungen bis zu 2 v. H. Montanaktien lagen ebenfalls bei recht reger Umfat)tätigfeit durchweg um 1,5 v. H. höher. Gelsenkirchen zogen um 2,25 v. H. an. Bankaktien hatten nur unbedeutende Kursveränderungen aufzuweisen, lediglich Reichsbank konnten ihren Kurs um 2 v. H. erhöhen. Von Schiffahrtspapieren gaben Rorddeutscher Lloyd eine Kleinigkeit nach Höher lagen noch AG. für Verkehrswesen, Reichsbahnvorzugsaktien, Zellstoff Waldhof, Holzmann, Wayß & Freytag. Anleihen ruhig, aber behauptet. Reichsschuldbuchforderun- gen ein wenig schwächer. Pfandbriefe zwar noch leicht angeboten, sie dürften aber doll abgenommen werden. Liquidationspfandbriefe gesucht und höher. Don 3ndustrieobligationen erschienen eine ganze Anzahl mit Plus-Plus-Zeichen. Reich s- schuldbuchsorderungen etwa 1,5 v. H. fester, später aber leicht rückläufig. 3m Verlaufe machte sich stärkere Unsicherheit fühlbar, obwohl das herauskommende Material schlank Ausnahme fand. Auf Gewinnsicherungen der Kulisse bröckelten die Kurse geringfügig ab, ohne daß die feste Grundtendenz hierdurch wesentlich beeinflußt wurde. Am Geldmarkt blieb der Sah für Tagesgeld mit 6 v. H. unverändert. Am Devisenmarkt zeigte dieReichsmarkeineDefestigung. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2130, gegen Pfunde 20,4925, London gegen Reuyork 4,8637, gegen Paris 124,1850, gegen Mailand 92,91, gegen Madrid 48,25, gegen Schweiz 25,05. Berliner Börse. < Berlin, 17. Juni. (WTB. Drahtbericht.) Nachdem die innerpolitische Mrife durch die 'Ablehnung der Einberufung des Plenums und des Haushalts- ausschufses des Reichstags in den gestrigen Abendstunden behoben war, trat eine beruhigtere 21 u f f a f f u n g zutage und wirkte sich natürlich auch sofort in der Kursgestaltung aus Verstärkte Hoffnungen auf ein baldiges Zustandekommen von Reparationsverhandlungen hatten zu Beginn der heutigen Börse Deckungen und kleine Meinungskäufe, auch der Prioatkundschaft, zur Folge. Die höheren Kursieren von heute vormittag wurden teilweise noch überschritten, und die Anfangstendenz mußte als fester bezeichnet werden. Man verwies außerdem auf die weitere Besserung der deutschen Werte im Ausland und auf allgemeine Befestigungen gegen Schluß der gestrigen Ncuyorker Börse, glaubte, daß durch einen Vorschuß der Bank von England hinsichtlich der Oesterreichischen Kreditanstalt eine Entspannung eingetreten sei, wollte von einem großen amerikanischen Markstützungskredit für die Reichsbank wissen und stellte vor allem fest, daß das Angebot am Renten markt heute wesentlich nachgelassen hat. lieber die Devisensituation läßt sich vorläufig noch nichts sagen, da man noch keinen Ueberblick über die Höhe der Aenderung gewinnen kann. Verschiedene Werte erschienen mit Plus-Plus Zeichen, so u. a. Laurahütte, Kalinebenwerte, Berliner Maschinen, Maschinen Bu- kau, Schubert & Salzer Hugo Schneider, Stoehr, Hotelbetrieb (letztere auf einen 8-v H.-Dividenden- Vorschlag), aber auch sonst waren Gewinne bis zu 5 v. H. verschiedentlich festzustellen. Polyphon notierten heute exklusive Dividende. Anleihen knapp behauptet. Neubesitz plus 0,20 v. H. Ausländer ruhig. Mazedonier lagen um 0,25 v. H fester. Die Geldsätze blieben unverändert. Im Verlaufe gaben die Kurse allgemein nach. Die starke Zunahme der Wechsel, und Lombardbestände um zirka 350 Millionen im neuesten Reichsbankausweis und die verringerte Gold- und Devisendeckung durch Vermin- derungderGold-undDevisenbestände um über 540 Millionen beeinflußten die Tendenz im Verlaufe dock, obwohl die Tatsache als solche bekannt sein mußte. Auch ein plötzliches Abgleiten des Nord- deutschen Wollekurses von 21,25 auf zeitweise 16 v. H. verstimmte, und auch der Kurs der Barmer Bankaktien wurde hierdurch ungünstig beeinflußt. Hotelbetrieb gelangten verspätet 6 v. H. schwächer zur Nottz. Die Aktien der Oesterreichischen Kreditanstalt setzten ihre Abwärtsbewegung auf 3,65 Mark fort. Frankfurter Getreidebörse. F r a n k f u r t a. M., 17. Juni. Es wurden notiert: Weizen 295 Mark, Roggen 234,50 bis 235, Hafer (inländischer) 200 bis 205, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 39,70 bis 41, Roggenmehl 30,70 bis 32, Weizenkleie 11 bis 10,50, Roggenkleie 11,75 Mark. — Tendenz: sehr ruhig, greifbarer Roggen und Roggen- mehle sehr fest. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung ) Schlechte Straßen im Südvierlel. Die Straßen und Wegeverhältnisse im Südviertel lassen sehr zu wünschen übrig. Es erscheint not- wendig, die Stadtverwaltung erneut auf Mißstände aufmerksam zu machen, die dringend der Abhilfe bedürfen. Die Bewohner des Südoiertels, insbefon- bere des oberen Wetzlarer Weges und des Mittel- weges haben Anlaß, darüber zu klagen, daß die Bürgersteige — die Fahrbahn ist weniger in Mit- Leidenschaft gezogen — nur sehr schlecht passierbar sind. Vor nicht allzu langer Zeit wurde im Süd- viertel die elektrische Lichtleitung gelegt, die Bürgersteige wurden aufgeriffen, die Leitungen gelegt und die Gräben wieder zugeschüttet. Diese letztere Arbeit ist aber nicht ganz den Wünschen der Anwohnerschaft entsprechend vollzogen worden, denn auf den Bürgersteigen reiht sich ein kleiner Hügel an den anderen. Um die größten Unebenheiten auszugleichen, hat man Splitt in die Vertiefungen geschüttet. Diese Maßnahme hat aber nur das Gegenteil des Beabsichtig- ten erreicht: die Bewohnerschaft des Südviertels macht einen Vogen um die mit Splitt beschütteten Stellen des Bürgersteigs und zieht es vor, auf der Fahrbahn zu gehen. Das Gefahrenmoment für die Passanten ist dadurch naturgemäß wesentlich erhöht. Wenn auch nicht verkannt werden soll, daß die angespannte Finanzlage der Stadt in jeder Hinsicht zur Sparsamkeit zwingt, so sollte man doch die Notwendigkeit einer gründlichen Wegeausbesserung anerkennen und Abhilfe schaffen. Der Dank der Bc- wohner des Südoiertels wäre der Stadtverwaltung gewiß. H. R. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 v.H., Lombardzinsfuß 8 o. H. Jranffurt a. M. Berlin Jranffurl a. Dl. Berlin Frankfurt a. 271. Berlin Banknoten. Schluß- hird 1-Ubr- flurl Schluß-s furl | Anfang« flurd Schluß- turs 1-Uhr- Kurs Schluß-s Anfang- Schluß- kurs 1-Ubr» Kur« Gchluß- fur« An sang« Kurs Berlin, 16. Juni Gelb Brüs iure Kurs Amerikanische Rore»...... 4.225 4.745 T>dlum Belgische Roten ... 58,54 58,78 16.6. 17.6. 16-6. 17.6. Dalum 16.6. 17.6. 16.6. 17.6. Damm 16.6. 17.6. 16.6. 17.6 Dänische Roten . . . Snastsche Roten . . . . 112,58 20,51 113,02 20,59 16,58 170.27 22.16 113,01 59,31 2.515 113.42 82,25 42,25 12,53 73,61 i. m. 8% Dtuflebe ÄeidjianltUfe von 1927 ......... 7% Seutldx Stetdtianlefte von 1929 .......... teutldie 8inl..Bt>l6L*€4uIb mü 0u«lo|.-99...... 8% Pr Landerplandbriefanvalt, Slektr. LteferungsgeieM Licht und Kraft . . . . 9 — — - 64,75 93 94,5 63,5 95.5 96,13 . 10 . 10 . . 8 92 — — — -Last. 10 10 95,25 95 96,25 80,75 19,75 22 17,5 119 — Amtliche Rolleruna Meld | Briei Amtlich« Notierung Geld | »ries 84,75 100 — 100 — (teilen & Guilleaume . . . Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... Hamburger Eletrngitäts-Derke 1C 10 62 88,5 90 63 87,9 65,5 90,5 Schultheis Patzenhofer . Lstwerte....... Aku......... Bemberg..... . Zellstoff Waldbof . . . Zellstofl Alchaffenbutt . Ebarlottenburger tBaflee Dessauer GaL..... Daimler Motoren . . . • . 15 . 12 1 18? Illis: 123 BrnfL-fRotL Bur n.-AircS Brfl^Annv. Eljri(Hanta. 169,41 1,285 58,60 112,68 169,75 1,289 58,72 112,90 169,40 1,281 58,49 112,68 169,74 1,285 58,71 Äomm.-Cbl. R. 20...... 7% Pr. ßünbeivlanbbrttfanftalt, $|antbric|c 91. 21...... H.tt.®. abfl. «ottrregs-Obltgatt» ntn. rückzahlbar 1932 ..... 95,5 1 1 I 95,5 1 1 1 äibcinische loekrrijität Lcdlclliche Elektrizität. Gdtudett & Eo. . . . Tiemens & Halske . . Trantrodio..... rabmeyer S Eo.. . . • • • . 9 10 11 16 . t 10 93 105 133 97,5 - 107 134,5 z 91 104 133,75 92,5 93 108 135,5 _ • . 14 18'/. . 12 . . 8 . . 9 . . 0 64,65 78 68 58,75 21.9 74,5 67 51,75 108 21,4 64,5 77 68 58 111 99. Kopenhagen Stockholm . helsingforS. ytalien. . . London. .. Wtnnorf . . 112,69 113,79 10,593 22,045 20,473 4,209 112,91 113,01 10,613 22,035 20,513 4,217 112,68 112,80 10,593 22,04 20,47 4,209 112,90 113,02 10,613 22,08 20,51 4,217 4% Oesterretchstche ®ol6trnte . . 1,20% Lcsterrelchtsche SÜberreste t% Lcsterrelchtsche lkinheitlichc Rente........... 1% Ungarische Goldrentr .... 1% Ungarische Staatsrente 0.1910 t%% desgi. von 1918 . . . . 4% Ungarische Kronenrente . . . 4% Dürllsche Zollanlrihe von 1911 «% Türkische Bagdadbahn-Aul. rerie I........... <% desgi. Serie D....... 8% Rumänische veretnb. Rente von 1903 ......... Rumänische vereinh. Rentr von 1918 .......... 8% Rumänische vereinh. Rate - 19,75 16,65 14,25 2,4 2,25 6,75 12,6 5,05 II 1 II 111111 II 20,2 1,3 16,75 2,13 2,3 2,15 6,75 12,75 5 20,1 16,7 .= 2,2 2,15 5,1 Buderus...... Deutsche Erddi . . . Essener Steinkohle . . Geilenkirchener . . . Hoesch Eilen..... Iile Bergbau .... KlLcknerwerke . . . Mannesmann-Rühre» Monsselder Bergbau . Lbcrichles. eilende darf Lbcrschlej. Ooliroedt. Phönix Bergbau. . . Rheinische Braunkohle» Rbeinslabl..... Riebeck IXocan . . . ... . 6 . 6 . 8 . e •K 10 . 7 . 7 . 6 . 7 •K 10 . 6 U 34,5 60,75 60 137,5 48 48,75 57,75 40 138 64 38,25 49,25 62 58,75 41,5 65,75 34 58,5 59,65 52 44,5 138,5 46 48,75 56,25 28 57,5 40 138 64 37,5 60 61 54,75 46,13 141 47.65 50,75 58,75 60 42.5 141,75 65,75 - Deutsche Linoleum ... Maschinenbau A^G. ... Rat. Automobil . . . . . Lrrnstetn & Koppel ... Leonhard Dietz ..... Loens la........ frankfurter Maschine» . . Grttzner........ Heoliaeuskaebt..... Iunghau»........ LeLwerkr........ Mamkraftwerkr HSchv a. Dl. Miag.......... Gebe. Roeder...... Voigt & Haeffuer .... Süddeutsche Zucker . . . ' *. v . . 0 • . e . 10 . . 4 . . 6 . . 0 . . 6 . . 8 . . 8 . 10 . 10 . . 9 . 10 54,25 83 194 9 25 94,25 :| l I I I l I I I I I I I I l£ 54 34,75 82 194 10 26 94 iX | 1 £££ 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 i5 S S Baris. . . . Schweiz .. Spanien . . Japan . . . »Hio d« Jan. Wien in Ceft abflzfl Prag • • • Belgrad .. Budapest. . Bulgarien . Lissabon Danzig. . . Konstanrt» Athen. . dannoo . . Urn .aa». 16,475 81,74 42,36 2,082 0,331 59,16 12,466 7,455 73,48 3,047 18,66 81,82 1,784 5,458 4,198 2,438 21,00 16,505 81,90 42,44 2,086 0,333 59,28 12,486 7,469 73,62 3,053 18,70 81,98 1,789 5,468 4,206 2,442 21,00 16,475 81,72 42,30 2,082 0,326 59,145 12,465 7,445 73,50 3,04 18,63 81,83 1,784 5,447 4,195 2,418 21,00 16,515 81,88 42,38 2,086 0,328 59,275 12,485 7,469 73,64 3,05 18,67 81,9» 1,789 5,467 4,203 2,422 21,04 gjt.-'fpont habe. Kreis Alsfeld. Anzeigers liegen. Der volkstümliche Vierkampf. Männer (702 Bewerber. 507 Sieger): 1. Sieg: 21 Groß, Tbd. Wiesbaden und G. Großmann, Tv. Bieber, 93 P.; 2. 21. Muth, Tgs. Rödelheim. 89: 3. O. Werner, Tv. Weilmünster. 86; 7. E. Stengel. Tv. Großen-Linden, Max Schüler, Mtv. Gießen, 81; 12. Hch. Dechenk, Tgm. Friedberg. O. Lindenstruth. Mtv. Gießen, 76; 16. K. Reuter. Tv. 1846 Gießen. 72; 17. Heinz Rothermel. Mtv. Gießen, 71; 18. Ludw. Müller. T.° u. Spv. Griedel. Ad. König, Tv. Herborn. F. Weitershaus, Turnv. Großen-Linden, 70; 19. W. Weiß, Tv. Großen- Linden. 69; 20. E. Stern. Tv. Großen-Linden, L. Schwab, T.- u. Spv. DutzbaH, E. Seyb, Mtv. Gießen, 68; 21. W. Willig, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 22. K. Grieshaber, Tgm. Friedberg. 21. Bender, T.- u. Spv. Buhbach, R. Künstler, Tgm. Friedberg, L. Airff, T.- u. Spv. Butzbach, 66; 23. W. Arzbacher, Tv. 1846 Gießen, W. Roth, Tv. 1860 Bad-Rauheim, H. Schmidt, Tgs. Büdingen, F. Fleischer, Tv. Dillenburo, Fr. Debus, Tv. Dillenburg, Wilh. Loh, Tv. 1845 Gießen, 64; 25. F. Gießler, Tv. Dillenburg, Alb. Leun, Tv. Großen- Linden, Ferd. Stremme, Mtv. Gießen, F.-Spren- gel, Tv. 1860 Dad-Rauheim, Karl Bauer, T.° und Gesangv. Schotten, 63; 26. Hch. Henning, Tgs. Büdingen, 62; 27. H. Müller, Tgm. Friedberg, 61; 28. R. Wagner, Tgm. Friedberg, 60; 29. W. Hartmann, Tv. 1846 Gießen, O. Leuning, T.-u. Gesv. Schotten, W. Reinhard, Tgm. Friedberg, F. Richter, Tv. Dillenburg, 59; 31. E. Eh, Tornafsenheim, K. Seipp, Tv. Großen-Linden, Wilh. Grün, Tv. Braunfels, 57; 32. W. Straub, Tv. 1846 Gießen, Erich Ploch, Mtv. Gießen, Reinh. Decker, Mtv. Gießen, Waller Loh, Tv. 1846 Gießen, 56 Punkte. Äugendturner: (402 Bewerber, 235 Sieger): 1. E. Roth, Tv. Bieber, 94 P.; 2. P. Meier, Tv. Bieber, Helm. Loew, Tv. Weilmünster, Werner Langenohl, Tv. Heuchelheim, 89; 7. K. Iehner, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 82; 15. K. Hahn, Tv. Großen-Buseck, 73; 20. O. Kern, Tv. 1846 Gießen, 68; 21. W. Arnold, T.- u. Spv. Butzbach, 67; 22. H. Breidenbach, Tgl. Büdingen, 66; 23. K. Mohr, Tv. 1860 Bad-Rauheim. 65; 24. Kurt Strack, Mtv. Gießen, Heinz Berg, T.- u. Spv. Butzbach, 64; 25. Kurt Zaber, Tv. Großen-Linden, 63; 27. Heinz Metz, Tgm. Friedberg, W. Hühnermann, Tgm. Friedberg, P. Rickel, Tv. 1846 Herborn, 61; 30. R. Schleifer, Tv. Braunfels, 58; 31. 21. Otterbein, Tgm. Friedberg, 57; 33. Gg. Mandler, Tv. Rieder-Weisel, 55; 34. Karl Hildebrand, Tv. Rieder-Weisel, H. Fucker, Tgs. Büdingen, 54 Puntte. Altersturner (35 bis 39 Jahre, 59 Bewerber, 51 Sieger): 1. Karl Kurt, Tv. Bieber, 98 P.; H. Will, Tv. Schwanheim, 91; 3. Hch. Reuher, Tv. Mcerholz, 87; 11. K. Heß, Tv. Braunfels, 70; 17. Franz Sauer, Tv. 1846 Gießen, 64; 25. Otto Wagner, T.-> u. Spv. Butzbach, 55 P. — (40 bis 44 Jahre, 54 Bewerber, 46 Sieger): 1. 3. Deuter, Tgm. Fulda, 88 P.; 2. H. Silberreiß, Tgm. Alnter-Liederbach, 87; 3. H. Kuhmünch, Tsch. Heddernheim, 79; 23. F. Henkelmann, T.- ii. Spv. Butzbach, 55 P. — (45 Jahre und« älter, 60 Bewerber, 54 Sieger): 1. L. Hummel, Tv. Köln, 94 P.; 2. Gg. Zeilmann, Tgm. Dockenheim, 88; 3. Zerfaß, Tvg. Kirn, 84; 15. Hch. Hamel, Tv. 1846 Gießen, 70; 26. Ernst Jung, Tv. 1846 Gießen, 57 P. Turnerinnen (262 Dewerberinnen, 164 Siegerinnen): 1. L. Dochnik, Tv. Reu-Isenburg, 81 Punkte; 2. Else Dickelhaupt, Mtv. Gießen, 78; 3. E. Diron, Tbd. Wiesbaden, 76; 7. 21. Schwarz, Tv. Dillenburg, 72; 11. T. Reinheimer, Tgm. Friedberg, 68; 12. Röhmig, Mtv. Gießen, 67; 14. L. Kreßmann, Tgm. Friedberg, 65; 16. E. Körner, Mtv. Gießen, 63; 17. T. Espach, Mtv. Gießen, 62; 18. CH. Am end, Mtv. Gießen, 61; 19. E. Langbein, T.- u. Spv. Duhbach, 60; 20. F. Mün- nich, Tv. 1846 Gießen, M. Koch, Tv. 1846 Gießen, E. Jakobi, Tv. Dillenburg, 59; 21. R. Schwan, Mtv. Gießen, 58; 22. Ria Philipp, Tv. 1846 Gießen, K. Dath, Tv. Heuchelheim, R. Schäfer, Tv. Herborn, 57; 24. R. Herrnbrodt, T.- u. Spv. Dutzbach, 55; 25. 21. Lack, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 54; 26. E. Sann, T.- u. Spv. Duhbach, 53; 28. M. Seiferth, Mtv. Gießen, 51; 29. 21. Heß, Mtv. Gießen, L. Schimmel, Tv. 1846 Gießen, 50. Mannschaftskämpfe. Dölf ungenhorn (8 Mannschaften): 1. Tv. 1860 Frankfurr a. M., 1008 P.; 2. Stadtsportverein Frankfurt a. M., 1007; 3. Tv. Dieber, 908. Iahnschild (5 Bewerber): 5mal-100-Meter- Pendelftaffel: 1. Tgm. Fulda, 60,1 Sek.; 2. Tv. Homburg, 64 P.; 3. Tv. 1860 Frankfurt a. M., 69,8 Sekunden. Emanuel-Schmuck-Schild (8 Bewerber): 5mal-100-Meter-Pendelstaffel: 1. M t v. Gießen, 61,3 Sei.; 2. Tv. 1817 Mainz, 63,4; 3. Tv. Oberursel, 64,2. Brunhildeschild (Tarnerinnen): 4mal-75- Meter-Staffel: 1. M t v. Gießen, 41,4 Sek.; 2. Tv. 1817 Mainz, 43,8; 3. Tv. 1846 Gießen, 46,4. Sonderkampf. Weithochsprung: 1. Jakobs, Stadtsportverein Frankfurt a. M., 1,60/3 Meter (durch Stechen); 2. Fichnich, Tv. Kirn, 1,60/3; 3. Schall, Tgm. Eintracht Frankfurt a. M., 1,55/2,90. Das 78. Keldbergfest Die Erfolge des Turngaues Hessen (OT.). (Don unserem Sonderberichterstatter.) schusses, Kaufmann PH. R ö b i g (Rödelhelm), der nicht nur um die Erhaltung und den Ausbau des Feldbergsestes in seltener Turnertreue gekämpft Hot, sondern sich auch als Kreiskassenwart des Mittelrheinkreises und Gauvertreter des Main-Taunus-Gaues größte Verdienste um die Turnsache erworben hat. Sehr gut war wieder unser Heimatgau Hessen an den Wettkämpfen beteiligt. Aus 13 Vereinen lagen 107 Meldungen für den Einzelwettkampf vor, 73 der Teilnehmer konnten Sieger werden. Dazu kommen noch die beachtlichen Mannschaftserfolge des Mtv.Gießen und des Tv. 184 6 Gießen, über die schon kurz berichtet worden ist. Von den 73 Einzelsiegen enkfallen 35 auf die Männerstufe, 14 auf die Iugendstufe, 5 auf die Altersklasse und 19 auf den Vierkampf der Turnerinnen. Aus die einzelnen Vereine des Gaues verteilen sich die Erfolge wie folgt (O = Oberstufe-Männer, Al — Iugendturner, A — Alters- turner. Ti = Turnerinnen, M = Mannschaftssieg): Mtv.Giehen 18 Siege (70, 1 Al, 8 Ti, 2M). — Tv. 1 846 Gießen 15 Siege (6 O, 1 Al, 3 21, 4 Ti, 1 M); Tgm. Friedberg 11 Siege (6 O, 3 Al, 2 Ti); T. u. Spv. Duhbach 10 Siege (3 O, 2 AI, 2 A, 3 Ti); T v. G r o- Hen-Linden 7 Siege (6 O, 1 Al); Tv. 18 60 Dad-Rauheim 6 Siege (3 O, 2 AI, 1 Ti); Tv. Heuchelheim 2 Siege (1 AI, 1 Ti); T v. Rieder-Weisel 2 Al; T. u. Gesan g v. Scho t te n 2 O; T. u. Spv. Griedel 1 O; Tv. Dorn-Assenheim 1 O; Tv. Großen- Duseck 1 AI. Ramentlich sind die schönen Erfolge unseres Heimatgaues aus nachstehendem Aleberblick über 1 die Wettkampfergebnisse mit Auszug aus der Kirche und Gchule. = Lang - Göns, 14. Juni. Eme Anzahl evangelischer Iungmännerbünd e hielt am Samstag und Sonntag ihr Sommertref- f c tt in Lang-Göns ab. Es waren Gruppen aus Klein-Linden, Du"bach Lü'ellinden, und anderen Orten erschienen. Am Samstagabend zog die Schar mit munterem Gesang zum Zeltplatz, der in einer geschütz'en Bucht des hiesigen Gemeintemaldes lag. Die Jugend scharte sich am Abend um ein Lagerfeuer. Die Ansprache hielt Pfarrer Wahl (Lang- Göns), anschließend spielte der hiesige Posaunenchor den Zapfenstreich. Die Iungscharen blieben nachts in ihrem Zelt, um am frühen Morgen ihre K a m p f s p i e l e auszutragen. Darauf folgte der Kirchgang und am Rachmittag ein F e st z u g durch das Dorf, der aus dem Kirchenplah endete, wo Pfarrer Bremmer (Klein-Linden) die Ansprache hielt. Im Schatten der Linden vergingen die Stunden bei gemeinsamen Spielen sehr rasch Siegerliste im einzelnen zu ersehen. Der Auszug bringt ferner die Ramen der Sieger einiger Vereine der Rachbargaue Lahn-Dill und Kinzig, soweit diese im Verbreitungsgebiet des Gießener Oberheffen. Kreis Büdingen. rl. Büdingen, 15. Juli. Die Biologische Arbeitsgemeinschaft des Kreises veranstal' tete in Gemeinschaft mit dem Bezirksverein Ortenberg des Deutschen Lehrervereins für Natur künde ihre erste diesjährige Exkursion. Sie führte von Bleichenbach über das Betten nach Gelnhaar. Prof. Dr. S p i l g e r hatte die fach- wissenschaftliche Führung. Die Verschiedenheit des geologischen Untergrundes des durchwanderten Gebietes zeigte sich allen Teilnehmern deutlich auch in der Zusammensetzung der Pflanzengesellschaften. Zur weiteren Erforschung der heimischen Flora werden in diesem Sommer und Herbst noch mehrere solcher Exkursionen unternommen. . △ Ridda, 16. Juni. Das diesiahrige Haupt- und K ö n i g s s ch ie h en der Schühengesellschaft Ridda fand am Samstag und Sonntag statt und war stark besucht. Die Beteiligung der Schützen an den Wettkämpfen war sehr rege. Als Schützenkönig für Großkalibcr siegte Apotheker 21. Schuster. Ridda, mit 59 Ringen, und für Kleinkaliber Hch. Fark, Ridda. Abends fand in der Turnhalle ein Militärkonzert mit anschließendem Ball statt, wobei Dermessungsinspektoi^Wsn ze l und der Vorsitzende der Schützengesellschaft, Ober- fchühenmeister Steinbruchbesiher Rickel, Ober- Widdersheim, beifällig aufgrnommene Ansprachen hielten. * Kohden, 15. Juni. Dieser Tage fand hier in einer Familie gleichzeitig eine Feier der goldenen und einer silbernen Hochzeit statt. Landwirt Wilhelm Ockel und Frau Karoline geb. Uhl begingen in aller körperlichen und geistigen Rüstigkeit das 50. Ehejubiläum, die Tochter feierte am gleichen Tage das 25. Ehejubiläum mit dem Landwirt Friedrich Uhl. Den Jubelpaaren wurden viele Glückwünsche zuteil. Pfarrer Laut widmete herzliche Worte des Dankes an den Jubilar Ockel, der bereits feit 40 Jahren dem Kirchenvorstand an- gehört. Gleichzeitig überbrachte der Geistliche die Glückwünsche des Dekanats Nidda. Kreis Lauterbach. A Lauterbach, 16. Juni. Am Samstagabend fand im Felsenkeller der Burgwirtschaft die zweite Vierteljahres-Versammlung der Ver- einigung ehemaliger 116er statt, die mit einer Feier des z e h n j ä h r i g e n B e st e h e n s der Vereinigung verbunden war. Der Vorsitzende gab einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Vereinigung. Die Gründer der Vereinigung wurden mit einer besonderen Ehrung bedacht. Der eigentlichen Gründungsfeier ging eine Erörterung von geschäftlichen Angelegenheiten voraus. In kameradschaftlicher Gemeinsamkeit verbrachte man einige Stunden bei Gesang und dem Austausch von Erinnerungen an Militär- und Kriegsdienstzeit. Die Kapelle Otterbein wartete mit guter Musik auf. Die Feier nahm einen sehr schönen Verlauf. Der Vorsitzende wies daraus hin, daß man in Anbetracht der wirtschaftlichen Notlage von einer größeren Veranstaltung abgesehen Das älteste der Deutschen Bergfeste, das Samstag und Sonntag auf dem 880 Meter hohen F e l d b e r g im Taunus zum 78. Male durchgeführt wurde, übte auf die Turner des Mittelrheinkreises und darüber hinaus auch auf benachbarte Turnkreise (Teilnehmer aus Köln, Düsseldorf, Mannheim, Fulda u. a.) wieder seine alte Anziehungskraft aus. 1539 Turner und Turnerinnen waren auf den Bergesgipfel gekommen, um auf turngeschichtlich bedeutsamem Boden die Kräfte im volkstümlichen Vierkampf und in Mannschaftskämpfen zu messen. Rachdem am Samstag schon in spannendstem Oberlauf derMann- schaftskampf um das Völsungenhorn (bestehend aus Hochsprung, Kugelstoß, Weitsprung, Schleudrrballwurf und 4xl00-Meter°Pendelstaf- fel) durchgeführt worden war, brachte der Sonntag bei bestem Turnwetter, einwandfreier Leitung und Organisation und mit zum Teil ganz vorzüglichen Leistungen vor einer nach Tausenden zählenden Zuschauermenge die reibungslose Abwicklung des Wettkampfes der Cineinhalbtausend. Dieser begann in der Frühe des Morgens nach den Feldgottesdiensten für beide Bekenntnisse und nachdem der Vorsitzende des Feldbergfest- Ausschusses, PH. Röbig (Frankfurt a. M.-Rö- delheim) die zu den allgemeinen Freiübungen angetretenen Turner und Turnerinnen begrüßt und darauf hingewiesen hatte, daß das 78. Feldbergfest ein Markstein in der Geschichte der Feldbergfeste sei, da es nicht mehr den Bestimmungen der Rheinlandkommission unterliege und zum erstenmal seit 1918 auf dem Berge wieder ein „Gut Heil" auf das Vaterland ausgebracht werden könne. Ein besonderes Ereignis des Tages war die Aleberreichung der Ehrenurkunde der DT., der höchsten turnerischen Auszeichnung, durch Kreisvertreter Pfeiffer (Wetzlar) an den langjährigen Vorsitzenden des Feldbergfest-Aus- gung klappte es nicht recht. Die Läuferreihe leistete schlechte Deckungsarbeit, so daß der gegnerische Sturm leichte Arbeit hatte. Nachdem die Stadtmann- schast schon mit zwei Toren in Führung lag, konnten die Soldaten ausgleichen und schossen beim Stande 5:4 für die Stadtmannschaft noch in der letzten Minute den Ausgleichstreffer. VfB.-Leichtathleten in Kassel erfolgreich Drei 1., zwei 2. und zwei 3. Siege. Bei den unter Beteiligung einer Anzahl deutscher Meister (Pelher, Wegener, Welscher usw.) vor 4000 Zuschauern am vergangenen Sonntag stattgefundenen reichsoffenen Wettkämpfen der Kasseler Turngemeinde konnten die Leichtathleten des VfB. 08 mit ganz vorzüglichen Leistungen aufwarten. , . _ . , In der Klasse l bewies Gugel im Diskus seine beständige Form: 1. Gugel, VfB. 08 Gießen, 39,65 Mete?; 2. Iunghenn, Hessen-Preußen, Kassel, 39 Meter. „ Kugelstoßen: 1. Wohl, VfB. 03, 12,65 Meter; 2. Schinder, Marburg, 12,25: 3. Kalbe, Korbach, 11,94. Alngünstige Abwurfverhältnisfe beeinträchtigten die Leistungen. Stabhochsprung: 1. Wegener, Halle (Deutscher Meister) 3,68 Meter (außer Konkurrenz 3,88); 2. Janke, CT. Kassel, 3,48; 3. Steines, VfB. 08 Gießen, 3,43. Eine vorzügliche Leistung des VfD.ers, der sich sicher noch verbessern wird. , __ Aleber 100 Meter, Kl. I, setzte sich Mulle r bis in den Endlauf durch, er konnte jedoch infolge schlechten Starts nur den 4. Platz belegen. In der Klasse 1 1 wartete W. Müller im 200-Meter-Lauf mit einer beachtlichen Leistung auf. Er startete abermals schlecht, konnte jedoch in der Geraden durch kraftvollen Endspurt dem Siege bis auf Brustbreite nahekommen. 1. Möller, CT. Kassel, 22,8; 2. Müller, VfB. 08 Gießen, 22,9; 3. Loße, Kurhessen-Kassel, 23,1; 4. Obermüller, Stettin, 23,2. Diskus: 1. Gugel, VfB. 08 Gießen, 37,39 Meter; 2. Mohl, VfB. 08 Gießen, 35,81; 3. Bock, CT. Kaffel, 34,90 Meter. 1 500 Meter: 1. Eisfeld, Kurhessen Kassel, 4:22,9 Ulin.; 2. Pauckstedt, H.-Pr. Kassel, 4:31,9; 3. Grölz, VfB. 08 Gießen, 4:33,5. Der von längerer Krankheit noch nicht ganz wieder her- gestellte Grölz lief ein beachtliches Rennen. Bei weiterer Stilverbefserung wird er wohl bald seine vorjährige Form erreicht haben. VfB.-Gießen. 3ugenbfpie(e. 1. Jugend Dfv. 08 Gießen — VsV. Aßlar 0:3. Gießen trat geschwächt an und konnte den spielstarken Gastgebern nicht gefährlich werden. Trotzdem war das Spiel jederzeit offen. 2. Jugend VsV.08 — 1. Jugend Klein-Linden 1:0. Aus dem Waldsportplatz lieferten sich beide Mannschaften ein spannendes Spiel. VfB. war immer leicht überlegen, was durch mehrere Tore hätte zum Ausdruck gebracht werden können, wenn der Sturm die sicheren Torgelegenheiten ausgenutzt hätte. Die 1. und 2. Schülermannschaften traten in Wieseck gegen die gleichen Mannschaften des dortigen Turnvereins an und verloren 4:0 bzw. 2:1. In beiden Spielen wurden annehmbare Leistungen gezeigt. Handball im Lahn-Oünsberg-Gau. Wißmar II — Mainzlar II 1:2 (0:1). Am Sonntag trafen sich die beiden genannten Mannschaften zu einem Freundschaftsspiel, das sehr fair ausgetragen wurde. Kurz nach Beginn kam Mainzlar zum Führungstreffer, während Wißmar trotz vieler Torchancen zunächst erfolglos blieb. Nach dem Wechsel war Mainzlar ein zweites Mal erfolgreich; Wißmar erzielte ein Tor, während der verdiente Ausgleichstreffer der Mannschaft versagt blieb. Schulbeirieb auf dem Flughafen Gießen. Die Flugübungsstelle des Vereins für Luftfahrt in Gießen e. V. hak in diesen Tagen mit dem Schulbetrieb auf dem Flugplatz begonnen. Zur Zeit schulen fünf Schüler, darunter eine Schülerin. Die Schulflüge finden in der Regel ab 18 AIhr statt. Außer den Schulern der Flugübungsstelle Gießen schulen noch die Mitglieder der Fliegergruppe Friedberg „Polytechnikum". Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß der Flugbetrieb auf unserem Flugplatz in diesem Jahre erheblich zugenommen hat, waren doch im vorigen Monat ungefähr 400 Starts und Landungen zu verzeichnen. In nächster Zeit findet der Flugbetrieb infofern noch eine Erweiterung, als auch der Wetzlarer Verein für Luftfahrt ein ihm gehöriges Flugzeug auf unserem Flughafen beheimatet. Auch bei der akademischen Fliegergruppe unserer Alni- versität hofft man, bald mit einem Motorflugzeug vertreten zu sein. Vom weißen Sport. Gießener Tennisklub 1922 gegen T. L. Rot-Weiß Mainz 11:7. Mainz stellte eine Mannschaft von 5 Damen und 6 Herren. An erster Stelle der Damen spielte Fräulein van der Does. Obwohl Fräulein Berg gut im Schlag war, wurde sie von Fräulein van der Does 6:2, 6:2 geschlagen. Frau Dumur siegte über Fräulein Roth 4:6, 9:7, 12:10. Fräulein Stückrath erzielte das glatte Resultat von 6:0, 6:1 über Fräulein Burger, Frau Düttmann schaltete Frau Schmidt 6:1, 6:3 aus. Ebenso siegte Fräulein Kuhlmann 6:3, 6:2 über Fräulein Falk. Bei den Herren bewies Dr. Fischer wieder feine fabelhafte Sicherheit. Selbst die schärfsten Bälle von Brinkmann, Mainz, schlug er als grundlinienlos zurück und verlieh 6:3, 1:6, 6:3 als Sieger den Platz. Dr. Schopper, Dr. Dönges und v. Grolman spielten^ unter Form und müßten die Punkte Mainz überlassen. H. Müller gab 7:5, 6:4 Sans das Rachsehen, während K. Fischer über Glock 6:1, 7:5 die Oberhand behielt. Im gemischten Doppel hatten Fräulein van der Does—Brinkmann schärfsten Widerstand zu überwinden, ehe sie Fräulein Berg—Dr. Schopper 7:5, 4:6, 6:4 ausschalten konnten. Frau Dumur— Altkämper verloren knapp in drei Sähen gegen Fräulein Roth—Dender. Fräulein Stückrath— v. Grolman siegten über Fräulein Burger—Sperling 6:4, 8:6, nach hartem Kampf im zweiten Sah. Frau Düttmann—Döhnke siegten überlegen 6:2, 6:0 über Frau Schmidt—Müller. Das schönste Spiel des Tages war das erste Herren-Doppel. Dr. Schopper—K. Fischer siegten verdient 6:3, 4:6, 6:4 über Brinkmann—Sperling. Döhnke—Alkkämper, unter Form, verloren in Drei Sähen gegen Dender—Glock. Einen Harken Kampf gab es im dritten Doppel, und erst nach 42 Spielen fiel die Entscheidung, v. Grolman— Engisch gewannen das Maisch 11:9, 4:6,. 7:5 über Müller-Sans. Am kommenden Sonntag spielt der Tennisklub Schwarz-Weih, Siegen, auf den Giehener Plätzen. Handball der Stadimannschast. Bataillon — Sladtinannfchaft 5:5 (2:3). Das am Montagabend auf dem DfB.-Platz aus- . getragene Rückspiel gegen das Bataillon hatte zahlreiche Zuschauer angezogen, die ein interessantes Treffen zu sehen bekamen. Trotzdem die Soldaten mit Ersatz antreten mußten, gaben sie einen starken Gegner ab und lieferten infolge ihres riesigen Eifers eine ebenbürtige Partie. Die Stadtmannschaft zeigte lange nicht die Leistungen des Vorspieles. Infolge verschiedener Umstellungen war kein rechtes Verständnis da. Sowohl im Sturm wie auch in der Verteidier. Homberg, 16. Juni. Die Stadtkirche soll in diesem Jahre vollständig rennooiert werden. Der für diese Arbeiten errechnete Voranschlag lautet auf 42 000 Mark. Nachdem das Dach schon vor Monaten größtenteils in Ordnung gebracht wurde, ist man jetzt zu den Jnnenarbeiten übergegangen. Dieser Tage wurden die Ausschachtungsarbeiten vorgenommen, bei denen menschliche Knochen aus alten Begräbnisstätten gefunden wurden. In der Kirche hatten nämlich die Adeligen von Weytters, die in Wäldershausen wohnten, ihre Begräbnisstätte. Einer der Pfeiler trägt deren Wappen und die Jahreszahl 1563. Auch befanden sich im Innern zwei Grabsteine von Amtmännern (Kaspar von Berlepsch, Ludwig von Boineburg). Der Grabstein des letzteren ist in der Nähe der hinteren Kirchen- türe eingemauert und trägt die Jahreszahl 1568. Vermutlich ruhten seine Gebeine m der wahrend der vorigen Woche vorgefundenen Gruft, bie aber nicht gut erhalten war. Leider mußte man bei die- fen Ausschachtungsarbeiten die Wahrnehmung machen, daß der Boden schon mehrfach durchgearbeitek war (vermutlich zum ersten Male im Jahre 1785 ober auch im Jahre 1828); beibe Zahlen sind an der Südostfeite außen angebracht. Damals sand man wohl gut erhaltene Grüfte, die nach Waffen und dgl. durchsucht und dann wieder planlos zu- getoorfen wurden. Preußen. Kreis Wetzlar. <> Ebersgöns, 15. Juni. Rach längerem Leiden starb am Samstag im Alter von 66 Jahren der Gemeindevorsteher Konrad S ch tn- de l von hier. Der Verstorbene hat das Amt des Gemeindevorstehers seit dem Jahre 1910 bis zum Deginn seiner Krankheit versehen. Von 1900 bis 1910 bekleidete er das Amt des Gemindevorsteher- Stellvertreters. Während seiner Amtszeit sind in unserer Gemeinde einige größere kommunale Aufgaben.durchgeführt worden, so z. B. der Dau der Duhbach-Licher Eisenbahn, die Einführung des elektrischen Lichtes, der Dau eines Kriegerdenkmals sowie die teilweise Kanalisierung des Ortes und Erweiterung der Wasserleitung. Der Verstorbene erfreute sich der allgemeinen Wertschätzung. Kreis Biedenkopf. Hartenrod, 16. Juni. Am Montag ereignete sich auf der hiesigen Ortsstraße einen Z u - sammenstoß zwischen einem Ra dfahrer und einem Fuhrwerk. Vier junge Durschen aus dem benachbarten Schlierbach fuhren im schnellen Tempo durch die Ortsstraße. Im gleichen Augenblick passierte ein Fuhrwerk den Weg. Dem ersten Radfahrer K. D. war es infolge der großen Geschwindigkeit nicht mehr möglich, auszuweichen, so daß er mit großer Wucht gegen die Flanke des Wagens fuhr. Der sofort herbeigerufene Arzt stellte Schilddrüsenblutung fest und ordnete die Üeberführung des Verunglückten in die Marburger Klinik an. Das Fahrrad wurde bis zur Unbrauchbarkeit beschädigt. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bif 12.33 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.