Ur 89 Erstes Blatt 181 Jahrgang Zreitag, 17. April 1951 Lriq« ini lägln^.aatin Boxutaqs unb 5«iertag* Beilagen Dtf 3Uu|trtert« •legen« J-amdtenblätteJ ßetmai im Bild Tte Scholl« IRonati-Beiegspreti: 2.20 3l«id)6marb anb 30 Vetd)spfenmg für Träge» lohn, auch bei Nichler- fr' «men einzelnerNummerR infolge Häher« Gewalt. iere|pred)ael<6IÜRe dnt«rSammelnummer22Sl. Jn|d)rtfl für Vrahtnach- achten Bnjeiger »letze», poßfcheckkonto. §rc*ffDri am Main 11688 Gietzeiier Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drod tmb Verlag: VrLhl'sche Untversilülr-Vuch. nnö Stetnörnderei L Lange tn Stehen. Schristlettnng und Seschästrstelle: ZchuMahe 7. Annahme von Anzeige» für bi« Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig: für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschttst 20*. mehr. Ehefrebakteur Dr. Jnebr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Thyrivt; für den übrigen Teil Ernst Dlumscheln unb für bett Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen Das neue Regime in Spanien. Kommunistische Unruhen in Sevilla. Gcfangcncndefreiung in Valencia, Malaga und Bilbao. Madrid, 16. April. (WTB.) 3n Sevilla kam cs in den frühen Morgenstunden zu k o m - munistischen Unruhen. Dor der Kaserne deS 9. Infanterieregiments sammelte sich ein aroher Trupp von Kommunisten an, der unter den Hufen »Dieder mit dem König! ES lebe die Republik' Waffen forderte, um gegen die ZivUgarde kämpfen zu können. Die Demonstranten wurden von der Wache auseinander getrieben. BILBAO IGO SARAGOSSA' MADRID CORDOBA SEVILLA FRANKREICH VALENCIA f? —^-= =^= kamen ober später wieder und gaben einige Devolverschüsse gegen das Kasernentor ab, worauf die Wache das Feuer erwiderte. Ein Kommunist wurde schwer verletzt. Als die Kommunisten bald darauf einen Laden plünderten, wurde auf Deschluh der republikanischen Junta der Belagerungszustand über Sevilla verhängt. Eine Gruppe vom Kommunisten hat aufs neue versucht, in verschiedenen Fabriken für die Diederlegung der Arbeit au werben Es gelang ihnen tatsächlich, 700 Arbeiter einer Fabrik zum Verlassen ihrer Arbeitsstätte zu bewegen. Bauern aus der Umgebung von Sevilla sind auf Lastautos unter Mitführung kommunistischer Fahnen in Sevilla ein- oetroffen Sie brachten Hochrufe auf die Sowjet- aus. Die Behörden haben ihnen die Einfahrt zur Stadt verwehrt. Als die Strafgefangenen von Sevilla erfuhren, daß die Gefängn.sse in Barcelona geöffnet worden waren, kam es zu einer Meuterei, in deren Verlauf die Wärter überwältigt wurden. 212 Gefangenen gelang eS, die Flucht zu ergreifen. In Bilbao stürmte die Volksmenge die Gefängnisse und befreite sämtliche Gefangenen. In Valencia kam es ebenfalls zu einer Aufstondsbewegung der Gefangenen. Der Gouverneur setzte daraufhin sämtliche Gefangenen in Freiheit. In M a l a g a kam es zu sehr ernsten Zwischenfällen. Die Menge stürmte die dortige kinservative Zeitung .L'Union Mercantile". Der katalanische Separatismus. Tic Meinungsvcrschicdcnheiten zwischen Madrid und Barce ona bcigclegt. Madrid, 16. April. Zwischen den Regierungen von Madrid und Barcelona bestehen ziemliche Meü nungsverschicdenheiten. Die Madrider Regierung fetzt der Bildung eines besonderen ka> talanischen Staates gewisse Schwierigkeiten entgegen. Die Katalanen berufen sich daraus, daß die katalanische Republik als erste durch den spontanen Ausdruck der gesamten Bevölkerung ausgerusen worden sei. Die große Mehrheit der Bevölkerung habe sich für eine autonome Republik ausgesprochen. Oberst Macia hat am späten Abend eine Vereinbarung mit Madrid erreicht Die Bezeichnung .Katalanische Republik" wird auf« ?e g e b e n werden, und das Land wird den Namen ühren .Katalanischer Staat in der spanischen Republik". Dem Beispiel von Katalonien folgend, haben sich die baskischen Provinzen zur selbständigen Republik erklärt mit einer eigenen Verfassung, die sich auf ihre historischen Pri- vilegien stützt. Gegenströmungen. Die Klerikalen verlangen Einberufung der Nalionalverfammlung. Madrid, 16. April. (TU.) Am Donnerstag sind die letzten Mitglieder des knig'ichrn Hauses ins Ausland abgereist. Dur die Infantin Isabella, eine Tante des Königs, ist in Madrid zurückgeblieben, da sie erfranft ist. Auch der spanische H o ch a d e l schickt sich an, das Land zu verlassen. Der Drang, von Madrid fortzu- komrnen. ist so stark, daß die Schlafwagen bereits auf Tage hinaus ausverkauft sind. Hand in Hand mit der Flucht aus Madrid gehen die Abhebungen an den Banken, die einen derartigen Umfang angenommen haben, daß die Geldinstitute zeitweise nur ein Viertel der verlangten Beträge auszahlen konnten. Im klerikalen Lager melden sich bereits Stimmen, die die Regierung darauf aufmerksam machen, sie müsse ihre Macht auf die aller- wichtigsten Angelegenheiten beschränken, da ihr Ursprung keinen gesetzlichen Hintergrund habe. Diese Kreise verlangten auch eine baldige Einberufung der verfassunggebenden D a t t o n a l v e rs a m m- lung. Besonders starke Befürchtungen hat man wegen der Selbständigkeitserklärung Kataloniens (allerdings in gesamtspanischem Rahmen), da das Födcrativproblem die Einheit Spaniens unter Umständen gefährden könnte. Das konservativ-monarchistische Organ A. B. E. schreibt: Wir bleiben dabei, daß Spanien auf Grund seiner Geschichte, seines Ursprungs, seiner Entwicklung und seines Geistes monarchistisch ist. — DaS katholische Blatt Gl De bäte rät der neuen Regierung, über ihre rechtliche Lage wohl nachzudenkcn. ES handle sich um eine de facto- Rcgierung und um nichts weiter, der jede rechtliche Bestätigung fehle. Sie sei durch die gegenwärtigen Umstände anS Ruder gekommen. Diese Umstände feien maßg brnd. Die neuen Minister hätten die Pflicht, diesen Umständen Rechnung zu tragen und dürsten nicht damit Mißbrauch treiben. Wie König Alfons in Marseille landete. Paris, 16. April. (WT2.) Ueber die Ankunft des Königs Alfons in Marseille wird noch berichtet: Der König begab sich unmittelbar, nachdem der Kreuzer „Principe Alfonso" etwa einen Kilometer vom alten Hafen entfernt Anker geworfen hatte, in ein« geschlossene Barkasse, und zwar tn Begleitung des Herzogs von Miranda und seines Detters Alfons von Bourbon. Außerdem begleitete den König noch ein Kammerdiener. Der König drückte den Offizieren die Hand und verabschiedete sich alsdann von dem ehemaligen Marineminister Admiral Rivera, der ihn seit seiner Abfahrt aus Cartagena begleitet hatte. Als di« Barkasse im Hasen anlegte, winkte der Herzog von Miranda eine Autodroschke heran und in ihr fuhren der König und der Herzog in ein Hotel. Die französischen Behörden hatten mü der Ankunft des Kreuzers zu so früher Stunde nicht gerechnet, und erst als der König bereits im Hotel war. hat ein Dertreter des Präfekten den König besucht. Oie Ankunst der Königin in Paris. Sympathiekundgebungen dcr Bevölkerung. Paris, 16. April. (WTB.) Der Königin von Spanien wurden bei ihrer Ankunft auf dem Gare d'Orsey in Paris Sympathiekundgebungen dargebracht. Der Bahnsteig war abgesperrt. Zu chrem Empfange waren der spanische Botschafter Quinones de Leon, d«r Privatsekretär des Präsidenten der Republik, der päpstliche Duntius, der Herzog von Alba und andere spanische Aristokraten erschienen. Die Wagen, die di« Königin und ihre Kinder in ein Hotel, das sie auch sonst bei ihrem Aufenthalt in Paris zu bewohnen Bn'ands Gegenmine gegen die Zollunion. Erfolgreiche Verhandlungen mit polen und der Kleinen Entente. Paris, 17. April. (Funkspruch. TU.) In gut unterrichteten Kreisen spricht man zur Zeit viel von Derhandlungen B r i a n d s mit den diplomatischen Vertretern Polens und der Kleinen Entente, die xum Ziele hatten, dem deutsch-österreichischen Plan einen Gegenplan gegenüberzu st eilen, um der Erweiterung des Zollabkommens von vornherein den Weg zu versperren. Diese Besprechungen, die angeblich in voller Übereinstimmung mit Rom und London geführt worden sind, sollen nunmehr in ein abschließendes Stadium eingetreten sein. Man betont, daß eine grundsätzliche Derständigung zwischen den einzelnen Staa- ten zu st an de gekommen ist und daß die Aufstellung eines gemeinsamen Gegenplanes bereits in den nächsten Tagen zur Tatsache würde. Man werde damit bereits auf der Genfer Tagung auf warten können. Es handele sich um eine wirtschaftliche Grundlage, auf der die industrialisierten Länder einerseits und die landwirtschaftlich Eingestellten anderseits sich zweckmäßigerweise ergänzen könnten. Man spricht von einem .Programm positiver Derwirklichung", das den Gedanken einer österreichisch- deutschen Zollunion ausschließen würde. Im übrigen — so wird wenigstens von gewisser Seite behauptet — werde Deutschland auf dem Laufenden über di« genannten Derhandlungen gehalten. In welcher Art und in welchem Umfange, wird allerdings nicht gesagt. Dermutlich wird man über die Einzelheiten des Programms morgen näheres Horen können. Der „Petit Parisien" schreibt: eine machtvolle Bewegung des Aufbaues, die sich begrenzt ab- zeichne, erlaube die Doraussage, daß bei der nächsten Tagung des europäischen Studienausschusses ein Plan vorgelegt werden könne, der nicht mehr lediglich die Interessen zweier Rationen, wie beim deutsch-österreichischen Plan, gruppiere, sondern die Interessen einer ziemlichen Anzahl von Mächten. Das werde dem Ausschuß vielleicht die Möglichkeit geben, di« Grundlagen einer neuen wirtschaftlichen Zusammenarbeit Europas zu legen. Deutschland und Oesterreich könnten sich, wenn sie das wünschten, natürlich dem anschließen. 2m Hinblick auf diese Möglichkeit bemühe man sich in jedem Lande, die nationale Wirtschaftspolitik mit dem ins Auge gefaßten internationalen System in Cinllang zu bringen. — Das „Echo de Paris" betont, daß die Staaten des alten Kontinents seit 1927 alles getan hätten, um die wirt'chastlichen Konfcrcizen, die eine gemeinsame Wirt cha tliche A. Ln h und sich mit großer Schnelligkeit verbreitet«. Im Tunnel, der sich etwa 11 Meter tief unter der Erdoberfläche hinzog. befanden sich zahlreiche Arbeiter, von denen ein großer Teil ums Leben gekommen sein dürfte. Es ist bisher gelungen acht Leichen au bergen, doch befürchtet man. dah die Zahl oer Toten etwa 25 betragen wird. Die Feuerwehr, die Polizei und zahlreiche Arbeiter, darunter auch die Geretteten, bemühen sich zur Zeit, vom Straßenpflaster aus einen vertikalen Schacht zu graben, um die noch eingeschlosseren Arbeiter zu befreien. 30 Arbeiter konnten bish r mit mehr oder weniger schweren Brandwunden und Gasvergiftungen den Krankenhäusern zugeführt werden Vie Wetterlage. naio oeoecia » wonug. eoeoetti •Reoen * Schnee & 6raupein ■ iteoei K 6ewiiter.(§)winditiiie.-O' lehr leichter Osi massiger Sudsudwesi X sturmocner lordweil Ole Pfeile fliegen mit dem wmdt Oie oeioen Stationen dienenden zahlen oeOen die Temperatur an Die Linien reromden Orte mit gleichen^ euf neeresmveau umoerrchnefen Luftdruck Wettervoraussage. Die Störung über Island hat einen südöstlichen Weg eingeschlagen und wird dadurch überDeulsch- land weiter wirksam. Der Kern lag in den heutigen Morgenstunden über der Rordsee und durch die Südseite Tiefs breitet sich ein ausgedehntes Riederschlagsfeld, welches bereits unseren Bezirk erreicht hat, über Frankreich nach England hin aus. Somit treten weitere Regenfälle auf, und durch die ozeanische Luft steigen di« Temperaturen vorerst etwas an, die aber mit dem späteren Drehen der Winde nach Westen und Rordwesten zu etwas zurückgehen. Die kühle Luft wird dann gleichzeitig unbeständiges Wetter Hervorrufen und mehr schauerarttge Riederschläge verursachen. Aussichten für Samstag: Weitere Niederschläge und bedeckt, leichter Temperaturanstieg, dann wechselnd wolkig mit Schauern und kühler, um West drehende Winde. Aussichten für Sonntag: Wolkig mit Aufheiterung, einzelne Schauer, Abkühlung. ML '«'S > «r. ■ sich JJJM be. °u« Port 'ich Hot. nr.^Bbon Oberes n- M oug V9’ ■et Znef^ o^ Lagrr- Lest. 'Malen. unau^ endttV^dig- ung dez V® ' Sr erliuert v? ?.?**5* ft"*> A«. •°,tn ÖCT edjlnfu Slfr S*t U i b5nt* nicht '7 Kunstschz^ dtct werden, ebenso "start. n Ddjjenmoor südlich ?'tQJt der Dsn?. btm Start eint. *»* n 2000 TOtierer. l,‘le und nun in lang. Artplatze, nie. snbeschadigt unb würbe Vtart benutzt Dann An zur Sorfübrung, Boden tarnen. lifing mit einem größeren, ie Vorführungen wie. tmglürf inel In Lhlkago. ikvieriel brach vlStz« sinbUchen fta. n großes Feuer aus, i Gasen reitiiix großer Schnemgteit schewaii Meter berstöche hmzog, Ürbeiter, von denen eben gekommen jelungen acht Lei« irchtet man, daß die befragen wird, die Mm'che Arbeitet, x, bemühen sich M i\A röten wcttta'.en noch eingeschivsse'en -beiter tonnten bish t »Deren ^randlvun^cn Arankenhöusern zu« rtagt ««• DM 0 5 T 7 U H t Osx5*^ AAY- 0 J wei fr, |5 «A 1 _rtC-Q i Ä-J53? ttej igeb^^ -Vetter crackge -M' Aus der Provinzialbaupestadt Gießen, ben 17. April 1931. 40 Jahre im Dienste derZsraelitischen ^eligionSgemeinde. Die Vollendung der 4 0 jährige n D ienstzeit des Äantors und Lehrers Joseph Marx en der Israelitischen R e l i g i o n s g e m e i n d e @iefcenam 19.21prH bietet den Anlaß» zu einer Ehrung, die in einem Festgottesdienstc am Samstag, 18. April, vormittags in der Synagoge an der Sud« onlage die religiöse Weihe erhalten soll Als Herr Marr nachdem er mehrere Jahre m Unna, Go- desbergund Mors als Volksschullchrer und Kantor tätig gewesen war, sein hiesiges Amt antrat galt es den von hohem Alter gebeugten Lehrer Meier, der musikalisch und wissenschaftlich für sein Amt hervorragend ausgebildet war, nach SVjahrrger Tätigkeit »u ersetzen. Der junge Beamte stand vor der nicht leichten Aufgabe, einen großen Teil der bisherigen Synagogengesänge, besonders die liebgewonnenen Ehorgesänge, beizubehalten, und die fantoralen Soli und Rezitationen diesen anzupassen, daneben aber auch in den Gottesdienst Abwechslung zu bringen durch Einführung neuerer Kompositionen, besonders solcher von Lewandowsky, nach dem Vorgänge aller größeren israelitischen Religionsgemeinden. Mit einer klangvollen umfangreichen Baßstimme, Zuerst im Lehrerseminar zu Münster und dann in einem Konservatorium zu Brüssel ausgebildet, brachte Herr Marr den Gottesdienst in allen seinen Teilen auf eine ansehnliche musikalische Höhe und stimmte die Betenden zu weihevoller Andacht. Wohl noch schwieriger war die Aufgabe, die ihm als Religionslehrer gestellt wurde. Der Religionsunterricht mußte den neuzeitlichen Ansprüchen gerecht werden. Der da- malige Rabbiner Dr. Levi stand bereits im 85.Le- benssahre und konnte schon viele Jahre früher, bei Einführung des israelitischen Religionsunterrichts als Pflichtfach an den höheren Schulen, diesen nicht übernehmen, teils, wie er selbst bescheiden meinte, mangels Eignung als Lehrer teils wegen lieber- lastung mit anderen Dienstgeschäften in den zahl- reldien Gemeinden des ausgedehnten Rabbinats- bezirks Oberhessen. So erteilte Herr Marr mehrere Jahre hindurch den gesamten israelitischen Religions- unterricht, wobei er der Jugend so viel liebevolles Verständnis entgegenbrachte, daß selbst die gereiften Schüler, die anfangs nicht viel jünger als der Lehrer waren, dem Unterricht volle Aufmerksamkeit ent- gegenbrachten. Oesters wiederkehrende Jugendfcfte, an denen die ganze Gemeinde freudig teilnahm, wirkten erzieherisch auf die jugendlichen Gemüter und erzielten schon vor 40 Jahren die Wirkung, die in den letzten Jahren durch Veranstaltung sog. Eltern, abenbe allgemein erstrebt werden: eine Verbindung von Elternhaus und Schule und Annäherung zwi- schen Lehrern und Schülern. Daneben fiel Herrn Marx auch die Ausgabe zu, den greifen Rabbiner in verschiedenen Amtsgeschäften zu entlasten, und mit angeborenem Takt und natürlicher Beredsamkeit konnte er auch hierin verdienstvoll wirken. Mit Wohlwollen jedcm einzelnen Mitglied der Gemeinde zu- getan, war Herr Marx bereit, nach Möglichkeit jedem zu dienen, und er erwies sich vielen als treuer Berater und Helfer. Auch die nicht geringen Mühen der Wanderfürsorge nahm er in selbloser Weise auf sich Seiner Anhänglichkeit an die Religionsgemeinde Gießen entsprangen verschiedene Abhandlungen über deren Geschichte und Rechtsverhältnisse, besonders soweit sie die Stellung der Lehrer betrafen. Die jeweiligen Vorstände und Mitglieder der Gemeinde haben auch stets das vielseitige Wirken ihres pflicht- treuen Beamten zu würdigen gewußt, und es an Beweisen schuldiger Dankbarkeit nicht fehlen lassen. Möge die verdienstvolle Tätigkeit dieses Mannes, der noch jetzt mit unverminderter Straft und voller Hin- gebung alle (eine Pflichten erfüllt, noch viele Jahre der Gemeinde zum Segen erhalten bleiben! Schont und schützt die Anlagen. Ein CRunbgang um di« Stabt führt den Spaziergänger vor Augen, bah unsere Anlagen frühlings- unb sommermätzig her- gestellt wurden. Ss fehlt nur noch baS frische Grün ber Bäume und Sträucher, das hoffentlich Regen unb Sonne halb hervorzaubern werben. Die neueren Holz-Ruhebänke sinb weih, die älterem mit eisernem Untergestell grün unb grau gestrichen worden: die Wege wurden im vergangenen Winter neu belieft, das Eisengeländer entlang dem Schoorgraben mit Schutzanstrich versehen. Die immer einen besonderen Anziehungspunkt der Kleinen bildenden Sandbecken auf den Kinderspielplätzen erhielten neue stabile Holz- faflung und Banktische, die ausgiebig zur Herstellung von „Kuchen" und „Tortenbackwerk" benutzt werden: besonders fleißige Kinder leisten hier sogar Ueberstunden, und schliehlich geben die jungen Mütter mit ihren farbenfteuöig aus- gestatteien Dabywagen den Anlagen auch ein besonderes Gepräge. Gs ist nun an den Erwachsenen, das mit erheblichen Kosten Geschaffene zu schützen, und nötigenfalls da einzufchreiten, wo kindlicher Unverstand, ober mangelnbe Achtsamkeit der erwachsenen Angehörigen Schaden anzurichten drohen. Denn schliehlich muh der Sichtete Schaden auf Kosten der Steuer- : wieder aus geweht werden. Die behördlich Iten Aufsichtspersonen können nicht überall zu gleicher Zeit sein. Das Recht, Schaden zu verhüten, steht jedermann zu, wenn große und kleine Hände sich an Blumen und Sträuchern vergreifen, oder die Rasenflächen betreten. Auch den Hunden, die mit Borliebe Rasen und Beete zerkratzen, muh entschieden gewehrt werden. Darum: Schont und schützt die Anlagen! Daten für Samstag, 18 April. Sonnenaufgang 5.26 Uhr, Sonnenuntergang 19.24 Uhr — Mondaufgang 5.29 Uhr, Monduntergang 20.08 Uhr. 1521: Luther auf dem Reichstag zu Worms; — 1573: der Chemiker Justus von Liebig in München gestorben, — 1892: der Dichter Friedrich von Boden- stcdl in Wiesbaden gestorben: 1906: Erdbeben in San Franzisko. $ür und gegen verwilderte Katzen. Der Gießener Tierschutz-Berein. Weserstrahe 4, schreibt uns: Verwilderte Katzen sind der Schrecken der Bogelwelt. Zugleich haben jene herrenlosen Katzen oft genug cm bedauernswertes Schicksal. Deshalb muh versucht werden, ihre Zahl möglichst au vermindern. Man kann daS, indem man von jeöcm Wurf nur ein Tierchen leben, die jungen Kater kastrieren läßt und herrenlose, verkommene Tiere zum Töten bringt Die kleinen Kätzchen foll‘en gleich nach bet Geburt unb nicht im Beisein des Muttertieres getötet werben. Aus Sentimentalität läßt man oft die kleinen Katzen leben, weil sie oft den Kindern Freude bereiten, später aber kümmert sich niemand mehr um sie, stellt ihnen vielmehr nach. Besser tötet man alle Zungen einer Katze, als daß man das eine überlebende elend verkommen läßt und einem ungewissen Schicksal ausliefert. Viele Leute haben die Gewohnheit, die Katzen mit Steinwürfen zu vertreiben, um die Vogel zu schützen. Sie bedenken dabei aber nicht, daß sie. um einem Tier zu helfen, vielleicht cht anderes schwer verletzen, ohne eS ganz zu töten, so daß eS, in diesem Falle die Katze, unter Qualen Weilerleben muh. 5ft eine Katze lästig, so sind wir es ihr und uns schuldig, sie rasch unb schmerzlos töten zu lassen. Der Tierschutz-Verein erteilt in allen Fällen gern Rat. . Bornotizen. — Taae skatender für Freitag. Stadt- kheater: „Lady Wintermeres Fächer", 20 dis 22.30 Uhr. — Ltabsmusik der Heilsarmee aus Berlin: Geistliches Konzert. 20 Uhr. Aula der Universität. — Bund für christliche Erziehung in Haus und Schule: Lichtbildervortrag über Italien. 20 Uhr im Johan- nesfaaL — Oeffentlicher Vortrag über Bausparen, Referent Landtagsabg. Dr. Klamt (Berlin), 20 Uhr, Hotel „Hindenburg". — DHE.: Lichtbilderoortrag 20.30 Uhr im Forstinstitut. Brautzaffe 7. — VfB. 08: Hauptversammlung 20.30 Uhr im Caf6 Ebel. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Drei Tage Mittelarrest". — Astoria-Lichtspiele: „Der Leutnant Ihrer Majestät". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr. Gastspiel der Frau Auguste Prasch-Grevrnberg. Ehrenmitglied des Meininger LandeSlheaters, in der Rolle der Herzogin in Qskar Wildes „Lady Windermeres Faches'. Spielleitung Walter Däuer'.e. D.ese Gesellschaftskomödie wird heute zum letzten Male aufgeführt. — Sonntag, 19. April, 11.30 Uhr. in Verbindung mit dem Doethebund HanS-SachS-Morgenfcier (4. Tag deS KammerspielzykluS). Zur Aufführung gelangen drei Einakter von Hans Sachs („Die junge Witfrau Franziska". ..Sankt Peter auf Erden" unb ..Das heiße Eisen"), bie von ber Spielleitung Dr. Ritter trotz ihrer Verschie- benartigkeit zu einem einheitlichen Ganzen zusammengefaßt wurden. Vorher hält Dr. Karl Ritter einen Einführungsvortrag über bie dramaturgische Bedeutung von Hans Sachs. Mvrgen- feierpreise. Ende der Veranstaltung 13 Uhr. — Auf Grund vieler Anfragen, vor allem auswärtiger Besucher, hat die Intendanz sich entschlossen, die Jazzkapelle „WcintraubS-Synco- paiors" nochmals zu einem zweimaligen Gastspiel für Sonntag, 19. April, 15 Uhr und 19 Uhr zu verpflichten. Die RachmittagS-Vor- ftellung lringt eine musikalische Dühnenschau mit auserwähllein Programm au Mvrgenfeierpreisen. Die Akendveransttaltung sieht eine musikalische Dühnenschau mit erweitertem Abendprogramm vor. Kleine Preise. Es wird darauf hingewiesen, daß zu der Abendveranstaltung nur noch wenige Karten zu haben sind: zur Rachmittaasvorstel- lung jedoch sind noch sehr gute Plätze aller Platzgattungen erhältlich. (Ende der Veranstaltungen: nachmittags 16.30 Uhr, abends 21 Uhr.) — Die Volksrecht-Partei Sparer- bund, Ortsgruppe Gießen, lädt in unserem heutigen Anzeigenteil zu einer öffentlichen Versammlung am kommenden Montagabend im Katho« liscAn Vereins Haus ein. Der Reichsparteivor- sihende Prof. Dauser (Stuttgart) wirb über .Dolksrecht-Kampf für Arbeit unb Drot" sprechen. (Siehe Anzeige.) — Eine Ausstellung von BMW. Klein- a u t o 9 veranstaltet die Autofirma Otto Faber vom 18. bis 22. April im Saale des Hotels Schütz. Die Ausstellung dürfte den Auto-Jntereffenten viel Neues und Sehenswertes bieten. Man beachte die heutige Anzeige. LU. Don der Landesuniversität. Die Einschreibungen für das Sommersemcster 1931 beginnen am 20. April und enden am 16. Mai. Die erste feiersiche Immatrikulation sindet am 2. TOa\ die letzte am 16. Mot statt. ' Doranschlagsberatung im Gießener Stadtrat. Am Freitag nächster Woche findet eine öffentliche Sitzung des Stadttats im Sitzung», faale des Stadthauses, Bergstraße, statt. Im Mittel- punkt der Beratungen wird der Voranschlag für da» Rechnungsjahr 1931 stehen. •• EineAnmahnungvonSteuernund Abgaben veröffentlicht die Stadlkaffe in unserem heutigen Anzeigenteil. Die Zahlungspslichtigen seien daraus besonders aufmerksam gemacht " Todesfälle in Gießen. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 1. bis 15. April: 1.: Elisabeth Dreitwieser geb. Endner, 58 Jahre, Druchstraße 19; 2.: Pauline Wilhelmine Wagenbach geb. Heuser, 51 Jahre, Wilhelmstraße 71; 3.: Karl Schäfer, Former, 34 Jahre Asterweg 68; Georg Strack, Schneidermeister, 62 Jahre, Großer Sicinweg 14; Katharine Rausch geb. Böckel, Witwe, 36 Jahre, Frankfurter Straße 24; Anna Schröckert geb. Hartmann, ohne Deruf. 58 Jahre, Licher Straße 106; 6.: Marie Werner geb. Orb, Witwe. 66 Jahre, Kaplansgasse 21; Margarete Maraols, ohne 'Beruf, 57 Jahre, ßiebigftrane 37; 8 : Emst Haberkorn, 1 Tag. Mottkeftraße 5; Fritz Eikmeier. Handelsvertreter. 41 Jahre. Schillerstraße 5; 9 : Gertrud Dina Anna Dalentti^ 8 Jahre. Alicenstraße 4; 10.: Eleonore Haubach geb. Heil. 71 Jahre. Asterweg 31; Maria Koch geb. Decker, Witwe. 62 Jahre. Friedensstraße 10; 11.: Heinrich Rabenau. Schuhmachermeister. 73 Jahre. Seltersweg 61; Anni Gebhardt. 8 Monate, An der Kläranlage 88; 12.: Reinhard Richter. Student. 25 Jahre, Frankfurter Straße 4; Heinz Decker, 3 Monate, Alter Rödger Weg 24; 13.: Johanna Rau geb. Gold, 61 Jahre, Am Kugelberg 22; 14.: Johann Klutkowsky, ohne Deruf. 39 Jahre, An der Kläranlage 4. Friedrich Dau» der. Frldwebel, 30 Jahre, Sdbotlftrafrt 13. Freie Lehrer st eile. Erledigt ist die Stelle für einen evangelischen Lehrer an der Volk»- schule in TO ün ft er (Kreis Fsiedberg). Dienstwoh- nung ist vorhanden. * Mi li tä r konzert in der Provinzial - P f l e ge a n st a 11. Man berichtet uns: Die hiesige Reichs wehr kapel le erfreute gestern vormittag die Infaffen und daS Perfonal der Provinzkal-Pflegeanstalt durch die Darbietung verschiedener schneidig vorgetragener Musikstücke. Die vielen dankbaren Zuhörer haben nur den einen Wunsch, recht bald wieder die Reichswchr- kapelle in der Anstalt hören zu können. •• Eine Stahlhelm-Kundgebung veranstaltet der Stahlhelm-Landesverband Groß- Hessen am nächsten Sonntag in Frankfurt a. M. Der 1. Dundesführer Franz Del die wird der Veranstaltung beiwohnen. Am Rachmittag findet ein Aufmarsch der Stahlhelmer im Ost park vor dem 1. Dundesführer statt, anschließend wird der Marsch durch die Stadt angetreten, der mit dem Vorbeimarsch vor dem 1. DundeSführer am Sendenixrgianum enden wird. Den Abschluß der Veranstaltung wird am Abend eine Kundgebung für das VolHbegehren bilden, bei welcher Sran* Seldte sprechen wird. Zu diesem Aufmarsch werden mehrere Tausend Stahlhelmer auS dem Landesverband Groß-Hessen erwartet. • • V V t** . Hlütter, weiche die Bedeutung der Kinder• Wundpflege erkennt heben, benutzen Penafen-Creme sonntag, 19. u. 26. April, nachm. 3 Uhr Tag!. 6 Flach- und Hindernisrennen u. Ä. am 26. April Verlosungs-Jagdrennen Jeder Besucher erhält en Freilos. Gewinn das siegende P.crd oder netto 1000 M. in bar. tlnlrUlsprelsc: 1. Platz Mk. 5.—, 2. Platz Mk. 2—, 3. Platz Mk. 1.-. Kinder bis 15 Jahren in Beglcilun ; Erwachsener aul allen Plätzen 50 Plg. Nurn. Logenplatz Mk. 10 —, Lorcnfrib.-Plaiz 8 Mk. (Kinder die Hälfe.) Hem a&mitw der segnet mal unverhofft das Zeitliche, das Gesindel wartet Ja nur darauf. Bauen Sie vor und stellen Sie dafür einen dauerhaften Drahtzaun auf. Was Sie dazu brauchen, erhalten Sie preiswert bei mir. J. B. 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Farbenfrohe Plakate locken in den Schaufenstern der Aeisebureaus zu einer Frühlingsfahrt in den Süden, zu den Gestaden der Insel der Seligen, der Insel der ewigen Sonne, zum Eiland des immerwährenden Frühling-, und wie das schöne Madeira sonst noch heißt. Nun herrscht Aufruhr auf diesem gesegneten Grdenflcck, die Flamme der Nevolte ist jäh entzündet worden und hat auf die fern- gelegenen Azoren und die noch fernere portugiesische Heimat über gegriffen. Der Zci- tungsleser klappt den Reiseführer zu, der ihm von den paradiesischen Schönheiten dies?- im Augenblick so wenig paradiesischen Landes er- »ählt, und schlägt einen anderen Führer auf. nämlich den durch die portugiesischen Nevolutionen. ohne den es keinen Lieberblick über die höchst verworfene Geschichte dieses Landes gibt. Fern liegt im Süden, ebenso wie das schöne Spanien, das Nachbarland Portugal: obwohl zu Europa gehörend, nimmt man geringen Anteil an dem Geschehen in dieser Weltgegend — nur d i e Teilnahme Portugals am Weltkrieg auf der Seite der Gegner Deutschlands hat hier vorübergehend einen Wandel eintreten lassen — und so gibt man sich im übrigen Europa kaum Rechenschaft darüber, dass Revolutionen aus Portugal gar nicht fortzudenken, ja, baß ewige Unruhe und Portugal fast das gleiche sind. Seit nahezu 200 Jahren folgt Attentat auf Umsturzversuch. und feit der Proklamation der Republik, die am 4. Oktober 1910 der Herrschaft des HauseS Braganza ein Ende machte, bis auf den heutigen Tag haben fich rund zwei Dutzend Revolutionen ereignet, ungerechnet mehrerer kleinerer Putschversuche, von denen die Zeitungen nur in drei oder vier Zeilen berichten. Selbst die Diktatur der Generale, die feit dem Juni 1926 besteht, bat, wie man sieht, an dieser angeborenen Veranlagung des Portugiesen nichts ändern können. Für die ewige Ruhelosigkeit und Umsturz- bercitschast gibt es natürlich gute psychologische Gründe. Portugal isteinmaleinmächtigcs Reich getoefen, so mächtig, daß es sich mit feinem Nachbar Spanien durch jene bcrüßmle Demarkationslinie in den Besitz der Welt teilen konnte. Das war zu jener Zeit, als die Neue Welt anfing entdeckt zu werden, als die Portugiesen die Weltmeere befuhren, von Brasilien bis Indien das Banner ihrer Könige auspslanzten. Dem großartigen Aufstieg, der nur erklärlich ist aus den hervorragenden Eigenschasten der portugiesischen Nation, folgte ein unaufhaltsamer Abstieg durch die Jahrhunderte. Dieser Verlust alter Geltung ist eine Wurzel der Unzufriedenheit, deren Vertiefung die unglückliche Schichtung der Bevölkerung des Landes Vorschub leistet. Obwohl Portugal insofern am günstigsten von allen europäischen Staaten gestellt ist, daß es die reinste völkische Einwohnerschaft, nämlich 90,6 Prozent Portugiesen, hat, ist andererseits doch die In- telligenzschicht sehr schmal, um so größer aber die breite Masse der unwissenden Landbevölkerung. Gegen daS Analphabetentum ist erst in den letzten Jahren unter der Militärdiktatur etwas geschehen, die sich mit Fachmännern von Rang umgab, um die notwendigen Reformen durchzusühr^n. Der feinsinnige Germanist Cordeiro Ramos, der als erster Portugiese seinem Land Goethe, Kleist und Keller nahegebracht hat, ist vor allem dem Analphabetentum zu Leibe gegangen. In der srüheren bildungsmäßigen Zusammensetzung des Volkes konnte natürlich von einem normalen Funktionieren parlamentarischer Einrichtungen nicht gesprochen werden. Die breite Masse verharrre In Gleichgültigkeit und überließ die politische Aktivität der zahlenmäßig schwachen Intelligenz oder aber, was die Regel war, dem zwischen beiden stehenden Militär, das, wie von jeher in der portugiesischen Geschichte, ja auch wieder im letzten Aufstand die führende Rolle gespielt hat. Es sind also gelernte Revolutionäre. die den Aufruhr auf Madeira angezettelt haben, geübte Agitatoren, die ihre 5hmft wieder einmal mit Erfolg unter Beweis stellen. Verglichen mit den Konfliktstoffen, die der soziale Organismus der übrigen großen europäischen Staaten dauernd in sich herumträgt, scheint der Anlaß, der nach den vorliegenden Meldungen zum Ausbruch auf Madeira geführt hat, lächerlich unbedeutend erscheinen. 300 politische Deportierte in Madeira sollen den Sturm entfesselt haben — möchten alle politischen Gefangenen der ganzen Welt einen solchen Aufenthaltsort Angewiesen erhalten! Die Bewohner von Lipari und Solowki würden sich sicher mit dem nächsten Dampfer nach Madeira verschiffen lassen! Denn diese Insel trägt die schmückenden Beiworte, die man ihr verliehen hat, nicht zu Unrecht. Sie ist wirklich ein Paradies, schon allein durch ihre Lage in der Einsamkeit des Meeres, die ihr eins der gesündesten und gleichmäßigsten Klimata der Welt gibt; bewegt sich doch die durchschnittliche Jahrestemperatur zwischen 15 und 27 Grad Celsius. In verschwenderischer Geberlaune hat die Natur das Füllhorn ihrer Geschenke über Madeira ausgegossen. Südfrüchte, vor allem Orangen und Zitronen in Hülle und Fülle, subtropische und tropische Pflanzen, Zuckerrohr, Datteln, Kokospalme und tropische Pflanzen machen neben dem köstlichen Madeirawein und ^em steigenden Fremdenverkehr — der seine Preise selbst bestimmen kann, — den Wohlstand der Inselbewohner aus. Schon der Anblick, der sich den Passagieren der ankommenden Schiffe barbietet, ist überwältigend. Pyramidenähnlich steigt die Insel aus dem Meeresgrund in das sonnige Blau empor, romantisch türmen sich die Dergterra>sen übereinander. Große und kleine Häuser von schimmernder Weiße grüßen am felsigen Ufer. 3n einer geschützten Bucht liegt die Hauptstadt 5_u n - chal, die nach dem Telegramm der Aufruhrer an den Völkerbund nun als Hauptstadt von Portugal gelten soll, und die schon einmal als Verba nnungsort des letzten Kaisers aus dem Hause Habsburg in aller Munde war. Dem ankommenden Europäer bietet sich bei der Einfahrt in den Hafen ein Bild echt südlichen Lebens. Händler und sonnengebräunte Jungen fahren auf Kähnen und Booten an den Danrp- fer heran. Die Händler bringen Obff an Bord, die Knaben aber sind die berühmten Taucher von Madeira, die jedes ins Meer geworfene Geldstück aus der Tiefe holen und durch die Eleganz ihrer Tauchbewegungen den Reisenden tatsächlich ein lockendes Schauspiel bieten. Freilich, sie wissen, was ihre Kunst wert ist; Kupfermünzen darf darf man ihnen nicht anbieten, sonst muß man ihren lärmenden Protest ertragen. Die engen Straßen der Stabt sind mit spiegelglatten Steinen gepflastert, über bie ein ganz merkwürbiaeS, schlittenähnliches Gefährt von Ochsen dahin- gezogen wirb. Da bie Nioeauunterschiebe zwischen den einzelnen Straßen oft sehr groß sind, kann sich der Fremde oft in Todesgefahr fühlen, wenn das Fahrzeug in rasender Fahrt bergab saust. Madeira ist eine richtige Fremdeninsel, an der besonders auch bie Amerikaner gern Halt machen. Davon zeugt eine Reihe prunkvoller Luxushotels, bie tn den letzten Jahren immer zahlreicher aus dem Boden geschossen sind. Eine gastliche Insel also — aber wer ihre Gestade betritt, der tue Geld in seinen Beutel, denn bie Bewohner bieses Parabies s haben gar nichts mehr von parabiesischer Einfalt, minbestens dann nicht, wenn eS sich — um Preise handelt. Wiederum Deutschland — Frankreich. Rugby-Länderkampf in Paris. Die sportlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich tragen in diesem Jahre ein ganz besonderes Signum. Nach dem Fußball- Länderkamps folgte eine Begegnung der beiden Hockey-Nationalmannschasten, dem sich jetzt am kommenden Sonntag das ßänber treffen der Rugbyspieler anschließt. Nachdem bie deutsche Mannschast im Fußball geschlagen wurde, und bie Hockeyman..s hast nur einen knappen Sieg zu erringen vermochte, steht der Rugbyrnannschast leider mit ziemlicher Gewißheit auch eine Niederlage bevor. Seit der Wiederaufnahme der sportlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern treffen sich am kommenden Sonntag die offiziellen Rugbymannschasten zum sechsten Male. Von den bisherigen Begegnungen vermach'e Deutschland nur eine einzige, nämlich bie des Jahres 1928 in Hannover mit 14:13 gewinnen. Die übrigen Länder treffen gingen mehr oder weniger hoch verloren und bestätigten damit den großen Formen unterschied, der heute noch zwischen dem Rugbykönnen der beiden Ländermannschaften besteht. Kronselds Segelflugrekord überboten. Bei den am Donnerstag von Darmstadt aus durchgeführten Schlepp'egelflügen gelang es dem Piloten Fuchs auf dem Segelilugzeug ^Starkenburg" den bisherigen Rekord Kronfelds im Segelflug mit Rückkehr zur Startstelle um das Vierfache zu überbieten. Fuchs segelte nach dem Start nach dem Melibokiis, die Bergstraße entlang nach Heidelberg, überflog Heidelberg und kehrte nach längerem Segelflug nach dem Flugplatz Griesheim zurück, wo er glatt landete. Dieser Flug stellt einen neuen Erfolg des deutschen Segelfluges dar und berechtigt zu toeiteren großen Erwartungen. Nehring-Gedachtnisprels für den besten Segelflieger. Staatspräsident Dr. Adelung hat anläßlich der Wiederkehr des Todestages des Darmstädter Segel» Die reichlich kühle Witterung hat m diesem Jahre den Beginn der leichtathletischen Betätigung im Freien hinausgeschoben. Obwohl die Vereine seit zwei Wochen mit dem Training begonnen haben, konnte man von einer offiziellen Eröffnung nicht sprechen. Am kommenden Sonntag findet sie nun aber doch statt, und zwar in Form des üblichen Waldlaufes, der als Gruppen-Meisterschaftslauf des Gaues Gießen- Wehlar durchgeführt wird. An dieser Veranstaltung werden sich in der Hauptsache die beiden hiesigen Vereine, WB. und Spielvereinigung 1900 mit ihren leichtathletischen Kräften beteiligen, außerdem erhofft man auch aus der Umgebung unserer Stadt eine entsprechende Beteiligung, die um so mehr zu erwarten fein müßte, als die Landvereine über eine Reihe von Sportlern verfügen, die ein Wort mitzufprechen imstande wären. Ein gegen die Vorjahre erweitertes Programm soll zur Durchführung gelangen. Der Haupt- und TNeisterfchaftslaus führt über eine Strecke von 10 Kilometer. Für die der 3. und 4. Leistungsklaste ist eine Laufstrecke von fünf Kilometer vorgesehen; die Jugend der Klaste A (Jahrgang 1913 14) läuft drei Kilometer und die Klaste B (Jahrgang 1915 und später) anderthalb Kilometer. Die gleiche kurze Strecke soll in diesem Jahre auch von den Frauen gelaufen werden. Eine Erweiterung erfährt das Programm durch die Teilnahme der Alten Herren. Das Meldeergebnis ist hier allerdings nicht stark. Dagegen werden die Schiedsrichter von Gießen und der Untergruppe Grün- berg voraussichtlich in um so größerer Anzahl am Lauf teilnehmen. Die Ausrichtung des Laufes hat die Ep elvereinigung 1900 übernommen. Star! und Ziel ist also der Eportplcch an der Liebigs- hohe. Die Laufstrecke für die zehn Kilometer führt vom Sportplatz aus über den Trieb, auf Don Madeira hat sich der Aufstand nach den Azoren verptlanzt. der Inselgruppe, die wie ein wen vorgeschobener Vorposten Europas im -Atlantischen Ozean liegt. Sie sind in den letzten Jahren, im Zusammenhang mit Ozeanflügen, sehr ost genannt worden und werden es künftig wohl noch mehr verdienen, daß man fich mit ihnen beschäftigt. Sie find ein idealer Stützpunkt für die künftige Ozeanüber- querung auf dem Luftweg; bedauerlich bleibt nur. daß für das deutsche Flugwesen dort so lange nichts zu hosten ist, als die enge Zusammenarbeit zwischen Portugal und Frankreich, die bereits zu einem französischen Monopol geführt hat. andauert. Die Azoren, die auf der gleichen Breite wie Reuvork und Lissabon liegen, sind geradezu Brücken Pfeiler auf dem langen Weg zwischen der Alten und der Neuen Welt. Die neun großen und die zahlreichen kleinen Nebeninseln, die in der Erdkunde gewöhnlich in drei Gruppen, eine nordwestliche, eine mittlere und eine südöstliche, getrennt zu werden pflegen. ähneln sich sehr. Ueberall erblickt man umbrandete Steinküsten, in der Nähe der Küste liegen allenthalben gemalt gc Brocken abgestürz- ten Gesteines im M er. und obwohl es ri?lc kleine Wasserläufe gibt, wird man vergeben- einen Hafen suchen. Nur auf der Hauptinsel San Miguel gibt eS einen wirklichen Hafen, der jetzt wieder durch den Aufstand zu einer Bedeutung gelangt ist. Punta Delgada, und dieser Hafen ist künstlich angelegt worden. Die große Aehnlichk it der Inseln untereinander ist die Folge ihre- vulkanischen Ursprunges. Sie zeigen daS charakteristische Bild eine- kegelförmigen Vulkans. Al'e Inseln bieten auS der Ferne einen märchenhaften schonen Anblick wegen des üppigen Pslanzenwuch'es. zu dem die Schneekappe deS Pico Alto auf das wirkungsvollste kontrastiert. flugpilotcn Johannes Nehring, der im vorigen Jahr bei einem Wetterflug am Altrhein tödlich ab- stürzte, zur Förderung des deutschen Segelfluges einen künstlerisch ausgestatteten Wanderpreis als Iohannes-Nehring Gedächtnispreis gestiftet und der Rhön-Rcssitten.Gesellschaft zur Verfügung gestellt. Der Preis soll alljährlich am Todestage Nehrings für die beste Segelfiugleistung des Jahres vergeben werden. 1429:10? Eine selbst für französische Verhältnisse ungewöhnlich hohe Quote gab es bei den Mittwochrennen in Le Trem bläh im Prix Perdita. In einem Felde von 27 Pferden gewann die von dem zur alten Garde gehörenden Jockey Mac Gec gesteuerte Pie Bleue, die in den Wetten völlig vernachlässigt worden war, um einen Hals gegen La Balustrade und Badanienne. Der Totalisator honorierte den Sieg der bisher fünfmal unplaciert gelaufenen Drci ährigen mit der Quote von 1429:10. Auch die Plahquoten dieses Rennens mit ihren durchweg dreistelligen Zahlen, 363,512, 157 konnten sich sehen lassen. Oer Sport im Reiche. Roch immer ist vom Frühlingsbeginn nicht viel (ju merken. Launisch wie der April nun einmal ist, verändert er mindestens dreimal täglich sein Gesicht. Aber ungeachtet der Regen- und Hagelschauer zwischen Sonnenschein, wird sich am Sonntag doch viel Leben und Treiben auf den Sportplätzen entwickeln. Im Fußball steigt im Berliner Poststadion der Städtekampf zwischen Paris und Berlin. In Dresden findet das Endspiel um den Bundespokal zwischen den Auswahlmannschaften von Mitteldeutschland und Süddeutschland statt. Hinter diesen Ereignissen treten die Meister'chafts» Endspiele in den Verbänden etwas zurück. Im Rugby geht in Paris der Länderkampf Deutschland — Frankreich vonstatten. Zur Vorrunde um die deutsche Meisterschaft treten in Leipzig Tennis Borussia Berlin uNd der ASE. Leipzig gegeneinander an. dem bekannten Weg zum Flughafen, am Flughafen vorbei zu dem Waldstück „Stolzen Morgen" darüber hinaus bis kurz vor Rödgen. Dort biegt die Laufstrecke nach rechts ab und führt die Läufer auf der Reichskirchener Chaussee zum Sportplatz zurück. Die kürzeren Strecken führen über das Gelände des Triebs, des Flugplätze- und des Philosophenwaldes. Heber bie voraussichtlichen Sieger in den einzelnen Wettbewerben läßt sich kaum etwas bestimmtes Vorhersagen. Die Winterpause hat sicherlich viele Läufer und Läuferinnen mehr oder weniger außer Form gebracht. Die Leichtathleten haben erst zu beweisen, inwiefern sie die alten geblieben sind. Immerhin darf man mit einiger Sicherheit den lO-Äilometer-ßauf als eine Angelegenheit des Marathonläufers Gerhard (1900) betrachten. Ueberraschungen stehen unter Umständen im 5-K.lometcr-Lauf bevor. Aus der ständig wechselnden Reihe der Jugendlichen einen Namen zu nennen, ist ebenfalls kaum möglich. Ein spannender Dreikampf dürfte zweifellos im Lauf der Frauen zu erwarten fein, denn hier treffen die Käuferinnen der Spieloereinigung 1900, des hiesigen VfL. und des DfL. Dehlar auseinander. Mit Aussichten geht die Wetzlarerin Pfaff an den Start. Obwohl die Frauen auS Wetzlar nicht zur Gruppe Gießen gehören, vielmehr ursprünglich in Niedershausen antreten sollten, kämpfen sie doch in Gießen, da sie in ihrer Gruppe keinen Gegner gesunden hätten. Für die Alten Herren und für die Schiedsrichter wird weniger der Wettkampfgedanke im Vordergrund stehen, vielmehr sollte die Beteiligung der älteren Herren mehr werbender Art fein, werbend für die Nützlichkeit des Waldlaufes. Auf den Verlauf der einzelnen Rennen darf man gespannt sein. Hoffentlich ist die Veranstallung von einigermaßen gutem Wetter begünstigt. ÖJ.-fpori WMausmeisterschasten des Sams Sießen-Mlai Auftakt der leichtathletischen Saison. Im Hockey werden in Berlin die Meister» chastskä upfe fortge etzt. im Reiche Interefiiert u.e va’iicraiprobe der west deutschen Silberfchild- mannschast für das Endspiel mit Brandenburg. Im Handball beginnen die Spiele um die DSV.-Meisterschaft. Im Turnen sind Kunstturnwettkämpse zwischen Köln-Düsseldorf und 6'len in Düsseldorf, Grünberg-Reusalz und Glogau in Neusalz (Ober) und Speyer-Landau und Neustadt in Speyer vereinbart Im Schwimmen finden die ersten Olympia- Prü ungen de- Deutschen Schwimm-Verbande- am Samstag und Sonntag in Leipzig statt. An den zweitägigen 'Wettkämpfen nimmt die gesamte Elite des deutschen Schwimmsports teil. Zur Vorbereitung für die Davispokalkämpfe beginnen im Tenni - in Düsseldorf und Berlin die angelegten Trainingskämpfe. Im Bahnradsport sind Veranstaltungen aus der Berliner Olympipbahn in Elberfeld, Chemnitz und Stettin geplant. Auf der Landstraße sind zu nennen der Aberger Wanderpreis in Berlin, Rund um Kre eld, Straßenprei- von Bielefeld und im AuSlande Haag—Brüssel, das von zahlreichen westdeutschen Herrensahrern mit bestrit en wird. Der Motorsport bringt den Großen PreiS von Monaco, an dem die deutschen Fahrer Stuck, Caracciola und Burggaller teilnehmen. Weltrekordmann Ernst Henne startet in Wien. Auf dem Rürburgr ng wird der PreiS der Romrylc- berge ausgefahren. $. Sp. V. 1926 Steinbach. Am Sonntag empfängt Sempachs 1. Mannschaft di« gleiche von VfR. Lich zu einem Gesellschaftsspiel. Sieinbach muß zu diesem Spiel mit viel Crfah antreten und wird daher alles bran- sehen müssen, um ein ehrenvolles Resultat zu erzielen. Die 2 Mannschast embfängt blc gleiche vom ZSpV. 1928 Garlente'.ch Steinbachs 2. tritt ersatzgeschwächt an und wird dadurch in Darbente ich- 2. einen starken Gegner finden. Handball im (Hau Hessen (O T > Io. Heuchelheim I — Io. Garbenleich I (ADI.) 6:4. Die Erste stellte sich in Garbenteich der als spielstark bekannten ersten Mannschaft des dortigen Turnvereins und konnte, nach zeitweise ^unnötig hart durchgesührtcm Kampf, mit einem v:4 Sieg das Spielfeld verlassen. Io Heuchelheim 3gö. — Io. 1816 Gießen 3gb. 4:4. Die Iugendmannschaft, die in den legten Spielen ansprechende Leistungen zeigte, erzwang in Gießen gegen eine verstärkte Jugend des Turnvereins von 1846 ein Unentschieden 4:4. Handball im Turnverein 1860 Lich. Am Sonntag fährt die erste Handballmannschaft des Turnvereins Lich nach Lützellinden, um ein Gesellschaftsspiel auszutragm. Der Ausga.'.g des Treffens ist kaum vorauszusagen, da die generische Maimschaft in Lich weniger bekannt ist. Am vergangenen Sonntag spielte die erste Hand- ballrnannschaft in Nidda und verlor gegen die körperlich überlegenen Platzbesiher 8:4. Handball tm Labn-Oünsbera Gon Kommenden Sonntag stehen sich wieder auf dem Wißmarer Platz die beiden ersten Mannschaften der Vereine Allendors und Atzbach im ersten Entscheidungsspiel in der Runde der Zweiten gegenüber, während in der Meisterrunde bas erste Spiel in dem Treffen Dorlar gegen Londorf um den Gaumeister ausgetragen wird. To. Großen-Llnden gegen Igde. Eintracht Frankfurt a. 7N. Am Sonntag untern mmt die 1. Mann'chaft de- Tv. Eroßen-Linben eine Reise nach Frankfurt a. M., um mit der Tgbe. „Eintracht" bas Rückspiel auszutragen. 3m Vorspiel gelang es den Eroßen-Linbenern, nach spannendem Spielverlauf den Frankfurtern ein Unentschieden ab* zur:ngen. Wenn man auch dem Gastgeber bie größeren S.egeSaussichten einräumen muß, so sollten bie Oroßen-Cinbener immerhin in ber Lage sein, ein ehrenvolles Resultat zu erzielen. To. Garbenteich — To. Großen-Vuseck. Am Sonntag empfängt die erste Mannschaft deS Turnvereins Garbenteich bie erste Mannschaft des Turnvereins Großen-Buseck zu einem Gesellschaftsspiel. Auf das Auftreten der Gäste ist man allgemein gespannt. Reben d:esem Tressen tragen auch die Iugenbmannschaften ber beiden Vereine ein Freundschaftsspiel aus. Gaumeisterschaften im Saalsport des Lahngaues im DDR. Der Lahngau im Bund Deutsche Radfahrer hat mit ber Ausrichtung der diesjährigen Gausaalmeisterschaften den Rabtourencluo Friedberg" betraut, der am Samstag das Fest feiner Bannerweihe begeht. Aus diesem Anlaß finden am kommenden Sonntag die Gausaalmeisterschaften im Hotel Trapp zu Friedberg statt. Die Vorwettbewerbe werden bereits am Vormittag ausgetrcgen. Als Gaumeisterschaften sind ausgeschriedtn: Einer- und Zweier-Kunstsah en, Scchser-Kunstreigen, Zweier- und Dreier-Radball. Als offene W ttbewerbe gelten Sechser- und Achter-Niederrad - Schulreigen. Sechser- und Achter-Iugendreigen und Zweier-Iugenb-Rad- ball. Der Saalsport. der im Lahngau von jeher eine gute Pflegestätte hatte, dürfte auch die-mal wieder mit guten Leistungen aufwarten. Kurze Sportnotizen. Einen neuen Mercedes - Benz- Sieg gab es in Südamerika, wo bet Sieger des Großen Preises von Argenttnien, EarloS Za- touszeck, auf der deutschen Marke in einem 400- Kilometer-Rennen in 2:54:32,2 (130,5 Stundenkilometer) erfolgreich blieb. 2 Pöttinger, ter Mittelstürmer von Bayern München, ist am Sonntag im Meisterschaftsspiel gegen die Spvgg. Fürth doch schwerer verletzt worden, als man ursprünglich annahm. Der Internationale hat einen Bruch des Schienbeins davongetragen, der beim Eintritt von Komplikationen der Fußball-Lausbahn Pottingers leicht ein Ende bereiten kann. • Beim Training in Stockholm schwamm 0. Pettersson die 1 0 0-M e t e r «K r a u l- strecke in 59,8 Sekunden. Im schwedischen Schwimmsport hofft man in Pettersson einen geeigneten Nachfolger für Arne Borg gefunden zu haben. Buntes Allerlei. Der Lärm von Rom. Unter den Großstädten, die den zweifelhaften Ruhm des geräuschvollsten Ortes der Welt für sich in Anspruch nehmen könnten, steht Rom mit an erster Stelle. Der Lärm ist so unerträglich, daß jetzt ein römisches Blatt, das „Giomale d’ltaha“, einen neuen Feldzug zur Bekämpfung des unnötigen Getöses eröffnet hat. Die Zeitung hat schon vor einem Jahre nachdrücklich auf diesen Uebelstand hin- gewiesen, ober ohne sichtbaren Erfolg. Die Sache wurde einer Sonderkommission übertragen, die — wie das so häufig der Fall ist — über das Stadium der theoretischen Erwägungen nicht herausgekommen ist. Unterdessen ist Rom eine der geräuschvollsten Städte der Welt geblieben. An dieser Tatsache wird sich nach den Untersuchungen des Blattes nichts ändern, so lange die Chauffeure weiter zu schnell fahren und ihren Weg durch den dichten Straßenverkehr durch beständiges Lärmen mit der Hupe zu erzwingen suchen. Besonders sündigen in dieser Hinsicht die Lenker der Omnibusse, die einen ohrenzer- reißenden Spektakel vollführen. Aber fast noch schuldiger als die Fahrer sind die Fußgänger, die augenscheinlich in der ewigen Stadt einen besonders großen Mangel an Disziplin und Rücksicht zeigen. Der Römer lebt immer noch des fremden Glaubens, daß die Straße ihm gehört, wie es in jenen seligen Tagen der Fall war, da Rom nicht viel mehr war, als ein großes Dorf. Wenitzstens wird im „Giornale d’Italia“ behauptet, daß die Sufjgänger mit besonderer Vorliebe über die Straße hmübergehen, ohne sich umzusehen, daß sie an den Kreuzungspunkten des Verkehrs in Klumpen sich zusammenballen, um sich allen möglichen Klatsch mitzuteilen, daß sie sich mitten auf der Straße benehmen, wie wenn sie in ihren vier Wänden wären, und mitten im Gewirr des Großstadtgetriebes eifrig nach dem Himmel blicken, um sich über die zu erwartende Witterung zu unterrichten. Auch suchen sie, noch irri letzten Augenblick über die Straße zu kommen, wenn die Kraftwagen daherbrausen, und trotz der vielen Unglücksfälle herrscht diese glückliche Gleichgültigkeit weiter. Man kann daher verstehen, daß die Wagenlenker unter Aufgebot des von ihnen zu erzielenden Lärmes die Fußgänger aus dieser Sorglosigkeit und Ruhe auf- zuschrecken suchen, und deshalb wird gefordert, mit einer gründlichen Erziehung des Publikums zu beginnen, um das römische Lärmkonzert dämpfen zu können. Jünf Tage in einer Kiste. Die Zahl der blinden Passagiere, die in seltsamen Verstecken die Reise über den Ozean gemacht haben, ist jetzt durch einen neuen vermehrt worden. Der französische Dampfer La- fahette meldete dieser Tage drahtlos aus Reu- York, daß ein 20jähriger Pariser, Louis Chiancse, in einer Kiste entdeckt worden sei, in der er unbemerkt die Llebcrfahrt gemacht hatte. Durch diese Nachricht wurde das angstvolle Suchen der Familie nach dem Ausreißer beendet. Der junge Mann hatte öfters seiner Mutter erklärt, er wolle nach den Vereinigten Staaten gehen und dort sein Glück machen, und er werde das durchsetzen, auf welche Weise sei ihm egal. Der Letzte, der ihn gesehen, war der Portier des Hauses, in dem er wohnte,' dieser teilte mit, Louis hätte mit einem Freunde eine große Kiste herausgetragen. Sein Onkel, der ein Hutgeschäft betreibt, schickt regelmäßig große Kisten mit Modrllhuten nach Reuyork. Eine dieser Kisten hat sich Chia- nese zum älntcrschlupf gewählt, und auf diesem sonderbaren Frachtstück stand geschrieben: „95 Hüte. Für Lord & Taylor, Reuyork. Aufrecht stellen. Sorgfältig behandeln. Rur an einem kühlen Ort aufzubewahren. Zerbrechlich." infolge dieser Angaben wurde die Kiste so gut behandelt, daß ihr Insasse glücklich in Reuyork anlangte, freilich befand er sich bei der Entdeckung in einem sehr geschwächten Zustande. Sein kühnes Unternehmen nützt ihm nichts, denn er wird als Gefangener auf der „Lafayette" nach Frankreich zurückgebracht, und die Familie muß noch die Fracht für die überzählige Kiste bezahlen. Ein Protest der hessischen Landgemeinden. 3n seiner, zu Anfang dieser Woche stattgehabten Sitzung hatte sich der Vorstand des Hessischen Landgemeindetages mit dem ihm vor einigen Tagen zur umgehenden Stellungnahme übersandten 2. Teilentwurf einer neuen hessischen Gemeindeordnung zu befassen. Rachdem bereits verschiedene Kreisgruppen, denen angesichts der Kürze der Zeit eine Stellungnahme unmöglich gemacht war, geaen das Vorgehen der Regierung Verwahrung eingelegt hatten, vertrat auch der Vorstand diese Auffassung und faßte einstimmig folgende Entschließung: „Der Vorstand des Hessischen Landgemeindetages stellt mit größtem Befremden fest, daß es ihm die Regierung unmöglich gemacht hat. zu einem Gesetzes werk von so fundamentaler Dedeu- Itung, wie es der 2. Teilentwurf der neuen hessischen Gemeindeordnung für die Landgemeinden ist, eingehender Stellung nehmen zu können. Insbesondere war der Landgemeindetag infolge der verspäteten Zustellung des Entwurfs nicht in der Lage, seine gutachtliche Aeußerung dem Gesehgebungsausschuß des Hessischen Landtags vor Beginn der Beratung zugehen zu lassen. Gegen eine solche Ausschaltung der berufenen Vertretung der hessischen Larck>gemeinden legt der Vorstand schärfste Verwahrung ein. Es ist ihm nicht verständlich, daß man die Reform der hessischen Derwaltungsgesetze, mit welcher sich ein Llntercrusschuh jahrelang befaßt hat, plötzlich mit einer solchen, dem genannten Reformwerke wenig nützlichen Eile zur Verabschiedung bringt und die nahezu 1000 hessischen Landgemeinden, für welche das Gesetzeswerk geschaffen wird, bei dem 2. Teil des Entwurfes vor vollendete Tatsachen stellt. Der Hessische Landgemeindetag muß deshalb schon jetzt jede Verantwortung für etwaige, aus der übereilten Verabschiedung der neuen Gemeindeordnung später für seine Mitglieder erwachsenden nachteiligen Auswirkungen ab lehnen." Protest gegen die Verlegung des Darmstädter pädagogischen Instituts. * Darmstadt, 16. April. Die Hessische Evangelische Vereinigung (Friedberger Konferenz) hat in ihrer Hauptversammlung in Frankfurt folgende Entschließung zur Frage des Pädagogischen Instituts gefaßt: „Die Hessische Evangelische Vereinigung (Friedberger Konferenz), zu ihrer aus allen Kreisen des Landes zahlreich beschickten Hauptversammlung in Frankfurt versammelt, nimmt mit Befremden und Bedauern Kenntnis davon, daß trotz der mannigfachen und verschiedenseitigen, wohlbegündeten und ernstlich vorgebrachten Einsprüche gegen die Aufhebung des Pädagogischen Instituts zu Darmstadt und dessen Zusammenlegung mit dem Institut in Mainz die Durchführung dieser Maßnahme nunmehr durch Verfügung des Ministeriums für Kultus und Bildungswesen auf dem Verwaltungswege angebahnt sind. Indem die Hessische Evangelische Vereinigung sich demgegenüber die von verschiedenen Seiten an zuständiger Stelle und in der Oeffentlichkeit erhobenen Einwände zu eigen macht, spricht sie gegen die Aufhebung des Darmstädter Instituts schärfsten Protest aus und fordert ihre Mitglieder und alle Evangelischen, wie andere Kreise des Landes auf, für die Belassung des Pädagogischen Instituts in Darmstadt in Verbindung mit der Technischen Hochschule auf das tatkräftigste einzutreten." Industrie- und Handelskammer Friedberg. Friedberg, 16. April. (MSN.) Die Industrie- und Handelskammer Fried- berg hielt heute in ihren Räumen eine Vollversammlung ab, die unter dem Vorsitz von Kommerzienrat Langsdorf tagte. Zunächst er- stattete der Syndikus der Kammex Dr. Göbel einen eingehenden Bericht über die Vollversammlung des Deutschen Industrie- und Handelstages am 25. März in Berlin. Dann wurde die derzeitige Wirtschaftslage eingehend besprochen. Die gegenwärtige schwere Krise habe sich auch auf die Wirtschaft des Kammerbezirks einschneidend ausgewirkt. Die Vollversammlung nehme insbesondere mit großem Bedauern von den S t i 11 e g u n g s » absichten der Hefrag in Wolfersheim Kenntnis und gebe der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß dieser so leonswichtige Betrieb dem Wirtschaftsleben des Kammerbezirks erhalten bleiben möge. Der neue Fahrplan bringe wohl manche Verbesserungen, insbesondere auf der Main-Weser- Strecke, jedoch erscheine es erstrebenswert, daß der Bezirks-Eilverkehr im Rhein-Main-Gebiet noch weiter ausgebaut werde, lieber aktuelle Fragen aus dem Sondergebäudesteuerrecht berichtete Syndikus Dr. Göbel ausführlich und behandelte insbesondere die Sondersteuererleichterung für Saisonbetriebe. Im Zusammenhang hiermit wurden die für die Einheitsbewertung 1931 zu erwartenden Durchführungsbestimmungen näher besprochen. Für die Eintragung von Betrieben ins Handelsregister wurden besondere Gesichtspunkte ausgestellt. Ebenso befaßte sich bi« Vollversammlung mit den Gebühren für L e g i t i m a t i o n s k a r t e n, die in vielen Fällen zu hoch festgesetzt werden und für die eine einheitliche Behandlung in den einzelnen Kreisamtsbezirken gefordert wurde. Die Frage der Wirtschaftstreuhänder ist so weit gediehen, daß für die in Frankfurt a. M. zu errichtende Zulassungs- und Prüfungsstelle die notwendigen Beschlüsse gefaßt werden konnten. Die Bestellung von Konkursverwaltern und von Vertrauenspersonen und die Besprechung von Mietfragen bildeten den Abschluß der Verhandlungen. Wirtschaft. * Felten und Guilleaume Carls- Werk AG. Köln-Mülheim. In der Sitzung des Aufrichtsrats der Felten und Guilleaume Carlswerk AG., Köln-Mülheim, wurde beschlossen, der für den 5. Juni einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 6,5 v. H. vorzuschlagen. Frankfurter Börse. F r a n k f u r t a. M., 17. April. Tendenz: beruhigt. Die heutige Börse eröffnete nach den Abschwächungen der letzten Tage in etwas beruhigterer Haltung. Die Grundstimmung war jedoch noch ziemlich unsicher, was auch in den recht schwankenden Kursen zum Ausdruck kam. Bereits vorbörslich konnte man eine bessere Beurteilung der Lage erkennen, da der bevorstehende Abschluß der Kunstseidekonzerne mit einem 20-v. H.-Kontingent für Auslandbörsen anregte. Die erneut schwache Haltung der Auslandbörsen, die demgegenüber zwar fast ohne Einfluß blieb bewirkte noch eine stärkere Zurückhaltung der Kulisse am Geschäft. Die Umsatztätigkeit bewegte sich in engen Grenzen. Vereinzelt kam noch etwas Material an die Märkte, dem anderseits einige Rückkäufe der Spekulation, die in den letzten Tagen Blankoverkäufe vorgenommen hatte, gegenüberstanden, so daß die Kursgestaltung nicht einheitlich, jedoch überwiegend etwas fester war. Mehr Interesse wandte sich aus dem obenerwähnten Grunde den Kunstseideaktien zu, von denen Aku 1,75 und Bem- berg 1 v. H. gewannen, nachdem schon an der Abendbörse l°v. H.-Erholungen eingetreten waren. Auch der Elektromarkt verzeichnete durchweg Kurserhöhungen bis 1,5 v. H. Am Chemiemarkt lagen I.-G.- Farben zunächst um Bruchteile eines Prozents höher, verloren später aber 1,25 v. H. Ferner setzten Deutsche Erdöl und Goldschmidt 1,75 o. H. niedriger ein. Gut behauptet lagen Montan-, Kali- und Bankaktien. Schwächer eröffneten noch Zellstoff- und Bau- werte, ferner AG. für Verkehrswesen und Deutsche Linoleum. Am Anleihemarkt lagen deutsche und ausländische Renten behauptet. Pfandbriefe ruhig und eher etwas schwächer. Reichsschuldbuchsorderunaen behauptet. Im Verlaufe herrschte wieder große Ge- schäftsstille und infolgedessen bröckelten die Kurse meist etwas ab. Die Aktivität der Außenhandelsbilanz fand günstige Aufnahme, konnte jedoch eine Belebung des Geschäfts nicht herbeiführen, da die Orderlofigkeit überwog. Am Geldmarkt blieb der Satz für Tagesgeld mit 5 v. H. unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Madrid recht schwach. Sonst lagen Mark gegen Dollar 4,20, gegen Pfund 20,4040, London gegen Reuyork 4,8584, gegen Paris 124,26. gegen Mailand 92,80, gegen Madrid 48,25, gegen Schweiz 95,2213, gegen Holland 12,1013. Berliner Börse. Berlin, 17. April. Es lagen für heute kaum günstige Momente vor, die im Laufe des Vormittags und an der Vorbörse Hoffnungen auf einen festeren Börsenverlauf auslösten. So wurde der gestrige Abstimmungserfolg der englischen Regierung mit Beruhigung zur Kenntnis genommen' ferner vergrößerten sich die Hoffnungen auf eine Verständigung in der Kunstseideindustrie, und von einer Befestigung des Pounganleihekurses ging eine Anregung aus. Zu Beginn wurden dann auch noch die Ausführungen Direktor Wassermanns auf der heutigen Ge- neraloersammluna der Dedibank bekannt und die schon erwarteten Außenhandelsziffern für März veröffentlicht. Die Aktivität von 218 resp. 263 Millionen (in der letzten Ziffer sind Reparationsleistungen enthalten) übertraf wohl noch die Erwartungen. Der gleichzeitig erschienene Reichsbankausweis für die zweite Aprilwoche fand ferner geteilte Beurteilung, da zwar die Gesamtentlastung um 419 Millionen und die Verringerung des Quotenumlaufs um 504 Millionen befriedigte, anderseits aber die starke De- visenabnahme (51,4 Millionen) ungünstig kommentiert wurde. Auch das wieder schwächere Reuyork blieb nicht ganz ohne Einfluß auf die Tendenz. Die ersten Kurse lagen sehr schwach und meist 1 bis 1,5 v. H. unter gestern. Darüber hinaus verloren Allgemeine Lokal- und Kraft, BEW., Aschersleben, Schlickert, Hugo Schneider, Polyphon bis 3 v. H. und Chade lagen im Zusammenhang, mit der schwachen argentinischen Währung 5 Mark niedriger. Anleihen waren ziemlich behauptet. Ausländer wenig verändert. Pfandbriefe eher schwächer. Nur Reichsschuldbuchforderungen wurden etwas höher genannt. Am Geldmarkt erfuhren die Sätze immer noch keine Erleichterung. Nach den ersten Kursen wurde die Stimmung, ohne daß das Geschäft an Umfang zunahm, aus den eingangs erwähnten Gründen freund- kicher. Die meisten Papiere konnten l-o. H.-Besse- rungen aufweisen, Spezialwerte lagen bis 2,5 v. H. erholt. Infolge der Orderlofigkeit traten leichte Kursschwankungen auf, der Grundton blieb freundlich. Schweinemarkt in Friedberg. WSR. Friedberg, 16. April. Der Iung- schweinemarkt erbrachte einen Auftrieb von 65Z Tieren. Es wurden folgende Preise bezahlt: für 6 Wochen alte Tiere 15 bis 20 Mark, 6 bis 8 Wochen alte 20 bis 25 Mark, 8 bis 12 Wochen alte 25 bis 30 Mark. Bei sehr lebhaftem Handel verblieb etwas Lieberstand. Schweinemarkt in Homberg. -er. Homberg, 16. April. Auf dem gestrigen Schweinemarkte waren 380 Ferkel aufgetrieben. Für sechs bis acht Wochen alte Tiere wurden 15 bis 20 Mk. und für acht bis dreizehn Wochen alte Ferkel 18 bis 33 Mk. gezahlt. Der Geschäftsgang war lebhaft; es verblieb nur ein geringer Lieberstand. Schweinemarkt in Marburg. ][ M arburg, 16. April. Dem heutigen Schweinemarkt waren 785 Tiere, darunter 46 Läufer, zugefahren. Bei flottem Handel kosteten 6 Wochen alte Ferkel 18 bis 20, 6 bis 8 Wochen alte 20 bis 24, 8 bis 13 Wochen alte 24 bis 28. und Läufer 35 bis 40 Mark das Stück. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 16. April. Gegenüber dem festeren Vormittagsverkehr, in dessen Verlauf namentlich Roggen seinen Preisstand erneut hatte bessern können, gestaltete sich die Börseneröffnung ziemlich enttäuschend, und am handelsrechtlichen Lieferungsmarkte ergaben sich gegen den gestrigen Dörfenschluß zumeist nur unbedeutende Preisveränderungen; lediglich in Iuliroggen kam es auf stärkeres Angebot zu einem Abschlag um 1,25 Mk. Im Promptgeschäft hat sich das ersthändige Offertenmaterial keineswegs verstärkt, dagegen bekundet die zweite Hand bei den gegenwärtigen Preisen vereinzelt etwas mehr Derkaufslust; das Preisniveau war etwa behauptet. Weizenmehl hat nach wie vor stilles Geschäft, während Roggenmehl, insbesondere 70prozentige Ausmahlung gefragt bleibt. Erhöhte Mühlenofferten waren kaum durchzuholen. Am Hafer- und Gerstenmarkte ist nach den Preissteigerungen der letzten Zeit eine leichte Beruhigung eingetreten; eine Zunahme des Angebotes ist zwar nicht zu verzeichnen. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märkischer, 290 bis 292 (abgeschwächt), Mai 306,50 bis 305, Juli 300 (Brief), September 254,25 bis 253,75; Roggen, märkischer, 193 bis 195 (still), Mai 207,25 bis 206,50, Juli 201 bis 200, September 189 (Brief); Braugerste 241 bis 250 (stetig); Futter- und Industriegerste 224 bis 240 (stetig); Hafer, märkischer, 181 bis 185 (matter), Mai 194,50 bis 192, Juli 200,75 bis 198,50. September 178,50; für je 100 Kilo: Weizenmehl 34,75 bis 40,50 (ruhig); Roggenmehl 27,75 bis 29,75 (stetig); Weizenkleie 13 bis 13,25 (ruhig); Roggenkleie 13,40 bis 13,70 (fester). Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o H.. Lombardzinsfuß 6 v. H. Sranttun a. M. Berlin ifrranlrurt a. I Berlin Schluß- tu re 1-Uhr. Kur» Schluß«: für» | Ans«. g» Kur4 Schluß» tue« | l'Uflr«' Kurs Schluß. Ansang« ftur« Datum 16.4. 174. 16.4. 174. Datum 16.4. 17.4 16.4. 17.4 6% Seutlthe Reich« anteihe »cm 1927 ........ 7% Deutsche Reichsanleihe von 1029 ........ Deutsche Anl^Abiöi.« Schuld mit Buelol.-Rechten ..... DeSgl. ohne Aullos.-Rechte . . 8% Hess. Boilrliaai vou 1929 (rtdtafilb. 102%)...... CbfTbrffcn Provinz. ttaleHe mb Deu tickte Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 ... 8% firantl. Hnv.-Bank Soldpfe XIII untünobar bi» 1934 . . . 7% Rranlf. Hov-AatU Golbvle unfünbbot bl» 1932 ..... 4Ü% Rdeinilche Hyp^vartl Liqu. Voldpse. ..... 6% Pr. LanbeSptandbriefanstalt Psandbriese R. IG . . 8% Pr L'onbeOrfanobdelanftalt Komm^Lbl. R. 20. . . 7% Pr. £fanbfou*anobrte|anftalt Pioiibbricle RN... B.E.B abg. younegt-Cbllgatto- nen, rückzahlbar 1932 <% Oesterreichhche Goldrenkr . 4,20% Oestcrreichiiche Silberrente 4% Oesterreichtiche Einheitlich Rente 4% Ungarische Loldrente . . . 4% Ungariiche Staat-rente v. 191 4Vt% desgl. von 1913 1% Ungariiche Kronenrente 4% lürlilche Zollanleihe von 191 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Geriet . . 4% detgl. Serie II...... 6% Rumänische vereint). Rente von 1903 ... iyt% Rumänische vereint). Rente von 1918 ......... 1% Rumänische vereint». Rente 84,75 100,5 58,4 6,5 95,5 56,5 57,5 101,5 97,5 92,25 93,25 100,5 96,5 23 16,25 4,3 4,4 4,4 8,6 15,2 7 1 1 3". I 1 I I I 1 1 1 1 1 II 1 1 1 1 1 1 II 1 11 84,9 100,5 58,6 6,52 96 57,5 100,5 96,5 23,6 2,5 18,9 16,4 4,5 8,55 15,25 7 SI Ci i £2 i 12 i i i i i i i I i i £•" i i Hamvurg-Ämertka Palet . . Hamburg-Südam. Damplichlss Hanta Dampsichifs ... Norddeutscher Lloyd .... Allgemeine TeutscheCreditanft. Barmer Bankverein . . . Berliner HandelSgelellschasi Commerz. und Privat-Bank . Darmstädter und Nationalbank Deutsche Bank und DiSeonto-Sesellschast, . . . Dresdner Bank...... ReichSbant........ ll.S.G.......... Bergmann........ Eleklr. Lieferungdgelelllchast. Licht und Krall...... gellen & Guilleaume . . . Gesellschaft für Elektrifche Unternehmungen .... Hamburger ElektrizitätS-Werke Rheinische Elektrizität . . . Sdtlelhtfje Elektrizität. . . . Schuckcki & (io....... Siemen« Ä Haltke..... Iranetabb...... . i'abmeyer L Eo.. ..... Buderus......... Deutsche Erdvl...... Eiiener Steinkohle ..... Geilenkirchener ...... Harvcncr ....... Hoeich Eilen. ....... 3dc Bergbau....... Klöcknerwerke . ...... Köln-Neuesten....... Mannc»munn-R»hre» . • • DIanslelder Bergbau .... Oberlchlcl. Eiienbedarf . • . Obcrfchlel. ttokswerke.... Phönix Bergbau .... Rhelnstche Braunkohle» • . Rheinstahl ...... Riebeck Montan ...... . 7 . 8 10 . 8 10 10 12 11 12 JO 10 12 . 8 . 9 10 10 iy* 10 10 . 9 10 11 16 . 8 10 . 6 . 6 . 6 . 8 . 0 •K 10 . 7 . 7 . 7 . 7 . 6 . 7 ey, 10 . 6 7» 72,5 73,5 128 119,25 147,5 114,13 108,25 111,5 126 90 126,5 139 180 131 55,5 83 73 68,25 77 37,5 60,4 82 1 Illi 118“! III £1111 S 1 1 1 1 1 l£l 1 1 1 1 1 Ißl 1 l“.|SI ~ 9"" K » «ö 72 119,25 88 73,9 127,25 120 147 114,13 108,25 169,25 112,5 97,75 136,5 127 89 127,65 120 140,75 180,5 132,25 55,5 77,25 82,5 73 67 188 69 74 77 38 79,25 60,4 184,25 82,13 71,13 88,25 73,13 127 119,25 147 113,4 107,75 169,13 111,5 97 135,5 125,5 87,13 139,5 181 55 76,5 82 66 187 68,5 73 76,9 78,9 61 183 82,5 Jrantrun a. Ul. Berlin Banknoten. Gch.uß» tiirö 1-Ubr« K re Schluß» furd Anfang» Kurä Berlin. 16. April «elb Bries Amerikanstche Noten...... Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... Englische Noten........ Rtaniöilitbe Noten....... Holländische Noten....... Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deuiich-Oesterreich, 1 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten....... Schweizer Noten........ Spanische Noten........ Tschechoslowakische Noten..... Ungarische Noten ... Devisenmarkt Berlin 4,18 58,13 111,90 20,337 16,385 168,01 22,01 111,88 58,83 2,482 111,98 80,62 43,01 12,38 72,95 - Frankfurt 4,20 58,37 112,34 20,417 16,445 168,69 22,09 112,32 59,07 2,502 112,42 80,94 43,19 12,44 73,25 a. M. Datum 16.4. 174. 16.4. 17.4. Bereinigte Stahlwerke .... Otavi Minen .... 16'/. Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 I. ®. Narben.Industrie ... 12 Dvnamit Nobel.......6 Scheibeanstalt........9 Goldschmidt ........6 RütgerSwerke........6 Metallgelellichasl.......8 Philipp Holzmann......7 Zementwerk Heidelberg . • 10 Eementwerk Karlstadt. ... 10 ®at)6 & ftrenlaa ..... 8 Schultheis Patzenhoser ... 15 Ostwerke...... 12 Aku .........18 Beinberg...... 14 Zellstoff Waldhof .... 18'/. Zellstoff Aichaf'enburg . . . 12 Charlottenburger Wasser ... 8 Daimler Motoren . . . . . . 0 Deutsche Linoleum ...... Rat. Automobil ...... 0 Orenstein & Koppel.....6 Leonhard Tletz ...... 10 SvenSka ....... frankfurter Maschine» .... 4 G rinnet .........6 Hevligenstaedl...... 0 Iungbans. ..... 6 Lechwerke..........v Mainkraftwerke Höchst a. M.. . 8 Mia» ..... 10 Gebt. Roeder.......10 Boigt & Haessner......9 Süddeutsche Zucker .... 10 56 161,5 165,5 251 150,4 133 51,25 56 76 99 80 87 35 87,5 97 32 97,5 119 254 41 70 128,25 | 1 | 1 | | | 1 | | 1 1 1 1 1 Ul 1 1 1 Uicnootn II 5^ 1 1 oo 1 cn cn 1 1 3 1 1 In 1 1 56,65 31,9 162,13 166.75 253,5 151,25 50 56,25 76 99,5 35 176,5 89,25 98,5 103,75 82 137 32,25 97,25 53,5 119 251 18 40,25 53 31,65 160 167 254 151,4 49,5 56,13 99 177,25 73,13 97,75 103,75 135,25 32 96,5 51,75 118,5 254 127,25 16 April 17-April Amtliche <*rto Notierung »riet Amtliche (Selb Notierung »rief Amst.» Rott. Bu.n.-AircS Vrss.-Antw- (Ebriftiania. Kopenhagen Stockholm - HelsingforS. Italien. . . London. ■ . Neunork .. Paris.... Schwei, .. Sva ten - . Japan - - . Rio de Jan. Wien in D-» £?eft abgeft. Prag . . . Belirad . . Buoupest. . tbm arten Lissabon . Danzig . . fionfl urm. Athen Eanuoa Uru uay - 6dro - - 168,38 1,449 58,315 112,17 112,16 112,27 10,55 21,965 20,382 4,0955 16,40 80,82 43,11 2,073 0,303 59,99 12,425 7,378 73,12 3,042 18,85 81,51 1,784 5,44 4,192 2,697 20,905 168,72 1,459 58,335 112,39 112,38 112,49 10,57 22,005 20,422 4,2035 16,44 80,98 43,15 2,077 0,305 59,11 12,445 7,392 73,26 3.048 18,89 81,67 1,799 5,45 4,200 2,703 20,945 168,44 1,391 58,315 112,17 112,18 112,34 10,557 21,97 20,384 4,196 16,401 80,82 42,12 2,071 0,302 58,995 12,427 7,378 73,12 3,042 18,87 81.51 1.784 5,44 4,192 2,627 20,91 168,78 1,395 58,435 112,39 112,40 112,56 10,577 22,01 20,424 4,204 16,441 80,98 42,20 2,075 0,304 59,115 12,447 7,392 75.26 3,048 18,91 81,67 1,789 5,45 4,200 2,633 20,99 1 fü'r b",’än 3äin lnhnsteis5hin^il' nb‘t 9ßit Sorten ,enbe yu[nt?. für bit ÄuTSÄ i>u„ n,Sn,ni, hi , dl- u >8 « ?"» »«■ h® 3° i). 5®®r Ifaa- ipiet,&er^n. WÄJ» net®Mö .r„ ld)5, WZ fonnkn i>v r,#.«, -rte lagen bi5 2 d fi eit ‘raten leichte Rur^ ton blieb freundlich, 1 Friedberg, b-2tzril Der 3una- ?«SW£ von 637 w?Sfe b-S-Slt.- für bi8 20 QKarf. 6 fiia ^,8 bis 12 Dvch^ f^r lebhaftem Handel in Homberg. rll. Auf dem gestrigen 8E aulgetrieben, alte Tiere wurden )t bis dreizehn Dvchrn gezahlt. Der yesW-. blieb nur ein geringer n Marburg. lpril Dem heutigen 1 185 Tiere, darunter flottem HaM kosteten 'i8 20, 6 bis 8 Wochen Dvchen alte 24 bii 28. f das Stück. »uitenmarkt. »egenüber dem festeren ifen Verlauf namentlich d erneut hatte bessern Vörsenerösfnung ziem- handelsrechtlichen Lie- h gegen iKn gärigen nbeöeutenöe Preisocr- lulirvtzM tarn rS auf x Wag um 1,25 OKI. sich das erWndig- egs verstärkt, dagegen । bei den gegenwärtigen mehr Drrkaus-lustt daS behauptet. Weizenmehl Sefchäft, während Äog- -wzentige Ausmahlung Muhlcnosserten waren iser« und GersteMarkte ungen der letzten Zelt eingetreten', eine Zu' »war nicht zu verzeih lefchwächt», fflffl W ) September 234,25i H ir 193 bis 195 M &20lbÄ™ raugerste 2^1 biS 250 lnisttiegerste 224 b^24O t, 181 bi» lKlmA M 200,25 biS I98.H 3 (fester). _______ 15 u 1,391 58,3 J 112,7 112, 112'8 'S 20,$ 4,19? 16-$ 80,62 42,12 ,071 0,302 58,995 'S ti 'S & »11 58,37 112.3* 20,417 16,4*3 22.» 11t.« y,(7 a 8.19 12.** 73.25 m. 163,7* 1.39? 51,$ 112.^ 112*® 112.9* %SÜ tS 16,**’ 10,M 1. : Ä 58,115 12-g S b" 'iZ !Z 0 u d n -9 35 39 38 49 57 >05 122 J fl 077 305 1,11 4ti 39 |,26 0*J 1,69 ,67 799 >,*5 200 ,703 ,9*5 58,13 111,90 20,337 16.385 168.01 22,01 111.88 58,83 2,<82 । UL?» 80,62 43, 15.31 72,9i 1 jranffufL^- ■—iH> Krld___ —' loletv. - —W —rir Oberheffen. LanSkreis Gictzcn. £ Wieseck, 17. April Unfere Mitbürger Iohannes Aff und feine Ehefrau Elisabeth gebotene Linden ftruth feiern am Samstag, 18.April, das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Aff hat über 30 Jahre in unserer Gemeinde Nachtwächtcrdienst versehen. X OBiefecf. 16. April. 3n diesem Jahr wurden hier 32 Konfirmanden (17 Knaben und 15 Mädchen) eingesegnet. ..... + Wieseck, 16. April. Unsere hiesige Volks- und Schülerbücherei hat im ersten Jahre ihre« Bestehens an 535 Entleiher rund 5000 Bücher ausgegeben. Mit diesem sehr erfreulichen Ergebnis hat die neue Einrichtung den Nachweis ihrer Notwendigk.it erbracht. Besonders im Winter wirkte sich die starke Arbeitslosigkeit in einer gestetger'en Nachfrage nach Büchern auS. Der Bücherbestand stieg von 341 an Ostern 1930 auf rund 500 an Ostern 1931 dank finanzieller Unterstützung durch Schule, Volkshochschule, Spar- und Darlehnskasse und dank zahlreicher Bücherstistungen auS dein Leserkreis. Aber noch ist der Bücherbestand im Verhältnis zu der äußerst regen Benutzung zu gering. Hm allen Erwerbstätigen die Benutzung der Bücherei zu ermöglichen, werden im neuen Schuljahr nicht nur Freitags von 17 bis 19 Hhr, sondern auch noch Freitag« von 20 bi- 21 Hhr in der Noten Schule Bücher ausgegeben werden. § Beuern, 16. April. Am Sonntag wurden in der hiesigen Kirche durch Pfarrer Schmitt sechs Kinder, zwei Knaben und vier Mädchen, eingefegnet. 5 Wirberg, 16. April. Am zweiten Oft erfriert ag wurden im Kirchspiel Wirberg auf dem Wirberg zehn Kinder, vier Knaben und sechs Mädchen (Beltershain ein, Göbelnrod Awei, Harbach vier, ReinhardShain zwei unb Wirberg ein) Tonfirmiert. Auf dem BeitSberg wurden sechs Kinder, zwei Knaben und vier Mädchen, ein- gesegnet. • Steinbach, 17. April. Am morgigen Samstag. 18. April, feiern der in Steinbach Hauptstr. 67 wohnhafte Landwirt Karl Haas I. und dessen Frau geb. Steil das Fest der goldenen Hochzeit. • Leihge st em. 16. April. Die Eheleute Ludwig Jung und Frau Marie, geb. Euler, feiern in dieser Woche daS Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar steht im 73., seine Ehefrau im 77. Lebensjahr. Beide erfreuen sich noch bester Gesundheit und verrichten ihre häuslichen und landwirtschaftlichen Arbeiten in aller Nüftigkeit. O H 0 l z h e i m, 16. April. Am letzten Sonntag wurden in unserer Kirche erstmalig durch Pfarrer Schmidt vier Kinder konfirmiert. Am gleichen Vormittag fand auch die Konfirmation in der Filialgcmeinde Dorf-Güll statt. Obwohl das Filialdorf nur 1/3 der Einwohnerschaft von Holtheim hat, zählte man dort doppelt so viele Oke Jungen wollen n'cht mehr den Berus der Väier ergreifen. Don Diplom.Volkswirt Or. Bottenbacher, Arbeitsamt Gießen. Es gab eine Zeit, in der es fast zur Regel gehörte, daß der Sohn, wenigstens einer der «ohne, den Beruf des Vaters erlernte. Es war die Zeit der Ortsgebundenhcit, in der von Weltverkehr und großer Industrie kaum die Rede war, in der Landwirtschaft und Handwerk dominierten. Die Väter waren meist noch selbständig und hatten Pro- duktionsmittel zu vererben. Berufsmöglichkeiten gab es verhältnismäßig nicht alluviel. In ganz natürlicher Verkettung der Lebensumstände haben Vater, Sohn und Enkel die gleichen Berufe ausgeubt. Das ist heute anders geworden. Die fortschreitende Technik hat die Wirtschaftsoerhältnisse grundlegend verändert und auch die Berufstradition oer Familie nicht verschont. Nach selbständig wirt- schäftenden Vätern sind Lohnarbeiter. Angestellte und Beamte gekommen, die wenig oder gar nichts und vor allem keinen Beruf mehr zu vererben haben. Die mit Schlagbäumen verbarrikadierten sog Stabt- wirtschaften haben sich dem Weltverkehr geöffnet, die Industrie hält ihren Siegeszug. und aus wenigen Berufen sind Tausende geworden. Mit der Freizügig- kcit im Handel, Verkehr und Gewerbe wurden auch viele Menschen in ungebundene Erwerbsoerhältnisse freigesetzt, unter denen die Berufswahl nun zur Qual geworden ist. Man weiß, wie wenig Jungens heute noch den Beruf des Vaters erlernen wollen, wie häufig Väter selbst von ihren eigenen Berufen abraten und mehr Hoffnung auf irgendeinen anderen Beruf setzen. Dir haben nun statistisch folgende Feststellung gemacht: Aus drei Jahrgängen (1929, 1930, 1931) wurden 4686 für die Berufsberatung des Arbeitsamt Gießen bestimmte Knaben-Schülerkarten daraufhin geprüft, wie oft der vom Schulabgänger selbst angegebene Berufswunsch mit dem ebenfalls anzugebenden Be- ruf des Vaters übereinstimmt. 749 Starten enthielten keine Angaben über den väterlichen Beruf: bei den restlichen 3937 (100 v. H) stimmten auf 746 Starten (18,95 0. H.) Berufswunsch des Schülers und väterlicher Beruf überein. Dabet handelte essich wesentlich um die Berufe des Landwirts und Maurers Huf 3191 Starten (81,05 v. H) wünschten sich die Knaben einen anderen als den Berus des Vaters. Dazu zählten wir aus naheliegenden Gründen auch die Starten ohne Angaben eines bestimmten Berufs- wunsches, weil nach Erfahrungen der Berufsberatung solche Schülv in der Sprechstunde gewöhnlich ebenfalls keinen ober einen anberen als ben väterlichen Beruf wünschen. Bei 1712 Knaben, btc bis zum 1. April 1931 bie Berufsberatung in Anspruch nahmen, ließen mir ben in ber Sprechstunbe zuerst geäußerten Berufswunsch gelten. Also 8 1 0.H. ber Jungens wollen (bzw. sollen) nicht mehr werben, was btc Väter sinb. Konfirmanden. In Holzheim wurden 16, in Dors- Güll sieben Kinder in die Schule neu ausgenommen. s. T r a i S - H 0 r l 0 s f, 15. April. Am Sonntag wurden die Konfirmanden unsere- Kirchspiel-, zu dem noch bi? Filialen Htphe und Inheiden gehören, gemeinschaftlich «ingefeg- net. Die Mutte rgemcinde hatte drei, Htphe fünf und Inheiden drei Konfirmanden. S. Htphe, 16. April. Dieser Tage feierte der älteste .männliche Einwohner unseres Dorfes, der Landwirt und Drechsler Georg Friedrich Beltze r, seinen 9 0. Gebur tStag. Der alte Herr hat sich bis in sein Greisenalter erstaunliche Gesundheit und Frische bewahrt. Kreis Alsfeld. -er. Homberg. 16. April. In den beiden der Mitteldeutschen Hartstein-Industrie gehörigen Steinbrüchen in den Distrikten Nothe Kuh und Nieder-Ofleiden konnten in den letzten Tagen eine Anzahl Arbeiter neu eingestellt werden. — Im Nieder-Ofleidener Betrieb ereignete sich ein Unfall Ein Arbeiter geriet zwischen zwei Förderkörbe und erlitt schwere Verletzungen. — Am vergangenen Sonntag wurden in unserer Stadtkirche 10 Kinder, 4 Knaben und 6 Mädchen, konfirmiert. Kirche und Schule. — Grünbcrg, 16. April Die Osterkon- serenz der Pfarrer des Dekanates Grünberg sand am Dienstag statt. Dekan Schmidt (Grün- berg) begrüßte neben den zahlreich erschienenen Psarrern den Superiutendenten Oberkirchenrat D. Wagner. Die Eröfsnung-andacht hielt Psarrer Beyer (Lardenbach). Nach Erledigung der geschästlichen Angelegenheiten hielt Pfarrer N e i ch e r t (Nieder-Gemünden) einen Vortrag über: „Eine alt- und neutestamentliche Betrachtung eines Fünfzigjährigen". Der Vortrag, der eine Auseinandersetzung mit der dialektischen Theologie brachte, sand freundlichen Beifall und löste eine längere Aussprache über diese neueste Form der Theologie auS. ES fand ferner eine Aussprache über die Vorlagen zum Landeskirchen tag statt. DaS Kirchenzuchtgeseh wurde eingehend besprochen und ebenso daS Gesetz über das Kirchnotgeld. Der Superintendent machte außerdem noch einige Mitteilungen über die geplante Vereinigung der Landeskirchen. Der Dcka- natSkirchentag, der hx diesem Jahr gehalten werden muß, wurde zum Schluffe einer vorbereitms» den Besprechung unterzogen. Der Ort, wo der Dekanatskirchentag stattfinden soll, wurde noch nicht sestgelegt. K Münzenberg. 16. April. An den beiden letzten Tagen sand hier die IahreStagung der Nieder-Wöllstädter Konferenz statt, die aus gan* Helfen gut besucht war. Unter der Leitung von Psarrer Lenz (Gießen) sprachen am D icnStagnachmittag Pfarrer und Missionar IN. Groh (Gießen) über .heidnisch« Gebet« und darin enthaltene Spuren einer reineren monotheistischen Gotteserkenntnis" und Psarrer Hilt (Dalsheim) über .die neuesten Bibelübersetzungen". Qlm zielen Tag sprach Psarrer T h a e r (G.o-HmstaX) üb.r ,d e b.b i'chen Aus- erstehxmgSberichte und Karl Dartys Schrist über die Auferstehung". Alle Vorträge sanden ein« eingehende Besprechung. kirchliche Jlachntbfen. Israelitische Religlon»gemelnbe. Gottesbienst in ber Synagoge (Sübanlage). Samstag, 18 April. Dor- abenb: 7.15 Uhr; morgens 8.30; Predigt; abends 7.35 und 8.15 Uhr. Der Spiegel lügt nicht ... rückhaltlos sagt er, was an Körper- und Nervenpflege vernachlässigt wurde. Schönheit und Nervosität vertragen sich /tun mal nicht miteinander. Wer seinen Nerven Zumutungen stellt, die über ihre Leistungsfähigkeit hinausgehen, dem leichnen sie leicht die Quittung Ins Gesicht. Zur Schönheitspflege gehört Nervenpflege. Melden Sie das Genußgift Coffein. Schonen Sie Herz und Nerven durch Kaffee Hag, den vorzüglichen echten Bohnenkaffee ohne Coffein. Schönheit, Genuß und Gesundheit durch Kaffee Hag. 4k’i/rn, fr&t/ysau&M! U/asdL® und Haus; Vim zum Putzen und Scheuern; Suma, das schonende Seifen pul ver, für den W aschkesseL Und noch eins: Jedes Paket der Sunlicht-Produkte trägt einen wertvollen Gutschein; die doppelgroßen Packungen von Lux Seifenflocken und Vim, sowie die Suma-Packungen sogar zwei! Nutzen Sie alte Erfahrung und verwenden Sie zum Reinhalten des Hauses die durch Generationen bewährten Sunlicht Erzeugnisse: Lux Seifenflocken, Sunlicht Seife, Vim und Suma. Nehmen Sie Lux Seifenflocken für alle Wäsche — auch für die große; Sunlicht Seife fürW äsche,Hand Sunlicht Produkte jetzt so billig! 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Wohnungsmiete aus städtischen Häusern für uRärx 1931; 4. 4. Rate des Anteils an Müllabfuhr- und Straßenreinigungsgebühren für Rechnungsjahr 1930; 5. II. Rate ber Bürgersteuer 1930: 6. 3—4. Ziel Beitrag zur Hessischen Hanbwerkskammer 1930. Rach Ablauf dieser Frist erfolgt Einzug ber rückstänbigen Beträge auf Kosten ber Schulbner. Außerbem werben bei Zahlung bes 6. Ziels Steuer Berzugszinsen erhoben. Gießen, ben 16. April 1931. ___________Stabtkasse Gießen.___________ Zwangsversteigerung 81/30 Am Donnerstag, bew 11. Dual 1931, vormittags 9 Uhr, wirb im Amtsgerichts- gebäube, Zimmer 106, bas im Grunbbuche von Gießen a) dem Ferdinand Alffen in Gießen, b) der Amalia Alffen geb. Hahn, besten Ehefrau, zugeschriebene Anwesen Eichet Straße 29 2698D Jlur 3, Nr. 27V!« = 186 qm hofreite, Flur 3, Nr. 273'/.« = 159 qm Grabgarlen geschätzt 25 263 Reichsmark, versteigert Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehangt. Gießen, ben 13. April 1931. 3. A. bes Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsoorsteher. Einladung ^ur diesjährigen ordentlichen Generalver- fammlung auf Sonntag, ben 3. Mai d. 3n nachmittag» 2 Uhr. in ber Volkshalle, dahier. 2708D Tagesordnung: 1. Rechnungsablage. 2. Beschlußfassung über Verwendung des Reingewinns. 3. Vorlage bes Reoisionsberichts. 4. Statutenänderung. 5. Verschiedenes. Die Rechnung und Bilanz pro 1930 liegen vom 20. April 1930 av acht Tage im Geschäftszimmer zur Einsicht der Genossen offen. Londorf, den 16. April 1931. Mit genossenschaftlichem Gruß! Spar- und Vorschuh-Verein „Rabenau" zu Londorf e. G. m. b. h. Der Aufsichtsrat: H a s s e l b a ch , Dors. Zwangsversteigerung 6/31 Am Freitag, dem 15. Mai 1931, vormittag» 9 Uhr, wirb im Amtsgerichts- gebäube, Zimmer 106, das im Grunbbuche von Gießen bem Karl (Euler und Ehefrau Marie geb. Wenzel in Gießen ;u je % zugelchriebene Anwesen Kirchstraße 13 Flur 1, Nr. 1150 - 631 qm hofreite, geschaht 34 995 Reichsmark, versteigert. 2201V Die amtsgerichlliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20 (Stadthaus), zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 24. März 1931. 3 A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen. Leo. Ortsgerichtsvorsteher. Geschäfts-Drucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten bei Brühl» Schulstraße 7 eeschätukanen Hypothekengeld an L Stelle, nur gute Wohn- und Oeschflhshfluser, zu kulantesten Bedingungen In kürzester Zeit Bankhaus Herz & Co. Telephon 2741 und 2742 15390 .......................................................................................................... Großer Preisabbau! I 2707 r- la fcich weine bauch lappen.... 0.66 la Schweinefleisch zum Braten, auch Rollbraten 0.86 la Schweinekoteiett..........0.94 la Rind- u. Ocheenflelech........0.92 la Roastbeef und Lende.......1.00 la KalbflelMch. nileSt u. Kollbraten 0.95 la Jun so erlaube ich mir dann, Sie telegraphisch herzubitten. Hoffentlich sind Sie mir nicht böse über die Dringlichkeit?" Sie sah ihn mit einem aufleuchtendcn, bittenden Blick an. „Ich würde mich ja so freuen, wenn ich meiner Freundin bei ihrem Borhaben helfen könnte. Ich habe mir sogar schon erlaubt — allerdings etwas voreilig, nicht wahr? — ihr von Ihnen zu sprechen, in der Freude über meinen glücklichen Einfall. Wenn Sie mich nun doch nicht im Stich lassen wollten! — Wäre denn das wirklich nichts für Sie?" Ihre Miene überschattete sich, denn sie hatte gesehen, wie sein Gesicht immer ernster und ernster wurde. Bun erwiderte er langsam: „Ich danke Ihnen, daß Sie an mich gedacht haben. Und Sie haben recht, diese Tätigkeit könnte mich wohl locken, aber — es ist nun zu spät, um diesen Vorschlag anzunehmen." „Warum zu spät? Wegen Ihrer Meldung nach Kabul?" Es war dies zwar nicht der ausschlaggebende Grund, doch Wigand nickte. Immerhin, mochte sie es so glauben! „Aber Sie sind ja noch nicht endgültig angenommen! Wenn Sie also sofort hingingen. Ihre Meldung zurückzögen"-- Mit drängender Bitte sah siL ihn an. Ein kurzes Ueberlegen — er konnte ihr doch seine innersten Empfindungen nicht preisgeben — dann sagte er: „Wenn auch noch nicht offiziell übernommen, so darf ich doch so gut wie sicher auf meine Einstellung rechnen. Ich habe mich in der Sache angelegentlich bemüht, es wäre mir also höchst peinlich — kurzum, ich kann nicht mehr zurück!" Entschlossen sagte er es. aber Ursula gab den Kampf noch nicht verloren: warm stellte sie ihm vor: „Aber das kann doch nicht in Betracht kommen, wo es sich um Ihre ganze Zukunft, um Ihr Le- bensglück handelt!" „Mein Lebensglück?" Es wetterleuchtete in seinem Gesicht auf, und sein schmerzerfüllter Blick brannte auf ihren Zügen. Cs war. als ob er noch etwas hatte sagen wollen, aber dann zuckte er die Schultern und blieb stumm. Doch der bittere Ton und diese Gebärde hatten ihr genug gesagt: sie wußte nun. was ihn in Wahrheit hinaustrieb. Einen Augenblick rang Ursula, sehr blaß geworden, mit ihrer Scheu: aber sie hatte es sich gelobt: sie wollte alte Schuld gutmachen, also fort mit allen kleinlichen Bedenken! Unö so sprach sie: „Ich verstehe Sie, und glauben Sie mir: Ich verstehe Sie ganz. Denn ich teile Ihr Los — auch ich habe ein verlorenes Glück zu beklagen." Einen Augenblick schwieg sie, schwer atmend. „Aber darf uns das bestimmen, uns selber aufzugeben, uns irgendwohin treiben zu lassen — aufs Geratewohl? Bein, wir haben die Pflicht gegen uns selbst, uns durchzukämpfen, nach dem Ziel, wohin uns unsere Lebensaufgabe weist! Die Ihre fordert es wirklich nicht, daß Sie sich in ein abenteuerliches Dasein, in ein Spiel um Gesundheit und Leben stürzen — nun, wo sich Ihnen unvermutet so aussichtsreiche Möglichkeiten bieten. Ich kann es mir auch nicht denken — ich kann mich nicht so in Ihnen täuschen: Sie sind doch Manns genug, sich nicht von Stimmungen treiben zu lassen. Ihr Wille ist stärker — Sie werden tun, was die Pflicht gegen sich selbst, gegen die, die Ihrer ärztlichen Kunst in der Heimat bedürfen, Ihnen vorschreibt! — Habe ich nicht recht?" Wigand antwortete nicht gleich: fast finster blickte er vor sich hin. Stimmungen, hatte sie gesagt. Stimmungen! Ahnte sie denn nicht, daß es etwas anderes tief Wurzelndes war, das ihn forttrieb aus der Heimat, aus ihrer Bähe? Ie mehr sie sich ihm jetzt wieder aufschloß in ihrein Wesen, desto schmerzlicher empfand er es: Das alles war einst dein, ist dir nun verloren! Das war es ja! Er fühlte nicht die Kraft, in ihrer Bähe zu leben, um immer nur an den unvergeßlichen Verlust erinnert zu werden. Und doch, wie sie eben so zu ihm sprach, wie sie sich als seine Leidensgenossin hinstellte, die an demselben unstillbaren Weh litt, wie sie ihm in Kameradschaft die Hand bot, wie sie ihm stark und hoheitsvoll voranschritt auf dem Wege entsagungsvoller Pflicht — wollte er da zurückbleiben, wollte er schwächer sein als sie? Sein Blick suchte den ihren, und ihr Auge hielt ihm mit einem klaren Ausdruck stand: „Bist du der, für den ich dich halte, so zaudere nicht länger!" Da war es entschieden: Sie sollte sich nicht in ihm getäuscht haben — er folgte ihr auf dem Wege, den sie ihm wies! Bewegt streckte er ihr seine Rechte hin: „Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihren Vorschlag und für Ihre Meinung von mir! Ich hoffe, mich Ihrer würdig zu erweisen. Ich nehme Ihr Anerbieten an." Froh erwiderte Ursula seinen Händedruck. „Ich wußte es ja! Wie ich mich nun freue, für Sie — und für meine Freundin!" „Das heißt, wenn ich Fräulein von Rommertz auch wirklich zusage, — die von ihr gesuchte .sympathische Persönlichkeit bin! Wir machen hier doch eigentlich die Rechnung ohne den Wirt." „O, dafür stehe ich!" Ursula versicherte es eifrig. „Meine Freundin urteilt ganz so wie ich. — Aber nun müssen wir doch gleich Tante Marie die frohe Beuigkeit mitteilen. Bur einen Augenblick! Gleich bin ich mit ihr wieder da." Ihm mit freudegerötetem Gesicht noch einmal zuwinkend, eilte sie leichtfüßig aus dem Zimmer. In der Herzensfreude, daß ihr das schwere Werk glücklich gelungen, war sie wieder ganz jugendlich geworden. Ernst sah Wigand der davoneilenden, noch so mädchenhaften Gestalt nach. Wohl empfand er voll die bestrickende Anmut ihres Wesens: aber dies Empfinden sollte kein Sehnen mehr bei ihm wachrufen. Wie eine gute Kameradin, wie eine Schwester wollte er sie fortab nur noch betrachten — wunschlos! 21. Kapitel. „So! Bun ist's aber genug! Das Fieber ist vollkommen heruntergedrückt, der Puls wieder normal — die Gefahr vorüber. Ietzt bedarf's Ihrer Hilfe nicht mehr. Die Patientin wird ein paar Stunden festen Schlaf haben. Für alle Fälle werde ich die Schwester noch anweisen, öfters mal nach ihr zu sehen. Kommen Sie — Sie haben die Ruhe wahrhaftig nötig nach diesen letzten, schweren Rächten!" Wigand wollte Ursula mit sanfter Gewalt aus dem Zimmer führen, dessen Bewohnerin, den Kopf in die Kissen gedrückt, nunmehr im Schlummer lag. Ursula stand noch am Bett, mit unhörbaren Griffen die Tücher und Binden wegräumend, die sie zu Umschlägen für die Patientin benutzt hatte. Seit acht Tagen vertrat Ursula die Freundin in ihren Funktionen als Oberin in der Klinik, da Fräulein von Rommertz eine dringende Reise in Familienangelegenheiten hatte antreten müssen. Ursula hatte gern die Gelegenheit benutzt, wieder einmal ihre Kenntnisse als Pflegerin zu betätigen, die sie während des Trauerjahres hatte ein- rosten lassen. Mit Eifer hatte sie sich aller Geschäfte der abwesenden Oberin angenommen: daneben hatte sie aber auch noch, trotz aller Mahnungen Wigands, persönlich eine Pflege übernommen. Cs war allerdings ein ganz besonderer Fall, der ihr naheging. In der Klinik befand sich nämlich eine junge Frau mit zwei reizenden, kleinen Kinderchen, die an Diphtherie erkrankt gewesen waren. Bun waren sie fast wieder ganz hergestellt, da war aber plötzlich die Mutter selbst, die in rührender Aufopferung nicht von ihrem Krankenlager gewichen war, erkrankt, und zwar ungewöhnlich ernst. Ein paar Tage hatte die junge Frau in schwerer Gefahr geschwebt, bis heute nacht endlich die Krise eingetreten war und nun sich alles wieder zum Guten kehren würde. Ursula hatte es sich nicht nehmen lassen, persönlich diese Patientin zu pflegen, die sie der Kinderchen wegen liebgewonnen hatte. Mtt be» wundernswerter Hingabe hatte sie ihre Zeit und Sorge zwischen Kindern und Mutter geteilt; den ganzen Tag war sie um diese oder jene, die Bächte aber brachte sie am Bett der schwer fiebernden Mutter zu. Cs waren in der Tat so unerhörte Strapazen gewesen, denen sich Ursula freiwillig unterzogen hatte, und Wigands Mahnung zur Schonung ihrer Kräfte war nur zu berechtigt. Doch sie konnte sich auch jetzt nicht entschließen, ihr zu folgen. „Lassen Sie mich doch hier bleiben!" bat sie Wigand. „Habe ich solange hier alles allein besorgt, wird es die paar Stunden ja auch noch gehen. Sie wissen doch, wie sehr ich an der kleinen Frau hier hänge! — Ich verspreche Ihnen auch, mich niederzulegen." Sie wies, ihn beschwichtigend, zur Chaiselongue hin. „Ganz gewiß, ich werde schon schlafen — nur zur Hand sein möcht' ich, für alle Fälle!" Wigand gab ungern nach. „Das wird doch kein vernünftiger Schlaf, das kenn' ich schon. Aber wenn Sie durchaus wollen! Doch Sie müssen sich wirklich legen — gleich, sonst glaub' ich s Ihnen nicht!" „Bun, wenn Sie es beruhigt!" Ein leises Lächeln flog über Ursulas Gesicht, und sie trat gehorsam zur Chaiselongue und legte sich nieder. „Recht so!" lobte er und nickte ihr zu. „<5ie müssen sich mir erhalten. Was sollte ich anfangen, wenn Sie mir auch noch zusammenklappen wollten?" Fräulein von Rommertz mußte voraiMicht- lich noch eine volle Woche fortbleiben. „Und wir haben uns doch so schön eingearbeitet — nicht? Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell Sie sich hier hineingesunden haben! Ich muh Ihnen ganz offen sagen: Ich arbeite lieber mit Ihnen, als mit Fräulein von Rommertz. Sie ahnen ja förmlich schon immer, was ich will." Eine feine Röte stieg in Ursulas Antlitz, eine Röte des Stolzes, des Glücks über sein Lob. Sie nahm seine Worte ganz so auf, wie sie gemeint waren, als eine nur vom Arzt der Oberin ausgesprochene Anerkennung, bei der alles Persönliche ausgeschaltet war. Während Wigand so sprach, war er zum Fenster gegangen, um die Vorhänge dichter zu schließen, und trat jetzt an die Chaiselongue. Vorsorglich zog er die Decke höher über ihre Schultern, und nun reichte er ihr noch ein Kissen zu, das im Sessel gelegen hatte. „Sie liegen ja so hart." „Vielen Dank!" Ursula sagte es leise. Diesmal vermied sie es, ihn anzusehen, sondern kehrte den Kopf nach der Wand zu. In dieser Fürsorge für ihre Person — so schien es ihr — lag doch mehr, fast eine geheime Zärtlichkeit. „Recht gute Ruhe denn!" Im Fortgehen wünschte er es ihr, dann tat sich leise die Tür hinter ihm zu. (Fortsetzung folgt.) I F 2 Teller OeHIVenndiing Montag, den 20 April 1931, abends 8% Uhr, im großen Saale des Katholischen Vereinshauses: Redner: Prof. Baus er, Stuttgart / Nagold Reichsparteivorsitzender der Volksrecht'Partei, Thema: Mitglied des Württembergischen Landtags. Volksredit-Kaip! für Arbeit und Brot Es ladet ein 02247 Volksredit-Partei/SDarerbund, Ortsgruppe Hieben Unkostenbeitrag für Nichtmitglieder 30 Pfennig. — Kiiegs- beschädigte und Erwerbslose gegen Ausweis die Hälfte. MEY*KRAGEN mit dem feinen Wäschestoff Man hüfe sich vor minderwertigen Nachahmungen, sind angenehm Im Tragen und bei aller Eleganz und tadellosem Sitz so billig, daß man sich's leisten darf, immer einen ganz neuen umzubinden. Kein Ärger mit der Plattwäsche. Der unsaubere Kragen wird einfach weggeworfen. 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