S«? iSre *• 1 “gc* ä;:? N^ne aui ;.Ä vJnbuflrie Quf »•'.. ^rkthr auf -ideborse. wurden n», > -^flen 240 inv. y !85 bi- |9o- M'. Weizen, "fat 1125 irt ^Nen Miri? an.ge. Met Önfl9* öer^nidrt k' rÄr i°d.°LÄ dcmarft. ’•_ Der Auftrieb bet Pnfl; es standen nur >l- Der handel war nüchgebend. 3nfoi* 'Quier aus londwin- ’mtn. Gegen Lchluh handelsleuien btob< eberstand. 1 rübteulsche -Lollerie Nachdnil! verölen M N\ sind b Ml |t tiltt m in den beiden nb II 14.3uli 1931 ung wurden Gewinne -zogen 6 59735 738» 8 22597\ 230290 62668 93138 7 06270 1o 219855 284681 50560 1845'4 138043 320072 383020 79 390859 61 38824 2727 151156 )91 234058 245 317910 148 374343 jung wurden Gewinne ezc-gen 280 25 196860 174 ?Ä7 213452 566 M 136999 Z 2M760 287109 35179 39636 49663 7559 109164 129044 569 215343 241677 136 371302 371885 73668 82520 881« >84 130029 '3924 A 353382 35(291 x unlcr Straf«« (n belebt, der M dort um daran 8J “i schädlichen und J Use 11* Volksgesundheit in her neueren o*-“ isektivns^ronkheiten ^eit oon * • ®rt au* Ä S legt- d ’aji/k- '^ÄtMclch ,s dem 3n' f-bsen I ittenl >rdefi aür dMaleno«ld" *'414“* — jC||f ..«H1 ^cbTefer ;ker 4013V SL--' Donnerstag, 16. Juli 1951 181. Jahrgang Ur. 164 (Elftes Blati GietzemrAiijeiger General-Anzeiger für Oberhessen Crud tntöDerlog: Brttjl’idjc UniDtrfiäU.Bed). md Stdiörudcrtt H. lange tn Slehen. SchMIettnng und S-schästrftelle: St^alftrafte 7. 6r1d)ttnt täglich,asfea Sonntag» onb Fei erlag» Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher» Preis füf 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8. auswärts 10 Reichspsennig; für Re» Klameanzergen von 70 mix Brette 35 Reichspfennig. Playvorschn.t 20', mehr. Chefredakteur. Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwonlich für Polttili Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr.H.Tdynot; für den übrigen 2cd lErnft Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Fist«, sämtlich in Gieszen. vetlaaen. Dtt Illustrier», Vtehener Familienblüttei Heimat im Bild Tie Scholle Monats-Vejngsprets: 2.20 RrichsmorK und 30 Reichspfenntg für Träger» lohn, auch bei Nichter» scheinen einzelner Nummern infolge höherer (Bemalt Zemfprechanlchlllße •nterSammeutummer2251 Anschrift für Drahtnach- richten »nzetaet Lietzen, potfdfeinonto: grextfuri am Blain 11686. Die Wiederingangsetzung des Zahlungsverkehrs. Oie Reichsbank erhöht den Oiskont von 1 auf 10 Prozent. - Eine Oevifenverordnung. - Zn dieser Woche nur Aus, Zahlungen für Löhne, Gehälter, Renten und Unterstützungen. - Oer Rückfluß von Oevifen zur Reichsbank hält an. Oie Diskonterhöhung. Berlin, 15. Juli. (ÖIB. Amtlich.) Mit dem heutigen löge ist öle (5olb- und Devisendeckung der Reichsbank unter 4 0 o. h. gesunken. Vie gesetzlich ersorderliche Ermächtigung des Generalrate» ist hierfür eingeholt morden. Die Reichsbank hält es nicht für richtig, mit der Erhöhung ihres Viskontsahes zu war- len, bi» die in 8 29 des Bonkgefehe» angegebenen Voraussetzungen oorliegen, sondern hat in voraus- nahme dieser verpsiichtung bereit» heute mit Wirkung vom 16. Juli d. J. ab den Di»- kontsatz von 7 o. f) auf 10 o. h. erhöht. Gleichzeitig ist der Lombardsah auf 15 o. h. fest- geselzl worden. Der Beschluß, den Diskontsatz von 7 auf 10 o. h. und den Lombardsah von 8 aus 15 v. h. zu erhöhen, wird in unterrichteten Kreisen als erste Maßnahme angesehen, um zum normalen Geld- und Kreditoer- kehr zurückzukehren. Au» diesem Beschluß geht hervor, dah man den plan der Ausgabe neuer Rentenbankscheine endgültig h a t fallen laffen, weil die Reichsbank als Hüterin der Währung die unbedingte Kontrolle über den Notenumlauf verlangt, wie wir weiter erfahren, wird die Reichsbank trotz der durch die Heraufsetzung des Diskontsatzes eintretenden außer- ordentlichen Kreditoertcuerung an der Kredit- re strikt Ion auch weiter fest halt en: sie sieht in der Kreditoerleucrung eine notwendige Lrgänzungvmatznahme zu der Restriktion, um die einschränkende Wirkung aus die Wechseleinreichung noch zu verstärken. Ferner hosst die Reichsbank, der seit Anwen- düng der verschärften Kredilrestriktion bereits rund 50 Millionen Mark Devisen Zuge s l o s s e n sind, dah sich diese Tendenz des De- visenzusiusfes aus dem Jnland noch verstärkt, was natürlich für die Verbesserung ihrer Valutenposition von wesentlicher Bedeutung ist. Oie Herabsetzung der Rotendeckungsgrenze. Erläuterungen zu der Maßnahme der Ncichsbank. Berlin. 15. Juli. (ERD.) In Sachverständigenkreisen mißt man der Herabsetzung der Deckungsgrenze, die von der Reichsbank vorge- nornmen werden muhte, feine allzugroße Bedeutung bei. Man verweist darauf, dah die gesetzliche DeckungSgrenze von 40 Prozent im Vergleich zu der von 33'- i Prozent vor dem Kriege und der anderen Länder, die Deckungsgrenzen bis zu 24 Prozent haben, sehr hoch ist. Bei aller Anerkennung des Goldes als Generaldevise und als Wertmesser zwilchen den verschiedenen Währungen ist man der Auffassung, dah die Festigkeit einer Währung in erster Linie darauf beruht, dah ordnungsmäßiges Wechselmaterial eingereicht und nicht mehr Geld in den Verkehr gebracht wird, als dieser braucht. Der Zahlungsmittelumlauf muh eben unbedingt in der Hand der Reichsbank als der Hüterin der Währung bleiben. Wie wir bereits mitteilen konnten, ist an eine Aufhebung der K r e d i t r e st r i k - t i o n seitens der Reichsbank nach der Erhöhung deS Diskontsatzes von 7 auf 10 Prozent in der damit eingetretenen Kreditverteuerung nicht gedacht. Allerdings wird man, je mehr sich die Diskonterhöhung auswirkt, in der Kreditrestriktion nach'.assen können. Die Erhöhung des Lombardsatzes von 8 auf 15 Prozent ist mit ‘ÄüeRicfct auf die eingefrorenen Kredite vvrgenommen worden, weil erfahrungsgemäß gerade für diese Kredite der Lombardlred.k der Reichsbank zur Finanzierung gern in Anspruch genommen wird. Die Reichs- vank ist gezwungen, die Lombardbelastung, die nicht aut Deckung der Roten herangezvgen werden kann, nach Möglichkeit niedrig zu halten, und da zur Zeit der Andrang zum Lombard besonders von den öffentlichen Stellen übermäßig grvh ist, hat sie sich zu der erheblichen Erhöhung des Lombardsahes entschlossen, wobei allerdings fraglich ist. ob sie ausreicht. Erhöhung der E>oll- uud Habeuziufeu. Bcjchtünc der Ltcmpclvereinigung. V c r l i n. 15. Juli. (ERD.) Wie WTV. hört, haben die Mitglieder der Stempelvereinigung (also der 'Berliner Großbanken) einschließlich ihrer sämtlichen Filialen beschlossen, Gelder nut an diejenigen Stellen abgeben zu lassen, von denen bereits früher die Mittel zu Lohnzwecken abgehoben worden sind. Auherdem werden die Danken die Zahlung zu Lohnzwecken davon abhängig machen, dah ihnen L o h n l i ft e n vor- gelcgt werden, die von den örtlich zuständigen Industrie- und Handelskammern abgestempelt sind. Die Mitglieder der Stempelvereinigung haben weiterhin beschlossen, folgende Zinsänderungen mit Wirkung vom 16. Juli 1931 eintreten zu lassen: Sollzinsen 13 Prozent zuzüglich der üblichen Kreditprovision: Habenzinsen für fällige Gelder m provifions.reier Rechnung 8 Prozent, in provisionspflichtiger Rechnung 9 Prozent: für neueingezahlte Gelder, die keinerlei gesetzlichen Auszahlungsbeschrän- tungen unterliegen, werten in provisionsfreier Rechnung 4 Prozent und in provisionspflichtiger Rechnung 4.5 Prozent vergütet. Oie Oevisenverordnung. -Berlin, 15. Juli. (WTB.) Eine heute erlassene Verordnung über den Verkehr mit ausländischen Zahlungsmitteln besagt in § 1 dah solche Zahlungsmittel und Forderungen in ausländischer Währung gegen inländische Zahlungsmittel nur von oder durch Vermittlung der Reichsbank erworben und nur an die Reichsbank oder durch ihre Vermittlung a b - gegeben werden dürfen. Die Rcichsbank kann Eine Verordnung übet die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs nach den Vanffeiertagen bestimmt u. a.: Rach Ablauf der für den 14. und 15. Juli 1931 erklärten Danfseiertage ist em Zahlungsverkehr nach den folgenden Bestimmungen auszunehmen: Die von den Banffeicrtagen betroffenen Institute mit Ausnahme der Privat- rrolcnbanfen und der Deutschen Dolddisfontbank dürfen Barauszahlungen in der Zeit vom 16. bis einschließlich 18. Juli 1931 n u r 1 e i ft e n , soweit der Empfänger die Zahlungsmittel nachweislich benötigt zur Zahlung von a) Löhnen. Gehältern, Ruhegehältern, Verlor- gungsgebühtnissen und ähnlichen Bezügen. b) Arbeitslosen- und Ktisenunterstühungen und Leistungen der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege (Fürsorge), . , c) Leistungen an Vcrficherte der Sozlalversiche- rung und wiederkehrcnde Leistungen an Versicherte aus anderen öffentlichen oder privaten Derficherungsverhältnissen, d) Steuern und sonstigen öffentlichen Abgaben, soweit nicht bargeldlose Entrichtung möglich ist. Die Vorschrift gilt entsprechend für den Überweisungsverkehr. Lieberweisungen find jedoch unbeschränkt zulässig: a) Soweit sie erforderlich sind, um die zugelassenen Barauszahlungen zu ermöglichen. b) soweit sie sich innerhalb desselben Institutes vollziehen, c) soweit dadurch Zahlungen zur Durchführung Oie ZReirfyetregierung fordert Berlin. 15. Juli. (ERB.) Reichsfinanzmrnister Dr. Dietrich sprach heute abend im Rundfunk über die -Abwicklung der Bantieiertage und die neue Rotverordnung. Er führte u. a. etwa aus: Wenn man den Gründen nachgeht, die zu der Rotwendigkeit der Schließung derBanken und Sparkassen und damit zu den Sorgen geführt haben, in denen wir alle leben, so muß man und darf man zunächst feststellen, daß die Sorge nicht etwa gekommen ist aus der Lage des Reiches heraus. Das Reich hatte vielmehr. gerade bevor der Sturm losbrach, seinerseits mit rücksichtslosen Maßnahmen sein Haus in Ordnung gebracht und durch die Rot- Verordnung vorgesorgt, für alle Schwierigkeiten, die zu erwarten und die zum Teil schon eingetreten waren. Dazu war nun hinzugekvmmen. daß durch das Hoover-Moratorium dem Reich eine Entlastung zuteil wurde, die im Laufe des Jahres, selbst wenn man das abzieht, was der Eisenbahn zugute fommen soll, über eine Milliarde und im ganzen etwa 1.6 Milliarden betragen wird. Infolgedef'en war das Reich keineswegs in Schwierigkeiten. Im Gegenteil waren wir in der Lage, auf Verlängerung eines großen Darlehens zu verzichten, das uns die Banken gegeben haben und besten Verlängerung heute hätte erfolgen sollen. Wir haben von dieser Verlängerung nicht nur keinen Gebrauch gemacht, und das Geld den Banfen belasten, d. h. zurück- gegeben, sondern wir haben darüber hinaus eine längere Schatzanweifung eingelöst unb dasselbe hat die Post getan, so daß wir heute der deutschen Wirtschaft aus Reichsmitteln unb Mitteln der Post über 300 Millionen Mark wieder zugeführt haben. die Befugnis zum An- ober Verkauf anderen Kreditinstituten verleihen und Ausnahmen zulassen. 8 2 bestimmt, baß Termingeschäfte in aus- länbischen Zahlungsmitteln oder Forderungen in ausländischer Währung ederstn Edelmetall gegen inländische Zahlungsmittel verboten sind. §3 besagt, daß Auszahlungen, Anweisungen in Schees und Wechseln auch als Zahlungsmittel im Sinne dieser Verordnung gelten, daß Forderungen in ausländischer Währung solche sind, bei denen der Gläubiger Anspruch auf Zahlung in effektiver Fremdwährung hat, dagegen nicht ausländische Wertpapiere. § 4 verfügt, dah der Handel mit ausländischen gegen inländische Zahlungsmittel zu keinem höheren als dem lehtbekannten amtlichen Berliner Briefkurs erfolgen darf. Ein weiterer Paragraph bestimmt, daß nur die amtlichen Berliner Dotierungen bzw. Preise als Inlandkurse ausländischer Zahlungsmittel veröffentlicht werden dürfen. Schließlich wird dem Reichswirt- schastsminister die Ermächtigung erteilt, von jedermann Au skunf t über alle Geschäfte mit ausländischen Zahlungsmitteln unb Forderungen in ausländischer Währung, besonders auch Vorlage von Büchern und Belegen zu fordern unb eidesstattliche Versicherungen zu verlangen. des Gesetzes über Arbeitsvermittlung unb Arbeitslosenversicherung bewirkt werden, d) soweit Leistungen an einen Dersicherungs- träger zur Erfüllung einer Beitragspflicht bewirkt werden. Hebenoeifungcn sind ferner zulästig zwischen den von den Bankfeiertagen betroffenen Geld inst i- luten. jedoch nur insgesamt bis zur Höhe des Guthabens des Auftragsgebers und höchstens bis insgesamt 10 000 Mark und zur auf ein bereits bestehendes Konto eines Dritten bei einem von den Feiertagen betroffenen Instttute. Die Annahme von Einzahlungen unterliegt keinenBeschränkungen. lieber Guthaben. die aus Bareinzahlungen in Reichsmark nach dem 15. Juli 1931 entstanden sind, kann Tret verfügt werden. Wird ein Schuldner durch die Erklärung von Bankse'.erlagen oder die zur Regelung der Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs getroffenen Maßnahmen ohne sein Verschulden g e - hindert, eine Zahlungsverbindlichkeit zu erfüllen, so gelten bie Rechtsfolgen, die wegen ber Nichtzahlung oder der nicht rechtzeitigen Zahlung nach Gesetz oder Vertrag eingetreten find ober eintreten, als nicht ringe t r e t e n. Die auf Gesetz ober Vertrag beruhende Pflicht zur Zahlung von Verzugszinsen wird hierdurch nicht berührt. Der Schuldner kann sich auf die Vorschrift des Satzes 1 ntcht berufen, wenn er es unterläßt, bie Verbindlichkeit unverzüglich nach Beseitigung des Hindernisses zu erfüllen. Selbstvertrauen und Disziplin. Daher kamen also die Schwierigkeiten nicht vom Reiche, svnderp. aus der privaten Wirtschaft heraus. Begonnen haben sie, als b.e Kreditanstalt i n Wien, eines .ber ältesten und angesehensten Bankinstitute der Welt, in Schwierigkeiten geriet. Es kam dann hinzu der Fall der. Rordwolle in Bremen mit seinen Rückwirkungen auf die Darmstädter und Rationalbank, und es kam natüvlich bann auch hinzu die polittfche Unruhe. die namentlich dadurch entstand, dah der Hoover-Plannicht sofort von allen Beteiligten akzeptiert wurde, sondern daß darüber mir Frankreich zwei Wochenlang gerungen unb gekämpft wurde, wobei die Beunruhigung in ber Well ständig zunahm. In Verfolg dieser wirtschaftlichen Schwierigkeiten und po-.ilifchen Unruhen hat das Ausland in ft eigen- dem Maße seine Forderungen an die deutsche Wirtschaft unb die deutschen Banken zurückgezogen. Das Problem ist, daß die deutsche Wirtschaft ihren IDieberaufbau in den vergangenen Jahren vollzog, indem sie Kredite im Auslande aufgenommen hat. Soweit diefe Kredite auf lange Frist gegeben sind, waren sie ganz ungefährlich. Soweit diese Kredite aber auf kurze Frist gegeben sind, waren sie ständig eine große Gefahr für die deutsche Mirtschaft. Denn diese Kredite konnten ausgerechnet in einer Rot zeit, wie in der gegenwärtigen, zurückgenommen werden, und es enstteht dann die Schwierigkeit, sie in der Eile zu bezahlen. Solche kurzfristigen Kredite stellten in Deutschland im vorigen Herbst vielleicht 7 bis 8 Milliarden Mark bar. Ratürlich ist es ganz unmöglich, diese 7 big 8 Milliarden Mark im Laufe eines IahreS wie- ber herauszuholen aus ben Dingen, in denen sie angelegt sind. Es ist aber im Lause deS WinterS gelungen — zunächst war ja der erste Ansturm nach ben Wahlen vorn 14. September unb den letzten großen Ansturm erleben wir eben jetzt — etwa 3 b i s 4 Milliarden Mark an das Ausland zurückzuzahlen. Liber c« wird naturgemäß immer schwieriger, diese kurzfristigen Kredite herauSzuholen. unb so sind wir heute an dem Punkte, wo dieses Verfahren nicht mehr zum Ziel führen kann. Hinzu kam, daß gewissenlose Deutsche Gelder ins Ausland gebracht haben. Die Rachrichten darüber, wieviel Gelder ins Ausland gebracht worden sind, sind übertrieben. In dem letzten Rotjahr hat eS nicht sehr viel Leute mehr gegeben, bie Gelb inS Ausland schassen konnten. Wir haben in der letzten Zeit genaue Feststellungen darüber gemacht, daß nur ein g an* geringer Prozentsatz an Gelb vom Imanb abgefordert unb in ausländische Währung umgewandelt worden ist. Wenn von deutschen Firmen und Einzelpersonen Gelder abgeholt worden sind, so liegt Die Hauptsache darin, daß das Ausland versucht hat, 8 Bl i I i 1 a r ben Mark kurzfristige Ge Iber auS Deutschlanb herauszubringen. heute ist e» so, daß ben Danken fein Geld gebracht wird, wohl aber, daß alle Geld von den Banfen haben wollen. And hierin liegt der Grund, warum wir die Banfen zunächst einmal für zwei läge schließen muhten. Aehnlich ist es bei den Sparfaffen. Dir befinden uns heute in einem Zustand, dah wir befürchten müssen, daß ein großer Teil der Bevölkerung von den Sparkassen plötzlich die Gelder zurückhaben will. Die Durchführung eine» solchen Prozesses ist unmöglich. Im übrigen bestehl bei den Sparkassen nicht die geringste Gefahr, weil die Sparkassen unter der Garantie der Gemeinden und Kreise stehen und die gesamte Bevölkerung haftbar ist für etwaige Ausfälle. Es ist hier also fein Grund vorhanden zur Rervositäl. Unb nun kommt die Frage: Wie soll eS weiter gehen? Es wirb zunächst daS geschehen, was nottoenbig ist, bamit Gehalt- unb Lohnempfänger, Renten- unb Unterstützungsberechtigte das erhalten, toas sie zu fordern haben. Es ist aber nicht möglich, bah auch die Sparer ihr Geld bekommen. Die Frage, wie tveit das möglich sein wirb, ist bie Aufgabe der nächsten Tage. Es sind ungeheuerliche Gerüchte im Umlauf über ben Rotendruck der Reichsbank. Die Reichsbank wird einen etwas größeren Rotenumlauf haben a 18 bisher, aber es wird sich nicht um allzu große Summen handeln. Die jetzigen Schwierigkeiten kommen davon, daß tvir nicht zu viel, sondern da wir zu wenig Rot en im Umlauf haben, und zwar deswegen, tveil Gelb unb Devisen, bie die Äotenbeckung bilden, weggenommen wurden: der Rotenumlauf ist dadurch geringer. Wenn der Umlauf etwas vergrößert wird in den nächsten Tagen, so hat das nichts zu bedeuten. DaS deutsche Geld wird also gut bleiben und bie Deckung in den nächsten Tagen wird sich halten zwischen der Vorkriegsdeckung unb der gegenwärtigen, also auf einem Punkte, der über der Dorkriegsdeckung liegen toirb. Die Rentenmark ist außerordentlich gut gedeckt durch Garantie der Landwirtschaft, durch Belastung sämtlicher Grundstücke, außerdem ist sie gedeckt durch die große Reserve der Rentenbank. Es ist also kein Grund vorhanden, dieses Geld jetzt schiet anzusehen und es ist nicht beschlossen worden, ihren Umlauf, ber seit Jahren ständig zurückgegangen ist, irgendwie zu vergrößern. (Eine große Schwierigkeit hoben wir in letzter Stunde, heute Rächt bewältigt, ben lleber- weifungsverkehr unter Banken und Sparkassen. Durch eine Verordnung wird angeordnet, daß jetzt Ueberroeifungen von einem Geldinstitut auf dos andere erfolgen dürfen, ober nur bis zur Hälfte des Guthabens, das derjenige Hal, der Geld überweifen will. Wenn jemand also 1000 hat, kann er 500 überweifen. AeberWeisungen können aber nur bis zum f)ö(f)ftbetrage von 10 000 Mark erfolgen. Was bas R v t g e l d angeht, von dem fo viel geredet wird, so macht sich jeder strafbar, ber Rotgelb herausbringr. Sollte aber trotzdem es gewissenlose Leute geben, bie so etwas in Umlauf bringen, so wirb derjenige, der Rotgeld annimmt, ber Dumme sein, weil er eines Tages für sein Rotgelb nichts bekommt, weil eS ungültig ist. Zum Schluß nur zwei Gesichtspunkte: Es kann alles in den nächsten Tagen gutgehen, wenn es gelingt, bie Bevölkerung davon abzuhalten, bie Banknoten zu Hamstern unb im Tisch zu behalten. Eine Regierung, in solch furchtbarer Zeit, kann führen, aber nur bann wenn das Dolkmitgeht. Oie Regelung -er Auszahlungen. Oer Michsfinanzmim'ster begründet die neuen Maßnahmen. Wird Frankreich sich an einer Hilfsaktion beteiligen? Frankreichs große Chance. Deutschland hat mit heroischer Selbstbesinnung den Kamps gegen die Finanzkrise ausgenommen. Die Hoffnung, daß das Ausland verständnisvoll dieses schwere Ringen unterstützen würde, hat sich wenigstens bislang nicht erfüllt. Wohl hat man uns ermutigende Worte gesagt, die Möglichkeit einer Hilfe auch ausgiebig erörtert, aber die entsprechenden Taten sind leider nicht gefolgt. Das europäische Solidaritätsgefühl, das früher so lebhaft gepriesen wurde, erwies sich als eine leere Phrase. Unter diesen Llmständen blieb Deutschland keine andere Möglichkeit, als den Versuch zu unternehmen, allein und aus eigener Kraft heraus der schwierigen Lage Herr zu werden. Die Reichsregierung ist dem deutschen Volke mit gutem Beispiel vorangegangen. Sie hat nicht verzagt kapituliert, sondern in rastloser Arbeit, die Tag und Rächt in Anspruch nahm, dem drohenden Chaos entgegengewirkt. Wir wissen, daß jedem einzelnen harte Einschränkungen beoorstehen, aber wir dürfen, hoffen, daß die von der Regierung getroffenen Maßnahmen geeignet sind, eine Sanierung der deutschen Wirtschaft herbeizuführen. Ein Volk, das entschlossen ist, sein Schicksal zu meistern und das sich vertrauensvoll hinter seine Führung stellt, kann nicht zugrunde gehen. Die eingeleitete deutsche Selbsthilfe schafft zugleich die Möglichkeit, daß das Ausland, das sich bisher noch zögernd abseits hielt, wieder Vertrauen zu uns faßt und damit eine schnellere Ueberwindung der gegenwärtigen Notlage sich anbahnt. Alle Verhandlungen, die bisher geführt worden sind, und alle aus dem Ausland eintreffenden Rachrichten weisen uns immer wieder darauf hin, dah die Entscheidung über eine ausreichende fremde Hilfe in Paris zu suchen -ist. Selbst wenn sich die Meldung bewahrheiten sollte, dah in amerikanischen Kreisen eine Aktion für Deutschland ohne französische Beteiligung erörtert wovden sei, wird man doch damit rechnen müssen, dah die anderen Staaten eine Hilfe aus 'lange Sicht — und auf die kommt es für Deutschland an — ohne Frankreich nicht in die Wege leiten. Gerade Paris aber hat bisher für die deutschen Schwierigkeiten wenig Der- ständnis gezeigt. Die französische Presse hat bis in die letzten Tage hinein den Eindruck zu erwecken versucht, als wenn Deutschland seine Rot mahlvs übertreibe. Es hat auch nicht an Stimmen gefehlt, die der Meinung Ausdruck gaben, dah Frankreich durch die deutsche Krise nur gewinnen könne. Man wird annehmen können, dah die amtlichen Pariser Stellen diesen Standpunkt nicht teilen, aber auch das offizielle Frankreich nimmt eine Haltung ein, die sich noch immer von der bei der Annahme des Hooverplanes bewiesenen Kurzsichtigkeit nicht frei zu machen vermochte. Gewiß, man hat offiziell Deutschland gegenüber keine politischen Forderungen gestellt, aber es ist doch kein Zweifel darüber geblieben, dah Frankreich eine etwaige Hilfe von der Erfüllung politischer Garantien abhängig zu machen gedachte. Die deutsche Regierung muhte ein solches Ansinnen ablehnen. Es ist nicht zu leugnen, dah die deutsch-französischen Beziehungen sich dadurch verschlechtert haben und dah in Deutschland ein Gefühl starker Verbitterung Platz greifen mußte. Mit Sentiments allein aber ist keine Politik zu machen. Frankreich ist eine beispiellose Chance geboten, die es ermöglichen würde, das deutsch-französische . Verhältnis auf eine ganz andere Grundlage zu stellen. Es bedarf nur eines gewissen psychologischen Verständnisses in Paris, um zu der Erkenntnis zu gelangen, daß Frankreich als der glücklichere der beiden Partner den ersten Schritt zur Wendung der Dinge tun muß. Es ist dazu mühelos in der Lage. Wenn es sich heute aufrafft, um sich entschlossen an die Spitze einer Kreditaktion für Deutschland zu stellen, schafft es damit eine Atmosphäre, die nicht ohne günstige Folgen bleiben kann. Viele Sünden der Vergangenheit würden damit gut gemacht werden können. Es böte sich die Möglichkeit zu einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die die Aussicht auf eine grundlegende Besserung auch der politischen Beziehungen eröffnete. Der Besuch der deutschen Staatsmänner in Paris könnte unter diesen Umständen eine Schicksalswende für Europa bedeuten. Frankreich hat sich so oft als den Verfechter der europäischen 3dee hingestellt. Es hat jetz-t Gelegenheit, zu beweisen, daß es ihm ernst i st mit seiner Sorge um Europa. Denn nicht nur um Deutschland geht es im Augenblick. Die Schwierigkeiten, die wir gegenwärtig durchleben, wirken sich bereits drastisch im mitteleuropäischen Raume aus. Die letzten Rachrichten aus Oesterreich, Ungarn und Rumänien sind, wie es heißt, in Paris bereits mit Besorgnis ausgenommen worden. Will man es dahin kommen lasten? dah ganz Mitteleuropa in einen chaotischen Zustand gerät? Es hat beinahe den Anschein, als ob es in Paris zu dämmern beginnt, daß ein weiteres Abseitsstehen verhängnisvoll wäre und dah eine entschiedene Initiative im wohlverstandenen eigenen Interesse Frankreichs läge. Richt nur Deutschland, alle Welt wartet auf Frankreich. Roch ist es Zeit, das erschütterte Vertrauen wiederherzustellen, Frankreich braucht nur die große Gelegenheit zu nutzen, die ihm noch einmal geboten ist. Stimson und Henderson in Paris. Rege Bermittlerarbeit der beiden Außenminister. Paris. 15. Füll. (TU.) 3n Paris frühstückt man hinter wohlbehüteten Türen und läHt von den Tafelgesprächen hochpolitischer Ratur keinen Laut an die Oeffentlichleit dringen. 3e tiefer das amtliche Schweigen ist, um so lebhafter schwirren die Gerüchte und um so brennender wird die Frage, ob Henderson tatsächlich mit einer v o rg ez e ichne ten politischen Marschroute nach Paris gekommen ist und die Vermittlerrolle zwischen Frankreich und Deutschland zu übernähmen gedenkt. Ger englische Außenminister hat am Mittwoch- Vormittag prvgrammähig die Pariser Kolvnial- ausstellung besucht. 3m Anschluß daran stattete er Außenminister Br i and einen Besuch ab, mit dem er auch am Quai d'Orsay frühstückte. Qln dem Essen nahmen außerdem der Minister- präsident, der Finanzminister und der Kolonial- amnifter teil. Man vermutet, daß neben der im Mittelpunkt stehenden Erörterung der deutschen Finanzlage die Frage der französisch-italienischen Flottenverständigung eine besondere Rolle spielt. Henderlvn soll angeblich auS London einen ganz bestimmten Plan mitge- bvacht haben, der ein für beide Parteien annehmbares Kompromiß darstellen soll. Wie andererseits verlautet, habe er die Absicht, auf die französische Regierung einzuwirken, den geplanten Dau des 23 000-t-Panzcrkreuzers aufzugeben. um dadurch Deutschland moralisch zu verpflichten, auch seinerseits auf die Durchführung des Flottenbauprogramms zu verzichten. Der amerikanische Staatssekretär Stimson traf am Mittwochnachmittag, aus Rom kommend, in Paris ein. Auch Stimson soll angeblich mit gewissen Vorschlägen am die französische Regierung herantteten, die geeignet seien, eine Verständigung mit Italien herbeizuführen. Da an dem vom Donnerstag vom amerikanischen Botschafter in Paris gegebenen Frühstück neben den französischen Ministern auch der englische Außenminister Henderson teilnahm, nimmt man an, daß sich bei dieser Gelegenheit die Vertreter der drei Großmächte eingehend über dieLage in Deutschland unterhalten haben, um dabei die Möglichkeit zu erörtern, die im Augenblick für eine Hilfsaktion besteht. Frankreichs Bedingungen. Finanzielle Garantieen und Besserung der politischen Atmosphäre. Paris, 15.Juli. (WTB.) Die havasagenlur beschäftigt sich in einer Auslassung mit den Unterredungen zwischen Staatssekretär Stimson, Staatssekretär Henderson und Ministerpräsident Laval und stellt weitere Unterhandlungen in Aussicht. Außerdem wird in der Auslassung darauf hin- gewiesen, daß der französische Minister- r a t, der am Freitag Zusammentritt, sich ebenfalls mit dem Problem beschäftigen wird, das der Gegenstand der Aussprache der Minister gewesen ist, nämlich mit der Frage einer eventuellen finanziel- len Hilfe f ü r Deutschland. Es heißt in dieser Auslassung: So, wie die Dinge augenblicklich liegen, wird die öffentliche Meinung Frankreichs, die weit davon entfernt ist, sich über die gegenwärtige Lage in Deutschland zu freuen und ohne die Verantwortlichkeit der Lage zu untersuchen, sich nicht weigern. einer eventuellen finanziellen französischen Mitwirkung ins Auge zu blicken. Die französische öffentliche Meinung verkennt in der Tat nicht, daß der Krieg eine mehr und mehr gegenseitige Abhängigkeit der Völker zur Folge gehabt hat, und Frankreich verneint nicht die Verpflichtung der internationalen Solidarität. Aber die Erfahrungen, die man in den letzten Jahren mit den Beziehungen zu Deutschland gemacht habe, dürften fatalerweise die Leiter der französischen Politik nicht dazu führen, das französische Nationalvermögen in gewagten Operationen anzulegen. Deswegen kommt für Frankreich nicht in Frage, Deutschland Kredite zu eröffnen, ohne dah es als Gegenleistung s u b st a n - zlelle Garantien gibt, welche durch ein gemeinsames Abkommen der interessierten Finanzmini st er festgelegl werden müssen. Die ins Auge gefaßte Operation wird tatsächlich von solchen Ausmaßen sein, daß sie nicht ohne die Mitarbeit der amerikanischen, englischen und französischen Banken gelingen werde, die sich zu einer gemeinsamen Anstrengung vereinigen müßten, und die ihnen gleiche Rechte und gleiche Interessen geben würden. Es versteht sich von selbst, daß diese technischen Bedingungen nicht genügen würden, um die deutsche Währung zu retten, wenn sich nicht während der Periode der Wiederaufrichtung von einer politischen Stabilität begleitet fein werde, ohne die ein internationales Vertrauen und Kredite nicht möglich seien. Wie wird Frankreich sich entscheiden? Vor neuen Besprechungen. Paris, 16.3ult. (WTB. Funkspr.) Heute, vor der Abreise Hendersons nach Berlin, wird, wie die Morgenpresse betätigt, eine bedeutsame Besprechung zwischen den beiden angelsächsischen Ministern und Ministerpräsident Laval in Anwesenheit der zuständigen Fachminister stattfinden. Es ist anzunehmen — wenigstens lassen die Auslassungen der Morgenpresse darauf schließen — daß alsdann die Stellung der französischen Regierung zur Frage einer Deutschland zu gewährenden größeren Anleihe festgelegt sein wird, so dah der britische Staatssekretär in der Lage sein werde, die Reichsregierung über die Möglichkeiten der zu ergreifenden Maßnahmen zu unterrichten. Mehrere Blätter scheinen diesen Weg allerdings nicht für den rechten zu halten und fordern eine direkte deutsch-französische Aussprache und Verständigung. Schon die Agentur Havas hat in dem oben wiedergegebenen Kommunique die Bereitwilligkeit der Franzosen, sich an einer Kreditoperation zu betätigen, festgestellt, und die Morgenpresse bestätigt diese Auffassung. „Petit Parisien" schreibt: Die Besprechung am Quai d'Orsay hat einem allgemeinen Meinungsaustausch über die Rotwendigkeit gedient, Deutschland zu helfen, falls es den ausdrücklichen Wunsch äußert und zu diesem Zweck eine günstige politische Atmosphäre schafft, ohne die das für den deutschen Kredit so unerläßliche Vertrauen nicht wiederkehren könnte. Der englische und der französische Standpunkt stimmen hierin durchaus überein. Höchstens könnte man auf die Verschiedenheit aufmerksam machen, daß die englische Regierung, wie übrigens auch die Vereinigten Staaten, die Frage der finanziellen Hilfeleistung und der polittschen Garantien mit dem Abrüstungsproblem verbinden und so die Vorbereitung der Abrüstungskonferenz von 1932 erleichtern müßte. Die rechtsstehenden Blätter, die der Mission Henderson ausgesprochen mißtrauisch gegenüberstehen, verlangen eine politische Einigung zwischen Deutschland und Frankreich als Vorauss ehung einer finanziellen Aktion und geben zu verstehen, daß Frankreich für die Regelung seiner Beziehungen zu Deutschland der englischen Vermittlung nicht bedürfe. Was sagt man in England und Amerika. Zuversicht in Reuyork. Reuhork, 15. 3uli. (WTB.) Die Morgenblätter sind sichtlich bemüht, der durch die gestrigen Rachrichten aus Europa verursachten Beunruhigung, die in grotesken ^leberschriften der Sensattonspresse ihren Ausdruck fand, entgegenzutreten. Sie warnen das Publikum davor, unkontrollierbaren Gerüchten Glauben zu schenken. „Rew Bork Times"' meldet aus offiziellen Kreisen aus Washington, daß man eine gewisse Erleichterung der deutschen Krise sehe. „Herold Tribüne" hebt aus der gleichen Quelle hervor, daß die von der deutschen Regierung begonnenen Maßnahmen durchaus den Beifall der amerikanischen Verwaltung finden. Gleicherweise wird auch aus Wirtschaftskreisen betont, die Grundlage der deutschen Wirtschaft sei gesund, die deutsche Regierung sei vertrauenswürdig und das deutsche Volk sei unter normalen Verhältnissen durchaus jedes Kredites wert. Aber die deutsche Bevölkerung überlasse sich augenblicklich so sehr der Panikstimmung, daß erst ein gewisser Grad der Beruhigung erreicht werden müßte, ehe die Voraussetzungen für größere Kreditaktionen vorhanden wären. Diese Voraussetzungen würden durch die vorgesehenen Besprechungen der europäischen Regierungen sicher geschaffen werden. Optimismus in London. Deutschland darf nicht den Kopf verlieren. London, 16. 3uli. (WTB. Funkspruch) Die Morgenpresse billigt einmütig die von der deutschen Regierung getroffenen Rotmaßnähmen. „Morning-Post" sagt: Die deutschen Finanzbehörden 'haben durchaus nicht ihre Bemühungen auf- gegeben, das Vertrauen wieder herzustellen. Die Rachrichten aus Deutschland zeigen erfreulicherweise, daß die Lage, toerrn auch mit durchgreifenden, so doch mit gesunden Mitteln behan- d e 11 wird und wenn das deutsche Publikum nur veranlaßt werden kann, den Kopf nicht zu verlieren und die Währung sorgfältig kontrolliert bleibt, dann ist fein unüberwindliches Hindernis für eine allmähliche Besserung der Lage zu sehen. Der Berliner Korrespondent der „Times" meldet: Es ist bemerkenswert, daß trotz der ©orgeir zu denen die nächste Zukunft Anlaß gibt, die allgemeine Stimmung des deutschen Volkes keine wirklichen Zweifel an der Zukunft des Landes erkennen läßt. Kommunistentumulte. Die Polizei verhindert Demonstrationen. Berlin 15. 3uIL (WTB.) Aus Anlaß des kommunistischen Reichserwerbslosentages kam es im Reich mehrfach äu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. 3n Dresden wurde die Polizei bei der Festnahme eines Rädelsführers tätlich angegriffen, so dah sie von der Schußwaffe Gebrauch machte. Eine Frau und ein Angreifer wurden verletzt. Sieben Personen muhten festgenommen werden. — Auch in Leipzig- Lindenau wurde die Polizei von Demonstranten angegriffen, und zwar wurde ein Polizeiauto beschossen. Die Beamten erwiderten das Feuer. Verletzt wurde niemand. 3m ganzen wurden 40 Demonstranten zwangsgestellt. — Auch 'n Breslau kam es abends im Anschluß an eine Kundgebung der Erwerbslosen gegen die Rotverordnung zur Bildung verbotener Umzüge, die von der Polizei unter Anwendung des Gummiknüppels aufgelöst wurden. Ein Polizeibeamter wurde tätlich angegriffen. Er mußte sich durch einen Schreckschuß seiner Angreifer erwehren. 3n Karlsruhe versuchten die Kommunisten in der Stadt trotz des Tlmzugsverbotes zu demonstrieren. Ra- mentlich in der Altstadt kam es verschiedentlich zu größeren Ansammlungen, so dah die Polizei gezwungen war, die Menge mit dem Gummiknüppel auseinanderzutreiben. 3n Schwerte kam es zu schweren Zusammen st öhen zwischen Erwerbslosen und der Polizei. Trotz des polizeilichen Verbots versuchte eine Anzahl Erwerbsloser zu demonstrieren. Die Polizei schritt ein, wurde aber mit Steinen beworfen, so dah sie Schreckschüsse abgeben muhte. Jedoch bedrängte die Menge die Beamten weiter so stark, daß diese sich gezwungen sahen, scharf zu schießen. Der Arbeiter Weinhold aus Schwerte wurde tödlich getroffen, ein anderer Demonstrant schwer verletzt. Mit Hilfe des -Heber* fallkommandos aus Hagen gelang es schließlich, die Demonstranten zu zerstreuen. Keine Putschabsichten der NSDAP. Berlin, 15.3uli. (TLl.) Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Hauptmann a. D. Göring, gibt folgende Erklärung ab: „Unsere Gegner benutzen den derzeitigen kritischen Zustand, um die alten Lügenmeldungen von einem beabsichtigten gewaltsamen Putsch der ÄSDAP. wieder erneut aufzuwärmen, um damit LInruhe auch in die eigenen Reihen zu fragen. 3ch erkläre, daß diese ebenso gelogen ist, wie derartige Rachrichten bisher Lügen waren, Die Partei steht nach wie vor auf depi Boden der Verfassung. Schon au8 Demunftsgründen muh sich jeder heute sagen, daß die Partei nur abzuwarten braucht, bis das Schicksal der Errettung Deutschlands die Bewegung rufen wird. Minister Kränzen freigesprochen. Berlin, 15. 3uli. (ERD.) 3n dem Prozeß gegen den braunschweigischen Staatsminister Dr. Franzen verkündete das Schöffengericht Berlin- Mitte unter Vorsitz des Amtsaerichtsrats Dr. Herzfeld, folgendes Urteil: Der Angeklagte wird auf Kosten der Staatskasse freigesprochen. Der Minister war beschuldigt, den Landwirt Guth am 13.Okt. v.3. nach einem Vergehen begünstigt zu haben, um ihn der Bestrafung zu entziehen. Oer Hooverplan in Funktion. Berlin 15. 3uli. (WTB.) Die deutsche Regierung hat am heutigen Fälligkeitstage, dem 15. 3uli 1931, an die Dank für 3nternatio- nalen Zahl'ungsausgleich von der monatlichen Rate der Reparatidnsverpflichtungen nur den unaufschiebbaren Teil der Annuität gezahlt, der auch die Monatsrate des Anleihedienstes der Boung-Anleihe enthält. Den Monatsanteil des Anleihedienstes der Dawes-Anleihe hatte die deutsche Regierung bereits zu Anfang des Monats gezahlt. Die B3Z. hat der deutschen Regierung bzw. der Deutschen Reichsbahngesellschaft Zug um Zug gegen die Zählung einen entsprechenden Betrag zurückerstat- t e t. Damit ist die erste fällige Reparationszahlung im Feierjahre im Sinne des Hooverplanes geregelt worden. Oie Reichsbahn zahlt Gehälter und Löhne. Berlin, 15. 3uli. (ERD.) Wie die Deutsche Reichsbähngesellschaft mitteilt, hat die Reichsbahn die fälligen Gehälter für die Angestellten und die Löhne für die Arbeiter aus den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gezahlt. Die Bahn hat ferner die Garantie der Einlagen bei den Reichsbahnsparkassen übernommen. Aus aller Welt. Drei Kinder lebendig verbrannt. 3n einer kleinen Ortschaft in der Rahe von Debreczin sind drei Kinder im Aller von eins bis drei 3ahren, die von den Eltern allein zu Hause gelassen wurden und m i i Streichhölzern spielten, in der abgeschlossenen Wohnung bei lebendigem Leibe verbrannt. Lin Schnellzug überrennt einen vollbesetzten Autobus. Der Schnellzug Bukarest-Konstanza überfuhr bei der Station Nogosaia einen vollbesetzten Autobus, dessen Führer die Schienen überqueren wollte, weil die Schranken nicht geschlos- s e n waren. Der Autobus wurde von dem Schnellzug erfaßt und überschlug sich. Infolge Explosion des Motors geriet der Wagen in Brand. Die Folgen waren verheerend. Es sind fünf Tote und 18 Schwerverletzte zu beklagen. Der Führer ist bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Oie Wetterlage. ]iö$1 -Nwdoi Thorshavn' Dem sali] •an kl. Wien lagern. tm en Estern ol» wurden und mit en, in der ab- mdigem Leibe ver- ‘9 jlen Mutobus. -Konstanza über« q einen vollbtsttzltn -chiencn überqueren i nicht geschlol- de von dem Schnell. ; infolge Qirplofion In Srgnb. Sit b fünf Sott ub Der tzührn tft bi» age. 0 0 ! 0 0 0 --.■SUS ässsss-a fy o j* A/j u"g' kühlt i*.;? ' ©ittenina*’ leit bes fRl(. unb rt on 6» ?»*Ä; •'iS««** 11 Just. sH* 2b" Jq Grad ii; Jf5&* a.«t»*Sj£ Aus der Provinzialbaupistadt. (Sieben, den 16.3ull 1931. Serien zu Hause. Don Med.-^at Dr. Weber, Waldkirch. Die Qlot der Zeit wird viele Menschen in vielem 3obre zwingen, auf die tonst g«plant« und nur lehr erwünschte SrHolungsrei^ zu verrichten. Ti an kann da-, auch ohne gleichzetttg auf die Erholung verzrchien zu mülsen, man muh nur täglich überlegen, wie man di«S crrwDL Und schon diese Ucberlegung. die ganz reizvoll fein kann und die einem fönst tm Alltagsleben ferne liegt, ist ein gewisser Saftor ter «rboluna 38 sind andere Gedanken, als die, die un» sonst beschäftigen, und alle», wa» ander- tst, al» ge- trcchnlich dient unseren Zweien. Zunächst die Finanzverbaltnisse: wir müssen un» bewußt fern, da wir durch die unterlassene Retse viel sparen, und können daher unsere Finanzlage von einem anderen Gesichtspunkt au» ansehen, alS gewöhnlich. Wir können unS einen Druöhteil der Retfe- kosten für das UrlcrubSleben zu Hause zurück- steilen und unS dafür manche» leisten, was wir unS sonst nicht gönnen: dann und wann ein Wittag- oder Abendcllen auSwäriS, hin und Wieder auch einige Delikatessen bei den häuS- lichen Mahlzeiten, oder eine Zulage zum ersten Frühstück, denn auf Reisen spielt ja für die meisten daS bessere Essen eine Hauptrolle. Dann das tägliche Spazierengehen und Ruhen in der Aatur 3n kleinen Städten hat man dies leichter, als in groben, aber auch in groben ist überall Gelegenheit dazu geboten, man must sie nur zu finden wissen. Diese Spaziergänge, die zu Snt» deckungSreisen werden können, müssen sich von den gewöhnlichen So nntagSnach mittags pazier- gängen unterscheiden. Besonders genußreich find sie, wenn wir sie vormittag» machen und an Wochentagen, weil wir da» am wenistgen gewöhnt sind. Es kann dann immer noch genug Zeit bleiben, um für das Mittagessen zu sorgen. oder cS bleibt abwechselnd ein Familienmitglied zu Hause. Dann eine gediegene AachmittagSruhe, wie man sie sich sonst an Wochentagen auch nicht leisten kann. Aber immer muh man sich vergegenwärtigen, dah man eigentlich auf Reisen ist. und viele», waS man sonst zu Hause tun würde, auf Reisen aber einfach liegen läßt, muh auch letzt ungetan bleiben. Deshalb wird auch eine gewisse Vorbereitung auf die Reise daheim nötig sein, damit Kleider, Wäsche und aller Bedarf vorhanden ist, ohne uns unliebsame Arbeit zu machen. Wenn es sein must, Farm man einmal einige Stücke auswärts waschen lassen, wie man es in der Vommersrilchc auch tun würde, man must nur immer wieder den guten Willen zu Bequemlichkeit und Faulheit haben, selbst wenn man sich dazu zwingen must. An Regentagen ist man zu Hause besser auf- gehoben als auf Reisen, und man wird sich freuen, en solchen Tagen die gewohnte häusliche Bequemlichkeit um sich zu haben, ebenso wie man sich jeden Abend freuen kann, in sein eigenes Bett zu kommen, von dem man weist, hast es lang und breit genug ist. Die Gewöhnung an «in fremdes Bett kostet manchem empfindsamen Reisenden einige schlaflos« Rächte. Die Unterhaltung und der Zeitvertreib must natürlich auch ein ganz anderer sein, alS gewöhnlich. Alle beruflichen Sachen halte man weit von hch und gehe im grosten Dogen um sie herum. Alan besorge sich geeigneten Lesestoff, an den man sonst so leicht nicht kommt, kaufe sich von dem ersparten Reisegeld ein lange ersehntes Buch, vdev versorge sich ganz nach Laune und Geschmack in einer Leihbibliothek. Wer besondere Interessen hat. die außerhalb seine» Berufe» liegen, oder Liebhabereien, soll sich ungestört dielen hingeben. Man kann diele Gedanken noch lange aus- fpinnen. Jedem ist eS nicht gegeben, da» All- tägliche in der Alltäglichkeit von sich zu wersen. manch einer kann es aber mir einiger Lieber- legung und gutem Willen lernen, und wenn die Ferien zu Hause auch immer nur ein Ersatz für Fer-.enrei'cn bleiben werden, auch in ihnen können w.r genügend Erholung finden, wenn wir anspruchslos und zufrieden sind unb guten Willen». sie zu suchen. Bornotizen. — TqgcSkalender für Donnerstag. DolkSrcchi Partei und Sparerbund: Bortrag von Prof. Axt. 17.15 Uhr Im Kath. Dereinshaus über .Dolksnot und DolkSrecht". - Lichtspielhaus Bahnhofstraße .Wenn die Soldaten..“. — Au» dem Stadttheaterbureau wird un» geschrieben: Die Intendanz seht am Dienstag, 21. Juli, die Gastspielserie der diesjährigen Sommerspielzeit mit einem Snsemblegast- spiel Berliner Bühnenkünstler fort Dieses Gastspiel dürfte für Siesten von besonderem Interesse sein, da die Tänzerin Katta Sterna in dem zur Aufführung gelangenden Lustspiel .Helene kann doch nichts dafür" die Hauptrolle kreiert. Katta Sterna wurde als 1. Solotänzerin bei den Emst-Matrav-Tan^gastspielen bekannt Don Max Rcinbardt wurde die jung« Künstlerin nach Berlin geholt und hatte an den Berliner Reinhardt-Bühnen große Erfolge zu verzeichnen. Roch bekannter wurde Katta Sterna durch ihre Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen, wo sie im vorigen Jahre in Shakespeares . Sommernachtstraum" als Puck mitwirkte. Für diese Vorstellung gelten gewöhnliche Sommerpreise, vom- merabonnementS haben Gültigkeit gegen Auszahlung von 25 bzw. 50 Pf. Der Vorverkauf beginnt am Montag. * •• Ministerial - Personalie. Auf Grund des Altersgrenze-Gesetzes tritt der Ministerialrat Prof. Dr. Georg Hehl bei dem Ministerium des Innern mit Wirkung ab 1. August in den Ruhestand. •• Die Vorauszahlung auf die Umfaß ft e u c r. In den von SteaersyndikuS Herrn. Will zu Diesten herauSgegebenen „ Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Rr. 14) lesen wir: Die Vorauszahlung auf die Umsatzsteuer ist von der vierteljährlichen Zahlung auf die monatliche umgestellt worden. Die Reuregelung tritt aber noch nicht sofort, sondern erst mit dem 10. Rovern ber 1931 in Kraft. Die Vorauszahlung auf die Umsatzsteuer für Juli, August, September ist also noch, wie bisher, bi» zum 10. Oktober zu leisten, die für Otto der aber dann bereits am 10 Rovember 1931 und nicht erst am 10. Januar 1932. •• Aenderung der Ruhen » best immun g e n für k r i e g S b e sch ä d i g te Beamte. Wie wir vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen erfahren, haben dieser Tage beim Reichsarbeitsministerium Verhandlungen darüber geschwebt, wie die rigorosen Bestimmungen der Rotverordnung über die Anrechnung des öffentlichen Einkommens von Arbeitern, Angestellten und Beamten gemildert werden können. Bisher wurden der Anrechnung der Renten auf das öffentliche Einkommen die Gehälter, die am 1. Februar 1931 bezogen waren, zugrunde gelegt. Auherdem wurden die heute zahlbaren Kinder- zuschläge als Einkommen mit angerechnet. In Zukunft soll von dem talfächlichen Druttoein- bommcn au »gegangen und die Kinberzulage auf Grund de» Retchsbcsoldungsgesetzes nicht al» Einkommen angesehen werden. Die bisherige Thn- deftgrenze der zu verbleibenden Rente, die auf 0.3 der Grundrente fest gelegt war, foII auf mindesten» 0.5 — man spricht auch von 0.7 — erhöht werden Dabei sollen zu den Grundrenten auch die Sozialzuschläge treten. •• Schont Iungfichtenbe stände bei der Himbeerernte! Zur Zeit macht man sich wieder an die Ernte der Himbeeren im Wald«. Im Eifer de» Deerensuchens wird oft wen g auf di« jungen Fichtenpflanzen geachtet. Oft sind die Himbeersträucher fehr hoch gewachsen, so dah die jungen Fichten kaum gesehen werden. Wird schon dadurch den jungen Bäumen «rheb-icher Schaden zugesügt, so geschieht eS oft noch mehr durch rücksichtslose Deerenfammler. Es must an die Einsicht der Sammler appel- U«rt werden, bah si« bei der diesjährigen reichen Ernte nicht nur an ihr Samnüergeschäft denken, sondern auch di« jungen Kulturen vor Schaden bewahren. •• Rosenfest in Bad-Ranheim. Das diesjährige Rosenfest von Bad-Rauheim findet am kommenden SamStag, 18. Juli, im Kurhau» statt. Im Mittelpuntt de» Festes wird ein« Rosensonderschau der Firma Gebr. Schultheis in Steinfurth bei Bad-Rauheim stehen, die von 10 bis 18 Uhr im großen Bühnensaal de» Kurhauses gezeigt wird. Am Rachmittag . findet Konzert, am Abend das eigentlich« 'Rosensest mit dem Rosenball statt. Im Rahmen der Abendveranstaltung soll auch Dad-RauheimS Rosen- Knigin'gewählt werden. Das 'Fest dürste wohl auch diesmal wieder auf weite Kreise besonder« Anziehungskraft ausüben. Räheres in der heutigen Anzeige. - •• Kraftomnibus - Fahrten nach Schotten zum Motorradrennen .Rund um Schotten" am nächsten Sonntag kündigen in unserem heutigen Anzeigenteil die R e i ch s p v st und der Kraftverkehr C. Hoos an. Intereffenten seien auf die Anzeigen besonders hingewiesen. •• Von einem Strohfuhrwerk tödlich abge stürzt. Gestern gegen 19 Uhr war der 18 Jahre alte Dienstknockt Siegfried Werner von hier, der bei dem Landwirt und Fuhrunternehmer Herold im Leihgesterner Weg bedienstet war, mit einem Fuhrwerk voll Stroh, das er in der Feldscheune bei der Dergschenke geladen hatte auf dem Heimwege nach dem Gehöft. Auf Der Landstraße kurz hinter der Dergschenke nach Gießen au wurden die Pferde plötzlich scheu und gingen Durch Bei der nun ein setzenden wilden Fahrt stürzte der bedauernswerte junge Mensch von dem Fuhrwerk ab und fiel so unglücklich dah er einen Halswirbelbruch davontrug, an dem er auf dem Wege nach der Klinik verstarb. Die Pferde wurden bald darauf von Strahenpafsanten aufgehalten. •• Akademische Ortsgruppe deS VDA Die Akademische Ortsgruppe des Vereins für das Deutschtum im Ausland (VDA) hielt gemeinsam mit der Vereinigung auslandsdeutscher Studierender auch in diesem Jahre wieder ihr Sommerfest auf der „Dergschenke" ab und vereinigte am Dienstagabend viele ihrer Mitglieder in froher Geselligkeit. Leider mußten die ursprünglich vorgesehenen Mundartvorträge des Heimatdichters Georg Heß. Leihgestern, ausfallen, da Herr Heß am Erscheinen verhindert war. Der Vorsitzende der Akademischen Ortsgruppe, Herr I b b e t e n, hielt eine kurze Ansprache: er begrüßte vor allem Seine Magnifizenz den Rektor, sodann die Vorstandsmitglieder der Frauenortsgruppe des VDA. den Vorsitzenden der allgemeinen Ortsgruppe. Studienral Dr. K b- n i g. und die vielen Studenten, di« sich zu dem Feste eingebunden hatten. Weiter begrüßt« er die Siebenbürger Studenten, di« ebenfalls zahlreich zugegen waren unb damit ihr« Verbundenheit mit dem VDA bewirken Der Redner umriß kurz da» Wollen de» Vereins für daS Deutschtum im AuSlande und wünschte schließlich dem Fest« einen guten Verlaus Seine Magnifizenz der Rcttvr. Prof. Dr. Eger, hielt in launigen Worten eine kurze Ansprache, die lebhaften Beifall auslöfte. In bester Stimmung verging der Abend, der für die Jugend vor allem reichlich« Tanzgelegenheit brachte. " GewerkschaftSbund bet Angestellten. Man schreibt un»: Die Ort »grub b« Dießen de» GDA nahm in ihrer jüngsten Mitgliederversammlung zu den Auswirkungen bet neuen Rotverordnung für die Angestellten Stellung. Sie fordert, dah die ungerechten Belastungen durch die Krifensteuer, der 'Ausfall bet Lohnsteuerrückerstattungen und die Drollelung de» ArbeitslosenschuNe» aufgehoben und sofort all« Schritte in die Wege geleitet werden, um eine Revision herbeizuführen. In einem Vortrag: „Soziale Selbsthilfe" wi«S Geschäftsführer Mack auf die Leistungen de» GDA und seiner Selbsthilfeeinrichtungen hin. Das Ziel des GDA sei, so führte er aus. die Stellung der Angestellten in Staat und Wirtschaft so zu heben, daß sie al» selbstbewußte Wirtschaftsträger arbeiten und wirken können. Dem biene bi« auf freiheitlichnationaler Grundlage unter strenger Wahrung parteipolitischer Unabhängigkeit und konfessioneller Reutralität geführte StandeSpolittk. Zu den bundeseigenen Selbsthilfeeinrichtungen gehöre die GDA.-Stellenvermittlung. die in den letzten fünf Jahren über 80 000 Stellen für Angestellte zu besetzen vermocht«. Eine wirksam« Hilfe sei daS Stellenlosengelb aus Qkrbanb»- mitteln. das sich in ber Zeit von 1924 bi» 1930 auf 8.3 Millionen belaufe. Bei der heutigen Vermögenslosigkeit und geringen Sparmöglichkeit sei die aus Verbandsmitteln gewährte Qllter»- hilfe für die Veteranen der Arbeit besonder» wertvoll. Obwohl diese erst drei Jahre besteht, seien bereits über 900 000 Mk. zur Auszahlung gekommen. An Hinterbliebenengell» seien von 1924 bis 1930 an die Angehörigen verstorbener Mitglieder etwa 1 Million Mark ausgezahlt worden. Die bundeseigenen Urlaubs-, Kur- und Kinderheime waren von 46 638 Heimgästen besucht. Beachtliche Leistungen weise auch die bundeseigen« Deutsche Angestelltenkrankenkasse mit 220 000 Stamm-Mitgliedern und 170 000 Familienversicherten auf, die auf die besonderen Bedürfnisse von Angestellten zugeschnitten sind und Freizügigkeit nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch über da» europäische Ausland gewährt. Die größte Hilse aber brachte den Mitgliedern ber GDA.-RechtSschuh und die Rechtsberatung, wodurch diesen in den Jahren 1924 bis 1930 17,7 Millionen Mark zuslossen, im letzten Jahr« allein 4,8 Millionen Mark. Angesichts solcher, von Jahr zu Jahr wachsenden Leistungen der Selbsthilfe eines Beruf sverbandes wie des GDA, die sich gerade in Rotzeiten auf die Treue der Mitglieder stützen mülle, sei die umfassende Wirtschafts- und sozialpolitische, sowie kulturelle Arbeit dieser Organisation ber deutschen Angestelltenschaft ein starker Anker im Sturm unterer Zeit. Richt Zermürbung, sondern Stärkung des Vertrauens in die eigene Kraft könne un» im Innern stark und nach außen hin wieder frei machen! Verantwort!, f. d. Feuilleton: i. V. Dr. Lang«. Oie glückliche Geburt einer gesunden Tochter zeigen erfreut an Professor Dr. Melchior Westhues und Frau Minni, geb. Will München, den 11. Zull 1931 Wiedenmayerstraße 37 p. 4716 D Für die un» anläßlich unserer goldenen Hochzeit erwiesenen Aufmerksamkeiten banken wir herzlich Heinrich Zakobi DL und Frau Bellersheim, den 15. Juli 1931 4718 D Samstag, den 18. Juli 1931 Rosentag im Kurhaus Bad-Nauheim Von 10 Uhr vorm. bis 6 Uhr nachm. KoNcn-Sonderechnn veranstaltet von der Rosenflrma Gebr. Schultheis Steinfurth bei Bad- Nauheim. In vielen Tausend Exemplaren werden die edelsten und schönsten Sorten gezeigt. Abends ab 8‘ , Uhr Rosen fest mit Ball (dunkler Anzug — Abendkleid) Wahl der Rosenkönigin Eintritt zur Rosenschau bis nachmittags 2* , Uhr frei, von da ab berechtigen die Eintrittskarten zum Kurkonzert <60 Pf.) Eintritt zum Rosenfest abends 1.70M., für Besitzer von Kur- und Dauerkarten 1.20 M. Karten vorverkauf an den Kurhauskassen. 4715D Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Heuchelheim für 1931 Rj. liegt von Freitag, den 17. Juli 1,931, bis einschließlich Donnerslag. den 23. Juli 1931, auf unserem Amtstimmer zur Einstcht offen. Einwendungen lennen während dieser Frist schriftlich oder Rundlich zu Protokoll vorgebracht werden. Es ist die Erhebung einer Umlage be- fchlossen, zu der auch die Ausmärker ber- «Sgezogen werden. 4713D Heuchelheim, den 14. Juli 1931. Bürgermeisterei Heuchelheim. Rinn. Ehri.kiDderi.Mädctien nicht unter 20 sof. nei. Schr. Ang. mit ZeugnlSabschr. unt. 04081 an d. Gb. Anz. Krankenpflege für alte Dame mit Führung eines klein. Haushaltes gesucht. Schrtttl. Angeb. mit GebaitSunspr. unter O4O7S an d. Gn. An». illeäcta daS schon in guten Häusern gedient bat lot', gesucht. Bewerb, mit Zeugn. unt. Postfach 49. Wetzlar. Uhr verschied sanft nach langem,schwerem, mit großer Geduld getragenem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Herr Johannes Bellof V. Kirchenvorsteher im 71. Lebensjahr. KraftuosL»* nm Bert reim „Rund um Schotten“ ab Postamt I ... . 6 30 Uhr ab Ludwigsplatz. . 6.35 Uhr Hin- und Rückfahrt 3.— Mark |Verschiedenes| Moe Kartoffeln Böhms allerlrtiheste volbv.IaWetterauer Ware, per Zeniner Mk. 4.— mit Sack, versendet abStation Echzell gegen Nachn. Ludwig Erb, Kartottelversandgeschäft Eckzell iWetterau). Rasche u.gute Bedienung Verkäufe | Wortei zu verkaufen. [1729d BahnspediteurLyncker Garten auf dem Nahrungs- berg od. dessen Nahe zum Herbst auf Inn» gere Zeit zu vachien ges. Schr. Angeb. u. 04075 an d. Gb Anz. Am Sonntag, 19.7.31 zum Scholtcner Rennen ist owi WeWWM nom fiel Karl Bender, Eiltransporte Gienew Televh. 3350 Bleichsiratze 3. Sichere Kapitalanlage! 5—10000 Mk. gegen Hypothek. Sicherheit auflaGeschästshaus von Selbstgeber gei. Schrisil. Angeb. unt. 04079 an d. Gb. Anz. Schlafzimmer sehr gut erhalten, mit Kavockmairalzen im Auftrag billig zu verkaufen. 4721D Beiien-Bär Gieben, Marklstr. 29 Autogelegenbeitskänfe Eine grobe Anzahl gebraucht.Sahrzeug Ovel-Esfex, Benz, Brennabor, Wanderer, B MW, Aga ufro. in gut.Zustand preiswert zu verkaufen. Zahlungserleicht. Holorw.-Verk.-Ges. m.b.H.Giefien,Frankl. Str.52 56, Tel.2347/48. Illllllllllllllllllllllllllllllllin Damen-Mäntel *^£150 engl. Art, reine Wolle, ganz ge- 11| füttert, guter Sitz, in feschen ■ Macharten....................' 1 4723 A 5% Rückvergütung! 473li Solange Vorratl EdamerKäse 20% Fettgehalt, y4Pfd. 0.15 Nr. 164 Zweiter Blatt Donnerstag, 16. Juli 1931 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Die fiapilalflruflur der deulschen Wirtschaft. Don Dl d. A. von Tyszta, pwfessor an der Universität Hamburg. ©cra.be in bet gegenwärtigen 3etf des schweren Kampfes unserer Wirtschaft um ihre Existenz wrb eine Darstellung bet Gröhe des Be - ttie66t>crmöflcn6 unb sein er 'Bertel* lung auf b ie einzelnen Wirtschaft--- gruppen unb Größen llassen von 3nterclfc sein. D.r erhalten dadurch toertoolle Einblicke m b-.c Kapira.struktur unserer Wirtschaft: wie z. B. durch Auf Federung des KapitalvolumenS nach her Hanflorbnung ber Bedürfnisse ober durch Aufregung nach ber burchschnittlrchen Kapital- stärke. Ermöglicht wurde und eine solche Erkenntnis burch bie Verarbeitung des bei der Durchführung bes 3ndustr.ebelastungs- unb Aus- hr:nflunqdflcfct)cä vom 33. August 1924 angesam- me.fen Mater alS. Infolgebessen sinb hier unter ..Wirtschaft" nur bie nicht.anbwirtschaftlichen ‘Betriebe (aLso Onbuftrie, Gewerbe unb Han bei. Bericht, Daftwirtfchaft usw.) mit ber weiteren Einschränkung, bah Betriebe mit einem Betriebe- vermögen biS 20 000 Mark ausgeschlossen sinb, verstanben. Ferner muh bemerkt werben, bah ..Betriebsvermögen" hier im steuertechnischen Sinne gemein! ifl; bas zu Derfteuernbe Betriebsvermögen weicht aber nicht selten von ber tatsächlichen Wertgröhe ab. Trotz bieser Einschränkung erhalten wir burch biefe Untersuchung aber ein im ganzen wahrheitsgetreues Zahlenbub unserer Wirtschaft Danach fte.lie sich im Jahre 1929 — bem letzten Jahr ber Erhebung — baS Betriebsvermögen ber 207 000 untersuchten Betriebe in 3nbuftrie, Handel unb Verkehr. Gastwirtschaft usw. auf 48 Milliarden Mark. 3n bem nachfolgenben Krisenjahr von 1930 bürfte ein nennenswerter Betrag kaum bazugetreten fein, so bah biefe Zah.'enangabc auch für bie Gegenwart gelten kann. Von bieten 48 Milliarden entfallen etwa zwei Drittel, nämlich 32 Milliarden, auf bie 94 000 Beiriebe ber ,.P r o b u k t i v n" (3n* buftrie. einschl. Bergbau. Baugewerbe unb Wasser-. Gas- unb Elektrizitätsversorgung): 6,8 Bluliarben aus die 69 500 Betriebe des W a r e n- Handels unb 9,2 BZilliarben auf bie 43 350 Betriebe ber „übrigen Wirtschaftszweige" (in bet Hauptsache Bankwesen, Verkehr unb Gastwirlschaftsgewerbe). Die hinsichtlich bes Kapitalbebarses ubertagenbe Bebeu- tung ber Produktion kommt hierin zum Aus- brud. Aus einen Betrieb kommt ein durch- schnittliches Betriebsvermögen: in ber Probuktivn von 340 000 Mark, im Warenhanbel: 98 000 Mark, in ben „übrigen Wirtschaftszweigen" 212 000 Mark. Zwischen ben einzelnen Wirtschaftszweigen innerhalb ber bret großen Wirtschaftsgruppen ergeben sich recht beachtenswerte Unterschiebe. Als kapitalkräftig st er Wirtschasts» zweig innerhalb ber ..Probuktivn" steht mit 4 Milliarden Betriebsvermögen bas Vah- rungS - unb Genuhmittelgewerbe an erster Stelle. Es folat in nur geringem Ab- ftanb bie Tertilinbustrie (3.7 Milliarben), an brütet Stelle kommt bie lebenswichtige B e r - forgungswirtschast (Wasser. Gas, Elektrizität) mit 3,5 Milliarben. an vierter Stelle stehen mit je 2,9 Milliarben Maschinen-, Apparaten-, Fahrzeugbau unb chemische 3 n b u st r i e. Ein Betriebsvermögen mit über 2 Milliarden weisen noch bic Wirtschaftszweige Bergbau (2.2 Milliarben» unb Bergbau in Kombination mit anberen Werken, meist Hütten (2.3 Milliarben), auf. Zwischen eine bis zwei Milliarben stellt sich bas .Kapital- Volumen in ber Papierinbustrie einschl. Vervielfältigung (1,6 Milliarben», sowie in ber 3 n b u st r i e ber Steine unb Erben unb in ber Elektroindustrie (je 1.5 Milliarben). An eine Milliarde reicht bas Betriebsvermögen in ber Bekleidungsindustrie heran. Schon biefe Gegenüberstellung läht eine Abstufung bes KapitalvolumenS nach ber Dringlichkeit ber zu befriebigenben Bebürfnisfe erkennen. Voch klarer tritt biefe aber hervor, wenn man bic gesamte Wirtschaft (Probuktivn. Warenhande. unb übr.ge Wirtschaftszweige» zu- sammenfaht. Dann ergibt sich biefe Vechenfolge ber Kapitalinvestition nach ber Rangordnung ber Bebürfnisfe. in Betrieben, bie für bie Befriedigung unseres bringlichen Bebürfniffed ber Ernährung tätig sinb. ist ein Betriebsvermögen von 6.9 Milliarben investiert, in Betrieben, bie un» mit Betreibung versehen, em solches von 6.1 Milliarben. in Betrieben, bic ber Beschaffung unterer Unterkunft (Wohnung» bienen: 3.4 Milliarben. Zu biefen btei grcchen, ben dringlichsten Bcbarf bedenben Gruppen müssen ttrr aber noch bas Betriebsvermögen in ber Urproduktion fBergbau. Hüttenwesen ein- schliehlich Handel mit biesen Produkten) mit 6.2 Milliarden und das in den lebenswichtigen Versorgungsbetrieben (Wasser, GaS, Elektrizität» investierte Vermögen mit 3,5 Milliarden rechnen. Dann stellt sich daS Betriebsvermögen in den Wirtschaftszweigen, die der Befriedung des reinphysiolvgifchenBe- d a r f s in weiterem Sinne dienen, auf fast 26 Milliarden, also auf mehr a l s die Hälfte des gesamten Betriebsvermögens. Würde man noch die landwirtschaftliche Produktion hinzunehmen, würde sich das Gewicht der „Vah- rungswirtfchaft". da das landwirtschaftliche Betriebsvermögen im Sinne dieser Untersuchung auf mindestens 9 bis 10 Milliarden zu veranschlagen ist, noch beträchtlich erhöhen. Von den übrigen Wirtschaftszweigen steht das Betriebsvermögen im „Geld-. Bank- unb Börsenwesen" mit 3.3 Milliarden an erster Stelle. Diese Wirtschastsgruppe nimmt in der Rangordnung der Bedürfnisse eine Sonderstellung ein; denn wenn sie auch nicht physiologisch notwendige Bedürfnisse dedt. so ist doch das ordnungsmäßige Funktionieren gerade dieses Wirtschaftszweiges eine unerlähliche Voraussetzung unseres Kullurdaseins. 3n den Betrieben, die der Deckung des mehr materiellen Kultur- b e d a r f s , einschließlich des Luxusbedarfs dienen — chemische und elektrische 3ndustrie. Maschinen-. Fahrzeug-, Metallindustrie, Schmuck- sachenindustrie. Holz-, Leder- und Kautschukgewerbe einschließlich dem Handel mit diesen Erzeugnissen — sind 12,5 Milliarden investiert, also ungefähr halbsoviel als in den Wirtschaftsgruppen. die den physiologisch dringlichsten Bedarf beden. aber fast noch einmal so viel wie in den Wirtschaftszweigen, die dem Vahrungs- bebürfnilfe dienen. Ein Zeichen, in welcher Weise die Kultur gegenwärtig extensiv ausgebreitet ist. d. h. weiteste Schichten des Volkes erfaßt. Bimmt man das Verkehrswesen mit 2.3 Milliarden noch dazu, so erhält man ein Kapitalvolumen von fast 15 Milliarden, das zur Befriedigung unserer materiellen Kulturbedürf- nisse Verwendung findet. Sehr erheblich geringer ist das Kapital, das in den Betrieben investiert ist, die geistigen K ul t u r b e ö ü r f - nissen dienen — Ver.agsgewerbe und Buchhandel, Papier-, Vervielfältigungsgewerbe, Theater, Musil, Schaustellungen. Musikinstrumentenindustrie —: nämlich nur 2,4 Milliarden. 'Rechnet man hinzu noch das Gesundheitswesen, so erhöht sich das Kapital auf 3.0 Milliarden. Schließlich sei noch das Versicherungswesen mit einem Kapital von 360 Millionen genannt. Vicht enthalten sind in dieser Aufgliederung ber Ein- und Ausfuhrhandel (183 Millionen), der Gemischtwarenhandel (Warenhäuser) mit 500 Millionen, der Handel mit Altmetall und Trödelhandel (50 000 Mark). Ein ganz anderes Bild ergibt aber die Betrachtung des durchschnittlich auf einen Betrieb entfallenden Vermögens. Dann zeigt sich die Urproduktion als der weitaus kapitalkräftigste Wirtschaftszweig: im Bergbau entfallen auf einen Betrieb 4,4 Millionen. in den kombinierten Betrieben sogar * •; ■ 3m Nationaldenkmal bei Tannenberg wurde von der Rcichsoereiniaung ehemaliger Kriegsgefangener ein Denkmal eingeweiht, das den in der Kriegsgefangenschaft gestorbenen deutschen Kriegsteilnehmern gewidmet ist. 37,7 Millionen. An zweiter Stelle steht die chemische 3ndustrie mit einem durchschnittlichen Betriebsvermögen von einer Million; es folgen die Versorgungsbetriebe (Wasser. Gas. Elektrizität» mit 710 000 Mark, die Eisen» und Kautschukmdustrie mit je 680 000 Mark, die elektrische 3ndustrie mit 590 000 Mark, die Maschinen- und Fahrzeugindustrie mit 560 000 Mark, die Textilindustrie mit 510 000 Mark. Zwischen 250 000 Mark und 500 000 Mark liegt das durchschnittliche Betriebsvermögen in der Papier-, Leder- und Spielwarenindustrie, zwischen 100 000 und 250 000 Mark in der 3nbuftrie der Steine und Erden, der Metallwarenindustrie. Holz- und Bekleidungsgewerbe unb Nahrungsmittelindustrie (157 000 Mark»; am geringsten ist es im Baugewerbe mit 90 000 Mark. 3m Warenhandel entfällt auf einen Betrieb durchschnittlich weit weniger Betriebsvermögen. Hier steht der Handel mit Bergwerksprodukten (236 000), bet Gemischtwarenhanbel (Warenhäuser) mit 180 000 Mark unb ber allgemeine ©in- unb Ausfuhrhandel mit 200 000 Mark an ber Spitze. 3n fast allen anderen Handelszweigen hält sich das durchschnittliche Betriebsvermögen unter 100 000 Mark. Sehr erheblich kapitalkräftiger sind dagegen die Betriebe in ben sogenannten „übrigen Wirtschaftszweigen". 3m Seeverkehr hat ein Betrieb im Durchschnitt 1,7 Millionen, im Landverkehr 814 000 Mark, im Luftverkehr 890 000 Mark auszuweisen. 3m Geld- und Bankwesen entfallen auf einen Betrieb 740 000 Mark, im Versicherungswesen 700 000 Mark, im 3mmobilienhandel 470 000 Mark. Dagegen im Gastwirtsgewerbe hat ein Betrieb nur 60 000 Mark, im Theaterwesen 140 000 Mark und im Verlags- und Buchhandel 120 000 Mark. Zum Schluß noch ein Wort über die Unter- nehmungssormen. Scheidet man zwischen persönlichen Unternehmungen und Gesellschaftsunternehmungen, so stellen der Zahl der Betriebe nach die ersteren mit über 80 Prozent das Ha up Kontingent. Dem investierten Betriebsvermögen nach sind sie aber nur mit 35 Prozent beteiligt. Denn von den 48 Milliarden entfallen nur 17 Milliarden auf die persönlichen Unternehmungen, dagegen 22.8 Milliarden auf bie Aktiengesellschaften. 5.1 Milliarden auf die Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht. 370 Millionen auf Genossenschaften, und 2,9 Milliarden sind in öfsentlich-rcchslichen Betrieben investiert. 3n den Gesellschaften über- toiegen auch die Großbetriebe. Von den Aktiengesellschaften sind 71 Prozent ber Betriebe solche, die ein Kapital von über fünf Millionen besitzen, 25 Prozent dieser Aktien betriebe verfügen über ein Kapital von 500 000 Mark bis fünf Millionen. Dagegen in den persönlichen Unternehmungen haben nur 6 Prozent ein Vermögen von über fünf Millionen. 29 Prozent ein solches von 500 000 Mark bis fünf Millionen, aber 65 Prozent ein solches unter 500 000 Mark. Die Tendenz zur Vergesellschaftung der Großbetriebe und Konzentration ber Kapitalien kommt in diesen Zahlen deutlich zum Ausdrad. Zwischen den drei großen Wirtschaftsgruppen ergeben sich aber hier beträchtliche Unterschiede. 3cne Kapitalkonzentrativn und Vergesellschaftung tritt eigentlich nur scharf in der „Produktion" unb den „übrigen Wirtschaftszweigen" hervor. 3n diesen verfügen bie Gesellschaften über 58--63 Prozent bes Vermögens, die persönlichen Unterneymungen aber nur über 29 Prozent. 3m Warenhandel bagegen liegen 75 Prozent des Betriebsvermögens in ben Händen der persönlichen Unternehmungen. Furchtbares Autounglück bei Burgsolms. Vier Personen getötet. Wetzlar, 15. 3ulL (wsn.) Lin furchtbares Autounglück hat sich heute gegen 18 Uhr in dem benachbarten Burgsolms ereignet An btm Ortsausgang nach Oberndorf wird die Straße durch die Bahnlinie Wetzlar — Grävenwiesbach geschnitten: der Uebergang ist nicht geschäht. Das Auto des Bauunternehmers Demmer aus Philippftein bei Braunfels, das mit fünf Personen beseht war, wurde von einem in Richtung Wetzlar fahrenden Güterzug erfaßt, 150 Meter bis auf eine über den Solrnsbach führende Eisenbahnbrücke mitgeschleift und o o l l k o m - Oie Insel Zypern. Don Leo Matthias. 3ch hotte von Zypern schimmernde Dorstellun- gen. Auf Zypern ift Aphrodite geboren — Ana- dyomene, die „aus dem Schaum geborene". Aus Zypern kam das Kupfer und der weiße Pfirsich. Aus Zypern kam der Blumenkohl und jener Esel, der auf allen Zuchtviehausstellungen prämiiert wird. Was das für eine Welt ist, dachte ich, die [o verschiedene Dinge wie die schönste Frau und den schönsten Esel ber Menschheit geschenkt hat. 3d) sah auch gleich am ersten Tag auf ber 3nsel Esel, Blumenkohl unb allen anberen Reichtum, wie Fettschwanzschafe, Johannisbrot unb Schwefelkies. Aber von ber Welt ber Aphrodite waren nur die weißen Schaummaffen geblieben, bic aus ben Fructifikationsprobukten niederer Organismen bestehen, und bie ber Winb im Frühjahr vom Meer zum Straub weht. Bei meiner Ankunft sah man jedoch nicht einmal diesen Schaum. Bor mir lag nur die Küsten- stadt Lamaca. bie Küstenstabt Limassol — beibe: ohne Häfen, ohne Umgebung; ein Rest, noch ein Rest. Dor allem ber Eindruck von ßarnaca war jämmerlich. Das 3ntcreffantefte in dieser Stadl war noch ber deutsche Konsul. Dieser Mann, ein reicher Grieche, besitzt bie schönste Sammlung zyprischer Altertümer unb bie einzige vollstänbige Zy- pernbibliothek. Man finbet nicht bei jedem deutschen Konsul Bücher, unb bie Tatsache ist daher erwähnenswert. Wenn Herr Pieribes — bi es ift fein Rome — durch die Straßen fährt, wird er von ben Polizisten gegrüßt, unb bie Bauern erheben sich Es herrschen auf bieser 3nsel — bic seit 1878 England gehört — noch patriarchalische Zustände. Soziale Probleme gibt es nicht. Die Menschen sind primitiv unb ihre Geräte sinb es auch. Es wirb mit einem Holzborn gepflügt, mit einer Sichel geschnitten unb bas Dreschen sogar noch durch einen Schlitten bewerkstelligt. Um den Schlitten zu beschweren, setzt man auf bas Holzbrett ein Kinb, unb um ihn zu bewegen, spannt man zwei Ochsen baoor. Es ist trostlos, burch bie weitere Umgebung von Larnaca ober Limasiol zu fahren. Die Erde liegt ba: weiß, schlaff unb etwas hügelig wie eine Wüste. Ein Grasbüschel ift eine Sensation. Es gehört zu dieser Landschaft, baß Kamelkarawanen bie Chausseen hinunterschleichen, unb baß auf ben Telegraphenstangen tropische bfaufeibige Vögel sitzen, die unter dem gleichgetönten Himmel im Flug unsichtbar werden. Die Bilder sind vollkommen afrikanisch. Unter bem vorgestellten Strohbach ber kleinen Autostationen, bie man alle 20 bis 30 Kilometer antrifft, liegen bie Leute ausgestreckt auf Stühlen unb haben den Tropenhut über bas Gesicht geschoben. Erst wenn man von bem Küstenstreifen nach bem 3nneren abbiegt, änbert sich bas Bild. Es beginnt langsam ansteigend, bas Troobosgebirge, bie höchste Erhebung bes Orients. Man sieht Bäume, auf einmal sogar einen tiefen Walb. 3d) fuhr mit einem jungen Zyprioten, der hier, in diesem Wald unb in biesem Gebirge, noch nicht gewesen war, unb ber angesichts der Baummassen mich fragte, ob bie Schwei,; schöner sei. Er könne sich bas nicht denken. Unb der Chauffeur brachte mir ganz entzückt einen Zweig unb meinte, ich müsse ihn gut verwahren. Er sei von einem sehr seltenen Baum. 3d) betrachtete den Zweig. Es war eine Tanne. Die Begeisterung der beiden Zyprioten erreichte ihren Höhepunkt, als wir noch etwas höher hinauf- suhren bis über die 2000-Meter-Grenze. 3n einigen tiefen Mulden lag noch etwas Schnee. Der Chauffeur bat mich erregt um meine Thermosflasche. Er wollte seinen Kindern durchaus etwas Schnee mitbringen. Die Welt dieses Troobosgebirges ist in der Tat schön. Man sieht einen Harz ohne Wege, Milch- buden und Hotels; ben Harz mit 2000-Meter-Ber- qen, Karrakaksa-Bögeln, großen Eidechsen und Fröschen, Mufflons und Adlern und etwas Schnee unter bem tropischen Himmel. Vielleicht hat der Harz einmal lange vor der Gründung Berlins so ausgesehen. Die Stille ist in diesem Gebirge dicht und hörbar. Die Dörfer sind selten. Es gibt nur einen einzigen kleinen Kurort nahe bei einigen Bungalows und Wellblechbaracken, die während des heißen Sommers vom Gouverneur und englischen Beamten bewohnt werden. 3m übrigen gibt es nur hier und da ein Kloster. Das reichste dieser Kloster ist das von Kykkou. 3ch habe dort zweimal übernachtet. Das Kloster ist auf Zypern noch eine Herberge. Es ist — wie in allen Klostern — für die Aufnahme nichts zu bezahlen. Man überläßt es dem Gast, wieviel er dem Opferstock geben will. Man kann an diesem Fleck der Welt besser als an irgendeinem anderen die Sitten und Gebräuche studieren, die im 4., 5. und 6. Jahrhundert üblich waren. Die zyprische Kirche ist unabhängig, und cs hat sich in ihr vieles, was in ber römischen unb in ber griechisch-orthodoxen Kirche verloren gegangen ist, erhalten. Zu ben Kuriositäten gehört, baß ber Erzbischof von Zypern, ber ben Rang eines Patriarchen hat, bas ausschließliche Recht besitzt, mit roter Tinte zu schreiben — ein Recht, bas einstmals nur ber Kaiser von Byzanz befaß. Ein Kuvert, mit roter Tinte beschrieben, ist baher noch heute die beste Empfehlung, die man auf Zypern bekommen kann. Aber das Kuvert stammt nicht immer vom Erzbischof. Die Engländer wollten hinter diesem geistlichen Ober- Haupt nicht zurückstehen, unb ber englische (Sou- oerneur schreibt seine Empfehlungsbriefe daher auch mit roter Tinte. Das Kloster Kykkou ist — abgesehen von der Hafenstadt Famagusta, in der sich noch gottsche Ruinen aus der Zeit der Lusignans befinden—, der romantischstc Ort der 3nsel. Aber es sind rvmanttsche Enklaven. Zypern selbst ist nicht romantisch. Dicht nebelt Kykkou, in Amiantos, liegt die drittgrößte Äsbestmine der Welt. Das Bild dieser Mine ist für mich das unvergeßlichste geblieben, was ich von der 3nsel mitnahm. Man kommt auf gewundenen Straßen an und steht plötzlich in der vogellosen Einsamkeit des Gebirges vor einem Berg, der dampft. Weiße Schwaden, die nicht Rauch, sondern Staub sind, steigen nebelgleich in die Höhe, und nur durch die Luftlöcher sieht man, daß unter dielen Wolken breite, ansteigende Terrassen liegen, die plötzlich abbrechen und dann irgendwo an einer anderen Höhe weiterführen. Erst wenn man die Wolken hinter sich hat, erkennt man, den Berg hinauf, Menschen. Auf einer Fläche, die vier- bis fünfhundert Meter ansteigt, stehen achttausend Arbeiter und brechen mit Spitzhacken das weiche Kristall aus der Wand. Dreht man sich um, erblickt man ganz in der Ferne das Meer und, unter sich — zwischen den Terrassen und ungeheuren Halden verstreut unb ganz verschluckt von dem geöffneten Berg —: die Asbest- mühlen und die Häuser, in denen die achttausend Menschen wohnen. 3ch fuhr von hier aus nach der Vordküste. an der die reizvollste Stadt von ganz Zypern, Kerynia, liegt und von dort durch die große fruchtbare Ebene, die Mesfauria, nach Vikosia, der Hauptstadt. 3ch sah hier zum erftenmal auf dieser 3nsel die Engländer. Denn in Larnaca — einer Stadt von etwa 15000 Einwohnern — leben nur drei, in Limassol auch drei und in den anderen Städten noch weniger oder gar keine. Hier aber, in Vikosia, sah ich einundsechzig. Diese einundsechzig Menschen plus den paar übrigen regieren über die 350 000 Zyprioten. Sie stolzieren in ihrer Tropenuniform, die die Knie freiläßt, arm* schlenkernd durch die (Straßen und begrüßen sich und Fremde mit dem obligaten, heiteren Halloh. Sie sind als Gastgeber und als Fremde hier wie überall bewunderungswürdig und beliebt. Aber als Politiker sind sie auch hier unbeliebt, obgleich die meisten Vorwürfe, die man ihnen macht, unhaltbar find. Sie haben der 3nsel schon 1881 eine Art von Parlament gegeben und die Verwaltung ist im allgemeinen rücksichtsvoll. Politische Versamm- lungen z. B. find niemals verboten worden, obgleich diese Versammlungen immer nur einberufen werden, um wieder einmal die Vereinigung Zyperns mit Griechenland zu fordern. Zypern ist zwar niemals - selbst in der Antike nicht — griechisch gewesen, aber die griechisch sprechende Bevölkerung hindert das nicht, von einer „Vückkehr zum Mutterland" zu sprechen. Die Engländer lassen es geschehen. Man hat sogar nichts dagegen, daß bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit dir griechische Flagge gehißt wird. Man weiß auf beiden Seiten wie das gemeint ist. Denn als das Unwahrfcheinliche geschah, und England 1914 Zypern in der Tat Griechenland anbot, fuhr den Zyprioten der Schreck in die Glieder, und sie waren froh, daß Griechenland die 3nfel auSschlug. Man lann daher auf Zypern an allen Feiertagen und bei allen politischen Demonstrationen das komische Schauspiel erleben, daß über die ganze 3nsel die blauweiß-gestreiften griechischen Fahnen wehen, und darunter die Herren des Landes still und versonnen spazierenfahren men zertrümmert. Der Bauunternehmer, seine Frau und Zwei erwachsene Töchter wurden totgequetscht. Eine weitere Tochter wurde schwer verletz«: an ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Landleule, die aus dem Felde arbeiteten, sahen das Unheil kommen und versuchten durch Winken und Zeichengeben das Zugpersonal zu verständigen, doch war es bereits zu spät, um noch rechtzeitig den Zug zum Stehen zu bringen. Lieber den Hergang des Llnglücks sind noch fol- gende Einzelheiten zu melden: Der Kraftwagen, eine 8 PZ-Opel-Limousine, mit fünf Personen besetzt, hatte bereits den ungeschützten Dahn- überlang zum Teil passiert, als er von der Lokomotive des Güterzuges, der kurz nach 18 LIhr in Wetzlar eintrifft, ersaht und vor sich hergeschoben wurde. Die Insassen versuchten schreiend, sich dem Maschinenpersonal verständlich zu machen. Es gelang ihnen aber ebensowenig, wie einem auf dem Felde arbeitenden jun» gen Mann, der den Vorgang von Anbeginn an bemerkt hatte. Er lies mit W arnungszeichen an den Bahndamm heran, wurde auch bemerkt, doch vermutete das Lokomotivpersonal nicht die schreckliche Ursache seiner Rufe. Auf einer Strecke von rund 100 Meter wurde der Wogen bis dicht an die Eisenbahnbrücke über den Solmsbach herangeschoben, und erst dann vollendete sich das grauenvolle Schicksal seiner Insassen. Das Auto wurde infolge der Raumverengung zwischen Gleis und Brückengeländer vollkommen zertrümmert und die Insassen zu Tode gequetscht. Teile des Autos wurden noch über die Brücke geschoben, wo der Zug erst zum Stehen kam. Er wurde dann zurückgenommen, und erst jetzt konnte man die Leichen aus ihrer Loge befreien. Das Unglück ist kaum erklärbar. Der verunglückte Bauunternehmer Demmer, als ruhiger Fahrer bekannt, kannte die Strecke genau. Die Bevölkerung befindet sich in einer ungeheuren Erregung und übt an der Fahrlässigkeit der Reichsbahn scharfe Kritik. Aus diesem Teil der Strecke befinden sich auf einer Entfernung von drei Kilometer drei ungeschützte Bahnübergänge die wegen ihrer Lage in oder unmittelbar an Ortschaften bei dem zunehmenden Verkehr zur einer ständigenGefahren quelle geworden sind. Erst in der vorigen Woche wurde an einem der Uebergänge ein Berliner Auto von einem Personenzug ersaht und die Insassen, ein Berliner Ehepaar, schwer verletzt. Vor 6 Jahren wurde an dergleichen Stolle ein Postomnibus überfahren und der Chauffeur zu Tode gequetscht. Seit Jahrzehnten bemüht sich das Bürgermeisteramt Braunfels, die Reichsbahn zur Errichtung von Schranken, oder zur Aufstellung von Wärtern zu veranlassen, aber ohne jeden Erfolg. Guttempler-Iubiläum in Gießen. Am vergangenen Sonntag konnte — wie man uns berichtet — die hiesige G u t te m pler l oge „H a s s i a" auf ihr 3 0 j ä h r i g e s D e st e h e n zurückblicken. Der Tag wurde nur im engen Kreise g feiert, wie sich ja auch die Arbeit in aller tille vollzieht. Dis zum Jahre 1912 arbeitete die Loge in Marburg und siedelte dann nach Giehen über, wo die Leitung in den bewährten Händen des leider auch im Weltkriege gefallenen Lehrers Heinrich S ch w ö be l lag. Die Kriegszeit und die Rachkriegszeit lähmte die Arbeit der Guttempler sehr und erst nach den Inflationsjahren konnte die Arbeit in verstärktem Mähe wieder ausgenommen werden. Wer Gelegenheit hat, einen Blick in die soziale Arbeit der Guttempler zu tun, der wird erstaunt sein, zu hören, dah Tag für Tag Guttempler unterwegs sind, um Alkoholkranken äu helfen und sie dem Orden zuzuführen. Das Arbeitsgebiet erstreckt sich nicht nur auf die Stadt Giehen, sondern auch auf dem Lande "wird die segensreiche Arbeit geleistet. Gerade Bei dem Kraftwerk Pfrombach-Langenpreising in Oberbayern ereignete sich ein schwerer Dammbruch, durch den sich die Wassermassen des Hauptkanals in 60 Meter Breite auf die Felder der umliegenden Bauernhöfe ergossen. Die Bewohner der Häuser konnten sich nur mit Mühe retten. -M v<< M: in der Alkoholkrankenfürsorge hat die hiesige Loge schöne Erfolge erzielt, und man weih aus dem Wohlfahrtsamt unserer Stadt und des Kreises diese Art der Arbeit sehr zu schätzen. Veranstaltung von Vorträgen, sowohl über die Alkoholfrage, als auch über andere Wissensgebiete, Rüchternheitsuntcrricht an den Schulen, Verbreitung guter Literatur, allgemeine soziale Fürsorge, Pf^ge des Gesanges und der Musik sind GeÄete, auf denen sich der Orden betätigt. Autostraße zum Marburger Schloßberg WER. Marburg. 15. Juli. Der Magistrat der Stadt Marburg befähle sich in seiner letzten Sitzung mit dem Projekt einer Autostraße auf den Schlohberg. Bekanntlich gibt es heute keine richtige Anfahrstrahe für Kraftwagen auf den Schlohberg. Das Fehlen einer Auto- strahe machte sich bisher immer stark bemerkbar, denn jeder Fremde, auch Automobilist, hat den Wunsch, das Schloß und den Rundblick auf die Stadt zu genießen. Rach dem vorliegenden Programm ist die Anlage einer 7 Meter breiten Autostraße vomMarbachtale ausgehend geplant, die vorwiegend durch die ehemalige Behringsche Besitzung führt und dadurch erleichtert wird, dah bereits ein neuer Fahrweg vorhanden ist. Die neue Straße würde zugleich auch wertvolles Baugelände für die Stadt erschließen. Verhandlungen wegen Ankauf des erforderlichen Geländes sind bereits ausgenommen. Man hofft, den endgültigen Plan im Herbst ausstellen und die Arbeiten auf dem Wege der Rotstandsarbeit durchführen zu können. Kommunistische Ruhestörungen in Darmstadt. WSR. Darmstadt, 15. Juli. Hier kam es im Laufe des Mittwoch mehrfach zu kommu- nistischen Ansammlungen und Versuchen zur Bildung von Llmzügen der Erwerbslosen, die aus den Vororten Zuzug erhalten hatten. Bei Zerstreuung dieser Ansammlungen wurden bis jetzt 2 0 Sistierungen vorgenommen. Ein Teil der Sistierten wurde nach Feststellung der Personalien wieder entlassen. Gegen Abend kam es in der Altstadt zu Zugbildungen. Als diese durch die Polizei zerstreut werden sollten, wurden die Beamten von den Demonstranten beschimpft und mit Steinen beworfen. Ein Beamter wurde von einem Demonstranten mit einer Stahlrute geschlagen. Er gab in höchster Rot einen Schreckschuß ab. Der Demonstrant wurde festgenommen. Gin anderer Demonstrant konnte unter Hinterlassung seiner Stahlrute flüchten. In das Krankenhaus wurde ein erwerbsloser Demonstrant eingeliefert, der durch einen Schlag mit dem Gummiknüppel eine blutende Kopfverletzung davongetragen hat. Gestern abend fand in einem hiesigen Gartenrestaurant unter freiem Himmel eine verbotene Versammlung der Roten Hilfe statt. Als sie aufgelöst wurde, leistete eine Frau Wurche aus Darmstadt der Polizei dadurch Widerstand, daß sie mit einem Bierglas nach einem Beamten warf und einen anderen Beamten schlug. Sie wurde heute mit dem Leiter der Versammlung und der Rednerin des Abends dem Schnellrichter vorgesührt. Der Leiter der Veranstaltung, Fritz Schmidt aus Darmstadt, erhielt vier Monate Gefängnis, die Rednerin, die frühere Abgeordnete Frau Roth, Sprendlingen, drei Monate Gefängnis, und Frau Wurche drei Wochen Gefäng- n i s. Römische Kunde bei Wehlar. WSR. Wetzlar, 15. Juli. Durch den Heimatforscher C. M e tz sind in der letzten Zeit Funde gemacht worden, die die römische Herkunft von Befestigungsanlagen in der Umgebung von Wetzlar zweifelsfrei darlegen. So fand er im vorigen Jahre ein römisches Kastell mit Tor, das sich als ein Strahenposten auswies, als man jetzt neben dem Kastell auf eine gebaute römische Straße stieß, deren weitere planmäßige Verfolgung sich über 30 Kilometer von Greifen st ein bis nach Giehen erstreckte. Ueber dem auf dem gewachsenen Boden liegenden Erdwall besindet sich ein etwa 25 Zentimeter dicker Steinkörper. Die Breite der Straße schwankt zwischen drei und sieben Meter. Eine wertvolle Ergänzung fand die Straße durch die Entdeckung einesrömischenBrun- n e n s von etwa 50 Zentimeter unter der Erdoberfläche. Er weist sich als ein Becken von 4x4 Meter aus. Die Wände werden von einer dreifachen Balkenlage gebildet. Die nähere Untersuchung der Funde dürste durch das Archäologische Institut in Frankfurt übernommen werden. (Ueber diese Funde werden wir demnächst in der „Heimat im Bild" berichten. D. Red.) Oberhessen. Prämienmarkt in Alsfeld. Zweitägiges Reit- und Fahrturnier. H Alsfeld, 14. Juli. Am Sonntag un6 Montag fand der diesjährige Prämiierungsmarkt der Stadt Alsfeld bei außerordentlich starker Beteiligung, in Verbindung mit einem zweitägigenReit-und Fahr- turnier des Reitervereins des Kreises Alsfeld unter Mitwirkung der 1. Batt, des 5. Art.-Regts. Fulda, statt. Die Beschickung des Marktes war trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse nicht geringer als im vergangenen Jähre. An Pferden standen zur Prämiierung 117 Stück, an Rindvieh waren 183 Stück Fleckvieh und Vogelsberger Rot- vieh aufgetrieben, an Ziegen waren 127 Stück auf dem Markt: an Schweinen 790 Stück. Die vom Landwirtschaftskammer-Ausschuh für die Provinz Oberhessen in Verbindung mit dem Prä- miemnarkt gleichzeitig veranstaltete Dullen- Au k tion brachte einen Auftrieb von 62 Dullen, worunter hervorragendes Zuchtmaterial war. An Prämien gelangten insgesamt rund 3000 Mark zur Verteilung. Der Vorsitzende des Landwirtschaftskammer-Ausschusses, Oekonomierat D r e i - denbach (Dorheim), betonte in seiner ^Ansprache die große Bedeutung des Alsfelder Prämienmarktes für die oberhessische Viehzucht und wies au« die von der Stadt Alsfeld geschaffenen vorbildlichen Marktverhältnisse hin. Das Reit- und Fahrturnier übte große Anziehungskraft aus und war ein voller Erfolg für die ländliche Reitersportbewegung, die unter der Leitung des Rittmeisters a. D. Graf Bredow (Altenburg) steht. Rach einer am Samstagnachmittag im Geländeritt erfolgten Vielseitigkeitsprüfung der einzelnen Reiterabteilungen des Kreises Alsfeld, an der auch eine Abteilung der Batterie des Reichswehr-Art.-Regts. Fulda teilnahm, fand am Sonntag das Reitturnier statt, an dem sich die sieben Abteilungen des Vereins, sowie zwei auswärtige Abteilungen beteiligten. Besonders lebhaftes Interesse des Publikums fanden die Vorführungen der Batterie des 5. Art.- Regts. unter dem Kommando von Hauptmann H e n r i c i. Die mehrere tausend Zuscharrer spendeten den Darbietungen der Reichswehr stürmischen Beifall. Am Sonntagabend fand im großen Saal des „Deutschen Hauses" ein Reiterabend mit Preisverteilung und Siegerehrung unter Leitung von Rittmeister a. D. Graf Bredow statt, der sich eines sehr starken Besuches erfreute. RamenS der Stadt Alsfeld dankte Bürgermeister Dr. D ö l - sinZ den Gästen für ihre Mitwirkung. Am Montag wurden die Vorführungen des Reit- und Fahrturniers vor einer wiederum großen Zuschauermenge wiederholt. Das günstige Wetter kam der Veranstaltung and deren glatter Abwicklung sehr zu statten. Landkreis Gietzcn. • Leihgestern, 15. Juli,. Am vorigen Sonntag fand hier ein Wohltätigkeitskon- z e r t zugunsten der Bedürftigen unserer Gemeinde statt. Es beteiligten sich daran der Arbeitergesangverein „Harmonie", von dem die Anregung ausging, der Gesangverein „Liederkranz", „Eintracht^' und der Kirchengesangverein. Rach einem kurzen, aber feindurchdachlen Gruhwort des Vorsitzenden des „Arbeitergesangvereins", Herrn Schäfer, über Zweck und Ziel der Veranstaltung, und nach einem flotten Marsch hiesiger Musikschüler folgten die Vereine mit je zweimal zwei Liedern. War das erste, ein Massenchor der drei Männergesangvereine, Schäfers Sonn- tagslied, für den Zuhörer überwältigend, so zeigten sämtlühe Darbietungen, die durchweg auf großer Höhe standen, mit welcher Hingabe und Begeisterung hier dem Liede gedient wird, und wie Dirigent und Sänger, beide miteinander verwachsen, bestrebt sind, jedes, auch das ein- Eva am Strand Vornan von Hermann Weick. 9. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Helbing kam sich ertappt vor. Gr glaubte, in dem Gesicht der Dame ein spöttisches Lächeln zu sehen, als habe sie es während der ganzen Zeit bemerkt, daß sie von ihm unablässig beobachtet worden war. Verlegenheit bemächtigte sich Helbings. Er wollte vom Fenster zurücktreten: da blickte die Dame, die wieder geradeaus gesehen hatte, nochmals zu ihm herüber. Ihrer beider Augen griffen ineinander, es war nur für die Dauer weniger Sekunden, aber Helbing durchjagte es wie ein feuriger Strom. Am Abend lernte er Eva Willer kennen,. Das Hotel veranstaltete für seine Gäste einen Ball. Als Helbing an Hanna Moests Seite den Saal betrat, waren die meisten Tische schon besetzt. Suchend überblickte Helbing den Raum. In seinen Augen zuckte etwas auf. „Dort drüben ist noch Platz!" sagte er zu Hanna Moest und ging mit ihr durch den Saal. Er strebte auf den Tisch zu, an dem Eva Willer und Paul Bertram saßen; zwei Plätze waren noch frei. „Sie gestatten?" sagte er und machte eine kurze Verbeugung^ Bertram und Eva Willer begrüßten Hanna Moest: diese stellte den beiden Stefan Helbing vor. Man sah sich anfangs zurückhaltend gegenüber; nach und nach kam dann eine Unterhaltung zustande, die vorwiegend von den beiden Herren bestritten wurde. Ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit war Eva Willer auffallend schweigsam, seitdem Helbing am Tische sah. Sie machte einen befangenen Eindruck und vermied es, Helbings Blicken zu begegnen. Bertram sah sie einige Male verwundert an; er konnte es sich nicht erklären, warum Evas sprühende Laune, die sie vorhin noch gezeigt hatte, mit einem Male verflogen war. Man tanzte. Die Stimmung im Saale stieg an. Allenthalben sah man frohe, gut gelaunte Gesichter. Auch an dem Tisch der Vier griff diese Fröhlichkeit Platz. Die Gespräche waren nun weniger förmlich als bisher; man kam sich sichtlich näher, die Unterhaltungen gingen zu persönlichen Dingen über, auch Eva Willer legte mehr und mehr ihre Befangenheit ab. „Darf ich Sie um diesen Tanz bitten, gnädiges Fräulein?" sagte Helbing zu Eva Willer, als die Musik wieder zu spielen begann. Eva sah ihn betroffen an. Da er bisher ausschließlich mit Hanna Moest getanzt hatte, überraschte feine Bitte sie. Sie neigte zu stimmend den Kopf und erhob sich. Anfangs tanzten sie schweigend. Dann sagte Stefan Helbing: „Sie müssen Rachsicht mit mir haben, gnädiges Fräulein, meine Tanzkunst liegt sehr im argen!“ „Sie tanzen recht gut, Herr Helbing!" Er lachte. „Recht gut... das heiht also: es gibt erheblich bessere Tänzer, als ich es bin!" Eva Willer sah zu ihm auf; in ihren Augen funkelte Uebermut. „Wenn Sie mir meine Offenheit nicht verargen: allerdings, es gibt bessere Tänzer!" „Ich sagte es Ihnen ja gleich, gnädiges Fräulein! Leider hatte ich in den letzten Jahren keine Gelegenheit, mich in der Tanzkunst auf dem Laufenden zu halten. Ich werde es aber jetzt nachholen !" „Das ist ein rühmenswerter Entschluß!" erwiderte Eva Willer todernst, während es um ihren Mund von verhaltenem Lachen zuckte. Als sie dann wieder bei Bertram und Hanna Moest am Tische saßen, war ihnen zumute, als sprängen geheimnisvolle Funken von einem zum andern. Blitzschnell trafen sich manchmal ihre Augen und wichen sich wieder aus. Roch zweimal tanzten sie an diesem Abend miteinander. Helbing befand sich in gehobener Stimmung. Er bemerkte nicht die finster gewordenen Mienen Bertrams, der sich plötzlich des auffallenden Interesses erinnerte, das Eva schon am Vortage im Strandcaf6 für Helbing gezeigt hatte; in wachsendem Mißtrauen betrachtete nun der Schauspieler das Verhalten der beiden. Auch daß Hanna Moest still geworden war, entging Helbing anfangs. Erst als er einen Blick schmerzlichen Staunens auffing, mit dem sie ihn ansah, nahm er sich zusammen; fortan widmete er sich nur Hanna. Gegen Mitternacht trennte man sich. „Ich möchte noch etwas an den Strand hinabgehen", sagte Hanna Moest, als sie den Dallsaal verließen. „Die Rächt ist milde, die frische Luft wird uns nach der Hitze, die drinnen geherrscht hat, gut tun.“ Helbin war es recht. Sie schritten am Meer hin, das grau, geheimnisschwer sich draußen ausdehnte. Kein Mensch war weit und breit zu sehen. Es war eine sternenlose Rächt. Die wenigen Lichter, die in den Hotels am Strand noch brannten, verlöschten eines um das andere. „Du bist so stille Hanna!" sagte Helbing nach einer Weile des Schweigens. Hanna Moest zog ihr Cape enger um sich; sie gab keine Antwort. „Wird dir kühl, Hanna? Dann gehen wir lieber inS Hotel zurückI“ „Wir wollen noch etwas bleiben“, antwortete Hanna mit gepreßter Stimme. „Bist du von dem Abend nicht befriedigt? Du machst einen verstimmten Eindruck." Sie senkte den Kopf. „Ich bin nicht verstimmt, ich weiß überhaupt nicht, was mit mir loL ist..erwiderte sie stockend, ,,... ich bin nur etwas traurig...“ „Traurig? Warum traurig, Haniia?" Sie zuckte hilflos mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Schon während des ganzen Tages kämpfe ich dagegen an, auch gestern war dieses bange Gefühl schon da und ließ mich nicht froh werden...“ „Das geht vorüber, Hanna! Morgen früh, toenn du ausgeschlafen hast, siehst du alles mit anderen, helleren Augen an!" „Hoffentlich ..antwortete sie leise, beinahe resigniert. Plötzlich klammerte sich ihre Hand um Hel- Lings Arm. Fieberhafte Erregung zitterte durch ihre Stimme: „Ich habe manchmal solche Angst, daß du mich nicht mehr liebst wie früher, Stefan! ... Lache mich nicht aus, Stefan, ich weiß, dah es töricht ist, was ich rede! Vielleicht bin ich nervös, die Wiedersehensfreude hat mich fast krank gemacht... Wie könnte ich sonst auf den Gedanken kommen, daß du nicht mehr \o herzlich zu mir bist wie früher... dah etwas Trennendes zwischen uns steht..." Helbing erschrak. Hatte Hanna die Gedanken, die ihn schon mehrmals bewegt hatten, ihm von der Stirne abgelesen? Ahnte sie etwas von der Ernüchterung, der Erkaltung, die in seinen Gefühlen ihr gegenüber eingetreten war? „Das sind Hirngespinste, Hanna", sagte er hastig, beschwichtigend. „Warum sollte ich dich nicht mehr so lieb haben wie früher?" In ihrer Stimme war ein flehender Ton: „Du muht es mir immer wieder sagen, wie sehr du mich liebst, Stefan!“ Er küßte sie innig. Selbstvergessen lag sie an seiner Brust. Ihre Trauer verflog. Unvermittelt lachte sie auf. „Du darfst mir nicht böse sein, wenn ich es dir sage, Stefan: ich war heute abend rasend eifersüchtig!" „Eifersüchtig? Auf wen?" „Auf Fräulein Willer!" Helbings Herz beginn rascher zu schlagen. Es klang unfreundlich, abweisend, als er hervor stieß: „Das ist Unsinn, Hanna!“ Sie preßte sich an ihn. „Run hast du dich doch geärgert, Stefan!" „Du solltest derartiges nicht sagen, Hanna!" „Verzeih, StefanI" sagte sie bittend. Dann brach es aus ihr, wie ein Strom, der, lange zurückgestaut, endlich freie Bahn gefunden hat: „„Ich kenne mich manchmal selbst nicht mehr, Stefan! Ich bin ja ein anderer Mensch geworden, seitdem du wieder bei mir bist! Egoistisch bin ich geworden, mein Glück will ich für mich allein behalten, niemand sonst soll daran teil haben.. Sie kam immer mehr in fieberhafte Erregung. Ihr Körper bebte in Helbings Armen; ungeheure Leidenschaft entströmte ihrem ganzen Wesen. „Viele, viele Jahre war ich einsam", stammelte sie. „So lange habe ich dich entbehren müssen, Stefan! Run schmerzt mich jedes Wort, daß du mit einem anderen Menschen redest, keinem anderen gönne ich einen Blick von dir! Mir allein sollst du gehören, mir ganz allein...“ Ueberströmendes Mitgefühl erfaßte Helbing. Gr prehte Hannas zuckende Hände. „Ich gehöre dir allein, Hanna! Wie kannst du daran zweifeln!" Hannas glutvolle Aufwallung hatte auch ihn mit fortgerissen. War die starke, inbrünstige Liebe dieser Frau nicht ein Geschenk, das er nicht leichtfertig preisgeben durfte? Würde im steten Beisammensein mit Hanna seine Liebe zu ihr nicht wieder zu ihrer alten! Stärke und Innigkeit- emporwachsen? Stefan Helbing wußte, dah er sich belog. Aber der wehmutsvolle Zauber dieser nächtlichen Stunde lieh alle zweifelnden Gedanken in ihm verstummen. XI. Frau Elsbeth Jason war mit sich zufrieden. Ihr energisches Vorgehen hatte, wie von ihr erwartet, Erfolg gehabt: Lotte schien von ihrem Eigensinn gründlich geheilt zu sein; seit jener Aussprache, in der es hart auf hart gegangen war, zeigte sie sich Dr. Kröger gegenüber erheblich zugänglicher als vorher. Es wäre noch schöner gewesen, wenn dieser Hei- ratsplan, den sie, Elsbeth Jason, mit vieler Mühe «ausgeklügelt hatte, zu Wasser geworden wäre! Ihr Mann hätte ja sehr rasch nachgegeben; ein Glück, dah s i e bte ihm fehlende Zähigkeit besah! Männer waren überhaupt nicht halb so stark und energisch, wie sie sich immer einbildeten... Fritz Jason öekarn das in diesen Tagen oft von seiner Frau zu hören. Er hatte dann immer ein unmerkliches Lächeln im Gesicht, stimmte aber mit auffälliger Bereitwilligkeit Elsbeths Ansicht zu. „Rur einen Rat möchte ich dir geben, Elsbeth: Treibe Lotte nicht! Lasse ihr Zeit! Bei ihrer Jugend läßt sich der Entschluh, einen immerhin etwas älteren Herrn zu heiraten, nicht von heute, auf morgen erringen! Das muh sich nach und nach geben; wir müssen da etwas Geduld üben!1* (Fortsetzung felgt.) ten baal des abend mit unter Seilmq v v statt, der eute. Hamen« krDr.Döl» ^ung. Hingen des >r einer trte« wiederholt. iftalhmg and atten. Vvügeo 6oim* lltüiloi« unlna ®t» iQtan der Ar« n dem die 3n» „Liederkranz", gverein. Hach en ®ruf)öort ‘fangXKM“, Ziel der 2kt» Klax'd) hie- L mit \i zner- 'm Miirnchvr Weis Sonn» cwäitigend, Io die durchvcz elcher Hingabe i gedient wird, Ke miteinander auch das ein* Id. ulet. Bs W N Ri Kr Jur >»N Prä. ^llen. a^llen. «UiO. tei^ auf dte "°rbildlichen ;nler übte Wl« 'Regung, die ,a ?. Tro, 9 einer Qm rfolgten5teb Steilungen je Abteilung M- Fulda "urnter statt. Verein-, 'beteilig len. Mimt |an. de- 5. An.. Hauptmann Schauer l yen. ^«hr Kmi. in -E. )ie von 'yr er hart geg°Ä -genübet erheb- AgN'h! Kund !nb'^ «»an cn^rfcirt Ä»« ' geb-n-.^r Ju- »Ä; LH ,es-ß* end. n Strom, der, Bahn gefun- ist nicht mehr, Mensch Mvr- Egoistisch bin iür mich allein teil haben... aste Erregung. Arment unge- i ganzen Wesen, sam", stammelte tbchren müssen. , Wort, daß w vft keinem an» dir! Mir allein ihteHelbing^ Die kannst bu halte auch K inbrünst'^ 13 er nicht lc-cht sein mit Mm- zu W *" r»? f ochste Lieb zu einer Spitzenleistung zu gestalten. Die Pausen zwischen den einzelnen Liedern wurden von einer Jugendkapell« auSgefüllt. die mit ihren Leistungen ihrem Dirigenten, Lehrer 6 ta u bi). olle Ehre machten. Da» Schlußwort des Präsidenten des Kirchengesangvereins grp- feLte in der Mahnung, die Einigkeit des Tage», mit der alle demselben Zweck gedient und diesen Sonntag wirklich zu einem Tag des Herrn gemacht hätten, auch sür d e Zukunft zu bewahren. • ® rüninacn, 15 3UÜ. Zu dem Bericht über die hiesige Beigeordnetenwahl am borise i Sonntag wird uns ergänzend mitgeteilt, dost der Beigeordnete Landwirt und Schreinermelster SMl- bclm Gottsried Snoel daS Bvigeordnetenamt bereit» seit sechs Jahren bekleidete und jetzt aus neun Jahre wiedergcwählt wurde. Don den 496 Wahlberechtigten stimmten 238 für Engel. 170 stimmten für den Gegenkandidaten Landwirt und Schmiede meister Ehristtan Start Leidig II. 0 Lollar, 15. 3uU. 3n der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde u. a. beschlossen, bic Lieferung von 465 Kubikmeter Bruchsteinen »um Ausbau der Sbert - und Berg st raste der Firma 3. Lemmer zum Preise von 4 Mark pro Kubikmeter zu übertragen. DaS Anfahren soll durch die vereinigten Fuhrleute von Lollar erfolgen. 410 Zentner Zement, 3200 Zentner Splitt, 1600 Zentner Mainsand und die erforderliche Menge gelben Sandes liefern je zur Hälfte die Firmen 3. ßemmer und H. Deibel. Die Pflasterung wurde den Pflastermeistern F r et) (Saubringen) und Schäfer (QDicfcd) je zur Hälfte übertragen. — Sie Lumdaufer zwischen >Weßr und Lumdastraste sollen befestigt werden. - - Der Beitritt der Gemeinde $um Der- ein ArbeiterkolonieNeu- Ulrichstein Wurde gutgeheisten. = Lauter, 15. Juli. An den beiden letzten Sonntagen hielt der Kleinkaliber-Schützen» verein sein diesjähriges Preisschießen ab, da» folgende Ergebnis zeitigte: 1. Karl Mcbus- Lauter, 36:12:12; 2. Wilh. Zimmer Lauter, 36:12:9; 3. Karl Schlörb-Lauter, 35:12; 4. Heinrich Weber» Lauter, 35:11; 5. Richard Tröller-Lauter, 35:9; 6. Heinrich (BörnerhCauter, 35:7; 7. Heinrich Reitz- Lauter, 34:12; 8. Wilh. Kreiger-Laubach, 34:11:12; 9. Theo Schlosser-Lauter, 34:11:11:; 10. Otto Tröl» ler Lauter, 31:10; 11. Fr. (tzörnert Lauter, 34:10; 12. Ernst Högy.Laubach, 33:12; 13. Ehr. Stubler-Grün» berg, 33:7; 14. Ehr. Högel-Laubach, Arnold Enders» Laubach, August Schlörb-Lauter, je 33; 15. Karl Schmidt-Bellershain, 32 Ringe. — Am vergangenen Sonntag weilte der Kreisschicßmeister Für» st e r »Allendorf in Lauter und überreichte an August Schlörb die Ehrennadel des Verbandes hessischer Kleinkaliber-Schutzenoereine. — Anläßlich der W e r» bewache des '23 b 21. konnten in unserem Orte 21 Mark für d i e deutschen Schulen im Auslände gesammelt werden. Hreiö Büdingen. i. Bobenhausen I., 15. 3uli. Am Sonntag sand in unserem Kirchspiel Schwickartshausen ein Missivnsfest statt. Zahlreiche Besucher au« Bobenhausen, Bellmuth, Sckarisborn undSchwik- kartshausen hatten sich dazu im Hochwald an der Straße Dodenhausen - Schwickartshausen versammelt. Festredner war Missionar Walther aus Beuern; er berichtete von seiner langjährigen Mis- sionSarbeit in Kamerun und au» feiner fünfjährigen französischen Kriegsgefangenschaft. Gin Dläsevchor aus Glauberg und Ridda, sowie ein Frauenchor auS Liß berg verschönten die Weihc- stunden der Festgemeinde. Kreis AlSfeld. •T Ruppertenrod, 15. 3uli. Am Sonntag hielt der hiesige Kri egervereinbel guter Beteiligung sein diesjähriges PrelSschiesten ab. Es wurde mit Kleinkaliberbüchsen geschossen. Die Resultate waren sehr gut. Drei Schützen erreichten die Zahl 36. Den 1. Preis schoß mit 36 Ringen Otto Kratz HL; Fritz Diehl errang mit der gleichen Ringzahl den zweiten Preis. Heinrich Horst L, Otto Geiß, ®g. Bär und E. Seim brachten es auf je 35 Ringe. Den Schützen wurden schöne Preise zuteil. “J(3 Aus dem Ohmtal, 15. Juli. Die allen!» halben sehr ergiebige Heuernte macht sich auch im Ohmtal durch verminderten Absatz bemerkbar. So wurde in Schweinsberg, wo sonst alljährlich 6000 bis 8000 Zentner Heu verladen werden, in diesem Jahre nicht ein Wagen u m g e s e tz t. Große Wiesenflächen sind, da kein 2lbsatz vorhanden ist, bis jetzt noch nicht ab» geerntet. Das bedeutet für die vielen kleinen Pächter; die auf den Verkauf des Heues angewiesen sind, einen großen Verlust. Preußen. Kreis Wetzlar. Ö Krofdorf, 15. Juli. Zn den Jagden unserer Gegend machen sich neuerdings wildernde Hunde stärker bemerkbar, die manches Stück Wild zu Fall bringen. So konnte dieser Tage beobachtet werden, wie ein Hund eine Ricke, die zwei Kitze führte, kreuz und quer durchs F r u ch t f e l d jagte, bis er da« ermattete Tier, dessen lautes Klagen weithin hörbar war, a b to ü r g t c. Es ist auffallend, wie an einigen Stellen, das Wild, das sonst vertraut äste, von einer sichtlichen Nervosität und Unruhe befallen ist, die lediglich auf das Vorhandensein der wildernden Hunde zurückzuführen ist. Jeder Jagd-, Ratur- und Tierfreund wird es billigen, wenn gegen das Unwesen r ücksichts l os einge- fd>ri tten wird, nicht nur, um den durch Krankheit im letzten Winter und Frühjahr stark mitgenommenen Rehbestand zu erhalten, sondern um auch die Ruhe in der Wildbahn wieder herzu- 0 Gleiberg, 15. Juli. Die drei historischen Grabsteine auf dem hiesigen alten Friedhof wurden, um sie nicht länger der Der- Witterung auszusetzen, zur Aufbewahrung in die Kirche g ehr ab t. Maurermeister Drescher unterzog sich mit seinen Helfern der schwierigen Arbeit. Bei den Grabsteinen handelt es sich um zwei Sandsteine und einen Kalkstein, von denen der schwerste ungefähr zehn Zentner wiegt. Die Steine stammen aus den Jahren 1666, 1695 und 1790 und wurden zu Ehren prominenter Alt-Glei- berger Persönlichkeiten gesetzt — Die älteste Frau unseres Dorfes, die Witwe Margarete Drescher geb. Krombach, konnte in geistiger und körperlicher Frische ihren 8 2. Geburtstag feiern. Die Jubilarin vermag noch rüstig auf dem Felde mitzuarbeiten. Kreis Biedenkopf. * Bischoffen, 15. Juli. Der hiesige M ä n» Nergesangverein, der seit einem Jahre unter der Leitung von Chormeister, Lehrer Karl Wirtschaft. Gchuhmahnahmen für die deutsche Gtickstoffinduflne. Die Reichsregierung hat sich veranlaßt gesehen, im Verfolg der chr in der zweiten Rotverordnung erteilten Ermächtigung Schutzmaßnahmen für die deutfche Stickstaffin d u st r i c zu ergreifen. Hierbei kamen nach Lage der Sache nur die Einführung von Zöllen für die ftickstosshaltigen Düngemit- telundderenDorerzeugnisse in Frage Die entsprechende Derordnung der Reichsregie- rung ist im Reichsanzeiger oeröffentlid)t und gestern in Kraft getreten. 2s ist Vorsorge getroffen, daß die deutsche Stickstoffindustrie ihre schon eingeleitete, auf Verbilligung der Düngemittel gerichtete Preispolitik sortseyt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a M. 15. Juli. Am Frankfurter Produttcnmarkt herrschte völligeGeschästS- stille. Die Stockung im Geldverkehr durch die Banksciertage und die wirtschaftliche Gesamtsituation lösten starke Zurückhaltung au«, das regnerische Wetter bietet den Preisen jedoch eine gewisse Stütze. Die Forderungen für Weizen, Roggen und Hafer sind behauptet. Abschlüsse erfolgen naturgemäß nur für den notwendigsten Konsumbedarf zur fofortigen Lieferung. Am Mehlmarkt war das Geschäft still. Während Weizenmehl seinen Preisstand behaupten konnte, gab Roggenmehl eine viertel Mark nach. Kleie lagen infolge des geringen Anfall- weiter etwas befestigt. — Es wurden notiert: Weizen 290 (nominell); Roggen 240 (nominell); Wintergerste, neue Ernte 185 bis 190; Hafer, inländischer 200; Weizenmehl, südd., 40,50 biS 41.25; Roggenmehl 32 bi- 33; Weizenkleie 10,60 bis 10,75; Roggenkleie 11.25 Mark. Tendenz: lustlos. Berliner Prodnktcnmartt. Berlin, 15. Juli. Das Ge'chäst an der Produktenbörse hat keine nennenswerte Belebung erfahren, namentlich in Getreide neuer Ernte bleibt die llntemebmung6luft gering. Das Angebot von Brotgetreide alter Ernte ist mäßig bei wenig veränderter Marktlage; das reaneri'che Wetter bietet den Preisen eine gewisse Stütze. Die Forderungen für Weizen, Roggen und Hafer sind behauptet. lowe.t eS sich ermöglichen iaht, wird von den Verkäufern Barzahlung verlangt. Abschlüsse erfolgen naturgemäß nur für den notwendigsten Konsumbedarf, zur foforrgen Lieferung. Der Mehlabfatz ist normal bei unveränderten Preisen; für einzelne Marken sind leichte Preisbesserungen durchzuholen; Hafer alter Ernte bleibt gefragt und liegt gut stetig. Wintergerste hat stilles Gesicht. Frankfurter Schlachtvichmarkt. Frankfurt 16. Juli. Austrieb: Rinder 67, Kälber 885, Schafe 139. Schweine 873 Stück. Es wurden bezahlt pro 100 Pfund Lebendgewicht: Kälber. Beste Mast- unb Saugkälber 50 biS 56, mittlere Mast- und Saugkälber 44 bis 49, geringe Kälber 36 bis 43 Schafe. Masttärnmer und jüngere Masthämrnel 42 bi« 46 mittlere Mast- lämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 36 bis 41. Schweine. Dollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 48 bis 50, von etwa 200 bis 240 Pfund 48 dis 51, von etwa 160 bis 200 Pfund 48 dis 50, von etwa 120 biS 160 Pfund 46 biS 50 Mark. Marktverlauf: Kälber und Schafe mäßih rege, ausverkauft; Schweine rege, ausverkauft. Oer deutsche Außenhandel im Juni und im ersten Halbjahr 1931. Die Einfuhr im Juni (Korrekturen zum Ausgleich für Lagerabrechnungen sind nicht erforderlich) beträgt 607 Mk. Gegenüber der tat- sächlichen Einfuhr im Mai (585 Mill. Mk.) ergibt sich eine Zunahme, die ganz überwiegend auf die Einfuhr von Rohstoffen entfällt; zu einem geringen Teil hat auch die Einfuhr von Fertig- toaren zugenommen. Die Ausfuhr stellt sich im Juni auf 713 (Mai 747)Mill. Mk.; ferner sind im Juni Repa- rations-Sachlieserungen im Wert von 33 (Mai 37) Mill. Mk. ausgeführt worden. Die Abnahme der Ausfuhr, die sich einschließlich der Reparations-Dachlieferungen auf 37 Mill. Mk., darunter auf 26 Mill. Mk. bei den Fertigwaren, beziffert, beruht Überwiegend auf dem weiteren Absinken des durchschnittlichen Preisniveaus, das gegenüber dem Vormonat um 3 v. H gefallen ist. Die mengenmäßige Abnahme der Ausfuhr ist hinter dem saifonmäßigen Rückgang, wie er in den Vorjahren vom Mai zum Juni eingetreten ist, bemerkenswert zurückgeblieben. Die Handelsbilanz für Juni schließt mit einem Ausfuhrüberschuß von 106 Mill. Mark ab; einschließlich der Reparations-Sach- lieferungen übersteigt der Wert der inS Ausland abgelebten Waren die Einfuhr um 139 Millionen Mark. Die Zunahme der Einfuhr von Rohstof- f e n verteilt sich auf eine ganze Reihe von Waren; an der vermehrten Einfuhr sind beispielsweise Eisenerze, Tertilrohstosfe, Kalbfelle und RindShäute, Steinkohlenteer, -Oele und -Derivate, ThomaSphosphatmehl, Holz zu Holzmasse beteiligt. Zurückgegangen ist die Einfuhr von rohen Pelzwerkfellen, Oelkuchen und Steinkohlen. Die Lebensmitteleinfuhr ist tatsächlich kaum gesunken. Eine bemerkenswerte Zunahme weist die Einfuhr von Weizen (4- 7,6 Mill. Mk.), frischen Kartoffeln ( s- 5,8 Mill. Mk.) und Küchengewächsen auf. An dem Rückgang der Ausfuhr von Fertigwaren sind insbesondere die 'Textilerzeugnisse (— 12 Mill. Mk.) und Eifenwaren (— 11 Mill. Mk.) beteiligt. Eine leichte Zunahme weist die Ausfuhr von Wasserfahrzeugen und elektrotechnischen Erzeugnissen aut. Don den wichtigsten Reparations-Sach- lieferungen im Juni entfallen auf die Gruppe Rohstoffe: Steinkohlen mit 8,5 Mill. Mk.; auf die Gruppe Ferligwaren: Eisenwaren mit 7,3 (Vormonat 9,5) Mill. Mk., und nichtelektrische Maschinen mit 7,3 Mill. Mk. In dem Ausfuhrnachweis von Gold und Silber für Juni sind Goldabgaben der Reichsbank in Höhe von 567 Millionen Mark enthalten. Von diesen Goldsendungen gingen 391 Millionen Mark nach Frankreich, 76 Millionen Mark nach den Riederlanden, 74 Millionen Mark nach Belgien und 26 Millionen Mark nach der Schweiz. — Goldbezüge der Reichsbank haben im Juni vorwiegend auS bet UdSSR. (22 Millionen Markt und auS Großbritannien (17 Millionen Mark) stattgefunden. 3m ersten Halbjahr 1931 beträgt die tatsächliche Einfuhr 3700 Millionen Mark (von den ausgewiesenen 3806 Millionen Mark sind 106 Millionen Mark als durch Lagerabrechnungen überhöhter Betrag auf die Einfuhr im Vorjahr zu übertragen). Die Ausfuhr ohne Reparations-Sachlieferungen stellt sich in den ersten sechs Monaten dieses JahreS auf 4518 Millionen Mark; an Reparativ ns-Sachlieserungen sind in dieser Zeit Waren im Wert von 250 Millionen Mark ausgeführt worden. Mithin ergibt sich für das erste Halbjahr 1931 ein tatsächlicher Ausfuhrüberschuß von 818 Millionen Mark; unter Einrechnung der ReparativnS-Sachlieferun- gen übersteigt die Ausfuhr den Wert der tatsächlichen Einfuhr um 1068 Millionen Mark. Herrmann steht, konnte bei einem Weriungs- (tagen, das am vergangenen Sonntag in Ober- scheld stattfand, einige schöne Preise erringen. Der Verein erhielt den 2. Klassenpreis, den 4. Ehrenpreis und den 3. Hauptehrenpreis. Gictzcner Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 140 bis 150; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 12 bis 15; Weißkraut 12 bis 15; Rotkraut 15 bis 20; Spinat 20 biS 25; Römischkohl 8 bis 10; Bohnen 15 bis 20; Erbsen 15 bis 20; Mischgemüse 8 bis 10; Tomaten 25 bis 45; Zwiebeln 10 bis 15; Rhabarber 8 bis 10; Pilze 20 bis 25; neue Kartoffeln 6 bis 7; Frühäpfel 35 bis 40; Falläpfel 8 bis 10; ausländische Aepsel 50 bis 60; Dirnen 25 bis 40; Dörrobst 30 bis 35; Kirschen 20 bis 30; Sauerkirschen 30 bis 35; Heidelbeeren 20 bis 25; Stachelbeeren 20 bis 25; Johannisbeeren 20 bis 25; Erdbeeren 40 bis 50; Walderdbeeren (Schoppen) 30 bis 35; ZWetschen 35 bis 40; Aprikosen 40 bis 50; Pfirsiche 40 bis 50; Himbeeren 35 bis 40; dicke Dohnen 10 bis 15; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 110; Suppenhühner 90 bis 100; das Stück: Tauben 50 bis 70; Eier 9; Blumenkohl 30 biS 70; Salat 5 bis 10; Salatgurken 15 dis 30; Ober-Kohlrabi 8 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 15; das Bund: gelbe Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bis 10; Radieschen 10 bis 15 Pfennig, der Zentner: neue Kartoffeln 5,50 bis 6 Mark. Taten für Donnerstag, 16. Juli. Sonnenaufgang 427 Uhr, Sonnenuntergang 20.34 Uhr. — Mondaufgang 5.00 Uhr, Monduntergang 21.38 Uhr. 1834: der Grohkaufmann und Kolonifatvr F. A. E Lüderitz geboren: — 1872: der norwegische Polarforscher Roald Amundfen in Borjc geboren; — 1890: der Dichter Gottfried Keller in Zürich gestorben. Briefkasten der Reöaffion. (Rcchtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) W. G. in Hattenrod. Schriftliche Anmeldungen sind entweder an die Schiffsstammdivision der Ostsee in Kiel, oder an die Schiffsstammdivision der Rordsee in Wilhelmshaven zu richten. Büchertisch. — Paul AlverdeS: Reinhold. Oder: Die Verwandelten. Rovellen. 207 Seiten 8°. Leinen 4,50. Georg Müller Verlag, München. (228) — In dem 1897 zu Straßburg geborenen Alver- des scheint eine der wesentlichsten Persönlichkeiten unseres jüngeren Schrifttums heranzureifen; was schon frühere flüchtige Bekanntschaft mit seinen Schriften verhieß, findet sich in diesen Rovellen befräftigt, die sich nicht sowohl durch ihre sttlistische Zucht und sprachliche Kultur auszeich- nen als vielmehr und vor allem durch ihre innere Form und Haltung, die einer Besinnung auf die sensattonssemen Gegenstände echter Dichtung entspringen. Der Untertitel deutet die tiefere Verbundenheit der aus verschiedenen Schaffenszeiten stammenden Erzählungen an, die fast alle auf irgendeine wesentliche Weise vom Schatten des großen Krieges getroffen werden; der Mensch und das bunfle schicksalhafte Gesetz über ihm und seinem kleinen Lebensablauf, das ist das Maß, nach dem diese Rovellen gebaut sind. Und der innere Gestaltwandel, den seine Menschen erleben oder erleiden, wird für Alverdes zum Orgelpunkt der epischen Schilderung. Dies verbindet den jungen Kriegsfreiwilligen Reinhold im französischen Artois, welchen das große Gesetz des Kleistschen Prinzen von Homburg zur menschlichen Reife formt noch an der Schwelle deS Todes, mit dem Stabskapitän der Petersburger Garde vor ©morgen und mit den Wandervögeln Degen und Fiedel; den „Rebenmann" mit dem „Severin" und dem Köbes aus „Allerlieben". < Einige Erzählungen aus diesem Bande sind, wie man sich erinnern wird, auch in unserer Unterhaltungsbeilage erschienen.) — Wer das Vertrauen zur jungen deutschen Literatur noch nicht gesunden oder schon verloren hat: der lese dieses, dem Dichter Ernst Pentzoldt zugeeignete Buch und begreife es als ein Bekenntnis zur strengen Form, zur beseelten und maßvollen Sachlichkeit, welche die öde Reportage überwand und vielleicht einer neuen Romantik vorausgeht. —y— — Rudolf Herzog. Der Freiherr und die Altstadt. Ein Gegenwartsroman. 384 Sellen. 8°. Ganzleinen 4,80 Mark. Halbleder 6,50 Mark. Verlag der I. G. Co-ttaschen Buchhandlung Rachfolger, Stuttgart und Berlin. (106) — Friedrich von Rott!and, der nach einem stark und sorglos geführten Jugendleben und nach einem schweren Konflikte weltflüchtig sich der angestammten Gesellschaftsschicht entzog und nach harten ArbritSjahren in der Fremde in die oute aber durch den Krieg gewandelte Heimat wiedcrkehrtc unb da der brüderlichen Sch'chc schwerarbeitender Menschen sich zugeteilt, ist der Träger des wandelvollen Geschehens in diesem Roman. Bon besonderem Reiz ist die Sch .derung der inneren Gemeinschaft des reifen Kämpfers m : einer arbellStüchttgen jungen Frau, die Frohsinn und Lebensfreude in, das Leben des geistig überlegenen Mannes trägt. — ReclamS Gartenbuch. Herausgegeben von Karl Weinhausen. Mit 15 Abbildungen im Tert. Rr 7148 Geh. 40 Pf., geb. 60 Pf. (ReelamS Univ.-Dibl.l (194) — Das ist ein Buch, in dem alles enthalten ist. waS wirklich wichtig und an- derSwo nicht zu finben ist! Auch der schon erfahrenere Gartenbesitzer wird viele Winke erhalten, buc ihm zeigen, wo er bisher Fehler machte. Und der Anfänger lernt, wie man Wege baut, welche Grassorten man bei dem oder jenem Boden verwenden soll, welche Stauden in den einzelnen Monaten blühen, wie man Obstbaume richtig um- pfropft — und alles daS viele, daS man eben nur lernen kann, wenn ein wirkltch guter Gärtner feine großen Erfahrungen in einfachen, klaren Worten und Sätzen preisgibt. — SäuglingSghmnastik. Don Major a. D. D. Reumann, Rcurode. 51. biS 60. Tausend. 40 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. 1,20 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (118.) — Der Verfasser gibt ein erprobtes System der Säuglingsgymnastik, das auch die Reichsanstalt zur Bekämpfung des Krüppeltmns und der Kindersterblichkeit eingeführt hat. Er $eigt, daß daS Krüppeltum vieler Menschen verhindert werden kann, wenn schon beim Säugling mit zweckmäßigen körperlichen Hebungen begonnen wird. Die klaren Anleitungen geben, unterstützt von einem febr instruktiven Bildmaterial jeder Mutter Gelegenheit, in wenigen Minuten dafür zu sorgen, daß ihr Liebling lernt, mit kräftigen, geraden Gliedern durchs Leben zu gehen. — Jan Ligthart, Pädagogik deS .vollen Lebens. AuS dem Holländischen übertragen von Dr. Wilhelm Henß und mit einer Einleitung versehen von Eor Bruyn, Hilversum. Erschienen in der im Auftrag des Zen- tralinstitutS für Erziehung und Unterricht von Prof. Dr. Peter Petersen herausgegebenen Sammlung „Pädagogik deS Auslands' im Berlage Hermann BöhlauS Rachfolger in Weimar (broschiert 10 Mark, in Ganzleinen 12 Mark). (141) — Mit dieser Auswahl auS den Schriften deS „holländischen Destalo.zi" Jan Ngthart wird eine Ehrenschuld einem Manne gegenüber abgetragen, der in Deutschland bisher kaum Beachtung gefunden hat, und der doch zu den wahrhaft Großen auf dem Gebiete der Erziehungskunst gehört. Ligthart ist ein Arbeitspädagoge allerersten RangeS und zuglech ein Erzieher im neuen Geiste. Alle modernen Ideen im Unterricht und in der Erziehung treten unS in der Pädagogik LigthartS entgegen. Seine Pädagogik ist keine wissenschaftliche Theorie, sondern eine „Pädagogik deS HerzenS" im Geiste Pestalozzis, die begründet ist in der von tiefer Liebe zum Kinde durchdrungenen Erzieherpersönlichkeit. Durch Vertiefung in das eigene Ich und in die Erlebnisse feiner eigenen Jugend findet er zugleich den Ausgangspunkt für eine Erziehung der Erzieher. „Alle Erziehung muß bei den Erwachsenen beginnen." So werden denn auch in Holland die Schriften LigthartS heute noch in Kreisen gelesen, wo man sonst nie etwas über Erziehung lieft und manche sind zu richtigen Volksbüchern geworden. Aus aller West. Die vyrmonler Tagung bet Reichoocrbande» Deutscher Tonkünstler und Tstustklehrer e. v. Der Gelamtvorstand deS RDTM. hat auf seiner Sitzung in Bad Pyrmont zur Frage deS Gemeinschafts- unb Gruppenunterrichts in einer ausführlichen Entschließung die stritte Ablehnurrg des Massen- und Klassenunterrichts nach amerikanischem Muster betont und die Vorzüge des Einzelunterrichts als die UntevrichtSform, die am Zuverlässigsten und schnellsten zur musikalischen Leistung führt unterstrichen. Der Gruppenunterricht, d. h. der gleichzeitige 3nftrumentalunter- richt von zwei bis drei Schülerrr, die gleichzeitige Beschäftigung dieser Schüler die ganze ilnter- richtsstunde hindurch gemeinsam mit dem gleichen Unterrichtsstoff, wird als pädagogische VersuchS- form anerkannt, und es werden Bedingungen ausgestellt, die bei diesem Gruppenunterricht die pädagogische Qualität deS Unterrichts und d'e notwendigen w rl'chaftlichen Forderungen deS Priva'- musiklehrerstandes sichern. Außer diesen Fragen wurden Maßnahmen erwogen, die zu einer wirtschaftlichen Besserstellung des Privaimusillehrer- standcs führen können. Dabei wurden Grundsätze für eine intensive Zusammenarbeit mit den öffentlichen Schulen und ihren Musittehrem aufgestellt, für die baldigst die Förderung durch die Kultusministerien erwirkt werden soll. Die Tagung, zu der außer dem Ehrenvorsitzenden Generalmusikdirektor Prof. Mar von Schilling« Teilnehmer aus allen Teilen des Reiches erschienen waren, stand unter Leitung des Vorsitzenden Amold Ebel. Mrcklicbe Trackrichten Israelittsche RellgionSgesellschasl. (Sabbatfeicr den 18. Juli Freitag abend 7.45 Uhr, Samstag vormittag 8.00 Uhr; nachmittag 4.OO Uhr; Sabbat- ausgang 9.25 Uhr. — Wochengottesdienst: morgen« 6.30 Uhr, abends 7.15 Uhr. Letzte Nachrichten. Verschiebung des englischen Ministerbesuchs in Berlin. Reise des Reichskanzlers und Rcichsaußcn» Ministers nach Paris? Berlin, 16. Juli. (WTD.) Der Besuch der englischen Mini st er in Berlin ist mit Rücksicht auf bk am Montag in London beginnende Konferenz der Srperien der am Hoover-Plan beteiligten Staaten verschoben worden. Der bereits in der Presse erörterte Besuch des Reichskanzlers Dr. Brüning und des Reichsaußenministers Dr. Turtius in Pa- r i s steht noch nicht fest, doch scheint er i m Bereich der Möglichkeit zu liegen. Sprechstunden der Redaktion. 1L30 bis 1233 llhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. SJlxfport „Rund um Schotten^. Die deutsche Motorradmeisterschaft am 19. Juli. ^Das Rennungsergebnis für den dritten Lauf um die deutsche Meisterschaft, das Motorradrennen „Rund um Schotten" am 19. Juli, ist überraschend hoch. 120 Rennfahrer, die besten Deutschlands, werden um den Sieg kämpfen. Besonders gut ist das Eröffnungsrennen auf Seitenwagenmaschinen besetzt. Hier starten acht Fahrer, darunter Kahrmann (Fulda), Ge- ricke (Berlin), Hiller (Feuerbach), Mörih (München), Erlcnbruch (Wuppertal), Wehres (Aachen) und der Frankfurter Schn ei dt, vor allem aber auch der deutsche Meister Kürten (Düsseldorf). Erne bessere Besetzung für ein Seitenwagenrennen ist kaum an den Start zu bringen. Alm die deutsche Meisterschaft kämpfen 42 Fahrer, und zwar 10 in der Klasse A, 15 in B, 9 in O und 8 in der großen Klasse. Hier fehlt kein einziger, der in der deutschen Sportwelt einen Ramen hat, von Kahrmann und Kratz bis Klein, Jecker, Binder-Saam, Pätzold, Frentzen, Ley, Loos von Schoeler, Graf Henckel-Donnersmarck, Kürten und Soenius ist hier alles vertreten, scharfe und erbitterte Kämpfe sind hier zu erwarten. Die Ausweisfahrer sind durch 68 Rennungen vertreten, eine -Zahl, die fast zu hoch ist für die 17,6 Kilometer lange Rundstrecke, zumal die Leistungen der Ausweisfahrer stark gestiegen sind und oft bis an die der internationalen Kämpen heranreichen. In Schotten hat der Rennbetrieb schon begonnen, die ersten Fahrer sind bereits da. Rütt- chen und Mr. Moore von RS11. haben sich für heute angesagt. Alles in allem, das Rennen verspricht ein motorsportliches Ereignis allerersten Ranges zu werden. Nennungsschluß für den 12. Rhön-Gegelflug-Wettbewerb. 59 Meldungen. Die endgültige Meldeliste des 12. Rhön-Segelflug-Wettbewerbs weist 59 Flugzeuge auf. Obgleich die RHön-Rossitten-Gesellschast nach der Ausschreibung berechtigt war. lediglich die Meldungen von 40 Flugzeugen anzunehmen und die späteren Meldungen abzulehnen, hat sie doch von diesem Recht keinen Gebrauch gemacht und mir einige Flugzeuge zurückgewiesen, deren Meldungen nicht den Erfordernissen der Ausschreibung entsprachen. Unter den Bewerbern befinden sich eine Reihe von Gruppen und Einzelpersonen, welche zum ersten Male am Rhön-Wettbewerb teilnehmen. Es fehlen leider in diesem Jahr die Akaflieger München, der Riederhessische Verein für ßuftfa^rt Kassel mit Max Kegel, die Göttinger und Donner Gruppe, sowie Dittmar. Die Englän- Am Samstag und Sonntag fand in Londorf das Gaujubiläumsturnfest des Turngaues Lahn- Dünsberg anläßlich seines 25jährigen Bestehens statt. Das Fest wurde am Samstagabend durch eine würdige Gefallenengedenkfeier am Ehrenmal eingeleitet. Dieser Feier folgte ein glänzend verlaufener F e st a b e n d in der geschmückten! Volkshalle. Der Abend stand unter dem Zeichen der Ehrung verdienter Turnerführer. Der Vorsitzende des Tv. Londorf begrüßte die Festteilnehmer. Der Vorsitzende des Turngaues Lahn-Dünsberg dankte dem Tv. Londorf für die Vorbereitung des Festes. In den weiteren Ausführungen betonte der Gauvorsitzende u. a., daß, wie das deutsche Lied und das Turnen untrennbar verbunden seien, sich auch dos deutsche Volk wieder zusammenfinden müsse. Er ermahnte alle, am Wiederaufstieg Deutschlands mitzuhelfen. Anschließend begrüßte Bürgermeister A u m a n n im Ramen der Gemeinde Londorf die Turner und wünschte der Veranstaltung einen guten Verlauf. Der Vorsitzende des Südwestdeutschen Turn- der und die Ungarn, welche ursprünglich die Absicht gehabt hatten, am Wettbewerb aktiv teilzunehmen, haben nun doch keine Meldung abgegeben. Das Gaufest der Heffeniuruer. Die alte Turnerstadt Marburg hat für kommenden Sonntag das 58. Gauturnen des Tum- gaues Hessen (DT.) übernommen. Es soll in dieser Rotzeit keine Veranstaltung mit großem festlichen Gepräge sein, sondern eine reine Arbeitsveranstaltung. die der breiten Oeffentlichkeit das Wirken der DT. vor Augen führen will. Die schlechte Wirtschaftslage bringt es mit sich, daß die Meldungen zu den Wettkämpfen nicht ganz die Zahl früherer Jahre erreichen. Am 12°Kampf (Geräte- und Dolksturnen) der Oberstufe beteiligen sich 40 Turner, wozu noch 10 Teilnehmer am Oberstufe-Zehnkampf kommen. Die Mittelstufe sieht 50. die Unterstufe 250, das Altersturnen 40 und das Fechten 20 Bewerber. Musterriegen sind 40 gemeldet. Rund 140 Kampfrichter werden für die Durchführung der Wettkämpfe benötigt. Das Fest wird Samstagabend auf dem altertümlichen Marktplatz eröffnet. Es schließt sich das Meisterschaftsturnen der Gaubesten in dem Schlohparktheater an. Der Festsonntag bringt nach einer Morgenfeier im Stadion im Verlaufe des Morgens das Einzel-Reckturnen, das Wettfechten und einen Teil des Bereins-Reigentumens und am Rachmittag nach einem Werbeumzug Staffelläufe der Bezirke, Fortsetzung des Muster- riegen turnend und die Massen-Freiübungen. Mit einer feierlich gestalteten Siegerverkündigung schließt das 58. Gauturnfest ab. Sri. E Bickelhaupt in Nürnberg erfolgreich. Bei den am vergangenen Sonntag im Rürn- berger Stadion zum Austrag gekommenen süddeutschen Leichtathletik-Meisterschaften waren — wie schon kurz berichtet wurde — auch die Farben des Gießener Männertumvereins vertreten. Die bekannte Turnerin Else Bickelhaupt vertrat als Kreismeisterin im Hochsprung und Fünfkampf, die Farben des Mittelrheinkreises in den beiden genannten Konkurrenzen. Leider konnte unsere Gießener Vertreterin die auf sie gesetzten Erwartungen nicht ganz erfüllen: eine Knieverlehung warf sie schon bei der zweiten Fünfkampfübung stark zurück. Trotzdem sie bei weitem ihre seitherigen Leistungen nicht erreichte, errang sie im Hvchsprung mit 1,43 Meter den 2. Sieg und im Fünfkampf den 4. Sieg. Bei der äußerst starken Konkurrenz und in Anbetracht dessen, daß nur die Besten der Besten am Start waren, muß man die Leistungen, die Fräulein Bickelhaupt trotz ihrer Verletzung erzielt hatte, hoch anerkennen. Verbandes. Lehrer Zöller (Hausen), überbrachte die Grüße und Glückwünsche des STV. Sodann trug der Arbeitergesangverein „Union“ Londorf zwei schöne Männerchöre vor. Anschließend turnte die Gauwerberiege — 12 Turner — am Barren und zeigte dabei ganz hervorragende Leistungen. Der Gesangverein „Frohsinn“ Londorf (Chor- meister Kasten, Gießen) brachte dann zwei Lieder zum Vortrag. Den Höhepunkt des Abends bildete die von dem Vorsitzenden des Südwestdeutschen Turnver- bandes Zöller, der auch 2. Gauvorsihende ist, vorgenommene Ehrung verdienter Gau« Vorstandsmitglieder, die ununterbrochen 25 Jahre lang in den gleichen Gauämtem zum Besten des Gaues wirkten. Es sind dies: Gau- Vorsitzender Ludwig Daupert (Wieseck), @au- turntoart Wilhelm Schmidt .(Launsbach) und Gautumausschußmitglied August Lotz (Wieseck). Den genannten Turnerführern, denen der Gau und der Verband viel zu danken hat, wurden Ehrcnbriefe überreicht. Die drei Vorstandsehrenmitglieder dankten Gau und Verband für die Auszeichnung. Im Anschluß hieran ernannte der Tv. Londorf eine stattliche Anzahl älterer Mitglieder, die sich um den Verein verdient gemacht haben, zu Ehrenmitgliedern. Zum Schluß stifteten die mit dem Verbands- und Gauehrenbrief ausgezeichneten Vorstandsmitglieder einen sehr schön ausgeführten Wanderpreis. Der Sonntagvormittag brachte das Wettturnen, an dem sich etwa 250 Turner und Turnerinnen beteiligten, und das einen flotten Verlauf nahm. Man sah durchweg schöne, oft sogar sehr gute Leistungen. Im Stabhochsprung sprang B e p l e r (Kinzenbach) 3.40 Meter. Großhau s (Lollar) 3,30 Meter. Hasselbach (Londorf) 3,20 Meter, der Jugendturner Möbus (Reiskirchen) 3,10 Meter, eine sehr beachtliche Leistung. Dietz (Lollar) erreichte im Kugelstoßen 11,55 Meter, der Jugendturner Pfaff (Kesselbach) 13,35 Meter. Derselbe Jugendliche lief 100 Meter in 12,8 Sekunden. Beim 100-Meter-Lauf liefen Großhaus (Lollar) und Schardt (Hausen) 12,3 Sekunden, Schieferstein (Launsbach) 12,5 Sek. Im übrigen verweisen wir auf die.Siegerliste, die wir allerdings nur im Auszug veröffentlichen können. Um 13.30 IHjr bewegte sich ein stattlicher Festzug zum Festplatz. Dort begrüßte der Gauvor- sihcnde Karl D a u p e r t die Turner, die Turnerinnen und Gäste. Die Grüße und Glückwünsche des Verbandes zum Gaujubiläum überbrachte der Verbandsvorsitzende Z ö l ler (Hausen), die Glückwünsche des Main-Rodgau Ehrenvorsitzender Stiedenroth (Wixhausen), die des Gaues Wetterau Ehrenvorsitzender Dietz (Friedberg- Fauerbach). Das von den Einwohnern Londorfs gestiftete Banner mit dem Wahlspruch: „Einigkeit und Recht und Freiheit" wurde geweiht und dem Verein übergeben. Die allgemeinen Freiübungen vereinigten nochmals die Turnerinnen und Turner zu gemeinsamer eindrucksvoller Vorführung und fanden viel Beifall. Der von den Gauvorstandsmitgliedern, die durch den Gau- und Verbandsehrenbrief ausgezeichnet wurden, gestiftete Wanderpreis wurde zum ersten Male ausgetragen und von Waldgirmes durch die Turner Wilhelm Ferber, Wilhelm Schmidt II. und Albert Best erkämpft. Den Best-Wanderpreis errang Walter Bier au (Lollar). Das Handballwerbespiel zweier Auswahlmannschaften wurde von der A-Mannschaft 5:2 (5:0) gewonnen. Im allgemeinen nahm das Fest einen guten Verlauf. Oie Giegerliste. Altersstufe (Reunkampf): 1. Karl Gissel, Waldgirmes, 152 Punkte: 2. Wilh. Becker, Waldgirmes, 144: 3. Heinrich Ruppenthal, Hausen, 138; 4. Karl Sames, Hausen, 133. Oberstufe (Zwölfkampf): Ehrensieg: Wilhelm Schmidt. Waldgirmes, 200 Punkte; 1. W. Dierau, Lollar. 200 ; 2. H. Römer, Wieseck, W. Speier. Odenhausen, 198; 3. W. Ferber, Waldgirmes, 197; 4. K. Agel, Lollar, 191; 5. W. Karber, Odenh ausen, 189. Oberstufe (Reunkampf): 1. A. Drescher, Lollar. 155; 2. W. Bierau. Lollar. 153; 3. W. Ferber, Waldgirmes 152; 4. W. Karber, Odenhausen, 151; 5. W. Schmidt, Waldgirmes, 150; 6. H. Römer, Wieseck, 147; 7. L. Hettche, Lollar, 146; 8. F. Karber, Odenhausen, 145. Mittelstufe (Zwölfkampf): .1. E. Deibel, Lollar, 218; 2. W. Grote. Lollar, 211; 3. O. Bo de übender, Ruttershausen, 195; 4. R. Depp ler,* Kinzenbach, W. Schmidt, Waldgirmes, 194; 5. W. Lepper, Waldgirmes, 193; 6. L. Knorh, Ah- bach, 187; 7. K. Schwarz, Ruttershausen, K. Jost, Hausen, 186. Mi11elstufe (Reunkampf): 1. E. Deibel, Lollar, 164; 2. W. Grote, Lollar, 158; 3. W. Lepper, Waldgirmes, 151; 4. H. Meffert, Wieseck, W. Schmidt, Waldgirmes, 149; 5. K. Schwarz, Ruttershausen, 145; 6. L. Knorh, Ahbach, W. Schneider, Odenhausen, 143; 7. H. Reinhardt, Odenhausen, 139; 8. O. Dodenbender, Ruttershausen, 137; 9. R. Deppler, Kinzenbach, 134. Unterstufe (Reunkampf): 1. W. Werner, Wieseck, 157; 2. W. Schmulbach, Mainzlar, 156; 3. L. Fuchs, Mainzlar, 154; 4. G. Mank, Wieseck. H. Muskat. Atzbach, R. Damm, Reiskirchen. 150; 5. H. Mank, Wieseck, W. Moos, Lollar, 149; 6. H. Deuker, Steinbach. F. Geißler, Lollar, K. Oestreich, Dorlar, 148; 7. G. Wagenbach, Daubringen, H. Schmidt, Kesselbach, 144; 8. K. Jäger, Reiskirchen. E. Pfeiffer, Launsbach, 143; 9. A. Roth, Steinbach, W. Denner, Londorf, 141; 10. E. Vogel. Mainzlar. 140; 11. A. Schlierbach. Rodheim. 139; 12. O. Schäfer. Wieseck, 137; 13. K. Reinhardt. Launsbach, 136; 14. H. Michel, Daubringen, 134. Oberstufe (Vierkampf): 1. O. Dietz, Lollar. 89 ; 2. W. Depler. Kinzenbach, 88; 3. H. Grvßhaus, Lollar, 87; 4. E. Winter, Launsbach, E. Hasselbach, Londorf, K. Heih, Wieseck, 81; 5. W. Hofmann, Alten-Duseck, 80; 6. E. Becker, Ruttershausen, O. Schardt, Hausen, 77. 7. F. Geier, Ahbach, 76; 8. L. Walther, Daubringen, 75. Jugend (Vierkampf): 1. F. Balser, Reiskirchen, Ehr. Möbus, Reiskirchen. H. Pfaff. Kesselbach. 103; 2. W. Braun, Daubringen, 100; 3. E. Frank, Lollar, 95; 4. H. Schmidt, Dorlar, 89; 5. W. Stumpf, Garbenteich, 77; 6. A. Klinket. Lollar, 75. Turnerinnen. Oberstufe (Reunkampf): 1. Paula Hildebrand, Wieseck, 159; 2. Lina Erb, Wieseck. 155; 3. Ottilie Schreiner, Wieseck, 147; 4. Elisabeths Seipp, Lollar. 142. ilnterftufe (Reunkampf): 1. Minna Loh. Wieseck. 151; 2. Annelise Wehling, Wieseck. 149; 3. Minna Seibert. Wieseck, 144; 4. Anna Pausch, Wieseck, 142; 5. Herta Kutscher, Lollar, Johanna Rink, Odenhausen, 138; 6. Anni Wirbelauer, Wieseck, 134; 7. Anna Kraft, Odenhausen. 131; 8. Elli Veite, Staufenberg, Irma-Braun, Wieseck 130 Punkte. Hauptversammlung der hessischen Zustiz-Bureaubeamten. Der Verband der hessischen Justiz- Bureaubea inten hielt seine diesjährige Hauptversammlung in Offenbach ab. Als Gäste nahmen Ministerialrat Dr. Metz für das Hessische Justizministerium, Rechnungsdirektor Koch-Darmstadt für den Hessischen Beamtenbund und zwei Vertreter politischer Parteien an der Tagung teil. Der 1. Vorsitzende, Justizobersekretär Schaefer- Darmstadt, betonte, daß die Tagung int Zeichen der zweiten Rotverordnung stehe. Der Kernpunkt der Tagung gelte der Erörterung der beamtenpolitischen Lage. Rach der Erstattung des Geschäftsberichtes ging der Redner im einzelnen auf die Rotverordnung ein und legte insbesondere deren Auswirkungen auf die unteren Beamten dar. Rach der Aussprache erstattete der Rechner Jost- Mainz den Kassenbericht. Im Anschluß daran hielt der Bertreter des Hessischen Beamtenbundes, Rechnungsdirektor Koch- Darmstadt, einen Vortrag über d i e beamtenpolitische Lage, unter besonderer Berücksichtigung der hessischen Derhältnisse. Er beleuchtete die Belange der Beamten von der rechtlichen, wie auch von der wirtschaftlichen Seite aus und befaßt^ sich zunächst mit dem Rechtsschutz der Beamten im Disziplinarverfahren, den er als unzureichend bezeichnete. Im Zusammenhang damit wies er auf verschiedene Gesetzentwürfe (Reichsdienststrafordnung, De- amtenvertretungsgeseh, Gesetz zur Begründung des Beamtenverhältnisses usw.) hin. Bei der Betrachtung der wirtschaftlichen Seite des Problems beschäftigte sich der Redner besonders mit der Besoldungsordnung und mit den schweren Belastungen durch die neue Rotverordnung. ebenso verteidigte er die Beamtenrechte und das Derufsbeamtentum. Er unterzog weiter die Behandlung der Anwärter und der ledigen Beamten und Angestellten einer kritischen Betrachtung. Die neue Rotverordnung, mit der sich der Redner eingehend auseinandersetzte, bezeichnete er als unsozial und als staats politisch unklug. Die Ausführungen des Vortragenden fanden starken Beifall. In der Aussprache dankte die Ortsgruppe Darmstadt durch ihren Vertreter, Justizsekretär Eisenhauer, dem Redner für sein Eintreten zum Schutze der Justizbureaubeamten. Ministerialrat Dr. Metz sprach über die Rot des deutschen Volkes im allgemeinen, sowie über die der hessischen Justizbeamten im besonderen, und sagte seine tätige Mithilfe zur Abstellung der größten Rot zu. Zum Schlüsse seiner Ausführungen ermahnte er zu Ruhe und Besonnenheit. trotz aller Rot. Rach der Wahl des Vorstandes trat man in die Beratung der eingegangenen Anträge ein. Als jeweiliger Tagungsort der Hauptversammlung des Verbandes wurde Frankfurt a. M. bestimmt. Gaujubilaums-Turnfest des Tumgaues Lahn-Oimsberg (AOT.) Heinrich Wagener/ Giefeen Bahnhofstraße 92 Telephon Nr. 4120 Hanomag-Automobile übernommen und empfehle allen Hanomag-Fahrern sich an mich zu wenden. Prompter Kundendienst - Aufmerksame Bedienung Geschultes Personal . . . Ich habe die Generalvertretung für die beliebten und bewährten