n,?,nutc fiel li!? 8r' SS ’w "■ b«Änsi*> »wViä« t",k" 1W>. ' hi?""1" U (1:1) Stete ?" «’nem febr *ÄJ folgte. hor Bi k X L ide’te Hä«k i, ^Dxr Ä**»-i*M d^Mte n^. VambTin^90"9 MH h hi? o lc,ner ®«’amf. „W traimerteLKön. n ßouhwttbeiDctben) be?. SCIL ®J« Solbaten dc- Iwigete körperliche Demi. 1 Wmeinen Körperauj, ' r^^^^recheirdc Ur,, n Lulmarlch dnbrudtooC ■^ranftaltung toar de: '»örtlichen Karne. Vv’lchcn Sportverein uti iflt unb ausgebaut Werda ibbaüfpid, beltmev neu die vrmrch tragen wurde Veranstaltung eine belon- nur für bie unmittel. n?n bvhem Interesse, sor> dlrkum. Der Deltmeitza 1 1S95 unb ber Aablch bestritten mit ihren fa vk Das Dettlpiel, bclki i artistisch aim» -den ertoadimy- Toren sür sch ten, baß bas erst ute die ©ieficiK! aber bertiti je vermochten jiekn. Hold- if4 und ibrungen in Weit 2Jie'af eine Dcrdi' Lchuy- unb P' n« Dieseck 1 926 htn Grohen'2’!' •ad b:e mit sehr gutes mar Zur Konkurrenz vu jeder Abteilung ein N rriaa würbe bie 6»®' nrn-tübtl während rc Lvortvla? den Sehe’- . nhihciteübungti. bei! gewidmet war $'■« ‘••h -.-ien Zu'chwcr r»' einzelnen W । .'an' dem 5wrt' iihalniny Lander- lil’unü in .n-lltprechen gut die Ub fubrv''? unb •<" Vorführung * leüolUn öd)”» mfL^Lnina wurde «* ^aeführt ■ A-Svndes »eigteg f U Tcrbtejg .-‘tnabm Duleder t 5d?, S(tlclung au' T^p^te die potjtf durch tzeMd"'' Li 5tgebmi. h. *j£j Ach laß «n^c' .,beitsu":° :»7Ä-mSZ p Jf • Daro". »■ S *’*■« ; ßollar_ n't Nsohew^^' RS P ,, Hfl C E . st •£’ s. -u««JWe< "" i »*ÄJ , n fl 'n 1. AW° . H Cfl»6"'«, Kl 241 Erstes Blatt i8s. Jahrgang Donnerstag, 15. Oktober 1931 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck ui^d Verlag: vrühl'sche Univerfitäls-Buch- unb Steinöruderei R. Lange in Stehen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe Z. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/rt mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton 0r H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und sür den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. fternsprechanschliisse anterSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Giehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Die Parteien und das zweite Kabinett Brüning. Oie große Aussprache im Reichstag. — Oie Sozialdemokraten werden die Mißtrauensanträge ablehnen.—Heftige Angriffe der Rechtsopposition. — Oer Reichsfinanzminister zur Rede Schachts. Berlin, 14. Ott (DDZ.) Reichstagspräsiden Lobe eröffnet die heutige Reichstagssitzung um 12 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die Besprechung der Regierungserklärung. Die Deutschnationalen und die Rationalsozialisten sind nicht im Saal. Abg.Or. Breitscheid (Soz.) führt aus: Das System, mit Rotverordnun- g e n zu regieren, entspricht an sich nicht unseren Wünschen. Wir sind für das parlamentarische Regime: aber die Voraussetzung dafür ist. daß das Parlament sich selber bejaht. Wir haben nicht nur Bedenken gegen das System der Rot- Verordnungen, sondern auch gegen ihren Inhalt. Mit Rachdruck wird nur die Senkung der Löhne und Gehälter betrieben, während wir bei den Maßnahmen zur Preissenkung nur Halbheiten und Schwachheiten sehen. Gegen die Allmacht der Kartellmagnaten wird wenig getan. Wenn wir das Kabinett Brüning toleriert haben, so ist das geschehen, weil wir die Staatsform, in der wir leben, schützen wollten gegen die Angriffe der Faschisten und der Diktatur. Wir haben vorher gewußt, daß die Tolerierungspolitik zu Abbröckelungen von unserer Partei führen würde. Wir haben dennoch die Regierung Brüning toleriert, weil es uns nicht geht um Augenblickspropagandaerfolge, sondern um die Zukunft der gesamten deutschen Ration. Das gesamte werktätige Volk wird gefährdet durch jene sogenannte „nationale Opposition", die sich in Harzburg versammelt hat und zu der auch die Deutsche Volkspartei gehört, die sich mit der zögernden und doch so sehnsuchtsvollen Schamhaftigkeit eines alternden Mädchens angeboten hat. (Sehr gut.) Einst wollte die Deutsche Volkspartei Deutschland von „roten Ketten" freimachen, jetzt kann sie den alten Wahlreim dahin ändern: „Vom letzten Wähler macht und frei allein der Führer Dingeldey." (Große Heiterkeit.) Der Kampf der „Rationalen Oppo- lition" geht gegen die Sozialpolitik, gegen die Arbeitslosenversicherung, gegen das Tarifrecht und Schlichtungswesen, für weiteren Lohnabbau und für eine neue Inflation. Die Rational- 1 o z i a l i st e n haben vergessen, daß sie noch vor «inem Iohre den Kampf gegen die Sozialreaktion proklamiert haben. Sie ^ehen jetzt mit Hugenberg und jenen sogenannten Wirtschaftsführern, die die ausgesprochenen Vertreter der Sozialreaktion sind. Vor genau einem Hahre beantragten die Rationalsozialisten hier Bie Enteignung der Bank- und Bör- ßcn fürst en. Heute gehen sie Arm in Arm mit jenen vor gegen die Arbeiterschaft. Die Fron- Ren sind jetzt klar abgesteckt: Auf der einen Seite Bie „Rationale Opposition", auf der anderen «beite die vereinigten Gewerkschaften. Rie ist Deutlicher die Klassenkampfparole proklamiert worden als von jenen Wirtschaftsführern, denen stich die Rationalsozialisten als Kampftruppen zur Verfügung stellen. Wenn wir das Mißtrauensvotum gegen das Kabinett Brüning a b - vehnen, so bedeutet das keine Vertrauens- Rundgebung für das, was dieses Kabinett politisch tun wird, aber es ist die Bekundung Des schärfsten Mißtrauens gegen Das, was nach Brüning kommt. Als nächster Redner folgt der Abg. Dr. Frick 8Nat.-Soz.) Als er das Wort nimmt, kommen Sie Abgeordneten der Rechten in den Saal, während Reichskanzler Dr. Brüning seinen Platz verläßt. Abg. Krick (Rats.): Wir werden die R o t v e r o r d n u n g e n wei- 3er ablehnen, weil wir Regierungen, die sich scheuen, das Volk über die Berechtigung ihrer Maßnahmen zu befragen, nicht für befugt halten, Eben Artikel 48 für ihre rein parteipolitischen Bestrebungen anzuwenden. Die Inflation Bjaben wir stets als ein Verbrechen in der schärf» Ken Form gebrandmarkt, so daß es überflüssig ä'it zu sagen, daß wir uns niemals eines ähnlichen Verbrechens schuldig machen werden. Ebenso ungeheuerlich wie diese UnterftcUung ist Ser Versuch, die Dinge so darzustellen, als ob ame von uns getragene Reichspolitik notwendigerweise die Arbeitnehmerschaft in eine geschlossene Elbwehrfront hineintreiben inüßte. Wir weisen Diese Auffassung als völlig unbeweisbar und als Infamie schärfstens zur'" 1. (Lebhafter Beifall bei den Rationalsozialisten.) Vornehmlich um bes Arbeiters willen haben wir unseren Kampf gegen die Versklavung des Volkes und ber Wirtschaft, gegen Tribut- und Erfüllungs- palitik geführt. Die RSDAP. hat stets die verantwortungsbewußte paritätische Mitarbeit der berufsständischen Organisationen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber gefordert. Diese Grundsätze werden auch in einer kommenden, fron uns geführten nationalen Regierung maß- gebend fein, lieber allem steht für uns der wah „Gemeinnutz vor Eigennutz!" Das gleiche Recht auf Schuh seiner Arbeit und seiner Leistungen im Rahmen des Volksganzen sichern wir jedem anderen Berufsstande zu. Das Wirtschaftsprogramm des Kanzlers aber wird diesen Grundsätzen nicht entsprechen. In einigen Punkten süßt die Regierungserklärung auf nationalsozialistischen Forderungen. Indessen wird die Regierung nicht fähig sein, diese Probleme zu lösen, weil eben nationalsozialistische Forderungen selbstverständlich nur von Nationalsozialisten in die Praxis übertragen werden können, niemals aber von unzulänglichen oder Reichskanzler Dr. Brüning mit Staatssekretär Dr. P ü n b e r (links). p w gar böswilligen Rachahmern. Wir fordern Wehrhaftigkeit, nicht uni einen Revanchekrieg zu entfesseln, sondern weil sie die Voraussetzung ist für die Gleichberechtigung Deutschlands. Die Politik Frankreichs ist nach wie vor die furchtbarste Gefahr nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa. Wir sind nichtsdestoweniger zu jeder Verständigung auch mit Frankreich bereit, wenn sie die Gewähr dafür bietet, daß den eben gekennzeichneten Lebensnotwendigkeiten für unser Volk dadurch Rechnung getragen wird. (Stürmisches Hört, Hört! bei den Regierungsparteien und links.) Vordringlichste Aufgabe der deutschen Außenpolitik ist die planmäßige Forderung eines Bündnissystems mit den Völkern, die unter dem Versailler Vertrag ebenfalls leiden. In der Zusammenlegung des Reichswehr- und Reichsinne nmini- st e r i u m s sehen wir eine verhängnisvolle Belastung der Reichswehr mit innenpolitischen Auseinandersetzungen. Unsere Armee darf nur für wehrpolitische Fragen in Anspruch genommen werden. Wir sprechen dem Kabinett unser Mißtrauen aus. Wir betonen unseren unbeugsamen Entschluß, nicht zu ruhen, bis wir im Bewußtsein unserer Verantwortung und Kraft unseres Rechtes die Führung der Ration zum Wohle seiner werktätigen Schichten in Händen halten. (Stürmischer Beifall bei den Rationalsozialisten.) Unsere Regierungserklärung wird kurz sein, sie wird lauten: Kraft und Wille, Freiheit, Arbeit und Brotl Abg. Or. Oberfohren (On ): Reichskanzler Brüning hat den Kampf um die Seele des Volkes vollständig verloren. Auf der grandiosen Heerschau des nationalen Gedankens in Harzburg hat sich gezeigt, daß es in Deutschland Millionen gibt, die bereit sind, für eine Idee und ihre Führer ihr Leben zu lassen. (Beifall rechts.) Uns hat man vorgeworfen, daß man den Reichspräsiden- ten in die parlamentarische Diskussion gezogen hätte. Ich bin der Meinung, daß es nicht übel vermerkt werden kann, wenn die nationalen Streife des deutschen Volkes in aller Ehrfurcht sagen, daß sie mit manchen Handlungen des Herrn Reichspräsiden- ten nicht einverstanden sein können. Mit den Methoden des Pferdehandels hat die Pressestelle der Reichsregierung eine falsche Darstellung über die Unterredung des Reichskanzlers mit m i r verbreitet. Es wurde geschrieben, die Unterredung habe gezeigt, daß wir zur verantwortlichen Mitarbeit in der Regierung nicht bereit seien. Tatsächlich hat Dr. Brüning mir nur seine neuen Steuerpläne vorgetragen, aber m i ch nicht gefragt, ob wir in die Regierung eintreten wollen. Hätte er das gefragt, dann hätten wir ihm geantwortet, daß wir dazu bereit seien unter der Bedingung, daß das Steuer vollständig h e r u m gerissen wird und die Regierungspolitik sich klar gegen die Sozialdemokratie richtet. Die nachgewiesenen Fälschermethoden der offiziösen Pressestellen haben offensichtlich den Zweck verfolgt, die höchste Stelle im Reiche zu tauschen. (Hört! Hört! rechts. — Zuruf: „Man hat den Reichspräsidenten belogen!") Die jetzige Krise ist verschuldet worden durch die übermäßig e Hereinnahme kurzfristi - ger ausländischer Kr edite nach Deutschland. Der Sozialdemokrat Dr. Hilferding ist vor den Finanzgewattigen auf den Knien herumgerutscht, um solche Anleihen zu kriegen. Dr. Hugenberg hat schon damals vor diesem System gewarnt. Aber man hat nicht auf ihn gehört. Man hat ihm fälschlich vorgeworfen, daß er die Inflation wolle, während er tatsächlich gesagt hat: Wir wollen weder Inflation noch Deflation. Die Regierung hat nicht die Wirtschaft angekurbelt, sondern ihre Grundlagen erschüttert durch eine Steuerpolitik, die in geradezu verbrecherischer Weise die Substanz angreift. Die Arbeitslosigkeit kann sich nicht vermindern, solange wir eine Zwangsbewirtschaftung der Arbeit haben mit dem Schlichtungswesen, den Schiedssprüchen und der Unabdingbarkeit der Tarifverträge. (Hört! Hört! links.) Der Redner nimmt dann Dr. Schacht in Schutz gegen die Angriffe wegen seiner Harzburger Rede. Schacht habe nichts anderes gesagt, als was vorher im Handelsteil der „Frankfurter Zeitung" gestanden habe unter Beifügung genauen Zahlenmaterials. Es sei eine Infamie, zu behaupten, auf der Harzburger Tagung sei ein Anlauf zur Herbeiführung der Inflation gemacht worden. Wir brauchen gar keine Notverordnungen, wir brauchen dem Volke nur ArbeitundBrotzu geben. (Unruhe und Rufe: „Sie geben doch bloß Worte!") Den Parteien, die sich mit uns verbünden wollen, muß ich sagen: Die Zeiten der parlamentarischen Klopffechterei sind vorbei. Entweder finden sie den Weg, wo sie hingehören, oder sie werden vernichtet! (Lebhafte Rufe links: „Hört! Hört! Herr Dingeldey!" — Heiterkeit.) Es gibt jetzt nur noch die Entscheidung: Nationalistisch oder bolschewistisch. — Nach dieser Rede verlassen Nationalsozialisten und Deutschnationale wieder den Saal. Abg. Joos ($.): Mit Habreden ist dem deutschen Volke in dieser Rotzeit nicht zu helfen. Die sogenannte „nationale Opposition" hat nicht ein einziges Mittel zur Behebung der Arbeitslosigkeit angeben können. Harzburg hat uns darüber auch keine Aufklärung gebracht. Herrn Dingeldey scheint man aber in der Bauhütte des Dritten Reiches eine so subalterne Rolle zuzumuten, wie sie einem Nachfolger Strefemanns nicht angemessen ist. (Sehr gut!) Harzburg liegt an dem Flüßchen R a - d a u, das ist symbolisch. (Heiterkeit.) Wir haben die Berichte mit großer Ruhe gelesen, denn wir haben die Harzburger Tagung nicht als drohendes Gespenst betrachtet, auch nicht als B r o ck enge spen st, sondern eher als Brockensammlung. (Große Heiterkeit.- So ringt man nicht um die Seele des Volkes, wie es Hugenberg mit seinen nationalistischen Fremdenlegionären in Harzburg getan hat. Diese Kreise wenden sich jetzt gegen den Vorwurf, daß sie die Inflation wollten. Die Inflation ist allerdings das Schreckgespenst, hinter dem die Gefahr der Dolschewisierung droht. Sie ist die letzte Rettung leichtfertiger Schuldner. Die Harzer Roller, die dort munter ihr Liedchen Pfiffen, sind schon in der Mauser. Wenn von der „nationalen Opposition" jetzt ein Geheimrat Hugenberg und der deutschnationale Abgeordnete Schmidt- Hannover. ----f ............... Plakat herausgegeben wurde: „Brüning regiert, Hitlermarschiert!", so stimmt das schon: Bei Hitler sitzt es in den Beinen, bei Brüning im Kopf. (Sehr gut!) Das Manifest von Harzburg macht zwar eine Anleihe bei der PräambelderWeimarerVerfassung, aber es geht um die Wahrheit herum. Es mühte lauten: „Die nationale Front, einig in ihren Phrasen, uneins in ihrem Wollen und in ihren Parteigruppen, von dem Willen beseelt, Unordnung und Umsturz zu fördern, und unfähig, auf den Trümmern ein neues Deutschland aufzubauen, fügt den alten Deklamationen keine neue hinzu, fon- Die Prognose für Brüning. Vermutlich eine geringe Wie stellen sich die Miiielparieien? Das Landvolk steten hie Negierung Berlin, 14. Ott. (VDZ.) Im Reichstag dauerten am Mittwoch die Verhandlungen der kleineren Parteien über ihre Stellungnahme zum Kabinett Brüning an. Von den Führern der Christlich- Sozialen, des Landvolks und der Wirtschaft sparte! wurden mehrfach noch Verhandlungen mit dem Reichskanzler gepflogen. Daneben haben auch Fühlungnahmen mit den Vertretern der Opposition stattgefunden. Das Landvolk hat beschlossen, für die M i ß t r a u e n s a n t r ä g e gegen das Kabinett Brüning zu stimmen. Es wird versichert, daß die Mehrheit der Fraktion dieser Parole folgen werde. Man vermutet in parlamentarischen Kreisen, daß allerdings einige Mitglieder der Fraktion eine andere Haltung einnehmen und voraussichtlich an der Abstimmung nicht teilnehmen werden. Bei den E h r i st l i ch - S v z i a l e n liegt die Stellung noch nicht fest. Ihre Vertreter haben beim Reichskanzler eine ganze Anzahl von Wünschen geäußert, die sich nicht nur auf Fragen der Reichspolitik, sondern auch der preußischen Politik beziehen. Wie die Dinge liegen, kann man wohl sagen, daß die W i r t f d) a f t sj> a r t e i in ihrer Mehrheit dem Kabinett keine Schwierigkeiten machen wird. Sie wird sich wahrscheinlich der Abstimmung enthalten. Einige Wirtschaftsparteiler werden voraussichtlich sogar für Dr. Brüning stimmen. Man nimmt an, daß von der 30 Mann starken Fraktion der Deutschen V o l k s p a r t e i nur 20 Mitglieder ihre Karte gegen bie Regierung abgeben werden. Nach alledem rechnet man in politischen Kreisen damit, daß die Mißtrauensanträge gegen das Kabinett Brüning mit einer geringen Mehrheit von 10 bis 20 stimmen abgelehnt werden. Ueberraschungen sind natürlich nicht ausgeschlossen. Oas Zentrum gegen einen Rechtskurs. Abfage an Dingeldey. Köln, 14. Oft. (TU.) In einem Artikel nimmt die „Kölnische Volkszeitung" Stellung zu einer Betrachtung der politischen Mehrheit für vaö Kabinett. Lage, die der volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Regh in der „Kölnischen Zeitung" veröffentlicht hat. Das Blatt schreibt u. a.: Wenn die Volkspartei zu den Nationalsozialisten abschwenken will, muß sie diesen Weg ohne das Zentrum gehen. Auf keinen Fall wird das Zentrum der Volkspartei den Gefallen tun, den Bremser an einem Wagen zu spielen, den die Volkspartei auf der Fahrt zum Abgrunde bestiegen hat. Eine Koalition von Hitler bis K a a s ist ebenso heute wie morgen und übermorgen ein Phantom, das höchstens in den Köpfen einiger ängstlicher Volksparteiler besteht, sonst aber nirgendswo reale Stift e n z hat. Die Volkspartei täte daher wirklicb gut, das Zentrum aus ihren Berechnungen radikal zu streichen. Keine Zentrumshand wird der Volkspartei in dem Irrgarten, in den sie sich verlaufen hat, zur Seite stehen. Sine neue Erklärung Schachts. Berlin, 14. Oft. (TU.) Der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat dem deutsch- nationalen Fraktionsvorsihenden Dr. Oberfohren folgendes erklärt: Ich habe in Harzburg über d i c Stabilität unsererWährung, deren Sicherheit überhaupt nicht in Frage steht, mit keinem Worte gesprochen. Ich habe dagegen bei der Kennzeichnung unserer Wirtschaftslage einfach die Tatsache festgestellt, daß dieMittelderReichs- b a n k durch die I 11 i q u i ö i t ä t von öffentlicher Hand und Finanzinstituten derart beschränkt werden, daß für den regulären Warenverkehr, dessen Ausdehnung wir doch alle anstreben, nichts mehr übrig bleibt. Ich habe ferner gesagt, daß unser Kredit nur gewinnen könne, wenn wir in dieser wie in anderen Fragen volle Klarheit verbreiten. Ieder Sachkundige kann sich berechnen, daß die Inanspruchnahme der Reichsbank h. QUf lange Zeit eingefrorene Wechsel, die Hälfte ihres Portefeuilles weit überschreiten mutz. Dah aber das Publikum über diese Einengung des normalen Worenkredits nicht ausreichend unterrichtet ist, beweist allein die Tatsache, dah der Herr Reichsfinanzminister für diese Inanspruchnahme das Wort „geringfügig" verwendet. Soweit es sich um Staatsbesitz handelt, soll er die Tatsachen nicht bestätigt worden; aber beim stätigt worden; aoer oeim ooweu cs jio# um vluulwh.9 i«« *- Frühjahr habe kein Mensch auch nach der Veräußerung nachhaltig durch die sei erhebung e - Waldo Die Schlußtagung des Hessischen Landtags sichtlich des r a Kommt Bata nach Hessen? liegen eine tschechische Lchuhinvafion. dern begnügt sich damit, sie zu wiederholen." (Heiterkeit und Beifall im Zentrum.) Abg. Baltrusch (Volksnation.) Einsetzen der Krise im , in der ganzen Welt die Entwicklung in lyrem ganzen Llmsang Voraussagen können. Das Aufkommen aus der Einkommensteuer s- um eine volle Milliarde zurückge AeichSsinanzminister Dr. Dietrich bezeichnet als den Kernpunkt, dah die Arbeitslosen wieder Beschäftigung erhalten. Das werde aber jetzt nicht mit dem Mittel städtischer Reubauten möglich sein, sondern es komme darauf an, die Städter aufs Land umzusicdeln. Die Boraussehungen der Regierung über das Steueraufkommen seien durch Berlin, 14. Ott. (TU.) Der Reichsverband des deutschen Handwerks und der.Deutsche Handwerks- und Gewcrbekammertag haben in einer Eingabe an den Reichskanzler zur dritten Rot- verordnung Stellung genommen. Es wird erklärt, das; das Handwerk in den Maßnahmen der Reichsrcgierung den schöpferischen Gedanken vermisse, der das deutsche Volk aus der unmittelbaren Rot in eine bessere Zukunft weise. Eine grundsätzliche Wandlung der bisherigen Methoden der deutschen Finanz- und Sozi a l P o l i t i k in ihrer Wirkung auf die deutsche Wirtschaft, die namentlich die Lebensfähigkeit des gewerblichen Mittel st andes erhalte und stärke, bleibe dringend geboten. Hin- ' 'tlich des geplanten Wirtschaftsbei- . _ t e 6 wurde die Reichsregierung ersucht, einen sachverständigen Bertrauensmann des Handwerks zu hören. chenfreundlichen Männer in der Regierung dar. Ihre Bemühungen, unter allen Umständen eine Einigung auf mittlerer Linie herbeizuführen und die Spaltung des Landes in Zwei feindliche Lager zu verhindern, scheiterten an der radikalen Haltung der Kammer. Azana rechnet mit der Unterstützung der bisherigen sozialistischen und radikalsozialistischen Minister. Damit wäre in Zukunft der Einfluß der Konservativen und katholischen Elemente innerhalb der Rationaloersammlung gleich Rull, was sich angesichts der noch lange nicht beendigten Derfassungs- beratungen entscheidend für die politische Zukunft Spaniens auswirken mühte. Auch die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, die bisher in den Händen des als energisch bekannten Innenministers Maura lag, wird der neuen Regierung viel zu schaffen machen. Mit Rücksicht auf die offen katholikenfeindliche Haltung der grohen Kammermehrheit beschlossen die der Kirche freundlich gegenüberstehenden Abgeordneten. insgesamt 52, darunter die sämtlichen Deputierten der baskischen Provinzen sowie alle Agrarier, sich sofort von der Rationalversammlung zurückzuziehen und Madrid zu verlassen. Kammer und Regierung stellen also von heute aber lediglich die Vertretung der Linksparteien dar unter Vorherrschaft der extremen Richtungen. Madrid. 14. Oft (TU.) Die spanische Rational- Versammlung hat nach 14ftündiger stürmischer Sitzung mit 178 Stimmen gegen 59 die Ausweisung der Jesuiten aus Spanien und die Le- schlagnahme ihres Eigentum» beschlossen. Für die übrigen Religionvgesellschasten wird ein Sondergeseh geschossen, das den religiösen Orden die Ausübung des Unterricht» verbietet und dos die Verstaatlichung ihres Be- sihes ermöglicht. Schliehlich wurde die Aufhebung des Haushalts für Klerus und Kult in der Verfassung niedergelegt. Der Ministerpräsident Zamora und der Innenminister Maura überreichten darauf der Rationalversammlung ihr Rück- trittsgesuch. Sämtliche Kabinettsmitglieder haben sich mit Zamora identisch erklärt und den Rücktritt de» gesamten Kabinetts beschlossen. Rach längeren Verhandlungen mit den Parteiführern beauftragte der Präsident des Parlaments, Bcsteiro, den zurückgetretenen Kriegsminister Azo na im Ramen der Rationalversammlung mit der B i l - düng einer neuen Regierung. Die Zu- sommensehung des neuen spanischen Kabinetts ist folgende: Ministerpräsidium und Kriegsministerium: A ; a n a; Auswärtige Angelegenheiten: Lerroux; Inneres: Quiroga; Marine: (Bitall; Finanzen: Prieto; Oefsentlicher Unterricht: Domingo; Oeffentliche Arbeiten: Albornoz; Arbeit: Caballero; Verkehr: Barr los; wirt- schast: d'Olver; Justiz: de Los Rios. Der einzige neue Mann im Kabinett Azana ist somit Marineminister Giralt, Rektor der Zentraluni- verfitat von Madrid. In politischen Kreisen besürchtet man einen gung erzielt worden sei. Dehn war zum Dor- wurf gemacht worden, dah er sich vor Zähren in Magdeburg in einer Rede über denOpfer- tod der Gesallcnen abfällig geäuhert habe, wogegen D. Dehn erklärte, er habe nur den Vergleich des OpsertodeS der Gefallenen mit dem Optertod Cbristi nicht mitmachen wollen. Hebet die Durchführung des Auszugsbeschlusses ist nichts Räheres bekannt. Oer Wirtschastsbeirat der Reichsregierung. Berlin, 14. Ott. (TU.) Heber die Zusammensetzung des neuen Wirtschaftsbeirates, in dessen Beratungen gemeinsam mit der Reichsregierung der Reichspräsident zur Festlegung der großen Linien persönlich d e n B o r s i tz übernehmen will, hat die Reichsregierung bereits m i t führenden Persönlichkeiten _ Fühlung genommen. Entscheidungen über die Besetzung des Beirates sind naturgemäß noch nicht gefallen. Wie man hört, werden jedoch bereits jetzt die Ramen Geheimrat Schmitz (I.-G.-Farben) und Dr. Paul Silverberg genannt, ferner von den Gewerkschaften Geheimrat Bachem (Arbei- terbanf). Diese Herren sollen bereits ihr ®tn- verständnis gegeben haben. Weiter verlautet, daß für die laufenden Beratungen an Stelle des Reichspräsidenten und in dessen Austrag entweder Reichswirtschaftsminister W a r m b o l d oder Staatssekretär Trendelenburg in Aussicht genommen ist. Oas Handwerk zur Oritteu Notverordnung. Sachleistungen in der Arbeitslosenfürsorge. Berlin, 14. Ott. (WTD.) Der Reichsarbeitsminister teilt dos Ergebnis der Verhandlungen mit den beteiligten Kreisen über die Gewährung von Sachleist ungen an Arbeitslose und über Verbilligungsmaßnahmen zugunsten Arbeitsloser und anderer Hilfsbedürftiger mit. Danach soll die allgemeine Belieferung mit Sachleistungen an Stelle von Barleistungen auf Brot, KartoffelnundBrennstoffebe- schränkt werden. Bei der Durchführung sott der Handel eingeschaltet werden. Mit Rücksicht auf die Erfahrungen der Kriegswirtschaft werden die Fürsorgeträger nachdrücklichst davor gewarnt, die Sachlieferungen i n eigene Regie zu übernehmen. 3n Verhandlungen mit den Spitzenverbänden der Industrie und des Handels, den Kohlensyndikaten und dem Bäckergewerbe ist eine grundsätzliche Einigung darüber erzielt worden, daß Arbeitslosen Lebensmittel und Brennstoffe verbilligt abgegeben werden sollen. Der Minister fordert die Fürsorgeträger auf, in Verhandlungen mit den örtlichen Organisationen der Wirtschaft die Maßnahmen für die Arbeitslosen und anderen Hilfsbedürftigen ihres Bezirks im einzelnen zu regeln und dabei eine möglichst umfassende Verbilligung anzustreben. Oie Deutsche Studentenschaft will die Llniversität Halle verlassen. Halle, 14.Ott. (TH.) Vorstand und Ferienausschuß der Deutschen Studentenschaf t an der Vereinigten Friedrichs-Hniversität Halle-Wittenberg faßten einen Beschluß, demzufolge sich die Deutsche Studentenschaft Halle gezwungen sehe, die Hniversität Halle zu verlassen. Begründet wird dieser Beschluß damit, daß nach monatelangen Besprechungen zwischen Studenten und Prosessorenschaft in Der Angelegenheit der Berufung D. DehnS auf den Lehrstuhl für praktische Theologie keine Sini- tritt den Ausführungen der Abg. Dr. Oberfohren und Dr. Frick scharf entgegen. Cs fei eine ungeheuerliche Beleidigung, wenn die in Harzburg vereinigten Gruppen alle anderen Deutschen als minder oder gar nicht nativ- nal bezeichnen. Scharf zurückzuweisen sei auch der Klassenkampf von oben, Der sich hinter den antimarxistischen Schlagworten verberge. Wer den Versuch machen wollte, ohne oder gar gegen die Arbeitnehmerschaft zu regieren, das Tarif- und Schlichtungswesen zu zerschlagen, der werde die gesamte Arbeitnehmerschaft in einer Einheitsfront gegen sich sehen. Das Ausland werde nicht Vertrauen zur deut- schen Wirtschaft gewinnen, solange bei uns nach Harzburger Methoden der Kampf gegen eigene Volksgenossen in so gehässiger Form geführt wird. In der jetzigen wirtschaftlichen Rotzeit sei das richtige Funktionieren der Sozialpolitik noch not- toenöiQer als sonst. gilt §inderh schwer und es Srühe1 Kindero Äärchei kommt । Antvor Kinder» unbewu] dah me' und das Ladenschluß am Heiligabend. Darmstadt. 14. Olt. Im Hessischen Landtag erklärte zu dem deutschnationalen Antrag betreffend Ladenschluß am Weihnachtsabend Minister Kore11, daß Hessen im Reichsrat noch weitergehende Maßnahmen vertreten habe. Wenn dennoch ein Rückschritt eintreten sollte, dann könne die Landesregierung das nicht verhindern. — Abg. Kunkel (DVP.) wünscht Rücksichtnahme ans die Bedürfnisse der Ladengeschäfte. die erfahrungsgemäß von der Arbeiter- und Angestelltenschaft erst spät aufgesucht werden. — Abg. Wesp (Ztr.) stimmt dem An- trage zu. der alten Zentrumsforderungen entspreche. — Abg. Frau Heraeus (Dntl.) bittet um Zustimmung zu ihrem Antrag, der berechtigten sozialen Wünschen und anzuerkennenden Ansprüchen der Wirtschaft gerecht werde. Angesichts der zunehmenden Veranstaltungen am Sonntagvormittag sei die schärfere Heilighaltung der Feiertage notwendig. — Der Antrag wird durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Oas Naturschutzgesetz. Abg. Dr. Müller (Ldbd.) erklärt die Zustimmung feiner Fraktion zum Raturschutzgesetz. Lediglich Artikel 22 lehne Der Landbund ab, da es genüge, wenn die Regierung ihre Beamten in den Zeldbereinigungskommissionen entsprechend anweise. Eine neue kostspielige Instanz brauche man nicht einzurichten. — Abg Blank (Zentr.) fordert ebenfalls Wiederherstellung der ursprünglichen Fassung des Artikels 22. — Das Gesetz wird dann in der Ausschußsassung verabschiedet. Artikel 22 wird von der Rechten und der Mitte in der ursprünglichen Fassung wie- derhergestellt, die lautet: „Die Vollzugs- kommissionen der Feldbereinigung haben unter Mitwirkung von Sachverständigen Bodengestaltungen, die dem LandschastSbild ein besonderes Gepräge geben, sowie unter der gleichen Voraussetzung Hecken, Büsche, einzelne Bäume und Daumgruppen möglichst zu erhalten." Finanz- und Wirffchastssragen Für die Herabsetzung der Gebühren und Aufschläge insolge der Gehaltskürzungen der Staatsbeamten setzt sich Abg. Niepoth (DVP.) energisch ein. Die Regierung habe nicht nur die moralische, sondern auch die gesetzlich verankerte Pslicht, diese Senkuna oorzunehmen. Das habe die Regierung für die gesetzlich sestgelegten Fälle anerkannt. Analog der 1926 erfolgten Erhöhung der Ge- bühren und der Kosten müsse jetzt die Herabsetzung erfolgen. — Abg. Kunkel (DVP) halt seinen Antrag auf Sondergebäude st euererlaß bzw. -ermäßigung beim Umbau von leerstehenden Großwohnungen in Kleinwohnungen aufrecht. Der Re- aierungshinweis auf Steuererleichterungsmöglichkeiten im Gesetz genüge nicht. Die Regierung möge eventuell dem preußischen Beispiel der Umbau- Zuschüsse folgen. — Ministerialrat Dörr erwidert, dah die Regierung bereits alles Mögliche zum Anreiz des Umbaues und zu Steuerermäßigungen bei größeren Reparaturen und Umbauten getan habe! Dem Antrag könne die Regierung nicht zustimmen. — Abtz. Dr. Riepoth hält es für un- verständlich, daß die Regierung den Antrag ablehne, der den Staat nichts koste und dem Handwerk eine Arbeitsmöglichkeit schaffe. Zu dem Antrag D o n a t (Dem.) betr. Arbeits- beginn in Bäckereien erklärt Abg. Kunkel (DVP), die Bäcker hielten am Rachtbackoerbot fest. Im Sommer genüge zur Versorgung der Ver- braucher dieVorverlegungdesVerkauses umeinehalbeStunde. Dann müsse allerdings die Arbeitszeit eine Halde Stunde oorverlegt werden, weil sonst die Bäcker der .Konkurrenz der mit Automaten ausgerüsteten Brotfabriken erliegen würden.— Abg. Dr. Werner (NSDAP.) hält eine Rücksicht- | nähme auf die Erntezeit beim ländlichen Ladenschluß 1 für angebracht. Wer das Nachtbackoerbot aufheben wolle, leiste dem Großkapital Vorspanndienste Weiterberatung am Donnerstag. Veräußerung staatlichen Grundeigentums. Der Finanzausschuß billigt die Regierungsvorlage. Darmstadt, 14. Oft. (WHP.) Am Mittwochnachmittag trat der Finanzausschuß zusammen, um sich mit einer Regierungsvorlage zu befassen, in welcher der Finanzminister ganz überraschend um die Ermächtigung ersucht, »bis zu 6 173 Hektar Wald- und Feldgrund stücke einschließlich zugehöriger Wirtschaftsgebäude zu veräußern, vorbehaltlich jedoch einer jährlich vorzulegenden besonderen Rachweisung über die Veräußerungen auf Grund dieser Ermächtigung. Soweit der Erlös nicht zur Schuldentilgung dienen sott, bedarf seine Verwendung der Zustimmung des Landtages." — Der Finanzminister sagt, daß in den letzten drei Jahrzehnten der Staat, zum erheblichen Teil aus Anleihemitteln, 6173 Hektar Wald erworben hat. Die Höhe der kurzfristigen Verschuldung des Lande« läßt es erwünscht erscheinen, einen Teil des derzeitigen Wald- und Feld- besitzeS bis zum gleichen Flächenbetrag bei geeigneter (Belegenl>eit wieder abzustoßen. Ofluiet cip alt« Krnderg- •srttt tummeln ten Taiwan! M des unbetu W DE l j das De! 2.rdt Ii4 s«n S Da M 'ch K dcrn epielgttümr ' D e Tante mit Hanna" hat bi Mdergel«! hinauf, und ein i d«nn deine Alu ünd nach ei fommt: ..Do t mir die Kevß alfi sie mch ai -Di- ein M das Sunjclge'i i itin. Schnell ga ktn, dah das f Dieser hat I Un» es soll au pert. und es Lus SkH ade denn der UM fragte die Tanl Siner steht an llnd ein Kind Miränft verkehr Die Aachrichlei teilt mit: 3nfola l die Devisenv dortiger Mrku grninPvßar und $ oft au1 Auslände er anvrisunge gegen Tonoeism einem Absender Dark oder der 6 * den. (olern nicht scheid emcs Lan Bit des ci t den Ännahmebear [ «abe des Tages verneri 'cndungen und °u» dem Anslan rum Höchftbetrai wen hiervon zu träge aus dem Mae aus ein P wiesen werden I Aachnahmei lande darf von i I 'amt höchstens d 1 r>n Postschechkyntl "ahmen ubertvies anderer ©tneftn ' nanzomte» trorg İn|umt)ereit I fa '1'n,30-3uni t ®lt6tnunb F r, Die Höirtf* £ S,il- tor.jorb; I ^rvorgerusenen !'^köemAerich .j-,^latz mit LA dem des Wh 1 hS Ä9 6,r Ur I w U,, ^/)gesuh Gebräu L-’V^fiana betr £ ^mmung fü >B ’ t^uen. lät^^rei ’Ä Wg 1 ’•« 8urben v. •m ‘.k’'?nintr 8, I ior3u,„N31 {i ösy £*■ ■ __*ie c, ‘jÜen in Lr,6eu ^°rf Drrn, nfPruA KK in Caputh angesprochen und nach Dem Wege nach Potsdam gefragt hatte. Der GolDverlust der Bereinigten Staaten. Der Goldverlust der Vereinigten Staaten beträgt jetzt annähernd 567 Millionen Dollar, wovon der größte Teil während der letzten v ier Wochen abgezogen worden tft. Damit haben die Vereinigten Staaten 8 0 v. H. des Goldes eingebüßt, das sie in den letzten zwei Jahren empfangen hatten. Zu Gerüchten, daß in Europa die Sicherheit des Dollars angezweifelt wird, wird bemerkt, dah der amerikanische Goldvorrat noch immer 4,5 Milliarden Dollar übersteige, was eine 90prozcntige Deckung des Rotenumlaufes bedeutet. Tarifverhandlungen im Siegerländer Bergbau. Die Tarifverhandlungen f ü r den Siegerländer Bergbau sind ergebnislos verlaufen. Reue Verhandlungen wurden für den 16. Oktober anberaumt. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, beabsichtigen die Unternehmer, heute sämtlichen Bergarbeitern zu kündigen, um durch diese Maßnahme, von der 4000 Mann betroffen würden, freie Hand in den Tarifverhandlungen zu bekommen. 3m benachbarten Sill gebiet ist eine Einigung über eine fünfprozentige Lohnkürzung zustande gekommen. Marga von Etzdorf zum Rückfluge nach Deutschland gestartet. Die deutsche Fliegerin Marga v. Etzdorf, die sich sechs Wochen in Tokio auf gehalten hatte, ist auf dem Flugplatz Haneda zum Rückflug über Osaka — Korea — China —Indien gestartet. Eine große Volksmenge jubelte der Ftte- lerin herzlich zu. Fräulein v. Etzdorf beabsichtigt, ich einige Wochen in Osaka aufzuhalten, wo ic das landschaftlich schöne Kansai-Debiet auf« uchen wird. Omnibusunglück in Der Schwei',. Infolge Platzens eines Vorderrcife.nS überschlug sich bei Giffers (Freiburg-Schweiß) ein Ver- kehrsomnibuS, mit dem Cepr er inanen ander deutschen Schweiz einen AuSfttug gemacht hatten. Der OmnibuSführer ' und vier Lehrerinnen büßten ihr Leben eim. Vorsicht ist Der bessere Teil Der lap ferkelt. Chinesische Wegelagerer hoben einen nach Peking fahrenden Personen/zug der Peking-Mukden-Eisenbahn ' zwilchen Tahuschan und Kupangtse überfallen und die 2000 Fahrgäste, darunter mehrere 'Ausländer. { völlig ausgeplündert. Die militärische Bedeckung deS Zuges leistete keine n Widerstand, sondern schloß sich für die Trauer des Heberfalles in einem der Eisessibahn« wagen ein. Tod in den Bergen. Dor einigen Tagen wurde die Leic^-e des in den ZillertalerDeraen vermiß, ten Rürn« berget ReklamechesS Reinhold Zisch am Fuße der Wände des Großen Mörchner au^sgefundcn. Zisch hatte, trotzdem er vom Wirt d er Greiz« Hütte wegen deS schlechten 'Wetters gewarnt worden war, einen A11 Eingang über die Mörcher Scharte zur Berliner Hütt« unternommen. Dabei dürste er sich iiyn ^köel verirrt haben und an einet absOissijcgen Stell« abgestürzt fein. e Polen verurteilt einen deutschen Kriminalbeamten. Zehn Jahre Zuchthaus wegen angeblicher Spionage Osktowo, 14. Oki. (IDIB.) Bor mehreren Monaten wurde Der Deutsche Kriminalbeamte Anton P r e i ß aus Ramslau in Oberschtesien, Der bei Glausche, Kreis Kempen, versehentlich Die polnische Grenze überschritten hatte, von einem polnischen GrenzsolDaten entwaffnet unD fe ft genommen. Bor Dem Bezirksgericht in Ostrowo fanD gestern Der Prozeß gegen Preiß statt, in Dem Die Oeffentlichkeit ausgeschlossen war. ver Angeklagte, Der sich seit nunmehr fünf Monaten in Untersuchungshaft befanD, sah sehr angegriffen aus. Rachmittags wurde Das Urteil verkündet, Da» ihn ju zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Vie milDernDen Umstände wurden ihm abgesprochen. In Dem Urteil stellte da» Gericht fest. Daß Preiß Der Spionage überfüfyrt sei. Aus seinen bei ihm oorgefunbenen Rotizen gehe Da» Deutlich hervor, Daß er }u Spionagezwecken nach Polen gekommen sei, zumal er Dem Deutschen politischen RachrichtenDienst angehöre. Der BetteiDiger hat gegen Das Urteil sofort Berufung eingelegt. Aus aller Welt. Oie Eisenbahnanschläge bei Jüterbog und Bia Torbagy. Die Wiener Kriminalpolizei ist der Ansicht, dah Matuschka bei den verschiedenen Eisenbahnanschlägen als alleiniger Täter in Betracht komme. Die Existenz des grohen Hnbekann- ten, den Matuschka Bergmann nannte, wird stark bezweifelt. Wenn auch noch einige andere Fragen aufzuklären seien, fo erscheine hinsichtlich der Anschläge bei Jüterbog und Dia Torbagy die Kette der-Jndizien geschlos- s e n. Ferner soll die Untersuchung schon stichhaltige Grundlagen für das Motiv Der Attentate erbracht haben. Es ist der Verdacht aufgetaucht, dah Matuschka auch den Anschlag gegen den Kölner Schnellzug im Frühjahr d. 3. begangen haben könnte, da er sich in der kritischen Zeit nicht in Wien befunden hat. 3n der Ortschaft Caputh bei Potsdam. die schon in den ersten Erörterungen über das Jüterboger Attentat genannt wurde, und wo erst vor wenigen Tagen größere Spreng st offmengen gefunden worden sind, hat ein dort wohnhafter Chauffeur, der als zuverlässig gllt, dem AmtSvorsteher mit- geteilt, er erkenne in den veröffentlichten Bildern des Matuschka einen Mann, der ihn zwei Tage nach dem 3üterboger Anschlag Forstverwaltung bewirtschaftet werden. Rach der forstwirtschafllichen Bodennutzungs- ' ' ...j von 1927 betrug der gesamte ___ddestand Hettens 241 782 Hektar, da- gange 'n.' Die' d^utschnationalen Angriffe wegen I von waren 76 432 Hektar, also 3 1 6 P r s> S e n t der A n l e i h e p o l i t i k sind unberechtigt, denn in staatlichem Best tz 3nzwischen fird) aber die jetzt übernommene Anlciheermächtigung stammt weitere Forste vom Staa angekauft wor- noch aus der Zeit, in der die Regierung eine den, m Oberhessen und auch rm Odenwald un deutschnationale Führung hatte. An vergangenen 3ahr für etwa 3 Millionen Mark, den Angaben von deutschnationaler Seite über Die Vorlage wurde bei Stimmenthaltung der die Höhe der deutschen Schulden ist kein wahres Volkspartei angenommen. Don volkspartei- Wort aber solche unrichtigen Angaben können ttcher Seite wurde betont dah man gründ atz- sehr schädigend für Deutschland wirken. (Hört! lich der Meinung sei, die Regierung mule alles Hört!) Das EchoderAuslandpresse zeigt, versuchen, um die kurzfristige Ver>chuldung zu in welche Gefahr Dr. S ch a ch t das deutsche Volk konsolidieren. Das zehige Vorgehen der Regie- gebracht hat. Viele ausländische Blätter trugen rung beweise, dah ^e Volkspartei in der Der- die Heberschrift: „Die Deutsche Reichsbank in- gangenheit recht gehabt habe, als sie legliche solvent" Die Londoner „Times" schrieb: „Die Ausgabe von der Bereitstellung von langfristigen Rede von Dr. Schacht war darauf berechnet, zu | Geldern abhängig gemacht tollen wollte, zerstören, was noch an deutschem Kredit übriggeblieben ist." (Lebhaftes Hört! Hört! bei der Mehrheit.) Sie (nach rechts) können auf die Regierung schimpfen, soviel Sie wollen, aber Sie dürfen nicht Dinge machen, die dem deutschen D a r m st a D t, 14. Oft. Der Abgeordnete wesp Volk die Wirtschaft zerschla gen. — Der (gentr j und Fraktion hat im Landtag folgende An- Lärm auf der rechten Seite steigert sich so, daß , an bic Regierung gerichtet: Gerüchtweise ver- der Minister trotz größten ©hmmau^anbed kaum tschechoslowakische Schuh- durchdringen kann. Er ruft der Rechten zu. Mit , „ •» n f n nn<. -znfjn pine t ; 11 a ( e Ihrer Politik der Partei bedrohen Sie die Politik fabr if an t Bat a aus Zylm eine J 1 des Staates. — Gegen 17,30 Hhr wird die feiner Schuhfabrik nebst Schuhreparaturwerkstatte in Weiterberatung auf Donnerstag vertagt. Darmstadterrichten will. Diese Filiale wurde -- nicht nur die einheimische Schuhfabrikation, sondern auch das einheimische Schuhmacherhandwerk, das um seine Existenz einen Berzweislungskampf führt, sehr Extremer Kurs in Spanien. EäSSSÄEäB: Linksruck, da Azana als sehr radikal und revo- Lederindustrie und im Schvhwachergewerbe beschäs- lulionär bekannt ist. Azana ist Der Lhes Der sog. "gten Arbeiter Durch Lrrichtu g g republikanischen Aktion unD verwaltete nannten Filiale in Hessen eine neue (Bef h r. im zurückgetretenen Kabinett Das Kriegsministerium, wir fragen Daher an: der««, gamora uni> Maura fteUlen befanntlld) Me beiden Jihalgrunbung de, au-Iandischen fflroifabrltaalen einzigen r e ch t s r e p u b l i k a n i s ch e n unD fit- 3U verhinDern? Läutet ei|t alter, weggrauer Landstreicher am Tor des Kindergartens. Suft ein Dutzend lustig bunter Zwei-, Dreijähriger, tummeln sich um die Kindertante herum mit viel Munterkeit, deren „Verlautbarung" von den Talwänden zu mir hereinechot als ein Gruß des unbekümmerten Lebens. Des Weggrauen kummervolles Gesicht drückt sich än das Gestäbe des kleinen Tores, dabei schiebt sich sein graumehliger Bart zur Seite. Da löst sich die Aelteste der Duhendschar aus dem Spielgetümmel und läuft ans Tor. Die Tante mit dem rechten Kindertantennamen ..Hanna" hat Mühe zu folgen, älnd nun blüht das Ktndergesicht lenzsonnenrein zu dem Alten hinauf, und ein Stimmlein fragt: „Wo hast du -denn deine Mutter?" älnd nach einer Weile, weil keine Antwort kommt: „Wo tut dir's denn weh?" (So hat es mir die lieber weißhaarige Kindertante erzählt, als sie mich auf meinem Berghause besuchte.) Wie ein plötzlicher Feuerschein soll es da über das Runzelgesicht des Landfahrenden gegangen lein. Schnell gab die Tante dem Liesl ein Scherflein, daß daS Kind es dem Manne reiche. Dieser hat sich darauf eiligst davongemacht, lind es soll ausgefehen haben, als sei er gestolpert, und es war doch ein guter Fliesenweg. Das Liesl aber war arg verwundert, warum denn der Mann nicht geantwortet hatte, und es fragte die Tante: „Hat er denn keine Mutter?" Einer steht an der Kindergartenpforte ... Unb ein Kind fragt von ßrinnen her ... Beschränkungen im postzahlungs- verkehr mit -em Ausland. Die Rachrichtenstelle des Reichspostministeriums teilt mit: Infolge der neuen Bestimmungen über Die Devisenbewirtschaftung sind mit sofortiger Wirkung folgende Einschränkun- tzeninPostanweisungs-.Rachnahme- Lnd Postauftragsverkehr mit dem Aus lande erforderlich geworden: Auf Postanweisungen nach dem Auslande dürfen nur gegen Vorweisung eines amtlichen Reisepasses von einem Absender monatlich insgesamt höchstens 200 □Kart oder der Gegenwert hiervon eingezahlt werden, sofern nicht ein besonderer Genehmigungsbe- fcheid eines Landessinanzamtes vorgelegt wird. Die Höhe des eingezahlten Betrages wird von den Annahmebeamten in dem Reisepaß unter Angabe des Tages und Beidrückung des Aufgabe- siempels vermerkt. Rachnahmen (auf Drief- finbungen und Paketen), sowie Po st aufträge aus dem Auslände nach Deutschland sind nur bis zum Höchstbetrage von 200 Mk. oder dem Gegen- Lvert hiervon zulässig. Rachnahmen und Postauf- träge aus dem Auslande, deren eingezogene Beträge auf ein Postscheckkonto in Deutschland über- triefen werden sollen, bleiben hiervon unberührt. Auf Rachnahmen aus Deutschland nach dem Ausbande darf von einem Absender monatlich insge- s amt höchstens der Gegenwert von 200 Mk. auf ein Postscheckkonto im Bestimmungsland der Rachnahmen überwiesen werden, sofern nicht ein be- I anderer Genehmigungsbescheid eines Landes- I inanzamtes vorgelegt wird. Konsumverein Gießen und Umgegend. ’hidju Aus der provinzialhaupistadt Gießen, den 15. Oktober 1931. Ein Kind fragt... Von Reinhold Braun. Kinderhände, Patschelhände schmeicheln sich in deine Hand, und es ist, als ob dir sende Grüße ein verlorenes Land. Kinderaugen, Kinderblicke: Märchen grüßt und holde Sage; kommt dir selber her vom Glücke Antwort auf so manche Frage ... Kinderworte, süßes Stammeln, unbewußter Weisheit voll, daß meine Herze alles sammeln und das Leben leben soll. Aus „Das offene Fenster". WsN AW Ma hm. Die Sterbeunterstützung wurde in 84 Zöllen in Anspruch genommen und dafür 2088,75 Eark verausgabt. Das „Konsumgenossenschaftliche Avlksblatt" hat 4595 Abonnenten (mehr 433). Die Aersicherungsabteilung für die Feuer- und Sach« aersicherungs-AG. „Eigenhilfe" wurde aufgehoben und die Führung der Geschäfte an die „Dolksfür. ocge", Rechnungsstelle Gießen, abgegeben. An Verteilungsstellen waren 39 vor- ftrden. Die Zahl der im Konsumverein beschäftigten Personen betrug 127 (61 männlich, 66 weiblich). [flli’eointen. er dirii '■HÜ0*1'" •KSt i fei ^Mngdwb,, llrnhi ,[?Umal Cr dem °°Seh°rc. Der ^WwBernlung r Seit öge bei Aierbog ^pbagy. ist der Lifickt, -r-chiedenen Eisenbahn« l9et Täter in 2e« 1 groben llnbetann« rgmann nannte, wird noch einige andere ’’ erscheine Hinsicht« 'Verbog und 2ia Tor« indizicn geschlvs« Untersuchung schon stich« r dos Motiv der ■ Ts ist der Derdruhi ch!a auch den An« Kölner kchnellzug gen Haden könnte, da et : nicht in Dien befnn« ft Taputh bei Pots« icn Erörterungen über Attentat genannt : wenigen Tagen grö« mengen gesunde» rt vshnhaster Chauffeur, dem Amlsvorsteher mit« en veröffentlichten 3il« i Hann, -er ihn zwei etboget Änfchiog -ochen unb nat -em igt hatte. steinigten Staaten. Peinigten Staaten be« Ifllionen Dollar, tov« : während der lets- tzgezvgen tovrden in. jagten Staaten 80 v.h :büht, das sie in dn ^fangen hatten. Zu die Äerheit des Dollart bemerkt, daß bet amen- »Timmer -berfteige, was m ungbesAotenuiN' , Siegerländer Betgtoo. Ölungen für Je’ rnbau sind ergcW • nacn würben für bm nbM zuverWga bst Unternehm 'Setflarbeitern i % W-ne non^ ■ S« freie N ,n ¥ :-r\ «T bcnach- SiniSH”« vwV*' t-rtet ( stzdvkf. b« rho cu^4dflug iW neda zuw ^„hjen/ sfes x4 In bet ^SF i/f, Izll btt etflti V* Sii
,
I Verschiedenes I
MU Hat ■■ AuskünsteinRechtS-, Stras-.Famil.-Ange- legenbetten, Gesuche, Berrräge, Beobachtungen. Ueberwachg. und Ermittlungen vreiSrv^ streng dtskr. u. an all. Orten ert. u. erledigt Detektiv- Burcaa-n.äusknnttel Inb.K.Oerx,Bad-Naa- heim, Karetr. 17. ”8 501.101)1812000 für Ende d. I. auS
Privatbank) gegen 1. Ovvoihekan pünktlichen ZtnSzabier zu vergeben. Schr. Ang. U.01M2 a. d.Gß.An».
Em Darlehen von 8-MOM. wird von einem gemeinnützigen Unternehmen, welches dch. «Gemeinden geiicheri ist. geg. annehmbar. ?,tnsfutz »u leih, ae- suchi. Schriftl. Angebote unter 6869U an den Gien. Anz.
Zuverlässige Slenerberateng, Slenererkiarnngea durch erfahren. Wachmann zn mäh. Breis. Schriftl. Angeb. uni. 06 03 an d. Gtz. An». MVi ' dunkel-grau, entlaufen. Gegen Belohnung abzugeben. (>. Schrader,
I-elhgCNtern. 0*0»
18. Okt: geschl. L_J Samstag,17.10. 20 , Uhr: B.-R. 20 Uhr Vortrag. [6876D
Kriegerverein GieOen. Samtlag, den 17. Okt. Monatsversammlung im Schübenbaus.
diabereS im Heff. Kamerad Nr. 20 vom lä 10.3L [6870D
Stadttheater
Gießen.
Freitag, 16. Lktod.
Anläßlich de» 250 Todesjahre»
CalderonS «tu® von 20 bis 22 Mr Zum ersten Male. 3.3reiiog-UD.-Doffl. Gewöhnliche Prene. Das große Welttheater n. Eaideron v. Hugo von HofmanuSthai.
6*it i * iNigtn Auf. !
Wo
«ichsten ' da6 die " 21.0k- >■ sich ein mnehmem Legler üdanlage 5
15. Oktober 1931,20 Uhr er Stadtkirche
inn unb $rau ' und Frau Emmi, ?tb. ©pidmann
itlttaM Programm wird am Mitt- • Oktober, im Glehener mntge geben.
kWW enieten arbeiten: imogSichulr. sleioür.l» 15. Cftober. non 3—5*/? Uhr b, rchncidcr nnb Stith rnrtroäe 2 m-o tobtr, oon 11 btt 5 Hit.
wehen
Säidje- unb auiiteucr« AL W6,biS$V3M taftlidb aus der üemeiv uum einer neu zu et- ilinle. Rauiton bzw. Rau* Itnma errorbetlidj.
5-3» gabre, für Tthch Burton erforderlich.
teor, bis 30 Inhre. fit
für Mnuiaktur- lB aeftbäft ShiB betonerd ;4l eiben können und o ihren fein. 6660 samt Gießen »llteererwittlonss.
Qualitäten! fisdieu. Filet« .., Heilbutt / SteiDbatt, 150 Pt, Hechte Pfd-95 aus.Cuxhaven' '„r*“ Jeiüäiis®
lul«l«l,l,rT*8
b i en
mo,9e". «*» ie.okto6«r
' . 3 61-’%
L rÄ',"s4
IW,Ä--«LA 'n*
fff
-
Ur. 241 Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
vonnerstag, 15. (Dttober 1951
ri \ H n
/
i c.v.
rzWi
'Mrf
je ; -:VA. ■
V s
~jggBe«wä
7 z. > M
- OM -' W M
'tw.' :5w
Oben links: Der Gerichtshof unter dem Vorsitz von Amtsgerichtsrat Wiebel. Rechts: Der Angeklagte Professor Dr. Klotz, der Leiter des Lübecker Kin- derhospitals. Unten links: Die Angeklagten Professor Deycke, der Leiter des Allgemeinen Krankenhauses, und Obermedizinalrat Dr. Altstadt, der Leiter des Gesundheitsamtes. Unten rechts: Die Rechtsanwälte mit den Angeklagten.
Oie Lübecker Kindertragödie vor Gericht.
Oie Schuhfütterung gegen Tuberkulose. - Was- ist der BCG? - Ist Calmette schuld oder liegt Fahrlässigkeit in der Verwendung vor?
Von Dr. med. Kurt Hahn.
3n allen Ländern der Welt wird seit Jahrzehnten an der Bekämpfung einer Seuche gearbeitet, die alljährlich Hunderttausende hinrafst. die Millionen gefährdet: der Tuberkulose. Man fand Mittel und Wege, die dem Erkrankten mit großer Wahrscheinlichkeit Hilfe bringen können, aber das sind langwierige, kostspielige und nicht immer zum Ziele führende Verfahren. Es erschien wichtig, diese grausame Infektion bereits im er st en Keime zu ersticken, die Menschen schon in ihrer frühesten Jugend gegen Ansteckung zu immunisieren, ähnlich wie es bei den schwarzen Pocken durch die Impfung gelungen ist. Da der Bazillus, der die Krankheit hervorruft, bekannt war — was lag näher als einen ähnlichen Weg zu beschreiten als den, der zur Auffindung des Pocken-Impfstoffes führte? Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt verkündete der französische Forscher C a l m e t t e der aufhorchenden Welt, es sei ihm gelungen, einen völlig schadlosen Stoff herzustellen, der besonders Säuglinge in tuberkulösem Milieu zu schützen geeignet sei. Jahrelange Versuche an Tieren waren vorausgegangen, ehe das Institut Pasteur in Paris, an dem Calmette arbeitet, sich entschloß, das Präparat für die Praxis sreizugeben. BCG heißt der Jmpf- ftofs: Bacillus C a l m e t t e - G u 6 r i n. Er besteht aus einer Aufschwemmung von Rindertuberkel- Bazillcn, die durch wiederholte Ueberimpsungen entgiftet werden, also keine neue Krankheit Hervorrufen können, im Körper aber die Bildung von Gegengiften gegen den menschlichen Tuberkulose-Bazillus anregen. Rach den Angaben von Calmette genügt es, dem Säugling innerhalb der er st en neun Lebenstage eine geringe Menge des Präparats, in Milch aufgelöst, zum Trinken zu geben, um ihn völlig zu immunisieren.
In Frankreich begann man bereits im Jahre 1921 mit den Impfungen, bei uns in Deutschland war man vorsichtiger. Man unterzog den Stoff BCG genauen Untersuchunoen, das Ergebnis war durchaus nicht überzeugend. Zwar konnte eine Schädigung der Kinder nicht nachgewiesen werden, aber man stand dem Erfolg des Mittels ziemlich skeptisch gegenüber. Wenn der geimpfte Säugling im Verlaufe der nächsten Jahre nicht an Tuberkulose erkrankte — wer konnte die Hand dafür ins Feuer legen, daß er etwa ohne die Impfung erkrankt märe? Fast jeder Mensch überwindet einmal in der Jugend eine tuberkulöse Infektion, ohne davon etwas zu merken, nur besonders dafür disponierte Personen oder solche, bei denen die Ansteckung durch dauernden Umgang mit Lungenkranken sich ständig wiederholt, sind gefährdet. Immerhin mehrten sich die 'Stimmen aus dem Auslande, die über nachweisliche Erfolge des neuen Mittels berichteten, und fo entschloß sich das R e i ch s g e s u n d h e i t s - amt, das Mittel zur Behandlung f r e i z u g e b e n. Freilich gab es auch jetzt noch genügende Skeptiker und prinzipielle Gegner, die von der Impfung eine beim heutigen Stande der Wissenschaft noch nicht nachweisbare Schädigung de- Geimpften Organismus befürchteten.
Um so erstaunlicher war es, daß sich Ende 1929 der Gesundheitsrat der Stadt Lübeck dazu entschloß, alle Neugeborenen mit dem Präparat BCG vorbeugend impfen zu lassen. Er beschränkte sich nicht darauf, nur solche Säuglinge zu behandeln, die durch eine tuberkulöse Umgebung besonders gefährdet waren. Ob man damit ein großzügiges Experiment im Dienste der Wissenschaft machen wollte, um die Wirksamkeit des Mittels zu beweisen, oder ob man lediglich von der völligen Unschädlichkeit
überzeugt war, sei dahingestellt. Die Tatsache bleibt bestehen, daß man nicht einmal den Versuch machte, sich durch Impfung einiger Säuglinge von der Wirkung zu überzeugen.
Man bestellte beim Institut Pasteur eine Kultur, die dann .zur „Derfütterung" zubereitet werden mußte. Diese Zubereitung übernahm der Chefarzt des Allgemeinen Krankenhauses in Lübeck, Professor Deycke, in seinem Laboratorium. Bereits im März 1930 fiel es einigen Hebammen auf, daß die Neugeborenen, denen man das Präparat mit der Milch gegeben hatte, einen etwas sonderbaren und nicht sehr frischen Eindruck machten. Anfang April machten einige Kinderärzte dem Direktor des Kinderhospitals von sehr befremdlichen Wahrnehmungen Mitteilung. Die geimpften Kinder machten durchaus den Eindruck, als ob sie an — Tuberkulose — erkrankt wären. Sie wurden blaß, magerten ab, es trat Fieber auf, eine typische Schwellung der Halsdrüsen kam dazu — bei einigen kleinen Patienten wurde der Zustand so besorgniserregend, daß man sie ins Krankenhaus überführen mußte. Aber noch immer konnte man sich nicht entschließen, die Impfung einzustellen.
Erst am 26. April, als bereits über 250 Neugeborene das Mittel erhalten chatten, als das Unglück nicht mehr gutzumachen war, stellte man die Impfungen ein Fast alle Kinder erkrankten etwa 4 Wochen, nachdem man ihnen BCG eingeflößt hatte, a n schwerer Tuberkulose. Mehr als siebzig starben trotz aller Bemühungen.
Es ist kein Wunder, daß man im Anfang die Schuld in dem Präparat suchte, das aus Paris geliefert worden war. Eine heftige Diskussion der Fachleute setzte ein.^pUe Bedenken, die im Laufe der Jahre aufgetaucht waren, wurden wieder vorge- bracht. Es entbrannte ein Streit um Calmette. Nun gelang aber der Nachweis, daß von der gleichen Kultur, die das Institut Pasteur nach Lübeck gesandt hatte, an anderen Orten Impfungen vorgenommen worden sind, bei denen keinerlei sichtbare Schädigung eingetreten war
Die nun einsetzende Untersuchung durch die zuständigen Behörden scheint den Verdacht bestätigt
Profesior Calmette, der französische Mediziner, dessen Verfahren zur Tuberkulosebekämpfung in dem Lübecker Prozeß einer wissenschaftlichen Diskussion unterzogen wird.
au haben, daß durch irgendeine Fahrlässigkeit bei der Zubereitung das Mittel mit virulenten Tuberkeln vermischt worden ist. Es besteht sogar die Möglichkeit, daß man es völlig mit einer Kultur giftiger B a - zillen verwechselt hat. Kann der Anklagevertreter diesen Nachweis erbringen, so ist eine Verurteilung der beschuldigten Aerzte mit Sicherheit zu erwarten. Sie haben in diesem Falle die primitivste Sorgfaltspflicht in einer Weise vernachlässigt, die in der Geschichte der Medizin einzig dasteht.
Calmette ist — man kann das heute mit ziemlicher Sicherheit behaupten — nicht schuld. Eine andere Frage ist es, ob man das Mittel nun ruhig weiter verwenden soll. In Deutschland sind — nach den Unglücklichen Vorfällen in Lübeck — die Voraussetzungen dafür nicht gegeben. Denn es handelt sich gar nicht darum, ob das Mittel unschädlich ist, sondern vor allem um die Frage, ob es etwas nützt. Und darüber sind die Meinungen vorerst noch sehr geteilt.
Landnöten.
In der preußischen Koalition liebt man Ueberraschungen, die Ministerwechsel vollziehen sich in der Regel wie auf der Bühne, der Vorhang fällt, geht nach zwei Minuten wieder hoch, und schon ist ein anderer Minister zur Stelle. Das ist die besondere Taktik des Ministerpräsidenten Braun, der in der Behandlung seiner Ministerkollegen, zumal wenn sie seiner eigenen Partei angehören, gern etwas „monarchische" Formen annimmt. Der jetzt aus der Sozialdemokratie ausgetretene Abgeordnete Waentig, der fünf Minuten vor seinem Rücktritt noch keine Ahnung von seinen Demissionsabsichten hatte, weiß davon ein Lied zu singen, ebenso wie vorher Herr Grzesinsky, der sich auch ganz plötzlich durch seinen Vorgänger Seve- ring ersetzt sah. Jetzt ist Herr Braun krank, wird wohl auch für einige Wochen noch in Gastein fest- aehalten, und infolgedessen klappt die Regie nicht so recht. Er hätte es vermutlich nicht dahin kommen lassen, daß der Finanzminister Höpker-A schoss ohne Vorbereitung der Oeffentlichkeit aus der Regierung ausspringt und dadurch eine Vorstellung gibt von den tiefen Meinungsverschiedenheiten die - >m Kabinett bestehen, denn nur, wenn man von dem Vorhandensein schwerer Konflikte ausgeht, ift der Rücktritt Höpker-Aschoffs verständlich.
Er hat zum Anlaß genommen, daß er von dem interfraktionellen Ausschuß und auch vom Ministerrat übernimmt worden ist bei der Aufhebung der Ausrückungssperre für preußische Beamten — die notwendig geworden war, nachdem das Reich in seiner letzten Notverordnung diese Sperre nicht eingeführt hatte — und bei der Unterstützung der
Gehüpft ist nicht gesprungen!
Von Hone» Albers.
Hans Albers spielt die Rolle des Kapitäns Craddock in dem neuen Tonfilm ..Bomben auf Monte Carlo", der in nächster Zeit im Gießener Lichtspielhaus laufen wird.
Gehüpft ist noch lange nicht gesprungen ... genau sowenig wie aufgefordert — eingeloden. Es gibt da feine Unterschiede, die nur das unbestechliche Auge des Kenners ... usw.
Doch Scherz beiseite. Wie ist es denn wirklich mit so einer Rolle? Was tut der Schauspieler, um soundso viel Seiten maschinengeschriebener Rede in Leben umzusehen? Hier soll doch ein Wesen geschaffen werden, das nicht wie ein Automat auf zwei Beinen daherwackelt, nur einen plappernden Mund besitzt und dessen Vorzüge nur in einem tadellosen Anzug bestehen. Rein, in diesem Wesen muh warmes Blut pulsieren, muh ein menschliches Herz schlagen.
Dem sportbegeisterten Zeitalter eine Episode aus meiner Rolle als Kapitän Craddock in dem neuen Tonfilm der Erich-Pommer-Produktion der Ufa „Bomben auf Monte Carlo". Der Schauspieler muh springen — in diesem Film springe ich auch, und zwar ins Wasser. In meiner Eigenschaft als Kapitän eines vor Monte Carlo liegenden Kriegsschiffes von der Kommandobrücke ins Mittelmeer, um von dannen zu schwimmen. Man könnte einwenden, dah Kapitäne im allgemeinen nicht in voller Kriegsbemalung von ihren Kommandobrücken zu springen pflegen, um mit unbestimmter Adresse davonzuschwimmen. — Aber hier liegt doch irgendwie des Pudels Kern.
Dieser Sprung nämlich ist nicht nur die logische, fondern auch die durch das Blut, das Temperament, durch die gesamte Lebensauffassung des Mannes vorgeschriebene Folgerung seiner Handlung. Dieser Kapitän Craddock ist ein Vollblutmensch, der die Frauen, aber auch — die Freiheit liebt. Aus dem Abenteuer im Spielsaal von Monte Carlo hat er sich durch einen Gewaltstreich gerettet. Als ihn nun, den Freiheitsliebenden, die Liebe einfängt, versucht er, sich auch ihr durch einen Gewaltstreich zu entziehen, und springt ins Meer, um davonzuschwimmen.
Dieser Sprung ins Wasser ist das Ende, der Hchlußpunkt, der Schlüssel zum Charakter dieses
Mannes, den ich verkörperte Und diesen Sprung sollte — der 12 Meter wegen — ein anderer für mich tun, ein Artist, ein Springer. Das ging mir gegen den Strich. Riemand hätte es gemerkt, jedxr Zuschauer im Theater hättv darauf ge-
Hans Albers.
schworen, dah ich selbst gesprungen wäre — aber für mich war es ganz klar, dah ich selbst springen muhte.
Richt aus sportlichem Ehrgeiz — ich darf wohl auch annehmen, dah niemand denkt, ich erzähle dies der lächerlichen 12 Meter wegen, ... sondern einfach weil ich muhte. Ich war doch Craddock, war der Kapitän, der Abenteurer, der tolle Kerl, der sich in der ganzen Welt Herumgetrieben hatte, fein Leben lang ohne Hemmungen, immer nur das getan hatte, was ihm der Augenblick, der Wunsch gerade eingab. Und wenn ich sage, dah ich in diesen Tagen fast gar nicht mehr der Schauspieler Albers war, sondern mir wirklich mit der Seemanns-Uniform auch die Seele dieses Mannes ungeeignet hatte — dann stimmt das.
So etwas gibt es. Das hat nur noch sehr wenig mit Intellekt zu tun — das wird zum wachsenden inneren Zwang. (Falls das jemanden interessieren sollte, in diesen Vorstellungen steckt auch meine persönliche Auffassung von der Schauspielerei.) Für mich war es so: Hätte ich den anderen springen lassen, dann hätte mir irgend etwas gefehlt — die Sache wäre irgendwie nicht zu ihrem Ende gekommen, unaussprechlich unbefriedigend für mich geblieben, trotzdem der Artist den Sprung technisch sicher ganz ausgezeichnet ausgeführt hätte, — für mich wäre er nur gehüpft. Richtig springen konnte und durfte in diesem Fall nur ich.
Daher auch die Ueberschrist: Gehüpft ist nicht gesprungen. Richt der Schein ist für den Darsteller das Wesentliche, sondern das Sein. Die innere Echtheit.
Und das ist die Wahrheit. Ich bin mit einem Beispiel bewaffnet, das unserem Sport-Zeitalter entgegenkommt, ziemlich darum herumgegangen, aber ich hoffe, es ist ein gutes Beispiel. Es ist ziemlich schwer für einen Schauspieler, etwas über sich selbst zu sagen — so den doppelten Uhrdeckel des eigenen Jchs aufzumachen und zu sagen: So, nun schaut einmal herein!
Zeitschriften
— Das Oktoberheft der „Zeitwende" (C. H. Deck, Verlag München) bringt über die spanische Revolution einen Aufsatz von Theodor Fliedner. dem in Madrid seit langem ansässigen und in der dortigen evangelischen Arbeit an führender Stelle tätigen Pastor. Auf eine Gegenwartsfrage läuft auch >cr Beitrag Emanuel Hirschs aus: Der Schr:,.steiler und die Zeit. Zu Hans Grimms Bekenntnisbuch. Der Verfasser gibt nachdrücklich die Mahnung des Dichters von „Volk ohne Raum" weiter, dah sich die deutsche Literatur auf ihre nationale Aufgabe besinnen möge. — Zu Zwinglis 400 Todestag zeichnet Peter Barth ein fesselndes Bild des Schweizer Reformators, dessen Persönlichkeit und eigenartige Ausprägung der reformatorischen Gedanken den deutschen Gebildeten noch allzu wenig bekannt ist.
Heber den Sinn einer Zeitschrift, d. h. einer ernsten und gehaltvollen Zeitschrift, läht sich der Herausgeber des „K u n st w a r t s" (Callwey, München), im Oktoberheft lehrreich vernehmen. Rach einer kräftig gezeichneten Darstellung d^s Gesamtzustandes der Meinungsäußerung je er Form und Art formuliert er u. a.: Was also kann der Sinn einer Zeitschrift fein? „Wirken gegen die Entwertung des Wortes wie gegen die Verwirrung der Maßstäbe. Arbeiten im Sinne der Besinnung, der Sichtung und Sammlung, der Verantwortlichkeit des Geisteslebens, einer produktiven Kritik, der Erhaltung des Lebendigen und Förderung neuer positiver Kräfte." Diese Sähe können zugleich als Bekenntnis des „Kunstwarts" zu feiner Aufgabe gelten. Aus dem Inhalt des Oktoberheftes, mit dem der 45. Jahrgang beginnt, nennen wir noch: „Krisenpsychose und Wirklichkeit" von Herm. illlmann; „Hans Burgkmair" von Hans Rupe: „Das Geheimnis des Schlafes" von Wilh. Michel; eine Rovelle von Gertrud le Fort, „Die Letzte am Schafott". Bilder von Burgkmair schmücken das Heft.
Das Große Los! Wer hätte nicht schon davon geträumt, Pläne geschmiedet über die Verwendung der 500 000 Mark, die ihm eines Tages in den Schoß fallen konnten! Zum 100jährigen Jubiläum der Sächsischen Staatslotterie erscheint in öem Verlag I. I. Weber (Leipzig), eine Sondernummer der „3 [ l u ft r i r t c n Leitung“, die die Entwicklung der Sächsischen Staatslotterie und ihre hohe volkswirtschaftliche Bedeutung vor Augen führt. Alten Zeichnungen von Lotterieziehungen stehen moderne Skizzen, die denselben Gegenstand behandeln, gegenüber. Unb Paul Gg. Münch, der bekannte Pädagoge, bietet einen Einblick in die Große-Los-Psychologie des Volkes indem er aus der Schule plaudert, d. h. aus Schulaufsätzen über das so vielseitig erörterte Thema.
- „Mutter und Kin d". Zeitschrift für Ernährung, Pflege und Erziehung des Kindes. Verlag Elwm Staude, Osterwieck am Harz. Vierteljährlich (3 Hefte) 1,65 Mark. - Die bekannte Zeitschrift bietet im Oktoberheft wieder eine Reihe interessanter und lehrreicher Beiträge zum Studium der Kindespflege, wie z. B. .'.Etwas über Pflege und Ernähriing der werdenden Mutter", „Hausmittel und Säuglingspflege" usw. Fachärzte von Ruf schreiben über die gesundheitlichen Fragen in verständlicher Form. Dr. Hunaeus behandelt das Thema „Der Viskose-Schwamm in der Säuglings- und Kleinkinderpflege", Dr. Reich schreibt über „Taubstumme Kinder werden ,ver- kehrsfähig' gemacht" und Dr. Deitl bringt eine Abhandlung: „Von Brummelo und Wullewux und anderen ( Korndämonen, welche die Kinder schrecken". Dr. Thomalla erläutert, wie notwendig es ist, daß Mütter frühzeitig ihren Kindern erklären, was ein weggeworfenes Streichholz an- richten kann, welch zerstörende Gewalt in einer Flcische Benzin aufgespeichert ist. wie feuergefährlich Spiritus. Petroleum u. a. m. bei unachtsamer Handhabung werden kann. Das Heft ist reich bebildert.
kommunalen Sparkassen. Aber die Summen, um die es sich hier handelt, sind, gemessen an dem preußischen Etat selbst, so gering, daß darüber ein Bruch kaum zu erfolgen brauchte, selbst wenn der Minister den Standpunkt vertritt, daß er grundsätzlich die Bewilligung neuer Ausgaben ohne gleichzeitige Bereitstellung von Einnahmen ablehnen muß. So genau ist in Preußen bisher nicht gerechnet worden, und die Bemühungen, die bis zum letzten Augenblick Herrn Höpker-Aschosf noch zum Bleiben veranlassen wollten, deuten ja auch Darauf hin, daß hier eine Verständigung möglich gewesen wäre, wenn nicht eben schon vorher sich soviel Zündstoff angesammelt hätte, der jetzt zur Entladung drängt.
Wir glauben zu wissen, daß es sich dabei in erster Linie um die Derwaltungsr eform handelt, die der Finanzminister für unbedingt notwendig hält, die er aber beim Zentrum nichtdurch- setzen kann, das dann viele wertvolle Poften in seinen Hochburgen zu verlieren fürchtet. Und auch die Extratour, die der Minister in Sachen der Reichsreform getanzt hat, ist ihm vom Zentrum einigermaßen übelgenommen worden. Er hat also den festen Boden unter den Füßen verloren und zieht sich zurück, um sich für eine bessere Zeit vorzuberciten. Daß daraus in Preußen unmittelbar irgendwelche Folgen entstehen würden, ist nicht anzunehmen. 3m nächsten Jahr müssen ja d i e W a h - l e n sein, das Ende der Koalition ist also abzusehen. Immerhin, der Ministerpräsident Braun ist krank, fällt also für absehbare Zeit aus, und der Finanz- Minister, der neben Braun die stärkste Persönlichkeit des Kabinetts war, wird hinausgebissen; die Koalition wird brüchig, weil die Wahlen ihre Schatten vorauswersen und infolgedessen die Versicherung auf gegenseitige Unterbringung von Parteifreunden innerhalb der Beamtenhierarchie nicht mehr reibungslos funktionieren will.
Parlamentswahlen, gleichgültig wo sie stattfinden, geben den Witzblättern stets zahllose Anregungen zu spöttischen und bissigen Bemerkungen aller Art. Auch in England kommt der Wahlhumor trotz der Pfundkrise und anderer Sorge zu seinem Recht. Wobei allerdings festgestellt werden muß, daß man Parteien, die sich aus den Besitzern von Sanarien, vögeln, aus Hundehaltern ober Befürwortern der beleuchteten Hausnummern zusammensetzen, jenseits des Kanals noch nicht kennt. Bisher war es ausschließlich Deutschland, das auf dem Gebiete der Parteibildung keinerlei Rationalisierung oder Produktionsbeschränkung kannte. Dafür gibt es in Eng. land wieder andere Dinge, die zur Zielscheibe des Spottes gemacht werden.
Und wie hat man gelacht und amüsiert sich noch heute über das Pech der Liberalen Partei, die angekränkelt vom zentraleuropäischen Dielparteiensystem, gleich in dreifacher Ausgabe aufmarschiert ist, aoer vor dem verschlossenen G e l d s ch r a n k der Organisation steht. Die Schlüssel befinden sich in der Hosentasche Lloyd Georges, der das Parteivermögen zu verwalten hatte, sich aber mit feinen Freunden rechts und links überwarf und nun behauptet, feine Gruppe wäre die einzige und echte alleinselig machende Liberale Partei, die im Besitz der offenbar recht gut gefüllten Parteikasse bleiben müsse. Die anderen stehen mit langen Gesichtern da und müssen schleunigst sehen, wo sie die für jeden Wahlkampf unentbehrlichen sil- bernen Kugeln hernehmen. Denn bis die Gerichte gesprochen haben, sind die Wahlen längst vorüber. Einstweilen hütet Lloyd George die wenn auch etwas entwerteten Pfunde wie der Drache Fafnir den Nibelungenschatz.
Welche Aussichten eröffnen sich da übrigens den Parteiführern aller Herren Länder, wenn sie sich den Walliser zum Vorbild nehmen. Wollen die Abgeordneten und Parteiinstanzen nicht so wie sie, dann schließen sie eben die Geldschrankschlüsset einige Male herum, begeben sich auf ihre Wochen- endsitze und warten ab, bis man Bittdelegationen entsendet und klein beigibt. Oder aber der Partei- gcldschrank rückt in den Mittelpunkt wilder Feuergefechte nach Chikagoer Muster, wird erobert und
wen« Menschen anseinandeegehn
Vornan von 3. Schneider-Foerfil
Urheberrechtsschutz Verlag O. Mei st er, Werdau.
12. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Es wurde Rächt, und Guido und Rosmarie waren noch immer nicht zurück. Mit weit geöffneten Augen durchbohrte der Hirte die Dämmerung. War Horvath so gewissenlos, daß ihm selbst ein Weib nicht heilig war, das noch den Stempel der Kindheit im Gesicht trug? Zweimal hatte Aga schon einen Knecht geschickt mit der Frage, ob er nicht wisse, wo RoSmarie zu suchen sei. Er hatte Aga immer wieder vertrösten lassen.
Dann endlich erklang der Hufschlaa aus der Ferne, und es erschienen zwei dunkle Punkte, die merklich größer wurden. Hun eine jubelnde Stimme: „Ianos, es war herrlich!" Rosmaries Augen strahlten ihn an. Ihre Wangen glühten vom scharfen Ritt, und die Flechten, die sie sonst immer hochgesteckt trug, ruhten in schwerer Fülle auf ihrer Brust.
Der Alte sah In Horvaths Gesicht, bemerkte den gütig liebevollen Blick, mit dem der Künstler das Mädchen umfaßte und war beruhigt. Bein! Sr hatte ihr nichts zuleid getan. Mit einem Ausatmen tätschelte er die Flanken des Hengstes, der RoSmarie getragen hatte. „Bist ein gutes Tier, Bela! Bist ein braver Kerl, mein Junge! Ich habe etwas für dich, Kindchen. Steig für ein paar Minuten ab, bann kannst du eS sehen."
„Dars ich mitkommen?" fragte Horvath bittend.
„Wenn du willst, Guido."
Ein Aufschrei RosmarieS. „Guido, sieh doch! Ist daS nicht entzückend?" Strahlend vor Glückseligkeit stand sie über das schlafende Kind geneigt und streichelte über das Köpfchen.
„Ianos, wie kommst du zu diesem Kinde?" fragte Horvath.
..Ich Habs geschenkt bekommen", sagte er gleichmütig.
Horvath stand in schweigendem Schauen. „Geschenkt? — Willst du dich nicht deutlicher auS- drücken, IanoS?"
..Ich kann nicht anders sagen", beharrte der Alte. „Dor zwei Jahren, als die Steppe blühte, hat'S vor meiner Tür gelegen. Mehr weiß ich nicht."
„ilnb seine Mutter?"
Sin Kopsschütteln. „Die hab ich nicht zu Gesicht gekriegt."
wieder zurückerobert. Welch herrlicher Stoff aber i auch für den Operettenfabrikanten oder Schwank- dichter. Vielleicht spitzt Bernhard Shaw schon seinen | Bleistift, um Lloyd George und die Liberale Partei zum Gegenstand einer Komödie zu machen.
Oderheffen.
Bürgermeifferiagung in Schotten.
< Schotten, 14. Olt. Der Kreisverband Schotten des Hessischen Landgemeindetages hielt unter der Leitung seines Vorsitzenden, Bürgermeister M e n g e I, Schotten, seine Tagung ab. Dom Kreisamt Schot- tten waren Kreisdirektor Dr. I a n n, Regie- rungsrat Schwan und Derwaltungsinspektor Müller erschienen. Man gedachte zunächst des vor kurzem verschiedenen Bürgermeisters Kaiser, Steinberg, in ehrender Form. Der Dor- sitzende sprach dann über die am 1. Oktober in Kraft getretene Hessische Gemeindeordnung und erläuterte die neuen Bestimmungen gegenüber der seitherigen Landgemeindeordnung. Hierauf folgte eine Aussprache über die von der Reichs- und Staatsregierung erlassenen neuen Rotverordnungen und ihre Rückwirkungen auf die Derhältnisse in den Gemeinden. Besprochen wurde weiter bas Recht der Gemeinden, Zuschläge auf die nicht oder verspätet gezahlten Steuern und Abgaben zu erheben. Dabei wurde allseitig geklagt über die sich mehrenden Ausstände der Gemeinden und die Schwierigkeit der Beitreibung. Da das Mobiliarpfändungs- und Dollstreckungsversahren zu keinem Ziel führe, bleibe nur übrig, Zwangsversteigerung der Immobilien zu betreiben. Aus die ständig steigenden sozialen Lasten der Gemeinden und die Sorge für die ausgesteuerten Erwerbslosen wurde verwiesen. Die Vogelsberggemein den seien nicht in der Lage, für die Rotstandsarbeiten die sonst üblichen und verlangten Tariflöhne zu zahlen. Lieber diese Frage soll demnächst in einer Versammlung nochmals verhandelt und das Arbeitsamt Gießen dazu eingeladen werden. Lieber die Durchführung der Winternothilfe wurde näher gesprochen. Kreisdirektor Dr. 3 a n n legte dieses Liebeswerk den Bürgermeistern sehr ans Herz, besonders auf die Sammlung von Kartoffeln, Bekleidungsstücken, Obstverteilung u. dgl. solle ein Augenmerk gerichtet werden. Dem Sam« mcluntoefen von auswärtigen Verbänden, Korporationen usw., die für ihre auswärtigen Zwecke im Kreise gesammelt und oft viel Geld herausgezogen hätten, solle gesteuert werden. Lebhafte Beschwerden wurden von den Gemeinden über die hohen Linkosten erhoben, die die Dermessungsämter den Gemeinden verursachen; es soU an maßgebender Stelle darauf hingewirkt werden, daß nur die allernotwendigsten Vermessungen stattfinden. Mehrere Klagen wurden auch über den Betrieb der Kadaververwertungsan st alt vvrgebracht. Es dauere oft tagelang, ois die Abholung der verendeten Tiere erfolge. Die Gemeinden sollen ihre Beschwerden in jedem Einzelfalle dem Kreisamt mitteilen, damit Wandel geschaffen und gegen den Inhaber vorgegangen werden könne. Eine Erhöhung der Hebgebühren für die Einziehung der land- und forstwirtschaftlichen (Beiträge zur Unfallversicherung soll erstrebt werden. Die vom Staat erhobenen Beiträge für bie Wald- bewirtschaftung werden den heutigen Verhältnissen und Holzpreisen entsprechend als zu hoch erachtet. Schließlich wurde noch über die Regulierung der Ernteschäden, die kommenden Landtagswahlen, Wiesenrundgänge und sonstige lommunale Angelegenheiten gesprochen.
Stadtvorstand in Alsfeld.
H Alsfeld, 13. Okt. In der jüngsten Sitzung des Stadtvorstands wies der Vorsitzende darauf hin, daß die neue G e m e i n d e 0 r dnu n g am 1. Oktober 1931 in Kraft getreten sei. Vor
Der Kleine hatte ausgefchlafen und reckte die I seinen Gliederchen, schloß aber die Augen sofort wieder, als blende ihn das Tageslicht. „Wie süß", flüsterte Rosmarie. „Guido mach doch die Lider einmal zu — dann sieht er dir verblüffend ähnlich."
Ein dunkles Rot kroch über Horvaths Antlitz bis an die Schläfen. Ohne ein Wort zu sagen, trat er aus der Hütte. Rosmarie folgte ihm und ließ sich in den Sattel heben. Sie hätte das Kind fo gerne mit nach Hause genommen.
Kaum hatte der Künstler das Mädchen bei Aga abgeliefert, jagte er zurück zu Ianos, der an feiner Pfeife saugend vor der Hütte saß.
„Hat's dich noch einmal hergetrieben?" forschte er, ohne den Geiger dabei anzusehen.
„Wer ist das Kind?"
„Wahrscheinlich eines, das zuviel ist." Es war die gleiche Antwort, die auch Dosanyi erhalten hatte.
„Ich weiß, wer seine Mutter ist."
„Ja? Weißt du das?"
„Ianos!" Horvaths Augen brannten in die des Alten. Seine Hände hielten die pergamentenen des Alten umklammert. Die Stimme versagte vor Heisersein! „Ianos! Sag, ob es mein Kind ist!"
„Wie soll ich das wissen?"
„Sag, ob es der Raja gehört?"
„Ich weiß es nicht."
„Ianos!" schrie Horvath auf. „Sie hat mein Kind verschenkt."
Lieber die Wangen deS Alten zitterte eine Träne.
Guido lehnte das Gesicht gegen die nwrsche Bretterwand der Hütte und stöhnte in übergroßer Rot. „So über alle Maßen haßt sie mich!"
„Rein, fo groß ist ihre Liebe, Guido."
„Daß sie mein Fleisch und Blut vor fremder Leute Türen legt“
„Ich bin kein Fremder, Guido? Sie kam zu mir in einer Stunde hoffnungslosester Verzweiflung. Ich wußte keinen Rat. um dich vor 2o- sanyis Händen und sie vor der Verachtung der Leute zu schützen, als daß ich ihr anbot, ich wollte das Kind in meine Obhut nehmen, bis sie es wieder zurückverlangt."
„Ianos!" Horvaths Finger drückten die Hand des Hirten. „Ich nehme pen Knaben mit mir. Lind werde mich vor aller Welt als sein Vater bekennen."
„Lind wenn man dich nach der Mutter fragt?“
Der Künstler hielt die Fäuste gegen die Schläfen und stöhnte wie ein Tier.
„Trag'-. Guido, trag'-!" mahnte der Alte.
„Es wird noch Schwereres kommen."
Schwereres gibt eS nicht mehr."
Der Alte lächelte mitleidig, er wußte es besser.
Eintritt in die Tagesordnung fand die Verpflichtung des neuen Gemeinderatsmitgliedes Adolf Kassa, der an die Stelle des durch Wegzug ausgeschiedenen Kaufmanns Otto Ludwig, getreten ist, durch den Vorsitzenden statt.
Für die Kraftpostlinie Alsfeld — Meiches — Li l r i ch st e i n hat sich der Zuschuß der Stadt vom Rj. 1931 ab infolge eines anderen Verteilungsmaßstabes auf vierteljährlich 183 Mark erhöht. Es wurde beschlossen, in Anbetracht der sehr ungünstigen finanziellen Verhältnisse nur einen Zuschuß in Höhe von 80 Mk. vierteljährlich zu bewilligen.
Don Seiten der Iagdpächter der Gemarkung Alsfeld lag ein Antrag auf Herabsetzung der Iagdpacht durch das Pachteinigungsamt vor. Hierzu wurde beschlossen, das Derfah- ren durchzuführen und der Bürgermeisterei die erforderliche Ermächtigung zur Durchführung erteilt.
Zu den bevorstehenden Winterhilfsmaß- nahmen wurde beschlossen, daß eine Kartos- f e l f ü r f 0 r g e in der Weise eingerichtet werden soll, daß an bedürftige Personen von Seiten der Stadt zur Beschaffung von Kartoffeln Gutscheine ausgegeben werden sollen gegen ratenweise Abtragung der Schuld. Don einer Einkellerung der Kartoffeln wurde abgesehen.
Unter Mitteilungen wurde De s chwerde geführt wegen der Stellungnahme dös evangelischen Kirchenvorstandes bei Kranzniederlegung in der Ehrenhalle der Gefallenen in der Friedhofskapelle, weil es verboten worden sei, Kränze mit parteipolitischen Abzeichen niederzulegen. Dec Vorsitzende e. stattete dazu einen ausführlichen Bericht über die mit dem Kirchenvorstand in der Angelegenheit seither geführten Derhandlungen.
Bundestag
des Lautertal-Sängerbundes.
4k Lauterbach, 14.Okt. Der Lautertal- Sängerbund hielt am Sonntag hier- feine diesjährige Bundestagung ab. Fast sämtliche 19 Dereine des Bundes waren vertreten. Der Männergesangverein „Liederkranz" Lauterbach begrüßte die Versammlungsteilnehmer mit dem Deutschen Sängergruft. Der Bundesvorsitzende Köhler, Landenhausen, wies darauf hin, daft der Bund jetzt auf sein zehnjähriges Bestehen zurückblicken könne. Von einer Feier des zehnjährigen Jubiläums sah man in Anbetracht der schlechten Zeitverhältnisse jedoch ob. Der Geschäftsbericht gab den Mitgliedern einen Einblick in die Arbeit des Bundes. Es wurde allgemein bedauert, daft zwei Vereine aus Ersparnisgründen aus dem Bunde ausgetreten sind. Aus dem Kassenbericht ging hervor, daft die Bundeskasse zur Zeit einen Barbestand von 206,44 Mk- aufzuweisen hat. Dem Rechner konnte, da die Kasse in Ordnung befunden wurde, Entlastung erteilt werden. Die Wahlen ergaben die einmütige Wiederwahl der satzungsgemäß aus- scheidenöen Vorstandsmitglieder. Lediglich für den freigewordenen Posten des zweiten Schriftführers wurde Herr B e r l a u, Wallenrod, gewählt. Lieber die Abhaltung des Sängerbundesfestes für 1932 entspann sich eine ausgedehnte Aussprache. Es wurde beschlossen, das Dundesfest 1932 ausfallen zu lassen; das Bundesfest 1933 soll dem Gesangverein Landenhausen übertragen werden. Rachdem noch der Gesangverein „Liederkranz" Lauterbach unter der Leitung und Begleitung des Kapellmeisters Seidel einen Strauftschen Walzer gesungen hatte, fand die Tagung ihr Ende. Der nächstjährige Bundestag findet in Landenhausen statt.
Landkreis Gießen.
) ( Lich , 14. Okt. Am Sontagabend veranstaltete Konzertorganist von der Au, Mainz, in unserer Stiftskirche eine Orgel.feierftunbe. Sie wurde eröffnet mit der Fantasie und Fuge in 0-Moll von Johann Sebastian Bach. Es folgten Händels Orgelkonzert in F-5>ur, Liszts Prä-
I Raja Dosanyi kam über die Felder, den breitrandigen Strohhut über den Arm hängend, so daft die Rachmittagssonne voll auf ihr Gesicht brennen konnte. Unter dem Rotdornbaum der Grenzmarkung stand der Künstler und wartete auf sie. Er hatte sie kommen sehen.
Seine Hände lagen in der Tasche des Rockes geballt, und das Zittern des Hemdes verriet die Erregung, die ihn durchwühlte. Sie wollte ohne Gruft und Blick an ihm vorüber, aber sein hohn- volles Auflachen rift ihr den Kopf zurück. Dann machte sie ein paar Schritte auf ihn zu.
„Hast du ein Recht, mich zu verhöhnen?"
„Ich denke."
„Du?"
„Ein Weib, das sein Kind verschenkt."
Das mattgebräunte Gesicht wurde blaft.
„Mein Kind hast du vor Ianos Tür gelegt!“ schrie er sie an. Er vermochte sich nicht mehr zu beherrschen. Der Mensch, der vor Raja Bosanyi stand, war furchterregend.
Ihre Hand zitterte nach dem blutleeren Gesicht empor. „Du hast kein Recht, mich fo zu schmähen."
„Das habe ich."
„Vielleicht — wenn es dein Kind wäre! Aber es ist nicht das deine."
„Du lügst!"
Sie schüttelte den Kops. „Ich bin lange fort gewesen, fast ein Jahr. In Wien ist es geschehen! Ja, in Wien. Ich kenne nicht einmal seinen ‘Hamen.“
„Raja!"
„2aft!“ gebot sie, als er nach ihren Händen griff. „Run kannst du gehen und meine Schande in die Steppe schreien. Ich fürchte mich nicht mehr."
„Raja!" Er wagte es nicht, ihr noch einen Schritt näher zu tretsn. „Ich will nichts, als daft du mir sagst, ob es mein Kind ist."
„Olein! Es ist das des anderen. Ich habe ihn so über alle Maften geliebt! Lieber alle Maften! Aber nun weift ich nicht einmal mehr feinen Hamen."
„So vollständig willst du ihn vergessen!"
„3a, so vollständig."
Es flimmerte Horvath vor den Augen. Er wuftte, daft alles Lüge war, was sie sagte. Er touftte auch, weshalb sie log. Sie fürchtete für fein Leben, wenn Dosanyi inne würde, daft er der Vater des Kindes war. Rur deshalb. So über alle Maßen liebte sie ihn. Er wollte aufs neue nach ihren Händen fassen und lieft sie wieder sinken, als er gewahrte, wie groß ihr Widerwille gegen ihn war. „Wenn du erlaubst, nehme ich das Kind zu mir. Es wird gut behütet sein."
„Ich will mich nicht von ihm trennen. Es ist das einzige, was mir blieb."
„Ich bring es dir alljährlich nach der Steppe. Den ganzen Sommer darfst du eS haben."
lubium und Fuge über den (Hamen „Dach", Rheinbergers Orgel-Sonate in O-Moll und zuletzt Regers „Fromme Ditte" und Orgel-Toccata in O-Moll Der Vortrag des Organisten stand auf künstlerischer Höhe. Schriftlesungen von StVtS- pfarrer Draudt gehalten und Lieder des Veranstalters von Dach, Schubert und Hiller verbanden die Orgelvorträge. Der Abend hinterlieft einen tiefen Eindruck.
Kreis Friedberg.
WSR. Friedberg, 14. Okt. Anfang nächster Woche beginnt die diesjährige Kampagne der hiesigen Zuckerfabrik Wetterau AG. Infolge der Kontingentierungsbeschlüsse der Zuckerproduzenten kommen bei der hiesigen Fabrik in diesem Jahr etwa 650 000 Zentner Rüben zur Anfuhr, d. h. nur etwas mehr als die Hälfte der im Vorjahr verarbeiteten Menge. Die Dauer der Kampagne, Oie früher etwa 12 Wochen betrug, wird dadurch auf die Hälfte verringert.
Kreis Büdingen.
4k Ridda, 14. Okt. In diesem Jahre wurde das Innere des hiesigen Rathauses einer Renovierung unterzogen und dabei auch gleichzeitig einige notwendige Veränderungen vorgenommen. Statt der unpraktischen Heizung der Räume mit Holz- und Kohlenöfen wurde eine Zentralheizung eingerichtet. Der seitherige Sitzungssaal im ersten Stock erwies sich bei öffentlichen (Beratungen, denen eine größere Zahl von Zuhörem beiwohnte, manchmal als zu klein. Deshalb wurde der Saal durch Hinzunahme des Geschäftszimmers des (Bürgermeister^ vergrößert und die anschließende große Schreibstube des Dür- germeiftereiperfonal8 in zwei Räumen für den Geschäftsbetrieb der Stadtkasse eingerichtet. Die (Bureauräume des Dürgermeistereisekretariats und das Amtszimmer des (Bürgermeisters und Standesbeamten wurden in den zweiten Stock des RathauSes verlegt. Die Reuerungen finden allgemein Anklang.
X Ridda, 14. Okt. Der Versand von A e p f e 1 n ist am hiesigen Bahnhof feit 14 Tagen sehr rege. Täglich wurden etwa 2 bis 3 Eisenbahnwagen Aepfel (Schüttelobst) eingeladen. Die Verkäufer erhielten für den Zentner frei Anfuhr 1 Mark. Run fetzt auch der Verland von belle- rem Obst ein. Der Preis beträgt je Zentner Boskop 6 Mk., Wintergoldparmänen 5 Mk., Goldreinetten von Blenheim 5 Mk., für die übrigen Tafeläpfelsorten 4 Mk. Wirtschaftsobst wird der Zentner mit 2 bis 3 Mk. bezahlt. Die sog. Einheit s k i st e wird allgemein bevorzugt. Die Rachfrage nach solchen Kisten ist Sehr groß.
KreiS Schotten.
sch BobenhauSenll, 14. Okt. Der nach langer Krankheit verstorbene Polizeidiener Heinrich Lich au, der 30 Jahre lang Sein Amt in treuer Pflichterfüllung innehatte, wurde biefer Tage unter großer Anteilnahme der Bevölkerung zu Grabe getragen. Bürgermeister Möser gedachte in einer kurzen Ansprache der vorbildlichen Beamtentreue des Verstorbenen und Seine- heiteren, rücksichtsvollen WeSens. Der Krieger- verein erwies dem Heimgegangenen die letzte Ehre. Als Rachfolger tritt Polizeidiener Wilhelm Geift den Dienst an.
-f- Ober-Schmitten, 14. Okt. Innerhalb einer Woche wurden auf der hiesigen Station annähernd dreißig Waggon Kelterobfk verladen. Die Aepfel rollten zum größten Teil nach Baden, zum Heineren nach Frankfurt und Württemberg. Etwa 8000 Zentner Schüttelobst wurden aus den Gemarkungen Ulfa, Unter- und Ober-Schmitten angeliefert. Der Ankauf von Pflückobst, Wirtfchafts- und Tafeläpfeln seht bei anziehenden Prellen langsam ein. Der Versand auf der Bahn ist fo stark, daß die Züge oft mit großer Verspätung verkehren. Begehrt sind vor allen Dingen Schöner von Boskop, die verschiedensten Reinetten, Goldparmäne und Rheinischer Bohnapfel.
„Es muß auch im Winter bei mir sein. Gs Soll nicht frieren.“
„Das würde es auch bei mir nicht."
„(Hiemanb kann es fo mit feinem eigenen Leibe wärmen wie ich." Sie Schloß die Lider zur Hälfte, um das Flimmern ihrer Augen zu verbergen. „Geh jetzt! Der Vater kommt über die Felder."
„Ich werde auf ihn warten."
„Rein!" warnte fie hastig. „Vergift, waS einmal geweSen ist, wie auch ich bergefSen will." Und als er noch immer stand und wartete, ftieft fie hastend heraus: „ Frag deine Großmutter, was zwifchen dir und mir steht. Und du wirft begreifen."
„Ich will nicht mit ihr darüber reden. Sag du mir’« Selber.“
Bofanhis Gestalt kam immer näher. Horvath wich nicht. Das Mädchen war ratlos in Seiner Angst und Verwirrung. Er mußte Antwort haben, damit er ging. „Deine Mutter war einmal meines Vaters (Braut. Der deine hat fie ihm genommen und mußte es mit dem Leben büßen. Er fiei durch meines Vaters Hand. Run weißt du alles. Geh jetzt!"
„Dein Vater war alfo der Mörder deS meinen7"
Sic nickte, faß die Wangen deS geliebten Mannes in fahler Bläffe leuchten und strömte von Mitleid über. „Guido!"
Er hörte es nicht. Vorwärts wankend, ging et den Weg entlang und verfchwand zwifchen den Halmen, die ihm Gesicht und Schultern streiften. Die Aehren knisterten, als er sich mitten in ihrer wogenden Fülle niederließ. Richt- als die Schwankenden Stengel neben und den blauen Himmel über Sich. Suchte er Ordnung in den Aufruhr Seiner Gedanken zu bringen.
„Das ist es alfo! Das!" Er hielt den Kopf zwifchen den Händen, die ttoh der Sommerglut Sich eifig anfüßlten. „Es geht nicht", dachte er verzw<üSelt. „Es geht nicht!" Er zog die Knie auf und legte die hämmernde Stirne darein. „Wie hatte Raja gefagt: Seine Mutter war einmal Bofanyis Braut gewefen. DofanhiS Braut!" Er Sagte eS ein duhendmal vor Sich hin und wurde rußiger.
Das kam vor. Hunderte Male kam da- vor, daß Menfchen Sich erSt liebten und dann auäein» anbergingen. „Dein Vater ßat fie ißm genommen“, ßatte Raja gemeldet. Er dachte wieder nach. Es machte ißm Solche Müße. Sein KopS war wie wund geSchlagen. Sein Vater hatte Bvfanyi die (Braut genommen, gestohlen, an Sich geriffen und zu feinem Weibe gemacht. Lind er? War der Sohn biefer Frau, die Bofanyis Braut gewesen war. Der Sohn dieser Frau.
Er fing wieder von vorne an. Es ging einfach nicht, das alles zu Ende zu denken. Er kam fiw vor wie ein Irrer Dann kam das Verebben, das Abflauen der seelischen Erschütterung. Er zwang Sich mit aller Gewalt zum Weiterordnen des Ganzen. (Fortsetzung folgt)
' unbS!1,^V bet ■'« N D°'°HT üt imx«bez tl *" «SS
der
.