Rr. 2|5 Erstes Blatt 181. Jahrgang Dienstag, 15. September (93( Erscheint täghd), aufon Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Siebener ^amilienblätter Heimat im Bild Die Scholle monatiBe)ug»prel«: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig ftk Träger- lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerNmnmern infolge höherer Gewalt. Hernsvrechanschliiße anterSammelnummer225l Lnlchrift für Drahtnach« richten anfeiger Oiehen. poßjchestlonlo: llfranttvrt om Main 11686. ©tefjener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvd und Verlag: vrühl'sche Unlverfftütr-Vuch- und Stetnöniderei R. Lange In Gießen. 8chnftleilung und Geschäftrftelle: Schulitraße 7. Annahme von Mnjeigen für die lagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis lur [ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig, für Re» hlameanfeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20' . mehr. Chefredakteur Dt. Frtedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Sieben. Oie preußische Sparnotverordnung tritt in Kraft. Fivanzmmifier Höpker-Aschoff begründet das Sparprogramm. Oie Krisis der Staatsfinanzen Ter tainftrophaie Viüdgattg vereinnahmen Berlin, 14 Sept. (CNB.) Die preußische Staatsreaierung veröffentlicht heute in der Preußischen Gesetzessammlung die Sparnotoerorb- nung Die Notverordnung ist fast 30 Seiten der Gesetzessammlung lang Ihr ist noch eine weitere Notverordnung angchnngl. durch die das preußische W a h i g e s e tz geändert wird Der preußische Fi. nan-minister Dr Hopser-Aschoff äußerte sich in einer Pressebesprechung über die neue Notoer Ordnung. Die Lage der preußischen Finanzen, |o führte er aus, war bis zum Jahre 1930 geordnet Die Haushaltspläne und Die Rechnungen waren bis zum Fahre 1929 einschließlich ausgeglichen Am 1. April 1930 waren auch die Anleiheausgaben bis auf einen geringen Betrag durch langfristige ober mittelfristige Anleihen abgedeckt Die schwebende S ch u l b betrug am 1 April 1930 190 Millionen, aber bieser jdjroebenben Schuld stand — nach Abdeckung des Ultimobedarfs — ein Guthaben bei der Staatsbank von gleicher Höhe gegenüber Im Jahre 1930 trat bie Wenbung ein Das Rechnungsjahr 1930 schloß infolge bes Rückgangs ber Reichssteuerüberweisungen unb ber Ueberschüsse ber Forstverwaltung trotz verminberter Ausgaben mit einem Fehlbetrag von 204 Millionen Reichsmark. Die Einnahmen unb Ausgaben bet kvmmenben Monate können ins Gleichgewicht gebracht werden, wenn 1 die Reichssteuerüberweisungen nicht noch weiter zurückgehen, ober bas Reich den Landern einen entsprechenden Ausgleich gibt. 2. wenn der Ausfall bei ber Hauszinssteuer durch eine andere Verteilung der HauszinSsteuermittel ausgeglichen wird; 3. wenn namhafte Ersparnisse vorgenommen werden. Die Aenderungen ber BesolbungoOrdnung. Auirndungssperre — Zulagenkürzung venstonSknrzunq Die Ersparnisse bei den sächlichen Ausgaben werden für den Rest des Jahres rund 50 Millionen Mark betragen. Die Personal- auSgaben sind durch die erste Gehaltskürzung um 83,4 Millionen, durch die zweite Gehaltskürzung um 74,3 Millionen gesenkt worden, sie werden durch die heutige Rotverordnung um weitere 46 Millionen Mark gesenkt, alles auf das Jahr berechnet. Wenn man bedenkt, daß die Desoldungserhöhung des IahreS 1927 einen Mehraufwand von 201 Millionen Mark erforderte, so sieht man, daß dieser Mehraufwand durch die drei Gehaltskürzungen restlos befeitigt wird und erkennt die Größe des Opfers. daS den (Beamten zugemutet werden muß. Die neue Rotverordnung sieht von einer allgemeinen Gehaltskürzung ab. Es handelt sich im wesentlichen um folgende Maßnahmen: 1. Das Aufrücken in den Dienst- alterS stufen wird für zwei Jahre gehemmt. 2 Die (Bezüge der außerplanmäßigen Beamten werden gekürzt. 3. Die Zulagen werden gekürzt oder beseitigt, und zwar beseitigt dann, wenn die mit einer Zulage bedachte Stelle eine besondere Funktion nicht auszuüben hat. Die beiden ersten Maßnahmen werden auch im Reiche durchgesührt werden. Außerdem werden von Reichs wegen mit unmittelbarer Wirkung für die Länder und Gemeinden die Pensionen von 80 aus 75 Prozent des Gehalts gesetzt und damit auf den Stand der Dorkriegszeit zurückgebracht. Das preußische Kabinett hat sich einmütig auf den Standpunkt gestellt, daß an der Gleich st ellung ber Volks fchutlehrer mit den mittleren Beamten festgehalten werben müsie, bah aber anbererseits b i e Zulagen der Lehrer mit ben Zulagen ber mittleren Beamten in Einklang gebracht werben müssen Die Aenberung ber Zulagen bei ben Dolksschullehrern bebingt eine anbere Einstufung ber Mittelschullehrer unb ber Berufsschullehrer Die voraesehene Kürzung ber Pensionen macht auch eine Kürzung berDezüge ber emeritierten Professoren notwendig Für die Zukunft soll die Emeritierung durch die Pensionierung ersetzt werden, das ist gerechtfertigt, weil b'e festen Bezüge der Professoren durch die Besol- 'mng.'Orbnungen der Nachkriegszeit sehr erheblich her den Vorkriegsstand hinaus gesteigert worden D Die Pensionen der Professoren werden in Zu- :mft die Bezüge, bie sie in der Vorkriegszeit als ineriti bezogen, noch immer erheblich übersteigern. ei den Notaren, deren Gebühren durch die acben Gehaltsforderungen nicht betroffen sind unb 'eren Bezüge nach einer Entfcheibung des Oberver valtungsgerichts auch der Gewerbesteuer nicht un- te»warfen werden können, soll der Staat in Zukunst an den Gebühren, die im Einzelfall 500 Mark n-chi übersteigen, beteiligt werden Line besondere Notverordnung betrifft das L a n - d Wahlgesetz und vermindert durch Er- h Huna des Wahlquotienten von 40 000 auf 60 000 d - e Zahl der Abgeordneten um ein Drittel Eine entsprechende Verminderung der Zahl der Staatsratsmitglieder ist geplant, setzt aber eine Aenberung ber preußischen Verfassung voraus, bie nur burch eine Vorlage im Landtag herbeigeführt werden kann Die Dienstbezüge ber Gemeinbebeamten. Angleichung an Dir vczüge her Staate- beamten D>e Sonberbefttmmungen für Gemeinden und ©emelnbeof rbänbe enthält bie Vorschrift, bah bie Verwaltungsorgane ber Gemelnben unb Gemeinbeoerbänbe berechtigt sink», alle Mah- nahmen zu treffen, bie zum Ausgleich der Haushalte der Gemeinden und Gemeindever- bände erforderlich sind. — Verträge können auch erforderlichenfalls mit halbmonatiger Frist gekündigt werden Ausgenommen hiervon sind jedoch Tarif- oerträge Die Gemeinden und Gemeindeoerbände werden verpflichtet die Dienstbezüge der hauptamtlich a n g e ft eilten Beamten, deren Wartegeld und Ruhegehalt sowie die Versorgung der Hinterbliebenen so zu regeln, daß die Regelung den fürdieStaatsbeamten g eite n b e n Grunbsätzen entspricht unb bie Be- züge in keinem Falle höher liegen als bie Bezüge gleich zu beroertenber Staatsbeamten. Die Gemeinben müßen sofort nachprüfen, ob bie bei ihnen beftebenbe Besolbungsänberung der Vorschrift entspricht Als Anlage werben Richtlinien für bie Festsetzung bei Bezüge ber Gemeinbebeamten ge- geben. Die Richtlinien sehen vor: Für die Stabtgemeinbe (Berlin ein Grundgehalt des Oberbürgermeisters von 30 000 Mk., des Bürgermeisters und StadtkämmererS von 22 000 Mk., der Stabträte von 16 000 Mk. Ferner folgende Höchstsätze: I. Städte von 400 000 bis 1 000 000 Einwohner. Oberbürgermeister 18 000 bis 24 000 Mk., 2. Bürgermeister 15 000 bi« 17 000 OHL, Stadtrate 12 600 Mark II Städte von 100 000 bis 400 000 Einwohner Oberbürgermeister 15 000 bis 18 000 Mk., 2. (Bürgermeister 13 000 bis 14 000 Mk., Staöträte nicht mehr als 10 600 Mk. III Städte von 50 000 biS 100 000 Einwohner: Oberbürgermeister 15 000 Mk., 2. Bürgermeister 13 000 Mk.. Stadträte 8400 Mk. IV Städte von 30 000 bis 50 000 Einwohner und kreisfreie Städte: Oberbürgermeister 14 000 Mark, 2. Bürgermeister 10 600 Mk., Stadträte 8400 Mk. V Kreisangehörige Städte von 10000 bis 30 000 Einwohner: Bürgermeister 12 600 Mk., 2. Bürgermeister 8400 Mk., Stadträte 8400 Mk. VI. Städte von 2500 bis 10 000 Einwohner: Bürgermeister 8400 Mk. VII Städte unter 2500 Einwohner: Bürgermeister 5000 Mk. Bürgermeister und Beigeordnete der Aemter In der Rheinprovinz und in Westfalen dürfen keine höhere Besoldung erhalten als die entsprechenden städtischen Beamten in den entsprechenden Gruppen. Das gleiche gilt für die hauptamtsbesoldeten Dorstandsbeamten der Landgemeinden. Ruhegehaltsfähige Zulagen dürfen nur insoweit bewilligt werden, als sie zusammen mit dem Grundgehalt nicht das für die einzelnen Beamtenkategorien festgesetzte Höchstgrundgehalt übersteigen. Richtruhegehaltsfähige Zulagen dürfen den in den Richtlinien genannten Beamten nicht gewährt werden. Aufwandsentschädigungen dürfen nur Oberbürgermeistern, Amtsbürgermeistern und Gemeindevorstehern gewährt werden <9ieparlament0reform in Preußen TcrLandtag wird um ein Drittel verkleinert Die preuhifche Regierung hat ihre Rowerord- nung dazu benutzt, um einen ihrer alten Wünsche auszuführen und den Personalbestand des Landtags wesentlich herabzu- schrauben. Während nach dem geltenden Recht auf je 40 000 Stimmen ein Abgeordneter entfällt, sollen künftig 60 000 Stimmen dazu notwendig sein. Das bedeutet also eine Knappung der Zahl um ein volles Drittel. Das ist kein Fehler. Der preußische Landtag ist heute, obwohl Preußen doch im Friedensvertrag große Teile abgeben muhte, stärker als im Frieden, bei einer verhältnismäßig schwachen Wahlbeteiligung. Legt man die Zahl der letzten Reichstagswahl zugrunde, dann würde man auf fast 600 Abgeordnete kommen. Ein überflüssiger Lurus. doppelt überflüssig, da die Länderparlamente doch seither außerordentlich von ihrer Bedeutung verloren haben, also nicht unnötig aufgebauscht zu werden brauchen. Fraglich kann nur fein, ob der Weg, den die preußische (Regierung jetzt beschritten hat. zweckmäßig ist. Es liehe sich vielleicht denken, dah man zu einer festen Mandatszahl käme und darauf dann die jeweils abgegebenen Stimmen umrechnete, fo dah also der Wahlquotient je nach der Wahlbeteiligung größer oder kleiner sein konnte. Immerhin, der Zweck wird auch hier erreicht, selbst bei stärkster Wahlbeteiligung wird tünfttg- hin der preuhifche Landtag nicht mehr als vierhundert Abgeordnete zählen, und das ist immer noch mehr als reichlich. Ob freilich ein Lotst a n d vorliegt, der die Anwendung der Rot- verordnung rechtfertigt, darüber werden sich wohl die Juristen unterhalten. Die neue Bestimmung soll erst bei den nächsten Wahlen in Kraft treten. Bis dahin hätte der Landtag noch Zeit genug gehabt, im Wege der ordentlichen Gesetzgebung eine entsprechende Aenberung zu beschließen. Indessen, dte preußische Regierung kennt wohl Ihren Landtag und weih, welche persönlichen Hemmungen bei einer solchen Reform innerhalb Der Fraktionen zu überwinden gewesen wären. Oie Beamten wollen klagen. Berlin, 14. Sept. (XU.) Zu der soeben ver- össentlichten Rotverordnung der preußischen Staatsregierung hat der fofort jufammenberufene Dorstand des LandeSverbande« der Höheren (Beamten Preußens folgendermaßen Stellung genommen: .Die Notverordnung greift in das Beamtenrecht willkürlich und mit dauernder Wirkung abändernd ein. Sic überschreitet den Rahmen der Rotverordnung deS Reichspräsidenten vom 24. August, die nur Maßnahmen von vorübergehender Dauer zum Ausgleich de« Haushalts zuläßt. In Wahrung des RechtS- gedankens, der nicht nur die Grundlage de« Beamtentums, sondern auch deS DolkSstaateS selbst bildet, wird der Landesverband eine Entscheidung über bie Rechtsgültigkeit der getroffenen Maßnahmen im ordentlichen Rechtswege herbeiführen." Die Roi ist da! Wir wollen helfen! — Ein Ausruf der freien Wohlfahrtsverbände zur Winterhilfe für notleidende Volksgenossen. 0 I e Jl o t I fl b a. Sie ift V allen Berufen unb Stäuben. Sie ist auch im Hause des Fleißigen unb Sparsamen, wenn er keine Arbeit findet. Unb Millionen in Deutschland, bie arbeiten möchten, f I n - ben keine Arbeit. Der Zusammenbruch droht heute nicht mehr einzelnen, sondern dem ganzen Volke. Der Streit um bie Schuld an der Rot hilft uns nicht weiter Lr macht keinen hungrigen satt, wir wollen nicht streiten, wir wollen helfen! Die Liebe zum Nächsten und die Sorge um die Zukunft unseres Volkes unb damit auch um bie eigene Zukunft müssen Zusammenwirken, da» letzte, was jeder bergeben kann, herauszuholen und es einzusehen im Kampfe gegen die Rot. Geld, Lebensrnittel, Kleider, Sachen, Holz und Kohlen, alles kann Helsen. Rot zu lindern, wenn in rechtem Sinne und am rechten Ort gegeben wird. Keiner darf sagen: Ich kann nichts geben, mir geht es selber schlecht genug. Wenn du nicht mit- helfen willst, der Rot zu wehren, wird e» bk halb noch schlechter gehen. Etwas zu geben h a t je ber. Wer sonst gar nichts hat, hat noch seine Zelt unb seine Hände, um mitzuhelseu, dah von dem, roa» andere geben können, nicht» umkommt und alles an Ort unb Stelle gebracht wirb. An allen Otten im beutschen Vaterland, in allen Bezirken, Provinzen unb Ländern werden Summe I ft e 11 e n eingerichtet. Dorthin gebt eure Gaben. Dort meldet euch zum Helferdienst. Hilfe ist überall nötig. Auch dafür wird gesorgt, dah jeder für die Kreise eintreten kann, deren Rot ihm besonder» am Herzen liegt. Run gebt auch wirklich! Gebt, soviel ihr entbehren könnt! Führt mit un» den Kampf gegen die Rott Wir wollen helfen! Dentfche Liga der freien Wohlfahrtspflege: Zentralausfchuh für die Innere Mission der deutschen Evangelischen Kirche, Deutscher Kari- tasverband, Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden, Deutsches Rote» kreuz, Genfer Wohlfahrtsverband, Christliche Arbeiterhllse. e Die auherordenlliche wirtschaftliche Rotlage, die gegenwärtig die ganze Welt Heimsucht, hat unser Vaterland besonder» hart getroffen. Wir werden diese Röte überwinden, wenn da» Volk in h i l s »b e r e i t s ch a s t unb Opferjlnn z u - sammen steht. Reichspräsident unb Relch»regie- rung richten daher an alle, die helfen können, die dringende Bitte, dem Ausruf zur Winter- Hilfe bereltroilligft Folge ju lei ft en. E» geschieht die» auch In der Hoffnung, dah solche Clebeetätlgfeit zur inneren Versöhnung unseres Volke» beitragen möchte. Vie Hilfe soll die grohe Rot lindern, aber sie soll auch neue» menschliche» vertrauen schaffen unter den deutschen Volksgenossen selbst und für da» deutsche Volk in der Welt Der Reichspräsident: v. Hindenburg für die Reichsregierung: Dr. Brüning, Reichskanzler. Wer nicht für ein bestimmte» Gebiet geben, aber Dort helfen will, wo die Rot besonder» groh ist, der überweise seinen Beitrag an bie Deutsche Liga ber freien Wohlfahrtspflege. Berlin N 24, | Oranienburgerstrahe 13 14 ober auf deren Post- | scheckkonto „Abteilung Winterhilfe" Berlin Rr. 33643. Der putsch vor derWahl Don unserem H.’Beridjterftatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Wien, 14. September 1931. Acht Tage vor dem Abschluß ber ftanbibatenliften für bie Wahl bes neuen, mit erweiterten Vollmachten ausgerüsteten Bunbesprösibenten unb mitten in ber Zett ber Demütigungen, benen Oesterreich in Genf ausgesetzt ist, brach in ber Nacht von Sonnabend zu Sonntag ber Putschversuch ber steirischen Heimwehrgruppe über bas Land herein. Die Hintergrünbe des Putschoer. suches sind noch recht dunkel. An offenbaren Tatsachen sieht man nichts als den mit völlig unzu- länglichen Mitteln versuchten Handstreich, der sofort abgeblasen wurde, als die gar nicht einmal so über- mächtige Staatsmacht entschlossen zugriff. Unbeantwortet aber sind die Fragen mit wem? Warum? Für was? Für den alten Heimatschutz —, den Heimwehrgedanken, ist der Putschversuch Dfriemers geradezu eine Tragödie. Die in berechtigter Notwehr er- wachsene Heimatschutzbewegung, die sich unter der Führung Steidles einst aus guten Gründen von der Parteipolitik fernhielt, wollte nichts anderes fein als eine staatsbürgerliche Schutztruppe gegen den staatsfeindlichen Terror der verhetzten Straße. Diese Heimwehrbewegung aber war ein Machtfaktor, der plänefchmiedende Porteipolttiker zu dem Versuch reizte, diese Kräfte für eigene Pläne zu mobilisieren Einer der Männer, der immer und immei wieder versuchte, die Heimwehren für sich einzuspannen, war Dr Seipel, ber frühere Bunbeskanzler Er wollte bie Heimwehr nicht so ehr seiner eigenen Partei, ben Ehristlichsozialen, »enen sie an sich ja schon befreunbet waren, zu- ühren — aber er hat zweifellos jene Entwicklung möglich gemacht, bie unter ber Führung bes dürften Starhemberg zur Gründung einer Dr. P f r f e m e r der Führer ber steirischen Heimwehr. Heimwehrpartei unb gleichzeitig zur Spaltung ber Heimwehren führte. Die Gruppe, bie ba in der Steiermark einen Putschversuch unternommen hat, ist nicht die große Heimwehr, sondern ist eine völlig selbständige Gruppe Starhemberg-Pfriemer. Auch wenn gerade in den letzten Wochen mtt scheinbar günstigen Ersolgsaussichten der Versuch einer Wiedervereinigung der organisatorisch völlig getrennten Heimwehrgruppen unternommen worden ist, besteht doch sicherlich keinerlei Verbindung zwischen den aufständischen Heimwehren und etwa der Tiroler oder der Vorarlberger Heimwehr. Kein Gegner der Heimwehr konnte dieser solchen Schaden duftigen, wie es die selbständige Heimwehrgruope der Steiermark mit ihrem Putsch getan hat. Und es mässen merkwürdige Freunde des Heimwehrgedankens gewesen sein, die den Führern des Putsches den Rat zum Aufstand gaben ... Es wäre sehr interessant zu erfahren wie und unter welchen Voraussetzungen Pfriemer sich zu dem Fürst S t a r h e m b e r g, der frühere Innenminister. Putsch entschloß. Hat man ihm gesagt, daß das Bundesheer mitmachen würde? Hat man ihm bestimmte außenpolitische Zusicherungen gemacht? Glaubte Pfriemer vielleicht gar, nur ein Glied der großen südosteuropäischen Neuordnung zu sein, die nach dem Scheitern des deutsch-österreichischen Zollunionsplans immer mehr in den Vordergrund tritt? Hoffentlich werden diese Fragen beantwortet. Oder brannte in der Steiermark nur die blinde Opposition gegen die von Frankreich diktierten Bedingungen auf? Ein Vorgang, der nur zu verständlich wäre angesichts der Ketten, die das französische Kapital auch noch nach dem österreichischen Verzicht auf die Zollunion mit Deutschland dem Lande anlegen will. Bei den Teilnehmern am Putschversuch, bet dem einfachen Heimwehrmann, der Haus und Hof verlieh, um Pfriemers Ruf zu folgen, hat die Wut über die fortschreitende Entrechtung Oesterreichs sicher eine Rolle gespielt. Anders wäre es kaum denkbar, dah trotz der offensichtlich mangelhaften Organisation so umfangreiche Desehungsmahnahmen glatt funktionierten. Ader der Führer der Bewegung selbst, der doch in öffentlichen Aufrufen die Ueberncchme der Staatsgewalt verkündete, hat sich sicher nicht allein durch diesen verständlichen Oppositionsdrang zu einer in ihrem Ziele ganz unklaren Tat hinreihen lassen. Für eine Erhebung gegen die Genfer Diktate Frankreichs hätte er ja auch ganz andere Kräfte als nur diese Heimwehrgruppe zu mobilisieren vermocht — vorausgesetzt, dah der Plan eines politischen Widerstandes Hand und Fuß gehabt hätte. So bleibt nur die Vermutung, die sich auf eine Stelle bes ersten Aufrufs der Putschisten stützt, dah die ganze Bewegung bis zu einem gewissen Grade Änen legitimistischen, einen schwarz-gelben Einschlag hatte. Die Folgen des Putsches werden am härtesten den Heimwehrgedanken treffen, den die Heimwehrputschisten selbst am gröblichsten verletzt haben. Schon erheben die Sozialdemokraten die Forderung nach einer Entwaffnung und Auflösung der Heimatwehren und schon versucht man geflissentlich, den Unterschied zwischen den Putschisten uni) der wirklichen Heimwehr zu verwischen. Man wird es schon verstehen, die Heimwehr als solche ins Unrecht zu setzen. Auch gibt es Leute, die offen aussprechen, dah bei geschickter Verwertung der zu erwartenden Untersuchungsergebnisse nunmehr der Zeitpunkt gekommen sei, eine erste österreichische Bundesregierung aus der Koalition mit den Sozialdemokraten aufzubauen. Währenddes sollte sich Oesterreich eigentlich schon für einen bedeutsamen Wahlkampf rüsten' Die Wahl des Bundespräsidenten, die zum erstenmal nicht mehr durch die Rationalversammlung, sondern durch das Volk selbst vorgenommen werden soll und aus der ein Präsident hervorgeht, der erheblich erweiterte Befugnisse besitzt. Befugnisse, die rein rechtlich auch der gegenwärtige Präsident schon hatte, die er aber so gut wie gar nicht ausübte, weil sie ihm nur durch das Parlament und noch nicht vom Volke selbst gegeben waren. Es gibt nicht viele Kandidaten für den besonders jetzt so verantwortungsvollen Posten, und die Mehrzahl der Parteien verzichtet auf jede Rominierung. Rur die Christlichsozialen, von denen Dr. Seipel — vergeblich — ausgestellt zu werden hoffte, haben den gegenwärtigen Präsidenten in Aussicht genommen und die Sozialdemokraten werden Dr. Renner präsentieren. Der Ausgang der Wahl ist nicht nur wegen der mangelnden Anteilnahme anderer Parteien, sondern vor allem auch in der Folge des Putschversuchs vom Sonntag noch recht ungewih. Die Verhaftungen. Fürst Starhemberg der Teilnahme verdächtigt. Linz, 14. Sept. (WTB.) Wie bereits gemeldet, wurde heute früh der ehemalige Innenminister und Landesführer der Heimwehr in Oberösterreich Fürst Starhemberg zusammen mit Graf Coreth auf seinem Schloh Hoch- scharten bei Weihenkirchen verhaftet. Starhemberg hatte bereits am Samstag dem Bezirkshauptmann von Efferdingen mitgeteilt, daß es wahrscheinlich in der Rächt auf Sonntag au einer Heimwehr-Initiative kommen werde, der e r selbst aber nicht zu stimme. Die Behörden schließen daraus, daß Starhemberg von dem bevorstehenden Putsch Kenntnis besaß, jedoch den Erfolg abwarten wollte, bevor er eine Entscheidung traf. In Graz wurde Ingenieur R a u t e r, der Stabschef Dr. Pfriemers. in seiner Wohnung verhaftet. In ganz Oesterreich herrscht volle Ruhe. Im Laufe des Tages wurden zahlreiche Verhaftungen vonLlnterführernder Putschbewegung vorgenommen. Ebenso wurde eine stattliche Menge von Waffen beschlagnahmt. Dr. P f r i e m e r ist heute nacht gegen die Staatsgrenze geflüchtet. Ob er diese überschritten hat, konnte noch nicht festgestellt werden. Wie die „Reue Freie Presse" erfährt, ist die Regierung fest entschlossen, aus den gestrigen Ereignissen die Konsequenzen zu ziehen und d i e Heimwehren aufzulösen und zu entwaffnen. Große Aufmerksamkeit in Paris. Wird der Zwischenfall zum Nachdenken anregen? Paris, 14. Sept. ($11.) Die Pariser Morgenblätter messen der Entwicklung der Unruhen in Oesterreich große Bedeutung bei und füllen ganze Spalten mit den letzten Rachrichten aus Wien, ohne schon ausführlich dazu Stellung zu nehmen. Lediglich der „Petit Parisi en" läßt sich von seinem Wiener Sonderberichterstatter melden, dah die Zwischenfälle, so bedauerlich sie auch seien, den Beweis dafür lieferten, daß die Mehrheit des österreichischen Volkes den Bürgerkrieg verurteile. Sie deuteten jedoch andererseits auch auf die beunruhigende Lage hin, in der sich Oesterreich befinde und die der Winter nur noch verschlimmern werde. Das linksgerichtete „O u v r e" ironisiert den Putsch und meint, die Heimwehrleute hätten, wie die Faschisten in Italien und die Rationalsozialisten in Deutschland, eine krankhafte Reigung zum Tragen der Uniform. In Oesterreich habe man versucht, Krüeg zu spielen, und dabei den regulären Truppen Gelegenheit gegeben, einige Hebungen in den Bergen auszuführen. Ohne den Faschismus zu unterschätzen, der in Oesterreich bestehe, könne man den Ausgang der Bewegung als ziemlich beruhigend ansehen. Die politischen Konsequenzen Die Times fordert von Frankreich Verständnis der Lage London, 14. Sept. (TU.) lieber den Putsch in Oesterreich berichtet die englische Presse sehr ausführlich. Die „Times" sagt, daß er die allgemeine Spannung in Europa noch verschärfe. Seine Bedeutung sei nicht sehr groß, aber er sei charalte r i st i s ch s ü r die Gefahren, die infolge der gegenwärtigen ungleichen Verteilung der inanziellen, politischen und wirtschaftlichen Kräfte ür die Beziehungen der europäischen Völker ent- tanben seien. Diese Gefahren könnten nur durch die freie Zusammenarbeit aller europäischen Mächte, insbesondere Frankreich und Deutschland, die sich ernsthaft um einen Ausgleich bemühen müßten, beseitigt werden. Ein Erfolg der Abrüstungskonferenz sei nur möglich, wenn sich bis dahin die französisch-deutschen Beziehungen gebessert hätten. Man habe Grund zu der Annahme, daß die französischen Minister konkrete Vorschläge in Berlin unterbreiten würden, die sich auf eine finanzielle und wirtschaftliche Zusammenarbeit bezögen. Politisch, finanziell und militärisch sei Frankreichs Vorherrschaft absolut, vielleicht viel absoluter als die Deutschlands zur Zeit des Sturzes von Delcafsä. Die „Times" wendet sich dann an Frankreich, dessen Staatsmänner die Geschichte zu gut kannten, um nicht d i e Gefahren einer d e r - artigen Führer st ellung zu sehen, die dep Natur der Dinge nach doch nur vorübergehend sein könne. Der erste Schritt Frankreichs müßte darin bestehen, die nicht erzwungene Mitarbeit seiner nächsten Nachbarn zu suchen. — „Daily leie« grap h" führt den Putsch der Heimwehr auf die politischen und wirtschaftlichen Ent- täuschungen der letzten Zeit, wie z. B. den Zusammenbruch der Zollunion zurück. Diese berechtigte jedoch nicht, sich zu unverantwortlichen Gewaltakten hinreißen zu lassen. — Die „Morningpost" bedauert, daß in dem Augenblick, wo Oesterreich des Kredits bedarf geputscht werde. — „Daily H e r a l d" bezeichnet den Auf- stand als ein theatralisches Unternehmen. Das Eisenbahnattentat bei Bia Torbagy. Ans der Suche nach den Attentätern. — Zusammenarbeit mit der Berliner Polizei. — Aehnlichkeit mit Jüterbog. — Die Höllenmaschine deutschen Llrsprungs. Die Trümmerftätte bei Bia Torbagy. M -■ « 1 A *V A A ; ■v- drei Leute den Anschlag verübt haben, wovon der eine der ungarische vertrauen»« mann einer ausländischen kommuni« stischen Bande ist. Die Täler sollen in einem Auto erschienen und abgefahren sein. Die Handschrift auf dem Zettel, der in der Nähe der lln- glücksstätte gefunden worden ist, weist auf die Hand eines intelligenten Mannes hin, der offenbar Törbaauj Unglücfcsstelle Do'r>»u \ Budapest UNGARN \ ß/cske dster^S<5checho-slowak£U REICH . ( Komorn \ Frauenhandschrift nachahmen wollte. Der Untersuchungsrichter gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Täter es deshalb auf einen internationalen Zug abgesehen hätten, damit Reisende verschiedener Rationen getötet wurden und die internationale Presse sich mit dem Fall beschäftige. Die Budapester Polizei steht mit der Berliner Kriminalpolizei in ständiger Verbindung, um auf Grund gegenseitiger Mitteilungen zu klären, ob nicht ein Zusammenhang zwischen dem Eisenbahnanschlag bei Jüterbog und dem bei Via Torbagy, einem überwiegend schwäbischen Wir erleben in der letzten Zeit eine Häufung von Gisenbahnattentaten, die keinen Zweifel daran erlaubt, daß es sich hier um das planmäßige Vorgehen terroristischer Banden handelt. Dem Anschlag von Iüterbog und den verschiedenen Gewaltakten in I u g o s l a w i e n ist jetzt das Attentat von Dia Torbagy gefolgt, das leider nur zu erfolgreich war und neben erheblichem Sachschaden zahlreiche Menschenleben gekostet hat. Obwohl es noch nicht gelungen ist, der Täter habhaft zu werden, steht doch bereits fest, dah es sich um das ruchlose Werk von Kommun i st e n handelt. Diese Tatsache ergibt sich einwandfrei aus dem Zettel, der an der Tat- stelle gefunden wurde und der in schwülstigen kommunistischen Redewendungen weitere Gewalttätigkeiten in Aussicht stellt. Richt nur diese „Kundgebung" bringt eine fatale Parallele zu dem Vorgang bei Iüterbog, wo bekanntlich von den Tätern ebenfalls eine revolutionäre Mitteilung zurückgelassen wurde. Auch die Anlage und Durchführung des Attentates in Ungarn geigt eine weitgehende Aehnlichkeit mit dem Anschlag auf deutschem Boden. Ebenso ist der Sprengkörper, der verwendet wurde, von gleicher Art. Der Zweck dieser Gewalttaten liegt auf der Hand. In keinem der Fälle handelt es sich um eine Ausplünderung der Reisenden, also um die Befriedigung primitiver Raubinstinkte, vielmehr dürften die Verbrecher sich bereits vor dem Eintritt der Katastrophe in Sicherheit gebracht haben. Ihr Ziel war offensichtlich, eine tiefgehende Beunruhigung hervorzurufen, und man kann nicht leugnen, daß sie diese Absicht auch erreicht haben. Es ist charakteristisch, daß die Täter sich als Wirkungsfeld diejenigen Länder ausgesucht haben, auf denen die Wirtschaftskrise besonders schwer lastet. Die schon vorhandene Erregung soll auf diese Weise noch gesteigert und dem revolutionären Gedanken der Boden bereitet werden. In diesem Zusammenhang müssen wir uns auch die zahlreichen heimtückischen Heberfälle auf Po - lizeibeamte in der jüngsten Vergangenheit erinnern, denen die gleiche Tendenz zugrunde liegt. Die Einschüchterungsversuche nach Moskauer Art haben somit ein Ausmaß angenommen, das zu einer ausgesprochenen Gefahr geworden ist. Wir vermögen nicht zu glauben, daß die Komintern an diesen Vorgängen unbeteiligt sind. Wiederholt sind aus Moskau Rachrichten herübergedrungen, die besagten, dah die Bolschewisten eine regere Propaganda der T a t in Mitteleuropa in Szene zu setzen beabsichtigten. Das zeitliche Zusammentreffen dieser Meldungen mit den Attentaten kommunistischen Ursprungs muh bedenklich stimmen. Angesichts der verhängnisvollen Wirkung der Terrormethoden, die jetzt zur Anwendung gelangen, muß der Kampf gegen den Kommunismus mit aller Kraft ausgenommen werden. Es geht nicht an, daß ein Zustand völliger Unsicherheit entsteht und vor allem das Reisen zu einem lebensgefährlichen Unter» nehmerz wird. Attentats tragen bekanntlich leider den Reiz zu Nachahmungen in sich. Gelingt es also nicht, den verbrecherischen Burschen das Handwerk zu legen, so müssen wir damit rechnen, daß chaotische Zustände einreißen. Da es sich offenkundig um internationale Verschwörer handelt, müsien sie auch in internationaler Zusammenarbeit bekämpft werden. Daß auch vor drakonischen Maßnahmen nicht zurückgeschreckt werden darf, ^ersteht sich wohl von selbst. Das Gemeinwohl verlangt, daß die neue kommunistische Taktik, deren Auswirkungen wir so grauenvoll zu fühlen bekommen, bereits in ihren Anfängen lahmgelegt wird. Die Untersuchung. Budapest, 14. Sept. (TU.) Die Suche nach den Attentätern von Bia Torbagy gestattet sich sehr schwierig. Es sind keine Fingerabdrücke gefunden worden. Die Polizei ist der Meinung, daß Dorf, eine Verknüpfung besteht. Soviel ist gewiß, dah die Höllenmaschine deutschen Ursprungs ist. Ls sollen sich bei gegenseitigem telephonischen Austausch der Beobachtungen viele Anhaltspunkte für die Annahme ergeben haben, daß die Anschläge auf die gleiche Art begangen worden seien, vielleicht nach Verabredung. Al» Täter kommen im Umgang mit Sprengstoffen vertraute Personen in Frage. Die beiden Batterien, die den Kurzschluß in den mit etwa zwei Kilogramm Eorasit gefüllten Koffer auslösten, sind Erzeugnisse der Orion-Glühlarnpengesellschaft. Es wurde feftgc- steltt, dah die Batterien zwischen dem 3 0.August und dem 5. September in den handel gekommen sind. Ls wird nun besonders nach dem Verkäufer der beiden Batterien geforscht. Man ist der Ueberzeugung, daß die Attentäter da» ietft [JBSA. Ai Hex Lisenbahnviadukt, von dem dir Waggons infolge der Gleiysprrngung hinuntxrstürsto^. ' Land nicht verlassen konnten, da die Grenzstationen sofort von dem Anschlag verständigt wurden. Vie Polizei hat bisher 1 5 Personen verhaftet. die nachweislich mlt kommunistischen Zentralen Verbindung unterhalten haben. Die Unter- fuchung wurde auch in der Richtung fortgesetzt, ob nicht die Arbeiter der Elektrlzitälszentralc in der Nähe der Uuglucksställe bzw. die vergleule in den benachbarten Bergwerken Spreng ft ofse entwendet haben. Bemerkenswert ist, daß sich am Samstagnachmittag etwa sieben Stunden vor Ausführung des verbrechens eine Arbeiterin in einer labokhandtung danach erkun- digte, ob nicht In einer Zeitung bereit» über den Lisenbahnonschtog etwa» erschienen fei. Die Polizei forscht nun auch in dieser Richtung noch. OaS geheimnisvolle Telephongesprach. Budapest. 14. Sept (XU.) Zu dem geheimnisvollen Telephongespräch zwischen Budapest und Kopenhagen meidet der „Pester Lloyd", daß die hieran geknüpften Kombinationen unzutreffend seien. In Wirklichkeit habe sich folgende» »ugetragen: Der Stotionschef des Budapester Ost- bahnhos». der zur Zeit de» Attentat» Dienst hotte, sei dreimal aus dem Ausland telepbo- nisch angerufen worden, und zwar um 3 Uhr aus Ä o p en Hagen, um 8.15 Uhr aus' London und um 3.40 Uhr aus Berlin. In allen drei Fällen hatten sich nicht Privatpersonen, sondern Zeitungen nach dem Ausmaß der Kota- strophe erkundigt. Gespräche mit Privatpersonen feien nicht abgewickelt worden. Es habe sich beim Stationschef niemand in dem Sinne erkun- digt. daß er einen Reiseplan nach den Zuständen auf den Linien der ungarischen Staatsbahn einrichten wollte. Ein neues Kriegsschuldenmoraionum? -lmerilanijchc Bankiers bestürmen den Präsidenten Hoover. London. 15. Sept. ((DIB. Zunkspruch.) Der Washingtoner Korrespondent der ..Time»" meldet: L» deutet viele» darauf hin, daß in den nächsten Wochen, vielleicht schon in den nächsten Tagen, eine wichtige Entwicklung in der amerikanischen Politik eintrelen wird, die in einer Ausdehnung der Periode de» hooverplanes bestehen würde. Führende Bankier» der vereinigten Staaten bringen darauf, daß ein vier- oder fünfjährige» Moratorium für alle Kriegsschulden erklärt wird. Sie sind einstimmig der Meinung, daß die Ungewißheit der jetzigen Lage unberechenbaren Schaden anrichtel und daß die Beseitigung dieser Unsicherheit unbedingt notwendig ist. Sie beharren daraus, daß entsprechende Schritte getan werden, bevor der Kongreß zusammentritt. Der Korrespondent fährt fort: Unzweifelhast gibt e» in der Regierung Männer, die mit ihnen einverstanden sind, aber e» steht noch keineswegs fest, daß Präsident Hoover überzeugt worden ist. Alle», was über seinen Standpunkt bekannt lft. zeigt, daß er nicht geneigt ist. einen Schritt der angegebenen Art zu tun. bevor der Kongreß seine Ansicht über da» ursprüngliche Moratorium geäußert hat. Indessen nimmt der Druck, der aus ihn ausgeübt wird, zu. und die sinanzlellen Argumente werden noch durch da» politische Argument bestärkt, daß ein vier- oder süns- sähriges Moratorium den Hintergrund für eine Art d e u l s ch - f r a n z ö s i s ch e r Annäherung bilden könnte, die ernstlich gewünscht wird. Präsident Hoover wird es vorziehen, noch vielleicht sechs Monate zu warten, aber jedenfalls wird ja bald bekannt werden, ob er glaubt, daß eine solche Verzögerung möglich ist. Auch der Völkerbund soll sparen. China und Panama in den Rat gewählt. Genf, 14. Scpt. (WTB.) Die DölkerbundS- Dctfammlung hat d i e Wahl der nicht st an- digen RatSmitglieder vorgenommen. Nachdem Guatemala dieser Tage die Niederlegung seine- Ratsmandats zurückgenom- m e n hatte, waren nur die drei turnusmäßig ausscheidenden Länder Spanien. Persien und Venezuela zu ersehen. Spanien, das vor drei Jahren für wiederwählbar erklärt worden war. erhielt heute 43 von 48 abgegebenen Stimmen. Ferner wurden gewählt China mit sämtlichen 48 und Panama mit 45 Stimmen. Die zersplitterten Stimmen entfielen auf Ungarn, Mexiko und Portugal (je 2) und Belgien und Bulgarien (je 1 Stimme). Die Völkerbund-versammlung hat außerdem beschlossen, das Arbeitsprogramm des Völkerbundes für das nächste Jahr zur Erzielung von Ersparnissen zu prüfen und gegebenenfalls auf das unumgänglich notwendige einzuschränken. Der Präsident des Norwegischen Reichstags, Äambro. wies darauf hin. daß in verschiedenen Ländern die Deamtcngehälter erheblich herab- geseht worden seien und daß demgegenüber das Sekretariat heute noch nicht einmal die hohen Aufwandsentschädigungen der an sich schon außerordentlich gut bezahlten höheren Beamten gekürzt habe. Der 'Vertreter Japan- erklärte, daß der Völkerbund i mmer mehr eine europäische Angelegenheit werde. Die außereuropäischen Staaten hätten wenig Luft, einer solchen Einrichtung weiterhin große finanzielle Opfer zu bringen. Er sprach sich für eine Herabsetzung der Gehälter der Beamten, für eine Beschränkung der Zahl der Kommissionen und für eine Vertagung derjenigen Arbeiten, die nicht dringend notwendig feien, aus. Gandhi auf der indischen Konferenz. London, 14. Sept, (öl®.) Die Anwesenheit Gandhis verlieh heule der ersten vollzähligen Sitzung der indischen Konserenz ein besonderes Gewicht. Der Mahatma war wie stets mit einem Lendentuch und indischen Schal bekleidet. Der Lordkanzler Lord Sankey, der Dorsitzende de» Ausschusses, betonte, daß nun alle Schattierungen der indischen öffentlichen Meinung vollständig vertreten seien und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Konferenz mit Geduld und gutem Willen eine Regelung erzielen würde. Rach den einleitenden Worten Lord Sankeys erklärte der Maharadscha von B a r o d a . daß die Delegation der Prinzen bereit sei, ihr Bestes zu tun, um eine Lösung der schwierigen Probleme zu finden. Der mohammedanische Vertreter S a a f ii t A hmed Khan betonte, Gandhis Anwesenheit sei ein Faktor von ungeheuerer Bedeutung für die Arbeit des Ausschusses: denn dadurch wurde ein Einwand gegen den Ausschuß hinsällig, nämlich der, daß große Teile des indischen Volkes nicht oertreten seien. Er sprach seine Zustimmung zu den Grundsätzen des Bundes st aate» aus, der jedoch den einzelnen Teilen vollkommen« Autonomie lassen müsse. Die weibliche Delegierte Sub- barayan setzte sich unter großem Beifall für die Bürgerrechte der Frau ein, die in allen Teilen de» politischen Lebens von Indien eine Rolle zu spielen begänne. Auch andere Delegierte betonten die Bedeutung der Anwesenheit Gandhi«, der, wie groß auch ihre Meinungsverschiedenheiten ihm gegenüber seien, seinem Land und seiner Gemeinde in den letzten 30 Jahren unschätzbare Dienste erwiesen habe. Gandhi wohnte den Beratungen des heutigen Tages mit vollkommenem Schweigen bei. (Die Beobachtung fine» Schweigetages ist, wie der Sohn Gandhis erklärte, eine Vorschrift der Hindu- Religion zur Erreichung geistiger Konzentration.) Während die übrigen Delegierten mittags das Gebäude verließen, begab sich Gandhi nach einem anderen Raum des St. Iames-Palastes, um fein frugale» Mittagsmahl, bestehend aus Ziegenmilch und Datteln, zu sich zu nehmen. Er nahm auch nicht an dem Empfang teil, den der Staatssekretär für Indien, Sir Samuel Hoare, am Nachmittag den Delegierten der Konferenz gab. Arn Sonntag in spater Abendstunde hatten in einem Westendhotel Gandhi und Premierminister Macdonald eine Zusammen- k u n f t Außer ihnen waren noch Lord « a n k e y und eine Anzahl indischer Konferenzteilnehmer an* wesend. Oie Rentenbezüge der Kriegs» beschädigten. Ein Vertreter des Reichsarbeitsminister» erklärte im Reich sausschuß für Kriegsbeschädigten, und Krie- aerhinterbliebenensürsorge, daß in der in den nächsten Tagen zu erwartenden neuen Notverordnung eine M i l d e r u n g der härtesten Rubensbestimmun- aen der Notverordnung vom 5. Juni 1931 vorgesehen lei. Der Ruhensberechnung joll das jent tatsächlich bezogen- Einkommen aus öffentlichen Mitteln unter Abrechnung der letzten Gehaltskürzungen zugrunde gelegt werden. Für jedes Kind soll noch ein weiterer Betraa von dem der Ruhensberechnung zugrunde jelegtcm Gehalt abgesetzt werden, wodurch sich die ür das Ruhen maßgebliche Einkommensgrenze ent- prechend erhöhen wurde. Der in jedem Falle den von der Ruhensvorschrift Betroffenen verbleibende Rest der Rente soll bei den Schwerbeschädigten nicht unrocienllid) erhöht werden. Bei den Arbeitern und Angestellten im öffentlichen Dienst, die bisher in gleicher Weise von den Ruhensbestimmungen ersaht wurden wie die Beamten, soll das Ruhen der Rente erst bei einem höheren Einkommen beginnen, als für die Beamten vorgesehen ist. Diese Milderungen wer- den sich für die Schwerkriegsbeschädigten recht mert- bar, für die Leichtbeschädigten jedoch nur unwesentlich auswirken. Oie Rechtsopposition im Reichstag. Berlin, 14. Sept. (VDZ.) Aus nationalsozialistischen Kreisen wird erklärt, daß die Mitteilung des Reichstagsabgeordneten Dr. Frick, die National- lozialisten würden sich wieder an den Arbeiten des Reichstags beteiligen, nur so zu verstehen sei, daß die Nationalsozialisten lediglich zu dem Zweck an den Plenaroerhandlungen des Reichstags teilnehmen wollen um zu versuchen, dasKabinett Brüning zu stürzen. Eine weitergehende Beteiligung käme für die Nationalsozialisten nicht in Frage. — Bei den Deutschnationalen ist Sroar in dieser Angelegenheit eine Entscheidung bis- er nicht gefallen, doch verlautet in parlamentarischen kreisen, daß die Deutschnationalen eine ähnliche Praxis befolgen werden. Aus aller Well sozialdemokratische Anschauungen-hege. Die Fahne wurde dann von dem damaligen Leutnannt von H e n t i a vom ehemaligen Garde-Kürassier-Regiment yeruntergeholt, was erneut zu Erörterungen führte. 3n Lugano, wo sich die prinzliche Familie dann später aufhielt, sah er sich infolge Beschlagnahmung seine- Vermögen- durch den preußischen Finanzminister genötigt, bedeutende Schulden zu machen. Abschluß de» Jnternationalen Aerzlekongresse». Die Beratungen des Internationalen Aerzte- verbande-, der seine 6.Tagung in Budapest abhielt, wurden beendet. SH« Tagung nahm für die Durchsetzung de- Prinzip- der freien Aerztewahl Stellung. Zum Präsidenten des nächstjährigen Kongresses in Genf wurde der Luffemburger Professor Dr. Sch a ef tg en gewählt. 3n den Bergen erfroren. Eine ganze Familie ist bei St. Johann im Pongau das Opfer der Kälte in den Bergen geworden. Un- terhalb des Hochkönigs-Schutzhaufes wurden der Prioatbeamte Karl Hauptmann nebft Frauund Tochter aufgefunden. Die beiden Frauen waren bereits tot: Hauptmann wurde in völlig erschöpften Zustand noch lebend gefunden, verstarb aber bereits auf dem Transport zum Arthur-Haus. Schwere» Autounglück bei Nürnberg. Der der Autoverkehrsgesellschaft Höchstadt a. A. gehörende Personen- und Lastkraftwagen, der täglich zwischen Nürnberg und Höchstadt mit Arbeitern, Obsthändlern und Frachtgut verkehrt, fuhr auf einen aus Richtung Nürnberg kommenden Möbelwagen, der von einem Schlepper gezogen war, auf. Dem Höckstädter Auto wurde die ganze linke Seite weggerissen. Bier von den zwölf ynfaffen des Autos wurden auf die Straße geschleudert, drei blieben mit Schädelbrüchen t o t liegen, während der vierte auf dem Transport ins Krankenhaus d e r ft a r b. Der Führer des Höch- ftäbter Autos ist verhaftet worden. Do X vom Blitz getroffen. Während eines heftigen Gewitters schlug der Blitz in das Flugzeug T)o X im Flughafen von Neuhork ein. Ein Mitglied der Besatzung, der mit anderen unter einer Tragfläche des Do X Schutz gesucht hatte, wurde bewußtlos zu Boden geworfen und ins Hospital gebracht. Zwei andere Personen blieben unverletzt. Das Flugzeug selbst wurde nicht beschädigt. Jeteabffürie auf Helgoland. Am Steilufer der Nordkuste von Helgoland sind Felsabstürze erfolgt, durch die große Gesteinsmassen — wahrscheinlich mehrere tausend Kubikmeter — in Bewegung gesetzt worden sind. Die Abstürze erfolgten an einer Stelle, an der der ilfettoeg bereits mehrfach wegen Abbröckelungen zurückverlcgt werden mußte. Da sich trotz des stürmischen Wetter- über 2000 Gäste Die Hölle von Belize. Die Opfer der Sturmkatastrovhe in Britisch-Hon- buras werden auf großen Scheiterhaufen eingeäschert. Dichte Rauchwolken ziehen von 'diesem über einen Teil der Stadt hin und hüllen ihn in Finsternis. Von den Kloaken, in denen u n • ?ebeuere Mengen von toten Fischen aulen, die bei der Sturmflut an Land geworfen wurden, steiat ein widriger Broben auf, ber bas Atmen zur Qual macht. Aus 21 n gft vor bem Ausbruch einer Peftepibemie fliehen zahlreiche (Eingeborene in den Urwald, in dem sie mit kleinen Booten, auf denen in aller Eile Wirt- schaftsgegenstände und einige Lebensmittel verstaut wurden, flußaufwärts fahren. Die Sonne strahlt sengend auf die Verletzten herab, die in Reihen in Gebäuden ohne Dach liegen, und vermehrt ihre Leiden. Amerikanische Seeleute, Marinepioniere lösten die vollkommen erschöpfte Wache in Belize ab und haben jetzt die Sorge für die Aufrechterhaltung der Ordnung übernommen. Dauernd treffen Hilfstransporte ein. Schwere» Unwetter über Ieme»var. Eine schwere Lknwetterkatastrophe hat die Stadt Tcmesvar heimgesucht. Während einer Stunde war jeder Verkehr eingestellt und die Stadt infolge Kurzschlüsse- in Dunkel gehüllt. Aus allen Teilen der Stadt werden bedeutende Sachschäden gemeldet. Der Musikpavil- lon im Stadtpark wurde von einem umstürzenden Daum zertrümmert. Drei Personen fanden dabei den Tod. Weiter wurde der Kassierer des Stadtparks durch ein einbrechendes Dach erschlagen. Schweren Schaden hat auch das Hauptpostgebäude erlitten. Die Telephon- und Telegraphenverbindungen waren mehrere Stunden gestört. Prinz Friedrich Leopold von Preußen f. Prinz Friedrich Leopold von Preußen ist in Flatow an einem Gchirnschlag gestorben. Prinz Friedrich Leopold wurde 1865 als Sohn des bekannten Heerführers aus dem Kriege 1870/71, Prinz Friedrich Karl, geboren. ®r heiratete im Jahre 1889 Prinzessin Sophie zu Schleswig- Holstein. die Schwester der verstorbenen Kaiserin. Von seinen drei Söhnen fiel Prinz Friedrich Karl 1917 als Fliegeroffizier, und Prinz Friedrich Sigismund verunglückte 1927 bei einem Sportturnier tn Luzern tödlich. Zuletzt war er Prinz Divisionskommandeur in Kassel und dann Inspekteur einer Kavallerie-Inspektion, bevor er aus dem aktiven Dienst ausschied. Er lebte dann meist auf seinem Schloß Klein-Glienicke bei Potsdam, in fast offenem, dauerndem Gegensatz zum Kaiser. Er machte auch nach der Revolution viel von sich reden. So ließ er im November 1918 auf seinem Schloß eine rote Fahne aufziehen mit dem Vorgeben, daß er schon seit längerer Zeit auf Helgoland befanden, von denen sehr viele den traditionellen Gang um das Oberland unternahmen, ist e- al- glücklicher Umstand anzusehen, daß Menschen bei den Abstürzen nicht zu Schaden gekommen sind. Rundfunkprogramm. Donnerstag, 17. September. 7.00: Fruhkonzert auf Lchallplatten. 9 00 bi» 9.40 Schulfunk. 12.05: Schallplattenkonzert 15.30: Stunde ber Jugend 1700: Freiburg Nach» mUtag-konzert de» Freiburger Konzertorchester». 18.40: Stunde des Film». 19.05: ..Wirtschaft, Staat und Gegenwart". Vortrag von Dr. Ernst Michel. 19.45: Einsübrungsvortrag zu der Oper ..Salome", von Smit Kahn. 20 00: ÄuS dem Großen Hau- des Württembergischen Landes- theaterS: „Salome", Drama in einem Akt nach Oskar Wilde- gleichnamiger Dichtung, Musik von Richard Strauß. 21.45: ^Interhaltung-konzert. Jreltag, 16. September. 7.00: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 17 00 bi- 18 30 Nachmittagskonzert de- Rundfunkorchester». 18.40: „Kinderängste", Vortrag von Dr. Agnes Her- kommer. 19.05: „Der Himmel im September und Oktober. — Die Finsternis von Sonne und Mond, die totale Mondfinsternis vom 26. September 1931", Vortrag von Professor Edmund Sittig. 19.45 Schweizer Jodler, gesungen vom Schwerer Sängerpaar Frey-Dernhard-grütter. 20.15: Baden-Baden Konzert des Städtischen Orchester-. 21.30: Deutsche Humoristen, Hans Jacob Ehr. v. Grimmelshausen. 22.35 bi- 24.00: Tanzmusik. Samstag, 19. September. 7.00: Frühkonzert auf Schallplatten. 1020 bi» 10.50: Schulfunk. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.15 bi- 15.50: Stunde der Jugend. 16.30: Au» ber Werbeschau des Aquarien- und Terrarien- DereinS, Mikrophonbericht von Ernst Ncbhut. 17.00: Pforzheim: Nachmittagskonzert des Sym- phonieorchcstcrS Pforzheim. 16.40: „14- bis 17jäh- rige Berufstätige in Familie, Beruf und Politik", drei Gespräche. 1915: Spanischer Sprachunterricht. 19 45: Wiener Volksmusik II. 20.30: Fazit eine- Mannes, Funkdichtung von Andreas Zeit- Icr. 21-30: Johann, Josef und Eduard Strauß. 22.50 bis 24.00: Tanzmusik. Oie Wetterlage. ilrtil s '' ^träten- Val 555 Soll’ cn 6 Li qwontcnioi.® htnn. 3n«le etat<«L ® worxtg • otdtcki eRcgrn «Sehnte a Graupcm • Htotl K 0twilter.(§)uinen.., Kram ui u. i’i. Den. Schluß» iure Anfang« für« Gchluß- turd Anfangs kurs Schluß» Anfangs Schluß« Anfangs kurs kurs Iure kurs Datum 14-9. 15.9. 14.9. 15.9. Datum 14.9 15.9. 14.9. 15.9. 6% Deurlche tReidjsaniettje d.192'< 71 — 71 — Hamburg-Amerila Pate, . . e — 28,9 29,75 29,25 7% Deutsche Reichsanleihe v. 1929 88,5 — 88,75 — Hamburg-Südam. Dampfschiff 0 — 78,75 76,5 &7i% Doung.Anleihe von 1930 . 54,75 —- 55,5 — Hansa Darnpfschiss . . . 0 — — 50 47 Deutsche Anl.-Wlös.-Schu!d mit Norddeutscher Lloyd .... 6 —' 28,75 30,13 29,75 AuSloi.-Rechten...... 45,5 45,25 45,25 45,25 A.G. für Verkehrswesen Akt. — 31,65 32,5 32 Desgl. ohne Auslos^Rechte . . . 3,4 3,4 3,5 3,4 Berliner Handelsgesellschaft . 8 66,5 67 8% Heli. Bolksstaat von 1929 Commerz, und Privat-Bank. Darmstädter und Nationalbant 7 65 64 65 — lrückzahlb. 102%)...... 72 — 72,5 — 8 69,5 60,5 — Oberheilen Provinz-Anleihe mit Deutsche Bank und Auslol.-Rechlen . . 41,5 — —— — DtSconto-Gefellschast. . . 6 64 —- 64 — Deutsche Komm. SammelahL Dresdner Bank...... 6 40 — 40 — Anleihe Serie 1 .... — — 39 — Reichsbank ....... 12 107,25 106,5 107,5 105 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 15 unkündbar bis 1935 ... 90 — — — A.E.G. . ..... . 7 52,5 52,65 54 53 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse Bergmann........ . 9 44 42 unkündbar bi» 1936 Serie 16 . 81 — —— — Elektr. Lieserungsgesellschask. 10 — — —— — ll>e mit zahlreicher Rennmannjchaft an der 1. Faltbootregatta der Paddlerver- einigung in Limburg. Gute Beteiligung aus Diez, JFranksurt a. M., Marburg und Wetzlar läßt heiße kämpfe erwarten. Vom Rollschuhlaus im Gießener Eisverein. Der Rot der Zeit ist die zum vergangenen Sommer geplante Freüuli-Rolttchuhbadn zum Opfer gefallen. Wohl find die Erbmassen auf- geschüttet und eingeebnet, aber zur Erstellung einer festen Decke durften vorerst noch bie G/elder ehlen. So konnte den Sommer über nicht gerollt werben, für die vielen Anhänger diese» schönen SporteS eine lange Zeit der Ruhe Ader jetzt mit Beginn der kühleren Jahreszeit, wo der Aufenthalt im Freien doch nicht mehr für den Sportbetrieb fo angenehm ist, soll die Rollbahn in der BolkShalle wieder eröffnet werden. UebungStag ist der Mittwoch. Rach den guten Fortschritten im vergangenen Winter sollte man für die kommende Laufzeit ein allgemein gutes Können im Kunstlauf erwarten. Auch da» ncuaufgenommene Rollhockey wird zu weiterer Entwicklung gebracht werden. Hoffentlich lüßt e6 sich bann noch ermöglichen, im Wettkampf mit auswärtigen Läufern den Stand der Leistungen zu messen, um endlich einmal hier in Gießen zu wissen, wie weit man es sowohl auf Rollschuhen, als auch auf Schlittschuhen gebracht hat. (Man beachte die heutige Anzeige.) Deutsche Zugendkrast in Mainz. Zum 4. Sporttag her Mainzer „Deutschen Jugend- kraft" hatten sich nicht weniger als 600 Kämpfer eingcfunden. Trotz der wenig günstigen Witterung wurden vorzügliche Leistungen gezeigt. So wurden z. B. die 100 Meter in der überraschend guten Zeit von 10,9 Sek. gelaufen und der Speer 57,10 Meter geworfen. An den Wettkämpfen beteiligten sich neben ben zahlreichen Teilnehmern aus allen Teilen her näheren unb weiteren Umgebung von Mainz auch 7 Mitglieder der Gießener „Deutschen Jugendkraft". Der jugendliche Fritz B ö l a t n g belegte im 5000-Tlcter-ßauf ber aktiven Klasse in ber guten Zeit von 16:58,1 einen sehr ehrenvollen vierten Platz, Hans Heller schieb im 100-Metcr» Borlauf mit ber immer noch sehr guten Zeit von 11,8 Sefunben aus, währenb Otto Robriguez im 100-Meter-Lauf ber 1. Jugenbklasse ben zweiten Platz in ber Zeit 12,1 Sefunben belegte. Im Drei- kampf vermochte Otto Robriguez auherbeni mit 136 Punkten ben zweiten Platz zu halten. Oie 120. Ballonfahrt Hugo Kaulens. In ber Nähe von Herbornfeelbach (anbete am Sonntagnachmittag ein aus Velbert ftammenber Freiballon, ber hort um 3 Uhr unter der Führung des bekannten Ballonfahrers Hugo Kaulen auf- gestiegen war. Kaulen hat mit Diesem Flug feine 120. Fahrt hinter sich. Er ist in Lustfahrerkreisen sehr bekannt, auch war sein Name schon wiederholt im Munde ber großen Oesfentlichkeit, als er bei ben internationalen Gorbon-Bennet-Fahrten in Amerika die beutjchen Farben roürbig vertrat. Die bei ber Fahrt von hem Ballon erreichte größte Hohe betrug 1700 Meter. Bereite in 1400 Meter Höhe geriet er in Schneewehen. Süddeutscher Leichtathletik-Sieg. AlS großzügige Werbc-Beranstaltung wurde am Sonntag im Reuen Wiener Stadion vor dem Länderkampf der Fußball-Mannschaften Leichtathletik-Begegnung zwischen Süddeutschland und Oesterreich durchgeführt. Schon bei Beginn der leichtathletischen Kämpfe hatten sich 40 000 Zuschauer eingefunden, deren Zahl sich gegen Schluß auf 60 000 vergrößerte. Es gab fast durchweg gute Leistungen, bei denen Süddeutschland schließlich mit 55:48 Punkten den Sieg an sich bringen konnte. Zu berücksichtigen ist dabei, daß in Der süddeutschen Mannschaft der deutsche Meister Mehner fehlte, wodurch die 400 Meter und die Olympische Staffel und damit auch die Möglichkeit eine» höheren Sieges verloren ging. Ergebnisse. 100 Meter: 1 Geerling (S.) 10,5 Sek., 2. Eldracher (S.) 10,9 Sek., 3. Klein (Oe.) 11,1 Sek., 4. Deutscher (Oe.). 400 Meter: 1. Rinner (Oe.) 49,6 Sek^. 2. Rehb (S ) 49,9 Sek-, 3. Langmeyer (Oe.) 50,7 Sekunden, 4. Hehdenreich (S ). 1 500 Meter: 1. Blödy (Oe.) 4:08,8 Min., 2. Helber (S.) 4:09 Min., 3. Pugl (Oe.) 4:10,4 Minuten, 4 Fink (S.) 4: 19,4 Min. 3000 Meter 1. Schilgen (S.) 9:08 Min. 2. Leitgeb (Oe) 9:11,5 Min., 3. Habich (S) 9:12,2 Min., 4. Schindler (Oe.). 110 Meter Hürden: 1. Welscher (S.) 15 Sekunden, 2. Langmeyer (Oe ) 15,6 Sek-, 3- Wesse- ley (Oe.) als Zweiter und Schwedhelm (D.) al6„ Letzter disqualifiziert. Olympische Stassel: 1. Oesterreich (Puchberger, Gudenus, Klein, Rinner) 3:37,4 Mim 2- Süddeutschland (Helber, Eldracher, Geerling, Rehb) 3:43,2 Min. Diskuswerfen: 1. Ianausch (Oe.) 45,24 Meter (öftere. Rekord), 2. Schauffele (S.) 39,81 Meter, 3 Schneider (S.) 39,59 Meter, 4. Skodler (Oe.) 38,51 Meter. Speerwerfen: 1. Demetz (S ) 58,77 Meter, 2. älmfahrer (Oe.) 58,44 Meter, 3. Müller (Oe) 50,80 Meter, 4 Schauffele (S.). Kugelstoßen: 1. Schneider (©.) 15,11 Meter, 2. Heblet (S.) 13,90 Meter, 3. Better (Oe.) 13,53 Meter, 4. Ianausch (Oe.) 13,21 Meter. Stabhochsprung: 1. Reeg (6.) 3,85 Meter, 2- Hoeller (Oe ) 3,60 Meter, 3. Oppenheim (Oe.) 3,40 Meter, 4. Demetz (S ) 3,30 Meter. Sprechstunden der Redaktion. 1L30 bl» 12.30 Ayr, 16 bis 17 Uhr. Samsfag nachmittag geschlossen. Fleischbrühe 2Lum Kochen von Gemüsen Jas bißchen Erde. Vornan von Richard Skowronnel. Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart. 32. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Ra schön, Herr Sötebeer, dann grüßen Sie mir die Herren von der Kameradschaftlichen Vereinigung recht herzlich. Ich komme mal nächstens herüber, um in aller Gemütlichkeit was auszu- probieren. Heute habe ich dazu keine Zeit. Weiter brauchen Sie nichts auszurichten!" ... Lind er lachte noch, als er quer über den Markt zum Hause des Iüstizrätes Stahmer ritt. Vis er plötzlich aufschlucken mußte. So grüßte ihn wieder einmal die Heimat, nach der er sich zuweilen gebangt chatte da draußen, daß ihm das Herz wie ein schwerer Stein hinter'den Rippen hing ... Aber weshalb wunderte er sich? Darauf hätte er sich ja gefaßt halten müssen, als er gestern abend das zweite Schreiben des hohen Dezirks- kommandos las ... Die Herren mit dem blanken Schild ritten vorn. Wer einen Klecks dran hatte, war gerade gut genug, hinter der Front die Arbeit von Troßknechten zu verrichten ... Der Teufel sollte das holen, und das lieh er sich nicht gefallen ... Vor dem Hause des Iüstizrätes Stahmer lungerte ein halbwüchsiger Iunge herum. Er warf ihm die Zügel zu: „Da, mien Sähn, föhr mi dat Peerd ’n beeten up un dal, eck kam gliek wedder rut" ... „To Befehl, Herr Graf" ... Malte stieg die knarrende Holztreppe empor. Immer hübsch eins nach dem andern ... Zuerst kam der Herr Onkel in Hohenrömnitz an die Reihe, das übrige sand sich später, mal bei Gelegenheit. Die Herrschaften hier sollten sich nur nicht einbilden, er liehe sich von ihnen so ohne weiteres den Platz anweisen drauhen vor der Tür .,. Den Kleinmut hatte er abgetan, endlich, und mittlerweile war er ja auch zwei Iahre älter geworden, hatte in der Zeit mehr erlebt und durchgemacht als sie alle miteinander ... Lind er freute sich schon auf den Tag, da er sich einen von ihnen aus unbeträchtlichem Anlasse herausfischen würde. Rur um an einem Beispiel festzustellen, dah niemand sich anmahen dürfte, an ihm vorbeizusehen oder ihm die Genugtuung zu weigern ... Oben in der Schreibstube empfing ihn ein junger Mann mit einer scharfen Brille vor den kühlblickenden Augen. „Womit kann ich dienen, mein Herr?" Malte stellte sich vor und fügte hinzu, er wünschte den alten Sachwalter seines Hauses, den Herrn Iustizrat Stahmer zu sprechen. Der andre verneigte sich höflich. „Ich bin sein Rachfolger. Mein Herr Kollege hat mir bereits vor anderthalb Iahren die Praxis verkauft, ist nach Berlin gezogen, um sich zur Ruhe zu setzen, dort aber schon nach kurzer Zeit gestorben. Er hat von seiner wohlverdienten Muße nicht viel gehabt." „Tut mir herzlich leid", sagte Malte mit ehrlichem Bedauern, „aber Sie werden mir jedenfalls auch die gewünschte Auskunft geben können. Ich komme aus Vellahn und habe dort unter den Papieren meines Vaters vergeblich nach der Abschrift eines ganz bestimmten Dokumentes gesucht. Es muß irgendwie in Verlust geraten sein. Aber das hat nicht viel auf sich, ich weih 'genau, dah eine weitere Ausfertigung sich hier bei Ihren Akten befinden muh." „Die Akten des Lehnsgutes Vellahn", erwiderte der andre, „find auf Anforderung Seiner Exzellenz nach Hohenrömnitz gegangen. Ich gestatte mir hinzuzufügen, daß ich schon seit längerer Zeit die Funktionen eines Justitiars der Herrschaft Hohenrömnitz ausübe. Falls Sie, Herr Graf, also beabsichtigen sollten, an die Durchsicht des fraglichen Dokumentes irgendwelche Entschließungen zu knüpfen, die in die Rechtssphäre meines Herrn Mandanten übergreifen, müßte ich bedauern, Ihnen nicht weiter dienen zu können." Malte hatte die geläufige Auseinandersetzung nur halb verstanden. „So, so", sagte er langsam, „das ist ja ein ganz toller Fall. Ich gehe zu Hause an den Schrank in meinem Schreibzimmer, denke, ich brauche bloß 'reinzugreifen ... Alles ist da, nur das eine Schriftstück fehlt! Ich jage hierher — Sie- sagen mir, die Akten sind drüben in Hohenrömnitz! Sie werden mir zugeben, Herr Iustizrat, das kommt mir einigermaßen merkwürdig vor" ... Der andre klappte die Hacken zusammen. „Rur .Rechtsanwalts wenn ich »bitten darf, Herr Graf. Was aber die Sache selbst angeht, sck bin ich nicht in der Lage, Ihnen eine irgendwie geartete Auskunft geben zu können. Ich habe die umfangreichen Akten seinerzeit nicht gelesen, sondern auf Anordnung des Vellahner Lehnsherrn, Seiner Exzellenz des Herrn Erblandmarschalls, einfach zusammengepackt und nach Hohenrömnitz geschickt." „Aha", sagte Malte und rückte näher an den Schreibtisch, „bisher war es mir nur 'ne Vermutung, aber jetzt möchte ich darauf schwören, da ist irgendeine grobe Schweinerei passiert. Da werden wir also meinem verehrlichen Lehnsherrn recht gründlich ans Leder gehen! Es handelt sich nämlich..." Der Herr Rechtsanwalt stand auf. „Verzeihen Sie, Herr Graf, ich darf Ihnen nicht weiter zuhören. Ich bemerkte schon vorhin, ich bin der Vertreter Ihres Herrn Oheims. Zwei Parteien zugleich kann man nicht dienen. Wenn Sie mir aber gestatten wollen, sozusagen unter Comment suspendu ein paar Worte zu sprechen..." .Ich bitte.. “ „Run denn, Herr Graf, ich entnehme aus Ihren Worten, Sie beabsichtigen, mit Seiner Exzellenz irgendeinen Prozeß anzufangen. Ich möchte Ihnen den Rat geben, sich darauf nicht einzulassen, es wäre von vornherein aussichtslos. Der Herr Erblandmarschall hat erst vor kurzem mit mir eine ganz eingehende Beratung abgehalten aus Anlaß des ihm bevorstehenden freudigen Familienereignisses. Ich habe sämtliche in Betracht kommenden Dokumente aufs sorgfältigste geprüft, die Ehe des Herrn Erblandmarschalls Grafen Römnitz entspricht in jeder Hinsicht und voll und ganz den Anforderungen Ihres strengen Hausgesetzes. Wenn aus dieser Ehe ein männlicher Erbe entspringt, haben Sie nicht die geringsten Ansprüche. Im entgegengesetzten Falle aber..." „Danke", sagte Malte und stand auf, „die Litanei habe ich nun schon oft genug gehört. Wenn's 'ne lütte Deern gibt, darf ich noch ein Weilchen sitzen bleiben auf Vellahn, bis zum nächsten freudigen Ereignis in der Hohenrömnitz! Wieviel Töchter ich meinem Herrn Onkel in ununterbrochener Folge wünsche, können Sie sich wohl denken! Din ich für die Konsultation etwas schuldig?" Der Rechtsanwalt gab ihm lächelnd das Geleit zur Tür. Diese jungen Herren vom hohen Adel hatten zuweilen ganz merkwürdige Anschauungen über das, was im Iustizbetrieb gang und gäbe war... „Herr Graf, ich bemerkte schon vorhin, daß ich als Vertreter der Gegenpartei..." „Ia richtig", sagte Malte, „ich hatte es nur vergessen. Dann werde ich mir eben einen andern Rechtsanwalt suchen..." Er ging die knarrende Holzstiege hinab, unterwegs aber mußte er sich schwer auf das Geländer stützen. Es gab keinen Zweifel mehr, in dem stolzen alten Hause, zu dem er gehörte, wurde gelogen und betrogen! Als wenn ihm plötzlich ein Schleier vor den Augen zerriß, sah er die klare Handschrift seines Vaters vor sich... „eine mecklenbörgisch Iung- frouw soll es fin von untadeligem Adel..." Das eine Wort, das sein Recht war, hatte man ihm gestohlen, damit er's nicht finden sollte, wenn er gegen alles Erwarten wieder heimkehrte! Uno der Dieb war das Oberhaupt seiner Familie, der Rame Römnitz stand am Pranger, wenn er entlarvt wurde... Schmachvoll war es und kaum auszudenken, schier ekelhaft das hämische Gezischel im Lande, wenn die Schandtat vor aller Öffentlichkeit offenbar wurde... Ein paar Sekunden lang schloß er die Augen, stand schwankend da. ob es nicht besser wäre, alles ruhen zu lassen und still heimzureiten... Da aber flog der Haß über ihn mit lohendem Fittich: da drüben stand fein Recht! Ehrlos war er selbst, wenn er darum nicht kämpfte mit Klauen und Zähnen! Lind der andre hatte ja auch nicht gezaudert, sondern war blindlings seinem Haß gefolgt... Unten auf der Straße stellte er den Iungen, der den braven Wotan auf und nieder führte. „Segg mal, mien Sähn, göfft dat hier nich noch 'nen annern Awkaten?" „Chewoll, Herr Graf", kam eifrig die Antwort, „äwerst da gähn bloß de armen Lüd hen. Rechtsanwalt Markuse." „Lim so besser", lachte Malte ingrimmig auf, „Leute, die Grütz' im Kopf haben, kann ich gebrauchen!" — Herr Rechtsanwalt Markuse, der auf der anderen Seite des Marktplatzes sein Bureau hatte, empfing den unerwarteten Klienten mit besondrer Zuvorkommenheit und hörte ihm eifrig zu. Lieh sich den interessanten Fall mit allen Einzelheiten auseinanderseheN und tat manche Frage dazwischen, die von eindringendem Verständnis zeugte. Als sein Besucher endlich fertig war, legte er den scharfgeschnittenen Kopf ein wenig auf die Seite und spielte nachdenklich mit einem langen Bleistift... „Gewiß, Herr Graf, wie Sie die Sache darstellen, spricht vieles dafür, daß während Ihrer Minderjährigkeit und auch in den letzten zwei Iahren das Lehnsgut Vellahn in einer Art und Weise verwaltet worden ist, die — gelinde gesagt — nicht gerade in Ihrem Interesse lag. Aber, Sie sagen es selbst, alle dort von Ihrem Herrn Onkel getroffenen Maßnahmen' sind unter Zustimmung des Obervormundschaftsgerichts geschehen. Die öffentliche Meinung dürfte vielleicht finden, dah der Herr Erblandmarschall trotz des nahen Derwandtschaftsverhältnisses an Ihnen recht lieblos gehandelt hat, über solche Sentiments aber hat das Gericht nicht zu urteilen, es hat nur die nackte Rechtslage zu prüfen. Lind da stehen die Llnterschriften der Behörde unter den Rechnungsabschlüssen. Alles ist für gut und richtig befunden, Sie werden mit Ihrer Klage ab- gewiesen, von Rechts wegen!... Lind nicht viel anders steht es mit Ihrer Absicht, die Ehe Ihres Herrn Oheims anzufechten, sie entspräche nicht den Bestimmungen oes Hohenrömniher Hausgesetzes und die aus ihr zu erwartende Deszendenz wäre infolgedessen von der Erbfolge ausgeschlossen. Auch dieser Prozeß erscheint mir von vornherein wenig aussichtsvoll." Malte beabsichtigte, etwas dazwischen zu sagen, der Rechtsanwalt aber hob die Hand. „Ditte, Herr Graf, ich möchte Ihnen meine Ansicht über die Rechtslage zunächst einmal im Zusammenhänge vortragen, über Einzelheiten können wir uns nachher Unterhalts« . Also, ich gebe zu, Ihre Angabe, die Abschrift von der Hand Ihres Herrn Vaters sei plötzlich in Vellahn verschwunden, und die Tatsache, daß Ihr Herr Oheim die Akten des verstorbenen Justizrates Stahmer nach Hohenrömnitz hat schaffen lassen, das beides zusammen, ja das macht allerdings beim ersten Hinsehen einen etwas befremdenden Eindruck. Für die Lieberführung der Vellahner Akten wird aber Seine Exzellenz als Lehnsherr sicherlich eine recht plausible Erklärung haben, die dem Gerichte genügt, und selbst wenn auch aus diesen Akten die Abschrift des Dokumentes verschwunden sein sollte, wird das wenig Eindruck machen. Es fehlt an jedem schlüssigen Beweise, dah sie sich überhaupt jemals bei den Akten befunden hat! Ebensowenig aber werden wir beweisen können, dah eine solche Abschrift in Vellahn existiert hat, unter den nachgelassenen Papieren Ihres Herrn Vaters." „Aber ich kann's beschwören", sagte Malte erregt, „ich habe das Blatt mit meinen eigenen Augen gesehen!" Der Rechtsanwalt schüttelte den Kopf. „Sie sind Partei, Herr Graf, Ihr Eid wird nicht angenommen. Run bleibt uns noch das im Schloharchiv zu Hohenrömnitz aufbewahrte Original der Llrkunde, dessen Einsichtnahme Ihnen, als dem nächstbeteiligten Interessenten, nicht verwehrt werden darf. Lind da möchte ich aus meiner Kenntnis des Herrn Grafen Christoph Römnitz — ich hatte verschiedene Prozesse gegen ihn zu führen — ja also da möchte ich aufs entschiedenste bezweifeln, dah fich in der Llrkunde an der von Ihnen angezogenen Stelle das Wort „mecklenburgisch" finden sollte! Ich halte es für ganz und gar ausgeschlossen, dah der Herr Erblandmarschall bei einer so wichtigen Handlung, wie der Eingehung einer neuen Ehe, eine derartig einschneidende Vorschrift übersehen haben sollte! Lind da neige ich fast zu der Ansicht, daß in diesem Falle, wie Shakespeare sagt, der Wunsch des Gedankens Vater war. Sie haben sich's so lebhaft vorgestellt, das Wort mühte in dem Dokumente drinstehen.. (Fortsetzung folgt.) So half Ovomaltine einem kranken Kind ... Und so hilft sie täglich Zehntausenden „Von einem Bekannten auf Ihre Ovomaltine aufmerksam gemacht, benutze ich Ihr Präparat seit einigen Wochen für meinen Sohn nach einer schweren Grippe-Erkrankung. Ich bin glücklich und zufrieden von dem Erfolg Ihrer Ovomaltine, denn das Kind ist wie umgewandelt, hat eine bessere Gesichtsfarbe bekommen, ist lebhafter geworden und singt und springt den ganzen Tag. Hochachtungsvoll Willy Borowsky, Berlin-Neukölln.” Ovomaltine ist konzentrierte Nährkraft aus Malz, Milch, Eiern und Kakao. Allen, die noch einen Kraftzuschuss gebrauchen können, gibt sie ihre Kohlehydrate, Vitamine und Aufbaustoffe. Ovomaltine ist sehr einfach zu bereiten. Man löst 2 bis 3 Kaffeelöffel davon in trinkwarmer Milch und zuckert nach Belieben. Auch in Kaffee oder Tee wird Ovomaltine gern genommen. Originaldosen: 500 g in M. 4,45, 250 g zu M. 2,40, 125 g zu'M. 1,25 in allen Apotheken u. Drogerien. g Do56 omaltine ililft mit * Kostenlos erhalten Sie eine Probe, wennSie Ihre Adresse einsenden an: Dr. A. Wander G. m. b. H, Abt. N 79 Osthofen (Rheinhessen). Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 11. September 1931 bei der Firma THonfania Bergbau- und Handelsgesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen folgendes eingetragen: Nach dem Beschluß der Gesellschafterversammlung vom 5. Juni 1925 beträgt das Stammkapital 500 Goldmark. Der Sitz der Gesellschaft ist nach Leipzig verlegt. An Stelle d^s Hermann Bach ist Friedrich Wilhelm Günther in Leipzig zum Geschäftsführer bestellt. Gießen, den 12. September 1931. ,________Hessisches Amtsgericht. 6048D Zwangsversteigerung 46/31 | Am Donnerstag, dem 29. Oktober 1931, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer 112, das im Grundbuche von Gießen dem Hans Peter Petersen und dessen Ehefrau Elfriede geb. IHaran zu Gießen, jetzt Siegen, zugeschriebene Anwesen Marburger Straße 110 Flur 21, Rr. 865/i0 = 289 qm hofreite Flur 21, Nr. 86fl/l0 = 256 qm Grabgarten, geschätzt 20 490 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. 5427D Gießen, den 17. August 1931. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Zwangsversteigerung 4 *31 Am Donnerstag, dem 29. Oktober 1931, vormittags 10% Uhr, wird im Amts- gerichtsgebäude, Zimmer 112, das im Grundbuche von Gießen der Firma Adolf Müller & Eo., vormals Moritz Gregori & Sohn, offene Handelsgesellschaft, in Gießen zugeschriebene Anwesen ftreuy platz 14 55341) Flur 1, Nr. 575 = 91 qm Lagerhaus Flur 1, Nr. 5751/io = 107 qm hofreite Flur 1, Nr. 5767/10 = 76 qm hofreite Flur 1, Nr. 576’/10 = 17 qm Vach geschätzt 43 536 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20 (Stadthaus), zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 24. August 1931. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: _______Leo, Ortsgerichtsoorsteher._______ Obstversteigerung. Donnerstag, den 17. d. M., nachmittags 1 Uhr, soll das der Gemeinde gehörige Obst, bestehend aus 52 Bäumen Zwetschen, 34 Birnen, 95 Aepfeln, zwei Nüssen, meistbietend versteigert werden. Anfang beim Friedhof. 6059D Bettenhausen, den 14. September 1931. Hessische Bürgermeisterei Bettenhausen. L e i d n e r. M Trinkt Kaffee mit Coffein 3 Gramm die Tasse Schont Herz und Kasse Ednscho, Import- Mosterei, Bremen Bekanntmachung. Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen findet wie folgt statt: 1. Impftermin: Mittwoch, 16. September, von 15 bis 16 Uhr; Rachschau: Mittwoch, 23. September, von 16 bis 16% Uhr. 2. Impftermin: Mittwoch, 23. September, von 15 bis 16 Uhr; Rachschau: Mittwoch, 30. September, von 16 bis 16% Uhr. Zmpflokal ist die Turnhalle der Schillerschule, Schillerstrahe. 5982C Zu diesen Terminen können alle in 1930 und früher geborenen Kinder, bei welchen der Nachweis der erfolgreichen Impfung bisher noch nicht erbracht wurde, vorgestellt werden. Die Kinder müssen mit reingewaschenem Körper und reinen Kleidern zur Impfung gebracht werden. Kinder aus Häusern, in denen übertragbare Krankheiten herrschen, sind nicht zugelassen. Gießen, den 9. September 1931. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm. Obstversteigerung. Mittwoch, den 16. September, wird sämtliches der Gemeinde gehöriges Obst versteigert. Es sind vorhanden zirka 30 Bäume Birnen, 100 Bäume Zwetschen und 200 Bäume Aepfel, darunter eine große Partie feinstes, hochwertiges Tafelobst der edelsten Sorten in vorzüglicher Güte. Zusammenkunft nachmittags 1 Uhr am Bahnhof. Die Bedingungen werden vor der Versteigerung bekanntgegeben. 6052D Muschenheim, den 12. September 1931. Bürgermeisterei Muschenheim. Becker. Obstversteigerung. Donnerstag, den 17. September 1931, vormittags 9 Uhr anfangend, soll das der Gemeinde Annerod gehörige Obst, be« stehend in Aepfeln, Birnen und Zwetschen, öffentlich versteigert werden. Zusammenkunft bei der Kirche. (6045D Annerod, am 12. September 1931. Hessische Bürgermeisterei Annerod. Horn. Bekanntmachung. Zwangsversteigerung M3l Die Gemeinde Oueckborn verkauft auf dem Submissionswege einen jungen, fetten, zum Sprung untauglich gewordenen Vogelsberger Dullen. Verkaufsbedingungen können vorher eingesehen werden. Angebote sind bis zum Donnerstag, dem 17. September, nachmittags 6 Uhr, auf der Bürgermeisterei einzureichen. 6063D Oueckborn, den 15. September 1931. Hessische Bürgermeisterei. Albert. Inge uieur- Sc hol e \ MiscrunenDanEletirth techBiLHoctt-e. ntw. TOBlnOUStrlt. fc.tr eerte Am Donnerstag, dem 15. Oktober 1931, vormittags 10% Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer 112, das im Grundbuche von Gießen dem August Münker und (Ehefrau Anna geb. Dönges in Gießen zugeschriebene Anwesen Frankfurter Straße 45 Flur 5, Rr. 297 = 417 qm Grabgarten und 183 qm Grasgarten, Flur 5, Nr. 298 = 472 qm hofreite, geschätzt 28 242 RM., versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20 (Stadthaus), zur Einsicht ausgehängt. 5340D Gießen, den 13. August 1931. 3.2t. des Hessischen Amtsgerichts Gießen; Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Gießen • Telephon 2060 Elegante Maßanfertigung im eigenen Atelier Unsere Preise sind trotz höchster Leistung den wirtschaftlichenVerhältnissen angepaßt Vorsaisonpreise: M. 125.- 138.- 148.- 158.- MWeWUhilft das Naturprodukt Ml-MWW in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern, bestimmt zu haben: Reformhaus Scholz, Kreuzplatz 5; 1428 v Kräuterhaus Jung, Schulstraße 5; Drogerie W. Kilbinger Nacht, Seltersweg 79a. Achtung! Tägljch frisch gekeltert. Ab heute auch süßer, rbeinischer Traubenmoit und Pfätzer Iraitararte trn Ausschank, ««r» Weinstube Naafs Häuschen IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIU Tausende von Menschen verdanken ihren gesunden, tiefen Schlaf und ihre gekrättigten Nerven unserem Baldravin Fl. RM. 2.50, */, Fl. RM. 4.50, Ltr.-Fl. RM. 7.50. Zu haben: nur In der Engel- Apotheke am Marktplatz. 4258V