Ur. 157 Erstes Blatt 181. Jahrgang Montag, 15. Juni 1931 Eriche,ni ,aglich,cmtzn Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustriert« Siebener ^amUtenblitte, Heimat im DUd Die Scholle OlomatS'Bejugsprets: 2.20 Neichsmark und 30 Neichspsennig für Tröget» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNnmmern infolge höherer (Bemalt Zernsprechanfchlöste anterSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe». Postscheckkonto: gra^ffurtam Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VniS und Verlag: vriihl'sche UniverfitSlr-vllch. und 5tetndruckerel B. Lange in Stehen. Schrtftlettung und Seschästzftelle: Schlllstrahe 7. Annahme von Anzeige, für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig; für Ne» klameanzeigen von 70 mne Breite 35 Neichspsennig, Platzvorschrift 20"/, mehr. Chefredakteur. Dr. Friede. Wilh. Lange. Deranttoorilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Entspannung der innerpolitischen Lage. Eine Verständigung zwischen Brüning und der DVP angebahni. - Das Zentrum gegen die Einberufung des Reichstags. Sofortige Inangriffnahme der Tributfrage. Bettln, 14. Juni. (OB.) lieber eine Unterredung, die der Jütjrer der Deutschen votkspartci, Reichstagsabgeordneter Dingeidey, am Samstag mit dem Reichskanzler Dr. Brüning auf der Jährt nach Hannover über die politische Lage ge- habt hat, erfährt die „Köln. Zig." aus mahgebenden votksparteitichen Kreisen, daß im Mittelpunkt der Erörterung die von der Deutschen Votkspartei aufgeworfenen drei Hauptfragen standen: Einmal, in welcher Weise die Frage der Tribuirevision so schnell und so nachdrücklich wie nur irgend möglich vorwärts gebracht werden könne, besonders nachdem die seit Ehequers eingetretene veränderte Devisentage die Situation für Deutschland erneut verschärft habe, sodann die Frage der Sicherung des Zieles der Notverordnung durch organische Reformen und ein einheitliches Finanz- unb Wirtschaftssystem, endlich die Frage der Ge- rolnnu ng der besten Männer zur erfolg- reichen Durchführung dieser Aufgaben, besonders auch solcher Persönlichkeiten, die parteipolitisch nicht gebunden seien, lleber die entscheidende Bedeutung dieser Fragen habe keinerlei Meinungsverschiedenheit geherrscht. Es sei nicht ausgeschlossen, daß bei den am Montag fort- zusührenden Verhandlungen eine Annäherung der Auffassungen erzielt und damit eine akute Krise verhindert werde. Die Bedeutung der Aussprache liege vor allem darin, dah die sachlichen Gesichtspunkte wieder in den Vor- dergrund gestellt worden seien, die durch allerlei tendenziöse Machenschasten der letzten Tage hinter personelle Fragen zurückgedrängt worden seien. Sei man sich über Ziele und Wege einig, dann werde die Lösung der P e t f o n e n f r a g e sich vor- au:sichtlich ohne Schwierigkeiten ergeben. 3n unterrichteten Berliner politischen Kreisen Hal man am Sonntagabend den Eindruck, dah die lnnerpolitische Lage seit Samstag erheb- lich entspannt worden ist. Dazu hat vor allem die Unterredung beigetragen, die der Reichs- tangier gestern im Zuge Berlin—Hannover mit dem Führer der Deutschen Volkspartei Dingeidey gehabt hat. 3n dieser Unterhaltung ist es keineswegs zu irgendwelchen konkreten Vereinbarungen gekommen. Das wäre auch aus verschiedenen Gründen gar nicht möglich, wie aber aus der Jn- formation der „Köln. Zig." heroorgeht, die von süh- rraber volksparteilicher Seite als richtig bezeichnet wird, ist es doch gelungen, zwischen der Reichs- tegierung und der Deutschen Volkspa r- t e i eine Brücke zu schlagen. Ob die Fraktion sie betritt, indem sie ihren Beschluh vom Donnerstag rückgängig macht, das hängt natürlich von dem Ausgang der für Montag vorgesehenen neuen Unterhaltung zwischen Dr. Brüning und Dingeidey ab. 3n unterrichteten Kreisen glaubt man aber, dah die Schwierigkeiten, die von dieser Seite her kommen, in ihrem Kern schon durch die Aussprache vom Samstag überwunden sind. viel beachtet wird in parlamentarischen Kreisen auch der heutige Artikel des Reichstagspräsidenten Löbe im „Vorwärts", der ausdrücklich als eine Warnung vor 3l(uf Ionen gekennzeichnet ist und den Eindruck erweckt, dah auch in sozialdemokratischen Kreisen eine Verständigung mit dem Kanzler erwartet wird. Die endgültige Entscheidung, das muh auch jetzt noch sestgestellt werden, fällt natürlich erst am Dienstag. Das Zentrum geschloffen hinter Brüning. Hildesheim, 14. Juni. Die Zentrums- fraktion desReichstages und der V v r - st and der Deutschen Zentrumspar- t e i hielten hier eine Beratung über die politische Lage ab, zu der die Zentrumsvertreter außer- ordentlich zahlreich erschienen waren und die der Borsitzende der Deutschen Zentrumspartei, Prälat Kaas, leitete. Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsarbeitsminister Dr. Steger- w a l d erstatteten eingehend Bericht. Die Beratung wurde getragen von der Einsicht in den Ernst der Lage und dem Bewußtsein der Der- antteortung für die Entscheidungen, die in den nächsten Tagen zu treffen sind. Der Reichskanzler fand für seine Politik volles vertrauen und einmütige Anerkennung. Für die unmittelbar bevorstehenden Entscheidungen und die schweren Aufgaben der kommenden Monate brachte die Tagung dem Reichskanzler uneingeschränktes vertrauen entgegen. Die einmütige Auffassung der Reichstagsfraktion und des Rcichsparteivorstandes wurde in folgender Entschließung festgelegt: .Die ernste Lage Deutschlands und die allgemeine Krise, die seine Zukunft bedrohen, zwingen die Zentrumspartei, alle Kräfte einzusehen und höchste Verantwortung zu tragen. Das deuts ch e Volk darf in dieser Schicksalsstunde nicht zerbrechen. Es will leben! Harte innere Maßnahmen sind notwendig, um dieses Ziel zu erreichen. Gegen Einzelheiten der Rot- verordnung bestehen auch in der Zentrums- Partei starke Bedenken. In Zeiten gesicherter wirtschaftlicher und politischer Verhältnisse wären einige Ein^elbestimmungen der Rotverordnung unverständlich und unerträglich. Um aber die Rot $u beheben, um eine geordnete Staats- und Wirtschaftsführung zu sichern, um das Umfinten in ein Finanz- und Wirtschaftsund damit in ein politisches Chaos zu vermeiden, stützt die Deutsche Zentrumspartei auch heute die Reichsregierung und spricht insbesondere dem Reichskanzler und den der Partei angeborenen Mitgliedern es Reichskabinetts für ihre Hingabe und opfervolle Areit ihren Dank aus. Sie tut dies auch in der Erwartung, daß durch die Zusammenfassung aller Kräfte im gegenwärtigen Augenblick im Reichsinneven eine Lage geschaffen wird, die die Milerung der größten Härten er Rotverordnung ermöglicht. Die Deutsche Zentrumspartei weih, dah sie unter Erwägung aller Möglichkeiten ten weg für eine durchgreifende Erleichterung der untragbaren Reparationslasten vorbereitet und betreten hat. Die Zentrumspartei stärkt die Regierung in diesem Bemühen, weil nur bei einer baldigen Lösung der Reparationsfrage die wirtschaftliche und politische Beruhigung eintreten kann, die Deutschland wie auch alle anderen Staaten vor revolutionären Erschütterungen und vor einer namenlosen Verelendung bewahren kann, wir rufen deshalb alle Gutgesinnten und Einsichtigen in der weit auf, die notwendigen Entscheidungen zu treffen, bevor es zu spät ist. Roch gröhere Opfer kann das deutsche Volk nicht tragen, wir haben ein Recht aus Leben und Freiheit in einem geordneten und befriedeten Europa. In diesen ernsten Zeiten sind zaghaste, partei- egoistische Ucberlegungen nicht am Platze. Die Einberufung des Reichstages gefährdet die nationale Arbeit der Reichsregierung. Die Zentrums- Partei wird daher die Einberufung ablehnen. Die Deutsche Zentrums Partei kämpft mit allen Gutgesinnten in der deutschen Ration für die Freiheit und für die Befreiung des Vaterlandes. Wir rufen Führer und Gefolgschaft der Partei auf. in dieser Stunde stärksten Mut zu beweisen. Der Parteihaß und die Leidenschaft müssen schweigen. Die Rot der Ration muß die Gegensätze endlich überbrücken. Deutschland muß in der Stunde der Gefahr ein starkes und einiges Geschlecht finden. Wir sind zum gemeinsamen Handeln bereit." Die Sitzung war kurz nach 15 Llhr beendet. In seinem Schlußwort stellte Prälat K a a s fest, daß die Partei die Leitung nicht enttäuscht habe, da die aus allen Teilen des Reiches anwesenden Führer und Unterführer die notwendige CBerant- wortungsfreudigkeit gezeigt hätten. Rach Schluß der Sitzung verlieh der Reichskanzler, vom Iubel der Versammlung begrüßt, das Versammlungslokal und begab sich zu dem Katholischen Dereinshaus, wo er zusammen mit den übrigen Teilnehmern an der Tagung daS Mittagessen einnahm. Hm 17 Ähr verabschiedete sich der Reichskanzler von dem Bischof von Hildesheim und fuhr um 17.20 älhr im Kraftwagen, begleitet von dem Prälaten K a h, nach Berlin. Der Reichsbankdiskont um 2pwzent erhöht Von 5 auf 7 Prozent. — Lombardzinsfuß von 6 auf 8 Prozent. Berlin, 13. 3uni. (WTB.) Vie Reichsbank hat mit Wirkung ab heute den wechseldiskont- sah von 5 auf 7 v. h. und den Lombardi- Zinsfuß von 6 auf 8 v. h. erhöht. Reichsbankpräsident Dr. Luther begründete in der Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank die Diskonterhöhung und die Erhöhung des Lornbardsahes wie folgt: Seit Ultimo Mai hat die Reichsbank inerheblichem MaheGold und Devisen abgeben müssen. Zunächst zwar hielten sich die Abzüge in verhältnismäßig engen Grenzen, die angesichts des Gold- und Devisenstandes der Reichsbank und angesichts der Tatsache, daß der Rotenumlauf sich entsprechend verminderte, ein weiteres Abwarten als unbedenklich und angexeigt erscheinen liehen. In den letzten Tagen sind jedoch die Anforderungen außerordentlich gestiegen. Hinzu kommt, dah auch eine stärkere Inanspruchnahme des Wechselkredites der Reichsbank eingesetzt hat, so dah die Reichsbank nunmehr gezwungen ist, deutliche Abwehrmahnah- m e n zu ergreifen. Die umfangreichen Kreditkündigungen und Wertpapierverkäufe, die seitens des Auslandes siattgefunden haben, gehen nicht auf wirtschaftliche Veränderungen innerhalb Deutschlands, sondern auf Ereignisse anderer Art zurück, unter denen die Vorgänge bei der Oe ft erreicht- schen Creditanstatt ihre besondere Rolle spielen. Das Reichsbankdirektorium betont, dah ungeachtet der Fortdauer der allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Lage der deutschenWirt- schäft selbst und die deutschen Kredit- Verhältnisse keine Veranlassung für den eingetretenen Tlmschwung geben. Gegenüber der tatsächlichen Entwicklung des Devisenmarktes hält das Reichsbankdirektorium eine Erhöhung des Diskontsatzes um 2 v. H., und zwar mit dem heutigen Tage in Kraft tretend, für geboten. Beruhigung auf dem Devisenmarkt. Am Devisenmarkt trat heute eine wesentliche Beruhigung ein. Man schätzte die Anforderungen auf etwa 50 v. H. der gestrigen Ansprüche. Die Reichsbank lieh die Kurse unverändert. Wirch kündigt sofortige Tribuirevision an. Hildesheim, 14. 3uni. (Sil.) Im An- schkuß an die Tagung des Reichsparteivorstandes und der Reichstagsfraktion des Zentrums fand heute abend eine von etwa 6000 Personen besuchte große öffentliche Zentrumskundgebung statt, bei der als Hauptredner Reichsinnenminister Dr. Wirth sprach. Er bestätigte in seinen Ausführungen die schon aus der amtlichen Verlautbarung zu ziehende Schluhfolgerung, dah die Auf na h m e v o n Der h andlun gen über den Tributplan bevor st ehe. Er führte u. a. aus: Wir stehen morgen oder übermorgen an der großen Entscheidung. Wenn sie abstimmen lassen, ob die Rotverordnung uns gefällt ober nicht, so stimme ich mit denjenigen, denen sie nicht gefällt. Die Rotverordnung ist in gewissen Teilen ungerecht. Ich wüßte keinen schöneren Tag des politischen Lebens, als wo man alle Rotverordnungen in den Papierkorb befördern könnte. Das ist aber nicht das Entscheidende. Was ist geschehen, seit wir den Poung- plan — den Tributplan, wie ich ihn ganz offen nennen — angenommen haben? Die heutige Resolution wird es Ihnen zeigen. Der weg ist beschritten worden, der zu einer Lrleichlerung, und zwar zu einer durchgreifenden Erleichterung der Tributtasten für Deutschland führen soll, vielleicht Hobe ich das wort nicht deutlich genug ausgesprochen: Der weg ist schon beschritten. Der Schritt war eine Rotwendigkeit, der wohl begründet ist und jetzt könnte jeder in dieser Sachlage am besten Politik machen, wenn er mit uns ganz still vor sich hinsagt: Wolle Gott, dah der Weg ein erfolgreicher ist. Wir wollen nicht verbieten, die Rotverordnung zu kritisieren. Aufgabe der inneren Polittk ist es, ihre Rachprüfung möglichst bald herbeizuführen Ich bin unterrichtet über die Unterhaltung des Reichs- kanzlers und des Reichsauhenministers mit Macdvnald und Henderson in Ehequers. Ich kenne die Einzelheiten der Unterhaltung, kann aber selbstverständlich nichts berichten. Frankreichs harte Politik hat dazu geführt, Deutschland in der Welt etwas isoliert erscheinen zu lassen. Die Aufnahme unserer Minister in England hat gezeigt, dah unsere Isolierung nach der angelsächsischen Welt als aufgehoben vor der ganzen Welt geklärt ist. Große Rückschläge in unserer wiedergewonnenen Stellung in der wett kann nur eine sinnlos radikale Politik bringen. Gewisse Kreise des Landbundes überbieten sich heute in radikalen Forderungen, die niemals in Ersülüing gehen können. Agrarpolitik, die sich lediglich stützt auf gewisse Landbundgruppen, ist in Deutschland nicht möglich. Dah die DDP. Wünsche hat in bezug auf personelle Veränderungen in der Zusammensetzung des Reichskabinetts, ist eine sekundäre Frage. Der Beschluh aber, den Reichstag einzuberufen, hat dem deutschen Volke an einem Tage 250 Millionen Mark Golddevisen gekostet. Wenn morden oder übermorgen die absolute Ruhe gestört wird, dann ist der nächste Schritt der Reichsbank eine starke Kreditrestriktion. Wenn man den Weg betreten kann im Rahmen des Voungplanes — denn die Beschlüsse im einzelnen sind iwch nicht gefaßt —, gilt es in den nächsten Monaten eine solche politische Haltung einzunehmen, daß das deutsche Volk in der Wett ernst genommen wird. Wir können für die nächste Zeit die gewünschten Erleichterungen nicht versprechen. Radikale Umwälzungen bedeuten die Gegnerschaft der ganzen Welt. Die Augen der Welt sind heute auf die Verhandlungen int Hildesheim gerichtet. Die Stunde ist gekommen, sich zu verständigen, ehe es zu spät ist. Zum erstenmal sehen wir eine radikale Welle in allen Teilen der Erde. Krittsche Tage sind da. Wir können sie nur überwinden, wenn in unserem Vaterland eine klare und fefte Führung vorhanden ist. Diese Führung wird jeder wilden Gebärde in den Städten mit fester Hand, und, wenn nötig, mit fester Faust begegnen. Wir haben morgen und übermorgen die Parteiführer bei uns. Es wird nichts versäumt. Kommen Volkspartei und Sozialdemokraten zu einer anderen Entscheidung, als wir sie erhoffen, dann ist das Zentrum von seiner Verantwortung über die schwierigen Tage, die wir dann durchleben müssen, frei und ledig. Die Wahl ist klar. ES geht ein neuer Marsch und eine neue Etappe an für Monate. Der Reichskanzler wieder in Berlin. Berlin. 14. 3uni. (WTB.) Reichskanzler Dr. Brüning ist heute 22 Uhr aus Hildesheim auf dem Bahnhof Friedrichstraße wieder in Berlin eingetroffen. Die DDP. in Hessen für ReichStagS- Emberufung. Frankfurt a. TT., 14.3uni. (WSR.) Der heutigen Tagung des Landesausschusses des Wahlkreises Hessen-Darm st adt sah man in politischen Kreisen mit Spannung entgegen, weil Hefsen-Darmstadt der Wahlkreis deS Parteiführers Singel bet) ist. In der unter dem Vorsitz des Wahlkreisführers Dr. R i e p o t h abgehaltenen Tagung des Landesausschusses wurde einstimmig folgende Entschließung angenommen: „Der Landesausschuß versichert dem Parteiführer des uneingeschränkten Vertrauens seines Wahlkreises und stellt sich rückhaltlos hinter den Beschluß der Reichstagsfraktion, der die Einberufung des Reichstags verlangt, und erwartet Geschlossenheit und Einheitlichkeit der Fraktton bei der Durchführung dieses Beschlusses. Die Rotverordnung ist kein geeignetes Mittel für die Gesundung, da die Grenze der steuerlichen Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes bei weitem überschritten ist und die Rotverordnung keine wesentliche Senkung der Ausgaben der öffentlichen Hand bringt. Die Rot der Stunde erfordert vielmehr auch entscheidende Schritte in der Tributfrage und eine durchgreifende Lösung der Reichs- und Verwaltungsrefo rm. Der Landesausschuß ist der Auffassung, daß die jetzige Zusammensetzung der Reichsregierung keine Gewähr für die entschlossene Durchführung dieser Schicksalsaufgaben der Gegenwart bietet. Er sagt deshalb dem Parteiführer Dank, daß er die Initiative für die Tlmbildung der Reichsregierung ergriffen hat." DVp. in Hessen-Nassau gegen Reichstagseinberufung. Der Wahlkreisvorstand der Deutschen Vvlkspartei im Wahlkreis Heesen- Ra s s a u hielt gestern in Gießen eine Sitzung ab. Im Gegensatz zu der Auffassung der Partei in Hessen-Darmstadt wurde mit überwältigender Mehrheit eine Entschließung angenommen, in der trotz schwerster Dedenlen gegen o;e Bestimmungen der Notverordnung zum Ausdruck gebracht wird, daß die Entschließung der Reichstagsfraktion auf Einberufung des Reichstags wegen der damit verknüpften unheilvollen Folgen für untragbar erklärt wird. Landbundführer Höfer t- Weimar, 15. Iuni. (WTB. Funkspruch.) Der Parteiführer des Deutschen Landvolks (Christlich- nationale Dauern- und Landvolkpartei), der Thüringische Abgeordnete Ernst Höfer- 6L Bernhard, der $ur Erholung nach einer schweren Kopfgrippe in Konstanz am Bodensee weilte, ist gestern abend plötzlich gestorben. Er hat ein Alter von 52 Iahren erreicht. ^Der Stahlhelm^ wieder verboten. Berlin, 14. Iuni. (ERB.) Der Berliner Polizeipräsident hat, wie die Pressestelle des Stahlhelms mitteilt, gestern das Erscheinen des „Stahlhelms", des offiziellen Organs des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten auf Grund der Rotverordnung vom 28. März 1931 bis einschließlich 28. Iuni verboten Als Begründung für dieses neue Verbot wird angeführt, daß in der Rümmer 23 des „Stahlhelm" der Reichskanzler und der Reichsfinanzminister beschimpft und böswillig verächtlich gemacht würden Die 100-Jahr-Feier Ostpreußens. Eindrucksvolle Feier in Marienburg. — Hindenburg spricht. Marienburg, 14.Juni. (TU.) In Maries bürg fand heute die 700 -Jahrfeier des Deutschen Ordenslandes statt. Die alte Ordensstadt war über und über mit Flaggen und Girlanden geschmückt. Eine Ehrenkompanie der Reichswehr, Danziger Korporationen, die Kreis- kriegerverbände aus Marienburg und den Nachbarstädten, der Stahlhelm, die Wehrverbände, Schützen, das Reichsbanner, Vereine und Schulen hatten am Vormittag mit ihren Bannern Aufstellung genommen, um Hindenburg zu erwarten. Um 11 Uhr begannen die Glocken zu läuten und pünktlich rollte das Auto mit dem Reichspräsidenten, flankiert von sämtlichen Reitervereinen, durch das Marientor ein. Auf der Fahrt von Neudeck nach Marienburg war Hindenburg unterwegs allenthalben stürmisch begrüßt worden. Vor dem Rathaus hatten die 390 Schauspieler des Festspieles „Bartholomäus Blume" in ihren Trachten Aufstellung genommen, und der Schauspieler Karl W ü • stenhagen vom Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, der Träger der Titelrolle, begrüßte Hindenburg mit einigen Versen. Sodann überreichte die Tochter des ersten Bürgermeister P a w e l c i k dem Reichspräsidenten die goldene Festspielmedaille. Am Abstimmungsdenkmal legte Hindenburg einen Kranz nieder. Der erste Bürgermeister P a w e l c i k begrüßte den Reichspräsidenten als den Vater des Vaterlandes. Der Reichspräsident dankte für die Begrüßung und sprach dann längere Zeit mit dem Danziger Senatspräsidenten Dr. Z i e h m , der aus Danzig nach Marienburg gekommen war. Wei- ter ging dann die Fahrt zum Schloß. Im inneren Schloßhof hatte eine zweite Ehrenkompanie Aufstellung genommen, und unter den Klängen des Präsentiermarsches schritt der Reichspräsident die Front ab. Inzwischen versammelten sich im Großen Remter die Vertreter der ostpreußischen Behörden, der Wirtschaft und der Wissenschaft zu einem Festakt. Der Präsident des Provinziallandtages der Provinz Ostpreußen, Wirkt. Gey. Rat v. Berg, hielt die Begrüßungsansprache. Er dankte zunächst dem Reichspräsidenten von Hindenburg, der 1914 durch die Schlacht von Tannenberg dem Dordringen der russischen Horden Einhalt geboten habe, daß er der Feier durch seine Anwesenheit die Weihe gebe. Diese Feier solle eine Stunde der inneren, Einkehr sein. Die Marienburg, das Wahrzeichen deutscher Kraft, deutscher Zähigkeit, deutscher Treue, sage uns, daß die oslpreußische Frage eine gesamtdeutsche Schicksalsfrage sei. Der Redner gedachte der deutschen Landsleute im abgetretenen Pommerellen, im Memelgebiet und im Soldauer Land mit dem Bewußtsein, daß wohl Grenxpfähle aufgerichtet werden konnten, nicht aber deutsche Herzen voneinander getrennt werden können. Die Abstimmungen vor 11 Jahren, so schloß der Redner, haben gezeigt, wie unser Volk hier in seiner Gesamtheit, in allen Ständen denkt und fühlt. Draußen das Denkmal spricht es aus, was wir alle im heißen Herzen tragen: dies Land bleibt deutsch I Dies Wort soll auch heute wieder laut herausge- rufen werden, und wir wollen hinzufügen, wir harren der kommenden Zeit. Diese Worte sollen herüberschallen zu unserem jetzt von uns räumlich getrennten Vaterland und sollen dort Widerhall finden. . Oberstudiendirektor Professor Dr. Schumacher (Marienwerder) zeichnete in seiner Festrede l die 700jährige Geschichte des Preußenlandes, die nicht so sehr ein Kapitel der deutschen Kriegsge- r schichte, als deut sche r Kulturpolitik, deu tschen Fleißes und deutscher • Volksbewegung sei. Der Erfolg der Volksabstimmungen in Westpreuhen und dem südlichen Ostpreußen habe bewiesen, daß das alte Ordensland mit Deutschland aufs innigste verbunden sei. Die heutige Feier möge Europa erneut ins Gedächtnis rufen, daß das deutsche Ordensland ein Bollwerk gegen die Feinde und Verächter der abendländischen Kultur sei. Reichspräsident von Hindenburg dankte in seiner Ansprache zunächst für den freundlichen Empfang und fuhr dann fort: „Es ist mir eine besondere Freude, gerade in diesen Tagen in meiner alten Heimat weilen und heute hier in der alten Ordenshauptstadt anwesend sein zu können, um mit Ihnen rückbickend der Tage zu gedenken, an denen vor 700 Jahren der deutsche Orden seine kolonisatorische Tätigkeit tn Preußen begonnen hat. Wir haben in den trefflichen Schilde- Neuyork, 14.3uni. (2DIB.) Sir Hubert Milkins, der Kapitän des Unterseebootes „Nautilus", meldet in einem Funkspruch, daß das Schiff inmitten des Ozeans Maschinenschaden erlitten habe. Das Marinedepartement hat von dem Kontre- admiral, der das Kommando über die amerikanischen Schlachtschiffe „Arkansas" und „Wyoming" führt, die Meldung erhalten, daß die beiden Kriegsschiffe auf 46 Grad 40 Minuten nördlicher Breite und 30 Grad 40 Minuten westlicher Länger das U-Boot „Nautilus" mit schwerem Maschinenschaden und erschöpften Batterien aufgefunden habe. Sobald der Seegang, so heißt es in der Meldung weiter, nachläßt, wird die Paris, 14. Juni. (MTV.) Aus St. Nazaire wird gemeldet, daß der Dampfer „St. phil- b e r t", der heute vormittag mit einer 5 0 0 b i s 600 Personen zählenden Ausflugsgesellschaft Nantes verlassen hat, fünf Seemeilen von St. Nazaire entfernt in einen Sturm geraten und untergegangen ist. Der Dampfer, ein 1923 gebautes, 189 Tonnen großes Schiff von 32 Meter Länge, war mit 450 Ausflüglern, die fast sämtlich Mitglieder einer Genossenschaft waren, mittags ausgelaufen. (Er erreichte das Ziel des Ausfluges, den Hafen von Noir- moulier auf der vorgelagerten Insel Chataigner, gegen 16 Ahr Als das Schiff die Rückfahrt antrat, war Sturm eingetrelen und das Meer stark bewegt. An der St.Gildasspihe lief der Dampfer auf ein Felsenriff. Da die Rückfahrt des Schiffes schon bei Sturm angetreten wurde, hofft man lediglich, daß zahlreiche Passagiere — man rechnet mit etwa 100, die bereits seekrank waren — in Noirmoutier zurückgeblieben sind, so daß dadurch die Zahl der Opfer etwas verringert sein könnte. Tatsache ist, daß bis jetzt nur acht Heber- lebende gerettet wurden und drei Leichen geborgen worden sind. Die Hoffnung besteht jedoch immer noch, daß vielleicht ein Teil der Ausflügler sich schwimmend an Land retten konnte. rungen des Festredners die nationale und politische Arbeit des Deutschen Ordens, die für Preußen und Deutschland so wichtig geworden ist, vor unserer Erinnerung wieder lebendig werden lassen, und sahen die sieben Jahrhunderte der Vergangenheit Ostpreußens und des deutschen Ostens wieder an uns vor überziehen. Immer wieder sind während des Aus und Nieder dieser 700 Jahre hier im Osten auch die Zeiten schwerster Not überwunden worden, wenn fester Wille und einiger Zusammenschluß vorhanden waren. Auch jetzt ist Deutschland und insbesondere das vom übrigen Vaterland durch die unheilvolle Grenzziehung des Versailler Vertrages abgetrennte Ostpreußen wieder in einer Zelt harter Bedrängnis, und gerade in Ostpreußen sind Kummer und Sorge in vielen Familien ungebetener Gast. Aber wir dürfen dennoch nicht verzagen. Wie unsere Vorfahren in zäher Ausdauer und unverbrüchlichem Gottvertrauen auch die schwersten Jahre überwanden, so müssen auch wir der „Wyoming" das Unterseeboot ins Schlepptau nehmen und den nächsten Hafen, wahrscheinlich Queenstown, anlaufen. Erster Schleppversuch gescheitert. Washington, 15. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der gestrige Versuch der amerikanischen Kreuzer „Wyoming" und „Arkansas", das Unterseeboot „Nautilus" in den Hafen zu schlep. p e n, ist an dem hohen Seegang und an der M a n ö v r i e r u n f ä h i g k e i t des Untersee» bootes gescheitert. Heute früh bei Tageslicht soll versucht werden, das Unterseeboot durch einen Schleppdampfer bis Queenstown zu bringen. An Bord des „Nautilus" befindet sich alles wohl. Das Unglück erreignele sich um 18.30 Uhr drei Meilen von dr St. Gildasspihe entfernt, und wurde erst in der Nachl bekannt, da man das Nichteintreffen des Dampfers noch nicht beachtet hotte. Infolge des Sturmes, der besonders auf der Rückfahrt herrschte, haben die Passagiere sich alle auf die dem Winde abgekehrte Seile des Schiffes begeben, und als eine höhere Welle gegen den Dampfer schlug, konnte sie das Schiff mit einem Schlage ;um kentern bringen. Dieser plötzliche Charakter des Unglücks halte zur Folge, daß die Passagiere sich nicht mehr der Retlungsgürlel bedienen konnten, mit Ausnahme eines Oefterreichers, der sich noch einen Schwimmgürtel umschnallen konnte und gerettet wurde. Etwa 350 Tote. Paris, 15. Juni. (TU. Eigene Drahtmeldung.) Nach den letzten Nachrichten aus St. Nazaire hat das Schiffsunglück nicht, wie zuerst angenommen wurde, mehr als 500, sondern etwa 3 5 0 Todesopfer gefordert. Erst später stellte sich heraus, daß etwa 150 Ausflügler den Dampfer wegen des heraufsleigen- dcn Unwetters bei pornic verlassen hatten und mit der Eisenbahn nach St. Nazaire zurückgefahren waren. Acht Personen konnten aus dem Wasser gezogen werden. O-Booi „Nautilus" in Seenot. Amerikanische Kriegsschiffe zur Stelle. Furchtbare Schiffskatastrophe. Ein französischer Dampfer mit mehreren hundert Ausflüglern untergegangen. Krise der Gegenwart Herr werden. Freilich: Innere Einheit und geschlossene Widerstandskraft des ganzen deutschen Volles sind Voraussetzung für die Ueberwindung dieser, die deutsche Wirtschaft so schwer bedrückenden Rot rmd zur Erringung einer besseren Zukunft. An diese Einigung soll uns auch diese festliche Stunde mahnenI Wir wollen das gemeinsam geloben, indem wir rufen: Deutschland, unser geliebtes Vaterland, hurra I" Im Anschluß sprach Reichspräsident v. Hindenburg mit verschiedenen vstpreußischrn De- hördenvertretern und Vertretern von Verbänden. Unter den Ehrengästen sah man den Reichsminister Treviranus, den Oberpräsidenten, den Landeshauptmann, den Regierungspräsioenten der Provinz^ den Wehrkreiskommandeur, die Bürgermeister und Landräte aus ganz Ostpreußen, zahlreiche Abgeordnete. Ter Reichspräsident fuhr dann nach Freystadt, um hier an der 600-Jahrfeier der Stadt teilzunehmen. In den Gastkammern der Marienburg fand dann ein Frühstück statt. Hier begrüßte Landeshauptmann Dr. B l u n k die Gäste und brachte ein Hoch auf Ostpreußen aus. Sodann ergriff Reichsminister Treviranus das Wdrt und betonte u. a.: Es tff die tiefe Tragik des Schicksals unserer Tage, daß mit dem Abschluß des Weltkrieges ein Keil in dieses Land getrieben und die Landbrücke zum Reich zerrissen wurde. Um so fester ist das unvergängliche Gefühl des einzelnen geworden. Ls ist undenkbar, daß jemals eine deutsche Reichsregierung, eine preußische Staatsregierung dieses Land preisgeben kann oder wird. Ostpreußen ist kein verlorener Posten, sondern ein Eckstein des Reichsbaues, dessen Unversehrtheit die Grundlage unseres nationalen Daseins ist. Es sprachen sodann Oberpräsident Siehr und Kammerherr v. Oldenburg -Januschau, der als letzter Redner der verlorenen Provinz Westpreußen gedachte und ein Hoch auf die Jugend Deutschlands ausbrachte, der es vergönnt sein werde, den Tag der Wiedervereinigung zu erleben. Oer evangelische Kirchenverirag mit Preußen endgültig angenommen. Berlin, 13. Juni. (TU.) Der Preußische Landtag hat heute den Staatsvertrag mit den evangelischen Landeskirchen mit 202 gegen 54 Stimmen bei 105 Enthaltungen der Sozialdemokraten in dritter Lesung endgültig angenommen. Ministerpräsident Dr. Braun hat im Gegensatz zu seiner Fraktion f ü r den Kirchenvertrag gestimmt. Innenminister S e v e r i n g hat sich an der Abstimmung nicht beteiligt. Der Preußische Landtag lehnte das kommunistische Mißtrauensvotum gegen die Staatsregierung mit 220 Stimmen der Regierungsparteien gegen 167 (Stimmen der gesamten Opposition a b. Der weitere kommunistische Antrag, wonach die preußische Regierung auf soforttge Aufhebung der Notverordnung hinwirken soll, wurde mit 206 gegen 151 Stimmen abgelehnt. Das Haus vertagte sich sodann bis zum 7. Juli. Schwerer Schiffs-Zusammenstoß. Rotterdam, 14. Juni. (WTB.) Meldungen aus B l i s s i n g e n zufolge ist gestern beim Leuchtschiff „Woord Linder" infolge dichtenRebels der britische 3067-Tonnen-Dampfer „Urania" mit dem norwegischen 9000-Tonnen-Dampfer „Beaufort" zusammenge stoßen. Die „Urania" sank innerhalb kurzer Zeit. Ihre Bemannung konnte von der „Beaufort", die stark beschädigt wurde, aber die Weiterreise nach Rotterdam antrat, an Bord genommen werden. Mllionenwerte im Bücherregal. Die NaPoleon-Bibliolhek in Berlin. Von Ludwig Naurath. In der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin wurde soeben die Ausstellung einer Bibliothek Napoleons eröffnet. Die zahlreichen Biographien Napoleons, mit denen der Büchermarkt in den letzten Jahren überschtyemmt wurde, zeigen, daß der Korse ein nervöser Mensch war, den persönliche Erlebnisse sehr beeinflußten und der sogar weinen konnte. Aehnliches erkennt man auch an der Bibliothek Napoleons, die jetzt in der Berliner Staatsbibliothek ausgestellt wird. Bände mit gefühlvollen Gedichten, sentimentale Literatur des Rokoko, nachdenkliche Philosophen, all das findet sich dort neben den ungeheuren Prachtbänden, die in Saffian und in Pergament, in Seide und Maroquin gebunden sind, und auf denen goldene Lettern prunken. Die Bibliothek, die ein Mensch sich zusvmmenstellt, zeigt deutlich, was er liebt, und wofür er sich interessiert. Selbstverständlich mußte ein Mann wie Napoleon die Enzyklopädien seiner Zeit, die Weltgeschichten und ine Gesamtausgaben der französischen Klassiker besitzen. Charakteristisch ist jedoch, was darüber hinaus zu der Bücherei gehört, die Napoleon zusammenstellte, als er die Wiener PriiMssin Marie Louise heiratete. Um diese Bibliothek gibt es ein Geheimnis: es wird nicht gesagt, wem sie gehört. Wahrscheinlich wird sie bald verkauft werden, wohl nach Frankreich, wo man sich die letzte Bibliothek Napoleons nicht entgehen lassen wird. Der Kaiser hatte viele Büchereien; aber sie sind verlorengegangen, nach seinem Sturz verstreut worden und zum Teil verbrannt. So beansprucht diese kostbare Bibliothek besonderer Auftnerksarn- keit. Unter Napoleons Büchern sieht man auch eine Voltaire-Ausgabe in 98 mächtigen Bänden. Auch in der Hausbibliothek der Hohenzollern sindet sich eine berühmte Zusammenstellung der Werke Voltaires, mit Widmungen des Philosophen, einer Handschrift der ersten fünfzehn Gesänge der „Pucelle" und einer Prachtausgabe der „Henriade", die der preußische König von einem Londoner Buchkünstler unter großen Kosten ganz in Kupfer stechen ließ. Die Bücherei Friedrichs des Großen ist nicht weniger aufschlußreich als die Bibliothek Napoleons. .Sie enthält die Werke griechischer und römischer, italienischer, englischer, spanischer, portugiesischer und vor allem französischer Literatur, aber kein deutsches Buch. Friedrich II. hielt nichts von den deutschen Schriftstellern. Will man wissen, was der König auf seinen Feldzügen las, so braucht man nur die abgegriffenen, schlecht erhaltenen Bände herauszugreifen. Zu Hause wurden die Bücher geschont. Zur Hausbibliothek gehören außerdem die großen Sammlungen Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelms IV., die Bücher der Königin Luise und viele Kostbarkeiten, die die späteren Herrscher hinzugefügt haben. Natürlich wurde um diese Bibliothek bei der Auseinandersetzung zwischen Staat und Krone sehr gestritten. Unter den Sammlungen, die souveränen Herrschern gehören oder gehörten, steht die B i b l i o- thek des Vatikans an erster Stelle. Der Papst hat sie selbst verwaltet, als er noch Monsignore Achille R a t ti hieß. Er war Präfekt der Ambrosiana in Mailand, als Pius X. ihn im November 1911 zum Vizepräfekten der Vatikanischen Bibliothek ernannte, und am 1. September 1914 wurde er zum Präfekten erhoben; dieses Amt bekleidete er vier Jahre. Zur Bibliothek des Papstes gehören etwa eine halbe Million Bände, viele Handschriften von Weltruhm, Sammlungen von Fürsten aller Zeiten und aller Länder. Manche Werke gelangten auf sehr seltsame Weise in den Vatikan. Ein Beispiel hierfür bietet das Schicksal der Heidelberger Universitätsbibliothek, die Ende des 16. Jahrhunderts in ganz Europa berühmt war. Sie besah 3522 lateinische, griechische, hebräische und altdeutsche Handschriften. Als die Stadt Heidelberg am 16. Sevternber 1622 in die Hände Tillys fiel, beschlagnahmte dieser die Bibliothek und lieferte sie dem bayerischen Kurfürsten Maximilian I. aus, der an Papst Gregor XV. verschuldet war und mit den kostbaren Büchern seine finanziellen Verpflichtungen erledigte. Auf 50 Wagen wurden die Bücher von Heidelberg nach Rom gebracht. Kein Herrscher, kein Staat und natürlich erst recht kein privater Sammler wäre heute noch imstande, eine entsprechende Bibliothek zusammenzubringen. Immerhin sind die größten privaten Büchersammlungen nicht zu verachten. Sie befinden sich, was sich aus finanziellen Gründen eigentlich von selbst versteht, in Amerika. Die größte Privatsammlung dürste die Bibliothek Morgan fein. Als im Frühjahr 1927 der amerikanische Cisenbahnmagnat Huntington starb, hinterließ er die zweitgrößte Privatsammlung und bestimmte in seinem Testament, daß sie dem Staat zufallen solle. Es war unmöglich, ihren Wert anzugeben. Zu ihr gehörte die Bücherei Dwigt C h u r ch, die Hunttngton im Jahre 1911 für 1,3 Millionen Dollar gekauft hatte, und in der sich eine Erstausgabe von Shakespeares Sonetten befindet. Huntington erwarb die Bibliothek des Herzogs von Devonshire und die sog. Bridgewater-Bibliothek, die ursprünglich der Königin Elisabeth gehört hatte. Allein im Jahre 1917 kaufte er für 6 Millionen Dollar Bücher und Handschriften, darunter eine Gutenberg-Bibel. Von allen vor dem Jahre 1500 gedruckten Büchern, die in den Besitz amerikanischer Sammler gelangten, mag mindestens die Hälfte zur Huntington-Bibliothek gehören. Als im Herbst 1926 nach langwierigen, viele Monate dauernden Verhandlungen die auf Pergament gedruckte Gutenberg-Bibel des Benediktinerstifts St. Paul in Kämten an Dr. Otto V o l l b e h r in Neuhork verkauft wurde, wurde die Welt auf diesen Sammler aufmerksam, dem wohl die drittgrößte Privatbibliothek gehört. Er ist ein geborener Deutscher, dem es gelungen ist, über 3000 bis zum Jahresende 1500 gedruckte Bücher bei sich zu bereinigen, wundervolle Stücke in allen Sprachen. Die Gutenberg-Bibel, für die er 1,2 Millionen Mark bezahlte, ist wohl das kostbarste Buch, das es gibt. Es ist in 41 auf Papier und 10 auf Pergament gedruckten Exemplaren erhalten. 2m Jahre 1873 zahlte man für ein Pergamentexemplar 68 000Mk.; der Preis ist also in 50 Jahren auf etwa das Zwanzigfache gestiegen. Deutschland ist verhältnismäßig arm an solchen Privatsammlungen. 3n der Inflation erwachte die Sammelleidenschaft auf allen Gebieten. Man sammelte alte und neue Bilder, Kupferstiche, Porzellane und auch schöne Bücher, um das Geld vor der Entwertung zu schützen und bleibende Werte zu schaffen. So entstanden auch neue Bibliotheken, die jedoch zum Teil wieder aufgelöst wurden. Die Besitzer hatten keine innere Beziehung zu ihren neuen Schätzen. Andere Büchersammler konnten ihre Bibliothek nicht weiter ergänzen, als die Goldmark bei den Jn- flationsgewinnern knapp wurde. Man muh leider zugeben, daß Deutschland, das Land mit der größten Bücherproduktion und der lesehungrig- sten Bevölkerung, das Land, in dem jährlich 25 000 Neuerscheinungen herauskommen, in der Bibliophilie ziemlich unbedeutend ist. Dementsprechend sind die .Preise für wertvolle Erstdrucke hier sehr niedrig. Für ein paar hundert Mark kann man die erste autorisierte Gesamtausgabe von Goethes Werken bekommen, und Lessings „Nathan" oder Schillers „Dock Carlos" kosten in der Erstausgabe weniger als die Graphik irgendeines modernen Malers. Dafür haben wir in Deutschland sehr wertvolle öffentliche Bibliotheken. In der Preußischen Staatsbibliothek und in den zahlreichen Universitätsbüchereien. vor allem in München, finden sich viele kostbare Stücke. Die finanzielle Not hat verhindert, daß diese öffentlichen Sammlungen im letzten Jahrzehnt ausreichend ergänzt werden konnten, ebenso wie es unmöglich war, alle wichttgen und für die Wissenschaft unentbehrlichen Neuerscheinungen des Auslandes zu kaufen. So steht die Preußische Staatsbibliothek heute unter den größten Bibliotheken der Welt nur noch an neunter Stelle. Die Pariser National- biblivthek verfügt über 4,5 Millionen Bände, in der öffentlichen Staatsbibliothek in Leningrad sind 4 Millionen Bände, ebenso viel Bücher besitzt die Akademie der Wissenschaften in Leningrad, je 3,5 Millionen Bände stehen in der Kongreßbibliothek in Washington und in der Leniir- biblivthek in Moskau, etwas weniger hat das Britische Museum in London, knapp 3 Millionen sind in der Neuyorker Bibliothek, 2,5 Millionen in der Universitätsbibliothek von Cambridge im Staate Massachusetts, und 2,2 Millionen in Berlin. Insgesamt sind in den tausend größten öffentlichen Bibliotheken der Welt rund 190 Millionen Bücher vereinigt, das gesamte Wissen der Menschheit, die Beschreibung aller irdischen Schönheiten und der Lehrstoff für alle kommendes Generationen. Zeitschriften. — „D 238, eine Fahrplanplauderei", nennt Michael Untersperg seinen Aufsatz in der Julinummer von WestermannsMonatsheften. Diese interessante Plauderei über Entstehen, Technik und Sirm eines modernen Fahrplans am Beispiel des Zuges D 238, der im Kurs Berlin—Bodensee— Schweiz mit Anschluß nach Italien fährt, wird jeder mit großem Gewinn lesen. Die Freunde der Ostsee wird der mit vielen Abbildungen geschmückte Artikel von Wilhelm Michels „Besuch in Kolberg" interessieren. Der Wiener Kunsthistoriker Arthur Roeßler gedenkt in einem reichillustrierten Aufsatz des 400. Todestages von Tilmann Riemenschneider, dem größten deutschen Bildschnitzer der Gotik und des Mittelalters. Die Novelle „Jonathan muß für den Regen büßen" von Anton Schnack werden die vielen Freunde des Dichters begrüßen. Eine weitere Novelle von Inge Stramm tragt den Titel „Erweckung der Herzen" und spielt in der Welt der Zirkusmenschen. Dr. Erich Werdermann vom Botanischen Museum in Berlin plaudert über „Bromeliengewächse", die farbigen Bilder hierzu sind von Theodor Daugs. Werner Suhr schreibt in seinem Aufsatz „Charaktere gesucht" über den Unterschied zwischen Typus und Charakter, über den Ausdruck des Charakters im Gesicht und Wesen von OKännem, Frauen und Kindern. Briand über die Fn'edenssicherung Eine iRefre vor Frontkämpfern. Paris, 14.3uni. (WT2.) In dem kleinen Städtchen Gourdon hieft heute auf einer Tagung deS Verbandes ehemaliger, keine Pension beziehender Frontkämpfer Außenminister Driand, mit lebhaftem Beifall begrüht, eine Bede. Er begann mit der Erklärung, daß die Frvntkämpferveranftaltung von Gourdon auch für andere ehemalige Frontkämpfer der Beweis sei, dah es Mensck^n gebe, die ebenfalls gekämpft, aber an den Krieg nur die Erinnerung behalten hätten, dah er verflucht, verabscheut und in Zukunft unmöglich gemacht werden müsse. Was wolle Frankreich zur gegenwärtigen Stunde? Es wolle das Mittel juristischer Lösung in die Re- gierungSberatungen bringen, die Gewalt, die Macht, die Brutalität durch das Ausgleichs- und Schiedsverfahren ersetzen. Er wolle nicht glauben, daß eS Konflikte gebe, die verhängnisvoller- weise nur durch den Krieg gelöst werden könnten. Frankreich habe sich Ruhm dadurch erworben, daß eS die Borhut aller Bemühungen um die Friedensorganisation bilde. Das Wort Frieden müsse immer und immer wieder wiederholt werden. damit es mit seiner mystischen Kraft in alle Gehirne eindringe. Er habe versucht, den Frieden zu organisieren, und er hosse, dah demnächst die lehken Mißverständnisse, die hauptsächlich zwischen Deutschland und Frankreich bestünden, " fallen würden. DaS werde nicht leicht sein und vielleicht lange dauern. GS sei aber kein Grund vorhanden, sich entmutigen zu lassen. Zwischen Frankreich und Deutschland sei zunächst eine Grenz» angelegenheit geregelt worden. Man werfe ihm vor, den Versailler Vertrag sabotiert zu haben. Er fordere seine Gegner auf, ihm einen einzigen Fall zu nennen. Er habe im Gegenteil die Lücken des Versailler Vertrags ausgefüllt. Sei es nicht etwas Gewaltiges, dah ein Land, das üch unaufhörlich über einen Vertrag beklage, den es infolge Frankreichs Sieg auf sich nehmen muhte, eingewilligt habe, mit Frankreich über die französische Ostgrenze zu verhandeln, und dah eS freiwillig auf Elsaß und Lothringen verzichtete? Er glaube die Lage Frankreichs, so wie > sich nach dem Kriege darstelle, wesentlich Verb. i?rt zu haben. Andere Schwierigkeiten seien unter den im Vertrag vorgesehenen Bedingungen behandelt worden. Niemals habe er eine Konzession gemacht, die ein Attentat auf den Versailler Vertrag darstelle, und was die Sicherheit anlange, die er niemals unberücksichtigt gelassen habe, so müsse er fragen, ob die Politik der Organisation des Friedens der Organisation der nationalen Verteidigung schädlich gc.vesen sei. Zweifellos würden auf dem Friedenswege viele Hindernisse austauchen. Er sage nicht, dah sie von denen gesät würden, die einen Kriegsgedanken verfolglen, aber es gäbe Männer, die die Verteidigung des Friedens in seltsam gefährlicher Weise interpretierten durch Methoden und Mittel der Vergangenheit. Diese aber hätten die Völker zum Kriege geführt, den man jetzt verhindern müsse. Briand ging dann zum Kellogg-Pakt über und erklärte, es sei nicht angängig, daß die zivilisierten Völker, die diesen Pakt unterzeichnet hätten, den Krieg unter dem Einfluß irgendeines Angriffs wieder aufleben lassen könnten. Denn man aber bei der Organisierung des Friedens nur an Deutschland und Frankreich denke, sehe man schlecht und nicht weil genug. Die Organisation des Frieden» müsse ganz Europa umfassen. Deutschland und Frankreich seien zwei Elemente davon. Aber es gebe noch andere. Er hoffe, dah andere Rationen demnächst in diese Organisation eintreten würden. Er habe die gewagte, ihm so oft vorgeworfene Initiative ergriffen, die europäischen Rationen aufzufordern, sich zusammen zu schlichen,und die notwendigen Bande der Solidarität zu knüpfen. Seitdem habe man erlebt, dah Europa sich endlich darüber klar sei, dah es unmöglich so egoistisch bleiben könne, wenn es seine Zivilisation retten wolle. Die europäische Union sei etwas Machtvolles geworden. Man habe bereits wichtige Lösungen in dieser Aufgabe verwirklicht. Er verspreche, so lange er tätig sei und so lange er atme, aus diesem Weg fortzufahren. Er werde beleidigt, lächerlich gemacht und verleumdet werden. Das sei ihm gleichgültig. Er habe Vertrauen zum gesunden Sinn des Volkes, und er rechne namentlich auch auf die Frauen. So lange sie der Friedenssache treu blieben, solange sie ihre Kinder, ihre Brüder und ihre Gatten gegen den Krieg verteidigten, werde die Friedenssache in guten Händen fein. Briand schloß mit den Worten: Ich werde Gourdon mit neuer Kraft verlassen. Ihr habt aus mir einen von den Soldaten des Friedens gemacht, der bereit ist, bis zum Ende zu kämpfen. DriandS Rede wurde mit lang anhaltendem Beifall ausgenommen. Französisches Boischasterwechsel in Moskau. Jean Herbe11e, der französische Botschafter in Moskau, der als sowjetfeindlich gilt, ist abberufen worden. Man deutet dies als Zeichen einer bevorstehenden französisch-russischen Annäherung. Aus der provinzialhauptstadi. Gießen, den 15. 3uni 1931. Wohttäiigkeitssest. In den Räumen der Liebigshöhe fand am Samstagabend, veranstaltet vom Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See, ein Wohltätigkeitsfest statt, das mit viel Sorgfalt vordere;let war. Die Räumlichkeiten waren reich mit Grün geschmückt, eine Mokkastube harrte der Besucher und sand sie in zahlreichem Maße, ein Imbihladen und ein Cisstand, ein Bäckerladen und ein Zigarettenkiosk fehlten nicht, eine Tombola als schier selbstverständlicher Teil eines Wohltätigkeits» festes fand lebhaftesten Zuspruch, und der Stand mit vielen schönen Gewinnen wurde bis auf den letzten Gegenstand geräumt. Eine Musikkapelle wartete mit guten Darbietungen auf, die den Beifall der Besucher fanden. Junge Damen hatten sich zur Verfügung gestellt und boten Kuchen und belegte Brote, Bowle und Bier, Kaffee und Mineralwasser seil, verkauften Lose und widmeten sich dabei mit großem Eifer ihrer Arbeit im Dienste der guten Sache. Um 19 Uhr begann das Fest. Während um diese Zeit noch nicht allzuoiele Besucher erschienen waren, füllte sich der Saal gegen 20 Uhr zusehends, und bald war kein Stuhl mehr frei. Um diese Zeit trat das offizielle Programm in seine Rechte und fesselte die Aufmerksamkeit der Besucher. Unter dem Titel „Don Afrika zum Hessenland" wurde eine bunte Folge von szenischen Bildern gezeigt, die nicht nur die Lebendigkeit und Originalität, nicht nur Farbenpracht und vielfältigen Rhythmus für sich hatten, sondern auch den Reiz der Aktualität. Im Mittelpunkt der einzelnen Darbietungen stand Elli Beinhorns Flug nach Afrika und ihre mannigfachen Erlebnisse während der großen Reise. Die Fülle und die Art der Darbietungen stellten gewissermaßen eine „revue orientale“ dar, in der vor exotischem Hintergrund der Negerfürst und seine Getreuen, Negerkinder und Rotkreuzschwester, Scheich und Haremsfrauen, Odalisken und Beduinen, neben Elli Beinhorn und ihrem Helfer Bollmann auftraten; Zigeuner und Zigeunerprimas, Mädchen der Pußta im bunten Schmuck ihrer Tracht, boten Tanz und Gesang und erinnerten damit an die zweite unfreiwillige Etappe der Fliegerin. Eine improvisierte Landung im Gießener Flughafen und der Tanz der Hessenkinder rundeten dos Ganze. Ein ernster Schlußspruch, in dem Glaube und Zukunftshoffnung für Deutschlands Wiederaufstieg zum Ausdruck kamen, zugleich aber auch das Wirken des Roten Kreuzes in den ehemaligen deutschen Kolonien ye- würdigt wurde, beschloß die wohlgelungene Aufführung. Der vierte Vers des Deutschlandliedes wurde im Anschluß daran gemeinsam gesungen. Der Rest des Abends war dem Tanze gewidmet. Im Zusammenhang mit der glänzenden Drgani» fation und Duchführung des gelungenen Festes verdienen einige Namen genannt zu werben. Die Ge- famtfeitung lag in Händen von Frau Professor Dr. Zwick, Frau Professor Dr. Bürker und Frau Bürgermeister Dr. Seid als Mitglieder des engeren Vorstandes des Vereins standen ihr zur Seite. Bankdirektor Mattern als Bereinsschatzmeister stellte ebenfalls seine Kräfte in den Dienst der Sache. Die Spielleitung hatte Herr Hub vom Stadttheater übernommen, der in Verbindung mit Herrn und Frau C u j 6 das Festspiel und den verbindenden Text schuf. Herr Cujä zeichnete für die Musik verantwortlich. Tanzlehrer B ä u l f e hatte die Tänze einstudiert. Für die Aufführung selbst hatten die Damen Euj 6, Weyl, Schmidt-Wissen- darf, Niemann, Wilke und Meesmann und Herr F a l f e n b e r g sich zur Verfügung ge- stellt. Einige Mitglieder der Burschenschaft Alemannia, junge Damen und Herren, sowie Kinder aus den Kreisen der Mitglieder des Vereins, widmeten sich im Rahmen der Aufführung mit viel Eifer ihren Aufgaben. In einer Tanzpause zeigten Herr und Frau Bä ulke zwei prächtige Gesellschaftstänze, die ebenso herzlichen, wie verdienten Beifall fanden. Bei Tanz und Musik, bei fröhlicher Unterhaltung verging der Abend. Der finanzielle Erfolg der Veranstaltung dürfte wohl den Erwartungen entsprechen. Diese Tatsache erfreut . um so mehr, als damit viele vorbereitende Mühewaltung ihre Anerkennung und der erstrebte Zweck Erfüllung gefunden haben. Kriegsopferversorgung in der Notverordnung. Vom Verband ber Kriegsbeschädigten und Kricaerhin'erblicbenen in d:rKri gerkarneradschaft „Hassia", Darmstadt, wird uns geschrieben: Die Rotverordnung vom 5. 3uni 1931 hat den bei den bisherigen Sparmaßnahmen der Reichsregierung noch vermiedenen Leistungsab- ,b a u in der Versorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen gebracht. 3m lausenden Reichshaushalt soll die gesamte Rotverordnung durch Mehreinnahmen und Minderausgaben Einsparungen von rund 1 Milliarde einbringen. An dieser Summe ist der Haushalt für Versorgung und Ruhegehälter mit rund 93 Millionen beteiligt. Das bedeutet umgerechnet auf den ganzen 3ahresetat etwa 110 Millionen und ist gleichbedeutend mit einer Kürzung des 3ahres- haushalts um etwa 9 v. H. Diese erheblichen Einsparungen sollen erreicht werden durch eine, nicht gleichmäßige Kürzung aller Renten mit Ausnahme derjenigen der völlig erwerbsunfähigen (103 v. H.) Kriegsbeschädigten, sowie durch eine lange Reihe anderweitiger Maßnahmen, die zum überwiegenden Teil bereits in dem Entwurf zur 6. Rovelle des Reichsver- forgungsgesetzes und zur 5. Rovelle des Versah- rensgesches enthalten waren. Heber die wesentlichen Einzelheiten dieser Maßnahmen ist folgendes mitzuteilen: Einen Rechtsanspruch aus Heilbehandlung mit Krankengeld und Hausgeld haben nur noch diejenigen Kriegsbeschädigten, die einen Rechtsanspruch auf Rente haben. 3n der Art, dem Umfang und der Dauer der Heilbehandlung sind gewisse Beschränkungen vorgesehen. Für die Heilbehandlung versicherter Kriegsbeschädigter erhalten die Krankenkassen vom 1.3uli 1931 ab keine Entschädigung mehr. Hinterbliebene von Kriegsbeschädigten haben nur bann noch einen Rechtsanspruch auf Versorgung, wenn die Ehe vor dem 6.3uni 1931 geschlossen worden ist. An Rentenkürzungen ist foIgenbeS verfügt worden: 1. Herabsetzung der Ortszulagen, und zwar in der Sonderklasse von 30 v. H. auf 24 v. H., hx Ortsklasse A von 25 v. H. auf 18 v. H., B. von 22 v. H. auf 12 v. H. und C. von 18 v. H. auf 6 v. H. der Rentenbezüge. 3n Ortsklasse u. ist die bisherige Ortszulage von 14 v. H. fort- gesallen. Der Gefahr Der Landflucht ist dadurch begegnet worden, daß bei einem künftigen Wechsel des Wohnsitzes eine Erhöhung der Ortszulage nicht gewährt wird. 2. Den Leichtbeschäoigten wird eine Kinderzulage gestrichen; 3. die Vorschriften über das Ruhen der Rente bei Einkommen aus öffentlichen Mitteln sind durch Herabsetzung der GinkommenSgrenzen wesentlich verschärft worden: 4. das gleiche gilt für die Vorschriften über Gewährung der Zusatzrente. — Die als erwerbsunfähig (100 v. H.) anerkannten Schwerbeschädigten sind von den unter 1 bis 3 auf geführten Renten lürzungen ausgenommen. Dem Demehnien nach ist dies auf einen ausdrücklichen Wupsch des Herrn Reichspräsidenten erfolgt. Die Rotverordnung enthält auch zahlreiche Abänderungen des Gesetzes über das Vorfahren in Versorgungsfachen, die im wesentlichen auf eine Vereinfachung des Verfahrens hinzielen. Bornotizcn. — Tageskalender für Montag. Deutscher Beamtenbund: Mitgliederversammlung, 20 Uhr, im „Aquarium", Walltorstraße. — Gießener Freiwillige Feuerwehr Hauptübung, 20 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Privatsekretärin". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, 16. Juni, 20 Uhr, findet als 4. Veranstaltung des Sommerspielplans Die einmalige Aufführung der Tragödie „Nju" des russischen Lyrikers Ossip Dymow statt. Für die Aufführung wurde das „Ensemble-Gastspiel ßottina Baart, E. L. Franken und Kürt Unser" gewonnen. Beginn der Vorstellung 20 Uhr; ermäßigte Sommerpreise. — Vom Konzertverein wird uns geschrieben: Das Programm des diesjährigen Volkskonzertes am 20. 3uni enthält Werke vorwiegend unterhaltenden Charakters, die aber trotzdem zur wertvollen Musikliteratur $u zählen sind. Unser heimisches Orchester, der Gießener Orchester-Verein, tritt bei dieser Gelegenheit erstmalig mit voller Besetzung unter der Leitung von Dr. Ternesvary vor das Publikum. Die Leistungen des Orchesters im letzten 3ahre lassen auch für dieses Konzert Erfteuliches erwarten. 3edensalls ist das reizvolle Programm in Verbindung mit den niedrigen Eintrittspreisen geeignet, alle musikliebenden Kreise zum Besuche dieses Konzertes zu veranlassen. * * Klinik» Person alle. Oberkasseninspektor Emil Kinkel wurde zum Bureaudirektor bei der Gesamtverwaltung der Universitätskliniken mit Wirkung vom 1. Mai ab ernannt. ©in Fünfundsiebzigjähriger. Heute begeht Musiklehrer Franz Bauer sen. in aller körperlicher und geistiger Frische seinen 75. Geburtstag. Sjbrr Dauer, der sich feit einigen 3ahren aus dem (Berufsleben zurückzog und die wohlverdiente Ruhe eines arbeitsreichen Lebens genießt, hat nicht nur als Pädagoge einer großen Anzahl Schüler viel gegeben, sondern spielte im Musikleben der Stadt Giehen auch als Dirigent mehrerer Vereine und Leiter der großen Chöre bei verschiedenen Festlichkeiten, z. B. der Einweihung des Kriegerdenkmals von 1870, eine bedeutende Rolle. Die Verdienste, die er sich bei seiner umfangreichen Tätigkeit erwarb, find ihm sicher nicht vergessen. ** „Graf Zeppelin" über Oberhessen. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hatte am Sonntag aus Anlaß der 3ahrhundex7tfeier der Technischen Hochschule zu Hannover eine Ziellandung in Hannover durchgeführt und überflog auf der Rückkehr nach Friedrichhafen unser Ober- Hessen. Das Luftschiff, das gegen 12 Tlhr nachts in etwa 500 Meter Höhe über unserer Provinz erschien, wurde viel beobachtet. ** Heeresf achschule f ü rVer wal tung und Wirtschaft. Man berichtet uns: Vom 8. bis 11. 3uni fanden an der hiesigen Heer es- fachschule für Verwaltung und Wirtschaft die diesjährigen Abschlußprüfungen II und I unter dem Vorsitz von Fachstudiendirektor Douch - h o l h statt. Rachstehende Behörden hatten je ein stimmberechtigtes Mitglied in den Prüfungsausschuß entsandt: das Hessische Ministerium für Kultus und Bildungswesen: das Landessinanz- amt; die Oberpostdirektion; die Reichsbahndirektion; der Hessische Städtetag; der Hessische Landgemeindetag und die 3nbuftrie- und Handelskammer. Es bestanden in der Abschlußprüfung 11 für Beamtenanwärter (Eintritt in den gehobenen mittleren Deamtendienst) alle 7 Prüflinge; in der Abschlußprüfung I (Eintritt in den einfachen mittleren Beamtendienst) von 19 zur mündlichen Prüfung Zugelassenen 18 Prüflinge. * Der „Hubertus", Verein weidgerechter 3 ä g e r, S i h Gießen, hielt am Mittwoch seine Monatsversammlung im Schützen- Haus ab. Zur großen Freude des Vereins konnte — wie man uns berichtet — Herr Pascoe, der 1. Vorsitzende, eine größere Anzahl von Studierenden der Forstwistenschaft der Universität als außerordentliche Mitglieder willkommen heißen. Rach Bekanntgabe und Besprechung eines Rundschreibens des Gebrauchshundeverbandes wurden wichttge Mitteilungen aus dem Gebiete des Jagdschutzes gemacht, die eine erhöhte Aufsicht über die Reviere leider notwendig erscheinen lassen. Eingehend besprochen wurden Fragen der Wildverwertung, die einmal das bestehende Mißverhältnis zwischen hohen 3agdpachten und niederen Wildpreisen und ferner die richtige Behandlung des Wildes nach dem Schuh zum Gegenstand hatten. Ein Austausch von Beobachtungen über den bisherigen Verlaus der Dockjagd ergab das einstimmige Urteil, das hx der Gehörnbildung ein Jahrgang zu verzeichnen ist, der so schlecht ist wie lange nicht. Es wurde den Mitgliedern dringend angeraten, den Abschuß der wenigen besseren Döcke bis nach der Dlattzeit zu verschieben, damit diese Stücke sich noch vererben können. Rach "Beendigung der geschäftlichen Angelegenheiten sprach Herr Pascoe an Hand von Belegstücken über „Eier und Gelege unserer den 3äger am meisten interessierend^ Dogel- arten", woran sich noch eine Aussprache über biologische Beobachtungen, Fragen des Raturschuhes u. ä. anschloh. Dem Verein wurde von einem Mitglied eine Sammlung von Eiern übergeben. die, weiter ausgebaut, das Anschauungsmaterial der Vereinssammlung wertvoll ergänzen soll. Aus aller Welt. Schwere» Unglück am Bahnübergang. Am Sonntagnachmittag ereignete sich an einem Bahnübergang bei Kronach ein schweres Unglück. Ein Lastkraftwagen wurde vom O-Zug 80 München -Berlin erfaßt und auf daS Gleis geschleudert. Der Benzintank explodierte. Die beiden 3nfassen des Wagens ocrbraxxntcn bei lebendigem Leibe. DaS Lastauto gehörte einer Firma Kremer in Krefeld. Die Schranke soll nicht geschlossen gewesen fehx. Wieder Abstürze von Flugzeugen Am Samstag gegen 18 Hhr ereignete sich in Dess au ein schweres Flugzeugunglück. DaS Schulflugzeug des Anhalttschen Vereins für Luftfahrt .Bolcke" stürzte infolge eines Dedicnungs- sehlerS in einer Kurve aus etwa 100 Meter Höhe ab, fiel auf die Erde und verbrannte. Offenbar ist der Benzintank explodiert. Der Führer Riemann, ein 3ungflieget, und der Fluggast Bartels verbrannten Ein englisches Verkehrsflugzeug stürzte gestern mittag bei Derneuil-sur-Havre ab. Es ging in Flammen auf. Der Pilot und ein weiblicher Fahrgast sind verbrannt. Unwetter über Wuppertal. Ein heftiges Unwetter entlud ftch in den Abendstunden des gestrigen Sonntags über Wuppertal. Der Wolkenbruch, mit starkem Hagelschlag vermischt, war so stark, dah die Kanalisation die Wassermassen nicht zu fasten vermochte. 3n den Fluren und Gärten ist grober Schaden entftanbeix. Das Unwetter hat auch in Belgien und in England, wo eS vorher hefttg auftrat, erhebliches Schaden angerichtet. Büchertisch. — Krüger, D. Dr. Gustav: Die Religion der Goethezeit. Verlag I. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen. Steif broschiert 6 Mark. — (155) — Die in diesem Buche vereinigten Vorträge sind zu wiederholten Malen vor einem Kreis geisteswissenschaftlich interessierter Männer gehalten und dankbar entgegengenommen worden. Sie sind also in erster Linie für Laien bestimmt, für Fachleute nur insoweit, als das uns alle beschäftigende Problem des Verhältnisses von Christentum und Idealismus auch hier im Hintergründe steht. Der Verfasser ist sich bewußt, daß die Wertung, die er dabei dem deutschen Idealismus zuteil werden läßt, heute auf allgemeine Anerkennung nicht rechnen darf. Aber er ist überzeugt, daß sie sich wieder durchsetzen wird, wenn einmal das sich jetzt vordrängende Geschlecht, das den Idealismus totzusagen bemüht ist, wieder vom Schauplatz abgetreten sein wird. Feinen Geistern mit offenem Blick für Natur und Geschichte, für Religion und Christentum werden unsere klassischen Dichter und Denker stets Befreiendes und Auf- richtendes zu sagen haben. — Die Handelshochschule, Lehrbuch der Wirtschaftswissenschaften, herausgegeben von Prof. Dr. Schmidt (Frankfurt). Industrieverlag Späth & Linde, Berlin W 10. — Das Werk geht mit Macht seinem Abschluß entgegen; die neuesten Lieferungen 94 bis 97 führen den von Professor Saum (Brauns- berg) übernommenen Abschnitt „Wirtschaftsgeschichte* zu Ende. Professor Seyfferth (Köln) beginnt das für den modernen Kaufmann außerordentlich wichtige Ka, pitel „Kaufmännische Werbelehre". Es wird di» Werbeplanung behandelte und über die Werbemittel, technik ein knapper Ueberblitf gegeben. Oie Wetterlage. Bare; m 35. <1 K Citri 16 57 Oslo sciitiE: ---4* O wolkenlos. O netter o ngi» oeoect » woiktp. ® gedeckt »Regelt * Schnee a Graupem • Hebei K oen Stationen stehenden zahlen geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichen» »ul neeresmveau umgereenneten Luftdruck Wettervoraussage. Sehr rasch ist die gestern noch westlich von Irland gelegene Störung nordostwärts fortgeschritten, so daß ihr Kern in den heutigen Morgenstunden schon über der Nordsee lag. Von der Südseite drängt ozeanische Luft nach dem Kontinent vor, welche bereits unseren Bezirk erreicht hat und wechselhaftes Wetter, sowie Abkühlung verursacht. Die Beein- slussung ist nur vorübergehend und vereinzelt dürfte die maritime Luft noch zu etwas Niederschlag führen, denn von Südwesten über Frankreich steigt der Luftdruck an, so daß unsere Wetterlage durch ihn später wieder beeinflußt wird. Aussichten für Dienstag: Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, vorübergehend leichte Abkühlung, nur vereinzelt noch geringe Niederschläge. Aussichten für Mittwoch: Mehr auf- heiterndes Wetter, tagsüber wieder wärmer, trocken. Lufttemperaturen am 14. Juni: mittags 27,9 Grad Celsius, abends 22,7 Grad; am 15. Juni: morgens 18 Grad. Maximum 29,2 Grad, Minimum 18 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Juni: abends 30,2 Grad; am 15. Juni: morgens 20,8 Grad Celsius. — Niederschläge 0,1 mm. — Sonnenscheindauer 12^ Stunden. Rundfunkprogramm. Dienstag. 16. Juni. 7.30: Bad Orb: Konzert des Kurorchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20 bis 15.50: Haus- frauen-Rachmittag. 16.30: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.15: „Der erste Sozialist (Saint-Simon)", Vortrag von Dr. Ludwig Mar- cuse. 19.15: Hörbericht aus dem Kriminalmuseum. 20: Unterhaltungskonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 20.45: Frech wird der Junge auch noch!? Hörmodell. 22.15: Karlsruhe: Deutsches Dolksliederspiel, von Hermann Zilcher. Mittwoch. 17. Juni. 7.30: Bad Salzschlirf: Konzert des Kur- orchesters. 10.20: „Wo machten Deutsche Welt- gschichte?". Bortrag von Professor Fedor Schneider. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Fugend. 16.30: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.15: „Statistik in Bildern". Bortrag von Otto Reurath. Direktor des Gesellschaftsund Wirtschaftsmuseums, Wien. 18.45: „Die Suche nach dem Eldorado", Bortrag von Fritz Jäger, Stuttgart-Leipzig. 19.15: „Schulbegabung, Studienbegabung und Derufsbegabung." Bon Dr. Breitinger. 19.45: Heitere Plauderei, von Gustav Jacoby. 20.20: Kurhaustheater Bad Homburg: Sinfonie-Konzert. 21.45: Die Hand, die Samstags ihren Besen führt... Ein heiteres Spiel. Donnerstag. 18. Juni. 7.30: Bad Salzschlirf: Frühkonzert des Kurorchesters. 10.30: Schulfunk: Aus dem Preußischen Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Bolksbildung. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Fugend. 16.30: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.15: Das vornehme Hotel. Eine Geschichte von Zesider Kosztolänhi. 18.45: „Politische Doraussehungen der Demokratie". Bortrag von Frank Glahel, M. d. R.. Berlin. 19.15: „Sophokles in unserer Zeit", Bortrag von Studiendirektor Dr. Weinstock, Frankfurt am Main. 19.45: Amerikanische Marsch-Musik. 20.15: Trier: Reichstagung des katholischen Männer- und Fungmännerverbandes. 21: Thomas Mann liest aus seinem unvollendeten Roman „Ioseph und seine Brüder". 22.20: Stunde der Kammermusik. 23.15 bis 24: Tanzmusik. Freitag. 19. Juni. 7.30: Dad-Rauheim: Frühkonzert des Kur» vrchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 16.30: Rachmitlagskonzert. 18.10: Stunde des Films. 18.45: Aerztevortrag: „Malaria". 19.15: Freiburg: Volksmusik des Freiburger Handharmv- nika-Clubs und Freiburger Zither-Quartetts. 19.50: 's Llrahndl. Ein Hörspiel von Rudolf Greinz. 20.15: Symphoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 21.15: Schwedischer Abend. Zusammengestellt von Fritz Wilm Wallenborn. 22.35 bis 24: Tanzmusik. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.33 Uhr. 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt elngesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Erhältlich iApotheken ubrogerien Verfr/ebf.Uä.A. GlogautXQ Chicago i'i Rnllrirh - Coli"8“ Sodbrennen ■ wwe' 250gß0,60. Tabletten 0,25 u.1,50 Familie Reeh, Bieber, den 15. Juni 1931. 4017 Heilung M Hamburg. Esplanade 6. [4014D ÄfiL X Jd -Schränke IN-Maschinen Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Eltern sagen wir auf diesem Wege allen unseren herzlichsten Dank. Klein-Linden, Garbenteich, den 14. Juni 1931. Die Beerdigung findet Dienstag, den 16. Juni, nachm. 2 Uhr, vom Sterbehaus, Wilkelmstr. 5, aus statt. ____________034981 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Wilhelm Kullbacb. Unsere Meihode der Bruch- Heute früh 10 Uhr entschlief nach einem arbeitsreichen Leben und nach schwerem Leiden, im 78. Lebensjahre, unser Heber Vater, Schwiegervater, Großvater, Uigroßvater, Schwager und Onkel Ludwig Müller I. Schuhmachermeister Die trauernden Hinterbliebenen. Heuchelheim, den 14. Juni 1931. Die Beerdigung findet Dienstag, 16. Juni, nachm. 6 Uhr, vom Trauerhause Bachstraße 67 aus statt Allen, die dem Entschlafenen in Liebe nahestanden und dazu beigetragen haben ihm sein Los zu erleichtern, sei an dieser Stelle herzlichst gedankt. ____________________________4021 D Todes-Anzeige. Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Mitteilung, daß unsere liebe Schwester, Schwägerin, Gote und Tante Elisabethe Laut geh. Seng nach langem schweren Leiden im Alter von 71 Jahren sanft im Herrn entschlafen ist. erzielte gute -Heilerfolge (auch bei Wasserdrücken) wo die sonst übl.Hetlmiltel versagt.: Mein Bruck toar 10-15cm durchgedrückt und belästigte mich in jed.Beziehung. Durch das „Hermes-Institut" bin ich meine Qualen losgeworden. Gehe ohne Bandage. Franz Otto Holzichuh, Eisenb.-Oberschafsn. i.R., Weißenfels, 7.1.31, Vulfe Brachmannstr. 24. Bin mit der Bruchheilung vollständig zufrieden. Gehe ohne Bandage. iAnm.: früher dopp. Letstenbrücke.l Hrrm. Tckumaun, Inspektor. Kunersdori, den 16.12.30. Weitere Referenzen stehen zur Berfügung. Sprechstunde unseres Vertrauensarztes: Vließen: Donnerstag, 18. Junt, vormittags von 8 bis 11'/, Uhr, Bahnhofs-Hotel Lenz. Hausbesuche nurnach vorh schrlstl.Anmeld. ..Hermen“, ärztliches Institut für ortbo- vädtscke Bruchbehandlung G. m. b. H., | Vermietungen Schöne btll. 2-Zim.- Wohnung, in guter Vage, sof. abzugeben. Mtetvorausz. (8/4 I.) u. Drtnglichkeitssch. Bedingung. Schristl. Angeb. uni. 03496 a. d. Gieh.Anz. | Mietgesuche | Zum 1. Oktober S-6-Zimmer- Wohnung mitBadinsonn.Lage u. mögl. Garten ges. Ang. u. S. F. 1654 öd). Rudolf Mosse, Stuttgart. 2-ev.3-Zimmer-Whng. mit Küche sofort oder spätestens 1. Juli be- ztehb- gesucht. «Auch Neubau.ISchriftliche Angebote unter03494 an den Gieß. Anz. Edgar Borrmann, Gießen. IlillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliHIIIIIIIlll DerWärmetechniker beweist Die höchste Heizkraft aller Brennstoffe besitzen Ruhr-Nußkohlen u. 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Germania Frankfurt 6:06:1. Jung mann-Einer: 1. RV. 65 Franklurt 6: 49,4; 2. RG. 79 Hanau 7:19,1; 3. Undine Offenbach dufgegeben. Zweiter Achter: 1. RV. Würzburg 5:47,6; 2. RV. 74 Offenbach 5:52,4; 3. Undine Offenbach 5:53,9. Zukunfts-Vierer: 1. RG. Hanau 6: 34,4; 2. RG. Oberrad 6:35,1. Er st er Liner: 1. Düsterlho-Amicitia Mannheim 6:51,8; 2. Timpe-RG.Gießen 1877 7:04,7. Erster Jungmann-Dierer: 1. RV. 1874 Offenbach 6:39; 2. RG. Giehen aufgegeben. Junior-Achter: 1. Germania Frankfurt 5; 54,8; 2. RV Offenbach 5:55,1. Vierer o. St.: 1. Amicitia Mannheim erhält Preis zugesprochen, da Germania Frankfurt und RV. 74 Offenbach zurückgezogen hatten. Anfänger-Vierer: 1. RC.84 Frankfurt 6:45:4; 2. RG. Hanau 1879 6:46,2. Dritter Vierer: 1. RG. Rassovia Höchst 6:23.7; 2. RV Würzburg 1875 6.: 29,6; 3. Hellas Offenbach. 6:38,3. Doppel-Zweier: 1. RG. 1877 Giehen 6:18; 2. Germania Frankfurt 6:18,8; 3. RG. 79 Hanau 6: 38,9. Erster Achter: 1. Amicitia Mannheim 5:40,7; 2. Germania Frankfurt 5:46,1; 3. RV. 65 Frankfurt 5:54,7. Die Gießener RG. 1877 aus den Regatten in Kassel und Sanau ersoigreich. In Kassel gewann die Mannschaft Flimm, Bccker, Köhler, Hartmann, Steuer Loh die beiden „Ersten Vierer" (Kaiserpreis und Preis der Stadt Kassel). Im Kaiserviercr ging Giehen vor RV. Kassel und RV. Hannover-Linden nach gut gelungenem Start sofort in Führung. Bei schöner Zusammenarbeit und ausgiebigem Ruderschlug wurde der Vorsprung bei 1000 Meter auf zwei und im Ziel auf drei Längen vor Kassel ausgedehnt. Hannover-Linden wurde, weit zurück, drittes Boot. Im 1. V i e re r (Preis der Stadt Kassel) führte vom Start ab Hannover-Linden. Mit ruhigem langen Schlag rissen die Giehener bald die Führung an sich. Kassel hatte inzwischen Hannover- Linden auf den 3. Platz verwiesen. Zwischen Giehen und Kassel entspann sich sodann unter leichter Führung der GRG. 1877 ein harter Bvrd-an- Bord-Kamps bis 200 Meter vor dem Ziel. Durch Mehrschlag ging hier Giehen klar in Führung und konnte das Rennen noch mit V. Längen Vorsprung zu seinen Gunsten entscheiden. In Hanau gewannen die Skuller I ö d t und Timpe (1. Kompanie des hiesigen Infanterie- Regiments 15) gegen Germania Frankfurt und Hanauer RG. 1879 nach härtestem Kampf den Doppelzweier. Germania Frankfurt lag bis kurz vor dem Ziel in Führung, wurde aber in prachtvollem Endspurt von dem Giehener Paar überholt, das mit Luftkastenlänge Vorsprung das Ziel vor seinem Gegner erreichte. Die Jungmannen, die im Jungmannenachter und -vierer die Farben der GRG. vertraten, konnten nur Achtungserfolge erzielen. Heimische Erfolge beim 78. Feldbergfest. Mio. Giehen gewinnt zwei Staffeln. Deim 78. Feldbergsest, das gestern unter starker Beteiligung stattfand, waren die Giehener Turnvereine und in gröherer Zahl auch weitere Vereine unseres Heimatgaues Hessen recht stattlich vertreten und an den Erfolgen beteiligt. Sehr tapfer verteidigten die Staffeln des Mtv. Giehen die von ihnen im vergangenen Jahre errungenen wertvollen Wanderpreise. Den Emanuel - Schmuck- Schild (5xl00-Meler Pendelstaffel für Turner- Unterstufe) gewann die Mannschaft des Mtv. in 61,3 Sek. vor Tv. 1817 Mainz, und die Turnerin- nen-Mannschaft des Vereins holte sich wieder den Drunhildenschild. Sie setzte sich in der Am Sonntag wurde im Kölner Rheinstadion vor 60 000 Zuschauern das Endspiel um die deutsche Fußball-Meisterschaft zwischen dem Titelverteidiger Hertha BSC. Berlin und dem süddeutschen Dritten München 1860 ausgetragen. Das Spiel verlief unter großer Anteilnahme des Publikums vom Anfang bis zum Ende äußerst spannend. Die Münchener schlugen sich recht tapfer und hätten eigentlich den Sieg verdient gehabt. In Spieltechnik, Aufbau und Ballbehandlung konnten die Berliner manches von ihren Gegnern lernen, die einen gepflegten Fußball vorführten und besonders in der ersten Spielhälfte stark tonangebend waren. Die Berliner haben es nur dem großen Können ihres Torhüters Gelhaar zu verdanken, daß in der ersten Spielhälfte nicht mehr als zwei Tore für die Münchener fielen. Das Spiel wurde erst in den Schluß- mimiten entschieden. Das Spiel stand unentschieden 2:2, las Sobeck in der vorletzten Minute nach einer Soloaktion einen Bombenschuß anbrachte, der das Schicksal der Süddeutschen besiegelte. Die beiden Mannschaften. Berlin wie München erschienen, von den Zuschauern begeistert begrüßt, in den angekündigten Aufstellungen. Es spielten: Hertha BSC.: Gelhaar; Völker, Wilhelm; Appel, Müller, Stahr; Ruch, Sobeck, Lehmann, Kirsey, Hahn. München 60: Riemke; Schäfer, Wend!; Stock, Pledl, Eiberle; Stiglbauer, Lachner, Huber, Oelden- bcrger, Thalmeier. Oer Spielverlauf. München hat Anstoß, Sobeck fängt den Ball ab und führt seinen Sturm über die Münchener Strafraumgrenze. Die Münchener Derteidiaung kann abwehren. Wenig später ergab sich dasselbe Bild vor dem Berliner Tor. Thalmeier schoß, doch ging der 4x75-Meter-Pendelstaffel mit 41,4 Sek. sicher vor Tv. 1817 Mainz an die Spitze. Die Turnerinnen des Tv. 1 8 4 6 Giehen errangen den dritten Sieg in diesem Wettbewerb. Erwähnt sei außerdem, dah Else D i ck e l h a u p t vom Mw. Gießen unter 262 Mitbewerberinnen den zweiten Sieg im Turncrinnen-Vierkarnpf mit 78 Punkten errungen hat. (Aussührlicher Bericht folgt.) Reichsoffene Wettkämpfe in Kassel. Roller schlägt Dr. Pether über 400 Meter in 48,9 Sekunden. Auf der Hessenkampfbahn in Kassel veranstaltete die Kasseler Turngemeinde am Sonntag vor 4000 Zuschauern reichsoffene Wettkämpfe, die angesichts der guten Besetzung auch den erwarteten guten Sport brachten. Einen packenden Kampf gab es über 400 Meter. Hier schlug unser „kommender Mann", Röller, Köln, in der besten Zeit der bisherigen Saison, in der wirklich guten Zeit von 48,9 Sekunden Dr. P e l tz e r und den Turner- meister Vach. Sehr spannend war auch das Rennen über die 5000 Meter, wo Kohn, Berlin, nur knapp vor Schaaf, 1900 Gießen, siegte. Der deutsche Meister im Stabhochsprung, Wegener, Halle, zeigte sich in einem Schauspringen, bei dem er 3,95 Meter erreichte. Er beteiligte sich aber auch an einigen anderen Wettbewerben. Schaaf (Spielvereinigung 1900) lief die 5000 Meter in 15:51,3 und folgte damit in einem Abstand von nur 3 10 Sekunden dem Sieger Kohn, Berlin. Eindrucksvolle Siege errangen außerdem Mohl und Gugel (VfB. Gießen). Gugel warf den Diskus 39,60 Meter weit und setzte sich da- Ball über die Latte. Es folgte nun kurze Zeit ein etwas zerfahrenes Spiel, erst allmählich löste sich die Nervosität der beiden Mannschaften. Besonders die Münchener gewannen sichtbar an Boden und drängten leicht. In der 24. Minute wand sich Pledl elegant durch, seine Vorlage kam zu Thalmeier, der an Oeldenburger weitergab. Ehe Gelhaar eingreifen konnte, hatte der Ball die Torlinie passiert. München führte 1:0. Berlin mußte sich auf einzelne wenige Durchbrüche beschränken, da die Süddeutschen nun ständig durch ihren Erfolg angefeuert im Angriff lagen. Doch scheiterten alle Versuche zu Erfolgen zu kommen, an der großen Kunst des Berliner Torhüters. In der 41. Minute kam dann Berlin nach einem überraschenden Durchbruch zum Ausgleich. Hanne Sobeck placierte einen prachtvollen, halbhohen Schuß, der für Riemke unhaltbar war. Doch kaum war der Beifall verrauscht, als München auch schon die alte Differenz herstellte Ein Zusammenspiel von Pledl und Huber ließ den Ball zu Lachner kommen, der schön einschoß. Nach dem Wechsel ergab sich zunächst dasselbe Bild wie in der ersten Spielhälfte. Beide Mannschaften spielten recht nervös, bis sich die Münchener wieder als die Ersten zurechtfanden. Schnelle und zweite Vorstöße führte die Süddeutschen ständig über die Strafraumgrenze der Berliner. Ganz unerwartet kam wiederum der 'Ausgleich. Berlins linker Flügel kam gut durch, Ruch paßte zu Lehmann, der den Ball an Riemke vorbei ins Netz jagte. Die Spannung im Publikum wurde nun ungeheuer. Es ging dem Ende zu und man erwartete eine Spielverlängerung. Da konnte in der vorletzten Minute Hanne Sobeck mit dem Ball vorftürmen, Läuferreihe und Verteidigung umspielen und schießen. Das entscheidende Tor war gefallen. Mit Triumphgeschrei stürmten die Berliner Anhänger auf den Platz, um dem alten, neuen Meister zu gratulieren. Hertha RSS. wiederum deutscher Meister. München 1860 unterliegt im Endspiel mit 2:3 (2:1). Brandung desLebens Roman von Käte Lindner. (Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechtbold in Braunschweig.) 12 Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Wilde Reden hat er draußen noch geführt gegen dich, Colornba, nimm dich in acht vor dem Mario. Wenn er morgen wiederkommt und seinen Rausch ausgeschlafcn hat, wird er wieder leicht zu zähmen sein. Am besten ist es, du tust dann, als wäre nichts geschehen. Richt erinnern daran, dah wir ihn heute entfernt haben. Dann wird er denken, er habe dies alles nur geträumt.“ Sie lachte wieder und sagte: „Ich fürchte mich nicht, Massimo, 11 nb kommt er mir wieder einmal so frech wie heute, dann darf er nicht mehr in die Osteria kommen. Dann, werde ich ihm das verbieten." Reue Gäste kamen und füllten lärmend das Lokal. Liskow stand auf mit einem unmutigen Gesicht, »ahlte und ging, ilnb verschwor sich im stillen, daß es heute das letztemal sein sollte, daß er hier Einkehr halte. Wieder gab ihm Frau Eolomba das Geleit bis zur Tür und flüsterte wieder wie neulich. „Geht heute nicht den Weg am See entlang, Signore, es ist der Weg, den der Mario nehmen muß. Reue Händel könnte er unterwegs anfangen. Rehmt den Weg durch die Stadt, am besten wäre cs wohl, der Massimo ginge in Euerer Gesellschaft. Soll ich es ihm sagen?" Da lachte er beleidigt auf und schlug den roten Vorhang auseinander. „Mich gelüstet nicht nach der Gesellschaft Ihrer Stammgäste, Signora Serra", sagte er hochfahrend und drückte ihr heute nur flüchtig die Hand. „Gute Rächt, schönste Wirtin, ich reise wahrscheinlich in den nächsten Tagen ab." Er hörte ihre Antwort nicht mehr. Sehr enttäuscht hatte sie auch nicht geklungen. Liskow knirschte mit den Zähnen. Tor, der er doch gewesen war, hier in der Osteria „Zu den tausend Freuden" seine kostbare Zeit zu vertrödeln. Gewissensbisse nagten heute zum ersten- mal an seinem flatterhaften Herzen... Renate, dachte er mit leisem Bedauern, ich bin nicht wert deiner langmütigen, sich immer gleichbleibenden Treue. Renate ... wenn sie wüßte... Tausend gute Vorsätze faßte er, als er jetzt den Weg in die Stadt hinein einschlug. Morgen wollte er ihr den Dorsc^ag machen, noch weiter südlich einen längeren Aufenthalt zu nehmen. Vielleicht in Florenz, dahin hatte sie ja eigentlich zuerst reisen wollen. Eine dunkle Gestalt löste sich jetzt aus dem Schatten, schlich hinter ihm her, und als Liskow schleichende Schritte vernahm, sich umdrehen wollte, fuhr ihm ein stechender Schmerz den Rücken hinunter. „Deutscher Hund, da hast du einen Dissen, an dem du ersticken wirst. Gut trifft Marios Hand. Uni) das weiße Täubchen wird weinen um ihren Liebsten... wird meinen, wird sich die schönen Augen rot weinen.. • Renate fuhr aus unruhigem Schlummer auf. Es hatte geklopft, leise und vorsichtig. Sie horchte. War es Hansheinrich? Aber nein, das Klopsen klang doch von der Außentür her, da, jetzt wieder. „Wer ist da?" fragte sie. Von draußen kam eine ängstliche Stimme: Drunten in der Halle sei ein junges Tiroler Mädchen und begehre die gnädige Frau zu sprechen. Sogleich, es fei eine sehr eilige Angelegenheit. Ob man das junge Mädchen heraufführen solle. Mit zitternden Gliedern erhob sich Renate, warf einen Morgenrock über und eilte nach der Verbindungstür, die ihr Zimmer mit der ihres Mannes verband. Sie warf einen Blick hinein, das Bett war unberührt, das Zimmer leer. Eine dunkle Ahnung machte ihr das Herz rascher schlagen. Hansheinrich... war ihm etwas zugestoßen, kam diese Botschaft, die man ihr bringen wollte, von ihm? Jetzt klopfte es wieder an die Auhentür. Als Renate den Riegel zurückgeschoben, schob der Portter ein junges Mädchen über die Schwelle und blieb, eines Befehls getoärtig, auf dem Korridor stehen. Renate bedeutete ihm, sie werde klingeln, wenn sie Hilfe brauche. Vielleicht war es besser, sie hatte keinen Zeugen bei dem, was nun kommen würde. „Was ist, sprechen Sie, wer schickte Sie zu mir, jetzt mitten in der Rächt?", herrschte sie das zitternde Mädchen an, das sich furchtsam in dem eleganten Zimmer umsah. Andrea nahm allen Mut zusammen. „Die Signora Serra", sagte sie, „die Signora weckte mich und rief ganz verzweifelt und voller Angst: „Lauf, Andrea, lauf hinunter ins Savoy- hotcl und frage da nach Frau Liskow." ilnb Sie sollten kommen, sofort kommen, und ich soll Sie führen hinaus in das Albergo, das der Signora Serra gehört, ilnb niemand sonst solle von dem Hotel mitkommen und niemand soll ich sagen, daß etwas geschehen sei, nur der gnädigen Frau." „Was... was ist geschehen?" Renate fragte es mit trockenem Munde. Ihre Augen waren groß und schreckensvoll auf das junge Gesicht vor,ihr gerichtet. „Ich weih es nicht", sagte Andrea. „Ich sah in dem Zimmer der Signora einen toten Mann liegen, und der Maleotti sagte mir auf der Treppe, daß sie ihn gefunden hätten kurz bei unserem Haus und hier heraufgetragen hatten, denn drunten sei die Stube voller Reugieriger gewesen. ilnb die Guardia (Polizei) sei gekommen und habe Maleotti und den anderen Vorwürfe gemacht, daß sie den Toten nicht da liegen ließen, wo sie ihn gefunden. Aber der Maleottt habe sich damit entschuldigt, dah er doch noch warm gewesen sei und sie gedacht hätten, es sei vielleicht noch Leben in dem Toten. Da hätten sie ihn hineingetragen in Signora Serras Haus, da er ja doch nicht weit von der Tür gelegen habe. ilnb die Signora habe ihr immer nur weinend gesagt: „Lauf, Andrea, lauf. Uni) niemanden sage von der Sache als allein der deutschen Dame, t-cren Ramen ich dir hier auf den Zettel geschrieben habe. Sogleich muh sie kommen, sogleich, und du wirst sie heraufführen, Andrea und keiner von dem Hotel soll mitkommen. Es würde sonst der Dame nicht recht fein.“ Andrea legte den zerknüllten Zettel in Renates Hand. Er zeigte Spuren von Tränen und ihren Ramen in grohen, ungelenken Buchstaben. Eine starre Ruhe war plötzlich über sie gekommen. Sie wuhte, ohne daß ihr cs jemand gesagt hatte, wer der Tote war, den sie in Signora Serras Zimmer gebettet hatten. In fliegender Eile zog sich Renate an. „Du hast deine Sache recht gemacht, mein gutes Mädchen. Alle die Reugierigen im Hotel hier brauchen nicht zu wissen, warum du mich holen kommst mitten in der Rächt. Run führe mich hin zu Signora Serras Haus. Komm!" Sie stieg die Treppe hinunter, zitternd folgte Andrea der rasch voranschreitenden Gestalt. Unten sagte Renate dem wartenden Portier, dah ihrem Mann wahrscheinlich bei einer Bergtour ein Unfall zugestohen fei, sie wisse noch nichts näheres, wie das Unglück geschehen. Rein, sie brauche keine weitere Begleitung, wie sie auch darum bitte, niemandem im Hotel von dem Unfall in Kenntnis zu setzen, bis sie wieder zurück fei. Vorläufig wisse sie ja noch gar nicht, ob der Verunglückte Herr Liskow sei. Es könne sich ja auch um eine Verwechslung handeln, ihr Gatte bliebe doch oft die Rächt über fort. Und deshalb fitte sie, niemanden zu beunruhigen. Ja, diese kleine 'Botin spreche gut deutsch, wahrscheinlich eine Tirolerin, also muhte es doch seine Richttgkeit haben mit der Botschaft, die man ihr eben gesandt, und nun sollte er sich nicht weiter beunruhigen. Kalt kam der Rachtwind heruntergeflogen vom Monte Daldo, Renate schauerte. Todestraurigkeit war in ihr. Dies also war das Ende. Erstochen sei der nun tote Mann, hatte das Mädchen vorhin noch gesagt. Der Maleotti habe ihr auf der Treppe xugeflüstert, der Dolch chäke ihm noch zwischen den Rippen. Wahrscheinlich hatte Hansheinrich auf einem seiner heimlichen Liebesaben- mit an die erste Stelle, Mohl erreichte im Ku- gelstohen 12,65 Meter und wurde damit ebenfalls Erster. Die Gießener Leichtathleten haben ihre Vereine auf der mit den hervorragendsten Leichtathleten aus ganz Deutschland beschickten Veranstaltung würdig vertreten. Fußball der Gießener Mannschaften. Am Samstagabend trug die Ligamannschaft der Spiclvereinigung 1900 ein Spiel gegen die erste Mannschaft von Butzbach aus. Der Kampf, der von feiten der Gäste reichlich hart durchgeführt wurde und nichts besonderes zeigte, endete Unentschieden 1:1. Am Sonntagnachmittag spielte die I. Jugend der Spielvereinigung gegen die I. Jugend von Eintracht Frankfurt. Die Zuschauer waren Zeugen eines außerordentlich fesselnden Kampfes; das Spiel wurde sehr fair durchgeführt (es fiel kein Strafstoß) und endete mit einer hohen Riederlage für die Hiesigen mit 0:8. Die Blauweißen lieferten ihr bestes Spiel. Die Gastmannschaft war eine Mannschaft von hohen Qualitäten. Die II. Jugend spielte gegen Ettingshausen 1:1, die III. Jugend gewann gegen Dutenhofen mit 3:0, die Schüler siegten am Samstag gegen die Schüler der VfB. knapp mit 2:1. Die Schülermannschaft A verlor gegen Wetzlar mit 0: 3. Der V f B. hatte über Samstag und Sonntag ebenfalls fünf Mannschaften im Feld. Die Ligamannschaft mußte sich dem besseren Können der „Germanen" Bieber beugen und verlor knapp mit 1:2. Das Ergebnis darf als sehr ehrenvoll bezeichnet werden. Die Ligareserve war spielfrei. Die III. Mannschaft fuhr bereits am Samstag nach Flensungen, und entschied am gleichen Tage ein Werbespiel mit 5:2 gegen Flensungen für sich. Am Sonntag trug die gleiche Mannschaft im Rahmen eines Pokalturniers insgesamt vier Spiele aus. Die Mannschaft spielte in der B- Klasse und erzielte Ergebnisse von 3:0, 1:0 und 3:0. Als Sieger der B-Klasse trat die Mannschaft sodann gegen den Sieger der A-Klasse an und entschied auch dieses Spiel mit 1:0 für sich, so daß die Mannschaft als Pokalsieger der A- und der B-Klasse nach Hause kam. Die I. Jugend verlor in Aßlar mit 0:2, die II. Jugend gewann auf eigenem Platz gegen Klein-Linden mit 1:0. Dreimal deutscheHandballmeisterschast. Jin deutschen Handball kamen am Sonntag drei deutsche Meisterschaften zur Vergebung. Bei den Sportlern lieferten sich P olizei Berkin und der süddeutsche Meister, Sportverein98 Darmstadt, in Hagen die Wiederholung des am 31. Mai in Magdeburg wegen des Gewitters abgebrochenen Meisterschaftsendkampf cs. Lagen die Süddeutschen damals, 10 Minuten vor Schluß, 8:7 in Führung, so konnten sie diesmal keine so gute Rolle spielen. Die Berliner Polizisten siegten mit 7:4 (2:1) und sicherten sich damit zum neunten Male den deutschen Meistertitel. Bei den Turnern trafen sich in Krefeld der einheimische Tv. Krefeld-Oppum und die Berliner Turngemeinde im Endspiel um die Meisterschaft der Herren. Rach einem spannenden, meist gleichwertigen Spielverlauf blieben die Rheinländer mit 4:3 (3:3) Sieger und wurden damit zum ersten Male deutscher Meister. — Bei den Turnerinnen formte der zweimalige Meister Vorwärts Breslau in Breslau durch einen 3:2- 11:2-) Sieg über den Stadtsportverein Frankfurt zum dritten Male hintereinander den Meistertttel erringen. Kurze Sportnotizen. B e i der Ruderregatta in Luzern gewann Mainz-Kastel den Großen Achter vor Seeklub Zürich und Deutscher RV. Zürich. teuer einen Rebenbuhler gefunden... Wie unvorsichtig hier im fremden Land. Ein tiefer Seufzer entrang sich ihren Lippen, Tränen fand sie nicht. Wie war es doch gekommen, daß ihre 'Stege so weit auseinandergeführt hatten? Auch sie fühlte Schuld in sich, hatte sich nicht ihr beleidigter Frauenstolz abgewandt von ihm, als sie erkannt batte, daß er seine Liebe verzettelte, in kleiner Münze ausgab... Riemais hatte sie ihm Vorwürfe gemacht, hatte ihr Leid still in ihrer Brust verschlossen. Geschäftige Zungen trugen ihr zu, was sie vor der Welt zu verbergen sich bemüht hatte. Davon war sie dann so müde geworden, müde vom Leben und gleichgültig seinen gelegentlichen Liebesbeteuerungen gegenüber. Sie hatte ihm nicht mehr geglaubt, hatte das Vertrauen zu ihm verloren. Ihm Szenen zu machen, dagegen hatte sich ihre vornehme Ratur gesträubt. Andrea huschte vor ihr her und zeigte den Weg. Hansheinrich war niemals wählerisch, wenn er Abenteuern nachging, dachte Renate bitter. So war wohl auch das ilnglücf auf der ©alle de Fabrice in einem Viertel Gardones geschehen, das ihr Fuß noch nie betreten hatte. uFrchtsam musterten ihre Augen die kleinen schmutzigen Häuser zu beiden Seiten, die, hell vom Mond beschienen, einen ärmlichen Eindruck machten. Aber jetzt machte Andrea halt vor einem stattlicheren Gebäude, vor dessen Eingang zwei dürftige Oleander in Kübeln ein mühseliges Dasein fristeten. Eine Osteria war es wohl, aber jetzt lagen die Fenster ohne Licht, und fein Laut drang aus dem Innern. Andrea toinfte und zeigte nach dem Seifeneingang. „Hierher, Madame, hier ist das Albergo Zu den tausend Freuden." Ein paar ausgetretene Steinstufen ging es hinauf, dann umfing Renate Helle, und ein in grellen, bunten Farben gemaltes Treppenhaus tat sich auf. Von groben klang das Gemurmel von Stimmen, eilige Füße waren auf dem Korridor. Colornba hatte drunten die Haustür zuschlagen hören. Eilig kam sie die Treppe heruntergelaufen. Als sie die dunkel gekleidete Frau an Andreas Seite gewahrte, rief sie schon auf der Treppe: „Die deutsche Signora ist es, Gott sei Dank! Er lebt, Signora, er lebt, die Heiligen haben ihre Hände über ihn gebreitet. Aber er ist schwer verletzt. Kommen Sie, Signora." Renate schwankte und lehnte sich schwer gegen das Treppengeländer. In einem Schwächeanfall schloß sie die Augen. Colornba kam vollends herunter und legte ihren Arm hilfreich um die Gestalt der halb Ohnmächtigen. „aFssen Sie sich, Signora, er wird leben. Allen Heiligen sei Dank." (Fortsetzung folgt) 3m Leichtathletik - Länderkampf Schweden — Norwegen im Stockholmer Stadion, dem bei den Hauptbewerbern 13 000 Zuschauer beiwohnten, siegten die Schweden gegen die aufstrebenden Norweger nur dank ihres besseren Durchschnitts mit 111:95 Punkten. Der Tenniskampf Deutschland gegen USA. in Berlin endete mit dem erwarteten 5:0- Sieg der Amerikaner. Württemberg gewann den Leichtathletikkampf gegen Bayern in München mit 83:68 Punkten. Das Straßenrennen „Rund um Rheinhessen" wurde von Hauser-Freiburg vor Wirtz-Köln und Rogler-Frankfurt gewonnen. Eine Ueberraschung brachte der Fußball- kampf Dänemark — Holland in Kopenhagen. Bor 20 000 Zuschauern siegten die Holländer mit 2:0. Oberheffen. Landkreis Gießen. Lollar, 13. Suni. Aus der jüngsten Sitzung des Gemeinderats ist zu berichten: Die Rechnung für 1929 schließt in Einnahme mit 190 063,06 OHL, in Ausgabe mit 177 353,91 Mk„ und einem rechnerischen Hebecschuh von 12 704,15 Mark ab. Sie wurde genehmigt. Der Bürgermeister legte sodann den Voranschlag für das Rechnungsjahr 19 31 vor. Die Gesamtsumme aller Einnahmen und Ausgaben beträgt 172 493 Mark: davon entfallen auf die Vermögensrechnung 15 801 Mark. Der Voranschlag 'wurde nach der Aussprache einstimmig angenommen, wobei als begrüßenswert bezeichnet wurde, daß eine Erhöhung der Gemeindesteuer als auch die Einführung von Dür- gersteuer und Viersteuer vorerst nicht notwendig wird. Die für das Rechnungsjahr 1930 als vorläufig festgesetzten Steuerausschlagsätze wurden als endgültig bestimmt. Rach einem früheren Beschluß sollten die Bergstraße und die Ebertstraße aus Mitteln, die das Arbeitsamt bereitstellen wollte, befestigt werden. Rach neuerer Mitteilung des Arbeitsamtes sind jedoch von dort keine Gelder zu erwarten. Sn Anbetracht der Rotwendigkeit des Strahenausbaues und der Beschäftigung der Arbeitslosen soll die Befestigung nun doch durchgeführt und mit den Erdarbeiten demnächst begonnen werden. Zum Ausbau der Ebertstraße auf eine Breite von 8 Meter ist der Erwerb von 343 Quadratmeter Gartengelände von fünf anliegenden Grundbesitzern notwendig. Der Gemeinderat beschloß, für den Quadratmeter 3,50 Mark zu zahlen. Die Zurücksetzung der Einfriedigungen auf die neuen Grenzlinien läßt die Gemeinde auf ihre Kosten durchführen. * Hausen, 13. Juni. Infolge Amtsniederlegung unseres seitherigen Bürgermeisters Happel ist die Neuwahl eines Bürgermeisters notwendig geworden. Zur Zeit wird das Amt vertretungsweise durch das Gemeinderatsmitglied Wilh. S ch a r d t geführt, da auch der Beigeordnete Mohr sein Amt niedergelegt hat. Zu der am 21. Juni stattfindenden Neuwahl sind zwei Wahlvorschläge eingereicht worden, die auf den jetzigen Bürgermeister- stellvertreter W. S ch a r d t und auf das Gemeinderatsmitglied Heinrich Göbel lauten. — Zn feiner jüngsten Gemeinderatssitzung stand der A u s g l e i ch des Gemeindehaushalts zur Beratung. Ein Antrag auf Herabsetzung des Bürgermeistergehaltes wurde mit vier gegen vier Stimmen bei einer Stimmenthaltung abgelehnt. Kreis Friedberg. '= Bad-Nauheim, 14. Juni. Die hessischen Lehrer, die im Jahre 1880 das Bensheimer Lehrerseminar verlassen haben, gaben sich hier ein Stelldichein. Von den 43 ehemaligen Seminarabiturienten sind noch 15 als Lehrer im Ruhestand am Leben. Die Lehreroeteranen, deren hiesiges Treffen von Reallehrer i. R. I. Grimm (Gießen) vorbereitet worden war, sandten an ihren einzigen noch lebenden Seminarlehrer, Professor F le gl er in Bensheim, ein Glückwunschtelegramm. Vilbel, 13. Juni. (WSN.) Gestern gegen 18 Uhr ereignete sich zwischen Frankfurt a. M. und Vilbel einige Meter vor der preußisch-hessischen Grenze ein schwerer U n g l ü ck s f a l l. Ein junger Mann aus Massenheim, der sich mit seinem Fahrrad an einen Gefangenentransportwagen angehängt hatte, rourb von einem überholenden Personenauto erfaßt und zu' Boden geschleudert. Hierbei wurde ihm der Hinterkopf völlig aufgerissen. Der Unglückliche war sofort tot. Preußen. Kreis Wetzlar. Z Krofdorf, 14.Juni. Die im letzten Winter begonnene Erweiterung der hiesigen Gemeindewasserleitung ist nunmehr zu Ende geführt, und damit ist die Wasserversorgung für Krofdorf-Gleiberg in ausgiebigem Maße vergrößert worden. Das bisherige Wasserwerk wurde im Sommer 1912 gebaut. Im Laufe der Jahre hat sich nun die Gemeinde vergrößert und der Wasserverbrauch zugenommen, so daß eine Erweiterung des Wasserwerks erforderlich, wurde. Die Gemeinde ließ in dem Gelände oberhalb'der alten Schachtbrunnen, auch in dem Wiesental am Launsbacher Wald, unterhalb der Wißmarer Straße, Bohrversuche durch die Firma Dcrlich (Wetzlar) ausführen, die einwandfreies Wasser in reichlicher Menge ergaven und zum Anschluß dieser Quelle an das vorhandene Werk führten. Im Anschluß an die erbohrte Quelle wurde zur Gewinnung des im Erdboden weiter zutage tretenden Grundwassers der Schürfgraben in rund 90 m Länge mit Sickerrohren und darüber angelegter Be- tonabdeckung ausgebaut und das so gefaßte Wasser dann in geschlossenen Röhren bis zur Brunnenkammer weitergeleitet. Von der Brunnenkammer geht die Zuleitung in rund 900 Meter Länge zum Sammelbehälter der Pumpstation, wodurch der Anschluß an das Hauptwasserwerk geschaffen ist. Die Messungen der neuen Leitung ergeben eine Tagesmenge von etwa 220 Kubikmeter Wasser, die der schon vorhandenen Leitung nach den letzten Messungen 310 Kubikmeter täglich. Damit dürfte die Wasserversorgung unserer Gemeinde auf Jahre hinaus wieder sichergestellt sein. Die Arbeiten der neuen Leitung sind unter der Bauaufsicht der Kreis-Tiefbauamts von dem Unternehmer Ludwig Wagner zu Krofdorf in der Hauptsache mit Wohlfahrtserwerbslosen ausgeführt worden. Die Kosten der Wasserleitungserweiterung belaufen sich auf rund 40 000 Mark, die größtenteils im Anleiheweg aufgebracht worden sind. Das um die Quellfassung liegende Gelände hat die Gemeinde angekauft und stellt davon eine Fläche von ungefähr drei Morgen als S p o r t p l a tz zur Verfügung. Wirtschaft. * Der Großhandelsindex. Die vom Statistischen Reichsamt für den 10. Juni errechnete Indexziffer der Großhandelspreise lag mit 112,6 um 0,9 v. H. höher, als in der Vorwoche. Von den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrarstoffe um 2,4 v. H. auf 108,2, für Kolonialwaren um 0,4 v. H. auf 94,6 und für industrielle Rohstoffe und Halbwaren um 0,2 v. H. auf 102,8 gestiegen. Die Indexziffer für industrielle Fertigwaren weist mit 136,7 keine Veränderung auf. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 15. Suni. Tendenz: fester. Die Börse setzte zu Beginn der neuen VÄrche in fester Haltung ein, da sich starkes Deckungsbedürfnis zeigte. Die innerpolitische Situation wird zuversichtlich beurteilt. Man erwartet, daß die Diskonterhöhung zu einer Beruhigung am Devisenmarkt führen wird. Von nennenswertem Einfluß war, daß die Samstagbörse in Reuyork fest schloß. Das Geschäft nahm aber noch keine große Lebhaftigkeit an, da man sich allgemein abwartend verhielt.. Der Ee- schäftsbelebung wirkte auch das immer noch nicht merklich verringerte Angebot am Rentenmarkt entgegen. Die Eröffnungskurse lagen durchschnittlich um 2 bis 2,50 Prozent höher gegen Samstag. Durch feste Haltung fielen am Elektromarkt gelten mit plus 4 Prozent, Gesfürel plus 3 Prozent und Schuckert mit plus 3,75 Prozent auf. Am Markt der Sndustrieaktien setzten Buderus 3,75 Prozent, Mannesmann 4,50 Prozent, Vereinigte Stahlwerke 4,75 Prozent, und Klöckner- werke 7 Prozent fester ein. Von Kaliwerten gewannen Salzdetfurth 6 Prozent. S.-G.-Farben wurden 2,39 Prozent höher gehandelt. Scheideanstalt konnten ihren Kursstand um 3 Prozent verbesem. Am Amsahgebiet der Kunstseidraktien zogen Aku 3,75 Prozent, Bemberg 4,75 Prozent an. Am Dankenmarkt, wo sich im allgemeinen keine große Veränderung ergab, war die Kurssteigerung der Reichsbankanteile um 4,50 Prozent bemerrkenswert. Deutsche Linoleum lagen 4 Prozent höher. Von Renten zeigte sich für Altbesitz regere Rachfrage, die 0,50 Prozent gewinnen konnten. Rumänen neigten eher etwas zur Schwäche. Zolltürkcn dagegen 0,25 Prozent höher. Am Markt der festverzinslichen Papiere bestand weiterhin starkes Angebot. Reichsschuldbuchforde- rungen konnten sich dagegen neuerlich um etwa 163 Millionen Ausfuhrüberschuß im Mai. Oer deutsche Außenhandel im Mai. Berlin, 15. Suni. (WTB.) Die Einfuhr im Mai beträgt nach Ausgleich der Lagerabrechnungen 585 Millionen Mark (von den ausgewiesenen 600 Millionen Mark sind 15 Millionen Mart als Lieberhöhung infolge nachträglich eingegangener Vierteljahrsabrechnungen abzusehen). Gegenüber der tatsächlichen Einfuhr im Aprill (654 Millionen Marl) hat also die Einfuhr um rund 70 Millionen Mark abgenommen; überwiegend sind an diesem Rückgang die Rohstoffe beteiligt. Das Sinken der Einfuhr beruht etwa zu einem Viertel auf dem weiteren Abgleiten der Preise und ebenfalls zu einem Viertel auf einer durch jahreszeitliche Einflüsse bedingten Abnahme; die andere Hälfte ist wirÜicher Einfuhrrückgang, der ckber zu einem großen Teil nur auf Wolle und Baumwolle entfällt. Die Ausfuhr stellt sich im Mai auf 747 (April 780) Millionen Mark; ferner sind im Mai Reparations-Sachlieferungen im Werte von 37 (April 38) Millionen Mark ausgeführt worden. Der Rückgang der Ausfuhr entfällt ganz überwiegend auf die Fertigwaren (— 27 Millionen Mark). Auch hierbei beruht ein Teil auf dem Sinken des durchschnittlichen Preisniveaus (April 84,3, Mai 83,0 — 1928 gleich 100); ein weiterer Teil beruht auf Zufälligkeiten (die Ausfuhr von Wasserfahrzeugen ist um 10 Millionen Marl! geringer als im Vormonat). Ein wirklicher Ausfuhrrückgang hat namentlich in Textilfertigwaren (— 8,1 Millionen Marl) ftattgcfunöen. Die Handelsbilanz für Mai ergibt einen tatsächlichen Ausfuhrüberschuß von 163 Millionen Mark; einschließlich der Reparations- Sachlieferungen übersteigt der Wert der ins Ausland abgesetzten Waren die tatsächliche Einfuhr um rund 200 Millionen Mark. 1 Prozent erholen. Sm Verlaufe hielt die feste Stimmung an, da verschiedentlich Käufe vorgenommen wurden und das Angebot klein blieb. Bemerkenswert war noch der Kursgewinn der Klöckneraktien um 7 Prozent. Süddeutsche Zucker 2 Prozent gebessert. Arn Geldmarkt trat eine weitere Versteifung ein, Tagesgeld wurde auf 5,50 Prozent festgesetzt, da sich im Zusammenhang mit dem Medio größere Rachfrage einstellte. Am Devisenmarkt ergaben sich kaum Veränderungen. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2140, gegen Pfunde 20,4975, London gegen Reuyork 4,8636, gegen Paris 124,21, gegen Mailand 92,92, gegen Madrid 48,30, gegen Schweiz 25,05, gegen Holland 12,0850. Berliner Börse. Berlin, 15. Suni. Obwohl mit der Diskonterhöhung am Samstag nicht allgemein gerechnet worden war, die im gewissen Sinne für die Börse eine älcberraschung bedeutete, wurden auch heute die Bedenken über eine ungünstige Beeinflussung der Wirtschaftslage zurückgestellt, und man erhofft nun eine Beruhigung am Devisenmarkt auf Grund dieser diskontpolitischen Maßnahme. Auch die innerpolitische Lage hielt man für entspannt. Rach den Auslandmeldungen zu urteilen, wird auch dort mit einer Vermeidung der Krise gerechnet. Die Kursentwicklung der deutschen Werte war schon am Samstag eine etwas beruhigtere. Hinzu kam zu Beginn der heutigen Börse die Veröffentlichung der Außenhandelsziffern für Mai 1931, die mit 163 Millionen Ausfuhrüberschuß (200 Mill. inkl. Reparationslieferungen) einen ganz guten Eindruck machten. Die Spekulation übte zunächst noch Zurückhaltung, als sie aber merkte, daß das vereinzelt herauskommende Material von Dankseite schlank ausgenommen wurde, schritt sie zu Dek- kungen. Verschiedene Werte erschienen mit Plus-Plus-Zeichen. Die Besserungen gegenSams- tag gingen noch über 2,5 v. H. hinaus. Hamburg- Süd und Draubank zogen um je 3 v. H. an, Reichsbank plus 33/8 v. H. und Svenfka 4 Mark. Anders war die Situation noch am Pfandbriefmarkt, an dem verschiedentlich das Angebot sich wieder anhäufte. Einmal lagen hier noch Restorders vom Samstag vor, zum andern hat die Diskonterhöhung natürlich verschlechternd auf die Situation gewirkt. Reichsschuldbuchforderungen waren um 0,25 bis 0,5 v. H. erhöht. Anleihen ruhig. Ausländer etwa behauptet. Bosnier eher schwächer. Am Geldmarkt zog der Sah für Tagesgeld naturgemäß auf 7 bis 9 v. H. an, Monatsgeld schätzte man auf 8 bis 9,5 v. H. und Warenwechsel ZVs bis 7,25 v. H. etwa. Auch im Verlaufe zogen die Kurse bei ruhigem Geschäft überwiegend an. Aus London trafen. festere Kursmeldungen ein, und auch dort besserten sich deutsche Werte um 1 bis 1,5 v. H. gegen ihren Tiefkurs. Die verspätet zur Rotiz gelangten Schubert & Salzer-Aktien hatten 5 v. H. Gewinn. Otavi, die schon anfangs 1,5 v. H. schwächer lagen, zogen im Dörsenverlauf auf 19 v. H. an, und nur Oesterreichische Kredit setzten ihre Abwärtsbewegung auf 4Vs Mark fort. Unter kleinen Schwankungen setzten bis gegen 12,45 Uhr verschiedene Werte ihre Aufwärtsbewegung auf 2 bis 2,5 v. H. fort. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 15. Suni. Die Getreidebörse verkehrte für Snlandbrvtgetreide infolge des knappen Angebots in etwas festerer Haltung. Allgemein bestand sonst stärkere Zurückhaltung, da man die Weiterentwicklung schwerlich beurteilen kann. Das Mehlgeschaft hat für Weizenmehl eine Besserung erfahren, Roggenmehl war dagegen nur wenig gefragt. Für Futtermittel neigte die Tendenz weiter zur Schwäche. Es wurden notiert: Weizen 295—296, Roggen 225—230, Hafer, inländischer, 202,50—205, Weizenmehl 39,75—41, Roggenmehl 30,25—31,75, Weizenkleie 11,25 bis 11,15, Roggenkleie 12—11,75, Erbsen 28—36, Linsen 25—68, Heu 6, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 3,25, Weizen- und Roggenstroh, gebündelt, 3,25, Treber, getrocknet 10,25—10,50. Tendenz: Angebot in Brotgetreide knapp, sonst ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 15. Suni. Austrieb: 1341 Rinder, darunter 347 Ochsen, 128 Dullen. 444 Kühe, 380 Färsen; ferner 594 Kälber, 23 Schafe und 5129 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere 44 bis 48 Mk.. (ältere) 40 bis 43, sonstige vollfleischige (jüngere) 33 bis 39; Dullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 38 bis 42. sonstige vollfleischige oder ausgemästete 34 bis 37; K ühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 35 bis 39, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 29 bis 34, fleischige 22 bis 28; Färsen (Kalbinnen, Sung- rinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 44 bis 48, vollfleischige 40 bis 43, fleischige 33 bis 39. — Kälber: beste Ma stund Saugkälber 54 bis 57, mittlere Mast« und Saugkälber 46 bis 53, geringe Kälber 34 bis 45. — Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 40 bis 44, von etwa 200 bis 240 Pfund 43 bis 46, von etwa 160 bis 200 Pfund 40 bis 44, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 38 bis 42 Mk. — Marktverlauf: Rinder ruhig, Ueberstand. Kälber und Schafe ruhig, geräumt. Schweine schleppend, geringer Lieber st and; Fettschweine fast unverkäuflich. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 13. Suni. Snfolge des weiter zurückgegangenen Angebots in Verbindung mit dem Rachtassen der Produktion konnte sich die Tendenz für Eier weiter befestigen. Die Preise zeigen durchweg Steigerungen von 0.5 bis i Pf. pro Stück. Der Absatz zeigte besonders zu Deginn der Woche noch eine merkliche Besse- rung, während die Einkäufe des Konsums am Wochenschlutz infolge der höheren Preise wieder nachliehen. Es notierten in Pf. per Stück ab loco Frankfurt am Main: Bulgaren 7,25—7,50, Sugoflatoen 7,25—7,50, Rumänen 7,00—7,25, Russen 6,75—7,25, Polen 6,75—7,00, Holländer 7,50—10,00, Dänen 7,50—10,00, Belgier 9,00 bis 9,50, Bayern 7,50—7,75. Deutsche Frischeier je nach Größe 7,50—»10,50, in- und ausländische Mittel- und Schmutzeier 6,00—6,50 Pf. Daten für Montag,, 15. Juni. 1520: Luther von Papst Leo X. in Bann getan; — 1843: der Komponist Eduard Grieg in Bergen geboren; — 1888: Kaiser Friedrich III. in Potsdam gestorben; — 1888: Thronbesteigung Kaiser Wilhelms II. — 1905: der Afrikaforscher Hermann von Wißmann in Weissenbach gestorben. ------------------------------- ' I Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 v.H„ Lombardzinsfuß 8 v.H. Frankfurt a. M. Berlin Schluß-1 (urd 1 1-Uhr- Kurs Schluß«! fürs | Anfang- Kurs Datum 13.6. 15.6. 13.6. 15.6. 6% Deutsche Relchianleihe von 1927 ......... . 7% Deutsche Reichsanleihe 84 — 83,25 — von 1929 .......... Deutsche Anl.-Ablöl.-Schuld mit 95 — 94,5 — Au-los.-Rechien....... 50,5 51 50,4 50,9 DeSgl. ohne AnSIos.-Rcchte . . 6% Hess. Bolt-slaat von 1929 4,35 — 4,4 4,4 (tüdnofjlb. 102%)...... Dberhcilcn Provinz. Anleihe mit 88 — — — Auelos.-Rechten....... Deutsche fiumm. Sammelabl. — — — — Anleihe Serie 1...... 8% fironfl. Hnp.-Bank Goldpfe 47 — 47,25 — XIII untündbar bis 1934 . . . 7% Franks. Hyp.-Aank Goldpse 98 — — — untündbar bis 1932 ..... iy.% Rheinische Hyp.-Bank Liqu. Golovse........ 8% Pr. LandeSvIondbriesansialt. 92,5 — — — 84 — — — PsandbrieseR. 1»...... 8% Pr. CanbcSpi an obrief anfieüt, 100,5 — 109,5 — fiomm^Cbl. £R. 20...... 7% Pr. Landesptandbriesanttalt, — — — — Psandbriese 8i. 81 ..... L.E.G. abg. BorrrtegS. Obligatio- 96,5 — 96,5 — nen, rückzahlbar 1932 ..... - — — — 4% Oefleneldjffd)t ®ol6rente . . 4,20% Ocklcrrclchilche (Silbenente 1% Cciteneidilfdie Einheitliche biente .......... 4% Ungarische Goldrente .... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4Vt% de«gl. von 1913 . . 4% Ungarische Kronenrente . . . 4% TürMche Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-An! Serie 1......... 4% deSgl. Serie II....... 6% Rumänische vereinh.Rente von 1903 .......... 4K% Rumänische vereinh. Rente von 1913 .......... 4% Rumänische vereinh. Rente . 19,5 — 20,2 1,13 20,13 1,2 — — — 16,5 — 16,4 16,4 14 — — —— — —— —— — — 2,13 2,35 2,2 2,25 2,13 — 2,15 2,25 2,13 — 2,15 2,15 — — 6,75 — 12,5 — 12,75 13 5,1 5 5,05 5,05 Jrontjuri a. Ul. | Berlin Schluß« furd l«Ubr« Schluß-l turS | Anfang« fiurd Datum 13.6. 15.6. 13.6. 15.6. Pamvurg-Amertta Polet . . Hamburg-Südam. Dampfschiff 7 41 —• 40,65 43,25 8 — 88,25 91,75 fcania Dampfschiff..... 10 — — 69,75 Norddeutscher Lloyd .... . 8 42,75 45 42,65 44,25 Allgemeine DeutscheCredttan 11. 10 Barmer Banfverein ... 10 — — — — Berliner Handelsgesellschaft . 12 — — 102,5 102,75 Commerz- und Prioat-Bank . 11 100,25 100,25 100,25 100,25 Darmstädter und Nationalbank Deutsche Bank und 12 110,5 111 110,5 DiLeonto-Gesellschaft, . . . 10 100 — 100,25 100,25 Dresdner Bank...... 10 100,25 — 100,25 100,25 Netchsbank........ 12 117,5 122 117,65 121 A.E.G........... . 8 77 79,25 78,25 78,75 Bergmann........ . 9 — — 61,75 64,5 Elektr. Lteferungsgesellschaft. 10 — — 86,5 87,5 Licht und Kraft...... 10 89,25 —— 90 92,25 Fellen & Guilleaume . . . Gesellschaft für Elektrische IVi 55 59 58 58,5 Unternehmungen .... Hamburger ElettrizitäK-Werke Rheinische Elektrizität . . . 10 82 85 81,4 83,75 10 . 9 90 2 90,25 Schlesische Eleltrizitäl. . . . 10 — — Schuckert L Co. . ..... 11 95,25 99 96,5 98,5 Siemens & Halske..... 16 128 — 128,13 128,5 Itaniraolo........ . 8 — Lahmeyer L Co.. ..... 10 88 — 86,75 89 Buderus..... • • • . 6 27,5 30,75 28 29,25 Deutsche ErdSI ...... Essener Steinkohle . • • • • . 6 53,5 54 53,65 53,5 . 8 — — — — Gelsenkirchener ...... . 6 52 — 54,75 56,5 Harpener. . ....... Voesch Ellen. ....... . 0 — — 49 50 ev, — — 40,75 40,5 Itle Bergbau ....... 1C 125 —— 125 125 Klöcknerwerke . ...... . 7 38 45 42 42 R6ln-9leucllcn....... . 7 43,5 44 ManneLmann-RShre» • • . . 7 48 52,5 51 52,75 . 1 23 25,75 Oberschlei. Elienbedart ... . k> — — Oberschles. Roloroerte.... . 7 — — 53.65 55,25 PHSnlr Bergbau...... 6% 36 38,5 36,5 37,5 Rheinische Braunkohl« . . 10 133 135,5 136,5 Rhetnstahl . ....... . 6 57,25 60 59,25 59 1 Rlebed SRontan ...... 7,2 Frankfurt a. 2JI. | Berlin Schluß- lurd t-Uhr- flurd Schluß« furd Anfang- Kurd Datum 13.6. 15.6. 13.6. 15.6. Bereinigte Stahlwerke 33,25 38 35,25 37 Otoot Minen .... 16»/, 17 17,25 Kaliwerke Aschersleben 10 102 — 102,25 103,75 Kaliwerke Westeregeln e e 10 106 — 106 106,5 Kaliwerke Salzdetfurth - • 15 157 163 •160 162,75 I. G. Farben-Industrte Dynamit Nobel . . . 12 113 115,4 112,9 114,25 . 6 Scheideanstalt.... . 9 109 112 — — Goldschmidt .... e e . 6 31,75 32,75 34,4 RütgerSwerte .... Metallgeiellfchaft. . . . 6 36 37,5 35,5 37 . 8 52 52 52 — Phllivv Holzmann . . Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt. . 7 59,5 6« 60 62,75 10 10 50 51 — — Wavß & Frey tag . . . 8 16 — 15 — Schultheis Patzenhofer - 15 — — 115 116,25 LNwerke...... 12 — — —— — Alu........ 18 57,25 61 57,75 60,25 Bemberg...... 14 63,75 73,5 69,65 71,5 Zellstoff Waldbof . . e 8‘/, 63 —— 63,5 63,5 Zellstoff Aschaffenburg • 12 49 50,5 48 49,75 Charlottenburger Wasser e . 8 —- — — Dessauer Gas ...» . 9 — —— 105 104,5 Daimler Motoren . . # o . 0 17,75 —— 19,13 19,5 Deutsche Linoleum . 4 ö • . 46 50 49 49 Maschinenbau A.-G. . 4 • . 0 — — Not. Automobll . . . e e . o —- — — — OrenNein & Koppel • • c . 6 — — 32,65 32,25 Leonhard Tietz . . . • e 10 79 80 82,25 Svenska...... • • • - 193 — 193,5 197,5 ftrantfurtet Maschinen . 4 9 — 8,5 _ . < — — 24,13 — Heyligenftaedi . « . . ( — —- — Iunghan«...... e e . 6 — — — Lechwerke...... . k — — _ _ Mainkraftwerke Hbchü a. M.. . 8 52 51 — — 871 lag........ IC — — Gebt. Roeder .... 10 — — — — . 9 — — _ — Süddeutsche Zucker . • • 10 90 92 91,5 92,25 Banknoten. a. M. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt Berlin, 13. Juni (Selb »rief Otmeri-nnHdie Noten ...... 4,24 4,26 58,80 113,02 58,56 112,58 Dänische Noten..... • . . 20,52 20,60 Französische Noten ....... 16,52 16,58 Holländische Noten ....... 169,66 170,34 Italienische Noten........ 22,08 22,16 Norwegische Noten....... 112,48 112,92 Deutsch-Oesterreich, h 100 Schilling 59,06 59,30 Rumänische Noten....... 2,495 2,515 Schwedische Noten....... 112,98 113,42 Schweizer Noten........ 82,02 82,34 Spanische Noten ........ 42,17 42,33 Tschechoslowakische Noten..... Ungarische Noten ....... 12,47 73,35 12,53 73,65 13.3uni 15.3unl Amtliche Meld Notierung Erlel Amtliche Gelb Notierung Brief Amfk.-Rott. 169.41 169,75 169,41 169,75 Burn-Aires 1.289 1,293 1,285 1,289 Brss.-Antw- 58,62 58,74 58,60 58.72 Christiania. 112,71 112,93 112,69 112,91 Kopenhagen 112,71 112,93 112,69 112,71 Stockholm . 112,80 113,02 112,79 113,01 HelsingforS. 10,595 10,615 10.593 16,613 Italien. . . 22,06 22,10 22.05 22,09 London. . . 20,475 20,515 20,473 20,513 y?eut)orf .. 4,209 4,217 4,209 4,217 Paris. . . . Schwei» .. 16,475 16,515 16,475 16,515 81,79 81,95 81,76 81.92 Spanien . . 42,68 42,76 42,41 42.42 Japan . . . 2,082 2,086 2,082 2,086 wo de Jan. Wien in D.» 0,326 • 0,328 0,329 0,331 iDeft. abflcft. 59,18 59,30 59,155 59,275 Prag . . . Belgrad . . 12,473 12,493 12,471 12.491 7,455 7,469 7,455 7.459 Budapest. . 73,48 73,62 73,49 73,63 Bulgarien . 3,047 3,053 3,046 3,059 Lissabon 18,58 81,815 18,62 18,61 18,65 Danzig. . 81,975 81,825 81,985 Konst.,unn. 1.784 1,789 1,784 1,789 Athen. . 5,458 5,468 5,458 5,468 Lanaoa . 4,199 4,207 4,198 4,206 Uruatuti). 2,428 2,432 2,448 2,452 Latrv . . 21,00 21,04 21,00 21,04 £ •e £ i Plsll ■6 4 ÄS e € ä 5 2 ^-2 Z = L SiFt s Z L MZHZZ- e«2.E -8 Isi s ssKZH-^Z Lo'L o -p-S 3 Z etl.X := r^ «XäC 'Z Lötz- fz ® 2=e. s Us © £ |4ir, .8 . * T" — a-e<.8. hfti .8 VZ 5 L I . L L E N §O^S £ E*ir Hi5 Z 2 2/i 2 — ü «8 e 5 2 :3 u. — ~ ih c~ - X g E 3 'S? 6?Sc98 C?=se?s HSS^SS-ESSSis- 53 tos H E s s>© LZ E = S£ S^s Is£ 2© p ä® L eg rp. o ° - c — £5^2®2Z - •ü to ro^S Z'ZZD a - e « tl tili *! ’ ö C • — fs r- A^RZ §HZ D C= ~ .®§ SC ”3f 3 - " P OO ~ :se^5 a E Hi 2 22 = ip L .2=: E?S 5-0 E £ = SZM E a "=5> ZZRßL 'S? ?r 4 e§ •e 11 H e eT:2 w -842 7-A e - — o o 4 es 8Z N -2? , r- -» 5 C 3 £- C 2 e "= . = » K 3 Ä?? E E = ET^g R cS Ä 4 4 E g 3 X 22 ~ S - £2a £ L S s s Z § S e § ZZ s 2 r 4 9 e o 2 *2 © Zs^ ile a C « Q 4 ?MZMZk ZL c —, :x .2 * =s ff eEf Z-^Ä 5§ toÄ äS ~»2 ->5S •§sä ZZL Z L w.2 X a E M E^ 21p i 3 s s rai ee_K>2to d "Z O_.a_ S - E 5 £ o ® = a.S'E o ^2 LZ -r 4 . a u. a4 eS E s « ss~ 3*8. 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