Ur. 267 Erstes Matt M Jahrgang Samstag, 14. November 1951 Erschein' lüglich, außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Viehener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernsvrechanfchlüsse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: fironlfurt am Blain 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen vn'ck vvd Verlag: vrühl'lche Univerfitäls-Vuch- und Steindnickerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag oorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re- klarneanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für ^en Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen Heffens Appell. Nach einem Wahlkampf ohnegleichen schreitet das hessische Volk am morgigen Sonntag zur Wahl seines neuen Landtags. Die letzten Wochen haben überall im Lande die „Prominenten" der Parteien als Redner auf die Tribüne überfüllter Versammlungen geführt. Diese Erscheinung, die sich aus der Verschärfung der Wirtschaftskrisis und der damit zusammenhängenden starken Zuspitzung der politischen Verhältnisse im Reich zwanglos ergibt, hat das eine Gute gehabt, daß der Wahlkampf unter großen Gesichtspunkten geführt wurde und weder kleinliche Kirchturmspolitik noch persönliche Häckeleien eine Rolle spielen konnten. Vielleicht ist aber dieses Plus reichlich ausgewogen durch den namentlich in Versammlungen radikal-oppositioneller Parteien beobachteten Verzicht auf irgendwelche Stellungnahme zu speziellen Fragen der hessischen Politik. Das war natürlich die Folge, daß die Parteien vorwiegend ihre „großen Kanonen" zum Wahlkampf herange- zogen batten, denen selbstverständlich mit wenigen Ausnahmen die Vertrautheit mit hessischen Verhältnissen abging und die nun aus der Not eine Tugend machten, wenn sie sich fast ausschließlich auf die große Politik beschränkten und die Hessenwahl lediglich als politisches Stimmungsbarometer gewertet wissen wollten. Es kann natürlich nicht geleugnet werden, daß in Ermangelung von Nachwahlen zum Reichstag, die wie z. B. in England über die politische Entwicklung in der Urwählerschaft sichere Schlüsse zulassen würden, die Landtagswahlen in den Ländern und sogar Kommunalwahlen die Rolle dieses Stimmungsbarometers notgedrungen mit- übernehmen. Aber es hieße doch ihren Sinn verkennen, wenn man sie ausschließlich als Feststellung eines politischen Status, als Dokumentierung des augenblicklichen Kräfteverhältnisses benutzen wollte. Das mag vom Reich aus gesehen richtig und berechtigt erscheinen, aber uns Hessen sitzt doch das Hemd näher, als der Rock. Für uns muß sich aus dem Landtag, den wir uns wählen, die Möglichkeit zu einer Regierungsbildung geben. Das ist doch der Zweck der Wahl Und wenn auch diese Zurückschiebung hessischer Interessen zugunsten der großen Politik denen Wasser auf die Mühle sein muß, die eine Beseitigung der Parlamentsspielerei in den Einzelländern auf dem Wege einer Reichsreform an Haupt und Gliedern für seit langem überfällig halten, so ist es vorläufig doch noch so, daß der Landtag, der am Sonntag gewählt werden soll, die parlamentarische Grundlage daf-ür abgeben muß, wie Hessen voraussichtlich für die nächsten vier Jahre regiert oder im Zeitalter der Notverordnungen besser gesagt verwaltet werden soll, lieber diesen zwar sehr nüchternen, aber praktisch ausschlaggebenden Gesichtspunkt, der in den meisten Wahlversammlungen leider viel zu wenig erörtert worden ist, sollten auch diejenigen einen Augenblick nachdenken, die, wenn sie morgen zur Wahlurne gehen, glauben mit ihrer Stimmabgabe große Politik machen zu müssen, statt dem Rechnung zu tragen, was für Hessen notwendig ist, wenn die Landtagswahl überhaupt einen Sinn haben soll. Wenn wir von dem Ausgang der Wahl etwas mit einiger Sicherheit erwarten können, so ist es eine scharfe Absage an d i e Regierung der Weimarer Koalition, die in wechselnder Besetzung seit den Novembertagen des Unglücksjahres 1918 Hessen ununterbrochen beherrscht hat und schon wegen Erreichung der Altersgrenze die Versetzung in den Ruhestand beanspruchen darf. Denn es hieße den Sinn des parlamentarisch-demokratischen Systems in sein Gegenteil verdrehen, wenn eine überalterte und nur in der Abwehr einige Koalition, die zwar mit aller Macht ihre Stellung zu halten sucht, von der aber fruchtbare, vorwärts weisende Gedanken nicht mehr zu erwarten sind, die Einbeziehung neuer, nach Mitarbeit drängender wertvoller Kräfte in die Verantwortung für den Staat verhindert und damit eine Entwicklung fördert, die die begreifliche Erbitterung der von der Staatsleitung fern- gehaltenen und sich vom herrschenden Regierungssystem an die Wand gedrückt fühlenden Bevölkerungsgeschichten bis zu einer für Staat und Gemeinwohl gefährlichen Siedehitze treibt. Wenn das im politischen Kampf schon recht abgegriffene Schlagwort vom Kampfgegen dasSyste^n wirklich einmal Berechtigung hat, so ist es bei uiy> in Hessen, wo die regierende Koalition in den > 13 Jahren ihrer Tätigkeit diesen Kampf durch Unbekümmerte Ausnutzung ihrer Machtposition uyd sture Ablehnung aller Reformwünsche gerad/zu provoziert hat. Und dabei hat sich die Regierung einer Opposition gegenübergesehen, die ihre Aufgabe nicht in bloßer Negation sah, sondern .durch fruchtbare Kritik mitzuarbeiten suchte, wo man es ihr gestattete. Trotzdem hat sich seit 1918 ein reichhaltiges Sündenregister angehäuft das wenigstens in einigen Punkten schon unter di. Lupe genommen werden muß. Die katastrophale Entwickjiung, die die Finanzen genommen haben, geht /in der Hauptsache darauf zurück, daß der Staat,' sich übernommen hat, als er immer mehr und mehr Aufgaben an sich zog und zu ihrer Durchführung einen Apparat aufbaute, der gemessen an seiner durch die jahrelange Besetzung Rheinhessens un d die schweren wirtschaftlichen und politischen Elrschütterungen der Nachkriegs- und Inflationsjahr^ ohnehin stark geschwächten Finanzkraft, nicht durchzuhalten war. Das gilt namentlich für die Kullturpolitik, wo die Uebernahme der Volksschullasten auf den Staat für diesen eine recht kostspielige Angelegenheit wurde. Das gilt weiter für bye Uebernahyie der Polizeikosten. Als später die Saft dem Staat unerträglich schien, hat man dann 'versucht, wenigstens einen Teil auf die Gemeinden /zurückzuwälzen, und zwar in einem Augenblick, wto diese selber durch die erhöhten Fürsorgelasten c us der wachsenden Der deutsch-französische Wirtschaftsausschuß tritt in Paris zusammen. Die vier Ausschüsse werden in der nächsten Woche in Paris und Berlin ihre Arbeiten aufnehmen. Paris, 13. Nov. (WTB.) Botschafter von H o e s ch hatte heute vormittag 10.15 bis 10.45 Uhr eine Unterredung mit Ministerpräsident Laval, die die Fortsetzung der jetzt gefügten Verhandlungen über die Einsetzung des Sachverständigenausschusses des Poungplans zur Nachprüfung der Leistungsfähigkeit Deutschlands bildete. Nach dieser Unterredung stellte Botschafter v. Hoesch um 11 Uhr dem französischen Ministerpräsidenten die Mitglieder der deutschen Delegation des deutsch-französischen Wirtschaftsausschusses vor, der um 11 Uhr seine Eröffnungssitzung hielt. Ministerpräsident Laval begrüßte die Delegierten, indem er an die Besprechungen mit Reichskanzler Dr. Brüning anknüpfte und die Notwendigkeit betonte, zur Behebung der Weltwirtschaftskrise zu einer Zusammenarbeit zu gelangen. Staatssekretär Dr. T r e n b e l e n b u r g überbrachte die Grüße des Reichskanzlers Dr. Brüning, der den Arbeiten der Kommission volles Interesse und hohe Sympathie entgegenbringe und zur Mitarbeit in jeder Hinsicht bereit sei. Wenn das gegenwärtige Wirtschaftssystem aufrechterhalten werden solle, müsse man auch den organischen Gesetzen dieser Wirtschaftsordnung und ihren Regeln Rechnung tragen. Es handele sich nicht um eine einmalige Zusammenarbeit, es sei vielmehr Ausgabe der Kommission, eine ft ä n b i g e Fühlungnahme zu wahren. Am Enbe ber Vormittagssitzung würbe beschlossen, baß bie Präsibenten ber einzelnen Ausschüsse am Nachmittag zusammenkommen, um im Anschluß an biefe allgemein gehaltenen Erörterungen bes Vormittags ein spezielles Arbeitsprogramm auszuarbeit e n. Man vermutet, baß geplant fein soll, bie verschie- benen Kommissionen bereits in ber nächsten Woche ihre Arbeiten aufnehmen zu lassen, unb zwar der- art, baß bie V- und Hl-Kommission in Berlin und die II unb IV in Paris tagen würben. Ein enbgültiger Beschluß barüber ist jeboch erst morgen zu erwarten. Die 2ReparatiDnsfrage. Noch immer ferne Einigung über das Verfahren. Paris, 14. Rov. (ERB. Funkspruch.) Die Unterredung des Botschafters von Hoesch mit dem Ministerpräsidenten Laval, die dazu dienen sollte, die Bedingungen festzulegen, unter denen der im Poungplan vorgesehene Sachverständigenausschuß zusammentreten soll, wird von einem Teil der Presse als hoffnungsvoll bezeichnet. So will der „Matin" wissen, daß Staatssekretär von Bülow während seiner Anwesenheit in Paris aus Anlaß der Tagung des Bölkerbundsrates durch unmittelbare Verhandlungen mit dem Ministerpräsidenten Laval die letzten Schwierigkeiten regeln werde, die sich hinsichtlich der Festlegung der Zuständigkeit des Sachverständigenausschusses und hinsichtlich des allgemeinen Sinnes der später zwischen den Regierungen stattfindenden Verhandlungen ergäben. — Rach Ansicht des ..Journal" bestünden noch zwei Meinungsverschiedenheiten in der deutschen und in der französischen Auffassung; die eine betreffe nur daseinzuschlagendeVerfahren, nämlich inwieweit der beratende Ausschuß die k o m- Lo n d on, 13. Rov. (WTB.) 2m Unterhause erklärte, nachdem ein A b ä n d e r u n g s a n- trag der A r b e i t e r o p p o s i t i o n zur Ant- wortadresse auf die Thronrede mit 422 gegen 38 Stimmen abgelehnt worden war, der Führer der Regierüngsparkei und Lordpräsident des Geheimen Rats, Stanley Baldwin: Die ganze Welt sei sich heute darüber klar, daß die bestehenden Schulden- und Reparationsabkommen zusammengebrochen seien. Dank der Initiative Hoovers habe die Welt eine einjährige Atempause erlangt, aber ich bezweifle, daß dies ausreicht. Die Zeit war nicht lang genug, um das Vertrauen wiederherzustellen. Die Zukunft ist ungeregelt geblieben, und ich möchte das Haus daran erinnern, daß die Regierung auf der Londoner Konferenz im Juli erklärte, daß die Wiederherstellung ge- sunderFinanzverhältnisseinDeuksch- land im Interesse der ganzen Welt liege, und daß die Regierung bereit sei, so weit es in ihrer Kraft stehe, an der Wiederherstellung des Vertrauens mitzuarbeiten. Daraufhin haben die Regierungen nichts weiter getan, als die Ernennung eines Bankausschusses zu empfehlen. Der Ausschuß der Banken trat zu- merziellen Passiva Deutschlands zu berücksichtigen habe. Selbstverstänbt'ch, sagt das Blatt, müsse die Regelung der Reparationen für die Krisenzeit die gesamte Finanzlage Deutschlands berücksichtigen. Die zweite Meinungsverschiedenheit sei dagegen wesentlicher. Die französische Regierung vertrete den Standpunkt, daß die zu treffende Regelung streng auf den Zeitabschnitt des wirtschaftlichen Riederganges beschränkt bleibe. Deutschland trete dagegen f ü r eine endgültige Regelung ein. — „Echo de Paris" berichtet, daß die Degierungskonferenz, die nach Ausarbeitung des Gutachtens der Sachverständigen zusammentreten soll, in den ersten Ianuartagen in Paris beginnen werde. Jammen und empfahl, daß die Regierungen keine Zeit verlieren sollten, um Maßnahmen zu ergreifen, die Deutschland und damit der Welt die schmerzlich benötigte Hilfe bringen würden. Seit damals ist die Lage immer schlechter geworden, was zum großen Teil darauf zurückzuführen ist, daß auf diese Empfehlungen keine Tat folgte. Ein Übereinkommen zwischen Deutschland und Frankreich ist eine wichtige Vorbereitung in diesen Fragen, die britische Regierung hofft sehr, daß diese Regierungen in enger Fühlung sind und daß ihre Besprechungen zu einem Übereinkommen führen mögen. Die britische Regierung glaubt, daß gute Aussicht hierfür vorhanden sei, und daß die internationalen Verhandlungen ohne jeden Zeitverlust eröffnet werden. Wir wünschen, ein Abkommen zu erreichen, das Wohlfahrt und Vertrauen wiederherstellt. London ist im hohen Maße behilflich gewesen bei der Finanzierung Deutschlands während der letzten zehn Jahre und hat es dadurch befähigt, seinen internationalen handel fortzusühren und seine England meldet seine Ansprüche an. Baldwin erklärt im Unterhaus, daß die Sicherheit der englischen Privatkredite in Deutschland nicht durch die Reparationszahlungen gefährdet werden dürfe. Arbeitslosigkeit vor dem finanziellen Ruin standen. Jetzt rächte sich die mangelnde Voraussicht, die das für einen Finanzminister doppelt beherzigenswerte Sprichwort verkannt hatte, daß sich in der Beschränkung der Meister zeige. Ungeachtet aller Warnungen der Opposition hatte man, in Jahren einer wirtschaftlichen Scheinblüte sich auf einen Aufwand festgelegt, dem in dem Augenblick der Boden unter den Füßen fortgezogen wurde, als die Ueberspan- nung der steuerlichen Belastung in einer Zeit absinkender Wirtschaftskonjunktur die Steuerkraft des gewerblichen Mittelstandes, des Hausbesitzes, der Landwirtichaft vernichtete und nun der katastrophale Rückgang der Steuereinnahmen und die ausbleibende Hilfe des selbst notleidenden Reiches zu den rigorosen Maßnahmen der letzten Notverordnungen zwangen, die mir alle noch in bester Erinnerung haben. Die geschilderte Entwicklung wurde naturgemäß noch gefordert durch eine Aufblähung derZentralbehärden, wobei man der regierenden Koalition besonders zum Vorwurf macht, daß bei der Schaffung neuer Stellen wie in der Personalpolitik überhaupt parteitaktische Gründe sachliche Erwägungen allzuoft zurückgedrängt haben. Die Hauptträger der Opposition im Landtag haben wieder und wieder auf die unausbleiblichen Folgen dieser Politik hingewiesen, ohne Gehör zu finden. Sie haben schon vor fünf Jahren durch ein Volksbegehren auf Auflösung des Landtags versucht, einem neuen Kurs den Weg zu bereiten, aber damals blieb dem Volksentscheid der Erfolg versagt, die Weimarer Koalition blieb weiter im Sattel. Auch Verhandlungen über eine Erweiterung der Koalition, die der einen oder anderen Oppositionspartei einen Einfluß auf die Regierungsgeschäfte ermöglicht hätte, verliefen im Sande oder wurden in dem Augenblick abgebogen, in dem bie alten Koalitionsfreunde einen häuslichen Zwist friedlich beigelegt hatten. Der letzte Clou war die Verlängerung der Legislaturperiode des Landtags um ein Jahr. Daß der damals tagende Landtag sich sein Mandat selber verlängerte, wurde von Staats- rechtslehrern wie Gmelin - Gießen als Verstoß gegen das demokratische Prinzip und als im Widerspruch mit der Reichsverfassung bezeichnet. Die Notwendigkeit dieser Mandatsverlängerung wurde von der regierenden Koalition mit der bevorstehenden Durchführung der Verwaltungsreform begründet, und mit diesem Lockvogel gelang es ihr auch, einzelne Gruppen der Opposition für ihren Plan zu gewinnen, so daß die für die Verlängerung der Legislaturperiode um ein Jahr erforderliche Verfassungsänderung durchgesetzt wurde. Die Erfüllung des Versprechens der Verwaltungs- reform blieb die Regierung weiterhin schuldig. Das umfangreiche Spargutachten des Reichsspar- kvmmissars verschwand endgültig bei den Akten, nachdem man lange gezögert hatte, es überhaupt zu veröffentlichen. Was dann kam, war die katastrophale Entwicklung der Wirtschaftskrisis, der die hessischen Staatsfinanzen ohne Widerstandskraft und inneren Halt schnell zum Opfer fielen. Als dann die Regierung vom Reich gezwungen wurde, das Finanzproblem endlich anzupacken, sollten die drei Notverordnungen mühsam flicken, was man in besseren Jahren in unbegreiflicher Versäumnis allen Warnungen zum Trotz hatte einreißen lassen. Was sie brachten, wissen wir alle noch zur Genüge: rigorose Gehaltskürzungen und Einschränkungen, die die Maßnahmen des Reiches und anderer Länder zumeist weit übertreffen, ohne den Weg zur radikalen Umkehr von einem als falsch erkannten Kurse erkennen zu lassen. Man kurierte weiter oberflächlich an den Symptomen herum, statt das liebel an der Wurzel anzupacken. Während dem Volk in allen seinen Schichten namentlich auch den Beamten und dem gewerblichen Mittelstand neue schwere Lasten aufgebiirbet würben, blieben alle Versprechungen uneingelöft, alle Wünsche unerfüllt. Zu der Vereinfachung und Verbilligung des Staatsapparats durch eine großzügige organische Verwal- tiingsrcform ist noch kein Schritt gemacht worden. Nicht einmal zu einem Abbau bei den Zentralbehörden konnte man sich entschließen. Sogar die lang erwogene Beseitigung des Wirtschaftsministeriums unterblieb, weil die Regierung plötzlich in später Stunde demokratische Anwandlungen bekam und den Entschließungen des kommenden Landtags nicht vorgreifen wollte. Und doch ist nur durch die immer wieder und wieder geforderte organische Verwaltungsreform, die namentlich bei dem aufgeblähten Apparat der Zentralbehörden ein- zusetzen hätte unb durch Verlegung des Schwerpunkts der Zuständigkeiten von den Ministerien auf die lokalen Instanzen klarere Uebersichtlichkeit und schnellere und dabei billigere Verwaltungsarbeit erreichen müßte, jene Ersparnis durchzuführen, die notwendig ist, um endlich die lange versprochene, aber immer auf dem Papier gebliebene ft euer- l i d) e En11astung zu ermöglichen, ohne die jedem Versuch zu einer Ankurbelung der Wirtschaft ber Erfolg versagt bleiben muß. Mit einer schematischen Besolbungskürzung, bie bie Kaufkraft ber Bevölkerung empfinblid) schwächt, ohne bie Steuerschraube zum StiUftanb zu bringen, ist niemanbem geholfen. Wohl aber muß Schluß gemacht werben mit einer Personalpolitik, bie parteipolitischen Rücksichten unter peinlicher Wahrung ber Parität zwischen ben Partnern ber Regierungskoalition maß- gebenben Einfluß einräumte unb bamit drm Ge- banken bes Berufsbeamtentums einen schweren Stoß versetzt hat. So hat bie Regierung außerhalb ihrer eigenen Reihen nicht viel Freunbe mehr, selbst bie Staatspartei hat ihr kurz vor Toresschluß noch eine beut- liehe Absage erteilt. Unb ihre Aussichten für eine Bestätigung ihres Manbats burch ben neuen La oblag haben sich seit ber Verlängerung ber Legis- laturperiobe vor einem Jahre keineswegs verbessert. Im verflossenen Lanbtag verfügte bie Regierung, wenn wir von 5 Staatsparteilern unb Rabikaldemo- fraten absehen, über bie Stimmen von 24 Sozialdemokraten und 13 Zentrumsabgeordneten, denen 28 Abgeordnete der Opposition gegenüberstanden, davon 6 Kommunisten. Legt man das Ergebnis der Reichstagswahl vom 14. September 1930 zu Grunde, so verschiebt sich das Bild schon zu ungun- ften der regierenden Koalition. Sie hätte mit 22 SPD., 10 Zentrum, 3 Staatspartei, 13 NSDAP., 5 Volkspartei, 2 Wirtschaftspartei, 1 Deutschnational, 5 Landbund, 1 Christlich-Sozial und 8 Kommunisten vermutlich Stimmengleichheit zwischen Re- gierungsfoalition und Opposition gebracht. Aber seitdem hat sich die Lage wiederum erheblich verändert und bestimmt nicht zum Vorteil der bisherigen Regierungsparteien. Diese allgemeine Prognose mag genügen, bestimmtere Voraussagen, wie sie namentlich außerhalb Hessens von phantasie- begabten Rechenkünstlern eifrig in Umlauf gebracht werden, könnten durch den Wahlausgang leicht Lügen gestraft werden. So wird bas Hessenvolk morgen zur Wahl schreiten, ohne baß es biesmal einer besonberen Aufmunterung an bie bei früheren Wahlen so große Schar der Wahlmüben unb Gleichgültigen bebarf. Auch bie Wirtschaftspartei, bereu Listen wegen angeblicher Formfehler vom Wahl- prüfungsausschuß nicht zugelassen würben, hat ihre Anhänger ziir Stimmabgabe aufgeforbert, obwohl sie selbst keine Kanbibaten aufstellen konnte. So wirb sich vermutlich eine Wahlbeteiligung ergeben, bie sich, an früheren Wahlen gemessen, wirb sehen lassen können. Erstarrung unb politische Interesselosigkeit ist reger Anteilnahme an ben öffentlichen Dingen gewichen. Hoffen wir, baß ber Appell an ben Urwähler, an das Urteil bes Volkes nicht nur auf bem politischen Stimmungsbarometer einen einbeutigen Ausschlag gibt, ben man braußeu im Reich von den Hessenwahlen nach dieser oder jener Richtung hin erwartet, sondern . für unser Hessenland die gesicherte Grundlage für eine Regierung schafft, die, abhold aller kostspieligen unb in kritischer Lage doppelt gefährlichen Experimente, mutig unb entschlossen ben schweren Weg sachlicher Reformen zur Gesunbung von Volk, Staat unb Wirtschaft einschlägt. Reparationen Jti zahlen. Diese finanziellen Vorschüsse waren nicht spekulativ; sie stellten die beste Art von Sicherheit dar. die dem Markt bekannt war, und es ist klar, dah die Sicherheit für diese Derpslich- tungen nicht durch politische Schul- den gefährdet werden darf. Denn die» gefchähe, würde Deutschland» handel»- kredit zerstört werden, und in diesem Falle wären sämtliche Zukunftsaus- fichten auf Reparationen vernich- t e t. Ich vertraue zuversichtlich darauf, dah e» leicht fein wird, in diesem Punkte Uebereinkom- men zu erreichen, aber die'Frage berührt politische Vorurteile und Voreingenommenheiten, und zwar eher in anderen Ländern als unserem eigenen. Ich hoffe, dah do» Haus vertrauen zur Regierung haben und es ihr überlassen wird, den Augenblick zu wählen, wo unser Land mit der gröhten Wirkung intervenieren kann. Das englische Parlament fordert Zollvollmachten. Tumpingmatznatzmen durch Notverordnung London, 13. QIod. (TU.) Das englische Kabinett hat beschlossen, ein Gesetz im Unterhause einzubringen, das ihm die Berechtigung gibt, durch besondere Verordnungen die e i n g e - führten Waren mit Zöllen zu belegen, sobald festgestellt ist, dah die einzelnen Waren entweder zu Schleuderpreisen oder in übermäßig großen Quantitäten eingeführt werden. Diese Befugnisse werden sich sowohl auf Fertigwaren, wie auf landwirtschaftliche Erzeugnisse erstrecken. Der Gesetzentwurf soll Witte der nächsten Woche im Parlament eingebracht werden. Ein besonderer Kabinettsausschuh wird gebildet, der sofort Entscheidungen über Vorschläge des Handelsministeriums treffen kann, so dah Ieder Zeitverlust vermieden wird. Diesem Aus- schuh würde auher dem Handelsminister auch der Schatzkanzler angehören. Eine jeweils erlassene Notverordnung bedarf der späteren Zustimmung des Parlaments. Oie Ausschaltung der Wirtschastspartei. 9er Reichskanzler im hessischen Wahlkampf. Brüning spricht in Mainz über den Zwang zur WirtschastSreform. Mainz. 13. Noo. (9B59L) In den Wahlkampf hat auch Reichskanzler Dr. Brüning mit einer Rede in der Mainzer Etadthalle eingegriffen. Von einer über 8000 Personen zahlenden Menschenmenge wurde der Reichskanzler mit stürmischem Beifall empfangen. Der Reichskanzler führte aus, dah das deutsche Volk instinktiv das Gefühl habe, dah es jetzt um große und entscheidende Dinge in den nächsten Wochen gehen werde. In der Reparationsfrage sei jetzt die sachliche Entschei- düng reif geworden. Deutschland habe bis zum Inkrafttreten des Hoover-Jahres von Beginn des Frühjahrs 1930 ab zum erftenmal seit der Stabilisierung Reparationen nicht aus Anleihen und ausländischen Krediten, sondern aus eigener Kraft bezahlt. Wenn wir alles daran gesetzt haben, um ohne neue Kredite in stärkerem Maße hereinzubekommen, die Reparationslasten zu bezahlen, so hat das endlich den Effekt, die Einsicht in derWelt zu schaffen, daß Reparationslasten von Deutschland nur durch einen wachsenden und ausschließlichen Ausfuhrüberschuh tatsächlich bezahlt werden können. Das ist gelungen. Wir haben die Einfuhr fortschreitend gesenkt. Wir sind in der Ausfuhr an der Spitze der Rationen geblieben. Der Weg aus der Krise sel ein Weg der Sorge und der Bot. Wer aber glaube, die Krise heilen zu können, nur durch Maßnahmen, die wir in Deutschland für uns allein treffen, wer glaube, nur von hier aus den Hebel ansetzen zu können, der sei überhaupt nicht in der Lage, dem deutschen Volke Rettung zu bringen. Die Regierung habe sich nicht mit einer zwangsweisen Herabsetzung der Zinsen beschäftigt. Alle Rachrichten hierüber entsprächen nicht der Wahrheit. Die Zukunft unseres Volkes beruhe auf dem Glauben, unter allen Umständen die deutsche Währung stabil zu halten. Wenn man dies wolle, müsse man die Wirtschaft elastischer g e st a 11 e n als sie heute sei. Die Preise und die Gestehungskosten müßten sich den gegebenen Bedingungen schnell anpassen können. Gs sei notwendig, mit einem geringeren Kre- ditvolumen vom Auslande her die deutsche Wirtschaft anzutreiben und das sei möglich . Das seien Dinge, die unbedingt zur Rettung unserer Wirtschaft, zur Rettung auch der breitenMasse der Bevölkerung durchgeführt werden müßten. Aber bei allen Maßnahmen brauch« man ein Miterleben des deutschen Volkes, damit es gelinge, unter Beteiligung aller Wirtfchaftskreife Lösungen auf einmal zu treffen, die wegen der Not der Zeit diesmal nicht auf lange Monate verteilt werden könnten, sondern im Zusammenhang und in zeit- licher Abstimmung gegeneinander in den nächsten Wochen getroffen werden müßten. Man habe die Löhne gesenkt, man habe aus Zwangsrücksichten auf den Etat die Beamtengehälter herabgesetzt, es sei gelungen, eine Senkung des Preisniveaus durch- ^usegen, es sei gelungen, für die Landwirtschaft immerhin Preise zu erzielen, die im vergleich zu den Preisen anderer Völker noch al» Verhältnis- mäßig hoch anzusprechen seien. Es sei auch gelungen, in der Diehwirtschast die Einfuhr durch hohe Zölle und andere Maßnahmen so abzudrosieln, daß man sagen könne, wir produzieren unser Vieh restlos im eigenen Lande. Aber jetzt zeige sich, daß im Durchschnitt aller Orte in Deutschland und im Durchschnitt der Zeit die Preise sich nicht nach den Zöllen richten, sondern daß die Preise mehr oder minder zwangsläufig sich der gesunkenen und der eingeschrumpften Kaufkraft anpassen. Daraus folge, dah es kein Allheilmittel gebe in einer so gewaltigen Krise, daß man nicht einfach durch hohe Zölle die Landwirtschaft retten könne, und daß man nicht einfach auf der anderen Seite sagen könne, wenn die Löhne immer weiter gesenkt würden, dann würde es wieder besser werden, sondern alle diese Dinge müßten sorgfältig gegeneinander abgestimmt werden. Auch schwere Verhältnisse in Hessen trüben die Stimmung. Ich begrüße es, daß es geglückt ist, dem hessischen Etat durch die schwerst« Zeit durchzubringen und auch für die nächste Zukunft zu sichern. Wir sind in einer so furchtbaren Notlage, weil man sichindenvergangenen Iabren nicht schnell genug entschlossen hat. In den letzten Monaten muhte nun das nachgeholt werden, mas an Fehlern in vielen Jahren gemacht wurde. Jetzt heißt es Nerven behalten: Nerven behalten aber bedeutet, daß man sich nicht beirren läßt, bedeutet, mutig in die Zukunft zu blicken und nicht den Augenblick der Popularität abzuwarten. Wir haben jetzt die Hoffnung, das Volk aus der Not und Erniedrigung wieder herauszuführen. Deutschlands Recht aus gleiche Sicherheit. Heichswehrminisler (Sroener über das deutsche Programm für die Abrüstungskonferenz. Berlin, 13. Rov. (TU.) 3n einer Unter* rebung mit dem Berliner Vertreter der »Chikago Tribüne" erklärte Reichswehrminister Dr. G r o e - ner u. a.: Sie fragen mich, ob Deutschland beabsichtige, feine nationale Sicherheit dadurch wiederzuerhalten, daß die gleichen Abrüstungsmethoden, die 1919 auf die besiegten Länder angewandt wurden, jetzt für alle Staaten in® cltung gefetzt werden. Diese Frage ist das Kernproblem der Abrüstung, so wie es sich von Deutschland aus darstellt. Deutschland hat das Recht auf gleiche Behandlung wie alle anderen S taa* t e n. Deutschlands Ziel auf der Abrüstungskonferenz muß es deshalb fein, feine nationale Sicherheit dadurch wieder zu erlangen, daß die anderen Staaten nach denselben Methoden abrüften, die sie seinerzeit Deutschland auferlegt hatten, d. h., es darf den anderen Staaten nicht erlaubt fein, waS Deutschland oerbo* te n ist und umgekehrt. Verboten wurden uns z. D. seinerzeit die schwere Artillerie, die Tanks, die militärische Luftfahrt, ferner alle Kriegsschiffe über 10 000 Tonnen, alle U-Boote, sogar die Flugabwehrartillerie hat man dem deutschen Heere verboten. Und weiterhin hat man Deutschland di e allgemeine Wehrpflicht verbo- t e n und hat ihm im einzelnen auf das genaueste vorgeschrieben, wie feine Wehrmacht organisiert werden mußte. Diese Methoden haben z u r v o 11- kom menen Entwaffnung Deutschlands geführt. Der Beweis ist also geführt worden, daß sie eine wirksame Abrüstung verbürgen. Würde es nicht einen Bruch der feierlichen Verpflichtung zur Abrüstung, die alle anderen Staaten eingegangen find, darstel- len, wenn jetzt die Abrüstungskonferenz auf jene Staaten andere Methoden anwenden wollte, als auf Deutschland? Aus diesem Grunde bekämpfen wir den Konventionsent- wurf, den die vorbereitende Abrüstungskom- miffion ausgearbeitet hat. Er schlägt dem Grundsatz der Gleichberechtigung der Staaten ins Gesicht, indem er den Unterschied zwischen den Siegern und Besiegten des Weltkrieges verewigen will. Der Konventionsentwurf verbietet keine der Waffengattungen, die für Deutschland verboten find. Kurz, er würde den Gedanken der Abrüstung umnöAich machen. Deutschland ist jede Befestigung auf dem linken Rheinufer und 50 Kilometer rechts des RheineS verboten. Es darf in dieser entmilitarisierten Zone keinen Soldaten unterhalten, Frankreich aber darf ungeheure Befestigungen so weit vorschieben, daß die deutsche Grenzbevölkerung nicht nur unter der Tragweite der französischen Geschütze, sondern sogar der französischen Maschinengewehre leben muß! Die Sicherheit Deutschlands und die Sicherheit der Welt wird erst dann wieder hergestellt fein, wenn alle Staaten nach den gleichen Methoden abge- rüstet worden find. Sie fragen mich besonders nach -meiner Meinung der «Seeabrüstung". Deutschland hat gerade hier durch die Konstruktionen seiner 6000- Tonnen-Kreuzer und neuerdings durch den Bau des ersten Panzerschiffes (Capital ship) von 10 000 Tonnen den Beweis geführt, daß man durchaus leistungsfähige Kriegsschiffe in den ihm vorgeschriebenen Grenze n bauen kann. Welche Erleichterung für die Welt würde es bedeuten, wenn alle Staaten die gleichen Einschränkungen auf sich nehmen wollten! Sie fragen mich nach der Bedeutung der sogenannten «W e h r o r g a n i s a t i o n e n^ wie des Reichsbanners, des Stahlhelms oder der SA. Militärisch sind diese Verbände ohne j et) e n Wert. Die Verbände können aber darin Gutes leisten, dah sie die Jugend sportlich ertüchtigen. Run zu 3hrer letzten Frage, ob Deutschland eine größere Armee fordern wird, wenn sich die schwer gerüsteten Länder weigern sollten, die Stärke ihrer Armeen erheblich herunterzusehen. Diese Frage würde voraussetzen, daß Die Abrüstungskonferenz scheitert. WaS Deutschland in einem solchen Falle tun würde, kann ich nicht sagen. Meine Meinung ist es, daß alle Völker der Welt die größten Anstrengungen machen sollten, daß die Abrüstungskonferenz nicht scheitert, sondern daß sie au einem positiven Erfolg führt, der die Welt von der Last der Rüstungen und von der ewigen Kriegsdrohung wirksam befreit. Tie Ablehnung der Waßlvorfchlüge rechtswidrig. WSR. Frankfurt a. M., 13. Rov. Die Wirtfchaftspartei Landesverband Hessen teilt mit: Der Staatsrechtslehrer an der Universität Gießen, Professor Dr. Gmelin, hat der Wirtschaftspartei über die Ablehnung ihres Wahl- Vorschlages zur Landtagswahl ein Gutachten erstattet. Er kommt zu dem Ergebnis, daß die Ablehnung rechtswidrig ist. Die Ablehnung verstößt gegen Artikel 17 der Reichsverfafsung, wonach in jedem deutschen Land die Volksvertretung in allgemeiner, gleicher Wahl zu wählen ist. Es entspricht nicht dem Grundsatz der Gleichheit, daß der Wahlvorschlag der Radikaldemolratifchen Partei nur 20 Unterschri ften benötigte, während man von der Wirtfchaftspartei 50 0 Unterschriften verlangte. Außerdem hat der Landeswahlleiter es unterlassen, die Wirtschaftspartei, wenn er schon einmal einige Unterschriften bemängelte, zur Mängelbeseitigung aufzufor- oern, wozu er nach § 51 der Landeswahlordnung verpflichtet gewesen wäre. Hier handelt es sich nicht nur um eine aus dem Geist der Verfassung abzuleitende Aufgabe, sondern um eine in einer Rechtsvorschrift ausdrücklich auferlegte Pflicht. Das ausführliche Gutachten stellt fest, daß die Handhabung der Wahlordnung durch den Landeswahl- ausschuß dem demokratischen Prinzip widerspreche, indem sie den 'n den Wählern der Wirtfchaftspartei verkörperten Dolkswil- len mißachte. — Die Wirtfchaftspartei behält sich vor, falls die Zusammensetzung des neuen Landtags keine klaren Verhältnisse schafft, den Staatsgerichtshof anzurufen bzw. die Landtagswahl anzufechten. Schluß mit benSlandalprozessen! (Line beherzigenswerte Mahnung. München. 13. Rov. (TU.) Unter der Ueber- fchrist «Sch.uh mit den Skandal-Prozessen!" bringen die „Münchener Neuesten Rachrichten" einen Artikel ih»cs Chefredakteurs, worin es nach einem Hinweis auf die endlose Dauer und auf die Unerquicklichkeit der gegenwärtigen Skandal- Prozesse (Favaa, Sklarek, Rordwolle, Kahenellen- bogen u. a.) heißt: Wenn heute die Reichs- reg.erung ein wirtschaftliches Stand- recht verkündet, so würde ihr eine Welle des Vertrauens entgegenfluten. Wenn ein solches Standgericht innerhalb von acht Tagen das erste Urteil gefällt hätte, das ganze deutsche Volk würde aufatmen. 3e härter bie Strafe, befto gerechter würde sie empfunden. ES gäbe ein Rotwehrrecht deS Staates. 3eder neue Tag der gegenwärtigen Skandal- prozeffe untergrabe das Vertrauen zum Staat, well es ihn hilflos zeigt gegenüber der schlimmsten Act des W.rZchaftSverbrechen«. 3n England habe man einen 70jährigen Lord wegen geringfügigen Wirt.chaft^verdrechenS i n s Z u ch t- v 2 uS gesperrt- Mussolini verschicke ungetreue Direktoren auf die Liparischen 3n- |cln. Eine Regierung müsse Vertrauen säen, wenn sie es ernten wolle. Die Skandal- Prozesse warten daraus. öer Gklarek-Prozeß. Die „mvcnbunccn an Ltadtiat Tegner. Berlin, 13. Noo. (ENB.) In der Nachmittags. Verhandlung des Sklarek-Prozefses, der Voraussicht- lich diszum Frühjahr 193 2 dauern wird, wurden die S^a ch . und Barzuwendungen erörtert, die Stadtrat Degner empfangen haben soll. Degncr bestritt zuerst, bereits im Jahre 1926 Garderobe durch die Sklareks bezogen ZU haben und erklärte, daß er nicht gewußt habe, daß diese Sachen bei der Schneiderfirma Keller & Furch hergcstellt seien undpraAnzugZOObis 400 RM. gekostet hatten, während er an die Sklareks nur 200 bis 250 NM bezahlt habe. Der Vorsitzende hielt ihm vor, daß er in den Jahren 1927/29, also in 2 h Iahrensür rund 4000 Reichsmark Garderobe erhalten habe. Degncr behauptet weiter, die Kleiderrechnung bei den Sklareks durch Wechsel bezahlt zu haben. Der Buchhalter Lehmann erklärte hierzu aber, dah es mit diesen Wechseln eine ganz andere Bewandtnis habe. Degncr habe von Max Sklarek ein Darlehn von 4 000 bis 4500 Reichsmark erhalten und dafür Akzepte gegeben. Zu jedem Ersten des Monats habe er einen Betrag von 2000 bis 2500 Reichsmark für „Dolch" — wie Degncr genannt wurde — fertigmadjen müssen^ und daß von dieser Summe auch die Akzepte für das Darlehn abgezogen wurden. Degncr: ,Hch habe von diesen Summen nicht eine bekommen." — Aus Fragen der Verteidiger Degners erklärte Leh- mann dann, daß er nie gesehen h abe, daß Degncr das für „Dolch" bestimmte Geld bekommen habe, daß er das aus den Gesprächen gefolgert habe. Leh- mann gab allerdings die Möglichkeit zu, daß Pri- vatentnahmen der Gebrüder Sklarek gleichfalls unter dem Decknamen „Dolch" verbucht worden feien. Kunst und Wissenschaft. Empfang der Wegener-Expedition in Kopenhagen. Der Dampfer .Hans Egede" traf am Freitag, aus Grönland kommend, in Kopenhagen ein mit den Mitgliedern der deutfchen Wegener - und der englischen Watkins-Erpedition an Bord. Zum Empfang hatten sich «inaefunden: Die dänischen Drönlandforscher Lauge Koch und Knud Rasmussen, der deutsche Gesandte Freiherr von R i ch t h o f e n , der ehemalige preußische Kultusminister Dr. Schmidt - S11, die Witwe Alfred Wegeners und zwei Mitglieder der Expedition, Dr. George und Dr. Sorge, die bereits früher aus Grönland zurückgekedrt sind. Unmittelbar nach der Ankunst des Dampfers hielt Staatsminister Stauning eine Rede, in der er u. a. erklärte: Professor Wegener habe Weltruhm gewonnen durch seine Theorie, dah die Kontinente auf dem festen Inneren der Erde schwimmen und in steter Berne- gung sind. Sein Ruhm wäre noch gewachsen, wenn er bieie Expedition nicht hätte mit seinem Leben bezahlen müssen. Der Redner sprach dann Frau Wegener und Dr. Shirt Wegener, der seinen Bruder in Grönland zur letzten Ruhe gebettet habe, die Sympathien Dänemarks aus und begrüßte mit besonderer Herzlichkeit die Forscher Dr Georgi, Dr. Sorge und Dr. Löwe, die durch ihre lieber- Winterung im Inlandeis unter äuherst schwierigen Verhältnisien der Wegener-Expedition ;um wissenschaftlichen Erfolg verhalfen. „Wir neigen uns in Trauer darüber, daß Wegener nicht mehr unter uns weist. Wir drücken seiner Gattin, seinem Bruder und dem Lande, dem er angehörte, unsere herzlichste Teilnahme aus." — Dr. Schmidt-Ott brachte dann seine Anteilnahme an Wegener» Tode zum Ausdruck und entbot namens der Rcichsreglerung der heimkehrenden Erpedition den Willkommengruß. Er dankte Dr. Shirt Wegener dafür, daß er nach dem Tode seines Bruders die Expedition zu Ende führte, und bracht« der dänischen Regierung und den grönländischen Behörden seinen warmen Dank für ihre Unterstützung dar. — Nachdem die Musikkapelle das Deutschlandlied gespielt hotte, richtete der englische Ge'chäslsträger eine Willkommens- ansprache an die englische Expedition. Danach dankte Dr. Kurt Wegener im Namen der Expedition für den herzlichen Empfang. 475»3ahrf«ier der Universität Greifswald. Am Freitag beging die 1456 gegründet« Universität Greifswald die Feier ihres 47 5- jährigen Bestehens. AuS diesem Anlaß fand in der Rikolaikirche in Anwesenheit deS Lehrkörpers der Universität und der Chargierten der studentischen Korporationen sowie den Vertretern der Behörden eine Feier statt, in der Professor Dr. Hofmeister die Festrede hielt. Aus aller Welt. Die Studentenschaft in Halle nimmt erneut gegen den Rektor Stellung. Die HaUefche Studentenschaft veröffentlicht ein« Erklärung, in der sie mit Genugtuung feststellt. bah die Hallefche Profefforenfchaft die Motive, die die deutfchen Studenten in ihrem Kampf gegen Dr. Dehn leiten, versteht und anerkennt. Allerdings ist sie sich dessen voll bewußt, daß ihr Kamps gegen Dr. Dehn in keiner W e ise dadurch berührt wird, im Degen- tetl, sie glaubt in den Worten der Professoren ihre Ansicht gestärkt zu finden, den Kampf weiterhin mit aller Energie auf der neu gewonnenen Grundlage fortzu fetzen. Ihrer Einstellung gemäß kann die Studentenfchaf t den Professoren nicht folgen, wenn fic dem Rektor ihr volles Vertrauen auSsprechcn. Da für di« Deutsche Studentenschaft der derzeitige Leiter der Universität untragbar ist, und da sie einen Dozenten nicht anerkennen kann, der ihr Rationalgefühl beleidigt, sieht sich die Deutsche Studentenschaft gezwungen, auch weiterhin den Veranstaltungen der Universität fernzubleiben und nicht zu chargieren, biS auch diese Differenzen bereinigt find. Ein Polizeibeamter vom eignen Sohn ermordet. 3n Recklinghausen wurde in der Rächt -um Freitag kurz nach Mitternacht der Polizeihauptwachtmeister Dartkowiak durch mehrere Pistolenschüsse ermordet. Der 21jährigeSohn des erschossenen Beamten ist einwandfrei a l S Täter festgestellt worden. ES wurde ferner ermittelt, dah der Mörder mehrere Stunden a u f feinen Vater gewartet hatte. Die Pistole hatte er seinem Vater," der sich in Zivil befand, au« einem Schrank entwendet. Zwischen Vater und Sohn bestanden seit längerer Zeit Zwistigkeiten, da die Lebensweise deS Sohne« nicht einwandfrei war und sich die Polizei schon de« öfteren mit ihm beschäftigen mußte. Au« diesem Aniah wurde dem Sohn von feinem Vater schließlich da« Hau« verboten. Der Verbrecher ist nach der Tat nochmal« zum Tatort zurückgekehrt und hat dort dann auf seinen am Boden liegenden Tater aus nächster Rähe nochmal« geschossen. Der Mörder ist noch nicht dingfest gemacht worden. Oie Wetterlage. '3 an jj J BQ W Qwt)!*tRkn Onr.ifr OMf» 6i«n«nwe l* len gtDtn d < Ttmper«lt>' »n Pit Llfli«« «trO.ndte Orte ■>< AKXM» nzeff^nwae um«re bet öeg fotoÄtten Seiet > Art- 1 bii Self. S.T.gS l”“5. im ML ZM i." mit l^Ark Tern- - in unseres, zu n Un^t WaW in Deften W1*? wtiic« Um ) die Auslau- -ft und ch und an,hL.rfbat machen. ,'-ge bemer^aUj ^Jebel- l-ad Son"^LempeAe, g 105 •’SLflh- om'jo i mm. der Zeit vom 12. bis 18. November findet In Gie» fjen ein Schaufensterwettbewerb statt, der vom Bund der Kaufmannsjugend im DHV. veranstaltet wird. Der Wettbewerb wird von den männlichen Kaufmannslehrlingen bestritten. Bisher liegt schon eine Anzahl Meldungen dafür vor. Teilnahmeberechtigt find auch solche Lehrlinge, die dem Bund der Kaufmannsjugend im DHV. nicht angehören. Ein Prüfungsausschuß, der sich aus Geschäftsinhabern und Angestellten zusammensetzt, wird die Preisträger bestimmen. weitere Lokalnachrichten im zweiten Blatt Strafkammer Gießen. * Gießen, 13. Nov. Arn 25. Mär? d. 3. fand in Leih gestern eine nationalsozialistische Versammlung statt, an der auch der heutige Angeklagte in Uniform teilnahm. Die Art und Weise, wie er seinen Mantel aushing, fiel einem politischen Gegner auf; dieser machte die überwachenden Beamten aufmerksam, daß der Angeklagte wohl eine Waffe im Mantel verborgen habe. Auf Befragen zeigte der Angeklagte sofort seinen Mantel, in dem sich eine Hundepeitsche befand. Er erklärte, er habe von deren Vorhandensein nichts gewußt; sie mühte wohl versehentlich in dem Mantel steckengeblieben sein. Das Amtsgericht sprach ihn von der Anklage, bewaffnet an einer öffentlichen politischen Versammlung teilgenommen zu haben, mangels ausreichenden Beweises frei. Die Berufung der Staatsanwaltschaft war ohne Erfolg. Auch die Strafkammer hielt auf Grund der für den Angeklagten nicht ungünstigen Beweisaufnahme ihn für nicht überführt, die Waffe böwuhtermahen mit in die Versammlung genommen zu haben. Ein Viehhändler aus P i l l k a l l e n war von dem Amtsgericht Vilbel zu 4 0 0 Mark Geldstrafe verurteilt worden, weil er unberechtigterweise im Umherziehen Bestellungen auf Vieh ausgenommen hatte. Da er trotz Ladung in der heutigen Verhandlung nicht erschienen war, muhte seine Berufung ohne Verhandlung verworfen wer- den, obwohl sein Verteidiger erschienen war. 35ci ^Opffd)tncr$Cn/ nervösen, rheumatischen und gichtischen Schmerzen haben sich Togal-Taü- letten hervorragend bewährt. Wenn Tausende von Aerzten dieses Mittel verordnen, können auch Sie es vertrauensvoll kaufen! In allen Apotheken Mk. 1.40. 17.6 Ll. 0.46 ChL, <4,3 Acid acet sallc 6974V ATIKA AUSLESE-CIGARETTEN Selbstverständlich tneg" bleibt. An feinem Rande stehen die schlichten Herbergen „3um guten Herzen", darin man allerlei merk- tourbige Wanderer trifft aus der Sippe derer „zwischen zwei Welten"! Und in den Herbergen ist um Menschen und Dinge das klare liebe Herrgottslicht, tmb der ewige Nazarener ist oft Gast unter den Gälten, die aus den vier Weltecken wandern. Und'das Lachen in der Herberge! Fürwahr, das i[t kein Schenkenlachen, sondern das des reinen Her- gens, der kindhaften Freude, und dabei fitzen doch riandje mit schweren Narben unter den Herrgottslächlern. Der Weg zum rechten Lachen ist nicht immer ein Hrühlingswiricnpfad, sondern zuweilen ein wilder Herbst- und Winterweg mit Nebeln und oft voll des Deisten, scharfen Sturmes. Aber die ihn schreiten, Dandern ihn als die ewig Frühlingsvollen und die, fo um die Quellen wissen und die rechten Herbergen ainb um Gottes ewige Herdfeuer. Sie alle tragen den «Zlanz der Unverwüstlichkeit in sich bis in die letzte «Stunde, und alles an ihnen spricht Zuversicht und «Sieg!-- WeihnachtsspendefüfdieKnegsblinden Der Bund erblindeter Krieger (Untergruppe Giehen und anschließende Nachbar- kreise) beabsichtigt zum Weihnachtsfest eine Sammlung vorzunehmen, durch die den erblindeten Kriegskameraden eine kleine Freude in ihr ewiges Dunkel gebracht werden soll. Jeder Sehende erlebt täglich die Wunder der Natur, sieht und kann den Werdegang der Schöpfung verfolgen. Jeder Sehende denke einmal an jene, die vom Kriege am härtesten betroffen wurden. Der Bund beabsichtigt nicht, eine Haussammlung zu veranstalten, sondern er wendet sich, wie all» lährlich, an seine Freunde und Gönner mit der herzlichen Bitte, die Gaben an die Oberfürsor- gerin Schwester Anita Herrn anny (Stadthaus, Gartenstraße 2, Zimmer 12) zu überweisen. Geldspenden können an d e gleiche Adresse, oder auf das Konto der erblindeten Krieger bei der Dezirkssparkasse Gießen, oder auf das Postscheckkonto von Konrad Biedenkopf, Kriegsblinder, Grünberg, Hessen, Nr. 49 157 Frankfurt am Main eingezahlt werden. Für jede, auch die kleinste Gabe, sind die Kriegsblinden dankbar. Bornotrzcn. — lagestalenberfürSamstag. SPD.: 20 Uhr, Volkshalle, Wähleroersammlung, Redner: Reichstagspräsident L ö b e, Innenminister Leusch- ii e r, Dr. K. G u m b e l. — Christlich-Sozialer Volks- dienst: 20.30 Uhr, Turnhalle (Steinstraße), Wahlver- i lammlung, Redner Professor t). Strathmann.— VHV.: 20.30 Uhr im Heim, Vortrag: „Unsere Heimat in vor- und frühgeschichtlicher Zeit". — GDA.: 20.15: Uhr, Hotel Hopfeld, Monatsversammlung. — RdZ.: 20.30 Uhr, „Aquarium", Monatsoersammlung. — kaufmännischer Verein Frankfurt a. M.: „Württemberger Hof", Werbenden! — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „M“. — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Das Mädel mit der Peitsche" und „Räuber der Unterwelt". — Tageskalender für Sonntag. Stabt» iheater Gießen: „Frauen haben bas gern ...!", 18.30 bis 20.45 Uhr. — Gießener Konzertverein: 17.30 lihr Unioersttätsaula, Wenbling-Quartett. — Oberlesfischer Kunstverein: Ausstellung „Drei Frauen ber Gegenwart", 11 bis 13 Uhr, Turmhaus am Branb- ftatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße (Goethebunb): 11.15 Uhr: „Urwalbsymphonie"; zu ben gewöhnlichen Zeiten: „M".— Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Das 'Dläbel mit ber Peitsche" unb „Räuber ber Unter» weit". — Aus bem Stabttljeaterbureau wirb uns geschrieben: Morgen, Sonntag, als Fremben- Vorstellung, 18.30 Uhr, bie erfolgreiche Schwank- Der Gotteskinbweg ist es, ba von uns Krempel uim Krempel abfällt wie beim alten Weihnachtsphilo- fophen Wilhelm Raabe, ober bei feinem olympischen tlrfreunbe Goethe. Ja, wenn man mit biefen beiben nanbert, ba lernt man bas Lachen bes „hohen Menschen" unb lernt gleichzeitig, alles von sich abzutun, 6)03 nicht zu einem gehört, unb lernt bas fröhliche □Reiben unb bas „Loslassen" ber starken Seele. Fürwahr, ich selber hab's erfahren, baß man auf diesem Wege ben Feinen unb Weisen begegnet, denen bie in Wahrheit bie verorbneten Diener bes höchsten finb, weil sie mit ihrem ganzen Menschen , unb Dasein Verkünber ber göttlichen Wirklichkeit finb. Ich sehe ihn noch neben mir schreiten, ben kleinen, ftotfbünnen alten Maler Augen unb Herz voll Lub- rvig-Richter-Licht, in aller Notstänb seines einfalt- treuen Lebens immer lächelnd: gütig, fein, schön aus Weisheit. Sagte er mir nicht beim letzten Male, als mir auf allerlei Drückendes zu svrechen tarnen, das die Zeit mit sich brachte: „Mein Leben ist an Weniges gebunden!" Unb als ich ihn fragte: ..Welches ist dieses Wenige an das Ihr Leben ge- bunben ist?", ba blieb er stehen, sah mich 'euchtenb an unb sprach ganz schlicht, fast bemütig: „Das Wenige heißt: Gott unb meine Kunst!" Unb babei ftanb nieber in seinem Gesichte bas Lächeln, bas ich an ihm so liebe, weil es Ausbruck seiner großen Reife ist. seines Ueberwunbenhabens. Ja, an ihm erlebte ich, baß ber Weg zum rechten Lachen unb weisen Lächeln ber Weg ist, auf bem man noch ber Demut begegnet unb ber Einfalt, unb baß et In allen Bitternissen ein rechter „heiliger Hunger- Klus ber Provinzialbaupistabi Gießen, den 14. November 1931. Oer Weg zum rechten Lachen. Von Neinhold Braun. Lachen unb Lächeln finb Tor unb Pforte, burch bie Gutes in ben Menschen hineinhuschen kann. Christian Morgenstern. Der Weg zum Lachen ... „Sonntagsschreiber, wie kannst bu nur in dieser bluternften Zeit solch ein Thema wählen!" höre ich manchen sprechen. Warte ein Weilchen, wenn du dentst, daß der gemeinte Weg ein Kino- oder Jahrmarktsweg sei, dann bist du halt auf dem Holzwege oder — modern gedacht — Ajphaltwege, der in die Wirrnis fuhrt. Er bedeutet auch keinen Manegenulk unb keine Harle- linabe. Dem verstänbigen Gemüt stellt er sich gar halb cis ein Weg ins Abseits bar, unb vielen wirb er zum Gipselpfab. Es ist ber Weg, ben bie Meister ber Armut gehen, die heimlichen Könige, ein echter unb rechter Men» ß-henweg mit allen Irrungen unb Wirrungen unb 1301)1 auch Strecken, ba bie Wüste uns anfällt wie ein ungeheurer Vampyr. Es ist ber Weg, ba bie wahrhaften Helben schreiten, Menschen im Harnisch mit ber Blume in ber Hanb unb bem Herzen bes Kinbes in ber Brust. Der Weg, ba bie Verstänbigen unb Verstehenben ■oanbeln mit bem Glanz in ben Augen, ber von innen kommt. /9 5 H 4/ ^8 T CTy @1 $ i ‘»Ä-rlpK 1 >7$ i »OHgfN 'owi $M*L fr* 26V.» fCtfl 5JO61 \tM265-*t 3RON»£N wrfijcr > fri 1?»- o. W* 5JOG Vereine Hochfremienz Galvan.-Heil- Avvarate, Radium od. Ge- sundheilskuren. ivachoertreter (innen) f. Privatkundschaft von Weltunter- nehmen(A.-G.) gesucht. Hobe Provision sowie Fixum, Giloff. m. Tätigkeitsangabe u.L.P. 145 an „Ala", Magbeb. 7762V (Stellenangebote 7760 1/ 22 I tellg. als 7752 D [Verschiedenes Frau Auguste Eißfeller geb. 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FreitaK nachmittag 1.45Uhr entschlief sanft in dem Herrn, nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, im Alter von 61 Jahren, mein innigstgeliebter, guter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Tischtennis, nein, Kleines Billard, ja! ’XXDCD 3 um Unsre liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante tum Selbitentwidieln .Ihrer Rollfilme evtl. 1. Avril oder später Eing., fof. z. verin. Wetrsteinstr.l 111 r. d. Universität Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Will II. und Geschwister. Wilhelm Dern Maria Dern Johannes Menges llleetieo (Mute Zeugn. oorb. Zu erfr. i. d.Geschst. des Ohes;. Anz. l^> ra,16.50 ('lut erhalt, weiher Kinderwagen yi oerf. Lteinbach, Hauotstr. 118. o«7o< Ed lad. m. 2 Schaufenstern, sebr geeignet für tzriteur. vermieten. Nab. Wetnteinstr.lt II r. Gr. sonniges Zimmer Schreibtisch, sevar. SiaaisbOrüerateod Thema: Arbeitslosigkeit u. Wege zu ihrer Linderung. Redner: Der Leiter deS (Eichener Arb.- Amtes, Herr Reg.- Rat Dr. 'Jhicfl. Eingef. Gäste ang. Hans Kögel LelterSweg 77 Tel. 2980 twd im Hofe der i>a. Brüder Schmidt. Btjarolurffl an Cefen u. Herden sofort u. vreiswert A. Baumann, Schlossermeister, Walltorftr. 33. omi I Full.möbl.Zimte, sof.od.svät. z. verm. Marburg. Str. 23 v. Aulo- Gelegenheilskaol 40 PS Lvel-Li- i. a. Größen u. Mod. A.Baumann, Schloss.- Mstr., Walltorstr. 33 und 06713 Friedhofsgärtnerei Scholl. Beamter sucht, nur von Selbftgeber, a. I. Hnvotbek 2500 RM. Sicherheit vorband. Sdiriftl. Ang. unt. O6651 an d. elsgärten Billigste Pflege Fernruf 4OS2l77«,O Schwarz. (Mer. freundl. möbl. Zimmer, m. elektr. Licht und Badben., i. gut. Lage, 5 Min. Gelegenheit! Gleetrola • Koffer • Grammovbon mit Platten, fast neu, billig zu verkaufen. Näheres: lo,7>» Löberftrakc 2 I. Mädchen aus Gaftwirtsfam. vom Lande sucht in guterFamilie zu ihr. weiteren Ausbildg. Stellllng als Haustochter. Familienanschluk wesentlich, Lohn nebensächlich. 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Weber Richard Arnold und Frau Berta, geb. Weber und vier Enkelkinder. Auf Wunsch der Entschlafenen fand die Beerdigung in der Stille statt. __________________________________________________________________________________7743 O In tiefem Schmerz: Hilde Oßwald, geb. Eißfeller Heinrich Oßwald, Lehrer Helmut und Hiltrud Oßwald vernichtet alle Holzwürmer Flasche.a—.90 Germania-Drogerie Carl Seibel Marter Str. 39 7520 D O ,>ür kleinen Hausb. zuverlass, kinderlieb. Immen gefudit. Schr. Ang. landd. Bewegung (Jungd. Qrden — Bolksnat. ReickSo.) Tienstaa, 17. ^kov., 20.30 Uhr, Hotel Wn zu kaufen gesucht. schriftl.Angeb.unt. 76851) a. b.Gn.Anz. Gebr. Wett Schrank u. Waschtisch, in nur gutem Zustand, gegen bar zu kaufen gesucht. Schriftl. Angebote unter7754Dan den Gienener Anzeiger. 1. CInitnar Statt besonderer Anzeige. Nach langer schwerer Krankheit, die sie still ertrug, ist heute früh unsere geliebte treue Mutter, Schwiegermutter und Großmutter 3-Zimmer-Wohn, mit Bad u. Etagen- beiz, in b. 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Diese kleine englische Kronkolonie, nur 231 744 qkm groß und von etwa 307 000 Menschen bewohnt, führte schon im Jahre 1850, also zwei Jahre früher als z. B. Braunschweig, Briefmarken zur Freimachung von Briefen ein. lieber die Entstehung der seltenen Marke, die eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat, breitet sich ein geheimnisvolles Dunkel. Ob es sich um eine ganz kleine, kurzlebige und sonst völlig verschollene Ausgabe handelt, d. h. ob die Marke absichtlich geschaffen wurde oder ob man versehentlich in einen Druckstock die Buchstaben „One" (Ems) statt „Four" (Vier) setzte, läßt sich nicht mehr seststeUen, und man weiß es bis heute nicht, denn die philatistische Forschung hat trotz angestrengtesten Bemühungen keinerlei hierauf bezügliche amtliche Akten oder postalische Erlasse zu entdecken vermocht. Die seltene Briefmarke muß im Februar des Jahres 1856 entstanden fein, als der britischen Besitzung die Markenvorräte ausgegangen waren und die Kolonialbehörde — da die Nachlieferungen der in London gedruckten Marken nicht rechtzeitig eintrafen — sich entschloß, bei der Druckerei der „The Official Gazette“, der Firma Baum & Dallas in Georgetown, dem Hauptorte Guineas, Aushilfsmarken zu bestellen. Hergestellt wurde nur ein Markenwert zu vier Cents, der auf kräftigem, vor- derseitig gefärbtem sowohl rosakarminfarbigen als auch blauem Papier in einfachem, schwarzem Typensatz gedruckt worden ist. Das Markenbild ist den Umständen gemäß ganz einfach, wie es eben durch die Eile und den Mangel an geeigneten Druckstöcken geboten war. Es zeigt ein liegendes, fast quadratisches Rechteck aus Doppellinien, in der Mitte einen Dreimastsegler zwischen der lateinischen Inschrift „Damus Petimus / que Vicissim“ (Sinnspruch, Motto der Kolonie, zu Deutsch: Wir geben und wir fordern wieder). Die weiteren Inschriften zwischen den Doppellinien jeder Viereckseite lauten: Postage / British / Guiana / Four Cents. Die seltenste Marke der Welt trägt nun an ihrer rechten Seite die Wertbezeichnung One Cent (statt four Cents), ist aber in allem übrigen vollkommen der Marke zu vier Cents gleich und auch auf dem rosakarminfarbigen Papier gedruckt. äten. von a. ?n— gei. 3. S- t, nur lUl. Mini W e. Men. Montag, 16. -,'ov.. findet unter Klub- von > ($. UfU> St ler loi OSS? -B $713 rei bt der ~L /abend mied. i. iicin JT IGa&Weit.,, Äumer- -|6of' (ehern. Unro» GM.K.V.1K7. LamMgakeÄ 8.30 Ubr: n»D 'öabiM '•‘iGaic), Ploäm. yl, tatt. iwD " TnPvvilmd. iibA--- ULI Ä Then wert n, ter, Stadttheater Gießen. n,Ä vr Nov.. Sonntag. 15*» ubt MkllM S?s " „ 3iidean>u^ tert? o-A t.Kollo MÖ1 siov.. Montag- ij9 gegen Sei-blollen- Heute abend iiiSw rienelag.N.dtov-. 20.30 Uhr, Köhler: n«J SIMlsW* Thema: Ärbeits- Nt u-Wese rn | ihrer Lindes, flröner :xer an« «r Von dieser Marke, das heißt mit der gleichen Inschrift, ist bis heute kein zweites Stück aufgetaucht. rikanifche Besonderheit ist das knusprige Ehepaar, von jungen Leuten während der Dauer ihres Honigmondes start begehrt. Je nach der Beschaffenheit des Magens und der Brieftasche in verschiedenen Größen zu haben. Neuyorker Feinschmecker haben eine Schwäche für süße Architektur. Um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen, verlangen sie Lebkuchen in Gestalt ihres Lie- lingswolkenkratzers, wobei sie zum Zwecke einer möglichst realen Wiedergabe Gebäudephotos nach Nürnberg gelangen lassen. Die Fabrikanten gehen auf alle Extravaganzen ein — wenn nur der Auftrag umfangreich genug ist. Die Herstellung geht, wie das heute Ehrensache ist, aus dem laufenden Band vonstatten. Sämtliche Elemente vereinigen sich mit dem Mehl in der Knetmaschine, werden automatisch gewalzt und schweben aus Leinwandbändern zu den Ab- stechmaschinen. Dort steigen sie auf Bleche um, die mit ihnen in die nie erkaltenden Backöfen fahren. Aach entsprechendem Aufenthalt gehen sie wieder au) die Wanderschaft und werden, sofern sie Basler sind, glasiert, wohingegen die Schokoladenkuchen der Schokoladenmaschine anvertraut werden, die das Erforderliche selbständig besorgt. Nachher treffen sich die verschiedenen Sorten wieder an der Prehmaschine, wo ihnen die Form- vertiesungen eingeprägt werden. Bon dort aus erfolgt der gemeinsame Marsch durch einen kühlen Kanal zu den Backmaschinen. Lebkuchen, die bestimmt sind, sehr schön auszusehen, machen noch einen Abstecher auf dem Transportband. Sie werden bei den Konditoren vorbeigefahren, die ihnen vermittels einer Spritze süße Ornamente auf den Leib brennen und sie verschwenderisch mit Südfrüchten drapieren. Nls es noch keine Gewerbefreiheit gab, war die Pfefferkuchenherstellung durch Zunftschranken erheblich eingeengt und manche Krähwinkelei trat dabei zutage. Zum Beispiel war es den Lebküchnern streng verboten, auch Oblaten herzustellen. Wer es trotzdem tat, wurde von der lieben Konkurrenz angezeigt. Dem Gesetz zufolge mußten Zunftgenossen, die eine Lebküchnerei übernehmen wollten, erst ein Meisterstück anfertigen, bevor man ihnen die Backerlaubnis erteilte. Die größte Nürnberger Lebkuchenfabrik beschäftigt um die Weihnachtszeit weit über tausend Personen. Ihr Bedarf an Eiern geht in die Millionen. Sie verbraucht an Honig, Mehl und Gewürzen rund 50 000 Zentner. Daraus stellt sie soviel Honigkuchen her, daß jährlich etwa 70 000 Kisten und 30 000 Postsäcke die Expedition verlassen. Sie könnte ganz Nürnberg einschließlich der Vororte mit Pfefferkuchen pflastern. bürfniffe der Völker handelt. China kann von seinen Ansprüchen aus die Mandschurei nicht zurücktreten, weil es ihm ganz unmöglich ist, den furchtbaren Wanderdruck seiner hungernden Massen zurückzudämmen, Japan kann es auch nicht, denn sonst würde es aus seiner Großmachtstellung hos.nungs'os verschwinden und alle Errungenschaften der letzten dreißig Jahre verlieren. So wird nach der Natur der ©aefce nadj mancherlei Verwicklungen ein Kompromiß herauskommen müssen. Denn die schwierigsten.Konflikte, wie im Leben des einzelnen, so auch im Leben der Völker, sind nicht die, in denen eine Parte, Recht hat, sondern die, in denen das Necht auf beiden Seiten liegt. zu einer Zeit, wo die Rentabilität der Landwirtschaft nicht in dem früheren Maße gewährleistet ist. Theoretisch war die zukünftige Form der Siedlung schon gefunden. Man bezeichnet sie als Aufstiegs - oder Primitivsiedlung Aber gerade im Siedlungswesen entscheidet die Praxis. Mecklenburg, das äußerst schwach bevölkerte Land, das den weitaus größten Anteil an der West-Ost-Siedlung hat, erschien besonders geeignet, die Probe auf das Exempel zu machen. So entstanden denn vor kurzem die ersten Aufstiegssiedlungen in Deutschland auf dem Gute Suckwih bei Krakow in Mecklenburg. Dieser erste Versuch ist, wie man ohne Lleber- treibung sagen darf, ausgezeichnet gegluckt, so daß man sich entschlossen hat, in den letzten Wochen sieben weitere Aufstiegssiedlungsdörfer mit 270 Stellen zu schaffen. Diese Aufstiegs-Siedlungen, in denen hauptsächlich neben Mecklenburgern Hannoveraner, Nheinländer, Hessen, Württemberger und andere Süd- und Mitteldeutsche gesiedelt haben, sind soeben fertiggestellt. Dieses kühne Vorwärtsdrängen aus dem Wege der Aufstiegssiedlung erschien auch deswegen berechtigt, weil fast alle Siedlungssachverständigen des Reichsarbeitsministeriums und auch der im Siedlungsausschuß des Reichstages vertretenen Parteien im Anschluß an eine kürzlich durch Mecklenburg Nürnberg buffet nach Lebkuchen. Von Bruno Manuel. Wer die Nürnberger Lebküchner mit seiner Gegenwart beehren will, kann sich nicht verirren. Man geht bloß dem Geruch nach. Wo es am heftigsten nach Honig duftet, dort hausen sie. Wenn der Besuch zufällig im Spätherbst stattfindet, hat man liebe Gesellschaft. Dann trifft sich nämlich vor den Fabriktoren das schwärmende Bienenvolk. Angelockt von dem süßen Duft kommen sie aus den bayerischen Waldern herein. Ihnen wird der Eintritt in die Fabrikationsräume verwehrt. Die Llnkulanz der Lebküchner gegen die Honigerzeuger ist keine gehässige Maßnahme, nur eine hygienische. Im Interesse aller Esser und auch im Einverständnis mit dem Gesundheitsamt sind die Fenster engmaschig vergittert. Anfang November geht in Nürnberg das Weihnachtsgeschäft an. Den Auftakt geben die Kisten nach ile&etfee. In der ganzen Welt wird Pfefferkuchen gegessen, aber Nürnberg ist seine historische Geburtsstätte. Wie manches Lukullische auf dieser Welt entstammt er den Klöstern. Zeitgenössische Chroniken sagen, daß die Nonnen im Mittelalter ihn zu Neujahr aßen. Es war schon damals ein beliebter Geschenkartikel. Lind in einer Handschrift des Germanischen Museums steht das Rezept: ein Pfund Zucker, ein halb Seidlein oder ein Achtelein Honig, vier Loth Zimmet, anderthalb Loth Muskatrimps, zwei Loth Ingwer, ein Loth Gardamumlein, ein halb Quintlein Pfeffer, ein Dietbäuflein Mehl. Mach eins fünf Loth schwer. Nus zwei Gründen ist Nürnberg das Domizil der Lebküchner geworden. Erstens war es der Mittelpunkt von des Reiches Bienengarten“, wo auch die Zunft der Imker hauste. Zweitens der Knotenpunkt, wo sich die Wege nach Italien, dem Orient und den Niederlanden kreuzten. Auch hoffähig sind die Lebkuchen damals gewesen. Bei allen Festen, die Nürnberg durchreisenden Fürsten gab, wurde das Spezialgebäck gereicht. Wenn man heute den Versandraum der berühmten Lebkuchenfabrik betritt, stößt man auf Etiketts, die mit Namen sämtlicher fünf Erdteile beschrieben sind. Lind beim Packen stellt man fest, daß es Sondergebäcke für Exoten gibt. Tliele fuf)e Spezialitäten stellen die Nürnberger Lebküchner für das Ausland her. Sie zaubern mit Zucker und kandiertem Obst verwegene Ornamente per« vor. Den ausgefallensten "Wünschen byzantinischer Pfefferkuchenesser werden sie gerecht. Eine ame- damit mit dem Mutterlande brachten und schließlich die Verbindung mit den chinesischen Dahnen sicherten. Im Jahre 1915, im Weltkriege also, als Nüssen und Engländern, dann auch den Amerikanern die Hände gebunden waren, hat Japan die von den Chinesen als Erpressung betrachteten 21 Punkte durchgesetzt, durch die unter anderem der Pachtvertrag von 25 Jahren auf 99 Jahre herauf gesetzt wurde. Jetzt legten sich d i e Amerikaner ins Mittel, denn sie wollen, da territoriale Besetzung für sie nicht in Frage kommt, für ihre Handelsinteressen ein starkes und kaufkräftiges China, was Japan gerade verhindern will. Auf der Konferenz von Washington 1922 mußte Japan ein Stück zurückweichen, z. B. auch Kiaut- schou den Chinesen zurückgeben. Das englisch-japanische Bündnis wurde aufgelöst. Lieber die Wirksamkeit der „21 Punkte" drückte man sich nicht Reue Wege in der Siedlungs-poM. Die Aufstiegs- oder Primitivsiedlung. - Guie Erfahrungen in Mecklenburg. Von Ludwig Wollbrandt, Schwerin. Die Marke hat natürlich ihre eigene Geschichte. Entdeckt wurde der seltsame Wert erst 1873 durch den britischen Sammler Vernon Vaughan, der sie von einem unter alten Briefschaften aufgefundenen Briefumschlag ablöste und in sein Album klebte. Er fand indessen nie recht Gefallen an dem unscheinbaren Stück, das neben der Abstempelung „Derne- rara" (= im Volksmund der Eingeborenen übliche Bezeichnung der Hauptstadt Georgetown) auch noch durch den mit schwarzer Tinte geschriebenen Namenszug des Postmeisters entwertet und dadurch in seiner Schönheit gewaltig beeinträchtigt war. So bot er die Marke eines Tages dem Sammler M a c Sinnen in Glasgow an, der ihm später auch ganze sechs Schilling dafür bezahlte. In dieser Sammlung blieb das Unikum kaum fünf Jahre, denn im Jahre 1878 wurde es von dem Londoner Briesmarkenhändler Ridpath zu dem damals für eine Briefmarke schon sehr hohen Preis von 25 Pfund Sterling erworben. Das Stück machte dann Rundreisen zu den verschiedensten Ausstellung gen, bis es allmählich als die tatsächlich seltenste Marke der Welt bekannt wurde. Einige Zeit vor dem Kriege ging die Marke in die größte der Sammlungen im Prioatbesitz und seinerzeit vollständigste der Welt, in die des berühmten österreichischen Baron Philippe L a Renotiere d e Ferrari über, deren Hauptschmuck sie bildete. Die Höhe des von Ferrari gezahlten Kaufpreises ist nie bekanntgeworden. Seine wertvolle Briefmarkensammlung vermachte er dem Reichspostmuseum in Berlin. Nachdem er am 20 Mai 1917 in Lausanne starb, beschlagnahmte jedoch die französische Regierung infolge des Krieges die in seinem Pariser Privatpalais aufbewahrte Sammlung, um sie einige Jahre nach Friedensschluß nicht auszuliefern, sondern in 14 Versteigerungen in alle Winde zu zerstreuen. So kam unter anderem auch die berühmte Britisch-Guiana 1 Cent zum Verkauf. Sie wurde von dem bekannten reichen amerikanischen Sammler Arthur Hind zum Preise von 300 000 französischen Franks und 174 v. H. Luxus- steuer, nach heutigem Wert also rund 149000 Reichsmark erworben. Damit kam die Marke wieder in jenen Erdteil zurück, aus dem sie vor mehr als sechzig Jahren nach Europa gelangt war. genau aus. Das ist der Hauptkonfliktsstoff jetzt in dem chinesisch-japanischen Konflikt. China hatte sich nämlich in der Zwischenzeit sehr geändert: s eine junge Generation unter ihrem Führer Sunyatsen hatte die westlichen Ideen der Freiheit und Selbstbestimmung der Völker geradezu als neues Glaubenbekenntnis in sich ausgenommen, außerdem trieben die Ideen des neuen Rußland die Volksmassen gegen die Fremdherrschaft. Die Sowjets erhielten 1924 wieder die Verwaltung der Hauptstrecke der CER. China lieh sich nun nicht mehr neue japanische Bahnlinien auf» zwingen, sondern versuchte im Gegenteil eigene Linien nach Sunyatsens Plänen zu schassen. Gleichzeitig drangen immer neue Massen chinesischer Siedler in die Mandschurei, in den letzten Jahren bis zu einer Million jährlich. Auch schon früher waren chinesische Auswanderer in die Mandschurei gezogen, aber gewissermaßen als „Sachsengänger“, die nach gewisser Zeit in die Heimat zurückkehren. Jetzt kamen sie mit Weib und Kind und Ackergerätschaften, zum Bleiben entschlossen. So ist jetzt ohne Zweifel die Mandschurei mit ihren 27 Millionen Einwohnern, von denen 24 Millionen Chinesen sind, nach der Bevölkerung ein chinesisches Land. Was tat nun Japan, um das Land, das ihm ebenso wichtig ist wie den Chinesen, für sich zu gewinnen? Zuerst versuchte es, eigene Siedlungen ins Leben zu rufen. Diese scheiterten, denn der chinesische Bauer ist härter und den Japanern überlegen. Daher beträgt heute die Zahl der in der Mandschurei wohnenden eigentlichen Japaner höchstens 200 000 bis 250 000. Aber zu den japanischen Untertanen gehören ja auch 1 die Koreaner, die in weit höherer Zahl (etwa 800 000) aus den übervölkerten Grenzgebieten in । die Mandschurei eindrangen und sich dort geschlossene Siedlungen gründeten. Zuerst versuchten die Japaner, diese Einwendung einzudämmen, jetzt bedienen sie sich ihrer, um durch den Schuh dieser ihrer Untertanen eine W a-s s e gegen d i e Chinesen zu haben. Denn mit der koreanischen Einwanderung steht es anders als mit der japanischen. Die Koreaner sind den Chinesen als Ackerbauer mindestens ebenbürtig, ja nach dem Urteil von Landeskennern überlegen. Also versuchen die chinesischen Behörden, die Koreaner durch Steuerdruck, mitunter auch durch offene Gewalt zu vertreiben. Natürlich nehmen sich die Japaner ihrer an; wenn in den japanischen Noten von Unterdrückung von japanischen Staatsangehörigen die Rede ist, so heißt baß in etwa 90 Prozent Unterdrückung von Koreanern. Da Japan ein- • gesehen hat, daß es aus dem Gebiete der Agrarsiedlung den Chinesen hoffnungslos unterlegen ist, so will es wenigstens auf industriellem Gebiete und inderAusbeutungderDodenfchätzesich nicht verdrängen lassen. Denn es braucht die reichen Kohlen- und Erzvorkommen des Landes, um seine Weltstellung nicht zu verlieren. Im chinesisch - japanischen Konflikt haben wir wieder ein Schulbeispiel dafür, wie wenig formelles Recht oder Unrecht eine Rolle spielen können, wenn es sich um wirkliche L e b ensbe- Unter Deutschen aller Parteirichtungen, die den ihrem Vaterlande drohenden .national- und sozialpolitischen Gesahren einen Damm entgegensetzen wollen, haben wohl seit Beginn der deutschen Siedlungstätigkeit niemals Meinungsverschiedenheiten darüber bestanden, daß eine gesunde Siedlungsarbeit mit zwingender Notwendigkeit gefördert werden muß. Die Auffassungen waren insosern unterschiedlich, als es sich um die Beurteilung der Fragen handelte, ob in der Tat die bisherige A r t der Siedlung genügend Rücksicht auf die krisenfeste Ansehung des Siedlers nehme, seine Belastungen von 25 bis 30 Mark pro ein Viertel Hektar herauszuwirtschaften seien, und insbesondere, ob d i e kleinen 1 - H e k t a r - L a n d a r be i t e r st e ilen ihre Besitzer ohne die Möglichkeit von Nebenerwerb ernähren. Wenn sich auch nicht mit guten Gründen behaupten läßt, die nach dem System der bisherigen Jntensiv- Siedlung geschossenen Siedlungen seien überwiegend nicht existenzfähig, so sind sich doch die maßgebenden Siedlungssachver ständigen sowohl der Reichsregierung als auch aller Parteien des Reichstages seit langem darüber klar, daß der Siedlungsarbeit der letzten Jahre erhebliche Mängel anhaften. Man hat erkannt, daß in der Siedlungsarbeit andere Wege gegangen werden, die Kinderkrankheiten der Nachkriegssiedlung beseitigt werden müssen. Um so mehr Das Problem der Mandschurei Der chinemch-japanische Konflikt. Von Dr. Max Pohle. Die Erdoberfläche wird in hundert Jahren nicht 2,5, sondern etwa 8 bis 10 Milliarden Bewohner haben. Wie soll und kann sie diese ernähren? Daß bei dieser Zunahme sehr bald eine Planwirtschaft in Kolonialboden, oder wie Professor Henning es nannte, eine „planetarische Boden- re s o r m“ einsetzen muh, muß jedem Verständigen klar sein. Schon jetzt sind Völker wie das chinesische, das japanische, das italienische und beinahe auch das deutsche, nahe daran, das tressende Wort Mussolinis wahr zu machen: „Ausdehnung oder Explosion!“ Es wird auf die Dauer nicht angehen, daß ein Erdteil wie Australien, der 60 bis 70 Millionen Menschen gut ernähren kann, mit seinen kaum 6,1 Millionen sich gegen jede Einwanderung sperrt, während aus dem z. T. unfruchtbaren japa irischen Jnselbogen mit der fast gleichen geringen Raumausdehnung Großbritanniens sich 65 Millionen Menschen drängen, die jedes Jahr einen Geburtenüberschuß von einer Million haben; es werden ebensowenig die „Luxuskolonien“ Portugals bestehen können, eines Landes, dessen Einwohner zu 80 Prozent Analphabeten sind, und daß selbst wie seine Kolonien völlig in der Hand Englands oder Südafrikas ist. Da der gelben Rasse des weißen Mannes Land gesperrt ist, sie auch vorläufig nicht wagen kann, etwa in Hinterindien oder gegen Amerika mit Ge- ' walt vorzugehen, muß sie sich, wenn sie nicht Hungers sterben will, anders helfen. Nacht für Nacht gehen denn auch Hunderte von Chinesen heimlich über die Grenze Hinterindiens. Nun bietet sich i n der Mandschurei, die etwa doppelt so groß wie Deutschland ist, mit ihrem für den Ackerbau gut geeigneten Boden ein noch dünn bevölkertes Land dar, das für längere Zeit den hungernden Beoöl- kerungsüberschuß Chinas und Japans aufnehmen kann. _ , Die Mandschurei hatte um die Wende des Jahrhunderts bei einer Aufnahmefähigkeit von etwa 100 Millionen Menschen 24 bis 3 Millionen Einwohner. Hier in diesem Teil Asiens stießen drei Hauptkrast- felber, das russische, das chinesische und das japanische aufeinander. Alle drei Völker haben verschiedene Interessen, der Russe will an das offene Meer, der Chinese muß seinen Bevölkerungsuberschuß unterbringen, der Japaner will das Gleiche, aber dabei noch die reichen Bodenschätze des Landes für seine Industrie ausbeuten. China war 1895 im chinesisch japanischen Kriege besiegt worden. Aus Rache dafür hat es das Vakuum der Mandschurei kurz darauf d e m russischen Einfluß ge--, öffnet. Die Russen, damals die Hauptmacht Ost- asiens, bauten nach einem russisch-chinesischen Ge- hcimvertrog. der erst jetzt völlig zu unserer Kenntnis gekommen ist, bie Sibirische Bahn über Charbin nach Wlabiwostock. (Chinese Castern Rml- way, abgekürzt CER.) Die Spitze dieses Vertrages richtete sich offenkundig gegen Japan. Dieses aber konnte sich nicht aus der Mandschurei avsschalten lassen, denn mit der Mandschurei steht und fällt K o - rea. Ein Blick auf die Karte aber zeigt schon, daß Korea, soll Japan nicht ganz gefährdet sein, nicht in der Hand eines ft arten Nebenbuhlers sein darf (vergl. England und die belgische Küste!). Außerdem kann Japan bei seiner wachsenden Industrie nicht auf die in der Mandschurei vorhandenen Mengen von Kohle < und Eisen verzichten. So begannen die Japaner, im Bunde mit England den russisch- japanischen Krieg, der Japan Korea gewann. Es erhielt ferner den südlichen Teil der erwähnten chinesischen Ostbahn mit seinen Nebenstrecken. 3m Jahre 1913 mußte China seine Zustimmung zum Bau von vier weiteren Limen an Japan geben, die erstens einen Vorstoß gegen die chinesisch-russische Hauptstrecke darstellten, zweitens die Verbindung mit Korea und Typen neuer Siedlungsbauten. Oben: Bau eines Arbeitslose bauen sich selbst ihr Heim in der ländlichen Sieblungskomplexes im Osten Berlins. neuen Siedlung von Brandenburg an der Unten: Die kleinste Siedlungsform: Wohnlauben.^aDel unternommene Reise die Aufstiegs-Siedlung als erfolgversprechend bezeichnet haben. Welches sind die Wesensmerkmale der Aufstiegs-Siedlung? Was unterscheidet die Aufstiegs- oder Primitivsiedlung von der Alt-Sied- lung? Schlagwortartig läht sich die Antwort wie folgt präzisieren: 35- bis 50prozentig« Herabsetzung der Gesamtpreise. Errnähigung der Belastungen (Renten) entsprechend dieser Kaufpreisverminderung. Einschaltung d « S Siedlers in den Bauprozeh und damit erhebliche Berbilligung der Baukosten und der bisher so teuren Zwischenwirtschalt. Herabsetzung bet Anzahlungssumme um 50 bi- 75 Prozent. Beschränkung der Wohntäu me, aber ausreichende und luftige Stallungen. Durchhau von alten GutSgebäuden zu Siedlungsgehöften. Die Bezeichnung „primitiv", die man übrigens nicht allzu wörtlich zu nehmen braucht, ist dahin zu verstehen, dah das „üppige" Siedeln der letzten Jahre abgelöst werden soll durch gediegenes und einfache- Bauen, dah statt „LuruS"-Siedlungshäuser — um einen krassen Ausdruck zu gebrauchen — etwas beschränktere Wohnräume geschaffen werden. Trotzdem sollen die Wohnräume der Aufstiegs-Siedlung menschenwürdige Behausungen sein. Man geyt beim Aufstiegs-Siedlungsverfah- ren von der Heberlegung aus, dah es für den Siedler weit wichtiger ist. etwas einfacher zu wohnen, durch die so erreichten Ersparnisse aber niedrigere Renten und Kaufpreise zu erhalten und auf diese Weise seine Eristenz- grundlage mehr als bisher zu sichern. Während die Ställe der Aufstiegs-Siedlung luftig und möglichst geräumig gebaut werden, legt man beim Aufstiegs-Siedlungsverfahren weniger De- wicht auf grohe Scheunen. Die sind — wenigstens bei Reubau Aufstiegssiedlungen etwas knapper als bisher gebaut. Der Siedler muh also sein Korn frühzeitig dreschen und Strohmieten setzen. Es ist aber dafür Sorge getragen, dah er in der Scheune genügend Platz für die Unterbringung des Biehfutters erhält, wie überhaupt die Aufstiegs-Siedlung sich in ihrer ganzen Bauweise aus Biehwirtschaft einrichtet. Bei der neuen Siedlungsform wird vorausgesetzt. dah der Siedler sein Gehöft von Jahr zu Jahr vervollkommnet. Die Gebäude werden von vornherein so aufgezogen, dah bautechnisch die Möglichkeit zu Erweiterungsbauten besteht. Besonders billige und auch geräumige Aufstiegs-Siedlungen erreicht man durch intensivsten Durchbau alter Gutsgebäude zu Siedlungsgehöften. DaS Siedeln nach dem bisherigen Verfahren litt an einem Grundfehler. Die Sied» lungsträgerin stellte zunächst die Siedlungen fertig. und dann suchte sie sich Siedlungsinteressenten. Bei der Aufstiegs-Siedlung steht der Siedler im Vordergründe. Die Siedlungsträgerin stellt nicht erst die Siedlungsobjekte fertig, sondern sie sieht sich bei dem Ausstiegs-Siedlungsverfahren vor Beginn der Besiedelung nach geeigneten Siedlern um. Sie bespricht mit diesen den Siedlungsbau, beteiligt sie an Heberlegun- gen übet die Bauart ihrer eigenen Siedlung, läht sie ihr Siedlungsgehöft selbst aufbauen, bewerkstelligt die bisher so teure Zwischenwirt- schaft mit den Siedlern selbst. Der Siedlet wird also sein eigener Maurer und Zimmermann. Bei bisher in abhängiger Stellung befindlichen Siedlern wird hierdurch das Verantwortungsgefühl des Besitzers geweckt und gepflegt. Der Siedlungsbau und besonders die leidige Zwischenwirtschaft wird durch Beteiligung der Siedler an den Bauarbeiten bedeutend verbilligt. Der Siedler hat weit mehr Freude an selbstgeschaffenem Werk als an einer solchen Siedlung. die ihm fix und fertig hingestellt wird. Cr wird weit weniger an dieser selbstgebauten Siedlung auszusetzen haben. Sine Reubau-Siedlung von 60 Morgen kostet alles in allem 20—24 000 Mark gegenüber 40 000 bis 45 000 Mark nach dem System der Alt- Siedlung. Der Gesamtpreis für eine Aufstiegs- Siedlung unter Verwendung alter Gebäude ist noch um 2000 bis 4000 Mark niedriger. Wenn man bedenkt, dah früher die Baukosten bei bet Mf-Siedlung bei einer 60-Morgen-Stelle sich auf 16 000 bis 18 000 Mark beliefen, und die Preise für Siedlungsgüter erheblich höher waren, so erkennt man, wie es möglich war, so auher- ordentlich billige Aufstiegs-Siedlungen herzu- stellen. Die „Renten" ermäßigen sich entsprechend diesen niedrigen Aufbaukosten auf 12 bis 18 Mark pro 1 '< Hektar gegenüber bisher 20 bis 30 Mark. Die Anzahlung für Siedler, wohl die schwierigste Seite der Siedlung, ist bei der Aufstiegs-Siedlung erheblich geringer. Mit 1500 bis 2500 Mark Eigenkapital kann ein Land- arbeity eine krisenfeste Aufstiegs-Siedlung erhalten. öhne dah er. wie bisher, noch darauf an- gewiesen wäre, fich Reh mverdienst zu suchen oder den Arbeitsmarkt zu belasten. Die Methode der Aufstiegs-Siedlung ermöglicht ohne Zweifel in fast doppeltem Umfange als bisher d i e „R ü ck s i c d l u n g" von früher in der Landwirtschaft Tätigen, die Ansehung der nicht erbberechtigten Bauernsöhne und der Landarbeiterkinder. und stellt einen beachtlichen Fortschritt deS deutschen Siedlungswesens dar. Allerdings muh der AuffiiegS-Siedler bescheidene Ansprüche an seine Wohnverhältnisse zu stellen sich gewöhnen und sich mit zwei Stuben, einer Wohnküche und einer Speisekammer einrichten können. Mancher städtische Erwerbslose mit einer Hinterhaus-Unterkunft und viele Landarbeiter werden ihn mit seinen zwar einfachen und beschränkten, dafür aber gediegenen und menschenwü d gm W. hnungen b'neiden. Auch bcrjenige, der befürchtet, dah die billige Bauweise der Aufstiegs-Siedlung auf Kosten ihrer Haltbarkeit geht, wird durch eine Rachprüfung der tatsächlichen Verhältnisse sich leicht eines besseren belebten lassen. Denn daS ist das Merkwürdige, dah aus bisherigen Gegnern der Aufstiegs-Siedlungsmethode nach einer Besichtigung-reife meistens überzeugte Anhänger geworden sind. tticstcncr DZochcnmarktprcisc. 'Gieße >'..''H^W^eutige Wochenmarktpreise: Butter 120 bis 13v ms ^wchbutter von 100 Pf. an), Matte 30 bis 35, KäseW^ Stüd) 60 bis 140. Wirsing 7 bis 8 «pro 4 bis 5 Mk). Weihkraut 5 bis 6 «pro ZentM^l 2 bis 2,50 Mk ). Rotkraut 7 bis 8 «pro Zcntncrh^biS 5 Mk.), gelbe Rüben 8 bis 10 rote Rüben 8 bis 10. Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 5. biS 6. Grünkohl 10 bis 12. Rosenkohl 20 bi- 25. Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 40 M^SO. Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 dis Fünf Nobelpreisträger an einem Tisch. Anläßlich der Anwesenheit des amerikanischen Physikers Professor Millikan in Berlin fand im Hause des berühmten deutschen Physikers Profeßor von Laue eine Zusammenkunft statt, bei der sich nicht weniger als fünf Nobelpreisträger von Weltruf trafen. Don links nach rechts: Professor N e r n st, der Berliner Elektrophysiker: Professor Albert Einstein, der Schoofer der Relativitätstheorie: Geh. Rat Professor Max Planck, der Schöpfer der Quantentheorie: Professor Robert A. M i l l t k a n, der Erforscher der Kosmischen Strahlung: Professor Max von Laue, der theoretische Physiker der Berliner Universität. Schwarzwurzeln 30 bis 35, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln 4 (pro Zentner 3 bis 3,50 Mk ), Aepfel 8 bis 10 (pro Zentner 4 bis 7 Mk ), Birnen 8 bis 10, Dörrobst 30 b s 35, Rüsse 35 bis 40, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 90, Gänse 70 bis 80, Honig 40 bis 50 Pf. pro Pfund: Tauben 50 bis 60, Eier 13 bis 14. SalaL 8 bis 10, Blumenkohl 20 bis 60, Endivien 8 bis 10, Oberkohlrabi 8 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 biS 15 Pf. pro Stück. Aus der provinzialhaupistadi. Gießen, den 14.November 1931. Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Die Veranstaltungen dieses Winters begannen mit einem vielseitigen und packenden Vortrag von Professor Dr. E. Wu n d e r l i ch (Deutsches Auslandinstitut, Stuttgart) über „Das moderne P o - l c n". Zunächst ging der Redner auf die anthropo- geographische Struktur unseres östlichen Nachbarn ein. Immer wieder betonte er, daß Polen eines der uneinheitlichsten Gebilde Europas ist, durch das eine scharfe anthropogeographische Grenzlinie hindurch- geht. Dies zeigt sich z. B. in der sprunghaften Abnahme der Bevölkerungsdichte, in der Verteilung des ländlichen Besitzes, in der räumlichen Verbreitung der Konfessionen und der Nationalitäten. Aus die Nationalitätenfragen gründlicher eingehend führte er aus, daß das Staatsvolk der Polen nur reichlich 55 o. H. der Gesamtbevölkerung ausmacht, während die Minderheiten, die besonders die Randgebiete des Staates bewohnen, an erster Stelle die Ukrainer, infolge der früheren polnischen Nationalitätenoolitik in einem Zustand ständiger Innerer Auflehnung leben. Noch komplizierter werden diese Verhältnisse durch das Ostjudentum, das in den Städten Kongreh. polens bis zu 80 v. S). der Bevölkerung ausmacht, und das eine schwierige Erbschaft aus der russischen Zeit darstellt. Das Deutschtum, bas sich vor allem in dcn uns 1918 entrissenen Gebieten findet, hat zahlenmäßig durch die Entdeutschunaspolitik und die Agrarreform schwer gelitten und Dürfte noch mit 7,3 o. f). an der Zusammensetzung der ©efamtbeoöl- ferung beteiligt sein. Der polnische Korridor wies schon 1921 allenthalben polnisch kafchubische Mehr- Helten aus. Aber noch heute heben sich die deutschen Siedlungen durch Wohlstand und Sauberkeit heraus, und die ehemalige reicysdeutsche Ostgrenze ist noch jetzt als Kulturgrenze deutlich erkennbar. Damit hatte sich der Redner den wirtschaftlichen Verhältnissen zugewandt, denen er den zweiten Teil seines Vortrags widmete. Polen, das 1918 aus österreichisch ungarischen. russischen und reichsdeutschen Landesteilen neu erstanden ist, hat es bisher nicht vermocht, diese drei Areale verschiedener Herkunft zu einer wirtschaftlichen Einheit zusammenzuschwei- ßen, wenn auch ein gewisser Fortschritt seit 1918 nicht zu verkennen ist. Hinderlich für einen raschen Auf- schwung ist der noch frühkapitalistische Zustand der Wirtschaft im Verein mit der Tatsache, daß rund 60 v H. der Bevölkerung Analphabeten sind. Die kangreßpolnische Industrie, die einst das ganze russische Reich als Absatzgebiet hatte, leidet heute schwer unter Absatzschwierigkeiten. Alles in allem erweckte der interessante und mit reichem Beisall aufgenomene Vortrag den nachhaltigen Eindruck, daß Polen mit seinen 30 Millionen Menschen auf 328 000 Quadratkilometer und mit seiner gut geschulten Armee einen sehr ernst zu nehmenden Faktor im politischen Kräftespiel Europas darstellt. In seiner engen Anlehnung an Frankreich ist es, wie der Redner sich ausdrückte, zu einem Stück deutschen Schicksals geworden. H. L. •* Pferdemarktlotterie-Gewinne ab- holen! Eine Anzahl Gewinne aus der Oktober- Pferdemarktlotterie ist bisher noch nicht abgeholt worden. Die Stadtverwaltung macht darauf aufmerksam, daß die Gewinner ihre Ansprüche um- gehend geltend machen müssen, da sonst anderweitig über die Gewinne verfügt werden muß. •• Die „Schüler"-Monatskarten der Reichsbahn für Lehrlinge. Schüler und Studierende erhalten bei der Reichsbahn Schüler- Monatskarten zur Hälfte des Preises für ordentliche Monatskarten ohne Beachtung ihres Alters. Lehrlinge genießen diese Vergünstigung aber nur bis zum 20. Lebensjahr. Die Altersgrenze für Lehrlinge hat den Nachteil, daß die von den höheren Schulen kommenden Lehrlinge nach Vollendung des 20 Lebensjahres den vollen Monatskartenpreis entrichten müssen. Der Gewerkschaftsbund der Angestellten hat deshalb, auf Anregung aus seinen Mitgliederkreisen, an die Reichsbahn.Hauptverwaltung eine Eingabe gerichtet, die die Beseitigung des bestehenden Unrechts fordert. Mindestens set eine Angleichung Der Altersgrenze an die allgemein in der Sozialversicherung übliche von 21 Jahren gefordert. "VortragimKausmännischenVer- ein und Ortsgewerbeverein. Zu dem zweiten Vortrag des Kaufmännischen Vereins und Ortsgewerbevereins hatte sich der Berliner Physiker Wilhelm P a u ck das Thema „Physikalische und technische Sensationen von heute" gewählt. Schon der Ausbau aller möglichen Apparate in der Reuen Aula lieh auf allerlei interessante Enthüllungen schlichen. Aus der groben Fülle der physikalischen und technischen Errungenschaften, die wir der Forschungsarbeit im letzten Jahrzehnt verdanken, verstand der Vortragende einer zahlreichen Zuhörerschaft diejenigen In den Vordergrund seiner Betrachtungen zu stellen, di« sich aus den neueren Anschauungen über die Ratur der elektrischen Erscheinungen und über den Aufbau alles Stofflichen ergeben haben. „Das Atom als Kraftquelle", „Elektrizität aus Licht", „sichtbare Töne", „tönendes Licht", „gefilmte Musik", „gefunkte Bilder", „elektrisches Fernsehen" usw. wurden durch wohlgelungene Experimente gezeigt. Die Wirkung der Ultravioletten Strahlen aus die verschiedenen Bilder und die wunderbaren Figuren, welche die Klangfarben der Töne hervorzauberten, erregten Erstaunen. Das grohe Kapitel wurde von dem Vortragenden in gemeinverständlicher Weise meisterhaft in zusammengedrängter Form behandelt. Reicher Beifall bekundete den Dank der Zuhörerschaft. Overheffen. Gemeinderai in Laubach. □ Laubach, 13. Rov. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde durch Bürgermeister H ö g y an Stelle des aus dem Gemeinderat ausgeschie- denen Zimmermanns Otto Schmidt fi. der Glasermeister Hermann Hertel als Gerneinde- ratsmitglied verpflichtet. Sodann wurde in Anwesenheit des Forstmeisters Job (Forstamt Laubach) über die für den kommenden Winter in Aussicht genommene Holz- f ä 11 u n g beraten. Da bei der derzeitig schlechten Lage auf dem Holzmarkt mit einem weiteren Sinken der Holzpreise zu rechnen ist, soll eine gekürzte Ruhholzfällung stattfinden. Hierdurch wird auch eine beschränkte Zahl von Holzfällern benötigt. In der Hauptsache sollen dabei besonders Bedürftige berücksichtigt werden. Die Arbeitszeit wurde auf sieben Stunden täglich festgesetzt. Die hiesige Jugendherberge, die zwei Räume im oberen Stock der Turnhalle umfaßt, ha: sich als unzulänglich erwiesen. Es wurde beschlossen, durch Schaffung eines dritten Raumes die Jugendherberge zu erweitern. Durch die Aenoerung der Hessischen Bauordnung kann das Ortsbau st atut aus dem Jahre 1892 hinsichtlich der anteilmäßigen Beteiligung der Anlieger an den Kosten der Errichtung von neuen Straßen, Gehsteigen, Kanalisationsanlagen und Straßenbeleuchtungen e r - gänzt werten. DieWegebaukommi im w.rdmit der Vorbereitung der Angelegenheit biS zur nächsten Sitzung beauftragt Von der oberhessischen Pferdezucht. • Berstadt, 12. Rov. Zu Beginn dieser Woche wurde hier durch die Landwirtschaftskammer bzw. den Landwirtschaftskammerauslchuh Obcrhesfen eine gröhcrc Veranstaltung durchgeführt, die ein« Hebersicht über die Leistungen der oberhess i s chen Pferdezucht ermöglichte. Den Auftakt bildete eine sehr gut besuchte Versammlung der Pferdezüchter- Vereinigung Berstadt und Umgebung. Dr. Denker- Darmstadt hielt «inen Vortrag über das Th.-ma: „Gegenwarls'ragen zur Förderung der Pferdezucht". Am DieStag- vormittag sanden die DaucrzugleistungS- prüsungen für Warmblutpferde statt. Unter sechs Gespannen wurde das Gespann der Herren Becker und Fenchel in Griedel (Fayrer Eugen Dietz) zum Lieger erklärt. Auch die Höchstleistungsvrü'ung der Kaltblüter am amerikanischen Kraftmehwagen nahm unter schwierigen Verhältnissen einen befriedigenden Verlauf In der Klasse I für Pferde im «Gesamtgewicht von vierundzwanzig Zentnern wurde dem «Gespann von F. Wolf II-Berstadt der 1. Preis zu- erfannt. In der Klasse II (Pferde von vierundzwanzig und achtundzwanzig Zentnern) war das (Gespann von Stoll und Groth- Echzell das beste, und in der Klass« über achtundzwanzig Zeiuner erhielt ein «Gespann von W. Marlo f f - Reichelsheim den 1. Preis zuerkannt. Im Anschluh daran erfolgte die Prämiierung, für die fünfzig Stuten besten Material- berett- ftanden. Die höchste Auszeichnung, die Staate- medaille des Hessischen Staat-ministcriums, erhielt die 4jährige Kaltblut-Stu'e Tilla. Dunkelfuchs v. Tenophon (Besitzer und Züchter Heinrich Dreut U.-Griedel), bei den OIbenburgern die sehr gute, dunkelbraun« Stute von Gustav Weber- Ober-Hörgem. Sehr starken Anklang fand die zum ersten Male burd)geführte Hufbeschlagsprämiierung Hier erhielt der Lchmiedemeister H. Müller HL von Unter» Schmitten den ersten Preis. Tie Prämiiernngsergcbniffe. Klasse I (Arbeitsschlag, drei- bi- vierjährige Stuten): 2. Preis H. Dreut U.-Griedel, Ankennung W R c u h l - Ober-Hörgem, K. Rau I.-Berstadt. E Pauli- Langsdorf und K. Junker- Inheiden. Klasse II (Arbeitsschlag. zweijährige Stuten): 3b-PreiS Ph Schultheis I.-Echzell, Anerkennung A Müller I.-Berstadt und Hugo Schmidt- Berstadt. Klasse III (Wagenschlag, drei- bis vierjährige Stuten): 1. Preis ' StaatSmedaiUc) D. Weber- Ober-Hörgern. 2b-PreiS P. H o f - mann-Hoi Güll, 3 Preis W Eifer-Mu- schenheim, M. Bender Ww.-Gambach. W H. Fenchel- Griedel. O W. Velten- Lang- GönS. R Schmidt- Steinheim. E. Walter- LangSdorf. — Anerkennungen erhielten H. L ch o 11 - Griedel, O Metzger I.-Münzenberg und A. Becker- Griedel. Klaff« IV (Wagenschlag, zweijährig« Stuten): 1. Preis (Ehrenpreis deS Re.chsverbandeS): R. K o ch-TraiS-Münzenberq. 3 Preis« K Meß- Buhbach. Jungviehweide Warthof und O Belte n - Lang-GönS. Anerkennungen erhielten H. Kammer-Bellersheim. Eugen StraSheim- Griedel und Jungviehweide Warthof. Ergebnisse Der Cciffungsprüfungm. Höchstleistung-Prüfungen an amerikanischen Zugkraft-Meßwagen für Plerd« d«S Arbeitsschlages (Klasse III): 1. Preis W Marlo f f - Reichelsheim. H. Stoll V. und A. Groth U.-Echzell. Fr. Wolf II-Berstadt. 2. Preis P. Hofmann -Hof Düll und R. Grieb-Berstadt: 3. Preis H. Dreut II.» Griedel. Dauerzugleistungsprüfung Im schweren Zug und im Trab für Pferde deS Wagen» schlageS: 1. Preis Becker und Fenchel- Griedel. 2. Preis R Schepp-Ober-Hörgern, 4. Preis K. Frank- Berstadt. hufbefchlag-Prämllerung. 1. Preis Schmiedemeister Müller lU-Unter» Schmitten, 2. Preis Alle-- Gambach. 3. Preis Strasheim- Griedel und W. Kaiser- Berstadt. Landkreis Gießen. £ TBlefed, 12. Rov. «Gestern abend fand ein« Sitzung des DemeinderatS statt, die sebr stark besucht war. Die Submission von 387 Festmeter Ruhholz wurde der Firma B. R u h n. Lollar, mit 11 Mk. pro Festmeter genehmigt. Ebenso erhielt die Firma August Rohm. Wieseck. den Zuschlag für 36.5 Festmeter. je Festmeter für 12.80 Mk. Der MandatSniederleaung des GemeinderatS Karl Bremer (SPD.) entsprach der Gemeinderat mit 7 gegen 6 Stimmen. Den wichtigsten Punkt der Sitzung bildete die Besprechung über die W i n t e r b e t & i I f e. Wieseck als größte oberhessische Landgemeinde und reine Arbeitergemeinde leidet wohl am schwersten unter der Wirtschaftskrise. Die Mittel, die der Gemeinderat zur Verfügung stellen konnte, sind längst aufgebraucht. Trotzdem beschloß Der Gemeinderat, zu den vom KreiSauSschuß bewilligten 2 Zenter Briketts einen dritten Zentner zu liefern. Ferner soll ein vom «Gemeinderat. der Fürsorgekom- mission und der ErwerbSlosenvertretung zu bestimmender Ausschuß sich mit dem privaten HilsS» werk befassen, um bei den Gemeindemitgliedern, die durch Derdlenstmögllchkelt noch in der Lage sind, für die in großer Rot befindlichen Einwohner etwas beizufteucm. eine Sammlung vorzunehmen. Aeußerungen von Kommunisten, die Gemeinde zahle an WohlsahrtSernpsänger nur 3 bis 5 Mk. pro Woche, wurden vom Bürgermeister alS unwahr zurückgewiesen, ebenso erklärte Bürgermeister S ch o m b e r. eS fei noch von keinem Erwerbslosen das Wassergeld durch Pfändung eingetrieben worden oder da- Wasser abgestellt. Dem Ersuchen der Erwerbslosen um Heberlassung eine- SchulsaaleS konnte nicht entsprochen werden, jedoch will die «Gemeinde einen Saal mieten und die entstehenden Kosten übernehmen. £ Wieseck, 14. Nov. Dieser Tage hielt der Vorstand der hiesigen Dolkshochfchule ein« Sitzung ab, in der über die Ausgestaltung des diesjährigen Winterkurses beschlossen wurde Mit den Vorträgen soll erst am 18. November begonnen werden Eröffnet wird die Vortragsreihe durch einen Vortrag mit Lichtbildern über Den deutschen Osten. Weitere Vorträge haben übernommen Dr. M a - lech (Gießen), Dr. Michel und Rektor Petri (Wieseck) Für Erwerbslos« sind sämtliche Vorträge unentgeltlich, für andere Zuhörer ist Der Beitrag auf nur 1 RM festgesetzt. Der Vorstand glaubt, dadurch der wirtschaftlichen Notlage Rechnung zu tragen und hofft, daß viele Einwohner die lehrreichen und unterhaltsamen Vorträge besuchen werden. gck. G r o h « n - B u s« ck, 13 Rov. Kommenden Sonntag veranstaltet der hiesige «Beflügel» und Kaninchen zuchtveretn im Saale deS Gastwirts Wagner eine totale Ausstellung Rund 120 Rurnrnern sind bereite angemeldet. Mit der Ausstellung sind eine Prämiierung und eine Verlosung verbunden. Eine große Zahl Ehren» und andere Pre.se stehen zur Verfügung. • Daubringen, 13. Nov Zu dem Bericht vom Donnerstag, 5. November, über die Abschieds- f e i e r für Lehrer Dr. B a l s e r wird uns ergänzend mitgeteilt daß dem scheidenden Lehrer zu Ehren beide hicsige Gesangvereine Liederoorträge zu Gehör brachten. • TreiS (Lumda). 13 Rov. In seiner jüngsten Sitzung beschäftigte «ich der Gemeinderat mit der Bereitstellung von Mitteln für die W o h l s a h r t S e r w e r b S l o se n. Obwohl Bier- und Dürgersteuer schon eingekührt sind, muh man jetzt unter dem Druck« der Rot die Biersteuer verdoppeln und die Ge - tränkestcuer «Inführen Der Schweinehirt wird ab 1. Dezember abgebaut. Die elektrisch« Schulheizung muß aufgegeben werden, da sie gegenüber der Kob'enhei.zung zu viele Hnkosten verursacht. Aber diese Sparmaßnahmen allein werden n icht aus reichen, um daS durch die Dohl- sahrtslasten entstehende Defizit zu decken. Wenn der Staat nicht durch Bereitstellung von Mitteln cingrctft. ist der finanzielle Zusammenbruch der «Gemeinde unvermeidlich. u. Klein-Linden. 13. Rov. Rach zwöN- jähriger Tätigkeit als Leiter der hiesigen Bahnmeisterei 3 schied Reichsbahn-Oberinspektor Eon- Geschichten aus aller Welt «060 EN ■4 e DIE DEUTSCHE WELTMARKE Um London zu hören lesen Sie „London“ auf der Auto-Skala ab und stellen den neuen Radio-Apparat bequem und einfach danach ein. Denn die Auto-Skala trägt auf auswechselbaren Schildern die Namen Ihrer Lieblings-Stationen. Die Apparate mit der Auto-Skala: TELEFUNKEN 340 und TELEFUNKEN 230 haben Mehrkreis-Schaltung; alle erreichbaren Sender Europas hören Sie trennscharf und rein. (Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Der reichste Mann des Ostens. (c) Schanghai. Der bekannteste Mann in Schanghai, der reichste Mann des Fernen Ostens, Siias A. Hardoon, ist jetzt plötzlich unter Hinterlassung eines Vermögens von über 120 Millionen verstorben. Sein Vermögen verteilt sich aus elf Kinder, die er nach und nach adoptierte, als er wußte, daß seine Frau ihm keine Kinder gebar - was übrigens sein größter Kummer war. Höchstens die Märchen aus „1001 Nacht' können ein Vild geben von der Welt, die sich der Mann aus Bagdad, der dann später nach China ouswan- derte, aufbaute. 900 Diener vereinigte er auf seinen Besitztümern und herrschte unter ihnen wie ein Fürst. Er stammle aus Bagdad, wie schon erwähnt; vor 84 Jahren erblickte er dort das Licht der Welt. Später kam er nach Bombay, wo er die Schule besuchte, um dann als halbwüchsiger Knabe nach dem Fernen Osten auszuwandern. Dort begann er als Nachtwächter in einem großen Kaufhaus. Don seinen geringen Lohnsummen verstand er im Laufe einiger Jahre soviel zu sparen, dah er sein Kapital zu investieren vermochte. Gr hatte Glück und konnte eines Tages seine eigenen Geschäfte aufmachen. Hardoon wirkte seit dieser Zeit ungemein fördernd auf Schanghai und stellte Prognosen und Prophezei- ungen, die sich in weitestem Mähe bestätigten. Er kalkulierte richtig, als er im Zentrum von Schanghai große Territorien kaufte, die einen riesigen Wert darstellten, als Schanghai sich, wie er es prophezeit halte, zum mächtigsten Hafen von China entwickelt halte. Noch bedeutsamer wurde die Nolle des Hardoon, als er auch in den internationalen Niederlasiungen eines Tages die Bodenpreise bestimmte und proportional zu der Entwicklung des Hafenplatzes die Preise in die Höhe trieb. . Man kann von Hardoon sagen, dah er grohzügig war in jeder Hinsicht. Man bedenke: er heiratete eine Chinesin, eine Buddhistin, eine Frau, die ihr ganzes Leben lang nicht mehr als 50 Worte Englisch lernte, während Hardoon selbst nie mehr als 50 Worte Chinesisch sprach. Und doch war diese Ehe ungemein glücklich und wurde in Schanghai direkt als das Ideal einer glücklichen Ehe gepriesen und als Beispiel angeführt. . . , n , Als man ihn jetzt begrub, fand diese Bestattung in seinem riesenhaften Garten in Schanghai statt Man bestattete ihn dort ohne Sarg unter einem blühenden Baum. „ , r .. In Schanghai bespricht man jetzt eifrig die letztm Prognosen, die er gestellt hat. Danach soll der Aufschwung dieser Stadt noch bei weitem nicht halt TELEFUNKEN 340w einschl. Röhren RM 245, TE LE FUN KEN 340c einschl. Röhren RM 256, TELEFUNKEN 230" einschl. Röhren RM 216, RADIO machen vor den verworrenen Zeitläuften. Im Gegenteil : je mehr Europa und später auch Japan in Der- Wirrung und in Not gerieten, um so höher werde Schanghai aufsteigen. Die Dabanque-Spieler und Spelulanten von Schanghai richten sich in ihren neuen Gnlschlüsien nach diesen Prognosen, die jener Mann stellte, der als Nachtwächter nach China k,m und der reichste Mann des Fernen Ostens war, als er verstarb. Erste Halbzeit 4, zweite Halbzeit 3 Jahre. (g) London. Vor sieben Jahren erhielt Molly Dourchier, Primadonna des Londoner Palace-TheatreS, ein Blumensträuhchen. Der Begleitbrief war kurz und bündig: „Ich verehre Sie, Lloyd Davies.' Die Diva nahm achselzuckend zur Kenntnis, dah sie auch der ihr völlig unbekannte Mister Davis verehrte. Einige Zeit später bekam sie jedoch Zeitungen aus Nustra- lien, in denen bunt angekreuzte Berichte über diverse Siege des Nugby-Spielers Lloyd Davies standen. Da die Künstlerin den Sportsmann nicht persönlich kannte, interessierte sie sich kaum für die Berichte. Allmählich muhte sie aber zumindest seinen Namen kennen, denn der ersten Sendung folgten mehrere und Davies sorgte dafür, dah ihr all seine Siege zur Kenntnis gelangen mögen. Es waren ihrer nicht wenige und als nach rund vier Jahren eines schönen Tages Molly die Visitenkarte des Unbekannten in der Hand hielt, war er längst kein Unbekannter mehr, sondern ein gefeierter Spieler. Die Begeg- nung verlief überaus eigenartig. „Sie wisien nun ganz genau, wer ich bin," meinte Davies, „und es dürste Ihnen nicht unbekannt geblieben sein, dah ich in vier Jahren der gefeiertste Nugby-Champion der Welt wurde. Ich verdiene viel Geld, bin kerngesund und tatellos gebaut. Auherdem liebe ich Sie. Sehen Sie mich bitte genau an und stellen Sie gefälligst fest, ob Sie meine Frau werden wollen! Molly lachte hell auf: „So schnell geht das nicht, mein Lieber. Wenn Sie volle vier Jahre zu diesem Entschluß benötigten, müßen Sie mir doch eine eben solange Bedenkzeit einräumen!'-.Zu lange, verehrte Künstlerin," stöhnte der verliebte Sportler, „lassen Sie ein Jahr abl" -Molly willigte ein: „Na schön, sagen wir drei JahreI" Davies kuhte ihre Hand und verschwand, um in genau drei Jahren wiederzukommen. Fräulein Bourchier war gerührt. So viel „Tieue" hätte sie einem Manne im Zeit, alter der neuen Sachlichkeit nicht zugetraut. Nach achtundvierzigstündiger „Verlobung auf Probe" flü- sterte sie ihm das beglückende Jawort ins Ohr und der siebenjährige „Davies-Coup" endete mit einer prunkvollen Hochzeit in der Londoner All Souls- Kirche. So blieb Lloyd auch diesmal Sieger; 3:41 ,ad von hier, um eine Stelle in Frankfurt a. M. zu übernehmen. Herr Conrad erfreute sich hier allgemeiner Beliebtheit. xr Leihgestern. 13. Nov. Aus der jüngsten Gemeinderatssihungistzu berichten: Dem Gesuch des Karl D e r n um Wirtschaftskonzession -wurde stattgegeben, da es sich nur um eine äleber- Ichreibung vom Vater auf den Sohn handelte. — Hin früher gefaßter Beschluß auf Verlängerung der Kanalisation in der Klause- zasse soll nunmehr zur Ausführung kommen. Damit wird einigen Gesuchen auf Schaffung einer Möglichkeit zu Kel erentwässerungen Rechnung ge- iragen und gleichzeitig Arbeitsmöglichkeit für ausgesteuerte Arbeiter unserer Gemeinde geschallen. — Zur weiteren Arbeitsbeschaffung trägt man sich mit dem Gedanken, schlecht befahrbare Wegstrecken zu chauffieren. Die Steine hierzu sollen in der Gemarkung gebrochen werden. Der Bürgermeister wurde beauftragt, Vorberei- lungen für den eventuellen Ankauf eines als Stein- hruch geeigneten Geländes zu treffen. Die vom Jahren zum Pachtpreis von jährlich 375 Mark an einen Herrn aus Gießen verpachtet wordem <> Ebersgöns, 10. Nov. Für die W i n t e r- n o t h i l f e wurden in der hiesigen Gemeinde 14 Zentner Kartoffeln gespendet, wovon 2 Zentner in der Gemeinde verbleiben und 12 Zentner an die Stadt Wetzlar abgeliefert werden sollen. Eine von der Ortsbauernschaft vorgenommene Kartosfelfamm- lung ergab weitere 12 Zentner. ZOberkleen, 10. Nov. Für die W l n t e r n o t. Hilfe wurden in der hiesigen Gemeinde 30,85 Zentner Kartoffeln, 7,70 Zentner Gemüse, 6,55 Zentner Obst und 7 Mark Bargeld gesammelt. Das Ergebnis wurde der Stadt Wetzlar zur Verfügung gestellt. g-Stt Ntbnissx, no Hugo ZM E9rifle stu. M&erbanM); J Weh. >°i und O. Des. erhielten - WÜhingtu. aineri- 1 jMktbt d« oll V. unb Qi p.01] Mnftabt pof ©ÜII und X ’ * Dreut II., rllfunglmschve, )serde des Dagen. 'm» Fenchel, Vp-Ober-Höigern, ierung. luller IlbMt* Tambach, 3. Pnlr D. Kaiser.Der. eßen. lern abend sand eine r a t s statt, die sehr iffion von 387 Fest, na 2. Äuhn.Lob t genehmigt. Eben. ; Aohm, Vieleck, er, je Festmcter für sniederlegung emer (6$®.) ent« 7 gegen 6 Stimmen, hung bildete die De« beihilse. Dies«! gemeinde und reine am schwersten un« Mittel, iie der 0e« i tonnte, finit längft I der Semeinderat, willigten 2 Zenter c zu liefern. Fer- , der Fürforgeivm« Vertretung zu be« dem privaten Hille« demeindemitgliedern, t noch in der Lage befindlichen Einvoh- Sammlung vor« n Kommunisten, die »rtsemMger nur 3 en vom Mrgmnei« fai, ebenso erklärte es fei noch von le:« ergeld durch Plan« et M Wasser ab- Erwerbslosen m a sonnte mcht ent« die Demeindr emn »enden Wen über« tshochschu--'^ rs'Lr Äl*. SS*«-' »«•ÄS .Seine2er- m »SSÜS ng °° rbs'°L ; Der JTielttif^ V3ut. da li- ,u viele " [[Cln 'iS'«®* ' «njp. 2aS Ahn« Hernie". Es wurde beschlossen, im Laufe des Winters für die Frauen und Jungfrauen einen Vortragsabend zu veranstalten, an dem über wichtige Fragen aus dem Gartenbau gesprochen werden soll. Den Schluß der Tagung bildete eine Verlosung von 30 schönen Obstbäumchen, die der Kreis-Obst» und Gartenbauverein Schotten zur Verfügung gestellt hatte. V Gedern, 12. Nov. Am Dienstag wurde der sog. „Große See" ausgefischt und dabei etwa 50 Zentner Karpfen und Schleie gefangen. Die Fische werden vorerst in einem besonderen Fischhaus lebend erhalten und dann je nach Abruf an die Fischhandlungen verkauft. — Ein Entgegenkommen der fürstlichen Verwaltung gestattet dem hiesigen Turnverein den Einbau eines Sprungturmes in den „Großen See". Kreis Alsseld. 4= Nieder-Gemünden, 12.Nov. Der auf dem Gebiete der Geflügelzucht bekannte hiesige Züchter Otto S o e d 1 e r errang auf der 17. Süddeutschen Geflügelausstellung zu Würzburg mit fcti e Zucht We.hrr Wyandottes sieben Auszeichnungen, und zwar ein sg. 1, den Gau- ehrenpreis der Züchter Weißer Wyandottes, ein sg. 3, ein sg., ein g. 2 ein g. 3 und ein g. Auf der mit jener Ausstellung verbundenen „Großen Deutschen Zwerghuhnschau" erzielte Herr Soedler mit „Federfühigen Zwergen": ein sg. 1 (Ehrenpreis), zwei sg. 2, zwei sg. und vier g. Preußen. Kreis Wetzlar. ? Lützellinden, 13. Nov. DieMarkwald - j a g d unserer Gemeinde ist auf die Dauer von sechs Gustav Radetzky erzielte mit einem silber- halsigen Italienerhahn sg. 2, mit einer Henne sg. 1 und einen Ehrenpreis, Richard Radetzky nut schwarzen Italienerhähnen sg. 2 und zweimal g. Eine blaugoldene Wyandottenhenne des sriedr. Drechsler erhielt sg. 3. Albert Wiedemann wurden für goldene Wyandottenhennen die Leistungen sg. 2, g. 2 und g. 3 zugesprochen. Kreis Büdingen. X Fauerbach b. Nidda, 13. Nov. Daumwart Hch. Wenzel IV. hier erhielt von der hessischen Landwirtschastskammer für seine 5 3 Iahre lange ununterbrochene Dienstzeit als Daumwart der Gemeinde Fauerbach die g o ldene M e d aiIle und die Anerkennungsurkunde. Er hat sich mcht nur um die Hebung des Obstbaues in unserer Gemarkung, sondern auch in den Nachbarorten verdient gemacht. y. S t o ck h e i m, 13. Nov. Hier wurde von einer größeren Versammlung von Viehzüchtern eine Viehverwertungsgesellschaft für den Kreis Büdingen gegründet. Landwirt Gg. Jüngling von hier wurde zum Vorsitzenden und Landwirt Aug. H e r ch e von Ranstadt zum Viehaufkäufer der neuen Genossenschaft gewählt. Man hofft auf große Beteiligung der Viehzüchter des ganzen Kreises. Kreis Schotten. Forstamt Schiffenberg vorgelegten Holzbauerakkordlöhne wurden genehmigt Als Holzhauer sil en in der Hauptsache Wohlfahrts, erwerbslose beschäftigt werden. — Als Wohl- sahrtsarbeiterentlöhnung wurde seit- her ein Stundenlohn von 70 Pfennig gezahlt. Dis QUf weiteres soll der Staatsarbeitertariflohn (57 Pfennig plus 3 Pfennig Zuschlag je Kind) angewandt werden. — Ein vom Hess. Kulturbauamt -Gießen aufgestellter Vertrag zwischen der Gemeinde Leihgestern und der Reichsbahn- r i r e k t i o n Frankfurt a. M„ in dem we Gemeinde Leihgestern der Reichsbahn auf jährlichen Widerruf gestattet, gegen eine Jahresgebuhr von .300 Mark das Wasser eines Dahnqrabens in Den her Gemeinde gehörenden Straßenkanal emzufuh- ten, wurde genehmigt. Ein von der Reichsbahngesellschaft etwa eingehender Antrag auf Senkung dieser Iahresgebühr soll abgelehnt werden, da die Reichsbahngesellschaft erst vor einem Jahr bei der Erbauung des Kanals der Gemeinde auf eine Anfrage erklärte, sie habe kein Interesse an der Benutzung dieses Kanals zur Entwässerung ihres Bahnkörpers. Damals wollte die Gemeinde der Reichsbahn den Kanal kostenlos zur Verfügung stellen wenn dem Stationsnamen „Grohen-Lin- den" noch der Name „Leihgestern" hinzugefugt würde, weil der Dahnhof nicht auf Großen« Lindener, sondern auf Leihgesterner Gemarkung 1 Holzheim, 13. Nov. Auf Anregung des Kirchenvorstandes wurden hier zugunsten der Rheinischen Mission ungefähr 125 Zentner Kartoffeln gesammelt und von Pserdebesitzem nach der Station Gambach gefahren. Von dort wurden die Kartoffeln nach Därmen verfrachtet. Es wurden dabei nicht nur die Kartoffelsacke gestellt, sondern auch das Frachtgeld aufgebracht. Den gemeinnützigen Anstalten i n D e t h e l wurde noch eine größere Kartoffelmenge gesandt. Fine Kartoffelsammlung für die G i eße ne r Winternothilfe ergab 60 Zentner. Die Er- aebnisse sind ein Beweis der Opferbereitschaft der hiesigen Bevölkerung. An Gaben evangelischer Liebestätigkeit wurden im Vorjahr 6554 Mk. ge- )—( Ruppertsburg, 10.Nov. Die hiesige Ortsgruppe des Kreis - Obst- und Gartenbauvereins hielt am Samstagabend bei Gastwirt Sch körb ihre Herb st Versammlung ab. Man beschäftigte sich mit folgenden Themen: „Woran kann es liegen, daß junge Däumchen schlecht an- und weiterwachsen? , „Die leistet. . ch Lich, 12.Nov. Don hiesigen Züchtern wurden auf der Süddeutschen Geflügelausstellung in Würzburg anerkennenswerte Ergebnisse erzielt. Karl Eise konnte auf einen Silberwyandottenhahn sg. 2 und auf eine Henne derselben Gattung sg. erhalten. Ein schwarzer ----«-"kv »'m 3toerglangfd>an5a6n erhielt g. 2. Ser Züchter Herb,»arbeiten im Obstgarten , und .Sie Kohl. Wahlrecht verpflichtet zur Stimmabgabe! Gewählt wird in den Gemeinden über 1000 Einwohnern von 9 bis 18 Uhr (6 Uhr nachmittags), in den Gemeinden unter 1000 Einwohnern von 10 bis 17 Uhr (5 Uhr nachmittags). Niemand bleibe der Wahlurne fern! Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag 15. November. 24. Sonntag nach Trinitatis. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Becker; 11: Kinderkircke für die Markusgemeinde; Pfr. Becker; 17: Pfr. Mahr. — Johanneskirche. 9.30: Pfr. Ausfeld; 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde; Pfr. Aus- selb; 17: Pfr. Bechtolsheimer; 20: Bibelbesprechung in der Johanneskirche; Pfr. Bechtolsheimer. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Lenz. — Elifabeth-Kleinkinderschule. 9.45: Pfr. Lic. Waas. — Neue Aula der Landesuniversität. 11.15: Universi- tätsgottesdienst (Zwingli-Gedächtnisfeier); Professor D. Cordier. — Klein-Linden. 9: Hauptgottesdienst; Abendmahl für die weibliche Jugend; 11: Kinder- gottesdienst. — Wieseck. 9.30: Beichte; 10: Predigt- gottesdienst; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls. — Atten-Buseck. 13; anschließend Beichte und Feier des hl. Abendmahls. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: Feier des hl. Abendmahls für die Jugend von Mainz, lur; 13.30: Daubringen; 13.30: Lollar. — Kaufen. Gacbenteich. 10: Haufen; 13: Garbenteich. — wahen- born-Sieinberg. 13: Hauptgottesdienst, 14: Kinder- kirche. — Grünlngen. 10: Hauptgottesdienst. — Cid). 9.30: Stiftsdechant Kahn; 12.45: Kindergottesdienst; 14: Stiftspfarrer Draudt. katholische Gemeinden. Samstag, den 14. November. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 15. November. 25. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jünglinge; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Caubach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Vortrag und Andacht — Cid). 10: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag und An- dacht. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Evangelische Gemeinden. Mittwoch, den 18. November. Clch. 20 Uhr: Bibelstunde. katholische Gemeinden. Mittwoch, den 18. November. Hungen. 7.15 Uhr: Messe. Lonnraa "d"'"" -v eritc u.'Muotbc^en om 15.11. 1. Frau Vr.Rothenberger. vr. Wolf. 93elHan.wuu,ue. Zaunarzi: I)r. 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November 193| eine Tributkrise, ihr wolltet Deutschland vernicht Abg. Dr. Goebbels spricht in Gießen gestorben; — Braunschweig wenn wir keine Waffen hätten, so besähen wir doch die Waffe des Protestes, der vom gan- spät!" Es dauere nicht mehr lange, dann stehe das Volk mit seiner ganzen Kraft bei der NSDAP. Daten für Sonntag, 15 November. 1630: der Astronom Johannes Kepler in Regens- 1910: der Dichter Wilhelm Raabe in gestorben. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei trat gestern abend in der Gießener Volkshalle mit einer zweiten großen Wahlkundgebung, die von etwa 5000 Personen besucht war, vor die Oeffentlichkeit. Der Kreisleiter der NSDAP. Gießen, Bernhard Graf zu SolmS-Laubach, Nom und lasse Paris links liegen. (Stürmischer Veifall.) Weiter machte der Redner dem Reichskanzler zum Vorwurf, daß er die gegenwärtige Lage, in der die Welt auf den Protestschrel aus Deutschland gegen Versailles warte, nicht aus- nütze, sondern schweige. Niemals sei die Lage für uns so günstig gewesen wie jetzt, vor die (Langanhaltender stürmischer Veifall.) Es müsse von uns erklärt werden: „Die Weltkrise ist nur ten und habt ganz Europa in den Ruin hinein- gehetzt." Wenn Deutschland so sprechen würde, geschehe es für das ganze gequälte Abendland. Die NSDAP, werde nichts unterschreiben, was Deutschland nicht erfüllen könne. Für sie gelte auch in der Politik das Gesetz des Gentleman. Der italienische Ministerpräsident habe kürzlich in Neapel so gegen Versailles gesprochen, wie die deutschen Vertreter sprechen müßten. Auch zen Volke getragen werden müßte. Zum Schluß forderte der Redner, daß alle deut» schärft werden. * Wir lenken den Blick einmal auf das Feld der Handelspolitik. Sn einer nicht recht verständlichen Weise hat die Schweiz sich gegen Deutschland gewendet, geradezu ultimativ, hat geglaubt, ihren Standpunkt durchsetzen zu können, hat freilich dann der scharfen deutschen Ablehnung auch schnell nachgegeben. Dabei ist sogar von der Schweiz versucht worden, das Stillhalteabkommen zu ihren Gunsten durch die Forderung zu verändern, daß die deutsche Ausfuhr an die Schweiz nicht an den deutschen Lieferanten, son- bern an die Schweizer Nationalbank bezahlt werden solle. Der Sinn ist ohne weiteres klar. Dieses Beispiel aber zeigt blitzartig, wie verwirrt und wie beinahe hoffnungslos die handelspolitische Lage ist. Selbst ein Staat, in dem sonst der gesunde Menschenverstand regiert und der keinen erklärte zu Beginn der Kundgebung, in den letzten Tagen sei von gegnerischer Seite behauptet worden, daß in Gießen geheime Sitzungen der unter seinem Vorsitz stattgefunden ihre Ziele bestimmt werde. wenn die NSDAP, in allem Ernst vor der Oeffentlichkeit erkläre, ihre Bewegung sei legal, dann sage das nichts über die Absicht des Machl- gebrauchs, sondern nur über die Absicht ihres Macht e r w e r b s. Dje Weimarer Verfassung schreibe nicht vor. was der Besitzer der Macht damit ansangen solle, sondern sie sage nur, wie man die Macht erwerben dürfe. Und) der Verfassung werde die NSDAP, die Macht erobern, aber wie sie dann die Macht gebrauche, das werde nur ihre Sache sein. (Stürm. Beifall.) Der Versuch Brünings, in Deutschland den inneren Frieden wiederherzustellen, sei gescheitert, uuD dadurch sei auch der Machtbestand des Kabinetts Brüning unmittelbar bedroht. Daraus erkläre sich aber auch der schwere Rückschlag bei Brünings dritter Aufgabe, der Aktivierung der Außenpolitik, weil dabei der Rückhalt im Innern, die nationale Geschlossenheit gefehlt habe. Bei der Zollunion habe sich das verhängnisvoll für uns ausgewirkt, da die aktive Außenpolitik nicht durch eine aktive nationale Innenpolitik hätte untermauert werden können. Der Redner forderte weiter entschiedenste Anstrengungen zur äleber- windung des Diktats von Versailles; wer Versailles zerbrechen wolle, gehe noch London und Pflanzenrassen. Die Intensivierung der landwirtschaftlichen Erzeugung und namentlich besKörner- baues zählt, seit den Anfängen rationeller Landwirtschaft, zu den wesentlichen Aufgaben der volkswirtschaftlichen Politik. In von Tscher- m a k begrüßt die Wissenschaft eine Persönlichkeit, die durch ihre genialen Arbeiten dazu beigetragen hat, diesem für die Gesamtwirtschaft so wichtigen Ziele näherzukommen. Man darf ihn mit Recht zu den Männern rechnen, die es fertiggebracht haben, zwei Aehren da wachsen zu lassen, wo vorher nur eine stand. Die Alma mater Ludoviciana hat mit Freuden durch ihre Philosophische Fakultät Gelegenheit genommen, alS erste, die höchste zu vergebende akademische Auszeichnung an Erich von Tschermak, den heute Sechzigjährigen, zu verleihen und den verdienstvollen Forscher dadurch eng mit Gießen zu verbinden. bürg gestorben; — 1730: Friedrich Wilhelm von Steuden in Magdeburg geboren; — 1787: der Komponist Ehr. W. Ritter v. Gluck in Wien Anlaß zu wirtschaftlicher Verzweiflung hat, handelt so kurzsichtig, vergißt die Verbundenheit mit einem so großen und wirtschaftlich wichtigen Nachbar wie Deutschland, vergißt, daß die Schweizer Banken nicht weniger als 2,6 Milliarden Mark zu fordern haben, die doch wahrhaftig nicht sicherer werden, wenn man der deutschen Ausfuhr die Möglichkeit nimmt, Devisen zu verdienen, um fremde Forderungen zu bezahlen. Welt hinzutreten und zu schreien: „Dir können nicht mehr, und deshalb wollen wir nicht mehr!" unter großem Beifall der Versammlung herzlichen Gruß. Dr. Goebbels, der schon beim Erscheinen in der Volkshalle stürmisch begrüßt worden war, betonte am Anfang seiner zweistündigen Rede, die im Juli für die breiten Volksschichten unvorbereitet sichtbar gewordene, von den Nationalsozialisten schon viel früher vorausgesagte große Krise habe gezeigt, wie es um Deutschland stehe. Der Redner erinnerte sodann an den Kampf um den V o u n g p l a n , bei dem das amtliche Deutschland einen optimistischen Standpunkt eingenommen habe, während die Nationalsozialisten eine Katastrophe durch den Voungplan vorausgesagt hätten. Die Nationalsozialisten hätten recht behalten. Unter diesem Eindruck sei das Ergebnis der Reichs- tagswahl vom September 1930 zustande gekommen, wobei die Wähler nicht nur einen Wechsel der Personen, sondern einen Wechsel des Systems gefordert hätten. Seitdem sei die Opposition gegen das Kabinett Brüning ständig gewachsen, aber seit einem halben Jahr gebe es in Deutschland keinen Radikalismus mehr, denn er sei durch die Notverordnungen vollkommen eingeengt und gefesselt. Was die Opposition heute sage, sei nur ein gelinder Abglanz dessen, was das Volk denke. (Beifall.) Die Opposition sei bereit, es besser ;u machen, man müsse ihr nur die Macht geben. Die Opposition wolle natürlich die Macht, um zu regieren; sie wolle nicht nur einen Wechsel der Männer, sondern einen Wechsel des Systems einleiten. Das Kabinett Brüning habe sich drei Aufgaben gestellt: es wollte die Finanzen sanieren, den inneren Frieden wieder her stellen und die deutsche Außenpolitik aktiv i e r e n. — Seien die Finanzen von Brüning saniert? Der Redner wies aus die fortgesetzte Steigerung der Fehlbeträge m den öffentlichen Haushalten hin und betonte, daß heute m öen Etats des Reiches, der Länder und der Gemeinden ein Gesamtminus von rund 5 Milliarden Mark vorhanden sei. Die deutsche Finanz- schen Kräfte zur nationalen Willensbildung aufgerufen werden müßten. Der von diesem Willen getragene Nationalsozialismus sei überzeugt, daß er die Aufgabe habe, Deutschlands Schicksal zu wenden. Er wolle Deutschland nicht spalten, sondern einigen, um es dadurch zu retten; das sei keine Lieberheblichkeit, sondern der Ausdruck des Vollgefühls seiner Kraft. Die NSDAP, habe bisher gesiegt, und sie werde auch am 15. November in Hessen siegen. (Stürmischer Beifall.) Für das jetzige System gelte das Wort: „ Zu Außenpolitische Umschau. Wahlen in England und LüdUawien. Die handelspolitische Lage. Don Or. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin. Das Endergebnis der englischen Wahlen steht nun fest mit 472 Konservativen, im ganzen einer Regierungsmehrheit von 558 Stimmen gegen eine Opposition von 57 Stimmen. Da sowohl die Liberalen Sir John Simons, wie die der Richtung Sir Herbert Samuels auf der Regierungsseite steheii, bleiben um Lloyd George ganze — vier Abgeordnete. Man scherzt, daß das im wesentlichen seine Familie ist. Lloyd George hat deshalb auch den Vorsitz in der Liberalen Partei im Unterhaus niedergelegt. Er mißbilligt den Kurs Sir Herbert Samuels durchaus. Aber was will er machen? Wir waren immer der Meinung, daß dieser Mann trotz seiner ungeheueren Wendigkeit seit Jahren schon ausgespielt habe, und sehen auch heute keine rechte Konstellation, in der der nun Achtundsechzigjährige wieder in die Höhe kommen könnte. Das neue Kabinett soll überparteilich und national sein. In ihm überwiegen die Konservativen mit 19, denen vier Nationalliberale (Samuel-Gruppe) vier der Simon-Gruppe gegenüberstehen, sowie fünf aus der sog. Nationalen Arbeiterpartei, also des Teils der früheren Labourpartei, der nicht mehr zu dieser gehört. Am interessantesten sind in diesem Kabinett drei Männer: der neue Schatzkanzler Nevile Chamberlain, der jüngere Bruder von Austen Chamberlain (dieser ist freiwillig zurückgetreten), ein überzeugter Schutzzöllner, bann ber neue Hanbelsminister Walter Runci - man, ein gemäßigter Freihänbler, unb ber neue Außenminister Sir John Simons, der bisher mit ber Außenpolitik nichts zu tun hatte, der ein ganz hervorragender Advokat und bekannt ist durch seinen Bericht über Indien, der seinen Namen trägt. Von großen Fähigkeiten, außerordentlicher Arbeitskraft und Arbeitseifer, wird Simons gewiß für Schwung und Dampf im Außenamt sorgen — in welcher Richtung, ist von Amerika. ♦ Wenig bekümmert sich die Welt um einen Borgang wie die Wahl n in I u g os l aw i en am 8. November. Es waren auch keine Wahlen, in denen Wille und Stimmung des Volkes zum Ausdruck kam. NurdieListederDiktatur gab es, der sich alle angeschlossen hatten, anschließen mußten und auf der dann je nach dem früheren Parteistand eine Art Verteilung statt- fand Dabei sind die Deutschen (bisher acht Vertreter), so kurz gekommen, daß n u r ein einziger (Dr. Kraft) gewählt wurde. Der Druck ber Regierung war groß genug, um eine erhebliche Wahlbeteiligung zustande zu bringen. Aber durch ihn hindurch war, namentlich m Kroatien, ber Widerstanb beutlich genug zu erkennen. Hatte bie Wahl in biefem Stil überhaupt einen Sinn, so sollte sie ein Referendum fu r die jugoslawische Cinheitslbee fern. Dafür war bie Wahl unb noch mehr ihre Methobe aber ein ungeeignetes Mittel. Durch einen berartigen Nach einer anberen Richtung (gegenüber Ungarn unb Rumänien) hat bie beutsche Regierung versucht, ben Gebauten bes Vorzugszolles, über ben so viel gesprochen worben ist, einmal praktisch burchzuführen. Die Vorzugszölle sinb für bie beiben Staaten auf bie Ge - treibe mengen beschränkt, bie ihre Normaleinfuhr nach Deutschlanb nicht übersteigen. Ob es möglich ist, bas burchzuführen, ist noch unsicher, weil biesem neuen Hanbelsvertrags- system wegen ber Meistbegünstigung alle interessierten Staaten zustimmen müssen. Das scheint in bezug auf Argentinien, bie Tschechoslowakei unb Rußlanb noch nicht sicher äu sein. Wie schwer ringt sich ein an sich so vernünftiger Gebaute boch burch! Wie schwer ist es, in ber Haubelspolitik von ausgefahreneu Bahnen loszukommeu, auf benen mit alten Schlagworten weitergearbeitet wirb, bie für bie jetzige Wirtschaftslage gar nicht mehr passen. Wieviel Zeit bauert es heutzutage, bis einfache Selbstverstänblichteiteu von ben Regierungen unb ber Oeffentlichkeit ber ßänber nur begriffen, geschweige benn in bie Tat umgesetzt werben! Hat Europa bie Zeit, bie Mac- bonalb so ruhig forbert. Das ist immer toieber bie bange Frage. Die Staatsmänner Englanbs, Frankreichs unb Deutschlaubs kommen nicht bamit aus, wie es kürzlich in ber Brüuiugscheu Rebe vor seiner Partei ober eben von Macbonalb in seiner Dankettrebe geschehen ist, von ben Völkern bloß Zeit zu verlangen unb ruhige Nerven. Die , - - - , ., . 2tol »er wirl,cha,,lichen Krise ist überall in Wer diese heute al« Faschisten bezeichne, werde Europa ungeheuer. Aber beinahe noch gröber und 'ich nm,eben wenn s,e legal die Macht erobert gelährlicher kommt uns dieses langsame Tempo W- S,e lasse sich nicht zu Unbesonnenheiten vor. d i e (e Müdigleit und Lethargie, reizen denn ine Rache se, em ®endjt bat falt in der überlastete perantwortliche Staatsmänner senoNen werde, und dazu habe die RSDAP. d,e die brennenden Fragen des Augenblicks be- Michü vielleicht sei die Smnde schon nahe, wo Knnhofni bas Schicksal fragen werbe: „Wo ist Deutschlaubs °an0€ln! ______ Die Autwort werbe lauten: „Wo die NSDAP. __________ steht, ist Deutschland." (Langanhaltender ftürmi- | scher Beifall und Jubel.) Der Gesang des Horst-Wessel-Liedes unb Heilrufe auf Abolf Hitler beschlossen bie Kundgebung. Druck können bie Verschiebenheiten im Königreich Jugoslawien, bie ja weiterreichen, als nur burch bie Unterschiebe zwischen Serben, Kroaten unb Slovenen, nicht zur Einheit verbunben werben. Hm so weniger, als betreiben Regierung, bie das versucht, bie schlechte Wirtschaftslage, bie große Krise zum Dorwurf gemacht wirb unb bie Unfähigkeit, einen Ausweg zu finben. Wieviel ist von einer Milliarbeu-Anleihe bei Frankreich gerebet worben unb sie ist bisher nicht zustanbe gekommen! Mit biesem Versuch ber Diktatur aber hat sich in einer Weise, bie man nicht ganz versteht, bie Dynastie, ber König selbst verbunben, ber nun mit ber Diktatur unb mit ber schlechten Wirtschaftslage auch alle Folgen tragen muß. Das kann für ben jugoslawischen Staat gefährlich werben! Bei leiblichen Wirtschaftsverhältnissen kann, ba Militär unb Genbarmerie gut sinb unb ausreichen, eine solche Lage eine ganze Weile bauern. Aber bie Wirtschaftskrise unterwühlt unb erschüttert bann auch bas Regime unb stellt bie Einheit bes jugoslawischen Staates gerabezu in Frage. So ist bie Wahl vom 8. November kein Erfolg für bas Regime Schifkovitsch; wer bie Macht hat, kann solche „Erfolge" natürlich erzielen. Aber sie beleuchtet für Europa grell eine kritische Lage bieses Staates, beren materielle Grünbe burch bie politische Führung noch Der- noch nicht zu sehen. Es scheint, als habe Macbonalb ein Abkommen mit bem König unb mit ben Parteiführern, nach dem er jeberzeit bas Parlament auflösen unb Neuwahlen nach ben alten Parte-Gruppierungen ausschreiben könnte. Damit würbe er bie Konservativen sehr gut an ber Stange halten können. Es sieht aber nicht aus, als wenn biefe, trotz starken Dorbrängens von einzelnen, in ber Frage bes Schutzzolles ihre Macht Überspannen würben. Die Konservativen wibersprechen im ganzen nicht, baß bie Regierung zunächst gar keine Anstalten macht, ben Schutzzoll sofort einzuführen. Alle Schwierigkeiten treten natürlich jetzt hervor, wo bas Problem praktisch werben soll, unb offensichtlich will Macbonalb mit seinem Kabinett ben allgemeinen Schutzzoll ohne Unter- E nsuhrverdote, Kontingentierung ber Einfuhr hatten uud babei eine Liste vou Gießener ± Ä S*. WÄ »Sftr-s SE-Äesäte ^Man Ächt aus a ledem^den Schluß, daß man in hatten fie chren Vertrauensleuten au! der Gegen- n i fh t hip äbfiebt bat sehr schnell feite plumpe Fälschungen unterbreitet, ba sie h »inor Dsuudstabilisieruuq auf ber sonst ihres Verdienstes verlustig gegangen waren. allgemein unb zeigt, baß bas neue Kabinett selbst ReichStagsübg. Ok. Goevbel6 noch feinen Rat weiß, unb bas öffnet all ben 1 Wünschen, Stimmungen, Anreizen unb Versuchungen Tor unb Tür, sich nicht länger ans Golb zu binben unb etwas auf bas Meer ber Inflation hinauszuschwimmen, um Schulben loszuwerben unb billiger verkaufen zu können. Bei bem außerorbentlich engen Zusammenhang aller ßänber in biefer Frage aber haben wir in Deutschlanb also alle Veranlassung, bie Entwicklung bes Psunbes sehr genau zu verfolgen. Die ganze Rebe Macbonalbs, bie burchaus keinen konstruktiven Gebauten enthält, war überhaupt barauf gestimmt: laßt uns Zeit; im Innern ihr englischen Parteien, unb braußen ihr, Deutschlanb unb Frankreich, verstänbigt euch, bamit unter eurer Führung alle Regierungen sich auf einer Konferenz zufammenfinben zur Einigung bar- über, was mit Ablauf bes Stillhalteabkommens unb bes Hoover-Feierjahres werben soll. Das heißt für uns, wie wir immer betonen: Deutschlau b hat in seiner Auseinanbersehung um Repa- rationslasten und Privatschulben von England noch weniger Stützung zu erwarten als such unternommen, ben widernatürlichen Schein- Gin neuer Gießener Ehrendoktor, sozialismus unb bie Tributpolitik burchzuführen I Erich von Tschermak-Seyssenegg-Mien durch $erpfänt>ung der DermogenSsubstanz des ,5 November begeht Erich ° ° n Ticher - Do kes. Wenn die Dalanc^rung des Eta^ em mal-Sehls en egg. ordentlicher Proselsor an D°l kzertrummert. se, der Etat nicht em ^geir §o4(4Ie str Dodenkultur in Wien, seinen bang.-das I 6 0.Geburtstag. Die Philosophische Falultät der deutschen QBirt(d)aft an d »er Landesunioersität Gießen hat diesen Tag halte-Konsortium. Das Shstem suche sich »u Hel- Urlah genommen, ihn zum D r. r e r. p o L sen. indem es die Lohne drucke aber es t»rmm- ° h, rnhalber zu ernennen. Don Tschermak der- damit die Konsumkra». schmaler- dle Por- cnl(tamm( einer Lj-n-r G-lehrt-nsamilie. Aach duktmn. vergröbere dadurch die Ar^itslo .gleit ursprünglich rein naturwissen,chastlichen Studien mrmer mehr und das s-t dann der Kr->slaub D>e ihn seine Neigung zur Landwirt,chast. worin A-g.-rung Drun.ng hab« dte grobt«Macht m » f.$ ^chst praktisch und später theoretisch Händen, ste erlasse Aotverordnungen mch das Scharr von Julius Kuhn und Maerker in Doll werde doch s-stsiellen müssen, daki mari m, Halle betätigte. Aach der Promotion mit einer Aow-rordnung-n und dem § 48 Seither- botanischen Arbeit bei Gregor Kraus kam von • Tschermak von nun an ganz in das Gebiet der rer -DeiTanj praktischen Pflanzenzüchtung unb war in großen Arn ersten Ziel sei die Regierung Brüning vor- V Sarnenzüchtereien Deutschlands unbBelgiens tätig, beigeschossen, denn sie habe die Finanzen nicht I In Gent begann er bei bem Botaniker Mac ßeoi» saniert und auch den Produktionsapparat nicht I sich experimentell mit Tenien- unb Dastarbtor- angeturbelt. Dadurch sei die Regierung auch mit schung zu beschäftigen, bie ihn zu seinen späteren ihrer zweiten Ausgabe, den inneren Frieden klassischen Kreuzungsversuchen mit Erbsen leiteten, wi-d-th-rzusi-ll-n. g-schrü-ri. weit diese Aus- 6i,e ^rten zu der Erkenntnis ges-tzmäbig-r st^r- , ’ 3 a ; erbung nach Bastardierung. Der Zufall wollte gaben von -inet Sonsolidierung der wirtschast- »iefe bahnbrechende Feststellung gleich- lichen Verhältnisse abhange. zeitig um die Jahrhundertwende drei Männern Der innere Frieden sei erst dann wieder herge- I gelang, welche damit den fast in Vergessenheit stellt, wenn das ßeben des Volkes wieder garan- I geratenen Arbeiten des Brünner Abtes Gregor tiert sei. So lange die Gefahr des Dürgerkrie- Mendel die ihnen gebührende Geltung verschaff- ges anwachse, könne von innerem Frieden keine I ten. Neben von Tschermak waren es ber Rebe sein. Der Rebner betonte in biesem Zu- I hollänbische Botan.k^r beDries und ber beutsche sammenhange, bah bie Tätigkeit ber Kommunisten Botaniker Correns. Von Tschermaks Habi- immer eifriger werbe, er wies auf bie Menschen- I litationsschrift über künstliche Kreuzung bei Pisum Opfer ber S. A, ja selbst ber Polizei burch ver- I sativum machte ihn mit einem Schlage in ber brecherische Taten hin. Die Nationalsozialisten I ganzen wissenschaftlichen Welt bekannt. feien imstanbe, ben Kommunismus zu übertoinben, Von Tschermak war, wie es seiner gärt* weil sie eine bessere Idee als der Kommunismus nerischen und praktischen Schulung entsprach, so- hätten; sie würden ihm als deutsche Sozialisten I fort nach der Wiederentdeckung ber Menbelfchen entgegentreten, unb sie seien auch bereit, bafür Gesetze bestrebt, ben rasch in allen ßänbern er- Machtmittel einzusetzen. Die Nationalsozialisten folgten Ausbau bes Menbelismus auf bie lanb* könnten bie Garantie bafür übernehmen, oaß ba, wirtschaftliche unb gärtnerische Pflanzenzüchtung wo fie stäuben, bie Welle ber bolschewistischen I anzuweuben. Ein ßieblingsgebiet von Tschermaks Springflut zum Verebben komme, (ßebhafter Bei- war schon in seiner Jugenb bie Blumenzüchtung. fall.) Der Rebner polemisierte sobann gegen bie heute bie Züchtung neuer Primeln unb Aurikeln Parteien ber Mitte unb erklärte, biefe hätten ver- I burch Kombination von Kultur- unb Wilbformen. spielt, es werbe von ihnen halb nichts mehr ba I bie auch von größtem gärtnerischen Interesse sein. Die Mitte verschwinbe unb ber Rabikalis- I sinb, besgleichen seine berühmten Weizen- und mus wachse. Es sei auch gut, wenn vor ber Aus- Roggeubastarbierungen. einanbersetzung zwischen beutscher Volksbewuht- Welcher Wertschätzung sich von Tschermak beit unb internationalem Bolschewismus bas Zwi- I in ber Welt erfreut, zeigt feine Mitgliebschaft schengelänbe ausgeräumt werbe. Der Nationalso- bei zahlreichen Äkabemien verschiebenster Natio- zialismus habe illcht bie Absicht, in Deutschlanb nalitäten. irgend etwas bestehen zu lassen von dem, was Die Steigerung und Verbesserung der Doden- Deutschlaub in ben Verfall hineingetrieben habe. I ertrüge verdankt bie ßanbwirtschaft neben inten- Der Nationalsozialismus sei und bleibe eine revo- siverer und sachgemäßerer Düngung nicht zuletzt lutionäre Parier, deren revolutionäre Arbeit durch bem Anbau auf züchterischem Wege verebelter Wirtschaft man Die deutschen Börsen Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. Bl. Banknoten. gtrtln, 13. Jlootmtitr Bcichsbankdivkont 8 v. h., Lombardzinsfuß 10 o. h. 20 bis nach 22.15: ..Strafgesetz' Freitag. 20.. 20 bis nach 22.15: Bobby weint. Bobby lacht'. — Samstag, 21.. 20 bis nach 22.30: „Der Streit um den Sergeanten Grischa". — Sonntag, 22-, 15 bis nach 17.15: „Strafgesetz". 20 bis nach 22 30: ..Der Streit um den Sergeanten Grischa". • Generalkündigung in der Frankfurter Metallindustrie. Der Lchlichlungs- ausschuß in Frankfurt a. M. hatte am 5. d. M. einen Schiedsspruch gefällt und darin die Notwendigkeit der Verminderung der Gestehungskosten zur Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit der in ihrer Existenz bedrohten Metallindustrie anerkannt. Die MetaÜindu. timeritamfdie Note» öelflildie 91oten......... Dantiche Noten Englische Nol.'n......... i^rSn,Sülche Noten Holländische Noten Italienische Noten ... ... Norwegische Noten . Deutsch-Lesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Noten Schweizer Noten. ....... Spanische Noten......... Ungarische Noten Oer Devisenmarkt Reichsmark und Dollar fest. Büchertisch. — Helene Döhlau: Föhn. Roman. 3n Leinen 5,25 Mk. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart - Berlin.) (354). — Föhn — bedeutet zu- , — Donnerstag, 19, 20 bis gegen 22 45: „ilbat) Shan-Kar". — es sich bann leicht ab, um sich gegen mittag wieder auf 3,7825 zu erholen. Die R e i H s m a r k war g u t behaustet eher sogar eine Kleinigkeit fester, da hofft, daß die deutsch.französischen Besprechungen in Kürze zu einem erfolgreichen Abschluß kommen werden. In London stellte sich die Reichsmark auf 15,9750, später auf 16,0250, in Amsterdam auf 58,80 und in Zürich auf 121,15. Das Pfund stellte sich gegen den Gulden auf 9,40, gegen Paris auf 96,40, gegen Zürich auf 19,39 und gegen Spanien auf An den internationalen Devisenmärkten war bas Geschäft gestern vormittag sehr ruhig. Die Veränderungen in den einzelnen Devisen waren nur schr gering. Das englische Pfund eröffnete mit 3,7750 gegen den Dollar fast unverändert zu vor- gestern. 9m gestrigen Vormittagsoerkehr schwächte Geschästsstille in Frankfurt. Frankfurt a. 1, 13. Rov. Mangels besonderer Anregungen herrschte im heutigen telephonischen Freiverkehr von Bureau zu Bureau große Geschäfts st ille. Die Spekulation bekundete im Hinblick auf die erschwerenden Verhandlungen in der Etillhaltefrage und wegen des nur langsamen Fortschreitens in der Reparationsangelegenheit stärkste Zurückhal- t u n g. Die Tendenz am Aktienmarkt war zwar nicht unfreundlich, und die Mehrzahl der Kurse blieb auf dem gestrigen Riveau gehalten, doch machte sich verschiedentlich auf Gewinnmitnahmen gewisse Schwächeneigung bemerkbar. Sehr vernachlässigt waren heute Elektro- und Montanwerte, während am Kunstseidemarkt für Aku angeblich auf holländische Käufe gröberes Interesse bestanden haben soll. Aku zogen bei relativ regem Geschäft 4 Prozent an, Bemberg konnten hiervon etwa 2 Prozent profitieren. Auch der Rentenmarkt zeigte heute keine wesentlichen Veränderungen. Die erhöhten Kurse termittel zogen um 0,25 Mk. an. Von ölhaltigen Futterartikeln kosteten im freien Markt Soya- schrot 12,50, Palmkuchen 11,50, Kokoskuchen 13,00 und Erdnuhmehl 14,00 Mk. per 100 Kilogramm. — Für Kartoffeln blieb die Rotiz für Industriekartoffeln, hies. Gegend mit 2,85 per 50 Kilogramm bei stetiger Tendenz unverändert. |trie steht infolgedessen auf dem Standpunkt, daß der im Schiedsspruch vorgesehene Abbau der Löhne der Situation in der Metallindustrie nicht gerecht wird. Aus diesem Grunde ist sämtlichen Arbeitern und Arbeiterinnen das bestehende Arbeitsoerhättnis zum 17. November mit Arbeitsschluh gekündigt worden, soweit nicht Hesetzliche Bestimmungen eine längere Kündigungsfrist bedingen. • Kündigungen in der Kasseler Metallindustrie. Die dem Verband der Metallindustrie angeschlossenen Firmen haben sämtlichen Arbeitern zum 28. Rovember gekündigt, da der Schiedsspruch in der Kasseler Metallindustrie keine Lohnsenkung, sondern nur eine Akkord- ermähigung um 5 Prozent gebracht hat. Die Firmen erklären sich bereit, die Arbeiter zu neuen Bedingungen, die jedoch noch festgesetzt werden müssen, einzustellen. «eld 4.20 58.38 89.97 15.87 16.52 169.26 21,71 88,22 58.68 2.49 89,47 82.01 36,33 Wochenbericht vom Frankfurter Gchlachtviebmarkt. Die Preistendenz am Frankfurter Schlacht- Viehmarkt hat eine weitere erhebliche Verschlechterung erfahren. Der Zutrieb zu den einzelnen Märkten war auch in dieser DcrichtSwoche auster- ordentlich hoch. Die starken Auftriebe drückten naturgemäß wieder seyr auf die Preise. An allen Märkten waren die DerkausSmLmlichkeiten infolge der schwachen Kaufkraft weiter Verbrauchcrschich- ten sehr schlecht, so daß trotz der niedrigen Preise aroster Ueberstand verblieb. Die Exportmöglichkeiten sind sehr gering. Die statistisch« Lage ist zur Zeit so, daß gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres die Preise sür die einzelnen Viehgattungen um 30 bis 40 Prozent schwächer sind. Der G r ob v ie hm ar k t war mit 1928 Stück (gegen 1795 in der Vorwoche) austerordentlich stark beschickt. Rach sehr schlechtem Geschäft verblieb starker Ueberstand. Die Preisverluste betrugen bei Ochsen und Färsen je 2 bis 3 Mk., bei Kühen 2 Mk. Bullen blieben bei gutem Auftrieb gut behauptet. Am Kälbermarkt gingen die Preise zwar auch um 1—2 Mk zurück, doch war hier das Geschäft nicht unbefriedigend. Der Zutrieb betrug 1371 (1324- Stück, der auch geräumt werden konnte. 3m Grund« ist aber die Situation nicht bester als an anderen Märkten. Einen Rekordauftrieb verzeichnete in dieser Derichtswoche der Schafmarkt, an dem 924 gegen 606 Stück in der Vorwoche zum Verkauf gestellt wurden. Der Handel war sehr schleppend und PreiSeinbutzen von 2—3 Mk. waren zu verzeichnen. Am Schweinemarkt war die Beschickung etwas geringer; sie betrug 5877 gegen 6332 Stück. Zu Beginn der Woche lagen die Preise um 1—2 Mk. höher, doch trat gegen Ende der Woche wieder eine Abschwächung ein, so dah die Dotierungen noch 2 Mk. niedriger als in der Vorwoche lagen. Der Handel war zwar auch sehr ruhig, doch tonnte der Markt aus- verkaust werden. 3m einzelnen notierten per Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 32—34, a2) 28-31, bl) 23-27. Dullen a) 26—30, b) 22-25. Kuh« a) 24-26, b) 20-23, c) 15-19. Färsen a) 31-33, b) 28—30, c) 23-27. Kälber a) -, b) 40—43, c) 35—39, d) 28—34. Schafe a) 24—27, b) 20—23, c) 15—19. Schweine a) —, b) 44 bis 46, c) 43-46, d) 42—46, e) 38-43, f) —, g) Sauen 33—40. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Obwohl die Hauste an den Getreideweltmärkten auch in dieser Woche zunächst noch anhielt, trat am Frankfurter Produktenmarkt eine merkliche Beruhigung ein. Zeitungsmeldungen über Preissenkungen, Zinsverbilligungen, Zollsenkungen usw. haben bei der Händlerschaft stärkste Zurückhaltung verursacht. Da aber andererseits das Angebot von Brotgetreide nach wie vor äußerst knapp blieb, konnten sich die Preise auf dem Riveau der Vorwoche gut behaupten. Hierbei war auch der sich immer mehr verstärkende Eindruck einer recht knappen, innerdeutschen Getreideversorgung maßgebend. Gegen Endä der Berichts- Woche kam vereinzelt etwas mehr Ware an den Markt. Die Umsahtätigkeit blieb auch während dieser Woche sehr gering. Am Drotgetreidemarkt blieb der Preis für Weizen mit 237,50 Mk. gegen die Vorwoche gut behauptet. Die Mühlen sind im Einkauf wesentlich zurückhaltender geworden. Anders verhielt es sich bei Roggen, der laufend gut gefragt war und erneut um 1,50 Mk. pro Tonne auf 225-227,50 Mk. anzog. Der D e r ft e n m a r 11 lag bei fehlendem Angebot weiterhin fest. Der Preis für Braugerste blieb mit 190 Mk. per Tonne unverändert, für Industrie- und Futtergerste zogen sie weiter leicht an. Industr.egerste brachte 185—190 Mk., Futtergerste 175—185 Mk. ab Mannheim. Hafer war in dieser Woche etwas mehr offeriert, so daß sich der Preis um 2,50 Mk. auf 162,50—170 Mk. per Tonne senkte. DaS Geschäft war ziemlich klein. Am M e h l m a r k t ließen die Mühlen in dieser Woche ihre Preise unverändert. Trotzdem war der Absatz sehr mäßig. Roggenmehl war laufend gut gefragt, da das Angebot des Rohprodukts gering und die Vermahlung knapp ist. Der Preis zog um eine viertel Mark an und stellte sich auf 31,25 bis 32,50 per 100 Kilogramm. Für Weizenmehl südd. Spezial 0 mit Austauschweizen verlangte man 37 bis 38 Mk., für Sondermahlung 35—36 Mk. Weizenmehl niederrhein. Spezial 0 und Sondermah- lung stellte sich eine viertel Mark niedriger als süddeutsches. Am Futtermittelmarkt ist auch eine merkliche Beruhigung eingetreten, wenngleich der Anfall äußerst knapp ist. Die Umsätze gingen ebenfalls zurück, doch blieben die erhöhten Preise gehalten. Weizenkleie 9,25, Roggenkleie 9,75. Rauhfut- 43,56. Die Norddevisen waren gut gehalten, ebenfalls die Südamerikaner. Der Dollar tendierte etwas fe st e r. Die Reichsmark und der Dollar lagen am Nachmittag fest, während sich das englische Pfund auf seinem Stand von 3,7790 gegen den Dollar behaup- tote. Gegen den Gulden schloß es mit 9,39, gegen Paris mit 96,40 und gegen Zürich mit 19,37. Die R e i ch sm a r k zog in London auf 15,94, in Amsterdam auf 68,90 in Zürich auf 121,25 an, während sie In Neuyork mit 23,65 gut behauptet blieb. Der Dollar befestigte sich in Amsterdam 248,65 und in Zürich auf 512,50. Die Norddevisen tendierten wieder schwächer, Gulden, Mailand und Madrid waren eher etwas leichter, während der französische Frank unverändert blieb. der Vortage blieben gut behauptet, vereinzelt lagen noch einige Werte, besonders mitteldeutsche, um etwa 2 bis 3 Prozent höher. Von Liquid dationSpfandbriefen waren Frankfurter Hypo- theken-Liquidation gesucht und fester. Reichsschuldbuchforderungen lagen unverändert, während von deutschen Anleihen Altbesitz weiter gefragt und 1 Prozent höher notierten. Am Markt der Industrieobligationen zogen Farben- bonds etwas an. Auslandrenten still. Berliner Frühbörse. Berlin, 14. Nov. (WTB. Funkspruch.) Der heutige Frühoerkehr zeigt undurchsichtige Ten- denz und litt unter dem schwächeren Schluß der gestrigen Neuyorker Börse. Schon in den gestrigen Abendstunden konnten sich die höchsten Kurse nicht mehr voll behaupten, da mit Ausnahme der Farben- aktien eher Abgabeneigung bei der Spekula- Hon bestand. Mit Interesse erwartet man Einzelheiten über die für heute vormittag einberufene Börsenvorstandssitzung in der ein Antrag der Berliner Maklerschaft auf Wiedereröffnung der Börse beraten werden soll. Am Devisenmarkt hörte man Pfund gegen Paris 95,80, gegen Mailand 73,06, gegen Spanien 43,50, gegen Schweiz 19,25 gegen Kabel 3,7575. Spielplan Der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 15. Rovember, 15 bis 18 Uhr, sowie Sonntag, 15., Montag, 16. und Freitag 20., jeweils von 20 bis 23: „Im weißen Rößl". — Dienstag, 17., 19.30 bis gegen 23: „Doris Godunow". — Mittwoch, 18.. 19 bis gegen 2230: „Tannhäuser". — Donnerstag, 19., 19.30 bis 22 30: „Othello". — Samstag, 21.. 20 bis gegen 23: „Undine". — Sonntag, 22., 17 bis nach 21.30: „Parsifal". Schauspielhaus Sonntag, 15. Rovember, 14-30 bis nach 17.45 Uhr: „Der Hauptmann von Köpenick". 20 bis nach 22.15: „Bobby weint, Bobby lacht". — Montag, 16., 20 bis gegen 23: „Der Kaufmann von Venedig". — Dienstag, 17., 20 bis 22.15: „Das Konto X". — Mittwoch, 18, 4,22 58,62 90,33 15,93 16.58 169.94 21,79 88.58 58,92 2,51 89.83 82.33 36,47 13 November 14 November Amtliche Jlofitning Amtliche Notierung »flO Sriel Geld »riel eelfingfotl . 8,24 8,26 8,21 8.23 Wien. . . 58,94 59.06 58.94 59.06 Drag . . . 12,47 12.49 12.468 12.488 Budapest . . 73,28 73.42 73.28 73,42 Sojia . . . 3,057 3.063 3,057 3.063 Holland . . 169,63 169.97 169.43 169.77 Oslo .... 88,41 88.59 88.11 88.29 RoDenbofl« . 90,16 90.34 90.01 90.19 Gtocfbolm 89.66 89.84 89,56 89,74 London. . . Buenos Sirrt 15.91 15,95 15,88 15,92 1,138 4,209 1,142 1,123 1,127 4,217 Netmorl 4,217 4,209 Sörüfkl . . . 58,54 58,66 58,57 58,69 (Italien . . . 21.73 21,77 21,72 21,76 Part« . . . 16,53 16,57 16,53 16.57 Schweiz - . . 82,19 82.35 82.13 82.29 Spanien . . 36,46 36.54 36,31 36.39 Danzig. . . 82,22 82.32 82.22 82.38 Japan . . . 2,058 2,062 2,058 2,062 Rio de Jan.. 0.259 0,261 0.259 0,261 Jugoslawien. Ulflabon . . 7.473 7,487 7,473 ’ 7.487 14,44 14.46 14,39 14,41 nächst den Sturmwind der Revolution. Raid und wahrscheinlich richtig und auf den Schauplatz zutreffend, ist hier daS Stimmungsmäßige des re* volutionären Taumels und Wirbels erfaßt, wie er. nicht weit von München, ün Voralpenland« die bäuerliche und bürgerlich« Bevölkerung ergreift; vorab die jungen Leute, die Halbwüchsigen. Helene Döhlau will zeigen, daß in diesem wilden Feuer auch .alles Lautere geschmiedet wird": Das junge $en der Menschheit. daS Iuzendherz der Welt. — Der Rausch des Reuen. Ungewohnten umnebelt die Gehirne, biS der wirkliche, der reinigende Gebirgsföhn die Schicksale zur Entscheidung treibt: DaS paßt, das muß sich finden! Alten und Jungen wird die Dichterin gleichermaßen gerecht, und auS ihren Händen geben Menschenbilder hervor, immer wieder gleich phantasievoll. leben-echt, her- zenSwarm und hinreißend in ihrer frühlinghasten, genialen Art. — Ludwig Finckh. Stern und Schick- s a L Johann KeplerS Leben-vornan. In Leinen Weiter Wmlenwthilse 1931/32 Helft den Notleidenden! Jede Gabe ist willkommen! Sachspenden an das Stöbt. Wohlfahrtsamt Gartenstraße 2, Zimmer 9, erbeten; auf Wunsch erfolgt Abholung. Telephon 2sss. Geldspenden nehmen auch die Sanken und Sparkassen entgegen,- ferner sind Einzahlungen aus das Winternothilfe-Konto Ist. 3372 bei der Äezirkssparkasse Gießen möglich. 5,25 Mk. Deutsche DerlagS-Anstalt SUttzart und Derlin. (416.) — Ludwig Finckh hat die Gestalt Johann Keplers mit all der Buntheit seiner bewegten, von religiösen und politischen Kämpfen zerrissenen Zeit umgeben- Es ist die tiefe Tragik im Leben des großen Astrologen und Astronomen und gibt diesem Roman eigenen Reiz und starke Spannung, daß Kepler, der Diener der stillsten Wissenschaft, mitten in die lauteste aller Zeiten gestellt war, — daß er, der nur die goldene Schrift der Gestirne entziffern wollte, immer wieder in den Strudel der Weltereignisse gerissen wurde —. Es ist ein weiter Weg vom armen schwäbischen Dürgersohn bi- zum kaiserlichen Astronomen, doppelt weit in der aufgewühlten Zeit de- ausgehenden 16. Jahrhundert-. Finckh hat diesen ungewöhnlichen Leben-weg meisterhaft lebendig gemacht. 3n knapper bildhafter Darstellung erstehen Keplers schwäbische Heimat, die verworrenen Schicksale seiner Familie, die Universität Tübingen. Graz, dakaiserliche Prag. — Linz, Ulm, Sagan find die letzten Etappen seines Weges zu einer Zeit, da schon der Dreißigjährige Krieg Europa verwüstet und auch über Keplers Geben die Unstern« stehen. — Schmidt. D. Hans, Professor in Halle a. S. Die Erzählung von Paradies und Sundenfall. (Sammlung gemeinverständlicher Vorträge aus dem Gebiet der Theologie und R gionsgeschichte 154.) 1,80 Mark, in der Subskript i 1,50 Mark. Verlag 3. E. B. Mohr, Tübingen. (452 ) —Der Verfasser untersucht zunächst, welche» der ur- sprüngliche Sinn der alten Erzählung ist. Dabei tritt ihm der Stoff in drei urfprünlid) selbständige und miteinander verflochtene Erzählungen auseinander, die alle drei gemeinsam haben, daß sie geistvoll tief und jede in besonderer Weise von der Entstehung der Liebe handeln. Das wird herausgestellt und durch die Heranziehung von (Ermittlungen ähnlichen Charakters beleuchtet. Danach läßt es sich der Derfasier angelegen fein, die Geschichte ausm.zeigen, in die die ursprünglich kanaanäischcn Erzählungen unter dem Einfluß der Gottesanschauung der israelitischen Religion ihren Sinn verändert haben und zu einer Erzählung von der Entstehung von Sünbe und Tod geworden sind. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bl, 12.30 Uor. 16 bi, 17 Uhr Sam,tag nachmittag geschlossen. ttnjeljena.tflräge sind lediglich an bte Geschäft, stelle zu richten. !■ i Künstliche Augen fertigen wir natunrrtreu für uns. Patient (•J I F. Ad. Müller Söhne, Wiesbaden. I -w Jia Gieße«: Univ.-Augenklinik, Friedrich- Straße, vom 19. bis 21. November 7771V (^ßullrkh ■Sahu«^^S Druckschriften in gefeixten Bogen In Meftform »ler in der Bonrtft Oeerelontucn angeordnet eorgflitig gedruckt dienen oen Beiangy» von Handel und Verkehr induetrte und Gewerbe. 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Dabei uriprünlid) selbstänbige t Erzählungen austm« m haben, bah sie gtifb ■er Weise von bereu/' las wird herar^-l von ErzähluM ck- Danach Wersihdec Skschichte arisWPn, anäischen itW Anschauung btt W - verändert Entstehung von Sunfc tv Kedattisa- bi, 11 W. 5g®m find Mch w die *Ä& t-zss Ä November Erl# .nnik- lUB hstei” L* *•»* irtl**1" SJl.-'fpont Nunistunkprogramm Alle Bmchleidenden werden auf das heutige Inserat des Svezial»Banda> giften Nuffing aufmerksam gemacht. ^«s v Die pofolfpiete in Westdeutschland. Das System. Die letzte Monatsoersammlung des WSV. faßte ten Beschluß, den dritten westdeutschen Teilnehmer an den Endkämpfen um die Meisterschaft des DFB. aurch einen Pokalwettbewerb herauszuspielen. Be- re-its im August und im September traten die Gaue 1 und 2 und die 2. Bezirksklassenvereine in den Wett- jrajerb ein. Der nach Abschluß dieser Spiele verreibende Sieger (Sp. u. Sp. Ehringshausen ist es im 3 au Gießen-Wetzlar) tritt nunmehr mit den Berumen der Oberliga und der 1. Bezirksklasse in den Wettbewerb. Der Bezirk Hessen-Hannover ist wieder m drei Gruppen geteilt, deren Sieger die Spiele um )i! Bezirkspokalmeisterschaft bestreiten. Der Bezirks- pnkalmeister kann sich u. U. bis zum dritten west- rutschen Vertreter durcharbeiten. Der Weg erscheint lange ist es aber in Wirklichkeit nicht, denn der unterliegende Verein scheidet sofort aus. So ist Bo- ruissia Fulda durch Bebra bereits aus dem Rennen ^warfen. Im ehemaligen Lahnkreis stehen noch zehn Mannschaften im Wettbewerb. Die Spiele nehmen an Sonntag ihren Fortgang. In unserem Bezirk sind es allerdings nur wenige Vereine, die sich bete iligen. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 Liga — wehlar-Niedergirmes Liga. Kein Verbandsspiel! Vielmehr ein Pokalspiel, das aber auch einigen Reiz in sich bergen dürfte. Dor droa vier Wochen war die Mannschaft von Nieder- giimes auf dem Sportplatz am Trieb zu Gast und mußte bei diesem Spiel die zwei Punkte in Gießen la^en. Mit 4:1 verloren die Gäste seinerzeit. Um so m ehr werden sie jetzt darauf bedacht {ein, die Nieder- la ge auszuwetzen, um schließlich in der Pokalrunde in Ehren zu kommen. Das kürzlich von den beiden Mannschaften gezeigte Spiel war zwar nicht sehr qualifiziert immerhin aber spannend. Die Wetzlarer iD.aren im Sturm und in der Läuferreihe wenig gut belebt, dafür war die Verteidigung um so zuverlasst- ger und der Tormann sicher. Lobenswerter Eifer unb Stehvermögen zeichnen die Mannschaft aus, die durch Durchbrüche doch sehr gefährlich zu werden vermag. Jedenfalls dürfte die Niederlage, die die DOOer der Gastmannschaft beim letzten Verdandsfpiel beibringen konnten, nicht der Grund sein, das Spiel aus die leichte Schulter zu nehmen. In den letzten 3 pielen haben die Blauweißen (man erinnere sich ' nur des Spieles vom vergangenen Sonntag gegen Jvttenhorn) nichts Ueberragenbes gezeigt, das sie berechtigte auf Lorbeeren auszuruhen. Die reformbedürftige'Mannschaft sollte sich endlich einmal zu einer Form aufraffen, die einer Ligamannschaft ro-ürbig ist. Dies dürfte schon deshalb nicht allzu idnroer fein, weil in der Mannschaft einige Kanner (leiten, die sich schon allein auf Grund ihrer Technik mlammenfinben müßten. Die Wetzlarer werden auch nur dann niederzuringen fein, wenn oie Gießener m it mehr Lust und Liebe spielen, als es bisher ge- ttzehen ist. Man erwartet die 1900er in Front. Der ciegcr aus diesem Spiel hat gegen den Sieger aus dein Spiel Dillenburg — Hartenrod anzutreten. Die Ligareserve der Spielvereinigung fährt zum y Btrbandsspiel nach Nauborn. 1900 tritt gegen die bnrtige 1. Mannschafft ersatzgeschwächt an und muß wesentlich bessere Leistungen zeigen, als sie am Sonntag gegen die Ligareserve des VfB. gezeigt wurben, wenn ber Sieg mit nach Haufe gebracht worben soll. Die Lehrmannschaft spielt vor dem Liga- lp icl gegen die 1. Mannschaft von Heuchelheim. Es hanbelt sich um ein Entscheidungsspiel, das die 1900er Albach II — Gtf’ntod). In ber Jugenbgru^pe die Mannschaften von Garbenteich — Garbenheim. Handball im Gau Hessen (O. T.) Das letzte Spiel ber diesjährigen Verbands-- runde stellt die Turner des Turnvereins 1 8 4 6 vor eine schwere Aufgabe. Die Mannschaft muß nach Wetzlar zum dortigen VfL. Die Darmstädter haben in den letzten Spielen gegen Friedberg und Butzbach gut abgeschnitten und eine erstaunliche Formverbesserung gezeigt. Auch wenn es bei den Einheimischen, die in kompletter Ausstellung antreten, in allen Teilen klappen sollte, wird es zu dem 8:3 des Vorspiels kaum reichen. Handball der Sp.-Vg. 1900 1900s zweite aktive und die 1. Jugendmannschaft tragen kommenden Sonntag ihr letztes Verbands- bzw. Pflichtspiel aus. Beider Gegner ist der Tv. Wetz, lar. Beim Vorspiel in Wetzlar konnte 1900s zweite Garnitur einen Sieg landen. Ob er auf eigenem Platz wiederholt werden kann, hängt davon ab, wie sich der zu stellende Ersatz emfügt. Die Jugend aibt sich zwar immer redlich Mühe, es scheint aber fraglich, ob sie eine Niederlage abzuwenden vermag. VsB.-Gießen. Der VsV. hat für den kommenden Sonntag nur für drei seiner Mannschaften Spiele abgeschlossen. Die Liga und die Ligareserve sind spielfrei. Die dritte Mannschaft trägt ein Gesellschaftsspiel gegen die zweite Mannschaft von Steinbach aus und sollte imstande sein, den Sieger zu stellen. Die 1. Lugend hat auf eigenem Platz die 1. Lugend von Duhbach im Diplomspiel zu Gast. Die Butzbacher stellen eine eifrige, körperlich nicht zu unterschätzende Mannschaft dar, die den DfBern den Sieg nicht leicht erringen lassen wird. Die 2. Lugend hat die 1. Lugend von Dutenhofen im Diplomspiel zu Gast. Der Ausgang des Spieles ist offen. Fußballklub 1926 Großen Äuseck. Am morgigen Sonntag empfängt die 1. Mannschaft von Großen-Buseck die 1. Mannschaft von Watzenborn-Steinberg. Die Gäste stehen bis jetzt ungeschlagen an der Spitze und werden voraussichtlich auch den Meistertitel an sich reißen. Wenn auch nicht mit einem Siege der Grohen- Vusecker zu rechnen ist, so dürften sie sich doch um ein achtbares Ergebnis bemühen. Grohen- Duseck muh mit reichlich viel Ersah antreten. Sportabteilung des Turnverein Lollar. Die Sportabteilung des Turnvereins Lollar steht am kommenden Sonntag wieder mit allen (Spiel- Mannschaften auf dem Plan. Die 1. F u ß b a l l - Mannschaft fährt nach Kirchhain, um ber bärtigen 1. Mannschaft ein Freundschaftsspiel au liefern. Kirch. Hains 1. Mannschaft dürfte für Lollar ein schwerer Gegner sein. Spielt Lollar allerdings komplett, bann liegt ein Sieg im Bereich der Möglichkeit. Die 2 Mannschaft muß nach Leihgestern zum Derbanbs- spiel gegen Leihgestern II. Hier dürfte es wohl em hartes Ringen um die Punkte geben. Der Ausgang des Kampfes ist offen. Die 1. Handball- Mannschaft muß zum fälligen Verbandsspiel nach Nordeck. Als Tabellenführer müßte sie gegen den morgigen Gegner eigentlich Sieger bleiben, zumal das Vorspiel 9:1 für Lollar gewonnen wurde. Das Spiel darf trotzdem nicht leicht genommen werden. Zwischenrunde um den OFB.-Pokal. 3n der Zwischenrunde um den Dundespokal des Deutschen Fußball-Bundes stehen sich am 10. Januar die drei Vorrundensieger und die Mannschaft des spielfrei gewesenen süddeutschen Verbandes in folgenden Paarungen gegenüber: Süddeutschland gegen Brandenburg in Süddeutschland, Aorddeutschland gegen Südostdeutschland in Aorddeutschland. Handball im Lahn-Oünsberg-Gau. Arn kommenden Sonntag herrscht auf allen Plätzen der Vereine des Lahn-Dünsberg-Gaues lebhafter Spielbetrieb. In der Gau klasse sind folgende Spiele angefetzt: Staufenberg — Garbenteich. Allen- dorf — Wieseck unb Dorlar — ßonborf. In ber Bezirksklasse stehen sich folgenbe Mannschaften gegenüber: Bezirk 1: Erba — Waldgirmes unb Wißmar — Garbenheim, Bezirk 2: Ruttershausen — ßonborf II Allenborf II — ßonborf II unb Nordeck — ßollar; Bezirk 3: Jlbach — Hausen unb Sonntag, 15. November. 7 Uhr: Von Hamburg: Hafenkonzert; 8.15: katholische Morgenfeier, 11: Stunbe der Bühne, Einführung zur Oper „Boris Godunow" von M. P. Mus- sorgsky; 11.30: Von ßeipzig: Reichssendung, Kantate: 12: Schallplattenkonzert-, 13.50: Zehnminutendienft der ßandwirtschastskammer Wiesbaden; 14: Stunde des ßandes; 15: Stunde der Jugend; 16: Nachmit- tagskonzert des Rundfunkorchesters; 18: „Ein Fran- zofe sieht Deutschlands Gespräch zwischen Dr. Fran- £ots Berge und Prof. Gottfried Salomon; 18.25: Die Dämmerstunde, dreißig unterhaltsame Minuten; 19: Nobelpreisträger; 19.30: Jazz auf zwei Flügeln; 20: Die geschiedene Frau", Operette in 3 Akten, Musik von ßeo Fall; 22.40 bis 24: Ergebnisse der hessischen ßandtagswahlen; in den Pausen: Unterhaltungsmusik. Montag, 16. November. 7.15 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten; 12.05: Schallplattenkonzert; 17.05: Nachmittacwkonzert des Rundfunkorchesters; 18-40: „Arbeit, Brot, Raum durch organische Planwirtschaft", Vortrag von Watth. Boehmer, Berlin; 19.05: Englischer Sprachunterricht, 19.45: Walzerkonzert; 20.30: Aus dem Kleinen Saal des Saalbaues, Frankfurt a.M.: Stunde der Kam- mermufit; 21: Dem Andenken Arthur Schnitzlers, zwei Einakter; 22: 50 Jahre Sozialversicherung, em Hörbild. Dienstag, 17. November. 7.15 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten; 12.05: Schallplattenkonzert; 15.20 bis 15.50: Hausfrauen- Nachmittag; 17.05: Bunter Nachmittag; 18.35: „Hegel unb Marx", Gespräch, ßeitung: Dr. Fritz Pappen- heim; 19.05: „Clausewitz", anläßlich seines 100. Todestags, Vortrag von Major von Nida; 19.30: Opernhaus Frankfurt a. M.: „Boris Godunow", musika- lisches Volksdrama von M. P. Mussorgssky, in der Pause: .Sechzehnter Germinal: Danton stirbt!" Vorlesung von Hermann Wendel; 22.50' bis 24: Unterhaltungskonzert. Mittwoch. 18. November. 8.15 Uhr: Morgenfeier; 12.30 bis 14: Schallplatten, konzert, Bußtagskonzert; 15 bis 16: Stunde der Ju- bei einiger Anstrengung siegreich für sich beenden sollten. Die bisherigen ^Leistungen der Mannschaft rechtfertigen diese Annahme. Die 4. Mannschaft trägt ein Freundschaftsspiel gegen Großen-Buseck aus. Die Platzbesitzer stellen eine nicht ungefährliche Mann- schäft die auf eigenem Platze nicht unterschätzt werden Darf. Die Gießener treten ersatzgeschwächt an Die 5. Elf tritt gegen Krofdorfs 1. Mannschaft an. Die Krofdorfer sind neu im Verband. Eine Vorher- tage über den Ausgang des Kampfes ist unter diesen Imftänben kaum möglich. Das Spiel finbet in Krof- borf statt. Jugendspiele. Die 1. Lugend wird in Wetzlar von der 1. Lugend des SV. zum Pflichtspiel erwartet. Wenn auch die beiden letzten Spiele gegen diesen Gegner gewonnen wurden, so darf dies Spiel nicht zu leicht genommen werden. Die 2. Lugend weilt ebenfalls in Wetzlar und kämpft um die Punkte gegen die 2. Lugend. Man darf sie wohl bestimmt als Sieger zurückerwarten. — Die 3. Jugend spielt gegen die 1. Jugend von Garbenteich. Die Gästemannschaft sollte die 1900er zur Vergabe ihres ganzen Könnens veranlassen. In einem Pflichtspiel treffen erstmalig die ersten Schüler mit den Schülern aus Heuchelheim zusammen. Die Spielstärke des Gastes ist unbekannt. Igenb; 16.20: Von München: Kinberkcmtate; 17.05: Nachmittagskonzert bes Rundfunkorchesters; 18.40: „lieber bas Lesen moderner Dichtung", Vortrag von Erich Franzen; 19.20: „Wirklichkeit unb Wahrheit", von Rubolf G. Binbing; 19.45: Gitarrenkonzert von Prof. Miguel Llobet-20.30: Großer Saal bes Saalbaues Frankfurt a. M.: Messe in E-Moll von Anton Bruckner; 21.15: „Werben — Sein — Vergehen", Rezitationen in fünf Sprachen. Donnerstag, 19. November. 7.15 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten; 9 bis 9.40: „Wie ein Kreis verwaltet wirb", — mit dem Mikrophon bei einem Lcmbrat; 12.05: Schallplattenkonzert: Franz Schubert; 15.30: Stunbe ber Jugenb; 17.05: Nachmittagskonzert bes Runbfunkorchesters; 18: Von Berlin: „Zum 700. Tobestag ber Heiligen Elisabeth", Vortrag von Prälat Dr. Kreutz, Präsibent bes Deutschen Caritas-Verbanbes E. V.; 18.40: Zeitfragen; 19.05: Stunde der Bühne — Musikalische Neuheiten im Staatstheater Wiesbaden; 19 35: Musikalische Grundbegriffe, Vortrag von Hans Rosdaud; 20: Op^rnkonzert; 20.45: Kalteifergeist, Gastspiel der Ganghofer-Thoma-Bühne, Volksstück in drei Akten; 22.50 bis 23.30: Von Berlin: Tanzmusik. Freitag, 20. November. 7.15: Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten; 12.05: Schallplattenkonzert; 17 05: Konzert; 18.40: „Hegel". Zum 100. Todestag, Vortrag von Prof. D. Dr. Th. Steinbüchel; 19.05: „Gibt es im Rechtssinn eine Kriegsschuld? I.", Vortrag von Geh. Rat Prof. Dr. van (Toller; 19.45: Karlsruhe: „Sixt und Bettina", dramatifche Erzählung in drei Teilen; 20.45: Deutsche Humoristen: Adalbert von Chamisso; 21.30: Dr- chesterkonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart; 22.50: „Die neue Brunhildis-Eisbayn auf dem Feld'berg" Gespräch zwischen Ernst Nebhut und Karl Neubronner; 23: Tanzmusik bes Tanz-Ensembles ber Stuttgarter Philharmoniker; 23.15 bis 24; Mannheim: Sonaten-Stunbe. 1W1 > wr j'Mm So außerordentlich ergiebig, so billig, so sparsam ist(Q) ! Nuri Eßlöffel auf 10 Liter = 1 Eimer heißes Wasser — schon haben Sie eine leistungsstarke Arbeitshilfe, die Ihnen das Aufwaschen, Spülen und Reinigen ungemein erleichtert und beschleunigt. Und wie vielseitig ist (Q) । Da gibt es nichts in Küche und Haus, was (Q nicht mühelos, schnell und gründlich säubert. Unaufhaltsam weicht Schmutz und Fett dieser kraftvollen Reinigungshilfe. In hellstem Schein blitzen und blinken Schüsseln, Teller und Tassen — klar und rein strahlt Marmor und Glas. 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Solch armes Würmchen soll nicht in der Stadt herum- gestoßen werden: Es soll Liebe nicht entbehren, wenn auch die eigenen Eltern sich kaltherzig von ihm losgesagt haben! Ich will es behalten als mein eigenes Kind." .Ueberlcge es dir reiflich, Martha! "Nachher ist es zu spät!" .Da ist nichts zu überlegen! Ich behalte das Kind," wiederholte sie nachdrücklich: .wie zart und fein es ist!" .Gut, Dertchen, ich will dir nichts in den Weg legen! Tue, wie du willst." .Unkosten haben wir doch nicht--im Gegenteil, bedenke, das viele Geld! Wenn wir es richtig einteilen und anlegen, können wir sogar unseren Christel studieren lassen." Lehrer Lenz unterdrückte ein Lächeln. Wie schnell und gewandt doch in solchen Fällen eine Frau rechnen und denken konnte, wenn sie in ihrem Tun auch nicht im geringsten durch kalte Berechnung geleitet wurde — — im Gegenteil! .Du nimmst viel auf dich, liebe Frau! Ich will dem Pfarrer nachher gleich diese Angelegenheit vortragen." .Tue es, Christel! Was der Pfarrer auch sagen wird: die kleine Ebba wird mein Töchterchen! Ja, ja, sei ruhig, Kleinchen. Du hast wieder eine Mutter, bist nicht mehr verlassen, armes Kind." Liebreich neigte sie sich nieder zu dem kleinen Fremdling, nahm ihn in den Arm, trug ihn tänzelnd auf und ab im Zimmer. Tränen feuchteten die Augen des Mannes, als er ihr verklärtes Gesicht sah. Ach, nun hatte ihre Muttersehnsucht wieder etwas zum Umsorgen und Betreuen, hatte wieder etwas, das ihr ganzes Denken ausfüllte. Den ganzen Bormitlaa hatte sie zu tun. Sie kramte in der Kinderwäsche, holte den Kinderwagen aus der Bodenkammer, säuberte ihn gründlich, legte die Kinderbettchen zum Sonnen und Lüften in den Garten, sie hatte keine Ruhe, ehe alles ganz in Ordnung war. Klem-Eoba lag gebadet und frisch angezogen in dem Kinderwagen. Es war ein herziges Kind mit großen blauen Augen und seidig blonden Härchen, die sich zu Löckchen ringelten. Wie ein Wunder staunte Christel dasSchwester- chen an, das ihm in der Rächt gebracht worden war. »Gelt, Mutti, wie unser Mariele sieht es auST* Tränen stürzten da aus den Augen der Frau, die mit Macht den Gedanken an das verstorbene Töchterchen unterdrückt hatte. .Mutte, du sollst doch nicht mehr weinen." Christel umklammerte ihren Hals und schmiegte seine weichen Kinderwangen an ihr Gesicht, .unser Mariele ift doch ein kleiner Engel geworden mit goldenen Flügeln." Ja, das Mariele war ein kleiner Engel geworden, der Mutterliebe nicht mehr brauchte, um so mehr aber dieses vom Geschick ihr ins HauS gebrachte kleine Geschöpfchen. Ach. gab es wohl etwas Grausameres, als solch ein hilfloses Würmchen von der Mutter wegzunehmen und es am Wege auszusetzen? Undenkbar war solche Handlungsweise. Wie nun, wenn das Kind in kalte, lieblose, habgierige Hände gekommen wäre, die das Geld für sich verwenden und daS Kind verkommen lassen würden. Frau Lenz schauerte bei diesem Gedanken leise zusammen. Rein bei ihr sollte das Kind an Mutterliebe nichts entbehren — hüten und halten wie ein eigenes wollte sie das Kind fremder Menschen, und in tiefstem, heiligstem Erbarmen neigte sie sich über den Wagen: alles wollte sie geben, was ihr Herz an Liebe geben konnte, usd das war viel. 3. .Ihr dürft aufstehen, Kinder, und wieder spielen." Gräfin Reinshagen hatte die Ungeduld in den Mienen der beiden Mädelchen, die ihre Milch ausgetrunken und sich nach einem Spiel sehnten, wohl bemerkt. Lächelnd nickte sie ihnen zu, als sie aufsprangen und jubelnd die Stufen der Terrasse hinunterliefen. Sie spielten auf dem mit feinem grauen Kies bedeckten Hauptwea Ball. Ihr Lachen und Jubeln weckte einen frohen Widerschein auf den Gesichtern der Eltern, die ihnen zuschauten. .Wie lebendig unsere sonst so ruhige Inga ist, wenn sie mit Ebba Lenz spielt", bemerkte Graf Reinshagen, .die Kleine ist ein reizendes Kind." .Ja, Reinhold, fabelhaft, wie sie aussieht: sie muh unbedingt aus gutem Hause sein. Ich möchte es tatsächlich wissen, woher sie stammt." Der Graf lächelte ein wenig. .Begreiflich, diese weibliche Reugierde. Ich bezweifle jedoch, daß das Geheimnis, das über ihrer Herkunft ruht, je gelüftet wird. Darum wäre es für das Kind ein Unglück, wenn es doch erfahren sollte, daß die Menschen, die es für seine Eltern hält, dies in Wirklichkeit gar nicht sind. Leider wird auf die Dauer das Geheimnis wohl kaum zu wahren fein. Es gibt genug taktlose und rohe Menschen, die aus Sensationsbedürfnis oder sonstigen Gründen es doch dem Kinde einmal sagen werden, daß es ein Findelkind ist." .Dies ist auch die ständige Furcht der Frau Lenz, die darum auch die Heine Ebba den Dortkindern möglichst fernhält, was ihr schon übel vermerkt wird. Sie fürchtet auch schon die Schule. Ich hatte ihr ja den Vorschlag gemacht, die Heine Ebba mit unserer Inga zusammen unterrichten zu lassen, was mir äußerst sympathisch wäre. Ader es geht nicht mit Rücksicht auf ihren Mann. Sonderbar würde es allerdings anmuten, ich sehe es ein, wenn der Schullehrer sein Töchterchen nicht selbst in seiner Schule hätte." Die Kinder waren des Ballspiels müde geworden: sie liefen weiter in den Park, der das Schloß rings umgab. An einem Rosenbeet stand der ©ärtner und schnitt verblühte und au weit aufgeblühte Rosen ab. Inga und Ebba blieben bei ihm stehen und sahen ihm zu. Er gab ihnen auf ihre Bitten so viele von den (Blumen, nachdem er die Dornen entfernt, als die kleinen Hände nur fassen konnten. .Oh, wir wollen uns Kränze machen, wie es Mutti immer tut!" rief Ebba. ..Mutti hat es mir gezeigt!“ Sie setzte sich auf den Rasen und band geschickt einige Rosen in Kranzform zusammen, wozu ihr der Gärtner den Bast gab. liebet Ingas glattes, dunkles Haar, das. in Pagenfrisur geschnitten, das runde rosige Delicht- chen umrahmte, legte sie einen Kranz dunkelroter Rosen, während sie sich selbst mit ganz zarten rosa Blüten schmückte. Reizend sahen die beiden aus, und wohlgefällig schmunzelnd sagte der Gärtner, ein älterer freundlicher Mann, der schon viele Jahre bei Reinshagen war: .Da werden sich aber die Eltern freuen — wie schön euch der Kranz steht." Glückstrahlend faßten die beiden sich an den Händen und gingen zurück nach dem Schlosse. Wie zwei große weihe Schmetterlinge flatterten die Mädels auf dem Rasen und wirbelten in froher Kinderlust auf und ab. .Sie nur, wie entzückend, Reinhold!" rief die Gräfin. Die etwas schwerfällige Inga suchte es der leichtfüßigen Ebba nachzutun, die die Aerm- chen hob und senkte, mit spitzen Fingerchen das Kleidchen faßte, sich neigte und streckte in kindlichem Spiel: wie ein tanzender Sonnenstrahl glitt sie auf und ab, sich mit einer bewundernswerten Leichtigkeit bewegend. .Ein geborenes Tanztalent! "Vielleicht war die Mutter Tänzerin?" Der Graf lachte. .Liebste Dathilde, in was für kühnen Gedankengängen bewegst du dich! Die Herkunft dieses fremden Kindes hat anscheinend sehr viel Interesse für dich." .Ja, Reinhold, ich gestehe es. Ist diese Reugierde nicht begreiflich? Vielleicht wenn das Kind nicht gar so hübsch wäre." .Roch hübscher als unsere Inga?" Reckend sah er ihr ins Gesicht, .und Inga gleicht dir doch so, Liebste." .Ja. Reinhold, viel hübscher als unsere 3ngaP versetzte die Gräfin, .meine Mutteraugen sinh nicht blind. Unsere Inga ist ein reizendes Kind, aber wie eS deren viele in dem Alter von fünf Jahren gibt, während die Heine Sbba ganz auffallend ist. Bildschön! Sieh dieses süße Gesichtchen mit den großen blauen Augen, den blonden Löckchen, dem herzigen Munde, und diese Grazie!" Der Graf küßte seiner Gattin die Hand. .Du bist bewundernswert, Bathilde! Ich muß dir allerdings bestimmen: wie ein Sonnenstrahl ist diese kleine Sbba. Wenn sie alS Erwachsene das hält, was sie zu werden verspricht, wird sie in manchen Herzen Unheil anrichten." Der Diener meldete Frau Lehrer Lenz. ..Ah. Sie wollen gewiß die Kleine holen?" Liebenswürdig reichte die Gräfin der Lehrersfra» die Hand. .Ja, Frau Gräfin, Christel konnte heut' nicht kommen! Hoffentlich hat Ebba die Herrschaften nicht gestört? Sie ist sehr lebhaft." .Aber nein, liebe Frau Ccnv im Gegenteil, ich freue mich, daß unser Töchterchen in Ihrer Ebba eine so nette Spielgefährtin gefunden hat. Die Mädelchen find unzertrennlich. Ich hoffe, daß Sie uns die Kleine wieder schicken. Inga würde Ebba am liebsten ganz dabehalten, so hängt sie an der kleinen Freundin. Wir haben selten ein so gut erzogenes Kind gesehen wie das Ihre, Frau Cem!" .Doppelt müssen wir auf eine sorgsame Erziehung bedacht fein, Frau Gräfin, denn man weih nicht, was für Keime in dem Kinde schlummern von seinen Eltern her. Auf jede Regung geben wir acht. Bisher haben wir aber nur Freude an ihr gehabt: sie ist leichter zu erziehen als unser verstorbenes Töchterchen. Wir haben Ebba noch niemals auf einer Unwahrheit ertappt: immer ist sie freundlich und gehorsam, willig: nur sehr empfindlich und leicht gekränkt." .Ihre gute Tat belohnt sich selbst, Frau LenzP .Ich habe Ebba unbeschreiblich lieb. Frau Gräfin. Tag und Rächt verfolgt mich aber der Gedanke, Ebbas Eltern kämen eines Tages und holten sie mir wieder weg! Aber ich gebe das Kind nicht wieder her, um keinen PreiS!" .Die Leute haben jedes Recht an Ebba verwirkt!" sagte der Graf bestimmt, .wer ein Kind in solchem zarten Alter aussetzt, hat jedes Recht an seinem eigenen Fleisch und Blut verloren. Rach meiner Ansicht können Sie darüber ganz beruhigt sein. Die Leute denken sicher auch gar nicht mehr an das Kind!" Man rief Sbba herbei. Mit deutlichem Bedauern, daß geschieden sein müsse, kamen die Mädelchen etwas erhitzt angesprungen. .Morgen kommt Ebba wieder, Inga. Dann könnt ihr weiterspielen!" tröstete die Gräfin. (Fortsetzung folgt.) 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