riebe wenn und eien r Kalisalz, reide । können! Ulhr nant le WM ernt 2EIST Voll ohnunß tu erfragen 65267 iliflSj ,1. Ausuat 198 1 5971V [ürejnsameMenschenl /instftri ft »Idorf, Helmhol|«tr-! verkauf en im Suftrmr [> iniiböfliimi 1 Sofa. i?nntl ©aldjitfdJtnlt NlchewM'EN. Kill 8ml*”Ä Seflcnitnnbe. J*l0U er.fi.m.b.U* Telephon 36U !» m i« in ED i ö n t t I I - । i i rle hm jod' Nr. 214 Erstes Blatt 181. Jahrgang Montag, 14. September (931 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dmd und Verlag: vrühl'fche Univerfilülr-Vuch- und Steinöruderet H. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulltraße 7. Annahme dor Snjeiaen für die Tageinumm« bi» zum Nachmttlag vorher. Preis für 1 mm höht für Anzeigen von 27 mm Breite örlhd) 8, auswärts 10 Reichrpsennig; für^e- hlameameigtn von 70 n m Treitt 35 ‘Htidispfennig, Plotzvorschrisl 20" . mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Perantroortlid) für Volmli Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.IKyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max FiU«, fämllid) in (Biehen. Crfcheint 1 üglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägen lohn, auch bei Richter« fcheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. 5ernfpre(danfchlüffe enterSammeinummer2251. Anfchrift für Drahtnach« richten Anzeiger Gießen. Poftfchecktonto: Sranffurlam Main 11686. Kommunistisches Attentat auf den II-Zug Budapest-Wien. Budapest, 13. Sept. (WTB). Bei Bia Torbagy (etwa 20 Kilometer von Budapest) explodierte auf einem Eifenbahnviadukt eine Höllenmaschine, während der D-Zug Budapest-Wien-Passau-Köln die Brücke passierte. Oie Lokomotive und sechs Wagen stürzten 30 Meter in die Tiefe. Bis seht sind 24 Tote geborgen worden. Es wird mit mindestens 50 Verwundeten gerechnet. Oie Neiiungsarbeiien gestalteten sich äußerst schwierig. Am Schauplatz der Katastrophe. Das Unglück wurde zuerst von einem Gepäckträger der Station Bia Torbagy wahrgcnommen, der sofort Feuerwehr und Gendarmerie alarmierte. Der Schauplatz der Katastrophe war im Dunkel der Nacht schon von weitem sichtbar, da mehrere Waggonteile lichterloh brannten. 3n einer Tiefe von etwa 30 Meter lagen die vollständig zertrümmerte Lokomotive und dis Waggons, während auf dem Gleise selbst noch fünf losgerissene Wagen standen. Durch die Stille der Nacht hallten Wehruse in verschiedensten Sprachen und aus den Trümmern wurden blutende Derletzte hervorgeholt. Die Bewohner von Bia Torbagy erzählten, sie leien um 0.15 Uhr durch eine furchtbare Detonation aus dem Schlafe geweckt worden, und unmittelbar darauf schien es, als ob ein Schrapnell durch die Luft fauste. Durch die Ex« f'losion ist nämlich ein langes Schienen« lück herausgerissen worden, dos bis nahe an die fast 7 Kilometer von der Unglücksstelle entfernt licaenbe Gemeinde Torbagy geschleudert wurde. Das Sausen dieses Eisenstückes war es, das die Bevölkerung an das Geräusch eines Schrapnells erinnerte. Die Unglücksfielle ist von Militär und Gendarme- rle abgesperrt. Hinter der von der Absperrungs« Mannschaft gezogenen Kette standen weinend die Frauen und Kinder der nahen Dörfer. Kleine Bauernwagen, daraus je ein brauner Holzsarg, reihen sich aneinander, um die geborgenen Leichen fortzuführen. Der Zug war wenig von.internationalem Publikum besetzt. Unter den bisher geborgenen Toten befindet sich kein Ausländer. Iden- tisiziert werden konnten bisher der Zugführer, zwei Eisenbahnbedienstete und drei Frauen. Unter den Verletzten Hot man bisher vier Ausländer festgestellt, und zwar eine Amerikanerin, einen Lon- boner, einen Pariser und einen Wiener. Alle Verwundeten wurden nach Budapester Krankenhäusern gebracht. Schon die ersten Feststellungen ergaben eine ausfällige Liebereinstimmung des verbrecherischen Anschlages mit den Attentaten in Südslawien sowie dem Jüterboger Attentat. (38 besteht Grund zu der Annahme, dast, als die Explosion erfolgte, der dritte oder vierte Wagen entgleiste und sofort vom Viadukt obstürzte, mehrere andere Wagen, sowie die Lokomotive mit sich reißend. Die letzten fünf Wagen, in denen sich die meisten Passagiere befanden, waren noch nicht bis zum Viadukt gelangt, sie rissen ab und blieben auf dem Bahnkörper stehen. Während der Der- aungsarbeiten wurde ein Mann in blauem Anzug von den Gendarmen dem Leiter der politischen Polizei vorgeführt mit der Angabe, dieser Mann sei nach dem Attentat die Gleise entlang in Richtung Budapest gelaufen. Angeblich sei er ein Ingenieur, es stellte sich heraus, daß er nur ein Bauarbeiter ist. Cs bestehen viele Verdachtsmomente gegen ihn. Er und ein ebenfalls verdächtig erscheinender Fabrikarbeiter werden verhört werden. Heute morgen verhaftete die Szegeder Polizei den aus Budapest eingetroffenen Universitätshörer Peter Buchholz, der die Eisenbahnbrücke photographierte. Er gab an, daß er den Sonnenaufgang photographieren wollte. Da verschiedene Verdachtsgründe aufgctaucht sind, ist die Szegeder Polizei mit Budapest in Fühlung getreten. Oas Ergebnis der Untersuchung. Tas Attentat einer internationalen Uonnnunistcngruppc Rach Feststellungen der Polizei ist das Lisen- bafjnaltentat bolschewistischen Ursprungs. Ls ist wahrscheinlich von mehreren Tälern verübt worden. Roch den Feststellungen des Kommandanten der Pionierabteilung, Hauptmann Nagy, der gleichzeitig Explofionssachverständiger ist. bestand die Höllenmaschine aus einem kleinen Vulkansiberkoffer, der mit ein bis zwei Kilo Nitroglyzerin oder Dynamit gefüllt und an dem eine Zündschnur angebracht war, die durch zwei gewöhnliche kupferdrähle mit einem elektrischen Taschenlampenelement in Verbindung stand. Die Drähte waren so angebracht, dah sie durch den über sie hinwegfahrenden Zug in Kontakt tarnen, wodurch Kurzschluß entstand, de? die Zündschnur in Brand setzte und den Zündstoff zur Explosion brachte. Zünder, Zündschnur und Explosivstoff der Höllenmaschine sind deutsches Fabrikat, das elektrische Element aber polnischen oder englischen Ursprungs, infolgedessen scheint es klar, dah das Attentat von einer internationalen Kom - muniflengruppe verübt worden ist, die in den letzten wahren eine Reihe von Attentaten in ausländischen Staaten verübte. L» wurde auch festgestellt, datz die Höllenmafchine nicht mit einem Uhrwerk verbunden war, sondern dah die Sprengung auf Grund von Beobachtungen an Ort und Steile mit gröhter Sachkenntnis veranlaht wurde. Den vor dem Schnellzug fahrenden Personenzug haben die Verbrecher passieren lassen. 3n der Nähe der Unfallstelle wurde ein Brief gefunden, in dem es heiht: Arbeiter! Ihr habt keine Rechte! Nun, wir werden Luch fotche von den Kapitalisten erwirken. Jeden Monat werdet Ihr von uns hören, denn unsere Freunde sind überall zuhause. Ls gibt keine Arbeitsgelegenheit! Nun, wir werden welche schaffen. Alles werden die Kapitalisten zu zahlen haben. Fürchtet nichts, unser Benzin geht nicht aus! Die Unterschrift laufet: Der Ueberfetzer. Der Bericht eines Augenzeugen. Der Budapester Vertreter der .TU." hatte Gelegenheit, mit einem Augenzeugen des Eisenbahnattentates zu sprechen, der das furchtbare Erlebnis folgendermaßen schilderte: »Ich bestieg in Budapest den ersten Wagen des Wiener Schnellzuges. Da aber kein Platz vorhanden war, begab ich mich in den vorletzten Wagen und legte mich dort zum Schlaf nieder. Nur diesem llmftanb habe ich es zu verdanken, dah ich mit dem Leben davongekommen bin. Etwa zehn Minuten nach Abfahrt des Zuges ereignete sich das Tlnglück. Ich wurde durch eine furchtbareDe- t o n a t i o n und ein ohrenbetäubende- Getöse aus dem Schlafe geweckt. Im gleichen Augenblick erloschen sämtliche Lichter. Die Passagiere wurden von ihren Plätzen geworsen, niemand wußte im ersten Augenblick, was geschehen war. Erst, als Hilferufe ertönten, und als die Verwundeten furchtbar stöhnten, wurde man sich dessen bewußt, daß eine Katastrophe eingetreten sein mußte. Da vollkommene Finsternis herrschte, konnte vorerst überhaupt nicht an Rettungsarbeiten gedacht werden. Eine Stunde später trafen die Feuerwehren ein, die jedoch vergessen haften, Fackeln mitzubringen. 3n aller Eile wurden dann Scheiterhaufen errichtet, bei deren Schein an die Rettungsarbeiten geschritten wurde. Die Wagen des Zuges hingen größtenteils über dem 24 Meter tiefen Abgrund zwischen Himmel und Erde, so dah man die Trümmer nicht erreichen konnte. Erst als später Polizei und Militär hinzukam, konnten die Nettungs- und Bergungsarbeiten mit vereinten Kräften ausgenommen werden. Wie sich herauSstellte, waren die Taschenuhren des Zugpersonals in dem Augenblick stehengeblieben, als sich die Katastrophe kurz nach Mitternacht ereignete." Geheimnisvolle Anrufe. Ls wurde festgestellt, dah der Skalionschef einer ungarischen Station um 23 Uhr — also kaum 40 Minuten vor dem via Torbagyer Lifenbahnaffenfaf — von zwei ausländischen Stationen telephonisch angerufen wurde, und zwar von London und Kopenhagen. Der unbekannte Sprecher erkundigte sich danach, ob auf den ungarischen Eisenbahnlinien alles in Ordnung wäre. Auf die Frage, warum er die» wissen wolle, antwortete der Unbefannle in deutscher Sprache, er wolle nur feinen Fahrplan zusammen- sfellen. Man hält es für wahrscheinlich, dah der Anruf mit dem Affenfak Im Zusammenhang steht. Mißglückter Seimwehrpulsch in Steiermark Pfriemer mobilisiert die steirischen Heimwehren. - Oer Putsch bereits in wenigen Stunden zusammengebrochen. Oie amtliche Meldung. Tie Abwehr der Bundesregierung. Wien, 13. Sept. (IU. Umfl.) Lin Teil des Heimat- schuhe» unter Führung Dr. p f 11 e m e t » hat heute (Sonntag) nacht in einigen Orten Steiermark» sowie in einigen Orten Oberösterreich» und Salzburg» seine Anhänger alarmiert und zum Teil in Bewegung gesetzt. 3n Bruck an der Mur wurden die Verkehrswege blockiert. Dr. pfriemer hat eine Proklamation erlassen, durch die er die Bevölkerung von der Uebernahme bet Macht im Staate durch den ihm unterstehenden Heimatschuh in Kenntnis seht. Polizei, Gendarmerie und Bundesheer sind in den betreffenden Gebieten in Bereitschaft gesetzt. Die Bundesregierung hat alles veranlaht, um die Ordnung vollkommen .wiedcrherzustellen. Mit Ausnahme der erwähnten Orte herrscht im ganzen Bundesgebiet und in der Bundeshauptstadt vollständige Ruhe. 3n Oberösterreich ist es nur in dem Ort Kirchhof an der Krems zu einer nennenswerten Bewegung gekommen, die bereits erledigt ist. verhaftet wurden der lokale heimwehr- führer Riftlechner und der Regierungsfommiffar Lienböck, ein Beamter der politischen Verwaltung. Die Gruppe pfriemer ist der Teil des hei- maffchuhes. der früher unter der Führung des Fürsten Starfjemberg stand. Bekanntlich hat sich Starhemberg wegen privater Verhältnisse beurlauben lassen und die Führung Pfriemer übergeben. Diese Heimwehrgruppe erstreckte ihren Linsluh hauptsächlich auf Steiermark, Oberösterreich und Salzburg. Wie der putsch inszeniert wurde. Zusammenschluß Der Hcimwchren. — Proklamation Tr Pfriemers. In den obersteirischen Ortschaften Bruck, Katzenbcrg. Judenburg und Schlad - m i n g erschien heute um 2 Llhr früh bewaffnete Hcimwehr und versuchte, die Stächt? militärisch zu besetzen. Der Dundesführer der Hcimwehr. Dr. Pfriemer. versammelte um 2 il&r früh in Judenburg die Unterführer um sich. In Kirchdorf (Oberösterreich) hatte der örtliche Heimatschutz die Dezirkshauptmannschaft besetzt, die durch Gendarmerie aus Linz an der Donau und Bundesheer sofort geräumt wurde. In Druck an der Mur wurden Maschinengewehre aufgestellt. Beim Bürgermeister von Fonsdorf, Nationalrat Horvartek, erschien der Ingenieur Pichler vom Heimatfchutz und erklärte ihm, daß die Regierung abgcfetzt fei und Dr. Pfriemer die Macht im Staate übernommen habe. Eine von Dr. Pfriemer erlassene Proklamation an das österreichische Volk erklärt u. a., dah die Heimwehr die Staatsmacht übernehme, und er entbinde alle Beamten und Soldaten ihres Diensteides und nehme sie für sich in Gib. Gleichzeitig sei eine neue Verfassung veröffentlicht worden, in der Pfriemer sich selbst zum Staatsführer ernennt und den Oberbefehl über das Bundesheer übernommen habe. In dieser Verfassung seien die Geschworenen- Gerichte abgeschafft und das Pfandrecht proklamiert. Das Land Wien sei aufgehoben worden. Oie Gegenaktion. Tas Militär in wenigen Stunden Herr der Lage Um 16 Uhr standen etwa 1000 Putschisten bei Leoben, je 1000 in der Umgebung von Knit« telfelb uni) Iudenburg. Der Bahnhof von Eelztal und Hengstenbad, ferner Grödnitz und Cie- zen waren noch von den Heimwehren besetzt. In Leoben, wo sich die Heimwehr in einigen Gebäuden gesammelt hat, herrschte vollkommene Ruhe. Um 12 Uhr teilte die Bundesregierung mit, daß eine große Militärabteilung aus Graz mit Maschinengewehren und Handgranaten nach Ober« fteiermart in Marsch gesetzt worden sei. Gleichzeitig wurden alle Garnisonen alarmiert. Auch aus Wien und Klagenfunh wurden Militärabtei- lungen zur Unterstützung des Grazer Militärs nach Obersteiermark entsandt. Der Truppentransport mußte in Lastautos vor sich gehen, da die Heim« mehr in den Morgenstunden die Bahnhöfe besetzt hielt, die erst später geräumt wurden. Kleine Hei- matschutztruppen, die aus Wien nach Steiermark ab« gehen wollten, wurden von der Polizei daran gehindert. Um 15 Uhr wurden die Heimwehrabteilun« gen, die an dem Putsch beteiligt sind, zwischen Leoben und Iudenburg zusammengedrängt. Um 18 Uhr konnte die Heimwehraktion in Nordsteiermark bereits als gescheitert gelten. Die Hcimwehr hatte ihre Positionen bereits geräumt. Eisenbahnverkehr, Telephon- und Telegraph funktio- nierten in Steiermark in voller Ordnung. Auch in Oberösterreich herrschte vollständige Ruhe. Gänzliche Isolierung Pfriemen?. Die Heiniwetzrcn in den anderen Bundesländer stehen dein Putsch fern. Innsbruck, 13. Sept. (WTB.) Die tiroler H e i m w e h r unter Führung von Dr. S t e i b I e hat kategorisch erklärt, daß sie mit der ganzen Aktion von Dr. Pfriemer nichts zu tun haben wolle. Ebenso bat die Parteileitung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Oesterreichs eine Kundgebung veröffentlicht, in der sie ebenfalls betont, der Aktion vollkommen fernzu stehen. In ganz Tirol herrscht vollständige Ruhe. Auch in Salzburg kam eS nur in Sankt Johann und in kleineren Orten zu Alarmierungen, aber nirgends au Bewegungen. In Kärnten und in Vorarlberg haben sich die dortigen Heimwehrformationen dem Putsch überhaupt nicht angeschlossen. Am stärksten war also das Vorgehen der Heimwehr in Oberfteiermark, wo die Teilnehmer am Putsch auf 10 000 bis 15 000 Mann geschäht werden Die amtliche .Wiener Zeitung" veröffentlicht eine Erklärung der LandeSsührung der nieder- österreichischen Heim wehr, die von dem Landesführer Raab unterzeichnet ist Es wird darin erklärt, daß diese mit den Aufruhrver- suchen nichts gemein hat, sie nicht nur ab» lehnt und verurteilt, sondern auch aktiv gegen derartige Versuche auftreten würde. Sie stelle alle Formationen der Regierung gegen Putschabfichten zur Verfügung und habe ihre Dienststellen angewiesen, sich zur Unter st ühung der legale n G e w a l t bereitzustellen. Eine Erklärung der Tiroler Heimwehr besagt, daß sie von dem Vorgehen des Steierischen Heimatschuhes vollständig überrascht sei. dem Unternehmen gänzlich fern» stünde und bedauerte, daß durch solche unüberlegte Verstöße dem Heimwehrgedanken In kurzsichtiger Weise schwererSchadenzugefügt worden sei. Alle Kameraden werden ausgesordert. Ruhe zu bewahren und sich unbeirrt durch die Ereignisse auch weiterhin in den Dienst deS gesunden Heim- weyrgedankens zu stellen. Pfriemer bricht die Aktion ab. Tie Heimwetzrcn kehren nach Hause zurück. Graz, 13. Sept 3n später Abendstunde erging folgender Beschluß de» vundessührer» Dr. pfriemer: An alle heimatschutzsührer Oesterreich»! Die Notlage de» Bauernstandes, da» Elend weiter kreise und der Arbeiterschaft sowie der schassenden Teile unsere» Volke» hat mich veranlaßt, einen letzten Rettungsversuch zu machen, um e» vor Au »- landoersklavung und Niedergang zu bewahren. Obwohl wir nicht nur ganz Steiermark mit Ausnahme von Grah beseht, sondern darüber hinausgegriffen haben, breche ich, um Blutvergießen zwischen Heimatschuh und Exekutive zu vermeiden, die Aktion ab. Alle Heimalschuhabtei- hingen haben sofort geschlossen in ihre Heimatgemeinden abzurücken. Mein letzter Dank al» Buydessührer des Heimatschuhes gilt allen Füh- rern und Kameraden, die gleich mir alles versucht haben, die 3dee unsere» Heimatschuhes durchzusehen. 3nsbesondere danke ich allen steirischen Kameraden für ihre unendlichen Opfer, die sie der Bewegung brachten. Gleichzeitig teile ich mit, dah ich meine Führer st eile dem heimatschuh zurückgebe. 3n den Abendstunden erging an die obersteirischen Heimwehrformationen die Weisung, die Aktion dn- zuftellen und nach Hause zu gehen. Auch die in der Nähe von Graz zusammengezogenen heim- schuhler aus westsleiermark traten den Heimweg an. Oie Liquidierung des puksches Hastbcschle gegen Pfriemer und Diauier. Wien, 14. Sept. (WTB. Funksoruch.) Der 24- stündige Wahnsinnspulsch des steirischen Heimwehr- führers Dr. Piriemer gilt als erledigt. Das Erscheinen der Polizei, des Bundesheeres und der Gendarmerie hat überall beruhigend gewirkt, ohne daß es .zu ernsteren Blutvergießen gekommen wäre. Tatsächlich ist außer den zwei bei den Zusammen- flößen ums Leben yekommenen sozialdemokratischen Arbeitern kein werteres Todesopfer zu beklagen. Mehrere hundert Personen wurden verhaftet und werden sich wegen A u f r u h r s zu verantworten haben. Gegen Pfriemer und den Heimwehrführer Rauter sind Haftbefehle erlassen worden. Das Blatt „Der Morgen" berichtet, daß zwei Generäle im Ruhestand auf Anordnung der Staatsanwaltschaft verhaftet worden seien. Eine offizielle Bestätigung dieser Meldung liegt aber ebensowenig vor, wie die einer weiteren Meldung des genannten Blattes, daß gegen den Heimwehrführer Star- Hemberg ein Haftbefehl erlassen und sein Schloß in Eferding von Gendarmerie besetzt werden soll. 2m Laufe des gestrigen 2Ibeubs erschienen auch die Wiener Bankenvertreter beim Bundeskanzler. Es ergab sich bei dieser Aussprache, daß kein Anlaß zu irgendwelchen Maßnahmen gegeben ist. Die Börse wird heute in normaler Weise eröffnet werden. In einem Aufruf der sozialdemokratischen Partei wird der steirische Landeshauptmann Dr. Rintelen beschuldigt, daß er die Abwehr des Putschversuches viele Stunden lang sabotiert habe. Das christ- lich.soziale Montagsblatt erfährt dagegen von maßgebender Seite, daß die Haltung Dr. Rintelens vollkommen korrekt war. — Ein Mani - fest der Regierung, das heute in den Straßen angeschlagen wurde, findet lebhafte Zustimmung. In den späten Abendstunden versuchten, wie die Montagsblätter melden, mehrere Kommunisten in Wien zu demonstrieren. Die Polizei nahm einige Verhaftungen vor und stellte die Ruhe wieder her. Zn der Wiener Sonn- und Montagszeitung kündet Innenminister Winkler an, daß gegen die Schuldigen mit aller Strenge vorgegangen werden würde. Die Politik der Gewissenlosigkeit dürfe keine österreichische Einrichtung werden. Curtius spricht in Genf. Völkerbund undWirtschastskrisis.-DeutschlandsIorderungen an die Abrüstungskonferenz. Genf, 12.Sept. (WTB.) Am Samstag erklärte in der Völkerbundsoersammlung Reichsaußen- Minister Dr. Curtius u. a.: Die Gefahren der Wirtschaftslage haben fick aufs äußerste zugespitzt. 9Jlaga3tnifierung von Rohstoffen und Lebensmitteln auf der einen Seite, Mangel und Hunger auf der anderen, Zusammenballung von Kapital und Anhäufung von Gold in wenigen Ländern, in anderen Entblößung vom Kapital und unerträglicher Zinsdruck, und als furchtbarste Erschei- nuna der Zerrüttung der internationalen Wirtschaft die Arbeitslosigkeit in den Industrieländern, die sich im kommenden Winter in einer noch nicht absehbaren Weise steigern wird. Ein Heer von restlos Verzweifelten, die radikalen und revolutionären Einflüssen nur zu leicht zugänglich sind! Niemand darf sich darüber täuschen, daß die Erde bebt, auf der der Bau unseres heutigen Wirtschafts- und Währungssystems sowie unserer Kultur errichtet ist. Es erhebt sich die ernste Frage, ob die Ergebnisse der Völkerbundsarbeit den dringlichen Forderungen der Gegenwart auch nur einigermaßen gerecht werden. Ich glaube deshalb, wir sind uns einig darüber, daß alles wichtige noch zu tun bleibt. Der Bericht der Wirtschaftssachverständigen sieht eigentlich als einziges Mittel für eine durchgreifende Besserung der europäischen Wirtschaft die wirtschaftliche Annäherung, den wirtschaftlichen Zusammenschluß an. Das Ergebnis dieser Bemühungen wird ein Prüfstein dafür sein, wie weit heute in Europa der Wille zu großzügiger, praktischer Zusammenarbeit wirklich vorhanden ist. Wir stehen, sagte er, vor einer Verwirrung der ganzen Geld- und K re d i t w i r t s ch a f t. Das Einfließen von Kapital aus den kapitalreichen in die kapitalarmen Länder hat nicht nur ganz aufgehört, die kapitalreichen Länder haben sogar den kapitalarmen Ländern in einem niemals oorher- zusehenden Umfang die kurzfristigen Mittel, die sie dort angelegt hatten, wieder entzogen. Schwere Zusammenbrüche von Banken sind die unvermeidliche Folge gewesen. Diefe Vorgänge haben ihren Hintergrund in der Lage der internationalen Finanzbeziehungen, die durch die bestehenden Schulden politischen Charakters geschaffen worden sind. Die gewaltigen politischen Zahlungen von Land zu Land erfolgten ohne wirtschaftliche Gegenleistung. Sie entzogen dem an sich schon kapitalarmen Schuldnerland andauernd große kapitalmengen und zwangen diese Länder im Interesse des Schuhes ihrer Währung zu deflationistischen Maßnahmen, die sich ii hohen Zinssätzen, schwindender Kaufkraft, daher fallender Einfuhr und Steigerung der Ausfuhr äußerten. Lin Fortdauern dieser Entwicklung, d. h. die Ermöglichung der Zahlung politischer Schulden durch Drosselung der Einfuhr und forcierte Steigerung der Ausfuhr der Schuldnerländer muß nickt nur für diese Länder, sondern für die gesamte Weltwirtschaft die verderblichsten Folgen haben. Von verschiedenen Vorrednern ist mit aller Deutlichkeit die Notwendigkeit betont worden, daß das Problem der internationalen politischen Zahlungen im Allgemeininteresse eine Gesamt- lvsung erfordere, die der Krise wirklich ein Ende mache. Das ist die große Aufgabe, vor die die Welt sich gestellt sieht. Aber alle internationalen Bemühungen auf dem gesamten Wirtschafts- und Finanzgebiete hängen von einer elementaren Voraussetzung ab; das ist die Wiederherstellung des gegenseitigen Vertrauens in den internationalen politischen Beziehungen. Das Vertrauen zwischen den Völkern kann nur dann eine sichere Grundlage finden und bewahren, wenn es auf der verständnisvollen Anerkennung der beiderseitigen Interessen und Auffassungen beruht. Diese Grundlage darf auch durch die schlimmste materielle Notlage eines Landes nicht gefährdet werden. Die Lieberwindung augenblicklicher Schwierigkeiten darf nicht um den Preis noch größerer Schwierigkeiten in der Zukunft erkauft werden. Wir müssen ganz offen davon sprechen, daß in vielen Ländern ein weitgehender Skeptizismus gegenüber den Genfer Institutionen und eine wachsende Gleichgültigkeit zu beobachten ist. Gerade da, wo starke Hoffnung auf den Völkerbund gesetzt wurde, wächst die Enttäuschung. Gewiß, Wunder zu erwarten, wäre Torheit. Aber auch die Einsichtigen wollenM a tz- nah m e n sehen, die in die Wirklichkeit eingreifen und sie bessern. Für die Behandlung der Abrüstungsfrage trägt von vornherein und ganz allein der Völkerbund die Verantwortung. Die Satzung des Völkerbundes hat der Welt die Abrüstung verkündet; sie ist dem Völkerbunde bei seiner Entstehung als Hauptaufgabe zugewiesen; sie ist eine Schicksalsfrage, die sich auf der bevorstehenden Konferenz entscheiden muh. Grandis grundsätzliche Ausführung über das Verhältnis zwischen der friedlichen Streitschlichtung, der Abrüstung und der Sicherheit habe ich mit großer Genutuung gehört. Wenn Grandi die Ansicht vertritt, daß die friedliche Streitschlichtung und die Abrüstung zusammen die entscheidenden Mittel zur Erhöhung der Sicherheit darstellen, so kann ich dem nur mit aller Entschiedenheit zustimmen. Alle Bemühungen um die endgültige und uneingeschränkte Beseitigung des Krieges bleiben Stückwerk, solange nicht das System der friedlichen Streitschlichtung vom Völkerbünde so ausgebaut ist, daß auch für die schwersten politischen Interessengegensätze eine gerechte und willige Regelung gewährleistet ist. 3n der Uebeqcugung, daß nicht Rüstung, sondern Abrüstung Sicherheit bringt, liegt ein entscheidendes Merkmal der im Völkerbund organisierten Staatengemeinschaft gegenüber den früheren Methoden der internationalen Politik. Die Sicherheit der Staaten ist nur dann eine Bürgschaft für die Erhaltung des Friedens, wenn alle Staaten an ihr in gleichem Maße teilhaben. Die völkerbunds- fahung kennt nur einerlei nationale Sicherheit für alle Bundesmitglieder. Sicherheit, begründet auf Uebergewichl der Rüstung, bedeutet stets Unsicherheit und Gesa h r für die anderen an Rüstung unterlegenen Länder. Sie sät Mißtrauen und läßt unvermeidlich den Gedanken des Rüstungswettlaufes wieder aufleben. Wie sehr das Gefühl der militärischen Schutzlosigkeit gegenüber stark gerüsteten Rachbarn aus der Seele einer Ration lastet und ihr ganzes Leben bedrückt, das weih jeder Deutsche, der die Auswirkungen solcher Zustände am eigenen Volke beobachtete. Der Schlußstein des Gebäudes einer Friedensorganisation kann erst gesetzt werden, wenn durch einen vorherigen Ausgleich der Rüstungen sichergestellt ist, daß eine Bundesgewalt nur in paritätischer Weile gegen jedes Bundesmitglied, nicht aber mit Hilfe bestimmter stark gerüsteter Staaten gegen andere angewandt werden kann. Die Durchführung der Abrüstung, wie sie Artikel 8 der Völkerbundssatzung vorsieht, bildet deshalb die Voraussetzung, ohne die an einen Ausbau des Zwangsverfahrens des Völkerbundes nicht gedacht werden kann. Das eigentliche Thema der Herabsetzung der Rüstung^, darf auf der Konferenz nicht abhängig gemacht werden von Fragen, die erst nach Durchführung der Abrüstung gelöst werden können. Angesichts der gewaltigen Unterschiede im Rüstungsstande würde eine bloße Limitierung der Rüstungen auf dem jetzigen Stand eine Anerkennung dieser Rüstungsunterschiede bedeuten und wäre einem Scheitern der Konferenz gleichzuseken. Vor mehr als einem Jahrzehnt hat man einer Anzahl von Staaten, darunter meinem Lande, unter dem Drucke eines verlorenen Krieges die Verpflichtung zur Verminderung der Rüstungen auf einen Minimalstand auferlegt. Die Verpflichtung ist feit langem ausgeführt. Deutschland hat keine schwere Artillerie, keine Militärflugzeuge, keine Tanks, keine Unterseeboote. Deutschland ist zum Teil sogar unter den ihm auferlegten Ziffern des Vertrags von Versailles geblieben. Den Verpflichtungen, die Deutschland im Iahre 1919 übernahm, steht das bindende Versprechen der anderen Staaten gegenüber, daß die Entwaffnung Deutschlands dazu dienen soll, die allgemeine Abrüstung der anderen Staaten einzuleiten; die deutsch- Abrüstung solle der erste Schritt für eine allgemeine Abrüstung sein. Zwölf Iahre sind seither verstrichen, und seit fünf Iahren gehört Deutschland dem Völkerbund an, ohne datz diese Versprechungen eingelost worden sind. Wenn jetzt endlich die Abrüstungskonferenz zusammentritt, so kann vom deutschen Volke nicht verlangt werden, daß es sich mit einer Legalisierung der gegenwärtigen Rüstungsverhältnisse abfindet. Eine starke, wirksame Verminderung der Rüstungen der stark gerüsteten Staaten ist daher für Deutschland die unerläßliche Vorbedingung für das Gelingen der Konferenz. Der Ausgangspunkt muh die Gleichberechtigung aller Staaten sein, so dah innerhalb der Völkergemeinschaft nicht mehr mit zweierlei Maß gemessen wird. Es muß für alle die gleiche Methode bei der Herabsetzung und Limitierung der einzelnen Rüstungsfaktoren gelten. Wäre dies nicht der Fall, so würde die Konvention nicht die psychologischen und moralischen Voraussetzungen erfüllen, unter denen das deutsche Volk ihr beitreten kann. Ich stimme mit Herrn Grandi überein, daß der Gedanke einer Rüstungspause geeignet sein kann, die Vorbedingungen für die Konferenz zip verbessern und ihre Aufgabe zu erleichtern. Ich hoffe, dah es gelingt, diesem Gedanken für die in Betracht kommenden Staaten praktische Gestalt zu geben. Versagt der Völkerbund gegenüber dieser Ausgabe, dann hört er auf das zu sein, was die Völker und wir alle von ihm ertoarten. Ein Scheitern der Abrüstungskonferenz würde dem Völkerbund die moralische Autorität nehmen in einer Welt politischer Spannungen, die nach einem friedlichen und zweckvollen Aus- | gleich suchten. Gandhi betritt europäischen Boden. t- V Fl Unzählige von Neugierigen und Zeitungsreportern aus allen Teilen der Welt erwarten im Hafen von Marseille die Ankunft des Mahatma Gandhi. Gandhi ist sofort weitergereift und bereits in London angekommen, wo er an den Beratungen der 2.Indien-Konferenz teilnimmt. Nie erste Rede in London. London, 12. Sept. (TU.) Die Abfahrt Gandhis aus Folkestone erfolgte unter reger Beteiligung der Bevölkerung. Auf den Straßen hatten sich viele Taufende versammelt, die den Jndersührer lebhaft begrüßten. Seine Ankunft in London vollzog sich ohne weiteres Aufsehen. Lauter Beifall und Heilrufe der Inder empfingen Gandhi im Haus der Quäker, wo ein großer Empfang ftattfanb, als er in weißem Lendentuch und Mantel mit nackten Beinen in Begleitung feiner Freunde (darunter des Dekans von Canterburry sowie der von ihm unzertrennlichen Miß Slade, der Tochter eines englischen Admirals) den Saal betrat. Entsprechend den Gewohnheiten der Quäker wurde die Versammlung mit einem Schweigen von mehreren Minuten eröffnet. Der Vorsitzende gab bekannt, daß Be» grußungstelegramme von Macdonald, Baldwin, Henderson und vielen anderen führenden Personen eingegangen seien und hieß dann Gandhi herzlich auf englischem Boden willkommen. Gandhi entschuldigte sich in seiner Antwortrede, daß er sitzend sprechen müsse, weil er nicht die physische Kraft habe, dies im Stehen zu tun. Er legte dann dar, wie er in den letzten 40 Jahren die indische Nie Brentanos. Aus der Familiengeschichte eines alten Geschlechts. Von Peter Warmund. Der Nationalökonom Lujo Brentano, der eben in München gestorben ist, zählt zu den Ausläufern einer berühmten und altverdienten Familie. Peter Anton Brentano, der aus Tre- mezzo in Oberitalien stammt, wanderte im 18. Iahrh. nach Deutschland und gründete in Frankfurt a. M. das Handelshaus Brentano, aus dem nun hinfort weniger Handelsherren als Herren des Geistes und der Dichtung hervorgehen sollten. Zwar sind die sechs Kinder Peter Antons aus erster Ehe nicht weiter hervorgetreten, aber er schloß eine zweite mit Maximiliane von L a Roche, der Tochter der damals berühmten Lln- terhaltungsschriftstellerin Sophie von La Roche, und kam so mit einem Schlage zu Beziehungen zur schönen Literatur des damaligen Deutschland. Am Rhein, am Fuße des Ehrenbreitstein, lag im Tal das Landhaus der La Roches. Als Goethe auf seiner Rheinreise im Herbst 1772 dorthin kam, war er von der sich eben entfaltenden Schönheit der jungen Maximiliane betroffen: „Die schwärzesten Augen und eine Gesichtsfarbe, die nicht reiner und blühender gedacht werden konnte". Er faßte eine herzliche Zuneigung zu dem jungen Mädchen, die damals noch ein halbes Kind war; durch diese Beziehung und durch eine seltsame Verknüpfung sollte der Italiener Peter Anton Brentano sogar in die Weltliteratur eingehen. In Goethe hatte nach der Wetzlarer Zeit der „Werther" eine feste Gestalt gewonnen. Es fehlte nur an einem Vorbild für Lottens Mann: das Schicksal lieferte es Goethe in dem Augenblick, als er es brauchte. Maximiliane wurde auf Drängen guter Freunde, die äußere günstige Verhältnisse für Glück hielten, mit Brentano im Ia- nuar 1774 in Frankfurt verheiratet, und Goethe wurde der peinliche Auftrag zuteil, der jungen Gattin das neue Dasein in der fremden Stadt angenehm zu machen. Maximiliane war an den Umgang mit bedeutenden Menschen wie an Selbstverständliches gewöhnt — ihr Mann war Italiener und zudem weiter nichts als Geschäftsmann. So litt die neue Ehe schon unter inneren Konflikten, und es kam, was kommen mußte: Brentano wurde auf Goethe, der vergebens zu vermitteln und auszugleichen suchte, eifersüchtig. Aber schon in den ersten Tagen hatte Goethe die weitere Entwicklung für den „Werther" gefunden, der argwöhnische Italiener gab die Wesenzüge zu der Albert-Gestalt des Romans her, und so konnte Goethe das Buch beenden. Aus dieser Ehe stammten acht Kinder, von denen Kunigunde die Gattin des berühmten Iuristen S a v i g n h wurde; die Geschwister Clemens und Bettina aber, in denen sich das Blut zweier Rassen in aller Unausgeglichenheit vermischte, gingen als „die Geschwister Brentano" in die deutsche Kunst- und Zeitgeschichte ein. Ihnen waren verschwenderische Gaben in die Wiege gelegt worden, zugleich aber mangelte ihnen alles, was diese Fülle hätte ausreifen lassen können. So entzieht sich auch die Natur Clemens Brentanos jedem Zugriff, sein Dasein erfüllt sich in Einfällen, Visionen, Improvisationen, jeder Anlaß bringt ihn in Schwingungen, aber in alledem ist keine Stetigkeit, und man weiß nie, wann ein Erlebnis das andere verdrängen wird. So wurde Clemens zum Kaufmann bestimmt, aber er ging nach seines Vaters Tode zu den Romantikern nach Iena und Heidelberg, war mit den Brüdern Grimm, mit Görres und Achim von Arnim eng befreundet, mit dem er zusammen die Dolksliedersammlung „Des Knaben Wunderhorn" herausgao; er schrieb seinen „Godwi", einen der phantastischsten und undurchsichtigen Romane dieser Zeit, aber auch eins der entzückendsten deutschen Prosastücke, die „Geschichte vom braven Kasperl und schönen Annerl" und das echte Märchen „Gockel, Hinkel und Gackeleia", um dann als geborener Katholik die Wendung zur strengen Gläubigkeit zu nehmen und am Krankenlager der Katharina Emmerich (einer der Vorläuferinnen Therese Neumanns) die Visionen und Erleuchtungen der stigmatisierten Iungfrau auszuschreiben. Bettina aber wurde die Freundin der Karoline von G ü n d e r o d e, die in einem Anfall von Schwermut ihrem Leben im Rhein ein Ende machte; sie ist die Verfasserin von „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde" (1835), der einer Verherrlichung Goethes dienen sollte, sie ist schließlich die Gattin des Dichters Achim von Arnim, nach dessen Tode sie mit Plänen und Schriften hervortrat, die unklar, ungeordnet und unkonsequent wie ihre ganze Art bleiben muhten. Von ihren sieben Kindern ist Gisela, später die Gattin Herman Grimms, auch als Dichterin bekannt geworden, und sogar Herman Grimm, der zuletzt Bettina mit am nächsten gestanden hat, hielt es für unmöglich. Fremden eine Vorstellung ihres unruhigen Wesens zu geben. Aber er sagte von ihr: „Nicht einen Augenblick wüßte ich aufzufinden, wo ich sie kleinlich oder für ihren eigenen Vorteil bemüht gesehen hätte. Sie gleicht Goethe darin, bei dem auch jede Handlung von dem gleichen Licht innerer Erleuchtung beschienen war. Nur von wenigen vornehmen Geistern hat das zu allen Zeiten gesagt werden können". Zu den Geschwistern Clemens' und Bettinas gehört auch der weniger bekannte Bruder Christian, dessen Söhne der Philosoph Franz und der jetzt verstorbene Nationalökonom Lujo Brentano waren. Aber auch unter den anderen Kindern aus der Ehe des Italieners Brentano mit Maximiliane La Roche scheinen einige hochbegabte von Geist und Empfindung gewesen zu sein. Von Lulu sind fromme Lieder gedruckt worden, und Clemens selbst hielt seine Schwester Sophie, die früh im Hause Wielands starb, für noch begabter als die Schwester Bettina. Don den Brentanos aus erster Ehe, den Halbgeschwistern also, war Franz ein Freund Beethovens und Goethes. Lind endlich reicht die verzweigte Familie bis in die jüngste Gegenwart: Irene Forbes-Mosse und Elisabeth von H e h k i n g sind Enkelinnen der Bettina, Töchter von Armgard, vermählter Gräfin Flemming. Oochschulnachrichten. Der durch die Emeritierung des Geh. Medizinalrates Pros. Ios. Iadassohn an der Llniversität Breslau erledigte Lehrstuhl der Hautkrankheiten ist Dr. Mar Seiner, außerordentlichem Professor und Oberarzt der Hautklinik daselbst, angeboten worden. Das Aeffchen. Von Walter Heih. Abend in einer stillen Seitenstraße. Ein Dutzend Menschen, die Hälse reckend, vor einem hell erleuchteten Schaufenster. Drinnen fitzt in einem hohen Drahtkäfig ein Aeffchen, ein ganz kleines. So eins, wie man e8 oft sieht. Aber heute ist es etwas Besonderes. Iemand gab ihm von drinnen her einen kleinen runden Spiegel — so einen, wie ihn die Damen in ihrem Täschchen haben, mit Zelluloid auf der Rückseite. Das Aeffchen betrachtet den neuen Gegenstand. Auf einmal sieht, der Kleine darin sich« Rein... einen Äffen. Ein Wesen feiner Art, den langersehnten und entbehrten „Seinesgleichen". Ein Lächeln geht über fein Gesichtchen, nur ein kaum merkliches Zucken der Lippen. Aber gleich darauf haben Stirn und Gesicht wieder den alten Sorgenausdruck. Sein Händchen will hineinfassen in das Loch... aber das geht nicht. Das Loch ist zu. Die Sorgenstirn wird noch faltiger. Dann dreht das Aeffchen den kleinen Gegenstand — dieses seltsame Loch — herum. Aber da ist kein Asse, da ist nur die glänzende Fläche. Vielleicht steht irgendein Wort daraus — aber das sagt ihm ja nichts. Wieder wandert der Spiegel vor die Apgen. Lange! Das kleine Gehirn denkt und grübelt. Run tastet die freie Hand weit in die Luft... in den Raum hinter dem Spiegel. Llnsicher, schwankend, denn der Kleine sieht ja nicht, wohin er greift. Er blickt unverwandt in das Loch. Leise bewegt er die Lippen. Ein paar Laute, die uns farblos — ohne Sinn — erscheinen und die doch für den anderen Affen, den er im Loch sieht, heißen würden: „Komm... komm... komm zu mir.“ Ein Dutzend Menschen stehen vor dem Fenster. Ieder trägt in sich ein Weltbild. Einer nur ein räumliches, der andere ein seelisches. Lind in jedem dieser Weltbilder ist irgendwo ein Loch. Etwas sehen wir darin. Etwas, was wir ersehnen. Aber immer ist etwas davor, das uns hindert, hindurchzufassen... und das den da draußen hindert, zu hören, wenn wir rufen; »Komrn.^ ztomm... komm zu mir!“ I toten- dj, . )titt fnt J. deuttch, >re bot> l&jnit finerV0^ Ä 6crN^'b'- LL A®Uf $ 'SS-.7L P«Z WL .M>" «ju Ä -*g£ äSs inb »toektvvllen ß Sota. warten im Hasen von mb bereits in London eilnimmt Stabe, der Tochter eines :aal betrat. Entsprechend (er wurde die Serjamm« von mehreren Minuten gab bekannt, daß ««* Je von Macdonald, je,en anderen führenden und hieß dann Sandht ien willkommen. seiner Atworttede. daß ei er nicht tue pW« HU tun. legte 5 40 Jahren bieuMt effchen. fer H , 6i„ w Stile"»* ™ M «M °°- ;"»* «“^äs «■••“,55* fleij*fei«« 2rt. „eeincäfller* LV •* * wi rf grübelt; 'S weit tn rf&L Ä SPic3C ";rht woh>n .»““Äat 2a" t Si= 'n ' * « i» nn, tzen « forff® Äsfen- (onini-" ^nftet । fl«WÄin«"5 » ■ n u n d di Wetterlage. ,o Vo» inirf \9 »allonalistische Bewegung mit friedlichen Mitteln ausgebaut habe: auch heute noch sehe er die Methode der friedlichen Mettel al» die einzige an, die zu einem Erfolge führen könne. Seine Aufgabe fei durch das ihm vom Kongreß übertragene Mandat an gewisse Grenzen gebunden: er kämpfe ober im Namen von Millionen Menschen für die Freiheit Indiens. Da» englische Budget könnte niemals ehrlich ausgeglichen werden, wenn nicht gleichzeitig auch ein ehrlicher englisch-indischer Ausgleich geschaffen würde. Nicht nur Indien, sondern auch die ganze Welt würde die größten Dor- teile davon haben, wenn Indien seine Freiheit erhielte. Dor dem Ende der Prohibition in USA.? Reuhor k, 12. öm (WTB.) Rachdern die Dlätter sich bereit- seit längerer Zeit in ©bejial- artikeln mit der Rotwendigkeit einer Aushebung oder mindesten« einer Aenderung de« Prohi- bition-gesehe« au« steuerpolitischen und wirtschaftlichen Gründen besaht haben, sordert heute .Herold Tribüne" in einem Leitartikel nachdrücklichst einen Kongreßbeschluß. der die Wiederaufnahme de« 'S i erbt a u e n « erlauben soll. Die Zeit sei jetzt zu wertvoll, erklärt da« Blatt, um eine Aenderung de« Prohibition«gcsetze« abwarten zu können. — Die Pabst-Brauerei in Milwaukee, die bereit« mit der Möglichkeit einer Abänderung de« Prohi- bitionSgesetze« rechnet, hat bereit« große Getrerdemengen angekauft. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident ist Samstagabend. von Dietramszell kommend, mit dem fahr- planmäßigen fv-Zug wieder in der Reich«yauptstadt eingelrosfen. ®r empfing am Sonntag den Herrn Reichskanzler zu einem längeren Dortrag. Da, Reichskabinett setzte die Besprechungen über die Sparmahnahmen fort. Die Beratungen werden diese Woche noch ausfüllen. Es ist zu erwarten. daß die Sporbcschlüsse zu Beginn der nächsten Woche veröffentlicht werden. • Der deutsche Geschäftsträger in Pari« hat dem französischen Ministerpräsidenten L a v a l für den 27. September die offizielle Einladung der Reichsregierung für ihn und den Auhenrninister D t i a n d nach Berlin zum Wochenende überbracht. Der Ministerpräsident hat die Einladung angenommen. Zwischen der Deutschen Getreidehandelsgesellschoft m b. f). in Berlin und einer amerikanischen ®e- treidegesellschaft, ist mit Zustimmung des Farmboard ein ycftrwa über den 2lnkaus von rund 200000 fonnen amerikanischen Weizen. abgeschlossen worden. Der Kaufpreis wird bi» zum 31. Dezember 1934 g e st u n d e t und ist zu 4K v.f). zu verzinsen. Die Lieferungen beginnen bereit» im September. Mindesten» die Hälfte der Derschiffungen muh unter deutscher Flagge erfolgen. Die durch diesen Vertrag gekaufte Menge bleibt unter dem deutschen Zuschußbedors an Weizen nicht unerheblich zurück, so dah für Käufe In anderen Ländern noch ein ausreichender Spielraum bleibt. • Auf der Landesverbandstagung des Verbandes Niedersachsen de» Stahlhelm» machte der al» Vertreter de» ersten Bundessührer» erschienere Landesführer von Groh Berlin Major a. D. von Stephani die Mitteilung, daß Seldte ernst- haft erkrankt sei und für ihn die Gefahr bestehe, auch noch den rechten Arm zu verlieren. Der .Völkische Beobachter" wurde durch Beschluß der Polizeidirektion München a u s die Dauer von zehn Tagen verboten. Maßgebend für da« Verbot sind die SchluhauS- führungen deS Artikel« »Kampf gegen den Bolschewismus in Bayern verboten" in der Ar. 254. Mexiko ist durch einstimmigen Beschluß der Bundesversammlung in den Völkerbund ausgenommen worden. C» hat seinen Beitritt ohne Vorbehalt vollzogen. Aus aller Wett. Oie Giurmkaiastrophe in Britisch» Honduras. Die Verluste, die durch den Zyklon In Belize, der Hauptstadt von Britisch-Hondura» verursacht worden sind, werden mit über 1000 Toten und an- nähernd 1000 Verletzten angegeben. Das englische Kolonialministerium hat ein Telegramm erhalten, dah etwa 70 o. $). aller Häuser vollstän - dig zerstört worden sind. Die Flutwelle über- schwemmte die Stadt vollständig. Das Wasser stand in den «trotzen bis zu drei Meter Höhe. Fast von allen Häusern sind die Dächer abgerissen. Bäume End entwurzelt, die Funkmasten niedergerissen und ie Verkehrsoerbindungen gestört. Glücklicherweise ist jedoch die stärker gebaute Kraft st ation erhalten geblieben. Die Fahrzeuge im Hafen sind fast sämtlich zerstört. Das am meisten mitgenommene Viertel der Stadt wurde in der letzten Nacht i n Brand gesteckt, da wegen der fürchterlichen Hitze grohe Seuchengefahr bestand. Der Nah- rungsmittelmangel hat bereits zu H u n • gerrevolten geführt, so bafo ber Belage- rungszustand verhängt werben muhte. Es wird beabsichtigt, die Stadt gänzlich aufzugeben unb In höheren Regionen Ansteblungen vorzunehmen. Zwei amerikanische unb zwei englische Kreuzer sinb zur Hilfeleistung unterwegs, außer- dem sinb acht Flugzeuge mit Aerzten, Verbandzeug unb Arzneien in ber Stadl eingetroffen. Unter den Toten befinden sich zahlreiche Zöglinge des Iesuitenkollegiums, das nach Angabe von Augenzeugen wie einKartenhaus zusammen- brach. Die stehengebliebenen Teile ber Stabt haben kein elektrisches Licht mehr, da die drei Meter hohe Sturzwelle, die sich über bas Lanb ergoß, auch in bas Elektrizitätswerk einbrang. Bunbcstagung der Kommunalbeamten unb -angefteilten. 5 er Reichsbund ber Kommunal beamten und -angestellten Deutschlands 6. B. hielt in Erfurt feinen Bundestag ab. BundeSdirektor Ehemann lBerlin) ging auf die Aotverordnungen der 2ktcb6regicrung ein, die sich auf das Beamten- him in geradezu katastrophaler Weise ausgewirkt hätten unb schloß mit der Feststellung, daß die Beamtenschaft trotzdem den deutschen Gerichten vertraue. die die wohlerworbenen Rechte der Beamten schützen würden. Ter Vorsitzende des Deutschen Deamtenbundes, Flügel (Berlin), unterstrich ebenfalls die Einmütigkeit aller Deamtengruppen. Oie d fS Sephrnb(r *$51# XUh bei gLeiduei GLiidliidf rmo ruxL Eckstein* Die deutsche Wcsziganette ist uHedec- übewlL ez^Ldlilidi. Die große Afddt- frdjge hätte Jaejeainysschamje^ keifen verursacht. Vorläufig war die Tendenz daher unübersichtlich und sehr abwartend. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Spanien 53,95, London gegen Kabel 4.8603. HZcttcrvo rausjage. Die Kaltlustreste der abzlehenden Störung ver. Ursachen auch in unserem Bezirk vorübergehend noch Hausenwolkenbildung. Jedoch setzt sich da» westliche Hochdruckgebiet, das bereits über dem Kontinent Platz gegriffen hat, immer mehr durch. Wenn es auch morgens vereinzelt zu Nebek- ober Dunstbil- bungen kommt, so heitert sich »doch tagsüber ber Himmel auf. Die Temperaturen werben Infolge ber Ein- und Ausstrahlung zwischen Tag unb Nacht stärkere Gegensätze ersahren. Ob ble Hochdruckwetterlage länger anhalten wirb, ist noch nicht vorauszu- sehen, zumal an ber Sübseite eines krustigen Ties» über Islanb sehr warme Lustmassen bereit» nach ben britischen Inseln vorgeschoben werben. Vorhersage für Dienstage Stellenweise Frühnebel, sonst meist heiter, trocken, 5cm* peraturgegensähe zwischen Tag unb Rächt sich etwa- verschärsend. Lufttemperaturen am 13 September: mittags 12,8 Grad Celsius, abends 8,1 Grad: am 14. September: morgens 8,5 Grad. Maximum 13,4 Grad, Minimum 6,2 Grab. — CErbtemperaturcn In 10 cm liefe am 13. September: abenbs: 13,2 Grab, am 14 September: morgens 10,4 Grab Celsius — Sonnen» scheinbauer 5n Stunben. — Nieberschläge 0,7 mm. Aus der Provwzialbauptstadt Gießen, den 14. September 1931. Landgenchtsdirektor i. X Bücking t. Gestern vormittag verstarb unerwartet in Gießen der Landgerichtsbirektor i. 2t. Wilhelm Bücking im 76. Lebensjahre. Der Entschlafene entstammte einer althessischen Familie unb war am 13. Februar 1856 in Gießen geboren. Er besuchte das Gymnasium zu Gießen, verlieh es Ostern 1874 mit dem Zeugnis ber Reife und studierte dann Jura an den Üniverfitäten Gießen, Heidelberg, Berlin und Leipzig. 3m Jahre 1877 verließ er nach sehr gut bestandenem Fakultäts- examen die heimische Hochschule, um sich als GerichtSakzessist in der juristischen Praxis aus- zubilden. 23om Mai 1877 an war er am damaligen Hosgericht der Provinz Oberhessen be- schästigt, hierauf war er am Stadtgericht Gießen und am KreiSamt Gießen tätig. 3m 3uli 1879 bestand er daS große juristische Staatsexamen, sodann diente er als Einjährig-Freiwilliger im 3nf.-Reg. Rr. 116 und wirkte bann bei dem damaligen Rechtsanwalt unb späteren Hessischen Iustizminister Dr. Dittmar als 23cttretct in dessen Anwaltspraxis. 3m 3ahre 1881 begann seine Qkrtocnbuny im Staatsdienst: zunächst war er Amtsanwalt in Gießen, dann in Friedberg, weiter war er in Vilbel tätig, hierauf Amtsanwalt in Dingen, bi« er am 1. März 1885 zum Amtsrichter in Mainz und am 11. Mai 1888 zum Staatsanwalt in Mainz ernannt wurde. Am 15. Dezember 1892 wurde er Landrichter und am 25 Juli 1894 Landgerichtsrat in Mainz. Durch Dekret vom 29. Rovcmber 1899 wurde er mit Wirkung ab 1. Januar 1900 zum LandgerichtS- dircktor in Gießen befördert. Am 5. Rovember 1910 trat er „unter Anerkennung seiner treuen und vorzüglichen Dienste" in den Ruhestand. Landgerichtsdireltcr Bücking hat sich stets als ein rechter und gerechter Richter erwiesen, der mit peinlichster Genauigkeit sowohl als Staatsanwalt wie als Richter seinen 2Imt«- pflichtcn oblag und immer in sorgsamster Weise ohne Ansehen der Person Recht sprach. Durch seine hohen Qualitäten als Richter und als Mensch erwarb er sich ungeteilte Wertschätzung 'beim rechtsuchenden Publikum, bei seinen Kollegen und im Kreile der Rechtsanwaltschaft. Als vorbildlicher Patriot, der zwar im politischen Leben nicht hervortrat, aber ein Mann von bester nationaler Gesinnung war, stellte er sich trotz seine- vorgerückten Alters während des Weltkriegs dem Vaterland zur Verfügung, dem er an der Spitze einer Ausbildungskompanie in Alsfeld wertvollen Heimatdienst leistete. Seit dem Jahre 1923 bi« 31. März 1931 stand er als Vorsitzender an der Spitze des Oberhessi- jchen Kunstvereins. 3n diesem Ehrenamt hat er segensreich für die Fortentwicklung der hessischen Kunst gewirkt. Dank seiner hingebenden, rastlosen SchafsenSfreude waren die Ausstellungen des Kunstvereins im Turmhaus am Drandplatz stets ein gern besuchter Mittelpunkt des künstlerischen Lebens in unserer Stabt Von ebenso hoher Bedeutung war seine warmherzige und nie erlahmende Fürsorge sür die hessischen Künstler, denen er besonders in den letzten Jahren mit ihrer steigenden wirtschaftlichen Rot ein hochgeschätzter Wegbereiter wurde. In Anbetracht seiner Verdienste wurde er bei seinem Rücktritt von dem Amt des Vorsitzenden zum Ehrenvorsitzenden des Kunstvereins ernannt. In ehrenamtlichem Dienst war er weiter tätig als Mitglied des Hessischen Finanzgerichts und als Mitglied der erweiterten Drandversicherungskammer. in der er ebenfalls segensreiche Arbeit zum Besten der Allgemeinheit leistete. MU Landgerichtsdirektor Bücking verliert unsere Stadt eine Persönlichkeit, die sich in weiten Kreisen der Gießener Bürgerschaft und darüber hinaus unter den Juristen und Künstlern Hessens ICKbir- Ott d nillioc lOdluflWtll Itn gctxn fl.< Tem*r»tu< 4«. V.k LNIlt* vctDwtt» Oft« e.l flltKMM «t,i »Mcr«v>'«tiu umacr«<6Btlt» UflldrucM Da - Theater der Hessischen Lan- deSuniversität, die einzige Bühne der Provinz Oberhessen, da« Stadttheater Gießen, beginnt am 2. Oktober mit seinen AbonnementSvor. flcllungen. Bemerkenswert sind die Dorteile, die sich beim Abschluß eine« Abonnement« bieten: durchschnittlich 35 Prozent Ermäßigung, dazu Grati-gutscheine für den Kammerspielzyklu« und Ermäßigung für alle Veranstaltungen de« DoethebundeS Anmeldungen werden schristlich oder an der Tageskasse an allen BorverkaufStagen während der Sommerspielzeit (ab 25. September täglich) entgegengenommen. •• Kein Drachen st eigen Im Flug- Hafengebiet! Das Polizeiamt Gießen teilt mit: In letzter Zeit wurde lehr häufig beobachtet, daß in der Umgebung des Flughafen» Gießen Drachen hochgelassen wurden. Wir sehen uns veranlaßt, daraus Hinzuwelsen, daß da» ^teigenlasien von Drachen aus dem Flughafen und dem ihn umgebenden Gebiet verboten ist Dieses Gebiet roiib begrenzt im Westen durch Moltkestraße, Ostanlage, Marburger Straße, Schwarzlachweg, Main-Weser-Bahn, Weg 3um Neuen Friedhof Friedbossollee und Wiesecker Weg, Straße Wieseck Trohe: im Osten durch Verbindungsweg Trohe bis Provinzialstrahe Gießen—Rödgen; im Süden durch Provinzialstrahe Gießen—Rödgen, Grünberger Straße, Kaiserallee. Wir haben die Beamten angewiesen, streng daraus zu achten, daß die» Verbot beachtet wird. •• Aufgehobene Straßensperre. Der Ausbau des Eichgärtenweges von der Wolf- ftraße bis zur neuen Schule ist fertiggestellt. Die Sperrung dieser Strecke ist nun aufgehoben. Berliner Börse. Berlin, 14. Sept. (WTB. Funkspruch.) Mit Ausnahme der zu erwartenden zweiten Freigabe- rate für die Schiffahrtsgesellschaften fehlte es auch zu Beginn der neuen Woche an Anregungen. Im Gegenteil, die weiter schwachen Auslandbörsen und die verschiedenen, in diese Woche fallenden Termine, die dem Geldmarkt eine Entlastung bringen müssen (14. September Zahlung llltimo-August, 15. September Festsetzung der Prolongationskurse und Föl- ligkeit der Lombardzinsen für Betröge über 100 000 Mark, 20. September Ausfüllung der Sicherheiten für die Lombarddarlehen von 100 v. H. des Kalikurses, 23. September Zahlung der Medio-Septcmder-Diffe- renzen) müssen als unerfreulich bezeichnet werden. Dem finanziellen Plu« der Aotverordnungen, die sich insbesondere gegen die Beamtenschaft richte, stehe ein ungeheure« Minus an Dienstsreukigkeit und Schwinden de« Glauben« an den Recht-willen de« Rechtsstaates gegenüber. Da« sei die größte Gefahr, die dem Staate drohe. 3n einer Entschließung verwahrt sich der Bundestag gegen die Art, in der die Reichsregierung die deutschen Beamten und öffentlichen Angestellten einseitig und unsozial belaste. Die deutschen Ge- mcinbebeamlen und Angestellten wiesen alle Maßnahmen zurück, die daS gemeindliche Personal unter Auswertung der gegenwärtigen Rotzustände in den Gemeinden und unter Mißbrauch der §i- nanzaewalt des Reiches wirtschaftlich und rechtlich von Den übrigen Beamten trennen und sie unter deren Niveau herabdrücken wollen. Rur einheitliche Rechts- und Besoldung-Verhältnisse sür alle öffentlichen Beamten und Angestellten werden allein dem Sinn der Reich-verfafsung und den Bedürfnissen deS deutschen Volke- gerecht. Auf dem Jlug pari»—Tokio tödlich abgestürzt. Amtlich wird mitgeteilt, daß im Gouvernement Ufa da- französische Flugzeug ..Bindestrich", mit dem die bekannten Flieger Le Brix und Dorrt von Pari« nach Tokio fliegen wollten, abgestürzt ist Le Drix und Doret waren sosort tot- Es wurde feftgeftellt, dah die Katastrophe auf den Bruch de« Propeller« und da« Versagen des Motor- zurückzusühren ist. Reich-tagung de- Gustav-Adols-Derein«. 3n Osnabrück wurde die Reich-tagung de» Gustav-Adolf-DereinS. der HilsSorganifation für da« evangelische AuSlanddeutschtum, eröffnet. Die evangelischen AuSlandgemeinden waren durch zaylreiche Abgesandte vertreten, die am Vormittag in den Kirchen Osnabrücks in Feierstunden für die christliche Jugend sprachen. In dem von dem Generalsekretär Dr. Geißler vor- gelcglen Jahresbericht wird betont, daß Der Verein in diesem Jahre fein besonderes Interesse den notleidenden deutschen evangelischen Gemeinden in der Tschechoslowakei Augetoanöt habe. Geklagt wird besonders über Die traurige Lage der evangelischen Gemeinden in Siebenbürgen. In 3ugoslawienhat sich die evangelische Kirche auf Grund des neuen Staatsgesetzes konsolidiert, und in den nächsten Wochen wird dort der erste evangelische Bischos in sein Amt eingesührt werden. 3n 3 e t u 1 a I e m brachte die Rückgabe der deutschen Anstalten durch die Engländer, vor allem die Wiedereröffnung deS syrischen Waisenhauses, ein rasche- Wiederausleben der protestantischen Gemeinden. 3n Spanien ist durch die Staatsumwälzung die Dahn sür den Protestantismus zur Reugestaltung feiner Verhältnisse frei geworben. Günstig lauten die Berichte übet die Entwicklung der d-utschen evangelischen Gemeinden in Mexiko und Südamerika. größter Hochachtung und Bellebtheit erfreute. Sein lauterer Charakter, seine Alncigennütjiglelt auf allen Gebieten feine« Wirken- und feine Liebenswürdigkeit im Verkehr mit den Angehörigen der verschiedensten Devöllerung«schich:en mach.en ihn au einem Burger, auf den unsere Stadt allezeU stolz fein konnte. Da« Andenken an diesen ausgezeichneten Mann wird bei allen, die ibn näher kannten, stet« in bester Erinnerung fortleben. Bornotizcn. — Tageskalender für Montag. Schützcn- oerein Gicßen, Monatsversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Da» lockende Ziel". — Au« dem ßtabttbeaterbureau wird un« geschrieben: Morgen gelangt al« elfte Vorstellung de« Sommerabonnement« die letzte Reueinstudierung der Svmmerspielzeit die Komödie .Der Garten Eden" von Dernauer und Oesterreicher zur Auffühi. j Die Spielleitung hat Peter Fassott. Beginn der Vorstellung 20 Uhr, Ende gegen 22.30 älhr. o wollen*! ontaei txdcai »woinia. • »KM.« alriuonn XHrw.frr.^windUmt O K* * Mormoihc- «ofdWciA • dick • ohne Mundstück. Das bißchen Erde. Vornan von Richard Skowronnel. Copyright by I. Engelhorns Rochf., Stuttgart. 31. Fortsetzung Nachdruck verboten So ungefähr lautete der wahrheitsgemäße Bericht, den der neue Bibliothekar zur Widerlegung übertriebener Gerüchte dein „Moltzahner Anzeiger" übersandte. Er schloß damit, daß der Brand leider einen Schaden angerichtet hätte, der durch keine noch so hohe Versicherungssumme gedeckt werden könnte. Einige aus dem fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert stammende Urkunden sowie die alte Familienchronik des Hauses Römnitz, die der Erblandmarschall zu Studienzwecken dem Archiv entnommen hätte, wären dem gierigen Element zum Opfer gefallen.' Ein unersetzlicher und namentlich vom Standpunkte des vergleichenden Sprachforschers schwer zu bedauernder Berlust, denn die Chronik nämlich wäre zum großen Teil in mittelalterlichem Platt geschrieben, dem niedersächsischen Idiom, das damals die Umgangssprache selbst der vornehmsten Kreise bildete ... Unö es folgte eine kurze, aber von gründlichem Studium zeugende Abhandlung, daß diese Sprache im Laufe der Jahrhunderte verhältnismäßig geringfügige Wandlungen durchgemacht hätte. Die einschneidendste eigentlich nur dadurch, daß sie von stolzer Höhe zum Ausdrucksmittel der niedersten Bolksschichten herabgesunken wäre ... 4. Herr Christian Sötebeer, der Wirt des „Stre- litzer Hofes" in Molhahn, stand vor der Glasveranda seines stattlichen Hauses am Marktplatze und lieh sich behaglich die liebe Frühlingssonne auf die weiße Weste scheinen, die ihm ein rundliches Bäuchlein prall umspannte. Die Geschäfte gingen gut, und so recht zufrieden stand er da mit seinem feisten Vollmondsgesichte, in dessen Mitte eine stumpfe Aase leuchtete gleich einem umgestülptcn kleinen Kupferkessel. Seine Stammgäste behaupteten, wenn er im Dunkeln ginge, brauchte er keine Laterne, anderseits aber war ihnen diese rötlich strahlende Aase ein vertrauenerweckendes Zeichen, daß Herr Sötebeer in seinem geräumigen Weinkeller nicht bloß theoretisch Bescheid wußte! Wenn er in seiner freundlich-behäbigen Art versicherte: „Dieses Weinchen ist gut, das kann» der Bater mit dem Sohne trinken", durfte man sich darauf verlassen. Schlechte Weine führte er überhaupt nicht, das überließ er der Konkurrenz, ebenso die minderwertigen Gäste. 3m Strelitzer Hofe verkehrte ausschließlich ein vornehmes Publikum, die Spitzen der Behörden, der hohe und höchste Adel der Umgebung. And Herr Sötebeer verstand seine Gäste vortrefflich zu behandeln, so daß sie sich bei ihm wohlfühlten. Zwei Eigenschaften zeichneten ihn besonders aus vor allen andern Wirten. Daß er's nämlich verstand, zur rechten Zeit hinzusehen und zur rechten Zeit fortzusehen, je nachdem. Wenn an dem großen runden Tische eine Flasche leer war, erspähte er es sofort, gab dem Kellner einen Wink, und es stand eine volle da, der Schaden war behoben. Wenn aber die Herren zu später Stunde zusammenrückten, der Würfelbecher über einem zweigeteilten Papierbogen raffelte oder die Karten sich auf dem Tische breiteten, sah Herr Sötebeer nicht hin. Es interessierte ihn nicht, was da getrieben wurde, denn er hatte leider gar keinen „Kartenverstand", wußte einen König nicht von einer Dame zu unterscheiden. 3n andern Hotels trat der Wirt in solchen Fällen an den Tisch, sagte: „Meine Herren, ich muß Sie darauf aufmerksam machen, Hasardspiele sind polizeilich verboten" und ließ sich erst durch das Versprechen einer großen Zeche zur Duldung bewegen. Herr Sötebeer war durch seine mangelnde Kenntnis vor solchen Mißgriffen geschützt. And die große Zeche kam ganz von selbst, wenn erst die Köpfe heißer wurden. Dann floß der teure französische Champagner in Strömen, wie Wasser schütteten die jungen Herren ihn hinab, und kein Mensch schmeckte es mehr heraus, daß Herr Sötebeer aus patriotischen Gründen längst schon einen deutschen Schaumwein unter welscher Flagge segeln lieh. Er hatte ein Herz sür die heimische 3n- dustrie. Seine Gäste befanden sich wohl dabei, konnten ungestört sich an ihrem Spiel vergnügen, denn sie waren ganz unter sich. Zweifelhafte Elemente duldete Herr Sötebeer in seinem Hause nicht, nicht einmal in der Bierstube, in der ausschließlich wohlsituierte Bürger verkehrten, verständige und gesetzte Leute, die sich bewußt waren, daß den jungen Herren von Adel von alters her das Vorrecht zustand, ihr Geld zum Fenster hinauszuwerfen im Kartenspiel, in Sekt oder auf irgendeine andere Art und Weise. Da hatte sich kein Mensch darum zu kümmern, am allerwenigsten die Polizei. And sie neideten dem Wirte des Strelitzer Hofes nicht den fetten Verdienst. Wenn ein Herr von Adel in ihren Laden kam, schlugen sie ja auch einige grobe Prozente auf den Preis der Ware. Wie eine Re- spektsverlehung wäre es ihnen vorgekommen, sie ebenso billig zu verkaufen wie bei einem rein bürgerlichen Handel ... Aeber den gepflasterten Marktplatz kam mit klappernden Hufen ein einzelner Reiter getrabt. Herr Sötebeer kniff die Aeuglein ein, die unter den fettgepolsterten Wangen ohnedies schon fast verschwanden, und erkannte ihn wohl. Gestern, auf dem zwanglosen Abend der „Karneradschaft- lichen Vereinigung von Reserveoffizieren aus Moltzahn und Umgebung", war viel von ihm die Rede gewesen. And es hatte nur eine Stimme gegeben, er mühte natürlich geschnitten werden „bis auf die Knochen". Lange Zeit war er verschollen gewesen, und man hatte schon angefangen, mit einer gewissen bedauernden Achtung von ihm zu sprechen. Daß er wohl eingesehen hätte, für Leute seines Schlages wäre in der Heimat kein Platz, und daraus die einzig mögliche und anständige Schlußfolgerung gezogen. Seine plötzliche Heimkehr aber zeigte deutlich, daß er doch jenes letzten, den wahren Edelmann auszeichnenden Ehrgefühls entbehrte, und demgemäß hätte man ihn natürlich bei zufälligen Begegnungen zu behandeln. Diese Ausführungen des Tüschower Herrn von Lewenih hatten allgemeine Zustimmung gefunden, und Herr Sötebeer hatte aufmerksam zngehört. 3n seinem Strelitzer Hof sollten die Herren der Kameradschaftlichen Vereinigung nicht in die Verlegenheit kommen, solchen peinlichen Begegnungen ausgesetzt zu sein! Er wußte schon, was er dem Renommee seines Hauses schuldig war, und solche Affären erledigte er ganz still und schmerzlos ... Der junge Graf Römnitz verhielt seinen schweiß- bedeckten Gaul vor der Glasveranda. „Aa", sagte er gemütlich auf platt, „Vadder Sötebeer, wat malen Sei für ’n kamisch Gesicht? As 'n Kater, de dünnem hört? Wunnern Sei sick, bat eck wedder to Hus bin?" Der Wirt des Strelitzer Hofes verneigte sich, soweit es sein dickes Bäuchlein zuließ. „Aein, Herr Graf. 3ch habe schon gestern abend gehört, daß Herr Graf aus Afrika wieder glücklich zurück sind. Ganz gehorsamst willkommen!... Es war viel die Rede von Ihnen gestern abend. Wir hatten nämlich den allwöchentlichen zwanglosen Abend der Kameradschaftlichen Vereinigung, und Herr von Karnitz auf Götschendorf war zufällig an Der Bahn gewesen, wie Sie ankamen." „So, so", sagte Malte und ordnete irgend etwas am Zaumzeug, „war wieder mal die ganze Klerisei beisammen? Aa, dann rufen Sie irgendeinen dienstbaren Geist! Der Kerl soll aber ’nen Strohwisch nehmen und mir den Gaul ordentlich abreiben, ehe er ihn in die Box führt. Es ist warm, und ich bin ein bißchen scharf zugeritten" ... Er hob schon das Bein, um sich aus dem Sattel zu schwingen, Herr Sötebeer aber sah mit strahlender Freundlichkeit in die Höhe, zerfloß fast vor Antertänigkeit und Ergebung. „Ach, einen Augenblick, Herr Graf! 3ch mochte nämlich Hochdieselben bitten, sich geneigtest nicht zu berangteren. 3n meiner Ausspannung ist leides alles beseht ... einige von den Herren sind der Bequemlichkeit halber gleich über Aacht geblieben, sitzen da drinnen beim Frühschoppen ... neuer Besuch ist dazugekommen ..." „Aa, aber irgendein Bonze wird doch da sein, der mir den Gaul auf dem Hof herumführt, bis ich was gefuttert hab' und beim Rechtsanwalt gewesen bin?" ... Herr Sötebeer wurde noch freundlicher. Eine Verneigung folgte der andern, so daß ihm das Blut beängstigend zu Kopfe stieg. „Auch das nicht, Herr Graf! Leider nicht! Zu meinem allergrößten Bedauern nicht! Es ist ein ganz fatales Zusammentreffen ... ich bitte tausendmal um Entschuldigung, aber alle meine Leute sind beschäftigt, und so was kann doch wohl mal Vorkommen, nich?" ... Malte grub die weißen Zähne in die Unter- lippe, er hatte verstanden. And er ärgerte sich, baß er nicht gleich so hellhörig gewesen war. Einen kurzen Augenblick überlegte er, ob er das winselnde Gemüse da unten nicht auf den Kopf schlagen sollte, daß es auf dem Pflaster einen großen Fettflecken gab. War er denn schon ein solches Äichts, daß ihm dieser feist gewordene ehemalige Kellner den AnterskÄnd- verweigern durfte? Hier in Moltzahn, wo der Aame Römnitz fast mehr galt als der des allerhöchsten Landesherrn ...? Der 3ngrimm schüttelte ihn, aber er bezwang sich mühsam. „Es ist gut, Herr Sötebeer, Sie sind ein außerordentlich tüchtiger Geschäftsmann. Ich wünsche Ihnen, daß Sie sich nicht verspekuliert haben. Die Moden wechseln. Ein neuer Herr Erblandmarschall könnte vielleicht finden, daß drüben im Hotel zur Stadt Rostock auch ein ganz angenehmer Aufenthalt ist ... na Sie verstehen mich schon. Da laufen die andern dann nach" ... Herr Sötebeer saldierte sich auf die oberste Stufe seiner Veranda. Diesen Herren war nicht- zu trauen, von ihren hochseligen Vorfahren her hatten sie eine gewisse Aeigung zur Gewaltsamkeit an sich. Der junge Randiener Graf von Dih- nack zum Beispiel warf immer gleich mit ’nem Sektglase, wenn der vor Müdigkeit eingeschlafens Kellner der erforderlichen Aufmerksamkeit ermangelte ... And oben verneigte er sich von neuem, murmelte allerhand entschuldigende Worte. Der gnädige Herr Graf sollen um Gottes willen doch nicht glauben ... und es wäre wirklich nut: ein bedauerlicher Zufall ... Malte lachte kurz auf. Zu komisch sah bet kleine Kerl aus, wie er sich immerfort verneigte, baß bie bicken Armwürste fast ben Boden berührten. (Fortsetzung folgt.) Statt besonderer Anzeige. Heute nacht verschied unerwartet mein geliebter Mann, unser lieber Vater In tiefer Trauer: 6043 D Die Beerdigung findet Dienstag, den 15. September 1931, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Alten Friedhofs aus statt Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Elisabeth Bücking, geb. Heß Dr. Ludwig Bücking, Regierungsrat Dr. Karl Bücking, Referendar Gießen, Mainz, 13. September 1931. Anna Martha Bücking Landgerichtsdirektor a. D. Wilhelm Bücking AUTO- GelegenheiksklillN Fabrikneue 1,1 Llr. Opel-Limousine weit unter Fabrikpreis abAugeb. M74A Opel,Gießen Franksurt.Slrahe 52 ca. 150 Ztr. Kelter- und Wirl- schastöobst zu verkaufen. [M4d Siilkerei Sotöa© Kaiferallee 15 p. |Empfehlungen| ZM5. Okt. X fBegirm neuer LehrgA Vogtsche HandelsfcliulenGleBen. V Ooethestr. 32 i Prosp.kostl. seines lieben ig; rec. 1874 Hassia ..:Koehler-Kaess 6037 t Gießen, den 13. September 1931. 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Unverlöschlicher Eindruck . • • Im Beiprogramm: Ufa-Tonwoche ■ Ton-Lustspiel Mittwoch, den 10.September, nachm. 4 Uhr: Große Kinder-u.Familienvorstellung Au! der Bühne: Fassinis Hunde-Sport-Revue 1. 20 In höchster Vollendung dressierte Foxterriers und Pudels in ihren unglaublichen Leistungen 2. Micki-Maus 3. Flick und Flocki als Wasserratten 4. Unsere lieben Kleinen« Lustspiel 5. Tiere im Winter 6. Ufa*Ton-Wochenschau. Preise der Plätze: Kinder Mk. -.30 und —.50. Erwachsene Mk. —.50, —.70, 1.— 60380 Lichtspielhaus-Gießen Heute: RIchardTauber Nr. 214 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 14. September 195| Aus der Provinzialhauptstadt. Diehen. den 14.September 1931. Sbrrheffen im Sinterfahrplan 1931/32. Der neue F a h r p l a^l der Reichsbahn, der am 4 Oktober in Straft tritt, bringt durch den Wegfall einer Anzahl Züge wefentliche Aenderungen. Es fallen au» auf der Strecke Gießen—Frankfurf—Kassel der Sonntagszug Marburg—Gießen. Gießen an 0.05 Uhr, der Werttagszug Lang-Gons—(Sieben, Gießen an 5.14 Uhr; der Beschleunigte Personenzug Sonntags, Sieben—Frankfurt, in Gießen ab 21.06 Uhr; der Personenzug Franksurt—Gießen,.in Gießen an 23.55 Uhr, der bisher bis Butzbach täglich verkehrte, verkehrt ab Friedberg dis Gießen nur noch an Sonn, tagen, der Pcrfonenzug Frankfurt—Gießen, in Frankfurt ab 23.51, der bisher täglich bis Bad-Nou- heim und ab da nur von Sonntag auf Montag bis Gießen fuhr, verkehrt jetzt nur noch von Sonntag auf Montag auf der ganzen Strecke von Frankfurt bis Gießen. In Gießen an 138 Uhr. Der fogenannte Bäderzug Friedberg—Bad Homburg—Wiesbaden in Friedberg ab 18.13 Uhr, ebenso der Gegenzug, Friedberg an 12.35 Uhr, fallen fort... Die beiden Eilzüge Gießen—Frankfurt, in Gießen ab 13.16 Uhr und Frankfurt—Gießen—Kassel, in Gießen ab 17.07 Uhr. fallen ebenfalls au». Strecke Siehen—Koblenz. Der V-Zug Gießen ab 5.55 Uhr fällt aus; des- Gleichen der Gcgcnzug Gießen an 23.22 Uhr Ais Zinterzug verkehrt wieder der Personenzug Gießen— Wetzlar. Gießen ab 7.02 Uhr. Strecke Siehen—Fulda. Der bisherige Werktagszug von Mücke nach Gießen. in Gieben an 7.08 Uhr, fallt aus: dafür verkehrt der Werktagszug Mücke ab 6.46 Uhr in Gießen an 7.33 Uhr. Der bisherige Personenzug Fulda—Gießen, in Gießen an 10 35 Uhr. kommt im neuen Fahrplan bereits 16.23 Uhr in Gießen an und erreicht somit den Anschluß nach Gelnhausen um 16.32 Uhr. Slrecke Salzschlirf-Schliß. Der bisherige tägliche Zug Schlitz—Salzschlirf, Schlitz ab 5 Uhr, verkehrt im Wintcrfahrplan nur werktags. Der bisherige Werktagszug Schlitz—Salz- fchlirf, in Schlitz ob 7.52 Uhr, verkehrt täglich. Der bisherige tägliche Zug Salzschlirf—Schlitz, in Salz- fchlirf ob 5,56 Uhr, verkehrt nur werktags, und zwar bis 30. April 1932, von da ab wieder täglich. Strecke Lauterbach—Stockheim. Der bisherige Werktagszug Gedern—Lauterbach, in Gedern ab 4.45 Uhr, Lauterbach an 6.28 Uhr, verkehrt im Winterfahrplan Gedern ab 5.18 Uhr, Lauterbach an 7.00 Uhr. Voraussichtlich Verlängerung der Steueramnestiefrist. WTB. In der letzten Zeit haben sich die Amnestie- anzeigcn stark gehäuft. In sehr vielen Fällen haben Steuerpflichtige bei den Finanzbchördcn zu erkennen gegeben, daß sic von der S t e u e r a m n c st i e gern Gebrauch machen möchten, aber nicht in der Lage s-ien, bis zum 16 September, dem Ende der Amnestiefrist, das für die Amncstieanzeige erforderliche Material durchzuprüfen und die hierbei aufgetauchten Fragen zu klären. Ferner hat sich gezeigt, daß es noch viele Steuerpflichtige gibt, die zwar das Bestreben haben, wieder steucrchrlich zu werden, die sich aber davor scheuen, ihre bisherigen Zuwiderhandlungen der Steuerbehörde offenzulegen. Aus all diesen Gründen sind in außergewöhnlich starkem Umfange Anträge auf Fri st Verlängerung gestellt worden. Mit Rücksicht hierauf ist beabsichtigt, die Steuern m ne ft iefri ft allgemein bis zu m 15. Oktober z u verlängern. Da die Fristen für die Abgabe der Vermögenserklä- rungen, sowie für die Anzeige ausländischer Familien st istungen und Beteiligungen in engem Zusammenhang mit der Am- nefticfrlft stehen, würden auch diese in gleicher Weise verlängert werden. *• Uebung der Gießener Reichswehr. Das hiesige Bataillon rückte heute morgen mit Hin» aenbem -spiel zu einer Marschübung und zu einer Gefechtsübung aus, die in der Röhe von Wetzlar ftattfinbet. Die Truppen kehren voraussichtlich bereits heute nachmittag roicber zurück. " Das hessische Naturschutzgesetz kommt. Der hessische Finanzminister hat im Einvernehmen mit dem Minister des Innern und unter Zustimmung des Gefamtministeriums dem hessischen Landtag den Entwurf eine- Noturschuh- aesetzes vorgelegt. Das Gesetz zerfällt in folgende Abschnitte: A. Gegenstände und Umfang des Naturschutzes: 1. Schutz seltener und schonungsbedürftiger Tier- und Psiarizenotien; 2. Bestimmungen über Schmuckreisig: 3. Naturdenkmäler und deren Umgebung; 4 Schutz des Landschaf 1S- bildes; 5. Naturschutzgebiete: 6. Sonstige Schutzgebiete für freilebende Tiere. B. Gemeinsame Vorschriften für den Naturschutz. C. Straf- und Schluhbest immungen. Da- Gesetz wird voraussichtlich noch von dem gegenwärtigen Landtag behandelt. •• Diebstähle Der Polizeibericht meldet: AuS dem Fahrradunlerstellraum der g.werblichen Fortbildungsschule wurde von einem Fahrrad ein Dynamo Marke . Berko" entwendet. In diesem Naume kommen fortgesetzt derartige Diebstähle vor. Zwei Täter wurden bereit» vor einiger Zeit ermittelt — Aus einem im Parterrestock gelegenen Schlafzimmer wurde ein goldenes Zigarettenetui gestohlen Der Eigentümer hat für die Hcr- beilchasfung des Etuis eine Belohnung von 100 Mark in Aussicht gestellt Personen, die sachdienliche Angaben über die Diebstähle machen können, werden ersucht, der Kriminalabteilung Nachricht zu geben. Wirtschaft. Generalversammlung der Darmstädter Volköbank. WSN. Darmstadt. 12. Sept. Die gestrige auherordentliche Generalversammlung der Darmstädter Bolksbank nahm bei einem Massenbesuch einen erregten Vcrlau'. Nach- dem dec Aussicht-ratsvorsitzende Nohl auf die Leitung der Generalversammlung verzichtet hatte, übernahm Rechtsanwalt N e u s ch ä f f e r den Borsitz und trat, nachdem die Stützungsaktion durch die Zentralkreditinstitute gescheitert ist, für Selbsthilfe ein, um unabsehbare Folgen für dix Darmstädter Geschäftswelt zu vermeiden. Da die Frist zur Einberufung der Generalversamm- lang nicht eingehalten worden war, wurden die meisten Tagesordnungspunkte, die mit Beschlüssen verknüpft waren, ausgesetzt. Durch Droh, und Schlußruse wiederholt unterbrochen, erstattete der Vorsitzende des bisherigen Aussichtsrats, Nohl, den Geschäftsbericht und stellte dann die Aemter deS Aussichtsrats zur Verfügung. Dr. Schneider vom Revisionsverband W.esbaden eiläuterte dann den bereits veröffentlichten Status. Als tiefere Ursache des Zusammenbruchs bezeichnete er ein Hinausgeben über den Rahmen des G e n o s s e n s ch a s t s g e s ch ä f t s und zu hohe Begebung von Einzelkrediten (die Kredite über 50 000 Mark machen über die Hälfte der gesamten Kreditsumme aus), Ueberschreitung der Höchstkredit, grenze von 200 000 Mark in ipc&rcrcn Fällen, und dies alles trotz wiederholter Mahnungen der Revision in den vergangenen Jahren. Schließlich hätten auch Vorstandsmitglieder m i t Genossenschastsgeldern spekuliert so daß die gesamten Verluste jetzt 2,7 Mill. Mark betragen. Er empfahl ein Erlaß - Vergleichsverfahren mit 75 Prozent bei Erhöhung der Genossenschaftsanteile von 500 auf 1000 Mark, selbstverständlich unter Einsetzung einer neuen Verwaltung. Aus der Versammlung heraus wurden bann schwere Vorwürfe g c - genVorstand und Aussichtsrat erhoben und deren Regreßpflicht gefordert da es sich nicht um Fehler, sondern um Verfehlungen handle. Ebenso wie Revisor Schneider, sand Prof. Dr. Stein (Berlin), der Anwalt des Deutschen Ge- nossenschastsverbandes, die volle Zustimmung der Versammlung, als er die Vorwürfe der Genossenschafter anerkannte, aber entschlossenes Handeln zur Erhaltung der Volksbank forderte. Der Zusammenbruch wäre trotz der Wirtschaftskrise nicht gekommen, wenn die genossenschaftliche Kreditpolitik getrieben und weniger auf Rentabilität, als auf Liquidität gesehen worden wäre. Darauf wurde die W a h l des neuen Aufsichtsrats vorgenommen, wobei vier bisherige Aufsichtsratsmitglieder, die nach der Kontrolle gerechtfertigt dastehen, wieder, gewählt wurden. Den Vorsitz des Aufsichtsrats dürste voraussichtlich Rechtsanwalt Neuschäf. f e r als Vertreter der freien Berufe und der Be. amten übernehmen. Endtermin für die Oevisenablieferung: 19. September. Berlin, 12. Sept. (WTB.) Nach dem Reichsbankausweis vom 7. d. M. haben sich die Bestände der Reichsbank an Gold und deckungsfähigen Devisen um 48,6 Millionen Mk. erhöht. Von der Erhöhung entfallen auf Gold 4,4 Millionen Mark, auf deckungsfähige Devisen 44,2 Millionen Mark. Obwohl der Devisenzugang gegenüber dem im Ausweis vom 31. August ausgewiesenen Zugang von 42,6 Millionen Mark eine Erhöhung zeigt, kann er doch nicht als befriedigend bezeichnet werden, wenn man berücksichtigt, daß vorn 31. August 1931 an die Ablieferung auf Grund des neuen Aufrufes erfolgen mußte, und daß der für die Ablieferung ursprünglich festgesetzte Schlußtermin — der 5. September — in die Berichtswoche fällt. Hierzu wird von zuständiger Seite daraus hingewiesen, daß die Der- längerte Frist für die Ablieferungspflicht am 19. d. M. a b l ä u f t, und daß die Nichtablieferung der Devisen bekanntlich mit schweren Gefängnis- bzw. Zuchthausstrafen geahndet wird. * l)r. ß. c. Earl von Weinberg, Frankfurt a. M., 7 0 Jahre alt. Der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates und stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates der IG.-Farbenindustrie AG. Dr. h. e. Earl von Weinberg, Franksurt a. M.-Niederrad, vollendet am 14. September sein 70. Lebensjahr. Dem Jubilar fällt ein bedeutender Anteil an der Entwicklung der deutschen chemischen Industrie zu. • Aktienzuckerfabrik „W e I t e r a u', Friedberg Die Generalversammlung genehmigte einstimmig den bioibcnbenlofcn Abschluß für das abgelaufene Geschäftsjahr. Mit der beginnenden neuen Kampagne wird die Fabrik ihren Betrieb am 1. Oktober wieder aufnehmen: zu diesem Zwecke werden 300 Arbeiter neu eingestellt. frankfurter Börse. Frankfurt a. M, 14. Sept. (WTB.) Tendenz: schwach. Die Börse eröffnete zu Beginn der neuen Woche in ausgesprochen schwacher Haltung. Man war allgemein sehr pessimistisch gestimmt, da die Ereignisse in Oesterreich und das Eisenbahnattentat in Ungarn als ein Symptom dafür angesehen werden, daß sich die politischen Verhältnisse allenthalben noch in Gärung besinden. Wenn auch die Krise in Deutschland als überwunden angesehen werden kann, ist damit keineswegs gesagt, daß nicht auch hier sich ähnliche Fälle ereignen können. Infolgedessen bewahrt man ä u h e r st e Zurückhaltung, jumal auch von den Aus- landbörsen, die meist in schwacher Haltung verkehrten, keine Anregung ausgehen konnte. Obwohl das Angebot nicht groß war, ergaben sich gegen die Kurse vom Freitagabend recht erhebliche Kurseinbußen, besonders bei Spezialpapie- ren. Am stärksten gedrückt lagen IG. mit minus 6, Salzdetfurth minus 7,5, Konti Gummi minus 4,38 und Mannesmann mit minus 4,25 Prozent. Mit Minus-Minus-Zeichcn erschienen Siemens, die später mit 10 Proz. Verlust zur Notiz gelangten, Kali Aschersleben und Holzmann, die je etwa 6 Proz. nichtiger geschäht wurden. Ziemlich matt lagen fetner: Ehade 7,5 Proz., Scheideanstalt, Rüt- gerswerke, Dt. Linoleum, Karstadt und Montan- papicre, bei denen sich Kursverluste von 2 bis 4 Prozent einstellten. Am Dankenmarkt büßten Reichsbankanteile 4 Proz. ein. Der Anleihemarkt schloß sich der allgemeinen Schwächestimmung an. Altbesitz-Anleihe minus 0,6 Proz., Türken gaben um 0,17 Proz. nach. Am Geldmarkt blieben die Kurse im Verlause ziemlich gehalten, da sich zahlreiches Angebot nicht mehr bemerkbar machte. Am Pfandbriefmarkt wurde Material her- ausgegeben, so daß auch hier schwächere Stimmung herrschte. Goldpfandbriefe gaben durchweg um 1 Proz. nach. Lagesgeld stellte sich auf 7 Proz. Am Devisenmarkt lagen London gegen Neu- York 4,8603, gegen Paris 123,9750, gegen Madrid 53,75, Schweiz 24,9150 und Holland 12,0434. Berliner Börse. Berlin, 14. Sept. (WTB.) Obwohl man schon vormittags und an der Dorbörse mit Angebot gerech- net hatte, überwog das herauskommende Material alle Erwartungen doch bei weitem. Es ist schwer zu sagen waber diese Ware kam: sie war plötzlich zu den ersten Kursen da und setzte sich aus Glattstellungen der Spekulation, aus Verkäufen des Publikums und des Auslandes, nicht zuletzt aus Exekutionen zusammen. Neben der politischen Ungewißheit (Heimwehrputsch in Oesterreich, Krawalle in Berlin, ungarisches Unglück, die Stellung Dr. Eurtius' usw.) waren es wirtschaftliche Uebrrlegungen, die zu der ungünstigen Stimmung beitrugen. Einmal wird die Situation der Reichsbank durch die Freigabe von 25 o. H der StiQbalte- gelber in dieser Woche schwieriger, außerdem stehen verschiedene Zahlungstermine bevor, die unbedingt eine Belastung für den Geldmarkt bedeuten So ist heute die Zahlung der Ultimo-August Differenzen fällig, morgen die Festsetzung der Prolongation»- kurse und Fälligkeit der Lombardzinsen für Betrage über 100 000 Mark, am 20. Ausfüllung der Sicher- beiten für die Lombarddarlehen von 100 v. H des Tageskurse», und am 23. Zahlung der Medio Sep- temberdifzerenzen. Da die Ausnahmelust äußerst gering war, verursachte da» vielleicht nicht einmal zu große Angebot doch allerdings zahlreiche Minus- Minus-Zeichen. Bei den endgültigen Kursen ist aller, dings der Zwang eine Minus-Minus Notiz vorzunehmen, lehr halb gegeben, so daß manchmal ein salsches Bild entstehen konnte. Heute sind die Kursabschwächungen in der Tat recht erheblich, sie gingen besonders bei den Standardwerten über 5 vH. hinaus. So verloren IG.-Farben Salzdetfurth. AEG., Schissahrtsaktien, Polyphon, Svenska und besonders Siemens bis zu 11,25 v. H. Bei Betrachtung der heutigen Börse wird man nur darin bestärkt, daß es wünschenswert wäre, wenn die Bestrebungen, alle Orders der Kundschaft durch die B ö r s e zu leiten, möglichst bald (Erfolg hätten Man glaubt, die heutigen A u s I a n d v e r k a u f e mit der Verbindlichkeit der Reichsbank, für Dcrkaussauftrage Devisen zu lieferte in Zusammenhang bringen zu müssen. Auch der Pfandbriesmarkt litt unter stärkeremAngebvtundKäusermangel. Reichsschuldbuchforderungen wurden bis AU 3 v. H. niedriger genannt. Anleihen nachgebend. Von Aus- ländern lagen Bosnier fester. Der Geldmarkt blieb steif, Tagesgeld etwa 9 v H. Auch der Verlaus litt unter Exekutionen und brachte erneut Kursrückgänge bis zu 2 v. H. Frankfurter Lchlachtviehmarkt. Frankfurt a. M.. 14. Sept. Auftrieb: 1563 Rinder, darunter 354 Ochsen. 162 Bullen. 536 Kühe, 466 Färsen; ferner 470 Kälber, 86 Schafe. 4613 Schweine Es wurden notiert: Rinder: Ochsen vollfleischige, ausgemästete, höchsten SchlachtwertS (jüngere) 41 bis 45 Mk, (ältere) 37 bis 40, sonstige vollfleischige (jüngere) 32 biS 36; Bullen jüngere, vollfleischige, höchsten SchlachtwertS 31 biS 35, sonstige vollfleischige oder auS- gemäftetc 27 bis 32; K ü h e: jüngere, vollfleischige. höchsten SchlachtwertS 32 bis 35, sonstige voll- fleischige oder auSgemästete 28 biS 31, fleischige 22 biS 27; Färsen (Kalbinnen. Iunqrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten SchlachtwertS 41 bis 45, vollfleischige 37 bis 40. fleischige 31 bis 36. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 50 bis 53. mittlere Mast- und Saugkälber 44 bis 49, geringe Kälber 36 biS 43. — Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 59 bis 61, von etwa 200 bis 240 Pfund 53 bis 60, von etwa 160 bis 200 Pfund 56 biS 60, fleischige Schweine von etwa 120 biS 160 Pfund 50 bis 56, Sauen 45 bis 52 Mk. — Marktverlauf: Rinder ruhig, Lieberstand Kälber und Schafe schleppend, geräumt. Schweine ruhig, auSverkaust, Fettschweine über Notiz. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 14. Sept. Es wurden notiert: Weizen 235 bis 237,50; Roggen 215; Braugerste 180; inländischer Hafer 170; Weizenmehl, süddeutsches, Spezial 0, mit Austauschware, 37,25 bis 38, Sonderrnahluna 34,75 bis 37,75; Weizenmehl, niederrheinisches, mit AuStauschware, 37,25 biS 37,75, Sondermahlung 34,75 bis 35,25; Roggenmehl 29,75 bis 31; Weizenkleie 9,40 bis 9,50; Roggenkleie 9,25; Erbsen 33 biS 37; Linsen 25 bis 65; Heu, süddeutsches, gut, gesund, trocken, 4 biS 4,25, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 3, gebündelt 2,75 bis 3; Treber, getrocknet, 10,75 biS 11,50 Mk. Tendenz: stetig. Letzte Nachrichten. Verhaftungen in Oesterreich. 2D i e n , 14. Sept (TU. Drahtmeldung.) Der Helm- wehrführer Für ff Sfarhemberg wurde im Lifenbahnzug in der Gegend von welhenkirchen in Oberösterreich verhaftet. Desgleichen wurden in Linz die früheren Generale Puchmeyer und Englisch-Poparich feftgenommen. IDIe aus Graz gemeldet wird, sollen P f r i e m e r und Raufer nach Italien gefluchtet sein. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 8 o.H., Lombardzinsfuß 10 v. H. (r = repartiert). Äranfrur «*. Jfl. .Öen in Itian.iun a. Di. Mrim ant'ur a.Di. Zien in Schluß» ttnlang« hir# kurs Schlup- ynfana« furt für# Schluß- Anfangs für# kur« Schlltz- tur« Vnfanq« kur« c-chlutz- kur« Anfang« für« Schluß» kur« Anfang« kur« Datum 11.9. 14.9. 11.9. 14.9. Datum 11-9. 14.9. 11.9. 14.9 Datum 11.9. 14 9 11.9. 14.9. 6% tfufldw WnKieletIk v. 192. 7% Deutsche SeiA«anleibe v. 1929 6)4% Dcung-enlnbe Poe 1930 Teulidx anl..f..edjul6 mit flu4lof..«f*ten...... Te4flL ebne eutlol.-SItAtt . . 6% Hell ".‘-olltitaat ooe 1929 itüthabib. 102%)...... Cbtrbeiien l-rocim.Anleihe mtt Vtu#kM.-Sied>ten....... $etrtidie Ramm. SameielabL Anleibe öerie 1....... 8% iyrantl. (iop.-8ant «otbpfe 15 unkündbar bU 1935 . . . 7% tzranki Htw -Bank (Molbple unkündbar bu 1936 Serie 16 . 4%% itrankt. Hyv-Banl Stau.. Pfandbriefe......... 4H% 9ibe nlldie Hyv-Bank-Liau Soldvlr.......... 8% Pr. £ anbeepfanbbrtef anfialt. Pfandbriefe Ä. 19...... 7% Pr. i.'anbHrlanbbriefanftalt. Pfandbriefe 9t- 10 . 4% Oeftenet Paula Dampfschiff .....0 Norddeutscher Lloyd.....6 •3.01. für Beriebrtmesen Äh. . Berliner Handelsgesellschaft . f> 5ommeq. und Pnval-Bant. 7 TanmldMer und Ralionalbanl 6 Deutsche Sank und TUconto-Olelellkbah ... 6 Tte4bnct Lank...... 6 Reich-dank........12 Ä.tt.®............7 Bergmann.........9 Girin. Liefern ngtgrielNchasl. 1" Licht und Rralt......10 Gelten & fflutlleaume . . . . 6*i »riellfchaf! für Elektrische Untetnebmunflen .... 9 Rbetnilche G:ri:rijü4t .... 9 ^chucken L Li' ...... 11 5fernen« 8 Halste ..... 14 Labmeyer8 Go.. ..... 12 Buderus..........4 Deutsche Erdöl ....... 5 Gelsenkirchener ....... 8 Harpener......... . 0 Harsch Grien.........6 Ilse Bergbau.......1" RiMnerroerfe ........ 6 Röln»$eutfien....... ManneSrnmin-Röbreu Manrlelder Bergbau.....0 Cberidüel. flotiroerfe .... 8 Pdöntr Bergbau..... Rderni'che Braunkohlen. . . 10 «heinstaht.........6 s ? = s a 11^111118 11 i.' 1 1 1 5 LLI 12 1 ü. 1 1 ü 1 1 1 Ü UN O U O 8 l 1 1 i «III 1 1 öd £ 1^112 1 1 1 1 Z b. 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 32 83 33,5 34,25 67 66 73 66 40 112 58,13 48 65 72 63 70 72,75 113.25 75 25,5 40.5 39,5 35.5 30 127 30,5 38.5 11,13 37 26 122 42,5 29.4 82-5 51 107.75 53 59 63,5 102 23,5 38,25 37.75 35 27 28 34 11 34 26 40,13 Siiebet! INcman......7,2 Bereinigte Stahl verte .... 4 Ctaoieiirrn......16*, pallwerke flitfierfleben . . . 10 Ralimede Westeregeln ... 10 flalimerfe Ealibetfurtb . . . U I. S. Farben-Induftrie ... 1! Verein, dem. Iudutzrie Frank, hin a. ö........... ctbcibeanftall ...... 10 aioldlchmtdt...... . . . 0 Sietallgrielllchaft. ...... 5 Pbüivv Hol,mann . ..... 8 Zemenkrven Heidelberg. ... 7 Zementwerk Rariftabt.....7 BaoB & Freytag......0 StbnltbeiS Ya^enbofn ... 15 Äku (ällfle meine Runftfeibe) 0 Lemberg......... 0 ZeINtofs Salddof.....12 yellfirff Aschaffenburg ... 6 2? ■ -........9 Tai miet Motor«......0 Teuriche Linoleum ..... b Ctenftein & Roppd.....0 Leon darb Tietz.......8 2 Den 4 U ......... 15 3 habe............ frankfurter öddnn« . . . . 0 «ritzner .......0 ilcinhattBtrfe Höchü a.DL. . 6 Lltddeut'chrt 3-iet .... 10 26^5 82 91 147,5 102 100 23,5 25 37 46,5 58,5 = 21 57,75 81 £ 1 1 1 11118^111111 Illi SSISI S 51 |1 1 12 75 87 140 95,13 21 23,25 36 — = 87,5 47,5 55 44.5 73 12 38 55.5 158 185 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2IL Banknoten. 11. September 14 September Amtliche Dotierung «mlliche Notierung Selb । 2? riet <*elb »rie< Hellingsor» . titen. . . . 10,59 59.17 10,61 59,29 10,59 59.17 10,61 59,29 Prag . . . 12,467 12,487 12,467 12.487 Budaveü . . 73,43 73,57 73.43 73.57 Sofia . . . 3,059 3,065 3,057 3.063 Holland . . 169,83 170,17 169.88 170.22 CfLo . . . . 112,51 112,73 112,51 112.73 »sprnbaflei. 112,52 112,74 112,54 112,76 Gtotfboim . 112,62 112,84 112,62 112.84 Üonbon. . . Buenos Lire« 20,455 20,495 20.459 20.499 1,171 1,175 1,151 1,155 Reuvork . . 4,209 4.217 4,209 4.217 Brullel . . . 58,54 58,66 58,55 58.67 Italien . . . 22,03 22,07 22,03 22.07 Pari« . . . 16,50 16,54 16.50 16.54 Schweiz . . 82,08 82,24 82,08 82.24 Spanten . . 37,86 37,94 37,71 37.79 $aniig . . . 81,76 81,92 81,75 81.91 Japan . . . 2,079 2.083 2,079 2,083 Siro be ?an.. 0,256 0,258 0,256 0.258 3u{]ofiawiei. Ltliabr» . . 7,422 7,446 7,432 7.446 18,54 18,58 18,54 18,58 Beflüi, 11 September Selb »rief Swen!an ische Noten ....... 4,20 vergliche Noten ......... 58,43 Tonische Noten ......... 112,28 112,72 Lnglische Noten . ........ 20,402 20,482 rZranzöstzche Noten........ 16,465 16,525 Holländische Noten........ 169,40 170,08 Italienische Noten........ 22,06 22,14 Norwegische Noten........ 112,28 112,72 Teursch- Oesterreich, i 100 Lchllllng 59,03 59,27 Numantsche Noten........ 2,47 2.49 Schwedische Noten........ 112,38 112.82 Schweizer Noten. ........ 81,88 82,20 Spanische Roten. ........ 37,42 37,58 Ungarische Notes •••••••. 72,85 73,15 provinzialtagiW der oberhe'sischen Sänger. Gestern nachmittag fanden sich die Vertreter der oberhessischen Gesangvereine und die Vertreter der verschiedenen, der Provinzial- gruppe Oberhessen deschessischenSän- aerbundes angeschlossenen Gaue im Restaurant Faulstich zu Gießen zu einer Provinzial- söngertagung zusammen. Der Provinzialvorsitzende, Berufs^ullehrer Gengnagel (Grünberg), leitete die Tagung, begrüßte die Teilnehmer und gab zunächst einen Bericht über die Entwicklung des Männergesangs im Laufe der letzten Jahre. Er begründete zunächst die Pause von vier Jahren zwischen dem letzten und dem ßeftrigen Provinzialsängertag und wies dann auf die markantesten Ereignisse in den vergangenen Jahren hin. Er erinnerte an den schweren Schlag, den der Deutsche Sängerbund durch die Untreue des Bundesrechners Rechlin im Jahre 1929 erlitt, und kam dann auf die Entwicklung im engeren Bundesgebiet zu sprechen. Im Jahre 1927 umfaßte, so führte er u. a. aus, die Provinzialgruppe 10 7 Vereine mit 3670 Sängern. Im Jahre 1928 wurde eine Umorganisation durchgeführt. Das Anwachsen des Lahngaues auf über 100 Vereine machte eine Teilung notwendig, und aus landschaftlichen Erwägungen heraus wurden die Gaue Chattia-Wettertal, Gießen-Stadt und -Land, der Lahntalsängerbund, der Ohm-Lumdotalsänger- bund, sowie der Gau Solms-Wetzlar gebildet. Außerdem wurde der Gau Vogelsberg in zwei Gruppen geteilt Die Gaue umfassen heute insgesamt 2 5 3 Vereine mit mehr als der doppelten Anzahl Sänger des Jahres 1 9 2 7. Die Aufbauarbeit fei demnach von großem Erfolg gewesen, allerdings bleibe noch manches zu tun, und es gelte, noch manchen Verein zu gewinnen. Mit dem Wunsche, daß der deutsche Man- nergefang auch weiterhin mit allen Kräften gepflegt und die augenblickliche schwere Zeit ohne allzuschwere Rückschläge überwunden werden möchte, schloß er seine Ausführungen. Im Anschluß an diesen Bericht, der die Zustimmung der Versammlung fand, beschäftigte man sich mit dem Bundessängerfest 1932 in Frankfurt, über das sich eine außerordentlich lebhafte Aus- spräche entwickelte. Der Vorsitzende machte zu- n chst darauf aufmerksam, daß das Fest, entgegen (: derslautenden Gerüchten, bestimmt ft a 11 - finden werde. Die Vorbereitungen seien in vollem Gange. Der Hessische Sängerbund plane im Zusammenhang mit diesem Fest eine besondere Kundgebung. Herr Becker (Kesselbach) führte aus, daß daß Fest im Zeichen der Rot stehen werde. Den kleinen Vereinen werde unter den heutigen Verhältnissen kaum Gelegenheit gegeben fein, die Veranstaltung zu besuchen. Der Festbeitrag sei zu hoch (7,50 Mark): das Fest stehe unter einem sehr unglücklichen Stern. Herr Wolf (Butzbach) bedauerte, daß das Fest überhaupt obgehalten werde. Er forderte in6be(orsere die Herabsetzung des Festbeitrages. Der Vorsitzende, Herr Gengnagel, regte u. a. die Einführung von Tageskarten an und empfahl, einen derartigen Antrag für den Bundes- fängertag in Mainz zu stellen. Lehrer Reichwein (Oberroßbach) gab der Meinung Ausdruck, daß die Teilnahme an dem Bundesfest des Deutschen Sängerbundes in Frankfurt für die hessischen Gesangvereine eine Ehrensache fein müsse. In der weiteren Aussprache befaßte man sich mit den im Rahmen des Festes zu singenden Chören. Lehrer Schenk (Melbach) forderte den Vortrag von Liedern mit volkstümlicherem Charakter, als jene, die vom Musikausschuß des Hessischen Sängerbundes oorge- schlÄgen worden seien. Herr Becker (Kesselbach) forderte die Ablehnung der oorgeschlagenen Chöre. Her'r ©inner (Bleichenbach) wandte sich ebenfalls gegen die Beschlüsse des Musikausschusses, Lehrer Dönges (Merlau) forderte die Berücksichtigung der Wünsche der hessischen Sängerschaft. Schließlich wurde für zukünftige Fälle eine Chorbesprechung im Organ des Hessischen Sängerbundes gefordert. Besonders wurde betont, daß die Auswahl der zu singenden Lieder nicht von der Rücksichtnahme auf bestimmte Komponisten abhängig fein solle. Die Wünsche der Versammlung wurden in folgender Entschließung zusammengefaßt: „Der Provinzialsängertag Oberhessen vom 13. September 1931 hält die seither vom Mufikausschuß des Hessischen Sängerbundes festgesetzten Chöre zum Teil als Massenchöre für vollkommen ungeeignet und verwahrt sich schärfstens gegen die Art und Weise der Beschlußfassung des Musikausschusses. Die Partituren der vorzuschlagenden Chöre sind mindestens 14 Tage vor der entscheidenden Sitzung des Musikausschusses den Mitgliedern desselben zur Einsicht oorzulegen. Wir bitten dringend, die Wünsche der oberhessischen Vertreter für die Zukunft mehr zu beachten. Das Chormaterial der auszuwählenden Chöre ist bis spätestens 1. Januar den Gauen zuzusenden. Den Chor „Das Mägdlein und der Reut- ter" als Massenchor für Frankfurt lehnt der Provinzialtag entschieden ab. Sollte der Vorstand des Hessischen Sängerbundes den angeführten Wünschen nicht gerecht werden, so weisen wir künftig die vom Mufikausschuß vorgeschlagenen Massenchöre einmütig zurück." lieber den am 3. Oktober stattfindenden Bundesfängertag in IHainj machte der Prooinzialvorsitzende Gengnagel einige Ausführungen grundsätzlicher Art und berührte dabei die Neukonstituierung der Verwaltung. Herr Becker (Kesselbach) forderte eine Neuordnung der Verwaltung unter weitgehender Berücksichtigung der Wünsche der Sängerschaft. Die Aussprache über den bevorstehenden Hessischen Sängertag in Aschaffenburg, für den der Vorsitzende Anregungen erbat, beschäftigte sich besonders mit der Beitragserhebung. Lehrer Schenk (Melbach) machte eine Reihe von Vorschlägen für eine andere Regelung der Beitragszahlungen der Gaue an den Bund und forderte nachdrücklich Vereinfachung und Sparsamkeit. Der nächste Bundestag soll in einem Orte Oberhessens stattfinden. Nach längerer Aussprache entschloß man sich, dem Bundessängertag in Aschaffenburg die Wahl eines Ortes (Bad-Nauheim oder Wetzlar) zu überlassen. Sodann wurde die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen. Der Vorsitzende, Berufsschullehrer Gengnagel (Grünberg), lehnte, wie sich schon in der dem Provinzialtag vorhergehenden Besprechung des Vorstandes ergab, wegen anderweitiger Inanspruchnahme eine Wiederwahl ab. Angesichts dieser Tatsache widmete Herr Becker (Kesselbach) dem ausscheidenden Vorsitzenden Worte des Dankes für seine aufopfernde 7jährige Tätigkeit für die Sache des Männergesangs, und brachte sodann Herrn Wendler (Bad-Nauheim) für das freiwerdende Amt in Vorschlag. Dieser Vorschlag fand die einmütige Zustimmung und Wahl der Versammlung. Der neugewählte Vorsitzende Wendler erklärte Das Gauvolksiurnen des Hessengaues (DT.). Der Gietzener Männerturnverein belegt 14 erste Plätze Das Gauvolksturnen wurde als letzte Fachoeran- ftaltung des Gaues gestern in Butzbach reibungslos und mit im Durchschnitt guten Leistungen durchgeführt. Rund 300 Turner und Turnerinnen waren an den $um Teil recht spannenden Wettkämpfen beteiligt. Am erfolgreichsten war wieder der Män- nerturnoerein Gießen, der 14 e r ft e Plätze belegen konnte. Ein besonderes Ereignis wurde im 400-Meter-Lauf der Sieg des Männer- turnvereinlers Erich Ploch vor dem bekannten Kreismeister Kuno May. Don den Turnerinnen des Gießener Männerturnvereins ragte neben Elfe Bickelhaupt besonders Erika Röhmig hervor. Erstere wurde erste im Dreikampf der älteren Turnerinnen und gewann sicher das Kugelstoßen, den 100-Meter-Lauf und den Hochsprung: letztere setzte sich im Dreikampf der jüngeren Jahrgänge an die Spitze der Siegerliste und holte sich außerdem die ersten Siege im Weitsprung und Speerwurf. Auch die Schwedenstaffel und die 4X100-Meter- Staffel der Turnerinnen waren eine sichere Beute des Männerturnvereins. Bei den Jugendturnern fiel der Heuchelheimer Werner Langenohl angenehm auf. Er wurde erster Sieger im Dreikampf und dazu noch überlegen Bester im Kugelstoßen und Hochsprung. Fußball der Gießener Mannschaften. Die Liga der Spielvereinigung 1900 gewann auf eigenem Platze gegen die Liga von Trotz der beunruhigenden Putschnachrichten, die am Sonntag aus Steiermark Vorlagen, tarnen 40 000 Zuschauer bei gutem Wetter in das flaggengeschmückte Stadion, wo sich zunächst ein Leichtathletik- Länderkampf Süddeutschland gegen Oesterreich ab- spielte, den die Süddeutschen mit 55:48 Punkten gewinnen konnten. Unter dem Beifall der Massen traten dann die beiden Fußballmannschaften in den angekündigten Aufstellungen an. Das Spiel begann sehr temperamentvoll mit einem zügigen Angriff der Oester- reicher, Schall schoß scharf, aber Kreß wehrte vorbildlich ab. Und doch mußte er sich schon in der dritten Spielminute zum erstenmal geschlagen bekennen. Während die Oesterreicher also einen sehr guten Start hatten, fanden sich die Deutschen nur langsamer. Nach einer Viertelstunde waren sie aber sehr schön eingespielt und man sah jetzt von ihnen Leistungen, die weit über dem Niveau des Berliner Kampfes gegen Oesterreich standen. Im Feldspiel waren die Reichsdeutschen zeitweise den Wienern vollkommen ebenbürtig und sie fanden auch wiederholt für schöne Kombinationen den Beifall des Publikums. Gegen Ende der Halbzeit wurden die Oesterreicher wieder überlegen und sie konnten auch in der 41. Minute durch Schall zum zweiten Treffer sich bereit, das Amt ßu übernehmen. Auch er dankte dem bisherigen Vorsitzenden für feine wertvolle Arbeit. Als stellvertretender Vorsitzender wurde Herr Rüdiger (Wetzlar) gewählt, dem ebenfalls für dieses Amt vom Gau Solms-Wetzlar oorgeschlagenen Herrn Majewski (Wetzlar) wurde zugesagt, daß sich der Provinzialoorstand für seine Aufnahme in den geschäftsführenden Vorstand des Hessischen Sängerbundes einsetzen werde, damit auch den außer- hessischen Vereinen eine Vertretung im Provinzialoerband, wie im Bunde gesichert sei. Nachdem noch der Provinzialchormeister Blaß (Gießen) und der stellvertretende Provinzialchormeister K a st e n (Gießen) einstimmig wiedergewählt worden waren, fand die Versammlung mit dem eindrucksvoll vorgetragenen „Deutschen Sängergruß" ihren Abschluß. Zeppelin-Besuch in Frankfurt. WEN. F r a n k f u r t a. M., 13. Sept. Der heutige Sonntag stand für Frankfurt im Zeichen des „Z e p p e l i n" - B e s u ch e s. Etwa 30 000 Menschen säumten den Landungsplatz, während sich auf den anliegenden Straßen etwa 1 0 0 0 0 0 Menschen aufhielten und das Luftschiff erwarteten. Um 13 Uhr stieg „Graf Zeppelin" unter Führung des Kapitäns Lehmann in Friedrichshafen auf, kurz vor 17 Uhr zog das Luftschiff über der Altstadt einige Schleifen und erschien pünktlich zur festgesetzten Zeit, um 17 Uhr, über dem Flugplatz. Unter dem Jubel der Zuschauer senkte sich das Luftschiff tiefer und tiefer. Die Landung und der eine Stunde später erfolgende Start vollzogen sich glatt. Um 18 Uhr begab sich das Luftschiff wieder auf die Heimreise und traf 20.44 Uhr in Friedrichshafen wohlbehalten ein. Oesterreich siegt wieder 5:0. Dillenburg mit 2:0 (1:0). Die 2. Mannschaft verlor gegen Oberbiel I mit 0:1, die III. kam kampflos zu Punkten, denn die Mannschaft von Heu-' chelheim trat nicht an. Die Jugend- und Schülermannschaften vermochten sich in Wetzlar sehr gut zu behaupten. Die 1. Jugend gewann gegen die spielstarke 1. Jugend des Sportvereins Wetzlar mit 4:3, die 2. Jugend und die 1. Schülermannschaft spielten mit 1:1 unentschieden. Auch die 2. Schülermannschaft hielt ein Unentschieden mit 0:0. Die Liga des VfB. mußte in Kassel gegen Hessen 09 eine Niederlage von 6:0 (2:0) hinnehmen. Die 2. Mannschaft blieb im Spiel gegen Herrmannsteins I. mit 3:1 siegreich, die 3. Mannschaft gegen die II. des gleichen Vereins konnte ebenfalls einen Sieg landen. 4:0 lautete das Ergebnis. Die 1. Jugend gewann gegen die leistungsfähige 1. Jugend des VfB. Kurhessen Marburg mit 2:1 und die 2. Jugend spielte gegen die 2. Jugend des VfB. Marburg 1:0. Fußball in Hessen Hannover. Am Sonntag gab es im Fußball in Hessen- Hannover auf der ganzen Linie wieder spannende Kämpfe. Überraschungen blieben indes aus. Die Favoriten sicherten sich durchweg die Punkte, wenn auch manchmal nur knapp. Die Ergebnisse: SC. 03 Kassel — Kurhessen Marburg 3:1 (2:0). Hessen 09 Kassel gegen VfB. Gießen 6:0 (2:0). Borussia Fulda gegen FV. Horas 6:1. Hermannia Kassel gegen Spiel und Sport Northeim 4:3 (4:1). Ockershausen — Kurhessen Kassel 3:4 (2:0). Spvg. Göttingen — Einbeck 05 (4:2 (2:2). FC. Groß- allmerode — Spielverein Kassel 3:2 (1:0). Tura Kassel — Sport Kassel 1:2 (1:1). kommen. Nach der Pause war das Spiel längere Zeit reichlich ^erfahren. Die Oesterreicher behielten aber eine leichte lleberlegenheit und gaben auch verschiedene scharfe Schüsse ab, die aber von Kreß gemeistert wurden. Schließlich kamen die Wiener in der 14. Minute zu einem nicht ganz einwandfreien dritten Treffer. Das Spiel nahm jetzt, obwohl die lleberlegenheit der Oesterreicher nicht sehr stark war, für Deutschland einen sehr unglücklichen Verlauf. In der 25. Minute schoß Gindelair bei einem Eckball unhaltbar aus der Luft ein und fünf Minuten später sprang ein wuchtiger Pfostenschuß des gleichen Stürmers ins Netz. Die Gegenstöße der deutschen Mannschaft hatten zu wenig Durchschlagskraft. Zur Kritik. Obwohl die deutsche Mannschaft ein wesentlich besseres Spiel als in Berlin lieferte, mußte sie doch wieder eine hohe Niederlage hinnehmen. Dafür verantwortlich zu machen ist in erster Linie die Berliner Verteidigung Emmerich-Brunke, die nach der Pause völlig versagte, Kreß trifft keine Schuld. Auch der Berliner Läufer Kauer war schwach, während Knöpfte und Leinberger ein außerordentlich großes Arbeitspensum mit Fleiß und Geschick erledigten. Im Sturm war wider Erwarten der rechte Flügel Weiß-Hornauer der bessere. Kund-Hofsmann enttäuschten und auch Kuzorra hielt, da er sich mit Hofmann nicht verstand, nicht das, was man von ihm erwartet hatte. — Die österreichische Elf war wieder in allen Teilen einwandfrei. Aber sie hatte doch mit ihrem Gegner weitaus mehr Mühe als im letzten Länderspiel. Königsschießen des Schützenvereins Gießen. Gestern fand auf den Schießständen des Schützenvereins Gießen das Königsschiehen statt. Der Tradition folgend, hat man seit einigen Jahren das historische Adlerschiehen wieder aufleben lassen. Ein hölzerner Adler wird so beschossen, dah zuerst die Krone, dann das Szepter und dann der Reichsapfel fallen. Dann folgt die Beschießung von sieben Sternen, die im Kreis den Adler schmücken. Schützenkönig ist, wer den Körper des AÄers vollkommen von der Stange schießt. Der Kronenschütze ist Kronprinz, die Schützen von Szepter und Reichsapfel sind Ritter. Die Schützen der Sterne erhalten Erinnerungszeichen. Zur allgemeinen Freude konnte das langjährige Mitglied Ehren-OberschühenmeistsrLein- rich Noll die Würde des Königs erringen. Kronprinz wurde Otto Schönau, 1. Ritter Richard Koch, 2. Ritter Heinrich Dippel; Sterne schossen Konrad Dreyer, Willi Bette, Willi Horn, Rudolf Hahn, August D i ck o r e, Gustav Frey und Ewald B ä u l f e. Handball im Gau Hessen (O. T.) Die Zahl der in der Handballpflichtrunde des Gaues Hessen spielenden Mannschaften hat sich weiter vermehrt. In der ^-Klasse wurde noch ein fünfter Spielbezirk gebildet, dem die folgenden Vereine zugeteilt wurden: Tv. Burg-Gemünden, Tv. Homberg a. d. O., Tv. Grünberg, Tv. Nie- der-Ohmen. Die Vereine treten am 20. September in die Pflichtrunde ein. Kurze Sportnotizen. Paovo Nurmi gewann beim Sportfest des SC. Charlottenbura den 10 000 - Meter - Lauf in 31:19,2 Minuten. Hinter ihm belegte der Turner Syring-Wittenberg in der neuen deutschen Rekordzeit von 31:26,8 Minuten den zweiten Platz. ♦ Der Schneider-Pokal, das große Schnel- ligteitsrennen für Wasserflugzeuge, wurde von Leutnant Bottham (England) mit 547 Stunden- Kilometer gewonnen. Die Schluhrunde um die Meden- Meisterschaft brachte am Sonntag in Bad Homburg einen ganz klaren Sieg von Berlin Rotweih. Die Vertreter des Rheinlands konnten gegen Vie variiertere Spielkultur der Berliner nicht aufkommen. So buchten die Reichshauptstädter sämtliche Doppelspiele sowie auch die meisten Begegnungen im Einzel zu ihren Gunsten. Vom Büchertisch des Sportlers. Internationale Boxrekorde betitelt sich ein beim Novissima-Derlag G. m. b. H., Berlin SW 61, erschienenes Büchlein, das eine kurze Geschichte des deutschen Berufsboxsports, ein Verzeichnis der Welt-, Europa- und Landesmeister der einzelnen Gewichtsklassen und alle Kampsergebnisse von 133 deutschen und ausländischen Boxern enthält. (305) Gewinnauszug 8. Klaffe 37. Preußifch.Siidbeutfche (263. Preutz.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 30. Ziehungstag 12. September 1931 3n der heutigen Schluß-Ziehung wurden Gewinn« über 400 M. gezogen 2 ©etoinne zu 1000 M. und 2 Prämien »u 600000 W. auf Nr. 272909 Ferner fielen: 4 Gewinne ,u 10000 M. 169546 320126 2 Gewinn« zu 5000 W. 397646 8 Gewinne ju 3000 M. 77280 82297 278695 369346 30 Gewinne zu 2000 M. 7911 26902 58316 74632 115622 116825 124339 134452 172868 182887 200401 230578 269442 321972 395137 32 Gewinne »u 1000 M. 38314 80244 81902 114979 162044 180122 194653 216461 217368 276829 282234 293381 338734 353410 369981 392425 70 Gewinne ,u 500 M. 6864 11963 23608 44079 48185 52141 75705 76141 104326 105487 107141 112613 134657 169592 184520 191003 216163 223056 232667 243757 275330 280581 295005 300490 307339 326227 332789 339129 346206 350884 353989 365795 374335 376192 398414 Wer gut verdaut hat mehr vom Leben denn Sodbrennen, saures Aufstoßen haben fast immer ihre Ursache in dem Übermaß an Magensäure. I Durch Kaiser- Natron wird das Obel schnell behoben. 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September d. 3. stattfindenden vieh- markt darf nur von 9 bis 9% Uhr stattfinden. 6034D Hessische Bürgermeisterei. Schneider. Obstverkauf. Die Gemeinde Fellingshausen läßt am Freitag, dem 18. d. AI.» das Gemeindeobsi versteigern. Für Händler oder größere Abnehmer können einige Tage vorher bis zu 300 Zentner abgegeben werden. 6035D Bedingungen gibt der Bürgermeister bekannt. Es kommen bis zu 1000 Zentner zum Verkauf. Obstversteigerung. Donnerstag, den 17. September 1931, vormittags 9 Ahr anfangend, soll das der Gemeinde Annerod gehörige Obst, bestehend in Aepfeln, Birnen und Zwetschen, öffentlich versteigert werden. Zusammenkunft bei der Kirche. (6045D Annerod, am 12. September 1931. Hessische Bürgermeisterei Annerod. e e B a e E(D hb L ■25,. vtteins c a °5a 9 = E = E E E 3 = d .55, = to — = H cs. E f. l$)t-V,o. 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