Ur. 259 Erster Matt 181. ZahrgMg Dienstag, 13. Oktober 1931 vnlck und Verlag: vrLhl'ichc Unioer-tälr-vuch- und Steindruckerel B. Lange in Liehen. Schrifileitung und Geschäftsstelle: Schulstraste 7. iricheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte ikietzener' Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Moiratr-Vezugspreis: 220 Reichsmark und 30 5cichspfennig für Träger- lihn, auch bei Nichter- fteinen einzelnerRu imern »folge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüffe 4nterSammeInummer2251. Lischrift für Drahtnach» rchten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: franffurt am Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20"/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Randnoten. 3if deutsche Presse hat sich mit Recht gegen die : Dg Maulkorbverordnung gewehrt. Mitunter scheint 'S aber, als ob für gewisse Zeitungen doch Aus- rioiinebestimmungen nicht von der Hand zu weisen fihti. Wir denken dabei an ein großes westdeutsches -3l.it, das bedenkenlos den Inhalt einer a n g e b - lliyen Unterredung zwischen Jndustriesührern und Len Reichskanzler Brüning wiedergibt. Danach sollen i£ie Vertreter der Wirtschaft vom Kanzler dieAus - ll.i^ngeinerZnflationgefordert haben. ist selbstverständlich, wie auch der Reichskanzler rml aller wünschenswerten Deutlichkeit klargestellt 6*1 barer Unsinn. Wer seine fünf Sinne noch bei- Üanmen hat, und wer sich noch daran zu erinnern uxmrog, wie verheerend die Nachkriegsjahre gewirkt 6:v!üi.sches Ereignis von größter Bedeutung. Es irft soweit wir wissen, das erstemal, daß sich auf ff- breiter Basis Parteien und Verbände zur Er° xrtij)ung eines bestimmten politischen Zieles zu- fformcngefunden haben. Deutschnationale. Tla- tticiaIfo^ialiften, Stahlhelm, Landbund, das ist ein ÜWichlfaktor, der nicht allein seiner zahlenmäßi- Qtet otärfc nach Beachtung beanspruchen darf. Biel eiäabmcksvoller noch ist diese Ballung eines Mas- Dßtoillend, ist vor allem der M u t zur Ber- crnl v> o r t u n g , der hier zum Ausdruck kam. 2E)tnn darüber herrscht ja überall Einverständnis, tiaf es ganz sicher keine Freude ist. im kommen- Lea CEintcr die Acgierungsgcschäfte zu führen, uini es hätte gerade vom Standpunkt der Oppo° t'Lfoii aus nahegelegen, zunächst etwas kurz zu tinten, um dem Kabinett Brüning die unange» m cfaae Aufgabe zu überlassen, die Folgen der Minnirtschast der letzten Jahre zu beseitigen. S-iKr die nationale Opposition drängt gera- dceznzur Regierung. Ein Beweis, daß sie e in Korkes Kraftbewußtsein hat und die nötigen Tmrgien in sich fühlt, mit denen allein eine solche Sisyphusarbeit zu leisten ist. Rur schade, daß toir über d i e Rezepte, mit denen von Harz- bäui] aus die beutftijc Krankheit geheilt werden IM f o wenig erfahren haben. Herr Dr. ch t hat zwar erklärt, daß nicht Programme, IMvrn Charaktere entscheiden. Das ist gewiß n 4i<. Aber etwas Näheres hätte man doch ifiih br -”C -oa >0- '"wirf- beite° \Ott» .-ft»»' | . . rftobtf 193t ; Öljj g,W j.ern über die Wege gehört, die zum Ziele füllen sollen. .tie Entschließung, die in bewußter Anlehnung oraiie Einleitungs, ormel der Reichsve.sa sung ge- harllni. ist, sagt darüber seht- wenig. Sie begnügt s«th)L.mit, die bürgerliche Mitte und das Zentru.n gurr Beteiligung auszufordern, allerdings zu einer -Selnligung in sehr bescheidenem Rahmen. 3m- nuetjm, dos würde, gemessen an den Wähler- ftituinen, vermutlich heute dem Parteioerhältnis erttsorechen. Rur wird leider auch diese Einladung im i)rer Wirkung durch mancherlei Zwischenfälle oursdec Harzburger Tagung selbst getrübt. Daß hier wieder Rangstreitigkeiten zwischen Ra- t'i»lilsozialisten und dem Stahlhelm entstanden, dokß Hitler ostentativ die Parade verlieh, sobald druBvrbeimarsch seiner Sturmabteilungen beendet lafo die ganze Bersammlung um eine halbe Ei-iidc verschoben wurde, weil Hitler böse war Eierst beruhigt werden mußte, das sind doch CI"W' häßliche Schönheitsfehler — ganz abgesehen vmden lieberWeigerungen in der Rede Schachts, d «das Bild entstellen. Aeußerlichkeiten? Biel- lki«ch aber es kann doch auch sehr viel mehr dikhüber stecken, ilnö es ist gewiß keine rednerische ' . ^tilejung, wenn Frick in der öffentlichen Sitzung Rßtl® dr!«/?Ltionalsozialisten darauf aufmerksam machte, [DU'1'* . -- avet) Mussolini habe zunächst mit Bundes- 8k!Ncflen arbeiten müssen. Das kann doch nur so ifpdt'bcbböqtnben werden, daß die Rationalsozialisten mit ■' lrutsch nationalen und dem Stahlhelm zusain- i r^/^meairarfdüeren bis zum Sturz >es Kabinetts und b risie an der Macht si ,cd , daß sie dann V^J^-*,atizr rt[(e diese Bundesgenossen rücksichtslos über bai auf en rennen werden. Lind diese Aussicht cT'sMstlfü!' laiobie Einladung zur Zusammenarbeit nicht ge- fle*“11" erfreulicher gestalten. *^1 :3r 12. Oktober begannen in Lübeck die Der- ^urLL^gen, die über die Ursachen des großen " |lBir" ßi'nitdcr Kinder st erbens im vergange- im, nriTl 3 a^r Aufklärung und Rechenschaft bringen Wie noch erinnerlich, erkrankten damals CtaOn* * ödc«)a.lldertfünfzig Kinder, von denen im Laufe GieW (!> Soweit fünfundsiebzig gestorben sind, und zwar ■'ni*4öei6lid) an den Folgen der Cal- ;l bi Ä? ,n'S:t c - 03 e b a n b [ u n g. Bei diesem fogenann- ’ -almette-Berfabren bandelt es sich um einen ' Lrtl™ -u'besondere Kultivierung abgetöteten Tu- Diskussion mit Dr. Schacht. Oer Reichsfinanzminister berichtigt die Harzburger Rede des ehemaligen Reichsbankpräsidenten. Berlin, 12. Oft. (Sil.) Reichsfinanzminister Dietrich nahm vor Pressevertretern gegen Aus- fübrungen Stellung, die der Reichsbankpräsident a. D. Dr. Schacht in Bad Harzburg gemacht batte. Er wandte sich zunächst gegen die Erklärung Schachts, daß Deutschland eine Währung habe, die nicht mehr dem regulären Warenverkehr diene, sondern nur noch dazu, d i e 3 11 i q u i - öität unserer Finanzinstitute und der öffentlichen Hand zu verbergen. Diese Erklärung Schachts bezeichnete Dietrich mit aller Schärfe als unrichtig. Die Reichsbank sfi der öffentlichen Finanzwirtschaft, insbesondere dem Reich, n i e m a l s zu Hilfe gekommen. Das Reich habe keinen Pfennig bei der Reichsbank geborgt. Es sei lediglich vorgekommen, daß Schahanweisungen der Länder in ganz geringem, überhaupt nicht in Betracht fallenden Umfange bei der Reichs- banf diskontiert worden seien. Falsch sei auch, daß die Währung dazu diene, die Illiquidität der Finanzinstitute zu verbergen. Um die Illiquidität der Dresdener Bank, der Danatbank. der Sparkassen und anderer Banken zu beheben, sei ja die Akzeptbank mit. einem Aktienkapital von 200 Millionen Mark gegründet worden. Die Behauptungen, d ie Reichsregierung fei nicht in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen, würden am besten durch die Tatsache widerlegt, daß die Reichsregierung von den 420 Millionen schwebenden Schulden des lausenden Jahres während der letzten sechs Monate bis zum l.Okkober 2 8 7 Millionen zurückgezahlt hat. wenn auch gewisse finanzielle Schwierigkeiten durch die Notlage der Gemeinden entstanden seien, so dürfte man auch dabei nicht vergessen, daß von den insgesamt 55 000 Gemeinden nur etwa 2000 bis 3000 in Schwierigkeiten seien. Man spreche immer von diesen notleidenden Gemeinden und bedenke aber nicht, daß 52 000 bis 53 000 geordnete Finanzen hätten. Zu der Erklärung Schachts, daß die auswärtige Berfchuldung Deutschlands wesentlich höher als im Baseler Bericht angegeben sei, wies der Reichsfinanzminister darauf hin, daß es sich bei den Auslandverpflichlungen der deutschen Privatwirtschaft um außerordentlich schwierige Feststellungen handele, die noch nicht abgeschlossen seien. Da Schacht bis vor eineinhalb Fahren noch Reichsbankpräsident gewesen sei, so wäre es seine Aufgabe gewesen, die Höhe der deutschen Auslandverschuldung zu untersuchen. Die Verschuldung (vor allem die kurzfristige) sei t a t s ä ch l i ch h ö h e'r , als die Reichsregierung und die Reichsbank bisher angenommen hätten. Er sei deshalb durch Notverordnung aufgesordert worden, die Auslandschulden a n- 3 u g e b c n. Zu der Aeußerung Schachts, man sage nicht, daß das Reichsbankportefeuille nur noch zu einem Bruch teil aus reichsbankfähigen Wechseln bestehe und daß man indieBerechnungderGolddeckung einige 10 0 Millionen geliehene D e - Visen e i n b e z i e h e , die in Kürze fällig seien, erklärte Dietrich, daß die Devisenlage der Reichsbank niemals verschleiert worden sei. Der Reichsbankausweis habe regelmäßig die Angaben über die Diskontierung der Wechsel enthalten. Es sei allge- mein bekannt, daß die Reichsbank auch nicht reichsbankfähigen Wechseln diskontiert habe, um auf diese Weise der notleidenden Wirtschaft Kredite zuzuführen. Der Umfang dieser Diskontierung sei allerdings ganz geringfügig, wenn man die Höhe der reichsbankdiskontfähigen Wechsel berücksichtige. Zum Schluß wandte sich Reichsfinanzminifker Dr. Dietrich gegen die Art und Weise, wie die politischen Probleme in Deutschland behandelt würden. Er bezeichnete es als das Unglück des deutschen Volkes, daß es auch in Notzeiten nicht in der Lage sei, über die engen Parteigrenzen hinauszusehen. Die ganze Gefahr für das deutsche Volk liege lediglich in seiner Nervosität. Sowohl die Ernte wie auch der Viehbestand und der Bestand an kohlen und Zucker reichten völlig aus, um die gesamte Bevölkerung durch den Winter zu bringen und bis zur nächsten Ernte vor hunger zu schützen. Er bedauere im übrigen, daß er gezwungen sei, gegen Dr. Schacht eine derartige Erklärung abgeben zu müssen, mit dem er jahrelang im besten Einvernehmen zusammengearbeitet habe. Schachts Antwort. Neichsbank und öffentliche Hand. Berlin, 12. Oft. (TU.) Reichsbankpräsident a. D. Dr. Schacht, erflärte einem Bertreter der TU.: Ich kann nur annehmen, daß dem Herrn Reichsfinanzminister die Beträge, mit denen die verschiedenen Finanzinstitute der öffentlichen Hand und die Afzept- und Ga- rantiebank in den Büchern der Reichs- b a n f figurieren, Völlig unbefannt sind, andernfalls müßte eine Beröffentlichung dieser Ziffern die Bezeichnung „geringfügig“ merkwürdig beleuchten. Wenn aber der Herr Reichsfinanzmini- ster auf mich das Wort „verantwortungslos" an* wendet, weil ich aus dieser Inanspruchnahme der Reichsbank die mangelnde zusätzliche K r e d i t m ö g l i ch k e i t der Reichsbank für die Wirtschaft erklärt habe, wenn der Herr Minister von mir verlangt, ich hätte schon während meiner Amtszeit die Höhe derAus* landschulden untersuchen sollen, obwohl er weiß, daß dies nur durch Gesetz möglich war und er die Gegnerschaft der früheren Regierungen gegen mich in dieser-Frage kennt, so überlasse ich das Urteil über diese Dinge gern einer späteren Zeit. Gerade weil ich der festen Ueberzeugung bin, daß keine Reichsbanfleitung jemals die Währung im Stich lassen kann oder wird, warne ich rechtzeitig vor diesen, die Wirtschaft einengenden Folgen und weiß, daß weite Kreise des deutschen Volkes dies von mir erwarten.“ AiiMi des preußischen Nnanzministers. Oie Aufrückungssperre für Beamte. - Höpker-Aschoff bleibt im Kabinett und im Ausschuß der Koalitionsparteien allein. Berlin, 12. Okt. (WTB.) Der preußische Finanz- Minister Dr. Höpker-Aschoff hat ein Schreiben an den preußischen Ministerpräsidenten Braun gerichtet, in dem es u.a. heißt: Der Verlauf der heutigen Sitzung des Interfraktionellen Ausschusses der preußischen Koalitionsparteien hat mich davon überzeugt, daß ich auf die für meine Amtsführung erforderliche Anter ft ü t - jung der Koalitionsparlelen nicht mehr in ausreichendem Maße rech- n en kann. Der Verlauf der heutigen Staats- m i n i ft e r i a l s i h u n g hat mir dabei gezeigt, daß auch zwischen den übrigen Herren Staatsministern und mir die erforderliche Einmütigkeit n i dj t mehr besteht. Außerdem ist es mir nicht gelungen, diejenige Uebereinstimrnung zwischen Maßnahmen der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung herbeizuführen, die in der heutigen Zeit notwendig wäre. Da es mir unter solchen Amständen nicht möglich ist, mein Amt erfolgreich weiterzuverwalten, trete ich gemäß Artikel 59 preußischer Verfassung von meinem Amte zurück. Wie die Telegraphen-Union erfährt, dürfte der Rücktrittsbeschluß des preußischen Finanzministers auf den Beschluß der preußischen Regierung zurück- gehen, die Aufrückungssperre für die Beamten wieder aufzuheben, wobei der Finanzminister keinen finanztellenGegen- wert sieht, ferner aber auch darauf, daß am Montag der Minister im Landtagsausschuß überst i m m t worden ist. Der Ausschuß hatte beschlossen, daß der preußische Staat d e n S p a r k a s,s e n und Giroverb ä-n den weitere Summen in Zusani- menhang mit den durch die Reichsnotverordnung fiir diesen geschaffenen Lage zur Verfügung st e 11 e n solle und diesem Beschluß war das preußische Kabinett als solches beige- treten. Der Finanzminister hat allem Anschein nach geglaubt, die Verantwortung hierfür nicht tragen zu können. Die „G e r m a n i a" bezeichnet es als unverständlich wenn Dr. Höpker-Aschoff tatsächlich wegen der Aufhebung der Aufrückungssperre seinen Rücktritt erklärt haben sollte. Der Beschluß der preußischen Regierung sei aus Gründen der Gerechtigkeit gegenüber den preußischen Beamten zu begrüßen. — Der „T a g" glaubt, daß für den Schritt des Finanzministers die parteipolitische Einstellung des Zentrums und der Sozialdemokratie maßgebend gewesen sei, die ihm eine sachliche Führung der Geschäfte schon seit längerer Zeit unmöglich gemacht hätte. Preußen hebt die Aufrückungssperre aus. Wieder Gleichstellung mit den Reichü- beamten. Berlin, 12. Oktober. (Amtlich.) In den Besoldungsordnungen des Reiches und der Länder sand sich bisher die Bestimmung, daß die planmäßigen Beamten und Lehrpersonen, soweit sie aufsteigende Gehälter oder Gehälter mit Mindestgrundgehaltssätzen beziehen, bis zur Erreichung des Endgehaltes ihrer Gruppe stets nach Ablauf von zweiIahren in einehöhere Stufe ihrer Gehaltsgruppe auftüd- t e n. Die preußische Rotverordnung vom 12. September 1931 hat diesen Zustand dahin a b g e ä n - de r t, daß diese Zweijahresspanne e i nstn a l i g a u f vier Jahre verlängert wurde, daß also praktisch ein Aufrüden der Beamten um zwei Aahre hinausgeschoben wurde. Diese Maßnahme wurde in der begründeten Annahme vorgenommen, daß die Reichsregierung in ihrer Rotverordnung eine für die Reichsbeamten gültige Bestimmung gleichen Inhalts 'treffen würde. Da die inzwischen veröffentlichte dritte Rotverordnung des Herrn Reichspräsidenten diese Bestimmung nicht enthielt, glaubt die preußische Staatsregierung diese Regelung nicht aufrechterhalten zu können. Das preußische Staatsministerium hat deshalb die Aufhebung jener Bestimmung beschlossen und somit die preußischen Beamten in bezug auf die Aufrüdungs- verhältnisse innerhalb der Gehaltsgruppen den Reichsbeamten wieder gleichgestellt. berkelbazillus, mit dem Säuglinge im Alter von ein bis zehn Tagen gefüttert werden, um sie gegen die Gefahren der Tuberkulose widerstandsfähig zu machen. Die große Frage, vor der das Gericht steht, ist nun. ob das ilnglüd auf das Verfahren selbst zurüdzuführen ist, oder ob bei der Verwendung des Präparates Fehler vorgekommen sind, die zu Lasten der behandelnden Aerzte oder des Lübeder Kinderkrankenhauses gehen. Der Prozeß, der etwa zwei Wochen in Anspruch nehmen wird, wird fast den Charakter eines medizinischen Kongresses tragen, da ein ganzes Heer von Sachverständigen, unter ihnen die bekanntesten Tuberkuloseforscher Deutschlands, geladen sind. Anklage und Verteidigung haben insgesamt fünfzehn Aerzte laden lassen, die ihre Urteile abgeben sollen, ob und inwieweit Kunstfehler vorgekommen sind. In den bisher vorliegenden Gutachten wird die Möglichkeit einer Verwechslung oder einer Verunreinigung der Kulturen in Lübeck selbst nicht bestritten. Das wäre eine Bestätigung der Auffassung. die der Pariser Arzt Calmette. der Erfinder des Verfahrens, von vornherein vertreten hat, der sich leidenschaftlich dagegen wehrte, daß die Kinder seiner Methode zum Opfer gefallen wären, der vielmehr von Anfang an behauptet hat, daß fein Verfahren einwandfrei sei, daß also die Lübeder Aerzte Schuld trügen. Die An- tlage lautet auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung. Es wird in jedem Fall für das Gericht nicht ganz leicht fein, zu einer klaren Entscheidung über die Schuldfrage zu kommen, weil die Sachverständigen sich in ihrer Einstellung zum Teil widersprechen. Trotzdem hat die Oesfentlichkeit ein berechtigtes Interesse daran, daß volle Klarheit geschaffen wird darüber. wie weit hier schuldhaftes Handeln oder hinterlassen mitgespielt haben. Der Prozeß ist einer der ersten, die nach den Bestimmungen der dritten Rotverordnung durchgeführt werden. Gr kommt also nicht vor das Schöffengericht, sondern vor die Strafkammer, mit der Wirkung, daß eine Instanz ausgeschaltet bleibt und gegen das Urteil des Gerichtes nur die Revision beim Reichsgericht möglich bleibt. Eine Erklärung der Gewerkschaften. Berlin, 12. Oft. (Sil.) Heber eine Besprechung der Spihengewerkschaften aller Richtungen, die am Montag stattfand, wird folgende Erklärung veröffentlicht: „Die Spihengewerkschaften aller Richtungen, einschließlich der Beamtenverbände, tarnen am Montag zu einer 'Besprechung zusammen. In erster Linie galt diese Besprechung der Abwehr der Gefahren, die durch die ilmsturzpläne der Reaktion. insbesondere für die Lohn- und Sozialpolitik entstanden sind. Die Besprechungen werden fortgesetzt.“ - Wie der gewerkschaftliche Pressedienst weiter mitteilt, haben sich der Deutsche Beamtenbund und der A l l * gemeine Deutsche Beamtenbund der Erklärung, die die Spihengewerkschaften gegen das Manifest der Wirtschaft abgegeben haben, angeschlossen. Keine Forderung nach einer neuen Znftaiion. Das Ende einer gefährlichen LenfalionSmachc. Berlin. 12. Oft. (A m 11 i ch.) In ihrer Ausgabe Nr. 759 vom 11. Oktober 1931 bringt die „Frankfurter Zeitung" unter der Aeberschrift „Das Komplott" einen Artikel, in dem davon die Rede ist, daß Dirtschastss »ihrer in der vergangenen Woche bei den Besprechungen mit dem Herrn Reichskanzler das verlangen nach Inflation geteilt hätten. DJie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist diese Behauptung unrichtig. 3n keiner Besprechung zwischen dem Herrn Reichskanzler und wirtschasts- führern ist der Gedanke einer neuen Inflation vorgebracht oder erörtert worden. Ls war ferner in einigen Blättern behauptet worden, daß die westliche Industrie eine 3n- flcitionspolitik verfolge. Der Langnamoercin erklärt dazu: „Noch am 29. September haben d \ e Spihenoerbände in einer gemeinsamen Tagung dem Herrn Reichskanzler die grundlegende Notwendigkeit zum Ausdruck ge- bracht, die Währung gesund zu erhalten und die Gefahren, die ihr von der Beibehaltung einer falschen Finanz- und Wirtschaftspolitik drohen, rechtzeitig zu beseitig en. Jedes wäh- rungsexperiment muffe ganz entschieden abgelehnt werden. Der Langnamoerein steht auch heute noch voll und ganz hinter dieser Lr- tlärung.“ Vor Zusammentritt des Reichstags. Bekommt Brüning eine Mehrheit? Berlin, 12. Olt. (DDZ.) Mit Beginn der Woche hat im Reichstag wieder reges Leben eingesetzt. Es sind schon sehr viele Abgeordnete aus allen Lagern anwesend, die neben der politischen Lage insbesondere auch den Verlauf und das Ergebnis der Harzburger Tagung besprechen. Der Montag war im wesentlichen mit Sitzungen verschiedener Fraktionen ausgefüllt, die indessen zu abschliessenden Ergebnissen nock nicht führten, da man naturgemäss erst den Inhalt der Regierungserklärung kennen lernen will. In parlamentarischen Kreisen hat bereits ein lebhaftes Rätselraten über den voraussichtlichen Ausgang der Reichstagsverhandlungen eingesetzt. Das Ergebnis lässt sich noch in keiner Weise Voraussagen. Man wird annehmen müssen, dass äusser der Volkspartei mindestens auch die Wir t- schaftspartei sich gegen das neue Brüning-Kabinett erklärt. Zweifelhaft bleibt auch noch die endgültige Haltung des Landvolkes. Rein zahlenmässig würde sich für die Regierung eine kleine Mehrheit ergeben, wenn man damit rechnet, dass Bolkspartei und Wirtschaftspartei nicht r e st l o s der Parole der Führung folgen und die 13 6 Sozialdemokraten andererseits geschlossen für die Regierung eintre- t e n. Man weiss aber, dass bei den Sozialdemokraten sich die Opposition gegen die Haltung der Parteiführung nicht nur auf die sieben Abgeordneten beschränkt, die aus der Fraktion ausgeschieden sind, sondern dass ein weiterer Teil der Fraktion bei früheren Abstimmungen seiner abweichenden Auffassung dadurch Ausdruck gegeben hat, dass er sich an der Abstimmung nicht beteiligte. Man wird also auch auf die 136 Sozialdemokraten nicht voll rechnen können. Die Dauer der bevorstehenden Reichstags- tagung ist noch unbestimmt. Die Regierung möchte den Reichstag möglichst schon nach einigen Tagen wieder heimschicken. Ob sich das wird erreichen lassen, wird sich erst in einigen Tagen zeigen. Die Dienstagsitzung wird nach der Erklärung des Kanzlers vertagt werden. Die Aussprache, die dann am Mittwoch beginnt, wird voraussichtlich am Freitag geschlossen werden, so dass die entscheidenden Ab st im- mungen für Freitag zu erwarten sind. Dor -er Kanzlerrede. Die „Germania" plaidiert für politische Vernunft. Berlin, 12.Ott. (TU.) In einem längeren Leitartikel, überschrieben „Der Kampf", nimmt die „Germania" in ihrer Dienstagausgabe zu den bevorstehenden Ereignissen im Reichstag in Zusammenhang mit der Harzburger Tagung der Rationalen Opposition Stellung. Dr. Brüning, so sagt das Blatt, wird in der heutigen Sitzung des Reichstages eine kurze und bündige Erklärung zu dieser Politik abgeben. Er wird im Anschluss daran einen grossen umfassenden Rechenschaftsbericht ablegen über alles, was in der Zwischenzeit geschehen ist und er wird über Bergangenheit und Gegenwart hinaus sich auch der Zukunft und ihren dringend st en Aufgaben zuwenden. Dann wird nur noch das Parlament zu sprechen haben. Die Rationale Opposition, so heisst es dann weiter, hat zum Generalangriff geblasen. Wir sehen von einigen Missklängen ab, die für unsere Beurteilung nicht entscheidend sind. Es kommt darauf an. die politische Bedeutung dieser Hugenberg-Hitler-Bewegung mit kühler Sorgfalt abzuschätzen. Das Blatt richtet dann an Hitler die Frage, ob er mit dieser Begegnung jetzt habe dokumentieren wollen oder sogar müssen, dass er sich endgültig d emG rosskapital und dem Grossgrundbesitz verschrieben habe. Die Tagung von Harzburg täuscht uns trotz der Reden, die dort gehalten worden sind, nicht darüber hinweg, wie es mit dieser Aktion wirklich steht. Sie ist höchstens eine parlamentarische Front zum Sturze der Regierung Brüning. Eine politische Front für einen homogenen Aufbau ist sie nicht. Der Reichskanzler kann ruhigen Gewissens in den Kampf gehen, der ihm im Parlament bevorsteht. Sein Kurs zeigt eine klare, gerade Linie. Es kann ihn deshalb auch nicht anfechten, wenn der politische Ehrgeiz des früheren Reichsbankpräsidenten D Schacht zum Antreiber für eine Sache wird, in der er nicht mehr ernst genommen wird und in der man jedes Verantwortungsgefühl vermissen muss. Der Husarenritt Schachts in Harzburg war eine Zügellosigkeit. Wir stehen vor einer ernsten Entscheidung. Das Parlament möge zeigen, ob seine Mehrheit in der Lage ist.' die Probe zu bestehen, und die politische Vernunft sprechen zu lassen, die notwendig ist, damit wir unsere nationale und wirtschaftliche Kraft wieder gewinnen. Nie Sozialdemokraten zur Harzburger Tagung. Berlin, 12. Ott. (VDZ.) Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion nahm am Montagnachmittag den Bericht des Abg. Dr. Br eit - scheid über die politische Lage entgegen. In der ausgedehnten Aussprache wurde mit Rachdruck darauf hingewiesen, dass die Z u s a m - menkunf t der fo genannten nationalen Opposition in Harzburg der gesamten arbeitenden Bevölkerung die ungeheueren Gefahren aufgezeigt hat, die ihr von der Rechten drohen. Unter der Führung von Schwerindustriellen, Bankfürsten und Hohenzollernprin- zen hätten sich dort alle Kräfte bereinigt, die den Arbeitern, Angestellten und Beamten die politischen Rechte rauben, ihre Lebenshaltung brutal herabdrücken, Sozialgesetzgebung und Tarifrecht vernichten wollen. In Harzburg sei aber auch die Losung ausgenommen worden, wonach durch eine neue Inflation der gewerbliche Mittelstand und die breiten Massen der kleinen Sparer und Rentner zum zweitenmal zugunsten der Schwerindustriellen und Grosskapitalisten enteignet werden sollen. — Die sozialdemokratische Fraktion wird ihre Beschlüsse erst in einer neuen Sitzung fassen, die nach der Rede des Reichskanzlers am Dienstag abgehalten wird. In einer Reihe von Anträgen fordert die Fraktion eine wirksame Kürzung der grossen Pensionen und hohenGe- kälter, eine Reuaufrollung der Fürstenabfindungen. die scharfe Kontrolle des Danken - und Kartellwesens, die Belebung des Daumarktes sowie andere Massnahmen zur Bekämpfung der Wirtschaftsnot der breiten Massen, insbesondere durch eine ausreichende Winterhilfe für Erwerbslose, Sozialrentner und alle anderen Hilfsbedürftigen. Das Echo von Harzburg. Berliner preffestimmen zur Kundgebung der Opposition. Berlin, 12.0«. (CNB.) Die Blätter aller Richtungen beschäftigen sich mit der Kundgebung der Rechtsopposition in Harzburg. Der „A b e n b" (soz.) nennt die Harzburger Kund- gebung einen Appell des Faschismus, der neue Inflation bedeute. Der frühere Präsident der deutschen Reichsbank habe der Tagung von Harzburg den Stempel aufgedrückt: Hier sei die Inflationsfront zwischen Großagrariern, Schwerindustriellen und Faschisten beschlossen worden, und Herr Schacht führe sie! — Das „Berliner Tageblatt" (dem.) nennt die Rede Schachts eine „verbrecherische Rede". Die Harzburger Tagung habe bewiesen, daß es eine „geschlossene Front der nationalen Opposition" nicht gebe. Die Gegensätze seien auf der Rechten nicht kleiner als auf der Linken. Daß die „nationale Opposition" reif sei zum Regieren, ja daß sie es jemals werden würde, könne man nicht glauben. — Auch die „Boss. Zeitung" (Ullstein) glaubt nicht an eine geschlossene Front der Rechten. Die in Harzburg Zusammengetrosfenen seien ihrem Programm der Sabotage treu geblieben und hätten sich ehrlich bemüht, eine wirtschaftliche, finanzielle und politische Panik zu erregen. — Der „Börse n- Courier" (dem.), der ebenfalls die Einigkeit bc- zweifelt, verweist auf die unterschiedliche Formulierung der Kundgebungen. Der Marxismus werde nicht als Sozialismus, sondern ob seines „'Blut- terrors" abgelehnt, die Erwähnung geschehe mit Rücksicht auf Hugenberg, die Einschränkung mit Rücksicht aus Hitler. Die „D A Z." weist auf die Schwierigkeiten hin, die cS gemacht habe, die Tagung auf eine cin- heitliche Linie zu bringen und schreibt dann: „Um so grösser muss das Verdienst Hugenbergs angeschlagen werden, dem es gelungen ist, diese kleinlichen Reibungen und Widerstände zu überwinden und eine geschlossene Kundgebung zustande zu bringen. Der Gesamteindruck kann dadurch nicht abgeschwächt werden, dass einzelne Teile der Rede des früheren Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht in der Berliner Linkspresse einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen haben. Run müsste eS in dieser Woche noch gelingen, das Kabinett Brüning I I zu st ü r- z e n . bann würde Geheimrat Hugenberg an die Macht gerufen werden. Man kann lagen, dass die Staatsraison erfordert, die Rechte lo schnell wie möglich, also sofort, ans Ruder zu bringen. Im übrigen weist die „DAZ." darauf hin, dass die Harzburger Tagung der Rationalen Op- pofition ein eindrucksvoller und wichtiger Auftakt für die Reichstagsverhandlungen gewesen sei. Aus den Erklärungen Fricks und Hitlers erkenne man die Schwierigkeit, in der sich die nationalsozialistischen Führer befänden, ihren revolutionären Anhängern die taktische Rotwendigkeit des Zusammengehens mit anderen Gruppen und Parteien klarzumachen. Zu den Ausführungen Schachts sagt das Blatt: Seine finanzpolitische Prognose für unser Land mag im einzelnen übertrieben fein und die Vergröberung, die zu befürchten ist, wird wahrscheinlich ungünstige Folgen für unsere Wirtschaft haben. Aber Pessimismus ist heutzutage kein Verbrechen, und es erweist sich wieder als ein Fehler, dass Dr. Schachts grosse Sachkenntnis und fein feuriges Temperament brachliegen. 3m Spiegel der pariser presse. Paris, 12. Olt. (WTB.) Die gesamte Presse bringt ausführliche Berichte über die Kund- gebung in Bad Harzburg: ..Oeuvre" schreibt, es entstehe die Frage, wo Hitler, wenn er einmal an die Regierung gelangen würde, Hilfe im Ausland zu finden gedenke. Rachdem das Blatt eine Hilfeleistung Italiens und Russlands als fraglich barftcllt, glaubt es. zu einer Unter» stüyung durch Amerika erklären zu müssen, dass die Zurückziehung amerikanischer Kapitalien aus Deutschland nach den Hitler-Wahlen von 1930 für Deutschland den Beginn der jetzigen Krise bedeutet habe. — „Petit P a r i s i e n" hält die Harzburger Kundgebung für ein Ereignis, das für die „03 e r to t r r u n g" charakteristisch fei, in der sich Deutschland gegenwärtig befinde. — „Quotidien" schreibt, Frankreich werde von Hitler für alle Leiden Deutschlands verantwortlich gemacht: cs fei das Ziel des Führers der extremen Rechtsopposition, internationale Verträge zu vernichten. Man könne der Ansicht fein, dass es sich nur um Worte handele aber diese Worte könnten doch gefährliche Illusionen enthalten, fobalb die Dolksmasse in Deutschland zu der Ansicht käme, (Wl-rP" * Sieß gen Ner Calmeiie-Prozeß beginnt Das Lübecker Kindersterben vor Gericht. Frankfurt a. M., 11. Oft. (Sil.) Zu der Aufsehen erregenden Strafversetzung von Prof. Krieck von der Pädagogischen Akademie in Frankfurt haben 15 Hochschulprofessoren der Pä- d a g o g i t solgende Erklärung abgegeben: .Prof. Krieck ist strafweise nach Dortmund versetzt worden, nicht weil er in einer Ansprache vor Studenten für dieRSDAP. geworben hätte. dass man nur internationale Verträge zu zerreissen und Frankreich zu verwünschen brauche, damit die Arbeitslosigkeit behoben und der Wohlstand in Deutschland wieder zunehmen werde. — „2 a Republique" fordert — ebenso wie „Volonte" — die französischen Rationalisten auf, die Ereignisse in Deutfchland nicht zu übertreiben. Auch der französische Rationalismus könne in seiner Geschichte einen fortgesetzten Bankrott feststellen. Man müsse sich fragen, ob nicht das beste Mittel, um Hitler zu beseitigen, und seine Propaganda für die Beseitigung des Versailler Vertrages zunichte zu machen, in der Anwendung derjenigen Punkte des Versailler Vertrages bestehe, die Deutschland billi- müsse. „Das Dritte Reich." Protest gegen die Strafversetzung von Professor Krieck, Frankfurt. Lübeck, 12. Okk. (TU.) Am Montag begann in der zum Gerichtssaal verwandelten Hauptturnhalle der seit langem mit großer Spannung erwartete Lübecker Calmette-Prozeß, der nicht nur für die Oeffenklichkeit interessant, sondern auch für die medizinische Wissenschaft bedeutungsvoll ist, durch die in Aussicht stehenden 16 medizinischen und bakteriologischen Gutachten über das Calrnette-Ver- fahren und die Umstände, die den Fehlschlag der BCG. (Calrnette-Guörin-Bazillus) Fütterung her- beiführten. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung und wird durch Oberstaatsanwalt Dr. Lienau und Staatsanwalt Frhr. o. Beust vertreten. A n g e k l a g t sind Prof. Dr. Deycke, ein bekannter Tuberkuloseforscher, Prof. Dr. Klotz, der Leiter des Lübecker Kinderhospitals Obermedizinalrat Dr. A l t st a e d t, der Leiter des Gesundheitsamts in Lü- beck und die Schwester Anna Schütze. Als Vertreter der Angeklagten ist u. a. auch Rechtsanwalt Dr. Alsberg (Berlin) tätig. Reben etwa 40 Zeugen werden auch sechs Vertreter der über 250 betroffenen Eltern als Nebenkläger zugelassen. Als Vertreter der Eltern fungiert neben zwei Lübecker und zwei Berliner Anwälten auch Rechtsanwalt Dr. Frey. Das Reichsgesundheitsamt und andere Behörden sowie die Aerzte schäft, die Universitäten und die Krankenkassen haben Vertreter entsandt. Das große Interesse der Oeffentlichkeit für den Prozeß zeigt sich auch in der außerordentlich starken Teilnahme der in- und ausländischen Presse, die durch etwa 50 Berichterstatter ver» treten ist. Vor dem Gerichtsgebäude hatte sich eint große Menschenmenge eingefunden, die aber nur teilweise als Zuhörer Zutritt erhalten konnte. Um 9.45 Ufjr erklärte der Vorsitzende, Amts» gerichtsrat Wibel, die Verhandlung als eröffnet. Als erster Angeklagter wurde Obermebi- zinalrat Dr. 2111 ft a€bt vernommen. Altstatdt gab zunächst einen allgemeinen llcbcrblid übet das Calmette-Vcrfahren und kam schliesslich auf die deutschen Ansichten über das Verfahren zu sprechen. Er erwähnte dabei, dass seinerzeit aus ■Veranlagung des Reichsgesundheilsamtes ein medizinischer Ausschuss gebildet wurde, der zahlreiche Fütterungsversuche vornahm. Die Hygienesektion des Völkerbundes sei im Iahrt 1628 zu dem Ergebnis gekommen, dass das 6al» mette-Versahren unschädlich ist. Auch der deutsche Mediziner Prof. S ch l o 11 m a n n habt erklärt, dass keine Gefahr bei der Anwendung des Calmette-Verfahrens bestehe. Dr. Altstaedt brachte dann das Rundschreiben Loucheurs vom Ianuar 1929 an alle Präfekten in Frankreich zur Verlesung, indem Loucheur empfiehlt, das Calrnette- Verfahren überall anzuwenden. Die Vernehmung wurde sodann abgebrochen und die Sitzung auf Dienstag vertagt. sondern lediglich deshalb, weil die Rennung des jahrhundertealten DegrilfS ,D ritte s R e i ch" als eine Werbung für die genannte Partei missverstanden werden konnte. 3n Wahrheit ist ein Missverständnis dieser Art bei urteilsfähigen Hörem schon deshalb nicht zu befürchten gewesen, weil durch die ausdrückliche Dc^ zugnahme auf Ioachim von Floris, Lessing und Moeller van den Bruck der erwähnte Begriff in einen grossen ideengefchichtlichen Zusammenhang I eingestellt war. Der Herr Minister selbst hat die Gutgläubigkeit von Herrn Krieck nicht angezweifelt. Daß trotzdem die Strafversetzung verfügt, worden ist, veranlasst uns -um Protest gegen da« hier angewandte Verfahren. Es bedeutet ein unerträgliches Mass von Devormun. düng, zu schweigen von Rechten, die auS der Verantwortlichkeit des VolkserzieherS folgen, wenn sogar mögliche Missverständnisse einet Festrede Anlass z u disziplinarischer Verfolgung geben.“ gej.: Baeumler (Dresden). Cohn (Freiburg LBl Flitner (Hamburg), E. Hoffmann (Heidelberg). E. Iaensch (Marburg), Kafka (Dresden), Kerschen- fteiner (München), Krvh (Tübingen), 2itt (Leipzig), Luchtenberg (Darmstadt), P. Petersen (Iena), F. Richter (Leipzig), R. Eeyfert (Dresden), Spran- ger (Berlin). F. Volke« (Leipzig). --- ^»6 - J31/; stäbhW gilt *e’ an »r b ?' l X* U WoN *N»* X Arbeitsplan ilö hin. er bet !-S°S !1 Jabfi n di- Si-b . '^i-werk zu eme - Lallen haben, be L« an Nahmen ihre i^toifträge sammel' 'n Mailichen feste i, .,aasenden M° ' .)ersirauenh :'jiammengebrad)l der tzrauenvt ■irttnung begrüßt, d Scschlub •-..v-ar.q der Fraue: Fvi unc ssauss „.m durch die mar ■ Winterh in keinem Die erste . .. in den näc s.tX inb sie sei ben : Mrsiützung man j Sititr? |oll auch ■Biilunaen bei p • rürtung der ®e(bmi rnei werden. Weite rc Sammlung im < Lr-rlörpers uns n u m Betrag von Son einem .Sinkenoereinig liiti, Deutsche und Dis ’ T.nonafbanl) wurde ' t.-bang dem Winterh trtr bis Marz allmi Kxr.j stelle. Verwalt ifxin ein Schreiben d ! neigt rs bekam br Verleger des Tie' [ trbm Angestellten ir c.T.mt von 4500 M Die Eisenbahnattentaie. Der in Wien verhafteteMatuschla gibt feine Beteiligung zu. Wien, 12. Okt. (WTB.) Der verhaftete M a - tuschka, der unter dem Verdacht steht, den Eisen- bahnanschlag von Bia Torbagy ausgeführt zu haben, hat nach stundenlangem Verhör ein in die phantastischsten Erzählungen gehülltes Geständnis a b g e l e gt, bei den Eisenbahnanschlägen von Jäter- bog und Bia Torbagy Beihilfe geleistet zu haben. Doch wird die Hauptro.lle hierbei von Ma- tuschka einer dritten Person zugeschrieben. Er gab an, daß er einen ihm nicht mehr bekannten Mann auf dessen Aufforderung das Ekrasit gekauft und auch dem Unbekannten übergeben habe. Er habe ihm auch einige Sprengkapseln verschafft, alles in Kenntnis dessen, daß das Ekrasit und die Sprengkapseln für einAttentat verwendet werden sollten. Es sollte, sagte der Unbekannte, nach den Angaben Matuschkos, einem »> gelten. Matuschka gab auch zu, zur Zeit ttentate bei Jüterbog und bei Bia Torbagy mit dem Manne, von dem er nichts Näheres wissen will, in Berlin und in Budapest gewesen zu sein. Er bestreitet aber, an dem Attentat bei Jüterbog beteiligt gewesen zu sein. Auch bei dem Attentat bei Bia Torbagy will er unmittelbar nicht mitgewirkt haben. Matuschka behauptet ferner, daß er in dem O-Zuge, der bei Bia Torbagy verun- glückte, gefahren sei. Er widerrief aber seine früheren Angaben, daß er in einem der abgestürzten Waggons gesessen hätte, erklärt hingegen, daß er in dem Waggon gewesen sei, der mit den zwei anderen nach der Katastrophe vor dem Viadukt stehengeblieben ist. Damit erklärt Matuschka, daß er nur leichte Verletzungen erlitten hat, die lediglich von Glassplittern herrührten. Der Konflikt im Fernen Osten. Direkte Verhandlungen zwischen Japan und China. Berlin, 12. Oft. (TU.) Ein ausserordentlicher Kabinettsrat in Tokio befasste sich am Montag mit der mandschurischen Frage. Amtlich wurde bekanntgegeben, dass die japanische Regierung jede Einmischung sowohl der Vereinigten Staaten als auch des Völkerbundes in den chinesisch-japanischen Streit energisch zurück- weisen werde und dass sie auch weiterhin auf einer direkten Regelung zwischen der chinesischen und japanischen Regierung bestehe. Der japanische Botschafter in Washington habe Auftrag erhalten, den Staatssekretär Stimson dringend aufzufordern, den japanischen Erklärungen zu vertrauen, dass Iapan keine weiteren Vorrechte in der Mandschurei, dagegen eine baldige Beilegung des Zwischenfalles an« strebe. Heute abend wurde von dem Aussenminister Shidehara und dem chinesischen Gesandten in Tokio, Schiangtsopin, bereits der Versuch gemacht, zur Regelung der mandschurischen Streitfrage in Verhandlungen einzutreten. Shidehara erklärt darin, das dringende Erfordernis des Augenblicks sei die Zusammenarbeit der beiden Regierungen zur Beruhigung der Gemüter an Ort und Stelle, damit die Zurückziehung der Truppen durch- aeführt werden könne, ohne dass Leben und Eigentum von Iapanem gefährdet werde. Iapan schlage deshalb vor dass man sich über magrere Grundprinzipien einige, die als Dafis für die Wiederherstellung normaler Beziehungen bilden würden. Amtliche Stellen betonen, dass Japan keine neuen Vorrechte in der Mandschurei sucht. Die Hauptsorge der japanischen Regierung ist gegenwärtig, dass der Völkerbund die Ehi- nefen ermutigen könnte, sich wieder auf eine Intervention von aussen her zu verlassen, statt direkt zu verhandeln. Die Richtanerkennung der Regierung Tschanghsueliang durch den japanischen Oberbefehlshaber General Honjo sei der persönliche Standpunkt des Generals, nicht aber der der japanischen Regierung Letztere habe zu dieser Frage sich noch nicht geäußert. 15 uai. ptrMfl «4 7 ^°6 - 090 '-oy tfrÄ n 7a3h> 5— 'W*« t ________Die Wetterlage Montag dm -fZ 0W)fr'-fä51 läWMM - I Qvoixtmoi O neuer, onaro DtdttH ® *oitig. • orwtm v lehnet 6 Oraopfin. ■ MtOel K CeMiller W» eientcr Osi jS ei General-, nicht aber k nntfl. Letztere habe »u W geäußert. Wetterlage. Nus der Provmzialtzauptstadl. Gießen, den 13. Oktober 1931. Oie Gießener Winternothilfe. I Anschließend an diese Versammlung trat der Jerbe. und Sammelausschuß noch zu ehe r besonderen Arbeitssitzung zusammen, in der juocfjft mitgeteilt wurde, daß aus den Kreisen der ijis-bedürftigen zur Versorgung mit Ob st JV der achrordenü *»SUSffl ^Mude batte sich J Sünden, die ober n Mtö erhalten konnte, "e der Dorschende, e Verhandlung als r, jagtet wurde Oberem, «o t vernommen. Mal Ugemeinen Ucbetblid Le ® und kam schließlich d » übet das Dersahm, « dabet. dah seinerzeit a tcta)SgeIundhcitsamteS tii ue^chuh gebildet M -."^rver'uche rornahw. h Völkerbundes sei im Ich 's gekommen, dah da- U 'chädlich ist. Auch k ws. Lchlottmann hch ihr bei der Anwendung te bestehe De Altstaedi bich ?en Loucheurs vom en in Frankreich zur Te it emchsiehlt, das ßalmette izuvenden. wurde sodann abgebrchi )ienitag vertagt. Auf Einladung des Werbe- und Sammelaus- chusses der Gießener Winternothilfe ■931/32 fand gestern nachmittag im Sitzungsaale des Städtischen Wohlfahrtsamtes eine Be» atung des Werbe - und Sammelausschus- c 5 mit den Vorständen der GießenerFrauen- isreine über die Durchführung des Winterhilfs- verkes statt. In Vertretung des erkrankten Dezer- ttnte» des Wohlfahrtsamtes, Bürgermeister Dr. öeib, wies Verwaltungsamtmann Keitzer ein» eilenb auf die Dringlichkeit des Hilfswerks und iu.f den Arbeitsplan des Werbe- und Sammel- msschusses hin. Er betonte dabei, daß für die be° >agehenden Wintermonate alle wirt chaftlich noch 'stungsfahigen Kreise der Bürgerscha t sich auf ge» sse Opfer zum Besten der von der Not der Zeit '«izs.huß der Winternothilfe (Städtisches Wohlfahrtsamt,. Zimmer 9) anmelben, Es empfiehlt sich ■ Ärntgenb, bie Melbefrist unter allen Umständen ein- , gibaiiten, ba alsbalb nach Feststellung des Bebarfs Jeschaffung ber Vorräte in bie Wege geleitet i »tten soll. Gängeriagung in Gießen. An Sonntagnachmittag hielt der Gau Gie - lk« -Stadt u n d Land im Hessischen tkrngerbund im Restaurant Kobel seinen ufängertag ab. Die Tagung, unter der ivit.mg des Gauvorsihenden Koch-Gießen, war IJit besucht. Mch einem schönen Chorgesang des ©efang- ■lvreons „Concordia"-Gießen unter der Leitung ilM Dirigenten Gros- Wieseck begrüßte der >-Limoorsihende Koch die Versammlung. Er sor- >D«t'! u. a., daß in dieser Notzeit die Pflege des i Nattchen Männergesangs von keinem Verein lznbmgestellt werde, sondern in alter Treue den i ikai.en Zielen der deutschen Sängerbewegung j^Mreben sei. Sodann ermattete der Redner öött Jahresbericht 1 930/31 , aus dem eiiue wirksamere Tätigkeit des im Dezember 1929 iiüBO iganifierten Gaues als in seiner früheren • 9im festzustellen war. 3m Oktober 1930 gehbr- tii’.ti dem Gau 32 Vereine mit 1391 Sängern an, 5 tat Bestandserhebung 1931 sind jetzt im Gau c EH Vereine mit 1392 Sängern zusammengeschlos- Mti. Innerhalb der Gauzugehörigkeit der Ver- 6™e hat es einige Verschiebungen gegeben, aus B©exe~n die heutige Mitgliederzahl trotz der Zu- niNlhoe des Gaues um zwei Vereine zu erklären ö'.st Dit Befriedigung wird in dem Jahresbericht otuf Sen erfolgreichen Verlauf des Gauliedertages 21. Mai d. 3. hingewiesen, ferner enthält der .Dn-Ht verschiedene Anregungen an die Chor- imstrr der Vereine. Dem auf tragische Weise Leben gekommenen Gauchormeister Otto W -ZW ,on?w hOtn"*v ■ 1 ^n*' ®l>w» egintit IIN schwersten betroffenen Mitmenschen einstellen nübten und daß bei dem Hilsswerk besonders den jrauen ein bedeutsamer Anteil an der Hilfeleistung u^alle. In eingehender Aussprache wurde sodann iie Frage der Beschaffung von Geld mit» ein erörtert. Dabei wurde mit herzlichem Dank ksigestellt, daß die Gießener Frauenvereine sich für neies Hilfswerk zu einer 'F r a u e n h i l f e zusam- ncigeschlossen haben, bei der die einzelnen Frauen» Eine im Rahmen ihrer Mitgliederkreise allmonat» ich ©elbbeträge sammeln unb bem Winterhilfswerk tuen monatlichen festen Betrag zur Verfügung leien wollen. Auf biesem Wege sind bereits für len laufenben Monat 400 Mark allein io n ber Frauenhilse zum Besten bes Hilfs- verks zusammengebracht worben. Diese vorbilbliche Mitarbeit ber Frauenvereine würbe allgemein mit Anerkennung begrüßt, herüber hinaus soll aber, auf änJtimmigen Beschluß ber Versammlung unb mit Zustimmung ber Frauenvereine, allmonatlich -c»ch eine Haussammlung burchgeführt oerden, burch bie man auch biejenigen Haushal- ringen für bas Winterhilfswerk erfassen will, beren harisfrauen in keinem Frauenverein bie Mitglied- |ijaft besitzen. Die erste Haussammlung dieser Art eirb schon in ben nächsten tagen vorgenommen verben, unb sie sei bereits heute allen Hausfrauen ?ir Unterstützung warm empfohlen. Im Verlaufe le; Winters soll auch noch burch Straßen- mmlungen bei passenden Gelegenheiten eine Secftärtung Der Gelbmittel für bas Winterhilfswerk nftrebt werben. Weiter würbe mitgeteilt, baß bei dn« Sammlung im Kreise ber Damen bes 8s hrkörpers unserer Universität be- tuts ein Betrag von runb 150 Mark aufgebracht DUibe. Don einem Vertreter der Gießener Sdnttnoereinigung (Commerz- und Privaten.!, Deutsche und Diskonto-Bank, Darmstädter und f.ationalbant) wurde erklärt, daß die Bankenver- migung dem Winterhilfswerk für die Zeit von Ok» : ’taer bis März allmonatlich 150 Mark zur 5Ber» rljung stelle. Verwaltungsamtmann Keitzer gab hbann ein Schreiben des Verlegers des G i e ß e n e r In jeigers bekannt, in dem mitgeteilt wird, daß itr Verleger des Gießener Anzeigers und seine lei» imben Angestellten in Schriftleitung und Verlag die :imme von 4500 Mark zur Verfügung stellen, die itju dienen soll, den Hilfsbedürftigen die 23er- br$ung mit Kleidern, Wollwaren, Wäsche und Lchihen durch Einkauf in den Gießener Geschäften li ermöglichen. Für diese Beihilfe, die mit der Strforgung ber Hilfsbebürftigen zugleich ber Gieße- nr Geschäftswelt eine neue Einnahmequelle er« Dietzen will, mürbe von Verwaltungsamtmann k itzer mit herzlichen Worten ber Dank ber Lnlernothilfe ausgesprochen. Weiter würben noch ar Vorschlag ber Frauenvereine Pfarrer Becker, Ilan Dr. K o e p p e unb Frau Kreuber in den 3ecbe= und Sammelausschuß der Winternothilfe ... p ählt. nur l,w ügiefamt eine Bedarfsmenge von 327 Zentner an- im eldet worden ist. Mit der Heranschaffung dieser t|t mengen wird in den nächsten Tagen zu rechnen !i. Weiter wurde die Frage der Versorgung d r- H i l f s b e b ü r f t i g e n mit Kartoffeln 1 un ® ü l, e n f r ü d) t e n eingehenb besprochen, ba kfe Versorgung aus bem Kreise ber Hilfsbebürf- tiem vielfach gewünscht wurde. Der Ausschuß be- |tlo,z grundsätzlich, für die Heranschaffuna von Kar- WseÄn und Hülsenfrüchten für Erwerbslose und sonore Hilfsbedürftige die geeigneten Schritte zu unter, r^nen, jedoch ist es notwendig, daß man sich zu- Wjsjl einen Ueberdlick über das Ausmaß des Bebarfs iveschafft. Wer von den Erwerbslosen und innigen Hilfsbedürftigen, insbesondere •oid) aus dem Kreise der verschämten Armen, iSirtloffeln und Hülsenfrüchte auf diesem Wege be- ■^hsa will, muß seinen Bedarf bis nächsten ifiraitag 12 Uhr bei bem Werbe- unb Sammel» w '/wi. ->V) fLSf F* Tfi! V /. 'S, 1 450 Lahre Grünberger Gattusrnarki. + Grünberg, 12. Oft. Grünberg hat sein Festkleid angezogen. 3m Wimpelschmuck prangen die Straßen und der altehrwüroige Marktplatz, vom Rathaus wehen die Fahnen. 3n der Mittagsstunde des gestrigen Sonntags war — wie in unserer gestrigen Ausgabe schon kurz berichtet. D. Red. — Platzkonzert des Musikvereins auf dem Marktplatz, am Rachmittag waren Eröffnungsvorstellungen und allerlei Belustigungen auf der Käswiese. Das alles bildete den Auftakt zum Markt, dessen 3ubelfeier am Abend in der geschmückten Turnhalle, welche die Besucher kaum zu fassen vermochte, durch einen offiziellen Festakt würdig begangen wurde. Begrühungsworte des Bürgermeisters Dr. M i l d n e r leiteten die Feier ein. Der Redner betonte, daß in dieser schweren Zeit kein rauschendes Fest gefeiert werden solle, sondern eine Feierstunde des Bürger- finnes und der Heimatli-ebe, die ein Gedenken des Werdens und der geschichtlichen Bedeutung unserer Stadt und ihres Marktes sein solle. Die Festrede hielt Archivrat Dr. C l e m m vom Staatsarchiv in Darmstadt. Seine Ausführungen behandelten das Marktwesen im Mittelalter, die wirtschaftliche Bedeutung der Märkte als Pulsschlag des damaligen gewerblichen Lebens, aber auch als Stätten der Volksbelustigung durch allerlei fahrendes Volk. Besonders behandelte er noch die Entstehung des Gallusmarktes als einen durch kaiserliches Privileg besonders geschützten Markt, vor dessen Stiftung jedenfalls schon 3ahrmärkte hier gehalten wurden, und erklärte die Ramen- gebung, die statt Calixtenmarkt in Gallusmarkt überging aus Anlaß des Grünberger Freiheitsbriefes vom Landgrafen Heinrich I. am 16. Oktober (St. Gallus) 1272. Mit der Marktschilderung, wie sie Glaubrecht in seinem „Kalendermann vom Veitsberg" im 18.3ahrhundext gibt, schloß er seine interessanten Ausführungen. — Es folgte dann das Festspiel „Gallusmarkt", verfaßt von Oberveterinärrat Dr. K. Stein in Friedberg, einem geborenen Grünberger. Der erste Teil des Festspiels versetzt den Besucher in das 3ahr 1481. Die Handlung spielt auf dem altertümlichen Marktplatz mit seinen Fachwerkbauten und dem mit dem Löwen gezierten Marktbrunnen. Bürgermeister, Ratsherren, der Franziskanerabt, Bürger, Mönche, Handwerker u. a. treten auf und geben ein Bild vom Leben und Treiben der damaligen Zeit. Der geheime Rat des Landgrafen Ludwig 111., Wilhelm von Bibra, der vom kaiserlichen Hofe aus Wien kommt, wird feierlich empfangen, ein Willekummtrunk ihm gereicht und zu seinen Ehren von der Schusterzunft ein munterer Gesellentanz begangen. Als Gönner der Stadt überbringt er ein kaiserliches Privilegium, enthaltend die Stiftungsurkunde des Gallusmarktes. Eine zarte Liebesgeschichte, die zwischen dem lieblichen Bürgermeisterstöchterlein und dem Knappen des edlen Bibra spielt, belebt die Handlung. Ein überleitender Text, gesprochen vom Grünberger Wappenreiter, führt zum zweiten Teil des Festspiels über, der ums 3ahr 1900 spielt. Man sieht auf der Käswiese, dem heutigen Platz des Marktes, ein Wirtszelt, umrahmt von Buden und Marktständen. Grünberger Bürger und Geschäftsleute, einige alte Originale, Marktbesucher, der wahre 3akob, Harfenmädchen u. a. führen das Leben und Treiben, wie es sich auf dem Gallusmarkt abspielt, in bunt bewegten Bildern vor. Mit Schlußworten des Wappenreiters klingt das Festfpiel aus. Der Verfasser des Stückes hat mit diesem Festspiel ein Werk geschaffen, das durch die wohlgelungene Ausführung, die Ausstattung mit historischen Kostümen im ersten Teil und nicht zuletzt durch die geschickte Leitung des Spielleiters, Llhr- macher Richard 3 ö ck e l, einen vollen Erfolg hatte und mit großem Beifall ausgenommen wurde. Beifall begleiteten daher auch die Dan- kesworte, die Bürgermeister Dr. M i l d n e r dem anwesenden Verfasser zollte. Einen wirkungsvollen Rohmen für das Stück schufen auch die stimmungsvollen Bühnenbilder, die Weihbinderund Malermeister Schmaus aus Wetterfeld gemalt hatte. Als Vertreter des Kreisamtes Gießen sprach Regierungsrat Dr. Braun: er gab dabei dem Wunsche Ausdruck, dah der altberühmte Gallusmarkt auch in der Zukunft weiter blühen möge. Die Feier nahm unter Mitwirkung des Musikvereins, der mit seinen Weisen den Abend verschonte, einen guten Verlauf und bildete so einen würdigen Auftakt zum diesjährigen 3ubiläums- markt. G ö r l a ch - Giehen wird in dem Bericht ein ehrender Rachruf gewidmet. Weiter werden u. a. die Ramen der mit Sängerehrenzeichen bedachten Sängerjubilare registriert, die wir gelegentlich der Ehrungen schon in unseren Spalten bekanntgaben. Zum Schlüsse wird an die Sänger appelliert, trotz aller Rot der Zeit eifrig an den Aufgaben der Männergesangvereine mitzuarbeiten. Der Kassenbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr weist eine Einnahme von 2263,54 Mark, eine Ausgabe von 1969,71 Mk., mithin einen Lleberschuh von 293,83 Mk. aus. Die Rechnung wurde genehmigt und die Entlastung ausgesprochen. Ein Antrag des Bauerschen Gesangvereins in Giehen, den Gauliedertag 19 3 2 mit Rücksicht auf das Deutsche Sängerbundesfest in Frankfurt a. M. ausfallen zu lassen, fand keine Mehrheit. Die Versammlung beschloß nach längerer Aussprache, den Gauliedertag für 1932 vorzusehen und ihn nur bann abzusagen, wenn den Sängern der Gauvereine der Besuch des Sängerbundesfestes in Frankfurt zu annehmbaren Preisen möglich sein wird. Ein weiterer Antrag des Bauerschen Gesangvereins, den Gauvereinen auf je a n gefangene 25 Mitglieder eine Stimme für die Tagungen des Gaues einzuräumen, damit ein gerechterer Ausgleich zwischen den großen und den kleinen Vereinen erzielt werde, und dementsprechend die Richtlinien abzuändern, wurde nach gründlicher Erörterung mit 16 gegen 3 Stimmen abgelehnt. Cs soll der Grundsatz beibehalten werden, dah jeder Verein ohne Rücksicht auf seine Mitgliederzahl eine Stimme hat. Bei der Vorstandswahl wurden unter dankbarer Würdigung ihrer Verdienste einstimmig auf vier 3ahre als Gauvorstand wieder- gewählt: Koch, Giehen, als 1 Vorsitzender: Eberle, Lollar, als 2. Vorsitzender: Schneider Giehen, als 1. Schriftführer: Reurath, Giehen, als 2. Schriftführer: neugewählt wurde als Rechner Latsch, Saubringen; als Beisitzer wiedergewählt der Vorsitzende und der Schriftführer des Sängerbundes „Hüttenberg-Schiffen- berg“ Müller, Lang-Göns, bzw. 3 u n g. Leihgestern, sowie der Vorsitzende und der Schriftführer des „53umdatal-Sänaerbundes" Eberle, Lollar, und Latsch, Saubringen. Sie Kassenprüfer stellt der Gesangverein „Concordia“ Giehen. Sie Wahl eines neuen Gauchormeisters als Rachfolger des verftorvenen Herrn Görlach wurde auf Wunsch von Sirigentenseite zurückgestellt. Weiter beschäftigte man sich mit dem bevorstehenden Bundessängertag in Aschaffenburg. Ser Vorsitzende brachte hierzu die bereits bekannten oberhessischen Anträge den Vereins- Vertretern noch einmal zur Kenntnis. Am Schluß der Tagung wurde noch bestimmt, daß der Gauliedertag 1 9 3 2 in Gießen stattfinden soll. Er soll in der gleichen Weise wie der diesjährige durchgeführt werden. Pornotizcn. — Tageskalenber für Dienstag. Stabt» theater Gießen: „Elisabeth von Englanb", Anfang 19.30 Uhr, Enbe gegen 22.30 Uhr. — Technischer Verein: Monatsversammlung, „Augustiner". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der wahre Jakob". — Aus bem Stabttheaterbureau wirb uns geschrieben: Morgen, Mittwoch, erste Wieberholung des erfolgreichen Zeitstückes „Voruntersuchung" von Alsberg und Hesse unter ber Spielleitung von Karl H e y s e r. Beginn 19.30 älhr, Enbe gegen 22 älhr. (Siehe heutige Anzeige.) * Der Goethe-Bund eröffnet — wie man uns schreibt — am Sonntag sein Vortrags- Programm 1931/32. Für ben Eröffnungsabenb ist eine interessante Sarbietung vorgesehen: eine Erstaufführung der musikalisch-dramatischen Erzählung „Sixt und Bettina", ein Musikerschicksal aus der Goethezeit. Ser Verfasser ist Sr. Erich Fischer, der auch in unserer Stadt bekannte Schöpfer ber Fischerschen Hauskomöbien unb ber deutschen Volksliederspende. Ser Abend soll ein Bekenntnis zur deutschen Kultur unb ein froh- ftimmenber Kunstgenuß in dieser schweren Rot- zeit werden. Um daher allen Kreisen unserer Bevölkerung, insbesondere denjenigen, die außerhalb des Arbeitskreises des Goethe-Bundes stehen, die Möglichkeit zu geben, an dieser kulturellen Kundgebung teilnehmen zu können und sich eine genuhreiche Stunde zu verschaffen, ist der Eintrittspreis auf 30 Pfennig angeseht worden. Sr. Erich Fischer berichtet einleitend über die historische Persönlichkeit Sixts und die von ihm entdeckten Lieder. Cs wird-sicherlich von jedem Kunstfreund unserer Stadt begrüßt werden, bah ber Goethe-Bunb biesen Abenb breiten Schichten vermitteln will. Näheres in der heutigen Anzeige. " Militär-Konzert in der Volkshalle. Sas große Militär-Konzert in der Volkshalle, bas am Sonntagabenb stattfand, war außerordentlich gut besucht. Etwa 1800 Zuhörer hatten sich eingefunden. Ser gute Besuch dürfte nicht zuletzt darauf zurückzuführen sein, dah man dem ersten Auftreten des neuen Obermusikmeisters Ernst Krauße in weiten Kreisen unserer Bevölkerung mit großem 3nteresse entgegensah. Sie Zuhörer wurden nicht enttäuscht. Ein reichhaltiges Programm klassischer Musik, leichter Ünterhaltungs- und schneidiger Marschmusik füllte ben Abend aus. Besonders betont zu werden verdient, daß die Sarbietungen sorgfältig ben Erfordernissen eines Blasorchesters wie auch ben Voraussetzungen bes Raumes angepaßt waren. So hörte man bie „Akabemische Festouvertüre“ von Brahms und die 2. Ungarische Rhapsodie von Liszt in geschliffener Wiedergabe. Richt weniger eindrucksvoll interpretierte bas Orchester unter ber nachschasfenben Hand bes neuen Obermusikmeisters Szenen aus ber Oper „Ser fliegenbe Hollänber" von Wagner; in ber Ouvertüre zu „Rienzi" offenbarte bas Orchester nicht nur ein feines Einfühlungsvermögen in bas Wesen Wagnerscher Musik, fonbern erwies sich auch von großer technischer Fertigkeit, bie biefe Ouvertüre in ihren Werten voll auszuschöpfen ermöglichte. Zwei Stücke aus „Sigurb 3orfalfar“ (Stieg), zwei Stücke beschwingterer Walzermusik bewiesen in ber Gegenüberstellung von ernster zu heiterer Musik die Anpassungsfähigkeit bes Sirigcnten unb ber Musiker. Stürmischen Beifall fanben wie immer bie historischen Märsche für Fanfarentrompeten. Sen Höhepunkt bes Abenbs stellte eine Folge historischer Märsche bar, bie in ihrer Zusammenstellung von Militärmusik bes frühen Mittelalters bis auf unsere Zeit einen klaren ileberblid vermittelte. Sen Abschluß bilbeten bie schneibig toieber- gegebenen Parabemärsche ber Bataillone bes 15. 3nf.-Rgts. Ser Kapelle unb ihrem Sirigcnten wurde lebhafter Beifall zuteil. Verschiedentlich mußten sich die Musiker zu Beigaben verstehen. Oberhessen. Landkreis Gießen. * Klein-Linden, 12. Oft. Set Turnverein Klein-Linden hi?lt am Samstagabend seine diesjährige Generalversammlung ab. Aus dem 3ahresbericht des ersten Vorsitzenden, Sattlermeisters Karl Weiß, war zu erschen, dah drei verdienten Mitgliedern, ben beiben Ehrenvorsihenben Branbenburger unb Ufer, sowie bem langjährigen Turnwart 3akob Frey, ber Gauehrenbrief überreicht tourb: Zwölf Austritten aus bem Verein stehen fünfuu jtoanjig Reuanmelbungen gegenüber. Sic Dereinbrechnung, von Eisenbahnsekretär Karl Klein geführt, zeigte in Einnahme 3071,97 Mark, in Ausgabe 3064,32 Mark, so baß ein kleiner Ueberschuß von 7,65 Mark verbleibt. Sie Rechnung würbe genehmigt. Ser Gesamtvorstanb, mit Ausnahme ber beim Amtsgericht eingetragenen brei Vvrstanbsmitglieber, würbe neu gewählt unb setzt sich jetzt aus folgenben Personen zusammen: Vorsitzender Karl Weih, Rechner Karl Klein, erster Schriftführer Karl K l i n - k e l, zweiter Schriftführer August Müller, erster Turnwart Ehrenmitglied Ernst Pfaff, zweiter Turnwart Wilhelm Germer, Frauen- turnwart Karl K l i n k e l, Schülerturnwart Wilhelm W eher mit ben beiben Vorturnern Albert Weigel und Otto Hahn, Schülcrinncnturn- wart Ella 3 u n g , Spiclwart Albert Weigel, Zeugwart Friedrich Kraft, Beisitzer 3akob Frey, Heinrich Lang und Heini 3ung. Zu Rechnungsprüfern wurden Wilhelm Fey, Ludw. Volk und Karl Otto durch Wiederwahl bestimmt. 0 ©rüningen 12. Oft. Der Landwirt Ehr. H u b e I c r konnte in diesen Tagen auf eine 2 5jährige Tätigkeit als Kirchendiener zurückblicken. 3m Anschluß an den gestrigen Gottesdienst fand aus diesem Anlaß in ber Kirche eine schlichte Feier statt. Pfarrer Staubach betonte in seiner Ansprache, bah ber 3ubilar fein Amt mit großer Gewissenhaftigkeit geführt habe. Als Zeichen ber Anerkennung für seine treuen Sicnste würbe ihm ein von der Kirchengemeinde gestifteter Sessel überreicht. Atreie Friedberg. WSN. Bad-Nauhcim, 12.Oft. Der neue Ku rbirektor Bab-Nauhcims, F. G. Meier, wirb am 21. Oktober feinen Dienst antreten. Rheinhessen. Alzey, 12. Oft. (WSN.) Der gegen ben Verwaltungsinspektor Vogel vom Kreisamt Alzey verhängte Haftbefehl ist auf Antrag seines Verteidigers a u f g e h ob e n und Vogel aus ber Untersuchungshaft entlassen worden. Tagung her Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge Anläßlich ber Einweihung der Orthopädischen älniversitätsklinik in Gießen, über bie wir gestern bereits berichteten, hielt bie Deutsche Vereinigung f ü r Krüppelfürsorge am Sonntagvormittag im Gießener Stubentenhaus chre orbentliche Mitgliebcrverfammlung ab. Auf ber Tagesorbnung stauben zwei öffentliche Dorträge. Zunächst sprach Geheimrat älniversitätsproses- for Dr. Lange- München über bas Thema „Aus ber ersten Zeit der ärztlichen Krüppelfürsorge“. Der Vortragenbe gab an Hand seiner persönlichen Erlebnisse auf dem Gebiete ber Krüppelfürsorge ein anschauliches unb fesselnbes Bilb von ben großen Schwierigkeiten, mit benen bie orthopäbische Behanblung, Wissenschaft unb Forschung zu kämpfen hatte, bis sie sich durchsetzen unb ihren heutigen hohen Stand in der Lehre, Forschung und praktischen Anwendung erreichen konnte. Er bot dabei einen interessanten Einblick in bie Entwicklungsgeschichte ber von ihm in staatlichem Auftrage im 3ahre ‘ 1913 begrünbeten unb heute noch geleiteten staatlichen orthopäbifchen Klinik in München, unb betonte in biesem Zusammenhänge bie Verpflichtung bes Staates zur Fürsorge für bie Krüppel und zur Ausbilbung ber orthopäbifchen Aerzte. Trotz ber schweren Zeiten bürse es nicht zum Zusammenbruch ber Krüppclfürforge kommen. Den zweiten Vortrag hielt ber Geschäftsführer des Hessischen Fürsorgevereins für Krüppel, Stadtobcrinspektor Lang, Darmstadt, über die „EntwicklungderHessischenKrüppel- fürforge, Be r u f s e i n s ch u lu n g Verkrüppelter im Spiegel der Ar beits- lofigfei t“. Der Redner wies einleitend darauf hin, daß die organisierte Fürsorge für Körperbehinderte in Hessen in der Stadt Mainz im 3ahre 1903 ihren Ausgangspunkt hat. 3m 3ahre 1909 forderte der Gießener Arzt, Sanitätsrat Sr. Zinß er, in einer Broschüre energisch zur Gründung eines Heims für Körperbehinderte auf; er setzte sich dabei für die Gründung des Heims am Orte der Landesuniversität ein. Der Hessische Landcsvcrcin für 3nnere Mission eröffnete am 20. Februar 1910 in Verbindung mit der Epileptiker-Anstalt in Rieder-Ramstadt ein Heim für körperlich behinderte Kinder in schulpflichtigem und vorschulpflichtigem Alter. Sie von dem Vortragenden mitgeteilten Ziffern bewiesen, daß dieses Heim in sehr segensreicher Weise gewirkt hat. Sie Gründung des Hcssifchen Fürsorgevereins für Krüppel erfolgte im Rovcmber 1910. Seine Ziele waren: „1. Feststellung und Erfassung des Krüp- pelclends in unserem Lande mit Hilfe der staatlichen Stellen unb durch Schaffung eines Rehes von Beratungsstellen: 2. Anmittelbares Arbeiten in ber Heilfürforge burch Zurverfügungstellung ber Mittel im Einzelfall; Errichtung einer Orthv- päbischen Klinik am Sitze ber Lanbesuniversität und Schaffung eines Lehrstuhls für Orthopädie an dieser: 4. Berufseinschulung Verkrüppelter und systematische Beschaffung von Arbeit für sie." Ser Redner legte anschließend im einzelnen bar, in welcher Weise bie gestellten Aufgaben gelöst worben sind bzw. bie Lösung versucht würbe, und er kam dabei zu dem Ergebnis, baß bis auf ben vierten Punkt bie Ausgaben bes Vereins zur Tat geworben sind. Von ber ©rünbung bis einschließlich 1930, also in 20 3ahren, finb 3516 Heilfälle mit einem Auswanb von 225 000 Mk. (bie 3n- flationszcit ausgenommen) registriert. Sas Geld ist ausschließlich aus' freiwilligen Spenden in Form von Mitgliederbeiträgen zusammengekommen. Ser Vortragende schilderte dann u. a. die Tätigkeit der Beratungsstellen für Körperbehinderte und begrüßte ferner die Errichtung des Lehrstuhls für Orthopädie an unserer Lanbesuniversität, sowie bie Schaffung ber Orthopäbifchen Uni- versitätsklinik. Anschließend) beschäftigte er sich mit ber Frage ber Berufseinschulung ber Körperbe- hinberten, wobei er eine Reihe von schätzenswerten Vorschlägen machte. Er empfahl u. o. eine sorgfältige Berussvorbcrcitung ber Körperbehinderten zum Zwecke ihrer späteren Einschaltung in ben Probuktionsprozeß unb zeigte Möglichkeiten auf, bie eine Beschäftigung von Körper- behinberten gestatten. Am Schluffe feiner aufschlußreichen Sarlegungen sprach sich ber Vortragenbe noch für ein gebeihliches Zusammenarbeiten zwischen ber 3nncrcn Mission und dem Krüp- pelfürsorgeverein aus. Beide Vorträge wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Ser Vorsitzende des Hessischen Fürsorgevereins für Krüppel, Oberbürgermeister Mueller, Sarmstadt, sprach den Vortragenden mit herzlichen Worten den Sank der Versammlung aus. 29745 ’ Me>Gutachten! Jede Bohne Qualität jeder Tropfen Genuß jede Tasse Gesundheit das ist Kaffee Hagl In jedem Paket ein Gutidiein. Im Weihneditsmonat auf 40 Gutscheine 11mlt. Albilberdose mit Kaffee Heg gratta Von 6527 A ekleidet von allen beneidet In Stückzahlen von 5—20 Rollen sehr billig gangen. 6823 A 6831 r.l Gießen und Sangerhausen, den 12. Oktober 1931. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 14. Oktober, um 3 Uhr nachmittags auf dem Alten Friedhof statt. In tiefer Trauer: Dr. Albert Wolff und Familie Clara Wolff Heinrich Hochstätter Brandplatz 1 Ein großer Posten Tapeten-Reste Job. 17, Vers 24. Unsere gute Mutter und Großmutter Frau Christiane Wolff geb. Steinhäuser ist nach kurzer, schwerer Krankheit in Frieden heimge- Freiw. Saniiatskoloone v. Roten Kreuz e.V„ Gießen Montag, den 19.Oktober 1931, abends 8 Uhr, beginnt unter ärztlicher Leitung unser diesjähriger Ausbildungs-Kursus in der ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen im Depot Sonnenstrabe Nr. 2 es« D An dem Kursus können Personen jeden Standes, die das 18. Lebensjahr zurückgelegt haben, teilnehmen. f Säfntl. ( Artikel für \ die Ernährung des’ Kindes, Pflege des Kindes. — Unser ^Spez.-Arbeits-V gebiet Mutter und Kind Drogerie Winterhoff Kreuzplatz 10 «^A Anmeldg. werd. b. Kolonnenführer Kratz, Diezstr.il u. Rettungswache, Sonnenstr. 2, entgegengenommen erhalten Sie im 6712 A Zur Bekämpfung des Frostspanners jetzt Leimringe anlegen! Bewährte Fabrikate von hell. Leim Unterlagepapier sowie den neuen Fix-Fertig Samenbaus Heinrich Balm Bahnhofstr., Ecke Wolkengasse, Tel. 3403 EIN WEG ZUM SPAREN! 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Oktober 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Zum Löwen-, zwangsweise gegen Barzahlung: Büfetts, Kredenzen, Bertikos, Waren- schränke, Nähmaschinen, Ladentheken, Grammophone, Sofas, Schreibtische, Schreibmaschinen, Kleiderschränke, Tru meauspiegel, Chaiselongues, Kommoden, Diwans, Kasscnschränke, Kindertäschchen, Visiten kartcntäschchen, Portemonnaies, Maniküregarnituren, Geldtaschen, Leder gamaschen, Kleiderbürsten, Wichsbürsten, Handbesen, Kokosbesen, Schrubber, Gas- Herde, Radioapparate, Cisschränke, Frisiertoiletten, einen Schweißapparal, eine Flurgarderobe, Küchcnschränke, ein Pia- nino, ein Pferd, eine Kuh, Oelgemälde, einen Bilderschrank mit 95 Bildern, ein Aquarell, zwei SchneUwaagen, eine Ge- würzmühle, einen Kaffeebrenner, einen Photoapparat, einen Flügel, einen Ge- wehrschrank einen Maniküretisch, Halsketten, Werspuppen, einen Ausstellungs- schrank. 6837V 2. 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Voila urt Entschluß zu t.ri) cm wenig emo «urteien vorbereitet Ral wieder fofortifl1 frcihd) lompltz'ert Olationalrcgicrung l Tnirien i n eine Erleid oltrtn fttaltn und die i ver Seelenkainpf i rdjt Io deutlich gcwl wtnt offene Spallui Cwar er benno bien ganz übe ninft besah eine .|tdend aus Konserve 3tbtticm. Aber die Ilie ftanlc Kämpe L Itanlcnlager in Chi sollte 8r versuchte jaltm und den un( M Spiel isi ihm u 6it John Simon liberalen mit konseri toi oft vorhergesa ■ yirtitn die alle I cfg^ört zu bestehe Einsatz von Rechte t’.tben worden. wird eine sehr tr- il)r und unter ' ttkrlcbrt. Lloyi h ?et!ügung über sich CTeifjq plr be$ &®erunb gnb;sPaor"50( |l;ben ba(tenX”Ad Fische und Filet' -hfl ...Pfd.vonW ,.Pfd.von50^ti schet Kuchen-la Mni- mäii^M-prinidN -M geschLM m ibe taBEWEurScHoi? MlSClUKlDKEllUri MlUlHMHTlIfl«! ttwnsrnt m. 259 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhesfen) Englands Aufmarsch zum Wahlkampf. Zerfall -er Liberalen. — Oer kranke Lloyd George. —Frei Hand für Macdonald. Oie Heilung Englands. Don unserem Londoner D. 6.-Mitarbeiter. den. Das ist Sache von Fachleuten. Gewinnt die Regierung den Wahlkampf, so bedeutet das eine Generalvollmacht, jedoch keine Generalvorschrift für sie. Grundsatz bleibt: Englands Einfuhr soll eingeschränkt, seine Konkurrenzfähigkeit gehoben werden. Wie auch die Dinge gehen, an diesem Ziel wird nicht gerüttelt werden. Es ist lebensnotwendig. London, Oktober 1931. ®aö zweite Kabinett Macdonald ist gewesen. Wer vor zwei Monaten vorausgesagt hätte, das; sein Führer als Haupt einer Ra» tionalregierung den nächsten Wahlkampf gegen seine alten Freunde führen würde, der wäre für einen Darren gehalten worden. Wer gesagt hätte, daß Macdonald lttS Konservativen in den Wahlkampf führen würde, wäre in ein Tollhaus geschickt worden. Run ist das alles Wahrheit. Zwar nicht im buchstäblichen Sinne des Wortes: denn die Konservativen kämpfen unter ihrer eigenen Leitung, die zerbrochenen Liberalen unter ihrer alten Doppelleitung, und Macdonald führt seinerseits eine nationale Arbeiterpartei, die zum Zwecke dieses Wahlkampfes gebildet worden ist. Doch wäre all dieses nicht denkbar, wenn nicht Macdonald den großen Entschluß gefaßt hätte, feine Vergangenheit und seine Zukunft dem Interesse der Ration bedingungslos zur Verfügung zu stellen. Voila un Komme! Der Entschluß zu diesem Wahlkampf wurde durch ein wenig eindrucksvolles Intrigenspiel der Parteien vorbereitet. Mal hieß es: keine Wahlen, mal wieder: sofortige Wahlen. Die Dinge lagen freilich kompliziert genug. Die Bildung der Rationalregierung hatte alle darin vertretenen Parteien in einen Konflikt mit ihrer Parteidoktrin gebracht, besonders die Liberalen und die Konservativen. Zwar ist der Seelenkampf der Konservativen nach außen- nicht so deutlich geworden wie die nunmehr vollzogene offene Spaltung der Liberalen, aber schwer genug war er dennoch. Denn im Grunde waren Reuwahlen ganz überflüssig. Die Rationalregierung besaß eine sichere Mehrheit, bestehend aus Konservativen, Liberalen und einigen Arbeitern. Aber die Sache war die, daß sich der alte kranke Kämpe Lloyd George auf seinem Krankenlager in Churth nicht ausschalten lassen wollte. Er versuchte die Fäden in der Hand zu halten^ und den ungekrönten König zu spielen. Dies Spiel ist ihm mißglückt. Sein Parteifreund Sir John Simon wird die andere Hälfte der Liberalen mit konservativer Unterstützung führen. Das oft vorhergesagte Ereignis ist also eingetreten: die alte liberale Partei hat taktisch aufgvhört zu bestehen. Sie ist in dem großen Gegensatz von Rechts und Links mitleidlos zerrieben worden. durch die Erwägung gemildert, daß die Konservativen trotzdem mit ihrem Programm in den Wahlkampf ziehen, ober Baldwin, ihr Führer, steht im Schatten. Macdonald hat sich als die größere Rümmer erwiesen. Reville Chamberlain kann dagegen nicht aus. Seine Sachlichkeit, seine Tüchtigkeit reichen nicht ganz zum Bilde eines wirklichen konservativen Führers, und ansonst ist niemand, der es könnte. Die große Mehrzahl rechnet trotzdem mit einem überwältigenden Siege der Rationalregierung. Sie wird sehr hoch an der Börse notiert. Die Börse hat meist recht behalten. Aber zur Zeit hat auch sie noch kein verläßliches Urteil Eines steht aber schon heute fest: Dieser Wahlkampf ist ein Vertrauensbeweis für den gesunden Menschenverstand des englischen Urwählers. Er muß tatsächlich entscheiden. Er kann alles über den Haufen werfen, er kann alles retten. Er wird ein gehöriges Maß an Selbstüberwindung an den Tag legen müssen. Aber es ist höchst wahrscheinlich, daß die Erwartung, er werde seine Pflicht tun, nicht trügen wird. Bei einem rein parteipolitischen Wahlkampf wären nämlich alle Parteien hereingefallen. Diese Gefahr ist heute geringer geworden. Die Parole lautet: Frei Hand für Mac- d o n a l d. Dahinter verbirgt sich ein sehr nüchternes Programm. Kern der eng.ischen Krisis ist die wahrscheinlich passive Zahlungsbilanz. Auf alle Fälle ist Englands Reichtum gleichsam eingefroren. Er soll aufgetaut werden, indem man den wichtigsten Posten in der Zahlungsbilanz, nämlich die Handelsbilanz, wieder in Ordnung bringt. Die Ausfuhr ist zu klein, die Einfuhr zu hoch. Die Regulierung zwischen beiden geschieht zwar schon durch den Kurssturz des Pfundes, aber diese Regulierung ist nur ganz schematisch. Sie ist nicht systematisch. Da soll Handelsschutz oder Schutzzoll herangezogen werden, falls es notwendig ist. Dies zu entscheiden bleibt aber dem Kabinett Vorbehalten. Dieser Wahlkampf entscheidet nicht etwa für oder gegen Schutzzoll. Diese Frage kann keine Wählerschaft entfchei- Dieser Wahlkampf wird die Entscheidung über das Schicksal der englischen Währung bringen. Sie ist innerlich durchaus gesund. Ia, in der City freut man sich, wieviel törichte Leute in der Welt Pfunde viel zu billig verkauft haben: aber Ordnung muß trotzdem geschaffen werden. England wird sich nicht mehr treiben lassen. Betrachtet man die Rückwirkungen der Pfundkrisis, so sieht inan schon jetzt, daß dies Land über ungeheure^ wenn auch ungenutzte Möglichkeiten verfügt. England will nicht nur das Pfund, es will sich selbst retten. Oer Hessische Volksbund zur Reichsreform. Die Rot der vergangenen Wochen hat die Fragen der Reichsreform erneut zum Gegenstände öffentlicher Diskussionen gemacht. Hierzu hat der Landesarbeitsausschuß des Hessischen Volksbundes in einer Entschließung Stellung genommen, in der es heißt: „Der Hessische Volksbund verlangt, daß entsprechend der Reichs- Verfassung Länder und nicht nur Reichs- provinzen mit zentralistischer Regierung gebildet werden. Er lehnt jeglichen bureaukratischen Zentralismus als undeutsch und verfassungswidrig ab. Ebenso wendet er sich gegen jeden Partikularismuö im Sinne von souveränen Staaten. Er spricht sich für eine einheitliche Gestaltung der Länder in ganz Deutschland aus. Die Schaffung von zwei verschiedenen Ländertypen, eines norddeutschen und eines süddeutschen, lehnt er aus Gründen der Reichseinheit und der Rechtsgleichheit der deutschen Landschaften und ihrer Bewohner ab. Für Südwestdeutschland fordert der Hessische Volksbund wiederholt die Bildung eines Landes Hessen, bestehend aus Hessen- Kassel, Hessen-Darmstadt, Rassau. Frankfurt und Wetzlar. Er weiß sich bei dieser Forderung einig mit dem Großteil der Bevölkerung der beteiligten Gebiete. SJL-'Spoit Es wird eine sehr interessante Frage fein, was von ihr und unter wessen Führung dieses Was wiederkehrt. Lloyd George hat noch immer die Verfügung über den alten Kriegsschah, den er durch Titelverkauf im Kriege zusammengebracht hat. Seine Gruppe kann zum Sammelpunkt des nicht geringen Mißvergnügens über die Abhaltung dieser Wahl werden. Anderseits kann er iricht persönlich eingreifen. Er hat sogar mit Rücksicht auf seinen Zustand um Verschiebung der Wahl gebeten. Dem entgegen wird sich die ton» servative Wahlhilfe für seinen ehemaligen Partei- f reund Sir Iohn Simon wahrscheinlich sehr ongenehm auswirken: denn wenn die Rational- Eioeralen konservative Wahlhilfe erhalten, indem die Konservativen in Simons Wahlkreisen keinen Segenkandidaten aufstellen, bann sollten Erfolge nicht ausbleiben. Die Konservativen sind ebenfalls in einigen inneren Röten. Ihr rechter Flügel ist immer mach „all out for protection“, einmütig für Schutzzoll, ihr linker Flügel weniger. Schutz- S oll und Pfundentwertung ist zuviel des Guten «uf einmal. Auch gärt es im Untergründe. Daß Inch Baldwin aus der Führung hat heraus- nranöberieren lassen, dieser Schmerz wird zwar Gaufpieliagung des Turngaues Hessen. Vor einigen Tagen trafen sich in Gießen die Vertreter der Spielerschaft im Turngau Hessen (DT.) zur ordentlichen Jahresversammlung. Fach- roart, Gauspielwart Fritz Seibert (Wetzlar), erstattete zunächst den umfassenden Jahresbericht, der einen erfreulichen Aufschwung im Spielbetrieb des Gaues erkennen ließ. Im Faustball sind zahlenmäßig zwar keine Fortschritte zu verzeichnen gewesen, dafür hat sich aber die Spielstärke des Gaues weiter gebessert. Als erfreulich bezeichnet der Jahresbericht die Entwicklung des Spiels bei den Altersturnern. In der Sommerspielrunde standen im Gau und in den Bezirken insgesamt 50 Mannschaften. Bei den Spielen der Gausonderklasse in Friedberg und Gießen wurde — wie im Vorjahre — Tv. 1846 Gießen Gaumeister. Gut geschlagen hat sich in der Gaugruppe auch der Frauenmeister des Gaues, M t o. Gießen, der schon öfters den Gau erfolgreich vertreten konnte. Aus der Gausonderklasse ist der Ak.-Tv. „Kurhessen" Marburg als Tabellenletzter ausgeschieden. Im nächsten Jahr wird sein Platz vom T. u. Spv. Butzbach eingenommen werden, der aus der Meisterklasse aufgestiegen ist. In die Meisterklasse tritt Tv. Hörnsheim ein. In der Altersklasse trug Tgm. Friedberg, neben dem Tv. 1846 Gießen, den Sieg davon. Im Handball stand das abgelaufene Jahr auf der ganzen Linie im Zeichen des Fortschritts. Der Gau hat an Spielstärke und auch zahlenmäßig beträchtlich gewonnen, lieber achtzig Mannschaften kämpfen zur Zeit allein in der Pflichtrunde, erstmalig zusammen mit den DSB.-Vereinen. Der Be- richt hebt ein Ereignis besonders hervor: die Feier des 10jährigen Bestehens der Handballabteilung des T. u. Spv. Butzbach, und das damit verbundene Handball-Blitzturnier. In der vergangenen Handballrunde errang Tv. Wetzlar-Niebergir- m e s die Meisterwürde und damit den Aufstieg in die Kreisklasse. Bewährt hat sich die neue Gruppeneinteilung der Schiedsrichter. Durch Kreis- und Gaulehrgänge und durch Freundschaftsspiele wurde die Ausbildung weiter gefördert. Durch die neue Kreisspielordnung ist der Spielbetrieb straff geregelt. Der gründliche Bericht des Gauspielwarts, der sich unter anderem noch in kritischer Weise mit der Schiedsrichterfrage, dem Unfallwesen, der Bestands- erhebung u. a. technischen Fragen beschäftigte, wurde Siljas ««* ihaus Cuxhayei rl6e3*2»Tel*’il'' ___111 ginn**'* .. oiunfl errL_ einßj iuidh fi. I* tiiiii -s rdß*1 eireo ,s M •5 feg * t'inbto-, iSSgS? an rruer , uf obtt , qapi'01 6®r- Kleiner Roman auf der Station. Von Ernst Sander. Die Ansprüche des menschlichen Herzens sind unter- schieblich, und das sowohl was die Art, als was die Lauer der Vereinigung mit einem anderen Herzen ’ b -trifft. Bedarf das eine, fei es feiner Größe oder " (einer Geringheit- wegen, zu feinem Glücke einer ganzen Unendlichkeit lodernder Ueberschwänge, so ’ b.-scheidet sich das anbere mit einem Blick ober Wnbebruck. Der Schnellzug Berlin—»Messina hatte, von ber Mennerhöhe sich nieberschwingenb gegen bie Lom- b irdische Ebene hin, Rovereto hinter sich gelassen. Es hämmerte; bünne Nebel zogen aus bem Etschtale bie Arrghänge hinan. Zum Schlafengehen war es noch zui früh; überbies hoffte ich, während bes Aufenthalts in Verona, ber nächsten Station, wie ich annahm, eiiaen Bekannten zu treffen. So also ging ich in ben Schlafwagen um meinem bort bereits untergebrach- trn kleinen Gepäck ein Buch zu entnehmen, als ber 3jng anhielt. Ich vermutete, keines Halteplatzes in dieser Gegend gewärtig, ein unvorhergesehenes Stop- pm auf freier Strecke; stieß, verärgert bereits ob ber Möglichkeit, zu spät in Verona anzukommen, bas fünfter nieber, schaute hinaus unb sah bieses: ^Man hielt in ber winzigen Station »M. — bie Schnellzüge stoppen bort für zwei »Minuten, wie ich «mich sogleich erinnerte, währenb welcher sich bas Ulnfteigen ber Fahrgäste in eine Schmalspurbahn jmn Garbasee vollzieht. Auf bem kargen »Bahnsteig oter. unmittelbar neben meinem Fenster, ftanb der weißgekleidete Schlafwagenkellner, ein schmaler, dumkler Junge von zwanzi Jahren vielleicht, und n |ll)i eit ein Mädchen in den »Armen, küssend, stürmisch, ^ävstvergessen stammelnd. Sie redeten beide zu gleicher Zeit, hastig, überschwänglich; sie sahen sich Ian, lächelnd: sie hielten eines des anderen Hände — -5- war eine holde wilde Seligkeit voll schluchzenden Mcks, ber zuzuschauen mich beschämte. Aber indem Midi in den Seitengang zurücktrat, erscholl das IILPronto!“ — „Fertig!" — vom Gepäckwagen her, umi fast gleichzeitig bas Abfahrtssignal; ber Zug letzte sich schwer unb langsam in Bewegung. An ber ILir bes Schlafwagens, sie offenhaltend, ftanb ber ■ Schaffner: „Rasch, »Mario! Avanti, avanti!“ Unb bas ' Liebespaar — „Addio, addio!“ — lief, sich an ben Händen haltend, neben bem schneller unb schneller 'afyenben Zuge her: im letzten Augenblick schwang - lev weiße Kellner sich hinein: „In brei Tagen komme ch zurück!" rief er durch bas vom Schaffner vor- • N|orglid) geöffnete Wagentürfenster, vorgebeugt win- jierib; lachte ben Schaffner strahlend an: „Danke, Ubaldo!", unb nahm auf ber Stelle, als fei nichts geschehen, seinen abenblichen Dienst im Schlafwagen auf. „Seit einem Jahr finb bie beiben verlobt", roanbte sich ber Schaffner an mich. „Sie sehen fid) alle brei Tage biese zwei Minuten — das ist alles. Aber Mario ist ihr treu wie sie ihm, ich weiß es." „Unb wie wirb es enben?" fragte ich. Der Schaffner zuckte bie Achseln. „Enben? Glauben Sie, baß man sich barüber Gebauten macht, wenn man so jung ist? Alle brei Tage zwei Minuten — unb beibe sinb vollkommen glücklich." Ich, wenn ich an biefes seltsame Paar bente, ich schwanke zwischen Zweifeln unb Neib. Das Kreuz am Kasbek. Von Ilse Schmidi-Wisiendorff. In ben Schulen lernten und lernen wir eine griechische Sage: Prometheus stahl von den Göttern das Feuer, wurde zur Strafe an einen Felsen geschmiedet, wo Adler an seiner Leber fraßen. Im Taurus standen diese Felsen, und die Sage ... ist nicht griechisch. Statt Taurus sagen wir Heutigen: Kaukasus. Und dort ... kennt jedes Kind der vielen Bergvölker die Sage. Hier ist ihr Ursprung, ihre Heimat. Die Griechen verpflanzen sie nur in ihre eigene Mythologie. Wie alt nun müssen die kaukasischen Völker sein, von denen eine direkte Linie zu der Zeit dieses Sagenursprungs geht! Denn jener an die Felsen geschmiedete Mann ist ihnen nichts Historisch-Ehrwürdiges und. Vergangenes, wie uns die griechischen Sagen, sondern lebendig, vielleicht sogar wirklich. Es ist diesen naturverwobenen Völkern nichts verlorengegangen von jener Zeit, da Götter- und Heldenmythen entstanden. Unb der Kasbek ist es, um den sich diese Sagen wie ein Gürtel legen. Er ist nicht der höchste der kaukasischen Berge, aber der geheimnisvollste und sagenumsponnenste. Von seinen Geistern und Riesen raunt heute noch das Volk, die strafen und Wohltun und denjenigen mit Reichtum überschütten werden, der einst den Eingang zu ihrem Reiche finden wird. lind mag man sich nun wehren oder nicht: man wird beim Anblick dieses Gipfels tn Geheimnisvolles eingesponnen, über das die grauen Wolken sich wie schützende Decke legen. Kein Rachgeborener soll ihm die Antwort auf seine vielen Geheimnisse entreißen. Denn ihrer sind viele. Richt Sagen allein, auch ungeklärtes Geschehen hat sich hier begeben. Cs ist sicher, daß hier auf den höchsten Schroffen und Zacken einmal Menschen gehaust haben. An Stellen, zu denen kein Lebender heute dringen kann. Man hat es versucht, aber jedes dem kühnen Bergsteiger bekannte Hilfsmittel hat versagt. Da sind aber Höhlen, die deutlich die Spuren davon tragen, daß sie von Menschenhand dem Berge eingezwungen sind. Die modernen Feldstecher führen sie ganz nah heran, der Durchforschung aber trotzen sie. lind dort, wo die Felsen Hunderte von Metern abfallen und ebenso hoch sich gen Himmel zur Senkrechten türmen, an einer Stelle so unerreichbar wie keine, liegt die Höhle mit dem Kreuz. Schauer des linsagbaren frösteln von dort herüber. Eine winzige Plattform ist vor der Höhle geschaffen, und auf ihr deutlich, wenn auch in roher Form, ein Kreuz errichtet. Magisch zieht dieses Kreuz immer wieder den Blick an. Ein Sturm von Fragen wirbelt auf, die alle unlösbar sind. Gewiß ... Vermutungen sind kon- struierbar. Man weiß: Georgien und Armenien sind fast die ersten chrisrianisierten Länder — Tat der hei.igen Rina im dritten Iahrhundert. Es gab Klöster, religiöse Kämpfe, flüchtende Mönche, es gab auch ein Kloster am Kasbek, aber keine Theorie, keine Vermutung löst das Rätsel, wessen Hand im linzugänglichen ein Kreuz errichtete. Oie Briefmarke als Denkmal. »Man geht jetzt immer mehr dazu über, die berühmten Söhne der einzelnen Völker nicht in Denkmälern aus Stein ober »Bronze, fonbern burch Briefmarkenbilber zu ehren. So wirb bas Markenalbum zu einem mobernen »Pantheon bes Ruhmes, unb bejoubers zahlreich finb bie Dichter vertreten. Wir haben bet uns bie Bilber Schillers unb Goethes auf ben »Marken gesehen, unb bie gleiche Ehrung erfahren viele Dichter anbercr Länber. Eine neue »Markenserie in Oesterreich enthält bie Köpfe ber großen Schriftsteller Grillparzer unb Raimunb, N e st r o y unb Anzengruber, Stifter unb Rosegger. Frankreich gibt eine Victor-H u g o -Marke aus, nach bem bereits vorher der große Dichter ber französischen Renaissance, Pierre Ronsarb, auf biese Weise verherrlicht worben war. Die junge Republik Spanien bentt baran, ben Dichter Blasco Ibanez auf ihren Marken zu zeigen. Spanien war überhaupt bie erste Nation, bie mit bieler Mobe voranging, unb zwar vor 26 Jahren, als Der 300. Geburtstag ber größten spanischen Dichtung, bes „Don Quijote" begangen würbe. Bilder von ben Abenteuern bes Ritters von ber traurigen Gestalt unb seines getreuen Knappen Dienstag, 13. Moder (931 einstimmig genehmigt. Einstimmig wurde dann dem Rechnungsführer P. Ritsert (Gießen) Entlastung erteilt. Die Ersatzwahl zum Gauspielausschuß brachte die einstimmige »Wiederwahl von W. »Mohr (Gießen). Im weiteren Verlauf der Versammlung wurden bie Austragungsorte für Gaumeisterschaft unb ©aufpieltag 1932 bestimmt. Ein Beweis für bas lebhafte Interesse an ber Spielbewegung im Gau waren bie zahlreich vor- liegenben Antrcwe, bie in ber Mehrzahl auf rein technische Fragen Bezug nahmen. Durch ben Gauspielausschuß grünblid) vorbereitet, konnten bie meisten Anträge flott erlebigt werben. Die arbeitsreiche Tagung nahm einen anregenben Verlauf. Spielvereinigung 1900 Gießen. Am Samstagabend beging die Spielvereini- - gung 1900 ihr 31. Stiftungsfest in der Form eines Kommerses, der im Dereinslokal „Post- keller" stattfand. Mit der Feier war gleichzeitig die Einweihung des Iugendheirnes der Spielvereinigung verbunden. Der Vorsitzende, Dr. G u y o t, begrüßte die Mitglieder und die Gäste, besonders die Vertreter des hiesigen Bataillons, die Vertreter der Bezirks- und Gaubehörden des Bezirkes Hessen-Hannover bzw. des Gaues Gießen-Wehlar im Westdeutschen Spielverband und ging dann kurz auf die Geschichte des Vereins ein. Er sprach weiter über Grundsätzliches sportlicher Erziehung und Ertüchtigung, und sprach die Hoffnung aus, daß es der Spielvereinigung und ihren Mannschaften noch weiterhin vergönnt fein möge, Erfolge zu erringen, die die Arbeit im Verein unter Beweis zu stellen imstande wären. Das hauptsächlichste Ziel gelte der Ertüchtigung der Iugend, der zukünftigen Generation, die einmal der Träger des Vaterlandes sein solle. Seine Ausführungen wurden beifällig aufgenommen. Leutnant K n e t s ch gab im Hamen des Bataillons ber Hoffnung Ausdruck. daß sich die Beziehungen zwischen der Spielvereinigung 1900 und dem Bataillon festigen möchten, denn Sport und Wehrmacht hätten an der gemeinsamen Aufgabe, die Iugend und das Volk kräftig zu erhalten, zu arbeiten. Der Bezirksvorsihende Happ beglückwünschte den Verein zu seinem Stiftungsfeste im Ramen der Bezirks- und Baubehörden des WSD. und fand anerkennende Worte für die bisher vom Verein geleistete Pionierarbeit für den Sport und für den Sportsgedanken. Schließlich wurden, bevor man zum gemütlichen Teil überging, noch eine Reihe eingegangener Glückwünsche verlesen. Die Feier des Stiftungsfestes nahm einen sehr unterhaltsamen Verlauf. Handball im Gau Hessen (O T.) Die Spiele bes Sonntags. M e i st e r k l a s s e: To. Heuchelheim I — Mtv. Gießen I 5:9 (1:5); Pol.-Spv. Butzbach I — To. Graßen-Buseck I 8:4 (3:4); Tgm. Friebberg I — Tv. 1846 Gießen I 6:4 (5:2): Sp. Vgg. 1900 I — T. u. Spv. Butzbach I 4:7 (3:3); T. u. Spv. Marburg I — Tv. Goßfelben I 5:3 (4:2). A - Klasse : To. Münchholzhausen I — Tv. Wetzlar II 8:3 (5:0); To. Pohl-Göns I — To. Großen- Linben I 4:3 (2:1); To. Niebermörlen I — Tv. Lützellinben I 7:7 (6:4); Pol.-Spv. Butzbach II — T. u. Spv. Butzbach II 6:1 (5:0); Tv. Merkenfritz I gegen To. Dorheim I 10:3 (4:1); Tv. Hirzenhain I — Tv. Gebern I 0:6 (0:2); Tv. Burg-Gemünben I — Tv. Grünberg I 4:0 (2:0); To. Homberg I — To. Nieber-Ohmen I 6:3 (2:2). 6-Klasse: Tv. Pohl-Göns II — Tv. Griebel I 3:7 (2:3); Tv. Lich I — To. Kirch-Göns I 2:9 (1:8); Tv. Dutenhofen I — To. Niebergirmes II 3:1 (1:1); Tv. Krofborf I — Tv. Klein-Linben I 3:0 (1:0); Tv. Münchholzhausen II — To. Nauborn I 0:2 (0:1); Tv. Romrob I — To. Schlitz I 6:1 (2:1). L . Klasse: To. Groß-Rechtenbach I — Tv. Klein-Linben II 2:0 (0:0). Jugenbklasse: Tv. Heuchelheim — Sp. Vgg. 1900 15:3 (9:0); Tv. Lich — Tv. Wetzlar 0:2 (0:1); Sancho erschienen auf einer Serie, bie in zehn Werten nur 14 Tage verkauft würbe. 10 Jahre fpgter würbe ber 300. Tobestag bes Schöpfers bieses »Werkes, Cervantes, mit einer anbern schönen Briefmarkenserie gefeiert, bie nur für ben »Briefwechsel ber spanischen Abgeorbneten unb Senatoren bestimmt war. Kuba hat auf einer Sonberausgabc bes 'Markenwertes von 15 Centavos ber spanischamerikanischen Dichterin Gertrubex Gomez b e Avellaneba gehulbigt bie als „bie größte Dichterin unserer Zeit" bezeichnet würbe. Dieselbe Auszeichnung erfuhr ber portugiesische Nationalbichter Luiz beCamoens.zu besten 400. Geburtstag eine Markenferie ausgegeben würbe, bie u. a. bie Titelseite feines unsterblichen Epos „Die Lusiabe" zeigte. Der 100. Geburtstag bes „portugiesischen Dickens" Camilo Castelo Branco wurde 1925 in ber» selben Weise burch eine umfangreiche Markenserie verewigt, bie u. a. Gestalten seines »Meisterwerkes „Amor be Perbicao" zeigte. Die Griechen haben bei ber Byron- Jahrhunbertfeier 1924 ihren Dank an biefen Dichter abgetragen, inbem sie sein Bilb auf einer »Marke brachten. Ungarn hat bie gleiche Ehrung seinem größten Dichter P e t ö f i an seinem 100. Geburtstag 1923 zuteil werben lassen, währenb ber große ungarische Erzähler Maurus I o k a i 2 Jahre später aus bem gleichen Anlaß feine Erinnerungsmarken erhielt. Bulgarien feierte seinen Nationalbichter Iwan Wazow burch Gebächtnismarken noch bei Lebzeiten an seinem 70. Geburtstag. Den 50. Tobestag Alestanbro »M a n z o n i s nahm Italien zum Anlaß, um Szenen aus feinem berühmten Roman „Die Verlobten" auf einer Sonberausgabc von Marken zu zeigen, unb ebenso finb Illustrationen von ben »Werken Virgils bei ber Tausenb- jahrfeier biefes Dichters in Italien ausgegeben worben. Polen roibmete feinen Dichtern Slowacki unb Sienkiewicz Gebächtnismarken, während ber russische Plan, T o l st o i unb Gorki auf bie gleiche »Weise auszuzeichnen, nicht burchgeführt würbe. Die Ukraine schuf »Marken mit bem Silbe ihres Nationalbichters Schewtfchenko. Der 100. Geburtstag Ibsens brachte in Norwegen eine Marke mit seinem Silbe, unb Finnlanb tat bas aleiche mit Elias ß ö n n r o 11, dem Schöpfer feines Nationalepos, ber „Kalewala". D ' Annunzio erschien auf einigen Marken währenb seiner kurzen Diktatur in Fiume, unb bie kurzlebige »Regierung Sela Kuns ließ ben Charakterkopf von Karl Marx auf einer jetzt sehr seltenen Marke auftauchen. »Marken von Nicaragua unb Ecuabor zeigen die Züge ber spanisch, amerikanischen Dichter Dario unb 0 l m e b o. Tgm. Friedberg — T. u. Spo. Butzbach 9:2 (4:2); Tv. Großen-Linden — Mtv. Gießen 2:9 (1:7). Tg. Friedberg I — TV. 1846 Gießen I 6:4 (5:2). Die Gießener, die schon — ersatzgeschwächt — das Dorspiel verloren hatten, konnten auch diesmal nicht komplett in Friedberg.antreten. Mittelstürmer und Mittelläufer fehlten. Besonders das Fehlen von Krämer machte sich sehr stark bemerkbar. So kam es, daß die Friedberger bei ausgeglichenem Feldsviel in der ersten Halbzeit, bedingt durch die Unsicherheit der 1 Biber, 5:2 in Führung gehen konnten. Dach -der Pause erhöhten sie sogar auf 6:2. Dann aber drängte Gießen unaufhaltsam. Die Friedberger kamen kaum mehr aus ihrer Spielhälfte heraus. Zwar konnten die Einheimischen noch zwei Tore aufholen, doch langte es infolge vielen Schuhpeches und der vielköpfigen Friedberger Verteidigung nicht mehr zum Ausgleich. Mit dem Verlust dieses Spieles sind die Hoffnungen auf die Gruppenmeisterschaft ziemlich in die Ferne gerückt. Friedberg wird aller Voraussicht nach den ersten Platz halten. Tenniöabteilung beer T.D. v. 1846. Die im August gegründete Abteilung hat eine gute spielerische Entwicklung zu verzeichnen. Es wurde sehr eifrig geübt. Turniere wurden ausgetragen in Butzbach mit dem Ergebnis 3:3 und 6:4. Zu einem schönen Erfolge gestaltete sich der Klubkampf gegen Tv. 1860 Frankfurt, den die 1846er verstärkt durch zwei Butzbacher Spieler 10:6 gewannen, ihn auch im Winter nicht ganz einzurosten. wird in der Turnhalle ein Hallentraining eingerichtet, das besonders den Anfängern die Künste des weißen Sportes etwas näherbringen soll. Außerdem ist ein Blitzturnier in der Dolkshalle geplant. Wirtschaft. Kanada erhebt Oumpingeinfuhrzölle. Ottawa, 12. Okt. (WTB.) Einer Kabinettsorder zufolge sind von jetzt ab alle Waren, die aus einem LandemitentwerteterBaluta cingeführt werden, mit einem Dumpingzoll zu belegen. Durch diese Maßnahme wird insbesondere die Einfuhr von Waren aus Italien, Spanien, Dänemark, Norwegen, Schweden und der Tschechoslowakei betroffen. » * Schade & Füllgrabe, Frankfurt a. M. Die Lebensmittelgroßhandlung Schade & Füllgrabe, Frankfurt a. M., erzielte im Geschäftsjahr 1930/31 einen Bruttogewinn von 813 773 Mark (586 577), aus dem nach Abzug der Abschreibungen und Steuern einschl. Vortrages ein Reingewinn von 175 515 Mark (197 795) verbleibt. (3m Vorjahre 10 Prozent Dividende.) Oer frankfurter Effektenfreiverkehr. Frankfurt a. M., 12. Okt. Zu Beginn der neuen Woche war die Tendenz im Telephonverkehr von Bureau zu Bureau f e ft e r. Die Umsatztätigkeit hält sich nach wie vor in recht bescheidenen Grenzen. Zurückhaltung ging heute in der Hauptsache von der Rede Schachts auf der Harzburger Tagung und von den Kombinationen, die man hieran knüpfte, aus. Gegenüber dem Samstag nannte man Kurse, die Steigerungen um 2 bis 3 Prozent aufwiesen, wobei Spitzenwerte die Führung innehatten. Angebot kommt nur in sehr kleinen Umfange heraus, da das Ausland nicht als Ab- g e b e r auftreten kann. Man kann wieder die Beobachtung machen, daß das Publikum geneigt ist, Pfandbriefe und andere Festverzinsliche abzuftoßen, um dafür Aktien mit hohem Kurswert einzutaufchen. Infolgedessen hörte man für Pfandbriefe eher schwächere Kurse. Ausgesprochen fest in Berlin. Berlin, 13. Okt. (WTB. Drahtmeldung.) Da auch heute bei den Banken wieder verschiedene Kauforders vorlagen, war die Stimmung im Verkehr von Bureau zu Bureau schon von den ersten Vormittagsstunden an ausgesprochen fest. Der Hauptgrund dieser Bewegung war das weitere Bestreben, in Sachwerte hineinzukommen, zumal noch in den letzten Tagen auf Grund der Steuer- omncftic verschiedene Geldbeträge frei geworden fein dürsten. Bei den weiter kehlenden Auslandverkäufen trat die Enge der Märkte noch stärker in Erschei- nunfl, und es ist nur bedauerlich, daß die Kundschaft über den Freiverkehr durch die Presse nicht unterrichtet werden darf, weil dadurch für sie die Möglichkeit einer Kontrolle, ob ihr günstige Kurse an- gerechnet werden, vollkommen fehlt. Die politische Unsicherheit hinsichtlich der heutigen Reichstagseröffnung hatte keinen Einfluß auf die Tendenz, ebenso störte es wenig, daß seitens der Auslandbörsen Anregungen fehlten. Die überraschend gekommene Abdankung des preußischen Finanz- Ministers war sogar eher mit ein Grund für die vergrößerte Effektennachfrage. Bis zur Wiederbesetzung des Postens des Finanzminifters wurde der Minister für Handel und Gewerbe Dr. Sch reibet mit der Leitung der Geschäfte beauftragt. Während Aktien zu bis zu 1 bis 2 v. H. über gestern liegenden Kursen gesucht waren, lagen Pfand, briefe nur etwa behauptet und Anleihen sogar eher schwächer. Aus Bankkreisen erfährt man, daß die Zeichnungseingänge auf die neue steuerfreie Reichsbahnanleihe ganz zufrieden- st e l l e n d sind. Es wurde heute seitens der Deutschen Reichsbahngesellschaft nochmals darauf hinge- roiefen, daß der Zweck dieser Emission der wäre, Arbeit und Brot für die Arbeitslosen zu schaffen. Die scharfen Devisenvorschriften in Oesterreich und die gesperrte Ausfuhr des Schillings hatten schon gestern international zu einer Besserung der Devise Wien geführt. Ergänzend teilt die Oesterreichische Nationalbank noch mit, daß unter den nach der De- visenverordnung bei ihr angemeldeten Auslandgut- Haben nur Guthaben bei ausländischen Bankenfirmen und sonstigen Kreditunternehmungen zu verstehen sind. Heute wird die Situation für die Oesterreichifche Notionalbank auch deshalb noch günstiger beurteilt, weil die BFZ. nun auch den 190-Millionen-Schilling. Kredit um drei Monate verlängert hat. In Londoner Finanzkreisen wird erwartet, daß auch die Süd- asrikanischeUnion gezwungen sein wird, dem Beispiel von Rhodesia zu folgen und den G o l d - standard zu suspendieren. Die internationalen Devisenmärkte lagen heute sehr ruhig und ohne große Beränderungen. Oie gestrigen Auslandsbörsen. An der Londoner Börse war die Grundtendenz gestern bis zum Schluß zuversicht - l i ch, doch neigten die Kurse im allgemeinen zur Schwäche. Die Stimmung an der Amsterdamer Börse blieb lustlos, das Publikum fehlte fast gänzlich am Markte. An der Pariser Börse wurde nach un- s che er Eröffnung d'e Stimmung später freundlicher, die Kurse zogen zum Teil stärker an. Am internationalen Devisenmarkt lag das Pfund ziemlich stabil bei 3,88 gegen den Dollar. Dur in Amsterdam konnte cs sich auf 9,57 befestigen, da man einen Sieg der Konservativen Partei bei den kommenden Wahlen erwartet. Infolge des gestrigen Feiertages in Aeuyork ist der Devisenmarkt durch das Fehlen von Meldungen aus Aeuyork sehr ruhig, größere Veränderungen sind kaum zu verzeichnen. Sehr schwach liegt Helsingfors mit 191 gegen das Pfund, nachdem es sich am Samstag noch auf 160 gestellt hatte. In Amsterdam war die Reichsmark im Zusammenhang mit der Harzburger Tagung und den Erklärungen Dr. Schachts recht schwach, sie ging auf 56.75 nach 57,50 am Samstag zurück; auch in der Schweiz wurde die Reichsmark mit 117,75 gegen 118.50 niedriger bewertet, während sie in London mit 16,68 kaum verändert war. Wiedereröffnung der Kopenhagener Wertpapierbörse. Kopenhagen, 12. Okt. (WTB.) Die hiesige Wertpapierbörse, die seit dem 21. September geschlossen ist, wird am Donnerstag, 15. Oktober, wieder geöffnet werden. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. Banknoten. 12.Of ober 13.Oktober Sinnliche CRohening Amtliche Notierung Seid Sriet Geld Sricf Helstngfor» . 8.99 9.01 8.49 8.51 Wien. . . . 54.45 54.55 54.95 55,05 Prag . . . 12.468 12.488 12.467 12.487 Budapest . . 73.28 73.42 73,28 73,42 Sofia . . . 3.072 3.078 3,072 3,078 Holland . . 170.33 170.67 170,53 170.92 £«lo .... 92.91 93.09 92,91 93.09 Kopenhagen. 93,16 93,34 93.16 93,34 Stockholm 97.40 97,60 97,90 98.10 London. . . 16.30 16.32 16.30 16,34 Bueno- Aires 0,873 0,877 0,913 0,917 SReunort . . 4.209 4,217 4.209 4.217 B rüffel. . . 59.04 59,16 59.04 59,16 Italien. . . 21,63 21,67 21.63 21,67 Bari« . . . 16.67 16,71 16,67 16,71 Schweiz . . 82.52 82.68 82,59 82.68 Spanien . . 37,91 37,99 37,86 37.94 Danzig. . . 82,07 82.23 82.27 82.43 Japan . . . 2,078 2,082 2,078 2,082 Rio ve Ian.. 0,214 0,216 0,219 0,221 Jugoslawien. 7,473 7.487 7,473 7.487 Lissabon . . 14,84 14,86 14,84 14,86 Srrlin, 12 Ol ober Geld Dries -Ämerllauitche Noten'....... 4.20 4,22 Belgische Noten......... 58.88 59.12 Dänische Noten......... 92.96 93,34 Englische Noten......... 16.26 16,32 Französische Noten........ 16.66 16,72 Holländische Noten........ 169.96 170,64 Italienische Noten........ 21.66 21.74 Norwegische Noten........ 92.71 93,09 Deutsch-Leslerreich, 1 100 Schilling 54.24 54,46 Rumänische Noten........ 2.51 2.53 Schwedische Noten........ 97,21 97,59 Schweizer Noten......... 82,34 82,66 Spanische Noten......... 37,72 37.88 Ungarische Noten........ 72,75 73,15 Rindermarkt in Gießen. Auf dem heutigen Rindermarkt standen 865 Stück Großvieh, 80 Stück Fresser und 223 Kälber zum Verkauf. Es kosteten Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 350 bis 430 Mark 2. Qualität 250 bis 320 Mark, 3. Qualität 150 bis 200 Mark Schlachtkühe 50 bis 300 Mark, Rinder, bis Xjährig, 70 bis 130 Mark, bis 2jährig 100 bis 200 Mark, tragend 200 bis 380 Mark, Kälber, das Pfund Le- bendgewicht 30 bis 36 Pf. Ausgesuchte Tiere über Notiz. — Marktverkauf: sehr schleppend, etwas Ueberftand. Gießener Wochenmarktpreise. Cs kosteten aut dem heutigen Wochenmarkt: Butter 120—140, Pf. das Pfund, Kochbutter von 110 Pf. an das Pfd., Matte 30—35 Pf. das Pfd., Eier 11—12 Pf. das Stück, Käse 10 Stück 60 bis 140 Pf., Wirsing 8—10, Weißkraut 6—7, Rotkraut 8—10, Gelbe Rüben 8—10, Rote Rüben 8—10, Spinat 20—25, Römischkohl 8—10, Dohnen 15-25, Anter-Kohlrabi 5—6, Rosenkohl 25-30, Feldsalat 8—10, Tomaten 25—30, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 35—70. Kürbis 5—6, Pilze 20 bis 25, Kartoffeln 3,5—4, Falläpfel 3—4, Aepfel 8—10, Dirnen 8—15, Dörrobst 30—35, Preiselbeeren 30—35, "Brombeeren 30—35, Pfirsiche 40 bis 60, Zwetschen 8—10, Honig 40—50, Aüsse 25 bis 30, Junge Hähne 90—100, Suppenhühner 80 bis 100, Gänse 90—100 Pf. das Pfund, Tauben 50—60, Blumenkohl 30—70, Salat 10—15, Salat- gurken 15—25, Endivien 10—15, Ober-Kohlrabi 8—10, Lauch 5-10, Rettich 10—15, Sellerie 10 bis 40 Pf, das Stück, Radieschen 10—15 Pf. das Bund, Kartoffeln 2,80—3,00, Aepfel 4—6, WeihWenn MrrrMen auseinandergehtt Roman von I. Schnewer-Joerstl. Urhebcrrechtsschutz V e r l a g O. M e i st e r, Werdau. 10. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Dieses Jahr tarnen Aga und Rosrnarie nicht nach der Steppe. Rosrnarie hatte sich bei einem Ausflug das rechte Fußgelenk verletzt. Die Heilung war langwieriger, als der Arzt gehofft hatte. Den halben Sommer über muhte die Sechzehnjährige stille liegen, und als es ihr endlich erlaubt war, aufzustehen, ging es nur mit Mühe und auf zwei Stöcke gestützt. Es war eine harte Geduldprobe für das Kind. Auch Grohmutter Horvath wartete vergebens auf den Enkel. Er weilte in Amerika und schrieb, er würde auch noch den folgenden Winter über dort bleiben. Er sei Verträge eingegangen, die er nicht lösen wolle. Die Greisin las die Zeilen und wußte doch, daß er ihr den wahren Grund seines Fernbleibens verschwieg. Es gab eben Dinge, die ihre Zeit brauchten bis man darüber hinweg- lam. 3m Spätherbst, als die ersten kalten Winde den schwarzen Staub der Steppe vor sich her- trieben, klopfte Ianos zur Abendzeit, den Kleinen auf den Armen tragend, an Gunnar Bo- sanyis Türe. Raja öffnete und erschrak so sehr, dah ihr Gesicht ganz blutleer wurde. Der Hirte sah sie nicht und blickte nur zu Do- sanyi hinüber, der auf der Dank neben dem Ofen saß und seine Pfeife rauchte. ..Herr, Ihr sagtet einmal, ich dürfte kommen, wenn ich irgend etwas brauchen sollte. — Das Kind friert." -Lange genug hat es gedauert, bis du den Weg zu uns gesunden hast!" schalt der Gutsherr. lind wieder wie damals streckten sich RajaS Hände dem Kinde entgegen, das sie aus großen, verwunderten Augen ansah. Die Wangen waren ihm blau gefroren von der kalten Luft, und die Händchen zitterten im Frost. Sie drückte es an sich, hauchte über die steifen Fingerchen und fetzte es dann behutsam in die Ecke des Diwans, der unweit des großen Kachelofens stand. ..Gib ihm etwas Heißes zu trinken!" befahl Bosanyi. ..Cs klappert ja vor Kälte." Raja lief nach warmer Milch, brachte eine Decke und hüllte den Knaben hinein. Er trank gierig, strampelte vor Vergnügen und wühlte die kleinen Finger in ihr schwarzes Haar „Vater!" Eie wandte sich halb nach rückwärts. wo Bosanyi saß. ..Darf ich ihn behalten den Winter über — wenn Ianos es erlaubt?" Der Gutsherr nickte zustimmend, sah nach dem Hirten, der unbeweglichen Gesichtes an der Türe stand und lachte: „Im Frühjahr kannst du dir das Kind wieder holen. Vielleicht hat Raja bis dorthin satt an dem Bengel." Das Mädchen sah nicht auf, kniete vor dem Diwan und war ganz in das süße Gesichtchen versunken, aus dem zwei tiefschwarze Augen in die ihren blickten. In ebensolchem Schwarz glänzte das seidige Haar, das in die mattweiße Knaben- ftirne fiel. Erst als Ianos sein „Gute A-acht" sagte, schnellte sie auf, lief auf ihn zu, preßte seine Hände zwischen den ihren und stammelte leise: „Ich werde es dir nie vergessen! Aie!" Er sah an ihr vorüber nach dem Kinde und von diesem nach Bosanyi, nickte und ließ die Türe hinter sich ins Schloß fallen. Der Gutsherr hatte ein Lächeln um den Mund. „Run hast du was zu verhätscheln, Raja. Das ist ein Spielzeug, wie es für Frauen paßt. Hoffentlich hast du nicht zu bald genug daran." Sie schüttelte den Kopf, nahm das Kind auf die Arme und begann damit hin und her zu gehen. „Meine Wiege steht noch immer da oben unter all dem Kram, Väter", sagte sie, unablässig das Kind schaukelnd. „Wenn du erlaubst, hole ich sie herunter und stelle sie in meine Stube. Ich möchte, daß der Kleine neben mir schläft." Bosanyi hatte keine Widerrede. Die Freude war ihr zu gönnen. Zuweilen sah ihr ja das Leid noch aus den Augen. Was an ihm lag, würde er tun, damit sie endlich vergessen konnte. Als Raja an diesem Abend den Riegel an ihrer Zimmertüre vorstieß, das Licht löschte und unter die Decke schlüpfte, drängte sich ein warmes, weiches Körperchen an sie. Ein kleiner Mund lallte, zwei Händchen griffen nach ihren Wangen und ein winziger Fuß tastete ihre Schenkel entlang. Die Decke weit über sich und das Kind hinauf» gezogen, riß sie das kleine Wesen an sich, überströmte das beiße Gesichtchen mit Küssen, schluchzte unverständliche Worte in das Dunkel und kam erst zur Besinnung, als der Knabe zu meinen begann. .Mein Herzenskind! Mein Gottesgeschenk! Richt weinen, mein Kindchen, nicht weinen!" Gin Kirschenmund lallte dazwischen und die Händchen tasteten nach ihr. -Run bist du bei mir! CS darf dich mir keiner mehr nehmen Riemand weiß es. daß ich dir Mutter bin. Rur Ianos und ich Richt einmal er, der doch dein Vater ist, soll wissen, daß du fein Kind bist." Die Bewegungen des Kleinen wurden matter. Da» Stimmchen verlöschte. Das Köpfchen lag schlaftrunken reglos und die Händchen waren still auf ihre Brust gelegt. Sie schlug die Decke zurück und betrachtete den schlafenden Knaben in Entzücken und Bewunderung. Das war nun ihr Eigen! Das ihre ganz allein! Lind niemand wußte darum. Sie durfte es haben und keiner schmähte sie. Sie durfte sich satt trinken an seinen Küssen, und keiner verachtete sie deshalb. Lind wieder glitt ihr Mund, diesmal aber nur wie ein Hauch, über den kleinen, lächelnden Kindermund hin. Gegen Morgen erwachte sie und fror. Das Kind hatte die Decke abgewälzt. Behutsam zog sie die Decke wieder hoch. In dem fahlen Licht, das durch die beiden Fenster tarn, suchte sie in dem Antlitz, das gegen ihre Schulter lag. Richts, gar nichts ließ erkennen, daß sie seine Mutter war. Jeder Zug in ihm verriet den Vater. Er würde ganz werden wie Guido. Sie preßte die Lippen aufeinander. Hassen wollte sie, aber es wurde immer wieder Liebe daraus! Fluch wollte sie sprechen, und sie stammelte ein Segenswort für den Mann, der auf all ihre Bitten um eine Zeile aus seiner Hand nur Schweigen für sie hatte. Seit er gegangen war, erreichte sie nicht ein Wort der Liebe, nicht eine Karte, die ihr ein Lebenszeichen von ihm gab. Ganz allein hatte sie alles durchdulden müssen, ohne jeden Trost, ohne jede Hilfe. In ihre Augen kam ein Flimmern. Darum sollte er auch nie wissen, wer in dem Kinde her- anwuchs. Vielleicht würde er sie nur schmähen darum. Ianos war verschwiegen. Lind die Schuld, die sie gegen den Vater trug, büßte sie schwer genug mit ihrer Gewi'sensqual. Müde glitt ihr Kops wieder auf die Kissen und ihr schwarzes Haar vermischte sich mit dem des Knaben, der friedlich an ihrer Seite lag. Die Zeit verging. Klein-Lido, tote Ianos das Kind genannt hatte, streckte die Händchen nach den wirbelnden Flocken des Weißen, körnigen Schnees, der vor den Fenstern herab zur Erde tanzte. Er kreischte auf, wenn Gunnar Bosanyi ins Zimmer trat und ihm eine^Hand voll Rüsse in den Schoß warf, oder wenn draußen am Tor die Schellen der Pferde klingelten. Der Knabe hatte Sinn für Musik. ..Wie sein Vater!" dachte Raja in Angst und Schrecken. Wie gut. daß niemand darum wußte. Als das Frühjahr kam. überraschte Lido seine Mutter mit den ersten Schritten. Gleich einem ungeschickten Teddybär kam er auf sie zugewackelt, mit den Händchen nach der Kante der Dank greifend und in den Augen ein ständiges Suchen. wo er Halt fände. Sie riß ihn an sich und küßte ihn, big sie beide keinen Atem mehr sanden. traut 3—3,50, Wirsing 5, Rotkraut 6 Mark per Zentner. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 12. Okt. Die Marktlage im hiesigen Eiergeschäit war während der ganzen vorigen Woche sehr ruhig und ohne jede Veränderung. Die Zufuhren waren infolge der Auswirkungen der englischen Währungskrise recht g r o ß , da sowohl Holland, als auch Polen, sowie andere osteuropäische Lieberschußgebietc als Ersatz für den verlorengegangenen englischen Markt versuchen, ihre Ware im deutschen Reichsgebiet unterzubringen. Die Preise blieben gegen die Vorwoche gut behauptet, obwohl der Absatz an den Konsum nach wie vor sehr schwach war. Die Zukunftsaussichten für das Geschäft sind nicht günstig, da einmal mit einer weiteren Abnahme der ohnehin schon stark geschwächten Kaufkraft weiter Derbraucherschichten gerechnet werden muß und zum andern in den nächsten Wochen das Angebot der Kühlhauseier hinzukommt. Eg notierten in Pfennig per Stück ab loco Frankfurt a. M.: Bulgaren 10,00—10,50, Jugoslawen 9,75—10,00, Rumänen 9,75—10,00, Russen 8,00—9,00, Polen 9,00—9,50, Holländer 11,50—13,50, Dänen 11,50 bis 13.50. Bayern 10,00—10,50, Dt. Frischeier 11,00 bis 13,00, in- und ausländische Mittel» und Schmuheier 7,5—8,5 Pf. pas Mite N tfr 140 fes» r-S&SS Zatsche Hundert-Lire Scheine. Zwei Italiener verhaftet. WSN. Frankfurt a. M., 12. Okt. Am Wechsel» schalter am Hauptbahnhof versuchten hier wohnende Italiener, einen falschenchunderl-Lire» S ch e i n zu wechseln. Durch die Zusammenarbeit der Slriminab und Bahnpolizei gelang es, in einem CafL zwei der beteiligten Italiener zu verhaften. Es handelt sich um schwere Jungen, die von einer ganzen Reihe Länder gesucht werden. Bei der Wohnungs- durchsuchung fand man schwer belastendes Material auch füo» andere strafbare Absichten. Zwei weitere verdächtige Italiener sind flüchtig gegangen. Zwei Tote bei einem Motorradunglück WSR. Hanau, 12. Okt. Zwischen den ober» hessischen Orten Langenbergheim und Cckards- hausen hat sich gestern abend ein schweres Motorradunglück zugetragen, das zwei Menschen leben gefordert hat. Ein Mo» torrad, aus der Richtung Büdingen kommend, rannte in einer scharfen Kurve beim Marienborner Hof gegen einen Baum und zerschellte. Der das Motorrad steuernde fünfzig Jahre alte Diamant'cAeifereibesitzer Franz Rei - s e r aus Hanau und der auf dem Soziussitz befindliche 24 Jahre alte Landwirt Wilhelm Kraushaar aus Langenbergheim trugen so schwere Verletzungen davon, daß sie sofort verschieden. Letzte Nachrichten. Auch die Deutsche Vollspartei dementiert. Berlin, 13. Okt. (CBB. Funkspruch.) Rach einer Steuerung der Rationalliberalen Korrespondenz haben — entgegen den Behauptungen der .frankfurter Zeitung" — Vertreter des Cangnamoereine den Parteiführer der Deutschen Volkspartei, Abgeordneten Dingeldey. kein politischesvltimatum gestellt. Auch sei v o n keiner Seite der Gedanke einer Inflation mit einem solchen Ultimatum an die Partei verbunden worden. Die Deutsche Volkspartei wurde solche Methoden auch auf das entschieden st e ab lehn en. währungspolitische Experimente aller Art fänden bei der Beichstagssraktion und ihrer Führung entschiedenen widerstand. Lind wieder lachte Gunnar Bosanyi. Raja hatte so etwas gebraucht, das ihre Tage auS- füllte und ihre Rächte licht machte; etwas, daS sie lieben durfte im Lleberschwang. Der andere war vergessen. Er hätte Schwüre darauf geleistet, dah es so sei. Als die ersten warmen Sommertage kamen, erschien Ianos und erbat sich das Kind zurück. Rajas Gesicht erblaßte. Bosanyi schalt. „Laß es ihr doch!" Die Hände des Mädchen- hoben sich. Ihre Augen bettelten. Als der Gutsherr für einen Moment aus dem Zimmer gerufen wurde, raunte er ihr leise zu: „Lieber acht Tage kommt Guido Horvath zurück. Ich weiß es von seiner Großmutter. Soll er das Kind bei dir finden? ®r würde es nicht glauben, daß es nicht da- deine ist und wenn du einen Berg von Lügen für ihn bereit hältst." Raja wurde unsicher. Die Folge war. daß sie nach zwei Tagen fürchterlichen Kampfes mit sich selbst den Knaben m Ianos Hütte trug und ihn wieder der Fürsorge des Hirten übergab. Bosanyi wunderte sich. Aber Frauen waren oft unberechenbar. Die Sorge wegen Guido Horvaths Kommen war unbegründet gewesen. Er blieb nur zwei Tage. Ein einziges Mal kreuzten sich seine und Rajas Wege. Er blieb stehen und zog den Hut bis zur Erde. Mit einem hochmütigen Zurückwerfen der Schultern ging sie an ihm vorüber. Er machte einen Schritt auf sie zu, sah, wie ihr Blick ihn verächtlich streifte, wandte sich um und ging den Weg zurück, den er gekommen war. Bosanyi hatte also die Wahrheit gesprochen: Sie haßte ihn, haßte ihn um einer Schuld willen, die er gutzumachen bereit gewesen war. Wahrhaftig, sie machte es ihm nicht schwer, das Wort zu halten, das er Bosanyi gegeben hatte, ihre Wege nie mehr zu kreuzen. Zwei Tage später reifte er wieder. Lind abermals ging der Sommer. Rosrnarie hatte nur ein paar Wochen in der Steppe verbracht und die übrige Zeit bei einer Freundin in der Schweiz geweilt. Sie ging in ihr Achtzehntes und war kein kleines Mädchen mehr. Aga mußte das wohl oder übel einsehen und ihr in vielen Dingen freien Willen laUen. So wurde es Herbst und abermals Winter. Klein-Lldo trug die ersten Hosen, sah wie ein Prinz auf dem Rücken der kleinen Stute, die Ianos für ihn ausgesucht hatte und brüllte, wenn ihn einer festhielt. „Er hat Rasse", lobte Bosanyi. „AuS dem Burschen wird etwas." Rajas Herz schrke aus. Wie sein Vater! Es war Schreck und Freude zugleich in ihr. (Fortsetzung folgt.) : "«gierige Blicke i trti überhaupt nid; ltA ihr Entree auj .toemuniften, b gehabt hallen, | .•■Ito Zurückhaltun tx. tr fir Son unserer Be fr.«*spricht: « Erschafft dem Seid -3 mehrmonatiger Pa> r Lebenszeichen van I' k-c der Session eines ML Dicht ganz so jgfaei ermattet hatte. £ Lunifttoer Elemente f 4 glich der Deichsta; Iting. wenn man sich; sehr viel Pol i .„.gPublikumv Hfcmmclt Lin so vol fcnfo mie auch die De; an den beiden Flü; j^tschnationale fiten wollten sich zum Haltungen beteiligen. - |m he einen feierlichen In Leptemberwahlen ! «il einiger Spannun g<$. Hur Wurde au-d bLtl Sie Dechte begir < Atollen in deut v. r) die große Mc und nur hin un fHcmarfd) erschienen, •hvwgfix rinmÄnlro D 'chiiags durch hie ’b indessen llvhdem fiel unter den Tisch, s billig früher Stunde Itltcn konnte. 2r. Srüning ha fcft gesprochen, als »itb Srüning und jeirfgetretene Sabine frt Heine Zäsur einge; ■"-M für einen Kor Merkwürdig aber f tei Solle der Redner i ’lärung her ne f M«, nüchtern, fach S E'ch immer spricht, iliche Temperament f M Zum 2urd)brud “9nffe in der Berga fr - r Reichstag noch mell ausholenden G b-hschlagend, Zweifels rhetorische'Leiste - ,, ' Manches, was e ' ‘Mlnbct, verstau i»^S ®IUt k'tt. A Ne oerloi |V^b'e wohl überle ' " b,r ” («Welt SS’- b.?CatahonstraQc d°s i W “MflUbt j. " - E^de: IQir ^2as 5 & M ’T" k