Ur. 265 Erstes Matt Donnerstag, 12. November 1951 181. Jahrgang Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dri«f und Verlag: vrühl'fche Universttätr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schultrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20° , mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Biegen. Erschetni täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanfchliiffe anter5ammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gietzen. Postscheckkonto: Zranlsurt am Main 11686. Beamtenschaft und Notverordnung. Wie man uns mitteilt, wird die Lage der höheren Beamtenschaft nach drei Gehaltskürzungen in einer knappen Broschüre dargestellt, die von Dr. B o h l e n verfaßt ist und soeben vom Reichsbund der höheren Beamten herausgegeben wurde. Den statistischen Zusammenfassungen und kurzen erläuternden Worten der Broschüre liegt eine unter der höheren Beamtenschaft veranstaltete Erhebung zugrunde, die die Gehaltseinbuße und die dadurch nötig gewordenen Einsparungen in den Haushalten der höheren Beamten zu ermitteln suchte. Das umfassende Material (6000 bis in die letzten Einzelheiten beantwortete Fragebogen) berechtigt zu allgemein gültigen Rückschlüssen. Die Erhebung zeigt zunächst unwiderleglich, daß schon die beiden vom Reiche am 1. Dezember 1930 und 5. Juni 1931 angeordneten Kürzungen der Beamtengehälter den höheren Beamten den gesamten Ertrag der Besoldungsreform von 1 9 2 7 ft riehen, ja, ihnen sogar in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle einen Verlust brachten, der den Gewinn von 1927 empfindlich übersteigt. Dieser einschneidenden Verminderung des Einkommens steht eine zunehmende Verteuerung der Lebenshaltung der höheren Beamtenschaft gegenüber. Der amtliche Lebenshaltungsindex ist keine wirkliche Meßzahl für die Lebenshaltung einer Familie des gebildeten Mittelstandes. Gerade die Ausgabeposten, die den Aufwand für einen solchen Haushalt entscheidend beeinflussen, werden vom amtlichen Index überhaupt nicht oder nicht in genügendem Maße erfaßt. So liegen noch immer weit über dem Index oder sind in dauerndem Steigen begriffen die Ausgaben für Bücher und Zeitschriften als dem Rüstzeug für geistige und damit berufliche Fortbildung, die Ausgaben für die Erziehung der Kinder (Schulgeld feit 1926 ungefähr verdoppelt, Universitätsgebühren erhöht), Steuern und Abgaben (Soziallasten für Hausangestellte) und vor allem die Ausgaben für die Wohnungsmiete. Angesichts der Steigerung der Mieten wirkt es wie eine Ironie, daß mit dem Gehalt auch das Wohnungsgeld gesenkt wurde! Dieses Mißverhältnis zwischen der dauernd fortschreitenden Kürzung der Bezüge und der dauernd fortschreitenden Steigerung der Hauptausgabeposten hat die höhere Beamtenschaft zu einer radikalen Einengung der Lebenshaltung gezwungen. Die umfangreiche Tabelle der von 6000 befragten höheren Beamten vorgenommenen Einsparungen zeigt, wie die höhere Beamtenschaft unaufhaltsam aus einer Kulturschicht abgleitet, in die sie nach Vorbildung und Leistung eingereiht werden sollte. Mehr als drei Viertel der höheren Beamten müssen ihre Zuflucht zu einer empfindlichen Einschränkung der Kulturausgaben nehmen. Die seither im Interesse des Dienstes üblichen Aufwendungen für Fortbildung müssen gestrichen, auf die Teilnahme an beruflichen Tagungen muß verzichtet werden. Die Tagung Deutscher Philologen und Schulmänn-r fiel in diesem Jahr wegen Mangel an Anmeldungen aus, der Deutsche Iuristen- tag litt unter auffallend schwachem Besuch. Die Entlassung der Hausangestellten, zu der über ein Drittel der befragten höheren Beamten gezwungen war, der Umzug in eine billige Wohnung, die Herabsetzung des Wirtschaftsgeldes und ähnliche Maßnahmen kennzeichnen ebenfalls den sozialen Abstieg der höheren Beamtenschaft. Ein beträchtlicher Teil der höheren Beamten muß schon zu dem letzten Mittel greifen und die Ausgaben für die Erziehung der Kinder einschränken; das bedeutet einen im Interesse des Volksganzen bedenklichen Verzicht auf die Ausbildung wertvoller geistiger Erbanlagen. Wer trägt den Schaden dieser den höheren Beamten aufgezwungenen Einsparungen? Bohlen berechnet auf Grund der Ergebnisse der Umfrage, daß rund 100 000 höhere Beamte zu einer jährlichen Einsparung von 120 Millionen Mark gezwungen sind. Um diese Summe hat man innerhalb eines Jahres die wirtschaftliche Kraft des höheren Beamtentums gesenkt! Diese Summe geht ,ahr- lich der d e u t s ch e n W i r t s ch a f t v e r l oren — als Folge falscher Maßnahmen „zur Sicherung der ^Das^etzte Kapitel der Schrift- stellt die Kürzungsmaßnahmen zusammen, die die Länder ihren Beamten auf Grund der Reichsnotoerordnung vom 25 August 1931 aufbürdeten. Diese Kurzungen durch die Länder trafen ein Beamtengehalt, das schon durch das Vorgehen des Reichs bis unter den Stand von 1927 gesunken war. Die Broschüre deckt das Chaos auf, das durch d i e W i l l k u r d e r L a n - dermaßnahmen entstanden ist, und brandmarkt den B e f o l d u n g s w i r r w a r r, der den Gedanken der Reichseinheit und Rechtseinheit Hohn spricht. Die Länder waren geradezu bestrebt, einander tn der Vielfältigkeit und Variation der Kürzungsmethoden zu überbieten, ^aß Hessen in diesem Wettbewerb an vorder st er Stelle steht, ist nun durch die Broschüre einwandfrei festgestellt. Da findet sich z B. eine Tabelle, die die Gesamtkürzung verzeichnet die nach dem augenblicklichen Stand des Monatsgehalts eines verheirateten höheren Beamten der Normalgruppe mit zwei Kindern in der Orts- klgsse B und der dritten Gehaltsstufe erfährt; in dieser Tabelle steht Hessen mit einer Gehaltskürzung um 30 5 v. H. einsam an der Spitze ! Auch die Tabelle der Kürzung der Anwärterbezuge zeigt, daß man in Hessen am rigorosesten vorging. Die durch die Sachlichkeit, mit der sie Zahlen und Tatsachen reden läßt, besonders eindrucksvolle Broschüre schließt mit dem Verlangen nach schleunig st e r R e v i s i o n dieser unheilvollen, wirt- schaftsschädlichen und staatsgefährlichen Kurzungs- politik. Für Hessen wäre dieser Forderung die andre anzureihen: schleunigste Aufhebung aller Reichsregierung und Zinsproblem. Falsche Gerüchte. — Eine Senkung der Zinsen kommt im Wirtschastsbeirat zur Sprache. Berlin, 11. Roo. (END.) Zu der gestern von der Reichregierung herausgegebenen Erklärung, dah die Gerüchte über eine beabsichtigte Zwangskonvertierung für deutsche Werte unzutreffend seien, erfahren wir von unterrichteter Leite, dah die Reichsregierung gestern nachmittag wiederholt telephonisch aus Reuyork ungefragt worden ist. ob die Nachrichten über eine beabsichtigte Zwangskonoertierung zuträfen. Um der in Reuyork entstandenen Beunruhigung entgegenzulreken, hat die Reichsregierung osort die Erklärung abgegeben, dah an diesen Gerüchten kein wahres Wort sei. Wie wir weiter aus Kreisen des Reichsfinanzministeriums hören, ist die Frage der Zinsherab- chung lediglich in völlig unverbindlichen und zwangslosen Unterhaltungen innerhalb der beteiligten Kreise erörtert worden. Selbstverständlich ist auch diese Frage im Rahmen der Erörterung über die Faktoren der Selbstkosten im Wirtschaftsbeirat besprochen worden, da die Zinsen genau so gut wie die Rohsloffpreise, die Löhne, die Frachten und die Abgaben zu den Se l b st kost e n- faftoren gehören. Es besteht aber bei der Reichsregierung in keiner Form irgendein Gedanke, der aus eine jroangsmäfjige Zinsherabsehung gerichtet ist. Die Reichsregierung ist sich genau so gut wie jeder andere Wirtschaftssachverständige bemüht, dah eine generelle Zinssenkung d i e einschneidend- st e n Auswirkungen auf die gesamte Kreditgebarung haben muh. Das Bankiergewerbe warnt vor Experimenten. Tic Gefahren einer Zwangslonvertierung von Anleihen. Berlin, 11. Rov. (WTD.) Der Borstand des Centralverbandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes (E. D.) hat sich in eingehender Beratung mit der Frage der Zinssenkung beschäftigt. Es wurde festgestellt, daß die Reichs- regierung sich mit dem bei ihr von privater Seite angeregten Gedanken einer Zwangs- konvertierung von Inlandanleihen nicht identifiziert und dah niemals von irgend welcher Seite auch nur erwogen worden ist, Auslandanleihen zu konvertieren. Der Centralverband begrüht dies und warnt auch seinerseits auf das dringendste vor irgendwelchen Experimenten auf diesen Gebieten. Ihre bloße Erörterung hat bereits zu einer beklagenswerten, hoffentlich nunmehr beseitigten Erschütterung des Vertrauens geführt. Man war darüber einig, daß es Pflicht aller Mitglieder des Centralverbandes und ihrer Berufsorganisation ist, die an dem Besitze festverzinslicher Werte beteiligte Bank kund schäft in der Abwehr einer Gefährdung ihrer Rechte zu unterstützen und alle Maßnahmen zu bekämpfen, welche verbriefte Rechte ohne freiwillige Mitwirkung der Beteiligten anzutasten versuchen. Andererseits stellt der Centralverband seine Mitarbeit in vollem Umfange zur Verfügung, um zur Herabminderung des auf der deutschen Wirtschaft la st ende ckZi n s- d r u ck e s beizutragen, wobei er sich bewußt ist, dah die Zinssenkung nur einen Teil des gröheren Problems der Selbstkostensenkung bildet. Dementsprechend sind die erforderlichen Schritte eingeleitet worden. Cs I ist zu erwarten, dah es gelingen wird, Auswüchse des Geldverkehrs, welche dies Rotlage der Wirtschaft verschärfen und dem Ansehen des deutschen Kreditgewerbes Abbruch tun, in gemeinsamer Arbeit zu beseitigen. Verschärfung der Devisenbewirffchastung. Der Handel mit ausländischen Wertpapieren und deutschen Auslandsbonds. Berlin, ll.Rov. (WTD.) Amtlich wird mitgeteilt: Trotz der straffen und in den letzten Wochen mehrfach vers'.ärktenDevisenbewirtschaftung halten die starken, über den Deviseneingang hinausgehenden Devisenanforderungen bei der Reichsbank auch neuerdings an. Insbesondere auf dem Gebiete des Effektenverkehrs fließen auch nach Schließung der Börse und nach Zustandekommen des Abkommens zwischen den Banken über die Effekten- Verkäufe vom Auslande her fortdauernd noch erhebliche Beträge ab. Unter diesen Um» ständen konnte die Reichsregierung an ihrem Bestreben, d i e Berfügungsbefugnis über ausländischen Cffektenbesih nicht einzuschränken, nicht mehr fe st halten. Auch die Gläubiger Deutschlands haben das stärkste Interesse daran, daß die Reichsbank in der Lage bleibt, die Vereinbarungen des Stillhalteabkommens auszuführen und für den regelmäßigen Zinsen- und Kapitaldienst der Auslandanleihen zu sorgen. Reichsregierung und Reichsbank müssen den ausländischen Gläubigern gegenüber heute ihre Hauptaufgabe deshalb darin erblicken, die nach dieser Richtung erforderliche Vorsorge zu treffen. Deshalb isst in einer 7. Durchführungsverordnung zur Devise nverordnung folgendes angeortnet toorLen: Während bisher der Handel mit ausländischen, an deutschen Börsen nicht notierten Wertpapieren genehmigung. Pflichtige ar, soll dies funitig aua) ,ur die deutschen Aus- landbonds gelten. Ohne Genehmigung sind nur Anschaffungen für den planmäßigen Anleihedienst zulässig. Der Erwerb ausländischer Wertpapiere, die in Deutschland amtlich oder im Freiverkehr notiert werden, also insbesondere der internationalen Arbitragepapiere, aus dem Auslande bedarf künftig der Genehmigung, während der Verkehr mit diesen Papieren im Inlande auch weiterhin unbeschränkt bleibt. Bisher war es den Ausländern, die ihre Wertpapiere im Inlande verkausten, möglich, den Erlös dafür ins Ausland übertragen zu lassen. Derartige Verkaufserlöse bilden von jetzt ab ein gesperrtes Guthaben, das ohne Genehmigung der Devisenbewirtschaftungsstelle nur zum Ankauf deutscher Wertpapiere verwendet werden darf. Jede andere Verfügung darüber ist genehmigungspflichtig. Die Genehmigung wird erteilt werden, wenn das Guthaben in anderen Kapitalanlagen im Inlande festgelegt werden soll. Oie neueren Fremdsprachen an den höheren Lehranstalten. Berlin, ll.Rov. (WTD.) In der Frage der Behandlung der neueren Fremdsprachen an den höheren Lehranstalten hat sich im Ausschuß für das Unterrichtswesen beim Reichsministerium des Innern nach nochmaliger Würdigung der Anschauungen, Verhältnisse und Wirkungen, die bei der Regelung zu beachten sind, wie gestern schon kurz gemeldet, eine starke Mehrheit für eine Vereinbarung der Länder ergeben, nach der Französisch in allen höheren Schulen die Anfangssprache fein soll. Dabei bleibt die Möglichkeit offen, das Englische als der Reihenfolge nach zweite moderne Fremdsprache durch verstärkten Betrieb in den höheren Klassen dennoch zur Hauptsprache zu machen. Die Vereinbarung trifft also nur für die Reihenfolge, nicht aber für das Ziel in der Behandlung der neueren Fremdsprachen einheitliche Bestimmungen. Die Frage, welche der beiden Fremdsprachen bis zum Abschluß der höheren Schulen das Uebergewicht erhalten soll, kann je nach dem Schultypus und den besonderen Bildungsbedürfnissen der Schülerschaft entschieden werden. Durch die einheitliche Gestaltung der Reihenfolge sollen die unerträglich gewordenen U e b e r g a n g s s ch w i e - rigteiten von einer Schule zur anderen, die heute vom ersten Schuljahr der höheren Schulen an für die Schüler bestanden, auf ein Mindestmaß zurückgedrängt werden. Eine weitere Vereinheitlichung besteht darin, dah die zweite moderne Fremdsprache in den Schulen, die mit Französisch beginnen, einheitlich in der Untertertia einsetzt. Ausgenommen von dieser Bestimmung ist wegen der Besonderheit ihres Lehrplanes und ihres Bildungszieles die Deutsche Oberschule. Die Vereinbarung sieht ferner vor, daß in allen Schulen, in denen die grundständige Fremdsprache Latein ist. Französisch als erste neuere Fremdsprache betrieben wird. Ein weiterer Vorschlag des Unterausschusses, im hu - manistischen Gymnasium den Beginn der modernen Fremdsprache einheitlich auf Unter- se kunda anzusetzen, ist fallen gelassen worden. Hier wird es bei der bisherigen Verschiedenheit des Beginns — in einigen Ländern in Quarta, in anderen in Untersekunda — bleiben. Es ist zu erwarten, daß die große Mehrheit der Länder sich der Vereinbarung anschließen werden. Es bleibt der Minderheit überlassen — wie das auch bei früheren Vereinbarungen der Fall war —, der Vereinbarung nicht zu folgen. Die Länder werden die Vereinbarung bis zum Schuljahr 1933/34 durchführen. Dieses Ergebnis stellt einen Fortschritt zur Uebertoin- dung der Zersplitterung des deutschen Bildungs- Wesens dar, ohne daß damit die Vereinheitlichung und Vereinfachung des deutschen Schulwesens schon zum Ziele geführt wäre. Vielmehr werden Reich und Länder zur Lösung dieser Aufgabe noch weitere Wege suchen müssen. Sondermaßnahmen und Wiederangleichung der hessischen Besoldung an die Reichsbesoldung! Ständig steigender Geburtenrückgang. Eine Denkschrift, die zum Nachdenken anregen mutz. Berlin, ll.Rov. (VDZ.) Der Reichsinnen- Minister hat dem Reichstag jetzt wieder eine Denkschrift über die gesundheitlichen Verhältnisse des deutschen Volkes zugestellt. Zu Beginn des Jahres 1931 betrug die Bevölkerungszahl im Deutschen Reich ohne das Saargebiet rund 64,48 Millionen. Der Geburtenrückgang halt trotz der zahlreichen jungen Ehen unvermindert an. Seit 1900 ist die Zahl der Lebendgeborenen von fast 2 Millionen auf 1 126 800 im Jahre 1930 ständig gesunken. Ter Geburtenüberschuß war 1913 noch fast doppelt so groß wie 1930. Die Denkschrift betont, daß unser Volk damit vielleicht schon tm n a ch st en Jahrzehnt einen völligen Stillstand des Bevölkerungswachstums und dann f o r t - schreitendeDevölkerungsverlu st e erleiden wird, deren Dauer und Ausmaß nicht abzusehen sind. , ,. r , . , , , r., Die Säuglingssterblichkeit hat sich, nachdem sie 1919 etwas zugenommen hatte, nach den vorläufigen Angaben für 1930 und 1931 wieder verringert. Einen noch stärkeren Rückgang weist die K l e i n k in d e r st e r b l i ch» I teil auf. Cholera, Gelbfieber und Pest find in den letzten Jahren in Deutschland überhaupt nicht aufgetreten. Bon den übrigen gemeingefährlichen Krankheiten wurden nur vereinzelte Fälle ermittelt. In einem Ausblick kommt die Denkschrift zu der Feststellung, daß die Quellen unserer Volkskraft allmählich zu versiegen drohen, da es an ausreichendemRach- wuchs mangelt. Angesichts der katastrophalen Folgen des Geburtenrückganges für die Zukunft müssen die aus der ständig zunehmenden Ueberalterung des Volkes entstehenden wirtschaftlichen und kulturellen Gefahren immer wieder in den Mittelpunkt gesundheitlicher Betrachtungen gestellt werden. In den Vordergrund treten gegenwärtig die Gefahren, die aus der steigenden Arbeitslosigkeit erwachsen, aus der sich allmählich eine schwer aufzuhaltende Rückwärtsbewegung des Gesundheitszustandes ergeben kann. Oer preußische Landtagspräsident Bartels +. Berlin, ll.Rov. (WTB.) Der preußische Landtagspräsident Bartels ist soeben gestorben. Er hatte sich am Mittwochvormittag einer Operation, die von Professor Sauerbruch vorgenommen wurde, unterzogen. Sein Zustand war jedoch nach wie vor ernst geblieben. In seiner Wohnung im Landtagsgebäude ist er dann Mittwochabend gestorben. Ministerpräsident Braun hat an Frau Bartels ein Telegramm gesandt, in dem er auch im Ramen des Staatsministeri'ums die herzlichste Anteilnahme ausspricht. Bartels stand im 61. Lebensjahre. Er war früher Maler, dann Gewerkschaftsangestellter und sozialdemokratischer Parteibeamter. Seit 1913 gehörte er dem Parteivorstand an. Don 1904 bis 1913 war er Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. Seit 1919 gehörte er als Vertreter des Wahlkreises Potsdamil der verfassunggebenden preußischen Landesversammlung und dem Landtage an. Seit 1925 war er Präsident des Preußischen Landtages. Estland drosselt die Einfuhr. Deutschland am stärksten betroffen. Reval, 12. Rov. (SU.) In der Rächt zum Donnerstag traten die Aussührungsbestirnrnungen zu einem Monopolgeseh in Estland in Kraft, von dem fast alle Textilien, Kosmetikas, Grammophonschallplatten, Radioapparate und Zubehör, ferner Fahrräder, Motorräder, Personenkraftwagen, landwirtschaftliche Maschinen, Kunstdünger, Luxus- und Galanteriewaren, Schuhwaren usw. betroffen werden. Insgesamt 41 Prozent der est ländischen Einfuhr sind mithin monopolisiert. Die Regierung teilt mit, daß sie bei der Einfuhr von Massengebrauchsartikeln keine Beschränkungen vornehmen wird. Bei den übrigen Warengattungen dürfte es sich jedoch, praktisch gesprochen, um ein Einfuhrverbot handeln. Dadurch wird besonders die deutsche Ausfuhr betroffen, da Deutschland mit 30 Prozent am stärksten an der estländischen Einfuhr betet» ligt ist. Die Estibank teilt mit, dah sie für solche Einfuhrwaren, die nicht zur Befriedigung drtn- gendster Bedürfnisse dienen, keine, Devisen zur Derfügung stellt. Gleichzeitig wird bekannt, dah die Estibank von einem gewissen Stichtage ab die im Ausland befindlichen Esti-Kronen- betrüge nicht mehr gegen die entsprechenden Devisen zurückkaufen wird. Als Stichtag für Berlin gilt der 13. November. Beträge, die nach diesem Tage bei den Korrespondenten der Estibank in Estikronen eingezahlt werden, werden von der Estibank nicht mehr in Reichsmark vergütet. Keine Fortschritte in Paris. Tie Verhandlungen über das Reparaiions- Problem werden in Berlin fongefühtt werden. Paris, ll.Noo. (TU.) Die großen Pariser Frühbl»tter stellen noch einmal geschlossen und wie auf höheren Befehl fest, dah die Verhandlungen, die seit einiger Zeit zwischen dem deutschen Botschafter von Hocjch im Austrage der Reichsregierung und den verantwortlichen französischen Ministern gepflogen werden, keinerlei Fortschritte gemacht haben. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Regierungen beständen nach wie vor in der Frage der Z u st ä n d i g k e i t d e s B a - feier Untersuchungsausschusses, die die Reichsregierung erweitert sehen möchte. Frankreich lehne diese Erweiterung ab, da es hierin ein stillschweigendes Zugeständnis einerseits erblicken würde, die privaten Schulden mit den Reparationen auf gleichen Fuß zu stellen oder ihnen sogar den Borrang zu geben. . Francois Poncet kehrt heute wieder nach Berlin zurück, wo er sich sofort mit Reichskanzler Brüning in Verbindung setzen wird. 3m .Echo de Paris" hebt man hervor, dah der französische Botschafter nunmehr in der Lage sei, die Reichsregierung über alle Einzelheiten des französischen Standpunkte- zu unterrichten. Das Blatt bedauert, dah bi» Hnterredung zwischen Hoesch und Driand durchaus keine neuen Gesichts- punkte gebracht habe und dah sich die Verhandlungen wie im Kreis drehten. - Das „3 o u r - n a l" fragt, worauf man in Deutschland noch warte, um endlich brauchbare Vorschläge zu unterbreiten. Man dürfe in Deutschland mcht so naiv sein, zu glauben, dah Frankreich sich jemals der Behauptung der vollständigen Zahlungsunfähigkeit Deutschland anschliehen werde. — Der .Petit P a r i s i e n" wendet sich ebenfalls gegen jede Abänderung des Haager Abkommens. Frankreich sei sicherlich bereit, gewisse Zugeständnisse während der Zeit der wirtschaftlichen Krise zu machen. Es sei auch bereit, bei der Prüfung der Zahlungsfähigkeit die Privatschulden zu berücksichtigen. Es werde aber niemals zugeben können, dah zwischen diesen privaten Schulden und den Reparationen irgendein Zusammenhang aufgestcllt werde. — Der .Figaro" ist der Auffassung, dah Frankreich keinesfalls einen Centime zugunsten der amerikanischen undenglischenGläu- biger Deutschlands opfern dürfe. Wenn Deutfchland Garantien und Pfänder für die kurzfristigen Kredite geben könne und den Ausfuhrüberschuh zur Rückzahlung dieser Kredite verwende, so müsse eS auch gegenüber den Reparationen in der gleichen Lage sein. Auch England wi!l bezahlt werden. Der Wettlauf zwischen Privattrcdiien und Reparationen. London, ll.Rov. (WTD) Der Arbeiterführer Wedgwood, erklärte sich im Unterhaus gegen eine Stabilisierung desPfun- des auf seinen ursprünglichen Wert, da doch daS Fallen der englischen Währung die britischen Exporteure in die Lage verseht habe, mit den anderen Ländern auf gleicher Grundlage in Wettbewerb zu treten. Damit sei aber die Frage des Schutzzolles in ein gänzlich anderes Stadium getreten, weil ja das Fallen des Pfunde« auf die Einfuhr aller nach England kommenden Waren wie ein Zollwirke. Darüber seien die Franzosen natürlich keineswegs erfreut und sie hätten, im Gegensatz zu ihrer früheren Haltung, England jeden Betrag zur Stützung seiner Währung angeboten, als sie sahen, welche Folgen der Entwertung des Pfundes für die Welt nach sich zog. Wedgewood richtete hierauf die Aufmerksamkeit deS Hauses auf die Gefahr, die drohe, wenn Deutschland im nächsten Februar seine Kredite zurückzuzahlen habe. Er erklärte, eS könne niemand, der die deutschen Finanzen studiert habe, glauben, dah Deutschland imstande sei, die drei Hauptposten seiner Verbindlichkeiten, nämlich die Reparationen, die Schulden an Amerika und die eingefrorenen Kredite, zu bezahlen. Hoffentlich werde nicht England diese Suppe auslöffeln müssen. Laval treffe bereits Vorkehrungen, um die Bezahlung der Frankreich geschuldeten Reparationen zu erhalten. Auch die britische Regierung müsse Sorge tragen, dah England cbenfogute Chancen aufDe- Gablung im Februar habe wie alle anderen. Angesichts der Tatsache, dah da- englische Geld vorgestreckt worden sei, um Deutschland im letzten 3uli vor dem Bankrott zu retten, habe England ein stärkeres Recht auf Bezahlung alS alle anderen Staaten, insbesondere als die Franzosen mit ihren Reparationsforderungen, die sie befriedigender hätten regeln können, wenn sie das Hoover-Moratorium rechtzeitig angenommen hätten. Verschärfung der Lage in Tientsin. London, 10. Rov. (TH.) Die Lage in Tientsin hat sich erheblich verschärft. Die Polizei ist auherstande, die Aufständischen in Schach zu halten. 3n der Rähe der japanischen Konzession wurden 500 Schüsse abgegeben. Am Dienstagabend stürmten 200 Aufständische d i e chinesische Rankai-Hniversität, die in der Rähe der japanischen Konzession gelegen ist. Die sranzösische Garnison steht in Bereitschaft, um Angriffe auf die französische Konzession abzuweisen. Sine Bekanntmachung des Bürgermeisters von Tientsin stellt die Lage als weit gefährlicher al- In der Rächt vom Sonntag zum Montag dar. Die Geschäfte sind sämtlich geschloffen. Die städtische Verwaltung ist in die frühere deutsche Konzession verlegt worden. Sin japanischer Zerstörer ist in Tang tu eingetroffen, ohne jedc^h Truppen zu landen. Hm direkte Zusammenstöße zwischen Chinesen und 3apanem zu vermeiden, soll die internationale Polizei unter Hinzuziehung der amerikanischen, englischen, französischen, italienischen und chinesischen Truppen gebildet werden. Aus der japanischen Konzessions- zone heraus seien acht Kanonenschüsse abgefeuert worden. Di« Granaten schlugen in daS Gebäude der Polizeipräfektur ein. Chinesischerseits wurde ein unverzügliche- Eingreifen der Polizei verlangt, um weitere Zwischenfälle zu verhüten. Amerika und der Mandschureikonflikt. Botschafter Dawes geht für die USA. zur Pariser Ratssitzung. Washington, ll.Rov. (WTD.) Staat»- fefretär Stimson erklärte, ein ihm von dem japanischen Botschafter Debuchi überreichtes Memorandum sei durchaus versöhnlich gehakten. Daher sei die amerikanische Regierung in bezug auf die Pariser Konferenz des DvlkerbundSrates optimistisch. Man erwägt weder irgendwelche Mahnahmen gegen 3apan, noch glaubt man, dah der Völkerbund Sanktionen beschlichen werde. Die Lage Amerikas ist alS kompliziert zu betrachten, weil sowohl Japan und China alS auch die europäischen Regierungen die Vereinigten Staaten für außerordentlich einflußreich in diesen Verhandlungen halten Die amerikanische Regierung müsse, so meint man, deshalb ganz besonders vorsichtig fein, aber zur weiteren Dokumentierung der Bemühungen „um eine friedliche Lösung" der mandschurischen Kämpfe habe man sich jetzt entschlossen einen Botschafter au den Verhandlungen deS Vö'kcrbundsrates zu delegieren General Dawa» Geschick sei bekannt, und man glaube, dah die Pariser Beratungen erfreuliche Resultate zeitigen toütb^n. Semonstraiions- und Umwoerbot in Hessen. Das Verbot des Innenministers tritt am Wahltage in Kraft. Darmstadt, ll.Rov. (Lpd.) Der hessische Minister de» Innern gibt bekannt: „Aus Grund des Artikels 123 Abs. 2 der Reichsverfassung und zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung verbiete ich mit Mirkung vom 15. Rooember 1931 — die en lag eingeschiossen — im gesamten Gebiet des voiks- flaalce Hessen bi» auf weiteres alle Versammlungen unter freiem Himmel, Demonstrationen, Aufzüge, Umzüge, Durchmärsche und Sammeltransporte aller Art, die von Mitgliedern politischer Vereinigungen oder zu politischen Zwecken unternommen werden." 3n der Begründung heiht es: „Die seit einiger Zeit in ständig wachsender Zahl und in immer größerem Umfang zu politischen Zwecken veranstalteten Demonstrationen usw. h-ben immer wieder z u schweren politischen Ausschreitungen und damit zu erheblichen Störungen der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung geführt. 3nsbesondere das Heran- ziehen von ortsfremden Elementen zu solchen Veranstaltungen bietet insofern einen besonderen Anreiz zu politischen Ausschreitungen, als diese ortsfremden Clemente, namentlich wenn sie, wie das üblich geworden ist, in großer Zahl zugezogen werden, glauben vor Erkennung und damit vor Strafverfolgung sicher zu fein. 3n der Regel können bei solchen Gelegenheiten Ausschreitungen wenn überhaupt, dann nur durch Heranziehung größerer Abteilungen der B e r e i t s ch a f t s p o 1 iz e i oder der Gendarmerie verhindert» werden. Die dadurch eintretende ileberlaftung der einzelnen Beamten sowohl, als auch die mit solchen Einsätzen verbundene außerordentliche | finanzielle Belastung der Staatskasse lassen auf die Dauer die Heranziehung solcher Polizei- und Gendarmerieabteilungen zu derartigen Veranstaltungen nicht mehr zu. Das Stattfinden derartiger Veranstaltungen bedeutet daher, namentlich im Hinblick auf die Zuspitzung, die die politischen Gegensätze in der letzten Zeit genommen haben, eine unmittelbare Gefahr für d i e öffentliche Sicherheit und Ordnung. Zur Verhinderung dieser Gefahr und auch zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung ist es daher notwendig, alle derartigen Veranstaltungen bis auf weiteres zu unterbinde n" 3m Südwestdeutschen Rundfunk spricht am Samstag von 1850 bis 19.05 ilfcr der hessische Staatspräsident Dr. Adelung über die Bedeutung der hessischen Wahlen. Oie Wirischafispartei fordert zur Wahlbeteiligung auf. Frankfurt a.M., ll.Rov. (MSR.) 3n einer Delegierten oerfammlung des Wahlkreises hes- sen der Reichspartel des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) wurde der Entrüstung Ausdruck gegeben, dah der Wahl- ir o r s ch l a g der Wirtschaftspartei ohne jeden Rechtsgrund von dem Wahlprüfungsausschuh zurückgewiesen worden sei. Es wurde beschlossen, den Parteianhängern zu empfehlen, jene Parteien zu unter st ühen, die den Marxismus bekämpfen und sich für die vildung einer Rechtsregierung einsehen. Die Anhänger der Partei sollen dringend ersucht werden, der Wahlurne nicht fern zu bleiben. Sturm gegen die Staatöveremsachung in Bayern. Schwaben und Franken fühlen sich von München schlecht behandelt. Augsburg, l.Rov. (TH.) Die Protestbewegung, die in den von der Staatsvereinfachung betroffenen Gebieten in Bayern im Gange ist, erreichte am Dienstag ihren Höhepunkt in einer großen Protestversammlung in Augsburg gegen d i e Aufhebung des Oberlandesgerichtes. Der Hauptredner, Rechtsanwalt Reifert, Vorstandsmitglied des Verkehrsvereins Augsburg, erklärte, es seien jetzt 125 3ahre, daß Bayerisch-Schwaben au Bayern gehöre; während dieser Zeit habe München Augsburg völlig an d i e Wand gedrückt. München sei heute die größte Deamten- stadt Deutschs.nds mit über 2000 höheren Beamten. Sin Sturm der Entrüstung gehe durch ganz Bayerisch-Schwaben, und lauter als je erschalle der Ruf: Los von München! Man spreche von einer Lechlinie, wie früher von der Mainl-n e Man schaue n a ch d e m W e st e n, wo sich der Schwabenstamm stark und frei habe entwickeln können und großes geschaffen habe. Statt Augsburg das Oberlandesgericht zu nehmen und Damit der Staatskasse 6000 Mk. zu ersparen, solle man lieber das Oberste Landesgericht in München, den Obersten Rechnungshof und das Ministerium des Aeußern mit einer Einsparung von 1 400 002 Mk- aufheben. Schwaben erwarte, daß die Rotverordnung aufgehoben wird und alles geschehe, um die stürmisch bewegten Gemüter zur Ruhe zu bringen. 3 n b u ft r i e, Handel und Büraerbund in Landshut nahmen gegen die Aufhebung der Kreisregierung von Niederbayern in einer Entschließung Stellung, in der es u. a. heißt: Die gleiche Regierung, die sich in Berlin nicht genug tun könne in der Betonung der bayerischen Eigenstaatlichkeit, scheine im eigenen Lande derartige Anwandlungen nicht zu kennen. Die Aufhebung des historischen Kreises Niederbayern sei ein 23 e r ft o 6 gegen den historischen Sinn und als ein Schlag ins Gesicht derer, die um das Deutschtum in der nord- bayerischen Ostmark kämpften. — In Bayreuth wurde von allen Wirtschaftsverbänden gegen Die Aufhebung der Regierung von Oberfranken protestiert. Versteckspiele wie der jetzige Plan seien nur dazu angetan, längst begrabene Unzufriedenheiten von neuem heraufzubeschwören. Die Einsparung Der oberfränkischen Kreisregierung mache nur ein DreitaufenDftcl Des bayerischen Haushalts aus. In Der Versammlung wurde an die Bestrebungen des Bundes Schwaben und Reich und des Bundes Franken erinnert, Der die Einigung der Gebiet« an Der Main - Linie mit dem Sitze in Frankfurt am Main oder Nürnberg anstrebt. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wird betont, daß Die Notverordnung schwere Gefahren für Die Einheit und Geschlossenheit des bayerischen Staatskörpers in sich berge. Vor einer Beilegung des Konflikts an der Universität Halle. Halle, 12. Rov. (TH.) 3n der auf Anregung des Anatomieprof. Stieve am Mittwochabend einberufenen Dozentenversammlung der Vereinigten Fricdrichs-Hniversität Halle-Wittenberg berichtete der Rektor Prof. Aubin über die Vorgänge der letzten Woche. Prof. Stieve, der mit der Studentenschaft besonders eng verbunden ist, und dem es gelungen war, eine Wiederholung der Hnruhen am Freitag zu verhüten, trug den Standpunkt der Studentenschaft im Hniverfitäts- konflikt vor. Er bedauerte, daß nicht zu Beginn des Wintersemester- sofort versucht worden sei, die Meinungsverschiedenheiten in einer Vollversammlung der Studentenschaft zu klären, denn die Studenten seien, das habe das Eingreifen mehrerer Dozenten bewiesen, sachlichen Vorhaltungen durchaus zugänglich. Cs sei notwendig, endlich einmal das Herz sprechen zu lassen, um da- Vertrauen der Studenten zu ihren Dozenten wieder- herzusteUen. Wenn da- heute nicht gelinge, so bestehe die Gefahr, daß schon in den nächsten Tagen die Hnruhe wiederauflebe, diesmal aber auch auf alle anderen Hochschulen übergreife. Als Ergebnis der Sitzung wird u. a. mit- geteilt, Professoren und Dozenten hätten Rektor und Senat ihr volle- Vertrauen ausgesprochen. Sie seien einig in der Heberzeugung. daß die Studenten, obwohl sie falsche Wege gegangen seien, von reinen und edlen Gefühlen der Liebe zum Vaterlande und ihrer Hni- versität getrieben worden seien. Professoren und Dozenten erkannten weiterhin an, daß die Studenten au» Rücksicht auf da» Wohl der Uni- versität ihre Angriffsweife geändert hätten, und wüßten diesen Entschluß zu würdigen. Sie bedauerten tief die Vorgänge, die sich am 3 und 4. Rovernber in und vor der Hnioerfität abspiel- len. Durch die jetzige Haltung der Studenten fei d ie Grundlage wieder hergestellt, auf der Lehrer und Lernende in aegenfeiiigem Vertrauen d i e innere Gemeinschaft neu aufrichten könnten zum Wohle der Hochschule und des Vaterlande». — E» wurde beschlossen, diese Erllärung am DonnerStagsrüh der Studentenschaft am schwarzen Brett bekanntzugeben. Außerdem werden sämtliche Dozenten in ihren Kolleg» von dieser Entschließung Mitteilung machen. Man nimmt an, dah so in letzter Minute eine Verschärfung de» Konflikte» verhindert werden kann. Eine Kundgebung her Mittel- deutschen Studentenschaft. 3ena, 11.Roo. (TH.) Am Mittwochnachmittag fand auf Z>em 3enaer Marktplatz eine Kundgebung von Studenten der Universitäten Halle, Leipzig, 3 e n a und der Gewerbehochschule C ö t h e n statt. Aus Halle und Leipzig waren etwa je 1000 Studenten cingctrof- {en. Der Vorsitzende der 3enaet Studentenschaft nahm scharf gegen Professor Dehn (Halle) Stellung. Es wurde dann eine Entschließung angenommen, in der c» heißt, daß die au» den mitteldeutschen Hniversitäten versamme'.ten Studenten auS Anlaß de» Falle» Dehn schärfste Verwahrung gegen Berufung und Beide ha'tung von Lehrern einlegen, die sich nichtvorbehalt- 1 o s zum Einsatz aller geistigen und körperlichen Kräfte imDienste sürVolkundDater- land bekennten. Tie Studenten sagten den immer häufiger gegen selbstverständliche Grundsätze verstoßenden System der Kulturpolitik de» sozialdemokra.ischen Kultusministers Grimme schärfsten Kampf an. Sie erhofften, dah die Hochschullehrerschaft sich ganz auf die Seite der Studenten stellen werde. Aus aller Welt Schiedsspruch im Lohnstreit bei der Reichsbahn. 3m Lohnstreit der Deutschen Reichsbahngefell- fchaft ist von der Schllchterkammer ein Schiedsspruch gefällt worden, nach dem mit Wirkung vom 8. Rovernber 1931 d i e Grundlöhne um 4,5 Prozent gesenkt werden. Diese Lohnregelung ist erstmalig kündbar zum 31. März 1932. Da» Ergebnis der deutschen Grönlandexpedition. Freitag wird Der Dampfer „Hans 6 g e D e" aus Grönland mit den letzten Teilnehmern der Wegener- und der Watkins-Lxoedi- tion in Kopenhagen eintreffen. Die dänische Regierung wird Die Expedilionsteilnehmer offiziell begrüßen. Aus Deutschland werden zur Begrüßung u. a. Staatsminister Dr. Schmidt-Ott, Präsident Der Notgemeinschaft Der Deutschen Wissenschaft und Frau Prof. Wegener erwartet. Lie Begrüßungsansprache wird Staatsminister Stau- ning hallen, und eine Kapelle wird Die Deutsche, Die Dänische und Die englische Nationalhymne spielen. Ueber Die Ergebnisse Der Wegener - Expedition äußerte sich Der Dänische Grönlandforschcr Lauge- Koch u. a.: Die Deutsche Wegener Expedition habe EntDeckungen gemacht, Die Der EntDcckung Des Polarmeeres durch Fritjof Nansen an Die Seite zu stellen seien. Es könne jetzt schon gesagt werDen, Daß Prosesior Wegener und seine Leute ein ganz neues Bild von Grönland gegeben haben. Die Deutschen hätten Das Kunststück fertiggebracht, unter Den allereinfach st en Verhältnissen mitten auf Dem Inlandeis z u überwintern. GrönlanD stelle nach Den EntDeckungen Der Deutschen, an Deren Richtigkeit nicht zu zweifeln sei, eine tiefe Schale Dar, Die mit Dem InlanDseis gefüllt sei. Wenn Das Eis einmal schmelzen sollte, werDe Grönland also Das gleiche Aussehen haben, wie Die Inseln nörDlich von Ka- naDa. Bislang habe man angenommen, daß Da» innere GrönlanD ein Hochland sei. Man habe guten Grund, Die Arbeiten Der Deutschen in Grönland als einen Erfolg anzuerkennen. Der ungeahnte Folgen für Die Wissenschaft haben Dürfte. Ein britischer Minensucher an der chinesischen Küste gestrandet. Der britische Minensucher „P e t e r s f t e 1 D", mit Dem Oberbefehlshaber Der Ehinastation, ADmiral Sir HowarD Kelly, an BorD, ist auf sehr bewegter See an Der chinesischen Küste bei Futsch au ge- ftranDet. Das Schiff liegt zwischen Klippen. Obwohl es heftig hin und her geworfen wirb, besteht jedoch keine unmittelbare Gefahr, Daß es in Stücke bricht. Der größte Teil Der Besatzung ist wohlbehalten getanbet. Nach Den SOS-Signalen Des Minensucher» ist Der Deutsche Dampfer „D e r f f l i n g e r" an Der Unfallstelle cingetroffen. Die beiDen britischen Kriegsschiffe „Suffolk unD „Cornwall" sind unter Volldampf zur Hilfeleistung unterwegs. Oie Wetterlage. ’our: Mfbrod), den ft./foembfr ^3* 'fglßr S?: I^Blren Qveftemet Oetittr ® iure otdtdiL ® wo1» c e oroecit ♦ SthRft aVillPCin • "COtl KO-WilVr^W.ndSUIK -O» SCN Wllr Oh £ Mine*' 10diud*tsi q vorester RO'twcsl Olt etc It riitflcn MU Ot» wmfli Cht 00 6t* StlbORte ilCRCMCR len gtOt" d-c Tcmpcfftur «R 0 < LiRit* WIMM» Oru ■>< «MIO« "cc/c$nivtaw uBOd'tcBRtlc* Lefldrerl Wettervoraussage. Mit der Verlagerung der Störung nach Skandinavien au kommen wir immer mehr unter den Einfluß ihrer Rückseite. Kältere ozeanische ßuft- majfen gelangen somit auf das Festland und bringen einen stark veränderlichen Witterungs- charakter mit sich Die Bewölkung wird sich wechselhaft gestalten, einzelne Regenschauer treten weiterhin auf. Durch den Zustrom der Kaltluft erfahren fre Temperaturen einen Rückgang, der bei klarer Rächt stellenweise zu leichtem Racht- frost führen dürste Aussichten für Freitag: Wechselnd bewölkt mit Aufklaren, kälter, einzelne Schauer. Aussichten für Samstaa Wetterberu- higung, aber noch keine Beständigkeit, Rachtfrost- gefahr Lufttemperaturen am 11. Rovembrr: mittag» 11,4 Grad CelfiuS, abend» 8,6 Grad: am 12. Rov : morgen» 8,1 Grad. Marimum 11,4 Grad, Minimum 6.7 Grad. Srdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. Rovernber: abend» 7,8 Grad, am 12. Rov.: morgen» 6.6 Grad Gelfiu». — Riederschläge 1,8 Millimeter. — Sonnenscheinbauer 1 Stunde. desS 8in volll Konzert. Mi ttrfttl' beil wünschen 5 enr-ie, Mtc jtatJiebrf« sorgt batte. Orchester un Zonrcysstlg immer, non f sehr lchipli' Schöttler M numerisch eine lltberftc vielmehr Der1 -cL eine seit baltige Regis Licht« bei l 2 IRinfernofhilfc I Die Deutsche VolksparteiinGiehen ©elOfpenoen jur oie «UNmenwiQlMt. Deranfta[tete geftern abend in der Turnhalle am Für die Gießener Winter nothilfe Oswaldsgarten ihre letzte öffentliche Wähler- sind in der jüngsten Zeit erfreulicherweise tmeoer Versammlung vor dem Wahltage. zahlreiche Geldspenden eingegangen. Es Ait/tn spendeten: Dr. Adler, Berlin, 100 Mk.; Burschen- IfeichStagSavg. Ot. HUg0 schäft Germania in Gießen 500 Mk.; Professor a[g erster Redner beschäftigte sich mit den wichtig- Dr. Hildebrandt 100 Mk.; Ungenannt 10 Mk.; Fragen der Reichspolitik. Das Ende Gießener Bankenvereinigung 150 Mk.; ®iefjener zweier großer Illusionen sei heute kennzeichnend: Milchhändlervereinigung 70 Mk.; Professor Dr. Welt erkenne jetzt die Selbsttäusä)ung, daß Mittermeier 20 Mk.; Professor Dr. Engel 10 Mt.; möglich sei, den Krieg mit dem Mittel der M. Hölzel, Gießen, 5 Mk.; Gießener grauen^ufe Reparationen fortzuführen; ferner trete die 400 Mk.- N.N. 2 Mk.; Ertrag des Vortrags- riesengroße Illusion zutage, die der Sozialismus abends von Professor Kornmann, Breslau 228 Deutschland bereitet habe. Der Redner wies dann Mark' Gebrüder Grieb, Gießen, 50 Mk ; Sparr, auf vielfachen Erscheinungen der internatio- Mainzlar, 3 Mk.; Emil Dörr, Gießen, 3 Mk.; naIen Wirtschaftskrise hin, die nach Oesterreich Hessischer Polizei- und Schutzhundevereln Gie- unb Deutschland auch England schwer betroffen ßen 1914 50 Mk.; Ertrag des Gießener Flugtages habe, die Hoover zu seinem Eingreifen veran- 201 Mk. _ , T Iahte in der Erkenntnis, daß diese Weltkrise nur Die Geldsammlung in den H au s ha l - I h^rch eine Korrektur der Weltpolitik zu beseitigen Jungen ist bisher in sehr zufriedenstellen- bie Frankreich zur Spitze seiner Machtstellung der Weise verlaufen, die Sammlerinnen Haven m verhalf und nach Amerikas Stellungnahme Sonden meisten Fällen nicht nur volles Verständnis, derverhandlungen zwischen Deutschland und Frank- sondern auch große G e b e f r e u d i g k e i t jur reich notwendig mache. Bei diesen deutsch-fran- das Hilfswerk angetroffen. Allen Spendern und döfifd)en Verhandlungen seien schwere Belastun- den Helferinnen bei der Haussammlung ist die gen |ür &ie deutschen Nerven zu befürchten, da Leitung der Winternothilfe herzlich dankbar und Frankreich wohl den grundsätzlichen Anspruch man hofft nur, daß das vorbildliche Beispiel der auf Reparationen aufrechterhalten und für bisherigen Spender in weitgehender Weife nach- Entgegenkommen in wirtschaftlicher Hinsicht Po- geahmt wird. , Mische Gegenforderungen stellen dürfte. Der- Neben den Geldspenden sind auch voch große artige politische Forderungen dürfe Deutschland Mengen von Sachwerten der verschiedensten untcr (einen Umständen bewilligen, da sonst Art dem Hilfswerk zur Verfügung gestellt wor- baS durch die wirtschaftliche Entwicklung der den, ferner hat die Sammlung von Natura- r©elt erschütterte Fundament des Versailler Ver- lie'n bei der Landbevölkerung ein sehr erfreu- tragg nur neu befestigt und für uns noch folgen» liches Ergebnis gebracht. Wir werden hierüber schwerer gemacht werde. Wir hätten keinen Grund noch berichten. zum Verzweifeln, denn die ganze Welt wisse, änmorf daß ohne Festigung und Beruhigung der deut- schon Verhältnisse eine Wiederherstellung d siphcrfteiaeruna des Ausdruckes bemerkbar, es müsse dafür gesorgt werden, daß nicht jeöer Stä? Ä» b« stoSer ausgesei^ sich auf di- Hilf- d-s Staate« »eriaffe onb«« SSÄrfKSoLaäÄ wohlgelungene Absicht, ein abgerundetes und in kapital kommen, damit ^e Wirt,chaft wieder Allein" und Msch?ed" zu einem starken binett Brüning, die kürzlich von dem Partei- «S Knnm Ä6nt feien aber nach der heil angerich.el habe und die nur geetgn t fmn, (Jhnr mit Blasorchester von Karl Zuschneid, in die Wiedergewinnung von Vertrauen zur deut dem Herr Karl Feußer mit einem recht wohl- scheu Finanzwirtschaft ^u verhindern. Man muss klinaenden Tenor die Solopartie sang, die alter- die Sparer wrKr zur Ruhe kommen und ^rn^™trf9eÄr?tU^eattUSe?nerti„&; & SS Ö* wL.'"ZadL Gondesta^rer" von Säubert und das das Pro- werde man .Vertrauen gewinnen und auch Z ns- " W°"h7k a p -ll- untcr d-r Sei- w-E^Wsisichasilich- °"^ialc und »°Mlch- £7 ÄSKSÄ'Ä auten Wirkung wobei das l.Horn ein Sonderlob der politischen Vernunft müsse ber Berater f verdient Die Einleitung zum 3. Akt von Richard die Neugestaltung des deutschen Schicksals s . Wagners Nkeistersingeim, ein Sah aus Schuberts Dafür trete die DVP. em, weil nur auf diese ilnfcoltenöeten und die 1. ungarische Rhapteme ---- - " vervollständigten den orchestralen Teil der Dar- bietungen, die sich durchweg auf hohem Viveau hielten und Obermusikmeister K r a u ß e als Dirigenten das beste Zeugnis ausstellten. Daß der Beifall reichlich gegeben wurde, braucht kaum gesagt zu werden. Es versteht sich von selbst. Daß einige besonders eilige Zuhörer bei ovn letzten Takten des Matrosenchores bereits den Saal verließen, verdient erwähnt zu werden, denn es ist eine Rücksichtslosigkeit gegenüber bem übrigen Publikum und den Ausführenden. B. Xt äMsischen Küste letersfielb*, mit iiinaftation, Admiral ist auf sehr beroegkr bei Futschau ge- )en Mppen. Obwohl wirb, be/lebt jebod) es in Stüde bridjt. ft wohlbehalten ge- , des Minensuchers LerffUntzn' Dir beiden britischen .onrodT sind unter nterroegs. luni>Kld,cn w Kit. PZ- Trund. toetben. 9 kündbar ’Hlanbefpebiiion. &"9 Egede' ^s^ehmern der rjb'EkPedi. ^dänische Re, offiziell be- LCMtei 61qu, ■ wird die deutsche, ^nalhymne ipiikn. ^Petition Irscher Lauge, ^-Expedition habe enidciiung des Po- I Qn die Seite zu wn gesagt werden, le -eute ein ganz n d gegeben haben, itsluck feriiggebrochi, )sten Aerhält. Inlandeis zu eile nach den Ent- rcn Richtigkeit nicht ch a l e dar, die mit mn das Eis einmal nd also das gleiche in nördlich von Ka> lenornmen, daß das inb sei. Man habe Deutschen in ©rön- ’ennen, der unge- öissenschast ha« e(on< t Störung "Ar den Mer lnehr ^ ßuft* &eÄftan6 und 4 to/ Äitlerunsi derlichen ® |k6 Ä»? V1U _ Atunto- sintovel SCHMERZBEKÄMPFUNG ZUVERLÄSSIG UND RASCH’. Bll KOPFSCHMERZ MIGRÄNE- NEURALGIEN UND ZAHNSCHMERZ JAHRZEHNTE BEWÄHRT CITRO VAN ILLE 1-Pfund-Dose Abreilwg 0.98 .1.50, GustavGeisse 1.50 Stellenangebote 7672 A Alten-Buseck, Dannenrod, den 12. November 1931. 06670 Altersvereinigung 1870-1920 Kreisleitung ließen. Saalöffnung 5 Uhr. Vermietungen | ML-sozialer VolMeasl Evangelische Bewegung 7660 D l -i 'Q Tleuc . , Pfd. nur 0.35 7668 A Schlatdecken ♦1 Ä7 Kartenvorverkauf bis Freitag, 2 Uhr nachmittags, im Äuch. laden Seltersweg. Preis 2.— und RM. —.50. TA G -U urtel-niNch. 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So.1L 11- 20 Unr: Musik Ibood »it >iachlMmenscho nl9l mit Goll haN.wit Kglag mi »Wrt» M Itiirüg- ” irubtr btrtiti. !&üin ■ Lq r '«giwr Zotm i ^fatn ron. * * OB ,yl8iyr W anzu ■«uebei. itnKlli ßjTobtr «u; üitnooller 8olg< CU* btt unoerflU bilbts unb Lei pion, tätiges 2 l’tyebunfl unb io lauten etwa Gin Selenntnu tag ts lein 0 unb hondelns jrrtt Zeit uns msbelonbert d< tine §üHe Aoether Den nicht als Huld fitem zur 6r l rüste bestimmt, mer ousstrahlet rigen Lebensda ptapbie erhöhet als Weihnacht»! fehlen werden - ftranj L El SU-Betten (biebl u. Helu r--l»ter. Sdilafzinitn^lehlmeir. klodert Ch«i«a.e.l‘ri- vale. RateoiL Kelal.fr Li»raeotxlf«bnk Sehl Mietqesucne 2 leere Zimmer mit iev. Eing. gef. Tchriftl.Angeb.unt. 06655 n. ö.(»ih. Anz. Rottweiler als Hofhund billig zu verkaufen. (««« (Qnautbftr. 36 ü. Auto» Geleqenheitskauf Fabrikneue 1,1 Ltr.- Cvchlfimonfine weit u. Preis ! mmD CVcL (Oieffcn. frankfurter Ttr. 52. | Verschiedenes | Hühneraugen Warten. 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Der Verfasser, der sich als Vortragender früher bereits dem Gießener Publikum vorgestellt hat, ist ein vortrefflicher Goethe-Kenner, der sich seit Jahrzehnten in Wesen und Werk des Dichters eingelebt hat und die Früchte seiner Studien hier in einer übersichtlichen und klar gegliederten Darstellung niederlegt, welche vorzüglich geeignet ist, in knapper Form in die allumfassende Gedankenwelt des Weisen von Weimar gewinnbringend einzusüh- ren und gleichzeitig zu eigenem Arbeiten und selbständiger Beschäftigung mit Goethes großer Hinterlassenschaft anzuregen. Die einzelnen Kapitel des Buches, jeweils mit einem charakteristischen Goethe- Vers oder Ausspruch überschrieben, umgreifen in sinnvoller Folge je einen bedeutsamen Ausschnitt aus der unvergleichlichen Fülle des Goetheschen Weltbildes und Lebensbezirkes. Biographie und Religion, tätiges Leben und Poesie, Liebe und Kunst, Erziehung und Natur, Politik und Vaterland —: so lauten etwa die Stichworte, nach denen Zilchert sein Bekenntnis zu Goethe formuliert hat. Er zeigt, daß es kein Gebiet menschlichen Denkens, Fühlens und Handelns gibt, wo nicht Beziehungen aus unserer Zeit uns mit Goethe verbinden. Jedem Leser, insbesondere der reiferen Jugend, bietet das Buch eine Fülle von Gedanken, die zum Verständnis von Goethes Werk und Leben hinführen. Das Buch ist nicht als Huldigung für den Augenblick gedacht, sondern zur Erkenntnis der unversieglichen Lebenskräfte bestimmt, die von Goethes Genius noch immer ausstrahlen. Eine Zusammenstellung von wichtigen Lebensdaten, die Nachweise und die Bibliographie erhöhen den Wert dieses Buches, das auch als Weihnachtsgeschenk von bleibendem Wert empfohlen werden darf. — — Franz Landsberger: D i e Kun ft der Goethezeit. Kunst und Kunstanschauung von 1750 bis 1830. 320 Seiten Groß-8° mit 213 Abbildungen. Im Insel-Verlag zu Leipzig, 1931. — (462) — Diese weiträumig angelegte Darstellung darf in der Fülle der zum Goethe-Jahr 1932 erscheinenden Literatur einen hervorragenden Platz beanspruchen, weil sie das Bild der durch Goethe bestimmten Epoche deutscher Geistesgeschichte von einer bisher wenig beachteten Seite her abrundet und mit einer Menge wertvollen Anschauungsmaterials belegt. Hier wird zum erstenmal die „Goethe-Zeit" auch kunstgeschichtlich bewußt als geschlossene und selbständige Einheit empfunden und dargestellt: indem die Epoche in ihre Entwicklungsphasen aufgegliedert wird unter gleichzeitiger Betrachtung von Baukunst, Malerei und Plastik. War die hier dargestellte Kunstperiode bisher nur entweder als Nachspiel oder als Auftakt ange- sehen und damit auf jeden Fall ungerecht behandelt worden und zu kurz gekommen —: so zeigt Landsberger hier in großem Rahmen die Kunst der Goethe- Zeit als eine eigenwüchsige, nur aus sich selbst verständliche Epoche. Das ausgezeichnet geschriebene Buch, seit vielen Jahren geplant und vorbereitet, ist aus umfänglichen Quellenstudien erwachsen und legt eine Menge von zum Teil berühmten, zum Teil minder bekannten, immer aber vorzüglich reproduzierten Illustrationen vor. (Wir denken insbesondere an die der Münchener Katastrophe zum Opfer gefallenen Romantiker-Bilder.) Die Ausstattung dieses schönen und großzügigen Werkes ist von einer bibliophilen Vornehmheit, welche es als ein höchst wertvolles Besitzstück und auch als nobles Geschenk von dauerndem Wert erscheinen läßt. — Jahrbuch der Sammlung Kippenberg. Neunter Band 1931 mit 4 Tafeln und 7 Faksimiles im Insel-Verlag zu Leipzig. — (393) — Was An ton Kippenberg in diesem neuen Bande aus den reichen Schößen seiner einzigartigen Goethe-Sammlung mitteilte und wie er es mitzuteilen weiß, verdient wiederum unsere größte Beachtung. Aus dem überreichen Inhalt sei nur als neuer Besitz der Sammlung ein „Lied vom Doctor Faust" erwähnt, das Robert Petsch in die schon bekannten Fassungen sachkundig einordnet. Interesse oerbiettf auch ein Briefwechsel zwischen Jean Paul und dem alten Gleim, der sich als der anonyme Spender von 60 Talern für den Dichter des „Quintus Fixlein" entpuppte. Der umfangreichste Beitrag ist Alexander Bessmertnys' Aufsatz über G. Ehr. Beireis, den originellen Arzt, Naturforscher und Sammler, Professor in Helmstedt, den Goethe 1805 aufsuchte und über seinen Besuch bei dem wunderlichen Manne in Briefen ausführlich berichtete. Einen interessanten Einblick in Goethes Theaterleitung in Weimar gewährt Witkowski durch die Erläuterung einiger Aktenfaszikel, in denen Goethe sich über das Extemporieren der Schauspieler äußert. Neues über Rußland. — H. R. Knickerbocker: „DerroteHan- del lockt". (Verlag E. Rowohlt, Berlin, Preis 5,80 Mark). (404). — Das Buch gibt eine zu- sammensassende Darstellung der Studien des amerikanischen Journalisten, die er in verschiedenen europäischen Ländern über die Auswirkungen der Sowjet-Ausfuhr getrieben hat. Das Werk stellt eine logische Fortsetzung des ersten Buches des gleichen Verfassers t r, das unter dem Titel „Der rote Handel droht" eine Untersuchung der Grundlagen des Fünsjahresplans in Sowjet-Rußland selbst brachte. — Auch dieses zweite Werk, das klug und sachlich geschrieben ist und erschöpfende Informationen über das behandelte Thema bringt, sieht Die Gefahr der Heberschwemmung Europas mit Sowjetwaren als unmittelbar gegeben an. K. sieht die Dinge mit Den Augen des Amerikaners, unD seine Darlegungen finD insofern für seine Heimat von befonDerem Interesse, als er nachweist, daß nicht nur Europa Die Flut Der Sowjetwaren zu überschwemmen Droht, sondern Daß Die Sowjet- Union mit ihrer Preispolitik Der Unterbietung sämtlicher Konkurrenzwaren um Die jeweils ent» scheidenden 5 v. H. auch Dem amerikanischen Han- Del Die größten Schädigungen zufügt. — Für Das Problem Des Verhältnisses Des SowjethanDels zu Europa gipfeln seine Darlegungen in Der Feststellung, Daß Europa sich zu einem Zusammenschluß gegen Die Gefahr des roten Handels nicht bereitfinden werde, da — „der rote Handel lockt". Diese Lockungen mit einem verdienstreichen Russengeschäft sind für die europäischen Staaten so groß, Daß selbst England ihnen nicht zu widerstehen vermochte. — Das Buch enthält eine Fülle von guten zahlenmäßigen Angaben, die einen Ueberblick über Den Stand Des gegenwärtigen Handelsverkehrs Der Sowjet-Union mit Den europäischen Staaten vermitteln. — Max Barthel: Der große Fisch- z u g. Ein Erlebnisroman aus Sowjetrußland. Geheftet 3,50, Leinenband 5 Mark. Verlag Strecker & Schröder, Stuttgart. (443) — Der bekannte Arbeiterdichter führt in diesem Raman ins Herz von Sowjetruhland bis an die Grenze Asiens. Aus eigener Anschauung und als scharfer Beobachter schildert er den russischen Menschen und das russische Land, in dem auch heute noch „der Himmel hoch und Väterchen Stalin weit fort ist". Der Verfasser hat mehrere Jahre drüben gelebt und gearbeitet; sein Buch bringt uns an Die „wirtschaftliche Front": an Die untere Wolga bei Astrachan. Er schildert mit Spannung Die Verhältnisse in einer gewaltigen Fischerei und stellt Die Menschen vor uns hin, Denen er begegnet ist: Russen, Kosaken, Tataren, Kalmücken und ehemalige deutsche Kriegsgefangene. Der Schatten des Bürgerkriegs geht durch dieses Buch, und es gibt gute Einblicke in eine fast unbekannte Gegend: die Steppe bei Astrachan. Bücher zur Politik und Geschichte. — Franz Carl Endres: Das Erbe unserer Ahnen. Bd. I. 600 Seiten mit 80 Bildtafeln und über 400 Abbildungen im Text. Stuttgarter Verlags-Institut G. m. b. H., Stuttgart. — (299) — Die durchschnittliche Allgemeinbildung, zu der unsere Schulen den Weg ebnen, ist, dem Zuge der Zeit folgend in dem letzten Jahrzehnt weit mehr nach der technisch-naturwissenschaftlichen Seite hin ausgebaut worden, als es vom staatspolitischen Gesichtspunkt aus gesehen gut war. Die Lücke, die schon das humanistische Bildungsideal ließ, blieb auch dann unausgefüllt, als die Beschäftigung mit der klassischen griechisch-römischen Kultur, die Gymnasium und Universität feit Jahrhunderten in den Vordergrund geschoben hatten, modernen Forderungen Konzessionen einräumen mußte. Von der Vorgeschichte unseres eigenen Volkes, von einer germanischen Kultur hörte schon unsere Generation auf Schule und Universität kaum mehr als oberflächliche Andeutungen, und in diesem Punkt soll es trotz der sich einander jagenden Schulreformen und Studienpläne auch heute — mit Ausnahmen natürlich, die um so höher anerkannt werden sollen, je seltener sie sind — noch recht schwach bestellt sein. Diese Lücke auszufüllen, die ein jeder schmerzlich empfinden muß, der sich einmal gemüht hat, in das Dunkel vorzudringen, das über der Kulturgeschichte der Germanen etwa vor der Völkerwanderung oder gar vor der Zeit Cäsars ausgebreitet ist, ist das großzügig angelegte Werk von Endres oestimmt, von dem jetzt ein erster umfangreicher Band vorliegt. Man hätte vielleicht manches sich anders denken können, die gelegentliche Polemik gegen andere Auffassungen hätte in einem wesentlich doch für Laien bestimmten Werk gut und gern vermißt werden können, Uebertreibungen, zu denen sich der Verfasser aus Begeisterung für seinen Stoff oder in begreiflicher Abwehr hier und da verleiten ließ, sind auch nicht jedermanns Sache, auch ist nicht immer leicht die Linie erkennbar, wo die Grundlagen exakter wissenschaftlicher Forschung verlassen und die Kombinationen beginnen, aber als Ganzes ist das Werk eine erstaunliche Leistung, ein Volksbuch im wahren Sinne des Wortes, das an Hand von umfangreichem Material, das mit großer Mühe zusammengetragen und sorgfältig ausgewählt wurde, uns an die Quellen altgermanischer Kultur zurücksührt und ein großartiges Bild der deutschen Heimat in vorgeschichtlicher Zeit vor unseren 2(ugen entrollt. Das Buch gehört in jede Volks- und Schulbibliothek, aber auch in jede deutsche Familie, in der die Freude am Erbe der Ahnen des eigenen Volkes noch nicht erstorben ist. Der Verlag hat dem Werk eine solide und großzügige Ausstattung zuteil werden lassen. — Bruno Weil: Glück und Elend des Generals Boulanger. Verlag Dr. Walther Rotschild, Berlin-Grunewald, Preis 4,80 Mark. — (359) — Der Boulangismus, dem der Held dieses Buches den Namen gab, erregte Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die dritte Republik bis in ihre Grundfesten. Der unglückliche Krieg, der Sturz des Kaiserhauses, der Kommune-Aufstand, der Frankfurter Friede mit dem Verlust Elsaß-Lothrin- gens waren Wunden, die das französische Nationalgefühl noch nach Jahrzehnten schmerzlich empfand, und es loderte zu wilder Flamme empor, als ein ehrgeiziger, eitler und machtlüsterner General ihm durch eine zügellose Revanchehetze neue Nahrung gab. Das sehr gründlich und doch außerordentlich fesselnd geschriebene Buch Weils zeigt aber, daß Boulanger im Grunde weit harmloser war, als die politischen Drahtzieher, die ihn, den schönen Mann, den vergötterten Liebling der Frauen, das Idol der großen Masse, in den Vordergrund schoben. Bei einem Charakter, der nur darauf aus war, um jeden Preis von sich reden zu machen, nimmt es nicht wunder, ihn von den verschiedensten politischen Richtungen, Republikanern und Monarchisten aller Farben, ausgehalten und benutzt zu sehen. Der äußersten Zuspitzung in den Beziehungen zu Deutschland ent- Öim Innern die schwerste Krisis, die die dritte ilik hat durchwachen müssen, bis es der würdigen Haltung des alten Präsidenten Grdvy und der festen Politik Bismarcks gelang, die Atmosphäre zu entspannen. Dann nehmen Constans und Freyxinet den Kampf gegen die Boulange im Innern auf. Dem auf seine Macht bei den Massen pochenden General wird der Hochverratsprozeß gemacht, und als man ihn so scharf anpackt, ist der im Grunde Weiche, Haltlose und Wankelmütige bald keine Gefahr mehr. Er flieht außer Landes, eine menschliche Tragödie beginnt, der man sein Mitgefühl nicht versagen mag. Mit der schwerkranken Geliebten lebt dr im Exil in London, auf den normannischen Inseln, schließlich in Brüssel, wo er sich, einsam und verlassen, am Grabe der geliebten Frau selbst den Tod gibt. Das Buch, bei dessen Lektüre sich zwanglos interessante Parallelen zur jüngsten politischen Entwicklung in Deutschland aufdrängen, wird viele Leser finden. — Hanns G ob s ch: Wahn-Europa 1934. Fackelreiter-Verlag, Hamburg-Bergedorf Preis in Leinen 4,80 Mark. — (300) — Der Verfasser nennt diesen politischen Roman eine Vision, ein furchtbares Fanal der Warnung an die Adresse der Völker Europas, dem Wahnsinn der Selbstzerfleischung ein Ende zu machen, ehe ein zweiter Weltkrieg den Kontinent in Schutt und Asche legt, und der Bolschewismus ein schauriges Erbe antritt. Die Fabel dieses ehrlich gemeinten und aufrüttelnden Romans ist nicht neu. Das bekannte Klischee aus den verhängnisvollen Julitagen 1914 ist für die Gegenwart einigermaßen glaubhaft zurecht frisiert. Ein Zusammenstoß zwischen Italien und Frankreich könnte sich immerhin in ähnlichen Formen abspielen. Das Schaurige des ma- bernen Luft- und Gaskriegs, der zwischen Kampftruppe und Bevölkerung keinen Unterschied machen kann, ist gewiß nicht zu grell ausgemalt. Auch die Ohnmacht der Massen gegenüber der Kriegshetze einer chauvinistischen Clique und dann wieder die Ohnmacht dieser selben Clique gegenüber dem einmal in Gang gesetzten und nicht wieder abzustoppenden „Apparat", dieser seelenlosen automatisch weiter- laufenden Maschine von Diplomatie und Rüstung, ist nicht gar so unwahrscheinlich prophezeit. Ein Buch, das nicht nur eine aufregende Lektüre sein will, sondern zur Besinnung aufruft, ehe für Europa das furchtbare „Zu spät!" allem ein Ende setzt. Oer junge Nationalismus. — MoellervandenDruck, Derpreu- ß i s ch e Stil. Reue Fassung mit einem Vorwort von Hans Schwarz und 30 Bildtafeln in Kupfertiefdruck, geb. 7,80 Mk., Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau. (328.) — — Moeller van den Bruck, dessen prophetisches Werk „Das dritte Reich" wir hier kürzlich anzeigten, nimmt in der Flut der Literatur des jungen deutschen Rationalismus eine besondere Stellung ein, nichts dokumentiert das mehr, als sein nun nach seinem Tode neu herausgegebenes Buch „Der preußische Stil", in dem Kunst, Weltanschauung und politisches Wollen eins werden. Der Stil ist Moeller van den Bruck Ausdruck einer Gesinnung, der preußische Stil in seiner großartigen Entwicklung von der Wendenzeit über die Backsteingotik, über Schlüter und Knobelsdorff bis zu Gilly, Langhans, Schinkel und Schadow ist ihm Ausdruck schöpferischen Handelns und zugleich ein Politisches, das in Raum und Zeit denkt, Schicksal, hinter dem der Mythos steht. Die Baukunst ist ein Gleichnis des Staatenlebens. Als Preußen in den Gründerjahren seinen preußischen Stil verlor, verlor es auch seine geistige Form und seine politische Haltung. Aber auf Preußen kann Deutschland nicht verzichten, weil es auf Preußentum nicht verzichten kann. Preußentum ist der Wille zum Staat und die Erkenntnis des geschichtlichen Lebens als eines politischen Lebens, in dem wir als politische Menschen handeln müssen. Die Kraft des Preußentums war noch immer die Kraft der Zusammenfassung. Wer diesen Entschluß heute in Deutschland saßt, der ist als Deutscher ein Preuße und wo dieser Entschluß heute in Preußen gesaßt wird, dort ist Deutschland. Das ist für Moeller van den Bruck der preußische Mythos, die Erneuerung preußischen Geistes, die er in begeisterter, leidenschaftlicher Sprache einem Geschlecht predigt, das in einer Zeitenwende preußisches und deutsches Schicksal in Händen trägt. — Krieg und Krieger,herausgegeben von Ernst Jünger, Verlag Junker & Dünnhaupt, Berlin. (340.) — Vertreter des jungen deutschen Rationalismus suchen hier in einer Reihe von Aussätzen ihre Haltung zum Kriege zu präzisieren und Fragen zu beantworten, Die sich aus Der von ihnen a priori bejahten RotwenDigkeit zu neuer Rüstung ergeben. Der Herausgeber erläutert Den Begriff Der „totalen Mobilmachung". Don Den anderen Mitarbeitern seien genannt: Ernst v. Salomon, Fr. Hielscher und Wilhelm v. Schramm, der in einer „schöpferischen Kritik des Krieges" den Widersinn des letzten Krieges in seinen unmilitärischen und unheroischen Erscheinungsformen beleuchtet und ein neues Bild des deutschen Menschen zu gestalten sucht, der nach dem Triumphieren des Todes wieder dem Leben zur Herrschaft helfen will, nicht einem nur auf den Augenblick und das Diesseits gerichteten, sondern einem Leben der Zucht und der Liebe, der Klarheit und Sauberkeit. — Herbert Bolck, Rebellen um Ehre. Brunnenverlag Willi Bischoff, Berlin SW 68. Broschiert 4,50 Mk., Seinen 6,80 Mk. (438.) — Ein Mann, der immer Aktivist war, immer seine eigene Person vorneweg einsetzte, ist Herbert Bolck. Als Lüneburger Dragonerleutnant macht er den Reiter- und Stellungskrieg im Westen mit, wird als Flieger in Rußland abgeschossen, gefangen, nach Sibirien gebracht, bricht aus, marschiert 10 000 Kilometer durch die Mongolei und durch Persien, bis er sich in Mesopotamien wieder deutschen Truppen anschließen kann, entfesselt den Kaukasusaufstand gegen die Bolschewiken; dann soll das rasende Erleben mit schmählichem Waffenstillstand und Frieden aufhören. Herbert Bolck kämpft weiter. Wo in dem Jahrzehnt nach dem Umsturz in Deutschland gekämpft wird, oberirdisch oder unterirdisch, da ist Herbert Bolck dabei, zuletzt unter der schwarzen Fahne des Bauernaufstandes in Schleswig-Holstein. — Goetz Otto ©toffregen, Aufstand. Querschnitt durch den revolutionären Rationalismus mit 15 Bildtafeln. Preis 3,80 Mk. Brunnen- Verlag Wilhelm Bischoff, Berlin SW 68. (379 ) — Das Buch sucht durch eine Reihe von Aufsätzen den Begriff Rationalismus abzugrenzen und seinen Ideengehalt herauszuarbeiten, indem es einen Querschnitt durch die geistige Haltung des Kreises der jungen Rationalisten gibt, der sich vielleicht mit einigen Ramen wie Hielscher, Heinz, Jünger, Schauwecker, Bronnen, am besten bestimmen läßt. Besonders interessant ein Aufsatz von Fr. W. Heinz, der den Faschismus schroff ablehnt, weil es zu ihm vom preußischen Geiste her keine Brücke gibt. Für jung-nationalistisches Denken charakteristisch ist auch der Beitrag Frdr. Hielschers: Zweitausend Jahre. Autobiographisches. — WaldemarBonsels:TageberKinb. beit. 225 Seiten 8°. Broschiert 3,50, Ganzleinen 5 Mark. Verlag Ullstein, Berlin. — (470) — In dieser Erzählung wirb alles Literarische nebensächlich; wenn Bonseis von seinen Kinbertagen spricht, tauchen bie Gestalten unb Erinnerungen an biese Welt rein unb frisch empor, vermitteln bem Leser bie reine Freube bes Miterlebens. Ein freunblich georbnetes Vaterhaus in hellen Farben entsteht vor uns, mit bes Dichters Schwester Anni, „klug unb freunblich, wie bie meisten Leute, bie nicht um ihre Wirkung auf anbere besorgt finb, sonbern bie anbere auf sich wirken lassen", babei ziemlich ungezogen und zu jeher Teufelei zu haben, wenn sie sie nicht selbst ausheckt. Um sie, um Anni, gruppieren sich alle Ereignisse: sie ist babei unb maßgebenb, ob ber Kanarienvogel in ber Mausefalle gefangen ober ber Golbfisch mit Kognak getränkt ober ob bas herrliche Spiel mit ben nngebunbenen Paketchen getrieben wirb. Ein neues Buch bes jetzt fünfzigjährigen Dichters, in bem wir voll stiller Freube ben humorvollen Bonseks unserer Jugenb roieberfinben. — RichardBillinger: Die Asche des Fegefeuers. Eine Dorfkindheit. 193 S. 8°. Seinen 4,80 Mk. München bei Georg Müller, 1932. (446) — Ein interessantes und eigenartiges Buch legt Georg Müller mit Richard Billingers autobiographischer Erzählung „Die Asche des Fegefeuers" vor. Als Soin ein:6 H) besitzens und Kaufmanns im österreichischen Junviertel geboren und ursprünglich zum Priester bestimmt, geht er eigene und merkwürdige Wege, fängt verhältnismäßig spät mit dem Dichten an, ohne etwas aufzuschreiben oder gar zu veröffentlichen, und wird schließlich in Wien „entdeckt". Seine von ihm vorgetragenen Verse werden von Hofmannsthals Tochter Christine mitstenographiert, auch Max Mell wird aufmerksam, und so kommt Dillinger zu einer Dichterlaufbahn. Verständlich wird dieser abenteuerliche Weg, wenn man von der Kindheit hört, von der Dillinger in seinem ersten Prosaband erzählt. Schon das Kind Dillinger steht' all den Geschehnissen des dörflichen Sebens mit einem ungeheuer beeinflußbaren und empfindlichen Gemüt gegenüber. Mit atemloser Spannung erlebt es Dinge wie das geheimnisvolle, in spukhaftem Alter verglimmende Leben der Muhme als Hexenspiel, Mord und Drand wird zum höllenhasten Ur- geschehen, Siebe zum fanatischen Rasen des entfesselten Blutes. Dillinger schildert ohne eine Spur von Konvention, heidnisch mythisch und schauer- voll, fromm und abergläubisch zugleich, und zart bei aller Entsetzlichkeit mancher Schilderungen. — Cs ist früher bereits an dieser Stelle auf das lyrische und dramatische Schaffen Dillingers hinge- wiesen worden. z Romane und Erzählungen. — Albrecht Schaeffer: Das Opfertier. Erzählungen. 217 Seiten 8°. Im Insel-Verlag du Leipzig. (365.) — Albrecht Schaeffer, auf dessen dichterisches Werk schon früher mehrfach an dieser Stelle hingewiesen worden ist, und den die Leser des Feuilletons unb ber Unterhaltungsbeilage in verschiebenen Erzählungen unmittelbar kennengelernt haben, gehört zu ben wesentlichsten Kräften unseres beutschen Schrifttums ber Gegenwart. Seine Prosa ist von altmeisterlicher Haltung, einfach, klar, burchsichtig unb bilbhaft; seine Gestalten, so ungewöhnlich, abseitig unb frembartig sie zunächst erscheinen mögen, stehen festgefügt unb verwurzelt in ihrem Lebensraum; bie Begebenheiten, welche hier geschilbert werden, erheben sich über bie Zufälligkeit bes Einzelfalles hinaus zur beispielhaften Gültig- feit menschlichen Schicksals. Die bichterische Kraft Schaeffers beglaubigt sie, inbem er sie einfügt in bie ewige Gesetzmäßigkeit ber Beziehungen zwischen bem Menschlichen unb bem Uebermenschlichen, Übersinnlichen ober auch, wenn man es so sagen will, bem Göttlichen. — Uns persönlich ergriff am unmittelbarsten bie an ben Anfang gestellte Erzählung „Der Major"; die letzte, „Das Opfertier", eine bäuerliche Chronik aus dem 18. Jahrhundert, gab dem ganzen Buch den Namen und faßt die einzelnen Novellen, so verschieden sie untereinander sind in Thema und Haltung, zu einer Einheit zusammen, die in der Weltanschauung ihres Schöpfers begründet ist. —y— — Robert Reumann, Das Schiss „E s P ö r a n c e". V:rl7g Paul Zsolnay, Wien IV. Preis in Ganzleinen 5 Mk. (339.) — Robert Reumann ist seit seinem großen Zeitroman „Sintflut" kein Unbekannter mehr, die glänzenden Parodien „Mit fremden Federn" und mehrere Bände von Geschichten gaben Proben starker dichterischer Phantasie und einer Hinneigung zum Anekdotischen, die auch dieser neuen Rahmenerzählung zum Ruhen geworden sind. Die Zufälle des chinesischen Dürgerkriegs haben unter den Passagieren des mit europäischen Flüchtlingen von China nach Yokohama in See gehenden Dampfers „Esperance" eine kleine illustre internationale Gesellschaft zusammengeweht, die sich die Rächt der Ueberfahrt mit Geschichtenerzählen zu vertreiben sucht. Es wird ihre letzte Rächt und das Gespensterschiff ihr Schicksal, ohne ein Zeichen von Leben an Bord treibt es am Morgen wieder in dem chinesischen Ausgangshafen an. Die Todesfahrt des „Esperance" ist der Rahmen für eine Serie abenteuerlicher Geschichten, Kabinettstücke prickelnden Witzes, köstlichen Humors, blendenden Stils. — Gustav Frenssen: Der brennende Daum. (Grotesche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller, Dd. 189). Geh. 3,00, geb. in Ganzl. 4,50 Mk. G. Grote, Berlin. (360). — Zum erstenmal zieht Frenssens künstlerische Prosa ein historisches Gewand an und wählt als grandiosen zeitlichen Hintergrund den Dreißigjährigen Krieg. Mitten in dem Drama des größten europäischen Religionskrieges, dessen verderblich« Fackeln auch in die Stille der Lüneburger Heide getragen werden, steht das Schicksal eines ungleichen DrüderpaareS in symbolhafter Gegensätzlichkeit: hier der von Glück und Liebe verfolgte, dem Augenblicke dienende Landsknecht, dort der von Lot und Tod umgebene, um ewige Werte ringende Gottesstreiter, und zwischen ihnen die Frau. Szenen von unerhörter Eindringlichkeit zie- (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Basel, November 1931. Seit dem Kriege ist die Schweiz zum Reiseziel ungezählter Millionen von Geldwerten geworden. Zum 'Asyl für obdachlose Kapitalien und Kapitalisten und nunmehr, seit die Bank» und Weltkrisis das Gebäude der internationalen Wirtschaft und Finanz erdbebenhaft erschüttert, sagt sich mancher und mit Sorge, wie stehl's um die Kapitalien, die hier und dort und nicht zuletzt in der Schweiz, wie man heute sagt' wertbeständig angelegt worden sind? Sind sie auch in der Schweiz eingefroren oder richtiger vergletschert?! Um es vorweg zu nehmen. Auch dieSchweiz ist von der finanziellen Eiszeit nicht unberührt geblieben. Ein allgcmciner ökonomischer Temperatursturz macht sich auch in sehr gut geheizten Häusern bemerkbar. (£5 gibt kein System, mit dcm man Werte, wirtschaftliche Weite, temperaturbeständig erhalten kann, wenn- gleich der Gefrierpunlt bei einigen tiefer liegt als bei anderen. Betrachtet man die Funktion der Schweiz aus dem Felde der Geldwirtichaft, dann ergibt sich auf den ersten Blick die Gewißheit, daß die Lage der Schweiz mit jener Großbritanniens eine gewisse Bcrwandtschast aufweist: eine riesige Geld- Wirtschaft auf einem, anscheinend zu schwachen handelspolitischen Fundament. Wir wissen alle, daß die Beweglichkeit und Flüssigkeit von Anlagen und Werten von dem Volumen der Warenbewegung abhängig ist. Man kann im großen nur dann liquidieren, wenn man immobile Werte in mobile verwandelt. Das nennt man heute das Transferproblem, was eigentlich Uebertragungs- Problem bedeutet. Theoretisch dürfte es nicht mehr Geldwerte aus der Welt geben als bewegliche, näm- lich verkäufliche Waren vorhanden sind. Tatsächlich ist aber sehr viel mehr an Geldwerten vorhanden. Nun hat die Schweiz eine passive Handelsbilanz. Die Einfuhr lag in den verflossenen vier Fahren zwischen 2,03 und 2.16 Milliarden Mark, die Ausfuhr sank von 1,7 Milliarden im Jahre 1928 auf 1,4 Milliarden im Jahre 1930. Die Schweiz hat also jährlich für etwa 400 bis 500 Millionen Mark mehr eingcfuhrt als aus- geführt. Die Kapitaldewegung nad) der Schweiz ist aber sehr viel größer aewcsen als der Außen- Handelsumsatz erkennen lägt. Aber die Außenhan- dclszahlen zeigen, daß die innere finanzielle Ver- dauungskraft des kleinen Alvenlandcs mit seiner Bevölkerung von 4 067 305 Menschen (weniger als Groß-Berlin) längst überladen worden ist, wenn nicht ... und von diesem „wenn nicht" wäre denn jetzt zu reden. Man weiß, daß viele Kapitalflüchtlinge aus allen europäischen Ländern ihr Geld nach der Schweiz „gerettet" haben. Aus Deutschland, England, Frankreich ist Geld dorthin geflossen. Ader die Schweizer Banken konnten es beim besten Willen nicht aufnehmcn. Eine Bank muß die ihr übertragenen Werte doll; wieder a n l e g e n , teils um Zinsen zu zahlen, teils um den Wert des Kapitals zu erhalten, was heute auch ein Kunststück ist. Biele Einleger haben daher die Mitteilung erhalten, daß ihre Einlage bei dieser oder jener deutschen oder nichtschwcizerischen Bank erneut angelegt worden ist. Die Kapitalslucht war oft ein Kreislauf, aber kein wirklicher Export. Natürlich muß nun der Schweizer Bankier für das angenommene Geld gerade stehen. Kann er das aber? Um diese Frage zu beantworten, muß daran erinnert werden, daß die Schweiz nicht erst seit dem hen vorüber, zermarterte Wenjchhctt toirb irre am Glauben unZ> kehrt zu alten heidnischen Bräuchen zurück, hängt Gott zum Spotte den Lichterbaum in fein Haus. Aber was als Spott gedacht war, fällt durch die Tat des mutigen Priesters zum Segen aus und als christliches FriedcnZzcichen gewinnt der Weihnachtsbaum die Aotrünnigen zurück. Kriege eine internationale Geldmacht gewesen ist. Die Schweiz ist geradezu zum Hort der Finanz ohne Politik geworden. Allenthalben bedroht ein politischer Gesichtspunkt die Sicherheit der Anlage. Der ganze Reichtum Frankreichs ift fast ausschließlich politischer Reichtum. England hat soeben den heroischen Enl'chluß aesaßt, zur unpolitischen Geldwirtschaft zurückzukehren. Somit hat die Schweiz vor anderen, größeren Ländern den Vorzug, Geld um des Ertrages willen, den man damit erzielen oder nicht erzielen kann, zu behandeln. Praktisch verfügt die Schweiz über Beziehungen zur ganzen Welt. Ist auch ein praktisch erfaßter Export von nur 1,4 bis 1,7 Milliarden nicht sehr groß, so muß bedacht werden, daß ein erheblicher Teil zweifellos gar nicht erfaßt wird. Er wandert als Touristengut in Taschen und Täschchen in die Ferne. Es muß ferner erwogen werden, daß die Schweiz über ganz hervorragende internationale Positionen verfügt. Sie gehen nach Deutschland, da sind sie bekannt, sie weisen aber ebenso nach England und den Vereinigten Staaten, ja, es gibt kaum ein Land auf der Erde, wo nicht irgendwo ein Schweizer Interesse feststellbar ist. Nur mit Frankreich bestel ii wohl Geschäftsverbindungen, aber im ganzen doch mehr geschäftliche Gegensätze. Die Schweizer kennen die französische Gefahr und können (Sportverein 1928 Garbenteich. Garbenkeich I — Großen-Buseck Liga 2:4. Am Son:.tag hatte die 1. Mannschaft des Sportvereins Garbenteich die 1. Mannschaft des Sportklubs Großen-Buseck zum Gegner. Großen-Buseck gelang es, durch den Halbrechten das Führungstor zu erzielen, bald vermochte allerdings der Mittelläufer der Platzelf den Ausgleich zu erzielen. Mit 1:1 wurden die Seiten gewechselt. Nach Halbzeit waren die Gäste überlegen und vermochten bis zum Schluß noch drei Tore einzusenden, denen die Platz- desitzer durch einen Elfmeterball ein zweites Tor ent- gegenzusetzen vermochten. Garbenteich verlor bereits in der 10. Minute der ersten Halbzeit den Mittel- ftürmer. — Garbenteichs 1. Jugend vermochte gegen die 1. Jugend von Leihgestern einen 3:l°Sieg zu erringen. — Eine neuaufgestellte Schülerelf konnte sich mit nur neun Mann der stärkeren Licher nicht ganz erwehren und unterlag knapp mit 2:1. — Die 1. Schüler verloren auf dem Platz der Spielvereinigung 1900 Gießen 1:0. Schauturnen des Turnvereins Krofdorf Das diesjährige Schauturnen, das der Turnverein Krofdorf am Sonntag in feiner Turnhalle abhielt, erhielt eine besondere Note durch die Ehrungen des ersten Turnwarts Wilh. Leib, der das 25jährige Jubiläum als Vereinsturnwart kürzlich begehen konnte. Der erste Vorsitzende, Lehrer Jaeger, begrüßte die Teilnehmer. Auf ein gemeinsam gesungenes Turnerlied folgten nun in buntem Wechsel die turnerischen Uebungen. Aktive Turner, Jugend- turnv, Turnerinnen, Schüler und Schülerinnen zeigten an Pferd, Barren und Reck vorzügliche Leistungen, die großen Beifall fanden. Lob verdienten auch die Freiübungen und vor allem die Volkstänze. Musikalische Darbietungen umrahmten das Ganze. Turnwart W. Leib nahm sodann die Siegerehrung vor. Dank fleißiger Arbeit in insgesamt etwa 6000 Uebungsftunbcn im verflossenen Turnjahr konnte sie adwehren, da sie von der französischen Geidwin- jchafr nicht abhängig sind. Die Gefahr für die Schwei.; liegt in ihrer wachsenden Beliebtheit. Die Depositen in den Schweizer Danken sind von 1927 bis Ende 1930 von 2,2 Milliarden Schweizer Franken auf 3,1 Milliarden Schweizer Franken gestiegen. Der Schweizer A k • tienindex steht hoher als anderswo. Im Frühjahr auf 174 gegenüber 91 in Deutschland, 90,8 in Dänemark, 119 in England, 121,6 in den Vereinigten Staaten. Das heißt: Schweizer Papiere sind außerordentlich beliebt, und wir können daraus fchließen, daß die Angst vor der Politik in anderen Ländern einen Vorteil, gewiß aber auch eine schwere Belastung für die Schweizer Finanz bildet. So sind die Spareinlagen seit Beginn der Weltkrisis (Herbst 1929) von 1,9 Milliarden auf 2,2 Milliarden gestiegen. Die ausländischen Emissionen der Schweiz haben sich verdreifacht (1928 81 Millionen Reichsmark, 193U 250 Millionen Reichsmark). 9m Jnlande haben allein die privaten Unternehmungen der Schweiz 1,4 Milliarden Franken im Jahre 1929 emittiert gegen 964 Millionen im Jahre davor und gegen 713 Mill, im Jahre 1927. Kurz und gut, sogar die Schweiz hat sich trotz aller Abwehr nicht gegen eine Vergrößerung ihrer internationalen Abhängigkeit wehren können. Sie ist mehr als je mit der Weltwirtschaft ver- flochten, zumal aber mit der deutschen und eng- tischen Wirschaft. Es kann sich heute fein Land finanziell neutralisieren. Es gibt kein System der Wertbeständigkeit, noch ein solches der Liquidität, solange die Politik die Wirtschaft stört. Die Politik im weitesten Sinne, Sozialpolitik, Handelspolitik, Reparationspolitik. Nur einen Vorteil besitzt die Schweiz. Sie selbst hat es vermieden, sich an politischer Finanz zu beteiligen. Ist es ihr auch nicht geglückt, alle Folgen zu vermeiden, so bleibt die Schweiz trotz allem ein Hort der wirtschaftlichen Vernunft. Und wenn die vergletscherte Weltwirt- schäft und Geldwirtschaft auflaut, dann sollte die Schweiz die Vorteile aus der von ihr geübten Wirt- schaftsverständigkeit ziehen. der Verein, der im Gau mit an führender Stelle marschiert, auf allen turnerischen Veranstaltungen Einzel- und Mannschaftssiege erringen. In ehrenden Worten gedachte der erste Vorsitzende der großen Verdienste, die sich W. Leib in den 25 Jahren als Turnwart in dem Verein errungen hat. Er beglück- wünschte ihn und überreichte ihm ein wertvolles Geschenk. Ihm schloß sich der zweite Vorsitzende, S. Süßkind an, der Leibs aufopfernde Tätigkeit nicht nur für den Verein, sondern für die ganze deutsche Turnsache pries. Turnwart Leib dankte in schlichten Worten für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen. Kreisjugendpfleger Ar mb recht gab seiner Freude Ausdruck über das pulsierende Leben im Krofdorfer Turnverein, und er beglückwünschte ihn zu seinen turnerischen Erfolgen. Eindringliche Worte sprach auch der Ehrenvorsitzende des Vereins Hrch. Rinn, der aus dem Schatz seiner Erinnerungen und Erfahrungen Leibs Verdienste besonders würdigte. Handball im Gau Hessen (O.T.) To. Allendorf a. d. Lahn 1 — To. Münchholzhausen I 6:5. Den schönsten Sieg in der diesjährigen Pflicht- spielrunde konnte die 1. Mannschaft des To. Allen- darf am Sonntag erzielen, der ihr nun endgültig den zweiten Tabellenplatz einbrachte. Es gelang ihr, die als äußerst spielstark bekannten Münchholz, hausener, die bis jetzt ungeschlagen in der Tavelle der ^-Klasse I die Spitz« hielten, nach einem interessanten Treffen niederzuringen. To. Klein-Linden I — To. Nauborn 4:2 (1:2). Klein-Linden hatte am Sonntag Nauborn zu Gast. Schon in der ersten Minute erzielte Klein- Linden ein Tor, doch konnte Nauborn in der zehnten Minute aucgleichen und kurze Zeit später das Führungstor werfen. In der zweiten Halbzeit war Klein-Linden überlegen, bedrängte das Gästetor stark und konnte noch drei Treffer für sich buchen. Vergletscherte Kapitalien in der Schweiz. Von unserem ^.-Berichterstatter. Apoll aus Dem Schleuderbrett. on Paul E pp:r. Seit je locken mich die Darietetheater: ich liebe alle Artisten, weil es in ihren Darbietungen keine Schludere« gibt, weil hier immerzu ehrlichste, sauberste Arbeit geleistet wird. Wenn ein Akro- hat 999mal seinen .Trick" gezeigt hat, muß er ihn auch bei der schlechtbeiucht-'n 1000. Rach- mittagsvorstellung mit dem gleichen Höchstmaß von Gründlichkeit und Anspannung ausüben: denn auch nur e i n Mißlingen kann sein Selbstvertrauen erschüttern, und nicht umsonst heißt ein altes Artistensprichwort: „Auf Schlamperei steht Todesstrafe!" Das Publikum ahnt kaum, wie gefahrvoll viele dieser Schaustellerberuse sind. Sieht man aber häufig artistische Darbietungen. so achtet das Auge auch auf sogenannte Acbensächlichkeiten. Es ist ja nicht immer nur das beachtenswert, waS mit überfetten Druckbuchstaben auf dem Programm-ettcl steht. Und neben der Sensation blüht auch im Barietstheater die versteckte Anmut. Selbst Kraftmenschen zeigen bisweilen ästhetische Beseelung. v'ch sah kürzlich eine zwölfköpfige Akrobatengruppe. in der ein Jüngling mitarbeitete, fast noch ein Knabe. Er wurde von den stärksten Mannern immer wieder hoch geworfen, durch die Lust gewirbelt, und landete nach wiederholtem Lleberfchlag irgendwo am vorbestimmten Platz. Weil ich diese Arbeit feit Jahren kenne, verblüfft mich nicht mehr die Leistung an sich: ich achte auf die Art der Darbietung, sehe die Leichtigkeit, mit der solch ein .Untermann" den lebendigen Spielball hochtreibt, durch einen kleinen Auck seiner Muskeln: ich bewundere die .Federung der Gelenke beim Aufprall am Ziel. RichtS Schönere« aber kann ich mir denken, als die „Tcilammlung" dieses Jünglings, wenn er auf der Wippe deS Schleuderbrettes steht, den beiden Kameraden ins Auae sieht und weiß, nun werden sie gleich vorn hohen Gerüst herunter» svringen aufS andere Ende der Schaukel und so ihn selber in den freien Raum stoßen, unabwendbar. Doch der Knabe begnügt sich nicht mit diesem Wissen. Er meistert die fremde Kraft, noch ehe sie wirksam geworden ist, geht gewissermaßen dem Schwung voraus, spannt seinerseits alle Muskeln und lenkt den Schleuderstoß, eine Hundertstel Sekunde früher, als er ihn empfängt. Weil aber höchste Spannung nicht Krampf, sondern höchste Lockerung ist, sieht der Artisten- knabe in diesem Augenblick verklärt aus, wie ein träumender Apoll. Etwas ganz Anderes, nicht weniger Beglückendes! Die Tlmkleidepause einer berühmten Tänzerin füllt ein spanischer Lautenspieler aus. Er kommt bescheiden mit einem Stuhl aus der seitlichen Gardine, seht sich dicht vor den Souffleurkasten und klimpert. Ja, aber wenn man zufällig seitwärts von der Bühne seinen Platz hat, in der Aussicht das dunkle Griffbrett des Saiteninstruments erblickt, dazu die Finger der rechten Hand, von unten her beleuchtet durch die Lampen des Orchesters, — dann erlebt der für die Wunder cmrpfängliche Barietöbesucher die Berwirllichung eines TraumS: er sieht plötzlich die Musik. Die fünf Finger des spanischen Musikanten, der ein Birtuofe hohen Grades ist, leben ganz allein für sich, losgelöst von Kops und Körper deS Mannes, leben im übergrellen Licht mit jedem einzelnen Glied, Hüpfen jetzt, marschieren im harten Rythmus, tanzen bann. Haschen sich und tonen selber, toben wie Dreschf egel, kreisen gleich Windmühlen und zuweilen weben fie und wogen wie die geheimnisvollen Silbersühler einer Seerose am Meeresgrund. Zeitungen in Grönland. Dvn Niels Hoyer, Kopenhagen. Nachdruck verbotenl Daß eS in Grönland eine eigene Presse gibt, wird viele in Erstaunen setzen. Daß aber das älteste grönländische Presseunternehmen bereits auf ein siebzigjähriges Wirken zurückblicken kann, wird man bei .ins kaum für glaublich halten. ilnb dennoch ist es so. Im Jahre 1861 erschien zum erstenmal und seitdem ohne Unterbrechung ein in grönländischer Sprache gedruckte- Blatt, da- den Aamen .Atuagagd- liutit" erhielt, was in wörtlicher Llebersehung .StwaS i u m Lesen" bedeutet. Außer diesem Haupttitel erhielt das Blatt noch den Untertitel .Aalinginarnik tusaruminafasfunik univkat", waS etwa bedeutet: .Berichte über alle möglichen, hörenswerten Sachen". Damals, vor 70 Jahren, war nämlich das Lesen noch nicht Allgemeingut in Grönland. DieS hat sich seitdem gewandelt. Der Untertitel ist aber gleichwohl beibehalten worden. auS Pietät gegen den Gründer deS Blatte-, den .Gutenberg Grönlands", LarS Möller, der trotz seines dänischen Ramens ein .Bollblut- Grönländer" war. Der bekannte, längst verstorbene dänische Grönlandforscher 5>r. H. I. Aink hatte den jungen Möller in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entdeckt, ihn mit nach Kopenhagen genommen, wo er das Drucken, Zeichnen, Lithographieren und Zeitungsschreiben erlernte. Im Jahre 1859 kehrte Möller dann nach seiner Heimat zurück, errichtete die erste Druckerei in Grönland und startete im Jahre 1861 dann die erste grönländische Zeitung. Bis zu seinem Tode, im Jahre 1926, hat Lars Möller sein Blatt allein redigiert, gedruckt, meist auch allein illustriert, -- und größtenteils sogar allein geschrieben. Gs ist keine Tageszeitung, sondern ein Monatsblatt, behandelt in feinem verhältnismäßig sehr reichhaltigen Stoff, vor allem wirtschaftliche und kulturelle Fragen, — Politik existiert für den Gedankenkreis des Grönländers kaum—, bringt daneben auch wertvollen literarischen Stoss, Ao- vellen, sogar ab und zu fortlaufende Aomane: u. a. wurde Kiplings bekannter Aoman .Helden der See" in LarS Möllc Uebertragung zum Abdruck gebracht. Jeder 2 .gang wird außerdem gesammelt alS »Jahrbuch Grönlands" herausgegeben und, wie die MonatSnummem, über ganz Grönland bis in die fernsten, einsamsten Fangpläye des weitgestreckten Lande- verteilt. Ausschließlich von Grönländern wird diese Zeitung geschr.cben. Jeder Grönländer, ob Mann ober Frau, kann Mitarbeiten. Selbstverstänblich werden alle cingefanbten Artikel, wenn auch bescheiden, honoriert. Die- gilt auch von Bildbei- trägen. So findet man darin Erzählungen von gefahrvollen Erlebnissen im Kajak, von Abenteuern auf der Bärenjagd, gewürzt mit frischem, witzigen grönländischen .Jägerlatein". Dann und wann auch lyrische Ergüsse und Aeisebriese au- Kopenhagen. — Die Kosten dieser Zeitung werden durch die . FälleSkasfe" bestritten, b. h. .Gemeinsame Kasse", in der alle Beiträge auS ben Lleberschüfsen zufammensließen, die durch Fangverkäufe der grönländischen Bevölkerung an die Kolonieverwaltung, al- Monopolinhaberin deS GrönlandhandelS. erzielt werden. Ein nicht nur in ganz Grönland, sondern auch in Dänemark hoch angesehener Mann war dieser arktische Gutenberg, der von feinem König die goldene Berdienstmcdaille und kurz vor seinem Tode sogar da- Areux de- DanebrogordenS erhielt. Fünfundfechzig Jahrgänge hat LarS Möller .eigenhändig herauSgegeben. genau 780 Mo» natSblätter! Fürwahr eine stolze LebenSleistung! wahrend uic fcüer.en Durchbrüche Nauborn» zu keinem Erfolge mehr führten. To. Groh Rechtenbach I — Io. Lang-Göns 1 1:6 (0:2). Die erste Mannschaft des To. Lang Gens weilte am Sonntag bei der ersten Mannschaft des To. Groß-Rechtenbach, dem Tabellenführer der C-Älaffe, zu Gast Beide Mannschaften legten sofort ron Spielbeginn ein flottes Tempo vor. Das Spiel war Zunächst offen. Bn jur nalbjeit konnten bann die Gaste zweimal erfolgreich sein. Nach der Paule kam die größere Überlegenheit der Gäste durch vier weitere Tore zum Ausdruck. To. Groß-Rechtenbach (Schüler) gegen To. Lang- Göns (Schüler) 0:3 (0:2); To. Klein-Rechtenbach I gegen To. Lang-Göns 4:3 (0:2). Um öen Hockey-Silber-fchilb. Der vergangene Sonntag brachte die Durchführung der CBorrunbc um den Hockev-Si verfchild In Krefeld unterlag der Süden gegen die westdeutsche Els mit 3:1, während in Leipzig Aorddcutschland die mitteldeutsche Vertretung mit 6:4 abfertigte. Damit qualif zierten sich West- und Rorddeutfch- land für da- Zwischenrundenspiel. Der Sieger auS biefer Begegnung wird dann im kommenden März daS Finale gegen den Silberfchild-Derteibiger Brandenburg bestreiten. Sozialistische Arbeiierpariei. Die Sozialistische Arbeiterpartei hielt gestern abend im Easö Leib eine Wählerversammlung ab. Der erste Redner. Herr Funk (Leihgestern), betonte, daß die Arbeiterschaft durch sich selbst ihr Los ändern müsse, da nicht die Koalition mit bürgerlichen Parteien jemals imstande fein könnte, einen freien Arbeiter au schaffen. Die Sozialdemokratie habe im Hessischen Landtag Dinge toleriert, die früher strikte abgelcbnt worden seien. Der Redner wies u. a. auf die Stellung der sozialdemokratischen Abgeordneten tm Landtag in bezug auf die DerwaltungSresorm, die Abfindung deS GrohherzogS, die Kirche ufw. hin. Der zweite Redner, Siemsen (Halle), erklärte, das kapitalistische System habe eine ungeheuere ilcberfteigerung erfahren und zugleich auf der ganzen Linie versagt. Die Rationalisierung habe lleberproduktion und Arbeitslosigkeit zur Folge gehabt. Gleichzeitig habe eine schwere Agrarkrise Platz gegriffen. Kartelle und Trusts verhinderten eine Preisreduzierung, die geeignet gewesen sei, den Absatzmarkt zu beleben. BrüningS Methoden seien geeignet, die Lage zu verschlimmere Der Reformismus, den die Sozialdemokratie pflege, sei nicht im Interesse der Arbeiterschaft, sondern bereite dem Faschismus ben Weg. Reichstagsabg. Seydewih sprach über die Organisation und ben Zweck der Sozialistischen Arbeiterpartei. Die Situation für ben Arbeiter sei unter bem Einfluß bes gegenseitigen HafscS verschlimmert worben. Der gegenseitige Haß sei es, ber ber Arbeiterschaft immer toieber bic Aktionsfähigkeit raube. Es gelte heute, die Haß- atmosphäre in ben Arbeiter kreisen zu entgiften. Richt für bic Einheit ber Partei müsse gekämpft werben, fonbern für bic Einheit deS Proletariats. Brüning unterstütze ben Kapitalismus, bic Sozialdemokratie habe sich durch bic Tolerierung oer Drüningschen Politik zum Steifer für kapitalistische Interessen gemacht. Man habe die Tolerierung damit begründet, die Rationatto- zialistcn von der Regierung femzuhaiten. Aber man habe bei der SPD. doch kein Mittel, die Rationalsozialisten aufzuhalten. Die Sozialift iche Arbeiterpartei lehne jede Tolerierung ab. Ta- kapitalistische System müsse abtreten. Dem Arbeiter stehe zunächst kein andere- Mittel zur Verfügung, als die Schaffung einer proletarischen Diktatur, die allmählich in eine Demokratie übergeleitet werden müsse. In der anschließenden Di-kussion sprach der kommunistische Reich-tagsabgeordnete Schmidt, bei dessen Auftreten eine Anzahl der Dcrsamm- lungsteilnehmer den Saal verließen. ilnb nicht nm e ehrlich den Romen einer Monatszeitschrift verdient. Sein Ehrgeiz wollte noch höher hinaus, Duchverleger wollte er werden, ilnb so gründete er den .Grönland-Almanach", ein regelrechte- Jahrbuch, das seit seinem ersten Erscheinen auf dem Weihnachtstisch jeder grönländischen Familie zu finden ist und zu seinen Mitarbeitern neben eingeborenen .Schriftstellern" auch namhafte Ausländer zählt. Diese- Jahrbuch wird gratis verteilt. Rach dem Tode Möller- hat sein .Meisterschüler" Kristoffer L y n g e, ebensatt- ein Grönländer, der bet ihm und in Kopenhagener ZeitungS- untemehmen .von der Pike auf" da- jouma* listttchc Handwerk neben dem des Drucker- und Zeichners erlernt hat, die Wetterführung seine- Zeitungs- und DerlagSbetriebcs übernommen und besonder- den Rahmen der Zeitung dadurch erweitert, daß er eine besondere Rubrik für .Eingesandt" und Diskussionszwecke" eingeführt bat: in dieser Rubrik tummelt sich seitdem da» sehr diskussion-lustige E-kimovolk, bestürmt die Redaktion mit den seltsamsten Fragen und bekommt schnurrigsten Bescheid: alles geht .frei von der Leber weg" und .so, wie jedem der Schnabel gewachsen ist". ES gebt um Lokal-Angelegenheiten, um Erziehung-- und Wirtschaft-frazen. religiöse Probleme losen sich mit guten Ratschlägen für Reisen ber .Jungen" nach dem fernen Dänemark ab. Damit aber niemand über die Stränge schlägt, hat der .LandSfogt", da- heißt der erste Koloniebeamte in Dodthaab. da-, wenn auch sehr milde praklisierte, Zenfurrecht auSzuüben. — Seit 1912 hat da- Blatt, wenn auch nicht am selben Ort. sondern im nördlicher gelegenen God- havn. einen Konkurrenten bekommen, da» unter dem Ramcn .Aoangnamiog", da» heißt .Der Rordgrönländer". cdensattS alS MonatSblatt ähnlichen Inhalt- erscheint. Der Bollständ qkeit wegen muß bann auch noch ba» .Monatsheft der Grönländischen Kirche" erwähnt toerben, ba- al- reine Zeitschrift HerauSgegeben wird und nur den Interessen der eingeborenen Pfarrer und Lehrer dient. Dem Laienleser bietet aber auch diese Druckschrift manch belehrenbe- Material, doch ift sich die .gesamte Konkurrenz“ in Grönland darin einig, daß da- vornehmste, verbreitetste und bestgeleitete .Organ“ auch heute noch da» .Mötter- sche Blatt", wie der Grönländer gewöhnlich den .Atuagagdliutit" nennt, ift. auch schon deshalb, weil im Berlage dieser Zeitung .richtiggehende* Bücher zeitgenössischer grönländischer Literaten .von Fall zu Fall" erschienen sind und erscheinen. °"S'T°ns | füm sprach Miete Schmid: ,1 der Dersamm ehen. (Halle), et» habe eine un» •n und zugleich "•« ?.aHonafi(ie» Atbeitslosigkeit ibe eine schwere tfle und Trusts ag, die geeignet leben. Drünings ge zu verschling )ie Svüaldrmo» se der Arbeiter» smuS den Deg. prach über die r Lozialistischen ir den Arbeiter nf eiligen Hasses nleitige Hah sei wieder die Ib heute, die Haßen zu entgiften. : müsse getankt »es Proletariats. Ismus, die ko» 'ne Zolericrung elfer für fapi' Ian habe die ne Ttotionolfo* zichastrn. Ader fein MW, die Die LoziaWche icning ab. TaS reten. Dem Ar» Mittel zurAer» et proletarischen Demokratie über» rpor/ei. ^erpartel ew Wähser. ; lLeihgeftern), W selbst Koalition ton ^schassen. Ar »scheu Landtag abgelehnt war» ■ auf die Etel» bgevrdneten im valtMgSresotm, die Kirche usw. Bl'"«- rFr Jle .MMfo ft« ^arddeutüh. Ableger aus Därz ^Verteidiger scheu Familie.SU l?tem neben-m- , namhaft® Au-' 'S*8 w* ein .Meisterschü' aa «in Grönlcm- £5 3**: F- das I°urna' Drucker- leriührung le,nne? / ubernommn^ W.^Min» kf»"" Kommt ItL" Schnabel ge -**Ä* auszuübe^, ■nn auch nlf 3oh» her 8«le{& unter a(8 itv«x-en Lehrer E^chdi- > aber , i|i Mi» ®8l|rt' Ä4Ä nchverlegerWvM „den.Sr°n' et r1,. = nAf« Wirischast. Festere (Stimmung in Berlin. Berlin, 12. Nov. (WTB. Funkspruch.) Nachdem durch die gestrige neue Devisenordnung wieder eine Lücke, die sich im Devijenportefeuille der Reichsbank ungünstig ausgewirkt hatte, ausgefüllt ist, tauchte heute die hauptsächliche Frage auf, wie schon jetzt die Aussichten zur Wiedereröffnung der Börse wären. Obwohl hierüber zunächst noch keine Entscheidung seitens der Reichsbank zu erwarten sein dürfte, da man doch erst einmal die Auswirkungen der neuen Bestimmungen abwarten mutz — auch der Börsenvorstand beabsichtigt nicht, hierzu Stellung zu nehmen — hatte doch schon allein die Möglichkeit einer Aenderung des jetzigen Börsennotzustandes eine f e st e r e Stirn- m ung im Telephonverkehr zur Folge. Das eher schwächere Neuyork und die weiteren Preisrückgänge an den Warenmärkten fanden nur wenig Beachtung, dagegen verwies man auf die angeblich g e b e f - ferten Aussichten der deutsch-französischen Finanzbesprechungen. Ein Abschluß der Vorverhandlungen wird an den deutschen maßgebenden Stellen in den allernächsten Tagen mit Zuversicht erwartet, so daß dann der Weg zur praktischen Arbeit frei wäre. Aus dem heutigen Konjunkturbericht glaubt man, Hoffnungen auf weitere Belebung schöpfen zu können. Die Bestimmungen der neuen Aufwertungsnotverordnung wurden mit Interesse zur Kenntnis genommen: besonders daß Jndustriegesellschaften, die ihren Obligationsverpslichtungen nicht nachkommen können, in den nächsten drei Jahren keine Dividende zahlen dürfen, fand stärkere Beachtung. Das Geschäft als solches hat durch die erschwerenden Bestimmungen der Devisenverordnung für den Handel mit den Ausländern in Auslandwerten und in deutschen Werten, die auf ausländischen Märkten laufen (Dollarbonds), im heutigen Freiverkehr erheblich nachgelassen, zumal man sich über einzelne Bestimmungen der Verordnung noch nicht ganz klar zu sein scheint. Die Hauptwerke zogen aber gegen gestern nachmittag um 1 bis 2 v. H. an. Auch Reichsbank und Schultheis lagen etwas fester, nur Dessauer Gas blieben recht schwach veranlagt. Der Pfandbriefmarkt hatte ruhiges Geschäft, aber auch hier setzten sich meist Besserungen bis zu 1 v. H. durch. Oer iRcnfenmarff in Frankfurt lebhaft. Frankfurt a. M., 11. Nov. Das Geschäft im heutigen telephonischen Freiverkehr von Bureau zu Bureau war für Aktien nur gering, wogegen am Marktgebiet der festverzinslichen Werte sehr lebhafte Am sähe stattfan- den. 3m Vordergründe des Interesses stand heute der Pfandbriefmarkt, an dem das Dementi einer Zwangskonvertierung günstig ausgenommen wurde. Die Spekulation, die in den letzten Tagen stark vorgegeben hatte, nahm heute .stärkere Eindeckungen vor, so daß sich gegen die gestrigen Kurse Besserungen um etwa. 3 bis 5 Prozent ergaben. Besonders stark gefragt waren hierbei die Werte der Frankfurter und Meininger Bankinstitute, aber auch Norddeutsche und bayerische Papiere lagen erheblich fester. Liquidationspfandbriefe zogen ebenfalls um 1 bis 2 Prozent an, wobei sich verschiedentlich Materialknappheit bemerkbar machte. Neichs- schuldbuchfordcrungen in späten Fälligkeiten konnten sich leicht befestigen, desgleichen von deutschen Anleihen Altbesitz. In Erwartung von evtl. Maßnahmen für den Handel von Dollar- b o n d s herrschte an diesem Marktgebiet stärkste Zurückhaltung. Bon Auslandwerten lagen Mexikaner auf dem erhöhten Kursniveau, das sich durch das Anziehen des Silberpreises in den letzten Tagen ergab, gut behauptet. Die Festigkeit des Rentenmarktes übertrug sich auch zum Teil auf den Aktienmarkt. Das weitere Anwachsen der Arbeitslosenziffern, die schwache Haltung der Neuhorker Börse und vor allem der deutschen Werte blieben fast ohne Eindruck. Für Spezialwerte, wie IG.-Farben, AEG-, Siemens und einige andere ergaben sich Kursavancen von 1 bis 2 Prozent. Scheideanstalt gewannen auf Anlagekäufe 3 Prozent. Montan-, Kunstseide-, Bank- und Schiffahrtsaktien zeigten kaum Veränderungen. Das Geschäft war jedoch, wie schon erwähnt, nur gering, da sich das Hauptinteresse auf den Rentenmarkt konzentrierte. Ruhe on den Devisenmärkten. 2ln den internationalen Devisenmärkten war das Geschäft gestern vormittag sehr ruhig, zumal verschiedene Plätze infolge des Feiertages (Waffenstillstandstag) ausfielen. Das englische Pfund hat sich gestern wieder abgeschwächt und ging auf 3,7978 gegen den Dollar zurück. Man betrachtet in internationalen Devisenkreisen diese Schwankungen des Pfundes als normal, die so lange anhalten werden, bis das Pfund stabilisiert ist. Gegen den Gulden schwächte sich das Pfund auf 9,41, gegen Paris auf 96,50, gegen Zürich auf 19,41 und gegen die Reichsmark auf 16,02 ab. Der Dollar lag international etwas höher, die Reichsmark konnte sich behaupten Am Nachmittag war das Geschäft sehr ruhig, die Veränderungen nur sehr gering. Das Pfund konnte sich gegen seinen tiefsten Tagesstand wieder leicht erholen, es stellte sich auf 3,797s gegen den Dollar, gegen den Gulden wurde es mit 9,427z. gegen Zürich mit 19,42 und gegen die Reichsmark mit 16,06 gehandelt. Der Dollar lag international ziemlich fest, so konnte er in Amsterdam wieder auf 248,25 anziehen. Die Reichsmark konnte sich knapp behaupten, in Amsterdam ging sie auf 587s. in Zürich auf 121,05 zurück, während sie in Neuyork mit 23,70 etwas höher notierte. vevifcnmarkt Berlin — Jranffurl a. 2R. 11 .JloDcmber 12. November Amtliche Notierung Meld | Brief Amtliche Notierung Geld Dries £>c((ingfotl . Wien. . . . 8,29 8,31 8,29 8,31 58,94 59,06 58,94 59,06 Prag . . . 12,47 12,49 12,47 12,49 Budapest . . 73,28 73,42 73,28 73,42 Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 169,83 170,17 169,73 170,07 Oslo .... 89,41 89,59 89,01 89,19 Ropenfjagen. 90,41 90,59 90,31 90,49 Gtodholm . 91,16 91,34 89,41 89,59 London. . . 15,94 15,98 15,89 1,128 15,93 Buenos MreS 1,138 1,142 1,132 Nennorl . . 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüssel . . . 58,66 58,78 58,66 58,78 Italien. . . 21,78 21,82 21,73 21,77 Paris . . . 16,55 16,59 16,55 16,59 Schweiz . . 82,24 82,40 82,22 82,38 Spanien . . 36,76 36,84 36,66 36,74 Danzig. . . 82.27 82,43 82,22 82,38 Japan . . . 2,058 2,062 2,058 2,062 Rio ve Jan.. 0,259 0,261 0,259 0,261 Jugoslawien. 7,473 7,487 7,473 7,487 Lissabon . . 14.49 14,51 Banknoten 14,49 14,51 Relchsbankdiskanl 8 v. h., Lombardzinsfuß 10 v. h. Berlin, 11 November Geld Bries Amerikanische Violen....... 4,20 4,22 Belgische Noten......... 58,50 58,74 Dänische Noten ........ 90,22 90.58 Englische Noten....... . 15,90 15,96 Französische 'Noten........ 16,54 16,60 Holländische Noten........ 169,46 170,14 Italienische Noten........ 21,76 21,84 Norwegische Nolen........ 89,22 89,58 Deutsch.Oesterreich, i 1OO Schilling 58,68 58,92 Rumänische Nolen........ 2,51 2,53 Schwedische Nolen........ 89,97 90,33 Schweizer Noten. ........ 82,04 82.36 Spanische Noten......... 36,63 36.77 Ungarische Noten ....... * Die Be Handlung von Anträge» bei derDevisenbewirtschaftung. Anträge und Anfragen, die sich auf die Devisenbewirtschaftung beziehen, sind nach der Devisenverordnung ausschließlich an die zuständige Stelle für Devisenbewirtschaftung beim Landesfinanzamt zu richten. Formelle Beschwerden gegen die Entscheidung dieser Stelle sind gesetzlich nicht vorgesehen, jedoch können notfalls Vorstellungen erhoben werden. Diese Vorstellungen werden von den Stellen selbst entgegengenommen und, soweit sie nicht völlig unbegründet sind, dem Neichswirtschaftsminister vorgelegt. Unmittelbar an den Reichswirtschaftsminister gerichtete Anträge, An- fragen und Vorstellungen können keine Berücksichtigung finden. Der Reichswirtschaftsminister wird derartige unmittelbar an ihn gerichtete Gesuche, die in den letzten Wochen in übergroßer Zahl eingegangen sind, in Zukunft lediglich an die Stelle für Devisenbewirtschaftung zur zuständigen Bearbeitung weiterleiten. Es empfiehlt sich daher, um unnütze Verzögerungen zu vermeiden, Gesuche und Vorstellungen nur bei den Devisenstellen einzureichen. «Kloeckner-Werke-AG., Castrop- Rauxel. In der gestrigen Aufsichtsratssihung der Kloeckner-Werke-AG., Castrop-Rauxel, wurde der Abschluß für das am 30. Juni 1931 zu Ende gegangene Geschäftsjahr 1930/31 vorgelegt. Er ergibt einen Betriebsüberschuß von 23 661 642 (35 185 272) Mark. Einschließlich des Gewinnvortrages aus dem Vorjahre beträgt der Tleberschuh 24 044 698 (35 671 014) Mark. Nach Abzug von 6 442 439 (7 354 887) Mark für soziale Lasten, 6 337 746 (7 733 259) Mk. für Steuern und 3 337 425 (3 376 797) Mk. für Anleihezinsen, beträgt der Roh- gewinn 7 927 088 (17 201 070) Mk., nach Abschreibungen in Höhe von 7 922 172 (10 356 069) Mk. verbleibt ein Reingewinn von 4 915 000 (6 845 000) Mark, der auf neue Rechnung vorgetragen werden soll. (Im Vorjahre 6 Prozent Dividende.) Frankfurter Schlachtvichmarkt. Frankfurt a. M., 12. Nov. Auftrieb: 82 Rinder, 802 Kälber, 833 Schafe, 1072 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 40 bis 43 Mk., mittlere Mast- und Saugkälber 35 bis 39, geringe Kälber 28 bis 34. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Mast- hämmel (Weidemast) 24 bis 27, (Stallmast) 20 bis 23, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 15 bis 19. — Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 44 bis 46, von etwa 200 bis 240 Pfund 43 bis 46, von etwa 160 bis 200 Pfund 42 bis 46, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 38 bis 43, Sauen 33 bis 40 Mk- — Marktverlauf: Kälber, Schafe und Schweine langsam, ausverkauft. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 78 vom 10. November enthält: Viehzählung. — Be- tämpfung der Tuberkulose. — Die Ausstellung von Wandergewerbescheinen,Gewerbelegitimationskarten. Die Zahlungsfrist in Auswerlungssachen. Fristverlängerung durch Notverordnung. B e r I i n , 10. Nov. (WTB.) Der Herr Reichspräsident hat am 10. d. M. auf Grund des Artikels 48 Absatz 2 der Reichsverfassung eine Verordnung über d i e Zahlungssrist in Aufwertungssachen erlassen. Am 1. Januar 1932 werden die von den Gläubigern vor Jahresfrist gekündigten Aus - wertungshypothcken fällig. Nach dem Gesetz für die Fälligkeit und Verzinsung der Aufwertungshypotheken vom 18. Juli 1930 hat zwar der Grundstückseigentümer die Möglichkeit gehabt, innerhalb von drei Monaten nach Zugang der Kündigung bei der Aufwertungsstelle eine Zahlungsfrist zu beantragen. Zahlreiche Schuldner haben aber damals den Antrag nicht gestellt, weil sie mit Recht annehmen konnten, den Aufwertungsbetrag 1932 zahlen zu können. Andere Schuldner haben den Antrag zwar gestellt, ihn aber zurückgenommen, nachdem sie sich vergewissert hatten, daß sie für den zurückzuzahlenden Betrag von einem anderen Gläubiger eine Ersatzhypothek bekommen würden. Endlich haben in den Fällen, in denen das Zahlungsfristverfahren durchgeführt ist, häufig die Aufwertungsstellen den Antrag abgelehnt, weil nach der damaligen Wirtschaftslage die Aufwertungsstelle zu der Auffassung kam, daß dem Schuldner die Rückzahlung der Hypothek zuzumuten sei. Diese Verhältnisse haben sich durch die Ereignisse seit Juni d. I. grundlegend geändert. Die neue Verordnung sieht daher vor, daß in den angegebenen Fällen die Schuldner, die durch die Veränderung der allgemeinen Wirtschaflsverhältnisse überrascht worden sind, bis zum Ablauf des 30. November 1931 bei der Aufwertungsstelle dem Antrag auf Bewilligung einer Zahlungsfrist nachholen oder ihn, sofern er bereits rechtskräftig abge- wiefen war, erneuern können. Vorausgesetzt ist dabei, daß die durch die Veränderung der allgemeinen Wirtschaftsoerhältnisse geschaffene Laae nicht schon in einem früheren Zah- lungsfristversahren berücksichtigt werden konnte. Mit dieser Maßnahme sind die beteiligten Organisationen, mit denen die Frage erörtert ist, im wesentlichen einverstanden. Die Voraussetzungen, unter denen die Zahlungsfrist bewilligt werden kann, sind dieselben, wie nach Dem Gesetz über die Fälligkeit und Verzinsung der Aufwertungshypotheken vom 18. Juli 1930. Vereinbarungen zwischen Gläubiger und Schuldner über die Rückzahlung werden nicht a n g e t a ft e t. Dem Wunsche der Schuldner, wenigstens die vor der Aufwertungsstelle geschlossenen Vergleiche in die Neuregelung einzubeziehen, ist nicht stattgegeben worden, da gegen ein solches Eingreifen in vertragliche Bindungen schwerwiegende grundsätzliche Bedenken bestanden. Nach der Notverordnung kann weiter den Schuldnern von Industrieobligationen und verwandten Schuldverschreibungen eine Zahlungsfrist für die am 31. Dezember d. I. fällig werdenden aufgewer- telen kapitalbelräge — nicht aber für die bis zum 31. Dezember 1931 gestundeten Tilgungsteilbeträge — in ähnlicher Weife gewährt werden, wie dies in dem Aufwertungsschlußgeseh vom 18. Juni 1930 für die Schuldner aufgewerteter Hypotheken vorgesehen ist. Die Zahlungsfrist, die nur bis zum 31. Dezemberl934 bewilligt werden kann, und während deren nach Möglichkeit Teilzahlungen geleistet werden sollen, darf nur gewährt werden, wenn der Schuldner infolge der Veränderung der allgemeinen Wirtschaftslage über die zur Rückzahlung erforderlichen Mittel nicht verfügt, sie sich auch nicht zu zumutbaren Bedingungen verschaffen kann, oder wenn die Rückzahlung nicht ohne Gefährdung der Fortführung des Unternehmens erfolgen könnte. Die gestundeten Beträge sind ab 1. Januar 1932 mit 7,5 Prozent jährlich zu verzinsen und mit einem Aufgeld von 2 Prozent für jedes angefangene Kalenderjahr, für das die Stundung in Anspruch genommen wird, zurückzuzahlen. Für die Dauer der Stundung darf der Schuldner keine Gewinne an die Gesellschafter ausschütten und in der Regel auch keine Tantiemen zahlen. Zuständig für die Bewilligung der Zahlungsfrist ist die bei den Oberlandesgerichten nach früheren Verordnungen gebildete Spruchstelle. Die Anrufung der Spruchstelle muß spätestens bis zum 30.November d. I. erfolgen. Wessen Knd bin ich? Vornan von Fr. Lehne. (Urheberschutz durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.) 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Am Zaun, unter dem Schutz einer Trauerweide, war ein kleines Grab, mit den köstlichsten Blumen geschmückt, und davor saß eine schmale, schlanke Frau, die Hände krampfhaft ineinandergeschlun- gen, ganz eingehüllt in ihren Trauerschleier, der lang vom Hute wallte, den Kopf tief geneigt, als zöge die Last des Schmerzes ihn herab. Ihre Augen starrten auf den Hügel, als wollten sie die Erde durchdringen und suchen und sehen, was er barg. Hoffnungsloseste Trauer drückte ihre Haltung aus: sie achtete auf nichts um sich her. Die Vorübergehenden machten um dieses Grab einen kleinen Bogen. Erst in einiger Entfernung blieben sie stehen, warfen scheue, teilnahmsvolle Blicke nach der jungen Frau und tauschten in unwillkürlichem Flüsterton ihre Meinungen aus. Es war ja auch zu schrecklich gewesen — das bildhübsche Kind, das jeder im Dorf gern gehabt und bewundert — wie ein Engel hatte es im weißen Kleidchen, den blonden Locken, den blauen Augen und roten Wangen ausgesehen — auf was für eine schreckliche Art hatte es ums Leben kommen müssen! Im Aebermut hatte es getan, was die Eltern streng verboten — hatte sich auf das Treppengeländer gesetzt und dabei das Gleichgewicht verloren und sich überschlagen, mit Wucht war das Kind auf die Steinplatten des Haus- ganges gestürzt und auch gleich tot gewesen! Keiner hatte es glauben können, die unglückliche Mutter am wenigsten! Sie war nicht von der Leiche wegzubringen ' itoefen; Tag und Nacht hatte sie bei ihrem Kinde gesessen, und herzzerreißend war es am Begräbnistage gewesen, als man die verzweifelte Mutter mit Gewalt vom offenen Grabe hatte wegführen müssen, weil sie es nicht dulden wollte, daß man über ihren Liebling kalte schwarze Erde schüttete — dann hielt eine wohltätige Ohnmacht, die ihr das Letzte, Schwerste ersparte, ihre Sinne eine lange Zeit tief umfangen! Seit diesem Tage war die sonst so fröhliche junge Lehrersfrau eine andere geworden. Anfangs hatte man für ihren Verstand gefürchtet: doch gnädig ging dieser Schlag an Lehrer Lenz vorüber, wenn ihm auch noch genug des Schweren blieb. Die Frau war jedem Tröstungsversuch unzugänglich, schroff wies sie alle zurück: aber man trug es der bis ins Herz getroffenen Mutter nicht nach. Man bemühte sich, dem Christel, dem neunjährigen Söhnchen, allerlei Liebes zu tun, weil die Mutter sich in ihren Schmerz hüllte und den Knaben darüber vernachlässigte, der dadurch nur ein sehr ernstes, ja, fast trauriges Kind wurde. Der von allen Seiten ehrerbietig gegrüßte Pfarrer redete mit vielen, bis er zur Frau Lenz kam. Langsam näherte er sich der Trauernden, die so in ihre schmerzlichen Gedanken versunken war, daß sie ihn gar nicht bemerkte und förmlich zusammenschreckte, als er ihr sanft die Hand auf die Schulter legte und sie anredete. Sie schob den Schleier vom Gesicht, und mit einem abwesenden Blick in den dunklen, schönen Augen schaute sie den Pfarrer an. „Ich habe soeben Ihres lieben Mannes herrlichen Garten bewundert — wie groß ist seine Mühe und Arbeit!" Sie nickte schwach. „Der kleine Christel ist ein netter Bub! Er ist nur recht still und ernst." „Für ein Haus der Trauer paßt kein Lachen und Lärmen!" „Schelten Sie nicht auf das Lachen, Frau Lenz! Es ist ein Geschenk für den, der so recht von Herzen zu lachen vermag!" „Das sagen Sie mir, Herr Pfarrer — — mir?" „Ja, das sage ich Ihnen, Rebe Frau Lenz", betonte er, „ober glauben Sie, unserem Herrgott ist damit gedient, wenn die Menschen in Trübsinn und Tränen ihre Tage verbringen?" „Ich soll lachen? Wie kann ich das je wieder nach diesem Leid?" Sie warf einen bezeichnenden Blick auf das Grab, und in bitterem schmerzvollen Lächeln verzogen sich ihre Lippen. „Gott schickt uns Schmerz und Leid, um uns zu läutern; in Demut müssen wir uns seinem Willen beugen! Wir dürfen uns unserem Schmerz aber nicht so hingeben, daß wir mit dieser Hingabe anderen wieder großes Leid zusügen! And das tun Sie, Frau Lenz." „Herr Pfarrer--" „Ja, meine liebe Frau Lenz, denn Sie denken nicht an Ihr Söhnchen, das einsam und traurig in seinem Märchenbuche lieft; und Ihr lieber Mann war auch nicht srch beim Schaffen! Glauben Sie, er trauert ebenfalls tief um das Töchterchen. Bei euch ist es so, daß jeder seine Trauer für sich trägt, und darum schwerer, anstatt sich durch ein gemeinsames Tragen die Last zu erleichtern." „Hat sich mein Mann beklagt?" „Nein, Frau Lenz, er schweigt! Ich lese aber auf seinem traurigen Gesicht — ich sehe das über seine Jahre ernste Kind — ich habe doch Augen! Sie vergessen über der Toten die Lebenden, die sich nach Ihrer Liebe sehnen." „Es gibt keinen größeren Schmerz als den meinen! Die können sich da nicht so hineindenken, Herr Pfarrer; denn wer niht selbst Kinder gehabt hat, versteht die Seele einer Mutter nicht!" Mit schmerzlichem Blick sah der Pfarrer sie an. „Ach, meine liebe Frau Lenz, meine Frau und ich, wir verstehen Sie nur zu gut! Denn unsere beiden Knaben sind uns un Zeiträume einer Woche im Alter von sieben und fünf Jahren durch eine Diphtherie genommen worden; es ist allerdings schon viele, viele Jahre her." Eine tiefe Betroffenheit malte sich auf dem Gesicht der jungen Frau. „Das wuht ich nichts" murmelte sie. „Wir haben auch nie darüber gesprochen, meine Frau und ich, weil diese Wunde bei der geringsten Berührung noch immer schmerzt! Damals meinte meine Frau auch, daß sie diesen Schmerz nicht überleben könne! Doch unser Töchterchen brauchte die Mutter, wie Ihr Christel auch die Mutter braucht/' „And das Töchterchen haben Sie auch noch verloren?" fragte Frau Lc^z leise. Sie wußte nicht anders, als daß die Pfarrersleute kinderlos waren! Der Pfarrer schwieg einen Augenblick. Sinnend sah er vor sich hin. Heber sein edles, gütiges Gesicht zuckte es schmerzlich. „Ja, auch die Tochter haben wir verloren — aber nicht durch den Tod — und es fragt sich wohl, was schlimmer ist: ein Kind an den Tod zu verlieren oder an das Leben. Niemals wird ihr Name zwischen uns genannt, und doch vergeht kein Tag, an dem wir nicht an sie denken. Es gibt noch größeren Schmerz als den Ihren, Frau Lenz! Aber der Mensch muß noch größer als fein Schmerz fein! Schwere Zeiten haben wir durchgemacht." „Wie kam das alles über Sie, Herr Pfarrer?" „Ich kann Ihnen das nicht mit wenigen Worten sagen! Anfere Tochter war Erzieherin, hatte aber einen unbezwinglichen Drang zur Bühne — und entgegen unserem Willen folgte sie diesem Drang! And dann hatten wir, abgesehen von einigen kurzen Briefen, nie wieder von ihr gehört — wir wissen nicht, ob sie noch lebt — nun messen Sie Ihren Schmerz an dem unseren und sagen, welcher der größere ist! Wir sind froh, daß wir hier sind, wo uns niemand kennt und etwas von unserem Leid ahnt! Wenn Sie mit Christel manchmal zu meiner Frau gehen würden, wäre es sicher wohltätig für Sie beide! Was haben die letzten paar Jahre aus meiner Frau gemacht! Doch bitte ich Sie, daß das. was ich Ihnen gesagt, streng unter uns bleibt! And wenn es Sie nur ein wenig dazu bringt, Sie von Ihrem Schmerz abzulenken, dann soll mir das eine Genugtuung sein, liebe Frau Lenz! Ich schätze Sie beide so sehr und wünsche, daß Frohsinn wieder in Ihrem Hause einkehrt!" Tieferschüttert hatte die junge Frau diesen Worten gelauscht. Welche Fülle von Kummer und Schmerz bargen sie! Verstohlen warf sie einen Blick in das gütige Gesicht des Pfarrers das einen so wundervoll abgeklärten Ausdruck hatte. Was mußte er durchgekämpft haben, bis er zu dieser erhabenen Ruhe gekommen war! Er stand neben ihr, den Hut hielt er in der Hand, und sein silbergraues Haar glänzte in der Sonne. , 2ch würde mich freuen, Frau Lenz, wenn Sie meine Frau begrüßen wollten! Sie hat heute fast den ganzen Tag allein sein müssen, da ich einen erkrankten Amtsbruder zu vertreten hatte." Frau Berta Lenz konnte nicht anders, als der Aufforderung des Pfarrers zu folgen, und an seiner Seite schritt sie den breiten, lindenumsäumten Hauptweg dem Ausgange zu. Waren die Worte des Pfarrers doch auf fruchtbaren Boden gefallen ? 3n diesen Tagen schien es Christian Lenz, als sei seine Frau nicht mehr ganz so abwesend und versteinert — sie sprach etwas mehr und fragte ihn sogar, ob sie ihm im Garten etwas helfen könne — das hatte sie seit dem Anglücksfall niemals getan. And der kleine Christel machte ganz verwunderte Augen, als die Mutter ihn nach seinen Schularbeiten fragte und ihm dann bei seinen Rechenaufgaben hals. Das war er doch gar nicht mehr gewöhnt! And Frau Lenz fühlte die innige freudige Dankbarkeit des Mannes und des Kindes, daß sie sich wieder zu ihnen zurückfand und Interesse für ihr Tun und Treiben hatte. Ihr war, als sei ein eiserner Reif gesprungen, der solange ihr Herz und ihre Stirn umspannt gehalten. — Alltagssorgen nahmen von neuem Platz in ihr, und sie konnte wieder an noch etwas anderes denken als nur an das kleine blumengeschmückte Grab. In langen schlaflosen Nachtstunden hatte sie über die Worte des Pfarrers nachdenken müssen, und sie war einsichtsvoll genug, sich zu sagen, daß er recht gehabt — sie durfte über ihrem Schmerz die Lebenden nicht vergessen! Mit innigster Freude, doch ohne ein Wort dazu zu sagen, bemerkte ihr Gatte diese Wandlung, und unaussprechlich dankbar war er dem Pfarrer, dem es gelungen, die trauernde Frau von ihrem unfruchtbaren, sich selbst vernichtenden Gram abzubringen und ihr wieder Sinn für das Geben und ihre Pflichten einzuflöhen. Das Schwerste schien ja nun überwunden: mit anderen, helleren Augen schaute sie wieder um sich. And die Zeit, die alles lindernde, würde weiter helfen! (Fortsetzung folgt.) Persil Pers« I */< Pfand Feinster gekochter Schinken Kakao pr„„d75, stark entölt-..............................‘/«Pfd 19.5 Karten 2. Platz M alles i Saal- oder Mittelloge -Mk. 18.— 7666 c Die Nol der Verbraucher lindert der Konsumverein! 50 Pf. 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