Nr. NO Erstes Matt 181. Jahrgang Dienstag, 12. Mai 1951 6r|d)e int täglich, autzei sonntags and Feiertag» Beilagen Die Illustriert« vtetzenei FamilienblLttet hetmat itn Blld Dir Scholle (RonatsBejugsDretS; 2.20 Reichsmark und 30 Retchspienntg füi Träge» lohn, auch bei Nichterscheinen «inzelnerNummern mfolge HSHerei (Bemalt 5ernsvrechantchlüste anter5ammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Glefien. postichecklonlo: Sta^ffurt am Main 11686 GietzenerAnMer General-Anzeiger für Gberhefsen Drud und Verlag: vrühl'sche Unwersitäts-Vuch- und Stetndruckeret L Lange tn Stehen. Schristlettung and Sefchäftsftelle: Schulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für i mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mne Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20 ° 0 mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Abwehr oder Angriff? Die wohl abgewogene Rede, mit der der Reichsauhenminister auf dem Bankett des Berliner Dereins der ausländischen Presse auf die recht grobkörnige Rede Briands geantwortet hat, war — gestehen wir es offen — eiste gewisse Enttäuschung. Denn sie war namentlich nach der unerhörten Entschließung der französischen Kammer, die man nur als unzulässige Einmischung Frankreichs in rein deutsche und österreichische Angelegenheiten auffassen kann, für deutsche Ohren um die entscheidende Idee zu wohl abgewogen, die in der diplomatischen Sprache aus einem berechtigten Gegenangriff reine Notwehr macht. Wir hätten gewünscht, daß Dr. Curtius gerade vor diesem Forum bedeutender Auslandjournalisten und führender Vertreter des Berliner diplomatischen Corps etwas weniger gemessen und etwas mehr mit dem Temperament gesprochen hatte, das Stresemann vor Jahren einmal zu dem berühmten Faustschlag auf den Tisch hinrih, als der polnische Außenminister in Lugand allzu unverfroren wurde. Gewiß ist gerade die Außenpolitik vor allem Sache eiskalten Verstandes und Willens. Es gibt aber auch hier Situationen, in denen es nützlich, ja geradezu notwendig ist, auch das Herz mitsprechen zu lassen, dann nämlich, wenn es u m die Grundsahfragen der Auhenpol i - t i k geht. Daß die österreichisch-deutsche Zollunion hierher gehört, wird der Reichsaußenminister am aller» < wenigsten bestreiten wollen. Er ist, wenn nicht . der Schöpfer der Idee, so doch zum mindesten ihr sichtbarster und vornehmster Träger im Reiche. Gr hat sich auch das Verdienst erworben, der deutschen Außenpolitik damit einen Weg aus der Sackgasse gewiesen zu haben, in die sie seit der letzten Haager Reparationskonferenz unleugbar geraten war. Das bedeutet politisch-psychologisch in einer Zeit drückendster wirtschaftlicher und | seelischer Rot sehr viel. Denn für ein großes nationales Ziel, wie es die Zollunion mit Oesterreich trotz ihrer wirtschaftlichen Begrenztheit ja |. ist,- wird jeder deutsche Staatsbürger auch zu i schwersten Opfern bereit sein, »wenn sie ihm nur die Hoffnung auf eine bessere Zukunft lassen, auf eine Zukunft, die wieder zur Freiheit Deutschlands führt. Damit aber ist zugleich die riesengroße V e r - J antwortung umrissen, die Dr. Curtius auf sich nahm, als er Deutschland und Oefteuceich das Ziel der Zollunion steckte. Die Aufgabe, I die er sich selbst .wie der gesamten deutschen Ration diesseits uno jenseits der Grenzen gestellt hat, darf unter keinen Umständen zu einem i politischen oder wirtschaftlichen Handels- objekt herabgewürdigt werden. Denn sie ist aus dem unveräußerlichen politischen Gedankengut eines Volkes entstanden, das nur gezwungenermaßen in zwei Staaten lebt. Sie ist von grundsätzlicher Bedeutung insofern, als schon von der Art, in der die Zollunionsidee durchgeführt wird, die künftige staatliche Gestaltung des mitteleuropäischen Raums abhängt. Die Rede des Reichsaußenministers vor der Berliner Auslandpresse war in dieser Hinsicht nicht so eindeutig, wie es sich die deutsche Oeffentlichkeit Wohl gewünscht hätte. Dr. Curtius hat erklärt, daß er sich im einzelnen die fachliche Erwiderung auf die Kammerrede Briands für die Genfer Verhandlungen Vorbehalte. Davon, wie diese Erwiderung ausfällt, wie, überhaupt die deutsche Delegation paktiert, wird man das Urteil abhängig machen müssen. Daß die bevorstehenden Genfer Tagungen für die deutsche Außenpolitik diesmal von ungewöhnlicher Bedeutung sind, darüber ist man sich bis in die äußerste Rechte hinein nicht im unklaren. Es konnte vor fünf Jahren, als die Frage nach dem Eintritt Deutschlands akut wurde, zweifelhaft sein, ob der Zeitpunkt richttg gewählt war und ob die Umstände der europäischen Polittk den Beitritt Deutschlands erwünscht machten. Heute kann es mindestens darüber keinen Streit mehr geben, daß es für die deutsche Außenpolitik absolut notwendig ist, sich alle Gelegenheiten des Genfer Glacis im Kampf um die deutschen Interessen ebenso zunutze zu machen, wie es die französische Politik ohne jegliche Skrupel tut. > Der Reichsauhenminister hat sich soeben in Der- I [in gegenüber Briand auf eine kühle Geste der Abwehr und der Richtigstellung beschränkt. Wir hoffen und erwarten von ihm, daß er in Genf ! trotz seiner Eigenschaft als Ratspräsident, die ihn gewiß zu einigen repräsentativen Konzessionen nötigen wird, keine ernsthafte Gelegenheit versäumt, um in der Frage der österreichisch-deutschen Zollunion aus der Verteidigung zum Angriff überzugehen. Daß das formal» und politische Recht dabei auf unserer Seite ist, darüber gibt es tn Deutschland keinen Streit; wir werden es also notfalls auch getrost auf eine Entscheidung b&g Haager Gerichtshofs ankommen lassen. Für die moralische und politische Stellung Deutschlands und Oesterreichs in Europa wird es aber entscheidend sein, ob es Curtius gelingt, den Gedanken der österreichisch-deutschen Zollgemeinschaft ohne Denaturierung durch Gegenvorschläge, deren angeblich konstruktiver Charakter nur auf die Zerschlagung der österreichisch-deutschen Wirtschaftsgemeinschaft hinausläuft, zu verwirklichen oder nicht. In Genf wird die deutsche Front von den verschiedensten Seiten her berannt werden, und es wird der ganzen kühlen Ruhe bedürfen, über die Dr.' Curtius erfreulicherweise verfügt, um ' nicht die Ausfallsmöglichkeiten aus der deutschen Festung zu verlieren. Die wichtigste Bastion aber ist — schon wegen ihrer Wirkungen nach Südosteuropa hin — die österreichisch-deutsche Zollunion. Wie Frankreich seinen Präsidenten wählt. Oie alte Königsstadt Versailles erwacht. — Oer Zusammentritt des Nationalkongresses. 900 Stimmen werden gezählt. - Ein Frühstück schließt den Wahlakt. Eine verschlafene Stadt ist Versailles, der Königssih vor den Toren von Paris. Auf den breiten Avenuen, die Platz für marschierende Regimenter und für wimmelnden Verkehr bieten, sicht man kaum einen Menschen. Aber es ist wie im Märchen. Alle sieben Jahre erwacht die alte Stadt aus ihrem Schlaf, die Häuser werden lebendig, in den Restaurants findet der Besucher keinen freien Tisch, Militär und Polizei wird aufgeboten, um Ordnung in die Menschenmassen zu bringen, und alles bewegt sich zu dem gewaltigen Schloß, das nur von Bevorzugten betreten werden darf. In diesem Schloß haben Frankreichs Könige ihre glanzvollsten Feste gefeiert. Dort ist das Deutsche Kaiserreich entstanden, dort wurde das Friedensdiktat unterzeichnet. Alle sieben Jahre wird in diesem Schloß der Präsident der französischen Republik gewählt. Es ist ein feierlicher Akt, voll Aufregung für die Abgeordneten und die Senatoren, voll Sensatton für das schaulusttge Publikum, das herausgepuht ist, als ginge es zu einer Permiere in der Oper. Einen Monat vor dem Ablauf der Amtsperiode des letzten Präsidenten muß sein Nachfolger gewählt sein. Der gemütliche Gaston Sou» mergue, spöttisch-liebenswürdig hciu'ig gastou- net genannt, wird das Elysöe am 13. Juni verlassen; also muß am 13. Mai der neue Präsident gewählt werden. Ein paar Wochen vorher begann man, das Schloß von Versailles für die Feier vorzubereiten. 3m linken Flügel des Schlosses liegt der große Saal, wo sich die Abgeordneten und die Senatoren zum Rationalkongreh vereinigen. Etwa 900 nehmen an dem Wahlakt teil. Der Saal ist kalt und kaum schön zu nennen. Er hat eine Gitterdecke, durch die ein trostloses Licht strömt, und gehässige Beobachter haben längst gemerkt, daß in dieser Beleuchtung die kahlen Schädel der Senatoren noch fahler als sonst aussehen. Dagegen kann man nichts tun. Aber die Wände und der Fußboden können gereinigt, die Stühle auf- gestellt werden, in den Wandelgängen sind Vorbereitungen getroffen, um die Gäste würdig zu empfangen, und im großen Saal hat jeder Stuhl seine Nummer bekommen, darunter steht der Name des Inhabers. Das sieht sehr ordentlich aus — nur gehört es zur Traditton, daß sich die Senatoren und die Abgeordneten gerade dahin setzen, wo es ihnen paßt, so daß die Vorbereitung eigentlich überflüssig ist. Die meisten Politiker nehmen es nicht übel, wenn ihr Platz beseht ist. Doch gibt es regelmäßig auch einige Hitzköpfe, die einen Wortwechsel beginnen, und allerlei Ehrenhändel werden dann ein paar Tage nach der Wahl ausgetragen. Es wurde ja genügen, wenn alle Politiker gleichzeitig einträten und sich dann auf ihre Plätze begeben würden. Aber bet Sonderzug mit den zwanzig Wagen erster Klasse, der die Abgeordneten nach Versailles bringt, wird nicht von allen Mitgliedern des Nattonalkongressesl erreicht. Pünktlichkeit ist nur die Höflichkeit der Könige, die zum Ausgleich viele Privilegien erhalten. Die Nachzügler, die im Laufschritt auf dem Bahnhof erscheinen, wenn der Zug die Halle verläßt, stürzen sich in ein Auto, um rechtzeitig einzutreffen. Früher war es schwieriger, trotz einem verpaßten Zug noch am Wahlakt teilzunehmen. Als die Sozialisten und die Radikalen den schwerreichen Casimir-Perier, den Mitbesitzer einer der größten französischen Sektfirmen, wegen der Affäre Drcyfus anzugreifen begannen, warf der Millionär die. Würde des Präsidenten schon nach einem Halden Jahr wie eine lästige Bürde von sich und zog sich in das Privatleben zurück. Am 17. Januar 1895 fand die Neuwahl in Versailles statt. Der Zug mit den Senatoren war schon abgefahren, als Felix F a u r e auf dem Bahnhof erschien. Zu spät? Dennoch wurde er am gleichen Tag zum Präsidenten von Frankreich gewählt. Am Wahltag ist der ungeheure Platz vor dem Schloß, in den alle Straßen der Stadt münden, nicht wiederzuerkennen. Das Schloß selbst ist von lautem Leben erfüllt. Schildwachen stehen an allen Türen, Hauptwachen an den Haupteingängen, prunkvolle Uniformen und Livreen sieht man auf den Treppen, an den Fenstern, in den Vorzimmern, auf den Gängen, in den Höfen. Auch die dritte Republik, olwohl sie erst sechzig Jahre alt ist, hat schon ihre Tradition. Und man hängt an dieser Traditton mit kaum geringerer Zähigkeit als etwa die Engländer an ihren alten politischen Bräuchen und Uebetlieferungen. Die Wahl des französischen Slaalsoberhauples vollzieht sich nach einem streng vorgeschriebenen Zeremoniell, von dem niemals abgewichen wird. Der Vorsitzende des Kongresses ist der Präsident des Senats. Das war vor sieben Jahren Gaston Doumergue, der einen Prä- sidententttel gegen einen anderen eintauschte. Diesmal ist es Paul D o u m e r , der weniger Aussichten hat, in das Elysäe einzuziehen. Der Bohemien und große Polittker Aristide Briand steht ihm im Weg. Zur genau festgesetzten Zeit betritt der Senatspräsident den Großen Saal. Aus die Sekunde — es fragt sich nur, nach welcher Uhr er sich richtet. Rechts und lii^ls vom Präsidentensih befindet sich nämlich je eine Uhr, und eine böse Traditton will es, daß sich die beiden Zeitmesser nicht vertragen. Der Senatspräsident Hai zunächst die Pflicht, seinen Zuhörern mitzuteilen, was sie alle wissen: nämlich die einschlägigen Artikel der Verfassung. Zeremonien haben die Eigenart, ebenso würdig wie langweilig zu sein. Es ist Tradition, daß nun irgendwelche oppositionellen Abgeordneten die ungeeignete Gelegenheit ergreifen, eine Verfassungsänderung vorzuschlagen oder gegen irgendetwas zu protestieren. Der Rationalkongreh ist nämlich souverän und könnte in der Tat etwas Außergewöhnliches beschließen, wenn er mit dieser Tagesordnung einberufen werden würde. Dieser Rechtsirrtum wird pflichtgemäß vom Senatspräsidenten richtig gestellt, und dann kann man in der Tagesordnung fortfahren. Das Wichttgste ist nun, aus den 26 Buchstaben des Alphabets durch das Los irgendeinen zu bevorzugen. Bei der Wahl von Doumergue zog man den Buchstaben J, und demzufolge würbe als erster Abgeordneter der Kriegsminister Ignace aufgerufen, der nicht da war. Darauf steckte der Senator Ioui- zan den ersten Zettel in die Urne. Würde immer mit dem Buchstaben A angefangen, so könnten die Herren, deren Namen mit dem Ende des Alphabets beginnen, zwei Stunden später erscheinen, und das will man verhindern. Jeder Senator soll den ganzen Wahlakt genießen. Hat die Abstimmung begonnen, so haben die Abgeordneten und die Senatoren die schwerste Arbeit hinter sich. Sie haben sich entschieden und brauchen rtür noch aufzupassen, daß sie den Abstimmungszettel in die ungeheure grüne Urne und die weiße Kugel, die sie ebenfalls erhalten, zur Kontrolle dem Türhüter geben. Vor sieben Jahren hat Painleve, der als Professor ein Recht auf Zerstreutheit besitzt, diesen einfachen Vorgang durcheinander gebracht und die Kugel in die Urne geworfen, während er dem Diener den Zettel in die Hand drückte. Inzwischen beginnt die Arbeit der Journalisten, die aus allen Landern der weit in Scharen herbeigeströmt sind und in Ermangelung der Abstimmungsergebnisse zunächst Stimmungsbilder drahten. Manchmal sind mehrere Abstimmungen notwendig. denn der Präsident muß die absolute Majorität der abgegebenen Stimmen erhalten. Ueberraschungen sind nicht ausgeschlossen. Freilich, diesmal fehlt ein Mann, der in den letzten dreißig Jahren jede Präsidentenwahl dramatisch zuspitzen half: Clemenceau. Zum erstenmal entschied er den Verlauf des Nationalkongresses am 18. Februar 1899. Die Rechte und die Progressisten hatten Meline zum Präsidenten erkoren, die Radikalen den Senatspräsidenten Loubet. Arn Morgen des Wahltages schrieb Clemenceau in seiner „Aurore": „Ich stimme für Loubet", und tatsächlich wurde Loubet gewählt. Auch bei der Wahl des Jahres 1906 ist Clemenceaus Einfluß von größter Bedeutung gewesen. Er und alle anderen Führer der zur Macht gelangten radikalen Partei unterstützten die Kandidatur des Senatspräsidenten Falliäres, die Nationalisten und Klerikalen waren dagegen für Herrn Doumer. Aber sie unterlagen ebenso wie um sieben Jahre zuvor. Bei der Präsidentenwahl von 1913 wurde Clemenceau, der für den radikalen Politiker Pams war, geschlagen, und Poincarä wurde Präsident. wenn die Abstimmung ein eindeutiges Ergebnis gehabt hat, gehl ein dumpfes Brausen durch die Säle des Schlosses. Die Trommeln wirbeln, der Senalspräsident erhebt sich und verliest das Resultat. Bei der vergangenen Wahl stimmten darauf die Kommunisten die Internationale an, und die übrigen Abgeordneten und Senatoren antworteten mit der Marseillaise. Der Ministerpräsident teilt dann dem gewählten Kandidaten offiziell seine Ernennung zum Präsidenten der Republik mit, und das neue Staatsoberhaupt hält eine Rede, in der vor allem die Verfassungstreue betont wird. Inzwischen hat man für den neuen Präsidenten ein Frühstück vorbereitet, das traditionell immer aus demselben Gericht besteht, nämlich aus Seezunge mit Weißwein. Der Präsident muß sich stärken, bevor er im Triumph nach Paris geführt wird, wo er sich schnurstracks in das Elysee begibt. Dort führt ihn sein Vorgänger durch die Räume, die er meist sehr genau kennt, und die er in einem Monat für sieben Jahre beziehen soll. Wer wird Präsident der französischen Republik? s ßau/rrwr Paris, 11. Mai. (III.) 3m Zusammenhang mit der Präsidenlschaflskandidalur Briands ist am Montagabend folgende amtliche Verlautbarung veröffentlicht worden: Eine große Anzahl allen republikanischen Gruppen angehörender Senatoren und Abgeordneten hat einen dringlichen Schritt beim Außenminister Briand unternommen, um diesen zu ersuchen, seine Kandidatur für diepräsi- dentschaft der Republik aufzustellen. Das älteste Mitglied der Abordnung, kammerabgeord- neler Thomson, hat Briand auseinandergeseht, daß es sich für den Außenminister darum handle, unter Ausschluß aller Parteibedenken und persönlicher Rücksicht eine nationale Tat zu vollbringen. Die Frage der Kandidatur Briands habe seit einigen Tagen wegen der Angriffe gegen ihn ein ganz anderes Gesicht bekommen. Die Angriffe gegen seine Person hätten wenig zu besagen, aber da sie sich auch gegen die Politik, die er vertrete, richte, und diese Politik diejenige Frankreichs seit sechs 3ahren und eine Friedenspolitik sei, handle es sich heute um diese Politik. Die Präsidentschaslswahl werde also die Bedeutung haben, daß diese Politik die von der Vertretung der Ration gewünschte sei. Briand hab« geantwortet, daß die von der Delegation seiner Kandidatur gegebene 3nterpretierung es ihm nicht gestatte, sich den an ihn ergangenen Ruf zu entziehen, und daß er es infolgedessen für seine Pflicht erachte, seinen Freunden zur Verfügung zu stehen. Oer Gegenkandidat. Doumer will nicht verzichten. Paris, 11. Mai. (WTB.) Senatspräsident Doumer hatte um 15 Uhr den Besuch Briands empfangen. Briand hatte ihm erklärt, daß er nicht entschlossen sei, die Kandidatur für den Präsidenten der Republik anzunehmen. Einige Stunden später erschien dann eine parla- mentarische Delegation bei Doumer, um die Gründe auseinanderzusetzen, die Briand doch zur Annahme der Kandidatur veranlaßt hatten. Briand selbst hätte bei der Besprechung mit der parlamentarischen Kommission darauf hingewiesen, daß er mit Paul Doumer freundschaftlich verbunden sei und ihn sogar selb st ermutigt habe, zu kandidieren. Deshalb muffe er seine Freunde bitten, sich mit dem Senatspräsidenten in Verbindung zu sehen, um ihm darzulegen, unter welchen Bedingungen er veranlaßt worden sei, vem Drängen seiner Freunde, zu kandidieren, nachzugeben, und besonders darauf hinzuweisen, daß dieser ^Wettbewerb für Doumer nichts Verletzendes haben könnte. Die Delegation bat Doumer, von seiner Kandidatur gegen diejenige Briands abzu- stehen. Doumer hat es jedoch ab gelehnt, auf seine Kandidatur zu verzichten, und erklärt, daß er sie trotz der Kandidatur Briands aufrechterhalte. Seiner Ansicht nach sei Briand besser am Platze im Außenministerium, um dort das wichttge, von ihm seit vielen 3ahren geleitete Werk fortzusetzen. Infolgedessen halte er, Doumer, seine Kandidatur für die Präsidentschaft aufrecht Und überlasse cs den Wählern, sich zu äußern. Gute Aussichten für Briand. Briand versichert sich seines Wahlerfolges. Paris. 11. Mai. (TU.) An dem Schritt der Linksgruppen der beiden Häuser hat sich wider Erwarten die demokratische Linke des Senats, die fast die Hälfte der Mitglieder des Senats umfaßt, nicht beteiligt. Die Gruppe hat vielmehr eine Entschließung angenommen, in der zum Ausdruck kommt, daß die Mitglieder beim ersten Wahlgang vollkommen freie Hand behalten, während sie im Falle eines zweiten Wahlganges für denjenigen Linkskandidaten stimmen werdmr, der die meiste Aussicht auf Erfolg hat. Man hätte annehmen sollen, daß der Außenminister sich unter diesen Umständen weigern würde, die Kandidatur anzunehmen. Es darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, daß die Wahl in Versailles st r e n g g e he i m ist und weder der Schritt der Linlsgruppen, noch die ausweichende Haltung der demokratischen Linken des Senates maßgebend für den Ausgang der Wahl sind. Die Entscheidung des Außenministers durfte wahrscheinlich durch den Einfluß gewisser hochstehender politischer Persönlichkeiten bestimmt worden sein, mit denen er im Laufe des heutigen Montags eingehend Rücksprache gehalten hat. Der ehemalige Kriegsminister Painlevö, der jetzige Finanzminister F l a n d i n, Kriegsminister Magi not und Landwirtschaftsminister Tar- d i e u statteten im Laufe des heutigen Tages dem Außenminister Besuche ab. Sie haben ihm wahrscheinlich ihre volle Unterstützung zugesichert. 3n politischen Kreisen nimmt man an, daß der parlamentarisch erfahrene und in allen seinen Entschlüssen sehr vorsichtige Außenminister sich vor der Zusage gewisser Garantien für denWahlerfvlg versichert hat. Es sei also anzunehmen, daß eine vorbereitende „St im men zähl ung" hinter den Kulissen die notwendige absolute Mehrheit ergeben habe. Briand will sich in Genf verabschieden. Paris. 11. Mai. (Haras.) In der Umgebung Briands erklärte man. daß der Beschluß des Außen- Ministers, für die Präsidentschaftswahl zu kandidieren, seine Absicht, sich am 15. Mai nach Genf zu begeben, in keiner Weise ändere. Wenn Briand am Mittwoch in Versailles gewählt werde, halte er es für einen Akt der Höflichkeit, sich von seinen Kollegen des Organisationsausschusses für die europäische Föderation zu verabschieden und sie zu bitten, einen neuen Präsidenten zu ernennen. Der Aufenthalt Briands in Genf würde dann sehr kurz sein, Briand würde weder an den Arbeiten des Studienausschusses für die europäische Union, noch an denen des Dölkerbundsrates teilnehmen. Attentat auf Professor Hans Günther. Günther verwundet. — Der Täter unerkannt entkommen Jena, 11.Mai. (TU.) Auf den Raffensorscher Prof. Dr. Hans Günther, der seit Herbst vorigen Jahres auf Veranlassung des damaligen national- sozialistischen Kultusministers FUck an der Universität Jena einen Lehrstuhl für Sozialanthropologie bekleidete, ist in der Nacht auf Sonntags, wie bereits kurz gemeldet, ein Mordanschlag verübt worden. Günther kam mit seiner Frau von einer nationalsozialistischen Kundgebung. In unmittelbarer Nähe seiner Wohnung, die etwas außerhalb der Stadt liegt, wurden von einem jungen Mann aus allernächster Nähe mehrere Schüsse auf den Professor abgegeben, von denen einer ihn am linken Oberarm verwundete, während die anderen fehlgingen. Die zur Tat benutzte Pistole wurde von dem entkommenen Verbrecher in der Nähe des Tatortes weggeworfen. Sie enthielt noch drei Patronen. Der Täter ist anscheinend schon tagsüber von mehreren Anwohnern bemerkt worden, wie er sich in der Nähe des Tatortes aufhielt und spät abends noch Einlaß in die Wohnung des Pro- fesfors begehrte. Er hat vermutlich schon mehrere Tage zuvor die geplante Tat zur Ausführung zu bringen versucht. Auf die Ermittlung des Täters ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Prof. Günther gibt zu dem Mordanschlag eine Darstellung, in der es u. a. heißt: Etwa fünf bis acht Schritte vor dem Gartentor des Hauses, in dem wir wohnen, knallten hinter uns zwei oder drei Schüsse. Ich fühlte mich am Arm verletzt und stürzte mit Worten „Verfluchter Hund!" auf den etwa zwei Meter entfernt stehenden jungen Mann zu, der quer über die Straße davonlief, in den Schatten eines Zaunes. Dort bückte er sich und schoß aus etwa zwei Meter Abstand aufs neue. Durch diesen Schuß durch die auf mich gerichtete Waffe, sowie durch Hilferufe meiner Frau, die ich nun für verletzt hielt, wurde ich einen Augenblick unschlüssig, sprang zu meiner Frau, fragte sie, ob sie verwundet sei und lief dem Angreifer wieder. nach, nachdem sie dies verneint hatte. Dieser war nun im Schatten des Zaunes und hierauf gingen meine Frau und ich in unsere Wohnung, wo ich Blut am linken Oberarm feststellte. Dann ging ich zu dem unter uns wohnenden Arzt, der mir Hilfe leistete. Ich hatte von unserer Wohnung die Polizei angerufen, die sehr bald erschien, den Tatbestand aufnahm und mich in die Chirurgische Klinik brachte, wo die im Arm steckende Kugel erftfernt wurde. Prof. Dr. Günther erklärte noch, daß er keine persönlichen Feinde habe und daß der Anschlag daher nur in politischen Motiven seinen Ursprung haben könne. Neue Unruhen in Spanien. Kommunistische Revolten in Madrid. - Radikale Forderungen an die Regierung Sturm auf die Klöster. M'a b r i b, 11. Mai. (TU.) Trotz ber Aufforderung der Regierung, die Arbeit sofort wiederaufzunehmen und jede Art von Demonstrationen zu unterlassen, hat sich ber am Sonntag begonnene Streik in Madrid weiter ausgedehnt. Mit Ausnahme ber lebenswichtigen Betriebe arbeitet nie- m a n b. Die Trambahnen verkehren nur teilweise und haben den Betrieb im Stadtzentrum gänzlich eingestellt. Die Autodroschken streiken ebenfalls, obwohl das sozialistische Volkshaus ihnen den Befehl gegeben Hat, Dienst zu tun. Angeblich befürchten die Kraftwagenführer, baß ihre Wagen von ben rabi» taten Elementen verbrannt werden. 3m Stadtinnern wimmelt cs von Menschen, die, in unzählige Gruppen verteilt, Strahenrednern zuhören. Diese fordern zum größten Teil eine Ausschaltung der gemäßigten Elemente aus dem Kabinett, andere wieder Hetzen das Volk gegen die Kirche und insbesondere gegen die Klöster auf. Die Polizei sieht dem Treiben untätig zu. Die Mehrzahl der Läden und Geschäfte haben geschlossen aus Furcht vor Uebergriffen der Menge. In einem Ministerrat, der pm Montagmittag zusammengetreten war, hat die Regierung beschlossen, den Kriegszustand in Madrid zu verhängen. Gegen 14 Uhr wurde das Inkrafttreten dieser Maß- nähme durch öffentllchen Ausruf der Bevölkerung bekanntgegeben. Die Regierung hatte durch Militärflugzeuge Aufrufe an die Arbeiterschaft abwerfen lassen, worin diese zur Aufnahme der Arbeit aufgefordert wurden. Daraufhin traten zahl- reiche Autotaxen ihren Dienst wieder an, zahlreiche Geschäfte, die wegen ber Unruhen geschlossen hatten, begannen roieber ihre Läden zu öffnen. Zahlreiche sozialistische Redner hielten Ansprachen an die streikenden Arbeiter, in denen sie über die kommu- nistischen Methoden aufgeklärt und aufgefordert wurden, den Streik aufzugeben. 3n dieser Zeit hatten die Kommunisten, unterstützt vom Pöbel, ein im Stadtinnern gelegenes Zesuitenkloster in Brand gefleckt. Es kam dabei zu schweren Zusammenstößen zwischen der Po- lizei und den Kommunisten, bei denen es auf beiden Seiten Verluste gegeben haben soll. Die Menge hinderte die Feuerwehr mit Gewalt daran, Löschversuche einzuleiten. Auch an drei anderen Stellen der Stadt sind Brände angelegt worden. Die bekannt wird, steht auch das Kloster der Karmeliter sowie ein Kloster in einem Vorort in Brand. Zahlreiche Banden von Kommunisten durchziehen unter Absingen von kommunistischen Liedern die Stadt und fordern die Bevölkerung zum Kampf gegen das Bürgertum auf. Die Regierung hat die Verhaftung sämtlicher Monarchisten, die für die gestrigen Vorfälle verantwortlich gemacht werden, angeordnet. Sämtliche Börsengeschäfte in ganz Spanien sind aus Anweisung der Regierung eingestellt worden. Madrid gleicht einem Hee- reslager. ileberall patrouilliert Polizei und Militär zu Fuß und zu Pferde. Bei der Regierung! ist eine sechsköpfige Arbeiterabordnung erschienen, die u. a. die Auflösung der Gendarmerie verlangt und gegen das Vorgehen des Innenministers protestiert hat. Verschiedene Zeitungen haben polizeilichen Schutz erbitten müssen. Die Regierung betont in einem Kommunique, daß sie entschlossen sei, jede weitere Störung der Ordnung durch rechts gerichtete Elemente energisch zu unterdrücken. Rach ber Nachricht ber Abendzeitung „Informa- tion" soll der Innenminister Ulauta sein Rücktrittsgesuch eingereicht haben, was im Fall der Annahme einem Zugeständnis an die Straße und einer Schwächung des ohnehin schwachen bürgerlichen Elements im Kabinett gleichkäme. Zamora hielt eine durch Radio verbreitete Rede, in der er fein Bedauern über die Vorfälle zum Ausdruck brachte. Die Regierung werde sich immer auf der Seite des Volkes befinden, wolle aber verhindern, daß dieses irregeleitet und dem Chaos in die Arme .getrieben werde. Er betonte, daß die Regierung fest entschlossen sei, unter keinen Umständen die Auflösung der Bürgergarde zu dulden, die der Republik treu ergeben sei. • 3n den ersten Nachtstunden wurden die wichtigsten Plätze der Stadt sowie Kirchen und Klöster militärisch beseht und Maschinengewehre in Stellung gebracht. Kavallerie patrouilliert durch die Außenviertel. Die Straßen- propaganda kommunistischer Elemente und das Erscheinen roter Flaggen mit Sow- jetabzeichen nimmt zu. 3m Ministerrat erschien eine Abordnung unter Führung des Mechanikers Ra da, der bekanntlich den Fliegermajor Franco auf seinem Ozeanfluge begleitet hat. Sie überbrachte angeblich im Auftrage des Volkes folgende Forderungen: 1. Auflösung ber Zioilgarde. 2. Tötung bes spanischen Nationalistenführers Dr. A l b u n,a n a. 3. Haussuchung in allen Klöstern und größeren Zeitungen nach Waffen. 4. Sofortige Einsetzung von Volksgerichten. 5. R ü cf t r i 11 bes Innenministers Maura. Ein Mitglieb ber Abordnung verlangte sogar bie Freilassung bes marokkanischen Freiheitshelben Abdel Krim, ber bekanntlich von ben Franzosen auf ber Insel Reunion gefangen gehalten wirb. Ein sozialistischer Minister antwortete, bie Regierung werbe mit allen Mitteln Gerechtigkeit schaffen unb alle Schulbigen zur Verantwortung ziehen. Raba erklärte hierauf, seine Gesinnungsgenossen wollten bie Regierung wohl unterstützen, könnten aber nicht bafür garantieren, baß bas Volk ruhig bleibe, falls bie genannten Forberungen nicht in ber Hauptsache genehmigt würben. Oer preußisch-evangelische Kirchen- verirag unterzeichnet. Berlin, 11.Mai. (ERB.) Wie wir erfahren, ist der Vertrag des Freistaates Preußen mit den evangelischen Landeskirchen heute vormittag 11 Uhr unterzeichnet worden. Das preußische Staatsministerium hat den Ministerpräsidenten, den Finanz- und Kultusminister zur Unterschrift ermächtigt. Der Vertrag besteht aus 13 Paragraphen und einem Schlußprototoll. Er lehnt sich, wie Staatsminister Grimme vor Vertretern der Presse betonte, verhältnismäßig eng an den Vertrag mit der katholischen Kirche an. Das ergibt sich schon au& der Entschließung des Landtages vom 9.3uli 1929, die die Sicherstellung einer paritätischen Behandlung durch einen solchen Vertrag verlangte und den Ausgangspunkt der Verhandlungen bildete. Artikel 1 des Vertrages enthält das Versprechen des Staates, der Glaubensfreiheit den gesetzlichen Schuh zu gewähren. Rach Artikel 2 werden kirchliche Gesetze und Rot- Verordnungen über vermögensrechtliche Fragen dem Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vorgelegt werden. Der Minister kann gegen solche Gesetze Einspruch erheben, wenn sie eine ordnungsmäßige Geschäftsführung nicht gewährleisten. Wenn die Kirche dagegen klagt, entscheidet das im Derwaltungs- streitver fahren in oberster 3nstanz zuständige Gericht. Rach Arttkel 3 findet Artikel 2 auf die Satzungen der öffentlich-rechtlichen kirchlichen Verbände, An st alten und S ti f t ungen mit der Maßgabe entsprechende Anwendung, daß an die Stelle des Ministers eine von diesem zu besttmmende Behörde tritt. Artikel 4 ermächtigt die Kirchen, kirchliche A e m- ter frei zu errichten und umzuwandeln, falls Aufwendungen aus Staatsmitteln nicht beansprucht werden. Ueber eine staatliche Mitwirkung hierbei sollen noch Richtlinien vereinbart werden. 3n Artikel5 wird die Dotation der Kirchen auf jährlich 4 950 000 Reichsmark festgesetzt. Sie wird auf die Kirchen auf Grund einer besonderen Vereinbarung verteilt werden, die bis zum 3nkrafttreten des Vertrages im einzelnen festgelegt werden wird. Die den kirchenregiment- lichen Zwecken dienenden Gebäude und Dienstwohnungen sowie deren Ginrichtungsgegenstände bleiben Den Kirchen überlassen. Die Eigentums- und Ruhungsrechte werden auf Verlangen durch Eintragung in das Grundbuch gesichert werden. Fälle gemeinschaftlicher Benutzung werden durch besondere Vereinbarung geregelt. Arttkel 6 gewährleistet den Kirchen das Eigentums- und andere Rechte nach Maßgabe der Reichsverfassung. von befonbetcm Interesse ist die sog. politische Klausel, die im Art. 7 nietergelegt ist. Dieser Artikel lautet: „Zum Vorsitzenden einer Behörde ter Kir- chcnleitung oder einer höheren kirchlichen Verwaltungsbehörde sowie zum Inhaber eines kirchlichen Amtes, mit dem der Vorsitz oder die Anwartschaft auf den Vorsitz einer solchen Behörde verbunden ist, wird niemand ernannt werden, von dem nicht die zuständige kirchliche Stelle durch Anfrage bei der preußischen S t a a t s r e g i e r u n g festgestellt hat, daß Bedenken politischer Art gegen ihn nicht bestehen." Das Schlußprotokoll enthält dazu die Bestimmung, daß bei Meinungsverschiedenheiten die preußische Staats- regierung auf Wunsch bie Tatsachen angibt. aus denen sie die Bedenken herleitet. Die Feststellung entsprechender Tatsachen wird auf Antrag einer von Staat und Kirche gemeinsam zu bestellenden Kommission übertragen, die paritätisch zusammengesetzt sein wird, und ihre Befugnisse nur auf die Festellung von Tatsachen beschränkt, während die politische Bewertung Sache des preußischen Staatsministerium» ist. Art. 8 bis 10 regeln bie Vorbildung und d ie Anstellung der Geistlichen. Der Vertrag verlangt, daß .ein Geistlicher als Vorsitzender oder Mitglied einer Behörde der Kirchenleitung oder einer höheren kirchlichen Verwaltungsbehörde, ferner als Leiter oder Lehrer an einer der praktischen Vorbildung der Geistlichen gewidmeten Anstalt nur angestellt werden kann, wenn er a) die deutsche Reichsangehörigkeit hat, b) das Reifezeugnis besitzt, c) ein mindestens dreijähriges theologisches Studi umaneinerdeutschen staatlichen Hochschule zurückgelegt hat. Rach Art. 11 wird vor der Anstellung eineS ordentlichen oder außerordentlichen Professors an einer evangelisch-theologischen Fakultät der kirchlichen Behörde Gelegenheit zu gutachtlicher Aeußerung gegeben werden.Die Ernennung der evangelischen Universitätsprediger geschieht durch die Staatsbehörde im Einvernehmen mit der Kirchenbehörde. Art. 12 enthält die „Derständigungsklausel", wonach Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung von Bestimmungen auf freundschaftliche Weise beseitigt werden sollen. Die Art einer solchen Regelung soll von Fall zu Fall ausgemacht werden. Es ist auch an eine Schiedskommission gedacht. Schließlich bestimmt noch Art. 13, daß der Vertrag mit dem Austausch der Ratifittttionsurkunden in Kraft tritt Unmittelbar nach der Unterzeichnung wurde der Vertrag noch heute dem Preußischen Staatsrat zugeleitet, der ihn in seiner Vollsitzung vom 19. Mai verabschieden dürfte. Der Vertrag geht dann an den Preußischen 2 Qb t a g, dem die Genehmigung verfassungsmäßig zusteht. 3n maßgebenden Kreisen bezweifelt man kaum, daß der Landtag den Vertrag annehmen wird. Staatsminister Grimme betonte, bei der Uebergabe des Vertrages an die Presse noch, daß die preußische Staatsregierung das Zustandekommen des Vertrages mit aufi^chttger Genugtuung begrüße, weil er die Befriedung des Verhältnisses von Staat und Kirche dient und zweifellos einmal vorbildlich werden wird für die Regelung in den übrigen deutschen Ländern. Der Vertrag ist mit folgenden preußischen Kirchen abgeschlossen: Dem Kirchensenat der Evangelischen Kirchen der Alt preußisch en Union, den Evangelisch'Lulhrrischrn Landeskirchen Hannover und Schleswig-Hol st ein, der Evangelischen Landesttrche in Hessen - Kassel, inRafsau, in Frankfurt a. M., der Evangelisch-Reformierten Landeskirche Hannover und der Landeskirche von Pyrmont und Waldeck. -------------------------------- , Kleine politische Nachrichten. 3n der Sitzung des Reichskabinetts wurde unter dem Vorsitz des Reichskanzlers und in Anwesenheit des Reichsbankpräsidenten die bevorstehende Tagung des Europa-Ausschusses und des Dölkerbundsrates in Genf besprochen. Der Reichsminister des Auswärtigen gab eine eingehende Uebersicht über die zur Verhandlung stehenden Fragen, an die sich eine Erörterung anschlvß. ♦ Die Große Strafkammer des Berliner Landgerichts Ii verurteilte den Reichstagsabgeordneten' Dr. G o e b be l s wegen Beleidigung des Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß zuzweiMo- naten Gefängnis. Die Verurteilung erfolgte in fünf Fällen, während in einem Falle auf Freisprechung erfarmt wurde. ♦ Der rumänische Gesandte in Berlin ist von seiner Regierung beauftragt worden, der Reichsregierung den Wunsch nach einer Festigung der deutsch-rumänischen Beziehungen durch den Abschluß eines Handelsvertrags auszusprechen. lieber Zeit und Ort der Wiederaufnahme ber Verhandlungen besteht noch keine Klarheit. Rumänischerseits möchte man in Bukarest ober einem neutralen Ort verhandeln. Die Denkwürdigkeiten des Fürsten Bülow find inEngland beschlagnahmt worden. 3hre Verbreitung wurde verboten auf Grund eines Briefes Lord L o n d a l e s an die Herausgeber Putnans & Sons Ltd., worin dieser mit gerichtlichen Schritten 8roht, falls sie die Veröffentlichung in der gegenwärtigen Fassung vornehmen sollten. Die beanstandete Stelle bezieht sich auf eine Bemerkung, bie König Ebuard VII. angeblich über Lorb Lonsdale gemacht haben soll. * Zum Staatsanwalt ber UdSSR. (3n- ner ruß land) ist an Stelle Krhlenkvs, der zum Volkskommissar der 3usttz ernannt worden ist, Wyschinski ernannt worden. Wyschinski hat an der Revolutionsbewegung von 1902 teil- genomryen. An ber ersten Moskauer Universität war er Rektor. Wyschinski, der sich als Verfasser eines Lehrbuches der Strafprozeß-Ordnung einen Ramen gemacht hat, fungierte im Schachth- Prvzeh und im Prozeß gegen die 3ndustrie- Partei ^als Vorsitzender des Obersten Gerichtshofes. Aus aller Wett. Schwere Prügelei im Karlsruher Vürgerausfchuß. Im Karlsruher Bürgerausfchuß kam es bei Gelegenheit ber Voranschlagsberatung z u wüsten Lärmszenen unb einer schweren Prügelei, als ber Nationalsozialist Kramer in ber Debatte auf einen Zuruf ber Kommunisten antwortete: „Ihr Derbrechergesinbel ist keine Arbeiterpartei!" Die Kommunisten drangen lärmend auf den Redner ein. Es entstand zunächst ein lebhaftes Wortgefecht, aus dem sich dann eine wüste Schlägerei entwickelte, bei der Stühle, Tische und Scheiben und auch die Kronleuchter demoliert wurden. Als die Polizei erschien, war der Saal bereits ein einziges Trümmerfeld zerbrochener Stühle, Tische unb Tintenfässer. Auch bie Galerie hatte sich an der handgreiflichen Auseinandersetzung beteiligt, die nuroon denbeibenExtremen ausgetragen wurde, da der Oberbürgermeister mit seinen Bürgermeistern unb ben Vorstänben der städtischen Aemter sowie die Angehörigen der anderen Parteien den Saal fluchtartig verlassen hatten. Es gab zahlreiche Verletzte. Das Schicksal Professor Alfred Wegeners. Professor Daschin vom Geographischen Institut der Berliner Universität, der auch auf Grund seiner praktischen Arbeiten als einer der besten Kenner der arktischen Probleme gilt, erklärt, er müsse es leider nach Lage der Verhältnisse für ausgeschlossen halten, daß Professor Wegener noch am Leben ist. Ein so erfahrener Marrn wie Wegener würde sicher Mittel und Wege gefunden haben, um von sich hören zu lassen. Dieselbe Auffassung vertreten in skandinavischen Zeitungen auch zwei andere hervorragende Forscher, nämlich Dr. Knud Rasmussen und Dr. Lauge Koch. Rach ihrer Ansicht besteht die Wahrschernlichkeit, daß Wegener und sein Begleiter in der Rähe der Küste in eins Eisspalte gestürzt sind. Der letzte Winter ist in Grönland übrigens ungewöhnlich hart und stürmisch gewesen. Die beiden Gelehrten widmen ihrem Kollegen einen überaus herzlichen und anerkennenden Rachruf, ^kirchm 5\n'_ StVjÄ -HL: ^dhont und ’wnfeu. dr LKÄ c&n9?a^u K^?'°Ä LLÄ L/-ZL - ^üchn'chien. und «bm!praschenten die sEurvpa.Auz. kerbundsrate» Mmmcher M Aus. ^de Lebersicht über noen Fragen, an die t>ü. de? berliner Land- -^eichstagsabgevrdne- 2e!eidigung des DeißzuzvciNo- c Derutteilung er. end in einem Falle lirde. m Derlm von sei-' rotbtn, der Reichste- dm FestlMg bet Beziehungen andelsvertrags auszu- Ort der Dieder- idlungen besteht mh rrseiks möchte man in ölen Ort verhandeln ien des Fürsten .dbeschlaanahmi 1 wurde verboten auf ) Londales an die ons Ltd, lvvrin dieser droht, falls sie die egenlvärtigen Fassung anstandete Stelle bt- erlung, die König über Lord Lonsdale derLdSbB.s2n' ArhlenlvS. w lustiz ernannt tooM t worden. Dysch'-nfd vegung von 1902 teil' Aoslcmer LniverDt der sich als Ber- fungierte mSchachtV gegen int 3nWe* obersten SenchtS- Seit. **!£**! °S"fe£ fSktVtt reits ei» Lt,j 6|n,“rS“ie?f» cn der l ° lflrtelen »iw*S £ ersitak, M SgS? •werf MSs Mft DeS^iN' Sw «r®et Aus der Provinzialhauptstadt Gießen, den 12. Mai 1931. Generalleutnant Exz. Klingelhöffer t- 2lm Sonntagabend verstarb, wie wir gestern ichvn kurz berichteten, der Generalleutnant a. D. Lxzellenz Klikigelhöfser infolge eines Herzschlages. Sn dem Verstorbenen, einem geborenen -Hiehener und späteren hervorragenden Bürger unserer Stadt, ist ein Offizier bester Prägung -und ein Mann von vornehmstem Charakter und Hohem menschlichem Sinn zur letzten Ruhe gegangen. - Friedrich Klingelhöffer erblickte am 56. Dezember 1849 als Sohn des Kriminalrichters klingelhöffer in Gießen das Licht der Welt. Rach f'einer Schulausbildung auf der Steinmetz- und »öchwabeschule, sowie auf dein Gymnasium zu Gieren stand er vom 1. April 1869 bis 31. März 1870 «ls Einjahrig-Freiwilliger beim Snfanterieregi- ment 116 in Gießen. Zur Reserve entlassen, verblieb er nur kurze Zeit im Zivilleben, um am 20. Suli 1870 wieder bei den II6cm einzutreten, und mit diesem Reginrent in den Feldzug 1870/71 auszurücken. Am 25. August 1870 wurde er Se° stondeleutnant der Reserve, nach Kriegsende schied er am 2?. Suli 1871 wieder aus dem Heeresdienste aus. Knapp ein Sahr später, am 23. Mai 1872, widmete er sich dem aktiven Soldatenstande und wat als Sekondcleutnant in das Snfanterie- iregiment 116 in Gießen ein, wurde am 15. August 11882 Premierleutnant und war von 1881 bis 1887 Regimentsadjutant im Gießener Regiment. Am W. Mai 1887 wurde er Hauptmann im Snfanterie- regiment 69'in Trier, von 1887 bis 1890 war er Adjutant des Gouvernements Metz, am 12. Sep- i-ember 1895 wurde er Major im Snfanterieregi- ment 17 zu Mörchingen, am 18. Dezember 1901 fwtm gleichen Regiment Oberstleutnant, am 2 7. Sanuar 1905 Oberst und Kommandeur des Sn- santerieregiments 70 in Saarbrücken, am 27. 3a- muar 1909 Generalmajor und Kommandeur der 5 4. Snfanteriebrigade Saarburg (Lothringen). Am 2-0. März 1911 wurde er unter Verleihung des Charakters als Generalleutnant zur Disposition gestellt. Während des Weltkrieges war er vom 9 September 1914 bis 8. April 1916 Kommandeur d-er stellvertretenden 83. Snfanteriebrigade und Lbschnittskommandeur in der Festung Mainz. Reben seinem militärischen Berufe war der nunmehr Verewigte auch schriftstellerisch tätig. U. a. h-at er die Geschichte des Infanterieregiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Rr. 116 geschrieben, ferner war er Mitarbeiter an militärischen und jagdlichen Zeitschriften. Auf heimat- k»ndlichem Gebiete hat er ebenfalls als Schrift- (t dl er gewirkt und dabei durch Mitarbeit am Gießener Anzeiger" und in unserer »Heimat im Bild" stets das Ziel verfolgt, mit seinem reichen Wissen von der Geschichte unserer Stadt und. iriancher Gebiete der oberhessischen Heimatkunde d-er Allgemeinheit zu dienen- Als Soldat, als AAensch und als Gießener Bürger erfreute er sich iei weiten Kreisen unserer Stadt und darüber hin- a us hoher Wertschätzung. Wie er im kleinen stets lernet Vaterstadt Gießen Treue und Liebe bewahrte, so galt im großen sein von hohem.Pa- iiiolismus geleitetes Wirken und Streben stets v oll und ganz dem Wohle des Vaterlandes. Dieser vorbildliche Geist des alten Soldaten soll nach feiner eigenen Bestimmung als Mahn»»» fkkr künftige Geschlechter Ausdruck finden auf dem Grabstein des Verewigten auf dem Alten Friedhof in den von ihm selbst bestimmten Worten: »Das Vaterland über alles!" Wer den Entschlafenen kannte und Gelegenheit hatte, in sein von bestem vaterländischem Geiste erfülltes Denken und Handeln Einblick zu gewinnen und dabei auch die hervorragenden menschlichen Eigenschaften des alten Soldaten zu erkennen, wird ihm allezeit ein ehrendes Gedächtnis bewahren. Dor dem Schnellrichter. Der Arbeiter Wilh. Keil von hier, Weidengasse, der am Sonntagnachmittag während des nationalsozialistischen Umzugs wegen W i d-e r - stands gegen die Staatsgewalt und Beleidigung derPolizeibeamten verhaftet wurde, hatte sich gestern nachmittag vor dem Schnellrichter beim Amtsgericht Gießen zu verantworten. Rach etwa vierstündiger Verhandlung, in der eine große Anzahl Zeugen vernommen wurde, verurteilte der Schnellrichter den Angeklagten wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 14 Tagen Gefängnis und wegen Beamtenbeleidigung zu 25 M k. Geldstrafe. Keil wurde sofort zur Verbüßung der Strafe abgeführt. Das Verfahren gegen die übrigen drei Leute, die wegen Beleidigung der Polizeibeamten vorübergehend inhaftiert waren, nimmt seinen Fortgang. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: »Carmen", 19 bis 22,15 Uhr. Hausfrauenberatung: Hausfrauennachmittag mit Vortrag von Frau Dr. K o e p p e im Schühen- haus. — Volksnationalc Reichsvareinigung: Mitgliederversammlung, 20 30 Llhr, Hotel Köhler. — Technischer Verein: Monatsversammlung im Augustiner. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Der Bettelstudent". — Aus dem Stadttheaterbureau wird Jins geschrieben: Heute, Dienstag, pünktlich 19 Uhr, vorletzte Vorstellung im Dienstag-Abonnement mit dem letzten Gastspiel des Hessischen Landestheaters Darmstadt. Zur Auführung gelangt die große Oper „Carmen" von Bizet unter der Spielleitung von Generalintendant Prof. Ebert und musikalischen Leitung von Dr. B ö h m. Ende 22.15 Uhr. — Morgen, Mittwoch, 20 Uhr, Erstaufführung des Märchen, ipiels „Schwanenweiß" von Strindberg unter der Spielleitung von Walter Bäuerle. Musikalische Leitung Kapellmeister Fritz Cuj6, der die Musik zu diesem Märchenspiel zusammengestellt hat. „Schwanenweiß" gelangt nur im Mittwoch-Abonnement zur Aufführung: dadurch ist den Abonnenten der anderen Tage Gelegenheit geboten, ihre fälligen Gutscheine einzutauschen. — In Vorbereitung in neuen Inszenierungen die komische Oper „Die schöne Galathee" von Suppe und das Alt-Wiener Singspiel „Brüderlein fein" von Leo Fall mit eigenem Ensemble. Gictzcncr Wochcnmarktprcise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 150 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Spinat 25 bis 30, Wirsing 20 bis 40 (per Zentner 20 bis 30 Mk.j, Weißkraut 15 bis 25 (per Zentner 10 bis 15 Mk.), Rotkraut 25 bis 40 (per Zentner 20 bis 30 Mk.), Kartoffeln 5 bis 6 (per Zentner 4 bis 5 Mk.), Qtftien 15 Hfl 20, rote Rüber iu bis 20, Spargel 60 bis 110, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 35 bis 40, Rhabarber 15 bis 20, Dörrobst 30 bis 35, Aepfel 40 bis 50, Rüsse 60 bis 70, Honig 40 bis 50, junge Hähne 90 bis 110, Suppenhühner 90 bis 110 Pfennig per Pfund: Eier 9. Salat 20 bis 25, Blumenkohl 40 bis 70. Salatgurken 40 bis 70, Oberkohlrabi 20 bis 25, Sellerie 10 bis 50, Rettich 20 bis 25, Lauch 5 bis 15 Pf. per Stück. * ** Erweiterung der Anlagen am L u - t herberg. Das Gelände zwischen Lutherberg und Altem Friedhof, das bisher als Schrebergärten Verwendung fand, wird jetzt als Grünanlage hergerichtet. Am Fuße des Lutherberges wird ein Fußgängerweg angelegt, der an der Haltestelle der Straßenbahn an der Licher Straße beginnt, in den Alten Schiffenberger Weg einmündet und vomhier Fortsetzung nach dem Schifsenbergerwald findet.' " Maienblasen vom Turm der S t a d t k i r ch e. Das Maienblasen am- morgigen Mittwoch um 19 Uhr wird nicht vom Turm der Sohanneskirche, sondern vym Turm der Stadtkirche aus dargeboten. Es wird folgendes zu Gehör gebracht: 1. Wie groß ist des Allmächtigen Güte. 2. Die Kapelle, von Kreutzer. 3. Bon des Rheines Slrand. (Volkslied.) •• Der Gießener Wochenmarkt findet wegen des Himmelsahrtsestes am Donnerstag bereits am morgigen Mittwoch von 7 bis 13 ■llljr statt. •• Eine Frage des Amerikanischen Generalkonsulats. Dom Amerikanischen Generalkonsulat in Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Anläßlich des 200. Geburtstages George Washingtons würde das Amerikanische Generalkonsulat in Frankfurt a. M. es begrüßen, zu erfahren, ob in Museen oder Privatbesih Andenken, Gemälde, Skulpturen usw. irgendwelcher Art sich befinden, die sich auf George Washington, Steuben, oder den amerikanischen Freiheitskrieg beziehen. **Der„Hubertus"Vereinweidgerech. ter Jäger, Sitz Gießen, hielt — wie man uns berichtet — am Mittwoch seine Mitgliederver- sammlung auf dem Schützenhaus ab, der ein An- schiehen der Büchsen auf den Ständen des Vereins vorausging. Nach Bekanntgabe einiger Neuanmeldungen erstattete der 1. Vorsitzende einen eingehenden Bericht über die von dem Verein durchgeführte Verbandsjugendprüfung. Es schloß sich eine eingehende Aussprache über die (ehr beträchtlichen Rehverluste an, die der lange Nachwinter den heimischen Revieren gebracht hat, und die noch nicht beendet zu sein scheinen, wie aus neueren Meldungen hervorgeht. Das von der Schießkommission vorgelegte Programm wurde genehmigt. Es sieht außer oer- schiedenen Uebungsschießen auf Kugel- und Schrotziele ein abschließendes Hauptjagdschießen am 23. August vor. Ferner, erfolgten Mitteilungen über mißbräuchliche Benutzung von Kleinkaliberwaffen zum Wildern, über Ueberfahren von Rehwild durch Motorfahrzeuge und über das hessische Trichinenschaugesetz, dem nunmehr auch Wildschweine, Füchse und Dächse unterliegen. Im Anschluß an den geschäftlichen Teil führte Studienrat H ö l z e l in einem Bericht „Ein Vierteljahr deutsche Jagdpresse" den Mitgliedern eine Reihe von Fragen aus dem Gebiet der Jagdtierkunde, der Wildhege und des Jagdrechtes vor. Die Wetterlage. Bären N1 Jlordo’ Still ^pruna’ Tourstf O wolkenlos, o neuer. <> naio veoecni. 9 wolkig 9 otuten »Hcgta » ächnee aOraupein H MeDel R Gewitter ©wmostiiie-.o, sehr -tienier Os« «lässiger Südsüdwest >) stürmischer -lordwejl Oie Pteue fliegen mit oem Winde. Pie oeioen Stationen stenenden zah» ■en geben die Temperatur an. Pie Limen verpim-tn Orte mit gleicht» *uf Meeresniveau umoerechnetee Luftdruck Wettervoraussage. Die Nordmeerstörung zieht nach Nordosten hin ab, ohne unser Wetter, außer durch Bewölkung, beeinflußt zu haben. Nur an der Nordseeküste tritt etwas Regen auf. Da sich der hohe Druck über dem Festlande hält, so dürste für die nächste Zeit meist heiteres Wetter zu erwarten sein, wenn auch mehr im nördlichen Teil des Reiches Störungsgebilde lokale Gewitterneigung verursachen können. Im ganzen scheint aber die Schönwetterlage fortbestehen zu bleiben. Aussichten für Mittwoch: Vielfach heiter, trocken und warm, nachts Abkühlung. Aussichten für Donnerstag: Fortdauer der herrschenden Wetterlage. Lufttemperaturen am 11. Mai: mittags 19,4 Grad Celsius, abends 12,2 Grad: am 12. Mai. morgens 12 Grad. Maximum 19,6 Grad, Minimum 8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. Mai: abends 18,1 Grad: am 12. Mai: morgens 12,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer IOK Stunden. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bi? 12.39 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen .Tür unverlangt eingesandke Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzei^enanslräge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Santieht-Produkte jetzt so billig! Ein Beispiel: Diese prächtige Kasserolle erhalten Sie für 30 einfache Gutscheine. Auch wertvolle Gutscheine tragen alle Packungen der Sunlicht Erzeugnisse; die doppelgrofien Packungen von Lux Seifenflocken und Vim sogar zwei. Sammeln Sie die Gutscheine! Sie erhalten dafür schöne Gaben. Verlangen Sie unseren illustrierten W erbegaben-Katalog! SUNLICHT GES. MANNHEIM - Lux Seifenflocken für alle Ihre guten Sachen Normalpaket . . 30 Pfg. Doppelpaket . . 50 Pfg. Sunlicht Seife für die große Wäsche, für Hand und Haus Doppelstück... 30 Pfg. Gr. Würfel. ... 25 Pfg. Vim Zum sparsamen Putzen und Scheuern Normaldose ... 30 Pfg. Doppeldose ... 50 Pfg. 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DteFestpredigt bat HerrViarrer Ködding aus Eberstadt. Außer ihm wird sprechen Herr Mtssionar Müller auS Wiesbaden und Herr Dekan Gußmann ausKtrchberg. Es labet herzlich zum Feste ein: Baß Deranai Gietzen Der eo. BlnfieaDornanD Guß mann, MfienöOtf 0. 0. £ÖQ. _____Dekan Andres, Pfarrer. Palast-Lichtspiele, Kirchenplah Am 13. Mai 1 Tüchtige Verkäuferin zum Besuche von Privatkundschaft sofort gesucht. Höchster Verdienst, Auto wird gestellt. Schriftliche Angebote unter 02838 an den Gießener Anzeiger erbeten Lastlngschnürschuh Sohle genäht und Absatz Mk. 2.95 enorm billig Schuhhaus Wolff Seltersweg 4 3308A Eßt auch im Sommer Seefische Täglich frische Fische und Filets Fischhaus Cuxhaven Marktstraße 23 3144 A Telephon 2417 4 Maosarden-Zinnner mit EBebe, an ruhtg. Mieter mit Mietbe- rechtig.-Sch. au vrm. Sehlltenbg.Weg 41II. 3 Zlmmcr-Wobng. im Zentrum, Miere 45 RM an Wobngs.- Suchend. nut Miet- berechtig.-Sch. sofort abzug. Um,uasoer- aütfi. wird verlangt. Schrtttl. 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Rahm Schwester Maria Rahm Prof. Dr. Fritz Grüninger und 1 Enkel. Gießen, Weinheim, Bad-Nauheim, den 11. Mai 1931. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 15. Mai, vornflttags 11 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. Heute morgen entschlief nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute, treubesorgte Mutter und Großmutter Frau Marie Rahm, geb. Schomber im Alter von 66 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 11.Mai 1931. 3311 D 3312D Die Beerdigung findet von der Kapelle auf dem Alten Friedhof aus am Mittwoch, 13. Mai, 3'/2 Uhr nachm. statt Am Sonntag, 10. Mai, 7 Uhr abends, verschied plötzlich und unerwartet unser lieber Onkel, Schwager und Vetter Friedrich Klingelhöffer Generalleutnant a.D.Jnh. des Eisernen Kreuzes 1870/71 im 82. Lebensjahre. Auto- Gelegenheitskauf. Mehrere 2-u.4-sitzta. Ovel, off.u. beschloss, gebraucht.maschtnell einwandfrei, ganz billig abzugeb. s‘3aD Onelaulo, Kietzen Frankfurter Str. 52. Telephon 2847/48. Der 1. 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Futter- Kartoffeln hat abzugeben. ^oeD Unterer Hardtbof. Wer treu geschafft, bis ihm die Kraft gebricht und liebend stirbt, ach, den vergißt man nicht. Todes-Anzeige. Am 10. Mai entschlief plötzlich und unerwartet mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Eduard Baltenberg im Alter von 76 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Luise Battenberg. Seb. Sdunidi, nebst Kindern nnd Angehörigen. Gießen (Schloßgasse Nr. 1). den 1L Mai 1931. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 13. Mai, um 2*/a Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. 02843 Vorstand 3332 ie Beerdigung unseres n Kameraden findet Mittwoch 3V2 Uhr statt Aeubau einerAutzvieh-Mrkihalle inGießen Für den Aeubau einer Auhvieh-Markthalle von rund 14000 qm Grundfläche sollen Angebote für die Herrichtung und Montage der SW-Konstruttionen (rb. 370 ts) eingeholt werden. 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Treffpunkt 8 Uhr Btebertalbabn. «„d SamStag, 16. Mat abends 8'/, Ubr Vcrcinsabeud auf der Hardi mit Ehrung der Sieger v.Bezlrksivettschrei' ben tn Friedberg. Knrzschrütvereln von 1861 mit Damen- obtellnng o. V. TB11846 und GesellschallTurnklub Am 14. Mai 1931 Himmelfahrts- Wanderung Wetzlar-Braunfels Abfahrt 6.46 Uhr Sonnragskarle nach Wevlar. 3319D V. f. B. 08 Himmelfahrt: Jamllien Husflüfl Badenburg. Hangel- stetn Ludwigsburg. Treffv.7'/,UhrEder- stras?e,Ecke Stetnstr. Nachzügl. Omnibus ab WaUtor 2.45 Uhr Ludwigsburg M25d iJtlmannsburg- Der Vorstand. AU.C. Gießen Himmelsabrtötag Anhervlanmähige Wanderung zum Treffen d. Deutschen Gebirgs- u. Wander- verelnein Friedberg Bad-Nauheim—Ockstadt—Friedberg. Abf. 80.) Uhr. Sonn- tagSkarre Friedberg. M.T.V Turngang nach Laubach Abf. 8.21 Uhr. Sonn- lagskarie Hungen. Mittwoch, IS.d.M. McrovingcrbauS.I Tagesordnung sehr wichtig iFnürufilon des Vertreters für Koburg». [02837 ————— Stadttheater Mittwoch. 13. Mai von 20 bis 22 Uhr Zum ersten Male! 3O.mimuotHiu.-M. Gewöhnliche Preise. Schwanenweitz Ein Märchensptel in 3 Akten von Strtndberg. ————— Nr. UO Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 12. Mai (951 Aus der Provinzialhauptstad«. Dießen, den 12.Mai 1931. Kreisausschuß Gießen. Unter dem Vorsitz von Oberregierungsrat Ritzel tagte am Samstag der Kreisaus- schuß des Kreises Dießen und befaßte sich zunächst mit einem Einspruch von Ludwin Schneider (Dillingen) gegen die GemeindeDil- lingen, die durch Gemeinderatsbrschluh die Aufwertung des Einkaufgeldes für das im 3af)re 1922 erworbene Ortsbüraerrecht in einer Höhe von 75 Prozent verlangte. Mit einer solchen Angelegenheit hatte sich der Kreisausschuh schon verschiedentlich zu beschäftigen. Dem Einspruch lag der Tatbestand zugrunde, der in gleicher Weise bei früheren Verhandlungen zu Tage trat. Ortsbürger haben zur Zeit der Inflation für wenig Geld, oft nur um Pfennige, das Ortsbürgerrecht erworben, mit dem eine bestimmte Leistung, (Abgabe von Holz seitens der Gemeinde an die Ortsbürger) verbunden ist. Die Gemeinde Dillingen glaubte sich (neben mancher anderen Gemeinde) berechtigt, eine Aufwertung dieses geringen Einkaufsaeldes verlangen zu können. In Dillingen hatten über 40 Ortsbürger, die auf billige Art das Ortsbürgerrecht erworben haben, gegen diese Aufwertung protestiert, mit 33 Einwohnern konnte die Gemeinde einen Vergleich herbeiführen, die übrigen erhoben durch Ludwig Schneider Einspruch beim Kreisausschuh und beantragten Verhandlung im Derwaltungsstreitverfahren. Dr. Ruckeishausen (Gießen) als Rechtsvertreter der Kläger, stellte in längeren Ausführungen den rechtlichen Tatbestand fest, wies darauf hin, daß es sich bei diesem Ginkaufgeld nicht um eine „Schuld" handle, die zur Aufwertung die grundsätzlichen Voraussetzungen erfülle, er betonte weiter, daß ein Anspruch auf diese Aufwertung längst verwirkt und die Forderung als solche verjährt sei. Bürgermeister Pauli von Villingen vertrat die Gemeinde, schilderte in kurzen Worten die Entwickelung der Dinge und bezeichnete die Forderung der Aufwertung als recht und billig. Der Kreisausschuh verkündete folgendes Urteil: „Dem Einspruch des Klägers wird stattaegeben. Die Gemeinde ist zur Abgabe des Losholzes verpflichtet. Einer Auf- wertung wird nicht zugestimmt. Der Streitwert beträgt 1000 Mark, die Kosten fallen der Gemeinde zur Last." Der zweite Streitfall betraf die Entziehung des Führerscheins des Otto D.. Gießen, der verschiedentlich gegen die Kraftfahrzeugordnung verstoßen hatte und dann auf Grund einiger besonderer Vorkommnisse die Fähigkeit zur Führung eines Kraftfahrzeuges unter den augenblicklichen Umständen abgesprochen wurde. Der Führerschein wurde dem Beklagten auf die Dauer eines Iahres entzogen. Sein Einspruch, auf Grund dessen die Verhandlung im Verwaltungsstreitverfahren stattfand, wurde als unbegründet zurückgewiesen. Generalversammlung des Gleiberg-Vereins. Auf der in Frühlingspracht stehenden Burg Gleiberg fand am Samstagnachmittag die diesjährige Generalversammlung des Gleiberg-Vereins statt. Provinzialdirektor G r a e f (Giehen) als Vorsitzender des Vereins begrüßte die Erschienenen und gedachie der in dem letzten Iahre verstorbenen elf Mitglieder, darunter des für den Verein stets sehr rege tätig gewesenen Vorstandsmitgliedes Kaufmann Geisse aus Giehen, ferner der kürzlich verstorbenen langjährigen Burg- Wirtin Frau Riebergal l. Dem ehrenden Gedenken an die Verstorbenen wurde durch Erheben von den Sitzen Ausdruck gegeben. 41 Mitglieder sind im Iahre 1930 ausgetreten, eine Folge der allgemeinen Rotlage. Die Rechnung für 1 9 3 0 wurde ohne Beanstandung abgenommen. Einnahmen 7450,03 Mark, Ausgaben 7402,86 Mark, Bestand 47,17 Mark. Mitgliederstand 1930: 633. Für bauliche Unterhaltung sind 3402 Mark verausgabt. U. a. ist als Abschluß gegen die nicht ausgebauten Durgräume eine Brandmauer errichtet worden. Bei den Einnahmen sind auher den Mitgliederbeiträgen und der Pacht des Burgwirtes 1300 Mark Beiträge von öffentlichen Körperschaften zu erwähnen, ferner 500 Mark Beihilfe aus dem Denkmalspflegefonds der Rheinprovinz. Weitere 500 Mark aus diesem Fonds stehen im Voranschlag 1931, auch hat der hessische Staat für 4931 1000 Mark Beihilfe bewilligt. Der Voranschlag für 19 31 steht in Einnahme auf 4830 Mark, in Ausgabe auf 5830 Mark. Für bauliche Arbeiten sind 3055 Mark vorgesehen, davon sind 958 Mark für unter die Denkmalpflege fallende Auhenarbeiten, 2097 Mark für innere Ausgestaltung der Räume. Als Vorstandsmitglied wurde an Stelle des verstorbenen Kaufmanns Geisse Direktor Rehberg (Abendstern) gewählt. Das Sommerfest 19 31 ist für den 5. 3uli vorgesehen. Es soll, der Rot der Zeit Rechnung tragend, nur eine einfach gehaltene Veranstaltung werden. Auf Anregung von Bürgermeister Brock- meier (Krofdorf) soll versucht werden, von dem preußischen Staat, dem der Gleiberg-Verein die-Unterhaltspflicht der Burg abgenommen hat, eine Beihilfe zu bekommen. Landrat M i h aus Wetzlar will diesen Antrag gerne unterstützen. Wenn, was ein Mitglied zur Sprache brachte und durch das Hessische Staatsarchiv nachgeprüft werden soll, es richtig ist, daß durch Verheiratung eines Ritter Welf mit einer Gleiberger Gräfin die Burg Gleiberg die Stammburg der englischen Königsfamilie ist, kann vielleicht für den Dau- fonds der Burg auf diesem Wege auch etwas erreicht werden. Mitglied W o h l m u t h überreichte im Auftrage eines Bekannten eine von der Der- waltungskommissivn des Gleiberg-Vereins am 20. 10. 1837 ausgefertigte Aktie über 10 Reichstaler Preuß. Courant, nach welcher 50 Mitglieder jedes 10 Taler für den Bau einer Treppe im Burgturm gezeichnet hatten. Die Aktieninhaber waren bei Verlust ihres Anteilscheines verpflichtet, auch etwaige Mehrkosten aufzubringen. Als» bestand damals schon e ne Rachschußpflicht. Rektor E ch t e r n a ch t bereicherte das von ihm für den Verein angelegte Museum durch eine bei einem Einwohner Krofdorfs gefundene alte Herdplatte. Danach haben die Grafen Rassau-Weilburg aus der Schmelz bei Salzböden im 3ahre 1735 auch Oefen Herstellen lallen. Die Versammlung sprach dem Vorsitzenden Dank aus, dieser beendete dann mit einem Schlußwort den offiziellen Teil. 3n guter Unterhaltung blieb man noch einige Zeit zusammen. ** Der Verband der Hessischen Oe« schichts-undAltertumsvereine hält feine diesjährige Verbandstagung am 20. und 21. Juni in Bensheim ab. Für den 20. Juni ist ein Lichtbildervortrag von Professor Dr. Behn (Mainz) über „Die erste germanische Besiedlung Hessens" vor. gesehen, am 21. Juli, vormittags, wird die geschäftliche Sitzung stattfinden, mittags wird Studienrat Dr. Glöckner über „Die Abtei Lorsch und das Reich" einen Vortrag halten. ** Landwirtschaftliche Haushal- tungsschule in Michel st ad t. Die Hessische Landwirtschaftskammer eröffnet am 2. Juli wieder einen fünfmonatigen Haushaltungskursus an ihrer Haushaltungsschule zu Michelstadt (Odenwald). Die Teilnahme an den Kursen ist nicht nur Töchtern von Landwirten, sondern auch denen des Mittelstandes gestattet und nur zu empfehlen. Die Ausbildung um- faßt alle Zweige der Hauswirtschaft, des Hand- arbeitsunterichts und der allgemeinen Bildungs- facher. Interessenten seien auf die gestrige Anzeige hingewiesen. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 33 vom 8. Mai enthält: Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen. — Die landespolizeiliche Prüfung des Entwurfs des Privatgleisanschlusses für den Ruhviehhof der Stadt Gießen. — Hauptkörung 1931. — Die Einsendung von Unfallanzeigen an die Gewerbeaufsichtsämter. — Verkehr mit der obersten Schulbehörde. — Dienst- nachrichten. 9JL-'fpoti Motorradrennen in Frankfurt. Auf der Frankfurter Stadionbahn wurden am Sonntag vor 10 000 Zuschauern die ersten Motorradrennen ausgesahren, die durch di« Teilnahme des holländischen Meisters Herku - leyns internationalen Anstrich erhielten. Der erfolgreichste Fahrer war der Kölner Frentzen, der in 4>er 250-ccm-Klalle hinter dem siegreichen Herkulehns (10 P.) den zweiten Platz belegte und in der Klaffe bis 350 ccm im Gesamtergebnis mit 10 Punkten den Nürnberger Ley und Herkuleyns auf die Plätze verwies. Das Rennen der kleinen Maschinen (175 ccm) holte sich Steinweg - Münster (DKW.) mit 9.Punkten vor K o h f i n k - Bietigheim auf dem gleichen Fabrikat. Siebte Etappe der Deutschland' Rundfahrt. Barthelömy Spurtsieger. Gestern wurde die Deutschland-Rundfahrt mit der Etappe Dresden—Breslau, die über 285 Kilometer führte, fortgesetzt. 3m Endspurt siegte wiederum überraschend der Franzose Barthelemy. auf den nächsten Plätzen folgten De- grave (Belgien), R. Frantz iLuxemburg). Mau- clair (Frankreich). Dewaele «Belgien), Dlattmann (Schweiz). Stöpel (Deutschland» und Bula (Schweiz). 3m Gesamtklassement führt weiterhin der Dortmunder Metze mit einer Gesamtfahrzeit von 60:32,41 Stunden und 72 Punkten vor Thierbach (Deutschland) und Ricolas Frantz. Oer deutsche Reitersieg in Rom. Der gestern schon kurz gemeldete deutsche Erfolg beim internationalen Reitturnier in Rom am Samstag um den Mussolini-Pokal hat in italienischen Kreisen geradezu Aussehen erregt Kür 3talien. das nach den erstklassigen deutschen Erfolgen der letzten Tage in Deutschland seinen Rach dem feierlichen Aufmarsch der teilnehmenden Rationen eröffnete das erste rumänisch« Pferd das Springen, das aber bereits nach dem dritten Hindernis ausscheiden muhte. Die beste Zeit für einen Kurs erzielte der italienische Hauptmann B o r s a r e l l i auf Crispa mit 1:48,4 und 0 FehDer Duce (X) beglückwünscht die deutschen Reiter zu ihren Erfolgen. — Die Reiter von links nach rechts: Oberleutnant Hasse, Oberleutnant Sahla, Oberleutnant Momm und Oberleutnant G o e r tz. hervorragendsten Gegner sah, war der über 10 Hindernisse und 16 Sprünge führende Preis der Rationen insofern von besonderem 3ntereffe, als der Mussolini-Pokal nach den bisherigen zwei Siegen der 3taliener jetzt endgültig in ihren Besitz übergegangen wäre. Die Konkurrenz fand unter den denkbar schlechtesten Wetterverhältnissen statt, wiederholter Gewitterregen in der Rächt und am Vormittag hatte die Dahn völlig durchweicht, und große Wasserpfühen machten den Teilnehmern viel zu schaffen. Bei Beginn des Wettbewerbes hatte sich das Wetier zwar aufgeheitert. doch standen immer noch pegendrohende Wolken am Himmel. lern vor 2t. Dertrand (Frankreich) mit 1:49,8. Bereits im ersten Gang führte Deutschland mit 43/< Fehlem vor Italien mit 8 und Belgien mit 11 Fehlem. Der zweite Kurs ging unter atemloser Spannung der Tausende von Zuschauern vor sich, so daß man in dem aufgeweichten Boden nur den Aufschlag der Hufe hörte. Die deutschen Reiter konnten ihren Vorsprung weiter erfolgreich behaupten und einen überaus beifällig aufgenommenen Sieg feiern. Die Einzelleistungen der deutschen Pferde waren: Wotan (Oblt. Sahla) 0 F. 2:08.4/0 F. 2:14; Derby (Oblt. Hasse) 0 F. 1:55.2 0 5. 1:53,6; Thora (Oblt Mvmm 48/t 5. 226.2/4 F. 2:16. Enienhof. Don Hans Friedrich Blunck. Gute Enten sind bekanntlich Allesfresser. Deshalb soll man sein Schuhband nicht lose tragen, sie möchten einen bald mit Schuh und Fuß und allem, was daran ist, von bannen zerren. Aber auch, wenn man nur einen abgerissenen Zipfel bei sich hat und ihn versehentlich im Cntenstall mit anderem aus der Tasche zieht, kann man, ohne für sich selbst fürchten zu müssen, einiges hinzulernen. Ratürlich teil niemand von solchem verlorenen Schnürsenkel etwas wissen, solange er sich schwarz und trocken anpickt. Erst wo ich merke, daß mir etwas entfallen ist und den Zipfel zwischen dem Gewimmel vorsichtig aufheben will, in dem Augenblick wird er wertvoll, ilnö weil sich inzwischen einige Enten darüber hinbewegt haben, mit jenen ewig nassen Füßen, die der liebe Gott so zweckmäßig fürs Wasser und so breit für den Rasen erschuf — kurz weil es bis jetzt blank und dunkel aussieht, ist es ein Wurm, ein begehrenswerter Wurm! Liebe Entlein, ihr könnt doch kein Schuhband freffen; ich will es sorglich wegnehmen. Aber obwohl meine Tiere gut Freund mit mit sind, zumal um die Zeit, wenn man ihnen Maikäfer abschüttelt und Raupennester aus den Obstbäumen zukommen läßt — das Schuhband' gibt mir keines zurück. Damit zieht gerade unter eiligstem Wackeln und stolzem Piepen das älteste Entlein ab, tritt drauf, überschlägt sich und rennt hinter der Schwester her, dies ihm unterm Bauch herauszog. Aber auch die Schwester piept vor Stolz und Angst. Das sollte sie nicht tun, denn im Augenblick sind noch sieben andere hinter ihr her. Und noch ein Rundlauf, und sechsunddreihig Entlein rennen wie blind mit hohem Piepen und fürchterlich breitem Gewatschel, gelb, weiß und braun hinter der Siegerin mit dem Schuhband her. Dann bleibt eine stehen, sie hat bergeff en. warum man eigentlich rennt, außerdem hat sie Durst — jenen unerschöpflich gierigen Durst, den ein böser Geist nicht nur jungen Enten anbannte. Unö weil man das erste trinken sieht, ist, wie dies Volk nun einmal auf das Beispiel der andern versessen ist, sofort ein Grund da. daß sieben andern auch einfällt, wie durstig es schon macht, nur einmal halb um den Entenhof zu rennen. 11 nö wer noch keinen Durst hat, sucht rasch etwas Sand und Kies einzuschlucken, um Durst zu bekommen. Darüber hat das Entlein mit dem falschen Wurm Luft bekommen. Und nun sucht es zu schlucken und würgt und piept. Aber das Schuhband ist härter als der zäheste Wurm, es dauert noch so lange, bis ein anderes Entlein am anderen Ende zu würgen beginnt und auch schluckt und schluckt. Und ein drittes ist viel gieriger als das erste und zweite, es will auch den Wurm haben und beginnt in der MiÜ« zu zerren, lind nun wird es ein Dreieck, daß Gott erbarm, immer um mein armes Schuhband und immer vor meinen Füßen her, denn, zum Donnerwetter, ersterrs will ich den Zipfel wiederhaben, und zweitens mache ich mir doch ernsthaft Sorge — aber da haben inzwischen alle anderen dreiund- dreißig Entlein die gleiche Sorge bekommen. Und ich kann nicht hinzutreten, denn alle sind hinter den dreien mit dem riesenlangen nach- schleifenden Wurm auf 3agd. Das quilt und piept und ziept und humpelt und überhumpelt sich und ist gelb, braun, schwärzlich, dick, dünn, langhalsig und mit gehobenem Sterz und Flügel- stumpen auf der 3agd nach dem Schnürsenkel. Rur ein einziges ist inzwischen an den Grüh- topf gegangen, den ich immer noch nicht über» geschüttet habe. Und Gott sei Dank sehen es drei — nein sieben, nein dreiunddreißig andere Enten voll Eifersucht und fallen nun auch darüber her. Rur die drei Kämpfer — ich will sie mir merken, sicher sind es gute Erpel — schlucken noch immer und wundern sich über diesen Wurm, der zäh wie Leder ist. Aber weil die Gier immer größer ist als der gute Geschmack — von Enten gesprochen — will keines nachgeben, es wird höchste Zeit, daß ich dazwischen trete, um sie zu scheuchen und Ordnung zu stiften. Run. das dritte Entlein besinnt sich schon, es müßte ja den Wurm auch doppelt einschlucken, weil's in der Mitte steht, und kommt nicht gegen die andern an. Außerdem steht der Wind von der Grütze herüber. Und eins hat noch nicht richtig den Weg zum Kropf gefunden, es muß noch kämpfen, weil das andere aus Leibeskräften zieht. Und weil ich polternd dazwischenlange, hcll es einen Grund, um den Kampf in Ehren aufzugeben. Flattert mir also ziepend zwischen den Beinen durch, daß ich fast ausgleite, um es nicht zu treten, und ist bei der Grütze. Aber das dritte — gib her, sag ich und vergesse, daß ich doch ein dummes Entlein vor mir habe. „Siehst du nicht, du bringst es nicht runter. Es bekommt dir auch gewiß nicht." Und ich beuge mich nieder und habe Mitleid und überlege. wie ich dem ungenießbaren Wurm wieder hervorhelfen kann. Denn auch dem Entlein wird jetzt eng zu Mut, es schüttelt den Schnabel, daß das Schuhband fliegt, und kommt nicht mehr vor- nvch rückwärts mit der halbverschluckten Beute. „Also komm", und ich greife es endlich. Aber bis ich es aufgehoben habe, fühle ich einen letzten Ruck in der Hand und ein frohlockendes befreites Ziepen, als wollt's sagen: Run versuch's. Und der Kropf ist dick bis zum Bersten, aber mein Schnürsenkel ist weg; nur einmal würgt's noch hoch, ich sehe einen schwarzen Zipfel zwischen dem gelben Schnabel ausfahren und sofort wieder verschwinden. „Run versuch!" 3ch muß lachen und wünsche seufzend, daß es ihm gut bekommt. Aber davon ist solches Entlein selbst überzeugt, es flattert mir in halber Höhe an die Hand und läuft piepend und voll Sorge, zu spät zu kommen, gegen den Wind zur Grütze. Zeitschriften. — Die Handschrift guter und schlechter Lebensgefährten unterfudjt Bernhard Schultze-Naumburg auf Grund eines sehr umfangreichen Materials im Maiheft von Westermanns Monatshef- t e n. Den vielen Beispielen und Schriftproben kann auch der Laie entnehmen, welche Eigenschaften und Veranlagungen dem ehemaligen Glück hinderlich ober förderlich sind. Der Artikel ist so lebendig geschrieben, daß sicher jeder unserer Leser wertvolle Anregungen aus ihm schöpfen wird. Die Handschriftdeutung erfaßt immer weitere Kreise, ihnen soll die Abhandlung wertvolle Fingerzeige geben. Professor Dr. Roloff, der Historiker unserer Landesunioersität Gießen, spricht fesselnd und ungemein klar über die Entstehung der Entente England und Frankreich. Diele andere wertvolle Abhandlungen, Artikel und Aufsätze, von denen die meisten illustriert sind, fin» den sich neben dem neuen Roman „Die Herren vom Fjord" von Karl Friedrich Kurz. — 3m Maiheft vom „K u n st w a r t“ (Verlag Callweh. München) schreibt u. a. Werner Krauß über Calveron als religiösen Dichter. Erich Brock über 3eanne d'Arc zu ihrem 500. Todestage; von Hans Grimm findet man eine aggressive, aber lesenswerte „Forderung an die Literatur"; grundsätzliche Betrachtungen von Alverdes über den bekannten „Fall Penzoldt"; Prosa des englischen Romanciers Walpole; Malereien von Carl Hofer; Plastik von Christoph Boll (Text von Kurt Martin); in der Filmchronik und im aktuellen Gloffa- rium ist interessantes Material zusammengetragen. Kunst und Wissenschaft. Der Darmstädter Generalintendant nach Berlin berufen. WSR. Darmstadt, 11. Mai. Die Städtische Oper, A.-G., Berlin, wählte heute nachmittag in ihrer Aufsichtsratssitzung unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister S a h m den Generalintendanten Professor Ebert in Darmstadt zum 3ntendanten der Berliner Städtischen Oper. — Carl Ebert wirkte, wie man sich erinnern wird, bereits vor seiner Ernennung zum Generalintendanten des Heffischen Landestheaters mehrere 3ahre hindurch als Schauspieler in Berlin, und zwar am Staatlichen Schauspielhaus unter seinem damaligen Leiter Professor 3eßner; vorher gehörte Ebert zu den geschätztesten Darstellern am Frankfurter Schauspiel Hause unter dem verstorbenen 3ntenbanten Carl Zeiß. Der Auszug der „Fünf Frankfurter" — Ebert, Feldhammer, Gerda Müller, Taube und Ebelsbacher — nach Berlin wurde seinerzeit in Frankfurter Theaterkreisen außerordentlich bedauert und beraubte das ausgezeichnete Ensemble des Schauspielhauses seiner prominentesten Kräfte. Ebenso würde Prof. Eberts Weggang nach Berlin einen empsindlichen Verlust für das Hessische LandeS- theater in Darmstadt bedeuten. — Eugene 3fage f. Brüssel, 12. Mai. (WTB. Funkspruch.) Der bekannte Violinvirtuose und Komponist Eugene 3sahe starb heute morgen 4.30 Uhr an Hcrz- affektion. Neues Kußballsystem in Güddeutschlond. Der ordentliche Derbandstag des Süddeutschen- Sußball- und Leichtathletik-Verbandes am Samstag in Stuttgart beschäftigte sich u. a. auch mit de? Frage des S p ie l s Y st e rn s. Es wurden drei Vorschläge zur Debatte gestellt, und zwar einer der unteren Klassen, einer des Verbands-Vorstandes und einer der Dezirksliga. Der Vorschlag der unteren Klassen, der in einer Zwöl- ferliga gipfelte, wurde abgelehnt. Dann folgte die Erörterung des Vorschlages des Verbands- Vorstandes, der in jedem Bezirk zwei Gruppen mit je 10 Vereinen spielen lassen will und der auch mit einer Aenderung hinsichtlich her Endspiele angenommen wurde. Sn den Abendstunden fiel die Entscheidung. Einstimmig wurde der Vorschlag des Verbandes schließlich angenommen. Das neue System. Sn der kommenden Saison spielen im Verband in acht Gruppen je 10 Vezirksliga- vereine in Vor- und Rückrunden ihre Gruppenmeisterschaften aus. Diebeiden Ersten jeder Gruppe nehmen an den Der- bands-Schlußspielen teil, die in zwei Abteilungen zu je acht Vereinen ausgetragen werden. Die beiden Abteilungssieger der S ch l u h s p i e l e sind die beiden ersten Vertreter Süddeutschlands in den. DFB- Spielen und spielen auch um den süddeutschen Meistertitel. Die beiden Zweiten der Abteilungen spielen mit dem Pokalmeister zusammen den dritten'Vertreter Süddeutschlands in den DFV.-Endspielen aus. Sn diesem Sahre steigen die beiden besten Kreisligamannschaften als 9. und 10. Vertreter in die Gruppen auf. Der jetzige Abstiegskandidat spielt mit dem dritten Kreisligaverein ein Qualifikationsspiel. Die Kreisliga wird auch in jedem Kreise auf 10 Vereine erhöht. Sn der Gruppe Main wird der alte Wunsch Reu-Ssenburgs auf Zuteilung erfüllt, so daß in dieser Gruppe 11 Vereine spielen. Bei den Schluh- spielen wird die bisherige Einteilung Südost und Rordwest nicht beibehalten. Die Bezirke werden turnusgemäß gewechselt, so daß nicht immer Württemberg—Baden und Bayern einerseits, Rhein—Saar und Main—Hessen anderseits die beiden Gruppen bilden. Wieder eingeführt wurden die Pokalspiele, deren Austragungsmodus jedoch noch nicht ganz f.estgelegt ist. Rund um die Anlagen Spannende kennen. - Lleber 200 Läuferinnen und Läufer. Diese Veranstaltung am Sonntag in Gießen war in allen Teilen ein voller Erfolg. Reben den beiden Gießener Sportvereinen (VfB. und Sp.-V. 1900) nahmen an dieser Groß-Staffel teil: der Männerturnverein, der Turnverein 1846, die Deutsche Sugendkraft, die Akademische Turnverbindung Rheinfranken und der Verein für Leibesübungen Wetzlar. Ausgestaltung und Durchführung war dem VfB. 08 Gießen übertragen, der durch die Herren K. R a g e l und Sportlehrer R. Fischer die Aufgabe glänzend löste. Sowohl die Polizei, wie die auf die ganze Strecke verteilten Sanitätswachen der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz haben sich um die Sache ebenfalls sehr verdient gemacht. Bei schönstem Wetter und vor Tausenden von Zuschauern konnten über 200 Teilnehmer an der Staffel eine eindruckvolle Kundgebung für die Leibesübungen der Stadt Gießen durchführen. Die Veranstaltung war in 3/4 Stunde abgewickelt, was einerseits an wohldurchdachter Vorbereitung lag und nicht zuletzt auch den Läuferinnen und Läufern hinsichtlich Disziplin und Pünktlichkeit das beste Zeugnis ausstellt. Die Staffel wurde in 4 Klassen gelaufen: Aktive Klasse A (etwa 3000 Meter), für Leichtathletik treibende Vereine. Aktive Klasse B (etwa 3000 Meter), für Vereine, die nicht Leichtathletik als Hauptfach treiben. S u g e n d (etwa 3000 Meter) und Frauen (1000 Meter). Zuerst starteten die Frauen, je 10 Läuferinnen, deren Strecke auf 1000 Meter brsHränkt war. Hitzr gab es gleich eine Lieberraschung, als die Sp. Vg. 1900 vor dem favoritisierten Männer- tumvercin knapp gewinnen konnte. VfL. Wetzlar und VfB. 08 belegten die 3. und 4. Plätze, während zwei Frauenmannschaften des Tv. 46 und die 2. Mannschaft der Sp. V. 1900 als letzte einkamen. Die Sugen bftaff ei (je 18 Läufer) sah ebenfalls Sp. V. 1900 vor der Sugendstaffel der Gießener Turnerschaft (Mtv. und Tv. 46) siegreich. Sn der Klasse B für Aktive (je 11 Läu- s.fer), in der die Akad. Tumverbindung Rheinfran- Iranken, der Mtv. und die Deutsche Sugendkraft ^starteten, ging, nicht ganz unerwartet, der Mtv. als Sieger hervor. Sn weitem Abstand folgten 'Rheinfranken und die DSK. Der mit großem Sntereffe erwartete Lauf der Klasse A für Aktive (je 11 Läufer), denn an ihm nahmen die drei großen Sportvereine des Gaues Gießen-Wehlar, SpV. 1900 Gießen, VfB.08 Gießen und der VfL. Wetzlar teil, wurde zum spannendsten Rennen das Tages. Es war ein Zweikampf zwischen Sp. V. 1900 und VfB., welch letzterer weit über die Hälfte der Strecke beträchtlich in Führung lag. Der Kampf wurde zugunsten von 1900 durch Peters entschieden, der über die 1000-Meter-Strecke den mit großem Vorsprung führenden Reitz vom VfB. vor der Staf- felholz-Llebergabe an den nächsten 200-Meter- Läufer niederringen konnte: der.startende VfB.- Läufer ließ auch noch das Staffelholz hinfallen. Die Sp. V. 1900 gewann mit etwa 40 Meter die Staffel vor dem VfB., der den VfL. Wetzlar und die 2. Mannschaft von 1900 weit zurücklieh. Am Schlüsse der Läuse übergab der Ausrichter der Veranstaltung, Herr K. Ä a g e l, an die Der- einsführer die von der Stadtverwaltung in dankenswerter Weise gestifteten Erinnerungsplaketten. Er dankte allen für die geleistete Arbeit und die Teilnahme und sprach den Wunsch aus, daß die Großstafsel ^Rund um die Anlagen" von jetzt ab eine traditionelle Angelegenheit aller Turn- und Sportvereine werden möge. / Ergebnisse. Aktive Klasse A. 1. Sp. D. 1900 I 6 Min. 39,9 ©et: 2. VfB. 08 6:46,6; 3. VfL. Wetzlar 7:02,8;. 4. Sp. D. 1900 II 7: 06,0. Aktive Klasse B. 1. Mtv. 6:58,8; 2. .Rheinfranken" 7:04,8; 3. Deutsche Sugendkraft 8:22,5. Jugend. 1. Sp. V. 1900 II 7:17; 2. Gießener Turnerschaft 7: 27,6; 3. Sp. V. 1900 II aufgegeben. Frauen. 1. Sp. V. 1900 Gießen; 2. Mtv. Gießen; 3. VfL. Wetzlar; 4. VfB. 08 Gießen. 50 Jahre Vogelsberger Höhen-Elub. Sn der Woche nach Pfingsten kann der Vogelsberger Höhen-Ctub auf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Das goldene Subiläum des Clubs soll in würdiger Form am Orte der Gründung, in Schotten, gefeiert werden. Der V. Sy C. hat während der fünf Sahrzcehnte seines Bestehens viel geleistet. Vorstand, Mitglieder und Freunde des Vereins haben eifrig geworben und daran mitgearbeitet, die Vorzüge und Schönheiten des Vogelsberges in ein günstiges Licht zu rücken. Er hat Wanderer herbeigerufen, in die lauschigen Täler und auf die weiten Höhen, und er hat vielen den Zauber der Vuchendome und das Düster der Fichtenhaine nahegebracht. Vor vielen Sahren schon wurde ein engmaschiges Retz farbig bezeichneter Wege geschaffen, die den Wanderer zu seinen Zielen führen. Der V. H. C. hat Zielpunkte geschaffen, von denen der Bismarckturm auf dem Taufstein und das Denkmal für die im Weltkrieg gefallenen V. H. C.er hier genannt sein sollen. Auf dem Hoherodskopf wurden Unter- kunttsräume ae djaffen und im Vereinsgebiet zahlreiche Sugendherhergen (u. a. das Vater-Vender- Heim auf der Herchenhainer Höhe) errichtet, die von der Sugenö immer wieder gerne ausgesucht werden. Das Subiläum des V. Sy C. wird am 30. und 31. Mai gefeiert. Dem Zweigverein Schotten wurde die Ausgestaltung der Feier übertragen. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Es wird damit gerechnet, daß der Vogelsberg in diesen Tagen das Ziel vieler D. Sy C.er sein wird. Wirtschaft. Trotz Arbeiismarktenilastung mehr Wohlfahriserwerbslose. Der Deutsche Städtetag teilt mit: Sn scharfem Gegensatz zum Rückgang der Arbeitslosen in Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge steht das erneute Anschwellen der Wohlfahrtserwerbslosen im Laufe des April. Sn den Städten mit mehr als 25 000 Einwohnern muhten von den Wohlfahrtsämtern Ende April rund 750 000 Wohlfahrtserwerbslose lau- send unterstützt werden. Hiervon erhielten rund 65 000 Fürsorgearbeit. Gegen den Vormonat ist damit eine weitere Zun ahme derWvhl- fahrtserwerbslosen um rund 40 000, d. h. um 5,4 Prozent zu verzeichnen, die sich teils aus der rigorosen Aussteuerung aus der Krisenfürsorge am 28. März, teils aus der sich ständig verschärfenden strukturellen Einengung des Arbeitsmarktes erklärt. Anschluß der Hamburg-Süd an die Hapag-Lloyd-Llnion. Wie WTD.-Handelsdienst hört, sind die Verhandlungen, die feit mehreren Monaten zwischen der Hamburg-Südamerikanischen Dampsschiff- fahrtsgesellschaft einerseits und der Hapag und dem Rorddeutschen Lloyd anderseits wegen eines Zusammengehens in der Südame- rikafahrt gepflogen wurden, nunmehr zum Abschluß gekommen. Zwischen den Gesellschaften ist ein lOjähriger Vertrag geschlossen worden, der gemeinsame Fahrt unter polmähiger Verteilung der Ergebnisse vorsieht. Von der Verwaltung des Rorddeutschen Lloyd, Bremen, wird zu dem Zusammengehen der deutschen Schifsahrtslinien in der Südamerikafahrt erklärt daß diese Einigung unbeschadet des vertraglichen Verhältnisses zum Königlich Holländischen^ Lloyd zustandegekommen ist. * * Einfuhrverbot für Weihnach ts- bäume Rach der Verordnung zur Verhütung der Einschleppung von Krankheiten der Radelholzpflanzen vorn 3. Suni 1930 ist die Einfuhr von Tannen-, Fichten- und Kiefernpflanzen, sowie von Teilen solcher Pflanzen, wie Weihnachtsbäumen, Bindegrün usw. verboten. Dieses Verbot soll in Zukunft in feinem ganzen Umfange streng durchgeführt worden. Dementsprechend werden auch Weihnachtsbäume nicht mehr zur Einfuhr zugelassen. Da nicht damit gerechnet werden kann, dah Ausnahmen von diesem Verbot bewilligt werden, wird allen Sntereffenten in ihrem eigenen Sntereffe dringend empfohlen, keine Lieferungsverträge mit dem Auslande über Lieferung von Weihnachtsbäumen abzuschließen. Frankfurter Börse. Frankfurt a.M., 12. Mai. Tendenz: flau. Die überraschende Meldung von einer Sanierung der Oefterreichischen Kreditanstalt mit Staatshilfe hat die Börse stark verstimmt. Die Spekulation schritt zu Dlankoabgaben, zumal von der Kundschaft größere Verkaufsorders vorgelegen haben sollen. Das Vertrauen zur Börse wurde noch durch eine Meldung des „Daily Herold". der von einem Millionenskandal in England berichtet, stärker erschüttert, obwohl die Rachricht ziemlich undurchsichtig ist. Die feste Haltung der Reuhorker Börse blieb unter diesen Umständen vollkommen ohne Eindruck. Das Angebot zu den ersten Notierungen war ziemlich groß, dem keine Aufnahnie- neigung gegenüberftanb. Österreichische Kreditanstalt wurden mit 12 und 15 nach gestern noch 26,15 d. 3j. taxiert. Die Kurseinbuhen gegenüber der Abendbörse betrugen durchweg 1,5 bis 3,5 v. H. Weitere Kursverluste' hatten alle Spezialpapiere, so verloren SG.-Farben 4,5 v. H., AEG., Licht & Kraft, Gesfürel, Schuckert und Siemens von 5 bis 6 v. H. Kaliaktien hatten 4 bis 7 v. H., Karstadt 6 v. H., Kunstseibeaktten bis zu 4 v. H. Verluste. Auch Montanwerte verzeichneten burchweg Kursverluste von 4 v. H. Den weitaus größten Verlust hatten am Bankenmarkt Danat- bank, die 7,5 v. H. nachgaben, obwohl besonbers starkes Angebot nicht vorhanden war. Die übrigen Bankaktien verloren bis zu 2 v. H. Rach den ersten Kursen hielt bas Angebot an, da die Kulisse wahre Ang st Verkäufe vomahm. Das Kursniveau ermäßigte sich nochmals um 1 bis 2 v. H. Später versuchten die Großbanken Stühungsläufe, die ohne Eindruck blieben, Am Anleihemarkt ermäßigten sich die Kurse bis zu 0,5 V.H. Sm Verlause wurde das Geschäft sehr still. Am Pfandbriefmarkt war die Hm- sahtätigkeit sehr klein, die Kurse lagen ebenfalls etwas schwächer. Reichsschuldbuchforderungen verloren 1 bis 1,25 v. Sy Der Geldmarkt war weiter leicht, doch blieb der Satz mit 3,25 V.H. unverändert. Am Devisenmartt lag die Mark fest. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1957, gegen Pfunde 20,4157, London gegen Reuyork 4,8640, gegen Paris 124,33, gegen Mailand 92,91, gcgenMadrid 48,97, gegen Schweiz 24,2375 »gegen Holland 12,1065. Die österreichische Währung wurde nur unwesentlich von den obigen Vorgängen beeinflußt. Berliner Börse. Berlin, 12. Mai. Die heutige Börse stand vollkommen unter dem Eindruck der Rachrichten von der notwendig gewordenen Sanierung der Oesterreichischen Kreditanstalt. Selbst die Tatsache, daß diese schon durchgeführt ist, formte nichts wesentliches an der gedrückten Stimmung ändern, die schon im heutigen Vormittagsverkehr vorherrschte, und die auch zu Beginn beF offiziellen Börse sich noch als wesentlich stärker herausstellte. als man sah, daß erh ebliche Abgaben auch vom Ausland auf allen Marktgebieten vorgenommen wurden. Hinzu kam, daß auch am Londoner Platz noch nicht alles in Ordnung sein soll und nach einer Meldung des „Daily Herald" eine neue Sensation bevorsteht. Bei ziemlich erheblichen Llmsähen — in den Hauptwerten betrugen sie 100000 — traten Kursrückgänge bis 4Prozent und bei S p e z i a l w e r t e n bis zu 8 Proz. ein. Als besonders schwach sind Danatbank, Reichsbank, Kaliwerte, Äontigummi, Chadeaktien, Elektropapiere, besonders Siemens, Kunstseideaktien, Schultheiß, Warenbauswerte, Holzmann und Berger zu nennen, wobei allerdings bei letzteren der Dividendenabschlag zu berücksichtigen ist. Zahlreiche Minus-Minus-Zeichen erschienen an den Maklertafeln, so für Chemische Heyden, Schlesisches Gas, Montanwerte, Stoehr, Zellstoff Aschaffenburg usw., ohne dah für diese Werte zunächst überhaupt Rotierungen zustande kamen. Oesterreichische Werte waren selbstverständlich taxiert, so nannte man Oesterreichische Kredit mit etwa 17 nach 26 Proz. gestern und Oesterreichische Siemens & Schuckert mit 95 nach 103 Mark. Als einzige Ausnahme sind Schantung zu nennen, die gegen gestern 0,75 Proz. gewinnen konnten. Anleihen nachgebend. Ausländer eher schwächer. Kirchliche Nachrichten. Dienstag, den 12. Mai. Gießen. 20 Uhr: Maiandacht. Mittwoch, den 13. Mai. Hungen. 7.15 Uhr: Messe. Letzte Nachrichten. Das Todesurteil im Ortenberger Mordprozeß rechtskräftig. Wie wir von gut unterrichteter Leite hören, hak der Landwirt Wilhelm Lehr aus Altenstadt, der wegen Ermordung seiner Geliebten, des Dienstmädchens Martha Pepp^l, vom Schwurgericht Oberhessen am 21. April zum Todeverurteilt worden war, seine gegen das Todesurteil eingereichte Revision zurückgenommen. Damit ist das Todesurteil rechtskräftig geworden. Nunmehr wird das hessische Gesamtministerium zu beschließen haben, ob es von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch machen will. Oer Mordanschlag auf LlmversitätSprofessor (Sünther. 3ena, 12.Mai. (WTB. Funkspruch.) Der Täter, der am Samstag den Mordanschlag auf llniversitäts- professor Günther verüble, wurde gestern nachmittag von der Ienaer Polizei feslge- n o m m e n. Er Hal ein Geständnis abgelegt und wird auch zweifelsfrei wiedererkannk. Ls handelt sich um einen am Tage zuvor in 3ena zu- gereisten Ausländer, dem am Tage der Tat noch zwei Tage an der Vollendung des 18. Lebensjahres fehlten. Die Zuführung zur Staatsanwaltschaft dürfte voraussichtlich heule erfolgen. Weitere Rachrichten können im Interesse einer restlosen Aufklärung der Tat noch nicht gemacht werden. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an., — Reichsbankdiskont 5 v. h., Lombardzinsfuß 6 o.h. Frankfurt a. M. | Berlin Frankfurt ä. J)l. | Serlm Schluß« kurd t »Uhr- Kur« Schluß-! kur» Ansang- fiurd Schluß» furd 1-Uhr- Kurd Schluß» lurd Ansang- fiurd Datum 11.5. 12.5. 11.5. 12.5. Datum 11.5. 12.5. 11.5. 12.5. 6% Deutsche Reicheanteihe Ion 1927 .......... <% Deutsche RetchSanlelh« von 1029 .......... 84,75 100,75 55,8 5,1 95,5 54,25 101,25 95,5 90,8 100,5 96,5 3,25 18,4 15,8 3,9 3,85 3,85 15 6,35 || | || I I 1 1 1 1 II | 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 84,75 101 55,9 5,1 54,25 100,5 96,5 22,6 18,65 15,75 16,25 4 4 4 7,85 14,8 6,5 55,25 5 18,6 15,75 7,8 14,7 6,7 Hamburg-Amerika Pakei ... 7 Homburg-Südam. Dampfschiff. 8 Hanta Dampsichtii.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine DeutscheCreditanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handeldgesellschaft . 12 Commerz, und Drival-Bank. 11 Darmstädter und Nationalbank 12 Deutsche Bank und Tiscoitto-Gesellschaft, ... 10 Dresdner Bank......10 ReichSbank........12 A.E.G............8 Bergmann.........9 Elektr. LleserungSgeiellichast. 10 Licht und Kraft......10 Fellen & Guilleaume ... 7yt Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 Hamburger ElettrizttätS-Wecke 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Gck>leii|che Elektrizität. ... 10 Gdnidcri&(So.......11 Siemens & Halske.....16 Transrabto.........8 lab menet L Co.......10 Buderus..........6 Deutsche Erdöl......•. 6 Essener Steinkohle......k Gelsenkirchener.......t Horpener..... . . . O Voesch Eisen..... • • Ilse Bergbau .... 10 Nlöcknerwerke ....... 7 Köln-Reuellen....... . '« Mannesmann-Röhren ....'! Mansselber Bergbau . .... 7 Lberschlei. Eilenbedars .... 6 Obertchlei. KakSwerke.....7 Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohle« • . 10 Rtebeck Montau ...... 7,3 55,5 56 116,5 106 131,5 103 103 99 114,75 78,5 110 160,5 125 74 61,5 172,5 57,75 71 33 51 159 68,5 104 124 102,5 102 95,5 109,5 110 104,25 129 154 70 64,5 55,13 108,13 73,5 56 117 106 131 103,25 103 149,5 99,13 73,25 11 114 79 108,5 112 135,25 159,5 124,25 41,5 67,13 73 61 55,25 173 58,25 61,5 70,5 33,25 72,65 51 158,5 68,4 53.75 106,5 71,25 54,5 115,25 104,5 126 103 102,5 143,5 96,25 72 106,5 110,25 77 104,25 108 131 153,5 41 66 71 60 170 55,75 70 31,5 70,5 48,75 155,75 65,5 Deuische Anl.-Ablö^Schuld mit Dergl. ohne Auölos.-Rechte . . 8% Hct!. Soll’flaat von 1929 (rüdtafjlb. 102%)...... Oberhcssen Provinz»Anleihe mil Aueioi.-Rechicn...... teuildic Komm. Sammelabl. Anleihe Gerte 1 .... 8% fitanlf. Hyp.-Bank Boidpse XIII unkündbar bll 1934 . . . '% {tionff. Hyp.-Bank Boidpse unkündbar 614 1932 ..... iy*% Rheinische Hyp.-Bank Ltqu. Golvpse......... 8% Pr. Landetpsandbriesanstalt, Piondbrtele R. 1»...... 8% Pr Landespiandbriesanltalt, Komm^Lbl.R. «0...... 1% Pr. Lande»piandbriescmstalt, Plandbrteie R. U...... 86 ®. abg. Dortrtegs.Obligationen, rückzahlbar 1932 .... <% Oelterreichtsche «oldrente . . 4,20% vcsterreichilche Gilberrente 4% oesterreichische Einheitliche Rente . . . 4% Ungarische Bowrente . . . . *% Ungartichr Gtaalirente v. 1910 «¥«% deögl. von 1918 4% Ungartichr Kronenrente . . . 4% Türltiche Zollanleihe von 1911 4% Türlilche Bagdadbahn-Anl Gerte 1..... 4% be«0l. Gerte U....... 6% Rumänische vereinh. Rente von 1903 ....... . 4K% Rumänische vereinh. Rente von 1913 ........ i% Rumänische vereinh. Rente Frankfurt a. m. Berlin Schluß» 1-Uhr. Schluß» Anfang» • furd Kord lurd nurd Datum 11.5. 12.5. 11-5. 12.5. Bereinigte Stahlwerke . . 49,5 — 49 47,25 Otavt Minen...... 16’/. — — 28 27,75 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 138 133 137 132,13 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 141 137.5 140,75 137 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 15 213( 206 212,4 205 3- G. Yarben-Industrie . . . 12 142,25 138 141,75 138,5 Dynamit Nobel..... . . 6 —— —— — — . . 9 128,75 126,5 — — Goldschmidt ...... . . 6 40,5 — 40,5 —— Rütgerswerke...... . . 6 49,5 48,25 50 48 MetäUgeieilichaft..... . . 8 68 67 68 — Philtvv Hol,mann .... • -L 80 80 74,5 Zementwerk Heidelberg . Eementwerk Karlstadt. . . . 10 . 10 75,5 88,5 — Wayß & Freytag .... . . 8 27,75 ** 26 — Schultheis Patzenhoser . . . 15 — —- 147 141,5 Cftwcrte........ . 12 — — —— — . 18 76,5 72,5 76,5 72 Bemberg........ . 14 92 89,5 92 88,75 Zellikoss Waldhol . . . . 18'/. 78 — 84,5 81,75 Zellstoff Aichafsenburq . . . 12 — 75 78 Charlottenburger Wasser . . . 8 —— — — Dessauer GaS...... • • 9 — 125,5 123 Daimler Motoren . . . • . 0 28,5 28 28,5 27,75 Deutsche Linoleum . . . • • . 79 76,75 79 76,75 Maschinenbau A.-G. . . . . . 0 — —» Nat. Auwmobil . . . . . . . 0 —— _ —— —- Crenfietn & koppel ... . . 6 — — 44,5 43,5 Leonhard Tietz ..... . 10 104 101 103,25 100 Svenöka ..... • • . . 237 235,5 237 237 Frankfurter Maschine» . . . . 4 14,5 _ _ örihner ....... . . 6 35,75 — 34 — Heyligenstaedt..... . . c — _ Iunghans........ . . 6 — —- _ — Lechwerke........ . . 8 — _ _ _ Mainkraftwerke Höchst a. M. . . 8 63 — _ Miag.......... . IC __ _ - - Gebt. Roeder ...... . 10 _ - _ _ Boigl & Haesfner .... . . $ _ _ _ ___ Güddeutjche Zucker ... . 10 117 — 118 — Banknoten. Berlin, 11 mal Geld Brief Amerikanische Noten...... 4,179 4,199 Relgilckie Noten. ....... 58,18 SR d? Dänische Noten ........ 111,98 Englische Noten ....... 20,362 20,442 Französische Noten....... 16,39 16,45 Holländische Noten....... 168,16 168,84 Italienische Noten........ 21,98 22,06 Norwegische Noten....... 111,98 112,42 Deuisch-Oesterretch, t 100 Schilling 58,91 59,15 Rumänische Noten....... 2,48 2,50 Schwedische Noten....... 112,18 112,62 Schweizer Noten........ 80,66 80,98 Spanische Noten........ 42,07 42,23 Tschechoslowakische Roten..... 1? 49 Ungarische Noten ....... 72,98 73,28 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 11.Ulal 12.mal Amtliche Geld Notierung Bries Amtliche Geld Notierung Brick Amtt--Nott. 168,52 168,86 168,45 168.79 Buen.-Aires 1,325 1,329 1,326 1,330 Brft.-Antw- 58,33 58,45 58,325 58,445 Christiania. 112,32 112,54 112,28 112,50 Kopenhagen 112,29 112,51 112,27 112,49 Stockholm . 112,44 112,66 112,43 112,65 HelsingforS. 10,556 10,576 10,553 10,573 Malten. . . 21,96 22,00 21,96 22,00 London. . . 20,403 20,443 20,396 20,436 Vteuwt . • 4,195 4,203 4,194 4,202 Paris.... 16,401 16,441 16,403 16,443 Schwei» *. 80,83 80,99 80,815 80,975 Spanten. . 42,30 42,38 41,76 41,84 Japan . . . 2,075 2,079 2,075 2,079 Pto de Ian. 0,269 0,271 0,268 0,270 Wien tn D-- Ceft. abgeft. 59,00 59,12 58,965 59,085 Prag . . . 12,425 12,445 12,423 12.44, Belzrad . . 7,384 7,398 7,384 7.39 Budapest. . 73,15 73,29 73,12 73,26 Bulgarien. 3,036 3,042 3,036 3,042 Lissabon 18,87 18,91 ' 18,86 18,91 Sandfl -,. - 81,54 81,70 81,52 81,6! KonstuMtu. 1,784 1,789 1.784 1,78! Athen. . . 5,44 5,45 5,439 5,44' Lonada . . 4,192 4,200 4.192 4,200 Urutnay. . 2,657 2,663 2,627 2,633 Latro . . . 20,92 20,96 20,950 20,955 Genoffenschastsiagung in Bad-Nauheim. WGR. Dad-Rauheim, 9. Mai. Gestern I und haute hielt der Genossenschaftszweck- | verband Hessen - Mittelrhein. Richtung Schultze-Delitzsch, Sitz Wiesbaden, hier seine erste Tagung ab. 3n dem Verband sind die Revisionsverbände der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften im Volksstaat Hessen, Sitz Darmstadt, in Rassau, Sitz Wiesbaden, und m Hessen- Kassel. Sih Kassel, zusammengeschlossen, die heute rund 210 Kredit- und Warengenossenschaften in sich vereinigen. Die große wirtschaftliche Bedeutung dieser genossenschaftlichen Zusammenfassung ersieht man daraus, daß die Kreditgenossenschaften der drei Verbände eine Gesamtbilanzsumme von 250 Millionen Mark verkörpern, das ist ein Achtel der Gesamtbilanzsumme der in ihrem Spitzenverband. im Deutschen Genossenschaftsverband ED., zusammengeschlcssenen etwa 4000 Genossenschaften. Läe Vad-Rauheimer Tagung, die von weit über 400 Teilnehmern besucht war. bedeutete ein starkes Bekenntnis zur genossenschaftlichen Arbeit. Die Tagung nahm am Freitagnachmittag mit internen Einzelberatungen der drei Verbände ihren Anfang. Daran schloß sich eine gemeinsame Versammlung des Zweckverbandes im Kerckhoff-Instttut an. Rach einem Vorbericht des geschästsführenden Derbandsdirektors Dr. Frankenbach (Wiesbadens über die bisherige Entwicklung des seit Mitte vorigen Iahres bestehenden Zweckverbandes und nach einem Revi- sionsbericht des Verbandsrevisors QÄ echtlebe- tonte Handwerkskammersyndilus Dr. K o l l b a ch (Darmstadt» in einem längeren Referat über das Thema .Haben die Warengenossenschaften im Handwerk noch eine Zukunft ?". daß Hilfe dem notleidenden Handwerk heute dringend not tue. daß die beste Hilfe die Selbsthilfe in Form der Genossenschaften sei und daß die handwerklichen Organisationen selbst Träger dieser neuen Genossenschaftsform sein mühten. Die öffentliche Versammlung des Zweckverbandes fand heute vormittag im Kerckhoff-Institut statt. Hierzu hatten sich außer Mitgliedern der drei beteiligten Revisionsverbände zahlreiche Vertreter aus Genossenschafts-. Handwerks- wnb Gewerbekreisen. sowie von Danken eingefunden. Anwesend wckr auch Professor Dr. Hel lauer vom neu- gegründeten Institut für Genossenschaftswesen an der Universität Frankfurt a. M Rach einleitenden Worten von Dr. Frankenbach, der sich später in seinem Hauptbericht für das Prinzip der freien Wirtschaft cinsetzte. durch die allein die jetzige Wirtschaftskrise überwunden werden könne, bekundete Ministerialrat Hechler (Darmstadts im Auftrag des hessischen Staatspräsidenten und der hessischen Regierung deren Interesse an der Genvssenschaftsbetoegung. Weitere Degrühungs- ansprachen folgten. Direktor Weilen (Darmstadts vom Verband der Erwerbs- und Wirtschastsgenossenschaften im Volksstaat Hessen sprach dann über die Stundung der öffentlichen Grund st ücks- lasten in Hessen, deren jetzige Handhabung der Abänderung bedürfe. Unter dem lebhaften Beifall der Versammlung protestierte er gegen die letzten Steuererhöhungen der hessischen Regierung, die zur Vernichtung des Mittelstandes führten. Dies gab dem Regierungs- Vertreter, Ministerialrat Hechler, Veranlassung, die gegen die Regierung gerichteten Angriffe zurückzuweisen, wobei er auch auf die am Donnerstag vom hessischen Finanzminister Dr. Kirnberger im Landtag gehaltene Rede Bezug nahm. Professor Dr. Stein (Berlin), der Anwalt des Deutschen Genossenschaftsverbandes, sprach über .Grundsätze der Kredit- und Geschäft s p o l i t i k" und benannte als solche auf eine kurze Formel gebracht. „Vorsicht, Umsicht und Tatbereitschaft". Direktor Dr. Schaeffer (Frankfurt a. M.) erörterte das Thema .Die Mittelschichten im Existenzkampf" und stellte dabei den genossenschaftlichen Gedanken als Weg zur Erhaltung des Mittelstandes in den Vordergrund. Das letzte Referat hielt Dr. Ioachim Tiburtius (Berlin), geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels und Mitglied des Reichswirtschastsrates. Der Redner behandelte die wirtschaftliche und staatsbürgerliche Bedeutung der genossenschaft- lichen Arbeit des deutschen Einzelhandels und kam dabei zu dem Schluß, daß gerade die Genossenschaften durch ihre Arbeit, die auch die Erziehung zum guten Staatsbürger in sich schließe, mit zur Erneuerung des Staatslebens berufen seien. Damit hatten die offiziellen Verhandlungen ihr Ende erreicht. Ort der nächsten Tagung ist Bad Kreuznach. Oberhessen. Landkreis Gietzen. 2. R ö d g e n, 12. Mai. Morgen, 13. Mai, wird der älteste Mann in unserem Dorfe, Gastwirt Heinrich Wagner, ein Veteran von 1866 und 1870/71 achtundachtzig Iahre alt. Er ist körperlich und geistig noch sehr rüstig. Z Allendorf a. d. Lda., 11. Mai. Der hiesige Schützenverein veranstaltete ein Geweihschießen, zu dein die dem hessischen Landesverband angehörigen Kleinkaliber-Schützcnvereine des Kreises Gießen-Nord eingeladen waren. Ausgeschossen wurden zehn Hirsch- und zehn Rehgeweihe. Erster Preisträger war Eb. Lotz vom Schützenverein Allendorf a. d. Lda., den 2. Preis erhielt Ludwig Z ö r b vom Schützenverein Lützellinden, den 3. Preis schoß Lehrer heil vom Schützenvcrein Allendorf an der Lumda. Die übrigen Preise verteilten sich auf hiesige und auswärtige Schützen. — Einem berechtigten Verlangen der Bevölkerung von Allendorf an der Lumda und Treis an der Lumda hat die Schulbehörde nunmehr dadurch Rechnung getragen, daß sie mit Beginn des neuen Schuljahres einen Teil der gewerblichen Fortbildungsschule von Londorf hierher verlegte. Kreis Schotten. Ober-Schmitten, 11. Mai. In der Zeit zwischen 12.30 und 13.30 Uhr konnte heute eine seltene Himmelserscheinung beobachtet werden. Die Sonne war von einem großen Hof umgeben, der regenbogenfarbig schimmerte. Das Rot am inneren Teile des Ringes war am stärksten ausgeprägt, während die übrigen Farben mehr ineinanderflossen. Bekanntlich entstehen diese großen Ringe dadurch, daß die in hohen Luftschichten schwebenden Eisteilchen dos Licht brechen und spiegeln. — In dem Bericht übet die Wanderfahrt des Gaues I (Hungen) des Oberhessischen Radsahßbundes nach Ober-Schmitten muß es am Schluffe heißen: In dem Radballspiel Heuchelheim —Eber st adt siegte Heuchelheim (nicht Eberstadt!) mit 9:1. preutzen. Kreis Wetzlar. ^Wetzlar, 11. Mai. Die Vergebung der Arbeiten zu dem Bau der Umgehungsstraße bei Diskirchen, die mit insgesamt 170 000 Mark veranschlagt ist, hat dieser Tage stattgefunden. Es waren 36 Angebote eingegangen, 20 aus dem Kreise Wetzlar unb 16 aus Hessen und den benachbarten Provinzen. Die Vergebung erfolgte in zwei Losen. Das niedrigste Angebot für Los 1 (Erd- und Strahenarbeiten) betrug 58 792,85 Mark und war von der Firma Schlechtriem in Durbach abgegeben, das höchste Angebot für dasselbe Los gab die Firma Riedinger (Rüsselsheim Hessen» mit 122 235,80 Mark ab. Dei Los II (Dau einer Detonbrücke) kam eine noch nettere Submissionsblüte zum Vorschein. Das niedrigste Angebot betrug hier 21 895 Mark (Firma Konrad, Köln), das höchste Angebot 57 055 Mark (Firma Buschung, Rieder-Selters). Kreis Vicvcnkopf. •S Ftankenbach, 10. Mai. Dei dem in der Rächt zum Donnerstag über unsere Gegend ziehenden schweren Gewitter schlug der Dlitz in die Scheune des Landwirts Heinrich Loh und äscherte diese in kurzer Zeit e in. Menschen und Tiere kamen zum Glück nicht zu Schaden. (Schluß des redaktionellen Teils.) Bereit sein ist alles. Die kluge Hausfrau sollte stets Maggi's Fleischbrühwürfel vorrätig halten. Hat man keine selbstgemachte Fleischbrühe, oder kommt unerwartet Besuch, immer sind Maggi's Fleischbrühwürfel gebrauchsfertig und helfen schnell aus der Verlegenheit. 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MAGG!S UJürze hilft in der Küche sparen Am Mittwoch, dem 13 Mai 1931 ist der leitende Arzt Neustadt 9. 02836 des Bestrahlungs-Institutes Schulstrafee 6 » Telephon 4261 zur Sprechstunde anwesend 3142 A 02847 Wühltage Pfingst-Garderobe 5% Barrabatti Kreuzplatz 15 Gießen • Mäusburg 4 Telephon 2773 «01 A diese 3 Vorteile bieten wir Ihnen beim Einkauf Ihrer Lutz Setterholms Diener nahm Evelin den Hellen Mantel ab und placierte das duftige Gebilde von einem Sommerhütchen auf die Messing- Das sind Tage, welche wir veranstalten, an denen Sie derartig bei uns in den auf Tischen in ungeheuren Massen ausgelegten Resten und Abschnitten wühlen können, an denen derartige Preisvorteile geboten werden, daß es eine Unterlassungssünde an Ihrem Geldbeutel wäre, diese Wühltage bei uns nicht wahrzunehmen. Kommen Sie und nutzen die Gelegenheit Hier alles anzugeben würde zu weit führen. Besuchen Sie uns bald, Sie finden auch etwas nach Ihrem Geschmack Dann wußte sie nicht mehr, was rings um sie geschah. Anzüge, Mäntel, Sportbekleidung jeglicher Art, Damenmäntel, Kleiderstoffe in Seide und Wolle Große Preiswürdigkeit Moderne Musterung Flotte Formen Sagen Sie Eve, daß ich mich auf offener Straße vor ihren Augen niederknalle, wenn sie nichts mehr von mir wissen will. Wenn ich ihr auch nichts mehr gelte, vielleicht scheut sie den Skandal." „3d) werd ihr alles bestellen, Graf. Sonst noch was?" Es war wieder dasselbe unsichere Lächeln in ihrem Gesicht. Herrgott, es war ein Wagnis, ihn jetzt allein zu lassen! Ter machte womöglich eine Dummheit. Was tat man denn nur? Es konnte eine gute Stunde dauern, bis sie wieder- kam. Sie sah rasch nach der Uhr. Es hatte noch sünfuichzwanzig Minuten bis sieben, und sie wußte nicht, ob Miß Hetterfield pünktlich sein würde. Pünktlich war das verwöhnte Kind nie gewesen. Aber man mußte cs schon riskieren. Er verging sonst vor Unruhe. „Ich kann mich doch verlass'n auf Sie?" forschte sie, intern sie ihn aufmerksam ansah. „Wieso, Frau Professor?" Seine Gedanken waren weit ab gewesen. „Daß Sie mir das Fräulein Hetterfield schön unterhalt'n!" „Ganz sicher, gnädige Frau." „Ra also, dann b'hüt Sie Gott!" Aber sie hatte trotzdem ein Gefühl fürchterlichster Ahnung, als sie die Türe hinter sich zudrmckte. Dahlien aller Klassen in neuen, bewährten Sorten und herrlichem Farbenspiel empfiehlt Samenhaus Heinrich Hahn / Gießen Bahnhofstraße, Ecke Wolkengasse — Telephon 3403 !!k. er Ich boM Nur einige Beispiele: Neu eingetroffen: Enorme Mengen Reste in Wollmousseline, Seide, Kunstseidendruck, Panama, Waschleinen, Sportzephir, Sportflanell, Schürzenstoff, Kleiderstoff, Weiß waren, Handtücher, Mantelstoff, blau Kammgarn, gemusterte Anzugstoffe, Wildleder und vieles andere M &20 ■ Keichk lohn, e 8f unter Anl' < Er Die Köchin vom Bundesrat Kretschner war ein Ees Faktotum wie Uschi. Es gab ein kleines „Tratscherl", wie die Frau Professor zu sagen pflegte. Uschi bekam für ihr Tortenrezepte zwei andere, die ebenso selten und exquisit waren. Was Wunder, daß die Zeit verging. Ab und zu horchte Uschi nach unten. Da war alles ruhig. Einmal glaubte sie einen Schritt gehört zu haben, der durch den Korridor gegangen war. Roch einmal horchte sie. Es hatte etwas gepoltert. Sie glaubte einen Schrei gehört zu Habmr. „Das ist von ter Strah'n rauf gewesen", beruhigte sic die Köchin von Kretschners. Aber Uschi war es mit einem Male nimmer wohl. Sie empfahl sich und hastete die Stufen hinab. Run hatte ter Wind glücklich die Flurtüre S geschlagen. Aber das war schon öfter gewesen. nter dem Abstreicher lag ein Haken, damit tat sich das Schloß ohne weiteres auf. Die Alte ver- raftete einen Augenblick. Der Knall und ter Schrei, die muhten wirklich von ter Straße heraufgekommen sein, denn in ter Wohnung war „In einer Stund!" „So lang!" Uschi trocknete nachdenklich die Hänte an dem rotgeranteten Küchentuche ab und sah ihre Herrin besorgt an. „Ich muh ganz ehrlich sag'n, mir ist Angst mit dem Lippstädter allein!" „ Aber geh, Uschi!" Ulla knöpfte die Handschuhe und lieh sich einen Seitenfaden wegnehmen, ter sich an ihrem flaschengrünen Mantel verhängt hatte. „Warum soll dir denn da Angst sein! Er ist so verzweifelt und hat mich bitt, dah ich ihm Helf. Hast denn gar kein Mitleid'n mit ihm?" „Ro ja freilich, schon! Aber Angst ist mir des- toeg’n doch." Während sie die Bänder ihrer blauen Schürze löste und eine weihe übernahm, sagte sie ihre Bedenken: „So oft lieft man, dah sich ein Verliebter erschossen hat ober vergift', ober zum Fenster nunterg'stürzt." „Ater geh, Allerlei Das tut er schon nicht, ter Viktor!" „Weih man's?" versteifte sich Uschi. „Ganz wohl ist mir nicht, Frau Professor. Kommen's nur recht halb toieter. Ich verhalt'n schon terweil, bring ihm ein paar Krapf'n hinein und plausch ein bisserl mit ihm!" „Das ist recht, ja", lobte bie Künstlerin. Aber als sie ihrer alten Getreuen noch einmal von ter Türe aus zunickte, sah sie deren Besorgnis in dem verrunzelten Gesicht. Der Uschi schien nicht, aber auch gar nicht Wohl zu sein bei ter Mission, die sie auf getragen bekommen hatte. Muhte man halt schauen, dah man gleich einen Wagen bekam. Dann ging es rascher. Cs war immerhin ein schönes Endchen Weg nach ter Villa Dloem. Ulla glaubte, noch nie so rasch die Stufen hinunter genommen zu haben. Ater als sie dann auf ter Straße stand und als wie vom Himmel geschickt, eine leere Autodroschke des Weges tarn, betrachtete sie es als ein gutes Omen und wurde um etwas ruhiger. Als Uschi das erstemal nach dem Arbeitszimmer hinüterging, sah Lippstädt in einem ter großen Sessel und las. So schrecklich, wie sie sich die Sache gedacht hatte, war es also nicht. Wenn einer noch lesen konnte, hatte er sicher noch seinen Verstand beieinander. Sic brachte ihm einen gehäuften Teller ihres Schmalzgebackenen und konstatierte befriedigt, dah er sogar noch essen konnte. Das war schon allerhand. Man muhte also nicht gar zu viel Angst um ihn haben. Als sie das brittemat nach ihm schauen kam, las er noch immer. Es fiel ihr ein, daß sie der Köchin vom Bundesrat Kretschner bas Rezept zu einer Torte versprochen hatte. Das konnte man ihr jetzt hinaufbringen. Die Kretschners wohnten nur eine Etage höher. Sie lieh ganz einfach die Korridortüre ein Ruckerl auf, dann hörte sie schon, wenn jemand hinaus ober hereinging. Das Fräulein Hetterfielb muhte vhnebies jeben Augenblick kommen. ngweilig geworben. Im Wohnzimmer war er auch nicht. Beinahe war es schon bämmrig unb die Pantoffel der Alten schleiften über das Helle Gelb des Parketts.