nr. 264 Erstes Blatt I8L Jahrgang Mittwoch, U. November (931 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dnid und Verlag: vrühl'fche Univerfitäls-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe Z. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20v/„ mehr. Thefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot,- für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich.außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschluffe anterSammclnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Landnöten. lieber die Handhabung der Zensur im Rundfunk ist es zwischen dem Reichsinnenminister Groener und dem preußischen Innenminister Severing zu einem scharfen Konflikt gekommen. Der Tatbestand ist kurz folgender: daß der Berliner Rundfunk sich eine Revolutionsrede zum9Rovember bestellt hatte, selbstverständlich bei einem sozialdemokratischen Abgeordneten. Diese Rede hat die Zensur passiert mit einigen Aenderungen, ist aber trotzdem vom Reichsinnen mini st erium beanstan- det^worden. Die Beanstandung soll angeblich im Instanzenzuge liegengeblieben sein, so daß sie erst in die Hände der „zuständigen Stelle" gelangte, nachdem die Rede bereits gehalten war. Ergebnis: Das llnglüd war geschehen, eine einseitige sozialdemokratische Darstellung der Borgänge am 9. November war an Millionen von Hörern gelangt, und das ganze fein ausgeklügelte System des Rundfunks hat wieder einmal versagt: nicht zum erstenmal. Begreiflich, wenn deshalb jetzt der Reichsinnenminister ankündigt, daß er die bestehende Organisation für unzureichend hält und für eine entsprechende A e n d e- r u n g sorgen würde. Wir haben nicht das Vergnügen gehabt, die Rede des sozialdemokratischen Abgeordneten Höltermann zu hören. Rach dem aber, was darüber berichtet wird, hat sie die Grenzen des Zulässigen weit überschritten. Es ist, um nur ein Beispiel herauszugreifen, eine geradezu ungeheuerliche Zumutung, wenn den deutschen Soldaten von 1914 nachgesagt wird, sie seien nur deswegen in den Krieg gezogen, weil ihre Gestellungsbefehle gewissermaßen von der Geschichte ausgestellte Ga° santiescheine auf di e Gewährung demokratischer Rechte gewesen seien. Das ist eine Beleidigung der Frontkämpfer, wenn von ihnen heute behauptet wird, daß sie nicht aus vaterländischem Pflichtgefühl, sondern nur um der Diskontierung eines inncrpolitischen Wechsels willen dem Ruf zur Fahne gefolgt seien. Wie muß die Rede ursprünglich ausgesehen haben, wenn trotz verschiedener Korrekturen derartige Ungeheuerlichkeiten noch stehenbleiben konnten. Aber der Reichsinnenminister hat auch schon recht, der Fall beweist hinreichend, was aNen Verständigen schon längst klar war, daß die Art, wie der Rundfunk heutzutage gebraucht oder vielmehr mißbraucht wird, eine Unmöglichkeit ist. Eine Unmöglichkeit deshalb, weil auch diese neueste Institution nur dazu ausgenutzt wurde, um den Mitgliedern der Regierungsparteien eine wohlbezahlte Pfründe zu geben und chnen ein Aussichtsrecht zu schaffen, das sie nicht im staatlichen, sondern im parteipolitischen Sinne verwerten. Kein vernünftiger Mensch wird es der Regierung verdenken, wenn sie die starken propagandistischen Möglichkeiten, die im Rundfunk liegen, für ihre Zwecke mobilisiert, wenn sie durch den Rundfunk an die Massen heranzukommen sucht und um Freunde wirbt. Aber die Voraussetzung dabei muß immer sein, daß diele Propaganda staats- politisch angewandt wird, jede Umbiegung ins Parteipolitische stellt eine Aeberspannung des staatlichen Rundfunkmenopols dar, die sich schließlich am Staat selbst bitter rächen muh. Wir haben Bei mehr als einer Gelegenheit schon darauf aufmerksam gemacht, daß die Art, wie vor allem in Preußen Regierungspolitik auf dem Um» weg über den Rundfunk gemacht wurde, den Dogen überspannt, und wir freuen uns aufrichtig, daß der Reichsregierung jetzt endlich der Geduldsfaden gerissen ist. Schon i m I n t e r e s s e des Rundfunks wäre es zu begrüßen, wenn sich künftig derartige Pannen nicht wiederholen können. Eine Entscheidung von weittragender grundsätzlicher Bedeutung hat das Berliner Landgericht in einer Klage des nationalsozialistischen „Angriff" gegen den preußischen Staat gestellt. Es hat dahin entschieden, daß unter bestimmten Voraussetzungen der Fiskus für Zeitungsverbote schadensersahpflichtig ist. Das Berliner Landgericht ist nicht ganz soweit gegangen wie das Landgericht Dresden, das von den verantwortlichen Beamten eine ganz besondereSorgfaltspflicht bei der Prüfung der Voraussetzungen eines Verbots verlangt. Es hat vielmehr verneint, daß eine Verletzung der Amtspflicht schon in einem unbegründeten Verbot vorliegt. In diesem Falle haben aber die Instanzen die Beschwerde gegen das Verbot vom 4. bis zum 20. Februar, also um volle vierzehn Tage, verschleppt, so daß das Reichsgericht erst nach Ablauf der Verbotszeit dazu kam, das Verbot selbst als unbegründet aufzuheben. Das Gericht hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß die staatlichen Organe verpflichtet sind, mit größtmöglichster Beschleunigung eine Beschwerde weiterzugeben und daß die Schadensersahpflicht des Staates einseht, sobald diese Pflicht durch eine absichtliche Verzögerung verletzt ist. Durch die neue Rotverordnung ist durch Ansehung sehr später Fristen gegen derartige Möglichkeiten ein gewisser Schuh gegeben. Trotzdem bleibt das Urteil des Landgerichts, dem sich hoffentlich das Reichsgericht anschließen wird, oon grundsätzlicher Bedeutung. Denn nur wenn bie Schadensersatzpflicht des Staates bejaht wird, ist überhaupt staatspolitisch der Gedanke des Verbots vertretbar, vor allem in einer Verwaltung, die rein parteipolitisch orientiert ist. Man kann darüber streiten, ob Zeitungsverbote überhaupt einen Sinn haben. Wenn sich der Staat aber dieses Recht außerhalb der ordent- Der Mrtschastsbeirat beginnt die Ausschußberatungen. Die Taktik des Reichskabinetts. — Oer erste Verhandlungstag. — Ende November kommt die Wirtschastsnotverordnung. Berlin, 10. Nov. (CNB.) Der Erste Aus- s ch u ß des Wirtschaftsbeirats, der sich mit der ^^^osisetzung von Produktionskosten u n d P r e i s e n zu befassen hat, ist heute vormittag um 10 Uhr zu seiner ersten Sitzung zusammengetreten. Sie begann damit, daß der Kanzler dem Ausschuß zunächst die Leitsätze vortrug, die das Kabinett ausgearbeitet hat. »Es handelt sich dabei allerdings nicht um ferfige Lösungen, die die Reichsregierung dem Wirtschaftsbeirat vorschlägt und über die er sich dann nur gutachtlich zu äußern hätte, sondern mehr um eine Disposition für den Gang der Verhandlungen. Der Wirtschaftsbeirat wird also von sich aus Wege zeigen müssen. Dabei kann man aber wohl annehmen, daß das Reichskabinett seinen eigenen Standpunkt zu den Problemen bereits gewonnen hat. Es scheint, daß das Kabinett gewissermaßen den Spielraum ausgemessen Hot, der zwischen einem Maximal- und einem Minimalprogramm möglich wäre, und daß die Lösungen, die aus den Beratungen des Wirtschaftsbeirates herauskommen, sich innerhalb dieses Rahmens bewegen müssen. Hätte der Kanzler fertige Vorschläge vorgelegt, so wäre die Regierung taktisch vielleicht möglicherweise in die Gefahr gekommen, daß bei den Verhandlungen nur eine negative Kritik das Feld beherrschte. Dann würde man wahrscheinlich sehr bald in einer Sackgasse angekommen sein. Durch die Methode, die der Kanzler jetzt anwendct, wird diese Gefahr vermieden. Allerdings werden sich die Schwierigkeiten, Die wirksamen Lösungen sachlich und vom Standpunkt der verschiedenen Interessen aus entgeoenstehen, nun schon z u Anfang der Verhandlungen zeigen. Rach Auffassung gut unterrichteter Kreise wird sich schon sehr schnell zeigen, daß die Beseitigung oder auch nur Auflockerung der Bindungen auf sehr viel mehr Schwierigkeiten stößt, als die Kritiker selbst vielleicht erwartet haben. Sollte es nicht gelingen, in der einen oder anderen Frage zu einer Verständigung zu gelangen, so müßte das Kabinett natürlich von sich aus seine Entscheidungen treffen. Man rechnet damit, daß die Verhandlungen des Beirates etwa eine gute Woche in Anspruch nehmen, und daß das Kabinett dann an die Ausarbeitung der großen Wirtschaftsnotverordnung Herangehen wird, die bestimmt bis Ende dieses Monats fertiggestellt werden soll. Rachdem der Vormittag durch die Verhandlungen des ersten Ausschusses ausgefüllt war, hat heute nachmittag und abend der Ausschuß II des Wirtschaftsbeirates getagt, der sich mit den Kredit- und Zinsfragen beschäftigt. Auch in diesem Ausschuß hat der Kanzler mit einführenden Worten die Aufgaben umrissen, um die es geht. 3m ganzen läßt sich der erste Tag in den Verhandlungen beider Ausschüsse dahin zusammenfassen daß die Generaldiskussion der Plenarsitzungen fortgeführt wurde, aber nicht in dem breiteren Rahmen jener Verhandlungen, sondern in der Begrenzung a u f die besonderen Probl em e, die den beiden Ausschüssen gestellt sind. Die Abänderung des Mietrechts. Voraussetzung für einen Abba« der Wohnungszwangswirtschaft. Berlin, II.Rov. (ERB.) Im Reichsjustizmi- nisterium haben gestern und vorgestern mit den Vertretern der Justiz-, Wohnungs- und Wirt- schaftsressorts der Länder Verhandlungen über die Frage der künftigen Entwicklung des Mietrechts stattgefunden. Die Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember v. I. schrieb vor, daß vor Beseitigung der Wohnungszwangswirtschaft eine Ausgestaltung der mietrechtlichen Vorschriften des BGB. unter soziale n Gesichtspunkten erfolgen soll. Die für eine solche Regelung in Betracht kommenden Möglichkeiten wurden eingehend erörtert. Dabei herrschte lle&ereinftinimung, daß eine Neuregelung in jedem Falle neben den sozialen Bedürfnissen auch den wirtschaftlichen Rotwendigkeiten sorgsam Rechnung zu tragen hat. Die Meinungen gingen in einzelnen Punkten zum Teil noch weit auseinander. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Die Angelegenheit soll von den Reichsressorts weiter geprüft werden. Der Zentralverband deutscher Haus- und Grundbesitzer - Vereine hat eine Eingabe an die Reichsregierung gerichtet, in der er betont, daß die gesamte Tendenz der Gesetzgebung im Wohnungswesen darauf hinausgehe, die noch immer bestehende Wohnungswirtschaft bis zur völligen Beseitigung abzubauen und die Vertragsfreiheit wieder aufzurichten. Das Ziel müsse sein, für die Zukunft eine gesunde Kalkulation zwischen Rente und den Belastungendes Hausbesitzers steuerlicher und hypothekarischer Art wieder möglich zu machen. Dieser Grundsatz sei aber nicht durchiührbar, wenn nicht baldigst die Zwangsbewirtschastung im Wohnungswesen re st los abgebaut werde. Dem Gedanken einer Aenderung des Mietrechts des BGB. im Sinne eines sozialen Mietrechts müsse notwendigerweise ein soziales Hypotheke n r e ch t folgen. Oer Ladenschluß am Heiligen Abend. Berlin, 10. Nov. (VDZ.) Bekanntlich bemühen sich Reichsregierung und Reichsrat seitüberzwei Jahren um eine endgültige Regelung des Ladenschlusses am 24. Dezember. I m Vorjahre ist es aus formalen Gründen und wegen des Einspruches des Reichsrates nicht möglich gewesen, das damals vom Reichstag beschloßene Gesetz in Kraft zu setzen. In diesem Jahre hatte das Reichsarbeitsministerium einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der dann vom Reichsrat dahin abgeändert wurde, daß der Ladenschluß am Heiligabend a u f 5.30 Uhr festgesetzt werden sollte. Da der Reichstag vor Weihnachten nicht mehr zusammen t r i t t und die Reichsregierung nicht beabsichtigt, diese Frage durch Notverordnung zu regeln, wird es auch in diesem Jahre bei der Regelung der früheren Jahre bleiben. Allgemeiner Ladenschluß ist also um 17 Uhr, Ladenschluß der Lebensrnittel-, Genuß- mittel - und Blumengeschäfte um 18 Uhr. Eine reichsgesetzliche Beschränkung der Gast- und Schankwirtschaften erfolgt nicht. Das Zinsproblem. Oie Berliner Handelskammer gegen eine gesetzliche Zinssenkung. Berlin, 10. Nov. (TU.) Die Jndustrie- und Handelskammer zu Berlin hat dem Reichskanzler eine längere Denkschrift über g e - se gliche Zinssenkung übermittelt, deren Inhalt kurz zusammengefaßt besagt: Die Jndustrie- und Handelskammer zu Berlin legt gegen den Gedanken einer gesetzlichen Zinssenkung für inländische Schuldverpflichtungen nachdrückliche Verwahrung ein. Der Bruch vertraglicher Bestimmungen bedeutet eine unerträgliche Vernichtung oon Treu und Glauben, damit eine Unsicherheit des Verkehrs, die zu einer Fülle von Rechtsstreitigkeiten führen muß. Eine Zinskonversion der Anleihen des Reichs, der Länder und Gemeinden ist volkswirtschaftlich gleichbedeutend mit einer Erhöhung her Steuern auf den Kapitalertrag und würde den Grundsätzen der Reichsregierung zu- mibcrlaufeu, die Belastungen öffentlicher Art nicht zu steigern. Der jährliche Zinsendienst der deutschen Jndustrieobligationen beträgt im Inland nur etwa 82 Millionen Reichsmark. Eine Ermäßigung der Zinsoerpflichtungen würde der Industrie nicht wesentlich helfen. Der Realkredit der deutschen Landwirtschaft beträgt etwa 6.1 o. H. der gesamten inneren deutschen Verschuldung. Eine Umschuldung der Landwirtschaft, wie sie in der Osthilfe begonnen worden ist, kann in zweckmäßiger Weise auf anderen Wegen als auf dem einer allgemeinen Zinssenkung durchgeführt werden. Ebenso kann eine Entlastung des städtischen Hausbesitzes vermittels Nachlasses der Hauszins ft euer erfolgen. Eine allgemeine Zinssenkung für kurzfristige Verschuldungen wird als völlig undurchführbar angesehen. Deutschlands kurzfristige Verschuldung wird durch die Verpflichtungen gegenüber dem Auslande beherrscht, die zur Zeit ganz verschiedene Zinssätze bedingen. Daneben tritt der Reichsbankdiskont in den Vordergrund, der natürlich beweglich sein muß, um der Reichsbank ihre Machtstellung zu sichern. Eine starke Reichsbank kann die kurzfristige Verzinsung weitgehend beeinflussen, ihre Politik kann Diel wirksamer und besser sein, als eine gesetzlick)e Regelung. Jeder gesetzliche Höchstsatz für kurzfristige Kreditgewährung könnte leicht umgangen werden. Verhandlungen über eine Herabsetzung der Zinssätze. Im württembergischen Landtag wurde von der Regierung mitgeteilt, daß eine angemessene Herabsetzung der vielfach überhöhten Soll - undHaben-Zinsen vom Wirt- schaftsminister'.um angestrebt werde. In den letzten Tagen ist eine Vereinbarung der württembergischen Zentral-Kreditinstitute einschließlich der Banken zustandegekommen, die eine Herabsetzung der Zinsen für Spareinlagen und für Ausleihungen zum Gegenstand hat. Die Bemühungen um weitere Zinssenkung werden fortgesetzt. Ihr Erfolg wird aber in erster Linie von der Entwicklung des allgemein en Geld - und Kapitalmarktes abhängig fein. Mit der Reichsregierung steht das Wirtschaftsministerium wegen der Frage der Zinssenkung schon seit geraumer Zeit in Verbindung. Ein Sparprogramm der Aei'chsposl. Hundert Millionen Cinnahmerückgang müssen ausgeglichen we.dcn. Berlin, 10. Nov. (WTB.) Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost beriet einen Nachtrag zum Voranschlag für 1931, der die im ursprünglichen Haushaltsentwurf angesetzten Einnahmen und Ausgaben um je 100 Millionen RM. her- ab fetzt. — Die allgemein ungünstige Wirtschaftslage brachte auch der Reichspost einen nicht unerheblichen Gesetzgebung anmaht, dann muh er weit- gebende Sicherheiten gegen Willkür schaffen. Diese Sicherheiten haben bisher nicht bestanden. Wir haben Fälle genug erlebt, wo wenigstens der unbefangene Beobachter den Eindruck hatte, daß die Verbote hauptsächlich das Ziel verfolgten, den unbequemen politischen Gegner zu strafen und eine öffentliche Gegenwirkung ganzer parteipolitischer Richtungen durch lange Verbote unmöglich zu machen. Dem inneren Frieden wird dadurch gewiß nicht gedient. Wenn jetzt die Voraussetzungen geschaffen werden, daß der Staat und der einzelne Beamte bei lieber» griffen schadensersahpflichtig sind, dann wird da- durch zum mindesten erreicht, daß in jedem Falle genau geprüft wird, ob tatsächlich Anlaß zu einem Verbot gegeben ist, bann wird ein Zustand der Rechtsunsicherheit beseitigt, der heute auf das ganze politische Leben drückt. Deshalb sehen wir in dem Berliner Urteil einen Anfang, der durch logische Weiterentwicklung wieder zu einer verständigen Auslegung des Begriffs der Pressefreiheit zurückführt. * Vor vielen hundert Iahren brach die Rordsee in einer gewaltigen Sturmflut über das fruchtbare Ackerland der holländischen Riederungen und bildete damals einen neuen Teil des Meeres, die Zuider-See, weite Strecken wertvollen Kulturbodens vernichtend. Heute ist dem „blanken Hans" ein großer Teil seiner Deute wieder abgejagt, — brachte doch unlängst eine Zeitungsmeldung die Rachricht von der Vollendung des ersten Viertels des Riesenprojektes, das die vollständige Aus trocknung der Zuider-See zum Ziele hat. Es ist der alte Kampf, den die Geschlechter der Qlorbfeelnnber gegen das Meer führen, ähre Scholle, ihr Eigentum zu verteidigen, und heute kommt ihnen in ihrem Ringen die Technik zu Hilfe. Kilometerlange Deiche und andere Kunstbauten machen es dem Meere immer schwerer, seine 3er» sehungsarbeit fortzusehen. Mehr aber noch als nur die Verteidigung haben sich die Holländer feit langen Jahrzehnten vorgenommen, die Zuider-See vom Meere abzuschließen und dann trockenzulegen, um so die riesige Fläche von rund 225 000 Hektar Land wiederzugewinnen und urbar zu machen. Der erste Bauabschnitt ist erreicht. Der „R o r d w e st - Polder", der kleinste der vier Bezirke, liegt trocken, und heute bebaut der Dauer wieder wie vor vielen hundert Jahren das Land mit feinem Pflug. 20 000 Hektar Kulturboden sind zurückerobert. Eine gewaltige Leistung menschlichen Geistes und menschlicher Kraft. Ein wenig öde sieht das Reuland noch aus. Aber bald werden die Tulpenfelder und die Obstbäume mit ihrer Dlütenpracht das Dild verändern. Technisch gesehen scheint der Versuch geglückt, und so wäre die Vollendung des Riesenwerkes, das kurz nach dem Weltkrieg in Angriff genommen wurde, in absehbarer Zeit vorstellbar. Aber nun ergibt sich die schwere Frage, ob das Projekt finanziell überhaupt durchzuführen ist. Für den fertiggestellten ersten Trakt waren im Voranschlag 16 Millionen Gulden vorgesehen. Die Kosten verlangten aber schon im Jahre 1924 eine Erhöhung auf 37 Millionen Gulden, und d:e Endsumme hat nun tatsächlich 60 Millionen Gulden überschritten. In diese Summe sind aber nicht einmal die Kosten einbegriffen, die für die Kultivierung des gewonnenen Landes eingesetzt werden müssen. Es ist also teures Land geworden, und der ursprüngliche Plan, die Kosten durch den Verkauf des Landes wieder einzubringen, wird die in ihn gesetzten Hoffnungen kaum erfüllen. So ist einstweilen jede Kalkulation über den Hausen geworfen. Und wenn man vorsichtigen Schätzungen glauben will, nach denen die Gesamtkosten, die mit 500 Millionen Gulden veranschlagt waren, sich etwa verdoppeln sollen, dann wird man für die Fortsetzung oder gar Vollendung des Riesenwerkes die schlimmsten Befürchtungen hegen müssen. Eine zweite sehr schwierige Frage bleibt dabei zu lösen: der breite Damm, der die Zuider-See nach dem Meere hin abschliehen soll, ist noch nicht ganz geschlossen. Man darf den Damm aber erst dann schließen, wenn die Trockenlegung der drei anderen Polder auch wirklich durchgeführt wird. Einmal aus technischen Gründen, bann aber auch, um bie ansässigen Fischer nicht brotlos zu machen. Solange aber bie Lücke in dem Damm offen bleibt, besteht bie große Gefahr, bah bas Meer seine Zerstörungsarbeit toieber aufnehmen unb bas Werk vieler Jahre in kurzer Zeit vernichten kann. Cs bleibt sehr zu hoffen, baß eine Kulturarbeit Don solchen Ausmaßen nicht an diesen finanziellen Schwierigkeiten scheitern wird. lichen Einnahmerückgang, der für das ganze Rechnungsjahr auf mindestens 100 Millionen RM. veranschlagt werden muß. Die Verwaltung hofft, diesen Einnahmeaussall durch sparsamste Wirtschaftsführung ausgleichen zu können. — Bei der einzusparenden Summe von 100 Millionen RM. handelt es sich zu 6 0 o. H. Sachausaaben. Etwa 15 Millionen Reichsmark werden auf dem Personalgebiete gespart, um 6 Millionen RM. reduziert sich die gesetzlich auf 6 o. f) der Einnahmen festgelegte Ablieferung an das Reich, der Rest von rund 20 Millionen RM. wird durch die Heranziehung übertragbarer Etatsreste aufgebracht. Bei dem Sparplan hat man in erster Linie eine Senkung der Sachausgaben oorgenommen, um Personal- entlassungen nach Möglichkeit zu vermeiden und das Personal über die schwere Wirtschaftskrise hinweg durchzuhalten, schon um die Zahl der Arbeitslosen nicht noch weiter zu vermehren. Ob dos im bisherigen Umfange gelingt, wird allerdings fraglich fein, falls der Einnahmeaussall in den kom- menten Monaten das bis jetzt anzunehmende Matz wesentlich überschreiten sollte. Bei den Ersparnissen auf sachlichem Gebiet handelt es sich zunächst um Minderausgaben im Dahnpostoer- kehr. Die Einstellung von Bahnpostwagen und Beiwagen richtet sich nach dem Verkehrsbedürfnis. Gebaut wird nur das, was zur Aufrechterhaltung des Betriebs unbedingt nötig ist und hinsichtlich der Instandhaltung, Erneuerung und Vermehrung der Ausstattungsgegenstände und Geräte der Dienst- stellen wird manches Wünschenswerte und Erneue- rungsbedürftiae zurückgestellt. Rach eingehen- der Aussprache nahm der Derwoltungsrat den Nachtrag zum Voranschlag der DeutsHen Reichspost für das Rechnungsjahr 1931 an. Parlamentseröffnung in England. Oie Probleme her nationalen Regierung: Ausgleich des Staatshaushalts und der Handelsbilanz. Einzug de» königlichen Wagen» durch das Spalier der Garte ins Parlamentsgebäude. London, 10. Roo. (WTB.) Der Äon i g begab sich heute vormittag in Begleitung der Königin in der goldenen Staatskutsche von dem Buckingham-Palast nach Westminster, um das Parlament zu eröffnen. Der seltene Anblick der prächtigen Kutsche, eskortiert von berittener Leibgarde in ihren rot- weihen Uniformen mit blitzenden Bruftschilden, hatte trotz des regnerischen Wetters eine große Menge von Schaulustigen herbeigelockt, die Spalier standen. Dies ist das e r ft e Parlament einer Koalitionsregierung, das feit dem Kriege durchdenKöniger- öffnet wird. Bei der Eröffnung des Parlaments nach den letzten Neuwahlen im Juli 1929 war der König infolge feiner Krankheit nicht zugegen, und die Thronrede wurde damals von dem Lordkanzler verlesen. Oie Thronrede. In seiner Thronrede erklärte der König: Meine Regierung beabsichtigt, sich weiterhin der Förderung des Friedens und der Verständigung zu widmen und tätig Anteil an den Arbeiten des Völkerbundes zu nehmen. Insbesondere schenkt meine Regierung den Vorbereitungen für d e bevorstehende Abrüstungskon- f e r e n z große Aulmerksamkeit und ich bin überzeugt, daß ein glückliches Ergebnis dieser Konferenz großen Ruhen für die ganze Welt stiften würde. Die ernste Finanz- u n dW irisch a s t s l a g e der Welt bildet eine schwere Sorge mein« Regierung, die ihr möglichstes tun wird, um mit den anderen Regierungen im Geiste gegenseitiger Hilfsbereitschaft die Mittel zur Wiederherstellung des früheren Umfanges deS internationalen Handels zu finden. Die i u d i f ch e K o n f e- renz am Runden Tisch seht ihre Arbeiten fort. Es ist mein sehnlichster Wunsch, daß die ^Beratungen von Erfolg gekrönt werden. Entsprechend dem den Vertretern meiner Dominions gegebenen Versprechen werden dem Parlament Maßnahmen zur gesetzlichen Verankerung von Sntschl.eßungen der Reichskonferenzen vorgeschlagen werden Diese Maßnahmen sollen d i e Befugnisse der Parlamente der Dominions klären und den Geist der s r e i e n Z u- sammenarbeit unter den Mitgliedern des britischen Gemeinwesens der Rationen fördern. Die Einladung der kanadischen Regierung zur Wirtschastskonferenz nach Ottawa ist von meinen Ministern begrüßt worden und wird mit dem dringenden Wunsche zur Herbeiführung einer gegenteilig vorteilhaften Verständigung mit den Regierungen der Dominions geprüft werden. Die Ration hat bei den allgemeinen Wahlen die Maßnahmen unterstützt, die getroffen wurden, um Ersparnisse zu erzielen und daS Dudgetgleichgewicht wederh.rzu'.ellen. Die Ration ist auch von den Ministern au‘gcfor- den worden, ihnen Vollmacht zur Fort- sehung einer Politik zu erteilen, deren Ziel es ist, das Vertrauen aus unsere finanzielle Stabilität aufs neue und vollkommen herzustellen und Pläne zur Sicherung einer günstigen Handelsbilanz auszuarbeiten. Meine Minister haben jetzt ein klares positives Mandat in dieser Hinsicht erhalten. Oie Debatte. Starte Zurückhaltung bco Premiers in der Schuh ousra e. Das Unterhaus begann bann die Debatte über die Antworladresse an den König. Der Führer der Opposition, Lansburv, machte geltend, daß im Jahre 1918 das Parlament einen Frieden gemacht hätte, der kein Frieden gewesen sei. SS war ein Frieden, der dem deutschen Volke die Schuld an dem großen Kriege aufbürdete. Wie aber jedermann wußte, ist das deutscheVolk nicht mehrverantwortlich als jeder andere, was ja klar aus den jetzt erschlossenen Tagebüchern der Staatsmänner, die den Krieg und den Frieden gemacht haben, hervorgeht. Wäre es für die Regierung jetzt nicht an der Zeit, ihre Betrachtungen über die Frage, was hinsichtlich der Reparationen und Wiedergutmachung geschehen sollte, in diesem Sinne zu lösen, wie cs von der internationalen Arbeiterbewegung gefordert wird, nämlich, jedes Andenken an den Krieg dadurch auszulöschen, daß alle Wiedergutmachungen und Reparationen in der ganzen Welt ausgestrichen würden? Lans» bury meinte, daß ein solcher Schritt, heute getan, rasch zur Gesundung der Welt beitragen müßte: bann werbe die Welt ernten, was sie gesät hat, wie sie jetzt ernte, was sie 1919 unb 1920 gesät habe. Macdonald sagte, baß er an allem sesthalte, was er früher über die Reparationen unb Kriegsschulden gesagt habe. Bevor die Welt sich wirklich erholen könne, müsse man die vollkommen verkehrte Wirtschaftspolitik, die feit dem Jahre 1918 verfolgt war- den sei, gänzlich um stoßen. Er messe dem Besuch Lavals bei Hoover die allergrößte Bedeutung bei. Er hoffe, daß dieser Besuch in erster Linie zu einer Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland, dann aber zu einer vollen und endgültigen Vereinbarung führen werde, an der auch di« anderen beteiligten Nationen teil- nehmen müßten. Die Sturmwolken der finanziellen Schwierigkeiten Europas würden es für England unmöglich machen, gewiße Dinge zu vermeiden, die man sonst hätte ganz gut vermeiden können. Man könne die finanzielle und industrielle Lage Englands nicht behandeln, ohne gleichzeitig die geschwächte Lage anderer Länder zu berücksichtigen. Es bestehe kein Zweifel darüber, daß die englische Ausfuhr gewisse vorteile durch das Abg^hen von der Goldwährung erzielt habe. Diese Dorteile kämen jedoch lediglich England zugute, und man müsse damit rechnen, daß andere Länder, die mit England in Handelsbeziehungen stehen, Gegenaktionen unternehmen würden. Da» Problem der Ausbalancierung der englischen Handelsbilanz fei also auf diesem Wege noch keineswegs gelöst. Ls bestehe weiter die große Gefahr, daß die Währungsänderungen spekulativ ausgenutzt würden: die Regierung werde aber ein wachsame» Auge gegenüber diesen spekulativen Bestrebungen haben. Die anziehenden Preis« d« r Rohstoffe dürften nicht einen Heller über die wirtschaftliche Grenze hinausgehen, die zur Wiederbelebung des Welthandels notwendig fei. Die Frage des Dumpings werde die Regierung prüfen und, falls sie das Bestehen eines Dumpings feftftcllen werde, das Unterhaus um entsprechende Vollmachten noch vor der Weihnachtsoertagung ersuchen. England ge- brauche eine Atempause, um sich der neuen Lage anzupassen, deren Ursachen teils Torheit teils Glauben unb teils Weichheit feien. Der Premier gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Unterhaus sich wie eine Partei zuiammenschliehen und die Grund- lag« zur nationalen Stärke, zur Achtung und zur Große wiederherstellen werde. Aus der dritten hessischenNotverordnung. WSR. Darmstadt, lO.Rov. Die dritte hessische Durchführungsverordnung zur Sicherung der Haushalte von Ländern unb Gemeinden vom 3. Rovember 1931, über deren hauptsächliche Bestimmungen wir bereit- berichteten, wird jetzt im .Hessischen Regierungsblatt" veröffentlicht. 3m Teil! der Verordnung, der die Deamten- fragen behandelt, sind weiter noch folgende Einzelheiten bemerkenswert: Versetzungen von Beamten dürfen nur vorgenommcn werden, wenn e- im dringenden dienstlichen Interesse notwendig ist, oder wenn durch die Versetzung eine Stelle eingefpart wirb. Die Uebernahme bcS Dienstes am neuen Dienstort durch den versetzten Beamten soll Inder Regel erst erfolgen, wenn der Umzug mit Familie möglich ist. Ein Beamter kann auf seinen Antrag in den Ruhestand verseht werden, wenn er daS 6 0. Lebensjahr vollendet hat und wenn die durch sein Ausscheiden frciwerdende ober eine gleichwertige Stelle Wegfällen kann. Ihm kann ein Zuschuß zum Ruhegehalt bis zur Höhe von 10 v. H. des der Festsetzung zugrunde zu legenden Diensteinkommens gewährt werden. Beamte, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, können als dienstunfähig in den dauernden Ruhestand versetzt werden, wenn sie innerhalb des letzten Jahres mehralSsechsMonateinfolgeKrank- heit den Dienst nicht versehen konnten. Verheiratete weibliche Beamte, die unter Verzicht auf alle durch das Dienstverhältnis begründeten Rechte und Ansprüche aus dem Staatsdienst ausscheiden, haben Anspruch auf eine Abfindung. Die kürzungspflichtigen Dienstbezüge eines Beamten, Anwärters oder Angestellten, eincS Warte- geldemvfängers oder eines Ruhegehaltsempfängers, dessen Ehegatte im Dienst des Staates, des Reiche-, einer Gemeinde oder einer sonstigen Körperschaft des öffentlichen Rechts al- Beamter oder Angestellter beschäftigt ist oder aus einer solchen Anstellung Wartegeld oder Ruhegehalt bezieht, unterliegen außer den allgemeinen Gehaltskürzungen einer weiterenKürzung um 20 v. H. Wartestandsbeamte können, wenn die Wartestandszeit mehr als fünf Jahre betragen hat und sich keine Aussicht aus eine Wiederbeschäftigung im Staatsdienst bietet, unter Gewährung des gesetzlichen Ruhe- gichalts in den dauernden Ruhestand versetzt werden. In allen staatlichen DerwaltungSzweigen ist der Geschäftsgang nach Mögttchleit zu vereinfachen, um Stellen für Beamten usw. entbehrlich zu machen Bei den Schulen find nach näherer Anordnung des Minister- für Kultus und Bildungswcsen dieWochenstunden- zahlen der Schüler Herabzufeyen und schwach besetzte klaffen stärker als bisher zu- sammenzulegen Die hiernach entbehrlich werdenden Stellen für planmäßige und außerplanmäßig« Beamten ufw. find nur auf den Inhaber bewilligt. Insbesondere sind alle freien oder freiwerdenden Beamtenstellen unmittelbar oder mittelbar für den Abbau entbehrlich werdender Stellen zu benutzen. Soweit freie oder frei werdende Beamtenstellen nicht entbehrt werden können und zu ihrer Besetzung entbehrliche Beamte deS eigenen Geschäftsbereichs nicht zur Verfügung stehen, sind zu ihrer Besetzung entbehrliche Beamte der übri- genMinisterien heranzuziehen.wenn sie die für die Stellen erforderliche Eignung haben. Der Teil II behandelt die Sparmaßnahmen bei der Landesuniversität und der Technischen Hochschule Bei beiden ist eine Verringerung der LtaatSausgaben durch Aufhebung von Lehrstühlen und Instituten, deren Arbeit nicht oder doch nicht im gegenwärtigen Umfang Voraussetzung der Lebensfähigkeit der beiden Hochschulen ist ober auf andere Weife mit verminderten Kosten geleistet werden kano, zu bewirken. Die Studien- gebühr an den beiden hessischen Hochschulen wird von 70 auf 85 Mk. erhöht. Der Anteil der Professoren an den auf ihre Lehrtätigkeit entfallenden Kolleggcldern wird von fünf Sechstel auf auf zwei Drittel ermäßigt. Diese Vorschriften treten am 1. Oktober 1931 in Kraft. Der Teil III der Verordnung betrifft eine Aenderung des Gerichtskostengesetzes und die Aenderung der Rotariatsgedühren. Der Teil IV enthält die Schluhbestirnrnungen. Eine neue Besprechung in Pans. Die Kompetenz des SonderlomitecS der BZZ Paris, 10. Noo. (WTB.) Botschafter v. H o e sch hott« heute mittag eine Unterredung mit Außenminister Briand, in deren Verlauf außer den Fragen, mit den sicd der am 16. November in Paris zusammentretende Völkerbundsrat zu beschäf. tigen haben wird, die Verhandlungen fort- !|e setzt wurden, die seit der Rückkehr des franzö- ischen Ministerpräsidenten Laval «ingeleitet worden int). Es wurden also die Fragen erörtert, die sich auf di« Wiederaufnahme der Repara- tionszahlung en nach Beendigung des Hoo- ver-Feierjahres beziehen. Wenn man den französischen Blättern Glauben schenken darf, wird jetzt in ter Hauptsache die Frage der Kompetenz des Sachoer st ändigenausschufses be- handelt, ter nach den Bestimmungen des Voung- planes erneut d i e Zahlungsfähigkeit Deutschlands zu prüfen hat. „Excelfior" schreibt, es scheine, daß sich die deut- sche These In einigen Punkten der französischen These genähert habe. Deutschland würde keine ernstlichen Einwendungen mehr gegen die Einberufung des beratenden Komitees innerhalb der durch den Voüngplan gezogenen Grenze erheben; aber Deutschland würde verlangen, daß dieses Komitee bei einer neuen Abschätzung der Zahlungsfähigkeit Deutsch- lands auch die Liquidation der in Deutschland eingefrorenen kurzfristigen Kredite mitberücksichtigen solle. Gegebenenfalls könnte die französische Regierung zustimmen, daß parallel zu der Tagung des nach dem Poungplon vorgesehenen beratenden Komitees eine neue Sachoer st ändigenbesprechung für d i e Hondelskredite einhergehen würde. Aber die französische Regierung könne keine Vermen- g u n g der beiden Organismen zulassen, die darauf abzielen würde, die Schlußfolgerungen des einen Komitees den Schlußfolgerungen des anderen Komitees unterzuordnen. Scharfer Preiseinbruch an den amerikanischen Getreidemärkien C h i k a g o . 10. Noo. (WTB.) An den Getreide- markten erfolgte heute die seit langem erwartete R e . a k t i o n aus die zu schnellen und sprunghaften Preissteigerungen der Vorwochen. Die Bewegung nahm vorn Roggenmarkt ihren Ausgang. an dem umfangreiche Realisatio- nen erfolgten, während die Aufnahmeneigung äußerst gering blieb. Trotz der erheblichen Preisabschläge vollzog sich das Geschäft ordnungsgemäß, und die Transaktionen der Berufsspekulation konnten in jedem Augenblick von den Borfenorganen kontrolliert werden. Ist Güdiirol vergeffen? Eine Klage deö Jnntzbrucker Landeshauptmanns. Innsbruck, 10. Rov. (TU.) 3m Tiroler Landtag befaßte sich Landeshauptmann Dr. Stumpf mit der Südtiroler Frage. Sr erneuerte das Gelöbnis der Treue der Rordttroler au den unterdrückten Südtirolern. Es sei traurig, fest- steilen zu müssen, daß gewisse reichsdeutsche Kreise in letzter Zeit nicht nur jede- Interesse an dem Geschick der Deutschen Südtirol - verloren zu haben scheinen, sondern daß sie sich auch in Verfolg unverständlicher Interessen dazu verleiten ließen, in Wort und Tat ihre Unbekümmertheit um das LoS Südtirols zum Ausdruck zu bringen. Er verweise auf die Haltung der Nationalsozialisten und auf die Einladung, die vom Deutsch - Italienischen 3 n ft i • tut in Kölnan jenen italienischen UnterrichtS- minister ergangen sei, dem die scharfen Maßnahmen gegen den deutschen Unterricht zugeschrieben würden. Tirol habe beim Abschluß deS österreichisch • italienischen Freund- schaftSvertrageS vor zwei 3ahren den Beweis größter Zurückhaltung erbracht in der Erwartung. daß die- Verhalten «ine Besserung der Verhältnisse für die Südttrvler Brüder nach sich ziehen werde. 3talien habe zwar in dem entrissenen Gebiet zahlreiche große Dau- t e n ausgeführt, dfedgewiß volle Beachtung verdienten. Wenn aber heute wieder Anlaß bestehe, auf die Lage der Stammesgenossen in Südtirol hinzuweisen, so seien es auch jetzt wieder diq kulturellen Fragen, in erster Linie die Frage der Erziehung der deutschen3u- gend in ibrer Muttersprache, die unS nicht gleichgültig lassen konnten. MeAremdsprachen in den höheren Schulen Berlin, 10. Rov. (WTB.) 3m UnterrichtS- ausschuh der Länder tm Reichsministerium deS 3nnern hat sich die große Mehrheit für fron» zöfisch a l s Anfangssprache in den höheren Schulen ausgesprochen. DaS bedeutet nicht zugleich eine Entscheidung der Frage, welche neuere Fremdsprache nach Art und Umfang ihres Betriebes zur Hauptfprache gemacht wird. Damit ist die Möglichkeit gegeben, auch die zweite neuere Fremdsprache, daS ist in der Mehrzahl der Fälle da- Englische, als Hauptfprache zu behandeln. Sonach handelt es sich nicht um eine Bevorzugung der einen oder anderen Fremdsprache aus lultur- oder wirtschaftspolitischen Gründen, sondern lediglich um die pädagogische Frage der zweckmäßigen Reihenfolge der Sprachen. Aus aller Well. Derbinbll(tfeil6erflärung bei Schiedsspruch«» für die (Bcmcintearbelfer. 3m Lohnstreit der Gemcindearbeiter hat der Reichsarbeitsmini st er den am 1. Rovcm- ber gefällten Schiedsspruch, der von den Vertretern der Gemeindearbeiter und dem kommunalen Reichsarbeitgeberverband a d g e l e h n t worden war, im öffentlichen 3nteresfe für verbindlich erklärt. Damit tritt eine Lohnsenkung von durchschnittlich 4,5 v. H in Krast. Einen Gerichtsvollzieher erschossen. Der Gerichtsvollzieher Füger aus Offenburg (Baden) wurde von dem Landwirt Buehler im Weiler Rcuhaufen bei Zell a. H., zu dem er gekommen war, um ein gepfändete- Kalb zur Versteigerung abzuholen, erschossen. Buehler verschanzte sich nach der Bluttat in seinem Hause, woervonGendarmcrie und Polizei belagert wurde und sich erst nach dreistündiger 'Belagerung ergab. Da die Gewalttätigkeit des Buehler allgemein bekannt war, hatte man vorsichtig da- Haus eingckreist. Dann begab sich Hauptmann Roß aus Offenburg nach der Rückseite des Anwesens und warf eine Handgranate in den Hof, sprang hieraus mit einer zweiten Handgranate vor und forderte Baehler auf, da- Haus auf der Vorderfeite zu verlassen. Dieser Aufsorderung leistete Baehler mit hoch- erhobenen Händen gleich daraus Folge. Schuhpolizeibeamte umringten ihn, und widerstandslos ließ er sich abführen. Er wurde ins Offenburger GerichtSge'ängnis gebracht. Branbftiftung in ter Oberpfalz. 3n einem Gehöft der nach Eham im Bayerischen Wald führenden Straße des Städtchens Waldmünche n brach nachts Großfeuer au-, das sich sehr schnell auSvreitete und 2 5 Scheunen mit allen Vorräten und landwirtschaftlichen Maschinen vernichtete Die Feuerwehren konnten daS riesige Feuer nur mit großer Mühe an einer weiteren Ausbreitung verhindern, da alle Gebäude a u S Holz bestanden. Deshalb sind diese Scheunen auch nicht in Versicherungen ausgenommen worden. Der außerordentlich große Schaden betrifft ausschließlich ganz arme Leute, für die sofort eine Hilfsaktion eingeleitet werden mußte Die Ursache ist Brandstiftung, die Täter konnten noch nicht ermittelt werden. 67 Schafe vom Zage getötet Zwischen den Bahnhöfen L a n d s h u t und Ergolding geriet nachts eine unbewacht« Schafherde auf den Dahnkörpcr. Don einem Personenzuge, der in die Tiere hineinfuhr, wurden 67 Schafe getötet. Da auch später noch immer Tiere auf dem Bahnkörper umherirrten, mußten die Züge verschiedentlich anhalten. Daten für Donnerstag, 12. November Sonnenaufgang 7.37 Uhr, Sonnenuntergang 16.41 Uhr. — Mondaufgang 11.25 Uhr, Mondunt-rgang 1745 Uhr. 1755: der General Gerhard von Scharnhorst in Bordenau in Hannover geboren. Bornottzen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater Gießen: „Frauen haben das gern ...I", 20 bis gegen 22 Uhr. — Oberhessischer Kunstoerein: Ausstellung „Drei Frauen der Gegenwart", 15 bis 17 Uhr, Turmhaus am Brandplatz. — Kaufmännischer Berein-Ortsgewerbeverein: 20 Uhr, Neue Aula, 2. Dortrag „Zwei Stunden im Wunderland der modernen Physik". — Deutsche Dolkspartei: 20 Uhr, Turnhalle am Oswaldsgarten, Wählerversammlung, Redner: Reichstagsabg. Dr. Hugo, Landtagsabg. Dr. Keller. — Sozialistische Arbeiter-Partei: 20 Uhr, Cafö Leib, Wählerversammlung Redner Max Sendewitz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige Vorstellung „Frauen haben das gern...!" beginnt nicht um 19.30 Ahr, sondern erst um 20 Ahr. — Morgen, Donnerstag, als 1. Vorstellung im Freitag- Abonnement, 20 Ahr, einmaliges Gastspiel der Indischen Hindu-Tanzgruppe Adah SHan- Kar mit einem Orchester aus 56 original-indischen Instrumenten. Vur wenige werden die Pariser Kolonial-Ausstellung besucht haben. Am so erfreulicher ist es, die indische Hindu-Gruppe, die mit ihren Darbietungen auf der Pariser Ausstel- lung großes Aufsehen erregt hat und bei allen Besuchern unvergeßliche Eindrücke hinterließ, bei uns zu Gast zu sehen. Eine vieltausendjährige Kultur des sagenumwobenen Indiens wird in den Tänzen und der Musik dieser Hindu-Gruppe verkörpert. Aday Shan-Kar mit feiner Truppe steht erst am Anfang einer großen Europa-Gastspiel- tournöe, die in Deutschland nur 15 Gastspiele umfaßt. Die Presseurteile über die künstlerische Leistung der exotischen Gäste sind alle einstimmig voll höchsten Lobes. Für dies außergewöhnliche Gastspiel gelten Operettenpreise. Für Dienstag- und Mittwoch-Abonnenten ermäßigte Operettenpreise. Beginn 20 Ahr, Ende 22 Ahr. — Die Deutschnationale Dolkspartei veranstaltet am morgigen Donnerstag, 20.15 Uhr, im Cafö Leib eine Wähleroersammlung, in der der Reichstagsabg. Schmidt (Hannover) sprechen wird. Näheres heutige Anzeige. — Sie Deutsche Staatspartei veranstaltet am morgigen Donnerstag, 20.30 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten eine Wähleroersamm- lung, in der der preußische Finanzminister a. D. Dr. H ö p k e r - A s ch o f f sprechen wird. Siehe heutige Anzeige. ** Universitäts-Gottesdienst. Am Sonntag, 15. November, 11.15 Uhr, findet in der Neuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt. Die Predigt (Zwingli-Gedächtnis-Predigt) hält Professor D. Cordier. ** Sitzung des Provinzialausschusses. Am Samstag, 14. Vovember, vormittags 8.30 Ahr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des Be'zirksfürsorgcverbandcs Metzlar gegen den Bezirksfürsorgeverband der Stadt Gießen auf Erstattung von Anterstützungskosten für Pauline Klein; 2. Antrag des Kreisamts Gießen auf Anter- sagung des Gewerbebetriebs des Albert Wacker in Wieseck; 3. Klage des Karl Stede I. in Blofeld gegen den Beschluß des Kreisamts Büdingen vom 13. Mai 1931 in Sachen: Zugehörigkeit zur Schmiedezwangsinnung für den Kreis Büdingen. ** Eine Siebzigjährige. Frau Margarete Eidmann Witwe, wohnhaft Landmannstraße 3, feiert am morgigen Donnerstag in geistiger und körperlicher Frische ihren 70. Ge- urtstag. ** Die Hausfrauenberatung wendet sich in unserem heutigen Anzeigenteil mit einer Mitteilung „Zur Aufklärung" an die Hausfrauen. Die An- Wir iDollem daß Ihre Anzeigen Bitte geben Sie sie frühzeitig auf, damit für eine wirkungsvolle, gute Anordnung des Satzes gesorgt werden kann zeige sei den Frauen zur besonderen Beachtung empfohlen. ** Berkehrsunfall mit tödlichem Ausgang. Der Polizeibericht meldet: Gestern ereignete sich im Schiffenberger Weg an der neben dem Aber- mannschen Lagerplatz gelegenen Müllabfuhrstelle ein schwerer Derkehrsunfall. Der Schuhmachermeister Ferdinand Pauly von hier kam mit seinem Motorrad, auf dem seine 25jährige Tochter Anna als Beifahrerin saß, aus Richtung Hausen. An der Unfallstelle wollte Pauly ein gerade vom Müllabladeplatz herauskommendes Müllauto auf der rechten Seite überholen, kam dabei aber der Baumreihe zu nahe und streifte einen Baum. Dadurch kam die Maschine ins Schleudern und wurde gleichzeitig von dem rechten vorderen Kotflügel des Müllautos erfaßt. Die Tochter Paulys, die durch den Anprall von dem Soziussitz berunterstürzte, erlitt schwere Verletzungen, die die Ueoerführung in die Klinik notwendig machten. In der Nacht ist sie dort ihren schweren Verletzungen erlegen. Die Ermittelungen über die Schuldfrage wurden sofort eingeleitet. Erhöhung her Wetzlarer Kreisumlage. A Wetzlar, 10. Nov. Der Kreisausschuß hat in seiner letzten Sitzung die Erhöhung der Kreisumlage von 75 auf 88 v.H. beschlossen. Für die Erhöhung stimmten die SPD. und der Vorsitzende des Kreisausschusses, dagegen stimmte die bürgerliche. Arbeitsgemeinschaft. Die Erhöhung soll zur Stützung und Wiederflüssig- machuna der Landesbank verwandt werden, zu welchem Zweck der Oberpräsident der Rheinprovinz auch die Prooinzialumtage erhöht hat, ebenso die Bürgersteuer um 50 v. H. Für die Gemeinden mit ihren sehr angespannten Haushalten ist die Erhöhung der Kreisumlage eine weitere schwere Belastung, wie auch die weitere Erhöhung der Bürgersteuer als äußerst drückend empfunden wird. Oie Wetterlage. A 1J Clepw fL 1 59 >- 'Qx&Qs' UÄ. < xEfln 10 « __Wien ) 1 d- -ft. Abnmbe? ißf, tgU/n __________Jan rtayenZZ N ordnete —y. V SE OWorxenios Q neuer. ® halt» Bedeckt. ® wolkig. • Bedeckt. • iregei^ * Sehnet Graupeln ® MeDel K Gf wit'£r.(§)Wind5tille. *O> sehr reichte- Os» y -nassige» Südsüdwest q stürmische' tordwesl Ole Pie’ie fliegen mit dem wmpi Oie oeiden Stationen stehenden Zath len gehen die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mi« gleiche* tuf necresniveau umoerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Der britische Sturmwirbel ist mit seinem Kern etwas nordöstlich nach Schottland hin vorgerückt und entfaltet seinen Einfluß auf das Festland hin. An seiner Südseite wehen lebhafte bis stürmische Westwinde, die feuchte Ozeanluft ostwärts vortreiben und zu unbeständigem und unfreundlichem Wetter führen. Bei rasch wechselnder Bewölkung werden öfter Regenschauer auftreten. Da • an der Rückseite der Störung sehr bald kältere Luftmassen aus höheren Breiten zufließen, werden die Temperaturen einen Rückgang erfahren, so daß hier später bei aufklaren- der Nacht Frostgefahr besteht. Aussichten für Donnerstag: Unbeständig und wechselnd wolkig mit Regenschauern, sinkende Temperaturen, lebhafte, nach West drehende Winde. Aussichten für Freitag: Wechselnd bewölkt mit Aufklaren, weiterer Temperaturrückgang, leichte Nachtfrostgefahr, noch einzelne Schauer. Lufttemperaturen am 10. November: mittags 11,1 Grad Celsius, abends 8,2 Grad; am 11. November: morgens 8,4 Grad. Maximum 11,6 Grad, Minimum 7,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. November: abends 7,2 Grad; am 11. November: morgens 6,6 Grad Celsius. — Niederschläge 0,9 mm. — Sonnenscheindauer 2 Stunden. 'Onunq “*Wi4r" it iu riet Ätnunb $ cnlbeÄtJu’ 3iflt unh n ? toctl * BS ZW Ä SäSif ber Maulen ch 2C. ^Sicetubien, ’N- Anteil «" 4k L». •^.ggelbern wird ^ttcl ermäßigt im l- Oktober 1931 in »tbnung betrifft eine Wengelehes und die führen. Der Teil IV ingen. Nus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 11.Vovember 1931. Linser neuer Roman. Nachdem wir in der gestrigen Ausgabe des ?-eßener Anzeigers den in weiten Leserkreisen rat so ungewöhnlich warmer Anteilnahme auf» genommenen Vornan „Wenn Menschen ausein- radergehcn" von Z. Schneider-Foerstl zum allseits befriedigenden Abschluß gebracht haben, be- ji men wir in der heutigen Vurnrner unseres Ä-iattes mit der Veröffentlichung eines neuen ziroßen Romanwerkes, dessen Abdruck, wie wir mit guten Gründen annehmen, zumal in den Gneisen der weiblichen Leserschaft nicht weniger Anklang finden wird, da die Verfasserin seit ü'elen Jahren zu den beliebtesten Autorinnen n Deutschland gehört, deren zahlreiche Bücher •inte ganz erstaunliche Verbreitung gefunden loben. — Der neue Roman heißt: „Wessen Kind bin ich?" von Fr. Lehne imi) durfte, ähnlich wie seinerzeit „Ein Frühlings- raum“, der vor Fahren auch im Gießener An- eriger veröffentlicht wurde, ein durchschlagender hriblikumserfolg werden. Der Roman — die ?i ?beS- und Leidensgeschichte des in einem länd- ickien Lehrerhause Heranwachsenden Findelkindes ?Eßa Lenz — gehört zu den besten und glück- ; iefiften Schöpfungen von Fr. Lehne: eine Geschichte >0'll Spannung, voll Handlung, voller Leben und ch:ter Liebesromantik, kurz: ein Roman für die yamilie, für die Frauen, fürs Gemüt. Wir sind ^>b erzeugt, daß die fesselnde und ergreifendeSchil- lenung in weiten Kreisen unserer Leserschaft einen traten und nachhaltigen Eindruck h'nte.l assen wird. Bichtige Winke für die Landragswahl. - Die Bürgermeisterei veröffentlicht im heutigen Lnzeigent i d e Be^annsma hung über die L a n d - lagswahl am Sonntag, 15.Vovember. Alle wahlberechtigten werden auf diese wichtige De- larintmachung, aus der die Einteilung der Wahl- lezirke, die Wahllokale, die Abstimmungszeit litt, ersichtlich sind, hingewiesen. Wähler, die einen Stimm- oder Wahlschein be- lotigen, z. D. wenn sie am Wahltage dringend xrrcifen müssen, können diesen beim Städtischen Wählamt (Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer ;tir.l3) nur bis einschl. Freitag, 13. Vov., iphf Donnerslatabend sy2 Uhr nniifophn QfjsafQnSPtßi Will üterTnrnhalle(Oswaldsgarten) UulllÖWw (JlUflWpul lül ____________________________________7641D_______________________________________________________________________________Ä BP Eintritt 30 Pfennig. DER VORSTAND. 7592 D IA/E K3 El E DRUCKSACHEN “ •» ■ BrUhl'sche Druckerei (Mitglied des Reichstags) 7651 D ilMleilWalltorsMe Deutschnationale Volkspartei, Ortsgruppe Gießen In kostenbeitrag 30 PL Jede Bohne: Qualität jeder Tropfen: Genuß jede Tasse: Gesundheit das ist KAFFEE HAG Wer 40 Gutscheine im Dezember 1931 einsendet erhält statt des Pädcchens sogar eine Weihnachtsdose nach Altsilber Art, mit Vi Pfund Kaffee Hag gcfOllt, kostenlos. Audi ist statt dessen Original Hag-Porzellan erhältlich. tofTtin ref« KAffEE Eine Verdienstchance © monatl.Mk.1500.-® bieten wir durch Uebemahme der ©Alleinvertretung G uns. neaen, äußerst hervorrag., gänzlich risikolosen Sache. Glänzende, neue, erfolgsichere Vertriebsmethode. 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Schweinemärkte finden statt am t. Januar, 3. Februar, 2. März, 13. April, 11. Mai, 8. Juni, 6. Juli, 3. August, 14. September, 13. Oktober, 9. Vovember und 1. Dezember. Der fr:ü hjahrspferdemarkt wird am 16. Kürz, der Herbstpferdemarkt am 5. Ok- teber abgehalten. Krämermärkte sind für im 16. März, für den 4. Mai und für den 16. November vorgesehen. Besseren Kaffee und dabei noch etwas für die Gesundheit tun I Zuerst die Gesundheit: Wer coffeinhaltigen Kaffee nicht verträgt, wer schlecht schläft, nervös, gereizt und mißmutig ist und gesundheitliche oder andere Sorgen hat - für den besteht doppelter Anlaß, Kaffee Hag zu trinken. - Wo Kinder im Hause sind, ist Kaffee Hag als völlig unschädliches tägliches Getränk stets willkommen. Was kostet Kaffee Hag? Das große Paket RM 1.62, das kleine 81 Pfennig. Aber durch den Gutschein In jedem Päckchen ist Kaffee Hag 2'/- % billiger Das wichtigste aber, wovon es beim Kaffee abhängt, ob Sie wirklich vorteilhaft kaufen, ist die Qualität. Guter Kaffee muß bekanntlich mild und aromatisch sein. Diese Eigenschaft haben in hervorragendem Maße Hochgewädise. Kaffee Hag besteht aus edlen süd- und zentralamerikanischen Hochgewächsen, deren Genußwerte dank dem seit 25 Jahren bewährten und vervollkommneten Hag-Verfahren nicht zerstört werden. 1 bade zwar in tem Me große Bau- h volle Beachtung der» wieder Anlaß bestehe, I esgcnossen in Südtirol j auch jetzt wieder dia , in erster Linie die ! der deutschenJu- ersprache, die uns iten. itnfjöitrenSWHi S3.I 3m Unterrichts- Reichsministerium des Mehrheit für sian- Sprache in den höhe- it Das bedeutet nicht ig der Frage, welche Trf unb Umfang ihres rache gemacht wird. gegeben, aullch au^l^'neW'l e lo,orLt jjt ,1 c i Lehrmädchen Eintritt für hiesiges gröberes fs00||rL| Modewarengeschäft g üvUull l Schriftliche Angebote unter 7632D an den Gießener Anzeiger erbeten. Donnerstag. 12. Nh. 1931. Ms Cnhmidi SsmnnifOT ■li, Ur rxsuricbl yullllllUl IlUUllUlCl WsßMlMM!! Borgen Donnerstag UacDfcl Morg. Schwcinskop! mit Kraut. Abends von 6 Uhr ab 06628 Metzelsuppe! oanomin Verkauf zu nochmals herabgesetzten risen.....-___________ «»•""■'‘«um S ^"nerStag, den 12. Rov. 1931, lachmittagS 2 Ahr, versteigere Ich Ä««* tu .Löwen',Aeuenweg28,dahier «SAa J«nnt M _______..IC...... HAB Zwei Zimmer Ofen Herrnwald in folgende Wahlbezirke eingeteilt: 7608 C Marktstraße 23 7611 a Telephon 2417 9 10 7642C 11 1. 2. 3. 12 4. 5. 13 6. 14 7. S 15 10. 6808 A 16 11. 12. 17 13. 18 Abreilusg ab ab ab ab ab ab ab e. G. m.b. H. ab 7636 D Wölfer. em Stadttheater Mo Stallmist Verkäufe s 06631 kauft 6 7 20 8 Salomon Tischb/eite m Schulstraße 4 Unterzeuge 0.45 0.85 1.75 1.85 Wirksame erbe-Drucksachen bei Brühl. SchultlraBe 7 Kinder-Schlüpfer Baumwollfutter............... Damen-Schlüpfer Baumwollfutter............... Damen-Schlüpfer K'seiden-Decke mit Futter.... Damen-Rock Baumwollfutter............... Damen-Rock K’seiden-Decke mit Futter.... 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Die Ausgabe der amtlichen Stimmzettel erfolgt am Wahltage im Wahlraum unter gleichzeitiger Aushändigung eines amtlichen Wahlumschlags. Stimm, oder Wahlscheine, die nach § 8 der Landeswahlordnung für besondere An- lässe ausgestellt werden (z. B. wenn sich ein Wähler, der in die Wahlkartei eingetragen ist, am Wahltage während der Wahlzeit aus zwingenden Gründen außerhalb seines Wahlbezirks aufhält), können nur noch bis einschließlich Freitag, den 13. November 1931, 18% Uhr, beim städtischen Wahlamt — Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 13 — beantragt werden. Die Entgegen- nähme der Stimm- (Wahl-) Scheine hat durch die Wahlberechtigten selbst zu geschehen, die sich über ihre Person genügend auszuweisen haben. Sind dritte Personen mit der Entgegennahme eines Stimm- ober Wahlscheins beauftragt so haben sich diese durch Vorlage einer Vollmacht des Wahlberechtigten auszuweiscn. Bei der Wahlhandlung selbst hilft der Wähler das Wahlgeschäft erleichtern, wenn er beim Aufsuchen seines Namens in der Wahlkartei zuerst Straße und Hausnum- mer seiner Wohnung und dann Familien- und Vorname nennt. Es ist untersagt, daß im Wahlraum oder in dessen Zu- oder Eingängen Plakate irgendwelcher Art (Wahlaufrufe usw.) auf- gehängt werden. Das Wahlergebnis für den 19. Wahlbezirk (Kliniken, Kranken- und Pflege- anftalten) wird nach beendeter Wahlhandlung im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer 8 und 9, festgestellt werden Gießen, den 11. November 1931. Bürgermeisterei Gießen. 3. 53.: Dr. Seid. Wetragenc öerren-Hleiöer tauft au höchst. Brest. L. Rosenzweig, Gießen SelterNwes 58. Karie genügt! MOTTOi Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebirden Schaff Dir’nen Häuser-Ofen her, dann wird Dlr’s wärmer werden! t! Donaaritag, 12. Wh. von 20 bis 22 Ufr 7. Vorstellung M Freitag - ilbonnw CDerctlcnuretfL Dienstag- undMn' wocb - Abonnent« ermäßigte Cocrtttj Preise. 754, (Finmalifl.COaftfw IM Shan hii' Jnd. Hindu-Ta* I (BniDDC mit Hiutzl Crdicitcr. 13 i* 1 mit 56 ccrfrti. md. Mufikinstru» I Freitag, d. I3.N»'- <*) c f cb l o f f er! ! Betannimachung. Beinfft: Oie hessische LandiagSwahl am 15. Aovember 1931. Für die Landtag-Wahl ist die Stadt Dießen mit Gemarkung Schiffenberg und und doch so warm, daß man In Hemdsärmeln herumlaufen könnte. Das will In der heutigen Zelt des Sparens viel heißen. Aber bei einem Häuser-Ofen Ist sowas eben möglich Darob voll „warmer-* Freude läßt Onkel Mollig sein Grammophon spielen und wirf* schadenfrohe Blicke nach Nachbar Meier rüber, der Immer noch auf seinem alten Oi«r sitzt und sich vor Kälte nicht retten kann. Auch der wird sich noch einen Häuser-Ofen kaufen. Und Sie? Wollen Sie Me er oder Mollig heißen? Bedenken Sie doch, ein Häuaer-Ofen Ist ein Sparofen und Sie woller doch auch In den strengen Wintertagen eine gemütl ehe Stube haben. Warten Sie also nicht erst, bis der Schneesturm einsetzt und die Elspollen fliegen, sondern kommen Sk heute noch zu mir und sehen Sie sich einmal meine neuesten Ofenmodelle an. Sie werde sich wundern, daß diese gar nicht so teuer sind, wie Sie glauben und Ihre „wärmste* Freude daran haben. Kaufmann Bernhard Bliimig. Für die in den Kliniken, Kranken- und Pflegeanstalten usw. untergebrachten Wahl, berechtigten, die keinen Wahlraum außerhalb der Anstalt aufsuchen können, ist ein besonderer Wahlbezirk (der 19.) gebildet. Der Wahlvorstand wird in den Anstalten die Stimmen (gegen Abgabe eines Stimm- oder Wahlscheins) entgegennehmen. Wahlvorsteher: Verwaltungsobersekretär Mathias Michels', Stellvertreter: Werkmeister Peter Schäfer. Die Wahlhandlung (Abstimmung) findet am Sonntag, dem 15. November 1931, ununterbrochen von 9 bis 18 Uhr statt. Zur Stimmabgabe dürfen nur amtlich herge- stellte Stimmzettels die alle zugelassenen Wahloorschläge, die Partei (Kennwort) und die Namen der ersten vier Bewerber jedes Vorschlages enthalten, verwendet werden. Bei provinziell gegliederten Wahl. Vorschlägen ist der Name des ersten und zweiten Bewerbers in jeder Provinz enthalten. Die Stimmabgabe geschieht in der Weise, daß der Wahlberechtigte durch ein Kreuz, das er in den auf dem Stimmzettel aufgedruckten kleinen Kreis setzt, oder durch Unterstreichen oder in sonst erkenn- barer Weise kenntlich macht, welchem Wahloorschlag er seine Stimme geben will. Stimmzettel, die mit sonstigen Vermerken oder mit Vorbehalten versehen sind, sowie nicht amtlich hergestellte Stimmzettel sind ungültig. Wenn auch der Wahlberechtigte in der Art der Kennzeichnung des Wahl- Vorschlags freie Wahl hat, so emvfiehlt es sich doch zur Vermeidung einer Ungültig- erklärung, die Kennzeichnung nur durch ein Kreuz in den Kreis des Wahlvorschlag! Kaufgesuche Grundbesitz kauft gegen bar. Scdr. Ang. u. 06630 a d. Gieß. Anzeiger. in der Alten Klinik, Liebigstraße 16, Saal 8 (Erdgeschoß), Eingang Haupt portal: Wahlvorsteher: Oberreallehrer Ludwig Hebermehl: Stellvertreter: Kaufmann Hermann Welcker: im Realgymnasium, Ludwigstraße 11 (Turnhalle): Wahlvorsteher: Kaufmann Ludwig Lembke: Stellvertreter: Lehrer Wilhelm Ulmer: im Stadthaus, Bergstraße 20 (früher Steins Garten), Zimmer Nr. 6: Wahl Vorsteher. Sparkassen - Oberinspektor Peter Ritsert: Stellvertreter: Berufsschullehrer Emil Hahn: im Gymnasium, Südanlage 6 (Erdgeschoß): Wahlvorsteher: Dermessungs- rat Julius Karle: Stellvertreter: Rek torin Emma Weitzel: in der Oberrealschule, Stephanstraße 12, Schulsaal Nr. 17; Wahlvorsteher: Turn, lebrer Rudolf Paul: Stellvertreter: Oberreallehrer Richard Appel; im Verwaltungsgebäude der Provin- zialpflegeanftalt, Licher Straße 74 (Erd- geschoß); Wahlvorsteher: Arbeitsvermittler Joseph Maier; Stellvertreter: DerwaltungsobersekretärAlbert Schneid, muller; im Justizgebäude, Ostanlage 15, Saal Nr. 18 (Strafkammersaal, im Erdgeschoß), Eingana Südseite; Wahlvorsteher: Schornsteinfegermeister Georg Keil; Stellvertreter: Schneidermeister Heinrich Wagenbach; im Regierungsgebäude, Landgraf-Phi- lipp-Platz 3, Sitzungssaal; Wahlvor. steher: Geschäftsführer Heinrich Rau; Stellvertreter: Derwaltungsobersekretär Hans Seibel; im Stadthaus, Gartenstraße 2 (Altes Büraermeistereiaebäude), Zimmer Nr.16 (1- Stock); Wahlvorsteher: Kaufmann Otto Georg; Stellvertreter: Kaufmann Karl Marth; im Stadthaus, Gartenstraße 2 (Altes Bürgermeistereigebäude), Zimmer Nr. 7 (Erdgeschoß); Wahlvorsteher: Rechts- anwalt Paul Hornberger; Stellvertreter: Alicenstraße (Wahlbezirk Nr. 18), Alter Rodger Weg (15), Aller Schiffenberger Weg (13), Arn Kugelberg (14), Am Nah- rungsberg (11), Am Pfarrgarten (5), Am Riegelpfad (10), Am Rodtberg (4), Am Steg (8) Am Weiher (8), Am Wingert (4), Am Zollstock (7), An den Bahnhofen (6), An der Hardt (3), An der Johanneskirchc (18), An der Kaserne (14), An der Klär anlage (6), An der Margaretenhütte (6), Anneröder Weg (14), Arndtstraße (8), Merweg (2), Auf der Bach (1), Auf der Weiherbe (9), Aulweg (9), Bahnhofstraße (6), Beethovenstraße (8) Bergstraße (11), Bismarckstraße (13), Bleichstrahe (12), Bocklinstraße (4). Boothausstraße (3), Brandgasse (16) Brandplatz (16), Brau- gasse (16) Bruchstraße (11), Buchnerstraße (8), Buddestraßc (7), Bückingstraße (4), Burggraben (li, Eranachstraße (4), Ered- nerstraße (8), Dammstraße (2), Diezstraße (16), Doeringstraße (14), Dreihäusergasse (16), Dürerstraße (4), Ebelstrabe (9), Eder- straße (2), Eichweg (13), Erdkauterweg (9), Erlengasse (16), Feuerbachstraße (4), Fichte- straße (8), Flugplatz (14), Frankfurter Straße (7), Freiligrathstraße (8), Friedens- straße (14), Friedhossallee (4), Friedrichstraße (7), Gabelsbergerstraße (5), Gafsky- straße (8) Gartenstraße (11), Georg-Phi- lipp Gail-Straße (11), Glaubrechtstraße (8), Gleiberger Weg (3), Gnauthstraße (12), Goethestraße (12), Grabenstraße (6) Großer Steinweg (13), Grünberger Straße (14), Günthersgraben (10), Gutenberg- straße (13), Gutfleischstraße (15), Händel- straße (8), Hammstratze (5), Haydnstraße (8), Heegstrauchsweg (13), Henselstraße (12), Herrnwald (Gemarkung) (13), Hessenstraße (13), Heyerweg (14), Hillebrandstrahe (8), Hinter den Schießgärten (3), Hinter der Westanlage (6), Hochweg (8), Hofmann- straße (8), Holbeinstrahe (4), Hollerweg (7), Hundsgasse (1), Jheringstraße (9), Im Gartseld (2), In den Eichgärten (13), In der Schwarzlach (4), Iohannesstraße (18), Kaiserallee (15) Kanzleibcrg (16), Kapla- neigasse (16) Kaplansgasse (18), Katha- rinengasse (18), Keplerstraße (13), Kirchen- Ä(l), Kirchstraße (1), Kleine Mühl- (5), Klinitstraße (8), Körnerstraße (8), Kornblumengasie (5), Kreuzplatz (17), Krof. dorfer Straße (3), Lahnstraße (5), Landgrafenstraße (16), Landgraf-Philipp-Platz (16), Landmannstraße (11 , Leihgesterner Weg mit Bergwerk (7), Lessingstraße (12), Licher Straße (14), Liebig trage (9k Lindengasse (1), Lindenplatz (1), In Löbers Hof (5), Loberstraße (11), Löwengasse (17), Lonystraße (12), Ludwigsplatz (10), Ludwigstraße (10), Möusburg (17), Maigasse (17), Marburger Straße (4k Marktlauben- straße (16), Marktplatz (1), Marktstraße (1), Menzelstraße (4), Mittelweg (8), Moltke- straße (15), Mühlstraße (5), Neuen Bäue (16), Neuenweg (18), Neustadt (5), Nordanlage (3), Ostanlage (15), Blockstraße (18), Jritz-Reuter-Straße (8) Rittergasse (17), Rodheimer Straße (3), Rodhohl (7), Röd- gener Straße mit Flughafen (14), Rönt- genstraßc (10), Roonstraße (13), Sandgasse (5), Sandkauterweg (9), Schanzenstrahe (5), Schisfenberg (Gemarkung) (13), Schissen- bcrger Weg (13), Schillerstrahe (2), Schlachthosstraße (3), Schloßgasse (16), Schottstraße (3), Schubertstraße (8), Schüt- zenstraße (3), Schulstraße (16), Seltersweg (17), Senckenbergstraße (16), Sonnenstraße (16), Spitzwegstraße (4), Steinstrahe (4), Stephanstraße (11), Studentcnsteg (9), Südanlage (18), Teufelslustgärtchen (17), Thaerstraße (8), Thomasstraße (4), Tiefenweg (5), Trillergasse (16), Uhlandstraßc (8), Karl-Voat-Strage (11), Wagengasse (16), Richard-Wagner Straße (8) Walltorstraße (1), Wartwcg (10k Wetdengasse (16), Welckerstraße (9), Weserstraße (2), West- anlage (6k Wetteraasse (17), Wetzlarer Weg (8), Wetzsteingasie (1), Wehsteinstraße (1), Wiesecker Weg (4), Wiescnstraße (15), Wilhelmstraße (10), Wilsonstraße (9k Wiß. marer Weg (4), Wolsstraße (11k Wolken- gasse (17), Zeppelinstraße (15), Zozelsgasse (1), Zu den Mühlen (3). Für den Wahlbezirk: 1 befindet sich der Wahlraum Im Alten Rathaus, Marktplatz 14 Trauungssaal; Wahlvorsteher: Drogist Ernst Noll, Stellvertreter: Gewerkscyaftsangestellter Wilhelm Mundt; 2 im Lyzeum und Studienanstalt (Höhere Mädchcnschulek Nordanlagc 14, Schulsaal Nr. 48; Wahlvorsteher: Fabrikant Earl Müller, Stellvertreter: Berufs- schullehrcr Heinrich Müller; 3 im Schulhaus Kstchstrahe 16 (früher Gewerbchaus), Saal 3, Erdgeschoß; Wahlvorsteher: Reichsbahnobersekretär Hans Althaus: Stellvertreter: Kauf- mann Hans Happel: 4 in der Schillcrschulc, Schillerftraße 8, Saal 8, Erdgeschoß (Eingang von der Rückseite): Wahlvorsteher: Berufsschul- lehrer August Wehrheim: Stellvertreter: Kaufmann Eduard Gondner: 5 in der Pestalozzischule (Stadtknaben- schule), Nordanlage 8 (Lehrerzimmer): Wahlvorsteher Kaufmann Ernst Krause. Stellvertreter: Kaufmann Andreas Rei. ning: in der Goethcschulc (Bezirksschule), Westanlage 43 (Turnhalle), Wahlvorsteher: Hausverwalter Johann Loh; Stellvertreter: Berwaltungssekretär Ar- thur Meirich; in der Alten Klinik, Liebigstraße 16, Saal 20 (1 Stock), Eingang Hauptportal; Wahlvorsteher: Vcrwaltungs- Oberinspektor Heinrich Freundlieb, Stellvertreter: Schreinermeister Friedrich Lenz; in der Alten Klinik, Liebigstraße 16, Saal 7 (Erdgeschoß). Eingang rechter Flügel; Wahlvorsteher: Bankbeamter Theo Weder; Stellvertreter: Kaufmann Friedrich Hirsch, ZurGründung einer ta-tappe werden junge Damen als Tänzerin» nm kostenlos aus- gebildet.Perwnlicstc Meldungen länlidi zwischen 12 u.2 llbr erbeten. 06632 TaozsdiDle Bialke Wolfftrane 31. 2/10 Hanomag günstig ui verkauf. Schriftl.Änfr. unter 06636 a. d.Gß. Anz. Gut erhaltene und geuflcfltc OpekLimousine 10 40 PS sofort ver- täuflicb. [7647D Namcnreuthcr. II ut /.buch. C. 1< ti bnuineii. Verschiedenes) OllllilllllllllllllllllllllininD Entlaufen balbgroßer, braun, langhaariger Jagdhund (Wachtel). Benachrichtigung erbet, «ui (st.Maidbor, uuD Brauerei. St®. OIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIB 9. Volksrecht-Partei. Axt — Porth — Lorenz — Westphal hessisches Landvolk. Oberhessen: Fenchel — Dr. Leuchtgens. Starkenburg: Glaser — Dr. Müller. Die Namen sämtlicher Bewerber der zu- aelassenen Wahlvorschläge sind aus dem Anschlag am Brett im Stadthaus, Bergstraße 20, und in der Borhalle im Alten Rathaus, Marktplatz 14, zu ersehen. Gießen, den 11. November 1931. Bürgermeisterei Gießen. __________I. B.: Dr. Seid.___________ Bullenverkauf. Die Stadt Grünberg in Hessen verkauft auf dem Submissionswege einen 2%jährigen Vogelsberger Bullen. 7640D Angebote je Zentner Lebendgewicht find bis zum Samstag, dem 14. November 1931, mittags 14 Uhr, bei der unterzeichneten Bürgermeisterei schriftlich einzureichen. Die Verkaufsbedingungen können vorher eingesehen werden. Grünberg, den 11. November 1931. Hessische Bürgermeisterei. Dr. Mildner. Fourier. Befchlagnahmtzfreie Himnrtlm. mit komvlett. Bad, Frankfurt.Str. 113, ) of.be ziehb. z.verm. Freie M-Ziin.-Nolio. m. Zentralb./Bade- einricht, usw. in der Friedrichftr. fofort zu vermiet. Schriftl. Angebote u. 68451) an d.Gieß.Anzeiger. 3-Zimer-fohn. mit Bad u. Etagen- beiz, in ö. Schubert- ■träte 10 sofort oder wäter zu oerm.G7,>D Licher Straße 5 V. Frdl. möbl. Zimmer fof.od.fvät. z. oerrn. Marburg.Str. 23 V. Rub.gel. schön möbl. Zimmer in gutem Hause ui oerrn. . . Gr.2teinweg23 II- Frdl.möbl. heU.Zluui. gut beizb., mit iev. Eing.u. el. Licht fof. zu vermieten, s WIO Hammstraße 17 I. Schön möbl.Zimm, nut Dlorgenkaffee 20 Mk. fof. z. oerrn. 3u erfr. i. d.Gefchft. des Giek. Anz. Grohk Weitflott mit Lagerraum, Selteroweg 61, zu vermiet, diäb. s-^.o A.Becker,Keplerst.9 giiriB' ß 95 85 25 15 \ ? »- ^Ofeg SS ar*ner w„. Wtrdtn||| —— Lperene'^H >ung einer xiensH^^ %-SsK "“‘»•ÄÜS; KZM« KL K2H- Ur. 264 Zweites Blatt «Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen) Mittwoch, U. November f93f Volksrechtpartei. Die V^lksrechtpartei (Sparerbund) veranstaltete gestern abend im „Aquarium" eine öffentliche Wählerversammlung. Prof. Axt, der Spitzenkandidat der Partei für den Hessischen Landtag, betonte in seiner Rede u. a., Revolution, Inflation, Finanzkrise und Arbeitslosigkeit hätten eine allgemeine Schwäche herauf» beschworen. Der Mittelstand sei zerschlagen wor- den. Die Sozialdemokratie sei daran nicht unschuldig. Der Mittelstand und die Sparer seien aber die wertvollsten Schichten des Volkes. Jetzt sei es schwer, das Vertrauen dieser Kreise wieder zurückzugewinnen. Es gelte, Wege der Gerechtigkeit zu beschreiten und das wieder gut zu machen, was an den Sparern gesündigt worden sei. Leider spiele man schon wieder mit dem Gedanken an eine „wohlbegrenzte Inflation" auf dem Wege über eine künstliche Geldschöpfung. Die Volksrechtpartei halte dies nicht für das richtige Mittel, unsere Lage zu verbessern. Die deutsche Wirtschaft leide heute unter einer schweren Absahkrise, die eine Wirtschaftsschvumpfung im Gefolge gehabt habe: die hohen Zinsen stellten eine zu hohe Belastung für den Wirtschaftskörper dar. Das wirtschaftlichste Kapital hätten bisher immer die Sparer gestellt, die nur niedrige -Zinsen, wenn auch die nötige Sicherheit verlangten. Heute dürfe man kein Experiment mehr machen, wenn man vom Sparer erwarte, das) er sein Gold wieder der Wirtschaft zur Verfügung stelle. Die erste Voraussetzung dafür sei die Wiederherstellung des Vertrauens zur Wirtschaft. Der Weg zur Rettung sei heute schwerer denn je, weil alles von Parteigeist bestimmt sei.' Die Volksrechtpartei habe sich bisher stets bemüht, unpolitisch zu bleiben und lediglich einer gerechten Sache zu dienen. Heute seien es mehr denn je die Jnteressentenhaufen in der verschiedensten Form, die eine Gesundung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse verhinderten. Die Leistungsschwachen habe man immer am schwersten belastet. An Rentnern und Kriegsbeschädigten, wie an den Kriegerhinterbliebenen habe man gespart. Die Kürzungen an den Bezügen habe man durch Preisabbau nicht auszugleichen vermocht. Das Reich habe die Pflicht, an Stelle des Almosens endlich das Recht zu setzen. Sozialisierung und Proletarisierung seien nicht der Weg zu einer Besserung der Verhältnisse. Wichtiger sei es, den Mittelstand wieder zu neuem Leben zu erwecken, dem Arbeiter wieder den Erwerb von Eigentum zu ermöglichen, ihm die Früchte seiner Arbeit zu sichern. Richt die Gegensätzlichkeit könne uns helfen, sondern nur die Gemeinsamkeit in einem einigen Volkswillen. Rach einer kurzen Betrachtung der außenpolitischen Verhältnisse ging der Redner in knappen Umrissen auf dia hessischen Verhältnisse ein. Hessen leide unter mancherlei Schwierigkeiten. Die Staatsschulden seien eine schwer drückende Last. Hessen habe seine Bahn an das Reich abgegeben, das aber noch nicht einmal die Zinsen für diesen Wert bezahle, geschweige das Kapital selbst. Mit dem Zinsaufkommen aus dieser Schuld des Reiches hätte man den Haushalt sanieren können. Der Fehlbetrag im laufenden Etat sei schon wieder auf neun Millionen Mark angewachsen. Das Ministerium stelle einen viel zu großen und kostspieligen Apparat dar. Ts könnten einige Verwaltungszweige zusammengelegt und ein Ministerposten erspart, manche Derwaltungsarbeit könnte vereinfacht werden. Demgegenüber hätte man nicht schematisch im Bildungswesen abbauen dürfen. Zum Schluß seiner Ausführungen streifte der Redner noch eine Anzahl der im Interesse der Rentner und Sparer eingebrachten Anträge, die leider im Landtag nicht immer die nötige Beachtung gefunden hätten. Die Wählerschaft habe am 15. November darüber zu bestimmen, ob die Abgeordneten der Volksrechtpartei wieder in den Landtag einziehen sollen, um für die Interessen der Sparer Mitte/n.die im Jniand erzeug bar sind. 1. Halbjahr 1 931 Iahten in Millionen P. M Unsere Darstellung veranschaulicht die Einfuhr von Nahrungsmitteln nach Deutschland, die wir selbst im Inland erzeugen können. Im ersten Halbjahr 1931 hat Deutschland fast für eine Milliarde Mark solche Lebensmittel eingeführt, eine Summe, die der notleidenden deutschen Landwirtschaft auf diese Weiss entzogen wurde. und darüber hinaus für die Gesamtheit zu wirken. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Eine kurze Aussprache schloß sich an. Oberhefferr. Gemeinderat in Schotten. b Schotten, 9. Rov. Der Gemeinderat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Winternothilfe. Ein kommunistischer Antrag auf Beschaffung von Kartoffeln durch die Stadt wurde vom Gemeinderat abgelehnt. Die Wohlfahrtskommission soll sich in einzelnen wohlbegründeten Fällen über eventuelle llnterstühun- gen mit Lebensmitteln oder Zuschüssen schlüssig werden. In den umliegenden Dörfern wurden verschiedene Sammlungen von Naturalien durchgeführt, die gute Ergebnisse zeitigten. Von der organisierten Winternothilfekommission wird eine weitere Sammlung von Geld und Kleidungsstücken durchgeführt. Eine Wohltätigkeitsveranstaltung ist ebenfalls vorgesehen. 2m weiteren Verlauf der Sitzung wurde beschlossen, für die- in verschiedenen gewerblichen Betrieben zum Betrieb der Kühlanlagen notwendigen Wassermengen einen Kubikmeter-Preis von 25 Pf. zu erheben. Zum Schluß gab der Bürgermeister an Hand einer Diebersicht der Stadtkasse Aufschluß über die Finanzlage der Stadt. Außerdem referierte er über die Bestimmungen der neuen Hessischen Gemeindeordnung. Weihe des Gefallenen-Ehrenmals in Eichelsdorf. -> Eichelsdorf, 9. Nov. Am gfingen Sonntag fand dieWeiheunseresGefallenen- Ehrenmals statt. Obwohl von dem Denkmalsausschuß nur ein schlichter Rahmen für die Feier vorgesehen war, hatte sich eine tausendköpfige Menge eingefunden, um der Feier beizuwohnen. Die Kriegervereine von Schotten, Rainrod, -Einartshausen, illfa, Stornsels, Eichelsachsen, Wingershausen und Eschenrod waren mit ihren Fahnen erschienen. Vom Kriegerdenkmal 1870/71, an dem Bürgermeister Knodt namens der Gemeinde einen Kranz niederlegte, zogen die Schuljugend, die auswärtigen und hiesigen Vereine zum neuen Denkmal. 3m Ehrenhof, der mit Tannengrün und weißen, großblumigen Chrysanthemen stimmungsvoll geschmückt war, nahmen die Ehrengäste, die Angehörigen der 52 Gefallenen, sowie der Denkmalsausschuß Platz. Als erster Redner sprach Vaurat Kessel (Schotten), der die Dauarbeiten geleitet hatte. Er gab einen Dieberblick über den Werdegang des Denkmals, erläuterte Material, 3nschriften und Symbole und übergab es als markantes Wahrzeichen zur Treue und Hingabe an Heimat, Volk und Vaterland in den Schuh der Gemeinde. Die W e i h e r e hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Hermann Müller. Er rückte die Begriffe Vaterland, Heimat und Volk, Kameradschaft, Kampf und Opfer in den Blickpunkt seiner Betrachtungen und verwob sie, aus eigenen Kriegserlebnissen schöpfend, mit dem großen Geschehen an den Fronten des Weltkrieges. Nach der Weihe senkten sich die Fahnen und drei Ehrensalven hallten über den Ehrenhof. Der Männergesangverein „Eintracht" (Leiter Adols Rau) fang das Lied vom guten Kameraden. Bürgermeister Knodt übernahm das Denkmal in den Schuh der Gemeinde und legte mit Worten des Dankes an die Gefallenen einen Kranz nieder 3m Auftrage des Kreisamts Schotten sprach Regierungsrat Schwan. Er würdigte die Gründe, die trotz wirtschaftlicher Depression für die Errichtung von Gefallenen-Ehrenmalen sprächen, und dankte allen, die dazu beigetragen, das Denkmal zu erbauen. Apotheker Scriba (Schotten) überbrachte die Grüße des Hassiapräsidiums und legte für den Hassiabezirk Vogelsberg einen Kranz nieder. Die Klänge der Kapelle S p a n - gen6erger, die gut gewählten und Hangrein wiedergegebenen Chöre des Gesangvereins „Eintracht", sowie ein Sprechchor der Schüler der Oberklasse (Lehrer Würz) gaben der ernsten Feier, die mit dem Deutschlandlied schloß, einen stimmungsvollen Rahmen. Das Gefallenen-Ehrenmal ist von Baurat Götz, der früher am Bauamt Schotten tätig war, entworfen. Als Material fand heimischer Basalt und Mainsandstein Berwendung. Die Maurerarbeiten führte Maurermeister Fritz Rau (Eichelsdorf) aus, die Bauleitung hatte Baurat Kessel Gießener Gtadttheater. Fritz Schwiefcrt: „Marguerite: 3". Der Dr. pM. Fritz Schwiefert, Diblio- theksrat an der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, hat seine dramatische Laufbahn mit sehr ernsthaften Werken begonnen: dem mythischen Spiel vom „Bakchos Dionysos", das vor einer Reihe von 3ahren in Frankfurt uraufgeführt wurde, und. mit der Historie „Hans von Huttens Buße". Aber als er bei der Kleistpreis-Bertei- lung im vorigen 3ahre neben andern mit einer lobenden Erwähnung bedacht wurde, da geschah es, wenn wir uns recht erinnern, unter ausdrücklichem Hinweis auf diese ganz leichte, spielerische und graziöse Arithmetik der Liebe, die unter dem Titel „Marguerite: 3" inzwischen über viele Bühnen gelaufen ist ... als eine theatralische Variante des nachdenklichen Motivs, das der Engländer Huxley in seinem Roman „Zwei oder drei Grazien" gewichtiger und gründlicher dar- gestellt hat. Schwiefert hat sich, in einer unbeschwerten Laune, ausgemalt, was geschehen würde, wenn drei gute Freunde, als wohlsituierte 3unggefeIIen in einer gemeinsamen Wohnung hausend, sich in die selbe Frau verlieben: natürlich nacheinander, jeder für sich, und ohne daß es der eine vom andern weiß. Da - sie sich für denselben Abend mit ihr in der gemeinsamen Wohnung verabredet haben (auch natürlich wieder jeder für sich) — müssen sie einer nach dem andern ein Geständnis ablegen, weil jeder ö:> beiden andern für diesen Abend aus dem Haus haben möchte, um ungestört mit der Dame soupieren zu können. Das geschieht unter den drolligsten Dimständen — aber immerhin so, daß keiner ahnt, es könne sich fatalerweise nur um eine — die gleiche — Frau handeln, um derentwillen sie sich gegenseitig allerlei Liebenswürdigkeiten an den Kopf werfen. Aber siehe da: die Rechnung, die zunächst nicht aufzugehen schien, löst sich in der überraschenden Formel Marguerite: 3 — das heißt: Marguerite» besucht sie alle drei, nacheinander natürlich und wieder ohne daß jeweils die beiden andern wissen, daß der dritte... und Marguerite erscheint jedesmal als eine andere Frau, sie spielt jedem ihrer drei Liebhaber die Frau vor, die er sich wünscht und die er in ihr gefunden zu haben glaubte. Diese spielerische Formulierung eines ernsteren Problems bewahrt das Lustspiel allezeit vor dem Platten Situationswitz des Schwanks, wo sich ein minder geschmackvoller Autor spätestens im zweiten Akt festgefahren hätte. * Der dritte bringt dann die überraschende Pointierung des Einfalls: Marguerite ist nichts von dem, was sie dreimal zu sein vorgab: sie spielte bewußt, sie kannte alle drei längst, weil sie nämlich gerade gegenüber wohnt und gelegentlich einen Blick in die friedliche Häuslichkeit der drei junggeselligen Kavaliere werfen konnte. ilnb da sie außerdem eine sozusagen verlobte Braut ist, — haben von vornherein alle drei, was sie freilich auch wieder nicht ahnen konnten, keinerlei Chancen: sie aber, Marguerite, die eigentlich Emmy heißt, ging auf das Abenteuer, das ihr dreifach serviert wurde, lächelnd ein... als auf eine kleine prophylaktische Kur: sie nahm in ihm voraus alle verfänglichen Möglichkeiten, die ihre bevorstehende Ehe etwa gefährden könnten..., die sie nun ausgekostet hat und nicht mehr zu fürchten braucht. — Es wurde unter der witzigen und beweglichen Regieführung von Karl H e y s e r sehr amüsant und reizend gespielt: man empfand mit Vergnügen, daß alle Beteiligten mit Lust und Laune bei der Sache waren. Die Regie hat den Schauplatz des galanten Abenteuers nach Gießen verlegt und durch allerlei vertraute Anspielungen sogleich ein wirksames Lokalkolorit geschaffen und verständnisvoll aufgenommene Beziehungen zum einheimischen Publikum eingeflochten: auch begleitete sie das in allen Nuancen der wechselnden Situation flüssige und belebte Konversationsspiel mit einer gedämpften und melodiösen Schlagermusik, die sich dem Stegreifcharakter des leichtgeschürzten Lustspiels stimmungsvoll anpahte. Löffler hatte eine dezente 3nnendekoration in geschmackvollen Farben und Formen aufgebaut und überdies ein amoureuses Aushängeschild für den Vorhang entworfen, wodurch das Generalthema dieses heiteren Abends sogleich sinnfällig angedeutet wurde. Die Dame, die sich Emmy nennt und dreimal in wechselnder Ausmachung als Marguerite empfangen wird, heißt auf dem Programmzettel Edith Berger. Sie hat hier eine der heute nicht allzuhäufigen Paraderollen, die aus der reinen, spielerischen Freude am Komödiantentum im ursprünglichsten Sinne geschrieben werden. Sie darf hintereinander als illusionslose, sachliche Kokotte, als snobistische Gans und als albern lispelndes Hausfrauchen ein kleines Drillantseuerwerk abbrennen — sie macht es mit einer charmanten Leichtigkeit des Rollentausches und bewahrt sich die lächelnde Dleberlegenheit der Demaskierung für den Schlußakt auf. • Die drei Kavaliere: 3ochen Hauer: Hans P a e t s ch ; Karl Bruck. — Drei Kavaliere, drei Liebhaber, drei Temperamente: sehr lustig aufeinander abgeftimmt und miteinander kontrastiert. Hauer als der kühle, nüchterne Mediziner, der dennoch der Verwirrung der Gefühle im entscheidenden Moment nicht gewachsen ist, am heitersten in den Augenblicken stiller Wut und bissiger 3ro- nie. — Paetsch, ein wenig jugendlich für die verantwortungsvolle kommerzielle Derussstellung, die ihm zugeteilt ist, war der unkomplizierteste und ehrlichste von den dreien, ein guter, stürmischer, verliebter 3unge, dem keiner böse fein kann. — Bruck ist „Schauspieler am Stadttheater, mittleres Talent", und ihm liegt diese Schauspielerei in der Potenz, diese prickelnde Aufgabe, sich selbst darzustellen, ausgezeichnet: er kann richtig aus sich herausgehen und sozusagen alle Register ziehen. Wolfgang Kühne endlich gibt einen dieser famosen, guterzogenen, weißhaarigen Diener, wie man sie fast nur auf dem Theater findet, mit diskretem Humor: er macht den Ansager und beschließt das Stück mit Nuhanweydung und schöner Moral. — Es war ein lustiger und unbeschwerter Theaterabend, der mit einer warmherzigen Werbe-Ansprache Karl D o l ck s eingeleitet wurde, hth. Zeitschriften. — Aus der Zeit der ersten Marokkokrise, unmittelbar vor dem Sturze Delcasses, veröffentlicht Dr. Friedrich Thimme im Oktoberheft der „Europäischen Gespräche" (Verlagsbuchhandlung Dr. Walther Rothschild, Derlin-Grune- wald) eine Reihe von Dokumenten, die einen durch den früheren italienischen Schahminister Luzzatti an die deutsche Regierung herangebrachten Friedensfühler näher beleuchten. Bülow hat vielleicht Recht gehabt, auf die nach Herkunft und Tragweite sehr unbestimmten Vorschläge nicht einzugehen, so daß das nachträgliche Abwägen einer Schuldfrage müßig ist: aber die Veschäfti- gung mit diesen Dingen ist auch heute noch lehrreich, um den Blick für das zu schärfen, was man psychologische Momente nennt. (Schotten). Die Dildhauerarbeiten, von denen der sich aufrichtende lebensgroße Löwe tiefes, künstlerisches Gestalten verrät, führte der Bildhauer und Maler Fehrenbusch (Frankfurt a. M.) aus. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 11. Noo. Unser Mitbürger Zimmermeister August Rohm vollendet am Donnerstag, 12. November, in voller geistiger und körperlicher Frische sein 7 0. Lebensjahr. Im Jahre 1890 gründete er mit Jakob Schäfer ein Zimmer- geschäst, das er bis 1912 gemeinschaftlich mit Schäfer betrieb. Seit 1912 sind seine Söhne Mitinhaber des Geschäftes, das sie auf eine beachtenswerte Höhe brachten, so daß es heute im weiten Umkreis als eines der leistungsfähigsten des Zimmergewerbes gilt. 00 Klein-Linden, 10. Nov. Schöne Erfolge konnte der Vorsitzende des hiesigen Geflügelzuchtvereins August Lenz auf der Süddeutschen Geflügelausstellung, die vom 6. bis 8. November in Würzburg stattfand, erzielen. Er errang mit einem gelben Jtalienerhahn das Prädikat „Sehr gut" und einen Ehrenpreis, mit einem weiteren Hahn die Note „Gut 3" und mit einer Henne die Note „Sehr gut 1". Die Ausstellung war mit mehr als 10000 Tieren aus Süd- und Mitteldeutschland beschickt. Z Lollar, 9. November. Der Ar b e i t e r g e • sangverein „Vorwärts" veranstaltete am Sonntag einen gutbesuchten Dolkslieder- Abend. Der Saal „Zur Linde" war bis auf den letzten Platz beseht. Ein verständnisvoll ausgewähltes Programm füllte den Abend. Die Aufführungen erbrachten den Beweis ernster und fleißiger Arbeit bei der Einstudierung. Als Mitwirkende war das „Dlnion-Quartett" des „Volkschores Union" Frankfurt a. M. verpflichtet, das unter der Leitung des Chormeisters Max Bartsch wesentlich zur Verschönerung des Abends beitrug. Die Leitung des Männer- und Frauenchores des veranstaltenden Vereins lag in der Hand des bewährten Dirigenten Heinrich Meyer (Wieseck). Der Volksliederabend in seiner Gesamtheit reihte sich würdig den früheren Veranstaltungen des Vereins an. Als sehr glücklich erwies sich die Verpflichtung des Union-Quartett. Gut gefielen die Lieder von Silcher, dessen Name im Programm verschiedene Male vertreten war. Mit den Liedern „Drei Röselein" und „Gemsjäger" sicherte sich das Quartett einen vollen Erfolg. Die Lieder „3n einem kühlen Grunde" (gemischter Chor), „Drunten im Unterland" (Männerchor) und „Abend auf der Heide" (Frauenchor) fanden starken, wohlverdienten Beifall. 3n einer Pause hielt Chormeister Bartsch einen interessanten Vortrag über den Zusammenhang des Volksliedes mit dem Volkschor und sand bei den Zuhörern alle Aufmerksamkeit. Die Veranstaltung bedeutete für den Arbeitergesangverein „Vorwärts" einen schönen Erfolg. 4 Garbenteich, 10. Nov. Hier bildete sich ein Ortsausschuß für Winterhilfe. Den Vorsitz führt Bürgermeister Burk, ihm gehören ferner an Pfarrer Steiner, Dr. Rupp, das Lehrerkollegium, der Wohlfahrtsausschuß des Gemeinderats, zwei Kirchenvorstände und der Vorstand des Frauenvereins. Es wurde eine Sammlung von Lebensrnitteln, Kleidern und Geldspenden beschlossen. Diese wurde im Laufe der vergangenen Woche vom Frauenverein ausgeführt. Das bis jetzt erzielte Ergebnis zei^t-, daß die hiesigen Gemeindemitglieder gewillt sind, der Not der HilfHhedürftigen tatkräftig zu steuern. + Queckborn, 10. Nov. Am Samstag befand sich der frühere Schäfer Friedrich Schreiner von hier auf dem Heimwege von Grünberg nach Oueck- born. Unterwegs muß ihn ein Schlaganfall betroffen haben, denn später die Straße passierende Leute sanden den in den siebziger Jahren stehenden Mann tot auf der Land st raße liegend vor. 5. Hungen, 10. Noo. Am Samstag fand im „Solmser Hof" eine Versammlung des Bezirks- lehrervereins Hungen statt. Der Obmann, Lehrer Schmidt (Hungen) sprach über den Tonfilm: „Mz/. Die Existenzberechtigung eines Films, der in seinem Thema auf einen der gräßlichsten Kriminalfälle der letzten Zeit, die Taten des Düsseldorfer Massenmörders, zurückgreift, müßte an sich höchst fragwürdig erscheinen, wenn er nicht seiner ganzen Anlage nach eine ausgesprochen positive Tendenz verfolgte: nämlich dazu beizutragen, daß ähnliche Fälle in Zukunft nach Möglichkeit verhütet werden. (Vorbeugen ist besser als heilen.) Warnung an die Eltern: achtet auf Eure Kinder! Appell an alle: verständnisvolle Mitarbeit bei der unendlich mühseligen, langwierigen, verantwortungsschweren Aufklärungstätigkeit der zuständigen Behörden! Nur von diesem Standpunkt aus konnte die Wiederaufrollung der noch frisch im Gedächtnis hastenden, grauenhaften Vorgänge gerechtfertigt und sinnvoll erscheinen. Der Film unterscheidet sich von andern, ähnlichen Kriminalfilmen dadurch, daß er gewissermaßen konzentrisch vorgeht; daß die Spur des Täters von zwei Seiten, amtlich und illegitim zugleich, verfolgt wird; denn es zeigt sich, daß an der Aufklärung des Falles nicht nur die Kriminalpolizei. sondern — aus verblüffenden Motiven — auch die Gegenpartei, die „Unterwelt" des groß- stutüischen Verbrechertums ein lebhaftes Interesse hat. Aus der Arbeit eines Regiekollegiums hebt sich die ausgezeichnete Inszenierung von Fritz Lang heraus, der hier — nach längerer Pause — wieder einmal beweist, daß er zu den fähigsten und phantasievollsten Köpfen in seinem Spezialfach gehört; es ist erstaunlich, was er filmmäßig aus dem wahrhaft abgründigen Stoff heraushoit. Seine Regie erscheint als eine Präzisionsarbeit in der Zusammensetzung von meist kleinen Teilaufnahmen, Szenen- und Bildausschnitten, die — von etlichen großangelegten Massenauftritten unterbrochen — die schrittweise Entdeckung des Verbrechens mit einer oft unheimlichen Spannung verfolgen lassen. (Die Verteidigung des Mörders gegen Ende gehört, da sie schon auf grundsätzlich andere Probleme übergreift, nicht eigentlich mehr zum Thema und ist u. E. der einzige anfechtbare Punkt der Regie.) Im Riesenaufgebot von Schauspielern, die sich unter Verzicht auf die Sonderbeleuchtung einzelner Prominenten zu einer gleichmäßig intensiven und scharf profilierten Darstellung zusammenschließen, stehen Peter L o r r e (Mörder), Gustaf Gründgens (Schränker), Stahl - Nachbaur (Polizeipräsident), Otto Wernicke und Theodor Loos (Kommissare) an den Brennpunkten der Handlung. — Der Film (Produktion: Nero) läuft feit gestern im Lichtspielhaus. Da kann man sehen, was es mit dem geheimnisvollen Buchstaben M auf sich hat. —r— „Rechtsschutz des Lehrers durch den Deutschen Lehrerverein". Ferner wurde in längerer Debatte die Zweckmäßigkeit des Beitritts zu anderen Kran- kenkossen als der Hessischen Beamten-Krankenkasse erörtert. Kreis Friedberg. WSN. Butzbach, 10. Roo. Heute vormittag ist zwischen den Bahnhöfen Butzbach und O st h e i m zwischen dem Hauptglcis liegend ein Reisender aus Niederweisel mit abgefahrenen Beinen t o t ausgefunden worden. Es wurde festaestellt, daß der Monn um 6 Uhr in Ostheim einen Personcnzug bestiegen hat, um nach Gießen zu fahren. Wie er auf das Gleis gekommen und überfahren worden ist, steht noch nicht fest. kreis Schotten. ± Groß-Eichen, 9. Roo. Wie in früheren Jahren, wurden auch jetzt wieder in unserer Gemeinde durch die Konfirmanden Lebensmittel für das Diakonissen haus Elisabethen- stift in Darmstadt gesammelt. Trotzdem noch Sammlungen für die Gießener Studentenhilfe und die Winterhilfe ausstehen, konnten 18 Sack Kartoffeln und Gemüse, sowie ein Schließkorb mit Obst aufgebracht werden. — Der Turnverein hat seine Dolksbildungsabende wieder eröffnet, die alle 14 Tage in der Schule stattfinden und sich eines guten Besuches erfreuen. Ärcie Alsfeld. ss Grebenau, 9 Nov Am Freitag konnte Frau Katharine Diehl, geb. Starke, hier- selbst, in körperlicher und geistiger Frische im Kreise ihrer Kinder und Enkel ihren 8 0. Geburtstag feiern. ss Eulersdorf, 9. Nov. Unf:r seitheriger Bürgermeister Jakob Geist hat sein QI m t freiwillig niedergelegt, so daß nunmehr in nächster Zeit die Neuwahl eines Bürgermeisters notwendig wird. Wirtschaft. 4,6 Millionen Arbeitslose Ende Oktober. Berlin, t0. Nov. (WT2.) Die vorläufigen Meldungen der Arbeitsämter ergeben nach dem Bericht der Reichsanstalt für den 31. Oktober eine Arbeitslosenzahl von rund 4622000. Seit dem Stande vom 15. Oktober, der sich nach den endgültigen Meldungen auf rund 4 484 000 Arbeitslose belief, ist somit eine Zunahme um rund 138 000 eingetreten, die im wesentlichen den Niederschlag der jahreszeitlichen Bewegung am Arbeitsmarkt darstellt. Die Gesamtzunahme seit dem tiefsten Stand Ende Juni beläuft sich auf rund 668 000, während im Vorjahre vom Tiefpunkt bis Ende Oktober ein Anwachsen der Arbeitslosigkeit um rund 617 000 zu verzeichnen war. 3n der Arbeitslosenversicherung hat sich die Zahl der Hauptunterstühungsempfänger um rund 43 000 auf rund 1 185 000 erhöht, in der Krisenfürsorge um rund 58000 auf rund 1350 000. Mehrfach wird von den Arbeitsämtern daraus hingewiesen, daß verhältnismäßig viele Arbeitnehmer sich arbeitslos melden, die während des Sommers wenige Monate gearbeitet haben und daher keine neue Anwartschaft auf Arbeitslosenunterstützung erwerben konnten. Für Ende September liegt jetzt auch die Zahl der von den Arbeitsämtern anerkannten W o h l - fahrtserwerbslosen mit rund 1 208000 vor. Zu jenem Zeitpunkt verteilten sich die unterstützten Arbeitslosen zu 67,3 v. H. auf die Arbeitslosenversicherung und die Krisenfürsorge und zu 32,7 v. S). auf die öffentliche Fürsorge. Zurückhaltung in Frankfurt. Frankfurt a. M., 10. Nov. 3m heutigen Telephonvcrkehr von Bureau zu Bureau zeigte sich im allgemeinen eine gewisse Zurückhaltung. Am Aktienmarkt entwickelte sich nur sehr geringes Geschäft. Die Stimmung neigte jedoch zur Schwäche, da der Stillstand der deutsch-französischen Verhandlungen etwas verstimmte. Die feste Haltung der gestrigen Neuyorker Börse blieb vollkommen eindruckslos. 3m großen und ganzen blieben ölt Kurse gegen gestern ziemlich gehalten, und nur einige Spezialpapiere, wie IG.-Farben, Elektrowerte und Reichsbank neigten um etwa 1 bis 2 v. H. nach unten. Dank- und Montanaktien wiesen nur geringfügige 'Veränderungen auf. Von lokalen Werten senkten sich Scheideanstalt erneut um 2 v. H., ohne daß jedoch besondere Motive dafür Vorgelegen hätten. Der Rentenmarkt zeigte nach den Kurs- dcrouten in den letzten Tagen heute eine gewisse Beruhigung, wobei die starke Gegenwehr großer Wirtschaftszeitungen und einiger führender Persönlichkeiten des Handels, die sich gegen eine Zwangskonvertierung wenden, etwas anregte. Bei etwas regerem Geschäft blieben so ziemlich alle Rentenpapiere gegenüber den gestrigen Tiefkursen fast unverändert. Dollarbonds waren heute vernachlässigt und bis 1 v. H. abgeschwächt. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2TI. Banknoten. lO.TIoPtmbtr H.Kopember Amtliche Kotierung ffleit» ! 25 rief Amtliche Kotierung ®elD | 25 rief ßelfinnfoil . 8.34 8.36 8,29 8,31 Wien. . . 58.94 59.06 58,94 59.06 Prag . . . 12.47 12.49 12,47 12.49 Budapest . . 73.28 73.42 73.28 73.42 Sofia . . . 3.062 3.068 3.057 3,063 Holland . . 169.88 170,22 169,83 170,17 Clio . . . 89.41 89.59 89.41 89,59 ftopentjagee. 90.66 90,84 90.41 90.59 Etodbolm 90.91 91,09 91.16 91.34 London. . . 15.94 15,98 15.94 15.98 Burno» Äire« 1.098 1,102 1.138 1.142 Keunorl 4.209 4,217 4.209 4.217 Brülfr, . . . 58.69 58,81 58.66 58.78 Italien . . . 21.78 21,82 21.78 21,82 Barl« . . . 16.56 16,60 16.55 16,59 Gdiroet) . . 82.24 82,40 82,24 82,40 Spanien . . 36.76 36.84 36.76 36,84 Danzig . . 82.27 82.43 82.27 82,43 Japan . . 2.058 2,062 2,058 2,062 Rio vt 3an.. 0.259 0,261 0,259 0,261 Jugoslawien. 7.473 7,487 7,473 7.487 uihaboD 14.49 4,51 14,49 14.51 25erl(n, IQ.Kopember fflelb jlmentüntfdje Woteu tBelfliidir Koten ......... Xänifd'c Koten ttnflliidie Koten......... ^raniolildie Koten . ...... ßollänoifche Koten........ fttalfeniidw Koten Korroegifdie Koten Xeutfdj-Ceftcrreld), i 100 Schilling Kumänifdte Koten....... Schwedische Koten Schwei,er Koten Spant,die Koten Ungatiidte Koten 4,20 58.58 90.47 15,90 16.55 169,51 21,76 89,22 58,68 2.51 90,72 82,04 36,63 Bries 4,22 58,77 90,83 15.96 16,61 170,19 21.84 89,58 58,92 2,53 91,08 82,36 36.77 Bcichsbankdiskont 8 v. h., Lombardzlnsfuh 10 v. h. Ziemlich behauptet in Berlin. Berlin, 11. Nov. (WTB. Funkspruch.) Trotz überwiegend ungünstiger Momente (schwächeres Neu. york, Preiseinbuße am Chikagoer Gctreidemarkt, Stoppen der deutsch-französischen Finanzbesprechungen, unklares Dementi über die Zinskonversionspläne der Regierung, erhöhte Arbeitslosenzisfern usw.) konnte sich die Tendenz des heutigen Freiverkehrs ziemlich behaupten. Es fanden aber nur in wenigen Werten, wie IG.-Farben, Siemens, AEG., Schultheis und den führenden Bankaktien, einige Umsätze statt. Obwohl eine offizielle Bekannt- gäbe der erwarteten Notverordnung über den Hontz e l in Dollarbonds noch nicht erfolgt ist, hatten die Banken der Vereinigung schon gestern freiwillig auf die Umsatztätigkeil in diesen Werten verzichtet. Vielleicht hing damit auch zum Teil der Rückgang der deutschen Werte im Ausland zusammen, da nunmehr das Interesse für diese Werte von deutscher Seite wenigstens abflauen dürfte. Daß der Berliner Telephonverkehr hierdurch zwangsläufig eine Einengung erfahren mutz, ist selbstverständlich, da der Dollarbondshandcl gerade in den legten Wochen ziemlich umfangreiche Formen angenommen hatte. Jedenfalls herrschte in den heutigen Dormil. tagsslunden große Geschästsstille. Auch am Markte der fe st verzinslichen Werte war die Hal- tung sehr abwartend, zuverlässige Pfandbrief- kurse waren überhaupt noch nicht zu hören. Das bereits erwähnte Dementi hatte in feiner zweideutigen Fassung nur zur Folge, daß die Derkäuser ihre Orders zuruckzoaen. Nur die Reichsbahnvorzugs- aktien, Harben-Bonds und Reichsschuldbuchforde- rungen, letztere besonders in späteren Fälligkeiten, wurden auf gestriger Basis etwas umgesetzt. Während der Verkehr in Dollarbonds demnächst offiziell geregelt werden dürfte, ist nach der neuesten Version eine Notverordnung über den telephonischen Frei- oerkehr im allgemeinen nicht beabsichtigt. • Fusion Gold- und Silberfcheide- a n st a l t - V e r e i n für chemische 3ndu- st r i e. Die Verwaltungen der Deutschen Gold- und Silberscheideanstalt vorm. Rößler in Frankfurt a. M. und des Vereins für chemische Industrie AG., Frankfurt a. M . sind dahin überein- gekommen, d.e beiden Gesellschaften zu fusionieren. Das Vermögen des Vereins soll als Ganzes unter Ausschluß der Liquidation aus die Scheideanstalt übertragen werden dergestalt, daß für eine Stammaktie im Betrage von nom. 200 Mk. des Vereins mit Dividendenschein für das Geschäftsjahr 1931 und folgende eine Stammaktie im Betrage von nom. 100 Mk. der Scheideanstalt mit Dividendenschein für das Geschäftsjahr 1931/32 und folgende gewährt wird. frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M U. Nov. Es wurden notiert: Weizen 237,50 Mark, Roggen 225 bis 227,50, Sommergerste für Brauzwecke 190, Hafer (inländischer) 162,50 bis 170, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0, mit Austauschware) 37 bis 38, Sondermahlung 35 bis 26, Weizenmehl (niederrheinisches, mit Austausch, wäre) 37 bis 37,75, Sondermahlung 35 bis 35,75, Roggenmehl 31.25 bis 32,50 Weizenkleie 9,25, Roggenkleie 9,75 Mark. — Tendenz: ruhig. einemarft in Gießen. Auf dem heutigen Schweinemarkt in Gießen standen 175 Ferkel, 5 Läufer, 2 Einleger zum Verkauf. Es kosteten bis 6 Wochen alte Ferkel 9 bis 11 RM.. 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 12 bis 15 RM, 8 bis 13 Wochen alte Ferkel 16 bis 18 RM., Läufer 20 RM., Einleger 38 RM. — Tendenz: lebhaft, geringer Ucberftand. Forderungen der Kriegsopfer. Frankfurt a. TL, 9. Nov. (WSN f Die Vertreter von rund 10000 Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen in den Landesverbänden Oberhejfen, Nassau und Starkenburg- Rheinhessen, des Zentraloerbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebenen hielten am Sbnn- tag in Frankfurt a. M. eine Führerkonferenz ab, um zur Lage der Kriegsopfer Stellung zu nehmen. Nachdem Landesoerbandsoorfitzender G u t b e r l e t (Wiesbaden) auf die zunehmende Not der Kriegsopfer hingewiefen hatte, hielt das Hauptvorstandsmitglied des Zentralverbandes M. Wuttke (Berlin) ein Referat über den Stand der Derforgung der Kriegsopfer. Trotz des in der Regierungserklärung der Reichsregierung abgegebenen Versprechens, das Los der Kriegsopfer All bessern, habe inzwischen ein fortwährender Abbau der Unter st ützung eingesetzt. Die erste Notverordnung vom Juni 1930 habe schwere Eingriffe in das bestehende Derjorgungsrecht vor- genommen; dennoch sei der Abbau durch 26 neue Sparerlasse weitergegangen und habe durch die Notverordnung vom 6. Juni 1931 die Krönung erfahren. Gegen die bereits durchgesührten Abbaumaßnahmen, sowie gegen irgendwelche weiteren Pläne mühten die Kriegsopfer schärfsten Protest erheben. Die Forderungen der Kriegsbeschädigten kommen in einer einstimmig angenommenen Entschließung zum Ausdruck, in der es u. a. heißt: „Die Tagung fordert mit allem Nachdruck die sofortige und endgültige Einstellung des weiteren Versorg ungsabbaus. Sie erwartet weiter auf das bestimmteste alsbälbige durchgreifende Erleichterungen in den zahlreich Der- ordneten Sparmaßnahmen. Weiter spricht die Führertagung dem Hauptvorstand Dank und Anerkennung aus und beauftragt ihn, auch weiterhin alle Maßnahmen zur Derbesserung der Lage der Kriegs- beschädigten und Kriegerhinterbliebenen durchzu- führen. Erholung des Pfundes. Oie Reichsmark etwas fester. Das englische Pfund konnte sich an den gestrigen Devisenmärkten nach seinem Rückgang am vorgestrigen Tage vormittags wieder erholen, da die Ausführungen Macdonalds über die Stabilisierung des Pfundes allgemein mit Befriedigung ausgenommen wurden. Gegen den Dollar eröffnete es mit 3,8150, ging dann aber leicht wieder zurück und stellte sich auf 3,7975. 3n Amsterdam zog das Pfund auf 9,44 an, in Zürich auf 19,50 .und in Paris auf 96,50. Der Dollar war eher angeboten und an den verschiedenen Plätzen eine Kleinigkeit leichter. Die Reichsmark war im allgemeinen gut behauptet und notierte in London 16, in Amsterdam 58,70 und in Zürich 121. Nach mehrtägiger Unterbrechung war in Paris gestern wieder ein Kurs für die Reichsmark, der sich, auf 602 stellte gegen 601 in der vergangenen Woche, zu hören. Dieser Kurs entspricht genau der Berliner Parität. Die Norddevisen waren wieder etwas schwächer. Am Nachmittag war daS Geschäft lebhafter, besonders in englischen Pfunden. Gegen den Dollar hat sich Pfund wieder auf 3,6275 befestigen können, gegen den Gulden auf 9,48, gegen Zürich auf 19,5950, gegen Paris auf 973/s und gegen die Reichsmark auf 16,15. Der Dollar hat sich international knapp gehalten, die Nord-Devisen behaupteten sich, die Reichsmark war etwas fester und zog in Amsterdam auf 58,85 und in Zürich auf 121,15 an, in Neuhork stellte sie sich auf 23,72. Am Spätnachmittag konnte das Pfund seinen höchsten Tagesstand nicht voll behaupten und schwächte sich auf 3,81 Vs gegen den Dollar und 97,06 Paris ab. Messen Kind bin ich? Vornan von Fr. Lehne. (Urh.b.rschuh durch C. Qid.rmann, Rcmanzentrale Stuttgart.) (Nachdruck verboten.) 1. „Ihr Roscnflor ist wirtlich bewundernswert, lieber Freund! Er übertrifft sogar die berühmten Rosen auf dem Schlosse--" „Finden Sie, Herr Pfarrer? ES freut mich, wenn Sie das sagen!" Der Angeredete lächelte matt. Mit liebevollem Blick schaute er hinüber nach seinen Rosenstöcken, die in weißer, roter und gelber Pracht blühten und deren berauschender Wohlgeruch die Lust erfüllte. Unb Rosen, kleine lebhaft rosa Rosen rankten sich am Hause empor, so dicht und üppig, daß man kaum noch die Mauern sah. Wie ein Märchenhaus mutete das Lehrerhaus an! Unö kaum einer von den Vorübergehenden, der nicht einige Minuten stehenblieb und sich Auge und Herz volltrank an dieser Schönheit, die noch eine Weile ihn mit unbestimmter Freudigkeit erfüllte. Der Pfarrer stand vor dem Gartenzaun, einer sorgfältig verschnittenen dichten Weißdornhecke in halber Manneshöhe, und unterhielt sich mit dem Lehrer, der in feinem Garten arbeitete. Die 3unifonnc brannte heiß: flimmernd lag der Hitzedunst über dem weiten Lande, daS klare Blau des Himmels leicht verschleiernd. ..Regen wäre sehr erwünscht!" sagte der Pfarrer. als auf der Dorfstraße ein leichter Wagen ratternd vorbeifuhr und eine dicke Staubwolke hinterließ, von der fein schwarzer Rock ein gut Teil abbekommen hatte. Er klopfte an sich herum — „ab. der Schmied hat einen neuen Wagen —" meinte er, dem leichten Gefährt nach- fehend. „3a. Herr Pfarrer, er erzählte mir gestern von feinem Kauf! Er muß ihn nun zeigen!" -Sind Ihre Kirschen schon reis, lieber Lenz?" „Die schwarzen noch nicht. Herr Psarrer, aber von den Herzkirfchen habe ich heute Morgen die ersten gepflückt! Und meine Ananaserdbeeren sind lo reich tragend--ich habe schon mehrere Pfund verkauft!" „Ihr Garten, lieber Lenz, ist mustergültig weit und breit", lächelte der Pfarrer, „ich habe mit dem meinen nicht so viel Glück! Meine praktisch.' Frau schilt mich o‘t aus. daß ich in Gartenarbeit so ungeschickt bin —" Wenn Sie immer wie ich auf dem Lande gelebt hätten. Herr Pfarrer, fo wäre Ihnen diele Arbeit auch geläufiger! Alles will gelernt unö geübt fein! Unö ich muh lagen, ich hänge lo an meinem Garten, daß ich mich aus diesem Grunde niemals um eine Versetzung in die Stadt bemüht habe!" Der Pfarrer zog die Uhr. „Schon fünf Uhr vorbei! Ich habe mich ein wenig verspätet! Meine Frau wird warten." „Darf ich Herrn Pfarrer bitten, der Frau Pfarrer ein paar Rosen mitzunehmen?" „Bitte, berauben Sie sich nicht!" „Doch, Herr Pfarrer, erlauben Sie mir diese Freude! Christel, bring mir die Rosenschere", rief der Lehrer, worauf von der Laube her ein etwa neunjähriger Knabe sprang und das Gewünschte brachte. Er war ein hübsches Kind mit braunem, leicht geringeltem Haar unö öunllcn Augen. Der Ausöruck öes lieben Kinöergesichtes war aber recht ernst, beinahe gebrückt. .,— öcr Herr Pfarrer hätten öoch aber längst eintrelen können —" tagte Lehrer Lenz, inbem er bie Gartenpforte öffnete. „Run benn, für ein paar Minuten! Ich denke, ich kann es noch vor meiner gestrengen Hausfrau verantworten!" Die Herren ftanben vor bem großen Rosen- beet, von bem jeher Rosenstock ein ausgewählt schönes Exemplar war. Der Lehrer schnitt köstliche, vollerblühte, buft- schwere Blumen ab — „bamit bie Frau Pfarrer nicht zürnt! Blumen geben hoch bie reinste Freude--! Sehen Sic hier die schönen Nelken, und wenn im Herbst erst die Dahlien blühen-- ein Farbenmeer, ein Farbenwunder ist bann dieser Teil des Gartens — er ist mein Luxus, mein Paradies!" Gern hörte der Lehrer das Lob des anderen über seine Blumen, ebenso auch über sein Obst und fein Gemüse. Und her Pfarrer lobte aus ehrlicher Ueberzeugung — denn selten gab es wohl einen so sorgfältig angelegten und gepflegten Garten! Die köstlichen Früchte der Erdbeerbeete lachten und lockten aus dem schattigen Grün: purpurn färbten fich die kleinen Träubchen der Johannisbeersträucher. und wie kleine Pflaumen fo groß hingen gelb und rot die Stachelbeeren in ihrem schützenden, stachlichen Gesträuch. Reichen Ansatz zeigte das Spalierobst, die edlen Birnen. Pfirsiche, Aepsel. Und das Gemüse! Erbsen. Bohnen. Kohl. Blumenkohl — —, alles war ausgesucht schönes Gemüse! „Im nächsten Jahre, lieber Freund, müssen Sie mir wirklich raten und helfen, daß mein Garten ähnlich dem Ihrigen wird! Mein Vorgänger bat den Pfarrgarten ein wenig verwildern lassen--. er hatte für seine Bücher mehr Interesse —! — 2lh. der kleine Christel! Wie vertieft er in sein Buch ist! WaS lieft du denn gar so eifrig, mein Kind?" Die beiden Herren waren auf ihrem Gange durch den Garten wieder zum Vorgarten gekommen. Der Pfarrer blieb vor bem Knaben stehen, her auf einem kleinen Felbstuhl vor her Laube saß und ein Buch auf seinen Knien hielt. Liebkosenb legte er seine Hand auf bie braunen Locken bes Kinbes, bas ihm bas Buch reichte. „Ah. Grimms Märchen!" „Unser Christel ist eine Leseratte, unb mit nichts kann man ihm mehr Freude machen als mit einem Buche! War er während der Woche fleißig und brav, darf er zur Belohnung am Sonntagnachmittag Märchen lesen!" ..— — unb Ihre Frau, lieber Lenz?" Ganz leise unb zögernb fiel biefe Frage von den Lippen des Pfarrers, als er, sich verabschiedend, vor der Gartenpforte stand. „Wie immer, Herr Pfarrer!" Wie in körperlichem Schmerz zogen fich die Augenbrauen des Lehrers zusammen, unb über sein Gesicht glitt ein tiefer Schatten. „Wieder auf dem Friebhof?" Lehrer Lenz nickte bebrüdt — „kurz nach zwei Uhr ging sie schon fort, unb sie ist noch nicht wieher ha! Es zerreißt mir bas Herz — hoch ich bin so machtlos, ich bars ja nichts sagen, sonst wirb sie in ihrem Schmerz ungerecht unb schilt mich teilnahmslos!" stieß er halb verzweifelt hervor, „sie macht mir Vorwürfe, baß ich nicht gleich ihr jcben Tag ftunbenlang vor bem kleinen Grabe fitze! Aus unterem Hause ist seit bem Tobe bes kleinen Mariele jebe Freude gezogen! Sehen Sie unseren Buben, den Christel an. Herr Pfarrer! Vr wagt ja kaum noch zu sprechen in Gegenwart seiner Mutter. Sie hatte ihn in ihrem ersten Schmerz sogar verantwortlich gemacht für den Unglücksfall, obioohl sie selbst es gewesen, bie ihn in den Hof geschickt, ihr etwas Holz zu holen. Und Christel kann bieten ungerechten Vorwurf nicht oertoinben; feit bietet Zeit ist aus bem luftigen Buben ein verschlossenes, verschüchtertes Kind geworben. Ich leibe namenlos darunter — doch ich muß mit meiner Frau so behutsam und umsichtig umgehen, damit sie mir nicht gemütskrank wird. Nahe daran ist sie: ihre Trauer ist schon krankhaft, dieses fortgesetzte Grübeln und dieses Wühlen im Schmerz." Der Lehrer seufzte tief auf. »Wenn Ihre Frau nun wieder etwas zu umsorgen und zu pflegen hätte, waS sie von hem tiefen Kummer ablenkt — — ?" Der Pfarrer zögerte ein wenig unb suchte nach ben richtigen Worten. — »Sie beibe sinh noch junge Leute — — ich meine, wenn her Himmel ha btxb noch mal Ersatz für bas Mariele schenkte? Die Freude auf ein werdendes Wesen, die Hoffnung darauf, die sie so ganz erfüllen würde--" In Oual zuckte da- charaktervolle Gesicht deS jungen LehrerS. »ES wäre auch mein Trost gewesen! Aber das eben, Herr Psarrer, kann nie wieder sein!" entgegnete er gepreßt. .Seit der sehr schweren Geburt unseres Töchterchen- ließ bie Gesundheit meiner Frau außerordentlich zu wünschen übrig. Und eine durchaus notwendige Operation hat ihr dann die Fähigkeit genommen, jemals wieder Mutter zu werden." »Das ist allerdings sehr bedauerlich, lieber Lenz! Aber so geht es nicht weiter — ihr beide reibt euch auf! Ich habe es schon lange mit Kummer beobachtet — doch ist eS so schwer, an eine solche Wunde zu rühren! Dennoch will ich mit Ihrer lieben Frau einmal sprechen, und noch heute! Ich werde sie auf dem Friebhof auf suchen: sie muß aus dieser zerstörenden Trauer gerissen werden!" .Sie haben recht. Herr Pfarrer, so gebt es nicht weiter, nicht lange mehr! Dieses Schicksal liegt schwer auf uns! Wir sind ja nicht die einzigen Eltern, die ein Kind hergeben muhten! Aber auf solch tragische Weise, ist unsagbar schwer! Eben noch frisch und gesund, und in bet nächsten Viertelstunbe ba$ alles vorbei, und unser Liebling kalt und tot — ich kann es heute noch nicht fassen! Wäre das Kind einer tückischen Krankheit, wie Diphtherie, die so viele Opfer fordert, erlegen, man wäre noch darauf vorbereitet gewesen — aber dieser Unglück-fall — vom Treppengeländer herunterzufallen! Und wie oft ist bas Kind sonst fast jcben Tag bie Treppe herauf und wieher hinuntergelaufen — eine Fünfjährige kann hoch wirklich auch mal ohne Beaufsichtigung einen Schritt tun —I Aber meine Frau macht sich bie bittersten Selbstvorwürfe, baß sie nicht Obacht auf bas Kinb gegeben hat — sie kommt nicht herüber hinweg unb wird mir baran noch Augrunbe gehen!" Teilnahmsvoll brückte her Pfarrer bem anderen die Hand — .ich werbe tun, waS mir möglich ist! Ihre kleine Frau muß langsam bem Leben zurück- gewonnen werben." .Wenn Ihnen daS gelingen würbe. Herr Pfarrer, so wäre ich Ihnen unaussprechlich dankbar! Denn ich habe meine Frau über alles lieb, unb sie seelisch so leiben zu sehen, ohne ihr helfen zu können, brückt mich ganz bamieber!" .Der Himmel wirb helfen, lieber Freunb! Nur bie Hoffnung nicht verlieren!" Gedankenvoll schritt bet Pfarrer bie sonnige Dorsstrahe entlang biS zur Kirche, einem einfachen Bau aus roten Backsteinen. Ihr gegenüber lag her Friebhof, von einer übermannShoßen bichten Dornenhecke umzäunt. Grell blendete bie Sonne auf ben weihen Grabsteinen und Kreuzen. Die Schmetterlinge gaukelten lustig in her heißen, flimmemben ßuft, und emfifl trugen die Bienen süße Beute heim aus ben vielen Blumen, bie in bunter Pracht auf bem Friebhof blühten. Sonntäglich gekleidete Menschen gingen zwischen den Gräbern umher, lasen die Inschrift auf den Grabsteinen, sprachen von den Toten — man hatte sie ja alle gekannt, die hier den ewigen Schlaf schliefen: die paar Dörfer, die zur Gemeinde Reinshagen gehörten, waren ja nicht groß. (Fortsetzung folgt.) 7630 A L 1 .. .. < M der ^Berliner Pari« :en wieder etwas Teschäst lebhaf« lchcn Pfunden. Pfund wieder aus m den Gulden auf ), gegen Paris auf irt auf 16,15. Der 11 knapp gehalten, sich, die Ä e i ch v« mb zog in Amiter- , aus 121,15 an, in i,c2. Am SMach' nen höchsten Tages« ad schwächte sich auf > 91,06 Paris ab. tel * 20 AK iWoufet. DL? ^^rlenu nbcn b durchaus notwendige WM geimaicn, ^bedauerlich, lieber weiter - ihr bei^ ä schon lange mit ist cs so schwer, an fli Dennoch wül rch 7, sprechen, und no3) SS US Ä b »i* 0* «KÄ -1-= }5fi*** »©•* <*^nnd eonr.' OHL- < "i ?®r t p&t S^' W’ fr - hielt da ° °°lband-5 L Jbcr den Stand töpfer. Tr° Äs? gM M- er« Mluhrten Abbau. °n ^lche weiteren r Ktzflen Protest -^legsbeschädigieu ^genommenen Ent. 11 der es u.a. bfi6b 1 Nachdruck die fo> le Einstellung rgungsabbaus. [timmtefte alkbdldige ln den zahlreich ver- iter spricht die Füh. "u>k und Anerten- auch weiterhin alle )er Lage der Kriege rblicbenen durchzu» 9Jl- «je man uns > BeomttnM"0' «iomten berausg lamminfaiiungen bjli5tinbu6eunö 1 i pcrungen m Den m ermitteln (ud)t' iis in die legen bogen) derechl>gl ’ iit Erhebung fflNL*' cmlengehälter den ttnErtragde 1997 strichen wiegenden Mehr brachten, der den । steig- Lieser einftfjneii mens stehl eine 3' Ledenshaltu «tnüber. 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