W •r einreiben mk ■Ä; u[J,n» i? nimmst 6| im^bem Zq ÖUiN^* d>ir [« kalt. Z? r-e "st die 'blich zu a-$tü »*teä ®w Ä,|ta Säs »te-- IE funktions- issage-öl rz auch Kränbllch« Kaebiiedeneu- ä M'.j «end schnell, ffel voll echter Ll gr. &L MK. 1.75 iolmDriginalW j» m H-rst-ller: Engel allen Apotheken )IW abatt I LQualitäte: I s vorteilba']! ssös 51 mitten--' tzZAW ’$•> u nr. 160 Erster Matt 181. Jahrgang Samstag, 11. Juli 1931 6r|d)t tut täglich,außer Sonntag» und Feiertag* Beilagen: fHe Illustrierte Gießener Familien blätter Heimat tm Bild Die Scholle Olonau.Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 31etd)tPfennig für Träger» lohn, auch bei dichter» scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt, zernfprechanfchlüfse onte rSa mm elmmrmer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: Srarffurt am Blain 1168«. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnid und Verlag: vriihl'sche Unwerfttütr-Vuch- mtö Stduörndcrci K fange tn Sietzen. 5chnfHettn»g und Geschäftsstelle: Schosstratze 7. Annahme ose Anzeigen für die lagernummer bis zum Nachmittag vorher. Preis fir l mm h-tze für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für No- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20'/. mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Dolrtrk Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filier, sämtlich in Dietzen. Erpresser. DaS einjährige Moratorium dc« Hoovervlans ist nach dem Abschluß der Pariser Derhand- lungen in Ärafl getreten. Aber es wäre töricht, sich darüber täuschen au wollen, daß die Einsparungen, die der Aufschub der Tribulza-lungen aus die Dauer eines wahres für uns bedeutet, groß genug wären. unS über die Konsolidierung der kurzfristigen Schuld de- Reiche- noch irgenv- welche tot terg: hendenWünfch: zu befriedige. Vermutlich werden sie nicht einmal dazu ganz auS- reichen, denn wir dürfen nicht vergessen, datz der Zinsendienst für die Dawes- und Boung- anleihe und andere Tributkredite in Höhe von insgesamt 996 Millionen Mark weiterläuft. Immerhin wird eS vielleicht gelingen — die De- mühungcn des Reicbsbankpräsidenten Dr. Luther zielen ofserrbar dahin die kurzfristige Verschuldung durch die weniger gefährliche Form langfristiger Anleihen zu ersehen und es damit unseren Auslandglaubigern, namentlich den Franzosen in Zukunft zu erschweren, jederzeit durch umfangreiche Kündigung ihrer Gelder die deutsche Wirtschaft art den Rand des Abgrundes zu stoßen und die deutsche Politik durch ihr Spiel mit den silbernen Äugeln unter Druck zu sehen. Von einem .Feierjahr", wie die um ein zugkräftiges Schlagwort selten verlegene amerikanische Presse das Hoover-Moratorium gern nennt, können und dürfen wir nicht sprechen. Dazu haben die Franzosen zu viel Wasser in den Wein des Präsidenten gegossen, dazu sind die auch nach dem zeitweiligen Fortfall der Tributannuität noch verbleivenden Velastungen zu grob für den ausgebluteten deutschen Staats- und Wirtschaftskörper Paris war nur ein Dorpost enges echt im groben Äampf um die Revision der Tribute, das die Amerikaner als um ihre Äapitalanlagen besorgte Gläubiger gagen die Franzosen durch- ?;efachten haben, denen weniger an einem zah- ungSsähigcn Schuldner liegt, als an einem politisch und wirtschaftlich dauernd niedergehaltenen Deutschland. Die Amerikaner haben in wochenlangem zähem Ringen nur Teilerfolge erzielen können. Aber so viel ist immerhin erreicht: btc Welt, vor allem der Gläubiger Amerika', beginnt einzusehen, Deutschland, auch wirtschaftlich das Herz Europas, kann seine weltpolitische Ausgabe nicht erfüllen, bleibt politisch und wirtschaftlich ein Ärisenherd erster Ordnung mit stärkster Infektionsgefahr nach allen Seiten, solange man das deutsche Volk wie einen gemeingefährlichen Verbrecher in Fesseln hält, seine Wirtschaft durch die Vorbelastung mit unsinnigen Milliardentributen vom freien Wettbewerb aus dem Weltmarkt, aber auch als Kunden für die eigene Produktion ausschaltet und seine sechzig Millionen arbeitsamer und intelligenter Menschen durch Hunger und Verzweiflung dem politischen Radikalismus in die Arme treibt. Wenn die Erkenntnis dieser Zusammenhänge in diesem Krisen- sommer zu dämmern begonnen hat und sogar mit dem Hoover-Moratorium eine unerwartet frühe Frucht zeitigte, so haben wir allen Anlah. das Gisen zu schmieden, solange es heib ist. Das beißt, das . Feierjahr" muß dazu genützt werden, innerpolitisch unsere finanzielle Rüstung, die sich schon in den Vorpostengefechten als zu leicht erwiesen hat. für den uns bevorstehenden Kampf zu stärken und außenpolitisch den Revisionsgedanken mit aller Energie vorwärts zu treiben. Der hartnäckige Widerstand, den die Franzosen her Hooveraktion entgegengestellt haben, resultiert aus dem durchaus richtigen Gefühl, daß der Vorschlag des amerikanischen Präsidenten geeignet war. in das Tributstzstem eine Dresche zu schlagen. Und die leidenschaftliche Emphase, mit der Kabinett. Parlament und öffentliche Meinung in Frankreich wieder und wieder die „Heiligkeit der Verträge" betonen und in den Pariser Verhandlungen die Integrität des Doungplanä verteidigt haben, ist vielleicht der schlagendste Beweis dafür, daß selbst die Franzosen im Innern ihres Herzens davon überzeugt sind, daß es nach einem solchen ..Feierjahr" keine Rückkehr zum Poungplan geben kann. Und wir sagen, daß Hoover-Moratorium würbe jeden Sinnes entbehren, wenn nach Ablauf von kurzen zwölf Monaten, die bestenfalls dem deutschen Volke durch Ausschöpfung der letzten inneren Reserven, durch schärfste Anspannung seines Kredits und durch Uebernahme harter, bis an die Grenze des Erträglichen gehender Entbehrungen die Möglichkeit geben, seine öffentlichen Finanzen leidlich in Ordnung zu bringen, dann daS alte Tributsystem wieder in Kraft treten würde, dessen fehlerhafte Konstruktton und unmögliches Zahlengebäude die Krisis heraufbeschworen hat. deren Fieberschauer die Welt durchrasen. Auch die 2üncrilancr sind offenbar der gleichen Meinung. Die Entsendung des amerikanischen Botschafters in Brüssel zu der nach London einbenifcncn Konferenz der Sachverständigen ist wohl ein Beweis dafür, daß die Vereinigten Staaten ernstlich aus ihrer Lethargie aufgerüttcU sind und ihre seit der Riederlage Woodrow Wilsons in Versailles geübte Politik der splendid Isolation nicht so bald wieder auf- zunehmen gedenken. So günstig diese Hinwendung Washingtons zu Europa auch für uns im Kampfe um die Revision des Voungplans sein mag. so wenig entbindet sie uns von einer eigenen, zielsicheren und klug wägenden Politik. Denn das Eine dürfte in den letzten Wochen wohl auch den glühendsten Verfechtern einer deutsch-französischen Verständigung klar geworden sein, daß die Franzosen mit dem ganzen Elan und der ganzen nationalen Geschlossenheit. deren sie fähig find, wenn sie gtau- Luthers pariser Besuch. Schwierige Krediiverhandlungen. — Oie Franzosen stellen politische Forderungen. Paris, 10. Juli (TU.) Reichsbankpräsident Dr. Luther hatte eine lange Aussprache mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich, der Luther jjum Frühstück bei sich behielt. Die gesamte französische Presse erklärt einmütig. Frankreich sei zur Bewilligung von Anleihen nur unter der Bedingung bereit, daß die Reichsregierung positive Garantien für eine Aenderung ihrer bisherigen auswärtigen Politik gebe. Gemeint ist dein: vor allem die Zollunion mit Oesterreich uni) der Bau des Panzerkreuzers. Da der Gouverneur der Bank von Frankre ch gestern abend eiinelangeUnterredungmitdem Finanzminister hatte, kann man annehmen, daß er s:ch die Bedingungen der französischen Regierung zu eigen gemacht hat. Reichsbank- präside>nt Dr. Luther hat einem französischen Finanz blatt folgende Erklärung abgegeben: „Ich komme nach Paris nuralsReichs- ba-nkpräsident. Ich habe eine lang- friftlge Kreditoperation im Auge, deren Umfang ausreichend sein würde, um Deutschland zu gestatten, sein normal-finanzielles Gleichgewicht wiederzufinden. Dor langen Monaten habe ich bereits der Dank für Internationale Zahlungen die Rot- wend'.gkeit entwickelt, auf die Politik der langfristigen Kredite zurückzukommen. Diese Politik ist heute wichtiger denn je." Die Pariser Presse widmet den Besprechungen Dr. LulherS eine Aufmerksamkeit, wie nur bei ganz großen Ereignissen. Unter Ueberschriflen wie .Deutschland sordert 25 bis 30 Milliarden", oder „Dr. Luther sieht fieberhaft nach Krediten" weisen die Blätter daraus hin, daß der Augenblick für Frankreich gekommen sei. positive Garantien von Deutschland zu verlangen. Diese Garantien, die sich im wesentlichen aus die Einstellung des Panzerkreuzerbaues (I) und den Derzicht auf das Zollabkommen beziehen sollen, werden vom „Paris soir" noch dahin erweitert. daß man von Deutschland auch Zvn Abschluß eines Ost-Locarnos verlangen müsse. Der „Temps" widmet der Besprechung der deutschen Finanzlage einen längeren Artikel. Er schreibt u. a.: Deutschland sei allein für seine schlechte Finanzlage verantwortlich. Es habe von jeher über seine Mittel gelebt und befinde sich nun vor dem Bankerott. Ein großer Teil von Verantwortung falle aber auch den Rechtskreisen in Deutschland zu. die durch ihre Propaganda jedes Dertrauen untergraben hätten. Gegen die Zurückziehung der Kredite. Der Vorschlag einer internationalen Ltabilisierungsanlcihc für Deutschland. London. 11. Juli. (1DIB. Funkfpruch.) Wie .Financial Tieros“ berlchlet, Hal gestern eine Sitzung der Londoner Akzept- und Bankhäuser fkallgefunden, in der Mittel und Wege besprochen roorden seien, der Zurückziehung von Krediten aus Deutschland Einhalt z u tun. Man glaubt, datz diese Sitzung eine unmittelbare Folge des Besuchs des Reichsbankpräsiden, len Dr. Lulher in London sei. In dieser Sitzung rourbe beschlossen, ein Uebereinfommen zrol- schen den Banken herbeizuführen und roeilere Kreditkündigungen nicht vorzunehmen. Der „Manchester Guardian“ erklärt, von den höchsten Vankkreisen roerde gegcnroärllg eine Internationale politische Aktion zur Sicherung der finanziellen Stabilität Deutschlands verlangt. Die Zeit sei vorüber, roo Anleihen in Tleuyork oder London von Wirkung sein könnten. Selbst eine Aktion der Zentralbanken innerhalb Ihres Rahmens sei heut» von geringem wert. E i n großer internationaler Kredit der Zentralbanken mit Garantie der Regierungen sei das, roas gegenwärtig erwogen werde. „Deutschland benötige eine Hilfe, ungefähr nach der Art der internationalen A k - Hon für Oe st erreich im Jahre 1922, roo eine Anleihe auf allen Kapitalmärkten mit Garantie der Regierungen in den Anieihezenlren aufgenommen wurde“, sei die dem Blatt mlfgetellle Ansicht einer hohen Autorität. Zwischen Dr. Luther und der Bank von England habe diese Woche ein freier und sorgfältiger Gedankenaustausch stattgesunden. Auch die Bank von Frankreich habe freimütig mit den Zentralbanken Englands und Deutschlands zusammengearbeitet. Ls sei anerkannt worden, datz die Aktion daraus gerichtet sei, die störenden Bewegungen französischer Privatbanken zu zügeln, die Kredite von Deutschland zuriickzögen. Die Aussichten für Zusammenarbeit der drei sühren- den Banken in Basel sei daher hoffnungsvoll. Im Augenblick könnten die Zentralbanken hier noch nichts weiter tun, als der Reichsbank die benötigten ausländischen Mittel zur Verfügung stellen, um die Stabilität der Mark zu erhalten und eine Internationale Anleihe nach dem Beispiele Oesterreichs vorzubereiten. Was ist mit den politischen Garantien? Oie englische presse weicht zurück. — Oie alten Forderungen werden verhüllt aufrechterhalten. London, 11. Juli. (CTIV. Funkspruch.) Das Echo, das die britische Anregung zu einer großmütigen Geste Deutschlands durch Aufgabe der Zollunion und des Baues weiterer Kreuzer in der deutschen Presse gefunden hat, nimmt „Daily herald“ zum Anlaß, in einem Leitartikel folgendes zu bemerken: wir bedauern, datz unsere Aufforderung zur Mitarbeit an der Beilegung der europäischen Schwierigkeiten in der Berliner Presse schlecht ausgenommen worden ist. wir wollen mit allem Tlachdruck betonen, datz unsere Anregung nicht mit der französischen Aufforderung nach polnischen Garantien als Gegenleistung für finanzielle Hilfe identisch ist, sondern das absolute Gegenteil dazu ist. wir betrachten einen versuch, die gegenwärtige Krise zur Erpressung politischer Zugeständnisse von Deutschland oder zum Diktat von Bedingungen zu benutzen, als ebenso schmachvoll roie u n - nütz. Deutschland muh frei von Zwang sein; aber gerade deshalb fordern wir es dringend auf, eines feiner stolzesten Privilegien, das der Freiheit, auszuüben zum allgemeinen Wohl. Deutschland hat jetzt eine Gelegenheit für eine solche Geste, versäumt es diese, bann wirb es seine Jeinbe entzücken, seinen Kritikern Recht geben unb seine Jreunbe enttäuschen. Zu dieser gleichen Angelegenheit bemerkt der „Daily Telegraph“, er sei zu der Erklärung ermächtigt, datz die britische Regierung nicht bestrebt gewesen sei, Deutschland irgendwelche politischen Bedingungen für die ihm Im hoooer- abfommen zu gewährenden Erleichterungen aufzuerlegen. Kein politischer Druck soll von London aus Berlin ausgeübt werden. Anderseits, wenn Berlin die Möglichkeit sähe, gewisse Jlotlen- ausgaben und den Abschlutz der Zollunion während der Dauer des Moratoriums aufzuschieben, so würde einesolcheGestewillkommengeheitzen werden. Die Rotte der VLI. Die nächftcnAnfgaben desVerwaltungSralS Basel, 10. Juli. (WTD.) Der nächsten 6t t- jungte« VertoaltungsratS der Bank für internationale Zahlungen, die am 13. Juli am Sih der Dank in Basel stattfindet, wird infolge der durch die Annahme des Hoover-Plans auf» geworfenen Probleme mehr Bedeutung beigemes» sen, als den unmittelbar vorangegangenen Sitzungen, vor allem deshalb, weil die DIZ. jetzt eine sehr wichtige Rolle zu spielen hat. Die Leiter der verschiedenen Zentralnotenbanken, die voraussichtlich am kommenden Montag in Basel vollzählig vertreten sein werden, befinden sich zum Teil bereits auf dem Weg nach Basel. Im Vordergrund der Arbeiten des DerwaltungSratS der DIZ. dürsten die Dertragsregelun- gen stehen, die für die Inkraftsetzung deS Hoover -Planes unbedingt erforderlich fhtb, insbesondere ein Vertrag zwischen Frankreich und der DIZ. über die An legung eine - Garantiefonds durch Frankreich für den Fall, daß Deutschland im Einvernehmen mit dem ben, es ginge um die Sicherheit Frankreichs und die Wahrung ihrer Hegemonie in Europa, jeden Duchstaben der Verträge, in denen sie die Frucht ihres Sieges geborgen wähnen, zäh und erbittert verteidigen werden, ilnb daß es auch in England immer noch Kreise gibt, die trotz Drünings Besuch in Chequers und Macdonalds Sekun- dantendicnstc beim Hooverplan bereit sind, französischen Wünschen weitgehend zu entsprechen, wenn sich dafür irgendein Vorteil für die britische Politik herausschlagen läßt, dafür haben wir ja in diesen Tagen erst einen Vorgeschmack bekommen. In das Pariser Protokoll haben die Franzosen einen Schlußpassus eingeschmuggelt, der ihnen die Möglichkeit einer Kontrolle über die Verwendung der Deutschland gestundeten R e p a r a t i o n s g e l- der offenlassen soll. Präsident Hoover hat versucht. den Franzosen die Waffe aus der Hand zu schlagen. Er hat vom deutschen Reichskanzler eine Erklärung erbeten und auch erhalten, daß Deutschland nicht daran denke, seine Rüstungsausgaben zu vermehren, sondern die ge- ftunbeten Gelder restlos zur Sanierung seiner Etaatsfinanzen verwenden werde. Trotzdem geht das Kesseltreiben weiter und England beteiligt sich lustig an diesem Erpresserseld^ug. oder grenzt es etwa nicht an schamlose Erpressurig, wenn brittsche Blätter kaum noch verhüllt an Deutschland die unerhörte Zumutung stellen, es möge als Gegenleistung für das ihm gewährte Moratorium und als seinen Beitrag zur Verbesserung der europäischen Atmosphäre ..freiwillig" den W e i t e r b a u des neuen Panzerschiffes während des Feierjahres einstellen und die deutsch-österreichische Zollunion aufschieben? Das ist dieselbe üble Taktik, die Frankreich stets verfolgt hat und der nun England eifrig Sekundantendienste -leistet: wirtschaftliche Erleichterungen für Deutschland durch politische Forderungen zu kompensieren und damit so oder fo die Faust an der Gurgel zu behalten. Diese ost erprobte Methode hat diesmal aber noch ihre besonders gefährliche Seite für Deutschland im Hinblick auf die Hoover-Aktion. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat sich offenbar für sein Eingreifen in Europa ein Programm zurechtgelegt. das Zug um Zug burchgeführt werden soll. Schon zugleich mit seiner Zustimmung zum Pariser Protokoll kündigte Hoover eine neue Initiative Amerikas in der Abrüstungsfrage an, und zwar mit der Begründung, daß das Wettrüsten der Großmächte mit dem ständigen Steigen der Rüstungs- auSgaben eine schwere Belastung der StaatS- finanzen und damit ein sehr wesentlicher Grund für die WWtschaftskrisis sei. Die Bewilligung eines Rachtrogskredits von 2,3 Milliarden für den forcierten Ausbau der Befestigungen an der Ostgrenze durch die französische Kammer mag d^m Präsidenten eine kleine Illustration zu seinen lieberlegungen geliefert haben. Dabei ist Frankreich in der beneidenswerten Lage, seine Rüstungen zum weitaus größten Teil aus ben deutschen Reparationen bezahlen zu können, da der Wiederaufbau der im Kriege besetzt gewesenen Gebiete, dem die Reparationszahlungen bekanntlich dienen sollten, ja längst abgeschlosien ist und Frankreich dafür keine bessere Verwendung weiß, als sie in Forts. Kanonen, Tanks und Bombenflugzeugen anzulegen. Andere weniger begünstigte Mächte müssen dieses Wettrüsten indessen mit dem Gelbe ihrer Steuerzahler finanzieren, was mit wachsender Wirtschastskrisis selbst in Amerika und Englarrd mehr und mehr zu einer Unmöglichkeit wird. So hängen Reparationen und Abrüstung eng zusammen. Diesen Vorwurf spürt auch Frankreich aus der Dovtschaft Hoovers heraus, es wittert Unheil und 6egmnl sofort mit einer überaus geschickt angelegten Entlastungsoffensive. Schon Die gerade während der Anwesenheit des Amerikaners Mellon in Paris in der Kammer ange- forderten Kredite für neue Rüstungen zur See wurden von dem französischen Marineminister mit de n Ersatzbauten der Reichsmarine begründet, die Frankreich angeblich zwängen, seine Flotte zu txrrftärlen. Auf ein paar handgreifliche Verleumdungen und Unwahrheiten bürste eS dabei nicht ankommen. Man rechnet mit der sprichwörtlichen und seit den Tagen Wi-lsons ja oft zu unserem Schaden erwiesenen Unkenntnis europäischer Verhältnisse bei den Amerikanern. Man braucht Ablenkung von den eigenen Rüstungen unb sucht den Amerikanern nun mit dem Hinweis auf die neuen deutschen Panzerschiffe, die die alten, uns nach dem Waffenstillstand belassenen Kästen ersetzen sollen, Sand in die Augen zu streuen. In Wahrheit halten sich die deutschen Schiffsneubauten streng im Rahmen des Versailler Diktats. Die reichen kaum aus, um im Ernstfall« das von der Pvlen- flut rings umbrandete Ostpreußen zu schützen. Daß sie für die französische Flotte, Die im Jahre 1930 insgesamt rund 500 000 Tonnen und rund 600 Geschütze zählte, eine Bedrohung sein können, wie es die sranzösifche Regierung ihrem Volke und dem staunenden Ausland« weißmachen will, ist eine faustdick« Lüge, die nicht einmal die leichtgläubigen Ameri- taner ernstlich für bare Münze nehmen werden. Aber den Franzosen genügt es vorerst einmal, Mißtrauen au säen, dessen Frucht sie später gelegentlich der Abrüstungskonferenz oder weiterer Reparationsbesprechungen zu ernten hoffen. Und die Engländer stellen sich gerne zur Verfügung. in dieselbe Kerbe zu hauen. Daß habet der „Daily Herald", das Blatt der Labourpartei, in erster Reihe marschiert, verdient als besonders pikant angemerkt zu werden. Vielleicht gibt dies doch der deutschen Sozialdemokratie zu denken, die mit ihrer jahrelangen Hetze gegen die Panzerkreuzer unsere Position außetorbenb» ltch erschwert hat. Die kommenden Konferenzen und Winisterzusammenkünfte werden und in stetem Kampf gegen diese Verknüpfung politischer und wirtschafblicher Probleme feßen müssen, der nicht dadurch erleichtert wird, daß man von Frankreich und anscheinend auch von England aus Deutschland in der Abrüstungsfrage den Amerikanern als das entant terrible präsentiert. Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode und es wird einer sehr Rügen und energischen Politik bedürfen, diese- Gewebe zu zerreißen. Voung-Plcm nach Ablauf des Zelcrjahres ein Mvratoriwnsgesuch stellt. Ferner wcrd stch der Verwaltungsrat mit dem Problem der Schaffung eines Fonds zu befassen haben, aus dem eventuell kleineren Staaten Kredite gewahrt werben sollen, welche durch die Inkraftsetzung des Hoover-Planes allzu stark in Mitleidenschaft fle* zogen werden. Ajtch mit der Finanzlage Oesterreichs und Ungarns wird sich derVer- waltungsrat beschäftigen. Vom einem angeblichen Gesuch der Bank von Ungarn; ihr einen toetteren Kredit zu eröffnen, außer den bereits in Hohe von 15 Millionen Schweizer Francs gewährten Rediskontkredit, ist bei der 0333. nichts bekannt. England seht den Hoover-plan in Kraft. Verzicht auf die fällige Monatszahlung. - Einladung zur Sachverständigenkonferenz nach London. - Auch Deutschland ist zur Teilnahme aufgefordert. London. 10. Juli. (WTB.) Das F o r e i g n Office hat heute nachmittag Einladungen an die hauptsächlichsten am Youngplan interessierten Mächte zuderKonserenzi n L on - von gesandt, die Freitag nächster Woche um 11 Ahr im Schatzamt beginnt. Die Einladungen sind an die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Frankreich, Italien. Japan, Delgien und an Deutschland ergangen. „ o Das britische Schatzamt hat ferner d e r D. 3. Z. mitgeteilt, dah es auf die am 15. Juli fällige Teilsumme der geschützten und ungeschützten Annuität verzichtet. Hiermit hat Groh- britannien den Hooverplan osfi-lell in Kraft gesetzt. Das Schreiben des britischen Schatzamts an den Präsidenten der V. 3.3- besagt im einzelnen, Daß die Regierungen von Großbritannien Reuseeland, Australien. Kanada und Südafrika und die Regierung von Indien grundsätzlich den Hvoverplan angenommen haben. Gewisse Fragen bezüglich der Methoden der praktischen Durchführung des Planes seien noch zu regeln. Inzwischen werde am 15. Juli eine Monatszahlung auf die Deu t sch e Annuität fällig. Der Vries sagt: „Aber selbst, wenn die deutsche Regierung in der Lage wäre diese Teilzahlung zu transferieren, würde es offenbar mit der Annahme des Grundsätze« deS Präsidenten Hoover unvereinbar sein, sie zu fordern. Die oben genannten Regierungen haben deshalb beschlossen, soweit sie in Frage tomrnen, aus die Forderung nach 3ahlung der am 15. 3uu fällig werdenden Teilsurnme der ungeschützten und geschützten Annuität zu verzichten ohne da» mit die Rechte der Inhaber der deutschen Auslandanleihen von 1924 und der 5,5prozentigen Internationalen Deutschen Staatsanleihe vom Jahre 1930 (Voungplan) zu beeinträchtigen, und unter der Voraussetzung, daß die Bedingungen der Suspendierung dieser Zahlung und des schließlichen Transfers des suspendierten Betrags Denen der abzuschließenden Vereinbarung entsprechen werden. Die obengenannten Regierungen erachten es als notwendig, hinzuzu- fugen. daß ihr Beschluß zu dem 3wecke gefaßt worden ist, den in Deutschland bestehenden Schwierigkeiten entsprechend dem Vorschlag des Präsidenten Hoover durch eine vollständige Suspendierung deS Transfers (sowohl in Bar- als auch in Sach- lief erungen) Erleichterungen zu verschaffen. Selbstverständlich darf dies nicht als eine Schmälerung der Rechte dieser Regierungen aus den: Haager Abkommen ausgelegt werden, sofern irgeiÄwelche Zahlungen durch Deutschland transferiert werden sollten." Der Inhalt dieses Schreibens wurde den anderen Regierungen der Signatarmächte des Haager Abkommens vom 30. Ianuar 1930 und der amerikanischen Regierung übermittelt. Oie französischen Delegierten auf der Londoner Konferenz. Paris, 10. Iuli. (WTD.) Im Ministerrat, der heute vormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik stattfand, berichteten die in Frage kommenden Kabinettsmitglieder über den Stand der in Gang befindlichen Verhandlungen. Auf Vorschlag des Finanzministers wurden folgende Persönlichkeiten zur Teilnahme an dervachverständigenkonferenz, diein London am 17. Iuli beginnt, bestimmt: Direktor Eskalier vom französischen Finanzministerium, Coulondre, Direktor der Wirtschaftsabteilung im Außenministerium, Anterdirektor Dizot vom Finanzministerium, de Prey st er, Leiter der Sachlieferungsstelle im Finanzministerium, Finanzinspektor Mvneclcry vom Unterstaatssekretariat für Rationalwirtschaft. Der Budgetminister teilte mit, daß bieöteuer* elngänge im ersten Vierteljahr um 67 Millionen den Voranschlag überstiegen hätten. Ste fitibmdf Srüningunb bie nationale Opposition Eine interessante Debatte. Berlin, 10. Juli. (TU.) Die »Mitteilungen der DRVP. befassen sich mit einer Entgegnung der „Germ aniak' auf dieK a m pf- ankündigung der nationalen Opposition vom Donnerstag, in der die „Germania" eS für das Gebot der Stunde erklärte, dah die „Rationale Opposition" sich in die Front der Regre- rungelngtiebere. Die deutschnationale offiziöse Korrespondenz erklärt hierzu: „Die Rechte wäre gern bereit, in einer Rotstunde wie dieser trotz ihrer Oppositionsstellung die Regierung zu stützen, wenn sie das Vertrauen zu ihr hätte, daß sie den politischen Kämpfen der nächsten Zeit gewachsen sei. Die Rechte habe 'dieses Qfcrtrauen nicht. Das Regierungssystem -Brüning-Braun habe versagt. Der Schritt Hoo- " vers, das „Geschenk des Himmels", das der Regierung unerwartet in den Schoß fiel, habe Deutschland vor der unmittelbaren Katastrophe bewahrt und ungeahnte Möglichkeiten für eine entschlossene Revisionspolitik gegeben. „Wir wissen, daß diejenigen, die dafür verantwortlich sind, daß Deutschland in wirtschaftlicher Zerrüttung in diesen Kampf gehen muh, nicht die Kraft haben, die Möglichkeit der Stunde zu nützen. Wir wissen, dah sie nicht die Kraft haben, dem Vernich- tungswillen Frankreichs entgegenzutreten, die Kopflosigkeit, mit der man jetzt einen Verzweis- lunasschritt nach dem anderen tut, ist ein Beweis dafür. Vor allem aber daS Ausland glaubt an den d-mtschen Willen zur Befreiungspolitik solange nicht, solange Me am 0)dungplan Schuldigen die deutsche Politik leiten und solange die Sozialdemokratie entscheidenden Ginfluh auf alle Regie- rungshandlunzen hat. Wir wißen, dah unsere Zeit kommt und wir sind bereit, die Derantwor- tung zu übernehmen, wenn in Reich und Preuhen Raum für wirkliche Verantwortung ist. Richt „parteiegoistische Ziele", sondern die „dringendsten nationalen Interessen des Gesamtvolkes lassen uns wünschen, daß dieser Fall eintritt, bevor Deutschland gänzlich zusammengebrochen ist und bevor die politischen und wirtschaftlichen QJer- handlungen beginnen, die über Deutschlands Zukunft entscheiden. Die ernsten Entschlüsse deS gestrigen Tages lassen erkennen, daß die Führer der nationalen Opposition aus den Augenblick vorbereitet sind, Deuffchland aus der jetzigen Rot einer neuen Zukunst entgegenführen zu können." Die „Germania" antwortet darauf u. a.: „Wir konstatieren zunächst mit Genugtuung d i e ruhige Art der Entgegnung, die wir wir sonst in der Polemik dieser Opposition vielfach leider vermissen. Wir stellen weiter fest, daß diese offiziöse Verlautbarung der Deutschnationalen Partei mit uns einer Meinung darüber ist, daß der Schritt Hoovers „Ungeahnte Möglichkeiten für eine entschlossene Revisionspolitik" eröffnet. Wir wollen nun die Frage nicht auf- werson. wer an der wirtschaftlichen Zerrüttung Deutschlands die Schuld trägt; jedenfalls nicht das „Regierungssystem Brüning-Brauns", das sich seit eineinhalb Iahren unter Anspannung aller Kräfte um die Sanierung Deutschlands und um die Wiedergutmachung früher erFehl er bemüht. Fest steht aber, daß derjenige, der Im jetzigen Stadium der politischen Lage die wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch irgendwelche Maßnahmen erhöht — und innerdolitische Kampfansagen, wie die Hugenbergs uno Hitlers, sind oazu angetan, neue Unruhe zu stiften und unsere außenpolitische Stoßkraft weiter zu lähmen — den Interessen des Vaterlandes zu - widerhandelt. Wenn bie Opposition schon der Meinung ist, selbst die Verantwortung für die Besreiungspolltik der Regierung Brüning nicht mit tragen zu können, dann kann sie unmöglich das Recht für sich beanspruchen, einer Regierung, die ganz neue außenpolitische Konstellationen vor sich sieht, in den Rücken zu fallen und damit ihrerseits „ungeahnte Möglichkeiten für eine entschlossene Revisivnspolltik" olindlings zu sabotieren." Ein Aufruf des Stahlhelms. Einleitung des Volksentscheids in Preutzen. Berlin, 10. Iuli, (TA.) Die Bundesführer des Stahlhelm uiid der Frontsoldaten, Seldte und Düsterberg, erlassen folgenden Aufruf: „Die Hooveraktion hat ihren Zweck nicht erreicht. Sie mußte versagen, weil Deutschland ohne eine entschlossene nationale Regierung der französischen Machtpolitik hilflos au8g elief er t ist. Rach wie vor stehen die deutschen Machthaber Im Banne einer un- durchsührbaren Verständigungspolitik mit Frankreich. Schon deshalb vermochten sie den Grundgedanken des amerikanischen Präsidenten weder aufzugreifen, noch im deuffchen Sinne zur Ausführung zu bringen. Heute muß im Regierungslager zugegeben werden, daß >wir mit wirtschaftlichen Erleichterungen nicht zu rechnen haben. Das deutsche Volk wird also seineerdrücken* den Steuerlasten weitertragen müssen. Die deutsche Wirtschaft treibt dem Schicksal des völligen Zusammenbruchs oder der ausländischen Ueberfrembung entgegen. Die Fronvögte des internationalen Kapitals werden die, soziale Rot und das Elend des deutschen Arbeiters rücksichtslos steigern. Die Folge davon muß der unaufhaltsame Zerfall der Familie, die völlige Zerstörung von Sitte und Religion sein. Wegbereiter dieser Entwicklung ist die Sozialdemokratie, deren stärkstes Bollwerk Preußen heißt. Dieses Preußen gilt es zu erobern, um das Reich zu rettenl Denn Deutschlands Rettung ist nur möglich, wenn endlich die nationale Kraftreserve des deutschen Volkes voll eingesetzl^werde. Sie wurde bisher bekämpft und unterdrückt, well der Marxismus in seiner pazifistischen Knechtseligkeit ein erbitterter Feind jedes nationalen FreihÄts- willens sein muh. Hier soll der Volksentscheid Dresche schlagen I Die Verelendung des deutschen Volkes hätte vermieden werden können, wenn es vor zwei Iahren dem Ruf der nationalen Opposition zum Kampfe gegen den Voung-Plan gefolgt wäre. Mögen die Deutschen heute begreifen, dah auS Hungersnot und Verzweiflung nur der Weg führt, den der Stahlhelm, Durch der Frontsoldaten, ihnen weist: „Durch Aeberwindung des Marxismus zu Freiheit, Arbeit und Drot!" Allgemeines Auszugs- und Llnisonn- verbot in Bayern. München, 10. Iuli. (WTD.) Das Staatsministerium des Innern hat mit Zustimmung des Ministerrates für das ganze Staatsgebiet ein allgemeines Aufzugsverbot und ein Aniformverbot erlassen. Rach dem Aufzugsverbot, das sich auf Art. 123 Abs. 2 der Reichsverfassung stützt, sind alle politischen Versammlungen unter freiem Himmel einschließlich der Auszüge und Propagandafahrten verboten. Das Aniformverbot stützt sich auf § 8 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. März 1931 zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen und verbietet für alle politischen Verein i- gungen d aS Tragen einheitlicher Kleidung und Abzeichen mit Ausnahme der sogenannten Bundesnadel. Die beiden Verbote treten sofort in Kraft und gelten bis zum 30. September 1931. Arbeitereinstellungen bei der Reichsbahn. Es fehlt an Mitteln für die restlose Durchführung des Beschaffungsprogramms. Berlin, 10. Iuli. (ERB.) Entsprechend den Verlautbarungen über das Beschaffungs- Programm im Zusammenhang mit der Rotverordnung sind bei der Deutschen Reichsbahn seit dem letzten Montag rund 50000 Zeitarbeiter neu eingestellt worden, die auf dieDauer vonfünf Monaten, und zwar 40 Stunden in der Woche, mit Erneuerung des Gleisoberbaues beschäftigt und nach Ablauf dieses Zeitraumes wieder entlassen werden. Ursprünglich waren für dieses Arbeits- Programm 200 Millionen Mark in Aussicht genommen worden, für welche Summe 60 00Ö Arbeiter eingestellt und umfangreiche Materiallieferungen getätigt werden sollten. Da aber nur bie Hälfte dieses Betrages, nämlich 100 Millionen Mark, aufgebracht wurden, hat sich die Zahl der einzustellenden Arbeiter auf 50 000 verringert, während der Hauptanteil des Ausfalles aufKosten derMaterlallieferungen geht. Die neu eingestellten Arbeiter werden insgesamt annähernd 2000 Kilometer Gleisoberbau zu erneuern bzw. auszubessern haben, und zwar sind an diesen Arbeiten alle Reichsbahndirektions- bezlrke ungefähr gleichmäßig beteiligt. Oer Hessische Landtag geht in die Gommerferien. WER. Darmstadt, 10. Iuli. Der Hessische Landtag ist mit dem heutigen Tage indieSvm- merserien gegangen und wird erst Anfang Oktober zu seiner letzten Sitzung vor bei Auflösung zusammen ko mm en. — In der heutigen Sitzung wurde die Aendepung des Land- tagswahlgefetzes vorgenommen und mit drei Stimmen Mehrheit die Listenverbindung! auch im hessischen Wahlgesetz verankert. Die Herabsetzung der Abgeordnetenzahl von 70 auf 56 wurde von Sozialdemokraten!, Zentrum, Kommunisten und Demokraten ab gelehnt. Die neue Gemeindeordnung und das Zweckverbandsgesetz wurden in der Ausschußfassung endgültig verabschiedet. Der volksparteiliche Antrag, den 11. August als gesetzlichen Feiertag in Hessen aufzuheben, verfiel der Ablehnung, ebenso der Zentrumsantrag, den DerfassungStag an dem auf den 11. August folgenden Sonntag zu feiern. — Om übrigen erledigte der Landtag zahlreiche kleinere Vorlagen. Er genehmigte außerdem die Zehr- zulage für Polizei- und Gendarme- rlebeamte im Außendienst, wofür 320 000 Mk. ausgeworfen wurden. Der ßanbtagl erhöhte die Landesgarantie für Ruß- landauf träge von zwei auf fünf Millionen Mark, lehnte einen Zentrumsantrag über Mißstände beim Dadebetrieb ab und hob die Immunität des kommunistischen Abgeordneten Sumpf sowie des Abgeordneten Dr. Wolf, Mainz (parteilos), zur Strafverfolgung auf. Die Regierung teilte auf eine Anfrage über das Fischsterben in Ridda und Horloff mit, daß zwischen den Fischern und dem Schwelkraftwerk Wölfersheim eine Gntschädigungsregelung zustande gekommen und Vorsorge getroffen sei, daß die schädlichen Abwässer jetzt durch eine Kläranlage entgiftet werden. Besitzergreifung Ostgrönlands durch Norwegen. Oslo, 11. Iuli. (WTD.) Rorwegen hat offiziell vonO st grönlandBesihergriffen. Es handelt sich dabei um das Gebiet zwischen 75 Grad 40 Minuten westlicher Länge und 71 Grad 30 Minuten nördlicher Breite. Die Entscheidung über die Ostgrönlandfrage wurde nachts in einem unter Vorsitz des Königs abgehaltenem Ministerrat getroffen, um eine geeignete Grundlage zur Beilegung des Streites mit Dänemark vor dem internationalen SchiedsgerlchtimHaagzu schaffen, da die dänischen Vorschläge zur Lösung dieser lebenswichtigen Gebietshohettsfrage nicht als annehmbare Grundlage erscheinen. (Heber die Ostgrönlandfrage im einzelnen unterrichtet eine unserer heutigen Randnoten.) Aus aller Welt. Todesopfer des Unwetters im Unterelbegebiet. Die Schaden, die durch das Hochwasser, die Regenfälle und Stürme im Unterelbegebiet angerichtet wurden, sind z. T. noch größer, als man anfänglich angenommen hat. Auch mehrere Menschenleben fielen dem Hochwasser zum Opfer. Zwischen Buxtehude und Altkloster kenterte ein Paddelboot. Von den beiden Insassen ist ein 11 Jahre alter Knabe von der reißenden Este, die durch das Hochwasser stark angeschwollen war, fortgerissen worden. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Auf einer Wiese spielten mehrere Kinder, als plötzlich ein vierjähriges Mädchen von der starken Strömung erfaßt wurde und ertrank. Die Leiche wurde ebenfalls Noch nicht gefunden. Bei Rendsburg sind an der unteren Eider an mehreren Stellen bie Deiche gebrochen und breite Landflächen überflutet worden. Auf der Strecke Otterdorf—Altenbruch ist ein Stück des Bahndammes unterspült und abgetrieben worden. Aus Nordsee und Ostsee wurden von verschiedenen drahtlosen Stationen 80 8-Rufe aufgefangen. Bestimmte Meldungen über Schisfsunfätte liegen jedoch bisher nicht vor. In der Elbmündung haben zahlreiche Schiffe aller Größen und Flaggen Anker geworfen, um eine Beruhigung des Wetters abzuwarten. (Ein Führer des Deutschtums in Südtirol t- Der frühere Bürgermeister von Meran, Rechtsanwalt Luchner, wurde in der Nähe des Oetz- thaler Hochjochs auf österreichischem Gebiet tot aufgefunden. Da die Leiche keine Verletzungen aufweist, ist der Tod vermutlich durch Herzschlag eingetreten. Man nimmt an, daß Rechtsanwalt Luchner versucht hat, die italienisch-österrei- chische Grenze zu Fuß zu überschreiten, da ihm wiederholt der Auslandspaß zum 23er« lassen des italienischen Gebietes verweigert worden und er den Anstrengungen der Hochgebirgswanderung nicht gewachsen war. Luchner war einer der Führer des Deutschtums in Südtirol und gehörte auch der österreichischen konstituierenden National- Versammlung als Vertreter Südtirols an. (Eine aufregende Weltfahrt. Auf dem nachts um 23.20 U&r von Budapest nach Szeged in abgehenden Pcrsonen- zug beanstandete der Schaffner die Fahrkarten» von drei Reisenden. Rach einem erregten Wortwechsel kam es zu einer Balgerei, in deren Verlauf einer der Reisenden sich auf die Puffer des Waggons schwang und dort den Schlauch der Luftbremse öffnete, so daß der Zug auf of feuer Strecke stehen blieb. Der Mann wurde von einigen mitfahrenden Soldaten gefaßt und festgehalten. Die von allen Seiten herbei strömenden Reisenden umstanden den von Soldaten und Eisenbahnbediensteten festgehaltenen Attentäter. Da lies plötzlich aufgeregt der Schaffner des Zuges herbei und bat inständig, osort den Zug wieder zu besteigen, da schon im nächst en Augenblick der aus Budapest 15 Minuten nach Abgang des Personenzuges abgelassene Orientexpreß ein treffen müsse. Man konnte auch schon von weitem das Re- flektorenlicht des Expreßzuges sehen. Run begann zwischen dem Personenzug und dem Expreß- zug eine Wettfahrt auf Leben und Tod. Der Personenzug flog mit einer jeden Schnellzug überbietenden Geschwindigkeit in die Station Monor ein. Der Weichensteldek-der Station, der infolge der Verspätung Böses ahnte, leitete den Zug auf ein Rebengleis, wo er unbeschädigt stehen blieb. Kaum hatte der Personenzug das Hauptgleis verlassen, flog auch schon der aus zwei Waggons bestehende Orient- exp-reß in rasender Fahrt durch die Station in die finstere Rächt hinaus. Der von den Soldaten gefaßte Attentäter wurde in Hast genommen. Rach seinen beiden Komplicen wurde eine Gendarmeriepatrouille ausgesandt. Zum Tode verurteilt, begnadigt und mit dem Cenin-Orben ausgezeichnet. Das Präsidium des Vollzugskomitees der Sowjet-Tlnion hat die Militärflugzeugfabrik Rr.39 mit dem Lenin-Orden ausgezeichnet. In der Mitteilung heißt es, daß die verantwortlichen Leiter dieser Fabrik, eine Gruppe von Ingenieuren, vor kurzem von der GPU. verhaftet, wegen Sabotage und Gegenrevolution zum Tode verurteilt und später zu Gefängnis begnadigt worden sind. Die Verurteilten hätten die GPU. gebeten, ihre Treue durch Arbeit in der Fabrik beweisen zu dürfen. Da jetzt die Flugzeugfabrik sich große Verdienste um den Ausbau des russischen Flugwesens erworben habe, habe die GPU. das Vollzugskomitee ersucht, die Verurteilten zu begnadigen und wegen ihrer Treue zur Sowjetregierung mit dem Lenin-Orden auszuzeichnen. Der Vollzugsausschuß nahm den Vorschlag an und die Begnadigten erhielten noch eine Belohnung von 300 0 bis 10 0 0 0 Rubel. Luftmanöver über Dünkirchen. Ueber Dünkirchen fanden Luftmanöver statt, die den Schuh der Stadt gegen Luftangriffe zeigen sollten. Obwohl die Manöver wegen schlechter Witterung nur»tagsüber und nicht, wie vorgesehen, auch nachts durchgeführt werden konnten, soll sich aus ihnen schon ergeben haben, dah es möglich sei, eine Stadt wie Dünkirchen mit 32000 Einwohnern in weniger als einer halben Stunde durch Bombenflugzeuge dem Erdboden gleich zu machen. Dieses Ergebnis ist der Bevölkerung zur Kenntnis gebracht worden. Oie Wetterlage. Baren Ingö; 714 *7 50 K te -24 46------ ^SeydlSfjora Sp •w -«o-> I yy Hamoa. •Pans rranid. l ■• sehr «eicnter Ost massiger Südsüdwest (5 stürmischer «ordwesfc Oie Pfeile fliegen mit dem winde. Die oeiden Stationen stenenden Za» «n gehen die Temperatur an. Die Linien verDlndan Orte mil gleiche^ auf MecresnlVeau umoereclinetee Luftdruck Wettervoraussage. Ueber Frankreich und Süddeutschland ist es zur Ausbildung eines geschlossenen Hochdruckkerns gekommen, in dessen Bereich das Wetter sich ruhiger gestaltet. Wenn auch in Norddeutschland durch die Ausläufer der nördlichen Störungen und der Zu- fuhr ozeanischer Luft noch Bewölkung herrscht, so wird sich doch bei uns und im südlichen Teile des Reiches infolge der absinkenden Luftmassen des Hochs der Himmel aufheitern. Dabei kommt die Sonnenstrahlung wieder stärker zur Geltung, so daß die Temperaturen tagsüber weiter ansteigen. Aussichten für Sonntag: Teils auf- heiternd, teils bewölkt, weitere Erwärmung und trocken. Aussichten für Montag: Rach zunächst vielfach aufheiterndem Wetter mit kräftiger Erwärmung aufkommende Gewitterneigung. Lufttemperaturen am 10. Iuli: mittags 20,9 Grad Celsius, abends 16,4 Grad: am 11. Iuli: morgens 17,3 Grad. Maxrmum 21,5 Grab, Minimum 13,6 Grad. Erbtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 10. Iuli: abends 19,5 Grab, am 11. Iuli: morgens 17,2 Grad. — Sonnenscheindauer gVj Stunden. - Aus der Provinzialhauptfiadt. Gießen, den 11.3ult 1931. Kinder und Blumen. Die Kixxder auf dem Dorfe haben überall Gelegenheit, mit der Hatur in ganz nahe Berührung >u kommen. WaS fie im HauSgartexx, auf dem Schulweg, bei der Arbeit der Eltern sehen und beobachten, da« wirkt fv auf sie ein, daß fie im Laufe der Jahreszeiten gaxxs hx die ^imat hnx- einwachfen und mit ihr verwurzeln. Sie werden selbst ein Stück ihrer Heimat, unb diese gibt ihnen für ihr zukünftige« Leben eine Stärke und einen Halt, die über viele« hinweghelfen- töxxnen. ES ist aber nicht nur die enge Verbundenheit unserer Landkxnder mit der Tlatur, e« ist allgemein — wie bei allen jtixxbcrn — die Liebe zu den Dingen, die un« umgeben. Hier spielen die Tiere eine Hauptrolle. In unzähligen Versen und Abzählreimen zeigt sich das. Daß der Storch voransteht, ist selbstverständlich. Aber auch unsere HauStiere, Hund. Katze. Hahn und Henne. Kuh und Pferd, ebenso der Maikäfer, die Schnecke und die Vögel draußen, sie alle werden in diesen Der- sen bedacht. Richt minder reiztwll find die Reime, die be- famxle Dlxmxen und Pflanzen im Kindermund erhalten. Den eigentlichen botanischen Ramen der Pflanze willen die Kleinen in der Regel nicht, dafür haben sie stets einen treffenderen, anschaulicheren Sondern an, en, der maxxchmal schon an der GemarkxxngSgrenze von einem andern abgelöst wird. Gänseblümchen, Veilchen. Anemone. Heckenrose. Flieder, Relke usw.. sie führen ihre besonderen Ramen. "Bi ist beinahe so. wie mit dem beliebten Worte: Purzelbaum. Wir brauchen nur. in einigen Dörfern de« Kreise« Gießen herumzuhorchen, und schon haben wir folgende Ramen: Storze- botler, Doll^rstorz, Varisteller, Stollerporz usw. So gebt e« auch mit dem Löwenzahn, eine der ersten Blumen, die den Kindern Beschäftigung geben. Dom Anschauen allein wollen die Kinder nicht viel wissen. Sie müssen damit spielen können. Daher der Raine: Stetten rofe; aus den Stengeln lassen sich wunderschöne Ketten anfertigexx, außerdem kleine Pfeifchen. Wexm der Löwenzahn aus- geblüht hat, werden die .Lichter" auSgeblasexx. Hxmd, Kat», MauS, HaxmeS, bla« au«! Ist es mit der Weide nicht ebenso? Hier können Knaben xrnd Mädchen ihre Kunst im Pfeifens schneiden zeigen. 3 um Los klopf en der Rinde braucht man Zeit. Da helfen die Kinderreime: Saft, Saft, Sitt, Wasser in der Dütk... oder Saft, Saft, Seide, unser Hund frißt Kreide... bi« e« dann zum Schlüsse heißt: ... Gerät mein hebe« Pfeifeleinl Auch im Garten wissen die Kinder Bescheid: Petersilie, Suppenkraut wächst hx unferm Garten, unser Annchen, die ist Braut, soll xxicht lang mehr warten. Roter Wein und weißer Wein, morgen soll die Hochzeit sehr. Rosmarin und Thymian wächst hx unferm .Garten. Mutter, gib mir einen Mann, ich faxxn nicht länger warten... Und wie die Mädchen aus den kleixxen Gänseblümchen hübsche KrSnze anfertigexx, so flechten die geschickten Hände der Buben ans den Stexr- geln de« Wegerichs die befanxrten .Kayen- Die große Wucherblume war von jeher eine Orakelblume. Deixxr AuSzxipfen der weißen Blü- tenblätter fragen die neugierigen Mädchen: Er liebt mich von Herzen, mit Schmerzen, ein wenig, gar nicht ... Er liebt mich... usw. Schr alt ist auch daS Spiel mit dem Klatschmohn. Schon im 16. Jahrhundert schreibt ein Botaniker über diele Blume: .Die Kinder haben jetzt Kurzweil mit diesen Blumen...“ Da« Allerschönste schaffen die Kinderhände au« den Knospen des Klatschmohns. Da entstehen die niedlichsten Püppchen mit roten Kleidchen und schwarzen Köpfchen. Daß auch unsere Jungen im Vogelsberg nicht zu kurz tommexx, dafür sorgen die vielen Heckenpflanzen an den Wei bewiesen. Da gibt es nicht nur Beeren zu naschen, sondern noch allerlei Spielwerk. Dom .Holierstraxxch" nehmen die Buben die glatten Aststücke xrnd bohren sie aus. Das gibt wunderbare Knallbüchlen und Wassersprxhen. Sv könnte man xxoch zahlreiche Pflanzen an» führen, die den Kindern durch das Spiel bekaxmt und verttaut werden. Wir Erwachsenen sollen uixs freuen unb diese Verbundenheit der Kixxder mit der Ratur fördern und schützen: denn auch aus dem kindlichen Spiel erwächst oft die tiefste und iinxigste Ratur- uxxd Heimatliebe. P, Vornotizen. — Tageskalender für Samstag: Gießener Rudergesellschaft 1877: 26. Ruderregatta, Beginn 15.30 Uhr. — G D A.: Monatsoersammlung, *0.30 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Zwei Menschen". — Tageskalender für Son tag: Gießener Rudergesellschaft 1877: 26. Ruderregatta, Beginn 14.30 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Zwei Menschen". •• Das Herum stehen auf den Dürsteigen i st verboten! Vom Polixeiamt Dießen wird uns geschrieben: Ss wurde beim Polizei- amit darüber geklagt, daß durch Ansamm- lxmgen auf der Straße die Fußgänger belästigt uxxd der Verkehr gestört wird. E« wird desyalb daraus aufmerksam gemacht, dah auf Grund der Polizeiverordnung über die Verkehrsregelung in der Stadt Gießen das Stehenbleiben auf den Bürgersteigen verboten ist, wenn hierdurch der Verkehr gestört wird. DaS Gbehenbleiben auf der Fahrbahn ist allgemein verboten. Die Pvlizei- beamten find angewiesen, gegen Zuwiderhandelnde einzuschreitexx. • • Straßensperre. Dom Polizeiamt Gießen wird mitgeteilt: Der Aulweg, entlang der Oberhessischen Eisenbahnwerkstätte, ist wegen Straßenbauarbeiten auf die Dauer von etwa einer Woche für Fahrzeuge aller Art polizeilich gesperrt worden. • • Unlversitätspersvxxalien. Ernannt wurden der außerplanmäßige außerordexxt- liche Professor Dr. Margarete Bieber zum außerordentlichen Professor für klassische Archäologie an der Landesuniversität Gießen uxxd Dr. phll. Hans Möckelrnann zum Turn- und Sportlehrer an der Ländesxuxxversität Gießen. " Studentenschaft und Theater in G rehen. Au- dem S:adttheaterbureau wird uns geschrieben: Der starke Aufschwuxxg. den da« Geßaner S:aduheater (Intendant Dr. Rolf Praich) in den letzten Jahren genommen hat, spiegelt sich nicht zuletzt in der ständig wachfen- den Besucherzahl aus dem Kreis« der akademischen Jugend feiner Universität wieder. Während hn Spie.jahr 1926 27 2102 Studenten da« Theater besuchten, ist diese Zahl beute auf 3992 angewachten. hat sich also unter der neuen Intendanz nahezu verdoppelt. • • D ie Museen und der Hcidenturm sind am Sonntag zwischen 11 uxxd 13 Uhr bei gewöhn..chen Preisen geöffnet. • • D i e Diebertalbahn veröffentlicht in unterem heutigen Anzeigenteil eine Richttgstel- Ixmg ihrer gestrigen Bekanntmachung über den Ausfall von Zügen. Dabei handelt es sich bei den foxrtfallenben Zugverbindungen nicht um Frühzüge, sondern um Abendzüge. •• Schlägerei mit politischem Hintergrund. Don der §ISDAP. Kreis- und SA-Führung Gießen erhalten wir nachstehende Erklärung zu Der gestern veröffentlichten Zuschrift der Korn- muntstischen Partei Gießen: „Für diejenigen, die immer noch gewissen Verlautbarungen von kornmu- nistischer Seite Glauben schenken, stellen wir zu den Vorgängen in der Rächt vom Sonntag zum Montag folgendes fest: 1. daß beinahe täglich planmäßige UcbcrfäUe der Kommunisten auf einzelne Nationalsozialisten gemeldet werden: 2. daß am Sonntagabend der „Schlägerei" auf dem Seltersweg ein Ueberfall auf einzelne SA.-Leute in der Kaiserallee vorausging, bei der die Polizei einem Kommunisten ein feststehendes Messer beschlagnahmte: 3. daß zur Zeit des Ueberfalls auf dem Seltersweg nur noch 10 bis 12 Nationalsozialisten im Parteilokal anwesend waren gegenüber der doppelten Anzahl Kommunisten: 4. daß diese 10 bis 12 Mann vor der Versammlung im Cafs Leib polizeilich auf Waffen untersucht waren, also keine Messer bei sich getragen haben: 5. daß zwei Nationalsozialisten nachweislich durch Messerstiche verletzt wurden. Im Uebrigen verweisen wir auf den amtlichen Polizeibericht unb lehnen es ab, ßcm Ergebnis der polizeilichen Untersuchung von uns aus vorzugreifen." — Nachdem nunmehr im Anschluß an den Polizeibericht beide Parteien sich zu dem Vorfall geäußert haben, schließen wir die Erörterung über diese Angelegenheit in unseren Spalten. •• Uxxterhaltungsabenb der Hausfrauenberatung. Am Donnerstag veran- anftaltcte die Gießener Hausfrauexxberatung xm Saale des Eafö Leib einen UnterhaltungSabexxb, dem im Gegensatz zu dem sonstigen belehrenden Charakter der Veranstaltungen unserer Gießener Hausfrauenorganisation ganx auf den heiteren Ton abgestimmt war. Die Veranstaltung hatte daS Interesse vieler Damen und Herren gefuxxden, die den großen Saal deS Cafä Leib fast bis zum letzten Platze füllten. Frau Dr. Koeppe als Vorsitzende der HauSfrauexxberatung gab denn auch in ihrer Begrüßungsansprache der Genugtuung über den starken Besuch Ausdruck und betonte besonders die Notwendigkeit für die Hausfrauen, inmitten der Schwierigkeiten der Zeit- verhältnisse und der sorgenvollen Aufgabe einer gediegenen Haushaltsführung auch eixxmal eine Stunde des Frohsinns gemexxtfam zu genießen. Im Anschluß daran bereitete eine von Frau Professor W e i d e n b a ch verfaßte, ux^laublich vielseitige unb schier unerschöpfliche Fülle von heiteren Darbietungen mit Hilfe eines .Patent- Zauber krvppe" den Besuchern sehr viel Freude. Dieter .Zauberkroppe" batte es in der Tat .in sich'' unb gab c« in vielfältigster Gestaltung — A. B. reijenbe junge Mädchen als Herzensstär- rxmg für lebensfrohe Jünglinge, al« Maxxneguins. flotte Girls, Tänzerinnexx. Meißner- und Rym- phenburger Porzellanfiguren, heiratslustige alte Jungfern usw. - au« seinem Inneren betau« in daS Helle Licht der Dühnexxrampexx. Dabei brachte die Autorin dieser netten UnterbalttnxgSstuxxde, Frau Deidenbach, durch Originalität uxxd Drolligkeit der Ideen so viel Ueberraschuxxgexx, daß die große Frobfinnsgemeinde aus dem Lachen nicht herauSkam. Besonders gefiel ein xt a. Rigger tanz. den Frau Erna Schumann einstudiert hatte. Herzlicher Beifall dankte nicht nur den Mitwirkenden, sondern ebenso der geistigen Gestalterin dieses interessanten Abend«. AIS zum Schluß der Jugend gar noch die Möglichkeit geboten wurde, das Tanzbein zu schwingen, da waren für die junge QBelt natürlich alle Erwartungen erfüllt, ja sogar übertxroffen. Uxxd mit Befriedigung konnten nicht nur die Besucher, sondern auch die leitenden Damen der Hausfrauenberatung auf diesen wohlgelungenen Abend zurückblicken. •• Verein Ereditresorm. Am Donnerstag fand in den Geschäftsräumen de« Verein« Credhreform c. D Gieß cm die Generalversamm- Ixmg des Verein« statt, in der die Herren Karl Röhr son., Recht-anwalt Zimmer und Wilhelm Horn sen. in den Vorstand gctoäblt wurden. Der provisorische DeschästSsührer erstattete eitxen kurzen Bericht über die Entwicklung de« Verein«, sowie über einige wichtige Einzelfragen. Die ansch.veßende Dorstand-sitzung harte sich mit der Besetzung de« Geschäf:sführerpvsten« zu be» faTlext Zum Geschäftsführer wurde bet bisherig« provisorische Gelchäftssührer Diplom-Kausmann H. W. Grieß bauer vorbehaltlich der Bestätigung durch die verschiedenen Instanzen de« Verbände- der Verein« Crebitreform bestellt. Verantwortl. s. d. Feuilleton: i. V. Dr. Lang«. Kamps den Fliegen und Mücken! Immer mehr bricht sich die Erkenntnis Dahn, daß Fliegen und Mücken für die Bevölkerung eine außerordentlich« Gefahr bedeuten. Deshalb ist eS eine dankexxs- toerte Ausgabe, daß sich Behörden xmb auch Private der hygienischen Aufklärung widmen und die Vertilgung der Fliegen xmd Mücken, sowie sonstiger schädlicher Insekten sordern. Diesem Zwecke diene auch die Flit-Wetbewoche, die rix Gießen vom 13. bis 18. Juli stattfindet. Während dieser Zeit wird in zahlreichen Schaufenstern daS bewährte Insekten-VcrtilgungSmittel 'zur Schau gestellt. Flit vernichtet alle- lästig« Ungeziefer, ohne für Menschen und Haustiere schädlich zu sein. Es ist in allen einschlägigen Geschäften zu haben. 4091V Bef kinderwundsefn, Wund laufen <#. Hautjucken hilft Penaten Creme 3n allen Apoih v frog. 6o .. tlo St s EMTSi QVA 10 OVA-Cigaretten in jeder Packung iflEEMTSl ; OVA schmeckt noch besser als die bisherigen neun Ova-Cigaretten in einer Packung. CIGARETTE REEMTSMA OVA. Ä ZV "TU I Msslsu» Große Berkaufs- nni> Lagerräume bis 800 qm, so «ort oder später zu mieten gejucht. 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Juli 1951 Oie jungen Franzosen. Don Dr. Eberhard DledtL Es erscheint jetzt, da Frankreichs Haltung unzweideutig gegen den Versuch einer Befriedung der Welt von der Wirtschaftsseite her sich wendet, wichtig, auch einmal das geistig-seelische Bild seiner langen Generation darzustellen. Der Verfasser einer solchen Wesensdeutung steht in persönlichen Beziehungen zu den verschiedensten Kreisen der fron» zösischen Jugend Es ist schon immer so gewesen, daß in neununb- neunzig von hundert Fallen der Deutsche seine Kenntnis und sein Urteil über Frankreich und über alle», was damit zusammenhängt, aus Paris, wie es sich ihm ergibt, bezieht Dieses ist derselbe schwere Fehler, den im umgekehrten Sinne gleichfalls der^ Franzose begeht, und den man ihm von unserer Seite stets erneut vorwirst, wenn er Deutschland mit Preußen und Berlin identifiziert. Zum Beispiel London und Nom sind in einer viel eigentlicheren Weise für ihr Land symptomatisch: ntcnn Deutschland und Frankreich ober sich gegenseitig derart ansehen, vom bürgerlichen Blickpunkt aus genommen, so mag das mit ein Grund sein für die unaufhörlich gespannte und so verletzliche Beziehung: Man sie"ht aneinander vorbei. — Dieses gilt für uns vor allem auch bei der Betrachtung der französischen Jugend, der Generation der heute etwa Zwanzig-, Fünfundzwanzigjährigen. Wer die Jugend in London ober die rö- nujche Jugend kennt, weiß auch zugleich über die englische und italienische Jugend etwas: Es ist kein Schlagwort, wenn man lagen kann, daß jeweils ein größerer einheitlicherer Zug nach einem bestimmten Ziel in diesen beiden natürlich voneinander gänzlich verschiedenen jungen Generationen sestzustellen ist, der über das ganze Land gewissermaßen reicht. Und sie könnten von demjenigen, der über eine augenblickliche Weltiugend berichten wollte, als ziem- lich feste Faktoren so oder so, in ihren Gemeinsamkeiten, Berührungspunkten, Verschiedenheiten, Problemen usw. eingerechnet werden. Bei der französischen Jugend ist das nicht möglich. Was wissen wir von ihr? Nichts. 10er diese junge französische Ge- neration, wie sie ihm in Paris entgegenkommt, kennt, weiß über die eigentliche Jugend Frankreichs noch nichts. Denn das, was sich in Paris teils in mehr oder weniger törichtem Kriegsgeschrei als Nachwuchs um die Action fran^aise geschart hat, teils als Naturistes auftritt, teils, wie bei uns, ohne je durch die liefe eines nationalen Bewußtseins hindurchgegangen zu sein, sich in billigen Europarufen ergeht, teils sich um eine Zeitschrift mit besonderem Programm angesammelt hat (z. B. um die kritische Revue „Däparts", die für Verständigung, Freiheit und liefe eintritt), teils als zeillofe Dohe- mienwirtfchaft sich auftut, das ist doch im Grunde eine gewisse Pariser Angelegenheit, die zur geistigen Atmosphäre der Stadt gehört und aller berjenigen, die sie ansaugt. Man darf die Wirkung im Umkreis nicht überschätzen, wie man meinetwegen die einzelnen Leistungen der Shinft, die daraus entstehen und in die Weite wirken können, nicht unter-’ schätzen braucht Aber die einzelnen Richtungen sind am; sehr literarisch bestimmt und endigen auch im Literarischen, das Blut ist zu international gemischt, um das wesenhaft Französische unvermittelt und ungebrochen hervortreten zu lassen. (Meist sind es nämlich gar keine Franzosen, die einem dort in Paris begegnen, sondern gewöhnlich Angehörige an- brrer Nationalitäten, die sich nur in Paris zuhause suhlen.) Und wann kam jemals vom Literarischen her etwas Wirkliches? Fast ist es so, daß ein Zusammenwirken internationaler Elemente ein Mehr- unter-sich-sein bedingt, so seltsam das klingen mag und einen Widerspruch in sich zu tragen scheint: Paris aber lehrt es. — Don dieser literarischen Jugend, die natürlich auch in der Provinz besieht, soll hier nicht gesprochen werden. Diese Jugend ist in ihren Bestrebungen und Richtungen uns Deutschen hinlänglich vertraut, wenn ihre Problematik und Zwiespältig- Führer, Arbeiter und Maschine Don Oswald Spengler. Aus dem fneben bei E. H Dock in München in erweiterter Fassung erschienenen Dortrag Oswald Spenglers: «Der Mensch und die Technik", gehalten im Deutschen Museum in München. Die Technik ist mit den wachsenden Städten bürgerlich geworden. Der Rachfolger jener gotischen Mönche, der Frühzeit unserer Kultur, war der weltlich gelehrte Erfinder, der wissende Priester der Maschine. Mit dem Rationalismus endlich wird der „®(aubc an die Technik" fast zur materialistischen Religion: Die Technik ist ewig unb unvergänglich wie Gottvater: sie erlöst die Menschheit wie der Sohn: sie erleuchtet uns wie der Heilige Geist. Unb ihr Anbeter ist der Fortschrittphilister der Reuzeit. von ßamettrie bis Lenin. Die Leidenschaft des Erfinders bat mit ihren Folgen gar nichts zu tun. Sie ist sein persönlicher Lebenstrieo, sein persönliches Glück und Leiden. Gr will für sich den Triumph über schwierige Probleme genießen, den Reichtum undRuhm, den ihm der Erfolg einbringt. Ob seine Erfindung nützlich oder verhängnisvoll ist, schaffend ober zerstörend, das sicht ihn nicht an, selbst wenn irgendein Mensch imstande wäre, das von An- song an zu wissen. Aber die Wirkung einer .technischen Errungenschaft der Menschheit" sieht niemand voraus, abgesehen davon, daß „bie Menschheit" nie etwas erfunden hat. Chemische Erfindungen wie die Synthese des Indigos und in kürzet Zeit wahrscheinlich die des künstlichen Gummis zerstören die Lebensbedingungen ganzer Länder, die elektrische Kraftübertragung und Die Erschließung der Wasserkräfte haben die alten Robkngebiele Europas samt ihrer Bevölkerung entwertet. Haben solche tleberlegungen je einen Erfinder dahin gebracht, sein Werk zu vernichten? Dann kennt man die Raubtiernatur des Menschen schlecht. Alle großen Erfindungen und Unternehmungen stammen aus der Freude starker Menschen am Sieg. Eie sind Ausdruck der Persönlichkeit und nicht des Rützlichkeits- benfenS der Massen, die nur zusehen, aber die Folgen hinnehmen muffen, wie sie auch find. Und diese Folgen sind ungeheuerlich. Die kleine Schar der geborenen Führer, der Unternehmer und Erfinder, zwingt die Ratur, eine Arbeit feit auch immer wieder zu interessieren vermag. Aber wir müssen uns hüten, ihre mehr oder weniger beschränkte Bedeutung allzusehr in den Rahmen ..junge französische Generation" einzuspanncn: auf diese literarischen, literarisch-politischen Spitzen, um die es sich dabei doch nur handelt, ist es in entscheidenden Augenblicken noch nie angekommen: seien sie rechts, oder links-politisch orientiert, sie fielen noch immer um oder sind hinweggesegt, unbeachtet gelassen worden von Strömungen, die eine Masse erforderten, nicht aber einen politisch-literarischen Aeslhetizimus. Erst neulich noch hat Andr< Billy in der Zeitschrift ..Oeuvre" anläßlich des Friedens- manisestcs der französischen Intellektuellen festge- stellt, daß sie vollkommen einflußlos auf die Politik sind. Und sind damit die Aelteren gemeint, wie dann erst die Jungen? — Es handelt sich hier darum, die andere Jugend der jungen Generation zu untersuchen nach ihrer Beschafser.heit, von der sozusagen namenlosen rein französischen Jugend zu sprechen. Das ist die Jugend, die nichts weiter als da ist, die Jugend, die einfach lebt und die im Grunde kein anderes Gesicht hat als eben ein jugendliches, ungeachtet der selbstverständlichen allgemeinen Probleme. Das kann man sich in Deutschland im Augenblick schwer vor- stellen, wenn es auch bei uns bis etwa 1910 eine solche ähnlich beschaffene Jugend gegeben hat, die nach der Inflation bis zum 14 September 1930 teilweise wieder austauchte und die in den nach 1914 Geborenen vielleich: wieder im flammen ist... Der romanische lebensbejahende und leichtere Wesenszug bedingt das eher als bei uns, daß eine Jugend in Frankreich eigentlich immer schon so ausgesehen hat. Sie machte seither das Frankreich, was wir unter Frankreich verstehen, das Frankreich der Zivilisation mit dem angeblichen Frondeurgeist im guten Bourgeoisieherzen, das Frankreich der Legende, das Frankreich der alten Politiker, das Frankreich der jüngeren Politiker heute, die trotz Pierre (Tot, Sergen) und ein paar Radikalen hüben und drüben eifrig den alten folgen. Und ist eine Aussicht, daß die junge Generation einmal anders sein wird? Diese namenlose Jugend lebt trotz der Masse versteckt. kaum zugänglich dem Reisenden, dem Beobachter, junge Studenten auf Prooinzuktioersitäten, Arbeiter, Angestellte, Kaufleute, Beamte auch vor allem, bürgerliche Jugend, wenn auch teilweise parteipolitisch organisiert. Provinzjugend — und auch Paris kann da Provinz bedeuten — die einmal das Frankreich der Zukunft im Grundstock abgeben wird, wenn es sich vielleicht auch nur darum handeln kann, daß diese oder jene Richtung sie geschlossen hinter sich bekommt. Diese französische Jugend ist gedankenlos über die politischen Zustände und Verhältnisse ihres Landes, ganz und gar ahnungslos über Probleme, die zum Beispiel Deutschland (Korridorfrage, Reparationen, Abrüstung usw.) oder Tirol oder Ungarn beschäftigen. Diese Jugend lebt dahin, aber wenn man mit ihr zusammen ist, ist jeder einzeln« junge Mensch sehr vernünftig und zugänglich für alles: und es ist nicht nur Höflichkeit, wenn sie fast freundschaftlich zu Deutschland stehen (viel schlechter sprechen sie von Italien). Aber das geht alles nicht in die Masse ein, es bleibt beim einzelnen wohl verstaut und bald vergessen liegen. Und so kommt es, daß man plötzlich das Gefühl hat, hinter allen diesen jungen Menschen steckt noch irgendetwas, von dem man zuerst nicht weiß, was es sein könnte: Eine in die Breite gehende Sicherheit, die sich an ihren Händen, ihrem Kopf, ihrem Gang auszu- briicfcn scheint in rätselhafter Weise. Bis man es schließlich ganz eindeutig weiß, was man als Deut- scher in Frankreich nur allzu leicht nicht behält in Gegenwart dieser gleichaltrigen jungen Franzosen, weil man es bei uns nicht kennt: Diese jungen Leute haben alle bereits eine Militärzeit hinter sich, verstehen also mit modernem Kriegs- gerät umzugehen wie mit Löffel und Gabel, ihr Kopf trug bereits den Stahlhelm, ihre Körper sind geübt, sich dem Erdboden in jedem Gelände anzupassen, ihre Hand hielt Gewehr, Handgranate, Gasschlauch und Flammenwerfer, umspannte den Abzug an Geschütz und Maschinengewehr, ihr Auge kennt uner° zu leisten, die nach Millionen und Milliarden von — Pferdekräften bemessen wird und der gegenüber das Quantum menschlicher Körperkraft nichts mehr bedeutet. Man versteht die Geheimnisse der Ratur so wenig wie je, aber man kennt die Arbeitshypothese, die nicht „wahr", sondern fnur zweckmäßig ist, mit deren Hilfe man sie zwingt, den menschlichen Befehl, dem leisesten Druck auf einen Knopf oder Hebel zu gehorchen. Das Tempo der Erfindungen wächst ins Phantastische. und trotzdem, es muß immer wieder gesagt werden, es wird dabei nichts von menschlicher Arbeit gespart. Die Zahl der notwendigen Hände wächst mit der Zahl der Maschinen, weil der technische Lurus jede andere Art von Luxus steigert, und weil das künstliche Leben immer künstlicher wird. Seit der Erfindung der Maschine, der listigsten aller Waffen gegen die Ratur, die überhaupt möglich ist, haben Unternehmer und Erfinder die Zahl der Hände, deren sie bedürfen, im wesentlichen auf deren Herstellung verwendet. Die Arbeit der Maschine wird von der anorganischen Kraft geleistet, der Spannkraft von Dampf oder Gas, der Elektrizität und der Wärme, die aus oder durch Kohle. Erdöl und Wasser befreit werden. Aber damit ist die seelische Spannung zwischen Führern und Geführten gefährlich gewachsen. Man versteht einander nicht mehr. Die frühesten „ Unternehmungen“ der vorchristlichen Jahrtausende forderten die verstehende Mitarbeit aller, die wußten und fühlten, um was es ging Es war eine Art Kameradschaft dabei, wie heute auf der Treibjagd und beim Sport. Schon bei den großen Bauten im frühen Aegypten und Babylonien kann' das nicht mehr der Fall gewesen fein. Der einzelne Arbeiter begriff weder das Ziel noch den Zweck des ganzen Verfahrens Sie waren ihm auch gleichgültig, vielleicht verhaßt. .Arbeit" war ein Fluch, wie es die Paradieserzählung am Anfang der Bibel darstellt. Jetzt aber, seit dem 18. Jahrhundert. arbeiten die zahllosen .Hände" an Din- gen, von deren tatsächlicher Rolle im Leben, auch im eignen, sie gar nichts mehr wissen und an deren Gelingen fie gar keinen inneren Anteil nehmen. Eine seelische Verödung greift um sich, eine trostlose Gleichförmigkeit ohne Höhen und Tiefen, die Erbitterung weckt — gegen das Leben der Begabten, die schöpferisch geboren sind. Man will es nicht fehen, man versteht es nicht mehr, daß Führerarbeit die härtere Arbeit ist. daß das eigene Leben von ihrem Gelingen abhängt. Man fühlt nur, daß HAMBURG. Die Hamburger Bugsierrecderei und Bergungs-AG. erhielt von der französifchen Regierung den '21uf- trag zur Hebung des bei St. Nazaire gesunkenen Küstendampfers „St. Philibert", bei dessen Untergang 560 Menschen den Tod fanden. Die Hebekräne „Kraft" und „Wille" find bereits nach der Loiremündung abgegangen. bittlich die verwundbarste Stelle im menschlichen Körper. Teilweise standen diese jungen Franzosen noch bei den Regimentern der Besatzungsarmee am Rhein... Und daraus kommt für uns eine geheimnisvolle Masiensicherheit in allem, die auf einem Gefühl eben der Masse beruht. Dazu tritt noch, daß sich die Begriffe der kulturellen und ttoilisatorischen Sendung Frankreichs für die Welt, la victoire, le Triompne de 1918, la grande armte, les Prussiens, la Nation (wie steigert z. B. jetzt die Kolonialausstellung wieder dieses Gefühl!) in ihrem ständigen Bewußtsein sest verankert sind: Darüber braucht man sich nicht wundern, wenn man einmal die Schulbücher durchlieft, die dieser jungen Generation das Lernmaterial stellten. (Erst seit zwei, drei Jahren ist es hiermit etwas besser geworden.) Bei alledem ist die junge französische Generation nicht kritiklos, aber schweigsam. Jeder einzelne von ihnen verabscheut ehrlich den Stieg. Sie hassen ihn als persönlichen Feind, wie sie überhaupt viel mehr vom Persönlichen ausgehen und aufnehmen. Sie haben, jeder einzelne für sich, Angst vor dem Krieg. Aber man hat ihnen beigebracht, daß es auf das Persönliche in bestimmten Fällen nicht an- konlmt, nicht mit klobigem Kommiß, sondern mit unaufdringlichem Militarismus... — Das Interesse der jungen Franzosen in Kunst und Religion ist von ihrem Konservatismus her bestimmt wie immer. Auch da wird sich nichts ändern. Sie debattieren darüber ebensogern wie über ein gutes Frühstück oder den Friedensvertrag von Versailles, woher sie auch die Wirtschaftskrise abzuleiten beginnen, unter der sie selbst schlimm genug leiden. Die Bedrückung ist auch hier echt für den einzelnen, aber fie bringt nicht durch Im Grunde zucken sie die Achseln: Ah ?a! c’est la guerre. — So steht die junge Generation von Frankreich, die namenlose Masse da: Unberechenbar. Sie denkt nicht genügend an der Zeit mit, und das ist die größte Gefahr. Sie unterscheidet sich von nichts von der älteren Generation als durch die Jahre. Und deren Einstellung ist zur Genüge bekannt. Wird sie ihr ganz nachfolgen? Dürfen wir daran glauben, daß ein Wunder geschieht? Oie Deutschen in Südafrika. Von einem alten Kolonialdeutschen. Die Zuschrift mag in manchem zu hart urteilen, sie erscheint uns aber doch wichtig genug, um sie unseren Lesern zur Kenntnis zu bringen. In eiltet Zeit, wo bas deutsche Volk durch Parteien zerrißen ist wie kaum je zuvor, wo jeder zufrieden ist, wenn er das bloße Leben von heute auf morgen rettet, mag die Sorge um die kleinen Splitter deutschen Volkstums in ehemals deutschen Ländern über See unter den hundert Röten des Tages die allerletzte fein. Die Mächte, die unser Volk heute beherrschen und schon lange vor dem Kriege beherrschten, haben dafür gesorgt, daß dem Volke als ganzem, der Blick über das Meer verschlossen blieb oder aber, wenn vorhanden, sich verband mit Gedanken an Geld und Geldeswert, ja daß dem Deutschen ein Horizont anerzogen wurde, dem eine Versorgung in der Heimat Gesötz, das kühne Abenteuer in der Fremde aber Schuld oder gar Irrtum bleiben mußten. Trotzdem sollte man sich heute fragen, wenn auch vielleicht nur aus psychologischen Gründen, was jene Reste deutschen Volkstums heute treiben und welches Los ihnen beschieden sein mag. Als Beispiel diene hier Südwest- afrika, jenes Land, das auch heute noch mit 11—12 000 deutschen Bewohnern unter den alten Kolonien die erste Stelle einnimmt. Den Engländern und Duren oder Südafrikanern gemeinsam war im Kriege daS Land augefallen. Es mochte scheinen, als handelte es sich um mehr als nur eine Geste, als das Mutterland dem mit selbstbewußtem Stolz auftretenden Tochterstaat die Beute großmütig überließ. Jedoch die Union schickte sich an, die Bande, die sie an daS Mutterland fesselten, immer mehr zu lockern. Ja weit über seine Grenzen hinaus richtete es begehrliche Blicke bis in die Mitte deS Kontinents, träumend mit Eecil Rhodes von einem größeren Südafrika als der ersten Macht ganz Afrikas. England schien in eine Sackgasse geraten. Doch seine Mühlen mahlen, wenn auch langsam, so doch sicher, und heute ist eS für den, der hören und sehen kann und will, klar, daß England entschlossen ist, den Wünschen der Union einen festen Damm entgegenzustellen. Es soll das weitere Fortschreiten Südafrikas nach Rorden aufgehalten werden. Mag diese Mauer nach Rorden einen Ramen annehmen wie sie will, mag es ein Dominion werden oder eine Kronkolonie oder ein selbständiger Staat: Seine diese Arbeit glücklich macht, daß sie die Seele beschwingt und bereichert, und darum haßt man sie. In der Tat aber vermögen weder die Köpfe noch die Hände etwas an dem Schicksal der Maschinentechnik zu ändern, die sich aus innerer, feelenhafter Rotwendigkeit entwickelt hat und nun der Vollendung, dem Ende entgegenreift Wir stehen heute auf dem Gipfel, dort, wo der fünfte Akt beginnt. Die letzten Entscheidungen fallen. Die Tragödie schließt. Jede hohe Kultur ist eine Tragödie: die Geschichte des Menschen im ganzen ist tragisch. Der Frevel und Sturz des faustischen Menschen aber ist größer als alles, was Aeschylus und Shakespeare je geschaut haben. Die Schöpfung erhebt sich gegen den Schöpfer: Wie einst der Mikrokosmos Mensch gegen die Ratur, so empört sich jetzt der Mikrokosmos Maschine gegen den nordischen Menschen. Der Herr der Welt wird zum Sklaven der Maschine Si» zwingt ihn, uns, und zwar alle ohne Ausnahme, ob wir es wissen und wollen oder nicht, in die Richtung ihrer Bahn. Der gestürzte Sieger wird von dem rasenden Gespann zu Tode geschleift. Oie Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonStisch. Musiker-Anekdoten. Leo S l e z a k, der berühmte Sänger, erzählt in seinen „Gesammelten Werken" ein lustiges Reiseerlebnis. Er befand sich einmal auf der Rückreise von einem Gastspiel, bei dem er den ..Propheten" von Meyerbcer gelungen hatte, und hatte sichs in feinem Abteil bequem gemacht. Da kam die Grenzstation und mit ihr als unerwünschte Unterbrechung die Schar der Zollbeamten. die sein zahlreiches Gepäck einer hochnotpeinlichen Untersuchung unterzogen. Besonders verdächtig erschien ihnen eine Schachtel, und der Sänger wurde in strengem Ton aufgefordert, gerade dieses Gepäckstück zu öffnen. Als aber die Beamten auch nur einen flüchtigen Blick in die Schachtel getan hatten, da veränderten sich plötzlich ihre bis dahin so grimmigen Mienen und zeigten Verlegenheit und Ehrfurcht. Sie traten ehrerbietig zurück, und einer legte grüßend die Hand an die Mühe und sagte in devotestem Ton: „O Verzeihung, bitte vielmals um Verzeihung. Majestät!" Die Schachtel enthielt nämlich die Krone, die dem Propheten der Wiedertäufer. Johann von Leyden, in der Oper aufs Haupt gesetzt wird. Die Leute glaubten augenscheinlich, daß ein moderner Herrscher stets mit der Krone in der Hutschachtel reife. Mar Reger mußte auf einer seiner Konzertreisen in einem kleinen Dors bleiben, in dem gerade die Dorfkirche von dem Gutsherrn ein Geschenk erhalten hatte, nämlich eine neue Orgel. Der Kantor war mit der Klangfülle des Jnstru- rneittes nicht recht zufrieden, und da er nicht wußte, ob die Unzulänglichkeit nut auf seine mangelhafte Kunst zurückzuführen sei, so eilte er zu Reget, als er von der Anwesenheit des berühmten Organisten erfuhr, und klagte ihm sein Leid. Reger war sofort bereit, die Orgel zu prüfen. Er ging mit dem Kantor in die Kirche und spielte. Aber so sehr er sich anstrengte, auch ihm gelang es nicht, dem Instrument eine befriedigende Klangfülle zu entlocken. Da fiel ter te er von der Orgelbank herunter, llovfte den Kantor tröstend auf die Schulter und sagte: ..Es ist nun mal nicht anders. lieber Freund: Einer geschenkten Orgel sieht man nicht in die ®otgel!" Flugwesen. Der Funker eines Verkehrsflugzeuges bittet per Radio den nächsten Flughafen um Auskunft über die Sicht verhält nisse. Er erhält sie wie folgt: ..Sicht gleich Rull. Selbst die Vögel gehen zu Fuß." Es gibt noch Dankbarkeit. Die Tochter eines reichen Schotten ist von der Landungsbrücke ins Wasser gestürzt. Ein junger Mann bemerkt dies. Er nimmt sich kaum Zeit, seinen Mantel abzuwerfen, und springt ihr gleich in seinen Sachen nach. Es gelingt ihm auch, die Versinkende zu retten, aber am Ufer bricht er ohnmächtig zusammen. Als er wieder die Augen aufschlägt, liegt er auf einem Diwan im Hause der Geretteten. Der dankbare Papa sitzt an seinem Lager und schaut ihn freundlich an. „Junger Mann", beginnt er, und seine Stimme zittert gerührt. „Sie haben mein einziges Kind gerettet, ich bin tief in Ihrer Schuld. Gern möchte ich mich Ihnen erkenntlich zeigen. Schon die ganze Zeit, während Sie so erschöpft ba lagen, habe ich mir überlegt, wie ich Ihnen meine große Dankbar kett beweisen könnte, und ich möchte Ihnen den Vorschlag machen: Wie wär's, wenn wir uns die Bügelkosten für Ihren aufgeweichten Anzug teilten? (Lust. Bl.) Grundmauern liegen heute fest und sind dem auf» -merksamen Beobachter deutlich erkennbar. Der neue Staat wird sich erstrecken quer über den ganzen Kontinent vom Atlantischen an den Indischen Ozean und die beiden Rhodesien, Bet- schuanaland und Südwestafrika umfassen, das letzte vielleicht nicht in seinem ganzen Umfange, sondern nur, wie man im Lande selber annimmt, etwa bis Gibeon, einem Punkt, von wo an nach Süden das holländische Element das deutsche unbedingt an Zahl übersteigt. Dieser Teil mag an die Union fallen. Der Ausbau des Hafens von Walfischbucht, der Bau großer Kühlanlagen und Oeltanks — sie alle viel zu umfangreich für die kleinen Verhältnisse Südwests allein — und vor ollem der im vorigen Jahr überraschend leicht und schnell beschlossene Ausbau der südwestafri» tonischen Ostbahn von Gobabis nach den Kohlenfeldern von Wankte fn Rhodesien sind Meilensteine auf dem eingeschlagenen Wege. Bor allem die Bedeutung der Bahn nach Rhodesien kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Abgesehen von allem anderen wird sie England völlig unabhängig vom südafrikanischen Bahnneh machen, dieses Bahnnetz aber vor eine neue, schwierige Lage stellen. Wie stellen sich zu dieser Lage die Deutschen in Südwest? Der schon vor dem Kriege in Südwest angesessene Teil der deutschen Bevölkerung hat bisher eine Führung nicht hervorzubringen vermocht. Verstrickt in kleine Sorgen, in Kämpfe um die Sicherung der allernotwendigsten eigenen Wirtschaft und des nationalen Lebens ' ist das Deutschtum in eine immer bedrohlichere Lage vor der Zahl und der überlegenen Führung des Süd- afrikanert-ums geraten. Die beiden schweren Dürrejahre 1928/29 haben, scheint es, den Willen zum Kampfe noch mehr geschwächt. Aus dem Osten des Landes kommen wieder einmal Rachrichten, daß zahlreiche deutsche Farmer geneigt feien, ihren Besitz zu „realisieren", d. h. möglichst schnell zu verkaufen und nach Deutschland zurückzukehren. Die nach dem Kriege ins Land gekommenen Farmer aber, jüngere, entschlossenere Männer mit größerem Ueberblick, sind noch zu sehr durch den Kampf um das Allemotwendigste gefesselt, als daß man aus ihren Reihen schon etwas wie eine Führung erwarten könnte. So kämpft der einzelne, den Rücken gegen die Wand, bis aulch ihm e i n Dergleid\m it dem Fremden als der einzig mögliche Ausweg erscheinen mag. In der Heimat schließlich teilen sich die kolonialen Verbände in das Bemühen, die Bewohner eines Versorgungsstaates für Dinge jenseits der Meere zu begeistern. Es fehlt die klare Einsicht für die Rotwendigkeit einer zielsicheren Werb ung in der großen Presse des In- und Auslandes, die Möglichkeit, große Mittel flüssig zu machen, die Kraft, den in der Iugend stets vorhandenen Geist des Abenteuers und des Wagens za wecken und zu nützen. Es ist hier nicht der Platz, diese Dinge zu erklären oder auch nur näher zu erörtern. Doch wäre es schädlich, wollte man aus verwelkten! Lorbeeren neue Kränze flechten, wollte man der alten Reizung unseres Volkes, sich selber Weihrauch zu streuen, Vorschub leisten. Rur eines sei noch erwähnt: Durch die in- und ausländische Presse geht die Rachricht, daß der Zustrom aur französischen Fremdenlegion in den letzten Iahren derartig zugenommen habe, daß nur noch 20 Prozent der Freiwilligen eingestellt werden konnten. Dabei habe das französische Kriegsministerium kürzlich noch ein neues, das 5. Infanterieregiment, bei der Legion aufgestellt. Unter solchen Umständen konnten die Rekruten mit größerer Sorgfalt ausgewählt werden als bisher. Der Cor- riere de La Sera berichtet, es würden die Deutschen bevorzugt, „il cui spirito combattivo 6 molto apprezzato nella legione straniera“. ü Ein neuer Diesel-Triebwagen für den Stückgutverkehr ist jetzt von der Reichsbahn in Betrieb genommen worden. Die Schnelligkeit der Beförderung von Expreßgütern ist damit erheblich vergrößert worden. Randnoten. Ueber die wirtschaftlichen Fragen ist der Weltanschauungskampfzwischendem Vatikan und dem italienischenStaat in den Hintergrund getreten. Dabei ist er mit der Enzyklika des Papstes vorn 29. Iuni in eine Phase getreten, in der man bei dem großen taktischen Geschick der Italiener gewiß eine Weile so hinleben kann, aus der heraus aber eine Versöhnung nicht recht denkbar erscheint. Ist es ein Kamps zwischen Staat und Kirche, bei dem mittelalterliche Erinnerungen wach werden? Tas denkt man zunächst, wenn man auf den Anlaß sieht: die Auflösungen der Abteilungen der Katholischen Aktion durch das Innenministerium und die Versuche, nun darüber zu verhandeln, wie die KatholischeAktio n, an der natürlich dem Papsttum sehr viel liegt, im Staat ihre Stelle finden konnte. Aber die Enzyklika des Papstes, die ihm sicher nicht leicht geworden ist, läßt erkennen, daß das Problem doch viel tiefer liegt. Es ist wie in Rußland auch hier im Faschismus der Kampf um die Iugend und ihre Seele. Tas spricht der Papst denn auch mit voller Schärfe aus. Er bezeichnet den faschistischen Staat als den Träger „einer Ideenwelt, die sich in eine Vergötterung des Staates im heidnischen Sinne auflöst, mit dem natürlichen Recht der Familie und mit dem übernatürlichen Recht der Kirche im vollsten Widerstreit steht." Also hat die Erwartung getrogen, die an die Lateranverlräge geknüpft werden, unb an das Bekenntnis des italienischen Faschismus zum Katholizismus. Ter Papst fühlt sich im Faschismus nicht als der Träger der Staatsreligion anerkannt und spricht in dieser ungemein wichtigen Kundgebung im Grunde aus, daß nach seiner Auffassung Faschismus und Katholizismus miteinander nicht vereinbar sind. Tamit ist das Problem in voller Schärfe aufgerollt. Man sieht nicht, wie der Kampf anders enden soll, als mit dem Abbruch der Beziehungen. Kommt es aber dazu, dann ist der Weg bis zur Gewalt des Staates gegen die Kirche und den Vatikan nicht sehr weit, und rein nach den Machtmitteln ist der Staat natürlich der Stärkere. In Rußland ist ihm die Kirche erlegen: wie wird in Italien dieser weltgeschichtliche Konflikt der Geister sich gestalten? • In dem Wust des Hin und Her, das sich um die Tributverhandlungen zwischen Amerika und Frankreich gruppiert, ist ein Vorgang der jüngsten Tage ziemlich unbeachtet geblieben, der aber doch nicht nur ein völker-psychologisches, sondern auch ein starkes wirtschaftliches Interesse verdient: die Tatsache, daß norwegische Polarschiffer in Mygcbukta (Moskitobai) in Ostgrönland die norwegische Flagge hißten und so ziemlich die ganze Ostfüste der Insel als norwegischen Besitz erklärten. Die Flaggenhissung muß als ein gegen Dänern ark gerichteter Schritt angesehen werden, das, wenn auch staatsrechtlich nicht völlig begründet, bisher als der Souverän der ganzen grönländischen Insel angesehen wurde. Für die Westküste gilt die dänische Souveränität unumstritten: dieser Teil der Insel wird durch dänische Inspektoren regelrecht verwaltet. DaS Recht Dänemarks auf die Ostküste ist aber von Ror- toegen noch immer bestritten worden. Im Iahre 1924 wurde deshalb zwischen den beiden Staaten ein Grönland-Abkommen abgeschlossen, das die .endgültige Regelung der Souveränitätsfrage auf 'später verschob, den Rorwegern aber die freie wirtschaftliche Betätigung an der Ostküste zugestand. Die norwegische Regierung hat amtlich noch nicht dazu Stellung genommen, ob sie die Flaggenhissung offiziell zu decken gedenkt. Auch von der dänischen Regierung ist die Flaggenhissung bisher noch als ein Privatakt angesehen worden, zu dem sie zunächst nicht Stellung zu nehmen brauche. Der Besitz der Ostküste ist heute weder für Dänemark noch für Norwegen von einer überragenden wirtschaftlichen Bedeutung. Während das weit mildere Klima der Westküste es immerhin gestattet, einen Küstengürtel in der Größe von 80 000 Quadratkilometern der menschlichen Siedlung und Bearbeitung zu erschließen, haben es an der Ostküste die größere klimatische Rauheit nnd die viel näher an die Küste herantretenden gewaltigen Hochgebirge bisher verhindert, mehr als 38 000 Quadratkilometer bewohnbar zu machen. Zwischen den beiden Küsten erstreckt sich ein gewaltiges, an allen Seiten von Gebirgen bis zu 3000 Metern Hohe umgebenes Hochland, das aber dauernd von Eis und Schnee bedeckt und völlig vergletschert ist. Trotzdem ist es sehr leicht möglich, daß es der fortschreitenden Technik in absehbarer Zeit gelingen kann, auch diese Eiswüsten zu bezwingen und ihre riesigen Raturschätze zu beheben, ilrib von diesem Augenblick an bedeutet natürlich der Besitz der Ostküste eine ungeheure wirtschaftliche Errungenschaft. Während die Ausfuhr Grönlands heute im wesentlichen nur aus Walfischtran, Pelzwerk, Ciderdaunen und anderen tierisch- arktischen Produkten besteht, würden dann der Ausbeutung die im Innern der Insel schon fest gestellten Riesenlager an Kohle/ Zinn, Blei, Kupfer, Eisen und Kryolit, einem zur Herstellung von Aluminium, Soda und Milchglas erforder- Eva am Strand Roman von Hermann Weick. 5. Fortletzung. Nachdruck verboten. So streng und rücksichtslos Franz Willer in seinem Berufe war, so nachsichtig war er seiner Tochter gegenüber. Seine Frau unterstützte ihn noch in seinem Bemühen, Eva jeden Wunsch zu erfüllen. In geradezu sündhafter Weise wurde Eva verwöhnt, bald kannte sie keinen anderen Willen mehr als den eigenen, ungehemmt konnte sie ihren kapriziösen Launen frönen. Franz Willer und seine Frau, die auch in ihrem Reichtum einfache,, bescheidene Leute geblieben waren, sahen in Eva, die sich zu einer eleganten Dame von aparter Schönheit und sehr selbstbewußten Allüren entwickelt hatte, etwas Höheres, dem sie sich willig und freudig beugten... Eva hatte ihre Toilette beendet. Sie betrachtete sich nochmals im Spiegel: selbstgefällig lächelte sie sich zu. , Mit Bertram würde sie so bald wie möglich Schluß machen! Es gab ja genug andere Kavaliere in Rorderney, die nicht so pedantisch waren wie Paul. Wer würde wohl nach ihm an die Reihe kommen? Gert von Grabow?... Er war ein famoser Ten- nispartner, aber als Mann nicht eigentlich ihr Typ. Sie ließ die übrigen Herren, die sie bisher hier tennengelernt hatte, Revue passieren. Keiner fand Gnade vor ihren Augen. Abwarten! dachte sie: ich werde den Rechten schon finden! Uebermütig pfiff sie ein paar Takte des neuesten Tanzschlagers, während sie ihr Zimmer verließ, um sich hinab in den Speisesaal zu begeben. VH. Seit jenem Abend, als sie im Kurhaus mit Paul Bertram getanzt hatte, war mit Lotte Ia- son eine Veränderung vor sich gegangen. Ihr selbst kaum bewußt, erwachte ihr eigener Wille, lehnte sich in ihr etwas dagegen auf, immer nur das zu tun, was ihre Mutter wünschte und befahl. Eine trotzige Regung bemächtigte sich Lottes nun manchmal in Gegenwart ihrer Mutter: das Verlangen, dieser zu widersprechen, ihrem herrschsüchtigen Wesen die Stirne zu bieten, fiel sie an. Lotte erschrak anfangs über diese Anwandlungen, die sie nicht begriff; aber sie hinterließen in ihr unklare greube, ein befreites Aufatmen, als streife fie Fesseln ab, die sie bisher wehrlos gemacht hatten. Immer häufiger dachte sie in diesen Tagen an ben Schauspieler. Er hatte seinen Platz bei den Mahlzeiten ziemlich weit von ihr entfernt; aber immer wieder gingen ihre Blicke unauffällig zu seinem Tische hin. Es schmerzte sie, daß er fie so wenig beobachtete: nur hin und wieder, wenn er an ihr vorüberkam, grüßte er kurz, flüchtig. Sie wußte, daß Der- trams Interesse ausschließlich Fräulein Willer galt; man sah die beiden fast immer beisammen. Reid auf die andere bemächtigte sich Lotte 3a» svns. Reid und Eifersucht. Sie gestand sich, wenn auch schweren Herzens, ein, daß die Erscheinung Eva Willers wohl dazu»angetan war, Männern begehrenswert zu erscheinen; wenn man aber so unabhängig war wie Fräulein Willer und tun und lassen konnte, was einem behagte, dann hatte man leichteres Spiel als sie, Lotte, die unter der strengen Aufsicht ihrer Mutter stand... Immer mehr steigerte sich Lotte Iason in diese auflehnenden Gedanken hinein. Dr. Kröger, mit dem sie täglich zusammen sein mußte, bekam sie zu spüren; in Gegenwart ihrer Mutter wahrte sie zwar ihm gegenüber einen höflichen Ton, wenn sie aber allein mit ihm war, behandelte sie ihn unwirsch, schnippisch. „Das gnädige Fräulein scheint in den letzten Tagen nicht in bester Stimmung zu fein“, sagte Kröger zu Frau Iason, mit der er vor dem Hotel hin und her ging. „Woraus schließen Sie das? Herr Ministerialrat?" „Fräulein Lotte war bei unserem heutigen Spaziergang wieder sehr schweigsam; ich gab mir alle Mühe, sie aufzuheitern, es war vergeblich." „Das tut mir sehr leid...“ „Ich kann mich überhaupt des Eindrucks nicht erwehren, als ob Fräulein Lotte meine Anwesenheit nicht sonderlich schätze; anders kann ich mir das, ich will mich vorsichtig ausdrücken: etwas merkwürdige Verhalten nicht erklären, das sie neuerdings mir gegenüber an den Tag legt!“ Elsbeth Iason machte eine jähe Geste der Abwehr. „Wohin denken Sie, Herr Ministerialrat! Da tun Sie Lotte unrecht! Sie freut sich ja immer, wenn sie mit Ihnen zusammen sein darf!" „Ich habe diesen Eindruck nicht!" gab Kröger pikiert zurück. „Das verstehen Sie nicht, Herr Ministerialrat", sagte Frau Iason darauf mit nervösem Aufloch en, während in ihr die Wut auf Lotte zur Siedehitze anftieg. „Eine junge Dame kann Ihnen doch nicht ins Gesicht sagen, daß Ihre ®egen» toart ihr angenehm ist, nicht wahr? Das wäre ja die verkehrte Welt! Zudem ist Lotte schüchtern und im Umgang mit Herren ganz unerfahren; die paar jungen Leute unserer Nachbarschaft, mit denen wir Verkehr haben, zählen ja nicht." „Vielleicht fände Fräulein Lotte sich mit einem jüngeren Herrn eher zurecht", meinte Kröger mit leiser Schärfe. Elsbeth Iason gab es einen Stich. War dies eine Absage? Wollte Dr. Kröger sich zurück- Sollte ihr schöner Plan, den sie schon der Verwirklichung nahe gesehen hatte, durch Lottes Eigensinn zu schänden werden? Das durfte nicht sein! Sie würde schon dafür sorgen, daß Lotte Dr. Kröger gegenüber ein freundlicheres Wesen an den Tag legte! „Da verkennen Sie meine Tochter gründlich, Herr Ministerialrat", antwortete Elsbeth Iason und gab ihrer Stimme einen Ton schmerzlichen Vorwurfs^ „Lotte macht sich aus jungen Leuten gar nichts! Ich als Mutter muß das am besten wissen! Ich weiß aber und will es, um Ihr Mißtrauen zu zerstreuen, Ihnen verraten, daß Lotte für Sie große Verehrung und Bewunderung emp-- sindet. Wenn Lotte Ihnen das nicht so zeigen kann, wie sie das vielleicht möchte, so müssen Sie es ihrem etwas scheuen Wesen zugute halten!" Kröger lächelte geschmeichelt. „Ich bin Ihnen für Ihre Erklärung sehr verbunden, gnädige Frau! Es wäre für mich, ich darf das ruhig sagen, schmerzlich gewesen, wenn die Sympathie, die ich sür Ihr Fräulein Tochter hege, von ihr nicht erwidert würde!" Befreites Aufatmen kam aus Elsbeth Iasons hagerer Brust. Die drohende Gefahr war glücklich gebannt! „Das wäre für mich nicht minder schmerzlich gewesen!" antwortete sie und bedachte Kroger mit einem Blick geheimen Einverständnisses. Als Kröger sich verabschiedet hatte und Elsbeth Jason gerade das Hotel betreten wollte, tauchte in der Ferne ihr Gatte auf. Er kam rasch näher und machte einen echauffierten Eindruck. „Endlich!“ sagte Elsbeth Iason tadelnd. „Seit einer halben Stande warte ich hier auf dich!" „Verzeihe! Ich irrte mich im Wege und fand mich plötzlich auf der entgegengesetzten Seite des Ortes." Sie blickte ihn durchdringend an. „Du siehst sehr vergnügt aus! Es scheint dir neuerdings besonderen Genuß zu bereiten, ohne mich spazieren zu gehen!" Verlegenheit huschte über Iasons rundliches Gesicht; er lachte aber unbefangen. „Wie kannst du so reden, Elsbeth! Du weißt, daß ich nur allein gehe, weil du mittags gerne lange schläfst!" Sie erwiderte nichts und ging mit verkniffenem Gesicht ihm voraus ins Haus. In ihrem Zimmer faß Lotte Iason; sie hatte ein Buch vor sich liegen, schien aber nicht darin gelesen zu haben. „Du machst ja schöne Geschichten! An dir kann man seine Freude erleben!“ sagte Elsbeth Iason ohne weitere Einleitung und setzte sich, hochauf- gerichtet, in drohender Haltung Lotte gegenüber. Erschreckt sah Lotte ihre Mutter an. ließen Mineral, erschlossen werden können, du wirtschaftlicher Nutzen für das im Besitz der Gebiete befindliche Land, dessen große Bedeutung man heute noch nicht einmal abzuschätzen vev- mag. Es handelt. sich hier also bei den beiden konkurrierenden Staaten um weit mehr als um, eine rein staatsrechtliche Frage. „L. 2. 127" heißt „Graf Zeppelin", der gerade jetzt seine schon lange geplante Nordlandfahrt beendet hat. Die Baunummer „L. Z. 12 8“ trägt das neue Luftschiff, an dem bisher ein Heer von Handwerkern herumbastelte: aber das Leben und Treiben um den starken Leib, der sich In kurzer Zeit in die Lüfte erheben sollte, ist plötzlich vorbei. Die Bezeichnung 128 bleibt zwar bestehen, doch nicht das angefangene Werk, das diese Nummer tragen sollte. Mitten im Bau mußten die Konstrukteure die Arbeit einstellen lassen, nicht etwa, weil es an Geld fehlte, auch nicht, weil sich die Werkleitung verspekuliert hatte; nein, ein anderer, viel schwerwiegenderer Grund ihnen Veranlassung zu dem bestimmt nicht leichten Wort, das sämtliche Pläne mit diesem stolzen Schiff zerschlagen mußte. Ein halbfertiges teures Stück Arbeit mußte einfach „auf Abbruch" fallen gelassen werden. Der schwarze Tag in der englischen Luftfahrt^d-i^e Todes- fahrt des Luftschiffes „R. 101", zeigte dem deutschen Luftschiffbau mit aller Deutlichkeit, daß er andere Wege einschlagen muß, wenn er seinen Fluggästen einigermaßen sichere Fahrten gewährleisten will. Man kann die Fachmänner von Friedrichshafen nur beglückwünschen, daß sie sich so schnell zu dem schweren Entschluß durch gerungen haben, das angefangene Werk aufzuhalten und ein neues, größeres zu beginnen. „L. Z. 12 9“, das neue He l iu ml u f tschif f, wird jetzt in Angriff genommen; die Baupläne liegen schon fix und fertig vor, aus denen man herauslesen kann, was für ein Wunderschiff in der Zeppelinstadt am 'Äodensee entstehen wird. Dieses Luftschiff wird eine völlige Abkehr vom explosiblen Gas zur Folge haben. Aber nicht allein das feuergefährliche Gas wird hier Wegfällen, vielmehr wird auch das nicht minder heimtückische Benzin, das bisher zu Drennstofizwecken verwendet wurde, aus dem Luftkörper des Zukunftsluftschiffes verschwinden. An Stelle von fünf schweren Benzinmotoren, die den jetzigen „Graf Zeppelin" vor- wärtsbringen, treten vier leichte Dieselmotoren, mit Rohöl betrieben, die ein größeres Schiff genau so schnell von der Stelle bringen und eine unbedingte Sicherheit für die Passagiere gewährleisten. Aber die Hauptsache an diesem Wunderwerk deutscher Technik dürfte doch die Größe des Schiffes und seine Inneneinrichtung sein. Nicht weniger als 248 Meter lang, wird der neue Zeppelin 180 000 Kubikmeter Heliumgas benötigen, um die Hülle tragfähig zu machen. In riesigen Hallen innerhalb des Luftschiffes werden die Passagiere untergebracht, im vorderen Teil des Schifies sind die Aufenthaltsräume und der Speisesaal, die den Eindruck zu erwecken suchen, als befinde man sich in einem komfortablen Hotel. Ein Wandelgang mit balkonartigen Ausbauten und großen Aussichtsfenstern wird den Fahrgästen einen umfafienden Blick auf die Erde Sßren. Alle Räume werden auf das Mote ausgestattet, zahlreiche Spezialzimmer — sogar eine Dordbibliothek — werden vorhanden fein, um dem Weltreisenden per Luftschiff Leben so angenehm wie möglich zu machen. Unb trotz dieser außerordentlichen Größe soll das neue Luftschiff eine schnittige Linie auftoeifen. Daten für Samstag, 11. Juli. 1657: König Friedrich I. von Preußen in Königsberg geboren; — 1897: der schwedische Ingenieur Salomon August Andres steigt auf Spitzbergen im Freiballon zur Fahrt nach dem Nordpol auf. „Ich verstehe dich nicht, Mama...“ „Verstelle dich nicht! Du weißt ganz genau, was ich meine! Herr Dr. Kröger hat sich soeben bei mir über dich beklagt!" Aus Lottes Gesicht schwand mehr und mehr die Farbe. „Beklagt?... Ich wüßte nicht, inwiefern ich Herrn Dr. Kröger Grund zur Klage gegeben hätte!" „Er weiß es aber! Er ist ungehalten über dich, weil du Üjn so unfreundlich behandelst!“ Eine ttotzige Regung stieg in Lotte hoch. „Ich behandle ihn so, wie mir in seiner Gegenwart zumute ist! Ich kann mich nicht zur Freundlichkeit zwingen, wenn mir der Sinn nicht danach steht!" Elsbeth Iason sah ihre Tochter an, als habe sie sich verhört; sie fand nicht gleich eine Erwiderung. „Ich finde es überhaupt nicht sehr männlich von Herrn Dr. Kröger", fuhr Lotte erregt fort, „sich bei dir über mich zu beschweren! Wenn ihm mein Verhalten nicht paßt, kann er es ja m i r sagen!" Lotte hätte nicht sagen können, woher sie den Mut zu diesen Worten genommen hatte, die wie eine Bombe wirkten. Fritz Iason, bei Lotte nur an schweigendes Befolgen aller mütterlichen Wünsche und Anordnungen gewöhnt, betrachtete seine Tochter fassungslos. Was war mit einem Male in Lotte gefahren? Lieber Elsbeth Iason kam eine rasende Wut, die sie jede Rücksicht vergessen ließ. Ihre scharfe Stimme überschlug sich beinahe: „Was fällt dir ein, so zu mir zu reden? Das fehlte gerade noch, daß ein unreifer Mensch wie du am Verhalten eines Mannes wie Dr. Kröger Krittk übt! Du solltest ihm dankbar fein, daß er sich überhaupt mit dir abgibt!“ Lotte hatte den Kopf gesenkt; ihre Lippen waren zusammengepreßt. „Du bist überhaupt sehr widerspenstig geworden", fuhr Elsbeth Iason mit vor Empörung überkippender Stimme fort, „ich merke das schon seit einigen Tagen! Du irrst dich aber, wenn du glaubst, daß ich mir das bieten lasse! Sonst wirst du mich von einer anderen Seite kennenlernenI" Fritz Iason, der sich vorsichtshalber zum Hintergrund des Zimmers zurückgezogen hatte, kam an den Tisch. „Lotte hat das nicht so schlimm gemeint, wie du es auffaßt, Elsbeth", sprach er beschwichtigend. „Ihr müßt euch in Ruhe aussprechen..." „Mir genügt, was sie gejagt hat'" unterbrach ihn Frau Iason schroff. „Von Aussprechen kann auch keine Rede fein; ich habe mich mit Lotts nicht auszusprechen! Sie hat zu tun, was ich wünsche, das kann sie sich und kannst auch du dir merken!" i (Fortsetzung folgt.) oh« ®t> reilich Sie könnten »billiger« kaufen, Generalvertretung: M OTO R WAG EN -VER KAU FSG E S E LLS C H AFT mit beschränkter Haftung Spezial - Reparaturwerkstätte Reichhaltiges Ersatzteil-Lager, Groß-Tankstelle <606 D GIESSEN, Frankfurter Str. 52—56, Fernsprecher 2847/48 aber Sie müßten sofort auf vieles verzichten, was Sie von einem Automobil erwarten. 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Wer mit Weitblick und Großzügigkeit deS Handelns die Werbemahnah» men des Einzelunternehmens, wie der Gesamtheit nach diesem Gesichtspunkt orientiert, wird auch in wirtschaftlich schweren Zeiten den auf- wärtsführenden Weg beschreiten und damit denen zuvorkommen, die in der Kunden« und Verkehrs- Werbung nur nach der Kirchturmsspihe sich richten. Glicht nur in der Großstadt, sondern auch in der Mittel- und Kleinstadt sollte auf diesem Gebiete der große geschäftliche Zug allein maßgebend sein. Was für die Geschäftswelt zutrifft, gilt in gleicher Weise für die Derkehrswerbearbeit der Kommunalverwaltungen. Es ist selbstverständlich, dah in der gegenwärtigen Rotzeit mit dem Gelde der Steuerzahler sparsam umgegangen werden muß, rechte Sparsamkeit besteht aber nicht immer nur in dem Senken der Ausgaben, sondern auch in der xweckmäßigsten Anwendung der auf größte Erfolgsmöglichkeit eingesetzten Geldmittel. In diesem Sinne des Sparens kann man nur bedauern, daß auch in Gießen bei der Feststellung deS diesjährigen Haushaltsplanes Abstriche von etwa 1500 Mark an dem Voranschläge für Verkehrswerbung gemacht wurden. Wir haben wiederholt unsere Zustimmung zu den Sparmaßnahmen der Stadtverwaltung und des Stadtrates zum Ausdruck gebracht, aber mit den Kürzungen am Derkehrsetat haben wir uns nicht befreunden können, weil wir die Beschneidung der ohnehin nicht allzu umfangreichen Geldmittel für die Gießener Verkehrswerbung als falsch anfehen. Die Kosten für diesen Zweig der städtischen Arbeit sind gerade unter den heutigen Verhältnissen als sehr fruchtbringend für die heimische Wirtschaft anzusehen, zumal die Werbetätigkeit unserer Rachbarschaft trotz der Rotzeit außerordentlich rege und vielseitig ist. Im Hinblick auf diese Sachlage möchten wir den zuständigen Stellen zur Erwägung geben, ob es nicht doch noch in irgendeiner Weise zu ermöglichen ist, den Giehener Verkehrswerbeetat ohne erneute Belastung der Bürgerschaft wieder auf die vorjährige Höhe der Werbemittel zu bringen. Vielleicht läßt sich an einigen anderen Stellen des Haushaltes, deren Geldmittel innerhalb des Etats übertragbar sind, so viel ersparen, dah das gegenwärtige Minus im Verkehrsetat behoben werden kann. Mit dem Einsatz der Mittel und der Kräfte in der Stärke des Vorjahres dürfte für die mittlerweile schwerer bedrängte heimisch« Derkehrswerbung in wirtschaftlicher Rotzeit. In den letzten Jahren haben der Verkehrsverein, da» städtische Verkehrsamt und bie Gießener Geschäftswelt in gutem Zusammenwir- kenregeDerkehrswerbearbeit geleistet. Wie die amtliche Gießener Fremdenverkehr»- ftatistik beweist, konnte durch diese Werbung und durch Veranstaltungen größeren Stiles der .Fremdenverkehr in unserer Stadt und dadurch die heimische Wirtschaftskraft in erheblichem Umfange gesteigert werden. Die Giehener Werbearbeit war für die benachbarten Städte das Signal, ebenfalls aus der früheren Zurückhaltung heraus- zutreten und in eifriger Weise die Fremden- Verkehrswerbung zu betreiben. Bei dem Wettbewerb, der sich zwischen den Städten d?S mittleren Lahngebietes entwickelte, hatte unsere Stadt eine Reihe von Vorteilen, die sie auch heute noch besitzt und die ihr bei rechter Rutzbarmachung immer einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz sichern werden. Zunächst ist hierbei xu erinnern an die zentrale vcrkehrsgeographische Lage Gießens, an seine Vorzüge auf städtebaulichem Gebiet, den hohen Stand des geistigen und künstlerischen Leben» und an die Möglichkeiten zur Aufnahme von Veranstaltungen großen Format», die uns der Besitz der Volkshalle gewährleistet. Weiterhin ist xu beachten, dah unser Gemeinwesen eine landschaftlich schone Umgebung besitzt und Gießen aleichzeitig bequemer Ausgangspunkt für Ausflüge nach den verschiedensten Richtungest in die Wälder und in die städtebaulich interessanten Orte der Umgebung ist. Zu erwähnen ist ferner, daß bie Gießener Verkehrswerbung sich auf die Mithilfe größerer Verkehrsorgani- sationen stützen kann, die ihre Werbearbeit über das ganze Reick-sgebiet und über das benachbarte Ausland erstrecken, um dort beim reiselustigen Publikum Interesse für unsere ober- hessische Heimat zu wecken. Die Werbeorganisationen und -einrichtungen, die in besseren Jahren der Wirtschaft unserer Stadt ansehnlichen Ruhen gebracht haben, gilt e» auch in her gegenwärtigen Wirtschaftsnot zu erhalten und nach Möglichkeit auszubauen. Gerade in Zeiten deS wirtschaftlichen Riederganges ist Dcrftärltc Kunden- und Verkehrs- Werbung für die Geschäftswelt sowohl, wie auch für die Bürgcrgesamtheit eine dringende Rotwendigkeit. E» kommt in dieser Zeit darauf an. mit aller Energie auf die verstärkte Erschließung von zusätzlicher Kraft für den heimischen WirtschaftSkörper bedacht zu sein, um dadurch den Ausfall wettzumachen, der infolge der Zeit- umstände in der ortsansässigen Konsumentenschaft entstanden ist. 3n richtiger Erkenntnis dieser Rotwendigkeit ist in diesem Jahre von den Der- kehrswerbeorganisationen unserer Stadt und der Provinz Oberhessen ein« teilweise Reuorientierung der Werbemaßnahmen durchgeführt worden. Während man bisher neben der Werbetätigkeit im engeren WirtfchaftSbezirk auch in entfernteren Gebieten Fremdenverkehrswerbung betrieb. Hal man diesmal mit verstärkter Kraft die Werbung in der unmittelbaren Dachbare schäft unserer Provinz in Gang gebracht. Erfreulicherweise ist zu bemerken, daß die bisherigen Ergebnisse dieser Arbeit die Hoffnung auf gute Befruchtung der Giehener und drr oberhessischen Wirtschaft gestatten. Täglich gehen bei bett heimischen Verkehrsorganisationen zahlreich« Anfragen von Interessenten für Ferienaufenthalt in Gießen unb in Oberhellen ein, von benen :weif«lloS ein hoher Prozentsatz di« Anfrage in ie Tat umsehen dürfte. Es ist selbstverständlich, dah bei dieser Wandlung im Ferienreifebetrieb die wirtschaftlichen ZeitverhältnÄse eine bedeutsame Rolle spielen insofern, als fetzt das verstärkte Interelle der Erholungsuchenden sich auf die Gebiete lenkt, die ohne allzu große Reisekosten zu erreichen sind und den Fremden die Möglichkeit eineS guten Erholungsaufenthaltes bieten. Don dieser Reuorientierung im Fremdenverkehr wird natürlich auch die Geschäftswelt in Gießen und Oberbellen Vorteil haben, wenn sie bereit ist, auf dem neuen Wege der Verkehrs- Werbearbeit wacker mitzuschreiten. Hierbei sollten nicht Reinliche Bedenken die Hauptrolle spielen, sondern Großzügigkeit im Entschluß und in der Mitarbeit vorherrschend sein. Vor allem darf die Geschäftswelt auch nicht versäumen, durch richtige Werbearbeit auf sich aufmerksam zu machen, um auf diesem Wege neben dem indirekten Ruhen auch direkten Vorteil auS dem Fremdenverkehr zu ziehen. Kein Geschäftsmann sollte den falschen Ehrgeiz haben, nach dem Sprichwort zu handeln: „Die beste Frau ist die. von der am wenigsten gesprochen wird". Das Gegenteil sollte für den Geschäftsmann Leitgedanke bei seinem ganzen Handeln und insbesondere bei seiner Kundenwerbung fein. Dazu gehört nicht nur. dah er durch stete unb systematische Propaganda in der Tagespresse feine Finna und seine Angebote dem Publikum geläufig macht, sondern es ist auch notwendig, dah er nach Mahgabe aller Möglichkeiten die Der- kehrswerbeorganisationen durch aktive Mitarbeit unb durch finanzielle Beisteuer unterstützt. Roch immer — und besonders in wirtschaftlich schweren Zeiten — ist es so gewesen, dah die Werbe- ausgaben für jedes Geschäft die produktivsten Kosten gewesen sind, denn sie setzen "den? * »i fc«**** M ,dS >n W'Lncn cn*n Seite tcn«=™ •**CÄ** clgt-) Im Regierungsblatt Rr 7 vom 15. Juni 1931 ist das Gesetz xur Aenderung des Ausführungsgesetzes -um FincmzauSgleichgefeh veröffentlicht worden, welches die Bildung eines Aus - aleichsstockes für Hessen vorsieht. für durch soziale Fürsorge besonders hoch belastete Gemeinden. Es wird zu diesem Zwecke zur Mn» terftühung solcher Gemeinden, die durch besonder- hohe Aufwendungen auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge, troh restloser Ausschöpfung aller ihnen zur Verfügung stehenden Einnahmen unb S teuer - quellen, ohne ihr Zutun in eine außergewöhnliche finanzielle Rotlage geraten finb, ein vom Minister beS Innern xu verwaltender Ausgleichstock gebildet. Für daSRj. 1931 wird dieser AuSgleichstock gespeist durch das dem Lande zufallende Aufkommen an Mineralwasfersteuer, ferner durch Lieberführung von 8 Prozent der zu bildenden Kommunalmaffen der Einkommen- und Körperschaft» steuer unb der Umsatzsteuer Die Regierung ist ermächtigt, mit Zustimmung des Finanzausschusses des Landtags für die Beschaffung der Mittel des AusgleichstockeS weitere Maßnahmen S treffen. Die Auswirkung der vorstehenden endermrg deS hessischen FinanzauSgleichgefeheS macht sich zunächst darin bemerkbar, baß eine für bie Gemeinden recht fühlbare Verringerung ihrer Anteile an den Reichssteucrüberweisungen aus der Einkommen- unb Körperschaftssteuer im Rechnungsjahr 1931 eintritt. 'Bei ber Beratung des Gesetzes hat der Finanzausschuß deS Hessischen Landtag» Richtlinien festgelegt, nach welchen bei der Verteilung von Mitteln für notleidende Städte und Gemeinden verfahren werden soll. Diese Richtlinien machen bie Verteilung von Mitteln von der Erfüllung der nachstehenden Bedingungen abhängig: 1. Die antragstcllenden Gemeinden haben mit dem eingereichten Antrag ihren Gemeinde- Voranschlag vorzulegen. Gemeinden, die den Voranschlag von sich aus nicht ausgeglichen verabschieden, sollen Mittel aus dem AuS- gleichsfonds nur ausnahmsweise erhalten. 2. Der Voranschlag ist von dem zuständigen Ministerium einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, ob a) >di« DesoldungSordnung dieser Gemeinden sich im Rahmen der Desoldungsrichtlinien für bie staatlichen Beamten und Angestellten bewegt, b) alle Maßnahmen getroffen sind, daß sämtliche Zweige der Verwaltung nach den Erweitertes Schöffengericht Gießen. • Gießen. 8. Juli. Sin auSwäris wohnender Kaufmann hatte nn vergangenen Jahre für eine andere Firma den kommillwnsweifen Verkauf von Meßt vertraglich übernommen unb ftch dabei verpflichtet, den erzielten Srlös getrennt von feiner eigenen Kasse zu verwahren unb sofort an die Lieferfirma abzuführen. Schon einige Monate spater wurde ihm der Vertrag gekündigt. Bis babm hatte er nur einige hundert Mark abgeliefert, während er den weitaus größeren Betrag deS obzuführenden Ge.deS. da» nach feiner Behauptung erst nach Kündigung deS Vertrage» cinging, spater für sich verbrauchte. Hierzu gab er an. daß er damit den durch ver- tragSw dnges Verhaften ber Cieferfirma ihm entstandenen Schaden ausgerechnet habe. Da noch Ansicht des Gerichts dem Angeklagten feine Angaben nicht ausreichend widerlegt werden konnten, wurde er mangel- ausretchcnden Beweise» von ber Anklage ber Untreue frerge sprv- chen. Ein wiederholt vorbestrafter Betrüger haft« «S verstanden, durch bidairfgcfragenen Schwindel einen sehr vertrauensseligen Schuhmacher von auswärts um mehrere hundert Mark zu schädigen. Ms er bei diesem einige Tage gearbeitet hatte, meinte der Angeklagte, er wäre nicht so arm. wie er ausfehe Sr habe nämlich von einer Tante aus der Schweiz 150 000 Franken als Erbschaft zu erwarten. Dabei machte et den Vorschlag, das Geld auf den Ra men der Ehefrau des Schuhmachers überschreiben zu lassen. wofür er lebenslänglich verpflegt werden sollte. Aus feine Vorstellungen fuhr man zu diesem Zweck wiederholt nach Frankfurt unb ander« Orte, aber jedesmal konnte der Angeklagte aus einem anderen Grund das Geld nicht bekommen. Auf diese Art gelang «8 ihm, die leichtgläubigen Eheleute längere Zeit hinzuhalten und von ihnen mehrere hundert Mark herauszuschwindeln. Wegen RückfallbetrugS wurde ber Angeklagte unter Versagung mildernder ilmftänbc zu f Jahr 2 Monat« Zuchthaus und zu 100 Mark Geldstrafe evtl. 10 Tags Zuchthaus verurteilt. Als bei einem Gemeinderechner auS dem Bezirk des Amtsgerichts Grünberg eine Kassenrevi- sion vorgenommen wurde, stellte sich ein Fehlbetrag von mehr als 3000 Mark heran». Der Rechner bestritt, irgendwelche» Gelb du« ber Ge- meinbekasse genommen zu haben. Gr behauptete, er habe sämtliche Zahlungen ordnungsmäßig verbucht und in die Kasse gelegt. Es wurde ihm aber nachgewiesen, daß er wiederholt Gelder einkassiert hatte, die er weder in dem Tagebuch eingetragen, noch in bie Kasse getan hatte. In einem Fall hatte er sogar einen vermeintlichen Heber- schuh von 2200 Mark aus ber Kasse genommen, weil er von einer anderen Seite, bie ühm die Rechnungen stellt« unb bie Kassenabschlüsse machte, „belehrt" worden war, ber Kassenüberschuh gehöre ihm. Diesen lleberschuß hat er dann mit dem andern, der auch in Geldverlegenheit war, geteilt. Der Gerneindcrechner wurde wegen schwerer AmtS- unterschlagung zu sechs Monat Gefängnis und ber andere Angeklagte wegen Beihilfe zur Unterschlagung zu vier Wochen Gefäng- n i S verurteilt. < Großer Gemäldediebstahl. WSR. Frankfurt a. M., 10. Juli. Am Freitagnachmittag wurde in bie Villa des Generaldirektors Dr. Caspar in Sindlingenbei Frankfurt a. M. eingebrochen. Die Täter drangen mittels Nachschlüssels in daS Gebäude ein, wo sie einen Original van Dyck im Werte von 200 000 Mark und einen echten AntoniS Palamedeß im Werte von 40 000 Mark unter Zurücklassung ber Rahmen stahlen. Deibe Ge- mälbe finb auf Holz gemalt. Der van Dyck stellt ben ChristuSgang zum Kreuze bar unb bat eine Größe von 32,4x45 Zentimeter. Der Palamedeß zeigt eine musizierende Gesellfchaftsszene, Größe 56x74 Zentimeter. Vorerst fehlt noch jede Spur von den Tätern. Offenbar handelt es sich um Spezialisten für Dilderoiebstähle. denen genau bekannt war, das sich in der Villa des Dr. Caspar eine wertvolle Gemäldesammlung befindet. Die Kriminalpolizei hat noch in der Rächt auf dem Funkwege die Beschreibung der Bilder verbreitet, um so bie Kunsthändler vor Ankauf zu warnen und bie Grenzstationen auf die Bilder aufmerksam zu machen, falls fie in das Ausland gebracht werden sollen. Für die Wiederbeschaffung der beiden Gemälde ist eine Belohnung von 48 000 Mark ausgesetzt. — Wie noch erinnerlich fein dürfte, war bereits am 31. Januar d. I. ein großer Einbruch in diese Villa unternommen worden, bei dem ben Tätern Gemälde im Werte von 60 000 Mark in bie Hände gefallen finb. Die Aufklärung auch biefes Einbruches ist bisher noch nicht gelungen. Sprechstunden der Redaktion. 11-30 bis 12.33 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. 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Alljährlich Durchziehen viele Taufend« zur Sommerzeit und Ferienzeit die Wälder und Taler, über Berge und Höhen, um gekräftigt an Seele und Körper wieder heimzukehren. Die Juh- wanderungen haben eben auch heutzutage noch trotz Motorrad und Auto ihre unerreichbaren Reize beibehalten. Jedoch wird häufig genug die Freude am Wandern empfindlich getrübt, wenn die Gehwerkzeug« anfangen beschwerlich zu werden, lind doch ist t-s möglich, durch Befolgung ganz einfacher Regeln kleinere und größere Störungen der Wanderlust zu verhüten. Dor allem spielt das Schuhwerk eine große Rolle. Wanderfchuhe sollen bequem sein, gut sitzen und feste Sohlen haben. Bei älteren Tourenschuhen wird das Oberleder leicht steif und hart. Durch Einschmieren mit Stieselcrem« und durch Kneten und Pressen kann es immer wieder geschmeidig gemacht werden. Mit Stöckel- schuheir kann man keine Hochtouren machen: die Absätze dürfen lediglich Mitteihöhe haben. Reue Schuhe schmerzen gewöhnlich zu Beginn des Tragens: man sollte f:e daher schon einig« Tage vor der Wanderung in Gebrauch nehmen. Auch die Strümpfe sind nicht ganz gleichgültig. Sie sollen nicht zu eng und nicht zu weit sein, sie dürfen keine Falten schlagen und an Zehen und Fersen möglichst wenig gestopft sein, da sie sonst leicht drücken. Am zweckmäßigsten sind leichte wollene Strümpfe, während Flor- und Seidenttrümpfe, di« die Feuchtigkeit schlecht oufsaugen, für Fußwanderer weit weniger geeignet sind. Bei Wanderungen in der heißen Sommerzeit sollte man, wenn irgend möglich, täglich frtsche Strümpfe anziehen. Eng anliegende Strumpfbänder begünstigen die Entwicklung von Krampfadern. Wenn man überhaupt rund« Strumpfbänder benutzen muh, so enrpsiehlt es sich, sie oberhalb der Knie zu trcu- gen. Am allerwichtigsten ist jedoch die sachgemäße Pflege der Füße. Hühneraugen und verhornte Stellen sind vor Antritt der Änderung gründlich zu entfernen. Die Rägel rsen nicht allzu kurz geschnitten werden, vor m nicht an den Seiten, ta sonst leicht «ine andentzündung. ein eingewach'ener Ragel, entsteht. Es empfiehlt sich, die Füße vor der Wanderung mit Hirschtala einzureiben. Personen, di« an stärkerer Schweißabsonderung leiden, sollen die Füße mit Schweißpudcr bestreuen oder in die Strümpfe vor dem Anziehen etwas Puder schütten. Crundsätzlich sollte jeder Wanderer allabendlich ein Fußbad nehmen. Selbst die kleinsten Derlctzungen oder Hautabschürfungen an den Füßen müssen beobachtet und sauber verbunden werden. Denn sonst gelangen nur zu leicht Schmutzteilchen uni) giftige Keime in die geringfügig erscheinende wunde S:e.le. Die Folge sind heftige Entzündungen, ja mitunter sogar Blutvergiftungen mit tödlichem Ausgang. DaZ Aus- stechen von Blasen darf nur durch ärztlich gc- schu.'.e Personen vorgenvmmen werden, die über sterile Instrumente und steriles Verbandszeug verfügen. Sonst ist auch hier die Gefahr der Blutvergiftung außerordentlich groß. Ein wichtiges Problem des Wandcrsportes ist der Durst, der während der Bewegung nicht durch hemmungsloses Trinken gestillt werden darf, da durch die ost großen Flüssigleitsmengen sonst leicht eine Abnahme der Leistungsfähigkeit hcrvorgerufcn wird. Spüren des Mundes mit kaltem Wasser oder Saugen an einer Zitronenscheibe sind bewährte Mittel, um auf der Wanderung die quälendsten Durstgefühle zu lindern. Erst abends int Quartier dürfen langsam, in mäßigen Mengen alkoholfreie, nicht zu kalte Flüssigkeiten getrunken werden. Bei der Auswahl der Kost sollen auf der Wanderung schwer verdauliche Speisen vermieden werden, da fit den Verdauungsapparat — zum Rachteil der Muskulatur — unnötigerweise belasten. Di« festen Speisen sollen gut durchgekaut werden, gut verdauliche nahrhaft« Suppen sind recht empfehlenswert. Dezügllch der Kleidung ist zu sagen, daß leichte, poröse, gut schweihaussaugende und zugleich gut waschbare Helle Stoffe vorzuziehen sind. Man sollt« es nach Möglichkeit vermeiden, schon einmal durchgeschwitzte Kleidungsstücke wieder anzulegen, ohne sie vorher gewaschen oder zum mindesten gründlich durchgelüstet zu haben. Auf der Wanderung wird dem erhitzten Körper ein Luftbad hinter der geschützten Hecke oder ein Freibad die ersehnte Kühlung und Erfrischung bringen. Zugleich haben auch die im Schatten ausgehängten Kleider Gelegenheit, auszukühlen und den Schweiß verdunsten zu lassem Ein sehr gutes Erfrilchungsmtltel für Hitze- müde Wanderer ist das Eintauchen der Hänk^, vornehmlich der Handgelenke, in kaltes Wasser: auch das Auslegen eine- wassergetrankten Tuches aus den Racken erfrischt recht angenehm und kühlt ab. Wenn jemand auf der Wanderung, zumal an heißen, schwülen Tagen. Kopfdruck. Flimmern vor den Augen, Ohnmachtsanwandlungen, allo Anzeichen von drohendem Hitzfchlag Auftreten, muh unbedingt eine Ruhepause sofort eingeschaltet werden. Man lagere sich im Schat- tem offne alle beengenden Kleidungsstücke und trinke schluckweise kühlende Fküssigkeilen gegen di« Wärmestauung im Körper. Der ganze gesundheitliche Ruyessekt der Wanderung wird zunichte gemacht, sobald man nicht aus die Stimme der Dernunst hört und jegliche äleberanstrengung vermeidet. Nerklenblirg - das Land der sechshundert Seen. Don Hans Höhlmann, Neubrandenburg. Das Jahr des Herrn 1931 steht im Zeichen der Ostsee. Die Länder am Baltischen Meer wollen zeigen, daß sie zusammengehören, wirt- schasrlich und kulturell auss engste verbunden sind. Die Ostfeebäder von der dänischen bis zur litauischen Grenze haben durch Verbesserung der Verkehrsbedingungen. durch Ermäßigung bder Ab- schasfung der Kurtaxe, durch Einrichtung von Pauschalkuren, durch eine Fülle von Veranstaltungen die Saison 1931 vorbereitet: An die Ostsee aber kann man nicht denken, ohne feine Blicke auch aus M e ck l e n b u r g. ein Hauptdurchgangsland des Verkehrs von und nach Skandinavien, zu lenken. 3m Zeichen der Sieben. Kommen Sie z. B. einmal nach Rostock! Rostocks Wahrzeichen ist nicht nur der Goldene Greis aus blauem Grund, sondern vor allem sind es die sieben Türme der Kirchen, die einst fromme Hansekaufleute bauten. Die Zahl 7 spielt in der Daugeschichte Rostocks eine bedeutende Rolle. Ein alter Sinnspruch zählt 7 Wahrzeichen Rostocks aus: nämlich die 7 Türen der Marienkirche, öie 7 Straßen vom großen Markte, die 7 Stadttor«, von denen noch heute gewaltig das Kröpeliner Tor ausragt, die 7 Kaufmannsbrücken, die 7 Türme auf dem Rathause und ihre 7 Glocken — und als siebente- Wahrzeichen die 7 Linden im Rosengarten. Zur Zeit, da die Hanse Rordlands- könige ernannte und absetzte, war Rostock neben Lübeck die «inslußreichste Stadt der Hanse. Durch den bunten Farbenbummel der Couleurstudenten, durch das rege Dormittagsleben aus dem Reuen Markte, wo Ostseekrabben, Ostseesteinbutte und riesige Spickaale, hier keineswegs Delikatessen, sondern ein Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung, in ungeheuren Mengen feilgehalten uiü) verkauft werden, führt der Weg zum Hauptbahnhof, von wo man in einer Viertelstunde den Ha^enplatz Rostocks, das Ostseebad Warnemünde. erreicht. Es ist mit seinem leuchtenden Sandstrand, der gepflegten breiten Kurpromenade, dem neuen Kurhaus und den Kurpark- anlagen gewiß eines unserer schönsten Ostseebäder. Die Deutschen machen mit den schmucken Fährschiffen» nach Djedscr gern eine kleine Seereise. ein Vergnügen, das sich jeder Badegast von Warnemünde wegen des geringen Preises von 6 Mk. hin und zurück bedenkenlos leisten kann. Schwedische Stadt in Deutschland. Und nun nach Wismar! Wismar ist — ein wenig bekanntes Kuriosum — vom Dreißigjährigen Kriege bis 1903 (!) eine schwedische Stadt in Deutschland gewesen. Erst 1903 war cs nach einem freundschaftlichen Liebereinkommen mit der schwedischen Regierung möglich, die Verpfändung abzulösen und Wismar deutsch zu machen. Feierlich hielt der Grobherzog von Mecklenburg damals in Wismar seinen Einzug als Landesherr. Reich ist die Zahl der Erinnerungen an Wismars große Hansezeit. Den Markt umsäumen Bürgerhäuser mit eigenartigen polischcn Giebeln. Besonders fällt der „A l te Schwede" auf, ein Gasthaus, an dessen Decke es von Rachbildungen alter Hansekoggen und Orlogschisfe wimmelt. Die Kirchen sind ragende Zeugen jener stolzen Tage der Hanse, wie von Riesen für Riesen gebaut. Prachtvoll im Innern der St. Ricolai-Kirche die marmornen Epitaphien schwedischer Feldmarschälle und Wismarscher Bürgermeister! Sehr lohnend ist eine Fahrt nach der langgestreckten Insel Poel und ein Abstecher nach der kleinen Dogclschutz- insel Langenwerder. Schwarze Sc^väne, Rottgänse, riesige Seeadler sieht hier das enk- zückte Aug^ Oie Seenplatte. In den letzten Jahren sind auch die Schönheiten des Hinterlandes der Ostsee, der mecklenburgischen Seenplatte mit ihren 650 leuchtenden Augen der Landschaft, mehr und mehr entdeckt worden. Wirklich, es gibt nichts schöneres, als an einem stillen Abend zuzusehen, wie Fischer aus ihrem Schleppzug mit vereinten Kräften Welse von Mannesgröhe und Mannesgcwicht und räuberische Hechte im Alter bis zu 100 Jahren und 35 Pfund Lebendgewicht hcrausholen. oder am frühen Morgen den Krcbssischer begleiten und mit ihm seine Körbe zu revidieren. Am 22 Kilometer langen „Großen See" liegt die Landeshauptstadt Schwerin. In der klaren Flui deS Pfaffenteiches spiegelt sich der gcwallige gotische Dom mit dem 120 Meter hohen Turm. Heinrich der Löwe, der große Welsenherzog und Kolonisator Mecklenburgs, hat ihn gegründet und verlieh Schwerin das Stadtrechr. Das ehemalig« Residenzschloß der Großherzöge von Mecklenburg — man nennt es das schönste in Rord- deutschland — wird von einer mächtigen goldenen Kuppel gekrönt und ist wohl eine- der schönsten Museumsgebäude Deutschlands. Unter der Kuppel steht das Reiterstandbild des wendischen Obotritensürsten Riklot. der im Kampfe gegen Heinrich den Löwen fiel. Sein Geschlecht aber hat seit dem 12. Jahrhundert bis 1918 in ununterbrochener männlicher Reihenfolge in Mecklenburg regiert. 3m Boot von der Müntz nach der Spree. Wer segeln und rudern will, hat dazu di« beste Gelegenheit in der gemütlichen Stadt Waren, die wegen ihrer malerischen Lage am Müritzsee, dem mit 132 Quadratkilometer zweitgrößten deutschen Binnensee, gern als Sommerfrische benutzt wird. Während der warmen Jahreszeit unternehmen von hier Tausend« von Wassersportlern lohnend« Wasserwanderungen, die bis Hamburg oder Berlin ausgedehnt werden können. Unvergeßliche Eindrücke vermitteln Bootsfahrten über die Müritz nach P 1 a u mit Silbermühle. Mirow und vielen anderen Orten. Man erreicht auf dcm Wasserwege auch Rheinsberg. die idyllische Kronprinzenresidenz Friedrichs des Großen, die schon aus brandenburgischem Gebiet träumt. Zwischen Waren und Berlin liegt die ehemalige Residenz der Mecklenburg-Strelitzschen Grohher- zöge: das idyllische Reustrelih. Das schöne Schloß birgt wertvolle Erinnerungen an die Königin Luise, die eine Prinzessin von Mecklenburg- Strelih war und in dem nahegelegenen Schloß Hohenzieritz auch als Königin von Preußen noch gern weilte. Sie ist auch hier in Hohenzieritz gestorben. Ein Herzstück des mecklenburgischen Landes ist G ü st r o w. das man in Mecklenburg wegen seiner vielen Unterhaltungsstätten, mit einem guten Schuß von Ucbertrcibung, gern „Klein-Paris" nennt. 3m Dreißigjährigen Kriege hat fein schönes Renaissanceschloß einmal kurze Zeit dem Kaiserlichen Generalissimus Wallenstein, nachdem er Herzog von Mecklenburg geworden war. als Residenz gedient. 2m Dom scheinen die zwölf Apostel-Figuren. Meisterwerke niederdeutscher Plastik, jede Form zu sprengen. Reben diesen mittelallerlichen Kunstwerken fesselt eins der modernsten und eigenartigsten Kriegerdenkmäler Deutschlands den Blick: Der Holsteiner Ernst Barlach, der seit vielen Jahren in Güstrow wohnt, hat in der schwebenden Plastik eines Kriegers, der sich schwer und doch hoffend von der Erde löst, ein Kunstwerk niederdeutschen Emp- findend geschaffen, das sich neben die zwölf Apostel stellen darf. Zu Haus bei Oörchläuchting. Wer die Mecklenburger kennen lernen will, den kräftigen, gesunden Menschenschlag, der vom zwölften Jahrhundert an aus der Mischung niederdeutscher Kolonisatoren mit den wahrend der Völlerwanderung westlich DorgeörungAcn slawischen Wenden entstanden ist, besucht Reu- brandenburg. Eine Stadt, die den Mecklenburgern schon deshalb heilig ist, weil hier ihr dichterischer Ratio na Ihervs, FritzReuter, feine wichtigsten Werte schrieb. Man denke nur an die weltberühmt gewordene SerenissimuS-Tragi- kvmödie des Romans „Dörchläuchting", die in Reubrandenburg selbst spielt. Die Mauern aus FindlingSblöcken mit herrlichen Toren, die Wäll« mit den uralten Eichen, die zahlreichen Reuter- Gedenkstätten der Stadt, der geheimnisvoll« Tollensefee mit feinem neuen Kurhaufe und di« weiten Ratur- und Dogeischutzgebiete der Wälder der Umgegenb locken im Sommer viele Tausende zur Erholung. Schön ist das Mecklenburger Land mit feinen riesigen Forsten aus Buchen unb Föhren, den saftigen Weiden mit wohlgenährtem Dich und fruchtbaren Aeckern. Bekömmlich ist die Ruhe in Verbindung mit der guten mecklenburgischen Küche: denn Hecht und Zander. Aale und Krebse. Rehrücken und Hirschkeule aus dem reichen Wild- bestand. Spickbrust und Schwarzsauer. Schinken und Mettwurst, das sind einige Glanzpunkt« der mecklenburgischen Speisekarte, die man so leicht nicht vergißt, wenn man sie erst einmal probiert hat. Dazu gibt es einen festen Trunk, und der echte Mecklenburger läßt sich Zeit bei dem Genuß solcher kulinarischen Leckerbissen, eingedenk des alten mecklenburgischen Wahlspruchs: „Mensch, iß langsam! Du glaubst nicht, was der Mensch leisten kann, wenn er langsam ißt." Wanderfahrten. Fronhaufen—EbSdorserGrund—Dordeck—Londorf. Diese Wanderung ist, da fie wenig Schatten gewahrt, mehr für di« kühlere Jahreszeit geeignet. Wir gehen vom Bahnhof Fronhaufen über das Dahngleife nach Bellnhausen und erblicken unterwegs Schloß Rabenau, den Altenberg, das Marburger Schloß, Spiegelslust und Rimberg. Don Dellnhausen wandern wir dem Tal der Zweiter Ohm aufwärts über Hassenhaufen und Erbenhausen nach Hachborn mit guten Gasthäusern. Hier beginnt der fruchtbare Ebsdorf er Grund, den wir, immer dem Bache nach, durch- f«breiten, um nach Ebsdorf, das der Gegend den Ramen gab, zu gelangen. Hier hat sich auch di« malerische Tracht der Dorfbewohner noch ziemlich erhalten. Wir wenden uns nun südlich und gehen blauen Strichen nach über Leidenhofen, hinter dem alsbald der Wald beginnt. Wir kommen am bewaldeten Leidenhoser Kopf vorbei, dessen Besteigung sich, da keine Fernsicht, erübrigt. Rach geraumer Zeit erreichen wir das reizvoll gelegene, von einer Burg überragte Rordcch Das Zeichen führt uns abwärts durch das schöne ßumbatal mit prächtigen Ausblicken nach unserem Endziel Allendors. Wanderzeit vier Stunden. Sinn-Aennweg—Bellersdorf—Bechlingen— Aßlar. Don unserem Ausgangspunkte Sinn verfolgen wir die nach Dicken führende Straße, die uns alsbald auswärts durch die bewaldete Hörre auf den Rennweg bringt. Hier treffen wir die vom DHC. Gießen angelegte gelbe Kreuzmarkierung, der wir nach rechts folgen. Auf schonen, wenig begangenen Waldwegen kommen wir nach einiger Zeit nach Bellersdorf (gutes Gasthaus!. Dis zum nächsten Dorf Bermoll gehen wir noch dem Zeichen nach, von da wenden wir uns südwestlich und gehen über Oberlemp und Bechlingen blauen Strichen nach durch das anmutige Bechlinger Tal nach unserem Endziel Aßlar. Wairderzeit knapp fünf Stunden. Reisewinke. Die Kindcrzechc von Dinkelsbühl. Dom 18. bis 22. Juli findet traditionsgemäß in bet alten fränkischen Stadt Dinkelsbühl wieder die berühmte »Kinderzeche" statt, zur Erinnerung an die Errettung der Stadt von feindlicher Plünderung während des Dreißigjährigen Krieges. Den Höhepunkt dieses fast 300jährigen Heimatfestes bildet das historische Festspiel am 19. und 20. Juli. Es wird eingeleitet durch einen Schwertertanz mit Zunftreigen, dann folgt das Spiel — aus Titten der Kinder verzichtet der Eroberer auf die Plünderung — und ein Festzug durch die altertümlichen Straßen. Den Beschluß macht em Konzert der Dinkelsbühler Knabenkapelle. Was ist Schlick? Ein natürliches Heilmittel erster Ordnung, zahllosen Schwerkranken die neue Zuversicht. Wilhelms- haoen gehört zu den wirklichen und natürlichen Heil- bädern Deutschlands. In neuerrichteter städtischer Kuranstalt werden Vollbäder, Teilbäder, Packungen verabreicht, die gegen Gicht, Rheuma, Ischias, Frauenleiden, Skrofulose und lokale Tuberkulose von erstaunlicher Wirkuny sind. Die Badeoerwaltung hat darüber eine interestante Schrift veröffentlicht. sEad Salzhausen Bewährte Heilquellen / Schöner alter Park Preiswerte Pauschalkuren Auskunft: Hessische Badedirektion SchloB-Caf6 Marburg Inh. Carl Spangenberg - Schönste Aussicht Marburgs Täglich ab 15.30 Uhr: Konzert Dienst,Donnerst.,Sonnab.u.Sonnt:Tanz-Abend Mittwoch: 5-Uhr-Tanz-Tee 35720 Sommerkur für 3563V Nervenkranke und Nervös-Erschöpfte Speataikaranstalt Bothels Im Taenia bei Frankfurt a. M. — Prospekte durch W San-Bal Dr, M. Sttnlze-Kalilem. 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Goldmerikaner von 9$ 9,5 — 9,1 —— 4% Türkische Zollanlcihe von 1911 4% Türkische B agdadbahn-Anleihe 2,5 — 2,7 — Serie 1........... 2,55 — — —— 4% desgl. Serie II....... 2,55 — 2,7 — b% Rumän. vereint). Rente v.190. — 7,2 — 4y,%Rumän.vereinh.Rentev.i918 13,9 — 14,1 14,1 4% Rumänische vereinh. Rente . 5,75 — 5,85 5,8 L^% l. Anatolier...... 14,25 — 14,4 14,3 Datum VamDuro-'jlmenla Uiatei . . . t Hamburg.Sudam. Dampfschiff. » Hansa Dampfschiff .....0 Norddeutscher Lloyd.....6 81.®. für Verkehrswesen AN. . . Berliner Handelsgesellschaft . 8 Commerz, unv Prioat-Bank . 7 Darmstädter und Nationalbanl 8 Deutsche Bank und DiSconto-Gefellschaft... 6 Dresdner Bank...... 6 Reichsbank........12 A.E.®............7 Bergmann.........9 Elektr. LteserungSgelellschaft. 10 Licht und Straft......10 Felten & Guilleaume. . . . 6% Gesellschaft für Elektrische Ünternchmungcn .... 9 Rheinische Elektrizität .... 9 Schurken L Co.......11 Siemens & HalSle.....14 Lahmeyer L Co.......12 Buderus........ . 4 Deutsche Erdöl.......5 Gelsenkirchener.......8 Harpener..........o Hoesch Eisen.........6 Ilse Bergbau.......10 Klbcknerwerke........6 Köln-Neuessen. ...... ey, ManneSmann-Röhren .... 6 Mansselder Bergbau.....0 Oberschlei. KokSwerke .... 8 Phönir Bergbau...... Rhemucke Braunkohle«. . . 10 Rheinstahl.........6 Frantiur, a. Dl. »erlin Schluß« kurs 1-Uhr« Kurs (Schluß- kurs Anfang« Kurs 10.7. 11.7. 10.7. 11.7. — 43 44,4 42,5 —- — 89 87,25 — — 76 75 46,75 — 47,5 45,5 — — 45,5 44,9 — — 102 102 100,25 100,5 100,5 100,5 100,5 — 100,5 100,5 100,5 _ 100,5 100,5 100,5 — 100,5 100 124,5 126,75 125,75 125,25 85,5 85,5 87 85,5 — — 70 69,5 98 98 98 — 107 —- 108,5 107,75 63 — 64 62,25 100,5 100 101,5 99,5 87 88 — 88,5 114 — 116 115,25 141 143 145,25 143 103 — 104 — 37 — 37,5 37 —— 59,25 59 57 — 57,75 55,25 55 — 55 53 — — 46,25 45,25 145 — 145 142 48 — 48,75 48 57,25 57,13! 59,5 57,25 —— — 26,25 26,25 — «— 59 57 37,5 39,5 38,9 39 150 —— 149,5 144,5 65,5 64 66,13 64 Fronksun a. Dl. Berlin Schlußkurs 1-llht« Kurs Schlußkurs Anfang» Kurs Datum 10-7. 11.7. 10.7. 11.7. Riebcck Montan...... 7,2 — — — — Bereinigte Stahlwerke . . . . 4 39 36,75 36,75 37,25 Otavi Minen......1 6'/. — — 17,25 17 Kaliwerke AscherSIeben . . . 10 109,5 — 111 112 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 113,5 — 116 115 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 16 180 — 184 181 I. G. Farben-Industrie . . . 12 124,5 125,5 126,25 125,75 Verein, chem. Industrie Frank furt a. M......... 48,5 _ — Scheldeanstalt....... 10 116 — — — Goldschmidt. ....... . 0 35,75 —— 34,9 33 Rütgeröwerke....... . b — — 37,5 54 37 Metallgesellschaft...... . 6 53,5 52,5 — Philipp Holzmann..... Zemcntmerl Heidelberg. . . Cementwcrk Karlstadt. . . . . « 66,5 — 68 65,25 :? 52 83,75 — _ — Wayb & Freytag ..... . 0 - 20 23,4 — Schultheis Patzenhoscr . . . Aku (Allgemeine Kunstseide) 16 0 72 71,5 120 73,25 118,5 71,25 Bcmberg......... 0 86,25 86 88,9 86,25 Zellstoff Waldhof..... 12 — 60 62,5 54,5 60 Zellstoff Aschaffenburg . . . 6 — —- Dessauer GaS....... . 9 —— —— 108 104,5 Daimler Motoren..... . 0 22,75 — 22,5 22,13 Deutsche Linoleum .... . 6 54,25 «— 55,25 — Orenstein & Koppel .... . 0 —— — 36,4 34,25 Leonhard Tietz...... . 8 82 — 81 78,5 SvenSka......... 16 226 —— 226 224 Chade.......... 247 — 247,5 — Frankfurter Maschinen . . . Gritzner......... Mainkraftwerke Höchst a. M.. . V . 0 9 27 — 8,25 26,75 — . 6 64 —— --- — Süddeutscher Zucker . . . . 10 104,5 104 103 — Banknoten. Berlin, 10.Juli Geld Brief Amerikanische Noten ....... 4,217 4,237 Belgische Noten......... 58,81 59,05 Dänische Noten......... 112,61 113,05 Englische Noten ......... 20,49 20,57 Französische Noten......... 16,49 16,55 Holländische Noten........ 169,55 170,23 Italienische Noten........ 22,11 22,19 Norwegische Noten........ 112,61 113,05 Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling 59,13 59,37 Rumänische Noten........ 2,49 2,51 Schwedische Noten. ........ 112,90 113,34 Schweizer Noten......... 81,78 82,10 Spanische Noten......... 39,62 99,78 Ungarische Noten........ 73,27 73,57 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. 10. Juli 11. Juli Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld »rief Geld »rief HelfingforS . 10,593 10,613 10,593 10,613 Wien.... 59,20 59,32 59,195 59,315 Prag . . . 12,479 12,492 12,472 12,492 Budapest . . Sofia . . . 73,45 73,59 73,38 73,42 3,047 3,053 3,051 3,057 Holland . . Oslo.... 169,55 169,89 169,55 169,89 112,72 112,94 112,72 112,94 Kopenhagen. 112,72 112,94 112,72 112,94 Stockholm . 112,86 113,08 112.86 113,08 London. . . Buenos Aires 20,475 20,515 20,475 20,515 1,326 1,330 1,330 1,334 Neuyork . . 4.209 4,217 4,209 4,217 Brüssel. . . 58,77 58,89 . 58,77 58,99 Italien. . . 22,055 22,095 22,045 ' 22,085 Paris . . . 16,48 81,72 16,52 16,478 16,518 Schweiz . . 81,88 81,67 81,8? Spanien . . 40,01 40,09 40,06 50,14 Danzig. . . 81,89 82,05 81,89 82,05 Japan . . . 2,081 2,085 2,081 2,085 Nw de Jan.. 0,314 0,316 7,452 18,70 0,314 0,316 Jugoslawien. Lissabon . . 7,438 18,66 7,436 18,68 7,450 18,72 Nir itfcen. '«• Ä"« «ws- •« 'nen bft2 > '‘■fe "•MhE* '«°Ä t« W» Offner « a.nfln i e ?aft Detin« r ?n » E ■ 6ilflftammtt J^'n einem •5sfc* «Kn habe. )a w>ä . -oez'ehung. ßr °4en. [ein, toorfen. einen Händler verurteilt, totil °? Dilles nach "Maßen Md r 'mnnach'Ln. Don Zeugen zu >NM, wie dos raus aber, bah elbst schwer der» Dniehte aber davvnge trogen 40 Mark erbten. Jen. nach Trinitatis. «; zugleich W. n der Marius- «mann; Seichte us- und Marius- die Mainaus- - Zohannestirche. isteniehre für bie -gemeinde: SZ: tderkirche für die leimer; 20: Sibel- Pfarrer Groh - ): Missionar Siu- Hergemeinde, Mist tlinderschule. 9.30: Ietter Waldgottc;- •uc Hula. 11.Li: V'.'l. r>Migviiesdienfl, ; 10.30: Linder- ).45: Äinberlirdte. : Thrisleickhrc für 13.30: Sollesdienil. 13: Christenlehre. Meich.anichliehend ienborn-Stelnbetfl. istenlehrc. - tich. stenlehre für die itesdienst anlähiich )raudt. xn. ult chte. j nach Psingsten- hesse, Kommunion Uten; 8: Kommu- [: Messe mit Pre- cht; 15: Dersamm- iion. - Sninberg. aen. 9.30: ßo^amt -Cldj. 7.30: ßod|. re und Andacht. 7° [ - wdda. 8-30' librirnamlS^- ■f. Sngtiapo'Lv »er. N .21 8.8 2,6 0,Ü 6,49 9,55 2,1 2,6 i,| 1.4 >,S§ ,'S 1,62 1,21 tnfl^l '^15' 3:«». 12.492 »iS 3,057 169,69 1».* 1! tS •9ä atnlli^ ©tl^, io5g 59,195 12-472 73,38 112$ 90,4’5 4,209 58,77 *s 16,4g 81.67 40$ 81,89 ,081 0,31 7,436 18,68 82$ 2,085 0-3'6 7,4g 18,72 Oberheffen. Landkreis Wietzen. 00 Lang Göns, 10. 3uli. T\c am Dienstag und Mittwoch in unserer Gemeinde abaehattcnc DolkSmisfionstagung war von Geistllchen und KirchengcmctniX gliedern der aaiucn Umgebung febr gut besucht. Der hiesige Kirchengelangveretn und der Posaunenchor unter Leitung von Wc-.ß- hindermeister Doller verschönten die Abendveranstaltungen. Die Morqenandachlen und Dibeibesprechungen an den Nachmittagen, von Dolksmissionar Walther (Beuern). Pfarrer Ködding (Sberftadt) und Pfarrer Lenz «Stehen i gehalten, gaben manche Anregung. Außer- dcm wurden einige aktuelle Dorträge gehalten. Pfarrer Scribd (Dielbrunn, Kreis Erbach) behandelte das Thema .Christentum und völkische Bewegung". Pfarrer Dörr (Büttelborn, Kreis Groh-Gerau, sprach am Dienstag über da» Thema .Ist Religion Opium für da» Dolk" und am Mittwoch über .Christentum und Sozialismus Am Schlußabend beantwortete Pfarrer Röhricht (Darmstadt), der Tnrektor des Hesse- g Landesvereins für Innere Mission, die ;e .Wer ist und waS wollte IesuSChristus?" Schluhspiel des Posaunenchors beendete die Taaung. D o r f - G ü t l. 10. Juli Das seit langer 3cit alle zwei Jahre hier stattsindende große Mes- sionSfest wurde dieses Jahr am vergangenen Mittwoch gefeiert. Weit über lOOO Besucher hatten sich eingefunden. Der grohe Platz vor der Kirche konnte die Teilnehmer kaum fassen. Rach einem Choral deS Posaunenchores (Leitung: W. Messers chm i dt), nach Psalmverlesung und Gebet durch Pfarrer Schmidt hielten Pfarrer Koch (Lützellinden), und Mifsionsdirektvr Äe p - I e r (Barmen) eindringliche Ansprachen. Die Rachversammlung erfreute sich eine- au herordentlich guten Besuches Pfarrer Da nnert (Reiskirchen) hielt eine eindrucksvolle Predigt. Chöre des kirchlichen Mannerchore-, des Gemischten Chores — beide unter der bewährten Stabführung von Messerschmidt — und gemeinfam gesungene Lieder umrahmten das gesprochene Wort und sicherlich wurden der Missionsarbeit meue Freunde gewonnen Der Ort-geistliche Schmidt (Holzheim) dankte allen Witwirkenden. Die ansehnliche Geldsammlung kommt der Rheinischen Mission zugute. 'Odenhaufen, 10. Juli. Der Krieger- Verein hielt eit e auhcrordentliche Derfammlung ab. in der der Bezirksvorsitzende Roth von Grünberg die Kameraden Kaspar Konrad und Bürgermeister Rachtig all im Auftrag der Hassia mit der Shrengedenkmünze für Verdienste im Kriegerverein auszeichnete Der Vorsitzende überreichte im Ramen des Vereins seinem ältesten Ehrenmttgliede Ivh. Leih ein Diplom. Preußen. 3um Gedenken der Heiligen Elisabeth. Ausführung von LisztS Oratorium „Die Legende don der Heiligen Elisabeth". WSR Marburg. 10. Juli. 3m gut besetzten Schiohparktheater fand gestern nachmittag aus Anlah deS Elisabeth-Gedächtni-jahrcS eine Aufführung des Lisztschcn Oratoriums ..Die Legende von der Heiligen Elisabeth" durch den Marburger Konzertverein in Gemeinschaft mit der Kapelle deS Kasseler StaatstheaterS. des LiedervercinS, der Sängerschaft Hohenstaufen, sowie deS Elisabethchores statt. Das Werk, zu dem Liszt durch die Schwindfchen Wandgemälde auf der Wartburg angeregt wurde, und zu dem Otto Roquette mit großem Geschick eine Romantik und Poesie deS Stoffe- glücklich wiedergcbendcn Test lieferte, erlebte vor 50 Jahren in der hiesigen Pfarrkirche feine Uraufführung. Es entrollt den Lebeirslauf der Heiligen in sechs in sich abgeschlossenen Szenen und schildert nach .einem Vorspiel die Ankunft der Elisabeth auf der Wartburg, das Roscnwunder, den Kreuzzug, die Der- treibung der Elisabeth. Elisabeth und die Armen, Tod und Derklärung der Elisabeth und schliehlich die feierliche Bestattung. Der Leiter der Aufführung. Prof. Dr. Stephanie, verstand es meisterhaft. Liszt- farbenreiche und glänzende Tonsäye au- dem Tonkörper herauszuholen. Die Hauptpartie der Elisabeth hatte in Amalie Merz-Tunner. München, eine Dertreterin gesunden, welche besonders in den dramatischen Szenen durch lebendige Gestaltung wirkt. Paul Lohmann. Berlin, führte die Rolle der Landgrafen Hermann und Ludwig mit echter Ritterlichkeit durch. Scharf und charakteristisch zeichnete Eva Jürgens, Barmen, das Bild der herrschsüchtigen. kaltherzigen Landgräfin Sophie, während die Rolle de- ungarischen Magnaten und Seneschalls durch Olaf Knut Strandberg beste Vertretung hatte. Der starke Beifall am Schluffe der eindrucksvollen Aufführung galt nicht nur Chören. Orchester und Solisten, sondern auch vor allem dem Leiter. Prof. Stephanie. Kreis Wetzlar * Krofdorf. 10. 3uli. 3n der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung von Krofdorf-Gleiberg wurde zunächst über den Wald- wirtschaflsplan für das am 1. Oktober beginnende DirtschastSjabr 1932 beraten. Gemeinoeförster Möller erläuterte den Plan. Die Gemeindevertretung stimmte dem Wirtschaftsplan zu. Für eine Anzahl der in den letzten Jahren gebauten Wohnhäuser hat die Landesbank in Düsseldorf durch Vermittlung der Gemeinde Zwischenkredite gegeben, die jetzt auf Antrag der Geldgeberin in feste Darlehen umgewandelt werden sollen. Die Gemeinde ist mit der Ablösung der Zwischenkredite durch die Darlehensnehmer einverstanden. Für die weitere Bebauung deS von der Rod- Heimer Strobe hier nach der Turnhalle führenden Weges hat das Ärcidtiefbauamt in Wetzlar einen Fluchtlinienplan aufgestellt. Die Gemeindevertretung stimmte dem Plan unter Derückfichttgung einer Aenderung zu. Für Wegebauarbeiten wurden lOOO Mark bereitgestellt. O Hochelheim. 10. Juli. 3n der jüngsten Sitzung des Gemeindcrate- stand der Haushaltsplan für daS Rj. 193 1 zur Beratung Der Gemeindezufchlag auf die staatliche Steuer vom Grundvermögen wurde für bebauten und unbebauten Grundbesitz von 400 Prozent auf 350 Prozent gesenkt. Auf die Gewerbekapital- und Gewerbeertragsteuer kommt ein Gemeindezuschlag von 400 Prozent zur Erhebung. SHc Bürgersteuer soll mit den einfachen LandeSsätzen erhoben werden. AlS Entschädigung für die Realsteuersen- timg flieht der Gemeinde der Betrag von 1910 Mark zu An FüriSr gekosten wurden 2800 Mark in den Etat eingestellt. Die vom Schulvorstand beantragten Instand'eyungSarbeiten an den Schui- gebäuben sollen ausgeführt werden. Für Wcge- auzwecke wurden 11003 Mark zur Verfügung gestellt. Der neuerrichteten .Krankenpflegestation wurde ein laufender jährlicher Zu'chuh von 300 Mark bewilligt. Der Haushaltsplan wurde in Einnahme und'Äu-gabe auf 87 670 Mark festgestellt. S.jl.-lfport (Spielvereinigung 1900 bei den Westdeutschen Meisterschaften. In der Hefsenkampfbahn zu Kassel gelangen am heutigen Samstag und dem morgigen Sonntag unter starker Beteiligung der maßgebenden Vereine Westdeutschlands die Westdeutschen Meisterschaften (offen für alle deutschen Leichtathleten) zum AuStrag. Die Elite der westdeutschen Leichtathleten, die sich in dieser Saison eine Vorrangstellung in der deutschen Leichtathletik überhaupt geschaffen bat, wird in erster Linie am Start erscheinen. Insgesamt 200 Teilnehmer sind gemeldet An den Wettkämpfen nehmen auch die Gießener teil. Allerdings vermag die Spielvereinigung 1900 nur eine kleine Expedition zu entsenden. Sie Leichtathleten deS DsB. sind aus verschiedenen Gründen an der Teilnahme verhindert. Gerhardt, Schaaf. Depperling. Jung und Hopfenmüller werden von der Spielvereinigung auf die Reife geschickt. Gerhardt, bei dem in letzter Zeit eine ansprechende Form- und Sttlverbefse- rung festgestellt werden konnte, wird Über 10 000 Meter an den Start gehen. Er findet allerdings schwere Konkurrenz vor. Insbesondere hat er in Paul, Siegen, einen gefährlichen Gegner. Schaaf erwartet man über 5000 Meter in der Spitzengruppe. Wenn er auch in Kassel in der bekannten Zuverlässigkeit läuft, die er bisher an den Tag gelegt hat, dann darf man ihn sicher auf einem guten Platz erwarten. Der aussichtsreichste Mann in diesem Rennen ist aber zweifellos der bekannte K i l p. Außerdem startet in dieser Konkurrenz W a I 6 c r t (Kurhessen Kassel). Die anderen zwei Teilnehmer der Spielvereinigung 1900 haben sich eine schwere Ausgabe gestellt. Jung und Hopfenmüllcr wollen im 10-Kampf (100. 400, 1500 Meter. Hochsprung, Weitsprung. Stabhochsprung, Kugelstoßen, Dis» kuS-, Speerwerfen und 110-Meter-Hürdenlauf) an treten. Jung ist zwar in den Lauf- und Sprungkvnkurrenzen begabt, wie er sich aber in den Wurskonturrenzen durchsetzen wird, bleibt abzuwarten Wenn er im Stabhochsprung die Leistung bei den Gauwettkämpfen in Wetzlar wiederholt (3,40 Meter), kann er zum mindesten einen Achtungserfolg erringen. Wie Hopfenmüller abschneiden wird, ist kaum vorauszufagen. Depperling wird lediglich die 400 Meter Hürden bestreiten. Leider kann Wehl nicht mit von der Partie fein, da er sich bei den Südwestdeutschen Hochschul-Meisters«haften eine Verletzung zugezvgen hat, die ihn einstweilen außer KurS setzt. Leichtathletik im Männer - Turnverein. Am morgigen Sonntag werden in Rürnberg die süddeutschen Leichtathletikmeisterschasten der DT. zum Austrag gelangen. Fräulein Bickelhaupt wird die Farben deS Gießener Männerturnver- einS und des MittelrhemkreiseS vertreten. In den Wettbewerben belegte sie den Hochsprung und den Fünfkampf. Es dürften ihr wohl einige Aussichten zuzusprechen fein. Außerdem nimmt sie am 100-Weier-Lauf teil. Da mit einer auhev» ordentlich starken Konkurrenz zu rechnen ist. darf man auf das Abschneiden der befähigten Gießenerin gespannt sein. Handball im Gau Hessen (O.T.) Tv. Grohen-Llnden I — Io. ftlein-Cinben L Bereits heute abend treffen sich die 1. Mannschaften der beiden Rachbarvereine Klein-Linden ReLchsjugendwettka'mpfe in Gießenl931 In diesem Jahre wurden die Reichsjugend- Wettkämpfe wesentlich früher als i