Nr. 134 Erstes Blatt 181. Jahrgang Donnerstag, 11. Juni 1931 Erschein» täglich,nutzer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Vie Illustriert, Biehener FamUienblLttei Heimat im Bild Die Scholle monats>Be$ug$prets: 2.20 Reichsmark und 30 Relchspfenntg für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt, üernsprechanschlösse anterSamrnelnummer2251. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: Sraeffurtam Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vniS und Verlag: vrühl'sche Univerfitütr-Vuch' und Stetndrvckeret 8. Lange in Sletzen. Zchriftleltung und Geschäftrstelle: Zchulfttahe 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» Klameanzeigen von 70 mnt Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Briands Quertreiberei gegen die Tributrevision. Entschiedene Abwehr in Deutschland. - Deutliche Worte aus England. Der Ghylock Europas. Der französische Außenminister B r i a n d verzichtet jetzt, wie es scheint, endgültig auf seinen pan- europäischen Ruf. Die Rede, die er am Dienstagabend in der Kammer gehalten hat, hätte aus dein Munde des schärfsten französischen Nationalisten, etwa eines Herrn Franklin Bouillon oder M a • rin, nicht schärfer klingen können. B r i a n d besteht absolut auf feinem Schein wie Shylock, wenn er apodiktisch feststellt, der Voungplan könne nicht geändert werden; denn er habe definitiven Charakter. Ob Deutschland über der Vertragserfüllung die es im Haag loyal eingegangen ist, zufarnrnenbricht oder nicht, das kümmert Herrn Briand nicht. Frankreich hat feine Zahlentabelle aus dem Voungplan in der Hand, und es denkt nicht daran, die europäische Bedeutung der Tributkrise, unter deren Druck bei uns noch immer vier Millionen Menschen arbeitslos find —- im kommenden Winter werden es noch zwei bis drei Millionen mehr fein — überhaupt ins Auge zu fassen. Darüber können uns auch die französischen Pressestimmen, die sich an den jüngsten Revisions- erörterungen, namentlich im Zusammenhang mit der bevorstehenden Reise S t i m s o n s und Mellons, beteiligt haben, nicht hinwegtäuschen. Im ganzen fügt sich die Entwicklung der deutschen Krise mit allen ihren großen innerpolitischen Gefahren für Deutschland so vollständig in den Rahmen der geschichtlichen Politik Frankreichs gegenüber dem Deutschen Reiche ein, daß die gleichen französischen Politiker, die den Ruhreinbruch betrieben, den Separatismus im Rheinland züchteten und die Wiederherstellung der Mainlinie proklamierten, Morgenluft wittern. An ihrer Seite steht heute Herr Briand ganz offen, nachdem er Fahre hindurch Europa und die ganze Welt zu täuschen wußte. Seine letzten Kammererklärungen vor der formellen Demission, die das Kabinett 2 ab al am 13. 3uni dem neuen Präsidenten Doumer an- zubieten hat. lassen sich auch nicht mit innerpolitischen Rücksichten motivieren. Gewiß tendiert das Kabinett Laval im ganzen stark nach rechts, und Briand war immer einer der beliebtesten Angriffspunkte für den Marin-Flügel der Kammer. 3n Zeiten aber, in denen alle Welt wciß^ daß die wirtschaftlichen und sozialen Spannungszustände vor allem in Deutschland zu gewaltsamer Entladung drängen, hat ein Außenminister, der es ehrlich mit dem Frieden meint, auch die politische und moralische Verpflichtung, sich einmal der Gefahr der Unpopularität oder neuer Angriffe seiner innerpolitischen Gegner auszusehen. Die Feststellung, daß der Voungplan „definitiv" sei, ist aus dem Wortlaut des Haager Abkommens heraus zwar nicht zu befreiten. Das Vertragswert selbst sieht auch keine wirklichen Revisionsmöglichkeiten. wie etwa der Dawesplan, vor. Der französische Außenminister weiß aber ebenso wie wir. daß in der Politik nichts endgültig ist, und er sollte weiter wissen, daß der Völkerbundspakt den Degriff von der ..Unanwendbarkeit der Verträge" geradezu im internationalen Rechtsleben verankert hat. Wenn Briand trotzdem so sprach, so ist das nichts anderes als die klare und brüske Dokumentierung des bösen Willens, es ist die Kampfansage an eine Revisions- aftion, die Deutschland gerade in diesem Zeitpunkt nicht zuletzt durch den völligen Mangel an Vertragserfüllung von feiten der Tributgläubiger aufgedrängt worden ist. - Denn der Voungplan hat auch ihnen garu einwandfrei gewisse Verpflichtungen auf erlegt, denen sie bisher in keiner Weise nachgekommen sind. Um nur ein Beispiel herauszugreifen: Die DIZ. war seinerzeit im Haag ausdrücklich gedacht als Institut, das dazu dienen sollte, die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten in Deutschland überbrücken zu helfen, gleichzeitig aber auch mit Hilfe ihrer Kapitalkraft der deutschen Wirtschaft größere Märkte zu erschließen, um sie dadurch überhaupt zur Aufbringung der ihr auferlegten politischen Lasten instandzusetzen. Richt zuletzt unter französischem Einfluß ist die Baseler Bank äu einem reinen Inkasso- Institut f ü r Die deutschen Zahlungen geworden. Sie ist heute genau das, was vorher die Reparationskommission war, nur daß die Form und die Personen etwas gewechselt haben. Sehr mit Recht ist bereits festgestellt worden, daß die DIZ. in den letzten Wochen, feit Deutschland unter dem Druck der Abzüge größerer kurzfristiger Auslandkredite steht, nicht einen einzigen geeigneten Schritt getan hat, um die deutsche Situation zu erleichtern. Im Gegenteil, die deutschen Voungzahlungen auf das Reichsbankkonto der DIZ. sind stets mit größter Deschleuni- gung abgehoben und in Devisen verwandelt worden. Hier wird nicht nur ein moralischer, hier wird ein einwandfreier Rechtsanspruch Deutschlands fortwährend in der eklatantesten Weise verletzt, und man sagt sicherlich nicht zuviel, wenn man behauptet, daß dabei Fr a n k r e i ch in erster Linie seine Hand im Spiele hat. Auch sonst ist noch mancherlei zu der Rede Driands zu sagen, deren Tenor, soweit er sich auf die innerpolitischen Verhältnisse in Deutschland bezieht, nur als eine einzige große Unverschämtheit zu bezeichnen ist. So, wenn Macdonald über Chequers. Erklärungen auf Anfragen im Unterhaus. Amerikaspoliüknochnichtfestgelegt Gegenwärtig keine Wiederaufrollung der Schuldenfrage. Solche Methoden und Manieren bedeuten den Tod aller Ideale, deren Verkünder Briand ist. Line (Einigung oder Befriedung (Europas ist unmöglich. so lange eine Großmacht in diesem Tone spricht und ihre eigenen Urteile als das Gesetz (Europas hinslellt. Eine Revision des Voungplans oder irgendeiner anderen internationalen Vereinbarung ist Gegenstand für eine Untersuchung, für Erwägungen, für wirtschaftliche Aussprache. Wer das leugnet und von einer unabänderlichen »Endgültigkeit" spricht, der redet nicht nur Unsinn, sondern verleugnet die Destimmungen der Völkerbunds! ahung, der Driand so oft Treue gelobt hat. Wenn Driands Ziel gewesen wäre, mit einem Schlage alles Gute, was er jemals getan hat. zunichte zu machen, so hätte er nicht anders sprechen können. Er hat Frankreich, Deutschland, Europa und der ganzen Welt einen außerordentlich schlechte nD ien st ertoiefen. alliierten Schulden ober Reparationen jemals statt- gesunden hat, und ist diese Angelegenheit nicht so wichtig, daß sie im Unterhaus zur Besprechung kommt?" Hierauf antwortete Macdonald: „3 a, wenn es soweit i st." Der Abgeordnete Peter Macdonald richtete an den Premierminister die Frage, ob er die E i n - berufung einer Konferenz unser Beteiligung aller Staaten, die an einer internationalen Regelung ein Interesse haben, zwecks gegenteiliger Annullierung aller Verpflichtungen in denkbar größtem Maße in Erwägung ziehen würde. Aus diese Frage erklärte Macdonald: „Englands Haltung in der Schuldenfrage ist allgemein bekannt, und ein Schritt auf der oorgeschla- genen Basis würde unter den gegenwärtigen Verhältnissen wenig Zweck haben." Henderson fährt nach Paris. London 11. Juni. (WTB. Funkspruch.) „Times" meldet: Die britische Regierung hat eine Einladung erhalten, eine offizielle Abordnung zur Pariser Koloni alaus- ft e 11 u n g zu entsenden. Das Kabinett hat die Einladung angenommen und den Staatssekretär des Aeußeren Henderson mit der Vertretung beauftragt. Henderson hofft wie verlautet, während der „Britischen Woche" der Ausstellung, ungefähr am 10. Juli, nach Paris zu gehen. Telegramm an EuriiuS. London, 10. Juni. (WTD.) Staatssekretär Henderson hat heute an den deutschen Außenminister Dr. Curtius folgendes Antworttele- gramm gesandt: »Mein lieber Staatssekretär, vielen Dank für Ihr Telegramm. Es war uns eine große Freude, sie in England bewillkommnen zu dürfen, und ich freue mich, daß sie einen angenehmen Aufenthalt erlebt haben. Ihr aufrichtig ergebener Arthur Henderson." er auf den Dreslauer Stahlhelmtag eingeht, o, toenn er die Haltung der Regierung Brüning behandelt, so, toenn er davon spricht, daß Frankreich sich bemühe, aus der deutschen Ration ein riedenswilliges Volk zu erziehen. Das ist die Mentalität, auf die die Reichsregierung mit ihrem bevorstehenden Revisionsschritt tößt. Soll er deswegen unterlassen werden? Wir ind der QKeinung, daß, auch wenn Deutschland in der Wahl des Zeitpunktes noch freier wäre als gegenwärtig, gerade die Brutalität der letzten Rede Driands uns zur entschieden st enVer- olgung der eingeleiteten Tribut- aftion zwingt. Dazu gehört freilich ein kampf- entschlossenes Kabinett. Oie unvermeidliche amtliche Leisetreterei. Berlin, 10. Juni. (ERD.) Zu der gestrigen Rede des französischen Außenministers Driand in der Kammer wird von unterrichteter Seite darauf hingewiesen, daß sie in erster Linie i nner po littsch als Abwehr der gegen Driand gerichteten Angriffe zu werten sei. Wenn Driand im Zusammenhang mit seinen Ausführungen über die Stahlhelmkundgebung in Dreslau gesagt habe, er glaube, diese Kundgebung störe das Vertrauensverhältnis. und er glaube, daß die Reichsregierung auf dem gleichen Standpunkt stehe, so wird demgegenüber festgestellt, daß keine französische Demarche in dieser Angelegenheit statt- gesunden hat. Driand hat lediglich bei einem Diplomaten empfang zu dem deutschen Dotschafter v. H o e s ch ähnliche Aeußerungen gemacht, die dieser nach Derlin gemeldet hat. Den Aeuhe- rungen Driands über die Reparations- frage, die den alten französischen Standpunkt darstellen, daß die Verträge immer nur dann ewig sein sollen, wenn es im Interesse Frankreichs liegt, wird in politischen Kreisen der Aufruf der Reichsregierung anläßlich des Erlasses der Rotverordnung, gegenübergehalten, in dem erklärt wird, daß die Voraussetzungen des Voungplanes sich als irrig erwiesen hätten und daß der Voungplan die erwarteten Erleichterungen . nicht gebracht habe. Um Erleichterungen innerhalb des Voungplanes zu erreichen, habe Deutschland volle Handlungsfreiheit, für eine geplante Revision außerhalb des Voungplanes werden selbstverständlich Verhandlungen mit den Vertragspartnern notwendig sein. Das Scho der Berliner presse. Berlin, 10. Juni. (ERB.) Die Rede des französischen Außenministers wird in der Berliner Presse sehr beachtet. Seine Bemerkungen über die Stahlhelmkundgebung werden entschieden zurückgewiesen und als eine unberechtigte Einmischung in innerdeutsche Angelegenheiten bezeichnet. — Die „Deutsche Tageszeitung" wendet sich dabei auch gegen die Berufung auf die Macht, die Mittel und die Freundschaften Frankreichs, die es ihm gestatteten, allen möglichen Ereignissen mit Kaltblütigkeit entgegenzusehen, und bezeichnet diese Aeußerung als Drohung. Hier werde der politische Zweck des französischen Kontinentalsystems und der völkerbundswidrigen Militärbündnisse einmal enthüllt. — Die „Dörsenzei tung" sagt, Briand und seine Kammer werden sich wohl oder übel an derartige Erscheinungsformen des deutschen Ratio- nalgefühls gewöhnen müssen. — Der „Loka l a n z e i g e r" spricht von einer Brüskierung Deutschlands. Die Aeußerungen Briands gegen die Revision der Reparationslasten werden von allen Blättern, gleich welcher Parteirichtung, in mehr oder minder scharfer Form kritisiert. Der „Vorwärts" ist der Ansicht, daß der französische Außenminister damit weder seinem Lande, noch dem Frieden einen Dienst erwie- s e n habe. Wenn die ganze Welt einsehe, daß infolge der Wirtschaftskrise und des Steigens des Goldwertes die Voraussetzungen, unter denen der Voungplan aufgestellt worden sei, sich geändert hätten, warum solle sich Frankreich als einziges Land bis zuletzt dieser Erkenntnis verschließen? — Die „D o s s i s ch e Zeitung" bezeichnet es als einen logischen Fehler, in der deutschen Oesfentlichkeit den Eindruck zu erwecken, daß das reiche, von der Wirt- schastskrise verschonte, von Arbeitslosigkeit kaum heimgesuchte Frankreich sich sofort hindernd in den Weg st eile, wenn das von der Krise schwer betroffene, über seine Kraft belastete Deutschland eine Erleichterung erstrebe. — Der „Börsen Couricr" schreibt: Der Augenblick, wo weitere Zahlungen Deutschlands zu einem internationalen Verbrechen würden, ist nahe, weil der Grundsatz der Daroes» Sachverständigen, daß der Lebens st andard des deutschen Volkes nicht unter ein gewisses Niveau sinken darf, selbstverständlich auch für das Noung-Regime Geltung haben muß. Es ist also unmöglich, daß die anderen lange noch zu- warten, anstatt selbst, einschließlich Frankreichs, dafür zu sorgen, daß nicht eine neueeuropäische Katastrophe die Weltwirtschaftskrise noch maßlos verschärfe. Ganz wie poincare! Eine wohlverdiente Abfuhr Briands aus England. London, 11. Juni. (WTD. Funkspruch.) Zu Driands Aeußerung, der Voungplan lasse keine Aenderung zu und sei endgültig, äußert sich „Daily Herald" (das offizielle Organ der Partei des Ministerpräsidenten Macdonald. D. Red.) in einem Leitartikel folgendermaßen: Diese Worte klingen wie Worte Poincare s, obwohl sie von Driand stammen. Deutschlands Schwierigkeiten werde« mit keinem Worte gewürdigt. Die großen wirtschaftlichen Veränderungen, die seit der Abfassung des Planes eingetreten sind, werden mit keinem Worte anerkannt, und kein Wort der Anteilnahme oder des internationalen Verständnisses werden geäußert. Es gibt keine Argumente, keine Aussprache, sondern nur eine kurze, schroffe Bekanntgabe des französischen Vetos. Gegen jede Revision, oder auch nur Erwägung einer Revision wird die Tür zu- geschlagen. London, 10. Juni. (WTB.) 3m Unterhaufe stellte der Arbeiterparteiabgeordnete Kenworthy eine Anfrage, wann Macdonald in der Lage sein werde, eine Erklärung über die Besprechungen mit Reichskanzler Dr. Brüning und Außenminister Dr. Curtius abzugeben. Ferner wurde gefragt, ob man dem Unterhaufe in absehbarer Zeit Gelegenheit zu einer Aussprache über die gegenwärtige Lage in bezug aus die R e p a r a t i o - n e n und interalliierten Schulden geben werde. Hierauf erklärte Macdonald folgendes: „Was den 3nhalt der Besprechung betrifft, habe ich nichts weiter zu erklären, als was in dem Communiqu6 stand, das am Sonntagabend während des Besuches der deutschen Staatsmänner in Chequers ausgegeben wurde. Diese Unterredungen hatten, wie beabsichtigt war, die Form eines allgemeinen Gedankenaustausches, und man kam zu keiner anderen Folgerung oder Entschlüssen, als den in dem Communiqus bekanntgegebenen. Der deutsche Reichskanzler hat mich und den Staatssekretär des Aus- wärtigen eingeladen, in Berlin einen Gegenbesuch abzustatten, und die englische Regierung hat diese Einladung gern angenommen. Bis jetzt ist für diesen Besuch noch kein Zeitpunkt festgesetzt worden. Ich glaube nicht, daß bei den gegenwärtigen Verhältnissen eine Debatte über die jetzige Lage in bezug auf die Reparationen und interalliierten Schulden von Ruhen fein würde. Hieraus stellte Kenworthy in Anbetracht der großen Wichtigkeit der Angelegenheit die Frage, wann Macdonald erwarte, daß die Lage in Zukunft eine Erklärung erlauben würde. Darauf erwiderte Macdonald: „3ch kann ein weiteres offizielles Communiqu6 nicht voraussagen." Nun stellte der Abgeordnete Wise die Gegenfrage: „Ist es dem Premierminister bekannt, daß im englischen Parlament keine einzige allgemeine Aussprache zur Frage der inter- London, 11. Juni. (MTV. Funkspruch.) Der „Times"-Korrespondent in Washington berichtet: Meldungen, daß sich die amerikanische Regierung in der Frage der Kriegsschulden und der A b r ü st u n g bereits auf eine b e - ftlmmtc Politik festgelegt habe, werden von inoffiziellen, aber maßgebenden Kreisen als unrichtig bezeichnet. Die amerikanische Regierung ist gegenwärtig nicht für eine Wiederaufrollung der Schuldenfrage. Indessen wird zugegeben, daß Umstände eintreten könnten, welche die europäischen Schuldner Amerikas zwingen könnten, die Schuldenfrage wieder aufs Tapet zu bringen, Umstände, die vielleicht geeignet wären, die amerikanische Regierung davon zu überzeugen, daß eine ernstliche Prüfung der Frage im wirtschaftlichen Interesse der ganzen Welt mit Einverständnis be r U S A. liege. Darin sähe man eine Möglichkeit, einen Zusam - mentjang zwischen Folgen und Abrüstung zu konstruieren. (Eine solche Verquickung würde der amerikanischen Regierung eine Verteidigungsstellung gegenüber dem Druck Europas und auch gegenüber den amerikanischen Feinden einer Schuldenverminderung geben. Ernste Worte eines früheren Botschafters in Berlin. Pittsburg. 9. Juni. Der ehemalige amerikanische Botschafter in Derlin, Houghton, der bei der Semesterschluhseier des Earnegie-Institute of Technology für eine Herabsetzung der deutschen Zahlungen gesprochen hat, führt« u. a. folgendes aus: Wenn Deutschland allmählich in eine unmög liche Situation hineingetrieben würde, so würde das ein so gewaltiges Ereignis sein, daß Amerika schon jetzt gezwungen wäre, sich mit dieser Möglichkeit zu beschäftigen. Deutschland spiele eine z u b e - deutsame Rolle in der Alten Welt, als das Liese ohne seine tätige Teilnahme imstande wäre, ihr Leben in normalen Verhältnissen zu führen. Er sagte wörtlich: Ich spreche ganz offen zu Ihnen; denn das scheint mir im Interesse Amerikas gelegen. Deutschland ist meiner Ansicht nach an der Grenze des Möglichen angelangt. Ich kann keinen Vorteil für die weit von einem vollkommenen Zusammenbruch Deutschlands sehen. Ich will nicht daran denken, was eintreten müßte, wenn in Mitteleuropa das Lhao» herrschte. Jedenfalls würden solche Ereignisse weder uns noch anderen Rationen Helsen, aus Die Einweihung des öhurman-Baus in Heidelberg Pressedienst in unlerrichtelen Kreisen, daß de« Reichskanzler unter gewissen Voraussetzungen bereit sein soll, einer Erörterung der Notverordnung in einem Reichs- tagsausschuh seine Zustimmung zu geben. Lr wende sich jedoch noch wie vor mit aller Entschiedenheit gegen die Einberufung des Reichstages. Oer evangelische Kirchenvertrag mit Preußen. In zweiter Lesung angenommen. Berlin, 10. Juni., (WTB.) Der Preußische Landtag nahm heute in zweiter Lesung den Staatsvertrag mit den Evangelischen Kirchen und das Pfarrerbesoldungsgesetz an. In der Debatte kamen lediglich die schon aus der ersten Lesung bekannten Argumente der Parteien erneut zum Ausdruck. Die sofortige Beratung eines kommunistischen Antrags auf Auflösung des Landtags scheiterte am Widerspruch aus dem Hause. Berufung desReichstages und die21 uf - Hebung der Notverordnung, deren De- thnmungen im übrigen auch die Existenz des Mittelstandes in nicht zu überbietender Weise bedrohen. Mit allem Nachdruck verlangt die Wirtschaftspartei die sofortige Wieder- aufrvllung des Reparationsproblems mit dem Ziel der Einstellung sämtlicher Tribut- l e i st u n g e n." OerGPO.-Fraktionsvorstand erklärt. Berlin. 10. Juni. (DDZ.) Der Vorstand der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hat sich heute mit -der durch den Erlaß der neuen Notverordnung geschaffenen Lage beschäftigt. Er erkennt, wie dem Nachrichtenbureau des DDZ. mitgeteilt wird, die Notwendigkeit an, die Finanzen des Reiches, der Länder und per Gemeinden auf eine sichere Grundlage zu stellen. Der Vorstand ist aber der Auffassung, daß die zu diesem Zweck erlassene Notverordnung in einzelnen Teilen so harte Maßnahmen für die breiten Massen der Bevölkerung enthält, daß eine 2l b ä n d e - rung dringend erforderlich erscheint. Der Fraktionsvorstand wird zunächst mit dem Reichskanzler in Verbindung treten, um festzustellen, inwieweit durch Verhandlungen die für notwendig gehaltenen Abänderungen erreicht werden können. Bayerische Dolkspartei fordert Aenderungen. Berlin, 10. Juni. (BDZ.) Die Reichstagsfrak. tion der Bayrischen Dolkspartei besprach heute die durch den Erlaß der Notverordnung vom 5. Juni geschaffene politische Lage. Gegen mehrere Bestimmungen der Notverordnung wurden e r hebliche Bedenken erhoben und der An- schaung Ausdruck gegeben, daß durch Verhandlungen Aenderungen zu erzielen seien. Die Fraktion wird in den nächsten Tagen wiedenim zusammentreten, um endgültig Stellung zu nehmen. Oer Gtandpunkt der Landvolkpartei. Berlin, 10.3uni. (VDZ.) Die Reichstagsfraktion der Landvolkpartei hielt heute nachmittag eine Sitzung ab, in der in Gegenwart des Reichsernährungsministers Schiele die Notverordnung und die Ergebnisse der Verhandlungen von Chequers erörtert wurden. Wie das VDZ.-Bureau hört, beschloß die Fraktion, dem Wunsche mehrerer Parteien auf Vertagung des Aeltestenrates des Reichstages zu- zustimmen, da auch das Landvolk vor der Entscheidung über die Einberufung des Reichstages genaueren Ausschluß über die 216* sichten der Reichsregierung, namentlich aus außenpolitischem Gebiete, also über die weitere Entwicklung der Reparations- frage, sowie über die Frage einer etwaigen. Umbesetzung des Reichskabinetts und über die Frage verlangt, ob die Notverordnung von der Regierung als unabänderlich betrachtet wird. Erörterung in einem Ausschuß? Berlin, 11. 3unL (TA.) Wie der „Vorwärts" berichtet, verlautet nach dem Sozialdemokratischen Paris — Moskau. Vor einigen Tagen haben in Paris Unter* Handlungen zwischen französischen und russischen Handels - und Finan z- Sachver ständigen begonnen, die bei uns in der Aufregung über das englisch-deutsche Wochenende in Chequers zunächst viel zu wenig beachtet worden sind. Zwar gibt sich die franzo- sische Presse alle Mühe, der neuen Auseinander- setzung mit Vertretern der Sowjetregierung einen ausschließlich wirtschaftlichen Charakter beizu- . messen, ober sowohl der Zeitpunkt, an dem die fast unterbrochene handelspolitische Fühlung mit den Rechtsnachfolgern des verbündeten Zarenreiches wiederhergestellt wird, wie das gleichzeitige aufdringliche sowjetrussische Angebot eines „Nicht-Angriffspaktes", nichts minder die voraufgegangenen Unterhaltungen über eine Wieder auf rollung eines Problems der Vorkriegsschulden Rußlands beweisen, wie wenig sich die begonnene Aussprache auf rein wirtschaftliche Fragen beschränkt. Roch keine Entscheidung über die Einberufung des Reichstags. Der Handelsverkehr mit Rußland entwickelte sich in den letzten Jahren recht nachteilig für Frankreich. Der Wert der französischen Einfuhr aus Sowjetruhland stieg von 717 400 000 Franken im Jahre 1926 auf 886 240 000 Franken im Jahre 1930, der Wert der französischen Ausfuhr Twf> Rußland sank gleichzeitig von 174 300 000 Franken auf 169 890 000 Franken. 3m Oktober 1930 ging die französische Regierung zu Kampf maß- nah men gegen das russische „Dumping" über, oie man auf russischer Seite mit einer Drosselung der Einfuhr aus Frankreich beantwortete. Frankreuy zog dabei den Kürzeren. Zwar sank der russische Absatz auf dem französischen Markte im ersten Viertel des laufenden Jahres gegenüber dem gleichen Zeiträume im 3ahre vorher von 219 012 000 Franken auf 111 213 000 Franken, aber dieser ungefähren Halbierung stand eine Herab- drückung der entsprechenden französischen Ausfuhr nach Rußland auf nahezu ein Viertel, ein Rückgang m 6 661 100 auf 17 094 000 Franken, gegenüber. Die Sowjetrussen hatten den bündigen Beweis geliefert, daß sie für ihren französische Warenlieferungen nicht unbedingt brauchen. Aus dieser Sachlage geht klar hervor, daß man auf sowjetrussischer Seite für eine Wiede^ belebung des Warenaustausches mit Frankreich nur um den Preis einer politischen Entspannung besonderes Interesse haben kann. Eine solche würde sich ohne weiteres aus einer Verständigung über eine Entschädigung französischer Gläubiger aus der Zarenzeit und einer Oesfnung des französischen Geldmarktes für die Zwecke des russischen Staatskapitalismus ergeben. Der Zeitpunkt für eine Auseinandersetzung über diese Probleme ist zweifellos günstig. Gegenüber den mittel- und südosteuropäischen Ländern macht sich in französischen Finanzkreisen eine gewisse Anleihemüdigkeit bemerkbar. Der Zug zu «regionaler Qkrftäntxgung“ wächst trotz der Zuruckdämmung deutsch-österreichischer Zollunionswünsche überall unaufhaltsam, und diese Bewegung steht nun einmal mit dem französischen „Sicherheits"-System in unlöslichem Widerspruch. Die Losung einer Einheitsfront gegen das „Sowjetdumping" hat die östlichen Agrarländer nicht darüber hinwegzutäuschen vermocht daß dadurch eine allgemeine Verständigung zwischen allen Getreideexportländern, die ihnen allein auf_ öte Dauer helfen kann, nur erschwert werden wurde. Auf jeden Fall zwingt die allgemeine Dirtschasts- not die Völker Mittel- und Südosteuropas immer mehr, sich unabhängig von französischer politischer Vormundschaft zu orientieren, was einer allmählichen älnterhöhlung des französischen Bünd- nisshstems gleichkommt. Ausschlaggebend für die politischen Auswirkungen der Bemühungen Frankreichs um eine Besserung seiner Handelsbeziehungen zu Sowjetruhland wird freilich die künftige Entwicklung seines Verhältnisses zu den angelsächsischen Mächten sein. Kommt es in der Flottenfrage zu keiner Verständigung, wofür die Aussichten seit dem Scheitern der Bemühungen Englands um einen französisch-italienischen Ausgleich vorläufig denkbar schlecht sind, so ist mit einer wachsenden Spannung zwischen dem französischen und angelsächsischen Imperialismus zu rechnen. Die russische Anregung eines besonderen Nicht-An- g riss Paktes ist zweifellos daraus berechnet, Oel in das Feuer des französisch-angelsächsischen Gegensatzes zu gießen. Bemerkenswert ist, daß der Parif er Korrespondent des Berner „Bundes" wissen will, am Quai d'Orsay sei man geneigt, auf den russischen Vorschlag unter der Bedingung einzugehen, daß Polen in das 2lbkommen einbegriffen würde, worüber man fich aber noch nicht habe einigen können. 3edenfalls deuten solche Meldungen darauf hin, wie sehr man es auf französischer, wie auf russischer Seite bei der begonnenen Aussprache über wirtschaftliche Fragen von vornherein auf die Anbahnung einer poli - tifeben Annäherung abgesehen hat, wobei die Franzosen gewiß die natürlichen Hemmungen gegenüber den Trägern des bolschewistischen weltrevolutionären Systems nur in dem Maße überwinden würden, wie die vorläufige bloße Geste einer Annäherung die angelsächsischen Mächte nicht zu befriedigendem Entgegenfi>mmen gegenüber französischem Macht- und Düstungswahn einzuschüchtern vermag. Berlin, 10. Juni. (WTB.) Heute um 17 Uhr trafen mit dem außerplanmäßigen Sonderzug der „Europa" der R e i ch s k a n z l e r und der R e i ch s- außenminister zusammen mit dem amerikanischen Botschafter Sackett aus dem Bahnhof Friedrichstraße ein. Zum Empfang hatten sich neben der Gattin des Reichsaußenministers der britische Botschafter Sir Horace R u m b o l d, die Reichsminister Dietrich und Treviranus, die Staatssekre- täre Dr. P ü n d e r und von Bülow, sowie andere Herren der amerikanischen und der britischen Botschaft und der deutschen Behörden im Bahnhof ein- gefunden. Nächste Woche wieder Aeltestenrat. Berlin, 10. 3uni. (VDZ.) Der Geltest e n r a t des Reichstages hatte sich heute nachmittag mit einem Anträge der Nationalsozialisten. der Deutschnationalen und der Kommunisten zu beschifitt- gen, wonach das Reichstagsplenum schon für nächsten Dienstag em berufen werden sollte. Für diesen Antrag stimmte -auch der Vertreter der Wirtschaftspartei wahrend sich der Vertreter des Landvolkes der Stimme enthielt. Mit den Stimmen der übrigen Parteien wurde der Antrag abgelehnt. Auf Wunsch mehrerer Parteien wurde daraus mit Rücksicht aus die bevorstehenden Fraktionssihun- gen beschlossen, heute noch keine Entscheidung über eine vorzeitige Einberufung des Reichstages zu fällen, sondern am Dienstagvormittag eine neue Aeltestenratssitzung zu diesem Zweck abzuhalten. . 3n dieser Woche wird der Reichskanzler nur noch wenige ihm nahestehende Parteiführer über die Verhandlungen von Chequers und über die weiteren Absichten der Regierung unterrichten können. Die eigentlichen Verhandlungen der Regierung mit den Pa r - teisührern werden, wie das Nachrichtenbureau des Cßereind Deutscher Zeitungsverleger hört, erst A n f an g n ä ch st e r Wo ch e beginnen können. 3n der Heufigen Aeltestenratssitzung hat die Regierung noch in keiner Weise Stellung genommen. Oie Wirtschaftspakte» für Reichstags - Einberufung. Berlin, 10. 3uni. (VDZ.) Der Gesamtvor- stand der Wirtschaftsparte i tagte heute im Preußischen Landtag gemeinsam mit Vertretern der Reichstagsfrakfion und den Fraktionsvorständen einzelner Länder, um zur Nortverord» n u n g vom 5. 3uni Stellung zu nehmen. Es wurde einstimmig folgende Entschließung ge- „Die Notverordnung hat das deutsche Volk bitter enttäuscht. Sie stellt im we- sentlichen die Fortsetzung der bisherigen verhängnisvollen Politik mit Mitteln bar, die der Reichskanzler und die Reichsregierung selbst wiederholt als verfehlt, wirtschaftsfeindlich und als Ursache des deutschen Niederganges bezeichnet haben. Die von der Reichsregierung zur Behebung der Wirtschaftsnot und der Arbeitslosigkeit versprochenen und vom deutschen Volke erwarteten Maßnahmen zur endlichen Beseitigung der inneren und äuße- renFesselnderWirtschaft werden nicht in Angriff genommen. 3mmer neue Lasten zur Erfüllung der unerträglichen Tributzahlungen werden dem deutschen Volke zugemutet. Daher fordert die Wirtschaftspartei die sofortige Ein- Hessische Politik. Um den neuen Intendanten des Landestheaters. Darmstadt, 10. 3uni. (WHP.) Die Fraktion der Deutschen Volkspartei hat folgende Kleine 2tnfrage an die hessische Regierung gerichtet: , . „Nach einer amtlichen Mitteilung hat die Verwaltungskommission des Hessischen Lan- . destheaters im Widerspruch mit der einmütigen Auffassung des Theaterausschuf- ? ses des Landtages, des Landestheaters und der fast ebenso einmütigen Auffassung des Theaterausschusses der Stadt Darmstadt mit Mehrheit — wie man weih mit 4:3 Stimmen — Herrn Hartung zum Generalintendanten des Hessischen Landestheaters gewählt. Da die künstlerischen und besonders die wirtschaftlichen Leistungen des neugewählten Intendanten aus seiner früheren Darmstädter Tätigkeit bekannt und durch 'fein späteres Wirken vollauf bestätigt worden sind, erscheint die Zukunft des Landestheaters durch den 2lbschluß dieses Anstellungsvertrages aufs stärkste gefährdet, be- . sonders wenn ein Vertrag mit mehrjähriger Dauer abgeschlossen wurde. Wir fragen deswegen an: 1. 3ft die Regierung bereit, den Vollzug des Vertrags mit bem neuen Generalintendanten big zum Zusammentritt des Landtages zurückzu stellen? 2. Wenn nein, ist die Regierung bereit, mitzuteilen, welche De r- tragsdauer und welche 3ahresbezüge in Aussicht genommen worden sind? Da der Landtag voraussichtlich erst Ende dieses Monats wieder zusammentritt, die Angelegenheit aber eilig ist, begnügen wir uns mit einer schriftlichen Antwort." Die Zentrumsfraktion hat heute im Lank» tag folgenden Antrag eingebracht: „Wir beai - tragen: Der Landtag wolle beschließen, die Regie rung zu ersuchen, die Vereinbarung zwischen dem Hessischen Staat und der Stad Darmstadt vom 27. November 1919 dahin abzuändern, daß die Verwaltungskom missionsmitglieder des Hessischen Landes- theaters, die das Land Hessen vertreten, durch den Landtag bestimmt werden." Dieser Antrog ist wohl auf die Verstimmung des Zentrums durch die Wahl des neuen Generalintendanten Hartung zurückzuführen. Jetzt wird Hessen in der Verwaltungskommission des Hessischen Lan- destheaters vertreten durch den Staatspräsidenten Adelung (Hoz.), den Innenminister Leusch- ner (Soz.), den Vertreter des Ministeriums für Kultus und Bildungswesen Ministerialdirektor U r stadt und Finavzminister Kirnberger (Z.). Das Zweckvcrbandsgcfetz. Der Gesetzgebungsausschuh des Landtages setzte heute seine Beratungen über das Zweckv er- bandsgesetz fort. Der Ausschuß ersuchte die Regierung, in den wichtigen Punkten der zwangsweisen Bildung von Zweckverbänden (falls ein freiwilliger Zusammenschluß nicht zustandekommt), über die Ausstellung der Satzung für den Zweckverband, über die Auflösung eines Zweckverbandes und über den Zusammenschluß hessischer Gemeinden mit außer hessischen Körperschaften eine neue Formulierung dem Ausschuß zu unterbreiten. Die übrigen Artikel der Vorlage wurden mit redaktionellen Aenderungen in der Regierungsfassung genehmigt. Eine Eingabe des Hefiischen Landkreistages zu dem Gesetzentwurf wurde für erledigt erklärt. den Deg der wirtschaftlichen Erholung zu kommen. Wir dürfen nie vergessen, daß es die Hilfe ist, die wir gewähren, die den Wirtschaftsbetrieb der Welt wieder ankurbeln kann. Gewiß, dw Verantwortung liegt nicht allein an uns, aber wir tragen sie mit. Das deutsche Volk auszupowern, könnte sich lost- spieliges Experiment Herausstellen, und darauf läuft es hinaus, wenn man es zu uber- zeugen sucht, daß es für die nächsten 60 3ahre an die Buchstaben der Schuldverschreibung gehalten sei, deren Gerechtigkeit es verneint. 3ch bin überzeugt, daß es unsere Pflicht wäre, uns auf eine ,,, . Hilfsaktion für Deutschland einzustellen. 3n feiner Rede berührte Hough - ton auch die Kr ieg sschulds rage und erklärte er brauche nicht zu erwähnen, daß Deulfch- land die Behauptung des Friedensvertrages, daß Deutschland allein die Schuld am Kriege trage, zurückweise. Houghton fuhr fort, sämtliche europäische Länder trugen mehr oder weniger die Schuld am Kriege. Coolidge über Kriegsschulden und Abrüstung. Reu York, 11. 3uni. (WTB. Funksprmh) Auch der frühere Präsident Coolidge erhebt jetzt seine Stimme zur Frage der Abrüstung. Der „R e u y o r k Herald" veröffentlicht eine Aeußerung von ihm über diese Frage und die der Kriegsschulden. Von Zeit zu Zeit, erklärt der ehemalige Präsident der USA., brächten ausländische Blätter den seltsamen Vorschlag die amerikanischen Steuerzahler sollten eine Milliarde Dollar mehr bezahlen, um es den europäischen Staaten zu ermöglichen, abzurüsten. Das nenne man dann Anullierung der interalliierten Schulden und Abrüstung. Demgegenüber könne er eine logische Verbindung zwischen Zahlungen und Rüstungen nur so konstruieren, daß die Streichung der Schulden zu einer erhöhten Rüstung der dadurch finanziell bessergeftelllen Staaten führe. Die USA. hätten ihr Landheer abgerüstet und nichts dazu getan, um ihrer Flotte den ihr gebührenden Platz zu sichern. Sie hätten weniger Kriegsschiffe als die anderen Na- fionen. Er begreife deshalb nicht, wie man die amerikanische Nation gerade in dem Augenblick auffordern könne, auf die ihr zustehenden Zahlungen zu verzichten, wo es sich so deutlich zeige, daß eine Dudgetentlastung bei den anderen Nationen nur durch Herabsetzung der Rüst ungskv st en herbeigeführt werden könne. Mellon unterwegs nach Europa. Neuyork, 10. Juni. (WTB.) Schatzse.kretär Mellon hat sich heute auf der „Mauretama nach Europa eingeschifft. Oben- Einzug der Korporationen in das neue Kollegiengebäude. Unten links: Der Rektor der Heidel- berae'r Universität Professor Dr. M e i st e r, am Mikrophon, neben ihm rechts Reichsinnenminister Dr ^W i r th und Botschafter S hur man. Unten rechts: Der deutschamerikanllche Millionär Ober- lü'nder, von dessen Spende Botschafter Shurman anläßlich der Heidelberger Feier berich en konnte Oberländer stiftete eine Million Dollar, um Amerikanern den Universitatsbesuch m Deutschland zu ermöglichen. i|en- daß v ni,t«fu6i stau. Gunter. Milton “nHtnaTi^ b«i un» engllfch^qtz, rxii^1 ^'O M die framö. n 2useinmHn> Tegierung einen wratter bci»u- itt, an ban ole K Mung mit »Wien tote bai gteuh« >e Anaebvt eines . nicht^ minder Zungen über eine 's der Aockiegs- ie wenig sich die in wirtschaftliche lhiand entwickelte cht nachteilig silr Ä Einfuhr 'Franken Franken im Jahre en Ausfuhr nach 174300000 Fran- ?m Oktober 1930 I zu Kampfmch- mping" über, die er Drosselung der «ortete. Frankreich' sank der rusfifche Markte im ersten I s gegenüber dem hrc vorher von 1000 Franken, aber stand eine Herab« iMchm Ausfuhr viertel, ein 3üd* ) Franken, gegen* >en büMaen De* nr Fünfichresvim , nicht unbedingt ! klar hewor, dah • für eine Dieder« I »cs mit Frankreich Mischen Ent- treffe haben kann, weiteres aus einet schädigung ftanzv' irenjeit und einer cldmarktes für die mtalismus ergehn. MM 'M«* 15Ä* MS if* Z°°7°L vs*** t>»iS wd‘ künW.-^'ischen in ^/ Aussichten oosür jj® Englands schcn ^y/rtl,r lixich^ so ist "^fischen nus -nicht'^^ Derner* igt, rsay l^Dedinguns V » U)iril2'. Mnct V“c4 inchen, 4en. Iommen. /'u6ild>= n fielUr>9 den anWi|d)en Gesetz an. der erfien jorfe«n erneut 3 cines kommu. idesLand, V aus dem Landtags-Eröffnung in Oldenburg. Oldenburg, 10. 3unl. (WTB) Der 01- denburgifche Landtag trat heute zu seiner ersten Sitzung nach der Wahl zusammen. Zum Präsidenten wurde mit 34 Stimmen der Ql a - tivnalsvzialist Eichler gewäh11. Vorher hatte auf Ersuchen des Zentrums der neue Präsident eine Erklärung abgegeben, dah er grundsätzlich bereit sei, Verfass ung und Geschäftsordnung zu achten und unparteiisch die Geschäftsordnung zu handhaben. Die Wahl des ersten Vizepräsidenten kam trotz dreimaligen Wahlganges nicht zustande, weil der s v ■ zialdemvkratische Kandidat immer unter 50 Prozent der abgegebenen Stimmen erhielt. Die Wahl wird morgen wiederholt. Der zweite Vizepräsidentensih ‘ mit 44 von 48 Stimmen an das Zentra» der drittstärksten Partei. Ministerpräsident E n s s e b v h m gab darauf eine hitfre- Erklärung der Staatsregierung ab. Darin wird mitgeteilt, dah das Staatsministerium nach der Reuwvhl von einem Rücktritt abgesehen habe, denn es sei der Auffassung, dah es als De - a m t en k a b i ne 11 feiner gartet gegenüber politische Bindungen eingegangen ist. Es wolle abwarten, ob der Landtag anderweitige Beschlüsse fassen wolle. Die Ql a t i o n a I - sv - ialisten liehen daraufhin erklären, dah sie vorläusig die jetzige Regierung dulden wollten. Unter den Anträgen, die dann zur Qkrlefung kamen, befand sich ein Dringlichkeitscnrtraa der Deutschnationalen, durch den die Regierung beauftragt wird, bei der Reichsregierung für die A u f > Hebung der jetzigen Rvtverordnung hinzuwirken. Die Dringlichkeit wurde mit den Stimmen der Rationalsozialisten, Deutschnationalen, Kommunisten und Dolkspartei angenommen. Schwere Ausschreitungen in Kassel. Ein Polizeibcamter erschossen. Kassel, 11. Juni. (WTB.) 3n den Straßen um den Altmarkt bildeten sich heute abend größere und kleinere Trupps meist jugendlicher Kommu« nisten. Da sie den Ausforderungen der Polizei, die Straßen zu räumen, nicht Folge leisteten, räumte die Polizei mit dem Gummiknüppel den Altmarkt und die in diesen einmündenden Straßen. Dabei kam es zu einem heftigen Zusammenstoß der Demonstranten und den Beamten, die aus den Häusern mit Blumentöpfen, Steinen, Biergläsern usw. beworfen wurden. Bei diesem Bombardement gingen zahlreiche Schaufen st erscheiben in Trümmer. Die Polizei nahm mehrere i) auslud) u n g e n vor und verhaftete einig« Personen. Gegen 23 Uhr mußte auch die Marktgasse geräumt werden. Dabei fielen plötzlich aus einem Hause mehrere Schüsse. Ein Polizeiwachtmei- st er erhielt einen tödlichen Bauchschuß. In der Klosterstraße mußten Polizeibeamte, die in Bedrängnis kamen, von der Schußwaffe Gebrauch machen. Dabei wurde ein Etraßenpassant verletzt. Die Polizei schritt darauf zur systematischen Räumung des ganzen Häuserblocks, erließ den Be- fehl: „Fenster zu, es wird geschossen", dem sie durch mehrere scharfe Schüsse Nachdruck verlieh und begann mit der Durchsuchung der Häuser. Gegen Mitternacht war die Ruhe wieder hergestellt. Das Polizeipräsidium teilt zu dem Zusammenstoß noch mit: Infolge der heimtückischen und hinterlisti- gen Ueberfälle in der Altstadt, bei denen ein Schutz- polizeiwachtmeistcr aus dem Hinterhalt erschossen wurde, hat der Polizeipräsident wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit bis auf weiteres alle Versammlungen und Umzüge unter freiem Himmel verboten. Aus aller Welt. Selbstentzündung die Ursache de» Brandes des Münchner Glaspalastev. München. 10. Juni. (WTB.) Wie die Blätter melden, d die polizeilichen Erhebungen über die lltfacix der Katastrophe imGlaspa l a st nunmehr abgeschlossen. Die Feststellungen sind zu dem Ergebnis gekommen, dah der Brand tatsächlich auf Selbstentzündung des von den Malern verwendeten Materials zu- rückzuführen ist. Deutscher Segelslug in den Alpen. Interlaken, 11. Juni. (WTB.) 3 m Rahmen der von dem Forschungsinstitut der Rhön-Ros- sitten-Gesellschast mit Unterstützung der Baseler Sektion des Schweizerischen Aeroklubs organisierten Segelslugexpedition in die Schweizer Zentralalpen wurde gestern der erste Start mit dem Segelflugzeug . Fafnir" durchgeführt. Der Frankfurter Segelflieger Groenhoff startete um 14,13 Ähr auf dem 3ungfrau-3och bei ziemlich starkem Winde. Er beschlieb mehrere Schleifen über der Statton 3ungfrau-3och und der Jungfrau (4167 Meter Höhe) unb entschwand den Blicken um 14,25 Ähr in Richtung auf die Riederung zu. Gr ist kürz darauf in Interlaken glatt gelandet. Erdstöße in Ostfriesland. Hamburg, 10. 3uni. (WTB.) Wie das „Hamburger Fremdenblatt" meldet, sind in Westerhauderfehn (Kreis Leer) in der letzten Rächt starke Erdstöße verspürt worden. Als die Bewohner ins Freie traten, sahen sie, dah sich die Stangen der Lichtleitung bewegten. Heute morgen ist wieder ein leichte- Beben bemerkt worden. Aus der Provinzialhauptstadt. Giehen, den 11.3uni 1931. Bürgermeister Hensel-Hirzenhain f. Am Dienstagabend ist — wie gestern schon kurz gemeldet — der Bürgermeister und Lehrer i. R. Heinrich Hensel in Hirzenhain (Kreis Büdingen) nach schwerem Leiden, kurz nach Dollendung seines 71. Lebensjahres, verstorben. Mit Bürgermeister Hensel ist eine Persönlichkeit dahingegangen, die sich durch ihr Wirken zum Besten der Allgemeinheit ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat. Heinrich Hensel wurde am 23. Mai 1860 in Hainchen (Kreis Büdingen) als Sohn eines Landwirts geboren. Schon als Knabe half er seinem Grohvater gerne bei der Arbeit am Bienenstand, und diese Reigung war es in seinem späteren Leben, die ihn neben seinem beruflichen Wirken ganz erfüllte und zu einem weithin geschätzten Ratgeber und Förderer für Tausende von Imkern werden lieh. Rach vollendetem Schulbesuch weilte Heinrich Hensel zur Ausbildung als Lehrer von 1877—1880 am Seminar in Friedberg. 3m Herbst 1882 kam er als Lehrer nach Hirzenhain (Kreis Büdingen), wo er bis zu seinem ilebertritt in den Ruhestand im 3ahre 1925 sehr segensreich als Lehrer tätig war. 3n allen Kreisen der Einwohnerschaft hgtte er sich so grohes und uneingeschränktes Qkrtrauen erworben, dah er im 3abre 1919 einstimmig zum Bürgermeister von Hirzenhain gewählt und im 3ahre 1925 ebenso einstimmig wiedergewählt wurde. Er verstand es in vorbildlicher Weise, im Gemeinderat, wie auch unter der Einwohnerschaft ausgleichend und vermittelnd zu wirken und dadurch im ganzen Dorfe gute Zusammenarbeit aller Teile in voller Harmonie zustande zu bringen. Deiner Klugheit und Geschicklichkeit gelang es stets, die 3ntereffen der Ortsbevölkerung und des bedeutsamsten Rückhaltes von Hirzenhain, der Buderusschen Eisenwerke, auf einer harmonischen und für alle Teile annehmbaren Linie zusammenzuführen. Weiter widmete er im Orte seine Kraft und sein reiches Können der Förderung des Gesangvereinswesens, wie auch des Kriegervereins: als äuheres Zeichen der Anerkennung ernannte ihn der Hirzenhainer Gesangverein zum Ehrendirigenten und Der Kriegerverein zum Ehrenpräsidenten. Hensel gehörte weiterhin als geschätztes Mitglied dem Kirchenvorstand von Hirzenhain an und war Organist und Leiter des Evangelischen Mädchenbundes. Gr zählte auch zu den Gründern des DHC.-Zweig- Vereins Hirzenhain. Lieber den Rahmen seines Heimatortes hinaus wirkte er viele 3ahre lang als Mitglied des Kreisausschusses des Kreise Dü- bingen, ferner war er Mitglied des Aufsichtsrats der Dczirksfparkasse in Ortenberg und des Verwaltungsrates der Versicherungsanstalt hessischer Gemeindebeamten. Weithin bekannt und hochgeschätzt wurde er aber, ungeachtet seiner großen Verdienste in der Arbeit auf heimatlichem Gebiete, durch feine Tätigkeit zur Förderung der deutschen Bienenzucht. Rachdem er sich schon von 3ugenb auf ununterbrochen mit der 3m£erei beschäftigt hatte und im April 1880 als eifriger 3mfer dem Ober- hessischen Bienenzüchterverein beigetreten war, dem er bis zu feinem Lebensende (also 51 3ahre) angehörte, wurde er 1904 in das Preisgericht der deutsch-österreichisch-ungarischen Wanderver- fammlung der Bienenzüchter berufen, dem er bis zum 3ahre 1924 ständig angehörte. 3m Mai 1905 übernahm er die Schriftleitung der Derbands- zeitschrist „Die Diene", die unter ihm zu einem der angesehensten deutschen Fachorgane wurde. Dem Dorstand des Verbandes hessischer 3mfer gehörte er seit 1905 ununterbrochen an. Seine Bienenstände in Hirzenhain waren feit vielen 3ahren das Ziel zahlreicher lernbegieriger Imker, und alljährlich hielt Hensel in seinem vorbildlichen Imkerbetrieb Kurse zur Ausbildung und Weiter- bildung ab. die stets einen großen Teilnehmerkreis hatten und von bestem Erfolg für die Bienenzucht waren. Wie überall beim Wirken für die Allgemeinheit, stellte der nun Qkretoigte seine großen Geistesgaben, seine unermüdliche Schaffensfreudigkeit und schier unerschöpfliche Arbeitskraft zu jeder Zeit für die Aufwärtsentwicklung der deutschen Bienenzucht zur Verfügung. Er hat sich dadurch nicht nur um die Imkerei in Hesten und weit darüber hinaus, sondern auch um die Besserung der Ernährungsgrundlagen unseres Volkes große Qkrbienfte erworben. Liebenswürdiges Wesen, ständige Hilfsbereitschaft und ein vorbildlicher Charakter wäre« weitere Eigenschaften dieses prächtigen Mannes. Sein Hinscheiden wird m peiten Kreisen der Bevölkerung aufrichtige Anteilnahme auslösen. Das Andenken an den Heimgegangenen wird bei allen, die ihn kannten, und die durch ihn gefördert wurden, in dankbarer Gesinnung lebendig bleiben. Ein Hilfswert für Deutsche über See. Die Gießener Ortsgruppe des Frauenvereins vom Roten Kreuz für Deutsche über See veranstaltet am kommenden Samstagabend auf der Liebigshöhe ein Wohltätigkeitsfest, dessen Ertrag zum Besten der sozialen Hilfsbestrebungen des Vereins für die deutschen Landsleute in den überseeischen Gebieten Verwendung finden soll. Die Qkranftaltung wird zur Unterhaltung der Besucher mancherlei künstlerische Darbietungen bringen, u. a. eine lustige Reise «Mit Elly Beinhom von Afrika nach Europa", Musik- und Gesangsvorträge, Preistanzen, Gesellschaftstanz, Tombola usw. Um die Darbietungen mit dem nötigen Schwung und künstlerischen Gehalt auszustatten, haben sich die Herren Hub vom Stadttheater, Tanzlehrer Bä ulke und Frau, Kapellmeister C u j e und Frau und andere Kräfte in den Dienst der guten Sache gestellt. Zur Orientierung unserer Mitbürger erscheint es angebracht, bei dieser Gelegenheit darauf hinzuweisen. dah der Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See nicht die kolonialpolitischen Ziele auf seinem Arbeitsprogramm hat, sondern sich ausschließlich den sozialen und voll- lichen Fürsorgebestrebungen für unsere deutschenBrüder und Schwestern jenseits der Meere widmet. Der Verein unterhält Erholungsheime, Kindergärten, Mütter- Heime, Krankenanstalten und Wöchnerinnenhäuser in Qlfrika, Südamerika, China usw. Dort wirken die Qlote * Kreuz - Schwestern im Auftrage des Vereins in segensreicher Weise zum Besten der deutschen Familien, die unter harten Kämpfen und Entbehrungen sich jenseits der Meere eine neue Existenz gegründet haben und, zum großen Teil ganz auf sich allein gestellt, der Hilfe aus der Heimat heute mehr denn je bedürfen. Daß diese Hilfe auf fruchtbaren Boden fällt und dankbar anerkannt wird, beweisen viele Berichte über die Arbeit der Rotkreuz-Schwestern des Frauenvereins in Deutsch-Südwest, in Tsingtau und Schanghai, in Valparaiso, Sao Paulo, Pernam- buco, Cura^ao, Portugiesisch-Angola usw. Auf allen diesen Stationen, inmitten fremder Volker mit zum großen Teil noch sehr primitiver Kultur, halten die Rotkreuz-Schwestern des Frauenvereins im Interesse der deutschen Siedler tapfer aus, sie bringen dort nicht nur den deutschen Familien in Zeiten der Rot und Hllfsbedürstigkeit dankbar begrüßte Unterstützung, sondern sie geben auch durch ihr stilles Heldentum ein Beispiel dafür, was deutscher Opfergeist im Interesse der deutschen Sache und unseres deutschen Volks- kums zu leisten vermag. Diese Arbeit der Schwestern gilt es auf dem Wege über den Frauenverein für Deutsche über See zu unterstützen. Gewiß mag es für viele nicht gerade leicht sein, neben der eigenen drückenden Qlot auch noch die Sorgen und Bedrängnisse der Ausländsdeutschen zu einem Teil auf sich zu nehmen. Qlber ungeachtet aller Schwierigkeiten in der Heimat muh diese Aufgabe allen Deutschen ein vaterländisches Gebot sein. Denn wenn die Deutschen daheim der Pionier- und Kulturarbeit deutscher Brüder und Schwestern draußen ihre Unterstützung entziehen, so lockern sich ganz natürlich die gefühlsmäßigen und geistigen Bindungen zwischen der Heimat und den Deullchen in der Fremde, und diese wertvollen nationalen Kräfte jenseits der Meere gehen schließlich unserem Volkstum und damit der deutschen Wiederaufbauarbeit im Auslande verloren. Durch unsere Ausländsdeutschen wird es zu einem großen Teile möglich sein, unseren industriellen unjb geistigen Gütern den QBeg über die Meere wieder frei zu machen und dadurch erneut Raum zu gewinnen für kommende Generationen. Wenn wir also unseren Ausländsdeutschen helfen, so leisten wir gute Arbeit für unser ganzes Volk! Um die finanzielle Forderung dieser unter- stühenswerten 'Bestrebungen mit persönlicher An- ne^nlichkeit zu verknüpfen, veranstaltet die Gießener Ortsgruppe des Frauenvereins für Deutsche über See am kommenden Samstagabend das Wohltätigkeitsfest. Durch niedrige Preise soll jedermann die Möglichkeit geboten werden, sich auf verhältnismäßig billige Weise einen angenehmen Abend zu bereiten. Die Qkranftalter wollen mit diesem Abend auch einem Teile der Geschäftswelt durch Lieferungen für dieses Wohltätigkeitsfest Qlbfahmöglichkeit schaffen, und sie hoffen, durch starken Besuch einen ansehnlichen Ueberschuß zum Besten ihrer segensreichen Bestrebungen erzielen zu können. Mochten diese Hoffnungen in Erfüllung gehen! Vornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Linn6-Bortrag 1931: „Alter und Tod bei den Pflanzen" von Professor Küster, 20.30 Uhr, Dotanl- scher Hörsaal. — Gas-Bereinigung und Hausfrauen- Beratung: Dortrag „Warum Gasküche?", 20 Uhr, Caf6 Leib. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Königin einer Nacht". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Das «Ensemble-Gastspiel Lottina Daart. £. L. Franken, Kurt Unser", gastiert am Dienstag, dem 16. Juni, mit einer einmaligen Aufführung der Tragödie .Rju" von Ossip Dymow und setzt damit die für die Sommerspielzeit angelünöigten Gastspiele fort. Beginn der Vorstellung 20 Uhr. Ermäßigte Sommer preise. •• Rascher Tod. Gestern nachmittag erlitt ein älterer Mann namens Dapper, der sich in seinem Garten am Riegelpfad beschäftigte, plötzlich einen schweren Schlaganfall. Durch eine zufällig anwesende Aerztin wurde die Freiwillige Bonität»« kolonne angerufen, die auch sehr bald erschien, ohne jedoch helfend eingreifen zu können, da der Tod bereits eingetreten war. * Universitäts-Personalien. Don der Pressestelle der Universität wird uns mitgeteilt: Der außerplanmäßige außerordentliche Professor für innere Medizin, Dr. Ernst Woenckhaus, Oberarzt an Der Medizinischen Klinik, hat einen Ruf als Chefarzt der inneren Abteilung am evangelischen Krankenhaus Gladbach-Rheydt zum 1. Juli 1931 erhalten und angenommen. — Der außerplanmäßige außerordentliche Professor für vergleichende pathologische Anatomie und Seuchenlehre Dr. Oskar Seifried hat einen Ruf vom Board der wissenschaftlichen Direktoren des Rockefeller-InstitutS für Medical-Research in Reuyork-Princetvn als Qlssvciate QHember dieses Instituts zum 1. Juli 1931 erhalten. Herr Dr. Seifried leistet dem Ruf 5o[gc. Weitere Lokalnachrichten Im zweiten Blatt. Die Wetterlage. 7M RDtrdeen- 3E 18 1% KiagtnL 21 Gwomenioi. oneue».ona(B oedtext, ® woikio. • otvtcxi Oetfbi » Sehnte a Graupeln, e MtDtl K OewiUer^UindStUlcO Mhr uenter Ost «nassige» Sütfioowesk q siormocne» nordwejl Oie Pfeile Wegen mit dem winde. Pie Da den Stationen stenenden Zähen gecen die Temperatur an. Pie Linien vcrDmdt» Ort» eil gleKögak tut necresmveau umgerextineu» Uifwruct Wettervoraussage. Der hohe Druck über dem Mittelländischen Meer dehnt seinen Einfluß bis über das Alpen- gebiet und daS südliche Deutschland aus, wahrend Mittel- und Rorddeutschland im Bereich der Atlantikstörung liegt. Infolgedessen ist bei unS feuchtwarme vzeanichse Luft der Storung wetter- bestimmend, d. h. hohe Temperaturwerte und Bewölkung sowie einzelne Riederschläge charakterisieren die QBetterlage, wenn auch die Zugrichtung des Tiefs mehr iwrdostl. Dahn hat, so dürste doch noch kühlere Luft bis zu unS gelangen und dabei Gewitterstörungen verursachen. 3m allgemeinen wird, begünstigt durch den Darometeranstieg über den britischen 3nseln, der QDittermrgSchcrrakter beständiger toerben. Aussichten für Freitag: Wolkig mit Aufheiterung, warm, jedoch etwas kühler, vereinzelte Gewitterstörungen mit Niederschlägen. Aussichten für Samstag: Weitere Besserung wahrscheinlich. Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein. Tie Firma HanS Keller. Leipzig, stellt nur »och beute und morgen im Hotel „Viktoria", Gießen, Pelzmantel zu jedem nur annehmbaren Prelle zum Verkauf. 03425 LUX ^unlicht Produkte jetzt so billig! Ein Beispiel: Diesen Einkaufsbeutel, echt Leder, erhalten Sie für 60 einfache Gutscheine. Auch wertvolle Gutscheine tragen alle Packungen der Sunlicht Erzeugnisse; die doppelgroßen Packungen von Lux Seifenflocken und Vim sogar zwei. Sammeln Sie die Gutscheine! Sie erhalten dafür schöne Gaben. 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H. 3937 A (Ov Die Erübrigung wird in Höhe von 5 Prozent am Jahresschluß auf den Warenbezug an die Mitglieder verteilt. In Sterbefällen erhalten die Mitglieder außerdem eine Unterstützung von 20-100 RM., die sich ebenfalls nach der Höhe des Warenbezugs richtet. Neue Kartoffeln Matjes-Heringe Weißer Tischwein Aepfelwein Pr. Frkf. Leberwurst % Pfd. 15 H Pr. Frkf. Blutwurst.. % Pfd. 15 Prima Hausmacher Leberwurst V* Pfund 35 und 30 H Pr. Zervelatwurst, 50,37 und 35 H Prima Schlackwurst % Pfd. 58 H Geschäftsdrucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarten bei Brühl, Schulstraße ? Größte Auswahl auch in den bekannt Markenfabrikaten Anker und Halbmond Bevor Sie sich zu einem Teppichkauf entschließen, sehen Sie sich ganz unverbindlich meine Riesenläger an, die Sie überraschen Obst und Gemüse stets frisch in unseren Filialen! 3788 C 52 und 46 H */2 Tafel 27 L. 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Das darf man wohl aus einem Leitartikel des „Matin" schließen, der sich mit der französischen Anleihepolitik beschäftigt und die Behauptung aufstellt, daß Frankreich nicht hur sein« Freunde, sondern auch seine ehemaligen Feind« immer unterstützt habe und daß die französische Hilfsbereitschaft am allerbesten aus der Zahl und Höhe der Anleihen hervorgehe, die Frankreich seit 1923 dem Ausland gewährt habe. Es folgt dann eine längere Ausstellung, in der sich auch Deutschland, Oesterreich. Ungarn und Bulgarien, also die Verbündeten des Weltkrieges, befinden. Die Statistik gewinnt aber ein ganz anderes Gesicht, wenn man sich die einzelnen Anleihen und namentlich ihre Höhe etwas genauer betrachtet. An der Dawes- und Vvung - Anleihe muhten sich die Franzosen, ob sie wollten oder nicht, beteiligen. Die Anleihen, die den Oesterreichern, Bulgaren und Ungarn gegeben worden sind, machen genau fünfhundert Millionen Franken aus. also soviel, wie die Franzosen allein den polnischen Verbündeten auf Grund dieser Statistik ausgehändigt haben. Der Grad der Hilfsbereitschaft den Verbündeten Frankreichs und den ehemaligen Feinden gegenüber ist stark unterschiedlich, die Belgier erscheinen mit vierhundert Millionen Franken, die Rumänen einmal mbt fünfhundert und einmal mit 575 und die Süd- hatoen mit 675 Millionen Franken. Gegenüber diesen Beträgen sind z. B. Anleihen im Werte von vierzig Millionen, wie sie einmal an Bulgarien gegeben wurden, vollkommen bedeutungs- ll>s. Die Franzosen müßten reichlich naiv sein, wenn sie sich der Annahme hingeben, daß an Hand dieser Aufstellung nunmehr jeder ehrlich an die Hilfsbereitschaft Frankreichs glaubt. Die Milliarden, die im Saufe der letzten Jahre nach dem Osten und dem Südosten Europas abgeflossen sind, sind nicht gegeben worden, um den Rumänen, den Südftawen oder den Polen aus schwierigen Situationen herauszuhelfen; vielmehr wurden diese Schwierigkeiten benutzt, um die Verbündeten in go lden« Fesseln zu schlagen und sie fester an Frankreich zu fetten. Es fragt sich nur, ob nicht eines Tages diese goldene Fessel doch zerspringt. Auf dem Balkan ist man keineswegs mit den Franzosen zufrieden, die zwar immer schöne Worte machen, aber stets bann versagen, wenn es gilt, Versprechungen wirtschaftlicher Ratur so einzulösen, daß auch di« kleinen Staaten einen Ruhen davon haben. Solange aber die Franzosen zehn Milliarden Franken in Gold in ihren Dep o ts haben, besitzen sie eine Manövriermasse, mit der' sie sehr leicht selbst Staaten wie Großbritannien in furchtbare Verlegenheiten bringen können. Im Zentrum der Reichshauptstadt wurde dieser Tage ein Geschäft eröffnet, das in seiner Art deshalb einzig dasteht, weil es ausschließlich dem Verkauf von Gasmasken gewidmet ist. Man kann hier Schuhmasken für Männer, Frauen und Kinder erwerben; es gibt sogar Exemplare, die für verschiedene Haartrachten passend gearbeitet sind, so daß sie auch dann gut sitzen, wenn z. B. eine Frau über eine beträchtlich« Haarfülle verfügt, die sie in einem Knoten trägt. Dann gibt es auch verschiedene Arten von Masken, die gegen besondere Gase schützen, solche, die nur Reizgase. wie Tränen- und Riesgase abhalten, und solche, die den Träger vor den ganz schweren Vergiftungsgasen bewahren. Die Gründung dieses eigenartigen Geschäftszweiges mutet im angeblichen Zeitalter der Abrüstung recht eigenartig an. Fragt man sich aber, ob Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Don Konferenz zu Konferenz diesem Jahr di« große ..Anti-Gas-Propaganda" eingeleitet, um jeden Sowjetbürger auf die Gefahren des Gaskrieges aufmerksam zu machen und vorzubereiten. Wir aber sind arm an Milte tär und Waffen und auch an Geld, wir müssen zusehen, wie die andern sich aus alle Eventualitäten vorbereiten, während unser« Zivilbevölkerung aller Schutzmittel entblötzt bleibt. Wir brauchen gat nicht an einen Krieg zu denken, haben doch die Phosgengaskatastrophe in Hamburg und die Giftgasnebel im Maastaal gezeigt, wie notwendig der Gasschutz überhaupt ist. In Deutschland haben wir bisher ein« einzige Das- schuhschule, Oranienburg, die uns zeigt, wie wir uns gegen diesen gefährlichen Feind zu verhalten haben. Sie hat aber eine auffallend« Aehnlich- keit mit dem Veilchen, das im Verborgenen blüht. Vielleicht wird das Berliner Gasmaskengeschäft die Keimzelle eines umfassenden Gasschutzes. DiS aber der letzte Winkel unseres Reiches erfaßt ist, werden sicherlich neue Gase erfunden fein, gegen die nicht einmal mehr die jetzt gebräuchlichen Gasmasken einen wirkungsvollen Schutz bieten. Angelsächsische Staatsmänner besuchen Deutschland. — Macdonald, Henderson Gtimson und Mellon. Don Werner Falcke sich damit in Gegensatz zur Parteimehrheit stellte. Er wurde verfolgt und wär« einmal fast gelyncht worden, aber er hielt an seinen Grundsätzen fest und kämpfte auch während des Krieges erbittert gegen das Völkermorden. Damals errang er sich den Beinamen des „Staatsmannes mit der g euer fee le“. Im Jahre 1922 wurde er wieder Parteivorsitzender, und nun hatte er sich so weit gewandelt, daß er als Führer der zweitstärksten Fraktion zu Hofe ging und dem König seine Aufwartung machte. 1924 wurde er zum erstenmal Premierminister. Die Wahlen im Sommer 1929 brachten ihn dann wieder an di« Spitze des englischen Weltreiches. Schweigsam, fast hart in seinem Wesen, ist Macdonald in seiner Politik immer biegsamer geworden und gehört heute zu den Staatsmännern, die Der- nunftgrünben zugänglich fein dürften, ohne ihren Kopf im Kampf für die Vernunft wagen zu wollen. Dom Metalldreher zum Außenminister. Arthur Henderson hat früher nicht gut mit Macdonald gestanden. Er war sein Vorgänger als Vorsitzender der Arbeiterpartei und war selbst dort versöhnlich, wo Macdonald fanatisch blieb. Er hat sich nicht geändert, aber der Mann, der ihn überflügelte und nun sein Kabinettchef ist, hat feine Politik angenommen. Im Jahre 1863 wurde Henderson in Glasgow geboren. Seine Jugend war die eines Arbeiterkindes, seine Lehrzeit verbrachte er als Metallarbeiter in einer großen Fabrik von Rewcastle. In der Gewerkschaftsbewegung stieg er empor, als Kommunalpolitiker herbiente er sich die Sporen. Im Jahre 1908 übertrug man ihm den Par- teitwrsitz. Zwei Jahre führte er die Arbeiterpartei, bis Macdonald ihn von diesem Amt verdrängte. Bei Kriegsausbruch übernahm er wiederum den Parteivorsih und versprach össentlich, „die wundervolle Einigkeit der Ration" durch die organisierte Arbeiterpartei nicht zu stören. Zur Belohnung zog er im Jahre 1915 in die Koalitionsregierung Asquith ein. „Durchhalten" war seine Parole, und das Munitionsgeseh, ja sogar das Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht, das in England auf großen Widerstand stieß, wurden von ihm gefordert und durchgeseht. Ein Jahr darauf folgte das Bündnis mit Lloyd George. Im Frühjahr 1917 besuchte er Rußland, erlebte die erste Revolution und sah, daß die Provisorische Regierung entschlossen war, die internationale sozialistische Konferenz in Stockholm zu beschicken Er hielt es für besser, daß die Engländer daran teilnahmen, als daß man di« Deutschen und die Russen unter sich lieh. Di« Qlrbei- feine Existenz no twendig ist, dann kann nur ein glattes I a die Antwort sein Schauen wir uns doch einmal um! Alle Staaten, die uns umgeben, sind bis an die Zähne bewaffnet, trotzdem jedes zweite Wort, das aus dem ehemals feindlichen Ausland kommt, — Abrüstung heißt. Daß man draußen keine unmodernen Kampfmittel herstellt, dürfte jedem klar sein, der noch vom Schluß des Weltkrieges her weiß, daß Flugzeuge und Giftgase die besten und wirksamsten Wasfen sind. So hat man jetzt Kombinationen zwischen Flugzeug und Gas geschaffen, wodurch dem Angreifer die Möglichkeit gegeben ist, in wenigen Stunden ganze Länderstriche zu vergasen und alles Lebende unschädlich zu machen. Aber nicht nur dem Angriff schenken die fremden Mächte ihr Augenmerk, vielmehr geben sie heute schon ungeheure Summen für den Gasschutz ihrer Bevölkerung aus, damit im Falle eines Krieges jeder Bürger sofort weih, wie er sich zu verhalten hat. So zahlt Frankreich jährlich nicht weniger als neunzig Millionen, Amerika und England je sünsundsiebzig Millionen für die Gasschutzkurs «. Ruh land hat erst in Die Staatsmänner, die in diesem Sommer der Rot auf Reisen gehen, eilen von Konferenz zu Konferenz, und jede Besprechung hat dasselbe Thema: W o i st der Ausweg aus der Krise? Am bedrohlichsten ist die Lage in Deutschland. Es ist daher fein Zufall, daß außer dem amerikanischen Außenminister Stirn- s o n nun auch Macdonald und Hender - son in Berlin erwartet werden Der amerifa- nische Schatzkanzler Mellon ist ebenfalls auf dem Wege nach Europa, doch steht es noch nicht fest, ob er nur London und Paris, oder auch Berlin aufsuchen wird. Von dem, was diese vier Männer in den nächsten Wochen vereinbaren werden, hängt viel ab. Ihr Rome wird in der nächsten Zeit oft genannt werden. Was hat man von ihnen zu erwarten? Ein Rückblick auf ihren Werdegang und eine Schilderung ihrer Persönlichkeiten gestattet es, gewisse Schlüsse auf ihre Derhandlungs- freudigkeit zu ziehen Der Staatsmann mit der Feuerseele. Den Schotten sagt man nach, dah si« geizig seien Macdonald und Henderson stammen aus Schottland. Aber sie haben lange genug in London gelebt, um die kleinen Verhältnisse ihrer Herkunft zu überwinden. Macdonald ist der Sohn eines kleinen Dauern. Mit acht Jahren muhte er bei der Feldarbeit helfen und konnte nur nebenbei die Dorfschule besuchen. Er war begabt und sollt« Dolks- schullehrer werden. Die Bildungsmöglichkeiten in seinem Heimatdorf waren gering. Aber er nutzte sie aus, schrieb als junger Mann eine Rovelle, schickte sie an eine Zeitung und sah sie gedruckt. Das machte ihm Mut. Fast ohne einen Schilling in der Tasche fuhr er nach London, wo er nach langem Umherirren, hall» verhungert, eine Stellung als Schreiber fand. In seiner freien Zeit bildet« er sich Wetter, las auf den Bibliotheken, sah sich aber auch in der großen Stadt um, weil er fürchtete, über den Büchern das Geben zu vergessen. Im Alter von 22 Jahren wurde er durch einen Zufall der Sekretär eines radikaldemokratischen Abgeordneten, der ihn in die Politik einführte. Das ist lang« her. Macdonald ist jetzt 65 Jahre alt und hat über hier Jahrzehnte im politischen Leben gestanden. Er gehörte zu den Mitgründern der Unabhängigen Arbeiterpartei, von der er sich inzwischen toteber getrennt hat, er ist vor 25 Jahren Abgeordneter geworden. Kurz vor dem Krieg übernahm er den Dorsitz in der Arbeiterpartei, mußte ihn dann aber im August 1914 niederlegen, weil er an seiner pazifistischen Gesinnung festhielt und terpartei billigte feine Haltung, aber die Gewerkschaft der Seeleute weigert« sich, die Arbeiter- delegattvn nach Stockholm zu bringen. Als Lloyd George Henderson fallen ließ, mußte dieser zu- rücktreten. Im Jahre 1918 entschied sich die Arbeiterpartei gegen Hendersons Einspruch für das Ende der Koalitionspolitik, und nun wurde Henderson für einige Jahre in den Hintergrund gedrängt. Dennoch machte Macdonald seinen alten Widersacher in seinem ersten Kabinett zum Innenminister. Im Kamps gegen den Kommunismus fanden sich die beiden Parteiführer, und nun ist Henderson Außenminister. Der Bankier der amerikanischen Finanzen. Der drittreichste Mann der Vereinigten Staaten und somit wohl der Welt ist Andrew William Mellon, dessen Vermögen die Milliardengrenze erreicht haben soll. Gr stammt aus Pittsburg und war Präsident eines großen Finanztrustes, bis er als Mann von 66 Jahren am 1. März 1921 seine Stellung in der Privatwirtschaft aufgab und unter Harding Schahkanzler wurde. Seitdem hat kein amerikanischer Präsident auf diesen Fachmann verzichtet. Die Aemter, die er in seiner Hand vereinigte, sind kaum aufzuzählen. Am wichtigsten war es wohl für die Welt, daß er den Vorsitz in der Kriegsschuldenkommission innehatte und dabei den amerikanischen Standpunkt formulierte: die internationalen Verpflichtungen sind unantastbar, aber keine Ration kann über ihre Fähigkeit hinaus zu Zahlungen gezwungen werden, und jede Regelung, die die Entwicklung des Schuldners unterdrückt oder ungebührlich verzögert, oder die die Lebenshaltung senkt, schadet Europa und Amerika. Ob er jetzt aus diesem Grundsatz Folgerungen ziehen wird? Mellon hat ein« große Geschicklichkeit im Abschluß von Verträgen bewiesen. GS ist ihm gelungen, die innere Verschuldung der Vereinigten Staaten von 1921 bis 1928 um acht Milliarden Dollars ober 33 Milliarden Mark zu senken. Daß er gleichzeitig die Besteuerung der Einkommen mindern tonnte, war natürlich nur der günstigen wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten $u danken. Amerikas diplomatischer Rechtsanwalt. Kelloggs Rachfolger Henich Lewis Stim son ist ein trockener Jurist. Wie viele amerikanische Staatsmänner, begann er als Rechtsanwalt. Länger als ander« ist er bei diesem Beruf geblieben, und im Grunde genommen ist Stimson noch heute ein Advokat, kein Diplomat. 40 Jahre war er alt, als er in den Staatsdienst trat. Jetzt ist er 64. Unter Taft war er Kriegsminister — ein Rechtsanwalt als Kriegsminister! — und hat sich dabei so viel militärische Kenntnisse angeeignet, daß er im Jahre 1917 als Oberstleutnant an die Front gehen und ein Artillerieregiment führen konnte. Donnerstag, U. Juni (931 ——— . . -j Der Iraner des NWahrSpreise» ber Berliner Akademie der fiflnfle. Der Essener Maler Max Pfeiffer-Waten- phuhl erhielt den Frühiahrspreis der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Dis zum Titulaturgeneral (wie bei seinem Kollegen, dem Rechtsanwalt und General Dawes) hat es nicht gereicht. Für sein Land war er in Rica- ragria tätig — mit Erfolg —, dann wurde er Generalgouverneur der Philippinen und ging schließ- lich als Fachmann für Latein-Amerika in das Außenministerium, wo er seit ein paar Jahren wirkt — mit weniger Erfolg. Auf der Flottenkonferenz des vorigen Jahres verteidigte er als zäher durift Amerikas Ansprüche. Ob er jetzt etwas nachläht? Aus der provinzialhauptsta-t. Gießen, den 11.3imt 1931. Rosen und Lilien. Der Rose, dieser Liebkingsblume aller Völker der Erde, wie nicht minder auch der Lilie, dem herrlichen Sinnbilde der reinen Unschuld, hat der Mensch seit den ältesten Zeiten seine Liebe und Sorgfalt zugewandt. Das heiße, heitere Persien ist jedenfalls die Urheimat der Rose und der Lilie, die von da aus nach Babylonien verpflanzt wurden und zu den Dlumenschahen der berühmten Gärten Babylons zählten. Auch in der Bibel werden des öfteren Rosen und Lilien bildlich erwähnt. Schon in der ältesten geschichtlichen Zeit waren Rosen und Lilien zu den Griechen, dem ältesten Kulturvolk Europas, gelangt, und Homer gebraucht sie bildlich in der Zliade und Odysse. Von da an finden wir Rosen und Lilien unter dem Fest- und Blumenschmuck liebenden Volke der Griechen eingebürgert, überall verbreitet und in Leben und Sitten verflochten; bei keiner Festlichkeit, bei keinem Opfer und bei keinen religiösen Gebräuchen durften Rosen und Lilien fehlen. Die Rose war der Aphrodite als Sinnbild der Schönheit, der Aurora als Sinnbild der Jugend geweiht; sie war auch die Blume des Dionysos, das Symbol der Liebe und des Todes, auch ein Zeichen der Verschwiegenheit. Von der Lilie wurde viel gefabelt; sie sei aus der Milch der Hera entstanden, als diese schlafend den Herkules säugte; mit der Aphrodite war die Lilie der reinen, un- befleckten Farbe wegen in Streit, und um_ die keusche Blume zu beschämen, setzte ihr die Göttin das gelbe Pistill ein. Durch die griechischen Kolonien kam die orientalische Gartenrose frühe schon und gleichzeitig mit der Lilie nach Italien, und von da gingen beide in alle Welt hinaus. Bei den Römern fanden sie dieselbe Verehrung und Hochschähung wie bei den Griechen, ihre Dichter feierten sie in Wort und Lied. Bei den öffentlichen Belustigungen wurden die Straßen mit Rosen, Lilien und Blumenblättern bestreut und die Bildnisse der Götter mit Kränzen und Girlanden von Rosen gcz'ert. Daß die Rose auch eine Blume der Gräber war, daß man den Toten Rosen mit Blumen spendete, war bei den Römern eine alte, durch zahlreiche Grabinschriften bestätigte Sitte. Die nach der römischen Sage aus dem Blute des sterbenden Raturgottes entstandene Rose, ebenso schön als flüchtig, zeigt neben der höchsten Lebensfülle das Bild rascher Vergänglichkeit, älnd auf die Grabhügel pflanzte man auch, wie heute noch bei uns, die Lilie. Rach dem Verfalle des römischen Reiches versank die Welt in einen Zustand der Barbarei; der Gartenbau und die Blumenzucht wurden vernachlässigt, aber doch blieben in dieser Zeit, wo so viele Kulturen zugrunde gingen, Rose und Lilie, durch Duft und Dlumenfarbenpracht auch dem rohen Menschen imponierend, in den Gärten gewöhnlich. Als aber die häufigen Kriege auf- yörten und man sich wieder längere Zeit hindurch der Segnungen des Friedens erfreuen konnte, da frandte man sich neben anderen Beschäftigungen auch wieder der so manche liebliche Genüsse bie- ; tenden Kultur der Blumen zu. Karl der Große, der eifrige Förderer der Landwirtschaft und des ~ Gartenbaues, wandte auch der Rose und der Lilie seine Aufmerksamkeit zu und bestimmt, daß sie in seinen Gärten gezogen werden sollten. Bei den Lor der700=3d)rfcicr des deutschen Ordenslandes ’-A £ M. MW W ö Mittelpunkte des alten Ordenslandes. Oben links: Die Ordensburg Allenstein. — Oben rechts: Der von den Ordensrittern erbaute Dom in Königsberg. — Unten links: Das Marientor in Marienburg, durch das der Reichspräsident zu der Feier am 14. Juni elnziehen wird. — Unten rechts: Gesamtansicht des Hochmeistersitzes Marienburg. Die Feier auf der Marienburg am 14. Juni, an der auch der Reichspräsident von Hindenburg teilnimmt, bildet den Auftakt zu der 700-Jahrfeier des deutschen Ordenslandes. Mit dem Jahre 1231 begann die große Kolonisationszeit der Lande östlich der Weichsel durch den Deutschen Orden, der sich durch seinen iahryundertelangen Kampf gegen die Litauer, die Polen und die heidnischen Preußen ein unsterbliches Verdienst um Deutschtum und Christentum erworben hat. Arabern, die große Garten- und Blumenfreunde waren, wurde die Rose zur allgemeinen Lieblingsblume erhoben, und neben ihrer Kultur fand auch ihre Begleiterin, die Lilie, aufmerksame und treue Pflege. Auch in Italien erwachte wieder der alte Sinn und die alte Liebe für die beiden beliebten Blumen. Die Dichter des deutschen Mittelalters verwenden in ihren Versen Rosen und Lilien reichlich. Rosen und Lilien dienten dem Christentum zu beliebten Symbolen. Die heilige Jungfrau in ihrer Anmut und Milde erschien als Rose, die himmlische Reinheit wurde in der Lilie angeschaut; gotische Kirchen schmückten sich mit steinernen mystischen Rosen, auf Bildern der Verkündigung trug der Engel den Lilienstengel. In Italien steht heute noch die Rose in der Reihe der Blumen voran, wenn es gilt, Feste und Religionsfeierlichkeiten durch den Schmuck der Blumen zu verherrlichen. Auch in die Wappensprache jener bildlich denkenden Zeit gingen beide Blumen ein. Bekannt sind die drei Alien im königlichen Wappen von Frankreich, sowie die feindlichen Zeichen der roten und weihen Rose in den Königsgeschlechtern von England. In Ungarn standen Rosen und Lilien in hoher Achtung, und heute ist es nichts seltenes, daß man dort die schönsten Varietäten an den fernsten und unbesuchtesten Orten findet. In Holland, wo Tulpe und Hya^nthe die ganze Liebe und Begeisterung der Blumenzüchter des 17. und 18. Jahrhunderts in Anspruch nahmen, wurde die Rose lange Zeit nicht in dem Mähe beachtet, wie sie es verdient; doch ist von dort die Moosrose, eine der lieblichsten Varietäten nach England gebracht worden, von wo sie sich weiter nach Frankreich und Deutschland verbreitete. In England, dem Lande der Prachtgärten und der hübschen, heimlichen Hausgärtchen, zählt die Rose, wie auch die Lilie zu den Lieblingsblumen, und die Zahl der Rosenliebhaber, die zum Teil ausgedehnte Sammlungen besitzen, ist außerordentlich groß. Wenn auch unser Vaterland keine Sammlungen von solchem Mahstabe wie England und Frankreich besitzt, so gehört doch auch bei uns die Rose zu den Blumeir die sich einer besonderen Liebe, Kultur und Pflege zu erfreuen haben, wie auch in jedem Garten ihre Gefährtin, die Sitte, in mehreren Abarten zu finden ist. Doch auch an größeren Anlagen fehlt es nicht, wie der feldmähige Anbau der Rosenzucht weitere Verbreitung findet und die Gartenanlagen für Rosenkultur alljährlich neue Arten und Varietäten in den Handel bringen, während Gotha und Erfurt und andere neben der Rosenzucht auch dem alten Knollengewächs, der Lilie, die weiteste Verbreitung sichern. So sind Rose und Lilie seit den ältesten Zeiten fast bei allen Völkern und unter allen Himmelsstrichen, die ihnen nur einigermaßen zusagen. anerkannte und bevorzugte Lieblinge des finnigen, gemütreichen und mit Schönheitssinn begabten Menschen. * Gr. Gietzener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140—150, Matte 30-35 Pf. das Pfd., Eier 8—9 Pf. das Stück, Käse 10 Stück 60—140 Pfennig. Wirsing, neue. 20—25, Weißkraut, neue, 20—25, Spinat 15-20, Römischkohl 10-15, Boh- nerx ausländische, 40—45, Spargel 30—60, Erbsen 25—30, Mischgemüse 10—15, Tomgtzm 60—80, Zwiebeln 15—20, Rhabarber 10—15, Kartoffeln, alte, 5—6, Kartoffeln, neue, 20—25, Aepfel, ausl., 50-60, Dörrobst 30—35, Kirschen 30—50, Stachel- beeren, unreife, 20—25, Erdbeeren 50—60, Aprikosen 70—80, Honig 40—50, Rüsse 60—70, Junge Hähne 90—100, Suppenhühner 90—100 Pf. das Pfund. Tauben 50—70, Blumenkohl 40—70, Salat 10—15, Salatgurken 40—60, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5—10, Rettich 10—15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück, Gelbe Rüben 15—20, Radieschen 10—15 Pf. das Bund; Kartoffeln 4—5 Mark per Zentner. Daten für Donnerstag, 11. Juni. Sonnenaufgang 4.10 Uhr, Sonnenuntergang 20.39 Uhr. — Mondaufgang 1.44 Uhr, Monduntergang 15.35 Uhr. 1859: der österreichische Staatsmann Fürst von Metternich gestorben; — 1864: der Komponist Rich. Strauß in München geboren. ♦ Autoomnibus zum Hoherodskopf. Am Sonntag, 21. Juni, fährt um 7 Ubr auf Der» anlasfung des Skiklubs Gießen ein Autoomnibus nach Breungeshain. Diesen Omnibus kann jedermann benützen. Es ist damit die Möglichkeit gegeben, einen Ausflug nach dem Hoherodskopf zu unternehmen und zugleich einen schönen Erholungstag zu ver- leben. Näheres im heutigen Anzeigenteil. ** Straßensperre. Vom Polizeiamt wird mitgeteilt: Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten wird der Eichgärtenweg von der Wolfstraße bis zum nächsten nördlichen Querweg von Dienstag, 9. Juni 1931, ab bis auf weiteres für Fahrzeuge aller Art polizeilich gesperrt. Oberheffen. Wirbelsturm über Oberheffen. Schwere Schäden in Dorf und Feld. Am Dienstag, gegen 18 Llhr, zog über Ober- Hessen ein schweres Gewitter hin, das für einige Zeit den Himmel verdunkelte und unter heftigen Blitzen und Donnerschlägen vorüberzog. Zugleich fiel sehr viel Regen. Den größten Schaden richtete jedoch eine Windho se an, die sich sehr schnell fortbewegte und auf ihrer Spur allenthalben schweren Schaden anrichtete. In Grünberg verlief die Windhose von der Gießener Straße aus östlich die Theo-Koch- Straße entlang, überquerte die Londorfer Straße und die Bahnhofstraße, um dann durch den Schloßgarten, am RondeU vorbei, nach der Alsfelder Straße weiter zu ziehen. Auf ihrem Wege hinterlieh sie ein Bild stärkster Verwüstung. Eine Menge Bäume, besonders ObstIrandungdesLebens Roman von Käte Lindner. (Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.) 9. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Heim muh ich jetzt, was sag' ich nun der Mamina, wenn sie mich fragt, wo ich so lange gewesen bin?" Aber Frau Colomba hatte die Osteria voller Gäste und hörte nicht die huschenden Schritte auf der Treppe. Rur Andrea stand droben auf dem Korridor und zeigte lachend all' ihre weihen Zähne, als Julietta mit allen Zeichen der Vorsicht den Korridor entlang schlich. „Sie hat vorhin nach dir gefragt, Julietta, ob du zur Messe gewesen seist. -ilnb ob ich dir ein gutes Rachtmahl gerichtet hätte, sie habe heute so viel zu tun. Zu allem habe ich ja gesagt, einen Risotto habe ich dir gerichtet. QEber nun wird er nicht mehr schmecken, so lange bist du ausge- blieben. Aber die Frau hat nichts gemerkt." Da drückte Julietta kichernd einen Kuh auf die blühende Wange der Andrea und flüsterte: „Ich schenke dir meine Kette aus Venetia, die dir so gut gefällt, aber du darfst sie die Mutter nicht sehen lassen. Sie gab mir die Kette zu meinem letzten Ramenstag, mein Vater brachte sie ihr mit von einer Fahrt, die er machte, und sie hält sehr darauf. Also nicht sehen lassen, hörst du, Andrea." Ein leiser Ruf des Entzückens kam von des Mädchens Lippen, und sie haschte nach Juliettas Hand. „Wie sollt' ich sie sehen lassen, was du mir gabst, Etta. Alles hab' ich verschlossen in meinem Koffer: die Radel, das seidene Tuch und das Buch mit den Geschichten. Ich dank dir tausendmal und niemals werde ich dich verraten." Hinter Julietta klappte die Tür. Aufatmend warf sie das Tuch weg und die Pantöffelchen von den Füßen und schlüpfte in ihren Rachtanzug. Dann öffnete sie weit das Fenster ihres Schlafzimmers. Ein winziges Gärtchen lag darunter, der starke Duft des Citrinastrauches zog herauf zu ihr, dessen Blätter wie die Blüte der Limonen riechen, die Rosen dufteten und das graue Santolino- kraut, das in starken Büscheln im Gärtchen wucherte. Eine niedrige Mauer schloß den winzigen Garten nach der Straße zu ab. Eine alte Aloe stand mit ausgebreiteten Aeften wie ein Wächter auf der Mauer, und neben der Aloe saß Russo Domenico, hell beschienen vom Mond und wartete auf das Erscheinen seiner Liebsten am Fenster. „Gute Rächt, süße Etta", klang es flüsternd durch den Garten. „Alle Engel sollen dich behüten für mich, für mich." Sie warf ihm erschrocken eine Kußhand zu. „Russo... die Mutter. So hell ist es heute. Wenn sie dich sieht..." Die Aloe stand wieder allein auf der Mauer, und Julietta wandte sich seufzend ins Zimmer hinein. Sie griff in den Weihwasserkessel, der neben dem Bildnis der Madonna über ihrem Bett hing und dachte an den Russo und wie wohl ihre Wege zusammenführen sollten. Dann fing sie plötzlich an zu schluchzen und warf sich auf das Bett. Hob die Hände auf zu dem weißen, lächelnden Gipsfigürchen und betete ein Ave um das andere in ihrer Rot. Bis der Schlaf sie in seine Arme nahm und es still wurde in der Kammer. Drunten aber saß Frau Colomba hinter der Theke und spann sinstere Pläne. Denn sie hatte gerade in dem Augenblick, als Russo auf der anderen Seite von der Mauer sprang, einem Gast das Geleit bis hinter den roten Vorhang gegeben und so die eilige Gestalt bemerkt, die gerade um die Ecke bog. Wohl war der Russo gleich wieder umgekehrt, aber sie hatte ihn doch erkannt. Wütend dachte sie: Das Ding ist kaum sechzehn, und der Russo streicht mir da herum -wie ein verliebter Kater. Welch ein Glück, daß meine Etta so ganz Kind noch ist und noch nichts kennt von der Liebe. Aber dem Russo, dem will ich es anstreichen. Meint wohl gar, ich hätte das Mädchen für ihn erzogen, für solch einen, der nächtens mit der Gitarre strolcht und der ein wilder Bursch ist mit einem Dickschädel, so hart wie fein 'Berg, auf dem er fein Haus gebaut hat droben am Fuße der Rocchetta." Heiße Mutterangst lieh sie plötzlich den Entschluß fassen, das Mädchen fortzubringen. Vielleicht zur Base Gelsomina nach Arco? Gleich morgen wollte sie mit ihr Rücksprache nehmen, wenn sie mit dem feinen Tedesco fahren würde. * Die Hochsaison hatte begonnen. Täglich brachte der Dampfer neue Scharen von Fremden von Desencano herauf, ganze Berge von Koffern wurden an den Landungsbrücken abgeladen, elegantes Publikum flanierte auf den Promenaden, die Händler machten gute Geschäfte. Soeben hatte der Mit tags dampf er neuen Zuwachs für das Savoyhotel gebracht. Eine Unmenge Koffer schleppte der Hausdiener in die Halle. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und sagte vertraulich zu dem Liftboy: „Das ist noch nicht alles, drei liegen immer noch draußen. Einen ganzen Hausstand müssen die doch eingepackt haben und in der Welt herum- schleppen. Ich, wenn ich ein feiner Mann wäre, ich würde mir überall kaufen, was ich zum feinen Mann brauchte. Das wüßte ich, so viele Koffer schleppte ich nicht mit mir herum. Aber freilich. unsereiner versteht daS eben nicht und ist doch auch gut so, wenn sie so beladen daherkommen. Ist unser Verdienst. Gelt, Carlo?" Eifrig niefte der Boy. „Sind doch auch sehr feine Herrschaften. Ein Graf und eine Gräfin, und ein französisches Kammermädchen haben sie auch mitgebracht. Die kauderwelscht droben auf dem Korridor, wo denn die Koffer der Gnädigen blieben, sie müsse doch auspacken. Beeile dich also, Giulio." Erschrocken nahm der Hausdiener die Koffer wieder auf und trug sie zum Lift. Droben empfing ihn zeternd eine schwarzhaarige Person, die ihm mit Gesten und zornigen Augen begreiflich machte, daß sie schon lange auf ihn gewartet habe. Aber ihr Zorn war rasch besänftigt, als er ihr mit italienischer Geschmeidigkeit und schmachtendem Augenaufschlag sagte, d iß sie eine schöne ©ignorina sei und daß Bösesein sie nicht gut kleide. Er radebrechte in einem drolligen Französisch-Italienisch, was sie nicht verstand, sagten seine Augen, und so half sie ihm diensteifrig, die Koffer auf die Zimmer zu befördern. Drei große Zimmer im ersten Stock hatten die Herrschaften genommen. Da gab es also wieder einmal generöse Trinkgelder, und hohe Rechnungen wurden präsentiert. Diese französische Katze war übrigens nicht so übel, wie es zuerst den Anschein gehabt hatte, als sie so zornig ge- gewesen war. Er griff ihr unter das Kinn und fragte, woher die Herrschaften kämen. „Von London", sagte sie mit einem verliebten Augenaufschlag. „Immer seien sie auf Reisen, reiche Leute, die sich das leisten könnten. Aber gut“, setzte sie dann hinzu, indem sie einen großen Koffer aufschloh und die Gewänder ihrer Herrin auszupacken begann. „Roble Herrschaften, werden wohl eine ganze Weile hier bleiben an diesem See. Ist serr schön hier, Monsieur, meine Herrin hat gesagt: Himmlisch" Von unten schrillte die Glocke. Giulio kniff mxf) einmal in das Kinn des Kammerkätzchens. „Auf Wiedersehen, Mademoiselle. Meine Hei- hat hier ist sehr schön, viele schöne Spaziergänge können Mademoiselle hier machen mit Giulio, so heiße ich nämlich. Ich habe drei Abende in der Woche freie Zeit und werde Mademoiselle gern ausführen." Ein strahlender Blick lohnte ihn. Giulio eilte zur Tür hinaus nach dem Lift. Er lächelte diplomatisch vor sich Hirn Wollte man etwas über die Herrschaften erfahren, muhte man es mit den Kammermädchen halten, das war eine alte Weisheit und war schon manchmal geübt worden. Zwar hatte die Demoiselle ein bleiches, gelb- häutiges Gesicht, genau wie seine Braut drunten in Triest, und er liebte eigentlich neuerdings die pellen» blondhaarigen Aoä>länderinnen mit den pfirsichfarbenen Wangen und den rundlichen Formen mehr als seine Landsmänninnen. Ach, war Giulios Herz nicht ein Bienenhaus, seit er seine stille Heimat Portosino verlassen und in der lauten Welt draußen Wurzel geschlagen hatte? Wohl hatte er schon vielerlei gelernt. Konnte auf deutsch und englisch den Gästen Rede und Antwort fteljen, konnte sich doch sogar mit dieser französischen Kammerkahe in ihrer Muttersprache ganz zufriedenstellend verständigen. Immer lauter schallte das Klingelzeichen, das ihm galt. Ja, ja, was war denn schon wieder los? llni> nun war auch noch der Fahrstuhl unten, und er mußte warten. Endlich... da kam er nach oben mit den neuen Gästen. Eigentlich sahen sie so vornehm, wie sie doch ihrem Stand nach waren, nicht aus. Besonders die Contessa nicht. Sie war zu stark geschminkt, und der Puder sah ihr dick auf den fleischigen Wangen. Wachsame Augen standen in dem Gesicht und ein voller, sinnlicher Mund. Aber jung war die Contessa, viel jünger als der Graf. Giulio verneigte sich tief, als das Paar an ihm vorüber nach den Zimmern ging. Dann sprang er in den Fahrstuhl. „Weißt du, Carlo, einen Conte und eine Contessa hatte ich mir eigentlich anders gedacht", sagte er zu dem Boy. „Es fehlt ihnen das, was die Vornehmheit ausmacht, ich kann das nicht so genau ausdrücken, aber du weiht doch, wie ich es meine, Carlo. Aber es sind eben Ausländer, man sieht es ihnen sofort an, und sie scheinen sehr reich zu sein. Drei Zimmer im ersten Stock haben sie gemietet, unsere besten, ülnd lange hierbleiben wollen sie auch, sind soeben von London gekommen." — Am Rachmittag waren nicht viele Gäste zum Fünfuhrtee anwesend. Die Tanzmusik hatte noch nicht begonnen. Petrowitsch stand draußen im Palmengarten und sah verloren auf den See hinüber, auf dem die Sonne brannte und ihm ein Glitzern entlockte, daß die Augen schmerzten. Der Marquis war vor ein paar Aagen abgereift, der Russe vermißte seine lebhaste Unterhaltung, die keine trüben Gedanken aus kommen ließ, er vermißte die uneigennützige Freundschaft, die der andere ihm aus glücklicheren Tagen bewahrt, nun fühlte er sich einsam, und die alte Schwermut hatte wieder tiefe Schatten auf sein Gesicht gebreitet. Da kam eine Dame die Terrassentreppe drüben herunter und trat in den Garten. Sie war mit ausfallender Eleganz gekleidet. Ein neues Gesicht, dachte Petrowitsch, und sah, wie die Dame einen Augenblick zögerte, ehe sie weiterging. Jetzt mußte sie an ihm vorüber. > (Fortsetzung folgt.) . bäume, wurden ausgerissen, große Aeste ab* fiefnidt und zum Teil weit forigeschleukteri. De* onders stark wurden die Ziegeldächer beschädigt, an einzelnen Häusern klafften große Lücken, und die Straßen waren mit Ziegelstücken dicht besät. Die Windhose glich einer mächtigen, in der Mitte eingedrückten Walze, die sich von der Erde bis zu den Wolken erstreckte und die Staub, Blätter, Aeste und Ziegeln im Wirbel mit sich führend rasch vorüberzog, begleitet von starkem Brausen. 3n Treis (Lumda) schlug ein Blitz in die Scheune des Sattlermeislers Heinrich Bender ein, zerstörte die Lichtleitung in Haus und Scheune und entzündete einiges in der Scheune liegendes Stroh. Der Bescher, der sich in diesem Augenblick in der Scheune befand, erlitt keinerlei Schaden, besah aber gleichzeittg die Geistesgegenwart, den durch den Blitzschlag entstandenen Brand mit einigen Eimer Wasser zu löschen. 3n Weickartshain richtete die Windhose an einigen Gebäuden der Seenbrück Schaden an, entführte ganze Reihen von Dachziegeln und führte sie m wildem Wirbel mit sich. Eine Anzahl Obstbäume wurden in Mannshöhe abgeknickt. Die Radio-Antenne der Gewerkschaft Louise wurde abgerissen und einige Häuser weit vom Sturme entführt. Di« Wolken hingen über Weickartshain sehr tief. An der Straße Buhfeld — Bleidenrod wurden sieben Obstbäume vom Sturm zerstört und auf die Straße geworfen, so daß der Derkehr für einige Zeit unterbrochen werden mußte. Dom Schulhause zu Dleidenrod wurden einige Fensterläden abgerissen und verschiedene Scheiben zertrümmert. Die Windhose schleppte Dachziegel und Dretter oft über 100 Meter weit mit sich fort. Großer Schaden ist auch an den Obstbäumen des Ortes entstanden. Auch im Kreise Schotten wurde durch den Wirbelsturm schweres Unheil angerichtet. Deson- ders heimgesucht wurde das Streitbachtal und hier vor allem die Gemarkung Wohn* seid. Die Einwohnerschaft befand sich zum großen Teil auf dem Felde und mußte Zeuge dessen sein wie die Windhose über das Dorf hinwegheulte. Rach einer Minute bot sich den Menschen ekn Dild trostloser Derwüstung. Ganze Reihen von Stratzenbäumen waren niedergemäht. Ein Wahrzeichen der Gemeinde Wohnfeld, eine j a h r h u n - oerte alte Ulme war völlig zersplittert worden und die herabbrechenden baumstarken Aeste zerstörten den Dachstuhl des unter der Ulme stehenden Hauses. Häuser und Stallungen hatte der Wirbelsturm abgedeckt, so daß ein sehr erheblicher Sachschaden entstand. Die Windhose setzte weiter ihren Weg in Richtung auf Ulrichstein fort, ohne indessen ähnlichen großen Schaden anzurichten. Gemeinderat Aidda. # Ridda, 10. 3uni. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung den Boranschlag für das Rechnungsjahr 1931, der in Einnahme und Ausgabe mit je 215 500 Mk. abschließt, beraten und die Ansätze der Bürgermeisterei ohne Ausnahme genehmigt. Der Fehlbetrag in Höh« von 100 500 Mk. findet durch die Erhebung einer Umlage vom Grundbesitz und Gewerbe, durch Zuweisung eines Betrages aus Landesmitteln, durch die Erhebung der Dürgersteuer und der Gemeindebiersteuer Deckung. Als wesentliche Abweichungen gegenüber dem Doranschlag für 1930 kommen die Ausfälle an Einkommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuer- Überweisung von zirka 6000 Mk., der Mehraufwand an Wohlfahrtserwerbslosenunterstützung von 8000 Mk. und die Ausfälle an Gemeindesteuern, insbesondere Sondergebäudesteuer, von zirka 4000 Mk. in Betracht. Die für das Rj. 1930 beschlossenen vorläufigen Ausschlagssähe hinsichtlich der Steuer vom Grundbesitz und Gewerbe sind vom Gemeinderat als endgültige Steuerausschlagssähe beschlossen worden. Dos weiteren wurden folgend« Beschlüsse gefaßt: Entsprechend dem Dorgehen des Staates wird auf Antrag die kommunale Sondergebäudesteuer vom Rechnungsjahr 1931 ab unter den gesetzlich festgelegten bestimmten Doraussehungen ermäßigt. Zu den tarifmäßigen Sähen für die Besteuerung der Wanderlager wird ein Zuschlag von 100 Prozent (ab 1.3uni) erhoben. — Für di« beabsichtigte Erbauung von zwei Zweifamilienwohnhäusern Aur Unterbringung von Beamten eines nach Ridda zu verlegenden Feld- bereinigungsamtes stellt die Stadt das erforderliche Baugelände zur Derfügung. Landkreis Gießen. £ Wicseck, 11.Juni. Der Gemeinderat beschäftigte sich gestern abend mit der Beratung des Voranschlags. Vorher machte Bürgermeister S ch o m b c r Mitteilung von der Festsetzung der Steuersätze für 1930, die als endgültig anzusehen sind. Der Voranschlag selbst wurde nur zum Teil durchberaten und die Weiterberatung aus Montag, 15. Juni, festgesetzt. Besondere wurde darauf hin- gewiesen, daß die Aufwendungen für ausgesteuerte Erwerbslose den Etat der Gemeinde Wieseck stark belasten. Ist doch im Etatjahr 1931 mit einem Betrag von 26 000 Mark zu rechnen. * Reiskirchen, 10. 3uni. Die Sparund Darlehnskassee. G. m. b. H. in Reiskirchen feierte in Verbindung mit der ordentlichen Generalversammlung ihr 40jähriges Bestehen. Kontrolleur Stumpf erstattete einen ausführlichen Bericht über die Gründung und den Werdegang der Kasse und gedachte der Gründer sowie der bisherigen Führer .Oberrevisor Hartmann überbrachte die Glückwünsche des Derbandes und überreichte den Herren Wilh. Becker II., Wilh. Müll er >., Heinr. Nürnberger II., Heinr. Peter VI. von Reiskirchen und 3oh. Hoffmann von Burkhardsfelden di« von dem 23er- band gestifteten Ehrenurkunden für langjährige treue Tätigkeit im Dorstand und im Aufsichtsrat. Direktor Ginnow beglückwünschte die Genossenschaft und bie Jubilar« namens der Landesgenossenschaftsbank. Die Dersammlung war von 250 Mitgliedern besucht und wurde von dem Präsidenten 3ohs. Menge! IV. geleitet. Die Kasse zählt 330 Mitglieder, hatte 1930 5,3 Millionen Mk. Umsatz, 508 769 Mk. Bilanzsumme und 6092 Mark Reingewinn. + Grünberg, 10. 3uni. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr hielt eine Hebung ab, bei der die neubeschaffte Magirus-Motor- spritze ihre Leistungsfähigkeit beweisen sollte. Die Probe, bei der auch der Gemeinderat anwesend war und die auf dem Marktplatz stattfand, fiel zur vollen Zufriedenheit aus. Die von der Motorspritze betriebenen drei Schlauchleitungen überschütteten das Rathaus, das als Brandobjekt dienen sollte, mit einer großen Wassermenge. Bei der Rachfeier im „Hirsch" nahm daher der l.Hauptnrann der Wehr, Seilermeister S e i f a r t, die Gelegenheit wahr, der Stadtverwaltung für ihre vorbildlich« Sorge für das Feuerlöschwesen, die sie durch Erbauung des neuen Spritzenhauses und Anschaffung der Motorspritze bewiesen habe, öffentlich zu danken. Für die Stadtverwaltung sprach Bürgermeister Dr. M i l d n e r, und erkannte die Bereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr lobend an. * Steinbach, 10.3uni. Am ©ormtag veranstalteten die Echühenvereine des Krei- sesGießen-Rord, die dem „Verband hessischer Kleinkaliber-Schühenvereine angeboren, ein Preisschiehen auf den Schiehständen des hiesigen Schühenvereins. Unter Leitung des bewährten Kreisschiehleiters Förster (Allendors a. d. Lda.) wurden gute Ergebnisse erzielt. Als Sieger gingen hervor: 1. Förster (Allendorf a. d. Lda.): 2. Haas (Steinbach) mit je 35 Ringen. Den vom Schühenverein Steinbach gestifteten wertvollen Ehrenpreis errang Damm (Allendorf a. d. Lda.). I Steinheim , 10. 3unt. Am Sonntag wurde, nachdem vor kurzem die durch unser Dorf fließende stark verschlammte „Weed" einer eingehenden Reinigung unterzogen worden war, die Kreismotorspritze aus Gießen vorgeführt. 3m Beisein der hiesigen Feuerwehrmarmschaft, der Bürgermeister von hier, von Rodheim a. d. H. und Rabertshausen, sowie einer Anzahl Feuerwehrleuten aus diesen Orten erläuterte der Kreisfeuerwehrinspektor die Handhabung der Spritze. Di« Leistungsfähigkeit der Maschine überraschte die zahlreichen Zuschauer sehr. Cs zeigte sich, daß selbst bei vier angeschlossenen Schläuchen die „Weed" genügend Wasser liefert, das bis weit ins Dorf geführt werden kann. U Rodheim a. d. Horloff. 10. 3uni. Die Bautätigkeit ist in diesem Frühjahr, im Gegensatz zu früheren 3ahren, sehr rege. Es wurden bis jetzt fünf Neubauten errichtet, zwei Wohnhäuser und zwei Scheunen. Einem weiteren einstöckigen Wohnhaus wurde ein zweites Stockwerk aufgesetzt, und zwei Scheunen wurden mit vollständig neuem Dachwerk versehen. Eine ganze Anzahl hiesiger Maurer fand bei diesen Bauten Beschäftigung. Rachdem die Dasaltfirma 3. R i ck e l (Oberwiddersheim) seit kurzem ihren Betrieb wieder ausgenommen hat, haben die meisten Arbeiter von hier wieder Beschäftigung gefunden. Kreis Schotten. I. Rudingshain, 10.3uni. Für die auf Sonntag, 21, Juni bestimmte Bürgermeister- w a h l erübrigt sich eine Wahlhandlung, da bis zur festgesetzten Frist nur ein WahlVorschlag (er lautet auf den bisherigen Bürgermeister) eingereicht worden ist. Dem Dorf« bleibt der Wahlkampf also erspart. preutzen. 425 Bewerber um eine Stadtratsstelle. Frankfurt a. M., 10. Juni. (WSN.) Für die ausgeschriebene Stelle eines Stadtrats als Nachfolger des aus dem Magistrat ausgeschiedenen Stadtrats Dr. Schmude sind nicht weniger als 425 Bewerbungen eingegangen. Zur Sichtung dieses um- sangreichen Materials hat der Magistratswahlaus- schuß eine Unterkommission eingesetzt, die eine engere Auslese unter den Bewerbern treffen soll. Kreis Wetzlar. 0 Krofdorf, 10. 3uni. Der Fruchtansatz der Apfel- und Birnbäume unserer Gegend verspricht eine r«icheKernobsternte:der Behang der Pflaumen- und Zwetschenbäume ist geringer. Die Sommerfrucht weist einen guten Stand auf, während die Roggensaat hier und da ausgewintert ist. Unter der günstigen feuchten Witterung wurde das Setzen der Dickwurz- und Kohlrabenpflanzen schnell beendet. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 41 vom 9. Juni enthält: Die Regelung des Ausver- kaufswefens. — Die Erhebung von Deckgeld für Bedecken der Stuten. — Die Vorrätighaltung von Hackfleisch. — Bekämpfung des Frühlingskreuzkrautes. — Vertilgung der Blutlaus. — Sperrung der Wißmarer Straße. — Die Staatsangehörigkeit der aus den abgetretenen Gebieten stammenden Beamten. — Dienstnachrichten. Wirtschaft. Frankfurter Börse. F r a n f f u r t a. M., 11. Juni. Tendenz: schwächer. Nachdem sich vorbörslich Ansätze zu einer Besserung gezeigt hatten, da von Neuyork freundlichere Meldungen eingetroffen waren, ergaben sich zu Beginn des offiziellen Börsenverkehrs erneut Kurs- r ü ck s ch l ä g e. Maßgebend für die schwache Tendenz waren in erster Linie die sich erhaltenden Gerüchte über eine (Einberufung des Reichstages. Auch von der schwachen Haltung der deutschen Werte an den Auslandbörsen ging Verstimmung aus. Am Rentenmarkt lag wiederum reichliches An- gebotdesängftlichgewordenenKlein- Publikums vor, was naturgemäß nicht ohne Ein. fluß auf die Märkte bleiben konnte. Dem Angebot stand nur geringe Aufnahmelust gegenüber, so daß das Kursniveau eine Er Mäßigung im Durchschnitt von 1 bis 2 v. H. erfuhr. Stärker rückläufig waren vor allem Aschersleben (minus 4 o. H ), Westeregeln minus 3,5 o. $)., Reichsbankanteile minus 3 v. H, letztere auf angebliche Abgaben von Auslandseite. Am Chemiemarkt büßten JG.-Farben 1,65 v. H. und Rütgerswerke 1,5 v. H. ein. Von Elektropapieren verloren Siemens 2 v. H., Licht & Kraft 1,75 v. $)., AEG. 1,40 o. H. Am M^rkt der Montanwerte wurden Rheinstahl 2 v. H., Man- nesmann 1,5 v. H. und Harpener 1 o. H. schwächer gehandelt. Deutsche Linoleum gingen um 2 v. H. zurück, ebenso Norddeutscher Lloyd. Bauwerte sowie Bankaktien konnten sich behaupten. Kunstleidewerte knapp gehalten. Am Anleihemarkt waren vei stillem Geschäft kaum Veränderungen zu beobachten. Von Pfandbriefen kam weiter reichliches Material auf den Markt, was nur zu erneut 0,25 bis 0,50 v. H. ermäßigten Kursen Aufnahme sand. Jndustrieobliga- tionen und Städteanleihen tendierten ebenfalls schwächer. 8°v. H.-NSU.-Obligationen erschienen mit Minus-Minus-Zeichen. Reichsschuldbuchforderungen büßten bis zu 2 v. H. ein. Die anhaltende Schwäche des Rentenmarktes war im Verlaufe bestimmend für die Tendenzgestaltung der Aktien, die weiter K u r s e i n b u ß e n von 1 bis 2 v. H. erlitten. Salz, detsurth verloren 4 v. H. Am Geldmarkt machte sich eine Versteifung geltend. Tagesgeld zog auf 4 v. H. an, Monatsgeld bei 5,90 v. H. stärker begehrt. Am Devisenmarkt war immer noch keine Erholung der Reichsmark festzustellen. Devisen Madrid und Zürich wieder fester. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2145, gegen Pfund 20,50, London gegen Neuyork 4,8642, Paris 124,23, Mailand 92,92, Madrid 47,80, Schweiz 25,06, Holland 12,09. Berliner Börse. Berlin 11. Juni. Die ruhigere Beurteilung der innerpolitiscyen Lage, die man im heutigen Frühverkehr auf Grund der vertagten Entscheidung über die (Einberufung des Reichstages feststellen konnte, machte zu Beginn des offiziellen Verkehrs wieder einer stärkeren Unsicherheit Platz. Die höheren Kurse, die man noch vorbörslich nannte, behaupteten sicb nicht, da wieder aus f a ft allen Märkten Ware da war. Die festere Auslandbörse kam nur in den internationalen Papieren (Svenska und Chade mit einem Gewinn von 3,25 bis 3,50 Mark) zum Ausdruck, während die übrigen Werte nur knapp behauptet und meist schwächer eröffneten. Man sprach wieder von Auslandabgaben und wurde in seiner Meinung dadurch bestärkt, das besonders die Papiere, die früher einmal von dieser Seite bevorzugt worden waren, z. B. Farben und besonders Reichsbank (letztere verloren 3 o. H. gegen gestern) im Angebot lagen. Angeblich kam auch verschiedentlich (Erefu- lionsware heraus, doch hielten sich anfangs die Rückgänge im allgemeinen noch in erträglichen Grenzen. Erst im Verlaufe wurde die Tendenz noch schwächer, und es traten Verluste bis zu 2 v. H. ein; Salzdetfurth verloren 3,25 und Julius Berger etwa 4 v. H. Man verwies auf die schwache Veranlagung der deutschen Bonds an der gestrigen Neu- yorker Börse, auf das weiter ziemlich starke Angebot am hiesigen Pfandbriefmarkt und auf ein überraschendes AnziehendesDollarkurses im freien Verkehr auf 4,2140 bis 4,2145. Der Anleihemarkt lag ruhig, und auch Ausländer im allgemeinen wenig verändert. 4 o. H. unifizierte Türken erschienen mit Minus-Minus-Zeichen. Am Pfandbriefmarkt war der Verkaufsdruck sehr stark. Reichsschuldbuchforderungen verloren gegen gestern bis zu 1,5 v. H. Die Geldsätze blieben unverändert. Im weiteren Verlaufe der Börse machte die A b • schwächung Fortschritte. Reichsbank erreichten einen Kurs von 115 und JG.-Farben gingen auf 111,5 o. H. zurück. Salzdetfurth überschritten die 160-Grenze, und Siemens erreichten einen Kurs- stand von 127. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 11. Juni. Auftrieb: 106 Rin- der, 1280 Kälber, 69 Schafe, 1163 Schweine. Es notierten: Kälber: beste Mast, und Saugkälber 56 bis 59 Mark, mittlere Mast, und Saugkälber 48 bis 55 Mark, geringe Kälber 35 bis 47 Mark. — Marktverkauf: Infolge des Ueberfahrens des Marktes bei Kälbern und Schafen schleppend; Schweine geringer Ueberftanb, Kälber geräumt, Schafe ruhig, ausoer- kauft. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 10. 3uni. B«i schleppendem Geschäft setzten sich die Preisrückgänge am Produkten- markte fort. Das 3nlandangebot von Weizen und Roggen alter Ernte ist zwar nur mäßig, während aber für Roggen für Waggonverladung die Provinzmühlen befriedigende Kauflust bekunden, ist Weizen infolge des wieder sehr schleppenden Mehlabsahes auch zu 2 bis 3 Mark niedrigeren Preisen schwer unterzubringen. Für Weizen neuer Ernte zeigt sich angesichts der nach wie vor befriedigenden Witterungsverhältnisse vermehrte Abgabenneigung, und die Eigner sind zu Preis- konzessionen im Rahmen bis zu 2 Mark bereit. Roggen neuer Ernte wird dagegen wenig um» gesetzt, da anscheinend im Zusammenhang mit der Produktionsumstellung die Landwirtschaft nur vorsichtig Offertenmaterial herausgibt. 21m Lieferungsmarkte seht« Weizen bis 2,50 Mark niedriger ein, während Roggen nur leicht abge- fchwächt war. Das Weizenmehlgeschäft stagniert, trotz vereinzelt 25 Pfennig billigerer Offerten, Roggenmehl wird zu unveränderten Preisen für den laufenden Bedarf gekauft. Für Hafer übersteigt am Prompt- und Lieferungsmarkte das Angebot die Rachfrage, so daß Preisrückgänge um etwa 2 Mark eintraten. Daten für Freitags 12. Juni. Sonnenaufgang 4.10 Uhr, Sonnenuntergang 20.39 Uhr. — Mondaufgang 1.56 Uhr, Monduntergang 16.50 Uhr. 1815: Gründung der Deutschen Burschenschaften in Jena; — 1819: der englische Schriftsteller Charles Kingsley in Holne geboren. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o.H., Lombardzinsfuß 6 o. H. Frankfurt a. M. »erlln Frankfurt a. M. Ecrlin Schluß-i furd | 1-Uhr- flurd Schluß- furd Anfang- flurd Gchluß- furd t-ll-r- flurd Schluß- furd Anfang- Kurd Datum 10.6. 11.6. 10.6. 11.6. Calum 10.6. 11.6. 10.6. 11.6. 6% t)eut1*e 9ield)!anletl}e Hamburg.«mertta Batet . . Hamburg. SÜdam. Dampfschiff . 7 42 — 42,75 41,9 mm 1927 .......... £4,25 — 84,5 — . 8 — 89 88,25 7% Deutsche Reid)? anleibe Hansa Dampfschiff..... 10 — — 69 — von 1929 .......... 96,5 — 96,5 — Norddcutlcher Lloyd .... . S 44,5 42,25 44,9 43,4 Deutsche Anl.-Abldl.-Schuld Btt Allgemeine Deutsche Ereditanst, 10 fluilof..9iecf)len....... 51,25 — 51,5 51,6 Barmer Bankverein .... 10 —— — — — Desgl. ohne Butlvl.-Rcchte . . . 4,45 — 4,5 4,5 Berliner Handelsgesellschaft . 12 103 — 102,75 102,25 6% Hell. Soliznaat von 1929 90,5 Commerz- und Privat-Bank. 11 100.25 100,25 100,25 100 irückzahlb. 102%) . . . . . . —— 90,5 — Darmstädter und Nationalbank 12 115 116 115 115 Dberhdlen Provinz - Snleche mti 50,5 Deutsche Bank und AulIol^Rechten....... Deutsche Komm. SammclaBL — —— — Lisconw^Sesellschaft, . . . 10 100 100 100,25 100,25 Dresdner Bank...... 10 100,25 — 100,25 100,25 Anleihe Serie 1....... 49 — 49 —■ Reichsbank........ 12 120,5 116 119 116 8% fitanlf. Hyv.-Vank Soldpfe. A.E.G........... 79,65 XIII unkündbar bi» 1934 . . . 7% ssrankf. Hyp.-Bank «ottpfe 100 —— —- —— . 8 81 80 80 Bergmann ........ . ti — —— 64,9 64.5 unkündbar 611 1932 ..... 94,25 — — — Elektr. Lielerungsgesellschast. 10 — —— 94 90 Nbcinllcke Hhp.-Banl SIqu. ©olbple......... Licht und Kraft...... 10 93 91,25 92.25 91.75 88,05 — — — Fellen & Guilleaume . . . Gelellickast für Elektrische IV, 57,5 — 57,5 56.5 B% Pr. Landesplan dbriesanstalt. 82,5 81,75 PsandbrieseR.l»...... 100,5 — 100,5 —— Unternehmungen .... Hamburger Gehrt)ttflö-Berte Rheinische Elektrizität . . . 10 83 82,25 B% Pr. Landesplandbrielanstalt, ßomm^C6l. 81. 20...... _ 10 . 9 — — 92,5 — 7% Pr. Landespiandbriefanstalt, Scklelilche Elektrizität. . . . 10 — — — — Psandbriefe t »1...... 96,5 _ 96,5 — Sckuckcn & Co....... 11 100 —— 100 99,13 L.E.Ä. abg. «orteieg»-Obligatio- Siemens & Halske..... 16 13! 129 130.5 130 nen, rückzahlbar 1932 ..... — — — TranSravio ........ . 6 — — — ttabmeyer 8 Eo.. ..... 10 99,5 — 99,5 — 1% Defieneid)t|(be »clBtrnte . . 4,20% Lesterreichische Eiiberrente 1% Lellerreichilche Einheitliche 19,5 — 20,1 1,4 Buderus ......... Teurlche ErdSI...... . 6 • 6 . 8 1 1 1 111 SSI 49,65 Rente........... 4% Ungarische Soldrente . . . . 4% Ungarilche Staatlrente v. 1910 16,45 14,5 111 16,6 14,5 16,5 Geilenkirchener ...... Harpener......... Hoelck Eilen. ...... . 8 . 0 es 1 IS 48,5 59.75 49,5 41,5 59 49,25 39.25 ii',% desgi. von ,913..... 1% Ungarilche Sronenrente . . . — — 15,4 — Äilc Bergbau ....... Klöcknerwerke ....... 10 44,5 — 128,5 44,13 126 42,25 i% Türlilche Zollanleihe von 1911 2,5 — 2,5 2,4 Söln-Ncuellen....... . 7 _ 45 43,5 1% Türkilche Bagdadbahn. Anl. 2,5 Marme!mann-NShre» • • • . 7 51 50 50,4 50,13 Serie I........... — —— ManSfelder Bergbau .... . 7 26 26 26 4% dergi. Serie 11....... 5% Rumänische vereinh. Rente 2,5 — 2,5 — Obcrlcktel. Eilende darf . . . . 5 7,2 Oberschlel. Sollwerte.... . 7 — _ 56 56,25 von 1903 .......... IV1°O Rumänische Vereinh. Rente 7 — — es 42 — 42 40.5 13,25 13.25 12,75 Rheinische Braunkohle» • • 10 — 134,5 135 von 1913 .......... t% Rumtotti* veretnh. Rente . — Rhetnstahl........ . 6 60 58 59,25 57.5 5,4 — 5,4 5,2 Riebed Statte...... 7.2 - Frankfurt a. Ul. Berlin Banknoten. Echluß- hird 1-Uhr- Kurd Schluß, furd Anfang, flurd Berlin, 10. Juni Geld w Amerikan siche Noten...... Belgische Noten. ....... Dänilche Noten . . ....... Englische Noten ........ Yraniösilcke Noten ....... Holländische Noten ....... Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deutsch-Oesterreich, * 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten....... Schweizer Noten ........ Spanische Noten........ Tschechoslowakische Noten..... Ungarische Noten........ Devisenmarkt Berlin 4,232 58,53 112,45 20,50 16,465 169,31 21,99 112,45 59,04 2,485 112,70 81,80 41,02 12,45 73.25 - Frankfurt 4,252 58,77 112,92 20,58 16,525 169,99 22,07 112,89 59,28 2,505 113,14 82,12 <1,18 12,51 73,55 a. M. Datum 10-6. 11.6. 10.6. 11.6. Bereinigte Stahlwerte..... Otavi Minen......16*/, Sollwerte Lscherslebe« . . . 10 Laliwerte Westeregeln ... 10 Saliwerte Salzdetsurth ... 15 g. G. Yarben-Indukrte. . . 12 Dvnamii Nobel ....... 6 Soldlchmidt ...eeee.6 Rütgerswerte ..... 6 Melallgelelllchafl. ...... 8 Bhlltpp Holzmann ...... 7 Zementwerk Heidelberg . . 10 (Sementroed ÄadßabL ... 10 8Bat)6 & fiteötafl......8 Schultheis Patzenhofer ... 15 Cftroede..... 12 Mu...........18 Bem berg..... 14 Zellstoss Waldhos .... 18*/. Zellstoff Mchassenburg ... 12 Charlottenburger Waller ... 8 Tessauer «ar...... • • S Daimler Motoren ...... O Deutsche Linoleum ...... Maschinenbau 5L-8. ..... O Orenstein & koppel . .... 6 Leonhard Tietz ...... 10 Svenska........... Frankfurter Maschine» .... 4 Sritzner...... • • • 6 Heoligenstaedt ....... 0 Zunghans..........6 Lechwerte..........8 Mainkraftwerte Höchst O.M.. . 8 Miag...........10 Sebr. Roeder ....... 10 Loigt & Haesfner ...... 9 Süddeutsche Zucker .... 10 40,5 16,5 104 109 163 114,13 112 37 55 61,5 52 86 18 58,25 68 62 52 19,5 52,5 80 193 9,13 27 59 100 100 105,5 162 112J> 113 35,25 54 61,5 - 58 67,5 50 - 100 40,5 16 103 108,13 162,75 113,25 36,25 37 55,5 17,5 117,5 57,4 66,13 63,5 50 105 18,65 51 36 80 196 27,75 101,75 39 16,4 103 108,5 163,25 113 35 36,75 54,5 61 117 58,13 66.75 62,9 51,5 103,65 18,5 50,25 36 79 199,25 10.3unl 11 -Juni Amtliche Notierung ®clD 1 »rief Amtliche Notierung Geld , Artef Amst-Ron. Buen-Aires Brss.-Antw. Cbriftiania. Kopenhagen Stockholm . HelssngforS. Italien . . . London. . . 'Jieutiort .» Paris.... Schweiz .. Spanten . . Japan . . . Mo de Jan- Wien in D-- Ceft abgeft Iel3°rab‘ ’ Snbaptft . . Bulaarien. Lissabon . . Danzig. . . Äonftanti» 8tben. , . ffzmaM . . Uruauatz.. katrv . . . 169,31 1,290 58,62 112,71 112,71 112,80 10,59 22,04 20,475 4,209 16,475 81,68 41,61 2,081 0,321 59,17 12,47 7,443 73,43 3,047 18,58 81,82 1,784 5,58 4,203 2,428 21,00 169,65 1,294 58,74 112,93 112,93 113,02 10,61 22,08 20,505 4,217 16,505 81,84 41,69 2,085 0,323 59,29 12,49 7,457 73,57 3,053 18,62 81,98 1,789 5,68 4,211 2,432 21,04 169,35 1,293 58,63 112,71 112,71 112,80 10,593 22,04 20,475 4,209 16,475 81,72 42,61 2,081 0,331 59,185 12,473 7,448 73,46 3,047 18,58 81,815 1,784 5,48 4,201 2,428 20,995 169,69 1,297 58,75 112,93 112,93 113,02 10,613 22,08 20,515 4,217 16,505 81,88 42,69 2,085 0,333 59,305 12,493 7,462 73,60 3,053 18,62 81,975 1,789 5,68 4,209 2,432 21,035 S.Jl.-jport Erfolgreiche Gießener Kanufahrer. Der Rennmann Kaphingst der P a d d l e r - gilbe Gießen e. D. hat in der diesjährigen Rennsaison nunmehr drei Rennen bestritten. Auf der Rhein-Regatta auf der Strecke Koblenz^Reu- wied wurde er allerdings durch einen Waden- krampf zur Aufgabe gezwungen, nachdem er bereits zum führenden Gegner aufgerückt war. 3m Rennen in Kaiserslautern wurde Kaphingst mit 4/10 Sekunden Unterschied Zweiter im Senior- Einer (Faltboot); das bedeutet einen knappen Meter gegen den Sieger. Beide Gegner waren sich gleichwertig. Vergangenen Sonntag bestritt Kaphingst bei der Regatta in Mannheim zum ersten Male die Klasse Einer-Kajak um die Stadtmeisterschaft der Stadt Mannheim und wurde erster Sieger. Bezirksfest der DT. in Nauborn. Zu Rauborn bei Wetzlar veranstaltete der 2. Bezirk Gießen — Wetzlar — Grünberg des Gaues Hessen am Sonntag sein volkstümliches Wetturnen. Unter starker Anteilnahme der Gemeinde feierte der örtliche Druderverein am Vorabend sein 20jähriges Bestehen mit einer Festfolge, bei der die geübteren Turner des Bezirks mit einem abwechslungsreichen Schauturnen und örtliche Vereine mit Musik und Gesang mitwirkten. Am Sonntagvormittag stellten sich unter der Leitung des Dezirksturnwartes Paul Schüler (Wetzlar) in 20 Riegen rund 250 Turner und Turnerinnen ihren Kampfrichtern auf dem Turnrasen des schönen Festplatzes im Sieben- mühlental. Rach einem festlichen Umzug am Rach- mittag folgten den allgemeinen Freiübungen der Turner diejenigen der Turnerinnen unter Leitung des Gaufrauenturnwartes Rudolf Paul (Gießen), und Dc^irksvertreter Universitätsbureaudirektor Wilhelm Erle (Gießen) sprach in echt turnerischem und staatsbürgerlichem Geiste zu der Festversammlung. Einzellämpfe im Stabhoch prung und Mannschaftskämpfe im Dreisprung und Stein- stoßen beschlossen die turnerische Arbeit des wohl- gelungenen Tages, dessen Ergebnisse wir in einem Auszug folgen lassen. Turner (über 18 3ahre alt): Fünfkampf (Stabhoch- und Weitsprung, Kugelstoßen, Lauf über 100 Meter, Freiübung): 50 bis 100 Punkte. — Teilnehmer 66, Sieger 48. Ehrensieger: Ludwig Malkvmesius, Mtv. Gießen, Aug. Best und Karl Gerlach, Tv. Wetzlar, 91 bzw. 89 und 88 P.; 1. Sieg: Otto Lindenstruth, Mtv. Gießen, 86 P.; 2. Heinz Rothermel, Mtv. Gießen, 85; 3. Wilh. Deese, Tv. Wetzlar, 84; 6. Alb. Leun, Tv. Großen- Linden, 79; 7. Alb. Reh, Tv. Krofdorf, 78; 8. O. Dach, Tv. Krofdorf, 77; 9. Max Schüler, Mtv. Gießen, 76 Punkte. 3ugendturner - Oberstufe (17 und 18 3ahre alt): Fünfkampf (wie oben, mit entsprechender Maßsenkung): 50 bis 100 Punkte. — Teilnehmer 45, Sieger 42. 1. Sieg: Werner Langenohl, Tv. Heuchelheim, 114 P. (14 Heberpunkte!); 2. Otto Kern, Tv. 1846 Gießen, 107 P. (7 Kleber- Punkte); 3. Karl Schuster, Tv .Wetzlar, 98 P.; 6. Karl Weber, Tv. Heuchelheim, 89; 7. Heinrich Rickel, Tv. Treis a. d. Lda., 88 Punkte. Zugendturner-Unterstufe (15 und 16 3ahre alt): Fünfkampf (wie oben, mit entsprechender Matzsenkung): 50 bis 100 Punkte. — Teilnehmer 49, Sieger 37. 1. Sieg: Kurt Faber, Tv. Gro- ßen-Linden, 111 P. (11 Ueberpunkte); 2. Arthur Kehr, Tv. Heuchelheim, 96 P.; 3. Erich Frohme, Tv. Wetzlar, 93; 4. Wilh. Faber, Tv. Leihgestern, 92; 7. Hans Textor, Tv. Großen-Linden, Richard Gombert, Tv. Krofdorf, 82 Punkte. S chü le r (12 bis 14 3ahre alt): Fünfkampf (wie oben, mit entsprechender Mahsenkung): 50 bis 100 Punkte. — Teilnehmer 87, Sieger 77. 1. Sieg: Fritz Waldschmidt, Tv. Wetzlar, 108 P. (8 Ueber- punktel); 2. Rich. Wagner, Tv. Großen-Linden, 94 P.; 3. Hans Volk, Tv. Klein-Linden, 89 P.; 9. PH. Schaaf, Tv. Treis a. d. Lda., 81; 10. Willi Huß le, Mtv. Gießen, Ernst Kempf, Tv. Lich, 80; 12. Karl Amend, Tv. Treis a. d. Lda. und Walter Zück, Mtv. Gießen, 78 Punkte. Turnerinnen (17 3ahre und älter): Vierkampf (Hochsprung, Handballweitwurf, Lauf über 75 Meter und Freiübung): 40 bis 80 Punkte. — Teilnehmerinnen 35, Siegerinnen 31. Ehrensieg: Else Dickelhaupt, Mtv. Gießen, 81 P.; 1. Sieg: Ria Philipp, Tv. 1846 Gießen, 76; 2. Martha Arabin, Tv. Wetzlar, 71; 3. Mathilde Koch Tv. 1846 Gießen, 69; 4. Käthe Dath, Tv. Heuchelheim, 68; 5. Ria Schwan, Mtv. Gießen, 67; 6. Klara Amend Tv. Krofdorf, 66; 7. Elfriede Münnich, Tv. 1846 Gießen, 64 Punkte. 3ugendturnerinnen - Oberstufe (15 (und 16 3ahre alt): Vierkampf (tote oben, mit entsprechender Maßsenkung): 40 bis 80 Punkte. — Teilnehmerinnen 26, Siegerinnen 22. 1. Sieg: E. Röhmig. Mtv. Gießen, 93 P. (13 Ueberpunkte!); 2. Frieda Peter, Tgnt. Laubach 82 (2 lieber- punkte); 3. Christine Schmidt, Mtv. Gießen, 74; 4. Hilde Valentin, Tv. Krofdorf, 68; 5. L. Weitz, Tv. Grotzen-Linden, 67; 6. Anna Weinandt, Tv. Großen-Linden und Hedwig Döcher, Tv. 1846 Gießen, 64 Punkte. Iugendturnerinnen -Unterstufe (12 bis 14 3ahre alt): Dreikampf (tote oben, mit entsprechender Matzsenkung und ohne Handballweit- tourf): 30 bis 60 Punkte. — Teilnehmerinnen 31, Siegerinnen 30. 1. Sieg: Käthi Körner. Mtv. Dietzen. 61 P. (1 Ueberpunkt); 2. Dora Cratz, Tgm. Laubach, 60; 3. Irmgard Abt, Mtv. Gießen, 55; 4. Marga Depler, Tv. 1846 Gietzen und Martha Menges, Tv. Grotzen-Linden, 54; 5. Liselotte Herbert und Käthi Müller, Tv. 1846 Gietzen, Marie Schmidt, Tv. Lich, 50; 6. Else Sack und Erna Dach, Tv. Heuchelheim, Klara Stork, Tv. Krofdorf, 49 Punkte. Handball der Llniversität. Gietzen — Marburg 8:6. Nachdem im letzten Wintersemester die Handball- mannschaft der Universität in Marburg 6:5 gewinnen konnte, gelang es in diesem Semester, in Gießen die Marburger nach einem abwechslungsreichen Kampfe 8:6 zu schlagen. Gießen trat in folgender Aufstellung an: Grünig; Niemann, Göbel; Becker, Reinhard, Kuntz; Schultz, Hörr, Magsaam, Windisch, Frey. Es gelang den Marburgern zunächst, durch ausgezeichnetes Zusammenspiel Gießen zu überspielen und 3:0 in Führung zu gehen. Ganz allmählich sanden sich die Gießener, das Spiel wurde auf enges Mann-zu- Mann-Spiel umgestellt, und so konnte Gießen das Halbzeitergebnis auf 3:4 stellens nachdem Marburg 4:1 in Führung gegangen war. Nach Halbzeit glich Gießen aus und ging vorübergehend in Führung. Gießen gelang es schließlich, das Endergebnis 8:6 für sich zu gestalten. Das Spiel wurde sehr fair durchgeführt und hatte auch in Schiedsrichter Rothermel (Mtv. Gießen) einen guten Leiter. Handball im Lahn -Oünsberg- Gau. Wißmar I — Steinbach I 3:4 (2:4). Am Sonntag trafen sich beide Mannschaften zu einem Freundschaftsspiel in Wißmar. Gleich nach Beginn entspann sich ein harter Kampf. Nach einem viertelstündigen Spiel ging Steinbach durch vier Freiwürfe, die zu Toren führten, in Front, während Wißmar nur zweimal erfolgreich sein konnte. In der zweiten Halbzeit nahm das Spiel härtere Formen am, Wißmar konnte jedoch den verdienten Ausgleich nicht erzielen. Wißmar II — Steinbach II 0:1. Trotzdem Steinbach mit Ersatz der besten Leute aus der 1. Mannschaft antrat, wurde man mit Wißmar einig, und so kam es auch, daß Steinbach kurz nach Beginn mit einem Tor führte. Das Spiel gelangte jedoch in der Folae nicht völlig zur Durchführung, da Steinbach reichlich hart spielte, und der Schiedsrichter den Kampf abbrach. Radfahrerfest in Großen-Linden. Am Sonntag verunstaltete die Radfahrerver- einigung Hüttenberg aus Anlaß des 40jährigen Bestehens des Radfahrervereins Großen-Linden, ein Sommerfest. 3m Rahmen dieser Veranstaltung sand ein Radgeschicklichkeitsfahren statt, zu dem die Fahrer bereits um 5,30 Uhr starteten. Die Deteiligung an dieser Drei-Klassen-Fahrt war sehr gut. Der Wettbewerb verlief ohne jeden Unfall. Ilm 14 Uhr bewegte sich ein Festzug, verbunden mit einem Preiskorso, durch die Straßen. Eine besondere Ehrung wurde hierbei den noch lebenden Mitbegründern des Vereins, Ludwig Faber und Ludwig D r a u n, zuteil. Auf bem Festplatz begrüßte der Vorsitzende des festgebenden Vereins, 3ulius D r a u n und der 2. Bundesvor- sihende Klein (Riederkleen) die Gäste. Der weitere Rachmittag wurde durch Reigenfahren ufa>. ausgefüllt. Dei der Preisverteilung wurden folgende Ergebnisse bekanntgegeben: Geschicklichkeitsfahren. Klasse A 48 Kilometer: 1. Sieger Hermann Lang, Dornholzhausen (Wanderpreis und Meisterschaftsfahrer) mit 88 Minuten; 2. Erich Schaum, Klein-Linden, mit 88,5 Minuten; 3. Karl Decker, Großen-Linden, 88,7 Minuten; 4. Heinrich Decker und Emst Seth, beide in Großen- Linden, je 96,45 Minuten. Klasse B 3 2 Kilometer: 1. Albert Seth, Großen-Linden, 58,49 Minuten; 2. Otto Schieferstein, Dornholzhausen, 59 Minuten; 3. Wilhelm 3akobi, Dornholzhausen, 60 Minuten. 3ugendklasse 16 Kilometer: 1. Hans Weller, Klein-Linden, 27,57 Minuten; 2. Walter Speier, Klein-Linden, 28,12 Minuten; 3. Walter Luh, Grotzen-Linden, 29,30 Minuten; 4. Wilh. Eckhardt, Grotzen-Linden, 33,53 Mitruten. Preiskorsofahren. Ehrenpreis: Radf.-Verein Dornholzhausen; 1. Preis Radf.-Verein Lang-Göns; 2. Preis Rad- fahr-Derein 1891 Grotzen-Linden und Radklub Germania Klein-Linden; 3. Preis Radf.-Verein Riederkleen. Reigenfahren: 3m Sechser« und 3ugend- reigen errang Radklub Germania Klein-Linden je einen Ehrenpreis. 3m Sechser-Herrenreigen erhielt Radfahr-Verein 1891 Grotzen-Linden den 1. Preis und im Vierer-Damenreigen den Ehrenpreis. 3m Vierer-3ugendreigen errang Radf.-Verein Lang-Göns den Ehrenpreis. 100-kilomeler-Preissahrl. Der „Lahngau" im BDR. brachte am Sonntag in Wetzlar seine 100-Kilometer-Preisfahrt zur Austragung, die folgende Ergebnisse erbrachte: • Klasse A: 1. Hch. Preis (RE. Germania, Gießen) 3:01,58 Stunden; 2. Hermann Osbelt (RB. 1887, Wetzlar) 3:03,39 Std.; 3. Fritz Keiner (RV. 1887, Wetzlar) 3:05,38 Std. Klasse B. 1. K. Hildesheim (RV. Lollar) 3:07,30 Stunden; 2. Erich Höbe! (RV. Wetzlar-Niedergirmes) 3:24,20 Std.; 3. Robert Wenz (RV. Wetzlar-Niedergirmes) 3:37,46 Std. Da die Fahrer auf der halben Strecke mit starkem Gegenwind zu kämpfen hatten, sind die gefahrenen Zeiten als sehr gut zu bezeichnen. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Heuchelheim I — Gießen I 3:3. Deide Gegner traten in Heuchelheim in stärkster Aufstellung an und legten ein scharfes Spiel vor. Heuchelheim spielte einige Zeck Feldüberlegen und eine gut hereingegebene Ecke brachte die Einheimischen in Führung, ein Elfmeterball wurde jedoch verschossen. Dann kamen die Gäste etwas auf, aber erst kurz vor Halbzeit konnte der Halbrechte eine Ecke unerhofft verwandeln. Halbzeit 1:1. Rach Seitenwechsel nahm das Spiel an Schärfe zu. Ein Durchbruch brachte den Gästen die Führung, der aber kurz darauf der Ausgleich folgte. Wohl lagen die Einheimischen ständig im Angriff, doch die reichliche Abwehr der Gäste vereitelte den Erfolg. Ein schneller Durchbruch brachte dann Gietzen abermals in Führung. Der Ausgleich lieh aber wiederum nicht lange auf sich warten. Mit einem Unentschieden 3:3 trennte man sich. Gießen II — Grohen-Buseck I 3:4. Auf dem Trieb standen sich diese Gegner gegenüber. Die Gäste lieferten auch hier wieder ein ansprechendes Spiel und Gießen muhte oft reichliche Abwehrarbeit leisten. Grohen-Duseck verlieh als verdienter Sieger das Feld. Daubringcn I — wieseck II 2:4. Wieseck, technisch besser, ging bald in Führung und erhöhte das Resultat. Daubringen brachte viel Schärfe in das Spiel. Als die Wiesecker ein viertes Tor erzielten, mußte das Spiel abgebrochen werden. Klein-Linden I — Gleiberg I 1:5. Gleiberg war in Klein-Linden zu Gast. Der Plahbesiher mußte oft zahlreich verteidigen, um die Angriffe der Gäste abzuwehren, ohne indessen die Riederlage verhindern zu können. Handball. wieseck I — Gießen 1:5. Wieseck zog es vor, zu diesem Spiel mit reichlichem Ersah anzutreten. Gießen erschien komplett, übernahm die Führung und schuf nach ausgeglichenem Spiel ein Halbzeitergebnis von 1:2. Rach dem Seitenwechsel lieh der Torhüter der Einheimischen noch dreimal den Dail passieren, während auf der Gegenseite die harte Abwehr der Gäste keinen weiteren Erfolg zulieh. Amtsgericht Gießen. Ein Autofahrer hielt des Rachts an einer Wirtschaft an. Während seiner Einkehr wurde ihm aus dem Auto sein Mantel gestohlen und bei dem vielfach vorbestraften Angeklagten gelegentlich seiner in einer anderen Sache erfolgten Verhaftung vorgefunden. Dieser, bestritt den Diebstahl, konnte auch desselben nicht überführt werden, muhte jedoch zugeben, daß er den Mantel von seinem ebenfalls des fraglichen Diebstahls dringend verdächtigen Komplizen, mit dem er an dem Auto in angeheitertem Zustand borübergegangen war, in derselben Rächt in Empfang genommen und bis zu seiner Verhaftung getragen hatte. Da er wußte, mindestens aber den Umftänöen nach annehmen mutzte, daß der Mantel gestohlen war, hat er sich dadurch der Hehlerei schuldig gemacht. Sie trug ihm eine Gefängnisstrafe von einem Monat ein. Ein Reisender war von einer Firma gegen festen Gehalt und nicht unbedeutenden Tagesspesen engagiert worden, u. a. deshalb, weil er versichert hatte, er werde infolge seiner langjährigen Tätigkeit in der Reisebranche täglich viele und bedeutende Aufträge einbringen. Er versagte aber; die Menge der Aufträge entsprach durchaus nicht seinen Versicherungen. Zudem waren sie etwa zur Hälfte erdichtet. Er erklärt, jede Detrugsabsicht habe ihm ferngelegen, er habe nur im 3ntereffe seiner Firma einen I* größeren Umsatz erzielen wollen, auch geglaubt, die angeblichen Desteller, deren 'Befriedigung er hinauszuziehen verstand, würden schließlich die Waren doch abnehmen. Der wahre Beweggrund war aber ein anderer: Er rechnete damit, dah er bei geringen und zu seinen Versprechungen in keinem Verhältnis stehenden Aufträgen feiner einträglichen Tagesspesen verlustig gehen und ihm gekündigt werde. Deshalb entschloß er sich zu den betrügerischen Manipulattonen. Das Gericht nahm keinen vollendeten Betrug, sondern nufl den Versuch eines solchen an und verurteilte den noch unbestraften Angeklagten, den die Firma vollständig entschädigt hatte, zu einer Geldstrafe von 30 Mark, die durch die erlittene Untersuchungshaft für entrichtet gelten. Doch fallen ihm die Kosten zur Last. Dücheriisch. — Cuno Horkenbach: Das Deutsche Reich von 1918 bis beute. (Verlag für Presse, Wirtschaft und Politik, Berlin SW. 48). Preis 15 Mark. (109) — 3n rasendem Tempo jagen Zeit und Ereignisse, was uns heute noch wichtig erscheint, ist morgen fast vergessen. Welche Mühe erfordert oft das Aufstvbern längst der Vergangenheit angehörender Ereignisse, die aber plötzlich eine gewisse Bedeutung erlangt haben, fei es im praktischen Leben, fei es in der Politik, der Wissenschaft oder auch in einer abendlichen Unterhaltung an unseren außen- und Innenpolitischen Geschicken interessierter Personen. Da hat nun Horkenbach ein handliches Sammelwerk heraus- gebracht, das in klarer, übersichtlicher Weise alles in knapper aber ausreichender Form zusammengetragen, was seit den Tagen unseres Zusammenbruches sich im Reich, feinen Ländern und Gemeinden, auf außenpolitischem Gebiet, in den Parlamenten, auf dem Gebiete der Kriegslasten, unserer Verschuldung, Wirtschaft undSp-, zialpolitik zugetragen hat. Aber wir finden auch bedeutsame Zeitdokumente zusammengetragen, es fehlen auch nicht die statistischen Erhebungen über Bevölkerungsbewegung, das Erwerbslosenproblem, Errckeerträgnisse, Steuerlasten usw. Dieses Buch ist wertvolles Rachschlagewerk für jeden, der Anteil an den Geschehnissen des Tages nimmt. — Gustave Herve: France-Alle- magne, La Reconciliation o u \ a G u e rre, Editions de „La Victoirc“, Paris 24, Boulevard Poissonniere. (52.) — Der bekannte französische Politiker faßt hier die Aufsätze zusammen, in denen er vor einigen Monaten das Zusammengehen der französischen und deutschen nationalen Verbände zum Zweck einer Revision des Versailler Vertrages forderte. Das Buch enthält auch die Antworten der Führer der deutschen nationalen Verbände Hitlers, Seldtes, Ehrhardts und den Trinkspruch, den den Chef der Heeresleitung, General von Hammerstein, auf dem Abschiedsessen zu Ehren des französischen Militärattaches auf die französische Armee ausgebracht hat. Wenn es auch sehr schnell wieder still geworden ist über diesem Versuch einer Annäherung des nationalen Frankreichs und des nationalen Deutschlands, so wird dieser Fühler des französischen Politikers doch ein interessantes Dokument in der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen bleiben. — Walter Herrmann: Spionen-Schick- sal. Inferno. 167 Seiten 8°. Geh. 2,50, Ganzleinen 3,50 Mark. Verlag Scherl, Berlin SW. (65.) — Herrmann läßt jetzt seinem früher hier angezeigten Buch: „Spionen-Schicksal: Als Geheimagent in Rußland, England, Belgien und Frankreich" Erinnerungen an die Leidenszeit in Guayana und auf der Teufelsinsel folgen. Es ist kaum faßbar, daß der Verfasser das mörderische Klima und die unmenschliche Behandlung 10 Jahre lang ausgehalten hat; zu bewundern ist die Energie, die er aufbrachte, um zum zweiten Male eine abenteuerliche Flucht zu wagen, nachdem der erste Fluchtversuch infolge von Verrat eines Kameraden mißglückt war. — Der pythagoreische Lehrsatz. Mit einem Ausblick auf das Fermatsche Problem. Von Oberstudiendirektor Dr. W. Lietzmann. Mit 60 Fig. i. T. und auf 2 Tas. Kart. 1,20 Mark« (Verlag von D. G. Teubner in Leipzig.) (24) — Das nunmehr in 4. Auflage vorliegende Bändchen will an einem historisch und unterrichtlich bedeutsamen Beispiel in ganz elementarer Weise zeigen, wie mannigfache Beziehungen zwischen den verschiedenen Gebieten der Machematik bestehen, wie die mathematischen Tatsachen, um ein mehrfach gebrauchtes Bild aufzunehmen, ein Retz bilden, nicht eine Kette. Sodann aber soll vor allen Dingen der Leser zu eigenem mathematischen Denken angeregt werden. Die neue Auflage berücksichtigt insbesondere einige neuere 'Beiträge zu Geschichte und Deweistheorie des pythagoreischen Lehrsatzes. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgesellschaft. (Sabbatfeier den 13. Juni. Freitag abend 7.45 Uhr; Samstag vor- mittag 8; Predigt; nachmittags 4; Sabbataus- gang 9.35. — Wochengottesdienst: morgens 6.30; abends 7.15 Uhr. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Junge Frauen und Mädchen werden durch Leciferrin gekräftigt. 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