Nr. M Erstes Blatt 18J. Jahrgang Montag. U. Mai 1951 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Pmtf und Verlag: vrühl'Iche Univerfitäts-Bnd). und Stetnöruderel B. Lange In Sietzen. SchrWettung und S-schäst-ft-lle: SchulMatze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mrn Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mne Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20®/o mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Vlumschein und für den AnzeigenteU Max Filler, sämtlich in Gießen. Erlchetn» täglich.außer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Dte Illustrierte Gießener FamUienblättei Heimat im Bild Die Scholle Monat,-Bezugsvretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Richter- fcheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanfchlüffe ant er S a m m e lnumm er 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. postfchecttonto: Frankfurt am Main 11686. Die Heiligkeit der Verträge. Zwei Tage und zwei Nächte lang hat die französische Kammer die „Heiligkeit der Verträge" von Versailles den anderen Völkern als die einzige Grundlage des Friedens ein- zuhämmern versucht, um zum Schluß Frankreich und seine Politik außerhalb der Verträge zu stellen. 3n den Versailler Verträgen ist auch das Völkerbundsstatut eingekapselt, das die Entscheidungen über politische und wirtschaftliche zwischenstaatliche Ereignisse vor dem Dölkerbunds- rat nach Genf überweist. Es ist schlechterdings kein Raum dafür, daß sich ein Staat das Recht herausnimmt, bestimmte Maßnahmen anderer Länder, die in keiner Form gegen diese Det- träge verstoßen, als unzulässig und Untat t h a f t zu erklären. Wäre das Wiener Zvll- >rotokoll wirklich ein Verstoß gegen die Ver- ailler Verträge, so würde der Völkerbundsrat auf Antrag eines oder mehrerer Mitglieder schon eingegrisfen haben. Da aber selbst die englische Regierung, die sicher nicht im Verdacht steht, Frankreich vor den Kopf zu stoßen, an dem Wiener Zollprotokoll keinen rechtlichen oder politischen Verstoß gefunden hat, so bleibt auf Grund der Heiligkeit der Verträge nichts anderes übrig, als die Verhandlungen in Gens abzuwarten. Auch für Frankreich nicht, denn die feierliche Tagesordnung, mit der die französische Kammer am 9. Mai das Wiener Zollprotokoll verworfen hat, ist und bleibt eine innerfran- zösische Angelegenheit. Es steht Frankreich schlecht an, von einem Ueberfall und von Hinterlist zu sprechen, wenn die beiden Staaten, auf die die Sieger die ganze Kriegslast gepackt haben, nach Maßnahmen Umschau halten, um nicht völlig zusammenzubrcchen. Diese Maßnahmen sind weder von Berlin noch von Wien frei erfunden und eigenmächtig ausgestellt worden, - denn sie entsprechen durchaus in Anlage und Entwicklung den Vorschlägen und Empfehlungen, die von Genf her wiederholt an die Völker ergangen sind. Die regionale Bildung von Wirtschaftsgebieten als Urzellen der europäischen Wirtschaftscinh:it kann doch nur dann einen Sinn haben, wenn sich Länder über sie verständigen, die wirtschaftlich und geopolitisch eine gleichgeartete Entwicklung auszeigen. Außer dem großen Europäer Driand hat auch der andere große Europäer Frankreichs, Her- r i o t, das Wiener Zollprotokoll als eine Sünde wider den Frieden und die Freiheit Europas bezeichnet. Ausgerechnet jener Herriot, der in seinem Buche .Europa" den Völkern die wirtschaftspolitische Verständigung eindringlich empfohlen hat. Aber gerade Frankreich ist für eine wirtschaftspolitische Verständigung leider nicht reif, denn mehr als ein einflußreicher Abgeordneter hat in der Kammer am 8. und 9. Mai die Meistbegünstigungsklausel als sicherste Waffe gegen die Zollpläne anderer Länder bezeichnet. Damit wird aber auch der Gegenplan Briands erledigt, der mit dem Lockmittel der Vorzugszölle arbeitet, um vor allem die südosteuropäischen Staaten von Deutschland und Oesterreich weg auf die Seite Frankreichs zu bringen. Frankreich kann aber ernstlich nicht daran denken, sein Handelsvertragsshstem durch Vorzugszölle aufzulockern, so daß, wenn andere Länder der Führung Frankreichs zu einem neuen Europa folgen wollen, sie sehr viel Geduld haben müssen. Die Wirtsgastliche Krise, die. Europa heim- gesucht hat, ist aber viel zu ernst, viel zu furchtbar füc Jftc Völker, als daß sich Frankreich erlauben dürfte, sie zum Spielball seiner machtpolitischen Interessen zu machen. Das Echo der Briand-Rede in Berlin. Berlin, 9. Mai. (Sil. Funkspruch.) Die Rede des französischen Außenministers Briand in der Kammer ist in Berlin mit gemischten Gefühlen ausgenommen worden. Die Grundtendenz der Rede sieht man in Berlin darin, daß die französische Außenpolitik gegen die Zollunion Widerstand bis zum Aeußersten leisten will, trotz der versöhnlichen Wendungen, die die Rede vielleicht hier und da enthielt. Als besonders bemerkenswert wird die Tatsache hervorgehoben, daß Briand den angeblichen deutsch-österreichischen Anschlußversuch ist erster Linie als einen Anschluß wirtschaftlicher Natur charakterisierte. Diese Feststellung Briands ist ein Rovum. Die Bemerkung Briands, daß das Bekanntwerden des Zollunionsplanes allenthalben Erregung ausgelöst hgbe, ist sachlich falsch. 3n zahlreichen Ländern, so in England, Rumänien, Italien usw. hat der Plan vielfach sehr freundlichen Widerhall gefunden. Selbst in Polen ist in den ersten Tagen nach Bekanntwerden des Planes keinerlei Protest laut geworden. Erst auf das Stichwort aus Paris setzte auch in Polen der Feldzug gegen die Zollunion ein Eins hat aber in der Briand-Rede in,Berlin ganz besonderen Eindruck gemacht, nämlich die Feststellung, daß das französische Außenministerium von dem Plan nicht überrascht gewesen sei. Tatsächlich hat ja die französische Propaganda gegen das Abkommen die Behauptung. daß Wien-Berlin auf die anderen Länder gewissermaßen einen diplomatischen ileberfall verübt habe, als Ausgangsstellung benutzt. Briands. Aeußerung über Außenminister Eurtius als dem Rachfolger Stresemanns wird in Berlin als wenig taktvoll empfunden. Briand Deutschland ein Opfer des Friedens. Eine große Kanzlerrede im oldenburgifchen Wahlkampf. — Brüning fordert vom Auslande Anerkennung für die täglichen Opfer, die Deutschland dem Frieden bringt, als Voraussetzung einer internationalen Verständigung und Zusammenarbeit. Cloppenburg, 10. Mai. (CRB. Eigene Meldung.) Am Sonntag sprach Reichskanz- lerDr. Brüning anläßlich der bevorstehenden oldenburgifchen Landtagswahlen vor etwa 10 000 Personen. Eine Lautsprecheranloge vor der Halle übermittelte den vielen vergeblich Einlaß Begehrenden die Worte des Reichskanzlers. DerReichs- kanzler erklärte, es sei sehr bedauerlich, daß eine große Organisation wie der Landbund in unsachlicher Kritik die Arbeit der Regierung erschwere, zumal die Regierung es fertiggebracht habe, den Weizenpreis über das zwei- bis zweieinhalbfache des Preises an den Weltmarkt zu bringen, was besonders angesichts der großen Erwerbslosigkeit keine Kleinigkeit gewesen sei. Der Reichskanzler kündigte dann an, daß die Regierung in 14 Tagen mit neuen Sparmaßnahmen, die jetzt noch nicht zur Veröffentlichung reif seien, an die Öffentlichkeit treten werde. Der allergrößten Rotlage der Landwirtschaft sei Rechnung getragen worden, man werde schrittweise weiterhelfen. Wenn man glaubt, Erfolge in der Reparationspolitik zu haben, bevor man das eigene Haus in Ordnung gebracht hat, dann täuscht man .sich gewaltig. Dies ist schon einmal geschehen im Jahre 1928. in einem Augenblick, als wir schon sehr hohe kurzfristige Schulden hatten. Diejenige Regierung würde verantwortungslos handeln, die den an sich als notwendig von jedem angesehenen Schritt zur Senkung unserer Reparationen unternähme, ohne gleichzeitig die Grundlage zur Durchführung der Revisionsverhandlungen zu schaffen. Wir wissen alle, daß das Trompetenblasen und das Trommelschlagen der extremen Parteien bei weitem nicht so tragisch ist, wie es das Ausland sieht. Daher bedauere ich es ganz außerordentlich, daß bei einer reinwirtschaftlichen Frage wie der deutsch-österreichischen Zollunion, hinter der keine politischen Hinkev- gedanken stehen, vielleicht dieses Trommelschlagen in den vergangenen Monaten eine Nervosität im Aus lande hervorgerufen hat, die unsere ganze Polittk in dieser Richtung hin in einem vollkommen falschen Lich t erscheinen lassen kann. Und wenn ich eine gewisse Entschuldigung für die Nervosität im Auslande erblicken kann, so muh ich es anderseits ganz auherordentlich bedauern, wenn von einem verantwortlichen Staatsmann mit Rücksicht auf eine solche Politik, wie der Politik der jehigen Regierung des Deutschen Reiches, überhaupt das Wort „Krieg" nur in den Wund genommen werden kann. Das wort „Krieg" sollte überhaupt von keinem Staatsmann und Politiker in den Wund genommen, werden, und diejenigen Politiker, die es aus ihrem Sprachschatz völlig ausstreichen, sind diejenigen, die dem Frieden am meisten dienen, wir sind nicht nur Soldaten des Friedens, wie es ein bekannter Staatsmann vor wenigen Tagen für fein Volk in Anspruch genommen hat, sondern mit sind Opfer des Friedens und die täglich Opfernden für den Frieden. Und nur dann wird es gelingen, die Politik der Beruhigung der ganzen Welt durchzuführen, wenn erst die Anerken- nung für diese Tatsache vorhanden ist, dah es im wesentlichen das deutsche Volk ist, das das täglich opfernde für den Friedensgedanken geworden ist. Der Friedensgedanke wird nur dann die Sicherheit und die dauernde Untermauerung in der ganzen Welt bekommen, wenn die Polittker aller Länder in vollkommenem Verantwortungsgefühl für chre große Mission für diese Tatsache in ihren eigenen Völkern dieses Verständnis schaffen. Die Opfer, die das deutsche Volk zu bringen hat, sind von so gewaltiger und exzeptioneller Art, daß vielfach im Auslande kein Verständnis für die Schwere und die Gröhe dieser Opfer vorhanden ist. Wir haben es uns mit dem Verständlichmachen dieser Opfer allerdings recht leicht gemacht. Wenn das deutsche Volk frühzeitig einen Strich unter d ie Illusionsrechnungen gesetzt hätte, wenn nicht jahrelang Bauten auf kurzfristige Kredite hergestellt worden wären, dann würde man im Auslande einen anderen Eindruck der wirklichen Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes längst haben und der heutigen Regierung würde die Arbeit bedeutend leichter gemacht sein. Sicherlich wäre die Erkenntnis, die sich jetzt langsam durchsetzt, daß nämlich die Krisis nur durch eine Zusammenarbeit aller Völker gelöst werden kann, schon längst da, wenn man sich nicht der Illusion über eines hingegeben hätte: daß nach einem Kriege, der die ganze Wirtschaft der Welt aus dem Gleichgewicht gebracht hat, die Rückkehr in das Gleichgewicht erst nach langen, langen Jahren zu erreichen ist. Nach früheren Kriegen, die kürzer waren und die die Weltwirtschaft nicht annähernd so in Mitleidenschaft gezogen haben, sind diese automatischen Krisen sehr viel früher eingetreten. Nach dem Weltkrieg, der eine völlige Veränderung der wirtschaftlichen Struktur der Welt mit sich gebracht hat, mußte eine Ausgleichskrise auf der ganzen Welt ein» Berlin. 9. Mai. (WTB.) Auf dem Bankett des Vereins der Ausländischen Presse gab der Vorsitzende B l o k z i j l nach einem dreifachen Hoch der Anwesenden auf den Reichspräsidenten und dem Gesänge des Deutschlandliedes seiner ganz besonderen Freude Über das Erscheinen des Reichskanzlers Ausdruck, dessen enorme Energie und unermüdliche Führung in schwerster Zeit die ausländischen Beobachter mit ehrlicher Bewunderung verfolgen. Nach einer Begrüßungsansprache des päpstlichen Nunttus O r s e n i g o folgte eine Rede des Reichsaußenministers Dr. C u r t i'u s : Die Aufgabe der Presse, der Wahrheit zu dienen, werde durch die mannigfachsten Umstände erschwert. Es sei notwendig, immer wieder d i e wahren Begebenhei ten klarzustellen, sich der Erfahrung bewußt zu sein, daß Die Menschen im allgemeinen nicht durch die Dinge selbst, sondern durch die Vorstellungen, die sie sich davon machen, in Unruhe verseht werden. An das Tatsächliche müsse man sich halten, wenn man die Gefahr vermeiden wolle, eine Verfälschung d es wirklichen Sachverhaltes herbeizuführen. Das gelte auch von dem naheliegenden Beispiel der deutsch-österreichischen Zollunion, bei deren Beurteilung das Ausland vielfach von falschen Vorstellungen ausgegangen sei. Die Vorwürfe über die Form des Vorgehens der deutschen und österreichischen Regierung bei der Veröffentlichung des Planes toiti der Reichs außenminister entschieden zurück. Beide Regierungen hätten unmittelbar nach Erzielung eines Einverständnisses auch nur über die Richtlinien d i e anderen Regierungen im vollen Umfange unter- richtet. Er hoffe, daß der Streit um die Taktik aufhöre, Prestigefragen aus dem Spiel blieben und die Angelegenheit selbst mit ruhiger Sachlichkeit behandelt werden würde. Er begrüßte Briands Hinweis auf den rein Wirts chaft- lichen Charakter des deutsch-österreichischen Planes. Deutschland stände unter derGeißel mal entstehen. Well diese Krise nun nicht zwei oder drei Jahre nach dem Kriege gekommen ist, hat man sich eben in die Sicherheit hinein- •getoiegt, daß eine solche internationale Wirtschaftskrise nicht kommen würde, Und doch stehen wir jetzt mitten in dieser großen Krise. Das Gleichgewicht wiederherzustellen ist eine Ausgabe, die letzten Endes nur durch ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten aller Völker der Welt gelöst werden kann. Die große Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dah volles politisches vertrauen in die Welt einzieht, und dah alles vom Standpunkt der Furchtlosigkeit aus geregelt wird. Diese Furchtlosigkeit werde dann eintreten, wenn man den Völkern, die den Krieg verloren haben, völlige Gerechtigkeit widerfahren lasse. Das Wihtrauen könne nur aus der Welt geschafft werden, wenn die Furchtlosigkeit wieder einzieht, und das sei nicht durch Rüstungen, sondern nur durch die Verbreitung der Erkenntnis, dah man Gerechtigkeit auch für den Unterdrückten schaffen müsse, zu erreichen. (Eine Politik des Ernstes und der Sachlichkeit sei am meisten geeignet, uns langsam nach auhen hin etwas Luft zu schassen, denn die Kraft der Schwäche liege beim Unterdrückten darin, Ideale aufzustellen und mit Inbrunst dafür zu kämpfen. der Arbeitslosigkeit und dem Druck schwerster Reparationen. Absatz für Arbeit, Markterweiterung sei das Ziel, das wir anstreben. Die Auffassung, daß wir Machtpolitik mit unserem Plane verfolgten, zeuge von völliger Verständnislosigkeit für die Lage der beiden Volkswirtschaften. Die Unabhängigkeit Oesterreichs werde durch die in den Richtlinien vorgezeichnete Verfassung der Zollunion nicht beein- trächtigt. In welchen.Punkten eine Verletzung der Verträge und des Genfer Protokolls vom Oktober 1922 vor läge, sei von den Gegnern des Planes bisher nicht erörtert worden. Die österreichische und die deutsche Regietung seben in Ruhe der Verhandlung des Völkerbundsrates hierüber entgegen. Natürlich gehe cs nicht an, die Rechtsfrage durch Erwägungen wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit und politischer Wünsche zu verdunkeln. Die deutsche Delegation werde ebenso wie die österreichische in Genf alle anderen Vorschläge und alle umfassenden Pläne für die Sanierung der europäischen Wirtschaft begrüßen und sich an solchen Arbeiten intensiv beteiligen. Er habe wiederholt seiner Ueb er» zeugung Ausdruck gegeben, daß neben regionaler Verständigung zusammenfassende Pläne für zentrale Aufgaben erwünscht wären. Er bedauere nur, daß das französische sogenannte Gegenprojekt der deutschen Regierung nicht auch bereits zugänglich genzacht wäre, wie offenbar den Regierungen der Frankreich besonders nahestehenden Länder. Gleich weit entfernt von Utopie und Radikalismus strebe die Reichsregierung entschlossen und besonnen eine Besserung der Gesamtlage des deutschen Volkes an und sehe sich gleichzeitig für weitestgehende Kooperation mit den anderen Völkern ein. Deutschland sei auf das stärkste an einem friedlichen Ausgleich aller Spannungen, einer Hebung der Wirtschaftslage in der ganzen Welt und einer fortschrittlichen gleichberechtigten Entwickelung der Völker interessiert. Eurtius verteidigt die Zollunion. Ser deutsche Außenminister antwortet auf die Kammerrede Briands. Wo bleiben die französischen Gegenvorschläge? hatte bekanntlich ztzsagt, er hoffe, daß derjenige der in Deutschland Stresemann ersehe, vorn europäischen Gedanken inspiriert sein werde und verstehe, dah Gewaltakte heute nicht mehr modern seien. In der angenommenen Dertrauens- tagesordnung der Kammer, bic von einer Verurteilung des Planes der deutsch-österreichischen Zollunion spricht, erblickt man eine unberechtigte Einmischung in deutsch-österreichische Angelegenheiten. Das Vertrauensvotum für Briand. Wie setzte sich die Opposition Mammen? Paris, 10. Mai. (WTB.) Die Samstagfrüh in der Kammer erfolgte Abstimmung über den Passus der Vertrauenstagesordnung „billigt die Erklärungen der Regierung" hat eine Berichtigung erfahren. Es stimmten f ü r diesen Passus 419 Abgeordnete, dagegen 43. Diese 43 gegnerische Stimmen verteilen sich wie folgt: 11 Kommunisten, 1 Mitglied der sozialen und radikalen Linken, nämlich Franklin» Bouillon, 4 Mitglieder der demokratischen und sozialen Fraktion (Fraktion Maginot), darunter die Abgeordneten Scapini und Reibel, 5 -Unabhängige, 22 Mitglieder der Fraktion Warin, darunter Marin selbst, ferner die Abgeordneten Taittinger, de Wendel, Vbar- negarat) und Goutier. 134 Abgeordnete haben an der Abstimmung nicht teilgenommen, nämlich 102 Sozialisten, 2 Mitglieder der sozialen und radikalen Linken, 1 Mitglied der demokratischen und sozialen Fraktion, 1 Linksrepublikaner, 2Mitglieder der Unabhängigen Linken, 5 bei keiner Fraktion eingeschriebene Abgeordnete, darunter Hennessy, 8 Unabhängige, 7 Mitglieder der Fraktion Marin, 1 Mitglied der Radikalen Linken, 1 katholischer Demokrat und 3 Radikale, nämlich die Abgeordneten Dergerh, Lamoureux uni) Malvy. 15 Abgeordnete fehlten entschuldigt. Alle anderen haben fürdieRegierung gestimmt, darunter auch 3 Sozialisten, unter ihnen Paul-Doncour. Ehristian Gcholz-Mainz f. WSR. Mainz, 9. Mai. Heute morgen starb nach längerer Krankheit und nach bo rauf gegangener Operation der Präsident der Mainzer Industrie- und Handelskammer, Christian Scholz. Der Verstorbene gehörte dem Hessischen Landtag als hervorragender Mitarbeiter der Deutschen Dolkspartei seit 1921 an. Seit 1907 war er Mitglied der Mainzer Handelskammer und seit 1926 deren Vorsitzender. Abg. Scholz hat sich durch sein ruhiges und bestimmtes Auftreten und sein reifes Urteil neben den allseitigen persönlichen auch sachlich viele Sympathien bei den übrigen Parteien erworben. Mit ihm verliert das hessische Wirtschaftsleben einen weitblickenden und zielsicheren Führer. Christian Scholz war der Inhaber des in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland weit unb bestens bekannten Bilde r bu ch v er la g e s in Mainz. Staatspräsident Adelung hat an die Witwe des Verstorbenen folgendes Beileidstelegramm gerichtet: „Die überraschende Nachricht vom Tode Ihres Gatten hat mich aufs Tiefste erschüttert. Ich übermittle Ihnen die wärmste Teil- I Oer Zustizetat vor dem Landtag V Dies« Vorgänge werden die ohnehin vorhan- 'deire Spannung zwischen den gemäßigten republikanischen und radikalsozia- listischen Kabinettsmitgliedern noch wesentlich erhöhen. Cs ist nicht ausgeschlossen, daß dadurch auch das beabsichtigt« Zusammengehen der bürgerlichen und sozialistischen Republikaner mit gemeinsamen Listen für die Wahlen zur Rationalversammlung gefährdet wird. er der öffentlichen Kritik im weitestgehenden Maße unterstehe. Abg. Schreiber (StP.) halt es für nicht objektiv, einzelne Urteile hier zu Verallgemeinerungen zu benutzen. Die Uebersehung des juristischen Studiums erfordere schärfste Auslese. Die Gnadenpraxis des Ministeriums dürfe nicht au einer allgemeinen Begnadigung der Gesetzesübertreter werden. Ministerialdirektor Dr. R e u r o t h erklärt: Die Tatsache, daß von links und rechts her von Klassenjustiz gesprochen werde, beweise, daß die Gerichte im allgemeinen auf der richtigen Bahn schritten. Für die politischen Urteile trügen die Schössen oder die Geschworenen mit die Verantwortung, und es wäre ungerecht zu behaupten, daß die Laienrichter nicht in der intensivsten Weife an der Wahrheitsfindung mitarbeiteten. Der Abgeordnete S t u r m f e l s habe bei seiner Kritik wichtige Feststellungen der Staatsanwaltschaft nicht gesagt. (Hört, hört! — Sturmfels ruft: „Unerhört! Sie fälschen jetzt." — Lärm links und rechts.) Sn vielen Fällen war der Rechtsanwalt Sturmfels der Gewährsmann des Abgeordneten Sturmfels. Auf seine.Vorstellungen habe ich schriftliche Vorstellungen gefordert, die der Abgeordnete Sturmfels nicht beigebracht hat. Der Abgeordnete Sturmfels habe diele Richter namentlich angegriffen. Er müsse diese uw nicht nachliehen. Die Erreichung dieses Zieles würde die Völker von einer schweren Steuerlast befreien. 2. „Die internationalen Verpflichtungen sind dem Betrage und den Bedingungen nach festgesetzt worden. Die Unantastbarkeit, solcher Verpflichtungen ist stets die Grundlage für den Bestand des internationalen Kredits und für die Ausbreitung von handel und Industrie. Indessen steht die Beachtung dieses wesentlichen Grundsatzes nicht!m Widerspruchzueiner unparteiischen Prüfung der Wirkungen dieser Verpflichtungen auf dem Welthandel, wenn veränderte wirtschaftliche Verhältnisse dies rechtfertigen. Eine solche Prüfung muh auf den Grundsätzen aufbauen, die die IHK. in früheren Konferenzen niedergelegt hat." Der letzte Sah nimmt Bezug auf frühere Entschliehungen der IHK., in denen eine wirtschaftliche und nicht eine politische Behandlung der Schuldenfrage gefordert wurde. 3. Der Innen- und Außenhandel müsse durch Beseitigung aller Hemmnisse gefördert werden. Sn den Zolltarifen dürften einzelne Völker nicht unbilligerweise unterschiedlich behandelt werdön. Aus- und Einfuhrverbote dürften nur gegen ein Dumping und« gegen andere unlautere Machenschaften angewandt werden. »Alle unberechtigten Beschränkungen seien zu beseitigen. Hochfchutnachrichten- Für die Dauer von drei Sahren wurden ernannt: Geheimrat Prof. Dr. Friedrich Meinecke in Berlin zum Vorsitzenden, Geheimrat Prof. Dr. H. Onden in Berlin zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden und Geheimrat Prof. Dr. Erich Brandenburg in Leipzig zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden der Historischen Reichskommifsion. Professor Dr. Fritz von Wettstein an der Universität Göttingen hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Botanik an der Universität München als Rachfolger des Geheimen Rates Karl von Goebel zum 1. Oktober 1931 angenommen und seine Ernennung zum etatsmäßigen ordentlichen Profestor in der Münchener Philosophischen Fakultät erhalten. Der durch die Emeritierung des Geheimrat- Prof. R. Kautzsch an der Frankfurter Uni- versität erledigte Lehrstuhl der Kunstgeschichte ist dem Ordinarius Dr. HanS Santzen «H Freiburg i.Dr. angeboten worden. Zeitung „ABC." an. Trotzdem wurde von der Menge immer wieder versucht, in das Gebäude der Zeitung einzudringen. Die dort unter- gebrachte Wache der Bürgergarde muhte verstärkt werden. Aus dem Volkshaus wurden von der Sozialdemokratischen Partei mit roten Armbinden versehene Ordnungsmänner entsandt, dce große Plakate durch die Stadt trugen, auf denen die Bevölkerung aufgefordert wurde, Ruhe zu bewahren. Was sagt die Internationale Handelskammer zur Wirtschastskrisis? Lieberprüfung des ReparaiionS- und Schuldenproblems bei veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen. einem großen Raum das schöne Regierungszen- trum von Cardiff: wer dagewesen ist, vermißt daneben das Elendsviertel vom Hafen. Londons Trabantenstädte waren einmal vorbildlich für die Gartenstadtbewegung, können aber heute mit unseren Siedlungen nicht mehr verglichen werden. Bon England nach Chile ist nur ein Schritt, und schon steht man vor dem vierzehnstöckigen Finanzministerium von Santiago. Sugoslawien renonte miert mit dem schönen, ehemals österreichischen Kurort Bled, wo sich im Sommer dK Königsfamilie aufhält. Dänemark zeigt auf 26 Tafeln Kopenhagen, und so verbindet jedes Land mit der Bauausstellung eine kräftige Reise Propaganda. Stallen sieht auf den Wandtafeln so modern aus, daß die Freunde der Antike und der Renaissance erschrecken. Sn der Mitte dieses Raumes steht ein großes Gipsmodell des Zentrums von Rom, mit dem Kolosseum, dem Forum, vielen Kirchen und Palästen. Ungarn zeigt die Geschichte Budapests in 30 Bildern. Der chinesische Pavillon ist vorläufig noch verhängt und trägt die Aufschrift: „Eintreten höflich verboten!" Guckt man hinter den Vorhang, so sieht man zwanzig Söhne des Himmels in eifriger Beratung: Schaustücke sind noch nicht vorhanden. Dafür ist sehr viel bei den Holländern und den Amerikanern zu sehen. Ein Rundgang durch diese Räume ist die bequemste und auch die billigste Art, eine Weltreise zu machen. Washington, 9. Mai. (TU.) Die Vollversammlung der Snternationalen Handelskammer nahm am Samstag die große Haupt- ent sch lieh ung an, die sich mit der Wiederbelebung des Welthandels befaßt. Die Entschließung geht aus von der Feststellung, daß die jetzige Wirtschaftskrise, die durch die Folgen des Krieges noch verstärkt worden sei, eine Wiederholung von Ereignissen darstelle, gegen die die Welt von Zeit zu Zeit anzukämpfen habe. Die durch Ereignisse der beiden letzten Sahre verursachte Vertrauenskrise sei unberechtigt, angesichts der heilenden Kräfte in Handel und Finanz, ^die sich noch stets bewährt hätten und auch diesmal sicherlich ihre Wirksamkeit beweisen würden. Wirtschaftliche Rückschläge hätten immer wieder Verbesserungen der Methoden angeregt, heilsame Lehren gebracht und zu gesundem Fortschritt auf besserer Grundlage geführt. Die Erfahrung der Geschichte werde sich auch diesmal wiederholen. Rach dieser Einleitung wendet sich die Erklärung den fünf Hauptfragen zu, die den Welthandel und die Wohlfahrt der Völker beeinflussen: 1. Der Krieg sei das größte Hindernis des sozial en und wirtschaftlichen Fortschritts. Die SHK. billige die Bemühungen der Regierungen, die Rüstungen soweit wie möglich zu senken, und dränge darauf, daß die Regierungen in diesen Bemühungen Luft und Ruhe rauben, und dafür die Kleinsiedlungen empfohlen, bald rühmt man die Musteranlagen im neuen Berlin, im neuen Wien, und nur so viel steht fest: das Alte war schlecht, das Reue ist gut. Was kostet Berlin? Der»Ma- gistrat hat es ausgerechnet und ist auf die bescheidene Ziffer von 33 Milliarden Mark gekommen. 20 Milliarden sind die Gebäude wert, 7 Milliarden der Boden, 3 Milliarden die Werke, und 3 Milliarden die Waren. Die Menschen sind in dieser Bilanz nicht berücksichtigt. Auf großen Bildern wird gezeigt, wie nervenzerstörend es ist, täglich auf der Untergrundbahn, mit dem Omnibus oder auf der Straßenbahn lange Wege zurückzulegen. Sn der Zukunftsstadt muh die moderne Wohnung — Randbebauung, mit Garten anlagen und Spielplätzen — neben der modernen Fabrik liegen. Die Wege zur Arbeitsstätte sollen so kurz sein, daß man sie zu Fuß zurücklegen kann. Und diese Arbeitersiedlungen der Zukunft müssen fabrikmäßig, im Thpenbau, hergestellt werden, nicht im individuellen Hochbau. Ein anderes Wandbild zeigt eine verkümmerte Sugcnö, auf einem Hinterhof zwischen Müllkästen spielend, und daneben Kinder, die mit d-m Roller zwischen Automobilen auf der Derkehrsstraße Herumjagen. Und nun gegenüber das richtige Bild: das Planschbecken und die Spielwiese. Sn einem Seiten raum zeigt Frau Dr. Lüders die richtige Bewirtschaftung der Wohnung. Ein Hochhaus ohne Fahrstuhl ist eine Qual. Wer vier Treppen wohnt, leistet jährlich dieselbe Arbeit, als wenn er zwölfmal auf die Zugspitze steigen würde. Aehnlich drastisch ist der Fluch des langen Korridors gezeigt. Bügle sitzend, aber natürlich auf dem richtigen Stuhl, der dem Körper angemessen ist, und benutze beim Waschen einen Schemel, der das Bücken erspart! ,Sn einem andern Raum hängen Berechnungen von Oberregierungsrat Dr. Weber. 20 Prozent des Einkommens gelten als wirtschaftlich tragbare Miete. Welche Wohnungsgröhe kann man sich nun leisten? DaZ steht auf den Tajeln für jede Cinkommensklasfe, und daneben sind die Grundrisse für Wohnungen von 36 bis 90 Quadratmeter Grundfläche. Ohne Rücksicht auf die Geographie liegt der Ausstellungsraum von Chile neben dem von China; auf dem Messegelände grenzt Estland an die Schweiz, Ungarn an Stalien. Ungewöhnlich berührt die kräftig betonte Aufschrift „Spanische Republik" in einem Raum, der vor allem die neuen Pläne von Madrid zeigt. Ein deutscher Professor hat sie entworfen. England zeigt in Die Großstadt von übermorgen. Oie deutsche Bauauüfiellung in Berlin. Don Dr. Frih Ellmann. Am 9. Mal wurde auf dem großen Messegelände in Derlin-Wltzleben die deutsche Bauausstellung eröffnet. Um einen flüchtigen Ueberblid über die große Bauausstellung zu gewinnen, braucht man mindestens einen Tag. Wer sich jedoch gründlich darüber unterrichten will, wie die Städte der Zukunft aussehen werden, wer die Grundrisse der neuen Häuser studiert, die Fassaden vergleicht, die Baustoffe prüft, kann auch eine Woche auf dem Berliner Messegelände zubringen, und er wird jeden Tag auf den 1 30 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche neue wichtige Einzelheiten entdecken. Das Bild ist bunter als bei anderen Ausstellungen. Sn einer Halle stehen 20 oder 25 Wohntypen, Hauswürfel sind bizarr aufeinander geschichtet, eine Wendeltreppe aus Eisenbeton schwingt in einer verzerrten Spiral« nach oben. Cs ist ein Labyrinth von modernen Bauten, der Boden ist verschieden gepflastert, um den Sn- tereffenten Beispiele für di« Verwendung mehrerer Arten von Steinplatten zu bieten, und Berg« von viereckigen Rasenstücken türmen sich an den Wegen in dieser merkwürdigen Halle. Morgen oder übermorgen wird man die Rasenstücke aneinandergefügt haben. Dann wird der Besucher den Eindruck erhalten, daß neuerdings in überdachten Hallen nicht nur Häuser gebaut, sondern auch Grasflächen gezogen toerben. Schnell noch ein Blick in das Sauere eines Hauses am Ende der Halle: man sieht dicht nebeneinander eine Reihe von Operationszimmern für Zahnärzte und wendet fich mit Grauen vor der blitzenden Schönheit dieser Marterräume. Fachleute mustern di« B a u st v f f e, die den feit vielen Sahrtausenden bewährten Ziegel verdrängen sollen. Große Platten, klein« Platten — der Laie kann wenig damit anfangen. Aber er bleibt an einem Stand stehen, wo er sich über das Unheil unterrichten kann, das der Haus- schwamm in unseren Häusern anrichtet. Sorgfältig eingerahmt hängen da alte Dielen, von einem dicken grauen Pilz überwuchert. Rur auf Holz gedeiht der Schwamm: darum baue mit Steinl Andererseits sieht das Sperrholz in einer ©onberabteilung sehr verlockend aus. Es ist herrlich gemasert, in allen Schattierungen poliert, eine Freude für Architekten und für Leute, di« gern nähme der hessischen Staatsregre- rung und schließe mein persönliches herzlichstes Beileid ein. Viel zu früh ist Ihnen und uns allen dieser ausgezeichnete, vornehme Mensch genommen worden. Ich selbst fühlte mich mit ihm durch jahrelange gemeinsame Qlrbetteng- stens verbunden und schätzte ihn auberor- dentlich hoch. Sn weiten Kreisen wird der Tod Ihres Gatten tiefste Trauer auslösen. Das ganze Land wird dem hervorragenden Wirtscha ts ühre , dem sympathischen Politiker, dem Mann, der während schwerer Desahungszeiten in vorderster Reihe der Abwehrfrvnt stand, über den Tod hinaus ein ehrendes Andenken bewahren. Ich bitte, unsere aufrichtige Teilnahme auch den Ihrigen zu übermitteln." Landtagsprüsdlent Delp richtete an die Witwe folgendes Telegramm: „Soeben erhalte ich die Rach richt von dem Hinscheiden Ihres von mir hochverehrten Herrn Gemahls. Gestatten Sic, daß ich Ihnen und Ihrer Familie im Ramen des Landtags wie im eigenen Ramen meine herzlichste Teilnahme ausspreche. Während seiner fast zehnjährigen Zugehörigkeit zum Landtag hatte ich oft Gelegenheit, zu erfahren, welch' vornehmen Charakter Ihr Herr Gemahl besaß, und oft konnte ich beobachten, wie er durch die ihm eigene Art, den politischen Streit rein sachlich zu führen, sich die Hochachtung seiner Politik ch e n Freunde und Gegner erwarb. Seien Sie versichert, daß ich Ihrem Herrn Gemahl stets ein ehrendes Gedenken bewahren werbe." Neue Unruhen in Madrid. Schwere Zusammenstöße zwischen Radikal' republikancrn und Monarchisten. Madrid, 10. Mai. (TU.) Bei einer Wahlpropagandafahrt der neu gegründeten Unabhängigen monarchischen Vereini - gung, zu deren Mitgliedern der Besitzer der größten Madrider Zeitung „ADC." gehört, kam es am Sonntag zu schwe» . ren Ausschreitungen. Sn vier Kraftwagen fuhren mehrere Herren dieser Vereinigung in den ersten Rachmittagsstunben durch die Hauptstraßen, wobei sie Hochrufe auf den König ausbrachten. Vereinzelte Republikaner nahmen dagegen Stellung, worauf sich eine Schläge- . r e i entwickelte, in deren Verlauf es zu einem mehrere Tausend Menschen umfassenden Auflauf kam. Schllehllech verbrannte bi« Menge die Autos der Monarchisten, verprügelte und verletzt« deren Führer, die von der Polizei im letzten Moment noch mit einem Gefängnisauto gerettet werden konntest. Als die wütende Menge bas Haus bet monarchistischen Vereinigung an- zünden wollte, griff bi« Dürgergarbe ein, die mit Pfeifen und Schreien empfangen wurde, der es aber schließlich doch gelang, die Anstürmenden abzudrängen. Darauf zog die Menge vor das Gebäude der Zei tun a „ABC", um dieses in Brand zu stecken. Auch hier griff die Dürger- garde ein, die die Zeitung zum Schutz beseht hatte. Es soll angeblich hierbei von den Polizei- truppen aus dem Gebäude des „ABC." geschossen und mehrere Personen verletzt worden fein. Um 18.30 Uhr ist bet Mabrlber Hauptplatz, die Puerta bei Sol, von vielen taufenden Demonstranten gefüll t, die vor dem dort befindlichen Innenministerium. gegen die Bürgergarbe protestiert und in „Rieber"- unb „Tod"-Rufe gegen den rechtsrepublikonischen Innenminister ausbricht. In den Abendstunden durchzog eine ungeheure Menschenmenge protestierend bas Stadtinnere. . Die Transportarbeiter haben versucht, den Generalstreik auszurufen, worauf zahlreiche t Straßenbahnen den Verkehr elnstellten und die Autos sich zurückzogen, da die Menge sie mit 7 Gewalt an der Ausübung ihres Dienstes verhindert«. Ein Z e i t u n g s st a n d in bet Hauptstraße, bet der katholischen Zeitung „El Debate" gehört, wurde von den Demonstranten in Brandgesteckt. Der Innenminister versucht« persönlich, die Menge zu beruhigen. Cr hielt vom Balkon des Innenministeriums aus eine Ansprache und kündigte strengste Untersuchung der Vorgänge und Schliehun g der WHP. Darmstadt, 8. Mai. Im Hessischen Landtag wurde am Freitag zur Beratung des Iustizetats übergegangen. Abg von der Schmitt (K.) richtet heftige Angriffe gegen die Iustizpflege, die allein zum Schuhe der Interessen der herrschenden Klasse arbeite Die Rotverorbnung unterdrücke das auf- steigende Selbstbewuhtsein des Proletariats. Die Einseittgkeit in der Zeugenwertung bei Prozessen gegen Proletarier sei nicht mehr zu überbieten; über allem stehe der Polizisteneid. Die Kommunisten lehnten den Iustizetat ab. Abg. Best (VRP.) beantragt, seine Anträge zum Rotariat bis zur Vorlage der Erhebungen des Ministeriums in den Ausschuß zurückzuverweisen. Um Arbeitskräfte zu sparen, sollte das Ministerium auf die regelmäßige Berichterstattung im Begnabigungsverfahre n verzichten und Staatsanwalt und Gerichts- vorsihenber, die mit bet Sache befaßt waren, bevollmächtigten, bei gleicher Meinung Gnadengesuche abzulehnen. Abg. S t u r m f e l s (S.) stellt fest, bah im beut-. schen Klassenstaat auch Klassenjustiz, vielleicht unabsichtlich, geübt werbe. In letzter Zeit jeboch mehrten sich in zunehmenber Weise bie Tenbenzurteile zugunsten von rechtsgerichteten Friedensstörern. Das Urteil gegen Reff- Michelstadt, die Einstellung von Strafverfahren gegen Rationalsozialisten wegen der Ausschreitungen in Michelstadt, die Vorfälle von Oberram- stabt unb Dienheim lägen in dieser Richtung. (Zwischenruf: „Stellen Sie doch einen Mih- trauensantrag gegen Ihren Iusttzminlster!" Die Abgeordneten Ulrich (S.) unb Müller (Lbb.) werben wegen beleidigender Zwischenrufe zur Ordnung gerufen.) Angesichts der krassen Tenbenzurteile bet letzten Zeit müsse bas Begnadigungsrecht dem Justizministerium Vorbehalten bleiben. Die Abstimmungen zum Jinanjelat Die Ausschuhbeschlüsse werden durchweg betätigt. Die volksparteilichen Steuer- ermähigungsanträge werden zur Abstimmung nicht zugelassen. Der Lanb- bund« Antrag auf Herabsetzung der Grundsteuer wird mit 38 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten, 2 Demokraten, des Zentrums und eines Volksrechtlers gegen 19 Stimmen der Dolkspartel, des Landbundes, der Deutschnationalen, eines Rationalsozialisten und eines Volksrechtlers abgelehnt. Abg. Schreiber (Staatsp.) enthielt sich der Stimme. Mehrere Abgeordnete blieben der Abstimmung fern. — Aus dem Fonds für Verkehrsverbindungen unb Flugwesen sott den oberhessischen Gemeinden Meiches, Köddingen und Helpershain für ihre jetzt eingestellten Pvstautolinien ein Zuschuß gewährt werden. Abg. Dr. Leuchtgens (Dbd.) erklärt, daß die im „Darmstädter Tagblatt" angedeuteten Kv- ali tivnswünsch e des Landbundes auf grundlosen Kombinationen beruhten. Der Landbund wolle sich ein halbes Jahr vor den Wahlen nicht mit einer Verantwortung belasten, wenn alles ins Wanken gerate. .Abg. Dr. Wolf (fraktionslos) nimmt bie Richter gegen bie Vorwürfe ber Linken in Schutz. Angesichts ber großen Arbeitsüberlastung ließen die Gerichte bei Geringfügigkeiten größte Milbe walten, um Berufungen oder Einsprüche zu ver- meiben. In politischen Prozessen übe jeder Richter unb Staatsanwalt größte Unparteilichkeit, ba begrünbeten Angriffe unb Verdächtigungen ganz entschieden zurückweisen. Auch in der Republik müsse die Justiz das Fundament des Staates bleiben. (Beifall rechts und in der Mitte.) Abg. Dr. Keller (DVP.) begrüßt die Erklärungen des Regierungsvertreters, daß bie Un- abhängigkei t der Richter in Hessen von Amts wegen nicht angetastet werden solle. Der Kamps der Linken gegen eine angebliche Klassenjustiz beiweise, daß in Deutschland eine Klassenjustiz noch nicht vorhanden sei, wie sie die Sowjets anwendeten. ä Abg. Schül (Z.) hält angesichts ber Fälle Kürten unb Tetzner bie Anwenbung ber Tobe s st r a f e für nettoenbig. Die Vorwürfe des Abgeordneten Rechtsanwaltes Sturmfels seien ungerechtfertigt unb staatspolitisch unklug gewesen. Der Abfuhr, bie er dafür von oberster Stelle schon erhalten habe, brauche er nichts hinzuzufügen. Abg. Dr. Werner (Rats.) erklärt, der Mut, mit dem der Ministerialdirektor seiner eigenen Partei bei ihrem Rufe nach einer Klassenjustiz widerspreche, verdiene bie Anerkennung des politischen Gegners. Gerade ber Abgeordnete Sturmfels sei als letzter berufen, den Richtern Parteilichkeit vorzuwerfen; denn die Sozialdemokratie strebe boch selbst ganz offen nach Klassenjusttz. Abg. Keller (Z.) weist ebenfäl!^ bie Vorwürfe bes sozialdemokratischen Sprechers zurück. Wenn Polittk in den Gerichtssaal getragen werbe, bann nicht durch bie Richter, sondern durch die Parteien unb bie Parteipresse. Abg. Böhm (Dnl.) erklärte, nicht bie Strafjustiz allein, fonbern auch Urteile aus ber zivilent Rechtsprechung hätten zu ber Vertrauenskrise in ber Justiz beigetragen. Um die zahlreichen, leichtfertigen Meineibe einzuschränken, sei eine strengere Belehrung über die Folgen des Falscheides notwendig. Abg. Dr. Best (VRP.) sprach der Regierung Anerkennung aus für ihre Bemühungen, die Iustizpflege von Einseitigkeiten freizuhalten. Abg. Reiber (Dem.) erklärt, bie Todesstrafe sei eines modernen Volkes und Staates unwürdig. Die Tatsache sei nicht zu bestreiten, bah man auf allen Gebieten ber Justiz nach Reformen verlange. gemütlich wohnen. Plötzlich glaubt man, mit dem Fahrstuhl zu weit nach oben gefahren zu sein. Man steht unter vielen Dächern, Schornsteine strecken fich kerzengerade durch biete unb dünne Ziegel, unb dicht daneben werben Blechverkleidungen für Dächer empfohlen. Bunte Kacheln beleben bas Dilb, auf Fußböden liegen Fliesen, unb nun ist ber Fußboden mit Gummi verkleidet. In einem ganz anderen Teil der Ausstellung, dort, wo Finnland seine Fortschritte im Bauwesen zeigt, kann man ebenfalls Gummiböden bewundern. Der finnische Vertreter erklärt, daß dieser Bodenbelag zwar doppelt Jo^teuer wie Linoleum fei; aber dafür ist er unverwüstlich, schluckt den Schatt, kann mit Wasser bearbeitet werden, während man Linoleum bohnern muß ^lauter Vorzüge, bie ihn für Krankenhäuser, ^Großbetriebe unb reich« Leute empfehlenswert machen. . Diese Ausstellung ist zu groß, als bah man alles ansehen könnte. Die Anlagen für Warrn- wass erversorgung läßt man links, die Einrichtungen für Entlüftung rechts liegen, bleibt einen Augenblick vor Zimrneranten- nen stehen, die einen ungestörten Radioempfang vermitteln sollen unb bewundert dann eine Anzahl Springbrunnen — wird aber sofort belehrt, bah es gar keine Springbrunnen sind, sottdem Waschbecken für Fabriken, Schulen ober Asyle; fünf ober acht Leute können sich gleichzeitig waschen. In ber Mitte einer Halle steht ein mächtiges Relief, kleine Glasröhren ziehen sich bar- über, durch graues unb grünes Gelände: das ist bie Wasserversorgung von Groß-Berlin. Man muh sich ausruhen, das Gehirn kann dem Auge nicht mehr folgen. Also geht man hinaus auf das Freigelände — und wird dort sofort von neuen Eindrücken überwältigt. Da stehen mächtige Krane, wie man sie sonst nur in großen Häfen sieht. Durch hübsche Gartenanlagen wandert man zu zwei Häusern, di« kupferrot in den Sonne glänzen. Wahrhaftig, sie find mit reinem Kupfer bekleidet und innen sind sie gekachelt. Andere Häuser find ganz aus Glas, wieder andere, zu denen man weniger Zutrauen hat, aus Prehstroh, aus Müll und allen möglichen Abfallstoffen. Wohne in Müll! Es soll ganz sauber sein. Zurück in bie größte Ausstellungshalle, deren Studium eigentlich allein einen Tag erfordert. Graphische Darstellungen hängen an den Wänden, riete Zahlen bringen auf den Besucher ein, hier macht man Reklame für Grünflächen, dort für Verkehrsregelung, halb werden die Großstädte beschimpft, weil sie den Menschen Licht, 4. um । N Sto vier die- hat und Es: den. Qltf S Äl en' D di! Im 8 d)L übei den! Eft' kani effe: ina Hat ihre chs -un toui 3 M der eine bela Leit runi 3eri Plä Der entf teil tifd lan he> wo De den refl vüi ben anfl Ar m fti de nal auf die An hl He! von IM sch ge sofi im M Di T- de b u a; se m fri 8 au do ita da r e 5 1 d b d d ei 1 n 0 C h to tc m flt ha in May« horsnavn/ Kirin] Oslo Abecd'/n- anKt Tour; '7Kia/cnt nomDfl. ea : O Dtrlin andecS. is? i veränderien chung dieses AeieS einer schverei, 'n Verpsllchtuv- m Bedingungen noch lnanlastbarkeii s die GruMage für M fuebite und für I und Industrie. 3n- I biefes wefenilicheo erfpruch zu einer ing der Birfan- Zungen auf den ränderte roir(- fr dies redjiferligen den Grundfötzen auf- nen Konferenzen nie- ah nimmt Bejug auf IHK, In denen eine chl eine polilische Bt- gefardert wurde, „handel müsse durch Hemmnisse ge- \ Zolltarifen durften igetwfe unttri$efr z. und Einfuhr- icn ein ©umping M Wachenschrficn W* -echtigien Befchrandm« schöne DegierungA^ KJein Schritt, und Zehnstöckigen Trnanj' ■JE b'Ä'S „KAM Hm» *s »w ll/noch x* Holland viel bei Jundgc-^ ,w*> «i’äs OJo^Hn jum äi S***'*; AW tten^fl -rfukt^M Sss«- S§i?s SAL Bi,Ä ri*-1 ®0- 5tuÄ* bti 6 m ™1««««,. «tw*” t Sä ■ Km»,gtz'S W-elesä: Mrn ParA. " «>L ' ^rtrouenskrife h Jet eine ftren, 82n Falfcheides Regierung Eeniuhungen, die ? Iretzuholten. : Todesstrafe untvür- SÄ ^6 man nm? Refvmen vrr- 4. Die private Initiative der Wirtschaftsführung sei das wirksamste Wittel, um die Fortschritte zu sichern und die allgemeine Wohlfahrt zu mehren. Die Tendenz, die S taatsausgaben über die Einnahmen hinausgehen zu lassen, bedrohe erneut die Haushalte der Länder. Ein gesunder Haushalt sei für die Wahrung des Staatskredites und für die Stabilität der Währung unerläßlich. Cs dürften keine steuerlichen Lasten erhoben werden, die die Erzeugung schädigen und damit dve Arbeitslosigkeit vermehren würden. Der Andruck der Entschließung. Washington. 9.Mai. (TU.) Die deutsche Abordnung sieht in der Annahme der Hauptentschließung der IHK. ein positives Ergebnis. Bei den anderen Ländergruppen wird vielfach die Meinung laut, daß der Standpunkt Deutschlands und anderer revisionsfreundlicher Gruppen Jtoar berücksichtigt, die Entschließung im wesent- ichen aber von den Gegnern der Streichung oder Herabsetzung der Kriegsschulden beeinflußt worden sei. Demgegenüber verdient die Erklärung, die der Vizepräsident des Guaranty Trusts, William B o o t h, der Ehrenpräsident der 2HK., im Namen der amerikanischen Abordnung verlas, besonderes Interesse: Die amerikanische Abordnung habe niemals der Idee widersprochen, daß eine Station für sich das Recht in Anspruch nehme, ihre internattonalen Verpflichtungen auf der Ba- sis Her allgemeinen Prinzipien und Voraussetzungen. unter denen diese Schulden festgesetzt wurden, erneut überprüfen zu lassen. Aus aller Welt. Magdeburg gedenkt seiner Zerstörung vor 300 Jahren. In Magdeburg veranstalteten anläßlich der 300jährigen Wiederkehr des Tages der Zerstörung der Stadt durch Tilly die städtischen Behörden eine Erinnerungsfeier. Die Gedenkrede hielt der bekannte Historiker Professor Brandenburg, Leipzig. Er schilderte die politische Zerspviitte- rung Deutschlands, deren- Folge die konfessionelle Zerreißung gewesen sei und ging dann auf Hie Pläne der Gegenreformation ein, die im Vörden Deutschlands, besonders aber in Magdeburg, auf entschlossenen Widerstand gestoßen seien. Es könne keinem Zweifel unterliegen, daß die protestantische Form des Christentums nicht nur in Deutschland entstanden, sondern aus germanischem Geist heraus geboren sei. Es sei oft hervorgehoben worden, daß die ganze neuere geistige Kultur Deutschlands nur auf protestantischem Boden denkbar sei, und daß das Gelingen der Gegenreformation die Voraussetzungen beseittgt haben würde, auf denen unser heutiges Geistesleben beruhe. Am Samstag war als Anstatt der Veranstaltungen im Kaiser-Friedrich-Museum eine Ausstellung „Das alte Magdeburg" eröffnet worden, außerdem hatte die evangelische Kirche durch eine evangelische Gedenkstunde in der Stadthalle des Ereignisses gedacht. kommunistischer Jeucrüberfall auf eine Rote-fireuvfiolonne. Anläßlich einer nationalsozialistischen Kundgebung in L i m b a ch (Sachsen) kam es au einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Ratto- nalsozialisten. In der Chemnitzer Straße wurden auf einige SA-Leute mehrere Schüsse abgegeben, die jedlxh ihr Ziel verfehlten. Später ist ein Auto mit Insassen einer Sanitätskolonne vom Voten Kreuz, die von einer Hebung kamen, -wischen Limbach und Burgstädt von Kommunisten, die im Straßengraben anscheinend auf Vationalsozialisben gelauert hatten, beschossen worden. Hierbei wurde ein Mann getötet und ein weiterer schwer verletzt. Das sofort alarmierte äleberfallkommando verhaftete im Laufe der Vacht mehrere.Beteiligte, die sich zum Teil im Walde verborgen hielten. Bei der Durchsuchung des kommunistischen Turnerheims fand die Polizei sieben scharf geladenePistolen. Auch hier wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Raubüberfall auf einen Geldbriefträger. In Mannheim wurde ein Geldbriefträger von drei.^ Burschen überfallen und um 30 0 0 M k. beraubt. Einer der Tater hat am Abend vorher bei einer Frau für sich und seinen angeblichen Bruder zwei Zimmer gemietet. Eamstagfrüh ging der neue Mieter frühzeitig aus der Wohnung fort und kam gegen 8 Uhr in Begleitung von zwei weiteren Burschen zurück. Die Frau ^wurde in das Zimmer gelockt. Dort Wurde sie plötzlich von hinten überfallen, ihr der Mund zugehalten und sodann ihr drei Schläge auf den Kopf verseht. Die Frau wurde dann^auf das Bett gelegt, an Händen und Füßen mit einer starken Schnur gefesselt und damit bedroht, daß sie umgebracht würde, wenn sie nicht ruhig sein sollte. Während die Frau von einem der Täter überwacht wurde, haben die beiden anderen hinter dem Abschluß das Kommen des Geldbriefträgers abgewartet. Die Täter haben offenbar am Abend vorher den Betrag von zwei Mark an die Adresse der Der mieterinaufgegeben. Der Geld- briefträger wurde an Händen und Füßen gefessett, durch Schläge mißhandelt und ihm ein Betrag von etwa 3000 Mk. geraubt. Die Täter sind unerkannt entkommen. Schweres Mokorradunglück im Rheingau. In Winkel rannt« der Generalvertreter Berger der Chemischen Fabrik Albert & Co. mit seiner Opel-Limousine gegen den auf seinem Motorrad rheinabwärts fahrenden Arbeiter Strinkmann aus Vod a. d. Weil und drückte ihn gegen eine Hauswand. Strinkmann wurde auf der Stelle getötet. Sein auf dem Soziussitz mitfahrender Freund erlitt eine schwere Schä- de'verletzung. Vach Bericht von Augenzeugen war der Lenker des Autos sinnlos betrunken und überfuhr beim Rückwärtsfahren nochmals die unglücklichen Motorradfahrer. Eine große Menschenmenge hatte sich inzwischen an- gesammelt und nahm gegen den Autofahrer eine drohende Haltung an, so daß die Polizei Mühe hatte, ihn vor dem Lynchen zu bewahren. , Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den II.Mai 1931. Oie „Eisheiligen". 11., 12. und 13. Mai. Es ist eine alte Erfahrungstatsache, daß in der ersten Hälfte des Wonnemonats öfters ein Kälte, rückschlag eintritt, den der Volksglaube mit den Tagen Mamertus, Pankratius und Servatius zu- larnrnenaebracht hat. Die Abschiedsgrüße des schei- Senden Winters tun den Blüten und Saaten weh, und es gibt kaum einen schmerzlicheren Anblick, als wenn das junge, grüne, kaum der Knospe entschlüpfte Blatt sich kältematt zu Boden senkt und die soeben von der Maiensonne hervorgelockte Blüte unter dem kühlen Schnee schauert. Wenn der Landmann dann am kalten, klaren Morgen hinaustritt und den Frostschaden sieht, dann wird ein tiefes Weh fein Herz durchzucken. Und der Winzer fürchtet die Eismänner noch mehr als die Reblaus; er hat vergeblich auf reichen Segen gehofft; nun ist die Ernte mit einem Schlage dahin. Daß die drei Herren mit den lateinischen Namen mit dem Wetter verbunden und in Verruf gebracht wurden, war ihr persönliches Pech. Nicht sie rufen die kalten Winde hervor, sondern diese treffen gerade auf die Tage ein, denen die Herren ihre Kalender- namen gegeben haben, und da die Temperatur an dielen Tagen kühl bis ans Herz ist, so gelten diele, unschuldigerweise für streng. Gerade um die Ab- Wendung des kalten Wetters war es dem Mamertus zu tun. Dieser in der Mitte des fünften Jahrhunderts zu Vienna lebende fromme und gelehrte Presbyter führte, um den Hagelschlag abzuwenden, kurz vor Himmelfahrt drei Bußandachten, verbunden mit Bitt, gängen ein, die hier und da bis heute noch erhalten sind und kirchlich gefeiert werden. In altheidnischer Zeit hielt man die Tage für Frost, und Eisriesen, die in die Götterschöpfung einbranaen, um sie in ihrer Verjüngung zu zer- stören. Und merkwürdig, wie die Gallier und Germanen ihren Wintergott hatten so kannten auch die Römer -einen solchen, Mamunus genannt, der an einem bestimmten Frühlingstage unter allerlei Scherz vertrieben wurde. Nach der Aehnlichkeit der Namen ist man geneigt anzunehmen, daß Mamertus der christianisierte Mamurius fei. Auch dessen Festfeier bestand in einem dreitägigen Umzüge, auf dem ein geflügelter Drache mitgeführt wurde. Solche Maidrachen wurden in französischen Kirchen bis ins 18. Jahrhundert.aufbewahrt. Mehr noch wie bei Mamertus fehlt beim heiligen Pankratius jebe Beziehung zu Wetter unb Strenge. Nach ber Sage kam er als Knabe nach Rom unb irrte in ben Straßen umher. Da fanb ihn ber Bischof Casus, nahm ihn auf unb führte ihn bem Christentum zu. Der Kaiser Diocletian suchte ihn burch Lyckungen unb Drohungen zum Abfall zu bewegen, unb ba ihm dies nicht gelang, wurde Pankratius mit dem 14. Lebensjahre zum Märtyrer. Die Christin Aktavilla barg feinen Leichnam, von dem viele Reliquien nach England und Frankreich gekommen fein sollen. Viele Kirchen find nach ihm geweiht, auch Städte Haden ihn zum Schutzpatton erkoren. Der Haupteisheilige ist Servatius, der als Bischof von Tongern am 13. Mai 450 verstorben ist. Von ihm berichtet die Sage, daß auf seinem unfern einer Landstraße bei Mastricht gelegenen Grade die Sonne niemals Schnee dulde, so hoch dieser auch bas Land bedecken möge. Dabei weht über dem Grabhügel ununterbrochen ein scharfer Wind, der nach Berichten schon verschiedene Bethäuser, die man an der gemeinten Stelle errichtet hatte, zerstörte, bis der Bischof Maruelf von Lüttich im sechsten Jahrhundert eine große Kirche an dem Orte erbauen ließ, in welcher die Gebeine des heiligen Servatius beigesetzt wurden. Während in Norddeutschland Servatius als die Winter, unb Sommergrenze angesehen wirb, verschiebt sich bieser Termin nach Süben hin etwas. In Sübbeutschlanb kennt man Mamertus nicht, wohl aber Bonifatius, ben 14. Mai. Unb während es in Norddeutschland heißt: „Vor Servaz kein Sommer, nach Servaz kein Frost" sagt man im Süben: „Sein Reif nach Servaz, kein Schnee nach Bonifaz". Dieser heilige Bonifatius war aber nicht ber Apostel ber Deutschen. Für die Eismänner und ihre Entstehung, für das Eintreten des Kälterückschlages um diese Zeit hat sich die Wissenschaft schon seit älterer Zeit interessiert unb mannigfache Erklärungen gesucht. Namentlich waren es bie Berliner Meteorologen und Physiker, die sich bemüht haben, das Problem zu erklären. Zu Alexander von Humboldts Zeiten glaubte man annehmen zu müssen, daß eine kosmische Ursache die Anomalie bedinge. Schon im vierten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts wurde darauf hingewiefen, daß am 12. Mai der Novemberschwarm der Meteore an der Sonne vorbeizöge und dadurch wohl der lern- peraturrürfgang bedingt werde. Von anderer Seite wurde der Kälterückfall mit dem Schmelzen von ungeheuren Eis- unb Schneemassen im Norbosten Europas, namentlich im Stromgebiet der Dwina, in Verbindung gebracht, und schließlich verlegte man die Heimat der Eisheiligen an die Küste Grönlands und Labradors. Es ist von wissenschaftlicher Seite bann nachgewiesen worden, daß im späteren Früh- jahr infolge der schnellen Erwärmung des Kontinents sich besonders häufig ein Gebiet niedrigen Luftdrucks über ber ungarischen Tiefebene ausbilbet, bem naturgemäß über bem zu bieser Jahreszeit kalten Nordwesteuropa ein Gebiet hohen Luftdrucks gegenüber- liegt, so daß für Mitteleuropa eine kalte nördliche Luftströmung mit heiterem, trocknem Wetter eintritt, wobei infolge der nächtlichen Wärmeausstrahlung de- sonders die Nächte kühl unb kalt sind. Dor Mitte Mai geht in solchen Nächten die Temperatur oft bis unter Null Grad herab, so daß große Verwüstungen an der Vegetation stattfinden. Nach einer neuen Hypothese sollen wir durch die Veränderung des Perihels und Aphels, d. h. des Zeit- unb Raumpunktes ber Erd- nähe unb Erbfeme von ber Sonne, einer britten Eiszeit entgegengehen, eine Erklärung bes Problems, bie bie meiste Wahrscheinlichkeit für sich zu haben scheint, worauf wir aber hier nicht näher eingehen können. Indessen bemüht sich bie meteorologische Wissenschaft, durch entsprechende Schutzmaßnahmen die Frostgefahr von unseren landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kulturen abzuwenden. Gr. Generalleutnant Exz. Klingelhöffer t- Gestern, gegen 19 Uhr, wurde der Generalleutnant a. D. Exzellenz Klingelhöffer, als er sich auf dem Balkon seines Hauses in der Georg- Philipp-Gailstrahe 5 aufhielt, von einem Herzschlag ereilt, der den alsbaldigen Tod des alten Herrn zur Folge hatte. Generalleutnant Klingelhöffer, auf dessen Wirken wir noch zurück- kommen werden, war am 26. Dezember v. I. 81 Jahre alt geworden. Wie wir hören, wird die Beisetzung der sterblichen Hülle des Entschlafenen voraussichtlich am Mittwoch stattfinden. Strauß-Konzert in Gießen. In der Dolkshalle, vor etwa 3000 Besuchern, gab am Samstagabend der frühere I. u. k. Hofballmusikdirektor Johann Strauß mit seinem Wiener Orchester wieder ein Konzert, nachdem er schon in den beiden letzten Jahren mit großem Erfolg hier gastiert hatte. Wie die beiden vorhergehenden Straußschen Konzertabende, so war auch die Veranstaltung vom Samstag für den Meister aus Wien und seine Künstlerschar wieder ein starker künstlerischer Triumph, für hie Besucher wieder eine kostbare Stunde der Erquickung an jenen immer wieder — und heutzutage mehr noch als früher — wunderbar fesselnden, prickelnden Tonwerken der Wiener Komponisten. Mit der Ouvertüre zur Operette „Das Spihentuch der Königin" von Johann Strauß (Sohn) begann der Abend sehr verheißungsvoll, Ioh. Strauß' Walzer „Dorfschwalben aus Oesterreich", I. Bayers Divertissement aus dem Ballett „Die Puppenfee", F. Schuberts „Lied aus Wien", Johann Strauß' (Sohn) „Kaiserwalzer", E. Kalmans Fragmente aus der Operette „Die Csär- däsfürstin", sowie der Walzer „An der schönen blauen Donau" und die „Annen-Pvlla" von Ioh. Strauß' (Sohn) folgten programmäßig, wurden aber in ihrer Folge unterbrochen durch eine ganze Reihe von Einlagen, die sich das Publikum durch ständig anwachsenden Beifall von dem prächtig und unermüdlich musizierenden Orchester erzwang. Wie der Auftakt, so waren auch der weitere Verlauf und der Ausklang dieses Abends der guten Wiener Walzermusik volle Erfüllung dessen, was man sich von dem hier nun schon zu den wertgeschätzten Bekannten zählenden Wiener Meister Strauß versprochen hatte. Die starken Deifallssalven des Publikums haben dem Orchester und seinem Leiter den gebührenden Dank abgestattet, hier sei noch dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß Strauß und seine Künstlerschar uns auch im nächsten Jahre wieder als gern begrüßte alte Bekannte besuchen und mit ihrer vollendeten Kunst erfreuen möchten! ' Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Deutsche Volkspartei: Mitgliederversammlung 20.30 Uhr im „Hindenburg"; Landtagsabg. Dr. Niepoth spricht über „Die politische Lage". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Bettelstubent". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, 12. Mai, vorletzte Dorstcllung im Dienstag-Abonnement und letztes Gastspiel des Hessischen Landestheaters Darmstadt mit Bizets großer Oper „Carmen"; Spielleitung Generalintendant Professor Karl Ebert, musikalische Leitung Dr. Karl Böhm. Beginn p ü,n k t lich 19 Uhr. Die Intendanz macht darauf aufmerksam, daß während der Ouvertüre die Saaltüren geschlossen bleiben. — Mittwoch, 13. Mai, 20 Uhr, unter Spielleitung von Walter Bäuerle Erst- und einmalige Aufführung des Märchenspiels „Schwanenweiß" von Strindberg für die Abonnenten des Mittwoch- Abonnements. Die das Werk begleitende Musik wurde von Kapellmeister Fritz Cuje zusammengestellt. Durch diese einmalige Ausführung wird den Abonnenten der anderen Tage Gelegenheit geboten, die bis zum Schluß der Spielzeit fälligen Gutscheine einzulösen. — Freitag bleibt das Theater geschlossen. ** Wichtig für Lungenkranke. DU Sprechstunden der Fürsorgestelle für Lungenkranke in der Medizinischen Poliklinik finden für die Besucher aus den Landgemeinden, des Kreises Gießen zeden Montaa von 16 bis 17 Uhr statt. Lungenkranke und Krankheitsgefährdete, die in ärztlicher Behandlung sind, bedürfen einer Ueberroeifung ihres Arztes in die Lungenfürsorgestelle. Unbemittelte werden unentgeltlich beraten. * Eine Achtzigjährige. Frau Louise Voll Wwe., In Löbershof 8 wohnhaft, begeht heute ihren 80. Geburtstag. Trotz ihres hohen Alters erfreut sich die Jubilarin noch bester Gesundheit. ** Auf der Straße gestorben. Gestern nachmittag wurde der frühere städtische Arbeiter Eduard Battenberg, Schloßgasse 1 wohnhaft, auf der Straße an der Ecke Kaiserallee-Moltke- straße von einem Schlaganfall betroffen, ber den alsbalbigen Tob zur Folge hatte. Die ärztliche Untersuchung ergab Herzschlag als Tobesursache. Der starke Betrieb in der Kaiserallee am gestrigen Nachmittage soll dem schon seit einiger Zeit an chronischer Herzschwäche leidenden Mann so aufgeregt haben, daß er den Tod fand. •• Allgemeiner Deutscher Frauen- verein, Ortsgruppe Gießen. Man berichtet uns: Zu Beginn der sehr gut besuchten Maisihung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins gedachte die 1. Vorsitzende, Frau Paula Selb, in warmen Worten der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder der Gießener Ortsgruppe. Besonders bedauerte sie das Hinscheiden von Frl. Mathilde D i n g e l d e i n , einer der Gründerinnen des hiesigen Vereins. Sodann gab Frau Landtagsabgeordnete Maria Birnbaum aus der Fülle chres politischen Verstehens einen außerordentlich interessanten Heberblick über die Fragen, die gegenwärtig die lebenswichttgsten für Deutschland sind. Nachdem die Vednerin die bedeutendsten anderen Staaten in ihrer derzeitigen Struktur geschildert und über ihre Verflechtung in die Weltwirtschaftskrise gesprochen hatte, zählte sie die besonderen Schwierigkeiten auf, mit denen Deutschland zu kämpfen bat. Wir müssen — sagte sie — vor allen Dingen die Sachlage klar erlernten, wenn wir sie meistern wollen. Unser Ringen ist ein zäher Schützengrabenkrieg; seine erste Etappe war bie Rheinlandräumung, die zweite Etappe soll die deutsch-österreichische Zollunion sein. 3n dieser Frage steht unS em harter Kampf bevor, hauptsächlich mit Frankreich, das zwar viel von einem Pan -Europa gesprochen hat, aber ernstlich ein geeinigtes Europa wohl gar nicht wünscht. Deutschland und Oesterreich wollen den ersten Schritt zu Pan-Europa tun. Zusammenfassend legte Frau Dirn bäum dar, was wir auf außenpolitischem Gebiet erstreben sollten. In erster Linie eine Revision des unhaltbaren Versailler Vertrages, dann aber seien weitere unerläßliche Verbesserungen: eine Heu- regelung der Weyrfrage und die Wiederbelei- hung Deutschlands mit Kolonien. Die Rednerin betonte eindringlich, daß wir innerpolittsch ein Voll brauchen, daß in sich einig ist und sich in ganz anderer Weise wie bisher mit seinem Staatswesen verbunden fühlt. Wenn wir daS starke nationale Wollen anderer Völker sehen, dann muß uns schmerzliche Scham über unser eigenes Versagen ergreifen. Uneinigkeit und Mangel an Vätionalgefühl sind alte deutsche Fehler, sollen sie jetzt überwunden werden, bann müssen auch bie Frauen mithelfen. Sie sollen in sich den Willen zum Staate stärken, sie sollen ihn in der Jugend erwecken unb sie zur lleberbrückung des Parteienhabers erziehen. Auch auf anderen Gebieten sind große Aufgaben von ben Frauen zu bewältigen. Da gilt die Vereinfachung der trotz des verlorenen Krieges soviel üppiger gewordenen Lebenshaltung aller Kreise, da kann ' die Frau als Konsumentin viel dazu beitragen, daß nicht weiterhin alljährlich große Summen für Alkohol und Parfümerien ins Ausland gehen. In zu Herzen gehenden Worten ermahnte Frau Birnbaum die Zuhörerinnen, opferbereit mit» zuwirken bei bem Dienst an Volk und Vaterland. Eine lebhafte Aussprache folgte bem mit herzlichen Beifall aufgenommenen Vortrag. Raubübersall aus ein Zrauenheim in Bad-Nauheim. Lpd. Dad-Rauheim, 11. Mai. In der Rächt zum Sonntag wurde auf das I s - raelitische Frauenheim in Dad-Ranheim ein schwerer Raubüberfall verübt. Dem Täter fiel ein Geldbetrag von zirka 250 Mk. in die Hände. Die Oberin des Heims erwachte nachts durch Geräusche im Rebenzimmer. Gleich darauf drang ein Mann in ihr Schlaf- Tn er ein und bedrohte sie mit einem Messer und einem Revolver. Dann durchsuchte er sämtliche Behälter und entwendete 150 Mark in Papiergeld und etwa 100 Mark Silber gelb, sowie ein altes Zehnmarkstück. Der Sxiter der durch das Küchenfenster in das Haus eingedrungen war, entkam unertannt. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Oie Wetterlage. o OedtcKt 0 woieig. e oewtai Ost massige- Südsüdwest {S stürmische» nordwcsl Oie Pfette fliegen mit dem winde. Pie oeiden Stationen stehenden labten geben die Temperatur an. Die Linien Verbinden Orte mit gleiche® auf Meeresniveau umgerechnete* Luftdruck Wettervoraussage. Die Norbmeerstörung hat ihre Ausläufer nach dem Festlande ausgedehnt, und warme Luft verursacht TeTÜperaturzunahme und leichten Barometerfall. Da das Tief sich mehr nördlich weiterbewegt, dürften nur seine Randstörungen die Wetterlage beeinflussen und infolgedessen außer Dunft- und Wolkenbildung mehr vereinzelt vorübergehende Niederschläge auftreten. Die Temperaturen steigen sowohl nachts als auch am Tage weiter an. Später wird wahrscheinlich die kühlere Luft der Rückseite .des Fallgebietes bis in unseren Bezirk Anlaß zu Gewitterstörungen geben. Aussichten für Dienstag: Vielfach dunstig und bewölkt mit Aufheiterung, Temperaturen zwischen Tag und Nacht sich mehr ausgleichend und wärmer, vorübergehend leichte Niederschläge oder aufheiternd, Gewitterneigung. Aussichten für Mittwoch: Mehr wechselnd wolkiges Wetter und einzelne Gewitterstörungen mit leichter Abkühlung. Lufttemperaturen am 10. Mai: mittags 15,7 Grad Celsius, abends 9,5 Grad; am 11. Mai: morgens 9 Grad. Maximum 16 Grad, Minimum 2,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. Mai: abends 16,2 Grad; am 11. Mai: morgens 10,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 1% Stunden. Rauchen Sie getrost aber gurgeln Sie trocken mH HL Für Raucher: Chlorodont-Zahnpaste J“« Verlangen Sie nur echt Chlorodont und weisen Sie jeden Ersatz dafür zurück. Statt Karlen! Ihre Verlobung zeigen an Gießen 02781 unter D. P. 65 über Rudolf Mosse, Dresden. 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SD. 98 Darmstadt—Kurhessen Marburg 3:3 (2:3). _3n diesem Freundschaftstreffen enttäuschten die Gäste nach der angenehmen Seite. Nach ausgeglichenem Spiel führten die Marburger bei der Pause mit 3:2, mußten sich aber nach dem Wechsel den Ausgleich gefallen lassen. Handball-Städtekampf Müncheu—Darmstadt 4 :7 (3:2). Bor 3000 Zuschauern trugen Darmstadt und München am Samstag in München einen Handball- Städtekampf aus, in dem die Darmstädter mit 7:4 Toren erfolgreich blieben. Das Spiel litt etwas unter dem leichten Regen, brachte aber dennoch ausgezeichneten Sport. Handball-Zwischenrunde der DT. Sn Berlin kamen am Sonntag zwei Zwischenrundenspiele um die Handballmeisterschaft der DD. zum Austrag. Sowohl bei den Damen als auch bei den Herren standen sich die Mannschaften der Turngemeinde in Berlin (TiD.) und des TB. Vorwärts Breslau gegenüber. Die Damen von Vorwärts Breslau, welche die deutsche Meisterschaft zu verteidigen haben, fetzten sich erwartungsgemäß mit 3:1 (2:0) durch und treffen nun in der Vorschlußrunde ebenfalls in Berlin auf den Hamburger Turnerbund. Bei den Herren drehten die Berliner den Spieß um. Mit 8:3 (3:2| besiegten sie ihre schlesischen Gäste. Das Ergebnis entipricht nicht den beiderseits gezeigten Leistungen. Deutscher Neitersieg in Nom. Am Samstag konnten die deutschen Teilnehmer bei dem Internationalen Reitturnier in Rom zu einem unerwarteten Erfolg kommen. Sie belegten im Länderspringen um den von Mussolini gestifteten goldenen Wanderpreis den ersten Platz mit acht Fehlern vor Italien (15 Fehler) und Belgien (26 Fehler). Frankreich und Rumänien hatten vorzeitig aufgegeben. Oberleutnant M o m m auf Thora, Oberleutnant Hasse auf Derby und Oberleutnant Sah la auf Wotan wurden von den Zuschauern lebhaft gefeiert. Der Duce nahm die Preisverteilung selbst vor und beglückwünschte die Deutschen zu ihrem schönen Erfolge. Deulscher Nadsieg gegen Holland. Sn Köln wurde am Freitag vor 3000 Zuschauern der Radländerkampf Deutschland—Holland durchgeführt, den die Deutschen mit 168:47 Punkten für sich entschieden. Die Ergebnisse waren folgende: ' Hauptfahren: 1. Oszmella, 2. Engel, Handbreite zurück, 3. Steffes, 4. Saap.Holland. V erfol- gungsrenpen: 1. Bausch, Hürtgen, 12. P.: 2. Dumm. Frankenstein, 8 P.: 3. Braspenning. van Hout, 4 P.: 4. van der Heyden, Metz, 2P .— 800-Meter-Dorgabefahren: 1. Frankenstein, 12P.; 2. Oszmella, 8 P.: 3. Bernhardt. Stunden-Mann- schaftsrennen: 1. Bausch, Hürtgen, 16 P., 42,2 Kilometer: 2. Braspenning, van Hout, 11 P.: 3. Bernhardt, Fricke, 11 P.: 4. Oszmella, Schamberg, 11 P.: 5. Fricke, Engel, 11 P.: 6. Gebrüder van Kempen, 3 P. AMI zm Deutschen Fußball-Msterschafi. Die ersten Spiele um die Deutsche Fußball-Meisterschaft endeten im großen und ganzen mit den Siegen der Favoriten. Die Landesverbände Südostdeutschland und Baltenverband sind bereits nach den ersten Spielen ausgeschieden. Brandenburg hat seine beiden Vertreter durch die Vorrunde gebracht, und auch Borddeutschland Überstand mit beiden Vertretern die erste Bunde. Mitteldeutschland hat eine seiner beiden Mannschaften eingebüßt. Westdeutschland und Süddeutschland waren noch nicht mit allen Mannschaften beschäftigt. Der süddeutsche Meister Sp.-Vg. Fürth überstand die Vorrunde mit einem 3:0-Sieg in Leipzig überraschend glatt. Aus den Spielen. Epdg. Leipzig - Epvg. Fürth 0:3 (0:1). 15 000 Zuschauer waren in Leipzig Zeugen eines packenden Kampfes, der allerdings nicht gerade erstklassig war. Die Fürther waren zwar nicht in Hochform, immerhin aber die bessere Mannschaft, die denn auch verdient gewann. DsD. Bielefeld — Hertha/DSC. 2:5 (1:1). Der deutsche Meister hatte in Dortmund gegen den westdeutschen Zweiten einen guten Start. Anfangs beschränkten sich die Berliner nur darauf, den Gegner nicht aufkommen zu lassen und mit 1:1 ging es in die Pause. Bach derselben spielte Berlin aber ein großes Spiel. Tennis-Borussia Berlin — VfB. Liegnih 6:1 (5:0). Die Höhe dieses Ergebnisses ist weniger dem guten Können der Berliner, denn der mehr als schwachen Leistung der Schlesier zu danken. Tennisborussiä zeigte trotz der sechs Tore sehr wenig, die Gäste noch viel weniger. Beulhen 09 — Hamburger SB. 0:2 (0:0). Der Hamburger SB. hatte in Deuthen vor 20 000 Zuschauern keinen leichten Stand. Der schlesische Meister gab einen durchaus guten Gegner ab, und nur der größeren Beife und Erfahrung hat der Hamburger SB. seinen Sieg zu danken. BfB. Königsberg — Dresdner SC. 1:8 (0:2). Der mitteldeutsche Meister errang in Königsberg einen klaren und selbst in dieser Höhe verdienten Sieg. Dresden war klar überlegen. Holstein kiel — Prussia Samlanb 3:2 (0:2). Holstein Kiel hatte keinen leichten Stand, den ostdeutschen Meister zu schlagön. Bis zur Pause lagen die Ostdeutschen bereits durch Stillgcr und Mischke 2:0 in Führung, die Holstein aber durch besseres Spiel nach der Pause ausgleichen konnte, und schließlich fiel auch der Siegestreffer. Wie wir erfahren, wurde vo.n Deutschen Fuß- ball-Berband nach dem unentschiedenen Ausgang Der überschwemmte Kurgarten in Bad Homburg. j des Entscheidungsspiels in Mannheim Phönix Ludwigshafen durch das Los als süddeutscher Dritter ermittelt. Phönix hat bereits am Himrnelfabr'stage im Mannheimer Stadion gegen den westdeutschen Dritten, Meide- richer Spielverein, zu spielen. An dem- selben«Lage findet im Düsseldorfer Bheinstadion das Vorrundenspiel zwischen der Frankfurter Eintracht und Fortuna Düsseldorf statt. Den einen Punkt, der der Frankfurter Eintracht noch fehlte, um endgültig süddeutscher Zweiter bei den Endspielen um die DFB.» Meisterschaften zu fein, holten sich die Frankfurter am gestrigen Sonntag mit einem mehr als verdienten 2:1-(1 :l-)Sieg gegen Wormatia Worms. Die erste Zwischenrunde. Für die erste Zwischenrunde am 17. Mai wurden vom DFB. folgende Paarungen getroffen: in Berlin: (Deutsches Stadion): Hertha/DSC. gegen SpVg. Fürth: in Frankfurt a. M: (Stadion): Eintracht Frankfurt oder Fortuna Düsseldorf gegen Tennis/Do- russia Berlin: in Dresden: Dresdener SC. gegen Holstein Kiel; in Hamburg: Hamburger Sportverein gegen Phönix Ludwigshafen oder Meidericher Spielve- ein. Oie Deutschland-Nundfahri. Bei der „Deutschland-Bundfahrt" wurde am Samstag die über 221,1 Kilometer führende fünfte Etappe von Schweinfurt nach Erfurt abgewickelt. Don 36 in Büsselsheim gestarteten Fahrern gingen in Schweinfurt noch 28 an den Start. Sm Endspurt konnte sich Frantz in 7:34,48 Stunden als Sieger placieren. Dichtauf folgten ihm Dulla (Oesterreich) und die Deutschen Metze und Tier- bach. Sm Gesamtklassement führen die Deutschen Metze und Thierbach mit je 42:21,29'Stunden vor Frantz. Sm Länderllassement hat Deutschland mit 127:10,20 Stunden den ersten Platz vor Frankreich und der Gemischten Mannschaft inne. Die 6. . Etappe der Deutschland-Bundfahrt führte gestern von Erfurt über 231,2 Kilometer nach Dresden. Der Sieg wurde erst in einem harten Endkampf kurz vor Leipzig entschieden und sah den Franzosen Darthölemh vor dem Delgier Degracve und B u I a (Schweiz) erfolgreich. Die Zeit des Siegers betrug 7:48,36 Stunden. Sm Gesamtklassement führt noch immer Metze (Deutschland) vor seinem Landsmann Thierbach. Sn der Länderwertung liegt Deutschland an erster Stelle vor Frankreich, der Gemischten Mannschaft, Del- gien, Schweiz und Stalien. Kurze Sportnotizen. Bei den Oesterreichischen Tennis-Meisterschaften gewann Cilly Äußern (Köln) das Endspiel im Damen-Einzel gegen Frl. R o st (Köln) mit 6:4, 6:2. • Beim Tennisturnier in Wiesbaden siegte in den Endspielen bei den Herren v. Cramm (Hannover) über Galeppe (Monaco) in fünf Sätzen und bei den Damen Mine Mathieu (Paris) über Frl. Peitz (Köln) in drei Sätzen. Die erste klassische deutsche Dreijährigen-Prüfung, das Henckel-Rennen in Hoppegarten, wurde von dem Außenseiter Sichel des Stalles G r a d i tz gewonnen. Der Toto zahlte 234:10 * Beim Hans-Braun Gedächtnissportfest in Mün- chen wurde H i r s ch f e l d im Kugelstoßen mit 14,50 Meter nur Zweiter 'hinter dem Ungarn Darany, der mit 14,73 Meter in Frönt blieb. * Die Oesterreichische Tourist-Trophy sah den Wiener RSU.-Fahrer Runtsch mit einem Stunden- mittel von 93,320 Kilometer für die 320 Kilometer lange Strecke in Front. Die Engländer B u l l u s und Baker verletzten sich bei einem Sturz. -----— l Daten für Montag, 11. Mai Sonnenaufgang 4.43 Uhr, Sonnenuntergang 20.01 Uhr. — Mondaufgang 2.56 Uhr, Monduntergang 1.09 Uhr. 1916: der Komponist Max Reger in Leipzig gestorben. Taten für Dienstag, 12. Mai. Sonnenaufgang 4.41 Uhr, Sonnenuntergang 20.02 Uhr. — Mondaufgang 3.07 Uhr, Monduntergang 14.09 Uhr. 1884: der Komponist Friedrich Smetana in Prag gestorben. Das «Schitßsal spricht das letzte wort Boman von S. Schnei de r-Foerstl. 41rheber-Bechtschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 16. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Es schlug vier 41hr, als Viktor Lippstadt erwachte. Schnecke und Liebespaar hatten sich längst aus dem Staube gemocht, denn ein feiner, dünner Begen säuselte hernieder, und der ließ ihm die Tropfen von der Krempe des Hutes nach den Wangen rinnen. Erschrocken hastete er auf, tupfte das Bah vom Gesicht und setzte die Füße in Bewegung. Wie ihm das passieren konnte! Schlafen, bei Hellem Tage auf einer Dank, die nichts an Härte zu wünschen übrig ließ. Die Glieder waren ihm förmlich zerschlagen. Wenn Evelin noch gekommen wäre, würde sie ihn doch geweckt haben. Demnach hatten sie sich verfehlt. Das einzige was er tun konnte, war. jetzt zu Hila Setterholm zu gehen, vielleicht hatte Evelin dieser Bescheid gegeben. Se näher er der Wohnung der Künstlerin tarn, desto weiter begannen seine Schritte auszuholen. Bur über die zweite Treppe hinauf mußte er verrasten. 41schi streckte auf fein Läuten den Kopf durch die Türe und wispelte: .Die Frau Professor hat ein bisserl Kopfschmerz nl Aber Sie bürf'n schon kommen! Sch meld Sie gleich." 41 nb dann stand er vor Ulla Setterholms Ruhebett. Die Künstlerin streckte ihm eine etwas fiebrige Hand entgegen. „Wo fehlt's denn, Graf? Das Evexl ist nicht kommen? Mein Gott, da wird halt was dazwisch'n g’rat'n sein. Wer wird sich denn gleich so alterieren! Das ist ja lachhaft! Gehn's in mein Zimmer nüber und holn's Shnen einen Kognak. Dann wirb's wieder!" Er blieb stehen und sah sie verzweifelt an. „(Rauben Sie...“ Sie ließ ihn nicht zu Ende sprechen, „©ar nix glaub ich, nein! Sind's vernünftig, Viktor. Aber wann's Ihnen eine Beruhigung ist, dann telephonier ich halt." Sie hatte sich schon aufgesetzt und die Füße zu Boden gestellt. „Sch mache Shnen soviel Mühe, gnädige Frau!" ' „Ach gehn's!" lachte sie versöhnlich. „Mit einem verliebten Mensch'n rechtet doch keiner. Später gibt sich das schon toieber. Seht trinkens Ihren Schnaps, wie ich g'fagt hab, und sehen Sie sich dort in die Ecken und rauch'g eine Zigarr. Aber keine von die meinigen, die sind Ihnen zu stark. Dort in dem kleinen Kisterl sind leichtere. Feuerzeug ist auch dort." Er blickte ihr nach, wie sie in den Bebenraum trat und die Türe für einen Spalt offen ließ. Er konnte alles hören, was sie sagte. Sein Ohr verlor kein Wort von allem, was er zu hören bekam: „Bist du selber da, Everl? Ja? — Ba also! Da hat jemand wieder einmal Angst um dich, weil du nicht kommen bist beut! Du hast keine Zeit g'babt. So! Einen Brief hast gschrieb'n? Du schickst ihn zu mir. Ist recht, ja! Vielleicht —" Und dann ein ärgerliches Auf stampfen Frau Setterholms. „So eine Schweinerei!" sagte sie, unter die Türe tretend. „Da hat wieder einer unterbroch'n, mitten im G'spräch. Ich werd mich doch einmal beschwer'n müss'n, so oft kommt das jetzt vor." Sie sah zufrieden, wie Lippstädt einige Rauch- ringel zur Decke blies und daß er ein stilles Lächeln um den Mund bekommen hatte. „Sind's jetzt beruhigt? G'hört haben's ja sicher so alles. Ich brauch nix wiederhol'n, gelt nein. Wann jetzt das Drieferl noch kommt, mit einem Gutenachtkuß und ewigem Treueschwur, bann schlafen's aber heut nacht, das will ich mir erbet’n hab'n." Er war selig, griff nach ihren Händen, brückte die Lippen darauf und ließ dann die Stirn in ihren kühlen Handflächen ruhen. Sie blickte mit einem mütterlich gütigen Lächeln auf ihn herab. „Das dumme Angsthab'n, das müssens Ihnen abg'wöhnen, Viktor. Das taugt nix. Jesses na, wann das ein ganzes Leb'n so fortgehn möcht, da wird ja einer verrückt dabei!" Als er aufsah, lächelte auch er, wohl etwas verlegen, aber keineswegs beschämt. Sie verstand ihn. Es gab nichts auf der ganzen Welt, das diese Frau nicht zu verstehen vermocht hätte. Schuld und Fehl, Reue, Verzweiflung, Bot, Angst, nichts war ihr fremd. Wo lebte der Mann, der ihrer wert war? Als aber nun die Klingel anschlug, war er derselbe, wie sie ihn vor einer Minute getadelt hatte. 3m Hinausstürmen hielt sie ihn auf. „Zeit lassin! Der Brief tauft Ihnen nicht davon. Gib her, 41schi", sagte sie, als die Bedienerin ihn hereinreichte. Ihn auf der Hand wiegend, wartete sie, bis Lippstädt ihn an sich genommen hatte. „So. den lesen's jetzt in aller Ruh und rauchen's dabei ihre Zigarr fertig. 41 nd wann's mich wieder brauch'n können, bann rufen's nur. Ich hab auch noch ein paar Zeil'n zu schreib'n." Daß sie die Türe leise hinter sich zuzog, sah er nicht mehr. Seine Augen jagten bereits über die Zeilen hin. 4111a ging erst nach ihrem Wohnzimmer und hakte die Fenster ein, was 41schi wieder einmal vergessen hatte. Dann erwiderte sie eine Einladung, die sie nicht anzunehmen gedachte. Einem Engländer, der modelliert sein wollte, schrieb sie Zeit und Stunde, wann er zu einer Sitzung kommen könne. Der dritte Brief war bereits kuvertiert, und noch immer hatte Lippstädt nicht gerufen. Ba, aber das wußte man ja. Liebesleute lasen ihre Briefe mehr als ein duhendmal. 41nd immer wieder fanden sie etwas Beues darin. Warum sollte er es anders machen? Bach einer halben Stunde aber wurde sie wirklich ärgerlich. Bun hatte er wahrhaftig Zeit genug gehabt, sich wieder in den Alltag zurück- zusinden. 41nd gar soviel würde die Eve wohl nicht geschrieben haben. Sie ging nach der Tür, schob die Portiere etwas zur Seite und stund förmlich angewurzelt. Viktor sah auf dem Diwan, die Arme über den Tisch geworfen und das Gesicht hineinvergraben. Er regte kein Glied. Erst bei näherem Hinsehen, merkte sie, daß seine Schultern auf und niederzuckten. Mit ein paar Schritten war sie bei ihm. Er fühlte ihre Hände auf seiner Schulter und unterdrückte jeden Laut. „Was ist denn?" fragte sie gütig. „Darf ich net wiss'n, was es ist?" drängte sie, weil ihr sein Schweigen unheimlich war. Da er die Arme ausgestreckt hielt, gewahrte sie zwischen seinen Fingern ein Stück Papier. Langsam zog sie es heraus. Sie spürte, wie er zusam- menzuckte, und wartete, ob ein Verwehren kam. 41 nd als dies unterblieb, hetzten ihre Augen über die wenigen Zeilen hin. »Graf! Ich gebe Ihnen hiermit Ihr Wort zurück. Das Warum werden Sie selbst am besten wissen. Trotz der Ehrlosigkeit Ihres Handelns wünsche ich Ihnen alles Glück für die Zukunft. Evelin Bloem." 41lla stand wortlos. Sie las noch einmal und war so klug wie nach dem ersten Lesen. „Das verstehe ein anderer", dachte sie kopsschüttelnd. „Aber bitt schön", sagte sie nach einer Weile, „was haben s denn ang'fangen, Viktor? Da müssen s mir schon draufhelf'n. Von selber bring ich das nicht heraus." Er regte sich nicht. Den Kopf in die Arme gewühlt, saß er und gab keinen Laut von sich. Sie hörte nicht auf, in ihn zu bohren. „Es ist ein Irrtum, nicht, Graf?" Langsam hob er das Gesicht zu ihr auf, wandte es aber sofort ab, als er ihren Blick gewahrte, der Schreck und Mitleid verriet. „Ich habe meinen Abschied bekommen!" „Jessas na! Sa, aber warum denn? Sagens mir bloß warum?" »Ich bin freiwillig gegangen, Frau Professor. Sch konnte doch nicht mehr bleiben, da ich mit Miß Hetterfield nach Java will." „41nd Sie fjab’n ihr nix gesagt davon?" Er schüttelte ben Kopf. »Mein Gott, hätten's ihr's doch erzählt. Aber daß siö Ihnen deswegen den Laufpaß gibt, das kann ich gar nicht glaub'n. Sie wird kwch nicht auf das bisserl 41niform versess'n fein. So ist das Everl ja gar nicht. 41nd wenn? Bitt schön, ist das ehrlos? Wann mir's wo nimmer paßt, dann geh ich einfach. Desweg'n bin ich noch kein Lump!" „Sn ihren Augen bin ich aber einer." Er erhob sich fo brüsk, daß sie erschrocken einen Schritt zurücktrat. „Ich fahre jetzt in die Villa Bloem. Sie soll mir Rede und Antwort stehen. 41nd wenn sie sich in die Arme ihrer Mutter verkriechen würde, ich hole sie heraus!" Das war Emst. Seht galt es, ihn vor 41n- überlegtfjeiten zu bewahren. „Machen's keinen 41nfinn, Viktor!' 41 Has beide Hände legten sich um feinen Oberarm. „Wer wird denp eine Sach gleich fo verpatz'n! Das ist ja ganz verkehrt! Eins muß doch die Ruh bewahr'n. Wer weiß, was man dem armen Hascheri alles vorg'fchwäht „Dann rechne ich mit denen ab, die Schuld daran tragen.“ 41(la wurde böse: „Ich hab gedacht, daß Sie die Eve lieber hätt'n!" »Voch lieber, Frau Professor?" Der Ton feiner Worte schnitt ihr ins Herz, aber sie durfte keine Weichheit zeigen. Bun half nur das kühle, überlegende Wort. So sagte sie, indem sie ihn mit kräftigem Druck auf das Sofa zurückplacierte: „Jetzt denken Sie wieder alles mögliche, nur nix G'scheites. Was glaub’n Sie beim eigentlich? Meinen wohl, das Everl sitzt jetzt daheim und lacht und schlagt einen Purzlbaum, weil's Ahnen los hat? 3a, freilich! Die hegt auf ihrem 'Bett und heult sich die Aug'n raus und weiß nicht, wohin mit ihrer Bot und hat feine Seeü bei der sie sich ausweinen kann. Die ist ja viel schlechter dran wie Sie. Sie hab'n doch mich nicht wahr?" Sie sah, wie der Zorn aus seinem Gesichte schwand und einem verzweifelten Lächeln Platz machte. „Helfen Sie uns wieder, Frau Professor?" „Freilich, was denn sonst? Es wird schon nix anders übrig bleiben, als daß ich den fünfzehnten Bothelfer mach. Aber vernünftig fein, gelt! Sonst rübr ich keinen Finger mehr für euch zwei. Die bleiben jetzt schön sitzen bei mir. 3n meinem Arbeitszimmer find'n Sie einen Haufen Bücher. Cs wird schon was dabei sein, das Sie interessiert. 41m ein halb sieben kommt das Fräulein Hetterfield. Tas unterhaltens mir schön brav. Ach fahr jetzt in die Billa Bloem und schau, was los ist Vielleicht bring ich das Everl mit. Seben- falls verschaff ich Shnen Gewißheit." „Ditte!" Er haschte nach ihrer Hanb unb drückte die Lippen auf jeden einzelnen Finger. Als er sie wieder freigab, ließ sie die Hand mit einem leichten Klaps auf seine Wange fallen. »So ein verliebter Mann!'" »Ich bin zu allem fähig, Frau Professor!" „Das seh ich ja!" Sn dem Lächeln, bai sie ihn, zeigte, zitterte eine heimliche Angst. (Fortsetzung folgt.) Deutscher Tag der NSDAP, in Gießen. Am gestrigen Sonntag veranstaltete die Ratio- nasozialistische Deutsche Arbeiterpartei SA.-Stan- barte 116 (Oberhessen) in (Ziehen einen Deutschen Tag. Aus den verschiedensten Teilen der Provinz waren dazu etwa 1000 uniformierte SA.-Leute, daneben noch große Scharen der RSDAP.-Anhänger in Zivil erschienen. — Dor- mittags fand in der Vollshalle eine SA.-Kundgebung der bis dahin bereits eingetroffenen etwa 600 SA.-Leute statt. Der Standarten ührer Dietzel, Frankfurt a. M., brachte dabei in einer Ansprache seine Anerkennung für das starke Anwachsen der Standarte Oderhessen im Laufe des ersten Jahres ihres Bestehens zum Ausdruck, teilte mit, daß der Standarte Oberhessen die Ar. 116 beigelegt worden sei, um dadurch das frühere ruhmreiche Infanterie-Regiment 116 in Gießen zu ehren, und gedachte zum Schluß der verstorbenen Kameraden, derer mit dem Spiel „Ich halt einen Kameraden" stehend gedacht wurde. Der Standarten-Adjutant Graf Bernhard zu Solms-Laubach betonte sodann in einer Ansprache, daß die SA. die großen ileberlie'ierungen der ruhmreichen und unbesiegten alten deutschen Armee bewahren und fortpflanzen wolle, weiter bekundete er die unverbrüchliche Treue zum Führer Adolf Hitler, nahm entschieden Stellung gegen Stenn es und dessen Gefolgschaft und forderte zum Schluß festes und einiges Zusammenstehen aller SA.-Leute. — Don 15 Uhr ab bewegte sich ein Werbemarsch der SA.-Leute von der Dolkshalle aus durch zahlreiche Straßen der Stadt zur Dolkshalle zurück. Während dieses Llmzuges wurde von der SA-Führung am Ilker-Denkmal auf dem Landgraf-Philipp-Plätz als Gruß an die gefallenen Helden ein Kranz niedergelegt, gleichzeitig marschierten die 621.» Kolonnen grüßend an dem Denkmal vorüber. Während des Umzuges, der eine Menge Schaulustiger auf die Deine gebracht hatte, bereiteten große Teile des Publikums den Marschkolonnen herzliche Begrüßungen. An der Ecke Seltersweg- Aeuenweg und bei der alten Bürgermeisterei wurden aus zwei Menschenhaufen heraus feindliche Kundgebungen veranstaltet, die von_ den Marschierenden unbeachtet blieben, dagegen übertönt wurden von den Sympathieäußerungen der SA.-Freunde. An beiden Straßenstellen kam es auch zu kurzen Rempeleien zwischen Linksgruppen und politisch andersdenkenden Zuschauern, wobei es mehrere Verletzte gab und die eingreifende Polizei einige Verhaftungen vornehmen muhte. (Siehe untenstehenden Polizeibericht.) Abgesehen von diesen beiden bedauerlichen Zwischenfällen verlief d«r Umzug dank der guten Disziplin der Marschierenden und der umfassenden Sicherungsmaßnahmen der in anerkennenswerten Weise tätigen Polizei planmäßig, und er endete vor der Volkshalle mit einem Vorbeimarsch vor den Führern. Anschließend fand in der vollbesetzten Volks- Halle, in der sich etwa 3500 Menschen befanden, eine große öffentliche Kundgebung statt. Rach dem Einmarsch der SA. und dem Einzug der Fahnengruppen, sowie nach kurzen Be- grühungsworten des Standartenführers Dietzel, Frankfurt, sprach zunächst General Ritter von Epp, der von der Versammlung stürmisch begrüßt wurde. Der Redner erklärte einleitend, daß die großen politischen Fragen unserer Zeit seien' in erster Linie die A b r ü st u n g, für uns Deutsche richtiger Aufrüstung und Wehrnot Deutschlands, in zweiter Linie die R e p a r a t i o n s f r a g e. Er wies dann darauf hin, daß die militärische Grundlage für die SA. .keine Spielerei und Rarre- tei sei, sondern eine Frage, die heute die Weilt bewege. Zu dieser jungen Wehrkraft in der SA. müsse der Kontakt hergestellt werden, zumal unser Vaterland nach Westen und Osten wehrlos vor den Füßen schwerbewaffneter Gegner liege. Sodann behandelte der Redner die sittliche Kraft der Wehrhaftigkei t. Unter stürmischer Zustimmung der Versammlung erklärte er u. a.: „Ein Staat ist entweder wehrhaft und behauptet sich, oder er ist überhaupt nicht. Einen Staat ohne Wehrhaftigkeit gibt es nicht. Wir müssen uns endlich wieder zu dem Grundsatz bekennen, daß die Wehrhaftigkeit eines Volkes eine seiner stärk- ft en sittlichen Seiten ist und daß man eine solche sittliche Kraft nicht beseitigen kann, ohne das Volk selbst zu zerstören. Wenn eine Bewegung wie der Pazifismus den Gedanken der Wehrhaftigkeit des eigenen Volkes bekämpft, so irrt sich diese Bewegung, und sie muh entweder beseitigt werden oder sie richtet den Staat zugrunde." Das. deutsche Volk dürfe nicht vergessen, daß die Frage des Wehrens eine Lebensfrage fei, die es nicht verneinen dürfe, wenn es weiter leben wolle. Es sei selbstverständlich, daß ein solches Volk ein Heer haben muffe, ebenso selbstverständlich, daß wir für dieses Heer kein anderes Muster nehmen könnten als das, was wir hatten und zerstören ließen. Der Gedanke eines solchen Heeres und seiner Wehrhaftigkeit habe seinen stärksten Vertreter und Schützer in der nationalsozialistischen Bewegung. Die Männer im Braunhemd seien die Vorkämpfer für die Wiederherstellung unseres deutschen Volkstums, für die Wiederherstellung eines deutschen Staates, der sich zur Wehrhaftigkeit bekenne, ebenso auch zur Ehrlichkeit und zur Selbstlosigkeit tm Dienste des Ganzew Auf diesem Wege möge das deutsche Volk der SA. nachmarschieren zum Heil und Sieg der Wehr! (Langanhaltender, stürmischer Beifall.) Stehend wurde der erste Vers des Deutschlandliedes gesungen. Hierauf sprach Oberleutnant a. D. Weihrauch, der dem gegenwärtigen System schärfsten Kampf ansagte und dabei u. a. betonte: „Wir kämpfen loyal, ganz loyal, wenn wir aber oben sind, wird doch gehängt." Für die unnötigen deutschen Totenopfer bei Langemarck usw. machte er die Sozialdemokratie verantwortlich, die vor dem Kriege die Mittel für eine genügende militärische Rüstung nicht bewilligt habe, weiter machte er die Sozialdemokratie für die Folgen des ihr zur Last zu legenden Munitionsarbeiterstreiks im Ianuar 1918 verantwortlich. Die Sozialdemokratie trage die Schuld daran, daß dem unbesiegten deutschen Heere der Dolchstoß von hinten verseht worden sei. Er polemisierte sodann gegen den Pazifismus, und warf dabei u. a. die Frage auf, warum sich der internationale Pazifismus immer nur in Deutschland betätige, aber nicht bei den andern. Die RSDAP. wolle gewiß keinen Krieg provozieren, den sie nicht schätze, aber wenn der Pole in Ostpreußen einfalle und dort deutsche Volksgenossen unterdrücken wolle, dann seien die Rationalsozialisten die ersten, die das deutsche Volk zu den Waffen rufen und ihm sagen würden: haut den Polen aus dem Lande heraus! (Minutenlanger tosender Beifall). Der Redner forderte dann Abwehr einer Jugenderziehung im pazifistischen Sinne, polemisierte gegen die heutige Leitung der Reichswehr durch das Reichswehrministerium, unterstrich das Bekenntnis zur Legalität der RSDAP. und zum Wehrgedanken, forderte schärfsten Kampf gegen das Diktat von Versailles und betonte den ernsten Willen der RSDAP., alles einzusehen im Ringen für ein besseres und freies Deutschland. (Stürmischer Beifall). Als letzter Redner sprach der Gau-Propa- ganbaleiter Trefz (Darmstadt) über die politische Lage. Er erklärte u. a., der politische Kredit des gegenwärtigen Systems sei erschüttert. Der nationalsozialistische Kampf gelte der Befreiung des deutschen Volkes, er gelte dem Marxismus, in dem die RSDAP. den Todfeind unseres Volkes erkannt habe. Der Redner proklamierte schärfsten Kampf gegen die Sozialdemokratie, aber auch gegen das Zentrum, und betonte u. a., wenn der Rationalsozialismus die Macht im Staate übernehme — der Zeitpunkt dafür sei nicht mehr fern —, dann mühten sich die herrschenden Parteien von heute mit dem Rationalsozialismus und seiner Diktatur abfinden. (Stürmischer Beifall.) Jetzt gehe es um das Schicksal des deutschen Volkes. In diesem letzten Kampf müsse die RSDAP. trotz aller Verbote usw. die Rerven bewahren und sich nicht vom Wege der Loyalität abdrängen lassen, denn Sieg oder Untergang dieser Bewegung sei eine Schicksalsfrage für das deutsche Volk, für den deutschen Lebenswillen. (Stürmischer' Beifall.) Am Abend fand noch ein Konzert der 621.» Kapelle in der Volkshalle statt. Damit erreichte der nationalsozialistische Tag in Gießen feinen Abschluß. Oer Polizeibericht. Wie wir auf Anfrage beim Polizeiamt hören, hatte die Polizeimannschaft gestern nachmittag während des nationalsozialistischen Umzuges bei der Rempelei an der Ecke Seltersweg-Reuenweg nur noch die Aufgabe, die streitenden und schon im Auseinandergehen begriffenen Gruppen zu flottem Abzug zu bringen. Bei der vorhergehenden Auseinandersetzung wurden einige junge Leute, und zwar ein Student und mehrere Handwerker, verletzt. Wegen dieser Vorfälle sind bei der Polizei Strafanträge gestellt worden, das Ermittlungsverfahren ist noch im Gange. Bei der Unruhe an der alten Bürgermeisterei erwiesen sich drei Verhaftungen als notwendig. Ein vierter junger Mann hielt es für richtig, dem Polizei,- auto mit den drei Verhafteten zu folgen und vor dem Polizeiamt zu provozieren, so daß auch er schließlich festgenommen wurde. Bei sämtlichen vier Verhafteten handelt es sich um politisch linksstehende Personen. Die Verhafteten wurden gestern abend noch vernommen. Drei der jungen Leute haben sich der Deamtenbelei- d i g u n g schuldig gemacht und deswegen ein gerichtliches Rachspiel zu gewärtigen, die Polizei setzte diese Leute jedoch gestern abend wieder auf freien Fuß. Der vierte Verhaftete, der Arbeiter Wilhelm Keil aus der Weidengasse, hat sich des Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht und wurde deswegen in Haft behalten. Er wird heute nachmittag dem Schnellrichter zur Aburteilung vorgeführt werden. Im übrigen hatte die Polizei keinen Anlaß zum Einschreiten. Wirtschaft. Arbeitsmarktentlastung nur durch die Außenberufe. Ueber die Arbeitsmarktlage in H es- s e n undHessen-Rafsau berichtet das Landesarbeitsamt Hessen in Frankfurt a. M.: Der Arbeitsmartt wurde auch im letzten Berichtszeitraum fast ausschließlich durch die Olußen beruf e (Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gärtnerei, Jndusttie der Steine und Erden, Baugewerbe und Ungelernte) entlastet, auf die von den insges amt 1 2000 abgegangenen Arbei tsuchenden rund 7900 oder 66 Prozent entfielen. Hinzu kommen noch rund 1146 in der Tabakindustrie. In den übrigen Derufs- gruppen besserte sich die Beschäftigung nur wenig, oder überhaupt nicht. In der Papier- und in der Lederindustrie nahmen sogar die Arbeitsuchenden etwas zu. Raturgemäß hatten die Arbeitsämter mit stärkerem landwirtschaftlichen Einschlag verhältnismäßig hoohere Rückgänge (Cor- bach um 40 Prozent, Treysa um 17, Fulda um 15, Gießen um 8,6 Prozent) als die überwiegend industriellen Bezirke (Frankfurt 1,4 Prozent, Offenbach 9,0 Prozent, Hanau sogar ein Ansteigen der Arbeitsuchenden um 1,3 Prozent). Am 30. April zählten die Arbeitsämter insgesamt 268053 Arbeitsuchende, darunter waren 105 295 Hauptunterftühungsempfänger in der Arbeitslosenunterstützung (zu Beginn der Derichts- zeit 116 163) und 49 152 Hauptunterstühungsemp- fänger in der Krisenfürsorge (47 973). Während die Zahl der Unterstützten in der Arbeitslosenversicherung um 10 868 zurückging, stieg sie in der Krisenunterstützung um 1179 an. Im Vorjahr nahmen die Hauptunterstühungsempfänger von Ende April bis zum niedrigsten Stand (Mitte Juli) um rund 13 600 ab. Um in diesem Jahr denselben Tiefstand zu erreichen, mühte die Zahl der Unterstützungsempfänger noch um 42 000^ab- nehmen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M, 11. Mai. Tendenz: schwächer. Die Börse eröffnete zum Wochenbeginn in schwacher Haltung. Die gestrige Rede Brünings, in der er u. a. neue Sparmaßnahmen auch unpopulären Charakters ankündigte, und die erneut schwache Börse in Wallstreet haben stark verstimmt. Man beachtete überhaupt wieder alle In der letzten Zeit eingetretenen ungünstigen Momente; die falschen Gerüchte über eine große Reuyorker Bankfirma blieben ebenso wie die plötzlich verschärfte Situation in Spanien nicht ganz ohne Einfluß. Bei sehr stillem Geschäft ergaben sich gegen die Schlußkurse vom Samstag z. T. recht starke Rückgänge, zumal auch die Spekulation im Zusammenhang mit den Derkaufsorders, die Vorgelegen haben, zu Blankoabgaben schritt. Die weitere Erleichterung am Geldmarkt hatte kaum irgendwelchen Einfluß. Stark rückgängig waren vor allem J.-G.-Farben, A. E. G., . Siemens, Salzdetfurth, Kunstfeidewerte und Zement Heidelberg, bei denen Verluste bis zu 3 Prozent eintraten. An den übrigen Marktgebieten betrugen die Abschwächungen 1 bis 1,5 Prozent. Auch Bankaktien lagen bis 0,5 Prozent niedriger. Durch Widerstandsfähigkeit fielen nur Süddeutsche Zucker und Verein für Chemische Industrie auf. .Rach Festsetzung der ersten Kurse stagnierte das Geschäft fast vollkommen, doch blieben die Kurse auf dem ermäßigten Riveau behauptet. Am Anleihemarkt waren deutsche Renten vernachlässigt, während Ausländer nach- 1 gaben. Der Pfandbriefmarkt lag ruhig und kaum verändert. Reichsschuldbuchforderungen nachgebend. Der Verlauf blieb ohne jede m s ä he, da weder Verkäufe noch Käufe vorgenommen wurden. J.-G.-Farben wurden etwa 0,5 Prozent hoher gesprochen. Anderseits tarnen Gelsenkirchen, Licht & Kraft, Gesfürel und Zellstoffwerte bis zu 2,5 Prozent niedriger zur Rotiz. Auch deutsche Anleihen lagen bis 0,25 Prozent rückgängig. Frankfurter Schlachtviechwsrkt. Frankfurt a. M, 11.Mai. Auftrieb: Rinder 1187 Stück; darunter 273 Ochsen. 98 Bullen, 444 Kühe, 335 Färsen; Kälber 699, Schafe 90, Schweine 6050 Stück. Es wurden notiert pro Zentner Lebendgewicht: Rinder. Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts: jüngere 46 bis 49, ältere 41 bis 45, sonstige vollfleischige jüngere 37 bis 40; Dullen: jüngere, voll- fleischige, höchsten Schlachtwerts 40 bis 44, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 36 bis 39; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlacht- Werts 36 bis 40, sonstige vollfleischige ober aus- gemästete 30 bis 35, fleischige 25 bis 29; Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): vvllsleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 46 bis 49, boll* fleischige 41 bis 45, fleischige 37 bis 40. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 64 bis 69, mittlere Mast- und Saugkälber 60 bis 63, geringe Kälber 53 bis 59. Schweine. Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 41 bis 44, vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 42 bis 45, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 43 bis 46, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 43 bis 46. fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 40 bis 43 Mark. Marktverlauf: Rinder ruhig, ausverkauft; Kälber lebhaft, geräumt; Schafe ruhig, geräumt; Schweine mittelmäßig, geräumt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11. Mai. Der Frankfurter Getreidemarkt verkehrte zum Wochenbeginn sehr zurückhaltend. Die undurchsichtige agrarpolitische Lage hielt die Unternehmungslust stark zurück, auch die vielfach auseinandergehenden Forderungen am Mehlmarkt ließen die Kaufneigung stark vermindern. Am Mehlmarkt bestand billiges Angebot, doch waren die Umsätze sehr gering. Der Futtermittelmarkt zeigte für Mühlennachfabrikate auch heute stärkere Nachfrage. Oelhaltige Futtermittel, Kleie und Biertreber gingen im Preise etwas zurück. Hafer und Gerste bei kleinem Geschäft gut behauptet. Das Angebot hielt sich allgemein in engen Grenzen. Es wurden notiert: Weizen 305 Mark, Roggen 217,50, Hafer, inländischer 215 bis 220, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 42,50 bis 44,50, Roggenmehl 30 bis 32, Weizenkleie 13,75, Roggenkleie 14, Erbsen (je nach Qualität für Speifezwecke) 30 bis 36, Linsen (je nach Qualität für Speifezwecke) 25 bis 68, Heu (süddeutsches, gut, gesund, ttocken) 6,25, Weizen- und Rpg- genstroh (drahtgepreßt) 4, Weizen, und Roggenstroh (gebündelt) 3,90, Treber (getrocknet) 10,75 bis 11,25 Mark. — Tendenz abwartend. Letzte Nachrichten. Aiieniat auf Professor Hans Günther. Jena, ll.THai. (DTB. Funkfpruch.) Am Samstag gegen 23.45 Uhr wurde, wie erst jetzt bekannt wird, auf den in Jena wohnenden Unioerfitäts- profeffor Dr. Hans Günther ein Mordanfchtag verübt. Der Täter, der dem Professor und dessen Jrau auf dem Nachhausewege unauffällig gefolgt war, gab — vor der etwas abgelegenen Wohnung — drei oder vier Schüsse ab, von denen einer den Professor am linken Oberarm traf. Die zur Tat benutzte Pistole — ein spanisches Fabrikat — wurde von dem Verbrecher in der Nähe des Tatortes weggeworfen: sie enthielt noch drei Patronen. Auf die (Ermittlung des Täters ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlostenen, Dividende an. - Reichsbankdiskont 5 v.H., Lombardzinsfuß 6 o.H. $ranttun a. 2)1. Berlin Frankfurt a. 2) 8erlin Frankfurt a. Bl. Berlin Bantnoten. 6d)iu5»| 1-Uhr- fur< nur« Schluß« I Ansang» für» tfurd Schluß-i lurd | l»4r. Kurs Schluß-! Anfang- kurs Kurs Schlußkurs 1-ilhr- Kurs Echiuß- kurs Anfang- Kurs Berlin, 9. .uiai Belgische Noten. ....... Dänische Noten ........ Englische Noten ........ Yranzüsische Noten ....... Holländische Noten ....... Italienisch» Noten........ Norwegische Noten....... Deutsch-Oesterreich, i 100 Schlllintz Rumänische Noten....... Schwedische Noten....... Schweizer Noten........ Spanische Noten........ Tichechoslowakiiche Roten..... Ungarische Noten ....... , Devisenmarkt Berlin 18610 4,179 58,18 111,98 20,367 16,37 168,16 21,98 111,98 58,95 2,48 112,18 80,66 42,71 ’ 12,41 73,00 — Frankfurt rrnes • 4,199 58,42 112,42 20,447 16,43 168,84 22,06 112,42 59,19 2,50 112,62 80,98 42,89 12,47 73,30 a. M. Datum 9.5. 11.5. 9.5. 11.5. Datum 9.5 11.5. 11.5. Datum 9.5. 11.5. 9.5. 115. 6% Deutsche Reichsanleihe von 1027 ......... - 7% Deutsche ReichSanleihe von 1929 .......... teulidie Anl.-Ablöl.-Gchuld mi> Sluslof.dNcditen....... Steel ohne Aullos.-Rechte . . 6% ML Bollkfiaat von 1929 (rüdmhlb. 102%)...... Obtkhnlon Provinz. Anleihe mit Aurios.-Rechien....... tcuildic fiutnm. GammelabL Anlothe Gerte 1...... w8% firanlf. Hnp.-Bank Goldpfe XIII unlünbbar 6U 1934 . . 7% firanlf. Hup-Dank Goldpse unlönöbar bi> 1932 . . . # 4*4% Rheinische Hyp.-Bank Stau. Soivpse........ 8% Pr. LanveSPfandbrtesansial $lanbbric|e IH. i®..... 6% Pr Landespsanebriefanflal Komm^Lvl. N. SV..... 7% Pr. Landesptandbrtefanllal Psaudbnese R. 21..... V.E.B. abg. BortriegS-Obllgatio- nen. rückzahlbar 1932.... 4% vesterrelchtlche Goldrente . 4,20% Ocsterreichische Gilberten 4% ceiierreichilche Einheitliche Rente.......... 4% Unearische Goldrente . . . 4% Ungarische Gtaatirente v. 191 4K% deSgl. von 1913 . . . 1% Ungarische Kronenrente . . 4% lürlifcbe Zollanleihe von 191 4% Lürttiche Bagdadbahn-Aul Gerte 1..... 4% desgl. Gerte 11...... 6% Rumänische vereinh. Rente von 1903 ....... . 4H% Rumänisch» vereinh. Ren von 1913 ......... 1% Rumänische vereinh. Rente 84,75 100 55,9 6,2 54,5 101,25 97,5 91 100,5 £ 18,75 15,8 4 4 4 8,25 14,9 6,5 II 1 |£ I11111 II 1 1 1 1 1 1 1 । । । । । 85 100,5 55,9 5,2 95,75 54,6 100,5 96,5 22,5 2,3 18,75 3,8 14,9 6,4 | | | | | | | | | | | I II 1 I 1 1 1 1 1 1 1 Hamburg-Amerika Pate! ... 7 Hamburg-Siidam. Dampfschiff. 8 »Hama Dampsschiss.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine Deutsche Crediianst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Commerz- und Privat-Bank . 11 Darmstädter und Nationalbank 12 Deutsche Bank und Disconto Gesellschaft, ... 10 Dretdner Bant......10 Reichsbank........12 56 57,4 119 106.75 132 103 103.5 148 101 113 118,5 81,5 112,5 112 138 162,5 125,5 46 69 75,5 65^ 173 33,5 52,5 160 72 106,5 103 99 115 110,25 159,5 45 68,5 73,13 56 110,5 77,5 56,75 118,75 106,75 132,65 103 103,5 149 101,4 78 112 117,5 82,75 112 113,5 137 162 124,75 45 68,5 75,75 64,13 59,75 173 61 66,75 73 34,25 73,5 53,5 161,5 70,75 55,65 109,25 56 118 106,5 131,5 103 103 147,5 99,5 116 78,75 110,5 156,5 159,5 43,13 68,75 64,13 63 56 173 59 71,75 73,25 51,5 158,5 68,5 Bereinigte Stahlwerke ..... Olavi Minen......16'/, Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke.Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 I. ®. yarben.Indugrte... 12 Goldschmidt........5 RütgerSwerke........6 Metallgelellschast.......8 PhiliVV Hol,mann......7 50,13 28,5 140 143 216 144,25 129 43,5 49,5 69 85,5 78 88,5 27,75 1 86 79 28 79 105 243 14,5 35 63 117,25 50 213 141,5 75 27 79,65 92,65 84,5 77,4 127,25 51,13 28,25 141 144,5 215,5 143,5 42,5 50,4 69,5 82,5 28 149,25 81,13 95,5 85,75 79 12h,5 28,5 81 45,25 106,5 243 15 34,5 49,5 28 137 142 213,75 142,25 42,75 50 80,5 147,5 79,4 93,75 85 79 127,25 28,75 78,9 45 105 237 A.E.G............8 Bergmann.........9 (Sieht. LteserungSgetellschaft. 10 Licht und Kraft......10 Fellen & Guilleaume . . . 7% Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 Hamburger (JieltrtjttätMBede 10 Rbetuliche Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 Grtiuderi S Co.......11 Siemens S Halske . • • • . 16 Transradio . ........ 8 Vabmeper L Co.......10 Buderus..... t Deutsche Erdöl . ...... 6 Essener Steinkohle ...... 1 Gelsenkirchener ....... 8 Harpcuer. . ........ 0 Hoesch Eilen........6% Ilie Bergbau ...... 10 klöcknenverke ...... ..7 Köln-Neuessen........ 7 ManneSmonn-Röhre» .... 7 ManSselder Bergbau . .... 7 Cber|d)lel. Ellenbodars .... b Lberschtet. ttolSwerke..... 7 Phönix Bergbau. . .... SA Rheinische Braunkohl« . . K Riebeck Montan......7.2 9. Mai 11.anal Zementwerk Heidelberg . . 10 Cemeniwerk Karlstadt. ... 10 Watch & fircotafl......8 Schultheis Patzenhofer ... 16 Ostwerke.........12 ..............« «emberg.........J« Zellstoff Waldhos .... IS1/. Zellstoff Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 8 Daimler Motoren . ..... V Deutsche Linoleum- ...... Maschinenbau A.-G. ..... C Orenslein & Koppel . .... 6 ............... . . frankfurter Maschinen .... 4 Griyner..... .... 6 Heyllgensiaedt ....... 0 Iungnan»..... .... 6 Lechwerke..........8 Mainlraftwerke Höchst N.M.. .8 Miag...........10 Gebr. Roeder.......10 Boigt & Haessner ...... 9 Süddeutsche Zucker .... 10 Amtliche Notierung (Selb | Brief Amtliche Geld Notierung Bries «mit.. Rott. Buen.-AireS Brff.-Alitw. Gbrifttania • Kopenhagen Stockholm . HeiiingforS. Italien. . . London. .. ‘J?cut)or! • • Paris.... Schwei, . • Spanien . . Japan . . . Rio de Jan. Wien in D-- £?eft adgest. Prag . . . . Belgrad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon . Dancig.. Konstantin. Athen. . Lanada . . Urnuuay. Lad» .. 168,54 1,318 58,325 112,32 112,29 112,44 10,556 21,955 20,403 4,195 16,394 80,835 43,21 2,075 0,259 59,01 12,425 7,383 73,15 3,037 18,87 81,55 1,784 5,437 4,192 2,607 20,92 168,88 1,322 58,445 112,54 112,51 112,66 10,576 21,995 20,443 4,203 16,434 80,995 43,29 2,079 0,262 59,13 12,445 7,397 73,29 3,043 18,91 81,71 1,789 5,447 4,200 2,613 20,96 168,52 1,325 58,33 112,32 112,29 112,44 10,556 21,96 20,403 4,195 16,401 80,83 42,30 2,075 0,269 59,00 12,425 7,384 73,15 3,036 18,87 81,54 1.784 5,44 4,192 2,657 20,92 168,86 1,329 58,45 112,54 112,51 112,66 10,576 22,00 20,443 4,203 16,441 80,99 42,38 2,079 0,271 59,12 12,445 7,398 73,29 3,042 18,91 81,70 1,789 5,45 4,200 2,663 20,96 w o fei £ s o o o Ä to E E s s w ■o Ol <3 O 8 E E 5 2-2-e SS--. 59^2 e -5- cs E :s c -Ü.H oo 8 E e ’ö.s?^ 5 5= E s-ZHL S - E NL c(9 ’S E roe o top 5®=a 2 B£ (9 2 KS K a =3 £3» M E cä2"e £>£ 2=?5o5 a8 @ 2 Z^*9 5 «'S .Ey roS eg 9'S 5© oo£ 2*E E=^(S=^ ^e^ 19 cö = •= a eS a 5 e k'gcfl a^hs c7 a D E C?-2 O- E 5(9 E o -£A o 3 Q cee <= 3 2 EC 5 ZsZK &*■ E Q •S'SR CQ(9 cy N ®*:S in 5»y 55 o ZL6LÄ 3»Z(9o © E e o s E € .5 h y Z E 6« " 8-E a e.y 5,'^E «y es e E *o»§? 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