Mittwoch, U. März 1931 181. Jahrgang Nr. 59 Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vriihl'sche Univerfltäls-Vuch- und Stdnöruderci H. Lange in Stehen. Schriftlettung und Seschästrltelle: ZchuMrahe 7. Annahme von flnjelgen für die Tagesnummer bis zum Nachmitlag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 nun Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20" „ mehr. Chefredakteur Dr Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Eriche int täglich, nutzer Sonntags und Feiertag» Beilagen Die Illustrierte «ietzener Jamilienblältei Heimat im Bild Die Scholle monat$«Be$ug$pret$: 2.20 Reichsmark und 30 Relchspfennlg für Tröger» lohn, auch bei Richter» scheinen «mzelnerNummem infolge höherer Gewalt. $ernfDred)anfd)lüfle, anter5ammeLnummer225L Anschrift für Drahlnach» richten Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: fira<,t1url am Main 11686. Heimkehr aus Rußland. Die deutsche, r Industriellen haben ihren Besuch in Moskau zu Ende geführt. Lieber ihre Eindrücke wird man vielleicht späterhin noch weiteres hören. Vorläufig ist nur ein amtliches (Kommunique herausgegeben, aus dem hervorgeht, daß ein neues Exportabkommen getroffen ist, daß also demnächst wieder größere Bestellungen aus Rußland für die deutsche Industrie zu erwarten sind. Eine in den Zeiten stärkster Arbeitslosigkeit willkommene Kunde, die aber vermutlich doch auch politische Bedeutung hat. Es darf nicht vergessen werden, daß die ganze Reise auf russische Einladung hin erfolgt ist und wohl in innerem Zusammenhang damit steht, daß in nächster Zeit die Frage akut wird, ob der deutsch-russische Vertrag von 1926, der die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen regelt, erneuert werden soll. Die Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben, sind nicht allzu erfreulich. Statistisch läßt sich nachweisen, daß die ganzen Verträge nicht eine Steigerung des Exports für und bedeutet haben, daß vielmehr die Russen die Beträge, die für sie durch das deutsche Kreditsystem frei wurden, benutzt haben, um in anderen Ländern Aufträge zu erteilen, was ja nicht gerade der Zweck der Hebung war. Die Russen saßen auch sonst auf einem ziemlich hohen Roß und hoben zu erkennen gegeben, daß sie den Vertrag nicht ohne weiteres erneuern würden, sondern wesentliche Abänderungswünsche hätten. Sie werden inzwischen herausgefühlt haben, daß die Begeisterung für eine einfache Verlängerung des Vertrages auch auf deutscher Seite gelinde gesagt recht gering ist, daß sogar von manchen Seiten starke Bedenken geltend gemacht werden. Es muß sie immerhin nachdenklich stimmen, wenn jetzt die dem Reichskanzler nahestehende „Germania" es glattweg für ausgeschlossen erklärt, „mit einem Lande normale Vertragsbeziehungen aufrecht zu erhalten, in welchem man täglich den Bürgerkrieg gegen die kapitalistische Welt predigt und den proletarischen Llmsturz durch kommunistische Zellen in fremden Staaten ideologisch und praktisch vorbereitet." Linse re ganzen Beziehungen zu Rußland sind eben darauf aufgebaut, daß sie ein Gegengewicht schaffen sollten gegen eine eventuelle Abhängigkeit gegenüber dem Westen. Der Rapallo-Vertrag war die Betonung eines selbständigen deutschen Kursus, der auch weiterhin von uns verfolgt worden ist, obwohl die Russen das des öfteren bestritten haben. Aber wir kön- nen diese Linie nur innehalten, wenn die Russen das Doppelspiel auf geben, das sie bisher mit ihrer amtlichen Politik und ihrer dritten Internationale getrieben haben. Wir können es uns nicht mehr gefallen lassen, daß sie allen diplomatischen Verträgen zum Trotz durch unbegrenzte Geldmittel den Llmsturz bei uns fördern wollen. Sie müssen uns also Sicherheiten geben, daß diesem Unfug ein Ende bereitet wird, dann sind wir auch gern bereit, politisch und wirtschaftlich weiter mit ihnen zu verkehren. Oer Fall Weingartner. Professor Hcllpach fordert Solidarität der deutschen Wissenschaft und Ännst. Seibel berg, 10. März. (TLl.) Professor Dr. Hcllpach, der frühere badische Llnlerrichtsmini- fter und Staatspräsident, hat andasDeutsch- Französische Studienkomitee (Vorsitzender Staatsministcr a. D. Freiherr von Rostih- Wallwih, Berlin) das Ersuchen gerichtet, eine aktenmäßige Klarstellung des Falles Weingartner herbeizuführesi, aus der die wirklich bestimmenden Beweggründe der französischen Regierung für das Weingartner-Verbot ersichtlich werden. Professor Hcllpach, der jenem Komitee angehört, weist daraus hin. daß er, falls die in der Presse verbreitete Darstellung des Falles Weingartner zutressend und erschöpfend fei, naturgemäß auch seinerseits nicht im- stände sein würde, seine Zusage eines Vortrags im Rahmen des Germanistischen Instituts der Sorbonne im Mai dieses Iah res ausrechtzuerhalten. Unter derselben Voraussetzung werde sich hossentlich kein DeutschervonRamen undWürde bereit finden, in Frankreich zu reden, zu spielen, auszustellen usw., solange die französische Regierung im Amte sei, die den Fall Weingartner zu verantworten habe. Englands Landrüstung. Tie Vorlage der Arbciterrcgierung. London, 10. März. (TU.) Bei der Aussprache über den Voranschlag für die Armee ging der La bour-Kriegsminister Tom Shaw eingehend aus die Abrüstungsfrage ein. Er betonte, er wolle keine gehässigen Unterschiede zwischen den Rationen machen, ober er bäte doch einen jeden, der ein Inter esse an der Sache der Abrüstung habe, einmal an Hand des vom Völkerbund herausgegebenen Hand" buches genau die tatsächlichen Verhältnisse zu studieren. Es stehe außer Zweifel, daß die enorme R üst ungs Verminderung bei der englisch e n A r m e e bei den anderen Ländern keine entsprechende Antwort gefunden habe. Die englische Abordnung habe nicht im geringsten den Erfolg gehabt, den man für wünschenswert halten müsse. Unter diesen Umständen sei es unmöglich, weiterhin die Politik der einseitigen Abrüstung Englands zu empfehlen. Die Ziffern sprächen dagegen, die Erfahrung spräche dagegen, Der Eindruck der Groenerrede im Ausland. Starke Erregung in der französischen presse. — Paris hält an der Kriegsschuldiüge fest. Paris, 10. März. (TU.) Die große Rede des Reichswehrministers Örocncr wird in der franzö- ischen Presse zwar stark beachtet, gibt der Mehrzahl der Blätter aber wegen ihres sachlichen Inhaltes keine Veranlassung dazu Stellung zu nehmen. Man begnügt sich vielmehr damit, die wesentlichen Punkte wörtlich wiederzugeben und unterstreicht besonders die Sätze, in denen sich Groener gegen d i e unwahren Behauptungen des franzö- isch en St r i e g 5 m i n i |t e r 5 bezüglich der deutschen Wehrmacht wendet. Ausnahme von dieser allgemeinen Zurückhaltung macht das „E ch o de Paris", das betont, es habe sich für den Reichs- wehrminister weniger darum gehandelt, den Reichswehrhaushalt zu verteidigen, als einen weit aus geholten Angriff gegen den französischen K r i e g s m i n i ft c r zu Unternehmern Hierbei habe er sich zwar nicht des Wortes „Lüge" bedient, habe aber mit großer Schärfe die Behauptungen Maginots als unwahr bezeichnet, lieber die Haltung der übrigen Parteien äußert sich das Blatt dahin, daß ihre Zustimmung zu den Aeußerungen Öroencrs nicht wundernehmen dür- en. Charakteristisch fei jedoch d i e Haltung der Sozialdemokraten. Die Erklärungen ihres Sprechers, daß es im deutschen Haushalt keine Geheimfonds für R ü ft ungs zwecke gebe, entgegen den französischen Gewohnheiten, beweise nur zu deutlich, daß die Sozialdemokraten nicht, wie man in Frankreich annehme, nur Zuschauer, sondern direkte Komplicen der deutschen R e ch t s k r e i s e seien. Der „F i g a r o" wendet sich dagegen, daß das republikanische Deutschland mit den ehemaligen deutschen Führern übereinstimmt und Lie Lüge von der Alleinschutd Deutschlands am Weltkriege energisch zurückweist. — „Paris Rouvelles schreibt, der Reichswehrminister habe gegen die französische Militärpolitik geradezu einen Prozeß eröffnet, von dem man zumindest sagen müsse, daß er inopportun fei. Man werfe den Franzosen häufig vor, daß sie zu wenig „l o c a r n i st i s ch" gesinnt seien. Der Reich anzler Brüning wurde gut tun, die Leidenschaften seiner Redner zu zügeln, ehe er Steine auf Frankreich werfe. Reden, wie die des Generals Groener und des Ministers Trevi- ranus seien dazu geeignet, die deutsch-französische Verständigung „sine die" zu vertagen. Die Pariser Abendpresse gibt in chren Kommentaren unzweideutig der Furcht Ausdruck, die sie vor der Erfüllung der deutschen Forderung auf Einsetzung eines internationalen Schiedsgerichts zur Feststellung der Kriegsschuldfrage hegt. So schreibt der nationalistische „I n t r a n s i g e a n t" , daß kein Boden schlüpfriger sei als der, auf dem man cm derartiges Gericht aufbauen wolle. Bei der Kriegsschuldfragc handele es sich um moralische Verantwortlichkeiten, die auf anfechtbaren Unterlagen und Schriftstücken beruhen. Den von den Alliierten vorgebrachten „Beweisen" könne man gegenteilige Anschauungen gegenüberstellen, die dem „Scheine" nach ebenso wertvoll seien. Für Frankreich, das als erste Macht den Beweis einer ehrlichen Abrüstung erbracht habe, sei es geradezu widerlich, sich jeden Monat von neuem gegen den Angriff wehren zu müssen, der größte militari st i che Staat der Welt zu sein. Auch die nationalistische „Liberte" weiß der Forderung Deutschlands keine stichhaltigen Gegenargumente gegenüberzustellen. Das Blatt unterstreicht lediglich, daß Deutschland nur deshalbein internationales Schiedsgericht über die Kriegsschuldsrage fordere, weil es sehr wohl wisse, daß sämtliche Verträge von 1 9 19 hierauf beruhten. Wenn es an der Revision der Kriegsschuldsrage festhalte, so wisse es sehr genau, daß sich hieraus die Revision der Verträge ergebe. Der ..Ternp s" wirft Gröner vor, auf geradezu ..unverschämte Art", auf die Aus uhrungen Maginots geantwortet zu haben. Sein Ton erinnere an denjenigen eines Kriegsministers des ehemaligen Kaiserreiches. Alles, was seit Iahren die Meinungsverschiedenheiten anfache, finde sich in den Erklärungen des Reichswehrministers wieder. Die These Sröners über den Rüstungsstand Frankreichs sei unhaltbar. Aber selbst, wenn sie wahr wäre, so könnte die zivilisierte Welt f i ch dazu nur „beglückwünschen", da gerade Frankreich mehr als andere Staaten die Auffassung vertrete, daß die Macht in den Dienst der Gerechtigkeit und des Friedens gestellt werden müsse. Deutschland habe kein Recht, sich gegen die Ausführungen Maginots bezüglich der Verantwortlichkeit am Kriege zu verwahren. Der böse Wille, den Deutschland bei der Durchführung der ihm auferlegten Verträge bewiesen habe, werde die Alliierten kaum veranlassen, den Angreifer von gestern auf gleichen Fuß mit den „Opfern" des Weltkrieges zu stellen. Die Forderung einer Revision der Kriegsschuldfrage tut das Blatt mit der Bemerkung ab, es genüge nicht, wenn sich von Zeit zu Zeit eine Stimme im Lager der Alliierten gegen die Schuld Deutschlands am Kriege erhebe, um die These der Alliierten zu erschüttern. Die Ruinen in Belgien und Frankreich zeugten noch heute für die Schuld der kaiserlichen Armeen an den verbrecherischen Handlungen, die durch amtliche Llnter- suchungen festgestellt seien. Deutschland dürfe R y b n i t, 10.März. (WTB.) Unter außerordentlich starkem Andrang des Publikums und deutscher und polnischer Pressevertreter begann heute der Prozeß wegen der am 19. November v. I. In Hohettblrken durch Aufständische verübten Terrorakte gegen Angehörige der deutschen Minderheit. An dem genannten Tage Drangen, wie seinerzeit gemeldet, in den späten Abendstunden mehrere Aufständische in die Wohnungen der der deutschen Minderheit angehörigen Personen ein. Die Wohnungen wurden vollständig demoliert und die Wohnungsinhaber und ihre Angehörigen teilweise schwer mißhandelt. Unter den A n geklagten befindet sich auch der Polizei- kommandant von Hohenbirken, St o n c 3 a , sowie der polnische Schulleiter Schymanfki. Der Polizeikommandant K 0 n c z a erklärt, daß ihmnichtsvonGewaltaktenderHohen- birkener Aufständischen bekannt sei. Die Aufständischen hätten seinerzeit einen Umzug in Hohenbirken veranstaltet, der sehr ruhig verlaufen sei. Nach diesem Umzüge habe ein Teil der Demonstranten, darunter auch er (Koncza) eine Gastwirtschaft aufgesucht und dort bis 24 Uhr gesessen, während die Gewaltakte angeblich in der Zeit von 22.30 bis 23.30 Uhr verübt worden seien. Koncza gibt eine ausführliche Schilderung über die deutsche Minderheit in Hohenbirken ab, die, nach seiner Ansicht, eine starke Propaganda getrieben habe, die Die polnische Bevölkerung in Aufregung bringen mußte. Außerdem sei Die polnische Bevölkerung von Hohenbirken auch Durch reichsDeutsche Hitlerleute a 11 Der Grenze wiederholt provoziert worden. Der 'Angeklagte S ch y m a n s k i äußert sich in gleichem Sinne. Verheerend habe nach feiner Ansicht dieRededesMinistersTreoiranus gewirkt. Nicht uninteressant ist. daß die anderen Angeklagten angeben, sie hätten mit den verletzten Minderheitsangehörigen in schön st em Einvernehmen gelebt. Schon aus den ersten Auslagen der Zeugen, die zugleich Rebenkläger sind, ergab sich ein erschütterndes Bild der Vorgänge in Hohenbirken. Wahre Schreckensszenen ereigneten sich in dem kaum ein Interesse daran haben, diese Erinnerung wieder aufzuwühlen. Keine tleberraschung in England. Der scharfe Ton der Groenerrede • gerechtfertigt. Reuy 0 rk, 10. März. (WTB.) EveningPost schreibt zu den Erklärungen des Rcichswehr- ministers Groener, es sei nichts Lieber rasch en des an dieser Rede, die jedoch angesichts ihres festen Tones eine bedeutsame Erklärung der deutschen Politik in der Abrüstungsfrage darstelle. Cs sei klar ersichtlich, daß diese Frage für Deutschland nicht länger rein theoretisch bleibe. Wenn die Darlegung des deutschen Standpunktes eine Drohung ein» schließe, so sei diese durch den Verlauf Der Verhandlungen über die Abrüstungsfrage in der letzten Dekade gerechtfertigt. Die Alliierten seien moralisch verpflicht et, dieAb- rüstungsversprechungen einzukciltcn, und im Falle eines Versagens sei es schwierig zu überblicken, unter welcher Begründung sie Deutschland das Recht, zu rüsten, verweigern könnten. Dies sei eine Herausforderung, mit der die nächste 2lb- rüstungskonferenz rechnen müsse. Hause des Schlossers S 0 l l i ch, Der nur durch einen Zufall den Banditen entronnen ist, Da er sich in seinem Schlafzimmer unter Dem Bett verborgen hatte, wo er in Der Dunkelheit nicht gefunden tourLc. In einem unbewach e.i Au. e b ck war er Dann, mir mit dem Hemd bekleidet, nach dem Hof geflohen und hatte sich irnStallver- steckt. Die Verteidigung Der Angeklagten ging Darauf aus, irgenDwie nachzuweisen, Daß Die Geschädigten bereits Durch Den Deutfchen V 0 lksbund größere Beträge erhalten hätten unD sonit Die Schäden schon abgegolten seien. Im Hintergründe stand Dabei Das Bemühen, Dem Gericht deutlich zu machen, daß es sich ja roch nur um bezahlte Agenten des so staatsgefährlicheil Deutschen Volksbundes handele. Man will Damit Dem Prozeß einen politischen Charakter geben und Den Taten der Angeklagten entlastenDs patriotische Motive unler,chicben. Der Anwalt Der Rebenkläger Dr. Zechenter verbat sich diese Fragestellung mit der Begründung, daß die Fragen nach Der Entschädigung Der Rebenkläger in das Gebiet eines gesonderten Zivil- Prozesses, nicht aber in Den vorliegenden Strafprozeß hincingehören, worauf sich das Gericht zur Beratung zurückzog. Zum nicht geringen Erstaunen wurde jedoch als Gerichtsbeschluß verkündet, daß Fragen dieser Art auch weiter zuzulassen seien. Bei der Vernehmung des Schol- tys ergab sich, daß in dessen Haus nicht wenigen als 77 Fensterscheiben eingeschlagen wurden. In die Küche drangen fünf Kugeln, eine weitere Kugel wurde in das Schlafzimmer abgefeuert, die, wenn Dort jemanD geschlafen hätte, unbedingt eine tödliche Wirkung verursacht hätte. Liese Tatbestände sind seinerzeit auch von Dem PräsiDenten Der Gemischten Kommysion, ©a Ion Der, festge- stellt worden. Es berührte eigentümlich, daß Der Gerichts- Vorsitzende immer sofort scharf eingriff, wenn d e Angeklagten auf Die Vorfälle am Wahltage selbst zuruckkommen wollten, um dadurch zu erläutern, daß Der Schulleiter S chy - Der Mdecheitenterm in Hohenbirken. Die polnischen Aufständischen vor Gericht. - polizeikommandant und Schulleiter als Führer der Deutschenhehe. und nach seiner Ansicht sprächen auch Die Aussichten auf Frieden und Abrüstung Dagegen. Die englische Regierung werde alles tun, um Den Tag herbeizu- führen, an dem die Rüstungen in Der ganzen Welt durch internationale Abkommen herabgesetzt würden. Im Augenblick sei es aber gänzlich unmö g l i ch, eine Herabsetzung vorzuschlagen. Deswegen hielten sich die in dem Voranschlag gemachten Zahlenangaben auf derselben Höhe wie im Vorjahr. Der konservative Abgeordnete Major Tryon erklärte, daß die Konservativen sich Dem Voranschlag nicht widersetzen würden, da er das Mind e st - maß dessen darstelle, was im Interesse der Nation gefordert werden müßte. Die Abrüstung müsse sich auf Dem Grundsatz gleicher Opfer aufbauen. Er hoffe, daß die englische Regierung einige Informationen über Die riesenhafte russische Armee und Deren Aufbau geben werde. Oer Tagungsort der Abrüstungskonferenz. Genf, 10. März. (TLl.) Lim ten Tagungsort Der Abrüstungskonferenz von 1932 ist jetzt ein heftiger Streit entbrannt. Vertreter Der Stadtver- waltung von Barcelona ftnD soeben hier eingetroffen, um mit Den zuständigen Stellen Des Völkerbundssekretariats zu verhandeln. Diesen Verhandlungen liegt ein großzügiges Angebot Der StaDtverwaltung von Barcellrna zugrunde, in dem u. a. Die Paläste und Ausstellungsge- bäuDe Barcelonas ter Konferenz kostenlos zur Verfügung gestellt unD kostenlose BesörDe- rung unD Unterbringung sämtlicher Beamten des VöllerbunDsfekretar'.ats sowie kostenlose Besichtigungsfahrten nach Den Balearen zu- gesichert werden. Außer Barcelona haben inzwischen auch Lausanne, Biarrth, Cannes unD Wien um Die Wahl als Tagungsort nachgesucht. Die enDgültige Entscheidung über Den Tagungsort soll auf Der Maitagung Des Völker- bundsrates fallen. Diesrelen GrweMasten fordern em neues Arbettszettgesetz. Berlin, 10. März. (ERB.) Der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbundes hielt eine Tagung ab. auf Der in einer einstimmig angenommenen Entschließung Die Einführung Der fünftägigen Arbeitswoche gefordert wurde. In Der Resolution heißt es il a.: Der Bundesausschuß lenkt die Aufmerksamkeit Der Öffentlichkeit Darauf, Daß Die Entwicklung auf Dem Arbeitsmarkt eine DauernDe Verkürzung Der Arbeitszeit erfordert, um die Arbeitsgelegenheit selbst bei besserer Konjunktur auf alle Arbeitskräfte gerecht zu verteilen. Aus diesem Grunde erhebt der Bun- desausfchuß schärfsten Protest dagegen, daß Schiedssprüche gefällt und durchgeführt werden. Die sogar eine Arbeitszeit über 48 StunDen auch für Die Zukunft festgelegt haben. Lim so einDringlicher muß Die Forderung wieDerholt tper» Den, balDigft ein neues Arbeitszeit- gesetz zu schaffen, das Die regelmäßige Arbeitswoche aus fünf Tage 0 d er 40 Stunden beschränkt. In einer weiteren, ebenfalls einstimmig angenommenen Entschließung zur Lohnfrage heißt es u. a.: Statt Der in Aussicht gestellten Belebung der Wirtschaft ist Die Arbeitslosigkeit gerade infolge Der Kaufkraft-Vernichtung erheblich Weiler gestiegen. Die Forderung Der Gewerkschaften nach Der Erhaltung Des Lohnniveaus liegt Dagegen nicht allein im Interesse Der Arbeiterschaft. Lohn und Gehälter sowie Die Summen aus den Llnterstühungen fliehen unmittelbar und restlos in Den Konsum zurück und bilden einen ständigen Antrieb des wirtschaftlichen Lebens. Der Dundesausschutz fordert daher sowohl von Der Reichsregieruna, wie von allen öffentlichen Gewalten, den bisherigen Druck auf Die Löhne sofort einzustellen und Der Arbeiterschaft gegenüber Dem Unternehmertum Den Schutz zu gewähren, Den anDere weniger gefährDete Vvlks- schichten für sich in Anspruch nehmen. manskt di« treibende Kraft der Deutsche nhetze gewesen sei. Dagegen konnte sich Schymansli selbst ungehindert über alle Ding« aussprechen und sogar erklären, baß das Verhalten der deutschen Minderheit provozierend gewesen sei. Den geschädigten Deutschen erklärte der Richter dagegen, daß hier nicht über die Sauberkeit der Wahlen zu reden sei, sondern lediglich über die Straftaten, die die 2Naterie des Prozesses bildeten. Mit Ausnahme des Zeugen Aeugebauer konnte keiner der bisher vernominenen sechs Zeugen die Angeklagten mit Bestimmtheit als Täter bezeichnen. Rur Aeugebauer, dessen Schilderung starken Eindruck auf Gericht und Publikum machten, will einen der Angeklagten, und zwar Popella, wiedererkennen. Wie fürchterlich die Aufständischen Aeugebauer mißhandelt und seine Wohnung demoliert haben, ergibt sich schon daraus, daß der erste Polizeikcnnmandant von Hohen- birken, der am folgenden Tage bei Aeugebauer eine Besichtigung vornahm, sich zu ihm äußerte: „Diejenigen, die das gemacht hätten, seien keine Menschen mehr, sondern Schweine!" Sonst geht aus den Aussagen der Aebenkläger deutlich hervor, daß fast in allen Fallen die Aufständischen sich den Zugang zu den Wohnungen der äleberfallenen verschafften, indem sie sich als Polizisten ausgaben, ferner, daß es sich bei den Tätern durchweg um Leute handelt, die schon eine gewisse älebung für Lleberfälle hatten. Das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft. Bolksparteilicher Auflösungsantrag im Finanzausschuß abgclehnt. WHP. Darmstadt. 10. März. 3m Finanzausschuß begann die Beratung des Etats des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft. Minister Korell erklärte: Insgesamt betrügen die Einsparungen im Etat 145 565 Mk. Abgebaut sei das Gewerbemuseum und, zum großen Teil, das Landesgestüt, wodurch jetzt schon Ersparnisse von rd. 40 000 Mk. einträten. In Ober Hessen sei probeweise die Feldbereinigung mit dem Dermessungswesen zusammengelegt. Wegen der Aichtaushebung von Kreisen könne jetzt eine Gewerbeinspeklion nicht eingespart werden. Auf bem Gebiete des landwirtschaftlichen Schulwesens würden durch Vereinfachungen, wenn auch vielleicht nur vorübergehend, weitere Ersparnisse erzielt. Di« Bezüge des Direktors der Landwirtschaftlichen Versuchsstation seien eingespart. Die geforderten neuen Ingenieurstellen für die Dampfkesselinspektionen habe er wieder fallen gelassen, da mit einer Abnahme der Automobilprü- fungen gerechnet werden könne. In dem volksparteilichen Antrag, das Ministerium für Arbeit und Wirschaft a u f z u l ö s e n. erblicke er keine persönliche Spitze, doch sei das Gesamtministerium der Ansicht, daß er aushalten müsse. Der Landbund beantragte, 30 Prozent der Stellen zu streichen; den volksparteilichen Antrag auf Auflösung des Ministeriums lehnt der Lanibund ab. Die Deutsche Volkspartei betonte, daß ihr Antrag auf Au Hebung des Ministeriums keine persönliche Spitze in sich berge. Der Lanb- b"nd-Antrag auf Streichung von 30 Prozent der Stelen sei undurchführbar. ^ine längere Aussprache entspann sich über Preissenkungsfragen, wobei der Minister hervorhob, daß beim Preisabbau keine Geschäfte ruiniert werden sollen; doch müsse das „Verdienen" entsprechend der Aot der Zeit etwas kleiner geschrieben und die Handelsspanne verringert werden. Der zuruckgehende Umfang Les Geschäfts sei nicht auf den Preisabbau, . sondern auf die gesunkene Kaufkraft in allen Schichten des Volkes zurückzusühren. In Berlin ^habe er die Festsetzung von Produzentenmindestpreisen und von Konsumentenhochstpreisen bean- trägt, dafür aber kein Verständnis gefunden. In der Abstimmung wurden der Landbund- Antrag auf Streichung von 23 Stellen, der volksparteiliche Antrag auf Aufhebung des Ministeriums unb auf Streichung einer Oberrechnungsratsstelle (Sekretär des Ministers) abgelehnt. Kleine politische Nachrichten. Die Verhandlungen zwischen Reichsbahn und Gewerkschaften über eine Lohnsenkung wurden fortgesetzt. Da die Gewerkschaften jedes Eingehen auf die Forderungen der Reichsbahn ablehnten und die Aufrechterhaltung der bestehenden Löhne verlangten, haben die Verhandlungen zu keinem Ergebnis geführt. Die Reichsbahnhauptverwaltung wird nunmehr die Einleitung eines Schlichtungsverfahrens beantragen. Di« braunschweigische Regierung hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der d e n 1. Mai a l s gesetzlichen Feiertag abschafft. Der 1. Mai war schon einmal als gesetzlicher Feiertag beseitigt; die letzte soziäl- demolratische Regierung hatte ihn wieder zum Feiertag erhoben. * Die „Kreuzzeitun g", das älteste Berliner Blatt der Rechten, das jetzt im 83. Jahrgänge steht, wird am 1. Juli d. I. ihr Erscheinen einstellen. Zu diesem Termin ist sämtlichen Redakteuren und Mitarbeitern mit der Begründung gekündigt worden, daß weitere Verlagsmittel zur Fortführung des Unternehmens nicht mehr vorhanden seien. Versuche, das Blatt durch Druckgemein- schäft mit einem anderen Rechtsblatt, aber ohne eigene Redaktion, zu erhalten, sind noch Gegenstand von Verhandlungen. Di« polnische Presse beschäftigt sich mit einer Erklärung des Leiters des Finanzministeriums, Oberst Matuschewski, wonach das Defizit im laufenden Finanzjahr 1930/31 50 Millionen, und im kommenden Finanzjahr ungefähr 300 Millionen Zloty betragen wird. Matu- schcwski kündigte an, daß er, wenn notwendig, zur teilweisen Deckung dieses Defizits die Beamtengehälter um 15 Prozent kürzen werde, was eine Ersparnis von 200 Millionen Zloty bringen würde. Die Blätter vermuten, daß diese Maßnahmen am 1. Juli b. 3. in Kraft treten werden. * Der Kaiser von Japan empfing den japanischen Ministerpräsidenten Hamagutschi, der wieder seinen Dienst aufnahm. Bis jetzt war er durch die Folgen des Attentats verhindert sein Amt auszuüben. An demselben Tage empfing der Ministerpräsident den britischen, italienischen und französischen Botschafter, von denen er sich über das zustandeaekomene Marineabkommev unterrichte» keß. des Reichstandbmides. und Osthilfe werden als unzureichend bezeichnet. tonte Kampfansage Agrarvorlagen Berlin, 10.März. (TU.) Der Reichsland, b u n d teilt mit: „Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat den Bericht des geschäftsführenden Präsidenten, Grafen von kalckreulh, ent- gcgengenommen und billigt die Haltung und Maßnahmen, die das Präsidium in Auswirkung der üampfbeschlüsse vom diesjährigen Reichslandbundlag ergriffen ha«. Ausdrücklich erklärt auch der Bundesvorstand die seitdem bekanntgewordenen Agrarvorlagen einschl. der Ost Hilfe für unzureichend, insbesondere wegen Richtberücksichtigung unserer Forderungen auf dem Gebiete der allgemeinen Lasten- senkung und der innerwirtschaftlichen Maßnahmen, sowie des Fehlens jeder Garantie für sofortige und ungeschmälerte Durchführung der Zollmahnahmen. Den innerhalb und außerhalb der Reichsregierung verstärkt zu Tage getretenen landwirtschastsfeind- lichen Kräften gilt nach wie vor unser s ch ä r f st e r Kampf. Eine Einwirkung auf die Parteien in den gegenwärtigen, rein politischen Entscheidungen, lehnt der Bundesvorstand ab. Die Verantwortung für die augenblickliche Lage und die weitere Entwicklung der Gesetzgebung auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete liegt ausschließlich beim Reichskabinelt und den par- leien." * Di« Entschließung wird in den Berliner Zeitungen lebhaft besprochen. Während di« ,.D t s ch. Tageszeit un die Entschließung mit warmen Worten begrüßt und die „Deutsche Zeitung" von einem folgerichtigen und unaufhaltsamen Einschwenken des deutschen Landvolks in Vie Front der nationalen Opposition gegen das Kabinett Brüning-Schiele spricht, betont die „G e r m a n i a" mit Rachdruck, daß die Reichsregierung mit der Osthilfe und dem Qlgrajr» Programm b i s an die Grenze dessen gegangen sei, was finanz- und handelspolitisch unter den gegenwärtigen Verhältnissen möglich sei. Das Blatt bezweifelt, daß sich der Reichslandbund als geschlossene Organisation in die Front Hitler-Hugenberg einreihen lassen wird, weil die gestrigen Auseinandersetzungen im Bundesvorstand den Gegensatz zwischen der politisierenden und der berufsständigen Gruppe des Landbundes in einer Weise beleuchtet hätten, daß feine Uebcrbrückung durch «ine „Entschließung" auf die Dauer kaum möglich erscheine. Auch nach Ansicht der „V o s f. Zeitung" ist mit der vorliegenden Entschließung das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Scheidung der Geister, die vollzogen sei, werde die Scheidung in getrennte Organisationen folgen. Das Blatt fommt zum Schluß, daß eine Spaltung des Reichslandbundes unvermeidlich geworden ist. Die „D. A. Z." erklärt, daß man verschiedener Meinung darüber fein könne, ob Kampfbeschlüss« oder undankbare realpolitische Tagesarbeit die zweckmäßigsten Mittel seien. Man müsse aber die Zwangslage, in der sich der Landbund befindet, zu würdigen suchen und die Entschließung so deu« ton, wie sie es angesichts der organisationspolitischen Lage verdient. Aus aller Well Der Kasseler Kommunistenprozeß. Nach dem unerfreulichen Zwischenspiel am Montag konnte am Dienstagoorrnittag der große Kasseler Kommunistenprozeß in der vorgesehenen Weise beginnen. Die angeklagten 97 Kommunisten und zahlreiche Parteigänger hatten zwar auf einem geschlossenen Anmarsch zum Gerichtsgebäude nicht verzichtet, aber der Zug führte diesmal keine Musik und keine Transparente mit sich. Bei Feststellung der Personalien ergab es sich, daß ein großer Teil der Angeklagten erheblich vor- b e st r a f t ist. Bei der Vernehmung widerrief der Angeklagte Karl Becker die in der Untersuchungshaft gemachten schwer belastenden Aussagen. Er habe sie lediglich gemacht, um aus der Haft entlassen zu werden. Die Angeklagten schildern den Hergang bei der Versammlung in Grebenstein übereinstimmend. Angeblich sei der Krawall im Saale des Restaurants „Reichskanzler" dadurch entstanden, daß die bereits anwesenden Nationalsozialisten eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlung die in den Saal eintretenden Kommunisten hinauswerfen wollten und daß sich die Kommunisten dann zur Wehr gesetzt hätten. Zum Schluß der Verhandlung gegen 19.30 Uhr hatte sich vor dem Gerichtsgebäude eine riesige Men« schenmenge angesammelt, um den Zug der Angeklagten zu begleiten. Als diese erschienen, ertönten laute Heilrufe. Mit Musik zog dann der mehrere 100 Menschen starke Zug in die innere Stadt. Elly Beinhorn vor dem Rückflug. Die Afrikaftiegerin Elly Beinhorn, deren Ans- gäbe, mit ihrem Klemmflugzeug die Arbeiten der Expedition des Forschers Dernahki in Portugiesisch - Guinea zu unterstützen, zum größtenteil beendet worden ist, beabsichtigt in den nächsten Tagen Brssao zu verlassen und über hie geplante Strecke Timbuktu—Sahara-3talicn nach Deutschland zurückzukehren. Die größte Schwierigkeit bereitet auf dieser Strecke die Brennstoff- Versorgung in der Sahara, die aber jetzt restlos gelöst ist. Auf mehr als acht Stationen ist durch den Shell-Konzern Brennstoff deponiert worden. 3n einem Falle mußte das Benzin in einem in die Erde eingebauten Tank der Compagnie-Transsaharienne, die den Autoverkehr durch die Sahara durchführt, im sog. Bidon Rr. 5, der 500 Kilometer weit mitten in der Wüste liegt, gelagert werden. Zu diesem Tank erhält Elly Beinhorn von der Transsaharienne einen Schlüssel, damit sie sich selbst mit der^ nötigen Benzin» menge versorgen tann. Der Rückflug führt über rund 9000 Kilometer, di« voraussichtlich in etwa drei Wochen Überfl o g e n werden können. Man muß also mit der Rückkehr der Fliegerin zu Anfang April rechnen, wenn nicht irgendwelche Schwierigkeiten des Fluges auftauchen, die naturgemäß bei dieser Strecke nicht so leicht zu beheben sein dürsten. Segelflieger hirth über den Dächern Reuyocks. Der bekannte Segelflieger Wolff Hirth führte einen aufsehenerregenden Segelflug über den Dächern der Häuser Reuyorks am R.versid« Drive und der 164. Straße aus. Er stieg nachmittags aus, schraubte sich. zu einer Höhe von etwa 300 Metern hoch und segelte über eine Stunde über den Häusern. Da die Umgebung während der Flugdauer polizeilich ab- gesperrt wurde, ging Hirth vorzeitig nieder, obwohl er weit länger hätte in der Luft bleiben können. Der Flug fand im Beisein von tausenden Zuschauern, Berichterstattern und Filmleuten statt. Die Kälte in England. Aus ganz England und Schotlland werden starke Schneeverwehungen gemeldet, die in den nördlichen Teilen des Landes ganz besonders ernst sind und zu zahlreichen Verkehrsstörungen geführt haben. Es werden acht Todesfälle berichtet, die teils direkt auf die Kälte, teils auf sonstige Tlnglücksfälle in Verbindung mit dem Frost zurückzuführen find. Eine getoaltige Bo« schlug über das Vorschiff des 20 000-Tvnnen-Cunard-Dampfers „Laeonia" und spülte zwei Mann über Bord. Ein Fischdampfer strandete an der sckottifchen Küste. Dasselbe Schicksal erlitt ein Fischdampfer bei den Orkney-3nfeln. Eine große Anzahl von Ozeandampfern erlitt starke Verspätungen. Die „Dresden" und „Europa" meldeten, daß sie mit je zwölf Stunden Verspätung eingetragen wären. Schwere Schneestürme in Kanada. Ottawa und Zentral-Kanada erlebten in der Zeit dvm Sonntag und Montag den schwersten Schnee st urm dieses Winters. Es ist fv viel Schnee in den Straßen gefallen, wie im ganzen Monat März des vorigen 3ahres. Der heftige Wind hat Schneewehen in Höhe von 3 b i s 4 Oll e ter erzeugt, die quer über die Straße verlausen und den Verkehr so gut wie unmöglich machen. Der Telephondienst wurde durch den Sturm an vielen Stellen unterbrochen und auch die Bäume haben erheblichen Schaden erlitten. Ein Wiesbadener Student in den Alpen tödlich verunglückt. Eine Gruppe Wiesbadener Studenten fuhr unter Führung des autorisierten Bergführers Wicht von der Wiesbadener Hütte im Partnautale zur Iarntalhütte. Bei der Ab'ahrt über den 3am> glekscher kam der Student Karl Zyperek aus Wiesbaden aus der Spur im Hang der Steilmoräne und rutschte mit einer Lawine ungefähr 10 Meter ab. Die übrigen Teilnehmer begannen sofort mit den Rettungsarbeiten; es gelang ihnen auch, Zyperek, der in einer Tiefe von einem Meter im Schnee lag, nach 25 Minuten wieder vollständig fveizurnachen. Die an- gestellten Wiederbelebungsversuche blieben jedoch erfolglos. Sechs Arbeiter von einer Lawine verschüttet. Eine Gruppe von sechs Arbeitern war mit Ausgrabungsarbeiten vor dem Eingang eines TunnelsinFormazzo beschäftigt, als sie von einer riesigen Lawine verschüttet wurde. Obwohl aus den umliegenden Dörfern Hilfsmannschaften heran- gezogen wurden, ist es noch nicht gelungen, die Verunglückten zu bergen. Schweres Autounglück, Ein schweres Autounglück ereignete sich auf der Düsseldorf—Huppenrather Chaussee. Ein mit vier Personen besetzter Personer.krastvagen geriet beim Ausweichen ins Schleudern und fuhr gegen einen Baum. Der Anprall war so stark, daß der Direktor Pipver aus Düsseldorf auf ber ©teile tot war. Ein anderer Insasse wurde leicht verletzt, während der dritte Insasse und der Chauffeur wie durch ein Wunder mit dem Schrecken davonkamen. Der Wagen wurde fast völlig zertrümmert. Rach Angabe des Führers des verunglückten Wagens soll der entgegenkommende Lastkraftwagen nicht abgeblendet haben. Lin englischer Versicherungsschwindler hingerlchlel. Der Mörder R o u e s , der im Rovember einen Unbekannten in seinem Auto verbrannt hat, um die Versicherungssumme für sich einzustreichen, wurde am Dienstagvormittag in dem Bedford-Gefängnis gehängt, lieber 2000 Menschen, zumeist Frauen und Kinoer, warteten trotz der bitteren Kält« vor den Gefängnistoren, bis die Rachricht von der Hinrichtung angeschlagen wurde. Roues hat bis zum letzten Augenblick an der Behauptung festgehalten, daß er unschuldig sei. Die Feuerwehr in Berlin rettet drei Menschen aus Todesgefahr. Ein gefährlicher Dachstuhlbrand entstand in der Schützenstrahe in Berlin-Steglitz. Als die Feuerwehr mit zwei Rohrleitungen zum Angriff vorgehen wollt«, ertönten plötzlich ausdenGie- b e l f e n ft e r n der im vierten Stock befindlichen Mansardenwohnungen gellende Hilfeschreie. Drei Personen, eine 66jährige Greisin und zwei junge Mädche , 17 und 19 Jahre alt, waren im Schlafe von dem Brand überrascht worden und konnten sich durch Flammen und Qualm hindurch nicht mehr den Weg ins Freie bahnen. Die Feuerwehr ließ sofort einen Rettungstrupp Vorgehen, der mit Aexten die Süren der beiden Wohnungen einschlug und die Gefährdeten mit Hilfe von Rauchschuhmasken inSicherheit brachte. Kunst und Wissenschaft. Jugendpreis Deutscher Erzähler 1930. Berlin, 11. März. (WTB. Funkspruch.) Um den diesjährigen Iugendpreis, der dem Verbände Deutscyer Erzähler von der Deutschen Buchgemeinschaft alljährlich in Höhe von 10000 Reichsmark gestiftet und im Einvernehmen mit dem Preußischen Kultusministerium verteilt wird, haben sich für das letzte Ausschreiben 91 Schriftsteller unter dem 40. Lebensjahre beworben. Das Preisgericht hat den Preis an Joseph Martin Bauer aus Dorfen in Oberbayern für seinen Roman „Achtsiedel" erteilt Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 11. März 1931. Gefiederte Gäste aus Rußland. Don Studienrat Ernst Holzel. Zu den auffallendsten Erscheinungen unserer winterlichen Vogelwelt gehören die großen Krähenflüge, die mitunter Aecker und Wiesen schwarz erscheinen lassen, die treue Begleiter des Mist fahrenden Dauern sind und die sich allabendlich an gemeinsamen Schlafplätzen vereinigen. Gegen Ende Oktober pflegen meistens die ersten Flüge auch die Aufmerksamkeit des Richtornithologen zu erwecken. Diese Schwärme bestehen in der Hauptsache aus Saatkrähen. Stolzieren sie in der Wintersonne über den Acker, so schillert ihr schwarzes Kleid in metallischem, bläulichem oder violettem Glanz, während dort, wo Schnabel und Kopf zusammenstohen, sich eine weißliche, grindig« Zone befindet. Die Saatkrähe ist bei uns in Oberhessen ein seltener Drutvogel geworben, der deswegen verhältnismäßig leicht zu vernichten war, weil er gesellig in Kolonien zu brüten pflegt. Die einzige größere Kolonie in Hessen dürfte wohl noch bi« auf bem „Kühkopf" bei Oppenheim fein. Die großen FlügL können also bei uns ihre Heimat nicht haben. Wie sie im Herbst kamen, so verschwinben sie im März/April triebet in nordöstlicher Richtung. Durch bas gefcinge Brüten eignet sich die Saatkrähe sehr gut für den Deringungsversuch. Es wirb leicht möglich sein, eine größere Zahl von Restjungen durch Fußringe zu zeichnen. Da aber bie Krähen in verhältnismäßig großer Zahl in bie Hanb des Menschen gelangen (Abschuß durch Jäger und Flurschühen), besteht auch begründete Aussicht, gezeichnete Tiere wieder in die Hand zu bekommen. Ein solches Schicksal hatte auch die Saatkrähe, die am 14. Januar 1931 auf dem Gelände bet Heil- und Pflegeanstalt in Gießen erbeutet wurde und deren Fußring mir zu gestellt wurde. Seine Bezeichnung „Moskwa 10 483 D“ beutete auf die russische Heimat des Tieres hin. Durch gütige Unterstützung der deutschen Vogelwarte in Rossitten erfuhr ich, daß es sich um ein Tier handelt, das von der „Biologischen Station junger Raturalisten" in Moskau beringt worden ist. Die von diesen russischen Vogelzugforschern durchgeführten planmäßigen Beringungen haben zur Wiederaussindung einer größeren Zahl von Ringvögeln geführt und lassen uns dadurch heute schon einen Einblick in den Zug der russischen Saatkrähen tun. Die Beringungsorte liegen alle nordwestlich und nordöstlich von Moskau. Von dort geht der Zug nach Südwesten über Polen nach Deutschland und weiter nach Frankreich, wo in der Bretagne der von der Deringungsste'le am weitesten entfernt« Fundpunkt liegt. Wir haben also auch hier das Bild eines deutlichen Oste West-Zuges. Das Beringen der Vogel zur Erforschung ihrer Biologie hat nur dann Sinn, wenn beim Erbeuten eines gezeichneten Bogels so verständnisvoll verfahren wirb, wie in unserem F"lle. Der Ring kann seine Ausgabe nur bann erfüllen, wenn er unter genauer Angabe bet näheren Timstände seiner Erlangung an die Ausgabestelle zurückgeht. Das ist eine leichte Mühe, mit der dem wissenschaftlichen Forschen ein großer Dienst geleistet werben kann. Ein Ring, ber irgendwo in einer Schublade als Kuriosität ruht, hat seine Aufgabe verfehlt. Daten für Donnerstag, 12 März 1607: der Dichter Paul Gerhardt In Gräfenhainichen geboren; — 1831: der Dichter Friedrich von Matthisson in Wörlitz gestorben; — 1909: Hermann Julius Meyer, Inhaber des Bibliographischen Instituts in Leipzig, gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: „Rachtasyl', 19.30 bis 22.30 älhr. — Sparerbund: Oeffentlicher Lich b.l^ervor.rag, 20.15 Mr, im „Prinz Carl", Seltersweg. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Privatsekretärin". — Aus dem Stabtthearerbureau wird uns geschrieben: Heute, 19.30 Uhr, Maxim Gorkis Szenen aus der Tiefe „Rachtasyl" unter der Spielleitung Walter Bäuerles. — Samstag, 14. März, 20 Tlhr, findet als Vorstellung im Freitag-Abonnement das einmalige Gastspiel des Komikers Max Adalbert mit seinem Berliner Ensemble statt. Dies Gastspiel wird wegen Adalberts mehrjähriger Verpflichtung beim Film zu- nächst das letzte Auftreten in der Provinz sein und daher einem langen Abschied von diesem Darsteller gleichkommen. Adalbert gastiert mit dem erfolgreichsten Lustspiel ber letzten Berliner Saison „Der Mann der schweigt" von O. Malin, das den Berliner Spielplan monatelang beherrschte. Zehnerkarten haben keine Gültigkeit; für Abonnenten ermäßigte Operettenpreif«, sonst Operettenpreise. •• Hohe Ehrung eines Feuerwehr- Veteranen. Reichspräsident v. Hindenburg hat dem Inhaber der Gastwirtschaft „Zum Schiptapaß", Jean Arnold, anläßlich seiner 51jähr'.g«n Zugehörigkeit zur Freiwilligen Gail- sch«n Feuerwehr durch Schreiben vom 10. März d. I. seine herzlichsten Glückwünsche und besondere Anerkennung für die treuen Dienste ausgesprochen, die der Jubilar mit vorbildlichem Pflichtbewußtsein und in hingehender Arbeit für das Gemeinwohl geleistet hat. ** Keine Beförderung vonWertsen- dungen beiRacht. Dor der Lberpostdirektion Darmstadt wird mitgeteilt: Wegen der zunehmeir- den Gefahr von Raubüberfällen auf Landkraft- posten sieht sich die Deutsche Reichspost gezwungen, die Mitnahme von Geldern undWert- sendungen durch bie Landkrastpo.ten bei Fahrten in ber Dunkelheit einzustellen. Dadurch erfährt die Einlieserungsmöglichkeit bei den an Lanbkraftpostlur,en gelegenen Postdienststellen bis auf weiteres gewisse Einschränkungen, die von der Oefsentlichkeit vorübergehend in Kauf genommen werden müssen. ** Weitere Einschränkung der Heilbehandlung für Kriegsbeschädigte. Dom Verband der Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen in der Kriegerkameradschaft „Has- fia" wird uns geschrieben: Anerkannte Kriegsbeschädigte ohne Rentenbezug hatten bisher einen von keiner Seite besttittenen Rechtsanspruch auf freie Heilbehandlung für die als Folgen einer Dienstbeschädigung anerkannten Leiden, wenn dadurch eine Verschlimmerung dieser Leiden verhütet wurde. Das Reichsarbeitsministerium hat nunmehr durch einen Erlaß diesen Rechtsanspruch bestritten und die Versorgungsbehörden angewiesen, solchen Kriegsbeschädigten hinfort nur noch befristete Hell behandlung ohne Barbezüge als Kann-Anspruch yi S-SZ esse -"«2 der Sw sondern den m »ettl s-chs-^ •SSW h-rigen LS-US en^e^'L-enL Friedberg BÄ’J SÄSfS Schülerinnen str Ss b der Frage der Linsührung n Obersyldiendircktvr daraus hin, dah an d nMMchere'Ngck'hr leichterungen stcn 5 oder 6 3ahtt ! von Büchern bei der L nen. Aus Elternkreisen beit der Wunsch grau lerinnen bei der tagltt büchern dadurch Erleio dah die an bem jetuetl erforderlichen Tücher ; können, um hierdurch päcks zu erleichtern Kalbsleisch betont. Weitung mit diese weiter, die Kinder b Bücher mit, die an d erforderlich seien, so sein werde, an tzand' fen, welche Tücher das 3n längerer AM mit einer aus Eltern Ergänzung der Ridjl nach der Lichtung h Möglichkeit erhalte, n genheit der gemcinsan körper gegebenenfalls ohne die Lehrerschaft t fragen obzuhallen Sie nahezu einstimmig für beginn des neuen 6d Mähren. Der Berban Kriegerhinterbliebenen bundes „Kysshäuser" dah die Nolverordnun 26 7.1930, auf die sich hierbei beruft, keine g solche Schmälerung ber beschädigten bietet, un M Entscheidung vor bi Morden der Reichst * Asro jn Qje£, jreifag, 13,, Samstag, möen in den Palast-l P'ele ber Afra statt, bie A. plul Hugo Gans Wankenlefetunst beim raren in vielen Stabt groge Erfolge erzielte. N^/ufmerlsamk - n, 'm Rahmen ihre S»! S M i, SB« zentration Ä ?“5 wische b,e|el LL-PS SffläS! bem £ d'e C lief) des Unberr ^ortleiltujq Afra He Quf\?'e "-cht chillers S für Ästiger ,. Det IOnber51 «Ung), dessen ^-hen .».„in ^5 matt ., d1 % klierte? Schlüsse-L fcröÄ1' U,, kÄflfiArt'21 Lg, 12 Mrz. iert)QTbt In ®räjent)ab t Dichter Friedrich von )en; - 1909: tzermonn i Bibliographischen In- I« ■6iS* »»In« Mr UrJ) Kben *N Wf bcL Jjatti Ä(?ateini' 1° wAZt 6QQthäb^ ^*8SS dort, Lkrb »Ar: Minden n» „ Ellcher Richtung sich ngungsversuch L «rohere Zahl »Selchnen. Da <&v ll9 grober Saßlin »“4 3J®^ begründet Wiiaj hatte aach dir 111931 aus drm De, AE h®i=6m» te« LHum ein ^u-lvgischm 6taiior. beringt Vörden "ogelzugforschern -oemgungen haben ' gröberen Zahl von en uns dadurch heute 1 Zug der russischen Mgsorte liegen olle von Moskau. Bon idlveslen über Polen nach Frankreich, wo >er DerinMgLstelle ?unkt liegt. Mr ha. eines deutlichen Oft zur Erforschung ihrer , wenn b:im Erbeuten v txrständnisvoll totem F">le. 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Aach kurzen Begrüßungsworten des Dorsihen- den des ElternbeiratS, Landgerichtsrat Trürn- p e r t, beschäftigte man sich zunächst mit dem Sechs- SlundenVorrnittag. Der Leiter der Studienanstalt. Oberstudiendirektor Dr. Kalbfleisch, berichtete, daß die Schulleitung anfänglich Bedenken gegen diese Einrichtung gehabt habe, die aber durch die bisherigen Erfahrungen zerstreut worden seien. Heute sei man im Lehrkörper mit dem Sechs-Stunden» Bormittag im großen und ganzen zufrieden und mit seiner Beibehaltung einverstanden. Aamens der Elternschaft brachte der Vorsitzende des Elternbeirats. Landgerichtsrat Trümpert, auch das Einverständnis der Eltern zum Ausdruck. Einer Anregung aus der Mitte der Versammlung entsprechend, für die an der Strecke Gießen— Friedberg wohnenden Schülerinnen auf die Schaffung einer günstigeren Zugverbindung mittags nach Schullchluß in Richtung Friedberg bei der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. hinzuwirken soll Rechnung getragen werden. Ob die Zahl der Schülerinnen für eine solche Mittagszugverbindung ausreichend sein wird, erscheint allerdings zweifelhaft. Die Versammlung beschäftigte sich sodann mit der Frage der Einführung neuer Schulbücher. Oberstudiendirektor Dr. Kalbfleisch wies daraus hin. daß an der Studienanstalt erst 1928 neue Bücher eingeführt und dabei weitgehende Erleichterungen zugestanden wurden Für die nächsten 5 oder 6 Jahre sei mit der Neueinführung von Büchern bei der Studienanstalt nicht zu rechnen. Aus Clternkreisen wurde bei dieser Gelegenheit der Wunsch geäußert, es möchte den Schülerinnen bei der täglichen Mitführung von Lehrbüchern dadurch Erleichterung geschaffen werden, daß die an dem jeweiligen Unterrichtstage nicht erforderlichen Bücher zu Hause gelassen werden können, um hierdurch das Gewicht des Schulgc- päcks zu erleichtern Oberstudiendirektor Dr. Kalbfleisch betonte das Einverständnis der Schulleitung mit diesem Wunsch« und bemerkte weiter, die Kinder brächten vielfach von selbst Bücher mit, die an den jeweiligen Tagdn nicht erforderlich seien, so daß es Sache der Eltern sein werde, an Hand des Stundenplanes zu prüfen. welche Bücher das Kind zu Hause lassen könne In längerer Aussprache beschäftigte man sich mit einer aus Elternkreisen beantragten Ergänzung der Richtlinien für den Llternbeirat nach der Richtung hin, daß die Elternschaft die Möglichkeit erhalte, neben der bisherigen Gepflogenheit der gemeinsamen Beratung mit dem Lehrkörper gegebenenfalls auch eine besondere Tagung ohne die Lehrerschaft zur Besprechung von Schulfragen abzuhalten Die Versammlung entschied sich nahezu einstimmig für diese Neuregelung, die von Beginn des neuen Schuljahres gelten soll. Hierauf brachte der Vorsitzende an Hand einer Anfrage aus der Elternschaft die in manchen Kreisen der Bürgerschaft umlaufenden Gerüchte über eine angebliche Aufhebung der Studienanstalt zur Sprache Die Anstall bestehe fetzt seit 6 Jahren. Wenn auch die Finanzlage der Stadt nicht rosig sei und der Stadtrat noch Möglichkeit sparen müsse, würde doch eine Aufhebung der Studienanstalt ein sehr bedauerlicher Rückschritt auf dem Gebiete der Mädchenbildung sein. Wenn man den Frauen gleiche Pflichten und Rechte im Staate zuweise, müsse man ihnen auch das Recht auf eine ausreichende Vorbildung zum Beruf einräumen. Uebrigens fei es auch recht und billig, wenn in Gießen neben drei höheren Knabenschulen eine entsprechende Bildungsanstalt für Mädchen beibehalten werde. Erfreulicherweise bestehe zur Zeit für die Studien- a n ft a 11 keine Gefahr da die städtischen Körperschaften in dankenswerter Weise bereit seien, gegenwärtig wieder die erforderlichen Mittel für das neue Schuliahr zur Verfügung zu stellen Es sei aber heute schon dringend zu wünschen, daß auch für die weiteren Jahre alles getan werde, um den Fortbestand der Studienan- ft a 11 n i d) t i n Frogezu st e l l e n An der Aus- spräche über diese Angelegenheit beteiligten sich Oberstudiendirektor Dr Kalbfleisch Stadtratsmitglied Prof. Brüning, Frau Prof Kramer, einige Herren von auswärts und der Vorsitzende. Uebereinftimmend wurde dabei die unabweisbare Notwendigkeit der Beibehaltung der Studienan st alt betont Deren 3 oberen Klassen wurden bisher von 67 Schülerinnen besucht vom neuen Schuljahr ab seien es 90, die aus allen Kreisen des M'ttelstandes und z T auch aus Arbeiterfamilien kommen. Im Stadtrat sei kein Antrag auf Aufhebung der Studienanstalt gestellt worden, man sei dort vielmehr der Ansicht, daß die Anstalt erhalten werden müsse. Uebrigens würde eine etwaige Aufhebung der Studienonstalt auch unangenehme Rück- Wirkungen auf das Lyzeum zur Folge haben, die für niemand erwünscht sein könnten Wenn auch unter den gegenwärtigen Verhältnissen non der Versammlung keine Entschließung gefaßt wurde, so ging doch die einstimmige Stellungnahme der Versammlung dahin, daß die Studienan- st alt unter allen Umständen aufrecht- erhalten werden muß. Als letzten Punkt der Tagesordnung besprach man noch Me neuesten Anordnungen der Regierung über die Ausnahme- und versehungsbestimmungen. Es wurde dabei von zahlreichen Damen und .Herren Kritik geübt an den Neuerungen, die künftig für die Ausnahme von .Kindern au« der Grundschule in höhere Schulen und für die Versetzungen gelten sollen, und die besonders eine Prüfung der jüngeren Kinder schaffen. Hiergegen nahm die Elternschaft mit Entschiedenheit Stellung, da sie von diesen Prüfungen ein schweres Hemmnis für das Fortkommen der noch jungen Schulkinder befürchtet. Es wurde einhellig der Erwartung Ausdruck geg bm. daß in dieser Hinsicht noch nicht das letzte Wort gesprochen sei und daß seitens der Schulleitungen die Ansichten der Elternschaft an maßgebender Stelle ausreichend zur Kenntnis und Beachtung gebracht werden gewähren. Der Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen des Deutschen Reichskrieger- bundes „Kyfshäuser" steht auf dem Standpunkt, daß die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 26 7. 1930, auf die sich das Reichsarbe tsministerium hierbei beruft, keine genügende Handhabe für eine solche Schmälerung der bisherigen Rechte der Kriegsbeschädigten bietet, und er beabsichtigt, diese Frage zur Entscheidung vor die hierfür zuständigen Spruchbehörden der Reichsversorgung zu bringen. ** Afra in Gießen Man schreibt uns: Am Freitag, 13., Samstag, 14., und Sonntag, 15. März, finden in den Palast-Lichtspielen Sensations-Gastspiele der Afra statt, die in der Zusammenarbeit mit Dr. phil. Hugo Ganske sich auf dem Gebiete der Gedankenlesekunst betätigt und mit ihren Fähigkeiten in vielen Städten des In. und Auslands große Erfolge erzielte. Die Darbietungen verdienen besondere Ylufmerksamkeil deshalb, weil die Künstlerin im Rahmen ihrer Kunst alles Uebersinnliche ablehnt und lediglich durch eine systematisch gesteigerte Konzentration des Willens zu den Eigebnisfen gekommen ist, die sie in die Lage versetzten, die Gedanken anderer Menschen aufzunehmen, Vorgänge der Vergangenheit lebendig werden zu lassen, Zusammenhänge zwischen Dingen und Menschen aufzuzeigen, ohne daß eine materielle Brücke zwilchen der Künstlerin und ihrem Partner, bzw. dem Publikum besteht. Das Problem der Willenskonzentration, so schreibt man uns u a. weiter, zum Zwecke der Gedankenübertragung wurde von beiden in ernsthaften Experimenten studiert, durch Uebung ein immer zuverlässigeres Erperirnent erzielt. Das Paar machte also dieselbe Erfahrung, die jede systematische Uebung einer Begabung, fei sie geistiger oder körperlicher Natur, machen läßt. Die im Falle Afra zum Ausbau gelangte Begabung entbehrte aber der Hilfsmittel einer allgemeingültigen Lehrmethode, die sonst jedem Talent zur Verfügung steht. Das Paar mußte die Gesetze seiner Arbeit erst aus dem Reiche des Unbewußten ertasten. Voraussicht- . lich wird der Fall Afra ein Einzelfall bleiben. Eine Sportleistung, die nicht nachgeahmt werden kann, weil sie auf dem zufälligen Sichfinden zweier sich durchaus ergänzender menschlicher Hirne beruht ** Die Schillerfchule in Friedberg (Lyzeum, Frauenschule und Fröbelkindergarten) fordert in unserem heutigen Anzeigenteil zur Anmeldung für die Frauenschule Friedberg auf. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. ** Der Deutsche Frauenorden, Hoch fitz Darmstadt, bittet uns mitzuteilen, daß er völlig überparteilich ist und mit dem parteipolitisch eingestellten Deutschen Frauenorden (Hitlerbewe- gung), dessen Führerin Frl. Zander als Rednerin der Nationalsozialisten vor einigen Tagen in Gießen sprach, nichts zu tun hat. Berliner Börse. Berlin, 11 März. (WTB. Funkspruch.) Trotz des matten Schlusses der gestrigen Neuyorker Börse taxierte man die Tendenz im heutigen Frühoerkehr unverändert freundlich, da von den relativ leichten Geldverhältnisien eine Anregung auszugehen scheint. Die Rückflüße der seinerzeit ins Ausland abgewanderten Kapitalien halten an. Besonders Montanwerte lenkten wieder das Interesse der Spekulation auf sich, und man nannte für diesen Markt die gestrigen Abendkurse (Geld). Oie Mettei-laae >tO‘ 5 tirauptin • neoei K Orwiittr (§)wmd$tiiie. •O' xtxt leichter Ost mäßige' Suaiuowesi «turmuchei -ordwesl Die Piene fliegen mit dem wmdt Vie oernen Stationen »tenenoen zahlen gehen die Temperatur an. Die Linien eeromden Orte mit gleichem, aut neeresniveau umgerechnelen Luftdruck Wettervoraussage. Durch die stärkere Entwicklung des Nordseetiefs haben sich die Luftdruckgegensätze verschärft, so daß die Luftbewegung lebhafter wird und die seitherige kontinentale Kaltluftzufuhr unterbindet. In ganz Deutschland haben die Winde bereits nach Westen umgedreht. Somit fließen jetzt, stellenweise unter größeren Windstärken, ozeanische Luftmassen nach dem Festlande und bringen unfreundliches und oer- änderliches Wetter. Die starke Frostperiode geht damit zu Ende, allerdings bleiben die Temperaturen nachts noch unter dem Gefrierpunkt. Die Bewölkung gestaltet sich wechselhaft, zeitweise treten Schauer auf. Aussichten für Donnerstag Unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter mit vor- bergeAndem Auf klaren, weitere Frostrückgänge, jedoch Temperaturen nachts noch unter Null, vereinzelt Schauer, lebhafte um West drehende Winde. Aussichten für Freitag: Fortdauer des unfreundlichen Witterungscharakters. Lufttemperaturen am 10 März: mittags —2,4 Grad, abends —6,4 Grad, am 11. März morgens — 4,4 Grad. Maximum 1,6 Grad, Minimum —9,3 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. März: abends —0,7 Grad, am 11. März: morgens —1,6 Grad. — Sonnenscheindauer Stunden. M 'M I M TO W/,,,3 xy h empor. n. Sie bcc für cinert Tag unserer Cigaretten,-'Produktion, ibtqciL Paudamocri übereinanber te steigert Verrat fast rtoclt am, X 6/^aIs die höchste Berggruppe Europas, CIGARETTEN Alle sammeln jetzt die rtCr *Ku rm ä rk-Sportwappen „FussBAir^fS « 14 Varz hie brili! ®° los Air« chL K-Z i*?i® «-L (fnglongum ^„n6 [fjinflfon --d H"'» SrnjN aas i n Oflltinamcrifü besaß 6s ist eine betör amcrifancrofl °n° Die ihnen der groß hat. Man liebt den zwangen, sich vor J ürdjtet bie norban biefid)imW 1 bcmertbar gemacht nut Spanien nahm den Willen bcr 2 Besitz unb sicherten stellung, bie esihne! von Unruhen in « zu intervenieren, äi auf her 3nsel errn amerifaner Haiti, mafanal beherrscht, Lartiguenaoe einen Bereinigten Staaten militärischer Protekt norbamerilanische '1 jonürt, unb werben verlassen. Sie Neu Anzettelung einer 5 ber Negierung bie von Kolumbik sichtslosigkeit aber ameritancr in N werben noch imm amerikanischer Mai je nachbem es bas Dort gelten keine Nordamerika dulde 3m 3ahre 192 Rica jutn Wort Staaten, indem es eine grundlegende 3 Monroe - -2 okt' Gegensatz zu ihrer sie im Ähre 1823 1 ment bes nor rialismus mißt nung von den m» auss entschiebenste mit seiner Farben durch. Man denkt den. Grift auf L Zentral-Ämerika, z ten beherrschen den Herren über den 1 Wem weltpolitisch rechtliche Skrupeln, Lateinamerika so r 45etro(cumfelber, Mi gen in Südamerika "'scher Kontrolle. 3, anderen Staaten tu ^eirueil der Stac Giehene Bernhard . Di«-Wohltat der ^.'Lred von bcr i ""d ohne jede Fr sb LL Dür dem. Wickelt an 3 Ä? uni Mass bann nuifi •teÄ tz "• Ku« 01448 1618D gegen Ausweis. RESTE Gießen, Ludwigstraße 33. 01441 vor- am Landgericht der Provinz Oberhessen. LichtspielhauseGießen Mittwoch Hallo! 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Februar 1931 hiermit festgesetzt. 1808C Diejenigen Steuerpflichtigen, die bisher einen Steuerbescheid nicht erhalten haben, werden aufgefordert, dies alsbald beim Städtischen Rechnungsamt im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer 17a, anzuzeigen. Gießen, den 9. März 1931. Der Oberbürgermeister: Dr. Keller. Diese Woeliel Feinster SivellfW ohne fionf 50-55 Feinster Saülinu im Aussüin ti 45-50 Feinster öeeioöjs im Ansschnilt 45-50 Filets oon SchellsW uno ©olDhorfm 70 Nur eo Berät und Beliefert Sie zu günstigen Preisen die ArOhCsche Druckerel. OleBen, Schulstraße 7, Anruf Nr. 2851 Auch Sie müssen diesen Film sehen Anfangszeiten 4,6,8.30 Uhr, Sonntags 3 Uhr Karten Vorbestellungen unter 4077 erbeten Oie Geburt einer Tochter zeigen in dankbarer Freude an Friedrich Habenicht und Frau lern', geb. FHring GiefeenerKonzertverein Donnerstag, 12. März, 19 30 Uhr, in der Neuen Aula der Universität ZEHNTES KONZERT Drittes Symphonie -Konzert Mozart-Gedenkfeier Das Landestheater-Orehester aus Darmstadt Leitung: Dr. Stefan Temesvary. Solisten: Otto Drumm (Violine), Rud. Sprenger (Viola). Mozait: Serenade in D-Dur - Konzertante Symphonie für Violine, Viola und Orchester — Deutsche Tänze. Eintrittskarten: 4.—, 3.— u. 2 RJI. bei Ernst Cha liier (Fernruf 2671) und abends an der Kasse. Studentenkarten RM. 1 — bei Herrn Sekretär Ritter und im neuen Studentenhaus Fachverireier zum Besuch der Justall. und Elektro- handlungen. Umgehende eingehende Bewerbung unter O. 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Verschlossene Angebote und Gebote sind kostenfrei bis zum 'Eröffnungstermin Freitag, den 20.2När; 1931 vormittags 11 Uhr auf der Geschäftsstelle der Staatsanwaltschaft, dahier, Altes Justizgebäude, Erdgeschoß, Zimmer Nr. 9, niederzulegen. Die Vergebung erfolgt unter den in Anlage A zu dem Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893, das Verdingungswesen betr., enthaltenen allgemeinen und den von dem Unterzeichneten aufgestellten besonderen Bedingungen, welche auf der Geschäftsstelle eingesehen und gegen Erstattung der Schreibgebühren bezogen werden können. 2 mübl crlc Zimmen in ichöncr Lage, Ain. oder einzeln z. 15. 3. evtl, auch fpäicr zu vermieten. [01438 colldgr-vd. Viotz 7 v. fiulmöblierlEsZimmer in. Warmwasferhz. i. fr. Lage, Kltniksnähe zu verm. Sckir. Ang. u 01439 an d.Gn Anz. Abgefchloss. 01445 Lagerraum i.Zentr,f.30./ilz.vrm. evtl, mit Auto-Gar. J. Baer, Ostanlane 29 34ein illustrierter SKaupt-^Katatog 1931 ü6er Blumen-, gemüse- und landw. 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Prospekte durch die Direktion, die zu jeder weiteren Auskunft bereit ist. Bereits gemeldete Schülerinnen betrifft dieses Ausschreiben nicht mehr. Der Oberstudiendirektor. Philipps. Donnerstag, den 12. 2Närz 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28, zwangsweise gegen Barzahlung: 1809D zwei Klubsessel, drei Nähmaschinen, drei Kassenschränke, zwei Kleiderschränke, eine elektrische Haarschneidemaschine, vier Sofas, ein Vertiko, sechs Schreibtische, ein Wirtschastsbüsett, einen Spiegel, zwei Warenschränke, vier Tische, 19 Stühle, vier Regulatoren, drei Schreibmaschinen, eine Standuhr, zwei Diwane, sechs Chaiselongues, vier Büfetts, eine Vitrine, drei Klaviere, drei Kredenzen, einen Eis- fchrank, einen Gasherd, eine Ständerlampe (elektrisch), einen Bücherschrank, einen Instrumentenschrank, eine Korbmöbelgarnitur, einen Aga- Wagen, einen Horch - Personenwagen, einen Einspännerwagen, zwei Paginiermaschinen, 100 Stück Schornsteinaufsätze, 400 kg Duresco- Nr. 59 Zweites Blatt Weiter Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, N. März 193< Der Prins von Wales als tommis vavageur der britischen Wirtschaft. Englisch-amerikanische Rivalität in Südamerika. Von E von LLngern-Sternberg. Den 1-1. März eröffnet der Prinz von Wales die britische Weltwirtschaft-Ausstellung in Buenos Aires. Bereits vor mehr als einem Monate hatte sich der Prinz in Begleitung seines Bruders, des Herzogs von Port, auf dem Dampfer „Oropefa" nach Südamerika eingeschifft, um als Sendbote feines Vaterlandes den britischen Einfluß in den lateinischen Staaten jenseits des Ozeans, der durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika verdrängt und überschattet wird, von neuem zu festigen und um England neue Absatzmärkte zu schaffen. Noch im Jahre 1908 überstieg die englische Wareneinfuhr nach Lateinamerika die der Vereinigten Staaten, Deutschlands und Belgiens zusammcngenommen, aber schon 1928 hatten die Vereinigten Staaten allein Englang um ein Bedeutendes überflügelt. Wallstreet als Finanzmacht und das Staatsdepartement in Washington ab Hüter der Monroe-Doktrin verdrängten England aus den festesten Positionen die cs in Lateinamerika besaß. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Lateinamerikaner oft an den Fesseln zu rütteln versuchten, die ihnen der große Bruder im Norden auserlegt hat. Man liebt den Pankec nicht, aber man ist gezwungen, sich vor dem Dollar zu beugen, und man fürchtet die nordamerikanischc Jnterocntionspolitik, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte rücksichtslos bemerkbar gemacht hat. Nach dem siegreichen Kriege mit Spanien nahmen die Bereinigten Staaten gegen den Willen der Bevölkerung Puerto Rico in Besitz und sicherten sich in Kuba eine Vormachtstellung, die cs ihnen vertraglich ermöglicht, im Falle von Unruhen in Havanna mit bewaffneter Macht zu intervenieren. Auch können sie eine Flottenstatiott auf der Insel errichten. 1915 besetzten die Nordamerikaner Haiti, das die Zugänge zum Pana- matanal beherrscht, und zwangen den Präsidenten Dartiguenave einen Vertrag abzuschließ-.n, der den Vereinigten Staaten ein finanzielles, politisches und militärisches Protektorat zugesteht. Auch heute stehen nordamerikanischc Marinctruppen auf Haiti garni- saniert, und werden voraussichtlich die Insel niemals verlassen. Die Neuyorker Trusts bewirkten durch Anzettelung einer Revolution und mit Unterstützung der Regierung die Abtrennung Panamas von Kolumbien. Don ganz besonderer Rücksichtslosigkeit aber ist die Intervention der Nordamerikaner in Nikaragua. Dort wurde und werden noch immer Präsidenten mit Hilfe nord- amerikanischer Marinctruppen gehalten oder gestürzt, je nachdem cs das Interesse Washingtons erfordert. Dort gelten keine völkerrechtlichen Bedenken und Nordamerika duldet keinen Einspruch Im Jahre 1928 machte sich das kleine E o st a Rica zum Wortführer der lateinamerikanischen Staaten, indem cs in Genf vom Völkerbünde eine grundlegende Interpretation der Tragweite der Monroe --Doktrin verlangte, die ganz im Gegensatz zu ihrer ursprünglichen Bedeutung die sie im Jahre 1823 hatte, heute als ein Instru - ment des nordamerikanischen Impe - rialismus mißbraucht wird und deren Anerkennung von den meisten südamerikanischen Staaten aufs entschiedenste abgelehnt wird. Costa Rica drang mit seiner Forderung wie zu erwarten war nicht durch. Man denkt in Washington gar nicht daran, den Griff auf Latein-Amerika, namentlich auf Zentral-Amerika, zu lockern. Die Vereinigten Staaten beherrschen den Panama-Kanal, sie wollen auch Herren über den Nikaragua-Kanal sein, und von diesem weltpolitischen Ziel werden sie weder völkerrechtliche Skrupeln, noch Revolutionen an denen Lateinamerika so reich ist abdrängen. Die meisten Petroleumfelder, Minen und Jndustrieunternehmun- gen in Südamerika befinden sich unter nordamerikanischer Kontrolle. In Bolivien, Peru und in einigen anderen Staaten des südamerikanischen Kontinents ist ein Teil der Staatseinnahmen nordamerikanischen Bankkonzerncn verpfändet, so daß auch eine Gin- m i schung in d i c innere Politik jener Länder keineswegs zu den Ausnahmen zählt. Sicher aber dürfen die Nordamerikaner keinen Anspruch auf ein wirtschaftspolitisches Monopol in Südamerika erheben, die Konkurrenz der übrigen Länder auf dem freien Markte Lateinamerikas ist nicht behindert. Die Reise des Prinzen von Wales nach Südamerika hat in gewissen nordamerikanischen Finanz, konzerncn eine Alarmstimmung ausgelöst. Kaum daß der Prinz südamcrikanischcn Boden betreten hat, haben bereits viele südamerikanische Firmen ihre Bestellungen aus Nordamerika zu- rückgezogen und haben sic nach London geleitet. Jeder Südamerikaner der etwas aus sich hält will dieselben Strohhüte und dieselben Joppen, wie sic der Prinz anhatte, tragen. Der Prinz von Wales führt in seinem Gepäck vier Autos von verschiedenen Typen, ein Jagdflugzeug, Gewehre usw. mit, und so geschieht es denn, daß englische Wagen und englische Jagdgewehre gekauft werden, die Damen for« dem englische Stoffe und da auch englisch'- Banken und Finanzkonzerne ihre Vertreter nach Südamerika entsandt haben, ist bereits die Rede von Finanzierungen in London und von Anleihen, die bisher nur in Wallstreet erlangt werden konnten. Der Alarm der Nordamerikaner geht so weit, daß sich ein Konsortium gebildet hat, das seinerseits den bekannten Flieger Lindbergh als „Reklameprinzen" nach Südamerika entsenden will, um mit dem Prinzen von Wales in Konkurrenz zu treten. Doch dürfte es dazu heute bereits z u spät sein. Die Fahrt des englischen Prinzen durch die Staaten Südamerikas glich einem Triumphzug. 9lad) den offiziellen Paraden und Empfängen in Lima, der Hauptstadt Perus, begaben sich der Prinz von Wales und sein Bruder über Arequipa nach der alten Jnkahauptstadt Euzco. Im Theater veranstalteten die Indianer zu Ehren des Prinzen den heiligen Lanzentanz und sangen dazu ihre alten Weisen, wie sie ihre Vorfahren sangen, ehe Pizarro und die spanischen Konquistadore sie niedermetzelten um sich Schätze an Gold und Smaragden anzueignen. Aus Cuzco unternahm das Prinzenpaar einen Ausflug auf dem Titicacasee, den höchsten See der Welt, um die heiligen Inseln inmitten des Sees, auf denen sich einst der Sonnen und der Mondtempel der Inkas erhoben, zu besuchen. In den Ruinen leben noch einige alte Indianer, die alle Geheimnisse der Vergangenheit kennen und die heute noch ebenso wie vor 400 Jahren den „Gott Sonne" anbeten, wenn er in Purpur und Gold getaucht sich hinter den ewigen Gletschern der Anden zur Nachtruhe begibt. Ein alter Indianer näherte sich den Prinzen um ihnen den Sonnensegen zu geben, damit sie immer Sonne im Herzen trügen Aus Rücksicht für die Prinzen verschoben die Revolutionäre in Peru ihren Aufstand bis zur Stunde seiner Abreise nach Bolivien. Staum daß der Prinz die Grenze überschritten hatte, erhoben sich die Garnisonen des Südens gegen den zeitweiligen Präsidenten Oberst Sanchez - C e r r o , der selbst durch einen Militärputsch zur Macht gelangt war, und dem man vorwarf, ebenso wie fein Vorgänger, der langjährige Diktator L e g u i a , Verrat zu üben und fein Land den Nordamerikanern zu verkaufen. Bereits im November des Vorjahres war in Öen Minendistrikten von Oroya ein Aufstand gegen die nordamerikanischen Direktoren und Ingenieure ausgebrochen. Zwei nordamerikanische Ingenieure wurden von der aufgeregten Menge gelyncht, und die übrigen mußten fluchtartig die Kupferminen verlassen. Infolge energischer Vorstellungen des Generaldirektors Klingsmill und des nordamcrikanifchen Botschafters in Lima sah sich die Regierung gezwungen, Militär gegen die Minenarbeiter und Angestellten aufmarschieren zu lassen und die Unruhen in Blut zu ersticken. Unter dem Eine der rührendsten Szenen des neuen Chaplin-Films „Lichter der Stadt". Charlie spricht mit dem blinden Mädchen, das er liebt. Druck des nordamerikanischen Botschafters wurden ferner mehrere höhere Beamte, auch der Innenminister Jimenez, ihres Amtes enthoben und durch den Vereinigten Staaten genehme Persönlichkeiten ersetzt. So taten sich denn die empörten „Patrioten" mit den radikalen Elementen zusammen und zettelten eine Militäroerschwörung an, die Peru in ernste Wirren zu stürzen droht. Dagegen hat England alle Sympathien gewonnen und der Prinzenbesuch wird in Peru gewiß reiche Früchte tragen. In B o l i v i e n dauerte der Aufenthalt der beiden Prinzen nur kurze Stunden. La Paz ist die höchst- gelegene Hauptstadt der Welt (zirka 4300 Meter über Meer) und die meisten Besucher, die unvor- bereitet, d. h. ohne Zwischenaufenthalt in gemäßigteren Höhen dorthin kommen, werden von der quälenden Bergkrankheit der Saroche befallen, die sich in schweren Herzbeschwerden und Uebclfeit äußert Trotz des überaus herzlichen Empfanges mußten alle Paraden und Empfänge abgesagt werden, der Prinz erkrankte und mußte schleunigst seine Reife in niedere Regionen nach Chile fortsetzen. Die Reden, die der Präsident, General Ibanez und der Prinz wechselten, der Ordenfegen, der gegenseitig ausgetauscht wurde, und die Begeisterung der Bevölkerung zeugen dafür, daß der Prinzenbesuch auch für Chile für das britische Reich Vorteil gebracht hat Buenos Ai res bereitet den englischen Gästen einen Prunkempfang, wie ihn die Stadt selten gesehen hat Die Rede des Prinzen bei der Eröffnung der englischen Weltwirtschatts- Ausstellung wird durch Radio über die ganze Welt verbreitet werden. Der Prinz von Wales hat dem britischen Reich durch seine Südamerikareise einen Dienst von großer Tragweite erwiesen. Die Wormser Klage gegen den Glaatskommissar abgewiesen. WSR. Mainz, 10 März Dor dem Provin- zialausschuß der Provinz Rheinhessen wurde heute die Klage des Ortsgewerbevereins Worms genen die Be- schlüssedesStaatskommissars bezüglich der Steuererlasse verhandelt. Dem Prozeß liegen folgende Vorgänge zugrunde: Auf Grund des Defizits in den städtischen Finanzen von Worms schlug Oberbürgermeister Rahn die Erhebung der Bier-, Getränke- und Bürgersteuer vor: dies wurde trotz zweimaliger Vorlage durch den Oberbürgermeister vom Stadtrat abgelehnt. Hierauf stellte der Oberbürgermeister den Antrag auf Einsetzung eines Staatskommissars, der in der Person des Oberregierungsrat Dr. Seyferth vom Krcisamt Mainz nach Worms berufen wurde. Der Staatskommisfar ordnete die Erhebung früherer und die Einführung neuer Steuern an. Hiergegen wandte sich der Wormser Ortsgewerbeverein c. V und stellte im Stadtrat verschiedene Anträge, von denen derjenige Annahme fand, der einen Protest der Stadträte gegen die Verletzung des Selbstverwaltungsrechtes da stellte. Außerdem erhob der Ortsgewerbeverein Klage beim Provinzialausschuß und bezeichnete die Steuererlasse als ungesetzlich und unzulässig. Rach mehrstündiger Verhandlung, in der der Ortsgewerbeverein durch Rechtsanwalt Dr. L u - l c t) (Worms), Stadtverwaltung und Stadtrat durch Oberbürgermeister Rahn vertreten waren, während Staatstommis ar Obcrrcgieru.tg Srat Dr. Seyferth sich selbst vertrat, kam der Prvvin- zialausschuß zu dem -Urteil, die Klage al 8 unzulässig und unbegründet abzuweisen unter Belastung des Klägers mit den Kosten. Der Streitwert wurde auf 25 000 Mark festgesetzt. Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 10 März. In vielstündiger, den Vor- und den Nachmittag ausfüllendcr S.tzung wurde gegen eine Landwirtsehefrau von Eschenrod verhandelt, die vom Erweiterten Bezirksschassengcricht Gießen wegen Untreue und Urkundenbeseitigung zu. einer Gesamtgefängnisstrafe von neun Monaten verurteilt worden war. Als Rechnerin des Spar- und Darlehenkaffen- Vereins Eschenrod hatte sie eine dem Verein gehörige Summe von etwa 1700 Mark im Besitz, die sie mit den Vereinst,kichern in einer Schreibtischschublade unter Verschluß aufbewahrte. Eines Morgens meldete ihr Mann der zuständigen Gendarmerie einen nächtlichen Einbruchsdiebstahl in fein Haus, bei dem aus dem Schreibtisch das Geld und die Geschäftsbücher gestohlen worden seien. Die Ermittlungen ergaben alsbald, daß der D i e b st a h l vorgctäuscht war. Aus dem Boden der Schub- lade war ein Stück teils ausgeschnitten, teils aus- gebrochen, eine Arbeit, die, wie ein sachverständiger Schreinermeister überzeugend bartat, von einem unter dem Schreibtisch liegenden Täter überhaupt nicht, und keinesfalls ohne starkes, die Hausbewohner aufweckendes und den Hund alarmierendes Geräusch ausgeführt werden konnte. Auch fehlten vollkommen die bei einem derartigen Einbruch un» ausbleiblidjen Holzabfälle, und es war unerfindlich, was einen Einbrecher auf den Gedanken hätte bringen können, die Schublade restlos auszuräumen und außer den Geschäftsbüchern auch Briefe mitzuneh. men. Unbedingt beweiskräftig war aber die Tatsache» Gießener Gtadttbearer. Bernhard Blmnc: „Feurio!" Die Wohltat der Fcuersmacht, welche Schiller im „Sieb von der Glocke" mit bewegten Worten und ohne jede Ironie gepriesen hat, wird in einem ziemlich fatalen Rebensinn zum Leitmotiv dieses bäuerlichen Lustspiels. .Doch furch'bar wird die Himmelskraft" — gar nicht furchtbar, sondern ein wahrer Segen: wenn sie sich nämlich nicht von selbst der Fessel entrafft, sondern wenn der gewitzte Zeitgenosse mit Petroleumkanne und Zürcdschnur ein bißchen nachhilft. * Wenn zum Beispiel die Bürgermeistersleute in einem kleinen schwäbischen Kass im Rebenamt eine Feuerversicherungsag rnttcr verwalten und außerdem ein Holzgeschäft betreiben, dann ist sozusagen der Bock zum Gärtner gemacht. Der junge Württemberger Dichter Bernhard Blume entwickelt diese Theorie in sieben Bildern, welche an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Was sich für unliebsame Folgen ergeben können, wenn einer, dem Zuge der Zeit folgend, das Lustspiel etwa als .Lehrstück" aussaht, mag man in einem Beitrag des Autors zum Programmheft nachlesen. • Die Spekulation liegt auf der Hand: wer ein ein Holzgeschäft hat, muß auch was zu bauen haben. Und wenn es nichts zu bauen gibt, dann muß er dafür sorgen ... am besten durch gelegentliche Brandstiftungen. (Dies ist kein Rot- programm, sondern eine Iichaltsangabe.) Dann blüht nicht bloß das Holzgeschäft, sondern auch die ganze übrige Gemeinde nimmt einen mrgeahnt üppigen Aufschwung ... wenn es saftige Versicherungssummen und neue Scheuern statt der alten morschen Baracken gibt. • Also, die Schultheißin, die nicht auf den Kopf gefallen ist, stiftet den eigenen, halbidiotischen Sohn und dessen gerissenen Freund zum Feuerlegen an. Aus der Scheune, auf die sie es nächtlicherweile abgesehen haben, erscheint unpassenderweise ein junges Liebespaar (dieDürgerrnristers- tochter und der Zimmermann Zack) — jetzt kommt der Schwindel raus. Wer aber denkt, daß mit dieser gegenseitigen Entdeckung der Brand verhütet sei, der hat nicht mit dem Unternehmungsgeist und dem Geschäftssinn derer zu Rumpe'sbach gerechnet. Kaum ist die Lust rein, da schleicht der Feuerwehrhauptmann selber herbei, wirst das verruchte Streichholz in seine Scheuer und brüllt dann Feurio über das nächtliche Dorf. (Ein starkes Stück: aber die Situationen reizen unwiderstehlich zum Lachen.) Weil der Zimmermann sein Schifferklavier bei der Scheuer vergessen hat, ist bald ein dehnbares corpus aelicti gefunden, und jeder denkt: dem geht's an den Kragen, und zittert um das junge Liebesglück. Zwar wird der Zack eingelocht, aber mittlerweile ist einer .von oben", ein leibhaftiger Regierungsassessor, im Anmarsch auf das Dorf, in dem sich"die nächtlichen Brandsälle so erschreckend mehren — zur Untersuchung der Tatbestände. Die Brandstifter müssen heilfroh sein, wenn der Zimmermann gutwillig aus dem Arrest heraus- tommt und sich davon macht. Das tut er, nicht ohne zuvor die Bürgermeisterin an seiner Stelle eingesperrt zu haben... unb das Töchterchen nimmt er auch mit Zu allem Uebersluß ist der Assessor so blöd und der Gemeinsinn und der Selbsterhaltungstrieb der tüchtigen Dorfbewohner so entwickelt, daß cs ihnen mit etlicher Pfiffigkeit gelingt, den Regierungsboten höchst unverrichteter Dinge wieder absah- ren zu lassen. Die Sache kommt also nicht ans Licht, und wenn auch kein Unschuldiger büßen muh: die Schuldigen kommen ebenfalls mit heiler Haut und ungeschoren davon. Das Laster hat gesiegt: die Gaunerei triumphiert über die Obrigkeit — genau wie im .Biberpelz" Und die Bürgermeisterin Hepp, welche die einheimischen Mitschuldigen zuletzt mit dreifachem Tusch der Feuerwehrkapelle hochleben lassen, ist eine echte Rachkommin der berühmten Mutter Wolff en, die nicht bloß lange Finger macht, sondern auch kaltblütig den roten Hahn auf die gutversicherte Schusterbude setzt. Man sicht: das Motiv des Lustspiels ist nicht neu; doch ist es geschlossener und zugleich durchsichtiger im Ausbau — obwohl die vorletzte Szene beinahe ins Schwankmilieu abgleitet —, auch viel sicherer und weniger vertrackt in der Auswahl und Einführung der handelnden Personen... im Vergleich zu Hauptmanns früher Tragikomödie. Aber die volksstückmäßige Unbekümmertheit, Lockerheit und Derbheit der sieben Szenen... die vielen kräftigen Wörter, der süddeutsche Dialekt überhaupt, das ganze Drumherum mit Liebeshändeln und Keilerei, mit Kegelbahn und Blasmusik und Schoppenheben —: das alles erinnert viel mehr an Zuckmayer und den .Fröhlichen Weinberg" als an Hauptmann, dessen .Biberpelz" freutet) noch immer unübertroffen bleibt. — Unter Fasso11s Spielleitung sah man eine Aufführung von kernigem und nichts vertuschendem Realismus, strotzend von komischen Situationen, beeinträchtigt nur durch die uneinheitliche und stellenweise recht unzulängliche Beherrschung des Dialektes. Löffler hatte mit begabter Hand das ganze Feuerdörfchen mit malerischen Aufbauten im Spitzwegstil auf die Drehbühne gestellt, so daß die sieben Schauplätze im Handumdrehen verwandelt werden konnten. Die besten Gestalten lieferten Hub (Schultheiß). Vvlck (Maul), Link mann (W rt), Ritter (Feuerwehrkommandant) — vor aLem, weil sie sich am sichcr'ten im Dialekt zurechtfanden. Besonders Dolck, der abgebrannte Oekonom, und Hub, das schimpfende Ortsoberhaupt mit dem schlechten Gewissen, brachten zwei Bauernfiguren von prallem Humor auf die Deine. Recht gut war auch die mit allen Hunden gehetzte Schultheißin der Frau Schubert- Jüngling geraten. — Ein herzhaftes Liebespaar: Wielander und Hauer. — Druck (Pipel) schien durch die fremde Mundart behindert: Wefeners Assessor war von vornherein viel zu betont auf die krasse Karikatur hin angelegt — "Bäuerle, Zingel, Scheicher rundeten das Ensemble ab. — ES war ein unbestrittener Erfolg mit Gelächter und Deifall schckn bei offener Szene. Iith. Was die Star-Post biingt. Einige Kuriosa aus den unzähligen "Briefen, die die berühmten Filmstars in Hollywood erhalten, werden in einer Fachzeitschrift mitgeteilt. So schreibt etwa eine Hausfrau an die Diva Evelyn Brent: „Ich sah, wie Sie im Film in einer Szene kochten, und die Spaghetti sahen so appetitlich aus, daß ich Sie doch sehr bitten möchte, mir das Rezept zu schicken." „Bitte, schicken Sie mir eine Locke von dem langen Haar, das Sie in „Eimarron" trugen, aber bald, denn ich weiß, daß Sie es bald abschneiden lassen werden", mit diesem Verlangen wendet sich eine Verehrerin an den hübschen Filmstar Richard Dix. Ein kleines Mädchen bittet um das Bild eines Hundes, den es im FUm gesehen, weil sie glaubt, cs sei ihrer, der ihr weggelaufen. Betty Compson sandte ein Bewunderer eine große Schachtel Zigaretten aus Alexandria und schrieb: „Ich möchte, daß Sie diese Zigaretten in Ihrem nächsten Film, in dem Sie zu rauchen haben, be- nutzen und dabei an mich denken." Den merkwürdigsten Brief aber empfing die beliebte Bebe Daniels; „Wenn Sie jemals Ihre Rolle vergessen sollten, während Sie vor der Kamera stehen", schrieb ihr ein Gönner, „dann schließen Sie die Augen, suchen Sie für eine Sekunde an nichts zu denken, und dann denken Eie an das Wort „Abrakadabra". Sofort — wenn Sie es richtig machen — werden Ihnen die vergessenen Sähe wieder einfallen." docbfchulnathrithfett Der Ordinarius der Philosophie Dr. Julius Sten, z e l in K i e l hat den Ruf an die Universität Basel als Nachfolger von Professor K. Joel abgelehnt. Der Lehrstuhl der Physik an der Kieler Universität ist an Stelle von Professor H. Geiger dem ordentlichen Professor Dr. Heinrich Freiherrn Rausch von Traubenbera an der deutschen Universität in Prag angeboten worden. Professor Dr Herbert "216 m a nn . Ordinarius und Direktor der medizinischen Poliklinik in Leipzig, hat den Ruf an die Universität König s b er g als Direktor der med zinischen Klinik angenommen und bereits seine Ernennung zum Ordinarius in König berg erhalten. Hier wird er Rachsolger des verstorbenen Geheimrat- M. Matthes. SJ.«fpori Am Nachdruck verboten Ohne Gewähr 7. Marz 1931 24. Ziehungstag 109657 181041 169604 319495 1508 4585 9486 73562 79029 83154 97270 109258 fpanfiavir.* 1/PASTILLEN ■ (ACDIOINIUMDEOIVAT1 / / Das Chlorodont-Mundwasser 50392 107790 112997 140496 212186 300615 315086 342601 399109 27602 22297 143093 228654 327445 131492 150057 167461 206274 237658 266600 291645 324564 337283 365098 116578 158753 197377 248432 300651 362745 33962 105128 130520 195302 255570 308610 322605 397240 123522 157909 178137 207635 244040 287329 317762 347578 120335 167456 205699 264220 303612 367575 110147 139702 203825 295680 311542 326153 393601 135169 159711 186516 211039 247138 296343 318754 347889 102894 130415 143768 158216 191300 225430 256244 279077 321631 336764 346382 120357 169189 212485 255353 305830 369336 136470 164821 189267 214479 255892 296523 331670 352613 124699 171140 214117 261369 308180 372632 131382 149042 158447 199196 237414 265598 288559 321650 336808 351038 122977 .150160 216502 304430 318739 352398 138988 167957 193020 233016 274882 309947 338870 354343 188609 220025 265221 310428 376305 165472 236731 306294 320473 357932 196901 237592 267518 341485 386451 133311 154447 176798 211791 239505 270241 291721 328250 338123 389927 189387 251656 307379 321760 390686 30571 157392 172846 203846 242994 283811 315814 343722 370125 42581 63177 92262 121600 142201 155127 178547 217831 239893 277994 310620 329766 344306 393056 33675 156313 240900 336237 110192 141649 168842 194375 242577 275200 314672 342171 366362 214446 42209 184513 268628 365039 I.C. „Teutonia" Watzenborn-Steinberg. In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen Gewinnauszug 5. Klasse 36. Preußisch-Süddeutsche (262. Preutz.) Staats-Lotterie Im Eewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500 000, 8 Gewinne zu je 25 000, 26 zu je 10000, 72 zu je 5000, 172 zu je 3000, 582 zu je 2000, 948 zu je 1000; 1580 ui je 500. 4870 zu ie 400 M. Sch utt gegen \ WM Schlußwort appellierte der Vorsitzende nochmal- an die Anwesenden, das Gehörte an die Berufs- kollegen weiterzugeben und sie aufzurütteln, denn nur in der Geschlossenheit liege die Stärke. Schöffengericht Wehlar. Angetreuer Postbeamter. £2 Wetzlar, 7. März. Ein Einwohner aus Wetzlar, der im vorigen Jahre im Bezirk der Postagentur Wißmar Postaushelferdienste versah, hatte Gelder, die er in amtlicher Eigenschaft empfangen hatte, unterschlagen. Es handelte sich um Beträge von 61 und 31 Mark, die ihm von einem Launsbacher Geschäftsmann zur Absendung aus Zahlkarte übergeben worden waren. Er tnig aber die Beträge nicht in das hierfür vorgeschriebene Annahmebuch ein, sondern verbrauchte sie für sich. Wegen Anterschlagung im 'Amt unter Anklage gestellt, gab er sein Vergehen unumwunden zu. Angeblich will er einen Teil des Geldes zur Anschaffung eines AnzugS, den er unbedingt benötigte, verwandt haben. Der Schaden ist mittlerweile vom Vater des Angeklagten in voller Höhe ersetzt worden. Da der Angeklagte bei Begehung der Straftat Beamteneigenschaft hatte, fanden die verschärften Strafbestimmungen Anwendung. älnter—Nrnsah der Mir.dest'trafe von je einem Jahre Zuchthaus für jede Straftat wurde er zu einer Gesamtstrafe von 1 Jahr 1 Monat Zuchthaus verurteilt. Ein rücksichtsloser Kraftfahrer. In der Rächt zum 9. Juni 1930 überfuhr ein Motorradfahrer aus Waldgirmes auf der Ortsstraße in Werdorf einen Reichswehrsoldaten des Gießener Regiments. Statt sich um den Schwerverletzten, der, wie sich nachher herausstellte, außer leichteren Verletzungen auch eine schwere Gehirnerschütterung, einen Schädelbruch und einen Bruch des linken Anterschenkels erlitten hatte, zu kümmern, stand der Kraflsahrer, der samt einem Beifahrer ebenfalls zu Fall gekommen war, wieder auf und entwischte schleunigst, nachdem er sah, was er angerichtet hatte. Lediglich dem Amstand, daß zwei Werdorfer junge Leute gleich nach dem Anfall die Stelle passierten, war es zu danken, daß dem Verletzten Hilfe zuteil wurde. Eine am Tatort gefundene Fußraste, die bei dem Sturz vom Motorrad abgcsprungen war, trug zur Ermittlung des Täters bei. Er hatte sich nun wegen fahrlässiger Körperverletzung und unter der weiteren Anklage, daß er den bei dem Anfall Verletzten vorsätzlich in hilfloser Lage verlosten habe, vor dem Richter zu verantworten. Der Angeklagte bestritt zwar die zweite Straftat, wurde aber durch Zeugen überführt. In Anbetracht der vom Angeklagten an den Tag gelegten Rohheit, verhängte das Gericht eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten und 2 Wochen. Sonntag weilte die erste Mannschaft zum fälligen Gesellschaftsspiel m Sterzhausen bei Marburg. Es entspann sich ein flotter Kampf, in dem jedoch bis zur Halbzeit keine der beiden Parteien erfolgreich sein konnte. In der zweiten Halbzeit fiel der einzige Treffer des Tages, der aus einem Strafstoß der aus 40 Meter Entfernung verwandelt wurde, resultierte. Das Spiel wurde sehr fair ausgetragen und hatte einen gerechten Leiter. $. ep. V. 1926 Steinbach. 12 Gewinne ju 3000 M. 311673 349517 361661 44 Gewinne ju 2000 M. 61368 84085 105516 189363 198747 220022 278229 299469 317280 265650 29U98 292772 295349 316642 319417 ------ 324965 331090 341331 352557 363o21 16 Gewinn« ,u 5000 M. 65586 98947 117046 134254 261841 338584 362173 375198 16 Gewinne ,u 3000 M. 76471 118133 178244 252349 265197 288428 335644 345650 74 Gewinne,u 2000 W. 11832 32568 37120 50012 ----- 62185 63602 74428 86184 87000 91884 ------ 127417 142202 161254 168769 ----- 202573 216696 236734 angenommen. Weiterhin wurde davon Kenntnis gegeben, daß das hiesige F o r st a m t ab 1. April 1931 neu besetzt wird In der Dienstwohnung des städtischen Gebäudes sind erhebliche Instandsetzungsarbelten erforderlich, deren Kosten sich auf mutmaßlich 2000 Mk belaufen. Der Gemeinderat bewilligte den entsprechenden Kredit. Landkreis Gießen. d. Heuchelheim, 10. März. Am Sonntag wurde, wie bereits berichtet. Bürgermeister Kreiling unter großer Anteilnahme weiter Kreise zu Grabe getragen. Der Verstorbene hotte ein arbeitsreiches Leben hinter sich. Im Jahre 1901 wurde er, der vorher kaufmännischer Angestellter war, als Rachfolger seines Vaters zum Bürgermeister von Heuchelheim gewählt. Er behielt dieses Amt bis zum Tage seines Todes. Bei den späteren Wahlen trat nie ein Gegenkandidat auf. Seine nie erlahmende Arbeitskraft, sein bescheidenes Wesen, sein Verständnis für alle Glieder der Gemeinde und sein umfangreiches Wissen auf allen Gebieten des öf eidlichen Lebens verschafften ihm die Achtung aller Bürger. Die Demokratische Partei berief ihn verschiedentlich in den Kreistag und in den Kreisausschuß. Er gehörte ferner dem Vorstand der Ortskrankenkasse Gießen-Land an und wirkte auch im Aufsichtsrat in der Bezirkssparkasse Gießen mit. Sehr groß und vielseitig war seine Arbeit innerhalb unseres Gemeinwesens. Vor dem Kriege wurde Dank seiner Initiative die Feldbereinigung in Angriff genommen und teilweise durchgeführt, ein neues Schulhaus wurde gebaut, während der Kriegs- und Rachkriegsjahre bemühte er sich um Lebensmittel und um den täglichen Bedarf für die Gemeinde. Aeberall half er durch Rat und Tat, linderte die Rot, soweit es in seinen Kräften stand. Rach dem Kriege wurde die Feldbereinigung abgeschlossen und ein neues Grundbuch angelegt; ein neuer Ortsbebauungsplan wurde aufgestellt, ein Sechs- 368684 393502 96 Gewinne z» 1000 M. 5816 32992 35285 41059 47189 73157 75955 89936 108923 110297 13549 ---- ------ ------- ----- 127955 129193 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 401M. gezogen 132 Gewinne ___________1816D chöne Schuhe nirEinsegnung preiswert: Lack-Mädchen- Spangenschuhe schöne Form 6.50,8.50, V Schw.Wildleder ä mit Lackgarn., Spangenschuhe und Pumps .. W Lack-Knaben- ä Halbsch., cleg U Form, wirklich gute Qualität.. W 0/ gewähre ich bis /0 IldUtiH Ende März infolge Geschäftsverlegung nach Seltersweg 69 auf Uhren, Gold- und Silberwaren Trauer“ M Auswahlbereitwilü^ft Telephon 3048 Geschäfts -V erlegung! Damenhüle w- Gestern entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Katharine Stumpf im 65. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen; Die Beisetzung findet Donnerstag, den 12. März 1931, vormittags 11 Uhr, von der Kapelle des Alten Friedhofs aus statt-Von Beileidsbesuchen bittet man abzusehen. Im Namen der Hinterbliebenen: Gg Eidmann und Familie E. Eidmann und Familie J Euteneuer und Familie K. Eidmann und Familie H. Schmall und Frau. Am 8. d. M. wurde unsere liebe, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Marie Hofmann verw, Eid mann im 71. Lebensjahr, nach arbeitsvollem Leben, nach kurzer Krankheit durch einen sanften Tod erlöst und aut Wunsch in aller Gestern abend 11.30 Uhr nahm Gott der Herr unsere hebe Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter. Schwägerin, Gote und Tante Frau Katharine Rens W. geh. Klos Witwe des Altbürgermeisters Heinrich Reuschling nach einem arbeitsreichen, sorgenvollen Leben im 83. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit. Die trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Reuschling II. Wwe., geb. Hainbach Familie Philipp Böcher II. Familie Heinrich Reuschling I amilie Wilhelm Bietz. Bersrod, den 10. März 1931. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 12. März, nachm. 2 Uhr, statt. 1814 D 014531 1804 D Statt besonderer Anzeige. Unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau verw. Landgerichtspräsident Cora Frey,geb.Haberland ist am 7.März in Dresden, 86 Jahre alt, sanft verschieden. In tiefer Trauer: Arbeitsamtsdirektor Dr. Frey Bürgermeister a.D. Elfriede Frey. geb. Füefe Walter und Wolfgang Frey. Frankfurt am Main, den 9. März 1931. HASS °61 A.- ScuiUetong unk > KrK ^rftQU $bn6il Tier u„ jMt 5um jyaum, Mm Literal Litera T0”ff^0 Hrite" xvn. Äarl- |930. (6 in y&at der b 3an eS r n'a.""./mirlend. । LeiPA L Hysicn- auf yä' g,® «•»* 3*” ft™»« ' KM Klbcn Sei ander bergen wen bislang -KW Jedeutung-des Der Aufhellung D- ander'eits in dem Dem sich die fo gen. Hier ist wirtlich - Walther 3 Leben um Heinrich f 'Bitbern, Wölf BW 2,80, Leinen 4,80 U Leipzig, Wien, 1931. nach Heines lobe er itrittenc Gestalt feil lebendig und einbn Walther 'Bidor ein geeignet erscheint, i verzeichnete Bild l zum Dichter in das ihre Bedeutung fü' Wesen Heines gcrei Anzahl Zllustratia welche die Umwelt Heine lebten. Die werte Bereicherung - Otto Her ft alt Aufsätze un Philipp Hectorn jui - Otto Heu' Leben. Aussähe tag Hermann Me' Heuscheie entstamr schaff, die uns S so viele andere wahrlich: hier hi das heilige Feue ©tut entfacht, ab schöner Flamme ui Gegenwart hinein gläubigen Inbrun banfen muß, dem Dichtung und Lebe seinen Aufsätzen ur ichastlichen Literat bleibt: selbst ein L hast magisch bie E schworen, ihr Gei seiner einsiihlendei 6toige8 auf, „Herr t'ev Heuschetes in neu Bücher auf e Ach wirken. Unh Dudens, das alle ote unbebmgte Eck ^Werkes offen! folgender S nuht heißen, n den Menschen zu M zum M / K AU machen" N°ube tzruschetes unseres W;, VöWichmc Achtung noch N. öaß fein begerstei L/utragt^ ^'seren Führer ®ec c und des ®, Mittwoch, U- März 1931 Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Nr. 59 Drittes Blatt Kür den Büchertisch. Literaturgeschichte Politik und Geschichte mcndcs daraus zu lernen. —y— fallend schönen Mädchens zur Geliebten des^ allerdings sehr zweifelhaften Grafen du Barry, i Neue Kriegsbücher — Karl von Schumacher, „M a d a m e du Barry". Mit 15 Bildern. Preis geb. 8,50 Mark. Arnalthea-Verlag. Wien IV. (668). - - Bon Madame du Barry liegt eine Sclbstbiogravhie vor. die durch das interessante Buch Schumachers nach mancher Richtung hin ergänzt wird. Lieber ihre Abstammung aus niedersten Kreisen eines kleinen Städtchens in der Ehampagve schweigt sich die du Barry natürlich aus. Aber interessanter ist auch der schnelle Ausstieg des aus- mit dessen Bruder sie der Sonn halber vermahlt wird, um einen vornehmen Namen annehmen zu können, unter dem sie dann Mätresse König Ludwigs des XV.. und als solche Nachfolgerin der berühmten Pompadour wird. 3m Gegensatz zu dieser scheint sich die du Barry in die hoho Politik wenig eingemischt zu haben, wenn sie auch gegen die Lhoiseuls intrigierte und an ihre Stelle ihre eigenen Freunde zu sehen sucht. Mit Marie Antoinette, der in ihren ersten Pariser 3ahren noch etwas prüden Tochter Maria Theresias, stand sie ausgesprochen schlecht. Nach dem Tode Ludwigs XV. wurde sie vom Hofe verbannt, erhielt aber bald wieder ihren reichen Besitz zurück, der ihr auch weiter das Leben einer „groben Dame" sicherte, bis zur Großen "Revolution, die auch die Mätresse Ludwigs XV. die einst der Hefe des Bolkes angehört hatte und an ihrem Teil eher für Reformen gewirkt hatte, dem Schafott übergab. — Generaloberst a. D. von Seeckt. Wege deutscher Außenpolitik. Geheftet 1 Mk. Verlag von Quelle R Meyer in Leipzig (40). — Seeckt beschönigt nichts, wenn er zu- beit und die völlig unzeitgemäße, ganz vom schweifenden Gefühl bestimmte Gestaltung ihrer Mo.ive. Es ließen sich, formal und inhaltlich, gewiß manche Einwände Vorbringen: doch scheint es uns hier wichtiger, das Positive zu betonen: Bekenntnis zum Herzen, Heimkehr zur Romantik — im modernen Gedicht. —y— — Heinrich Bredow:Derbunte Tep- p i ch. Neue Gedichte. 173 Seiten 8°. Ganzleinen 4 Mk. Morawc & Scheffelt Verlag. Berlin 1931. (47) — Die Qualität der hier vereinigten Gedichte von Heinrich Bredow (Pseudonym für Ludwig Müller) steht in keinem Verhältnis zu dem stattlichen Umfang und der soliden Aussta- tung des Bandes, das Niveau dieser teils ernsten. teils humoristischen Gedichte — in Versen und freien Rhythmen — entspricht ungefähr dem der verschollenen „Zehnten Muse" und erhebt sich in Form und Inhalt nirgends über den Durchschnitt einer Poeterei. die. wie man sieht, auch heute noch den Verleger findet, auf den Io mancher wirklich begabte Lyriker unserer Zeit hoffnungslos wartet. ~y~ Aus fremden Literaturen. — David Herbert Lawrence, Der Hengst. St. Mawr. Insel-Verlag, Leipzig. (663) — D e Sehnsucht nach ur,D:rjilbeter, kraftstrotzender Natürlichkeit blieb für den schwindsüchtigen Dichter, der sich vom mittellosen Derg- mannssohu nur durch unendlichen Fleiß und große Entbehrungen zum kleinen Schulmeister hatte emporarbeiten müssen, dis seine ersten Prosastücke und Gedichte einen Drucker fanden, immer nur Lockung in unerreichbare Ferne. Der Hengst St. Mawr, das wundervolle Rassepferd einer jungen Amerikanerin, die durch Heirat nach England verschlagen wurde, ist dem Dichter Symbol dieser nie gestillten Sehnsucht, ist der große Pan, das Urbild ungehemmter, unver- bogener Sinnlichkeit, von dem die gekünstelten, verbildeten Männer des alten England nichts mehr an sich haben. Enttäuscht und angeekelt wendet sich die Besitzerin des stolzen Hengstes von den Männern, die nichts Geheimnisvolles, nichts tierisch-triebhaftes, nichts dämonisches mehr an sich haben. Mit ihrer Mutter, einem wahren Original, und zwei Reitknechten, unkomplizierten, natürlichen Menschenkindern, wendet sich die Lady wieder nach Amerika, „zurück zur Natur". — Charles Di 1 drac: Das Insel- Paradies. Ein Roman für Kinder. 221 Seiten 8,J. Mit 92 Illustrationen von Edy-Legrand. Deutsch von Lena Lichtenstein. Ganzleinen 5.60 Mk. Erich Lichtenstein Verlag. Weimar. (676) — Dies ist die Liebertragung des in Frankreich sehr geschätzten und verbreiteten Jugendbuches ,,L’llc rose". Storm hat einmal im Nachwort zu einer seiner Novellen bemerkt, daß. wer für die Iugend schreiben wolle, nutzt für die Iugend schreiben dürfe: „oenn es ist unkünstlerisch, die Behandlung eines Stoffes so oder anders zu wenden, je nachdem du dir den großen Peter oder den kleinen HanS als Publikum denkst". In der Begründung des Paradoxons liegt die Lösung, die un vorliegend«), Falle Äs wohlgelungen betrachtet werden dar- von Menschenopfern forderte und mit dem Siege der jetzigen roten Machthaber in Rußland endete. Dwinger überlebte das Grauen, entrann nach Deutschland, genas seelisch und körperlich ... und begann nach Jahren der Vorbereitung und Sammlung die Niederschrift und künstlerische Verarbeitung einer chronikalischen Auszeichnungen: so entstand dieses Buch, welches mit Schrecknis und Entsetzlich feiten bis an die Grenze des Erträglichen beladen ist: das sich wie ein unerhört spannender Roman liest lind dennoch überlebtes Erlebnis und inserna lisch nackte Wirklichkeit ist in jeder Zeile. Gewiß ist. daß der unmittelbar erregende und erschütternde 0 indruck des Buches eben von der unangreifbaren, oft zahlenmäßig beglaubigten Realität der zugrunde liegenden Ereignisse ausgeht: doch soll man die ge* tollende Straft Dwingers gleichwohl nicht unter- schätzen: ihm gelang eine oft erstaunliche Objektivität, hinter der fein eigenstes Ich, feine gesühls mäßige Beteiligung saft völlig zurücktritt: und er and den knappen, beherrschten Stil der Aussage, welcher der dokumentarischen Haltung seines Werkes innerlich entspricht. Dwingers Buch zählt zu den bedeutendsten Leistungen zeitgenössischer Geschichtsschreibung: man füll es lesen, um Vergangenes zu begreifen, ... um für Gegenwärtiges und Korn- Anthologie. Lyrische Flugblätter des Kartells lyrischer Autoren und des Bundes deutscher Lyriker. Berlin W 50, September 1930. (70) — Auch diese lyrischen Flugblätter gehören zu den entschieden begrüßenswerten Bemühungen in unserer Zeit, dem lyrischen Kunstwerk wieder Geltung und Widerhall zu verschaffen, insbesondere junge, wirklich schöpferische Kräfte an die Oeffcnt- lichle't zu bringen, zu diesen, nachdrücklicher Förderung würdigen jungen Lvrikern darf Diemar Moering (geb. in Charlottenburg 1902) gerechnet werden, der unseren Leserir bereits mit etlichen Beiträgen im Llntcrhaltungsteil vorgestellt wurde. Die wenigen Proben, die hier zmammengcfaßt sind, erscheinen — unabhängig von der persönlichen Kunstäußerung — als ein vielleicht schon symptomatisch zu wertendes Beispiel dafür, daß man sich wieder auf die uralten und unverfieg- lichen Quellen lyrischer Kunst zu besinnen und sich vom sachlichen Song als dem „Ausdruck der Zeit' abzuwenden beginnt. Die wesentlichen Merkmale der vorliegenden Gedichte sind ihre, an die klassische Tradition anknüpfende, formale Geschlossen- rückblickt auf die Politik der letzten Iahre. Aber er zeigt auch die Machtmittel, die uns trotz aller Einengung geblieben sind, und er fordert aufs bestimmteste, daß wir sie besser als bisher gebrauchen. Von größter Bedeutung für unsere zukünftige Politik ist zweifellos die Stellung Secckts zum Voungplan, zur Ostgrenzenfrage und zum Völkerbund. Seeckt meint, daß wir Niederlagen und Fehlschläge in Zukunft leichter vermeiden können, wenn wir uns auf eine andere Verhandlungsgrundlage stellen. — (EorraDini, Enrico: „Die politische Reformation in Europ a". Aus dem Italienischen übersetzt von Adalbert Bauer. (Verlag Scherl, Berlin.) Ganzleinen 3,50 Mark. (63). — Der Historiker und Geschichtsphilosoph der faschistischen Weltanschauung gibt eine Darstellung des Werdens, der historischen Bedingtheit und der Ideenwelt des Faschismus. Er leitet die Entstehung der neuen Doktrin aus dem allmählichen Abster- ben der demokratisch-parlamentarischen Regierungen in Europa ab. Der innere Ausbau im Faschismus, die Regelung des Verhältnisses zwischen Staat und Individuum wird durch biologische Gedankenketten erläutert; besonders interessant ist die Gegenüberstellung des Begriffes der „Freiheit" im parlamentarischen und faschistischen Staat. Das im Faschismus verkörperte politische System ist für ihn das System unseres Jahrhunderts; er glaubt, daß es sich, entsprechend den Eigenarten der einzelnen Nationen und Volker, allmählich überall durchsetzen wird. Jeder politisch interessierte Deutsche, der sich vom staatsphilosophischen Inhalt des Faschismus ein Bild machen will, wird dieses Buch mit Spannung lesen. — DieKatastrophedes8. August 1918, von Major a.D. Thilo v. Vose und Rittmeister a. D. Herrmann, mit 5 Textskizzen, 2 Anlagen Kriegsgliederung und 2 mehrfarbigen Karten tm Anhang. (Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O.) Schlachten des Weltkrieges, Band 36. Halbleinenband 4,20 Mk., Halblederband 7Mk. (50) — Das Reichsarchiv hat als Abschluß ferner großen Schriftfolge „Schlachten des Weltkrieges" nunmehr den letzten Band unter dem Titel „Die Katastrophe des 8. August 1918" der Oeffentlichkeit übergeben. Den inneren Zusammenhang der gewaltigen Geschehnisse des Weltkrieges vo.-Zufuhren, aber auch die Einzeltaten deutscher Männer vor Vergessenheit bewahren zu helfen, war die Aufgabe, die sich das Rcichsarchiv 1921 stellte. Der letzte Band führt in die dunkelste Zeit des deutschen Ringens. Der „dies ater“ des deutschen Westheeres! Dem Feinde gelingt die Heber- raschung der deutschen 2. Armee östlich Amiens. 456 englische und 90 französische Tanks sind mit den besten englischen Divisionen angeseht, dichter Nebel begünstigt äleberraschung und Vorgehen. Auf sich selber gestellt, suchen einzelne Trupps deul- scher Helden den ungleichen Kampf durchzusühren. Aber schon klingt daneben dumpf auch das Versagen des aus der Heimat eingetroffenen Ersatzes. Als der Nebel weicht, ist ein großes Loch in die deutsche Front gerissen. Schon haut englische Kavallerie, unterstützt von leichten Tanks, em, „die schwerste Niederlage des deutschen Heeres feit Kriegsbeginn ist zur vollendeten Tatsache geworden". Wohl gelingt es in der Nacht, das Loch dürftig zu flicken, aber am Abend dieses Tages konnte kein Zweifel sein, daß der Krieg n u nj endgültig verloren war. Bose untersucht die älrsachen. Er gibt der Führung einen Teil der Schuld, weil sie so vollkommen vom feindlichen Angriff überrascht wurde. „Entscheidend aber war doch, daß die deutschen Truppen am Ende ihrer Kräfte, daß sie zermürbt waren. Mag ehrloses Verhalten da und dort vorgekommen fein, mag es in nur zu vielen Einheiten Verhetzte gegeben haben, die nicht mehr kämpfen wollten; entscheidend waren die Vorkommnisse nicht. Das Unheil war hereingebrochen, weil die physischen und seelischen Kräfte der Masse der Streiter einem Großangriff nicht mehr gewachsen waren." — Das Groß h. Hess. Res.-Ins.-Regt. Nr. 2 5 4 i m W e l t k r i e g e. Die Kriegsgeschichte dieses Regiments, nach den Kriegstagebüchern und Verichtcn der Mitkämpfer bearbeitet von der I Offizier-Vereinigung unter der verantwortlichen I Zeichnung von Oberst a.D. Hünicken, liegt jetzt vor (Verlag von Bernhard Sporn, Zeulenroda i. Thür. Gebunden 8,50 Mk.) (486) — Dieser Regimentsgeschichte gebührt unter den Krieaserinne- rungen der hessischen Regimenter ein besonders I hervorragender Platz. In ungemein spannender vielfach geradezu dramatisch bewegter Weise wird durch dieses Buch vor dem Leser das gewaltige I Kriegsgeschehen wieder lebendig, an dem die 254er I beteiligt waren. Ende Dezemder 1914 in Darmstadt | imb Ümgegenb in der Hauptsache aus hessischen — H. A. Korff: Gcist der Gvethc zeit. Versuch einer ideellen Entwicklung der "Nsfisch- । romantischen LlIeraturgeschichte.ll.Teil.Kiassi^ XVIII, 530 Seiten 8°. Drosch. 14,00. 9" 15^0 f Mark. Verlagsbuchhandlung von I I- 2veoer in Leipzig, 1930. (669) - Mit dem vorliegenden j Bande bringt der bekannte Literarhistoriker Hermann August Korfs, früher in Gießen, jeftt m , Leipzig wirtend, seine großangelegte, geistes- , geschichtliche Systematik des klassischen Iahrhun- , derts zum Abschluß. Der vor einet Reche von , Jahren erschienene I. Band behandelte ben Sturm , und Drang, der II. Band entwickelt in drei Bu- chern Welt- Lebens- und Kunstanschauung Der deutschen Klassik, und zwar in emer .iorm. die auf das glücklichste sowohl dem geschichtlichen wie dem systematischen Gesichtspunkte Rechnung tragt. Zum ersten Male empfängt man hier einen üo^cn Eindruck von der Ideen- und Motivwelt der deutschen Klassik in ihren inneren Zusammen- hängen« Dabei erfahren insbesondere die Dichtungen eine zum Teil ganz neuartige Beleuchtung durch die sie erst ihren lieferen geistes- geschichtlichen Sinn erkennen lassen. Philosophie und Dichtung erhellen sich hier gegenseitig, indem sie als verschiedenartige Offenbarungen em und desselben Geistes, eben des Geistes der Goethezeil. verstanden werden. Daß beide aufeinander bezogen werden und daß die scheinbar so I verschiedenartigen Gedankenwelten Herder^Doe- thes und Kant-Schillers nicht nur nebeneinander- gestellt. sondern in ihrem geschichtlichen Zusammenspiel begriffen werden, gibt zum ersten Ma.e ein wahrhaft einheitliches Bild dessen, was man I bislang als ..Klassik' zusammengefaßt hat. Die Bedeutung des Werkes liegt somit einerseits in Der Aufhellung der dichterischen Einzelheiten, anderseits in dem geschlossenen Gesamtbilde, zu dem sich die so beleuchteten Einzelheiten vereinigen. Hier ist wirklich eine große Synthese erreicht. — Walther Victor: M a t b i I b c. Ein Leben um Heinrich Heine. 160 Seiten 8°. Mit zwölf I Bildern, zwölf Vignetten und einem Faksimile. Geh. 2 80, Leinen 4,80 Mark. E.P.Tal & (So., Verlag, Leipzig, Wien, 1931. — (42) — Fünfundsiebzig Jahre nach Heines Tode erfährt die viel beredete und umstrittene Gestalt seiner geliebten Mathilde in dem lebendig und eindringend geschriebenen Buche von Walther Victor eine warmherzige Würdigung, die geeignet erscheint, das vielfach mißverstandene und I verzeichnete Bild dieser Frau und ihr Verhältnis I zum Dichter in das gebührende Licht zu rucken und ihre Bedeutung für das persönliche und dichterische Wesen Heines gerecht und objektiv darzu)tellen. Eine Anzahl Illustrationen sind in den Text verteilt, welche die Umwelt festhalten, in der Mathilde und Heine lebten. Die Schrift darf als eine schätzenswerte Bereicherung der Heineliteratur gelten — Otto Hcuschele: Geist und Gest a l t. Aufsätze und Briefe. 150 Seiten. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig. (80) OttoHeuschele: Dichtung und Leben. Aufsätze und Reden. 105 Seiten. Verlag Hermann Meister, Heidelberg, (81) — Otto Heuscheie entstammt dem Blut und der Landschaft. die uns Schiller. Hölderlin, Morike und so viele andere Große geschenkt haben. Lind wahrlich: hier hütet ein oollbürtigcr Nachfahr Das heilige Feuer, er hat es an ihrer reinen Glut entfacht aber nun brennt es m eigener schöner Flamme und leuchtet hell in unsere dustere Gegenwart hinein. Heuscheie hat sich mit einer gläubigen Inbrunst, die jeder Geistige ihm tief danken muh, dem Dienst des zeitlos Gültigen m Dichtung und Leben geweiht. So gelingt ihm m feinen Aufsätzen und Reden, was der nur wissenschaftlichen Literaturbetrachtung so oft versagt bleibt; selbst ein Schöpferischer, vermag er wahrhaft magisch die Schöpsungen der Großen zu beschwören, ihr Geist wird aufs neue Gestalt in seiner einsühlenden Darstellung und lebt als ein Ewiges auf, „herrlich wie am ersten -i^ag . Ich lieh Heuscheles in einem edlen Deutsch gekbriebe- nen Bücher auf einer Insel im Mittelmeer auf mich wirken. Unter dem unerbittlichen Licht des Südens das alle Halbheit entlarvt, wurde mir Die unbedingte Echtheit dieses Menschen und feines Werkes offenbar. Er selbst umschreibt ferne Sendung folgendermaßen: „Bildung zu vermitteln soll nicht heißen, mit Wissen zu erfüllen sondern Den Menschen zu bilden, zu gestalten, das heißt zum Bild, zur Gestalt, schließlich zum Dor- bild zu machen." Möchte der unerschütterliche Glaube Heuscheles, daß hinter dem Oberflachenbild unseres heutigen Lebens und Schrifttums die unerschöpflichen Quellen wahrer Volkheit und Dichtung noch fliehen, dadurch bestärkt werden, dah fein begetfterter Ruf begeisterten Widerhall ihm zuträgt aus einer Iugend. die sich keinen besseren Führer zum überzeitlichen Reich Der Seele und des Geistes wünschen kann! w. b. Selbstverlags junger Autoren im Joachim-Goldstein- Vcrlag, Berlin 1931. (53.) — Die im Vorwort erläuterte Organisation dieser Selbsthilfe junger Autoren wurde bereits in einem früher besprochenen Lyrik-Bande des gleichen Verlages gekennzeichnet. Die ideelle Aufgabe, die hier zugrundeliegt — be gabten, aber noch unbekannten Schriftstellern den Weg in die Oeffentlichkeit zu ebnen — ist notwendig und jeder gelungene Versuch begrüßenswert. Allerdings >mih jede derartige Bemühung durch eine un bestechlich kritische Auslese und den entschiedenen Willen zur Qualität beglaubigt sein, wenn nicht Dec Sinn einer solchen Arbeit ins Gegenteil verkehrt und eine an sich vortreffliche Sache diskreditiert wer den soll. Der vorliegenden Auswahl fehlt leider allenthalben jene Legitimation, von der wir sprachen: sie erscheint weder notwendig noch erfreulich. Die Mehrzahl der hier zusammengestellten Prosastücke ist inhaltlich belanglos ober völlig unmöglich, im Stil verschwommen, ungekonnt, heillos dilettantisch. Ein einziger der sechs jungen Autoren — Walter R. Schmidt in der Erzählung „Brot" — zeigt wenigstens Ansätze zu einer nicht völlig konventionellen oder hoffnungslos „literarischen" Gestaltung. — Die Lektüre des Bandes wird durch eine ganze Reihe von verkehrt gehefteten und deshalb falsch numerierten Seiten noch erschwert. — Es wäre sehr wünschenswert, daß die bereits angekündigten kommenden Veröffentlichungen des Verlages stärkere Leistungen präsentieren und wirklich wesentliche Kräfte der jungen Generation, welche solche Förderung verdienen, zu Wort kommen lasse». Neue Lyrik. — Max Sidow: Das kleineLeben. Gedichte. 61 Seiten 8°. Im Kreis-Verlag zu Hamburg. 1931. (667) - Sidow. den Lesern des Feuilletons und der Unterhaltungsbeilage nicht unbekannt, gehört zu der jüngeren Generation deutscher Dichter, deren Schassen in den letzten Iahren zunehmend bekannt geworden ist. Die hier zusammengestellten Gedichte sind in einem schönen Sinn zeitabgewandt, dabei von strenger, auf Rundung und klassisches Maß bedachter Bindung; eine Verskunst, die sich formal unD gehaltlich unter erlauchten Gestirnen zu eigener Prägung entwickelt: Goethe, Hölderlin und die Alten scheinen ihr die Richtung zu weisen. Beseeltes Naturgefühl findet in diesen Strophen die gleiche vertraute Anrede unD brüderliche Beziehung zu Tier und Baum, zu Wolken und Gestirnen wie zum geliebten oder in Freundschaft verbundenen Menschen. Manches ist schön schlechthin, ruhend, geschlossen, „selig in ihm selbst" ... wie das „CiebcdlieD im Frühling"; anderes mag noch vereinfacht werden, klingender, fliehender ... doch soll dies die Freude an der um Reife und reine Gestaltung bemühten Auslese nicht schmälern; man darf den ferneren Gaben dieses jungen Deutschen mit Zuversicht entgegenwarten, -y- — Diemar Moering: Bis ins tausendste Glied. Gedichte. 16 Seiten 8°. Erschienen als Nummer 9 m der Reihe: Die Truppenteilen (Darmstadt, Offenbach. Friedberg) zusammengestellt, kam das Regiment in der Winterschlacht in Masuren im Februar 1915 zum erstenmal an den Feind. Von hier ging es dann über die verschiedensten Schlachtfelder Rußlands — u a. waren 254er auch bei dem weltgeschichtlichen, beispiellos kühnen Vormarsch hinter der russischen Front von Kurland aus in Richtung Smorgon dabei, durch den die feindliche Front im Norden stark erschüttert wurde —, über die zahlreichen Schlachtfelder in Siebenbürgen und Rumänien, schließlich nach Frankreich vom Avre- bogen bis zum Argonnerwald und zur Maas; dann folgt nach unzähligen siegreichen Kämpfen der Rückmarsch bis Gießen, wo die Auflösung des Reginients erfolgte. 59 Offiziere und 2048 Unteroffiziere und Mann sanden im Regimentsverband Den Heldentod. Die Schilderung Der Kriegsgeschichte auf 448 Seilen wird durch 44 gute Bildtafeln und 11 Karlen und Skizzen in sehr anschau- licber Weise bereichert: besonders instruktiv sind Die Karten, die über die Kampfzüge des Regiments lückenlosen Aufschluß geben. Die Schilderung dieser Kriegserlebnisse ist flott und fes,elnd geschrieben: das Buch enthält rege pulsierendes Leben, an keiner Stelle etwa trockene, aftenmafoigc Darstellung. Dadurch wird der Wert dieses prächtigen Bandes, der auch äußerlich würdig gestaltet ist noch erhöht. Möchte diesem Geschichtswerk bei allen ehemaligen 254ern die wohlverdiente herzliche Ausnahme bereitet werden! — Edwin Erich Dwinger: Zwischen W e i ß ii n d R o t. Die russische Tragödie 1919,1920. 11. bis 20. Tausend. 503 Seiten 8". Geh. 5 Mart, Leinen 7,80 Mark. Eugen Diederichs Verlag, Jena. (49.) — Aus der nachgerade unübersehbaren rflut Der Kriegsbücher (der neuerdings eine Welle von Rachkriegs-, Jnflations- und Friedensschilderungen folgt) hebt sich dieses Werk Dwingers als eines der großartigsten und erschütterndsten heraus; dabei hat es mit dem bisher allgemein behandelten Stosskreis des Weltkrieges nichts oder nur indirekt zu, tun — insofern etwa, als es das schauerliche außereuropäische Nachspiel der großen Katastrophe gestaltet: ein Nachspiel freilich, welches erschütternd ist in Den Ausmaßen des weltgeschichtlichen Zusammenbruches und seiner menschlichen Leiden und Opfer, ... von dem jedoch bei uns, bis zum Erscheinen dieser Auszeichnungen, kaum jemand etwas wußte oder sich greifbare Vorstellungen machen konnte, obwohl auch dieses Nachspiel zu einem großen Teil u n i c r c Sache war so sehr wie der Weltkrieg zuvor. Wir hatten allerdings in der Zeit um 1920 und nachher so viel mit unfern eigenen Sorgen ju tun, daß wir kaum achten konnten auf das, was im Osten hcreinbrad). Das Buch „Zwischen Weiß und Rot ist die Fortsetzung des sibirischen Tagebuches „Die Armee hinter Stacheldraht", worin Dwmgcr die Leidensjahre feiner Gefangenschaft beschrieben J)at; hier nun wird die zeitlich sich anschließende -tra> gobie des russischen Bürgerkrieges geschildert, Die Kämpfe zwischen Der weißen und der roten Armee; Dwinger gerät als Flüchtling in den Hexenkessel des mörderischen Endkampfes, welcher Hekatomben Deutsche Erzähler. — Robert Neumann: Karriere. In der Reihe „Blinde Passagiere". 198 Seiten 8°. Brosch. 2 Mark, Leinen 4,90 Mark, Halbleder 7,50 Mark. I. Engelhorns Nachf., Stuttgart 1931. (36.) — Schon in früheren Büchern — „Sintflut", „Hoch- staplernovelle", „Panoptikum" — erwies Robert Reumann seine Vorliebe für die Darstellung abseitiger und untergründiger Charaktere und Situa honen; hier schildert er den jähen Aufstieg eines von Vorurteilen kaum beschwerten jungen Mädchens aus den Niederungen eines provinziellen Tingeltangels von mehr als zweifelhafter Qualität ... bis zur Adoptivtochter eines leibhaftigen Lords. Zwar tonn man kaum sagen, daß die Beschreibung einer derartigen „Karriere" in irgendeinem Sinne notwendig, von Bedeutung oder auch nur erfreulich wäre; doch bewährt sich auch an diesem Stoff die brillante Erzählergabe Neumanns, sein vehementer und zugleich witziger Stil, die Eleganz und Genauigkeit seiner Darstellung. Eine Talentprobe also, — die Neumann langst nicht mehr nötig hat. Ihm wäre — nach seinen letzten Büchern — ein Stoff zu wünschen, wie die „Sintflut", dessen Format Dem Range feines Könnens wirklich entspräche. — Neue Prosa II. Sechs Novellen junger Autoren. 63 Seiten 8U. Dritte Veröffentlichung des __ r ha.en also hier eine Geschichte für Kinder, . .e jem kindlichen D-r tändnis und Eefühlslreis ungezwungen angcpaßt ist und dennoch auch vorn „großen ^tcr1 mit Vergnügen gelesen lLxr.cn rann — eine Geschichte in der sicheren Mitte zwischen Phan.asie und W.r.lichlett, zwischen Aomantit und Realismus, tto.'.cr Phan.asie und voller Spannung. Die Abenteuer des kleinen Ferdi Lamandin und seine Erlebnisse in der Schule, daheim und im Paradies der Roseninsel werden auch bei uns von vielen kleinen Leuten mit herzlicher Anteilnahme aufgenom- men werden -y- — Selma Lagerlöf, Aus meinen Kindertagen, ylebersehung aus dem Schwedischen von Pauline Klaiber-Gottschau. Preis in Seinen gebunden 5 Mark. Verlag von Albert Langen in München. (75) — Run, in der Abendlonne, kramt die große Erzählerin in ihren heimlichsten, heiligsten Schreinen, sie verseht uns in den Kreis ihrer Familie auf dem alten Mar- backa. Die dlrzellen zu „Gösta Verling" und noch manchem ihrer schönsten Bücher entdecken wir hier. Wie dieses ahnung ^reiche, a nungs- sichere kleine Mädchen die Künstlernatur seines Vaters begreift. Daß sie einst Geschichten schreiben wolle, ja, daß sie einzig dazu auf die Welt gekommen sei, daß wußte sie damals schon. Sn ihrer unerhörten Raturverbundenheit fühlt sie die geheimen Quellen, die überall rauschen. Rur daß sie dunkler, voller erbrausen, wenn sie uns zu ihnen führt. Philosophie. — Mit dem Erscheinen der Werke Friedrich Riehsches in Reclams Llniversal-DiRiothek ist dem großen Philosophen die Bahn zur breitesten Wirkung gebrochen. Die Ausgabe (Verlagsbuchhandlung Philipp Reelam jun., Leipzig. — 31 —) bietet in langer Reihe die wichtigsten Einzelwcrle Riehsches in vollständigen Texten. Lins liegen die folgenden Bände vor: „Also sprach Zarathustra", „Senseits von Gnt und Böse", „Die Geburt der Tragödie", die Gedichte, „Ecce homo“, „Zur Genealogie der Moral", „Schopenhauer als Erzieher“. „Richard Wagner in Bayreuth". „Der Fall Wagner" und „Riehsche contra WagnerAlle diese Werke erscheinen zum bekannten billigen Preis, der iiir die broschierten Ausgaben der Einzel- wer.e zwischen 40 Pfennig und 1,20 Mark schwankt — sodaß tatsächlich auch der Unbemittelte sich Riehsche zum äußeren und inneren Besitz machen kann. Selbstvcr.ändlich sind die Ausgaben auch gebunden erhältlich. Ausführliche Rachwovl-e und Erläuterungen von Dr. Kurt Hildebrandt, dem bekannten Verfasser mehrerer bedeutender Rietzsche-Werke, geben auch dem ungeschulten Leser die Voraussetzungen zu einem tieferen Erfassen. — Professor Dr. Heinrich Adolph, Gießen: Personalistische Philosophie. Verlag Felix Meiner, Leipzig. Geheftet 5,~u Mk. (2). — Das Buch steht im Strome des neueren Denkens, das über den Gegensatz von Sdealis- mus und Lebensphilosophie hinaus zu einer höheren existentiellen Ganzheit^form vorzustoßen sucht, die hier als „Person" bezeichnet wird. Die Hauptthpen-der beiden, in sich einseitigen Richtungen werden vorgeführt und in ihrer Begrenztheit aufgewiesen. Vor allem er,ährt der Sdcalismus wegen seiner abstrakten Gestaltfeindlichkeit und Wesensferne eine eingehende, den Grundton der Arbeit bildende Kritik. Doch wird der transzendentale Standpunkt als solcher festgehalten und der Versuch unternommen, die erkenntniskritische Llnterbauung der Erfahrungswelt bis zur Grundlegung einer echt ganzheillichen und metalogischen Synthesis weiterzufk.hren. So erscheint nicht eine abstrakte Vernunftbeziehung, sondern eine echte Gestaltgröße als Grundprinzip des Wirklichen. Damit eröffnen sich Perspektiven, die über die Schranken der Ratio hinaus in die Abgründe des irrationalen Sinnlebens hindeuten, in dem Geist und Geschichte wurzeln. Der Verfasser weiß sich in innerem Zusammenhang mit all den Denkern, die ein ähnliches Ziel erstreben, insbesondere mit Troeltsch, Driesch und W. Stern, deren Ergebnisse aufgenommen und weitergebildet werden. Wirtschaft. 200 Zahre Buderussche Eisenwerke. Die Buderusschen Eisenwerke in Wetzlar begehen am 14. März d. I. die 2 0 0. Wiederkehr ihres Gründungstages. Aus diesem Anlaß gibt die Gesellschaft eine in ihren Werken ausgeführte Plakette aus Gußeisen heraus. Eine Werksgescbchte ist in Vorbereitung. Mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse ist von einer besonderen festlichen Veranstaltung abgesehen worden. Schweinemarkt in Gießen. * Gießen, 11. März. Aus dem heutigen Schweinemarkt standen 158 Ferk l und 7 Läufer zum Verkauf. Es kosteten: Ferkel, bsse sW chn alt, 18 bis 25 Mark, sechs bis acht Wochen alt, 25 bis 30 Mark, acht bis dreizehn Wochen alt, 30 bis 40 Mark: Läufer 48 bis 50 Mark. Tendenz: flott, geringer Lieberstand. * Erhöhung des Mehlpreises. Die Süddeutsche Mühlenvereinigung hat den Preis für Weizenmehl Spezial 0 gestern um 25 Pf. auf 44,50 Mark pro 100 kg erhöht. • Der Lohnkampf in der hes sischen Holzindustrie beendet. Der Tart- und t Lohnkampf in der Holzindustrie von Hessen- Rassau und Hessen ist beendet. Rach einer zwischen den Tarifparteien abgeschlosfenen Vereinbarung treten die Bestimmungen des alten Ver- • trags ab 16. Februar 1931 wieder in Kraft und haben bis zum 15. Februar 19’2 Geltung. Die neue Lohnregelung sieht eine Lohnkürzung von 6 Pfennig pro Stunde für alle Facharbeiter über 22 Scchre vor und eine Kürzung der Akkordsätze um 6 Prozent. Alle nach dem 1. Sanuar erfolgten Kürzungen der Stunden'öhne und Akkord- fätje werden angerechnet. Die GobnregeTung gilt bis zum 14. August 1931. Die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgte in den noch von der Aussperrung betroffenen Gebieten am Montag, dem 9. März. • 2 Millionen Mark Verlust bei der Höch st er Dereinsbank. Unter sirr lern Andrang fand gestern die erste Galubi ^erverfamm- lung der Vereinsbank H'chst statt. Für den Untersuchungsausschuß berich.ete Syndikus Dr. Groß, daß inzwischen ein Status aufgestellt worden sei, der mit einem Fehlbetrag von 932 000 Mark ab- schließt. An Verlusten seien etwa 2 Mill. Mark errechnet worden. Die Prüfung habe ergeben, daß sich die Verwaltung eine Reihe grober Fahrlä,sig- keiten habe zu'chulden ko nmen lassen. Der Unter» 1 suchungsan 3 chuß glaube, daß die Sanierung nur durch eine Erhöhung der Geschäftsanteile von 300 auf 1000 Mark durchgeführt werden könne. Der ! Glnubigerversammlung tourte vorgesch'agen, ein Moratorium auf die Dauer von z vei Sahren, eventuell mit einem Rachlaß vo i 10 v. H. der Forderungen und Verzicht auf Verzinsung ei -zugehen. Rach langer Debatte wurde dem Vo.'chlag mit großer Mehrheit zugestimmt und ein Gläu- bigerausschuh gewählt, der die weitere Bearbeitung der Angelegenheit übernimmt. * Aussperrung in der bayerischen Metallindustrie. Die von Verbund bayerischer Metallindustrieller in den bayerischen Großstädten für Montagab nd am Arb'i'sschluß verhängte Aussperrung to gm Lohntarifkrnfl'.k s ist ein eitlich durchgeführt worden und betrifft rund 40 000 Arbeiter und Arbeiterinnen. Frankfurter Bör^e. Frankfurt a. M., 11. März. Tendenz: fest. — Auch zu Beginn der heutigen Börse lagen von außenstehenden Kreisen wieder einige Kaufaufträge vor. so daß die Tendenz weiter fest war. D e Aufwärtsbewegung der Kurse ging jedoch nur langsam vor sich, so daß verschiedentlich etwas Abgabeneigung bei der Kulisse bestanden hat. Anregend wirkte der relativ leichte Geldmarkt, die Festigkeit der Reichsmark, ferner das langsame Abnehmen der Arbeitslosenzifsern, die weitere feste Haltung des Montanmarktes, an dem neben Käufen der Rheinischen Schwerindustrie auch Order von der Kundschaft Vorlagen, gab die meist stärkere Widerstandskraft. Das Geschäft war für Montanwerte lebhaft, alle übrigen Werte rujb. Bevorzugt sind Ge senl'rchen und Klöckner- werle mit Kursbefestigungen bis 4 Prozent. Die übrigen Montanwerte lagen von 1 bis 2.5 Prozent fester. Größere Kursgewinne hatten noch einige Rebenwerie w'.e Aschaffenburger Zellstoff mit plus 5 Prozent, LechwÄe mit plus 4 Prozent. Don Chemiewerten gewannen Deutsche Kleiner Rückgang der Arbeitslosigkeit. Berlin, 10. März. Ende Februar hatte nach dem Bericht der Reichsanstalt vom 16. bis 18. Februar d. 3. sowohl die Zahl der Arbeitsuchenden, wie die ber Hauptunterstühungs- empsänger in der Arbeitslosenversicherung e t - was ab genommen. Ri r die Zahl der Krisenunterstühten ist noch gestiegen, jedoch langsamer als im Vormonat. Die Zählung vom 28. Felruar ergab, daß von den bei den Arbeitsämtern eingetragenen verfügbaren Arbeitsuchenden rund 4 972 000 arbeitslos waren, d. h. rund 19 000 weniger als am 15. Februar. 3n der Gesamtzahl der Arbeitslosen wurden Ende Februar rund 2 589 000 aus den Mitteln dcr Arbeitslosenversicherung, rund 908 000 aus denen der Krisenfürsorge unterstützt. Die Entlastung der Arbeitslosenversicherung gegenüber dem letzten Stichtage beläuft sich auf annähernd 13 000, die Mehrbelastung in der Krisenfürsorge auf rund 46 000 Hauptunterstützungsempfänger. Sn den beiden versieherungs- mäßigen Llnterstützungseinrichtungen wurden mithin Ende Februar rund 3,5 Millionen Arbeitslose De'reut. Leichte Entlastung in Hessen und Hessen-Nassau. WER. Frankfurt a. M., 10. März. Heber die Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Rassau berichtet das Landesarbeitsamt Hessen in Frankfurt a. M.: Die Arbeitslosigkeit scheint ihren Höhepunkt überschritten zu haben. Sn. der zweiten Februarhälfte sank die Zahl der Arbeit- suchenoen um 2353 auf 311 685, während sie um diese Zeit im Vorjahr noch weiter um 2454 auf rund 230 700 (Höchststand des Sahres 1930) anstieg. Diesmal meinen schon acht Arbeitsämter (in der ersten Februarhälfte nur zwei) eine Abnahme, davon Frankfurt um rund 1600, Mainz 800, Offenbach 700. Von den anderen zehn Arbeitsämtern hatten noch eine größere Zunahme Kassel (574), Limburg (425) und Wetzlar (392). Sn den Außenberufen, in denen sich früher die Lage gewöhnlich zuerst besserte, hatten jetzt nur die Sternindustrie und die Ungelernten eine leichte Abnahme um rund 400 bzw. 140 Arbeitsuchende, während in der Landwirtschaft und im Baugewerbe (Baufacharbeiter) die Zahlen noch weiter fliegen. Dagegen nahmen sie in der Metallindustrie (— 273), in der Lederindustrie (— 630), im Holzgewerbe (— 326), in den Rah- rungsmittelgewerben (— 913, vorwiegend Tabak- industrie) und in den meisten übrigen kleineren Berufsgruppen ab. Die Zahl der Hauptunter- stühungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung ging seit Suli 1930 zum erstenmal wieder etwas zurück, und zwar um 794 auf 150 948. Die Hauptunterstühungsempfänger in der Krisen- unterstühung nahmen aber weiter um 2747 auf 52 472 zu. Erdöl 1.5 Prozent, während 3.-G.-Farben nur mäßig höher einsehten. Elsttrowerte hatten anfangs überwiegen.» Kursrückgänge, lediglich Licht und Kraft 1,75 Prozent. Am Kunstseidemarkt verloren Obernberg 1,5 Prozent. Bis 1 Prozent freundlicher ero.fneten noch Süddeutsche Zucker. Da'mler, Bauunternehmungen und Schiffahrtsaktien. AG. für Verkehrswesen waren mit 2.5 Prozent mehr gefragt. Am Banlenmarkt setzten Reue Reich.bankanieile ihre Aufwärtsbewegung um 2,5 Prozent fort. Rach den ersten Kursen [am zunächst einiges Material an die Märkte, so daß die Kurse kleine Rückgänge erfuhren. Später setzte sich wieder eine neue Aufwärtsbewegung durch, die Mehrzahl der Kurse lag über dem R v:au der Anfangslurse. Am Anleihemarkt blieben Deutsche Anleihe knapp behauptet. Au.landrenten ohne Geschäft. Pfandbriefe fester. Für Schuldsorderungen und Liqui- daiionspfanibriefe ergaben sich Erhöhungen von 0 5 bis 1 Prozent. Sm weiteren Verlaufe der Börse blieb die Tendenz durchaus fest. Besonders Montanpapiere waren stärker ge'ucht. Die allgemeinen Kurlbefserungen betrugen erneut bis 1 Prozent. Das Geschäft belegte sich allerdings meist nur innerha.b der Kulisse. Am Geldmarkt war der Sah für Tagesgeld mit 3 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt lag die Mark infolge der Kapita rück lüsse aus dem Ausland weiter fest. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1992, gegen Pfund 20 40, London gegen Kabel 4 8531, ^egen Paris 124,11, gegen Mailand 92.74, gegen Madrid 44 30, gegen Schweiz 25,2440, gegen Amsterdam 121150. Berliner Börse. Berlin. 11. März. Schon im heutigen Vor- mittagsvcrkchr konnte man feststellen, daß der Grundton trotz des schwächeren Verlaufs der gestrigen Reuyorker Börse weiter freundlich war. Man verwies namentlich auf die Festigkeit der Mark, das weitere Zurück- fließen deutschen Kapitals aus dem A u s l a n d e und die, wenn auch geringe, Abnahme der Arbeitslosenziffer. Vorbörslich war es noch hinsichtlich der innerpolitischen Betrachtungen (Wehretat) etwas unsicher. Zu den ersten Kursen konnte sich dann aber wieder eine ausgesprochen feste Tendenz durchsetzen, da weiter lebhaftes K a u f i n t e r e s se des Sn- und Ausla ndes bestand. Auch die Depo- sitenkassenkundschaft hat wieder große Kassaaufträge vorgelegr. Sm Vordergründe des Snter- esses standen Montanwerke, da man sich für diese Sniustrie von den Verhandlungen der deutschen Sndustriesührer in Rußland eine besondere Anregung verspricht, zumal auch die Ausführun'en des Geheimrats Klöckner in dieser Richtung hin sehr zuversichtlich sind. Papiere wie Buderus, Gelsenkirchen, Harpener. Klöcknertoerke, Leopold- grubc und Phönix erschienen mit Plus-Plus-Zeichen. cber auch Rhe nifche Braunkohlen und Rheinstahl lagen weiter fest. An den übrigen Märkten zeichneten sich von Danken Berliner Handelsund Reichsbank, von Maschinen Derlirer Maschinen, Motoren D:uh und Orenstein & Koppel durch Festigkeit aus. Berger lagen 5 Prozent höher Rordwotte war fest, am Kalimarkt fielen Westeregeln mit 4,5prozentigen Gewinnen besonders auf. Kurssteigerungen von 1 bis 3 Prozent waren ziemlich allgemein Eine Ausnahme machten im Zusammenhang mit der Schwäche an den Materialmärkten Mansfeld, die 1,25 Prozent trrloren, und Hansa Dampf, die auf den gestern schon als wahrscheinlich bezeichneten Divi endenausfall weitere 2.25 Proz. einbüßten. An eihen freundlich. Don A'. s ändern erschienen Türken mit Plus-Plus°Z ichen, sonst wenig verändert. Pfandbriefe weiter gefragt. Reick. sfchuldbuchforderungen lebhaft und bis ein Prozent höh r. Geld weiter erleichtert. Tagesgeld mit 3,5 bis 5,5 Prozent, die übrigen Sätze un- Der'nbcrt. Der Verlauf brachte dann mehrfache Schwankungen, die Kurse lagen zeitweise über, zeitweise unter Anfangsnivcau, doch betrugen die Besserungen selten mehr als 1 Prozent. Sulins Berger konnten weitere 3 Prozent g Winnen, dagegen konnte man am Kunstfeidemarkt stärkeres Angebot beobachten, das den Kurs um 2 Prozent drückte. Hiervon ausgehend wurde später die Stimmung etwas unsicher. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11.März. Es wurden notiert: Weizen 337,50; Roggen 232 50 bis 235; Sommerg rste für Brauzwecke 215 b s 223; Hafer, inländischer 170 bis 175; W.izenmehl, südd. Spez. 0 43,75 bis 44 75; Roggenm-chl 28 75 bis 29,75; Weizenkleie 10,75 bis 11; Roggen- kleie 11,75 bis 12 Mark. Tendenz: fest. Letzte Nachrichten. Stimmenthaltung der So ialdemoraten bei derAbstin'.m mg üverdenPanzerrrenzer. 8" Berlin, 11.März. 3m Haushaltsaus- schuß des Reichstages gab heute bei der De au::g deS Haushal stzlanes der Re'chsmarir.e der sozialdemolratische Abgeordnete Hünlich die Erklärung ab, daß sich seine Fraktion bei der Abstimmung über die angesvrderte e.ste Rate des Panzerkreuzers B im Ausschuß zunächst der Stimme enthalten werde. D'e Fraktion verlange daß die durch das Flvtten- b up ogramm erwachsende finanzielle Belastung durch eine entsprechende Entlastung der arbeitenden Bevölkerung ausgeglichen we de. Sie werde bestimmte steuerpolitische Anträge einbringen und erwarte ein Entgegenkommen auf soz'alpolitischem Gebiete. Erst wenn diese Fragen geklärt seien, könne eine en g tilge Stellungn-Hme zu den angeforderten Schisfsbauten «.folgen. Kurszettel der Berliner und frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdtskvni 5 o $)., Lombardzinsfuß 6 o ch vran ur u. | Seriin Schluß. urs I-Ühr. Kur« Schluß» Biiiana» mrl Kur« Datum 10.3. | 11.3. 10.3. 11.3. 6% Deutlche ReichknUethe von 1027 . 84,75 — 7% Deutlche Relchöanlelhe von 1929 98,9 — 98,9 _ veuiläie «nl.-MlSl.-Echulb mi, Auölo,. Rechten 56,9 56,7 56,7 56,9 Deegl. ohne Auelol.-Rcchte 6,65 6,65 6,4 6,5 «% Heil. BoUciiam von 1929 (rfidtablb 102%) 91,5 — 91,5 — ObftMIcn Provinz - Anleihe mi Aurlo, .-Rechten 53,75 — veuilche komm. Sammelabl. Anleihe Gerir 1 54,9 54,75 — 8% Kranit. Hnv- Bani Kowvie XIII unlünvbar bir 1931 100,5 _ — — 7% «Iranki HvP..Bank Goldple unkünvdar bi» 1032 94,75 _ _ _ Hott. 168,24 1H8.58 168,20 168,54 Bu n.-AireS 1,431 1,435 1,450 1,454 Brff. Nnnv 58,47 58.59 58,445 58,565 Cbriftfnnia. 112,19 112,41 112,18 112.40 fiüpvnbaflen 112,20 112,42 112,18 112,40 Siockiiolm 112,30 112,52 112,28 112.50 Helsingtors. 10,56 10,58 10,556 10,576 Italien . . 21,98 22,02 21,975 22,015 London. . 20,383 20,423 20,379 20,419 Neunork .. 4,196 4,204 4,1950 4,2030 Boris. • . 16,422 16,462 16,411 16,451 Schweiz .. 80,74 80,90 80,72 80.88 Sva iert 45,91 46,01 46,05 46,15 Iavan 2,076 2,080 2,076 2,080 Nio de s>an- i,342 0,344 0,342 0,344 Wien in D.» Ceft. abfleft 58,97 59,09 58,97 59,09 'pvaa 12,429 12,449 12,427 12,447 Belirad 7,359 7,389 7,365 7,379 Luoav >1 - . 73,14 73,28 73,12 73,26 B>u> arten 3,040 3,046 3,040 3,046 "'ssadon 18,82 18,86 18,82 18,86 Danna 81,46 81,62 81,44 81.60 Sonft nttu. 1,784 1,789 1,784 1,789 Htticn 5,445 5,455 5,445 5,455 Lanuoa 4,1955 4,2035 4, 5 4,203 Uru uat) . 3,137 3,143 3,177 3,183 6airo . . . 20,90 20,94 20,90 20,94 ßfiiW1 ►•je in’ fl*16 l"'^groll' |Wg,Ä’ un non iri lohn. QU* .ner'Jiuni Sei ®f anttr^" Mh- 'ffff. SS Abg. hu"' SÄÄ I* »en bis»««*1 »en s™ -usiimmung vc w ! vor gegenüber dem • andere Stellung M Neichswehrmmister I rniung des daß er auf die Emfk Rate für das Panzei ,rocht der besonders a, Haltslage oerZichu vom Reichskabmetl m Entschließung,e tgeleg mitdemElat 19^ bauersatzplan,d der Linienlchisie, enti qelegt werden würde, bestes 1931 iftno ter al; die des Jar wäre alst nach Ansic kratifchen Fraktion \ alle Veranlassung gec m a (aus die Fnangi zerkreuzes B zu vei von feiten der Regi gerlichen Parteien ir hange auf die i Gesamtlage hi verschließt sich auch tifchl Frallion nicht alle an der Aufrechte kratifchen Regierung 'Ubroctir des §afchis Parteien aus der geg tion gewisse politische zu ziehen haben. Sv deshalb unter allen langen, daß, wenn i den Planen der Regi mindesten die sin durch das Flottenpn entsprechende tendenBevölke Zu diesem Zweck w politische Anti wartet gleichzeitig । Forderungen auf biete, Erst wenn i eine endgültige Mldemokralischen Fi Cchisssbauraten erfoli bei der Abstimmung ii Pir den Vau des Pan Stimme enthalt 21bg. Di $ie Morine ist Jeutfdjen Wehrn,acht fcÄn un ^utschlands eine m^-^lche Reick ,0Uk m ®arine inn sttn v^keilen c ÄJ* 'm Dienste »6 «u bringen. ÄUJ'iÄ ^ch'ises ! l>,°"^ "M 5*n Änl>'« bei Ä’e&’s 2^*5 hi und nich,;