Mittwoch, 11. Februar 1931 181. Jahrgang Nr. 35 Erstes Blatt Annahme oon Hnjetgen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Drelle örtlich 8, auswärts 10 Rcichspfennig! für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorfchrift 20", mehr. Chefredakteure Dr Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in (Biehen Ertcheini tügl'ch.ovtz« Sonntags und Feiertag» Beilagen Die IllustrieNe Gießener Famtllenblätter Heimat im Bild Die Scholle !Ronat$-Bepig$pret$: 2.20 Reichsmark and 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerNummern infolge höhere, Gewalt. zenUvrechanlchlüfse anterSammelnummer2251 Anschrift für Drahlnach» richten Snzetger rieste». Postscheckkonto: gra*tfurtam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch. vnd Stehtöruderet R. Lange in Gießen. Schriftleitnng und Geschäftsstelle: Zchul^raße 7. Die Rechtsopposition verläßt den Reichstag. Nationalsozialisten, Deutschnationale und der rechte Klügel der Landvottpartei ziehen sich aus dem Parlament zurück. Protest gegen die Reform der Geschäftsordnung. - Außenminister Dr. Curtius berichtet über Genf. parlamentarische Notwehr. Wenn man den Entrüstungsschreien von rechts und links her glauben will, dann ist am Montag im Reichstag so etwas wie ein parlamentarischer Staats st reich begangen worden. Der- sassunasbruch ist noch das Wenigste, was der Mehrheit nachgesagt wird, die mit zäher Beharrlichkeit ihren Willen durchsetzte und alle Obstruk.ionswrluche ni d^rzwang mit Hilfe einer Dauersitzung, die in ihrer Aufmachung, allerdings nicht in ihrer inneren Leidenschaftlichkeit an die Kämpfe um den Zolltarif erinnerte. Nachdem dieSchlacht ge'chlagcn ist und die n e u e n D e- stimmungen der Geschäftsordnung in Kraft getreten sind, darf man doch einmal schüchtern an die Prüfung der Frage Herangehen, inwieweit denn die ganze Aufregung berechtigt war. Die aus der Mitte hcrvorgegangenen Borschläge zerteilen sich in verschiedene Gruppen. Sie sehen zunächst eine Vereinfachung and Beschleunigung der Geschäftsordnung vor. Sie wollen verhindern, daß Agi- tationsanträz;e gestellt werken, die Hunderte von Millionen verlangen, ohne daß die Däter dieser Anregung sich über die Deckung des Mehrbedarfs irgendwelches Kopfzerbrechen machen. Sie wollen eine bestimmte Formel für die Mißtrauensanträge, sie wollendem Unfug ein Ende machen, daß Abgeordnete gleich Dutzende von Zeitungen verantwortlich zeichnen und dadurch den Begriff eines parlamentarischen Sihredakteurs geschaffen haben, der sich der strafrechtlichen Verfolgung entzieht. Sie wollen der LI e b e r sie ig e r u n g des Immunitätsbegriffs gleichzeitig zu Leibe gehen, indem sic mit dem Grundsatz brechen, daß Anträge auf Strafverfolgung von Abgeordneten nicht mehr genehmigt werden. Das ist im wesentlichen alles, wozu vielleicht noch zu rechnen wäre, daß Finanzvorlagcn künftighin sofort dem Haushaltsausschuß überwiesen werden, ohne den Umweg über die erste Lesung im Plenum zu machen. Das ist unbedingt ein Fortschritt, von dem nur zu bedauern ist, daß er auf Finanzvorlagen beschränkt bleibt. Er hätte allgemeine Gül- tigkcit haben sollen, denn der Apparat, mit dem der Reichstag heute an seine Arbeiten herangeht, ist unnötig kompliziert. Drei Lesungen, dazu noch Kommissionsberatungen, die sich bei wichtigeren Gesehen wieder in mehrere Lesungen gliedern: das ist wirtlich des Guten zuviel. Aumal nachdem die Kommissionen sich zu einem Plenum im kleinen umgestaltet haben und auch tatsächlich dieselben Reden aus dem Ausschuß nachher noch einmal gehalten werden. Die alten Bestimmungen waren ten Bedürfnissen der Zeit nach der Reichsgründung angepaßt, sie sind inzwischen l ä n g st überholt worden, gerade im Interesse des Parlaments war es notwendig, sie umzugestalten, und wenn mehr Zeit zur Verfügung gestanden hätte wäre es sogar imhlich gewesen, das ganze Verhältnis zwischen den Ausschüssen und der Vollversammlung auf eine andere Grundlage zu stellen. Der Reichstag hat bei der Bearbeitung seiner Rechte und seines Verfahrens sehr viel Sinn für Tradition. Das ist an sich gewiß gut, wenn aber eine Sitte nun einmal durch Mißbrauch zur Mnfitte geworden ist, dann soll man auch den Mut haben, das anzuerkennen und f ü r Abhilfe zu sorgen. _ Wir wollen nicht entscheiden, ob die formen, die dafür jetzt gewählt worden sind, besonders glücklich waren. Wir haben auch sachlich mancherlei Einwendungen gegen die Methoden, mit denen die Neuordnung erzwungen wurde. Darüber aber, daß sie notwendig war, kann unter vernünftigen Menschen kein Streit bestehen. Schon der verstorbene Demokrat Naumann hat einmal den Reichstag eine Halle der Wiederholungen genannt. Gr ist darüber hinaus mehr und mehr zu einer Stätte geworden, in der Demagogie und Agitationsluft sich austoben, während die Möglichkeiten einer gesunden Reformarbeit im Interesse des Volksganzen immer geringer wurden. Wer sich daran erinnert, mit welchem Interesse früher die Berichte über die Reichstagsvcrhaick)- hmgen gelesen wurden, und wer damit vergleicht, wie eS derselbe Reichstag in den letzten wahren verftanben hat, sich an die Peripherie des Geschehens heranzumanövrieren, der kann sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß irgend etwas in dem Apparat nicht stimmte; daß also möglichst schleunigst eine Wandlung eintreten mußte, wenn die Volksvertretung die unmittelbare Verbindung mit dem Volksleben nicht verlieren wollte. . Lim so überraschender berührt es, daß die Nationalsozialisten, Deutschnationalen und Landvolk diesen Akt parlamentarischer Selbsthilfe nun mit einem Boykott gegen den Reichstag beantworten wollen. Sie haben am Dienstag einen feierlichen Exodus vollzogen und erklärt, daß sie dem Hause fcrnbeiben würden, um es nur wieder zu betreten, wenn eine „besonders tückische Maßnahme" abgewehrt werden soll. Die Mehrheitsparteien haben diesen Wmarsch mit Hohngelächter beantwortet, aber auch ihnen wird vermutlich nicht sonderlich wohl dabei sein. Der Zweck der Hebung wird bei den Nationalsozialisten darin gesucht werden müssen, daß sie ihre Bewegung jetzt von außen her stärken und eine eifrige Propagandatätigkeit ent alten wollen, während Deutschnationale und Landvolk, die in den letzte T gen im nationalsozialist.schen Fahrwasser sege.ten, wohl mehr daraus rechnen, daß durch ihr Vorgehen das inzwischen gestärkte Ansehen der Regierung Brüning einen Stoß erhalten soll. Denn die Zatzl der jm Reichstag praktisch anwesenden Abgeordneten schrumpft auf etwas mehr als vierhundert zusammen, von denen Sozialdemokraten und Kommunisten die Mehrheit haben. Jedenfalls fällt jetzt das Gegengewicht der Rechten ganz fort, die Sozialdemvtraten könnten also den Druck auf das Kabinett Brüning erheblich verstärken, um den Kanzler auf diese Weise von seiner Linie abzudrängen. Der Kanzler gerat dadurch in die schwierige Lage, daß er sich unter Hmstanden gegen Links wehren muß mit vollständig offener rechter Flanke. Seine Aufgabe wird dadurch nicht erleichtert. Aber auch, wenn man die Dinge nicht ausschließlich par.a- mentarisch sieht, bedeutet das Experiment der Rechten eine schwere Belastung nicht nur des Reichstags, sondern auch des Volkes, weil man jenseits unserer Grenzen darin eine Kampfansage erblicken wird, die mit neuen Erschütterungen der inneren Entwicklung droht. Sitzungsbericht. Berlin. 10. Febr. (DDZ.) Dor Eintritt in die Tagesordnung verliest Abg. Stöhr (Rats.) eine Erklärung, in der gegen die gestern beschlossene Lenderung der Geschäftsordnung protestiert wird. Alle auf Grund dieser Geschäftsordnung zustande kommenden Gesetze müßten als verfassungswidrig bezeichnet werden. Wir Nationalsozialisten werden in diesem Hause des organisierten Derfassungsbruches (Glocke des Präsidenten) nicht mehr mit- arbeiten. Wir werden den Tributreichstag verlassen. (Lebhafter Beifall links.) Wir werden als deutsche Opposition um die Seele des Volkes kämpfen. Wir warnen die Weltöffentlichkeit. Beschlüsse dieses Hauses für Beschlüsse des deutschen Volkes zu halten. (Lln- ruhe links.) Wir appellieren an den Reichs- präiidenten als den Hüter der Reichsverfassung, er möge dem verfassungswidrigen Treiben dieses Hauses entgegentreten. Wir verlassen also das Voung-Par.ament und werden erst wiederkehren, wenn sich etwa die Möglichkeit ergibt, einen besonders tückischen Anschlag auf das Volk abzuwehren. (Aha-Rufe links.) Die Nationalsozialisten rufen dreimal Heil, und marschieren dann gemeinsam aus dem Saale. Abg. von Freytagh-Loringhoven (Dnl.) verliest bann eine Erklärung seiner Fraktion. in der die gestrigen Beschlüsse als verfassungswidrig bezeichnet und besonders scharse Angriffe gegen die Deutsche Volkspartei, die Christlich-Sozialen und die an den Mehrheitsbeschlüssen beteiligten Mitglieder der Landvolkpartei gerichtet werden. Diese Fraktionen könnten nicht mehr zur Rechten gerechnet werden, sondern seien Anhängsel der schwarz-rot- goldenen Koalition geworden. Wir verzichten nicht auf die weitere Mitarbeit im Reichstag, und wir werden im gegebenen Augenblick das tun, was uns richtig und zweckdienlich erscheint. An den Verhandlungen über die auswärtige Politik werden wir uns nicht beteiligen. (Hört, hört! und Hnruhe.) Dieser Reichstag ist ohne uns ein Voung-Reichstag. Er hat bisher alles genehmigt, was Deutschland schädigen konnte. — Bei diesen Worten kommen von der Linken und aus der Mitte stürmische Pfuil- Ruse. Die lauten Protestkundgebungen dauern an, so daß der Schluß der Erklärung des Redners unverständlich bleibt. Die Deutschnationalen verlassen mit dem Abgeordneten von Freytagh den Saal. Abg. Dr. Wendthausen (Lv.) gibt unter großer Unruhe der Linken für einen Teil der Land- volkgruppe eine Protesterklärung gegen die gestrigen Rcichstagsbeschlüsse ab. Er erklärt, das wahre Deutschland sei nur in den Reihen der nationalen Opposition und verläßt mit einigen Freunden den Saal. Abg. Stöcker (Hom.) erklärt, die Kommunisten protestierten zwar auch gegen die gestrigen Beschlüsse, aber sie dächten nicht daran, das Komödienspiel und Betrugsmanöver der vereinigten Nationalsozialisten und Nationalisten mitzumachen. Die Kommunisten würden auch im Reichstag bis zum letzten Augenblick kämpfen gegen das Poung-Syftem * und für ein neues Deutschland. Zahlreiche Kundgebungen von amtlicher Seite haben den deutschen Standpunkt vor aller Welt klargelegt. Es bedarf dazu nicht noch weiterer Notifizierungen. 3m Kampf für Wahrheit, Ehre und Freiheit haben wir neben diesen Kundgebungen den Weg der A u f = tlärung beschritten. Die Folge war, daß sich die Sachverständigen fast aller Länder mit der Kriegsschuldfrage besaßt haben. Durch diese Arbeit ist die Grundlage der Versailler Kriegsschuldthefc in ihrer historischen Haltlosigkeit längst e r w i e - s e n. Der Tag ist nicht fern, an dem Richter oder Gelehrte zusammentreten werden, um endlich den Spruch der Wahrheit und der Gerechtigkeit zu fällen. . . Die Reparations frage drängt sich rote ein ungebetener Gast in alle internationalen Zusammrn- künste. Seit einem Jahre ist der Neue Plan in Straft. Unsere Gegner wissen, daß wir ihn nicht zerreißen werden. Wie die Unverbrüchlichkeit der Pflicht zur Zahlung privater deutscher Finanzschulden, so steht fest, daß wir über unsere öffentlichen Schuld- Verpflichtungen nur auf dem Vertrags- hoben, nur mit den Mitteln internationaler Rechtsordnung verhandeln und handeln werden. Aber unsere Gläubiger wissen auch, daß wir eine Garantie für b i e Erfüllbarkeit d e s NeuenPlanes stets abgelehnt haben.Seit den Haager Konferenzen hat e i n e v ö l l i g e V e r- [agcrung in ber Weltwirtschaft stattgesunden. Wir stehen vor ganz neuen Ausgaben zur Uebcrroinbung der Krise, bei denen die Reparationsfrage einen ausschlaggebenden Faktor bildet. Diese Lage in Verbindung mit unserer Finanznot und der Verelendung unseres Volkes bringt die Reparations. frage in den Vordergrund, auch des außenpolitischen Handlungsbereiches. Die Retchsregierung hat am Neujahrstage dem Reichspräsidenten gegenüber die Verantwortung übernommen, baß bas deutsche Volk durch unerträgliche Lasten nicht feiner sozialen und sittlichenGrundtagen beraubt wirb. Wie nach innen die Repara- tionssrage ber wichtigste Teil unseres ganzen Finanzproblems ist, so steht sie nach außen im Zusammenhang mit ber Außenpolitik. Diese Zusammenhänge dürfen wir niemals außer acht lassen. 3d) bin beshalb mit bcrn Reichskanzler ber Meinung, baß Zeitpunkt unb Maßnahmen für eine Erleichterung unserer Lasten nicht außerhalb solcher Zusammen- hänge bestimmt werben burfen. Die Reichsregierung hat bei ihrem Amtsantritt ihre außenpolitischen Ziele gekennzeichnet: Erringung der nationalen Freiheit sowie der moralischen unb materiellen Gleichberechtigung Deutschlands auf dem Wege des Friedens unter Ablehnung einer Politik der Abenteuer. Hinter diesem Ziel steht die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes. Die Methode zur Erreichung dieses Zieles kann nur in Vereinigung zähen Willens mit klarer Erkenntnis der Lage unb Besonnenheit ber Führung bestehen. Ich bin überzeugt, daß die Reichs- regietung aus diesem Wege eine stetig wachsende Gefolgschaft finden wird. , Präsident Löbe verliest einen Brief des Abgeordneten Stöhr «Rats.), in dem mitgeteilt wird, daß Stöhr seinen Vizepräsidenten post en nie der legt, unb daß auch Die übrigen Nationalsozialisten ihre Aemter im Reichstagsbureau niederlegen. Abg. Stampfer (Soz.) Mit Polen sind wir in einem akuten Konflikt, weil in Polen das Dritte Reich ausgebrochen ist. Was uns aus der P i l s ud s ki-Dikta t u r , was uns von den polnischen Aufständi- fchen in Oberfchlefien entgegengrinst, das ist die uns wohlbekannte Hakenkreuzvisage. Wir Sozialdemokraten haben zuerst protestiert gegen die Vergewaltigung ber deutschen Minderheit in Polen, aber auch gegen die Vergewaltigung der Hfrainer in Polen unb gegen die Kerkergreuel von Brest-Litowsk. (Beifall.) Wir haben nichts gemein mit jenen Herrschaften von rechts, die zwar mit uns gegen Graczynski in Polen die Fäuste ballen, die aber dem Henker der Deutschen Südtirols, Mussolini, die Stiesel lecken. Die Denkwürdigkeiten des Fürsten Bü - l o w sind eine vernichtende Selbstanklage gegen die kaiserliche Außenpolitik nach Bismarck. Sie beweisen, daß diese ganze Poli.ik eine einzige Operette gewesen ist, die allerdings am 1. August 1914 zur Tragödie geworden ist. Die Rechtsopposition, die jetzt den Reichstag verlassen hat, hat aber an dieser Politik nur auszusehen, daß sie nicht noch theatralischer, noch großmäuliger gewesen ist. Hätten wir eine Außenpolitik nach dem Rezept dieser Herren gehabt, dann wäre heute von Deutschland nicht ein Fetzen mehr übrig. (Beifall.) Abg. Or. Kaas (Zen.) Durch den Exitus der fogenannten nationalen Opposition haben die Reichstagsverhandlungen sicher an Sachlichkeit unb Geistigkeit gewonnen. Der Abgeordnete oon Freytagh-Loringhoven hat in verschiedenen Aufsätzen den falschen Eindruck erweckt, als habe man die außenpolitische Debatte gegen den Widerstand des Außenministers erzwingen müssen. DieRede desReichsaußenministers Reichsaußenminister Dr. Curiius leitet bann die außenpolitische Aussprache ein. Er beginnt mit ber Besprechung der Verhandlungen des Studienausschusses für europäische Zusammenarbeit. Die bisherige Be- Handlung des weitreichenden Problems einer europäischen Union ist begreiflicherweise.über tastende Versuche noch nicht h i n a u s g e k o m m e n. Die Ausstellung eines umfassenden Programms für die europäische Zusammenarbeit ist einem besonderen Komitee überwiesen worden, das das Material bis zum Mai vorbereiten soll. Der Angelpunkt der großen europäischen Fragen ist bas deutsch-französische Der halt- n i s. Es wäre verhängnisvoll für das Schicksal Europas, wenn sich nicht auch jenseits des Rheines die Erkenntnis der Ursachen durchsetzte, die letzten Endes die heutige Situation in Europa herbei- geführt haben. Wir sind durchdrungen von ber Üeberzeugung, daß ein neues Gemeinschaftsgefühl im Werden ist. Wir wollen aber nicht, daß das neue Europa auf der Grundlage unseres schwersten Niederbruches aufgebaut wirb. Der Minister geht bann auf die Abrüstungs- frage ein, die im Dölkerbundsrat eine bedeutsame Rolle gespielt habe. Nach der ganzen Haltung der deutschen Vertretung in ber vorbereitenden Ab- rüstungskommission war es selbstverständlich, datz wir bas Ergebnis der Arbeiten dieser Kommission a b l e h n t e n. Wir haben im Dölkerbundsrat nochmals bargelegt, daß der Konventionsentwurf keine verpflichtende Kraft habe. Für uns ist entscheidend, daß wir einen klaren Rechtsanspruch auf Durchführung der allgemeinen Abrüstung haben, unb daß wir uns mit einer noch längeren Verzögerung der Erfüllung dieses 'Anspruches nicht abfinden können. Die lieber- zeugung von unserem Recht hat inzwischen Schritt um Schritt an Boden gewonnen. Noch gestern hat der englisct)e Außenminister erklärt, daß jedes Mitglied des Völkerbundes durch Gesetz unb Ehre z u r Abrüstung verpflichtet sei. Nun müssen den Worten die Taten folgen. Wir verlangen denselben <ß-ab von Sicherheit, wie ihn bie anberen Staaten für sich in Anspruch nehmen. Der Ausgleich des Rüftungs- unterschiebes stellt nicht nur eine vertragliche Verpflichtung bar, fonbern ist unabweisbar notwendig, um Ruhe unb Sicherheit in (Europa I zu schaffen. Für alle Wett ist bie Lösung ber Abrüstungssrage ber Prüfstein de» Völker- bundes. 9m Mittelpunkt der Tagung des Völkerbunds- rotes stand die Behandlung der polnischen Gewalttaten gegen die deutschen Minderheiten. Es ist für die Geschichte des Minderheitenschutzes von besonderer Bedeutung, daß die Feststellung von Vertragsverletzungen durch eine dem Völkerbundsrat angehörende Macht in aller Deutlichkeit erfolgt ist und daß der Völker» bundsrat eine Ratsmacht eindringlichst aufgeforbert hat, die vorhandenen Mißstände zu beheben. In der Möglichkeit der Nachprüfung der Berichte der polnischen Regierung bei der Maitagung liegt die wichtigste Garantie, die uns und den Minderheiten gegeben ist. Wir werden das Ergebnis genau prüfen und behalten uns vor, bie notwendigen Anträge zu stellen, wenn es unseren Erwartungen nicht entspricht. Im Einvernehmen mit den Worten, mit denen der Präsident des Völkerbundsrates, Henderson, die Tagung geschlossen hat, erwartet auch die deutsche Regierung, daß der Völkerbund in Zukunft entschlossener als bisher feine hohe Aufgabe durchführt, ein Hort der Minderheiten zu fein. Der Minister macht dann Ausführungen über die allgemeine Einste11ung zum Völker- bunt». Gewiß haben wir oft Anlaß zu scharfer Kritik an den Beschlüssen des Völkerbundes gehabt. Aber Kritik und Enttäuschung find nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit der Notwendigkeit, unsere Mitgliedschaft und damit den Kampf in Genf ouszugeben. Die Befriedigung, die Sie «nach rechts» jetzt über die demonstrative Geste einer deutschen Kündigung empfinden könnten, würde recht schnell einer großen Ernüchterung Platz machen. Selbstverständlich steht die Reichsregierung nicht auf dem Standpunkt, daß Deutschland unter allen Um ft an Öen int Völkerbünde zu bleiben hätte. Wenn er sich der Erfüllung derjenigen Aufgaben, die die Grundlage seines Daseins bilden, versagt, dann wären wir vielleicht eines Tages zu neuen Entschlüssen gezwungen. Es ist aber nicht richtig, daß die Zugehörigkeit zum Völkerbund bisher für Deutschland ergebnislos gewesen sei, und daß sie uns nur Hemmungen unserer Bewegungsfreiheit gebracht hätte. Mil ber moralischen Gleichberechtigung Deutfch- lanbs steht im Zusammenhang bie Kriegs- schulbfrage. Alle beutschen Regierungen hoben gegen bie Versailler Kriegsschulbthese schärfste Verwahrung eingelegt Gan; Deutsch- (anb ist barüber einig, baß ihm durch bas einseitige Schvlbbiktat von Versailles schweres Unrecht jugefügt worben ist. Nun ober, wo der geistige Kampf beginnen soll, wo der Außenminister als Vertreter einer mindestens ebenso nationalen, aber weniger phrasenhaften Ver- ständigungs- und Befreiungspolitik sich zur Auseinandersetzung stellt, da ergreift die sogenannte nationale Opposition die Flucht. — Der Redner erklärt zur Paneuropafrage: Man kann ein neues Europa Zwar auf der Landkarte machen, aber man darf auch nicht vergessen, den G e i st wirklich in allen Völkern großzuziehen, der allein diesem Mechanismus Europa das Bild eines wirklich zukunstsfähigen Organismus geben kann. In diesem neuen Europa muß der Grundsatz der ehrlichen Gleichberechtigung aller Völker durchgeführt sein. In der Abrüstungsfrage erkläre ich mit allem Nachdruck, daß für meine politischen Freunde nicht nur aus realpolitischen, sondern auch aus ethischen und grundsätzlichen Erwägungen die Abrüstung das Primäre ist Wir haben d e n A n s p r u ch a u f e i n e g l eichwertige Sicherheit, und es ist unser aller Wunsch, daß sie erreicht werden möge durch A b - rüstung der anderen. Wenn aber die andern nicht abrüsten, wenn tatsächlich endgültig die anderen ihre Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag und dem Völkerbundspakt nicht erfüllen sollten, ja, wie wollen sie dann dem Land, das diesem Militarismus der andern gegenüber nun an eine Aufrüstung denken würde, Militarismus vorwerfen? Der von rechts gestellte Eintrag auf Ausscheiden Deutschlands aus dem Völkerbünde ist gerade jetzt nach dem Erfolg in Gens am allerwenigsten zeitgemäß. Es darf aber nicht verschwiegen werden, daß die Skepsis gegenüber dem Völkerbund heute im deutschen Volte schon einen gefähr- lichenGrad erreicht hat. 3n derKriegs- schuldfrage arbeitet die Zeit für uns. Wir werden uns der Wahrheit auch dann beugen, wenn für die eine oder andere deutsche Stelle, für die eine oder andere deutsche Persönlichkeit ein Teil von Schuld festgestellt werden sollte. 3n der Reparationsfrage wünschen wir mit dem Reichskanzler eine Gesamtlösung. Den sicherlich subjektiv ehrlich gemeinten Plan des Grafen d'O r m e s s o n begrüßen wir als den Versuch, eine Brücke zwischen beiden Völkern zu schlagen, aber wir können in ihm nicht eine Teillösung erblicken. Solche Friedenstäubchen wirken erfreulich, auch wenn sie beim ersten Flug von der Arche Roah noch nicht das feste Land erreichen. Wir brauchen statt-der inneren Zerklüftung Sammlung, damit wir eine ehrliche und selbstbewußte Verständigungspolitik treiben können. (Beifall im Zentrum.) Abg. Oauch (DAp.) Der Auszug der Rechtsopposition in der heutigen Sitzung war die notwendige Folge der Überspitzung einer Agitationspolitik auf jener Seite, die aus dem Reichstag eine Wahlversammlung machen wollte. Ich hoffe, daß jetzt im Reichstag die Sachlichkeit wieder einkehrt. Die Revision der jetzigen Reparations- Verpflichtungen ist dringend notwendig. Dvraus- gefjen muß öie innere Sanierung, aber andererseits darf man mit dem Revisionsantrag nicht warten tooHen, bis Deutschland überhaupt keine Schulden mehr hat. Wir haben den Poung- Plan aufs Genaueste erfüllt, aber w ir vermissen bei den andern die Erfüllung der Pflichten, die sie mit dem Voung-Plan übernommen haben. Daraus sollte die Reichsregierung, jetzt schon nachdrücklichst Hinweisen. Die andern haben ihre Zollmauern nicht abgebaut, sie haben nicht die Aufnahme deutscher Ausfuhrgüter erleichtert, die notwendig ist, um uns die Erfüllung zu ermöglichen. Eine erfolgreiche Außenpolitik können wir nicht führen, wenn die innereVerhetzung nicht aufhört. Wie sollen wir mit dem Ausland erfolgreich verhandeln, wenn der Rationalsozialist Frank II den Bürgerkrieg in Deutschland ankündigt. Wer Vein Vaterland liebt, muß im Reichstag als Politiker sprechen. Dr. Frank hat aber nur als Agitator gesprochen. Wir alle lieben unser Vaterland mindestens so heiß, wie die sogenannte „nationale Opposition". (Beifall.) Weiterberatung Mittwoch. Oer Auszug der Rechten. Berlin, 10. Febr. (DDZ.) Die national- sozialistische Reichst agsfraktion hat nicht nur den Sitzungssaal, sondern auch bas Neichstagsgebäube heute nachmittag verlassen. Wie bns Nachrichtenbüro bes VDZ. erfährt, wirb bie Fraktion auch in Zukunft bas Reichstagsaebäude nicht betreten. Dem Reichstag wirb ein Antrag übermittelt werben, wonach bie verfallcnben Diäten ber nationalsozialistischen Abgeordneten den Arbeitslosen zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Parteileitung steht mit ollen 'Abgeordneten in telegraphischer Verbindung, um sic für dringende Fälle sofort nach Berlin zu beordern. Die nationalsozialistischen Vorsitzenden von R c i ch s t a g s a u s s ch ü s s e n werden ihre Aern - ter behalten. Der Zweck dieses Vorgehens ist, die Arbeit dieser Ausschüsse l a h m z u l e g e n , da nur die Vorsitzenden dos Recht zur Einberufung des Ausschriffes haben. Nationalsozialistische Vorsitzende hoben der Ueberwochungsousschuß, der Auswärtige Ausschuß, der Rechtsausschuß und der Woh- nungsousschuß. Die deutsch nationale Neichstagsfrok- t i o n hat für Donnerstag noch der Philharmonie eine öffentliche Protestkundgebung ein- berufen. Als Redner find vorgesehen bie Abgeordneten von Freytagh-Loringhoven, der Vizepräsident des Reichstags Graef-Thüringen, der Fraktionsvorsitzende Dr. Oberfohren und die Abgeordneten La- verrenz, Frau Lehmann und v. Oldenburg-Ianu- schou. Auch die bcutschnationale Reichstagsfraktion wird sich nicht auf das Fernbleiben von der außenpolitischen Aussprache beschränken. Sie wird von Fall zu Fall weitere Maßnahmen beschließen, um die Arbeit der Mehrheit unmöglich zu machen. So wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß die Fraktion aus einer Reihe von Ausschüssen ihre Mitglieder zu- rückzieht. Es würde sich hier besonders um die Ausschüsse handeln, in denen Kulturfragen behandelt werden. Auch der Strafrecht sausschuß würde zu diesen Ausschüssen zu zählen sein. Die Auseinandersetzung zwischen den radikalen und den gemäßigten Elementen der Landvol k- partei wird von einer Sitzung der Parteileitung erwartet, die am Mittwochfrüh im Reichstag beginnen wird. Der Parteiführer Dr. G e r e k e, der ziemlich ernstlich erkrankt ist, hat zwar an den letzten Reichstagssitzungen nicht teilnehmen können, da er sich Schonung auferlegen mußte. Er ist jedoch entschlossen, morgen in der Parteileitung dem radikalen Flügel unter Führrmg des 2lbg. Dr. v. Wendthausen entschieden entgegenzu- tretcn. Der andere Führer der Lcrndvolffraktion, Abg. D ö b r i ch, hat bisher weder in dem einen, noch in dem anderen Sinne Stellung genommen. Sein Bestreben ist vor allem darauf gerichtet, Partei und Fraktion zusammenzuhalten. In Landvolkkreisen erwartet man, daß er damit auch in der morgigen Sitzung Erfolg haben wird. Mit dem Abg. Dr. v. Wendthausen haben in der heutigen Reichstagssitzung nur noch die Abg. von Stzbel, Sieber und Haag, von der 21 Mitglieder starken Landvolkfraktion sich dem demonstrativen Auszug der Rationalsozialisten und Deutschnationalen aus dem Sitzungssaale an- geschlossen. Gtöhr legt fein Ami als Vizepräsident nieder. Berlin, 10. Febr. (VDZ.) Die Absage, die die Nationalsozialisten in der heutigen Sitzung dem Neickstag erteilt haben, wirb auch auf bie Zusammensetzung bes Reichstagsvorstanbes und der Ausschüsse ihre Wirkung ausüben. Abg. Stöhrhat bereits sein Amt als Vizepräsident niedergelegt, so daß in nächster Zeit eine Neuwahl erfolgen muß. Die Nationalsozialisten wollen weiter alle Aemter im Reichstagsvorstand nicberlegen und auch ihre Sitze in den Ausschüssen aufgeben. Lediglich diejenigen nationalsozialistischen Llbgeordneten, bie Vorsitzende von Ausschüssen sind, wollen diese Aemter im Einverständnis mit ber Fraktion weiter behalten. Die durch den Rücktritt bes Abg. Stöhr freigewordene Stelle des Rcichstagsvizepräsibenten wirb voraussichtlich burd) den volksparteilichen Abg. v. Karborff besetzt werben, der' aud) schon im alten Reichstag Vizepräsident gewesen ist. Echo der presse. Bedenkliche Rückwirkungen des Auszugs. Berlin, 11. Febr. (TU.) Zum Auszug der Rechtsopposition aus dem Reichstag nehmen eine Reihe Berliner Zeitungen Stellung. Die „Berliner Börsenze itung" (Kons.) weist darauf hin, daß sie die Erregung der Rechtsopposition verstehe und würdige, cs müsse aber gefragt werden, ob der Auszug opportun und im 3n« teresse der Wählerschaft und Ration liege, zumal am Dienstag der Reichsaußen- minister von der Tribüne des Reichstages eine wichtige außenpolitische Rede gehalten habe. Es sei die hohe Mission jeder nationalen Opposition, im Parlament dem Willen ihrer Wähler Ausdruck zu geben und zu verhindern, daß i m Ausland der Eindru ck entstehe, das deutsche Parlament sei mit bem zufrieden, was man i h m a n b i c t e. Solange der Reichstag nun einmal noch da sei, müsse in ihm die Kraft der Opposition angesetzt werden, um die Wahrheit zu sagen. Der jetzt geschaffene Zustand trage nur zur Konsolidierung des jetzigen parlamentarischen Shstemes bei, nicht aber zu einer baldigen Ablösung durch ein besseres. — Die „DAZ." (Volksp.) schreibt, der Vorgang dürfe nicht leicht genommen werden, aber es müsse zugegeben werden, daß die Erklärungen der Oppositionsparteien außerordentlich wechtgegangen seien. Von einem Verfassungsbruch durch die Geschäftsordnungsreform könne keine Rede sein. „Wir erkennen", so sagt das Blatt weiter, „inmitten aller tragischen Irrtümer das Wollen an, das die Vertreter einer jungen und täglich vorwärtsgepeitschten Kampfbewegung erfüllt. Aber den Weg ber Demonstration, der praktisch die Kräfte des Gegners verstärkt, und nicht schwächt, kann deswegen v o n n i e m a n d e n für richtig gehalten werden." — Die Rationalsozialisten verkünden die Legalität. Sie haben gestern in ihrer Auseinandersetzung mit den Mächten des bestehenden Systemes einen kleinen Schritt abseits von dieser Legalität getan. Die „©erma'nia“ (Zentr.) sagt: Die Begründungen, die die Wortführer der Opposition ihrem Auszug gegeben hätten, könnten nicht darüber Hinwegtäuschen, daß die Opposition gerade in dem Augenblick das Feld geräumt habe, in dem die von ihnen stürmisch verlangte außenpolitische Debatte stattfand und zur Abrechnung mit Dr. Curtius Gelegenheit war. — Diochverrats Mi gegenüber» Mit: aus der I- gegninbclcii tn Intriganten Mi Angst vor i Aerhör. Wort AbröstiingS» b. )er großen 21b- ; rnationale । nbon vnanstal- • ntierfon eine u.q. der Leiter i rof. Murray, I eroorfen, sie bc- 5 Vertragsbruchs [ ationszahlungen. f n Druck hin, mens abgelehnt. hinaus, daß die qedemütigt schland. Herrn Mumy ewöhnt, M die AbruHngs- crbindtichen ir sind ober mit r £eiltr der eng- , Qllf ihre An, l'ch der Aut und die formen por. 'n entgegenzu. ’ar. Mb) H 11 .wS letts ÄV-r ;s r-Ä Ä inerin“”’ >Ä ¥*-t 'Ä 65 Hege =nÄrlln ,-K- sichl'^V '/Gericht r Landjriedens' ^LchristM r Ne-DAP. big ^leutenbej oebehördea 'e es war, 0e. 'Mer Behörden, ) Landespolizei, '"Original le hatten ihre Namens ledig. >ng zugeteilten ^uptmnnns enden. Eine bei führte zur Le- chem Mate, i bei der Leitung ; feftgenom« )ochverrats dem m ist diesmal I großer Form ither von g | mverament. nni T ÄstuM e sehr anetfen» mit der A i Notars W i* S tüf»»!'-« atfieUung- >■ gut te Dampsu- g KiottC»*' nsiei011^ s iS* “ni’ Oer Etat der Llmversttät Gießen vor dem Finanzausschuß. Darmstadt, 10. Febr. (WTB.) 3n seiner heutigen Sitzung beriet der Finanzausschuß Kapitel 67 des Etats „Landesuniverfität Gießen", das 2,9 Millionen Mark - Einnahmen (377 OOO Mark mehr als im 2ahre 1933) und 5,5 Millionen Mark Ausgaben (83 000 Mark mehr als im Jahre 1930) ausweist. Der ZuschußbeDars beträgt also 2,6 Millionen Mark. Ein Regierungsvertreter legte dar, daß die Erhöhung der Einnahmen und Ausgaben fast ausschließlich durch die neue infolge deS Haushaltsgesehes notwendige Aufstellung des Voranschlages bedingt ist, wodurch jetzt überall Bruttoziffern eingesetzt werden müssen. Die Studienae- b ü h r e n seien in geringem Umfange erhöht worden und erreichten mit den Kolleggeldern den durchschnittlichen Satz in Preußen. Die Verringerung des Staatszuschusses um 294 000 Mark gegenüber dem Vorjahre resultiere mit 170 000 Mark aus tatsächlichen Ausg-a- bensenkungen, mit 120000 Mark aus Ein- nahmeerhohungen. Von einer Erhöhung der ^Xegesätze in den Kliniken wird Abstand genommen. Die Gießener Universität genieße im ganzen Reich große Anerkennung cüs Arbeitsuniversität, die wie kaum eine andere deutsche ilniverfität fast alle Wissenszweige betreue und dabei mit einem ganz geringen Staatszuschuh arbeite. 3n der Aussprache wurde von allen Parteien anerkannt, daß die Landesuniversität Gießen bleiben müsse. Der Landbund lehnte auch einen Abbau einzelner Institute zur Zeit ab. Er verlangte aber, die Stellen der Assistenten, Laboranten, Pflege- und fonstigen Hilfskräfte um 2 0 Prozent Herabzusehen, ebenso auch die Ausgaben für Lehraufträge. Der Professo - renante il an den Vorlesungsgebühren müsse um ein Drittel gelürzt werden. Auch bei den sachliches und Betriebsausgaben müßten Ersparungen gemacht werden. Für die Benutzung von Üniversitätseinrich- tungen durch die Dozenten für private Zwecke solle eine angemessene Entschädigung an die Staatskasse abgeführt werden. Der volksparteiliche Vertreter setzte lischen Völkerbundsliga in das Lager der Ab- rüstungsgegner abgewandert ist. Anders kann man es schwerlich bezeichnen, wenn dieser in seiner Rede mit keinem Worte der Riesen- rü ft ungen Frankreichs und der Nachfolgestaaten Erwähnung tut, Rußland, Italien und den deutschen Nationalsozialismus dagegen r ü ft u n gern i 11 i g und kriegslustig hinstellt. Dankbar find wir Herrn Murray dafür, daß er von der „Demütigung" spricht, die man den anderen Nationen nicht zumuten könne. Wir haben bisher geglaubt, daß Abrüstung der europäischen Staaten keine Demütigung, sondern eine Friedenssicherung bedeute und daß die Demütigung nur darin liege, daß man Deutschland allein für alle Zeiten als einen Staat minderen Rechtes behandeln will. Frankreich und das Petroleum Die Rohrleitungen non Mojsul in die Mittclmccrhäscn. Paris. 10. Febr. (TU.) Die französische Kammer wird sich am Mittwoch mit der Pe - troleum frage zu beschäftigen und vor allem die Ratifizierung der Abkommen vorzunehmen haben, die zwischen der französischen Regierung und der französischen Pctroleumtompanie getroffen worden find. Bei dieser Gelegenheit wird ebenfalls das Abkommen von San Remo behandelt werden, durch das Frankreich mit 25 v. H. an der Ausbeutung der Petroleum selber von Mesopotamien beteiligt wurde. 2m Jahre 1924 wurde die französische Petroleum kompanie ge- g r ün o c t, um eine gesunde Petro.eumpolitik treiben au können. 2m März des gleichen 2ahres traf Die Regierung ein Abkommen mit der Kompanie, wonach sie die Kontrolle ausübte und auch an dem Reingewinn beteiligt fein sollte. Dieses Abkommen wurde im vergangenen 2ahre der Kammer zur Ratifizierung vorgelegt, aber zurückgew lesen, Da die Kammer nicht rechtzeitig auf Dem La ui end en gehalten und so gar nicht über die entscheidende Bedeutung des Ab- lornmens unterrichtet worden war. 2m Februar 1929 erweiterte Die Regierung das Abkommen mit der Petroleum-Kompanie und dehnte ihre Rechte so weit aus. daß sie einem Staatsmonopol gleichkamen. Am Mittwoch soll nun das neue Abkommen ratifiziert werden. Gegner und Anhänger des Petroleummonopols werden sich also gegenüberstehen, und man erwartet, daß es zu heftigen Auseinandersetzungen tarn- men wird. Die zweite Frage, Die große und internationale Bedeutung hat, betrifft b i c Führung der ^etroR Umleitungen von Mossul nach den M i 11 c I m e c r I) ä f c n. Das Amtsblatt von Jerusalem veröffentlichte am 5. Januar eine Mit- tcilung, wonach zwischen dem Oberkommissar und Den Petroleum-Gesellschaften von Mossul ein Abkommen getroffen worden sei, das die Legung der Petroleumleitungen nach einem englischen Hafen bezweckt. Die französische Petroleumkompanie behauptet jedoch, daß zwischen den Hauptkonzessionären der Petroleumfelder von Mossul ein Abkommen getroffen worden sei, wonach eine verzweigte Leitung gelegt werden soll, deren einer Teil in Tripolis, d. h. aus französischem Gebiet und Deren anderer, der jedoch nur als ein N e - d enorm des ersten angesehen werden kann, in Haifa enden solle. In Der französischen Presse Zweifelt man an der Echtheit dieser Versicherungen sich insbesondere sür die Assistenten ein. Wenn diese zum größten Teile überaltert seien, so trügen Die Parteien Daran selbst Die Schuld. Ein rigoroser Abbau sei unvertretbar. Ein Vertreter des Zentrums forderte, daß d i e S t a d t G i e h e n für die laufenden Ve- Dürfniffe der ilnibcrfität mehr a l s bisher beisteuern müsse. Die Stadt spare z. B. wegen der Universitätsklinik ein eigenes Krankenhaus. Ein anderer Zentrumsredner wies Darauf hin, daß Gießen sehr viel für die Universität getan habe (Gebäudeerstellung, Grundstückshcrgabe usw.), was von volksparteilicher Seite unterstrichen wurde. Die Erhöhung der Studiengebühren wirke angesichts der allgemeinen Rot Der Studentenschaft sehr hart. Um der A f f i ft e n tc nn o t zu begegnen, möge man ältere Professoren pensionieren. Der demokratische Sprecher lehnte einen Abbau der Universität ab. Don sozialdemokratischer Seite wurde die Regierung ersucht, auch weiterhin die Möglichkeit von Einsparungen, insbesondere bei doppelt geführten Instituten in Darmstadt und Gießen, zu prüfen. Die im Gang befindlichen V e r - handlungcnmitdenbcnachbartenLän- dern sollen weitergeführt werden. Ein Regierungsvertreter erläuterte dann noch, welches Ziel bei Der Neuregelung Der Assi- ftentenoergütungen verfolgt werde. Das bisherige System habe den Assistenten zu einem Beam- tenanroärter gemacht und müsse geändert werden. Eine ausgleichende Vertei l u n g derKolle g g e l d e r an alle Professoren sei in Darmstadt und Gießen vereinbart. Auch Preußen kehre jetzt wieder zu der in Hessen geübten Praxis der Benutzung staatseigener Einrichtungen durch die Professoren zurück. Bei den Assistenten, Hilfskräften usw. würden die laufenden Verhandlungen eine Einsparung bringen; aber eine 20prozentige Streichung dieser Stellen halte die Regierung für unmöglich. Die Abstimmungen wurden vertagt. Am Äittwoch will der Ausschuß Die Technische Hochschule Darmstadt erledigen. und verlangt deshalb die Veröffentlichung des Wortlautes dieses Abkommens, das für die französische Petroleumversorgung von ungeheurer Bedeutung ist. Frankreich hat natürlich größtes Interesse daran, feine Unabhängigkeit zu wahren, um im Falle von internationalen Verwicklungen von feiner anderen Macht in der Brennstoffversorgung abhängig zu sein. Der Auswärtige Ausschuß der französischen Kammer hatte in dieser Frage den Außenminister und Handelsminister um Aufklärungen gebeten. Briand erklärte, daß er dem Abschluß Der Verhandlungen zwischen England, Amerika, Holland und Frankreich zuversichtlich entgegensehe und die Hoffnung habe, daß die Führung der Rohrleitungen im Interesse Frankreichs geregelt werde. — Aus der provrrnialvauptstadt Gießen, den 11. Februar 1931. Achtet auf das Rauchverbot in Nichtraucherwagen! Da noch immer häufig gegen das Rauchverbot verstoßen wird, weist Die Reichsbahn erneut im Interesse Der Reisenden darauf hin, daß in den Wagen und Gängen der Richtraucherabteile bzw. Wagen auch dann nicht geraucht werden darf, wenn alle Mitreisenden etwa damit einverstanden sind. Auch das Rauchen auf den Plattformen Der mit „Richtraucher" bezeichneten Wagen ist nicht gestattet. Das Zugpersonal ist angewiesen, bei Verstößen einzuschreiten und eine Buße zu erheben, Die vom Schaffner sofort eingezogen werden kann. Raucht ein Reisender jedoch trotz des Verbotes und nach Zahlung der Buße in dem Abteil weiter, so kann notwendigenfalls Strafverfolgung wegen Uebertretung bahnpolizeilicher Anordnungen beantragt werden. Statistik der Hundehaltung. Der gesamte Hundebestand in der Stadt Gießen betrug nach der Ausnahme von Mitte Januar 1931, welche für die Steuer bestimmt ist, 902 Hunde (gegen 977 im Vorjahr), es hat sich also hiernach Die Zahl der Tiere um 75 verringert. Im einzelnen entfallen von der Gesamtzahl auf Besitzer mit je 1 Hund 809 (883) mit einem Steuerausfall für die Stadt von 1776 Mk., für den Staat von 888 Mark. Die Abnahme der zu versteuernden Hunde Dürfte auf Die schlechte wirtschaftliche Lage Der Bevölkerung zurückgeführt werDcn. Außer Dem Einzelbcsitz von Hunden kommen für Die Steuer noch in Betracht 18 (13) Besitzer mit je zwei HunDen, 1 (1) Besitzer mit je vier HunDen und 39 (38) Zwingerhunde, welche nur mit Der Hälfte zur Steuer herangezogen werden. Steuerfrei sind insgesamt 34 (26) Hunde und zwar 19 Tiere zur Bewachung öffentlicher Gebäude und Hofreiten, 6 zur Führung von blinden und taubstummen Personen, sowie 9 Hunde für Militär- unD Polizcizwccke. Vornotizen. — Tageskale n der für Mittwoch. Stadttheater: „Volpone", 20 bis 22.30 Uhr. — Akademische Kurse für Kaufleute und Gewerbetreibende: Vortrag „Grundzüge Des Arbeitsrechts" von Dr. Bötticher, 20.15 Uhr, Hörsaal Des VorlefungsgebäuDes. — Deutscher unD Ocsterreichischer Alpenverein: LichtbilDer- oortrag, 20.15 Uhr, Singsaal Des Realgymnasiums.— V A. L.: heute im Chattenhaus. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Stürme über Dem Montblanc". — Aus Dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute 20 Uhr erste Wiederholung der lieblosen Komödie .Volpone", von Ben 2onson (bearbeitet von Stefan Zweig), in der Besetzung der Erstaufführung; SpieUeitung Peter Faisott. — Freitag, 13. Februar. 20 Uhr. Erstaufführung Des 25. Schwankes von Franz Ar- axolD: .Das öffentliche Mrrgernis" unter der Spielleitung von Heinrich Hub. Dieses jüngste Werk des erfolgreichsten Schwankverfaffers (zugleich unsere Diesjährige Faschiirgsüberraschung) erlebte am Weihnachtstag 1930 in Berlin feine Uraufführung und war seit langer Zeit der stärkste Kassen- und Theatererfolg, so daß Der Schwank bisher ununterbrochen Den Spielptan des Reuen Theaters in Berlin beherrscht. — Der Oberhessische Geschichtsver- c i n veranstaltet am Donnerstag, 12. Februar. 20.15 Uhr, im Hörsaal 33 der Universität einen Vortragsabend, cand. hist. H. Büttner spricht über .Burgen im alten Hessen und ihre Bedeutung für die Besiedelung". — Der Allgemeine Deuts che Frauenverein. Ortsgruppe Gießen, hält am Freitag, 13. Februar, 20.15 Uhr im Restaurant „Hindenburg" einen Bortragsabend ab. Dr. Meesmann (Gießen) wird über „Wirtschaftliche Zusammenschlüß"' sprechen. — .Konzert Eva Liebenberg. Am Sonntag, 15. Februar, findet in der Neuen Aula der Uni- ■■■■■■■■■■■ Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf versität ein Liederabend statt. Eva Liebenberg singt Lieder von Beethoven, Schubert und Brahms. 21 in Flügel Dr. Stefan Temesvary. Das Konzert beginnt um 17 Uhr. * Alte Zigarettenbanderolen bis 1. März. Auf Antrag der Tabak-Groß- und -Kleinhändler hat, wie das Wolff-Bureau mit* teilt, das Rcichsfinanzministerium den Schlußtermin für Den Verkauf von Zigaretten mit alten Banderolen vom 15. Februar auf Den 1. März verschoben. Das Ministerium hat sich zu dieser Maßnahme veranlaßt gesehen, weil Die ursprünglich geplante Rachversteuerung, Die die Händler für die noch in ihrem Besitz befindlichen Packungen selbst vornehmen sollten, zu große Schwierigkeiten machen würde. Der Einzelverkauf von Zigaretten ist also nur noch bis zum 28. Februar gestattet. Dom 1. März ab muß Der Raucher mindestens zehn Zigaretten auf einmal kaufen. Die „Zehner"-Packungen enthalten allerdings nur neun Zigaretten. " Wetzlarer Sängerinnen in Gie- fjen. Am Sonntag folgte der Union-Frauenchor Wetzlar einer Cinsadung des Willschen Frauenchores Gießen im Wanderverein „Bund Der Lahnfreunde" zu einem Sängertreffen auf Der Liebigshöhe. Rach einer Begrüßungsansprache Der Leiterin des Willschen Frauenchors begannen Die gesanglichen Darbietungen. Der Wetzlarer Verein (60 Sängerinnen) erfreute im Lause des Rachmittags die Zuhörer mit einer Reihe von Solo- und Chorgesängen. Der Chor stand unter der stabsicheren Führung des Lehrers Hugo Lotz. Rauborn bei Wetzlar, und bewies eine ausgezeichnete Schulung. Der Willsche Frauenchor unter Der Leitung von Frau Martha Will, Gießen, stanD mit seinen 40 Sängerinnen aber in keiner Weise hinter den Leistungen Des größeren Frauenchors zurück. Die erste Darbietung „Wach auf!" aus Der Oper „Die Meistersinger" von Richard Wagner, war ein schöner Erfolg. Verschiedene Volkslieder von Schubert sanden eine vorzügliche Wiedergabe. Instrumentalmusik und humorvolle Vorträge in verschiedenen Mundarten boten willkommene Abwechselung. Die Veranstaltung hat den Beweis erbracht, daß auch der Frauengesang heute an der bewußten Pflege des deutschen Volksliedes mitzuarbeiten vermag. " GesellschaftfürRatur- undHeil- künde. Am Montagabend sprach nach kurzer Begrüßung der Zuhörer und des Referenten durch Professor Dr. Harrassowih, der Direktor des Kulturhistorischen Museums zu Mainz, Professor Dr. S ch m i d t g e n, über „Tierfährten und ihre Bedeutung für die Erforschung des Lebens". Der Redner, der sich in seinem Vortrag besonders mit den Spuren Der vorgeschichtlichen Tierwelt befaßte, wies eingangs daraus hin, daß sich aus den Spuren, Die Die Tiere im Erdreich hinterlassen, mannigfache Schlüsse auf Die Lebensform. ja sogar auf Die Gestalt Der betreffenden Tiere ziehen lassen. Er erinnerte Daran. Daß ein Förster aus Den Fährten Art, Zahl, Alter unD Betätigung der Tiere lesen kann; unter Den gleichen geistigen Voraussetzungen arbeite Die Wissenschaft an Der Erforschung Der Tierwelt Der Vorzeit. Das geschehe, so führte der Redner aus, naturgemäß unter größeren Schwierigkeiten, Da zwar Die Spuren, nicht aber die körperlichen Lieberreste der vorweltlichen Tiere zu finden seien. Der Forscher sei also gezwungen, aus Der Spur heraus Die Gattung, Die Größe unD schließlich Die Form zu rekonstruieren und Die Bestätigung seiner Forschungen nach Möglichkeit aus rezenten (frischen, der Gegenwart angehörigen) Spuren za suchen. An Hand von zahlreichen Lichtbildern zeigte Der Redner Dann eine Reihe von Spuren vorweltlicher Tiere aus Dem Rot- liegenDen Der Perm-Formation. Die Im sogenannten Mainzer Decken bei Rierstein am Rhein in überaus großer unD reichhaltiger Anzahl gefunden wurden. Der Vortragende zeigte Spuren von Sauriern, von Echsen, von Würmern und insbesondere von 2nsckten und fesselte Dabei durch seine detaillierten Schilderungen charakte* ristischer Einzelheiten die Aufmerksamkeit der Zuhörer in hohem Maße. Er betonte zum Schluß seiner Au.sührungcn. daß Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit auf Dem Gebiete der Paläobiologie Die genaue Kenntnis Der gegenwärtigen Erscheinungen in der Tierwelt, die Kenntnis Der Spuren und der Bewegungssormen der uns umgebenden lebenden Tiere ist. Der Vortrag wurde mit starkem Beifall ausgenommen und Professor Dr. Harrassowitz würdigte zum Schluß in kurzen Sätzen Die hohe Bedeutung deS Vortrages nicht nur für Die Paläobiologie, fon- Dem auch für die Geologie. " Schweinezählung am 2. März. Auf Anordnung des Reichsministers für Ernährung unD- Landwirtschaft findet im Einver- nehn^n mit dem Stattsttschen ReichSamt und den Statistischen Landesämtern am 2. März 1931 Di« nächste Zählung der Schweine und der .nicht* beschauvflichtigen Hausschlachtungen an Schweinen" für die Zeit vom 1.'Dezember 1930 6iS 28. Februar 1931 statt. _ Oie Wetterlage. 0tfotXenlos.O nciu- Gnaro Dtdcctt » wonno. eoedeen eRefftn * Schnee Graupeln eheoei "K GtwilUr.@windstiite.-O-i seh* leichter Ost massiger ludsudwesi Q stürmischer "orowesl Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stenenden Za» len geDen die Temperatur an. Die Linien verDmdeo Orte mit gleiche* auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Ein kräftiges 2slandtief zieht nordöstlich über Rordskandinavien hin ab. Der Einfluß feiner Südseite hat durch Die Zufuhr maritimer Warmluft in ganz Deutschland den Frost behoben, so daß heute morgen Die Temperaturen Durchweg über Rull lagen. Durch den Vorstoß des Dis- cayahochs ist Der Luftdruck seit gestern abend kräftig angesttegen, was wieder eine vorübergehende Wetterberuhigung mit leichtem Racht- frost zur Folge hat. Allerdings ist bei Island bereits eine neue Störung erschienen, die sich schon an der Westküste Irlands durch Zurückdrehen der Winde und Riederschläge bei verhältnismäßig hohen Temperaturen bemerkbar macht. Bei der herrschenden Luftdruckverteilung Dürfte also die Zufuhr ozeanischer Luftmassen überwiegen und die ‘IBitterung im allgemeinen einen milderen Charakter als seither annehmen. Aussichten für Donnerstag: Rach vorübergehendem Ausklaren mit leichtem Racht- frost wieder Eintrübung und milderes Wetter mit einzelnen Riederschlägen. Aussichten für Freitag: Wechselhaftes Wetter, teils wolkig, teils aufklarend, vereinzelte Schauer. Lufttemperaturen am 10. Februar: mittags 13 Grad Celsius, abends 2,7 Grad: am 11. Februar: morgens 1,3 Grad. Maximum 3,4 Grad, Minimum 1,1 Grad. — Erdtempcraturen in 10 cm Tiefe am 10. Februar: abends —0,4 Grad: am 11. Februar: morgens 0 Grad Celsius. — Niederschläge 1,7 mm. (Schluß des redaktionellen Teils.) Es gibt in Deutschland Millionen von Menschen, die den coffeinfreicn und völlig unschädlichen Bohnen, kaffee kennen und schätzen. Und doch weiß mancher noch nicht, daß Staffee Hag die allerfeinste Äaffee- qualität darstcltt, Herz und Nervest schont und niemals Schlafstörungen hervorruft. Selbst.Bindern darf man ihn unbedenklich geben. Nachdem jetzt der Preis für Kaffee Hag weiter bedeutend ermäßigt worden ist, wird es auch denen möglich sein, ihn zu kaufen, die es sich bisher aus wirtschaftlichen Gründen versagen mußten 1100V Bekanntlich ist die unheimlich rasche Verbreitung der Grippe Darauf zurückzuführen, daß die feinen Speichelträpschen, die beim Sprechen, beim Husten usw in die Luft geschleudert werden, zahlreiche Krankheitserreger enthalten. 1115V Die lar.ganhaltende, entwicklungshemmende Wirkung des Odols auf die Mundkeime ist beim Auftreten der Grippe von besonderer Bedeutung. Fleißige Mundspülungen mit Odol verringern den Bakteriengehalt des Mundspeichels und bilden daher ein wichtiges Vorbeugungsmittel gegen Die Verbreitung Der Grippe. KAFFEE HAG billiger jetzt nur noch RM 1.62 £^roAe RM -.81 £U?eine Die Qualität bleibt unverändert; die beste Deutschen 1 Kranken- Versicherungs- Akt.-Ges. Berlin-Schöneberg Bei Nichterkrankung Gewinnbeteiligung It §30der A.V.B. 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Februar, mittags 12% Uhr, vom Sterbehause Marktstra&e 25 aus statt. 1116 D 1102 D Nachruf. Morgen Donnerstag, den 12. Februar ■ Restauration " Zur Stadt Lieh Karnevalist. KaggeDabend Trais-Horloff, den 11. Februar 1931. 1099 D ein ehrendes Andenken bewahren. 1111 D Ortsgewerbeverein Wieseck. im neuen Sind ntenhaus 10-29D Bücher billiger 1 Mäntel. 1112D Gießen, Schlüchtern, den 10. Februar 1931. Pfeiffersche Buchhandlung (V9O Fernruf 3342 Walltorstraße 21 11040 Auswahl bereitwillig Telephon 3048 1490 D liefert Sprechstunden: 9—12 Uhr. Gchühenstraße 50. Wochenrunbschrisien von [1098V INGENIEURSCHULE WEIMAR Carl Götze, Dttssellorl, Beresbachstr. 26. | Vereine | Lich, den 9. Februar 1931. (1103D ßehrauchles Bell gesucht. [0789 Steinttr. 58, vart. Als Eintrittskarten werden Gutscheine für Getränke u. Essen ausgegeben, welche von Donnerstag ab beim Portier zu haben sind. Ein Gutschein 2 Mk. drei Schreibmaschinen, vier Büfetts, zwei Spiegel, zwei Sofas, zwei Kredenzen, einen Bücherschrank, drei Schreibtische, eine Ständerlampe, einen Klubsessel, drei Pianinos, zwei Standuhren, einen Gläser- schrank, eine Nähmaschine, einen Kassenschrank, vier Chaiselongues, drei Wanduhren, einen Eisschrank, einen Gasherd, eine Ladeneinrichtung, drei Vertikos, ein Grammophon mit sechs Platten, zwei Tische, fünf Stühle, zwei Diwans, einen Horch-Personenwagen und zehn Loden- Wir weisen unsere Mngl. auf die Aus» itclluun v. Geb Rat Sommer im Liebigs- Museum bin u. bmeit um reg. Besuch. Für Milglted. des V.H.Q Preisermäßigung 14Pers.lKarle,.""S MASCHINENBAU • ELEKTROTECHNIK AUTOMOBIL- UND FLUGZEUGBAU PAPIERTECHNIK • Prospekt anforderni Familie Heinr. 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Ser. »2 In tiefer Trauer: Anna Margarethe Jung, geb. Hofmann Familie Ludwig Hofmann. Heuchelheim, den 10. Februar 1931. Verkäufe (ßuiegouiioluniüue Sichere EMnzj Kleine Müblc mti zwei Gangen, oute Wasserkraft m grö . Stauteich eingebaut. Breii drcfchmaschine, 2itörk. Wobnbaus mit Stallungen, vier Slorfl. Laub bei ::00u Mk.Anzablg., außer- gcwöbnlich billig zu verkauf. Schr. Anir. Donnerstag, den 12. Februar 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuer.weg, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: Nachruf. Am 7. Februar 1931 verschied unser Mitglied Herr Heinrich Schäler, Schreinenneisler Ais eifriger Förderer unserer >ache werden wir ihm 2 voraussichtlich bestimmt: einen Aga- Wagen, 100 Kokosbesen, zwölf Roßhaarbesen, 15 Kinderklappstühle, zwei Holländer, zwölf Pferdchen, acht Puppenwagen, 92 Kinderspiele, 40 Fahrleinen, fünf Waschleinen, 24 Fruchtsäcke, 20 Feldstühle, fünf Klappstühle, 100 Kartons Christbaumschmuck. 3. Bestimmt: ein Mädchenfahrrad, 40 Lo- tor-Lugus-Waschmaschinen, 23 Dutzend Nähgarnituren, 49 Hörnchen für Metzger, eine Radio-Anlage (drei Röhren). Anschließend ^-ankfurter Straße 51: ein Motorrad (BMW. Modell 42). Dem, Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Telephon 4101 SlMI.KOIeiile MW Heb. 30 Jahre beit. Jabrtkuntern. beit. ren. biet. Ihnen Berd d. Mtt nb. l Außendienst Bert. Sie „Etnsührunas cbxiit" mit Untertanen eln'cht -vabrtkattonsmusier und lid. -A>. Mn. V 1114 0 Heute abd. 8'. Uliv H.ndeuburg. Soeben erschien in billiger Ausgabe: Ganghofer, Edelweißkönig Ganghofer, Schweigen im Walde Jeder Band Ganzleinen Mk. 2.85 Halbleder Mk. 3.75 Leder Mk. 4 80 Am 8 Februar starb unser Bürgermeister Rudlof. Er war 31 Jahre Gemeinderatsmitglied und hat in dieser Zeit der Gemeinde grobe Dienste geleistet, hauptsächlich in Kriegsund Nachkriegszeit. Er wurde vor 7 Jahren von der Gemeinde zum Bürgermeister gewählt und hat sich in dieser Zeit treu und ehrlich für die Gemeinde verwandt. Die ganze Gemeinde wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Lupus .Hlechtrn, WeikUridsn Spezialbehandluna nach der Kamperschen Heilmethode. Lei unseren geheilten Patienten können alle Leidende jederzeit Rücksprache halten. Auskunst kostenlos und unverbindlich. Reform - Ambulatorium Fastnachtdienstag im Hotel Schütz ÄUtOrei. 4040 auch nachts. L;et KRANKHEIT UNFALL UND TOD bei der Wir f besohd. billig fiammisclifirzen Vtü,.)0u.l,l0d.St. ^Drogerie Winteiholiy Kreuzplatz 10 Klein & Sllelel Maschinenfabrik Fulda GA I'obne Deckbett» im> Auftrag zu verk. Ludwigstr. 33S..P. flyrif^e Seefische irische Räucherfische rische Marinaden \J rischer Fleischsalat Herings ilat.Mayonnaiic uw. empfiehlt <£. O. MleinBenn 925 d Babnbositraße Gl Televbou 3866 Kolonialwaren mtt 5°/o Edeka-Rabatt. Statt besonderer Anzeige. Heute früh 5 x/t Uhr entschlief sanft nach längerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Herr Johannes Jung I. im 76. Lebensjahre. Allgemeiner Dju!scher Frauenverein (Ortsgruppe Gießen) uogd Freitag, den 13. Februar, abends 8.30 Uhr im Restaurant Hindenburg Vortrag von Herrn Dr Meesmann Über wirtschaftliche Zusammen Schlüsse Gäste sehr willkommen! Der Vorstand, Große Faschingsredoute in sämtlichen Restaurationsräumen 50% Platz- o. Kraft- Ersparnis erzielen Sie mit unseren Elektro- riemeniosen Holzbearbeitungs- Maschinen In Bad-Salzichlirs ist Aiim 1.4 eine S-7-Zimner- Wohnung in. Zubehör zu verm. Lao, V/Uhe msdüliv. Babnbofstrahc 65 Laden nm angrenzend.kN Zimmer < Bellersheim, 10. Febr. Die hiesige G e- meindejagd wurde in zwei Teilen auf w e i - Handwerkskammer-Rebenstelle. S.tz Gießen, bzw. der zuständigen Innung zur Eintragung in deren Lehrlingsro.le in der vorerwähnten Anzahl vor- gelegt werden. Vielfach besteht die irrige Aufsassung, auch in Handwerkerkreisen, daß der Lehrvertrag erst nach Ablauf der vereinbarten Probezeit abgeschlossen werde. Die Vertragschließenden können eine Probezeit bis zur Höchstdauer von drei Monaten vereinbaren, während welcher beiden Teilen das Recht zusteht, jederzeit vom Vertrag zurückzutrcten. Durch die Vereinbarung einer längeren Probezeit als 4 Wochen wird die gesetzliche Verpflichtung zum Abschluß eines schriftlichen Lehrvertrags binnen 4 Wochen nicht berührt. Die Unterlassung des Vertragsabschlusses setzt beide Parteien erheblichen Nachteilen aus. Die Vorlage des rechtzeitig abgeschlossenen, schriftlichen Lehrvertrags ist übrigens auch eine der Voraussetzungen für die Zulassung zur Gesellenprüfung. Wenn in einzelnen Fällen der Lehrherr gegen die vorstehenden Bestimmungen verstößt, so setzt er sich der Gefahr einer Bestrafung aus; jedoch sind die u. U. hieraus auch für den Lehrling hervor- gehenden Schäden derart, daß die Eltern bzw. Vormünder auch ihrerseits die Beachtung der genannten Vorschriften genau kontrollieren sollten Der Lehrmeister kann unter Vorlegung des ordnungsmäßig abgeschlossenen Lehrvertrags beim Vorstand der zuständigen Krankenkasse den Erlaß der Beiträge zur Erwerbslosenver- sicher ung beantragen. Falls derartigen Anträgen seitens der Krankenkasse entsprochen wird, ruht die Beitragspflicht zur Erwerbslosenversicherung bis zum Beginn des letzten Jahres der Lehrzeit. Von diesem Zeitpunkt ab lebt die Beitragspflicht zur Erwerbslosenversicherung wieder auf. Schließlich seien die Eltern noch darauf hingewiesen, daß sie ihre Kinder nur solchen Berufen zuführen sollen, für die sie körperlich und geistig am besten geeignet sind. Falsche Berufswahl hat schon viele Menschen unglücklich gemacht. Soweit als irgend angängig bediene man sich der Einrichtung her (Eignungsprüfung. Näheres über solche Prüfungen ist bei den Berufs- bzw. Arbeitsämtern zu erfahren, die ebenfalls in der Lehrstellenoermittlung tätig sind. In allen Lehrlingsangelegenheiten erteilt die Handwerkskammer-Nebenstelle, Gießen, Goethestr. 7, I Auskunft. tcre neun Jahre verpachtet. Feldjagd mit Gemeindewald ging zum Preise von 1250 Mk. an eine hiesige Jagdgesellschaft über. Den Markwald behielt aum Pachtpreis von 500 Mk. sein seitheriger Besitzer. Kreis Schotten. )' Gedern, 8. Febr. Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer jüngsten Sitzung, von dem seinerzeit eingegangenen Vertrag mit der Reichspost zur Errichtung eines Postneubaues in der Otko-Müller-Straße zurückzutreten, da es ihr nicht möglich war, das nötige Geld zu einem einigermaßen günstigen Zinsfuß auf- zubringen. Tie Gemeinde hat aber nichts gegen den Abschluß eines Dertrages zwischen dem Bauunternehmer Anton Drisch aus Bad Orb und der Reichspost einzuwenden, stellt aber die Be- I t/ingung, daß die Stadt zu keinerlei Bürgschaften I oder sonstigen Verpflichtungen herangezogen werden kann und daß in erster Linie einheimisch« Geschäftsleute und Arbeiter berücksichtigt werden. Das Baugesuch des Johannes Rausch xur ®r- richtungcines Wohnhaus es in oct Otto« Müller-Straße wurde genehmigt. Herrn. Ackermann wurde als Feldgeschworener angenommen. Dem Antrag des fürstlichen Rentamtes auf ©tun- düng der Sondergebäudesteuer wurde entsprochen. Für den Iugeiidherbergenverband kann rn diesem Jahre aus Mangel an Mitteln keine 0x0x11« gegeben werden. — Um den in unserer Staat sehr zahlreichen Wohlfahrtserwerbslosen eine Winterbeihilfe zu verschaffen, wird eben ein« Sammlung von Geld, Lebensmitteln und Kleidung durch die Bürgermeisterei bei denjenigen lurchgcsührt, die noch in der glücklichen Laz« fine-, ihrem Beruf ungestört nachgehen zu können. Pläne einer Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten der Winterbeihilfe werden ebenfalls er- to°9COr ofi-ö ich en, 10. Febr An drei Rachmittagen wurde durch die' Fürsorgeschwester Margarete Spamer aus Ulrichstein ein Hygiene k u r s u s für d.e fortbildungsschulp lichtig« weibliche Jugend abgehalten. An dem Kursus nahmen auch ixe M^d^ien von Högersdorf, Sellnrod, Lardenbach und Klein-Eichen teil. * Groß-Cichen, 6. Febr. Der D f R. Groß-Eichen hielt in seinem Dereinslokal seine erste Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Wilh. S ch o m be r t erstattete den Jahresbericht, dem zu entnehmen war, daß sich der Verein während der kurzen Zeit seines Bestehens gut vorwärtsgearbeitek hat. Der vom Rechner Cd. Rühl gegebene Kassenbericht zeigt« einen befriedigenden Stand. Die Vorstandswahl brachte einige Veränderungen, und zwar rour^-e Brnst Kühl als l. Vorsitzender und als dessen Stellvertreter Wilhelm Schombert gewählt. Spielführer wurde Gustav Faust. Kreis -llSfeld. I Kirtorf, 5. Febr. Am Sonntag hielt die Freiwillige Feuerwehr im Saal des Gastwirts Gröschner ihre Generalversammlung ab. Feuerwehrhauptmann Schaaf leitete die Sitzung. Aus dem Jahresbericht ging hervor, daß die Wehr zur Zeit 79 Mitglieder zählt. Die Rechnungsablage ergab einen Kassenbestand von 52 Mark Eine längere Aussprache entspann sich über die bevorstehende Feier des 50jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr. Den Zeitverhältnissen eilt- sprechend wurde von einer größeren und kostspieligen Festlichkeit abgesehen. Man will jedoch am zweiten Psingsifeiertag eine Jubiläumsfeier halten, die allen Teilnehmern einige frohe Stunden bereitet und zu welcher auch die benachbarten Wehren demnächst eingeladen werden sollen. Diese Jubiläumsfeier steht in Verbindung mit der 200 - Ja h r- feier des Wiederaufbaues von Kirtorf und der Einweihung der Kirche nach dem großen Brand von 1725, die von der Kirchengemeinde am ersten Pfingsttag in würdiger Weise begangen wird. w , _. -o- Rieder-Gemünden, 2. Febr. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr hielt in der Gastwirtschaft von Karl Decker IV. die erste ordentl iche Generalversammlung ab. Der erste Kommandant, Jul. Stumpf, hieß die Mitglieder willkommen. Aus bgn Jahresbericht ging hervor, daß die Freiwillige Feuerwehr se.t ihrem Bestehen bereits drei Haupt- und eine Rachkübung veranstaltet hatte. Der Schriftführer Herbst verlas sodann das Gründungsprotokoll. Der Rechnungsbericht ergab einen Lieberschuß. Das Vermögen der Wehr an neuangeschafften Ausrüstungsgegenständen beträgt 800 Mark. Die zu den Anschaffungen erforderlichen Gelder wurden aus Spenden und Sammlungen in d^r Ge- Der Bann der das Lachen verlernt hat. Vornan von Gert Gothberg. Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle (Saale) 4. Fortsetzung. Nachdruck verboten Mitten aus diesem Taumel heraus fragte er: „Maria! Kennst du Bonenbirchner näher?* * Sie zuckte so heftig zusammen, daß er es bemerken mußte, auch wenn er sie nicht so scharf beobachtet hätte. Da wurde er mißtrauisch. „ „Ich hasse Graf Bonenbirchner! Genügt dir bas?" , „Rein, es genügt mir nicht! Run muh ich wissen, warum du ihn haßt, Maria", forderte er ungestüm. Maria wandte sich ab. „Cs ist nichts. Ich hasse ihn, weil er mich —’ so herausfordernd ansieht." „Er wagt es also, dir lästig zu fallen? Cs ist sehr gut, daß ich das weiß, Maria. Leider hast du mir eine Frist bis Donnerstag gestellt. Während dieser Frist bin ich machtlos. Dann aber mag er sich hüten!" Maria lehnte die Stirn an seine Brust. Die Lider schlugen ihr wie die Schwingen verängstigter Vögel. Er wühlte sein Gesicht in das wellige braune Haar. Sei immer wahr. Maria! Meine Liebe würde an einer Unwahrheit zerschellen'*, sagte er düster. Es war ihm, als entglitte ihm Maria schon jetzt. Ihr leidvoller Blick traf den fernen. „Ich liebe nur dich!" Warum machte ihn ihr Bekenntnis nicht glücklich? Da schlang sie plötzlich beide Arme um feinen Racken. „Ich bin morgen bei meiner Kusine, der Fürstin Loebstein. Ihr werde ich mich anvertrauen. Sei gegen drei Uhr nachmittags dort, wenn es dein Dienst erlaubt“, flüsterte sie. „Ich komme, Maria, ich komme!" Eine Weile nach ihr verlieh er den Wintergarten. Zwischen den dichten grünen Blattpflanzen an der linken Seite des Wintergartens wurde Graf Bonenbirchners höhnisches Gesicht sichtbar. „Ich habe es mir doch gedacht. Aber Maria soll sich in acht nehmen. Der Rentner? Der? Oho! Der kommt mir grab’ recht! Tiber weshalb reg ich mich auf? Der Triumphierende bin ich, nur ich." Graf Bonenbirchners Gesicht war nur eine scheußliche Fratze. Man hätte gar nicht geglaubt, daß sich dieses hübsche, wenn auch reichlich nichtssagende Gesicht so verändern konnte. Eine Weile später war auch Bonenbirchner wieder im Festsaal. Seine Augen blitzten höhnisch auf, wenn er Graf Kentner ansah. Dessen Blick bohrte sich drohend in den feinen. Dann wurde es Bonenbirchner aber doch ungemütlich. Und es schien ihm doch gewagt, Graf Kentiier durch allzu offen zur Schau getragenen Hohn herauszufordern. Kerle, wie der, waren immer gleich dazu bereit, ihrem Feinde eine Kugel zwischen die Rippen zu jagen. Bonenbirchner schüttelte sich wie ein nasser Pudel, wenn er an diese Möglichkeit dachte. Und er überlegte, dah man doch dem Verhaßten auf andere, für sich selbst höchst ungefährliche Art und Weise etwas auswischen konnte. Der Onkel Kabi- nettschef war für eine Intrige immer zu haben. Maria von Worthy! Sie war seine Geliebte. Wenn das Kentner wüßte! Diese Tatsache verursachte ein Rervenprickeln, das die schlaff gewordenen Rerven aufpeitschte. Run, Kentner durfte vorerst nichts erfahren, soviel stand fest. Und Maria? Sie stieß ihn, Bonenbirchner, seit langem zurück, soviel er auch versucht hatte, sich ihr wieder zu nähern. Aber sie zahlte, ohne eine Miene ihres schönen Gesichts zu verziehen, das hohe Schweigegeld, das er, der Spieler, von ihr verlangte, wenn er wieder einmal ohne Mittel war. Kentner aber durfte nicht zwischen sie und ihn treten! Auf keinen Fall durfte das sein. Cs war ja bestimmt anzunehmen, daß Kentner sich sosort von Maria löste, wenn er alles wußte. Aber die Liebe ging manchmal eigene Wege. In diesem Falle würde es kein Geld mehr, sondern nur etwas geben, von dem er, Bonenbirchner, eben durchaus kein Freund war. Also mußte er vorsichtig sein. Wie gesagt, so groß die Freude war, dah er gerade über Kent- ncr triumphieren sollte und es auch konnte, so gefährlich war es immerhin, diesen Mann zu reizen. Bonenbirchner schlenderte jetzt auf die Fürstin Leobstein zu und lächelte sein Schwerenöterlächeln, als sie schmollend sagte: „Endlich einmal Zeit für mich? Ich mühte Ihnen böse fein, Graf. Sie wollten mir Graf Äcntner zum letzten Gesellschaftsabend mitbringen — und bann fehlten sie alle beibe. Ist das Freundschaft? Kann man sich auf solch einen Ha» lodri verlassen?" „Ich hab' um Verzeihung gebeten. Ich tu s noch einmal.“ Er küßte ihr die Hand. Sie schlug ihm mit dem Fächer auf den Arm. „Kommen Sie wieder zu sich, lieber Bonenbirchner. Aber bringen Sie mir jetzt den Kentner. Ich hab' nun mal was übrig für ihn." .Weshalb eigentlich?" fragte er gereizt. „Vielleicht deshalb, weil er ganz anders ist wie Sie!" Er starrte die schone Frau an, als habe er nicht recht gehört. So deutlich wagte sie, es ihm zu sagen, was sie über ihn dachte? Bonenbirchner verbiß seine Wut, verneigte sich liebenswürdig, und sagte: „Zwischen mir und dem Kentner besteht zur Zeit eine Spannung. Ich möchte nicht der erste fein, der die Hand gibt. Ich hab meinen Trotz auch für mich." Fürstin Leobstein lächelte mokant. Die Spannung kannte sie schon. Der Bonenbirchner hatte bloß seine Wut, weil er neben dem Kentner aussah wie eine Iammersigur. Dem hatte das Leben, das leichtsinnige Leben ganz hübsch zuge- seht — dem Kentner nicht! Obwohl der ja auch durchaus kein Heiliger sein sollte, wie sie sich hatte erzählen lassen. Fürstin Leobstein war eine blonde, schöne, lebenslustige Frau, die bedeutend jünger war als ihr Mann, der völlig im Berus des Diplomaten aufging und allerlei verknöcherte Anschauungen pflegte. Auf jedem Gebiet. Run, so mußte man halt sehen, auch ohne ihn mit dem Leben fertig zu werden. Graf Kentner! Gleich beim ersten Sehen hatte sie etwas übrig gehabt für den schonen, großen Menschen. Und sie hatte cs sich in den Kopf gesetzt, mit ihm zu plauschen. Da konnte kein Mensch etwas dabei finden, nicht einmal ihr Mann. Bonenbirchner! Sie hatte sich seiner bedienen wollen, den Grafen Kentner in ihr Haus zu ziehen. Sie war erst vor kurzem mit ihrem Manne nach Wien zurückgekommen, und da wollte sie sich den Kreis ihrer Bekannten und näheren Freunde gleich von Anfang an so einrichten, wie er ihr zusagte. Und in diesen Kreis hinein fehlte ihr eben nun noch Kentner. Dah zwischen ihm und Bonenbirchner keinerlei Sympathien bestanden, das hatte die kluge Frau inzwischen längst durchschaut. Aber nun hatte sie Bonenbirchner einmal in ihren Kreis einbezogen: jetzt mußte es auch so bleiben. Graf Kaltenberg kam auf sie zu, und im Schlepptau hatte er Kentner. Die Fürstin strahlte. Der Kaltenberg war halt ein lieber Kerl. Wenige Minuten später war man in ein Gespräch vertieft. Die Fürstin verriet ihr großes Interesse für Kentner so deutlich, daß Kaltenberg humorvoll dachte: „Das hab’ ich ja wieder einmal großartig gemacht, ich Schaf. Ich interessier' mich selber für die schone Frau und führ' ihr den Kentner zu! Ausgerechtret den Kentner! Hätt' ich mir kwch denken können, wie das ausläuft. Ra, was nicht mehr zu ändern ist, soll man genießen, wie es sich präsentiert." Die Fürstin und Kentner unterhielten sich seh« gut miteinander. Mit einem bösen Blick schaute der Fürst einmal herüber, wandte sich aber dann dem Hausherrn: wieder zu. Kentner aber dachte: „Sie ist die Kusine Marias. Wie gut, daß ich Gelegenheit habe, mich ihrer Familie zu nähern!" Die Fürstin fühlte, ihr selbst noch Dollfommen unbewußt, eine heiße Liebe für Kentner, den schönen Offizier mit dem energischen, braunen Gesicht, den großen, grauen Augen. Maria von Worthy lächelte herüber. In feinen Augen war ein stummes Grüßen. Die Fürstin bemerkte beides. Schreck durchzuckte sie. Maria und Kentner? Rein, das doch nicht? Maria wurde doch allgemein verehrt: sie sollte ihr doch wenigstens diese,» Mann lassen. Ja, aber, sie war doch verheiratet? Zu was sollte es denn führen? Ein leichtfertiges Spiel? Sollte cs das werden? Rein! Olein!, dachte die Fürstin. Ich will ja nichts von ihm! Rur plaudern will ich ab und zu mit diesem Manne. Cs ist doch so wenig, was ich verlange. Dieses Wenige kann man mir doch lassen! Ich bin doch lange genug so einsam gewesen. trotz der vielen Feste, die wir in der kurzen Zeit hier besuchten und gaben. Sinnend sah sie in fein Gesicht, das ihr offen zugewandt war. „Waren Sie nicht einmal in Baden-Baden, lieber Graf?“ Er blickte sie überrascht an; dann sagte er: „Doch! Dor vielen Jahren aber war das. Ich hatte meine Mutter nach dem berühmten Kurort begleitet und blieb aus ihre Veranlassung noch einige Sage dort. Ich kann mich aber nicht erinnern, Durchlaucht gesehen zu haben." „Möglich. Ich lebte ziemlich zurückgezogen. Mußte es. Damals war ich noch nicht Fürstin Leobstein. Aber vielleicht war ich damals glücklicher als heute." Ihre Augen blickten wehmütig und doch auch mit heißem Verlangen in die seinen. Und da wußte Gras Kentner auf einmal, mit was für Wünschen und Hoffnungen die schöne Frau sich trug. Abwehr war in ihm: aber doch auch ein großes, echtes Mitleid. Denn er hatte doch schon so allerlei über diese Ehe gehört. Doch jetzt galt keine grau mehr für ihn; er liebte Maria, und ihr würde er die Treue halten. In der Fürstin aber flammte Haß auf. Maria? Wieder sie? Immer sie, die Qkr- hätschelte, Verwohnte? Sie, die jeden ihre« Wünsche stets erfüllt gesehen hatte? Und die — die zu Graf Bonenbirchner in Beziehungen gestanden hatte? Wußte Graf Kentner daS? Otetn! Er wird es nicht wissen. Er gehörte bestimmt zu denen, die in Maria ein reines, unberührtes Geschöpf sahen. (Fortsetzung folgt) mcinbe aufgebracht. Zuschüsse wurden von öer Brandversicherungskammer und vom Verband der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Alsfeld gegeben. Die Versammlung beschäftigte sich sv- dann mit der Schalung von Satzungen. Ein den Satzungen der hessischen Feuerwehren entsprechendes Statut wurde mit kleinen Aenderungen genehmigt. Sodann wurden aus den einzelnen Zügen die Herren H. Otterbein, H. Stroh und H. Fiedler in den Vorstand gewählt. Unter „Verschiedenes" wurde beschlossen, in evtl. Zusammenarbeit mit der Vurg-Gemündener Feuerwehr zum Zwecke der Leistungsprüfung der neuen Motorspritze einen Drandangrifs aufdasSchlohin Burg-Gemünden zu unternehmen. * Schadenbach, 11. Febr. Bürgermeister Gg. Erb, der 34 Jahre lang die Geschicke unserer Gemeinde leitete, wurde am Montag, 75 Jahre alt, zu Grabe getragen. Ein stattlicher Trauerzug gab dem Verstorbenen das letzte Geleite. Kranzniederlegungen und ehrende Vachrufe widmeten dem Verstorbenen der Kreisdirektor Dr. Stammler für die Kreisbehörde, Oberamtsrichter Guntrum für das Amtsgericht Homberg, Vürgermeister Heß, Dühfeld, für die Vür- germeistervereinigung, Gemeinderat Wilh. Erb für den Ortsvorstand, Karl Linker für den Kirchenvorstand und Lehrer Doll für den Schulvorstand. Preußen. Kreis Wetzlar. Kinzenbach. 5. Febr. Der Gast- wirteverband Krosdorf-Rodheim und Umgebung hielt am Mittwochabend im Gasthaus L. P e u s ch ein Wintervergnügen ab. Vurg- wirt V i e b e r g a l l. Gleiberg, der seit der Gründung des Vereins an dessen Spitze steht, hatte mit viel Fleiß den Abend vorbereitet. Fräulein I. P e u s ch sprach den einleitenden Prolog, der Vorsitzende hielt eine kurze Ansprache, in der er die Vöte des Gastwirtes schilderte. Der Abend war durch allerlei Unterhaltung ausgefüllt und verlief sehr harmonisch. Die Veranstaltung war auch von Seiten der Gießener Geschäftswelt stark besucht. cvd Hörnsheim, 6. Febr. Bei der N e u v e r - Pachtung der Fischerei in den Gewässern der hiesigen Gemarkung blieb der Metzger Otto H i n k l e r II. von hier mit einer Jahrcspacht von 56 Mark Höchstbietender. Die bisherige Pacht betrug 156 Mark jährlich. Äiederkleen, 5. Febr. Das Standesamt, das die Gemeinden Viederkleen, Ebersgöns und Oberkleen umfaßt, verzeichnete im abgelaufenen Kalenderjahr 25 Geburten, 13 Heiraten und 18 Sterbefälle; dem gegenüber stehen 26 Geburten, 14 Heiraten und 24 Sterbefälle im Kalenderjahr 1929. Zwei Wagen eines V-Zuges entgleist. WEN. Mainz, 10. Febr. In der Nacht zum Dienstag entgleisten von dem Schlafwäaenzug D 4 Frankfurt a. M.—Basel bei der Durchfahrt des Bahnhofs Gernsheim der Packwagen und der nachfolgende Schlafwagen. Personen wurden nicht Der- letzt D 4 erhielt 150 Minuten Verspätung. Die Ursache der Entgleisung ist noch nicht geklärt. Großer pelzdiebstahl in Darmstadt. WSN. D a r m st a d t, 10. Febr. In der Nacht zum Dienstag wurde in dem hiesigen Pelzgeschäft Epting, Ecke Wilhelminen. und Hügelstroße, eingebrochen. Dabei wurden 26 bis 30 wertvolle Pelzmäntel und eine Anzahl Pelzkragen, alles für Damen, gestohlen. Es handelt sich um Lamm-, Zickel-, Katzen- und Maulwurfsfelle. Die gestohlenen Gegenstände wurden anscheinend auf einem bereitstehenden Auto abtransportiert. Für die Egreifung Ötr Täter ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Kchwarzwildplage an der unteren Lahn. • WSA. Von der unteren Lahn, 10. Febr. Aus zahlreichen Gemeinden des unteren Lahntales und der anliegenden Höhen in Westerwald und Taunus wird das rudelweise Auftauchen von Schwarzwild gemeldet. Die veranstalteten Treibjagden waren teilweise von Erfolg begleitet. Talen Mr Donnerstag, 12. Februar. 1804: der Philosoph Immanuel Kant in Königsberg i. Pr. gestorben; — 1809: der Naturforscher Charles Darwin geboren; — 1870: der Industrielle Hugo Stinnes in Mühlheim a. Rh. geboren. Wirtschaft. Holzversteigerungs - Termine. Donnerstag, 12. Februar. Versteigerer: Markvorstand Grüningen-Dorf-Gill. Versteigerungsort: Turnhalle zu Grüningen. 12 Uhr. Versteigerer: Bürgermeisterei Wohnbach. Verstei- gcrungsort: Wohnbacher Gemeindewald, Zusammenkunft am Waldeingang Wohnbach—Münzenberg. 10 Uhr. Holzsubmission der Gemeinden Groß-Rechtenbach, Vollnkirchen, Volpertshausen und Weidenhausen. Submissionsschluß, Freitag, 13. Februar, 9.30 Uhr. Oie Arbeitsmarktlage im Reiche. (Berlin, 10. Febr. (WTV.) Vach dem Bericht der Reichsanstalt ist in der zweiten Hälfte des Monats Januar das in dieser Jahreszeit zu erwartende Absinken des Beschäftigungsgrades erheblich langsamer vor sich gegangen als im Verlauf des Winters bisher. Während zwischen Anfang und Mitte Januar die Zahl der von den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen noch um rund 381000 zugenommen hatte, hat sich der Stand von Mitte bis Ende Januar nur mehr um rund 129 000 erhöht. In der Arbeitslosenversicherung allein wurden am 31.*3anuar rund 2 555 000, in der Krisensürsorge rund 811000 Hauptunterstühungsernpfänger gezählt. Von der Zunahme entfallen rund 156 000 auf die Arbeitslosenversicherung, rund 72 000 auf die Krisenfürsorge. Die Zahl der Arbeitslosen wurde am 31. Januar bei den Arbeitsämtern mit rund 4 8 9 4 0 0 0 ermittelt. Oer Belegschaft der Grube Alexandria gekündigt. Höhn, 10. Febr. Vach dem schon vor einiger Zeit große Entlassungen auf den Braunkohlenbergwerken Alexandria in Höhn vorgenommen worden wareir, ist nun dem Rest der Belegschaft gekündigt worden, weil für die auf dieser Grube geförderten Kohlen kein Absatz mehr vorhanden ist. Die Grube kommt nun zum Erliegen und teilt das Schicksal der Dasaltindustrie auf dem Westerwald. Gchwememarkt in Gießen. Auf dem heutigen Schweinemarkt in Gießen standen 100 Stück Ferkel zum Verkauf. Es kosteten Ferkel, bis sechs Wochen alt, 16 bis 18 Mark; Ferkel, sechs bis acht Wochen alt, 18 bis 25 Mark. Tendenz: mäßig, Ueberftarib. * * Vereinsbank Butzbach. Der Llmsatz der Vereinsbank für Butzbach und Umgebung betrug im Jahre 1930 55 Millionen Mark gegen 52 Millionen Mark im Jahre vorher. Die Einlagen sind um 195 000 Mark auf 1 355 000 Mark gestiegen. Es sollen wieder 10 Prozent Dividende zur Verteilung gelangen. * Frankfurts Fleischverbrauch. Im Frankfurter «chlachthof wurden im Jahre 1930 insgesamt 278 917 Tiere geschlachtet, und zwar 41 052 Stück Großvieh, 61541 Kälber, 159 267 Schweine, 15 458 Schafe, 827 Ziegen und 772 Pferde. Der Gesamtfleischverbrauch der Stadt Frankfurt betrug 30 364 020 kg (31 931 795 kg im Jahre 1929). Unter Zugrundelegung einer Einwohnerzahl von 473 000 stellt sich der Fleischverbrauch pro Kopf der Bevölkerung auf 64,20 kg gegen 67,51 kg im Jahre 1929. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 11. Febr. Tendenz: schwächer. Die heutige Börse eröffnete in schwacher Haltung, nachdem bereits an der Abendbörse Realisationen erfolgt waren. Während im Dopbörsenverkehr nur relativ behauptete Kurse genannt wurden, verstärkte sich zum offiziellen Verkehr das Angebot, zumal auch das Ausland überwiegend als Verkäufer auftrat. Eine starke Zurückhaltung ging von den pessimistischen französischen Dlätterstimmen über die Curtiusrede aus, dabei war man über das Verhalten der Rechtsparteien im gestrigen Reichstag sichtlich verstimmt. Die weiteren, wenn auch minimal zunehmenden Arbeitslosenziffern bewirkten eine starke Zurückhaltung. Von den z. T. sehr festen Auslandbörsen ging kaum eine Anregung aus. Die ersten Kurse brachten bei sehr lebhaftem Geschäft überwiegend Kursrückgänge von 1 bis 3,5 Prozent. Stärker unter Kursdruck standen Elektrowerte. Schuckert gaben 4,5, Siemens, Licht & Kraft und Elektrische Lieferungen 3,5 Prozent nach. AEG. und Gessiirel verloren 1,75 Prozent. Chemieaktien zeigten durchweg Rückgänge von 1 bis 2,5 Prozent. Vur für Metallgesellschaft ergaben sich Gewinne von 1,25 Prozent. Dis 2 Prozent niedriger eröffneten ferner Karstadt, Deutsche Linoleum. Kunstseideaktien, Kaliwerle und die Mehrzahl der Montanaktien. Rheinstahl und Mannesmann setzten je 2,5 Prozent niedriger ein. Am Dauunternehmungsmarkt war dieKurs- gcftaltung uneinheitlich. Während Holzmann 2,75 Prozent und Zement Heidelberg 1. Prozent nachgaben, zog Wayß & Freitag 1 Prozent an. Höher lagen außerdem Zellstoff Aschaffenburg, Gelsenkirchen. Von Schiffahrts- und Bahnaktien lagen Hapag. Lloyd und AEG. für Verkehrswesen um 1,75 Prozent schwächer. Am Anleihemarkt neigten Deutsche Anleihen zur Schwäche. Lediglich für Schutzgebiete und von fremden Werten bestand für Türken einiges Interesse. Im Verlaufe war die Börse mehrfachen Schwankungen unterworfen, die Kurse blieben aber gegen das Anfangsniveau ziemlich gehalten. Von den nur am Einheitsmarkt notierten Werten erschien Voigt & Häffner auf den voraussichtlichen Dividendenausfall (im Vorjahre 7 Prozent) mit Minus-Minus-Zeichen. Eine Taxe war nicht zu hören (letzter Kurs 146 Prozent). Am Geldmarkt war Tagosgeld infolge größerer äleberweisungen nach Berlin am hiesigen Platz etwas knapper. Der Sah konnte sich auf 4 Prozent erhöhen. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,204650, gegen Pfund 20,4450, London gegen Kabel 4,8620, gegen Paris 123,95, gegen Mailand 92,86, gegen Madrid 48,50, gegen Schweiz 25,1750, gegen Holland 12,1090. Berliner Börse. Berlin, 11. Febr. Nachdem schon gestern abend der Vorgang im Reichstag auf die Tendenz am Effektenmarkt ungünstig eingewirkt hatte und zu mehrprozentigen Rückgängen geführt hatte, war durch die sehr feste Haltung der Veuyorker Börse bei der Spekulation im heutigen Vormittagsverkehr wieder eine gewisse Befestigung eingetreten und die Abwärtsbewegung war vorübergehend wenigstens zum St'llstand gekommen. verwies auf die weitere Kupfererhöhung auf 10,30 Dollar, etwas bessere Berichte vom Baurn- wollrnarkt, die schon gestern bekannt waren, usw. Auch das Ausland hielt mit seinen Deckungen zurück. Die Kundschaft gab Material ab und auch die Spekulation neigte zu Gewinnsicherungen. Im allgemeinen waren die älmsähe geringer als gestern. Man konnte überwiegend Kursverluste von 1 bis 2 Prozent feststellen, doch waren auch einzelne Vebenwerte noch gefragt und teilweise sogar mit Plus-Plus-Zeichen versehen. So lagen Veue Reichsbankanteile, Törls-Oele, Ilse und BMW. weiter ausgezeichnet fest, während indessen Wicking-Zement, Svenska, Dessauer und Schlesisches Gas recht schwache Veranlagung hatten. Anleihen lagen freundlich. Ausländer ruhig und etwa behauptet. Türken weiter anziehend. Pfandbriefe still. Jndustrieobligationen weiter fest. Reichsschuldbuchforderungen erneut 0,5 Prozent höher. Geld leichter. Tagesgeld stellte sich auf 3,75 bis 5,75 Prozent, Monatsgeld auf 6,25 bis 7,5 Prozent, Warenwechsel auf etwa 5,25 Prozent. Vach den ersten Kursen war die Tendenz ziemlich unsicher. Erst weiter abbröckelnd, setzte sich später eine Erholung durch, so daß das Anfangsniveau bis 1 Prozent überschritten wurde. Etwas lebhafter ging es am Schiffahrtsmarkte zu, während Schubert & Salzer bei geringen Umsätzen um 3,5 Prozent nachgaben. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11. Febr. Es wurden notiert: Weizen 282,50 bis 285: Roggen 182,50; Sommergerste für Drauzwecke 210 bis 215; Hafer (inländischer) 157,50 bis 162,50; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 42 25 bis 43,25; Rvggenmehl 26,25 bis 27,25; Weizenkleie 10; Roggen!leie 9,50. — Tendenz: stetig. Frankfurter Pferdemarkt. Frankfurt a. M., 10. Febr. Der Februar- Pferdemarkt war besonders zahlreich beschickt; es standen insgesamt nahezu 400 Pferde zum Verkauf. Der Handel war schleppend und der Absatz geringer als im Vormonat. Junge Pferde mittleren und schweren Schlages waren im Preise anziehend; hingegen wurden Schlachttiere billiger gehandelt. — Der nächste Pferdemarkt findet am 16. März statt. Berliner Produkienmarkt. Berlin, 10. Febr. An der Produktenbörse hcck sich die freundlichere Grundstimmung erhalten. Das Mehlgeschäft war gestern nachmittag teilweise etwas lebhafter, da angesichts der Fortdauer der kalten Witterung einige Deckungs- fäufe erfolgten. Bei dem knappen Jnlandangebot haben die Mühlen Schwierigkeiten, sich mit Rohmaterial ausreichend zu versorgen, so daß die Preise am Promptmarkte gut behauptet blieben; für Weizen wurden vereinzelt 1 Mark höhere Forderungen als gestern bewilligt. Der ßiefe- rungsmcrrlt setzte bis 1,50 Mark fester ein. Roggen war im Prompt- und Lieferungsgeschäft um 0,50 bis 1 Mark befestigt. Die Forderungen für Weizen- und Roggenmehle lauteten etwas höher, größere Abschlüsse kamen auf dem erhöhten Vi- vean nicht zustande. Hafer liegt bei mäßigem Angebot am Prompt- und Lieferungsmarkte stetig. Am Gerstenmarkte ist keine Belebung zu verzeichnen. Eewinnauszug 5. Klasse 36. Preußisch-Süddeutsche (262, Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten 1. Ziehungstag 9. Februar 1931 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 4UU M. gezogen Auf jede gezogene Rümmer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar ""Ir-tincr auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 2 Gewinne zu 50000 M. 12 ®t»innc zu 5000 M. 240106 278038 391027 196390 139161 187717 217957 207187 1 I 2 Gewinne zu 106551 165131 226178 314400 341956 161527 235591 251944 290944 320070 348512 380227 168530 236953 314562 344813 124171 170795 239155 267876 292156 328460 359393 381997 124988 173245 239667 273184 300764 331905 371139 393801 69862 357077 5522 205036 250375 323646 367389 130094 192120 243831 281681 311516 337342 378025 202356 395683 76974 213479 266561 339175 375557 110523 224663 302227 340136 90718 153638 214628 248241 289463 314720 840662 378991 171184 246674 317659 357537 1000 M. 16 Gewinne zu 3000 M. 263268 308463 337202 52 Gewinne zu 2000 M. ------ ... --------- 31930 40700 45733 50622 62174 53511 58376 72926 83392 84394 ----- ....... 133171 208467 247321 288583 313214 337733 378325 180 Gewinne,u 500 M. 9659 13807 20931 21610 26870 29417 34249 34594 37944 41271 48541 50969 57682 64472 78000 82496 82640 84885 86914 87188 92083 92613 98539 100349 108795 113548 116540 127268 134674 140785 144331 153723 160826 163778 164355 176014 179442 181583 195799 197352 198380 203364 206476 207289 207442 210698 220389 221223 221417 224512 225073 229354 230976 245156 247375 250873 251641 260901 261016 261112 268818 273692 283168 285493 286453 287384 289004 297723 297787 299572 303236 303926 304616 304810 319482 330324 348960 356046 365646 365980 370718 374703 374934 376300 379877 382180 385287 385996 391836 393221 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 4(X) M. gezogen 2 Gewinn, »u 25000 M. 173123 8 Gewinne »u 10000 M. 33245 127106 203469 303187 20 Gewinne zu 5000 M. 8483 17844 63983 196176 229250 242249 334821 366506 369830 377145 16 Gewinne zu 3000 M. 58333 227423 247450 295894 320928 353502 388000 397231 66 Gewinne zu 2000 M. 3306 12259 20419 31590 38804 49134 69000 79492 86079 103137 137422 137989 140498 150766 156133 170460 176161 178670 186329 202455 225732 240007 259179 261480 265862 266890 299151 302657 308079 345026 378238 393254 398737 96 Gewinne zu 1000 M. 939 3910 7254 10106 14219 22657 38143 46539 43765 61716 86599 98617 137725 142814 149548 154506 158985 166682 177704 179740 182110 188370 188728 189128 189543 192094 235056 235271 237374 237398 238532 247184 251608 274451 279629 293194 293641 294486 298962 305779 313736 314450 315593 317667 330003 372386 377065 395313 194 Gewinne zu 500 M. 3346 3650 12387 14660 19771 23635 26171 28904 32026 37784 39370 40070 48812 54020 65887 66083 68885 77158 77224 78326 88089 103044 103651 107884 117350 131587 132936 135011 144358 152198 155112 159042 160155 161457 163526 165350 165887 166514 167455 170452 173240 179731 189477 190318 195154 195346 207009 214154 215938 216127 216536 218666 229726- 229777 234899 235596 236640 236949 247098 249557 253636 263817 265587 265824 267316 274814 275028 281127 286700 293517 295834 297158 307994 308057 317500 319140 327476 332990 334438 339977 343558 344650 348328 350227 362891 362933 366685 373725 378283 378687 379407 379476 380243 381966 388316 389142 398994 Im Gewmnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500 000, 2 Gewi' ne zu je 500000, 2 zu je 3U0OCO, 2 zu je 200 OuO, 4 zu je 100 0 >0, 6 zu je 75 0 0, 10 zu je 50 000 28 zu je 25 000,192 zu je 10 000, 468 zu je 5000, 9 8 zu je 3000. 2882 zu je 2000, 5792 zu je 1000, 9326 zu je 500,28996 zu je 400 M. Kurszettel -er Berliner und Fronkfmier Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H., Lombardzinsfuß 6 v» H. .mmiiun a. . | Serini ifrantiuri a. 2)i. Berlin Schluß-I 1'Uhe» 1 Schluß'! lurt , iflnlang» fturü «Sch-uß- ftird 1-Udr. « rä Schluß»! furct | iün^ang» Kurö urs | Hurt | Datum 10.2. 11.2. 10.2. 11.2. Dalum 10.2. 11.2. 10.2. 11.2. 0% Deutsche ReichZaMeihe eambutg.tflmertla Bakel . . / 68 66,75 67,9 66,5 von 1927 ........ 7% Deutsche Reiche anleibe 85 — 84,8 — Hamburg-Südam. Dampsjchtfs 8 130 130 Hama Tampsschtss .... 10 — — 109,5 von 1929 ......... Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 98,75 99 — Norddeutscher Llovd .... 8 69,75 66 70 68,5 Allgemeine Deutsche Creditanst. 10 97,5 97.4 Auelos.-Rechten....... 54.8 54.5 54,25 54,75 Barmer Bankverein . . . 10 100,5 191,75 100.5 101,75 SMfll. ohne Ausios.-Rcchte . . 5,75 5.65 5.575 5.65 Berliner Handelsgesellschaft . 12 124,5 123,75 123,25 6% Hell. BoU.'siaat von 1929 (Sommers. und Prtoat-Bank. 11 113.5 112,5 112,5 112,5 (tüdtabib 102%)...... 89 — 89 — Darmstädter und Nationalbank 12 143,75 143,9 144 Oberdejsen Provin, • Anleihe mi> Deutsche Bant und Auelol.-R-'-dlen...... 50 — —- — Tiscvnto-GeseUschaft, . . . 10 111 — 110,75 110,75 Deutsche Stumm. Sammclabl. Dresdner Bant...... 10 111,25 _ 110,75 110,75 Anleihe Gerte 1 ... 52 — 52 — Retchsbant........ 12 — 244 245 8% firanll. Hnp.-Ban» Goldpse XIII unlüncöat bis 1931 . . . 7% Rranli. Hvo.-Bank Goldpse 100,5 —— ■21.6.®........... . 8 105,5 104 106,75 104 92,5 Bergmann ....... . 9 118,5 106,75 unkündbar bis 1932 . —— — — Siektr LteserungSgeselllchaft. 10 122,25 119,5 123,25 122,5 4y,% Rdclnliche Hvv -Bank 89,13 Licht und grast...... 10 119,75 116,25 119.5 116,25 2lqu. Goldpse......... — — —— Heilen & Guilleaume . . . 7K 87 86,13 85 B% Pr. LandeSPtanrhrtesanstalt, Gesellschaft für Elektrische Psandbries? R. 'S 6% Pr Landcör>andbrtefanNaU, 100,5 — 100,5 _ Unternehmungen .... 10 117 115,25 117 — 97 Hamburger Elelretzitätü-Werke 10 111 gomm.-Obl. 81. 20..... —— 97 —- Rheinische Elektrizität . . . . 0 111,5 ___ 7% Pr. Landeil anvbriesanstalt, Lchleiitche Elektrizität. ... 10 — — 116,5 111 Vsandbrielr 81 21 ..... 97 •— 97 —— -Mucken & Eo....... 11 127,5 123,25 127,5 122,5 a.6.®, abg. BorMegS-Obligatto- 97,5 -icmensS Halske..... 16 183 180 184,13 180,75 nen, rückzahlbar 1932 . . . —— — —- Sransravio........ . 8 123,5 ibm-nerSCo....... 10 127 — 126,5 126,5 4% Oesterrrtchtsche Goldrenle . . 4,20% Ocsierreichtiche Gilberrentc 1% Oclterretchiiche Einheitliche Rente ....... ■ ■ 4% Ungarische Goldrente . . . . 4% Ungartiche Etaatsreute v. 1910 24,75 2,75 - - 24,7 2,9 1,3 19,8 17 2J Buderur...... • • ■ Deutsche Erdöl ...... Eiicner Steinkohle ..... . ß . 6 . 8 50,5 70 50,25 69 50,9 70,75 49.9 69 19^8 17 111 1.4 20 17 Gelsenkirchener ...... Harpen cr ....... Hoesch Eisen........ . 8 . 0 eyf 80,5 82,5 81 81 81,65 68,5 81.5 81 67,5 4H% öeügl. von 1913 4% Ungartiche Kronenrente . 1,35 3,75 — 17,13 1,3 17.4 1.3 Ilse Bergbau ....... Klöckncriverke ....... 10 . 7 61,75 167 62,5 171 60,65 1% TürMche Zoltanleihe von 1911 3,7 3,55 3,75 Söln-Reucsscn..... • . 1 _ 74,5 73 4% Türltiche Bagdadbahn-Anl Mannedmunn-Röbren . . . . 7 71,5 69 71 69,75 Serie 1 . . 4% ot#gl. Serie 11....... i,75 —- — 3,75 Mansseldcr Bergbau .... Lberschlei. Eiienbebarf . . . . 7 35,75 37 1.55 3,75 . 6 — 40,5 6% Rumäntlche veretnh. Rente 9,4 Lberschlel fiolcrocde .... . 7 — 76,75 74,5 von 1903 . . . — — — | Phönix Bergbau .... «’A 59 59,25 59 58,5 iy,% Rumänische veretnh. Rente 14,7 14,6 Rheinische Braunkohle» • • 10 167,5 167 167 von 1913 .......... 1% Rumänische veretnh. Rode —— —— Rheinstabl . ...... . ( 77,5 74.75 77,75 76,25 7,4 7,4 7,5 1 Ricbeck Mondm ...... 7.3 62,25 80,65 Sranriun a. M. Berlin Banknoten. Schluv»! 1»Uhr« Schlüße Anja g. . lur. Kurs __«£ Ämerlkani'che lin. 10. Februar Geld Brief lurd । Kur- Noten..... 4,192 58,43 112,15 20,395 16,46 168,43 21,985 112,13 58,92 2,477 112,25 81,10 42,37 12,39 73,20 - Frankfurt 4.212 58,67 112.59 20,475 16.52 169.11 22,065 112.37 59.16 2,497 112,69 81,42 42,53 12,45 73,50 a.rn. Datum 10.2. 11.2. 10.2. 11.2 Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... Englische Noten . . ...... ssranzchtichc Noten....... Holländische Noten....... Italienische Noten........ Norwegstche Noten....... Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwediiche Noten....... Schweizer Noten........ Spanische.Noten...... . T'checho,lowaki>ck>e Roten..... Ungartiche Noten Devisenmarkt Berlin Bereinigte Stahlwerke . ... Olavi Minen .... 16'/. Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 16 I. G. Karben-Industrie . . . 12 Dynamit Nobel.......6 Scheideanstalt........9 Goldschmidt . .......5 RüigerSwerke........6 MetaUgelelllchaft.......8 Philips Holzmann......7 Zementwerk Heidelberg . . 10 Eementwerk Karlstadt. ... 10 Wayß & ftreutag .....ss SchultbetS Patzenhoser ... 15 Lstwerke.........12 Atu...........18 Bemberg.........14 Zellstoff Waldhof .... 18'/. Zellstoff Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 8 Dessauer Gas . ...... 9 Daimler Motoren ...... 0 Deutsche Linoleum ...... Maschinenbau A.-G. ..... 0 Rat. Automobil . ..... 0 Orenstein & Koppel.....6 Leonhard Tietz ...... 10 Svenska ........ frankfurter Maschinen . . . . d Griyner ...... 6 Heullgenstaedt.......0 Zungbans..... 6 Leckiwerke..........8 Mainkrastwerle Höchst a, M.. . 8 Miag...........10 Gebr. Roeder ...... 10 Boigt L Haeffner ...... 9 Süddeutsche Zucker • • • . 10 61,5 35,25 141,5 149 216,5 141,9 >26,25 43 51,75 71 81,9 84 47 69,75 64 103,25 78 25,5 113,5 12,5 31,5 70 1« 35 214,5 139,65 125,75 49,75 71,5 79,25 82 48 68 79,5 25 111,75 62 34,75 142,25 150 217,9 142,65 69 42 51,5 71 80,25 46,5 176 150 70 65 103 78 90,75 118,4 25 112,75 50 111 !53,5 12 32,25 34 66,25 62 35 140 145 215 67,9 50,75 80,75 173,75 69,25 63,75 102,5 79,75 89 115 25,5 111,5 33,5 49 109 249,5 — 34 10. Februar 11 .Februar Amtliche Notierung Ceft. abgest Prag . . . Bei irad . . Buoav.st. . ibul arten Lissabon . Danng... Konst ntiit. »wen. Ilana oa Uru uay. . Cairo . . . 168,70 1,283 58,615 112,43 112,43 112,54 10,573 21,99 20,426 4,201 16,474 1,145 42,56 J ,080 |.366 59,00 12,431 7,406 73,31 3,044 18,86 81,65 1.784 5,444 4,199 2,827 20,94 169,04 1,287 58,735 112,65 112,65 112,76 10,593 22,03 20,466 4,209 16,514 41,305 42.64 2,084 0,368 59.1: 12,451 7,420 73,45 3,050 18,90 81,81 1,789 5,454 4,207 2,833 20,98 168,78 1,294 58,595 112.42 112,42 112,56 10,572 21,99 20,425 4,201 16,471 81,115 42,16 2,080 0,368 59,015 12,43 7,401 73,30 3,044 18,85 81,64 1,784 5,445 4,199 2,837 20,94 169.12 1,298 58,715 112,64 112,64 112,78 10,592 22,03 20,465 4,209 16,511 81,275 42,24 2,084 0,370 59,135 12,45 7,415 73,44 3,050 18,89 81,80 1,789 5,455 4,207 2,843 20,96 Lugend und Hochschule. Freiheit und Führerschaft. Don profeflor Dr W. coffmann Wenn die moderne Erziehung auf jugend- psychologischer Grundlage aufbaut, ist dies nicht zulegt das Verdienst von Pros. Hoff- manns grundlegendem Werk über „Die Reisezeit", dessen soeben erscheinender 3. Auslage wir den nachstehenden Abschnitt entnehmen. (Verlag von Quelle K Meyer in Leipzig. Preis geheftet 10 Mark. In Leinenband 12 Mark.) Während in der Kindheit sich das Wachstum der Seele nach unbewußten biologischen Gcjegmähig- leiten vollzieht, die der Erzieher noch Verhältnis- mäßig einfach durch entsprechende Abstimmung der Umweltoerhältnisse beeinflussen kann, ist in den Reifejahren die Verselbständigung der geistigen Funktionen so weit fortgeschritten, daß nunmehr das seelische Organ selbst sich an der Leitung der Weiter- eiitwicklung aktiv beteiligt. Mit diesem neuen psychologischen Faktor muß die Erziehung rechnen. Er bedeutet einen Fortschritt insofern, als an Stelle der Erziehung immer mehr die Selbsterziehung tritt. Dem Erzieher fällt im allgemeinen die Kehrseite der>geistigen Erweckung mehr auf, die sich in der Lösung kindlicher Abhängigkeitsoerhältnisse zeigt. Der Jugendliche will gewissermaßen das Steuer selbst in die Hand nehmen, und da der Erzieher bemerkt, wie ihm die Führung mehr und mehr entgleitet, fürchtet er, daß der Jugendliche a l l e Führung verliert. Will er die gegenüber dem Kinde angewandte Fonn autoritativer Führung weiterhin durchsetzen, so trifft er auf starken Widerstand, der bis zu offener Auflehnung gehen kann. Es gibt eine typische häusliche Szene, wo der Jugendliche eines Tages erklärt, „er sei kein Kind mehr, das zu allem ja sagen müsse, er bilde sich seine eigene Meinung und wisse selbst, was er zu tun und zu lassen habe". In der ethischen Form mag der junge Mensch unrecht handeln, biologisch gesehen, ist er int Recht. Er braucht diese Selbständigkeit zu seinem geistigen Wachstum, selbst auf die Gefahr hin, daß die ersten Experimente mMngen sollten und der Erzieher helfen muß, den Schaden zu reparieren. Denn die Fremderziehung soll im allgemeinen soweit beendet fein, daß man dem Jugendlichen getrost die Selbsterziehung überlassen kann. Oft ist aber in dieser Hinsicht manches vernachlässigt worden, und hieraus erwächst eine kritische pädagogische Situation, weil nunmehr die Folgen der Erziehungsfehler evident werden. Jetzt beginnen die Klagen über Mangel an Selbstdisziplin, an Verantwortungsgefühl, an Echtheit der Lebensführung, und die Eltern möchten die ungenügende Erziehung der Kinderstube nachholen. Zu spät! Eher kann hier fremde Führung helfen. Die alte Streitfrage nach dem Verhältnis von Autorität und Freiheit in der Erziehung läßt sich also in dieser allgemeinen Fassung überhaupt nicht beantworten. Man muß sehr genau unterscheiden, welche Entwicklungsstufe und welche besondere Erziehungsaufgabe in Betracht kommt. Die Erziehung beginnt beim Säugling mit einer „Dressur" und endet in den Reife,ähren mit der Selbsterziehung. Alle Fremderzichung soll nur Vorbereitung zur Celbstcrziehung (ein. Kurz gesagt: die letzte Aufgabe jeder Erziehung ist, sich selbst überflüssig zu machen. Für den Jugendlichen gilt auch der beste Erzieher als notwendiges Hebel, und er hat in seiner Art wieder recht. Je weniger wir zu erziehen brauchen, desto besser haben wir die pädagogische Aufgabe gelöst. Bei der Lösung des Jugendlichen von kindlichen Bindungen offenbart sich die ganze Zwiespältigkeit seines Wesens. Keine Vernunftgründe sind in der Lage, diesen Schritt zu hindern. Er folgt — beinahe widerstrebend — einem inneren Drange; denn es handelt sich um das Einsetzen einer Phase, die anlagemäßig durch den biologischen Entwicklungs- rhythmus vorgebildet ist. Er selbst empfindet auch seine Schwäche und sucht daher nach neuer Führung. Das Führerprablcm beruht also darin, daß der Jugendliche die ihm gebotene und angebotene Führung ablehnt, obwohl er gleichzeitig eine Führung braucht und sucht. Infolgedessen liegt hier der Punkt, wo die Grenzen d^ pädagogisch Möglichen erreicht sind. Denn die letzte Entscheidung liegt in der persönlichen Veranlagung des Jugendlichen. Dementsprechend „sucht" er sich „seinen" Führer. Sein Glück und fein Verderben hängen von dieser Wahl ab. Hier wirkt ein letztes psychologisches Gesetz, dem sich auch der Erzieher fügen muß. Er kann nicht mehr tun, als dem Jugendlichen den Ernst und die Verantwortung seiner Lage bewußt zu machen. Diese Ausführungen gelten zunächst für die männliche Jugend. Auch das Mädchen „sucht" seinen Führer. Aber es ist mehr ein stilles Warten auf das Erscheinen seines Führers, zugleich Verfchlosien- heit und Abwehr bei allen anderen geistigen Begegnungen. Der Knabe läßt es eher auf einen Versuch ankommen; er „experimentiert" auch bei der Wahl seines Führers. Hat das Mädchen sich in seinem Vertrauen getäuscht, so setzt es sich viel schwerer über diese Erfahrung hinweg. Mädchen gcUen_ im geistigen Verkehr des Alltaasl^iens als oberflächlich. Es fragt sich nur, wie diese Oberflächlichkeit zu deuten ist. Könnte es nicht ein instinktiver Selbstschutz sein? Gerade in der Stellung des Jugendlichen zu seinem Führer zeigen sich die Unterschiede der Entwicklungstypen, je nachdem das autonome oder heteronome Formprinzip vorherrscht. Man sieht es im allgemeinen als höchste Leistung des Erziehers an, wenn er einen möglichst starken suggestiven Ein- fluß auf die Jugend ausübt. Es fann sich aber daraus ein Zustand seelischer Hörigkeit ergeben, der die Entwicklung ungünstig beeinflußt. Hat der Erzieher einmal den seelischen Kontakt her- gcfteUt, Jo geht sein Einfluß beinahe ins Grenzenlose. Infolgedessen besteht die Hauptaufgabe darin, das richtige Maß zu halten. Wenn ein junger Mann nach seinem Wegzüge anfangs dreimal täglich Karten schreibt, worauf nichts weiter steht, als daß es ihm gut geht, ober wenn andere periodisch größere Reisen unternehmen, weil sie nach Jahren das Bedürfnis fühlen, sich einmal „auszusprechen", so ist die Grenze bereits überschritten. Namentlich bei Mädchen kann das „Schärmen" sehr exaltierte Formen annehmen. Da die seelische Hörigkeit unter allen Umständen einen abnormen Zustand tiarfteilt, so muh früher ober später eine entsprechenbe Reaktion eintreten. Je schärfer bie Binbung vorher war, besto schroffer gestaltet sich bann bie Ablehnung. In vielen Jugenbgruppen wieberholt sich der typische Vorgang, daß ein leidenschaftlich verehrter Führer eines Tages mit maßlosem Haß verfolgt wird. Der Außenstehende kann cs oft schwer verstehen, warum alle Brücken zu einer Verständigung von den betreffenden Jugendlichen rücksichtslos abgebrochen werden und der ehemalige Führer in jeder Weise herabgesetzt wirb. Es ist eine Aeuherung bes geistigen Seibslerhastungstriebes, und deshalb werben die stärksten Sicherungen gegen einen Rücksall in bie seelische Hörigkeit gebaut, bie nunmehr als (Er» niebrigung bes Ich erkannt wirb. Man wirb leiber häufig vor Erziehungsaufgaben gestellt, die nur unter Aufbietung des stärksten persönlichen Einflusses zu lösen sind, und es ist, wie jeder Psychotherapeut schon aus der Behandlung Erwachsener weiß, außerordentlich schwer, einen solchen jungen Menschen wieder auf sich selbst zu stellen. Wenn z. B. die Erklärung kommt, man fei ihm mehr als der Vater geworden, so ist es höchste Zeit, sich durch eine moralische Standpauke unbeliebt zu machen. Daß die Pädagogik von dieser Gefahr bisher nichts wußte, verdankt sie roohl ihrer Unzulänglichkeit, während pädagogisch begabte Laien meist in falscher Seldsteinschätzung darüber hinwegsehen und bann fassungslos vor Katastrophen der zuvor erwähnten Art stehen. Wie schon bemerkt, ist das „Suchen" nach dem Führer ein charakteristischer Zug für bie männliche Jugend, und bie Aufgabe wird — wie immer — durch Experimentieren, also in spielerischer Art gelöst. Infolgedessen wechselt er häufig in der Wahl seines Führers. Da ihm für innere Werte noch der nötige Blick fehlt, so ist für ihn mehr der äußere Effekt maßgebend, und er bevorzugt Personen, die offenkundig von anderen bewundert werden: den Sportmeister, den Sä)auspieler, den Sänger, und auf den Schwadroneur fällt er prompt herein. Ist wirtlich eine persönliche Bindung gefunden, so wünscht doch der Jugendliche, daß die Bindung äußerlich möglichst wenig in die Erscheinung tritt. Er will dem Führer etwas ablauschen, absehen, und sobald ihm dieser seine Ansichten und Ratschläge ausdrängt, zerstört er das Verhältnis. Der Jugendliche möchte innerlich frei bleiben, frei auch von Dankesschuld. Daher liebt er es, mit seinem Führer zu debattieren, ihm äußerlich zu widersprechen, um feine Grundposition, bie geistige Selbstänbigkeit, zu wahren. Zugleich ist er der geborene Plagiator. Was er eben gehört und sogar lebhaft bestritten hat, trägt er vielleicht schon eine halbe Stunde später in seinem Freundeskreise als eigene Gedanken vor... Bildung am Abend. Abendgymnasium und Abenduniversstäi. Don 6. Frisch. Die „Pädagogische Provinz" ist heute ein sehr weitläufiges Gebiet, auf dem abgebrochen, umgebaut und neugebaut wird. Wer einen Einblick gewinnen will, darf sich von dem Daulürm auf dem Gelände, den: Staub der Diskussionen, den Hausen des Materials, dem Unfertigen, Halb- fertigen und Provisorischen nicht stören lassen. Einiges steht ja auch schon fertig da, die Räume sind zum Teil bezogen. Am besten, man geht hinein und sieht, wie sie sich da einrichten. Xlnb wenn man es will, kommt einem auch die Gelegenheit bald zu Hilfe. Ich treffe in Gesellschaft einen jungen Doktor, Drille, etwas schwerfällig, aber sehr beschlagen in den geläufigen Themen einer Berliner Unterhaltung: Tonftlm, Krach der Amüsierpaläste, Prominente, Dirigenten. Man sagt, was jeder schon weih, oder das Gegenteil, was auch ein j-der schon weih... Wir gehen zusammen fort. Er trägt eine ausgediente, dickgefüllte Aktentasche mit sich, Zeugnis seiner beruflichen Tätigkeit. Er habe spät noch eine Ertrastunde lateinischer Lektüre gehabt, mit Schülern, die außerhalb des Programms besonderes Interesse für lateinische Schriftsteller haben. Schüler, so spät? Ich wundere mich. Er erzählt. Ein Mann, ganz anders als eben noch, kommt zum Vorschein. DaS Anonyme des Berliner Passanten, der den ganzen Tag irgendwohin eilt, fällt von ihm ab. Lehrer von Erwachsenen, Berufstätigen. Ich spüre plötzlich einen Mann an einem Werk. Bildung? Wird das noch begehrt? Wie, und zu welchem Zweck? Er wird wärmer. Wir sprechen zum erstenmal an diesem Abend. Beim Abschied sagt er: „Kommen Sie und sehen Die selbst!" , Dicht am Wittenbergplah, der an zwei Tagen der Woche ein richtiger Markt ist, sonst aber mit seinem E'-Bahnhof und Warenhaus der Brückenkopf der Flanier- und Trubellinie, die der Berliner stolz feinen Broadway nennt, liegt eine schläfrige, kurze Strohe zu dieser frühen Abendstunde fast im Dunkeln. Man kann die Rummern der Häuser, gesichtslose, schon in ihrer Jugend gealterte Fassaden der 80er Jahre, kaum ausmachen. Typische ältere Berliner Wohnstraße in nächster Rahe der großen Derkehrszentren, akustisches Wunder der Stille. Durch ein klaffendes Backsteinportal trete ich in einen weiten Hof, der aus den Fensterreihen eines großen Hintergebäudes Licht empfängt. Abcndghmnasinin. Ich treffe gerade in eine kurze Pause des Unterrichts, der aus den drei Abendstunden von 7 bis 10 vier normale Unterrichtsstunden zurechtschneidet. Die Zeit muß genutzt werden. Hastiges Gewimmel auf den Korridoren. Es ist nicht der Eindruck einer Schulpause, den man empfängt, vielmehr der des geschäftigen Ernstes von Berufsmenschen, die einer Verrichtung zueilen und unterwegs ein paar Worte miteinander wechseln. Ich finde meinen Gewährsmann unter Gleichaltrigen, Jüngeren und Aelteren als er, in feiner Eigenschaft als Lehrer nicht unterfcheidbar. Etwas noch nicht definierbares Gemeinsames hält die Bewegung dieser Menschen zusammen, anders als eine Gruppe von zufälligen Versammlungsteilnehmern nach ihrem verschiedenen Tagewerk. In einem engen Bureau, ungestört durch dos fortgesetzte Ein und Aus Fragender und Auskunftempfangender, lerne ich den Initiator und Leiter der Anstalt, Professor S., kennen: ein hoher, breitschultriger, eleganter Mann mit weißem Haar und jugendlichen Augen, weniger einem Pädagogen als einem energischen, modernen Unternehmer ähnlich. Richts (Beamten- Haftes, Autoritatives. Es besteht hier durchaus nicht die Reigung, Fachfragen zu erörtern oder propagandistisch für ein System zu werben. Ich mache die gleiche Erfahrung wie überall, wo Reues aus Rotwendigkeit am Werke ist, dah die an richtiger Stelle Wirkenden nur daraus bedacht sind, dos nächst Aufgegebene zu erfüllen. Eine Sch ul klaffe. Ich habe aus einmal die lebhafte Empfindung deS Kontrastes von Tempo und Zeit. DaS Abend-Gymnasium fetzt sich die schwierige Ausgabe, ausschliehlich werktätigen DerusSmenschen. die einen vollen Arbeitstag hinter sich haben — man muh sich präzis vorstellen, was das in Berlin heißt — in kürzerer Frist als im normalen Lehrgang den Weg zur Hochschule zu eröffnen. Welche Qlnforbe* rung an die Energie der Schüler, an ihre De* gabung und denkt man an das Tempo eines alle Fächer umfassenden Unterrichts. Allein man muh nur wieder erleben, was eine Schulstunde ist. waS alles in sie hineingeht, wrnn sie rational genützt wird. Mag sein, daß daS natürliche Reifen eine zu heftige und angespannte Inanspruchnahme jugendlicher Kräste verbietet, aber ebenso gewiß ist, dah selbst dem Durchschnitt der alte schleppende Lehrgang längst nicht mehr entspricht und an dem Begabten zumal eine Versündigung ist. Hier freilich handelt es sich ja eigentlich nicht mehr um Erziehung, sondern um Vermittlung von Kenntnissen, um Bildung. Rach der Mischung männlicher und weibllcher Typen vom verschiedenen Beruf gefärbter Menschen bietet die Klasse einen ungewöhnlichen Aspekt, hat etwa- von einem Warteraum. Dio unterste Altersgrenze ist 18 Jahre. 3m Schülerverzeichnis finde ich folgende Berufe: Buchdrucker, Stenotypistin, Handlungsgehilfe. Polizei-Oberwachtmeister, G'asbiäser, Sprachlehrerin, Statistiker, Werkzeugdreher. 3m Augenblick bilden sie zusammen mit dem Lehrer eine A r b e i t s g em e i n s ch ast zur Erwerbung historischer Kenntnisse. Kein Vortrag, der nachgeschrieben wird. 3ch höre nichts von Staatsaktionen, klangvollen, historischen Rainen. Es handelt sich darum, ein Bild zu gewinnen vom Leben deutscher Dauern im vierzehnten Jahrhundert — das merke ich allmählich. Von allen Seiten wird ein weniges dazu beigetragen, langsam füllt sich der Rahmen: Verhältnis vom Land zur Stadt. Stellung des Gutsherrn. Einftuh der städtischen Marktpreise, zunehmende Dedeu- tung des Geldes, Abwanderung der Desitzer in die Stadt, Streislichter auf die Gegenwart... Unauffällig lenkt der Lehrer, indem er Richtpunkte fixiert. Abschweifende zurückführt, Unsicherheiten beseitigt. Ist ein Punkt erreicht, wo das Wissen der Lernenden schon sehr spärlich sickert, bann tritt so etwas wie eine natürliche Stockung ein. Sie wird vom Leiter der Stunde nicht mit einem Beitrag aus Eigenem behoben. Es wird zunächst festgestellt, was fehlt, darauf hingewiesen, wo Ergänzungen zu holen sind. — 3st von den Mitwirkenden etwas unterlassen worden? Ohne daß ein Tadel ausgesprochen wird, spürt man Unruhe. Die gemeinsame Leistung befriedigt offenbar nicht. Hier ist eine Verstärkung erforderlich, sie wird rasch für die nächste Stunde organisiert, die vorzunehmende Arbeit verteilt. Eine andere Klasse. D e u t s ch u n te r r l cht. Da von alten Sprachen nur Latein gelernt wird, hat der Lehrer eine moderne Uebersehung der .Odyssee" zur Lektüre gewählt. Er sucht den Eindruck, den die alte griechische Dichtung gemacht hat, zu ermitteln, die Merkmale der epischen Erzählung und was sie von einer modernen unterscheidet, finden zu lassen. 3ch höre nicht die übliche, schlechtgesügte Schülernacherzählung, in der die angelesenen Brocken und die Schlagworte aus dem Vortrag als unverdautes Material stecken. Mehr oder minder gewandt, verraten die Aeuherungen eine ehrliche, eigne Bemühung um diese ferne Welt, oft eine naive Freude an den großen Einfachheiten des Gedichts. Mit ungefügen Worten konstatiert ein Mann mit schweren Handwerkerhänden, daß es in dem Gedicht wohl große Gefühlsausbrüche gebe, aber kein Reden über Gefühle. Es liegt auf diesen von der Tagesarbeit gezeichneten Gesichtern zu dieser Stunde ein Schimmer von dem beg'üäen- den Frieden, wie ihn ein großer landschaftlicher Eindruck zuweilen auSstrahlt. In dcr Bank unter mir sitzen zwei junge Leute. Mittlere Angestellte oder Feinarbeiter. Sie haben die ruhige selbstbewußte Art, die auf sportliche Betätigung schließen läßt, vielleicht auch die Zugehörigkeit zu einer strammen Parteiorganisation. Der eine mit rotem Schopf und knochigem, festen Gesicht, der andere schwarz, schmal, mit intelligenten Augen. Sie haben vor sich ein schwere«, dickes Buch, das wie das Hauptbuch eines Geschäfts aussieht. Sie haben es sehr sinnreich eingerichtet, in Abteilungen, Fächer, Unterfächer Vemssaussichsen des Musikers. Don Artur Holde. Schon längst bevor der allgemeine wirtschaftliche und soziale Riedergang eingesetzt hatte, warnten die Vertreter der meisten Berufe, in erster Linie die der sogenannten „freien" vor dem Eintritt. Eine ganz natürliche Erscheinung: jeder kennt die Schattenseiten feiner eigenen Berufssphäre am genauesten, und für jeden werden die Vorzüge einer Stellung, da die Gewohnheit abstumpft, zur Selbstverständlichkeit. Jetzt haben die Warner als beweiskräftigstes Argument die Lieberfüllung aller Berufskategorien anzuführen, die selbst dem Begabten nur bescheidene Aussichten auf Aufstieg biete. Was aber soll denn die Heranwachsende Generation beginnen, da sie doch nicht erst bessere Zeiten abwarten kann und kaum jemals so stark dem Zwang, sich frühzeitig für ein Lebensziel zu entscheiden, unterworfen gewesen ist? Vielleicht am meisten sind die Chancen, sich durchzusetzen, für den an keine vertragliche Stellung gefesselten Künstler gesunken. Der abseits vom Erwerbsleben feiner Arbeit hü gegebene schöpferische Mensch ist eine nahezu um>efannte Erscheinung geworden. Auch er hat die Bindung an irgendein seiner Anlage entsprechendes Amt auf sich nehmen müssen. Die Gefahr, den Doden unter den Füßen zu verlieren, ist für den Ton- künstler nicht ganz so groß wie etwa bei den bildenden Künstlern, da es gerade in der Musik zahlreiche Formen der praktischen Existenz gibt. Es heißt für viele Derulsmusjker eben nur, umzulernen, und für die Jugend lautet die Forderung: die Zielsetzung von vornherein in Ein- flang zu bringen mit der durch die Verhältnisse geschaffenen neuen Situation des Musikwesens. ©er in jedem Beruf jetzt mehr denn je gültige Sah, daß nur bet stark Befähigte und der Charakterfeste Ausstiegsmöglich'eiten hat, ist natürlich auch für die Musik zutreffend. Ist aber dieses natürliche Fundament hinreichend vorhanden, dann ist die Zukunft keineswegs nur mit grauen Wolken verhängt. Denn es besteht Bedarf an tüchtigen Musikern in allen Ländern. Ungünstig sind die Aussichten allerdings für den Konzertspieler. Vor dem Kriege gestattete der allgemeine Wohlstand im Konzcrtwesen eine Art Luxusbetrieb, der nur für Vereinzelte zu einer begehrenswerten Position führte. Von den Solisten sind gegenwärtig und wohl noch für geraume Zeit am besten hochqualifizierte Sänger gestellt. Die Opcrnbühnen Deutschlands haben, von wenigen kleinen Instituten abgesehen, ihre Pforten nicht geschlossen, und auch das Chorwesen hat keinen einschneidenden Rückgang erfahren, da an die Stelle der an Mitgliederzahl und Leistungsfähigkeit durchweg geschwächten altangesehenen Chorgesellschaften vielfach Volkschöre zroßen Stils getreten sind. Das Eingreifen dieser aus der Arbeiterbewegung hervorgegangenen Männer- und Gemischten Chöre gibt jungen Dirigenten ein großes, dankbares Betätigungsfeld. Richt gerade ungünstig find die Aussichten für befähigte Instrumentalisten ohne So- listenchrgeiz. Zunächst gilt auch für sie die Auswirkung des Geburtenrückgangs der ersten Kriegsjahre: die zif ernmäßig schwachen Jahrgänge 1914 bis 1918 treten jetzt in das Erwerbsleben ein, so daß auch im Lrchestermusike.stand eine gewisse Zeit mit einem verminderten Angebot gerechnet werden kann. Dabei hat sich die Wirt- schasts as s leistungsfähiger Orch.sterrnusiker durch die Hc„crnafjme vieler Institute in städtische Regie und durch die damit erreichte Deamtenquali- fifation gc eftigt. Dieser Weg steht allerdings fast ausschließlich Männern offen, da Frauen nur selten Einlaß gewährt wird. In deutschen Orchestern haben eigent.ich nur Harfenistinnen Aussichten auf Anstellung. Für den jungei Mus ker dem die Beschäftigung im Orstester nicht zusagt, oder der die von den Instituten geforderte künstlerische und allgemeine Bildung nicht besitzt, ist immer noch ein wertes Feld als Kaffeehaus-, Kabarett- oder Kinospieler vorhanden. Er wird aber den Wandlungen in dcr Besetzung der Ensembles Rechnung zu tragen haben. Bläser und Schlagzeuger sind erheblich mehr als Streicher gesucht. Das Vorbringen der mechanischen Musik hat zu einer Umwälzung in der Musikpslege geführt. Eine ihrer Auswirkungen: Der Musiker ist in erhöhtem Maße auf die Großstädte, und zwar jene wenigen Plätze angewiesen, die Produktionsstätten der Schallplatten und der Tonfilmindustrie sind und an denen sich die Sende st ationen befinden. Alle diese Betriebe haben einen großen musikalischen Apparat. der viele praktisch und theoretisch durchgebildete Tonkünstler beansprucht. Reue Berufe sind entstanden: Klangkontrolleure, Musik- inspizienten, Archivare, Propagandisten bilden eine große Gruppe „technischer Musiker". Reben den reproduzierenden Musikern bedürfen diese Industrien der schaffenden Tonkünstler. Die Rachfrage nach arteigenen Werken nimmt in allen Zweigen der mechanischen Musik schnell zu. Das erhöhte Verantwortungsgefühl der Sende- und Grammophongescllschasten (die sich zum Teil bereits „Kulturabteilungen" ungegliedert haben) weckt überdies immer mehr das Verlangen nach Musikwissenschaftlern. Am stärksten wftd von der Maschinisierung des Musiklebens die ernstgerichtete Hausmusik betroffen. Wer zur Tonkunst kein tieferes Verhältnis besitzt, begnügt sich nur allzu leicht mit der bequemen Form der Hebertragung. Wiederum werden durch das Radio auch welle Kreise an die Musik herangeführt, die ehedem für ernste Tonkunst gar nicht in Frage kamen. Aus der gemeinsamen kulturellen Rot heraus beginnen sich jetzt Schullehrer und Privatmusiklehrer zu» sammenzuschlichen, um musikalische Kinder an sachgemäßem Unterricht teilnehmen zu lassen. Durch diese Zusammenarbeit entstehen auf dem sicheren Unterbau der Schule Stellungen, die gegenüber der alten „freien“ Form des Privatmusikunterrichts mannigfache wirtschaftliche und soziale Vorteile bieten. Die vielfach bekämpfte, aber nun einmal Im Forlschreiten befindliche „Verschulung" der Musikpädagogik hat vor allem aus die Musikpflege der wirtschaftlich schwachen Kreise Einfluß gewonnen. Ein ganz neues, erzieherisches Arbeitsgebiet eröffnet sich geistig beweglichen, fortschrittlich gesinnten, vor allem umfaffenb vor» gebildeten Lehrkräften durch das Entstehen von Volksmusikschulen. Die bisher gemachten Versuche, bie unbemittelten Schichten für Vokal- und Instrumentalunterricht zu aktivieren, haben bewiesen, dah durch solche vollstümliche Anstalten die Berufsaussichten der jungen Musiker erheblich steigen können. Liegt also eine ausgesprochene Begabung für die Musik in Verbindung mit allen notwendigen körperlichen und seelischen Eigenschaften vor, bann besteht keine Veranlassung, den zur Tonkunst als Lebensberuf strebenden jungen Menschen abzuraten. Denn man kommt immer noch auf dem Gebiet am weitesten, und man findet in dem Fach die größte Lebensfreude, auf das die Anlagen Hinweisen. Frei von allem vagen Optimismus kann man deshalb sagen, daß der Musikerberuf, der früher wie jede künstlerische Tätigkeit al5 wirtschaftlich besonder- unsicher betrachtet wurde, heute nicht „unfoliber“ ist als die meisten dei „bürgerlichen" Laufbahnen. «nach Buchstaben uni) Ziffern gegliedert; ein Repertorium selbstgeschafsenen Wissens, ihr eigenes Konversationslexikon gleichsam. Man sieht es ihnen an. daß sie entschlossen sind, was sie hier erworben, gut zu verankern... Rach der Stunde komme ich mit meiner Rachbarin, einem älteren, blonden Mädchen, dem man an Augenlidern und Händen die an der Schreibmaschine verbrachten Iahre ansieht, ins Gespräch. Sie ist Sekretärin in einem Anwaltsbureau und will Iura studieren. Mit dem wachsenden Verständnis bei ihrer Tätigkeit habe sich ihre Vorliebe für den Beruf befestigt, und nun sei sie entschlossen, richtig zu studieren. Sie wolle wissen, was Recht ist. * Ich habe nachher noch Gelegenheit, den Leiter -er Schule zu sprechen. Plan, Durchführung, Beschaffung der Mittel ist sein eigenes Werk. (Abgesehen von einer Halbjahrsgebühr von 10 Mark ist der Unterricht unentgeltlich. Wirtschaftlich Schwachen werden auch die Lehrbücher kostenlos gestellt. -Zugelassen sind nur Berufstätige.) Es ist eine ausgesprochene Beg ab-tenschule, und sie muß es ja bei diesen Anforderungen auch sein. Meine Frage nach den Beweggründen dieses Aufstiegwillens bei den meisten beantwortet er sehr positiv. Es handle sich in den wenigsten Fällen um das Streben nach materieller Verbesserung. Auch nicht nur die akademische Berechtigung, zu dem Zwecke, sich günstigere Bedingungen innerhalb der Berufstätigkeit zu schassen. Ausschlaggebend sei Bildungsbedürfnis und, im Laufe der Arbeit, das Gefühl, an seinem wachsenden Wissen ein Gegengewicht gegen die Last der Berufsarbeit zu haben und ein Mittel, den Forderungen und Fragen der Zeit mit Verständnis und begründetem Urteil zu begegnen. Ich finde das in der kleinen Zeitschrift der Schule, die „Aufstieg" heißt und sich einzig aus Betträgen der Schüler zusammensetzt, vielfach bestätigt. In einem Aufsatz „Geschichte und Allgemeinbildung" von einem Bureauangestellten heißt z. D: „Als Allgemeinbildung möchte ich jenen Grad von Wissen bezeichnen, der einen im Spezialfach arbeitenden Menschen befähigt, die außerhalb seines Fachwissens liegenden Dinge des Lebens seiner Zeit in ihren wesentlichen Grundzügen zu erkennen und zu verstehen." Wobei er sich der Um- strittenheit des Problems der Allgemeinbildung, für die er oft sehr gute Formulierungen findet, durchaus bewußt bleibt. Indessen gehen die Bestrebungen des Leiters der Schule auf eine richtige Abend-Universität für Werktätige. Seine Arbeit hat sich bewährt: Das Abend-Gymnasium hat vor kurzem zum erstenmal seine oberste Stufe zum Abitur geführt; von 26 Prüflingen haben 23 bestanden. Bemerkenswert dabei, daß die weiblichen Teilnehmer alle durch ihr Examen kamen. 9JL-*fpoit Deutschland führt in St. Moritz. Die Weltmeisterschaft im Viererbob wurde unter Teilnahme von 13 Fahrzeugen, darunter zwei deutschen, am Dienstag in St. Moritz begonnen. Die schnellste Zeit des Tages fuhr der Bob „Deutschland I" mit Hauptmann Zaun als Führer mit 1:17,7 Minuten. Die bisherige Rekordzeit von 1:19,4 wurde außer von dem deutschen Bob auch von anderen Fahrzeugen mehrfach unterboten. Deutschland liegt am ersten Tage in Führung, so daß die Aussicht besteht, neben der bereits in Oberhof gewonnenen Zweierbob-Weltmeisterschaft auch die im Viererbob zu gewinnen. Deutsche Hallentennis -Meisterschaften. Am Sonntag wurden bei den Deutschen Hallen- Tennismeisterschaften in Bremen die ersten Entscheidungen herbeigeführt. Bei den Damen besiegte Frl. Krahwinkel Irmgard Rost 6:2, 6:3 und wurde damit Endspielsiegerin. Für die Schlußrunde im Gemischten Doppel qualifizierten sich Frl. Sperling-Lorentz nach ihrem Siege über Frl. Öorenh-Bernard von 0:6, 6:3, 7:5. Sie treffen mit Ellen Hoffmann-Mackenthum zusammen. Stuttgarter Hallensportfest. 800 Teilnehmer. Rach den bisher vorliegenden Meldungen wird das am 21. Februar stattfindende Stuttgarter Hallensportfest alle seine Vorgänger weit übertreffen. Es wurden bisher aus 50 Turn- und Sportvereinen über 800 Aktive gemeldet. Besonders gut beseht find die Rundenstaffeln für Jugendliche und Senioren, zu denen 200*3ugend- liche und 275 Senioren vorgemerkt sind, so daß die Veranstaltung eine machtvolle Demonstration für den Gedanken der Leichtathletik bilden wird. Im Handball und Faustball kommt es zu Kämpfen zwischen den württembergischen Meistern der Turnerschaft und der Sportbehörde, und zwar im Handball zwischen dem TSV. Eßlingen und den Stuttgarter Kickers und im Faustball zwischen dem Turnerbund Ulm und dem SC. Cannstatt. Oer Reit- und Kahrsport. Oie Achenbach - Fahrkurse des Gießener Reit- und Fahrklubs. Von Dr. Kranz, Gießen. Der Reit- und Fahrsport kann für sich mit Recht in Anspruch nehmen, ein uralter und edler Sportzweig zu sein. Sein eigenartiger Reiz und die durch ihn geweckte Liebe zum Pferde beruht im Grunde auf dem elementaren Bestreben des Menschen, sich andere Lebewesen dienstbar zu machen. In der Liebe zum Pferde wurzelt andererseits der Erfolg des Reiters, dem alle lebendigen mensch- ’ lichen Tugenden eigen sein müssen. Die Maschine ist tot. Tod und Leben sind einander entgegengesetzte Begriffe. Deshalb erkennt der Mensch die Maschine zwar an, läßt sie jedoch leh- l ten Endes nur als Behelf gelten. Kein Sport vermag in ähnlicher Weise einen so F lebendigen, innerlichen, persönlichen Genuß und eine solche Lebensfreude zu verschaffen, weil hier ' die Eigenart eines Geschöpfes in den Kreis der Betrachtung einbezogen werden muß. Diese Eigenart aber verlangt Vertiefung in die Wesensart des Tieres. und — jedes Pferd ist anders. Das Reiten verlangt Selbstzucht in höchstem Maße und Achtung vor der einzelnen Kreatur. _________ Die vielfach in Laientreisen verbreitete Ansicht, daß das Pferd militärisch in Zukunft fast völlig zwecklos werden und in kommenden Kriegen ohne Bedeutung sein würde, ist irrig. Hierfür sprechen die Nachrichten, die wir von der größten und modernsten, der französischen Armee erhalten. In Frankreich konnten viele einflußreiche Kreise die Motorisierung nicht schnell und nicht ausgiebig genug durchführen. Der heutige Standpunkt ist ein anderer. Es ist interessant, wenn ein so maßgebender Mann wie der „große Chef der Motorisation" der General Maurin, Generalinspekteur der Artillerie und Mitglied des Obersten französischen Kriegsrates die Uebertreibung der Motorisierung in der französischen Armee verpönt. Fast die ganze leichte und mittelschwere Artillerie bleibt mit Pferden bespannt und die Kavalleriedivisionen werden nur zur Hälfte motorisiert. Maurin betont, daß die Kavallerie ihre seit Jahrhunderten überlieferte Bedeutung für Aufklärung, Sicherung, rückwärtige Bewegungen und blitzschnelle Vorstöße nie verlieren wird. Für die Bedeutung des Pferdes im Dienste der Kriegführung sprechen ferner die letzten französischen Manöver in Lothringen, bei denen die verwendete Kavalleriedivision 40UO Pferde und nur 800 motorische Einheiten umfaßte. Die-Mannschaften wurden zur Hälfte auf Autos geführt, zur Hälfte waren sie beritten. Die schlechte Prognose, die dem Pferd noch vor einigen Jahren gestellt wurde, hat sich gründlich gewandelt. Das geht auch aus folgenden Daten hervor: Durch die Motorisierung war von 1920 bis 1927 der Pferdebestand in den großen europäischen Ländern um zirka 25 v. H., in USA. sogar um 35 v. H. zurückgegangen. Aber schon die Statistiken von 1929 sprechen dafür, daß die Motorisierungspsychose erheblich an Kraft verloren hat. Wurden doch im Jahre 1930 in Neuyork 78 v. H. aller Straßenlasten von Pferden und nur 22 v. H. von Kraftwagen befördert. In Frankreich ist die Zahl der vorhandenen Pferde in wirtschaftlichen Betrieben vdh 2,4 Millionen (1922) auf 2,9 Millionen (1929) und sogar auf 3,1 Millionen (1930) gestiegen. Deutschland besitzt heute trotz geraubter Provinzen und trotz des Ausfalles an heerespferden, der durch die Verkleinerung unserer Wehrmacht bedingt ist, 120 000 Pferde mehr als 1913. Von besonderer Bedeutung sind diese Zahlen natürlich für die deutsche Pferdezucht und für die deutsche Landwirtschaft. Erfreuliche Auswirkungen sind nicht ausgeblieben: Während im Iahre 1913 noch 145 000 Pferde importiert werden mußten, war 1928 nur noch ein Import von 20 000 Tieren notwendig. Ia, nach den Mitteilungen der Fachschriften kann man sogar damit rechnen, daß nicht nur eine weitere steigende Rachfrage nach Pferden von den deutschen Züchtern selbst gedeckt werden kann, sondern daß auch noch eine — durch die Erfolge des deutschen Pferdes in letzter Zeit auf ausländischen Plätzen bedingte — größere Rachfrage im Ex° hort von den deutschen Züchtern bereitgestellt werden kann. Verschafft das Pferd schon große reiterliche Freuden, so darf nicht vergessen werden, daß es noch einen zweiten Sportzweig ermöglicht, und zwar den Fahrspvrt. Die für den Sportsmann überragende Rolle des Pferdes als Reittier hat eine zeitweise etwas stiefmütterliche Behandlung des Fahrsports zur Folge gehabt. Der Fahrsport hat sich aber auf den Turnierplätzen wieder die ihm zustehende Stellung erworben und vor allem auf dem vorjährigen großen Aachener Turnier eine besonders sorgliche und fördernde Behandlung erfahren. Das Fahren nach dem heule scharf umrittenen deutschen System ist keineswegs eine Spielerei sondern stellt große Anforderungen an den Fahrer. Unter Fahren versteht man nicht, einem oder gar zwei armen Pferden die Schnauzen herumzureihen und dazu wild mit der Peitsche zu knallen. Das Fahren vom Bock, d. h. das sichere und anständige Fahren ist eine Kunst, die gelernt sein will und viel Freude macht, wenn man etwas davon versteht. Fahren ist vielleicht noch schwieriger als Reiten: Der Reiter hat zur Beherrschung eines einzigen Pferdes Zügel-, Schenkel-, Gewichts-, Sporen- und schließlich Peitschenhilfen; der Fahrer aber verfügt auch bei Mehrspännern nur über Leine und Peitsche. Schwierige Pferde im Tandem oder an der Coach zu fahren, sieht elegant und leicht aus, aber noch lange nicht alle bringen es zu einer erstrebenswerten Meisterschaft. Der Altmeister der deutschen Fahrkunst ist B. v. Achenbach. Auf seinen Grundsätzen baut sich die moderne deutsche Fahrlehre auf. Das System Achenbach ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in den meisten Ländern des Kontinents und sogar in einigen außereuropäischen Staaten bahnbrechend vorgedrungen. Die Reichswehr arbeitet nach Achenbachschen Grundsätzen. Der Turniersport hat seine Beurteilung von Gespannen auf Achenbachs Fahrlehre gegründet und als maßgebend in der Turnier-- ordnung festgelegt. Ueberall an deutschen Reit- und Fahrschulen wird zur Zeit nach diesem System ausgebildet, mit besonderer Berücksichtigung der Sicherheit im modernen Straßenverkehr. In unserer engeren Heimat in Oberhessen sind dank der aufopfernden Tätigkeit des Herrn Rittmeisters Freiherrn v.Roeder bereits zahlreiche Mitglieder öeS ländlichen Reitervereine zu tüchtigen Achenbach- Fahrem herangebildet worden und auch in Gießen selbst beginnen jetzt Achenbach-Kurse im hiesigen Reitinstitut, die vom Reit - und Fahrklub Gießenfür Mitglieder und Richtmitglieder veranstaltet werden. Es ist also auch in Gießen die Möglichkeit geboten, die Grundsätze der Beschirrung, des Anspannens und des Fahrens, nicht nur für den Arbeitszug, sondern auch für den Kutschwagen kennenzulernen. Bevor mit Pferden kutschiert wird, werden alle Fahrgriffe am Achenbach-Fahrapparat gründlich behandelt und geübt. Dieser Apparat ermöglicht es, die Grundbegriffe des Dockfahrens zu erlernen, ohne daß dabei Pferde verdorben werden. Auch das für gutes Fahren wichtige, richtige Verpassen der Kreuzzügel wird zunächst am Apparat und erst dann an möglichst verschiedenen Pferdekombinationen praktisch geübt. Rachdem das zweispännige Fahren erlernt ist, kommt der Vierspänner und schließlich evtl, der Sechsspänner an die Reihe. Für den Fahrer bildet das mehrspännige Fahren nicht nur einen großen Genuß, sondern auch eine ausgezeichnete Hebung, weil hier durch das schwierige Verschnallen und Ausgleichen der Zügel das Pferdegefühl besonders geweckt und der Blick bei der Heberwachung von Stellung und Zug hervorragend, geschärft wird. • Hoffentlich wird durch eine weitere Verbreitung des Achenbachschen Fahrsystems auch das zivile Fahren bei uns aus den oft noch Primitiven Verhältnissen herauswachsen und eine wesentliche Verbesserung erfahren. $. C „Teutonia" Watzenborn-Steinberg. Watzenborn-Steinberg I — Steinbach I 5:0 (4:0). Die beiden ersten Mannschaften lieferten sich von Anfang an einen fairen Kampf. Steinbach trat in alter Aufstellung an. In den ersten 10 Minuten war das Spiel verteilt, schließlich übernahm aber Steinberg die Führung und schoß in der ersten Halbzeit in regelmäßigen Abständen vier Tore. 3n der zweiten Halbzeit allerdings konnten die Steinberger nur noch einen Elfmeter erzielen. Watzenborn-Steinberg II — Steinbach II 1:3 (1:1). Auch die beiden zweiten Mannschaften lieferten sich einen schönen Kampf, der bis zur Halbzeit 1:1 stand. In der zweiten Halbzeit konnte Steinbach durch Verschulden der Steinberger Verteidigung noch zweimal einsenden. Kurze Sportnotizen. Max Schmeling hat jetzt in einem Briese an die Boxsportbehörde Deutschlands auf den bekannten Brief der BBD. geantwortet und außerdem zu den amerikanischen Zeitungsmeldungen Stellung genommen. Schmeling dementiert alle Mitteilungen, wonach er in irgendeiner Weise gegen die BBD. beleidigend geworden sei.__________________________ MW MM NM im neuen »WM Nur eigenhändiger und vollsländiger Eintrag in die Haus- und Firmenlisten schützt vor den peinlichen Nachteilen mangelhafter Aufnahme in dem wichtigen Nachschlagewerk oder vor gänzlicher Ausschaltung. Die Sicherheit richtiger Einträge in die Listen kann von den Hausbesitzern oder ihren Stellvertretern wesentlich gefördert werden durch die Überwachung ordnungsmäßigen Umlaufs der Listen, Überprüfung der Einträge, sowie rechtzeitige Bereitstellung zur Abholung. Wem die Hauslifte nicht vorgelegt wurde, oder wer die Firmenliste nicht erhalten hat, wolle seine Rechte wahren durch Meldung beim Adrehbuchverlag, Schulstratze Nr. 7, oder durch Anruf mit Fernsprecher Nr. 2251 2 KILOGRAMM rvktndti Gewicht DAS WUCHT-PRINZIP s> •, IIA-73105 Geld verdienen heisst kämpfen •.. wir können Ihnen zum Sieg verhelfen Der Wirtschaftskampf wird immer erbitterter. Tausende von Hirnen arbeiten täglich, um Ihnen Kundschaft und Umsatz zu entreißen! Festigen Sie Ihre Stellung mit allen Mitteln. Machen Sie sich kampfbereit gegen die Konkurrenz. Vielleicht wird auch Ihnen einer der neuen, preiswerten, nach dem Wucht- Prinzip konstruierten Blitz Lastwagen helfen. Die „Transport Analyse” wird es Ihnen zeigen. 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