Hr. 265 Erstes Blatt Dienstag, 10. November 1951 181. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche llniverfitäls Such- und Zteindruckerel R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchusstratze 7. Macdonald spricht auf dem Guildhall-Bankett Das Arbeiisprogramm der neuen nationalen Regierung London, 9. Noo. (WTB.) Der neue Lord- Die Wirtschastsverhandlungen beginnen Leitsätze des AeichSkabinetis für den AZirtschastsbeirai. Anstrengung zusammenschliehen, um der Welt den nötigen Mut und den entschlossenen Willen zu geben, sich durch diese Schwierigkeiten hindurchzuarbeiten und der ganzen Welt zu zeigen, was nationale Einigkeit ist, und wie diese nationale Einigkeit zustande gebracht werden kann. Bei dieser Pionierarbeit, die nicht in einem Tage oder einem Monat geleistet werden kann, und die auf mancherlei Hindernisse stoßen wird, muh das ganze Bolk mithelfen. Jeder einzelne hat bei diesem LInternehmen eine große Rolle zu spielen. Die britische Regierung wünscht, in Reih und Glied mit den anderen Rationen im Osten und Westen zusammenzuwirken, die in der Erkenntnis, daß kein Bolk für sich allein bestehen kann, ihren Einfluh und ihren Wohlstand benutzen wollen, um jeder einzelnen Ration Harmonie, Frieden und Sicherheit zu geben. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°mehr. Chefredakteure Dr. Friebr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot,- für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Bietzen. liiik die wesentliche Aufrechkerhalkung der inneren Kaufkraft des Pfund Sterlings fein. Wir stehen einer unglücklichen und ungeordneten Welt gegenüber, die nur durch Kaltblütigkeit und Energie befriedet und in Ordnung gebracht werden kann. Ich glaube, dah England durch feine Wahlen zwei grohe Dinge zustande gebracht hat. Es hat in den Herzen aller Männer und Frauen den Glauben und das Bertrauen zur repräsentativen Demokratie wiederhergestellt. Es hat aber noch mehr getan. Es hat nämlich den Bürgern aller Rationen der Welt, die Selbstregierung besitzen, ein Beispiel dafür gegeben, dah es bei einer nationalen Rot - lage keine Meinungsverschiedenheiten gibt, sondern dah alle Klassen und alle Parteien aller Richtungen beim Eintreten solcher Rotlage sichineinergemeinschaftlichen mayor von London wurde heute mittag von einem großen, aus historischen und symbolischen Gruppen bestehenden Festzuge unter Beteiligung von Marine, Heer und Luftstreitmacht nach der Ein Berliner Blatt weih von einer bevorstehenden allgemeinen Preissenkung von 20 Prozent zu berichten. QIn zuständiger Stelle wird hierzu erklärt, es sei kein Geheimnis mehr, dah die Reichsregierung auf eine fühlbare Senkung des Preisstandes hinarbeitet. Der Reichskanzler habe erst kürzlich in seiner Rede vor dem Reichsausschuh der Deutschen Zentrumspartei auf die Rotwendigkeit einer Senkung der Selbstkosten im Interesse der deutschen Wettbewerbs-Fähigkeit auf dem Weltmarkt hingewiesen, wobei er betont habe, dah diese Senkung natürlich nicht nur von der Lohnseite aus herbeigeführt werden dürfe. Reichsarbeitsminister Stegerwald habe sich in ähnlichem Sinne geäußert. Im übrigen, so wird an zuständiger Stelle weiter erklärt, sei es Qlufgabe des Wirtschaftsbeirates, über die Mittel und Wege zur Erreichung dieses Zieles zu beraten. Welches Ausmaß eine Preissenkung auf den verschiedenen Wirtschaftsgebieten erreichen könne, lasse sich zur Zeit selbstverständlich noch nicht s»a g e n, ebensowenig wie bereits heute Angaben über einen bestimmten Prozentsatz gemacht werden könnten. Tatsache sei jedenfalls, daß, gemessen am englischen Pfunde, die Weltmarktpreise um rund 1 5 b i s 20 Prozent niedriger lägen, als die deutschen Preise. quellen einer schematischen Abwicklung ausschalten können. Reichskommissar Dr. S a a h e n gab dann seine Richtlinien nur inhaltlich bekannt. Im übrigen erklärte der Kommissar, man dürfe die Erwartungen nicht zu hoch spannen. Er nannte eine Zahl von 20 000 Erwerbslosen, die zunächst einmal im Wege der vorstädtischen Kleinsiedlung untergebracht werden sollte. In der Aussprache beschwerten sich Redner verschiedenster Richtungen darüber, daß sie 3U einem Siedlungsprogramm Stellung nehmen sollten, das sie kaum in großen Zügen kennen. Von kommunistischer Seite wurde erklärt, dieser kleine Siedlungsplan bedeute nur einen Tropfen auf einen heißen Stein und sei in keiner Weise geeignet, die Arbeitslosigkeit zu lindern. Im übrigen wurden die Maßnahmen der Regierung im allgemeinen begrüßt, ohne daß man sich einen nennenswerten über das Maß der Hilfe am eigenen Haushalt hinausgehenden wirtschaftlichen Erfolg versprach. Man sah die Hauptvorzüge in der seelischen Verfassung der Erwerbslosen, in der wesentlichen Verringerung ihrer Haushaltskosten und in einer Entlastung der Gemeinden und. Gemeindeoerbände von ihren sozialen Leistungen. Die Aussprache über die Richtlinien für die Vorstädtebesiedlung wurde abgeschlossen, ohne daß der Ausschuß Beschlüsse faßte. In seiner nächsten Sitzung am 1. Dezember wird sich der Ausschuß mit der landwirtschaftlichen Siedlung beschäftigen. Erscheint täglich,außet Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-vezugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unter5ammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zranlfurl am Main 11686. (Königsberg), Kaufmann Dr. Grund (Breslau), Papierfabrikant Haindl (Augsburg), Kaufmann Körner (Berlin) und Bäckermeister Pflug- macher (Magdeburg). Die Mitglieder des Ausschusses 2 sind: Für die Arbeitnehmer Otto Suhr (Afa), Wilh. Eggert (Freie Gewerkschaften) und Hegewald (Christliche Gewerkschaften); für die übrigen Berufsstände Geheimrat Cuno von der Hapag, Kaufmann Dr. Dr. Hackelsberg er (Oeflingen in Baden), Wagenbaumeister Hecker (Düsseldorf), die Gutsbesitzer Dr. H o l t m e i e r (Lienen) und v. Oppen (Dan- nenwalde), Direktor Pferdmenges (Köln), Generaldirektor Dr. Schmitt (Allianz), Geheimrat Schmitz (IG.-Farben) und Dr. Silverderg (Köln, Rhein. Braunkohlen). Berlin, 9. Roo. (VDZ.) Der Reichstagsaus- schuß für das Siedlungswesen trat zur Beratung der. Richtlinien für die Siedlung zusammen. Dem Ausschuß lagen mehrere Eingaben aus interessierten Kreisen vor. Der Reichsoerband des Deutschen Handwerks wendet sich in einer solchen Eingabe gegen die Absicht, die Ausführung der für die Siedlung notwendigen Bauten durch erwerbslose Bauarbeiter vornehmen zu lassen. Eine Nichtberücksichtigung des selbständigen Baugewerbes würde nur dazu führen, daß öffentliche Regierungsarbeit Platz greifen würde, wodurch einerseits eine Konkurrenz für das selbständige Gewerbe geschaffen würde, und andererseits kaum die Gewähr für sparsamste Verwendung der öffentlichen Mittel geboten wäre. Es fei auch nicht der richtige Weg, wenn erhebliche Aufträge von Holzhäusern an einige wenige Großfirmen vergeben würden. Zahlreiche Betriebe des Zimmerhandwerkes könnten solche Holzhäuser zu den gleichen Bedingungen und in gleicher Qualität Herstellen. Schließlich verlangt die Eingabe die Heranziehung von Vertretern des Bauhandwerkes zur gutachtlichen Beratung des Reichssiedlungskommissars. Eine Eingabe des Bundes Deutscher Architekten verlangt, daß die Aufstellung der Sieblungspro gramme von den örtlichen Siedlungen selb st ausgehen muß, und daß für ihre Ausstellung und Durchführung an Ort und Stelle freie Kräfte beauftragt werden, die allein eine organische Lösung der Schwierigkeiten finden und die Fehler- Reue Kämpfe am Ronniflutz. Die Chinejen erobern den Brückenkopf zurück. — Japan verstärkt feine Truppen. London, 9. Nov. (TU.) Einer Meldung der japanischen Zeitung „Nitschi-Nitschi Shimbun" hat der chinesische General Matschanschan den Japanern den Krieg erklärt. Japanische Pressemeldungen behaupten, daß bereits heftige Kämpfe im Gange seien. Nach einer noch nicht bestätigten Meldung der „Central News" sollen die Truppen Matschänschans am Montag den Nonni-Brückenkopf, der am Samstag in die Hände der Japaner gefallen war, z u r ü ck erobert haben. Während die japanischen Streitkräfte nur etwa 1000 Mann stark seien, würden die chinesischen Truppen auf etwa 5600 Mann Jnfanterie- 2400 Mann Kavallerie mit Artillerie geschätzt. Die Japaner behaupten nach wie vor, daß die chinesischen Truppen durch russische Soldaten und Offiziere verstärkt worden feien. Sie begründeten diese Behauptung mit der verheerenden Wirkung der chinesischen Artillerie und dem Abschießcn von vier japanischen Flugzeugen, wobei darauf hingewiesen werde, daß die Chinesen überhaupt keine Flugzeugadwehrgeschütze hätten. Die Japaner zogen bereits neue Truppen heran, um die Nonnibrücke erneut zu nehmen. Die „China Preß" berichtet, daß an der Eisenbahnstrecke bei Taonan 1 1 0 0 0 Mann japanischer Truppen zusammengezogen worden seien, um nach Norden weiterzumarschieren. Der japanische Oberbefehlshaber im besetzten Gebiet habe den Kriegsminister telegraphisch gebeten, alle freien Truppen aus Korea und drei Divisionen aus Japan nach der Mandschurei zu entsenden, um die militärifHe Aktion in der Mandschurei fortzufetzen. Unruhen in Tientsin. Japanisches Militär kämpft den Aufstand nieder. London, 9. Noo. (TU.) Am Sonntag fanden schwere Unruhen in Tientsin statt. Etwa 10 0 0 bewaffnete Chinesen gingen gegen die öffentlichen Gebäude vor und beschossen das Polizeipräsidium, den Bahnhof und die Regierungs- gebäube. Die Banden konnten zunächst durch chinesisches Militär zurückgeschlagen werden. Als sie jedoch eine Verstärkung von etwa 2000 Mann erhielten, begann das Gefecht von neuem. Ein Panzerzug Tschanghsueliangs ist von Peking nach Tientsin abgegangen. Einer der festgenommenen Aufständischen teilte mit, daß der Aufruhr von japanischer Seite entfacht worden sei,, damit sie einen Vorwand zur Besetzung Tientsins hätten. Die Japaner forderten, daß die Chinesen sofort alle Militär- und Polizeikräfte auf eine Entfernung von 2000 Meter von der japanischen Konzession in Tientsin zurückziehen sollen. Als die Chinesen dies verweigerten, begannen die Japaner von ihrem Konzessionsgebiet aus die Stadt zu bombardieren. Die Ordnung wurde wiederhergestellt, nachdem die chinesischen Aufftändifchen von japanischen Truppen mit Maschinengewehrfeuer Der neue Staatssekretär des Aeußeren, S i r I o h n Simon, begrüßte die auswärtigen Botschafter und Gesandten. Er hob in seiner Rede u. a. hervor, daß die stille und treue Arbeit, die von den Botschaftern im gesamten in den letzten Jahren geleistet worden fei, für die internationale Freundschaft und den Weldfrieden mehr bedeute als je zuvor. Die Anwesenheit des Diplomatischen Korps sei ein Beweis für) den Grundsatz der britischen Außenpolitik, daß England auf der Grundlage gleicher und sicherer Freundschaft mit allen Nationen der Welt zu stehen suche. Der französische Botschafter de Fleurien erwiderte, daß die zivilisierte Welt und daß Frankreich niemals so deutlich gefühlt hätten, wie notwendig die Erhaltung des Ansehens Englands und der großen Traditionen Großbritanniens für die Wc^ahrt der Menschheit sei als gerade jetzt. Der Sinnspruch der Stadt London „Barmherzigkeit und Gastlichkeit" sollte auch der Sinnspruch für die internationalen Beziehungen werden. Anschließend brachte der neue Lordmayor den Trinkspruch auf die anwesenden Minister aus. Macdonalds Banketirede. Mit starkem Beifall begrüßt nahm dann Mac- d o n a l d das Wort. Die Regierung hätte e i n nationales Mandat erhalten. Das Kabinett und die Regierung bestehen aus Mitgliedern aller Parteien, die sich zusammengeschlossen haben, um der Nation bei der Ueberroinbung be- fonberer Schwierigkeiten in ihrem wirtschaftlichen Leben zu bienen. Die Wirtschaft Europas muß geregelt unb rationalisiert werben. Vorher kann keine Regierung in Europa eine Orunblage für stabile wirtschaftliche und industrielle Bedingungen finden. Die augenblickliche Lage Deutschlands im Verhältnis zum übrigen Teil der Welt müsse der Gegenstand einer völligen „Ueberholung" werden, bei der Deutschland selbst ein williger Mitarbeiter fein müsse, und endgültige Vereinbarungen müßten erzielt werben, die erträglich und durchführbar feien; die ferner nicht in ihrer Auswirkung zu immer größeren finanziellen und handelsschwierigkeiten führen, und die nicht verhinderten, daß der internationale Austausch bet Waren unb Dienste in normale Bahnen zurückkehre. Wir haben den völligen Zusammenbruch der Doktrin nationaler wirtschaftlicher Selbstgenügsamkeit erlebt, und wir haben den Historikern und den Wirtschaftlern aller Zeiten Material für viele Studien über die Unwirksamkeit und Tlnzulänglichkeit dieser Doktrin geboten. Das erste Problem sei, daß die Ration ihrBudget balanciere. Außerdem müsse die Ration ihren Handel balancieren. Es bestehe heute in der Welt ein Währungsproblem, das nicht durch die innere Lage Großbritanniens geschaffen worden sei, diesem Problem könne nicht erfolgreich gegenübergetreten werden, bevor sich die Bedingungen der Welt außerhalb gebessert hätten. Es sei nicht nur ein inneres Problem. Die britische Regierung befaßt sich mit der Prüfung der gesamten Lage. Aber es ist Sache der in Betracht kommenden Regierungen — an e r ft e r Stelle Frankreichs unb Deuts chlanbs —, zu einer Vereinbarung darüber zu gelangen, was jetzt geschehen muh unb später, wenn bas Hoover-Moratorium zu Lnbe gegangen ist. Dafür barf keine Zeit verloren gehen. Eine Reihe stückweiser unb vergänglicher Kompromisse rein zweiteiliger Art wirb nicht ben Umftänben begegnen können. Erne umfassende und dauernde Regelung ist jetzt erforderlich. Alle Staaten müssen jetzt Zugeständnisse machen aus dem einfachen Grunde, daß, wenn sie sie nicht machen, die Weltlage immer schlimmer werden wird, bis ein Zusammenbruch und eine Revolution der einzige Ausweg sein mögen. Die britische Regierung habe mit großer Gew jtuung von Lavals De- s u ch in Washington gehört und hoffe, daß darauf ein Einvernehmen zwischen Frankreich und Deutschland folgen möge, baä als eine wesentliche Bedingung für die Wiederaufbauarbeit in Europa betrachtet werden müßte. Wir beabsichtigen, sobald sie durchführbar sind, die Schritte zu tun, die am sichersten dazu beitragen, bas Pfunb zu stabilisieren. Wir werben es auf einer enbgültigen Basis unabhängig von spekulativen Bewegungen ober tagtäglichen Transaktionen machen. Aber bie zeit für bie Stabilisierung muh zum grohen Teil von Faktoren abhängen, bie außerhalb unserer befonberen Kontrolle sind. Inzwischen wirb jeboch, bis bas Pfunb Sterling roiebet enb- gültig stabilisiert ist, das Hauptziel unserer Po- G u i l b h a l l geleitet. Das Jahresbankett anläßlich der Amtseinsetzung in der Guildhall gewann diesmal besondere Bedeutung durch die Tatsache, daß die neugewählten Minister der englischen Krone zum erstenmal vor die Oeffentlichkeit traten. Sie vorstädtische Kleinsiedlung von Erwerbslosen Beratungen im Siedlungsausschuß des Reichstags. Oie Richtlinien. Ein Plan für 20 0ii0 Erwerbslose. Berlin, 9. Nov. (VDZ.) Nach dem Entwurf der Richtlinien für die vorstädtische Kleinsiedlung, den der Reichskommissar Dr. Saaßen heute dem Siedlungsausschuß des Reichstags vorlegte, soll die Durchführung des ganzen Projektes indieHände der Gemeinden und Gemeind everbände gelegt werden, die ihrerseits die schon bestehenden Wohnungsfürsorgegesellschaften und bie gemeinnützigen Wohnungsbau- unb Sieblungsunternehmungen mit biefer Aufgabe betrauen können. Aus Sparfam- feitsgrünben sollen in erster Linie schon im öffentlichen Besitz befinbliche Grunb- st ü ck e besiebelt werben, bie s o liegen, baß bie Siebter später mteber eine berufliche Tätigkeit aufnehmen können. Die einzelnen Stellen sollen etwa 600 bis 5000 Quabratmeter groß sein unb im Wege ber Erbpacht, bes Erbbaurechts ober als Eigentum, ähnlich wie Rentengüter, vergeben werben. Die oorbereitenben Arbeiten unb ber Aufbau ber Sieblungen sollen burchErwerbs l o s e vorgenommen werben, unb zwar hauptsächlich b u r d) Gruppen von Arbeitsbien st- freiwilligen. Die baran beteiligten Erwerbslosen kommen später als Siebter in Frage, soweit sie und ihre Familienangehörigen für eine Bewirtschaftung einer Stelle überhaupt geeignet find, wobei langfristige Erwerbslose und Kinderreiche bevorzugt werden. Die Wohn- und Stallgebäude sollen so einfach wie möglich und nur aus inländischen Baustof - f e n hergestellt werden, auf die Holzbauweise wird dabei besonders hingewiesen. Die G e s amt- ko st e n sollen — abgesehen vom Grundstückswert — nicht über 3000 RM. für jede Stelle hinausgehen. Die Darlehen des Reichs werden höchstens je 2500 RM. betragen unb von bem Jahre nach ber ersten Ernte an mit höchstens 2. v. H. verzinslich und mit 1 o. H. rückzahlbar fein. In Aus- nahmefällen will das Reich für den Grundstückserwerb unb für bie Einrichtungskosten auch Bürgschaften übernehmen. Es stehen zunächst 50 Millionen RM. für die vorstäbtischen Kleinsieblungen an Reichsgelbern zur Verfügung. Damit hofft man einstweilen 20000 Erwerbslose a l s Kleinsiebler an setzen zu können. Die Absicht ist babei, bie Beschaffung bes Lebensunterhalts für bie Familien ber Erwerbslosen zu erleichtern, so baß später einmal bie Fürsorgelasten für sie geringer werben könnten. Berlin, 9. Rov. (ERB.) In dieser Woche werden die politisch toten letzten Tage durch eine stärkere Lebhaftigkeit abgelöst werden, da die Arbeiten für die große Rotverordnung, die die wirtschaftliche Seite des Herbst- und Winterprogramms regeln soll, heute vormittag mit der Kabinettssitzung in ihr aktutes Stadium getreten ist. Das Kabinett behandelte bis in die späten Abendstunden die „ß e i t■ s ä h e", die von den zuständigen Ministerien ausgearbeitet worden sind und entsprechend der in der vorigen Woche ergangenen Ankündigung am Dienstag den beiden Ausschüssen des Wirtschaftsbeirates vorgelegt werden sollen. In dem Beginn der Beratungen dieser Ausschüsse ist eine etwaxehntägige Verzögerung eingetreten, weilinzwischen der Stillhalteausschuh eingeschal- t e t werden mußte. Diese Zeit ist aber nicht verloren, vielmehr werden die Ausschüsse um so schneller arbeiten können, als jetzt ja die von der Reichsregierung geschaffenen Unterlagen vorhanden sind. Die Sitzungen ber beiben Ausschüsse sollen so gelegt werben, baß es ihren Mitgliebern möglich ist, bei dem Ausschuß zu hospitieren, dem sie nicht angehören. Die Arbeitsgebiete beider Kommissionen greifen s o ineinander, daß eine solche Orientierungsmöglichkeit wünschenswert erscheint. Deshalb trat der Ausschuß 1 (für Produktions- kosten unb Preise), ber unter bem Vorsitz bes Kanzlers ober bes Reichsarbeitsministers tagt, am Dienstägvormittag zusammen, währenb bie Eröffnungssitzung bes Ausschusses 2 (für Krebit unb Zins), bem Reichsfinanz- unb Reichswirtschaftsminister vorstehen, erst um 16 Uhr beginnt. Jeber ber beiben Ausschüsse hat zwölf Mitglieber. Der Ausschuß 1 setzt sich folgenbermafjen zusammen: Von ber Jnbustrie: Geheimrat Ernst v. Borsig, Generalbirektor Dr. Bögler unb Fabrikbirektor Witte (Bresben); von Arbeitnehmerseite: Gewerkschaftsführer Peter Großmann (Freie Gewerkschaften), Bernharb Otte (Christliche Gewerkschaften) unb Max Rößiger (Hirsch-Duncker), von ber Lanbwirtschaft: Präsibent Dr. Branbes, ferner für ben gewerblichen Mittelstanb unb anbere Berufe: Maurer- unb Zimmermeister Robert Groß iroa*1 lervon^,,. ■ss'-'S hen w je' 2. Brems 21 P, \ A^sch^N L'pperl 9 Punkt- n der Hauptsache bon unb Portiern einen An. en nachzueisern und im der körperliche, W, die mit den erzielte, fin darf, kann in Anb-. Nachwuchses und in An. n den Mannschaften und mit Zuversicht in die Zu. °en für die Saison 193k Meten das Wintertraining |en sein lassen, durchaus ftshast befanden, unter enwand Steine mit Geren. Einer der Zeiten- > ertlärte, er habe mit men Mtstühe versucht, u brechen, um aus diesem riangen, die Vergeblich- t aber bann eingesebm cht Gießen. Arn b.Aovernber tagltti zericht in Butzbach. A it im Landeszuchthaul ; Zellenstrasanstalt ' angene wegen Meuterei ihres bemerkte ein Aus- *! [en Lanögcrichtsgefäng- Äusschlleßen ber Zellen, s in ber sich diese brevi"- ben Abstand genommen. Falle nur wegen Sach- oorten gehabt- 6in ge* als Meuterei «W j en anzunehmen W !! jene gemeinsame cw | gegen diese beiden > 1 hauptverhandlung legt F bisher seine 3cteili« § ein Seftändms abund Zellengenossen ebenM SiX“" jen Sefangn^. duseinanbergetrieben wurden. Dabei wurden vier Mann getötet und zehn verwundet. Der chinesische Stadttell wurde von japanischen Flugzeugen mit 40 Bomben belegt. Don japanischer Seite wird behauptet, daß der Aufruhr von chine^ fischen Soldaten, die aus der Mandschurei zurückgekehrt seien, entfesselt worden sei. Nach chinesischen Nachrichten handelt es sich jedoch um eine japanische Unternehmung, die den Vorwand für die Besetzung von Tientsin liefern sollte. Die aufständischen chinesischen Soldaten sollen von ja- pa n l f d)e r Seite bestochen worden sein. Man hat nämlich bei den Toten japanisch« Gelder und japanische Papiere gefunden. Oie Harzburger Front. Nationalsozialisti chc Antwort an Hugenberg. München, 9.Rov. (TAD.) Zur Hugenberg- Rede in Darmstadt nimmt der »Völkische De- obachter" unter der Ueberschrift »Rotwendige Zurückweisungen" Stellung: Hugenberg hat sich mit der Harzburger Front befaßt und bemerkt, Aas; das Zentrum vergeblich versuchen würde, diese zu zersetzen. Wir wollen das unserseits unter st reichen: Die Rie- derringung des Systems Dittmann-Drüning bleibt Aufgabe der in Harzburg versammelt Gewesenen, Leider glaubte sich Dr. Hugenberg darüber hinaus gezwungen, gegen »jugendliche- äleberschäumcn" unserseits vorzugehen, weil nationalsozialistische Stimmen neben genannter Einigkeit auch die Distanz her- ausgestellt hatten, die nun einmal zwischen dem RationalsozialiZmus und der DRVP. besteht. Wir halten diesen Vorstoß des Vorsitzenden der Deutschnationalen nicht sür glücklich, glauben auch nicht, daß er persönlicher Initiative, sondern der Arbeit einiger Herren entsprang, wie wir fest- stellen wollen, da unsere Zurückhaltung offenbar falsch ausgelegt worden ist. Die Leistung der NSDAP, bestehe heute zunächst einmal darin, viermal stärker zu sein als die Deutschnationale Volkspartei. Sie bestehe in der Wiedergeburt deS deutschen Charakters, in der L o s l ö s u n g von Millionen aus ChaoS und Ver- z w e i s l u n g, in der Ersassur^ eines neuen Staatsgedankens und in der Vertretung einer positiven deutschen Außenpolitik. Es mache sich nicht gut, wenn angesichts dieser Tatsachen öffentlich über ein ^Iugendüberschäumen" gesprochen werde. 3m übrigen sagt der Verfasser, daß durch seine Feststellungen selbstverständlich politische Rotwendigkeiten im Kampfe gegen die schwarz-rote Diktatur unberührt blieben. Nationalsozialistische Totengedenkfeier. Berlin, 9 Rov. (TU.) Anläßlich des Deichs- trauertages der REDAP. am 9. Rovernber haben Im ganzen Deich vielfach schon am Sonntag ©e- dächtniskundgebungen stattgefunden Die Berliner Nationalsozialisten versammelten sich zu einer würdigen Gedenkfeier für die Toten der Bewegung und die Gefallenen des Weltkrieges am Sonntagabend im Sportpalast. Rachdem die Angehörigen der n^allencn Berliner Rationalsozialisten in Begleitung von Dr. Goebbels den Saal betreten hatten, wurde die Feier nach dem Einzug der umflorten Hakenkreuz-Standarten und -Fahnen mit dem Totenmarsch aus dem Hän- delschcn Oratorium „Saul" und dem Trauermarsch aus Beethoven- „Eroica" sowie mit Darbietungen des Sprechchors eingeleitet. Dann erinnerte der SA.-Führer Graf Helldorf an die 200 Opfer, die die nationalsozialistische Bewegung seit 1919 im Kampf um Deutschland habe hingeben müssen und gelobte namens der Berliner SA. im Sinne der Toten für Deutschland weiter zu kämpsen. Die Gedenkrede hielt der Deichstagsabgcordnete Dr. Goebbels, der den Werdegang der Bewegung schilderte. Zwei Mil- llonen Tote, so erklärte er, habe der Weltkrieg geopfert. Diese Opfer wären umsonst gewesen, hätten sich nicht damals auf den Trümmern eines zusammengebrochenen Deiches junge Männer aufgestellt, die der Meinung gewesen seien, daß unter den Ruinen nicht die letzten Helden begraben seien. Zweihundert Tote habe die nationalsozialistische Bewegung gefordert und diese Toten marschierten zusammen mit der großen Armee der Toten des Weltkrieges einher. „Ihnen bringen wir heute unsere Verehrung, unser Gedächtnis und unser Gelöbnis dar. Wir wollen ihren Taten den Abschluß geben, der ihrem Heldentod auch den letzten geschichtlichen Sinn verleihen kann. Man täuscht sich, wenn man glaubt, wir könnten die Opfer vergessen. Wir haben In uns da- Gedächtnis der Toten und wissen, daß sie keine Ruhe finden, bis das Werk vollendet und der Ehrenschild der Ration reingewaschcn ist." Oer Fall Oehn in Halle. Senat und Hochschulvcrband sichen hinter dem Rektor. Halle, 9. Rov. ($11.) Der Senat der Bereinigten Friedrich-Universität Halle-Wittenberg trat zu einer Sitzung zusammen, in der der Rektor Pros. Dr. A u bi n wegen der gegen ihn von Seiten der Studentenschaft gerichteten Angriffe sein Amt zur Verfügung stellte. Senat beschloß einstimmig, ihn dringend zu bitten, sein Amt weiterzuführen. Prof. Aubin hat dieser Ditte entsprochen. Der Senat nahm weiter Stellung zu dem Beschluß der Studentenschaft, in dem die deutsche Studentenschaft der Universität Halle von dem .fragwürdigen Eharak- ter" deS Pros.Dehn gesprochen hatte. Der Senat veröffentlicht demgegenüber den ersten Satz des Berichtes, den die theologische Fakultät unter dem 28. Rovernber 1930 dem Minister über Dehn erstattet hat: »Günther Dehn ist eine durchaus über den Durchschnitt hinauSragende Persönlichkeit von lauterem Wollen und tiefem S r n st der Verantwort un g. die Dehn, was er in Predigt und Vorträgen, wie in Schrift und Aussätzen zu sagen hat, immer Beachtung sichert. Dom Deutschen Hochschulverband ist ein von Prof. Thilmann ('Sonn) gezeichnetes Telegramm beim Rektorat der Universität Halle eingegangen, daS folgenben Wortlaut hat: .Gw. Magnifizenz danke ich sür Ihr entschte - bene« Eintreten für daS hohe G u t der akademischen Lehrfreiheit, die heute mehr denn je deS Schulze- gegen Eingriffe bedarf, von welcher Seite sie auch kommen mögen. Ich vertraue, daß der akademische Geist auch in der deutschen Studentenschaft lebendig genug ist, um zu begreifen, bah eine Dehin- Das pariser Deparationsgespräch. Presse-Kommentare zur Helfe Zran^ois Poncets. Paris, 9. Rov. (TU.) Die Pariser Presse betont übereinstimmend, daß der französische Botschafter auf Wunsch des französischen Ministerpräsidenten nach Paris gekommen sei, um Bericht über seine letzten Besprechungen mit Reichskanzler Brüning uno Staatssekretär von Bülow zu erstatten. Der »Petit P a r i - s ie n" erklärt: Francois Poncet habe darauf hin- gewiesen, daß die Stimmung in Deutschland gegen die Wiederaufnahme der im VoungplanvorgesebenenZahiungen gerichtet sei. Es sei daher anzuneymen, daß auf da- Hoover-Moratorium zumindest e i n Doung - Moratorium folge. — Der .5 i g a r'o“ behauptet, die Führer der deutschen Politik versuchten, aus den Drohungen mit einem Zusammenbruch Vorteile zu schlagen. um eine weitmöglichste Herabsetzung der Privatschulden und ci.'.e volikommene Streichung der Reparationen zu erzielen. Die Rachteile eines derartigen Manövers beständen darin, daß eine Katastrophe vielleicht unvermeidlich werde, wenn man dauernd auf sie Hinweise. — 3m »SchodePa- r i s" erklärt Marcel Hutin, daß Deutschland bei seiner Forderung auf Aufhebung der Reparationen mit der Unterstützung England- re ch n e, dessen Lage sich durch den Pfundsturz wesentlich geändert habe. Lucien Romier schreibt im „P e t i t P a r i s i e n": Für die 7 Milliarden kurzfristiger Auslandkredite sei es offenkundig, daß Deutschland sie im Februar nicht restlos zurückzahlen könne. Die 2ö- fung durch eine internationale Anleihe sei gegenwärtig kaum denkbar, auf alle Fälle nicht durchführbar. Das erste, was die Deutschen selbst tun müßten, sei, im Einvernehmen mit ihren Gläubigern zu prüfen, welcher Teil der eingefrorenen Kredite keine Aussicht habe, g e • rettet zu werden, welcher andere Teil seitens der Gläubiger gerettet werden könne und welcher Teil vermittels privater Anleihen konsolidiert werden könne. Nach dieser Prüfung würden die Gläu- biger klar die Vorteile, Gefahren und Bedingungen ihrer evtl, einzunehmenden Haltung erkennen^Man könne sich aber denken, daß die Retter, bei Frankreich angefangen, nur eingreifen, wenn sie Vertrauen hätten und wenn die Rettung eine greifbare Gegenleistung finde. Entweder das internationale Vertrauen werde im kommenden Winter wiederhergestellt werden und bann werde der Fälligkeitstermin relativ leicht zu überwinden sein, oder man werde weiter in Mißtrauen gegeneinander manövrieren und dann werde der Frühling neue Zusammenbrüche herbeiführen. Das wahrscheinilcheKompromiß. Drohende ZnitiUivc Waihinfltone. Landon. 10. Roo. (DIB. Fuukspruch.) Zu den deutsch-französijchen Verhandlungen schreibt Financial Rews: höchstwahrscheinlich werden die Verhandlungen über die Reparationen zwischen der französischen und der deutschen Regierung mit einem Kompromiß endigen. Vermutlich wird die deutsche Regierung schließlich bertrnennangeine» Ausschusses entsprechend dem 9 o a n g - plan zustimmen, der die deutsche Zahlungsfähigkeit prüft, ohne s i ch aber seid st dadurch zur Bezahlung der ungeschützten rinnuitäten zu verpflichten, über deren Schicksal nach Beendigung der Arbeit de» Ausschusses verhandelt werden wird. Die französische Regierung wird einem solchen Kompromiß z o st i m - men müssen, da c» die einzige Möglichkeit zur Vermeidung eines Fehlschlag» der Verhandlungen ist, durch den Präsident Hoover seine Handlungsfreiheit wledererlangen und fähig sein würde, von neuem die Initiative zu ergreifen. E» verlautet nämlich, daß bei dem Besuch Lavals in Washington Präsident Hoover die Initiative nicht endgültig aufgegeben habe. Er hat sich lediglich bereit gefunden, e i n st w e l l e n beiseite zu stehen, um Frankreich die Möglichkeit zu geben, durch direkte Verhandlungen sich mit Deutschland zu einigen. Soll- ten diese Verhandlungen fehlschlagen, dann dürfte der nächste Schrittvon Washington ausgehen. Die amerikanische Regierung ist sich durchaus klar darüber, daß der Umfang der Anlagen amerikanischer Banken In Deutschland es höchst wichtig macht, einen finanziellen Zusammenbruch oder die politischen Unruhen zu verhindern, die wahrscheinlich sind, wenn Deutschland seinem Schicksal überlassen bleibt. Oie deutschnationale Heichstagssraktion zur politischen Lage. Richtlinien zur Sozial- WSR. D a r m ft a b t, 9. Rov. Die deuischnatio- nale Reichstagsfraktion trat im Beisein bes Par- teivorsihenben Dr. Hugenberg in Darmstadt zu einer Tagung zusammen. Im Mittelpunkt ber Erörterungen standen Fragen ber Sozial- unb Währungspolitik. Die Stellungnahme der Reichstagsfraktion zu ben brennenden sozialpolitischen und wirtschaftspolitischen Fragen wurde in folgenden Sähen von neuem festgelegt: 1. Die auf dem Diktat von Versailles und der Kriegsschu blüge beruhe de Er s ü l lung Spolt t i k wurde und wird auf Kostender Lebenshaltung der breiten Masse betrieben. Die von uns immer wieder geforderte Abkehr von dieser Erfüllungspolitik ist daher eine soziale Rotwendigkeit. Wir verlangen, vor allem endlich mit dem deutschen Arbeiter Beseitigung der Tribute. 2. Wir verlangen Umstellung der Wirtschaftspolitik, Ernährung des deutschen Volkes durch die Arbeit deutscher Hände, durch Früchte deutschen Bodens. Ohne eine starke Dinnenwirtschaft kann auch kein Außenhandel auf die Dauer bestehen. Wir fordern die Unterstützung des Sparsinns, die Bildung unb Sicherung von Kapitalreserven in allen Volksschichten. Wir verlangen bie Befreiung ber deutschen Wirtschaft aus der Versklavung durch unverantwortliches internationales Großkapital. 3. Wir bekämpfen die Politik der klas- senkämpferischen Derbände auf Arbeitgeber- wie auf Arbeitnehmerseite, die einen Gegensatz von Arbeiter unb Unternehmer schasst und fördert und jm Arbeiter Feindschaft gegen Wirtschaft und Staat nährt. Wir bekämpfen das tatsächlich bestehende Gewerkschaftsmonopol, das zwei Drittel der deutschen Arbeiter um die in der Reichsverfassung zugesagte Vertretung und Wirtschaftspolitik. in allen arbeitsrechtlichen und sozialpolitischen Körperschaften bringt. Darum fordern wir Freiheit und Recht au chfür den nationalen Arbeiter. 4. Wir kämpfen für Freiheit der Wirtschaft gegen Zwangsbewirtschaftung der Löhne unb Preise. Die Löhne sind abhängig vom Ertrag der Wirtschaft. Wenn die Schornsteine nicht mehr rauchen, gibt es keine Löhne mehr. Die heutige Tarifwirtschaft führt dazu daß zugunsten einer immer kleiner werdenden Zahl von Arbeitern die Betriebsstätten veröden unb weitere Millionen erwerbslos werden. Wenn sich Unternehmer und die Mehrheit der Arbeiter über ihre gemeinsamen Interessen im Betrieb unb an seiner Fortführung verständigen, so dürfen sie hierin durch betrieb»- fremde Instanzen nicht behindert werden. Nur die Zusammenfassung aller an einem Produktionszweig beteiligten gleichberechtigten Kräfte zu einem organisch gegliederten Selbstoerwaltungsauf- bau kann diese Aufgabe lösen. Darum kämpfen wir zusammen mit dem deutschen Arbeiter für den sozialen Gedanken gegen den Gruppenegoismus. 5. Wir stehen fest in der Tradition der deutschen Sozialgesetzgebung, wie sie mit der rühm- reichen Kaiserbotschaft von 1881 — vor jetzt 50 Jahren — begonnen hat. Der Marxismus hat sich der Organe der Sozialversicherung bemächtigt und sie zu Bollwerken seiner Macht außgebaut. Er hat durch Jnslationspolitik und Bürokratie das Vermögen der Sozialversicherung und damit die Anwartschaft der Arbeiter und Angestellten auf das schwerste gefährdet. So ist eine Reform unvermeidbar geworden. Darum fordern wir mit dem deutschen Arbeiter eine wahre Lebenssicherung der deutschen Arbeiterschaft. Wir setzen entgegen dem Gedanken des Klassenkampses den Gedanken der nationalen Solidarität unb der Kameradschaft. berung ber Lehrfreiheit an benGrunbfesten ber beutschen Hochschulen rüttelt." Kommunalwahlen in Sonneberg. Sonneberg (Thüringen), 9. Noo. Die gestrige Neuwahl für den Sonneberger Stadt- rat (Stadtverordnetenversammluna), die zum brüten mal während der ordentlichen Wahlperiode ab- gehalten wurde, hatte folgende Ergebnisse: Sozial, demokraten 2926 Stimmen (bei der Reichstagswahl von 1930 3826 und bei der Stadtratswahl von 1929 3353 Stimmen); Kommunisten 2210 (2074, 1581); Nationaler Bürgerblock 1362 (2540, 2960), Nationalsozialisten 5168 (2813, 2864). DieSttze verteilen sich wie folgt: Sozialdemokraten 5 (bisher 7), Kommunisten 4 (3), Nationaler Bürgerblock 2 (6), Nationalsozialisten 10 (5). Intensive Arbeit, aber lein Erfolg Die lommunisMchc Zerjeyungdtätigkeit in der Wehrmacht. Berlin, 9. Nov. (WTB) Dorn Reichswehr- m l n i ft e r l u m wird mitgeteilt: In den letzten Monaten hat die von kommunistischer Seite gegen die Wehrmacht gerichtete Zersetzungstätigkeit außerordentlich an Umfang und I n - tensität zu genommen. Seit Mitte Juli d I. sind nicht weniger als 40 verschiedene kommunistische Zcrsetzungsschristen sowie zahlreiche Plakate und Zettel der gleichen Art in mehr als 200 Fällen i n tausenden Exemplaren durch die Kommu- nisten in den Kasernen verbreitet ober einzelnen Soldaten zugestellt worden. In allen Fäl- len wurde da» Material den Vorgesetzten abgeliesert. Außerdem konnten 26 Zettelverteiler im gleichen Zeitraum von der Truppe auf frischer Tat ertappt und der Bestrafung zuqcsuhn wer- den. Ader ein Erfolg ist ber kommunistischen Zersetzungstätigkeit n a chw i e vornicht belieben gewesen. Die Zahl der Fälle, wo Soldaten einer Beeinslusiung unterlagen, ist verschwindend gering. Die Truppe wirb auch in Zukunft den weiteren Zersetzungsoersuchen mit größter Aufmerksamkeit und Energie entgegentreten. Zur energischen Abwehr der gesteigerten Zersetzungtätigkeit der KPD. enthält bereits die Notverordnung vom 6. Dl- tober 1931 erheblich verschärfte Strafbestimmungen. Dvr dem Reichsgericht in Leipzig laufen zur Zeit zahlreiche Verfahren wegen Vorbereitung zum Hoch- verrat. Tagung der Deutschen Betriebskrankenkassen. Der Große Ausschuß deS Verbanbes zur Wahrung ber Interessen ber beutschen Betriebs kranken- kassen hielt unter bem Vorsitz beS Geheimrats Dr. C u n ft (Essen) in Dortmunb eine Vollversammlung ab, bie au- allen Teilen bes Reiches stark besucht war. In einer allgemeinen Aussprache würbe zum Ausbruck gebracht, baß ein Eingriff in ben Destanb ber Detriebskrankenkassen zu einer erheblichen Verteuerung ber Krankenversicherungen führen müsse. Zu bem Entwurf des Abkommens vom 7. Oktober b. 3. über bie Reu- regelung ber Beziehungen zwischen Aerzten unb Krankenkassen würbe von ben Vertretern ber Versicherten sowohl als auch von ben Vertretern ber Arbeitgeber erklärt, daß man Experimente von solcherTragweite, vor allem in ber Zeit einer Weltwirtschaftskrise, alS völlig unangebracht bezeichnen müsse. Demgemäß würbe ber Entwurf bes Abkommens einstimmig a b g e l e h n t. gleichzeitig aber hin- Augcfügl, daß der Terbanb eine friedliche Verständigung mit denAerzten auf tragfähiger Grundlage wünsche. Aus aller Wett. Reichstagung bes Friedensbundcs deutscher Katholiken. Die 8- Reichstagung des FriedenSbundes deutscher Katholiken begann mit einer feierlichen Zriedensme.se, die Bischof Dr. Schreiber in ber katholischen ZriedensgebächtniStirche hielt unb bei der ein deutscher unb ein französischer Priester bas Abendmahl spendeten. 3m Herrenhaus begrüßte bann der Vorsitzende, Bürgermeister Dr. Gunst aus Hüsten in Westfalen, die Behörden. Zweck des Kongresses sei, die innere Befriedung ber Welt für bie im nächsten Februar ftatt- finbenbe Abrüstungskonferenz vorzuarbe.ten- Drei franzölische Vertreter erklärten, daß auch ihre Landsleute anerkennen, ber jetzige FriebenSver- trag sei auf bie Dauer unhaltbar. Rach ihnen kam ein polnischer unb ein hollänbischer Vertreter zu Wort. Den Schluß bilbete eine Rebe des Bischofs Dr. Schreiber über baS Thema: „Krieg unb Frieben". Ein gerechter Krieg, der Krieg der Rokwehr eine- Staates gegen unbefugte Eingriffe äußerer Feinde, bie feine Existenz bebrobten, sei sittlich erlaubt, ja, sogar sozial- ethische Pflicht. 3n biesem Sinne würden die im Weltkriege gefallenen Soldaten verherrlicht. Allein jeder, selbst der gerechteste Krieg, habe soviel moralisches unb materielles Elend im Gefolge, baß es Pflicht aller Menschen sei. sich für bie Herbeiführung bes Friebens unter den Rationen einzusetzen. Dr. Schreiber erklärte: „Wir benken ba an gewisse Bestimmungen des Versailler Vertrages, die nach den Erfahrungen ber letzten zehn Jahre keine Befrie- bung Europas aufkommen laffen. Wir weisen hin auf bie Kriegsrüstungen, bie in dem Maße als sie aufrechterhalten unb fortgesetzt werden, eine ständige Beunruhigung ber Völker unb Bebrohung bes Völkerfriebens sinb." Sine amerikanische Aufmerksamkeit für den Reichspräsidenten. Der amerikanische Botschafter in Berlin, 6 a d e 11, besuchte ben Reichspräsibenten unb überreichte ihm eine Sammlung von Dil- bern vom Vellowstone-Park unb anberen lanb- schaftlichen Sehenswürdigkeiten in Amerika. Der Botschafter hat biefe Bilber von seinem letzten Besuch in Amerika mitgebracht. Die Sammlung ist eine gemeinsame Stiftung de- Botschafters unb des amerikanischen ^Innenministerium-. Die amerikanische Aufmerksamkeit ist auf ein vor geraumer Zeit mit bem Reichspräsidenten ftattgerunbe- nes Gespräch zurückzuführen, in dessen Verlauf ber Botschafter ben Reichspräsibenten fragte, ob er nicht einmal Amerika besuchen wolle. Der Reichspräsibent erwiderte, baß er sehr gern einmal bie Vereinigten Staaten kennenlernen und besonders den Vellvwstone-Park besuchen möchte. Raubüberfall auf einen Kassenboken. Ein Bote der Segeberger Verein-- b a n k wurde gegen Abend vor dem Postgebäude von drei jungen Leuten überfallen und durch drei R e v o lv e r s chü s s e in den Rücken niederge st reckt. Der ileberfallene wurde schwerverletzt ins Krankenhaus übergeführt, wo er hoffnungslos darnieder liegt. Die Täter, die sämtlich Iockeymühen trugen, sind in der Richtung Bad Oldesloe geflüchtet. Der Bote der Dank wollte die Briefschaft auf das Postamt bringen und hatte überhaupt kein Barge 1 d m i t s i ch- Die in den geraubten Einschreibbriefen befindlichen Scheck- sind sofort gesperrt worden. Vie IRefterlaae. 0$JO y.d i Owonttniot OM-B erdet«t. » wo'i'g. e • $<»"<< of'uX'i • Hrttl X. t-wit-/r(5)wmd>unc O* ** KKhtr- Oii niMr io«uowcii q (!»•«(«■ •’o'dwtjl 0« 'K ititfltn en dem winde Oie »eoc» Mit-onte jkmu«« Zefr >nd«e Orl« en' gitJcMa W n#crracht. Die Sammlung >g des Dvtschasters und ^nistcriums. Die ame» jst aus ein vor gerau» rästdenten stattgesunde« a. in dessen Verlaus der isidenten sragte, ob er > besuchen wolle.Der daß er sehr gern aaten kennenlernen und >Park besuchen möchte, □en Kassenboten. berget Vereins« ' vor dem Postgebäude überfallen und durch |e in den Süden c Uebersallene wurde >aus übergeführt, wo er niederliegt. Die Mtzen trugen, sind in oe gesiuchtet. Der Bote sschast aus das Postamt Haupt fein Var« n geraubten Knfchreib« i finl) sofort gesperrt gv»1 a e it(«t,d,n .ZL JH.-SSJ-«* rausE rx die g-' SÄ MKS W'E auf „^staS- L (in- st n<7 ii / li Ä «• * ltls'U»' frlQflt SLv! •y.6 UM ?L Fb (MW Oi < Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen. den 10.November 1931. MartinStag. Auf den Sommer des Mißvergnügens ist ein schöner, goldner Herbst gefolgt. Diele Wochen noch spendete uns die Sonne ihren milden Schein und lud uns ein, den bunten Wald und die stillen Felder zu besuchen. Wenn die Nächte nicht so früh zu uns kämen, könnte man glauben, wir lebten noch im September. Die Kinder spielen auf der Straße, und die naßkalten Herbststürme sind noch nicht gekommen. Da erscheint schon der M a r t i n s t a g (10. November), dieser erste Lichtblick im nebligen Winter, ganz unerwartet, aber doch lebhaft begrüßt von jung und alt. Die Kinder jubeln dem „Martins- mann" aus Lebkuchenteig zu: denn sie wissen, daß nun auch bald der Nikolaus kommt, und dann das Weihnachtsfest. Auch wir Erwachsenen freuen uns. Betrachten viele ihren Tisch, wenn sie von der Arbeit kommen, nicht mit liebevolleren Blicken als im Sommer? Gibt es in diesen Tagen nicht die Marti n. s g ans? Der heilige 'Bischof Martin, einst Soldat, dann zum Bischof gewählt, wollte sich in seiner Bescheidenheit verstecken, als die Abgesandten kamen, um ihm seine Wahl initzuteilen. Er war in einen Gänsestall gekrochen, aber die lieben Tiere verrieten ihn. So ist er zwar nicht Schutzheiliger der Gänse, aber ihm zu Ehren essen viele die gebratene Martinsgans. Soll ich schildern, was eine gut gebratene Gans bedeuten kann, sofern man sie sich in dieser schweren Zeit noch zu leisten vermag? Da müßte ich ein Dichter sein. Am Morgen hängt sie noch, rosig, anzuschauen, in der Speisekammer. Um den Hals hat sie sogar ein blaues Bändchen gebunden. Die Arbeitsstunden des Vormittags fließen nur so dahin. Dann geht es im Sturmschritt heim. Der Dratenduft füllt das ganze Haus. Mit gerötetem Gesicht erscheint die Mutter und sagt, wenn sie unsere erwartungsvollen Mienen sieht: „Gleich!" Mehr nicht. Und dann erscheint sie! Hübsch fein und knusperig gebraten. Dazu, kaum beachtet, gibts Tunke, Kohl und Kartoffeln. Es ist ein feierlicher Augenblick, wenn der Hausherr das Messer hebt... Alle Augen siird auf ihn gerichtet. Dann zieht eine Stille ein im Raum ... 3ft das nicht auch Poesie? Tafelfreuden im November! Mag es draußen regnen und stürmen, die Martinsgans vergoldet doch den Tag. Fritz Reuter nannte sie einmal einen scynurrigen Vogel, weil sie für einen Mann zuviel zum Essen wäre, für zwei aber zu wenig! hl. Provinzialausschuß für Oberheffen. Sn feiner Sitzung vom Samstag, über deren wichtigsten Punkt wir gestern schon berichteten, verhandelte der Provinzialausschuß für Oberhessen weiter über folgende Streitsachen: 1. Beschwerde des Kaspar Ludwig König in Ober-Mörlen gegen den Beschluß des Kreisamts Friedberg vom 29. August 1931 wegen Heranziehung zu den Beiträgen der Schuhmacherzwangsinnung für die Amtsgerichtsbezirke Friedberg und Bad-Nauheim und wegen Verhängung einer Ordnungsstrafe; _____ 2. Teilregulierung der Nidda in der Gemarkung Unter-Schmitten: hier: Berufung der (Seme inöe Unter-Schmitten gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Büdingen vom 22. Dezember 1930. Der Provinzialausschuh erkannte durch Urteil zu Recht: 1. Die gegen den Beschwerdeführer festgesetzte Ordnungsstrafe auf 1 Mk. herabzusehen und im übrigen die Beschwerde als unbegründet kostenpflichtig zurückzuweisen. Der Wert des Streitgegenstandes wurde auf 15,20 Mk. festgesetzt. 2. 3n Stattgabe, der Berufung, unter Aufhebung des Urteils des Kreisausschufses des Kreises Büdingen vom 22. Dezember 1930, die Einwendungen auf Kosten der Reklamanten als unbegründet zurückzuweisen und den Streitwert in der Berufungsinstanz auf 1500 Mk. festzusehen. Heist den Blinden! Mit doppelter Schwere lastet die Erwerbslosigkeit mit ihren wirtschaftlichen und besonders mit ihren seelischen Folgen auf den Blinden. Auf sie drückt nicht nur der Alltagskampf um Brot und nützliche Betätigung, sondern auch die ganze Schwere der Blindheit. 3n welchem Maße die Not der Blinden, die ihr Los in aller Stille oft heldenmütig tragen, bereits fortgeschritten ist, davon hat der Landesverband der Hessischen Blinden gerade in letzter Zeit besonders Kenntnis erhalten und ist nun bemüht, dieser Not nach Kräften zu steuern. Es sollen in erster Linie oberhessische Blinde berücksichtigt werden, für die z. Z. eine amtlich genehmigte Haussammlung erhoben wird, auf die auch an dieser Stelle empfehlend hingewiesen sei. 3edermann wird daher um Angabe von Adressen blinder Personen oder deren Verweisung an den Landesverband der Hessischen Blinden, Darmstadt, Karl- strahe 21, gebeten. Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 10. Nov. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Kochbutter von 1 Mark an; Butter 120 bis 130: Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 7 bis 8; Weißkraut 5 bis 6; Rotkraut 7 bis 8; gelbe Rüben 8 bis 10; rote Rüben 8 bis 10; Spinat 12 bis 15; Römischkohl 8 bis 10; Unter-Kohlrabi 5 bis 6; Grünkohl 10 bis 12; Rosenkohl 20 bis 25; Feldsalat 80 bis 100; Tomaten 40 bis 50; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 30 bis 70; Schwarzwurzeln 25 bis 35; Kürbis 5 bis 6; Kartoffeln 4; Aepfel 8 bis 10; Birnen 8 bis 10; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 100; Suppenhühner 80 bis 90; Gänse 80 bis 90; Nüsse 35 bis 40; das Stück: Tauben 50 bis 60; Eier 13; Blumenkohl 20 bis 60; Salat 8 bis 10; Salat- gurken 30 bis 35; Endivien 8 bis 10; Ober-Kohlrabi 8 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 40 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3 bis 3,20; Aepfel 4 bis 6; Weißkraut 2 bis 2,50; Wirsing 4 bis 5; Rotkraut 4bis5Mk. Vornotizen. — Tageskalen der für Dienstag. Stadttheater Gießen: „Marguerite : 3", 20 bis 22 Uhr. — Oberhessischer Kunstverein: Kunstausstellung „Drei Frauen der Gegenwart", Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr. t— Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 20.15 Uhr, Universitätsaula, Lichtbilderoortrag „Das moderne Polen". Volksrechtpartei: 20.15 Uhr, Restaurant „Aquarium", Wähleroersammlung, Red- | ner: Landtagsabg. Prof. A x t (Darmstadt). — „Post- keller", 20 Uhr, öffentlicher Aufklärungsvortrag „lieber Nacht gesund?" — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „M“. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Sie waren noch nicht in der Schwank-Operette „Frauen haben das gern ...!" von Arnold und Bach und der Musik von Walter Kollo? Den schmieg- und wiegsamen Tango „Ich leg dir mein Herz zu Füßen" und das musikalisch reizende „Wenn das nur nicht schief geht" zusammen mit einer Reihe hübscher Couplets uno Chansons werden Sie im Rahmen einer übermütigen und exzentrisch tollen Schwankhandlung am Mittwoch, 11. November, zu Gehör bekommen. Nicht nur Frauen, auch die Herren der Schöpfung haben das gern, sich über zwei Stunden herzlich auslachen zu können. Beginn 19.30 Uhr, Ende 21.45 Uhr. — D i e Deutsche Staatspartei veranstaltet am Donnerstag, 12. November, 20.15 Uhr in der Turnhalle am Oswaldsgarten eine Wählerversammlung. Es werden Finanzminister a. D. Dr. Höpker-Aschoff und Oberamtsrichter Schreiber, der Spitzenkandidat der Partei für den Hessischen Landtag, sprechen. Näheres in der gestrigen Anzeige. — Die Sozialistische Arbeiterpartei hält am Mittwoch, 11. November, 20 Uhr im Caf6 Leib eine Wählerversammlung ab, in der Abg. Max S e y d e w i h sprechen wird. Näheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich. — DerKaufmännischeVereinundder Ortsgewerbeoerein veranstalten am Mittwoch, 11. November, 20 Uhr, in der Neuen Aula der Universität einen Vortragsabend, in dem der Physiker Wilhelm P a u ck (Berlin) über das Thema „Zwei Stunden im Wunderland der modernen Physik" sprechen wird. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. "RückstrahlerandieFahrräderl Vom Kreisamt Gießen wird mitgeteilt: In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Personen wegen Nichtanbringung von Leuchtzeichen an Fahrrädern (sog. Katzenaugen) zur Anzeige gelangten und da- durck empfindliche Strafe in Kauf nehmen mußten. Es sei daher an dieser Stelle erneut darauf hingewiesen, daß nach den Vorschriften der Verordnung über die rückwärtigen Leuchtzeichen der zweirädrigen Kraft- und Kleinkrafträder, sowie der Fahrräder vom 27. April 1929 jedes Rad bei Dunkelheit mit einem Leuchtzeichen von gelbroter Farbe versehen sein muß. Das Leuchtzeichen, dessen wirksamer Durchmesser nicht größer als 5 Zentimeter sein darf, muß an der Rückseite des Rades angebracht und darf niemals verdeckt sein. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden hinsichtlich der Fanrräder mit Geldstrafe bis zu 150 RM. oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft. ** Wichtig für Lungenkranke. Die Sprechstunden der Fürsorgestellen für Lungenkranke in der Medizinischen Poliklinik finden für die Besucher aus den Landgemeinden des Kreises Gießen jeden Montag vonl6 bis 17 Uhr statt. Lungenkranke und Krankheitsgesährdete, die in ärztlicher Behandlung sind, bedürfen einer Ueberweisung ihres Arztes in die ßungenfürforgeftelle. Unbemittelte werden un» entgeltlich beraten. * Ein Achtzigjähriger. Der Schneidermeister Louis Schäfer, wohnhaft Neuen Weg 18, kann heute in großer geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag begehen. Der Jubilar ist Ehrenmeister der hiesigen Schneiderinnung. * * Vom Vogelzug. Am Sonntag gegen 16.30 Uhr überflog eine Schar Wildgänse, von Norden nach Süden ziehend, den Schiffenberger Wald. In der Nähe der Rindsmühle trennte sich die Schar; zwei Tiere flogen in südlicher Richtung weiter, während die übrigen fünf ihre Reiseroute änderten und unter lautem Geschrei wieder in nördlicher Richtung verschwanden. ' Cinbruchsversuch. Am Samstag gegen 17.30 Uhr wurde in einer Wohnung eines Hauses Am Kugelberg ein Einbruchsversuch unternommen. Der Dieb wurde jedoch von der heimkehrenden Frau und Tochter des Wohnungsinhabers überrascht und entfloh durch das offene Fenster, ohne irgendwelche Beute gemacht zu haben. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 6. Nov. 3n der heutigen Sitzung hatte sich das Bezirksschöffengericht ausschließlich mit Urkundenfälschungen zu beschäftigen. Zunächst hatte sich ein oberhessischer Landwirt zu verantworten, well er ein für den Ferkelvcrkauf erforderliches Ursprungszeugnis seiner Bürgermeisterei durch Veränderung des Datums und einer Zahl verfälscht hatte. Die Staatsanwaltschaft stand auf dem Standpunkt, daß das fragliche Zeugnis eine öffentliche Urkunde darstelle und daß der Angeklagte in der Absicht, einen Dermögensvorteil zu erlangen, gehandelt habe. Das Gericht hielt letzteren Umstand nicht für voll bewiesen und verurteilte den geständigen Angeklagten an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 10 Tagen zu 4 0 Mark Geldstrafe. Ein Viehhändler wurde wegen Fälschung zweier Wechsel zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt. Das Gericht berücksichtigt« mildernd die seitherige Unbestraftheit und das reumütige Geständnis. Dem Angeklagten wurde überdies bedingter Strafaufschub bewilligt unter Festsetzung der Bewährungsfrist von 3 3ahren; er muß aber 50 Mark an die Staatskasse als Buße abführen. Ein auswärtiger Kaufmann hatte einen Bestellschein seiner Firma gefälscht. Er war geständig. Urteil: Vier Wochen Gefängnis. Trotz einer Vorstrafe wegen Betrugs wurde bedingte Strafaussetzung gewährt; die Probezeit wurde auf 4 3ahre bemessen. Ein Schneider hatte auf einem Bezugsschein des Wohlfahrtsamts das Wort „Miete" ausradiert und dafür für seine FamUie Lebensmittel bezogen. Der Angeklagte gestand die Tat zu und entschuldigte sich mit seiner Notlage. Das Gericht sah, dem Antrag des Staatsanwalts entsprechend, den Bezugsschein als öffentliche Urkunde im Sinne des § 268 StGB, an und verurteilte den Angeklagten in mäßiger Ueber- schreitung der Mindeststrafe zu 3 Mon aten 2 Wochen Gefängnis. Um die Wohlfahrtsämter vor Ausbeutung und Mißbrauch zu schützen, muß er 1 Woche verbüßen; im übrigen tritt bedingter Strafaufschub ein, die Bewährungsfrist wurde auf 3 3ahre festgesetzt. E IN NE U E R QUA LITATS-BEGRIFF: :\\v, MAXOUL,so nennt man in Ost= macedonien die kleinen hocharomatischen Blätter an der Spitze der Tabak-Pflanze. Sie sindbesom ders kostbar und warenbisher nur den teuersten Zigaretten vorbehal-- ten.-Jetzt haben auch dieMarken OVERSTOLZ und RAVEN KLAU eine echte AAaxoul-Mischung,das heisst,ein en starken Prozentsatz anMaxoul-Tabaken erhalten. So tritt eine Qualitäts-Veredelung in Erscheinung,die jedem geschulten Raucher sofort auffallen wirdS^Ö in M axoul-M ischung. Ganz Gießen und Umgebung spricht von StGmS billigen PreiS6ll! s Notlage-Verkauf zur Stützung der Kaufkraft aller Schichten der Bevölkerung Größtes Verkaufsereignis seit Jahrzehnten Rücksichtslose Preisherabsetzung geht weiter bis einschl. Samstag, 14. November 1931. Besuchen Sie uns, es lohnt sich! LUDWIG Keiner darf fehlen! «01 A Das Haus der Vertrauens-Qualitäten • Gießen • Bahnhofstraße 2-4 Verkäufe Rubina Beize 7.15 Uhr 06591 Gustav Beisse 66? 7616D Sicheres Einkommen ! Mittwoch, den 11. November I Kaufgesuche frisch Geschlachtet ■Lichtspielhaus Gießen Fein HEUTE PREMIERE! 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Alle Eltern müssen unbedingt den Frltz-Lang-Fllm der Nero sehen, denn Kriminalkommissar Geissel, der Leiter der Kriminal- beratungsstelle am Polizeipräsidium, Berlin, sagt in einem Artikel „Mörder - Kriminalpolizei - Publikum - Film": Aus diesen Erwägungen heraus wird gerade dem neuesten Fritz-Lang-Film der Nero „M" eine besondere Bedeutung beizumessen sein. Er kann somit vornehmlich dazu beitragen, weiteste Kreise der Bevölkerung noch mehr i als bisher für die Bestrebungen zu gewinnen, wonach es besser ist, Verbrechen zu verhüten, als Rechtsbrecher zu bestrafen. Gilt es doch das Wertvollste, das wir auf Erden haben, Menschenleben zu schützen und zu erhalten, vor allem das Leben der noch unerfahrenen Kinder. Vielleicht erreichen wir dann allmählich, dafl sich die Ueber- schrift meiner Ausführungen umstellen läüt, wie folgt: Film - Publikum - Kriminalpolizei - und ganz zuletzt erst: Mörder ______________ ____________________________________ 7H8 C HolländerHeringe. lOStck. 45 H Schade 8 Füllgrabe Filialen In allen Stadtteilen fatanba ftn» kmft-ar dÖHr. trtnn man Ibft ZkroM>«i«e |a (fr. Imwu t‘JL 4«ri«ncm Verschiedenes! tngi. bprachkurse für Anfänger f. Fortgeschrittene 8.45 Uhr jeden Mittwoch im Kanlm. Vereinshans. Anmeldungen im Unterricht.Honorar monatl. Mk. 6.— Sprachlehrer D. R. Lloyd. Oeschäftsmaan sucht 7000 Hk. zurHnvotbekenablö- suna.2chr.Ana.unt. 06606 n. d. ffl. An». 3500311t alS 1. Hnvothek auf ein Wohnbaus los. von 2clbftneber aes. 2 dir. '’lnn. II. 06624 a. d. Gieß. Anzeiger. Inhaber von Slntcilftfieinrn wollen dieselben bis spätestens 18. Nov. bei Herrn Christian Fleischmann in Gießen, Noonstraße 6, anmelden. SJiit vor» genannt. 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Bevor nachstehend zu diesem Problem Stellung genommen wird, sei hier zunächst auf Grund amtlichen Materials eine Schätzung der Zinslast der deutschen öffentlichen und privaten Wirtschaft versucht i Die Kreditverschuldung der öffentlichen und privaten Wirtschaft beträgt rund 90 Milliarden Mark. Davon entfallen knapp 60 Milliarden Mark, also etwa zwei Drittel, auf langfristige Kredite, der Rest, etwas über 30 Milliarden Mark, auf kurzfristige Kredite. Seht man für die langfristigen Kredite, in denen auch die Aufwertungsfchulden, die tuir mit 5 Prozent zu verzinsen sind, und einige billige Auslandanleihen enthalten sind, einen Zins von nur 7 Prozent an, so ergibt sich für die langfristigen Kredite eine jährliche Zinslast von 4,2 Milliarden Mark. Für die kurzfristigen Kredite ist ein Zinssatz von mindestens 10 Prozent anzusehen, so daß wir für kurzfristige Kredite eine Zinslast von 3 Milliarden Mark, für kurz- und langfristige Kredite zusammen eine solche von über 7 Milliarden Mark erhalten. Dah diese Zinslast, die, um eine Gröstenvorstellung zu vermitteln, mehr als 10 Prozent des deutschen Volkseinkommens ausmacht, untragbar ist, braucht keiner weiteren Erwähnung, lieber den Weg, der zur Minderung der Zinslast einzuschlagen ist, herrscht jedoch noch völlige Unklarheit und vor allem durchaus keine Einmütigkeit. In letzter Zeit sind verschiedene Meldungen über eine von der Regierung angeblich beabsichtigte Zwangs- Zinskonversion in die Öffentlichkeit gedrungen. Es ist nun sehr fraglich, ob durch eine solche Maßnahme wirklich eine Lösung des Zinsproblems gesunden werden kann, oder ob nicht die Rachteile, die in einer solchen Zwangsmaßnahme liegen, etwa die Vorteile aufwiegen. Zu- ' nächst sei hier einmal festgestellt, daß die hohen Zinssätze in Deutschland ja nicht die Ursache der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sind, sondern lediglich ein Symptom, und zwar nicht nur ein Symptom des starken Kapitalmangels, sondern vor allem ein Symptom des erschütterten Vertrauens in die S i ch e x°h e i t der ausgeliehenen Beträge. Eine zwangsmäßige Zinslonversion, etwa um ein Viertel, würde bedeuten, daß, beispielsweise ein bisher mit 6 Prozent verzinslicher Goldpfandbrief künftig nur noch mit 6 Prozent zu verzinsen wäre. Zweifellos würde man für alle bestehenden Schulden gesetzlich eine Zinsverminderung erzwingen können. Was man aber nicht beeinflussen kann, das ist der Zins, zu dem sich neues Kapital anbietet. Denn der Zins ist ein Faktor von Angebot und Rachfrage, und neues Kapital würde sich in Deutschland nur zu einem durch das freie Spiel von Angebot und Rachfrage bedingten Sah anbieten. Eine generelle Zinskonvertierung der bestehenden Schulden bringt außerdem große technische Schwierigkeiten mit sich. Vor allem denkt man bei dem Zinskonvertierungsprojekt an die Hypotheken und sonstigen langfristigen Darlehen. Rur ein kleiner Teil der Hypotheken ist direkt aus der Hand des Kapitalbesitzers in die Hand des Schuldners gewandert. Der überwiegende Teil vielmehr ist durch die Zwischenschaltung von Kreditinstituten aus unzähligen Kanälen der Volkswirtschaft an die Kreditinstitute angezogen worden, und von diesen sind dann in Sammelposten Kredite ausgeliehen worden. Die Hypotheken der Sparkassen sind aus Mitteln gegeben worden, die eine Unzahl von Sparern in kleinsten Beträgen den Kassen zugeführt haben. Die Hypotheken der Bodenkreditinstitute konnten nur auf Grund eines Absatzes von Goldpfandbriefen an unzählige Erwerber, teilweise in Stückelungen von Gesellige Unterhaltung. Von Hertha Grunau. Schwere wirtschaftliche Zeiten wie die gegenwärtige bleiben nicht ohne Einfluß auf die Art unserer Geselligkeit. Kostspielige Feste, Abendessen mit Reihenfolgen leckerer Gänge verbieten sich heute meist von selbst. Der Teeabend im kleinen Kreis kommt wieder mehr zu seinem Recht. Er ist im Grunde beliebter als Abendgesellschaften großen Stils. Die behagliche Teetischrunde ist zwangloser, sie begünstigt, was eigentlicher Zweck geselliger Zusammenkünfte sein sollte: einander nahe zu kommen im Gedankenaustausch. Im Mittelpunkt einer solchen Pflege der Geselligkeit steht das G e s p r ä ch. Je zwangloser es geführt wird, desto Wohler fühlen sich unsere Gäste, je angeregter die Unterhaltung verläuft, desto mehr wird man sich bereichert fühlen, wenn man von uns geht. Wie kommt es nun, daß solche Teeabende sich in manchen gastlichen Häusern fast ausnahmslos anregend gestalten, während man bei anderen sich tödlich langweilt oder trotz nie ab- reißendem Gespräch doch zuletzt eine innere Leere verspürt, die uns den Abend mit dem geheimen Urteil abschließen läßt, daß man es zu Hause bei einem guten Buch oder bei einer schönen Radio- darbietung entschieden besser gehabt hätte? Soviel steht fest, daß ein harmonisches Gelingen zwangloser Gesellschaftsabende in erster Linie von der Hausfrau selbst abhängt. Sie schafft die behagliche Atmospäre, ihr Verdienst ist der zierlich gedeckte Teetisch im warm erleuchteten Raum. Aber auch die Art, t e sie ihre Gäste empfängt, und um sich vereint, ist ausschlaggebend für den Verlaus ihres Teeabends. Mit ruhiger freundlicher Sicherheit begrüßt sie jeden einzelnen ihrer Gäste, ein jeder hat das Gefühl, als hätte sie gerade auf ihn gewartet, um ihre Runde vollzählig zu haben und als erwarte sie in ihm einen Bürgen dafür zu finden, daß der Abend in Harmonie und zur Befriedigung aller um sie Vereinter gelinge. Aufmerksam waltet sie am Teetisch, um den man sich zwanglos gruppiert hat, unaufdringlich versorgt sie ihre Gäste mit Tee und Gebäck, ebenso unauffällig achtet sie auf den Verlauf der Unterhaltung, gibt hier ein Stichwort zieht dort einen unbeteiligt Scheinenden mit heran, gibt dem Gespräch Richtung auch in die Tiefe, wenn es zu lange an der Oberfläche zu bleiben droht und seicht wird. Solche vorbildlichen Gastgeberinnen gibt es auch heute noch, und es ist gar nicht nötig, den Blick zurück- ^egener Anzeiger (tveneral-Anzelger für Gderhessen- vienstag, 10. November 1931 100 Mark, gegeben werden. Eine Zinskonversion bei den Hypothekenschulden mühte also eine entsprechende Zinsherabsehung bei ben eigentlichen Kapitalgebern, nän- lieb den Spareuuegern oöer den Besitzern der Hypothekenpfandbriefe, zur Folge haben. Damit aber zerschlüge man den letzten noch vorhandenen Anreiz zum sparen, d. h. zur Kapitalbildung, denn, wenn nunmehr den Kapitaleinlegern auch noch ein Teil des Zinsengenusses genommen wird, dann wird die Entwicklung weiter in Richtung abnehmender Spareinlagen und Hortung der verfügbaren Beträge laufen. Außerdem entfällt etwa ein Sechstel der langfristigen Schulden in Deutschland auf Beträge, die uns vom Ausland zur Verfügung gestellt worden sind. Das Ausland wird nun keineswegs in eine Zinskonvertierung einwilligen, und es scheint auch wenig wahrscheinlich, daß sich auf dem Wege gütlicher Vereinbarung für die meist noch viele Jahre laufenden Auslandanleihen eine Senkung des Zinsfußes ermöglichen lassen wird. Auf alle Fälle würde sich Deutschland durch eine solche Maßnahme auf Jahrzehnte jeden Zutritt zum internationalen Kapitalmarkt versperren. Eine Zinskonvertierung würde ferner die soliden Geldgeber strafen, weniger seriösen Geldgebern dagegen gleichsam eine Prämie aussetzen. Wenn ein Kapitalbesitzer an erster Stelle eine Hypothek gegeben hat, sich dafür aber mit einem niedrigeren Zins begnügt hat, so soll er jetzt eine Zinsminderung erfahren, weil die Zinslasten der nachstehenden Hypotheken den Schuldner erdrücken und leichtsinnige Gläubiger, die an dritter und vierter Stelle Hypotheken gegeben haben (sogenannte Schornsteinhypotheken> jetzt Gefahr laufen, bei einer Zwangsversteigerung, zu der das Grundstück infolge der hohen Zinslast getrieben wird, auszufallen. Der solide Gläubiger macht also gleichsam ein Geschenk an den weniger seriösen! Man sieht, daß der Weg einer Zins- konversion über große Hindernisse führt. Wir können es eben nicht wagen, den deutschen Ko '■'ilmarft auf Jahrzehnte zu isolieren, den deutschm Sparer auf Jahrzehnte zu verscheuchen. Besser als der Weg einer schematischen Zins- fonoertierung scheint der Weg der Vornahme individueller Zinsabwertungen zu sein; vor allem dann, wenn bestehende Darlehensverträge von den Gläubigern jetzt gekündigt werden mit dem Zweck, einen höheren als den bestehenden Zins zu erzielen. Aehnlich wie die Institution der Aufwertungsstellen dazu geschaffen ist, zu untersuchen, ob der Gläubiger der zurückgeführten Aufwertungsschuld bedarf oder ob nicht das Interesse des Schuldners ein weiteres Belassen der Aufwertungshypotheken erfordert, könnten diese Aufwertungsstellen auch noch die Aufgabe übernehmen, im Einzelfall zu prüfen, ob ein Zinsnachlaß oder anderweitige Hypotheken in Anbetracht der schwierigen Lage des Schuldners und der Lage des Gläubigers möglich und angebracht ist. Mörfelden wählt einen kommunistischen Bürgermeister. WSN. Mörfelden, 9. Nov. In der gestrigen Bürgermeister-Stichwahl erhielt der k o m- munistische Kandidat S). Zwilling 1578 Stimmen gegen 1100 in der Hauptwahl. Der bürgerliche Kandidat K. Geiß brachte es aus 1236 Stimmen, gegen 570 bei der Hauptwahl. Die Sozialdemokraten, deren Kandidat bereits in der Hauptwahl aus- geschieden war, hatte die Abstimmung freigegeben. Der frühere Bürgermeister war Sozialdemokrat gewesen. Daten für Mittwoch, 11. Novembe, 1599: Octavio Piccolomini, Heerführer Wallensteins, in Florenz geboren; — 1821: der Dichter Fedor Dostojewski, in Moskau geboren Ädien ehrt die ©efallenen des Weltkiieaes. Zu Ehren der Gefallenen des Weltkrieges fand in Bayern am 8. November ein Gedenktag statt, der in der Feier am Heldendenkmal vor dem Münchner Armeemuseum seinen Höhepunkt fand. Hitler spricht in Gießen. Die Gießener Dolkshalle war gestern abend der Schauplatz der wohl größten öffentlichen Versammlung dieses Wahlkampfes. Etwa 8000 Personen mögen es wohl gewesen sein, die dort dicht gedrängt sitzend und in drangvoller Enge stehend mehrere Stunden lang aushielten, um den Führer der Rationalsozialisten Adolf Hitler sprechen zu hören. Von herzlichem und stürmischem Beifall empfangen, kam Hitler mit seiner Begleitung gegen 20.30 Uhr in der Volkshalle an. Der hessische Gauleiter Lenz (Darmstadt) entbot ihm herzlichen Willkommengruß, erwähnte kurz die Entwickelung der nationalsozialistischen Bewegung seit Ende 1918 und rief dann die Erinnerung an die toten Kameraden wach, deren in geziemender Ehrsu.cht gedacht wurde. Rach dem Gelöbnis an Hitler, weiterhin treu zu ihm zu stehpn, begann Adolf Hitler, von erneutem stürmischem Beifall begrüßt, seine etwa zweieinhalbstündige Rede. Er erklärte den aus Gießen und in sehr großer Zahl auch von auswärts (aus allen Teilen Oberhessens und aus den benachbarten preußischen Gebieten) erschienenen Besuchern einleitend, daß das deutsche Volk jetzt an einem großen historischen Wendepunkt seiner Geschichte stehe, der von einschneidendster Bedeutung für das ganze Volk sein werde. DieRSDAP. weiche den Tagesfragen nicht aus, die sie mit übernehmen müsse, wenn sie in die Regierung eintrete. Aber alle diese Tagesfragen seien nur zu verstehen und au lösen, wenn das deutsche Volk ein gesundes uno natürliches Feld für seine Arbeit Wiedergewinne. Es müsse aber jedermann klar fein, daß nicht das Einzelschicksal das Gesamtschicksal ausmache, sondern das Schicksal der Gesamtheit über den Linzel- schicksalen stehe. Die verschiedenen Parteien hätten immer nur vom Jnterefsenstandpunkt der jeweiligen Wählerschichten aus gehandelt. Man könne aber keinen bestimmten Derussstand retten, sondern allenfalls nur dessen Interessen vertreten. Man könne nur entweder Deutschland retten, oder Deutschland gehe zugrunde! (Stürmischer Beifall.) Jeder unterliege dem Lebensgesetz der Ration, das alle Teile in natürlicher gesetzmäßiger Folgerichtigkeit beherrsche. Der Redner lenkte dann die Blicke auf die wirtschaftlichen Verfallserscheinungen hin und betonte, so lange eine Ration sich politisch und moralisch in Ordnung befinde, werde sie die Erneuerung des Volkskörpers sicherstellen können; erst wenn ein Volk politisch zerbreche, als Machtfak- tor ausscheide, beginne die Wirtschaft ähnliche Wege zu gehen. Der tiefste Grund der wirtschaftlichen Katastrophe liege in einem Verhängnis, das uns Deutsche ununterbrochen verfolge: das Leben dränge unbegrenzt nach Vermehrung^ der aber der Lebensraum in seiner Begrenzung Widerstand entgegensetze. An die Schaffung des erforderlichen Lebensraumes durch die Expo r t w i r t s ch a ft fei nicht zu glauben, es fei vielmehr noch mit einer Verschärfung der Lebensraumkrise zu rechnen. Das Leben sei bedingt erstens durch den Lebensraum, durch die Mutter Erde, und zweitens durch den Menschen in seiner Zahl und Qualität. Der Redner wandte sich gegen die marxistische mechanische Auffassung des Lebens, die besage, die Konstruktion in allem fei entscheidend für das Leben. Er als Rational- sozialist sage dagegen, entscheidend sei erstens der Raum, zweitens der Mensch, nicht nur ais Zahlenproblem, sondern auch als Qualität und Faktor der Güte, der Mensch könne sich von der Erde nicht loslösen. Man gebe dem Volke den Lebensraum und es werde sich sein Leben wieder gestalten. Der Boden sei die erste Doraussetzung zum menschlichen Leben, die zweite liege in dem Menschen selbst und in seinem grundsätzlichen blutmäßigen Wert. zuwenden zu verflossenen Zeiten, um etwa aus den französischen Salons, der Blüte der französischen Geselligkeit um das 18. Jahrhundert herum, Beispiele für gewandte und geistreiche Gesellschaftskünstlerinnen heranzuholen, etwa die Madame R e c a m i e r oder Madame de S t a e l, oder aus der Reihe der deutschen Salonköniginnen der klassischen und romantischen Zeiten unter Ramen wie Bettina v. Arnim, Rahel Varn- hagen, Henriette Herz, deren mit Anmut, Geist und äußerer Schlichtheit geführte Gastlichkeit uns heute wohl vorbildlich fein könnte. Vielseitige Geistesbildung und die Fähigkeit, von Wissen- und Erkenntnisfülle auch Gebrauch machen zu können, bedeuten viel im gesellschaftlichen Kreis. Für die Gastgeberin genügen sie nicht allein. Unerläßlich sind feiner Takt und eine erfahrene Menschenkenntnis. Die Hausfrau muß ihre Gäste zu nehmen wissen, muß auch den Schwerfälligen noch zur Beteiligung bewegen können. Schnell muh sie erkennen, in welchem Augenblick einem ihrer Gäste bei einer Gesprächswendung das Wort auf der Zunge brennt und muß geschickt ihm Gelegenheit zur Aeußerung verschaffen. Rur so kann es sich ergeben, was Hugo v. Hofmannsthal einmal als Forderung für ein Gespräch aufstellt: „Wenn Konversation einen Sinn haben soll, so muh sich ein Gast über die eigenen Einfälle freuen wie ein Kind, so oft er mit mir spricht" Feinfühliger Takt hilft der Hausfrau auch, das Gespräch um Klippen herumzuführen, die besonders bei bunt zusammengewürfeltem Kreis drohend auftauchen können- Aber dabei müssen ihr die Gäste helfen und bei aller freien Meinungsäußerung auf der Hut fein, irgendwie anzustoßen. Es ist selbstverständlich, daß man seine Ansichten nicht zurückhält und sich frei zu der Meinung bekennt, die man sich über eine Frage geformt hat. Aber wichtige Voraussetzung ist, daß es ohne persönliche Angriffsfärbung geschieht. Sachliche Aeuherungen auch über die brennendsten Fragen der Gegenwart dürften unter Wohlerzogenen keinen Stein des Anstoßes abgeben. Ein Thema erscheint aber an sich gefährlich und fast immer harmoniestörend: die Politik. Es gehört aber eigentlich auch nicht in die immerhin doch unbeschwerte Teetischstimmung. Aber auch ohne diesen ärgernisschaffenden Gesprächsstoff ist wie gesagt kein noch so heiterer Kreis davor sicher, daß sich nicht plötzlich durch eine heikle Gesprächswendung, durch ein voreiliges Wort von einer Seite her, eine Gefahr auftürmt für das bis dahin so schöne Einvernehmen unter den Gästen. Jeder fühlt dann die unheilvolle, peinliche Spannung des Augenblicks, aus der nur schnelle geschickte Ablenkung helfen kann seitens der Hausfrau ober der Gäste. Ein kluges hilfreiches Eingreifen vermag in solchen Fällen den Frieden noch rechtzeitig zu retten, wofür dann alle nur dankbar sind. Wenn doch alle Gäste sich ein wenig einsichtsvoll und hilfsbereit verhielten! Mit wie vielen hat es die Hausfrau doch so schwer! Da ist der Mißmutige, dem man es ansieht, dah er höchst widerwillig und ungern kommt und den Abend von vornherein als verloren bucht. Da ist der Schüchterne, der, wenn überhaupt, sich nur stammelnd vernehmbar läßt, und wer kennt nicht jenen Feind einer allgemeinen alle Beteiligten verbindenden Unterhaltung den Vielredenden? Er redet, als hätte er nur auf diesen Abend gewartet, um die Schleusen seiner Beredsamkeit zu öffnen. Rücksichtslos und unaufhaltsam entwickelt er seine Meinungen über Geschehnisse und Fragen, die uns zur Zeit gemeinsam zu bewegen vermögen. Er hält wahre Monologe. Wer unter den Anwesenden ein Wort der Erwiderung einwerfen möchte, findet keine Lücke. Resigniert gibt man es schließlich auf. Die langatmige Gedankenentwicklung, die man passiv über sich ergehen lassen muß, ermüdet, die Gedanken schweifen unversehends ab, die Verbindung unter den Anwesenden ist aufgehoben. Der allzu viel und ununterbrochen Redende ist ein Hemmnis im Lauf der Unterhaltung, die unter allseitiger Beteiligung geführt werden muß, auch im bunt und vielseitig zusammengestellten Kreis. Je verschiedenartiger unsere Teegäste sind, desto reizvoller kann sich die Unterhaltung gestalten, bleibt doch schon das aus, was unter beruflich Gleichstehenden so schwer vermeidlich ist: die gefürchtete Fachsimpelei. Aber auch im buntesten Gästekreis kann es vorkommen, dah der einzelne von seiner persönlichen beruflich gefärbten Einstellung zu den Erscheinungen des Lebens nicht abkommt, daß der Intellektuelle nicht über kulturelle Fragen hinausgeht, der Industrielle über Weltwirtschaft, die berufstätige Frau über ihre beruflichen Erfahrungen und Sorgen. Geselligkeit fordert Opfer mancher Art, nicht zuletzt die Aufgabe eines Stückes seines Selbst. Es heißt bereit fein, sich vom eigenen Ich dem fremden Du zuzuwenden. In anderer Hinsicht noch fordert die gesellige Beteiligung eine gewisse Selbstlosigkeit. Es ist doch so, daß wir nicht Zusammenkommen, um ein paar Stunden totzuschlagen. Wir wollen verwandten Seelen nahe kommen, in fremde, anders geartete hineinschauen, wollen irgendwie bereichert wieder heimkehren. Das aber ist nicht möglich, wenn wir uns selbst in bezug auf unsere Meinungsäußerung sparsam verhalten. Es gibt auch da einen gewissen Geiz. Ist er etwa Grundsatz in einer Gesprächsrunde, so bleibt die Unterhaltung an der Oberfläche. Es ist möglich, daß man sich auf diese Weise über die verschiedenen im Blickpunkt des Interesses stehenden Dinge unterhält, jeder sagt wohl etwas über Bücher, Theater, Film und dergleichen, aber es ist etwas durchaus unverbindliches. Was hilft es, daß äußerlich alles so gut abgeht, dah das Gespräch sogar einer gewissen leichten Anmut nicht entbehrt, daß nie eine Lücke entsteht und der gefürchtete tote Punkt immer wieder glücklich überwunden wird, man hat doch nur „Konversation gemacht". Ein aufrichtig und ernsthaft geführtes geselliges Gespräch aber macht Kräfte frei, gewährt Einblicke, lockt aus den Beteiligten heraus, was sie an Erkenntnis und Einsicht sich erarbeitet haben, wohlgemerkt, immer unter der wohlwollenden Einstellung, geben und nehmen zu wollen unter Vermeidung aller feindlich angreifenden Gesichtspunkte. Wer hat es nicht schon erlebt, der nicht abseits steht vom geselligen Leben, wie sehr ein solcher Gedankenaustausch beglücken kann! Geselligkeit stellt an die Persönlichkeit des einzelnen nicht zu unterschätzende Anforderungen. Sie ist ein Ansporn zur Weiterarbeit an sich selbst und zur Selbsterziehung. Die Röte wirtschaftlich schwerer Zeiten pflegen erfahrungsgemäß das gefällige Leben zu veredeln und zu vertiefen. Verbannen wir die Geselligkeit deshalb nicht aus den kommenden Wintertagen und folgen wir Goethes Forderung in seinem Gedicht „Der Schatzgräber": „Tages Arbeit! Abends Gäste! Saure Wochen! Frohe Feste! Sei dein künftig Zauberwort." Hochschulnachrichten. Zum Ordinarius und Vorstand der I. Frauenklinik an der Wiener Universität ist als Rach- folger des verstorbenen Hofrats Heinrich Peham der a. o. Professor ebenda Dr. Josef H a lba n, Primararzt und Vorstand der gynäkologischen Abteilung am Krankenhause Wieden, zum Ordinarius und Vorstand der II. Frauenklinik an der Wiener Universität als Rachfolger des verstorbenen Prof. Fritz Kermauner Professor Dr. Wilhelm Weibel von der deutschen Universität in Prag berufen worden. Der Redner beschäftigte sich bann mit der Frage, was zu tun ist, wenn das Volk wächst und über seinen Lebensraum binauskomme. Auch hier trenne ihn eine grundsätzliche Ueberzeugung vom Marxismus. Niemals hatten Veränderungen des Raumes friedlicher Natur ftattgefunben. Immer seien Völker verdrängt worden durch ftä t • kere Völker. Die Not habe die Völker immer auf die Suche nach neuem Lebensraum getrieben. Das Gesetz der K r a f t habe bishc die Welt verteilt. England und Frankreich hätten ein Inter- esse daran, zu sagen, die Welt solle so bleiben roie sie heute sei. Er verstehe nicht, daß es Deuttche gebe, die glauben, daß der jetzige Zustand der Welt anbauern solle Alle Völker hätten Lebensraum gewonnen nur aus ihrer eigenen Kraft. Die grundsätzliche Auffassung der Nationalsozialisten sei, bah im Völkerleben die Nation zu Grunde gehe, die sich nicht ihr Leben selbst sichere und selbst dafür einlrete. Selber hätten aber Millionen beutsche Men- schen bas natürliche Denken verlernt unb kein Der- ständnis mehr für ben eigenen Lebensraum. Der eigene Boden müsse die Plattform sein, auf der ein Volk stehe, nicht der Welthandel! Hitler wandte sich dann entschieden gegen das Geschrei, die G r e n- zen zu öffnen, während d i e deutsche Landwirtschaft zugrunde gehe, es dann immer noch mehr Entwurzelte gebe unb schließlich da» eigene Volk von feiner Lebensbasis entwurzelt sei. Don einem gewissen Punkt der weltwirtschaftlichen Entwicklung ab heiße der Schlüssel nicht mehr Preis, sondern politische Macht! Angesichts der ungeheuren Veränderung in Deutschland seit 1918 sei eine grundsätzliche Umstellung im Denken zu fordern. Der Redner wies bann auf die Schattenseiten der Ueberrationalifierung unserer Industrie hin, die mit Erzeugungsmöglichkeiten für den vier- bis fünffachen Bedarf ausgestattet sei, roährenb sie dafür aber keinen Absatz habe. Dem Volke, das auf Export angewiesen sei, werde durch dieses Mißverhältnis zwischen Produktionsfähigkeit und Absatz der Lebensraum noch mehr beengt, die Weltschwierigkeiten würden noch größer, dazu komme als politischer Faktor der russische B o l - ichewismus hinzu, der von Millionen unseres Volkes noch gar nicht begriffen werde. Der russische Fünfjahresplan bedeute bei seinem Gelingen für Hunderttausende von deutschen Volksgenossen nur Arbeitslosigkeit! ebenso sei es, wenn England Indien verliere. Das sei nicht belanglos für uns, deren Leben auf Export aufgebaut fei Denn der bisherige Weg der Weltwirtschaft von uns weiter gegangen werde, gehe unser Volk in rasender Schnelligkeit einem Zusammenbruch entgegen, der noch gewaltiger sein werde als der bisherige. Dieser weg führe zum absoluten Ruin, nicht nur zu einer Finanzkata- strophe, sondern zu einer Lebenskatastrophe. Bei dieser Sachlage gebe es für uns nur zwei Möglichkeiten, um der Katastrophe zu entgehen: entweder tolr schüfen uns einen neuen Binnenmarkt durch Anpassung des Lebensraumes an unsere Volkszahl, ober wir stellten hinter unsere Produktion in Zukunft wieder die Gesamtheit unserer politischen wacht. Der Redner betonte hierauf das Recht des deut- fchen Volkes auf Leben unb erklärte, wenn ein Volk nicht bereit sei, für sein Recht als Kläger auf- zutreten und auch zu streiten, habe es kein Recht. (Stürmischer Beifall.) Wenn man ihm sage, er bete die Gewalt an, so erkläre er, er bete bas Recht seines Volkes zum Leben an, indem er es ableite von der Würdigkeit zum Leden. Würdig zum Leben sei das Volk, das gesund und kraftvoll sei und sein Leben selbst verfechte. (Erneuter stürmischer Beifall.) Wir wollen uns nicht u n • terujerfen unb uns nicht feige vom Schicksal erwürgen lassen. Die Zukunft unseres Volkes hänge Wenn Menschen anseinandevsehn Vornan von I. (Zchneider-Zoerstl llrheberrcchtsschutz Verlag O. Mei st er, Werdau. (Schluß.) AuS Szengerhi» Augen flackerten ihm Brände des Irrsinns entgegen. »ES wird nichts mehr zu helfen geben!" sagte Bohle erschüttert, kniete nieder und faßte nach dessen Handgelenk. „Wir wollen ihn nach der Advenibal bringen. SS ist noch etwas Leben im Puls." SzenperylS Blick flößte ihm Schrecken ein. „SS trifft dich doch keine Verantwortung", tröstete er. „(Salberon ist selbst schuld an seinem Tod. Er wußte, daß derlei Promenaden gefährlich sind." Szengerhi hob den leichten Körper an sich und hielt ihn gegen die Brust gedrückt. „Kannst du mir keine Hoffnung geben?" „Soviel wie keine." „Dann fahr zurück! Ich bleibe hier — mit ihm zu sterben." „Bela! So nahe steht er dir?" Ein Blick voll unaussprechlicher Qual: „Du hast damals recht gesehen! Es ist kein Männl ES ist eine Frau! Meine Frau!" Der Doktor vermochte einen Aus des Entsetzens nicht zu unterdrücken. ES war ihm für den Moment unmöglich, Hand oder Fuß zu rühren. Erst nach Minuten hoben die beiden Männer die reglose Last empor. Den starren Körper an sich gepreßt, fuhr Szengerhi den Weg nach der Bai zurück. Herrlich schön, voll geheimnisvoller Schauer und nie gesehener Pracht strahlte das Nordlicht seine Fächer auS. Flimmernd trieb die Delibab, die Fata Mor- aana der Steppe, ihr Spiel über der weiten Cbcne: Tanja, Brunnen, Mauerreste, Hirten und Herden gaukelten in der trügerischen Luft, hoben und senkten sich, verschwammen. um wieder aufzutauchen und dann urplötzlich zu Derflattcm, ohne eine Spur zurückzulafsen. Das feingekiederte Reihergra« wiegte sich leicht im Winde. Mohn unb Brennende Liebe standen verblutend am Wegsaum und umschmeichelten den Fuß der jungen Frau, die mehr vom Arm des Gatten getragen, als von ihm gestützt durch den Sommerabend ging. So furchtbar langsam vollzog sich RoSmarie» Genesung, so hoffnungslos verzweifelt waren zuweilen noch die Tage, daß die Sorge um das geliebte Weib Szengeryi» Körper abgezehrt hatte. „Bist du müde, Aosmarie? — 3a? - Darf ab von der W i« b e r e rr i n a u n g einer ge- sunben, natürlichen Widerstandskraft. Don ber blutsmäßigen Gemeinschaft ausgehend pre- bige er einen gefunben Nationalismus, ber sich frei mache von allen Darurteilen; baue er eine Brücke, über bie Millionen zu ihm herübermarfchieren könnten; zertrümmere er Vorurteile und hole ben deutschen Menschen hervor. Sein Nationalismus fei brüderliche Gemeinschaft mit dem Dolke, unb bah er sich freirnache von Vorurteilen, fei Sozialismus im ebel« ft en Sinne des Wortes. Turmhoch über allem stehe ihm aber das Schicksal seines Volkes. Um wieder als politische Realität angesehen zu werden, müsse Deutschland wieder als ein macht- besitzender und m a d) t b e b e u t e n b e r Faktor vor bie Welt Eintreten. Die Kraft dazu liege in uns allen, nur was aus uns selbst komme, sei stark. Der Rebner richtete bann eine entschiedene Absage an bie Weltbürgerlichkeit, bie Weltmeinung, bas Weltgewissen usw., bie alle uns um bie eigene Kraft betrogen hätten. Er erklärte: Zu lieben brauche man an» nicht, anzuerkennen brauche man uns auch nicht, wenn man uns nur ab eine tatsächliche, geschichtliche Realität respektiere, das sei vollständig ausreichend. Weiter lehnte der Redner bie Demokratie, Mehr- heitsbilbung usw. entschieden ab unb bekannte sich zu bem Grunbsatz ber persönlichen Verantwortlichkeit. Geaen den Internationalismus unb gegen bie Demokratie sei ber Kampf zu führen. Unser Volk glaube an alles, nur nicht an bie Notwendig- feit ber eigenen Rettung, an bas Vertrauen auf bie eigene Kraft. Diese Denkweise müsse dem Volke ausgebrannt werden. An Stelle des zerrißenen deutschen Volkes, des vom Klasienkampsgedanken durchsetzten Körpers sei der einheitlicheWillezurbeutjchenDolks. gemeinjchaft zu setzen. Wenn ganz Deutsch- land so denke wie Die „Frankfurter Zeitung-, bann fei das Ende unseres Volkes gekommen, wenn ganz Deutschland aber so denke, wie die NSDAP., bann werde Deutschland vor dem Ausland ganz anders bestehen. Die NSDAP, kämpfe nicht um Wahlen, sie wolle nur bie Macht im Staate mit legalen Mitteln erkämpfen. Heute seien 20 Millionen Men- schen bei ber NSDAP., bald würden es 30 Mil- honen sein, und daraus werde einmal bas neue Deutschland, bie neue Gemeinschaft ber beutschen M e n sch e n werden. Das Ringen gehe um ein deutsches Volk, das frei unb mürbig sei unb bestehen könne vor dem großen, ewigen Gericht, das sich fein Schicksal wieder selbst gestalten könne. Die NSDAP, kämpfe für ein Deutsches Reich, das nicht geknechtet und versklavt sei, für ein Reich, das wieder frei sein werde, für ein Deutschland, das als Schirm und Schutz auch des ärmsten feiner Bürger daftehe! (Langanhaltender stürmischer Beifall unb Jubel.) Gauleiter Lenz sprach noch ein kurzes begeistertes Schlußwort, bann fanb bie Kundgebung mit dem Gesang des Horst- Wessel-Liedes unb neuen Ovationen für Hitler ihren Abschluß. Kundgebung der Zentrumspariei. Im Katholischen Bereinshaus fand gestern abend eine Wählerversammlung der Zentrumspartei statt. Reichstagöabg. Dr. Dackel sprach als erster Redner über die R e i ch s p o l i t i k. Hinsichtlich der Außenpolitik bemerkte er, die Frie- bcjisoertrage seien Gewaltverträge. Diese in Frie- bensoerträge umzuwanbeln, sei die Aufgabe der Regierung. Der Vertrag von Versailles sei der Grund zur europäischen Unruhe. Nicht nur Deutschland leide unter Versailles. Die Reparationsfrage, als wich- tigften Teil des Vertrages, gelte es jetzt zu lösen. Reichskanzler Dr. Brüning habe vom ersten Tage seiner Kanzlerschaft ab an der Lösung des Re- parationsproblems gearbeitet und sich für die Sanierung der Reichsfinanzen eingesetzt. Seine Arbeit sei insofern schon ein großer Erfolg gewesen, als dem Ausland der Beweis erbracht wurde, daß die Reparationen in der geforderten Höhe eine Unmöglichkeit darstellen. Hitler suche Ri u s s o l i n i zum Bundesgenossen, dieser denke aber nicht daran, Deutschlands Verbündeter zu werden. Italien sei viel zu viel von England abhängig England denke noch viel weniger daran, Deutschland zu unter- stützen, von Amerika sei auch nichts zu erwarten. Man müsse sich darüber klar fein, daß unter diesen Umständen die deutsche Außenpolitik nickt mit billigen Mitteln der Dorkriegspolitik zu bestreiten sei. Es gehöre heute genaue Erkenntnis der Weltsituation dazu. Brüning habe sich bisher als der ge« sch ckteste erwiesen. Verständigung sei leicht, wenn beide Partner nachgcben konnten. Deutschland habe aber nichts mehr nachzugeben, und Frankreich sei zu keinerlei Entgegenkommen bereit, obwohl die Frage der eigentlichen Wiedergutmachung der Kriegsschäden längst erledigt sei. Die bevorstehenden schweren Aufgaben der deutschen Außenpolitik verlangten von den deutschen Vertretern höchsten Kraft- aufwand, der nicht durch parteipolitische Zwiespal- tigkelten beeinträchtigt werden dürfe. Die Vertreter Deutschlands piüßten bei den kommenden Repara- tlonsoerhandlungcn die ganze Nation hinter sich wissen. Brüning werde es sich stets angelegen sein lassen, nationale Belange zu wahren, und das Zentrum brauche sich in dieser Hinsicht keine Vorwürfe machen zu lassen. Für die künftige deutsche Außenpolitik könne keine neue Kraft in Betracht kommen, kein Unerfahrener, kein Demagoge, sondern nur der geschickteste, klügste unb erfahrene Staatsmann könne erfolgreich wirken. Es müsse dabei der gerade Weg gegangen werden. Brüning fei es bisher gewesen, der den Mut zu einer unpopulären Politik gehabt habe. Man werde dank seiner Arbeit über den Winter 1931 hinwegkommen, wie man auch über den Winter 1930 hinweggekommen fei. Brünings Politik habe unendlich viele Menschen vor der Arbeitslosigkeit bewahrt. Die deutsche Wirtschaft liege nicht im Chaos, sie beschäftige trotz ZOprozentiger Schrumpfung heute noch mehr Menschen, als vor dem Kriege. Wenn eine Verständigung mit Frankreich zustande komme, sei die Möglichkeit gegeben, sofort wieder ganz aufzubauen. Die wesentliche Auf- gäbe fei es jetzt, den augenblicklichen wirtschaftlichen Stand aufrechtzuerhalten. Der Kanzler arbeite an diesen Problemen. Die Politik des Reichskanzlers fei nicht darauf eingestellt, dem Marxismus das Wort zu reden, sondern der Wirtschaft zu dienen in dem Bemühen, gehalisame Auseinandersetzungen in der Wirtschaft zu vermeiden. In außenpolitischer Hinsicht sei das Kabinett Brüning ein Vorkämpfer für die nationale Befreiung, innenpolitisch ein Vorkämpfer für soziale Gerechtigkeit. (Starker Beifall.) Amtsgerichtsdirektor Keller-Gießen, M. b. als zweiter Redner, befaßte sich mit der Haltung des Zentrums im hessischen Landtag und in der Regierung, sprach von der seinerzeitigen Abgabe des Innenministeriums unter dem Drucke der Volkspartei und von der Uebernahme des Finanzministeriums. Gr sprach von den mannigfachen Schwierigkeiten, denen sich besonders em hessischer Finanzminister gewachsen' zeigen mußte, denn auf dcm-Hessenlande liege eine große Schuldenlast. Das Reich habe Hessen gegenüber große ich dich tragen?" Der Forscher würgte an den Worten. Gr sah nichts als das schmale, tod- bleiche Gesicht neben sich und hörte auf den Tonfall der heiseren Stimme, die alle Rot seines Lebens immer wieder in ihm wachschrie. „Run muß er bald zu sehen feint — Freust du dich, mein Liebes? — Der Janos hat ihm das schnellste Pferd geschickt." Unb wieder würgte Szengeryi an den Worten. „Vater und ich haben schon besprochen, baß du mit ihm nach dem Süden fährst, nach Capri oder Lugano, wo es noch lange, lange Sommer ist! Ja, Rosmarie?" Sie wandte ihm ihr zuckendes Antlitz zu. „Soll ich ein drittel Mal um dich sterben, Dela?" Gr vermochte sich nicht mehr zu beherrschen. Träne um Träne lief ihm über die hohlen Wangen. Sie sagte nichts mehr, nahm nur seine Hand und ging mit ihm den Rain entlang, bis sie todmüde in das raschelnde Gras glitt. Sr setzte sich zu ihr. Schweigend preßten sich seine Lippen auf ihre abgemagerten Finger. „Lord Galbeton schreibt, daß Killarneh auf dich wartet unb jebe Stunde au beinem Empfang bereit ist. Willst bu nach Killarneh, Rosmarie?" Sie schüttelte ben Kopf unb ließ kein Auge mehr von bem Punkt, ber weit braußen in ber Steppe als bunflcr Fleck auftauchte. Szengeryi sah ihren Blick aufleuchten unb wurde von einer Freude ohnegleichen erfaßt, daß es noch etwa- gab, wofür die geliebte Frau Interesse zeigte. „Run kommt er bald!" stieß er heraus. „Zürnst bu ihm?" Gr hörte Angst In ihrer Stimme mitklingen. Behutsam lehnte er ihr Gesicht gegen seine Brust. „Du mußt bich nicht sorgen! Ich werbe sehr gut zu ihm fein." Sie bebeckte mit beiben Hänben die Augen unb weinte. Füni Minuten später waren bie Ilmrisse eines Reiters erkenntlich, ber in gestrecktem Galopp näherkam. Szengeryi stützte bie geliebte Frau, bie auf bie zitternben Füße strebte. Pferbehufe ließen bie schwarze Erbe nach allen Seiten stieben. „Guibo!" Horvath schwang sich vorn Rücken beS damp- fenben Perbes unb hielt baS blasse Frauengesicht mit ben Hänben umfaßt. „Rosmarie! DaS konnte ich nicht ahnen, als ich von bir ging. DaS nicht!" Er legte, um biefe tobmüben Augen nicht mehr sehen zu müssen, bie Stirn gegen ihre Schulter. Sie strich langsam seinen Arm herab. „Wir haben unS so sehr auf dein Kommen gefreut, Guido!" Horvath richtete sich auf. Da- „Wir" unb „Uns" mahnte ihn an Szengeryi. Mit einem Zögern schob sich ihm jetzt dessen Rechte entgegen. „Ich danke dir für alleS, was bu an meiner Frau getan hast." Zwei Augenpaare bohrten sich ineinander. Horvath wandte sich ab unb hob, ohne ein Wort zu sprechen, Rosmarie in den Sattel. „Sitzt du bequem und sicher? Ja, Kind? — Dela, du mußt auf die andere Seite gehen. Wenn du gleitest, RoSmarie, wirst bu einem von unS beiben in bie Arme fallen." Ein zartes Rot färbte ihre Wangen. Sie streckte bie Hand aus, um ihm über bas Haar zu streichen, aber sie zog, ehe sie eS berührt hatte, bie Finger tolebcr zurück. Sie sah, wie ber Gatte litt. „Raja geht seit zwei Jahren in Trauer." Szengerhi toanbte ben Kopf nicht, als er bas sprach. „Um mich?" fragte Horvath. „3a, um dich, Guido!" „Vor aller Welt?" „Vor aller Welt! Bosanhi hat den Enkel zu seinem Erben eingesetzt. Gr ist unter deinem Ramcn im Taufbuch eingetragen." Horvath lehnte sich gegen RoSmarieS Hüften. „Wie traurig, daß man erst tot sein muß, um —“ Er verstummte jäh, denn Rosmarie hatte ihm bie Hand auf den Mund gelegt. Ihre Augen flehten ihn an: „Rühr nicht an die Vergangenheit." Abbittend sah er in ihr Gesicht und liebkoste die Finger, die an feiner Schulter herabhingen. „3n Killarneh verbluten die Buchen, Rosmarie, und die Ulmen stehen in Bränden. Bevor der letzte Ginster verblüht, sollst du (ommen, läßt Calderon dich bitten. Du sollst auch deinen Mann mitbringen und ich meinen Jungen und Raja, wenn sie mir folgen will." RichtS als da- schwere Atemholen Szengerhi» und der Husschlaa de- Pferde- unterbrach die Stille, die nun folgte. Wo die Markungen sich kreuzten und die Raine sich schnitten, stand ein Knabe in blauem Matrosenkittel. DaS dunkle Haar fiel ihm in schweren Locken auf die Schulter, während die sonnverbrannten Finger die letzten Blüten, die die Steppe gab, umkrampft hielten. Horvath überlief ein Zittern. „Auf wen wartest du?" „Auf dich, Vater!" Der Künstler hob den Knaben hastig empor und küßte den Mund, der ganz dem seinen ähnlich war. „Wo hast du die Mutter?" Die Kinderaugen strahlten. „Sie steht mit Großmutter Horvath und Großvater Dosanyi drüben im Garten und weint." Horvath sah zu Rosmarie auf, gewahrte wieder diesen rührend Hebcnben Blick und zwang Herz und Mund zur Stille. Sxengeryi hob seine Frau auS dem Sattel, um sie da» letzte Stück Wege» In den Armen zu tragen. Horvath hielt bie kleine Hand seines Sohne» umfaßt unb gebuchte der Stunde, ba biefe» Leben bem feinen und Raja- Blut entsprungen war. Gr sah nach Szengeryi hinüber. DaS verblassende Licht beS Abends ließ sein Gesicht alt und Verpflichtungen, denen nachzukommen ihm nicht möglich war. Eine schwere Belastung für den Staatshaushalt sei der schlechte Eingang der Steuern, durch ben ber Staatshaushalt immer wieder gefährdet werde: die ReichSsteuerüberweisungen seien nicht in der erwarteten Höhe zugeslossen, die Holzeinnahmen, aus denen früher ein großer Teil der Ausgaben baft ritten werden konnte, seien von oft 4,5 Millionen Mark auf 930 000 Mk. gesunken, so daß man fast sagen könne, der Wald rentiere sich nicht mehr. Der Etat sei schwer belastet gewesen durch umfangreiche Reubautätigkeit, aber trotz alledem sei eS gelungen, den Etat xu balancieren. Diese Tat des FmanzministerS Kienberger sei hoch anzuerkennen. Der Rebner beschäftigte sich weiter mit den Ministergehältern unb mit ber Absinbung de- Droßherzogs. Aus ©rünben ber SigcntumSbejahung unb au3 Drün- ben der Sittlichkeit habe das Zentrum die Ansprüche des Drohherzog- bejaht. Leider habe eS die Finanzlage nicht gestattet, den Ministern und den Tcamlen Kürzungen zu ersparen. Da- Uniformverbot gegen Die Rationalsozialisten, da» der Minister L e u s ch n e r erlassen habe, sei ein Unrecht. In dieser Zeit wirke jede Uniform aufreizend. Man sei in Hessen sehr gegen die Einführung einer erhöhten ©ebäubcgrunDftcucr gewesen, die Regierung habe diese Erhöhung aber nur unter dem Druck der Reich-regierung durchAesührt, bie verlangte, alle Steuerquellen au-zunutzen. Da» Lanbestheater habe viel Gelb gekostet, aber man sei vertraglich verpflichtet, ba- Theater, da- vorher ber Großherzog au« feiner Privatschatulle subventioniert habe, zu halten. Richt zuletzt habe man sich bazu nicht nur aus kulturellen, sondern auch aus sozialen Grünben entschließen müssen. Im Etat würben voraussichtlich durch die neue dritte Rotvervrdnung weitere Einschränkungen durchgeführt werden. Die Arbeit der Regierung sei unter den obwaltenden Umständen schwer, die Situation für da- Zentrum sehr schwierig, wenn praktische Arbeit geleistet werden solle. Da» Zentrum habe sich gegen Link- und Recht» zu wehren, man werde aber stets bemüht sein, wahrhaft christliche Politik zu treiben, die auch bem Arbeiter bas Recht werden lasse, baS er sich erkämpft habe. Es müsse endlich klar fein, daß wir alle auseinander angewiesen seien. Brüning- Politik sei es zu verdanken, daß mancher harter Gegensatz überwunden toori e sei. Da^ Zentrum hab« auch Kulturmissionen zu erfüllen, denen man sich verantwortlich fühlen mühte. Deshalb gelte e», sich zu Brüning xu bekennen. Brüning kämpfe und bete und so dürfe e» nicht schwer fallen, bei ihm zu stehen. (Beifall.) Geistlicher Rat, Dekan" Bayer, schloß mit einem kurzen Schlußwort die Versammlung Oberheffen. Der Aufmarsch zur Butzbacher Stadtratswahl. pb. Butzbach, 9. Rov. Für die Wahl zum S t a b t r a t am 15. Rovember sind folgende Wahlvorschläge zugclassen: Wahlvorschl g 1 mit dem Kennwort Sozialdemokrat.sche Partei Deutschlands, Spitzenkandidat: Bruno Wittig, Parteisekretär; Wahlvorschlag 2 mit dem Kennwort Kommunistische Partei, Spitzenkandidat Josef Oppenheimer, Kaufmann; Wahlvor- schlagö, Zentrumspartei, Spitzenkandidat Franz Zink, Berufsschullehrer; Wahlvorschlag 4. Mtt- telstandSliste, Handwerk unb Gewerbe. Hau»- unb Kleinbesitz, Spitzenkandidat Philipp O h l e m u tz. Architekt; Wahlvorschlag 5, Ueberparteiliche Gemeinschaftsliste. Spitzenkanbibat: Dr.Otto Weide, Studienrat; Wahlvorschlag 6, Rcutralc Liste, Spitzenkandidat: Otto E i n b r o d t, Lokomotivführer i. R.; Wahlvorschlag 7, Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (Hitlerbewegung). Spitzenkandidat: Dr. Ferd. Werner. Stubicn- rat; Wahlvorschlag 8, Bürgerlifte. Spitzenkandl- gefurcht erscheinen. • Rosmarie lehnte sich geschlossenen AugeS an seine Brust. „Gib uns Frieben! Frieben!" schrie es in Horvaths Seele auf. Er fühlte bie Hanb de» Knaben in ber feinen zucken unb bünkie sich auf einmal alt, so alt! Ein Drei«! Hatte er nicht schon hunbert Jahre ober mehr gelebt unb alle» Leib bet Erde getragen? Er sah kaum mehr auf ben Weg, folgte nur den kleinen warmen Händen, die ihn führten und verhielt erst den Fuß, als bie Tanja Bo- sanhiS au» bem Grün tauchte. lieber ba» Kinb hinwegsehend. gewahrte er Bosanhi an ber Treppe bes HauseS lehnen. Eine schlanke Gestalt kam ihm wankenben Schritte» entgegen. Er ging rasch auf sie zu. beugte sich ettoa» nieber unb küßte bie Lippen, die ben seinen entgegenzuckten. „War wollen vergessen. Raja — um de» Kinde» willen. Kannst bu?7* Eine Stirne drückte sich an seine Schulter. Er nahm den Arm der Weinenden an den seinen, nahm an die andere Hand da» Kind unb schritt auf Bosanyi zu, ber noch Immer an ber Treppe stanb. Zwei Augenpaare forschten ineinander. Raja- Arm -itterte an dem de» geliebten Manne«. In da» gefahrvolle Schweigen klang b!e Stimme der ©wfjmutter Horvaths, bie ben Enkel mit einem Ausftrahlen ber halberblindeten Augen grüßte. „Gunnar, haben Sie vergessen, daß wir vereinbarten, Ihre unb meine» SohneS Schuld al» gelöscht zu betrachten, unb daß Sie Guibo lieben wollen, um ber Frau willen, bie Ihnen einst alle» war unb beten Herzen er entsprossen ist?" Bosanyi- Rechte hob sich in langsamer Bewegung unb umschloß bann bie Finger be- Künstler«. bie merklich bebten. Wa« Horvath nun sprach, fanb ben Weg xu Bosanyi- innerster Seele. „Sie haben bem Kinde einst ben Vater genommen. Ich bitte Sie, jetzt mir ben Vater zu ersetzen." Die Steppe lohte In flammender Abendsonne und tauchte die Gesichter in dunkle Brände. Als die Glut erlosch, schwebte nur noch ein schmaler Streifen schüchternen Rosa- über der melancholischen Stille. Alle- Leben schlummerte hinüber In bie Rächt, bie nun Ruhe in bie Herzen brachte, in bie Herzen, die nach jahrelangem Leid und Irren auf» neue die Wege zimtnander luchten, in Liebe unb redlichem Willen und dem Schicksal dankend, ba» ein Wiebersehen für sie bereit gehabt hatte, ehe bie Erbe für immer einen der ihren deckte. „Wenn Menschen au-einandergehen, Finnen Sie nicht- al» hoffen, bah fie alle» so toleberfinben, wie sie e» verlassen haben." Ein größere» Geschenk kennt ba» Leben nicht, al- benen ein Wiedersehen zu gewähren, btt sich lieben. h". schloß mit Dersamnlmg JJ* H b?t Jiftwn ® > schwierig xrden solle. Da« und Nte zu Wt sein, v-ahr. b>e auch dm Isz das er sich er. klar sein, daß mit ^n. Drünings Po. mancher harter Te- Da^ Zentrum haß, «Ä1 mQn s'4 ,^halb gelte es, -UNg für "«w ^ngang {Jf Jen er Dai?^nken, xUläti9k »P Aat '°be- »nnnislers ju ba' K4 ZML . <^,,sel em nn. ton"» *™«6S y aber nur unter durchgeführt, die chunuhen. Dos Ä' ^er man Dealer, das vor. nnaischatulle fuß. tn. Äuhbacher ahl. r die Dahl zum brr sind folgende en:DahlvorschI?gl mokratische Partei : “Bruno Willig, |2 mit dem Kenn« Spitzenkandidat^ 3o« hnarai; Dahloor. lenlanbibat: $ran) jlvorschlag 4, Hit- !werbe. Haus- und ,ilipy Ohiemutz, eberparteisiche Gr« r.Dr.OiivDeide, j, neutrale Liste. itoH ColomotiB« 7, Dationalsoziali« d sHitlerbelvegungl. Bernet, Stufe' Me. Spitzentanz iHe&ntH# S'' ruft- . .Af< 1° schne es m W e Hand des Mben atte er «chi W "ebt und alles Leü m Ma, folgte nut als die Tanja Bote. £_i, et ÄS’ Sine ?°Ä&tte8 ent* JjkJa I««“eBl , ,.;«e Schulter. St V «« ben feinen, ilrAäi»dit « rite»» Ile “w- ^lindeten . öit - •«&> lines Hohne» @u16d und daß . Ihnen Herzen er Vi**5' . h-A Deg j, fand den Sie haben mit zch bitte 189 Äbendso"^ ÄS? •tf'*?***1' ’rf Me««41 n braihte- ‘ n am »»< & ä ÄS« alles' n ,u ö* bat: Louis Iouh, Fabrikant. Die Wahlvhr- schlüge Nr. 4, 6 und 8 sind miteinander verbunden. Mit Rücksicht darauf, daß der seitherige Beigeordnete Wittig als Spitzenkandidat auf dem Wahlvorschlag der Sozialdemokratischen Partei steht und gleichzeitig seine Wahl als Stadtratsmitglied gesetzlich nicht zulässig ist, sah er sich veranlaßt, sein Amt als Beigeordneter der Stadt niederzulegen. Landkreis Gietzen. X & l e i n • ß i n b e n, 9. November. In der Versammlung bes Kriegervereins berichtete ber 1. Vorsitzende Schimmel über den letzten Hassia-Bezirkstag in Gießen. Eine längere Aussprache lösten die Anträge auf Deitragsermähi- gung für erwerbslose Mitglieder aus: darüber soll von Fall zu Fall entschieden, auch soll dem Hassia-Verbano nahegelegt werden, entsprechende Rücksicht aus diese Mitglieder zu nehmen. Die Unkosten für die Trauermusik bei Beerdigungen von Kameraden sollen auf die Dereinskassc übernommen, von den Mitgliedern aber eventuell ein kleiner Sonderbeitrag erhoben werden. --- Alten-Buseck, 9.Rov. Auf Anregung der Arbeitsgemeinschaft der Verbände der freien Wohlfahrtspflege in Hessen fand hier eine Haussammlung von Lebensmitteln und Geld statt. In den Dienst dieser gemeinnützigen Sache hatten sich die Lehrer und Gemeindebeamten gestellt. Wenn man beachtet, daß schon mehrere derartige Haussammlungen vor kurzer Zeit stattgefunden haben, muh man den letzten Erfolg als ein schönes Zeichen der Nächstenliebe ansehen. Es wurden in die Listen eingetragen: 24 Zentner Kartoffeln. 14,5 Zentner Gemüse, 20 Zentner Obst. 110 Pfund Dohnen. 26 Pfund Mehl. 10 Pfund Fett, 7 Pfund «fleisch und 34.70 Mk. Geldspende. Außerdem kommen hinzu etwa 50 Pfund Dörrobst, das durch eine Dolksschulklasse in den freien Nachmittags- stunden hergestellt wurde. Ein Teil der freiwilligen Gaben soll den Bedürftigen der hiesigen Gemeinde zugute kommen. Der Rest wird der Arbeitsgemeinschaft in Gießen überwiesen. O Holzheim, 9. Noo. Das Ehepaar Wilhelm und Margarete Schneider konnte in diesen Tagen goldene Hochzeit feiern. Der Ortsgeistliche Pfarrer Schmid überreichte dem Jubelpaar als Geschenk ein Gedenkblatt des Landeskirchenamtes, Bürgermeister Buß überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde. Die Jubilarin erfreut sich als Hebamme unter der hiesigen Einwohnerschaft allgemeiner Wertschätzung. Dem Jubelpaar wurden zahlreiche Ehrungen zuteil. s. Trais-Horloff, 9. Nov. Eine seltene Entdeckung machten heute früh Arbeitsleute, die von Utphe nach Trais-Horloff fuhren. Sie bemerkten in der Morgendämmerung kurz vor unserem Orte an der Straße drei Wildschweine. Es gelang darauf dem Sohne des hiesigen Gemeinberechners. Aböls Hublih, einen der drei Schwarzkittel zu erlegen. Wirtschaft. Oie Arbeiismarktlage in Hessen und Hessen-Nassau. In der zweiten Oktoberhälfte hat die Arbeitslosigkeit bedeutend ft ä r I e r angenommen, als während der ersten Hälfte des Monats- Die Zahl der Arbeitsuchenden ist von 276821 auf 284 50 8, also um 7687 oder 2,8 Prozent, gestiegen (in der ersten Oktoberhälfte um 5156 oder 1,9 Prozent). In den Saisonaußenberufen hat sich, der Iahreszeit entsprechend, die Beschäftigung merklich abgc- schwächt; daher entfallen auch auf diese Berufsgruppen allein rund 4400 Zugänge oder 57 Prozent der Zunahme. Im einzelnen stieg die Zahl der Arbeitsuchenden in der Gruppe Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gärtnerei um 281 oder 4,2 Prozent, im Baugewerbe um 1708 oder 5,2 Prozent und in der Lohnarbeit wechselnder Art (einschließlich Bauhilfsarbeiter) um 1286 oder 2.5 Prozent, in der Industrie der Steine und Erden um 1153 ober 7,9 Prozent. Neben ben genannten Außenberusen haben von ben größeren Berufsgruppen eine über bem Durchschnitt von 2.8 Prozent liegenbe Zunahme zu verzeichnen: bet Bergbau mit 9.5 Prozent, das Bekleidungsgewerbe mit 5 Prozent und das Gastwirls- gewcrbe mit 4,6 Prozent. In den Angestellten- unb ben übrigen Berufen ist bie Arbeitslosigkeit im Laufe ber Berichtszeit nur leicht gestiegen. Die Arbeitsuchenden in der Papier- und Lederindustrie, sowie in der Gruppe Theater, Musik haben geringfügig abgenommen. Die Zahl der Hauptunterstühungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge ist von insgesamt 141 759 um 6294 aus 148 053 gestiegen: davon erhielten Arbeit-losenunterstühung 68 685 gleich 43,4 Prozent. Krisenunterstützung 79 368 gleich 53,6 Prozent. Auf 1000 Einwohner entfielen am 31. Octobet 76,2 Arbeitsuchende (gegen 74,1 am 15. Oktober), 18,4 Hauptunterstühungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung'(17,6) und 21,3 (20,3) Hauptunterstühungsempfänger in der Krisenfürsorge. * • Berliner Handelsgesellschaft und Haus Warburgj Im Zusammenhang mit einem Ausbau der freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Berliner Handels-Gesellschaft unter der Firma M. M. Warburg & Co., Hamburg, hat eine ausländische Gruppe unter Mitwirkung der Firma M. M. Warburg & Co. einen Posten Handelsanteile erworben. * D i e Indexziffer der Großhandelspreise. Die vom Statistischen Reichsamt für ben 4. November berechnete Indexziffer ber Großhanbelspreise ist mit 107,3 gegenüber ber Vorwoche nahezu unveränbert. Von ben Hauptgruppen waren bie Indexziffern für Agrarstoffe mit 69,6 unb für industrielle Rohstoffe unb Halbwaren mit 99,5 unveränbert, währenb bie In- bexziffern für Kolonialwaren mit 94,7 unb für industrielle Fertigwaren mit 132,6 um je 0,3 Prozent zurückgegangen sind. Die Indexziffer für Produktionsmittel stellte sich auf 129,6 (minus 0,2) und für Konsumgüter auf 134,8 (minus 0,4). Für ben Monatsdurchschnitt Oktober lautet bie Gesamtinbexziffer 107,1 (gegenüber bem Vormonat minus 1,4 v. H.). Inbexziffern derHaupt- grnppen: Agrarstoffe 93,5 (minus 2,6 v. H.), Kolonialwaren 94,7 (plus 0,6 v. H ). inbustrielle Rohstoffe unb Halbwaren 99,4 (minus 0,7 v. Sy), inbustrielle Fertigwaren 133,4 (minus 0,9 v. H.). Der Monatsdurchschnitt Oktober beträgt für Produktionsmittel 130,2 (minus 0,2) und für Konsum- güter 135,8 (minus 1,5). Die deutschen Börsen. Klaue Stimmung in Berlin. Berlin, 10. Nov. (WTB. Funkspruch.) Nach widerstandsfähiger Eröffnung schwächte sich die Tendenz im heutigen telephonischen Freiverkehr plötzlich ab. Die Festigkeit der Auslandbörsen hatte noch in den Vormittagsstunden die Hoffnung erweckt, daß sich für Aktien wenigstens eine freundliche Grundstim- mung würde erhalten können, zumal auch die Roh- stoffmärkte gestern weitere Preissteigerungen aufwiesen. Da aber für die deutsche Wirtschaft alles von dem Resultat der gegenwärtigen deutsch-französischen Besprechungen abhängt und bei diesen augenblicklich gerade gewisse Schwierigkeiten aufgetreten sein sollen, verschiedene Pressemeldungen sogar von einem Stillstand der Verhandlungen sprachen, so wirkte sich einmal die Geschäftslosigkeit und die schwache Veranlagung einiger Spezialpapiere, vor 'allem aber die anhaltende Schwäche des Pfandbriefmarktes ungünstig aus. Obwohl fast die gesamte Handelspresse sich gegen den angeblichen Plan der Regierung, eine Zwangskonverlion durchzuführen, aus= spricht, sei eine Entscheidung in diesem Punkte noch nicht ge allen, eine Beruhigung könne aber erst ein- treten, wenn eine Klarheit in diesem Punkte, welcher Art sie auch sei erreicht wäre. Das Niveau der 8-o. H.-Pfandbriefe hat sich übrigens in der letzten Zeit ganz erheblich ermäßigt und schon fast einem 6-v. H.-Zinsfuß angepaßt. Heute gingen die 8-v. H.- Emisfionen wiederum um 1 bis 2 v. H. zurück, aber auch am Aktienmärkte waren Rückgänge in diesem Ausmaße keine Seltenheit. Bei Schultheis betrug der Kursverlust sogar fast 5 v. H. Hieran konnte auch der relativ günstige Reichsbankausweis für die erste No- vcrnberwocye nichts ändern. In diesem Ausweis hat die N o t e n d e ck n n g wieder eine le i ch t e B e f f e - r u n g auf 27,8 v. H. erfahren, sie ist allerdings nur noch halb so hoch wie zur gleichen Zeit des Vorjahres. Gold und Devisen erfuhren eine Verringerung um 13,3 Millionen, an Noten sind 211,4 Millionen in die Kassen des In tituts zurückgeflossen, die gesamte Kapitalanlage hat ich um 306,7 Millionen verringert. Von Interesse dür te fein, daß der Notenumlauf 3ur gleichen Zeit des Vorjahres nur ungefähr 170 Millionen niedriger war als heute. Kester in Krankfurt. Frankfurt a. M., 9. Nov. Die neue Woche begann ber Effektenfreiverkehr von Bureau zu Bureau in fester Tenbenz. Die Hauptanregung boten bie Kurssteigerungen an ben Auslandbörsen, sowie die feste Veranlagung ber Weltwarenmärkte. Bei allerbings geringem .Umsatz zogen bie Kurse gegen ben Wochenschluß um etwa 1,50 bis 3 v. H. an, wobei IG-Farben unb einige Elektrowerte im Vorher- grunbe bes Interesses stauben. Beachtung fanben ferner Kunstseibe-, Montan- unb Bankaktien. Nur Reichsbank blieben vernachlässigt. Relativ schwach tenbierten bagegen von totalen Werten Scheibeanstalt, bie auf eine größere Verkaufsorber etwa 2 v. H. einbüßten. Gegen Mittag machte sich allgemein eine Abschwächung bemerkbar, bie man vor allem mit Gewinnmitnahmcn motivierte. Die Mehrzahl ber Papiere gaben etwa 1,5 v. H. ihrer anfänglichen Gewinne wieber her. Deviscnmarkl Berlin — Jtanffutl a. 2TI. 9. November 10. November Amtliche Jtofieruna Amtliche Dotierung Weih Äriei Geld Ariel Oelfingfot« . 8,34 8,36 8,34 8,36 Wien. . . 58,94 59,06 58,94 59,06 Brog . . . 12,47 12,49 12,47 12,49 Budapest . . 73,28 73,42 73,28 73,42 Sofia . . . 3,072 3,078 3,062 3,068 Holland . . 169,98 170,32 169,88 170,22 C81o .... 89,41 89,59 89,41 89,59 Kopenhagen. 90,91 91,09 90,66 90,84 Gtodbolm 91,16 91,34 90,91 91,09 London. . . 15,92 15.96 15,94 15.98 Buenos Aires 1,063 1.067 1,098 4,209 1,102 Neuvorl 4,209 4,217 4.217 Brüssel. . 58,69 58,81 58,69 58.81 Italien. . . 21,78 21,82 21,78 21,82 Baris . . . 16,56 16,60 16,56 16,60 Schweiz . . 82,24 82,40 82,24 82,40 Spanien . . 36,7 36,84 36,76 36,84 Danzig . . 82,32 82,48 82,27 82,43 Japan . . 2,048 2,052 2,058 2,062 Rio de Ian.. 0,259 0,261 0,259 0,261 Jugoslawien. 7,473 7,484 7,473 7,487 Lissabon . . 14,39 14.41 14,49 14,51 Banknoten. Berlin, 9.November Geld Brief Ameritanische Noten....... 4,20 4,22 58,53 58,77 Dänische Noten......... 90,72 91,08 Englische Noten......... 15,88 15.94 irranzösische Noten........ 16,55 16.61 Holländische Noten........ 169,61 170,29 Italienische Noten........ 21,76 21,84 Norwegische Noten........ 89,22 89,58 Deutsch-Lesterreich, 6 1OO Schilling 58,68 58,92 Rumänische Noten........ 2,51 2,53 Schwedische Noten........ 90,97 91,33 Schweizer Noten......... 82,04 82,36 Spanische Noten......... 36,63 36,77 _ Neichsbankdiskonl 8 v. h.. £ ombardzins uß 10 v. h. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 9. Nov. An ber Probuktenbörse zeigte sich zu Wochenbeginn allgemein starke Zurückhaltung. Die anhaltenden Preisschwankungen am Getreideweltmarkt unb Zeitungsmeldungen über eine geplante Preissenkungsaktion in Deutschland haben wieber erhebliche Unsicherheit hervorge- tufen, so baß bie Kauflust äußerst gering blieb. Das herauskommenbe Angebot von Brotgetreide, bas keineswegs reichlich ist, fanb baher nur zu etwa 1 Mark nichtigeren Preisen als am Wochen- schluß Unterkunft. Der Handelsrechtliche Lieferungsmarkt setzte in gleichem Ausmaße schwächer ein. Weizen- unb Roggenmehle waren von ben Mühlen zu untieränberten Preisen angeboten, würben aber nur vorsichtig gekauft. Auch in Hafer hat bie Kauflust nachgelassen, so baß trotz des nur mäßigen Offertenmaterials bie Prei,e nichtiger lagen. Gerste ist bagegen reichlich offeriert unb matt. Weizenexportscheine lagen stetig, Roggcncxportschcinc würben toicberum billiger angeboten. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märkischer, 228 bis 231, Dezember 242 bis 242,50, März 251 bis 250,50 (ruhig): Roggen, märkischer. 198 bis 200, Dezember 206,50 bis 205,75 (Geld), März 212 (Brief, ruhig): Braugerste 175 bis 178 (matter); Futter- unb Industriegerste 172 bis 175 (matter); Hafer, märkischer, 150 bis 155, Dezember 165,75 bis 165,25, März 176,50 bis 174,50 (matt); für je 100 Kilo: Weizenmehl 29 bis 33 (ruhig); Roggenmehl 27,90 bis 30 (kaum behauptet); Wci- Acnlleie 10,75 bis 11 (ruhig); Roggenkleie 10,50 bis 11 (ruhig); Biktoriaerbsen 24 bis 30; kleine Speiseerbsen 25 bis 28; Peluschken 17 bis 19; Ackerbohnen 16,50 bis 18; Wicken 17 bis 20; Lupinen, blaue, 11 bis 12,50; Lupinen, gelbe, 13 bis 15; Leinkuchen 13,90 bis 14,10; Etdnuß- kuchen 13,40 bis 13,80; Erbnuhkuchcnmchl 13,10 bis 13,30; Trockcnschnihcl 6,20 bis 6,30; Extrahiertes Sojabohnenschrot ab Hamburg 12,10, ab Stettin 12,80; für je 50 Kilo: weiße Speisekartoffeln 1,35 bis 1,45, rote 1,60 bis 1,80; blaue Oben- toälber 1,70 bis 2; anhere, gelbfleischigc 1,90 bis 2,20 Mark; Fabrikkartoffeln bas Kilo 7 bis 7,5 Pfennig. Allgemeine Tenbenz: ruhiger. Besserung der Rotendeckung. B e r 1 i n , 10. Nov. (WTB. Funkspruch.) Nach dem AusweisderReichsbankvom7. Novem. ber hat sich in der verflossenen Bankwoche die ge- samte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 306,7 Millionen auf 4045,3 Millionen Reichsmark verrin- ge r t. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und Schecks um 179,4 Millionen auf 3830,1 Millionen Reichsmark, die Lombardbestände um 127,2 Millionen auf 112,3 Millionen Reichsmark abgenommen. Reichsjchatzwechsel, an denen am Ende der Vorwoche keine Bestände vorhanden waren, werden mit 30 000 RM. aufgewiesen. An Reichsbanknoten undRentenbankscheinen zusammen sind 211,4 Millionen Reichsmark in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 204,3 Millionen auf 4541,6 Millionen, derjenige an Renten- bankscheinen um 7,1 Millionen auf 414,2 Millionen Reichsmark verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 13,2 Millionen Reichsmark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 398,9 Millionen Reichsmark eine Abnahme um 119,2 Millionen Reichsmark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 13,3 Millionen auf 1261,9 Millionen Reichsmark vermindert. Im einzelnen haben die Goldbestände um 43,2 Millionen auf 1101,3 Millionen Reichsmark abgenommenf die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 29,9 Millionen auf 160,6 Millionen Reichsmark zugenommen. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 2 7,8 gegen 26,9 v. H. in der Vorwoche. Rindermarkt in Gießen. Aus dem heutigen Rinder-Nutzvieh-Markt in Gießen standen 828 Stück Großvieh, 137 Fresser und 197 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: a) Milchkühe oder hochtragende Küye 1. Qualität 300 bis 400 Mark; 2. Qualität 200 bis 275; 3. Qualität 100 bis 180; b) Schlachtkühe 50 bis 250, schwer verkäuflich; c) Rinder j- bis jährig 60 bis 130; z- bis 2jährig 80 bis 180, tragend 180 bis 300 Mark; d) Kälber das Pfund Lebendgewicht 20 bis 30 Pf. — Marktverlauf: sehr schleppend, Ueberstand. Die internationale Devisenlage. An ben internationalen Devisenmärkten waren bie Veränderungen gestern morgen zunächst noch ganz unbebeutenb, doch ging das englische Pfund, nachdem cs mit 3 8050 gegen den Dollar gut behauptet eröffnet hatte, im Verlaufe wieder stärker zurück und stellte sich dann auf 3,7725. Gegen den Gulden ging cs auf 9,40 zurück, gegen Zürich auf 19,30, gegen Paris auf 93,03 und gegen Madrid auf 42,93. Die Reichsmark war gehalten und an ben verschicbcnen Plätzen gegen Samstag kaum verändert. In London zog sie auf 15,9250 an. Der Dollar lag international etwas fester; man führt diese Befestigung auf bie Preissteigerungen an ben amerikanischen Warenmärkten zurück. Die Norbbevisen waren knapp behauptet. Das Geschäft an den Devisenmärkten war am Nachmittag ziemlich ruhig. Es ergaben sich nur ganz geringfügige Bcränbcrungen. Das englische Pfund war weiter etwas an- geboten. konnte sich aber auf seinem Stand von 3,7375 gegen ben Dollar behaupten. Gegen Gulden schloß es mit 9,3450, gegen Pans mit 95,81, gegen Zürich mit 19,30 und gegen bie Reichsmark mit 15,9450. Der Dollar war unverändert, ebenfalls die Reichsmark, bie sich in Amsterdam auf 58,7250 und in Zürich auf 121,00 stellte; in Neuhork Iah sic gegen ben Samstagkurs etwas leichter mit 23,66. Die Nord- bevisen waren wieher etwas schwächer, bagegen befestigten sich bie sühamerikanischen Devisen. Am Spätnachmittag konnte sich bas P f u n b plötzlich befestigen unb zog auf 3,7790 gegen den Dollar an.__ „Trotz Sorgen sorgenlos leben” des ist nach Hilty die Lebenskunst, zu der jeder sidi erziehen kann. Sollte ein geschontes Herz, sollten ruhige Nerven, gesunder tiefer Schlaf und körperliches Wohlbefinden diese geistige Haltung nicht sehr erleichtern? Vcrsudien Sie es mit Kaffee Hag. Dieser feine echte Bohnenkaffee ist coffeinfrei, schont Herz und Nerven und kann niemals Schlafstörungen oder andere unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Aber der echte Kaffee Hag muß es sein. Leicht ums Herz und — mehr Genuß durch Kaffee Hag. In jedem Paket liegt ein Gutschein für Kaffee Hag oder Hag-Porzellan. Waschlauge im Waschkessel verrührt, geben das schönste und zum Waschen vorzüglich geeignete weiche Wasser. Heutzutage ersetzt Henko, Henkel s Bleichsoda, das Regenwasser. Einige Handvoll Henko vor Bereitung der Hartes Leitungs- und Brunnenwasser eignet sich nicht zum Waschen, deshalb nahmen unsere Großmütter das schöne Geschenk des Himmels - weiches Regen wasser! Was sich seit 50 Jahren bewährt hat, muß gut sein! ] zum Weichmachen des Wassers ffl zum Einweichen derWäschezJ S.Upor/ To. Krofdorf I Machen auch Sie einen Versuch Zweiter Vortrag: in der Neuen Aula 3m Kunstturnkampf Berlin — Leipzig — Hamburg siegte die Vertretung der Reichshaupt- stadt im ausverkauften Berliner Wintergarten mit 2422 Punkten vor Hamburg 2414 und Leipzig 2318 Punkten. Zwei Stunden im Wunderland der modernen Physik Der Frankfurter Sprinter Geer- l i n g ist beruflich nach London übergesiedelt, wo er zukünftig für den Elub Polytechnic Harriers starten wird. Beim internationalen Berliner S ch w i m m f e st schlug die junge Kölner Hoffnung Deiters den Ungarn Ezekely im 220-Meter- Crawlschwimmen in der vorzüglichen Zeit von 2:21.6 Minuten. Sie unterlag tm entscheidenden Gefecht der Engländerin Butler 5:2 und muhte sich hinter ihrer Besiegerin mit dem zweiten Platze begnügen. Die weiteren Plätze belegten die Engländerinnen Gui- nch und Religan, die Dänin Olfen und die Engländerinnen Pollock-Smith, Denables und Roberts. Helene Mayer hatte vor chrer Riederlage gegen Miß Butler folgende Siege erzielt: gegen Roberts 5:0, Venables 5:1, Olsen 5:4, Pollock- Smith 4:1, Religan 5:2, Guineß 5:1. Kurze Sportnotizen. 3 n Mainz-Kastel durfte am Sonntag das Spiel Kastel-Urberach erst um 3 Uhr beginnen, da die tüchtige Polizei eine Verordnung aus dem 3ahre 1855 ausgekramt hatte, wonach ..Lustbarkeiten" an Sonntagen vor 3 Uhr nachmittags verboten sind. 3 n der Silberschild-Dorrunde siegte Westdeutschland-Hockeyelf in Krefeld über Süd- deurschlands ersatzgeschwächte Vertretung mit 3:1 (3:1). 3n Leipzig siegte Rord- über Mitteldeutschland in einem sehr schönen Spiel mit 6:4. Der Deutsche Fußballmeister Hertha BSC. besiegte am Sonntag im Freundschaftsspiel den 1. FC. Rürnberg mit 6:4 (0:0). Bei den Süddeutschen verschuldete der schwache * Tormann Köhl die Riederlage. (3:0); To. Klein-Linden (1:2); To. Münchhof;hau en II — _ 1:5 (0:3); To. Schlitz I — To. Angersbach I 3:2 Unsicherheit des Sturmes. Die Wetzlarer Mannschaft zeigte ein annehmbares Spiel, war aber nicht der erwartete gefährliche Gegner. Bis kurz vor Schluß führten die Gäste noch 4:2. Die Jugend hatte gegen Heuchelheim keine Ge- winnchance, hätte bei besserem Torhüterspiel aber vor einer Niederlage von 4:12 Toren bewahrt bleiben können. Punktkämpfe in her Gruppe Main. Diesmal blieb man in der Gruppe Main von Überraschungen verschont. Der Fuhballsport- verein konnte sogar sein Spiel gegen Germania Bieber 5:1 (2:0) gewinnen, nachdem er alle Meisterschaftsspiele 1930 und 1931 gegen die Leute aus Bieber verloren hatte. Die Eintracht gewann gegen Germania 94 auf dem Platz des Gegners nach Belieben 7:1 (5:0). Die Meisterelf spielte dabei in der zweiten Halbzeit völlig lustlos. Rot-Weih sicherte sich in Griesheim in einem sehr harten Spiel mit einem 3:1 (1:1) die Punkte Mit dem g eichen Erg bnis fertigte Union Rieder- rad den FSV. Heusenstamm ab. Die Offenbacher Kickers schließlich gewannen ihr Spiel gegen den FC. 93 Hanau nur knapp 3:2. Oie Punktkämpfe in Hessen. 3n der Gruppe Hessen sicherte Mainz 05 durch einen 4:2-Sicg über Darmstadt 98 weiterhin die Tabellensührung. Auf dem zweiten Platz konnte sich Wormalia Worms mit einem 2:1-Sieg über Walldorf behaupten, während Kastel durch ein 2:2 gegen Urberach um einen Punkt zurückfiel. Alemannia Worms, die in Wiesbaden 2:1 siegte, sicherte sich weiter den vierten Platz, .während der FE. Langen durch einen 1:0-Sieg in Lorsch vom 7. auf den 5. Platz kam. HeleneMayerverliertdenHutton-pokal Die deutsche Olympiasiegerin Helene Mayer konnte diesmal den bereits zweimal von ihr gewonnen Hutton-Pokal in London nicht gewinnen. Handballrunde der OT. 1931. Die Spiele des Sonntag». TleiUerMaf fe : Pol. Butzbach 1 — Mto. Gießen I 7:4 (3:2); T. u. Spv. Butzbach I — DfL. Wetz- (ar I 4:5 (4:2). A -Klasse : SpD. 1900 Gießen II — DfL. Wetzlar II 4:4 (1:1); Pol. Butzbach II — Io. Nie- dcrmörlen I 1:3 (1:2); Tv. Pohlaöns I — Tv. Lützel- linden 1 4:1 (3:1); To. Gedern 1 — To. Ortenberg I KaulnrännischerVerein. Orlsgewerbeverein Mittwoch, den 11. November, abends 8 Uhr, 5.-0 (1:0). 8 - Klo sf e : To. Kirchgöns I — To. Lich I 13:0 To. Nauborn I 4:2 (2:0). Jugendklasse: SpD. 1900 Gießen Igd. gegen Tv. Heuchelheim 3gb. 4:12 (1:5); T. u. Spv. Butzbach Igd. — To. Hochelheim Igd. 3:9 (2:5); Mto. Gießen Igd. — Tgm. Friedberg Igd. 10:6 (7:1). Handball der Sp.-Dg. 1900 1900 I — Io. Heuchelheim 1 4:7 (1:5). In einem Freundschaftstreffen standen sich die beiden Mannschaften auf dem 1900er-«portplatz gegenüber. Heuchelheim hatte von vornherein ein Plus durch seinen durchschlagskrästigeren Sturm. Der Spielverlauf bestätigte dies auch. Im Feldspiel waren sich die Gegner ebenbürtig. 1900s Ersatzstürmer spielten zufriedenstellend, wenn auch der ge- jährliche Torwurf zumeist vermißt wurde. Bei Seitenwechsel sah es nach einem hohen Sieg der Kaste aus: die 1900er Deckung war aber dann gut auf dem Posten, so daß die Tordifferenz auf drei verringert werden konnten. 1900 II — VfL. Wetzlar II 4:4 (1:1). Ein Spiel, das hinsichtlich der Leistungen der Spielvereinigungsleute zu manchem Tadel Anlaß gab. Zunächst das leichtsinnige Ballaufnehmen des Torwartes, das zwei Tore kostete, dann das schwache Spiel des Mittelläusers und schließlich die TreffPreußen. Kreis Wetzlar. O Aus dem Kleebachtal, 7. Rov. Die Herbstbestellungsarbeiten sind nunmehr überall beendet. Die Wintersaaten sind gut aufgegangen. Die Verwertung der letzte n E r n t e lieh vielfach zuwünfchenübrig. Die Kartoffeln haben im Preise stark angezogen, mit dem 'Absatz des Winterobstes ist es allerdings sehr schlecht bestellt. Dem Landwirt bleiben nur noch die geringen Sorten und daS Wirtschaftsobft liegen. 0 Münchholzhausen, 7. Rov. Die gefährliche Kurve auf der Derbindungs- strahe von Münchholzhaufen nachGroß- Rechtenbach wird zur Zeit verbreitert. Die Steine werden von der Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Arbeiten werden im Auftrage der Kreisstraßenbauverwaltung von den Wohlfahrtserwerdslofcn der hiesigen Gemeinde ausgesührt. O Lützellinden, 7. Rov. Für die Krigsgräberfürsorge wurden in der hiesigen Gemeinde 7 7,8 0 Mark gesammelt. i Groß-Rechtenbach, 9. November. Für die Kriegsgräberfürsorge wurden in der hiesigen Gemeinde 39,10 Mark gesammelt. 1 Dornholzhausen, 9. Noo. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde der bisherige Schiedsmann Anton Ruhl einstimmig wiedergewählt OO Niederkleen, 7. Noo. Die Zeichnungen für die Winternothilfe in der hleligen Gemeinde hatten folgendes Ergebnis: 35 Zentner Kartoffeln, 9 Zentner Obst, 6 Zentner Kraut und 4 Mk. Bargeld- Die Lebensmittel sind sür die Bedürftigen der Stadt Wetzlar bestimmt. Das wunder geschieht in der Nacht! Die Wäsche oorzuwaschen und vorzubürsten — da» paßt einfach nicht mehr für eine moderne Frau. Abends legt sie ihre Wäsche in eine Henko Bleich- Sodalösung ein und morgens — das ist das Wunder — hat sich der Schmutz so weit gelockert, daß ein- faches kurzes Kochen mit Persil die ganze Wasche zu herrlicher Weiße bringt. 6609V Physiker Wilhelm PAUC K, Berlin Näheres siehe Ausweiskartei 7612D weiter herabgesetzt Es kostet das Pfund« 80 H 90 H 74 §> 74 H 74 S 90 5> 70 H 70 H 80 B» 90 5» Die Fleischer ionunü Biehen hat mit dem heutigen Tage die V er kaufsprei se Kotelett...................... Dörrfleisch und Speck WURSTWAREN Fleischwurst.............. Blutwurst................... Leberwurst................ Schmalz roh.................. ausgelassen.................. Ochsenfleisch......... Kalbfleisch (Keule 80 H) Hammelfleisch Brust Schweinefleisch Bauchlappen mit Zugabe. Bratenstück............. 7606 V Wiederum RM. 450000 Zuteilung am 31. Oktober 1931. Damit haben wir seit Februar d. J. 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