!tr. 257 (Erftes Blatt 18t Jahrgang Samstag, 10. Oktober 1931 6 r|d) e im «aglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2-20 Reichsmark und 30 K-ichspfennig für Träger- Imhn, auch bei Richter» ^iheinen einzelnerRummern tmiolge höherer Gewalt. Hernsvrechanschliiffe anterSammelnummer2251 Abschrift für Drahtnach» richtens Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Mnlfurtam Mai' 11G86. Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'fche Univerfilüls Buch- und Sleindruckerei K Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorfchrift 20°/o mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Der neue Reichsjustizminister Dr. IoSl. Der neue Reichsjustizminister Dr. jur. Kurt Walter Joel wurde 1865 in Greifenberg (Schlesien) geboren. Er studierte Iura und wurde 1899 Staatsanwalt in Hannover und später in Berlin. 1906 wurde er Reichsanwalt in Leipzig, 1908 Vortragender Rat im Reichsjustizamt und 1917 Direktor in diesem Amte und stellvertretender Bevollmächtigter zum Bundesrat. 1920 wurde Dr. Ivel zum Unterstaatssekretär und später zum Staatssekretär im Reichsjustizministerium ernannt. Seit dem Rücktritt des Reichsjustizministers Dr. Bredt ist Dr. Joel Leiter seines Ministeriums. Professor Dr. W a r m b o l d, der das Reichswirtschaftsministerium im neuen Kabinett Dr. Brüning übernahm. schaftlicher Organisator in Estland und 1913 Leiter der Abteilung für Wirtschaftsberatung bei dem Hauptritterschaftsdirektorium in Berlin. 1917 wurde er Professor an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim und 1919 Ministerialdirektor im Landwirtschaftsministerium in Berlin. Dem preußischen Kabinett Steaerwald im Jahre 1921 gehörte er als Landwirtscyaftsminister an. Rach seinem Rücktritt wurde er 1922 Vorstandsmitglied der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen. •***e**,,TL 70 cm 4 ...... iiiirtiipi* Vas zweite Kabinett Brüning. Die amtliche Mimsteriiste Berlin. 9. Ott. (IBIB. Amtlich.) Reichs- icä f i b e n t von Hindenburg hat heute abend le» Reichskanzler Dr. Brüning in seinem km l e als Reichskanzler b e ft ä t i g L Auf Erschlag des Reichskanzlers hat der Herr Reichs- :c-cjident Len Reichsminister Dietrich als Reichsminister der Finanzen und Stellvertreter des Reichskanzlers, Len Reichsminister Dr. h. c. Groener als Reichswehrminister. Sen Reichsminister Dr. d. c. S k e g e r w a l d al» Rcichsarbeitsminister, Len Reichsminister Dr. S ch ä h e l als Reichspost- Minister, Ben Reichsminister Dr. h. c. Schiele als Reichs- Minister für Ernährung und Landwirtschaft betätigt, mit der Wahrnehmung der Geschäfte des R e i ch v - Ministers des Auswärtigen den Reichskanzler Dr. Brüning, mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers des Innern den Reichswehrminister Dr. h. c. Groener beauftragt, zum Reichswirtschaftsminister hat der Herr Reichspräsident auf Vorschlag des Reichskanzlers den preußischen Staatsminister a. D. Professor Dr. w a r m b o l d , Zum Reichsverkehrsminister den bisherigen Reichsminister ohne Geschäftsbereich Treoiranus, zum Reichsmini st er der Justiz den Staatssekretär im Reichsjustizministerium Dr. Joel ernannt. Aeichspostminister S ch ä h e l hat seine endgültige Jcflärung über sein Verbleiben im Amte dem Herrn ürnchspräsidenten gegenüber noch bis morgen oor- »«halten. Das bisher vom Reichsminister ohne S«schäftsbereich Treviranus verwaltete Amt des H eichskommissars für die O st st eile wird aeberroeitig beseht werden; die Entschei- tiuing hierüber steht noch offen. Brünings parlamentarische Aussichten, -der Kanzler rechnet auf eine Mehrheit dere Parteiführer gelegentlich vom Reichspräsidenten empfangen zu werden pflegen. Man könne wohl ah« nehmen, daß die Besprechung sich in erster Linie um die am Sonntag stattfindende Harzburger Tagung drehen werde. Der Reichspräsident werde Adolf Hitler besonders auf den ganzen Ern st der Situation Hinweisen, in der Deutschland sich augenblicklich befinde und die es kaum zulassen dürfe, daß von Harzburg eine weitere Beunruhigung ausgeht. Die Grüne Front gegen Brüning. Berlin, 10. Ott. (ERB.) Von gut unterrichteter Stelle wird mitgeteilt: Die gesamte Grüne Front, deren Oppositionsstellung bekannt ist, ist sich darüber einig geworden, daß angesichts des bisherigen agrarpoiitischen Versagens der Reichsregierung unter Führung des Reichskanzlers Brüning auch einem umgebildeten Kabinett Brüning, das in Wirklichkeit nichts als eine unwesentlich veränderte Neuauflage des zurückgetretenen ist, kein Vertrauen entgegengebracht werden könne. Der Parteiführer des Deutschen Landvolkes, v. Hauenschild erklärte, daß das deutsche Landvolk sich nicht binde, bevor es nicht die grundsätzlichen Ziele der neuen Regierung sowie die Garantien für ihre Durchführung kenne. Erstes Erfordernis für ein lebensfähiges Kabinett fei heute einheitlicher klarer Kurs unter Verlagerung nach rechts. Möge in diesem kritischen Augenblick niemand sich mit der Schuld beladen, sich dem Dater- lande zu versagen oder durch Halbheiten seine Notzeit zu verlängern. Wie stellt sich die Bolkspartei? Eine Unterreoung mit Dingeldcy Paris, 9. Ott. (TTl.) Der .,S o i r" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Führer der DBP. D i n g e l d e y. Cs wird hervorgehoben, daß die Unterredung schon vor Ausbruch der Kabinettskrise stattgefunden hat. Dingeldey habe erklärt, daß man nach Zusammentritt des Reichstags klarer sehen werde. Cr trete persönlich f ü r eine Zusammenarbeit mit der Rech - t e n ein, da die Hitlerbewegung eine lebendige Kraft darstelle, die man nicht übersehen dürfe. Die Aationalsozialisten müßten zur Mitverantwortung zugelassen werden. Rein theoretisch halte er die Schaffung einer Rechtsmehrheit im Reichstag für möglich. Wenn "Brüning gestürzt werde, sehe er für die "Bildung einer Rechtsmehrheit kein Hindernis. Die Reparationen könne Deutschland nicht mehr zahlen, da es kein Geld habe. In der Abrüstungsfrage fordere Deutschland Gleichberechtigung, wobei die Abrüstung besser sei, als die Aufrüstung. Die Beziehungen zu Polen würden stets um vieles schwieriger sein als die zu Frankreich. Zwischen Deutschland und Frankreich beständen die Locarnoverträge, wäh- rend Deutschland sich stets weigern werde, ähnliche Abmachungen mit Polen zu treffen. — Die Gewähr für die richtige Wiedergabe der Aeuße- rungen Dingeldeys muh natürlich dem .Soir" überlassen bleiben. tnirb.. Sie beiden neuen Reichsminister. Der neue R e i ch s w i r t s ch a f t s m i n-i ste r vwfessor Dr.phil.Dr. der Landwirtschaft e.h. Her- wann Warrnbold wurde 1876 in Klein-Hemstedt Wezirk Hildesheim) geboren. Er studierte Landwirt- schast und Volkswirtschaft, wurde 1911 Landwirt- Die tzarzbmer Taeung der ReWoppMion. Goebbels kündig« dem Kanzler für den 13. Oktober die Kriegserklärung an. Berlin 9. OH. (ERB.) 3n amtlichen Kreisen bÄchäftigt man sich lebhaft mit der Frage, ob docs zweite Kabinett Brüning Aussicht hat, t m Reichstag eine Mehrheit zu finden. Die Ansichten sind recht geteilt der K a n zl e r selbst agier rechnet ziemlich siche rmi keiner Mehrheit. In der Tat gilt als sicher daß där Sozialdemokratie auch 'd es.mKcb.nett aaaenüber ihre Tolerierungspolitik f ort - I«k e n wird. In Kreisen des Kabinetts rechnet man auch damit, .daß sich die Gruppen der gemäßigten Rechten mit Ausna hm e d rr Deutschen Bolkspartei dem Sa- binett nicht versagen werden, und daß es auch gelingen wird, die Bedenken der Baherr- s«ch e n B o l k s p a r t e i aus der Welt au raumen. Cer Bayerischen Bolkspartei wird es darauf an- kOmmen, gewisse Sicherungen dafür zu erlan» ann daß das neue Kabinett keine Reichs- r esormpläne verwirklicht, denen Bayern nicht »»stimmen könnte, und daß insofern eine Korrektur gewisser Teile der letzten Rotverordnung em- l»itt als z. B. in der Frage der Gemeindeumschul- dilng den Ländern noch stärker entge - g.engekommen wird. Dr Brüning dürfte sich eine Gewahr dafür ^schaffen haben, daß im Falle einer Abstun- uruugsniederlage auch e i n a n d e r e r K a n z- I >r kei'ne größeren Bollmachten be - kommen wurde als er selbst. Cs würde sich ! b»inn zeigen, ob a u f anderer B a f i s, rechts c.kr lin s eineParlamenkarischeMehr« h,eitsb ildung möglich ist. Diese Frage laßt fhf) wohl schon heute verneinen. Schließlich J würde dann also doch Dr. Brüning als der stärkste Kaktor wieder in den Vordergrund rücken. Daß im übrigen auch in der jetzigen Zusammensetzung 0 dors Kabinetts im Laufe Der Zeit noch Ver - «nberungen vorgenommen werden können, wird auch in Regierungskreisen zugegeben. So toirfte z. B. die Betrauung Dr. Groeners auch mit dem Reichsinnenministerium em Provisorium darstellen, dem in absehbarer Zeit, wenn das Kabinett die parlamentarischen Schwie- rrgkeiten übersteht, eine endgültige Lösung folgen Berlin, 9.Oft. (TU.) Am Freitag sprach im Sportpalast auf einer Massenkundgebung der Nationalsozialisten Dr. Goebbels über das Thema: „Was muß geschehen? Warum gehen wir in den Reichstag?" Er verwahrte sich gegen die Behauptung, man habe den Nationalsozialisten Gelegenheit gegeben, an der Verantwortung teilzunehmen. Das Reichskabinett habe der NSDAP, lediglich sein S a n ie r u n g s p r o g r a m m mitgeteilt und ihr die Frage oorgelegt, ob sie willens sei, es m i t zu r Durchführung zu bringen. Das habe die Partei a b l e h n e n muffen. Sie habe aber keinen Zweifel darüber gelassen, daß der Kanzler die ganze Verantwortung auf sich nehmen müsse, wenn er die Opposition weiter von der Macht ausschlösse und mit diktatorischen Methoden regiere. Die NSDAP, sei nicht bereit, den Kanzler aus der Verantwortung zu entlassen. Er habe die Pflicht, den Platz anderen zu räumen. Die Opposition gegen Brüning sei im Aufmarsch begriffen. Sie wolle einen Wechsel der Ideen und des Systems. Der Sinn der Harzburger Tagung sei der grundlegende Systemwechsel. Die Opposition sei sofort bereit, die Verantwortung zu tragen. Die erste Regierungstat werde darin bestehen, die vorangegangenen Regierungen vor der Oeffentlichkeit und vor der Geschichte zu demaskieren. Sie werde nicht dulden, daß sie schweigend die Verantwortung übernehmen müsse, um ein halbes Jahr später für die Folgen verantwortlich gemacht zu werden, die die Schuld der vorangegangenen Kabinette seien. Der Nationalsozialismus als größte Partei der Widerstandsfront müsse für sich d i e Führung in diesem Kampf beanspruchen. Die Harzburger Tagung bedeute eine Kriegserklärung, die der Regierung Brüning am 13. Oktober überreicht werden solle. In voller Aufrechterhaltung ihrer Willens- und Entschlußfreiheit würde die NSDAP, ein Uebereinfommen mit den Parteien schließen, die auf dem Boden einer gegenseitigen loyalen Zusammenarbeit den heutigen Zuständen ein Ende bereiten wollten. Das Ziel heiße schärfste Opposition gegen die Regierung, endgültiger Sturz des Kabinetts und Machtübernahme durch die nationale Aufmarschfront. Hitler wird vom Reichspräsidenten empfangen. Berlin, 9. DH. (WTB.) „Nachtausgabe" und „Lokalanzeiger" berichten, daß Reichspräsident v. Hindenburg am Samstag vor der Tagung der Nationalen Opposition in Bad Harzburg mit dem Führer der NSDAP., Adolf Hitler, eine Unterredung haben werde, und zwar zum Zwecke einer allgemeinen politischen Aussprache. Von unterrichteter Seite wird dem WTB. die Nachricht bestätigt, daß der Reichspräsident Samstag Adolf Hitler empfangen wird. Der Empfang stehe aber in keinem Zusammenhang mit der Neubildung des Kabinetts. Man erinnert daran, daß schon vor drei Wochen, als Gerüchte über einen solchen Empfang umgingen, die Möglichkeit einer Unterredung zwischen dem Reichspräsidenten und dem Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei als durchaus möglich bezeichnet wurde, wie ja auch an- - Crepe Jjf» crnbL; ff 9 V“ ..„w'A sehnt" i uii$tein Die neue Reichsregierung. Kaum personelle Veränderungen. — Warrnbold übernimmt das Wirtfchastsministerium. Nroener auch mit dem Innenministerium betraut. — Die Außenpolitik behält der Kanzler in Händen. Das Rumpfkabinett. Mit einer erstaunlichen Hartnäckigkeit, die bei anderen Gelegenheiten zweifellos ihre Vorzüge haben kann, hat Reichskanzler Dr. B r ü n i n g sich bis zum äußersten gewehrt, durch eine Umbildung seines Kabinetts sich sowohl eine breitere • gefestigte parlamentarische Basis zu sichern, wie auch die psychologischen und sachlichen Voraussetzungen für eine gradlinige, schöpferische und kraftvolle Politik des Wiederaufbaus von Staat und Wirtschaft zu schaffen. Als nach dem Desastre des Kabinetts Hermann Müller der Zentrumsmann Heinrich Brüning mit der Bildung eines parteimäßig nicht gebundenen Kabinetts beauftragt wurde, entledigte er sich dieses Auftrags in einer für unsere Verhältnisse ungeahnt kurzen Zeit, aber die gewiß notwendige und anzuerkennende Schnelligkeit der Kabinettsbildung ging schon damals zweifellos auf Kosten der Dualität. Der Auftrag des Reichspräsidenten wurde seinem Sinn nach umgebogen. Denn schon damals half sich Brüning mit der Ueber- nahme einer Reihe von parteipolitisch abgestempelten und entsprechend vorbelasteten Männern aus dem abgetretenen Kabinett und ersetzte im Grunde nur die ausscheidenden sozialdemokratischen Minister durch Männer der gemäßigten Rechten und seiner eigenen Partei, des Zentrums. Daß ein solches aus Zufälligkeiten und Verlegenheiten zusammengewürfeltes Kabinett niemals d i e politische Kampfgemeinschaft werden konnte, wie es sich der Reichspräsident gedacht hatte, als er den Reichskanzler Dr. Brüning als den Mann seines persönlichen Vertrauens zur Führung berief, um ein in den Grundzügen fest umriffenes Gesamtprogramm der Reformen auf allen Gebieten der Staats- und Wirtschaftspolitik durchzuführen, das hat der Leidensweg dieses Kabinetts vom ersten bis zum letzten Tage bewiesen. Daß der Kanzler den zur Mitverantwortung nicht bereiten Reichstag weitgehend ausschaltete und, gestützt auf die Autorität des Reichspräsidenten, den Versuch machte, durch Notverordnungen die dringendsten Reformen anzukurbeln, das entsprach dem Zwange der parlamentarischen Lage und gewann dem Kanzler das Vertrauen aller Gutgesinnten, die in seinen ersten Maßnahmen endlich den Willen zur Führung spur- ten und auf eine entschiedene Abkehr von dem bisherigen verhängnisvollen Kurse hemmungsloser Ausgabenwirtschaft hofften. Aber bald sollte sich zeigen, daß der Kanzler nicht die grabe Linie einzuhalten vermochte, die vielleicht noch aus dem Verderben hätte herausführen können. Während er im eigenen Kabinett nicht im entferntesten die Unterstützung fand, die die ihm gestellte riesengroße Aufgabe erfordert hätte, während Brüning durch das Versagen seiner Mitarbeiter mehr und mehr gezwungen wurde, sich auch mit der Kleinarbeit der Ressorts zu befassen, um Schlimmeres zu verhüten, verstärkte sich zusehends der Druck dcr Parteien, dem er sich nach den Septemberwahlen um so weniger entziehen konnte, als sich seine parlamentarische Basis inzwischen stark verengert hatte und er nur durch Konzessionen an die Sozialdemokratie sich halten konnte, nachdem er eine Umbildung feines Kabinetts, die ihm damals die Unterstützung der Rechten mit ziemlicher Gewißheit hätte sichern können, abgelehnt hatte. Es ist später heftig gestritten worden, wer daran schuld trug, daß die Möglichkeiten zu einem Zusammenkommen zwischen Brüning und der Rechten immer wieder verbaut wurden. Die Opposition wirft dem Kanzler vor, daß er ihre Mitarbeit niemals ernsthaft gewollt habe. Der Kanzler mag mit einiger Berechtigung darauf entgegnen, daß die scharfen Angriffe gegen seine Person und die Zentrumspartei ihm die Annäherung nicht grade erleichtert haben. Doch diese Dinge liegen hinter uns. Jedenfalls hätten Unwille, Verärgerung und Mißtrauen, wie sie in dem Wahlergebnis des 14. September zum Ausdruck kamen, für Herrn Brüning ein Memento fein sollen. Er erhielt die Quittung für eine Schuld, die nur zum geringsten Teil die seine war, aber sie hätte ihm War- nung sein sollen, die ihn davor hätte bewahren müssen, aus Gründen parteipolitischer Taktik mit Kompromissen, Halbheiten und Unzulänglichkeiten weiterzukommen suchen, wo nur ganze Arbeit, frei von Rücksichten und Bindungen, helfen konnte. Damals hatte er noch die Möglichkeit, sich mit den besten Männern des Landes zu umgeben, wie es der schwersten Notlage entsprochen hätte, in der Deutschland sich seit mehr als einem Jahrhundert befunden hat. Damit wäre auch dem Willen des Volkes Genüge getan, der in den Septemberwahlen wahrlich deutlich genug nach einer starken Führung verlangt hatte. Der Reichskanzler konnte sich indessen zu einer Trennung von den Männern nicht entschließen, die viel mehr der Zufall als fein eigenes Vertrauen an seine Seite geführt hatte. Er fühlte so etwas wie Führertreue zu seinen Mannen, eine Gesinnung, die ihn -ehrt, die aber aus der Kampfgemeinschaft des Kabinetts eine Schickfalsgemeinfchaft von Männern machte, die den wachsenden Schwierigkeiten schließlich nur auf der Linie des geringsten Widerstandes glaubte begegnen zu können. In Gedankengängen parlamentarischer Taktik befangen, glaubte der Kanzler auch, niemanden seiner Ministerkollegen, mochte er auch selber noch so sehr von dessen Unzulänglichkeit überzeugt sein, ausbooten zu dürfen, weil er fürchtete, fein ganzes Boot werde ins Kippen geraten und die ohnehin sehr unsichere varlamentarische Basis seines Kabinetts könnte durch Die Ansprüche stets begehrlicher Parteien ins Wanken kommen. So blieben das Wirtschafte und das Justizministerium unbesetzt, so blieb Herr von Guörard trotz vielfachen Versagens an der Spitze des Verkehrsministeriums. So blieb Dr. Wirth Innenminister auch nach seinen unerfreulichen Häcke- leien mit verschiedenen Länderregierungen, auch nachdem feststand, daß auf dem großen Gebiet der Reichs- und Verwaltungsreform von ihm feine Oie Beurteilung in der presse »aupt- , dah London, 9. Oft. (111.) 7tach Meldungen ans Tokio ist am Jretlag eine in schärfster Ion* art gehaltene Note an die chinesische Regierung abgegangen, in der ihr oorgeworsen wird, die japanische Forderung nach Einstellung der anti- japanischen Bewegung in China nicht erfüllt zu haben. Die Rote schließt mit der Drohung, daß China die Verantwortung für alle Folgen tragen müsse, wenn die chinesische Zentralregierung die antijapanische Bewegung weiter dulde und für einen angemessenen Schutz von Leben und Eigentum der japanischen Staatsbürger in China nicht Sorge trage. Die japanische Flottenleitung Hal 19 Kriegsschiffen Befehl erteilt, nach chinesischen Häfen in See z u gehen, und zwar Kriegsschiffe nach Schanghai, zwei Kriegsschiffe nach hankau und je eins nach Nanking, Port Arthur und verschiedenen anderen Küstenstädten. Die japanische Demarche findet in Schanghai den lebhaftesten Widerhall. Maßgebende ausländische Persönlichkeiten sollen erklärt haben, daß ihrer Meinung nach die chinesische Regierung eine geradezuerstaunlicheGeduldanden Tag lege. Sie rechne offensichtlich stark mit dem Schuh desvölkerbundes, dessen versagen im mand- schurischen Konflikt ihren Stur; nach sich ziehen mühte. Die mit China sympathisierenden Kreise meinen, die japanischen Militärs seien trotz dieser Haltung Chinas fest entschlossen, es zum Bruch zu bringen und dabei zugleich die Verantwortlichkeit einer eventuellen Kriegserklärung China auf- i c i • labi- Hauptquartier der liberalen Partei f ch l i e h e n und die Schlüssel zu« G e l d ! ch r a n k, der die Parteigelder enthält, ansich nehmen. Heute erfährt man. daß Lloyd George, der Inhaber deS Hauses ist, in dem dos Hauptquartier der Partei seinen Sitz hat, die Parteiorganisation angewiesen hat, sein Haus riet“ (dem.) begrüßt es besonders, daß Kanzler auch mit der Wahrnehmung der gramms, was nun endlich kommen müsse, weitgehend miteinander übereinftimmten. De» Angriff im Reichstag werde die Regierung ab. wehren können. Die Probe auf ihre Lebensfähigkeit werde sie erst nach der Vertagung des Reichstage- bis zum Frühjahr zu bestehen ha« ben. — Der „Vorwärts" (foz.) findet di, Ernennung Groeners zum Innen- und Wehrmlnister als den weitaus interessantesten Punkt der neuen Liste. Eine Gefällig, feit für die Rechte bedeute Groeners Ernennung zum Innenminister gewiß nicht. Das Vlatt fragt, ob .man nicht im Ausland von Militär- d i k t a t u r reden werde. Werde Droener Staatsmann genug sein, dann werde er sich von heut« ab in erster Linie als Verfassung-Minister fühlen und erst in zweiter Linie als Wehr« Minister. Welche Figur diesen oder jenen Ministersessel ziere, sei heute nicht das wichtigste, sondern das wichtigste sei, ob es gelinge, den Generalangriff des älnternehmerturns aus die politischen und sozialen Rechte der Arbeiterklasse abzuschlagen. nehmenden Politiker nicht ohne tiefen Eindruj bleiben könne. Alles in allem: Vrüning hab, jetzt wieder über den Winter hin einen starke, Rückhalt. —। Die „D o s s i s ch e Zeitung" (Uli. stein), stellt fest, dah es nicht nur kein, Rechtsschwenkung gegeben habe, sonder, nicht einmal s ' ** - • - - 1 Oie Rechtsopposition. „Es bleibt beim a'ten Kurs." Der ,Lokalanzeiger" (hugenberg) spricht Verschärfung der Lage im Kernen Osten Eine japanische Demarche in China. — Japanische Kriegsschiffe unterstühen die Zorderungen 'Japans. zur Bildung eines Kabinett- ohne parteimäßige Bindungen. Doch nun sollte es sich mit erschreckender Deut- lichkeit zeigen, daß es hierzu zu spät war. Ueberall, wo der Kanzler anklopfte, hat er sich Körbe geholt und nur mit Mühe ist es ihm gelungen, wenigstens einen neuen Wirtschaftsminister zu finden. Geheimrat Schmitz von den IG.-Farben, wirtschaftspolitischer Berater des Kanzlers während der Iulikrisis, in Paris und London, versagte sich. Auch Silverberg vom Rheinischen Draunkohlensyndikat, ein Mann mit eigenen Ideen, dem die Verflechtung von Industrie und Landwirtschaft und die Förderung des Binnenmarktes besonders am Herzen liegt, konnte ebensowenig wie D ö g l e r von den Vereinigten Stahlwerken, der neben Schacht einst Sachverständiger auf der Pariser Poungplan- Konferenz gewesen war, zur Uebernahme eine- Portefeuilles bewogen werden. Der Essener Oberbürgermeister Bracht lehnte ab, und die Verhandlungen mit dem ehemaligen Reichswehrminister Dr. Gehler, dem der Kanzler das Innenministerium angeboten hatte und der als Rachfolger Luthers im Präsidium des Bundes für eine Erneuerung des Reiches gewiß hierfür der geeignete Mann gewesen wäre, zerschlugen sich ebenfalls. Auch andere Kombinationen schlugen fehl, so dah es bei der Berufung Professor Warmbolds an die Spitze des Reichswirtschaftsministeriums und der Ernennung des Staatssekretärs Joel zum Reichsjustizminister verbleiben mußte. In den anderen freigewordenen Ressorts hat man sich so geholfen, daß der Oer Aufmarsch der parieren in England Sieben Parteigruppen werben um die Gunst des Wählers. von einer Notlösung. Die Rechtstarnung, die der Sinn der Aktion Brünings war, ist mißglückt. In der langen Reihe von Absagen, die Brüning erhalten hat, liegt eine starke Minderung n e s politischen Ansehens. Das neue fein. Die personelle Basis ist gewiß schmäler geworden, als sie vom Kanzler angestrebt wurde. Die Üebernahme deS Außenministeriums durch den Kanz- l e r verbindet die politische Gesamtleitung mit der Führung der außenpolitischen Geschäfte, die künftig eine für Deutschland lebenswichtige Bedeutung erlangen. Auch die Verbindung des Wehr- ministeriums und des Innenministeriums in der Hand Groeners wird man als die Vereinigung zweier wichtiger Funktionen der staatlichenMacht ebenso bewerten dürfen. Die Männer des Kabinetts haben nur d i e Bindung an eine große Sache, an die Aufgabe nämlich, aus Deutschlands größter Rotzeit einen Weg zu bahnen, auf dem Land und Volk gesichert werden können. Sie wissen, daß das Vertrauen deS Reichspräsidenten unerschüttert hinter ihnen steht. iN fc'ali weitere Org feer1" teilten und dem ( ff-ct elmittman Ld! »«n die durch Wander ? Aatur verbun Men, noch nicht recht t der Strom b ffÄ?« Daturfreu i(cn , .Nitsch m iF*" »I ,,in e nrm ßauch her »« MIM ht « Aaturch u auf d fc Sr^baumen, btt, ■ £&£ >r E^lse sprich^ , dieseHed. mißbilligt, wird der Rücktritt seine- H organisator- angesehen. Man erinnert sich, Lloyd George kürzlich erklärt hat, er werde das möglichst vielen Wahlkreisen kämpfen und vorau sichtlich 500 Kandidaten aufstellcn wird. Hierin die Unabhängige Arbeiterpartei eing schlossen, die sich bisher noch nicht offiziell zur sei ständigen Partei erklärt hat, obwohl ihre zukünftig« Abgeordneten den Anweisungen der offiziellen Part nicht mehr folgen werden. Henderson wirb vorau sichtlich burch 'bie „Unabhängigen Liberalen" der Lloyd-George-Gruppe" unterstützt werden, bie ben Freihanbel auf ihr Banner geschrieben haben. Lloyb George har bie De fügung über bie liberale Parteikasse unb wirb ml etwa 40 Ranbibaten im Wahlkampfe erscheinen. D letzte Gruppe ist bie „Neue Partei" Sir Oswa Mosleys, bie jede Reaierung mit einem foi ftruktioen Programm unterstützen unb 18 Ranbibak aufstellen will. Sie hat jetzt ihr eigenes Parteiorgan herausgebracht das schon am ersten Tage gut verkauft wurde. Man kann annehmen, daß diese Grupst zunächst in Opposition gehen wirb. Lloyd George hält den Oaumen auf die parteikaffe. London, 9. Olt. (WTB.) AlS neuer Beweis dafür, dah Lloyd George dic Reuwahlen h u n g. Die Regierung habe die Verfassung zu verteidigen und eine soziale Revolution zu ver- hüten, die im Ausland alS das deut'che G«. fpenst erscheine. Es sei darum von Bedeutung, daß Warmbold und Stegerwald übet' den wesentlichen Inhalt des Wirtschaftspro- '-'lüwr Lösung, > L : J iie Lusi'lattunc mit eigknrr 1 Ed) werden die Heineri m ’ür die dingliebenir -i am Ende dieser En ^ne Hegemonie ei |rti»dit kann nur ges frDnde und geföt^rle fSJorporolioer 0run kt ilonlumentenschaft. $ ifi ng bietet alle ®run ioldjen organischen Ml i, parttätischen und Iren ffiirlhftaftsfommei it ,r organisch in den < Kriechende fRefolutione tr ■ er und SdjmiHtr frische, mutig zupackende Initiative zu erwarten war. So blieb Herr Dietrich Leiter der Reichsfinanzen, obwohl sein Optimismus immer wieder von der katastrophalen Entwicklung Lügen gestraft wurde. So blieb Dr. E u r 11 u s im Auswärtigen Amt, obwohl seine unglückliche Hand längst offenkundig war und er, der sich als Verwalter des Stresemannschen Erbes fühlte, nicht die Qnftiition besaß, bie zur Führung der Außenpolitik eines geschlagenen, um seine nackte Existenz ringenden Volkes nun einmal un- entbehrlich ist. Starr unb unbelehrbar hielt inbessen Brüning seine Mannschaft im Boot. Balb war er Kapitän, Steuermann und Erster Offizier in einer Person. Ein zäher Wille unb eine erstaunliche Ar- beitskraft halfen ihm trotz Versagens seiner Mannschaft auch bann noch weiter, als schon schwere Sturz- wellen über Deck schlugen. Eine Gelegenheit nach der andern wurde verpaßt, durch Anheuern frischer, un- verbrauchter Kräfte sich selber Entlastung zu verschaffen unb ben großen Fundus an Vertrauen zu erneuern, den er einst bei Uebernahme der Führung im Volke besessen hatte. Fand er früher im In e i ch s- rat bei den Regierungen der Länder noch die Unterstützung, die ihm bfr Reichstag versagt hatte, so hat bie letzte Reichsratssitzung erkennen lassen, daß nun auch hier ein anderer Wind weht. Die Methode der Notverordnungen hat sich totgelaufen Dabei soll nicht verkannt werden, daß trotz zunehmender Schwierigkeiten und wachsen- der Widerstände Bedeutendes geleistet worden ist, solang- der Kanter unbeirrt seinen Weg ging. Die Osthilfe unb bie Maßnahmen zur Rettung ber beut- schen Landwirtschaft waren, wenn sie auch nur ein Anfang sein konnten, doch ein Beweis, daß man den richtigen Kurs erkannt hatte. Das Hoooermora- torium, der Layton-Bericht und das Halten der deutschen Währung haben im Augenblick das Schlimmste verhindern können. Die Ausgabenwirtschaft des Reichs, der Länder unb Gemeinben wurde gestoppt. Aber trotz wiederholter Beteuerungen ist es dem Reichsfinanzminister Dietrich nicht einmal gelungen, das Defizit im Reichshaushalt auszu- gleichen, obwohl das Reich sich durch eine rücksichtslose Abwälzungspolitik erheblich entlasten konnte. Der wachsenden Arbeitslosigkeit konnte man nicht bei- kommen. In manchem zeigen sich zwar Ansätze zu einer Reform, aber bas große Reformprogramm, bas ber Wirtschaft nun enblich bie so oft versprochenen Erleichterungen bringen soll, bie sie in ben Stand setzt, wieder Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, ist ausgeblieben. Die Reichs, unb Verwaltungsreform ist keinen Schritt breit vorangekommen. Eine Fülle von Notgesetzen haben manch erfreuliche Ansätze gebracht und manch neue Gedanken, wie bie Siedlung, bie Arbeitsdienstpflicht zu fördern gesucht, aber trotz rigoroser Eingriffe in die persönliche Freiheit des Einzelnen, in die materiellen Existenzgrundlagen weiter Bevölkerungskreise wie z. Ä. ber Beamten, in die Freiheit der Länderhoheit, der Selbstverwaltung und der Wirtschaft läßt auch die dritte Notverordnung, mit der uns das Kabinett Brüning nun noch kurz vor Torschluß beglückt hat, doch den entschlossenen großen Zug vermissen, der zum Kern der Dinge vordringt und die Not an der Wurzel anpackt. Was nach monatelangem Zögern und Schwanken fchließlich herausgekommen ist, sind wieder nur Ansätze. Vor schnellen, durchgreifenden Entschlüssen schreckte bas Kabinett immer wieder im letzten Augenblick zurück, weil es Widerstände fürchtete, die zu überwinden es nicht mehr die Kraft in sich fühlte. So drohen die uns nach den sich immer schneller folgenden Umdrehungen der Steuerschraube — die nach dem Bekenntnis des Ministers Dietrich ohnehin kaum noch etwas herauszupressen vermag —, unb nach ben letzten harten Eingriffen in bie Beamtenbesoldung noch gebliebenen Reserven auch noch Tropfen für Tropfen in das Danaidenfaß der öffentlichen Finanzen abzufließen, ohne daß nun mit diesen bitteren Opfern, die nur wegen des großen Ziels des Wiederaufbaus von Staat unb Wirtschaft auf gefünberen Fundamenten erträglich waren, auch nur diese neuen Grundlagen hatten erlauft werden können. Das ist bie schwere Enttäuschung dieser Monate, daß unentschlossenes Zögern unb Zuwarten unb immer wieder Zurückweichen vor Schwierigkeiten, die man in der üarlamentarischen Lage sah, ben Kanzler nicht zum Zug kommen liefe. Do ist ein grofees Mafe von Vertrauen, wie es feit Strese- mann unb Luther kein Kanzler genossen hat, im Schwinden begriffen. Die vielfachen Gelegenheiten, die sich dem Kanzler boten, durch eine Erneuerung seines Kabinetts, durch ein Abstreifen der parteipolitischen Fesseln freie Hand zu bekommen, wurden verpaßt. Auch ein Heranziehen der Rechtsopposition zur Mitarbeit, wie es zwei- sellos dem Wahlergebnis des 14. September entsprochen hätte, wurde durch Einflüsse in der eigenen Partei des Kanzlers von Preußen her stets hintertrieben. Seitdem ist die Kluft zwischen der Rechten und dem Kanzler, dem, als er zur Regierung berufen wurde, der Ruf eines jungkonservativen Mannes voranging, immer größer geworden unb ber Einfluß ber Sozialbernokratie auf bie Gntscheibungen bes Kabinetts ist in gleichem Verhältnis gewachsen. So konnte es nicht ausbleiben, daß auf bem rechten Flügel der Parteiengruppierung, bie bas Kabinett Brüning stützte, Unruhe und Mißtrauen entstanden und man den Kanzler zu drängen suchte, sich mit neuen Männern zu umgeben, die die Gewähr dafür boten, den großen Reformaufgaben nicht länger aus dem Wege zu gehen und aus Ansätzen zu Lösungen zu führen. Der Kanzler hat dem oebarrlich widerstrebt solange er die Möglichkeit sah, mit dem Kabinett in seiner alten Besetzung die parlamentarischen Klippen zu umschiffen. So wurde im Frühjahr und Sommer der psychologische Moment zu einem Kurswechsel erneut verpaßt. Erst das Rücktrittsgesuch des Reichs- außemninistarS als Folge der Zollunion-schlappe in Genf brachte den Stein ins Rollen. Aber selbst vor ber brohenben Wetterwanb bes 13. Oktober, an bem ber toieber zusammentretenbe Reichstag die vorliegenden Mihtrauensanträge der Opposition zu beraten haben wird, hätte Brüning am liebsten noch einmal die Augen geschlossen, obwohl ihm klar sein muhte, daß die Aussichten für ihn, mit seinen alten Leuten den Kampf im Parlament zu bestehen, angesichts des drohenden Abmarsches der DolkSpartei, derWirt- schastspartei unb ber Lanbvolkpartei unb der radikalen Welle innerhalb der Sozialdemokratie sehr gering geworden waren. Man schreibt eS der persönlichen Inittattve deS Herrn Reichspräsidenten zu, daß der Kanzler sich doch nun endlich bewegen liefe, wenigstens einige seiner bisherigen Mitarbeiter auSzubooten, um sie durch neue Männer zu.ersehen, die parteipolitisch nicht gebunden waren unb burch ihre Persönlichkeit die Gewähr boten, baß ein entschiebener Kurs ber Reformen angesteuert wurde. Do mußten nach C u r t i u S auch die beiden Zentrumsleute Wirth und Gu-rard über die Klinge springen. Das Kabinett demissionierte unb ber Reichskanzler Dr. Brüning erhielt erneut den Auftrag ifi".'!»»!* uuuj nm uvi -u-’uyLntymuny ver VBMMMN JlolDtrO' schäfte des Auswärtigen betraut worden ist. I,, J'i .a>)gte0 der Betrauung Groeners mit dem Reichs I-rin $ ^ung5lPe wehr- unb bem Reichsinnenministerium liege * f»eid)5nDl1 bie entscheidenbe äleberraschung, di, t» ’n*t entbd*11 auch auf bie an der Harzburger Tagung teil. n*?Lrf anfanfl5 nehmenden Politiker nicht ohne tiefen Cinbrui 1 vtl Tiro $i ^fptrrt ®ieo: Jin eine H a l b r e ch t s d r e - 2 zur' ung habe die Verfassung zu get '• % WM AM , im Innen- 11 tveUouS interam Lifte. Eine @» vH nicht. LasJlattsr2,»^—- .......— - -u------ ^.onD D°n SZilifö^ i ische Lösung, die der Föderalismus will, ~::-e ©rDcnrtefaa^öi'fidirgt die Ausstattung der bisherigen preußischen n vcr^e er sich von H^Sstwinzen mit eigener Landesverwaltung. Erst da- - < r ’ a U un g Ä m in-, öI urd) werden die kleineren Länder Norddeutschlands u ;Deiter Am ÄS MW sör die Eingliederung in größere Gemeinschaf- ur diesen ober jenen v tien. cm Ende dieser Entwicklung steht der Länder- ötutt nicht das wichtig sltoc! ohne Hegemonie eines Großlandes. Auch die l(' ob ti gelinge, ben irll° Gießen, den 10.Oktober 1931. t»b m ä chlk lws Oranbit Erntedankfest. 'U ‘-lir °J.n Wf« pr- 2ct vor wenigen Tagen dahingeschiedene große ^rraadJten oti Mtt I®^mlcr bc5 klassischen Altertums Ulrich von ngm mit 6tm 51C* r!; [ a nt 0 to i t) - QU 0 e 11 e n ö 0 r f stammte aus m:mlifyjflli(f)eo Stfjtllltt iRujaDicn, einem Landstriche, der früher zur preu- h n g flatffinöen. ffrifdien Provinz Posen gehörte, jetzt leider an . , Men verlorengegangen ist. Kujavien ist keine li MuttvUnMröiv ü®c’ctiö, die der Reisende wegen ihrer Qlatur- x flehiicheit aufsucht, aber der große Gelehrte hat jUueiQ0. ifm'einen Ledenserinnerungen mit Recht und nicht r-H tvr'cr. Rhein zwischen Dingen und Köln, weil er ve in btt ®Qn, mirb t Bl'°" einem Hauch der Sage und der Geschichte ± 2;c Dcrlautct, w • ^^Mtert ist; man schaut gern vom Brocken auf b:e Dclttncinung fi1 , g|.flJ Gebirgsmassiv des Harzes, auf die Radel- bc ftanblunfl/”; aoüber, die sich weithin ausdehnen, und hinunter ünl bic engen Täler der Bode und der Ilse; cj.-iion, rf fr*.un ®iin preist die Alpen und die Ostsee als den - ■- t!ntn Clrbc griff der Raturschönheit; aber die Schön- gwl der Saatfelder des Lahntales, der Kar- hof'cCäder der Wetterau, der Weidetriften des — k lIlzelsberges ist vielen der heute Lebenden noch Alflrtß niic’t tC(^t auf gegangen; sie haben nicht einmal nlyniHyilv ein 3uge für die große, erhabene Ruhe, mit der ö Kbet Rhein bei Worms an Weidengebüsch und ■mAfctord Kmxtiragenöen Pappeln vorüber, durch ganz „un- xS ' vMLntisches" Gelände nach Rorden flieht. Und ,.mDftn unb ,vol°o ,i3 Irt5gen auch viele in diesem Jahre achtlos ’l. v.r, mirb- ^.erin cre ben Feldern, auf denen die Garben lagen, "" J 1 , ’f rpatH।fl intben Oostbäumen, deren Aeste sich früchteschwer - : ' x, 0[jijiell Jur '. pui ©röe niederneigten, an den Gärten mit ihrer ' ui ,hr( julun^ Jgü ebon Gemüsen, Rüben und Beeren vorüber- 1 bJl- °Dhrr oiniiel*tn « igfeiitten sein, ohne daran zu denken, daß die . n icirb 00^' IUctiic, die in der Hand Gottes ruht, in reichem ' .'r-itien ^', *31^2 mit Erntesegen gekrönt worden ist und rär'upF**1®* so viel Schönheit in sich birgt. :r ’ if)t Inders gestaltet sich das Erntedankfest in rein '1 ba n 0Ml die ’ kiimcnlichen Bezirken, als in der Industriegegend, *^s-; un[) n)lrb Kihnut Sornsteine und Schlackenhalden aufweist, ' Fr,‘' ffiifincn.1 aRxr in einer Stadt, auf deren Asphalt kein ' Sir D5®; Grashalm wächst. Aber dieses Fest soll -jr mit einem ,r Ktti allen gefeiert werden, die im eigentlichen • ’u ' T jianbib£: ’xnC im übertragenen Sinne säen und ernten, t jijrt.ior- rm) es gibt Gedanken, die allenthalben beim gul: : ri!cnf r « wi ~La Koruna' yj-y '< IBS Ovonrtnlos.® neitt». Onero veoec'i. »wonig. •oeaecti •Reflex <• Schnee e» traupein ■ MeDei K 6ewiiter.@winditiiic-O> $eh» leichter Ost y massiger Sudsuowesi q stürmischer "oröwesl Ole Pleite fliegen mit dem winde Oie veigen Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gtelchcni >ut neeresniveau umgerechneten Luftdruck Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 11. Oktober. 19. Sonntag nach Trinitatis. Erntedankfest. Stablklrche. 9.30 Uhr: Pfr. Mahr; 11: Kinberkirche für bie Matthäusgemeinbe, Pfr. Mahr; 18: Pfr. Vecker. — Johanneskirche. 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; 11: Kinberkirche für bie Lukasgemcinbe; Pfr. Bech- tolsheimer; 18: Pfr. Lenz; 20: Bibelbesprechung im Johannessaal; Pfr. Bechtolsheimer. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kinberkirche für bie Luthergemeinbe; Pfr. Lenz. — Elisabeth- Kleinkinderfchule. — 9.45: Pfr. I.ic. Waas; 11: Kinderkirche für bie Petrusgemeinbe; Pfr. Tie. Waas; 18: PfrHc.Waas. — Klein-Linben. 10: Hauptgottes, bienst; 11: Kinbergottesdienst. — wieseck. 9: Beichte; anschließenb Gottesbienst unb Feier bes hl. Abenb- mahls. — Alten-Lufeck. 13: Gottesbienst; anschließend Beichte unb Feier bes hl. Abenbmahls. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: hl. Abenbmahl für die alten Ge- meinbeglieber von Staufenberg; 13.30: Mainzlar. — Haufen-Garbenteich. 10: Haufen; Mitwirkung bes Frauenchors; 12.30: Garbenteich. — wahenborn- Steinberg. 9: Beichte; 9.15: Prebigtaottesbienst; im Anschluß Feier bes hl. Abenbmahls (ältere Eheleute, Kollekte für Frauenvereine). — Lich. 9.30: Stiftsbedjant Kahn; 12.45: Kinbergattesbienft; 14: Stiftspfarrer Draubt. katholische Gemeinden. Samstag, ben 10. Oktober. Gießen. 16.30 unb 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 11. Oktober. 20. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion ber Jungfrauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht; 15: Versammlung der Jungfrauen-Kongregation. — (Brünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Lick). 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre und Andacht. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. — Ridba. 8.30: Hochamt mit Prebigt. Montag, ben 12. Oktober. Laubach. 7.30: Messe. Dienstag, ben 13. Oktober. Gießen. 20 Uhr: Rosenkranzanbacht. Sonnrnntfhienif 0. Zierate n.'2l •o’iiciennmll 10. »U Fr.Oi Rothenberger. Or.Meyerboff. Hirschapolbrke. _ 3'V’nnrAt: l>> Haubach________ Vorzeitiges Ergrauen des Haares verhindern Sie durch regelmäßige Haarpflege mit Schwarzkopf.Extra und „Haarglanz" Nach- fpülm mit „Haarglanz* (das jedem Beutel Schwarzkopf-Extra beiliegt) kräftigt das Haar und festigt es in seiner Struktur. 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Statt Karten. Fürdie vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die zahlreichen Kranzspenden bei dem Heimgänge unseres liehen Entschlafenen sagen wir allen auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Insbesondere danken wir Herrn i ekan Guümann für die trostreichen Worte, sowie den Schulkameraden. der Verwaltung der Buderus'schen Eisenwerke den Arbeitskollegen und Vereinen, die dem sanft EntschlafenendieletzteEhreerwiesen haben. Die trauernden Hinterbliebenen: Fran Aofinsie Deibel, beb. Rudolph and Kinder. Lollar, den 10. Oktober 1931. raume ziivermieten.eotl. m. Bü,o. "Näheres: Lubwigstr.31 vart. Altangesehenes HauS bietet IZ1 _ . tüchtigem Vevtvetev Klavier Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben, teuren Entschlafenen, sagen wir auf diesem Wege innigsten Dank. Fran Margarete Forbach, geb. Seibert Familie Karl Scherer I. Kami le Ludwig Forbach- Wieseck, den 10. Oktober 1931. WnleiAMsler sucht etuiaches billig. 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Zunächst etwas Paradoxes und zugleich Instruktives: japanische Baumwollstoffe sind jüngst nach Manche st er transportiert worden I Natürlich liegt eine gewisse Demonstration, fast könnte man sagen ein Stück selbstbewußten japanischen Humors darin, denn im Ernst denkt ja niemand hier daran, England zum Absatzgebiet für Kattune aus Japan zu machen. Die Japaner haben aber einmal zeigen wollen, was sie können, und in der Tat, auf dem Gebiet der Baumwollindustrie können sie erstaunlich viel. Daß die maschinelle Ausrüstung der englischen Spinnereien und Webereien zum Teil veraltet ist, weiß man ja. Auch viele japanische Fabriken arbeiten noch mit älteren Maschinen, aber es gibt andere, die sind moderner ausgerüstet, als diebestenenglischen und diesen an Leistungs- fähiykeit überlegen. Im vorigen Winter gab es im Gebiet der englischen Baumwollindustrie einen Streit zwischen Arbeitern und Fabrikanten wegen Einführung einer neuen Art von Webstühlen, bei der ein Arbeiter acht Stühle bedienen kann, anstatt, wie bisher, nur vier. Die Arbeiter weigerten sich, sie schritten zum Streik, die Fabrikanten zur Aussperrung, und nach vierzehn Tagen — kapitulierten Die Fabrikanten. In der japanischen Fabrik, die ich besucht habe, bedient ein Arbeiter fünf bis sechs Stühle, ein Beweis für feine Leistungsfähigkeit. Nur der japanische Vorarbeiter hat den deutschen und englischen noch nicht erreicht, wurde mir offen zugegeben. Nun, ein moderner Betrieb für Spinnen und Weben von Baumwolle sieht überall in der Welt ungefähr gleich aus; der Fachmann allein wird da Unterschiede finden, die ihn interessieren. Was aber nicht gleich ist, vielmehr in Japan höchst originell, das sind die A r b e i t e r v e r h ä l t n i s s e. Die Fabrik, die ich besuchte, arbeitet zum größten Teil mit weiblichen Kräften. Sie beschäftigt 1500 Arbeiterinnen, alle im jugendlichen Alter von 19 und wenigen Jahren darüber, und alle diese Mädchen wohnen in der Fabrik. Man lieft öfters, daß die japanischen Arbeiterinnen „kaserniert" sind, daß die Eltern sie für einige Jahre an die Fabrik „verkaufen", daß die Löhne minimal sind usw. Sieht man sich aber die Verhältnisse an, wie sie wirklich sind, so erscheint vieles in ganz anderem Licht. Es ist richtig, daß die Mädchen, wenn sie ganz erwachsen sind, von den Eltern auf dem Dorf in die Fabrik geschickt werden, auf einige Jahre. Sie erhalten in der von mir besuchten Fabrik einen Tagelohn von 70 Sen, das sind 1,40 Mark, also etwa 40 Mark im Monat (der Lohn für männliche Arbeiter ist doppelt so hoch), aber was dieser Lohn praktisch bedeutet, wird man daran ermessen, daß den Arbeiterinnen für die Verpflegung, die sie in der Fabrik erhalten, 15 Sen, 30 Pfennige, auf den Lohn umgerechnet werden. Für 30 Pfennige pro Tag kann also eine Arbeitskraft in Japan unterhalten werden, und im Verhältnis dazu stehen die übrigen Kosten des Lebensunterhalts und der reale Wert des Lohnes. Ich bat, ob ich die Wohnräume der Arbeiterinnen sehen dürfe. Gerne! Zunächst muh der Besucher seine Schuhe ausziehen und Strohsandalen anlegen, wenn er hinein will, denn alle Korridore, Schlaf- und Aufenthaltsräume, Eßsaal usw. sind mit den seinen japanischen Matten belegt, die keine Stiefelsohlen und Absätze vertragen. Man kann sich die ganze Anlage am ehesten als eine Reihe sog. Pavillons, wie bei unseren modernen Krankenhäusern, in einem großen Baumgarten vorstellen. Zwischen den Pa- villons oder Baracken, die alle schön fest nach japanischer Art gebaut sind, stehen grüne Bäume und blühende Blumen. Einige dreißig Arbeiterinnen haben einen Schlaf- und Wohnraum, in dem es nichts gibt, als feine Matten auf dem Fußboden und für jedes Mädchen einen Wandschrank, in dem sie ihre Kleider und Schlafdecken verwahrt. Andere Möbel braucht sie nicht. Die GauberFeit und Nettigkeit dieser Räume ist — ich finde kein anderes Wort — entzückend: ebenso auf den langen Korridoren. Alle Häuser sind einstöckig. Es gibt einen großen sauberen Eßsaal (ein Gemüsegericht mit Pilzen und gedämpfter Reis waren die Tagesmahlzeit), lange, zementierte Waschkanäle mit Hähnen für warmes und kaltes Wasser auf den Korridoren zur täglichen Reinigung, eine kleine Bibliothek, einen Andachtssaal und einen Raum für Kino und Theater (sogar mit einer kleinen Drehbühne!) in dem tausend Zuschauer sitzen können. Das alles gehört zur „Kasernierung". In dem großen, schönen Saal, in dem die Gottesdienste stattsinden, waren gerade ein paar Mädchen dabei, die Nische, vor der die Zeremonien vollzogen werden, mit Blumen zu schmücken. Im kleinen Bibliotheksraum saßen vielleicht ein Dutzend und bekamen von einem Lehrer Unterricht über irgendeinen Stoff, nach dem ich versäumt habe, mich zu erkundigen. Wenn man alle diese Räume nicht selbst gesehen hat, so kann man sich schwer vorstellen, wie wohltuend sauber und ordentlich alles aussieht. Es war gerade am Nachmittag. Die Fabrik arbeitet mit zwei Schichten, von 5 bis 14 und 14 bis 23 Uhr. Die erste Schicht war vorbei, die Mädchen hatten sich ge- waschen, hatten gegessen, die Arbeitskleidung mit ihren hübschen, sauberen, bunten Sommerkimonos vertauscht, und sahen aus — ich möchte sagen, wie ein wandelndes Blumenbeet, wie sie an dem Kontorfenster vorüberspazierten, durch das mein Blick auf einen der inneren Korridore ging! Ich nehme an, daß es in Tokio auch Fabriken geben wird, in denen die Schlaf- und Waschräume eiwas weniger schön sind, als diejenigen, die ich gesehen habe, in denen man vielleicht auch keine solche Andachtshalle, kein Kino und keine Theaterbühne findet. Was mir aber wichtiger erschien, als diese Nettigkeiten der Einrichtung — es sind schließlich mehr als bloße Nettigkeiten, und man sieht, daß die Bestrebung dahin geht, diesen Typus der Unterbringung herrschend zu machen — das war das durchgehends gute und gesunde, fröhliche Aussehen der Mädchen. An diesen Spinn- und Webstühlen und von diesen jungen Dingern, die erstaunlich gelehrig für die Arbeit fein sollen, werden die Stoffe verfertigt, die in die Welt hinausgehen, vor allen Dingen nach China, um dem wachsenden Ueberschuß der Bevölkerung Japans Brot zu schaffen. Ohne stete Zunahme des industriellen Exports würde Japan, das um 900 000 Seelen jährlich wächst, einer chronischen Ernährungskrise ins Auge sehen müssen, deren Entwicklung zur nationalen Katastrophe nur eine Frage der Zeit wäre. Die Mädchen bleiben im Durchschnitt zwei bis vier Jahre in der Fabrik. In der Regel zahlt die Fabrik den Eltern einen Vorschuß, der abgearbeitet werden muß. Er dient für die elterliche Wirtschaft; auch das bescheidene Heiratsgut der Tochter erarbeitet sie sich in der Fabrik selbst, und nicht selten macht ihr Verdienst es auch möglich, daß ein Bruder auf eine höhere Schule kommt. In der Nähe der großen Industriezentren, Tokio, Ofaka, Nagaya, wandert der größte Teil der jungen Mädchen vom Lande als Arbeiterinnen während ihrer ersten erwachsenen Jugendjahre durch die Fabriken. Daß die Mädchen später heiraten, ist selbstverständlich — die Jnduftriearbeiterin bleibt für sie eine kurze Episode im tieben. Nur wenige bleiben als ältere Vorarbeiterinnen mit höherem Lohn im Betrieb. Auch sie heiraten, aber sie- haben dann ihren Mann und ihre Familie in der Stadt. Die Behütung und die Kontrolle der Mädchen ist sehr sorgfältig, aber die natürliche Gutartigkeit und Fügsamkeit der Japanerin — sie ist im Durchschnitt vielleicht das harmlos liebenswürdigste Geschöpf, das es auf der Welt gibt — macht die Aufgabe leichter, als sie in europäischen Ländern wäre — auch wenn der Direktor, der mich durch die Fabrik führte, einmal halb seufzend, halb mit Humor, das Wort fallen ließ: „Es ist schon eine Ausgabe, auf 1500 solche Dinger aufzupassen!" Aktuelle Währungsprobleme. Von Or. W Prion, o. ö. Professor der Äetriebswirischaffslehre an der Universität Berlin. I. Die Goldwährung. Sn einem zweiten Artikel wird Prof. Prion, der hervorragende Währungstheoretiker, den von der DIZ. zur Diskussion gestellten Plan einer W e l t w ä h - rung behandeln. Inmitten der großen Sorgen, die die Weltwirtschaftskrise in fast allen Landern auslöst, erheben sich mit besonderer Deutlichkeit die Probleme dec Währung. England hat die Einlösung der Banknoten in Gold eingestellt; die nordischen Staaten sind diesem Beispiel gefolgt; die deutsche Reichs bank kämpft einen verzweifelten Kampf um die Erhaltung ihres Gold- und Devisenbestandes und erklärt, daß sie sich einer Aufhebung der Goldwährung widersetzt. Dasselbe sagen die Niederländische Bank und die Schweizerische No - tionalbank, wahrend Frankreich und die Bereinigten Staaten als Besitzer großer Goldmengen einstweilen sich abwartend verhalten. Inzwischen sehen sich die (Rückwirkungen aus der englischen Maßnahme der Suspendierung der Dankakte vom Jahre 1844 fort: das englische Pfund erleidet einen Berlust bis zu 20 Prozent, die deutschen Börsen bleiben geschlossen, auf „ben internationalen Warenmärkten treten empfindliche Störungen ein, die englische Zahlungsbilanz bessert sich durch Einschränkung der Einfuhr und Forcierung der Ausfuhr — und die Deutsche Reichsbank verliert trotz aller Devisenregelung in der letzten Septemberwoche nicht weniger als 230 Millionen Mark in Gold und Devisen. Daß unter diesen Umständen das Problem der Währung auch in der öffentlichen Diskussion immer wieder in den Vordergrund tritt, kann nicht wundernehmen. Liegt ein Versagen der Goldwährung vor? Ist das Gold als Währungsgrundlage entthront? Oder ist es nicht jetzt die höchste Zeit, die Währung vom Golde zu trennen? Gibt es denn nichts Besseres, das einfach an die Stelle des Goldes zu sehen wäre und uns mit einem Schlage von den Wirren und Röten der Währung befreien, könnte? Genau wie in der Inflationszeit und insbesondere zur Zeit der beabsichtigten Stabilisierung der Währung im Jahre 1923 so schwirren auch heute zahlreiche Projekte in der Luft (und auf den Schreibtischen der Regierungen) herum, die uns eine neue, bessere und erfolgreichere Währung bescheren wollen. Wenn man in dieser so wichtigen Frage klar sehen und sich ein eigenes Urteil bilden will, bann barf man bie folgenben Grunbtatsachen nicht aus bem Auge lassen: Das Erste: es ist wichtig, zu erkennen, bah seit Kriegsausbruch eine echte Goldwährung in keinsm Lande mehr besteht. Bei einer echten (d. h. eigentlichen) Goldwährung sorgt die vorhandene Goldmenge automatisch für das „richtige" Verhältnis zwischen der umlaufenden Geldmenge und dem durch den Verkehr bedingten Zahlungsmittelbedarf. Und zwar geschieht das in der Weise, daß das Gold — je nach dem Stande der Preise und der Zinssätze — von' einem Lande in das andere strömt und somit P r e i s e u n d Z i n s s ätz e zum annähernden Ausgleich bringt. Das Gold wird hierbei selbst zur Ware, und zwar zu einer Ware, die mit den geringsten Kosten und mit größter Geschwindigkeit zu transportieren ist und außerdem in jedem Lande, das diese Goldwährung hat; in Geld, d. h. Zahlungsmittel des betreffenden Landes umzuwandeln ist. Dieser Ausgleich, der das wesentliche Merkmal der international verbundenen Goldwährung darstellt, ist nicht nur durch zollpolitische Maßnahmen im internationalen Warenverkehr gestört, sondern auch durch eine übermäßige Kreditgewährung — Ausdehnung des Notenumlaufs — untergraben worden. Dazu kommt die in der Goldwährung seit 1922 eingebaute Deckung der Noten auch durch Devisen, was in der Praxis nichts anderes bedeutet, als daß auf den I Kredit, den das devisenbesihende Land dem devisenschuldnerischen Land gewährt, jeweilig e i n neuer inländischer Notenkredit aufGießener Stadttheaier. Max Alsberg und Otto Ernst Hesse: „Vot unten uchung." Cs wäre falsch, dieses Schauspiel in fünf Akten, welches von einem sehr bekannten Strafverteidiger und einem (nicht ganz so bekannten) Schriftsteller verfaßt wurde, einfach als ein Kriminalstück im primitiven Sinne aufzufassen und es etwa in eine Linie zu stellen mit den zahlreichen „Fällen", die das Zeittheater in den letzten Jahren aufgegriffen hat, und von denen einige auch bei uns gezeigt wurden. Obwohl nicht zu bestreiten ist, daß es mit diesen vieles gemeinsam hat. Der Unterschied: jene Stücke („Der Hexer", „Der dreizehnte Stuhl" u. a.) waren aus mehr oder weniger äußeren, theatralischen, wenn man will: sensationellen Gründen geschrieben — um Spannung zu erzeugen und eine fesselnde Abendunterhaltung zu schaffen. An Spannung fehlt es zwar dem neuen Stück von Alsberg und Hesse (Uraufführung Berlin 1930) keineswegs, .., aber es ist den Autoren zuzubilligen, daß es ihnen hier nicht auf die Spannung allein anf n. Sondern auf ein gegenwärtig besonders attuelles Problem und auf eine — wenn auch immerhin vorsichtig formulierte — Tendenz. (Dgl. baä Begleitwort Alsbergs im Programmheft zur hiesigen Aufführung.) Man wird sich darüber klar sein müssen, daß dieses Problem (und andere, ähnliche, die in jüngster Zeit immer wieder diskutiert worden sind) auf der Dühne nicht zu lösen ist. In Der- lin nicht und bei uns schon gar nicht. Vielleicht gibt es da überhaupt keine Lösung, sondern bestenfalls ein Kompromiß. Aber auf die Lösung kam es in diesem Fall auch nicht an, sondern es handelte sich darum, auf Gegebenheiten innerhalb unserer staatlichen Lebensgemeinschaft hinzuweisen, die doch Wohl bisher nicht so allgemein bekannt waren, wie es wünschenswert erschiene. Als problematisch in ihrer heute geübten, praktischen Form werden empfunden die Bestandteile einer Strafverhandlung, die dem Laien unter der Bezeichnung „Voruntersuchung" und „Indizienbeweis" wenigstens einigermaßen geläufig sind. Daß der eine der beiden Autoren Strafverteidiger ist und also im Verfahren auf der Seite des Angeklagten stehen würde, gibt dem Aufbau der fünf Akte die entscheidende Richtung. Die Behandlung der Fabel erweist sich als sehr geschickt, nach Möglichkeit objektiv und — über die Theaterwirkung hinaus, die naturnotwendig mit derartigen ..Kriminalfällen" verbunden ist — ernsthaft bemüht, Fehlerquellen aufzuzeigen und die Problematik des Sachverhalts an einem praktischen Beispiel, an einem Fall „aus dem Leben", einer nicht unkomplizierten Mordsache, zu begründen. Dabei fallen die Autoren nicht mit der Tür ins Haus, sondern verknüpfen die Kernfragen der Handlung, des Falles und seiner kriminellen Untersuchung mit einem anderen, ebenfalls sehr aktuellen Motiv: dem Gegensatz zwischen den Generationen, zwischen Eltern und Kindern. Außerdem wird aber das Schauspiel auch aus der Sphäre der neuerdings beliebt gewordenen Akten- und Dokumentenstücke herausgehoben, die eine mehr oder minder trockene Reportage auf die Bühne bringen —: dadurch nämlich, daß die ev.gften Angehörigen des (Untersuchungsrichters in den Fall verwickelt sind. (Aus eine verwirrende und für die Bühne zugespihte, aber nach Alsbergs Worten im Prinzip durchaus nicht unmögliche und nicht einmal ungewöhnliche Weise.) Sodaß also, ähnlich wie im „Prozeß Gregor Kaska", der Untersuchungsrichter die Möglichkeit des Vorkommens von Irrtümern psychologischer und sachlicher Art, von Mängeln und Schwächen im Verfahren selbst erleben und zugeben muß und die angedeutete Problematik gewissermaßen am eigenen Leibe zu spüren bekommt. • Auf diese ziemlich allgemeinen Zusammenhänge Im Schauspiel .Voruntersuchung" hinzuweisen, erscheint uns wesentlicher, als auf den Aufbau und Verlauf der fünf Akte im einzelnen, auf die Entwicklung und schrittweise Entwirrung des Falles in der Verhandlung einzugehen; ganz abgesehen davon, daß späteren Besuchern hiermit viel vom äußeren Eindruck und der bis zuletzt nicht aussehenden Spannung vorweggenommen würde. Man sollte das Stück in diesem Sinne unvorbereitet auf sich wirken lassen. Sich damit auseinanderzusetzen oder wenigstens eine Weile darüber nachzudenken, muß jedem Einzelnen überlassen bleiben; wir finden, daß dies für Juristen und Laien gleichermaßen anregend sein kann. Daß hinter dem Drama nicht nur ein Rechtspraktiker, sondern auch ein erfahrener Theaterkenner steht, dürfte die geschickte Einfädelung und bühnenmäßige Wirksamkeit dieses Schauspiels, wie auch seine Ausstattung mit einer stattlichen Anzahl ausgezeichneter Rollen hinreichend begründen. Das Stück ist, rein theatralisch gesehen, überaus dankbar und seines Erfolges beinah von vornherein sicher. Die saubere, auf effektvolle Steigerungen und präzises Zusammenspiel bedachte Inszenierung von Karl Heyser holte alles heraus, was der Text in dieser Hinsicht bietet, ohne auf die nachdrückliche Betonung der problematischen Grundlagen der Fabel zu verzichten. Aus der Besetzung sind einige junge Kräfte mit besonderer Anerkennung hervorzuheben. Walter Michel, hier zum ersten Male vor einer, ganz persönliches Profil verlangenden Aufgabe, arbeitete die klar empfundene Gestalt des jungen Rechtsstudenken in Ton und Haltung prächtig heraus. Reben ihm Sch eicher, der sich mit verbissenem Temperament in die Figur des Angeklagten hineingelebt hatte. Unö Bruck, der aus der Nebenrolle eines wahrhaft unverschämten Voruntersuchungszeugen ein sehr witzig ausgespieltes Kabinettstückchen machte. * Heyser als Landgerichtsrat: kalt, scharf, sehr konzentriert; vielleicht hätten doch die menschlichen Züge dieses Richters etwas mehr hervor- 1 gekehrt werden können. In kleineren Aufgaben gebaut wird. Da zudem das devisenschuldnerische Land jederzeit damit rechnen muß, daß die Devisen in Gold umgewandelt werden, so hält auch dieses Land selbst wieder — zur Sicherstellung seiner Zahlungsfähigkeit — eine Reserve in Devisen, auf denen sich dann wieder neue Kredite aufbauen können. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit dieser Umgestaltung der Goldwährung steht die Entwicklung der kurzfristigen Kredite, die insgesamt — in den wichtigsten Ländern — mehr als 40 Milliarden Mark betragen und jetzt die Schwierigkeiten letzten Endes sowohl in England als auch in Deutschland herbeigeführt haben. Das Zweite ist: daß aus Grund der internationalen Schuld und Reparationsverpflichtungen eine einseitige und unaufhörliche Drainage des Goldes nach den Gläubigerländern, Frankreich und Amerika eingesetzt und hier eine noch nie dagewesene Anhäufung des gelben Metalls bewirkt hat. Der der eigentlichen Goldwährung innewohnende Drang zum Ausgleich funktioniert nicht mehr, weil diese Zahlungen ein Gegenspiel im Warenverkehr nicht mehr haben (der Gegenwert ist im Kriege vernichtet worden) und außerdem die Gläubigerländer diese Mittel entweder gar nicht oder auch wieder kurzfristig — statt langfristig — ausleihen. Nichts charakterisiert die wirkliche Lage, in der sich die Goldwährung heute befindet, deutlicher als das in England geprägte Wort: welch ein Unsinn liegt darin, das Gold an einer Stelle aus der Erde zu gewinnen, um es an einer anderen Stelle wieder in den Keller zu stecken! Man sieht: das Gold ist nicht erster Linie und allein schuld an der Entwicklung der Währungen. Diese ist in erster Linie d i e Folge der Umgestaltungen, die sich im internationalen Zahlungs- und Warenverkehr dank einer bestimmten Finanz-, Kredit- und Handelspolitik so ausgebildet haben. Und hier haben allein die Maßnahmen einzusehen, wenn die Krise behoben werden soll. Ebenso verständlich ist es, wenn man unter solchen Umständen versucht, durch besondere Maßnahmen das Funktionieren der Goldwährung sicherzustellen, d. h. sie im Endziel aufrecht zu erhalten: die Stillhaltung der Auslandgläubiger und Devisenregelung in Deutschland, die vorübergehende Außerkraftsetzung der Goldeinlösung in England. Es sind dies alles Stützen der Goldwährung, die stützungsbedürftig geworden ist, weil die alten Grundlagen nicht mehr vorhanden beziehungsweise durchlöchert sind. Sieht man die Dinge so an, dann könnte man sich nur ein Mittel denken, mit dem eine Weltwährung aufzubauen wäre: gemeinsames Handeln aller Notenbanken, wobei dann immer noch die Frage der inländischen Versorgung mit Geld und Kredit offenbliebe. Angesichts der nun einmal eingetretenen Lage wird dieser Weg, der zunächst noch weiter von der echten Goldwährung fortführt, sicherlich beschritten werden müssen. Aber es ist ebenso klar, daß ein Gut, das dis Doppelfunktion des inländischen Zahlungsmittels und des internationalen Austauschmittels besser als das Gold erfüllen könnte, nicht vorhanden ist. Miiielstandsküchen in Frankfurt. WSN. Franks urt a. M., 9. Oft. Da die Zahl der Handwerksangehörigen, die öf - feniliche Unterstützung in Anspruch nehmen müssen, ständig wächst, hat sich die Notwendigkeit ergeben, Mittel st andsküchen einzurichten. Cs werden zunächst zwei eingerichtet, die eine im Handwerkerhaus, die andere in Dackenheim. Daten für Samstag, 10 Oktober. 1825: der Präsident der Südafrikanischen Republik Paul Krüger auf Farm Vaalbank geboren; — 1861: der Nordpolfahrer Fridtjof Nansen auf Store Fröen bei Oslo geboren. Daten für Sonntag, II Oktober. 1531: der schweizerische Reformator Ulrich Zwingli fällt bei Kappel; — 1616: der Dichter Andreas Gry- phius in Glogau geboren; — 1825: der Dichter Kon- rad Ferdinand Meyer in Zürich geboren. gleichmäßig sicher und angenehm zu sehen: Hub (Zülke), F a s s o 11 (Verteidiger), (Bold (Kommissar). Sehr fein die hilflos-ängstliche Mutter der Maria Koch; Geiger nahm die Partie des Anatol Scherr allzu umständlich; FräulcinWie- lanöer (Gerda) entsprach wohl nicht ganz dem Typ des jungen Mädchens, der hier gemeint ist. ♦ Der Erfolg war vorauszusehen; anhaltender Beifall. hth. Oie Guillotine der Marie Antoinette. Eine furchtbare Erinnerung lebt auf, wenn jetzt die Nachricht eintrifft, daß kürzlich sechs Chinesen enthauptet wurden. Genauer gesagt war der Schau- platz der Hinrichtungen Lila auf den Neuen Hebriden, dem französisch-englischen Condominium. Bei dieser Hinrichtung wurde ein Fallbeil verwandt, an das sich Erinnerungen an eine der unglücklichsten Frauen dieser Erde knüpfen. Marie Antoinette starb durch dieses Instrument. Es ruhte dann viele Jahrzehnte lang in irgendeiner staatlichen Rumpelkammer, bis man es wieder hervorholte, weil in irgendeiner Kolonie ein Fallbeil zur Vollstreckung eines Todesurteils benötigt wurde. Man wollte sich keine Kosten machen und holte dieses Todesinstrument heraus, staubte es ab und versandte es über das Meer zu neuer blutiger Arbeit. Seit dieser Zeit ist die Guillotine in der ganzen Welt umhergewandert und hat allenthalben, wo der Scharfrichter auf Reisen angefordert wurde, seine Aufgabe erfüllt. Daß es sich um die Mordmafchine handelte, die Marie Antoinette vom Leben zum Tode brachte, erfuhr man übrigens erst viel später. Der staatliche Verwalter hatte nicht darauf geachtet, daß er eine Antiquität herausgegeben hatte. Seit den letzten Monaten sind von amerikanischer Seite zahllose Angebote gemacht worden, da Sammler die Maschine erwerben wollen. Die Offerten sind abgelehnt wor- den, weil es sich um eine heute noch offiziell in Gebrauch befindliche Exekutionsmaschine handelt. Immerhin soll sie jetzt nach ihrer blutigen Arbeit auf Auckland aus dem Dienst gezogen und nach Paris zurückgebracht werden, wo man sie in einem Museum unterzubringen gedenkt. Politik aus zwei Ebenen. Außenpolltische Umschau. Don Dr. Otto Hoehsch, o. 6. Pros, der Geschichte an der Universität Äerlin. Die Entscheidung, ob England zu Neuwahlen kommen wird, ist gefallen. Rein wahlpolitisch betrachtet, ist England vielleicht das einzige Land, in dem die Auseinandersetzung über eine solche Krise in einem Wahlkampf Sinn und Resultat haben konnte. Aber schon das ist zweifelhaft: nach dem englischen Wahlrecht kann gar leicht eine Mehrheit im Lande nur eine Minderheit im Parlament er- reichen. Daran ist schon in ruhigeren Zeiten lebhaft kritisiert worden. Wie würde in der heutigen Spannung ein solcher Ausgang wirken? Und worum wird eigentlich gekämpft? Stabilisierung oder Inflation, Rückkehr zur Goldparität oder Devalvation? Darüber kann ja kein Wahlkampf entscheiden. Klare Parolen sind auch bisher nach keiner Richtung ausgegeben worden. Bleibt also der Kampf um Steuern und Zölle. Damit würde der Wahlkampf die Klärung im Parteiwesen weiterführen, Spaltung der Liberalen — Neubildung vielleicht aus linkem Flü- gel der Liberalen.und Labourpartei (unter Führung von Lloyd George, während für Henderson der Dorsitz in der Abrüstungskonferenz bliebe?) — inzwischen „nationales Kabinett" mit Macdonald an der Spitze und dem Rekonstruktionsprogramm: Kampf um den Zoll — doch kaum im alten Sinne des Reichszolles und der Präferenz für die Kolonien, die an den Kämpfen des Mutterlandes nur wenig Interesse nehmen und deren Währungsinteressen keineswegs mit denen des Mutterlandes parallel laufen, sondern zunächst der Fiskalzoll zur Sanierung des Budgets (die, solange die Währung nicht geordnet ist, in der Luft hängt) und dieser Fiskalzoll'gewiß auch mit Schutzzollcharakter für die englisch^mutterländische Industrie (die bei Devalvation des Pfundes oder gar Inflation zugleich eine Ausfuhrprämie erhielte). Schon das wäre eine auch für Europa außerordentliche Entscheidung. Aber was lind das alles für unsichere Programme, Wege, Aussichten! Dazu die Arbeitslosendemonstratio- n e n. Sie werfen einen schweren Schatten auf die Parteierörterungen alten Stils, in denen Lloyd George seinen alten und immer jungen Ehrgeiz (pie- len läßt, in denen er mit dem Abfall von Männern wie Reading und andern eine lange hinausgezögerte Entscheidung eigentlich nur erlebt. Parteierörterungen, die uns schon etwas überholt, altmodisch, ja unwirklich Vorkommen. England ist in größter Er- schütterung. Aber noch mehr: wir fühlen, Damit hat die zweite Periode der großen Krise begonnen, die im Sommer 1929 ausgelöst wurde, die zweite Pe- riode, in der Deutschlands Iulikrise der erste und Englands Pfunderschütterung der zweite Akt find. Wie Deutschland durch den Mund Brünings und Luthers, hat soeben auch Italien feinen Standpunkt zur Währungskrise genommen: keine I n - s l a t i o n , die Lira steht fest, ist mit 53,5 Prozent goldgedeckt. Der „Große Rat des Fascismo", der vom 2. Oktober an tagte, unter Vorsitz des Duce, bestätigte das auf das Bestimmteste, und im ganzen Lande sand das lebhaften Widerhall. Wir merken aus dieser Ratstagung noch an, daß die Organisation zählt 803 082 „fasci di combattimento" (Frontkämpfer), 119 328 Frauen und 30 759 Jugendfaschisten, dazu 500 221 in faschistischen Berufsorganisationen. (Die Zahlen liegen zum Teil erheblich unter den vergleichbaren russischen Ziffern.) Der Rat billigte ferner ausdrücklich die Politik der A b - rüstung und Reparationen, die von Grandi geführt wird. Nimmt man dazu die gleichzeitige Veröffentlichung des offiziellen Parteiblattes, das künftig Mitgliedschaft im Fascismo und in der „Aczione Cattolica" gleioj- zeitig erlaubt ist, damit der Konflikt zwischen Faschismus und Vatikan erledigt fei, so atmete da» alles ein berechtigtes politisches Selbstbewußtsein. Und wir begrüßen sowohl die faschistische wie die aleichzeitige päpstliche Kundgebung zur Abrüstung. Aber: die Ratlosigkeit der Arbeitslosigkeit gegenüber sprach auch aus der Kundgebung des Papstes wie dem Beschluß des „Großen Rats" zur Wirtschaftsnot. Die Erschütterungen von England her berühren natürlich auch Italien, das sich ebenso wie Deutschland fragen muß: was soll aus den Währungen werden, wenn England zur Devalvation oder gar Inflation kommt und wenn die Entwicklung immer mehr zur allgemeinen Krisis des Goldes treibt? Blicken wir von da weiter nach dem Schluß der Völkerbundstagung, fo stößt man immer wieder auf die ganz eigentümliche Schwierigkeit der Lage, daß ich die Entwicklung ausgesprochenermaßen — hier laßt einmal dieses Modewort — auf zwei oer- chiedenen Ebenen vollzieht. Auf der einen geht es noch in dem alten Stile zu, der für Frankreich typisch ist. Es ist zur ersten Macht in Europa aufaeftiegen, sucht diese unbedingt zu sichern, und bedient sich dazu der Mittel der Politik, des Mili- tärs, der Bündnisse. Von hier betrachtet, scheint die Entente Frankreich - England - Italien vorhanden zu sein oder sich vorzubereiten, in die England und Italien notgedrungen hereingehen, sich Frankreichs Führung beugen. Von hier redet man in Frankreich über das Verhältnis zu Ruß- land, zu Deutschland, hält man die alten Vasallen fest, und sieht man sich gegenüber den Vereinigten Staaten. Ein Artikel wie ihn der „Temps" über die Einladung Lavals durch Hoover schrieb, war bezeichnend für diese Auffassung, die Frankreich und Arne- rika als die beiden Schiedsrichter der Welt sieht, lie beiden allein noch „intakten" Großmächte auf der Welt. So meint man, weil man die Macht im phnfifchen Sinne, die militärische und die politische Macht und dazu das Geld hat, daß danach sich so wie früher die Geschichte weiter entwickele, und stellt alles, wie etwa den Völkerbund, die Abrüstungsfrage u. Dgl. in den Dienst dieser Auffassung und Berechnung. Dabei merkt man nun doch auch in Frankreich, daß, was sich jetzt in der Welt abspielt, allein mit diesen Berechnungen gar nicht gemeistert werden kann. Vieles geht, um den Ausdruck zu wiederholen, eben auf einer anderen Ebene vor sich. Die große Krise des Kapitalismus kam von der Ueberproduktion, Dem Preissturz und Der Verwirrung, Die Der Weltkrieg in seinem Aus- gang unD in Der sog. DrDnung Der Kriegsschulden- frage mit sich gebracht hatte. Man hat rund ein Jahrzehnt geglaubt, unD auch erfolgreich in Der Richtung gearbeitet, nun zu einem Dauerhaften Neubau auf Dem BoDen Des Kapitalismus lammen zu können. Dessen GrunDlage war Das G o l D als Wertmesser, als Währungsmetall, als GrunDlage eines ungeheuer ausgebilDeten unD verDichteten internationalen Kreditsystems. Aber Die Absatz- unD Produktionskrise ist, wieder in Verbindung mit und infolge Der Weltschuldenlast, zur KreDit- und aur Währungskrise geroorDen, Die mit einer unheimlichen Sicherheit ein LanD nach Dem anDeren ergriffen hat. Eine unbeschreibliche Störung Des internationalen KreDitsystems ist eingetreten: keine Währung ist mehr sicher, keinen Platz beinahe gibt es mehr, wo Der Kapitalist ruhig schlafen kann. Anschauungen unD Theorien, Die unerschütterlich schienen, sinD in Frage gestellt. Man fragt, ob Die GolDwährung sich nicht selber ad absurdum führe, aber man weih Durchaus nicht, was an ihre Stelle treten soll, wenn nicht eine ungeheuere Inflations- welle, Die Dann auch über große Teile Der Welt hingehen würDe. Zunächst sucht jeder zu retten, was er kann: ein Staat nach Dem anDeren stellt Den Einlösungszwang für GolD ein, manche greifen schon zur Zahlungs- einfteUung überhaupt. Und man glaubt, daß m i t Der Forderung Der Autarkie nun eine neue Zeit einzuleiten sei. Damit ist aber für Das GolD- unD Währungssystem noch recht wenig gesagt. Bliebe es bei Der bisherigen GolDverteilung unD bei einer GolDpolitik, wie sie von Frankreich unD NorDamerika getrieben wird, so muß das zu Kämpfen um den Goldstandard in Der Welt überhaupt führen. UnD führt weiter zu Kämpfen Der Exportindostrien um die Absatzmärkte. Gleichzeitig verbinden sich damit Kämpfe um Den Lebens st andard, ober anders ausgedrückt, um Die Löhne unD Gehaltssätze, in Denen, was gar nicht weiter ausgeführt zu roerDen braucht. Gefahren stärkster sozialer Erschütterungen, ja Explosionen liegen, hie Dann unmittelbar Das kapitalistische System überhaupt beDrohen. Natürlich nicht gleich, zcitia auf Der ganzen Welt, fonDern an einzelnen Stellen, Die Darin Die beDrohtesten sind. Aber niemand weiß, wie Dann diese Welle weitergehen würde. Frankreich nun wieder, von dem soviel für die Weiterentwicklung abhängt, glaubt heute noch vor diesen Gefahren sicher zu sein, wenn es sich möglichst wenig in sie, in die Verhandlungen über sie, in Die Bemühungen, sie zu beschwören, begäbe. Eine grundsätzlich retaröierenDe Politik, eine D e • fcnfiopolitif. Die nur auf Die e i g e n e Sicherheit beDacht ist, wenn nötig, Durch völligen Abschluß nach außen, und, wie man glaubt, ein In- sich-ruhen in Der eigenen Macht, im eigenen Reich- tum! Aber, wie man in Genf Frankreich mit Recht entgeaenhielt, dasselbe Frankreich will oer- kaufen, will exportieren und fürchtet um feine Ausfuhr infolge Der Erschütterungen der Goldwährung: es will aber nicht importieren lassen. Dasselbe Frankreich will selbstverständlich die Zin- fen von Den Kapitalien, Die cs Draußen hat, erhalten, und darin Die Deutsche Reparationsschuld nicht in lehter Linie. So sehr seine Banken Die kurz- friftigen Auslandguthaben zurückgezogen haben, Die Finanz- und Kreditverpflichtung Frankreichs in die Welt herein ist doch recht erheblich, mindestens so erheblich (genau wie bei Amerika), daß man diese Anlagen unter keinen Umständen verlieren möchte. Aber Das gleiche Frankreich will nun seinerseits nicht auslsihen, trotz seines ungeheueren Kapitalreichtums unD Ueberflusses. Das ist ein Widerspruch in sich. Frankreich will nur aufDereincn Ebene denken und arbeiten, und ist doch nun einmal gezwungen, auchaufder anderen Ebene sich zu bewegen, auf der es auch sehr große Interessen hat. Da nun aber die französische Sinnenmell sich in ihrem Denken und Vorstellen ähnlich Der amerikanischen Binnenwelt von Europa abgeschlossen hat —, wozu bei Frankreich noch Der Gesichtspunkt dex instinktiven Ab- lehnung von etwas Unheimlichen und Gefährlichen draußen kommt — ist Die Schwierigkeit so groß und Derjenigen in Den Vereinigten Staaten verwandt, eine öffentliche Meinung dieser Art — von der natürlich die Politiker durchaus abhängig sind —, zu der Einsicht zu bringen, daß selbst ein solch gefiebertes Land auf Gedeih und Verderben mit der übrigen Welt, insonderheit Europa, verbunden bleibt! Wie weit bei Laval diese Einsicht geht, wisien wir nicht. Hoover übersieht diese Zusammenhänge ohne Zweifel vollständig. Aber beide Staatsmänner haben aegen sich gewaltige Teile ihrer eigenen öffentlichen Meinung, Die wie Bleigewichte an ihnen hangen. Immer wieder ist also Die Frage: ob Denn Das heute in Europa noch herrschende Wirtschaftssystem Zeit hat zu warten, bis unoermeidUche Wendungen und Schwenkungen eingetreten sind Was hat es Europa allein gekostet, daß man in Amerika jahrelang, vom Ende Wilsons an bis in Die jetzige Krise hinein, glaubte, sich abschließen zu können! Wie Damals mit Amerika, fo macht man jetzt mit Frankreich Die Erfahrung, Daß von außen, mit verständigen Hinweisen und Darlegungen, wenig oder nichts erreicht werden kann. Und Dabei ist mit Recht in Genf aus deutschem Mund gesagt worden, niemand könne sich darüber täuschen, daß die Fundamente, auf denen das heutige Wirtschasts. und Geldsystem ruht, erschüttert sind! Schwierige Jinanziage des Kreises Gießen. Oie Landgemeinden ebenfalls in starker Bedrängnis. Unserem Wunsche entsprechend, hat uns die Gießener Kreisverwaltung den nachstehenden Ueberblicf über die Finanzlage des - Kreises Gießen und der Landgemeinden zur Verfügung gestellt. D. Red. Die Gesamtumlagen, die die Kreiskasse im Rj. 1931 äu erwarten hat, betragen nach Dem Haushaltsplan Des Kreises Gießen für Dieses Rechnungsjahr 220 000 RM. An Umlagen sinD bis jetzt nur eingegangen 6000 RM., fo Daß noch 2 1 4 0 0 0 R M. ausstehen. Diese Tatsache wirkt auf Die Kassenlage Des Kreises naturgemäß sehr ungünstig ein. Sie ist jeDoch in Der Hauptsache auf verspätete VerabschieDung von Gemeindevoranschlägen und dementsprechende verspätete Aufstellung der Hebregister für die Gemeinde-, Kreis- und Provinzial - Umlagen zurückzuführen. Aus Reichs st euerüberweifungen erwartet der Kreis Gießen im Rj. 1931 voranschlagsmäßig den Betrag von 52 982 RM. aus der Einkommen- und Körverichaftssteuer und von 20 757 RM. aus der Umsatzsteuer, zusammen also 73 749 RM. Eingegangen sind bis jetzt aus der Einkommen- und Körper- schaftssteuer 9327 RM., aus Der Umsatzsteuer 3774 RM., zusammen also 13101 RM., so Daß noch über 60000 R M. ausstehen, während normalerweise, nachdem die Hälfte des Rj. abgelaufen ist, nur noch etwa 37 000 RM. ausstehen dürften. Die Kassenlage verschlechtert sich weiterhin durch Elnnahmeausfälle, die aus Maßnahmen des hessischen Staates und des Deutschen Reiches her rühren. So müssen ab 1. April 1931 die Tagegelder und Reisekosten der Kreisfürsorgerinnen, von dem Kreis getragen werden. Dies verursacht eine jährliche Belastung von 1200 RM. Die Pauschalvergütung des Reichs für die Bearbeitung und Zahlung der Zusatzrente wurde um 300 RM verringert. Der Kreis rechnete mit einem Staatszuschuh für Die gehobene Fürsorge in Höhe von 36 000 RM. Durch Verfügung Des Ministers für Arbeit und Wirtschaft vom 31. Juli wurde der Zuschuß auf 16 000 RM. festgesetzt. Wenn das seitherige Verfahren, wonach 50 v. H. des Staatszuschusses vorweg zur Bestreitung der Kosten der sozialen Kriegsbeschädigten- und Kriegerhinterbliebenenfürsorge verwendet und der Rest auf die Sozial-, Kleinrentner- und Wochenfürsorge verteilt würde, dann ist hieraus mit einem Ausfall des Kreises von rund 12 500 RM. zu rechnen. Der Staatszuschuß zu den Kosten der Fürsorgeerziehung wurde pauschaliert auf 75 v. H. Des vorjährigen Zuschusses herabgesetzt. Dem Kreis entsteht hieraus ein Ausfall in Höhe von 18 000 RM. jährlich. Der Staatszuschuß zur Waisenfürsorge wurde gleichfalls herabgesetzt. Die Ermäßigung verursacht dem Kreise Gießen einen Ausfall von 850 RM. Durch Ermäßigung der Zuschüsse der Landesversiche- rungsanftalt für Heilstättenkuren usw., sowie durch Ermäßigung des Staatszuschusses zu den Kosten der Entkrüppelung Jugendlicher und Erwachsener ist mit einem weiteren Ausfall von etwa 2000 RM. zu rechnen. Die Finanzlage des Kreises ersordert ernste Maßnahmen zum Ausgleich die- s e r Verluste, die sich auf insgesamt 18 650 RM. berechnen. Oie Gemeinden des Kreises. Die Erwerbslosigkeit macht sich auch im Kreise Gießen sehr unangenehm bemerkbar. £.e einzelnen Kreisgemeinden sind von ihr ganz unter- schiedlich betroffen. Am 30. September 1931 wurden in offener Fürsorge arbeitsfähige, aber arbeitslose Personen unterstützt: a) als Wohlfahrtserwerbslose 324 b) davon als Fürsorge- und Notstands- arbeitet beschäftigt 207 Wenn Menschen auseinandergehn Vornan von 3- Echneider-Foefstl. Urheberrechtsschutz Verlag O. Mei st er, Werdau. 8. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Gunnar Bosanyi entsetzte sich, olS feine Tochter nach Wochen bat, sie für einige Zeit fort- zulassen, ganz gleich, wohin, sie fühle sich so elend, so zerschlagen, sie müsse zugrunde gehen hier, vielleicht könne sie vergessen, wenn sie unter andere Menschen und in eine andere Umgebung käme. Tag sur Tag wiederholte sich ihr Bitten, bis er schließlich nachzugeben begann. Als der erste Schnee über die Steppe fiel und bie Wölfe des Rachts um Die Gehöfte irrten und mit iprem heiseren Gebell Mensch und Tier die Auhe nahmen, neigte sich Raja über das Gesicht des Vaters und küßte ihn zum Abschied. Er liebkoste ihre schmalen, blassen Wangen, gab ihr Mahnungen, Ratschläge: Sie sollte nicht vergessen, die Verwandten In Wien zu besuchen, sich nachts niemals allein auf die Straße wagen und tausend anderes mehr. Sie hörte c8 mit halbem Ohr, versprach, legte, vom Gefühl der Schuld durchrüttelt. Den Kopf gegen seine Brust, um sich Dann endlich mit einem verzweifelten Lächeln aus seinen Armen loSzumachen. Bosanyi brachte sein Kind selbst zur Bahn, sah noch eine Weile den Rauchwolken nach, die den Weg zeigten, den der Schnellzug nahm und stieg dann wieder in den Wagen, der ihn zurückbringen sollte. Es war das erstemal, daß ihn die Tochter verließ, das erstemal, Daß er einen Winter allein verleben sollte. Aber es mußte ertragen werden. Gr war eS der Tochter schuldig, daß er sie nicht zugrundegehen ließ. Die Fremde würde Balsam für sie sein. • Rosmarie lebte in einem förmlichen Taumel. Jedesmal, wenn sie aus der Stille und Abgeschiedenheit der Steppe in das Getriebe Wien- zurückkam, berauschte sie Der laute Hall oer RiesenstaDt, zog sie an, stieß sie ab und wurde ihr zum Schluß unentbehrlich. Sie fühlte sich von tausend und abertausend Dingen in Anspruch genommen, was sie über Tage nervös und was ihre Rächte schlaflos machte Aber nach Wochen verebbte die Erregung. DaS laute Leben wurde wieder zum gewohnten Dasein. Unter Agas Leitung lief das Hauswesen wie am Schnürchen. Die Alte nahm sich sogar Zeit, des Abends im Journal zu lesen. Rosmaries Lachen und das ihrer Freundinnen erfüllte das Haus. Es roch nach Weihnachtsleckereien und dem harzigen Duft der Riesentanne, die auf Der Veranda stand. Aga pflegte sich früh um all diese Dinge zu sorgen. „Später bekommt man nur noch das Ausgesuchte", erklärte sie. Hier, wie in der Tanja war sie ein Muster von Fürsorge. Eine Woche vor dem Fest traf ein Bries von Professor Török ein: Es gehe ihm ausgezeichnet, ob Rosmarie wohlauf sei, ob sie Der Aga gehorche unD ihren Wunschzettel pünktlich abgeliefert habe? Aga seufzte, als sie die letzte Stelle las. Bei Gott! Das hatte Rosmarie getan. Er war reichlich lang gewesen unö immer wieder hatte sie hinten Reues angefügt. Wenn Aga vom Einkäufen zurückkam, war sie jedesmal in Schweiß gebadet. Dela Szengeryi hatte auch ein verschlossenes Kuvert beigelegt. Rosmarie drehte es von links nach rechts und steckte es dann, ohne Aga einen Blick hineintun zu lassen, in den Ausschnitt ihres Kleides. Abends vor dem Schlafengehen zog sie die vollkommen zerknitterte Hülle heraus und las deren Inhalt mit brennenden Waagen: »Mein kleiner Liebling!" Woher nur Dela mit einem Male diese schönen Ausdrücke hatte? „Mein kleiner Liebling!" Er war doch sonst Immer so furchtbar nüchtern gewesen. Aber klein? — Klein, war sie nicht mehr. Sie streckte sich vor dem hohen Ankleidespiegel im.Schlafzimmer und wiegte ihre schlanke Gestalt. Daßn las sie weiter: „Ich hoffe, daß Du gesund und froh bist." Warum sollte sie das nicht sein? Sie fand es lächerlich, toie, er so etwas schreiben konnte. „Wenn Du wüßtest, welche Sehnsucht ich habe, nach Dir und der Steppe." Sie schüttelte den Kopf. War das möglich? Run auf einmal hatte er Sehnsucht. Es geschah ihm gerade recht. Warum war er fortgegangen? Ein Mensch mit fiebenunD- zwanzig Jahren mußte doch wissen, was er tat. Und wenn er dann Heimweh bekam, war ihm nicht zu helfen. Run kamen ein paar Sähe, die sie als weniger wichttg erachtete. Die tausend Küsse am Schluß erschienen ihr ganz in der Ordnung. Die faltete daS Blatt zusammen, besann sich einen Augenblick, öffnete Dann Die Klappe DeS OfenÄ und ließ den Brief in die Glut fallen. ES war gar nicht nötig, daß Aga ihr über diesen Brief kam. Die sagte totsicher wieder, es schicke sich nicht, daß er so verrückt schreibe. „Mein kleiner Liebling", das würde ihr schon gar nicht passen. Sie war manchmal so furchtbar trocken. Aber eS war doch nett von Dela, daß er so eine schöne Anrede gesunden hatte! Wirklich nett war daS von ihm! Sie verschränkte die Hände unter dem Kopf und sah in das blaue Licht der Rachtampel, die von Weißen Seidenschnüren an der Decke gehalten wurde. Sie dachte an Janos, wie der nun fror und seine Schafe und Rinder mit ihm, während sie schön warm hier in ihrem Bette lag und sich ihren Träumen hingeben konnte. Raja fiel ihr ein und Mutter Horvath und Guido. Gr hatte ihr eine Karte aus Biskra geschickt. Sie hatte den Ort erst in Spitzbergen gesucht und war ganz erstaunt gewesen, daß er in Aegypten lag. Dann fielen ihr die Lider zu. Sie träumte! Träumte so wundervoll! Aber nicht von Dela Szengeryi, auch nicht von Guido Horvath, sondern von dem jungen Schäferhund, Den Janos ihr großziehen wollte, bis sie toieber- kam. Ein sorgloses, seliges Kinderlächeln lag auf ihrem Gesicht, als Aga hereinkam, um daS Licht abzudrehen, weil Rosmarie es Tag für Tag zu vergessen pflegte. • Profossor Török stand auf dem Felsgestein des Hochlandes von Madagaskar und wühlte mit Hacke und Schaufel in den vulkanischen Ueber- reften, die seine Forschererwartungen noch um vieles übertrafen. Einen Steinwurf weiter abwärts saß Dela Szengeryi und studierte das Geäder eines Felsens, aus dem er schon ein großes Stück herausgebrochen hatte. Der Schweiß tropfte ihm in kleinen Rinnsalen über Drust und Rücken. Die Hitze war unerträglich. Gegen Abend fliegen sie zu den Urwäldern hinab, die an das Hochland grenzten und sich nach Rordosten hin in eine Küstenlandschaft verloren. Zwei Madagassen, die als Führer und Träger dienten, schlugen bereits die Zelte auf. Sie standen dicht an den Stranöbünen, von einem Gehänge flatternder Blattpflanzen überdeckt. Die Mangrovenwälder, die wie dräuende Ungeheuer nach Dem Wasser starrten, warfen breite LKhatten über daS Gelände. RichtS alS daS Rauschen deS OzeanS und daS Gekrächz der Sumpfvögel unterbrach die Stille. Bela Szengeryi nahm ein Bad, und Török wartete nun, vor feinem Zelte sitzend, bis der junge Mann wieder herzuschwamm. AnS Land springend, ließ er sich von einem der Madagassen trockenreiben und verschwand in der Hütte. Während er dort Toilette machte, stellte Török ein kleines Tischchen bereit und legte zwei Palmenwedel darüber, auf denen ein Kerzchen brannte. ES war von der Hitze ganz schief gezogen und drohte jeden Augenblick zu fallen. Daneben stand eine Kiste Zigarren und eine Flasche Likör. »FroheS Weihnachten, mein Lieber!" sagte er. als Szengeryi wieder zum Vorschein kam. Dela mußte sich erst besinnen. Dann lachte er. Die Umgebung war so gar nicht weihnachtlich. Die rechte Stimmung mit Schnee und krachendem Frost fehlte. Weber ihren Häuptern schwankte sattgrüneS Laub, feuerfarbene Lianen spannten sich von Wipfel zu Wipfel. Um die Stämme woben sich zartgrüne Vorhänge von Blattpflanzen in gelb rot, weih und lila. Sie sahen guS wie ein Hauch und wurden durch den geringsten Luftzug zum Beben gebracht. Török zog einen Brief auS der Tasche, entnahm ihm einen beigelegten Zettel und reichte ihn Szengeryi hinüber. „Ganz noch daS Kind", sagte er lachend und sah dem Spiel Der Wasser zu. die gurgelnd gegen die Küste schlugen. Der junge Mann laS: .Lieber Bela! Ich danke Dir für Deinen Brief. Desonder- für die fchöne Anrede. Daß Du Sehnsucht hast, tut mit leid. Aber wenn Du recht fleißig bist, wird das Heimweh bald vergehen. Ich denke oft an Dich, natürlich jetzt zur Weihnacht bedeutend weniger, weil eS soviel anderes zu tun gibt. Die Aga sagt übrigens. Du würdest es in Madagaskar auch nicht so genau nehmen mit Dem Rachhausedenken. — Sieber Bela, wird man wirklich nicht schwarz, wenn man eine Regersrau auf Die Wangen küßt? Versuch eS doch einmal und schreib mir dann! Wenn Deine Handschuhe zerrissen sind, bann schreibe mir'S. Die Aga flickt sie Dir, ober ich stricke Dir neue. In Liebe Deine RoSmarie." Szengeryi lachte hell auf, streichelte die wenigen Zeilen mit zarten Fingern und steckte sie in feine Brieftasche. Der Professor schmunzelte immer noch still vor sich hin. „Die Aga wird nicht wenig Mühe mit ihr haben. Sie füttert das Mädchen mit Den Brocken ihrer Erfahrung, will alles und nichts sagen und so werden die beiden ewig nicht klug aneinander, daS Kind nicht an der Alten und die Alte nicht an dem Kind." Als er merkte, daß Szengeryi gar nicht auf ihn horte, ging er nach dem Zelt. Etwas später kam er wieder heraus und legte Dela die Hand auf die Schulter. „Komm! Die Moskitos fangen zu schwärmen an. Es ist das beste, unter das Retz zu schlüpfen." Török hielt SzengeryiS Rechte feft »Man soll nicht Träumen nächhängen. Deren Erfüllung noch in so weiter Ferne liegt und Die möglicherweise für immer nur Träume bleiben werden. Sollten aber eure Herzen sich finden, so will ich dir jetzt schon die Gewißheit geben, daß mir kein anderer al- Sohn so sehr willkommen ist wie du." (Fortsetzung folgt.) ■jj' !ttnt ^kommende M ■ 21, a itclli werden r ! Minden ent EJ Fehlbetrag '" der MS Hem. Die ®eme>' 'Jul der Lasten ! rehon w zeigt sich Adamloasivend! - •HrsT* lrrr°g Srn'"^ »er : .K o’“1 - her 1'" norm . r :-< 13 * »cid) und I nrtW ,htn bie dura i JRT?. vorgesehen, benö jöj Pie Gemeinde Y (werfen nach heutigem f.-meinbe t benötigt Vorgesehenen Betrags. HJR. in ihren Daran -cd) heutigem Stand: 3n den in Frage »reife» sind Angehörig, 18lu) und Angehörige Händen: L Im Bezirk der Arbe «nutzer der Stadt 6 2. im Bezirk der Die berg, wozu etwa 1! lei Dieben gehöre! 1 im tzezirk der Dlet Arbeitrinarlies eti izu deriMchiigen in die|en Zahlen i Shu der Gemeind, berg enthalten fin 1 im Bezirk der M de» Arbeitsamts Q durch I Nährend die Wohls In einzelnen Temeind ■ u höhe schwanlt, e 'it Alu und Shu fefti unter 21 tzahren, der 'hält unser «wis|en ’.V» M. Dochenun | h'W er zuletzt nicht- öif Notverordnung , rAlungsweg eine Bi . lerige Trwerbslole ii w Alu und ffru je f"neindlichen Wohlfa Drnsir, als auch noch k'l. »vheiraleter A ohne flinder erh aichenllich 10,80 M ? Mm 1 «WHoler mit 4 St Qbtr b-'l 5 eÄfl,n 2an •JL”’’ fcann eihc W au» der »lu \ ML Kaufmann J' blll •ondj. hum t uk. ’4>unt mindesi v°n der £Dmeld ®tfa. 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Wenn auch lie Gemeinden des Kreises Gießen im Durchschnitt wch weit günstiaer stehen, als manche andere Ge« neinden des Hessenlandes, so haben sich jedoch in licht wenigen Gemeinden des Kreises durch die Ar- leiislosigkeit in der letzten Zeit Verhältnisse ent« vickelt, die sehr bedenklich stimmen müssen. hinter den betroffenen Landgemeinden steht vielfach kein nennenswertes verwertungsfähiges Gemeindevermögen, die Steuerkraft der Bevölkerung ist durch die Arbeitslosigkeit und die Senkung der Kaufkraft erheblich dezimiert. it Hoffnung auf Beteiligung des Reiches an den ohlfahrtslaften der Gemeinden durch Errichtung er Reichsarbeitslosenfürsorge ist nach halt und Wortlaut der neuesten Reichsnotverord- ng vom 6. Oktober 1931 nicht erfüllt. Das Reich llt insgesamt 230 Millionen RM. zur Einzelunter- {jung der Gemeinden zur Verfügung. Hiervon t neue Mittel lediglich 170 Millionen RM. Man gt wohl nicht fehl in der Annahme, daß diese Beige in Form der Einzel Hilfe solchen Gesinden im Reich und in Hessen zur Verfügung len werden, die durch die Wohlfahrtslasten b e - i t s a.n den Rand des Ruins gebracht »cden find. Für die übrigen Gemeinden rd sich aus der Notverordnung vom 6. Oktober 31 keine (Entladung ergeben, so daß die eiterbelaftung mit den seitherigen Ausgaben für vhlfahrtserwerbslose und deren Steigerung durch u hinzukommende Wohlfahrtserwerbslose in Rech- iig gestellt werden muß. Das bedeutet für nicht niae Gemeinden entweder einen nicht vorgesehe- ien Fehlbetrag in der Rechnung des Jahres 1931, teilen Deckung noch völlig ungewiß ist, oder sogar (ine Vergrößerung des an sich schon defürch- l-ten Fehlbetrags. Hinzu kommt die Belastung durch die Aufwendungen für die Krisenfiir - |o r g e. Die Gemeinden haben bekanntlich ein zmnftel der Lasten der Krisenfürsorge zu tragen, -lhon jetzt zeigt sich klar, daß die Gesamlauswendungen mancher Gemeinden den Ltatansah und die vorhandenen Mittel weit übersteigen. 5n dem Falle der Gemeinde A. sind insgesamt 8000 KM. vorgesehen, benötigt werden mehr als 10 000 KM. Die Gemeinde H. sah 2000 RM. vor, benötigt Derben nach heutigem Stand über 11 000 RM. Die : ßcmeinbe £. benötigt mehr als bas Doppelte des ivrgesehenen Betrags. Die Gemeinde W. hat 8000 KM. in ihren Voranschlag eingestellt, sie benötigt rach heutigem Stand rund 27 500 RM. In den in Frage kommenden Gemeinden des Kreises sind Angehörige der Arbeitslosenversicherung Atu) und Angehörige der Krisenfürsorge (Kru) vor- sanben: L im Bezirk des Arbeitsamts Gießen Alu Kru (außer der Stadt Gießen) 916 702 2. im Bezirk der Nebenstelle Grünberg, wozu etwa 18 Orte des Kreises Gießen gehören etwa, 115 93 3. im Bezirk der Nebenstelle Lich des Arbeitsmarktes etwa 345 181 (zu berücksichtigen ist hierbei, daß in diesen Zahlen auch die Alu und Kru der Gemeinde Trais-Münzenberg enthalten sind) 4. im Bezirk der Nebenstelle Londorf des Arbeitsamts Gießen 98 195 Während die Wohlfahrtsunterstützung, die von im einzelnen Gemeinden gewährt wird, vielfach in ihrer Höhe schwankt, erhalten die Arbeitslosen aus ter Alu und Kru feste Sätze. Ein lediger Arbeiter unter 21 Jahren, der vollkommen vermögenslos ist, iit>alt un^er gewissen Voraussetzungen aus der Alu 45 RM. Wochenunterstützung, aus der Kru er- iie It er zuletzt nichts, jedoch ist anzunehmen, daß tie Notverordnung vom 6. Oktober auf dem Ver- m llungsroeg eine Besserung bringt. Vermögenslose lebige Erwerbslose über 21 Jahren erhalten aus ier Alu und Kru je 9,45 RM. Der Höchstsatz der ttineindlichen Wohlfahrtspflege ist sowohl in der kiroxis, als auch nach den Richtsätzen etwas gerin- cer. Ein »erheirateter Erwerbsloser ohne Vermögen inb ohne Kinder erhält aus der Alu oder Kru vachentlich 10,80 RM., ein verheirateter Erwerbs- b|er mit 2 Kindern 13,50 RM., ein verheirateter Erwerbsloser mit 4 Kindern 16,20 RM. Besitzt der Erwerbslose aber beispielsweise ein kleines Häus- hen, 3 Morgen Land (mittlerer Bodenwert) und Mine Kuh, dann erhalt er als Verheirateter ohne linder aus der Alu 9,45 RM., und wenn er aus- (e|ieuett ist, aus der Kru 3,96 RM. wöchentlich. Mit ! Kindern erhält er in der Alu 12,15 RM., in der Um 7,20 RM., mit 4 Kindern 14,85 RM. bzw. 10,44 RM. Die Richtsätze für die gemeindliche Wohl- h^rtspflege schließen sich diesen Zahlen an bzw. sie InB um ein Geringes höher. In der Praxis ist zu leobachten, daß die von den Gemeinden gewährten Eiuerftüfoungen die Sätze, die im Kreise Gießen als üiahtsotze gelten, vielfach nicht erreichen. Die Gemeinden des Preises haben weiterhin Auf- Dt nbungen zu machen für die Sozial- und ßtl t i n r e n t n e r. In 55 Gemeinden des Kreises Gießen sind vorhanden 380 Sozialrentner mit einem Monatsaufwand von rund 7200 RM. und 177 Kleinrentner mit einem Monatsaufwand von rund 3350 RM. Die hieraus zu errechnende Gesamtsumme von 10 550 RM. monatlich wird zu je ein Drittel vom Staat Hessen, Kreis Gießen und der betreffenden Gemeinde aufgebracht. Als Anteil an den Reichs st euerüberwei- jungen haben die Gemeinden des Kreises (außer der Stadt Gießen) im Rj. 1931 zu erwarten: 1. an Einkommen, und Körper- fchaftssteuer 231829 RM. 2. an Umsatzsteuer 110 651 „ zusammen 342 480 RM. Ueberwiesen find bis jetzt jedoch nur 1. an Einkommen und Körper- schaftssteuer 45 458,80RM. 2. an Umsatzsteuer 41088 „ zusammen 86 546,80 RM. so daß noch 255 934 RIN. ausstehen. Nicht wenige Gemeinden mußten zum Ausgleich ihres Haushalts vor dem 1. Januar 1931 Realsteuerausschläge beschließen, die den Lan- desdurchschnittssatz über st eigen. Der Landesdurchschnittssatz für die Steuersätze der Gemeinden für Rj. 1930 beträgt pro 100 RM.: 1. für Gebäude und Bauplätze 37 Rpf. 2. für den land- und forstwirtschaftlich ienützten Grundbesitz 50 „ ür das Gewerbekapital 72 „ ür den ©eroetbeertrag 325 „ Diese Landesdurchschnittssätze für 1930 werden im Rj. 1931 im Kreis Gießen überschritten: 1. bei Gebäuden und Bauplätzen von 4 Gemeinden, . 2. bei dem land- und forstwirtschaftlich genützten Grundbesitz von 24 Gemeinden, 3. bei dem Gewerbekapital von 30 Gemeinden, 4. bei dem Gewerbeertrag von 21 Gemeinden. Die Bier st euer wird von 65 Gemeinden im Kreis Gießen erhoben, die Bürgersteuer von 23 Gemeinden. In anderen Gemeinden stehen noch Beschlüsse aus bzw. sind die Verhandlungen noch nicht zum Abschluß gebracht. Manche von den Gemeinden, die bislang noch keine Bier- bzw. Bürgersteuer erheben, werden, wenn keine Aenderung der Lage eintritt, zwangsläufig zur Erhebung der Bier- bzw. Bürgersteuer veranlaßt. O e Durchführung der hessischen Verordnungen. Das Hessische Gesamtministerium hät auf Grund der Reichsverordnung vom 24. August 1931 am 21. und 25. September je eine Verordnung erlassen, die eine Kürzung der Bürgermeisterbesoldung und der Beamtengehalte, die Angleichung der Gemeinde- beamtenbesoldungen an die Staatsbeamtenbesoldung und sonstige Maßnahmen' vorschreibt, die zum Ausgleich der Haushalte der Gemeinden und Gemeindeverbände erforderlich find. Hinsichtlich der Landgemeinden obliegt dem Kreisamt die Verpflichtung, alle erwähnten Maßnahmen zu treffen, ebenso ist der Kreisdirektor verpflichtet, die für den Kreis selbst zu treffenden Maßnahmen durchzuführen. In den Städten mit mehr als 8000 Einwohnern trifft diese Verpflichtung neben der Aufsichtsbehörde den Bürgermeister. Es besteht zwischen dem Oberbürgermeister der Stadt Gießen und dem Kreis- a m t volle Uebereinftimmung darüber, daß die zu treffenden Maßnahmen in voll st er Harmonie vereinbart werden sollen. hinsichtlich der Kreisverwaltung darf bemerkt werden, daß die INitwirkung des Kreisausschusses bei Durchführung der kreisseitig zu treffenden INaßnahmen bereits gesichert ist, so daß eine Ausschaltung dieses Selbstoerwaltungsorgans praktisch nicht in Frage kommt. Ebenso darf mitgeteilt werden, daß auch der Herr Oberbürgermeister der Stadt Gießen entschlossen ist, seine INaßnahmen in gemeinsamer Arbeit mit ben Organen der Selbstverwaltung der Stadt Gießen durchzuführen. Für die bezüglich der Bürgermeister und Beamten der Landgemeinden zu treffenden Maßnahmen sind Richtlinien bzw. Grundsätze des Ministers des Innern zur Durchführung der hessischen Verord- nuny vom 25. September 1931 zu erwarten. Voraussichtlich dürste in zahlreichen Fällen eine roe • sentliche Kürzung der Besoldung der Landbürgermeister und mancher Ge- meinbebeamten eintreten. Näheres kann jedoch hierüber zur Zeit noch nicht gesagt werden. So ernst auch die Loge im allgemeinen ist, so sehr ist es doch erforderlich, alle Tatkraft z u - sammenzufassen, um die Schwierigkeiten des bevorstehenden Winters zu überwinden. Es darf angenommen werden, daß es bei g u t e m Sß i 11 e n oller beteiligten Personen und Stellen gelingen wird, die Unterstützung der Notleidenden ausreichend sicherzustellen, allerdings ist dabei Voraussetzung, daß das Reich, in stärkerem Umfang, als es durch die Verordnung vom 6. Oktober 1931 geschehen ist, an den Lasten, die durch die Betreuung der Wohlfahrtserwerbslosen entstehen, teilnimmt. Q.Ji.-yPort VfB-Gießen. VfB. Kurhessen Ularburg — VfB. Gießen. Die Ligamannschaft des DfD. hat während der nächsten Sonntage verschiedene Derbandsspiele auf fremden Plätzen zu bestreiten. Der morgige Sonntag sieht die Grün-Weihen in Marburg. VsD. Kurhesfen Marburg ist der Gegner. Das Spiel gegen diese Mannschaft wird kaum zu gewinnen sein. Die Kurhesjen waren schon immer gefährliche Gegner und wenn ihr Tabellenstand zur Zeit auch noch nicht sehr günstig ist, so will das für ihre Spielstärke nicht ausschlaggebend sein. Wenn man sich dessen erinnert, dah die Kurhesfen am vergangenen Sonntag gegen den Lokalrivalen Germania Marburg mit 3:1 gewinnen und auf den 4. Tabellenplatz zurückwerfen konnten, dann ist das für die Giehener gerade kein günstiges Omen. Tlachdem die DfBer den Sturm der Germanen kennen und fürchten lernen muhten, und sich dieser Sturm nicht gegen die Verteidigung der Kur- Hessen durchsetzen konnte, fallen die Chancen für die Stürmerreihe der Hiesigen bedenklich. Der Sturm der Giehener ist leider sehr schwach. Dazu kommt außerdem, dah Lehrmund, der seiner Mannschaft eine starke Stütze war, für zwei Sonntage kaltgestellt wurde und vermutlich auch Schmidt dem Spiel unfreiwillig fernbleiben muh. Wenn man außerdem noch hinzu rechnet, dah Henrich und Schneider am Sonntag in der Mannschaft des Bataillons gegen 1900 spielen, dann kann man der Mannschaft in Marburg keine grohen Chancen einräumen. Auch die Tatsache, dah die BfDer das letzte Spiel gegen die Kurhessen in der vergangenen Saison in Marburg unentschieden 2:2 halten konnten, sollte nicht ausschlaggebend sein. Wenn ein hoher Sieg der Marburger verhindert werden soll, dann muh sich die Mannschaft zu einem restlos produktiven Spiel entschließen können, selbst wenn dabei technische Schönheiten nicht so sehr zur Geltung kommen sollten. Die Ligareserve hat in Niedergirmes gegen die zweite Mannschaft des SC. Wetzlar—Niedergirmes im Berbandsspiel anzutreten. Die Ligareserve hat sich bisher tapfer geschlagen und nur ein Spiel verloren. Man erwartet die Mannschaft au chmorgen in Front. Die dritte Mannschaft hat aus dem Waldsportplah die erste Mannschaft von Nieder-Weisel zu Gast und sollte die Punkte in Gießen halten können. 3ugenbfpiele. Die erste Jugend, die sich zur Zeit in bester Form befindet, fährt mit der Ligamannschaft nach Marburg und trägt dort gegen die erste Jugend des DfD. Kurhessen ein Freundschaftsspiel aus. Das Borspiel gewannen die Giehener auf eigenem Platze mit 4:0. Der Ausgang des Rückspiels ist offen.' Die zweite Jugend tritt auf demWald- fportplah der ersten Jugend der Spielvereinigung Leihgestern gegenüber. V.f.B. Leichtathletik. Der Fuhballsportverein Frankfurt a. M. weiht am kommenden Sonntag seinen neuerbauten Sportplatz ein. In der Pause des Ligaspiels zwischen FSB. und „Germania" Frankfurt sollen drei Jugendstaffeln gelaufen werden. Zu diesem Wettbewerb meldet auf Einladung auch der DfB. eine Mannschaft, und zwar soll die 4x l00-Meter- Stafsel der Jugendklasse A entsandt werden. 2m Wettkampf werden sich auherdem Mannschaften von Eintracht Frankfurt, JG.-Sportverein und einiger anderer Vereine beteiligen. Da insbesondere der JG.-Sportverein über eine vorzügliche Staffelmannschaft verfügt und die anderen Gegner mindestens auch nicht zu unterschätzen sind, haben die Giehener nicht allzu grohe Aussichten. Spielvereinigung 1900 Gießen. Die Ligareserve tritt dem bisher ungeschlagenen Meisterschaftsfavo.riten, der zweiten Elf vom Wetzlarer Sportverein entgegen. Für 1900 ist dieser Kampf keine aussichtslose Sache. Die letzte Begegnung gewann 1900 mit 3:1 auf eigenem Platz. Die dritte (Lehr-)Mannschaft empfängt vormittags die erste Mannschaft Biebers zum Der- bandsspiel. Es mühte ein ganz besonderes Ereignis eintreten, wenn sich die Junioren 1900s die Punkte entgehen liehen. Das Spiel findet voraussichtlich neben dem 1900er-SportPlah statt. — Die vierte Mannschaft ist spielfrei. tzandball im Lahn-Oünsberg-Gau Im 3. Bezirk der Dezirksklasse findet auher den Spielen, die wir gestern schon veröffentlichten, noch ein Spiel zwischen Hausen 1 und Burkhardsfelden l statt. Das Ergebnis des Spieles Hausen gegen Steinbach vom vergangenen Sonntag muhte 13:1 und nicht 13:7 lauten. Das Spiel Beuern gegen Albach endete 4:1 (1:1). In dem Bericht über das Spiel Londorf gegen Garbenteich mußte es in der dritten Zeile nicht heißen: acht Tore waren die Ausbeute, sondern: drei Tore usw. Ford-BenzinverbrauchS-Ä^ttbewerb. Der Benzinoerbrauchs-Wettbewerb, den die Ford Motor Company augenblicklich durch ihre Vertreter im Reiche durchführen läßt, hat auch in Gießen lebhafte Beteiligung gefunden. Etwa 25 Ford- Wogenbesitzer haben sich gemeldet. Die bisherigen Prüfungen haben bereits sehr günstige Ergebnisse gebracht. Die Benzin-Verbrauchsziffern liegen zwischen 10,1 und 11 Litern pro 100 Kilometer. Für den Wettbewerb sind schöne Sachpreise ausgesetzt, lieber das Gesamtergebnis des Wettbewerbes, der in Gießen durch die Firma Krahn 8- Co., Harburger Straße, organisiert wird, werden wir noch berichten. Buntes Allerlei. Oie Stimme seines Herrn. Heber eine Entfernung von mehr als 6000 Kilometer hat ein Amerikaner zu seinem Hunde gesprochen, und dieser hat die Stimme seines Herrn wohl erkannt. Ein Mitglied der amerikanischen Expedition, die das noch wenig bekannte Matto- Grosso-Gebiet in Brasilien durchforscht, David Newell, ist vorübergehend nach Neuyork zurückgekehrt und sprach von dort mit seinem Lieblingshunde „Old Jake", der ebenfalls ein Mitglied der Expedition ist und sich gegenwärtig im brasilianischen llrtoalbe befindet. Der Jagdhund wurde vor den Empfangsapparat gebracht, und nun blies Newell am Mikrophon in Neu- hork zunächst auf seinem Jagdhorn, dessen Ton dem Hunde sehr vertraut ist. „Wie geht's, alter Jake?", fragte dann sein Herr. „Was sagst du zu diesen Tönen, mein guter Kerl?" Einige Minuten später meldete der Rundfunksender in Brasilien, daß Jake die Stimme seines Herrn gehört und erkannt habe. Trotz eines lahmen Beines lief er aufgeregt durch das ganze Lager und war untröstlich, als er den Besitzer dieser wohlbekannten Stimme nicht finden konnte. Jake hat sich während der Expedition sehr ausgezeichnet und u. a. beim Erlegen von 18 Jaguaren mitgeholfen. Unermüdlicher Erfindergeist. Die Erfinder sind unerschöpflich in neuen Einfällen, und wenn diese auch nicht immer sehr praktisch anmuten, so sind sie doch bisweilen recht originell. Das zeigen auch wieder einige der Einsendungen, die auf der neuesten Erfinderausstellung in London zu sehen sind. Da ist z. B. ein melodischer Wecker, dessen grelle Klingel durch eine Grammophonplatte ersetzt ist, die den Schläfer mit den süßesten Weisen den Armen des Morpheus entreißt-, dann finden sich hier zahllose Vorrichtungen, die dazu bestimmt find, dem Engländer das Frühstück im Bett angenehmer 3U machen als am Frühstückstisch. Ein „Beobachtungsspiegel für persönlichen Gebrauch" empfiehlt sich beson- ders bedrängten Schullehrern und Examinatoren er besteht in einem kleinen Hohlspiegel, der unauffällig am Kopf befestigt werden kann und dem Träger gestattet, durch einen Blick alles zu erkennen, was sich hinter seinem Rücken abfpielt. Ein „idealer Teekessel" kocht das Wasser, bereitet den Tee und schaltet den elektrischen Strom aus ohne jede Aufsicht. Ein „Taschenkalender für 10 0 Jahr e", der von einem ägyptischen Erfinder gezeigt wird, gestattet, das Datum der Wochentage für jedes Jahr bis zum September 2031 abzulefen — vorausgesetzt, daß unterdessen keine Kalenderreform kommt. Ein praktischer Knebel ermöglicht, den Mund eines Menschen stundenlang offenzuhalten, ohne daß er dabei Beschwerden empfindet ein Tisch besitzt eine Vorrichtung, die jedes Herunterfallen von Gegenständen ausschließt, ein Fallschirm soll das Abstürzen von Flugzeugen aufhalten usw. Uqter den Erfindern sind viele Berufsstände vertreten, Zahnärzte und Journalisten, Althändler, Chauffeure und Klempner. (Schluß des redaktionellen Teils.) INuh das fein? Muß der Waschtag immer in dieser Hatz verlaufen? Müssen die guten Vorsätze an der Unzulänglichkeit einer überlieferten Waschmethode scheitern? Nein, Krisenstimmung im allgemeinen und Ermüdungserscheinungen im besonderen kommen nicht mehr vor, wenn Sie nach der arbeit-, zeit- und geldsparenden Persilmethode waschen. 6609V Die Kunstgewerbeschule der Technischen Lehranstalten in Offenbach a. M beginnt ihr Wintersemester am 19. Oktober 1931 und nimmt für diesen Zeitpunkt wieder neue Schüler auf. Ein Eintritt ist auch während des Semesters möglich. Die Schule unterrichtet auf den verschiedensten Gebieten der angewandten Kunst: [ie stellt sich in Dienst von Gewerbe und Industrie. Hauptunterricht wird in Fach- klassen erteilt. -Vorträge über Kunstgeschichte vervoll- 1 ständigen den Lehrplan. (Siehe Inserat.) 6372V Mein Sonderverkauf tür Tefzet -Teppiche ist bis zum 14. Oktober verlängert. Ueberzeugen Sie sich unverbindlich von der Reichhaltigkeit und Preiswürdigkeit meines Lagers Ferner Grober Posten Teppiche (Qualitätsware) teils im Muster et- C/k Drn7 Rahsiff was unmodern mit IldUdll Spezialgeschäft für Teppiche u. Gardinen Beachten Sie bitte meine 5 Schaufenster 6805 A /Ur IX Mk. In dien Undopothekrii Pelikan - Apotheke OLGA-PULVER d< Küw rrvkm gitt m® * OIm Bruni!pdvrf Hi aaMwdrf Tr3cMid.fi, m Olga Iwkrpulvfr Dorrn kloppt ei | Ausländisch. Unternehmen sucht einen Herrn oder Dame zwecksUebern. •iner Versandfiliale. .Vlooatl. Verdienst- tnögiichk.M.500. . Besond.Kenntn.,Lad. oder Kapital nicht erford. Zuschriften an Hans Peschka. Aussig. A. L. H. 26. Böhmen (C.S.R.)Po8tfachl94,erwünscht. Kaufmännische Angestellte können jährlich bis zu Nk. ISO -sparen durch Eintritt in die Iraslenkasse des Kauimännischen Vereins Frankfurt am Main, Ersalzkasse die billigste aller kaufmännischen Berufs- Krankenkassen mit relativ höchsten Reservefonds. — D j Beiträge betragen nur teilweise kaum ein Drittel des Ortskassenbeitrages bei mindestens gleichwertigen Leistungen. — Die Mitgliedschaft bei der Ersatzkasse entbindet von der Beitragszahlung an die Oitskasse. Auskunft und Anmeldepaplerc bei der Verwaltungsstelle (Heben, Am Riegelpfad 68. Sprechstunden: 1 — 2% Uhr lädimittags und abends nach 6 Uhr.05884 fVür emschlaqtaen 6792 v Vütkevekavttkel geg.Hobe Provision ein nut etngesllhrt. Vevivetev »[webt, der die Verhältnisse der Kundschaft «nut. Nur Herren, die deretfs Bäckerkund- sh»>f besucht haben,finden Berücksichtigung. luLsührliche Offerten unter F.W.3935burcb Sitbolf Mofsp, Frankfurt CNt Main Biogene smroeiöfltoeiten und alle Ncva> a- tureu billigst 05887 Schlosserei Ziegler Tel. 3822. Steinstr. 33. Rechnungen liefert Brühl, Gleßen'ri (Holen ,il|)r> RADIO-ANLAGEN ...BRINKMANN entsprechen durch Auswertung langjähriger Erfahrungen den verwöhntesten Ansprüchen AUTORISIERTER TELEFUNKEN-DIENST 6803 a Neuen Bfiue 17 Bahnhofstr. 58 Erfinder — Vorwärtsstrebende 10000 Mark Belohnung Näheres kostenlos durch: 8625V F. Erdmann & Co. / Berlin SW 11 Zwangsversteigerung. 51% Am Donnerstag, dem 10. 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Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20 (Stadthaus), zur Einsicht ausgchängt. Gießen, den 6. Oktober 1931. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen; Leo, Ortsgerichtsvorfteher. Mi Radio-Ruhl-Gießen Ajpi Autorisierter Telefunkendienst • Plockstr. 12 - Tel. 3170 W ▼▼ Autorisierter 67MD M All Rundfunk* ■ ■ g An A P xr pjnp KltTP '--1CBI ft II flll V „nd auswärts' Vlllw Ulllu l",,m »l»»"»" i J UI ■: 'S * F »W ■ > H h v; < >,y.v , Fl > Ä Gefütterte Io Seidenschirme: Bahnhof - Gaststätten Sparen Sie! Die 055.« 6779 r III. für Oberhessen. W F P RED RUCKSACHEN •• ■ D UBrühl'sche Druckerei 6575 D Torfmullmatratze Rasch entschließen! Gießen, Seltersweg 81 6759 D Zu haben nur bei C. Röhr & Co Nowack 6787 A Beginn des Winter-Semesters am Montag, 2. November • Außer den Semesterkursen jederzeit Sonder-Kurse im Schnittzeichnen, Zuschneiden, Maß nehmen und Anfertigung eig. Damen- und Kinderkleidung u. 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Der Schulleiter: Vitt, Rektor. Staatlich beaufsichtigte, dreiklasfige gewerbliche Fachschule mit Abteilungen für Bauhandwerker, Maschinenschlosser u. Elektro-Jnstallateure, Möbelschreiner, Treppenbauer, Maler und Weißbinder. Beginn des Winter-Semesters am 26. Oktober d. I. Dauer des Semesters: 20 Anterrichtswochen bei vollem Tages- unlerricht. — Eonderkurfe nach Bedarf. Borbereitung jur BleifterprQfung. Bezug der Anmeldescheine durch die GEWERBESCHULE GIESSEN Baugewerbe, Schreinerfachschule, Malerfachschule, Schuhmacherfachschule. Staatliche Abgangsprüfung, / \W \ Private höh. Lehranstalt / SextabisOberprlmaelnschließllcb i- => Sorgfalt. Ueberwachung d.Arbeitsatnnden. Umschulung ohne Zeitverlust. Zartickgebliebene *erdon In klein. Klassen aufs Beste gefördert I Anmeldung jederzeit Man verlange Druckschrift 6480D Die Direktion: Hendelssohn-Bartholdy. Fernruf Nr. 273Ö. Sprechstund. nur werkt, v. 11-12 Uhr. Fehlt Ihnen die kaufmännische Ausbildung? 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Kon verwies aus do; rf unb wollte wohl N ig bts jweiten Sabinen; f üifenmartt taptz mi 3,87, gegen Spam Frankfurt am Main A Pferde-Märkte 12. Oktober, 7. Dez. 1931 Durch schnitt)Ich. Auftrieb 700 Pferde all. Rassen, auch Schlachtpferde, gröbte Auswahl und beste Gelegenheit für Kauf oder Tausch. Ein Besuch dieser Märkte ist zu empfehlen. 6760 V Der Handel Sonntags verboten. uuuumo-AusverM Gümblein — Neuen Bäue 5 in Uhren, Gold- und Silberwaren dauert »Ha Machbar Huber zu überzeugen. Doch nun weiß er. Er braucht nur zu Häuser zu gehen, ui ml er bekommt den Ofen, den er sucht. Das sagte Onkel Mollig, als er wieder in seine wwsfne Stube trat. Vergnügt wischt er sich den Schweiß von der Stirn. Er hatte doch wieder etirnel recht gehabt. Ein Häuser-Ofen bleibt eben ein Häuser-Ofen. 6808 A Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebärden Schaff Dir ’nen Häuser-Ofen her, dann wird Dlr’s wärmer werden! OUid wenn es sich darum handelt, Säle oder große Fabrikräume zu heizen, dann erst recht siuHBuser. Denn Häuser hat alle diese Modelle, die hierfür in Frage kommen und die auch BIS»nicht teuer sind. Wenn man also die Fabriksäle heizen will oder die Schulstuben kalt ■ Ihd, und man eben schon einen Ofen haben muß, auch für diese Räume, dann geht man zu HHiner. Häuser sorgt dafür, daß man auch Im kältesten Winter seine „wärmste“ Freude hat Lassen Sie Ihre Zentralheizungs-Anlage in Ordnung bringen, bevor die Heizperiode beginnt I Wir sind in der Lage, Sie prompt und billig zu bedienen tumarüpre'ch. utigen Dvchenmorkt das HO an. ‘Butter 120 bis Ar (10 6tüd| 60 bii IW; Mrcut 6 bis Z; Lvtiraut 8 bi6 10; rote Lüben 8 15, Römischkohl 8 bis 10; Jnter'NIrabi 5 bis 6; Mat 8 bis 10; Tomaten 10; Meerrettich 35 Pilrc 20 bis 25; Äar« n,ei S bis 10; Falläpfel 10 Dirnen 8 bis 15; 30 M »; Zwellchen 8 bis 10. 342 bis 50; iE E l M bis ISO; Gänse SO v das Stück; Taubai ) Aumenkohl 30 b^ rfen 15 bis 25; W«” ’ c 12, Lauch 5 M 'M.« I’6i* siling 5; Ototttaut6M Sflnntafl. 1 ■ c 11. Oktober, Sonntag. 'M --chi n pOn Dcnrdlg - HMOTTOi Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebärden Schaff Dir’nen Häuser-Ofen her, dann wird Dir’s wärmer werden!!! w-ein Sf üc 'chkr, Nach r lhet et J uer Boi, r ^'che^Ichwa. f ."'I'erium?; m,kn= 1 i'ch mit h? lm haaa ^'chafljgi, lu,!on Qbiumn ln,Utbc ;; SMs! >trou’4mc ?„ C'TL noirviM» ^nes Ter- ! vglichrn. 'um cm @c.- ! OHterböhunJ I Höhung 1 Frankreich ^Okiober Meine niedrigen Preise sind weit und breit bekannt! Grobe Posten Reste liegen ständig zum Aus suchen aus L-Bernard \n>". mLchloch'^sen- ,,-iinheU ®°..u flÄ fo6,i, % "der STOFFE aller Art und für jeden Zweck kaufen Sie am besten und billigsten in meinem großen Spezialhaus. Ich biete Ihnen eine kaum zu übertreffende Auswahl,führe nur gute Qualitäten u.habe für jeden Geschmack das Richtige H. Schaffstaedt G.m.b.H., Gießen * Fernsprech-Sammelnummer 2844 5817 D > 7-jäU .. -f O KM OW Satz: Jnhalt seicht für 2’/z-3 firner Wasser. 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