Nr. 133 Erstes Blatt 181. Jahrgang Mittwoch, 10. Juni 1931 Erschein« täglich, außer Sonntags und Fe,erlag» Beilagen: Vie Illustriert, Vtetzener Familienblätter Hermat im Bild Tie Scholle (Ronats-Bejugsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennlg füi Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern mfolge höhere, Gewalt. Zernsprechanschlksse anterSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnach- richten Anzeiger Steßeu. Postscheckkonto: Krantfrin am Main 11686. GictzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drud und Verlag: vrühl'sche Unwerfilütr-Vuch. and Stetnörnderet L Lange tu Stehen. Schrtfllettung und Seschästsstelle: Zchulsttahe 7. Annahme van Anzeige« für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig; für Re» klameanzeigen von 70 mne Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrist 20°/, mehr. Chefredakteur. Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Sicherheiten! Es ist über Europa feit Jahren nicht so ernsthaft nachgedacht worden wie jetzt. Begreiflich, wenn man so im Dreck steckt. Gewiß, mit dem Wort „Weltwirtschaftskrise" hat man einen Schuldigen für alles gesunden und auch eine gewisse Beruhigung für ein schlechtes Gewissen. Trotzdem grübelt man überall, nicht nur in Europa, über die Ursachen des gefährlichen Niedergangs nach. Denn schließlich sagt sich jeder Vernünftige, daß Wirtschaft und Politik von Menschen betrie- ben werden, meist mehr schlecht als recht. Und dah nicht ein Wunder des Himmels eine Wandlung bringen kann, sondern menschliche Einsicht und menschliches Bemühen. An Rezepten fehlt es denn auch nicht; sie gleichen der Verworrenheit dieser Zeit. Vicht von ihnen sei hier die Rede, sondern von einigen Einsichten, auf die man heute stößt. Wenn man als Deutscher mit Ausländern von einigem Format und Weitblick spricht, kann man meist erfreuliche Entdeckungen machen. Sie finden das Europa, wie es die Politiker und Militärs in Versailles umkonstruierten, durchaus nicht mehr vortrefflich und sakrosankt. Was Deutschland umsonst seit Jahr und Tag sich zu beweisen bemühte, das beweist die üble Lage, in die Europa in seiner Gesamtheit hineingeraten ist. Europa zeigt sich als ein Herd der Unruhe und gefährlicher Spannungen. Mehr noch: als Pulverfaß, an dem viele Zündschnüre jeden Tag zünden können. Einer gönnt dem anderen das Leben nicht. Und siehe, auch im Auslande hat man seit einiger Zeit als eins der größten Uebel und Gefahrenmomente die Minderheiten entdeckt. Lange, allzulange sah man in den deutschen Beschwerden und Vorstellungen nur deutsche Quengeleien und Hintertreppenpolitik. Das ist anders geworden. Die brutalen Strafexpeditionen, die Polen in der Ukraine im vergangenen Jahr monatelang betrieb, erregten in Amerika und England stärkstes Aufsehen. Run begann man auch die Klagen der deutschen Minderheiten mit anderen Augen zu sehen. Auch die unentwegte ungarische Aufklärungskampagne tat das ihrige. Dazu kam, daß in diesen Staaten, mehr oder minder offen, Militärdiktaturen ans Ruder kamen. Damit ging ein immer stärkeres Rüsten Hand in Hand. Keine chlechten Geschäfte für die internationale Rü- tungsindustrie, gewiß, aber eine üble Entwicklung ür die Wirtschaft und den Handel. Die Veigung, Kapital zu investieren, langfristige Unternehmungen und Geschäfte zu-finanzieren, wurde geringer; erst langsam, dann schneller. Das Risiko erschien den Finanzmännern zu groß. Und wenn sie es auch noch lange Zeit durch einen exorbitant hohen Zinsfuß einzukalkulieren suchten, so überwogen seit etwa einem Jahre doch emmeb stärker die Bedenken. Man schlußfolgerte: wo keine politische Vernunft sich durchsetzen tann, kann es auch nicht die wirtschaftliche. Mittel-, Ost- und Südosteuropa wurden als krisenverdächtig angesehen und gemieden. So kam es, wie es kommen mußte; zum Schluß vermengte sich Ursache und Wirkung immer enger miteinander. Hinzu kam dann noch die Wirtschaftskrise in der übrigen Welt, aus der man nun verzweifelt einen Ausweg sucht. Es zeigt sich dabei Verständnis für die Lage, die schwierige und gefährliche Lage Deutschlands. Man sieht im Ausland besorgt auf die innere Entwicklung. Man hat das Gefühl, dah der Dogen doch überspannt sein könnte. Und da wirken, freundlicherweise diesmal, die Polen in ihrer chauvinistischen Verworrenheit mit. Die Zumutung des polnischen Vertreters in Danzig an den Völkerbund, Polen die militärische Beset- zung Danzigs zu gestatten, machte mehr Aufsehen, als wir ahnten. Sogar in Paris bezeichnete man dieses Projekt als ein „Spiel mit dem Krieg". Die Polen gingen noch weiter. 3n Genf sondierten sie, was sie wohl riskieren konnten für den Fall, daß es in Deutschland zu inneren Unruhen und Umwälzungen kommen sollte. Sie wollten wissen, wie sich die großen Mächte verhalten würden, wenn Polen dann ganz Ost Preußen — selbstverständlich auch Danzig — besehe. Die Polen behaupten nun, nachdem sie aus tarkes — sagen wir — Unverständnis gestoßen int), man hak« sie mißverstanden. An einen Hand- treich und eine Annektion hätten sie nicht gerächt, nur an ihre eigene Sicherheit und eine „Sicherung" der östlichen deutschen Provinzen vor Bürgerkrieg und Bolschewismus. Man kann sich die Wirkung dieser polnischen Pläne, die nun doch allmählich durchsickern, vorstellen. Denn dah ein solcher „Handstreich" zum Krieg führen mühte, zu einem erbitterten Kampf, und vielleicht, wahrscheinlichzu einem europäischen Krieg, das ist klar. Ebenso klar ist, dah angesichts solcher Möglichkeiten auch der beste Wille, der europäischen Wirtschaftsmisere durch gemeinsame Anstrengungen Herr zu werden, im Keime erstickt wird. Es nutzt im Augenbli ckwenig, trenn das Verhältnis P o - len - Deutschland endlich richtig erlannt wird, wenn auch ein Nutzen auf weite Sicht nicht ohne Wert ist. Wir wollen auch nicht verkennen, dah die Minderheitenfrage in Zukunft ein anderes Gesicht haben wird, als bisher — und dah diedeutscheRevisionspolitikderOst- grenze gegenüber etwas mehr als menschliches Verständnis finden wird. Entscheidend ist im Augenblick, dah die grohen Mächte — die Politiker, wie die Wirtschaftler und Finanzleute — klar erkennen, dah Deutschland zu jeder vernünftigen und tragbaren Mitarbeit bereit ist, Europa aus der wirtschaftlichen Krise herauszuhelfen, dah die Voraussetzung dazu aber eine R e v i s i o n der unhaltbaren Fehlkonstruktion von 2 e r s a i l l e s ist, welche die Hauptschuld an dem Briand spricht in der französischen Kammer. Er polemisiert gegen den Stahlhelm und mischt sich damit in innerdeutsche Angelegenheiten ein. — Keine Neigung zur Revision des sioungplans. • Paris, 9. Juni. (WTB.) 3n der heutigen Sitzung der Kammer gab es eine längere Aussprache über den Zeitpunkt für die Beratung verschiedener Interpellationen. Die Abgeordneten M o n n e t (Soz.) und C o t (Radikal) haben über die Zwischenfälle an dem Lyoner Bahnhof bei der Rückkehr B r i a n d s aus Genf interpelliert. Sie protestierten auf das schärfste gegen die Behandlung der dem Frieden zu- jubelnden Menge durch die Polizei und verwahrten sich gegen die unterschiedliche Behandlung, die den Anhängern der Linken und den Anhängern der Rechten gewährt worden fei. Ministerpräsident L a - o a l deckte das Vorgehen des Polizeipräfekten. Er betonte, daß durch die aetroffenen Maßnahmen nur die Ordnung habe aufrechterhalten werden sollen. Uebrigens hatten die Manifestanten nicht nur gerufen: „Es lebe Briand!", „Es lebe der Friede!", sondern auch „Rieder lajbieu!", „Rieder Doumerl". Die Interpellation Monnet und Cot werden auf Antrag der Regierung mit 326 gegen 257 Stimmen auf unbestimmte Zeit vertagt. Der Abgeordnete Lorin (Fraktion Maginot) verlangte die baldige Diskussion seiner Interpellation über die Breslauer Slahlhelmkundgebung, die eine Provokation dargestellt habe und an der sogar der Kronprinz, der Kandidat für die Nachfolge Hindenburgs sei, teilgenommen habe. Am 24. Mai habe unter offizieller Beteiligung von Reichswehrregimentern in einer schlesischen Stadt eine ähnliche Kundgebung stattgefunden. In Aachen hätten die Stahlhelmleute Eupen und M a I • medy, ja sogar E l s a ß ° L o t h r i n g e n zurück- gefordert. Die Reichseisenbahnverwaltung habe durch Gestellung von Sonderzügen derartige Kundgebungen unterstützt. Als bemerkenswert bezeichnete der Redner, daß auf dem Leipziger sozialdemokratischen Parteitag die Redner, die die Stahlhelmkundgebung tadelten, doch die Beseitigung bej JR e p a r a t i o = n e n gefordert hätten. Er wolle die Eigenschaften des deutschen Volkes anerkennen, aber Deutschland sei gegenwärtig pangermanistisch und b e ° drohe den Frieden Europas. (!! Kommentar überflüssig. D. Red.) Sodann sprach der sozialistische Abgeordnete G r u m b a ch. Er sagte u. a., er wolle den Ernst der nationalistischen Gefahr in Deutschland nicht Der. kennen, forderte aber auch Beachtung der sozialdemokratischen Macht. Außenminister Briand ging in seiner Antwort auf die Vorredner ein. Seine Ausführungen gestalteten sich zu einer großen außenpolitischen Kundgebung. Die Redner auf den Stahlhelm- kundgebungen, führte er aus, bewiesen nicht gerade pazifistischen Geist. Und besonders in Breslau, wo übrigens nicht 150 000, sondern nur 50 000 bis 60 000 Teilnehmer gewesen seien, seien in Anwesenheit von Marschällen, Generalen und Prinzen besonders bedauerliche Worte gefallen. Zum mindesten müsse man die dortigen Vorfälle als bedauerlich und t a - d e ln s w e r t bezeichnen, und sie würden gerade kurz nach den Genfer Bemühungen um Regelung der Minderheitenfrage noch tadelnswerter. Die sranzösifche Regierung habe diese Bewegung mit Jnlereffe verfolgt und den für die Außen- Politik zuständigen deutschen Stellen erklärt, was sie von einer solchen Kundgebung halte. Derartige Kundgebungen entsprächen nicht dem Geiste der Zusammenarbeit zwischen beiden Volkern für die Organisierung eines festen, dauerhaften Friedens. Selbst e r glaube sagen zu törnten, daß das von der französischen Regierung zum Ausdruck gebrachte Gefühl von der Reichsregierung geteilt worden sei. Wenn derarftge Zwi- schenfälle sich ereigneten, müsse man sie kaltblütig und vernünftig betrachten, indem man sie auf ihr richtiges Maß zurückführe, in dem Bestreben, das Friedenswerk, dem Frankreich verbunden bleibe, zu wahren. Wenn derartige Zwischenfälle Frankreich von diesem Friedensweg abzubringen imstande seien, würden die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland eine solche Verschärfung erfahren, dah die Zukunft dadurch außerordentlich geprüft werde. Die Politik des Friedens und der europäischen Zusammenarbeit weise Deutschland seinen Platz zu. Cs genüge, einen Blick auf die geographische Lage zu werfen, um zu erkennen, daß es sich bei Deutschland um ein mächtiges Volk handele, das mit dem französischen Volk für den Friedensgedanken Zusammenarbeiten müsse. Er habe sich oft gefragt, ob der in Deutschland zu beobachtende Mangel an psychologischem Verständnis eine Voreingenommenheit bedeute, die ihn entmutigen müsse. Er glaube es nicht. Die Zukunft beider Völker liege in einer Zusammenarbeit. Man müsse unaufhörlich die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung auf derartige Kundgebungen lenken und sie bitten, mit allen verfügbaren Mitteln einzuschreiten, um eine öftere Wiederholung derartiger Kundgebungen zu verhindern. Die Reichsregierung sei aus einem Wahlkampf hervorgegangen, der Politiker in den Vordergrund habe treten lassen, die chauvinistischer seien, als die Stahlhelmleute. Ls wäre für Frankreich nicht gut, wenn die Reichsregierung durch die Nationalsozialisten gestürzt würde. Für Frankreich würde das allerdings keine ernste Gefahr bedeuten. Frankreich könne allen Ereig- niffen ruhig entgegensehen, und man brauche sich nur seine geographische Lage auf der Karte Europas anzusehen und die Freundschaften, mit denen es umgeben werde, zu betrachten, ferner über alle i h m zur Verfügung stehenden Mittel nachzudenken. Frankreich könne also seine Kaltblütigkeit behalten, selbst wenn es unangenehmen Ereignissen, wie denen, bie_ der Abgeordnete Lorin erwähnt habe, gegenüber» stehe. Sicherlich werde angesichts jedes derartigen Vorfalles die französische Regierung nicht verfehlen, zu protestieren, damit die Zusammenarbeit nicht gestört werde. Briand wies weiter darauf hin, daß der Friedensgedanke in Deutschland unleugbare Fortschritte gemacht habe. Man dürfe nicht vergessen, dah das Recht auf Frankreichs Seite fei und auch nicht, daß das deut- scheVolk durch seine zum wenigsten schmerzliche Wirtschaftslage in starke Erregung versetzt werde. Trotz allem wäre es nicht recht. Baldiger englischer Mnisterbesuch in Berlin Reparationen und Abrüstung. London. 10. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt, in amtlichen Kreisen wurde gestern betätigt, dah Macdonald wahrscheinlich und Henderson bestimM binnen kurzem Dr. Brüning und Dr. L u r t i u s in Berlin einen Gegenbesuch ab st alten werden. Sollte die deutsche Regierung beschließen, den Plan eines baldigen dreijährigen Moratoriums bezüglich eines Teiles der Reparationen durchzuführen, so würde dieser Schritt wichtige Verhandlungen mit den alliier len Regierungen und dem beratenden Ausschuß des Poung- planes notwendig machen, da der youngplan nur ein zweijähriges Moratorium und Suspension der halben Annuitäten vorsieht. Unter diesen Umständen dürfte eine Art internationaler Konferenz einberufen werden, da die Zuständigkeit des beratenden Ausschusses nicht ausreichen dürfte. Der Korrespondent fügt hinzu, Henderson wünsche die Besprechungen in Berlin sofort anzusehen, weil in Lhequers sehr wenig über die Abrüstung gesprochen worden sei. Allerdings sei in Lhequers von dem geplanten Bau eines dritten deutschen Schlachtschiffes die Rede gewesen. Die deutschen Minister hätten erklärt, gegenwärtig seien sie nicht in der Lage, auf den Bau zu verzichten. Moratoriums-Absicht dementiert. Berlin, 9.3unt (TLl.) Amtlich wird mit- geteilt: Gegenüber Meldungen, nach denen die Reichsregierung in den nächsten Tagen bereits Beschlüsse bezüglich der Ankündigung eines Transfer-Moratoriums treffen würde, wird von zuständiger Stelle fest- gestellt, daß diese Mitteilungen jeglicher Begründung entbehren. Die Reichsregierung hat keinerlei Beschlüsse gefaßt, sie wird sich auch durch berartige Mitteilungen nicht zu voreiligen Handlungen drängen lasten. Es kann allerdings nicht verschwiegen werden, daß Informationen solcher Art geeignet sind, die Reichsregierung in ihrer Handlungsfreiheit zu beeinträchtigen und Schaden anzurichten. Ein neuer amerikanischer plan in Sicht. Washington, g.Juni. (WTB.) 3nBeftätigungber bereits gemeldeten verschiedenen Anzeichen der letzten Zeit, dah sich eine Neuorientierung der amerikanischen Auhenpolitik bezüglich der internationalen Schuldenfrage und der Liquidierung des Weltkrieges vorzubereiten scheint, teilen heute die außenpolitischen Korrespondenten O u l a h a n von der „New Jork Times" und Pearson von der „Baltimore Sun“ mit, dah hier der Entwurf eines Planes ausgearbeitet werde, durch den die Weltdepression gemildert werden könnte, und zwar offenbar mittels gleichzeitiger Herabsetzung der Rüstungen, Reparationen und alliierten Kriegsschulden. Pearson glaubt, dah eine amt- lichc Bestätigung vorläufig nicht zu erwarten fei. da Präsident Hoover noch keine festen Entschlüsse gefaht habe, sondern die Ergebnisse von Stirn- sons Luropareise und die dadurch erhoffte Einwirkung auf den Kongreh und die öffentliche Meinung abwarten wolle. Hoover hoffe, dah die deutsche Regierung keinen formellen Schritt tun werde, der, solange nicht die Bereinigten Staaten auf die obenerwähnte Umstellung und Berfnüpfung der drei Punkte hinreichend vorbereitet seien, die hier in Bildung begriffene internationale Hilfsaktion erheblich erschweren, wenn nicht stören würde. ganzen Niedergang hat. Polen hat sein Bestes getan, zur rechten Zeit die nötige Aufklärung zu geben, wo einer der wundesten Punkte an dieser Fehlkonstruktion ist. Deutschland hat Grund, Sicherheiten zu fordern und sich zu verschaffen. Nicht nur für sich, auch für Europa. Aenderung des hessischen Wahlgesetzes. Das Zwedverbandsgesetz. Darmstadt, 9. Juni. (WHP.) Durch das Urteil des Staatsgerichtshofes für das Deutsche Reich ist unter dem 17. Dezember 1927 festgestellt worden, daß einige im September 1927 vorgenommene Aenderungen des Landtagswahlgesetzes gegen die Grundsätze der Reichsverfassung verstehen und nichtig sind. Es dreht sich darum, dah der Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich feststellte, dah die alten Vorschriften des Landtagswahlgesetzes vom 15. Oktober 1924, wonach 500 Unterschriften unter den Wahlvorschlägen genügen, in Gültigkeit bleiben müsten, und dah die Forderung auf Zahlung einer Kaution von 5000 Mk. bei neuen Wahlvorschlägen unwirstam sei. Der von der Regierung unterbreitete Gesetzentwurf trägt diesen Feststellungen des Staatsgerichtshofes und der im vergangenen Jahre erfolgten Derfastungsände- rung Rechnung. Mit der heutigen Beratung waren die Anträge der verschiedenen Parteien zum Wahlgesetz verbunden. In der Aussprache wurden die Anträge der Deutschnationalen und Nationalsozialisten, die Zahl der Landtagsabgeordneten von 70 auf 25 bzw. 30 herabzusetzen, abgelehnt. Die Deutsche Dolkspartei erklärte, dah sie grundsätzlich mit der Aufhebung der Länderparlamente einverstanden sei. Wenn diese Parlamente aber weiter bestehen sollten, mühten sie auch arbeitsfähig erhalten werden. Die Deutsche Dolkspartei stimmte dem staatsparteilichen Antrag zu, die Abgeordnetenzahl von 70 auf 56 herabzusehen. Der Antrag wurde jedoch mit den Stimmen der Sozialdemokraten und des Zentrums abgeglehttt. Der deutschnationale Antrag auf Heraufsetzung des Wahlalters und Bildung einer Zweiten Kammer wurde mit den Stimmen der Sozialdemokraten und des Zentrums ebenfalls abgelehnt mit der Begründung, die Herabsetzung der Abgevrdnetenzahl und die Her- auftehung des Wahlalters mühten dem kornmenden Landtag überlassen bleiben. Im übrigen wurde die Regierungsvorlage über die Aenderung des Wahlgesetzes und eine gleichsalls notwendig gewordene Aenderung des Gesetzes über Volksbegehr und Volksentscheid gegen die Glimmen der Opposition genehmigt. Der Ausschuß begann dann iuxf) die Beratung des Zweckverbandsgesehes. Nach den bisherigen Bestimmungen war be^ der Bildung von Zweckverbänden der Landgemeinden der Beitritt von Kreisen oder Provinzen nicht möglich. Das will die neue Vorlage zulassen, gleichzeitig aber auch die zwangsweise Bildung von Zweck- verbänden, falls ein weiterer Zusammenschluß im öffentlichen Interesse nicht erfolgt. So soll auf Antrag der Provinzialdirekttonen die mangelnde Zustimmung einer Gemeinde, selbständigen Gemarkung oder eines Kreises durch einen entsprechenden Beschluß des Provinzialausschusses erseht werden. Im Falle einer Weigerung einer Provinz soll das Gesamtministerium ermächtigt sein, die zwangsweise Bildung eines Zweckverbandes vorzunehmen. Gegen diese weitgehende Erweiterung der Regierungsgewalt wurden im Ausschuß starke Bedenken zum Ausdruck gebracht und die Regierung ersucht, eine neue Formulierung zu suchen. Äe Beratungen werden solange unterbrochen. Am Mittwoch setzt der Ausschuß seine Beratungen fort. nicht anzuerkennen, dah es zwei Deutschland, mehrere Deutschlands gebe. Die Nationalisten bildeten nicht die Mehrheit. Sie seien nicht die Herren der Lage. Solange nicht bewiesen sei, daß es unmöglich fei. die Friedenspolitik mit Deutschland genau wie mit den anderen Ländern Europas sortzusetzen, glaube er, dah es in Frankreichs Interesse liege, bei dieser Politik zu bleiben. Der Abgeordnete Lorin sei auch aus die Frage der Reparationen eingegangen, und zwar unter Anspielung auf den Besuch der deutschen Minister in London. Er habe besürchtet, dah Deutschland seine Verpflichtungen zur Zahlung der Reparationen verleugnen könnte. Es sei möglich, dah Deutschland bei den Londoner Besprechungen Gelegenheit genommen habe, seine schlechte Wirtschaftslage geltend zu machen. Das sei sein gutes Recht. Frankreichs Recht sei es, wenn man ihm irgendetwas vorschlage, was den Interessen des Landes zuwiderlaufe, Rein zu sagen. Es sei nicht möglich, eine Frage wie diese ohne Frankreichs Zustimmung zu regeln. Es sei nicht möglich, das feierlich unterzeichnete Abkommen ohne Frankreichs Einwilligung um- zuftohen. Der Joungplan fei erst kürzlich in Kraft gesetzt worden. Es könne nicht die Rede davon sein, ihn zu revidieren, da er einen definitiven Charakter trage. Er enthalte in sich Möglichkeiten für Deutschland. Deutschland werde davon vielleicht Gebrauch machen. Das sei sein Interesse, von dort aber bis zu dem Schritt, ihn völlig umzugestalten und von einer neuen internationalen Konferenz für die Schuldenfrage zu sprechen, sei ein weiter Weg. Bisher habe man sich an den französischen Außenminister noch nicht in diesem Sinne gewandt. Die Kammer könne sicher sein, dah er sich nicht hineinziehen lassen werde. (Lebhafter Beifall.) Rach Briand sprach nochmals der Abgeordnete Lorin, der behauptete, dah von einer allgemeinen Zusammenarbeit der Völker nicht die Rede sei. In Chequers habe es sich um eine zweiseitige Unterredung gehandelt. Die Regierung Brüning paktiere mit den Hitler- l e u t e n, deren Forderungen man kenne. Man dürfe einem Land wie Deutschland nicht mit den französischen Spargroschen wieder auf die Beine helfen. Als Treviranus vom Danziger Korridor gesprochen habe, hätten die Polen protestiert, aber Frankreich nicht. Briand erwiderte: Ich habe doch den Dank der polnischen Regierung entgegengenommen. Die Interpellation Lorin wurde hierauf auf unbestimmte Zeit vertagt. Oer Kampf um die Notverordnung. Oie Staatspartei fordert AenLerungen. Berlin, 9. Juni. (VDZ.) Rach längerer, teilweise sehr lebhafter Aussprache faßte di« Reichstagsfraktion der Deutschen Staatspartei folgende Entschließung: „Die Fraktion hält wesentliche Teile der Rot- verordnung für verfehlt und mit ihren grundsätzlichen Auffassungen nicht für vereinbar. Wegen der sozial und wirtschaftlich notwen, digsten Aenderungen und Ergänzungen wird die Frashidn mit dem Reichskanzler verhandeln. Von dem Ergebnis dieser Verhandlungen macht die Fraktion ihre endgültige Stellung abhängig." An der heutigen Sitzung nahmen auch Reichsfinanzminister Dr. Dietrich, der preußische Fi- nanzminister Höpker-Aschvff und der preußische Handelsminister Dr. Schreiber teil. Oer Reichsfinanzminister erklärt. Berlin, 10. Juni. (ERB.) Reichsfinanzminister Dr. Dietrich erklärte in der Fraktionssihung der Staatspartei bei der Besprechung der Rotver- vrdnung, dah durch die Arbeitsbeschaffung der Reichsbahn eine fühlbare Entlastung auf dem Arbeitsmarkt bewirkt werde. Mit den Vertretern des Bergbaues würde über eine Herabsetzung der Kohlen- Preise um eine Mark für die Tonne verhandelt. Auch noch Erhöhung der Umsatzsteuer? Aufgehoben als Reserve. — BrüningS Standpunkt. Essen, 9. Juni. (CNB.) Bei einem Interview des Reichsarbeitsministers Dr. Stegerwald mit dem Chefredakteur des „Echo vom Niederrhein" Führte Dr. Stegerwald u. a. aus: r Die „Kölnische Zeitung" versichert dem fierrn Reichskanzler ihres weiteren Vertrauens, wünscht aber an Stelle der jetzigen eine befere .Notverordnung, ehe es zu spät ist. Sie ist der Meinung, daß die jetzige Notverordnung durch eine andere zu ersetzen sei, in der einig« Anordnungen geändert wären. Sie mißbilligt in erster Linie die Seifen ft euer gegenüber dem Mittelstande und fordert die sofortige Durchführung einer durchgreifenden Reform in der Sozialversicherung , darunter insbesondere die Zusammenlegung der Krisenfürsorge und der Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge, ferner schn«llste Reichs- und Verwaltungsreform, an Stelle der jetzigen unsympathischen Steuern, trotz großer Bedenken die Erhöhung der Umsatzsteuer und schließlich weitere Abstriche an den Sachausgaben. Dazu möchte ich, ohne dem Herrn Reichskanzler vorzugreifen, folgendes bemerken: Der Herr Reichskanzler hat in den letzten Wochen mehreren Stellen gegenüber erklärt, und zwar mit großer Eindeutigkeit, daß die Erhöhung der Umsatzsteuer in der gegenwärtigen Stunde seinen sofortigen Rücktritt zur Folge haben werde. Die Umsatzsteuer müsse reserviert bleiben für die beiden Fälle, daß entweder Komplikationen bei der Regelung des Reparationsproblems eintreten sollten oder aber, dah die houptsteuer der Länder, die Hauszinssteuer, weiterhin katastrophal zusammenschrumpfe. In der Frage der Zusammenlegung der Krisenfürsorge und der Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge stehen sowohl die Dr. Braunssche Gutachterkommission, als auch ich persönlich seit langer Zeit auf dem gleichen Standpunkte wie die „Kölnische Zeitung". Bei den Sachausgaben ist beim Reich kaum mehr etwas zu st reichen, da in dem mehr als 10- Milliarden-Etat des Reiches — abgesehen von dem Reichswehr- und dem Reichsmarine-Etat — nur wenig mehr als 100 Millionen Mark Ausgaben für Sachlieferungen noch enthalten find. Mit der sofortigen Inangriffnahme der Reichs- und Verwaltungs- reform bin ich.für meinen Teil sehr einverstanden. Protest der Beamtenschast. Einberufung des Reichstags gefordert. Berlin, 9. Juni. (VDZ.) Wie das Rach- richtenburecru des VDZ. hört, hat sich di« Qei- itung des Deutschen Beamtenbundes, der Organisation, die mehr als eine Million deutscher Beamten umfaßt, am Dienstag unter protestierendem Hinweis gegen die neue Rotverordnung für baldige Einberufung des Reichstags ausgesprochen. Kundgebung der höheren preußischen Beamten. Der Landesverband Preußen des Reichsbundes der höheren Beamten bat unter dem Eindruck der Notverordnung feine Vorstandsmitglieder aus ganz Preußen zu einer außerordentlichen Tagung zusammenberufen. Hierbei wurde folgende Entschließung gefaßt: „In tiefer Erreguna stellt die preußische höhere Beamtenschaft, deren Besoldungssätze ohnehin gegenüber denen des Reiches stark zurückstehen, fest, daß sie durch die letzte Notverordnung um das gesamte Ergebnis der Besoldungs- reform von 1927 gebracht werden soll. Die Oeffent- lichkeit ist durch übertriebene Darstellung des Ausmaßes dieser Reform irregeführt worden. Durch die neue Notverordnung sieht sich die höhere Beamtenschaft auf das Niveau von 19 2 4 zurückgeworfen, zahlreiche Beamte des We- stens, die Ruhestandsbeamten und die Anwärter sogar unter dieses Niveau, das von Regierung, Parteien und Wirtschaftsführern übereinstimmend als untragbar bezeichnet worden war. Zu dem wirtschaftsfeindlichen Moment einer allgemeinen Drosselung der Kaufkraft tritt damit die Gefahr einer Unterbewertung der qualifizierten Arbeit. Ohne die Zustimmung der dazu berufenen parlamentarischen Körperschaften werden auf einzelne Erwerbsschichten neue Lasten in unverständlicher Differenzierung gehäuft. In der festen Uebergeugung von der Wirkungslosigkeit auch dieses neuen Sanierungsversuches legt der Landesverband Preußen des Reichsbundes der höheren Beamten Einspruch hiergegen ein. Er kann die rechtliche Zulässigkeit des eingeschlagenen Verfahrens nicht anerkennen und wird alle gesetzlichen Mittel anwenden, um den Bestimmungen der Verfassung zum Schutze des Berufsbeamtentums wieder Geltung zu verschaffen." Forderungen der Behörden Angestellten. Berlin, 9. Juni. (WTD.) In einer Besprechung mit dem Herrn Reichssinanzmini- st e r trugen »heute Vertreter der Organi» s ationen der Behördenlei‘ mei (China) em HandeisschM >lle eingetrosfent inb 26 Matrosen W * 'S nb-ü«*"1,, Torpedorohre» 'dJ‘ Jaro-neter' es? xiar die neue oarts -S8 '.e o bis 4 d * W ^^Äilanlik' He J* Alande ich ivci' , «■ Dunstig^ „ 01 Srod nrittaS , Ilgens kSs- Stzs?- löge ö.i Aus der Provinzialhauptstadt. Vieh en, den 10. Juni 1931. Oie Verfaffungsfeier 1931. Unter dem Vorsitz deS Provinzialdirettors Graef fand gestern nachmittag im Siyungs- saale tx4 Regierungsgebäudes eine Besprechung im Kreise geladener Herren statt, die der Ausgestaltung der diesjährigen Feier des Dersassungstages am 11. August galt. CS herrschte Ueberclnstimmung darin, daß eine würdige Vcrsassungsfeier organisiert werden soll, die sich in überparteilichem Rahmen bewegt. Als Stätte der Feier ist die Dolkshalle vorgesehen, damit bei dem voraussichtlich starken Besuch jedermann bequem Platz finden kann. Die bisherigen Bemühungen deS ProvinAialdirektors Graes zur Gewinnung eines Festredners haben noch kein positives Ergebnis gezeitigt, so dah die Konferenz nach dieser Richtung hin keinen De- schluh fassen konnte. Provinzialdirektor Graes wurde ermächtigt, die Auswahl des Festredner- selbst zu treffen, wobei auch diesmal wieder die bisher bewährte Regelung gelten soll, dah der Festredner alljährlich einer anderen politischen Richtung, die im Ramen des jetzigen Staate- mitarbeitet, angehören foll; nach diesem Turnus Ware in diesem Jahre ein Redner auszuwählen, dec auf dem Boden der Deutschen DolkS- partei steht. Den musikalischen Teil der Feier wird die Kapelle unseres Bataillons übernehmen. Weiter ist geplant, nachdem im vorigen 3ahre Massenchöre gesungen wurden, in diesem 3ahre Kinderchöre der hiesigen Schulen Mitwirken zu lassen, falls sich angesichts der Ferienzeit aus diesen Kindern ein guter Klangkörper zusammenstellen läßt; auch hierüber wird die endgültige Entscheidung erst später getroffen werden. Die bei den Kinderchören mitwirkenden Kinder sollen durch Ueberreichung von Brezeln erfreut werden. Die weitere Ausgestaltung des Programms wurde einem Unterausschuh übertragen, der unter dem Vorsitz eines Beamten deS Kreisamts tätig sein wird. Samilienfag der Matthäusgemeinde. Wenn die Familientage und sonstigen Veranstaltungen der Matthäusgemeinde zur Tradition geworden sind, so ist das in erster Linie der vorzüglichen Organisation und Leitung der Männer- und Frauenvereinigung zu verdanken. Es ist das Bestreben des Vorstandes, unterhaltsame Abwechslung hinsichtlich der Mitwirkenden und des Bildungswcrtes der Unterhaltungsstoffe zu schaffen. Der rührige und verdienstvolle Vorsitzende, Be- rufslehrer Wehrheim, wies nach der Begrüßung auf die segensreiche Bedeutung unserer evangelischen Kirche als kulturwollenden und kulturbringenden Faktor hin und forderte die Bersammlung auf zur Einigkeit, zum Zusammenhalt und zur Aktivität im Gemeindeleben. Gemeindepfarrer Mahr sprach über die Bedeutung eines Gemeindefamilientages, eines richtig gepflegten Familiensinnes und eines kirchlich-sittlich geordneten Familienlebens für unser gesamtes Volkstum. Er wies an Hand plastischer Beispiele und typischer Gleichnisse auf die Grundpfeiler eines gesunden Gemeinschaftslebens, auf den richtigen Geist im Erziehungswerk, die in der Person Jesu offenbarte Gottesliebe hin. Die Ansprachen waren umrahmt von einer Anzahl guter Darbietungen, die vollste Anerkennung verdienen. Der Verein für christliche Musik verschönte das Fest durch seine Weisen. Frl. Horst-Gießen und Herr Kruger- Steinfurth boten schöne Lieder und Duette und fanden dankbare Zuhörer. Frau Elfriede Fischer stellte auch diesmal wieder ihr gereiftes Können in der Liedbegleitung in den Dienst der Gemeindesache. Die Kinder unterhielten sich unter Betreuung der Helferinnen beim Spiel und Brezelverteilung. In einem von der Mädchenvereinigung aufgeführten Märchenstück, das Frl. Borges und Pfarrer Seemann sorgfältig einstudiert hatten, zog der reiche deutsche Märchen« und Sagenschatz an den Teilnehmern vorüber. Ebenso erfreuten die Tanz- vorsührungen. Die Männer- und Frauenvereinigung hat mit ihrer Veranstaltung auch diesmal wieder dem Zusammengehörigkeitsgefühl neuen Impuls gegeben und damit den Sinn der Gemeindefeier erfüllt. ^rnotizerr. — Tageskalender für Mittwoch. Guttempler-Loge, Hinter der Westanlage 11, 20 Uhr: Öffentlicher Vortrag über „Alkoholfreie Kinder- erziehung". — Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: Vorträge von Dr. med. h. c. Fritz Steil, München, und Dr. Berek, Wetzlar, 20.15 Uhr Hörsaal des Chemischen Laboratoriums, Lud- wigstraße 21. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße „Die Königin einer Nacht". — Aus dem Stadttheaterbureau wird u1i8 geschrieben: Am Dienstag, 16. Juni, gastiert das Ensemble-Gastspiel Lottina Baart, E. L. Franken, Kurt Unser mit einer einmaligen Aufführung der Alltagstragödie „Rju" von Ossip Dymow. Beginn 20 Uhr. Ermäßigte Sommerpreise. — Haushaltungskursus. Die Haushal- tungslehrerin Vages veranstaltet am morgigen Donnerstag im Hotel „Hindenburg" um 15 und 20 Uhr je einen Kursus zur Zubereitung und Herrichtung kalter Platten. Hausfrauen und Töchter seien auf diesen Kursus besonders aufmerksam gemacht. Näheres im heutigen Anzeigenteil. — Wohltätigkeitsfest f ü r Deu t sche über See. Bei dem am Samstag, 13. d. M, auf der LiebigShöhe stattfindenden Wohltättg- keitSsest des Frauenvereins vom Roten Kreuz für Deutsche über See gelangt ein abwechslungsreiches Programm zur Darbietung, das unter dem Titel »Mit Elli Beinhorn von Afrika nach Europa" zusammengefaßt ist. Die künstlerische Leitung hat Spielleiter Hub vom StadtLheater, während die musikalische Leitung in den Händen von Kapellmeister Fritz Euj6 liegt. Tanzmeister Däul(e zeichnet für die Ballets der Kleinen und Drohen verantwortlich. Auch ist außerdem die Mitwirkung des Tänzerpaares Bä ulke mit neuesten Kostüm- und Gesellschaftstänzen gesichert. (Siehe Anzeige vom Samstag.) Unzutreffende Gerüchte. Gestern wurde in unserer Stadt das Gerücht verbreitet, in Berlin und in anderen deutschen Städten sei wegen Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Rationalsozialisten der Belagerungszustand verhängt worden. Zwar ist es in den letzten Tagen in verschiedenen Städten zu kommunistischen Ruhestörungen mit gewissen poli- ttschen Tendenzen, sowie zu Schlägereien zwischen Kommunisten und Rationälfozialisten gekommen, bei denen vor allem Kommunisten als Angreifer auftrnten und mehrere ihrer politifchen Gegner getötet und verwundet wurden. Diese Vorkommnisse blieben aber rein lokal begrenzt, und die Polizei konnte überall die Herrschaft über die Straße behalten. Bei dieser Sachlage ist denn auch an keiner Stelle des Reiches der Belagerungszustand verhängt worden. Man sollte in so gespannten Zeiten wie jetzt mit der Verbreitung unkontrollierbarer Gerüchte, die vielfach nur unlauteren Zwecken dienen, sehr vorsichtig sein! ** Oeffen11 iche Sitzung des Kreis- ausschusses. Am Samstag, 20. Juni, 9 Uhr, findet im Regierungsgebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Gießen statt. Tagesordnung: Klage des Bürgermeisters N e e b in Hattenrod wegen Besoldung. •* Dienstjubiläum. Am morgigen Donnerstag feiert der Laborant Heinrich Leip old, wohnhaft Asterweg 48, das Jubiläum seiner 25,ährigen Tätigkeit in der Engelapotheke. Der Jubilar hat sich durch sein hohes Pflichtbewußtsein, durch seine Pünktlichkeit und Treue das Vertrauen seines Arbeitgebers erworben. E i n Achtzigjähriger. Morgen kann der Gendarmerie-Oberwachtmeister i. R. Leonhard Riebel von hier in außergewöhnlicher Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag feiern. Der alte Herr ist Kriegsteilnehmer von 1870/71 und war als Gendarm in vielen Gendarmerie-Stationen in Ober- Hessen, zuletzt in Lich tätig. In seinem Bekannten- kreise wird ihm hohe Wertschätzung zuteil. ** Frühwagen der Straßenbahn. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß von dieser Woche ab der erste Straßenbahnwagen ah Volks- Halle um 6.12 Uhr abgeht. 3m 3nteresse des Publikums liegt es, durch die Benützung dieser Frühwagen zu den Frühzügen dazu beizutragen, daß sie wenigstens für die Sommermonate erhalten bleiben. Andernfalls wird dieser Wagenverkehr wieder eingestellt. ** Sommerfest der Studenten. Dem Bericht über das Sommerfest der Studenten ist nach- dutragen, daß die vielerlei Zeichnungen, Beschriftun- gen, Schilder usw., deren Herstellung sehr viel Arbeit bedeutete, von stuck, ehern. Hans Schmidt ausgeführt wurden. •• Vogelsberg - Wanderung der Volkshochschule. Die hiesige Volkshochschule unternahm ihre diesjährige Dogeisbergwanderung am vergangenen Sonntag unter Benutzung eines Autobusses. Rach rascher Fahrt langte man in Breungeshain an. Die Fußwanderung führte dann die Teilnehmer zunächst nach dem Hochmoor, von dessen eigenartiger Flora die leuchtend roten Dlütenpolster der Moosbeere, die in Menge blühende Siebenstern und die roten Rosetten des Sonnetau über den schwellenden Moosen des kleinköpfigen Sphagnums besonders genannt werden sollen. Den Hök^punkt des Tages bildeten die in strahlendem Sonnenschein sich darbietenden Wiesen der Parklandschaften jenseits des Geißel- steins. Hier vereinen sich die rosenroten Aehren des Schlangen-Knöterichs mit den blauen Blüten des Sumpf-Storchschnabels, der Teufelskrallen und Dergflockenblume mit gelben Trollblumen, fußhohen Orchideen und den Kleinkräutern wie Glockenblumen, Ehrenpreis, Ditterfüh usw. zu jenem farbenreichen Bilde, das die nassen Bergwiesen im Vorsommer säst ebenso reizvoll erscheinen läßt, wie die blumigen Alpenmatten jm 3uni. 3n den rieselnden Wässern spiegelten sich die Blüten von Bachnelkenwurz, meergrüne Sternmiere und Sumpfvergißmeinnicht, während aus dem Dunkel des Waldes im verspäteten Früh- lingdflor die reinweißen Doldensträuße des Derghahnenfuhes leuchteten. — Roch bevor Sturm- und Hagelwetter über die Höhen niederging, waren bte gastlichen Räume des Klubhauses erreicht, wo die Stunden bis zur Heimfahrt rasch vergingen. ** D ie H o chs ch u l g r u p pe der D VP. hielt — wie man uns berichtet — am Freitagabend einen Ausspracheabend ab. 3m Rahmen des Themas »Kollektivistische Weltanschauungselemente in den mobemen Parteien" sprach Geschäftsführer eanck. phil. Heinemann über den »Kollektivismus in den Linksparteien", während ein anderer Redner über die „Weltanschauung im Rationalsozialismus" referierte. Eine eingehende Aussprache erwies den hohen sittlichen Ernst, mit dem die in der Gruppe vereinten jungen Studierenden an die Probleme der Gegenwart Herangehen. ee Frauengruppe der Deutschen Dolkspartei. Man berichtet uns: „Die Frauengruppe Gießen der Deutschen Volkspartei veranstaltete einen gut besuchten Vortragsnachmittag. Frl. Birnbaum begrüßte die erschienenen Damen. Sodann sprach Geschäftsführer Heinemann kurz über die Ziele der volksparteilichen Jugendbewegung im Hindenburgbund. Den Hauptvortrag hielt Frl. Generalsekretärin Schwarz. Berlin, über „Die Stellung der Frau in der pvlittschen Gärung der Gegenwart". Rach- dem sie eingangs die schweren Bedenken der Dollspartei gegen die neue Rotverordnung, die in ihrem Ausbau nichts weiter darstelle, als ein Abweichen von der bisherigen Haltung der, Regierung in Konzessionen an die Linke, dargelegt hatte, schilderte sie die Entwicklung der weltanschaulichen Grundlagen der heutigen politischen Gärung vom Rattonalismus über den materialistischen Marxismus bis auf die vollständige Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf. geistige Entwurzelung von heut«. DaS voll- tommernc Dersagcn der sozialistischen Kollekttv- wirtschcrft im Reich, in Ländern und Gemeinden habe es schließlich, im Derein mit der untragbaren Last der Tribute, dahin gebracht, daß heute Millionen nicht nur unter dem materiellen Druck der Arbeitslosigkeit stehen, sondern mehr noch unter der damit verbundenen 3nhaltlosigkeit ihres Lebens leiden. Die Rednerin schilderte dann die kulturellen Zersehungserscheinungen. Weiter gab sie Mitteilungen über die verheerenden Derwüstun- gen, die sowohl sozialistische, wie auch nationalsozialistische Schülerzeitungen in den Reihen der Schüler anrichteten. Flammender Protest aller deutschen Frauen müsse gegen eine solche Dolsche- wisierung unterer Schuljugend erhoben werden. Der Vortrag löste eine angeregte Aussprache aus." " Gautag der Marinevereine in Gießen. Qfm Samstag und Sonntag fanden im Bootshaus k»es Marinevereins aus Anlaß des Gautages des Marinegaues Riederwald im Bund deutscher Marine-Vereine eine Reihe von Veranstaltungen statt. Die eigentlichen Verhandlungen begannen am Samstagnachmittag. Es wurden durchweg interne Derbandsangelegenheiten behandelt. Beteiligt waren 22 Vereine mit etwa 60 Delegierten aus dem Lahn-, Main- und Rheingebiet, die insgesamt 1400 Mitglieder vertraten. Am Samstagabend fand in sämtlichen Räumen des Bootshauses ein gut besuchter Be- grühungsabend statt Musikvorträge, Darbietungen des Trommlerkorps des Stahlhelms, gemeinsame Lieder und Ansprachen, erfüllt von echtem Kameradschaftsgeist, füllten den Abend aus. Am Sonntagvormittag besichtigten die Gäste die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Am Sonntagnachmittag fand auf dem Bootshausgelände ein Volksfest mit Doppalkonzert, Darbietungen der 3ugendgruppe des hiesigen Vereins, des Trommlerkorps des Stahlhelms u. a. statt, das leider durch die ungünstig? Witterung etwas beeinträchtigt wurde. Trotzdem war der Besuch, auch von feiten der Gießener Bevölkerung, gut. " Diebe im Gartenhaus. 3n der Rächt zum 26. Mai wurde, wie der Polizeibericht heute meldet, in einem Gartenhaus am Rahrungsberg ein Einbruch verübt. Den Dieben vielen zwei« Meine und 20 mittelgroße Schallplatten in die Hände. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kiminalpolizei. ** Vorteilhafte Ferienreise an die Ostsee. Reisende mit Feriensonderzugfahrkarten nach Gtoinemünbe oder Berlin, bte innerhalb sechs Tagen nach Ankunft des Feriensonberzuges in Swinemünde oder Berlin von Swinemünde äus die Weiterreise mit dem Seedienst Ostpreußen, der Dchnellschiffslinie Swinemünde— Zoppot—Pll» lau—Memel an treten, erhalten 60 Tage gültige Rückfahrkarten mit 50 v. H. Fahrpreisermäßigung, d. h. zu folgenden Preisen: von Swinemünde nach Zoppot 14 Mk., nach Pillau 16 Mk., nach Memel 18 Mk. Feriensonberzugreisenbe nach Königsberg (Pr.) erhalten zur Weiterfahrt von Pillau nach Zoppot oder Memel ebensolche ermäßigte Anschlußrückfahrkarten zum Preise von Pillau nach Zoppot 6 Mk^ nach Memel 8 Mk. Die Fahrkarten werden gegen Vorzeigung der Ferienzugfahrkarten ausgegeben an Bord der Motorschnellschiffe »Hansestadt Danzig" und „Preußen", sowie in den Reisebureaus oes Rord- deutschen Lloyd. Zeuenvehrfeft in Büdingen. !! Büdingen, 8. 3unt. Am vergangenen Samstag und Sonntag feierte die Freiwillige Feuerwehr Büdingen das 3ubiläum des 50jäh- rigen Bestehens. Das Fest nahm unter großer Anteilnahme der Bevölkerung einen würdigen Verlauf. Am Samstagnachmittag fand im Saale des Hotels »Fürstenhof" die 3ahres-Haupt- DerbandStagung des Kreisverbandes der Freiwilligen Feuerwehren statt. Beim Festakt, der am Samstagabend in der Festhalle auf dem neuen Marktplatz feinen Anfang nahm, begrüßte zunächst Zugführer Klein von der Freiwilligen Feuerwehr Büdingen die Gäste. QSürgermeijter Hildner überbrachte die Grüße und Wünsche der Stadt Büdingen. Kreisdirektor Dr. Gähner sprach als Vertreter des Staates. 3m Rahmen des Festes wurden sodann einer Anzahl Kameraden Auszeichnungen überreicht. Das Ehrenzeichen für 40jährige Dienstzeit wurde verliehen an: Georg Knaf und Wilhelm S a l a t h e. Da- Ehrenzeichen für 25jährige Mitgliedschaft erhielten: Hch. Heiliger, W. Steinmark, Ludwig L e b n i n g , Georg Fehberger und Ernst Pulver. Ehrenkreuze wurden verliehen an Ludwig Hemming für 50jährige Mitgliedschaft, ferner an den Ehrenkommandanten, Fürst Carl zu Vfenburg-Büdingen, an den Ehren- Kommandanten Glanz und an Kreisdirektor Dr. Gähner, Büdingen. Die Feier wurde durch Darbietungen der Büdinger Vereine verschönt. Der Festsonntag wurde mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche eingeleitet. Für den Rest des Vormittags war eine große Hebung der Büdinger Feuerwehr vorgesehen, die den besten Verlauf nahm. Anschliehend fand ein sehr gut durchgeführter Drandangriff statt, der die Leistungsfähigkeit der Wehr unter Beweis stellte. Rachmittags bewegte sich ein Festzug durch bi« Hauptstraßen der Stadt nach dem Festplah, auf dem sich bald ein reges Leben entwickelte. 2 Tote bei einem Motorradunglück. Frankfurt a. M., 9. Juni. (WSN.) Gestern nachmittag fuhr der 18 Jahre alte Schlosser Ludwig Keller aus Höchst mit seinem Motorrad mit Beiwagen von Wiesbaden nach Höchst. Jm Beiwagen saß der 22 Jahre alte Schlosser Adolf Jung, ebenfalls aus Höchst. In der Farbenstraße in Höchst verlor Keller in einer Kurve die Herrschaft über bas Rad und fuhr gegen einen Kilometerstein. Beide Fahrer wurden in weitem Bogen auf die Straße geschleudert. Keller erlitt einen schweren Schädelbruch und war nach wenigen Minuten tot. Jung trug ebenfalls schwere Kopfverletzungen davon und wurde nach dem Krankenhaus in Höchst verbracht, wo er in der vergangenen Nacht gestorben ist. Keller war noch nicht im Besitz eines Führerscheines. Berliner Börse. Berlin, 10.3unl. (WTB. Funkspruch.) Da- wieder schwache Reuhork lieh im heutigen Vormittagsverkehr keine ainternehmungslust aufkommen. Die Tendenz blieb undurchsichtig und die Spekulation zeigte weiter äußerste Zurückhaltung. Kurse waren noch nicht zu Höven. Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein. schließt den Kaffee aus! Kaffeeköchin achte drauf: Solcher Kaffee schmeckt kräftiger und sieht viel besser aus. Richtig rechnen, -Wert mit Preis vergleichen! Sehen Sie sich den 1,8 Ltr. Opel 6 Zylinder an, fahren Sie ihn selbst Er kostet weniger als mancher Vierzylinder und ist der wirtschaftlichste Sechszylinder auf dem Markt Dieser Wagen erbringt den Beweis dafür, daß hohe Qualität und große Leistungsfähigkeit nicht mehr von hohen Preisen abhängigsind! Ein Sechszylinder für rm 3175 bis 3495! Preise ab Werk Rüsselsheim a. 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Juni, nachmittags 4 Uhr Merl Jahre Leipziger Lebfinsyersicherupg! 3830 D schaftllche Geräte 3891 A Edgar Borrmann * Gießen [2979A Preise Familie Fritz Schüßler. Gießen, den 10. Juni 1931. C3389 1490V liefert Achtunsr Achtung! [Verschiedenes! anzen 859706 | 62 4. 6 Monaten fällig b) Schuld in lausender Rechnung, täglich fällig 5. Sa. 165 3924D jr 243874,40 15976,79 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 202377,14 273426,75 RM. 5583 54520 4499 601 3000 52552 6552 55 64 74 03 97 84 63 72 82 03 37 74 Rpf. 08 87 33 40 Sonntag, 14. Juni Butzbach—Haufen — Maibacher Schweiz- Michelbachial —Zie- genbcrg 5 3398 an d. Gß. Anz. Gut möbliertes Schlafzimmer mit 2 Beiten sofort gef. Schr. Angeb. mit genau-Befchreibung, Vage u. Preis unter 03404 an d. Gß. Anz. C.Wnjroelg. (Bießen Seltersweg 58 1. | Empfehlungen | Kurzgeichnittenes Miholz EmmericherWaÄ^ 33 w Wirksame erbe-Drucksachen bei Brühl. 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Es war ja ein Roeder-Kombinationsherd, ausgestattet mit allen Schikanen der neuzeitlichen Technik und er war auch gar nicht teuer, denn er stammte von der Firma Häuser am Oswaldsgarten. 3822 A Sehen auch Sie sich einmal solch ein Muster von Küchenherd an, Sie werden bestimmt Ihre Freude daran haben. Und wenn Sie so wie so einen neuen Herd kaufen wollen, dann kaufen Sie ihn ruhig beim Häuser, die Firma gibt eine Gewähr dafür, daß Sie fachmännisch beraten werden und stets zufrieden mit Ihrem Kauf sind. Wann dürfen wir Sie erwarten ? RM. Rpf. 16967 53 13060 — 11655 66 735655 08 52239 63 2405 — 3380 39 429 84 668 18 16206 74 7038 57 859706 62 Mittwoch, 10. Juni 1951 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Ur. 135 Zweites Blatt Randnoten. Die Frai^osen haben nun glücklich ihren Polnischen Bundesgenossen abgeguckt, wie man bei Verletzungen der deutschen Grenze zu verfahren hat. Während das Lieberfliegen deutschen Gebietes durch polnische Militärflugzeuge regelmäßig dem Wachtdünkel der Polen entsprang, darf man wohl bei den Franzosen doch die Frage stellen, warum sie plötzlich an unseren Grenzen eine so rege FliegeiMtigkeit entfalten, nachdem sie sich noch bis vor kurzem wenigstens in der Luft als einigermaßen an- genehme Nachbarn gezeigt hatten. Wir können uns nicht vorstellen, dah sie Luftspionage treiben wollen, da sie sich während der Desatzungszeit und der Militärkontrolle nicht nur ausgezeichnete Karten von den deutschen Gebieten im Westen angefertigt, sondern auch auf das beste über unsere Befestigungsanlagen, soweit sie uns durch den Versailler Vertrag erlaubt sind, orientiert haben. Es muh hinter den Flügen längs des Rheins und hinter dem neuesten Dor- ftvh nach den ostfriesifchen Inseln doch etwas mehr stecken. Vielleicht glaubt man in Paris, mancherlei außenpolitisch unangenehme Dinge am leichtesten aus der Welt schaffen zu können, wenn, es gelingen sollte, uns zu einigen unbesonnenen Handlungen, wie etwa das Abschießen von Fliegern, hinzureißen. Schon die Aufregung über den Breslauer Stahlhelmtag gibt zu denken. Der französische Außenminister hat mit unserem Botschafter über die Stahlhelmkundgebung gesprochen, in der französischen Presse ist für die entsprechende Begleitmusik gesorgt worden, die aus den Ton abgestellt war, künstlich eine Erregung zu entfachen und den Eindruck zu erwecken, als ob Deutschland im Begriff wäre, den Frieden in Osteuropa zu stören. Die harte Wirklichkeit spricht aber eme andere Sprache. Länder, die bis an die Zähne bewaffnet find, haben sich die Rüstung gewiß nicht zugelegt, um ihre Rachbarn für alle Ewigkeit ungeschoren zu lassen. Ramentlich die Fliegerwaffe ist dazu bestimmt, den Weg der Angreifer zu bahnen, die nach Lage der Verhältnisse in Mitteleuropa nur Frankreich und seine Verbündeten fein können, da Deutschland bei feiner Entwaffnung nicht fähig ist, sich mit Aussicht auf Erfolg verteidigen zu können, und infolgedessen gezwungen ist, eine Politik zu treiben, die auch dort Rachgiebigkeft zeigen muß, wo sie nicht immer am Platze vft. Die Rührigkeit der französischen Flieger hat uns aber klar und eindringlich vor Augen geführt, daß der deutsche Westen bedroht ist und daß es eigentlich nut noch eines Zwischenfalls bedarf, um Entwicklungen heraufzubeschwören, die in schroffstem Gegensatz zu dem von Briand immer wieder in allen Tonarten gepriesenen Völker- srieden stehen müssen. Aus diesem Grunde sollte die Reichsregierung es sich einmal überlegen, ob es nicht doch das beste wäre, das Treiben der französischen, polnischen und tschechischen Flieger zum Anlaß zu nehmen, um eine außerordentliche Ratstagung zu fordern und unter Bezugnahme aus den Artikel 10 des Völkerbundsstatutes zu verlangen, dah sich der Völkerbunds rat mit der ganz offensichtlich bedrohten Sicherheit Deutschlands beschäftigt. Es würde gewiß nicht schaden, wenn wir einmal den Spieß umdrehen und die Versailler Dertragsmächte in die peinliche Rolle der angeklagten Friedensstörer hineinmanövrieren. Praktisch haben uns die Siegerstaaten, in erster Linie die Engländer, durch das Versailler Diktat unseren Kolonialbesitz abgenommen, im Diktat selbst ist aber vorgesehen, dah diejenigen Staaten, die nach dem Lieberfall von 1914 auf Deutschland sich unseres Kolonialbesitzes bemächtigten, zunächst als Beauftragte des Völkerbundes den deutschen Besitz verwalten sollen. Diese Verwaltung ist in der Weise gehandhabt worden, dah alles, was deutsch war, vernichtet wurde. Dafür wurden Engländer, Franzosen, Del- Sier und andere Angehörige der Siegerstaaten an ie Stelle der deutschen Kolonisten gesetzt. Inzwischen ist aber von Deutschland aus ein energischer Kampf für die Zurückgewinn ung unseres Kolonialbesitzes eingeleitettoor- Wohin niemand fährt... Don Dr. Gustav W. Eberlein, Rom. Iunge Frauen haben zuweilen, wie man weih, seltsame Wünsche. Eie möchten dorthin fahren, wohin niemand fährt, oder einen Räuberhauptmann sehen, einen richtigen, samt seiner Bande, ober einmal beide Arme voll Rarzissen nehmen, nein, einen Wagen voll, baden muf) man darin können. Ober grüne Schuhe müßte man haben, grasgrüne. Jawohl, bie müsse sie haben. Deine weihen Schuhe, sage ich, sind der Sommer. Du gehst darin, wie feine weihen Wolken gehen durch das Blau. Du schreitest auf dieser Lage wirren Wegen, schreitest durch kleiner Menschen grobe Städte, als ob ihr Riederschlog niemals berührt dich hätte. 2a, das habe ich ihr gesagt, oder wollte es sagen, sicherlich, wer möchte so etwas nicht sagen im Mai? Laut, aber muß ich hinzugeseht haben: Es ist jetzt Iuni und die Rarzissen sind längst dahin. Allerdings steigt der Frühling spät auf die Berge, vielleicht blühen sie dort noch. Ich weih es nicht. Wir wollen heute einmal dorthin fahren, wohin niemanb fährt. Sie erwiderte nichts, sie lenkte nur mit ihren himmelösfnenden Augen. Da fuhr der Wagen dem Bergfrühling geradewegs in die ausgebreite- ten Arme. Das ist ein Tal dort oben, dort hinten in den Castelli Romani, wo bie Fremden nicht hinkommen, weil dort kein Frascatt mehr wächst, das Reisehanbbuch nichts davon zu berichten weih und die Sache überhaupt einen abenteuerlichen Eindruck macht. Statt des blauen Himmels zwischen Zypressen. Schlössern und flachen Dächern gibt es hier noch Wälder, dunkle Forste, Wildschweine und unheimliche Fuhrwege. Zuweilen begegnet man einem Reiter, der aus einer jener Schenken zu kommen scheint, um die sich die Rahmenerzählungen des vergangenen Iahrhun- derts schlingen, mit denen sich die Reisenden wachhielten. Cf in Kohlenmeiler schwelt, und oer- toitterie Weiber suchen Kastanien. Zur Linken verschwand der Hügel von Tusku* tum mit seinen an „romantische Felspartien der fränkischen Schweiz" erinnernden Resten anttker den, auf den wiederum die Engländer in der Weise geantwortet haben, dah sie ganz offen eine Einbeziehung des MandatslandÄ Deutsch - O ft - a f r ika in die Verwaltung der angrenzenden englischen Kolonien propagierten. In diesen Tagen wird die Mandatskommission des Völkerbundes zusammentreten, um — wie üblich — die nichtssagenden Rechenschaftsberichte der Derwal- tungsstaaten entgegenzunehmen. In dieser Kom- misfionssitzung wird man sich aber auch über die' englischen Pläne zu unterhalten haben. .Wir glauben. dah die Reichsregierung gut daran tun würde, diesmal der Tagung der Mandatskommission ihre besondere Aufmerksamkeit zu schenken, weil es keineswegs ausgeschlossen ist. dah Beschlüsse gefaßt werden, die auf eine Aufhebung des englischen Mandats und eine Einverlei» bungDeutsch-Ostafrikasin den eng - lischen Kolonialbesitz hinauslaufen. Kommt es zu einer derartigen Entwicklung, dann werden wir erleben, dah auch die übrigen Mandate im Handumdrehen von der Bildfläche verschwinden und dah uns damit auch die letzte Aussicht auf eine etwaige Zurückgewinnung wenigstens eines Teils unserer Kolonien genommen ift Am 5. Iuli wird in Mainz das Stre sein ann - Denkmal eingeweiht. Der Denkmalsausschuh hat auch an den Völkerbund Einladungen ergehen lassen. Was aber geschieht in Gens? Die Einladung wird zwar nicht in den Papierkorb geworfen, wie man das wohl am liebsten getan hätte. Daftir ist schleunigst der derzeitige Ratspräsident — und das ist der Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s — aufgefordert worden, mit dem deutschen Llntergeneralsekretär Dufour - Feronce den Völkerbund bei der Denkmalseinweihung zu vertreten.. Wir werden also ganz unter uns fein, obwohl es nichts geschadet hätte, wenn wenigstens der Generalsekretär selbst, ein Engländer, in Mainz in Erscheinung getreten wäre. In Genf wird zwar versichert. daß es nicht gut möglich war, einen anderen als Herrn Dr. Curtius zu beauftragen. Diese A u s r e d e ist aber an den Haaren herbeigezogen, da alle Welt weih, dah Curttus als Freund Stresemanns ohnehin zur Denkmalseinweihung gefahren wäre. Das Verhalten der Genfer Herrschaften ist wieder einmal charakteristisch für den Völkerbund selbst, der immer wieder durchblicken läßt, dah er nur eine Rückversicherung der Sieger st aat en ist und, wo es nur geht, sich von Deutschland distanziert. Der polnische Auhenminister hatte auf der letzten Ratstagung in Genf versucht, den ober« schlesischen Konflikt mit einer Handbewe- gung aus der Welt zu schaffen, er hatte sich aber in seinem Gegner Curtius getäuscht, der es ablehnte, sich mit dem vorgelegten Bericht zu- frieben zu geben, einmal weil dieser Bericht viel zu spät eingereicht worben war, und zum andern, weil schon seine flüchtige Durchsicht ergab, dah fein Inhalt von deutscher Seite nicht unwidersprochen bleiben kann. Es ist nicht nötig, noch einmal auf bie verschiedenen Verfahren vor den polnischen Gerichten zurückzugreifen, bie fast regelmäßig damit ihren Abschluß fanden, daß entweder die Klagen zurückgewiesen, oder aber die Schuldigen zu ganz geringfügigen Geldstrafen verurteilt wurden. Reuerdings hat sogar ein Verfahren Platz gegriffen, wonach verurteilte Deutsche noch gezwungen werden, an die Denkmalsfonds ber Aufständischen erhebliche Summen zu zahlen. In diesen Rahmen polnischer Rechtsprechung paßt auch die „Sühne" für Golass owih hinein. Golassowih war bekanntlich unmittelbar vor den Sejmwahlen der Schauplatz wüstester Ausschreitungen gegen die deutsche Bevölkerung. Diese Ausschreitungen gaben denn auch den Anstoß zu der Beschwerde beim Dölkerbundsrat. Obwohl die Polen angehalten würben, der deutschen Minderheit Genugtuung zu geben, haben sie erst jetzt den Golasso- witzer Fall gerichtlich behandelt. Das Ergebnis des einstündigen Verfahrens bildete die Verurteilung der beiden Hauptangeklagten zu je zwanzig Zloty Gelb strafe. Die Reichsregierung wirb nicht verfehlen dürfen, auf der nächsten Ratstagung sich namentlich des Golasso- wiher LIrteilL anzunehmen, um dem Rat zu zei- Villen. zur Rechten warf der Monte Cavo seine Lavahänge herab, die sich gerade belaubten. Ein abgerackerter Esel an der Tränke drehte uns erstaunt seine märchengroßen und fagentiefen Augen zu, streicheln hätte man ihn mögen. Dann kam noch ein vermooster Bildstock und bann war es aus mit der Zivilisation. Die Räder mahlten im Sand. Wir stiegen aus, wanderten, kehrten um, stiegen toieber ein. Zuerst mußte man auf irgendeine Hohe, um sich zu orientieren. Warum sollen w i r klettern, der erste Gang kann das viel besser. Rach einer Weile öffnet der Bergfrühling abermals bie Arme, es schimmert grün und weiß. Das müssen Walbwiesen fein, ba wollen wir einfallen wie Spatzen in ben Hanf. Den boppel- henkeligen Kupferkessel auf bem Haupte, stand auf einmal bie Königin der Albaner berge ba, ich zog ben Hut unb grüßte tief: Du bist die Elfenkönigin, bu bist von dieser Erde nicht. — Sie lachte still und versonnen, wie nur diese Bergkinber lachen können. Warum sollten wir uns nicht in die Wiese legen können, wenn es uns Spaß mache? Andate, andate pure! Wie, ob das Weiße dort Wiesenschaumkraut fei? Aber nein, Madonna mia, bas finb doch lauter Rarzissen. Lauter Rarzissen! Mir wurde zuerst ganz an- bächtig unb bann ganz bubenhaft zumute. Wir stürzten hinunter, wir fielen ein wie hungrige Raben, die Rarzissen schlugen über uns zusammen. Wie kühle weihe Wellen. Der starke Duft nahm uns schier ben Atem. Wir dehnten bie Arme unb rafften unb ruderten, wir schwammen in Rarzissen. Babeten im süßesten Schaum bes Bergfrühlings. Cs war zum Tollwerden. Ach, meine weißen Schuhe! Tja, die waren nun allerdings grün, grasgrün. Du bist ein Glückskind, das ist der dritte Wunsch, der dir im Laufe einer Stunde in Erfüllung geht! Run aber ben Wagen ausgeputzt, ausgesüllt, vollgestopft mit Rarzissen ... her bamit, was bie Arme halten ... einmal wenigstens versinken in Rausch und Ruch ... Wie wir verschnaufend aufsehen, stehen verwegne Kerle am Weg mit Schießprügeln über der Schulter, mit Stoppelfeldern um weiße Zähne. Am Gürtel baumeln ihnen Haumesser und dünne gen, wie die p olnische Wiedergutmachung aussieht und wie notwendig es ist, die Polen unter allerstärksten Druck zu setzen. Es ist längst kein Geheimnis mehr, daß sich die Polen die wirtschaftliche Rotlage Deutschlands zunutze machen, um diesseits der Grenzen immer fester Fuß zu fassen. Sie kaufen durch ihre Banken zahlreiche Bauernhöfe auf, auf die zum Teil schon Rationalpolen gesetzt worden sind, ober die erst dann ganz öffentlich als polnisches Eigentum ausgegeben werden sollen, wenn bie Einwanderung nach Deutschland wieder gestattet ist. Ietzt liegen Anzeichen dafür vor. daß namentlich in O st Preußen in ähnlicher Weise vorgegangen werden soll, um durch Ausdehnung des wirtschaftlichen Nnflusses Po- lens die Voraussetzungen für eine allmähliche Polonisierung Ostpreußens zu schaffen. Gerade hier sollte die O st h i I f e mit aller Macht einsetzen, um die polnische Gefahr zu bannen. 9.J4.-3POlt Gießener Tennisklub 1922 — Marburger Tennisklub 11:7. Da die Damen bei fünf Spielen vier Pluspunkte buchen konnten, verdienen sie in erster Linie genannt zu werden. Frau Dumur, nicht disponiert, wurde leider durch die spielstarke bekannte Turnierspielerin Frau W e ck e s s e r. Marburg, 6:2, 6:1 ausgeschaltet. Dagegen hatte Frl. Berg einen Glanztag. ihre Doryandbälle waren in Härte und Schnelligkeit mustergültig. Sie gab Frl. Euler leicht mit 6:2, 6:3 t)as Rachsehen. Frl. S t ü ck r a t h schlug Frau Schäfer 6:0. 6:3, ebenso hefteten Frl. Re y her unb Frl. Kuhlmann den Sieg an GießenS Fahnen. In der Herrenklafse hatte das Wettfpiel gegen Marburg stets eine besondere Rote durch immer wieder neuauftauchende gute Spieler, bie sich aus der zahlreichen Marburger Studentenschaft refrutieren. So spielte an erster Stelle bet Berliner Hallwachs, ein junger Sportstudent, der Dr. Fischer (trotz gewonnenem 1. Satz und 4: 2»Führung) im 2. Satz 4:6, 6:4, 6:2 schlagen konnte. Der Sieg ist lediglich der größeren Ausdauer des Berliners zuzuschreiben, der im dritten Satz durch kurze geschnittene Bälle seinen Gegner ermüdete. Bei dem geplanten Rückspiel dürfte ein Sieg Dr. Fischer nicht zu nehmen fein. Dr. Schvpper mußte gegen Prof. Mommsen eine Rieberlage 6:2, 4:6, 1:6 einstecken. Einen schönen Erfolg hatte v. Gtolman, ber Dr. Weckesser mit 6:2, 6:3 überlegen war. Et bestätigte damit seinen Sieg vom vergangenen Iahr über ben Marburger Klubmeister. Dr. Dönges verlor 3:6, 2:6 gegen Scholz, einen talentierten jungen Spieler. Al tkemper, ein neues Mitglieb des GTE., gab feinen Einstand mit einem Sieg von 6:3, 6:4 über Schwarz. K. Fischer siegte in drei Sähen über Schnelle. B ö h n k e erzielte 6:3, 8:6 über Ruete. Einen fast ausgeglichenen Kampf gab es zwischen Prof. Hildebrandt und Günther, den Marburg erst nach drei Sähen für sich entscheiden konnte. Glücklicher war H. Bock, der Mr. Sachse 6:3, 5:7, 6:2 aus dem Rennen warf. Einen programmäßigen Verlauf gab es im ersten Herrendoppel, das Dr. Schopper- K. Fischer 6:1, 6:4 verdient gegen Dr. Weck- effer-Prof. Mommsen gewannen. Die drei anderen Doppel konnten des Regens wegen nicht ausgetragen toerben. Ebenso fielen das erste unb fünfte gemischte Doppel dem Regen zum Opfer. Frau Dumur-Altkemper und Frl.' Stückrath -v. Grvlman (letztere knapp in drei Sähen) muhten die Punkte Marburg überlassen, während Frl. Rehher-Dohnke im 3. Sah über Frau Schäfer-Hallwachs die Oberhand behielten. Am kommenden Sonntag empfängt Gießen den Tennisklub Rot-Weiß Mainz auf den Plätzen hinter dem Schützenhaus. VfB-Gießen. Jugenbfpiele. Das Spiel der 1. Iugend gegen die gleiche von Leihgestern kam nicht zum Austrag. da die Gäste auf dem Walbfportplatz nur mit sieben Mann erschienen. — Die 2. Iugend hatte infolge Absage des ursprünglichen Gegners ein Spiel mit der 1. Iugend von Heuchelheim vereinbart. Sie hatte sich etwas zu viel vorgenommen, dem reiferen und Sicheln, riesige Halbkreise aus blankem Stahl, Sie riechen nach verbranntem Holz und schlechtem Tabak. So sich abzuplagen mit den Händen, sagt einer, das sei doch nichts für eine Dame, und da! — da! — da! sirrt es in die Rarzissen hinein, daß sie rauschen und fallen wie reifes Korn. Wir sicheln die Rarzissen — jetzt, ba ich's schreibe, kommt es mir schon übertrieben, sinnlos und phantastisch vor. Aber ist es nicht die Ratur selber, bie übertreibt, in ben Heringszügen, in den Heufchreckenschwärmen, in diesem überschäu- mendcn Lenz erloschener Vulkane? Das ist jedes Iahr so, sagen die Männer gelassen. das war schon immer so, daher ist ja das Rarzissenfest ausgekommen. Am Sonntag werde es gefeiert droben in Rocca Priora, in Monte Compatri, in Monte Porzio. Ein paar Lire verdiene man immer noch mit den Blumen, allerdings müße man einen vollbeladenen Wagen dreingeben. Schwere Zeiten, sage ich. Schwere Zeiten, geben sie einsilbig zurück. Was sie denn früher gemacht hätten, ob denn auch ihre Väter schon von bem bißchen Berggras und vom Kohlenbrennen leben mußten? Da stupsen sie sich an und grinsen und meinen, wir täten bloß so, als ob wir knicht wüßten — Vor dreißig, vierzig Iahren, nein, da arbeiteten sie nicht, da regierten sie, da waren sie die Herrscher. Das sei doch bie Gegend der Bande Scirocchi, das alles — weite Armbewegung — sei fein gewesen, fein Reich. Vittorio Emanuele habe ja bann die Sache unbegreiflicherweife verboten. II secondo, wissen Sie — rrritsch! Lind er macht eine streifende Geste an seiner Äordfront. Das heißt auf deutsch: jener König, der die Zündhölzer an seiner Hose anzustreichen pflegte. Die junge Frau strahlt ben Räuberhauptmann an. Wundervoll plastisch, wie der zu erzählen Wille. Lind dann schenkte sie ihm, „damit die Geschichte einen Schluß bekomme, wie sich's gehört", ihre Börse, das heißt, ich mußte ihm fünf Lire geben, weil sie ihr Geldtäschchen zu Hause liegen lallen hatte. Cs ist mir ein Rätsel, wieso ich heil vom Steuer weggekommen bin. denn der Wagen war mit weißen Sternen überladen wie ein Heu- technisch besseren Spiel des Gastgebers waren die DfBer nicht gewachsen. Sie verloren 0:5. Die 1. Schülermannschaft unterlag auf eigenem Platz der gleichen Mannschaft von Leihgestern mit 1:2. Den Gästen ist somit Revanche für die im Vorspiel erlittene 0:3-Riederlage gelungen. Das Spiel nahm einen interessanten Verlauf. — Die 2. Schülermannschaft hatte ebenfalls auf dem Waldspvrtplatz die 2. Schülermannschaft von Wie- seck zu Gast. — Das Spiel der Kleinsten war noch ziemlich verworren, es endete zur allgemeinen Zufriedenheit 0:0. Spielvereinigung 1900 Gießen. Iugendsplele. Die I.Jugend war spielfrei. Die 2.Jugend weilte in Dutenhofen und kehrte mit einem 5:1-Sieg heim. Die neuaufgestellte Jugend des Gastgebers gab sich alle Mühe, hatte aber noch nicht die nötige Spielerfahrung und Routine, um den Blauweihen gefährlich werden zu können. Die 3. I u g e n d hatte in Griedel schwer zu kämpfen, um das Rückspiel 1:0 für sich entscheiden zu können. Technisch war 1900 besser. Die Schüler bestritten ein Rückspiel in Lollar, das 2:2 endete. Die kleinen Lollarer legten mit Elan los, drängten die körperlich stärkeren 1900er zurück und führten bis zur Pause 1:0. Rach derselben kam 1900 mehr auf, konnte aber bis zum Schluß nur ein Unentschieden erreichen. Spielvereinigung 1926 Leihgestern. Leihgestern I — 1900 Gießen III 7:1. Am Sonntag weilte die dritte Mannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen zu einem Freundschaftsspiel in Leihgestern. Bon Anfang an konnte man einen sehr flotten Kampf sehen und gaben beide Mannschaften alles her, um Erfolge zu erzielen. Gießen konnte nach etwa 20 Minuten durch den Halbrechten die Führung übernehmen, jedoch gleicht Leihgestern bald aus und kann bis zur Halbzeit noch weitere zwei Tore erzielen, so daß das Spiel bei Halbzeit 3:1 für Leihgestern lautete. Rach der Pause schoß Leihgestern in regelmäßigen Abständen noch 4 Tore. Blitzturnier in Großen-Buseck. Das Blitzturnier, das der Fußballllub 1926 Großen-Buseck aus Anlaß seines fünfjährigen Bestehens am vergangenen (Sonntag auf berrt Sportplatz an der Gießener Landstraße veranstaltete, nahm einen sehr guten Verlaus. Die teilnehmenden Vereine boten gute Leistungen, bie Spiele wurden in anständiger Form durchgeführt. Sieger in Klasse A wurde SC. 1920 Drei- Hausen (Kreis Marburg), der den Sportverein Rieder-Weisel mit 2:1 besiegte. In Klasse B wurde bei namhafter Beteiligung die junge Sport - Abteilung des Turnvereins Wieseck Pokalsieger. Die beteiligten Mannschaften der Vereine Rieder- Weisel, Dillingen, Flensungen, Queckborn, Drei- Hausen und Wieseck boten gute Leistungen. Der unterhaltende Teil am Rachmittag wurde eingeleitet durch einen Festmarsch durch die Ge- meindestraßen, an dem sich fast sämtliche Orts- vereine beteiligten. , Handball im Lahn -DünSberg- Gau. To. Ahbach I — To. Dorlar I 5:2 (2:0). Anläßlich der Austragung der Hindenburg- Pokalspiele sand obiges Spiel in Ahbach statt. Das Spiel endigte mit einem Siege Ahbachs. Ahbach erzielt durch seinen Halbrechten das wagen und der Geruch streifte an Rarkose. In vier Zimmer muhte die Fracht verstaut werden und hätte doch für vierhundert gereicht. Aber wenn wir schon verrückt waren, es war eine selige Verrücktheit. Wir haben uns endlich einmal sattgetrunken. Gesegnet seien die seltsamen Wünsche einer jungen Frau. Zeitschriften. , —„Lob des Papiers" betitelt Hans Dethge eine kleine Skizze in der neuesten Rümmer der I 11 u ft r i r t e n Zeitung (I. I. Weber, Leipzig). Er spricht von dem Papier als unserem Lebensbegleiter, vom Geburtsschein bis zum Totenschein, als unserem Freund und Tröster in Gestalt von Büchern, Driesen und Kunstwerken. Lind ist auch sein Herkommen gering: Lumpen und Hadern, so ist es doch für uns moderne Menschen unentbehrlich und von unermeßlicher Bedeutung. Auch die Graphologie ist ohne Papier nicht zu benfen; muß doch die Handschrift erst zu Papier gebracht werden, ehe sie gedeutet werden kann. Alfred Gemat veröffentlicht in der vorliegenden Rümmer einen aufschlußreichen Artikel über Schriftdeutung, dessen Ausführungen durch beigegebene Schriftproben veranschaulicht werden. Künstlerischer Bildschmuck, Illustrattonen aus dem Gebiete des Sports, der Mode und der Tagesgeschichte beleben die reichhaltige Rümmer. Hochschulnachnchien. Professor Dr. Otto Weinreich in Tübingen hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der klallllchen Philologie an der ilni- öerfität Halle als Rachfolger von Geheimrat O. Kern abgelehnt. — Professor Dr. Kurt Latte in Basel hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der klassischen Philologie an der Llniversität Göttingen als Rachfolger von Prof. E. Fraenkel angenommen. Dr. Latte, der aus Königsberg (Preußen) gebürtige Philologe, lehrte früher in Münster und Greifswald. 1926 übernahm er den Lehrstuhl der lateinischen Sprache und Literatur an der LIniversität Basel. v erste Tor unb kann bis zur Halbheit einen werteren Erfolg buchen. Nach Halbzeit erhöhte Ah- doch auf 3:0. Dorlar drängt sodann scharf zum Tor der Ahbacher und erzielte kurz hintereiro- ander zwei Treffer. Durch zwei weitere Tore konnte aber 2lhbach den Sieg sicherstellen. Radsport. Erfolgreiche Gießener Radfahrer. Beim Sportfest des Radfahr-VereinsMainaschaff bei Aschchsenburg errang die Radball- Mannschaft Hauck-Wihner vom Gießener Radfahr-Derein von 18 8 5 unter starker Konkurrenz den 1. Preis. 3m Vorspiel siegte die Mannschaft über RE. Frankfurt-Ober- rad mit 8:1 Toren, während das Zwischenspiel gegen RTC. Aschaffenburg mit 9: 5 Toren endete. So gelangte die Mannschaft in das Entscheidungsspiel gegen die Mannschaft des RV. Offenbach und brachte mit 6:1 Toren den Sieg an sich. Gießener jugendliche Leichtathleten siegen in Alsfeld. Bei den leichtathletischen Wettkämpfen des Sportvereins 1906 Alsfeld schnitten 19 0 0 s 3u= gendliche hervorragend ab. Von 6 ausgeschriebenen Iugendwettbewerben gewannen sie 4, belegten außerdem 2 zweite und 4 dritte Plätze. Die 100- Meter-3ugend-A brachte Frz. K och in 12,1 Sek. vor? seinem Klubkameraden F e l s i n g (12,2 Sek.) an sich. Die Zeiten sind in Anbetracht der mangelhaften Grasbahn und herrschenden Gegenwindes als recht gut zu bezeichnen. Ebenso ansprechend ist die in der 4xl00-Meter^Staffel, bk mit großen Vorsprung gewonnen wurde, erzielte Zeit von 48,7 Sekunden. Die 1900er bestritten dieses Rennen mit Gräf, Koch, Paul und Felsing. Eine ausgezeichnete Leistung bot S ch l a r p (1900) im Hochsprung 3gd. A, wo er mit 1,60 Meter überlegener Sieger wurde. Den zweiten Platz belegte Radon (VfV.) mit 1,50 Meter. Von der 6-3ugend trat von den 1900ern mir Herrmann in Wettbewerb. Er sicherte sich den Weitsprung 3gd. B mit 4,95 Meter. BaUmstieger startete im 1500- Meter-Lauf (Klasse II) und wurde Dritter in der Zeit von 4:35,6. * Die VfB.- Jugend konnte in Alsfeld 2 erste, 3 zweite und 1 dritten Sieg erringen. 3m Kugelstoßen der Klasse A errang Luh einen eindrucksvollen Sieg mit 13,66 Meter. 3n der Klasse der Aktiven vermochte er ebenfalls im Kugelstoßen den ersten Sieg zu erringen mit 11,22 Meter. Beide Leistungen sind als ausgezeichnet zu bezeichnen, zumal Luh infolge Armverletzung behindert war. Der B-3ugendleiter Radon belegte im Hoch- sprung, Klasse A, den zweiten Platz mit 1,50 Meter, desgleichen wurde in der 4xl00-Meter-Staffel ein zweiter Sieg errungen. 3n der Klasse B wurde Wagner Zweiter über die 100 Meter in 12,5 Sek. Bei den Aktiven startete Treser über die 400; er wurde Dritter in 59 Sekunden. 8. Hanauer Verbands-Äuderregana. Der Meldeschluß zur 8. Hanauer Ruderregatta am kommenden Sonntag hat mit der Beteiligung von 20 Vereinen mit 88 Booten und 480 Ruderern ein ausgezeichnetes Ergebnis gebracht. Bemerkenswert vor allem ist, daß sämtliche erstklassigen Rennen besetzt sind. Das ist dem Limstande zuzuschreiben, daß die Mannheimer Amicitta für ihre Aletter-Mannschaft im Vierer ohne Steuermann eine Begegnung mit der im Vorjahre in zahlreichen Kämpfen bewährten Hüllinghoff- Mannschaft der Frankfurter Germania sucht. Diesen beiden Mannschaften stellt sich im steuer- mannslvsen Boot der Vierer des Offenbacher RV. zur Seite. 3m Vierer „mit“ dagegen machen Amicitia und Germania das Rennen unter sich aus. Mannheim Hal auch seine für Henley vorgesehene M«>n«ischafl im Achter gemeldet, die vor dem Ausscheidungskampf in Berlin am 20. und 21. 3uni noch ein Rennen bestreiten sollen. Der Wettkampf im Ersten Achter wird sich zwischen dem Verteidiger des Wanderpreises, dem Frankfurter RV. 1865, dem vorherigen Sieger, Frankfurter RG. Germania, und dem Mannheimer Meisterachter abspielen. Als weiterer Vertreter der Amicitia tritt v. Düsterloh zum Ersten Einer an. Er trifft mit diesem auf Timpe, der im Vorjahre durch seine Siege als 3ung- mann und seinen Erfolg in Amsterdam bekannt gewordenen FRC.-Ruderer, der jetzt als Angehöriger der Reichswehr für die G i e tz e n e r R u° dergesellschaft 1 8 77 startet. Mit dem jungen 3 o e d t zusammen bildet Timpe ein Doppelzweier-Paar, dessen schärfster Gegner in Hanau die Frankfurter Germania-Mannschaft Knight-Lindemann sein dürfte, wenngleich man auch das 79er-Paar Hebert-Möl- l e r beachten muh. Reben den fünf erstklassigen Rennen, die der Hanauer Regatta in diesem 3ahre besonderen sportlichen Reiz verleihen, sind auch die Rennen der zweiten und dritten Klasse und der 3unioren und 3ungmannen meist zahlreich und gut besetzt. Hier sind die Vereine von Groß-Frankfurt und Offenbach, Mainz, Gießen, Wetzlar, Würzburg, Groh-Auheim und Hanau Der treten. Trotz JrandungdesLebens Roman von Käte Lindner. (Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.) 8. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Sie gingen hinein und sahen am Herrentisch Lis- kow sitzen, der eifrig mit der Wirtin sich unterhielt. Er nahm keine Rotiz von den Eintretenden und stierte in sein Glas, als die Wirtin sich erhob, um nach dem Begehr der neuen Gäste zu fragen. „Kommen Sie", sagte Petrowitsch, und xog den andern mit sich fort, „nicht an diesen Tisch. Wir gehen in die Weinlaube." Eifrig kam Frau Colomba ihnen nach mit einem weihen Tuch über dem Arm. Sie bedeckte damit den runden Tisch, der abseits vom Kegelschub stand. Tat es mit der heiteren Anmut, lächelnd und mit der Freundlichkeit, die den Kindern des Südens eigen ist. „Was befehlen die Herren?" fragte sie. „Roten Sizilianer, Signora Serra", sagte Se- vigne und tätschelte ihren runden Arm. Er schien kein fremder Gast im Albergo „Zu den tausend Freuden" zu sein. AlS Colomba eilig verschwand, den bestellten Wein zu holen, flüsterte Sevigne: „Dieser Herr da drüben scheint täglicher Gast des schönen Täubchens zu sein. 3mmer, wenn ich Einkehr hier halte, sitzt dieser Liskow auch hier und feine Frau allein im Hotel. 3ch mag ihn nicht. Er hat solch einen brutalen Ausdruck in seinem Gesicht. Liebrigens tanzten Sie doch neulich auf Veranlassung der Lady Balymore mit Frau Liskow, Sascha, erinnern Sie sich? Frau Liskow ist eine vornehm aus sehende Dame, blond, groh." Petrowitsch nickte zerstreut. 3a, er erinnere sich, er habe sich auch sehr angeregt unterhalten mit Frau Liskow, sehr sympathische Dame, ganz anders als die anderen tanzlustigen Dauergäste. Lieber Rußland habe er sich mit ihr unterhalten und sehr viel Kenntnis der dortigen Verhältnisse gefunden. Sie Hobe einmal ihren Gatten auf einer Geschäftsreise nach Moskau begleitet, hatte Frau Liskow erzählt. „Er scheint sich ständig seine Unterhaltung anderweit zu suchen", bemerkte Sevigne trocken. „Liebrigens scheint es dem Herrn unangenehm, daß wir ebenfalls eingekehrt sind. Er wirst wütende Blicke zu uns herüber." „Wehren Sie ihm dieses Vergnügen nicht, Marquis", sagte lächelnd Petrowitsch. „Wir beabsich- ttgen ja keineswegs, ihm ins Gehegr äu kommen. Liebrigens ist diese Wirtin eine auffallend schöne der Mittelrhein-Regatta in Koblenz fehlen auch Rassovia, Höchst und Rüsselsheim nicht. Besondere Beachtung dürfte der mit acht Booten besetzte 3ungmann-Achter finden. . Die Gießener Rudergesellschast 1877 entsendet zu dieser Regatta neben den bereits genannten Timpe und 3 o e d t noch einen 3ungmann-Achter und einen 3ungmainn-Vierer. Der 3ungmann°Achter startet in der Besetzung Dlumschein, Rübsamen, Weidig, Kuschte, Donner, Breun, Reuroth, Goetz, v. Bergen (St.) und sollte mit guten Aussichten das Rennen bestreiten. Ein ^schwerer Gegner wird den Gießenern allerdings in den Offenbachern erwachsen. Der 3ungmann- Vierer fährt mit folgender Mannschaft: Weidig, Kuschke, Reuroch, Goetz, v. Bergen (St.). Auch hier dürfte sich ein harter Kampf gegen die Offenbacher entwickeln. 3m 3ungmann°Einer startet 3oedt und wird als Sieger zurückerwartet, um so mehr, als er sich zur Zeit in glänzender Form befindet. Ein weiterer Vierer geht in Kassel an den Start. Der Kaiser-Vierer wird das Rennen in der Besetzung Flimm, Decker, Köhler, Hartmann und Loh (St.) bestreiten. Man erhofft auch hier ein günstiges Abschneiden der Gießener Ruderer. Am Sonntag darauf werden sich die drei Rudervereine GRG., Verein Rudersport und „Hassia" an einer Regatta in Dad Ems beteiligen. Wir kommen noch darauf zurück. Rundfunkprogramm. Samstag, 13. Juni. 7.30 bis 8.30 (Von Dad Hornburg v. d. H.): Frühkonzert des Kurorchesters. 10.20 bis 10.50: Schulfunk: „Die Sendung des Deutschen in der Welt", Vortrag von Armin T. Wegner. 11.50: Schallplattenkonzert. 12.25: Besuch in einer Dott- cherwerkstatt: Das Döttcherhandwerk in alter und neuer Zeit, zwei Hörszenen. 15.20 bis 16.20: Stunde der 3ugend. 16.30: Der Mensch in der Musik. 18.15: „3m Faltboot über den Geigensee“, Vortrag von Armin T. Wegner. 18.45: „Siedlungspolitik", Gespräch zwischen Direktor Bur- Frau und kein Wunder, wenn sie ihm gefällt. Aber da... jetzt scheinen auch noch andere Verehrer der Signora angekommen zu' sein. Sehen Sie nur, mit welch haßerfüllten Augen der eine, der junge mit dem brutalen Mund, den Deutschen beobachtet. Es ist immer eine gefährliche Sache, sich im fremden Land Feinde zu schaffen. Dieser deutsche Kaufmann sollte vorsichttger sein." Der alte Massimo und Mario waren eingetreten, und Mario forderte mit lauter Stimme Wein. Er schien bereits getrunten zu haben, sein Gesicht war stark gerötet. Liskow machte eine unwillige Bewegung und warf Geld auf den Tisch. Schickte sich an, zu gehen. Frau Serra gab ihm das Geleit bis zum Ausgang. Riemand von den Anwesenden horte die leise geflüsterten Worte: „Auf morgen denn, Signore." Plötzlich wandte sich Frau Colomba mit einem Ruck dem Fenster zu und sah hinaus. Draußen lief eben 3ulietta, angetan mit Fransentuch und roten Pantöffelchen, vorüber, man sah, sie hatte Eile. Als sie der Mutter Gesicht am Fenster gewahrte, huschte ein flüchttges Rot über ihre Wangen. Sie warf der Mutter eine Kußhand zu und verschwand in der Richtung nach der Kapelle, die unweit, halb versteckt hinter grünen Bäumen, stand. Frau Colombos Brust hob ein befreiender Atemzug. Gewiß wollte sie zur Abendmesse gehen, das gute Kind, und beten auch für die Mutter, die doch vor lauter Geschäftigkeit so selten Zeit fand, die heilige Messe zu besuchen. Gut so, daß es 3ulietta nun tat, das liebe Kind. Beinah hätte sie doch vorhin sie aufgehalten im eiligen Gang, ehe ihr dieser Gedanke kam. 3a, ja, 3ulietfca war kein Kind mehr, das sah ja ein Blinder. Lind man muhte wohl bald anfangen, ein wachsames Auge auf die Kleine zu haben. Da, wahrhaftig... die Fremden, die soeben die Calle de Fabrice herabkamen, drehten den Kopf nach der hübschen Kleinen. Frau Colomba lächelte vor sich hin in Mutterzärtlichkeit. Würde gar nicht mehr lange dauern und auch die jungen Burschen würden sich die Hälse verdrehen nach 3utietta Serra... Aber da würde sie auf der Hut sein. Finger weg... würde sie jedem sagen, der ihre stolzen Pläne durchkreuzen wollte! 3st nichts für euch, Signores ... sucht euch einen anderen Schatz. „Heda... was schaust du so lange hinter dem Tedesco drein und siehst ihn doch nicht mehr, er ist auf der anderen Seite hinuntergegangen, der feine Tedesco", sagte soeben Marios brutale Stimme in ihre Gedankengänge hinein. Sie wandte sich mit einem zornigen Blick ihrer schwarzen Augen zum Tisch. „Was fällt dir ein, Mario, wahre deine Zunge, es sind auch noch andere Gäste hier im Zimmer. Madonna, was hat der Bursch doch für eine Art, hkr aufzutreten, als hätte er der Wirtin von mann und H. Fürth. 19.15: Spanischer Sprachunterricht. 19.45: Abend in Ahmannshausen, Wochenend-Hörbericht. 20.30: Pat und Patachon machen Musik, Hörspielscherz. 21.15 (Von Wien, Heldenplatz): Promenaden-Konzert der Vereinigten Wiener Heeresmusiken. 22.35 bis 24: Tanzmusik. Oberheffen. Bürgermeister Hensel-Hirzenhain f. * Hirzenhain, 10. Juni. Gestern verstarb nach längerer Krankheit Bürgermeister und Lehrer a. D. Hensel von hier, der seine Kraft und sein reiches Wissen sowohl als Schulmann, wie als Orts» oberhaupt viele Jahre lang in vorbildlicher Weise in den Dienst unserer Einwohnerschaft stellte. Darüber hinaus war er auch in einer Reihe von Ehrenämtern für die Allgemeinheit tätig. U. a. wirkte er längere Zeit im Büdinger Kreisausschuß mit, ferner hat ihm die Bienenzucht in Oberhessen und im ganzen Reiche sehr viel zu danken. Das Münzenberger Salzmoor. K Münzenberg, 9. 3uni. Am Sonntag statteten Frankfurter Raturwissenschaftler in größerer Zahl unserem Orte einen Besuch ab. Die Führung hatte Lehrer Oswald (Bad-Rauheim) übernommen. Die Exkursion führte zunächst nach den interessanten geologischen Aufschlüssen am Steinberg, galt dann aber in der Hauptsache dem eingehenden Studium der im Wettertal in unmittelbarer Rähe des Bahnhofs gelegenen Salz- wiesen. Don den etwa 20 in Hessen und Hessen- Rassau durch ihre seltene Pflanzen- und Tierwelt bekannten Salzstellen ist die Münzenberger die ausgedehnteste und artenreichste. Obwohl unter dem Einfluß der Kultur einige der ausgespro- chendsten Salzpflanzen auch hier bereits ausge- storben sind, können immerhin noch etwa 20 Salzpflanzen und falzliebende Arten festgestellt werden, die auf weite Strecken hin bestandbildend sind und mitten im Dinnenlande ein Vegetationsbild zeigen, wie es sonst nur an den Küsten unserer Meere anzutteffen ist. Die Frankfurter Dotaniker waren überrascht von der Fülle der Raturseltenheiten, die die ihnen bisher noch unbekannten hiesige Salzstellen bieten, und sie wollen dafür ein- tteten, daß die durch neuerliche Kulturarbeiten stark gefährdeten Destände möglichst unter Raturschutz gestellt und in ihrem jetzigen Zustand der Rachwelt erhalten werden, zumal eine Stelle des Gebietes ein ausgesprochenes Salzmvor und als solches eine deutsche Seltenheit ist. Landkreis Gießen. --Göbelnrod, 10. 3uni. Gestern gegen 18 Lihr zog ein Gewitter, begleitet von einem Wirbelwind, das Tal von Saasen herauf und richtete schweren Schaden an. Der Wirbelwind faßte das Dach des Dahnhofsgebäudes, richtete im Wavtesaal Unheil an, riß eine über hundertjährige Pappel mitsamt der Wurzel aus und beschädigte eine Reihe von Dächern teilweise schwer. Außerdem fiel dem Wind noch die Maschinenhalle eines Landwirtes und viele Obstbäume zum Opfer. T Oppenrod, 9 3uni. Am kommenden Sonntag feiert der hiesige Männergesangverein „Sängerin st" sein 50jähriges Beste hen. Mehr als 20 benachbarte und befreundete Vereine haben ihre Teilnahme an dem Fest zugesagt. Als Festplatz werden die Pfingstwiesen südlich des Dorfes hergerichtet. Kreis Büdingen. △ Ridda, 9. 3unt Auf dem hiesigen Sportplatz ereignete sich am Sonntagnachmittag bei dem Gesellschaftsspiel des Sportklubs Viktoria Ridda mit Germania 3nheiden ein schwerer Unfall. Dem 22 3ahre alten Sohn des Glaser- meisters Ludwig Ewald dahier wurde von einem der Mitspielenden ein s o h e f t i g e r Fußtritt versetzt, daß der bedauernswerte junge Deutschlands Vertreter der Haager Zollunions-Verhandlungs Dr. Viktor Bruns, der Direktor des Berliner Instituts für ausländisches Recht, wurde zum Vertreter für die Verhandlungen über die Zollunionsfrage vor dem Haager Schiedsgericht bestellt. Menfch einen doppelten Lin t er schenkel- bruch erlitt. Das Spiel wurde sofort abgebrochen. Kreis Schotten. d. Schotten, 9. 3uni. Die erste Grasver- fteigerung fand gestern hier statt. Durchschnittlich wurden pro Morgen etwa 20 bis 25 Mk. erzielt. l. Rudingshain, 9. 3uni. Schmiedemeister Heinrich Döring beging in diesen Tagen seinen 80. Geburtstag. Der 3ubilar erfreut sich großer körperlicher Frische und vermag seinen Lebens- unterhalt noch durch die Ausübung seines Handwerks zu verdienen. h Stornfels, 8. 3uni. Am Sonntag feierte der Krieger verein Dtornf els das Fest der Fahnenweihe, verbunden mit einem Dezirkskriegerfest des Bezirkes Vogelsberg der Hassia. Das Fest gelang in allen Teilen trotz der Hngunft der Witterung. Eingeleitet wurde es am Vormittag durch einen Feld- gvttesdienst auf dem Festplatz, bei dem der Ortsgeistliche die Predigt hielt, während der Musikverein von Rudingshain die Begleitung der Lieder übernommen hatte. Dabei wurde besonders der Gefallenen gedacht. Lim 14 Lihr bewegte sich ein impo anter Festzug, in dem nicht weniger als vier Mu ikkapellen mitwirkten, durch unser Dorf, das ein olches Schauspiel wohl noch nie gesehen hat. Wieder auf dem Festplatz angelangt, folgte der eigentliche Festakt. Rach einer Lieddarbietung des Gesangvereins LIlfa begrüßte der Vorsitzende des Stomfelser Vereins die Festgäste. Regierungsrat Schwan von Schotten überbrachte die Grüße und Glückwünsche des Kreisamtes, Apotheker S c r i b a als Vorsitzender des Bezirkes die Glückwünsche des Präsidiums der Hassia und die des Bezirkes. Rach einem Prolog folgte die Fahnenweihe durch den Ortsgeistlichen, an 6te sich etliche Ansprachen anschlossen. Durch den Schottener Verein wurde ein schöner Fahnennagel überreicht. Auch wurde bei dieser Gelegenheit die Auszeichnung etlicher Mitglieder des Bezirkes vorgenommen. Es waren die Herren 3o- Hannes Stein und Heinrich 3 L ck e l aus Breungeshain, Karl Lang aus Betzenrod, Heinrich Link I. aus Eichelsdorf, Karl Strauch aus Einartshausen und Wilhelm Beppler, Wilhelm Mettenheimer und Eduard Haas aus Eichelsachsen, die im Ramen des Präsidiums durch den Bezirksvorsihenden das Ehrenkreuz der Hassia erhielten. 3nzwischen hatte sich auf dem einem anständigen Haus etwas zu sagen. Massimo, habe ich nicht recht? Sage du es ihm doch auch einmal, daß er sich anständig zu betragen hat, auf dich hört er doch immer.“ Des Täubchens Stimme schwankte im Zorn, und mit bösen Blicken musterte sie den klobigen Burschen. „Er wird mir noch die Gäste aus dem Haüse jagen, der Grobian", rief sie. „Wenn Philippe noch lebte, er würde Ihm längst das Haus verboten haben." Da haschte Mario mit einer täppischen Gebärde nach der Hand der Zornigen und drückte seine Lippen darauf. „3st altes nicht bös gemeint, Colomba, Täubchen... 3ch hab' eben nicht so die feinen Manieren wie die Herren aus der Stadt, die hier Einkehr halten. Gib Ruh'... und schenk uns einen neuen Wein, schau, der Massimo hat längst sein Glas ausgetrunken.“ Sevigite und Petrowitsch hatten die Weinlaube verlassen. „Das ist einer von denen, die das Messer schon bei dem geringsten Streit als Waffe brauchen", sagte Sevigne, „es ist nicht gut Kirschen essen mit solchen Burschen... Run sind es nur noch zwei Tage, Sascha, daß ich 3hnen hier in diesem gesegneten Erdenwinkel Gesellschaft leisten darf. Dann trete ich von Genua aus meine Weltreise an und werde Sie schmerzlich vermissen. Aber nach meiner Rückkehr nach Paris, die wahrscheinlich Mitte des nächsten 3ahres in Aussicht steht, hoffe ich Sie bestimmt dort wiederzusehen, vorausgesetzt, daß Sie sich nicht bis dahin doch anders besonnen und Miß Galvestones Liebeswerben, denn anders kann man doch ihre Verehrung für Sie nicht nennen, als Stufenleiter zu einem neuen Leben sich nützlich gemacht haben. 3edenfalls ist diese Chance sehr zu überlegen.“ Ein Achselzucken war die Antwort. Dann kam nach einigen Augenblicken die Entgegnung. „3hre Anwesenheit wird mir Paris gewiß liebenswerter machen, Marquis, aber Sie vergessen, daß mich meine Wünsche nach Rußland zurückziehen. 3n absehbarer Zeit freilich wird es nicht möglich fein, das sehe ich wohl ein, und so wollen wir also bestimmt auf ein neues Zusammensein in Paris hoffen. — Dort, sehen Sie, welch ein hübsches Paar. Beide echte Kinder dieses Landes und recht verliebt ineinander, wie mir scheint. Das Mädchen ist schön gewachsen, unstreitig 3talienerin ttoh des blondes Haares, was ja hier eine Seltenheit ist. Lind der Bursche ein prachtvoller Kerl, Tiroler Einschlag seinem Aeußeren nach zu schließen, vielleicht war der Vater Oesterreicher und die Mutter eine Welsche. Sehen Sie, wie kokett die Kleine ihre schwarzen Augen zu brauchen weiß. Lind er Ist sichtlich recht verliebt in seine kleine Signora." Lachend schlugen sie den Weg nach dem See hinunter ein, während das Liebespaar den einsamen Weg nach der Höhe wetterging. Es war 3ulietta Serra, die keineswegs sich hatte angelegen sein lassen, für das Seelenheil ihrer Mutter die Messe aufzusuchen, sondern sich hinter der Kapelle ein Stelldichein mit ihrem Russo gegeben hatte. Der hatte schon lange sie dort erwartet, schalt sie eine kleine Saumselige, die wohl erst Vokabeln habe fernen müssen für den Maestro und dafür ihn hier stehen ließe. Aber dann nahm er die sich nicht sträubende 3ulietta in seine Arme und küßte sie lange und anhaltend, nannte sie sein Goldkäferchen, seinen Himmelsstem und was der schönen Schmeichelnamen mehr waren. Dann wandelten sie langsam bergauf, und 3ulietta hatte alle guten Lehren ihrer Mutter samt ihren stolzen Plänen vergessen. Sie hörte nur immer auf die schönen Worte Russos, ebenso auf die guten Lehren, die er ihr gab. Richt mehr zu dem Maestro in die Stunden zu gehen, er, der Russo, brauche keine gelehrte Frau. Widersetzen sollte sie sich der Mutter und ihr zeigen, daß sie keine Bambina mehr sei. 3a, er verlangte sogar von ihr, daß sie der (Signora Colomba zu wissen tue, daß nur der Russo Domenico iyr Mann würde und dies bald, recht bald... kein anderer. Da aber schüttelte 3ulietta mit Tränen in den Augen den Kopf. „Du kennst sie nicht, die Mamina, wenn sie in Zorn gerät, Russo", stammelte sie und kuschelte sich fester in seinen Arm. „Wie formt’ ich ihr sagen, daß wir uns einig sind? Daß wir uns heiraten wollen und ich keinen anderen mag? Die Madonna soll mir bei stehen, furchtbar ist die Mutter in ihrem Zorn. Du selbst mußt es ihr sagen, Russo, muht ihr schöne Worte machen und Augen drehen, mußt zeigen, daß du kein Bauer bist, wie sie immer sagt. Lind außerdem, Russo, wir können doch warten. Vielleicht, wenn sie einen anderen Patrone in das Albergo bringt, der ihr gefällt und den sie heiratet, wird sie nicht mehr so darauf aus sein, eine feine Dame aus der dummen 3ulietta zu machen und ihr einen Prinzen auszusuchen. Dann wird sie vielleicht froh sein, wenn der Russo Domenioc kommt und ihr das Mädchen davonführt. Zeit lassen, Russo, heimliche Liebe ist doch so schön, und wir sind jung und können warten.“ Lind sie fegte den kindlichen Arm um seine breiten Schultern und reckte sich auf die Zehen, um ihr Gesicht an das seine schmiegen zu können. Da war der Russo ganz still und sagte nichts mehr von Maestro und von einem neuen Vater, den seine 3ulietta bald bekommen würde. Lieber dem Monte Daldo hing der Mond wie ein silbernes Schifflein, und die Sterne zogen herauf. Kühl wehte es vom See, und 3ulietta zog das Tuch fester um die Schultern. (Fortsetzung folgt) . , Der Entdecker der Todesffrahlen nach Amerika verpflichtet. Kurt 6 d) i m t u s , ein deutscher Chemiker, dem in zäher Arbeit die Entdeckung und technische Auswertung der Todesstrahlen gelang ist von einem Finanzkomitee nach Amerika berufen worden, das ihm dort Geld für Versuche größten Maßstabes zur Verfügung stellen will. Festplatz ein lebhaftes Festtreiben entwickelt. Richt weniger al- 1800 auswärtige Besucher weilten am Sonntag in Etornfels. (Starkenburg. Darmstadt, 9. Juni. Heute gegen 16.30 Uhr ging an der Bergstraße ein heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen nieder. Die Wassermassen richteten besonders an Kirchen und Frühobst ziemlichen Schaden an und chwemmten Steine und viel Geröll in die Ort- chaften, so daß es zu zahlreichen Heber- chwemmunaen kam. Besonders hart wurden Auerbach und Zwingenberg betroffen. Preußen. Kreis Wetzlar. > Wißmar, 9. Juni. Am Sonntag feierte die hiesige „Christliche Gemeinschaft" (Chrischona) das alljährlich stattfindende Mission sf eft unter Beteiligung einer Anzahl auswärtiger Gefinnungs- Gemeinschaften. so auch des Posaunenchors von Alten-Buseck. Wegen des Regenwetters mußte die Feier vom Kirchplatz in die Kirche verlegt werden. — Am Sonntag, 14. Juni, begeht der Kegelklub „Bahn- frei" sein 25jähriges Bestehen in Verbindung mit einem Bundeskegelfest. —5- Aus dem Kleebachtal, S. Juni. Begünstigt durch die Aiederschläge der letzten Tage ist jetzt das Dickwurzsetzen in vollem Gange. Die Kartoffeln stehen schön und regelmäßig, sind jedoch schon erheblich verunkrautet. Auch der Mais, der wegen des Grünfuttermangels in größerem Umfange angebaut wurde, zeigt gutes Aussehen. Klee können in diesem Jahre nur wenige Landwirte verfüttern. Mäuse- frah und die ungünstige Frühjahrswitterung haben in den meisten Fällen die Kleesaaten vernichtet. Große Lücken weist der Roggen auf. Befriedigend ist der Stand der Sommer- frucht, die allerdings stark unter dem Hederich zu leiden hat. Kirche und Schule. rheologische Konferenz in Gießen. Unter außerordentlich starker Beteiligung der Pfarrerschaft aus Hessen und Hessen-Aassau, der Kandidaten der Predigerseminare Friedberg und Herborn und der theologischen Fakultäten der Gießener und Marburger Universität fand 'im Aeuen Studentenhaus in Gießen unter Leitung von Geytzimrat l). K r ü g e r die diesjährige Tbevlv gische Konferenz statt. Aach Schristlesung und Gebet durch den hiesigen Stu- dentenpfarrcr hielt Pfarrer Eduard Thurncy- sen, Basel (Ehrendoktor der Theologischen Fakultät Gießen) einen mit großem Beifall aufgenommenen Dortrag über .Jesus Christus und seine Zukunft". An den Dortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache an, an der sich außer dem Dor- sitzenden die Professoren D. Holtzmann und D. Schuhmann, Gießen, Lic. Dell, Herborn, D. Dultmann und D. von Sooden, Marburg, beteiligten. Aach einer Mittagspause hielt der Leiter der Konferenz, Geh. Kirchcnrat Professor l). K r ü g e r, Gießen, einen ebenfalls sehr beifällig auf genommenen Dortrag über .Entstehung, Wesen und Ziel der Rosenkreuzer". Tagung der Kreissynode Wehlar in Hochelheim. L Hochelheim, 9. Juni. Die diesjährige Tagung der Kreissynode Wetzlar in Hochelheim am Sonntag und Montag wurde mit einem FestaotteSdienst am Sonntagnachmittag eröffnet, in dem Pfarrer Sannett, Reiskirchen, die Predigt hielt. Am Abend fand ein Gemeindeabend in der Kirche statt. Superintendent Wieder begrüßte zunächst hie Gemeinde und die Synodalen. Er-sprach von der harten Rot, die heute auf unserem Volke laste, von dem wirtschaftlichen, sozialen und politischen Druck. Cs folgten dann die Berichte aus der Arbeit des kirchlichen Dereinslebens. Pfarrer Schmidt. Wetzlar. berichtete aus der Evangelischen Frauenhilfe des Kreises Wetzlar. Pfarrer Kulke, Aiederkleen. sprach über das kirchliche Hilfswerk des Gustav-Adolf-Dereins und über die Aot der evangelischen Glaubensgenossen in der Diaspora. Ueber die Aufgaben und den Stand der Heidenmission gab Pfarrer H e i d e r, Dorlar, einen Bericht. Schließlich wurde der Dank der Rheinischen Mission für alle Mitarbeit und Gaben ausgesprochen. Ein Singekreis unter der Leitung von Pfarrer Schneider, Hochelheim, verschönte den Abend. Die Derhandlungen am zweiten. Tag, die im Dereinshaus stattfandem wurden eingeleitet mit einer Morgenondacht von Pfarrer Gütiges, Wetzlar. Sodann erstattete Superintendent W i e- ber den Jahresbericht. Es wurde berichtet icher die Tätigkeit des innerkirchlichen Ausschusses, über die Ausführung der im vergangenen Jahre gestellten Anträge, über die Gründung einet Arbeitsgemeinschaft zwischen Pfarrern und Lehrern. über das kirchliche Gemeindeleben im einzelnen und über die Einführung des neuen Gesangbuches in Wetzlar. Garbenheim, Wißmar, Launsbach und Hochelheim. Im Anschluß an den Jahresbericht hielt Kantor Schneider. Wetzlar. einen Dortrag über das Thema: ..Warum müssen wir das neue Gesangbuch einführen?" Ueber die Konfirmationsordnung nach der neuen Agende sprach Pfarrer Müller, Dutenhofen. Den Bericht über das Shnodal-Rechnungswesen erstattete Pfarrer Kappell, Wißmar. Die Jahresrechnung der Svnode, die mit einem Fehlbetrag von 130,32 Mk. abschloß, wurde abgenommen und die Entlastung ausgesprochen. Der Doranschlag für das laufende Rechnungsjahr wurde in Einnahme und Ausgabe auf 35 598 Mk. festgesetzt. Als Ort der nächstjährigen Tagung der Kreissynode wurde Gleiberg bestimmt. Hcffifche Missionskonferenz. h. Auerbach, 8. Juni. Die Jahresversammlung der Hessischen Missions- kvnferenz fand hier statt. Den Auftakt bildete ein gut besuchter Miffionsfamilienabend im großen Saale des Hotel Weigoldt, der von musikalischen Darbietungen deS hiesigen Musik- Vereins umrahmt, von Professor Werner, Friedberg, eröffnet und durch einen aktuellen Dortrag des Missionsinspettors W i t s ch i, Basel, über: ,Gandhi und wir", ausgefüllt wurde. Das wirkungsvolle Schlußwort sprach Oberkirchenrat Zentgraf. Die Hauptversammlung wurde eröffnet mit einer Schriftbetrachtung • von Professor Knöpp, Darmstadt. Aach den Begrüßungen wurde der Jahresbericht 1930/31 verlesen. Die Rechnungsablage ergab ein erfreuliches Bild. Den Hauptvvrtrag hatte Missionsinspektor W i t - s ch i. Basel, über: Die Auseinandersetzung der Mission mit dem modernen Heidentum «Säkularis- mus). Er zeitigte eine lebhafte Aussprache und zeigte überraschende Aehnlichkciten mit Zuständen in der alten Christenheit auf. Aach einem gemeinsamen Mittagstisch und einer Sitzung deS Dorstandes sowie der Vertrauensmänner der Dekanate wurde die Hauptversammlung fortgesetzt mit dem Dortrag von Missionar Müller, Wiesbaden, über: »Politik und Mission im heutigen China", und einem Dortrag von Oberkirchenrat Zentgraf, Mainz, über: .Die Arbeit der Heimatgerncinden im Verhältnis zur Arbeit der Missionsgesellschaften". Die anregenden Dorträge fanden beifällige Aufnahme. Mit Dankesworten und Gebet schloß der Ortspfarrer E h l i n g c r die Tagung. Landkreis Gießen. — Grünberg, 8.3uni. Die Konferenz der Pfarrer des Dekanats Grünberg fand unter Leitung des Dekans Schmidt (Grün- berg) statt. Aach Andacht und Begrüßung wurden zunächst geschäftliche Angelegenheiten erledigt. Pfarrer Matthäus (Ehringshausen) hielt darauf einen Dortrag über „Bismarcks Glaubensleben". Eine kurze Aussprache über den mit Beifall aufgenommenen Dortrag schloß sich an. Im Anschluß daran wurden dann noch einige Dekanatsangelegenheiten behandelt, u. a. wurde der Dekanatstag auf den 30. Juni nach Londorf festgelegt und außerdem beschlossen, wegen der Morgenfeiern im Frankfurter Rundfunk bei der zuständigen Stelle dagegen Einspruch zu erheben, daß im Mai nur zwei evangelische Morgenfeiern gegen vier katholische stattgefunden haben. 00 Klein-Linden, 9. Juni. Am Sonntag feierte die „Hofsche Gemeinschaft" ihr diesjähriges I o h r e s f e st in der hiesigen Kirche. Aach einem Posaunen-Dorspiel und gemeinsamem Gesang sprach Festprediger Schaler (Rieder- Walgern) über Dergebung und Erlösung. Der hiesige Ortsgeistliche, Pfarrer Bremmer, führte die Gedanken des Dorredners am der Hand des Gleichnisses von dem verlorenen Schaf weiter, und Prediger Meng (Grvhen-Linden) sprach über die Bewährung in der Liebe. Der Posaunen- chor Allendorf a. d. Lahn und der hiesige Posaunenchor wirkten bei der Feier mit. Recht eindrucksvolle Lieder brachten der Gemischte Chor der Gemeinschaft Allendorf a. d. Lahn und der festgebenden Gemeinschaft zum Dortrag. Die Kollekte von 26 Mark kommt Der Gemeinschaftsarbeit und der hiesigen Kirchengemeinde zugute. Kreis Friedberg. )( Münzenberg, 8. Juni. In diesem Jahr sind es nach neueren Forschungen von Pfarrer Heß (Darmstadt) 400 Jahre, daß die evangelische Bewegung (Reformation) hier zur Einführung gelangte. Aus diesem Anlaß fand am Sonntag eine in allen Teilen wohlgelungene Reformationsjubelfeier statt. Der Festgottes- dienst am Dormittag, in dem Pfarrer Heß (Darmstadt) predigte und Oberkirchenrat D. Wagner eine Ansprache hielt, sand eine sehr Zahlreiche Festgemeinde. Am Rachmittag bewegte sich ein sehr langer Festzug durch die Straßen unseres Städtchens nach der Burg, in der in Anwesenheit einer vieltausendköpfigen Festgemeinde Prälat O.vr. Diehl (Darmstadt) den Festvortrag hielt und die Zuhörer interessante Einblicke in die Geschichte der Reformation tun lieh. Die Feier wurde von Vorträgen der unter Leitung von Pfarrer Lenz (Gießen) stehenden Posaunenchöre, des hiesigen Männergesangvereins und Gemeindechorälen umrahmt. Kreis Büdingen. •!e Echzell, 9.3unu Unter den hohen Eichen des „Echzeller Tanzplatzes" fand am Sonntag wieder ein Evangelisches Volksfest statt, diesmal zugleich dls Jahresfest für Innere Mission im Dekanat Aidda. Aach der Begrüßung durch Pfarrer Landmann, Gettenau, sprach der Direktor des Hessischen Landesvereins für Innere Mission, Pfarrer Röhricht, Darmstadt, von der Unentbehrlichkeit christlichen Liebesdienstes. Der Leiter der Aieder-Ramstädter Anstalten, Pfarrer Schneider, entwarf darauf ein anschauliches Bild von der Arbeit an Fallsüchtigen und Krüppeln und mahnte zu reger Unterstützung des Werkes. Dekan Scriba, RidZa, berichtete über den Stand der Inneren Mission in seinem Dekanat. Der Gesangverein „Frohsinn" Echzell und der Gettenauer Kirchenchor umrahmten mit gesanglichen Darbietungen das Fest. Kreis Schotten. Schotten, 8. Juni. In der amtlichen Dezirkslehrerkonferenz. die auch aus den angrenzenden Bezirken besucht war, sprach Kreisschulrat H a s e n z a b l über „Sprecherziehung und mündliche Sprachpflege". Der Vortragende wies einleitend auf die hohe Bedeutung hin, die der Muttersprache unter den nationalen Gütern zukomme. Der Schule erwachse die hohe Aufgabe, schon vom ersten Schuljahre ab unter Beseitigung der Hemmungen zu lautreinem Sprechen zu erziehen Die Kinder müßten dahin erzogen werden, daß sie ihre Gedanken selbst formen und zusammenhängend wiedergeben. Als Endziel müsse erreicht werden, daß das Kind in der Sprache des Gebildeten seiner Landschaft zu sprechen vermag. Schulrat Hasenzahl schloß seine Ausführungen mit dem Hinweis an die Lehrerschaft, der Sprecherziehung und Sprachpflege im Gesamtunterricht größte Beachtung xu schenken. Der Vortrag loste eine rege Aussprache aus. Kapitalbildung in her Krise. In letzter Zeit ist vielfach die Rede davon, dah die Spartätigkeit in Deutschland sich weiter verlangsame. Das Institut für Konjunkturforschung gab kürzlich seiner Meinung dahin Ausdruck, daß auch für die nächste Zeit mit einer Verringerung der Einzahlungen und mit anhaltend hohen Auszahlungen und demgemäß mit einer weiteren Schrumpfung deS Sparprozesses zu rechnen fei. Aun sind Voraussagen auf wirtschaftlichem Gebiet eine eigene Sache, sie werden häufig durch die tatsächliche Entwicklung widerlegt. Das zeigte sich beispielsweise bei der Kreditpolittk der öffentlichen Sparkassen im Jahre 1930, in der allen pessimistischen Aeußerungen zum Trotz die langfristigen Kredite, also die Kredite, die die Wirtschaft am nötigsten braucht, um über 1350 Mill. Mark zugenommen haben, darunter allein die Hypotheken um über 760 Mill. Mk. Im übrigen kommt es gerade bei der Spartätigkeit nicht nur auf das Wieviel, sondern ebenso auf das Wie an. ilnb in dieser Hinsicht muß festgestellt werden, daß das Jahr 1930 die Spartätigkeit, trotz Rückgangs der absoluten Zu- wachsxiffem, weiter vorwärts gebracht hat. So stieg die Zahl der Sparbücher bei den öffentlichen Sparkassen von 16,20 auf 18,25 Millionen. Im Verhältnis zur Bevölkerungsziffer stieg die Zahl der Sparer von 253 auf je 1000 auf 283. Aach der Zahl der Sparer sind damit 80 Pro- St des Standes von 1913 erreicht. Gewiß ist Ginzahlungsüberschuß in 1930, wie in einem Krisenjahr dieses Ausmaßes ganz erklärlich, zurückgegangen. Aber es sind nicht nur die Auszahlungen gestiegen, was übrigens z. T. auch mit! Dem zunehmenden Alter der Sparbücher zusammenhängt, sondern auch die Einzahlungen, die sich 1930 auf 6920 Mill. Mk. beliefen - 3,5 Prozent mehr als im Jahre 1929. Dor kurzem stellte ein amerikanischer Bankier als wesentlichen Grund der Krise fest, dah drüben in den letzten Jahren der Derbrauch unnatürlich gesteigert wurde, so dah heute die Wirtschaft mit Zahlungen für dieses weggenommene Einkommen belastet sei. Demgegenüber ist bei uns die krisenmildernde Wirkung des Sparens deutlich in Erscheinung getreten. Durch die Tatsache, dah viele Sparer auf ihre Guthaben wegen der schlechten Zeiten zurückgreifen muhten, ist unser Wirtschaftsleben vor einem noch schärferen Rückgang bewahrt worden. Zwischen 2 Zigaretten 3 HoMwA -Tabletten w-tr AW KW» Die jungen Gemiife, alle Salate gewinnen durch Zufatj einiger Tropfen MAGGI5 IViirje gan$ befonders an IDohlgefchmack. -.36 -.63 -.90 1.49 5.85 Bekanntmachung. Die Hebregister für die Beiträge zu den Kosten der Industrie- und Handelskammer Gießen für 1931 liegen zehn Tage lang, und zwar vorn 11. bi» 20. Juni d. 3n van 10 bi» 12 Uhr vormittags und 3 bl» 5 Uhr nachmittags auf unserem Bureau zur Einsicht offen. 3918D Einwendungen gegen den Inhalt der Hebregister sind innerhalb dieser zehntägi- gen Fr-st schriftlich oorzubringen. Nach Ab- lauf der Frist wird über die vorgebrachten Einwendungen entschieden. Gegen die Entscheidung ist innerhalb zweier Wochen Beschwerde an das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft in Darmstadt zulässig. Gießen, den 9. Juni 1931. Industrie, und Handelskammer Gießen. Ludwig Rinn. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Rein- hardshain für 1931 Ri. liegt vom Freitag, dem 12. Juni, bis einschließlich Donnerstag, dem 18. Juni, auf unserem Dienstzimmer zur Einsichtnahme offen. 3925D Es ist die Erhebung einer Umlage be- schloßen, zu der auch die Ausmärker heran, gezogen werden. Reinhardshain, den S. Juni 1931. Hessische Bürgermeisterei. Gieß. Mk SllM <£♦ G. Kleiuheun Babnbofstr.«! (3921D] Telephon 3866 uiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinniiiiiiniiininnnmnmiiiniiiniiiiiiiiii In der General-Versammlung vom 31. Mai 1931 wurde die llmwandlung in beschränkte Haftpflicht beschlossen. Die Gläubiger werden aufgefordert, innerhalb deS gesetzlichen Sperrjahrs sich zu melden. Grohen-Vuseck, den 6. Juni 1931. Landwirtschaftlicher (Lonsumverein e. G. m. u. H. Reusch. 3887d Gans X. la Portland-Zement bester Qualität, unter Syndikatspreis C.Rübsamen.GieBen Fernsprecher 3659. 12090 Sommerstoff -Reste Neue Sendungen riesiger Mengen Kunstseidenrede darunter ein Quantum teils mit kleinen Fehlern . pro Meter im Rest -4 Es gelang uns, einen Posten der bekannten Bembergqualitäten in Kleiderresten günstig einzukaufen. Diese Muster sind von ansprechender Schönheit. Die Hauptsache: Auch hierfür unsere bekannt winzigen Preise. Ferner Panama, Rips, Kunstseidenbeiderwand, Zetir, Wollmusseline, Waschmasseline, Seide. 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Juni 1931. Mon ________Gerichtsvollzieher in Lich.________ U/E D R CD RUCKSACHEN WW bl\D t Brühl’sche Druckerei .„Rekord-Tage...... Freitag,12. Juni »ne«istIHaßlOS billig! Kaufhaus HANSA Gießen _____ ___________________________ 3844 A Sonntag, den 14. Juni, 11% Uhr, im Saale des Realgymnasiums: Musikalische Morgenfeier zum Besten der hiesigen Zuflucht veranstaltet von Elisabeth Felchner mit einigen ihrer Schülerinnen und Schüler unter frdl. Mitwirkung von Frau GERTRUD WEYL (Gießen), Gesang (Alt), und Frau LORE MICHAELIS (Sopran), Frankfurt-M„ am Klavier E. FELCHNER. Zum Vortrag gelangen: Klavierkompositionen von Gretshaninoff, P. Zilcher, K. Schmid, Händel, v. Asanschewsky, Beethoven, Chopin. Gesänge v. Brahms und Schubert. Deutsche Volkslieder (Duette) von Brahms. 03336 Eintrittskarten zu 1 Mk. und Programme bei E. C h a 11 i e r und an der Kasse. Krauen und Töchter! Am Donnerstag, dem Hl. 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Juni 1951 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesstn) Nr. 133 Drittes Blatt Zeiifragen des Mittelstandes augeben, wenn ihr (9efain 1000 Mark nicht übersteigt. dem bis 31. Dezember 1930 bezöge oder Kapitalzins stammt. Wi ;enem Gehalt, Lohn urden z. B. einem seniler, oyne iveuei«» uxi vui«. «"“h lt-' , ,. , \ „ , u7 7 aber keiner näheren Ausführung, daß hiernach Dessert sich die Äonjunftur. so bessert slch dann bei Pfändungen wegen einer größeren Geldsumme I auch die Lage der Gläubiger. vorerwähnten Vorschrift gefordert, daß die von der Pfändung ausgeschlossenen Gegenstände für die persönliche Fortsetzung des betreffenden Gewerbebetriebes von feiten des Schuldners unentbehrlich sein müssen. Grundsätzlich unterliegen also die Fabrikate des Gewerbetreibenden, die Erzeugnisse seiner Arbeit, auch die Auslagen im Schaufenster. ohne weiteres der Pfändung. Es bedarf Bestimmungen für das sonstige Vermögen — an» ihr Gesamtwert den Betrag von fähige Betriebe in ihrer Existenzfähigkeit zu erhalten und vor dem Erliegen zu bewahren. Handwerk und Gchuldnernot. Von Rechtsanwalt Or. von Köbte, Oberregierungsrat z. O. Die Zahlen der Konkurse, der Vergleichsverfahren, wie die der wirtschaftlichen Zusammenbrüche haben einen Umfang angenommen, wie er früher nicht denkbar war. Das Schuldnerverzeichnis der Gerichte Groß-Berlins über die Fälle, in denen in den letzten fünf Jahren der Offenbarungseid geleistet oder Haftbefehl er- lafsen war. weist gegenwärtig über 400 000 Damen auf: ein furchtbares Symptom unserer Wirtschaftslage! Ein weiteres Menetekel bildet das Anwachsen der Mahnsachen bei den Amtsgerichten. 1925 wurden 6 654 735 Zahlungsbefehle erlassen: 1928 bereits 8 403 715. Die Zahl der Gütesachen stieg im gleichen Zeitraum von 2 232 835 auf 3 075 305. Wahlen beweisen! Von Gläubigerseite wird vielfach eine Verschärfung der Vorschriften gegen die Schuldner beantragt: es wird u. a. gefordert, der Gläubiger solle wiederum, wie früher, berechtigt sein, sich den Gerichtsvollzieher nach seiner freien Wahl aussuchen zu dürfen, während setzt die Zuständigkeit von Amts wegen bestimmt ist. Vach Zeitungsnachrichten soll nun ein im Veichsjustizministerium ausgearbeiteter Gesetzem- wurf. der den Forderungen der Gläubiger nach Verschärfung weitgehend entgegenkommt, demnächst an das Reichskabinett gelangen und De- stimmungen enthalten, die eine Deschleunigung des Klageverfahrens, Einschränkungen der Intervention bei Zwangsvollstreckungen und wesentliche Verschärfungen bei Offenbarungseiden bringen sollen. Diese Meldungen sind den Tatsachen weit sunden Landbevölkerung und über die notwendige Eindämmung einer zu weit gehenden Landflucht. So erblickt die Landwirtschaft in-der Erhaltung und in dem Schutz der durch lebensfähige Landgemeinden und Landkreise bodenständigen Kultur für einen möglichst großen Teil des Gesamtvolkes eine wesentliche Voraussetzung zu einer gesunden wirtschaftlichen, sozialen, staatlichen und kulturellen Fortentwicklung, wie anderseits das Handwerk das Ideal zukünftiger Tage nicht in der Schaffung von Riesenstädten, sondern in der Erhaltung von gesunden, lebenskrästigen Klein- und Mittelstädten sieht, weil diese der Entfaltung deutscher Kultur am günstigsten sind. Die wirtschaftliche Verbundenheit sollte bei Handwerk und Landwirtschaft eine ständige gemeinsame Arbeit zur Folge haben. Voraussetzung hierfür ist naturgemäß, daß beide Derussstände einander gleichberechtigte Anerkennung zollen und einander die freie, selbständige De russ aus Übung nicht beschneiden. Wie der Handwerker selbst, so sollte auch der Landwirt bei der Deckung seines täglichen Bedarfs an den Einkauf beim Handwerksmeister denken. Dei der Preispolitik des Handwerks darf der Dauer nicht übersehen, daß das Handwerk sowohl bei seiner Preisbildung, wie bei seiner Lohnbildung zu den im Wirtschaftsprozeh abhängigen Schichten gehört. Das Hand- Grundstücke, oder auch Teile von Grundstücken, die zu einem gewerblichen Betrieb gehören, sind vorläufig mit dem seitherigen Einheitswert. Die end- in der kaufmännischen Bilanz zu Buche stehen, evtl, vorläufig mildem seitherigen Einheitswert. Die endgültige Bewertung erfolgt auf Grund der in einem besonderen Anhang über das Grundstück zu machenden Angaben von Amts wegen. Zum sonstigen Vermögen zählen alle Vermögens» gegenftänbe, die nicht unter das landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche oder gärtnerische Vermögen, Betriebsvermögen oder Grundvermögen fallen. Es kommt hierfür insbesondere das Kapitalvermögen in Betracht. Ansprüche auf Gehälter, Zinsen und ähnliche Bezüge, die am 1. Januar 1931 bereits fällig, jedoch noch nicht ausgezahlt waren, sind ebenfalls als sonstiges Vermögen anzusprechen. Fernerhin kommen unter bestimmten Voraussetzungen Gegenstände aus edlem Metall, Schmuckgegenstände, vwie solche Luxusgegenstände, die nicht zur Aus- tattung der Wohnung des Steuerpflichtigen gehören, als steuerpflichtiges Vermögen in Betracht, Zahlungsmittel, Bankguthaben, sowie sonstige laufende Guthaben sind, sofern sie nicht zum Betriebsvermögen zählen (vgl. oben), nicht steuerpflichtig, wenn sie alle zusammen 1000 Mark nicht über- steigen. Unter den Abzügen sind die am 1. Januar 1931 vorhanden gewesenen Schulden aufzuführen. Hierher gehören insbesondere Hypotheken, Grund- und Darlehensschulden, Altenteilsschulden, Nießbrauchlasten, sowie sonstige Rentenlasten. Als Dreimonatsabzug kann noch der Betrag geltend gemacht werden, der am 1. Januar 1931 in Form von Zahlungsmitteln, Bank» oder sonstigen laufenden Guthaben vorhanden war und aus in der Zeit vom 1. Oktober Oie Vermögenssteuerveranlagung und Einheitsbewertung 1931. Von Steuerinspektor Freeü-Gießen. welcher Schuh dem selbständigen Handwerk gegen Gläubigerrechte gegeben werden kann, um unwirtschaftlichen ^isammenbrüchen zu steuern, oder auch um dem Schuldner den Wiederaufbau seines Betriebes nach Möglichkeit freizuhallen. Man wird einwenden, das Handwerk sei bereits geschützt durch § 811 Ziff. 5 ZPO., nach der bei Handwerkern die zur persönlichen Fortsetzung der Crwerbstätigkeit unentbehrlichen Gegenstände als unvfändbar erllärt werden. Diese Vorschrift gewährt jedoch bei weitem nicht einen den modernen Anforderungen entsprechenden Schutz: sie entspricht vielleicht dem Begriff und dem Wesen des Handwerks zur Zeit des Erlasses der Zivilprozeßordnung (1879), wo es wohl nur in den seltensten Fällen mit Maschinen arbeitete und im wesentlichen aus kleineren Betrieben bestand. Der Aufschwung, die Entwicklung, die das Handwerk genommen hat und die von der Vegierung im Interesse des Dolksganzen mit vollem 'Recht gefördert wird, ist jedoch in dieser jetzt veralteten Vorschrift dem Handwerker nur für seine Perlon zugesagt. Gegenstände, die er für seine Gehilfen bedarf, sind der Pfändung unterworfen. Eine von einer Angestellten benutzte Schreibmaschine ist also pfändbar: desgleichen Maschinen und maschinelle Werkzeuge, die von Gehilfen und Arbeitern bedient werden. Weller wird von der worben wurde, ist auch bann anzugeben, wenn eine Auseinanbersetzung noch nicht erfolgt ist. Kaufleute, bie für ihren Betrieb regelmäßige Abschlüsse auf einen anberen Zeitpunkt als den 1. Januar machen, können für biefen Betrieb den in bas Kalenderjahr 1930 faUenben Abschlußtag zugrunde legen. Nicht zum Vermögen einer natürlichen Person gehören bie Anteile an einer inlänbischen offenen Handelsgesellschaft ober Kommanbitgesellschast, ba biefe Gesellschaften als solche steuerpflichtig sind unb befon- bere Vermögenserklärungen abzugeben haben. Fernerhin gehören nicht zum Vermögen einer natürlichen Person Gegenstände, die diese einer inländischen offenen Handelsgesellschaft ober Kommandit-Gesell» schast überlassen hat, wenn sie an btefer Gesellschaft als Gesellschafter beteiligt ist. Derartige Gegenstänbe sinb vielmehr zum Vermögen ber betreffenben Gesellschaft zu rechnen unb van btefer zu erklären. In ber Aufstellung bes Vermögens, das am 1.1.1931 einem gewerblichen Betrieb diente, sind die Gegenstände im allgemeinen mit dem gemeinen Wert zu bewerten. Der gemeine Wert wird durch den Preis bestimmt, ber im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach ber Beschaffenheit bes Gegenstanbes unter Berücksichtigung aller ben Preis beeinslussenben Umftän- ben bei einer Veräußerung zu erzielen wäre: ungewöhnliche ober lebiglich persönliche Verhältnisse sinb nicht zu berücksichtigen. Bei ber Bewertung von Vermögensgegenstänben, die einem Unternehmen gewidmet sind, wird in ber Regel von ber Voraus- setzung ausgegangen, baß das Unternehmen nicht aufgelöst, sonbern weitergeführt wirb. Für bewegliche Gegenstänbe bes Anlagekapitals eines gewerblichen Betriebs, bie infolge ber allgemeinen Wirtschaftslage in ber Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 1931 ununterbrochen 3 Monate offenbar nicht nur vorübergehend ungenutzt, ober infolge Kurzarbeit eingeschränkt genutzt würben, wirb auf Antrag ein Stillegungsabschlag vorgenommen. Der Abschlag beträgt bei völliger Stillegung 30 v. H., jebvch höchstens "bis zum Materialwert (Schrottwert), unb bei eingeschränkter Benutzung einen entsprechenben Teil, ber sich nach bem Verhältnis zwischen ber tatsächlichen Benutzung unb ber normalen Benutzung ergibt. Bei beweglichen Gegenstänben eines Saisonbetriebs wirb auf Antrag ber gleiche Abschlag vorgenommen, wenn bie. Gegenstänbe bes Betriebs ununterbrochen während ber Hälfte der bem Feststellungszeitpunkt (1. 1. 1931) vorangegangenen Saison infolge Stillegung, Betriebseinschrankung ober begleichen ungenutzt, ober in einem bas übliche werk allein kann für die Folgen einer steuerlichen und sozialen llebcrbelastung der Produktion nicht verantwortlich gemacht werden. Das Handwerk ist wohl noch nie Gegner zoll- und handelspolitischer Forderungen gewesen, die für den Bestand einer gesicherten Landwirtschaft unerläßlich find. Cs weih aus eigener Erfahrung sehr wohl, daß auf die Dauer fehlende Rentabilität die Betriebe dem Untergang zukühren muß. Selbst die Zweige des Lebensmittelyandwerks sind der Agrarschutzzollpolitik der Reichsregicrung nicht entgegengetreten, obwohl die Preisgestaltung der von ihnen verarbeiteten Rohstoffe davon in einer Weise getroffen wird, die sich notwendig in einer Erhöhung der Preise ihrer eigenen Erzeugnisse auswirken muhte. Wenn dann aber Drotpreis- erhöhungen die Folge sind, so liegt deren Ausgangspunkt eben bei den als erforderlich erachteten Schutzzöllen, was nicht übersehen werden darf. Hier sollte sowohl die Landwirtschaft, wie auch die gesamte Derbraucherschaft die Zusammenhänge nicht verkemren. Auf allen Gebieten sollten beide Berufsstände einander das richtige Verständnis entgegenbringen, denn eine gesunde Wirtschaft braucht immer den freien Dauer auf eigener Scholle und den selbständigen Meister in freier Werkstatt. Erklärungen unb Fragebogen haben nach Stanbe am 1.1.1931 zu erfolgen unb bei Eheleuten (sofern sie nicht bauernd getrennt leben) bas Vermögen beiber Ehegatten zu umfassen. Hatten Kinber bereits eigenes Vermögen, so sinb für biefe befon- bere Erklärungen abzugeben. Vermögen, bas vor bem 1.1.1931 burch Erbschaft ober Vermächtnis er- handwerkliche Betriebe zum Erliegen kommen müssen. Dah diese Vorschrift als all zu eng von den Gerichten empfunden wird, zeigt die Tatsache, dah viele Dollstreckungsrichter diese angebliche Schuhbestimmung über den Wortlaut hinaus weitestgehend interpretieren und somit ihre Här» ten, z. D. die Pfändung der Schreibmaschine, vielfach aus der Welt schaffen. Diese Praxis, die oftmals nicht gerade mit dem Wortlaut des Gesetzes in Einklang steht, gilt es, auf eine unangreifbare gesetzliche Grundlage zu stellen und darüber hinaus noch zu erweitern. Run gibt es große Teile des Handwerks, die im wesentlichen nur eine Verschärfung der Gläubigerrechte, auch eine Aenderung des Gerichts- vollzieherwesens verlangen. So verlockend es auch für den Handwerker als Gläubiger sein mag, sich den allerschärfsten Exekutivbeamten heraussuchen zu können unb seine Gläubigerrechte durch scharfe Vollstreckungsvorschriften möglichst geschützt zu sehen, nie vergessen sollte jedoch der Handwerker, daß er auch Schuldner sein kann und daß dann die Kehrseite seiner Forderungen ihn mit aller Unbarmherzigkeit leicht treffen kann. Und dann noch eins! Verschärfungen mögen böswilligen Schuldnern gegenüber angebracht sein: in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sind aber durchaus nicht alle Schuldner böswillig. Im übrigen kann auf die Dauer ein wirklicher Gläubigerschutz nicht durch Verschärfungen der Zwangsvollstreckung, die allzu oft nur unwirtschaftlichen Schaden anrichten, gewährleistet werden. Ein weit besserer Schutz ist der. leistungs- Steuerpflichtigen auf fein Bankkonto überwiesen: Am 1. November 1930 800 Mark Zinsen, am 31. Dezember 1930 500 Mark Gehalt unb betrug (ein Bankguthaben zu Beginn bes 1. Januar 1931 2000 Mark, so sinb biefe 2000 Mark als sonstiges Vermögen zu erklären, unb ber Steuerpflichtige kann als Dreimonatsabzug 1300 Mark geltend, machen (800 Mark + 500 Mark). Zum steuerpflichtigen Vermögen gehören insbesondere nicht: Hausrat: die von ehemals feindlichen Mächten beschlagnahmten Dermögensteile, die am 1.1.1931 noch nicht freigegeben waren: Beträge der steuerfreien Reichsanleihe 1929, die der Steuerpflichtige am 1.1.1931 besessen hat: die in § 7 Abs. 1 des Reichsausgleichsgesetzes in ber Fassung vorn 20.11.1923 bezeichneten Forberungen unb hie im Liquibationsschäbengesetz (20.11.1923) und der Ge- waltschädenverordnung vom 28.10.1923 geregelten Ansprüche, sowie die auf diese Forderungen und Ansprüche ausgezahlten Beträge, soweit die Auszahlung in dem Kalenderjahr erfolgt ist, das vor dem für die Hauptfeststellung zur Dermögenssteuer maßgebenden Zeitpunkt geendet hat (d. i. für die jetzige Vermögenssteuerveranlagung das Kalenderjahr 1930). II. Die Durchführungsbestimmungen vom 22. Mai 1931 haben eine grundlegende Aenderung der Bewertung für die Betriebsgrundstücke, sowie , das sonstige Grundvermögen gebracht. Grundsätzlich unterscheiden sich die Bestimmungen von ben für bie früheren Einheitsbewertungen maßgeblichen Vorschriften daburch, baß bei ben ganz, ober teilweise ber Zwangswirtschaft unterliegenben Grunbstücken ber Wehrbeitragswert im allgemeinen als AusMaß übersteigenden Rahmen eingeschränkt benutzt waren. Zahlungsmittel, Forderungen und Schulden sind grundsätzlich mit bem Nennbetrag anzusetzen, sofern nicht besondere Umftänbe (z. B. ungewöhnlich hohe ober niebrige Verzinsung) einen höheren, ober nichtigeren Wert begrünben. Eine vom Nominalbetrag abweichenbe Bewertung empfiehlt sich zu begrünben. Wertpapiere sinb mit bem vollen Steuerkurs- wert vom 31.12.1930 (auch bei abweichenbem Ab- fchlußtaa) unb, sofern cs sich um inländische Aktien, Kuxe, sonstige Anteile an inländischen Aktien, aesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien, Gesellschaften mit beschränkter Hast handelt, mit dem halben Steuerkurs zu bewerten. Ist ein Steuerkurs- wert nicht festgestellt so tritt an die Stelle des Steuerkurswertes ber Verkaufswert vom 31.12.1930. Bankguthaben, Zahlungsmittel unb sonstige lausende Guthaben sind auch dann — im Gegensatz zu den Landwirtschaft undHandwerk. Don Friedrich Oer1ien,Hannover,Dorsihendem des Reichsverbandes des deutschen Handwerks. Landwirtschaft und Handwerk sind seit altersher aus das engste miteinander verbunden. Das ländliche Handwerk arbeitet fast nur für den Bedarf der Landwirtschaft. Hingewiesen sei hier auf die «Sattler, Schmiede, Stellmacher usw., deren wirtschaftliche Lage wohl der der Landwirtschaft gleich- aefeht werden kann. Andere Gruppen wieder wie Müller, Bäcker, Schlachter usw. treten uns als Abnehmer landwirtschaftlicher Erzeugnisse entgegen. Zu dieser wechselseitigen wirtschaftlichen Verbundenheit kommt noch hinzu, daß ein großer Teil der Handwerker auf dem Lande selbst im Rebenberuf Landwirtschaft betreibt Der Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft schätzt die Zahl der Handwerksmeister, die nebenberuflich in der Landwirtschaft tätig sind, auf etwa 350 000, was-einem Viertel der Gesamtzahl der selbständigen Meister entspricht. Rach den Ergebnissen der letzten Betriebszählung sind drei Viertel der Schmiede im Rebenberuf Landwirte, und ebenso sind fast alle Stellmacher auch Landwirte. Dei den Metzgern ist es noch die Hälfte, die neben dem Schlachtereibetriebe auch noch die Landwirtschaft ausübt. Die gewerblichen und landwirtschaftlichen Klein- und Mittelbetriebe bleiben weiter in ihrer gleich- gearteten kulturellen, sittlichen und sozialen De- deutung für die gesunde Struktur jedes Staatswesens von ausschlaggebendem Wert. Ihre Ausgaben gegenüber Staat und Volk sind die gleichen. Mit Liebe und Sorgsalt hängt der Dauer an ber erarbeiteten Scholle. Auch der Handwerksmeister ist voll Stolz und Freude über seinen Betrieb, dessen Erhaltung und Freiheit ihm am Herzen liegt. Beide Berufsstände stellen über den Gewinn des Alltags und über die Schwere ihres Arbeit den hohen ideellen Wert der Selbständigkeit. Die an die Ausübung des landwirtschaftlichen und handwerklichen Berufs gestellten Anforderungen erziehen zu tüchtigen Per- sönlichkeiten. Die Bodenständigkeit in Handwerk unb Landwirtschaft fördert das Gefühl der Verbundenheit mit der Heimat und bedingt einem guten konservativen Geist, dem gewaltsame Ilm- sturzpläne fcrnliegen. Sie sind so Grundpfeiler des inneren Friedens und geordneter Verhältnisse. Wie die Landwirtschaft, leidet auch das Handwerk unter den vielen nachteiligen Folgen einer verkehrten Wirtschafts- unb Sozialpolitik ber letzten Iahre. Die steuerliche Last hat «ine Höhe erreicht, die den Ertrag ber Betriebe in Fragstellt unb Lust unb Liebe zu ihrer Weiterführung mindert. Auch die sozialen Abgaben haben auf die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft keine Rücksicht genommen. Eine verbrauchshemmende steuerliche Mehrbelastung in den gegenwärtigen Zeiten einer stark geschwundenen Konsumkraft zeigt nur zu bald, daß dem Herauswirtschaften hoher Beträge Grenzen gefetzt sind, Grenzen, die unsere Steuerpolitik bereits achtlos überschritten hat. Ebenso kann auch eine soziale Fürsorge, deren Rotwendig- feit an sich anerkannt wird, „im luftleeren Raum" nicht mehr betrieben werden. Auf beiden Gebieten fordern Landwirtschaft und Handwerk dringend Erleichterung. Handwerk unb Landwirtschaft sind sich toc .ter herüber einig, daß auch die so notwendige Reichs- resorm an Haupt unb ©liebem unb ebenso bis so notwenbige Reuregelung ber Reparationsverpflichtungen nicht länger mehr hinausgeschoben werden dürfen. Der gesamte Derwaltungsappa- rat ist auf das durch den Zwang zur Sparsamkeit gebotene Maß, das zugleich dem technischen Fortschritt der letzten Iahrzehnte entspricht, herabzu- sehen. Auch eine durchgreifende Revision der außenpolitischen Bindungen muß folgen, denn die Belastung aus dem Voungplan übersteigt die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Die Reichsregierung muß an dieses Problem um so eher Herangehen, als burch bas Absinken ber Weltmarktpreise eine Erhöhung der deutschen Reparationszahlungen um 20 Prozent eiugetre- ton ist. Richt mehr ober minber utopische Plane bringen unsere Wirtschaft toieber in Gang, fon- bern nur ernste unb durchgreifende Reformen auf steuerlich«» unb sozialem Gebiet, sowie auf dem Gebiete der Verwaltung unb schließlich noch eine gerechte, tragbare Lösung bes Reparationsproblems. , , .. Handwerk unb Lanbwirtschaft vertreten auch bie gleiche Auffassung über bie Förderung einer ge- I. In der Zeit vom 15. Juni bis 30. Juni 1931 hat die Abgabe der Vermögenssteuererklärungen 1931, sowie der Fragebogen für die Einheitsbewertung zu erfolgen. Diese Erklärungen sollen die Grundlage der Vermögenssteuer für die Zeit vom 1.1.1931 bis zum Ende des Rechnungsjahres 1934, sowie für die Einheitsbewertung bilden. Auf Grund der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 1.12.1930 wirb nunmehr die Vermögenssteuer vom Kalenderjahr auf das Wirtschaftsjahr umgestellt. Zukünftig findet die allgemeine Veranlagung der Vermögenssteuer für drei Rechnungsjahre statt. (Rechnungsjahr vom 1.4. bis 31.3.) Die für das erste Kalenderviertel- fuhr 1931 unb für dos Rechnungsjahr 1931 zusammen zu erhebende Steuer beträgt 6/< der Vermögenssteuer, die für das Rechnungsjahr allein zu erheben fein würde. Für unbeschränkte Steuerpflichtige ist nunmehr die allgemeine Freigrenze von 5OOO Mark auf 20 000 Mark heraufgesetzt worden. Bei den Einheitsbewertungen betragen zukünftig die HauptfeststeUungszeiträume für landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche und gärtnerische Vermögen, sowie für Grundvermögen unb Betriebsgrundstücke sechs Rechnungsjahre unb für bas Betriebsvermögen drei Rechnungsjahre. Innerhalb bes Hauptfeststellungszeitraums wird eine neue Feststellung des Einheitswerts vorgenommen, wenn sich aus dem Stand bei Beginn eines Kalenderjahres ergibt, daß sich der Einheitswert um mehr als den zwanzigsten Teil, ober um mehr als 25 000 Mark (nach oben ober unten) oeränbert hat. ffiertoeränberungen, die auf allgemeiner Veränderung ber Wirtschaftsverhältniffe beruhen, führen nicht zu einer Neufeststellung. Eine neue Dermögenssteueroeranlagung wird vorgenommen, wenn sich aus bem Stand bei Beginn eines Kalenberjahres ergibt, daß sich der Wert des Gesamtvermögens um mehr als den zehnten Teil, ober um mehr als 50 000 Mark oeränbert hat. Gegenüber ber seitherigen Regelung ist insofern eine günstigere Regelung eingetreten, als bis jegt nur eine Neufeststellung möglich war, wenn die Ver- änberung infolge besonderer Umstände ein Fünftel ober minbeftens 100000 Mark betrug. Dagegen konnte seither eine Neufeststellung auf jeden beliebigen Tag innerhalb eines HauptseststeUungszeit- raums erfolgen, während dies künftig nur noch auf den Beginn eines Kalenderjahres möglich fein wird. Da die Vermögenssteuererklärungen, sowie die Fragebogen die Unterlagen für die Vermögenssteuer Veranlagung unb die Grundlagen zur Einheitsbewertung bilden, werden nicht nur von ben Personen Erklärungen gefordert, die voraussichtlich ein Vermögen über 20 000 Mark besitzen, sondern auch von solchen, die Eigentümer von Grundbesitz sind, ober ein Gewerbe betreiben. Die Angaben in den vorausgceilt: es scheint sich tatsächlich nur um einen vorläufigen Referentenentwurf zu handeln, der sich mit der Zwangsvollstreckung befaßt und in Kürze veröffentlicht werden soll: Einzelheiten aus dem Entwurf können naturgemäß — zumal bei der Schwierigkeit der Rechtsmaterie — noch nicht mitgeteilt werden. . Geht man aber — und zwar, wie es scheint, — unter Einflüssen der Gläubigerseite an Aenderun- qen der Bestimmungen über die Zwangsvollstreckung. so darf es sich nicht nur um schärfere Vorschriften gegen die Schuldner handeln: es müssen auch soziale Rücksichten zugunsten der Schuldner, zu denen jetzt auch viele Unternehmer gehören, weit stärkere Beachtung finden, als seither. In besonderem Maße gilt dies für Die Landwirte, aber auch für die selbständigen Angehörigen des gewerblichen Mittelstandes, der ja unter der Rot unserer Zeit buch schwer zu leiden hat! Es muß gelten, diese Betriebe nach Möglichkeit über die jetzigen schwierigen Zeiten hinweg zu bringen, und sie vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Ein solcher Schuh ist um so notwendiger, als ein arm gewordenes, unter Erwerbslosigkeit leidendes Volk auch bei aller Anerkennung der Rotwendigkeit eines weitgehenden Gläubigerschutzes nie vergessen darf, dah mit jedem Zusammenbruch schwere Schädigungen des gesamten Dolksvermögens verbunden sind. Der Zusammenbruch selbständiger Betriebe ruiniert in den gegenwärtigen Zeiten nicht nur den Detriebsinhaber und seine Familie, vielmehr auch seine Arbeitnehmer. und schädigt darüber hinaus die Allgemeinheit, deren Interessen wahrlich höher stehen, als die von allzu rigorosen Gläubigern! I Dringend erforderlich ist es daher, in eine Rach- | Prüfung auch der Fragen einzutreten, ob und Rund 4 Millionen Arbeitslose der verfügbaren Arbeitsuchenden: fon- etwas auf 67,5 Tendenz: Banknoten. Berlin Sranlfurt a. 2)1, 1-Uhr- I ffuf< | 9.6. I 10.6. Datum 9.6. 10.6. 9.6. 114 116,13 114,25 39,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt 55,5 a. 49,5 100,5 96,5 96,5 20,25 20 16,45 16,5 2,4 16,6 14,6 43,25 19 111 116 169,5 16,55 14,5 37 43,13 57 13,2 5,13 12 6 e 5 . 6 , 8 , 7 10 10 , S c 0 6 . 8 8 10 10 . ö 10 116,5 115 37.75 43,5 57 43,13 17,9 110 115 169,75 2,7 2,6 16'/. 10 10 16 (Schluß- kurs 16 12 18 . 14 18'/. . 12 . . 8 , . 9 > . 0 > * 6 . . 0 » . 6 . 10 19,5 1,4 51,45 4,4 2,45 7,1 13,4 5,5 51,75 4,5 2,65 2,65 2,65 7,2 13,3 5,55 Taten für Mittwoch. 10. Juni Sonnenaufgang 4.10 Uhr, Sonnenuntergang 20.38 Uhr. — Mondaufgang 1.34 Uhr, Monduntergang 14.23 Uhr. m r 1807: Napoleon wird von den Russen und Preußen bei Heilsberg geschlagen: — 1819: der französische Maler Courbet in Omans geboren; — 1836: der Physiker Andr6 Marie Ampere in Marseille gestorben. fl. ®. garden-Industrte. Dynamit Nobel . . . . Echeideanftalt. . . e • Goldschmidt . . • • • RütgerSwerke . . • • • MetaUgeieUichaft. . . . 84,25 97 51,65 4,5 90,5 50,5 49 100 94,5 88,5 100 Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Dicht nach Heuchelheim fahren! Diese Warnung rufe ich jedem zu, der geschäftlich oder sonstwie in Heuchelheim zu tun hat. Denn der Zustand der Gießener Straße spottet tatsächlich jeder Beschreibung. Schlagloch reiht sich an Schlagloch. Dreckpfühe an Dreck- Pfütze. 2ch rate jedem, der gezwungen ist, diese Strecke zu befahren, vorher sich in eine Lebensversicherung einzukaufen. Sollten die maßgebenden Personen diesen Zustand der Straße in unmittelbarer Dähe von Gießen nicht kennen? Wenn nicht, dann bitte ich die Herren, diese ft art frequentierte Strecke in Augenschein zu nehmen und dafür zu sorgen, daß durch baldige, sachgemäße Wiederherstellung der Fahrbahn die Lebensgefahr für die Passanten beseittgt wird. H. entwicket. Die Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Nassau. lieber die A r b e i t s m a r k t l a g e in Hessen und Hessen-Nassau berichtet das Landesarbeitsamt Hessen in Frankfurt a. M.: Die Zahl der Arbeitsuchenden fiel in der ersten Maihälfte um 6200 oder 2,4 v. H. auf 255 406 (vorher um rund 6400, d. s. gleichfalls 2,4 v. H.). Der Arbeitsmarkt wurde also etwa im gleichen Umfang wie in der 84,5 96,75 51,75 4,5 90,5 Bereinigte Stahlwerke Otavt Minen . . . . Kaliwerke Aschersleben Kaliwerke Westeregeln Kaliwerke Salzdetfurth * Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924/26 = 100) stellt sich für die Woche vom 1. bis 6. Juni auf 77,0 aegenüber 78,5 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 69,9 (71,0), Gruppe verarbeitende Industrie r-f ßn ß (69,1) und Gruppe Handel und Verkehr auf 100,3 Kunst und Wissenschaft. Frankfurter und Mainzer Vlldverluste beim Münchener Brand. Das Frankfurter Historische Museum hatte im Münchener Glaspalast als Leihgaben aus- gesteUt von Peter Cornelius „Bildnis der Frau Hadermann" und von Mols Schmitz „Feldbergszene". Cs ist leider mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß diese beiden Werke verloren sind: eine offizielle Destättgung aus München liegt allerdings noch nicht vor. Auf alle Fälle ist der materielle Schaden durch Versicherung gedeckt. Zwei weitere Porträts von Cornelius, die auch nach München gesandt worden waren, dabei das schönste, das Bildnis der Frau Scheel, sind von der Aus- stellungsleitung zurückgegeben worden, weil sie dem Thema der Ausstellung „Deutsche Doman- tifer“ stilistisch nicht voll entsprachen. So befinden sie sich daher zum Glück wieder unversehrt . im Historischen Museum. ♦ Bei dem Brand des Münchener Glaspalastes sind, wie jetzt festgestellt wird, auch zwei wertvolle Romantiker, die von der Städttschen Gemäldegalerie Mainz als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurden, ein Opfer der Flammen geworden. Cs handelt sich um ein Iugendporträt des Malers Veit, das einzige von dem Künstler bestehende Bildnis, und um ein Doppelbildw^k Veit-Overbeck. Baufacharbeiter am 28. Februar (Höchststand) am 31. Mai Abnahme Februar—Mai absolut Das sind o. H.: Bauhilfsarbeiter am 28. Februar (Höchststand) am 31. Mai Abnahme Februar—Mai absolut Das sind v. H.: In der Landwirtschaft brachte die beginnende Hackfruchtbearbeitung wieder mehr Beschäftigung. Die Steinindustrie und das Nahrungs- und Genußmtttel. gewerbe (Konserven- und Tabakfabriken) konnten gleichfalls eine größere Anzahl Kräfte aufnehmen. Das Gastwirtsgewerbe zeigte eine leichte Saison- betebung, dagegen hatte die Metallindustrie verhältnismäßig wenige, das Bekleidungsgewerbe fast keine Abgänge. In der Lederindustrie und im 23er- Dielfältigungsgeroerbe nahmen die Arbeitsuchenden um rund 250 bzw. 130. zu. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung ging, zum Teil infolge Aussteuerung, um 6022 auf 90 995 zurück, gleichzeitig ist aber die Zahl der Krisenunterstützungsempfänger um 1451 auf 50156 gestiegen. Wirtschaft. Bevorstehende Teilstillegung des Griesheimer Z.-G.-WerkeS. Das WerkGriesheimderJG.- Farben- industrie ist nach der Konzernbilduna erheblich eingeschränkt worden. Noch vor einigen Wochen hat ein weiterer Abbau der Belegschaft stattgefunden. Diese ist, soweit die Leute nicht pensioniert wurden, nach dem Werke Höchst und auch nach anderen Werken der IG. beordert worden. Zum Teil sind die Arbeiter auch entlassen worden. Nun ist anscheinend eine weitere Stillegung der Griesheimer Betriebe beabsichtigt. Es soll das Altwerk äußer Betrieb gesetzt werden, so daß im wesentlichen nur der Autogenbetrieb im Gange bleiben dürfte. Berlin, 9. Suni. Rach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 16. bis 31. Mai war die Entwicklung des Deschastt- gungsgrades in der zweiten Halste des Monats Mai nicht u n g ü n st i g. Die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen hat um 144 000 abgenommen: am 31. Mai belief sie sich auf rund 4 0 6 7 0 0 0. Zn der Arbeitslosenversicherung wurden am letzten Stichtag — nach einem Rückgang um rund 134 000 — rund 1 579 000 Unterstützungsempfänger gezählt. Die Belastung der Krisenfürsorge hat sich weiter, und zwar um etwa 15 000, auf rund 929 000 Haupt- Unterstützungsempfänger erhöht, lieber die Aufteilung der Gesamtzahl der Arbeitslosen nach der Art der gewährten Unterstützung liegen zur Zeit Zahlen erst für Ende April vor. Zu diesem Zeitpunkt wurden von 100 Arbeitslosen im Reichs- durchschnitt 86,7 unterstützt, die Hälfte aus der Arbeitslosenversicherung, knapp ein Viertel aus der Krisenfürsorge etwas mehr als e.n Viertel aus Mitteln der öffentlichen Fürsorge. Zm einzelnen sind u. a. am Arbeitsmarkt des Kohlenbergbaus Zeichen eines Stillstandes der bisherigen rückläuf igen Entwicklung zu erkennen. Die Landwirtschaft hat be' ders in den klimatisch begünstigten Gebieten et stärkeren Bedarf an Arbeitskräften entwickelt. 2m Baugewerbe hat sich die Saisonbelebung in dem erwarteten schwachen Umfange weiter- von 2,50 bis 3,75 Prozent nach. I.-G.-Farben 2,25. Bei Montanaktien betrugen die Verluste 2 25 bis 3 Prozent. Am Markte der Kaliwerte lägen Aschersleben 7,50 Prozent, Westeregeln 4 Prozent und Salzdetfurth 3,50 Prozent niedriger. Durch schwache Haltung fielen außerdem noch besonders auf Deutsche Linoleum (minus 3,50 Prozent), Aku (minus 3,25 Prozent), Süddeutsche Zucker, Zellstoff Waldhof und Daimler mit je minus 2 Prozent. Am Bankenmarkt verloren Reichsbank 5 Prozent, Bayerische Hypothekenbank 1,50 Prozent. Im übrigen blieben die Kurse nur knapp gehalten. Von Schiffahrtspapieren gaben Norddeutscher Lloyd 2,75 Prozent nach. Am Rentenmarkt neigten deutsche und ausländische Werte ebenfalls zur Schwäche. Goldpfandbriefe weiter offeriert. Liquidationspfandbriefe knapp gehalten. Reichsschuldbuchforderun- gen 1 Prozent schwächer. Llm Verlaufe setzte sich die nach unten geneigte Kursbewegung weiter fort. Unter dem Druck weiteren! Angebots ermäßigten sich die Kurse erneut um 1 bis 1,50 Prozent. Bei Kaliaktien betrugen die Abschläge. weitere 2 bis 3 Prozent. Elektrische Lieferungen wurden weiter schwächer taxiert. Am Geldmarkt wurde der Sah für Tagesgeld auf 3,50 Prozent erhöht. Am Devisenmarkt erfuhr Madrid eine stärkere Befestigung. Auch Zürich lag weiter höher. Die Reichsmarkerfuhr trotz weiterer Goldabgaben noch keine Erholung. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2138, gegen Pfund 20,50, London gegen Reuyork 4,8652, gegen Paris 124,26, gegen Madrid 49,00. Mailand 92,93, Schweiz 25,0725, Holland 12,09. Berliner Börse. Berlin, 10. Sunt Für die heutige Börse lag eine Anzahl ungünstiger Rach richten aus der Politik und Wirtschaft vor. Man hat daraufhin heute vormittag erneut schwächere Kurse taxiert, doch wurden diese Taxen bei den ersten Notierungen noch wesentlich überschritten. Stärkere Beachtung fand die gestrige Rede Briands, in der er sich gegen eine Revision des Voung - Planes aussprach. Aber auch der innerpolitische Widerstand gegen die Rotverordnung und Schwierigkeiten, die der Reichskanzler Dr. Brüning bei seiner heutigen Rückkehr aus England vorfand, wirkten verstimmend. Don den Arbeitslosenziffern, die zwar in der zweiten Maihälfte eine Ermäßigung um 144 000 erfahren haben, konnte keine Anregung ausgehen, zumal die sonstigen Momente aus der Wirtschaft (weiterer Goldverkauf der Reichsbank), dividendenloser Abschluß der Rüt- gerswerke, Schwierigkeiten im Rvrdwvlle-Konzern usw. ebenfalls nicht dazu angetan waren, die Unternehmungslust der Kulisse zu vergrößern. Das Angebot war zu Beginn der heutigen Börse nicht übermäßig groß, genügte aber doch, um Kursrückgänge bis zu 3 Prozent und für Spe- zialpapiere bis zu 5 Proz. und mehr zu verursachen. Verschiedene Werte wie Ilse, Stolberger Zink Kali Aschersleben. Rütgerswerke, Berger. Gessürel Kunstseidewerte, Karstadt und Otavr erschienen' mit Minus-Minus-Zeichen. Anleihen lagen behauptet Ausländer abbröckelnd. Dosn.er verloren 1.75 Prvz. Pfandbriefe waren weiter schwächer. Das Angebot, das gestern teilweise nicht voll Unterkunft gefunden hatte, drückte weiter auf die Kurse. Reichschuldbuchforderungen waren werter bis zu 1,5 Proz. rückgängig. Am Geldmarkt trat eine kleine Erleichterung ein, der Sah für Tagesgeld ermäßigte sich auf 4,75 bis 6,75 Proz. Die übrigen Sähe unverändert. Sm Verlaufe bot die Börse zunächst ein etwas uneircheitliches Bild, da die heutigen Auslandbörsen nicht so ganz schwach verliefen, wie das gestrige Reuyork befürchten lieh. Später wurde die Trude^H wieder schwächer und das Kursniveau Bröckelte bis z u 1,5 P r o z. a b. Spezialwerte wie Polyphon, Allgemeine Licht & Kraft. SIfe, eröffneten 2,5 bis 3,5 Proz. niedriger. Die Hauptverfttmmung ging heute von der sehr schwachen Haltung des Pfandbriefmarktes aus. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 10. Suni. Cs wurden notiert: Weizen 295 bis 292,50 Mk., Roggen 223,50' bis 225, Hafer (inl.) 205 bis 207,50 Mk. per Tonne: Weizenmehl (südd. Spezial 0) 39,75 bis 41, Roggenmehl 30 bis 31,75, Weizenkleie 11,75 bis 11,50, Roggenkleie 12 Mk. per Doppelzentner. — Tendenz: sehr ruhig. gangspuntt verlassen ist und weiterhin für das ganze Reich bei vorbezeichneten Grundstücken keine einheitlichen Bewertungssätze vorgeschrieben sind. Die Höhe der Bewertungssätze wird durch Rechts- ocrordnung von den Herren Präsidenten der Landesfinanzämter bestimmt und bekanntgegeben. Hierbei können die Gebiete des Landesfinanzamts in verschiedene Bezirke eingeteilt werden (z. B. in einer größeren Stadt ein bestimmter Stadtteil). Abgesehen von der Einteilung in Bezirke können verschiedene Grundstücksgruppen gebildet werden, z. B. Villen, Geschäftsgrundstücke, gemischte Grundstücke (das sind Grundstücke, die teils gewerblichen und teils Wohnzwecken dienen), Mietwohngrundstücke. Die zwangsbewirtschafteten Grundstücke sind im allgemeinen mit einem Vielfachen der Jahresrohmiete zu bewerten. Als zwangsbewirtschaftet gelten alle bebauten Grundstücke (einschließlich der Betriebsgrundstucke), von denen am Feststellungszeitpunkt jeweils mindestens der fünfte Teil einem der drei Wohnungszwangsgesetze ganz oder teilweise unterliegt. An Stelle eines Vielfachen der Jahresrohmiete können die Herren Präsidenten der Landesfinanzämter für ihren Bezirk bestimmen daß die Bewertung mit einem Vielfachen der Friedensmiete erfolgt. Das für die gebildeten Bezirke und Grundstücksgruppen von den Herren Präsidenten festzusetzende Vielfache der Jahresrohmiete, oder der Friedensmiete richtet sich nach den Verhältnissen aus dem Grundstücksmarkt. Dieses Vielfache bildet den Normalsatz. Der Normalsatz ist in allen Fallen anzuwenden, in denen regelmäßige Umstande vorliegen. Trifft dies nicht zu, so ist für das Grundstück ein Bewertungssatz anzuwenden, der entjpre- chend niedriger, oder.höher als der Normalsatz i|t. Die Ermäßigung oder Erhöhung darf insgesamt 20 v. H. des Normalsatzes nicht übersteigen. Für die Abweichung vom Normalsatz kommen folgende me- sentliche, von den gemeinüblichen Verhältnissen sich unterscheidende Umstände in Frage: Baulicher Zustand Alter oder Einrichtung des Gebäudes, Lage des Grundstücks, Art der Bebauung, «chadens- gefahr, Belastung mit Hauszinssteuer (Sonder- steuer), bei gemischten Grundstücken das Verhältnis des gewerblichen Zwecken dienenden Teils zu dem Wohnzwecken dienenden Teil. Eine Ermäßigung oder Erhöhung des Normalsatzes kommt bei vorgenannten Umstanden jedoch insoweit nicht in Frage, als diese bereits hinreichend in der Rohmiete bzw. Friedensmiete ober in der Bezirks- oder Gruppen- • einteilunq zum Ausdruck kommt. Als Jahresrohmiete gilt die Rohmiete, die für Des Kalenderjahr 1931 nach dem Stande vom 1.1.19.1 von den Mietern zu entrichten ist Hat sich die Rot- miete in der Zeit vom 1.1.1931 bis zum> R>. 6 1$i 1 geändert, oder steht am 30.6.1931 fest, daß sich de Rohmiete noch im Laufe des Kalenderiahres 19-1 ändern wird, so ist die neue Miete zu berücksichtigen. Für eigengenutzte, oder ungenutzte Räume, oder fir Räume, die am 1.1.1931 leerstehen, ist die erzielbare Jahresrohmiete einzusetzen bzw. zu schätzen. Das gleiche gilt für unentgeltlich, oder mit Rucksicit auf persönliche Verhältnisse offensichtlich zu einem wesentlich hinter dem üblichen Mietzins zuruckbleibenden Entgelt. Falls ausnahmsweise eine Rohmiete oder Friedensmiete nicht zu ermitteln, oder mangels Dergleichsobjekts auch nicht zu schätzen ist, so ist das Grundstück mit dem gemeinen Wert zu bewerten. e ,. Bei Villen, sowie sonstigen Grundstücken, die ihrem Charakter nach dazu bestimmt sind, von einer Familie allein bewohnt zu werden, können die Herren Präsidenten der Landesfinanzämter bestimmen, daß nicht die Jahresrohmiete bzw. die Friedensmiete der Ausgangspunkt für die Bewertung bildet, sondern daß diese Grundstücke mit einem bestimmten Hundertsatz des Wehrbeitragswertes zu bewerten sind. 211 s unterste Grenze für die Bewertung der Grundstücke kommt der gemeine Wert in Frage, mit t. dem der Grund und Boden allein zu bewerten wäre. Nicht zwangsbewirtschaftete Grundstücke, die in orts« f üblicher Weise bebaut sind, werden mit dem Er- tragswert bewertet. Bei derartigen Grundstücken ' werden die Steuerlasten, sofern das Grundstuck der Eebäudeentschuldiingssteuer (Sondersteuer) unterliegt, mit 70 v. H. angesetzt. Unbebaute Grundstücke (Bauland, Land für 23er» kehrszwecke) sind mit dem gemeinen Wert zu bewerten. 10.6. 40,5 103,5 112 166 ersten Maihälfte entlastet. Mehr als ein Viertel aller Abgänge entfällt auf das Baugewerbe (Baufach- und Hilfsarbeiter). Jmerhin hat die Aufnahmefähigkeit dieser Berufsgruppe stark nachgelassen. Wie das bei der ungünstigen finanziellen und wirtschaftlichen Lage nicht anders zu erwarten war, ist überhaupt die Entwicklung des Bauarbeitsmarktes in der diesjährigen Saison gegen das Vorjahr ganz erheblich zurückgeblieben: das zeigt die nachstehende Tabelle Geld 4,24 58,52 112,53 20,49 16,48 169,26 22.01 112,53 59,03 2,485 112,73 81,74 39,92 12,46 73,25 Zrlef 4,26 58,76 112,97 20,57 16,54 169,94 22,09 112,97 59,27 2,505 113,17 82,06 40,00 12,52 73,55 l. m. Anfang» flurd 10.6. 41,25 16,9 103 111 165 Phllipv Hoizmann . . . . . Zementwerk Heidelberg . , Gcmcntwerf Karlstadt. • . Wavb & RreOtaa ... GdjultbeU Pa-enhof-r . . Cftroerte...... • Mu........ • Bemberg....•••■ ReUfloff Waldbof .... ZellNoN Aschafsenburg . . Charlottenburger Walle» . Delsauer dal...... Daimler Motoren .... Deutlche Linoleum . . . Maschinenbau SU-S. . . . Rat. Automobil ..... OrenNcln & Koppel . . . Leonhard Tietz ..... ©Benita..... Frankfurter Malchin« . . Gritzner • Heyliaenstardt ..... Funghan«...... • Lechwerte Mainlrastwerke Höchst a. M. Miag Gebr. Roeder ..... Bolgi & Haeffner .... Süddeutsche Zucker . . • (101,7). Frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 10. Suni. B schwächer. Die Effektenbörse setzte heute in schwächerer Haltung ein, da die Ausführungen Briands ungünstig aufgefaht wurden und der schwache Schluß der gestrigen Reuyvr- ker Börse Verstimmung veranlaßte. Hinzu kam noch die dauernde Ungewißheit über die terentwicklung der innen- und außenpolitischen (Situation. Demgegenüber sand der Rückgang der Arbeitslosenziffern in oer zweiten Maihälfte nur wenig Beachtung. Weitere ungünstige Momente bildeten die unbefriedigten Abschlüsse bei Rütgerswerke und Rorddeutsche Wolle. Rachdem sich bereits im Dorbörsenverkehr die Kurse um 1 bis 2 Prozent niedriger stellten, traten zu Beginn der offiziellen Börse weitere Kursabschläge ein, so daß sich das Riveau gegenüber der Abendbörse im Durchschnitt um 2 Prozent senkte, obwohl das Angebot keine sonderlich großen Ausmaße annahm. Die Aufnahmelust war sehr gering. Am stärksten gedrückt lagen Elektrowerte wie Siemens, die 5,25 Prozent, Elektrische Lieferungen 5,50 Prozent, und Gesfürel 4,2-5 Prozent einbühten. Die übrigen Werte gaben Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H.. Lombardzinsfuß 6 o. H Berlin Schluß« | Anfang. kurS | flurd Datum 6% Deutsche Reichsanleihe von 1927 ......... 7% Deutsche Reichsanleihe von 1929 .......... Deutsche Anl.-Ablöi.-Schuld mil AuLlos.-Rechten....... DeSgt. ohne Autlos.-Rechte . . 6% Hess. BoUSstaat von 1929 (rüdiablb. 102%)...... Oberhefsen Provinz»Anleihe mil AuSlos.-Rechten......- Deutsche Komm. ©ammelahL Anleihe Sorte 1....... 8% Franks. Hgp.-Bank Goldpse XIII unkündbar dir 193-1 . . . 7% Franks. Hyp^Bank Goldpse unkündbar dir 1932 ..... ty,% Rheinilche Hyp^Bank Ltgu. Goidpse......... 8% Pr. Landerpsandbriesanüalt, Pfandbriefe R. ist...... 8% Pr. Londerpsandbriesanstalt, Komm^Lbl. R. 20 7% Pr. LanderpiandbriesanNaU, Pfandbriefe N. N...... N.E.G. abg. B ortriegS- Obligationen, rückzahlbar 1932 ..... 4% Oesterretchtiche Goidrente . . 4,20% Ocsterreichifche Silberrente 1% Oellerreichtsche Einheitliche Rente........... 4% Ungarische Soldrente .... i% Ungarische StaatSrente v. 1910 V/i% de«gi. von 1913 1% Ungarische Rumentente . . . 4% Türkische Zollanleche von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl. Serie 1% de-gi. Serie II . .... - 6% Rumänische vereint). Rente von 1903 ty,% Rumänische vereint). Rente von 1918 4% Rumänisch« vereint). Rente . Schluß- kur4 9.6. Frankfurt a. M. Schluß-l t-Uhr- kur< I Kurs Derlin, S .Zuni Amerikaniiche Roten ...... Bclgifcho Noten. . Dänische Noten Englische Noten........ Französische Noten • •••••• Holländische Noten....... gtalicniidie Noten Norwegische Noten Deutsch-Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten Tschechoslowakische Roten Ungarische Noten 1930 1931 43 581 21480 45 216 28 572 22101 16 644 50,7 36,8 20 260 12 667 19 677 15 208 7 593 4 469 37,5 22,7 Frankfurt a. M. Berlin (Schluß-l hird 1 1-tlhr- Kurs Schluß-l kurs | Anfang- KurS Datum 9.6. 10.6. 9.6. 10.6. Hamburg-Amerika Pokei . . 7 45,5 44,5 45,13 44 Hamburg-Sbdam- Dampsschiss 8 — — 92,25 89,75 Hansa Tampsichiss..... 10 — —— 70 69,4 Norddeutscher Lloyd .... 8 47 44,25 47,13 45,65 Allgemeine DeutscheCreditanst. 10 — — —— Barmer Bankverein .... 10 —- —— — — Berliner Handeligefellschast . 12 105 — 104,5 103 Commerz- und Privat-Bonk . 11 100,5 100,5 100 100,5 Darmstädter und Nationalbank 12 117,25 —— 117 116 Deutsche Bank und Dirronio-Gesellichasl, . . . 10 100,5 100 100,5 100,25 Dresdner Bank...... 10 100,25 — 100,25 100,25 Reichibank........ 12 125 120 125 121 A.E.G........... 8 83,75 81,4 83,25 81 Bergmann........ ti — —- 68,5 65,5 Elektr. LtelerungSgesellschast. 10 — 95 101,25 95 Licht und krast...... 10 96,5 92,75 96,5 92,75 Feilen & Guilleaume . . . Gesetlfchast sür Elektrisch« 7K 60,5 58,5 60,75 57 84,75 Unternehmungen .... 10 89 84,5 88 Hamburger Elektrtzitätt-Werte Rbeinifche Elektrizität . . 10 9 — —* 96 — Schleillche Elektrizität. . . . 10 — — — Schucken &(l o....... 11 —— 102 105,25 102,13 Siemen» & Halste ..... 16 136,75 131,5 136 131,5 Transradio........ . 8 —— —- —— —- Lahmeyer 8 Co....... 10 102,5 100,25 104,5 99,5 ................ . b 36,25 37 36 Deutsche ErdSI...... . 8 — 57 55,13 Essener Steinkohle ..... . k — — — — . t 62 — 61,5 60 Harpcner..... • • • . f — — 50 49,5 Hoesch Eisen. ...•••• ey> — 44 41 Ilse Bergbau....... 1C — — 136 130,5 Klöcknerwerke ..••••• . ' 46 — 45,75 45 .................... — 48 — Manneimann-Röhre» • • • 54 51 53,9 51,65 Mansselder Bergbau . • • • 30 — 29 29 Oberschlei. Eilenbedars . • . . — — — | Oberschlej. KokLwerle. . • . — — 59,75 57,5 Bhbnir Bergbau . . . . . . Rheiniiche Braunkohl« • • 1 Rhein stahl..... • • ey i . 44 > 62,5 41,75 60,25 44,75 139 62,13 42,75 135 59,75 1 Rtebeck Montan...... 7. A - — — I — 64,5 63,9 61 9.3unl 10-3unl 53 52 — -- Amtliche Notierung Amtliche Notierung 88 18 17,75] 17,5 — Meld | Dries Geld Aries Amst.»Rott. 169,38 169,65 169,31 169,65 1221 119 Buen.-AireS 1,295 1,300 1,290 1,294 — — Brst- Antw. 58,635 58,755 58,62 58,74 61 57,75 60,5 71,5 57,5 Lhristicmia. Kopenhagen 112,72 112,74 112,94 112,96 112,71 112,71 112,93 112,93 73 — 68,5 Stockholm . 112,81 113,03 112,30 113,02 — — 65,25 63,25 Helstnarorü. 10,59 10,61 10,59 10,61 53 51 52,75 — Italien. . . 22,035 22,075 22.04 22,08 — — — — London. . . 20,475 20,515 20,475 20,505 — — 110,25 105,25 Vieunorf .. Paris.... 4,209 4,217 4,209 4,217 20,5 18,25 20 19 16,475 16,505 81,805 16.475 16,505 5/ 53,5 56 53,25 Schweiz • • 81,645 81,68 81,84 — — — — Spanien. . 40,41 40,49 41,61 41,69 —— —— — — Japan • • • 2,080 2,084 2,081 2,085 — — 39 37 Mio de San. 0,305 0,307 0,321 0,323 84 — 84 81, /5 Wien in 59,29 — —-> 196 193 Ceft abgcst. 59,15 59,27 59,17 Prag . . . . Belgrad . . 12,471 12,491 12,47 12,49 9,1 _ — — 7,443 7,457 7,443 7,457 26 — 27,75 — Budapest. 73,43 73,57 73,43 73,57 —— _ Bulgarien. 3,047 3,053 3,047 3,053 _ _ - - _ Lissabon - 18,58 18,62 18,58 18,62 _ _ _ —— Danzig. . Konstantia- 81,84 82,00 81.82 81,98 60 59 — 1,784 1,789 1,784 1,789 - _ Athen. . 5,458 5,468 5,58 5,68 _ _ Lanaoa . 4,205 4,213 4,203 4,211 _ _ — Uran not). 2.498 2,502 2,428 2,432 103,5 101,5 103,5 - tatro . . 20,95 21,35 21,00 21,04