Nr. 58 Erstes Blatt 181. Jahrgang Dienstag, 10. Mär; 1951 6rld)«tnt Nützlich,autza Sonntags und Feierlag» Bellaaen Vte DDuftnerte Gtetzenri Familien blätter Heimat >m Bild Dtr Scholle Monat, Sejugrprels: 2.20 Reichsmark and 30 Neichspfenmg für Traget» lohn, auch bet Nicht«» scheinen einzeln er Nummern infolge höhere' Gewalt. Hernlvrechanlchlüste anter5ammelnummer2251. Lnfchnsi Nu Vrahtnach» richten Lnzeiger «leben. Postscheckkonto: Kra»ttnrt am Main 11686 Tietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Unwersttülr-Vuck- und Stetnöruderci H. Lange in Stehen. Sdfriftleltung und Geschäftsstelle: Zchulstraste 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bii zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig: für Re» hlameanseigen von 70 nun Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“, mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen Wer Hai in Wahrheit abgerüstet? Reichswehrminister Groener rechnet mit Maginot ab. - Deutschlands Recht auf die Abrüstung der andern. Gegen die Kriegsschuldlüge, für gleiche Sicherheit. Die rechte Antwort. Der Haushaltsausschuh des Reichstags ist bei seinen Etatsberatungen nun endlich bis zum Wehr- etat gediehen. Gr hat sich um dieses etwas peinliche Kapitel möglichst lange herumgedrückt, weil hier der Kampf um den Panzerkreuzer entschieden werden muß, eine innerpolitische Streitfrage, die wegen der fortgesetzten Abstinenz der Rechten uns noch unangenehm genug werden kann. Um so dankbarer empfinden wir es, daß der Reichswehrminister den Versuch gemacht hat, diese Aussprache zu seinem Etat aus dem Zank der Parteien herauszuhalten und zu einem neuen Vorstoß, vor allem zu einer notwendigen Abwehr in Sachen der Abrüstung ausgehohlt hat. Drin- gcnben Anlaß dazu hat ihm die letzte Rede des französischen Kriegsministers M a g i n o t gegeben, der die Dinge gründlich auf den Kops stellte und der Slßrit beweisen wollte, es sei eigentlich ganz in Ordnung, wenn das böse Deutschland weiterhin abgerüstet bleibe, während Frankreich schon eigentlich freiwillig so gut wie abgerüstet habe. . Gröner ist sehr deutlich geworden, er hat im Grunde nur Zahlen aufmarschieren lassen, aber diese Zahlen sprechen eine so deutliche Sprache, daß darüber das ganze schöne Gebäude Maginots zusammenbricht. Es gehört ja auch mehr als Sophisterei dazu, das Mißverhältnis, das zwischen der einseitigen Abrüstung Deutschlands und der Ausrüstung nicht nur Frankreichs, sondern auch der französischen Vasallenstaaten besteht, entschuldigen zu wollen; tatsächlich kann kein Zweifel darüber bestehen, daß es sich bei Frankreich nicht um eine Abrüstung, sondern um eine wohl erwogene Umrüstung handelt, die, wie der Reichswehrminister nachweist, auf der Grundlage der Kriegserfahrungen und der Kriegstechnik auf- Scbaut ist und die Schlagkraft der französischen rmee nicht etwa vermindert, vielmehr beträchtlich vermehrt. Frankreich hat nicht daran gebaut, abzurüsten, hat vielmehr die letzten Jahre zielbewußt dazu benutzt, um sich in seiner Heeres- Organisation das stärkste und schlagfähig st e Kriegsinstrument der Welt aufzubauen. Was wollen dagegen die hunderttausend Mann der deutschen Reichswehr bedeuten. Herr Maginot hat sich bemüht, dieses kleine Heer durch falsche Zahlen über die Stärke der Schutzpolizei und „bewaffnete Zollbeamte" auf dem Papier zu vermehren. Herr Gröner nimmt ihm auch diese Drrlegenheits- ausrebe und hält in Uebercinftimmung mit dem Außenminister daran fest, daß Deutschland eine rechtsverbindende Zusage a u f Abrüstung der andern in Händen hat. Das ist der entscheidende Punkt. Wir versprechen uns von einer Polemik gegen Herrn Maginot nicht allzu viel, aber wir dürfen wohl die Rede Gröners auf- sassen als den Anfang einer amtlichen deutschen Propaganda, die national wie international den Boden bereiten soll für die große Abrüstungskonferenz. 3m Haushalisausschuß. Berlin. 9. Mörz. (DDZ.s 3m Haushaltsaus- schuß des Reichstages begann die Beratung des Reichswehretats. HeichSwehrmimster Dr. Groener begründete seinen Etat: Ich möchte ausdrücklich betone^, daß mich alle Angriffe von links und von rechts nicht dazu veranlassen körnten, die von mir von jeher eingehaltene Linie in der Führung der Reichswehr auch nur um Haaresbreite zu ändern, denn ich bin der festen Ucb.'rjeugung, daß die von mir vertretenen Grundsätze allein gewährleisten, daß die Wehrmacht überparteilich dem politischen Streit entzogen bleibt. Die Wehrmacht dient dem Staate, nicht den Parteien. Daran halte ich unverbrüchlich fest. Ebenso ist es für mich eine selbstverständliche Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Wehrmacht das erhält, was sie für die Erfüllung ihrer Hauptaufgabe, den Landesschuh, braucht. Der vorliegende Etat ist unter dem Gesichtspunkt aufgestellt, daß bei voller Berücksichtigung der Rotlage . unseres Volkes und bei strengster Sparsamkeit diese lebensnotwendigen Forderungen erfüllt werden, und ichbinnichtinderLage, hierin irgendwelcheKönzessionen zu machen. Der französische Kriegsminister Maginot hat vor der französischen Kammer zu der Abrüstungsfrage erklärt, es nicht anerkennen zu können, daß alle Völker einen Anspruch auf De- handlung aus dem gleich en Fuße hätten. Herr Maginot glaubt, wenn man in der Welt die internationale Gerechtigkeit zur Herrschaft gelangen lassen wollte, sei cs ebenso notwendig wie gerecht und eine Bürgschaft für die anderen Rationen, wenn diejenigen Länder, die die Angreifer gewesen seien, strengeren Beschränkungen der Rüstungen unter- to o r f en würden, als diejenigen Rationen, die keine Angriffe begangen hätten. Demgegenüber habe ich folgendes zu erklären: Die Versailler These von der Alleinschuld Deutschlands ist längst von der internationalen historischen Wissenschaft widerlegt worden, wir haben den Spruch eine» wahrhaft unparteiisch zusammengesetzten internationalen Gremium», dessen Zusammentritt die deutsche Regierung van jeher gefordert hat, nicht zu furchten! Die Feststellung der Wahrheit wird vielmehr den Verträgen, die aus der Behauptung von Deutsch- lands Alleinschuld am Kriege beruhen, diese Stühe endgültig entziehen. Deutschlands Entwaffnung ist im Versailler Vertrag damit begründet worden, daß sie eine allgemeine Rüstungsbeschränkung aller Rationen einleiten sollte. Deutschland hat diese Vorbedingung erfüllt. Wir sind ab-.erlistet in einem Maße, das in der Geschichte ohne wesipiel ist. Die anderen Mächte .aber haben sich verpflichtet, uns auf dem Wege der Abrüstung zu folgen. Daß es sich hierbei um eine rechtlich verbindliche Verpflichtung handelt, haben maßgebende Staatsmänner der anderen Seite wiederholt bestätigt. Wir haben das Recht, zu verlangen, daß die Ungleichheit der Rüstung, die durch Deutscylands Vorausleistung auf diesem Gebiete entstanden ist, gemäß den Vertragsbestimmungen durch eine entsprechende Rachle stung der anderen Mächte ausgeglichen wird. Wir haben das Recht aus denselben Grad von Sicherheit, den die anderen Staaten für sich in Anspruch nehmen. Herr Maginot hat nun darauf hingewiesen, daß Frankreich der Abrüstung bereits Rechnung getragen habe. Es habe die Zahl seiner Divisionen gegenüber dem Stande von 1913 herabgesetzt und habe heute weniger Mannschaften bei der Fahne als damals. Statt der dreijährigen habe es die einjährige Dienstzeit eingeführt. wir können fciefe Organisalionsänderungen de« französischen Heere» nicht als Abrüstung anerkennen. Es handelt sich vielmehr um eine wohlerwogene Umrüstung, die den Kriegserfahrungen und der rapiden Entwicklung der Kriegstechnik Rechnung tragend die Schlagkraft der französischen Armee nicht vermindert, sondern beträchtlich vermehrt hat. Der Wert eines Heeres richtet sich nicht nach der Länge der Dienstzeit, sondern nach der Intensität der Ausbildung, nach der Stärke der ausgebildeten Reserven, nach der Zahl und Güte des Materials. Alles dies besitzt die französische Armee in vollkommensten Maße. 1912 war sie bei zweijähriger Dienstzeit 640 000 Mann stark, heute steht nur noch ein Jahrgang bei der Fahne und dennoch beträgt d i e Gesamtstärke des Heeres fast ebensoviel. Fast die Hälfte des Heeres, mindestens 230 000 Mann, dient über d i e gesetzliche Dienstzeit hinaus und liefert ein hochqualifiziertes Ausbildungspersonal. Ein neuer Veamtenkörper hat den Soldaten die Mcbilmachungsvorarbeiten, die Verwaltung des Kriegsmaterials, den Kanzleidienst Oer Berichterstatter^ Abg. Stück len (Soz.) führte als Berichterstatter aus: Die Reichswehr hat in diesen Tagen auf ein zehnjähriges Bestehen zurück- blkfen können. Die Reichswehr hat in diesen zehn Zähren eine ganz gewaltige organisatorische Leistung vollbracht. Die finanzielle L a st, die die Reichswehr dem deutschen Volke auferlegt, ist schwer, sie ist im wesentlichen darin begründet, daß wir ein Berufsheer haben. Das Anschwellen der Pensionslast stimmt bedenklich; man sollte die Offiziere erst pensionieren, wenn sie dienstunfähig sind. Die ausgeschiedenen Reichswehrangehörigen bekommen die ersten drei Jahre noch llebergangsgebührnisse. Da heute nicht mehr damit gerechnet werden kann, daß sie innerhalb dieser drei Sabre einen festen Berus finden, muß man mit Anforderungen auf Erhöhung dieser Summen rechnen. Die Unterbringung von ausgeschiedenen Reichswehrange- hörigen in der Verwaltung muh eingeschränkt werden, da den anderen Tellen der Bevölkerung das Eintreten in die Verwaltung nicht unmöglich gemacht werden darf. Ich gehöre nicht zu den Leichtgläubigen, die einen wesentlichen Erfolg von der Abrüstungskonferenz erwarten. Europa starrt heute in Waffen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß bereits jetzt Versuche einsetzen, die Abrüstungskonferenz zu sabotieren, was vor allem dadurch geschieht, daß behauptet wird, Deutschland habe gar nicht abgerüstet. Die Interalliierte Militärkommission hat unsere Abrüstung sehr scharf kontrolliert und festgestellt, daß wir unsere Abrüstungsoer- pflicht un gen in vollem Umfange durchgeführt haben.'Wenn man alles, was heute Uniform trägt, der Reichswehr zurechnen wollte, dann könnte man ja auch die Feuerwehr noch hinzurechnen. Einer solchen Umbiegung der Wahrheit muß mit aller Schärfe entgegengetreten werden. Die Friedensstärke der Armee beträgt in Frankreich 655 700 Mann, in England 390 000, in Italien 380 000, in Polen 300 000, in Jugoslawien 150 000, in der Tschechoslowakei 140 000 Mann. In Anbe- tracht dessen ist es eine Verkehrung der Tatsachen, wenn man behaupten wollte, daß Deutschland mit abgenommen. 30 000 Zivilangestellte befreien die Soldaten vom Arbeitsdienst. Die Jugend wird in einem früher unbekannten Maße auf den Militärdienst vorbereitet. Daher ist Frankreich heute in der Lage, auch in der einjährigen Dienstzeit feinen Soldaten eine vollendete militärische Ausbildung zu geben. Sprechen die Tausende von Tanks, von Flugzeugen, von Geschützen, die Zehntausende von Maschinengewehren von Abrüstung? Außerdem besitzt Frankreich noch Massen an lagerndem Material aller Art. Wieviele Verbände es im Kriege aus seinen ausgebildeten Reserven aufstellen, und mit diesem Material bewaffnen kann, das ergibt sich schon daraus, daß die Zahl der Generale und höheren Stabsoffiziere trotz der Verminderung der Anzahl der Friedensdivisionen gegen die Vorkriegszeit auf das anderthalbfache gestiegen ist. Ferner haben sich die Ausgaben der Franzosen für militärische Zwecke seit dem Kriege unaufhörlich gesteigert. 1931 betragen sie 18,2 Milliarden Franken, das heißt fast 3 Milliarden Mark. Alle diese unleugbaren Tatsachen führen den Beweis, daß Frankreich noch nicht damit begonnen hat. abzurüsten, daß es sich vielmehr durch feine neue Heeresorganisation da» stärkste und schlagfertigste Kriegsinstrument der Welt geschaffen hat. Roch auf eine Behauptung muh ich eingehen, die während der französischen Kammerverhandlungen gefallen ist. Der Berichterstatter hat die deutschen Landstreitkräfte auf 100 000 Mann Reichsheer. 150000 Mann Schuhpol i- ze i und 30 000 Mann bewaffnete Zollbeamten berechnet. Diese Aufstellung muß aufs schärfste zrkrückgewiesen werden. Abgesehen davon, daß die Zahlen falsch sind — wir haben nicht 150 000 Mann Schutzpolizei, sondern nur 105 000 und davon wieder sind 32 000 Mann kaserniert, und ebensowenig haben wir 30 000 Mann bewaffnete Zollbeamte — es ist unsinnig, die deutschen Polizisten und Zollbeamten zu den Landstrevtkräften zu rechnen. Weder im Frieden noch im Kriege sind sie zum militärischen D'enst bestimmt noch dazu befähigt. 31)re Organisation ist durch die Interalliierte Kontrollkommission unter dem Gesichtspunkt der Sicherst ellung ihres zivilen Charakters festgesetzt worden. Weder hierauf noch auf ihre Ausbildung hat das Reichswehrministerium den geringsten Einfluß. Im Interesse chder Wahrhaftigkeit wäre es dringend zu toün* schen, dah diese gegenstandslosen Behauptungen, die schon jetzt in der französischen Kammer selbst Widerspruch gefunden haben, endgültig aus dem Bereich ernster Verhandlung ausscheiden. feinen 100 000 Mann etwa die Welt bedrohen könnte und daß die anderen deshalb nicht abrüsten konnten. Die französischen Behauptungen, daß in Deutschland Generäle für 30 Armeekorps vorhan- den seien, sind glatter Unsinn. Wer solche Behauptungen in die Welt setzt, hat auch die Verpflichtung, zu sagen, wo Deutschland seine angeblichen Tanks, seine angebliche Artillerie usw. aufbewahrt. Derartige Dinge lassen sich doch nicht einfach verstecken. Es gebietet die Pflicht zur Wahrheit, daß ich als Berichterstatter feststelle, daß lediglich die Ausgaben für militärische Zwecke gemacht werden, die im Wehretat enthalten sind. >Oie Debatte. Abg. S ch ö p f 1 i n (©■>&.) bef+.äftiqte sich damit, daß ausgeschiedene Mitglieder der Reichswehr s f-r: zur Rationalsozialistischen Partei hinüberwechseln. Das lasse doch die Vermutung auftauchen, daß in der Reichswehr selbst der Vaden für diefen schnellen Heber* tritt bereitet werde. Es sei kein Grund vorhanden, daran zu zweifeln, daß der Reichswehrminister selbst den ehrlichen und energischen Wlllen habe, die Reichswehr aus dem politischen Kampf herauszuhalten. Auch die Maßnahmen des Generals v. Hammerstein seien durchaus in diesem Sinne. Cs sei nur zu wünschen, daß die obersten Kommandostellen der Reichswehr auf diesem Wege weiterschreiten. Vielleicht erweise es sich, daß die Maßnahmen noch nicht scharf genug durchgeführt sind. Abg. v. Seeckt (D. Dp.) erklärt, daß Deutschland in seinen Rüstungsausgaben leider außerordentlich weit in der Welt zurückstehe. Wan möge sich doch vergegenwärtigen, daß der Etat der Reichswehr ein Zwang e'.at ist. Die einzige Möglichkeit bestehe öar'n. dieses Instrument, das nicht zu vergrößern ist, wenigstens qualitativ zu höchster Leistungsfähigkeit zu steigern. Der Leipziger Hochverratsprozeß fei nicht nötig gewesen. Selbstverständlich hätten die Schuld'gen unbedingt bestraft und die Tlnwürdigen ebenso unbedingt aus dem Heere entfernt werden müssen. Aber das alles hätte sich auf disziplinarische und ramer adschaftliche Weise erledigen lassen können. Rur auf Gehorsam und Disziplin könne sich die Schlagkraft der deutschen Reichswehr aufbauen; aber die beste Grundlage hierfür sei das Vertrauen der Truppe zur Führung. Abg. Graf Westarp (Kons.) sprach der Reichswehr die Anerkennung aus, insbesondere aber dem ehemaligen Führer General v. Seeckt, der den endgültigen Ausbau der Reichswehr vollzogen habe. Von einer Aüslungsgleichheit zwischen Frankreich und Deutschland könne auch in dem unwahrscheinlichen Falle gar keine Rede fein, wenn selbst wider alles Erwarten in der sogenannten Abrüstungskonferenz ein vollwertiges Ergebnis erzielt wird. Deshalb muß für Deutschland die Parole sein: Rüstungssreiheit. Die anderen Vertragschließenden haben von ihrer Seite aus den Versailler Vertrag gebrochen, indem sie dessen Abrüstungsverpflichtungen nicht erfüllten. Der Vruch des Versailler CBertrapcd durch die Ententemächte hat Deutschland feine Handlungsfreiheit wiedergegeben. Ter Redner sprach sich dann noch gegen den Erlaß des Generals v. Hammerstein äus. Abg. Külz (D. Stp.) bezeichnete den Reichswehretat als einen Etat, der in seinen lebensnotwendigen Punkten nicht beschränkt werden dürfe. Mit aller Schärfe müsse gegen jede parteiagitatorische Zersetzungserscheinung in der Reichswehr vorgegangen werden. Gelingt die Abrüstung nicht, so ist auch die Idee des Völkerbundes zerschlagen und in den Staub getreten. Abg H i n tz m a n n (D. Dp.) begrüßte es, daß der sozialdemokratische Berichterstatter mit aller Bestimmtheit festgestellt habe, daß irgendwelche Möglichkeiten zu geheimen Rüstungen in Deutschland gar nicht bestehen Abg. Dr. Moses (So.;.) führte aus, daß er als Arzt überall in der Reichswehr durch die dort vorgefundenen Einrichtungen in größte Befriedigung versetzt worden sei. Reichswehrminister Dr. Groener erklärte in einem Schlußwort, daß die Reichswehr fest in der Hand ihrer Führer sei. Es sei nicht bei geringste Zweifel, daß sie gegen jeden — gleichgül - tig ob rechts oder links — ihre Pflicht t u n würde, der im Straßenkampf mit der Waffe die Macht erobern wolle. Nie wirtschastsgemäße Verteilung des Kapitals. Verwaltungsratssitzung der V Z. Basel, 9.März. (WTB.) Der heutigen Sitzung des Derwaltungsrates der Bank für internationale Zahlungen wohnten von deutfcher^Seite Reichsbankpräsident Dr. Luther, Generaldirektor R e u s ch und Bankier Melchior bei. Rach Mitteilung der Dankleitung bestand Einstimmigkeit darüber, daß die Wiedererschliehung der Anlagemärkte erforderlich ist, um Die Umwandlung des kurzfristigen Ka - p i da l s zu erleichtern und das Kapital von den Märkten, an denen es nicht verwendet wird, nach solchen h i n z u l e i t e n, wo es für wünschenswerte wirtschaftliche Zwecke benötigt wird. Um die Bereitwilligkeit zu betonen, derartige Kapitalbewegungen zu fördern, wurde der Präsident des Verwaltungsrates ermächtigt, Schuldverschreibungen der gerade jetzt in Basel gegründeten In ternationalen Bodenkreditbank zu zeichnen. In der Frage der Unantastbarkeit bzw. Exterritorialität der der DIZ. zur Aufbewahrung überlassenen Dritten gehörenden Golddepots wurde die Prüfung der Rechtsverhältnisse fortgesetzt, und zwar auf Grund der Bestimmungen des Haager Ablonmens. Der Derwal- tungsrat hat auch von den in gewissen Ländern hinsichtlich der Währungsstabili ierung beabsichtigten Maßnahmen Kenntnis genommen und beschlossen, der Bank von Litauen statt der vorher bewilligten 200 Aktien auf deren Ansuchen 500 Aktien der BIZ. zuzuteilen, nachdem die erforderlichen gesetzlichen Bestimmungen für die red'tdgnlH',e Einlösba-keit ihrer Währung seitens Lit uens getroffen worden sind. ©a'.iicbl.a) ,,ai der Decwaltungsrat die üblichen bankmäßigenBerichteer tgeger genommen, aus denen sich u. a. ergibt, daß sich am 28. Februar die Einlagen auf 1861 Mill. Schweizer Franken gegen 1708 Millionen am 31. Januar belaufen haben. Die nächste Sitzung des Verwaltungsrates der B2Z. wird am 20. April am Sih der Dank in Dasel stattfinden. Ausweisung eines reichsdeutschen Journalisten aus der Tschechoslowakei. P rag, 9. März. (ERD.) Der Vertreter der „Leipziger Reuesten Rachrichten" in Prag. Korn- Huber, der als Journalist und Korrespondent auch verschiedener anderer reichsdeutscher Dlätter jahrelang in Prag tätig war, ist aus der Tschechoslowakei ausgewiesen worden. Die Ausweisung Kornhubers wurde von einigen tschechischen Blättern wegen seiner scharfen Berichterstattung über die Verhältnisse in der Tschecho- flotoafei schon seit einiger Zeit gefordert. Den unmittelbaren Anlaß zur Ausweisung bildete ein Artikel im »Hamburger Fremdenblatt", ta Oie Parteien und der Wehretat. dem Kvrnhuber die tschechische Revolutionsgeschichte als eine Kette moralischer und materieller Delikte bezeichnet hatte. Kornhuber muh das Land binnen drei Tagen verlassen. Die Rußlandreise deutscher Industrieller. BefriedigendesErgevnis. —Neue Aufträge Moskau . 9. März. (WTB) Die zwischen dem Präsidenten des Obersten Wirtschaftsrates der Sowjetunion und den deutschen Industriellen geführten Besprechungen, die der Beseitigung der den Wir!schastsverlehr störenden Hemmnisse und der Erwägung über weitere Vertiefung der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen dienten, ha.en zu einem beide Teile befriedigenden Ergebnis geführt. Sn beiderseitigem Einvernehmen wurde festgestellt, daß eine möglichst weitgehende Stabilität in den Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder die beste Grundlage für einen weiteren Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen biete, um auf diese Weise dieKontinuitätderLieferungen si-cher- zustellen und dabei doch jedem Unternehmen für seine Geschäftsbeziehungen so viel Spielraum zu lassen, das, ein den tatsächlichen Bedürfnissen an- gepahtes Gesamtprogramm zu möglichst voller Auswirkung kommen könne. Beide Teile haben sich dabei über die Möglichkeit der Durchführung des Zusatz Programms von Bestellungen geeinigt, die von der Sowjet- industrie in kürzester Zeit nach Deutschland erteilt werden sollen. Die überseeische Konkurrenz auf dem Agrarmarkt. Verbesserung der Getreidcsorten in Argentinien. Buenos Aires, 9. März. (£11) 3n einem Aufruf an die argentinischen Landwirte weist Präsident Uri buru auf die patriotische Pflicht hin, statt der Vergrößerung der Anbaufläche das Hauptaugenmerk auf die Verbesserung der argentinischen Getreidesorten zu richten. Ramentlich der araentinische Weizen sei bisher noch nicht genügen) widerstandsfähig gegen Krankheit und stepe auch in der Qualität hinter anderen Sorten zurück, was seinem Absatz namentlich unter den augenblicklichen Umständen des übergroßen Angebotes hindernd im Wege stehe. Die argentinische landwirtschaftliche Gesellschaft, welche den Aufruf des Präsidenten verbreitet, fügt ihm eine Erläuterung hinzu, in der auf die Versuche zur Verbesserung des Saatgutes hingewie- sen wird, über die unlängst in Buenos Aires in seinen Vorträgen der deutsche Professor von Bauer berichtet hat. Von Bauer ist Direktor des von der Kaifer-Wilhelm-Gesellschaft errichteten landwirtschaftlichen Instituts in Damsdorf- Müncheberg. Aus aller Welt. Die Schweiz und der Schwarzwald in tiefem Schnee. In den Abendstunden des Montag hält in der ganzen Talebene diesseits des St. Gotthard der Schneefall unvermindert an. Die Der- kehrsoerhältnifse in den Städten werden immer kritischer. Ununterbrochen arbeiten die Schneepflüge. In der I n n e r s ch w e i z sind zahlreiche an Berghängen stehende Häuser durch den gewaltigen Echneedruck gefährdet. Die Zahnradbahn zwischen Arth und dem Nigi mußte der großen Lawinengefahr wegen den Betrieb für einige Tage einstellen. Alle Züge, auch die internationalen, haben bis zu zwei Stunden B e r s p ä t u n g. Abstürzende Schneemassen warfen am Montag die Lokomotive des Personenzuges Zürich—Luzern aus den Schienen. Der Tessin ist merkwürdigerweise schne°frei. Auch in der R h e i n- ebene gehen große Schneemengen nieder und führten zu Verkehrsschwierigkeiten. Die Telegraphenmasten stehen auf den Höhenzügen des Schwarzwaldes derart im Schnee, daß man mit den Händen die Telegraphendrähte erreichen kann. Autoverkehr im Schwarzwald ist unmöglich. Die ehemalige Stettiner Hütte von einer Lawine verschüttet. Die 2885 Meter hoch in Südtirol gelegene ehemalige Stettiner Hütte (Rifugio Petrarca) am Fuße der Hohen Meiste ist von einer Lawine verschüttet und demoliert worden. Ein Landfriedensbruchprozeh beginnt mit einem Demonstrationszug der Angeklagten. Vor dem Großen Schöffengericht in Kassel sollte am Montag der Landeefriedensbruch-Prozeß g e - gen 97 Kommunisten, die eine nationalsozialistische Versammlung in Grebenstein gesprengt hatten, stattfinden. Nur vier der Angeklagten waren bereits in Haft. Die übrigen 93 marschierten geschlossen und mit Armbinden geschmückt in einem Demonstrationszug mit Musik zum G e r i ch t s g e b ä u d e, das die Polizei abgeriegelt hatte. Es kam zu ernsten Z u s a m m e n- st ö ß e n , bei denen die Polizei den Gummiknüppel benutzte und die Kommunisten-Musiker mit ihren Instrumenten auf die Beamten einschlugen. Es gab mehrere Verletzte. Nach Auflösung des Zuges fand eine Versammlung in der Altstadt statt, bei der der Reichstagsabgeordnxte Lohagen die Angeklagten aufforderte, nicht vor Gericht zu erscheinen. Trotzdem fanden sich vier dort ein, darunter zwei Verletzte. Die Verteidiger verlangten Zurückziehung der Polizei, ein Verlangen, dem der Staatsanwalt widersprach. Die Verhandlung mußte schließlich auf Dienstag vertagt werden. Fünfter Deutscher Zahnärztetag. Das Ehrenpräsidium für den fünften Deutschen Zahnärztetag, der in Berlin vom 26. bis 29. März 1931 stattfindet, haben die Herren Reichsminister des Innern Dr. Wirth und Reichsarbeitsminister Dr. h. c. Stegerwald übernommen. Auf dem Kongreß werden neuzeitliche Fragen der zahnärztlichen Chirurgie im Vordergrund der wissenschaftlichen Erörterungen stehen. Auch die wissenschaftliche Welt des Auslandes bringt der Veranstaltung die größte Aufmerksamkeit entgegen. In zwei Etagen des Reuen Schöneberger Rathauses wird eine Industrieausstellung die neuesten Erzeugnisse auf dem Gebiet der Apparate- und Instrumenten-Dechnik zeigen. Vor und nach der Tagung wird ein Programm praktischer Fortbildungskurse die wissenschaftlichen Veranstaltungen ergänzen. Anlagen Hugenbergs und die Antwort der Reichsregicrung. Berlin, 9. März. (TU Amtlich.» In einer Rede in Lemgo hat der deutschnationale Parteiführer Dr. Hugenberg eine Reihe bo.i Anfragen an di e Regierung gerichtet. 11. a. hatte er gefragt, ob es sich nach heutigen Begriffen entschuldigen lasse, daß der Minister Schiele ihm durch einen Abgeordneten, der die Sachlage nicht voll übersehen konnte, am 17. Juli 1930 vorderAbstimmungüberdieRot- verordnungen ankündigen ließ, der Reichspräsident würde zurücktrete n. wenn d e Deut ch a i n I n nid> d. n Auf eb ng = antrag zu Fall bringen würden. Cs habe sich dabei um ein an den Rainen des Reichspräsidenten angeknüpftes unverantwortlichesDe- einflussungsmanöver gehandelt._ Hierzu gibt Reichs«rnährungsministec Schiele folgende Erklärung ab, zu der ihn der Reichs- präsidentausdrücklichermächtigt hat: „Der Herr Reichspräsident hat im Juli 1930 vor der Abstimmung über die Aufhebung der Rotverordnungen sich in einer Unterhaltung mit mir (Schiele» dahin geäußert, daß er, falls im Reichstag der Antrag auf Aufhebung der Rolverord- nungen - und zwar mit den Stimmen derDeutsch- nationalen — beschlossen würde, nur zwei Möglichkeiten sehe, entweder s e l b st von seinem Amte zurückzutreten oder den Reichstag a u f z u lösen. Der Herr Reichspräsident ermächtigte mich ausdrücklich, dies den Herren der deutschnationalen Fraktion mitzuteilen und hinzuzufügen, daß er angesichts der gegen eine derzeitige Reuwahl des Reichstages bestehenden Bedenken ernstlich den Gedanken seines Rücktritts erwäge, falls der Reichstag die vom Reichspräsidenten im Interesse des Landes erlassenen lebenswichtigen Vorordnungen aufhebe." Dr. Hugenberg hatte weiter gefragt, ob sich der „Hannoversche Courier" ohne alsbaldige Berichtigung auf Auskünfte von zuständiger Stelle berufen dürfe mit der Behauptung, daß Brüning in Auswertung der Wahl vom 14. September den Versuch gemacht habe, d i e Regierung nach rechts zu erweitern. Hierzu wird von der Reichsregierung erklärt, der Reichskanzler habe am 5. Oktober Vertreter der Deutschnationalen Bolkspartei und am 6. Oktober Vertteter der Rationalsozialisten empfangen, ihnen das Programm der Regierung offiziell unterbreitet und sie gefragt, ob sie zur Mitarbeit bereit seien. Geheimrat Dr. Hugenberg hat ferner u. a. die Frage aufgeworfen: Entspricht es den heutigen Begriffen polittschen Anstandes, wenn nunmehr der Wille des Kabinetts, den polnischen Handelsvertrag in Kraft zu sehen, dadurch erfüllt wird, daß ein angeblich zum Besten der Landwirtschaft bestimmtes Gesetz (Zoll- ermachtigungsgesetz) so gefaßt wird, daß damit die vorläufige Inkraftsetzung des polnischen Handelsvertrags ohne besondere Befragung des Reichstags möglich wird? Demgegenüber wird amtlich festgestellt, daß die Reichsregierung "nicht beabsichtigt, ohne besondere Befragung des Reichstags den polnischen Handelsvertrag vorläufig in Kraft zu sehen. Eine Erklärung der deutsch- nationalen Parteiführer. Berlin, 10. März. (TU.) Dr. H u g en be r g, Dr. Obers ohren und Dr. v. Winterfeldt veröffentlichen eine Erklärung, die sich scharf gegen die Behauptung wendet, daß die Regierung durch die Politik der nationalen Opposition an die Seite der Sozialdemokratie gedrängt werde und daß die Rechte, insbesondere die DRVP., sich vor oder nach den Wahlen aus Scheu vor Verantwortung einer positiven Mitarbeit an der Regierung versagt habe. In der Erklärung heißt es u. a., den Deutschnationalen sind seitens der Regierung Brüning weder vor noch nach der Sep- ten^berwahl insbesondere auch nicht in der Unterredung am 6. Oktober 1930 irgendwelche A n g e bo te be tre f fe nd Re gie- rungsbeteiligung gemacht oder irgendwelche Möglichkeiten hierzu geboten worden. Wir haben seit dem Herbst 1929 öffentlich und nichtöffentlich immer wieder betont, daß wir zur llebernahme jeder Verantwortung bereit seien. Cs ist selbstverständlich, daß eine solche für verantwortungsbewußte Politiker, die nicht lediglich Minister werden, sondern ihrem Lande sachlich dienen wollen, nicht v o r - aussehungsmöglich ist. liniere Voraussehungen waren und sind der Regierung bekannt. Die Unterredung vom 6. Oktober hat keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, daß auf Seiten des Kabinetts der nach den Wahlen vom 14. September eigentlich zu erwartende Wille zur Hmbil-> düng der Regierung bestand. Vielmehr hatten sich diesmal, wie sonst, die Bemühungen des Reichskanzlers einseitig darauf beschränkt, unsere Zustimmung zu seiner von uns bekämpften Politik zu erlangen, statt seinerseits auf die vor den Wahlen von uns aufgeworfenen Fragen zurückzukommen. Wir müssen also auf Grund unserer gemeinsamen Kenntnisse der Vorgänge feststellen, daß, soweit die Deutsch- nationalen in Betracht kommen, die Behauptung, das Kabinett habe in Auswirkung der Wahl den nachdrücklichen Versuch gemacht, die Grundlage der Regierung nach rechts zu erweitern, vollkommen unwahr ist. Seitens der Regierung ist keinerlei dahingehender Schritt erfolgt. Hitlers Absage an Hindenburg. Wie uns mitgcteilt wird, hat Hitler nach einem Bericht des „Völkischen Beobachters" in seiner Münchner Rede vom 25. Februar erklärt: „Wir werden jedes legale Mittel ergreifen, um das gegenwärtige System zu beseitigen." „Fast wie bei Amanullah". Begeisterter Empfang Eharlie Chaplins in der Reichshauptstadi. OaS Publikum rast, die Polizei ist machtlos, Eharlie ist glücklich. Von unserem V. ^.-Sonderberichterstatter. Dor amerikanische Filmstar Charlie Chaplin ist am Montagnachmittag mit dem Holland-Expreß auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin ein getroffen. Zu seinem Empfang hatte sich rund um den Bahnhof und auf dem Bahnsteig eine riesige, ständig anwachsende Menschenmenge eingefunden. Don den führendes Filmproduzenten waren die meisten leitenden Herren erschienen, um Charlie Chaplin zu begrüßen. Als Chaplin den Zug verlassen wollte war das Gedränge so groß, daß Polizeibeamte eine schmale Gasse für ihn freimachen mußten. Vom Bahnhof, vor dem die Menschenmenge immer wieder in Hochrufe auf Charlie Chaplin ausbrach, begab sich Chaplin nach dem Hotel Adlon, wo et für die Zeit seines Berliner Aufenthaltes Wohnung genommen hat. Eines Tages also erwacht Berlin und erfährt, Chaplin sei im Anmarsch. Ende März sollte er kommen, man hatte Zeit mit den Vorbereitungen, mit der inneren Einstellung, man konnte vorerst andere Sorgen haben. Und das wird plötzlich über den Haufen geworfen. Was morgens ein Gerücht noch ist, ist mittags eine Gewißheit. „Chaplin nähert sich Berlin!" brüllen die Zeitungshändler. Cs ist wie beim Ozeanflug. Chaplin hat die Grenze passiert. Chaplin in T, Chaplin in V. Chaplin kommt 17 Uhr auf dem Bahnhof Friedrichstraße an. Dieser und jener wird ihn empfangen. Die Polizei will den Ver- kehr wenigstens notdürftig aufrechterhalten. Jin Hotel A. häufen sich schon die Dittl riefe. Chaplin erläßt inzwischen eine Botschaft an das deutsche Volk. Die Sache erinnert ein wenig an den seligen Amanullah. Damals war das Volksgemur- mel zwar etwas offizieller beeinflußt und weniger herzlich. Dafür fehlt den überraschten Filmmenschen so ein Graf Tattenbach, Chef des Protokolls, Zeremonienmeister der Republik, der so etwas zu „schmeißen" versteht. (Man hält' ihn sich ausbvrgen sollen.) Das Manko wird nicht ins Gewicht fallen. Braucht Berlin einen Regisseur? Es braucht ihn nicht. (Siehe unten!) Friedrichstraße — wenn Sie die nicht kennen sollten — gleich am Bahnhof, eine enge wchlucht. Einbahnstraße. Am Bahnhof selbst ein kleiner, dreieckiger Platz, verbarrikadiert von Droschken. Auf der anderen Seite ein Bretterzaun, wo vor Jahren ein Hochhaus „erstehen" sollte. Sollte! Dann die Spree. Und sonst gar nichts. Kein Platz für Massenszenen. Dennoch: Platz für Zehntau- sende! Weiß Gott, wie sie sich unterbringen. Immer neue Trupps. Sie quellen aus der Untergrundbahn. sie brechen aus Seitenstraßen, sie marschieren heran in dichten Kohorten. Sehr gemischt, eine Volksgemeinschaft — alle umfassend, einig in ihrem Wollen, wie sie einig sind in ihrer Empfänglichkeit für Chaplin« Kunst. Schupo mitten- drin, auf Wagen, zu Fuß und zu Pferde, milde, nachsichtig lächelnd. Hände weg vom Gu imiknüp- pel. Es wird ausnahmsweise heute nicht geprügelt. Straße frei — für das große Lachen. Siebzehn Uhr! Eine Mauer, ein Meer von Mensche^, sie werden, so scheint es, die Häuser beiseite drücken. Der Verkehr ist längst umgeleitet. Die Schuko yat den Kampf längst aufgegeben. In knallblauen (-gelben, -grünen, -ro en) Cabriolets taucht da und dort ein Prominenter auf. der Charlies Sonne Über sich erstrahlen lassen will. Lieblinge der Masse? Dieses Volk ist undankbar. Es schüttelt seinen berüchtigten Witz aus zehntausend Aermeln und gießt ihn über die Sterne seines eigenen Filmhimmels. „Mensch, nu drängel dir ma' nich, an Scharlie'n längste doch nich ran!" Siebzehn* Uhr fünfzehn. Auf dem Bahnsteig. Herren im Zylinder. Damenpelze in leuchtenden Farben, es sind nun doch alle da, „die es sich nicht nehmen lassen". Blumen, ein junges Mädchen dazu. Und dann: die Phalanx der Photographen, der Tonfilmleute, der Berichterstatter. Polizei auch hier in erster Garnitur, Offiziere mit blitzenden Orden. Wirklich und wahrhaftig — es scheint ein Potentat zu kommen. Von außen' her klingt das Raunen der Menge. Aber dabei bleibt es nicht, sie rieselt herein, wozu gibt es schließlich Bahnsteigkarten, sie ballt sich drüben auf dem Stadtbahnsteig zusammen, wer kann sie kontrollieren, ob sie fahren oder sehen will? Schon kämpft die Schupo auf den Treppen. Und unten, auf der Ankunftsseite spielt sie das alte Spiel: Drängst du mich — dräng ich doch auch. Arm in Arm, in langer Kette, auf und niederwallend, ein lebender Wellenbrecher, hinter dem die Brandung ihre Kräfte erprobt. * Siebzehn Uhr siebzehn. Pünktlich wie immer schiebt sich der fabelhafte Expreß in die Halle, dieses „gute Stück" der Reichsbahn, mit dem alle Berühmten anzukommen pflegen. An einem Fenster wird der Kopf eines gepflegten amerikanischen Herrn sichtbar, auffallend graues Haar, viel Weiß an den Schläfen, er lächelt, er hebt die Hand — da wälzt sich nun die ganze Traube von zylindergeschmückten Herren und feinen Damen dem noch fahrenden Fenster nach — ein kleiner Regiefehler, der bei richtigen Potentaten doch nicht vorkommt. Und dann: Trubel. Eine Gruppe heftig gestikulierender Menschen, wer Glück hat, kann den grauen Kopf auf und niedertauchen sehen, Hochrufe dröhnen in der guten Akustik, die Stadtbahnpassagiere brüllen wie ein Mann. Von den Treppen lärmt es herauf, von der Straße tönt aufgeregtes Summen, die Gruppe wälzt sich zur Sperre — „Ja", wird der Beamte feinen Enkelkindern erzählen, „und da habe ich ihm die Fahrkarte abgenommen---" (einziger Triumph der Bürokratie über das unbürokratischste aller Menschenkinder!) * Der Ausgang, die kleine Freitreppe, davor ein Automobil. Dann ein freier Raum. Dann Schupo. Und dann grau in grau die Menschen. Plötzlich — ein Schrei. Ein einziger. „Charlie!" Und dan noch ein Schrei, ein Orkan, ein Wirbelsturm. Und dann ist die Schupo fort, der freie Platz ist fort, das Auto — mag sein, daß das Auto noch da ist. Lachend, strahlend, glücklich-abwehrend noch ein-, zweimal der graue Kopf — und dann nur noch Sturm, nur noch Brandung und die Hoffnung — sie würden ihn am Leben lassen. Irgendwie — die Jungens verstehen ja ihr Handwerk — hat die Schupo doch noch das Auto umringt, den Charlie gepackt, ins Auto gezerrt, eine Hupe rast los, ein Polizeiauto setzt sich an die Spitze, ein zweites fährt hinterdrein, langsam, Schritt für Schritt, weicht die Menge zurück, um sich gleich wieder zu schließen, Schreien, Brüllen, Toben, immer dieses Charlie! Charlie! Charlie?, wie die Leute es nun eben aussprechen, Tscharli, Tschar- lieh! mit unendlicher Liebe und ebenso lang gezogen. —, Sie stehen wie ein Mann in der Friedrichstraße und an der Kranzlerecke und Unter den Linden und vor dem Hotel. Sie werden stundenlang' die Straßen belagern, wo immer „Er" sich zeigen mag. Es ist zwar nicht der Chaplin, -dea^sie im Kopf haben, es ist, wie gesagt, ein wohlgepflegtcr Amerikaner mit grauem Haar, aber es ist halt doch — unser Charlie! Charlie Chaplin gab heute abend in seinem Hotel Vertretern der Berliner und ausländischen Presse ein kurzes Interview, in dem er u. a. betonte, daß ihn der herzliche Empfang in Berlin stark bewegt habe. Er wiederholte, daß er in der Hauptsache deutsche Theater zu besuchen wünsche, um zu sehen, was sie an neuen Stücken bringen. Er wolle auch ein deutsches Gefängnis besichtigen, wie er das schon in Amerika und in England getan habe. Sein Aufenthalt werde sich wahrscheinlich über acht Tage erstrecken. Er wosie auch der Berliner Uraufführung seines Filmes „Lichter d er G r o ß st a d t" beiwohnen, sofern diese Ende März oder Anfang April stattfinde. Im Tonfilm werde er nie auftreten. Sein größter Wunsch sei, daß man ihm ft- viel wie möglich Freiheit laste. Forderungen der Kleinrentner. Berlin, 9. März. (ERB. ) In einer vom Reichsrentnerbund veranstalteten großen Kundgebung, an der auch zahlreiche Vertreter aus dem Reich teilnahmen, wurde die Forderung vertreten, daß die ehemaligen Kleinrentner aus der kommunalen Fürsorge herausgenommen werden, und daß möglichst rasch von Reichs wegen ein Rentnerversorgungsgesetz geschaffen wird. Die Versammlung verlief zum Teil sehr erregt. Die Redner wiesen darauf hin, daß die schlechte Finanzlage der Kommunen und Fürsorgeverbände als unerträglich zu bezeichnende Kürzungen in der. Höhe der Unterstützungen gezeittgt habe. Stark betont wurde auch die Tatsache, daß die Selbstmorde in den Kreisen der Kleinrentner in erschreckendem Maße zugenommen hätten. Sreiüeiföflrofen im Moskauer Menschewistenprozeß. Moskau, 9. März. (WTB.) Der Moskauer Ge- richtshof verurteilte im Prozeß gegen das Unionsbureau der Menschewisten nach 25ftün- biger Beratung die Angeklagten Groman, Scher, Suchanosf, Ginsburg, Jakubowitsch, Petunin und Findjenataiwski zu je zehn Jahren Freihe i t s st r a f e und die übrigen sieben Angeklagten zu Freiheitsstrafen von fünf bis acht Jahren. Die Wetterlage. •cn Ingo •Thor >to Aberdeen- tri vyi Tours "S -1& Hfl Jan May SdllyS -W- Owolkenlos.® neuer o naib otdecuL e woimo • oeoecki eitegert * Schnee Oraupem e Neoei K 0<>-iiter.@wind$tiiie. «CS sehr leichter Ost y massiger Südsüdwest ‘«urmucnei norowesl Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oemen Stationen stenenoen Zaft» len geben die Temperatur an Oie Linien verbinden Orte mit gleichend auf rteeresniveau umgereenneten Luftdruck Wettervoraussage. Der Kälteherd mit Frostternperaturen von mehr als — 10 Grad über Westbeutfchalnd wird von allen Seiten von etwas wärmeren Luftmassen umspült. Einerseits bringt an ber Vorberfeite der südlichen Störung weiterhin tropische Luft über die Balkanlänber nach Ostdeutschland vor, anderseits entwickelt sich über der Nordsee ein flacher Wirbel, ber die seither in Deutschland herrschende einheilliche Ostwestströmung unterbindet. An seiner Südseite drehen die Winde mehr nach Westen, so daß auch ozeanische Luftmassen nach dem Festlanbe gelangen. Wohl werden die Temperaturen noch unter Null bleiben, jedoch wird die Kaltluft nach und nach erwärmt, so daß eine langsame Milderung zu erwarten ist. Beim Zusammentreffen der verschiedenartigen Luftmassen dürften auch Schneefälle nieder' gehen. Aussichten für Mittwoch: Vielfach dunstig und bewölkt, noch Frost, aber allmählich Abschwächung, aufkommende Schneefälle. Aussichten für Donnerstag: Weiterer Frosiciickgang wahrscheinlich. Prüfe -Oit £* '“’V» SV-S.U Die desha ^ge aM Blicken sein, Heimat il'-u her w SÄS S&S' er la^lnä Seinen e E"" in Der j es beliebten -G ■SW&Ö .urMrAungzuM'i von Ehmamtm W äfÄ Feinheit mi.öcr* füge darin.fmbet, fw iifer Mißstände des ' üfer die leitenden Pe und nicht den kleinsten - tuna für den SM gen, der dringt M bet Genugtuung, wenn i-elt irgendeine bcmenc reicht wurde. Mihgnsst überall vor: sie lassen imb ausgleichen. ie meg meinbürgschaft m ftartt ist. „Tausend fleW „Helfend sich im Cs ist etwas Großes ur pflichtbewußte Zufa dem einer dem anbei etwaige Irrtümer uni merksam macht. Wem stolz regt und leine: Staatsbehörden in d Verwaltung dulden nu Abwehr fein überleb, bereitsten, sondern n suchen, daß fid) Sie Sinn am Gemeinwesen nicht Tatendrang nicht lähmi In der rührigen Ti Ganzen, in der Testis sich die verlchickenart Parteien zusammen: I punkt, und wer diese: er'.eimt, dem wird es sah zu überwinden, da fahrt nicht dadurch be Tie Taten zur Unser Nachrichtendien hotte uns am Samstag Otäij diejenigen zum '«ch übermittelt. Nachsteh kigrn Daten zum 8. i eonnenaufganfl 6.32 U Ujr. - Mondaufgang 0 krbe'tet Ihre lief ,lhnen 'm diesem J 'S'? Untersuchen' * wich,i9 genu' hren Gewinn! Di« ZWin9| zur Anwe Methoden! D°sW“hMrini Q Nun|««enSi#. u, 9er|stdnd DraeM getane Vilich , dle Wage hi/^Wick ?Ch,«u$schVUmdo e ?a,Wuch'desrnDies" Gen6rah^?-~- «u 6rtretur brigen sieben Ange'lagten iins bis acht Jahren. fferloae. (jTootn**1 o ? Vltii ,,,„ eKtet* ti Stiess** ü0« n# fS%$s «T-: »S^Z L M leinL daß L-,°L°S -* e Kaltlul Olden-Ln. l,n . »HS vonnel Aus der provinzialhauptstavt. Gießen, den 10.März 1931. Oie Lust am Werk. Bei jeder Sache kommt es daraus an, von welchem Standpunkt aus man sie betrachtet. Wer einem Gemeinwesen, in dem er wohnt und tätig ist kalt und fremd gegenübersteht, der sieht aue Vorgänge, alle Einrichtungen mit ganz anderen (Lugen an. aiS wenn er sich als eng verbundenes Glied deS Gemeinwesens fühlt und Freude an dessen Gedeihen empsindet. Die Frerzugrgkeit hat zweifellos ihre groben Vorzüge, niemand wird ernstlich daran denken, sie wieder aufheben zu wollen, aber es kann nicht geleugnet w^den, daß unter ihrer Geltung mancher Zuzug m Stadt und Land durchgeführt wird, den man lieber entbehren möchte: Leute, denen es z emlrch gleichgültig ist, ob sie hier oder dort ihr Seid Mebren und die deshalb von vornherein mit sehr kritischen, Blicken die Dinge anschauen, ohne von dem Ge- danken ersaht zu fein, daß es ihre nunmehrige Heimat ist. um die es sich handelt. Während der Eingeborene oder der länger Lehhottr geneigt sein wird, für manchen ossenkundigen Mangel mil- dernde Umstände zu bewilligen, toed er die geschichtliche Entwicklung und wohl auch die knappe Finanzlage kennt, geht der Sremde 6o(I ®<6a% und ohne Nachsicht mit allem in« Gericht was er tadelnswert findet. ia er begnügt sich nicht damit. im stillen Kämmerlein oder im Kreise der Seinen einzelne Uebelstände -u, beklagen, sondern cS behagt>ihm. in der Oeffrntlichkeit, am Biertisch in den beliebten ..Eingesandts" der Leitungen 'seinem gepreßten Herzen Lust zu machen. Es gehört Anhänglichkeit an die Gemeinde. Vertrautheit mit ihrer Vergangenheit. Verständnis für ihre Entstehung, ihr bodenständiges Wer- den und Wachsen dazu, um mit Lust und Liebe in ihr zu wirken, opferfreudig seine Mitarbeit zur Verfügung zu stellen und vor der Uebernahme von Ehrenämtern nicht zurückzuschrecken. Das ist der Prüfstein für treuen Bürgersinn, ob lemanD bereit ist ohne Vergütung Dienste für die Allgemeinheit zu verrichten. Wer lediglich sein Genüge darin findet, nörgelnd und scheltend sich über Mißstände des Orts, über die Steuern, über die leitenden Persönlichkeiten auszulassen und nicht den kleinsten Teil der Verantwortung für den Gang der Geschäfte selbst zu tragen, der bringt sich um das zufriedene Gefühl der Genugtuung, wenn irgendein Fortschritt erzielt, irgendeine bemerkenswerte Verbesserung erreicht wurde Mißgriffe und Fehlschläge kommen überall vor: sie lassen sich um so eher ertragen und auSgleichen. je mehr der Gedanke der Ge - meinbürgschast unter den Einwohnern erstarkt ist. „Tausend sleihige Kräfte regen „Helfend sich im muntern Bund .. Es ist etwas Gröhes und Schönes um dies eifrige, pflichtbewußte Zusammenarbeiten bei dem einer dem anderen bei steht und ihn auf etwaige Irrtümer und Unvollständigkeiten aufmerksam macht. Wenn sich dabei der Bürger- stolz regt und keine willkürlichen Eingriffe der Staatsbehörden in das Getriebe der Selbstverwaltung dulden mag. so sol!l man für _ diese Abwehr kein überhebliches spöttisches Lächeln bereithalten, sondern man soll es zu begreifen suchen, daß sich die Einwohner die Lust am Werk, am Gemeinwesen nicht dcrgällen, den frischen Tatendrang nicht lähmen lassen wollen. In der rührigen Tätigkeit zum Wohle des Ganzen, in der Befriedigung über Erfolge finden sich die verschiedenartigsten Gruppen, _ Stände, Parteien zusammen: hier ist der Berührungspunkt. und wer diesen innigen Zusammenhang erkennt, dem wird es leichter, manchen Gegensatz zu überwinden, damit die gemeinsame Wohlfahrt nicht dadurch beeinträchtigt wird. K. L. Die Daten zum 8 und st März Unser Nachrichtendienst für die täglichen Daten batte uns am Samstag statt der Daten zum 8. und 9. März diejenigen zum 8. und 9. April versehentlich übermittelt. Nachstehend bringen wir die richtigen Daten zum 8 und 9. März: Sonnenaufgang 6.32 Uhr, Sonnenuntergang 17.51 Uhr — Monoausgang 0 Uhr, Monduntergang 7.57 Uhr. __________________ 1823: der ungarische Staatsmann Graf Andrassn geboren (gestorben 1890); — 1858 der Komponist Leoncavallo in Neapel geboren (gestorben 1919); — 1917: Graf Ferdinand Zeppelin in Berlin gestorben (geboren 1838). Sonnenaufgang 6.30 Uhr, Sonnenuntergang 17.53 Uhr — Mondaufgang 0.01 Uhr, Monduntcrgang 8.17 Uhr 1850: Generaloberst von Hcertnqen in Kassel geboren (gestorben 1926); — 1888: Kaiser Wilhelm 1. in Berlin gestorben (geboren 1797); — 1918: der Dramatiker Frank Wedekind in München gestorben (geboren 1864). Talen für Mittwoch, 11 März Sonnenaufgang 6.26 Uhr, Sonnenuntergang 17.56 Uhr. — Mondaufgang 2.41 Uhr, Monduntergang 9.23 Uhr. 1544: der italienische Dichter Torquato Tasso in Sorrent geboren; — 1923: der deutsche Seeoffizier Karl von Müller, Führer der „Emden", in Braunschweig gestorben. Konzert des Bauerschen Gesangvereins Es ist sehr erfreulich, daß auch durch die Männergesangvereine ein frischer, musikalischer Hauch weht, der zeigt, wo die Quellen wirklicher Volksmusik zu finden sind, dah auch in ihren Reihen sich allmählich der Gedanke durchringt: Musik hat mit Sentimentalität nichts zu tun Ge- fühlstrunkene Töne gehören nicht in unsere Männergesangvereine Herb wie das Volkslied des Mittelalters sind die Weisen, die echten und wahren, der deutschen Männerchöre. So war es zu begrüßen, daß der Bauersche Gesangverein sür den ersten Teil seines diesjährigen Konzertprogramms sich Werke eines neueren Meisters. Erwin Lendvai. wählte, eines Meisters, der sich besonders mit den a-cappella- Chören des 16. und 17. Jahrhunderts beschäftigte, der zwar eine Zwischenstellung im Ausdrucksstil M. Regers und A. Schönbergs einnimmt, aber doch ganz im Stile der alten a-cappeNa-Chöre eine primitive Diatonik wiederherzustellen sucht. Gerade die aufgeloderte Satzweise seiner Chöre gab dem Bauerschen Gesangverein Gelegenheit, das vorzügliche Material, die ausgezeichnete Ausbildung seiner Stimmen zu zeigen, denn jede Stimme kommt als eigene Melodielinie zur vollen Geltung. Es sei nur hervorgehoben das tragsähige Pianis- simo im „Christenlied", die wunderbar zart klingenden Teiwrstimmen in der ersten Strophe des „Glockenliedes", ein Forte rund, ausgeglichen mit überwältigender Fülle am Schluß des „Vlämischen Tanzliedchens", schrosie dynami che Gegensätze in dem böhmischen Dolksliede „Trotz um Droh". Andernteils stellen diese Chore technisch sehr hohe Anforderungen an die Sänger, wie z. B. „Kirmes auf dem Berge" mit den kon- trapunktisch geführten Oberstimmen, die über der als cantus firmus geführten gregorianischen Choralweise schweben. Dem Chor- meister und den Sängern sei es gedankt, daß sie Mühe und Arbeit nicht scheuten, um Meisterhaftes zu bieten. Zugleich seien sie aber auch ermuntert, den hier beschrittenen Weg mutig weiter zu gehen und noch recht oft unsere schönen mittelalterlichen Volkslieder erklingen zu las en Sin Streichtrio tn 8-Dur. g-spielt von den Herren F. Bauer (Musiklehrer), H Bayers- dorf. H Eger zeigte E. Lendvai, des en Eigenart ja sicher vornehmlich in der a-cappeila-Äom- Position zu finden ist, auch von der kammermusikalischen Seite Im zweiten Teil seines Programms brachte der Chor eine Komposition von W Kienzl: „Das Straß, burglieb" aus bei Oper „Der Kuhreigen" mit ber von Kienzl selbst bearbeiteten Klavierbegleitung (Mitgl. Gutjahr), einen Chor von E Heuser „Eine Wiese voll weißer Margueriten" unb L Thuil- les „Hinaus in bas Luftgeschmerter" Auch in biesen Liebern bie ja als Komposition betrachtet nach Lenboai-Chören gesungen stark abfallen müssen, zeichnete sich ber Chor durch vornehmen Vortraa deutliche, reine Aussprache, feine musikalische Auf- fassung aus. Im ganzen genommen muß die Aufführung dem Dirigenten. Ehrenchormeister Otto Görlach, und allen Sängern vollste Anerkennung und Lob künden. Zur Bereicherung des Programmes spielten Herr F. Bauer und Frau E Fischer eine Suite von P. Graener, Berceuse, ilfturianna, Iota von M. de Falla für Violine unb Klavier und ein Präludium für Violine allein von M. Reger. g. (Siebener Tvochcn Marktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt Butter 120 bis 130 Ps. (Nochbutter von 110 Pf. an). Matte 30 bis 35. Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 25 bis 35 (pro Zentner 15 bis 25 Ml.), Weißkraut 12 bis 15 (pro Zentner 8 bis 10 Mk.), Rotkraut 15 bis 20 (pro Zentner 10 bis 15 Mk.). Karlos ein 3.5 bis 4 (pro Ztr. 2.50 bis 3 Mk.), gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüben 12 bis 15. Spinat 30 bis 35, Unterkohtrabi 5 bis 6, Grünkohl 20 bis 25. Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat 100 bis 120. Tomaten 70 bis 80. Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 bis 60. Schwarzwurzeln 30 bis 40. Dörrobst 30 bis 35. Aepfel 30 bis 50. Birnen 20 bis 40. Rüste 60 bis 70. Honig 40 bis 50, junge Hähne 90 bis 110, Suppenhühner 90 bis 110 Pfennig pro Pfund; Tauben 70 bis 80. Eier 10 bis 11, Salat 30 bis 35. Mr bitten um weitere Spenden. Stadt,sche Nothiife 1930. Blumenkohl 30 bis 70. Endivien 15 bis 35. Oberkohlrabi 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50. Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 15 Pf. pro Stück. Bornotizcn. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: „Feurio", 20 bis 22.30 Uhr. — Internationale Bibelforschervereinigung Lichtbilderoor- trag „Schöpfungs-Drama", 19.30 Uhr, Caf6 Leib. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Faschings- fee". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heule. 20 Uhr. zum ersten Male, ein Lustspiel in neun Bildern von Bernhard Blume: ^Feuriol', unter der Spielleitung von Peter Fas'ott Mitwirkende: Damen: Schubert-Jüngling, Wielander; Herren: Bäuerle, Bruck, Hauer Linkmann. Ritter. Schelcher. Volck. Wesener. Zingel. — Samstag, 14. März, 20 Uhr. im F reitag-Abonnement. einmaliges Gastspiel und für mehrere Jahre letztes Auftreten In der Provinz des bedeutenden Komikers War Adalbert mit feinem Berliner Ensemble Der Künstler gastiert in der Komödie: „Der Mann der schweigt , die von O. Malm als größter Erfolg der Saison monatelang den Spiel- plan Berlins beherrschte Die Verstellung findet bei Operettenpreisen statt, Zehnerkarten haben keine Gültigkeit, für Abonnenten ermäßigte Ope- rettcnpreise. — In'olge Erkrankung des Intendanten Dr. Prasch muh die für den 17. März anaesehte Erstaufführung von Schillers toman« tischer Tragödie: „Die Jungfrau von Orleans" verlegt werden. Statt dessen wird aus Anlaß des 40. Geburtstages Klabunds das bereits Im Programmheft angekündigte Spiel zu Dreien: „2E. V. Z" von Klabund unter der Spielleitung von Dr. Ritter am 17. März erstmalig zur Aufführung gelangen. — Der Goethe-Bund will, wie er uns schreibt, den (Siebener Literaturfreunden am kommenden Sonntag wiederum einen befonderen Genuß bereiten; es ist dem Goethe-Bund gelungen die bekannte dänische Dichterin Karin Michae- l t s zu einem Vortragsabend nach Gießen zu gewinnen. Die Dichterin ist eine große Freundin Deutschlands, unb es ist für sie immer eine besondere Freude in deutscher Sprache zu ihren deutschen Freunden und Lesern sprechen zu können. Karin Michaelis wird „Aus der Werkstatt einer Dichterin" erzählen unb abschließenb einige kleinere Teile aus eigenen Werken lesen. Mit diesem vielversprechenden Vortragsabend bietet ber Goethe-Dunb bie seltene Gelegenheit, biefe bedeutende Frau einmal am Vortragstisch kennen zu lernen. (Siehe heutige A ze ge.) — Der Sparer b und, Ortsgruppe Gießen veranstalte, am morgigen Mittwoch, 20.15 Uhr im Hotel „Prinz Carl" einen öffentlichen Licht - bildervortrag über „Versailler Diktat Dawes- unb Voungplan". (Näheres in ber heutigen Anzeige.) — Der Gewerbe-Verein Dießen veranstaltet am Donnerstag, 12. März. 20.15 Uhr im KrausmüUer-Saai. Gvechestcaße 71. einen Vor.rctgsabend mit Lichtbildern Gartenbau- nÄrch stell E: erhör d Schwarz wird über das Thema ..Der schöne Slaubengarten" sprech«- (Siehe heutige Anzeige.) e •• Rückkehr in bie Garnison. Unser Bataillon, das gegenwärtig zum Winterschiehen auf bem Trup. enübungsplatz Ohrdruf weilt, wird am kommenden SamStag mittels Svnbcrzuges um 19.07 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof wieder em* treffen. •• Führung der Wetndücher. Dom Polizeiamt wird uns geschrieben: Rach § 19 toi Weingesetzes und Artikel 9 der Ausiührunas- bestimmungen Haden alle Personen, die gewerbsmäßig Trauben zur Weindcreitung. ^.rauben- maische, Traubenmost oder Wein in Verkehr bringen, Bücher zu führen. Unter die hierzu Verpflichteten fallen auch die Schankwirte. Le* densmittelhändler, Krämer und sonstigen Klein* Verkäufer von Wein. In Kürze werden Revisionen erfolgen, ob die vorgeschriebenen Weinbücher geführt werden. Nichtbeachtung der Vorschriften hat Bestrafung zur Folge. * Verkehrsu n f al l. Heute früh karambolierten auf ber Landstraße zwischen Kirchgöns unb Lang-Göns zwei Autos, van denen das eint mit Waren zum Gießener Wochenmarkt unterwegs war. lieber den Hergang des Unglücksfalls konnten wir trotz Erkundigungen an verschiedensten Stellen bisher nichts Genaues erfahren, nur so viel tft bekanntgeworben, daß ein Mann namens Grüne- bäum aus Idstein (Taunus) bei bem Vorfall eine Verletzungen am Fuß erlitt unb von einem Prioat- kraftwagen nach ber Chirurgischen Klinik in Gießen mitgenommen würbe. Der Reichsdahn-Turn- und Sportverein hielt am Samstagabend unten Leitung des 2. Vorsitzenden, Oberbahnvorsteher Heinze!mann, feine diesjährige Generalversammlung ab. Rach dem Geschäftsbericht gehören dem Verein 160 Mitglieder an. Der Umbau der ehemaligen Wagenhalle in der früheren Ober- hessischen Werkstatt in eine Turnhalle ist nahezu vollendet. Es wurden dort eine moderne Kegelbahn. eine geräumige Bühne. Wasch-. Toiletten* unb Ankleideräume eingerichtet. Die Halle umfaßt etwa 600 Quadratmeter. Vor der Turnhalle sollen eine Aschenbahn und Tennisplätze angelegt werden. Die Umbaukosten erforderten rund 7000 Mk, zu denen die Reichsbahndirektion Frankfurt 4000 Mark als Zuschuß geleistet hat. Der Kassenbericht zeigte eine Einnahme von 5951.05 Mark und eine Ausgabe von 9219 Mark, so daß ein Fehlbetrag von etwa 3000 Mark besteht, der durch Bürgschaft der Verwaltung gedeckt ist Für dieses Jahr steht dem Verein wiederum dank der Mitarbeit des 1. Vorsitzenden, Reichsbahnoberrats Wilke vom Betriebsamt 1 Gießen, ein namhafter Geldbetrag in Aussicht, so daß ber Fehlbetrag gedeckt werden kann. Bei der Vorstandswahl tour'■en Reichsbahnoberrat Wilke zum 1. Vorsitzenden, Oberbahnvorsteher Heinzelmann zum stell'ertretenöen Vorsitzenden, Reichsbahna sistent Weber und Reichsbahn ekvetär Luh zu Schriftführern, Zeug- toart August Loos, sowie die seitherigen fünf Beisitzer einstimmig wiedergewählt. Reugetoäblt wurden: Reichsbahnsekretär Eidmann als Turn- und Spoctleiter und Reichsbahnsekre'är Schütz als Kassierer. Weiter gab der 2 Vorsitzende bekannt daß der Antrag auf Anmeldung zur Deutschen Turner^chaft gestellt sei. Die Einweihung der neuen Tum Halle wurde bis zur vollständigen Erledigung des inneren Ausbaues zurückgestellt. ftinbfiche Jlotbrithfen. Evangelische Gemeinden. Mittwoch den 11 März. Stadtkirche. 18 Uhr: 4 Passtonsandacht; Pfr. Mahr. Freitag, den 13 März. Kapelle des Alten Friedhofs. 18 Uhr: Passtonsandacht; Pfr. Lenz. — Elisadeth-Kleinkinderfchule. 20: Passiansandacht, Pfr. iuc. Waas. Mittwoch, den 11 März. Lich. 20 Uhr: Passionsandacht; Stiftspfarrer Draudt. Prüfen Sie Ihre Kräfte! Sie müssen gerüstet Arbeitet Ihre Lieferabteilung so, daß sie Ihnen in diesem Jahre eine wirkliche Hilfe ist? Untersuchen Sie dieses Problem, — es ist wichtig genug und entscheidend für Ihren Gewinn! Die zeitgemäße Kalkulation zwingt zur Anwendung moderner Liefermethoden! Unsere „Transport Analyse" wird Ihnen zeigen, ob einer der beiden schnellen, zuverlässigen, nach dem Wucht-Prinzip konstruierten Blitz Lastwagen Ihnen helfen kann. Verlangen Sie diese interessante Analyse, die wir Ihnen kostenlos und unverbindlich zusenden. Das Wucht-Prinzip in der Lastwagen-Konstruktion. 2Kgj3k, 2 KILOGRAMM ruhendei Gewicht ©Legen Sie einen Gegenstand vorsichtig auf eine Wage. Dann wird die Wage anzeigen, was der Gegenstand tatsächlich wiegt. Dies entspricht dem Gewicht, das einvollbeladenerlastwagen trügt, wenn er stillsteht. ©Nun lassen Sie denselben Gegenstand plötzlich auf die Wage fallen. Augenblicklich wird die Wage bis zum doppelten Gewicht ausschlagen. Dies entspricht der Wucht der Stöße, die ein Lastwagen während der Beladung und Fehn auszuhallen hat. ©Mit Rücksicht darauf wurden die Blitz Lastwagen nach dem Wucht-Prinzip konstruiert. — Dies ist das Geheimnis Ihrer außerordentlichen Zuverlässigkeit. leistungsfähiokei« und Wlrt.^h.ftiirkVoh 17aTONNER 2,6Ltr 4 Zyl Chassis ** y ** M Chassis mit Führerhaus . . RM 374S — Pritschenwagen ohne Plane RM 3995.— Pritschenwagen mit Plane . RM 4175.— (fünffach bereift) 2TONNER 3,5 Ltr 6 Zyl Chassis T W e* M Chassis mit Führerhaus . . RM 4845 — Pritschenwagon ohne Plane RM 5195 — Pritschenwagen mit Plane . RM 5395.— (siebenfach bereift) Preise ab Werk Rüsselsheim am Main ERZEUGNIS DER »DAM OPEL A.G. ......... - -...... AN DIE ADAM OPEL A.G„ ROSSELSHEIM A.M52.ABT, LASTWAGEN. Bitte senden Sie mir den ongebotenenKotologu. dos FormuIor für die Tronsport Analyse. 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Nack) Ablauf dieser Frist erfolgt Beitreibung der Rückstände bzw. Sperrung der Gaszuführung auf Kosten der Schuldner. Gießen, den 9. März 1931. Städtisches Gas- und Wasserwerk. ____________ Steding.________________ Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Oppenrod für Rj. 1931 liegt vom 10. d. 2TL an eine Woche lang auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 1781D Oppenrod, den 9. März 1931. Hessische Bürgermeisterei Oppenrod. ____________Kloos.____________ Ruhholzverkauf aus dem Gemeindewald durch schriftliches Angebot. Fichlenlangholz: Klasse la 337 Stämme = 61,09 fm „ 1b 238 „ = 83,23 „ „ 2a 64 40,00 „ „ 2b 15 „ ° 15,07 „ „ 3a 2 „ 2,90 „ Das Holz ist mit Rinde gemessen, aber entrindet resp. wird noch eni.inbet. Angebote sind getrennt nach Klassen, mit Auf- schrift versehen, bis zum 16. d. M., nachmittags 2 Uhr, bei der unterzeichneten Stelle, wo auch die Bedingungen eingesehen werden können, einzureichen. Zuschlagsfrist zehn Tage. 1758D Leihgestern, den 7. März 1931. Bürgermeisterei. Am Donnerstag, dem 12. März 1931, versteigere ich von vormittags 10 Uhr ab auf der Mittelstmühle bei Trohe zwangsweise gegen Barzahlung: 1757D mehrere eiserne Bettstellen (teilweise mit Matratzen), Kleiderschränke, Waschtische, Nachtschränkchen, Spiegel, Chaiselongues, Waschschüsseln, Wasserkannen, Stühle, eine Badewanne, einen Schreibsekretär, einen Wäscheschrank, eine Flurgarderobe mit Spiegel und Kleiderhalter, Korbsessel, Kolter, einen Regulator, zwei irische Oefen, zwei Eckschränke, einen großen, weiß emaillierten Küchenherd, eine Zinkbadewanne, mehrere kleine Wirtstische, einen Ausziehtisch, runde Tische, ein Sofa mit Sessel und Hocker, ein dreiteiliges Küchenbüfett, eine Küchenanrichte, einen Küchenschrank, eine Spülbank, eine Bowle mit zehn Gläsern, verschiedene kleine Spiegel, Uebergardinen, verschiedene Bilder und sonstige Hausgeräte. Junker Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 Gchafweideverpachiung Donnerstag, den 12. März, nachmittags 2 Uhr. soll die hiesige Schafweide auf hiesiger Bürgermeisterei öffentlich verpachtet werden. Bemerkt wird, daß sämttiche Schäfereigeräte sowie eine große Halle zum Einstellen der Schafe bei ungünstiger Witterung vorhanden ist. Nähere Auskunft erteilt hiesige Bürgermeisterei. 1761D Bersrod den 7. März 1931. Hessische Bürgermeisterei Bersrod. Becker. LichtspielhauseGießen Heute zum bei halben letzten mal * UlhOKlg Preisen Die Faschingsfee Ab morgen Mittwoch: Kallo! Jtier Kündige hiermit an, daß ich abMorgen i 4, 6. ß.iO Uhr im Lichtspielhaus arbeite. ,__.______________________________________________1736 l des Herrn Sanfcdirefctoes! Ludwig Wörrisshofer Stud. Reformverb. Adelphia im. V. D. B I. A.d.C.: Wilhelm Krause 1783 D Großen-Linden, Klein-Linden, den 9. März 1931. 1784 D 1671C Gießen, den 6. März 1931. 'Der Oberbürgermeister. I. V.: vr. Hamm. Wohnungstausch Die Beerdigung findet Mittwoch, 11. März, nachm. 3’/j Uhr, vom Sterbehause Nebengasse 8 aus statt. Heute morgen entschlief nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante Pfarrer in Hangen-Weisheim (Rh.-H.) Aktiv S.-S. 1898 - W.-S. 1900/01. Unterfertigte betrauert tief das Ableben ihres lieben Alten Herrn Wohnungstausch! Geboten wird sch. 6- ZimmerAVohng. mit. Bad, Balkon und all. Zubehör, 3. Stock. Plockstr. Gesucht wird 4 Z Wohnung in gut. Lagc.Sc.hr.Angeb. unter 01428 an d Gieß. Anz. erbet. Lagd-Derpachiung. Samstag, den 14. März 1931, vormittags 11 Uhr, wird die Jagd der Gemeinde Ruppertsburg auf weitere neun Jahre in der Wirtschaft des Karl Schlörb I. verpachtet. Die Größe des Jagdbezirks umfaßt 2600 Morgen Feld und 1760 Morgen Wald. Bedingungen werden im Termin bekanntgegeben. 1437D Ruppertsburg, den 24. Februar 1931. Hessische Bürgermeisterei Ruppertsburg. Högy. Aeltcre und iiingere Mädchen ».IWMWN suchen Stellung. GewerbSmänige Stellenvermittlung Sovlnc Tiilfcr, Neustadt 50, Tel.3l0Z Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Friedrich Feifeel. | |Stellengesuche| Suche lolonMä als Polsterer. Schr. Angeboie unt. 01418 an den Gies;. Au». MarieWwM» im 46. Lebensjahre. Bekanntmachung. Der Zettelanschlag an die vorhandenen städtischen Anschlagsäulen und -tafeln soll ab l.Mai 1931 neu vergeben werden. Die Bedingungen liegen auf dem Stadthaus, Bergstraße Rr. 20, Zimmer Nr. 28, zur Einsicht aus. Angebote auf vorhandenen Vordrucken, die ebendaselbst bezogen werden können, sind bis spätestens 25. Mär; 1931 bei mir einzureichen. Wirksame erbe-Drucksachen bei Brühl. SchulalraBe 7 [Vermietungen | Soldes Mädel sucht HalbtagSstcllg. oder Slundenarbeii. SchrisU. Auaeb. unt. 01412 an d. Gl; Anz. Verkäufe Festsitzende Pute zum Brmen f. 14./( au verknusen. [.,I4O7 Schreiber, Trolle. 2 Gärten am südlichen Nah- runflöbcrn-icBöOqm, unter glinst. Bedni- glmaen Au verk. 9inti. A. 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Eintritt: Für Mitglieder des Vereins Volkshochschule 60 Pf. für Hörer 50 Pf., für Nichtmitglieder 1 Mark. 17660 über: 1762 D tunff erteilt 1755 D 1765V am Main einzureichen. Job Seb. Bach 1685-1760 Oer Lehrlingüpriifrmgü-Ausschuß. L. Dogi, Vorsitzender. Dletr. Buxtehude 1637-1707 Allemanda—Courante—Ballo—Sarabande 2. »Wachet auf«, Solokantate für Sopran, Streichorchester und Cembalo 3. Konzert für Klavier u. Streichorchester, G-Dur Allegretto amabtle—Andante—Allegro vivace—Menuett 1—Menuett II 4, »O Gottes Stadt«, Solokantate für Sopran, Streichorchester u. Cembalo Andante—Piu Lento—Allegro 5. Brandenburgisches Konzert Nr. 3 für 3 Violinen, 3 Violen, 3 Violoncelli, Cembalo und Baß Allegro—Adagio-AUegro Fz. Trinder 1614-1667 Jean Ph. Rameau 1683-1764 Der sdiöne Staudengarten mit Lichtbildern wozu wir unsere Mitglieder nebst Damen einladen. Lei aller, nrortcr, eingesüllrier Svezial- Feuer-Versicherungs-Gesellschafl iit die Hauptagentur Gießen neu zu besetzen. Ferner sind tmKreic Gießen Ortsagenturen m- Allendors. AltenBuseck, Garbcuteich, Grollen Bufeck,Gr.-Linden,Grünberg, H uchelllcim, Holzbcim.Hungen.Lang- GönS, Leillgcftcrn, Lieh, Lollar, Reiskirchen, Staufenberg, Treis, Billiugen, Watzcnborn-Lteinberg zu vergeben. — Der vorband. Bestand wird -»gewiesen, auch werden günft. Bed. gewäbri und sehr bolle Biovisionen bezabli. — G>.eign, in d. genaunien Orien wohnende Bewerber belieben Offerten unter F. M. 3780 an Ala Haafenftem & Bogter, Frankfurt Volkshochschule Saaslag, den 14. Mir«, 20 Uhr, Großer Höreaal der Universität: Musikalischer Volkskunstabend des Kammerorchesters der Volkshochschule Leitung: Musiklehrer Franz Bauer jr. Solistin: Frau Minna Wolff (Sopran) Cembalo (Flügel): Frau Elfriede Fischer 1.-Suite aus der Studentenmusik Job. Rosenmüller für Streichorchester und Cembalo __ 1620—1684 Paduana-Allemanda-Courante—Courante— ** MllZW Gießen. Unsere diesjährige Gesellenpfüfung findet Anfang April statt. Anmeldungen zu derselben erfolgen bei unserer Ge« schä tüsielle Neustadt 61; dort wird auch jede etwa noch gewünschte Aus- Mittwoch, den 11. d. M. Zn's Lotze. Stadttheater Mittw., 11. März, von Willis 22'/,Uhr zz.minmoMö.-BttL Gewöhnliche Preise. «achtaftzl Szenen aus d. Tiefe in 4 Aufzügen von Maxim Gorki. Freitag, 13. Mari Geschlossen! 6lofjmiilenBoos Neubau, beziehbar, Garten, 8 Zimmer, Müctie, Bade immer, Heizung, liess. Lage, f 28000 Mk. zu verk. 3. Laer, Oilnlw M Tafelklavier gut erhalten, für 65 Mart zu verkaufen. Lich [1Te'D Butzbacher Straffe? Gebr. Klein- Schreibmaschine vreikw. zu verk. noD Wolkengasse 23 L lInscheFische 8üv Mittwoch. Dosinerötag und Freitag empfehle ich: W Pa. Schcllnfchc, Kabeljau und Seelachs o.K., im ganzen Zisch und int Ausschnitt H FilctS vom Goldbarsch. Seelachs, Kabeljau und Schellfisch ■ Frische Bratichellsische u. grüne Heringe W Fste. 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Slndentenkerlen gegen Ausweis zu 1 Mk. im Univ.-GebAude, Zimmer 8. s 17631) Gewerbe verein Giefeen Donnerstag, den 12. März. 8% Uhr, Im Krausmüller-Saal Goethestra&e 7 I Vortrag des Gartenbaa-AnHileHen Eberh. Schwarz Dienstag, 10. März 1951 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Nr. 5 8 Zweites Blatt Die Berufsausbildung unserer Schulentlassenen. ?n pfarrerAies, Ettingshausen, Vorsikendem < (5v. Dekanaiserziehungsvereins Grünberg. ist dattkbar zu begrüßen, daß von der 2c- russberatungsstelle im „Gießener Anzeiger" jetzt vor der Schulentlassung die wichtige Frage der Berufsausbildung erörtert worden ist. Wan wird auch grundsätzlich Öern zustimmen müssen, was da unter der Doraussehung der Eignung über die Notwendigkeit und den Wert einer sachgemäßen Ausbildung gesagt worden ist. Wer durch Neigung und Beruf mit dem Interesse der Heranwachsenden Jugend verbunden ist, und wer die Schwierigkeiten mit erlebt, die gerade mit dem Ergreifen eines Berufes für unsere schulentlassenen Kinder verbunden sind, weiß, daß cs sich um allerwichtigste Fragen handelt, die für daS Leben des einzelnen wie auch für das Wohl der Allgemeinheit gleich bedeutungsvoll sind. Auch der Satz in den Ausführungen der Bcrufs- beratungsstelle ist richtig, daß die beruflich Aus- gebildeten bessere Möglichkeiten im wirtschaftlichen Leben haben, als die ungelernten Arbeiter. Aber gerade dieser Sah bedarf einiger Rand- bemerkungen. QHgn darf doch heute nicht übersehen, daß toir im Handwerk, das um seine Existenz zu kämpfen hat und das durch die Fabrikindustrie so sehr bedrängt wird, abgesehen von der wirtschaftlichen Allgemeinnot, die auf dem Handwerkerstand besonders lastet, einen gewaltigen Ucberschuß von Lehrlingen haben. Wenn irgendein Beruf, so ist auch der des Handwerkers überseht. Das soll wirklich hervorragend geeignete junge Menschen nicht zurückschrecken, aber es soll zur Besinnlichkeit all die mahnen, denen diese Qualität nicht zugesprochen werden kann. Wenn die ersteren sich durchsetzen werden, so werden die vielen Mindcrtüchtigcn über kurz oder lang scheitern. Die Jahre der Ausbildung sind dann verloren. Das Schlimmere ist aber, daß auch vielfach die Lust und die Kraft verloren gegangen ist, sich einem anderen Berufe zuzuwenden. Deshalb kann nicht klar genug die Sortierung erhoben werden, daß unbedingt eine Auslese der Bewerber stattsinden muß. die nur die Tüchtigsten für das Handwerk bereitstellt, selbst auf die Gefahr hin. daß Enttäuschungen verursacht werden. Cs ist immerhin besser, daß die bei Zeiten erfolgen, ehe vier Lebensjahre vergeblich verfließen. Auf der anderen Seite muß auch dem Llebelstand gewehrt werden, daß Meister Lehrlinge nur solange behalten, bis die Lehrzeit beendigt ist. Cs ist leider Tatsache, daß alljährlich eine große Anzahl Ausgclernter, nachdem sie ihre Gesellenprüfung mehr oder weniger gut bestanden haben, nach Abschluß der Lehrzeit einfach entlassen werden. Dann hat sich der Meister eben drei bis vier Jahre mit dem Lehrling „beholfen" und von dem Augenblick an, wo er Lohn zahlen soll, entläßt er den jungen Menschen, um neue „Lehrlinge" einzustellen. Wenn dies Berfahren gewiß auch von dem Handwerkerstand als solchem nicht gebilligt wird, und wenn gewiß auch die Mehrzahl der Handwerker nicht in dieser Weise handeln, so geschieht es immerhin so häufig, daß hier eine Gefahr vorliegt, der mit allen Mitteln gewehrt werden muß. Das kann schon dadurch geschehen, daß die Handwerlerkammer in den Lehrverträgen eine ausdrückliche Erklärung verlangt, daß der Meister sich verpflichtet, den von ihm ausgebildeten Lehrling mindestens sechs Monate gegen Bezahlung des Gesellenlohnes zu beschftigen. Doch wäre diese Regelung baldigst durch eine Gesetzgebung zu ersetzen. Hierdurch allein wäre einem Mißbrauch des Lehrlingswesens, das in vielen Fällen zu einem Anwesen sich ausgewachsen hat. gesteuert, und der Ausnutzung jugendlicher Kräfte ein Ende gesetzt. Eine andere Frage bedarf aber dann noch der Beantwortung: Mas soll mit den Jugendlichen geschehen, die weder durch Eignung noch durch Neigung dem Handwerk zugeführt werden können? Helft alle, die Not zu überwinden! Ein Aufruf der Kreien Wohlfahrtspflege. Die Deutsche Liga der freien Wohlfahrtspflege, bestehend aus Zentralausschuß für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche, Deutscher Caritasverband, Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Iudcn, Deutsches Notes Kreuz. Fünfter Wohlfahrtsverbanti, Christliche Arbeiterhilie, ncröifent icht folgenden von der Neichsregierung unterstützten Aufruf: Not, bittere Not liegt über dem deutschen Volk! Millionen Erwerbsloser müssen feiern. Alte und Iunge leiden schwer. Hunger und Ent- b e h r u n g gefährden wieder wie in den Echreckensjahren der Inflation die Gesundheit von Erwachsenen und besonders von Kindern. Hebet all in Deutschland regt sich der Helfer- Wille. 3m kleinen und im großen wird vieles geleistet, um der bittersten Not zu begegnen. Mit dankbarer Freude stellen die unterzeichneten Berbände der freien Wohlfahrts-siege die Fülle dieser Hilfsbereitschaft fest, die meist ganz im stillen wirkt. Gegen das Niesenmah der Millionensachen Not reichen nicht die bis an die letzten Grenzen der Leistungsfähigkeit gespannten Hilss- maßnahmen von Ncich, Ländern und Gemeinden: reichen auch nicht die Ströme freiwilliger Hilfsbereitschaft. die durch die Hände der freien Wohlfahrtspflege. wie auch nachbarlich vom Helfer zum Hilfsbedürftigen fließen. Cs muß noch mehr geschehen! Wir wissen, daß cs heute kaum einen Menschen in Deutschland gibt, der nicht von der allgemeinen Wirt- schastsnot mehr oder weniger hart getroffen ist. Arbeitgeber and Arbeitnehmer. Beamte und Angestellte und freie Berufe — alle sind von den Folgen der wirtschaftlichen Krise erfaßt. Trotz- dein richten wir unseren Nus an alle. Nicht nur an die, die vielleicht noch etwas übrig haben, vielmehr auch an die, denen es ein wirkliches Opler bedeutet: Helft mit eurer Kraft, die Not zu u b c r w i n de n ! Helft der offenen und der verborgenen Not, die ihr in eurem Umkreis spürt! Gebt für die örtlichen Sammlungen, die fast überall zur Bekämpfung der Not eingerichtet sind! Helft solche Einrich. tungen schassen, wo sic noch nicht bestehen: besonders für die Spei f u n g , Erwärmung, Bekleidung der Notleidenden! Gebt was ihr an Kleider, Wäsche. Schuhzeug irgend entbehren könnt an geeignete Sammelstellen! Gebt Nahrungsmittel - gebt Kohlen! Denkt an die besondere Not der Kinder und Jugendlichen — der Kinder, die zum ersten Male seit den Zeiten der Inflation wieder Merkmale schwerer Unterernährung und Rachitis zeigen. Denkt an die Iungen und Mädchen, die trotz guten Willens keine Arbeit, keine Lehrstelle sinden können und von der Gefahr der Verwahrlosung unti Arbeitsscheu bedroht sind, wenn sie jahrelang ohne Beschäftigung bleiben. Sorgt für Arbeit und Beschäftigung auch im kleinen! Helft mit, eine mächtige Welle der Hilfsbereitschaft. der Selbsthilfe durch das ganze deutsche Bolk zu wecken! Keiner darf sich ausschließen! * Die Reichsregierung unterstützt diesen Aufruf mit folgenden Morten: Ans der Not der Zeit durch helfende Liebe zu neuern Aufstiege! Hilfsbereitschaft ist vaterländische Pflicht und Dienst am Volkstum. wer helfen kann, muh helfen. Für die Reichsregicrung: ge;.: Dr. vrüning. Reichskanzler. Daß das eine Schicksalsfrage ist für die Jugendlichen. ihre Familien und letzten Endes auch für unser Bolk. ist leicht zu verstehen. Der ungelernte Arbeiter in der Siadt unti auch auf dem Lande, besonders in den näheren unti weiteren Vorortsgemcindcn. hat, wie das Gutachten tier Berufsberatungsstelle richtig aussührt, doch noch weniger Fortkommensmöglichleiten. Ein Blick auf die Erwerbslosen bestätigt diese traurige Wahrheit. Was ist zu tun? Hier kann nur ein Mittel Helsen. Während in der Stadt und in den Landgemeinden vor ihren Toren fast absoluter Arbeitsmangel herrscht, bestehen — wenn auch nicht mehr in dem früheren Umfang, der einem Arbeitermangel glich — doch noch Arbeitsmöglichkeiten in den landwirtschaftlichen Betrieben Man mutz nun ruhig zugeben, daß diese für die meisten der in Betracht kommenden Jugendlichen ver'ch.'ossen bleiben werden. Die Bor- eingenommenheitder städtischenVe- Dotierung hat sich den Jugendlichen, die über das Schüleralter hinaus sind unti tiic als Schulentlassene das Leben in tier Stadt ..genossen" haben, zu sehr schon mitgeteilt, als tiatz sie ohne weiteres als ländliche Arbeiter in Betracht kommen können. Die Praxis hat gezeigt, tiatz es besonderer Energie seitens tier Jugendlichen bedarf, um sich für das Leben auf dem Dorfe unti für tiic Arbeit in den landwirtschaftlichen Betrieben umzustel- len. Cs gibt gewiß solche Jugendliche, die das fertiggebracht haben. Aber es sind Ausnahmen. Der Mehrzahl ist es nicht gelungen, und ihre landwirtschaftliche Betätigung machte ihnen selbst wenig Freude, tier Dienstherrschaft oft noch weniger Bergnügen. Da gibt cs nur einen Ausweg. Der Tatsache, tiatz ältere Jugendliche sich nur sehr schwer oder gar nicht auf dem Lande ein- gewöhnen, steht die andere gegenüber, datz Kinder im schulpflichtigen Alter sich sehr rasch unti sehr gut in ländliche Verhältnisse einleben. Deshalb müßten die Jugendämter in Öen Fällen, wo es nötig ist, dafür sorgen, daß Kinder, tiic der Fürsorgeerziehung anheimfallen, möglichst srüh in solche ländlichen Familien gebracht werden können, die als geeignet zur Erziehung Minderjähriger ausgesucht werden. Und solcher Häuser gibt es immerhin in nicht geringer Anzahl, in denen die Kinder gut aufgehoben sind, auch nach der Schulentlassung bleiben und in mehr als einem Falle sogar an Kinticsstatt angenommen oder ..eingesetzt" worden sind. Wenn dadurch auch nicht aller Rot gesteuert wird, so werden doch bestimmte Linderungen geschaffen. Der Einwand, daß dies Verfahren zu kostspielig sei, ist allerdings nicht ganz unberechtigt. Nur soll man das berücksichtigen, daß diese Gelder gut angelegt sind, unti daß es billiger ist, als wenn man später die Jugendlichen unterstützen unti erhalten muß, die in tier Stadt keine Arbeit finden unti für das Leben unti tiic Arbeit auf tiem Lande auch untauglich geworden sind. Ganz zurück- treten wird aber tiic an sich wichtige Geldfrage doch hinter tier Erwägung, tiatz tiic rechtzeitige, das ist aber allein tiic möglichst frühzeitige Unterbringung der Kinder in geordnete Familienverhältnisse allein eine gewisse Sicherheit für die Erziehung Jugendlicher zu ordentiichen und nützlichen Menschen bietet und die Gefahren herabmindert, denen unser heranwachsendes Geschlecht ausgesetzt ist. Besonders möchten wir neben den Jugend- müttern die Vormundschafts- und Jugendrichter bitten, ihr Augenmerk auf diese Frage zu richten und lieber einen Jugendlichen bei Zeiten der Fürsorge anzuvertrauen, als lange zu zögern oder zu halben Maßregeln zu greifen. Die Halbheiten, die sich stets rächen, find am gefährlichsten in der Frage der Jugenderziehung. Cs ist stets besser, wenn einem Kinde der sanfte Stempel der Fürsorgeerziehung aufgedrückt wird, als daß es ein Opfer der Verhältnisse wird unti es ticn Versuchungen, denen sein schwacher, aber erziehbarer Wille ausgesetzt ist, unterliegt, unti sich selber einen Stempel aufbrüeft, durch den es sein ganzes Leben lang gekennzeichnet ist. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 10. März 1931. Knegerverein Gießen. Man schreibt uns: Die diesjährige Haupt- versa m m lu n g des KriegervereinS Gießen sand im ..Postkeller" statt unti war sehr gut besucht. Der Abend brachte einen zeitgemäßen Vortrag des Hauptmanns a. D. Braß aus Wctz> lar über „Die Jugcndcrtüchtigung in den Mill» tärftaaten der Welt". Zunächst begrüßte der erste Vorsitzende, Land» gcrichtsrat T r ü m p e r t, die Erschienenen und betonte in seiner Ansprache u. a., daß er schon bei dem 60. Stiftungsscst auf einen Ausruf des Deutschen Rcichslricgcrbundes Kysfhäuser hinge» wiesen habe, der leit Jahren gegen tiic Dcutsch- lanö auf erlegte Schmach kämpfe. Die Franzosen sprächen immer davon, bei ihnen bestehe noch nicht genügenö Sicherheit. Sie rüsteten deshalb fortgesetzt und beziehen das ganze Volk in die Organisierung tier Landesverteidigung ein. Deutschland. das ohnmächtig dastche. müsse aber endlich zeigen daß cs nicht gewillt ist, dauernd nachzu- geben, es müßte das für seine Sicherheit Notwendige verlangen und die Kriegervereine müßten sich treu hinter ticn Kyffhäuserbunti stellen. Man müsse dazu beitragen, daß der Geist unti tier Wille tier Wehrhaftigkeit in unserem Volke nicht ersterbe, tiamit das Reich seine frühere Stellung wieder einnehme. Der Vorfitzcntie gedachte sodann der im Voriahre und in diesem Jahre verstorbenen Kameraden, deren Andenken die Versammlung in der üblichen Weise ehrte. Hierauf hielt Hauptmann a. D. Braß einen fast einstündigen Vortrag. In großen Zügen entwarf er ein Bild, wie in ticn Militärstaaten tier Welt, so in Frankreich. Polen, Tschechoslowakei, Italien, Rußland, Türkei. Amerika unti England tiic Jugend, teils schon vom 6. Lebens ahr an, durch Leibesübungen, Stählung des Körpers usw. auf militärische Art norgcbilbct werbe, daß sie mit 13 Jahren bereits für den Soldatenstand ausgebildet sei Fast überall widmeten sich Lehrer urö Offiziere als Ausbildende dieser Ausgabe, und öie einzelnen Staaten stellten Mittel herzu zur Verfügung. Reicher Dank wurde dem Redner für seine Ausführungen zuteil. Sobcmn beschäftigte man sich mit den geschäftlichen Punkten der Tagesordnung. Die ‘2 c d) - nungsablage zeigte ein 2.1b gewissenhafter Führung ber Rechnungsarbeiten. Ter Kassen- bcstanb ist günstig. An die Angehörigen zweier verstorbener Kamera en konnten 200 Mark unti an Kriegsbeschädig e 143 Mark als iln.crftütung gegeben werden. 2ei ticn Einnahmen waren an srciwill gen Gaben runti 90 Mark unti an Rückvergütung ber Versicherungsgesellschaften, insbesondere der „2llliance", 615 Mark zu verzeichnen. Der Voranschlag für 1931 wurde gutge- he.ßen. Die Vorstandswahl g ng glatt von- statten. Auf Antrag des Kameraden Schwan wurden die au^s e denden 18 Dirsta dsmitglied r durch Zuruf wiedergewählt. Reu hinzu gewählt wurden, ebenfalls durch Zuruf, die Kameraden 2enbcr II., 2 onhard . Hartmann Unti Merlau ; Hartmann wurde zum 2. Rechner ernannt. Bei den übrigen Aemlern gab es ferne Veränderung Für öie Kleinkaliber-Schießa tei- lung wurde Kamerad Wagner als Dorsi enber gewählt. Auf des en Antrag bewilligte der Verein für tiic llmoften dieser Schießabteilung eine Jah- resbeihilse von 100 Mark. Der Verein zählt, einschließlich 50 Krieger- Witwen, zur Zeit 435 Mitglieder und hatte im Jahre 1930 22 Zugänge zu verzeichnen. Gelegentlich des Stiftungsfestes am 18. Januar konnten Auszeichnungen verliehen werden an einen Ka» raben für 50jährige Zugehörigkeit zum Verein, an brei Kameraden für 40jährige unti an 21 Kameraden für 25jährige Zugehörigkeit. Der 2c- zirksjugenbsührer, Kamerad 2 onhard, teilte mit, baß es im abgelausenen Jahre möglich gewesen sei, bei einigen Vereinen Jugendgruppen zu bilden, und tiatz auch in Gießen die Jugend mehr herangezogen werben müsse. In feiner Eigenschaft als Leiter ber Beratungsstelle für Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene teilte er mit, bah alle Hilfesuchenden sich vertrauensvoll an ihn wenden sollen, da er gerne jede Beratung erteilen und Vertretungen bei Gericht übernehmen werde. Die Akten der Beratungsstelle für Ober- Mozart-Gedenkfeier. $um kommenden III Symphonie-Konzert des Gießener Äonzcrtvereins. Dauernder Aufenthalt des den Mannesjahren zureifenden Mozart in der Salzburger Enge wäre seiner Weiterentwicklung äußerst hemmend gewesen. So trat er im Herbst 1777 eine Kunst - reise an, nachdem er sein Salzburger Dienstverhältnis als Konzertmeister des Erzbischofs gelöst hatte. Die Möglichkeit, während seiner dortigen Tätigkeit durch zeitweilige Beurlaubung andere Musikpflegestätten kennenzulernen, war ihm durch den Einwand des Erzbischofs vernichtet worden, er könne es nicht leiden, wenn „man so ins Vetteln herinnreise". Vater unti Sohn knüpften an diese Reise größte Hoffnungen auf eine anderweitige Anstellung Wolfgangs in einem seinen Fähigkeiten angemessenen Wirkungskreise. Eine Fülle von Eindrücken bringt auf ihn ein: München: Mannheim mit seiner neuartigen, hochentwickelten Orchestcrkunst: in Paris der Geist des ,,ancien regime“. Er wird hier Zeuge des Streites um öad brennende Opernproblem zwischen Gluckisten und Piccinisten, ohne selber dazu Stellung zu nehmen. Dem Pariser Musikleben widmet er einige Werke. Da trifft ihn das Schicksal mit seinen Enttäuschungen. Er erlebt den „traurigsten Tag seines Ccbenä“; fern von den Seinen muh er die Mutter, öie ihn auf der Reise begleitet unti behütet hatte, zu Grabe geleiten. — Alle Hoffnungen auf irgendeine Anstellung erwiesen sich als nichtig. Eine jäh aufgeflammte Liebe zu tier Sängerin Alohsia Weber, öie beftimmenö für seine weitere Lebensgestaltung zu werden schien, weicht einer starken Ernüchterung bei seinem Wiedersehen mit ihr auf der Rückreise. Wieder mutz er zurück in das Salzburger Joch, wenn auch in etwas gehobener Stellung als Hos- organist und Konzertmeister. Alle diese Erlebnisse haben aber aus dem Jüngling einen Mann reifen lassen: reich an gewonnenen musikalischen Erfahrungen^ mit geweitetem geistigem Gesichtskreis. mit erschütternden seelischen Erlebnissen, die ihn jetzt die Töne finden lassen, die für ihn früher mehr anempfunden als selbst erlebt waren. Sein Inneres schwingt nun viel stärker und bestimmender mit als in den früheren Werken. In das Jahr seiner Rückkehr nach Salzburg (1779) fallen die beiden Werke, öie am kommenden Donnerstag zur Aufführung gelangen. Die Konzertante Symphonie für Violine, Viola und Orchester breitet in ihrem ersten Satze (A'.legro maestoso) jene bewußte geistige Haltung aus, die für Mozarts Üs-Dur-Werke besonders t.)pisch ist. Das einleitende Orchestertutti hält auch mit feinem Seitenthema fest an der Grundtonart. Der Eintritt der Solisten wird durch ein mächtiges Krefzentio vorbereitet nach Mannheimer Art. das von einem energischen Trillermotiv beherr'cht wird unti sich auf einem Orgelpunkt auf baut, das aber plötzlich von seinem Höhepunkt zurücksinkt unti nun den Solisten dos Wort gibt. Auch dieser jähe Stimmungsumschlag weist auf die Gepflogenheiten tier Mannheimer Schule hin. In dem eigenllichen konzertanten Teil kommt es weniger zu einem Konzertieren im Sinne eines Mit- und ©egeneinan- tier-Streitens tier Klanqqruppen wie etwa im alten Concerto grosse. Die Sonsten stehen durchaus im Vordergrund: ihre Themen erheben sich über das rein Spielerische hinaus durch den in ihnen stark mitschwingenden seelischen ilntergrunö. Dem Orchester sind besondere Akzente Vorbehalten: in der Durchführung mischen sehr fein tiic Bläscr- themen mit dem Figurenwerk der Soloinstrumente. Das Andante mag mit feiner inneren Verhaltenheit ein Abbild von Mozarts seelischer Verfassung in dieser Zeit fein; vor dem Eintritt der Kadenz erhevt es sich zu auftoallenöer Steigerung. Das Schluhpresto ist von heiterer Lebenskraft getragen. Mit seinen zahlreichen Serenaden wandte sich Mo- zart einem Gebiet der Kunstpflege zu, das dem Volkstümlichen sehr nahe kam, und das zumal in Oesterreich auf eine lange Tradition zurückblicken konnte. Schon Ende des 17. Jahrhunderts berichtete ein Ohrenzeuge aus Wien, „daß schier nicht ein Abend vorbei gegangen sei, an dem wir nicht eine Nachtmusik vor unfern Fenstern hatten" Auch für das Ende des folgenden Jahrhunderts werden noch gesungene unti gespielte Ständchen bestätigt. In dem Aufbau tier Serenade kamen namentlich die Ecksätze, vielleicht auch ein Mittelsatz den symphonischen Formen nahe. Man wird nicht fehl gehen, wenn man für die Serenade in D-Dur (Köchel 320) auch eine ähnliche festliche Veranlassung annimmt wie zu der früheren Serenade für die Hochzeitsfeier der Bürgermeisterstochter Elisabeth Haffner. (1776.) In der zur Aufführung gelangenden Serenade folgt einer kurzen Adagio-Einleitung ein festlich gestimmtes 2lllegro in der Anlage eines ersten Symphoniesatzes. Ihm schließt sich ein Menuett an; ein nachfolgendes zweisätziges Eoncertante (Andante grazioso, Rondo) wird diesmal nicht wie in früheren Serenaden von der Solovioline bestritten sondern es ist hier zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Fagotts zugeteilt, Streichorchester und Hörner begleiten. Im Gegensatz zu dem heiteren konzertierenden Spiel der Bläser steht das folgende Andantino, das mit seiner geistigen Haltung dem Mittelsatz in der „Konzertanten Symphonie^ sich nähert; die Streichinstrumente sind hier vornehmlich Träger des Gedankens. In das. Trio eines abermaligen Menuettes läßt Mozart das Posthorn hineinklingen. Ein lang ausgesührter Presto- satz, der auch von kontrapunktischen Mitteln Gebrauch macht, schließt das Werk ab Auch hier lassen sich Mozarts Mannheimer unti Pariser Erfahrungen, besonders in der Behandlung der Bläserstimmen mit ihrem thematischen Anteil, erkennen. — A s kaiserlicher Karninerkornpositeur hatte Mozart u. a. Tänze für öie Maskenbälle in Öen k. k. Redoutcnsälen beizusteuern, öie währenö öcr Karnevalszeit dort ftattfanöcn. Joseph II. sah in Öiesen Veranstaltungen ein Mittel zur Annäherung tier verschicöcnen Volksklassen unti besuchte sie deshalb häufig mit seiner Hofgesellschaft. Dort wurticn Menuetts unti deutsche Tänze (Walzer) getanzt. Wegen Öes Gedränges nahmen an ticn Walzern nur öie niederen Klassen teil. Die Drei deutschenTänze (Köchel 605) stammen aus dem letzten Lebensjahr Mozarts (1791). Selbst in diesen einfachen ^formen weiß Mozart Außerordentliches. Feingeistiges zu geben; der dritte von diesen Tänzen verleiht dem Trio den Charakter einer Schlittenfahrt durch abgestimmte Schellen und Posthorn, Dr. ht Enthüllung einer Gedenktafel für Georg Buchner in Goddelau. Der Ausschuß für tiic Errichtung einer Georg- Büchner-Getiächtnistafel. an dessen Spitze Staatspräsident Dr. Adelung steht, hatte am Sonntag zur Enthüllung öcr schlichten Gedächtnistafel am Geburtshause des großen Dichters in Ooööclau eingclaöen. Bei einem Festakt hielt Ocneralintenöant Professor Karl Ebert eine GeÖcnkrctie für Georg Büchner, öie von dem Reffen Öes Dichters, Dr. Georg Büchner, als Öie beste literarische, künstlerische unö menschliche WürÖigung bezeichnet touröe. Die Rede San- tons vor öcm Revolutionstribunal aus Büchners „Dantons ToÖ" wurde von öcm Schauspieler Kutschera warn: empfuntien zum Vortrag gebracht. Ein Schubertsches Streichquartett beschloß öie Feier. LanÖtagsabgeorÖnetcr Senat, Goddelau, nahm Gelegenheit, namens öes Ausschusses herzlichen Sank zu sagen unö Interessantes aus öcr Geschichte tier Verwirklichung öer Gedächtnistafel zu erzählen. Rach öer afaöemi- schen Feier begaben sich die Festteilnehmer öurch tiic beflaggten Straßen öer Stadt zum Geburts- Hause öes Dichters, wo öie Tafel an öer hübschen Fachwcrkfassaöe angebracht ist. Ser Schöpfer öer Tafel, Kunstmaler Velte, übergab öie Tafel mit kurzen Worten an Öen StaatspräsiÖenten Dr, Aöelung, öer sie seinerseits mit einer herzlichen Ansprache öcm Oberhaupt von Goööelau zu treuen Händen übergab. Bürgermeister Hartung übernahm sie mit öcm Gelöbnis, mit öer Tafel öas Gedächtnis an Goööclaus größten Sohn treu zu bewahren. Rach öcr offiziellen Enthül- lungsseier öanfte öer VorsitzenÖe des Ausschusses, Staatspräsident Sr. Adelung allen Helfern am Werk unö betonte, daß Hessens Parlament- unö Regierung schon seit Jahren öurch Öen alljährlich verliehenen Büchnerpreis öas Andenken an öen Dichter ehre. Oberbürgermeister Mueller, Sarmftaöt. teilte mit, öah auch in Darm- ftaöt, wo öcr Dichter sein Leben verbracht habe, zur Erinnerung an ihn eine Büste zur Aufstellung kommen werde. Hessen seien auf 2350 Hummern angewachsen, und jährlich seien rund 12 000 Briefe zu erledigen. Für zwei Mark Jahresbeitrag für die Krieger- Hinterbliebenen habe das Mitglied überall kostenlose Vertretung. Die Mitgliederzahl der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen betrage in der „Sjaffia" 17 000. Nachdem unter „Verschiedenes der Vorsitzende noch einige Mitteilungen gemacht hatte, wurde die angeregt verlaufene Versammlung geschlossen. Bornotizen. — DermusikalischeVolkskun st abend der Volkshochschule, der am Samstag, 14. März, 20 Uhr, im Großen Hörsaal der Universität stattfindet, bringt — wie man uns schreibt — abwechslungsreiche Darbietungen für Streichorchester und Klavier (Cembalo) und Gesang mit Orchester. Es werden eine Suite aus der Studentenmusik von Iah. Rosenmüller, zwei Solokantaten für Sopran und Orchester von Dietr. Buxtehude bzw. Franz Tunder, ein Konzert für Klavier und Streichorchester von Rameau, sowie das 3. Brandenburgisches Konzert von Ioh.Seb. Bach für drei Violinen, drei Violen drei Violoncelli, Cembalo und Baß zu Gehör kommen. Besonders das letzte Werk, das man sehr selten öffentlich zu hören» bekommt stellt eine bedeutende Bereicherung der Vortragsfolge dar. Als Solistin ist Frau Minna Wolff (Soprans> gewonnen worden, während den Klavierpart im Rameau- konzert Frau Elfriede Fischer spielt. Die musikalische Leitung hat fierr Franz Bauer jun. (Näheres siehe heutige Anzeige.) - Gewerkschaftsbund der 21 n gelte Ilten. Man berichtet uns: Die Ortsgruppe Gießen und der Jugcndbund des GDA. hielten am Samstag im Kaufmännischen Vereinshaus einen Elternabend ab. Vach einem Vorspruch von Frl. Schupp führte der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe in seiner Begrüßungsansprache u. a. aus, daß die aus der Schule in den Beruf tretenden Jugendlichen die große Aufgabe mit- übernehmen, die Notzeit überwinden zu helfen, indem sie sich zu tüchtigen eingestellten ent- wickeln möchten. Die Jugendgruppe Wetzlar bot mit ihren Fahrtenliedern, Volkstänzen, sowie dem Sprechchor einen Einblick in die Jugendbewegung des GDA. und sand die Anerkennung der Gäste. Geschäftsführer Mack hielt sodann einen Vortrag über „Das Recht des Lehrlings". Er wies u. a. darauf hin, daß es das Handwerk un Mittelalter durch die Geschlossenheit der Zünfte und Innungen gegen alle Widerstände nur deshalb zu hoher Blüte brachte, weil diese damals neben der wirtschaftlichen Erstarkung der Mitglieder, die Derufsertüchtigung in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt hatten. Ein Lichtbildervortrag: „Mit dem Graf Zeppelin um die Welt", beschloß den harmonisch verlaufenen Elternabend. *» Die 3. Kajüte für Souri ft en im äleberseeverkehr. Auch im überseeischen Reiseverkehr macht sich in zunehmendem Maße das Interesse für billige, preiswerte Reisegele- genheiten bemerkbar. In besonderem Umfange kommt auf den Schiffen der nordatlantischen Fahrt die 3. Kajüte für Touristen dieser Tendenz entgegen. Ursprünglich nur für Reise- und Stu- diengesellschasten von Professoren, Lehrern und Studenten bestimmt, hat sie sich niehr und mehr zur Hauptbeförderungsklasse solcher Passagiere entwickelt, die nur über beschränkte Mittel verfügen, aber auf einen gewissen Komfort nicht verzichten möchten. So führt die Hamburg-Ame- rika-Linie beispielsweise jetzt auf säm tlichen Schiffen, die auf ihrer Stammroute nach Nordamerika verkehren, eine 3. Kajüte für Touristen, die sich lebhaften Zuspruchs erfreut. Sie ist in letzter Zeit wieder in beachtlicher Weise vervollkommnet worden, so daß sie heute nebst ausge- . zeichneten Gesellschastsräumen wie Speisesaal mit kleinen Tischen, Rauchzimmer, Damenzimmer, Ge- t sellschastshalle usw. auch in allen Kabinen wohnlich und praktisch, mit Teppichen, Kleiderschränken, F Anlagen für fließendes Wasser usw. ausgestattet ist. Im vergangenen Jahr ist die 3. Kajüte ' für Touristen auf den Hapagschisfen von 21000 Personen benutzt worden, ein Beweis, welche Anziehungskraft diese Klasse auf das internationale Reisepublikum ausübt. Da zu der behaglichen Ausstattung noch die bekannte, auch verwöhnte Ansprüche befriedigende Verpflegung kommt, so dürfte damit zu rechnen sein, daß die Entwick- -fung des Verkehrs in dieser Klasse sich auch weiterhin in aufsteigender Linie bewegt. Landkreis Gießen. L Wieseck, 10. März. Heute kann der Aeichs- bahnschaffner Gustav Walter auf eine 40jährige Tätigkeit bei der Reichseisenbahn zurückblicken. ck. Heuchelheim, 9. März. Am Sonntag wurde die sterbliche Hülle von Bürgermeister Kreiling zur letzten Ruhe gebettet. Diele gaben dem so plötzlich aus dem Leben geschiedenen, aUverehrten Bürgermeister das letzte Geleite. Auf dem Friedhof leitete der Gesangverein „Teutonia mit einem Chor die Trauerfeier ein. Pfarrer Dörr ließ dann ein Bild von dem an Muhen und Arbeiten, aber auch an befriedigender Freude reichen Leben des Heimgegangenen vor den geistigen Augen der Trauernden erstehen. Er gedachte des Verstorbenen als eines pflichteifrigen, bescheidenen Mannes, der sowohl als Familienoberhaupt wie auch als Oberhaupt der Gemeinde ein treuer Sachwalter des ihm anvertrauten Gutes gewesen sei. Nach der Einsegnung legten viele Vertreter von Behörden, Vereinen und Korporationen Kränze nieder; so für den Ortsvorstand dessen Mitglied Fr. Karl Rinn, für das Kreisamt Reg.-Rat Dr. Braun, für die Beamten des Gerichtes Amtsgerichtsrat Keller, für den Vorstand und Aufsichtsrat der Bezirkssparkasse Gießen Altbürgermeister Leun, Großen-Linden, für den Bürgermeisterverein des Kreises Gießen Bürgermeister Fendt, Hungen, für die Lehrer und den Schulvorstand der Gemeinde Rektor K n a b , für den Vorstand der Ortskrankenkassen Gießen-Land dessen Mitglied Fr. Hofmann, für die Deutsche Staatspartei Lehrer Steinman n, Gießen, für die Gemeindebeamten Sekretär Rinn, für den Verein „Kinderfreund" Lehrer i. R. Dietz, und für den Turnverein dessen Vorstandsmitglied Fr. Rinn. Mit einem Chor des Gesangvereins „Teutonia" fand die Feier ihren Abschluß. * Grünberg, 9. März. Zu dem im „Gießener Anzeiger" vom 26. Februar veröffentlichten Bericht über die Sitzung des Grünberger Gemeinderats vom 23. Februar wird hinsichtlich der Wassermesser - Beschaffung von der Wassermessersabrik Friedrich Hollmann-AG. Wetzlar auf Grund von Erklärungen fm authentischer und fachmännischer Seite folgendes zur Richtigstellung mitgeteilt: „1. Das angeführte Gutachten der Materialprüfungsstelle Der Technischen Hochschule Darmstadt ist nach Rückfrage weder von der Matertalprüfungsstelle, noch von der Technischen Hochschule ausgestellt worden. 2. Lediglich von privater Seite, dem Leiter der Abteilung hydraulischer Kraftmaschinen, wurde dem Bürgermeister auf Anfrage mitgeteilt, daß er die Fabrikate der ihm bekannten Wassermesserfabriken für gleichwertig halte, wobei er aber in der Shstemfrage keinen Unterschied mache. 3. Der Leiter dieser Abteilung gibt jetzt zu dem Schreiben an das Bürgermeisteramt Grünberg noch folgende Aufklärung: „Ich habe kein Gutachten abgegeben. Meine innere Ueberzevgung ist übrigens, daß die Frage nach dem größeren, oder dem kleineren Wert des Wassermessers nur nach umfangreichen prak - tisch en Erfahrungen also nicht nach La- boratoriumsversuchen beantwortet werden kann." 4. Das angeführte Gutachten 6e3 Wasserwerkes Offenbach ist nicht von dem Wasserwerk Offenbach, auch nicht von der Stadt Ofsenbach, sondern von privater Seite. 5. Zur Illustrierung muß darauf hingewiesen werden, daß das Städtische Wasserwerk Offenbach nur Scheibenwassermesser verwendet, also ein System, das weder mit Einstrahlmessern, noch mit Mehrstrahlmessern etwas zu tun hat." Unseres Erachtens sind für die Begutachtung von Wassermessern die städtischen Wasserwerke und Kulturbauämter zuständig, die über jahrzehntelange Erfahrungen bei den verschiedensten Wa'serverhältnissen verfügen. Kreis Alsfeld. *!*AusdemOhmtal, 6. März. Seit längerer Zeit herrscht im Ohmtal eine Art Influenza-Epidemie, die viele Leute an das Bett fesselt. Bei den Erwachsenen verläuft die Krankheit ziemlich harmlos, Kinder werden indessen stärker in Mitleidenschaft gezogen. Zeitweilig treten auch die Masern auf, der auch einige Erwachsene ausgesetzt waren. *!* Ruppertenrod, 6.März. Im Laufe dieser Woche fand im Saale der Gastwirtschaft Schmidt eine Evangelisation der Chr i - s ch o n a durch das Bibelheim Flensungerhof statt. Die aberwlichen Veranstaltungen waren sehr gut besucht, und auch die Bevölkerung aus der Nachbarschaft nahm lebhaften Anteil. Wirtschaft. * Arbeitszeitverkürzung und Neu- c i n ft e H u n g e n bei der J.-G.-F arbenindu - ft r i e. Wie von der Direktion der J.-G.-Farbenfabrik in Greppin mitgeteilt wird, hat die Werksleitung ab gestern bereits in einem Teil der Betriebe eine Kürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich durchgeführt. Hierdurch ist es möglich, eine ganze Anzahl von Arbeitslosen in den Produktionsprozeß wieder einzureihen. Ttinöertnarff in Gießen. Auf dem heutigen Rindvieh-(Nutzvieß-)Markt in Gießen standen 1118 Stück Großvieh und 180 Stück Kälber zum Verkauf. Cs kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe: 1. Qualität 500 bis 600 Mk., 2. Qualität'350 bis 450, 3. Qualität 200 bis 300: Schlachtkühe: 100 bis 300; Rinder: halb- bis dreivierteljährig 100 bis 220, dreiviertel- bis zweijährig 175 bis 275, tragend 300 bis 475; Kälber: pro Zentner Lebendgewicht 45 bis 55 Mk. Ausgesuchte Tiere erbrachten höhere Preise. — Marktverlauf: sehr schleppend, geringer Ueberstand. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 10. März. Tendenz noch uneinheitlich, im weiteren Verlaus fester. Nachdem die Vormittagsbörse im Anschluß an die etwas schwächere Abendbörse neue kleine Kursrückgänge erfahren hatte, eröffnete die amtliche Börse in wieder festerer Haltung, obwohl besondere Anregungen nicht vorgelegen haben. Das Geschäft nahm nach den ersten Kursen ziemlich lebhafte Formen an, da einige Publikumskäufe in Montanwerten auch die Spekulation zu Deckungen veranlaßte. Eine gewisse Anregung bot die festere gestrige Neuyorker Börse und der Reichsbankausweis für die erste Märzwoche. Daneben machte auch die weitere Befestigung der Mark einen guten Eindruck. Die ersten Kurse lagen zunächst recht uneinheitlich, konnten sich aber im weiteren Verlaufe um etwa 1 Prozent über das Niveau der Abendbörse befestigen. Der Elektromartt hatte bei kleinem Geschäft überwiegend Kursverluste bis zu 1 Prozent. Von Chemieaktien J.-G.-Farben 0,75 Prozent niedriger. Deutsche Erdöl und Rütgerswerke bis 1 Prozent höher. Erhöhte Kursverluste hatten Deutsche Linoleum mit minus 2,5 Prozent und am Kunstseidemarkt AKU. und Beinberg, die je 1,5 Prozent einbühten. Sehr feste Haltung verzeichnete der Montanmarkt, an dem besonders Rheinstahl, die 1,5 Prozent gewannen, stärker gesucht waren. Die übrigen Montanwerke lagen bis 1 Prozent fester. Rheinische Braunkohlen gewannen sogar 5 Prozent. Im Verlaufe blieben Rheinstahl weiter gefragt und lagen erneut 2 Prozent höher. Kaliaktien unverändert. Bau- untemehmungen bis zu 1,25 Prozent abgeschwächt. Holzmann konnten jedoch einen Teil ihres An- fangsverlustes wieder zurückgewinnen. ZeUstoff- werte hatten Kursveränderungen bis 1 Prozent nach beiden Seiten. Schon anfangs fest eröffneten noch Süddeutscher Zucker, Daimler, Schiffahrtsund Bankaktien. Am Anleihemarkt lagen Deutsche Anleihen etwa behauptet. Von fremden Werten lagen Türken um 0,25 Prozent freundlicher. 2m weiteren Börsenverlauf erhielt sich das Interesse für Montanwerte, die meist erneut 1 Prozent höher tendierten. Die übrigen Werte lagen dagegen vernachlässigt. Am Geldmarkt machte die Erleichterung weitere Fortschritte, so daß sich der Sah für Tagesgeld auf 3 Prozent ermäßigte. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.2002, gegen Pfund 20,4050. London gegen Neuhork 4,8580, gegen Paris 124,50, gegen Mailand 92,73, gegen Madrid 44,30. gegen Schweiz 25,2425, gegen Amsterdam 12,1165. Berliner Börse. Berlin. 10.März. Zu Begitin der heutigen Börse trat hauptsächlich, in Reaktion auf die Festigkeit der Vorwoche, eine schwächere Stimmung hervor, für die man eine Reihe ungünstiger Momente als Grund anführte. So verstimmte angeblich der voraussichtliche Dividendeausfall bei der Hansa-Damps; ferner erklärte man, die Aussperrung der 46 000 bayerischen Qlte- tallarbeiter als ungünstig werten zu müssen, und war vor allem enttäuscht, daß sich die Gerüchte um den großen BIZ.-Kredit an Deutschland nicht bewahrheitet haben. Während das Ausland weiter Kaufinteresse zeigte, schritt die Spekulation zu Glattstellungen, ohne daß das Geschäft größeren Umfang annahm. Im allgemeinen gingen die Verluste gegen gestern nicht über 1,5 v. H. hinaus, nur Spezialwerte waren stärker gedrückt. Mit Minus-Minus-Zeichen erschienen zunächst Hansa und die Kunstseidewerte. Diese Papiere hatten dann Verluste bis 5 v. H. aufzuweisen, aber auch Westeregeln und Svenska, Julius Berger waren bis zu 3,5 v. H. niedriger. Anderseits konnten einige Nebenwerte bis 1 v. H. anziehen. Die Dividendeermäßigung von 18 auf 15 v. H. bei Monte- cattini hatten einen Kursverlust von 1 Mark zur Folge. Anleihen ruhig, Neubesih abiröckelnd. Pfandbriefe freundlich und meist weiter fest. Reichsschuldbuchforderungen wenig verändert. Der Geldmarkt war unverändert. Vereinzelt wurde Tagesgeld nach sehr großem Sah gehandelt. Nach den ersten Kursen neigte die Tendenz zur Schwäche, dann kamen aber die günstigen Momente, zumal der Verkaufsdruck nachließ, stärker zu ihrem Recht. Die Festigkeit der Mark wurde hervorgehoben. Auf die Meldung, daß Amerika schon in einigen Wochen aufnahmefähig zur Neuemission für Europa sein werde, regte an. Rheinische Braunkohlen. Leonhard Tietz und Rheinstahl waren mehr- prozentig erholt. Man sprach wieder von Kapitalrückflüssen, und wollte auch schon wissen, daß der Privatdiskont heute auf Grund der Nachfrage eine Ermäßigung erfahren werde. Gewinnauszng — — 5. Klasse 36. Preußisch-Süddeutsche (262, Preuh.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 23. Ziehungstag 6. März 1931 3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4 »etoinue »u 5000 M. 282983 332119 24 Gewinn, au 3000 M. 13434 14427 42446 89793 144262 169778 192880 205649 224987 260388 188541 219146 228737 2780 7863 8877 15486 44012 44710 46996 64457 78585 78852 348578 354095 185795 242488 304987 204456 243042 261712 320316 167258 230701 286774 392994 110043 128035 145947 164791 207380 221020 242383 269988 308125 336859 367024 388185 243709 257104 271813 306587 351582 365767 123545 135128 158663 159064 172580. 174314 112877 135161 147697 168487 208286 224952 249126 272939 308807 340198 372236 389716 115810 138631 161736 168496 208625 225932 252997 281958 324436 350682 374214 392981 101650 145804 161671 181778 223659 253035 293325 330395 389271 22212 63649 90503 123084 142997 163358 200676 211664 241363 260433 288380 335622 360004 382433 102922 146561 163360 185126 233653 257508 2'34 001 333326 397895 108944 126696 143848 164506 201524 217585 242137 261786 291604 336807 362415 386076 182562 240657 292080 393791 110749 155948 169199 194345 235369 259193 305501 345651 393568 200707 235515 260733 315812 43394 101619 140722 159763 174618 219998 243666 284300 322021 383072 357626 359345 62 Gewinne,u 2000 M. 6590 9790 18925 37391 61326 62861 68663 70922 107271 107647 128394 140299 156273 191598 210751 226932 255896 286622 330066 359317 381112 395296 138 Eewian« iu 1000 M. ---- ---- — 27432 30162 33071 34576 37700 40821 180 Gewinne,u 600 M. 2605 7633 14620 18567 ---- 33175 33696 42604 53589 54326 56686 74622 75003 76420 78658 79267 80632 ------ ------ ------ ------ 122519 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 40u M. gezogen 6 »ewlnne.u 10000 M. 30490 111163 155716 8 Gewinne ju 5000 M. 157458 203957 274390 32 «ctoinne »u 3000 9E. 34742 44161 86404 113013 119315 136089 182384 205522 285380 287570 312130 316174 316743 325944 349186 363877 38 Gewinne >u 2000 M. 23986 29618 30491 45727 61254 79294 94990 103909 108316 111368 140442 153670 167766 172407 199573 266060 2530 8394 9572 19660 138182 207540 254954 341821 398754 107356 169608 229715 288356 375075 94698 153128 162623 182961 213319 241653 295298 321948 360184 157361 174184 208521 222700 278040 306128 339249 378768 163549 220807 280091 352231 158031 175947 212056 228040 286942 316938 354887 115412 203081 235902 326332 375450 105579 154720 165719 191774 216207 258928 300400 323087 370621 132801 205117 251800 328943 383415 21228 59024 86585 150469 159712 176175 213077 228259 293416 320681 357065 122375 157233 166976 200660 220838 264101 301738 337481 373988 154667 219316 277007 341973 334112 382640 392868 80 Gewinns,u 1000 M. 3604 7596 25097 25307 27302 31995 83815 86900 87717 92821 94533 98079 142 Gewinn« |u 500 M. ---- ---- ---- - - - „ ---- 29452 36756 41746 48489 51723 5702b 67359 67683 67901 78065 81803 85647 ----- ------ ------ 133605 139776 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 8 Gewinne zu je 25 000, 26 zu je 10000, 92 zu je 5000, 200 zu je 3000, 650 zu je 2000, 1144 zu je 1000,1884 zu je 500, 5938 zu je 400 M. » 100 Schilling 143,75 143 144,41 142,9 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt 91,5 90 78 45,5 45,75 45,25 178,25 13,75 74 126,25 127,75 128,5 13,9 35 128 33,75 112,75 , 7 10 10 , s s 0 c s 8 10 10 , 9 10 34,4 113,75 132 43,5 54,5 80 80 89,5 114 82,5 55 80 44 54,9 79,25 44,75 54,75 o 0 0 10 15 12 13 14 107. 12 . 8 . 9 . 0 34,75 111,5 82,9 92 113,4 82 81,5 91 113,5 83,5 14,13 35 52 119,25 268,25 Dries 4,21 58,57 112,49 20,44 16,49 168,64 22,13 112,54 59,16 2,50 112,65 80,95 45,44 12,46 73,35 a. M. 13 6 . o . 5 , 6 , 8 Rumänische Noten . . . Schwedische Noten . . . Schweizer Noten . . . , Spanische Noten . . . Tschechoslowakische Noten UngariW Noten I. <3. Farben-Invustrie Dynamit Nobel . . . Echeidconftalt. . . • Goldschmidt . • • e Rittgeröwerke . . . . Metallgelcllschalt. . • 118 I 268,5| eimc:l!anl'die Noten Belgische Noten Dänische Noten Englische Noten . . Yranzüsischc Noten , Holländische Noten < Italienische Noten. . Norwegische Noten Deutsch-Oesterreich, i Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H., Lombardzinsfuß 6 v.H. Philipp Holrmann . . Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt. Wayb & Rreotafl . . Schultheis Patzcnhofer . Lstwerfe....... ............ Lemberg....... Rellfloff Waidboi . . . ßcllftoff Alchaflenburg . Charlottenburger Wasser Dessauer «as . . . Daimler Motoren . . « Deutsche Linoleum . . Maschinenbau A.-B. . . Nal. AutomobU . . « Orenltein & Koppel . < Leonhard Tietz . . « < Svenska .... « Geld 4,19 58,33 112,05 20,36 16,43 167,96 22,05 112,10 59,92 2,48 112,21 80,63 45,26 12,40 73,05 frankfurter Maschinell . , Gtthner ....... Heyligensiaedt . . • • • Kunghan». ....... Lechwerke........ Mainlraitwcrke Höchst 5 Sette 1 4,65 Maniselder Bergbau . . . . Oberschlcs. Elienbedarf . . » • 4 42,5 — 43,75 43 4% desgl. Serie II ... - • 5% Rumänische Vereins). Rente 4,5 4,4 4,6 . 6 —— — -— — 9,4 1 Oberschlcs. Kolöwcrke.... . 7 —• — 78,75 77,75 von 1903 . . - ty.% Rumänische vereinh Rente —— —— — | Phöntr Bergbau .... 6V. 61 60 61 60,25 15,15 15,2 | Rheinische Braunkohle» • . 1(J 175 180 177 177 von 1913 ......... 15 15,25 . t 73 79,5 78 80 1% Rumänisch« vereinh. Rente 7,8 — 7,8 7.85 V/. — 84 — 90,5 9.M-lrz 10.271513 — Amtliche Notierung »eio I Ärles Amtliche Noiicrung Geld | Bries Amit^Nott. 168,31 168,65 168,24 168,58 178 Buen.-Aires Brü.-Antw 1,403 58,53 1,407 58,65 1,431 58,47 1,435 58,59 — Thristiania. 112,31 112,52 112,19 112,41 79 Kopenhagen 112,32 112,54 112,20 112,42 87 Stockholm - 112,40 112,62 112,30 112.52 113 10.568 10,588 10.56 10,58 82,25 22,00 22,04 21,98 22,02 — London. . . 20,398 20,438 20,383 20,423 128,5 Neunork • , 4,199 4,207 4,196 4,204 34.5 Baris.... 16,435 16,475 16,422 16,462 111,75 Schweiz •. Sva licn . . 80,805 84,965 80.74 80,90 — 45,52 45,62 45.91 46,01 — Japan . . - 'N io de Jan. 2,081 2,085 2,076 2,080 52,75 0,348 0,350 0,342 0,344 118,5 Wien in D-» 265 Ctft. abgest 59,02 59,14 58,97 59,09 Prag - - - 12,438 12,458 12.429 12,449 —- Belirad . . 7,376 7.390 7,359 7,389 — Buoapesk. - 73,21 73,35 73,14 73.28 —— Bul arten . 3,044 3,050 3,040 3,046 Lissabon . 18,84 18,88 18,82 18.86 —w Danzig. . . 81,53 81,69 81,46 * 81.62 — ÄonftdUttB. 1,784 1,789 1,784 1.789 — Athen 5,445 5,455 5,445 5,455 — Lanaoa 4,1995 4,2075 4.1955 4,2035 —— Um uay. 3,047 3,053 3,137 3,143 —— Cairo .. 20,915 20,955 20,90 20,94 Ein neues Bild der Ewigen Stadt 2m Zentrum von Rom hat man jetzt durch den Abbruch verschiedener unansehnlicher Gebäude am Palazzetto di Venezia eine Erweiterung des Platzes geschaffen, die die Wirkung des Reiterdenkmals Viktor Emanuels und des Grabes des Unbekannten Soldaten bedeutend erhöht. X SJi.-'fpott Spielvereinigung 1900 Gießen. Auf Bem Sportplatz an der Liebigshohe fand lediglich das Gesellschaftstreffen 1900-Ligareserve gegen Steinbachs erste Mannschaft statt. Die Blau- weihen brachten nur eine kombinierte Mannschaft auf die Deine und obendrein nur zehn Mann. Neben drei Ligaspiclern betätigten sich fünf Spieler aus der Reserve und zwei aus der spielfreien vierten Mannschaft. Dah trotzdem der Sieg 19006 mit 6:1 Treffern recht deutlich ausfiel, zeugte von der geringen Widerstandskraft des Gegners. Die dritte Mannschaft kehrte von ihrer Wettspielreise nach Hassenhausen 4:2 siegreich zurück. Heuchelhelm 1. 3flb. —1900 1. 3gd. 2:4 (1:2) DaS Spiel wurde von beiden Parteien sehr fair durchgeführt. Die 1900er zeigten bas reifere Zusammenspiel, muhten aber alles aus sich herausgeben, da Heuchelheim durch Eifer und Schnel- lichkeit stess gefährlich war. 1900 lag fast ständig im Angriff, mehrere Ecken und zwei Tore waren die Ausbeute der ersten Spielhälfte, während Heuchelheim einmal mühelos einsandte um dadurch das Halbzeitresultat von 1:2 herzustellen. Rach der Pause lag 1900 fast immer in des Gegners Hälfte und erzielte noch zwei schöne Tore. Kurz vor Schluh konnten die Heuchelheimer aus dem Hinterhalt einen wuchtigen unhaltbaren Schuh landen. Die Spiele der anderen Zugendmannschaften fielen aus. Oie Spiele im Westen. Die Endspiele um die Westdeutsckzc Meisterschaft begannen am Sonntag recht vielversprechend. In der Meisterrunde gab cs gleich zwei überraschende Ergebnisse. In Neheim schlug der Meister Südwestfalens, Hüsten 09, den als recht spielstark angesehenen Meidericher SV. mit 2:1, und in Koblenz triumphierte der Miltelrheinmeistcr, FV. Neuendorf, über den Rhein-Bezirksmeister Alemannia Aachen, mit 3:1. I nder nach dem Pokalsystem ausgetragencn Runde dcrZwcitcn konnte die Spog. Stcrkrade über Hagen 72 mit 2:1 die Oberhand behalten. Im Bergisch-Märkischen Bezirk holte sich Fortuna Düsseldorf den Meistertitel, dagegen trennten sich um die Wcstfalenmeisterschaft Borussia Rheine und VsB. Bielefeld im ersten Gang 3:3. Vordem KußbattkampfgegenZrankreich Der DFB. teilt mit ... Der Deutsche Fuhball-Bund gibt jetzt weitere Einzelheiten zu dem am nächsten Sonntag in Paris stattfindenden Länderkampf gegen Frankreich bekannt. Führer der deutschen Expedition, die am Freitag vom Verbands-Jugendheim Ettlingen aus die Reise nach Paris antritt, ist Dr. S ch r i ck e r - Karlsruhe. Außerdem wird der Deutsche Fuhball-Dund durch den Dorsitzenden des Westdeutschen Spielverbandes, I e r s ch - Bochum, ferner durch Prof. Dr. Glaser- Freiburg vom Dundcs-Spielausschuh und Dr. T a n d r y - Berlin, dem Bundes-Geschäftsführer, vertreten sein. Die deutsche Mannschaft steht unter der Obhut des Dundessportlehrers R e r z - Berlin. Die Leitung des Spiels wurde im Einverständnis der beiden Berbände dem Engländer P. C. E r e w - Leicester übertragen. Als Linienrichter fungiert deutscherseits Dr. Bauwens - Köln. Zwischen den beiden Verbänden wurde vereinbart, daß gegebenenfalls verletzte Feldspieler im Verlauf der ersten 40 Spielminuten und der Torwächter während der ganzen Dauer des Spiels ausgetauscht werden können. Das Spiel selbst beginnt nach unserer Zeit um 16 Uhr und wird auf mehrere deutsche Sender übertragen. Die Rückfahrt der deutschen Expedition erfolgt am Montagabend. Für die Dauer des Pariser Aufenthaltes sind die Mitglieder der deutschen Expedition seitens des Französischen Fußball- Verbandes zu mehreren Veranstaltungen eingeladen worden, die ihren Llbschluh am Sonntagabend mit einem Bankett im Hotel Continental finden. Alemannia Worms disqualifiziert. Alemannia Worms wurde wegen des „Falles Klein" (Spielerzichung) jetzt vom süddeutschen Verband mit sämtlichen Mannschaften auf vier Wochen disqualifiziert. Außerdem wurden die Wormser mit einer Geldstrafe von 250 Mark belegt und haben dazu die beträchtlichen Kosten des Verfahrens mit 112 Mark zu tragen. Der Spieler Klein selbst, der von Westdeutschland zu Alemannia kam, wurde auf sechs Monate „kalt- gestellt". Zußball-Städtespiele Nürnberg-Fürth — Berlin. Bekanntlich hat der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Luppe einen Pokal gestiftet, der alljährlich in Städtespielen zwischen Nürn- berg/Fürth und Berlin umstritten werden soll. Cs wurde jetzt festgelegt, dah jährlich zwei Treffen, und zwar eines in Berlin und eines in Nürnberg/Fürth ausgetragen werden soll. Das erste Treffen wird an einem noch zu bestimmenden Termin im Nürnberger Stadion ausgetragen. Handball im Gau Hessen (O.T.) Tv. Heuchelheim I — Tv. Gedern I 6:2 (4:0). In dein Entscheidungsoorspiel um die ^-Meisterschaft trafen sich am Sonntag in Heuchelheim auf dem Geiersberg vorgenannte Mannschaften. Die Mannschaft der Gederner erwies sich jedoch nicht als gefährlicher Gegner für die Hiesigen. Klassen- unterschied bestand zwischen den beiden Mannschaften. Sehr unangenehm wurde es empfunden, daß das Spiel erst nach einer JSftünbigen Verspätung beginnen konnte, da der Schiedsrichter nicht erschien. Handball der Sp.-Vg. 1900. 1900 II — Iv. Grohenvuseck ll 3:1 abgebrochen. Der Gegner von 1900s zweiter Mannschaft kam am Sonntag seiner Rückspieloerpflichtung in wenig schöner Weise nach. Die Gäste brachen nach etwa 20 Minuten Spieldauer den Kampf beim Stand von 3:1 für 1900 ab, weil angeblich dem Schiedsrichter eine Fehlentscheidung unterlaufen fei. OaS Programm der Sternfahrt nach Schotten. Das Programm für die „Sternfahrt nach Schot- ten* am 14. März ist, kurz zufammenaefoßt folgen- des: Eintreffen der Gespanne und Auffahrt der- selben auf den Straßen Götzen—Schotten und Laubach—Schotten 14 Uhr. Anschließend Rundfahrt durch Schotten und Aufmarsch der rund 60 Gespanne zur Konditionsprüfung und Quartier- Verteilung an der Rudingshaiuer Straße. 20 Uhr Festoersammlung in der Turnhalle mit pfcrdesport- lichen und züchterischen Filmen. Zu der Gesamt- Veranstaltung sind u. a. alle staatlichen Behörden, landwirtschaftlichen Organisationen und sonstig interessierten Vereine sowie alle Landwirte cingeladen. 60 Meldungen zum Eilenriederennen. Zu dem ersten Laus der deutschen Motorrad- Meisterschaft am 22. März stattfindende 8. Eilen- riederennen bei Hannover liegen jetzt über 60 Meldungen aus dem 3n* und Auslande vor. Die bekanntesten Namen sind Soenius-Köln, Frentzen-Bonn, Pätzold-Köln, Wiese-Hannover, Dom-Godesberg. Schneider-Düsseldorf, Ley- Nürnberg, Zaspel-Dresden, Adam-Nürnberg, Wemhöncr-Bielefeld, Habeneh-Hannover, der Oesterreicher Mühlbacher und Dodsvn-England. Sranffurfer Stadionpremiere am 5. April. Die Eröffnungsrennen der Frankfurter Sta- dion-Rennbahn sind nun endgültig auf den ersten Osterfeiertag sestgelegt worden. Cs wird auf Kainpfbörse gefahren, so daß die Gesamteinnahme abzüglich der Steuern in gleichen Hälften dem Veranstalter und den Fahrern zufällt. An dem Rennen werden fünf Steher teilnehmen, deren Anteil je nach dem belegten Platz gestaffelt wird. Deutscher Kunstturnsieg über Holland. Der am Sonntag im Gebäude für Kunst und Wissenschaft in Rotterdam ausgetragene Kunst- turnländerkampf zwischen Deutschland und Holland wurde von der deutschen Mannschaft im Gesamtergebnis mit 1110 zu 1005 Punkten gewonnen. Die Vertretung der deutschen Farben oblag dem Kreis Rheinland der DT., dessen zehn Abgesandte ihre Aufgabe in glänzender Weise lösten. In sämtlichen vier Hebungen, ganz besonders aber am Hochreck, zeigte die deutsche Mannschaft prachtvolle Leistungen. Die Ginzelturner waren Schmitz, Rheydt, und S a n d - rock, Immigrath. Die einzelnen Ergebnisse waren: Barren: Deutschland 273 Punkte, Holland 253; Pferd: Deutschland 257, Holland 226; Reck: Deutschland 297, Holland 264; Freiübungen: Deutschland 282, Holland 271; Gesamtergebnis: Deutschland 1110, Holland 1005 Punkte. Nordische Skimeisterschasten. Bei sehr guten Schneeverhältnisfen und sieben Grad Stätte wurden am Samstag die norwegischen Hauptlandsrennen mit dem 17-Kilometer- Langlauf in Hamar fortgesetzt, lieber 100 Teilnehmer der norwegischen Elite, allerdings ohne den Sieger der FIS., und Holmenkol-Rennen Gröt- tumsdraaten, stellten sich dem Starter. Sieger wurde A. Rustadstuen in der ausgezeichneten Zeit von 1:16,53 vor Christian Hovde in 1:17,05, Aas Hagen in 1:17,35 und Ole Stenen in 1:18,28. Auf die weiteren Plätze kamen: 5. P. M. Vangli 1:18,28; 6. Etageberg 1:18,29; 7. Salamonsen 1:19,23; 8. In- gelsrud 1:19,29; 9. Iakodsen 1:19,44; 10. Vinjaren- gen 1:19,59. — In der Klasse II belegte Lars Bergendahl in 1:18,25 den ersten Platz. Den 30-Kilometer-Dauerlauf hatte Christian Hovde in 1:51,51 gewonnen; 2. A. Rustadstuen 1:54,40; 3. Ole Stenen 1:54,43; 4. S. Vestad 1:54,49; 5. R. Oedegaard 1:55,03; 6. A. Haugen 1:55,15; 7. Ingelsrud 1:55,19; 8. Sevre 1:56,05; 9. Vangli 1:56,09; 10. Dinjarengen 1:56,13. Mit dem Sprunglauf wurden am Sonntag in Hamar die norweg. Hauptlandsrennen beendet. Die besten Leistungen erzielten tie Junioren, denn den weitesten Sprung zeigte der sngendliche Hans Deck mit 50 Meter. In der Meisterklasse siegte Ole Stenen, der damit auch den KönigSprei« gewann. Zweiter Preisträger und Gewinner deS Damenpreises für die beste Leistung im Sprunglauf zur Kombination wurde Kaare D u st e r u d. Als erster Wettbewerb der finnischen S kirn e i st e r s ch a f t wurde am Samstag in Lahti der 10-Kilometer-Langlauf ausgetragen. Die beste Zeit des Taqes erzielte der in 42:34 siegende Finne Toikka. Auf den folgenden Plätzen kamen feine Landsleute Björklund in 42:44 und Kontula in 43:12 ein. Von den teilnehmenden Schweden erwies sich Bergström als der Beste, der in 44:06 einen guten siebenten Platz belegte. Kurze Sportnotizen. ©in Wasserballturnier veranstaltete am Wochenende der Hannoversche SV. in seinem Hallenbad unter Beteiligung guter Mannschaften aus dem Reiche. Als beste Mannschaften zeigten sich wie erwartet Wasserfreunde Hannover und Magdeburg 96, die sich nach hartem Spiel der Magdeburger unentschieden 6:6 trennten. Die kanadischen Eishockeyspieler setzen augenblicklich ihre Eicgesserie in England fort. Mit 7:1 überspielte das Weltmeisterteam die englische Nationalmannschaft in Etreatham nach Gefallen. Die Eintrittskarten für Wimbledon haben im Vorverkauf reißenden Absatz gefunden, so daß der All England Lawn Tennis Club sich jetzt gezwungen sieht, für über eine halbe Million Mark Karten zurückzukaufen, da die Plätze für sämtliche Spieltage der inoffiziellen Tennisweltmeisterfchaften in keinem Verhältnis zu den bereits verkauften Karten stehen. preuhen. Kreis Wetzlar Q. Krofdorf, 9. März. Nach eingehenden Beratungen mit den Ortsvereinen beabsichtigt da« Gießener Stadttheater am kommenden Samstag in der Turnhalle die Operette: „Meine Schwester und ich" zur Aufführung zu bringen. Im Vorverkauf sind schon über 400 Karten abgelebt. — Hnfere Schule veranstaltet« am Sonntag im Schulgebäude an der Gleiberger Straße eine Handarbeitsausstellung. Aus langen Tischreihen lagen, jahrgangweise geordnet und mit dem Namen der Kinder versehen, vielerlei Arbeiten, die im Laufe de« Jahres unter Anleitung der Handarbeitslehrerin Frau Kuhl gearbeitet worden waren. Besonders wurde anerkannt, daß neben den feinsten Häkel- und Stickarbeiten in hohem Maße auch das Flicken und Ausbessern getragener Sachen geübt wurde. Die aufgelegten Zeichenhefte fanden ebenfalls rege Beachtung. Kreis Biedenkopf. < Rodheim a. d. B., 9. März. Drechsler- meister Georg Dender I., der älteste Einwohner unserer Gemeinde, feierte am Sonntag im Kreise seiner Familie und unter starker Teilnahme der Dorfbewohner seinen 8 3.Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich bester Gesundheit und geht noch heute seinem Handwerk nach. Der Kriegerverein Rodheim, dessen Ehrenmitglied der Greis ist, ließ durch eine Abordnung eine Ehrenurkunde und eine Kriegerbüste überreichen. Kreis Marburg. WSN. Marburg. 9. März. Nachdem am Freitagabend die Leiche des beim Dootsunglück bei Wehrda ertrunkenen Studenten Jürgen R o e- wer aus Derlin in der Nähe der Unfall stelle geländet werden konnte, wurde SamStagnach- mittag auch die Leiche des zweiten Verunglückten, des Studenten Erhard D ü t s ch k e aus Danzig, aus der Lahn gezogen. Die beiden jungen Männer standen im Alter von 24 und 25 Jahren und galten als erprobte Paddelbootfahrer. Dillkreis. WSR. Dillenburg, 9. März. Am Sowi- tagnachmittag ereignete sich in der Nähe von Ehringshausen ein Fahrradunglück, bei dem zwei Dillenburger Arbeiter schwer verletzt wurden. Auf einer abschüssigen Stelle der Straße verloren die beiden, die zusammen auf einem Rade fuhren, die Gewalt über ihr Fahrzeug und fuhren gegen einen Baurn. Beide trugen schwere Schädelbrüche davon. Der eine schwebt in Lebensgefahr, bei dem andern besteht die Gefahr de« Verlustes des rechten Auges. Briefkasten der Redaktion. Albo. Eine Pferdestärke ist eine Straft, die 75 kg in einer Sekunde 1 m bo*bebt. OU^ y|4lb4'£ AWVW MAGGI5 Bratensoße — der kochfertigen Soße in Würfelform —\ mat aaaaL — — QnO-ovß MAGGI Vom 6. März ab befindet sich mein Büro in dem Hause AnilerleliaiioesMrtheöpl. Eingang auch vom Seltersweg 73 (Haus der Handarbeit) aus durch den Garten. Rechtsanwalt W. Luley 1630 D Druckschriften in gefalzten Bogen in Heftform io gebundenen Ausgaben klar in der Senrlft dienen den Belangen von Handel und Verkehr Oberelohtlloh angeordnet sorgfältig gedruckt induetrle und Bewerbe Landwirtacheft und Behörden Lieferung echneh gut und prelewert BrOhl'sche Druckerei, Gießen, Schulstraße 7, Anruf Nr. 2251 Werkstatt mit Lager und Verkaufsraum ifrühere Rep.-Werkstätte von J. Schuppt per 1. April 1931 zu vermieten. 17601) Brüder Schmidt. Mittwoch, den 11. Mär; 1931, nach, mittags 2 llhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Zum Löwen", zwangs- weise gegen Barzahlung: 17781) Kleiderschränke, Vertikos, Chaiselongues, Schreibtische, Sofas, Teppiche, Kredenzen, Nähmaschinen, Warenschränke, ein Grammophon, einen Kassenschrank, eine Schreibmaschine, einen Oekonomiewagen, sieben Schiffskoffer. Junker Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 Mittwoch, den 11. Marz, abends 8'« Uhr, im „Prinz Carl", SelterSwea. Gartensaal: 01406 Detail. UiMilte-Mrag über „Versailler Diktat, Dawes- «ud Voungvlan". 150 Bilder. (Smirttt frei. Gäste willkommen. Ter Vorstand. Frisch^ Fische und Filets grüne Heringe 4 Pfund 85 Pf. Fischhaus Cuxhaven Marktstraße 23 1565 a Telephon 2417 Während unserer Werbe-Tage verkaufen wir solange Vorrats Ein Quantum Reste von Herren- relnw. Kammgarn, mod. Muster, 145 cm breit, mit Ferbers Reste-Geschäft « 1653 A Der Mim der das Lachen verlernt hat. Roman von Gert Nothberg. Copyright by Martin Fcuchtwangcr Halle (Saale) 27 Sortierung Nachdruck verboten „Olein, mein Junge. Die Sache hat der Kammerdiener auf Reisen zu bestimmen, da wollen wir ihm lieber nicht dazwischenreden. Glaub' es dir schon, Prinzchen, daß du lieber allein sein möchtest. Aber es geht nicht." „Mister Korsel, ich..." „Ra. was denn eigentlich?" Mister Korsel fing an, sich langsam auszu- kleiden. Annemarie lief zur Tür. „Ich finde schon ein Plätzchen für mich." „Tu's lieber nicht. Cs sieht nach Spionieren aus, und das könnte dir die Stelle kosten, Bürschchen", warnte der alte Herr. „Mister Korsel — ich — bin — ein Mädchen!" „Herrgott!" Mister Korsel hiiig sich die Bettdecke um. Er zitterte am ganzen Körper. Endlich fand er Worte. „Ein — ein — ein — Mädchen?! 3a, waren Sie denn verrückt!? Wenn Mister Kent erfährt, lund er ptuf) es jetzt erfahren, dann sind Sie geliefert, verlassen Sie sich darauf. Der Eisen- bahnkönig versteht in solchen Sachen keinen Späh." Mit blassem Gesicht stand Anneinarie da. „3a, Kind, nun sagen Sie aber doch nur: wie kommen Sie zu diesem Betrug?" Er setzte sich und bot dem Mädchen neben sich einen Stuhl an. „Wollen Sie es mir nicht erklären, Kind? Eine Gaunerin sind Sie doch auf keinen Fall?! Kent täuscht sich nie im Werte eines Menschen! Aber Sie müssen doch einen Grund haben, sich in das Haus Kents, in seine direkte Bähe einzuschleichen?" „Hören Sie mich an, Mister Korsel. Sie haben ein Recht auf die lautere Wahrheit. 3ch will 3hnen alles erzählen." Hab dann sahen der alte Mann und Annemarie nebeneinander, und das Mädchen erzählte all die Rot, die in ihrer jüngsten OZergangenheit gewesen war. Hnb Mister Korsels Gesicht wurde immer weicher, mitleidiger. 3n seinen Augen glitzerte es verdächtig. Mit tief gesenktem Kopf sah das Mädchen da. Der alte Korsel fragte: „Hnb was meinen Sie denn, was nun geschehen soll?" „3ch weih es ja nicht. Es hängt von 3hnen ab, Mister Korsel. 3ch weih nicht, was aus mir werden soll, wenn ich von hier fort muh." „3ch kann mich aber doch nicht zum Mitschuldigen in dieser Sache machen, Miß Wendsbrück?" „Olein, das dürfen Sie nicht, Mister Korsel. Aber wo soll ich denn nur einstweilen hin? Der Zug hält doch letzt eine ganze Zeit lang nicht?" Der alte Herr schaute ganz ratlos drein. „Sie müssen vorläufig in der Rolle bleiben. Kündigen Sie, wenn wir wieder zurück nach Qicu- york kommen", sagte er endlich. Dann setzte er hastig hinzu: „Lind jetzt gehen Sie, bitte, ein Weilchen hinaus. 3ch will mich schnellt anziehen. 3ch gehe bann und weih schon, wie ich während der Fahrt sehr bequem schlafen werde." „3a? Wie soll ich 3hnen danken, Mister Korsel!" Annemarie drückte die Hände des alten Herrn. Dessen Augen ruhten sinnend auf dem lichten Blondhaar: dann sagte er: „3ch habe schon viele Male gedacht, dah das schöne, kleine Bürschchen ebensogut ein Mädel- chen sein könnte. Hm! Lind — mir fällt eben etwas ein: Mister Kent hat Sie doch selber hierher gebracht. Run bleiben Sie doch auch. Er wird's ja nie erfahren, und ich werde schweigen. Keine Seele erfährt was von mir." Annemarie konnte nicht anders, sie schluchzte auf: „3ch danke 3hnen, Mister Korsel. Oh, wie ich 3hnen danke!" Dann lief sie schnell hinaus. Mister Korsel aber zog sich an, schüttelte mit dem Kopfe und zergrübelte sich das Hirn. Aber er kam immer wieder zu dein Schluß, dah es das'beste sei, wenn man die kleine Dame nicht wieder in all das Elend zurückstiehe. Freilich, wenn Kent hinter die Sache kam, konnte die Kleine sich freuen. Denn es war doch Betrug! * * * Am Fenster des Ganges stand Charles Kent. Er rauchte und sah nachdenklich in die Rächt hinaus. Halb und halb bereute er sein Berspre- eben, das er der schönen Ellinor Shetland gegeben, sie in ihrem Lcmdhause aufzusuchen. Doch dann legte sich ein finsterer Zug über fein Gesicht. Ellinor Shetland würde in der Einsamkeit nicht mehr von ihm erreichen, als sie in ihrem reichen schönen Hause in Reuyork erreicht hatte. Lind zudem hatte er Bill seinerzeit das Qkr- sprechen gegeben, sich immer ein wenig um Ellinor zu kümmern, vor allen Dingen einmal nach den Besitzungen in Roing-Kastel zu sehen, wenn sein Weg ihn in die Rähe derselben führte. Run, das konnte er jetzt tun! Wer weih, ob er so schnell wieder hinkam. Kent drehte sich um, ging mit raschem Schritt an der kleinen Gestalt vorüber, die ganz in die Ecke gepreßt stand, und verschwand in dem Raum, der ihm als Schlafzimmer diente. Annemarie blickte ihm mit großen, traurigen Augen nach. Lind es war ihr, als rattere der Zug in gleichmäßigem Einerlei: „Charles Kent! Charles Kent!" Eines Morgens hielt dann der Zug auf einer größeren Station. Hier stiegen einige Herren in den Salonwagen, wo die ersten Verhandlungen geführt wurden. Mister Korsel und sein junger Gehilfe hatten genügend zu tun, denn alles war auf Tempo eingestellt. Einmal trafen die Augen Kents voll in diejenigen Annemaries, und ein grübelnder Zug kam in die seinen. Das Mädchen aber erschauerte bis ins Herz Hinein vor dem Blick der machtvollen, großen, grauen Augen. Die Herren nahmen später ein sehr ausgiebiges Frühstück ein, der Koch erhielt ein Extralvb dafür, und dann begaben sich die Herren in den kleinen Rauchsalon, um noch ein bißchen unter sich zu fein. „Dah Sie meine Einladung nicht annehmen wollen, ist mir unverständlich, Kent. Meine Frau und meine zwei Töchter hätten sich doch sehr gefreut, und offen gestanden: meine Frau rechnet fest damit", sagte etwas ungehalten ein sehr langer und dünner Herr. „3ch bcöaure es selbst am meisten — doch es geht nicht. 3ch verbinde diese Reise zugleich mit verschiedenen privaten 3nteressen, Mister Lo- king", sagte Kent gelassen und brannte sich eine neue Zigarre an, was Mister Loking mit schweigender Mihbilligung feststeAte. Kent aber wußte ganz genau, daß Mister Geling ganz besondere Absichten mit dieser Einladung verband. Aber er wußte noch ganz gut, wie grundsätzlich Mrs. Loking und ihre Töchter waren, ganz davon abgesehen, dah er gar nicht an eine Heirat dachte. Der OJertrag war unterzeichnet. Mister Loking bereute, cs so schnell getan zu haben: doch nun war cs zu spät. Lind es wäre so schön gewesen, wenn die 3nteressen der Lokings mit denjenigen des mächtigen Kent hätten verschmolzen werden können. Ganz und gar verschmolzen, was durch eine Heirat Kents mit einer seiner Töchter geschehen wäre. Warum der Mann bloß nicht heiratete? Man konnte doch nebenbei so schöne Seitensprünge machen — Hauptsache blieb, daß man es so einrichtete, daß nie jemand davon etwas erfuhr, dann blieb man in den Augen seiner Angehörigen und der lieben Mitwelt der Mustergatte und treusorgende Familienvater. Lind in diesem Sinne sprach der wackere Mister Loking später noch mit Kent. Der hörte ihm mit größter Ruhe zu, tat wenigstens so, nebenbei las er die neueste Zeitung, die in den Salonwagen gereicht worden war, und wußte nicht, was Mister Loking gesprochen. Die anderen Herren machten in ihren Klubsesseln ein kleines Rickerchen. Später nickte auch Mister Loking ein, und Kent saß schweigend am geöffneten Fenster, schaute in die vorüberfliegende Landschaft und grübelte. Es machte ihn jetzt nicht einmal stolz, daß er wieder durch seine seltene Rednergabe äußerst kluge, ja geriebene Menschen sich untertan gemacht, daß es wieder sein alleiniger Wille war, der triumphierte. Die Herren hatten es gar nicht einmal gemerkt, wie nach und nach ihn eigener Wille weichen muhte, wie zuletzt nur das unterzeichnet wurde, was er allein von Anfang an gewollt. Daß die ganze stundenlange Besprechung überflüssig gewesen war, daß jeder ebenso gut hätte daheim bleiben, können. Es war ja doch alles so geworden, wie er es ausgezeichnet und ausgearbeitet hatte. Sonst hatte Kent sich über diese Erkenntnis gefreut — jetzt ließ es ihn kalt. Er fühlte sich seltsam unzufrieden in letzter Zeit und war auf sich selbst wütend. Der Zug durchraste die Steppe. Dann löste die Steppe endloser, dichter, geheimnisvoller Wald ab. Lind hinter diesem wieder breiteten sich Farmen aus. Rinder und Schafe weideten. Kent dachte plötzlich: „Sind die Menschen, die hier in dieser Ein-« famfeit wohnen, nicht viel glücklich««-als ich?" Wieder breitete sich eine Farm vor ihm aus. Bor der Tür des großen Hauses, das aus Baumriesen gezimmert war, spielten Kinder. Ein großer Mann in Hemdärmeln trat heraus und nahm das kleinste der Kinder auf den Arm^ es zärtlich streichelnd. Da stand Kent brüsk auf. Wie kam er dazu, Familienbilder schon zu finden? Mas gingen Charles Kent solche Bilder an? Er besaß keine 3deale mehr! Die tagen zertreten drüben in Europa, wo der mächtige Eisenbahnkönig einst Johann Karl Graf Kentner hieß und ein froher, junger Mensch war, den die schöne Maria Worthy mit leidenschaftlicher Glut geliebt hatte. Hcbriggeblicben war nur ein einsamer, harter, fast menschenfeindlicher Mann, dem keine Frau mehr etwas geben konnte. « Gegen Abend hielt der Zug in einer großen Stadt, und die Herren verließen den Zug. Mister Loking tat sehr beleidigt, sprach sogar von: „Das hätte man eher wissen sollen!" — und sein Händedruck mit Kent fiel sehr kühl aus. Die anderen Herren waren bester Laune, denn sie waren froh, daß dieser geniale Mensch die ganze Sache unter einen Hut bekommen hatte und sie nun in beschaulicher Ruhe nur die Gelder einzukassieren brauchten, die mit pünktlicher Genauigkeit vierteljährlich eintreffen würden: denn Kent war ja in jeder Beziehung ein Ehrenmann. (Fortsetzung folgt.) Vollkommenstes iE bSES M Gegen Hautpflegemittel WvW WMI spröde Haut 4billigeTage vom 11. bis 14. März Erbsen,grün Erbsen, gelb Bohnen Linsen Valencia-Reis je 3 Pfund nur 61 Bruch-Reis ...4 Pfd.nur 61 £> 1 V, Dose feine jge.Wachs- Cf| brechbohnen.. nur uU^ 4 Schachteln rr Feinkostkäse... .nur du H 5 Tafeln nr Eßschokolade . .nur MU y4Pfund Leokuchen- nn Mischung........nur HamburgerKaffeelager Theodor Cowalsky Niederlage Thams & Garfs Mausburg 3 Walltorstraße 12 Telephon 2829 Geschäfts-Drucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschlag» , _ . , _ _ Postkarten bei Bruhl, Schulstraße? Geschäftskarten Einladung Treffen Sie fiff mit Sfr en 33eRannten 6ei unferer Stauftjaus Sfanfa Lungenverschleimung « harmäck. Husten. VuftrvUicntatartb, Keuch- Bei Blutarmut,Nervenschwäche und deren Folgeerscheinungen: Ferromaron und lO-Pid.-Eimer. Verland n. ausm. l01<- KräutcrbauSIung Hon'glachgeichäsl Gießen, Schtusir. 5. 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