Nr. 34 Erstes Matt 181. Jahrgang Dienstag, 10. Zebrnar (931 Erich»«ni täglich,outz« Sonntags und feiertags Beilagen Dir JUuftriertt Vtetzrnri Jamiltenblättei Heimat im Bild Die Schalle tnonatsBejugsorets. 2.20 ‘Heichsmarh und 30 Netchsptenntg für Träger- lohn, auch bei Richter- scheinen »tnzeln.rBummern Infolge höhere) (Bemalt §ern|orechan|chlüsse anterSammelnummer2251 Anschrtft lüt Drahtnachrichten Hnietger Eietzen. Pofifd^eeffonto: Kra»»lfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen vrttck vnd verloy: vrühl'sche UniversttälL-vuch- und Stetnöruderei R. Lange in Sietzen. Sdfriftlettung und SeschäftsNeNe: 8chuNratze 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Rachmniag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Betchspienntg! für Re» klameanictgen von 70 n rn Brette 35 Rerchspsennig, Playvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wtlh Lange. Derantwortltch für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen led Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter^ lämtlid) in (Biegen Annahme der Geschästsordnungsreform im Reichstag Stürmische Nevatte. — Stundenlanger Obstruktionskampf der Opposition. — Die Rachtsihung um 2^ Ahr früh beendet. Berlin, 9. Febr. (DDZ.) Reichstagspräsident Lobe eröffnete die heutige Sitzung um 15 Tlhr. 2lbg. Stöhr (Rats.) beantragt Derta- au n g der" Sitzung und bezweifelt gleichzeitig die Beschlußfähigkeit. Präsident Lobe führt die Entscheidung über die Beschlußfähigkeit durch Stimmkarteneinfamm- hmg wie bei einer namentlichen Abstimmung herbei. Die Rationalsozialisten, Deutschnationalen, Kommunisten und viele Landvolkabgeordnete nehmen an der Abstimmung nicht-teil. Grosze Heiterkeit antwortet auf die bei namentlichen Abstimmungen übliche Aufforderung des Präsidenten an die säumigen Abgeordneten, ihre Karten abzugeben. Als Ergebnis der Auszählung stellt Präsi- dent Lobe sest, daß 276 Karten abgegeben sind, also die zur Beschlußfähigkeit notwendige Zahl von 289 nichterreicht ist. Die Rational» sozialistrn klatschen lachend in die Hände und rufen: „5) i e Pleite i st da!" Präsident Lobe beraumt sofort eine neue Sitzung auf 16 Tlhr an mit der gleichen Tagesordnung. Abg. Stöhr (Rat-soz) bezweifelt erneut die Beschlußfähigkeit, so daß die Auszählung wiederholt werden muß. Die Auszählung, an der sich diesmal auch die meisten Landvolkabgeordneten beteiligen, ergibt die Anwesenheit von 291 Abgeordneten. Der Reichstag ist also beschlußfähig. Das Haus tritt nun in die Beratung des Antrages Bell (Zentr.) auf Aenderung der Geschäftsordnung eiß. Der Antrag ist von allen Parteien mit Ausnahme der Deutschnationalen, Kommunisten und Rationalsozialisten unterstützt. Bon den Rationalsozialisten und Deutsch- nationalen ist eine große Reihe Aenderungs- anträge eingegangen. Zunächst entwickelt sich eine ?r Antrag Dell (3 ) auf Aenderung des Prcßgesehes (Verbot des verantwortlichen Zeichnens für Redakteure, die den Schuh der Immunität genießen) und der Antrag Rauch (Daher. Dp.), wonach alle vorliegenden Anträge auf Genehmigung zur Strafverfolgung von Abgeordneten ohne Ausfchußberatung bewilligt werden sollen, werden auf Mehrheitsbeschluß gemeinsam beraten. Abg. Freiherr v Kardorsf (DB.) begründet die Anträge. Mit ihnen werde nicht Las parlamentarische System oder das Prinzip der Immunität verletzt, sondern nur dem Mißbrauch der Immunität gesteuert, der in letzter Zeit immer mehr zunehme. Der auf dem rechten Flügel der Deutschnationalen stehende Abg. von Freytagh-Loringhoven habe in einer Schrift den Mißbrauch gegeißelt, der von den Qlb- geordneten mit der Immunität getrieben werde. Dieser auf der äußersten Rechten stehende 2lbge- vrdnete habe in seiner Schrift Forderungen aufgestellt, die sich mit den vorliegenden Anträgen decken. (Hört! Hört!) Die deutschen Staatsbürger brauchen es sich nicht gefallen lassen, daß Abgeordnete int Lande herumreisen und unter dem Schuh der Immunität ihre Gegner straflos verleumden. (Beifall bei der Mehrheit.) Abg. Rupp (Rats.) führt aus, früher habe der Reichstag den notorischen Landesverrätern Haase und Dittmann den Schuh der Immunität gewährt. (Pfuirufe bei den Sozialdemokraten) Besonders verwerflich sei der Antrag Bell, denn er stelle die Abgeordneten auf eine Stufe mit Kindern, Geisteskranken und Ausländern, denen das Preßgeseh das verantwortliche Zeichnen verbiete. Abg. Dr. E v e r l i n g (Dnt.) bezeichnet die vorliegenden Anträge als eine empörende Vergewaltigung der Minderheit und erklärt, seine Partei verzichte auf eine Teilnahme an diesem Uebcrgang von der Jämmerlichkeit zur 'Widerlichkeit. Abg. Dittmann (Soz.) lehnt es ab, den politischen Kampf der Sozialdemokraten gegen das absolutistische System der Vorkriegszeit vergleichen zu lassen mit der heutigen nationalsozialistischen Agitation. Das Abgeordnetenmandat darf auch einem Nationalsozialisten nicht die Befugnis geben, seinen Mitmenschen als Spucknapf zu behandeln. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Heuß (D. Stp.) weist auf ein Buch des nationalsozialistischen Abg. Feder hin, in dem erklärt wird, die Nationalsozialisten würden es als ihre Aufgabe betrachten, den Begriff der parlamentarischen Immunität grundsätzlich zu beseitigen. Der heutige Kampf der Nationalsozialisten gegen die vorliegenden Anträge richte sich also gegen die von den Nationalsozialisten s e l b st gepredigten Grundsätze. Die Nationalsozialisten hätten das Mandat zu einem Mittel zur Flucht aus der Verantwortung gemacht. Vom Standpunkt der Presse aus sei es unerträglich, daß durch den heute üblichen Mißbrauch der Immunität zweierlei Recht für die verantwortlichen Redakteure geschaffen wird. Abg. Schwarz- Memmingen (Rats.) erklärt: Wir Nationalsozial.sten werden deshalb öfter angeklagt, weil wir offen heraus sagen, was wir denken. Wir haben eben nicht den juristisch-jüdischen Dreh so heraus, wie die anderen. (Heiterkeit.) Wir haben kein Vertrauen zu einer Justiz, bei der die marxistischen Juden mitzureden haben. Wenn wir erst die Macht haben, dann werden wir als Ihre Ankläger auftreten. Es ist inzwischen 2.30 Uhr g e w o r d en, und von den Nationalsozialisten wird gerufen? „Wo bleibt der Achtstundentag? — Schluß machen! Polizeistunde!" Der Antrag Rauch auf Bewill.gung aller vorliegenden Strasverfolgungsanträge wird hierauf in namentlicher Abstimmung mit 292 gegen 9 Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Der vom Abg. Dr. Bell beantragte Aenderungsentwurf zum Preßgesetz wird dann in erster und zweiter Beratung angenommen. Damit ist nach 2.30 Uhr die Sitzung beendet. — Dienstag: Etat des Auswärtigen Amtes. Erleichterung der Lage. Oer neue pump. Don unletci berliner Redaktion Berlin, 10. Febr. Die Verhandlungen über die neue internationale Anleihe sind jetzt glücklich zum Abschluß gebracht. Anleihe ist freilich etwas viel gesagt. Tatsächlich handelt es sich eigentlich mehr darum, daß eine Bankengruppe sich einschaltet in ein Geschäft, das zwischen dem Reich und der Reichsversicherungs- anstalt gemacht worden ist. Die Reichsversicherungsanstalt hat Reichsbahnvorzugs, a k t i e n gekauft, die sie im Lau e des nächsten Jahres in monatlichen Raten zahlen will. Das Reich aber braucht das Geld schon jetzt. Der Zweck dieses Geschäfts ist also der, daß die Bankengruppe dem Reichsfinanzminister den Gesamtbetrag vorschiehen und dafür die monatlichen Rrckzah'un en von ter Reich.vcrsiche.ungs- anstalt eintassiercn wird. Das Risiko ist daher wirklich für die Geldgeber nicht allzu groß, die entscheidende Bedeutung der Transaktion liegt deshalb auch nicht in der Hohe, sondern in der Tatsache dieses Kredits, weil damit der Beweis erbracht ist, daß die Mißtrauenswelle, die nach dem 14. September im Auslande emporgewachsen war, jetzt wieder geschwunden ist. D e Börsen in London, in Reuhork, Paris und Am.eriam haben gesehen, daß die Gespenster- fu.cht unberechtigt war, sie erkennen, daß die Regierung Brüning die Lage meistert und kehren deshalb zu dem deutschen Geschäft, das wegen der Zinsdifferenz sehr lohnend sein wird, wieder zurück. Wobei am interessantesten die Tatsache ist, daß auch eine französische Danken» gruppe mit Zustimmung der französischen Regierung mit im Konsortium ist, daß also auch Paris sich dazu entschlossen hat, einen Teil des immer drückender werdenden Geldüberflusses in Deutschland unterzubringen. Wir dürfen also daher damit rechnen, daß ausländisches Geld auch in größeren Beträgen uns wieder angeboten wird, wodurch die Kapitalknappheit, die sich für unsere ganze Wirtschaft verhängnisvoll bemerkbar macht, behoben werden könnte. Rur kann unter Umständen diese neue Geldflüssigkeit zu einer schweren Gefahr wer- den. Wir haben in den Jahren seit Locarno gesehen, daß es keinen Sinn hat, Auslandsgeld zu pumpen, wenn wir es nur dazu benutzen müssen, unsere Kriegsentschädigung zu bezahlen. Wir haben vor allem gelernt, wie gefährlich der Druck einer kurzfristigen Verschuldung werden kann. Die Franzosen haben zweimal damit gearbeitet, und vor allem während der Pariser Verhandlungen durch Kündigung kurzfristiger Anlechen unsere Währung angegriffen, so daß die Regierung sich schließlich gezwungen glaubte, aus finanzpolitischen Gründen den Boung-Plan annehmen zu müssen, den sie sachlich von vornherein für untragbar hielt. Wenn das Kabinett Brüning, wie der Kanzler das noch in der vorigen Woche im Reichstag erklärte, tatsächlich darauf Hinarbeitei, möglichst rasch das Re- parationsproblem wieder in Angriff zu nehmen, dann muh es auch Vorsorge treffen, daß die Pariser Erfahrungen sich nicht noch einmal wiederholen können. Hand in Hand mit dem Ausgleich des Etats muß daher eine Llmschul - düng in der Richtung gehen, daß wir nicht ausländische Gelder in beliebigem Umfange annehmen, sondern uns nur dann damit eindecken, wenn sie auf bestimmte Zeit gegeben werden, wenn also von vornherein eine lange Laufzeit vereinbart ist, die uns davor schützt, daß in politisch kritischen Momenten plötzlich durch Abzug von Milliardenbeträgen das ganze deutsche Wirtschaftsgebäude zum Einstürzen gebracht werden kann. Frankreich als Geldgeber. Widerstände in der Kammer. Paris, 9. Febr. (WTD.) 3m Finanzausschuß gab Finanzminister F l a n d i n Auskunft über die geplante Deleihung vonVorzugsaktien der Deutschen Reichsbahn. Flandin verwies darauf, daß die Genehmigung, diese Kredit- vperat o \ tut.' z .führen, einem französischen Ba k- inftitut erteilt worden sei, als das Kabinett Steeg noch am Ruder war. Die gegen- toärtigs Regierung habe diese Genehmigung betätig t. Diese rein banktechnische Operation werde unter allen wünschenswerten finanziellen Garantien vollzogen. Mehrere Mitglieder des Finanzausschusses sollen erklärt haben, sie seien wohl Anhänger einer Dnnäherungspolitik zwischen Deutschland und Frankreich und auch Anhänger einer Politik finanzieller Hilfe. Aber es erscheine ihnen doch Unerläßlich, daß für eine solche Vvrschuhoperation Garantien politischer Art verlangt würden. Einige Mitglieder des Ausschusses sollen den Finanzminister gefragt haben, ob die französische Regierung versucht habe, die Verpflichtung zu erlangen, daß Deutschland keinen Antrag auf Revision des Boungplanes stelle. Der Abgeordnete de Lasteyrie bemerkte, das Defizit des deutschen Budgets rühre einerseits von dem beträchtlichen Umfange des Reichsweh re t a t s her und anderseits von dem Defizit der Reichsbahn, das hervorgerufen werde durch übertriebene Ausgaben für den Dau strategischer Eisenbahnlinien und Rhein- drücken. Im auswärtigen Ausschuß erklärte Außenminister B r i a n d kurz, daß die Finanztransaktion der Politik der europäischen Zusammenarbeit entspräche und er in der Unterstützung nur Vorteile und keine Rachteile gesehen habe. Der Abgeordnete Franklin-Bouillon zählte darauf die Gründe auf, aus denen er gegen eine solche Politik sei. Reden, die von deutschen Ministern gehalten worden sind, stellen nach Ansicht des Abgeordneten Stützen für seine These dar, daß Deutschland sich seinen internationalen Verpflichtungen zu entziehen suche. Der Sozialist Grumbach bemerkt dazu, daß verschiedene Stellen der verlesenen Reden eine ganz andere Bedeutung hätten als die, diis chnen Franllin-Bouillon zuertelle. Franklin- Bouillon stellte schllehlich den Antrag, daß der Außenminister ausführlicher über dieses Thema gehört werde. Oie lleberwindung her Ver-rauensknsis. Wie im Negterungslager die Situation beurteilt wird. Berlin, 9. Febr. (CNB.) In Kreisen der Regierung bespricht man lebhaft den bemerkenswerten Stimmungsumschwung, der in den Aeuße- rungen der Sonntagsprcsse bei der Beurteilung der politischen und wirtichaftlichen Lage zum Ausdruck kommt. Der allgemeine Pessimismus hat darin vielfach einer weit optimistischeren Auffassung Platz gemacht. Rein äußerlich gesehen geht dieser Wechsel politisch auf die ft a r f e Mehryeit zurück, die sich im Reichstag hinter d i e Regierung Brüning gestellt hat, wirtschaftlich auf die B e - lebung der Börse. Dahinter aber steht noch ein anderes, außerordentlich wichtiges Ereignis, daß es nämlich in den letzten Tagen gelungen ist, d i e kurzfristigen Auslandkredite, die nur bis zum 15. Februar verlängert worden waren, für weitere 3 Monate zu sichern. Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, handell es sich dabei um für die deutsche Wirtschaft recht erheblicye Beträge. Diese Verlängerung steht wieher in Zusammenhang mit der parlamentarischen Entwicklung der letzten Woche, die das Vertrauen des Auslandes in die deutschen Verhältnisse erheblich gestärkt hat. Noch am Samstag hat ein bedeutender schwedischer Industrie- und Finanzmann in Berlin erklärt, daß das kreditgebende Ausland den größten Wertauf eine weitere geordnete parlamentarische Entwicklung lege, da es fürchte, im Falle einer Diktatur finanzielle Verluste zu erleiden. An amllichen deutschen Stellen begrpht man den sich anbahnenden Stimmungswechsel, dessen Bedeu- tung sich schon daraus ergebe, daß der Kanzler immer wieder unterstrichen hat, welchen außer- ordenllichen Wert die Wiederherstellung des Vertrauens für die Gesundung hat. Man warnt aber gleichzeitig vor einem rosenroten Optimismus, der die Gefahr von Rückschlägen in sich bergen würde. Nach Ansicht führender Kreise kann die Besserung sich nur allmählich vollziehen, und sie schließt vor allem die Notwendigkeit ein, daß eine Lösung des Arbeitslosenproblems gefunden wird. In diesem Zusammenhang verlautet übrigens, daß ähnlich wie bei der AEG. auch in anderen Betrieben die fünftägige Arbeitswoche eingeführt werden soll, durch die weitere Entlassungen vermieden und in absehbarer Zeit die Einstellung weiterer Arbeitskräfte ermöglicht werden dürfte. Auch für die Reichsbetriebe ist an ähnliche Maßnahmen gedacht. Der Reichsarbeits- minifter rechnet damit, daß der Brauns-Ausschuß ihm bereits in wenigen Wochen Vorschläge unterbreiten wird, die die Grundlage für die Eingliederung weiterer Kräfte in den Arbeitsprozeß bilden sollen, lieber dieses Problem haben in der letzten Zeit auch eine Reihe ernsthafter Besprechungen zwischen dem Kanzler, dem Reichsarbeitsminifter und führenden Männern der deutschen Wirtschaft stattgefunden, woraus sich ebenfalls schließen läßt, daß in der nächsten Zeit alle Anstrengungen unternommen werden sollen, um die Besserung auch auf diesem Gebiete vorwärts zu treiben. Die AbrüstulWverpfUtung. Ter britischeAutzenmmister fo.dert die Abrüstung als Schlüijcl für alle politischen Probleme. London, 9.Febr. (WTB.) Bei einer von der Internationalen Frauen-Liga veranstalteten Ab- rüstungskundgebung hielt Außenminister Henderson eine Ansprache, in der er mit energischen Worten für Abrüstung eintrat. In dem von der Vorbereitenden Abrüsiungskommission ausgearbeiteten Entwurf habe man nun eine Grundlage, von der man ausgehen könne. Bei der Abrüstungskonferenz ebenso wie anderswo werden die Regierungen das tun, was die Völker wollen. Wenn die Völker Abrüstung wollen, können sie sie haben. Die Freunde des Friedens hätten 12 Monate Zeit, die öffentliche Meinung der Welt zugunsten dieser großen Gelegenheit zu mobilisieren, die vielleicht niemals wiederkehren werde, wenn sie nicht jetzt ergreife. Der näch ste Krieg würde, wenn er überhaupt kommen sollte, von den Flugstreitkräften ausgefochten werden und zwar von Flug- ftreitträften, die Giftgas benutzen. Es ist überflüssig zu sagen, daß eine derartige Kriegführung ein internationales Verbrechen märe. Wir hätten sicherlich bemerkt, daß es über unsere Macht gehe, die moderne Kriegsführung zu vermenschlichen. Wenn einmal 'ein Krieg beginne, dann könne kein Mensch und keine Regierung mehr ihn kontrollieren. Jedermann weiß, daß wir gleich jedem Mitglied des Völkerbundes durch Gesetz und Ehre zur Abrüstung verpflichtet sind, lieber« dies müssen wir daran denken, daß der Vertrag, der diese feierliche Verpflichtung enthält, derselbe Vertrag ist, durch den die wirksame Abrüstung anderer Nationen sichergestellt wurde. Wir alle wissen daher, daß die gegenwärtige Situation nicht definitiv fortbestehen tarnt. Das heutige Europa ist ebenso voll von schwierigen politischen Problemen, wie es fünf Jahre früher war, und ich sage als Außenminister einer großen europäischen Macht, daß es d i e A b r ü st u n g ist, worin der Schlüssel zu den friedlichen Lösungen dieser Probleme liegt. Wir müssen das internationale Chaos der Vergangenheit beenden; aber wir können unsere neue Weltordnung nicht zum Leben erwecken, ohne daß wir abrüsten. Für uns bedeutet der Pariser Pakt die Verzichtleiftung auf Gewalt in internationalen Angelegenheiten, und wir glauben, daß dis Verzichtleiftung auf Gewalt die Verzichtleiftung auf die Mittel zum Kriege mit sich bringen sollte. Eigenartiger Fiaggenwechsel. Aus Ersparnisgrü den u-ter der Flagge von Panama. Hamburg, 9. Febr. (ERB.) Mit einer interessanten Angelegenheit beschäftigen sich aug n= blicklich die deutschen Schiffahris.r.ift. Ti? Hamburger Rederei V o g e rn a n n hat kü z ich ihren auf der Heimfahrt von Mittelamerika befindlichen Dampfer „Vogtland" durch F.in!spruch angetoiefen, die deutsche Flagge nieder- zuh olen und dafür die Flagge von Pa - na ma zu setzen. Gleichzeitig wurde der ge- samtenBesatzunggekürck>igt. Das Schiff lief dann auch unter der Flagge von Panama im Hamburger Hafen ein, und hier wurde der Besatzung eröffnet, daß eine Verlängerung der Anstellungsverträge nur bei Einwilligung in eine Kürzung der Heuer um 25 Prozent möglicy sei. Der Dampfer stehe nicht mehr unter deutscher Flagge und Panama kenne keine Seemannsgesetze. Man nimmt an, daß die deutschen Behörden Gelegenheit bekommen haben, sich mit dieser eigenartigen Angelegenheit noch eingehend zu beschäftige. Bekannt ich haben nordamerikanische Schifsahrtsge ellschaf en oft das gleiche getan, wie jetzt die Reederei Vogemann, indem sie ihre Dampfer aus Ersparnisgründen unter der Flagge von Panama verkehren ließen. Wie die „T.-ll" erfährt, soll der Dampfer „Vogtland" bereits am Dienstag wieder auslaufen, doch ist noch keine vollständige Mannschaft angeheuert worden. Die ursprüngliche Besatzung, die mit dem Dampfer „Vogtland" vor einigen Tagen zurückgekehrt ist, war auf die Kündigung durch die Reederei hin bis auf einen Ingenieur vollzählig von Bord gegangen. Eine daraufhin durch Heuerbaas vermittelte Mannschaft hat, sobald sie von dem wahren Sachverhalt Kenntnis erhielt, ebenfalls größtenteils auf die Anheuerung verzichtet. Die seemännischen Berufsveröände sind der Ansicht, daß die Reederei wohl einige unorganisierte Seeleute sowie auch Ausländer für ihre Schiffe erhalten werde, daß sie aber angesichts der sicher zu erwartenden schlechten Erfahrungen bald von selbst wieder zu dem deutschen Brauch zurückkehren werde. Hamburger Reederkreise äußern sich dahin, daß dieser Vorgang als ein Beweis dafür anzusehen sei, in welch schwieriger Lage die deutsche Schiffahrt sich befinde. Wenn auch größere deutsche Passagier- und Frachtreedereien diesem Beispiel wohl kaum folgen würden, so fei es immerhin nicht ganz unmöglich, daß die eine oder andere kleine deutsche Frachtreederei ebenfalls die Flagge wechsle, falls eine andere Möglichkeit, den Betrieb aufrecht zu erhalten, nicht mehr vorhanden fei. Bei der Reederei Vogemann handelt es sich um eine kleine Frachtdampferreederei mit nrrr zwei Schiffen von inges. etwa 8000 Brutto-Registertonnen Raumgehalt. Aus aller Welt. Dr. Lulz Oberbürgermeister von Dresden. In Dresden wurde die Wahl des neuen Dresdener Oberbürgermeisters vorgenommen. Für Reichs- Minister a. D. Dr. Külz (Demokrat) wurden 36 Stimmen abgegeben. Der Kandidat der Rechten, Dr. Most, erhielt 28 Stimmen und Stadtrat a. D. Stolt, Berlin (KPD.) 6 Stimmen. Dr. Külz ist damit zum Dresdener Oberbürgermeister gewählt. Die Kältewelle in der Schweiz. In der ganzen Schweiz ist es in den letzten Tagen erheblich kälter geworden. In den Bergen des Reuenburger Jura wurden bis 33 Grad Kälte gemessen. In Bern sank die Temperatur auf 15 Grad. Viele kleinere und größere Seen, wie z. 2. der Bieler See, sind zugefroren Lin Kesselhaus in die Lust geflogen. Auf der Zeche Baldur in Holsterhausen bei Dins- laten ereignete sich im Kesselhaus eine schwere Explosion, über deren Ursache noch nichts bekannt ist. In der letzten Nacht wurden die Bewohner des Ortes durch eine h"ftige Detonation aus dem Schlafe geschreckt. Di» Tagesarbeiter stürzten aut ihren , Werkstätten auf den Zechenplatz, »ß sich ihnen ein Bild völliger Zerstörung bot Das Kesselhaus war fast vollkommen weggerissen. Die Wucht der Explosion war so stark, daß Maschinenteile und Eisenstücke von mehreren Zentner Gew.cht weit fortgeschleudert wurden und andere Gebäude beschädigten. Die Straße, in der das Kesselhaus stand, war mitSteinen und schweren Eisenteilen bedeckt. Die schweren Stücke hatten sich bis zu einem halben Meter in den gefrorenen Boden gegraben. Es ist geradezu ein Wunder zu nennen, daß diese schwere Expwfion kein Menschenleben gefordert hat. Die Heizer kamen ohne Verletzungen davon. Die Einbrecher mit dem Diplomatenauto verhaftet. Die Diebeskolonne, die in Berlin in der Nacht vom Sonntag den Kraftwagen eines Attaches der spanischen Botschaft stahl und später einen Einbruch in ein Radiogeschäft in Berlin-Wilmersdorf verübte, ist von der Polizei festgenommen worden. Der 20 Jahre alte Walter Koschatzky war bei dem Einbruch von dem Ladeninhaber angeschossen und ernstlich verletzt worden und mußte von seinen Komplicen in das Krankenhaus am Friedrichshain geschafft werden, wo er von der Polizei ermittelt wurde. Zwei Mittäter konnten in einem Lokal in der Frankfurter Allee^nd der vierte in seiner elterlichen Wohnung feftgenommen werden. Es handelt sich bei allen vier um junge Burschen von wenig mehr als 20 Jahren. Don Stiefsohn und Schwiegersohn erschlagen. 2n Papenburg tourte uev Bäckermeister und Landwirt Vah.e von seinem Stiefsohn und seinem Schwiegersohn erschlagen. In Vahles Betrieb waren cnle Familienmitglieder beschäftigt, unter denen ein schlechtes Einvernehmen herrschte. Rachdem die Familie reichlich dem Alkohol zugesprochen hatte, stürz.en sich dcr Stiefsohn und der Schwiegersohn au, Vahle und erschlugen ihn mit einem Drill Cr war sofort tot. Unter dem Verdacht der Mittäterschaft steht auch die Ehefrau des Getöteten. Sie und die beiden Mörder wurden verhaftet. Lrandkalastrophe in einer kalifornischen Pserdeschau. In Oakland (Kalifornien) brach in einer Pferdeschau ein Brand aus, der die Auestellungsgebäude einäscherte. Drei Mann und etwa zwanzig Pferd,e kamen in den Flammen um. Die verängstigten Tiere sch'ugen in den Ställen wie rasend um sich. Einige Pferde vermochten brennend auszubrechen. Sie wurden von der Polizei erschossen. Todesurieil gegen eine ungarische Gallenmörderin. Der Gerichtshof in Zalaegerszeg verurteilte die Frau des Saskaer Landwirts Michael Rabenhofer wegen Aufreizung 311 r Ermordung ihres Mannes zum Tode durch den Strang und einen gewissen Gabriel Kalmar wegen Ausführung des Mordes zu lebenslänglichem Zuchthaus. Die Frau hatte Kalmar, ihren Geliebten, aufgereizt, ihren taubstummen 'und etwas schwachsinnigen Mann aus dem Wege zu räumen. Kalmar hatte Rabenhofer auf der Jagd erschossen. Diebstahl eines Barren Goldes. Der Kriminalpolizei in Basel wurde mitgeteilt, daß aus einer aus Aegypten kommenden und für Deutschland bestimmten Goldsendung ein Barren Gold im Werte von 23 000 Schweizer Franken g e - stöhlen worden sei. Die Untersuchung ergab, daß der Diebstahl in Basel erfolgt sein müsse. Es gelang, den Dieb zu verhaften. Es handelt sich um einen 20jährigen Baseler Postangestellten, der das Gold bereits auf die Seite gebracht hatte. Es konnte jedoch beschlagnahmt werden. Ote Wetterlage. '2. 0; Wlf SA / Ml arlsZ/rri ~U Corümr ^öermbnt tzenk eMeeerz*.;, ©wolkenlos. O neuer 3 nai» otdeext. 3 wolkig, ® oedtext »Regen * Schnee a Craupem e Neoei K Or»niter.(§)windsiiiie. «O sehe leichter Ost massige« Sudsudwesi *) stürmischer "orowesl Oie Pfeile fliegen mit gern winde Oie oeioen Stationen stenenoen zaf> len geben die Temperatur an. Die timen verbinden Orte mit gleichem 'auf Heeresnitfeau umgereenneten tultdrucn Wettervoraussage. Entsprechend dem Vorgreifen der nördlichen Störung nach dem Festlande hin macht der Witterungsumschlag weitere Fortschritte. Die Frostgrenze, die gestern über Holland lag, ist westwärts nach Deutschland vorgedrungen, so daß im westlichen Teil des Reiches die heutigen Morgentemperaturen schon bis 5 Grad über Null tagen. Dagegen herrscht im übrigen Deutschland durch die östliche Kaltluft noch Frost- wetter mit Temperaturen mit 10 und 15 Grad unter Null. Die Temperaturumkehr wird sich weiter durchsetzen, so daß mit dem Vorschub maritimer Warmluft auch bei uns die Temperaturen über Null zu liegen kommen. Das Wetter bleibt dabei trüb und wolkig, ferner treten Regenfälle auf. Aussichten sürMi11w 0 ch : Weiterer Temperaturanstieg bis über Null, meist dunstig und bewölkt, zeitweise Niederschläge, südwestliche Winde. Aussichten für Donnerstag: Wechselhaftes Wetter mit Temperaturen über Null und vereinzelte Niederschläge wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 9. Februar: mittags —2,8 Grad, abends —3,7 Grad: am 10. Februar: morgens — 2,9 Grad. Maximum — 2,2 Grad, Minimum — 4,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. Februar: abends —0.4 Grad: am 10. Februar: morgens — 0,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer eine halbe Stunde. Ochentickeü Das Polizei hüben Veranlass' gemäö Dienstanw 19. Dezember 18 öffentlichen Dai musikalischen Pri betrefieni), die *21 stempelpflichtig schiessens Gesell Dauer gegcünde wozu insoesond sitzende Student belustigungen vc bald sie bei k 0i Aoeihe faö pH J • Sur zM : in maK : durch Brecht. ■ schlecht 5 unb tfe* ■ÄSJ U&J Wncn- x;c ihm ' sei ft?*? baj hsal L* AS Nieseln durch ns Men alles umspannt, xchallendunkel a Das ist nn b besitzt, sich ieMI M des Dasem wird chn mcht m dem dunklen Da mö das Lichte v Und was em. man ohne weiter« man es wissen ■ 9 ■ H dtrchVg I ■ I IAS1 er- man es wessen ... —r. ufro. LoS W.100 U. 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Das Polizeiamt Gießen teilt mit: Es hat sich die Notwendigkeit ergeben, darauf hinzuweiicn. dast die von den Wirten, Vereinen und Gcsellscljastcn zu stellenden Anträge zur Verlängerung der Feierabendstunde nur bann Aussicht auf Genehmigung haben, wenn sie spätestens bis 18 Uhr bei dem Polizeiamt, Zimmer 40, ober besten Bezirke gestellt und der hierfür vorgesehene Urkundenslernpel in Höhe von 12 Mark entrichtet worden ist. Bei festgestellter Zuwiderhandlung erfolgt außer Anzeigeerhebung auch Nacherhebung des hinterzogenen llrkunbenstempels gemäß hessischen Urkunbensternpeltarifs Nr. 35, V., Pos. 11, in chöhe von 12 Mark ** Fundsachen beim Polizeiamt. Dav Verzeichnis über die im Monat Januar 1931 gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagstafel im Flur des Polizeiamts, Land- qraf-Philipps Platz 1, eingesehen werben. Die Emp- fangsberechtiglen werben aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Funbbureau während der Dienststunden geltend zu machen. *• Holzversteigerung. Bei der jüngsten Holzversteigerung aus den Waldungen der Stadt Giehen am Hangelstein wurden folgende Preise erz elt: Duchenscheiter 14 Mk., Eichenschriter 9 Fichtenscheiter 7,60 Mk., Buchcnknüppel 11 Mk^ Cichenlnüppel 6.80 Mk., Fichtenknüppel 6,61 Mk.. Buchenstöcke 9Mk. je Raummeter. Für ie 100 Wellen Buchenreisia wurden 26 Mk. bezahlt. ** Das Alte stürzt ... Neben dem Torhäus- chen am Stadttheater wird gegenwärtig eine Akazie, deren Stamm einen Durchmesser von über ein Meter aufweist, gefällt. Um zu den sehr starken Wurzeln des Vaumes zu gelangen, war es nötig, das ihn umgebende befestigte Erdreich auszuheben. Vogetsoerger Hohen-Etud. Die zweite diesjährige Vcreinswanderung des VHE. Gießen, an der sich etwa 60 Mitglieder beteiligten. führte wiederum in die nähere Umgebung GicHens. Den Schiffenberger Weg und hierauf den alten Watzenborner Weg entlang ging_ es durch den verschneiten Bergwerkswald und später über die Schneeselder durch Steinberg zur Mittagsrast nach Gröningen. Hm den schönen Wandertag voll auszukosten, beschloh man, die geplante Strecke noch etwas auszudehnen und so begab man sich nun auf nicht immer einwandfreien Feldwegen, die zum Glück hart gefroren wareru -um Iägerpfad und auf diesem zum Kloster Arnsburg. Hier stieh man auf die im Vorjahre von der Grupve 4 des WBA. neu angelegten Markierung. Durch eine reizvolle Landschaft mit hübschen Blicken auf Lich und den Kolnhäuser Hof sührte der Weg zum Endziel Garbenteich. Von Garbenteich aus wurde die Heimfahrt angetreten. Ovomaltine -- Ifcilft mit Kostenlos erholten Sie eine Probe, wenn Sie Ihre Adresse mittesten an» Dr. A. Wander G. m. b. H., Abteilung B 79 Osthofen (Rheinhessen). volle Aufschlüsse gibt über die geologische Struktur und über die kulturgeschichtlicheVe- deutung des Hörsetberges, jenes nördlichen Ausläufers des Thüringer Waldes, der durch die Jahrhunderte hindurch in Sage und Geschichte eine bedeutende Rolle spielte. _ Der Hörselberg, der btx. Venus- und die Tannhäuserhöhle birgt, ist in zahlreichen photographischen Bildern festgehalten. Insbesondere die Höhlen, die in den Jahren 1928 bis 1931 weiter erforscht wurden, sind in ihren einze.nrn Teilen in Photographie und Zeichnungen wiedergeg:ben, so dast der Beschauer entsprechend dem Stande der Forschungen einen genauen Lieberblick gewinnen kamr. Besonders interessant ist es dabei zu erfahren, dah Richard Wagner in der Beschreibung eines Szenenbildes au ^Tannhäuser", das er aus älebcrlieferung und vom Hörensagen zusammenstellte, den Tatsachen sehr nahe kam. Die Ausste lung zeigt außerdem geologisches Material (Kalksteine, gut geschliffen und von großer Schönheit) aus dem Hörselberg und gibt Aufklärung über die tektonischen Llrsachen der Beben, der Crdbrüchc und der mannigfachen Geräusche, die aus dem Hörselberg zu vernehmen waren und die wiederum die Legenden- und Sagenbildung förderten. Verschiedene Frmde ku'turhistorischer Art (ein alter Taufstein aus Ettenhausen aus dem 12. Jahrhundert, das Melborn er Kreuz u. a. m.), die man in Rachbildung und photographischer Reproduktion k nn nlmcn kann, ergänzen diesen Teil der kleinen Ausstellung. An- gegliedert ist schließlich noch <ün Beitrag zur Topographie des Thüringer Renn- st e i g e s, eines Teils jenes uralten, wahrschein- öffentliche Tänze und sind ebenfalls gemäß obiger Dienstanweisung stempelpflichtig. In letzter <,eit wurde wiederholt festgestellt, daß von Vereinen, insbesondere auch von Studentenverbindungen, Tanzbclustigungen, die stempelpflichtig waren, abgehalten wurden, ohne vorher den hierfür fälligen Llrlundeustempel bei dem Polizeiamt, Zimmer 40, gelöst zu haben. Wir haben unsere Beamten angewiesen, ein scharfes Augenmerk auf Oeffent iche Tänze sind stempelpfiichiig DaS Polizeiamt Giehen teilt mit: Wir haben Veranlassung, daraus hinzuweisen, dah gemäh Dienstanweisung zu der Verordnung vom 19. Dezember 1899, die Siempelabgaben von öffentlichen Darstellungen und Belustigungen, musikalischen Produktionen und Tanzbelustigungen betreffend, die Abhaltung von öffentlichen Tänzen stempelpflichtig ist. Auch wenn sogenannte geschlossene Gesellsdhasten, d. h. förmliche für die Dauer gegründete gesellschaftliche Vereinigungen, wozu insbesondere auch die eigene Häuser besitzende Sludenten-Verbindungen gehören. Tanzbelustigungen veranstalten, dann gelten diese, sobald sie bei bezahlter Musik stattfinden, als bot. t w "der." äent- Die Wurden viS3-piünd. Pid. 65 -> Frische Bücklinge und Lvrotten Grone Auswndl in Fetnmariu aoeu Hummer, ^achS. Sardellen CcLarbinen BWrötoewiiö Pabnboistr. 27 Fernivr.3631 906 - Für Mittwoch. DonnerSlag und Frenag emvlehte ich: Frische Schellfische u. Kabliau o. St. Pnind • • ........35 ? tm Ausschnitt, Pfund ■ -40 4 Seelachs, vnma Nordseeware Nördlichen der WtlcE SÄ derrschl im ~ro t, UI??Jter dul-h' d iE Wa-ni- mor'h.m%iuü zu ptf *u,b ml*. Grad, *. flm ilO^^brUdr;, v 7 ui em» 9 > Statt Karten. 1085 D Daubringen, den 9. Februar 1931. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 11. Februar, nachmittags 2*/, Uhr statt 1089 V Trais-Horloff, den 8. Februar 1931. 1086 D tuteten. 0733 Kevlerftrafie 13,y. Gießen (Nordanlage 35), den 10. Februar 1931. Barbara Dittmar und Kinder. Gießen, den 10. Februar 1931. 1097 D n Für die vielen Beweise wohltuender Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Gatten und Vaters danken wir allen herzlichst. Im Namen der Hinterbliebenen: Anna Tips, geb. Han stein Dr. E. H. Tips Carlos Tips und Familie Fräulein Anna Fritz. Am6. d.M. wurde meine liebeMutter,unsere guteSchwester Frau Elise Rinn, geb. Mnterstem durch einen fünften Tod von ihrem schweren Leiden erlöst. Schneller Stellung erhalten Sie. wenn Sie eine Vogt- | Vermietungen | Haue zu vermieten: SchöoeS-Zim.-WohD. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 11. Februar, nachmittags 3% Uhr statt Mittwoch, den 11. Februar 1931, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Zum Löwen", zwangsweife gegen Barzahlung.- 1087D Vertikos, Sofas, Kleiderschränke, Tische, Schreibtische, Chaiselongues, Grammophone, Büfetts, Warenschränke, Ladentheken, ein Klavier, einen Teppich, ein Motorrad (DKW), Fahrräder, einen Photoapparat, ein vollständiges Bett, eine Nähmaschine, einen Küchenschrank, einen Elektromotor, eine Frisiertoilette mit Marmorrückwand und Waschbecken, einen Dauerwellenapparat, einen Oeko. nomiewagen, eine Tonne Schweinekrausen, ein Faß Kranzdärme. Funker Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 In tiefem Schmerz: Wilhelm Erb II., Kreisstraßenwart i. R. und Angehörige Im Namen der Hinterbliebenen: Käthe Rinn. im Alter von 62 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Katharine Rudlof und Angehörige. zu uns. Beginn 14. ApriL Prospekt kostenlos v. d. Direktion Giessen. VoStscheHandeksGhnlen Sonntag, den 8. Febr. 1931,20*/, Uhr, entschlief sanft nach längerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere gute treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Schwägerin Frau Marie Erb, geb. Braun im Alter von 62 Jahren. Sonntag, 10% Uhr abends, entschlief sanft nach schwerem Leiden mein lieber, guter Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Bürgermeister, Kreistagsmitglied Heinrich Rudlof u » Allen Freunden und Bekannten hierdurch die Mitteilung, daß am 6. Februar Fräulein Luise Hanstein Lehrerin L R. im nahezu vollendeten 90. Lebensfahre sanft entschlafen ist und ihrem Wunsche gemäß in aller Stille am 9. Februar 1931 eingeäschert wurde. 2 Zimm. u. Küche nabe Alle Klinik, fof. au vermieten. Schr. Antrag. unt. 0782 an den Gien. Anz. erb. Schön möbl. 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Februar 1931, mittags von 1 Uhr ab, findet im Saale des Gastwirts Bender in Rodheim (Bieber) die Nutzholzversteigerung der Gemeinde la°Kl. lb= „ 2a. „ 2b. „ 238 Stück = 300 „ = 145 „ = 86 „ -- 50 Stück Eichenstämme Klasse 2 und 3 = 24,10 fm 266 Stück Nadclholzstärnme Klasse la bis 4a = 150 fm 65 rm Eichennutzscheit, 2 m lang 54 rm Nadelholznutzscheit und -knüppel, 2 m lang. Peppler, Bürgermeister. Herbst 1930. 1 St. Stück = 22,52 fm ,, b 35,25 M » - 15,44 „ „ - 6,51 „ ,, = 2,11 „ RM. 2341,05 3740,61 1454,05 1779,30 95,— fiäferhol; vom Stämme Kiefer Id-Kl. „ Fichte la. „ Angebote sind getrennt nach Sortiment und Klassen per Festmeter bis zum Samstag, dem 14. Februar 1931, vormittags 10 Uhr, bei der Bürgermeisterei, dahier, mit entsprechender Aufschrift einzureichen. Die Bedingungen, welchen sich die Käufer mit der Einreichung ihrer Gebote unterwerfen, können bei uns eingesehen werden. Hattenrod, den 8. Februar 1931. Bürgermeisterei: N e e b. 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Stand Ende 1930 Haftsumme Ende 1929 Zugang in 1930 Abgang in 1930 Stand Ende 1930 Steinberg, 10. Februar 1931. Holzsortimente: Kiefern-Langholz, N. la-Kl. 1 Stück = 0,20 fm 1b. „ 139 „ - 43,52 „ 2a. „ 323 „ = 176,82 „ 2b. „ 163 „ -- 134,85 „ 3a. „ 20 „ = 22,23 „ ffiefern-Abschnille, N. Id-Kl. 2 Stück = 0,48 fm 2a. „ 5 „ = 1,50 „ 2b. „ 7 „ = 3,00 „ Fichten-Langholz. N. Dame in Begleitung von Njähr. Jungen beim 6-Tage - Rennen welche versorach au . kommen, bittet H. F. um Nachricht. H. Frkf.,Qederw. 123 1939,85 9000,— 400,— 100,— 9300,— (1080D Provisions-Vertretung! Markenartikel! Bekanntes Kiaftfutlerwvrk-Loss. Fabrikate bereits bestens einaeführt finb, erweitert ihre Bertriebsorganifaiion u. sucht für den Bezirk Oberhessen Provisions-Beitreter, die bei Zentralge- NWenschait.,, Uhr I8.lvHllv0iV-AV.Wl. Gewöhnliche Brette I volvone I Eine liebloseKomöd. in 3 Akten von Ben ' Zonfon. — Bearb. 'von Siefan Zweig' Lungenverschleimung hartnäck. Husten. 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Die Gemeinde Ettingshausen verkauft im Wege schriftlichen Angebots folgende AuskünileinRechtS-, Straf-, Famil.-Ange» legendeiten, Gesuche, Verträge, Beobachtungen. Ueberwachg. und Ermittlungen vreiSw., streng ditzkr. u. an all. Orten ert. u. erledigt Detektiv* Bnrean-n.AnilrenHel Inh.K.Gerz,Bad-Nas- heitn, Knratr. 17, ** AUtOrei. 4040 auch nacht». Iqt« Summa 9410,01 Passiva. RM. Geschäftsguthaben d. G. 1939,85 Eintrittsgeld 3,50 Noch zu deckende Berwaltungs- kosten 1829,97 Warenschuld Reservefonds 1824,48 Reingewinn 3812,21 Summa 9410,01 Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1929 180 Zugang in 1930 8 Abgang in 1930 2 Stand Ende 1930 186 Geschäftsguthaben RM. Ende 1929 1876,51 Zugang in 1930 90,24 Abgang in 1930 26,90 Keines Q)on 1 < ä Hx stz blieb v a erst-nnial ä ©rauer beräum e ciidgüll'S n mit einer r Es sind, ins weite/ man heut < so erkennt dem neue Gsv deren W"11 nähenlöube- lenfront! UnperanttDC Degen vervc IiK-plinverd Zolenuberso Proval.Pr' M aus Red aCn entgegei Mel flieg' der, man ! durch die 5 ren Kohlen! es sÄ gelc man als Schreibtisch gedreht min letzung der' geführt tnirti in dem San den Toren d wird, dann i zuge" itt. Das ist allen Front Vahregeln gegen Par Prowal? - dasAbsti tauchte aud auf. Haper die Fleisch nen in ihr hier und d wurde eine GPU. tour macht und famaultatifi rate“ die Zu Tersprechum die unveran holen würd beruhigt. - derartige Z solche Dersc jargon zu i die die schl so Mitleids! des Staate Molotow ft Weit in zustimmen. Es f)Qt fii feit langem tiefgehenden siAen bishe he.'t breitete stände sich t 'N tue 'Bri '■Sali fit* Cr Sinn Mbcr kein A?" । s-fi, yiertfe 5ie fingen Essern und. S'e (reiften »Mels ausrii jen: und wie fen mit ber Fettigkeit, .Der 'ßät m !e man <‘ale Witter einen Seufz *ln3U0 gepr ram in5 % 3'tternöen f Snie Ipitz ai { ®er einzig iS'-S"™1 i)>7,en Blocke fr «N® 6*n.6in” w^defsen 52.Ä Nr. 34 Zweites Blatt Aießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen» Viensiag, 10. Zebruar 1931 „Prowal." Don unserem dt.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Moskau. Februar 1931. Fast drei Wochen sind seit jenem Tage vergangen, an dem das allrussische Zentralerekuttv- tomitee der Sowjets durch einstimmigen Beschluß dekretierte, daß die größten Schwierigkelten auf dem Wege zur Durchführung des Fünf- jahresplanes überwunden seien und daß das bevorstehende dritte Jahr eine entscheidende Wendung zum Besse r e n zu bringen habe. Hochbesriedigi von dieser Cetfhmg ging das .Parlament" nach Hause und hochb inedigt blieb Stalin, der Diktator, zuruck, der zum erst'nmal seit Jahren di ser Tagung ohne gehet- nies Grauen vor der Opposition entgegengesehen der-zum erstenmal seine Gegner wirklich und endgültig niedergeworfen hatte und der nunmehr mit einer ruhigeren Zukunft rechnete. Ls sind, wie gesagt, noch feine drei Wochen ins weite russische Land gegangen - aber wirft man heute einen Blick in die Moskauer Blatter, so erkennt man nicht nur keine Besserung.- fon- dem gewinnt unmittelbar den Eindruck, daß neue Gewi t terwolken am Horizont auf» getaucht sind, das; eine neue Katastrophe naht, deren Ausmaße sich heute noch nicht einmal annähernd übersehen lassen. ..Prowal an der Kohlenfront!" .Katastrophe im Transport'" Anverantwort'iche Arbeiterschlamperei!" „40C0 Wagen verdorbene Kartoffeln!" „Todesstrafe für Disziplinverbrecher!" Das find die täg'uben Ba kenüberschriften der Blätter, und „Prowal, Prowal. Prowal!", klingt es einem immer Vie- der aus Reden. Entschliestunqm und Kundgebungen entgegen. Wie ein Schwarm ausgescheuchttr Bogel fliegen die Alarmm ldungen durcheinander. man spürt die neue Zuspitzung der Lage durch die Kürzung der ohnehin un-rhört mageren Kohlenration am eigenen Leibe, man must es sich gefa'len lassen, dah allab-ndlich. wenn man als „Nachtschwärmer" sich gerade an den Schreibtisch setzt, das Licht vor der Rase ab- gedreht wird. - und Wenn sogar „tilgen Verletzung der Arbeitsdisziv'in" di? Todesstrafe eingeführt wird, wenn Sta'in selbst ankündigt, dast in dem Kamps gegen die Schlamperei auch vor den Toren der Partei nicht Halt gemacht werden wird, dann weist man, dast „Gefahr im Ber- zuge" ist. Was ist geschehen, was diese Aufregung ..an allen Fronten" rechtfertigen und die drakonischen Mastregeln erklären würde, die heute schon selbst gegen Parteiangehörige angewendet werden? Prowal? - - Ins Deutsche überseht bedeutet das Absturz. Zusammenbruch. Das Wort tauchte auch früher gelegentlich in den Zeitungen auf. Haperte es mit der Kohlenerzeugung, ging die Fleischversorgung zurück, liesten die Dahnen in ihrer Arbeitskavazi'ät nach, dann schrien hier und da ein paar Zeitungen: „Prowal!" Cs wurde eine Untersuchung eingeleitet durch die GPU. wurden die „Schuldigen" ausfindig gemacht und bestraft, und wenn dann in einer bureaukratisch langatmigen Erklärung d s .Apparats" die Zusammenhänge auseinandergeseht und Versprechungen abgegeben worden waren, dast die unverantwortlichen Fehler sich nicht wiederholen würden, so war „die kochende Volksseele" beruhigt. - Diesmal scheint es sich abrr um eine derartige Zusammenballung von „Prowalen", um solche Versager an allen Fronten (um im Sowjetjargon zu bleiben) und um Vorgänge zu handeln, die die schwächsten' Stellen des Fünfjahresplans so mitleidslos enthüllen, dast die höchsten Stellen des Staates und der Partei, dast Stalin und Molotow sich nicht mehr scheuen, in aller Ocffent- lichkeit in den allgemeinen Alarmruf mit einzustimmen. Es hat sich gerächt, dast Stalin über die schon feit langem auftretenden bösen Vorboten eines tiefgehenden „Prowals" aus parteitaktischen Rücksichten bisher stets den Mantel der Verschwiegenheit breitete und damit dazu beitrug, dah Jui- stände sich von Tag zu Tag immer mehr aus- Oer Sternhimmel im Februar. (Rachdruck verboten!) Sonnenaufgang von 7.45 bis 6.50 Uhr. Sonnenuntergang von 16.45 bis 17.35Uhr. Lichtgestalten des Mondes. Vollmond am 3. um 1 Uhr, letztes Viertel am 9. um 17 Uhr, erstes Viertel am 25. um 18 Uhr. Am Abendhimmel erstrahlen noch immer der Jupiter und der Mars als Helle Wandelsterne Der Jupiter, im Sternbild der Zwillinge stehend, ist der bei weitem hellste Stern des Abendhimmels. Der Mars ist zwar viel weniger bell als er. aber er hat vor ihm den Vorzug, dah sich seine Bewegung leichter feststellen Iaht. Saturn STERNBILDER: GROSZE BUCH-/& STABEN V/ Sterne: Kleine Buch- < staben Der Abendhimmel ist im Februar sicher ebenso schön wie im vorigen Monat, und der Morgen- Himmel auch. Dieser ist freilich nicht mehr ganz leicht zu geniehen. Die immer schneller fortschreitende Zunahme der Morgenhelligkeit hat naiürlid) zur Folge, dah auch der Erdensohn etwas zeitiger aus den Federn kriechen muh, wenn er z. B. die Venus als Morgenstern be- wundern will, als der sie den ganzen Monat über erstrahlt. Dah die Dauer ihrer Sichtbarkeit abnimmt, werden wir unter diesen Umständen leicht verschmerzen, denn der in Wegfall kommende Teil ist natürlich der. der in die nachtschlafende Zeit fällt Abgesehen von den ersten Tagen des Monats können wir auch ganz in der Rahe der Venus, aber viel weniger hell als sie, den Saturn beobachten. Der die 24 Stundenzahlen een Minor- nacht bis Mitternacht eines Tas.es enthaltende Kreis und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, lind feststehend su denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zeit ger der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die su der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitte sichtbaren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Monatsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Beobachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht. Für je 5 Tage vor der Monatsmiete ist der gerade Pfeil Vi Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monatsmiete */t Stunde später zu ztellefu Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die angedeutete Lichtgestalt zeigt. An den beiden Hellen Sternen im Sternbilde der Zwillinge werden wir leicht beobachten können. dah er sich nach rechts bewegt. Am Fixsternhimmel behauptet noch immer der Orion den ersten Platz, wenngleich wir ihn jetzt vorwiegend in der westlichen Hälfte des Himmels erblicken. Rechts von ihm steht das Sternbild des Cridanus. dessen wichtigerer Teil freilich nur in südlichen Ländern zu sehen ist. Auch das links vom Orion stehende Sternbild des Einhorn weist keinen Stern auf, den zu merken sich lohnen würde. Dieses merkwürdige, durch Döcklin wieder volkstümlich gewordene Fabeltier bewohnt also die Gegend des Himmels zwischen dem Orion und dem Prokyon. Kü st ermann. dehnten, die schnurgerade zu einer völligen Desorganisation der gesamten Sowjetwirtschaft führen. Roch auf der Kreml-Tagung wurde ein Loblied auf die Planwirtschait und auf ihre Erfolge gesungen, deren die ganze Partei tetlhattig fei — eine Woche später muhte aber eine außerordentliche, dem Rat der Volkskommissare bei- geordnete Kommission ins Leben gerufen werden, die die einzige Aufgabe hat, die wirkliche Durchführung der Regierungsverordnungen und die Befolgung der vom Fünijahresplan aufgestellten Aufgaben zu kontrollieren. Ist das ein Beweis für Ertolg, für Prosperität, für williges Mitarbeiten der Volksmassen? Die „Ekon. Schisn", das Wirtschaftsblatt der Regierung, stellte im Dezember die Behauptung auf. die Baumwollproduktion habe sich im vergangenen Jahr verdreifacht. Demgegenüber gibt nun Stalin bekannt, dah eine Reihe von Baumwolle verarbeitenden Fabriken wegen Mangels an Rohstoffen schließen muhten. — Rach einem Ausspruch Lenins ist Bolschew-smus kommunistische Weltanschauung Plus Elektrizität. Aus den tagtäglichen Angaben der „Prawda" geht nun aber hervor, dah ziemlich alle ehemaligen, wissenschaftlich vorgebildeten und teilweise ersten Ruf 1 genießenden Leiter der riesenhaften Elektrotrusts „durch zuverlässige Kommunisten ersetzt worden sind". — 3n Moskau, also unter den Augen der Sowjetregierung, befindet sich eine Riesensabrik, die in den dreizehn bolschewistischen Jahren nicht weniger als viermal ihr Produktionsgebiet gewechselt hat. Ursprünglich ein Werk für Textilmaschinen, wurde es später auf die Produktion von hydraulischen Pressen um- gestellt, um einige Jahre später infolge unrentablen Arbeitens mit Led rbearbeitungsmaschinen als große Lederfabrik ausgerüstet zu werden. Da sie auch hier mit Unterbilanz abschloß, wurde sie zunächst für längere Zeit überhaupt stillgelegt und ist erst jetzt wieder ihrem ursprünglichen Zweck zurückgegeben worden. Die Fabrik trägt den Ramen Kalinins. Diese Beispiele dürsten genügen, um zu zeigen, mit welchen Schwierigkeiten die für die Industrialisierung Rußlands Verantwortlichen noch aufzuräumen haben werden, wenn sie wirklich „Europa einholen, ja, überholen" wollen, wie es im Fünfjahresplan so stolz heißt. Zur Zeit sind es zwei Gebiete, auf die sie ihre besondere Aufmerksamkeit lenken. Aus den beiden Schlüsselstellungen jeder Industriemacht werden feit Eine Riesendogge, sand aus der Hundeschau der Grünen Woche in Berlin eine große Schar von Bewunderern. i' । 1 ■ 4 Wochen Prowale und Mißstände gemeldet, die die Spitzen des Staates und der Partei auf den Plan gerufen haben. Im Transport ist eine so völlige Desorganisation eingetreten, dah die Gefahr einer vollständigen Katastrophe und damit einer grundlegenden Erschütterung des Füns- jahresplans riesengroh geworden ist, und d i e Kohlenförderung hat infolge der anhaltenden Arbeiterflucht und der zunehmenden Ernährungskrise so katastrophal nachge.ajsen, daß Elektrizttätewerkc schließen müssen, Fabriken ihre Planaufgaben nicht durchsühren und selbst die HauLbranökohlen nicht mehr herbeigeschafit werden können. Beides wirkt aber krisenverschärfend aufeinander ein: wo noch Kohlen im Dongebiet gefördert werden, dort biciben sie infolge Wagen- und Lokomotivmangels wochenlang auf den Halden liegen, verstopfen unterwegs die Bahnhö,«, halten oft tagelang auf freier Strecke. Der schlechte Zustand der Maschinen hat ihre Arbeitsleistung von 182 auf 116 Stunden herabgemindert, während ihr Bestand gegenüber dem Bedarf nur noch kaum 25 Prozent beträgt. Die Ausbesse- rungsarbeiten werden aber nur ungenügend und unsachgemäß vorgenommen, es mangelt an qualifizierten Kräften genau so, wie an Material und — dies trifft auch für die Kohlenförderung zu — an arbeite willigen Kräften. Die Spitze in Moskau sucht sich vorläufig mit „Maßnahmen" zu Helsen und hat den Hebel an der Seite des geringsten Widerstandes angesetzt, beim Arbeiter. Aber der Erfolg bleibt auch hier noch ein Problem. Wie schlimm cs gerade mit dem Bergbau bestellt ist. beweist folgendes Beispiel. Zur Hebung der Förderung wurden dringend 180 Ingenieure gebraucht und den Gewerkschaften wurde aufgegeben, sie binnen einer bestimmten Frist „auf,311» treiben". Es konnte aber trotz der Androhung der schärfsten Maßnahmen nur von 120 Ingenieuren ihre Zustimmung zur Neuanstellung erlangt werden. Von diesen sind nur 86 nach dem neuen Arbeitsgebiet abgereift und von diesen wiederum nur 27 auch wirklich angekommen. Alle übrigen find' auf Kleines Abentenei in Hamburg. Don Ottohemz Zahn. Sie fingen ihn am Bahnhof ab, wo er zwischen Koffern und Hutschachteln sah, ein trübsinniger Bar. Sie kreisten ihn ein, indem sie die Namen ihrer Hotels ausriesen, sie ließen ihre Uniformen glänzen: und wie sie alle zugleich nach dem Gepäck griffen, mit der gleichen Höflichkeit, mit der gleichen Eilfertigkeit, hatten sie doch tückische Augen Der Bär saß ungerührt da, in seinem Nacken hätte man sich spiegeln können. Seine rote Nase witterte in den Rauch und Nebel, er stieß einen Seufzer aus. Sein Körper, in einen Flanellanzug gepreßt, hob sich, eine übertriebene Masse kam ins Rollen, jetzt stand er, zornig, riesig, die zitternden Hoteldiener sanken Zusammen daß ihre Knie spitz aus den gebügelten Hosen stachen Der einzige ohne blinkenden Knops an der Uniform, Hermann Kurz, hatte die Idee, feine englischen Brocken zu verkünden. Er schleuderte sie dem Bären wie Steine an den Kopf. Der Amerikaner war sich über die Wahl des Hotels im Zweifel, und der bärtige Portier Kurz nahm die Gelegenheit wahr. Mit einer Kühnheit ohnegleichen, die ihm selbst die Brille beschlug, redete er auf öen_ ®arcn ein, englisch, und plötzlich glitt eine Art Sonnen- huschen über das rote Gesicht vor ihm, der Bär nickte. Er folgte ihm sogar, als Kurz den andern die beiden Koffer entriß, über die Bahnhofstreppe, über zwei Nebenstraßen in das schäbige Hotel, vor dessen Eingang dem Portier eine Beklemmung kam. Indessen trug er die Kosser hinein, führte den Bären in die Gaststube, wo Gott sei Dank auf einem Tisch am Fenster zwei Blumen in der Vase standen, inachte eine Verbeugung und entlief. Er lief zum Wirt, der im Hinterzimmer allein Billard spielte und eben eine schwere Partie gegen sich verloren hatte. „Wie ich der Ollen die Sachen zum Bahnhof gebracht habe" sagte er einfach, „da habe ich einen neuen Kunden gegriffen, einen Amerikaner, einen reichen! Er wußte nicht wohin, habe mit ihm gesprochen, er sitzt vom." Der Wirt jagte noch einen Ball über das grüne Tuch, noch einen. Der Portier Siurj putzte die Brille- „Wir müßen das Fremdenzimmer aufräumen." Der Wirt fuhr heruist. „Blödsinn, zu uns kommt kein Amerikaner'" Kurz öffnete ohne ein Wort die Tür, da laß der Bär am Tisch, neben sich die Kvf- if.r, er Halle sich die Blumen ins Knopfloch gesteckt und stierte zum Fenster hinaus. Der Wirt ging hin, bereit, den Mann sortzuschicken. Der Mann hielt in der linken Hand eine Hundcrtdollarnote und rntes mit der Rechten schweigend aus den Glaskasten am Bufett, wo sich runde Würste mit kaltem Schweinebraten, Schokoladentafeln und Zigarcttenschachteln verbrüderten. Der Wirt erstarrte, bekam Tränen in die Augen und wand sich wie ein ängstlicher Hund zur Tür hinaus, noch auf der Diele bückte er sich tief Sie brachten ihn also im Fremdenzimmer unter, in das noch das geschwungene Sofa des Wirts geschoben wurde, zur Not. Das alte Haus, mit dem abbröckelnden Kalk das Hotelschild verwischend, bebte vor Ehrfurcht, einen reichen Ameri.aner zu beherbergen Fritz, der semmelblonde, schiesgezogene Kellner hatte einen großen Tag als Dolmetscher; fein schiffbrüchiges Scemannsenglisch half über die Sorge der Verständigung. Hermann Kurz sah den kleinen Reisenden, die tarnen, feindlich und groß ins Gesicht, er hielt sie für unwürdig. Und der Wirt, in einer schneeweißen Schürze, sprach eingehend am Stammtisch über den großen Gast, und schließlich war er betrunken. Der Bär, der Amerikaner, nagte länge an einem Kotelett und goß sich Bier in den Leib Er streute die Handtücher herum und malte mit grober Faust ins Fremdenbuch: Henry Cleve. Dabei fiel ihnen schon auf, daß er nichts hinzufetzte, und nun kam anderes. Ja, sagte Fritz, er wolle zwei Tage bleiben. Aber, und der Kellner machte ein Gesicht wie eine blinde Dachluke er sei nicht ganz richtig. Der Wirt, in jähem Zweifel, fragte warum Fritz kroch in die Schultern. Der Amerikaner habe ihm, Fritz, bedeutet, diese Stadt Hamburg gefalle ihm nicht. Nicht? Sie sei ihm zu laut Zu laut? Ja, hatte nicht viel davon gesehen, aber es genüge schon Fritz: „Aber, Mister, Neuyork?" Da hätte der Mann den Kopf auf die Schulter gelegt und ihn bestürzt angesehen. „Vielleicht ist er kein Amerikaner", sagte Fritz, der verblüffte Wirt wischte den Schaum vom Bier. An diesem zweiten Morgen kam es also, daß sie ihren Gast vor die Tür setzten Denn er hatte sich verraten. Der Portier Kurz war ihm abends ein paar Schritte gefolgt, bis zur Ecke Im Abendlicht der Bogenlampen setzte der Amerikaner seinen Fuß auf den Damm, zog ihn wieder zurück Der Portier bemerkte, wie er an allen Gliedern zitterte, auf die schwachen Lichtzeichen der Häuser starrte und vor den paar Autos zurückfuhr. Ja, der Amerikaner drehte um und tarn schwankend ins Hotel zurück, kroch ins Bett. Der Wirt erblaßte. Wie, hatte er nicht recht gehabt? Ein Amerikaner, der sich nicht über die Straße traut, zum Lachen. Höchstens ein Betrüger, ein Wettz- Gott-wer, ein Hochstapler? Vielleicht ein Verbrecher aus der Provinz, der sich englisch stellt, mit einer falschen Hundertdollarnote, so oder so, weg mit ihm. Da stand er morgens draußen, sie blickten ihm froh und mißtrauisch nach, mit zwei Koffern und einer seltsamen Hutschachtel, mächtig und hilflos, wie? — und ging geradewegs auf einen Polizisten zu, und gestand, und der Beamte nahm ihn mit einem hellen, überraschten Zwinkern mit. Hinterher, sagten sich der Wirt, der Portier, der Kellner. Sie haben ihn, den Dieb, den Mörder, er konnte nicht mehr weiter, übrigens wir haben ihn auf die Straße gesetzt: gibt es nicht eine Belohnung? Und der Wirt schlug die Zeitung auf, wirklich stand da, im lokalen Teil, schwarz eingerahmt wie eine Trauerbotschaft, und man hätte es nicht übersehen dürfen, zwei Stunden lag schon die Zeitung auf dem Tisch: „Wo steckt Mr. Henry Cleve, — er ist mit seiner Jacht vor zwei Tagen in Brunsbüttel angekommen und allein nach Hamburg gefahren, man sucht ihn in den Hotels, er konnte schlimmstenfalls einem räuberischen Anschlag zum Opfer gefallen sein, er trug viel Geld bei sich, er ist der reichste Amerikaner des Südens, ein Sonderling, der Besitzer ungeheurer Viehfarmen, man weiß, daß er nie in Neuyork ober sonst einer Großstadt war.. ?!" „(Stürme über dem Montblanc" — ein Zilm. Dieser Film — Manuskript und Regie von Dr. Arnold F a n ck — erinnert in Anlage und Aufbau an die früher von Dr. Fanck und mit teilweise den gleichen Darstellern gedrehte „Weiße Holle des Piz Palü"; er ist, obwohl als Tonfilm oorgesührt, in erster Linie auf Bildwirkung eingestellt und er ist sehenswert vor allem der Naturschönheit wegen, die er vermittelt, ferner um der regie- und aufnahmetechnischen Vollkommenheit willen, mit der er in langer und mühseliger Expedttionsarbeit im Hochalpengebiet hergestellt wurde In der Tat sind die Naturaufnahmen, die man hier zu sehen bekommt, von großer Schönheit und vielfach monumentaler Linienführung. Außer der regiemäßigen und technischen Energie, die der Film verrät, sind vornehmlich seine sporttichen Leistungen zu würdigen: die stürmischen Skifahrten und gefährlichen Klettertouren ... vor allem aber die fliegerisch« Eleganz und Routine, mit der der bekannte Sportpilot Ernst Übet unb Claus von Such 0 tzky, ber Führer bes Aufnahmeflugzeugs, in biefer außer« orbentlid) heiklen Hochgebirgsszenerie arbeiten. So wirkt ber Montblanc-Film durchaus als eine fiomi bination von Natur- und Sportfilm, wohingegen die Handlung, an sich unbedeutend und zu gering für einen streifen von solchem Ausmaß, jurütffriit und sich als eine Folge ziemlich locker verbundener Bilder und Szenen darstellt, die stellenweise einer unmittelbaren Spannung nicht entbehren, gelegentlich aber auch eine Nervenprobe für den Beschauer bedeuten; mir denken etwa an die Ausführlichkeit, mit welcher der hoffnungslose Kampf bes mit erfrorenen Hänben gegen bie Wut bes entfesselten Elements sich wehrenden Wetterwarts oorgeführt wird. Ausgezeichnet sind dagegen wieder bie Aufnahmen bes letzten Teiles, welche bas rettenbe Flugzeug im Wirbel eines Berggcwitters verfolgen. (Übet mußte für bie Aufnahmen achtmal bie gefährliche Lanbung auf ben Montblanc-Gletschern riskieren.) Die darstellerischen Möglichkeiten sind — der Handlung entsprechend — gering. Kayßler hat leider fast nichts zu spielen; von den übrigen haben Leni Riefenstahl (schon aus früheren Bergfilmen bekannt) und Sepp R i st noch die besten Chancen. U. W. ist der Film übrigens, ursprünglich stumm, teilweise klanglich nachsynchronisiert worden; ber Sprechtert ist sparsam, untermalend« Musik und realistische Naturlaute bilden überwiegend die tonende Illustrierung. — Der Film läuft zur Zeit im Lichtspielhaus. —r— Zeitschriften. — Die neueste Nummer der „I Hust rir te n Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig), die als Faschingshest erscheint, wird von der Leserschaft freudig begrüßt werden, mit ihren luftigen Faschingsgeschichten, mit ihren lebendigen Aquarellen, Zeichnungen und Pb^tos vom Karnevals- treiben. — Ein reich mit Zeihnungen ausgestatteter Beitrag von R. Dusch., «mildert die Fastnacht in dem kleinen SchwarzwaldstLdtchen Dillingen, wo es gar bunt und ausgelassen zugeht. — Heino Seitler zeigt uns in einem Aussatz „Clowns ohne Romantik" Zirkus- und Variet6komiker von der realistischen Seite, als Geschäftsleute, als Deru*s- menlchen. — lieber all dem aber ist die viel«» betone Lagesgeschichte nM vergessen» der weiten Strecke von Moskau nach dem Don „verloren gegangen". Und fein Hahn kräht nach ihnen Zur Erreichung einer höheren Arbeitsleistung und zur Erhöhung der Arbeitsqualität geht die Sowjetmacht mit Zuckerbrot und mit der Peitsche vor Den ausgemergelten, halb verhungerten Arbeitern wird eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung, eine Förderung des Wohnungsbaues und die baldige Durchführung des Siebenstundentages versprochen, wenn sie sich zur Vergabe ihrer vollen Kraft verpflichten. Zugleich wird aber angedroht, daß solche Arbeiter die ganze Macht des Regimes zu spüren bekommen werden, die das etwa nicht tun sollten. Sie werden „a u s g e s i e d e l t", an „die Front der Waldarbeiter" verschickt, ja, gegen sie wird die Todesstrafe eingeführt Zweierlei läßt die Regierung aber dabei außer Betracht. Es ist kein Zufall, daß im Russischen die Worte „Rabota" (Arbeit) und „Rad" (Sklave) d i e gleiche Wurzel haben. Im ganzen russischen Volk ist der Glaube an das Bibelwort fest verankert, daß Arbeit ein Fluch sei. Und das Wort Ordschonikidses, der den Maurern oorhielt, daß sie nur etwa 500 Ziegel vermauerten, während ihr deutscher Kollege es auf 1400 bringe, kann in der Tat als zuverlässiger Gradmesser für die Leistung des russischen Durchschnittsarbeiters angesehen werden. — Hinzu kommt aber noch, daß die Auffassungen des Arbeiters über die Möglichkeit, größere Leistungen bei der gegenwärtigen Ernährung her- zuaeben, und die der Regierung absolut entgegen geseht find Wer sich mit einer mageren Wassersuppe begnügen muß, wer Wurst und Fett und gutes Brot nur noch vom Hörensagen kennt, bringt weder Lust noch Fähigkeit zu erhöhter Arbeitsleistung aus. Infolgedessen werden auch alle Sowjetpläne über die „Hebung der Qualität der Arbeit", über die Senkung der Eigenkosten durch Herab- setzung der Arbeiterlöhne und über Steigerung der Produktion vorläufig nur fromme Wünsche bleiben. Der Arbeitszwang ist zwar schon allgemein proklamiert worden (obwohl die Prawda mit Erbitterung feststellt, daß es noch überall eine „illegale Arbeitslosigkeit" gebe), und von h-er bis zur Zwangsarbeit tft sogar nur ein kleiner Schritt, eine verwischbare, kaum mehr sichtbare Grenze, die oft vielleicht auch bereits überschritten ist — aber trotz Zuckerbrot und trotz der Drohung mit der Peitsche: der Arbeiter kann nicht und er will nicht Während in Moskau Massenverhaftungen wegen angeblicher Spekulation mit Brennstoffen und wegen unnützen Stromverbrauchs oorgenommen werden, während an der Beleuchtung allerwärts gespart wird, kündigt man einen neuen Riesen- Donezprozeß an. Da zu gleicher Zeit mit» geteilt wird (und zwar hochosfizielll), daß die Verurteilten im Ramsin-Prozeß nach Moskau übergeführt wurden, „um hier wissenschaftlich besser arbeiten zu können", — womit die Hintergründe dieses Prozesses zur Evidenz erwiesen sind — soll also in einem neuen Schauspiel dem russischen Volk vorgeführt werden, wo die eigentlichen Verbrecher zu suchen sind Man gewinnt nur den Eindruck daß die günstigere Prognose, die Stalin angesichts der Sicherstellung der Ketreideversorgiing gestellt wurde, schon heute revidiert werden muß. Spielvereinigung 1900 Gießen. Bei herrlichstem Winterlvetter fanden sich am Sonntagnachmittag aus Dem Sportplatz an der Liebigshöhe viele Zuschauer ein, um einem Spiel beizuwohnen, das in seiner Art der Durchführung originell zu nennen war und der Zeit, der Faschingszeit nämlich, entsprach Die erste Handballmannschaft der Spielvereinigung alias „21. C. älruri" als Negermannschast bunt, aber wenig haltbar ausstaffiert, lieferte der ersten Ligamann- schast einen Kampf, in Dem beide Mannschaften zu ihrem Rechte kamen. Die erste Halbzeit mit einer regulären Spielzeit von 30 Minuten mutzte mit Rücksicht aus die exotischen Gäste als Handballspiel durchgeführt werden, während die zweite Halbzeit dem Fußballspiel gewidmet war. Der Spielverlauf brachte einige Üeber- raschungen. Die Futzballer erwiesen sich als sehr gute Handballspieler und erzwangen ein Halbzeitergebnis von 4:3 für „QL 6. Ururi". Rach dem Wechsel glaubte man allgemein annehmen 3U müssen, datz die Futzballer ihren Gegner mit allem Clan überrennen und dabei mit einem zweistelligen Ergebnis besiegen würden. Dem War aber wiederum nicht so und mit einem Unentschieden von 8:8 trennten sich die beiden Mannschaften. Wenn es auch reichlich schwerfällt, an dieses Ergebnis als an ein reguläres zu glauben, so wurden die Zuschauer doch nicht enttäuscht, denn schöne Einzelleistungen fesselten die Aufmerksamkeit. Einen großen Teil des Interesses beanspruchte auch der Manager der „Afrikaner", der nach der Art eines Conferenciers den Spielverlauf glossierte und durch seine unermüdliche Beweglichkeit und durch seinen Humor die Zuschauer oft genug zum Lachen brachte. Der Schiedsrichter, „ein grotzer, garantiert echt mexikanischer Pferdedieb", waltete sicher seines Amtes. Iugendspiele. ^ie Schüler waren Den Wetzlarer Schülern in Schnelligkeit und Spielaufbau überlegen, und f( mußte sich der Gast 4:0 geschlagen bekennen. Die 1. Jugend kehrte von Lich mit einem 6:1- ©ivg heim und behauptet dadurch die Führung in ihrer Klasse. 'Wenn das Resultat auch durchaus dem Spielverlauf entspricht, so war doch in der ersten Viertelstunde nicht vorauszusehen, wer der Sieger sein würde. Mit wuchtigen Angriffen eröffnete Lich das Treffen und wurde von Den zahlreich erschienenen Zuschauern mächtig an- gefeuert. 1900 konnte sich anfangs mit Dem schlecht beschaf enen Platz nicht befreunden und überstand mit Glück die Drangperiode. Allmählich kam jedoch Svstem in den Spielaufbau und nach dem ersten Tor war der Dann gebrochen. In vorzüglicher Kombination wurde der Gegner zurückgedrängt und innerhalb 15 Minuten stand das Spiel 4:0. Lich versuchte nochmals mit großem Energieeinsatz zum Erfolg zu kommen und konnte bis Halbzeit ein Tor aufholen. Die zweite Spielhälfte gehörie fast ausschließlich den 1900em. Don den sich jetzt bietenden vielen Torchancen wurden aber nur noch zwei aus genutzt, so daß das Spiel 6:1 endete. Der Tabellenstand der AI-3ugenö nach Den Spielen am letzten Sonntag sieht wie folgt aus: Handball im Gau Hessen (O T.) Gew. Verl. Tore Pkte. 1900 Gießen 6 0 21:3 12:0 'VfB Gießen 4 2 7:4 8:4 Lollar 3 2 18:14 6:4 Heuchelheim 2 3 7:2 4 6 Lich 1 5 4:16 2:10 Großen-Buseck 1 5 6:24 2:10 Die Meisterschaft Der A-Klasse im 1. Spielbezirk wurde trotz ersatzgeschwächtem Sturm vom Tv Heuchelheim verdient gewonnen. Die Großen- Lindener haben an Spielstärke ziemlich verloren: das zeigte sich besonders in der notwendigen Verlängerung. Rach regulärer Spielzeit stand der Kampf 3:3. Hatten bis dahin die Großen-Lin- dener das Spiel ziemlich offengehalten, so wurde es in den noch folgenden 20 Minuten anders Heuchelheim drehte mächtig auf und verließ mit einem 6 3°Siege das Spielfeld Von kr DkvWkN Lk'niki'ffMaslen. Links: G u st 1 Müller (Bayrisch-Zell), Der zum Drittenmal Deutscher Skimeister wurde. Rechts: Müller bei seinem Sprung über 53 Meter. Oer Abschluß in Lauscha-Et nstihal. Am Montag wurde als letzte Konkurrenz der deutschen Skimeisterschaften in Lauscha-Emstthal Der 50-Kilometer-Dauerlauf Durchgeführt Don 46 gemelDeten Teilnehmerinnen erschienen nur 26 am Start. Sieger wurDe Der Thüringer E. Marx FrieDrichsroDa, in 4:34,22 StunDen vor O. Wahl, Zella-Mehlis, unD Löffelmann, München. Tie Ergebnisse 1. C. Marx, FrieDrichsroDa, 4:34,22 StunDen, 2. O. Wahl, Zella-Mehlis, 4:38,13 ©tD.; 3. Löffelmann, München, 4:41,08 StunDen: 4. Darchinger, Rosenheim: 5. G. Lehel, Reinerz; 6. W. Sporer, Zella-Mehlis. * Der Sportausschuß des Deutschen Skiverbandes hat nach den Ergebnissen Der Deutschen Skimeisterschaften feine Vertreter für Die am Freitag in Oberhof beginnen Den Internationalen Ski Meisterschaften ausgewählt. Es finD Dies: Gustl Müller, Dayrisch-Zell; M. Wömdle, Partenkirchen; W. Dogener, Traunstein, Ponn, BerchtesgaDen; L. Kratzer, Rottach, Fritz Reiser, Partenkirchen: Erich Recknagel, Oberschönau, O. Wahl, Zella- Mehlis; M Kröckel, Reuhaus, M. Glaß, Klingenthal; und W. Herberger, Johanngeorgenstadt. Großer Erfolg des GießenerEisvereinS bei Den SüdwestDeulschen Eisfchießmeisterschaflen in Frankfurt a. 271. Die Meisterschaften, die anfänglich in Gießen stattfinden sollten, mußten infolge Der hiesigen schlechten Eisverhältnisse nach Frankfurt verlegt werden, wo Der Sportklub Forsthausftraße die Durchführung übernahm. Acht Herren- und zwei Damenmoarschaften kämpften um den Titel eines füDwestdeutschen Eisschießmeisters Erstmalig nahm eine Moarschaft des Gießener Eisvereins, bestehend aus Den Schützen Schoneboh m,D eneL Klärt und Mohr teil. Im Verlauf Der Veranstaltung zeigte es sich. Daß sie ihren Gegnern völlig gewachsen war, sowohl in Taktik wie auch in Der Technik. Von sieben Spielen würben vier gewonnen und Drei gingen nur knapp verloren. Hinter TCV. Kronberg und Sportklub Forsthausstraße belegten die Gießener den 3. P I a h; gewiß ein glänzender Erfolg, wenn man bedenkt, Daß die Gießener zum erstenmal an einem Wettkampf teilnahmen und im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern Den Kampf ohne Vortraining bestritten. Auch im Weitschießen, das 20 Teilnehmer am Start sah, zeigten Die Gießener gutes Können» Mohr unD Klar! belegten hierbei Den 4. bzw. 6. Platz. Ergebnisse: Mannschafts-Cisschießen: 1. TSB, Cronberg 155:84 Punkte, Rote 1.845; 2. Forst- Hausstraße Frankfurt 128 8u Punkte, Rote 1.488$ 3. CD. Gießen 132:100 Punkte, Rote 1320. Cisweitschießen: 1. Wächtenberger-ESh. Cronberg 90,85 Meter; 2. Büttel- Forsth^sstraß» 78,50 Meter. Geräie-Wetturnen im Turngau Lahn-OünSberg. Am Sonntag fand auf Der romantischen Burg gu Staufenberg als Auftakt für 1931 das Gauge- rätemet turnen des Turngaues Lahn-Duns- berg statt Es war von feiten dcs lurnoereins Staufenberg gut vorbereitet und nahm unter Die Leitung des Gauturnwarts Keller (Rodhenn) einen schönen Verlauf. Geturnt wurde ein Sie- .b e n f a m p f, bestehend aus je einer Pflicht, und Kürübung an Reck, Barren, Pferd und einer Pflicht» freiübung. Die Turnerinnen und Die aktiven Turner waren in je zwei Stufen eingeteilt. Dazu kam noch die Jugendturnerstufe. Es traten etwa 90 Turner und Turnerinnen zu friedlichem Wettkampfe an. Man sah altbekannte Gesichter unter den Turnern. Wenn auch Die Beteiligung nicht ganz Den Erwartungen entsprach, so kann man Doch mit Den gezeigten Leistungen zufrieDen fein. Schön waren Die Kürübungen an Barren unD Reck der Oberstufe Der Turnerinnen. Auch die Turneroberstufe zeigte an diesen Geräten schöne und gute Hebungen, am Reck wurden sogar ganz hervorragende Hebungen vor- gcführt. Auch konnte man feststellen. Daß in Der Turnerjugend gute Kräfte schlummern, die unter funDiger Führung unD gewissenhafter Anleitung schöne Früchte zeitigen können. Im Anschluß an Das Wetturnen begrüßte Der Vorsitzende des Tv. Staufenberg die Anwesenden, besonders den Gauvorstand und die Turner. Sein „Gut Heil" galt Der edlen Turnerei. Vor Der Siegerehrung ergriff der Gauvorsitzende Karl Souper! (Wieseck) Das Wort. Er betonte. Daß Das Geräteturnen Die schwerste, aber auch Die schönste Der Leibesübungen sei, und dies darauf hin, Daß gerade in der jetzigen Notzeit nur Leibesübungen die Volkskraft erhalten und stärken können. Zum Der Mann der das Lachen verlernt Hal. Vornan von Gert Gothberg. Copyright bv Martin Feuchtwa-ger Halle (Saale> 3. Fortsetzung. Nachdruck verboten „Jetzt tovr^en Sie es Ihrem Barer erzählen?" Scheu, leise kamen Die Worte von ihren Lippen. „Nein! Er wird nicht erfahren, was ich hier beim Lesen mit offenen Augen für Dummes Zeug geträumt hab'", sagte Graf Kentner fest. Er wußte ja, Daß es Der Tod des Vaters wäre, denn er liebte diese grau! Er ging an ihr vorüber. An Der Tür verbeugte er sich. „Ich Dars mich gleich verabschieden, mein Zug führ: schon sehr früh." „Sie weisen mich zurück? Sie wollen mir nicht helfen?" »Rein! Ich kann Ihnen nicht helfen. Cs handelt sich um meinen Vater." »Er ist ein Rarrl Er hatte schon immer wissen müssen, daß ich ihn nur nahm, weil ich das Zirtusleben satt hatte und daß mein Herz eines Tages erwachen müsse. Jetzt ist es soweit. Ich liebe nur dich." „Sehr verbunden, Doch ich weiß nichts mit Dieser Liebe anzufangen. Ich würde Sie auch nicht lieben, wenn ich Sie an einem anderen ?-rtc „ ciner völlig anderen Position getroffen hätte. „Ahl Das wagen Sie mir zu sagen? Wissen Sie, Daß es genug Männer gibt, Die nut Darauf warten, mir zu Füßen knien zu Dürfen?“ „Möglich! Ich werde bestimmt nie dazu geboren. UnD ich bitte Sie, gütigst bedenken zu wollen, welchen Ramen Sie tragen.“ »Der Rame bedeutet mir nichts mehr, gar nichts. Ich hasse Sie! Ich hasse Sie jetzt' Hüten Sie sich, Daß Sie nicht eines Tages enterbt hafteten. Mein Einfluß auf Ihren Vater ist unbegrenzt." „Das weiß ich längst, Denn sonst wären Sie bestimmt heute nicht Gräfin Kentner! Enterbt? Kaum! Soweit geht selbst Ihr Einfluß nicht. And es kann eines Tages ebenfogut umgebreht sein - ich wäre an Ihrer Stelle nicht übermütig.“ „Wir wollen sehen." Ohne ein weiteres Wort zu reden, ging er aus Dem Zimmer. Die schöne Frau ballte Die Hände. „Das sollst du mir büßen, du! Du schöner, stolzer Mensch du!" - Der Abschied vom Vater war kurz. Dcr junqe Graf sand nie wieder so herzliche Worte für Den alten Herrn, wie er sie ihm früher stets gesagt hatte. UnD Der alte Gras Kentner las in Den dunkelgrauen großen Augen des Sohnes immer wieder den Vorwurf, daß er, der Vater, der vergötterten Mutter eine Nachfolgerin gegeben hatte. „Ich komme, wenn du mich brauchst." Diese Worte wärest ehrlich, und Der Sohn wiederholte sie beim Abschied noch einmal. Auf dem Wege zum Bahnhof ließ Graf Kentner den Wagen halten und ging noch einmal zum Erbbegräbnis hinüber. Dort legte er die weißen, langstieligen, herb duftenden Rosen auf das Grab Der Mutter. Heiß stieg es in ihm auf, brannte es in seinen Augen. „Mutter!, warum gingst du so früh! Du wurdest so notwendig in Kentnerhos gebraucht. Run ist eine Kluft zwischen mir und Dem Vater, die nie mehr zu überbrücken ist. Schlaf gut. Mutterl!" 2lls er festen Schrittes zum Wagen zurückkam, hatte Der alte Janasch ein dick verquollenes Gesicht, dqs er zu verstecken suchte, indem er dieses Gesicht ganz tief auf die Brust herabsenkte. „Ianasch, du hast meine Mutter auch noch nicht vergessen?" „Rein, Herr Gras! Die Frau Gräfin selig lebt in unserem Andenken fort. Sie war eine edle Frau." ,3a, Janasch, das war fiel Doch nun fahre zu, damit wir Den Zug noch rechtzeitig erreichen." And Janasch reDcte auf Die Füchse ein, die vor den Jagdwagen gespannt waren. „Nu lafts ihr aber amal a bisserl fix, ihr, wo ihr do wißt, um was sich's handelt. Ich spül' eich halt yeimerzu eins auf der Mundharmonika." Ruf der Statton stand er dann noch ein Weilchen und blickte Dem Zuge nach. Dabei rollten ihm wieder dicke Tränen über das rote Gesicht. Der Vorsteher klopfte ihm auf die Schulter. „Ra, Janasch, mit Deiner Frau is Doch nix?" „Ra, das nid). Aber es is bei uns halt jetzt gar so viel traurig." „Ja, diese alberne Heirat deines Herrn. Der junge Gras tut mir leid." „Mir auch! Ja, ja, mir doch auch." Janasch kletterte wieder auf den Kutfcherbock. „B'hüat Gott. Herr Vorsteher." „Adjes, alter Janasch." Der alte Janasch spielte Den Füchsen keines vor. aber sie liefen auch so. Vielleicht wußten sie, daß Janasch nicht in Stimmung war. Der Alte aber knurrte: ,DöS Weibsbild, dös elendige, 's bringt halt noch Unglück' 3 ahns doch und die Karten meiner Alten prophezeiens a.“ - Zwei Jahre vergingen Der junge Offizier war nicht nach Hause gerufen worden. Er lebte sein Leben für sich üi Wien im Kreise froher Kameraden und Freunde. Und er war froh, Daß Der Vater ihn nicht rief. Er führte das Leben Des reichen, sorglosen Wiener Offiziers. Die Zinsen seines mütterlichen Erbes gestatteten ihm, zu leben, tote es ihm beliebte, soweit cs sich mit seinem Dienst vereinbarte. Er war der bevorzugte Frauenliebling, und der schöne Kentner durfte auf keiner festlichen Veranstaltung fehlen. Auch im Prater kannten ihn die kleinen Mädel. „Der Kentner iS heut' Da! Ob er tanzen wird?" UnD blaue, braune, schwarze Augen schauten nach ihm, sehnsüchtig, verlangend, ein bißchen traurig Man wußte ja, daß alle Freude nur für einen kurzen Abend war, daß der schöne, große Offizier bestimmt nicht an einem dieser kleinen Mädel hier im Prater hängen bleiben würde. Aber schön war es doch, wenn er da war und Dann womöglich noch mit vielen tanzte. Aber eines Tages hörte dieses Leben auf. Kentner schien irgendwie anderweitig gefesselt. Die Kameraden lächelten. Natürlich, Der KentnerI Wo würde er Denn nicht eine solide Liebesgeschichte bei der Hand haben. Hatte er doch immer! Für kurze Zeit natürlich nur Was würde es Denn schon fein? Eine Dame der Gesellschaft selbstverständlich. Kentner hätte sich ja eher Die Zunge heraus- reißen lassen, als daß er den Namen dieser Dame preisgab. Eine pikante Sache, Die er für sich behielt! Ihm stand ja jede Tür offen, das wußte man bereits. Und doch war es anders, als die Kameraden mutmaßten! Eine große, heilige Liebe brannje in seinem Herzen und löschte jeden Leichtsinn aus. Die Liebe zu Maria von Worthy, der einzigen Tochter des Feldmarschalls. Bei Der Fürstin Cntschüh lernte er sie kennen. Ihr blasses, schönes Gesicht mit Den großen, Dunklen Augen gefiel ihm auf den ersten Blick. Ihre lässigen, fast ein wenig müden Bewegungen fesselten ihn, und als er das letztemal mit ihr sprach, wußte er, daß sie Die Frau war, die mit ihrer Liebe sein ganzes ferneres Leben ausfüllen konnte. UnD von nun an ließ er alles andere beifeite Hegen. Er tobte nicht mehr mit den Kameraden im Prater, er faß Daheim unD dachte an Maria Er malte sich aus. wie es sein würde, wenn sie seine Frau war. mußte lachen, wenn er Daran dachte, Daß alles Doch noch in weite Ferne-gerückt -war Vorerst hatte er sich Maria noch nicht einmal erklärt ünD hoffte doch auf ihre Liebe. Auf dem Basar Der Erzherzogin Marie Sophie .traf es sich, Daß er sich Maria von Worthy widmen Durfte. Dabei fand er endlich den Mut, ihr seine Liebe zu gestehen. Sie lächelte ihr sonderbares Lächeln. Ihr weißes Gesicht blieb trotz dieses Lächelns undurchdringlich. Doch ihre Worte klangen ihm wie Musik. „Lassen Sie mir Zeit, Graf Kentner." Das war keine Zusage, kein Iawort, aber es war doch eine Hoffnung! Er tüßte die schönen, schlanken Hände. „Ich-warte,'Maria! Meine Liebe kann warten." Er wartete geduldig viele Wochen. Darm überkam ihn Zorn. Spielte sie mit ihm? Er wollte Gewißheit haben. Gewaltsam wollte er diese Gewißheit herbeizwingen. Und auf dem Fest im Hause ihrer ®ltern verlor er die Fassung, als er sie in Dem zarten, purpurroten Gewände sah, mit Dem großen Diadem über der weißen, schöngewölbten Stirn. „Ich liebe dich, Maria! Sei nicht grausam! Gib mir das Recht, dich meine Braut zu nennen." Ihre Augen sahen ihn verloren an, wanderten von ihm fort, suchten und fanden. Trafen sich mit denjenigen des Grafen Do- nenbirchner. Nebel wallten vor Graf Kentners Blicken. Graf Bonenbirchner? Der Spieler? Der Frauenjäger? Sein Todfeind? Was war zwischen ihm und Maria von Worthy? Mit einem Triumphlächeln strich Bonenbirchner soeben sein Schnurrbärtchen. B'ickte Dann mit einem hohnvollen Blick zu Kentner herüber. UnD in Kentners Ohren klang es immerzu: „Was besteht denn nur zwischen Maria und Bonenbirchner? Oder bin ich verrückt?" Maria wandte sich ihm zu. Das schmale Gesicht noch durchsichtiger, wächserner. „Ich liebe Sie! Bitte, kommen Sie am Donnerstag zu meinen Ettern." „Dank, Maria, heißen Dank." In hellen Flammen schlug Die Leidenschaft über ihm zusammen. „Maria, ich muß dich küssen! Nur ein einziges Mal, Maria!" Sie nickte wortlos, von seinem Blick bezwungen. Unauffällig lenkte sie ihre Schritte in Den Wintergarten. Kentner folgte ihr. Und Dann hielt er sie in feinen Armen. Küßte Die weichen Lippen, küßte das braune Haar. „Maria! Maria! Wie lange hast Du mich warten lassen? Weißt du, daß Du sehr grausam warst, Maria?" Sie sah ihn an Etwas Rätselhaftes, Unruhiges war in ihrem Blick. UnD leise sagte sie: „Quäle mich nicht, Karl. Ich — es wird sich ändern. Ich habe Dich lieb, nur dich! Glaube es nur doch!" Da riß er sie an sich, küßte sie heiß und leidenschaftlich. (Fortsetzung folgt) Schluß dankte er allen, die sich um die Veronstal- tul.g bemüht haben. Die Siegerverkündigung nahmen dann Gauturnwart Keller und Gaufrauenturnwart K a r b e r (Odenhausen) vor. Ein „Gut Heil" auf die Sieger sckloß die echt turnerisch verlaufene Veranstaltung. Sie war dazu angetan, der Turnsache im ADT. wieder neue Freunde zu werben. Die S i e g e r l i st e folgt. Auck Thunberg bezieht Ga^en. Der Weltmeister im Eisschneelaufen, Claas Thunberg, erhielt von der Zeitung „Tidens Tegn" für Berichterstattung ein Hinorar von 3tOOÄn>- nen. das auf dem Umweg über diese Zeitung von einem veranstaltenden Gislaufverein gezahlt tourte. Dabei steht noch nicht einmal fest, ob Thunberg die Reportage selbst versaßte. Kurze Sportnotizen. Die Deutschen Eisschnellaufmeister- schäften wurden am Montag in Berlin mit den Läufen über 1500 und 10 000 Meter beendet. Der Berliner Meister Barwa war auch hier überlegen und siegte in 2:41,6 bzto. 19:44 jedesmal vor Sanbner, München. Mit 220,926 Punkten wurde Barwa zum ersten Male deutscher Meister vor Sandner (229,473) und dem Berliner Lötsch (236,650). Ein Dofländerkampf Deutschland gegen Dänemark wurde für den Monat Oktober nach Deutschland vereinbart. Die letzte Begegnung endete im Herbst vorigen Jahres in Aarhus unentschieden 6:8. • Beim Berliner Hallensportfest des DBAD. blieben über die kurze und lange Strecke wieder die Spezialisten Körnig und Dr. Pelyer erfolgreich. Körnig gewann die 60 Meter in 6,9 Sek. und der Stettiner ging im 1000-Meter- Lauf in 2: 35 als überlegener Sieger durchs Ziel. Bismarcks Stellung zu Frankreich. Vortragsabend der historischen Fachschaft. Die historische Fachschaft der LIniversität Gießen hatte Professor Dr. W. P l a h h o f f. zu einem Bortrag gewonnen. Der Redner sprach über Bismarcks Stellung zu Franlr ih auf Grund neuer deutscher und französischer Aktenpublika- tionen. Der Bortragende führte ungefähr folgendes aus: Wir sind noch weit davon entfernt, über Bismarcks Stellung zu Frankreich ein abschließendes Urteil geben zu können, da noch ständig neues Material erscheint. Rur eines kann man sagen: Frankreich war der Angelpunkt Dismarckscher Politik. Dies zeigen auch die neuen Quellen: Bismarcks politische Schriften und die französischen Aktenpublikationen über die Borgeschichte des Weltkriegs. Bismarcks Stellung zu Frankreich war von einheitlichen Grundsätzen bestimmt. Er ist weder Freund noch Feind der Franzosen. Er lehnt deshalb auch nicht ein Bündnis mit Frankreich ab, so ein solches ihn nicht in französisches Schlepptau kommen läßt. Schon 1859 macht er seine Regierung auf die Gefahr einer russisch-sranzösischcn Annäherung aufmerksam. Er erhofft von einem Bündnis mit Frankreich mehr als er fürchtet. Der König, Friedrich Wilhelm IV., war dafür nicht zu gewinnen. So wollte Bismarck wenigstens gute Beziehungen zu Frankreich unterhalten sehen, in Hinsicht auf ein eventuelles Bündnis, ohne sich wegen der anderen europäischen Mächte festzulegen. Fürchtet er doch auch die Unbescheiden- heit dieser Freunde in Bezug auf Landerwer- dungen am Rhein. # 1859 muß er auf Druck Oesterreichs hur Frankfurt verlassen. Damals war er bereit, mit Frankreich Oesterreich anzugreifen, uni ein Preußen zu schaffen, das bis an die deutsch-schwere- rische Grenze reichen sollte. 1832 wird ihm Ge°- tegenheit, a's verantwortlicher Staatsmann diese seine Politik weiterzutreiben. Er will auf keinen Fall ein festes Schuh- und Truhbündnis, zeigt vielmehr durch seine Haltung beim Polenaufstand 1863 und im Dänenlrieg 1864, daß ein Zusammengehen Preußens mit Rußland und Oesterreich durchaus nicht ausgeschlossen ist. 1865 versucht er sich der Neutralität Frankreichs für den heraufziehenden Bruderkrieg zu sichern. Er zerstört nicht die Hoffnungen Frankreichs, eventuell deutsches Gebiet (Saargebiet und Landau) zu erwerben, weicht aber dem Drängen Napoleons aus. Dieser schließt im Sommer 1866 einen Geheimvertrag, mit Oesterreich, demzufo'ge dieses im Falle des Sieges Frankreich eine Neuordnung Deutschlands mit weitestgehender Berücksichtigung der französischen Wuns^e verspricht. Der vccu- ßische Waifenerfolg von Königgratz bedeutet die diplomatische Niederlage der französischen Politik. Nun versucht Frankreich sein Ziel mit Preußens Hilfe zu erreichen. Es kommt zu den Bündnisoerhandlungen Herbst 1866 bis Frühjahr 1867 und Frankreich wünscht Preußens Unterstützung für die Annexion von Luxemburg und Belgien. Bismarck glaubt aber nicht ernstlich an ein Zustandekommen. Französisches Drängen macht ihn mißtrauisch. Er bricht^ die Verhandlungen nicht ab, läßt sie aber im Sande verlaufen, schlägt aber nun seinerzeits ein Zusammengehen in der orientalischen Frage vor. Doch Frankreich fordert immer ungestümer Luxemburg. Den Ausbruch eines Krieges vermeidet Bismarck. Auf der Londoner Konferenz 1867 scheitern die Bündnisverhandlungen. Nun erhält die Kriegspartei in Frankreich die Oberhand. Für sie bedeutet ein zerrissenes Deutschland die Garantie für den Frieden. Will Napoleon seine Stellung innerhalb Frankreichs aufrechterhal- ten und stärken, muß er den Krieg vorbereiten. Auch Bismarck rechnet mit dem Krieg, wollte ihn aber vermeiden, da er voraussah, daß ein solcher nur eine Reihe von Kriegen eröffnen würde. In wieweit ist diese Entwicklung beschleunigt worden durch die Annexion Elsah-Lothrinyens? Die Annexion Elsaß-Lothringens war eine militärische Notwendigkeit. Er kann aber auf diese Sicherung nicht verzichten, da auf einen dauernden Frieden mit Frankreich nicht mehr zu rechnen war. Er rechnete mit der französischen Revanche, ohne sie, solange Frankreich ohne Bundesgenossen war, zu fürchten. Aus diesem Gesichtspunkt heraus ist Bismarcks Politik der nächsten Jahre zu verstehen: er will Frankreich in seiner isolierten Lage halten. Trotzdem handelte er sehr taktvoll, vermeidet jeden Konflikt. 1877 tritt eine Entspannung ein. Man arbeitet sogar in der orientalischen Frage zusammen. Als Bismarck 1879 mit Oesterreich ein Bündnis ab schließt, benachrichtigt er Frankreich hier- von. Denkt auch an eine Friedensliga gegen Rußland. Bismarck unterstützt Frankreich in seinen Bemühungen in Nordafrika, ohne sich zu verhehlen, daß alles nur eine „entente particuliere" sein könne, durfte doch über Elsaß Lothringen nicht geredet werden. Das Mißtrauen wächst mit dem Umsturz in Frankreich 1884. Mit diesem Umsturz ist ein Bündnis mit Frankreich ausgeschlossen. Nun rückt die Gefahr eines Zwei-Frontenkrieges in greifbare Nähe. Um diese Gefahr zu bannen, schließt er die Verträge von 1887 und bahnt 1889 Verhandlungen mit England an. Er vermeidet zwar den Krieg für den Augenblick, verhehlt sich aber nicht, daß dies nur für kürzere Zeit möglich ist. Bismarck war sich klar darüber, daß dieser politische Prozeß nur durch eine Zweite 'Auseinandersetzung abgeschlossen werden konnte. Doch wollte er bei dieser Frankreich in ähnlicher Weise schonen wie 1866 Oesterreich. Aus allem kann man entnehmen, daß Bismarcks Politik gegenüber Frankreich defensiv war. Wenn man heute in Frankreich gerne die Parallele zwischen den Frieden von Frankfurt und dem zu Versailles zieht, so kann man es zwar insoweit, als der Sieger den Frieden diktierte. Man vergißt aber hierbei, daß die Grundlagen ganz verschiedene sind. Bismarck griff nie, wie es Frankreich von 1918 an getan hat, in die innerpolitischen Dinge ein. Dann erkennt er Frankreichs Lebens- intereffen an und unterstützt sie. Er verwirft die Prestigepolitik, die Frankreich stets gewollt und geübt hat. Und darin liegt Bismarcks Bedeutung. Er ist der europäische Staatsmann des 19. Jahrhunderts. Oberhessen. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 8. Febr. Die Fürsorge- schwestcr dcs hessischen Landesverbandes für evan- gclische Kinderpflege hielt hier einen eindrucksvollen Bortrag überKinderpflegeund K i n d e r e r z i e h u n g. Sie schilderte d:e Schwierigkeiten allgemeiner Art und forderte die Erziehung der Kinder zum Dienst an den Mitmenschen. Pfarrer Bremmer dankte der Bortragenden. Beuern, 10. Febr. Bei Gastwirt Somme r l a d fand eine gutbesuchte Handwerker- Versammlung statt. Nach Bortrag von Syndikus Röhr (Gießen) über ..Die Notwendigkeit und Bedeutung der Organisation des Handwerks", sowie einem Referat des Geschäftsführers Henn. Kirchner (Gießen) über die Beratungsstelle des Bezirlsverbandes der Gcwerbevereine wurde ein G e w c r b e v e r e i n gegründet dem sofort 21 Mitglieder beitraten. Die Dahl des Vorstandes hatte folgendes Resultat: Friedr. Kar. Nebeling. Malermeister (1. Vorsitzenden. Aug. Ranft, Glasermeister (2. Vorsitzender), Wilh. Fuhr, Steinhauermeister (Schriftführer) und Wilh. Volk, Schuhmachermeister (Rechner). Gleichzeitig wurde beschlossen, dem Dezirlsverband dec Gewerbevereine beizutreten. > Burkhardsfelden, 9. Febr. Im Saale der Gastwirtschaft Hinter fand am Samstagabend eine einfache Jubiläumsfeier des hiesigen Konsuckivereins aus Anlaß seines 40- jährigen Bestehens statt. Don den Gründern ist niemand mehr am Leben. Der Verein zählt gegenwärtig etwa 140 Mitglieder. 'Direktor Schmidt hielt eine kurze Ansprache. Oberrevisor Hartmann aus Gießen hielt einen Vortrag über das Genossenschaftswesen. Der Abend verlief sehr unterhaltend. gck. G r o h e n - D u s e ck, 10. Febr. In der hiesigen Volkshochschule hielt Garteninspektor i. R. Rehnelt «Gießen) einen interessanten Lichtbildervortrag über Italien. Am Mittwochabend folgt ein ärztlicher Bortrag für Frauen. Wirtschaft. Holzversteigerungs - Termine. Mit.wvch, 11. Februar. Versteigerer: Bürgermeisterei Steinbach. Der- steigerungsort: Steinbacher Gemeindewald, Zusammenkunft am Distrikt Seeheck, Waldeingang. 9 Ahr. Versteigerer: Bürgermeisterei Groß-Rechtcn- bach. Versteigerungsort: Gastwirtschaft Seip zu Ebersgöns. 9.30 Uhr. (Cs ge.angt Holz aus den Gemeinden Ebersgöns, Oberkleen und Niederkleen zur Versteigerung.) Versteigerer: Staatliche Oberförsterei Krofdorf. Versteigerungsort: Gastwirtschaft K iniel zu Odenhausen an der Lahn. 10 Uhr. Versteigerer: Sradt Gießen. Dersteigerungsori: Abteilungen des Fcrnewaldes, Försterei Hochwart, Zusammenlunft an der Kreuzung Karl- schneise und Steinbacher Straße. 9.30 Uhr. Oie Wirtschaftslage im Dill-Gebiet. Dillenburg, 9. Febr. In der ersten Januar- Hälfte ist die Zahl der Arbeitslosen im Dillgebict um weitere 600 auf nahezu 9000 gestiegen. Die Zahl der Unterstützten beläuft sich auf rund 7000. Kurzarbeiter werden etwa 1800 unterstützt. In der gc samten Ofen- und Herdindustrie ist die Situation ungünstig. Die meisten Hüttenwerke haben ihre Betriebe sehr stark eingeschränkt. JUnöcrmartt in Gießen. Auf dem heutigen Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt in Gießen standen 988 Stück Großvieh und 193 Stück Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe ober hochtragende Kühe 1. Qualität 525 bis 575 Mark, 2. Qualität 400 bis 450 Mark 3. Qualität 250 bis 350 Mark: Schlachtkühe 100 bis 350 Mark: Rinder bis Xjährig) 125 bis 225 Mark, Rinder VA- bis zweijährig) 150 bis 270 Mark: Rinder (tragend) 300 bis 500 Mark, Kälber 45 bis 55 Pf. je Pfund Lebendgewicht. Ausgesuchte Tiere über Notiz. — Marktverlauf: flott, zuletzt sehr schleppend. » * Die Stillegung der Hütte Ruhrort - M e i d e r i ch. Die Leitung der Hütte Ruhr- ort-Meidcrich hat jetzt allen Arbeitern, Angestellten und Beamten die Kündigung zugehen lassen. Die Stillegung der Hütte ist zum 28. d. M. beantragt. * Absatzvermehrung für einheimische le er öle. Von einem bedeutungsvollen, jetzt bekannt gewordenen Fortschritt im Fahrzeugmotorenbau steht eine beträchtliche Vermehrung des Verbrauchs an Teerölen, wie sie bei der Stcin- kohlendestillation gewonnen werden, zu erwarten. Diese günstigen Aussichten werden der deutschen Kohlenwirtschaft durch den Krupp-Glühring-Motor eröffnet, der mit den billigen einheimischen Rohölen auf gleich hohe Leistung kommt, wie bei der Ver Wendung von Benzin, Benzol oder Gasöl. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 10. Febr. Tendenz: freundlich. An der heutigen Börse hielt sich die freundliche Stimmung der gestrigen Abendbörse, wenn sich auch gegen die hohen Vorbörsenkurse meist kleine Rückgänge ergaben, die aus Kausen der Banken herrührten, um die Aufwärtsbewegung gewissermaßen etwas abzubremsen. Die Grundtendenz hielt sich indessen weiter fest, da die Abstimmungen im Reichstag in der vorigen Nacht und die meist festeren Auslandbörsen an- regten. Gegenüber der gestrigen Abendbörse stellten sich Befestigungen ms 1 Prozent ein. Größere Kursgewinne am Elektromarkt hatten wieder Schlickert, wie Lahmeyer, die 4,5 Prozent, und Felten, die 2.5 Prozent anzogen. 3m übrigen betrugen die Besserungen bis 1 Prozent. Nur Siemens lagen etwas niedriger. Rheinische Elektrizität setzten ebenfalls 1 Prozent höher ein. Schlesische Elektrizität aber minus 1,5 Prozent. Der Montanmarkt zeigte bei lebhaften Llmsätzen Äurdbefferungcn von 1 bis 2 Prozent. Bis 1 Prozent höher lagen noch Deutsche Linoleum. Kali und Kunstseidealtien. Lahmeyer lagen 1,5 Prozent fester. Reichsoahnvo.zugsattien kamen mit plus 0,65 Prozent zur Notiz. Am Markt der Zellstoffaktien zogen Waldhof 1 Prozent an. Niedriger eröffneten Bauunteriiehmungen und Bankaktien, die Rückgänge bis 1 Prozent zu verzeichnen hatten. Nach den ersten Kursen setzte sich eine neue Aufwl.r:sbewegung durch und die Mehrzahl der Kurse kam wieder an das Vorbörsenniveau heran. Am Anleihemarkt lag Altbesitz weiter fest. Von Ausländern waren Türken etwas ge ragt. Am P andbriesmarkt lagen Liguidationspfandbrie^e weiter um eine Nuance höy(r. während im freien Verkauf ReichSschuld- buchsorderungen fester tendierten. 3m weiteren Vcr.aufe ergaben sich auf Gcwinnsicherungen der Kulisse kleine Rückgänge. Die Grundsttmmung blieb aber weiter fest. Besonders ge ragt waren Schuckerl-Akt.en, die etwa 3 Prozent höher notierten. Der ReichsbanlauSweis mit seiner weiteren Entlastung wurde gut ausgenommen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,5 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt lag das Pfund etwas leichter, da die Spekulation realisierte. Man nannte Mark gegen Dollar 4,204750, gegen Pfund 20,4450, London gegen Kabel 4,862250, gegen Paris 123,96, gegen Mailand 92,85, gegen Madrid 46,00, gegen Schweiz 25,17. gegen Holland 12,1075. Berliner Börse. Berlin, 10. Febr. Nachdem eine Reihe aünsti- ger Momente, wie die Haussestimmung der gestrigen Ncuyorker Börse, die Befestigung am Montanmarkt und die Wiedererhöhuna des Kupferkartellpreises auf 10,05 Dollar, die Abstimmungsergebnisse in der heutigen Nachtsitzung für die Regierung Brüning usw. im heutigen Lormittagsverkehr zu recht festen Kursen geführt hatten, brachte der offizielle Beginn der Börse eine kleine Ernüchterung. Die ersten Notierungen lagen aber immer noch etwas über den gestrigen Schlutzkurfen, so daß die Anfangstendenz als freundlich betrachtet werden konnte. Man sprach auch von limitierten Verkaufsausträgen, auf denen schon erheblicher 'Nutzen liegt, es scheint aber so, als ob die Banken selbst an sich Materialabgaben haben, das heißt, nicht alle Order an die gestrigen Märkte gegeben haben, um die Kurse nicht übertrieben hochstellen zu lassen. Wieder waren es besonders Nebenwerte, die von der freundlichen Stimmung beeinflußt wurden. Elektrowerte, Karstadt, Harburger Gummi erschienen mit Plus-Plus-Zeichen, aber auch Feldmühle, Zellstoff Waldhof, Deutsche Ton- und Steinzeug, Neue Reichsbankanteile, Stollberger Zink, Elektrische Lieferungen und Lahmeyer waren um v. H. bis 4 v H. gebessert. Auch Soenska mit plus 5 Mark und Ehade mit plus 3,75 Mark zeichneten sich durch Festigkeit aus. Anleihen freundlich. Altbesitz lag j v. H. höher. Von Ausländern lagen Türken etwas fester. Der Pfandbriefmarkt lag wieder freundlich. Reichsschuldbuchforderungen bei leb haften Umsätzen 1 bis 1 o. H. höher. Auch Industrie- cbligationen wieder fest. Am Geldmarkt erhöhte sich der Satz für Tagesgeld auf 4 bis 6 v. H. Die übri gen Sätze waren unverändert. Nach den ersten Kursen roiirbe es allgemein etwas leichter. Später ging aber von der Veröffentlichung des Reichsbant ausweises für die erste Februarwoche, der mit seiner Entlastung um 310 Millionen und seiner Befestigung der Deckungen um 3,7 resp. 3,9 v. H. als ganz gut angesprochen wurde, eine neue Anregung aus. Auch traten neue Auslandsdeckungskäufe ein, die die etwas oerfirte Börse zu weiteren Rückkäufen zwan gen. Das Geschäft wurde wieder lebhaft und Papiere wie Schultheis, Aku, Bernberg, Kali, Afchers leben, Salzdetfurth und Julius Berger zogen gegen den Anfang bis 5 v. H. an. Nennenswert ist noch die von Anfang an feste Haltung der Reichsbahn Vorzugsaktien. Banknoten. %rantnin a. Dl. 1-uyr- lur£lflur' fur< | N rt (5 dUufj'I Anfang» für/ | flurd 10.2. Datum 9.2. 92. 1 10.2. 10.2. Datum 9.2. 65,5 65 67 65.5 100.5 139,5 139,75 124,5 111,25 69,5 45,75 75,25 25 ! 2,8 105 3,55 3,25 9,4 7,5 Berlin — Frankfurt 49,5 69.5 1,35 3,65 10 10 10 10 12 24,25 108,25 139 68,5 19,9 17 L C b 58.5 33 137 79.5 83.5 11,5 30.5 111.5 143.5 3,3 3,3 64,75 60 34,5 78.5 59 32.25 136 143,75 208,75 39,5 48,75 69 59.25 34 itierctnifltr etablroertc . CtriDl Mine»..... flalircerte Slldier-'.ebtn . ftaltroerte toeltercflel» . Kaliwerke SatzdeUurth . 24.75 2.7 14,6 7.4 3.5 3,55 144 — 210,5 ' 211,25 I. G. Karben-Industrie. Snnamit ‘Jlobd . • • • EcheibcanitaU. • ■ • • c>loldlkbmtdt . • . • • Rütgerlwerkc..... Metallgelellichast. , . . Xeutldjc Bank unö Tizconto-Geldllschask, . Dresdner Bant .... ■HetdisbaiU...... Berlin Swluß-.Anla g- kur- I Kur« 10H5 | 123 111.5 . 144 ; 110,75 111,25 | 14,4 7,5 40 48,5 69,5 140,5 68.65 59.75 33.5 135.5 145.25 210.5 Ä.S.G. • Bergmann........ hielte. LieierungrgeleUIchast. unö fltafl...... gellen & Guilleaume . . . Gelelllüiatl für Elektrische Unternehmungen .... Hamburger Etektrtzttäls-Lerke Ubeiniidie Etektrtziml . . . £.». 4.191 58,45 '112,18 20.40 16.465 168.46 21.985 112.10 58.93 2.475 112.33 81.06 42.34 12,39 73,15 »crlin. 9-Februar________ Ämerlkonllchr Noten ..... Belache Noten ...... Laniiche Noten Englische Noten . Hranzünlche Noten . Holla,idilche Noten....... MalienOche Noten Norwegische Noten Deullch-cesterreich, 4 100 Schilling (Mumänlidif Noten....... Schweviiche Noten ...... Schweizer Noten..... . . Spanllche Noten..... T'chechollowotiiche Roten Ungarilche Noten .... 25ricf 4.211 58.69 112.62 20.48 16,525 169.14 22.065 112.54 59.17 2,495 112,77 81.38 42.50 12.45 73,45 a.7N. vampum-eimertla «alci . . • • Hamburg-Lübaw. DampsschM - « Hania Damosschili.....1° Norddeutscher Lloyd 9 Allgemeine DrutschcCreditanst. Barmer Bankverein .... Berliner Hanvel-gclellichait . Comm»rz- und Privat-Bank . Darmsiädtrr und Nattonalbauk Die hinter den Papieren .vranuun a. Berlin Schluß-1 lurd | t-Uhr- Kurs Schluß-i kur« | Anfang» Kurs Datum 9.2. 10.2. | 9.2. 1 1 10.2. 6% Deutsche RcichSailleihe 85 1 — -1 —e 7% Deutsche Retch?anleihe 98,75 ! 99 von 1929 ........ • — — Deutsche Anl.-Mlö!.-2ch»w mit Auslos.-Rechleii ...... 53,25 53,9 53,4 53,75 DeSgl. ohne Aurlos.-Rechte . . 5,2 5,75 5,25 5,4 6% Hess. BoUiklant von 1929 89 89 . 102%) - - - - - Cbfrbrifcu Provinz ' Anleihe ml' Aueioi^Nechten . . . • • ■ 48,75 — Deuisllre Komm. GammelauL 51,25 Anleihe Serie 1 - - 8% Franks. Hnp.-Bank Soldpse 51 — — 100,5 XIII untünDbar bU 1934 . . • 7% Franks. Hvv.-Bank Soldpse — 92,8 unfunotar bi» 1932 — 4>A% Rdeiniiche Hvp.-Dank 87,13 Slqu. tiolPDfc........ •— — —— 8% Pr. Lanverpsan>brieianltalt 100,5 100,5 ^landbricse R.' 9 — 8% Pr äanoevr an bricfanftalt 81. 20..... 97 — 97 —— 7% Pr 2anb«> an obriefanflall Psanbbrlesc 81 81 ... 97 — 97 — e.QJ abg. Aor.r..gS.Obltgatio- nen. riuUahlbar 1932 ... 97,5 — •— 79,5 1 80 80,25 g.Iebruar 10 Zebniar Amtliche Notierung Amtliche Tlollcrung — , — o»elo Lriei Geld Zrlet 45,51 44,5 — AmIt.-AoN- 168,78 169.12 168,70 169,04 165,5 167 Bu n -Aire6 1.283 1,287 1,283 1.287 Brn.-Antw 58.64 ' 58.76 58.615 58.735 — 142,5 — (ibriftiania ■ 112,44 112.66 112,43 112.65 66 65.9 Kopendagm 112,47 112,69 112,43 112.65 — 60 59.75 Stockuolni • 112.56 112.78 112.54 112,76 —— 96.75 99 HelsinoforL. 10,574 10.594 10.573 10.593 —— 77,9 76,25 Italien. . 22,005 22,045 21.99 22,03 —— 89,5 — London. - . 20.433 20,473 20.426 20,466 — 116.4 116 'jkunott .. 4.2015 4,2095 4.201 4,209 24 24 24.25 Paris. ■ • . 16,475 16.515 16,474 16,514 —— 108 109 Schwei; .. Sva ien - - 81,17 81,33 »1,145 dl,305 —— 32,65 33,13 41.41 41.49 42.56 42.64 — 47,5 47,75 yavmr . .. Pio de Ian. 2,080 0,365 2,084 0.367 2,080 0,366 2,084 0,368 — 107.5 106 Wien in D-- 59,00 59,12 —— 249 254 Ceft. abgeft 59,03 59,18 12 __ Prag . . Bciirad . 12,432 7,410 12,453 7,424 12,431 7,406 12,451 7,420 _ 32,5 — Puoav-'st - 73.33 73,47 73.31 73,45 — reu, arten 3.044 3.050 3,044 3,050 33,5 33,25 Lissabon 18,83 18.87 18,86 18,90 Tanüg - - 81,66 81.82 81,65 81 #81 70 _ - Sonft nttn. 1,784 1.789 1,784 1,789 62,5 ! - 8tLen. 5,442 5,452 5,444 5,454 | Lanaoa 4.201 4.209 4.199 4,207 _ i — | Uru uay 2,837 2,843 2,827 2,833 120 1 - 6afro . . 20,945 I 20,985 20,94 20,98 . 8 ]O 10 '«'A Y> 10 10 11 16 . 8 10 *. 6 . 8 . O oy: 10 . 7 . 7 . 7 . 7 . 5 . 7 6K 10 7,2 102,25 118 ' 82 115 122 181 121,5 50 68,13 79 80 59,75 68,25 56 164 72 •102,5 118,5 84 115 111 122.5 180 126 50,5 67,25 81,25 69,13 57 74 101.5 : 116 ! 118.25 ; 118.4 82,5 115 109.5 109.75 113 121,75 179 124.5 48,25 67 78,5 79 65.25 170.5 60 71 68,65 31 39,25 75,13 56.25 164 72.4 83 102.5 117.5 121 113,5 84,75 115 110,25 113,5 123.25 180,4 125 48.9 67,75 795 80 66,13 60.5 72 69,75 32,75 39 76.75 Z! PhlliVV Hohmann ...... 1 Zementwerk Heidelberg . . 10 Gementroed Karlstadt. ... 10 SBanü & Freytag......8 GditUibeU Payenhoser ... 15 ................12 ..............19 Bernberg . .......J4 Zellkioss Waidboi .... 137, Zellslolt Aschaskenbnrg . . . 12 Charlottenburger Salier ...» Dellauer (Maü . ......9 Daimler Motoren......9 Teuttche Linoleum...... l'laidiincnbau *2L>®. ..... O L renkt ein & floppel.....8 Leonhard Tieg ...... 10 Lvenska........... frankfurter Malchin en .... 4 «riyner ....... 6 Heoligeniloedt .......O flunflfcan«. . ...... .6 Lechwerke..........8 Mainlraftwerle Hüchü a. M.. . 8 «tag .........10 Gebe. Roeder.......10 «otgt & Haestirer......8 Süddeutsche Zucker • . • • io Oberheffen. Stadtvorstand in Alsfeld. 0^ Alsfeld. 5. Febr. 3n der jüngften Stadtvorstandssitzung kam die Rechnung der Stadt-. Hospital- und Armenkasse vom Rechnungsiahr 1929 Aur Vorlage Die De t r i e b s r e ch n u n g weist in 686215 in Ausgabe 594 40? Mark auf und ergibt mithin einen Rechnungsrest von 91 807 Mark, der ungefähr dem voriahrlgen Rest entspricht. Sn der Vermögensrechnung betragen die Einnahmen 269 230 Mark, die Aus- aaän 268 236 Mark, es verbleibt mithin em Rest von 993 Mark: hierbei ^ndelt es sich um Ausgaben auf Grund von Kapitalaufnahmem die sich ausgleichen Der Hospital, und Armenfonds weist m Einnahme 21 773 Marr, in Ausgabe 21 371 Mark auf, ergibt eineir Rech- nungsrest von 402 Mark. Es handelt sich hierbei xum großen des städtischen Schlachthofes ergibt m L? Einnahme 34 838 Wark^ in dar 26 324 Mark, so daß em Rechnungsrest von 8513 Mark verbleibt, der zu Abschreibungen verwend^ werden muh. Der Vorsitzende bezeichnete daS Gesamtergebnis der Rechnung vom Rechnungs jahr 1929 noch als günstig, derAbMuh ^s Rechnungsjahres 1930 werde ich infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse wesentlich ungünstiger gestalteii. D.e ^chnun^die von der Finanzkommission vorgepntft worden ist twrrde mit den Kreditverzeichinssen nach kurzer Aus spräche genehmigt. •.iqaaiHHaMp Die Errichtung einer 1 3 Schulklasse an der Volksschule, die ftioix trn Sabre 1929 vom Schulvorstand beantragt, jedoch wegen der Abbaumastnahmen der Regierung nicht^ genehmigt worden war., stand evneut zur Erorte rung. Da die gegenwärtige Schulerzcchl von 554 zu Beginn des neuen Schuliahres auf 619 steigt ergibt sich die Rotwendigkeit der Errichtung einer weiteren Klasse. Dem Antrag des Schn - Vorstandes wurde zugestimmt und derfür die sachlichen Ausgaben erforderliche betrag von 320 Mark für die neue Stelle zur Aufnahme m den nächstjährigen Voranschlag bewilligt. Zu der vom De rkehrsbundOb er Hessen beabsichtigten H e r a u s g a b e e i n e r R e l i e f- karte von Oberhessen, die em recht wirk sames Fremdenverkehrswerbemittel werden soll, erstattete der Vorsitzende Bericht, insbesondere auch über die geplante Finanzierung des Anter- nehmens, die mit H"se d^ Staates der Provinz Oberhessen, der oberhessischen Städte und sonstiger interessierter Körperschaften erfolgen soll. Der Stadtvorstand hält die Herausgabe der Karte für erwünscht und bewilligte b^erzu den vorgeschlagenen einmaligen Betrag von 100 Mark. Verschiedene kleinere Vorlagen wurden, entsprechend Len Beschlüssen der einzelnen Kommissionen, erledigt. „ ... . Unter Mitteilungen gab der Vorsitzende eine Eingabe der Erwerbslosen und Ausgesteuerten bekannt, in der diese die Einrichtung einer Rothilfe für al leb e du r f- tiqen Personen nach dem Vorbild anderer Städte empfehlen. Der Vorsitzende wies darauf hin daß bereits eine evangelische Gemeindehilfe bestehe, die denselben Zweck verfolge. Die Eingabe wurde an die Finanzkommission verwiesen. Kreis Schotten. Sch 0 tten, 8. Febr. Die niedrigen Schweinepreise veranlassen viele Nichtselbstversorger, wieder Hausschlachtungen vorzunchmen, was tn den letzten Jahren nur noch vereinzelt vorkam. Die starke Zunahme der Zuchtschweine macht sich in einem Oie Hilfe gegen Gicht 1 und Rheumatismus. T Sie wissen kein sicheres Mittel gegen diese Plage- geister? Einreibungen. Packungen. Bäder. Salben ' iisw. lindern meistens nur für einige Zeit die Schmerzen, aber sie packen nicht immer das liebel an der Wurzel. 4.2tiV Ich empfehle Ihnen ein wirklich erprobtes Mittel, und Sie sollen es selbst versuchen, ohne daß es Sie etwas kostet; aber ehe ich Ihnen mehr sage, lesen Sie die folgenden Briefe: "Teile Ihnen mit Freuden mit, daß ich von Lleberangebotan Ferkeln bemerkbar, deren Absatz um so schwieriger ist, als die niedrigen Preise für Mastschweine dem Landwirt keinen Anreiz bieten, Schweine zum Mästen einzulegen. )—( Ruppertsburg, 6. Febr. Der Gesangverein Sängerbund hielt im Schlörbschen Saal seinen diesjährigen Volksbildungs. und Unterhaltungsabend ab. Der Dirigent begrüßte die zahl- reichen Besucher und widmete dem Borsitzenden Jak. Bo cki e r, dem Rechner Wilhelm Lehr II. und dem Mitglied Heinrich Müller für 25jährige Mitarbeit und Mitgliedschaft Worte des Dankes. Der Verein ernannte den Vorstand und den Rechner zu Ehrenmitgliedern und ließ ihnen ein Geschenk überreichen: Mitglied Müller erhielt für seine 25jährige Zu- gehörigkeit ein Diplom und die Ehrennadel. Der Abend brachte in seinem weiteren Verlaufe die Aufführungen eines Singspiels und eines Volksschauspiels, die beide verdienten Beifall fanden. Einige Chordarbietungen umrahmten die Veranstaltung. )—( Ruppertsburg, 9. Febr. Der hiesige Kriegerverein hielt Samstagabend unter der Leitung seines Vorsitzenden Lein bei Gastwirt Decker seine 5 6. Generalversammlung ab. Rach kurzer Degrüßung gedachte man der im letzten Dereinsjahr verstorbenen Kameraden Lind und E i f f e r t. Das Hassia-Ehren- zeichen wurde für 40jährige Mitgliedschaft dem Kameraden Wilh. P a r r III., für 25jährige Mitgliedschaft den Kameraden W. A l l e s, 3. D i e tz und Wilh. P a rr V. überreicht. Der Verein veranstaltete im abgelaufenen 3ahre zwei Vortragsabende. 83 aktive, 6 passive und 2 Ehrenmitglieder gehören dem Verein an. Die Rechnungsablage, die der Vereinsrechner W. Lehr II. erstattete, ergab einen Kassenbestand von 131,91 Mk. und ein Barvermögen von 226.67 Mk. Der Verein wird sich an dem Dezirksschießen des Hassia- bezirks Laubach in Laubach beteiligen. -1- Ober-Schmitten, 9. Febr. Von dem Jäger Rud. Hofmann, einem der Pächter der hiesigen Sagt), wurde ein männlicher Fuchs geschossen, der ein Halsband trug. Das Band wies nur einen Durchmesser von etwa 6 Zentimeter auf und war buchstäblich in den Hals des schätzungsweise drei bis vier 3ahre alten Tieres hineingewachsen. Es ist erstaunlich, wie der Fuchs trotz der stetigen Einschnürung leben und sich gut entwickeln konnte. Er muß als junges Tier in Gefangenschaft geraten sein und an der Kette gelegen haben, bis es ihm gelang, die Freiheit zu gewinnen. h- Eichelsdorf, 3. Febr. Die Holzver- st eigerungen der hiesigen Obersorsterei verliefen ziemlich einheitlich. Die Drennho'zmengen waren knapp, die Zahl der Steigerer war groß. Buchenscheit 1. Klasse kam aus 11 bis 13 Mk. Die übrigen Ho^zsorten lagen entsprechend niedriger. — Der Vorstand des Riddatal-Sän- gerbundes beschloß in seiner hier abgehaltenen Sitzung, die Vertreterversammlung am 15. d. M. in Unter-Schmitten abzuhalten. Da sich der Bund an dem Gauwertungssingen in Büdingen beteiligt, soll der Pflichtchor bei der Tagung behandelt werden. Kreis Alsfeld. -er. Homberg, 10. Febr. Bei der Holzver- steigerung der Försterei Homberg wurden Preise erzielt, die in ihrer Höhe den Preisen des Vorjahres entsprachen. Für 4 Raummeter Buchenscheiter erster Klasse wurden durchschnittlich 36 Mk., für Duchenknüppel 26 Mk. bezahlt. sc- Stockhausen b. Mücke, 10. Febr. Heute, Dienstag, vollendet der Auszügler und frühere Polizeidiener Heinrich Konrad Rück sein 9 0. L e- b e n s j a h r. Seine Ehefrau Dorothea, gebotene Rausch, lebt ebenfalls noch und ist 81 Sabre alt. Stockhausen b. Mücke, 9. Febr. Das diesjährige Gausängerfest oes Ohm-Lumdatal- Sänger-GaueS wurve dem hiesigen Gesangverein übertragen. Die Vorarbeiten sind im Gange. -er Gontershausen, 10. Febr. Der unter der Leitung der Herren Graf Bredow, Altenburg: Dr. Bühl, Homberg: Adolf Heß, Bühfeld, und A. Decker, Rieder-Gemünden, durchgeführte Fahrkurs für die hiesige Reitabteilung fand seinen Abschluß durch eine Fahrprüfung, der sich jeder Teilnehmer unterziehen mußte. Die Prüflinge erhielten das Achenbachsche Fahr- abzeichen und das dazugehörige Diplom für bestandene Prüfung. Preußen. Kreis Wetzlar: WER. Wetzlar, 9. F:br. Sn Wetzlar droht ein Schul st reik. Sn einem ehemaligen Franziskanerkloster ist eine städtische Volksschule mit ungefähr 700 Kindern untergebracht. Das uralte Gebäude, das aus den ersten Anfängen der Stadt stammt, weist jetzt derartige bauliche Schäden auf, daß die Elternschaft sich nach langen vergeblichen Eingaben zu einem geharnischten Protest aufgerafft hat. Es wurde fest- gestellt, daß das Dach und die Dielen vollkommen vom Wurm zerfressen sind, so daß jeden Tag eine Katastrophe eintreten kann. Sn einer Elternversammlung wurde der Regierung ein Ultimatum gesetzt, sich bis zum 14. Februar zu äußern, wie sie die Gefahr für die Kinder ab- zuwenden gedenke. Sollte bis zu dem genannten Tage um 12 Ähr eine befriedigende Antwort nicht eingegangen sein, dann würden die Eltern in den Schulstreik eintreten und die Kinder vom Schulbesuch abhalten. Die Forderung der Elternschaft geht dahin, die Räume des ehemaligen staatlichen Gymnasiums, die seit der Zusammenlegung des Gymnasiums mit der Aufbauschule leerstehen, für Zwecke der gefährdeten Schule zur Verfügung gestellt zu erhalten. <3 Krofdorf, 8.Febr. In diesem Winter sind dem Amt Atzbacy-Launsbach drei Kursusver- anftaltungen der Wanderhaushal- tu ngss chu le des Kreises zugewiesen worden. Der erste Kursus in Atzbach wurde bereits mit gutem Erfolg abgeschlossen, der zweite läuft zur Zeit in Krofdorf mit 24 Teilnehmerinnen und wird demnächst durch die Prüfung und durch die Schluhfeier beendet. Der dritte Kursus findet m Wißmar statt, beginnt am Montag, 16. Februar, und dauert acht Wochen. Der Unterricht wird unentgeltlich erteilt. Z A tz d a ch , 4. Febr. Die hiesige Gemeindevertretung hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, die von dem Bürgermeister ausgestellten Bedingungen zur öffentlichen meistbietenden Verpachtung der Ge m e i n d e j a g d auf die Dauer von neun Jahren zu genehmigen. — Der Turnverein wurde mit einem Gesuch um die Zuweisung eines Sportplatzes an das Kulturamt verwiesen. — Die Einführung der Sier ft euer wurde abgelehnt. Kirche und Schule. Oie evangelische Landeskirche im Jahre 1929. WSN. Das neueste Verordnungsblatt der evangelischen Landeskirche in Hessen enthält die Ergebnisse der kirchlichen Statistik für das Jahr 1929. Der Zusammenstellung entnehmen wir folgendes: Von den hessischen Städten hat Worms den größten Kirchenbesuch aufzuweisen. 13,16 Prozent der erwachsenen Evangelischen besuchten dort Sonntags den Gottesdienst. Es folgen Mainz mit 8,74 Prozent, Darmstadt mit 8,33 Prozent, Gießen mit 8,11 und Offenbach mit 5,56 Prozent. Der Abendmahlsbesuch ist in Mainz am größten. Jährlich gehen dort 44,41 Prozent zum Abendmahl. Aufs ganze Land errechnet sich der sonntägliche Gottesdienstbesuch auf 16 Prozent. Er weist die erhebliche Zahl von 101000 Erwachsenen und 40 000 Kindern auf, die sonntäglich in Hessen evangelische Gottesdienste besuchten. Die jährliche Abendmahlsziffer beträgt 49,64 Prozent aller Evangelischen im Lande. Die Zahlen dürfen als recht günstig angesehen werden. Nicht ganz so günstig sind die Zahlen für die Taufen. Von 16 782 geborenen evangelischen Kindern wurden 15 338 ifti laufenden Jahre getauft. In 75 Fällen wurde die Tauf« verweigert. Von 7057 Eheschließungen, bei denen beide Teile evangelisch waren, wurden 93,3 Prozent kirchlich getraut, während 6,7 Prozent nur bürgerliche Ehen schlossen. Auch hier ist die Zahl der nicht kirchlich Getrauten Paare weit geringer, als angenommen wurde. Ende des Jahres 1929 standen von der evangelischen Landeskirche getrennt 2085 Neuapostolische, 1462 Methodisten, Baptisten, Dar- bysten und "Adventisten, sowie 993 andere evangelische Christen. Uebergctrcten zur Landeskirche sind 493 Personen, davon 320 römisch-katholische, 33 von den Sekten, 128 Rücktritte, 12 Juden ^Ausgetreten aus der Kirche sind im ganzen 1975 Personen, davon 28 zur römisch-katholischen, 164 zu den Sekten und 1783 zur Religionslosigkeit. Aus den Mischehen sind folgende Zahlen zu nennen: Von 3079 geborenen Kindern aus Mischehen wurden 61,2 Prozent evangelisch getauft, von 2065 Eheschließungen zwischen Evangelischen und Römisch-Katholischen wurden 45,45? Prozent evangelisch getraut. Von 236 Fällen der Eheschließung zwischen Evangelischen und andern als Römisch-Katholischen wurden 22,88 Prozent evangelisch getraut. Don den Konfirmierten waren 1367 aus Mischehen. Die evangelisch-christlichs Liebestätigkeit hat an freiwilligen Gaben und Leistungen die erhebliche Summe-von 1 623 336 Mk. ergeben. Davon war der größte Teil, nämlich 752 791 Mark, für Krankenpflege und mildtätig« Anstalten und Vereine. 166 996 Mark wurden für Ortsarme verwendet und 603 989 Mark für sonstig» Zwecke des Gemeindelebens und Gottesdienstes. 70. Geburtstag des Führers des Hessischen Verkehrsverbandes. Darmstadt, 9. Febr. (WSN.) Heute, Dienstag, 10. Februar, kann der langjährige verdienstvolle Vorsitzende des Hessischen Verkehrsverbandes, Kaufmann Theodor Stemmer in Darmstadt, in geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag begehen. Auf Stemmers Anregung wurde im Jahre 1904 der Hessische Verkehrsoerband gegründet, an besten Spitze der Jubilar bis auf den heutigen Tag rastlos als Vorsitzender wirkte. Um die Hebung des Fremdenverkehrs in Hessen und damit um die" Hebung der Wirtschaftskraft Hessens hat Stemmer sich unvergängliche Verdienste erworben. Taten für Mittwoch, 11. Februar. Sonnenaufgang 7.23 Ahr. Sonnenuntergang 17.07 Ahr. — Mondaufgang 3.38 Ahr. Mond- untergang 10.46 Ahr. 1650: ber Philosoph Rene Descartes in Stockholm gestorben: — 1813: der Dichter Otto Ludwig in Eisfeld geboren: — 1905: der Dichter Otto Erich Hartleben gestorben: — 1919: Friedrich Ebert wird Präsident des Deutschen Reiches. ben Erfolg Ihrer Gichtosint-Tabletten direkt überrascht bin. 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